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fragezeit hannes jaenicke - Sandra Paule PR-Management

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FRAGEZEIT HANNES JAENICKE<br />

110 Chro nos 3-2008<br />

Zeitreisender: Hannes Jaenicke<br />

pendelt zwischen Deutschland<br />

und den USA, seinen Worldtimer<br />

trägt er immer am Handgelenk


„Das ist dein Leben,<br />

das gerade vorbeitickt“<br />

Der Schauspieler Hannes Jaenicke ist ein Reisender. Sein Herz verlor er an drei Kontinente: Amerika, Europa,<br />

Australien. Eine zweite Zeitzone am Handgelenk ist für ihn mehr als eine dekorative Komplikation. Demnächst<br />

wird seine Weltzeituhr wieder gefordert, wenn er für das ZDF in die Regenwälder Borneos geht, um dort über<br />

das Verschwinden der Orang-Utans zu berichten. Im Großstadtdschungel Berlin nahm sich Hannes Jaenicke<br />

Zeit für ein Gespräch über Timing, Wassersport und den Dalai Lama.<br />

■ Fragen: Elmar Schalk & Nina Bauer ■ Bilder: Nina Bauer<br />

Sie pendeln zwischen Köln und Los<br />

Angeles?<br />

Mein Hauptwohnsitz ist und bleibt<br />

L.A. Meine bessere Hälfte, Tina Bordihn,<br />

dreht eine Serie in München, mit<br />

acht Monaten Drehzeit pro Jahr. Insofern<br />

haben wir uns vorübergehend in<br />

München was genommen. Die Kölner<br />

Wohnung ist untervermietet – wir sind<br />

halt Tingeltangel!<br />

Welche Uhr tragen Sie momentan?<br />

Einen Worldtimer von Jaeger-LeCoultre,<br />

die Master Compressor Geographic.<br />

Hier unten kann ich jede Zeitzone<br />

einstellen und auf dem kleinen<br />

Zifferblatt ablesen, wie spät es ist.<br />

„AM“ und „PM“ stehen für Vormittag<br />

und Nachmittag. Da ich in Australien<br />

drei Patenkinder und viele Freunde<br />

habe und selbst heute immer noch vergesse,<br />

wie man die Zeit umrechnet, ist<br />

das für mich ganz praktisch. Zu<br />

Weihnachten hatte ich mal angerufen,<br />

da kam mein ältester Patensohn so was<br />

von schlecht gelaunt ans Telefon ...<br />

Seitdem schaue ich vorher immer auf<br />

die Uhr, ob es passt.<br />

Wie entstand Ihre Beziehung zu<br />

Uhren?<br />

Eine Zeitlang bin ich unglaublich viel<br />

gereist. Und meine damals Angebetete<br />

lebte in Perth, an der Westküste von<br />

Australien. Im Prinzip bin ich einmal<br />

im Monat um die Welt geflogen, um sie<br />

zu besuchen. Da bekommt man ein<br />

spezielles Verhältnis zu Uhren, wenn<br />

die Zeitzonen so oft wechseln.<br />

Tragen Sie in den USA andere Uhren<br />

als in Deutschland?<br />

Ja, weil ich dort viel segle und an meinen<br />

Motorrädern rumschraube. Alles,<br />

was teurer und edler ist, ziehe ich da<br />

nicht an. Beim Surfen habe ich schon<br />

zwei meiner Taucheruhren verloren,<br />

weil die Armbänder dann doch mal<br />

reißen. Für den Sport müssen die Uhren<br />

Salzwasser vertragen und absolut<br />

robust sein. Deswegen besitze ich auch<br />

die Cascadeur von Certina, eine<br />

Quarzuhr. Mit der habe ich mal beim<br />

Drehen in Afrika Nägel in die Wand<br />

geschlagen – hinterher hatte sie nicht<br />

mal einen Kratzer.<br />

Kaufen Sie sich heute noch Quarzuhren?<br />

Nein. Entweder Handaufzug oder<br />

Automatik. Batterien sollten schon aus<br />

rein ökologischen Gründen verboten<br />

werden! Allerdings besitze ich noch<br />

eine alte Weltzeituhr von Hamilton –<br />

die liebe ich einfach. Ich habe sie mir<br />

vor 25 Jahren gekauft, eine der schönsten<br />

Uhren, die je gemacht wurden. Mit<br />

den Original-Uhren wurde die gesamte<br />

Invasion der Normandie koordiniert<br />

– eine ganz spannende Uhr!<br />

Wie muss eine Uhr für Sie sein?<br />

Schlicht und funktional. Und sie muss<br />

was aushalten. Schon allein wegen<br />

meiner ganzen Fernseh-Dokus: Wenn<br />

ich auf dem Yukon paddle, kann ich<br />

keine empfindliche Uhr gebrauchen!<br />

Insofern ist Robustheit für mich eines<br />

der Hauptargumente. Außerdem<br />

muss sie ein klassisches Design haben<br />

und gut lesbar sein. Beim „Tatort“ trug<br />

ich mal eine Einzeigeruhr von Meistersinger.<br />

Nach sechs Wochen Drehen<br />

hatte ich noch nicht raus, wie ich die<br />

Uhrzeit ablesen soll! Völlig doof sind<br />

auch digitale Anzeigen. Ich möchte<br />

fette Zeiger, die nachts schön leuchten,<br />

wenn ich mal im Jetlag bin und wissen<br />

Die Master Compressor Geographic von<br />

Jaeger-LeCoultre ist Jaenickes Reiseuhr: Bei<br />

der 7-Uhr-Position lässt sich schnell ablesen,<br />

wie spät es in der gewählten Zeitzone ist<br />

Chro nos 3-2008 111


FRAGEZEIT HANNES JAENICKE<br />

will, wie lange ich schon wieder wach<br />

liege. Und ich trage grundsätzlich<br />

keine Lederbänder, nur Metall.<br />

Warum keine Lederarmbänder?<br />

Eine Zeitlang wurden Armbänder aus<br />

Haihaut gemacht. Ein Skandal! Es<br />

wird momentan kein Tier so schnell<br />

ausgerottet wie der Hai. Seit dem<br />

Spielbergfilm („Der weiße Hai“, Red.)<br />

gilt der Hai als Monster. Völliger Humbug!<br />

Es ist nachgewiesen, dass Menschen<br />

von Haien nicht angegriffen<br />

werden; die mögen uns ja noch nicht<br />

mal! Auf Oahu (Hawaii) gibt es ein<br />

Hai-Projekt, bei dem Menschen seit 20<br />

Jahren mit Haien schwimmen – und es<br />

passiert nie etwas. Der Punkt ist: Haie<br />

sehen schlecht. Und wer in trüben<br />

Gewässern zum Surfen rauspaddelt,<br />

sieht aus wie ein Tier auf der Flucht.<br />

Zurück zu den Uhren: Ich trage nur<br />

Metallarmbänder. Ich hasse es auch,<br />

beim Duschen eine Uhr auszuziehen,<br />

das ist unpraktisch!<br />

Und im Bett: Uhr an oder aus?<br />

(Grinst.) Wenn ich alleine bin – an.<br />

Wenn ich nicht alleine bin – aus.<br />

Was vermittelt Ihnen eine Uhr?<br />

Sicherlich erst einmal Geschmack.<br />

Wenn jemand eine besonders schöne<br />

Uhr oder einen riesenfetten Klunker<br />

trägt, fällt das ja auf. Ich finde es peinlich,<br />

wenn eine Uhr zum Statussymbol<br />

verkommt. Zum Beispiel habe ich diesen<br />

Rolex-Kult nie verstanden. Für<br />

mich hat diese Marke etwas Protziges.<br />

Das einzige, was ich an Rolex gut finde,<br />

ist, dass sie große Segelrennen sponsern<br />

(lacht). Ich schaue gerne den America’s<br />

Cup – finde ich sehr spannend!<br />

Schafft ein ähnlicher Uhrengeschmack<br />

Verbundenheit?<br />

Kann, muss aber nicht. Ich arbeite seit<br />

Ewigkeiten mit Roman Knizka zusammen,<br />

und er trägt eine Uhr, die mir sehr<br />

gefällt; die hat er sich auf der Tournee<br />

in der Schweiz gekauft. Bei ihm sage<br />

ich: Der hat Geschmack. Das ist so, wie<br />

wenn sich zwei Leute treffen, die alte<br />

Mini Cooper fahren. Der neue Mini ist<br />

für die Katz, aber der alte ist cool.<br />

Also beurteilen Sie Menschen auch<br />

nach ihren Uhren?<br />

Die Uhr gehört natürlich zum Gesamtbild,<br />

ist davon aber nur ein kleiner<br />

Baustein. Man kann jedoch den Designgeschmack<br />

einer Person sehr<br />

schnell an einer Uhr erkennen.<br />

Zurzeit sind Sie auf der Bühne, da<br />

spielt Timing wohl eine besonders<br />

große Rolle?<br />

Es gibt keinen Schneideraum. Wenn<br />

eine Pause auf der Bühne zu lang ist,<br />

dann ist sie zu lang. Und Timing ist auf<br />

der Bühne die Hälfte der Miete. Das<br />

hat viel mit Musikalität zu tun.<br />

In Berlin spielten Sie gerade das<br />

Stück „Von Mäusen und Menschen“<br />

von John Steinbeck.<br />

„Alles, was einem ein Lächeln ins Gesicht zaubert, ist keine Zeitverschwendung“<br />

112 Chro nos 3-2008<br />

Genau. Mein Bühnenpartner Roman<br />

Knizka und ich spielten ein Männerpaar,<br />

zwei Freunde: ich den Behinderten<br />

und er den Smarten. Im echten Leben<br />

ist er der Sohn einer Opernsängerin<br />

und eines Ballett-Tänzers. Man<br />

merkt, dass er in seinen Genen Rhythmus,<br />

Musik und Sprachgefühl hat –<br />

sein Timing ist perfekt. Der ganze Cast<br />

ist großartig! Und weil wir so erfolgreich<br />

waren, überlegen wir, ob wir mit<br />

Steinbeck weitermachen.<br />

Wie ist das beim Drehen: Wird bei den<br />

Kostümen auch auf die Uhr geachtet?<br />

Absolut. Ich achte da sehr genau darauf,<br />

weil es natürlich viel über den<br />

Charakter erzählt. Überhaupt sind<br />

die äußerlichen Merkmale wesentliche<br />

Elemente einer Rolle. Dazu gehört<br />

neben dem Kostüm zum Beispiel<br />

auch der Haarschnitt oder das Auto<br />

der Figur.<br />

In der RTL-Serie „Post Mortem“ spielen<br />

Sie einen Gerichtsmediziner.<br />

Welche Uhr trägt Dr. Daniel Koch?<br />

Da hatte ich meine eigene Omega Railmaster<br />

an. Wir wollten eine ganz nüchterne,<br />

klare Uhr. Koch stellt sie immer<br />

auf den Schreibtisch – die Omega<br />

kannst du schön aufklappen, sie bleibt<br />

von selbst stehen wie ein kleiner Wecker.<br />

Wir haben die Figuren bis ins<br />

Kleinste ausgearbeitet und wollten einen<br />

Typen, der im Kopf ganz klar ist.<br />

Da hat die Uhr gut gepasst: Etwas<br />

gänzlich Unverspieltes, ohne Datumsanzeige,<br />

nur ein schwarzes Zifferblatt<br />

mit Zeiger – ein klares Bild.<br />

Denken Sie über den Tod nach?<br />

Eine Zeitlang schon. Wenn man die<br />

Leute so vor sich liegen sieht, denkt<br />

man: irgendwann liegst du auch da.<br />

Die Endlichkeit des Daseins wird einem<br />

vor Augen geführt. Man sollte<br />

nicht so tun, als könnte man alles<br />

irgendwann noch machen. Es gibt einen<br />

wunderbaren jüdischen Spruch:<br />

„Wann, wenn nicht jetzt?“ Aber mit<br />

meiner Zeit bin ich schon immer extrem<br />

bewusst umgegangen. Das liegt<br />

an meiner Macke, keine Zeit verschwenden<br />

zu wollen. Beim Betrachten<br />

des Sekundenzeigers habe ich mir<br />

immer überlegt: das ist dein Leben, das<br />

da gerade vorbeitickt. So ist mein Verhältnis<br />

zu Uhren entstanden.


Warum werden in Deutschland eigentlich<br />

so viele US-Serien kopiert?<br />

Ich erzähle mal eine Geschichte, die<br />

ganz archetypisch ist: „Post Mortem“<br />

wurde 1996 als 90-Minüter konzipiert<br />

und sollte in Serie gehen. Nach dem<br />

Film hieß es aber: „Nee, Rechtsmedizin<br />

und Leichenfleddern will keiner<br />

sehen.“ Es verstreichen vier Jahre, und<br />

das erste „CSI“ kommt aus Amerika.<br />

Es verstreichen sechs Jahre, und das<br />

zweite „CSI“ kommt auf den Markt.<br />

Im Jahr 2004 merkt RTL: „CSI läuft so<br />

bombig, lasst uns doch auch so was<br />

machen.“ Und plötzlich wird „Post<br />

Mortem“ in Serie geschickt. Das heißt,<br />

die Idee kam sehr wohl aus Deutschland,<br />

wurde aber erst gemacht, nachdem<br />

die Amis den Erfolg bewiesen<br />

haben. Schlagen Sie doch mal einem<br />

deutschen Programmchef eine Serie<br />

vor, in der ein Arzt hinkt, Pillen<br />

schluckt und sich wie ein Arschloch<br />

benimmt! Jetzt läuft bei uns „Dr.<br />

House“ aus den USA, und es gibt<br />

schon drei Kopieformate. Innovation<br />

und Inspiration ist offensichtlich im<br />

deutschen Film- und Fernsehbereich<br />

die Ausnahme der Regel. Der „Tatort“<br />

funktioniert beispielsweise immer<br />

noch phantastisch. Aber das ist keine<br />

Serie und damit ein ganz anderes Geschäft.<br />

Der 90-minütige Krimi ist die<br />

letzte Bastion des Qualitätsfernsehens.<br />

Wo gehen für Sie die Uhren schneller:<br />

in Deutschland oder in L.A.?<br />

Eine verdammt gute Frage. Ich persönlich<br />

habe das Gefühl, dass meine Tage<br />

in L.A. schneller verfliegen, was eigentlich<br />

Quatsch ist. Die Amerikaner leben<br />

getriebener, haben sehr viel weniger<br />

Urlaub als wir und zum Großteil mehrere<br />

Jobs, um ihre Kinder in anständige<br />

Schulen stecken zu können. Aber nun<br />

lebe ich in L.A. am Strand, und der<br />

Strand hat eine ganz eigene Zeitrechnung:<br />

Der Tag fängt an, wenn die Sonne<br />

aufgeht und hört auf, wenn sie untergeht.<br />

Es wird in Kalifornien sehr früh<br />

dunkel, weil es viel näher am Äquator<br />

liegt. Insofern hab ich immer das Gefühl,<br />

dass die Tage in L.A. viel zu<br />

schnell verfliegen. Vielleicht würde es<br />

mir anders gehen, wenn ich dort festangestellt<br />

wäre und kein Freischaffender.<br />

Wann würden Sie sagen: Zeit spielt<br />

keine Rolle?<br />

Spannung rund um den Seziertisch: In der RTL-Serie „Post Mortem“ spielt Hannes Jaenicke<br />

den Gerichtsmediziner Dr. Daniel Koch<br />

Zeit spielt immer dann keine Rolle,<br />

wenn man eine gute Zeit hat, wenn<br />

irgendwas richtig Spaß macht, egal ob<br />

im Privatleben oder bei der Arbeit.<br />

Wenn ich mir Zeit nehme, um mein Privatleben<br />

zu pflegen, mache ich keine<br />

Termine. Dann lege ich die Uhr weg<br />

und kümmere mich ausschließlich um<br />

die Dinge, die ich machen will. Genauso<br />

bei der Arbeit: Wenn es ein<br />

Regisseur ist oder ein Projekt, für das<br />

es sich lohnt, drehe ich auch mal<br />

20 Stunden am Stück.<br />

Also ist Zeit zweitrangig, wenn Sie<br />

sich für eine Sache engagieren?<br />

Ich bin ein Mensch, der in seinem Leben<br />

wahrscheinlich noch nie auch nur<br />

eine Minute Zeit vergeudet hat. Ich<br />

besitze keinen Fernseher.<br />

Obwohl Sie für das Medium arbeiten?<br />

Ich weiß. Ich lebe sehr gut davon, aber<br />

ich schaue nur ab und zu im Hotel<br />

Nachrichten. Fernsehen halte ich für<br />

eine ziemliche Einbahnstraße. Jemand<br />

beliefert dich mit allem: mit vorgefassten<br />

Sätzen, Texten, Gedanken, Bildern<br />

– ein absolut unkreativer Prozess.<br />

Haben Sie kein Problem damit, dass<br />

Sie selbst Teil des Systems sind?<br />

Ja und nein. Ja, weil ich weiß, dass viel<br />

Schrott im Fernsehen läuft. Nein, weil<br />

ich natürlich versuche, mit den Sachen,<br />

die ich mache, zumindest gelegentlich<br />

über dieses Niveau hinauszukommen.<br />

„Post Mortem“ ist meines<br />

Erachtens ein geglückter Versuch,<br />

etwas zu machen, das jenseits des<br />

deutschen Serienquarks liegt. Aber<br />

Foto: RTL / Nick Briggs<br />

ich habe nichts gegen leichte Unterhaltung,<br />

im Gegenteil. Ich finde Krimis<br />

und Komödien wunderbar. Ab<br />

und zu möchte ich etwas machen, das<br />

tiefer geht. Zudem kann ich das Fernsehen<br />

für wichtige Projekte nutzen.<br />

Mein Ehrgeiz ist es, das Medium, in<br />

dem ich arbeite, so zu nutzen, dass es<br />

ein bisschen etwas bewegt.<br />

Was empfinden Sie als Zeitverschwendung?<br />

Mit Menschen in Kneipen abzuhängen,<br />

die sich nichts zu erzählen haben.<br />

Nur weil man Angst hat, sich mit sich<br />

selbst zu beschäftigen. Auch ganz<br />

schlimm: Modehefte und Frauenzeitschriften.<br />

Was den Frauen alles suggeriert<br />

wird, um dem Schönheitsideal zu<br />

entsprechen – das kapier’ ich nicht!<br />

Und Autostaus sind Zeitverschwendung.<br />

Nirgendwo werde ich wütender.<br />

So viele Freunde kann ich mit dem<br />

Handy gar nicht anrufen, damit ich<br />

den Stau überlebe. Ich glaube, jeder<br />

Vorgang im Leben, der einem ein Lächeln<br />

ins Gesicht zaubert, ist keine<br />

Zeitverschwendung. Und alles, was<br />

schmallippig und unzufrieden macht,<br />

ist Zeitverschwendung.<br />

Kann Sie auch eine Uhr erfreuen?<br />

Klar – wenn ich in eine Uhr mit Glasboden<br />

schaue: Es ist schon genial, was alles<br />

auf so kleinem Raum Platz findet.<br />

Verglichen mit dem Chip eines i-phones<br />

ist eine mechanische Uhr ein Dinosaurier.<br />

Aber das Tolle an Uhren ist die<br />

traditionelle Mechanik. Wo gibt es in<br />

der modernen Technik heute noch<br />

ein Zahnrad? Mich fasziniert, dass so<br />

etwas Altmodisches überhaupt noch<br />

Chro nos 3-2008 113


FRAGEZEIT HANNES JAENICKE<br />

hält und noch nicht alles auf Chips gespeichert<br />

ist. Insofern hat eine mechanische<br />

Uhr etwas Sentimental-Romantisches.<br />

Wo noch richtiges Handwerk<br />

gefragt ist.<br />

Haben Sie schon mal einem Uhrmacher<br />

zugesehen?<br />

Klar. Zudem konnte ich schon zweimal<br />

den Dalai Lama interviewen, dessen<br />

großes Hobby es ist, Uhren auseinanderzunehmen<br />

und wieder zusammenzuschrauben.<br />

Er gehört natürlich<br />

zu den Menschen, die ohne jeglichen<br />

Besitz leben. Er trägt eine ganz<br />

schlichte Uhr, die aussieht wie eine uralte<br />

Kienzle. Das Auseinandernehmen<br />

und Wiederzusammenbauen macht<br />

er, um zu relaxen. Er ist ein beeindruckender<br />

Mann und hat ein großes<br />

Faible für Mechanik.<br />

Wann haben Sie das letzte Mal mit<br />

ihm gesprochen?<br />

Das war im Zusammenhang mit dem<br />

„RTL Spendenmarathon“ im letzten<br />

November. Eines von den sechs Projekten<br />

ist mein Flüchtlingsprojekt ICT<br />

(International Campaign for Tibet).<br />

Wir konnten über eine Million Euro<br />

sammeln und bauen davon ein Kinderdorf.<br />

Letzten Oktober sind wir nach<br />

Dharamsala in Indien geflogen, um<br />

dort tibetische Flüchtlingsdörfer zu filmen.<br />

Einmal im Monat empfängt der<br />

Dalai Lama frisch angekommene<br />

Flüchtlinge, die es über den Himalaja<br />

geschafft haben. Bei dieser Audienz<br />

konnte ich mit ihm sprechen. Und als<br />

er letzten September seinen Ehrendoktor<br />

von der Uni Münster erhielt, habe<br />

ich ihn auch interviewt.<br />

Sie engagieren sich stark für die Umwelt.<br />

Wie setzen Sie Prioritäten?<br />

Das Problem „wie reise ich, ohne zu<br />

fliegen“, ist schwer zu lösen. Das sagt<br />

selbst George Clooney, der wirklich aktiv<br />

ist. Ich habe mein Fliegen in den letzten<br />

fünf Jahren radikal reduziert. Innerdeutsch<br />

nehme ich meistens die Bahn,<br />

die müsste nur noch günstiger werden.<br />

Solange Kerosin steuerfrei verkauft<br />

wird – was eine Absurdität ist – sind die<br />

Flüge natürlich billig. Ich achte darauf,<br />

keine Energie zu verballern. Ich kaufe<br />

auch nichts mehr „made in China“, was<br />

immer schwieriger wird. Ich gebe offen<br />

zu, dass ich mir mal eine Fake-Panerai<br />

114 Chro nos 3-2008<br />

in Asien gekauft habe. Die taiwanesischen<br />

Kopien sind mittlerweile auf<br />

einem erschreckend hohen Niveau.<br />

Irgendwie beängstigend: einerseits,<br />

wie gut sie nachmachen, andererseits,<br />

wie schamlos sie fälschen.<br />

Welche Arbeit erfordert mehr Geduld:<br />

das Drehbuchschreiben oder<br />

das Einarbeiten in eine neue Rolle?<br />

Schreiben ist eine Geduldsache, weil es<br />

Disziplin erfordert. Als Autor steht<br />

man morgens auf und denkt: „Mir<br />

fällt nix ein, und das Wetter ist so<br />

schön – ich geh erst mal raus.“ Schreiben<br />

kann eine Qual sein, deswegen<br />

arbeite ich mit einer Koautorin zusammen.<br />

Das Schauspielern geht fast<br />

von alleine, wenn ein Buch richtig gut<br />

ist. Andererseits kostet es viel Geduld<br />

und Energie, wenn man wegen des<br />

Zeitdrucks schon drehen muss, die<br />

Drehbücher aber noch nicht ausgearbeitet<br />

sind.<br />

Gab es einen speziellen Anlass für<br />

Ihre Jaeger-LeCoultre?<br />

Ich hatte eine Folge „Voxtours extrem“<br />

in Hawaii zu machen und eine in Norwegen.<br />

Da wollte ich eine Uhr haben,<br />

die ich nicht ausziehen muss. Meine<br />

Omega läuft zwar prima, ist aber nicht<br />

wirklich wasserdicht. Dann habe ich<br />

diese Master Compressor Geographic<br />

gekauft, auch weil sie salzwasserverträglich<br />

ist. Das ist bei vielen Uhren ein<br />

Zur Person<br />

Hannes Jaenicke (Jahrgang 1960) verbrachte<br />

einen Teil seiner Kindheit in Pittsburgh (Pennsylvania).<br />

Nach seiner Schauspielausbildung sieht<br />

man Jaenicke 1984 zum ersten Mal auf Zelluloid,<br />

im Drama „Abwärts“. Seitdem spielt er die<br />

unterschiedlichsten Rollen in deutschen und<br />

amerikanischen Produktionen: Ob in Margarethe<br />

von Trottas „Rosa Luxemburg“ oder „Knockin’<br />

on Heaven’s Door“, in der US-Serie „Highlander:<br />

The Raven“ oder an der Seite von Burt<br />

Lancaster und Julie Christie in „Väter und Söhne“<br />

– Hannes Jaenicke ist auf beiden Seiten des<br />

Atlantiks zu Hause. Ruhe für das Schreiben von<br />

Drehbüchern findet er vor allem in seinem<br />

Strandhaus nahe Los Angeles. Hierzulande<br />

spielt er in der RTL-Serie „Post Mortem“ den<br />

Oberarzt Dr. Daniel Koch und steht auch wieder<br />

auf der Theaterbühne. Außerdem engagiert<br />

Problem: Es steht zwar „bis 300 m wasserdicht“<br />

drauf, aber nimm die mal mit<br />

ins Salzwasser! Das ist wie Harley fahren:<br />

Damit kann man Brötchen holen,<br />

aber fahr’ bitte nie eine lange Tour. Natürlich<br />

könnte man mit einem japanischen<br />

Motorrad fahren, aber die sind<br />

mittlerweile so perfekt, dass sie keine<br />

Ecken und Kanten mehr haben. Eine<br />

Honda ist wie eine Swatch unter den<br />

Motorrädern. Die läuft irgendwie immer,<br />

aber irgendwas fehlt.<br />

Und was fahren Sie selbst?<br />

Moto Guzzi. Die ist gebaut wie ein<br />

Traktor: Nicht besonders „sophisticated“,<br />

aber sie läuft. Ich besitze auch eine<br />

Ducati – ein italienisches Kunstwerk –<br />

die läuft dafür nie. Beide haben ihre Eigenheiten.<br />

Übrigens habe ich ein großes<br />

Faible für Turmuhren. Wenn ich in<br />

Köln bin, bimmelt es überall. Und in<br />

Lindau gibt es beispielsweise eine Kirche<br />

mit fantastischer Sonnenuhr.<br />

Warum tragen Sie Ihre Uhr rechts?<br />

Keine Ahnung, ich habe sie schon als<br />

Kind rechts getragen. Es hat mir nie jemand<br />

beigebracht, sie links zu tragen –<br />

komisch. Meine erste Uhr war eine<br />

Kienzle, die bekam ich zur Kommunion.<br />

Die gibt es auch noch irgendwo,<br />

mein Vater hat sie aufgehoben. Und er<br />

trägt die Uhr seines Vaters. Ich komme<br />

aus einer Familie, in der alles weitervererbt<br />

wird.<br />

sich Hannes Jaenicke für verschiedene Umweltund<br />

Menschenrechtsorganisationen, beispielsweise<br />

für die „International Campaign for Tibet“<br />

(www.savetibet.org/de).<br />

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