procontra Ausgabe 04-2022
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Das freie Finanzmagazin<br />
Zinswende<br />
Die Lebensversicherer<br />
erwachen zu neuem Leben<br />
Betriebliche Pflege<br />
Führt der Weg über den Chef<br />
zur höheren Verbreitung der<br />
Pflegeversicherung?<br />
Klau am Bau<br />
Lieferengpässe und steigende<br />
Rohstoffpreise erfordern Absicherung<br />
von Bauvorhaben<br />
ESG-Präferenzabfrage<br />
Warum der grüne Start<br />
holpert und was Vermittler<br />
jetzt beachten müssen
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EDITORIAL<br />
Lebensversicherer<br />
bejubeln Zinswende<br />
pro Endlich! Die EZB ist vernünftig geworden und dreht wieder an der<br />
Zinsschraube. In die richtige Richtung, wohlgemerkt. Um satte – und für<br />
viele auch überraschende – 50 Basispunkte im ersten Schritt, da es die hohe<br />
Inflation erforderte. Für die deutschen Lebensversicherer ist es ein Segen, in<br />
vielerlei Hinsicht. Erstens: Die Solvenzquoten steigen. Bereits Ende 2021 lagen<br />
sie im Schnitt bei 250 Prozent, die Finanzaufsicht verlangt mindestens<br />
100 Prozent. Zweitens: die Zinszusatzreserve. Sie ist weitestgehend ausfinanziert<br />
und steht den Anbietern immer mehr als Ertragsquelle zur Verfügung.<br />
Drittens: die Kapitalanlage. Endlich können wieder festverzinsliche Coupons<br />
eingekauft werden, die oberhalb der Garantien im Bestand liegen. Die Zinswende<br />
ist ein wahrer Segen für die Branche.<br />
contra Bitte mal kurz die rosarote Zinsbrille absetzen. Dann ist der<br />
Blick auch frei auf die Herausforderungen, die diese und weitere Zinserhöhungen<br />
mitbringen werden. Erstens: schmelzende Bewertungsreserven. In der<br />
Neuanlage sind jetzt zwar höhere Coupons möglich, der Bestand ächzt jedoch<br />
darunter. Er ist niedrig verzinst und verliert an Attraktivität im Vergleich<br />
zur Neuanlage. Die Folge: Die Kurswerte der festverzinslichen Wertpapiere<br />
sinken, aus stillen Reserven werden jetzt stille Lasten. Zweitens: das<br />
Neugeschäft. Viele Lebensversicherer lockten mit Einmalbeiträgen Kunden,<br />
die lediglich dem Strafzins entgehen wollten. Der fällt bei Banken jetzt zunehmend<br />
weg und wird Anbieter unter Druck setzen, bei denen Einmalbeiträge<br />
einen besonders hohen Anteil am Neugeschäft ausmachen. Fehlt kompensierendes<br />
Neugeschäft, werden die Kostenquoten steigen. Die Zinswende hat<br />
neben dem Segen eben auch neue Herausforderungen im Gepäck.<br />
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Ein Jubiläum.<br />
Matthias Hundt<br />
Chefredakteur<br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />
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<strong>procontra</strong> Inhaltsverzeichnis<br />
INHALT<br />
18<br />
Zinswende küsst die Branche wach<br />
Welche positiven und negativen<br />
Folgen die Zinserhöhung für die<br />
Lebensversicherer nun hat.<br />
Klau am Bau<br />
Diebe nehmen Baustellen vermehrt<br />
ins Visier. Wie sich Material<br />
und Lager absichern lassen.<br />
50<br />
Grüner Fehlstart?!<br />
Fehlende Standards erschweren<br />
die neue Pflicht zur Abfrage<br />
der ESG-Präferenzen.<br />
74<br />
76<br />
Der junge Makler und das Meer<br />
<strong>procontra</strong> stach in See – mit<br />
jeder Menge Fragen an Timo<br />
Vierow, der sich auf Taucher<br />
spezialisiert hat.<br />
4 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22
Inhaltsverzeichnis <strong>procontra</strong><br />
PANORAMA<br />
13 7 Tipps erfolgreicher Investoren<br />
Dr. Hans-Jörg Naumer über Wege,<br />
in Ruhe und Gelassenheit Kapital<br />
aufzubauen<br />
INVESTMENTFONDS<br />
32 Buschfunk<br />
34 »Angst führt zu Handlungsdruck«<br />
Wie Stimmungsbilder die<br />
Bewegungen am Markt beeinflussen,<br />
es aber nicht sollten. Dazu<br />
sprach <strong>procontra</strong> mit Manfred<br />
Hübner von der Sentix GmbH.<br />
VERSICHERUNGEN<br />
46 Buschfunk<br />
48 »Versicherer verkennen das<br />
Cyberpotenzial« Prof. Dr. Michael<br />
Fortmann von der TH in Köln über<br />
Hemmnisse in der Verbreitung eines<br />
privaten Cyberschutzes<br />
38 Im Zweifel für den Index In<br />
unsicheren Zeiten strömen Gelder<br />
vermehrt in Passivprodukte. Welche<br />
Vorteile dann zum Tragen kommen<br />
14 Panorama Fakten für Vertrieb<br />
und Stammtisch<br />
16 Leserbriefe<br />
TITEL<br />
18 Zinswende küsst die Branche<br />
wach Erleichtert blickten die Lebensversicherer<br />
auf die erste Zinserhöhung<br />
seit über zehn Jahren.<br />
Während sich die Solvenzlage und<br />
der Finanzierungsdruck zur Zinszusatzreserve<br />
nun deutlich bessern,<br />
entstehen aber auch neue Herausforderungen<br />
in der Kapitalanlage.<br />
40 Verlockende Falle?! Rohstoffinvestments<br />
stellen einerseits aktuell<br />
hohe Renditen in Aussicht, erfüllen<br />
andererseits nicht immer den allgemeinen<br />
Wunsch nach Nachhaltigkeit<br />
– was also tun?<br />
50 Klau am Bau Durch Lieferengpässe<br />
und Rohstoffrallye lagern auf Baustellen<br />
echte Vermögenswerte. Wie<br />
sich Baustellen (gegen Langfinger)<br />
absichern lassen<br />
54 Gutes Rad ist teuer Effizienter<br />
Schutz für E-Bike, Pedelec & Co.<br />
56 Tierisch gut versichert?! Der<br />
Markt für Haustiere ist seit Corona<br />
deutlich gewachsen und öffnet eine<br />
emotionale Tür zum Kunden.<br />
»Die Erzielung<br />
einer angemessenen<br />
Nettoverzinsung wird<br />
uns bis zu Beginn<br />
des nächsten Jahres<br />
herausfordern.«<br />
EBERHARD SAUTTER<br />
HanseMerkur<br />
44 Social Media im Depot Der Hype<br />
um soziale Netzwerke hat auch<br />
die Fondsindustrie erreicht. Was<br />
die Produkte können und welche<br />
Risiken lauern<br />
60 Betrieb als Knotenlöser?! Pflegezusatzvorsorge<br />
ist insgesamt ein<br />
Ladenhüter – was der Weg über den<br />
Chef bewirken könnte.<br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />
5
<strong>procontra</strong> Inhaltsverzeichnis<br />
BERATER<br />
68 Buschfunk<br />
70 So ist’s Recht Urteile und Rechtsprechungen,<br />
die Makler kennen<br />
sollten<br />
72 »Es darf keinen Provisionsrichtwert<br />
geben« Votum-<br />
Vorstand Martin Klein mit wenig<br />
Verständnis für den erneuten<br />
BaFin-Vorschlag, Vergütungen zu<br />
regulieren<br />
SACHWERTE<br />
88 Buschfunk<br />
90 »Kunstsammler ticken sehr unterschiedlich«<br />
Makler Dr. Stephan<br />
Zilkens über die Eigenheiten der<br />
Kunstszene<br />
92 Renaissance der Bausparkassen?<br />
Der Klimawandel und steigende<br />
Zinsen verleihen Bausparverträgen<br />
eine neue Attraktivität.<br />
RUBRIKEN<br />
3 Editorial<br />
8 Firmen- und<br />
Personenverzeichnis<br />
8 Impressum<br />
98 Privat gefragt<br />
Steckbrief von Justus Lücke,<br />
Geschäftsführer Versicherungsforen<br />
Leipzig<br />
74 Grüner Fehlstart?! Die Abfrage der<br />
Nachhaltigkeitspräferenzen ist seit<br />
Anfang August verpflichtend. Fehlende<br />
Standards lassen den Start<br />
jedoch stottern.<br />
96 Von Grund auf erneuert Die<br />
Grundsteuerreform fordert Eigentümer<br />
zum Handeln. Was sich ändert<br />
und welche Fristen jetzt einzuhalten<br />
sind<br />
»Versicherungen<br />
werden sich stärker<br />
in den Alltag<br />
integrieren.«<br />
JUSTUS LÜCKE<br />
Versicherungsforen Leipzig<br />
76 Der junge Makler und das Meer<br />
Spezialisiert auf Taucher und engagiert<br />
im Umweltschutz – Versicherungsmakler<br />
Timo Vierow nahm<br />
<strong>procontra</strong> mit auf hohe See.<br />
82 Fressen oder gefressen werden<br />
Reges Treiben unter den Maklerpools,<br />
um sich für die Zukunft zu<br />
wappnen<br />
6 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22
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A<br />
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Alphabet......................................................................44<br />
Alte Leipziger – Hallesche......................... 20, 26<br />
Amexpool....................................................................83<br />
Ammerländer............................................................55<br />
Amundi......................................................................32 f.<br />
andsafe..........................................................................55<br />
Aon..................................................................................47<br />
Apple..............................................................................44<br />
Arag.................................................................................58<br />
Art-Invest Real Estate...........................................89<br />
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Athora............................................................................46<br />
Axa........................................................................... 30, 46<br />
B<br />
B&K Vermögen.........................................................96<br />
Bain Capital.................................................................82<br />
Barmenia......................................................................55<br />
Basler..............................................................................47<br />
Bauass.........................................................................51 f.<br />
Baufi24................................................................... 16, 94<br />
Bayerische...................................................................47<br />
BCA..................................................................................83<br />
Bearing Point.............................................................14<br />
BlackRock............................................................. 32, 41<br />
blau direkt........................................................... 68, 82<br />
BP......................................................................................41<br />
Brunata..........................................................................89<br />
Büter Bau.....................................................................51<br />
C<br />
Catella............................................................................89<br />
Check24................................................................ 47, 54<br />
Chevron........................................................................41<br />
Commodity Capital...............................................42<br />
ConocoPhillips.........................................................41<br />
CosmosDirekt............................................................26<br />
Credit Suisse..............................................................33<br />
D, E<br />
DA Direkt......................................................................58<br />
DBV-Winterthur.......................................................46<br />
degenia.........................................................................47<br />
Dela.................................................................................78<br />
DenPhaMed...............................................................69<br />
Deutsche Bank.........................................................75<br />
Deutsche Telekom.................................................89<br />
DFV..................................................................................56<br />
DJE................................................................................41 f.<br />
Dr. Klein.........................................................................94<br />
Exxon Mobile.............................................................41<br />
F, G<br />
fhb ..................................................................................69<br />
Fonds Finanz..............................................................82<br />
Great West Lifeco....................................................82<br />
H<br />
Hallesche.....................................................................61<br />
Hansainvest................................................................89<br />
HanseMerkur..................................................... 20, 26<br />
Helden.de....................................................................58<br />
Hepster..........................................................................58<br />
HG Capital...................................................................82<br />
HonorarKonzept......................................................69<br />
Hypoport.....................................................................83<br />
I<br />
Ideal......................................................................... 26, 30<br />
iShares...........................................................................41<br />
J<br />
JDC Group...................................................................82<br />
Jung, DMS & Cie......................................................82<br />
K<br />
Kantar.............................................................................93<br />
KGAL...............................................................................89<br />
L<br />
Laiqon............................................................................33<br />
Llyod Fonds................................................................33<br />
M<br />
Maklerforen Leipzig..............................................98<br />
Meta................................................................................44<br />
Microsoft......................................................................44<br />
Morningstar...............................................................45<br />
MVK.................................................................................55<br />
myLife............................................................................30<br />
N<br />
Nordstern.....................................................................90<br />
NV Versicherung.............................................. 78, 82<br />
O<br />
One Group..................................................................89<br />
Oracle.............................................................................44<br />
P<br />
PayPal.............................................................................49<br />
pma:................................................................................69<br />
ProSiebenSat.1.........................................................56<br />
Puntobiz....................................................................57 f.<br />
Q, R<br />
Qualitypool.................................................................83<br />
Quint:Essence Capital..........................................44<br />
Quirin Bank.................................................................69<br />
Refinitiv Lipper.........................................................38<br />
INDEX<br />
S<br />
SantéVet....................................................................57 f.<br />
Savills..............................................................................89<br />
Schwäbisch Hall......................................................93<br />
Sentix.............................................................................34<br />
Shell.................................................................................41<br />
Simon-Kucher...........................................................14<br />
SSGA...............................................................................33<br />
SV Sachsen..................................................................26<br />
SWI Finance................................................................88<br />
Swiss Life......................................................................68<br />
T, U<br />
TBO Versicherungsmakler.................................94<br />
Tencent......................................................................44 f.<br />
Thinksurance..................................................... 47, 69<br />
TotalEnergies.............................................................41<br />
Union Investment...............................................41 f.<br />
V<br />
Vanguard.....................................................................33<br />
Versicherungsforen Leipzig.............. 47, 82, 98<br />
VHV..................................................................................51<br />
Viridium........................................................................46<br />
Voya IM..........................................................................33<br />
W<br />
W&W-Gruppe............................................................20<br />
Waldenburger...........................................................55<br />
Warburg Pincus................................................ 68, 82<br />
Wefox..................................................................... 13, 16<br />
wertfaktor ...................................................................88<br />
Willis Towers Watson.............................................69<br />
Württembergische........................................ 20, 22<br />
Wüstenrot....................................................................93<br />
X, Z<br />
Xtrackers.......................................................................41<br />
Zurich............................................................. 30, 46, 55<br />
PERSONENVERZEICHNIS<br />
A<br />
Andreetto, Matteo.........................................................33<br />
Asmussen, Jörg...............................................................12<br />
B<br />
Bader, Guido..................................................19 f., 22, 30<br />
Beermann, Boris............................................................83<br />
Benau, Henning..............................................................82<br />
Berg, Mathias................................................................... 69<br />
Berggold, Melanie......................................................56 f.<br />
Bond, James.....................................................................77<br />
Brämer, Burkhard........................................................ 51 f.<br />
Brokamp, Florian............................................................ 69<br />
Brunner, Andreas..........................................................54<br />
Büter, Gerrit...................................................................... 51 f.<br />
D, E<br />
Dobbert, Philipp.............................................................. 69<br />
Dopheide, Frank............................................................. 98<br />
Ertel, Jürgen...............................................................16, 94<br />
F<br />
Faust, Gerhard..................................................................75<br />
Feiner, Rudolf.................................................................93 f.<br />
Fiedler, Madlen................................................................ 89<br />
Fortmann, Michael........................................................48<br />
G<br />
Genett, Timm.................................................................... 62<br />
Gerber, Thomas.......................................................... 44 f.<br />
Glow, Detlef........................................................................38<br />
Göker, Mehmet.................................................................73<br />
Gottstein, Thomas........................................................33<br />
Grabmaier, Sebastian.............................................82 f.<br />
Gröhe, Hermann............................................................. 62<br />
H<br />
Hartlehnert, Svenja.....................................................58<br />
Heermann, Lars............................................20, 22, 26<br />
Heilenkötter, Hannes.................................................. 68<br />
Heinrich, Ellen.................................................................. 89<br />
Holzer, Max........................................................................41 f.<br />
Hübner, Manfred.......................................................34 ff.<br />
Hussy, Patrick..................................................................34<br />
J<br />
Janes, Oliver.................................................................. 57 f.<br />
Jordan, Markus.............................................................. 39<br />
Justen, Patrick.......................................................20, 26<br />
K<br />
Kinnart, Ralph.................................................................. 96<br />
Klein, Martin.........................................................62, 72 ff.<br />
Kleinlein, Axel......................................................................17<br />
König, Christian............................................................... 93<br />
Körner, Ulrich....................................................................33<br />
Kühnert, Kevin.................................................................88<br />
Kussmann, Arndt.......................................................... 69<br />
L<br />
Lagarde, Christine..........................................................19<br />
Leifeld, Christopher...................................................... 69<br />
Lücke, Justus..........................................................47, 98<br />
Lutter, Stefan......................................................................51<br />
M<br />
Marquardt, Sascha........................................................ 61<br />
Masarwah, Ali..................................................................45<br />
Mattner, Andreas.......................................................... 89<br />
Michaelis, Stephan.......................................................75<br />
Michel, Alexander......................................................... 69<br />
Mohn, Dorothea.................................................................17<br />
Müller, Christian.............................................................. 89<br />
N, O<br />
Naumer, Hans-Jörg.......................................................13<br />
Nazaruk, Lukas............................................................... 69<br />
Neumann, Vanessa..................................................... 89<br />
Olbrich, Björn....................................................................94<br />
P, Q<br />
Papier, Hans-Jürgen....................................................73<br />
Pfennig, Leonie................................................................. 61<br />
Pichottka, Andrea........................................................... 61<br />
Pooth, Verona....................................................................13<br />
Pradetto, Oliver................................................................ 68<br />
Putin, Wladimir................................................................ 98<br />
Quast, Reinhard..............................................................50<br />
R<br />
Reker, Stefan............................................................60, 62<br />
Remmers, Derk................................................................82<br />
Rissi, Braulio Dario........................................................54<br />
Roth, Dieter..........................................................................91<br />
Rouget, Philipp................................................................ 69<br />
S<br />
Salzwedel, André..........................................................32<br />
Sautter, Eberhard........................................20, 22, 26<br />
Schiffner, Carsten......................................................... 69<br />
Schipper, Jens.................................................................77<br />
Schneidemann, Herbert.......................................... 24<br />
Schrieber, Thorsten..................................................... 42<br />
Schünemann, Rolf.......................................................83<br />
Spahn, Jens..................................................................... 62<br />
Stommel, Thomas..........................................................77<br />
T<br />
Thaler, Richard................................................................35<br />
Thoma, Ute..........................................................................47<br />
Tizian........................................................................................91<br />
Tretter, Tobias................................................................... 42<br />
Tychsen, Roy-Thomas.............................................. 69<br />
V<br />
Vierow, Timo..................................................................76 ff.<br />
Vogel, Johannes............................................................46<br />
W<br />
Waller, Frederic................................................................82<br />
Walz, Hartmut...............................................................24 f.<br />
Weber, Kai............................................................................94<br />
Weis, Markus....................................................................33<br />
Weißschnur, Sebastian...........................................41 f.<br />
Weitzel, Timm.................................................................... 69<br />
Will, Reiner.................................................................30, 33<br />
Winneg, Stephan............................................................47<br />
Wirth, Norman.........................................................69, 73<br />
Wolf, Manuela...................................................................82<br />
Z<br />
Zilkens, Stephan.........................................................90 f.<br />
Zuckerberg, Mark..........................................................44<br />
VERLAG UND REDAKTION<br />
Alsterspree Verlag GmbH<br />
Firmensitz: Großer Burstah 50-52, 2<strong>04</strong>57 Hamburg<br />
Postanschrift: Kurfürstendamm 173 / 174, 10707 Berlin<br />
Telefon: +49 (0 30) 232 56 27 00<br />
Fax: +49 (0)30 232 56 27 49<br />
Web: www.<strong>procontra</strong>-online.de<br />
HERAUSGEBER<br />
Philipp B. Siebert<br />
CHEFREDAKTEUR<br />
Matthias Hundt<br />
ART DIRECTOR<br />
Niels Flender<br />
LAYOUT UND INFOGRAFIK<br />
Sabine Müller<br />
BILDREDAKTION<br />
Roman Kulon, Eleonora Mavromati<br />
LEKTORAT<br />
TextSchleiferei.de<br />
TEXTBEITRÄGE<br />
Mailin Bartknecht, Florian Burghardt, Carla Fritz, Heike<br />
Gorres, Matthias Hundt, Dr. Hans-Jörg Naumer, Erika<br />
Neufeld, Hannah Petersohn, Imke Reiher, Uwe Schmidt-<br />
Kasparek, Stefan Terliesner, Martin Thaler, Anne Mareile<br />
Walter<br />
COVERILLUSTRATION<br />
Eleonora Mavromati<br />
ANZEIGENBERATUNG<br />
Nadin Prüwer<br />
n.pruewer@alsterspree.de<br />
+49 (0)40 6 07 71 29 24<br />
ANZEIGENDISPOSITION<br />
Marcel Berno<br />
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Verlagsgeschäftsführer: Philipp B. Siebert,<br />
Tilman J. Freyenhagen<br />
Verantwortlich für diese <strong>Ausgabe</strong> i. S. d. P.:<br />
Matthias Hundt<br />
IMPRESSUM<br />
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AfW Bundesverband Finanzdienstleistungen e. V.<br />
Votum Verband Unabhängiger Finanzdienstleistungsunternehmen<br />
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8 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22
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max-UV Plus und max-UV Premium seit April <strong>2022</strong> in einer komplett<br />
überarbeiteten und weiterentwickelten Tarifgeneration an.<br />
Die private Unfallversicherung ist mit<br />
einer Marktdurchdringung von gut 40 % *<br />
gegenüber anderen Sparten deutlich<br />
unterrepräsentiert in Haushalten in<br />
Deutschland. Dabei gehört sie in jede<br />
Beratung zum Thema Absicherung<br />
der Arbeitskraft dazu, denn zusammen<br />
mit einer BU-Rente bietet sie höchstmöglichen<br />
finanziellen Schutz im Falle<br />
einer unfallbedingten Invalidität.<br />
Und das ist mit den neuen max-UV-<br />
Deckungskonzepten sogar garantiert,<br />
da diese ohne Gesundheitsfragen<br />
beantragt werden.<br />
Zu den Highlights gehört unter anderen<br />
das Garantiepaket aus max-Leistungsschutz,<br />
Differenzdeckung und Besitzstandsgarantie,<br />
das für den Kunden eine<br />
umfassende Sicherheit in Bezug auf<br />
einen Vorvertrag, bessere Leistungen am<br />
Markt oder auch einen zu überbrückenden<br />
Zeitraum in einem leistungsschwächeren<br />
Tarif bis zum Beginn der neuen<br />
max-UV Premium bedeutet.<br />
Neu ist auch die max-Progression,<br />
die die volle Leistung schon ab einer<br />
Invalidität von 75 % garantiert.<br />
Darüber hinaus glänzt die Premium-<br />
Variante mit marktführender Gliedertaxe<br />
(z. B. Arm/Bein 100 %, Fuß 75 %,<br />
Hand 90 %), Verzicht auf Leistungskürzung<br />
bei Mitwirkung von Krankheiten<br />
und Gebrechen, Mitversicherung von<br />
Bewusstseinsstörungen als Unfallursache<br />
in sämtlichen Ausprägungen (Herzinfarkt,<br />
Schlaganfall, Medikamente, Epilepsie und<br />
Zuckerschock – auch Diabetiker) sowie<br />
der Möglichkeit, Kinder bis zum<br />
vollendeten 25. Lebensjahr im günstigen<br />
Kindertarif zu versichern.<br />
Fazit: Die neuen max-Unfall-Deckungskonzepte<br />
sind die Benchmark für den<br />
Markt. Mit den Tarifen max-UV Plus und<br />
Premium gelingt der PHÖNIX Schutzgemeinschaft<br />
die Markführerschaft im<br />
Preis-Leistungsverhältnis im jeweiligen<br />
Segment.<br />
PRÄMIENBEISPIELE<br />
Berechnungsgrundlage: Grundsumme<br />
100.000 Euro, Progression 350 %, Tod<br />
10.000 Euro, KHT 20 Euro, Geburtsdatum<br />
01.01.1991; Jahresprämien inkl.<br />
Versicherungssteuer ‹<br />
JAHRESPRÄMIEN INKL. VERSICHERUNGSSTEUER<br />
Tarif max-UV Plus max-UV Premium<br />
max-UV Premium<br />
mit max-Progression<br />
Berufsgruppe A<br />
(kfm. Angestellter)<br />
Berufsgruppe B<br />
(Bautischler)<br />
Kind/Schüler<br />
(10 Jahre alt)<br />
75,68 € 125,31 € 189,57 €<br />
131,50 € 269,42 € 414,60 €<br />
45,46 € 65,21 € 86,63 €<br />
Weitere Infos<br />
zu den max-UV<br />
Deckungs konzepten<br />
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www.maxpool.de<br />
*Quelle: GDV Juni <strong>2022</strong>; Foto: © Drobot Dean / stock.adobe.com<br />
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maxUnfall<br />
Wir sind da,<br />
wenn es wirklich zählt!<br />
© Drobot Dean / stock.adobe.com<br />
Marktführende Leistungsmerkmale,<br />
perfektes Preis-Leistungs-Verhältnis und<br />
das gute Gefühl, Ihre Kunden bei Unfällen<br />
erstklassig abgesichert zu wissen.<br />
Verantwortung verbindet.
PANORAMA Notiert<br />
PANORAMA<br />
VERGÜTUNGSDEBATTE<br />
FINDET KEIN ENDE<br />
Vor einem Jahr berichteten wir über die Honorarberatung<br />
und die Frage, ob es ein konkreteres Regelwerk<br />
braucht, um diese zu stärken und die Branche weniger<br />
in Misskredit zu ziehen. Damals schien zwischen Branche<br />
und politischen Akteuren Einigkeit zu bestehen:<br />
Straffere Regularien seien nötig, um die Beratungsqualität<br />
zu verbessern.<br />
Ein Jahr später flammt die Debatte zum Thema<br />
Vermittlervergütung erneut und unter einem anderen<br />
Schlaglicht auf: Kürzlich brachte die BaFin die Einführung<br />
eines Provisions-Richtwerts ins Spiel, und seitdem<br />
werden in den Vermittlerverbänden zum Teil hitzige<br />
Debatten geführt. Dabei steht unter anderem folgende<br />
Frage im Fokus: Werden durch gängige Vergütungsmodelle<br />
wirklich (zu viele) Fehlanreize gesetzt?<br />
»Die Zinserhöhung<br />
kann nur ein<br />
erster Schritt<br />
gewesen sein.«<br />
BDV MAHNT<br />
VERSICHERER<br />
AB<br />
Für GDV-Hauptgeschäftsführer<br />
Jörg<br />
Asmussen kommt die<br />
Anhebung des Leitzinses<br />
durch die EZB spät – sie<br />
sei aber richtig. Dass<br />
die Zinsen stärker als<br />
angekündigt erhöht wurden,<br />
ist aus seiner Sicht<br />
durch die Datenlage für<br />
die Eurozone gerechtfertigt.<br />
Wegen einer fragwürdigen Vertragsklausel kassierten die Versicherer<br />
ADAC, Europ Assistance und Bayerische eine Abmahnung vom Bund<br />
der Versicherten (BdV). Der Grund: Sie hatten in ihren Reisekrankenpolicen<br />
Kunden nach dem Genuss von Alkohol den Krankenschutz<br />
im Urlaub verwehrt. Nun lenkten sie ein und unterzeichneten die<br />
vorgelegte Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung, die Klauseln<br />
sind künftig nicht mehr in den Verträgen enthalten. Der BdV hatte<br />
kritisiert, dass der „Missbrauch“ der Genussmittel unklar definiert<br />
sei. Auch fürchteten die Verbraucherschützer, dass falsch dosierte<br />
Medikamente Versicherungsnehmern so auf die Füße fallen könnten.<br />
12 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22
Notiert PANORAMA<br />
7 erfolgreiche<br />
Investoren-Tipps<br />
DR. HANS-JÖRG NAUMER<br />
leitet Global Capital Markets & Thematic Research<br />
von Allianz Global Investors<br />
VERONA POOTH STREITET<br />
UM GESTOHLENEN SCHMUCK<br />
TV-Moderatorin Verona Pooth liegt mit ihrem Versicherer im<br />
Clinch: An Heiligabend wurde in die Villa der Pooths im Düsseldorfer<br />
Vorort Meerbusch eingebrochen. Teile des Diebesguts<br />
waren ein Safe, Schmuck sowie ein Auto – zudem richteten die<br />
Täter einen Schaden in Höhe von einer Million Euro an. Gefasst<br />
wurden sie nicht, die Ermittlungen sind eingestellt.<br />
Mit ihrem Versicherer hadert Pooth seitdem. Bis heute habe<br />
dieser den entwendeten Schmuck nicht vollständig erstattet.<br />
„Ich kämpfe täglich um die noch offene Summe“, sagt Pooth.<br />
Seitdem sie Opfer der Straftat geworden ist, habe sie nur einen<br />
Wunsch: „Die Täter zu schnappen, sie hart zu bestrafen und<br />
dass sie mir meinen Schmuck wieder aushändigen.“ Der Name<br />
von Pooths Versicherungsgesellschaft ist nicht bekannt.<br />
4,5 Mrd.<br />
... Euro ist das Berliner Start-up Wefox nach einer<br />
neuen Finanzierungsrunde wert. Trotz Krieg<br />
und Inflation gelang es dem InsurTech, Investorengelder<br />
in Höhe von 400 Millionen Dollar<br />
einzustreichen. Nach eigenen Angaben machte<br />
der Digitalversicherer im vergangenen Jahr<br />
einen Umsatz von 320 Millionen Dollar.<br />
Kapitalanlage und Vermögensaufbau sind keine triviale<br />
Angelegenheit, vor allem in Märkten wie diesen. Sieben<br />
einfache Angewohnheiten können dabei helfen, in Ruhe<br />
und Gelassenheit Kapital aufzubauen:<br />
Angewohnheit Nr. 1: Erkenne Dich selbst – und hinterfrage<br />
Dein Vorhaben! Unser Gehirn ist das Ergebnis eines über<br />
die Jahrtausende währenden Entwicklungsprozesses.<br />
Dies führt dazu, dass wir auch heute noch zu steinzeitlichen<br />
Verhaltensmustern neigen, die sich nicht immer<br />
rational erklären lassen. Angewohnheit Nr. 2: „Kaufkrafterhalt“,<br />
nicht „Sicherheit“ sollte die Steuergröße der<br />
Anlageentscheidung sein! Alles scheint sich um das<br />
Thema „Sicherheit“ zu drehen. „Sicherheit“ wird dabei<br />
häufig (miss-)verstanden als die Abwesenheit von Kursschwankungen.<br />
Die Inflation darf aber nicht unterschätzt<br />
werden. Angewohnheit Nr. 3: Das fundamentale Gesetz der<br />
Kapitalanlage – auf die Risikoprämie setzen! Die Logik dahinter:<br />
Wer risikoreicher investiert, sollte erwarten können,<br />
dass diese Investitionen über die Zeit eine höhere Rendite<br />
erwirtschaften als risikolose und damit chancenärmere<br />
Alternativanlagen. Angewohnheit Nr. 4: Investieren geht<br />
vor Spekulieren! Wer langfristigen Kapitalaufbau anstrebt,<br />
der spekuliert nicht, der investiert. Spekulieren verstanden<br />
als das kurzfristige Setzen auf Kursbewegungen. Investieren<br />
verstanden als mittel- bis längerfristige Kapitalanlage.<br />
Angewohnheit Nr. 5: Selbstbindung an eine Strategie hilft<br />
überstürzte Entscheidungen zu vermeiden. Die strategische<br />
Vermögensallokation geht dem meist hektischen<br />
Hin und Her vor. Angewohnheit Nr. 6: Was Du heute kannst<br />
besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Der Zinseszinseffekt<br />
ist bei der Kapitalanlage nicht zu unterschätzen.<br />
Angewohnheit Nr. 7: Auf aktives Management setzen. Wer<br />
sich für aktives Fondsmanagement entscheidet, setzt<br />
nicht nur darauf, dass ihm<br />
die Profis hinter dem Fonds<br />
eine zusätzliche Rendite<br />
erwirtschaften. Er läuft<br />
auch weniger Gefahr, die<br />
Lieblinge der Börse von<br />
einst als „tote Pferde“ in<br />
seinem Depot zu behalten.<br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />
13
PANORAMA Fakten für Vertrieb und Stammtisch<br />
Zurückgeschraubte<br />
Ansprüche<br />
Schrumpfende Sparbeträge<br />
Vor allem jüngere Menschen sind<br />
bereit, für mehr Nachhaltigkeit höhere<br />
Versicherungsprämien zu bezahlen<br />
oder Leistungseinbußen hinzunehmen.<br />
Dies ist das Ergebnis einer aktuellen<br />
Umfrage des Beratungsunternehmens<br />
Bearing Point, die in Deutschland,<br />
Österreich und der Schweiz durchgeführt<br />
wurde. Demnach ist in der<br />
Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen<br />
die Bereitschaft, Ansprüche zurückzuschrauben,<br />
am größten. Beim Blick auf<br />
die Zustimmungswerte in der Gesamtbevölkerung<br />
wären in Deutschland<br />
allerdings nur 32 Prozent, in Österreich<br />
41 und in der Schweiz immerhin 46<br />
Prozent bereit, für mehr Nachhaltigkeit<br />
auf Versicherungsleistungen zu<br />
verzichten.<br />
Ungenutztes Potenzial<br />
Was Kundenbindung und Cross-Selling betrifft, lassen die deutschen<br />
Versicherer viel Potenzial ungenutzt liegen: Nach einer<br />
aktuellen Umfrage der Unternehmensberatung Simon-Kucher &<br />
Partners haben nur 26 Prozent der Kunden alle Versicherungen<br />
bei einem Anbieter gebündelt. Dabei können es sich 90 Prozent<br />
der Befragten vorstellen, alle Versicherungen bei einem<br />
Anbieter abzuschließen. Die Empfehlung der Studienautoren:<br />
Versicherer sollten in der Beratung nachjustieren und vor allem<br />
junge Kunden verstärkt ansprechen.<br />
Nachdem das Geldvermögen der Deutschen zuletzt immer neue<br />
Rekordmarken überschritten hat, gehen die Sparbeträge der Bundesbürger<br />
jetzt erstmals zurück. Nach Mitteilung der Deutschen<br />
Bundesbank schrumpfte im ersten Quartal <strong>2022</strong> das Geldvermögen<br />
der Privathaushalte aus Bargeld, Wertpapieren, Bankeinlagen sowie<br />
Ansprüchen gegenüber Versicherungen um 36 Milliarden Euro auf<br />
rund 7.588 Milliarden – eine Folge von Krieg und Inflation. Den aktuellen<br />
Rückgang führt die Bundesbank vor allem auf Bewertungsverluste<br />
in Höhe von 121 Milliarden Euro durch „Kursstürze am Kapitalmarkt“<br />
zurück, die insbesondere Aktien und andere Anteilsrechte<br />
betroffen hätten.<br />
ALTERS-<br />
VORSORGE<br />
VERLIERT<br />
GEWICHT<br />
Nur noch knapp 40 Prozent der Bundesbürger sehen sich nach<br />
der Sommerumfrage der privaten Bausparkassen derzeit in<br />
der Lage, für bestimmte Zwecke Geld zurückzulegen – dies<br />
ist der niedrigste Wert seit 25 Jahren. Das hat Auswirkungen<br />
auf die Altersvorsorge: Nur noch 57 Prozent der Befragten<br />
gaben an, dafür Geld zu sparen. Im Frühjahr waren es noch 59<br />
Prozent gewesen. Dagegen konnten die Sparmotive „Wohneigentum“<br />
mit 44 Prozent und „Kapitalanlage“ mit 33 Prozent<br />
ihr Niveau halten.<br />
LEBENSERWARTUNG STEIGT<br />
Die Menschen werden immer älter. Nach einem aktuellen UNO-<br />
Bericht ist die weltweite Lebenserwartung erneut gestiegen<br />
und liegt momentan bei durchschnittlich 72,8 Jahren. Während<br />
die Lebenserwartung von Frauen im internationalen Vergleich<br />
73,8 Jahre beträgt, kommen Männer im Schnitt nur auf 68,4 Jahre.<br />
Eine weitere Prognose: Im November <strong>2022</strong> wird die Weltbevölkerung<br />
voraussichtlich die Marke von acht Milliarden Menschen<br />
überschreiten. Für das Jahr 2030 erwarten die Autoren,<br />
dass rund 8,5 Milliarden Menschen die Welt bevölkern. Im Jahr<br />
2050 werden es 9,7 Milliarden und zum nächsten Jahrhundertwechsel<br />
im Jahr 2100 10,4 Milliarden Menschen sein.<br />
14 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22
Was sie jetzt noch nicht weiß:<br />
Sie wird später einmal Artistin.<br />
Die neue NÜRNBERGER Kindervorsorge:<br />
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PANORAMA Leserbriefe<br />
KOMMENTIERT<br />
»Hier läuft einiges schief«<br />
Seit etlichen Jahren belegen Versicherungsvertreter<br />
den letzten Platz in der Berufsgruppenrangliste<br />
des dbb beamtenbunds - so<br />
auch in diesem Jahr. Nur 8 Prozent von über<br />
2.000 Befragten attestieren dieser Zunft<br />
ein hohes gesellschaftliches Ansehen. Bei<br />
Feuerwehrleuten auf dem ersten Platz sind<br />
es dagegen 94 Prozent. Auch wenn dabei<br />
das Ansehen von Versicherungsmaklern<br />
nicht explizit abgefragt wurde, erzürnte das<br />
Ergebnis doch die Gemüter einiger <strong>procontra</strong>-Leser.<br />
Gähn, wenn ein Schaden innerhalb von<br />
wenigen Tagen reguliert wird, dann ist alles<br />
wieder gut. Es kommt auf den Menschen<br />
und seine Arbeitsweise im Beruf an.<br />
MARTHA UNTERSTAB<br />
via Facebook<br />
34D ODER 34F – WONACH SOLL ICH DEN KUNDEN BERATEN?<br />
Die ESG-Präferenzabfrage entzweit die Vermittler.<br />
Wenn so eine Umfrage überhaupt etwas<br />
aussagt, ist es für mich nicht der schlechte<br />
Ruf unserer Branche (sind wir ja gewohnt),<br />
sondern von Unternehmern allgemein. Das<br />
sind doch eigentlich die, die mit ihrem täglichen<br />
Einsatz das Volk, das hier abstimmt,<br />
ernährt. Hier läuft einiges schief.<br />
STEPHAN HECKER<br />
via Facebook<br />
»Das Geld lieber in die Tilgung stecken«<br />
Die Zinsen steigen wieder, und als eine der<br />
Folgen erhalten Bausparkassen wieder mehr<br />
Kundenzulauf – neben Baudarlehen steigt<br />
auch die Nachfrage nach energetischen<br />
Sanierungen. „Bausparverträge stellen eine<br />
hervorragende Option dar, um zeitnah Planungssicherheit<br />
zu schaffen“, sagt Jürgen<br />
Ertel, Regionalleiter beim Baufinanzierungsspezialisten<br />
Baufi24. Doch das sieht nicht<br />
jeder so.<br />
Der Bausparvertrag suggeriert eine Zinssicherheit,<br />
die gegebenenfalls gar nicht<br />
vorhanden ist. Hätte man nun, anstatt den<br />
Bausparer zu besparen, das Geld lieber<br />
monatlich in die Tilgung gesteckt, dann<br />
wäre immerhin die Restschuld niedriger und<br />
damit der Schaden durch einen gegebenenfalls<br />
höheren Anschlusszins geringer.<br />
VOLKER JESCHKE<br />
via Facebook<br />
1<br />
2<br />
3<br />
4<br />
5<br />
TOP 5 DER AUSGABE<br />
+++KLICKVERDÄCHTIG+++<br />
Die beliebtesten Artikel auf <strong>procontra</strong>-online<br />
BLAU DIREKT<br />
Finanzinvestor will Maklerpool kaufen<br />
www.<strong>procontra</strong>-online.de/blaudirekt<br />
PROVISIONSVERBOT<br />
Dramatische Folgen im Königreich<br />
www.<strong>procontra</strong>-online.de/provisionsverbot<br />
HEARD GEGEN DEPP<br />
Promi-Schlammschlacht beschäftigt auch Versicherer<br />
www.<strong>procontra</strong>-online.de/depp<br />
FALSCHBERATUNG<br />
Vertreterin muss 165.000 Euro zahlen<br />
www.<strong>procontra</strong>-online.de/falschberatung<br />
VERSICHERUNGSBETRUG<br />
Mehr Fälle durch hohe Inflation?<br />
www.<strong>procontra</strong>-online.de/betrug<br />
»Wefox mehr als 4 Milliarden wert«<br />
Das Berliner InsurTech Wefox konnte vor<br />
Kurzem weitere 400 Millionen US-Dollar von<br />
Investoren einsammeln und ist damit (Stand:<br />
Juli <strong>2022</strong>) 4,5 Milliarden US-Dollar wert. Eine<br />
Größenordnung, die unter <strong>procontra</strong>-Lesern<br />
die verschiedensten Reaktionen hervorrief.<br />
Was genau macht dieses Unternehmen so<br />
wertvoll?<br />
TIM WOLFF<br />
via Facebook<br />
Dass die Investoren in ein paar Jahren das<br />
Zehnfache von ihrem Investment zurückerwarten.<br />
Ist doch ganz einfach. Wie bei allen<br />
Start-ups.<br />
JANN EGLI-HEHL<br />
via Facebook<br />
Mal sehen, wie lange diese Wette hält. So<br />
lange aber alles Gute ...<br />
NILS FISCHER<br />
via Facebook<br />
Wirecard 2.0<br />
ALEXANDER TASCH<br />
via Facebook<br />
16 Illustration: Jakob Bettin
Leserbriefe PANORAMA<br />
»Wichtiger denn je«<br />
Der Gesamtbestand an Riester-Verträgen<br />
war auch im Jahr <strong>2022</strong> rückläufig. Zudem ist<br />
eine Trendumkehr nicht in Sicht.<br />
Solange im Rentenausschuss Leute sitzen,<br />
für die Versicherer Verbrecher sind, kommt<br />
da nichts mehr. Auch die doppelte Förderung<br />
ist nicht mehr gewünscht. Dabei ist die<br />
kapitalgedeckte Altersvorsorge wichtiger<br />
denn je, wenn man bedenkt, dass 2030 die<br />
doppelte Haltelinie fällt. Hätte man doch<br />
nur eine Dienstleistungsindustrie, die hier<br />
Abhilfe schaffen könnte ...<br />
BJÖRN BAUER<br />
via Facebook<br />
»Bundesregierung verschläft PEPP«<br />
„Es macht keinen Sinn, ein System weiterzufahren,<br />
das seit 20 Jahren nicht funktioniert“,<br />
sagte Dorothea Mohn, Teamleiterin<br />
Finanzen beim Verbraucherzentrale Bundesverband,<br />
kürzlich im <strong>procontra</strong>-Interview mit<br />
Blick auf das System der privaten Altersvorsorge<br />
im Allgemeinen und der Riester-Rente<br />
im Speziellen. Die Verbraucherschützer werden<br />
dabei nicht müde, auf ihren Vorschlag<br />
der „Extrarente“ zu verweisen.<br />
Die „Experten“ sind wieder mal überhaupt<br />
nicht im Bilde. Es gibt bereits ein neues und<br />
auch kostengünstiges Produkt, nämlich die<br />
bereits verabschiedete Europarente PEPP.<br />
Leider schläft unsere Bundesregierung mal<br />
»Ein Bärendienst für<br />
das Vertrauen in die<br />
Branche.«<br />
JOHANNES PAULUS, VIA FACEBOOK, ZUM AXA-RUN-OFF<br />
wieder, weil dieses Produkt nur dann Sinn<br />
macht, wenn es steuerlich gefördert wird<br />
(ähnlich wie Riester bzw. Rürup). Aufgrund<br />
vieler anderer – offensichtlich wichtigerer –<br />
Aufgaben konnte man sich darum aber nicht<br />
kümmern, und somit gibt es bis heute in<br />
Deutschland noch keine Anbieter.<br />
ULLI MAR<br />
via Facebook<br />
»Kleinlein verlässt BdV«<br />
Ende September wird Axel Kleinlein sein Amt<br />
als Vorstandssprecher des Bundes der Versicherten<br />
abgeben. Als lautstarker Kritiker<br />
der Lebensversicherer hatte er in den elf<br />
Jahren an der BdV-Spitze auch immer wieder<br />
die Vermittler gegen sich aufgebracht.<br />
Entsprechend unsanft fielen die meisten<br />
Abschiedsgrüße an ihn aus.<br />
Und es gibt sie doch noch, die guten Nachrichten.<br />
NORBERT GENTSCH<br />
via Facebook<br />
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<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />
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17
TITEL LV-Bilanzanalyse<br />
18 Illustration: Eleonora Mavromati
LV-Bilanzanalyse TITEL<br />
ZINSWENDE KÜSST<br />
DIE BRANCHE WACH<br />
Die Zinserhöhung erleichtert die Lebensversicherer und<br />
stellt sie zugleich vor neue Herausforderungen in der Kapitalanlage.<br />
Was auf die Branche zukommt und wie Vermittler sich orientieren können<br />
– TEXT: MATTHIAS HUNDT –<br />
Die Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank<br />
(EZB) im Juli dieses Jahres läutete<br />
die lang ersehnte Zinswende ein.<br />
Dabei überraschte sie sogar mit einem<br />
ersten Schritt von 50 statt der bis zuletzt<br />
erwarteten 25 Basispunkte. In jedem Fall<br />
richtungsweisend. Gleichzeitig versprach<br />
EZB-Präsidentin Christine Lagarde „die<br />
Geldpolitik wieder normalisieren“ zu wollen.<br />
Experten hatten erst für September mit<br />
einer Erhöhung um 50 Basispunkte gerechnet.<br />
Noch im Mai sagte Lagarde den EU-<br />
Abgeordneten: „Wenn die mittelfristigen<br />
Inflationsaussichten bestehen bleiben oder<br />
sich verschlechtern, wird bei unserer Septembersitzung<br />
eine größere Erhöhung angemessen<br />
sein.“ Dieser Schritt wurde nun in<br />
den Juli vorverlegt. Auch weil die Inflation<br />
im Euroraum im Juni <strong>2022</strong> auf mittlerweile<br />
durchschnittlich 8,6 Prozent anstieg. Im<br />
Mai 2021 lag sie noch bei 2 Prozent und<br />
damit auf dem Niveau, das die EZB eigentlich<br />
dauerhaft gewährleisten muss.<br />
Das Normalniveau stellt sie jedoch erst für<br />
2024 wieder in Aussicht.<br />
Für Dr. Guido Bader, Past President der<br />
Deutschen Aktuarvereinigung (DAV), ist<br />
die Zinserhöhung zwar ein erster wichtiger<br />
Schritt, aber noch lange nicht ausreichend,<br />
um die Inflation wieder in den Griff<br />
zu bekommen: „Es ist ein erstes Signal.<br />
Allerdings implizieren die Kapitalmärkte<br />
derzeit bereits eine Zinserhöhung in Europa<br />
von weit über 1 Prozent. Ich gehe davon<br />
aus, dass auch die nächste Erhöhung<br />
im September mindestens 50 Basispunkte<br />
betragen wird und wir bis Ende des Jahres<br />
einen Leitzins von deutlich über 1 Prozent<br />
sehen.“ Folgt die EZB der amerikanischen<br />
Notenbank (Fed), könnte der Leitzins noch<br />
schneller steigen als erwartet. Die Fed hob<br />
<strong>2022</strong> bereits mehrfach die Zinsen an, zuletzt<br />
zweimal um 75 Basispunkte – die<br />
größte Zinserhöhung seit fast 40 Jahren.<br />
Die Zinsspanne liegt in den USA schon zwischen<br />
2,25 und 2,5 Prozent.<br />
LV-PROBLEME VERSCHIEBEN SICH<br />
Von einer „lang ersehnten“ Zinswende<br />
dürften auch die deutschen Lebensversicherer<br />
sprechen. Immerhin wurde jahrelang<br />
deren prekäre Lage aufgrund anhaltend<br />
niedriger Zinsen beschrieben. Grenzenlosen<br />
Jubel hört man dennoch nicht. Denn<br />
die Notenbanken beeinflussen die Zinskurve<br />
zunächst nur am kurzen Ende. „Man<br />
kann es den Lebensversicherern nie ganz<br />
recht machen“, scherzt Bader. Was er<br />
meint, sind zwei Effekte, die sich nun in den<br />
Bilanzen und Kennzahlen der Anbieter umkehren.<br />
Zum einen sinken die Bewertungsreserven.<br />
Diese waren zuletzt bis auf rund<br />
200 Milliarden Euro angestiegen (2020).<br />
Bei den Lebensversicherern im <strong>procontra</strong>-<br />
LV-Check war mit einer Reservequote<br />
BEWERTUNGSRESERVEN STIEGEN RASANT …<br />
… mit der Zinswende beginnt die Schmelze.<br />
Bewertungsreserven Reservequote<br />
in Mrd. Euro in %<br />
250 25<br />
200 20<br />
150 15<br />
100 10<br />
50 5<br />
0 0<br />
2017 2018 2019 2020 2021<br />
Lebensversicherer<br />
Reservequote<br />
1 Inter 25,6 %<br />
2 LV 1871 25,3 %<br />
3 Delta Direkt 25,2 %<br />
4 Öffentliche Braunschweig 24,0 %<br />
5 Allianz 20,5 %<br />
6 Ideal 20,3 %<br />
7 Öffentliche Sachsen-Anhalt 19,5 %<br />
8 Provinzial Hannover 18,0 %<br />
Markt 15,3 %<br />
Quelle: <strong>procontra</strong>-LV-Check <strong>2022</strong>_Datenbasis: Geschäftsberichte 2021<br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />
19
TITEL LV-Bilanzanalyse<br />
von 21,4 Prozent also ein dickes Polster<br />
vorhanden, um notwendige Erträge zu realisieren.<br />
Diese Reserven gingen bereits im<br />
vergangenen Geschäftsjahr spürbar zurück<br />
(siehe Grafik Seite 19).<br />
Durch die aktuelle Zinserhöhung wird<br />
die Neuanlage nun noch attraktiver. Die<br />
Lebensversicherer haben allerdings jede<br />
Menge Zinspapiere in den Büchern, die<br />
noch lange laufen und wenig abwerfen.<br />
Während also der Bestand festverzinsliche<br />
Coupons von nur 0,5 oder 1 Prozent ausweist,<br />
sind in der Neuanlage aktuell schon<br />
2 bis 3 Prozent möglich. Logische Folge:<br />
Der Kurswert im Bestand geht zurück, die<br />
Bewertungsreserven schmelzen. Aus stillen<br />
Reserven werden stille Lasten. Auch wenn<br />
sich diese bei festverzinslichen Wertpapieren<br />
– ebenso wie stille Reserven – zum<br />
Laufzeitende automatisch auflösen, wird es<br />
die Lebensversicherer noch ein paar Jahre<br />
herausfordern. „Solange keine Papiere, aufgrund<br />
von Downgrades durch Ratingagenturen,<br />
abgeschrieben werden müssen, können<br />
die stillen Lasten einfach ausgesessen<br />
werden“, beruhigt Bader.<br />
Bis dahin überwiegt der andere Effekt<br />
– steigende Solvenzquoten. Die hohe Zinssensibilität<br />
der Kapitalanlagebestände war<br />
bislang problematisch, da aus niedrigen<br />
Zinsen auch niedrige Solvenzquoten resultierten.<br />
Das kehrt sich nun um. „Die Solvenzquoten<br />
sind bereits seit 2021 deutlich<br />
angestiegen und werden ihren Positivtrend<br />
auch <strong>2022</strong> fortsetzen“, prognostiziert Lars<br />
Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung<br />
bei Assekurata. Er fügt an, dass<br />
sich durch diese Wende auch das Hauptaugenmerk<br />
im Rating wieder von Solvency II<br />
auf die HGB-Situation rund um die stillen<br />
Lasten verlagere, wo steigende Zinsen belastend<br />
wirken. Die Solvenzquoten lagen<br />
Ende 2021, ohne Übergangsmaßnahmen,<br />
im Schnitt bereits bei 250 Prozentpunkten.<br />
Ein Wert von etwa 300 Prozent wird für<br />
Ende <strong>2022</strong> erwartet, je nachdem, wie hoch<br />
der nächste Zinsschritt ausfällt.<br />
Zwar verringert sich durch die Abnahme<br />
der stillen Reserven die Manövriermasse<br />
der Lebensversicherer, dennoch ist die<br />
Zins er hö hung ein deutlicher Segen. Gerade<br />
mittel- bis langfristig überwiegt daher die<br />
Erleichterung bei den Anbietern. Immerhin<br />
können sie nun endlich wieder festverzinsliche<br />
Wertpapiere einkaufen, deren<br />
Coupons oberhalb des durchschnittlichen<br />
Garantieniveaus im Bestand liegen. „Aus<br />
»Die Solvenzquoten<br />
sind bereits seit 2021<br />
deutlich angestiegen<br />
und werden ihren<br />
Positivtrend auch<br />
<strong>2022</strong> fortsetzen.«<br />
LARS HEERMANN, ASSEKURATA<br />
Unternehmenssicht ist die Zinswende zunächst<br />
sehr erfreulich, insbesondere als<br />
positiver Impuls für rentierliche Altersvorsorgestrategien“,<br />
meint etwa Dr. Immo<br />
Dehnert, Leiter Kommunikation und<br />
Pressesprecher der W&W-Gruppe, für die<br />
Württembergische Lebensversicherung.<br />
Dehnert hegt auch die Hoffnung, dass bei<br />
einer Stabilisierung des Zinsumfelds die<br />
Überschussbeteiligungen für die Kunden<br />
mittelfristig wieder steigen könnten.<br />
KAPITALANLAGE WEITERHIN SCHWIERIG<br />
Eberhard Sautter, Vorstandsvorsitzender<br />
der HanseMerkur, sieht ebenfalls vorrangig<br />
positive Effekte, weist aber auch auf<br />
die Herausforderungen in der Kapitalanlage<br />
hin: „Lebensversicherer sind langfristig<br />
orientierte Anleger. Daher sind die Marktwerte<br />
der festverzinslichen Wertpapiere im<br />
Bestand aktuell unter Druck geraten, was<br />
die Renditeziele unmittelbar beeinflusst.<br />
Auch für uns ist die Erzielung einer angemessenen<br />
Nettoverzinsung eine große Herausforderung,<br />
die sich bis zu Beginn des<br />
nächsten Jahres noch fortsetzen wird.“<br />
Die Herausforderung begründet sich vor<br />
allem in der Struktur der Kapitalanlagen.<br />
Laut Assekurata schlummert der Großteil<br />
der Kapitalanlagen der Lebensversicherer<br />
weiterhin in festverzinslichen Wertpapieren.<br />
77 Prozent beträgt deren Anteil – um<br />
die Leistungsverpflichtungen sicherzustellen,<br />
überwiegend mit langen Laufzeiten<br />
und, der Vergangenheit geschuldet, niedrig<br />
verzinst.<br />
Wenn sich die Neuanlage nun aber um<br />
so viel attraktiver entwickelt, wie der<br />
Bestands cou pon, warum dann nicht einfach<br />
einen harten Cut im Bestand? Ein vorzeitiger<br />
Verkauf würde zwar Verluste realisieren,<br />
die frei werdenden Mittel könnten<br />
aber deutlich höher verzinst neu angelegt<br />
werden. Dr. Patrick Justen, Leiter Aktien,<br />
Renten und Cash bei der Alte Leipziger –<br />
Hallesche Gruppe (ALH), meint: „Im Wesentlichen<br />
käme es dann nur zu einer Verschiebung<br />
der Erträge. Realisiert man stille<br />
Reserven, so wird der zukünftige Gewinn<br />
vorgezogen, dafür sinken die laufenden Erträge.<br />
Verkauft man nun Papiere mit niedrigem<br />
Coupon, werden Verluste realisiert<br />
und die laufenden Erträge gesteigert. Bei<br />
unerwartet hohen Gewinnen, beispielsweise<br />
aus der ungeplanten Auflösung der Zinszusatzreserve,<br />
kann es aber durchaus sinnvoll<br />
sein, über eine Realisierung stiller Lasten<br />
20 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22
»ENDLICH MAL ’NE HAFTPFLICHT,<br />
DIE NICHT NUR SEHR GUT, SONDERN<br />
AUCH SEHR GÜNSTIG IST.«<br />
AUSGEZEICHNET UND AUSSERORDENTLICH<br />
GÜNSTIG: DIE VHV PRIVATHAFTPFLICHT<br />
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TITEL LV-Bilanzanalyse<br />
zur Ergebnissteuerung nachzudenken.“ Der<br />
große Ausverkauf zugunsten der Neuanlage<br />
ist allerdings nicht zu erwarten, zumal<br />
er rein bilanziell wäre, ökonomisch blieben<br />
die Lebensversicherer gleich investiert. Für<br />
Sautter wäre es sogar wenig zielführend:<br />
„Aufgrund der geopolitischen Unsicherheit,<br />
steigender Inflationsraten und einer<br />
wahrscheinlich bevorstehenden Rezession<br />
sind alle Kapitalmärkte zurzeit schwerlich<br />
vorherzusehen. Ein derartiger Tausch wäre<br />
wirtschaftlich daher nicht sinnvoll.“<br />
Natürlich locken die Ertragschancen von<br />
Substanzwerten. Die von Assekurata befragten<br />
Asset-Manager der Lebensversicherer<br />
gaben an, ihre Portfolios weiter in<br />
Richtung Immobilien, Aktien, Infrastrukturprojekte<br />
oder Private Equity verlagern<br />
zu wollen. „Mittelfristig streben wir an, mit<br />
40 Prozent der Kundengelder in alternative<br />
Anlagen investiert zu sein“, bestätigt auch<br />
die Allianz auf <strong>procontra</strong>-Nachfrage. Der<br />
Fokus beim Marktführer liege dabei auf<br />
Investments, die nicht an der Börse gehandelt<br />
werden, wie Infrastruktur, erneuerbare<br />
Energien oder Finanzierungen von Gewerbeimmobilien.<br />
Die Metamorphose der Kapitalanlage<br />
im Gesamtmarkt ist allerdings ein langfristiges<br />
Umschichtungsthema. Sie muss dosiert<br />
erfolgen, um Aufsichtsvorgaben und<br />
Garantieverpflichtungen gleichermaßen zu<br />
erfüllen. Das zwingt dann auch zum Aussitzen<br />
niedrig verzinster Wertpapiere, je<br />
nachdem, wie schwer die Garantien den<br />
Bestand belas ten. Außerdem herrscht Skepsis<br />
bezüglich des Anlageumfelds. Während<br />
2021 noch über die Hälfte mit einem guten<br />
Kapitalanlagejahr rechneten, fiel dieser<br />
Wert für <strong>2022</strong> auf gerade einmal 10 Prozent<br />
(siehe Umfrageergebnisse rechts). „Die<br />
Grundstimmung unter den Kapitalanlegern<br />
ist aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen<br />
und geopolitischen Lage eher negativ,“<br />
fasst Heermann zusammen.<br />
Pandemieverlauf, Ukrainekrieg, Inflationsrekorde<br />
und eine steigende Volatilität<br />
sind viele Variablen, die unterschiedlich wirken<br />
und das Agieren an den Kapitalmärkten<br />
erschweren. Zudem könnten weitere,<br />
größere Zinsanhebungen den Druck auf<br />
Aktien und Immobilien zeitweise erhöhen.<br />
Da erscheint ein festverzinsliches – und nun<br />
auch wieder höher verzinstes – Wertpapier<br />
für den einen oder anderen Asset-Manager<br />
derzeit sogar als das attraktivste Gesamtpaket<br />
aus Risiko und Ertrag. Auch weil sich<br />
»Die Erzielung einer<br />
angemessenen Nettoverzinsung<br />
wird auch<br />
uns bis zu Beginn<br />
des nächsten Jahres<br />
herausfordern.«<br />
40<br />
35<br />
30<br />
25<br />
20<br />
15<br />
10<br />
5<br />
0<br />
Angaben in Prozent<br />
EBERHARD SAUTTER, HANSEMERKUR<br />
der Finanzierungsbedarf zur Zinszusatzreserve<br />
verringert hat.<br />
ZINSZUSATZRESERVE AUSFINANZIERT<br />
Apropos Zinszusatzreserve. Als notwendige<br />
Maßnahme im Dauerniedrigzins umfeld<br />
müssen Lebensversicherer sie verpflichtend<br />
bilden, um ihre Garantieversprechen dauerhaft<br />
einhalten zu können. Eine enorme Belastung<br />
für die Anbieter, da die notwendigen<br />
Erträge vorrangig aus der Realisierung<br />
stiller Reserven gewonnen wurden. Diese<br />
kehren sich aber gerade in stille Lasten<br />
um, wie beschrieben. Woher kommen also<br />
künftig die Erträge zur Finanzierung der<br />
Zinszusatzreserve (ZZR)? „Wir haben den<br />
Peak der Zinszusatzreserve bereits erreicht“,<br />
erklärt Bader. Dank der Korridormethode<br />
würde der Referenzzins beim aktuellen<br />
Zinsniveau bei 1,57 Prozent verbleiben. Es<br />
gäbe also keinen Nachlaufeffekt und die<br />
ZZR würde tendenziell zurückgehen.<br />
Das bestätigt auch die Württembergische:<br />
„Aufgrund des Zinsanstiegs und bei Fortsetzung<br />
dieses Niveaus in den kommenden<br />
Monaten, wird bereits für das aktuelle Geschäftsjahr<br />
kein weiterer Aufbaubedarf bei<br />
der ZZR bestehen.“ Auch Justen von der<br />
Fortsetzung auf Seite 26<br />
»ES WIRD EIN GUTES JAHR BEZÜGLICH DER KAPITALANLAGE«?<br />
Stimmung unter Asset-Managern verschlechtert sich.<br />
stimme überhaupt<br />
nicht zu<br />
2021 <strong>2022</strong><br />
stimme eher<br />
nicht zu<br />
neutral<br />
stimme<br />
eher zu<br />
stimme<br />
voll zu<br />
Quelle: Assekurata<br />
22 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22
SOLIDARITÄT MIT DER UKRAINE –<br />
PROTEST GEGEN DEN KRIEG<br />
FRIEDEN SCHAFFEN OHNE WAFFEN!<br />
Die ÖKOWORLD steht in ihrem Denken und Fühlen seit Gründung<br />
für den Frieden. Selbstverständlich sind Waffen und Rüstung aus<br />
allen Investments ausgeschlossen.<br />
KEINE BLUTIGE RENDITE. KEIN BLUTIGES GELD.<br />
Fassungslos beobachten wir das Kriegstreiben, das Wladimir Putin<br />
kaltblütig und ohne jeden Verstand und ohne jegliche menschliche<br />
Regung vollzieht.<br />
Die ÖKOWORLD verurteilt das Verhalten<br />
der russischen Regierung auf das<br />
Allerschärfste! Wir investieren nicht in<br />
Aktien von russischen Unternehmen!<br />
Es wird Krieg geführt, mitten in Europa.<br />
Hunderttausende Menschen, darunter viele<br />
Frauen und Kinder, fliehen vor dem Blutvergießen<br />
und der brutalen Gewalt in ihrem Land.<br />
Sie werden gnadenlos vertrieben aus ihrer Heimat.<br />
Unser Mitgefühl ist bei allen Menschen, den Familien aus der<br />
Ukraine, die nun in Furcht und Angst leben.<br />
Wir hoffen auf eine baldige Entspannung in der Ukraine.<br />
ÖKOWORLD AG<br />
Itterpark 1, 40724 Hilden, Telefon: 02103 | 28 41-0, E-Mail: Info@oekoworld.com, www.oekoworld.com
TITEL LV-Bilanzanalyse<br />
SCHNELLE ZINSWENDE: EIN SEGEN<br />
FÜR DIE LEBENSVERSICHERER?<br />
Die EZB hat den Leitzins erhöht:<br />
Verbessert sich dadurch die Lage der<br />
deutschen Lebensversicherer? Dr.<br />
Herbert Schneidemann (Deutsche<br />
Aktuarvereinigung) und Prof. Dr. Hartmut<br />
Walz (BdV) mit konträren Ansichten<br />
Dr. Herbert Schneidemann,<br />
Vorstandsvorsitzender der<br />
Deutschen Aktuarvereinigung (DAV)<br />
Seit einigen Monaten erleben wir an den Finanzmärkten eine<br />
seit Jahren nicht mehr gesehene Entwicklung: steigende Zinsen.<br />
Getrieben vom vorsichtigen Einstieg der großen Notenbanken<br />
in den Ausstieg aus der ultralockeren Zinspolitik und damit der<br />
Ära des superbilligen Geldes klettern die Renditen auch von deutschen<br />
zehnjährigen Staatsanleihen langsam Richtung 1 Prozent.<br />
Und der für die Versicherungen wichtige zehnjährige Euro-SWAP<br />
bewegt sich zum Zeitpunkt, als diese Zeilen entstanden, zwischen<br />
1,5 und 2,0 Prozent. Wohlgemerkt im positiven Bereich – vor<br />
Jahresfrist sah das alles noch ganz anders aus. Für die Versicherungen<br />
und damit schlussendlich auch für die Kundinnen und<br />
Kunden sind das gute Nachrichten.<br />
Vor diesem Hintergrund wirken<br />
pro<br />
auch auf mich die Stimmen von einigen<br />
Ökonomen und Wissenschaftlern<br />
in großen Medien irritierend,<br />
die die angeblichen Schattenseiten<br />
des Zinsanstiegs in<br />
den Fokus rücken und<br />
den Versicherungen<br />
bereits großen Abschreibungsbedarf<br />
auf<br />
ihre Wertpapiere attestieren.<br />
Aus aktuarieller<br />
Sicht können wir<br />
diesen Alarmismus<br />
nicht teilen. Richtig<br />
ist, die Kapitalanlage<br />
der deutschen Versicherer besteht zu 80 bis 85 Prozent weiterhin<br />
aus festverzinslichen Wertpapieren. In Zeiten fallender oder sogar<br />
negativer Zinsen haben diese Kapitalanlagen große „stille Reserven“<br />
hervorgebracht. Diese werden jetzt im Zinsanstieg kleiner<br />
und haben sich in den meisten Häusern wahrscheinlich bereits in<br />
„stille Lasten“ gewandelt. Aber beides sind reine Momentaufnahmen,<br />
die für die Versicherungsnehmenden keine Konsequenzen<br />
haben. Denn üblicherweise halten die Versicherungen diese Wertpapiere<br />
bis zur Endfälligkeit, wodurch sich stille Reserven oder<br />
stille Lasten von allein auflösen. Selbst die US-amerikanische Fed<br />
hat nach eigener Aussage inzwischen stille Lasten von 330 Milliarden<br />
Dollar, und sie wird nicht unruhig. Das unterscheidet das<br />
Geschäftsmodell der Versicherer elementar von dem Kurzfristansatz<br />
der Geschäftsbanken, die den Zinsanstieg sicherlich auch mit<br />
einem kleinen weinenden Auge betrachten.<br />
Anders verhält es sich in den Kapitalanlageabteilungen der<br />
Versicherungen. Aktuell können Neu- und Wiederanlagen<br />
deutlich rentabler als in der Vergangenheit getätigt werden.<br />
»Keine<br />
Dramatisierung<br />
stiller Lasten!«<br />
24 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22
LV-Bilanzanalyse TITEL<br />
Dies wird die Ertragskraft der Kapitalanlagenportfolios der<br />
Versicherer mit der Zeit stärken. Zudem zeigen die DAV-Berechnungen:<br />
Sollten sich die Zinsen auf dem heutigen Niveau<br />
stabilisieren, wird die seit 2011 zu stellende Zinszusatzreserve<br />
im Branchenschnitt Ende 2021 mit knapp 100 Milliarden Euro<br />
ihren Höchststand erreicht haben und in den kommenden Jahren<br />
sogar leicht fallen. Von beiden Entwicklungen werden die<br />
Versicherungsnehmenden unseres Erachtens mittel- bis langfristig<br />
in Form höherer Kapitalerträge profitieren. Für mich sind<br />
das ziemlich gute Aussichten.<br />
Die aktuellen Veränderungen der Zinsen im Euroraum bringen<br />
den Versicherern in Wahrheit keine positiven Kurzfristeffekte.<br />
Allerdings auch keine negativen. Sondern sie sind weitgehend irrelevant<br />
für die Versicherer.<br />
Um diese Einschätzung zu verstehen, muss man sich zunächst<br />
klarmachen, dass die „schnelle Zinswende“ eher ein zaghaftes<br />
„Zinswendchen“ ist, das zusätzlich noch reichlich verspätet<br />
kommt. Natürlich bewirken höhere Zinsen ein Abschmelzen<br />
stiller Reserven und bei dem einen oder anderen Versicherer auch<br />
den Aufbau stiller Lasten. Diese Wirkungen sind jedoch im Gesamtzusammenhang<br />
nicht bedrohlich stark und werden zum Teil<br />
durch den gegenläufigen Effekt höherer Erträge im Neuanlagegeschäft<br />
kompensiert.<br />
Und dass sich der Zinsanstieg für Euro-Staatsanleihen noch<br />
kräftig fortsetzt, wird von der überwiegenden Mehrheit führender<br />
Makroökonomen als extrem unwahrscheinlich erachtet. Vor<br />
dem Hintergrund extrem hoher Staatsschulden würden starke<br />
Zinserhöhungen nämlich schnell zum Bankrott mancher EU-<br />
Mitglieder und damit zu einem Auseinanderbrechen der Gemeinschaftswährung<br />
führen.<br />
Bei einer strikt nominellen Sichtweise und dem Szenario nur<br />
moderater Zinssteigerungen ist die Welt der Versicherer also in<br />
bester Ordnung, zumal sich mit wachsendem Zeithorizont die<br />
positiven Wirkungen einer etwas rentabler werdenden Wiederanlage<br />
verstärken. Und parallel dazu nehmen etwaige stille Lasten<br />
mit sinkender Duration (durchschnittlicher Kapitalbindungsdauer)<br />
niedrig verzinster Anleihebestände in<br />
den Kapitalanlageportefeuilles der Gesellschaften<br />
ab.<br />
Dummerweise ist die ökonomisch korrekte<br />
Sicht der Versicherungskunden<br />
eine ganz andere und darf sich nicht an<br />
nominellen Zinsen ausrichten. Sie muss<br />
sich vielmehr zwingend an dem erzielbaren<br />
Realzins orientieren. Und da während<br />
des kleinen „Zinswendchens“ die<br />
Verbraucherpreisinflation um ein Mehrfaches<br />
des Zinsanstiegs zugelegt hat,<br />
erleben die Versicherungssparer aktuell<br />
Realzinsverluste in bisher unbekanntem<br />
Ausmaß. Bei einem aktuellen Kaufkraft-Minus von knapp 8<br />
Prozent sinkt der reale Wert der in kapitalbildenden Versicherungsprodukten<br />
angelegten Kundengelder schon binnen Jahresfrist<br />
um circa 5 Prozent. An dieser Stelle zeigt sich einmal mehr<br />
die Wertlosigkeit nomineller Garantieversprechen. Mit anderen<br />
Worten: Während die Lage der Versicherer recht gemütlich ist,<br />
contra<br />
»Kunden sehen sich einer bedrohlichen<br />
Entwicklung durch die reale Entwertung<br />
ihrer Ansprüche gegenüber.«<br />
Prof. Dr.<br />
Hartmut Walz,<br />
wissenschaftlicher<br />
Beirat<br />
im Bund der<br />
Versicherten<br />
(BdV)<br />
sehen sich deren Kunden einer zunehmend bedrohlichen Entwicklung<br />
durch die reale Entwertung ihrer Ansprüche gegenüber.<br />
Allmählich, jedoch wieder einmal zu spät, verstehen die<br />
Menschen, wer die Rechnung der Geldmengenausweitung und<br />
einer schönen neuen Geldpolitik ( = Modern Monetary Theory)<br />
bezahlt. <br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />
25
TITEL LV-Bilanzanalyse<br />
Fortsetzung von Seite 22<br />
ALH und Sautter von der HanseMerkur<br />
gehen dank der Zinsanhebung zukünftig<br />
von einer „kontinuierlichen Auflösung“ der<br />
ZZR aus. Das deckt sich mit den Analysen<br />
von Assekurata: „Sollten die Zinsen ihr aktuelles<br />
Niveau nicht nur halten, sondern die<br />
positive Tendenz weiter fortsetzen, bliebe<br />
der Referenzzins bis 2027 auf konstantem<br />
Niveau und würde dann erstmalig steigen,<br />
wodurch sich der ZZR-Abbau zusätzlich<br />
beschleunigen würde“, so Heermann.<br />
Gute Nachrichten also, und dennoch<br />
hätte es kritisch werden können: wäre die<br />
Zinserhöhung gerade so hoch ausgefallen,<br />
dass sich stille Reserven in stille Lasten<br />
wandeln und die ZZR weiterhin hätte finanziert<br />
werden müssen. Alles Konjunktiv,<br />
der Zinsschritt war hoch genug. Künftig<br />
steht den Lebensversicherern die Zinszusatzreserve<br />
also immer mehr als Ertragsquelle<br />
zur Verfügung. Ende 2021 waren das<br />
immerhin fast 100 Milliarden Euro. Nicht<br />
jeder Lebensversicherer wird seine ZZR direkt<br />
auflösen können. Hier sind die Garantien<br />
im Bestand entscheidend. Wer über sie<br />
verfügen kann, dem wird es auch leichter<br />
fallen, den niedrig verzinsten Bestand an<br />
festverzinslichen Wertpapieren abzustoßen.<br />
Der Verlust kann durch die Erträge aus der<br />
ZZR kompensiert werden und der Weg ist<br />
frei für eine attraktive Neuanlage.<br />
ZINSERHÖHUNG IM NEUGESCHÄFT<br />
Spannend wird es, die Auswirkungen der<br />
Zinserhöhung auf das Neugeschäft zu<br />
beob achten. Viele Versicherer gewannen<br />
mit Einmalbeiträgen Kunden, die lediglich<br />
dem Strafzins entgehen wollten. Unter<br />
Druck könnten dann Anbieter geraten,<br />
bei denen Einmalbeiträge einen besonders<br />
hohen Anteil am Neugeschäft ausmachen.<br />
CosmosDirekt (60 Prozent), Ideal (66), SV<br />
Sachsen (73) oder HanseMerkur (88) sind<br />
hier zu nennen, wie der aktuelle <strong>procontra</strong>-<br />
LV-Check <strong>2022</strong> analysierte. Schwächelt<br />
dann noch das Geschäft gegen laufenden<br />
Beitrag, wie beispielswiese bei CosmosDirekt<br />
(minus 17,7 Prozent gegenüber 2020),<br />
dann steht ein großes Fragezeichen hinter<br />
dem zukünftigen Neugeschäft. Auf <strong>procontra</strong>-Anfrage<br />
wollte CosmosDirekt nicht<br />
antworten. Sautter von der HanseMerkur<br />
erwartet den skizzierten Rückgang: „Unser<br />
Einmalbeitragsgeschäft profitierte vom<br />
niedrigen Zinsniveau und von den Nega-<br />
»Wir haben den Peak<br />
der Zinszusatzreserve<br />
bereits erreicht.«<br />
Zins / Referenzzins (jahresbezogen)<br />
Angaben in Prozent<br />
DR. GUIDO BADER, DAV<br />
tivzinsen bei Banken. Die Nachfrage nach<br />
kapitalbildenden Produkten gegen Einmalbeitrag<br />
wird sich reduzieren, sodass<br />
wir im Neugeschäft eine Verschiebung zu<br />
Produkten gegen laufenden Beitrag, insbesondere<br />
zu fondsgebundenen Produkten<br />
erwarten.“<br />
Ein Rückgang der Einmalbeiträge würde<br />
dann auch die Kostenquoten beeinflussen.<br />
Sowohl Verwaltungs- als auch<br />
Abschlusskosten stehen in Relation zum<br />
Neugeschäft, genauer zu den gebuchten<br />
Bruttobeiträgen bzw. zur Beitragssumme<br />
des Neugeschäfts. Im Geschäftsjahr 2021<br />
hielten sich die Kostenquoten noch weitestgehend<br />
stabil gegenüber dem Vorjahr, obwohl<br />
die absoluten Aufwendungen stiegen.<br />
Geht das Neugeschäft – durch ausbleibende<br />
Einmalbeiträge – nun spürbar zurück, wird<br />
man in Zukunft steigende Kostenquoten<br />
beobachten. Sautter ordnet ein: „Die Verwaltungskostenquote<br />
vermittelt in dieser<br />
Situation allerdings ein unrichtiges Bild, so-<br />
ZINSZUSATZRESERVE WIRD ABSCHMELZEN<br />
Positiv-Szenario: steigende Zinsen<br />
ZZR-Bestand (nach Korridormethode)<br />
Referenzzins<br />
Fortsetzung auf Seite 30<br />
4 200<br />
3,5 175<br />
3 150<br />
2,5 125<br />
2 100<br />
1,5 1,57<br />
75<br />
1 50<br />
0,5 25<br />
0 0<br />
-0,5 -25<br />
2010<br />
2011<br />
2012<br />
2013<br />
2014<br />
2015<br />
2016<br />
2017<br />
2018<br />
2019<br />
2020<br />
2021<br />
<strong>2022</strong><br />
2023<br />
2024<br />
2025<br />
2026<br />
2027<br />
2028<br />
2029<br />
Bestand Zinszusatzreserve (kumuliert)<br />
Angaben in Mrd. Euro<br />
2030<br />
2031<br />
2032<br />
2033<br />
2034<br />
2035<br />
Quelle: ECB Statistical Data Warehouse, Deutsche Bundesbank, Assekurata<br />
26 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22
Paulo Patricio,<br />
HanseMerkur Organisationsdirektor<br />
Erstklassige KV für<br />
Beamten-Anwärter<br />
schon ab<br />
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HanseMerkur – und das zu besonders günstigen<br />
Konditionen dank umfangreicher jährlicher Beitragsrückerstattung.<br />
Selbstverständlich bleiben die<br />
Beiträge stabil – garantiert für 48 Monate, denn<br />
Hand in Hand ist HanseMerkur.
TITEL LV-Bilanzanalyse<br />
DAS BILANZJAHR 2021<br />
Die Zahlen der Anbieter und die Entwicklung zum<br />
Vorjahr. Blau unterlegte Kennzahlen bedeuten<br />
dabei eine Verbesserung, rot unterlegte eine<br />
Verschlechterung der jeweiligen Kennzahl.<br />
PROCONTRA-LV-NOTE<br />
Die <strong>procontra</strong>-LV-Note setzt<br />
sich aus den Ergebnissen<br />
der Teilbereiche Neugeschäft<br />
1 ++<br />
(20 Prozent), Finanzstärke<br />
(40), Erträge & Kosten (30)<br />
sowie Kundenzufriedenheit<br />
LV-Note (10) zusammen.<br />
Dabei wurden die Entwicklungen<br />
über die vergangenen drei Geschäftsjahre<br />
(2019–2021) berücksichtigt, um die Stabilität und<br />
Kontinuität in den Vordergrund zu stellen. Je nach<br />
Kennzahl wurde dafür das Dreijahresmittel bzw.<br />
die relative Entwicklung im Zeitraum herangezogen.<br />
LV-CHECK <strong>2022</strong> BESTELLEN<br />
Der <strong>procontra</strong>-LV-Check analysiert seit 2009 die<br />
Geschäftsberichte der wichtigsten deutschen<br />
Lebensversicherer. Die Studie ist damit eine der<br />
umfangreichsten Bilanzanalysen für den deutschen<br />
LV-Markt.<br />
Die aktuelle <strong>Ausgabe</strong> mit allen Zahlen und<br />
Entwicklungen ist ab sofort verfügbar.<br />
www.lv-check.net<br />
Verbesserung zum Vorjahr<br />
Verschlechterung zum Vorjahr<br />
1<br />
Neuzugang lfd. Beitrag + Einmalbeiträge/10<br />
2<br />
Anteil der RfB-Zuführung im Geschäftsjahr an gesamter RfB<br />
3<br />
Relation zwischen Zinszusatzreserve (ZZR) und gesamten<br />
Deckungsrückstellungen<br />
4<br />
Kapitalanlageergebnis, um die Zuführung<br />
zur Zinszusatzreserve bereinigt<br />
5<br />
Nach Steuern und ggf. Gewinnabführungsverträgen<br />
6<br />
Verschmelzung mit Plus Lebensversicherung zum 1.1.2020<br />
* Geschäftsbericht der Landeslebenshilfe bei Redaktionsschluss<br />
noch nicht verfügbar<br />
Lebensversicherer NEUGESCHÄFT<br />
Neuzugang<br />
nach APE 1<br />
Anteil<br />
Einmalbeiträge<br />
Brutto-<br />
Neugeschäftsquote<br />
Gebuchte<br />
Bruttobeiträge<br />
Beitragssumme<br />
des Neuzugangs<br />
Policen<br />
Mio. € % % Mio. € Mio. € Stück<br />
Marktschnitt/-summe 9.525,7 36,6 6,9 93.014,0 179.412,0 75.229.1<strong>04</strong><br />
Allianz 2.177,2 58,8 6,7 23.254,2 36.851,7 11.515.151<br />
Alte Leipziger 349,9 25,4 8,0 2.906,1 7.437,6 1.654.976<br />
Axa 219,7 20,6 5,2 2.662,9 5.558,3 2.487.000<br />
Barmenia 43,2 12,3 14,4 286,7 1.342,4 269.476<br />
Basler 63,5 8,7 9,1 535,7 1.979,8 674.050<br />
Bayern Lebensversicherung 379,2 54,0 9,2 3.502,2 5.470,0 2.317.182<br />
Concordia oeco 12,5 16,2 6,3 171,4 309,6 163.540<br />
Condor 45,5 15,9 11,6 340,8 1.091,6 239.239<br />
Continentale 140,9 11,1 11,1 997,8 4.119,9 896.300<br />
CosmosDirekt 172,9 59,5 3,1 2.176,0 2.299,4 1.255.343<br />
Credit Life 12,7 46,0 5,5 171,3 185,9 835.675<br />
Debeka 319,5 19,9 4,8 3.918,1 6.855,6 3.190.195<br />
Delta Direkt 2,5 0,0 4,8 51,6 48,0 82.156<br />
Dt. Ärzteversicherung 67,4 2,1 6,2 662,9 1.787,7 240.626<br />
DEVK Allgemeine 40,3 20,5 5,7 471,1 1.080,0 714.483<br />
Dialog 36,1 0,1 10,5 324,7 893,4 536.133<br />
die Bayerische 56,4 44,8 16,1 439,0 1.282,7 199.367<br />
Direkte Leben 1,6 6,4 3,5 35,4 34,6 134.411<br />
Dortmunder 4,8 4,3 0,2 22,4 150,9 22.952<br />
Ergo Vorsorge 149,5 2,7 1,1 1.021,8 4.434,9 1.386.118<br />
Europa 29,1 14,8 7,1 384,9 949,0 557.617<br />
Generali Deutschland 672,6 20,9 8,0 5.878,9 17.219,4 5.273.618<br />
Gothaer 100,3 49,7 4,5 1.314,9 1.746,3 1.175.770<br />
Hannoversche 86,8 28,3 7,2 1.052,8 1.550,6 1.095.779<br />
HanseMerkur 122,8 88,3 5,9 1.265,2 1.478,7 289.571<br />
HDI 121,9 11,3 5,2 1.630,0 2.635,0 1.884.807<br />
Helvetia 32,3 39,1 7,9 322,2 757,0 154.584<br />
Huk-Coburg 49,4 12,3 5,2 658,3 1.382,8 649.780<br />
Ideal 48,1 66,2 7,0 520,0 842,8 601.887<br />
Inter 6,5 19,4 3,9 86,5 166,2 98.627<br />
InterRisk 8,8 28,3 6,1 105,9 163,7 106.163<br />
Itzehoer 4,3 20,3 6,3 55,7 96,2 71.098<br />
LV 1871 87,1 28,9 10,1 759,2 2.114,0 643.902<br />
LVM 83,1 3,5 6,4 842,2 2.211,2 815.587<br />
Mecklenburgische 12,4 11,5 7,4 126,6 319,6 164.672<br />
Münchener Verein 15,9 31,9 6,3 167,5 309,4 127.509<br />
myLife 36,1 42,6 17,6 327,7 750,4 121.752<br />
Neue Leben 81,4 56,4 5,3 972,9 1.399,6 848.760<br />
Nürnberger 178,0 17,8 4,9 2.308,6 4.310,4 2.400.508<br />
Öffentliche Braunschweig 14,0 68,3 4,6 172,9 216,2 113.376<br />
Öffentliche Oldenburg 7,2 29,7 6,1 91,3 174,4 122.377<br />
Öffentliche Sachsen-Anhalt 16,9 55,4 6,9 189,8 282,2 284.878<br />
PB Leben 74,6 42,6 7,1 773,7 1.454,3 1.082.262<br />
Provinzial Hannover 32,0 32,3 3,9 546,1 824,4 725.932<br />
Provinzial NordWest 138,4 40,8 6,2 1.476,6 2.666,3 1.573.701<br />
Provinzial Rheinland 106,0 60,8 4,8 1.262,3 1.822,5 1.103.916<br />
R+V 1.435,1 28,8 9,4 8.038,0 12.560,4 5.502.992<br />
Signal Iduna 128,7 17,2 6,4 1.213,9 3.287,6 1.5<strong>04</strong>.438<br />
SparkassenVersicherung 184,4 50,8 7,7 1.926,7 3.297,2 1.541.171<br />
Stuttgarter 71,0 12,4 7,8 646,8 1.948,0 523.610<br />
Süddeutsche 0,9 7,9 0,0 31,7 12,1 46.105<br />
SV Sachsen 71,9 72,8 5,9 796,4 984,7 608.297<br />
Swiss Life 158,7 6,3 9,1 1.263,6 4.650,0 1.018.227<br />
Targo 141,5 37,2 15,2 1.092,4 2.605,3 1.851.738<br />
uniVersa 19,8 11,3 11,7 140,9 603,3 165.889<br />
Volkswohl Bund 128,1 10,5 5,7 1.596,2 3.875,0 1.500.376<br />
VPV 27,8 40,8 4,3 408,5 596,1 592.596<br />
VRK Lebensversicherung 12,0 17,4 4,6 165,1 262,7 203.792<br />
WGV 1,8 14,2 2,7 41,2 35,0 52.491<br />
Württembergische 187,3 44,0 5,0 2.180,0 3.997,9 1.857.877<br />
WWK 140,3 12,7 11,4 1.251,0 4.257,2 1.055.349<br />
Zurich 265,3 28,1 4,7 3.232,7 4.353,2 2.796.325<br />
28 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22
LV-Bilanzanalyse TITEL<br />
Freie-<br />
RfB-Quote<br />
FINANZSTÄRKE ERTRÄGE & KOSTEN KUNDENZUFRIEDENHEIT<br />
Zuführung Reservequote ZZR zur<br />
zur RfB 2 Deckungsrückstellung<br />
3<br />
Bereinigte Verwaltungskostenquote<br />
Nettoverzinsung<br />
(3 Jahre) 4<br />
Abschlusskostenquote<br />
Rohüberschuss<br />
5<br />
Storno<br />
(lfd. Beitrag)<br />
Storno<br />
(Anzahl)<br />
Beschwerden<br />
% % % % % % % Mio. € % % je 1 Mio. Verträge<br />
56,0 17,7 15,3 10,2 2,65 2,00 4,46 10.661,5 4,3 2,6 10,3<br />
61,2 19,8 20,5 7,9 3,08 0,99 3,70 3.151,0 4,0 1,4 10,2 2++<br />
44,0 27,8 10,8 10,6 2,33 1,56 3,92 343,5 5,9 2,2 5,0 1+<br />
55,4 23,9 16,2 13,0 3,41 2,99 4,54 556,7 4,2 2,0 14,6 2+<br />
37,0 33,6 7,6 10,3 2,48 2,99 3,00 45,4 7,1 4,0 19,2 2++<br />
64,3 19,5 14,6 13,3 3,40 3,07 5,21 86,0 4,2 2,9 10,6 1<br />
52,6 12,3 13,9 8,0 1,91 1,42 4,67 179,3 4,2 4,4 4,1 1<br />
50,9 8,1 3,0 11,0 2,33 2,25 4,61 6,8 3,8 1,9 12,1 2<br />
52,7 3,2 13,6 10,5 2,72 2,14 3,60 5,7 4,3 1,9 8,7 2++<br />
62,2 17,4 9,1 8,7 2,42 1,99 4,50 182,9 4,6 2,7 9,4 1+<br />
50,8 27,9 6,8 8,2 2,26 0,95 2,80 401,2 4,1 1,5 23,3 2++<br />
22,2 14,7 4,5 8,8 1,52 3,61 21,45 10,5 4,5 4,7 9,9 3++<br />
62,5 7,5 13,8 14,0 2,03 1,41 3,32 221,8 4,8 3,3 9,6 1<br />
84,0 16,3 25,2 4,9 2,47 1,77 7,82 26,0 1,7 0,6 0,0 2+<br />
52,2 33,8 11,8 11,1 2,54 3,51 5,02 145,6 3,4 1,5 12,6 1<br />
51,0 23,8 13,4 11,7 2,47 2,91 5,26 63,6 4,9 3,1 12,3 2+<br />
52,5 26,2 9,8 2,5 2,60 2,56 6,77 135,6 2,5 1,6 3,8 1<br />
56,2 26,2 9,9 3,5 4,61 1,80 4,24 49,5 4,9 3,8 5,5 1+<br />
60,6 15,5 13,1 10,0 1,35 5,14 5,55 10,8 2,3 1,8 0,0 1<br />
100,0 13,7 9,2 0,0 1,07 4,08 5,75 -3,3 4,5 9,4 0,0 2<br />
64,2 17,7 9,2 5,4 1,03 2,00 3,50 79,2 8,2 3,0 14,9 1+<br />
74,2 24,7 8,1 6,8 2,09 0,78 3,50 176,9 1,7 0,9 5,5 1<br />
63,1 9,0 9,0 10,3 2,47 2,29 4,62 471,4 4,5 2,7 10,6 2++<br />
63,7 26,2 10,1 10,2 2,78 1,93 5,68 175,6 3,4 2,2 21,5 1<br />
66,6 18,8 18,0 10,8 2,66 1,25 4,22 283,2 2,0 1,0 16,8 1<br />
49,7 22,1 3,8 5,6 2,91 0,33 3,40 52,6 5,2 2,2 14,3 2++<br />
56,1 27,6 16,4 12,4 2,62 4,43 6,51 285,3 3,9 1,9 18,1 2++<br />
42,1 32,3 9,5 9,7 2,61 4,10 4,73 30,1 4,3 3,1 6,5 2++<br />
72,6 30,1 8,0 12,6 1,56 1,97 3,21 1<strong>04</strong>,4 2,6 1,9 12,3 2++<br />
56,4 24,0 20,3 4,9 3,36 2,49 4,59 47,2 2,3 1,3 13,3 2++<br />
39,1 14,4 25,6 14,3 2,97 3,61 2,92 17,9 3,9 1,4 0,0 2++<br />
55,0 41,6 10,7 7,0 2,75 4,35 3,55 40,8 2,2 1,5 0,0 2++<br />
42,6 10,8 11,7 10,6 2,54 1,90 4,27 4,5 3,7 2,3 0,0 2+<br />
48,3 5,6 25,3 12,0 3,28 2,00 4,10 107,4 3,3 1,4 9,5 2++<br />
49,5 15,7 13,4 12,2 2,14 1,74 3,15 98,5 3,3 1,9 2,5 2++<br />
31,2 9,9 13,5 10,1 1,93 2,46 3,62 8,3 4,2 2,5 6,1 2++<br />
77,3 7,6 10,1 10,5 2,53 3,28 4,02 11,2 4,2 1,4 7,8 2+<br />
70,8 15,1 2,5 6,5 1,53 2,33 0,23 5,6 3,4 4,6 17,5 1<br />
73,6 10,4 16,3 10,1 2,80 1,42 6,15 68,6 3,7 5,5 11,5 2++<br />
53,5 26,3 13,8 9,4 2,29 3,74 5,95 367,0 4,2 2,2 12,6 2++<br />
35,7 19,5 24,0 10,0 3,25 3,39 4,60 24,6 3,6 2,0 0,0 2+<br />
26,7 21,9 14,2 10,7 2,49 1,99 4,85 9,3 2,8 3,8 0,0 2+<br />
33,7 25,6 19,5 9,0 2,22 1,34 5,51 17,7 3,6 2,9 3,5 1<br />
77,8 5,6 10,6 11,4 2,42 8,11 5,52 31,8 5,3 6,2 33,2 2<br />
24,1 20,8 18,0 11,0 2,64 2,73 6,00 111,7 3,6 2,7 12,0 2+<br />
62,8 10,4 9,5 11,2 2,19 2,51 5,31 68,5 3,9 3,6 10,6 2++<br />
68,4 15,0 16,6 10,0 2,69 1,44 5,82 110,9 3,6 4,8 7,1 2++<br />
33,6 15,5 12,7 7,6 1,93 1,11 4,76 376,6 3,2 3,3 3,4 1<br />
56,4 18,7 10,5 13,4 2,90 3,18 3,25 209,9 5,0 2,0 13,8 1<br />
48,7 8,5 14,9 9,6 2,23 1,92 4,90 132,7 3,9 3,1 10,2 2+<br />
25,3 17,2 12,4 9,9 2,75 2,38 5,11 72,9 4,9 2,7 7,8 2++<br />
90,1 9,2 14,8 13,8 1,87 2,59 3,12 3,2 5,0 3,2 0,0 2<br />
25,6 8,6 13,1 6,5 2,38 1,42 4,51 91,7 3,8 2,1 1,7 2++<br />
37,1 30,0 17,4 12,3 3,50 3,<strong>04</strong> 4,73 243,0 4,8 2,7 7,2 1<br />
66,5 13,3 12,4 5,5 1,94 11,88 6,00 58,6 13,1 8,4 4,7 2<br />
58,7 26,4 16,1 11,5 2,77 2,32 3,79 15,7 5,0 2,4 12,0 1<br />
23,6 24,3 16,8 11,7 2,42 1,66 4,45 249,1 3,9 2,4 12,8 1<br />
56,1 12,4 12,0 11,3 2,66 3,32 5,53 27,2 3,7 1,9 11,2 2++<br />
65,7 6,6 9,1 12,3 1,73 2,28 4,63 4,5 3,2 1,0 9,5 2<br />
66,1 30,7 6,9 12,6 2,98 2,19 4,92 19,1 1,3 0,6 18,7 2+<br />
61,1 19,6 8,0 11,6 3,15 1,76 4,53 334,8 4,7 1,7 3,6 1<br />
44,3 28,4 7,5 8,0 3,50 2,78 4,63 81,2 7,3 2,8 12,9 1<br />
38,9 7,6 16,5 11,1 2,88 2,54 7,88 179,6 4,7 2,7 9,7 2<br />
LV-Note <strong>2022</strong><br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />
29
TITEL LV-Bilanzanalyse<br />
ZU ABHÄNGIG<br />
VOM EINMALGESCHÄFT?<br />
Lebensversicherer<br />
Anteil Einmalbeiträge<br />
am Neugeschäft<br />
1 HanseMerkur 88,3 %<br />
2 SV Sachsen 72,8 %<br />
3 Öffentliche Braunschweig 68,3 %<br />
4 Ideal 66,2 %<br />
5 Provinzial Rheinland 60,1 %<br />
Markt 36,6 %<br />
VERWALTUNG<br />
Aufwendungen Quote<br />
in Mio. Euro<br />
in Prozent<br />
1.900<br />
1.850<br />
1.800<br />
1.750<br />
1.700<br />
1.650<br />
2017 2018 2019 2020 2021<br />
KOSTENQUOTEN UNTER BEOBACHTUNG<br />
2,30<br />
2,20<br />
2,10<br />
2,00<br />
1,90<br />
1,80<br />
1,70<br />
ABSCHLUSS<br />
Aufwendungen Quote<br />
in Mio. Euro<br />
in Prozent<br />
8.000<br />
7.500<br />
7.000<br />
6.500<br />
6.000<br />
2017 2018 2019 2020 2021<br />
4,70<br />
4,60<br />
4,50<br />
4,40<br />
4,30<br />
4,20<br />
4,10<br />
Quelle: <strong>procontra</strong>-LV-Check <strong>2022</strong> Quelle: <strong>procontra</strong>-LV-Check <strong>2022</strong><br />
Fortsetzung von Seite 26<br />
fern es um die Effizienz des Versicherungsbetriebs<br />
geht. Die in den letzten Jahren gezeichneten<br />
Einmalbeiträge liefern nicht nur<br />
im ersten Jahr, sondern während ihrer gesamten<br />
Vertragslaufzeit einen positiven Beitrag<br />
zum Verwaltungskostenergebnis. Das<br />
Einmalbeitragsgeschäft reduziert auf diese<br />
Weise bei gleichbleibenden Gesamtkosten<br />
dauerhaft die durchschnittliche Kostenbelastung<br />
des vorhandenen Versicherungsbestands,<br />
auch wenn dies in der Verwaltungskostenquote<br />
nicht zum Ausdruck kommt.“<br />
WANN PROFITIEREN DIE KUNDEN?<br />
Das Thema Zinserhöhung beherrscht derzeit<br />
auch die Beratungsgespräche zur Altersvorsorge.<br />
Kunden werden nun höhere<br />
Überschussbeteiligungen erwarten, erst recht,<br />
wenn Lebensversicherer keine ZZR mehr<br />
finanzieren müssen. Doch ganz so schnell<br />
wird es nicht gehen (können). Die Erträge<br />
aus der Auflösung der ZZR werden zunächst<br />
die niedrigeren Coupons im Bestand<br />
ausgleichen. Wie lange dieser Ausgleich erforderlich<br />
ist, bestimmt die Kapitalanlagestruktur<br />
der einzelnen Anbieter. Insgesamt<br />
werden Kunden aber wohl erst mittel- bis<br />
langfristig profitieren. Fraglich, wie wichtig<br />
die Überschussbeteiligung überhaupt noch<br />
ist. Anbieter und Vertriebe setzen immer<br />
stärker auf Produkte mit hybriden oder ganz<br />
ohne Garantiekomponenten. Dort spielt die<br />
Überschussdeklaration für die Wertentwicklung<br />
nur eine geringe oder gar keine Rolle<br />
mehr. Zumindest in der Ansparphase.<br />
Da die Rentenphase nach wie vor überwiegend<br />
klassisch im Deckungsstock abgebildet<br />
wird, bleibt die Überschussbeteiligung für<br />
Kunden aber wichtig. Bader rechnet damit,<br />
dass es noch „einige Jahre“ dauern wird,<br />
bis die Zinswende in den Überschussbeteiligungen<br />
für Kunden spürbar und sichtbar<br />
wird. In der Altersvorsorgeberatung gilt<br />
es ohnehin – trotz positiver Zinswende –,<br />
die Ertragschancen von Produkten in den<br />
Fokus zu stellen. Nur so kann der Inflation<br />
begegnet werden und die Kaufkraft langfristig<br />
erhalten bleiben. Das gelingt immer<br />
besser. Fondsgebundene Lösungen stehen<br />
laut <strong>procontra</strong>-LV-Check <strong>2022</strong> mittlerweile<br />
für 40,1 Prozent der laufenden Neubeiträge.<br />
Die Brutto-Neugeschäftsquote lag mit<br />
12,6 Prozent noch einmal deutlich über<br />
dem Vorjahreswert aus 2020 (10,3) – Tendenz<br />
weiter steigend.<br />
HERAUSFORDERUNGEN BLEIBEN HOCH<br />
Freie Vermittler müssen laut VVG einen<br />
hinreichenden Marktüberblick in ihrer Beratung<br />
gewährleisten. Dazu zählt insbesondere<br />
die Anbieterauswahl. Im Bereich der<br />
Lebensversicherer liefern hier die Entwicklung<br />
des Neugeschäfts gegen laufenden<br />
Beitrag, Kostenquoten und die Ergebnisse<br />
in der Kapitalanlage wichtige Hinweise auf<br />
den „Gesundheitszustand“.<br />
Der Rohüberschuss der Anbieter im<br />
<strong>procontra</strong>-LV-Check stieg auf 10,7 Milliarden<br />
Euro, was vorrangig an einer deutlich<br />
höheren Zuführung zur RfB lag. Erfreulich<br />
zeigte sich bislang die Stornosituation<br />
trotz aller wirtschaftlicher Unsicherheiten.<br />
Die Quote gegen laufenden Beitrag sank<br />
von 4,5 auf rund 4,3 Prozent 2021. Alle<br />
wichtigen Kennzahlen und Marktentwicklungen<br />
sind im <strong>procontra</strong>-LV-Check <strong>2022</strong><br />
analysiert worden. Die Bilanzanalyse ist ab<br />
sofort unter www.lv-check.net verfügbar.<br />
Bei der Frage „Fluch oder Segen?“ ist die<br />
Zinswende klar als Entlastung für die Lebensversicherer<br />
zu werten, vor allem langfristig.<br />
Angesichts der negativen Konjunkturaussichten<br />
und der stark angestiegenen<br />
Inflation bleibt die Situation für Versicherer,<br />
Vermittler und auch Kunden aber weiter<br />
angespannt. „Die hohe Inflation schränkt<br />
die Sparmöglichkeiten vieler Bürger ein und<br />
zehrt an der Realverzinsung der Policen“,<br />
kommentiert Assekurata-Geschäftsführer<br />
Dr. Reiner Will. „Zugleich könnten konkurrierende<br />
Bankprodukte bei weiter steigenden<br />
Zinsen wieder attraktiver werden,<br />
wobei sich dieser Effekt typischerweise erst<br />
zeitversetzt einstellt, wenn die Banken die<br />
höheren Zinsen auch tatsächlich an ihre<br />
Kunden weitergeben.“<br />
Auch die Regulierung fordert vor allem<br />
kleinere Lebensversicherer, die relativ gesehen<br />
höher belastet werden. (Teil-)Run-offs,<br />
wie zuletzt der Axa oder Zurich, und weitere<br />
Konsolidierungen und Übernahmen<br />
(zum Beispiel: Ideal kauft myLife) halten<br />
den Markt in Bewegung. Entsprechend<br />
steigt die Bedeutung für Vermittler, sich<br />
mit dem Zustand der Produktgeber intensiver<br />
auseinanderzusetzen, um verbindliche<br />
Empfehlungen aussprechen zu können.<br />
30 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22
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BUSCHFUNK Investmentfonds<br />
INVESTMENTFONDS<br />
ERHÖHUNG DES SPARERPAUSCHBETRAGS GEPLANT<br />
Kapitalerträge bis 1.000 Euro sollen steuerfrei bleiben<br />
Foto: Gettyimages<br />
Sparen soll sich wieder mehr lohnen. Aus diesem Grund plant Bundesfinanzminister Christian<br />
Lindner, den sogenannten Sparerpauschbetrag anzuheben. Kapitalerträge wie Zinsen und<br />
Dividenden sollen für Singles künftig bis zu einem Betrag von 1.000 Euro von der Einkommenssteuer<br />
befreit bleiben. Für Lebenspartner soll der Freibetrag von derzeit 1.602 auf 2.000<br />
Euro steigen. Eine entsprechende Maßnahme hatten die Ampel-Parteien bereits in ihrem<br />
Koalitionsvertrag vereinbart. Es wäre die erste Anhebung des Sparerpauschbetrags seit 22<br />
Jahren, sagte Lindner. Gerade in Zeiten steigender Preise sei dies notwendig. Auf diese Weise<br />
stärke man nicht nur die private Altersvorsorge, sondern auch die Anlage- und Aktienkultur<br />
der Deutschen.<br />
FRAUEN SETZEN AUF ROBO-ADVISORS<br />
Die Zahl der Anlegerinnen nimmt zu.<br />
Immer mehr Frauen setzen sich eigenständig mit ihren Finanzen auseinander.<br />
Das geht aus der Brokerwahl <strong>2022</strong> des Portals Brokervergleich<br />
hervor. „Wir sehen seit 2016 eine regelmäßige Steigerung, was<br />
die Anzahl der Frauen angeht“, so Projektmanager André Salzwedel.<br />
Dabei hätten Anlagen über Robo-Advisors einen signifikant höheren<br />
Anteil an Anlegerinnen. Bei den Anlageprodukten unterscheiden sich<br />
Männer und Frauen kaum: Mit 83 Prozent investieren die meisten<br />
Deutschen in Aktien, danach folgen Fonds und ETFs (73 Prozent).<br />
Foto: damircudic<br />
GRÜNE KAPITALANLAGEN BOOMEN<br />
Volumen nachhaltiger Geldanlagen auf Rekordhoch<br />
Foto: Simon Kr.<br />
Der Markt für nachhaltige Geldanlagen hat im vergangenen Jahr in Deutschland einen neuen<br />
Rekordwert erreicht. Das zeigt der aktuelle Marktbericht „Nachhaltige Geldanlagen <strong>2022</strong>“.<br />
Demnach stieg das Gesamtvolumen auf 501,4 Milliarden Euro und erhöhte sich damit im Vergleich<br />
zum Vorjahr um 50 Prozent – bei der letzten Erhebung waren es 25 Prozent gewesen.<br />
Der Marktanteil „grüner“ Kapitalanlagen liegt mittlerweile bei 9,4 Prozent. Ausschlaggebend<br />
für das kräftige Wachstum seien verschiedene Faktoren gewesen: 58 Prozent des Zuwachses<br />
von 91,4 Milliarden Euro entfielen auf die dynamische Wertentwicklung nachhaltiger<br />
Kapitalanlagen bzw. auf die Umstellung von Fonds auf Nachhaltigkeit. Weitere 40 Prozent des<br />
Zuwachses basierten 2021 auf Mittelzuflüssen seitens der Privatanleger.<br />
32<br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22
Investmentfonds BUSCHFUNK<br />
abrdn: Auflage China Next Generation Fund<br />
abrdn gibt die Auflegung des Aberdeen Standard Sicav I<br />
– China Next Generation Fund bekannt. Dabei handelt<br />
es sich um einen Small- und Mid-Cap-Fonds (SMID), der<br />
hauptsächlich in die am niedrigsten kapitalisierten 30 Prozent<br />
des chinesischen Aktienmarktes investiert, onshore<br />
(Festland) wie offshore (vor allem Hongkong).<br />
Foto: Iakov Kalinin<br />
Die Folgen des<br />
Zinsanstiegs<br />
Dr. Reiner Will,<br />
Geschäftsführender Gesellschafter und Mitbegründer der<br />
Assekurata Assekuranz Rating-Agentur<br />
Amundi: Erster ETF auf MIB ESG-Index<br />
Amundi hat den FTSE MIB Ucits ETF in den Italy MIB<br />
ESG – Ucits ETF DR gewandelt und bekräftigt damit sein<br />
Engagement für verantwortungsbewusstes Investieren.<br />
Der Amundi Italy MIB ESG – Ucits ETF DR ist der erste ETF<br />
auf den von Euronext neu geschaffenen MIB ESG-Index.<br />
Dieser umfasst aus den 60 liquidesten italienischen börsennotierten<br />
Unternehmen die 40 Aktien, die eine starke<br />
Umwelt-, Sozial- und Governance-Bilanz aufweisen.<br />
Vanguard: Vertriebsprofi wechselt zu SSGA<br />
State Street Global Advisors (SSGA) hat Markus Weis zum<br />
Deutschlandchef speziell für ihre ETF-Reihe SPDR ernannt.<br />
Weis ist ehemaliger Leiter Deutschland und Österreich des<br />
ETF- und Indexfondshauses Vanguard. Er wird in seiner<br />
neuen Funktion an Matteo Andreetto, Leiter für die Emea-<br />
Region bei SPDR, berichten.<br />
Lloyd Fonds: Umbenennung in Laiqon<br />
Der Vermögensverwalter Lloyd Fonds ändert seinen<br />
Namen und heißt bald Laiqon. Als Sachwerteanbieter<br />
gestartet, hat sich das Unternehmen seit 2018 auf liquide<br />
Publikumsfonds fokussiert und möchte mit dem Namenswechsel<br />
seine Neuausrichtung unter der Strategie<br />
„2023/25 2.0“ unterstreichen.<br />
Credit Suisse: Körner neuer Chef<br />
Die Credit Suisse Group AG (Credit Suisse) hat die Ernennung<br />
von Ulrich Körner zum Group Chief Executive Officer<br />
zum 1. August <strong>2022</strong> bekannt gegeben. Er ersetzt Thomas<br />
Gottstein, der zurückgetreten ist. Gleichzeitig hat die Bank<br />
angekündigt, dass sie eine umfassende strategische<br />
Überprüfung durchführt.<br />
Allianz GI: Erfolgreicher Transfer-Abschluss<br />
Allianz Global Investors (Allianz GI) hat den Transfer ihrer<br />
US-Investmentteams und der von ihnen verwalteten<br />
Vermögen zu Voya Investment Management (Voya IM) abgeschlossen.<br />
Dies ist Teil der strategischen Partnerschaft,<br />
die eine globale Vertriebsvereinbarung zwischen den<br />
beiden Unternehmen sowie eine 24-prozentige Beteiligung<br />
der Allianz Gruppe an Voya IM beinhaltet.<br />
Foto: Mariusz Szczygiel<br />
Achim Plate, CEO Lloyd Fonds<br />
Infolge der Corona-Pandemie und des Ukrainekrieges<br />
klettert die Inflation sprunghaft auf<br />
Rekordwerte. Die Zinsen steigen, und auch die<br />
Kreditrisikoprämien weiten sich deutlich aus.<br />
Damit erhöhen sich die Einstandsrenditen, was<br />
zunächst für Lebensversicherer und deren Kunden<br />
eine gute Nachricht ist. Allerdings kam der<br />
Umschwung sehr rapide. So stieg zum Beispiel die<br />
Rendite des zehnjährigen Bundes seit Jahresbeginn<br />
um 170 Basispunkte (Stand 30.6.<strong>2022</strong>).<br />
Und die Entwicklung scheint sich fortzusetzen,<br />
wollen die Notenbanken doch nach einem eher<br />
zögerlichen Vorgehen zu Beginn in diesem Jahr<br />
noch weitere Zinsschritte zur Bekämpfung der<br />
Inflation folgen lassen. Für die Lebensversicherer<br />
ergeben sich hieraus vielfältige Effekte. Positiv<br />
ist die Wirkung auf die Sicherheitslage, denn die<br />
Solvenzanforderungen sinken, was bereits heute<br />
in steigenden Solvenzquoten zu sehen ist. Diese<br />
Entwicklung sollte sich fortsetzen. Bereits auf<br />
dem jetzigen Zinsniveau muss die Branche kaum<br />
bzw. keine Zuführungen zur Zinszusatzreserve<br />
mehr leisten. Vielmehr sind branchenweit schon<br />
Entnahmen zu erwarten.<br />
Da der Zinsanstieg aber zu deutlichen stillen<br />
Lasten bei den festverzinslichen Wertpapieren<br />
führt, sind Hoffnungen auf höhere Überschüsse<br />
und Gewinnbeteiligungen verfrüht.<br />
Viele Versicherer werden geneigt sein, die Lasten<br />
bilanziell eher zu verarbeiten, als Überschüsse an<br />
die Kunden auszuschütten. Wachstumsimpulse<br />
sind daraus nicht abzuleiten.<br />
Zudem dürften Inflation, Pandemie und geopolitisches<br />
Umfeld die Absatzchancen trüben. Die<br />
Erholung an den Zinsmärkten wird sich somit erst<br />
mittelfristig für den Lebensversicherungskunden<br />
bezahlt machen.<br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />
33
INVESTMENTFONDS Anlergerpsychologie<br />
»Angst führt zu<br />
Handlungsdruck«<br />
Extreme Zeiten spiegeln sich in extremen Stimmungsbildern.<br />
Wie Stimmungsbarometer das Marktgeschehen einzufangen versuchen und was sie über<br />
mögliche künftige Entwicklungen aussagen können, erläutert Manfred Hübner.<br />
– TEXT: HEIKE GORRES –<br />
MANFRED HÜBNER ist<br />
neben Patrick Hussy<br />
Geschäftsführer<br />
der Sentix GmbH,<br />
eines Anbieters von<br />
Stimmungsindizes<br />
und Auswertungen<br />
dazu auf Basis der<br />
verhaltensorientierten<br />
Finanztheorie. Beide<br />
führen außerdem das<br />
Beratungsunternehmen<br />
Sentix Asset<br />
Management, wobei<br />
sie nach eigenen Angaben<br />
Erkenntnisse<br />
aus dem Anlegerverhalten<br />
anwenden und<br />
umsetzen.<br />
<strong>procontra</strong>: Derzeit kommen nicht sehr<br />
alltägliche Faktoren zusammen, etwa hohe<br />
Inflation bei niedrigen oder negativen<br />
Zinsen in Industrieländern, stark steigende<br />
Energiepreise, Lieferengpässe, große Unsicherheit<br />
aus dem Russland-Ukraine-Krieg.<br />
Inwieweit können Stimmungsindizes in<br />
Phasen wie diesen überhaupt „funktionieren“<br />
und daraus valide Aussagen abgeleitet<br />
werden?<br />
Manfred Hübner: Stimmungsindizes funktionieren<br />
gerade dann besonders gut, wenn<br />
34 Foto: Sentix Asset Management GmbH
Anlergerpsychologie INVESTMENTFONDS<br />
fristigen Sicht auf sechs Monate stellen<br />
die Menschen tendenziell umfassendere<br />
Überlegungen an, etwa zum Verlauf der<br />
Konjunktur oder zur Einschätzung, ob<br />
der Aktienmarkt teuer oder billig ist. Der<br />
Verhaltensökonom Richard Thaler hat<br />
dies einmal umschrieben als „schnelles“<br />
und „langsames“ Denken. Bei der Einmonatssicht<br />
kommt eher das „schnelle“,<br />
emotionale Denken zum Tragen und bei<br />
der Sechsmonatssicht das „langsame“,<br />
reflektierte Denken.<br />
<strong>procontra</strong>: Wie verarbeiten Sie die gewonnen<br />
Daten?<br />
Hübner: Die Fragen zur kurzen Frist zum<br />
Beispiel fangen das eigentliche Sentiment,<br />
die Stimmungslage, ein. Die Fragen zur<br />
mittelfristigen Sicht erfassen mehr die<br />
»Wo Wissen verloren<br />
geht, nehmen Emotionen<br />
einen immer<br />
größeren Raum ein.«<br />
Grundüberzeugung oder Wertwahrnehmung<br />
der Teilnehmer, was wir strategischen<br />
Bias nennen. Für die Auswertung<br />
der Daten und deren Interpretation nutzen<br />
wir zum einen eigene Modelle und statistische<br />
Analysen. Zum anderen natürlich<br />
Erkenntnisse aus der Theorie, insbesondere<br />
zur Behavioral Finance und zum Börsengeschehen,<br />
um die Ergebnisse einzuordnen.<br />
Ein weiterer Faktor ist unsere Erfahrung,<br />
die auch helfen kann bei der Interpretation<br />
einer Situation. Es ist immer ein Zusammenspiel<br />
aus diesen Elementen.<br />
<strong>procontra</strong>: Welche Verhaltensmuster<br />
kommen aus Ihrer Sicht besonders zum<br />
Tragen?<br />
Hübner: Stimmungen schwanken im Regelfall<br />
sehr schnell zwischen den Polen Angst<br />
und Gier. Sie sind außerdem ein konträrer<br />
Indikator. Ein sehr einseitiges negatives<br />
Stimmungsbild zum Beispiel ist ein Indiz<br />
dafür, dass die Kurse danach steigen. Wenn<br />
Sie sehr negativ gestimmt und gleichzeitig<br />
voll investiert als Beispiel für den Parameter<br />
„Handlung“, bekommen Sie Angst<br />
um Ihr Geld. Diese Angst können Sie im<br />
Regelfall nicht sehr lange aushalten! Sie<br />
große Unsicherheiten bestehen. Denn im<br />
Regelfall befördert die Unsicherheit die<br />
Emotion. Überall dort, wo, vereinfacht<br />
gesagt, Wissen verloren geht, nehmen<br />
Emotionen einen immer größeren Raum<br />
ein. Das führt auch bei den Indikatoren zu<br />
stärkeren Ausprägungen. Und je stärker<br />
die Ausprägungen, umso leichter ist es, die<br />
Situation zu erkennen und daraus Informationen<br />
abzuleiten.<br />
<strong>procontra</strong>: Das klingt sehr abstrakt. Wie<br />
sieht das konkret aus?<br />
Hübner: Das Entscheidungsverhalten von<br />
Menschen wird im Großen und Ganzen<br />
von drei Parametern bestimmt: „Wissen“,<br />
„Emotion“ und „Handlung“, das, was<br />
sie bisher getan haben. In dem Moment,<br />
in dem der Anteil des Wissens kleiner<br />
wird, weil etwa viele neue unbekannte<br />
Faktoren auftreten oder sehr komplex und<br />
widersprüchlich werden und damit die<br />
Abschätzung der Folgen sehr kompliziert<br />
wird, erhalten die Parameter Emotion und<br />
Handlung zwangsläufig mehr Gewicht<br />
und Einfluss. Wenn Sie zum Beispiel hoch<br />
investiert sind und die Kurse fallen nach<br />
einem unvorhersehbaren einschneidenden<br />
Ereignis, entstehen Überlebensängste. Es<br />
werden grundlegende Bereiche des Menschen<br />
berührt. So entstehen Handlungsautomatismen,<br />
die sich auch aus Ihrer<br />
Positionierung im Markt ergeben.<br />
<strong>procontra</strong>: Sie leiten aus Umfragewerten<br />
Stimmungsbilder ab und Aussagen, was<br />
diese Bilder bedeuten. Worauf gründen Sie<br />
diese Aussagen? Wenden Sie zum Beispiel<br />
schematisch das gesammelte Lehrbuchwissen<br />
aus der Behavioral Finance an?<br />
Hübner: In einer wöchentlichen standardisierten<br />
Online-Kapitalmarktumfrage<br />
sammeln wir zunächst die Daten für<br />
die verschiedenen Indizes und Indikatoren.<br />
Die Fragen sind so ausgewählt<br />
und gestellt, dass sie die drei Parameter<br />
des Entscheidungsverhaltens berücksichtigen.<br />
Zum Beispiel fragen wir nach<br />
der Einschätzung, wie sich der Deutsche<br />
Aktienindex DAX auf Sicht von einem<br />
Monat und von sechs Monaten entwickeln<br />
wird. Die unterschiedlichen Zeithorizonte<br />
trennen zu einem gewissen Grad die<br />
Emotion vom Wissen. Denn bei der Sicht<br />
auf einen Monat sind die Teilnehmer sehr<br />
in der Gegenwart verhaftet und antworten<br />
stark entsprechend dem, was sie gerade<br />
beschäftigt. Dies ist im Regelfall stark von<br />
der Emotion beeinflusst. Bei der mittelversuchen,<br />
sich den Schmerz, der damit<br />
einhergeht, von der Seele zu nehmen,<br />
indem Sie verkaufen oder Absicherungen<br />
vornehmen. Die Angst führt grundsätzlich,<br />
bei allen Menschen, zu Handlungsdruck,<br />
früher oder später. Das erzeugt dann das<br />
Potenzial für die Gegenbewegung. Wer<br />
seine Angst überwindet und antizyklisch<br />
kauft, wird in einer solchen Situation im<br />
Regelfall gut entlohnt.<br />
<strong>procontra</strong>: Welche Rolle spielt dann die<br />
mittelfristige Sicht im Verhalten der Anleger?<br />
Hübner: Die Grundüberzeugung, der strategische<br />
Bias, spiegelt ein gewisses Klima<br />
im Markt. Wenn die Anleger mittelfristig<br />
wieder optimistischer werden, entsteht<br />
das, was wir eine Buy-on-dip-Mentalität<br />
nennen, Kauf nach Kursrückgang. In dem<br />
Maße, in dem Sie mittelfristig optimistisch<br />
sind, können Sie zwar kurzfristig noch<br />
Angst haben, fangen aber bereits an, nach<br />
Chancen zu suchen. Umgekehrt ist es bei<br />
einem Hoch. Bevor die Kurse wieder anfangen<br />
zu fallen, haben Sie in der Regel bereits<br />
einen Rückgang im strategischen Bias.<br />
Denn wenn die Kurse sehr weit oben sind,<br />
gibt es die ersten Anleger, die sagen, dass<br />
die Aktien reichlich teuer geworden sind.<br />
Das heißt nicht, dass sie sofort verkaufen.<br />
Aber es machen sich Zweifel an der<br />
Werthaltigkeit der Aktien bemerkbar. Der<br />
mittelfristige Index hat somit eine Vorlauffunktion.<br />
Dann kann es irgendein Event<br />
sein, eine negative Konjunkturprognose,<br />
eine Gewinnwarnung oder was auch immer,<br />
dass die Anleger sagen: Jetzt verkaufe<br />
ich! Denn das hatte ich sowieso vor.<br />
<strong>procontra</strong>: Was waren extreme Stimmungsbilder,<br />
die Sie festgestellt haben, und was<br />
folgte dann in der Realität? Anfang Mai<br />
berichteten Sie zum Beispiel von einem<br />
niedrigen Punktestand für Aktien aus<br />
Euroland, den Sie noch nie zuvor gemessen<br />
hätten. „Meist treten solche Stimmungsextreme<br />
in der Nähe von Markttiefs auf.<br />
Sehr starke Stimmungseinbrüche können<br />
aber auch eine letzte große Lawine<br />
auslösen, die von Kurzschlusshandlungen<br />
begleitet werden. Dies war beispielsweise<br />
im August 2008 der Fall“, lautete die<br />
Interpretation.<br />
Hübner: Mit dem Punktestand im Mai<br />
haben Sie bereits einen der stärksten<br />
Extremwerte genannt. Generell kann man<br />
zwar sagen: Nach großem Pessimismus<br />
kommen steigende Preise. Wenn Sie<br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />
35
INVESTMENTFONDS Anlergerpsychologie<br />
STIMMUNGSBAROMETER FÜR DEN AKTIENMARKT EUROLAND (LARGE CAPS)<br />
10.000 0,40<br />
9.500 0,25<br />
9.000 0,10<br />
8.500 - 0,05<br />
8.000 - 0,20<br />
7.500 - 0,35<br />
7.000 - 0,50<br />
11. Juni 2021 17. Juni <strong>2022</strong><br />
Euro Stoxx 50 Net Return Index in Punkten<br />
Strategischer Bias und Sentiment skalieren zwischen -1 und +1 und zeigen den Saldo aus bullish minus bearish gestimmten Anlegern in Prozentpunkten. Quelle: Sentix<br />
es aber genauer analysieren, stellen<br />
Sie fest, dass extremer Pessimismus nicht<br />
ganz so „gut“ ist im Sinne einer bevorstehenden<br />
Marktdrehung wie fast extremer<br />
Pessimismus. Das hängt mit der Grundeinstellung<br />
zusammen. Wenn die Stimmung<br />
schlecht ist und der Wert des strategischen<br />
Bias nicht ansteigt, fehlt es an positiver<br />
Grundüberzeugung. Das ist dann extremer<br />
Pessimismus. In dieser Situation sind wir<br />
derzeit. Für einen „guten“ Boden, ab dem<br />
der Markt drehen könnte, fehlt eine positive<br />
Grundüberzeugung. Das wäre dann<br />
fast extremer Pessimismus.<br />
<strong>procontra</strong>: Sie machen also aus bestimmten<br />
Signalen zur Stimmung und zur Grundeinstellung<br />
mögliche Wendepunkte aus.<br />
Hübner: Ja. Im Regelfall beginnt der<br />
strategische Bias zu steigen, bevor der<br />
Markt sein Tief durchschreitet. Das ist<br />
auch logisch, weil die Anleger irgendwo<br />
im Trendverlauf sehen, dass die Aktien<br />
sehr viel billiger geworden sind, und nach<br />
Kaufgelegenheiten schauen. Das war zum<br />
Beispiel 2003 sehr schön zu sehen am<br />
Ende der geplatzten Dot-Com-Blase. Die<br />
Kurse waren am Boden, aber schon im<br />
Tief wurde die mittelfristige Erwartung<br />
positiver, während das Sentiment noch negativ<br />
blieb. Die Anleger hatten noch Angst<br />
aus der Dotcom-Blase heraus, zeigten aber<br />
Strategischer Bias und Sentiment in Prozentpunkten<br />
»Im Mai <strong>2022</strong> haben<br />
wir einen der<br />
stärksten Extremwerte<br />
verzeichnet.«<br />
wieder Kaufbereitschaft. Die „guten“ Tiefpunkte<br />
zeichnen sich dadurch aus, dass der<br />
Bias schon steigt, während die Stimmung<br />
schlecht ist. Das ist ein idealer Zeitpunkt<br />
zum Kauf – noch dazu, wenn die Depotstände<br />
leer sind und Anleger somit kräftig<br />
investieren können.<br />
<strong>procontra</strong>: Im weiteren Verlauf des Mai<br />
haben die Aktienkurse wieder etwas angezogen.<br />
Wie ordnen Sie dies ein?<br />
Hübner: Ende Mai zeigte sich die Besonderheit,<br />
dass das Sentiment gestiegen ist nach<br />
leichten Kursanstiegen an den Börsen,<br />
doch das Grundvertrauen sich nach wie<br />
vor nicht verbessert hat. Das ist für uns<br />
„schlechter“ Optimismus. Wenn sich<br />
diese Konstellation in den nächsten vier<br />
Wochen nicht verändert, stimmungsmäßig<br />
also womöglich noch ein Optimismusschub<br />
kommt und die Grundüberzeugung<br />
schwach bleibt, haben wir ein relativ<br />
hohes Risiko, dass die Sommerwochen<br />
problematisch werden.<br />
<strong>procontra</strong>: Welche weiteren zentralen<br />
Annahmen nutzen Sie, um das Marktgeschehen<br />
zu deuten?<br />
Hübner: Neben den verschiedenen Signalen<br />
selbst werten wir auch deren Verlaufsmuster<br />
aus. Wenn wir zum Beispiel ein<br />
bestimmtes Sentiment häufig in der Datenbank<br />
beobachten, betrachten wir, wie sich<br />
der Markt im Durchschnitt vorher bewegt<br />
hat und wie danach.<br />
Für ein sehr negatives Sentiment zum<br />
Beispiel brauchen Sie im Regelfall 20 Handelstage<br />
hintereinander deutlich fallende<br />
Kurse. Danach sind die Leute einfach<br />
fertig! Im Mai hatten wir ein solches Sentiment<br />
nach 20 Tagen fallenden Kursen.<br />
Kurz danach ist die Stimmung leicht<br />
angestiegen, wie es auch typischerweise<br />
der Fall ist. Wenn das Entstehungsmuster<br />
entsprechend unserer Auswertung typisch<br />
ist, ist im Regelfall auch die Folgewirkung<br />
typisch.<br />
<strong>procontra</strong>: Wie deuten Sie eine sehr negative<br />
Stimmung ohne zuvor längere Kursverluste?<br />
Hübner: Wenn ein sehr negatives Sentiment<br />
entsteht, ohne dass die Kurse vorher<br />
länger gefallen sind, muss man umgekehrt<br />
anzweifeln, dass die Folgewirkung so sein<br />
wird wie im typischen Fall. Einfach aus<br />
dem Grund, dass die Leute nicht die Reaktionszeit<br />
hatten. Die Angst ist zwar da.<br />
Die Stimmung ist in diesem Fall aber etwas<br />
anders einzuordnen, als wenn die Kurse<br />
vorher über eine längere Periode gefallen<br />
sind. Der Aspekt, wie eine Stimmung entstanden<br />
ist und was man daraus ableiten<br />
kann, wird aus unserer Sicht von vielen im<br />
Markt noch unterschätzt.<br />
<strong>procontra</strong>: Können Stimmungsbilder<br />
Marktereignisse nicht auch forcieren?<br />
Hübner: Das ist das berühmte Henne-Ei-<br />
Problem: Es lässt sich nicht sagen, was<br />
zuerst da war. Denn alles ist mit allem<br />
irgendwie verbunden. Letztlich ist es so:<br />
Die Stimmung ist eine Funktion vom Preis.<br />
Wenn Marktpreise steigen oder fallen,<br />
führt das dazu, dass die Stimmung besser<br />
wird oder schlechter. Sind die Stimmungen<br />
extrem, wirken sie wiederum auf den Preis<br />
ein, weil der Markt sehr einseitig geworden<br />
ist. Es gibt in diesem Spiel keinen<br />
Anfang und kein Ende.<br />
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– TEXT: HEIKE GORRES –<br />
Im ersten Quartal <strong>2022</strong>, unter anderem<br />
geprägt von hoher Inflation bei niedrigen<br />
oder negativen Zinsen in Industrieländern,<br />
negativen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Politik<br />
und großer Unsicherheit aus<br />
dem Russland-Ukraine-Krieg haben ETFs,<br />
börsengehandelte Indexfonds, auf dem<br />
europäischen Markt netto gut 38 Milliarden<br />
Euro an neu investierten Geldern<br />
verzeichnet. Indexfonds in Form passiver<br />
Investmentfonds haben netto rund 18 Milliarden<br />
Euro an Neugeldern eingenommen.<br />
Aus aktiv gemanagten Fonds hingegen haben<br />
Anleger unter dem Strich nahezu 145<br />
Milliarden Euro abgezogen, wie aus einem<br />
Bericht des Fondsanalysehauses Refinitiv<br />
Lipper hervorgeht. Vor allem kräftige Abflüsse<br />
aus Geldmarktfonds haben dort zu<br />
Buche geschlagen – vermutlich auch, um<br />
Verlusten aus der Inflation entgegenzuwirken.<br />
Mischfonds haben als einzige Produktgruppe<br />
der aktiv gemanagten Fonds<br />
netto deutliche Zuflüsse erhalten. Offene<br />
Immobilienfonds, alternative Fonds und als<br />
„andere“ klassifizierte Fonds haben eher<br />
marginal neue Anlegergelder verbucht.<br />
„Die Tatsache, dass die europäischen<br />
Anleger in Zeiten von Marktturbulenzen<br />
passive Produkte kaufen, ist nicht überraschend“,<br />
kommentiert Detlef Glow, Leiter<br />
des Research Europa, Naher Osten und<br />
Afrika (Emea) bei Refinitiv Lipper und Autor<br />
des Berichts. Eine Mittelbewegung in<br />
Richtung passive Anlagen sei in Zeiträumen<br />
schwieriger Marktbedingungen eher der<br />
Normalfall, erläutert der Researcher mit<br />
38 Illustration: Roman Kulon
ETFs INVESTMENTFONDS<br />
Blick auf frühere Krisenjahre. Im schwachen<br />
Börsenjahr 2018, mit Handelskonflikten<br />
der USA mit China und der EU und<br />
anhaltenden Brexit-Verhandlungen, haben<br />
aktiv gemanagte Fonds am europäischen<br />
Markt deutlich mehr Ab- als Zuflüsse verbucht,<br />
während passive Portfolios mehr<br />
Zu- als Abflüsse registriert haben. Das Gleiche<br />
war im Euro-Krisenjahr 2011 der Fall.<br />
2008, im Jahr der Finanzkrise, haben aktiv<br />
gemanagte Produkte massive Geldabflüsse<br />
erlebt, während ETFs deutliche Mittelzuflüsse<br />
verbucht haben. Passive Investmentfonds<br />
haben damals etwas mehr Gelder<br />
verloren als eingenommen (siehe Grafik).<br />
800<br />
600<br />
400<br />
200<br />
0<br />
<strong>2022</strong>: PASSIV SCHLÄGT BISLANG AKTIV<br />
Nettomittelzuflüsse am europäischen Markt<br />
»Gerade in unruhigen<br />
Zeiten wollen Anleger<br />
wissen, was sie im<br />
Portfolio haben.«<br />
DETLEF GLOW, REFINITIV LIPPER<br />
-200<br />
-400<br />
-600<br />
20<strong>04</strong> 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 <strong>2022</strong><br />
YTD<br />
ETFs Indexfonds aktiv gemanagte Fonds<br />
Angaben in Milliarden Euro Quelle: Refinitiv Lipper; <strong>2022</strong> YtD = 1. Januar bis 31. März <strong>2022</strong><br />
kaufen, wobei sie sofort den Preis für die<br />
Wertpapiere genannt bekämen. Bei Investmentfonds<br />
dagegen gebe es vom Zeitpunkt<br />
der Order zum Kauf oder Verkauf bis zur<br />
tatsächlichen Ausführung eine Zeitverzögerung.<br />
„Aufgrund der Zeitverzögerung<br />
bei der Orderabwicklung wissen die Investoren<br />
den Kaufpreis bzw. die Höhe des<br />
Verkaufserlöses erst nach der Orderausführung,<br />
was zu ungewollten Überraschungen<br />
führen kann“, beschreibt der Beobachter.<br />
Transparenz und Handelbarkeit spielen<br />
auch für Markus Jordan, Gründer des<br />
ETF-Anlegerportals extraETF.com, eine<br />
wesentliche Rolle bei den Mittelzuflüssen<br />
im ersten Quartal des laufenden Jahres,<br />
ebenso die Absicht, Risiken zu verringern.<br />
Im Zuge der großen Unsicherheit wollten<br />
Vermögensverwalter und Asset-Manager<br />
ihr Portfolio konservativer gestalten und<br />
hätten Aktien verkauft, meint Jordan. Im<br />
März haben die Aktienmärkte schließlich<br />
deutliche Tiefstände erreicht. „Als sie wieder<br />
gedreht haben, wollten viele Investoren<br />
vermutlich möglichst schnell wieder einsteigen,<br />
um die Aufwärtsbewegung mitzunehmen.<br />
Das geht am besten über ETFs“,<br />
führt der ETF-Spezialist aus. Die Chance<br />
auf einen Mehrertrag aus einem aktiv gemanagten<br />
Produkt sei in einer solchen Si-<br />
HÖCHSTMÖGLICHE KLARHEIT<br />
REDUZIERT RISIKEN<br />
„Gerade in unruhigen Zeiten wollen Anleger<br />
wissen, was sie im Portfolio haben, um<br />
gezielt Entscheidungen treffen zu können“,<br />
sagt Glow. „Bei ETFs kennen die Anleger<br />
die Indexkomponenten auf täglicher Basis<br />
sehr genau und können so beurteilen, ob sie<br />
diese im Portfolio haben wollen oder nicht.<br />
Sie können zudem aus der Indexbewegung<br />
ableiten, wie sich der ETF in ihrem Portfolio<br />
entwickeln sollte.“ Für passive Indexfonds<br />
gelte im Prinzip das Gleiche.<br />
Aktiv gemanagte Fonds böten diese<br />
Transparenz nicht. Dort würden in der<br />
Regel die zehn größten Einzelwerte dargestellt<br />
sowie die Aufteilung des Fonds nach<br />
Ländern und Sektoren oder ähnlichen Kriterien<br />
aufgezeigt. „Aufgrund der aktiven<br />
Auswahl der Titel kann die Wertentwicklung<br />
erheblich von der der Benchmark oder<br />
dem Markt abweichen, was zu Unsicherheit<br />
führt“, meint Glow.<br />
Dazu komme eine deutlich bessere Handelbarkeit<br />
von ETFs im Vergleich zu Investmentfonds.<br />
Investoren könnten einen ETF<br />
während der Öffnungszeiten der entsprechenden<br />
Börsen jederzeit kaufen und vertuation<br />
zweitrangig. „Der entgangene Nutzen,<br />
nicht investiert zu sein, wenn die Kurse<br />
wieder anziehen, wiegt dann schwerer als<br />
die Chance, mit einem aktiv gemanagten<br />
Fonds eventuell einen Mehrwert zu erzielen“,<br />
begründet Jordan. Es könne daher gut<br />
sein, dass einige Kapitalverwalter im weiteren<br />
Jahresverlauf die ETFs wieder verkaufen<br />
und stattdessen wieder verstärkt auf aus<br />
ihrer Sicht gute Fondsmanager setzen. Die<br />
Bilanz am Ende des Jahres wird es zeigen.<br />
PRO<br />
JETZT AUF PASSIV STELLEN?<br />
Anleger nehmen<br />
positive Marktentwicklung<br />
voll mit<br />
ETFs sind sehr<br />
schnell und preisgenau<br />
handelbar<br />
Indexfonds bieten<br />
hohen Grad echter<br />
Marktnachbildung<br />
CONTRA<br />
Anleger nehmen<br />
negative Marktentwicklung<br />
voll mit<br />
ETFs mit synthetischer<br />
Marktabbildung<br />
haben Tücken<br />
Indexfonds haben<br />
nicht immer niedrige<br />
Kosten<br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />
39
INVESTMENTFONDS Rohstoffe<br />
VERLOCKENDE FALLE?!<br />
Die hohen Energiepreise für Öl und Gas belasten Verbraucher und locken Anleger.<br />
Ein Investment stellt Anleger vor die Frage, wie sie zum Thema Nachhaltigkeit stehen.<br />
– TEXT: STEFAN TERLIESNER –<br />
40 Illustration: Roman Kulon
Rohstoffe INVESTMENTFONDS<br />
Der Einmarsch der russischen Armee in die<br />
Ukraine bringt nicht nur viel menschliches<br />
Leid mit sich, er wirbelt auch die Rohstoffmärkte<br />
durcheinander. Nach Auffassung<br />
fast aller Ökonomen dürften die Preise für<br />
Erdöl und Erdgas noch einige Jahre auf relativ<br />
hohem Niveau liegen. Was weltweit<br />
die Verbraucher zum Teil finanziell hart<br />
trifft und aktuell die Inflationsraten zusätzlich<br />
in die Höhe treibt, beschert Anlegern in<br />
Rohstofffonds ordentliche Gewinne.<br />
PARADOXE SITUATION<br />
Das Problem: Rohstoffe sind eine eher<br />
exotische Anlageklasse und werden von<br />
Finanzberatern nicht oft thematisiert, wie<br />
Sebastian Weißschnur, Mitglied der Geschäftsführung<br />
des Maklerverbunds FinanzNet,<br />
gegenüber <strong>procontra</strong> betont (siehe<br />
„Maklers Meinung“). Auch passen die<br />
„Klimakiller“ Öl und Gas so gar nicht zum<br />
Wunsch vieler Kunden nach einer nachhaltigen<br />
Geldanlage. Paradoxerweise kurbelt<br />
aber nicht nur der Krieg, sondern ausgerechnet<br />
auch die Energie- und Mobilitätswende<br />
die Teuerung bei Öl und Gas an.<br />
So befindet sich der Ölpreis „in einem<br />
Kraftfeld zwischen der hohen Nachfrage<br />
nach Energie und dem erklärten Willen,<br />
den Abschied von fossilen Energieträgern<br />
zu beschleunigen, um dem Klimawandel<br />
Grenzen zu setzen“, erklärt Max Holzer,<br />
Investmentstratege bei Union Investment.<br />
Vor dem Hintergrund der Energiewende<br />
habe die Ölindustrie „sehr lange nicht mehr<br />
investiert, schließlich sollen erneuerbare<br />
Energien Öl und Gas ersetzen“. Warum<br />
also noch viel Geld in die Hand nehmen,<br />
um ein neues Ölfeld zu erschließen?<br />
ÖLMULTIS AM DRÜCKER<br />
Die Folge: Die Förderkapazitäten könnten<br />
nicht mehr rasch hochgefahren werden. Die<br />
Ölunternehmen habe das in eine komfortable<br />
Situation gebracht. Die Kosten seien<br />
niedrig, weil wenig investiert wurde, aber<br />
die Cashflows dank der kräftigen Nachfrage<br />
und der hohen Preise immens. „Kein<br />
Wunder, dass die Aktien von Ölkonzernen<br />
in der jüngsten Vergangenheit sehr gut abgeschnitten<br />
haben“, resümiert Holzer.<br />
Das wiederum ist der Grund, weshalb<br />
Fonds wie BlackRock Global Fund World<br />
Energy oder Xtrackers MSCI World Energy<br />
in den letzten zwölf Monaten eine Rendite<br />
von fast 55 Prozent schafften (siehe Tabelle).<br />
In beiden Fonds sind die Ölkonzerne<br />
FONDSNAME TYP ISIN<br />
BlackRock Global<br />
Funds World Energy<br />
Xtrackers MSCI<br />
World Energy<br />
iShares Stoxx 600<br />
Oil & Gas<br />
Auswahl; Ranking jeweils gemäß Performance 1 Jahr <br />
und Tankstellenbetreiber Shell, Exxon Mobile,<br />
Chevron, TotalEnergies und Conoco-<br />
Phillips die größten Positionen.<br />
Der börsengehandelte Indexfonds iShares<br />
Stoxx Europe 600 Oil & Gas, der nur in<br />
europäische Unternehmen investiert, kann<br />
damit nicht mithalten, erzielte auf Sicht<br />
AUSGEWÄHLTE ROHSTOFFFONDS<br />
Subline sogjdhd gdgs gfsd<br />
RENDITE in %<br />
1 Jahr 3 Jahre p. a. 5 Jahre p. a.<br />
LFD. KOSTEN<br />
p. a. in %<br />
Energie- und Rohstoffaktien LU0122376428 54,74 10,47 6,81 2,06<br />
Energie- und Rohstoffaktien-ETF IE00BM67HM91 52,<strong>04</strong> 9,17 7,15 0,25<br />
Energie- und Rohstoffaktien-ETF DE000A0H08M3 26,58 3,13 5,75 0,46<br />
UniCommodities Derivate auf Rohstoffindizes LU0249<strong>04</strong>5476 24,34 18,7 12,23 1,40<br />
DJE Gold &<br />
Ressourcen<br />
Goldminenaktienanteil zzt. 45 % LU0159550077 1,18 8,91 5,55 1,99<br />
»Die Ölindustrie<br />
hat sehr lange nicht<br />
mehr investiert.«<br />
MAX HOLZER, UNION INVESTMENT, RELATIVE RETURN<br />
Stand: 21.06.<strong>2022</strong>; Quelle: Morningstar<br />
von einem Jahr aber immerhin eine Wertsteigerung<br />
von rund 27 Prozent. Dominierende<br />
Position im Fonds ist Shell mit rund<br />
29 Prozent, gefolgt von TotalEnergies (15,1<br />
Prozent) und BP (14,3). Dieser Passivfonds<br />
ist also nicht so breit aufgestellt; bei Shell<br />
muss man sogar von einem Klumpenrisiko<br />
sprechen. Dessen müssen sich Anleger bewusst<br />
sein.<br />
RAFFINERIEN FALLEN AUS<br />
Die drei Fonds sind aktuell also stark in<br />
Unternehmen investiert, die den Großteil<br />
ihres Geschäfts mit Erdöl und daraus raffinierten<br />
Produkten erzielen. Letztere haben<br />
sich nach Ansicht von Holzer von der Entwicklung<br />
des Ölpreises etwas abgekoppelt,<br />
sprich: Der Preis für Benzin ist noch kräftiger<br />
gestiegen als der für Erdöl. Die hohen<br />
Kosten an der Zapfsäule lägen nicht zuletzt<br />
daran, dass Russland nicht nur ein bedeutender<br />
Ölexporteur sei, sondern auch viele<br />
Ölprodukte ins Ausland verkaufe. Auch in<br />
die EU habe Russland bisher reichlich Diesel<br />
und Benzin exportiert. Diese Produktion<br />
lasse sich nicht ohne Weiteres ersetzen.<br />
Da durch den Krieg auch Raffinerien<br />
ausfielen, herrsche bei den verbliebenen<br />
Standorten Hochbetrieb, dementsprechend<br />
blieben auch die Preise noch eine Weile<br />
hoch. Zudem beginne in Europa die Urlaubssaison<br />
und China lockere seine Corona-Maßnahmen<br />
und benötige wieder mehr<br />
Öl. Auch deshalb blieben in den kommenden<br />
Monaten die Preise für Erdöl wie auch<br />
für raffinierte Produkte hoch.<br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />
41
INVESTMENTFONDS Rohstoffe<br />
MAKLERS MEINUNG<br />
»Komplexes<br />
Beratungsfeld«<br />
SEBASTIAN WEISSSCHNUR,<br />
Mitglied der Geschäftsführung<br />
des Maklerverbunds FinanzNet<br />
Aktuell sind Rohstofffonds ein „Renditetreiber“,<br />
und vermutlich bleibt das auch noch<br />
eine Weile so. Vermittler, die mit Rohstoffinvestments<br />
bisher kaum Erfahrungen<br />
gesammelt haben, sollten jetzt aber nicht<br />
hektisch dieses Themenfeld beackern. Die<br />
Beratung zu Rohstoffen ist komplex und<br />
haftungsträchtig: Die Preise hängen stark<br />
von politischen Entscheidungen ab. Zudem<br />
passen Rohstofffonds nicht zum Wunsch<br />
vieler Kunden nach einer nachhaltigen<br />
Geldanlage, die die ESG-Kriterien erfüllt.<br />
Auch wegen der EU-Regulierung – Stichwort<br />
Taxonomie – haben viele Vermittler<br />
ihre Produkt-Portfolios inzwischen an der<br />
Erfüllung der ESG-Kriterien ausgerichtet.<br />
Konsequenterweise sind dadurch Investments<br />
in Öl, Gas und andere schmutzige<br />
Rohstoffe uninteressant. Neu geschaffene<br />
Strukturen jetzt über den Haufen zu werfen<br />
oder die bereits aufgebaute Reputation in<br />
Sachen Nachhaltigkeit durch die Vermittlung<br />
von Rohstofffonds zu untergraben,<br />
erscheint unsinnig.<br />
Und nicht zuletzt fühlen sich längst nicht<br />
alle Finanzberater in der Beratung zu<br />
Rohstoffinvestments zu Hause. 34f-<br />
Vermittler kennen sich typischerweise mit<br />
Themen- und Nischenfonds etwas besser<br />
aus als 34d-Vermittler. In der Praxis decken<br />
allerdings auch 34fler das Thema eher zaghaft<br />
ab. Versicherungsvermittler wiederum<br />
wählen für Fondspolicen häufig entweder<br />
breit gestreute ETFs zum Beispiel auf den<br />
MSCI World Aktienindex oder richten sich<br />
nach Vorschlägen digitaler Portfolio-Advisors.<br />
Diese sehen zuweilen auch Themen<br />
wie Rohstoffe vor, gewichten sie mit 5 bis<br />
10 Prozent allerdings niedrig. Alles in allem<br />
findet in der Praxis also wenig Beratung zu<br />
Rohstofffonds statt.<br />
ÖLAKTIEN MIT POTENZIAL<br />
Ähnlich äußert sich Thorsten Schrieber,<br />
Vorstand beim Fondsanbieter DJE Kapital:<br />
„Der Ölpreis wird sich vermutlich auf einem<br />
höheren Niveau einpendeln.“ Trotz des bisher<br />
bereits fulminanten Aufschwungs sei<br />
dies in den Kursen von Ölaktien noch nicht<br />
enthalten. Der DJE – Gold & Ressourcen<br />
(LU0159550077) ist in signifikantem Umfang<br />
in Ölaktien investiert, allerdings auch<br />
mit einem Anteil von rund 45 Prozent in<br />
»Langfristig machen<br />
Rohstoffe Investoren<br />
glücklich.«<br />
TOBIAS TRETTER, COMMODITY CAPITAL<br />
Goldminenaktien. Wegen der weltweit steigenden<br />
Zinsen steht der Goldpreis aktuell<br />
unter Druck bzw. ist kein Ausbruch nach<br />
oben zu erwarten. Das bremst derzeit die<br />
Performance des Anlagevehikels.<br />
Weitgehend einig sind sich Ökonomen,<br />
dass Verbraucher sich beim Erdgas an<br />
strukturell höhere Preise gewöhnen müssen.<br />
Bislang hätten sich die Europäer mit<br />
günstigem Pipeline-Gas aus Russland versorgt,<br />
sagt Holzer. In Zukunft müsse Europa<br />
den Energieträger vermehrt auf dem<br />
Weltmarkt besorgen und als Flüssiggas per<br />
Spezialschiff ranschaffen. Bis neue Quellen<br />
zum Beispiel in Katar erschlossen seien,<br />
dürfte es noch Jahre dauern. Und wie beim<br />
Öl stehe auch beim Gas der politische Wille<br />
zur Energiewende dem Bau neuer Anlagen<br />
und der Erschließung neuer Gasfelder entgegen.<br />
Eine verzwickte Situation. Für Entspannung<br />
wird wohl erst der Ausbau der<br />
erneuerbaren Energien sorgen, um dann<br />
über eine geringere Nachfrage nach Öl<br />
und Gas deren Preis zu mindern – aber das<br />
braucht Zeit.<br />
FONDS SETZT AUF FUTURES<br />
Der Fonds von Union Investment, Uni-<br />
Commodies, investiert nicht wie die anderen<br />
genannten Investmentfonds in Aktien,<br />
sondern in Derivate wie Futures auf Rohstoffe<br />
und Rohstoffindizes. Damit entgehen<br />
Anleger zum Beispiel dem Risiko, dass ein<br />
Ölkonzern schlecht wirtschaftet. Allerdings<br />
besteht bei Futures die Roll-Problematik,<br />
denn das Investment wird automatisch von<br />
einem bald auslaufenden Kontrakt in einen<br />
länger laufenden gerollt. Das kann je nach<br />
Verlauf der Terminmarktkurve kosten oder<br />
Geld bringen. Momentan lässt sich mit<br />
Terminmarktgeschäften am Rohstoffmarkt<br />
aufgrund der Roll-Renditen noch gutes<br />
Geld verdienen. Denn durch die aktuellen<br />
Knappheiten befinden sich die Terminkurven<br />
in einer sogenannten Backwardation.<br />
Man kann also den nächsten Kontrakt<br />
güns tiger kaufen als den aktuellen und<br />
dadurch eine Prämie vereinnahmen. Das<br />
könnte sich ändern, wenn der Ölpreis wieder<br />
zurückgeht. Danach sieht es derzeit zumindest<br />
nicht aus.<br />
Für Tobias Tretter, Geschäftsführer von<br />
Commodity Capital, gehören Rohstoffe „in<br />
ein gut diversifiziertes Portfolio“. Sie böten<br />
Schutz vor Inflation. Und mächtige Trends<br />
wie Elektromobilität und Energiewende<br />
würden über Dekaden die Nachfrage nach<br />
Rohstoffen wie Lithium, Kupfer, Mangan<br />
und seltenen Erden anheizen. „Rohstoffe<br />
machen Investoren glücklich“, so sein Resümee.<br />
Wichtig noch zu betonen: Investments<br />
in Rohstofffonds sind nur als Beimischung<br />
geeignet. Die Preise schwanken stark. Zudem<br />
sind die politischen Risiken groß. Dies<br />
zeigt nicht zuletzt die aktuelle Debatte über<br />
eine Übergewinnsteuer, mit der „Kriegsgewinne“<br />
von Energiekonzernen abgeschöpft<br />
werden sollen. Auch deshalb sind Rohstoffe<br />
eine exotische Anlageklasse.<br />
PRO<br />
SCHMUTZIGES ÖL IM DEPOT?<br />
Die Aussicht auf<br />
eine attraktive Rendite<br />
spricht für sich<br />
Generell gehören<br />
Rohstoffe in ein diversifiziertes<br />
Portfolio<br />
Vor allem Rohstoffe<br />
bieten gewissen<br />
Schutz vor Inflation<br />
CONTRA<br />
Öl und Gas widersprechen<br />
dem<br />
Nachhaltigkeitsziel<br />
Rohstoffpreise<br />
schwanken sehr stark<br />
Die politischen<br />
Risiken sind nicht<br />
kalkulierbar<br />
42 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22
DIE ÖKOWORLD<br />
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INVESTMENTFONDS Soziale Netzwerke<br />
SOCIAL MEDIA IM DEPOT<br />
Social-Media-Plattformen sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken und inspirieren<br />
nun auch die Fondsindustrie zu speziellen Produkten. Lohnt sich ein Investment?<br />
– TEXT: HANNAH PETERSOHN –<br />
Social Media boomen. Die Zahl der aktiven<br />
User von Mark Zuckerbergs Plattform<br />
Meta, zu der auch Facebook, Instagram<br />
und WhatsApp gehören, ist allein im<br />
ersten Quartal dieses Jahres um 82 Millionen<br />
angeschwollen. Rund zwei Milliarden<br />
Menschen sind damit Mitglied der Meta-<br />
Gemeinde. Das börsennotierte Unternehmen<br />
machte allein zwischen Januar und<br />
März einen Umsatz von rund 28 Milliarden<br />
Dollar – fast 7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.<br />
Auch Tencent, das chinesische<br />
Meta-Äquivalent, konnte seinen Umsatz im<br />
Geschäftsjahr 2021 um 16 Prozent auf umgerechnet<br />
81 Milliarden Euro deutlich steigern.<br />
Der Gewinn von umgerechnet knapp<br />
33 Milliarden Euro kann sich sehen lassen.<br />
Das lockt Investoren an: Fondsgesellschaften<br />
offerieren mittlerweile Finanzprodukte<br />
mit Social-Media-Fokus, selbst ein Social-<br />
Media-ETF wurde aufgelegt.<br />
VOLATILITÄT VORPROGRAMMIERT<br />
„Wir sehen die zukünftigen Ertragschancen<br />
von Social-Media-Unternehmen sehr optimistisch“,<br />
sagt Thomas Gerber, Fondsmanager<br />
beim Luxemburger Vermögensverwalter<br />
Quint:Essence Capital. Er managt<br />
den Mischfonds „Quint:Essence Strategy<br />
Social Media and Technology“ (ISIN:<br />
LU1074556<strong>04</strong>1), mit einem Volumen von<br />
8,3 Millionen Euro. Aktien und Anleihen<br />
machen 60 Prozent des Portfolios aus, die<br />
restlichen 40 Prozent werden über vermögensverwaltende<br />
Fonds gesteuert. Die<br />
Titelauswahl beschränkt sich aktuell auf<br />
31 Werte, mit den Top-5-Holdings Apple,<br />
Oracle, Microsoft, Meta und Alphabet<br />
liegt der Fokus klar auf dem US-amerikanischen<br />
Markt. Insgesamt lag die Performance<br />
in den vergangenen zwölf Monaten<br />
zwar bei minus 10,5 Prozent, im 5-Jahres-<br />
Durchschnitt performt er aber bei rund 40<br />
Prozent im Plus. Dennoch sollten sich risi-<br />
ko averse Anleger ein Investment gut überlegen.<br />
Die Volatilität des Fonds kann Investoren<br />
Schweißperlen auf die Stirn treiben.<br />
Gerber ist dennoch überzeugt von der<br />
Anlageklasse. „Die vergangenen Jahre haben<br />
bereits eindrucksvoll gezeigt, wie sich<br />
Plattformen wie LinkedIn, Facebook oder<br />
YouTube von einfachen Netzwerk- und<br />
Kommunikationshilfen in wichtige Unterhaltungsplattformen,<br />
Recruitingtools und<br />
in eine Infrastruktur für die ‚digital communities‘<br />
verwandeln.“ Trotz anhaltender<br />
44 Illustration: Eleonora Mavromati
Soziale Netzwerke INVESTMENTFONDS<br />
Plattform-Kritik und Digital-Detox-Trend<br />
glaubt Gerber, dass der Social-Media-Boom<br />
gerade erst begonnen hat: „Die wirtschaftliche<br />
und gesellschaftliche Bedeutung sozialer<br />
Netzwerke wird weiter zunehmen.“<br />
Zumal auch die Hauptertragsquelle der<br />
Unternehmensgewinne munter weiter sprudelt.<br />
Bei Meta bilden mit knapp 27 Milliarden<br />
Dollar der größte Anteil des Umsatzes<br />
im ersten Quartal <strong>2022</strong> die Werbeerlöse.<br />
„In noch nie dagewesener Quantität und<br />
Qualität sammeln die Plattformen Daten<br />
über ihre Nutzer“, schwärmt Fondsmanager<br />
Gerber. Das Social-Media-Erfolgsrezept<br />
besteht im Dreiklang aus: Je besser die Daten,<br />
desto personalisierter die Werbung und<br />
umso größer der Gewinn.<br />
ZUKÜNFTIGE REGULATORIK ALS RISIKO<br />
Doch steigt auch das Bewusstsein der Nutzer<br />
für die Problematik, die sich hinter dem<br />
Handel mit ihren freimütig offengelegten<br />
Daten verbirgt. Und: Die datenschutzrechtlichen<br />
Auflagen nehmen zu. „Regulatorische<br />
Risiken sind definitiv eine Bedrohung<br />
oder potenzielle Einschränkung für<br />
die Monetarisierung der Daten“, räumt<br />
auch Gerber ein. Allerdings erwartet der<br />
Fondsmanager eher Social-Media-freundliche<br />
Kompromisse als ernst zu nehmende<br />
rechtliche Einschränkungen seitens der<br />
»Regulatorische<br />
Risiken sind definitiv<br />
eine Bedrohung für<br />
dieses Anlagethema.«<br />
THOMAS GERBER, QUINT:ESSENCE CAPITAL<br />
190<br />
180<br />
170<br />
160<br />
150<br />
140<br />
130<br />
120<br />
110<br />
1/2018<br />
Angaben in Euro<br />
130<br />
130<br />
TRENDKANAL FÜHRT AUFWÄRTS<br />
Kursverlauf des Quint:Essence Strategy Select<br />
ter zur festen Branchengröße mit hoher<br />
Dividendenrendite mausert. „Telekom ist<br />
so ein Beispiel dafür“, so Masarwah. Zunehmende<br />
Regulierungen von außen seien<br />
ein Indikator für diesen Prozess. „Die EU<br />
hat die Spielräume der Social-Media-Unternehmen<br />
bereits eingegrenzt. Die Wildwest-<br />
Zeiten sind vorbei.“<br />
SOCIAL-MEDIA-ETF: OPTION FÜR ÄNGSTLICHE?<br />
Die Nutzerdaten bleiben, glaubt man<br />
Fondsmanager Gerber, dennoch erst einmal<br />
ein wichtiger Ertragsfaktor. Mit der Entstehung<br />
des Metaversums, eines virtuellen<br />
Ortes, an dem sich reale Menschen auf<br />
digitalem Weg begegnen, kommen noch<br />
zusätzliche Ertragsbringer hinzu. Gerber<br />
spielt damit auf den Verkauf von Avataren<br />
und auf die digitalen Immobiliendeals im<br />
Metaversum an. Im November vergangenen<br />
Jahres hat ein virtuelles Grundstück im<br />
Metaversum für 2,4 Millionen Dollar einen<br />
Abnehmer gefunden. Zukünftig könnten<br />
die neuen Einnahmequellen noch profitabler<br />
als die eigentlichen Daten werden.<br />
Das sieht der Fondsexperte Masarwah<br />
etwas anders. „Das ist eine keinesfalls eingelöste<br />
Wette auf die Zukunft. Second Life<br />
gab es schon einmal, aber davon redet heute<br />
keiner mehr.“ Der Erfolg von Metaverse<br />
sei ungewiss. „Würde man Meta jetzt auslagern<br />
und damit an die Börse gehen, wäre<br />
ich nicht überrascht, wenn es 80 bis 90 Prozent<br />
an Wert verlieren würde. Das ist ein<br />
Cashburner.“ Auch NFT-Geschäftsmodelle<br />
117<br />
134<br />
144<br />
Behörden. Die Unternehmen, so Gerber,<br />
säßen aufgrund ihrer immensen Popularität<br />
und geografischen Flexibilität einfach am<br />
längeren Hebel.<br />
Zumal weitere Einschränkungen nicht<br />
unbedingt negativ für die Wertentwicklung<br />
der Unternehmen sein müssen. Das<br />
zumindest glaubt Ali Masarwah, Fondsexperte,<br />
ehemaliger Morningstar-Analyst und<br />
Chefredakteur bei Envestor, einer Fondsplattform<br />
für Privatanleger. Regulierungen<br />
könnten aus seiner Sicht ein Indiz dafür<br />
sein, dass sich ein einstiger Senkrechtstarwürde<br />
er, zurückhaltend formuliert, stark<br />
hinterfragen.<br />
Die Situation bleibt für Investoren also<br />
erst einmal unwägbar. Wer sich am volatilen<br />
Wachstum aktiv gemanagter Fonds<br />
stört, könnte auch zum „Global X Social<br />
Media ETF“ greifen. Allerdings mit einem<br />
entscheidenden Nachteil: Der ETF investiert<br />
mit 12 Prozent in die Top-One-Position<br />
Tencent, fast ein Drittel des Portfolios<br />
besteht aus chinesischen Unternehmen.<br />
„Wenn sie noch mehr von staatlicher Seite<br />
reguliert werden, ist das ein Risiko“, so<br />
Masarwah. Aber: Das Portfolio ist diversifiziert.<br />
Es könne Schmerzen verursachen,<br />
sei aber nicht völlig Havarie-gefährdet.<br />
Trotzdem: Anleger sollten, laut dem Experten,<br />
nicht mehr als 10 Prozent in einen<br />
solchen Themenfonds stecken. <br />
PRO<br />
154<br />
7/2018 1/2019 7/2019 1/2020 7/2020 1/2021 7/2021 1/<strong>2022</strong> 7/<strong>2022</strong><br />
SOCIAL-MEDIA-INVESTMENTS?!<br />
Hohe globale<br />
Relevanz<br />
Vielfältige<br />
Ertragsquellen<br />
163<br />
Zunehmende Etablierung<br />
der Branche<br />
177<br />
193<br />
CONTRA<br />
Hohe Volatilität<br />
Regulatorische<br />
Risiken<br />
Quelle: Onvista<br />
Unsichere neue<br />
Geschäftsmodelle<br />
155<br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />
45
BUSCHFUNK Versicherungen<br />
VERSICHERUNGEN<br />
AXA VERKAUFT LEBEN-BESTAND AN ATHORA<br />
Rund 900.000 Policen sollen an die Run-off-Plattform gehen.<br />
Die Axa Deutschland verkauft einen Teil ihres Leben-Altbestands an die Run-off-<br />
Plattform Athora. Dies ist der zweite große Run-off-Deal innerhalb weniger Wochen.<br />
Kurz zuvor hatte die Zurich gut 720.000 Policen an den Abwickler Viridium verkauft.<br />
Der aktuelle Axa-Athora-Deal umfasst 900.000 Policen mit einem Deckungsvolumen<br />
von rund 16 Milliarden Euro. Bei dem zu veräußernden Segment handelt es sich um<br />
den Bestand der ehemaligen DBV-Winterthur Leben, die 2006 von der Axa gekauft<br />
wurde. Wie der Versicherer mitteilte, sei der Bestand seit 2013 für das Neugeschäft<br />
geschlossen gewesen. Durch den Verkauf erhält die Axa nicht nur 660 Millionen<br />
Euro, sondern kann ihr Lebensversicherungsgeschäft auch unabhängiger von Finanzmarktrisiken<br />
machen. Die durchschnittliche Verzinsung bei den nun verkauften<br />
Lebensversicherungen habe bei rund 3,2 Prozent gelegen.<br />
IST HOMÖOPATHIE NOCH FINANZIERBAR?<br />
FDP will Alternativmedizin als Kassenleistung streichen.<br />
Foto: Yakubov Alim<br />
Der Bund kommt mit der Sanierung des milliardenschweren Defizits in der<br />
gesetzlichen Krankenversicherung nicht hinterher. Daher schlägt die FDP<br />
jetzt als Maßnahme die Streichung homöopathischer Behandlungen als<br />
Kassenleistung vor. „Homöopathie soll jeder nutzen dürfen, ist aber nachweislich<br />
wissenschaftlich nicht wirksam“, sagte der FDP-Bundestagsabgeordnete<br />
Johannes Vogel. Homöopathie gehört nicht zum Leistungskatalog<br />
der GKV, allerdings übernehmen viele Krankenversicherer teilweise die<br />
Kosten für alternative Mittel.<br />
INFLATION TREIBT VERSICHERUNGSBETRUG<br />
In Großbritannien steigen die Schadenszahlen an.<br />
Durch die hohe Inflation mehren sich in Großbritannien die Fälle von Versicherungsbetrug.<br />
Nach aktuellen Zahlen der britischen Zurich-Tochter hat es in<br />
den ersten fünf Monaten dieses Jahres Betrugsfälle mit einem potenziellen<br />
Schaden in Höhe von 4,2 Millionen Pfund gegeben. Das seien 25 Prozent mehr<br />
als im Vorjahreszeitraum. Als Grund gelten die stark gestiegenen Lebenshaltungskosten.<br />
Besonders häufig meldeten Betrüger gestohlenen Schmuck bzw.<br />
beschädigte oder gestohlene Smartphones und Fernsehgeräte. Die durchschnittliche<br />
Schadenshöhe bei den Betrugsversuchen lag bei 8.800 Pfund.<br />
Eine Häufung von Betrugsfällen in Deutschland konnte die Zurich bislang nicht<br />
feststellen. Auch der Branchenverband GDV registrierte bis dato noch keinen<br />
Anstieg.<br />
Foto: Towfiqu Ahamed<br />
46<br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22
Versicherungen BUSCHFUNK<br />
Bayerische: Neue Fondsserie<br />
Die Bayerische bringt mit der Fondsrente bAV Invest eine<br />
neue fondsgebundene Rentenversicherung auf den Markt.<br />
„Das Konzept des dynamischen Zwei-Topf-Hybrids macht<br />
den Unterschied: Während ein Teil der Beiträge konservativ<br />
und besonders wertbeständig im Deckungsstock der<br />
Baye rischen angelegt wird, investieren wir den zweiten<br />
Teil in die Fondsanlage,“ erläutert Ute Thoma, Leiterin<br />
Betriebliche Vorsorge bei der Bayerischen, das Prinzip.<br />
Haben wir zu viele<br />
Vermittler?<br />
JUSTUS LÜCKE<br />
Geschäftsführer der Versicherungsforen Leipzig und Aktuar<br />
DAV<br />
Allianz: Neue Zahnzusatztarife<br />
Die Allianz Private Krankenversicherung hat ihr Zahnzusatz-Portfolio<br />
neu aufgestellt. Ab sofort ersetzen die drei<br />
Komplettpakete „MeinZahnschutz 75, 90 und 100“ die<br />
bisherige Tarifwelt. Sie sind mit und ohne Altersrückstellungen<br />
erhältlich.<br />
Basler: Photovoltaiktarif auf Thinksurance<br />
Die Basler Versicherungenn sind ab sofort mit einem weiteren<br />
Angebot auf der Vergleichsplattform Thinksurance<br />
vertreten. So ist die Tarifierung im Bereich der Photovoltaikversicherung<br />
möglich. Damit ist die Basler der erste<br />
Anbieter für Photovoltaikversicherungen auf der Plattform.<br />
degenia: Neues Wohngebäudekonzept<br />
Die degenia AG hat ihren Versicherungsschutz für Wohngebäude<br />
überarbeitet. Neu im Wohngebäudekonzept T22<br />
sind unter anderem Bausteine wie grobe Fahrlässigkeit bei<br />
Obliegenheitsverletzung, Wegfall der Mindestwindstärke,<br />
Best-Leistungs- und Besitzstandsgarantie, Inhalte aus<br />
den wegweisenden Urteilen bezüglich Rückstauklappe<br />
sowie undichte Fugen.<br />
Aon: Neuer Managing Director Global Clients<br />
Aon erweitert sein Global-Clients-Geschäft. Zum 1. Juli<br />
wurde Stephan Winneg (50) zum Managing Director<br />
Global Clients ernannt und in das Management-Team des<br />
Erstversicherungsmaklers berufen. Auf der neu geschaffenen<br />
Stelle wird sich Winneg auf eine Intensivierung der<br />
strategischen Neukundengewinnung und den Vertrieb in<br />
dem Kundensegment fokussieren.<br />
Allianz Direct & Check24: Partnerschaft<br />
gestartet<br />
Allianz Direct und Check24 haben eine strategische<br />
Partnerschaft in Deutschland und Spanien initiiert:<br />
Konsumenten in beiden Ländern können zukünftig auf die<br />
Produkte von Allianz Direct auf den Vergleichsportalen von<br />
Check24 zugreifen. Der erste gemeinsame Produkt-Start<br />
wird in der Kfz-Versicherung in Deutschland erfolgen.<br />
Foto: Eloi Omella<br />
Foto: Elxeneize<br />
Foto: Sefa Ozel<br />
Haben wir wirklich zu wenige Vermittler? Der Vertrieb<br />
klagt über Nachwuchs- und Fachkräftemangel.<br />
Aber ich frage mich eher: Haben wir nicht zu<br />
viele Vermittler – oder einfach nur die falschen?<br />
Viele sind der Meinung, dass durch Digitalisierung,<br />
Automatisierung und KI der direkte und persönliche<br />
Kontakt zum Makler oder zur Agentur an<br />
vielen Stellen in Zukunft einfach nicht mehr nötig<br />
sein wird. Die jüngere Generation ist eh „always<br />
online“ und schließt die Versicherungen nach<br />
dem Motto „Geiz ist geil“ daher fast ausschließlich<br />
online ab, beraten durch den Influencer ihres<br />
Vertrauens. Und wer sich so überhaupt nicht für<br />
Versicherungen interessiert, der schließt sie am<br />
Ende doch einfach beim Kauf im (Online-)Handel<br />
ab, Stichwort „Embedded Insurance“. Und das<br />
komplett ohne persönliche Beratung durch einen<br />
Vermittler. Wenn man das so liest, könnte man<br />
sich schon fast fragen: Brauchen wir zukünftig<br />
überhaupt noch Vermittler? Meine Meinung: auf<br />
jeden Fall! Nach wie vor ist die Unsicherheit vieler<br />
Kunden beim Thema Versicherungen hoch, insbesondere<br />
bei komplexen Produkten wie Lebensund<br />
Berufsunfähigkeitsversicherungen. Und diese<br />
Unsicherheit kann einem nur ein Mensch nehmen.<br />
Ein Mensch, dem man vertraut. Das ist aber<br />
kein Blankoscheck oder Freifahrtschein für ein<br />
„Weiter-so“. Zukünftig haben nur noch solche Vermittler<br />
eine Daseinsberechtigung, die die Chancen<br />
der Digitalisierung zu nutzen wissen und trotzdem<br />
ihre Persönlichkeit in den Vordergrund und in den<br />
Dienst der Kunden stellen. Und das idealerweise<br />
fokussiert auf eine Zielgruppe, die sie authentisch<br />
vertreten können, seien es Start-up-Unternehmer,<br />
Pferdebesitzer oder Landwirte. Denn von einem<br />
bin ich überzeugt: Der Feld-Wald-und-Wiesen-<br />
Vermittler wird mindestens perspektivisch der<br />
Vergangenheit angehören.<br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />
47
VERSICHERUNGEN Privater Cyberschutz<br />
»Versicherer verkennen<br />
das Cyberpotenzial«<br />
Die Produktgestaltung ist wenig durchdacht, Schnittmengen zu anderen Versicherungen<br />
erschweren Bedarfsermittlung und Vergleiche. Gründe für Prof. Dr. Michael Fortmann vom<br />
Institut für Versicherungswesen der TH Köln, warum der private Cyberschutz stockt<br />
– TEXT: CARLA FRITZ –<br />
<strong>procontra</strong>: Von Cyberversicherungen im<br />
Privatkundenbereich hört und sieht man<br />
bisher wenig am Markt. Im Gegensatz<br />
zum Gewerbebereich, für den die Assekuranz<br />
kräftig trommelt. Dass die Thematik<br />
gleichzeitig ein ganzes Buch füllt, lässt auf<br />
eine gewisse Problemfülle schließen?<br />
Michael Fortmann: Es ist auf jeden Fall<br />
noch kein rundes Konzept, und es gibt<br />
viele offene Fragen. Der Bedarf wäre schon<br />
da. Aber ob Verbraucherbelange von den<br />
derzeitigen Cyberprodukten – mit sehr<br />
unterschiedlichen Ansätzen – 100-prozentig<br />
erfüllt werden? Da habe ich meine<br />
Zweifel. Und man muss am Markt schon<br />
sehr lange danach suchen und findet sie –<br />
auch bei den einzelnen Versicherern – nicht<br />
immer auf Anhieb.<br />
<strong>procontra</strong>: Wie sortiert sich denn der<br />
Markt bisher?<br />
Fortmann: Von „sortiert“ kann nicht die<br />
Rede sein. Derzeit bieten rund 20 Gesellschaften<br />
privaten Cyberversicherungsschutz<br />
an, ein eigenständiges Produkt<br />
dabei nur wenige – man kann sie an einer<br />
Hand abzählen. Meist ist er als Zusatzbaustein<br />
angedockt, zum Beispiel in einigen<br />
Rechtsschutzversicherungen. Dort findet<br />
man mittlerweile auch in der aktuellen<br />
ARB-Version des GDV einen optionalen<br />
Cyber-Musterbaustein. Auch in der Hausrat<br />
gibt es einige Anbieter, bei der Privathaftpflicht<br />
eher weniger. Im Unterschied<br />
zur gewerblichen Cyberpolice haben wir<br />
es hier also mit vier unterschiedlichen<br />
Policenarten zu tun ...<br />
<strong>procontra</strong>: … aus denen der Kunde<br />
respektive Makler sich den Cyberschutz<br />
zusammensuchen muss. Woran kann man<br />
sich halten – ohne Musterbedingungen<br />
als Orientierungshilfe? Die gibt es vom<br />
GDV bisher ja nur für die Cyberpolice auf<br />
gewerblicher Seite.<br />
Prof. Fortmann ist<br />
Studiengangsleiter<br />
an der TH Köln, lehrt<br />
zu Versicherungsvertragsrecht<br />
und<br />
Haftpflichtversicherung,<br />
insbesondere<br />
mit den Schwerpunkten<br />
Cyberversicherung,<br />
D&O- und<br />
Vertrauensschadenversicherung.<br />
Fortmann: Orientierung an den Deckungsinhalten.<br />
Interneteinkauf. Internetverkauf.<br />
Cybermobbing. Onlinebanking etc. In den<br />
Policen werden meist die gleichen Stichworte<br />
benutzt. Zu prüfen wäre dann – und<br />
das macht es nicht einfacher: Was hat der<br />
48 Foto: privat
Privater Cyberschutz VERSICHERUNGEN<br />
Verbraucher bzw. Kunde hier vielleicht<br />
auch schon in seinen Policen abgedeckt?<br />
Betrug beim Geldabheben oder Interneteinkauf,<br />
Cyberattacken beim Onlinebanking?<br />
Hat er oder sie im Rechtsschutz<br />
vielleicht schon den optionalen Cyberbaustein<br />
mit abgeschlossen? Lohnt sich<br />
dann eine separate Cyberpolice überhaupt<br />
noch? Schließlich will man möglichst keine<br />
Doppelungen haben. Überschneidungen<br />
sind hier jedoch schwer in den Griff zu<br />
bekommen.<br />
<strong>procontra</strong>: Vor circa zehn Jahren ist<br />
die Cyberversicherung auf den Markt<br />
gekommen, zunächst fürs Gewerbe. Sollte<br />
da inzwischen auch für Privat nicht mehr<br />
passiert sein? Mit Homeoffice, Homeschooling<br />
und Onlineshopping ist die Zeit<br />
ja ohnehin auch nicht stehen geblieben.<br />
Mehr Onlinepolicenabschlüsse sind auch<br />
Indiz dafür.<br />
Fortmann: Die Absicherung für Verbraucher<br />
ist erst in den letzten Jahren entstanden.<br />
Der Treiber im Gewerbe sind die<br />
spektakulären Schadenfälle mit den gro ßen<br />
Schlagzeilen. Von Attacken am Bankautomaten,<br />
wo Kunden bestohlen werden oder<br />
ihre PIN ausgespäht wurde, bekommt man<br />
selten etwas mit. Insofern: Die Versicherer<br />
erkennen vielleicht das Potenzial für den<br />
privaten Cyberschutz nicht und tun sich<br />
im Moment auch schwer, ihre Rolle in<br />
diesem Bereich zu finden, tasten sich erst<br />
heran. Vieles in der Produktgestaltung und<br />
Formulierung ist noch nicht bis ins letzte<br />
Detail durchdacht.<br />
<strong>procontra</strong>: Woran stoßen Sie sich insbesondere?<br />
Fortmann: Wer Bezahldienste wie beispielsweise<br />
PayPal nutzt, hat als Betrugsopfer<br />
bereits dadurch Käufer- und teilweise auch<br />
Verkäuferschutz analog den Bausteinen in<br />
der Cyberversicherung. Beim Abschluss<br />
einer solchen Versicherung würde ich<br />
deshalb erwarten, dass der Versicherer<br />
reguliert, also auch der Ansprechpartner<br />
für den Kunden ist und sich beim Dienstleister<br />
schadlos hält. Aber so funktionieren<br />
die meisten Produkte im Moment nicht.<br />
Soweit ein solcher Anspruch des Verbrauchers,<br />
auch gegen Banken oder andere<br />
Dienstleister, besteht, greifen die meisten<br />
Cyberversicherungen für Privatkunden<br />
nicht mehr.<br />
<strong>procontra</strong>: Nach welcher Maßgabe? Was<br />
steht dazu im Kleingedruckten?<br />
Fortmann: Die Versicherung ist subsidiär<br />
zu Ansprüchen Dritter, also nachrangig.<br />
De facto sagt der Versicherer zugespitzt:<br />
Ich decke einen Sachverhalt, aber sofern<br />
ein anderer den Schaden daraus übernimmt,<br />
erhältst du von mir keine Leistung.<br />
Wofür schließt man die Versicherung dann<br />
ab? Damit sie mir sagt, an wen ich mich<br />
wenden soll? Hier, aber auch an anderer<br />
Stelle wird man nachschärfen müssen.<br />
<strong>procontra</strong>: Nachschärfen – das heißt im<br />
erwähnten Beispiel konkret was?<br />
Fortmann: Was hindert die Gesellschaften,<br />
sich die Ansprüche gegen den Bezahldienst<br />
abtreten zu lassen und selbst zu regulieren?<br />
Bei einem Cyberschaden würde ich<br />
als Verbraucher von meiner Versicherung<br />
erwarten, dass ich mich an sie wende und<br />
alles wird gut. Das wäre der Idealfall. Aber<br />
»Ob Verbraucherbelange<br />
von den<br />
derzeitigen Cyberprodukten<br />
100-<br />
prozentig erfüllt<br />
werden? Da habe ich<br />
meine Zweifel.«<br />
man kann ja daran arbeiten. Dabei geht es<br />
nicht zuerst darum, welche Risiken man<br />
decken will.<br />
<strong>procontra</strong>: Sondern?<br />
Fortmann: Mit Cyberbausteinen Teilbereiche<br />
abdecken, Präsenz am Markt zeigen,<br />
das kann man machen. Um dort Erfolg zu<br />
haben, wäre doch aber vielmehr zu klären:<br />
Wie will man sich dort positionieren und<br />
vom Verbraucher wahrgenommen werden?<br />
Anders gesagt: Will man nur ein „Alibiprodukt“<br />
haben nach dem Motto „Wir<br />
können auch Cyber!“? Oder will man<br />
tatsächlich auch Cyberkompetenz beweisen<br />
und den Privatkunden im Schadenfall<br />
nicht alleine lassen?<br />
<strong>procontra</strong>: Worauf wollen Sie hinaus?<br />
Fortmann: Wenn man dem Verbraucher<br />
helfen will, und davon gehe ich aus,<br />
müsste man – ähnlich wie im gewerblichen<br />
Bereich – Betroffene an die Hand nehmen.<br />
Müsste zum Beispiel auch Dienstleister<br />
nennen, die Daten und Computer wiederherstellen.<br />
Rechtsanwälte, die sich in<br />
diesem Bereich auskennen. Vielleicht sogar<br />
Forensiker, die dann auch Hinweise zur<br />
Schadenverhütung geben können. Über<br />
Rahmenverträge hätten Versicherer hier<br />
viel schneller Zugriff auf Experten als der<br />
Kunde.<br />
<strong>procontra</strong>: Dann muss man aber auch über<br />
die Kosten reden und über die massenhaften<br />
eher kleineren Schadenfälle in<br />
diesem Bereich.<br />
Fortmann: Im Einzelfall betrachtet ist der<br />
Forensiker zu teuer. Aber wenn er eine<br />
Spur findet, wie die Hacker eingedrungen<br />
sind, kann er diese Lücke bei einer deutlich<br />
größeren Zahl von Versicherungsnehmern<br />
schließen und so Schadenfälle verhindern.<br />
Und im Hinblick auf das viele Kleinklein<br />
sind wir hier auch nicht mehr in der Situation<br />
wie vor 10 oder 20 Jahren, wo jeder<br />
Schadenfall tatsächlich auch von einem<br />
„echten“ Sachbearbeiter begutachtet werden<br />
muss. Gerade beim Massengeschäft<br />
kann man viel mit Standardvorgängen<br />
arbeiten. KI oder auch Dunkelverarbeitung<br />
könnten dabei wahrscheinlich gut helfen.<br />
<strong>procontra</strong>: Kann man als Makler heute<br />
einem Kunden raten, eine private Cyberversicherung<br />
abzuschließen?<br />
Fortmann: Das hängt vom Einzelfall ab.<br />
Wer Onlinebanking macht, für den kann<br />
der Schutz sinnvoll sein. Cybermobbing<br />
– hier gibt es anwaltliche Leistungen, teilweise<br />
auch eingeschränkt psychologische<br />
Beratung, aber keine Behandlung. Da stellt<br />
sich generell die Frage: Ist das nicht eher<br />
eine Sache für die Krankenversicherung?<br />
Auf der anderen Seite sind bestimmte<br />
Risiken noch nicht berücksichtigt. Ich<br />
erinnere an einen Schadenfall in Finnland.<br />
Dort haben Hacker hochsensible Daten<br />
aus einer psychiatrischen Einrichtung<br />
abgezogen und nicht nur sie erpresst, sondern<br />
auch die Patienten. Auch da könnte<br />
man Verbrauchern Schutz geben.<br />
<strong>procontra</strong>: Viele Anregungen, die auf Umsetzung<br />
warten. Wie sehen Sie die Chancen<br />
dafür?<br />
Fortmann: Ratings könnten hier sicherlich<br />
die Produktqualität fördern, indem man<br />
Vergleichbarkeit herstellt. Makler haben so<br />
Anhaltspunkte, welche Produkte die besten<br />
am Markt sind. Eine gute Bewertung<br />
als Ansporn hat auch in anderen Bereichen<br />
geholfen.<br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />
49
VERSICHERUNGEN Bauversicherungen<br />
KLAU AM BAU<br />
Die Baubranche kämpft mit entfesselten Rohstoffpreisen und Lieferengpässen. Das verstärkt<br />
Begehrlichkeiten bei Langfingern. Doch welche Versicherungen lohnen sich am Bau?<br />
– TEXT: HANNAH PETERSOHN –<br />
Explodierende Rohstoffpreise, unterbrochene<br />
Lieferketten, akuter Materialmangel:<br />
Die Baubranche ächzt unter den aktuellen<br />
Entwicklungen. Dabei handelt es sich um<br />
ein Problem, das nicht neu ist: Die Baustoffpreise<br />
sind bereits im vergangenen Jahr<br />
so stark angestiegen wie seit dem Zweiten<br />
Weltkrieg nicht mehr. Die Kosten für Konstruktionsvollholz<br />
haben laut Statistischem<br />
Bundesamt um 77 Prozent zugelegt, für Betonstahl<br />
mussten Bauherren das Doppelte<br />
berappen. Auch die Preise für Kupfer und<br />
Bitumen sind 2021 mit einem Anstieg um<br />
27 und 36 Prozent empfindlich teurer geworden.<br />
Seit dem russischen Angriffskrieg auf die<br />
Ukraine hat sich die Situation noch einmal<br />
deutlich verschärft. Zum ersten Mal seit<br />
über drei Jahrzehnten musste sogar die<br />
Londoner Metallbörse ihren Handel vorübergehend<br />
einstellen, die Preise hatten sich<br />
von der Realität abgekoppelt. Die Preisrallye<br />
an den Rohstoffmärkten setzt sich derweil<br />
unbeirrt fort. Der Erzeugerpreisindex<br />
lag im März dieses Jahres bei Betonstahl<br />
um etwa 60 Prozent über dem Vorjahresniveau,<br />
Dämmmaterial legte um circa 40<br />
Prozent zu.<br />
Die Auswirkungen auf die Baubranche<br />
sind fatal: „Wir sehen schlimmere Engpässe<br />
bei vielen Baumaterialien als in der<br />
Hochphase der Pandemie. Gleichzeitig explodieren<br />
Energie- und Materialpreise“,<br />
warnt Reinhard Quast, Präsident des Zentralverbands<br />
Deutsches Baugewerbe (zdb).<br />
Mit den Baupreisen steigen die gesamten<br />
50 Illustration: Roman Kulon
Bauversicherungen VERSICHERUNGEN<br />
Baukosten. Und die wiederum treiben die<br />
Versicherungsprämien nach oben. Denn: Je<br />
höher die Baukosten, desto höher die Beiträge.<br />
Und ein weiteres Problem beschäftigt<br />
die Branche: Das wertvolle Baumaterial<br />
weckt Begehrlichkeiten bei Dieben, die<br />
Knappheit verstärkt den Klau am Bau.<br />
BEGEHRTE BEUTE: GELAGERTES MATERIAL<br />
Während die Anzahl der Delikte laut Kriminalstatistik<br />
von gut 24.000 (2020) auf<br />
22.700 (2021) zwar geringfügig gesunken<br />
ist, könnte das in diesem Jahr wieder anders<br />
aussehen: „Wir stellen einen massiven<br />
Kleingeräte- und Kleinteileklau fest: Stahl,<br />
Kupfer, Kabel. Alles, was einfach mitgenommen<br />
werden kann, rumliegt und nicht<br />
fest verbaut ist, ist leichte Beute“, warnt<br />
Burkhard Brämer, Geschäftsführer von<br />
Bauass Versicherungsmakler. Der Versicherungsspezialist<br />
für die Baubranche beobachtet,<br />
dass auch gelagertes Material gerade<br />
häufiger gestohlen wird, die Anzahl der<br />
Schadensfälle steigt.<br />
Das werde die Nachfrage nach einer speziellen<br />
Diebstahlpolice befeuern, ist Brämer<br />
überzeugt. Schließlich deckt die Bauleistungsversicherung,<br />
der herkömmliche<br />
Versicherungsschutz für Bauprojekte, nur<br />
das ab, was fest verbaut ist. Kleine Geräte<br />
wie Bohrer oder herumliegendes Material<br />
sind nicht mit eingeschlossen. „Man kann<br />
über eine Deckungserweiterung auch Teile<br />
des lagernden Materials mitversichern“,<br />
so Brämer. Er empfiehlt Bauherren auch<br />
durchaus den Abschluss dieser Police. Allerdings<br />
knüpfen Versicherer dann bestimmte<br />
Bedingungen an den Schutz: So müssen die<br />
Baumaßnahme und damit auch die Prämie<br />
der Grunddeckung eine nennenswerte Größe<br />
haben und eine Bewachung oder Überwachungsanlagen<br />
vorhanden sein. „Insgesamt<br />
prüfen die Versicherer sehr genau<br />
den Wert und die Transportfähigkeit des<br />
Materials, das Verhältnis zwischen Prämie<br />
und dem Wert des lagernden Materials, die<br />
Bewachung und die Lage der Baustelle.“<br />
Eine Deckung für Klein- und Kleinstgeräte<br />
empfiehlt der Makler hingegen nicht.<br />
Ein Diebstahl in dieser Größenordnung<br />
gefährde schlicht nicht die Existenz des<br />
Bauunternehmers. „Außerdem ist das meist<br />
ein für beide Seiten unbefriedigendes Wechselspiel<br />
aus Diebstahl, Regulierung, Selbstbehaltsanforderung<br />
und Sanierung.“ Insgesamt<br />
sei der Aufwand schlicht zu hoch,<br />
Bauherren sollten ihre Energie besser in<br />
PREISSTEIGERUNGEN VON BAUMATERALIEN 2021<br />
Baustoffpreise so stark angestiegen wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr<br />
Konstruktionsvollholz<br />
Dachlatten<br />
Bauholz<br />
Betonstahl in Stäben<br />
Betonstahlmatten<br />
Bitumen aus Erdöl<br />
Epoxidharze<br />
Halbzeug aus Kupfer und Kupferlegierungen<br />
Metalle insgesamt<br />
Spanplatten<br />
Dämmplatten aus Kunststoff<br />
Erzeugerpreise insgesamt<br />
Veränderungsrate gegenüber Vorjahr in %, Jahresdurchschnitt Quelle: Statistisches Bundesamt (<strong>2022</strong>)<br />
eine sichere Aufbewahrung stecken und mit<br />
eigenen Schutzmaßnahmen dagegenhalten.<br />
Eine Baustellenüberwachung via Video sei<br />
demnach sinnvoller. „Das wird von Bauherren<br />
auch viel mehr nachgefragt. Aber<br />
leider interessiert das die Versicherer gar<br />
nicht“, kritisiert er. Soll heißen: Auch wenn<br />
ein Bauherr seine Baustelle professionell<br />
schützt, verringert das nicht die Versicherungsbeiträge.<br />
Das liege auch an der Kalkulation<br />
der Versicherer, die den Großteil der<br />
»Wir sehen eine<br />
Zunahme von Baumaterial-Diebstählen.«<br />
STEFAN LUTTER, VHV GRUPPE<br />
Prämie für Großschäden wie Brände oder<br />
Überschwemmungen vorsehen und nur<br />
einen deutlich kleineren Teil für den Diebstahl<br />
fest verbauter Teile. Die Versicherer<br />
bewerten das Thema Diebstahl einfach als<br />
kleineres Problem. Doch das könnte sich<br />
schon bald ändern: „Nach den uns vorliegenden<br />
Informationen und Auskünften,<br />
insbesondere aus externen Quellen, wird<br />
0 10 20 30 40 50 60 70 80 90<br />
eine Zunahme von Baumaterial-Diebstahl<br />
gesehen“, erklärt Stefan Lutter, Pressesprecher<br />
der VHV Gruppe, eines der größten<br />
Versicherer für die Baubranche. Infolge von<br />
Material-Lieferengpässen komme es außerdem<br />
zunehmend zu „Verzögerungen bei<br />
der Leistungserbringung“. Betriebsunterbrechungen<br />
sind ein großes finanzielles Risiko<br />
für Bauherren, die dann mit Schadensersatzansprüchen<br />
vonseiten der Investoren<br />
rechnen müssen. Für kleine und mittlere<br />
Unternehmen kann das schnell existenzbedrohend<br />
werden.<br />
MATERIAL ZÜGIG VERBAUEN<br />
Und auch hier spielt das Thema Diebstahl<br />
wieder eine Rolle, denn wenn dann endlich<br />
das ersehnte Baumaterial angekommen ist,<br />
warten Diebe schon auf ihre Chance. Ist ihr<br />
Beutezug erfolgreich, kann das schlimmstenfalls<br />
in einer Unterbrechung des Bauvorhabens<br />
enden. „Natürlich haben wir<br />
die Sorge, dass etwas gestohlen wird. Wir<br />
sehen zu, dass wir die Materialien zeitnah<br />
verbauen“, sagt der Bauunternehmer Gerrit<br />
Büter, Geschäftsführer von Büter Bau,<br />
einem niedersächsischen Unternehmen mit<br />
rund 100 Mitarbeitern.<br />
Die Kosten für sein derzeit größtes Projekt<br />
liegen bei um die 50 Millionen Euro.<br />
Die Baustelle hat er deswegen umzäunen<br />
lassen, ein Wachdienst patrouilliert<br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />
51
VERSICHERUNGEN Bauversicherungen<br />
»Wir stellen massiven Kleinteileklau fest«<br />
BURKHARD BRÄMER, Geschäftsführer von Bauass Versicherungsmakler<br />
<strong>procontra</strong>: Die Rohstoffpreise bewegen sich in<br />
schwindelerregenden Höhen. Brauchen Bauunternehmer<br />
jetzt einen Diebstahlschutz?<br />
Burkhard Brämer: Der Diebstahl in großem<br />
Umfang hält sich bisher in Grenzen. Wir stellen<br />
aber einen massiven Kleingeräte- und Kleinteileklau<br />
fest: Stahl, Kupfer, Kabel. Alles, was einfach<br />
mitgenommen werden kann, rumliegt und nicht<br />
fest verbaut ist, ist ein zunehmendes Thema.<br />
<strong>procontra</strong>: Bekommen Bauherren so einen Verlust<br />
über ihre Versicherung erstattet?<br />
Brämer: Solange etwas fest verbaut ist, ist es<br />
über die Bauleistungsversicherung gedeckt.<br />
Da aber momentan alle Bauherren schlechte<br />
Erfahrungen mit dem Diebstahl von Kleinteilen<br />
machen, wird die Nachfrage nach einer speziellen<br />
Diebstahldeckung zunehmen. Man kann<br />
auch über eine Deckungserweiterung Teile des<br />
lagernden Materials mitversichern. Natürlich<br />
wird da gerade auch mehr gestohlen.<br />
<strong>procontra</strong>: Lohnt sich ein erweiterter Schutz?<br />
Brämer: Wir glauben, dass Bauherren mit<br />
eigenen Schutzmaßnahmen dagegenhalten<br />
müssen. Wer eine Bohrmaschine im Baucontainer<br />
lässt, der mit dem Schraubenzieher aufgeknackt<br />
werden kann, ist auch ein bisschen<br />
selbst schuld. Professionelle Bauherren haben<br />
immer eine Baustellenüberwachung, über die<br />
bei einem Einbruch auch gleich die Polizei alarmiert<br />
wird. Das wird auch viel mehr nachgefragt.<br />
Aber leider interessiert das die Versicherer gar<br />
nicht, sie machen keine Vorgaben.<br />
<strong>procontra</strong>: Das heißt, die Versicherer verschärfen<br />
die Obliegenheiten für die Bauleistungsversicherung<br />
nicht?<br />
Brämer: Nein. Es lohnt sich nicht: Ein Großteil der<br />
Prämie einer Bauleistungsversicherung ist für<br />
den Großschaden gedacht, also wenn es zu<br />
einer Naturkatastrophe, Überschwemmung oder<br />
einem Brand kommt. Ein deutlich kleinerer Teil<br />
ist für den Diebstahlschutz kalkuliert. Wenn ein<br />
Versicherer jetzt die Prämie für diesen Anteil halbiert,<br />
nachdem ein Bauherr eine Überwachung<br />
installiert, dann hat das kaum Auswirkungen auf<br />
die Gesamtprämie. In Bezug auf ein Einfamilienhaus<br />
reden wir da über wenige Euro Ersparnis.<br />
Für diesen Nachlass schafft sich niemand<br />
ein Überwachungssystem an. Diejenigen, die<br />
so einen Schutz wählen, machen das, um die<br />
Störung im Bauablauf zu vermeiden.<br />
<strong>procontra</strong>: Wird eine Betriebsunterbrechungsversicherung<br />
(BU) denn nachgefragt?<br />
Brämer: In der Regel ist ein Ausfall nicht versichert.<br />
Es gibt zwar die entsprechende Police,<br />
aber sie wird nur selten abgeschlossen. Die<br />
BU-Deckung ist recht teuer.<br />
<strong>procontra</strong>: Sind die Prämien in den vergangenen<br />
Jahren angehoben worden?<br />
Brämer: Die gestiegenen Baupreise schlagen<br />
sich auf die gesamten Baukosten nieder, damit<br />
steigen dann auch die Versicherungsbeiträge.<br />
Der Versicherer berechnet die Prämie nach und<br />
bekommt seine ursprüngliche Kalkulation auf<br />
die gestiegenen Baupreise wieder. Das Geschäft<br />
läuft, die gestiegenen Baukosten erhöhen in der<br />
Folge die Prämien. Diese ehrlichen und offenen<br />
Worte hören Sie jetzt von einem Makler, ein Versicherer<br />
wird das sicherlich anders sehen und<br />
eher auf die Großschäden aus den Unwetterereignissen<br />
der vergangenen Jahre verweisen.<br />
regelmäßig. Die Kosten dafür trägt er<br />
selbst. „Die Versicherungsprämien sinken<br />
nicht, obwohl wir damit ja auch die Teile<br />
schützen, die versichert sind“, kritisiert<br />
auch Büter. Allerdings bieten selbst diese<br />
Vorkehrungen keinen abschließenden<br />
Schutz. So haben Diebe auch schon mal<br />
aus den Wänden und der Decke bereits<br />
verbaute Kabel mitgehen lassen. Und trotz<br />
Wachdienst und Umzäunung wurden von<br />
der 50-Millionen-Baustelle bereits zwei<br />
Mal herumliegende Kabel gestohlen. Der<br />
Bauunternehmer erwartet, dass die Häufigkeit<br />
von Diebstählen zunehmen wird,<br />
„angesichts weiter steigender Lebenshaltungskosten<br />
bei Reallohnverlusten für die<br />
Bevölkerung und weiterhin ebenfalls hoch<br />
bleibenden Rohstoffpreisen“. Dennoch hat<br />
sich Büter gegen eine Diebstahlpolice für<br />
sogenannte Kleinteile entschieden. Sie würde<br />
sich nur dann lohnen, wenn drei Mal<br />
so viel wie bisher geklaut würde. Schwere<br />
Seecontainer, die mit massiven Vorhängeschlössern<br />
das begehrte Material schützen<br />
sollen, müssen vorerst genügen. Zumal Büter<br />
auch bisher von einer Betriebsunterbrechung<br />
durch den Klau am Bau verschont<br />
geblieben ist.<br />
In der Regel lassen Bauherren einen Ausfall<br />
nicht versichern. Es gibt zwar eine entsprechende<br />
Police, aber sie wird nur selten<br />
abgeschlossen. „Die BU-Deckung ist recht<br />
teuer“, sagt Versicherungsmakler Brämer.<br />
Die Versicherer sind auf den Abschluss<br />
solcher Policen auch kaum angewiesen.<br />
Ihr Geschäft mit der Bauleistungsversicherung<br />
sei rentabel genug. „Es gibt Sparten,<br />
in denen die Versicherer kaum noch Geld<br />
verdienen, aber das würde ich für die Bauleistungsversicherung<br />
ausschließen, sie ist<br />
auskömmlich.“ Schließlich erhöhen die<br />
Anbieter vor dem Hintergrund der gestiegenen<br />
Baukosten die Prämien, und das,<br />
obwohl sich die Schadenssummen durch<br />
Diebstähle noch in Grenzen halten. „Diese<br />
ehrlichen und offenen Worte hören Sie jetzt<br />
von einem Makler, ein Versicherer wird das<br />
sicherlich anders sehen und eher auf die<br />
Großschäden aus den Unwetterereignissen<br />
der vergangenen Jahre verweisen“, so Brämer.<br />
52 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22
M&M RATING<br />
KV-Unternehmen<br />
R+V-KRANKENVERSICHERUNG<br />
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VERSICHERUNGEN Fahrradversicherungen<br />
GUTES RAD IST TEUER<br />
Immer mehr Menschen nutzen das Zweirad – und geben dafür immer mehr Geld aus. Ein<br />
Trend mit Beratungsbedarf, denn der Wettbewerb für separate Fahrradpolicen wird schärfer<br />
– TEXT: UWE SCHMIDT-KASPAREK –<br />
„Jedes vierte E-Bike in Deutschland ist<br />
nicht gegen Diebstahl versichert“, sagt<br />
Braulio Dario Rissi, Geschäftsführer<br />
Sachversicherungen beim Internetportal<br />
Check24. „Das ist überraschend, da ein E-<br />
Bike mittlerweile zu den teuersten Anschaffungen<br />
der Deutschen zählt.“ Seit 2019<br />
sei der durchschnittliche Kaufpreis um 17<br />
Prozent auf aktuell 2.857 Euro gestiegen.<br />
Der Trend wird durch Pandemie und den<br />
Kurs zur Nachhaltigkeit noch beschleunigt.<br />
„Das Rad ist heute Transportmittel,<br />
Freizeit- und Sportgerät. Und die Kunden<br />
haben noch nie bereitwillig so viel für ein<br />
Rad ausgegeben“, stellt Andreas Brunner<br />
fest, Versicherungsmakler und Vorstand bei<br />
der Maklergenossenschaft Vema. „Auf den<br />
neuen Bedarf haben inzwischen mehrere<br />
Versicherer reagiert und bieten Fahrradversicherungen<br />
als noch recht neue Sparte an“,<br />
so Brunner.<br />
RUNDUM-SCHUTZ<br />
Angesichts der steigenden Anschaffungskosten<br />
rechnet sich immer häufiger eine<br />
separate Fahrradversicherung. Denn die<br />
Deckungssummen innerhalb der Hausratpolice<br />
kommen für den Bereich „Fahrrad“<br />
schnell an ihre Grenzen. Bei Spezialpolicen<br />
können in der Regel Räder und Pedelecs bis<br />
zu einem Wert von 10.000 Euro versichert<br />
werden. Außerdem gibt es mit der Hausratversicherung<br />
nur Diebstahlschutz. Demgegenüber<br />
leisten die reinen Rad-Policen<br />
nicht nur bei Diebstahl, sondern decken<br />
fast jede Beschädigung ab. Versichert sind<br />
Unfall- und Sturzschäden oder Vandalismus,<br />
also die mutwillige Zerstörung des<br />
Rades. Es gibt eine Absicherung bei Naturgefahren<br />
und Fehlbedienungsschäden<br />
sowie beim Pedelec Schutz für Elektronik,<br />
Feuchtigkeit oder Überspannung. Neben<br />
dem Diebstahl des gesamten Fahrrads, sind<br />
54 Illustration: Roman Kulon
Fahrradversicherungen VERSICHERUNGEN<br />
seine festverschraubten Teile und vielfach<br />
sogar Helme, Taschen oder Gepäck eingeschlossen.<br />
Und in den E-Bike-Tarifen ist<br />
das technische Herzstück, der Akku, mitversichert.<br />
Zudem sorgen die Extrapolicen<br />
inklusiv oder gegen Aufpreis dafür, dass<br />
der Radfahrer nach Unfall oder Panne per<br />
Schutzbrief mobil bleibt.<br />
ANBIETER<br />
TARIF<br />
TOP-SCHUTZ FÜR TOP-BIKES<br />
Erste Anbieter mit Regio-Preis-System<br />
Wuppertal<br />
(PLZ 42103)<br />
PRÄMIENHÖHE in Euro (gerundet)<br />
Düsseldorf<br />
(PLZ 4<strong>04</strong>68)<br />
Münster<br />
(PLZ 48161)<br />
Rostock<br />
(PLZ 18057)<br />
GESAMT-<br />
PUNKTE<br />
EURO-<br />
RADTEST<br />
ERSTMALS TEUERUNGSSCHUTZ<br />
Die Hausratversicherung zahlt bei Diebstahl<br />
den echten Neupreis des Rades,<br />
während Spezial-Rad-Policen nur den<br />
Kaufpreis erstatten. Er gilt im Vertrag als<br />
Versicherungswert. Wertsteigerungen sind<br />
also nicht mitversichert – bisher! Denn nun<br />
bieten schon zwei Assekuranzen einen Einstieg<br />
in die Neuwertversicherung. So leistet<br />
die Ammerländer im Tarif „Fahrrad-Vollkaskoversicherung<br />
– Excellent“, den es für<br />
Fahrräder und Pedelecs gibt, eine sogenannte<br />
Teuerungsabsicherung von 20 Prozent.<br />
Bei andsafe im Tarif „Fahrradversicherung<br />
– Diebstahl, Reparatur und Schutzbrief“,<br />
der auch für Pedelecs abschließbar ist, gilt<br />
ein Vorsorgeschutz von 10 Prozent. Einen<br />
ersten guten Ansatz hat auch die Zurich in<br />
die „E-Mobilversicherung Fahrrad“ und<br />
„E-Mobilversicherung Pedelec“ integriert.<br />
Den Fahrradhelm gibt es immer für bis zu<br />
150 Euro zusätzlich. Der scharfe Wettbewerb<br />
um mehr Leistung wird auch von den<br />
Vermittlern goutiert. Sie haben längst ihren<br />
»Jedes vierte E-Bike<br />
in Deutschland ist<br />
nicht gegen Diebstahl<br />
versichert.«<br />
BRAULIO DARIO RISSI, GESCHÄFTSFÜHRER CHECK24<br />
„Liebling“ gekürt. In der Vema-Umfrage<br />
votierten im April <strong>2022</strong> insgesamt 448 von<br />
822 befragten Maklern für die Ammerländer.<br />
Damit führt die Assekuranz mit 54,5<br />
Prozent der Nennungen vor Barmenia<br />
(13,02 Prozent) und Waldenburger (12,65).<br />
DEUTLICHE PRÄMIENUNTERSCHIEDE<br />
Vermittler können ihren Fahrradkunden<br />
bei der Tarifauswahl helfen. Denn noch<br />
immer gibt es extreme Preisunterschiede<br />
Ammerländer<br />
Fahrrad-Vollkaskoversicherung<br />
für Pedelecs – Excellent<br />
1<strong>04</strong> 1<strong>04</strong> 1<strong>04</strong> 1<strong>04</strong> 91,7 *<br />
Zurich E-MobilSchutz für Pedelec 94 94 94 94 85,0<br />
MVK Top 1<strong>04</strong> 1<strong>04</strong> 1<strong>04</strong> 1<strong>04</strong> 84,7<br />
Barmenia Fahrradversicherung - Diebstahl +<br />
Kasko + Schutzbrief<br />
andsafe<br />
Fahrradversicherung - Diebstahl,<br />
Reparatur und Schutzbrief<br />
109 114 130 182 84,4<br />
103 185 ** 309 185 83,8<br />
Waldenburger Premium Plus 105 157 *** 200 157 82,1<br />
die Bayersiche<br />
Bike PROTECT Prestige E-Bike<br />
100 100 100 100 80,7<br />
Fahrradversicherung ****<br />
BerlinDirekt E-Bike-Versicherung Premium 125 125 125 125 73,5<br />
WGV Fahrradversicherung Optimal 99 190 248 190 72,9<br />
Auszug aus 43 Tarifen, Dargestellt wurddn nur „sehr gut“ bewertete Tarife für Pedelecs; *Der Tarif der Ammerländer wurde mit „sehr gut +“ bewertet. Aktuelle Prämien<br />
aus Online-Rechner der Anbieter; Gesamtpunkte aus Preis/Leistungtest für die Prämienerhebung in Düsseldorf. Die Prämie für Düsseldorf ist seit Februar <strong>2022</strong> um rund<br />
** 63 Euro ; ***41 Euro angehoben worden. ****Für Pedelec mit integriertem GPS-Ortungssysteme gibt es einen Prämienrabatt von 20 Prozent. <br />
Quelle: Euro-Radtest 05/<strong>2022</strong><br />
beim Extra-Radschutz. Das zeigt eine aktuelle<br />
Prämienerhebung für ein neues, 4.000<br />
Euro teures Pedelec (siehe Tabelle). Untersucht<br />
wurden vier Städte, die auf Basis der<br />
Regio-Einteilung der Barmenia-Versicherung<br />
ausgewählt wurden. Eine einheitliche<br />
Regio-Struktur gibt es am Markt nicht. Es<br />
bleibt den Radfahrern und Vermittlern somit<br />
nichts anderes übrig, als die Prämien<br />
individuell zu vergleichen.<br />
Last, but not least: Im Unfallfokus stehen<br />
vor allem ältere Fahrerinnen und Fahrer, die<br />
ein Pedelec nutzen. Während bei den Fahrradfahrern<br />
55 Prozent der Unfalltoten über<br />
65 Jahre alt sind, beträgt der Seniorenanteil<br />
bei E-Rad-Besitzern sogar 68 Prozent – so<br />
die Allianz-Studie „Zweiradsicherheit im<br />
Überblick“. Schwer verletzen sich auf dem<br />
E-Fahrrad 44 Prozent der über 65-Jährigen,<br />
während es auf dem klassischen Rad nur 23<br />
Prozent sind. Wer also auf ein E-Bike steigt,<br />
vor allem wenn er lange nicht mehr mit<br />
dem Rad unterwegs war, sollte sich zusätzlich<br />
auch gegen Unfälle schützen.<br />
Ein guter Anlass, an die Senioren-Unfallpolice<br />
zu erinnern. Sie leistet bekanntlich<br />
nicht nur wie die klassische Unfallversi-<br />
cherung bei Invalidität eine Kapitalsumme,<br />
sondern bietet schon für kleinere Schäden<br />
Hilfe. Während der zeitweiligen Hilfebedürftigkeit<br />
nach einem Unfall wird den<br />
Betroffenen mit Essens-, Reinigungs- und<br />
Unterstützungsservice unter die Arme gegriffen.<br />
PRO<br />
Neuer Rundum-<br />
Schutz<br />
JETZT AUF SEPARATEN<br />
RAD-SCHUTZ SATTELN?<br />
Mehr Schutz für oft<br />
weniger Geld<br />
Unfallschutz für<br />
Senioren verspricht<br />
Zusatzgeschäft<br />
CONTRA<br />
Hoher Aufwand bei<br />
bereits Versicherten<br />
Streichen des<br />
Hausratbausteins ist<br />
erklärungsbedürftig<br />
Niedrige Provisionen<br />
für die Radversicherung<br />
verlangen<br />
schlanken Prozess<br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />
55
VERSICHERUNGEN Haustiere<br />
TIERISCH GUT VERSICHERT?!<br />
Der Markt für Haustiere boomt und ist zu einem Milliardengeschäft avanciert. Die Vierbeiner<br />
sind ein emotionaler Türöffner beim Kunden und im Ernstfall oft unterversichert.<br />
– TEXT: IMKE REIHER –<br />
Deutschland ist ein Eldorado für Hunde<br />
und Katzen. Laut Statista leben rund 28<br />
Millionen der Vierbeiner in deutschen<br />
Haushalten – Tendenz steigend. Über die<br />
Jahre sind sie zu einem lukrativen Wirtschaftsfaktor<br />
avanciert, was die Umsätze<br />
der Heimtierbranche widerspiegeln. Das<br />
lockt neue Anbieter auf den Markt und<br />
sorgt für Produktnachschub.<br />
Auch für Berater kann es sich lohnen,<br />
die vierbeinige Klientel im Fokus zu haben,<br />
denn Tiere sind ein Ansatzpunkt, um ins<br />
Gespräch zu kommen – und ins Geschäft.<br />
Ohne die richtige Versicherung kann es<br />
für Besitzer im Ernstfall sehr teuer werden.<br />
Das größte Risiko birgt eine fehlende<br />
Haftpflichtpolice, da auch Tiere Schäden in<br />
Millionenhöhe verursachen können. Während<br />
Katzen über die Besitzer-Haftpflicht<br />
abgesichert sind, brauchen Hunde eine eigene.<br />
In sechs Bundesländern ist sie für alle<br />
Pflicht, in anderen nur für Listenhunde.<br />
Eine Krankenversicherung für Hund und<br />
Katze ist immer freiwillig und hat noch viel<br />
Luft nach oben: Schätzungen zufolge sind<br />
in Deutschland nur 10 bis 25 Prozent der<br />
Vierbeiner krankenversichert.<br />
HOHE TIERARZTKOSTEN ABFEDERN<br />
Dies kann sich rächen, wenn das Tier verunfallt<br />
oder erkrankt. Tierärzte rechnen ihre<br />
Leistungen nach der Gebührenordnung für<br />
Tierärzte (GOT) ab und können im Notfall<br />
den Faktor 4 ansetzen – da laufen schnell<br />
hohe Kosten auf. Mit einer Versicherung<br />
lassen sich diese abfedern, wobei es zwei<br />
Möglichkeiten gibt: „Eine OP-Versicherung<br />
sichert Operationen unter Narkose inklusive<br />
deren Nachbehandlung ambulant und<br />
stationär ab. Der Vollschutz leistet zusätzlich<br />
bei Behandlungen, die ohne Operation<br />
durchgeführt werden“, so Melanie Berggold<br />
von der Allianz. Dabei stehen verschiedene<br />
Tarife zur Auswahl, die mit steigender<br />
Prämie mehr Leistungen und Erstattungen<br />
bieten. Das Problem: Die Angebote unterscheiden<br />
sich gewaltig. Hier kann der Berater<br />
punkten, indem er den Bedarf ermittelt<br />
und Stolperfallen erklärt. Davon gibt es<br />
einige, wie das Beispiel Petprotect zeigt. In<br />
Werbespots wird die Krankenversicherung<br />
für Hunde und Katzen – hinter der die<br />
Deutsche Familienversicherung (DFV) und<br />
die ProSiebenSat.1 Services GmbH stehen<br />
– damit beworben, dass bis zu 100 Prozent<br />
der Tierarztkosten übernommen werden,<br />
keine Wartezeiten bestehen und die Police<br />
täglich kündbar ist. Das trifft aber nur begrenzt<br />
zu. Denn in den ersten zwei Jahren<br />
sind die Leistungen klar eingeschränkt. So<br />
56 Illustration: Eleonora Mavromati
Haustiere VERSICHERUNGEN<br />
SCHUTZ FÜR HUND UND KATZE<br />
Tarifbeispiele<br />
165,23<br />
MAKLERS MEINUNG<br />
»Lukratives<br />
Sachgeschäft«<br />
OLIVER JANES, Geschäftsführer Puntobiz<br />
GmbH (tierversicherung.biz)<br />
124,<strong>04</strong><br />
29,90<br />
9,90<br />
Agila<br />
Tierkrankenschutzversicherung<br />
82,25<br />
34,40<br />
Agria<br />
Tierkrankenvollversicherung<br />
54,23<br />
Allianz OP-<br />
Versicherung<br />
Premium<br />
40,47<br />
31,06<br />
Arag<br />
Premium<br />
Golden Retriever, geb. 15.01.<strong>2022</strong>, weiblich. Europäisch Kurzhaar, geb. 15.01.<strong>2022</strong>, Wohnungskatze, jeweils ohne Selbstbeteiligung/höchster Tarif.<br />
Angaben in €, Kosten pro Monat<br />
Quelle: eigene Recherche<br />
»Oft handelt es sich<br />
um ausgeschlossene<br />
Vorerkrankungen<br />
oder Leistungen,<br />
die im Tarif nicht<br />
versichert sind.«<br />
MELANIE BERGGOLD, ALLIANZ<br />
71,78<br />
29,92<br />
Barmenia<br />
Premium<br />
55,77<br />
25,90<br />
GHV<br />
Premium<br />
70,51<br />
Gothaer<br />
TK Premium<br />
20,17<br />
9,20<br />
HanseMerkur<br />
64,90<br />
26,70<br />
Helvetia<br />
Petcare<br />
Komfort<br />
8,78 7,36<br />
Luko<br />
40,96<br />
Uelzener<br />
werden für einen Hund in diesem Zeitraum<br />
maximal 900, 1.200 oder 1.500 Euro erstattet<br />
– je nach gewähltem Tarif. Für eine<br />
Katze sind es 350, 475 oder 600 Euro. Im<br />
ersten Jahr wird zudem nur maximal die<br />
Hälfte der Summe ausbezahlt. Damit liegen<br />
die Erstattungen der ersten zwei Jahre<br />
in etwa auf Höhe der eingezahlten Beiträge<br />
– zumal oft auch eine Selbstbeteiligung<br />
anfällt. „Das kommt einer Wartezeit gleich<br />
und muss versicherungstechnisch auch sein,<br />
ansonsten versichern sie brennende Häuser“,<br />
so Oliver Janes, Geschäftsführer des<br />
Tier-Spezialmaklers Puntobiz. Hinzu kommen<br />
etliche Leistungsausschlüsse und Auflagen<br />
für Policennehmer. Zudem räumen<br />
sich die Köpfe hinter Petprotect Rechte<br />
beim Auskunfts- und Mitspracherecht bei<br />
Behandlungen ein, sowie bei Beitragsanpassungen.<br />
Alle Informationen finden sich auf<br />
der Website wieder – nur nicht prominent<br />
platziert.<br />
KOMPLEXE BEDINGUNGEN<br />
VERLANGEN NACH BERATUNG<br />
Das Beispiel zeigt, dass man Verträge genau<br />
lesen und verstehen muss, um ein böses<br />
Erwachen zu vermeiden. Denn natürlich<br />
haben alle Policen Ausschlüsse, mit denen<br />
sich die Anbieter für den Leistungsfall absichern.<br />
Zu den Klassikern zählen bestimmte<br />
und bestehende Krankheiten, Fehlbildungen<br />
und rassespezifische Ausschlüsse.<br />
Ferner Sterilisationen, Kastrationen und etliche<br />
Zahn-Leistungen, die in höheren Tarifen<br />
aber oft bezuschusst werden. Zudem<br />
sind kosmetische Behandlungen nicht abgedeckt,<br />
da alle Policen nur bei Unfall oder<br />
Krankheit greifen, und es gibt in der Regel<br />
eine Wartezeit von 20 bis 30 Tagen, die nur<br />
bei Unfällen entfällt. Auch die Frage, ob<br />
das Tier gesund ist, sollte nicht zum Ja führen,<br />
ohne die Definition des Anbieters zu<br />
prüfen. Gibt es Unstimmigkeiten, entfällt<br />
der Versicherungsschutz.<br />
Die Kunst für Berater ist es, das passendste<br />
Angebot zu finden. Die Leistungen,<br />
Erstattungen und der Preis sind das eine.<br />
Eine Analyse der Ausschlüsse das andere.<br />
Viele Schadensfälle werden aus ähnlichen<br />
Gründen abgelehnt: „Oft handelt es sich<br />
um ausgeschlossene Vorerkrankungen oder<br />
Leistungen, die im gewählten Tarif nicht<br />
versichert sind“, sagt Allianz-Frau<br />
Wir spezialisieren uns seit 2002 auf Tierversicherungen<br />
und sind in den ersten Jahren<br />
komplett belächelt worden: „Was macht<br />
ihr für Mist?“ Und auf Maklerkongressen<br />
kam zuerst die Frage: „Ach, davon kann<br />
man leben?“ Doch gerade in den letzten<br />
zwei Jahren sind viele auf das Thema<br />
angesprungen. Mit monatlichen Beiträgen<br />
zwischen 70 und 100 Euro sind Tierversicherungen<br />
sehr lukrative Sachverträge.<br />
Doch es ist kein Mitnahmegeschäft. Sie<br />
brauchen Expertise und Empathie. Sie<br />
brauchen Zielgruppen-Know-how. Tierhalter<br />
haben spezifische Bedürfnisse, die<br />
müssen Sie kennen. Wenn eine Katze stirbt,<br />
kann man nicht einfach sagen: „Dann gehen<br />
Sie doch ins Tierheim und kaufen sich<br />
eine neue.“ Manchmal telefoniert man dann<br />
eine halbe Stunde. Da darf keine Sanduhr<br />
daneben laufen. Man braucht auch viel<br />
Versicherungs-Know-how, muss Verträge<br />
richtig lesen und sich rechtlich auskennen,<br />
um Haftungsfragen bewerten zu können.<br />
Wenn etwa ein Pferd eine Kolik hat und<br />
stirbt und der Halter die 30.000 Euro nicht<br />
bekommt, weil der Makler Dinge übersehen<br />
hat, braucht er sonst entweder ein dickes<br />
Konto oder eine gute Vermögenshaftpflicht.<br />
Wir haben in den letzten 20 Jahren eine<br />
große Expertise aufgebaut und können<br />
mittlerweile eigene Produkte kreieren, was<br />
vor 20 Jahren noch nicht ging. Der Bereich<br />
hat viel Luft nach oben, wobei wir von der<br />
Vollkasko-Mentalität wegmüssen, hin zu intelligenten<br />
Ausschlüssen und intelligenten<br />
Prüfmechanismen. Es gibt kein Rundumsorglos-Paket<br />
für 30 Euro im Monat, und<br />
das sollte man dem Kunden ehrlich kommunizieren.<br />
Unser Fazit nach 20 Jahren: Der<br />
Tierbereich lohnt sich, aber man sollte es<br />
richtig machen. Heißt: spezialisieren, wenn<br />
es geht, und ansonsten kooperieren.<br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />
57
VERSICHERUNGEN Haustiere<br />
»Obacht bei den Ausschlüssen«<br />
SVENJA HARTLEHNERT, Teamleiterin Produktentwicklung bei der Arag SE<br />
<strong>procontra</strong>: Worauf sollten Tierhalter bei einer<br />
KV-Police achten?<br />
Svenja Hartlehnert: Der Tierhalter sollte sich<br />
vor Abschluss umfassend informieren oder<br />
beraten lassen und seinen persönlichen Bedarf<br />
ermitteln. Ein grundsätzliches Entscheidungskriterium<br />
ist, ob in erster Linie Kosten rund um<br />
Operationen durch eine reine OP-Versicherung<br />
abgesichert werden sollen oder ob ein Rundumschutz<br />
im Rahmen einer Vollversicherung<br />
gewünscht ist. Die Varianten unterscheiden sich<br />
im Leistungsumfang sowie in der generellen<br />
Versicherungssumme, bei den Ausschlüssen,<br />
den Wartezeiten und der Selbstbeteiligung.<br />
<strong>procontra</strong>: Eine Haustier-KV, die ALLE Szenarien<br />
abdeckt und ohne Erstattungsgrenzen zahlt,<br />
gibt es nicht, da die Beiträge zu hoch wären. Wo<br />
kommt es oft zu Missverständnissen?<br />
Hartlehnert: Es gibt einige Ausschlüsse zu<br />
beachten. Ein wichtiger Punkt ist, dass Fehlentwicklungen,<br />
Verletzungen und Krankheiten,<br />
die bei Abschluss der Versicherung bestehen<br />
oder vor Ablauf der Wartezeit auftreten, nicht<br />
versichert sind. Entsprechende Gesundheitsfragen<br />
müssen wahrheitsgemäß und umfassend<br />
bei Antragstellung beantwortet werden. In den<br />
höheren Leistungsvarianten schließen wir einige<br />
Leistungen, die grundsätzlich ausgeschlossen<br />
wären, mit ein. Dazu zählen gynäkologische<br />
Behandlungen und OPs infolge von Hüft- oder<br />
Ellbogengelenksdysplasie.<br />
<strong>procontra</strong>: Woran scheitern viele Ansprüche, die<br />
abgelehnt werden?<br />
Hartlehnert: In unserer bisherigen Praxis mussten<br />
wir oft Ansprüche ablehnen, weil noch eine<br />
Wartezeit besteht oder die Leistung nicht versicherbar<br />
ist – zum Beispiel wenn eine Behandlung<br />
nicht ärztlich notwendig war und es sich<br />
um einen rein ästhetischen Eingriff handelt.<br />
<strong>procontra</strong>: Inwieweit lassen sich zahnmedizinische<br />
Behandlungen abdecken?<br />
Hartlehnert: Bei zahnmedizinischen Behandlungen<br />
muss unterschieden werden, um welche<br />
Art von Behandlung es sich handelt. Grundsätzlich<br />
ausgeschlossen sind Zahnersatz und Korrektur<br />
von Zahn- und Kieferanomalien. Zahnextraktionen<br />
und Zahnwurzelbehandlungen sind<br />
bei uns in allen Policen mitversichert. Zudem<br />
sind bestimmte Vorsorgeleistungen wie etwa<br />
Zahnprophylaxe in der Premiumvariante unserer<br />
OP-Versicherung und bei der Vollversicherung<br />
abgedeckt – mit maximal 150 Euro jährlich für<br />
Vorsorgeleistungen insgesamt.<br />
<strong>procontra</strong>: Stichwort Auslandsschutz: Worauf<br />
müssen Tierbesitzer achten?<br />
Hartlehnert: Bei einer Vollschutz-Police besteht<br />
bei uns ein weltweiter Versicherungsschutz bis<br />
zu zwölf Monate ab Ausreisedatum. Dabei wird<br />
grundsätzlich keine Region ausgeschlossen.<br />
Nicht versichert ist die geplante oder gezielte<br />
Behandlung im Ausland.<br />
<strong>procontra</strong>: Für welchen Zeitraum können Tierkrankenpolicen<br />
bei der Arag maximal abgeschlossen<br />
werden?<br />
Hartlehnert: Bei der Vollversicherung können<br />
Verträge von ein bis drei Jahren Vertragsdauer<br />
abgeschlossen werden. Der bestehende Vertrag<br />
kann bis zum Lebensende des Tieres verlängert<br />
werden. Bei Neuverträgen liegt die Altersgrenze<br />
für Hunde und Katzen bei sechs Jahren.<br />
Berggold. Da viele Krankheiten erst<br />
bei älteren Tieren auftreten, ist ein früher<br />
Policenabschluss ratsam, zumal einige Versicherer<br />
das Höchstalter für Neuverträge<br />
begrenzen. Berater sollten Kunden darauf<br />
hinweisen, ebenso wie auf Tarifanpassungen<br />
für ältere Tiere, die Versicherer vornehmen,<br />
um höhere Risiken einzupreisen.<br />
Auch wenn die meisten Berater Tierversicherungen<br />
bisher klein fahren, scheinen<br />
viele vom Potenzial überzeugt. Das legen<br />
Umfragen nahe. Auf Anbieterseite zieht<br />
der Wettbewerb seit 2020 deutlich an: So<br />
haben unter anderem Agria und SantéVet<br />
erste Policen für den deutschen Markt lanciert.<br />
Weitere Novizen sind DA Direkt und<br />
die Insurtechs Hepster und Helden.de. Das<br />
birgt Zukunftsmusik – auch mit Blick auf<br />
die Produktentwicklung. Gerade für ältere<br />
und erkrankte Tiere sollte nachgebessert<br />
werden, meint Puntobiz-Mann Janes: „Es<br />
müssen intelligente Ausschlüsse und Prüfmechanismen<br />
in die Produkte, um sie fair<br />
und bezahlbar zu machen und bedarfsgerechteren<br />
Schutz zu ermöglichen.“ Fakt ist:<br />
100-prozentig abgesichert ist das Tier nie.<br />
Doch mit der richtigen Police lassen sich<br />
finanzielle Risiken abfedern, die vor allem<br />
durch Operationen auflaufen. Angesichts<br />
der Preisunterschiede sollten Berater insofern<br />
prüfen, ob der Kunde mit der OP-Variante<br />
nicht besser fährt. <br />
PRO<br />
BERATUNGSPOTENZIAL<br />
BEI TIERVERSICHERUNGEN?<br />
Ausgeprägte Unterversicherung<br />
birgt<br />
Verkaufspotenzial<br />
Fachwissen kann<br />
gezielt als Mehrwert<br />
ausgebaut werden<br />
Der Weg über das<br />
Haustier kann Cross-<br />
Selling fördern<br />
CONTRA<br />
Missverhältnis<br />
zwischen Aufwand<br />
und Ertrag<br />
Policenpotenzial für<br />
das Tier ist überschaubar<br />
Recherche und<br />
Expertiseaufbau<br />
brauchen viel Zeit<br />
58 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22
Stuttgarter ANZEIGE<br />
GrüneRente performance+<br />
für eine nachhaltige Altersvorsorge<br />
Bei der Altersvorsorge rückt Nachhaltigkeit ins Zentrum der Beratung und der Anbieterauswahl. Die GrüneRente<br />
performance+ der Stuttgarter erfüllt dieses Bedürfnis, der FONDSPiLOT erleichtert die Altersvorsorgeberatung.<br />
Stuttgarter nachhaltige Anlagegrundsätze,<br />
und mindestens die Höhe des umgeschichteten<br />
Vertragsguthabens wird in nachhaltige<br />
Anlagen investiert. In der Ansparphase<br />
können Kunden den Fokus zwischen<br />
Sicherheit und Renditechance frei wählen.<br />
performance+ erlaubt hierfür die Wahl<br />
unterschiedlicher Beitragsgarantien (zum<br />
Beispiel zwischen 80 und 0 Prozent), die sich<br />
während der Laufzeit noch ändern lassen.<br />
Im „magischen Dreieck“ der Geldanlage<br />
wurden viele Jahre die Ziele des Kunden<br />
definiert und Kompromisse zwischen Risiko,<br />
Rendite und Liquidität gefunden. Mittlerweile<br />
hat sich eine vierte Komponente<br />
entwickelt, die in den Anforderungen an<br />
Produktlösungen eine immer zentralere<br />
Rolle spielt: Nachhaltigkeit. Immer mehr<br />
Menschen suchen nach Lösungen und<br />
Produktgebern für ihre Altersvorsorge, die<br />
in Einklang mit ökologischen, sozialen oder<br />
ethischen Kriterien stehen. Die Stuttgarter<br />
bedient dieses Bedürfnis mit dem Vorsorgekonzept<br />
GrüneRente.<br />
Grün – auch in der Rentenphase<br />
Im Rahmen der GrüneRente performance+<br />
profitieren Kunden von den Renditechancen<br />
der ausgewählten Nachhaltigkeitsfonds.<br />
Optional auch mit einer Garantie zu Rentenbeginn.<br />
In diesem Fall wird das Guthaben<br />
zwischen nachhaltigen Fonds und dem<br />
Sicherungsvermögen der Stuttgarter aufgeteilt.<br />
Das Guthaben im Sicherungsvermögen<br />
wird in nachhaltige Kapitalanlagen investiert.<br />
Für die Fondsanlage kann der Kunde<br />
derzeit aus über 40 verschiedenen Nachhaltigkeitsfonds<br />
wählen – Tendenz steigend.<br />
Die GrüneRente bildet Nachhaltigkeit<br />
zudem auch in der Rentenphase ab. Mit<br />
Beginn der Rentenzahlung wird das Vertragsguthaben<br />
in das Sicherungsvermögen<br />
umgeschichtet. Auch dort gelten bei der<br />
Holen Sie sich wertvolle Tipps für die Kundenberatung,<br />
bilden Sie sich gezielt<br />
weiter und profitieren Sie z. B. von<br />
den Erfahrungsberichten etablierter<br />
Experten und Fondsgesellschaften.<br />
FONDSPiLOT erleichtert die grüne Beratung<br />
Ein effizienter Beratungsprozess ist nötig,<br />
um die „Produkt-PS“ auch auf die Straße<br />
zu bekommen. Da die gesetzlichen Anforderungen<br />
an Vermittler fondsgebundener<br />
Lösungen auch in Zukunft weiter steigen<br />
werden, hat die Stuttgarter mit dem Beratungstool<br />
FONDSPiLOT eine innovative<br />
Lösung entwickelt, die Vermittler entlastet,<br />
ihre Beratung erleichtert und zusätzliche<br />
Sicherheit gibt. Der FONDSPiLOT ermittelt<br />
das Anlegerprofil des Kunden und ein dazu<br />
passendes gemanagtes Portfolio. Dieses wird<br />
permanent überwacht und die Zusammensetzung<br />
bei sich ändernden Märkten während<br />
der Vertragslaufzeit an das Risikoprofil<br />
des Kunden angepasst – kostenfrei. Das optimiert<br />
die Risikosteuerung für den Kunden<br />
und entlastet Vermittler in der Fondsauswahl<br />
und Vertragsbetreuung. Für nachhaltig orientierte<br />
Kunden stehen fünf nach ESG-Kriterien<br />
gemanagte Portfolios zur Verfügung – passend<br />
zum ermittelten Anlegerprofil.<br />
Mehr Informationen unter<br />
Die Stuttgarter GrüneRente:<br />
gruenerente.stuttgarter.de<br />
Die Stuttgarter Fondsrente:<br />
performance.stuttgarter.de<br />
Das Beratungstool FONDSPiLOT:<br />
fondspilot.stuttgarter.de<br />
59
VERSICHERUNGEN Betriebliche Pflegevorsorge<br />
BETRIEB ALS KNOTENLÖSER?!<br />
Die Nachfrage nach privaten Pflegezusatzpolicen ist mau. Nun steuert die Assekuranz mit<br />
neuen Modellen gegen: Sind betriebliche Pflegeversicherungen eine Alternative?<br />
– TEXT: ANNE MAREILE WALTER –<br />
Die gesetzliche Pflegeversicherung hat ein<br />
gravierendes Finanzierungsproblem, und<br />
es wird immer größer: Auf 400 Millionen<br />
Euro summiert sich das aktuelle Minus<br />
von Monat zu Monat. Auf ein Jahr hochgerechnet,<br />
ergibt das ein Defizit von 3,5<br />
Milliarden. Bei den Versicherten macht sich<br />
das Problem in immer stärker steigenden<br />
Eigenanteilen bemerkbar: 2.248 Euro – so<br />
viel müssen Pflegebedürftige monatlich im<br />
Schnitt aus eigener Tasche bezahlen, wenn<br />
sie die Kosten für eine Unterbringung im<br />
Heim stemmen wollen.<br />
Trotzdem setzen nur wenige Deutsche<br />
auf eine private Absicherung, um die klaffende<br />
Versorgungslücke zu schließen. Seit<br />
Jahren ist die Nachfrage nach privaten<br />
Pflegezusatzversicherungen gering: Von<br />
2.732.900 abgeschlossenen Verträgen im<br />
Jahr 2017 erhöhte sich die Zahl im Jahr<br />
2020 nur geringfügig auf 2.853.500 Verträge.<br />
Ende vergangenen Jahres gab es einen<br />
Schwenk: Der Verband der Privaten<br />
Krankenversicherung (PKV) registrierte<br />
ein ordentliches Plus, die Vertragszahl stieg<br />
um 14 Prozent auf 3.255.500 Verträge<br />
an. Laut PKV-Geschäftsführer Stefan Reker<br />
hatte dieser Zuwachs einen konkreten<br />
Grund: Im Juli 2021 wurde die betriebliche<br />
Pflegeversicherung CareFlex eingeführt und<br />
sicherte auf einen Schlag Hunderttausende<br />
Menschen ab. Offenbar ist das Modell der<br />
betrieblichen Absicherung eine sinnvolle<br />
Ergänzung, um die Versorgungslücke in der<br />
Pflege zu schließen.<br />
CAREFLEX ALS VORBILD<br />
CareFlex ist die erste tarifvertraglich vereinbarte,<br />
arbeitgeberfinanzierte Pflegezusatzversicherung<br />
für die Angestellten der<br />
Chemie- und Pharmabranche. Der Versicherungsschutz<br />
erfolgt hier über die Firma,<br />
die Angestellten profitieren von zusätzlichem<br />
Schutz vor dem Pflegerisiko – und<br />
der Arbeitgeber kann mit der Extraleistung<br />
60 Illustration: Roman Kulon
Betriebliche Pflegevorsorge VERSICHERUNGEN<br />
WAS PFLEGEHEIMBEWOHNER SELBST ZAHLEN<br />
Monatliche Kosten, die die Pflegepflichtversicherung nicht übernimmt *<br />
MAKLERS MEINUNG<br />
»Betriebliche Pflege<br />
als Teilentlastung«<br />
Einrichtungseinheitlicher<br />
Eigenanteil (EEE)<br />
Unterkunft<br />
Investitionskosten<br />
Verpflegung<br />
LEONIE PFENNIG, Maklerin beim Netzwerk<br />
freier Finanzberater<br />
1.000 €<br />
478 €<br />
448 €<br />
322 €<br />
* Werte im Bundesdurchschnitt, ohne Sondereinrichtungen, EEE inklusive Ausbildungsvergütung, Stand: 1.4.<strong>2022</strong> Quelle: PKV-Verband<br />
insgesamt 2.248 € im Bundesdurchschnitt<br />
im Wettstreit um begehrte Fachkräfte<br />
punkten.<br />
Bei einer stationären Versorgung erhalten<br />
CareFlex-Versicherte beispielsweise bis<br />
zu 1.000 Euro. Rund die Hälfte der Versorgungslücke<br />
ist mit diesem Modell geschlossen.<br />
Um auch die andere Hälfte abzudecken,<br />
können Versicherte die Leistungen<br />
aufstocken. „Beschäftigte müssen dadurch<br />
nicht mehr so viel in einen privaten Vertrag<br />
investieren“, erklärt Andrea Pichottka,<br />
Geschäftsführerin der zur Bergbauund<br />
Chemie-Gewerkschaft gehörenden IG<br />
BCE Bonusagentur. 1.183 Unternehmen<br />
und 472.000 Mitarbeiter sind aktuell via<br />
CareFlex versichert. Dabei sagt Pichottka<br />
auch: 54 Prozent der Unternehmen hätten<br />
den Wunsch geäußert, auch außertarifliche<br />
Mitarbeiter und leitende Angestellte damit<br />
abzusichern. „Das zeigt den enormen Bedarf“,<br />
so die Geschäftsführerin.<br />
Ein weiteres Beispiel für eine betriebliche<br />
Lösung ist die Feelcare-Versicherung<br />
der Halleschen. Seit April 2021 gibt es hier<br />
nicht nur Pflegeschutz für die Angestellten,<br />
sondern auch für deren Angehörige. Ist ein<br />
Mitarbeiter in der Situation, einen Angehörigen<br />
pflegen zu müssen, erhält er über Feelcare<br />
ein Pflegebudget von bis zu 900 Euro.<br />
Sascha Marquardt, Leiter des Kompetenzcenters<br />
Firmenkunden bei der Halleschen,<br />
nennt weitere Vorteile: „Durch<br />
Feelcare hat der Arbeitgeber weniger Ausfallzeiten<br />
und er kann Mitarbeiter an sich<br />
binden.“ Aber Marquardt gibt auch zu bedenken:<br />
Die betriebliche Pflegeversicherung<br />
der Halleschen ersetze nicht die private<br />
Vorsorge. Allerdings sei das betriebliche<br />
Modell für Angehörige eine sinnvolle Ergänzung<br />
zum privaten Schutz, um sie von<br />
der Pflege zu entlasten.<br />
»Makler müssen nur<br />
eine einzige Person<br />
überzeugen und<br />
sichern damit<br />
gleich mehrere<br />
Menschen ab.«<br />
LEONIE PFENNIG, MAKLERIN<br />
RAHMENBEDINGUNGEN GEHÖREN VERBESSERT<br />
Diese Sichtweise teilt auch die Berliner<br />
Maklerin Leonie Pfennig. Sie berät ihre<br />
Unternehmenskunden zum Thema betriebliche<br />
Pflegeversicherung und hält die über<br />
den Arbeitgeber finanzierten Policen für<br />
einen guten Zusatzschutz. Hinzu komme:<br />
„In der Beratung müssen Makler nur eine<br />
einzige Person überzeugen und sichern damit<br />
gleich mehrere Menschen ab“, sagt sie.<br />
Der Vermittlerverband Votum hält das<br />
betriebliche Modell ebenfalls für sinn-<br />
Der Start des Pflegeversicherungsgesetzes<br />
SGB XI hörte sich gut an: Jetzt werden<br />
alle anfallenden Pflegekosten von der<br />
Pflegekasse bezahlt. Es hat einige Jahre<br />
gedauert, bis allgemein bekannt wurde,<br />
dass die gesetzlichen Leistungen nur bis<br />
zur Mitte eines Monats ausreichen, egal ob<br />
der Pflegedienst pflegt oder man im Heim<br />
untergebracht ist. Der finanzielle Eigenanteil<br />
ist demnach immens hoch.<br />
Was gern in der Betrachtung vergessen<br />
wird: die möglichen Zusatzkosten, die im<br />
Pflegefall entstehen. Ich denke an das<br />
häusliche Umfeld, wo weiterhin Kosten für<br />
Miete, Strom, Wasser und Telefon anfallen.<br />
Auch sollte man das Essen nicht vergessen.<br />
Und was wäre, wenn technische<br />
Geräte, wie Kühlschrank oder Waschmaschine,<br />
kaputtgehen? An den Kosten für<br />
Pflegehilfsmittel, wie zum Beispiel Windeln,<br />
Bettunterlagen, Desinfektionsmittel und<br />
Einmalhandschuhe, beteiligt sich die<br />
Pflegekasse mit maximal 40 Euro im Monat.<br />
Auch das reicht bei Weitem nicht aus.<br />
Daher finde ich die Ideen der Produktschmieden<br />
der Versicherer innovativ und<br />
sehr hilfreich, den Menschen praktisch<br />
durch den Arbeitgeber zu einer Pflegezusatzversicherung<br />
zu verhelfen. Auch<br />
wenn die Absicherungshöhen verständlicherweise<br />
nicht so hoch sind, wie die<br />
finanzielle Lücke sich darstellt, so sind<br />
es doch nicht unerhebliche zusätzliche<br />
monetäre Leistungen, die im Pflegefall den<br />
eigenen Geldbeutel schonen, bzw. auch<br />
das Vermögen, welches man sich über die<br />
Jahre aufgebaut hat und eventuell auch<br />
gern vererben möchte.<br />
Grundsätzlich rate ich immer zu einer privaten<br />
Pflegezusatzabsicherung, sofern es<br />
gesundheitlich und finanziell möglich ist.<br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />
61
VERSICHERUNGEN Betriebliche Pflegevorsorge<br />
»Der sozialpolitische Hebel ist groß«<br />
STEFAN REKER, Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV)<br />
<strong>procontra</strong>: Die Lage in der gesetzlichen Pflegeversicherung<br />
ist dramatisch: Im laufenden<br />
Jahr ist von einem Defizit von 3,5 Milliarden Euro<br />
auszugehen, und die Eigenanteile steigen weiter.<br />
Private Pflegezusatzpolicen werden trotzdem<br />
kaum nachgefragt. Warum?<br />
Stefan Reker: Politische Debatten haben<br />
Einfluss auf das Verhalten der Menschen. So<br />
war 2012/2013 die Nachfrage nach privatem<br />
Pflegezusatz hoch, damals war der Pflege-Bahr<br />
im politischen Fokus. Die Diskussionen führten<br />
dazu, dass die Menschen ein Bewusstsein dafür<br />
entwickelt haben, dass es eine Pflegelücke<br />
gibt und dass sie selbst vorsorgen müssen.<br />
Später, unter den Ministern Hermann Gröhe und<br />
Jens Spahn, gab es einen politischen Schwenk.<br />
Es wurde die Erwartung geweckt, dass die<br />
Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung<br />
ausgeweitet werden, und dieses „Vater Staat<br />
wird sich kümmern“ hat dazu geführt, dass sich<br />
der Trend zur privaten Vorsorge abgeschwächt<br />
hat.<br />
<strong>procontra</strong>: Also steht und fällt die Nachfrage<br />
allein mit den politischen Debatten?<br />
Reker: Nein. Man würde es sich zu leicht<br />
machen, wenn man den schwarzen Peter nur<br />
der Politik zuschiebt. Tatsächlich verdrängt<br />
jeder Einzelne von uns das Pflegerisiko ganz<br />
gern und denkt nicht daran, irgendwann mal alt<br />
und klapprig zu sein. Erst wenn die Einschläge<br />
näherkommen, wächst das Bewusstsein für die<br />
Vorsorge.<br />
<strong>procontra</strong>: Nun sind seit dem vergangenen<br />
Jahr zwei Modelle der betrieblichen Pflegeversicherung<br />
auf dem Markt. Kann die betriebliche<br />
Lösung die Versorgungslücke besser schließen<br />
als eine private Absicherung?<br />
Reker: Dazu ein paar Zahlen: Bei der privaten<br />
Pflegezusatzversicherung hatten wir Ende 2021<br />
im Vergleich zu 2020 einen Zuwachs von 14<br />
Prozent. Dieser Zuwachs resultierte maßgeblich<br />
aus der betrieblichen Pflegezusatzversicherung<br />
CareFlex. Die betriebliche Lösung ist also ein<br />
sehr vielversprechendes Mittel. CareFlex hat in<br />
kürzester Zeit 400.000 Arbeitnehmer versichert<br />
– und auf einen Schlag mehr bewegt als die<br />
komplette Versicherungswirtschaft in mehreren<br />
Jahren. Das zeigt, wie groß der sozialpolitische<br />
Hebel ist. Hinzu kommt: Der Arbeitgeber kann<br />
seine Mitarbeiter an sich binden, es gibt keine<br />
individuellen Gesundheitsprüfungen. Eine Winwin-Situation.<br />
<strong>procontra</strong>: Sollte betriebliche Pflegevorsorge<br />
also stärker gefördert werden?<br />
Reker: Ja, da gibt es schon politischen Gestaltungsbedarf.<br />
So sind beispielsweise die bestehenden<br />
Steuerfreibeträge bei den Arbeitgebern<br />
durch andere betriebliche Sozialleistungen, wie<br />
Jobtickets, ausgeschöpft. Da könnte man mehr<br />
tun. Aber der Ruf nach staatlichen Zuschüssen<br />
ist nicht unser Hauptanliegen. Wir wollen, dass<br />
der Weg dafür geebnet wird, dass möglichst viel<br />
über betriebliche Vorsorge möglich ist – CareFlex<br />
ist da ein wunderbares Vorbild.<br />
voll, eine stärkere politische Förderung<br />
forciert er aber nicht. „Als Verband mit<br />
klarem Bekenntnis zur sozialen Marktwirtschaft<br />
stehen wir politischen Eingriffen in<br />
privatwirtschaftliche Märkte grundsätzlich<br />
skeptisch gegenüber“, erklärt Geschäftsführer<br />
Martin Klein. Allerdings könne an<br />
den Rahmenbedingungen für die betriebliche<br />
Absicherung gefeilt werden, indem<br />
beispielsweise „Antragstellungen vereinfacht“<br />
würden.<br />
Die Forderung des PKV-Verbands fällt<br />
da schon etwas vehementer aus. So machte<br />
PKV-Geschäftsführer Timm Genett kürzlich<br />
während eines Pressegesprächs deutlich:<br />
„Wenn die Politik die betriebliche Pflegeversicherung<br />
fördern würde, würden sich<br />
auch mehr Menschen und Arbeitgeber für<br />
das Produkt interessieren.“ Subventionen<br />
der betrieblichen Pflegeabsicherung sind<br />
vonseiten des Bundesgesundheitsministeriums<br />
(BMG) derweil nicht geplant. „Eine<br />
Stärkung betrieblicher Pflegevorsorgemöglichkeiten<br />
oder daneben eine Erhöhung<br />
der Pflegevorsorgezulage sind im aktuellen<br />
Koalitionsvertrag nicht vorgesehen“, teilte<br />
das BMG auf <strong>procontra</strong>-Nachfrage mit.<br />
Solchen Maßnahmen stünden zudem „die<br />
Ziele einer nachhaltigen Haushaltspolitik“<br />
gegenüber.<br />
Damit sind einmal mehr Berater in der<br />
Pflicht, über die Option einer betrieblichen<br />
Absicherung aufzuklären. Auch wenn<br />
die betrieblichen Modelle nicht geeignet<br />
sind, um die Versorgungslücke komplett<br />
zu schließen – Versicherte sparen mit der<br />
arbeitgeberfinanzierten Police bei der privaten<br />
Absicherung bares Geld.<br />
PRO<br />
DER KNOTENLÖSER FÜR DAS<br />
VERSORGUNGSPROBLEM?<br />
Versicherungsschutz<br />
für große Gruppen<br />
durch Ansprache<br />
eines Kunden<br />
Weniger Geld für<br />
privaten Pflegezusatzschutz<br />
nötig<br />
Arbeitgeber binden<br />
Mitarbeiter an sich<br />
CONTRA<br />
Erhalt der<br />
Arbeitskraft steht<br />
im Vordergrund<br />
Privater Zusatzschutz<br />
ist trotzdem<br />
nötig<br />
Keine politische<br />
Förderung<br />
62 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22
Barmenia ANZEIGE<br />
Vielseitig und einfach:<br />
Barmenias neue Tarifwelt für Beamte<br />
Mit der neuen Tariflinie „Genau-Für-Sie“ wird die Absicherung von Beamten für Makler zukünftig ganz einfach.<br />
Denn dort, wo die Beihilfe aufhört, bietet die Barmenia eine Basisabsicherung samt passender Ergänzung,<br />
und das begleitend durch ein ganzes Leben.<br />
plus<br />
In Deutschland stehen zurzeit mehr als 40<br />
Millionen Menschen im Berufsleben. Davon<br />
entfallen rund 1,8 Millionen Menschen auf<br />
die Berufsgruppe der Beamten (Quelle: Statistisches<br />
Bundesamt). Diese Zahl wird sich –<br />
aufgrund der aktuellen Altersstruktur – mittelfristig<br />
deutlich erhöhen. In der Zielgruppe<br />
der Personen mit Beihilfeanspruch steckt<br />
somit ein erhebliches Potenzial. Beamte<br />
zu versichern, ist vielseitig. Die vielversprechende<br />
neue Tarifwelt der Barmenia macht<br />
es nun noch einfacher, die anspruchsvolle<br />
Zielgruppe abzuholen, zu versichern und<br />
individuell zu begleiten.<br />
Beamtenanwärter sowie Beamte sind sehr<br />
unterschiedlich, und deshalb versichert die<br />
Barmenia sie ab sofort auch so. Die neue<br />
Tarifwelt „Genau-Für-Sie“ berücksichtigt mit<br />
ihren Produkten die verschiedenen Beihilfeverordnungen<br />
der Länder sowie des Bundes<br />
und ermöglicht so einen umfangreichen Versicherungsschutz<br />
im Krankheitsfall. Und das<br />
über die gesamte Beamtenlaufbahn hinweg.<br />
oder<br />
So gehören „Beilhilfe-Bauchschmerzen“ bei<br />
der Beratung eher der Vergangenheit an!<br />
In Deutschland ist eine vollständige<br />
Krankenversicherung verpflichtend. Da die<br />
Beihilfe Kosten von Staatsdienern nur teilweise<br />
übernimmt, müssen Kundinnen und<br />
Kunden darüber aufgeklärt werden, dass<br />
sie zusätzlich zur Beihilfe eine Krankenversicherung<br />
vereinbaren müssen. Das gilt auch<br />
für Beamte, die Heilfürsorge beziehen, dann<br />
spätestens in der Pension. Hier kommen die<br />
neuen Barmenia-Genau-Für-Sie-Produkte ins<br />
Spiel: Sie ergänzen den Schutz der individuellen<br />
Beihilfe. Der Versicherungsschutz lässt<br />
sich einfach über die gesamte Laufbahn mit<br />
optionalen Leistungen an die sich verändernden<br />
Bedürfnisse anpassen.<br />
Top-Leistungen, die sich sehen<br />
lassen können<br />
Kundinnen und Kunden starten mit der<br />
Basisabsicherung, der Genau-Für-Sie<br />
Krankenversicherung. Wer es vielseitiger<br />
und umfangreicher möchte, kann seine<br />
Einstiegsversorgung mit dem Genau-Für-Sie<br />
2-Bett- oder 1-Bett-Baustein, der Genaufür-Sie<br />
Ergänzung sowie der Genau-Für-Sie<br />
Ergänzung Plus aufwerten.<br />
Schließlich sorgt eine höhere Beitragsrückerstattung<br />
dafür, dass sich „gesund leben“ für<br />
alle Staatsdiener lohnt – und zwar nicht nur,<br />
weil es sich so länger leben lässt, sondern<br />
auch, weil auf diesem Weg weniger oder<br />
keine Leistungen in Anspruch genommen<br />
werden. Das belohnt die Barmenia! So<br />
erhalten Beamtenanwärter schon im ersten<br />
leistungsfreien Jahr sechs Monatsbeiträge<br />
zurück. Beamte können sich gestaffelt über<br />
bis zu drei Monatsbeiträge freuen.<br />
Doch es geht noch viel mehr …<br />
Aber das ist noch längst nicht alles: Die<br />
Barmenia-Genau-Für-Sie Krankenversicherung<br />
erstattet nicht nur Kosten, sondern<br />
bietet nebenbei noch umfangreiche Gesundheitsservices<br />
sowie moderne Telemedizin<br />
mit medgate. Darüber können sich<br />
Versicherte per Smartphone rund um die<br />
Uhr mit Ärzt*innen aus ganz Deutschland in<br />
Verbindung setzen. Das stellt eine ärztliche<br />
Beratung auf einfachem Weg sicher und ermöglicht<br />
darüber hinaus auch, Privatrezepte<br />
oder Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen<br />
auszustellen.<br />
Und: Sie begleitet Beamte zuverlässig durch<br />
ihr ganzes Leben. Ein Wechsel in ein anderes<br />
Bundesland – kein Problem! Die Genau-Für-<br />
Sie-Beamtenabsicherung passt sich genau<br />
daran an. Selbst um die Familie muss man<br />
sich nicht sorgen: Sämtliche Familienmitglieder<br />
lassen sich umfänglich absichern.<br />
Kinder von Beamten können ab der Geburt<br />
ohne Gesundheitsprüfung aufgenommen<br />
werden, und das bei niedrigeren Beiträgen.<br />
Die neue Tarifwelt lässt keine Wünsche offen!<br />
Mehr erfahren unter: beamte.barmenia.de<br />
63
BVT Unternehmensgruppe<br />
Sachwerte. Seit 1976.<br />
Die BVT Unternehmensgruppe mit jahrzehntelanger Erfahrung bei deutschen und<br />
internationalen Immobilienengagements, Energie- und Infrastrukturprojekten sowie<br />
Unternehmensbeteiligungen bietet Anlegern attraktive Investitionsmöglichkeiten.<br />
Aktuelle Beteiligungsangebote:<br />
www.residential-usa.de<br />
www.zweitmarktportfolio.de<br />
Immobilien USA<br />
Immobilien Deutschland<br />
Dies ist eine Marketing-Anzeige. Die Anlage in geschlossene Publikums- oder Spezial-AIF ist mit Risiken verbunden. Bitte lesen<br />
Sie den Verkaufsprospekt und die wesentlichen Anlegerinformationen, bevor Sie eine endgültige Anlageentscheidung treffen.<br />
Der Anleger geht eine langfristige Bindung ein, die mit Risiken verbunden ist. Insbesondere sind Verschlechterungen des Marktumfeldes und der Mietraten im Markt sowie der wirtschaftlichen<br />
Gegebenheiten möglich. Die Beteiligungen weisen aufgrund der vorgesehenen Zusammensetzung des jeweiligen Investmentvermögens und der Abhängigkeit von der Marktentwicklung<br />
sowie den bei der Verwaltung verwendeten Techniken eine erhöhte Volatilität auf. Das bedeutet, dass der Wert der Anteile auch innerhalb kurzer Zeiträume erheblichen<br />
Schwankungen nach oben und nach unten unterworfen sein kann. Es können projektentwicklungstypische Risiken, insbesondere das Risiko eines nicht prognosegemäßen Bauverlaufs<br />
bzw. Verkaufs auftreten. Der Anleger stellt der Investmentgesellschaft Eigenkapital zur Verfügung, das durch Verluste aufgezehrt werden kann. Die Beteiligung ist nur eingeschränkt handelbar.<br />
Es besteht das Risiko, dass der Anleger seinen Anteil nicht veräußern oder keinen ihrem Wert angemessenen Preis erzielen kann. Sofern es sich um eine Investition in US-Dollar<br />
handelt, kann die Rendite infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen. Der Anleger sollte daher bei seiner Anlageentscheidung alle in Betracht kommenden Risiken einbeziehen.<br />
Eine Darstellung der wesentlichen Risiken enthalten die Verkaufsunterlagen. Für Spezial-AIF sind die Informationen gemäß § 307 Absatz 1 und 2 KAGB sowie die wesentlichen<br />
Anlegerinformationen in ihrer jeweils aktuellen Fassung sowie der letzte Jahresbericht von Ihrem Anlageberater oder von der derigo GmbH & Co. KG, Rosenheimer Straße 141 h,<br />
81671 München, erhältlich. Für Publikums-AIF sind der Verkaufsprospekt sowie die wesentlichen Anlegerinformationen in ihrer jeweils aktuellen Fassung sowie der letzte veröffentlichte<br />
Jahresbericht – jeweils in deutscher Sprache und kostenlos – in Papierform von Ihrem Anlageberater oder von der derigo GmbH & Co. KG, Rosenheimer Straße 141 h, 81671 München,<br />
erhältlich oder unter www.derigo.deabrufbar. Eine Zusammenfassung der Anlegerrechte ist in deutscher Sprache unter www.derigo.de/Anlegerrechte verfügbar.<br />
Mehr unter www.bvt.de I interesse@bvt.de I +49 89 381 65-206<br />
<strong>procontra</strong> FOKUS in Zusammenarbeit mit der BVT Unternehmensgruppe<br />
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BVT FOKUS<br />
FOKUS<br />
BVT<br />
Wohin noch mit dem Geld?<br />
Aktienanleger mussten in den letzten<br />
Monaten viel Leidensfähigkeit aufbringen.<br />
Nach Pandemie, Lieferkettenproblemen<br />
und Ukrainekrieg drückt nun<br />
auch noch die Zinswende auf die Kurse.<br />
Die US-Notenbank Fed eilt mit Riesenschritten<br />
voran, während die Europäische<br />
Zentralbank eher widerstrebend folgt –<br />
um die Staatspleitekandidaten in der Eurozone<br />
nicht ins Wanken zu bringen. Der<br />
Effekt ist dies- wie jenseits des Atlantiks<br />
der gleiche: Der Dow Jones verlor zwischen<br />
Jahresanfang und Juli <strong>2022</strong> rund<br />
15 Prozent, der DAX sogar mehr als 20<br />
Prozent. Das mag günstige Einstiegsgelegenheiten<br />
schaffen, doch der Optimismus<br />
und der Börsenenthusiasmus sind vielen<br />
Deutschen einstweilen vergangen. Der<br />
Rückzug auf Staatsanleihen oder das<br />
hartnäckig beliebte Sparbuch ist trotz<br />
Zinswende auch keine echte Option,<br />
solange die Inflation ein Vielfaches der<br />
Verzinsung beträgt. Das Sicherheitsversprechen<br />
wird hohl, wenn die Kaufkraft<br />
jedes Jahr mehrere Prozent einbüßt.<br />
„Eingebauten“ Inflationsschutz bieten<br />
prinzipiell klassische Sachwerte. Denn<br />
ihr Wert steigt grundsätzlich mit dem<br />
allgemeinen Preisniveau, dem sich auch<br />
der Cashflow innerhalb gewisser Grenzen<br />
anpasst. Beim wichtigsten Sachwertesegment,<br />
den Immobilien, sind die Kaufpreise<br />
allerdings mittlerweile weitgehend enteilt;<br />
in den heiß gelaufenen A- und B-Märkten<br />
lassen sich kaum noch Objekte mit vertretbarem<br />
Kaufpreisfaktor finden. So dämpft<br />
etwa das Ratinghaus Scope im Hinblick<br />
auf offene Immobilienfonds (OIF) allzu<br />
hochfliegende Hoffnungen: „Anleger müssen<br />
aktuell mit niedrigeren, risikoadjustierten<br />
Renditen leben als noch vor einigen<br />
Foto: Ivanastar<br />
Jahren“, resümiert Sonja Knorr, Head of<br />
Alternative Investments bei Scope.<br />
Wohin also mit dem Geld der Kundinnen<br />
und Kunden? Gibt es überhaupt noch<br />
einträgliche Assets mit geringem Risiko?<br />
Die Antwort lautet: Ja. Die Sachwerte-<br />
Spezialisten von BVT haben in mehr als<br />
45 Jahren am Markt bewiesen, dass sie<br />
überzeugende Werte hervorbringen, an<br />
denen auch deutsche Anleger partizipieren.<br />
Erfahren Sie im folgenden Interview mehr<br />
über die alternativen Investmentfonds<br />
(AIFs) „made in Munich“.<br />
Boston:<br />
starkes Wachstum<br />
dank hochwertiger<br />
und -bezahlter<br />
Arbeitsplätze<br />
<strong>procontra</strong> FOKUS in Zusammenarbeit mit der BVT Unternehmensgruppe<br />
Anzeige<br />
65
FOKUS BVT<br />
»Nach wie vor attraktives<br />
Chancen-Risiko-Verhältnis«<br />
BVT gehört in puncto Sachwerte-AIFs zu den ersten, da etabliertesten Adressen in<br />
Deutschland. Jens Freudenberg, Geschäftsführer Vertrieb Private Kunden, erklärt die<br />
Herangehensweise der Münchner und Kooperationsmöglichkeiten für Makler.<br />
– TEXT: SEBASTIAN WILHELM –<br />
<strong>procontra</strong>: Herr Freudenberg, die Zinsen<br />
steigen rasant, die Kaufpreise haben atemberaubende<br />
Höhen erklommen – keine<br />
gute Zeit für Immobilieninvestments,<br />
oder?<br />
Jens Freudenberg: Das kommt darauf an!<br />
Immobilien sind der Klassiker der Sachwertanlage,<br />
und auch in Zeiten rapide<br />
steigender Zinsen und Kaufpreise bieten<br />
sich unseres Erachtens noch überzeugende<br />
Investitionschancen, allerdings abseits der<br />
klassischen Core-Objekt-Fonds. BVT hat<br />
zwei Anlagealternativen im Köcher: Ob<br />
mit Fokus auf deutsche Immobilien über<br />
den attraktiven Zweitmarkterwerb oder<br />
mit Fokus auf die Entwicklung hochwertiger<br />
Apartments an aussichtsreichen<br />
Standorten in den USA – beide Konzepte<br />
profitieren von 45 Jahren Expertise der<br />
BVT als Urgestein der Sachwertbranche.<br />
<strong>procontra</strong>: Werfen wir zunächst einen Blick<br />
auf US-Immobilien. Gibt die eingetrübte<br />
Konjunkturlage in den Vereinigten Staaten<br />
nicht akut Grund zur Besorgnis und Zurückhaltung?<br />
Freudenberg: Obwohl die Immobilienpreise<br />
auch in den USA in den letzten Jahren<br />
stark zugelegt haben, sehen wir jenseits des<br />
Atlantiks eine andere fundamentale Struktur<br />
als in Deutschland und mittelfristig<br />
keine Blasengefahr. Trotz der gestiegenen<br />
Preise und Mieten sind die Mietkostenbelastungen<br />
der US-Haushalte in den vergangenen<br />
drei Jahren – anders als in Deutschland<br />
– sogar im Verhältnis zum mittleren<br />
verfügbaren Haushaltseinkommen gesunken.<br />
Die stark steigenden Löhne in den<br />
relevanten Einkommensgruppen haben<br />
nach unserer Einschätzung die steigenden<br />
Mieten bereits mehr als kompensiert. Und<br />
wir erwarten auch künftig Einkommenszuwächse<br />
bei den Arbeitnehmern, denn auf<br />
gegenwärtig 6,5 Millionen offene Stellen in<br />
den USA kommen gerade mal 3 Millionen<br />
Arbeitssuchende. Hinzu kommt ein großer<br />
Bedarf an Wohnraum, denn in den USA<br />
gibt es weitaus mehr Haushaltsneugründungen<br />
als Neubauten. Die junge Generation,<br />
die als Reaktion auf Covid-19 die<br />
Wirtschaftsmetropolen verlassen hat, zieht<br />
nun zurück in die Städte. Für die kommenden<br />
drei Jahre erwarten unsere Experten<br />
deshalb weiterhin Mietsteigerungen von<br />
im Mittel 3 bis 5 Prozent an attraktiven<br />
Standorten. Angesichts dieser Dynamik<br />
sehen wir bei BVT auch bei den weiteren<br />
»Wir bieten Finanzanlagenvermittlern<br />
die komplette<br />
Digitalisierung des<br />
Vertriebs prozesses –<br />
mit Ausnahme des<br />
Kundengesprächs.«<br />
Zinsanhebungen durch die Fed kalkulierbare<br />
Risiken für die Anleger. Höhere<br />
Zinskosten sollten auch künftig den fundamentalen<br />
Marktdaten zufolge mittelfristig<br />
durch höhere Mieteinnahmen und stabile<br />
Kaufpreise gedeckt werden. Investitionen<br />
in den Dollar, vor allem in US-Wohnimmobilien,<br />
dürften angesichts der stabilen<br />
Dollar-Stärke weiterhin ein attraktives<br />
Investment für deutsche Investoren sein.<br />
<strong>procontra</strong>: Warum nehmen Wohnimmobilien,<br />
insbesondere Class-A-Mehrfamilienhäuser,<br />
eine Sonderrolle am US-Immobilienmarkt<br />
ein?<br />
Freudenberg: Das Eigenheim ist Sinnbild<br />
des amerikanischen Traums. Doch genau<br />
dieser Traum erfüllt sich für viele Amerikaner<br />
nicht mehr. Sie können sich die eigene<br />
Immobilie schlicht nicht mehr leisten.<br />
Denn seit dem Platzen der Subprime-Blase<br />
2007/2008 haben sich die meisten der<br />
US-Häusermärkte wieder stark aufwärts<br />
entwickelt – auch weil zu wenige Häuser<br />
gebaut werden. Vor allem jüngere Amerikaner<br />
wollen lieber zur Miete wohnen,<br />
um flexibel auf die Anforderungen der<br />
modernen Arbeitswelt reagieren zu können.<br />
Zudem entdecken viele wohlhabende<br />
ältere Menschen, oftmals im Rentenalter,<br />
die Vorteile des Wohnens zur Miete für<br />
sich und tauschen ihre zu groß gewordenen<br />
Familienhäuser gegen stadtnahe<br />
komfortable Mietapartments. Diese Entwicklung<br />
bietet vor allem aus Investorensicht<br />
Chancen, denn mit einer Investition<br />
in US-Mietwohnobjekte können Anleger<br />
<strong>procontra</strong> FOKUS in Zusammenarbeit mit der BVT Unternehmensgruppe<br />
66 Anzeige
BVT FOKUS<br />
auch hierzulande vom Miettrend in den<br />
USA profitieren. Das vergleichsweise liberale<br />
Mietrecht sowie kurze Vertragslaufzeiten<br />
machen eine Anpassung der Mieten<br />
an das Marktniveau jederzeit möglich und<br />
ein Engagement damit besonders attraktiv.<br />
Generell bietet das demografische und gesellschaftliche<br />
Umfeld für Mietwohnungsinvestitionen<br />
in den USA, speziell „Multi-<br />
Family Residential“, für die kommenden<br />
Jahre anlegerfreundliche Aussichten.<br />
<strong>procontra</strong>: Die Fonds der BVT Residential<br />
USA-Serie erwirtschaften beeindruckende<br />
Renditen für die deutschen Anleger. Worin<br />
liegt das „Geheimnis“?<br />
Freudenberg: Das Erfolgsrezept unserer<br />
Residential USA-Serie lässt sich ganz kurz<br />
umreißen: früh in die Projektentwicklung<br />
einsteigen, mit bewährtem Risikomanagement<br />
bauen, dann zügig vermieten<br />
und schließlich en bloc verkaufen. Dabei<br />
fokussieren wir uns auf Class-A-Apartmentkomplexe<br />
an metropolennahen,<br />
exzellent angebundenen US-Standorten mit<br />
guten demografischen und wirtschaftlichen<br />
Perspektiven, etwa in den Großräumen<br />
Boston, Washington, D.C. oder Orlando<br />
– und damit auf ein Segment, das sich<br />
einer immensen Nachfrage erfreut. Das<br />
unterstreichen die 2021 erzielten Fondsobjektverkäufe<br />
eindrücklich, denn die<br />
Erlöse übertrafen die Mid-Case-Prognosen<br />
bei Weitem. Und das bei einer Haltedauer<br />
von weniger als drei Jahren. Natürlich<br />
sind solche Wertentwicklungen in der<br />
Vergangenheit kein zuverlässiger Indikator<br />
für die Wertentwicklung der aktuellen<br />
Beteiligungsangebote, doch die Fondsserie<br />
bietet aus unserer Sicht nach wie vor ein<br />
attraktives Chancen-Risiko-Verhältnis für<br />
Anleger.<br />
<strong>procontra</strong>: Birgt der frühe Einstieg in die<br />
Projektentwicklung nicht große Risiken?<br />
Freudenberg: Projektentwicklungen erfordern<br />
auf jeden Fall andere Kompetenzen<br />
und Erfahrungen als die Investition in<br />
Bestandsimmobilien. BVT ist seit 1976 im<br />
Bereich US-Immobilien erfolgreich und<br />
hat ein spezielles Risikomanagementkonzept<br />
entwickelt. So steigen Anleger erst<br />
dann in die Investition ein, wenn wesentliche<br />
Voraussetzungen gegeben sind. Die<br />
Baugenehmigung und die verlässliche<br />
Finanzierungszusage der Bank müssen<br />
ebenso festgelegt sein wie fest vereinbarte<br />
Höchstpreisverträge für Bauleistungen.<br />
Dieses Risikomanagementkonzept hat sich<br />
seit Auflegung der Serie 20<strong>04</strong> bewährt.<br />
Trotz der Maßnahmen zur Risikovermeidung<br />
und Risikoreduktion ist die Anlage<br />
in einen geschlossenen AIF jedoch mit<br />
Risiken verbunden.<br />
<strong>procontra</strong>: Wie sieht demgegenüber Ihre<br />
Anlagestrategie bei Zweitmarkt-Immobilieninvestments<br />
aus?<br />
Freudenberg: Vor dem Hintergrund teilweise<br />
hoher Einstiegspreise bei Immobilieninvestitionen<br />
am Erstmarkt sind Fonds<br />
mit Zweitmarktanteilen eine interessante<br />
Alternative. Die Grundlage eines erfolgreichen<br />
Investments muss jedoch eine<br />
detaillierte, tiefgreifende Analyse der<br />
angebotenen Beteiligungen über einen<br />
längeren Zeitraum hinweg sein. Ein auf<br />
diese Weise kompetent aufgebautes und<br />
betreutes Immobilien-Zweitmarktportfolio<br />
aus Beteiligungen mit nachvollziehbarer<br />
Performance bietet durch die breite Streuung<br />
über verschiedene Asset-Manager,<br />
Objektstandorte, Nutzungsarten, Mieter<br />
und Auflegungsjahre der ausgewählten<br />
Zielgesellschaften einen Diversifizierungsgrad,<br />
der das Risiko eines signifikanten<br />
Kapitalverlusts reduziert, und die Basis<br />
einer überdurchschnittlichen Wirtschaftlichkeitsperspektive.<br />
<strong>procontra</strong>: Ist eine Zeichnung Ihrer Fonds<br />
auch digital möglich? Und gibt es ein Tippgebermodell?<br />
Freudenberg: Digitale Tools machen sowohl<br />
Beratern als auch Kunden das Leben<br />
leichter, wir wollen deshalb auch in dieser<br />
Hinsicht einen zeitgemäßen Service bereitstellen.<br />
Über unseren Partner portagon<br />
bieten wir Finanzanlagenvermittlern die<br />
komplette Digitalisierung des Vertriebsprozesses<br />
– bis auf das Kundengespräch<br />
natürlich. Sie können dadurch ihrerseits<br />
Prozesse vereinfachen, rechtssicher gestalten<br />
und neue Zielgruppen erschließen. Daneben<br />
können sich auch Finanzprofis ohne<br />
34f-Zulassung nach einem Tippgebermodell<br />
anbinden lassen und ihren Kunden so<br />
ebenfalls einen exklusiven Zugang zum<br />
Anlageuniversum der BVT eröffnen.<br />
BVT Unternehmensgruppe Rosenheimer Straße 141 h 81671 München Telefon 089 381 65-206 interesse@bvt.de www.bvt.de<br />
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67
BUSCHFUNK Berater<br />
BERATER<br />
BLAU DIREKT VERKAUFT ANTEILE<br />
Warburg Pincus steigt bei Lübecker Maklerpool ein.<br />
blau direkt will weiterwachsen, auch international. Dafür setzt der Maklerpool auf die Hilfe der<br />
Private-Equity-Gesellschaft Warburg Pincus: Der US-amerikanische Investor strebt eine Mehrheitsbeteiligung<br />
an dem Lübecker Unternehmen an. Zunächst soll blau direkt nun von einer<br />
Personengesellschaft in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt werden. In einem nächsten<br />
Schritt ist geplant, das Unternehmen in eine internationale Holding einzubringen. Bereits im<br />
Januar dieses Jahres hatte der Geschäftsführer des Maklerpools, Oliver Pradetto, angekündigt,<br />
sich in vier Jahren aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen und der Gesellschaft<br />
dann nur noch in beratender Funktion zur Seite zu stehen. Im Zuge dessen war Hannes<br />
Heilenkötter in die Geschäftsführung berufen worden.<br />
WUNSCH NACH MEHR BERATUNG<br />
Hilfe bei Finanzentscheidungen nötig<br />
Die Deutschen wünschen sich mehr persönliche Beratung in Finanzund<br />
Vorsorgefragen. Dabei sind nach einer aktuellen Umfrage von<br />
Swiss Life mehr als die Hälfte der Befragten finanziell nicht auf unerwartete<br />
Wendungen im Leben vorbereitet. 80 Prozent finden es „sehr<br />
wichtig“, bei Finanzfragen selbstbestimmt entscheiden zu können,<br />
und 45 Prozent haben in der Vergangenheit mindestens einmal eine<br />
wichtige finanzielle Entscheidung getroffen, die sie später bereut<br />
haben.<br />
Foto: Fizkes<br />
ONLINEABSCHLÜSSE NEHMEN ZU<br />
Kunden setzen vor allem auf Apps und Websites.<br />
Foto: Aleksandar Nakic<br />
Immer häufiger werden Versicherungen online abgeschlossen. Das ist das Ergebnis einer<br />
Sonderabfrage, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) unter<br />
seinen Mitgliedsunternehmen durchgeführt hat. Demnach erfolgt mittlerweile jeder sechste<br />
Abschluss einer Sach-/Unfall- oder Haftpflichtversicherung via Website oder App. 16,4 Prozent<br />
aller Policen im Neugeschäft wurden 2021 digital abgeschlossen, 2020 waren es noch<br />
14,6 Prozent gewesen. Häufig handelte es sich um Versicherungen, die Kunden in Verbindung<br />
mit anderen Produkten gekauft haben. Auch der Vertrieb nutzt verstärkt digitale Tools zur<br />
Kommunikation und Interaktion. Laut GDV hat die zunehmende Digitalisierung nicht zu einer<br />
Marktanteilsverschiebung unter den verschiedenen Vertriebswegen geführt.<br />
68<br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22
Berater BUSCHFUNK<br />
[pma:]: Übernahme fhb Finanzberatung<br />
Der Münsteraner Maklerpool [pma:] Finanz- und<br />
Versicherungsmakler GmbH hat zum 1. Juli die auf Apotheker,<br />
Ärzte und Zahnärzte spezialisierte fhb Finanzberatung<br />
für Heilberufe GmbH übernommen. Nach der Vertriebspartnerschaft<br />
mit DenPhaMed berät er nun, einschließlich<br />
des fhb-Erwerbs, rund 1.500 Apotheken in allen Fragen<br />
rund um Versicherungen, Kapitalanlage und Altersvorsorge.<br />
Foto: River North Photography<br />
2. August: Chance<br />
oder Chaos?<br />
NORMAN WIRTH<br />
Geschäftsführender Vorstand des AfW<br />
HonorarKonzept: Ausbau Team Business<br />
Coaches<br />
Seit dem 1. Juli <strong>2022</strong> stehen den HonorarKonzept-Partnern<br />
mit Roy-Thomas Tychsen (oben) und Alexander Michel<br />
zwei weitere persönliche Ansprechpartner zur Verfügung.<br />
Der Ausbau des Teams mit jetzt deutschlandweit acht<br />
Business Coaches folgt der deutlich gesteigerten Nachfrage<br />
im Netto- und Honorargeschäft.<br />
Thinksurance: 4. Geschäftsführer<br />
Thinksurance ernennt Mathias Berg zum vierten Geschäftsführer<br />
des Unternehmens. Er leitet nun gemeinsam<br />
mit Florian Brokamp, Christopher Leifeld und Dr. Timm<br />
Weitzel die Geschäfte. Berg ist bereits seit November 2020<br />
als Chief Insurance Officer bei Thinksurance beschäftigt<br />
und verantwortet die Partnerschaften mit Versicherern.<br />
FNG: Aktualisierter FNG-DNWE-Leitfaden<br />
FNG und DNWE haben am 20. Juli den aktualisierten Leitfaden<br />
zur Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen (MiFID<br />
II) veröffentlicht. Passend zum Inkrafttreten der Ergänzungen<br />
der Delegierten Verordnung am 2. August bietet<br />
er Beratern eine Orientierungshilfe bei der Einordnung der<br />
Nachhaltigkeitspräferenzen von Kunden.<br />
WTW: Verstärkung von Marsh<br />
Willis Towers Watson (WTW) baut die Sparte Finex<br />
(Financial Lines) des Geschäftsbereichs Corporate Risk &<br />
Broking aus und ernennt Lukas Nazaruk zum Geschäftsführer<br />
der Specialities. Nazaruk war zuletzt Leiter des<br />
Geschäftsbereichs Finpro bei Marsh. Außerdem ergänzen<br />
zukünftig Carsten Schiffner als Head of Business Development<br />
Financial Lines & Specialties und Philipp Rouget als<br />
Head of Financial Lines das Team.<br />
Quirin Bank: Neuer Leiter Anlagenmanagement<br />
Die Quirin Bank hat den Bereich Anlagenmanagement<br />
umgebaut und geteilt. Künftig leitet Philipp Dobbert den<br />
Bereich Vermögensverwaltung und Arndt Kussmann den<br />
Bereich Investmentkommunikation und Analyse.<br />
Foto: Getty Images<br />
Was der Branche beim Thema Nachhaltigkeit geboten<br />
wird, ist schon ein dolles Ding. Wir erleben<br />
eine exorbitante Überbürokratisierung und eine<br />
extreme Verkomplizierung über die verschiedensten,<br />
kaum noch überschaubaren Regelungen<br />
und Begrifflichkeiten (EET, ESG, CSRD, PTF-ESRS,<br />
PAII, SFDR ...). Das Momentum geht verloren. Auch<br />
enthusiastische Unterstützer des Nachhaltigkeitsgedankens<br />
– und dazu zähle ich mich auch<br />
selbst – verlieren den Glauben an die Sinnhaftigkeit<br />
vieler regulatorischer Vorgaben. Die Gefahr<br />
ist groß, dass wir darüber auch die Adressaten<br />
der Regulierung verlieren: die Kundinnen und<br />
Kunden und die Vermittlerschaft. Hinzu kommt<br />
nun auch noch das Chaos beim Inkrafttreten der<br />
verschiedensten Pflichten. Für die Versicherungsvermittlung,<br />
für alle Finanzberaterinnen unter<br />
einem Haftungsdach, für alle Banken und Vermögensverwalter<br />
gilt als Stichtag für den Beginn<br />
der Pflicht zur Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen<br />
bei den Kunden der 2. August. Für alle<br />
mit gewerberechtlicher Zulassung nach Paragraf<br />
34f plötzlich nicht mehr. Und das nur, weil in der<br />
deutschen Finanzanlagenvermittlungsverordnung,<br />
die die Tätigkeit von 34f-Vermittlern regelt,<br />
in Paragraf 16 Absatz 1 Satz 3 auf eine europäische<br />
Delegierte Verordnung verwiesen wird – die<br />
Delegierte Verordnung 2017/565. Deren Artikel 54<br />
wurde zwischenzeitlich durch eine andere Delegierte<br />
Verordnung (2021/1253) geändert, worin die<br />
Nachhaltigkeitspflichten verankert sind. Da die<br />
Verweisung als statisch und nicht als dynamisch<br />
anzusehen ist, gelten aber die neuen Pflichten<br />
erst einmal nicht und die FinVermV muss nun inklusive<br />
Beteiligung des Bundesrats wegen Pfusch<br />
erst noch geändert werden. Verstanden??? Im<br />
Ergebnis: Chaos – und doch große Chance!<br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />
69
BERATER So ist’s Recht!<br />
SO IST’S<br />
RECHT!<br />
Relevante Urteile,<br />
die Makler kennen sollten<br />
– TEXT: ANNE MAREILE WALTER –<br />
Unfallversicherung<br />
165.000 EURO STRAFE WEGEN FALSCHBERATUNG<br />
Versicherungsvermittler müssen den Versicherungsschutz anpassen, sofern sie von gefährlichen<br />
Hobbys ihrer Kunden Kenntnis haben. Das geht aus einem Urteil des OLG Frankfurt a. M. hervor. Konkret<br />
ging es in dem Fall um einen Mann, der in seiner Freizeit sogenanntes Motorrad Speedway ausübte.<br />
2001 schloss er eine Unfallpolice ab, Leistungen infolge von Unfällen bei Rennsportveranstaltungen<br />
waren darin ausgeschlossen. Als der Mann später bei seinem Hobby schwer verunglückte,<br />
verweigerte der Versicherer die Leistung. Daraufhin verklagte der Versicherte seine Vermittlerin<br />
wegen Falschberatung, er habe sein Hobby ausdrücklich erwähnt. Vor dem OLG bekam er am Ende<br />
Recht. So bestehe Aufklärungspflicht für den Vermittler, wenn sich der Versicherungsnehmer irrige<br />
Vorstellungen über den Versicherungsschutz macht. Die Vertreterin musste 165.000 Euro bezahlen.<br />
OLG Frankfurt am Main, 7 U 168/16<br />
Unfallschutz<br />
VERSICHERTER BETRIEBSSPORT?<br />
Kfz-Versicherung<br />
AUFFAHRENDEN TRIFFT KEINE SCHULD<br />
Wenn eine firmeninterne Veranstaltung mit<br />
Mitteln des betrieblichen Gesundheitsmanagements<br />
finanziert wird, muss bei einem<br />
Unfall nicht die Berufsgenossenschaft leisten.<br />
Das hat das Bundessozialgericht entschieden.<br />
Geklagt hatte ein Angestellter, der sich<br />
bei einem Firmen-Fußballturnier ein Bein<br />
gebrochen hatte und Leistungen aus der<br />
gesetzlichen Unfallversicherung beanspruchen<br />
wollte. Sein Antrag wurde abgelehnt, da<br />
es sich bei dem Turnier weder um versicherten<br />
Betriebssport noch um eine betriebliche<br />
Gemeinschaftsveranstaltung gehandelt habe.<br />
Diese Sichtweise teilten die Richter.<br />
Bundessozialgericht, B 2 U 8/20 R<br />
»Ein Vertrag ohne<br />
entsprechende<br />
Deckung würde den<br />
Versicherungsbedarf<br />
nicht erfüllen.«<br />
AUSZUG AUS DEM URTEIL<br />
OLG FRANKFURT AM MAIN<br />
Bei einem Auffahrunfall trägt nicht immer der<br />
Auffahrende die Schuld, wie die Richter am<br />
OLG München nun entschieden. Wegen eines<br />
Überholmanövers in einer Ortschaft waren<br />
die Unfallparteien bzw. ihre Versicherungen in<br />
Streit geraten: Nach Beendigung des Überholmanövers<br />
hatte der Fahrer des überholenden<br />
Fahrzeugs wegen einer auf gelb springenden<br />
Ampel so stark abgebremst, dass das überholte<br />
Fahrzeug auffuhr. In dem Fall sah das OLG die<br />
Schuld nicht beim Auffahrenden. Er habe durch<br />
das knappe Einscheren keine Möglichkeit<br />
gehabt, ausreichenden Sicherheitsabstand<br />
aufzubauen.<br />
OLG München, 10 U 7411/21<br />
Wohngebäude<br />
MANGELHAFTE SOLARMODULE<br />
Nicht jeder Schaden an einer Photovoltaikanlage ist über die Wohngebäude-<br />
oder eine Photovoltaikversicherung abgedeckt. Das geht<br />
aus einem Urteil des OLG Nürnberg hervor. Voraussetzung für den<br />
Leistungseintritt des Versicherers sei das Eintreten eines Sachschadens<br />
als „unvorhersehbar eintretende Beschädigung einer<br />
Sache“. Die mangelhafte Herstellung sei hingegen weder versichert<br />
noch versicherbar. Geklagt hatte ein Mann, der 750 Solarmodule<br />
erworben hatte, die acht Jahre später wegen eines Materialfehlers<br />
unbrauchbar wurden. Den Austausch der Module übernahm der<br />
Mann zunächst auf eigene Kosten, die hierfür angefallenen 18.500<br />
Euro wollte er vom Versicherer erstattet haben. Dieser lehnte ab, da<br />
der Materialfehler bereits bei Vertragsschluss vorgelegen habe.<br />
OLG Nürnberg, 8 U 242/22<br />
BU-Versicherung<br />
FIRMENERBSCHAFT OHNE BELANG<br />
Welche Rolle spielt bei der „konkreten Verweisung“ in der BU-Versicherung<br />
eine anstehende Firmenübernahme? Mit dieser Frage befasste sich nun das<br />
Landgericht Arnsberg. Geklagt hatte ein Mann, der zuvor im elterlichen Bäckerbetrieb<br />
als Bäcker gearbeitet hatte, dieser Tätigkeit wegen einer Erkrankung<br />
an Bäcker-Asthma aber nicht mehr nachgehen konnte. Fünf Monate,<br />
nachdem er BU-Leistungen beantragt hatte, nahm er eine Stelle im Finanzamt<br />
an. Daraufhin verweigerte der Versicherer die BU-Rente, der Mann zog vor<br />
Gericht. Die Stelle im Finanzamt entspreche nicht seiner bisherigen Lebensstellung,<br />
argumentierte er. Zudem habe die Übernahme des väterlichen Bäckereibetriebes<br />
angestanden, wo er als Junior-Chef agiert hätte. Das reichte<br />
dem Gericht nicht aus: Die Position mit Aussicht auf Betriebsübernahme habe<br />
keine Auswirkung auf die Wertschätzung von anderen gehabt.<br />
LG Arnsberg, 1 O 452/29<br />
70 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22
ÖKOWORLD<br />
KLIMA<br />
Der konsequente Klimaschutzfonds<br />
für mehr Zukunft.<br />
ALLE SAGTEN:<br />
„DAS GEHT NICHT.“<br />
DANN KAM EINER,<br />
DER WUSSTE DAS NICHT,<br />
UND HAT’S EINFACH<br />
GEMACHT.<br />
Geben Sie Geld eine klimafreundliche Richtung.<br />
Mit unserem Klimaschutzfonds ÖKOWORLD KLIMA.<br />
Für Gewinn mit Sinn.<br />
ÖKOWORLD AG | Itterpark 1, 40724 Hilden, Telefon: 02103 | 28 41-0<br />
E-Mail: Info@oekoworld.com, www.oekoworld.com
BERATER Provisionsdebatte<br />
»Es darf keinen Provisionsrichtwert<br />
geben«<br />
Die BaFin denkt über die Einführung eines Provisionsrichtwerts in der Lebensversicherung<br />
nach. Warum dies unbegründet geschieht, nutzlos ist und sogar Maklerpools Probleme<br />
bereiten kann, erläutert Votum-Vorstand Martin Klein.<br />
– TEXT: FLORIAN BURGHARDT –<br />
<strong>procontra</strong>: Lange forderte die BaFin für die<br />
Lebensversicherung einen Provisionsdeckel,<br />
nun bastelt sie an einem Provisionsrichtwert.<br />
Was ist der Unterschied?<br />
Martin Klein: Ich würde das mit dem Geschwindigkeitsrichtwert<br />
auf der Autobahn<br />
vergleichen: Der liegt bei 130 Stundenkilometern.<br />
In manchen Abschnitten muss<br />
man langsamer und in anderen darf man<br />
schneller fahren. Uns interessiert nun vor<br />
allem, ob die Versicherer bei einem Provisionsrichtwert<br />
der BaFin unter bestimmten<br />
Voraussetzungen auch wieder nach oben<br />
abweichen können. Denn wenn die Aufsicht<br />
die Provisionssätze diktieren möchte,<br />
dann sind wir schon wieder im Bereich<br />
eines Deckels. Dazu hat die BaFin keine<br />
Ermächtigung, und dieses Vorhaben ist<br />
bekanntlich kürzlich politisch gescheitert,<br />
weil die Ampelparteien es nach längerer<br />
Diskussion nicht in ihren Koalitionsvertrag<br />
mit aufgenommen haben.<br />
<strong>procontra</strong>: Werden die Lebensversicherer<br />
einfach mitziehen, wenn sich die BaFin<br />
per Rundschreiben auf einen Richtwert<br />
festlegt?<br />
Klein: Das Problem ist, dass die Rundschreiben<br />
der BaFin für die beaufsichtigten<br />
Unternehmen als verbindlich gelten. Da<br />
bedarf es dann schon eines gewissen unternehmerischen<br />
Muts, sich zu widersetzen.<br />
Auch weil die BaFin dann wahrscheinlich<br />
zum Einzelgespräch einladen und die<br />
Beweggründe genau hinterfragen würde.<br />
Das würde eine verstärkte Erläuterungsthematik<br />
für die Anbieter bedeuten und sie<br />
in ihrem marktwirtschaftlichen Verhalten<br />
einschränken. Insofern gehe ich davon aus,<br />
dass alle Versicherer den Vorgaben eines<br />
Rundschreibens folgen würden.<br />
<strong>procontra</strong>: Rechnen Sie zumindest vorab<br />
mit Widerstand der Versicherer?<br />
Klein: Die BaFin hat für die zweite<br />
72 Foto: Dierk Kruse
Provisionsdebatte BERATER<br />
Jahreshälfte eine Konsultation zu diesem<br />
Thema angekündigt. Das heißt, hier<br />
werden sowohl wir als Vermittlerverbände<br />
als auch die Versicherer in die Planung<br />
miteinbezogen und können dann auch<br />
unsere zahlreichen Kritikpunkte vorbringen<br />
– Kritikpunkte, die wir übrigens mit<br />
wissenschaftlichen Gutachten hieb- und<br />
stichfest belegen können.<br />
<strong>procontra</strong>: Wie hoch könnte dieser Provisionsrichtwert<br />
nach Vorstellung der BaFin<br />
ausfallen?<br />
Klein: Ich bleibe bei meiner grundsätzlichen<br />
Einschätzung: Es darf keinen derartigen<br />
Richtwert geben. Wenn die Aufsicht<br />
sich hierzu Gedanken macht, dann wird<br />
sie sich sicherlich erst einmal an dem 2019<br />
kursierenden Referentenentwurf zum Provisionsdeckel<br />
orientieren, also 25 Promille<br />
vom Lebenswert als Basis. Abhängig von<br />
qualitativen Merkmalen konnten diese laut<br />
damaligem Entwurf auf bis zu 40 Promille<br />
steigen.<br />
<strong>procontra</strong>: Würden die Provisionen für<br />
das Gros der Vermittler sinken, wenn die<br />
BaFin diesen Richtwert durchsetzt?<br />
Klein: Selbst bei den Umfragen der BaFin<br />
kam heraus, dass die Provisionen im<br />
Marktdurchschnitt gar nicht über 40 Promille<br />
liegen. Ein Richtwert muss also nicht<br />
zwingend ein sinkendes Provisionsniveau<br />
bedeuten. Aber für die unterschiedlichen<br />
Vertriebswege würde es vereinzelt schwieriger<br />
werden, eine angemessene Vergütung<br />
zu erhalten.<br />
<strong>procontra</strong>: An wen denken Sie da konkret<br />
und warum?<br />
Klein: Ein Makler oder Mehrfachagent<br />
muss von seiner verdienten Provision<br />
sein eigenes Büro anmieten, seine Computerhard-<br />
und -software sowie andere<br />
Infrastrukturbereiche selbst finanzieren.<br />
Hingegen haben wir in der Ausschließlichkeit<br />
heute noch Modelle, in denen all das<br />
vom Versicherer zur Verfügung gestellt<br />
wird. In solchen Fällen ist die Provision<br />
nur noch der erfolgsabhängige Teil, weil<br />
die Basis schon da ist. Deshalb werden in<br />
der Ausschließlichkeit geringere Provisionssätze<br />
gezahlt. Wir erinnern die BaFin<br />
nahezu täglich daran, dass bei einem so<br />
heterogenen Markt wie dem deutschen<br />
Finanzvertrieb eine Vereinheitlichung<br />
massive Diskriminierung bestimmter Vertriebskanäle<br />
zur Folge hätte – eine Diskriminierung,<br />
die auch berufliche Existenzen<br />
leichtsinnig aufs Spiel setzen würde.<br />
<strong>procontra</strong>: Würde es dann auch zu Problemen<br />
für Maklerpools kommen?<br />
Klein: Ich denke schon, weil die Maklerpools<br />
in den meisten Fällen eine Provision<br />
erhalten und diese dann größtenteils<br />
an den Makler weitergeben. Für viele<br />
Versicherer sind die Organisationsarbeit<br />
und die Maklerbetreuung, die Pools<br />
erbringen, günstiger, als wenn sie dafür<br />
selbst Personal vorhalten. Dafür zahlen<br />
sie dann eben verhältnismäßig etwas<br />
mehr Provision. Das so zu handhaben<br />
ist Teil der unternehmerischen Freiheit,<br />
und ein Provisionsrichtwert würde diese<br />
massiv einschränken. Es heißt immer, dass<br />
weniger Provision mehr Rendite für die<br />
Lebensversicherungskunden bedeuten würde,<br />
aber das würde nicht passieren. Denn<br />
»Eine Vereinheitlichung<br />
der Provisionssätze<br />
hätte eine massive<br />
Diskriminierung<br />
bestimmter Vertriebskanäle<br />
zur Folge.«<br />
wenn die Versicherer den Pools weniger<br />
Provision bezahlen dürfen, dann würden<br />
sie entweder zu Servicegebühren wechseln<br />
oder das Geschäft über Pools verkleinern<br />
und stattdessen eigene Abteilungen für<br />
Maklerbetreuung & Co. aufbauen. Die<br />
Kosten wären also nicht geringer, sondern<br />
nur auf eine andere Stelle gebucht und<br />
wahrscheinlich sogar höher als vorher.<br />
<strong>procontra</strong>: In der PKV wurde ein Provisionsdeckel<br />
gesetzlich verankert. Kann eine<br />
Regulierung in Leben nun einfach ohne<br />
Gesetzgebung funktionieren?<br />
Klein: Das Wesentliche muss im Parlament<br />
besprochen werden. Es kann doch nicht<br />
sein, dass für die PKV eine Provisionsgrenze<br />
im Gesetz verankert werden musste,<br />
eine solche hingegen in der Lebensversicherung<br />
einfach von der Aufsicht ausgesprochen<br />
werden kann. In der PKV hatten<br />
sich damals rund um Mehmet Göker<br />
massive Missstände bei der Provisionierung<br />
entwickelt, die das nötig machten.<br />
Aber in Leben haben wir solche Missstän-<br />
de derzeit keineswegs. Das hat die BaFin<br />
in ihren eigenen Marktuntersuchungen<br />
übrigens selbst herausgefunden, und auch<br />
ein rechtliches Gutachten des ehemaligen<br />
Verfassungsgerichtspräsidenten Dr. Hans-<br />
Jürgen Papier hat dies ergeben.<br />
<strong>procontra</strong>: Zumal die Bemächtigung der<br />
BaFin zum Einschreiten bei Provisionsexzessen<br />
laut AfW-Vorstand Norman Wirth<br />
in Paragraf 48a VAG längst vorhanden ist.<br />
Klein: Auch aus unserer Sicht steht der<br />
BaFin damit ein Instrument zur Verfügung,<br />
um in Einzelfällen direkt auf konkret<br />
benannte „böse Buben“ zuzugehen und<br />
diese in die Schranken zu weisen. Falls<br />
es also solche Einzelfälle überhaupt gibt,<br />
dann sollte die Aufsicht den Paragrafen<br />
48a auch anwenden. Sollte dann in der<br />
Praxis ein Gericht befinden, dass dieses<br />
Instrument nicht ausreichend ist, um die<br />
Provisionszahlungen einzelner Unternehmen<br />
behördlich zu begrenzen, dann<br />
könnte man immer noch über eine gesetzliche<br />
Ermächtigung nachdenken. Meines<br />
Wissens hat die BaFin diese Variante aber<br />
offiziell, also öffentlich bekannt, noch<br />
nicht angewandt.<br />
<strong>procontra</strong>: Warum wendet die BaFin diese<br />
Möglichkeit nicht an und schürt stattdessen<br />
mit ihrer Provisionsrichtwert-Aussage<br />
Unruhe in der Versicherungsbranche?<br />
Klein: Das kann ich wirklich nicht sagen,<br />
weil ich keinen vertieften Einblick in die<br />
Interna der BaFin habe. Anstatt sich sichtbar<br />
um eventuelle Einzelfälle zu kümmern,<br />
versteift sich die Behörde seit Jahren auf<br />
die allgemeine Regulierung der Provision<br />
– erst durch den Deckel, jetzt durch den<br />
Richtwert. Es wird dabei auch gerne mit<br />
der europäischen Vertriebsrichtlinie IDD<br />
argumentiert, zum Schutz der Verbraucher.<br />
Aber als Chairman des Europäischen<br />
Dachverbands der unabhängigen Finanzberater<br />
und Finanzvermittler Fecif kann<br />
ich sagen, dass unsere Finanzaufsicht<br />
europaweit die einzige ist, die über solche<br />
pauschalen Regulierungen nachdenkt.<br />
<strong>procontra</strong>: Mit welcher Wahrscheinlichkeit<br />
kommt es zum Provisionsrichtwert<br />
hierzulande?<br />
Klein: Die BaFin hat eine klare Agenda.<br />
Wir haben gute Gegenargumente. Wichtig<br />
ist jetzt, dass möglichst viele Vermittler<br />
ihre Verbände dabei unterstützen, dass<br />
jene öffentlich gemacht werden und die<br />
richtigen politischen Entscheidungsträger<br />
erreichen.<br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />
73
BERATER Präferenzabfrage<br />
GRÜNER FEHLSTART?!<br />
Seit 2. August müssen Vermittler die Nachhaltigkeitspräferenzen ihrer Kunden abfragen und<br />
ihnen entsprechende Produkte anbieten. Fehlende Standards erhöhen die Haftungsrisiken.<br />
– TEXT: STEFAN TERLIESNER –<br />
Seit dem 2. August müssen Versicherungsvermittler<br />
ihre Kunden nach ihren Nachhaltigkeitspräferenzen<br />
befragen und ihnen<br />
entsprechende Produkte anbieten. Das<br />
Dreieck in der Geldanlage von Rendite,<br />
Sicherheit und Liquidität ist dadurch zu<br />
einem Viereck mit Nachhaltigkeit als weiterem<br />
Ziel geworden – so verlangte es die<br />
Delegierte Verordnung zur Änderung der<br />
Finanzmarktrichtlinie MiFID II. Die Regelung<br />
ist Teil einer umfassenden Regulierung<br />
aus Richtlinien, Verordnungen, Rechtsakten,<br />
Normen und Vereinbarungen, mit der<br />
die EU-Kommission das Geld der Anleger<br />
in nachhaltige Projekte lenken will. Besonders<br />
wichtig ist die EU-Taxonomie, die festlegt,<br />
wann und wie eine Anlage als „grün“<br />
zu bewerten ist.<br />
DETAILS UND STANDARDS FEHLEN<br />
Bereits der Start der „grünen“ Beratung<br />
ist mit Problemen behaftet. Zunächst einmal<br />
fehlen maßgebliche regulatorische<br />
Grundlagen. Denn Level 2 der Offenlegungsverordnung,<br />
der die detaillierten<br />
Umsetzungsvorgaben, also die technischen<br />
Regulierungsstandards umfasst, tritt erst<br />
Anfang 2023 in Kraft. Erst von diesem Zeit-<br />
punkt an ist es im Verkaufsprospekt verpflichtend,<br />
die Informationen zu den nachhaltigen<br />
Eigenschaften offenzulegen. Die<br />
zeitliche Lücke von fünf Monaten ist mit<br />
Haftungsrisiken für Vermittler verbunden.<br />
„Das wird den Verdruss über eine eigentlich<br />
gut gemeinte europäische Idee weiter<br />
steigern“, so Martin Klein, Geschäftsführer<br />
des Votum Verbands Unabhängiger Finanzdienstleistungsunternehmen.<br />
Ohnehin habe das Bundeswirtschaftsministerium<br />
erst im Juni auf Nachfrage bestätigt,<br />
dass 34f-Vermittler weder aufgrund<br />
direkt geltenden EU-Rechts noch durch<br />
74 Illustration: Roman Kulon
Präferenzabfrage BERATER<br />
die Finanzanlagenvermittlungsverordnung<br />
(FinVermV) verpflichtet sind, die Nachhaltigkeitspräferenzen<br />
ihrer Kunden zu ermitteln.<br />
Das Ministerium hege aber die Hoffnung,<br />
dass Finanzanlagenvermittler dies<br />
freiwillig tun. Klein geht davon aus, dass<br />
es bei diesem Appell zur Freiwilligkeit nicht<br />
bleibt und der Gesetzgeber die FinVermV<br />
anpasst. Bis dahin stehe die Branche „vor<br />
der absurden Situation, dass ein Versicherungsvermittler<br />
verpflichtet ist, Nachhaltigkeitspräferenzen<br />
zu ermitteln, sofern er<br />
eine fondsgebundene Lebensversicherung<br />
vermittelt – der gleiche Vermittler hierzu<br />
jedoch nicht verpflichtet ist, wenn er einen<br />
Fondssparplan vermittelt“.<br />
VERKAUFSPROSPEKT OHNE PRODUKTMERKMALE<br />
Weil sich die neuen, nachhaltigen Produktmerkmale<br />
zunächst häufig nicht in<br />
den Verkaufsprospekten niederschlügen,<br />
könnten Berater ab August keine haftungssicheren<br />
Produktempfehlungen geben. Sein<br />
Verband werde daher für die Vermittler<br />
entsprechende Kundenhinweise entwickeln,<br />
die über die Situation aufklären,<br />
um Haftungssicherheit zu gewähren. Wie<br />
in der Branche zu hören ist, könnte so ein<br />
Hinweis lauten, dass das Produkt in seiner<br />
Strategie zwar entsprechende Merkmale<br />
umsetzt, diese aber noch keine vertraglich<br />
»Die Branche steht<br />
vor einer absurden<br />
Situation.«<br />
MARTIN KLEIN, VOTUM VERBAND UNABHÄNGIGER<br />
FINANZDIENSTLEISTUNGSUNTERNEHMEN<br />
<br />
MiFID-II-Anforderungen<br />
Mindestkriterien<br />
Verbändekonzept<br />
WIRRWARR BEI GRÜNEN ANLAGEPRODUKTEN<br />
Systematik zur Erfassung der Nachhaltigkeitspräferenzen<br />
Berücksichtigung wichtigster<br />
nachteiliger Wirkungen (PAI)<br />
Produkte, die die wichtigsten nachteiligen<br />
Nachhaltigkeitswirkungen (PAIs)<br />
berücksichtigen<br />
Kunde kann einzelne PAIs oder<br />
„PAI-Kategorien“ auswählen<br />
Mindestausschlüsse<br />
gungsverordnung (SFDR) und Principal<br />
Adverse Impacts (PAI) und die Auswirkungen<br />
auf die Kapitalanlage wirklich bewerten<br />
können, sei mal dahingestellt.<br />
NICHT GENUG PRODUKTE<br />
Es wird eine große Herausforderung für<br />
Vermittler, die Kundenwünsche mit dem<br />
vorhandenen Produktangebot zusammenzuführen.<br />
Der Mindestanteil an nachhaltigen<br />
Investitionen ist vom Kunden zu<br />
bestimmen. „Wenn der Kunde in der Beratung<br />
festlegen muss, wie hoch der Anteil<br />
nachhaltiger oder taxonomiekonformer Investments<br />
in einem Fonds sein soll, wird er<br />
wohl intuitiv 100 Prozent sagen“, zitiert die<br />
„Börsen-Zeitung“ Gerhard Faust, Leiter<br />
Kapitalmarktprodukte bei der Deutschen<br />
Bank, in einem Artikel über das Fidelity-<br />
Web-Seminar „ESG-Regulierung im Vertrieb<br />
– wie geht es weiter?“. Je höher der<br />
vom Kunden gewünschte Anteil sein soll,<br />
desto geringer sei das verfügbare Produktangebot.<br />
Bei sehr hohen Taxonomie-Quoten<br />
stehe möglicherweise kein passendes<br />
Produkt zur Verfügung. Erst mit der Zeit<br />
werde der Markt ein ausreichend breit diversifiziertes<br />
Produktangebot entwickeln.<br />
Die entsprechenden Vertriebsinformationen<br />
müssen vom Produktgeber kommen.<br />
„Ein Makler ist hier auf Informationen aus<br />
der Sphäre der Versicherer angewiesen“,<br />
betont Stephan Michaelis, Fachanwalt für<br />
Versicherungsrecht. In der von hoher Un-<br />
Nachhaltige Investitionen<br />
nach SFDR<br />
Produkte mit einem Mindestanteil an<br />
nachhaltigen Investitionen nach Art. 2<br />
Nr. 17 SFDR<br />
Dieser Mindestanteil ist vom Kunden<br />
zu bestimmen<br />
keine schweren Verstöße gegen<br />
UN Global Compact und Demokratie/<br />
Menschenrechte<br />
Produkthersteller berücksichtigt einen anerkannten Branchenstandard (UN PRI)<br />
zugesagten Produktmerkmale sind und die<br />
vertragliche Zusage erst später gemacht<br />
wird.<br />
Auch weil die Details und Standards zu<br />
den Produktmerkmalen noch fehlen, haben<br />
Deutsche Kreditwirtschaft, Fondsverband<br />
BVI und Deutscher Derivate Verband DDV<br />
ein gemeinsames Verbändekonzept vorgelegt.<br />
Es sieht zusätzliche Mindeststandards<br />
wie zum Beispiel den Ausschluss bestimmter<br />
Branchen wie Rüstung und Tabak vor.<br />
Zusammen mit den EU-Vorgaben ergibt<br />
sich eine Gesamtstruktur. Ob Anleger die<br />
Referenzsysteme Taxonomie, Offenlesicherheit<br />
geprägten Anfangszeit der Nachhaltigkeitsberatung<br />
sei Kommunikation<br />
und Offenheit elementar wichtig. Ein Vermittler<br />
solle dem Kunden offenlegen, dass<br />
er auf vom Versicherer bereitgestellte Informationen<br />
zurückgreifen muss, ohne dass<br />
ihm eine Nachprüfung möglich ist. Seinen<br />
Beratungspflichten werde ein Makler gerecht,<br />
wenn er die Nachhaltigkeitspräferenzen<br />
des Kunden abfragt und bei seiner<br />
Produktauswahl mit den Informationen<br />
des Versicherers abgleicht. Insofern, so Michaelis,<br />
gehe es jetzt zwar mit der Berücksichtigung<br />
von Nachhaltigkeitspräferenzen<br />
„richtig los“, aber irgendwie müsse sich<br />
alles noch entwickeln.<br />
ESG-BERATUNG AUS MAKLERSICHT<br />
PRO<br />
Thema bietet die<br />
Möglichkeit der Profilierung<br />
Neukundenpotenzial<br />
insbesondere bei<br />
jüngeren Anlegern<br />
Gute Gelegenheit,<br />
mit Kunden ins Gespräch<br />
zu kommen<br />
Ökologisch nachhaltige<br />
Investitionen nach Taxonomie<br />
Produkte mit einem Mindestanteil an<br />
ökologisch nachhaltigen Investitionen<br />
nach Art 2 Nr. 1 Taxonomie-VO<br />
Dieser Mindestanteil ist vom Kunden<br />
zu bestimmen<br />
keine schweren Verstöße gegen<br />
UN Global Compact und Demokratie/<br />
Menschenrechte<br />
CONTRA<br />
Quelle: Fidelity<br />
Fehlende Standards<br />
erhöhen Unsicherheit<br />
und Haftungsrisiken<br />
Kunden wollen<br />
vor allem Rendite<br />
und Sicherheit, nicht<br />
Nachhaltigkeit<br />
Der bürokratische<br />
Aufwand für Vermittler<br />
ist zu groß<br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />
75
BERATER Spezialmakler im Fokus<br />
DER JUNGE MAKLER<br />
UND DAS MEER<br />
Versicherungsmakler Timo Vierow hat sich auf die Absicherung von Tauchern spezialisiert.<br />
Über die Besonderheiten seiner Zielgruppe, die Bergung von Geisternetzen und warum das<br />
Thema Nachhaltigkeit die größte Chance für die Branche seit Jahren ist<br />
– TEXT: MARTIN THALER –<br />
76 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22
Spezialmakler im Fokus BERATER<br />
Timo Vierow ist derzeit ein gefragter Mann.<br />
Die Rede ist dabei nicht vom großen medialen<br />
Interesse am Bremer Versicherungsmakler<br />
– hierzu an späterer Stelle mehr.<br />
Doch an diesem Freitagmittag dauert es am<br />
Kreidesee im niedersächsischen Hemmoor<br />
nur wenige Schritte, bis Vierow das erste<br />
Mal angesprochen wird.<br />
„Hey Timo, kannst du mir mal helfen?“,<br />
ruft ein Mann in vollem Taucher-Ornat herüber.<br />
„Man ist hier per Du“, erklärt Timo<br />
knapp den jovialen Umgangston, bevor<br />
er mit wenigen Handgriffen den Taucheranzug<br />
seines Gegenübers in Form zupft.<br />
Kaum ist der Mann mit gerichtetem Anzug<br />
in Richtung See aufgebrochen, steht Timo<br />
erneut im Zentrum der Aufmerksamkeit.<br />
Zusammen mit der mehrfach ausgezeichneten<br />
Tauchbasis, an der sich die Taucher<br />
unter anderem ihre Flaschen mit dem erforderlichen<br />
Gasgemisch auffüllen lassen<br />
können, ist der Kreidesee zu einem Anziehungspunkt<br />
für Tauchbegeisterte aus ganz<br />
Deutschland geworden. Tauchlehrer Thomas<br />
Stommel aus dem westfälischen Hagen,<br />
der zu Timo hinüberwinkt, hat bereits<br />
etliche Kilometer an diesem Tag heruntergerissen.<br />
Zahlreiche Geisternetze kann NV-Mitarbeiter Jens Schipper vorweisen.<br />
Makler Timo Vierow mit Tauchlehrer Thomas Stommel am Kreidesee.<br />
Hier am Kreidesee ist der 40-jährige Makler<br />
in seinem Element. Jahrzehntelang wurde<br />
in Hemmoor, auf halbem Wege zwischen<br />
Cuxhaven und Hamburg, Kreide abgebaut,<br />
die für die angrenzende Zementproduktion<br />
verwendet wurde. Der Zement aus Hemmoor<br />
ging um die Welt und wurde unter<br />
anderem beim Bau des Hamburger Atlantic<br />
Hotels, des Berliner Reichstags und – angeblich<br />
– sogar für den Sockel der amerikanischen<br />
Freiheitsstatue verwendet.<br />
Seit 1983 ist der Ofen in Hemmoor nicht<br />
nur sprichwörtlich aus, die Produktion von<br />
Zement ist eingestellt. Der Tagebau vergangener<br />
Jahre bietet heutzutage aber perfekte<br />
Bedingungen für Taucher. Bis zu 60 Meter<br />
geht der See in die Tiefe. Durch das Kreidegestein<br />
ist zudem das Potenzial für Algenbildung<br />
gering, sodass Unterwassersportler<br />
bei guten Bedingungen auf Sichtweiten bis<br />
zu 25 Metern hoffen können.<br />
»Wenn wir das Thema<br />
Nachhaltigkeit<br />
ernsthaft aufgreifen,<br />
liegt hier für die<br />
Versicherer eine<br />
gewaltige Chance.«<br />
TIMO VIEROW, VERSICHERUNGSMAKLER<br />
TÜCKEN FÜR TAUCHER<br />
Zwei Schüler hat Stommel, der gerade aus<br />
dem See wiederaufgetaucht ist, im Schlepptau.<br />
Und sie haben Fragen an den Makler.<br />
Aber nicht zum Tauchen, sondern über ihren<br />
Versicherungsschutz. Ein Tauchurlaub<br />
steht bevor. Die beiden Männer beschäftigt<br />
darum die Frage, wann ihre Reiseabbruchversicherung<br />
leistet. „In meinen Versicherungsbedingungen<br />
heißt es, dass die Versicherung<br />
greift, wenn ich den Hauptzweck<br />
meiner Reise nicht mehr wahrnehmen<br />
kann“, sagt einer der beiden jungen Männer<br />
und fragt mit Blick auf den Makler: „Ist<br />
damit das Tauchen eingeschlossen?“<br />
„Das kommt drauf an, was der Versicherer<br />
als Hauptzweck betrachtet“, beginnt<br />
Timo seine Antwort. Ob Versicherungsschutz<br />
besteht oder nicht, könne man mit<br />
absoluter Gewissheit erst im Schadensfall<br />
sagen. Schrödingers Katze, übersetzt in die<br />
Welt der Versicherungen.<br />
Für alle Taucher, die in dieser Frage aber<br />
Gewissheit haben möchten, hat Timo mehrere<br />
auf Taucher zugeschnittene Deckungskonzepte<br />
entwickelt. Als begeisterter Taucher<br />
weiß der gebürtige Hamburger sowohl<br />
über die Sorgen und Nöte der Tauchgemeinschaft<br />
als auch über die Schwachstellen<br />
in den bestehenden Bedingungswerken<br />
Bescheid.<br />
Denn die Tauchgemeinschaft ist für die<br />
Versicherer weitgehend eine große Unbekannte,<br />
die Versicherungsbedingungen<br />
entsprechend nicht auf diese zugeschnitten.<br />
Auch wenn sich Taucher mit konventionellen<br />
Versicherungen auf der sicheren Seite<br />
wähnen, kann im Schadensfall das böse<br />
Erwachen drohen.<br />
Wer zum Beispiel unter Wasser größere<br />
Entfernungen zurücklegen möchte, setzt<br />
gerne auf sogenannte Scooter (siehe Lexikon)<br />
zur Fortbewegung, James Bond lässt<br />
grüßen. Leistungsstarke Geräte schlagen<br />
gerne einmal mit ein paar Tausend Euro<br />
zu Buche. Das Problem an ihnen: „Für die<br />
Versicherer sind das Wasserfahrzeuge. Und<br />
Wasserfahrzeuge sind grundsätzlich nicht<br />
von der Hausratversicherung umfasst“,<br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />
77
BERATER Spezialmakler im Fokus<br />
Mittels Hebesäcken werden die Netze an die Oberfläche befördert.<br />
Ein weiteres Netz wird von den Tauchern geborgen.<br />
erklärt Timo. Natürlich hat er auch in<br />
der Hausratversicherung – zusammen mit<br />
der ostfriesischen NV Versicherung – ein<br />
entsprechendes Deckungskonzept entwickelt,<br />
das diesen Schutz einschließt.<br />
Es dürfte schwer sein, jemanden in der<br />
Versicherungsbranche zu finden, der so viel<br />
über die Zielgruppe der Taucher zu berichten<br />
weiß wie Timo. Zugleich dürfte es auch<br />
nur wenige Taucher mit einer solchen Versicherungsexpertise<br />
wie Timo geben. Perfekte<br />
Bedingungen also, um als Vermittler<br />
zwischen diesen beiden Welten zu agieren.<br />
Seit Jahren liegt Timo den Versicherern<br />
mit den Besonderheiten seiner Zielgruppe<br />
in den Ohren. Er erklärt, streitet, argumentiert.<br />
Durchaus mit Erfolg. Denn aus Sicht<br />
vieler Versicherer gilt Tauchen als risikoreicher<br />
Sport – besonders wenn die Tauchgänge<br />
in größere Tiefen gehen oder Höhlen<br />
betaucht werden. Entsprechend schwierig<br />
gestaltet es sich für Taucher, eine Risikolebens-<br />
oder Berufsunfähigkeitsversicherung<br />
abzuschließen.<br />
Mittlerweile konnte der Bremer Versicherungsmakler<br />
die Dela zu einer Neubeurteilung<br />
seines Hobbys veranlassen.<br />
Nun haben auch Unterwassersportler, die<br />
Tauchgänge bis zu einer Tiefe von 100<br />
Metern vornehmen, die Möglichkeit, ohne<br />
Risikozuschläge an eine Risikolebensversicherung<br />
zu kommen.<br />
VERSICHERER AGIEREN RESTRIKTIV<br />
Die einzige offene Flanke beim Versicherungsschutz<br />
sieht Timo noch in der Berufsunfähigkeitsversicherung.<br />
Hier agierten die<br />
Ein letzter Check an der Ausrüstung<br />
Makler Timo Vierow zusammen<br />
mit <strong>procontra</strong>-Redakteur Martin Thaler<br />
Versicherer immer noch sehr restriktiv,<br />
fasst Timo zusammen. BU-Schutz sei für<br />
Höhlen- oder Tieftaucher – wenn überhaupt<br />
– nur gegen sehr hohe Risikozuschläge<br />
möglich. „Meiner Meinung nach haben<br />
die Versicherer das Thema Tauchen teilweise<br />
falsch eingestuft.“<br />
Den Versicherern entgehe hier eine attraktive,<br />
da finanzstarke Zielgruppe, ist<br />
Timo überzeugt. „Für alle, die zu viel Geld<br />
haben, empfehle ich Tauchen“, scherzt einer<br />
der Froschmänner am Kreidesee. „Tauchen,<br />
das ist ein alternatives Investment“,<br />
schiebt er mit Verweis auf die zahlreichen<br />
Pleiten am grauen Kapitalmarkt gleich die<br />
nächste Pointe nach.<br />
Tatsächlich hinterlässt die erforderliche<br />
Ausrüstung für all diejenigen, die über das<br />
reine Sporttauchen hinauswollen, ein ziemliches<br />
Loch im Portemonnaie. Für sogenannte<br />
Rebreather (siehe Lexikon), Anzüge,<br />
Atemregler, Scooter und Stages kommen<br />
gut und gerne einmal mehrere Zehntausend<br />
Euro zusammen. „Menschen, die 20.000<br />
Euro in eine Tauchausrüstung investieren,<br />
kann ein gewisser Wohlstand nachgesagt<br />
werden“, ist Timo überzeugt.<br />
Zudem: „Taucher, die über einen Verband<br />
aktiv sind, müssen eine Tauchtauglichkeitsuntersuchung<br />
ablegen. Momentan<br />
ist diese allerdings nicht einheitlich geregelt.<br />
Schafft man hier einheitliche Strukturen,<br />
gäbe es eine Zielgruppe, die nicht<br />
nur wohlhabend und trainiert ist, sondern<br />
sich alle ein, zwei Jahre einer medizinischen<br />
Vorsorgeuntersuchung unterzieht.“ Eigentlich<br />
optimale Bedingungen für die Versiche-<br />
78 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22
Spezialmakler im Fokus BERATER<br />
Sommer.<br />
Sonne.<br />
Sicher!<br />
EINFACH AUF DEN PUNKT.<br />
Makler Timo Vierow stellte eine Woche lang<br />
seine Seefahrerbeine unter Beweis.<br />
Wie die Risikolebensversicherung der<br />
EUROPA – der ideale Schutzschirm für Familien,<br />
Darlehen und Immobilienkredite.<br />
rer – doch noch bleiben diese bei ihrer restriktiven<br />
Betrachtungsweise. Noch. Denn Timo wird weiter<br />
im Dienste seiner Zielgruppe argumentieren.<br />
Diese definiert der 40-Jährige spitz. „Bei Tauchern<br />
kenne ich mich aus, vom Falschschirmspringen<br />
habe ich keine Ahnung“, sagt er. Übersetzt in<br />
sein Geschäftsmodell bedeutet das: Kunden, die mit<br />
Problemen zu ihm kommen, zu denen er sich nicht<br />
aussagekräftig fühlt, werden an Kollegen verwiesen.<br />
Timo will nicht in die Breite beraten, er geht<br />
lieber – für Taucher sehr passend – in die Tiefe.<br />
KONSEQUENTE ZIELGRUPPENFOKUSSIERUNG<br />
Diese konsequente Zielgruppenfokussierung kann<br />
sich Timo aufgrund der Größe der Zielgruppe<br />
durchaus leisten. Wie groß genau die Zahl der Taucher<br />
in Deutschland ist, lässt sich zwar nur schwer<br />
beziffern. Allerdings machen zwischen 25.000 und<br />
27.000 Deutsche jedes Jahr ihren Grundtauchschein.<br />
Auf diesen Zahlen aufbauend, berichtet<br />
Timo von Schätzungen, die von rund 1,25 Millionen<br />
Tauchern im deutschsprachigen Raum ausgehen.<br />
Die Zahl derjenigen, für die das Hobby mehr bedeutet<br />
als ein wenig Wassersport im Sommerurlaub,<br />
ist natürlich wesentlich kleiner. Man kennt sich in<br />
der Szene – auch Timo hat sich hier mittlerweile einen<br />
Namen gemacht. Die Verbindung von persönlichem<br />
Hobby und seiner Arbeit ist dabei „Fluch<br />
und Segen zugleich“, wie er es formuliert. Natürlich<br />
lässt sich für ihn dadurch das Angenehme mit<br />
dem Nützlichen verbinden. Doch diese Verbindung<br />
lässt sich nicht so leicht aufbrechen. Ein Tauch-Trip<br />
zum reinen Vergnügen ist in Deutschland zumindest<br />
kaum möglich – die Fragen und Probleme seiner<br />
(potenziellen) Kunden muss er jederzeit beantworten.<br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />
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79
BERATER Spezialmakler im Fokus<br />
Gute Stimmung an Bord der „MS Horizont“. Mit dabei waren unter anderem<br />
Besser-Grün-Geschäftsführer Frederic Waller (2. von links) und NV-Vorstand<br />
Henning Benau (rechts).<br />
Die Taucher von „Ghost Diving Germany“ um Derk Remmers (links) gingen<br />
eine Woche lang auf Tauchstation in der Nordsee.<br />
Zugleich stellte sich für Timo gerade in<br />
den schwierigen ersten Jahren der Maklerschaft<br />
die Frage, wie offensiv er für seine<br />
Dienste werben konnte. „Ich will mit den<br />
Menschen ja schließlich noch tauchen können.“<br />
Offenbar hat er in den vergangenen Jahren<br />
das richtige Maß getroffen. Die Kundenzahl<br />
wächst – auch dank Mundpropaganda.<br />
Hier zahlt sich die eingeschworene,<br />
gut vernetzte Szene erneut aus, birgt zugleich<br />
jedoch auch ein Risiko. Denn die<br />
positive Mundpropaganda der zufriedenen<br />
Kunden kann sich bei deren Unzufriedenheit<br />
schnell ins Gegenteil verkehren. Gerade<br />
in kleinen Gruppen verbreiten sich<br />
Nachrichten schnell.<br />
Timo, der seit seinem 17. Lebensjahr im<br />
Versicherungs-Außendienst tätig ist, setzt<br />
darum nicht auf schnellstmögliches, sondern<br />
auf nachhaltiges Wachstum. Nachhaltigkeit<br />
– ein Begriff, der in diesem Gespräch<br />
öfter fällt.<br />
DER ENTSCHEIDENDE HEBEL<br />
Für den Bremer Makler ist Nachhaltigkeit<br />
der entscheidende Hebel, um das angeknackste<br />
Image der Branche und auch<br />
seines Berufsstands zu verbessern. Schon<br />
seit Jahren landen Versicherungsvertreter<br />
bei einer Umfrage des Deutschen Beamtenbundes<br />
auf dem letzten Rang aller Berufsgruppen,<br />
wenn es um das öffentliche Ansehen<br />
geht.<br />
In einer kürzlich durchgeführten Umfrage<br />
geben gerade einmal 8 Prozent der rund<br />
2.000 Befragten an, Versicherungsvertreter<br />
mit einem hohen bzw. sehr hohen Ansehen<br />
zu assoziieren.<br />
Normalerweise dient die „MS Horizont“<br />
für Bestattungen auf hoher Se.<br />
Für Tauchuntensilien werden gerne<br />
mal mehrere Zehntausend Euro fällig.<br />
Wie positive Imagepflege gelingen kann,<br />
zeigt ein zeitlicher Sprung in den Mai. Im<br />
ostfriesischen Harlesiel liegt die „MS Horizont“<br />
am Kai. Normalerweise wird das<br />
2009 in Dienst gestellte Schiff für Seebestattungen<br />
genutzt. An diesem Tag steht<br />
die „Horizont“ allerdings im Dienste des<br />
Umweltschutzes. Zum sogenannten „Ostfriesland-Projekt“<br />
hat Timo zusammen mit<br />
„Grün Versichert“ geladen. Es geht um die<br />
Bergung sogenannter Geisternetze – alte Fischernetze,<br />
die herrenlos durch die sieben<br />
Weltmeere wabern und zur tödlichen Gefahr<br />
für alle Meeresbewohner werden.<br />
Initiiert wurde das Projekt von Timo<br />
selbst, der unter seinen Tauch-Kompagnons<br />
auch Mitglieder von „Ghost Diving Germany“<br />
hat. Eine Organisation, die sich der<br />
Bergung der alten Netze verschrieben hat.<br />
„Viele Versicherer pflanzen einen Baum<br />
oder legen eine Streuobstwiese an, doch<br />
für das Meer gab es bislang kein einziges<br />
Projekt“, erklärt Timo seine Motivation für<br />
das Projekt.<br />
Über eine halbe Tonne alter Netze holen<br />
die Taucher in einer Woche aus der Nordsee.<br />
Angesichts der schwierigen Bedingungen<br />
vor Ort ist das ein großer Erfolg.<br />
Noch größer ist allerdings das öffentliche<br />
Interesse am grobmaschigen Meeresmüll.<br />
Die Woche über geben sich Fernsehsender,<br />
Nachrichtenagenturen und Lokaljournalisten<br />
die Klinke in die Hand. Für Timo<br />
ist es eine Woche im Kamerafokus und<br />
Blitzlichtgewitter – immer wieder muss er<br />
erklären, was sich hinter dem Begriff Geisternetze<br />
verbirgt und warum diese ein so<br />
großes Risiko für Tier, aber auch Mensch<br />
– Stichwort Mikroplastik – darstellen.<br />
80 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22
Spezialmakler im Fokus BERATER<br />
KLEINES TAUCHLEXIKON<br />
ATEMREGLER<br />
Bestandteil des Tauchgeräts, der den Flaschendruck<br />
auf den Umgebungsdruck reduziert und den<br />
Taucher somit mit Luft versorgt<br />
REBREATHER / KREISLAUFTAUCHGERÄT<br />
Atemgerät, das die Ausatemluft reinigt und<br />
wiederverwendet<br />
SCOOTER<br />
Elektrisch betriebenes Unterwasserzuggerät<br />
für Taucher oder schweres Gerät<br />
STAGE<br />
Zusätzliche Flasche mit Atemgas<br />
TECHNISCHES TAUCHEN<br />
Fortgeschrittene Form des Sporttauchens<br />
unter Verwendung besonderer Ausrüstung,<br />
Fertigkeiten oder Gase<br />
Die enorme Resonanz zeigt Timo, dass er<br />
mit dem Thema das öffentliche Interesse<br />
getroffen hat. Besonders freute er sich über<br />
die Mail eines Nordsee-Touristen, die ihn<br />
erreichte. Dieser hatte bei einer Wanderung<br />
durchs Wattenmeer einen Teil eines alten<br />
Fischernetzes gefunden. „Früher hätte ich<br />
das bestimmt liegen gelassen. Aber nun<br />
weiß ich über das Problem Bescheid und<br />
habe das Netz zwecks Entsorgung mitgenommen“,<br />
paraphrasiert Timo den Inhalt.<br />
Auch im kommenden Jahr soll die Aktion<br />
wieder stattfinden.<br />
Doch aus Sicht des Maklers wäre von<br />
Branchenseite wesentlich mehr möglich.<br />
Einzelne Versicherer haben das Thema<br />
zwar aufgegriffen, bei vielen Anbietern vermisst<br />
er die gewünschte Initiative. „Wenn<br />
wir das Thema ernsthaft aufgreifen und<br />
nicht nur als neuen Vertriebs-Gag betrachten,<br />
liegt hier für die Versicherer eine gewaltige<br />
Chance“, ist Timo überzeugt. „Das<br />
Thema Nachhaltigkeit ist die größte Chance,<br />
die die Versicherungsbranche seit Jahren<br />
Über eine halbe Tonne geborgene Netze waren<br />
die Bilanz des Ostfriesland-Projekts.<br />
hat und in den kommenden Jahren haben<br />
wird“, glaubt er. „Wir sind das größte Kapitalsammelbecken.<br />
Wir hätten eine solche<br />
Macht, das Thema nach vorne zu bringen,<br />
und könnten so den Ruf unserer Branche<br />
komplett drehen.“<br />
Vorsorge<br />
GreenInvest<br />
von AXA:<br />
Nachhaltigkeit<br />
im Fokus<br />
Mega-Trend:<br />
nachhaltige<br />
Investments<br />
Immer mehr Kunden ist Nachhaltigkeit wichtig – auch beim Geldanlegen.<br />
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und Portfolios. Nutzen Sie diese Chance und bieten Sie GreenInvest aktiv an!<br />
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BERATER Maklerpools<br />
FRESSEN ODER GEFRESSEN WERDEN<br />
Pools kaufen Makler und Finanzinvestoren kaufen Pools. Und am Ende überlebt das<br />
skalierbarste Geschäftsmodell. Ein Blick aufs Geschehen im Markt und in die Zukunft<br />
– TEXT: STEFAN TERLIESNER –<br />
Die Welt der Makler ist im Umbruch. So<br />
will beispielsweise der börsennotierte Finanzdienstleister<br />
JDC Group, zu dem auch<br />
der Pool Jung, DMS & Cie. gehört, künftig<br />
Maklerbüros aufkaufen. Das Vehikel dazu<br />
ist ein Joint Venture mit dem Finanzinvestor<br />
Bain Capital und einer Tochter der Finanzholding<br />
Great West Lifeco. Stimmt das<br />
Kartellamt dem Vorhaben zu, dürfte das<br />
Trio über reichlich Finanzkraft verfügen.<br />
Um Akquisitionskapital geht es auch<br />
beim Einstieg des Finanzinvestors Warburg<br />
Pincus beim Maklerpool blau direkt<br />
und ebenso bei der Mehrheitsübernahme<br />
von Fonds Finanz durch HG Capital Ende<br />
2021. Auch Letztere wollen weitere Firmen<br />
einsammeln und daraus eine Art Superpool<br />
schmieden. Dieser hätte dann so viel Einkaufsmacht,<br />
dass selbst größere Versicherer<br />
und Fondshäuser erzittern würden. Aber<br />
würden die Produktgeber dann noch Geschäfte<br />
mit dem Riesenpool machen?<br />
DIGITALISIERUNG BELEBT BANKASSEKURANZ<br />
Andererseits, so scheint es, führen Skaleneffekte<br />
auch im Vertrieb von Finanzprodukten<br />
auf Dauer zur Entstehung größerer<br />
Einheiten. Am Ende teilt sich eine Handvoll<br />
Dienstleister den Markt auf. Skaleneffekte<br />
sind Größen- bzw. Kostenvorteile von Unternehmen.<br />
Die industrielle Massenfertigung<br />
ist ein Beispiel. Je größer die Stückzahlen<br />
sind, desto kostengünstiger kann<br />
gefertigt werden. Heutzutage lassen sich<br />
Skaleneffekte auch mit digitalen Technologien<br />
erzielen. IT ist teuer, aber einmal installiert,<br />
sinken die Stückkosten mit jedem<br />
weiteren Nutzer.<br />
Die Entwicklung schreitet so rasch voran,<br />
dass große Maklerpools sich selbst schon<br />
gar nicht mehr als Pool bezeichnen, sondern<br />
– wie zum Beispiel blau direkt – als „Infrastrukturdienstleister,<br />
der Technologie, effiziente<br />
Prozesse und Outsourcing-Services für<br />
Vertriebe, Makler, Banken und auch andere<br />
Maklerpools bereitstellt“. Den Big Playern<br />
geht es schon längst nicht mehr um die Vermittlung<br />
nur von Versicherungen, sondern<br />
auch um Bankprodukte. Das Stichwort dazu<br />
lautet: Bankassekuranz. „Die Geschäftsmodelle<br />
verschmelzen“, sagt auch Manuela<br />
Wolf, Projektmanagerin Vertrieb bei den<br />
Versicherungsforen Leipzig. Ein wichtiger<br />
Treiber seien die neuen Technologien, „die<br />
erstmals Versicherungsvertrieb skalierbar<br />
machen“. Die neuen „digitalen Marktplätze<br />
veränderten die Spielregeln“. Weitere Treiber<br />
wie Altersstruktur des Maklermarktes<br />
und Regulierung kämen hinzu.<br />
AUF FINANZKRAFT KOMMT ES AN<br />
Auch deshalb rechnet Sebastian Grabmaier,<br />
Chef der JDC Group, „auf jeden Fall damit,<br />
dass sich kleinere Mitbewerber und<br />
82 Illustration: Roman Kulon
Maklerpools BERATER<br />
Spezialpools an die Großen anlehnen oder fusionieren<br />
werden, bis nur eine Handvoll Digitalplattformen<br />
übrig bleiben“. Und weiter: „Es macht keinen Sinn,<br />
sämtliche Entwicklungen in IT und bei Prozessen oder<br />
auch die tägliche Daten- und Dokumentenversorgung<br />
für ein relativ geringes Geschäftsvolumen vorzuhalten.<br />
Arbeitsteilige Wertschöpfung entspricht der Industrielogik.“<br />
Ähnlich äußern sich die Chefs anderer großer<br />
Pools. So sagt Rolf Schünemann von BCA: „In fünf<br />
bis zehn Jahren dürften wenige große Pools den Markt<br />
überwiegen.“ Mit Blick auf den digitalen Wandel betont<br />
er: Entscheidend seien das Investitionsvolumen<br />
und der langfristige finanzielle Spielraum eines Pools.<br />
Hier hat BCA Vorteile: Zum Gesellschafterkreis gehören<br />
zehn Versicherer.<br />
Im Konzert der Großen spielt sich zunehmend Qualitypool<br />
in den Vordergrund. Die Gesellschaft ist eine<br />
Tochter der börsennotierten Hypoport, eines Netzwerks<br />
von Technologieunternehmen für die Kreditund<br />
Immobilien- sowie Versicherungswirtschaft. An<br />
Qualitypool angebundene Makler erhalten Zugriff<br />
auf die webbasierte Finanzierungsplattform Europace<br />
»In fünf bis zehn<br />
Jahren dürften wenige<br />
große Pools den Markt<br />
überwiegen.«<br />
sowie die Versicherungsplattform Smart Insure. Erst<br />
Ende Januar hatte der Lübecker Maklerpool die verbleibenden<br />
Anteile an Amexpool übernommen. Boris<br />
Beermann, bisher Vorstand der Amexpool, begründete<br />
den Deal auch so: „Qualitypool hat als Teil des Hypoport-Netzwerks<br />
den nötigen finanziellen und technologischen<br />
Hintergrund, um im hart umkämpften<br />
Wettbewerb weiterwachsen zu können.“<br />
MAKLER BLEIBEN WICHTIG<br />
Es geht in der Pool-Welt also um Technologie und Finanzkraft<br />
– und um Makler-Power. Denn alle großen<br />
Vertriebsunterstützer betonen, „dass auch bei den besten<br />
digitalen Services für Makler weiterhin eine kompetente<br />
persönliche Unterstützung nachgefragt wird“,<br />
so zum Beispiel Grabmaier. Auch Schünemann glaubt<br />
„nicht an die Dominanz von lupenrein aufgestellten<br />
digitalen Pools“.<br />
Die Welt der Makler ist im Umbruch, und die Wahl des<br />
Pools hat in Zukunft wohl noch mehr Einfluss auf das<br />
eigene Einkommen als bisher, aber immerhin: Makler<br />
sind weiterhin bedeutende Akteure. <br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />
ROLF SCHÜNEMANN, BCA<br />
SPASSBREMSE,<br />
die:<br />
[ˈʃpaːsˌbʁɛmzə]<br />
Fährt drauf ab, im Leben alles<br />
im Griff zu haben<br />
und tritt bei Vintage-Rallyes<br />
voll aufs Gas.<br />
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83
FOKUS SIGNAL IDUNA<br />
Sicherheit für Ihr Geschäftsgebäude<br />
und Mehrfamilienhaus<br />
Der SI Immobilienschutz<br />
Ob Geschäftsgebäude oder Mehrfamilienhaus – Ihre Immobilien sollten gut abgesichert sein!<br />
Der neue SI Immobilienschutz bietet einen optimalen Versicherungsschutz, der bereits beim Bau<br />
des Gebäudes beginnt. Mit vielen Verbesserungen und neuen Leistungen, wie zum Beispiel einem<br />
besonderen Schutz für Vermieter, ist ein individueller Rundumschutz garantiert.<br />
<strong>procontra</strong> FOKUS in Zusammenarbeit mit SIGNAL IDUNA<br />
signal-iduna.de<br />
84 Anzeige
SIGNAL IDUNA FOKUS<br />
FOKUS<br />
SIGNAL IDUNA<br />
Auch Gebäude gehen<br />
mit der Zeit<br />
Vor Jahren irgendwann mal abgeschlossen,<br />
Police in die Schublade<br />
gelegt und bisher nie gebraucht: So sieht<br />
vielerorts die Realität der gewerblichen<br />
Gebäudeversicherung aus. Im günstigen<br />
Fall. Denn kommt es zu einem Schaden,<br />
der von einer veralteten Police nicht<br />
gedeckt wird, ist der Frust groß.<br />
Aus diesem Grund gehören auch Versicherungen<br />
für gewerblich genutzte Gebäude<br />
regelmäßig auf den Prüfstand: Genügen sie<br />
noch dem aktuellen Marktstandard? Umfassen<br />
sie auch Risiken, die erst in den letzten<br />
Jahren virulent geworden sind, etwa<br />
im Zuge der Elektromobilität? Wie sehr<br />
wird der Anspruch auf Nachhaltigkeit bei<br />
der Schadenregulierung unterstützt? Wer<br />
Schutz für gewerbliche Gebäude vermittelt,<br />
sollte in all diesen Punkten sicherstellen,<br />
dass sich im Vertrag keine offenen Flanken<br />
finden – im Sinne der Kunden und ihrer<br />
meist beträchtlichen Vermögenswerte,<br />
aber auch im eigenen Interesse, Stichwort<br />
Haftungssicherheit.<br />
SIGNAL IDUNA zählt in der gewerblichen<br />
Absicherung seit jeher zu den Großen am<br />
Markt, was nicht zuletzt stetiger Innovation<br />
zu verdanken ist. Diese prägt nun auch<br />
den „SI Immobilienschutz“, ein brandneues<br />
Produkt der Dortmunder, in dem<br />
das Beste aus drei Welten zusammengeführt<br />
– und nochmals ausgebaut – wird.<br />
Konkret gehen in dem Tarif die drei<br />
bisherigen gewerblichen Gebäudeversicherungen<br />
für Mehrfamilienhäuser und<br />
Geschäftsgebäude inklusive Gebäude-<br />
Schutz-Programm (für Objekte mit einem<br />
Neuwert von über sieben Millionen Euro)<br />
auf. Für Makler wie für Kunden wird die<br />
Absicherung damit deutlich einfacher und<br />
Foto: Woody Alec<br />
zugleich leistungsstärker. Dazu trägt auch<br />
das neu verankerte Opt-out-Prinzip bei:<br />
Grundsätzlich wird ein weiter Schutzschirm<br />
aufgespannt, die Kunden können<br />
jedoch nach Wunsch bestimmte Risiken<br />
ausklammern.<br />
Lesen Sie im Interview auf den Folgeseiten,<br />
mit welcher Zielsetzung, nach welchen<br />
Kriterien und mit welchem Ergebnis<br />
SIGNAL IDUNA den SI Immobilienschutz<br />
entwickelt hat und wie sich das für Ihre<br />
Kunden und Sie selbst auszahlt.<br />
Gewerbeimmobilien<br />
stellen beträchtliche<br />
Werte dar und verdienen<br />
eine exzellente<br />
Absicherung.<br />
<strong>procontra</strong> FOKUS in Zusammenarbeit mit SIGNAL IDUNA<br />
Anzeige<br />
85
FOKUS SIGNAL IDUNA<br />
»Optimaler Rundumschutz<br />
für gewerbliche Gebäude«<br />
Mit dem SI Immobilienschutz hat SIGNAL IDUNA<br />
die gewerbliche Gebäudeversicherung neu gedacht und umgesetzt.<br />
Necati Dogan, Marktmanager Freie Vertriebe, gibt einen Überblick.<br />
– TEXT: SEBASTIAN WILHELM –<br />
<strong>procontra</strong>: Was gab den Anstoß für die<br />
Entwicklung des gewerblichen Gebäudeversicherungskonzepts<br />
SI Immobilienschutz?<br />
Necati Dogan: In erster Linie ist die Strategie<br />
zur Prozessoptimierung im Hause<br />
von SIGNAL IDUNA maßgeblich hierfür<br />
gewesen. Die älteren Bedingungswerke der<br />
gewerblichen Gebäudeversicherung sind<br />
von 2013 und somit fast zehn Jahre alt gewesen.<br />
Das ist eine lange Zeit, in der sich<br />
der Wettbewerb und auch die Kundenansprüche<br />
verändern. In vielen Bereichen<br />
waren wir somit nicht mehr da, wo der<br />
Markt sich aktuell befindet.<br />
Außerdem war die gewerbliche Gebäudeversicherung<br />
bislang in drei unterschiedliche<br />
Produkte mit eigenen Bedingungswerken<br />
aufgeteilt, was sowohl für die<br />
Vermittler als auch für die Endkunden<br />
kompliziert war. Daher lag es auf der<br />
Hand, dass wir hier etwas tun mussten. So<br />
starteten wir mit einer Research-Phase, in<br />
der wir mit unterschiedlichen Parteien aus<br />
dem Vertrieb gesprochen und die aktuellen<br />
Bedürfnisse im Bereich der gewerblichen<br />
Gebäudeversicherung ausgearbeitet haben.<br />
Etwas mehr als ein Jahr danach ist nun<br />
der SI Immobilienschutz entstanden. Mit<br />
diesem Produkt stehen wir im Wettbewerbsvergleich<br />
sehr gut da.<br />
<strong>procontra</strong>: Welche bisherigen Versicherungen<br />
werden im neuen Produkt zusammengefasst<br />
und welchen Mehrwert bietet<br />
diese Bündelung?<br />
Dogan: Bisher war die Produktstruktur<br />
»Grundsätzlich sind<br />
beim SI Immobilienschutz<br />
alle Gefahren<br />
und Bausteine<br />
versichert. Einzelne<br />
können ausgeschlossen<br />
werden.«<br />
sehr komplex. Es gab die gewerbliche<br />
Wohngebäudeversicherung für Mehrfamilienhäuser<br />
und die Geschäftsgebäudeversicherung<br />
für Geschäftsgebäude.<br />
Ab einem Gebäudeneuwert von sieben<br />
Millionen Euro gab es für Letztere noch<br />
das Gebäude-Schutz-Programm. Jedes der<br />
Produkte hatte zusätzlich zu den eigenen<br />
Bedingungen auch eigene Versicherungssummengrenzen.<br />
Mit dem SI Immobilienschutz wird diese<br />
Struktur vereinheitlicht und erheblich<br />
vereinfacht. Beispielsweise gibt es nur eine<br />
einheitliche Versicherungssummengrenze<br />
von 10 Millionen bzw. 25 Millionen Euro<br />
je nach Brandschutzklasse und Gebäudenutzung.<br />
Dadurch wird die gewerbliche<br />
Gebäudeversicherung insgesamt vereinfacht<br />
und ermöglicht schlankere Prozesse<br />
und somit auch eine schnellere Antragsbearbeitung.<br />
Für die Beratung wiederum<br />
bedeutet das, dass der Erklärungsaufwand<br />
zwischen den einzelnen Bedingungswerken<br />
gänzlich entfällt und somit das Haftungsrisiko<br />
als Vermittler reduziert wird.<br />
<strong>procontra</strong>: Mit welchen Highlights und<br />
Alleinstellungsmerkmalen wartet der SI<br />
Immobilienschutz außerdem auf?<br />
Dogan: Der SI Immobilienschutz wurde im<br />
Vergleich zu seinen Vorgängern deutlich<br />
aufgewertet. Dabei wurden bestehende<br />
Leistungen verbessert und neue Leistungen<br />
ergänzt. Die Inhalte sind auf Grundlage<br />
der Research-Ergebnisse und der aktuellen<br />
Marktsituation entstanden. Damit<br />
haben wir ein absolut wettbewerbsfähiges<br />
Produkt für die gewerbliche Gebäudeversicherung<br />
geschaffen. Es ermöglicht eine<br />
umfassende Absicherung, denn mit der<br />
beitragsfreien Rohbau-Feuerversicherung<br />
ist auch ein Neubau von Beginn an<br />
geschützt. Optional kann diese mit einer<br />
Bauleistungsversicherung und einer Bauherrenhaftpflicht<br />
ergänzt werden, um die<br />
Baustelle vollständig abzusichern.<br />
Aber zurück zum Thema: Auch nach<br />
Fertigstellung bietet der SI Immobilienschutz<br />
einen optimalen Rundumschutz.<br />
So sind beispielsweise die Kosten für die<br />
Beseitigung von Graffiti nun bis zur Höhe<br />
der Versicherungssumme versichert und<br />
werden auch erstattet, wenn sich das<br />
Graffiti innerhalb des Gebäudes befindet.<br />
Darüber hinaus bleiben Vermietern finan-<br />
<strong>procontra</strong> FOKUS in Zusammenarbeit mit SIGNAL IDUNA<br />
86 Anzeige
SIGNAL IDUNA FOKUS<br />
zielle Verluste erspart, wenn die Immobilie<br />
nach einem versicherten Schadenfall<br />
vorübergehend nicht mehr genutzt werden<br />
kann. Denn bei Mietverlust leistet der SI<br />
Immobilienschutz bis zu 36 Monate lang,<br />
unabhängig davon, ob das Gebäude an<br />
Privatpersonen oder zur gewerblichen<br />
Nutzung vermietet wird. Aber auch bei<br />
selbst genutzten Immobilien erstattet der SI<br />
Immobilienschutz den ortsüblichen Mietwert.<br />
Das größere Highlight für Vermieter<br />
ist aber der neue Mieterbaustein. Mit ihm<br />
sind Vermieter zusätzlich für wohnwirtschaftlich<br />
genutzte Risiken abgesichert.<br />
Er beinhaltet unter anderem Kosten für<br />
Aufräumung, Schädlingsbekämpfung,<br />
Desinfektion und Reinigung im Zusammenhang<br />
mit Mietnomaden und Schäden<br />
in Gemeinschaftswaschküchen nach einem<br />
Einbruch/Diebstahl.<br />
Eine weitere Besonderheit des SI Immobilienschutzes<br />
ist die Garagenklausel. Mit dieser<br />
ist ein Gebäude selbst dann versichert,<br />
wenn Fahrzeuge darin abgestellt werden,<br />
obwohl es sich nicht um ein ausdrücklich<br />
als Garage ausgewiesenes Gebäude<br />
handelt. Auch der Megatrend Nachhaltigkeit<br />
wurde in der Produktentwicklung<br />
berücksichtigt, denn bei SIGNAL IDUNA<br />
wird großer Wert auf dieses Thema gelegt.<br />
Mit dem SI Immobilienschutz werden nach<br />
einem Schadenfall jetzt auch Mehrkosten<br />
übernommen, die durch den Gebrauch<br />
umweltfreundlicherer Materialien entstehen.<br />
Außerdem sind Kosten für die<br />
Wiederaufforstung gärtnerischer Anlagen<br />
und von Bäumen bis 50.000 Euro eingeschlossen.<br />
Dazu gehören auch Dach- und<br />
Fassadenbegrünungen. Ferner nimmt die<br />
E-Mobilität an Attraktivität und Akzeptanz<br />
zu. In diesem Zusammenhang ist es<br />
interessant zu erwähnen, dass Wallboxen<br />
als Gebäudebestandteil mitversichert sind.<br />
Ein spezielles Highlight ist zudem der<br />
Unterversicherungsverzicht. Mit dem SI<br />
Immobilienschutz gibt es nun die Möglichkeit,<br />
ihn auch in der gewerblichen<br />
Gebäudeversicherung zu vereinbaren. Die<br />
einzige Prämisse besteht darin, dass die<br />
Versicherungssumme mittels SkenData ermittelt<br />
wird. Diese und weitere Leistungshighlights<br />
sind erstklassige Argumente für<br />
den neuen SI Immobilienschutz.<br />
<strong>procontra</strong>: Was hat es mit dem Abwahlmodell<br />
bzw. der Opt-out-Lösung auf sich?<br />
Dogan: Grundsätzlich sind beim SI Immobilienschutz<br />
alle Gefahren und Bausteine<br />
versichert. Der Kunde hat allerdings die<br />
Möglichkeit, seinen Versicherungsschutz<br />
anzupassen. Einzelne Bausteine wie beispielsweise<br />
die Glasversicherung können<br />
ausgeschlossen werden, falls sie nicht<br />
gewünscht sind. Damit geben wir neben<br />
dem Kunden auch dem Vermittler mehr<br />
Flexibilität für das Beratungsgespräch.<br />
Außerdem ist das Abwahlmodell ein<br />
zusätzlicher Faktor für die Entlastung der<br />
Haftung als Vermittler, da der Versicherungsumfang<br />
für jeden Kunden individuell<br />
gestaltet werden kann. So bekommt und<br />
zahlt der Kunde nur das, was er auch<br />
wirklich braucht. Darüber hinaus gibt es<br />
aber auch noch andere Bestandteile des<br />
SI Immobilienschutzes, die zur Entlastung<br />
der Makler beitragen. Bei Einhaltung<br />
aller Obliegenheiten wird zum Beispiel<br />
vollständig auf den Einwand der groben<br />
Fahrlässigkeit verzichtet. Zudem werden<br />
mit der enthaltenen Innovations-Garantie<br />
alle zukünftigen Änderungen der Vertragsbedingungen<br />
automatisch mit eingeschlossen,<br />
sofern sie beitragsfrei und zum<br />
Vorteil des Kunden sind. Ähnlich ist es<br />
bei abweichenden Verbandsbedingungen.<br />
Wenn diese zum Vorteil des Kunden vom<br />
Tarif abweichen, wird auf Wunsch des<br />
Versicherungsnehmers nach den besseren<br />
Verbandsbedingungen reguliert.<br />
<strong>procontra</strong>: Welche Zielgruppen werden mit<br />
dem SI Immobilienschutz adressiert?<br />
Dogan: Der SI Immobilienschutz ist für<br />
alle Eigentümer von Mehrfamilienhäusern,<br />
Mischgebäuden (bestehend aus Wohn- und<br />
Geschäftseinheiten) sowie Geschäftsgebäuden<br />
geeignet. Eine bestimmte Zielgruppe<br />
wird dabei nicht adressiert, allerdings sind<br />
die oben genannten Versicherungssummengrenzen<br />
zu beachten.<br />
<strong>procontra</strong>: Wo können interessierte Makler<br />
mehr Informationen erhalten?<br />
Dogan: Interessierte Makler erhalten<br />
nähere Informationen direkt von ihrem<br />
regionalen Komposit-Spezialisten.<br />
https://maklerblog.signal-iduna.de/<br />
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87
BUSCHFUNK Sachwerte<br />
SACHWERTE<br />
TEILVERKAUF LIEGT IM TREND<br />
Immer mehr Eigentümer veräußern Immobilienanteile.<br />
Eigentümer von Immobilien setzen vermehrt auf den Teilverkauf: Zwischen dem<br />
ersten Halbjahr 2021 und dem ersten Halbjahr <strong>2022</strong> haben sich die Anfragen von<br />
Eigentümern nach einem Teilverkauf nahezu verzehnfacht. Das geht aus einer Analyse<br />
des Teilverkauf-Portals wertfaktor hervor. Das Prinzip des Teilverkaufs: Bis zu<br />
50 Prozent des Eigenheims werden zum aktuellen Marktwert an Anbieter wie wertfaktor<br />
veräußert. Dadurch können Eigentümer ihre Immobilie weiter bewohnen, sie<br />
aber auch mit dem neuen Miteigentümer weiterverkaufen. Vor allem Rentner setzen<br />
darauf, mit dieser Finanzierungsmethode Vermögen aus dem Haus in Bargeld umzuwandeln.<br />
23 Prozent der „Teilverkäufer“ wollen so Immobilien hypotheken ablösen<br />
– und 45 Prozent nutzen einen Teil des Erlöses, um laufende Kredite zu bedienen.<br />
Foto: Alvarez<br />
FÖRDERUNG STATT EIGENKAPITAL<br />
SPD will Erwerb von Eigentum erleichtern.<br />
Foto: Marcus Lindstrom<br />
Ein solides Einkommen ist mittlerweile für den Erwerb von Wohneigen<br />
tum kaum noch ausreichend. Nun plant die SPD eine neue<br />
Initiative, um den Immobilienerwerb zu erleichtern. „Es geht letztlich<br />
darum, Eigenkapital zu ersetzen“, sagte SPD-Generalsekretär<br />
Kevin Kühnert in der „Augsburger Allgemeinen“. Um Haushalten<br />
mit stabilem Einkommen, aber ohne große Rücklagen den Weg ins<br />
Eigentum zu ermöglichen, soll es ein staatliches Programm geben.<br />
Derzeit werde im Bauministerium der Vorschlag ausgearbeitet.<br />
IMMOBILIEN IMMER UNERSCHWINGLICHER<br />
Notwendiges Eigenkapital mehr als verdoppelt<br />
Steigende Immobilienpreise, teure Rohstoffe – und parallel klettern die Hypothekenzinsen<br />
in die Höhe: Nach dem aktuellen Marktkompass Baufinanzierung des Analyseinstituts<br />
SWI Finance ist der Immobilienkauf für immer mehr Bevölkerungsgruppen unerschwinglich.<br />
Demnach müssen viele Immobilienkäufer fast ihr komplettes Vermögen in<br />
ihre vier Wände investieren, um das „in <strong>2022</strong> durchschnittlich eingesetzte Eigenkapital<br />
aufzubringen“. Auf die steigenden Preise würden Interessenten reagieren, indem sie ihr<br />
Eigenkapital hochfahren. Dieses erhöhte sich von durchschnittlich 90.000 Euro im Jahr<br />
2016 auf 190.000 Euro <strong>2022</strong>. Parallel würden Schenkungen und Erbschaften immer<br />
wichtiger. Diese kalkuliert ein Drittel der Befragten mittlerweile mit ein.<br />
Foto: filmfoto<br />
88<br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22
Sachwerte BUSCHFUNK<br />
Catella Real Estate: Erwerb von 39 Wohnungen<br />
Catella Real Estate AG erwirbt für den offenen Immobilien-<br />
Spezial-AIF „Catella Dutch Residential II“ ein im Bau<br />
befindliches Objekt im Stadtzentrum von Oosterhout in den<br />
Niederlanden. Es verfügt über 39 Wohnungen mit einer<br />
vermietbaren Wohnfläche von 3.157 Quadratmetern.<br />
Foto: Bim<br />
Regel Nummer 1:<br />
Märkte beruhigen<br />
DR. ANDREAS MATTNER<br />
Präsident Zentraler Immobilien Ausschuss (ZIA)<br />
immobilie1.de: Neues Immobilienportal<br />
Aus einer Initiative mehrerer großer Immobilienmaklerunternehmen<br />
und des Immobilienverbands Deutschland<br />
(IVD) ist der neue Onlinemarktplatz für Immobilien immobilie1.de<br />
hervorgegangen. Auf diesem können Kaufinteressenten<br />
und Mieter Angebote vorab einsehen, bevor diese<br />
auf anderen Portalen erscheinen.<br />
One Group: Spezial-AIF mit Bestandsimmobilien<br />
Die Hamburger One Group weitet das eigene Produktportfolio<br />
aus und bietet erstmals einen ergänzenden Investitionsansatz<br />
für Bestandsimmobilien an. Der „ProReal<br />
Kapstadtring Hamburg“ ist als alternativer Investmentfonds<br />
für semiprofessionelle und institutionelle Investoren<br />
konzipiert und investiert in ein Gebäudeensemble am<br />
Kapstadtring in der Hamburger City Nord. Das Eigenkapital-Platzierungsvolumen<br />
beträgt 21,15 Millionen Euro.<br />
KGAL: Verkauf von Telefonzentrale in Bonn<br />
Die KGAL GmbH & Co. KG hat die in Bonn gelegene weltweite<br />
Firmenzentrale der Deutschen Telekom veräußert.<br />
Dabei agierte die Gesellschaft sowohl als Teileigentümer<br />
des Objekts als auch als Transaktionsberater für die Mehrheitseigentümer,<br />
mehrere südkoreanische institutionelle<br />
Investoren. Das 2017 teilsanierte Headquarter wurde von<br />
Art-Invest Real Estate erworben.<br />
Savills IM: Neues Research-Duo<br />
Savills Investment Management begrüßt zwei neue<br />
Mitglieder im europäischen Research-&-Strategy-Team.<br />
Christian Müller kommt als Head of Research & Strategy<br />
Germany, Ellen Heinrich als Senior Analyst Germany. Beide<br />
werden eng mit dem achtköpfigen globalen Research-<br />
Team sowie den lokalen europäischen Investmentteams<br />
zusammenarbeiten.<br />
Hansainvest: Neue Abteilungsleitung<br />
Vanessa Neumann ist neue Abteilungsleitung Property<br />
Management bei Hansainvest Real Assets. Zuletzt agierte<br />
sie als Gruppenleiterin beim Dienstleister Brunata. Mit der<br />
neuen Position übernimmt sie die Verantwortlichkeit von<br />
Madlen Fiedler, die sich künftig voll auf die Themen ESG<br />
und Corporate Services fokussieren wird.<br />
Foto: Sebastian Kopelsky (ONE GROUP)<br />
Foto: Getty Images<br />
Mehr als ein Jahrzehnt kannte die Immobilienwirtschaft<br />
nur eine Richtung – nach oben. Nach den<br />
geopolitischen Verwerfungen und den deutlich<br />
anziehenden Zinsen sprechen viele davon, dass<br />
die Party nun vorbei sei. In der Tat kämpfen viele<br />
Projektentwickler mit steigenden Finanzierungskosten,<br />
explodierenden Materialpreisen und Fachkräftemangel.<br />
Das alles sind Themen, bei denen<br />
nicht nur die Immobilienwirtschaft, sondern auch<br />
die Politik in der Pflicht steht, Lösungen zu finden.<br />
Auch in härteren Zeiten ist sicher: Sachwerte –<br />
und insbesondere Immobilien – werden weiter<br />
attraktive Investments bleiben. Nach jahrelanger<br />
Nullzinspolitik droht sich die tückische Kombination<br />
aus steigenden Preisen und Miniwachstum<br />
zu einer üblen Gemengelage zu verbinden. Das<br />
Schreckenswort „Stagflation“ macht wieder die<br />
Runde. Fakt ist, dass aktuell Ersparnisse auf Giround<br />
Tagesgeldkonten durch negative Realverzinsung<br />
rasant an Wert verlieren. Die angekündigte<br />
Leitzinserhöhung durch die EZB wird der Kapitalentwertung<br />
nur wenig entgegensetzen.<br />
Genau hier setzen Sachwerte an: Als Güter mit<br />
einem inhärenten Wert können sie sich weitgehend<br />
unabhängig von Aktien- oder Anleihemärkten<br />
entwickeln. Mit dieser Sonderposition dienen<br />
sie als zusätzliche Säule im Vermögensaufbau<br />
und zur Absicherung in Krisenfällen. Während<br />
Finanzwerte wie Anleihen im Umfeld hoher Inflation<br />
überwiegend real an Wert verlieren, bleibt<br />
der reale Preis von Sachwerten meist stabil oder<br />
steigt. Trotz der Unruhen in den Märkten bieten<br />
Immobilien somit die Chance, sich vor inflationsbedingter<br />
Vermögensminderung zu schützen und<br />
gleichzeitig zur Kapitalvermehrung beizutragen.<br />
Die übergreifende Botschaft: Nervosität ist sicher<br />
nicht die Haltung der Stunde. Eine taugliche<br />
Devise ist vielmehr „Die Märkte beruhigen – die<br />
Normalität wird wiederkommen!“<br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />
89
SACHWERTE Kunstversicherung<br />
»Kunstsammler ticken<br />
sehr unterschiedlich«<br />
Kunst wird als Wertanlage immer beliebter. Wie man die Zielgruppe erschließt<br />
und welche Besonderheiten in der Absicherung zu beachten sind,<br />
erläutert Makler Dr. Stephan Zilkens im <strong>procontra</strong>-Gespräch.<br />
– TEXT: ANNE MAREILE WALTER –<br />
<strong>procontra</strong>: Sie beraten seit vielen Jahren als<br />
Makler eine internationale Kunstsammler-<br />
Szene. Wie kam es zu dieser Spezialisierung?<br />
Stephan Zilkens: Das Studium gab den<br />
Ausschlag. Ich habe Kunstgeschichte studiert<br />
und durfte nach dem Abschluss bei<br />
dem Versicherer Nordstern, den es damals<br />
noch gab, die Abteilung Kunstversicherung<br />
mit aufbauen. Die Spezialisierung entstand<br />
also aus einer Bereitschaft heraus, aus dem<br />
klassischen Kunstgeschichtskanon den<br />
Weg in die Wirtschaft zu gehen. Seit 1983<br />
bin ich in diesem Segment unterwegs, mit<br />
einer Unterbrechung zwischen 1990 und<br />
2010. Da habe ich mich mit den Bereichen<br />
Industrieversicherung und erneuerbare<br />
Ener gien beschäftigt. 2010 folgte der<br />
Sprung in die Selbstständigkeit mit der<br />
Beratung zur Kunstversicherung.<br />
<strong>procontra</strong>: Die Selbstständigkeit war bewusst<br />
gewählt?<br />
Zilkens: Nein. In der Kunstgeschichte gibt<br />
es immer eine Fülle von Absolventen, und<br />
die strömen in der Regel alle in dieselben<br />
Richtungen – entweder an die Universität,<br />
ins Museum oder in die Denkmalpflege.<br />
Da sind die Stellen knapp. Für mich war<br />
als Alternative damals klar: Dann wirst<br />
du Taxifahrer. Ich habe viele Reiseleitungen<br />
gemacht und bin dabei schließlich<br />
auf einen Menschen gestoßen, der sagte:<br />
„Können Sie es sich nicht vorstellen,<br />
Versicherungen zu verkaufen, statt Taxi zu<br />
fahren?“ Ich dachte: „Ob Versicherungen<br />
oder Taxifahren – das ist doch ziemlich<br />
ähnlich.“ Dann habe ich aus irgendwelchen<br />
Gründen Feuer gefangen.<br />
90 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22
Kunstversicherung SACHWERTE<br />
<strong>procontra</strong>: Wie tickt die Zielgruppe der<br />
Kunstsammler und Galeristen? Und wie<br />
viel Kunst-Know-how ist für eine gute<br />
Beratung nötig?<br />
Zilkens: Die Zielgruppe tickt sehr unterschiedlich.<br />
Sie reicht vom introvertierten,<br />
geheimnisvollen, auf höchste Diskretion<br />
achtenden Menschentypus bis hin zum extrovertierten<br />
Sammler, der sagt: „Ich zeige<br />
alles, was ich habe.“ Dazwischen gibt es<br />
alle Schattierungen, die man sich vorstellen<br />
kann. Und dann gibt es noch die Gruppe<br />
der Investoren, die eine Fülle von Beratern<br />
um sich haben, über die sie versuchen,<br />
Anlageentscheidungen abzusichern. Die<br />
Zielgruppe gewinnt man vor allem über<br />
Kompetenz.<br />
<strong>procontra</strong>: Wie erschließen Sie sich die<br />
spezielle Zielgruppe?<br />
Zilkens: Wir erreichen sie vor allem auf<br />
Kunstmessen, auch in Galerien trifft man<br />
auf den einen oder anderen Sammler. Und<br />
nach einer gewissen Zeit ist das Gesicht<br />
mit dem Beruf verbunden, man wird<br />
angesprochen. Auf der Biennale in Venedig<br />
bekommt man Zugang zur internationalen<br />
Klientel. Wir haben Kunden in Belgien,<br />
Holland, Katar und Jordanien – auch in<br />
der Ukraine.<br />
<strong>procontra</strong>: Sie sprechen von unterschiedlichen<br />
Sammlertypen, die zu ihrer Klientel<br />
gehören. Gibt es eine Anekdote aus Ihrem<br />
Beratungsalltag, die Ihnen besonders im<br />
Gedächtnis geblieben ist?<br />
Zilkens: Da ist es fast schon schwierig,<br />
eine bestimmte Sache herauszusuchen.<br />
Aber es gibt ein Erlebnis, das mir<br />
besonders im Gedächtnis geblieben ist.<br />
Und zwar hat Tizian (ein Künstler der<br />
Renaissance, Anm. d. Red.) ein Gemälde,<br />
die Maria Magdalena, mehrfach<br />
gemalt. Das Bild gibt es einmal in St.<br />
Petersburg, einmal in San Francisco und<br />
zweimal in Italien. In den 80er-Jahren<br />
rief mich ein Sammler an, der am Telefon<br />
sehr geheimnisvoll tat und sagte, dass<br />
er mir etwas Besonderes zeigen wolle.<br />
Ich fuhr zu ihm und hatte plötzlich ein<br />
vermeintlich fünftes Exemplar der Maria<br />
Magdalena vor der Nase, das ziemlich<br />
echt aussah. Damals spielte kunsthistorische<br />
Provenienz (das wissenschaftliche<br />
Erschließen der Herkunft eines Bildes,<br />
Anm. d. Red.) noch keine so große Rolle.<br />
Letztlich wollte der Sammler erreichen,<br />
dass der Versicherer einen möglichst<br />
hohen Wert für das Gemälde ansetzt, um<br />
dann einem potenziellen Käufer sagen zu<br />
können: „Der Versicherer akzeptiert das<br />
Werk zu dem Wert, und das ist es auch<br />
wert.“ Aber der Versicherer kann nur im<br />
Schadenfall die Summe zur Verfügung<br />
stellen, die er für adäquat hält – er ist<br />
kein Werttransformator. Ob das Werk<br />
tatsächlich ein Original war, habe ich nie<br />
erfahren. Es ist in irgendeinem Banktresor<br />
verschwunden.<br />
<strong>procontra</strong>: Wie häufig kommt es zu Streitfällen<br />
in Versicherungsfragen?<br />
Zilkens: Das passiert immer wieder, und in<br />
Bezug auf die Schäden gibt es auch immer<br />
wieder schwierige Streitfälle. Schäden,<br />
die aus einer natürlichen Beschaffenheit<br />
heraus entstehen, können nicht gedeckt<br />
werden. Nehmen wir als Beispiel die<br />
»Restauratoren werden<br />
versicherungstechnisch<br />
wie Handwerker<br />
behandelt.«<br />
Schokoladenkunstwerke von Dieter<br />
Roth, zu denen kleine Schokoladenkäfer<br />
gehören, die die Schokolade auffressen.<br />
Die Schokoladenkäfer sind Teil der natürlichen<br />
Beschaffenheit des Kunstwerks.<br />
Käme aber ein Kind vorbei und würde die<br />
Schokolade abkratzen, dann wäre das ein<br />
Schaden. Oder: Eine alte, brüchige Leinwand<br />
kann nur unter ganz bestimmten<br />
Bedingungen transportiert werden. Die<br />
Gefahr wird auf dem Transport nicht als<br />
solche eingeschätzt, die Leinwand reißt<br />
auf dem Transportweg, weil normale Vibration<br />
und Material sich nicht vertragen.<br />
Auch das ist ein Schaden, der aus der natürlichen<br />
Beschaffenheit des Kunstwerks<br />
entstanden ist und für den der Versicherer<br />
nicht leisten muss.<br />
<strong>procontra</strong>: Sie beraten Sammler, Galeristen,<br />
Restauratoren – worin bestehen die Unterschiede<br />
beim Versicherungsschutz?<br />
Zilkens: Restauratoren werden versicherungstechnisch<br />
wie Handwerker<br />
behandelt. Wenn der Restaurator etwas<br />
kaputtmacht, muss er nachbessern. Erfüllungsschäden<br />
gibt es nur bedingt und<br />
auch nicht mit hohen Summen. Und egal<br />
ob Museum oder Privatsammler – es ist<br />
immer eine Allgefahrendeckung vorhanden.<br />
Alle Risiken sind versicherbar, mit<br />
Ausnahme von Krieg, Streik, Aufruhr,<br />
Eingriffen von hoher Hand oder staatlicher<br />
Verfügung. Dabei ist die Deckung<br />
vom Grundsatz her gleich, der Unterschied<br />
liegt in der Prämie. So zahlt die Galerie der<br />
Versicherung eine deutlich höhere Prämie<br />
als ein Privatsammler.<br />
<strong>procontra</strong>: Welche Schäden werden in der<br />
Kunstsammler- und Galeristenszene am<br />
häufigsten angezeigt?<br />
Zilkens: Das ist vor allem der Diebstahl.<br />
Das passiert in erster Linie bei Kunst, die<br />
von sich heraus einen hohen Materialwert<br />
besitzt, bei der beispielsweise Gold, Silber<br />
oder Edelsteine eingesetzt sind. Ein Hauptrisiko<br />
sind aber auch Beschädigungen<br />
durch Vandalismus. Also: Jemand steigt<br />
ins Haus ein, ärgert sich, dass er nichts findet,<br />
und fängt an, die Kunst zu zerstören.<br />
Ein anderes hohes Schadenaufkommen<br />
resultiert aus schlecht ausgewählten Transportunternehmen.<br />
Um Kunst zu transportieren,<br />
muss man eine ganze Menge davon<br />
verstehen. Und die Paketdienste verstehen<br />
davon nichts, sind aber billig und werden<br />
deshalb gerne genutzt.<br />
<strong>procontra</strong>: Wird es in absehbarer Zeit Versicherungslösungen<br />
für digitale Entwicklungen<br />
auf dem Kunstmarkt geben, etwa<br />
für NFTs?<br />
Zilkens: Das ist schwer einzuschätzen,<br />
im Moment gibt es da noch keine Lösung.<br />
Cyberversicherungen könnten<br />
helfen, wenn sie bereit wären, sich darauf<br />
einzulassen. Das sind sie aber nicht. Die<br />
Cyberversicherer sagen: Die Angriffe auf<br />
Unternehmen können wir nachvollziehen<br />
und da wissen wir, welche Produktionsausfälle<br />
passieren. Aber bei einem NFT, der<br />
an einem Tag 800 Dollar und am nächsten<br />
64 Millionen Dollar kostet – da stottern<br />
die schon bei den Summen.<br />
<strong>procontra</strong>: Stichwort Rekordinflation:<br />
Wird in der aktuellen Krisenzeit vermehrt<br />
in Kunst investiert? Spüren Sie das an der<br />
Nachfrage?<br />
Zilkens: Wir haben viele institutionelle<br />
Anleger als Kunden, die Kunst als ein<br />
Anlagevehikel nutzen und ansonsten in<br />
Immobilien, Gold und Aktienpakete investieren.<br />
Das ist für uns ein Thema. Aber<br />
es ist schwer, da eine direkte Kausalität<br />
herzustellen. <br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />
91
SACHWERTE Bausparverträge<br />
RENAISSANCE<br />
DER BAUSPARKASSEN?<br />
Bausparverträge büßen seit Jahren an Attraktivität ein. Der Klimawandel und steigende<br />
Zinsen geben ihnen nun eine zweite Chance. Wann der Klassiker sich (nicht) lohnt<br />
– TEXT: ERIKA NEUFELD –<br />
92 Illustration: Roman Kulon
Bausparverträge SACHWERTE<br />
Die Energiepreise gehen durch die Decke.<br />
Im Vergleich zum Jahr 2019 haben sich<br />
Strom um 28 Prozent, Gas und Öl um rund<br />
100 Prozent verteuert. Mit energetischen<br />
Sanierungen können die Kosten deutlich<br />
gesenkt werden. So spart eine klimaneutrale<br />
Heizung bis zu 40 Prozent der Heizkosten<br />
ein. Kein Wunder also, dass immer<br />
mehr Eigentümer planen, ihr Wohneigentum<br />
in den nächsten Jahren energetisch auf<br />
Vordermann zu bringen.<br />
Doch sind Sanierungsmaßnahmen oft<br />
mit hohen Kosten verbunden, die finanziert<br />
werden müssen. Und Finanzierungen werden<br />
mit steigenden Zinsen wieder teurer.<br />
Bausparverträge, deren Bestand in den<br />
letzten Jahren deutlich zurückgegangen<br />
ist, rücken nun wieder in den Fokus. Das<br />
zeigt auch eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens<br />
Kantar, die<br />
im Auftrag des Verbands der Privaten Bausparkassen<br />
erstellt wurde. Demnach halten<br />
26 Prozent der Deutschen Bausparverträge<br />
für eine Top-Geldanlage. Bausparverträge<br />
liegen damit gleichauf mit Immobilien. Aktien<br />
und Investmentfonds lassen sie sogar<br />
hinter sich.<br />
»Die wenigsten<br />
Ratsuchenden<br />
fragen von<br />
sich aus nach<br />
Bausparverträgen.«<br />
RUDOLF FEINER, FINANZBERATER<br />
Das sah lange Zeit ganz anders aus: In den<br />
letzten 20 Jahren ist der Bestand an Bausparverträgen<br />
um rund 28 Prozent zurückgegangen.<br />
So verzeichneten Bausparkassen<br />
im Jahr 2001 noch insgesamt 32,5 Millionen<br />
Verträge. 2021 hingegen fanden sich<br />
nur noch 23,8 Millionen Bausparverträge<br />
im Bestand. Der niedrige Zins der letzten<br />
Jahre, aber auch Kündigungen alter Verträge<br />
durch die Bausparkassen, hätten das<br />
Bausparen für viele Kunden unattraktiv gemacht,<br />
analysiert Rudolf Feiner, Finanzberater<br />
aus Wangen im Allgäu, den Schwund.<br />
Das habe dazu geführt, dass die Produkte<br />
bei vielen Menschen aus dem Blickfeld geraten<br />
sind. Seine Erfahrung aus der Praxis:<br />
„Die wenigsten Ratsuchenden fragen von<br />
sich aus nach Bausparverträgen.“<br />
ENERGETISCHE SANIERUNGEN ALS TREIBER<br />
Doch der Klimawandel und steigende Energiepreise<br />
könnten die Kehrtwende bringen:<br />
Mit dem Interesse an energetischen Sanierungen<br />
wächst auch das nach günstigen Finanzierungen.<br />
Darauf reagieren die ersten<br />
Bausparkassen. Um die Chancen, die hierin<br />
liegen, noch besser zu nutzen, böten einige<br />
bereits spezielle Tarifvarianten an – etwa<br />
Zinsvorteile bei energetischen Modernisierungen<br />
oder Klima-Boni in Form einer<br />
(Teil-)Rückerstattung der Abschlussgebühr<br />
–, berichtet Christian König, Hauptgeschäftsführer<br />
des Verbands der Privaten<br />
Bausparkassen. So bietet Wüstenrot je nach<br />
Tarif einen Klimabonus in Höhe von 300<br />
Euro. Schwäbisch Hall dagegen belohnt<br />
Sparer, die ein Bauspardarlehen für energetische<br />
Modernisierungen abschließen, mit<br />
einem Zinsvorteil von 0,15 Prozent. Weitere<br />
Bausparkassen ziehen nach. Zusätzliche<br />
Anreize bieten auch staatliche Zulagen,<br />
wie etwa die erst im Jahr 2021 erhöhte<br />
Wohnungsbauprämie. Mit 70 bis 140 Euro<br />
pro Jahr fördert der Staat den Wohnungsbau<br />
– die Zulagen können auch für energetische<br />
Sanierungen genutzt werden.<br />
Die erhöhte Nachfrage schafft Raum<br />
für Absatzfantasien. Dennoch haben Bausparverträge<br />
bei vielen Beratern nach wie<br />
vor Exotenstatus. Und zwar aus mehreren<br />
Gründen, wie eine Nachfrage bei einigen<br />
Beratern ergab: Zum einen sind die Produkte<br />
hochkomplex und damit beratungsintensiv.<br />
Zum anderen besteht die Gefahr,<br />
die Konditionen falsch zu berechnen. Da<br />
für das Haus der Zukunft gespart wird,<br />
können die dafür benötigten Mittel nur<br />
geschätzt werden. Wird eine zu große Bausparsumme<br />
vertraglich festgelegt, können<br />
hohe Sparraten oder Verschiebungen bei<br />
der Zuteilungsreife die Folge sein. Aber<br />
auch bei Sofortfinanzierungen über Bausparverträge,<br />
einer Verknüpfung von Bauspar-<br />
und Darlehensverträgen, kommt es<br />
häufiger zu Verzögerungen bei der Zuteilung<br />
der Bausparsumme, weil die beiden<br />
Verträge nicht ausreichend aufeinander abgestimmt<br />
sind. Eine mögliche Konsequenz:<br />
Der Kunde muss den geplanten Baubeginn<br />
oder die Sanierungsmaßnahmen verschieben.<br />
Entsteht ihm dabei ein finanzieller<br />
Schaden, haftet im Zweifel der Berater.<br />
WOHNUNGSBAUFINANZIERUNG<br />
Baugeldauszahlungen 2020<br />
Sparkassen89,2<br />
Genossenschaftsbanken71,0<br />
Kreditbanken64,2<br />
Bausparkassen40,8<br />
Lebensversicherungen10,0<br />
Realkreditinstitute9,7<br />
Landesbanken2,1<br />
Angaben in Mrd. €<br />
Quelle: Verband der Privaten Bausparkassen<br />
TOP-GELDANLAGEN <strong>2022</strong><br />
Wie sparen die Deutschen?<br />
Girokonto42<br />
Sparbuch/Spareinlagen35<br />
Renten- und Kapital-LV 29<br />
Bausparvertrag26<br />
Immobilien26<br />
Investmentfonds25<br />
Aktien23<br />
Riester-Rente19<br />
Tagesgeldkonto u. Ä. 19<br />
Festverzinsliche Wertpapiere 7<br />
Angaben in %, Mehrfachnennungen möglich<br />
Quelle: Kantar<br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />
93
SACHWERTE Bausparverträge<br />
»Bausparer schaffen Planungssicherheit«<br />
JÜRGEN ERTEL, Regionalleiter bei Baufi24<br />
SKEPSIS BEI BERATERN<br />
Björn Olbrich, Geschäftsführer von TBO<br />
Versicherungsmakler, steht Sofortfinanzierungen<br />
ebenfalls eher zurückhaltend gegenüber<br />
– auch aus Kundensicht. So seien<br />
die Zinsen hier zuletzt deutlich schneller<br />
gestiegen, als dies bei den Annuitätendarlehen<br />
der Banken zu beobachten war. „Wir<br />
bekommen fast täglich Mitteilungen der<br />
Bausparkassen über Zinserhöhungen, und<br />
die liegen teilweise bei mehr als 5 Prozent<br />
nominal“, führt Olbrich aus. Die größte<br />
Hürde sieht der Makler jedoch in der<br />
sehr hohen Tilgung, die Bausparkassen<br />
für Sofortfinanzierungen über Bausparverträge<br />
verlangen. „Dadurch lohnt es sich<br />
bei größeren Summen von 100.000 Euro<br />
oder mehr für die meisten Menschen kaum<br />
noch, einen Bausparer für eine künftige Finanzierung<br />
abzuschließen.“<br />
Anders sieht es dagegen aus, wenn der<br />
Zeithorizont größer ist. Auch der ange<strong>procontra</strong>:<br />
Bausparkassen verzeichnen wieder<br />
mehr Zulauf – allerdings nicht nur zur Finanzierung<br />
von Immobilien, sondern überwiegend zur<br />
energetischen Sanierung. Sehen auch Sie in der<br />
Praxis ein verstärktes Interesse an Bausparverträgen?<br />
Jürgen Ertel: Bausparkassen stellen Bauspardarlehen<br />
in einer Größenordnung bis 30.000<br />
Euro ohne Besicherung im Grundbuch. Voraussetzung<br />
dafür ist es, mindestens drei Jahre<br />
Eigentümer der Immobilie zu sein. So können<br />
Eigenheimbesitzer energetische Sanierungsprojekte<br />
zeitnah in Angriff nehmen, ohne sich auf<br />
zusätzliche Kosten für Grundbucheintragung<br />
und Darlehensabschluss einstellen zu müssen.<br />
Wir beobachten verstärkt zunehmendes<br />
Umwelt- und Energiekostenbewusstsein bei<br />
unseren Kunden. In den Fokus rückt die Frage,<br />
wie man künftig Kosten sparen und gleichzeitig<br />
ökologisch nachhaltig agieren kann. Bausparverträge<br />
stellen eine hervorragende Option dar,<br />
um zeitnah Planungssicherheit zu schaffen.<br />
<strong>procontra</strong>: Viele Finanzberater vermitteln keine<br />
Bausparverträge mehr, da sie „nicht ins Geschäftsmodell<br />
passen“. Was meinen Sie, woran<br />
könnte das liegen?<br />
Ertel: Die Vermittlung von Bausparverträgen war<br />
in den vergangenen zwölf Jahren aufgrund des<br />
Niedrigzinsumfelds selten vorteilhaft für Kunden.<br />
Mit der Neuordnung der Zinssituation reizt die<br />
Garantie auf ein zinsgünstiges Darlehen immer<br />
mehr Menschen. Läuft die Festzinsbindung der<br />
Baufinanzierung in fünf oder zehn Jahren dann<br />
aus, stellen Bausparkassen zumeist grundbuchliche<br />
Nachrangdarlehen. Für den Kunden<br />
bedeutet das bei der Anschlussfinanzierung<br />
oftmals wesentlich günstigere Konditionen.<br />
<strong>procontra</strong>: Worauf achten Sie, wenn Sie Ihre<br />
Kunden zu Bausparverträgen beraten? Wo<br />
lauern dabei Stolperfallen?<br />
Ertel: Unsere Beratung richtet sich nach den<br />
Wünschen und dem Bedarf der Kundinnen und<br />
Kunden – angebotene Finanzprodukte müssen<br />
jene abdecken. Bausparverträge sollten von den<br />
Beratenden nicht einfach als „Add-on“ zur Beratung<br />
hinzugefügt werden. Wer in vier Jahren<br />
energetisch sanieren möchte, kann die Kosten<br />
recht gut abschätzen. Wer hingegen in zehn<br />
Jahren ein Haus kaufen möchte, wird den Kaufpreis<br />
für gewöhnlich nicht kennen. In diesem Fall<br />
kann auch eine Bausparsumme nicht eindeutig<br />
beziffert werden. Das Verhältnis zwischen den<br />
Raten in der Anspar- und Darlehensphase muss<br />
zueinander passen, anderenfalls folgt bei der<br />
Rückzahlung der Bausparrate das böse Erwachen,<br />
da die Rückzahlungsquoten klar geregelt<br />
sind.<br />
hobene Leitzins sorgt für zusätzlichen<br />
Rückenwind. Denn mit den steigenden<br />
Zinsen wird die Baufinanzierung immer<br />
kostspieliger. Gerade weil Bausparkassen<br />
unabhängig vom Markt agieren, können sie<br />
dauerhaft niedrigere Zinsen anbieten. Aus<br />
diesem Grund hält Finanzberater Feiner<br />
es aktuell auch für sinnvoll, Kunden die<br />
Vorteile des Bausparens aufzuzeigen. Dem<br />
pflichtet auch Kai Weber, Finanzberater<br />
und Bausparexperte bei Dr. Klein, bei. Weber<br />
ist vom Potenzial überzeugt und sieht<br />
Bausparverträge grundsätzlich als gute Produkte.<br />
Verbesserungsbedarf beim Produkt selbst<br />
sieht er nicht, stattdessen aber Handlungsbedarf<br />
bei den Beratungen. Diese müssten<br />
verbraucherfreundlicher und verständlicher<br />
ausgestaltet werden. „Viele Sparer wissen<br />
nicht, wie ein Bausparvertrag tatsächlich<br />
funktioniert“, hat Weber beobachtet. Da<br />
müssten Berater nachhelfen: die Mecha-<br />
nismen des Bausparens erklären und die<br />
individuellen Vor- und Nachteile objektiv<br />
aufzeigen. <br />
PRO<br />
BAUSPARVERTRÄGE STÄRKER<br />
BERÜCKSICHTIGEN?<br />
Energetische<br />
Sanierungen fördern<br />
die Nachfrage<br />
Steigende Marktzinsen<br />
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SACHWERTE Grundsteuer<br />
VON GRUND AUF ERNEUERT<br />
Die Berechnung der Grundsteuer wird reformiert. Bis Ende Oktober müssen<br />
Immobilieneigentümer aktiviert werden. Finanzberatern liefert die Neuerung<br />
einen Anlass zur Information und weiterführenden Beratung.<br />
– TEXT: STEFAN TERLIESNER –<br />
In diesem Sommer haben Finanzberater<br />
einen dringlichen Aufhänger für Kundengespräche.<br />
Zumindest bei ihren Besitzern<br />
und Eigentümern von Immobilien. Aktuell<br />
erhalten jene nämlich Post vom Finanzamt.<br />
Bis Ende Oktober müssen sie für ihren<br />
Grundbesitz eine neue Steuererklärung<br />
abgeben. Die Reform der Berechnung der<br />
Grundsteuer erfordert das. Zum Grundbesitz<br />
gehören Grundstücke einschließlich<br />
der Gebäude sowie Betriebe der Land- und<br />
Forstwirtschaft. Gezahlt wird die Grundsteuer<br />
von den Immobilienbesitzern. Im<br />
Fall der Vermietung kann die Belastung<br />
über die Betriebskosten auf die Mieter umgelegt<br />
werden.<br />
REFORMZIEL: MEHR GERECHTIGKEIT<br />
Die finanziellen Konsequenzen für Eigentümer<br />
und Mieter sind noch nicht ganz klar<br />
und unterscheiden sich in einigen Bundesländern<br />
auch noch. Aber Immobilienexperten<br />
wie Ralph Kinnart von der B&K<br />
Vermögen betonen: „In der Praxis werden<br />
einige Eigentümer deutlich mehr zahlen,<br />
96 Illustration: Roman Kulon
Grundsteuer SACHWERTE<br />
SO ERRECHNET SICH<br />
DIE GRUNDSTEUER *<br />
Beispiel: Einfamilienhaus mit 120 qm,<br />
Mietniveaustufe 4, Baujahr 1960<br />
Formel: Grundsteuer = Grundsteuerwert x Steuermesszahl<br />
in % x Hebesatz *<br />
gute Lage<br />
Einfamilienhaus<br />
120 qm<br />
Bodenrichtwert: 400 €<br />
310.100 €<br />
x<br />
0,031 %<br />
x<br />
421 % *<br />
=<br />
4<strong>04</strong>,71 € / Jahr<br />
mittlere Lage<br />
Einfamilienhaus<br />
120 qm<br />
Bodenrichtwert: 200 €<br />
217.200 €<br />
x<br />
0,031 %<br />
x<br />
421 % *<br />
*<br />
Berechnung nach Bundesmodell. ** Es wird unterstellt, dass die Gemeinde<br />
ihren Hebesatz von 480 auf 421 Prozent senkt, um ihre Grundsteuereinnahmen<br />
konstant zu halten.<br />
Quelle: Bundesministerium der Finanzen<br />
andere dafür weniger.“ Das war die Vorgabe<br />
des Bundesverfassungsgerichts. Die<br />
Steuer sollte gerechter werden. Die bisherige<br />
Berechnung basiert auf alten Grundstückswerten,<br />
den Einheitswerten – im<br />
Westen aus dem Jahr 1964, im Osten werden<br />
die Grundstücke nach ihren Werten im<br />
Jahr 1935 taxiert. Da sich die Werte von<br />
Grundstücken und Gebäuden seitdem im<br />
gesamten Bundesgebiet sehr unterschiedlich<br />
entwickelt haben, kommt es zu steuerlichen<br />
Ungleichbehandlungen, die laut<br />
einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts<br />
von 2018 nicht mehr mit dem Grundgesetz<br />
zu vereinbaren sind.<br />
Also muss jetzt neu gerechnet werden.<br />
Und ab dem 1. Januar 2025 wird dann<br />
die Grundsteuer auf Grundlage des neuen<br />
Rechts erhoben. Für Finanzberater ist die<br />
Steuerreform ein Anlass zum Kundengespräch.<br />
Sie können ihren Klienten mit Immobilienbesitz<br />
bei der einen oder anderen<br />
Frage einen Tipp zum Vorgehen geben.<br />
Möglicherweise kann im Gespräch und auf<br />
Basis der gesammelten Daten bereits abgeschätzt<br />
werden, ob ab 2025 jeden Monat<br />
mehr Grundsteuer fällig wird oder sogar<br />
=<br />
283,47 € / Jahr<br />
Liquidität frei wird, die dann zum Beispiel<br />
für Absicherung oder Vorsorge genutzt<br />
werden könnte.<br />
EIGENTÜMER MÜSSEN AKTIV WERDEN<br />
Mit der Reform führt das Bundesfinanzministerium<br />
neue Regeln ein. „Der gesamte<br />
Grundbesitz in Deutschland wird auf den<br />
Stichtag 1. Januar <strong>2022</strong> neu bewertet“, so<br />
die Behörde. Hierfür sollen die Eigentümer<br />
eine Erklärung zur Feststellung des Grundsteuerwerts<br />
elektronisch an das zuständige<br />
Finanzamt übermitteln. Zu den benötigten<br />
Daten gehören für Wohnimmobilienbesitzer<br />
zum Beispiel die Nummer des Flurstücks,<br />
die Wohnfläche und das Baujahr.<br />
Viele Daten lassen sich aus dem Kaufvertrag,<br />
dem Grundbuchauszug und der Teilungserklärung<br />
entnehmen. Zu den Bodenrichtwerten<br />
informieren sich Eigentümer<br />
kostenlos über die mittlerweile eingerichteten<br />
Internetportale der einzelnen Bundesländer<br />
(siehe auch Checkliste).<br />
In den Verhandlungen musste die Bundesregierung<br />
auf die Länder zugehen und<br />
einer Öffnungsklausel zustimmen; vor<br />
allem Bayern hatte Druck gemacht. Von<br />
der Möglichkeit, abweichende landesspezifische<br />
Regelungen einzuführen, haben dann<br />
fünf Länder Gebrauch gemacht: Baden-<br />
Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen<br />
und Niedersachen. Im Ergebnis gibt es nun<br />
fünf unterschiedliche Modelle, welche Angaben<br />
Eigentümer machen müssen. Besitzer<br />
von Immobilien in unterschiedlichen Bundesländern<br />
müssen dies beachten und im<br />
Zweifel beim zuständigen Finanzamt nachfragen.<br />
AKTUALISIERUNG ALLE SIEBEN JAHRE<br />
Elf Bundesländer nutzen das Bundesmodell.<br />
Hier orientiert sich die Grundsteuer<br />
am Wert des Grundbesitzes auf der Basis<br />
der Bodenrichtwerte. Die Grafik „So errechnet<br />
sich die Grundsteuer“ zeigt, wie<br />
sich der Wert einer flächenidentischen Immobilie<br />
je nach Lage auf die zu zahlende<br />
Grundsteuer auswirkt: Wertvollere Immobilien<br />
gehen mit höheren Steuerzahlungen<br />
einher. Objekte des sozialen Wohnungsbaus<br />
und Wohnungsgenossenschaften werden<br />
unter bestimmten Bedingungen steuerlich<br />
begüns tigt. Weil sich Immobilienwerte<br />
im Laufe der Zeit verändern, soll die Bewertung<br />
– wie ebenfalls vom Bundesverfassungsgericht<br />
gefordert – alle sieben Jahre<br />
automatisch aktualisiert werden.<br />
Vor allem Bayern geht einen Sonderweg.<br />
Hier sind die Fläche und die Nutzung der<br />
Fläche entscheidend. Der Wert des Grundbesitzes<br />
spielt keine Rolle. Damit zahlt ein<br />
Hausbesitzer in der Stadt den gleichen Steuerbetrag<br />
wie ein Eigentümer des gleichen<br />
Hauses auf dem Land. Hessen und Niedersachen<br />
folgen dem bayerischen Modell, berücksichtigen<br />
aber noch die Lage über den<br />
Bodenrichtwert. Baden-Württemberg hat<br />
eine Kombination aus Grundstücksfläche<br />
und Bodenrichtwert eingeführt. Hamburg<br />
berücksichtigt explizit die Wohnlage.<br />
ERHÖHTER KOMMUNALER HEBESATZ<br />
Für die Gemeinden in Deutschland ist die<br />
Grundsteuer eine wichtige Einnahmequelle.<br />
Über einen Hebesatz können sie dafür<br />
sorgen, dass mehr oder weniger Geld in die<br />
Kasse fließt. Derzeit sind es bundesweit 15<br />
Milliarden Euro jährlich. Diese Mittel dienen<br />
den Gemeinden zur Finanzierung von<br />
Schulen und Kindergärten oder zum Ausbau<br />
ihrer Infrastruktur wie Straßen und<br />
Wege. Neu ist das Recht, ab 2025 einen<br />
erhöhten Hebesatz auf unbebaute, baureife<br />
Grundstücke festzulegen. Auch das wäre<br />
für Finanzberater ein Grund für ein Kundengespräch:<br />
der Hinweis, eine Baulücke<br />
zu schließen, nicht nur wegen der Steuer,<br />
sondern weil Wohnraum knapp ist.<br />
HIER BEKOMMEN EIGENTÜMER<br />
DIE DATEN HER<br />
Grundstücksfläche<br />
Wohnfläche<br />
Bodenrichtwert<br />
Baujahr<br />
Nutzungsart<br />
Wohnlage (Hamburg)<br />
Lage (Hessen,<br />
Niedersachen)<br />
Aktenzeichen<br />
der bisherigen<br />
Grundsteuererklärung<br />
Flurnummer<br />
Kauf-/Notarvertrag, Bauunterlagen<br />
Kauf-/Notarvertrag, Bauunterlagen<br />
kostenfrei über die Boris * -Portale<br />
der Länder<br />
Kauf-/Notarvertrag, Bauunterlagen<br />
Wohnung, Haus, Gewerbe, unbebaut<br />
Wohnlagenverzeichnis/Mietspiegel<br />
der Stadt Hamburg<br />
Messzahl, die sich aus den Bodenrichtwerten<br />
im Vergleich zum Gemeindedurchschnitt<br />
berechnet<br />
Das sollte auf dem Informationsschreiben<br />
des Finanzamts stehen.<br />
Ansonsten auf den früheren Grundsteuerbescheiden.<br />
Dort steht auch,<br />
welches Finanzamt für das Grundstück<br />
zuständig ist.<br />
Grundbuchauszug. Allerdings hat nicht<br />
jedes Grundstück eine Flurnummer.<br />
*<br />
Boris = Bodenrichtwertinformationssystem Quelle: V-Bank<br />
<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />
97
PRIVAT GEFRAGT Justus Lücke, Geschäftsführer Versicherungsforen Leipzig<br />
»Versicherungen<br />
werden sich<br />
stärker in den<br />
Alltag integrieren«<br />
JUSTUS LÜCKE<br />
Jahrgang 1981, Geschäftsführer<br />
Versicherungsforen Leipzig,<br />
seit 2017 Geschäftsführer Maklerforen,<br />
seit 2021 verheiratet, 2 Kinder<br />
IHRE MEINUNG, HERR LÜCKE:<br />
Wir brauchen ein Unterrichtsfach<br />
Finanzen & Versicherungen<br />
Nach der Corona-Pandemie steige ich<br />
wieder ausschließlich auf analoge<br />
Termine um<br />
Der Austausch zwischen Maklern und<br />
Maklerunternehmen ist viel zu gering und<br />
schadet der Branche<br />
Unternehmen in der Versicherungs- und<br />
Finanzbranche sollten mehr mit der Politik<br />
zusammenarbeiten<br />
Nachhaltigkeit sollte in der Branche noch<br />
stärker priorisiert werden<br />
Es sollte mehr Dienstleister und<br />
Unterstützungsmöglichkeiten für Makler<br />
und die Versicherungswelt geben<br />
Zum Frühstück gibt es bei mir<br />
Kaffee, am besten handgemahlen, und<br />
Müsli mit laktosefreier Milch.<br />
Die Homeoffice-Kultur empfinde ich als<br />
einen wirklichen Gewinn an Flexibilität und<br />
Qualität für die Branche, aber auch als eine<br />
Herausforderung für Führung und Kultur.<br />
Diese neue Kompetenz habe ich mir<br />
(Corona-bedingt) angeeignet:<br />
Influencer-Technik-Sets mit gutem Preis-<br />
Leistungs-Verhältnis zusammenzustellen.<br />
Meine wahre Leidenschaft sind<br />
meine Familie, meine Freunde und Kollegen<br />
und ab und zu meine Grenzen etwas<br />
auszutesten.<br />
Meine Freizeit verbringe ich am liebsten<br />
damit,<br />
ein gutes Buch im Hängesessel im Garten<br />
zu lesen, wenn die Familie mal nicht da ist.<br />
Mein erstes Geld habe ich verdient als<br />
Aushilfe im Laden meines Vaters mit Flyerund<br />
Brötchenaustragen sowie Regaleeinräumen.<br />
Meiner Meinung nach gibt es beim Thema<br />
Nachhaltigkeit nicht nur Schwarz und Weiß,<br />
weil<br />
es hier keine eindeutige Definition gibt und<br />
es nicht wichtig ist, wer mehr tut, sondern<br />
dass alle etwas tun.<br />
Meine aktuelle Buch- oder<br />
Hörbuch empfehlung:<br />
„Gott ist ein Kreativer, kein Controller“<br />
von Frank Dopheide<br />
Ich würde gern mal einen Tag lang tauschen<br />
mit …, um dann Folgendes zu tun:<br />
Wladimir Putin, um diesen sinnlosen und<br />
grausamen Krieg sofort zu beenden.<br />
Wahrer Luxus ist für mich<br />
Gesundheit, Zeit für mich und sich keine<br />
Gedanken über die alltäglichen <strong>Ausgabe</strong>n<br />
machen zu müssen.<br />
Das ist mein liebstes Reiseziel:<br />
Australien ist einfach ein fantastisches<br />
Land, aber auch Korsika hat es uns sehr<br />
angetan.<br />
Meine erste Tat zu Beginn eines<br />
Arbeitstages:<br />
Ich suche mir mein gebuchtes Büro und<br />
checke beim ersten Kaffee meine E-Mails.<br />
Die Musik drehe ich lauter bei<br />
Deutsch-Rap wie Deichkind, Fettes Brot etc.<br />
oder Rock wie Metallica, Foo Fighters o. Ä.<br />
Das ist meiner Meinung nach der<br />
Versicherungstrend der Zukunft:<br />
Embedded Insurance. Ich denke, dass sich<br />
Versicherungen viel stärker in den Alltag<br />
der Menschen integrieren werden.<br />
Der größte Missstand in der Finanzund<br />
Versicherungsbranche ist<br />
ihr teilweise fehlender Veränderungswille<br />
aufgrund fehlenden Leidensdrucks.<br />
… so könnte der Missstand behoben<br />
werden:<br />
durch noch mehr mutige Entscheider, die<br />
auch einmal Wege außerhalb der eigenen<br />
Komfortzone gehen.<br />
Eine (unternehmerische) Entscheidung, die<br />
ich gern rückgängig machen würde, war<br />
keine, denn insbesondere aus falschen Entscheidungen<br />
lernt man. Ich hätte manche<br />
Entscheidungen nur deutlich früher treffen<br />
sollen.<br />
98 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22
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Verantwortung braucht.<br />
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• Regelmäßige, unabhängige Prüfung der Kapitalanlagen im Sicherungsvermögen durch<br />
das Institut für nachhaltiges, ethisches Finanzwesen, INAF e. V.<br />
• Leistungsstarke Anlagekonzepte und in allen Schichten der Altersvorsorge verfügbar.<br />
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