10.08.2022 Aufrufe

procontra Ausgabe 04-2022

Das freie Finanzmagazin als eBook.

Das freie Finanzmagazin als eBook.

MEHR ANZEIGEN
WENIGER ANZEIGEN

Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!

Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.

www.<strong>procontra</strong>-online.de<br />

August / September <strong>2022</strong> – D: 4,80 € • I: 6,50 € • E: 6,50 €<br />

Das freie Finanzmagazin<br />

Zinswende<br />

Die Lebensversicherer<br />

erwachen zu neuem Leben<br />

Betriebliche Pflege<br />

Führt der Weg über den Chef<br />

zur höheren Verbreitung der<br />

Pflegeversicherung?<br />

Klau am Bau<br />

Lieferengpässe und steigende<br />

Rohstoffpreise erfordern Absicherung<br />

von Bauvorhaben<br />

ESG-Präferenzabfrage<br />

Warum der grüne Start<br />

holpert und was Vermittler<br />

jetzt beachten müssen


ALLIANZ KÖRPERSCHUTZPOLICE<br />

Mehr drin für<br />

körperlich Tätige<br />

Mit der Allianz KörperSchutzPolice bieten Sie körperlich Tätigen<br />

finanziellen Schutz, wenn der Körper nicht mehr mitspielt.<br />

Das ist neu:<br />

• Mehr Schutz: neue und verbesserte Grundfähigkeiten<br />

• Mehr Möglichkeiten: zusätzlich wählbare Leistungsauslöser<br />

• Mehr Freiheit: BU-Wechseloptionen<br />

→ Mehr dazu bei Ihrer persönlichen Maklerbetreuung<br />

oder unter makler.allianz.de/ksp


EDITORIAL<br />

Lebensversicherer<br />

bejubeln Zinswende<br />

pro Endlich! Die EZB ist vernünftig geworden und dreht wieder an der<br />

Zinsschraube. In die richtige Richtung, wohlgemerkt. Um satte – und für<br />

viele auch überraschende – 50 Basispunkte im ersten Schritt, da es die hohe<br />

Inflation erforderte. Für die deutschen Lebensversicherer ist es ein Segen, in<br />

vielerlei Hinsicht. Erstens: Die Solvenzquoten steigen. Bereits Ende 2021 lagen<br />

sie im Schnitt bei 250 Prozent, die Finanzaufsicht verlangt mindestens<br />

100 Prozent. Zweitens: die Zinszusatzreserve. Sie ist weitestgehend ausfinanziert<br />

und steht den Anbietern immer mehr als Ertragsquelle zur Verfügung.<br />

Drittens: die Kapitalanlage. Endlich können wieder festverzinsliche Coupons<br />

eingekauft werden, die oberhalb der Garantien im Bestand liegen. Die Zinswende<br />

ist ein wahrer Segen für die Branche.<br />

contra Bitte mal kurz die rosarote Zinsbrille absetzen. Dann ist der<br />

Blick auch frei auf die Herausforderungen, die diese und weitere Zinserhöhungen<br />

mitbringen werden. Erstens: schmelzende Bewertungsreserven. In der<br />

Neuanlage sind jetzt zwar höhere Coupons möglich, der Bestand ächzt jedoch<br />

darunter. Er ist niedrig verzinst und verliert an Attraktivität im Vergleich<br />

zur Neuanlage. Die Folge: Die Kurswerte der festverzinslichen Wertpapiere<br />

sinken, aus stillen Reserven werden jetzt stille Lasten. Zweitens: das<br />

Neugeschäft. Viele Lebensversicherer lockten mit Einmalbeiträgen Kunden,<br />

die lediglich dem Strafzins entgehen wollten. Der fällt bei Banken jetzt zunehmend<br />

weg und wird Anbieter unter Druck setzen, bei denen Einmalbeiträge<br />

einen besonders hohen Anteil am Neugeschäft ausmachen. Fehlt kompensierendes<br />

Neugeschäft, werden die Kostenquoten steigen. Die Zinswende hat<br />

neben dem Segen eben auch neue Herausforderungen im Gepäck.<br />

Absichern<br />

für Profis<br />

Maßgeschneiderte<br />

Versicherungslösungen<br />

für Ihre Firmenkunden<br />

Mehr erfahren Sie unter:<br />

www.dialog-versicherung.de/<br />

absichern-fuer-profis<br />

Individuell<br />

Einfache Bausteinlogik<br />

für den passenden<br />

Versicherungsschutz.<br />

Leistungsstark<br />

Top Komposit-Produkte mit<br />

Leistungsupdate- Garantie.<br />

LIEBE MAKLER, LIEBE LESER,<br />

die <strong>procontra</strong>-Redaktion wünscht Ihnen<br />

eine aufschlussreiche <strong>Ausgabe</strong>.<br />

www.<strong>procontra</strong>-online.de<br />

@<strong>procontra</strong>online<br />

facebook.com/<strong>procontra</strong><br />

Modern<br />

Vergleichen, berechnen und<br />

Antrag erstellen – direkt im<br />

Dialog Vertriebsportal oder<br />

in vielen gängigen Portalen.<br />

50 Jahre Dialog<br />

Viel Erfahrung. Viele Ziele.<br />

Ein Jubiläum.<br />

Matthias Hundt<br />

Chefredakteur<br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />

Dialog Versicherung AG<br />

Adenauerring 7, 81737 München


<strong>procontra</strong> Inhaltsverzeichnis<br />

INHALT<br />

18<br />

Zinswende küsst die Branche wach<br />

Welche positiven und negativen<br />

Folgen die Zinserhöhung für die<br />

Lebensversicherer nun hat.<br />

Klau am Bau<br />

Diebe nehmen Baustellen vermehrt<br />

ins Visier. Wie sich Material<br />

und Lager absichern lassen.<br />

50<br />

Grüner Fehlstart?!<br />

Fehlende Standards erschweren<br />

die neue Pflicht zur Abfrage<br />

der ESG-Präferenzen.<br />

74<br />

76<br />

Der junge Makler und das Meer<br />

<strong>procontra</strong> stach in See – mit<br />

jeder Menge Fragen an Timo<br />

Vierow, der sich auf Taucher<br />

spezialisiert hat.<br />

4 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22


Inhaltsverzeichnis <strong>procontra</strong><br />

PANORAMA<br />

13 7 Tipps erfolgreicher Investoren<br />

Dr. Hans-Jörg Naumer über Wege,<br />

in Ruhe und Gelassenheit Kapital<br />

aufzubauen<br />

INVESTMENTFONDS<br />

32 Buschfunk<br />

34 »Angst führt zu Handlungsdruck«<br />

Wie Stimmungsbilder die<br />

Bewegungen am Markt beeinflussen,<br />

es aber nicht sollten. Dazu<br />

sprach <strong>procontra</strong> mit Manfred<br />

Hübner von der Sentix GmbH.<br />

VERSICHERUNGEN<br />

46 Buschfunk<br />

48 »Versicherer verkennen das<br />

Cyberpotenzial« Prof. Dr. Michael<br />

Fortmann von der TH in Köln über<br />

Hemmnisse in der Verbreitung eines<br />

privaten Cyberschutzes<br />

38 Im Zweifel für den Index In<br />

unsicheren Zeiten strömen Gelder<br />

vermehrt in Passivprodukte. Welche<br />

Vorteile dann zum Tragen kommen<br />

14 Panorama Fakten für Vertrieb<br />

und Stammtisch<br />

16 Leserbriefe<br />

TITEL<br />

18 Zinswende küsst die Branche<br />

wach Erleichtert blickten die Lebensversicherer<br />

auf die erste Zinserhöhung<br />

seit über zehn Jahren.<br />

Während sich die Solvenzlage und<br />

der Finanzierungsdruck zur Zinszusatzreserve<br />

nun deutlich bessern,<br />

entstehen aber auch neue Herausforderungen<br />

in der Kapitalanlage.<br />

40 Verlockende Falle?! Rohstoffinvestments<br />

stellen einerseits aktuell<br />

hohe Renditen in Aussicht, erfüllen<br />

andererseits nicht immer den allgemeinen<br />

Wunsch nach Nachhaltigkeit<br />

– was also tun?<br />

50 Klau am Bau Durch Lieferengpässe<br />

und Rohstoffrallye lagern auf Baustellen<br />

echte Vermögenswerte. Wie<br />

sich Baustellen (gegen Langfinger)<br />

absichern lassen<br />

54 Gutes Rad ist teuer Effizienter<br />

Schutz für E-Bike, Pedelec & Co.<br />

56 Tierisch gut versichert?! Der<br />

Markt für Haustiere ist seit Corona<br />

deutlich gewachsen und öffnet eine<br />

emotionale Tür zum Kunden.<br />

»Die Erzielung<br />

einer angemessenen<br />

Nettoverzinsung wird<br />

uns bis zu Beginn<br />

des nächsten Jahres<br />

herausfordern.«<br />

EBERHARD SAUTTER<br />

HanseMerkur<br />

44 Social Media im Depot Der Hype<br />

um soziale Netzwerke hat auch<br />

die Fondsindustrie erreicht. Was<br />

die Produkte können und welche<br />

Risiken lauern<br />

60 Betrieb als Knotenlöser?! Pflegezusatzvorsorge<br />

ist insgesamt ein<br />

Ladenhüter – was der Weg über den<br />

Chef bewirken könnte.<br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />

5


<strong>procontra</strong> Inhaltsverzeichnis<br />

BERATER<br />

68 Buschfunk<br />

70 So ist’s Recht Urteile und Rechtsprechungen,<br />

die Makler kennen<br />

sollten<br />

72 »Es darf keinen Provisionsrichtwert<br />

geben« Votum-<br />

Vorstand Martin Klein mit wenig<br />

Verständnis für den erneuten<br />

BaFin-Vorschlag, Vergütungen zu<br />

regulieren<br />

SACHWERTE<br />

88 Buschfunk<br />

90 »Kunstsammler ticken sehr unterschiedlich«<br />

Makler Dr. Stephan<br />

Zilkens über die Eigenheiten der<br />

Kunstszene<br />

92 Renaissance der Bausparkassen?<br />

Der Klimawandel und steigende<br />

Zinsen verleihen Bausparverträgen<br />

eine neue Attraktivität.<br />

RUBRIKEN<br />

3 Editorial<br />

8 Firmen- und<br />

Personenverzeichnis<br />

8 Impressum<br />

98 Privat gefragt<br />

Steckbrief von Justus Lücke,<br />

Geschäftsführer Versicherungsforen<br />

Leipzig<br />

74 Grüner Fehlstart?! Die Abfrage der<br />

Nachhaltigkeitspräferenzen ist seit<br />

Anfang August verpflichtend. Fehlende<br />

Standards lassen den Start<br />

jedoch stottern.<br />

96 Von Grund auf erneuert Die<br />

Grundsteuerreform fordert Eigentümer<br />

zum Handeln. Was sich ändert<br />

und welche Fristen jetzt einzuhalten<br />

sind<br />

»Versicherungen<br />

werden sich stärker<br />

in den Alltag<br />

integrieren.«<br />

JUSTUS LÜCKE<br />

Versicherungsforen Leipzig<br />

76 Der junge Makler und das Meer<br />

Spezialisiert auf Taucher und engagiert<br />

im Umweltschutz – Versicherungsmakler<br />

Timo Vierow nahm<br />

<strong>procontra</strong> mit auf hohe See.<br />

82 Fressen oder gefressen werden<br />

Reges Treiben unter den Maklerpools,<br />

um sich für die Zukunft zu<br />

wappnen<br />

6 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22


Gewohnt leistungsstark.<br />

Überraschend günstig.<br />

Für eine bessere Work-Preis-Balance:<br />

Die neue Condor-BU<br />

Qualität und Kosten im Gleichgewicht: Die neue Condor Berufsunfähigkeitsversicherung<br />

macht’s möglich. Zu unserer herausragenden<br />

Leistungsqualität kommt jetzt ein besonders attraktiver<br />

Preis. Ob basic, comfort oder premium – sprechen Sie mit unseren<br />

neuen Tariflinien eine breite Zielgruppe vorausschauend an.<br />

Jetzt informieren unter www.makler-leuchttuerme.de/BU


SERVICE Firmen- und Personenverzeichnis<br />

FIRMENVERZEICHNIS<br />

A<br />

abrdn..............................................................................33<br />

Agria.............................................................................57 f.<br />

Allianz........................................13, 22, 33, 47, 55 ff.<br />

Alphabet......................................................................44<br />

Alte Leipziger – Hallesche......................... 20, 26<br />

Amexpool....................................................................83<br />

Ammerländer............................................................55<br />

Amundi......................................................................32 f.<br />

andsafe..........................................................................55<br />

Aon..................................................................................47<br />

Apple..............................................................................44<br />

Arag.................................................................................58<br />

Art-Invest Real Estate...........................................89<br />

Assekurata....................................20, 22, 26, 30, 33<br />

Athora............................................................................46<br />

Axa........................................................................... 30, 46<br />

B<br />

B&K Vermögen.........................................................96<br />

Bain Capital.................................................................82<br />

Barmenia......................................................................55<br />

Basler..............................................................................47<br />

Bauass.........................................................................51 f.<br />

Baufi24................................................................... 16, 94<br />

Bayerische...................................................................47<br />

BCA..................................................................................83<br />

Bearing Point.............................................................14<br />

BlackRock............................................................. 32, 41<br />

blau direkt........................................................... 68, 82<br />

BP......................................................................................41<br />

Brunata..........................................................................89<br />

Büter Bau.....................................................................51<br />

C<br />

Catella............................................................................89<br />

Check24................................................................ 47, 54<br />

Chevron........................................................................41<br />

Commodity Capital...............................................42<br />

ConocoPhillips.........................................................41<br />

CosmosDirekt............................................................26<br />

Credit Suisse..............................................................33<br />

D, E<br />

DA Direkt......................................................................58<br />

DBV-Winterthur.......................................................46<br />

degenia.........................................................................47<br />

Dela.................................................................................78<br />

DenPhaMed...............................................................69<br />

Deutsche Bank.........................................................75<br />

Deutsche Telekom.................................................89<br />

DFV..................................................................................56<br />

DJE................................................................................41 f.<br />

Dr. Klein.........................................................................94<br />

Exxon Mobile.............................................................41<br />

F, G<br />

fhb ..................................................................................69<br />

Fonds Finanz..............................................................82<br />

Great West Lifeco....................................................82<br />

H<br />

Hallesche.....................................................................61<br />

Hansainvest................................................................89<br />

HanseMerkur..................................................... 20, 26<br />

Helden.de....................................................................58<br />

Hepster..........................................................................58<br />

HG Capital...................................................................82<br />

HonorarKonzept......................................................69<br />

Hypoport.....................................................................83<br />

I<br />

Ideal......................................................................... 26, 30<br />

iShares...........................................................................41<br />

J<br />

JDC Group...................................................................82<br />

Jung, DMS & Cie......................................................82<br />

K<br />

Kantar.............................................................................93<br />

KGAL...............................................................................89<br />

L<br />

Laiqon............................................................................33<br />

Llyod Fonds................................................................33<br />

M<br />

Maklerforen Leipzig..............................................98<br />

Meta................................................................................44<br />

Microsoft......................................................................44<br />

Morningstar...............................................................45<br />

MVK.................................................................................55<br />

myLife............................................................................30<br />

N<br />

Nordstern.....................................................................90<br />

NV Versicherung.............................................. 78, 82<br />

O<br />

One Group..................................................................89<br />

Oracle.............................................................................44<br />

P<br />

PayPal.............................................................................49<br />

pma:................................................................................69<br />

ProSiebenSat.1.........................................................56<br />

Puntobiz....................................................................57 f.<br />

Q, R<br />

Qualitypool.................................................................83<br />

Quint:Essence Capital..........................................44<br />

Quirin Bank.................................................................69<br />

Refinitiv Lipper.........................................................38<br />

INDEX<br />

S<br />

SantéVet....................................................................57 f.<br />

Savills..............................................................................89<br />

Schwäbisch Hall......................................................93<br />

Sentix.............................................................................34<br />

Shell.................................................................................41<br />

Simon-Kucher...........................................................14<br />

SSGA...............................................................................33<br />

SV Sachsen..................................................................26<br />

SWI Finance................................................................88<br />

Swiss Life......................................................................68<br />

T, U<br />

TBO Versicherungsmakler.................................94<br />

Tencent......................................................................44 f.<br />

Thinksurance..................................................... 47, 69<br />

TotalEnergies.............................................................41<br />

Union Investment...............................................41 f.<br />

V<br />

Vanguard.....................................................................33<br />

Versicherungsforen Leipzig.............. 47, 82, 98<br />

VHV..................................................................................51<br />

Viridium........................................................................46<br />

Voya IM..........................................................................33<br />

W<br />

W&W-Gruppe............................................................20<br />

Waldenburger...........................................................55<br />

Warburg Pincus................................................ 68, 82<br />

Wefox..................................................................... 13, 16<br />

wertfaktor ...................................................................88<br />

Willis Towers Watson.............................................69<br />

Württembergische........................................ 20, 22<br />

Wüstenrot....................................................................93<br />

X, Z<br />

Xtrackers.......................................................................41<br />

Zurich............................................................. 30, 46, 55<br />

PERSONENVERZEICHNIS<br />

A<br />

Andreetto, Matteo.........................................................33<br />

Asmussen, Jörg...............................................................12<br />

B<br />

Bader, Guido..................................................19 f., 22, 30<br />

Beermann, Boris............................................................83<br />

Benau, Henning..............................................................82<br />

Berg, Mathias................................................................... 69<br />

Berggold, Melanie......................................................56 f.<br />

Bond, James.....................................................................77<br />

Brämer, Burkhard........................................................ 51 f.<br />

Brokamp, Florian............................................................ 69<br />

Brunner, Andreas..........................................................54<br />

Büter, Gerrit...................................................................... 51 f.<br />

D, E<br />

Dobbert, Philipp.............................................................. 69<br />

Dopheide, Frank............................................................. 98<br />

Ertel, Jürgen...............................................................16, 94<br />

F<br />

Faust, Gerhard..................................................................75<br />

Feiner, Rudolf.................................................................93 f.<br />

Fiedler, Madlen................................................................ 89<br />

Fortmann, Michael........................................................48<br />

G<br />

Genett, Timm.................................................................... 62<br />

Gerber, Thomas.......................................................... 44 f.<br />

Glow, Detlef........................................................................38<br />

Göker, Mehmet.................................................................73<br />

Gottstein, Thomas........................................................33<br />

Grabmaier, Sebastian.............................................82 f.<br />

Gröhe, Hermann............................................................. 62<br />

H<br />

Hartlehnert, Svenja.....................................................58<br />

Heermann, Lars............................................20, 22, 26<br />

Heilenkötter, Hannes.................................................. 68<br />

Heinrich, Ellen.................................................................. 89<br />

Holzer, Max........................................................................41 f.<br />

Hübner, Manfred.......................................................34 ff.<br />

Hussy, Patrick..................................................................34<br />

J<br />

Janes, Oliver.................................................................. 57 f.<br />

Jordan, Markus.............................................................. 39<br />

Justen, Patrick.......................................................20, 26<br />

K<br />

Kinnart, Ralph.................................................................. 96<br />

Klein, Martin.........................................................62, 72 ff.<br />

Kleinlein, Axel......................................................................17<br />

König, Christian............................................................... 93<br />

Körner, Ulrich....................................................................33<br />

Kühnert, Kevin.................................................................88<br />

Kussmann, Arndt.......................................................... 69<br />

L<br />

Lagarde, Christine..........................................................19<br />

Leifeld, Christopher...................................................... 69<br />

Lücke, Justus..........................................................47, 98<br />

Lutter, Stefan......................................................................51<br />

M<br />

Marquardt, Sascha........................................................ 61<br />

Masarwah, Ali..................................................................45<br />

Mattner, Andreas.......................................................... 89<br />

Michaelis, Stephan.......................................................75<br />

Michel, Alexander......................................................... 69<br />

Mohn, Dorothea.................................................................17<br />

Müller, Christian.............................................................. 89<br />

N, O<br />

Naumer, Hans-Jörg.......................................................13<br />

Nazaruk, Lukas............................................................... 69<br />

Neumann, Vanessa..................................................... 89<br />

Olbrich, Björn....................................................................94<br />

P, Q<br />

Papier, Hans-Jürgen....................................................73<br />

Pfennig, Leonie................................................................. 61<br />

Pichottka, Andrea........................................................... 61<br />

Pooth, Verona....................................................................13<br />

Pradetto, Oliver................................................................ 68<br />

Putin, Wladimir................................................................ 98<br />

Quast, Reinhard..............................................................50<br />

R<br />

Reker, Stefan............................................................60, 62<br />

Remmers, Derk................................................................82<br />

Rissi, Braulio Dario........................................................54<br />

Roth, Dieter..........................................................................91<br />

Rouget, Philipp................................................................ 69<br />

S<br />

Salzwedel, André..........................................................32<br />

Sautter, Eberhard........................................20, 22, 26<br />

Schiffner, Carsten......................................................... 69<br />

Schipper, Jens.................................................................77<br />

Schneidemann, Herbert.......................................... 24<br />

Schrieber, Thorsten..................................................... 42<br />

Schünemann, Rolf.......................................................83<br />

Spahn, Jens..................................................................... 62<br />

Stommel, Thomas..........................................................77<br />

T<br />

Thaler, Richard................................................................35<br />

Thoma, Ute..........................................................................47<br />

Tizian........................................................................................91<br />

Tretter, Tobias................................................................... 42<br />

Tychsen, Roy-Thomas.............................................. 69<br />

V<br />

Vierow, Timo..................................................................76 ff.<br />

Vogel, Johannes............................................................46<br />

W<br />

Waller, Frederic................................................................82<br />

Walz, Hartmut...............................................................24 f.<br />

Weber, Kai............................................................................94<br />

Weis, Markus....................................................................33<br />

Weißschnur, Sebastian...........................................41 f.<br />

Weitzel, Timm.................................................................... 69<br />

Will, Reiner.................................................................30, 33<br />

Winneg, Stephan............................................................47<br />

Wirth, Norman.........................................................69, 73<br />

Wolf, Manuela...................................................................82<br />

Z<br />

Zilkens, Stephan.........................................................90 f.<br />

Zuckerberg, Mark..........................................................44<br />

VERLAG UND REDAKTION<br />

Alsterspree Verlag GmbH<br />

Firmensitz: Großer Burstah 50-52, 2<strong>04</strong>57 Hamburg<br />

Postanschrift: Kurfürstendamm 173 / 174, 10707 Berlin<br />

Telefon: +49 (0 30) 232 56 27 00<br />

Fax: +49 (0)30 232 56 27 49<br />

Web: www.<strong>procontra</strong>-online.de<br />

HERAUSGEBER<br />

Philipp B. Siebert<br />

CHEFREDAKTEUR<br />

Matthias Hundt<br />

ART DIRECTOR<br />

Niels Flender<br />

LAYOUT UND INFOGRAFIK<br />

Sabine Müller<br />

BILDREDAKTION<br />

Roman Kulon, Eleonora Mavromati<br />

LEKTORAT<br />

TextSchleiferei.de<br />

TEXTBEITRÄGE<br />

Mailin Bartknecht, Florian Burghardt, Carla Fritz, Heike<br />

Gorres, Matthias Hundt, Dr. Hans-Jörg Naumer, Erika<br />

Neufeld, Hannah Petersohn, Imke Reiher, Uwe Schmidt-<br />

Kasparek, Stefan Terliesner, Martin Thaler, Anne Mareile<br />

Walter<br />

COVERILLUSTRATION<br />

Eleonora Mavromati<br />

ANZEIGENBERATUNG<br />

Nadin Prüwer<br />

n.pruewer@alsterspree.de<br />

+49 (0)40 6 07 71 29 24<br />

ANZEIGENDISPOSITION<br />

Marcel Berno<br />

m.berno@alsterspree.de<br />

Verlagsgeschäftsführer: Philipp B. Siebert,<br />

Tilman J. Freyenhagen<br />

Verantwortlich für diese <strong>Ausgabe</strong> i. S. d. P.:<br />

Matthias Hundt<br />

IMPRESSUM<br />

DRUCKEREI<br />

MÖLLER PRO MEDIA ® GmbH<br />

Zeppelinstraße 6<br />

16356 Ahrensfelde<br />

www.moellerdruck.de<br />

LESERSERVICE<br />

leserbetreuung@<strong>procontra</strong>-online.de<br />

ABONNEMENT<br />

abo@<strong>procontra</strong>-online.de<br />

Heftpreis: 4,80 Euro<br />

Jahresabonnement: 20 Euro<br />

für sechs <strong>Ausgabe</strong>n inkl. Versandkosten, inkl. USt.<br />

© <strong>2022</strong> für alle Beiträge: <strong>procontra</strong>, <strong>procontra</strong> Spezial,<br />

<strong>procontra</strong>Thema, <strong>procontra</strong>-Sonderteile, <strong>procontra</strong>-<br />

Sonderdrucke (im Heft, Beileger, Beihefter). Alle Rechte<br />

vorbehalten. Nachdruck, Aufnahme in Online-Dienste,<br />

Internet und Vervielfältigung auf Datenträger oder<br />

durch andere Verfahren (auch auszugsweise) nur mit<br />

schriftlicher Genehmigung des Verlags.<br />

Hinweis: Den Artikeln, Empfehlungen, Charts, Tabellen<br />

und Diagrammen liegen Informationen zugrunde, die<br />

die Redaktion für verlässlich hält. Trotz sorgfältiger<br />

Auswahl der Quellen kann für die Richtigkeit des Inhalts<br />

keine Haftung übernommen werden. Die in <strong>procontra</strong><br />

gemachten Angaben dienen der Unterrichtung und<br />

sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von<br />

Wertpapieren.<br />

Für Mitglieder der nachfolgend aufgeführten Verbände<br />

ist der Bezugspreis im Mitgliedsbeitrag enthalten:<br />

AfW Bundesverband Finanzdienstleistungen e. V.<br />

Votum Verband Unabhängiger Finanzdienstleistungsunternehmen<br />

in Europa e. V.<br />

Unser Druck ist zu 100 % klimaneutral.<br />

8 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22


FÜR MEINE<br />

BUSINESSKUNDEN<br />

VON HEUTE UND<br />

ÜBERMORGEN.<br />

Fair und zukunftsfähig. Seit 1901.<br />

99 % Kundenzufriedenheit im Schadenfall mit Geschäftskunden-<br />

Versicherungen bedeutet für Makler: Hier weiß jemand, was er<br />

tut. Profitieren auch Sie von unserer langjährigen Erfahrung und<br />

branchenspezifischen Versicherungslösungen mit Weitblick –<br />

einfach online abschließbar.<br />

Jetzt mehr erfahren auf<br />

makler.hiscox.de/business-versicherung


Die neuen max-Unfalldeckungskonzepte<br />

So sieht markführender<br />

Versicherungsschutz aus!<br />

Zusammen mit der Landesschadenhilfe Versicherung VaG bietet<br />

die PHÖNIX Schutzgemeinschaft die Deckungskonzepte<br />

max-UV Plus und max-UV Premium seit April <strong>2022</strong> in einer komplett<br />

überarbeiteten und weiterentwickelten Tarifgeneration an.<br />

Die private Unfallversicherung ist mit<br />

einer Marktdurchdringung von gut 40 % *<br />

gegenüber anderen Sparten deutlich<br />

unterrepräsentiert in Haushalten in<br />

Deutschland. Dabei gehört sie in jede<br />

Beratung zum Thema Absicherung<br />

der Arbeitskraft dazu, denn zusammen<br />

mit einer BU-Rente bietet sie höchstmöglichen<br />

finanziellen Schutz im Falle<br />

einer unfallbedingten Invalidität.<br />

Und das ist mit den neuen max-UV-<br />

Deckungskonzepten sogar garantiert,<br />

da diese ohne Gesundheitsfragen<br />

beantragt werden.<br />

Zu den Highlights gehört unter anderen<br />

das Garantiepaket aus max-Leistungsschutz,<br />

Differenzdeckung und Besitzstandsgarantie,<br />

das für den Kunden eine<br />

umfassende Sicherheit in Bezug auf<br />

einen Vorvertrag, bessere Leistungen am<br />

Markt oder auch einen zu überbrückenden<br />

Zeitraum in einem leistungsschwächeren<br />

Tarif bis zum Beginn der neuen<br />

max-UV Premium bedeutet.<br />

Neu ist auch die max-Progression,<br />

die die volle Leistung schon ab einer<br />

Invalidität von 75 % garantiert.<br />

Darüber hinaus glänzt die Premium-<br />

Variante mit marktführender Gliedertaxe<br />

(z. B. Arm/Bein 100 %, Fuß 75 %,<br />

Hand 90 %), Verzicht auf Leistungskürzung<br />

bei Mitwirkung von Krankheiten<br />

und Gebrechen, Mitversicherung von<br />

Bewusstseinsstörungen als Unfallursache<br />

in sämtlichen Ausprägungen (Herzinfarkt,<br />

Schlaganfall, Medikamente, Epilepsie und<br />

Zuckerschock – auch Diabetiker) sowie<br />

der Möglichkeit, Kinder bis zum<br />

vollendeten 25. Lebensjahr im günstigen<br />

Kindertarif zu versichern.<br />

Fazit: Die neuen max-Unfall-Deckungskonzepte<br />

sind die Benchmark für den<br />

Markt. Mit den Tarifen max-UV Plus und<br />

Premium gelingt der PHÖNIX Schutzgemeinschaft<br />

die Markführerschaft im<br />

Preis-Leistungsverhältnis im jeweiligen<br />

Segment.<br />

PRÄMIENBEISPIELE<br />

Berechnungsgrundlage: Grundsumme<br />

100.000 Euro, Progression 350 %, Tod<br />

10.000 Euro, KHT 20 Euro, Geburtsdatum<br />

01.01.1991; Jahresprämien inkl.<br />

Versicherungssteuer ‹<br />

JAHRESPRÄMIEN INKL. VERSICHERUNGSSTEUER<br />

Tarif max-UV Plus max-UV Premium<br />

max-UV Premium<br />

mit max-Progression<br />

Berufsgruppe A<br />

(kfm. Angestellter)<br />

Berufsgruppe B<br />

(Bautischler)<br />

Kind/Schüler<br />

(10 Jahre alt)<br />

75,68 € 125,31 € 189,57 €<br />

131,50 € 269,42 € 414,60 €<br />

45,46 € 65,21 € 86,63 €<br />

Weitere Infos<br />

zu den max-UV<br />

Deckungs konzepten<br />

finden Sie unter<br />

www.maxpool.de<br />

*Quelle: GDV Juni <strong>2022</strong>; Foto: © Drobot Dean / stock.adobe.com<br />

Advertorial


maxUnfall<br />

Wir sind da,<br />

wenn es wirklich zählt!<br />

© Drobot Dean / stock.adobe.com<br />

Marktführende Leistungsmerkmale,<br />

perfektes Preis-Leistungs-Verhältnis und<br />

das gute Gefühl, Ihre Kunden bei Unfällen<br />

erstklassig abgesichert zu wissen.<br />

Verantwortung verbindet.


PANORAMA Notiert<br />

PANORAMA<br />

VERGÜTUNGSDEBATTE<br />

FINDET KEIN ENDE<br />

Vor einem Jahr berichteten wir über die Honorarberatung<br />

und die Frage, ob es ein konkreteres Regelwerk<br />

braucht, um diese zu stärken und die Branche weniger<br />

in Misskredit zu ziehen. Damals schien zwischen Branche<br />

und politischen Akteuren Einigkeit zu bestehen:<br />

Straffere Regularien seien nötig, um die Beratungsqualität<br />

zu verbessern.<br />

Ein Jahr später flammt die Debatte zum Thema<br />

Vermittlervergütung erneut und unter einem anderen<br />

Schlaglicht auf: Kürzlich brachte die BaFin die Einführung<br />

eines Provisions-Richtwerts ins Spiel, und seitdem<br />

werden in den Vermittlerverbänden zum Teil hitzige<br />

Debatten geführt. Dabei steht unter anderem folgende<br />

Frage im Fokus: Werden durch gängige Vergütungsmodelle<br />

wirklich (zu viele) Fehlanreize gesetzt?<br />

»Die Zinserhöhung<br />

kann nur ein<br />

erster Schritt<br />

gewesen sein.«<br />

BDV MAHNT<br />

VERSICHERER<br />

AB<br />

Für GDV-Hauptgeschäftsführer<br />

Jörg<br />

Asmussen kommt die<br />

Anhebung des Leitzinses<br />

durch die EZB spät – sie<br />

sei aber richtig. Dass<br />

die Zinsen stärker als<br />

angekündigt erhöht wurden,<br />

ist aus seiner Sicht<br />

durch die Datenlage für<br />

die Eurozone gerechtfertigt.<br />

Wegen einer fragwürdigen Vertragsklausel kassierten die Versicherer<br />

ADAC, Europ Assistance und Bayerische eine Abmahnung vom Bund<br />

der Versicherten (BdV). Der Grund: Sie hatten in ihren Reisekrankenpolicen<br />

Kunden nach dem Genuss von Alkohol den Krankenschutz<br />

im Urlaub verwehrt. Nun lenkten sie ein und unterzeichneten die<br />

vorgelegte Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung, die Klauseln<br />

sind künftig nicht mehr in den Verträgen enthalten. Der BdV hatte<br />

kritisiert, dass der „Missbrauch“ der Genussmittel unklar definiert<br />

sei. Auch fürchteten die Verbraucherschützer, dass falsch dosierte<br />

Medikamente Versicherungsnehmern so auf die Füße fallen könnten.<br />

12 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22


Notiert PANORAMA<br />

7 erfolgreiche<br />

Investoren-Tipps<br />

DR. HANS-JÖRG NAUMER<br />

leitet Global Capital Markets & Thematic Research<br />

von Allianz Global Investors<br />

VERONA POOTH STREITET<br />

UM GESTOHLENEN SCHMUCK<br />

TV-Moderatorin Verona Pooth liegt mit ihrem Versicherer im<br />

Clinch: An Heiligabend wurde in die Villa der Pooths im Düsseldorfer<br />

Vorort Meerbusch eingebrochen. Teile des Diebesguts<br />

waren ein Safe, Schmuck sowie ein Auto – zudem richteten die<br />

Täter einen Schaden in Höhe von einer Million Euro an. Gefasst<br />

wurden sie nicht, die Ermittlungen sind eingestellt.<br />

Mit ihrem Versicherer hadert Pooth seitdem. Bis heute habe<br />

dieser den entwendeten Schmuck nicht vollständig erstattet.<br />

„Ich kämpfe täglich um die noch offene Summe“, sagt Pooth.<br />

Seitdem sie Opfer der Straftat geworden ist, habe sie nur einen<br />

Wunsch: „Die Täter zu schnappen, sie hart zu bestrafen und<br />

dass sie mir meinen Schmuck wieder aushändigen.“ Der Name<br />

von Pooths Versicherungsgesellschaft ist nicht bekannt.<br />

4,5 Mrd.<br />

... Euro ist das Berliner Start-up Wefox nach einer<br />

neuen Finanzierungsrunde wert. Trotz Krieg<br />

und Inflation gelang es dem InsurTech, Investorengelder<br />

in Höhe von 400 Millionen Dollar<br />

einzustreichen. Nach eigenen Angaben machte<br />

der Digitalversicherer im vergangenen Jahr<br />

einen Umsatz von 320 Millionen Dollar.<br />

Kapitalanlage und Vermögensaufbau sind keine triviale<br />

Angelegenheit, vor allem in Märkten wie diesen. Sieben<br />

einfache Angewohnheiten können dabei helfen, in Ruhe<br />

und Gelassenheit Kapital aufzubauen:<br />

Angewohnheit Nr. 1: Erkenne Dich selbst – und hinterfrage<br />

Dein Vorhaben! Unser Gehirn ist das Ergebnis eines über<br />

die Jahrtausende währenden Entwicklungsprozesses.<br />

Dies führt dazu, dass wir auch heute noch zu steinzeitlichen<br />

Verhaltensmustern neigen, die sich nicht immer<br />

rational erklären lassen. Angewohnheit Nr. 2: „Kaufkrafterhalt“,<br />

nicht „Sicherheit“ sollte die Steuergröße der<br />

Anlageentscheidung sein! Alles scheint sich um das<br />

Thema „Sicherheit“ zu drehen. „Sicherheit“ wird dabei<br />

häufig (miss-)verstanden als die Abwesenheit von Kursschwankungen.<br />

Die Inflation darf aber nicht unterschätzt<br />

werden. Angewohnheit Nr. 3: Das fundamentale Gesetz der<br />

Kapitalanlage – auf die Risikoprämie setzen! Die Logik dahinter:<br />

Wer risikoreicher investiert, sollte erwarten können,<br />

dass diese Investitionen über die Zeit eine höhere Rendite<br />

erwirtschaften als risikolose und damit chancenärmere<br />

Alternativanlagen. Angewohnheit Nr. 4: Investieren geht<br />

vor Spekulieren! Wer langfristigen Kapitalaufbau anstrebt,<br />

der spekuliert nicht, der investiert. Spekulieren verstanden<br />

als das kurzfristige Setzen auf Kursbewegungen. Investieren<br />

verstanden als mittel- bis längerfristige Kapitalanlage.<br />

Angewohnheit Nr. 5: Selbstbindung an eine Strategie hilft<br />

überstürzte Entscheidungen zu vermeiden. Die strategische<br />

Vermögensallokation geht dem meist hektischen<br />

Hin und Her vor. Angewohnheit Nr. 6: Was Du heute kannst<br />

besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Der Zinseszinseffekt<br />

ist bei der Kapitalanlage nicht zu unterschätzen.<br />

Angewohnheit Nr. 7: Auf aktives Management setzen. Wer<br />

sich für aktives Fondsmanagement entscheidet, setzt<br />

nicht nur darauf, dass ihm<br />

die Profis hinter dem Fonds<br />

eine zusätzliche Rendite<br />

erwirtschaften. Er läuft<br />

auch weniger Gefahr, die<br />

Lieblinge der Börse von<br />

einst als „tote Pferde“ in<br />

seinem Depot zu behalten.<br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />

13


PANORAMA Fakten für Vertrieb und Stammtisch<br />

Zurückgeschraubte<br />

Ansprüche<br />

Schrumpfende Sparbeträge<br />

Vor allem jüngere Menschen sind<br />

bereit, für mehr Nachhaltigkeit höhere<br />

Versicherungsprämien zu bezahlen<br />

oder Leistungseinbußen hinzunehmen.<br />

Dies ist das Ergebnis einer aktuellen<br />

Umfrage des Beratungsunternehmens<br />

Bearing Point, die in Deutschland,<br />

Österreich und der Schweiz durchgeführt<br />

wurde. Demnach ist in der<br />

Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen<br />

die Bereitschaft, Ansprüche zurückzuschrauben,<br />

am größten. Beim Blick auf<br />

die Zustimmungswerte in der Gesamtbevölkerung<br />

wären in Deutschland<br />

allerdings nur 32 Prozent, in Österreich<br />

41 und in der Schweiz immerhin 46<br />

Prozent bereit, für mehr Nachhaltigkeit<br />

auf Versicherungsleistungen zu<br />

verzichten.<br />

Ungenutztes Potenzial<br />

Was Kundenbindung und Cross-Selling betrifft, lassen die deutschen<br />

Versicherer viel Potenzial ungenutzt liegen: Nach einer<br />

aktuellen Umfrage der Unternehmensberatung Simon-Kucher &<br />

Partners haben nur 26 Prozent der Kunden alle Versicherungen<br />

bei einem Anbieter gebündelt. Dabei können es sich 90 Prozent<br />

der Befragten vorstellen, alle Versicherungen bei einem<br />

Anbieter abzuschließen. Die Empfehlung der Studienautoren:<br />

Versicherer sollten in der Beratung nachjustieren und vor allem<br />

junge Kunden verstärkt ansprechen.<br />

Nachdem das Geldvermögen der Deutschen zuletzt immer neue<br />

Rekordmarken überschritten hat, gehen die Sparbeträge der Bundesbürger<br />

jetzt erstmals zurück. Nach Mitteilung der Deutschen<br />

Bundesbank schrumpfte im ersten Quartal <strong>2022</strong> das Geldvermögen<br />

der Privathaushalte aus Bargeld, Wertpapieren, Bankeinlagen sowie<br />

Ansprüchen gegenüber Versicherungen um 36 Milliarden Euro auf<br />

rund 7.588 Milliarden – eine Folge von Krieg und Inflation. Den aktuellen<br />

Rückgang führt die Bundesbank vor allem auf Bewertungsverluste<br />

in Höhe von 121 Milliarden Euro durch „Kursstürze am Kapitalmarkt“<br />

zurück, die insbesondere Aktien und andere Anteilsrechte<br />

betroffen hätten.<br />

ALTERS-<br />

VORSORGE<br />

VERLIERT<br />

GEWICHT<br />

Nur noch knapp 40 Prozent der Bundesbürger sehen sich nach<br />

der Sommerumfrage der privaten Bausparkassen derzeit in<br />

der Lage, für bestimmte Zwecke Geld zurückzulegen – dies<br />

ist der niedrigste Wert seit 25 Jahren. Das hat Auswirkungen<br />

auf die Altersvorsorge: Nur noch 57 Prozent der Befragten<br />

gaben an, dafür Geld zu sparen. Im Frühjahr waren es noch 59<br />

Prozent gewesen. Dagegen konnten die Sparmotive „Wohneigentum“<br />

mit 44 Prozent und „Kapitalanlage“ mit 33 Prozent<br />

ihr Niveau halten.<br />

LEBENSERWARTUNG STEIGT<br />

Die Menschen werden immer älter. Nach einem aktuellen UNO-<br />

Bericht ist die weltweite Lebenserwartung erneut gestiegen<br />

und liegt momentan bei durchschnittlich 72,8 Jahren. Während<br />

die Lebenserwartung von Frauen im internationalen Vergleich<br />

73,8 Jahre beträgt, kommen Männer im Schnitt nur auf 68,4 Jahre.<br />

Eine weitere Prognose: Im November <strong>2022</strong> wird die Weltbevölkerung<br />

voraussichtlich die Marke von acht Milliarden Menschen<br />

überschreiten. Für das Jahr 2030 erwarten die Autoren,<br />

dass rund 8,5 Milliarden Menschen die Welt bevölkern. Im Jahr<br />

2050 werden es 9,7 Milliarden und zum nächsten Jahrhundertwechsel<br />

im Jahr 2100 10,4 Milliarden Menschen sein.<br />

14 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22


Was sie jetzt noch nicht weiß:<br />

Sie wird später einmal Artistin.<br />

Die neue NÜRNBERGER Kindervorsorge:<br />

Mit der Schulunfähigkeitsversicherung4Future<br />

und Schüler-BU4Future schaffen Sie eine<br />

verlässliche Basis für zukünftige berufliche<br />

Träume. So werden Sie zum Möglichmacher<br />

für Ihre jüngsten Kunden.<br />

Heute die BU für morgen sichern:<br />

vertrieb.nuernberger.de/kindervorsorge<br />

Jetzt neu!<br />

NÜRNBERGER Lebensversicherung AG<br />

Ostendstraße 100, 90334 Nürnberg<br />

Personen- und Funktionsbezeichnungen<br />

stehen für alle Geschlechter gleichermaßen.


PANORAMA Leserbriefe<br />

KOMMENTIERT<br />

»Hier läuft einiges schief«<br />

Seit etlichen Jahren belegen Versicherungsvertreter<br />

den letzten Platz in der Berufsgruppenrangliste<br />

des dbb beamtenbunds - so<br />

auch in diesem Jahr. Nur 8 Prozent von über<br />

2.000 Befragten attestieren dieser Zunft<br />

ein hohes gesellschaftliches Ansehen. Bei<br />

Feuerwehrleuten auf dem ersten Platz sind<br />

es dagegen 94 Prozent. Auch wenn dabei<br />

das Ansehen von Versicherungsmaklern<br />

nicht explizit abgefragt wurde, erzürnte das<br />

Ergebnis doch die Gemüter einiger <strong>procontra</strong>-Leser.<br />

Gähn, wenn ein Schaden innerhalb von<br />

wenigen Tagen reguliert wird, dann ist alles<br />

wieder gut. Es kommt auf den Menschen<br />

und seine Arbeitsweise im Beruf an.<br />

MARTHA UNTERSTAB<br />

via Facebook<br />

34D ODER 34F – WONACH SOLL ICH DEN KUNDEN BERATEN?<br />

Die ESG-Präferenzabfrage entzweit die Vermittler.<br />

Wenn so eine Umfrage überhaupt etwas<br />

aussagt, ist es für mich nicht der schlechte<br />

Ruf unserer Branche (sind wir ja gewohnt),<br />

sondern von Unternehmern allgemein. Das<br />

sind doch eigentlich die, die mit ihrem täglichen<br />

Einsatz das Volk, das hier abstimmt,<br />

ernährt. Hier läuft einiges schief.<br />

STEPHAN HECKER<br />

via Facebook<br />

»Das Geld lieber in die Tilgung stecken«<br />

Die Zinsen steigen wieder, und als eine der<br />

Folgen erhalten Bausparkassen wieder mehr<br />

Kundenzulauf – neben Baudarlehen steigt<br />

auch die Nachfrage nach energetischen<br />

Sanierungen. „Bausparverträge stellen eine<br />

hervorragende Option dar, um zeitnah Planungssicherheit<br />

zu schaffen“, sagt Jürgen<br />

Ertel, Regionalleiter beim Baufinanzierungsspezialisten<br />

Baufi24. Doch das sieht nicht<br />

jeder so.<br />

Der Bausparvertrag suggeriert eine Zinssicherheit,<br />

die gegebenenfalls gar nicht<br />

vorhanden ist. Hätte man nun, anstatt den<br />

Bausparer zu besparen, das Geld lieber<br />

monatlich in die Tilgung gesteckt, dann<br />

wäre immerhin die Restschuld niedriger und<br />

damit der Schaden durch einen gegebenenfalls<br />

höheren Anschlusszins geringer.<br />

VOLKER JESCHKE<br />

via Facebook<br />

1<br />

2<br />

3<br />

4<br />

5<br />

TOP 5 DER AUSGABE<br />

+++KLICKVERDÄCHTIG+++<br />

Die beliebtesten Artikel auf <strong>procontra</strong>-online<br />

BLAU DIREKT<br />

Finanzinvestor will Maklerpool kaufen<br />

www.<strong>procontra</strong>-online.de/blaudirekt<br />

PROVISIONSVERBOT<br />

Dramatische Folgen im Königreich<br />

www.<strong>procontra</strong>-online.de/provisionsverbot<br />

HEARD GEGEN DEPP<br />

Promi-Schlammschlacht beschäftigt auch Versicherer<br />

www.<strong>procontra</strong>-online.de/depp<br />

FALSCHBERATUNG<br />

Vertreterin muss 165.000 Euro zahlen<br />

www.<strong>procontra</strong>-online.de/falschberatung<br />

VERSICHERUNGSBETRUG<br />

Mehr Fälle durch hohe Inflation?<br />

www.<strong>procontra</strong>-online.de/betrug<br />

»Wefox mehr als 4 Milliarden wert«<br />

Das Berliner InsurTech Wefox konnte vor<br />

Kurzem weitere 400 Millionen US-Dollar von<br />

Investoren einsammeln und ist damit (Stand:<br />

Juli <strong>2022</strong>) 4,5 Milliarden US-Dollar wert. Eine<br />

Größenordnung, die unter <strong>procontra</strong>-Lesern<br />

die verschiedensten Reaktionen hervorrief.<br />

Was genau macht dieses Unternehmen so<br />

wertvoll?<br />

TIM WOLFF<br />

via Facebook<br />

Dass die Investoren in ein paar Jahren das<br />

Zehnfache von ihrem Investment zurückerwarten.<br />

Ist doch ganz einfach. Wie bei allen<br />

Start-ups.<br />

JANN EGLI-HEHL<br />

via Facebook<br />

Mal sehen, wie lange diese Wette hält. So<br />

lange aber alles Gute ...<br />

NILS FISCHER<br />

via Facebook<br />

Wirecard 2.0<br />

ALEXANDER TASCH<br />

via Facebook<br />

16 Illustration: Jakob Bettin


Leserbriefe PANORAMA<br />

»Wichtiger denn je«<br />

Der Gesamtbestand an Riester-Verträgen<br />

war auch im Jahr <strong>2022</strong> rückläufig. Zudem ist<br />

eine Trendumkehr nicht in Sicht.<br />

Solange im Rentenausschuss Leute sitzen,<br />

für die Versicherer Verbrecher sind, kommt<br />

da nichts mehr. Auch die doppelte Förderung<br />

ist nicht mehr gewünscht. Dabei ist die<br />

kapitalgedeckte Altersvorsorge wichtiger<br />

denn je, wenn man bedenkt, dass 2030 die<br />

doppelte Haltelinie fällt. Hätte man doch<br />

nur eine Dienstleistungsindustrie, die hier<br />

Abhilfe schaffen könnte ...<br />

BJÖRN BAUER<br />

via Facebook<br />

»Bundesregierung verschläft PEPP«<br />

„Es macht keinen Sinn, ein System weiterzufahren,<br />

das seit 20 Jahren nicht funktioniert“,<br />

sagte Dorothea Mohn, Teamleiterin<br />

Finanzen beim Verbraucherzentrale Bundesverband,<br />

kürzlich im <strong>procontra</strong>-Interview mit<br />

Blick auf das System der privaten Altersvorsorge<br />

im Allgemeinen und der Riester-Rente<br />

im Speziellen. Die Verbraucherschützer werden<br />

dabei nicht müde, auf ihren Vorschlag<br />

der „Extrarente“ zu verweisen.<br />

Die „Experten“ sind wieder mal überhaupt<br />

nicht im Bilde. Es gibt bereits ein neues und<br />

auch kostengünstiges Produkt, nämlich die<br />

bereits verabschiedete Europarente PEPP.<br />

Leider schläft unsere Bundesregierung mal<br />

»Ein Bärendienst für<br />

das Vertrauen in die<br />

Branche.«<br />

JOHANNES PAULUS, VIA FACEBOOK, ZUM AXA-RUN-OFF<br />

wieder, weil dieses Produkt nur dann Sinn<br />

macht, wenn es steuerlich gefördert wird<br />

(ähnlich wie Riester bzw. Rürup). Aufgrund<br />

vieler anderer – offensichtlich wichtigerer –<br />

Aufgaben konnte man sich darum aber nicht<br />

kümmern, und somit gibt es bis heute in<br />

Deutschland noch keine Anbieter.<br />

ULLI MAR<br />

via Facebook<br />

»Kleinlein verlässt BdV«<br />

Ende September wird Axel Kleinlein sein Amt<br />

als Vorstandssprecher des Bundes der Versicherten<br />

abgeben. Als lautstarker Kritiker<br />

der Lebensversicherer hatte er in den elf<br />

Jahren an der BdV-Spitze auch immer wieder<br />

die Vermittler gegen sich aufgebracht.<br />

Entsprechend unsanft fielen die meisten<br />

Abschiedsgrüße an ihn aus.<br />

Und es gibt sie doch noch, die guten Nachrichten.<br />

NORBERT GENTSCH<br />

via Facebook<br />

Unfall-Pflegerente XXL<br />

Versicherungsprodukt des Jahres 2021!<br />

Top abgesichert mit einem der inno vativsten<br />

Produkte 2021<br />

Absicherung schon ab 25 % Invalidität möglich<br />

ODER<br />

Pflegegrad 2 (unfallbedingt)<br />

Viele Zusatzleistungen, teils ohne Limit wie z. B.<br />

<br />

– Sämtliche behinderungsbedingte Mehraufwendungen<br />

(Prothesen, Anschaffung eines Blindenhundes,<br />

Umbau kosten, etc.)<br />

– Tägliche Versorgung mit einer Mahlzeit<br />

– Fahrdienste zu Arzt- / Therapieterminen o. ä.<br />

– 24-Stunden-Hilfe-Telefon<br />

Hier einfach erklärt:<br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />

– Einkauf und Erledigung notwendiger Besorgungen Weitere Erklärvideos<br />

finden Sie unter<br />

www.interrisk.de/unfall<br />

Informieren Sie sich jetzt:<br />

0611 2787 - 381<br />

www.interrisk.de/unfall<br />

17


TITEL LV-Bilanzanalyse<br />

18 Illustration: Eleonora Mavromati


LV-Bilanzanalyse TITEL<br />

ZINSWENDE KÜSST<br />

DIE BRANCHE WACH<br />

Die Zinserhöhung erleichtert die Lebensversicherer und<br />

stellt sie zugleich vor neue Herausforderungen in der Kapitalanlage.<br />

Was auf die Branche zukommt und wie Vermittler sich orientieren können<br />

– TEXT: MATTHIAS HUNDT –<br />

Die Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank<br />

(EZB) im Juli dieses Jahres läutete<br />

die lang ersehnte Zinswende ein.<br />

Dabei überraschte sie sogar mit einem<br />

ersten Schritt von 50 statt der bis zuletzt<br />

erwarteten 25 Basispunkte. In jedem Fall<br />

richtungsweisend. Gleichzeitig versprach<br />

EZB-Präsidentin Christine Lagarde „die<br />

Geldpolitik wieder normalisieren“ zu wollen.<br />

Experten hatten erst für September mit<br />

einer Erhöhung um 50 Basispunkte gerechnet.<br />

Noch im Mai sagte Lagarde den EU-<br />

Abgeordneten: „Wenn die mittelfristigen<br />

Inflationsaussichten bestehen bleiben oder<br />

sich verschlechtern, wird bei unserer Septembersitzung<br />

eine größere Erhöhung angemessen<br />

sein.“ Dieser Schritt wurde nun in<br />

den Juli vorverlegt. Auch weil die Inflation<br />

im Euroraum im Juni <strong>2022</strong> auf mittlerweile<br />

durchschnittlich 8,6 Prozent anstieg. Im<br />

Mai 2021 lag sie noch bei 2 Prozent und<br />

damit auf dem Niveau, das die EZB eigentlich<br />

dauerhaft gewährleisten muss.<br />

Das Normalniveau stellt sie jedoch erst für<br />

2024 wieder in Aussicht.<br />

Für Dr. Guido Bader, Past President der<br />

Deutschen Aktuarvereinigung (DAV), ist<br />

die Zinserhöhung zwar ein erster wichtiger<br />

Schritt, aber noch lange nicht ausreichend,<br />

um die Inflation wieder in den Griff<br />

zu bekommen: „Es ist ein erstes Signal.<br />

Allerdings implizieren die Kapitalmärkte<br />

derzeit bereits eine Zinserhöhung in Europa<br />

von weit über 1 Prozent. Ich gehe davon<br />

aus, dass auch die nächste Erhöhung<br />

im September mindestens 50 Basispunkte<br />

betragen wird und wir bis Ende des Jahres<br />

einen Leitzins von deutlich über 1 Prozent<br />

sehen.“ Folgt die EZB der amerikanischen<br />

Notenbank (Fed), könnte der Leitzins noch<br />

schneller steigen als erwartet. Die Fed hob<br />

<strong>2022</strong> bereits mehrfach die Zinsen an, zuletzt<br />

zweimal um 75 Basispunkte – die<br />

größte Zinserhöhung seit fast 40 Jahren.<br />

Die Zinsspanne liegt in den USA schon zwischen<br />

2,25 und 2,5 Prozent.<br />

LV-PROBLEME VERSCHIEBEN SICH<br />

Von einer „lang ersehnten“ Zinswende<br />

dürften auch die deutschen Lebensversicherer<br />

sprechen. Immerhin wurde jahrelang<br />

deren prekäre Lage aufgrund anhaltend<br />

niedriger Zinsen beschrieben. Grenzenlosen<br />

Jubel hört man dennoch nicht. Denn<br />

die Notenbanken beeinflussen die Zinskurve<br />

zunächst nur am kurzen Ende. „Man<br />

kann es den Lebensversicherern nie ganz<br />

recht machen“, scherzt Bader. Was er<br />

meint, sind zwei Effekte, die sich nun in den<br />

Bilanzen und Kennzahlen der Anbieter umkehren.<br />

Zum einen sinken die Bewertungsreserven.<br />

Diese waren zuletzt bis auf rund<br />

200 Milliarden Euro angestiegen (2020).<br />

Bei den Lebensversicherern im <strong>procontra</strong>-<br />

LV-Check war mit einer Reservequote<br />

BEWERTUNGSRESERVEN STIEGEN RASANT …<br />

… mit der Zinswende beginnt die Schmelze.<br />

Bewertungsreserven Reservequote<br />

in Mrd. Euro in %<br />

250 25<br />

200 20<br />

150 15<br />

100 10<br />

50 5<br />

0 0<br />

2017 2018 2019 2020 2021<br />

Lebensversicherer<br />

Reservequote<br />

1 Inter 25,6 %<br />

2 LV 1871 25,3 %<br />

3 Delta Direkt 25,2 %<br />

4 Öffentliche Braunschweig 24,0 %<br />

5 Allianz 20,5 %<br />

6 Ideal 20,3 %<br />

7 Öffentliche Sachsen-Anhalt 19,5 %<br />

8 Provinzial Hannover 18,0 %<br />

Markt 15,3 %<br />

Quelle: <strong>procontra</strong>-LV-Check <strong>2022</strong>_Datenbasis: Geschäftsberichte 2021<br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />

19


TITEL LV-Bilanzanalyse<br />

von 21,4 Prozent also ein dickes Polster<br />

vorhanden, um notwendige Erträge zu realisieren.<br />

Diese Reserven gingen bereits im<br />

vergangenen Geschäftsjahr spürbar zurück<br />

(siehe Grafik Seite 19).<br />

Durch die aktuelle Zinserhöhung wird<br />

die Neuanlage nun noch attraktiver. Die<br />

Lebensversicherer haben allerdings jede<br />

Menge Zinspapiere in den Büchern, die<br />

noch lange laufen und wenig abwerfen.<br />

Während also der Bestand festverzinsliche<br />

Coupons von nur 0,5 oder 1 Prozent ausweist,<br />

sind in der Neuanlage aktuell schon<br />

2 bis 3 Prozent möglich. Logische Folge:<br />

Der Kurswert im Bestand geht zurück, die<br />

Bewertungsreserven schmelzen. Aus stillen<br />

Reserven werden stille Lasten. Auch wenn<br />

sich diese bei festverzinslichen Wertpapieren<br />

– ebenso wie stille Reserven – zum<br />

Laufzeitende automatisch auflösen, wird es<br />

die Lebensversicherer noch ein paar Jahre<br />

herausfordern. „Solange keine Papiere, aufgrund<br />

von Downgrades durch Ratingagenturen,<br />

abgeschrieben werden müssen, können<br />

die stillen Lasten einfach ausgesessen<br />

werden“, beruhigt Bader.<br />

Bis dahin überwiegt der andere Effekt<br />

– steigende Solvenzquoten. Die hohe Zinssensibilität<br />

der Kapitalanlagebestände war<br />

bislang problematisch, da aus niedrigen<br />

Zinsen auch niedrige Solvenzquoten resultierten.<br />

Das kehrt sich nun um. „Die Solvenzquoten<br />

sind bereits seit 2021 deutlich<br />

angestiegen und werden ihren Positivtrend<br />

auch <strong>2022</strong> fortsetzen“, prognostiziert Lars<br />

Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung<br />

bei Assekurata. Er fügt an, dass<br />

sich durch diese Wende auch das Hauptaugenmerk<br />

im Rating wieder von Solvency II<br />

auf die HGB-Situation rund um die stillen<br />

Lasten verlagere, wo steigende Zinsen belastend<br />

wirken. Die Solvenzquoten lagen<br />

Ende 2021, ohne Übergangsmaßnahmen,<br />

im Schnitt bereits bei 250 Prozentpunkten.<br />

Ein Wert von etwa 300 Prozent wird für<br />

Ende <strong>2022</strong> erwartet, je nachdem, wie hoch<br />

der nächste Zinsschritt ausfällt.<br />

Zwar verringert sich durch die Abnahme<br />

der stillen Reserven die Manövriermasse<br />

der Lebensversicherer, dennoch ist die<br />

Zins er hö hung ein deutlicher Segen. Gerade<br />

mittel- bis langfristig überwiegt daher die<br />

Erleichterung bei den Anbietern. Immerhin<br />

können sie nun endlich wieder festverzinsliche<br />

Wertpapiere einkaufen, deren<br />

Coupons oberhalb des durchschnittlichen<br />

Garantieniveaus im Bestand liegen. „Aus<br />

»Die Solvenzquoten<br />

sind bereits seit 2021<br />

deutlich angestiegen<br />

und werden ihren<br />

Positivtrend auch<br />

<strong>2022</strong> fortsetzen.«<br />

LARS HEERMANN, ASSEKURATA<br />

Unternehmenssicht ist die Zinswende zunächst<br />

sehr erfreulich, insbesondere als<br />

positiver Impuls für rentierliche Altersvorsorgestrategien“,<br />

meint etwa Dr. Immo<br />

Dehnert, Leiter Kommunikation und<br />

Pressesprecher der W&W-Gruppe, für die<br />

Württembergische Lebensversicherung.<br />

Dehnert hegt auch die Hoffnung, dass bei<br />

einer Stabilisierung des Zinsumfelds die<br />

Überschussbeteiligungen für die Kunden<br />

mittelfristig wieder steigen könnten.<br />

KAPITALANLAGE WEITERHIN SCHWIERIG<br />

Eberhard Sautter, Vorstandsvorsitzender<br />

der HanseMerkur, sieht ebenfalls vorrangig<br />

positive Effekte, weist aber auch auf<br />

die Herausforderungen in der Kapitalanlage<br />

hin: „Lebensversicherer sind langfristig<br />

orientierte Anleger. Daher sind die Marktwerte<br />

der festverzinslichen Wertpapiere im<br />

Bestand aktuell unter Druck geraten, was<br />

die Renditeziele unmittelbar beeinflusst.<br />

Auch für uns ist die Erzielung einer angemessenen<br />

Nettoverzinsung eine große Herausforderung,<br />

die sich bis zu Beginn des<br />

nächsten Jahres noch fortsetzen wird.“<br />

Die Herausforderung begründet sich vor<br />

allem in der Struktur der Kapitalanlagen.<br />

Laut Assekurata schlummert der Großteil<br />

der Kapitalanlagen der Lebensversicherer<br />

weiterhin in festverzinslichen Wertpapieren.<br />

77 Prozent beträgt deren Anteil – um<br />

die Leistungsverpflichtungen sicherzustellen,<br />

überwiegend mit langen Laufzeiten<br />

und, der Vergangenheit geschuldet, niedrig<br />

verzinst.<br />

Wenn sich die Neuanlage nun aber um<br />

so viel attraktiver entwickelt, wie der<br />

Bestands cou pon, warum dann nicht einfach<br />

einen harten Cut im Bestand? Ein vorzeitiger<br />

Verkauf würde zwar Verluste realisieren,<br />

die frei werdenden Mittel könnten<br />

aber deutlich höher verzinst neu angelegt<br />

werden. Dr. Patrick Justen, Leiter Aktien,<br />

Renten und Cash bei der Alte Leipziger –<br />

Hallesche Gruppe (ALH), meint: „Im Wesentlichen<br />

käme es dann nur zu einer Verschiebung<br />

der Erträge. Realisiert man stille<br />

Reserven, so wird der zukünftige Gewinn<br />

vorgezogen, dafür sinken die laufenden Erträge.<br />

Verkauft man nun Papiere mit niedrigem<br />

Coupon, werden Verluste realisiert<br />

und die laufenden Erträge gesteigert. Bei<br />

unerwartet hohen Gewinnen, beispielsweise<br />

aus der ungeplanten Auflösung der Zinszusatzreserve,<br />

kann es aber durchaus sinnvoll<br />

sein, über eine Realisierung stiller Lasten<br />

20 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22


»ENDLICH MAL ’NE HAFTPFLICHT,<br />

DIE NICHT NUR SEHR GUT, SONDERN<br />

AUCH SEHR GÜNSTIG IST.«<br />

AUSGEZEICHNET UND AUSSERORDENTLICH<br />

GÜNSTIG: DIE VHV PRIVATHAFTPFLICHT<br />

Stiftung Warentest bestätigt: Die VHV Privathaftpflicht bietet Ihnen und Ihren Kunden Bestleistungen. Und das zu sehr günstigen<br />

Konditionen. Setzen Sie auf Maklers Liebling, setzen Sie auf die wahrscheinlich beste VHV Privathaftpflicht aller Zeiten – jetzt und<br />

in Zukunft. Denn mit der Best-Leistungs-Garantie und der Leistungs-Update-Garantie der VHV ist und bleibt der Versicherungsschutz<br />

immer aktuell und unschlagbar gut. Mehr Infos unter 0511.907 3000 oder unter vhv-partner.de


TITEL LV-Bilanzanalyse<br />

zur Ergebnissteuerung nachzudenken.“ Der<br />

große Ausverkauf zugunsten der Neuanlage<br />

ist allerdings nicht zu erwarten, zumal<br />

er rein bilanziell wäre, ökonomisch blieben<br />

die Lebensversicherer gleich investiert. Für<br />

Sautter wäre es sogar wenig zielführend:<br />

„Aufgrund der geopolitischen Unsicherheit,<br />

steigender Inflationsraten und einer<br />

wahrscheinlich bevorstehenden Rezession<br />

sind alle Kapitalmärkte zurzeit schwerlich<br />

vorherzusehen. Ein derartiger Tausch wäre<br />

wirtschaftlich daher nicht sinnvoll.“<br />

Natürlich locken die Ertragschancen von<br />

Substanzwerten. Die von Assekurata befragten<br />

Asset-Manager der Lebensversicherer<br />

gaben an, ihre Portfolios weiter in<br />

Richtung Immobilien, Aktien, Infrastrukturprojekte<br />

oder Private Equity verlagern<br />

zu wollen. „Mittelfristig streben wir an, mit<br />

40 Prozent der Kundengelder in alternative<br />

Anlagen investiert zu sein“, bestätigt auch<br />

die Allianz auf <strong>procontra</strong>-Nachfrage. Der<br />

Fokus beim Marktführer liege dabei auf<br />

Investments, die nicht an der Börse gehandelt<br />

werden, wie Infrastruktur, erneuerbare<br />

Energien oder Finanzierungen von Gewerbeimmobilien.<br />

Die Metamorphose der Kapitalanlage<br />

im Gesamtmarkt ist allerdings ein langfristiges<br />

Umschichtungsthema. Sie muss dosiert<br />

erfolgen, um Aufsichtsvorgaben und<br />

Garantieverpflichtungen gleichermaßen zu<br />

erfüllen. Das zwingt dann auch zum Aussitzen<br />

niedrig verzinster Wertpapiere, je<br />

nachdem, wie schwer die Garantien den<br />

Bestand belas ten. Außerdem herrscht Skepsis<br />

bezüglich des Anlageumfelds. Während<br />

2021 noch über die Hälfte mit einem guten<br />

Kapitalanlagejahr rechneten, fiel dieser<br />

Wert für <strong>2022</strong> auf gerade einmal 10 Prozent<br />

(siehe Umfrageergebnisse rechts). „Die<br />

Grundstimmung unter den Kapitalanlegern<br />

ist aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen<br />

und geopolitischen Lage eher negativ,“<br />

fasst Heermann zusammen.<br />

Pandemieverlauf, Ukrainekrieg, Inflationsrekorde<br />

und eine steigende Volatilität<br />

sind viele Variablen, die unterschiedlich wirken<br />

und das Agieren an den Kapitalmärkten<br />

erschweren. Zudem könnten weitere,<br />

größere Zinsanhebungen den Druck auf<br />

Aktien und Immobilien zeitweise erhöhen.<br />

Da erscheint ein festverzinsliches – und nun<br />

auch wieder höher verzinstes – Wertpapier<br />

für den einen oder anderen Asset-Manager<br />

derzeit sogar als das attraktivste Gesamtpaket<br />

aus Risiko und Ertrag. Auch weil sich<br />

»Die Erzielung einer<br />

angemessenen Nettoverzinsung<br />

wird auch<br />

uns bis zu Beginn<br />

des nächsten Jahres<br />

herausfordern.«<br />

40<br />

35<br />

30<br />

25<br />

20<br />

15<br />

10<br />

5<br />

0<br />

Angaben in Prozent<br />

EBERHARD SAUTTER, HANSEMERKUR<br />

der Finanzierungsbedarf zur Zinszusatzreserve<br />

verringert hat.<br />

ZINSZUSATZRESERVE AUSFINANZIERT<br />

Apropos Zinszusatzreserve. Als notwendige<br />

Maßnahme im Dauerniedrigzins umfeld<br />

müssen Lebensversicherer sie verpflichtend<br />

bilden, um ihre Garantieversprechen dauerhaft<br />

einhalten zu können. Eine enorme Belastung<br />

für die Anbieter, da die notwendigen<br />

Erträge vorrangig aus der Realisierung<br />

stiller Reserven gewonnen wurden. Diese<br />

kehren sich aber gerade in stille Lasten<br />

um, wie beschrieben. Woher kommen also<br />

künftig die Erträge zur Finanzierung der<br />

Zinszusatzreserve (ZZR)? „Wir haben den<br />

Peak der Zinszusatzreserve bereits erreicht“,<br />

erklärt Bader. Dank der Korridormethode<br />

würde der Referenzzins beim aktuellen<br />

Zinsniveau bei 1,57 Prozent verbleiben. Es<br />

gäbe also keinen Nachlaufeffekt und die<br />

ZZR würde tendenziell zurückgehen.<br />

Das bestätigt auch die Württembergische:<br />

„Aufgrund des Zinsanstiegs und bei Fortsetzung<br />

dieses Niveaus in den kommenden<br />

Monaten, wird bereits für das aktuelle Geschäftsjahr<br />

kein weiterer Aufbaubedarf bei<br />

der ZZR bestehen.“ Auch Justen von der<br />

Fortsetzung auf Seite 26<br />

»ES WIRD EIN GUTES JAHR BEZÜGLICH DER KAPITALANLAGE«?<br />

Stimmung unter Asset-Managern verschlechtert sich.<br />

stimme überhaupt<br />

nicht zu<br />

2021 <strong>2022</strong><br />

stimme eher<br />

nicht zu<br />

neutral<br />

stimme<br />

eher zu<br />

stimme<br />

voll zu<br />

Quelle: Assekurata<br />

22 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22


SOLIDARITÄT MIT DER UKRAINE –<br />

PROTEST GEGEN DEN KRIEG<br />

FRIEDEN SCHAFFEN OHNE WAFFEN!<br />

Die ÖKOWORLD steht in ihrem Denken und Fühlen seit Gründung<br />

für den Frieden. Selbstverständlich sind Waffen und Rüstung aus<br />

allen Investments ausgeschlossen.<br />

KEINE BLUTIGE RENDITE. KEIN BLUTIGES GELD.<br />

Fassungslos beobachten wir das Kriegstreiben, das Wladimir Putin<br />

kaltblütig und ohne jeden Verstand und ohne jegliche menschliche<br />

Regung vollzieht.<br />

Die ÖKOWORLD verurteilt das Verhalten<br />

der russischen Regierung auf das<br />

Allerschärfste! Wir investieren nicht in<br />

Aktien von russischen Unternehmen!<br />

Es wird Krieg geführt, mitten in Europa.<br />

Hunderttausende Menschen, darunter viele<br />

Frauen und Kinder, fliehen vor dem Blutvergießen<br />

und der brutalen Gewalt in ihrem Land.<br />

Sie werden gnadenlos vertrieben aus ihrer Heimat.<br />

Unser Mitgefühl ist bei allen Menschen, den Familien aus der<br />

Ukraine, die nun in Furcht und Angst leben.<br />

Wir hoffen auf eine baldige Entspannung in der Ukraine.<br />

ÖKOWORLD AG<br />

Itterpark 1, 40724 Hilden, Telefon: 02103 | 28 41-0, E-Mail: Info@oekoworld.com, www.oekoworld.com


TITEL LV-Bilanzanalyse<br />

SCHNELLE ZINSWENDE: EIN SEGEN<br />

FÜR DIE LEBENSVERSICHERER?<br />

Die EZB hat den Leitzins erhöht:<br />

Verbessert sich dadurch die Lage der<br />

deutschen Lebensversicherer? Dr.<br />

Herbert Schneidemann (Deutsche<br />

Aktuarvereinigung) und Prof. Dr. Hartmut<br />

Walz (BdV) mit konträren Ansichten<br />

Dr. Herbert Schneidemann,<br />

Vorstandsvorsitzender der<br />

Deutschen Aktuarvereinigung (DAV)<br />

Seit einigen Monaten erleben wir an den Finanzmärkten eine<br />

seit Jahren nicht mehr gesehene Entwicklung: steigende Zinsen.<br />

Getrieben vom vorsichtigen Einstieg der großen Notenbanken<br />

in den Ausstieg aus der ultralockeren Zinspolitik und damit der<br />

Ära des superbilligen Geldes klettern die Renditen auch von deutschen<br />

zehnjährigen Staatsanleihen langsam Richtung 1 Prozent.<br />

Und der für die Versicherungen wichtige zehnjährige Euro-SWAP<br />

bewegt sich zum Zeitpunkt, als diese Zeilen entstanden, zwischen<br />

1,5 und 2,0 Prozent. Wohlgemerkt im positiven Bereich – vor<br />

Jahresfrist sah das alles noch ganz anders aus. Für die Versicherungen<br />

und damit schlussendlich auch für die Kundinnen und<br />

Kunden sind das gute Nachrichten.<br />

Vor diesem Hintergrund wirken<br />

pro<br />

auch auf mich die Stimmen von einigen<br />

Ökonomen und Wissenschaftlern<br />

in großen Medien irritierend,<br />

die die angeblichen Schattenseiten<br />

des Zinsanstiegs in<br />

den Fokus rücken und<br />

den Versicherungen<br />

bereits großen Abschreibungsbedarf<br />

auf<br />

ihre Wertpapiere attestieren.<br />

Aus aktuarieller<br />

Sicht können wir<br />

diesen Alarmismus<br />

nicht teilen. Richtig<br />

ist, die Kapitalanlage<br />

der deutschen Versicherer besteht zu 80 bis 85 Prozent weiterhin<br />

aus festverzinslichen Wertpapieren. In Zeiten fallender oder sogar<br />

negativer Zinsen haben diese Kapitalanlagen große „stille Reserven“<br />

hervorgebracht. Diese werden jetzt im Zinsanstieg kleiner<br />

und haben sich in den meisten Häusern wahrscheinlich bereits in<br />

„stille Lasten“ gewandelt. Aber beides sind reine Momentaufnahmen,<br />

die für die Versicherungsnehmenden keine Konsequenzen<br />

haben. Denn üblicherweise halten die Versicherungen diese Wertpapiere<br />

bis zur Endfälligkeit, wodurch sich stille Reserven oder<br />

stille Lasten von allein auflösen. Selbst die US-amerikanische Fed<br />

hat nach eigener Aussage inzwischen stille Lasten von 330 Milliarden<br />

Dollar, und sie wird nicht unruhig. Das unterscheidet das<br />

Geschäftsmodell der Versicherer elementar von dem Kurzfristansatz<br />

der Geschäftsbanken, die den Zinsanstieg sicherlich auch mit<br />

einem kleinen weinenden Auge betrachten.<br />

Anders verhält es sich in den Kapitalanlageabteilungen der<br />

Versicherungen. Aktuell können Neu- und Wiederanlagen<br />

deutlich rentabler als in der Vergangenheit getätigt werden.<br />

»Keine<br />

Dramatisierung<br />

stiller Lasten!«<br />

24 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22


LV-Bilanzanalyse TITEL<br />

Dies wird die Ertragskraft der Kapitalanlagenportfolios der<br />

Versicherer mit der Zeit stärken. Zudem zeigen die DAV-Berechnungen:<br />

Sollten sich die Zinsen auf dem heutigen Niveau<br />

stabilisieren, wird die seit 2011 zu stellende Zinszusatzreserve<br />

im Branchenschnitt Ende 2021 mit knapp 100 Milliarden Euro<br />

ihren Höchststand erreicht haben und in den kommenden Jahren<br />

sogar leicht fallen. Von beiden Entwicklungen werden die<br />

Versicherungsnehmenden unseres Erachtens mittel- bis langfristig<br />

in Form höherer Kapitalerträge profitieren. Für mich sind<br />

das ziemlich gute Aussichten.<br />

Die aktuellen Veränderungen der Zinsen im Euroraum bringen<br />

den Versicherern in Wahrheit keine positiven Kurzfristeffekte.<br />

Allerdings auch keine negativen. Sondern sie sind weitgehend irrelevant<br />

für die Versicherer.<br />

Um diese Einschätzung zu verstehen, muss man sich zunächst<br />

klarmachen, dass die „schnelle Zinswende“ eher ein zaghaftes<br />

„Zinswendchen“ ist, das zusätzlich noch reichlich verspätet<br />

kommt. Natürlich bewirken höhere Zinsen ein Abschmelzen<br />

stiller Reserven und bei dem einen oder anderen Versicherer auch<br />

den Aufbau stiller Lasten. Diese Wirkungen sind jedoch im Gesamtzusammenhang<br />

nicht bedrohlich stark und werden zum Teil<br />

durch den gegenläufigen Effekt höherer Erträge im Neuanlagegeschäft<br />

kompensiert.<br />

Und dass sich der Zinsanstieg für Euro-Staatsanleihen noch<br />

kräftig fortsetzt, wird von der überwiegenden Mehrheit führender<br />

Makroökonomen als extrem unwahrscheinlich erachtet. Vor<br />

dem Hintergrund extrem hoher Staatsschulden würden starke<br />

Zinserhöhungen nämlich schnell zum Bankrott mancher EU-<br />

Mitglieder und damit zu einem Auseinanderbrechen der Gemeinschaftswährung<br />

führen.<br />

Bei einer strikt nominellen Sichtweise und dem Szenario nur<br />

moderater Zinssteigerungen ist die Welt der Versicherer also in<br />

bester Ordnung, zumal sich mit wachsendem Zeithorizont die<br />

positiven Wirkungen einer etwas rentabler werdenden Wiederanlage<br />

verstärken. Und parallel dazu nehmen etwaige stille Lasten<br />

mit sinkender Duration (durchschnittlicher Kapitalbindungsdauer)<br />

niedrig verzinster Anleihebestände in<br />

den Kapitalanlageportefeuilles der Gesellschaften<br />

ab.<br />

Dummerweise ist die ökonomisch korrekte<br />

Sicht der Versicherungskunden<br />

eine ganz andere und darf sich nicht an<br />

nominellen Zinsen ausrichten. Sie muss<br />

sich vielmehr zwingend an dem erzielbaren<br />

Realzins orientieren. Und da während<br />

des kleinen „Zinswendchens“ die<br />

Verbraucherpreisinflation um ein Mehrfaches<br />

des Zinsanstiegs zugelegt hat,<br />

erleben die Versicherungssparer aktuell<br />

Realzinsverluste in bisher unbekanntem<br />

Ausmaß. Bei einem aktuellen Kaufkraft-Minus von knapp 8<br />

Prozent sinkt der reale Wert der in kapitalbildenden Versicherungsprodukten<br />

angelegten Kundengelder schon binnen Jahresfrist<br />

um circa 5 Prozent. An dieser Stelle zeigt sich einmal mehr<br />

die Wertlosigkeit nomineller Garantieversprechen. Mit anderen<br />

Worten: Während die Lage der Versicherer recht gemütlich ist,<br />

contra<br />

»Kunden sehen sich einer bedrohlichen<br />

Entwicklung durch die reale Entwertung<br />

ihrer Ansprüche gegenüber.«<br />

Prof. Dr.<br />

Hartmut Walz,<br />

wissenschaftlicher<br />

Beirat<br />

im Bund der<br />

Versicherten<br />

(BdV)<br />

sehen sich deren Kunden einer zunehmend bedrohlichen Entwicklung<br />

durch die reale Entwertung ihrer Ansprüche gegenüber.<br />

Allmählich, jedoch wieder einmal zu spät, verstehen die<br />

Menschen, wer die Rechnung der Geldmengenausweitung und<br />

einer schönen neuen Geldpolitik ( = Modern Monetary Theory)<br />

bezahlt. <br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />

25


TITEL LV-Bilanzanalyse<br />

Fortsetzung von Seite 22<br />

ALH und Sautter von der HanseMerkur<br />

gehen dank der Zinsanhebung zukünftig<br />

von einer „kontinuierlichen Auflösung“ der<br />

ZZR aus. Das deckt sich mit den Analysen<br />

von Assekurata: „Sollten die Zinsen ihr aktuelles<br />

Niveau nicht nur halten, sondern die<br />

positive Tendenz weiter fortsetzen, bliebe<br />

der Referenzzins bis 2027 auf konstantem<br />

Niveau und würde dann erstmalig steigen,<br />

wodurch sich der ZZR-Abbau zusätzlich<br />

beschleunigen würde“, so Heermann.<br />

Gute Nachrichten also, und dennoch<br />

hätte es kritisch werden können: wäre die<br />

Zinserhöhung gerade so hoch ausgefallen,<br />

dass sich stille Reserven in stille Lasten<br />

wandeln und die ZZR weiterhin hätte finanziert<br />

werden müssen. Alles Konjunktiv,<br />

der Zinsschritt war hoch genug. Künftig<br />

steht den Lebensversicherern die Zinszusatzreserve<br />

also immer mehr als Ertragsquelle<br />

zur Verfügung. Ende 2021 waren das<br />

immerhin fast 100 Milliarden Euro. Nicht<br />

jeder Lebensversicherer wird seine ZZR direkt<br />

auflösen können. Hier sind die Garantien<br />

im Bestand entscheidend. Wer über sie<br />

verfügen kann, dem wird es auch leichter<br />

fallen, den niedrig verzinsten Bestand an<br />

festverzinslichen Wertpapieren abzustoßen.<br />

Der Verlust kann durch die Erträge aus der<br />

ZZR kompensiert werden und der Weg ist<br />

frei für eine attraktive Neuanlage.<br />

ZINSERHÖHUNG IM NEUGESCHÄFT<br />

Spannend wird es, die Auswirkungen der<br />

Zinserhöhung auf das Neugeschäft zu<br />

beob achten. Viele Versicherer gewannen<br />

mit Einmalbeiträgen Kunden, die lediglich<br />

dem Strafzins entgehen wollten. Unter<br />

Druck könnten dann Anbieter geraten,<br />

bei denen Einmalbeiträge einen besonders<br />

hohen Anteil am Neugeschäft ausmachen.<br />

CosmosDirekt (60 Prozent), Ideal (66), SV<br />

Sachsen (73) oder HanseMerkur (88) sind<br />

hier zu nennen, wie der aktuelle <strong>procontra</strong>-<br />

LV-Check <strong>2022</strong> analysierte. Schwächelt<br />

dann noch das Geschäft gegen laufenden<br />

Beitrag, wie beispielswiese bei CosmosDirekt<br />

(minus 17,7 Prozent gegenüber 2020),<br />

dann steht ein großes Fragezeichen hinter<br />

dem zukünftigen Neugeschäft. Auf <strong>procontra</strong>-Anfrage<br />

wollte CosmosDirekt nicht<br />

antworten. Sautter von der HanseMerkur<br />

erwartet den skizzierten Rückgang: „Unser<br />

Einmalbeitragsgeschäft profitierte vom<br />

niedrigen Zinsniveau und von den Nega-<br />

»Wir haben den Peak<br />

der Zinszusatzreserve<br />

bereits erreicht.«<br />

Zins / Referenzzins (jahresbezogen)<br />

Angaben in Prozent<br />

DR. GUIDO BADER, DAV<br />

tivzinsen bei Banken. Die Nachfrage nach<br />

kapitalbildenden Produkten gegen Einmalbeitrag<br />

wird sich reduzieren, sodass<br />

wir im Neugeschäft eine Verschiebung zu<br />

Produkten gegen laufenden Beitrag, insbesondere<br />

zu fondsgebundenen Produkten<br />

erwarten.“<br />

Ein Rückgang der Einmalbeiträge würde<br />

dann auch die Kostenquoten beeinflussen.<br />

Sowohl Verwaltungs- als auch<br />

Abschlusskosten stehen in Relation zum<br />

Neugeschäft, genauer zu den gebuchten<br />

Bruttobeiträgen bzw. zur Beitragssumme<br />

des Neugeschäfts. Im Geschäftsjahr 2021<br />

hielten sich die Kostenquoten noch weitestgehend<br />

stabil gegenüber dem Vorjahr, obwohl<br />

die absoluten Aufwendungen stiegen.<br />

Geht das Neugeschäft – durch ausbleibende<br />

Einmalbeiträge – nun spürbar zurück, wird<br />

man in Zukunft steigende Kostenquoten<br />

beobachten. Sautter ordnet ein: „Die Verwaltungskostenquote<br />

vermittelt in dieser<br />

Situation allerdings ein unrichtiges Bild, so-<br />

ZINSZUSATZRESERVE WIRD ABSCHMELZEN<br />

Positiv-Szenario: steigende Zinsen<br />

ZZR-Bestand (nach Korridormethode)<br />

Referenzzins<br />

Fortsetzung auf Seite 30<br />

4 200<br />

3,5 175<br />

3 150<br />

2,5 125<br />

2 100<br />

1,5 1,57<br />

75<br />

1 50<br />

0,5 25<br />

0 0<br />

-0,5 -25<br />

2010<br />

2011<br />

2012<br />

2013<br />

2014<br />

2015<br />

2016<br />

2017<br />

2018<br />

2019<br />

2020<br />

2021<br />

<strong>2022</strong><br />

2023<br />

2024<br />

2025<br />

2026<br />

2027<br />

2028<br />

2029<br />

Bestand Zinszusatzreserve (kumuliert)<br />

Angaben in Mrd. Euro<br />

2030<br />

2031<br />

2032<br />

2033<br />

2034<br />

2035<br />

Quelle: ECB Statistical Data Warehouse, Deutsche Bundesbank, Assekurata<br />

26 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22


Paulo Patricio,<br />

HanseMerkur Organisationsdirektor<br />

Erstklassige KV für<br />

Beamten-Anwärter<br />

schon ab<br />

24.42<br />

€ / Monat*<br />

Top Gesundheitsschutz<br />

* Berücksichtigt sind 240 € Beitragsrückerstattung<br />

Bestleistung für Beamten-Anwärter und Referendare<br />

bietet die Private Krankenversicherung der<br />

HanseMerkur – und das zu besonders günstigen<br />

Konditionen dank umfangreicher jährlicher Beitragsrückerstattung.<br />

Selbstverständlich bleiben die<br />

Beiträge stabil – garantiert für 48 Monate, denn<br />

Hand in Hand ist HanseMerkur.


TITEL LV-Bilanzanalyse<br />

DAS BILANZJAHR 2021<br />

Die Zahlen der Anbieter und die Entwicklung zum<br />

Vorjahr. Blau unterlegte Kennzahlen bedeuten<br />

dabei eine Verbesserung, rot unterlegte eine<br />

Verschlechterung der jeweiligen Kennzahl.<br />

PROCONTRA-LV-NOTE<br />

Die <strong>procontra</strong>-LV-Note setzt<br />

sich aus den Ergebnissen<br />

der Teilbereiche Neugeschäft<br />

1 ++<br />

(20 Prozent), Finanzstärke<br />

(40), Erträge & Kosten (30)<br />

sowie Kundenzufriedenheit<br />

LV-Note (10) zusammen.<br />

Dabei wurden die Entwicklungen<br />

über die vergangenen drei Geschäftsjahre<br />

(2019–2021) berücksichtigt, um die Stabilität und<br />

Kontinuität in den Vordergrund zu stellen. Je nach<br />

Kennzahl wurde dafür das Dreijahresmittel bzw.<br />

die relative Entwicklung im Zeitraum herangezogen.<br />

LV-CHECK <strong>2022</strong> BESTELLEN<br />

Der <strong>procontra</strong>-LV-Check analysiert seit 2009 die<br />

Geschäftsberichte der wichtigsten deutschen<br />

Lebensversicherer. Die Studie ist damit eine der<br />

umfangreichsten Bilanzanalysen für den deutschen<br />

LV-Markt.<br />

Die aktuelle <strong>Ausgabe</strong> mit allen Zahlen und<br />

Entwicklungen ist ab sofort verfügbar.<br />

www.lv-check.net<br />

Verbesserung zum Vorjahr<br />

Verschlechterung zum Vorjahr<br />

1<br />

Neuzugang lfd. Beitrag + Einmalbeiträge/10<br />

2<br />

Anteil der RfB-Zuführung im Geschäftsjahr an gesamter RfB<br />

3<br />

Relation zwischen Zinszusatzreserve (ZZR) und gesamten<br />

Deckungsrückstellungen<br />

4<br />

Kapitalanlageergebnis, um die Zuführung<br />

zur Zinszusatzreserve bereinigt<br />

5<br />

Nach Steuern und ggf. Gewinnabführungsverträgen<br />

6<br />

Verschmelzung mit Plus Lebensversicherung zum 1.1.2020<br />

* Geschäftsbericht der Landeslebenshilfe bei Redaktionsschluss<br />

noch nicht verfügbar<br />

Lebensversicherer NEUGESCHÄFT<br />

Neuzugang<br />

nach APE 1<br />

Anteil<br />

Einmalbeiträge<br />

Brutto-<br />

Neugeschäftsquote<br />

Gebuchte<br />

Bruttobeiträge<br />

Beitragssumme<br />

des Neuzugangs<br />

Policen<br />

Mio. € % % Mio. € Mio. € Stück<br />

Marktschnitt/-summe 9.525,7 36,6 6,9 93.014,0 179.412,0 75.229.1<strong>04</strong><br />

Allianz 2.177,2 58,8 6,7 23.254,2 36.851,7 11.515.151<br />

Alte Leipziger 349,9 25,4 8,0 2.906,1 7.437,6 1.654.976<br />

Axa 219,7 20,6 5,2 2.662,9 5.558,3 2.487.000<br />

Barmenia 43,2 12,3 14,4 286,7 1.342,4 269.476<br />

Basler 63,5 8,7 9,1 535,7 1.979,8 674.050<br />

Bayern Lebensversicherung 379,2 54,0 9,2 3.502,2 5.470,0 2.317.182<br />

Concordia oeco 12,5 16,2 6,3 171,4 309,6 163.540<br />

Condor 45,5 15,9 11,6 340,8 1.091,6 239.239<br />

Continentale 140,9 11,1 11,1 997,8 4.119,9 896.300<br />

CosmosDirekt 172,9 59,5 3,1 2.176,0 2.299,4 1.255.343<br />

Credit Life 12,7 46,0 5,5 171,3 185,9 835.675<br />

Debeka 319,5 19,9 4,8 3.918,1 6.855,6 3.190.195<br />

Delta Direkt 2,5 0,0 4,8 51,6 48,0 82.156<br />

Dt. Ärzteversicherung 67,4 2,1 6,2 662,9 1.787,7 240.626<br />

DEVK Allgemeine 40,3 20,5 5,7 471,1 1.080,0 714.483<br />

Dialog 36,1 0,1 10,5 324,7 893,4 536.133<br />

die Bayerische 56,4 44,8 16,1 439,0 1.282,7 199.367<br />

Direkte Leben 1,6 6,4 3,5 35,4 34,6 134.411<br />

Dortmunder 4,8 4,3 0,2 22,4 150,9 22.952<br />

Ergo Vorsorge 149,5 2,7 1,1 1.021,8 4.434,9 1.386.118<br />

Europa 29,1 14,8 7,1 384,9 949,0 557.617<br />

Generali Deutschland 672,6 20,9 8,0 5.878,9 17.219,4 5.273.618<br />

Gothaer 100,3 49,7 4,5 1.314,9 1.746,3 1.175.770<br />

Hannoversche 86,8 28,3 7,2 1.052,8 1.550,6 1.095.779<br />

HanseMerkur 122,8 88,3 5,9 1.265,2 1.478,7 289.571<br />

HDI 121,9 11,3 5,2 1.630,0 2.635,0 1.884.807<br />

Helvetia 32,3 39,1 7,9 322,2 757,0 154.584<br />

Huk-Coburg 49,4 12,3 5,2 658,3 1.382,8 649.780<br />

Ideal 48,1 66,2 7,0 520,0 842,8 601.887<br />

Inter 6,5 19,4 3,9 86,5 166,2 98.627<br />

InterRisk 8,8 28,3 6,1 105,9 163,7 106.163<br />

Itzehoer 4,3 20,3 6,3 55,7 96,2 71.098<br />

LV 1871 87,1 28,9 10,1 759,2 2.114,0 643.902<br />

LVM 83,1 3,5 6,4 842,2 2.211,2 815.587<br />

Mecklenburgische 12,4 11,5 7,4 126,6 319,6 164.672<br />

Münchener Verein 15,9 31,9 6,3 167,5 309,4 127.509<br />

myLife 36,1 42,6 17,6 327,7 750,4 121.752<br />

Neue Leben 81,4 56,4 5,3 972,9 1.399,6 848.760<br />

Nürnberger 178,0 17,8 4,9 2.308,6 4.310,4 2.400.508<br />

Öffentliche Braunschweig 14,0 68,3 4,6 172,9 216,2 113.376<br />

Öffentliche Oldenburg 7,2 29,7 6,1 91,3 174,4 122.377<br />

Öffentliche Sachsen-Anhalt 16,9 55,4 6,9 189,8 282,2 284.878<br />

PB Leben 74,6 42,6 7,1 773,7 1.454,3 1.082.262<br />

Provinzial Hannover 32,0 32,3 3,9 546,1 824,4 725.932<br />

Provinzial NordWest 138,4 40,8 6,2 1.476,6 2.666,3 1.573.701<br />

Provinzial Rheinland 106,0 60,8 4,8 1.262,3 1.822,5 1.103.916<br />

R+V 1.435,1 28,8 9,4 8.038,0 12.560,4 5.502.992<br />

Signal Iduna 128,7 17,2 6,4 1.213,9 3.287,6 1.5<strong>04</strong>.438<br />

SparkassenVersicherung 184,4 50,8 7,7 1.926,7 3.297,2 1.541.171<br />

Stuttgarter 71,0 12,4 7,8 646,8 1.948,0 523.610<br />

Süddeutsche 0,9 7,9 0,0 31,7 12,1 46.105<br />

SV Sachsen 71,9 72,8 5,9 796,4 984,7 608.297<br />

Swiss Life 158,7 6,3 9,1 1.263,6 4.650,0 1.018.227<br />

Targo 141,5 37,2 15,2 1.092,4 2.605,3 1.851.738<br />

uniVersa 19,8 11,3 11,7 140,9 603,3 165.889<br />

Volkswohl Bund 128,1 10,5 5,7 1.596,2 3.875,0 1.500.376<br />

VPV 27,8 40,8 4,3 408,5 596,1 592.596<br />

VRK Lebensversicherung 12,0 17,4 4,6 165,1 262,7 203.792<br />

WGV 1,8 14,2 2,7 41,2 35,0 52.491<br />

Württembergische 187,3 44,0 5,0 2.180,0 3.997,9 1.857.877<br />

WWK 140,3 12,7 11,4 1.251,0 4.257,2 1.055.349<br />

Zurich 265,3 28,1 4,7 3.232,7 4.353,2 2.796.325<br />

28 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22


LV-Bilanzanalyse TITEL<br />

Freie-<br />

RfB-Quote<br />

FINANZSTÄRKE ERTRÄGE & KOSTEN KUNDENZUFRIEDENHEIT<br />

Zuführung Reservequote ZZR zur<br />

zur RfB 2 Deckungsrückstellung<br />

3<br />

Bereinigte Verwaltungskostenquote<br />

Nettoverzinsung<br />

(3 Jahre) 4<br />

Abschlusskostenquote<br />

Rohüberschuss<br />

5<br />

Storno<br />

(lfd. Beitrag)<br />

Storno<br />

(Anzahl)<br />

Beschwerden<br />

% % % % % % % Mio. € % % je 1 Mio. Verträge<br />

56,0 17,7 15,3 10,2 2,65 2,00 4,46 10.661,5 4,3 2,6 10,3<br />

61,2 19,8 20,5 7,9 3,08 0,99 3,70 3.151,0 4,0 1,4 10,2 2++<br />

44,0 27,8 10,8 10,6 2,33 1,56 3,92 343,5 5,9 2,2 5,0 1+<br />

55,4 23,9 16,2 13,0 3,41 2,99 4,54 556,7 4,2 2,0 14,6 2+<br />

37,0 33,6 7,6 10,3 2,48 2,99 3,00 45,4 7,1 4,0 19,2 2++<br />

64,3 19,5 14,6 13,3 3,40 3,07 5,21 86,0 4,2 2,9 10,6 1<br />

52,6 12,3 13,9 8,0 1,91 1,42 4,67 179,3 4,2 4,4 4,1 1<br />

50,9 8,1 3,0 11,0 2,33 2,25 4,61 6,8 3,8 1,9 12,1 2<br />

52,7 3,2 13,6 10,5 2,72 2,14 3,60 5,7 4,3 1,9 8,7 2++<br />

62,2 17,4 9,1 8,7 2,42 1,99 4,50 182,9 4,6 2,7 9,4 1+<br />

50,8 27,9 6,8 8,2 2,26 0,95 2,80 401,2 4,1 1,5 23,3 2++<br />

22,2 14,7 4,5 8,8 1,52 3,61 21,45 10,5 4,5 4,7 9,9 3++<br />

62,5 7,5 13,8 14,0 2,03 1,41 3,32 221,8 4,8 3,3 9,6 1<br />

84,0 16,3 25,2 4,9 2,47 1,77 7,82 26,0 1,7 0,6 0,0 2+<br />

52,2 33,8 11,8 11,1 2,54 3,51 5,02 145,6 3,4 1,5 12,6 1<br />

51,0 23,8 13,4 11,7 2,47 2,91 5,26 63,6 4,9 3,1 12,3 2+<br />

52,5 26,2 9,8 2,5 2,60 2,56 6,77 135,6 2,5 1,6 3,8 1<br />

56,2 26,2 9,9 3,5 4,61 1,80 4,24 49,5 4,9 3,8 5,5 1+<br />

60,6 15,5 13,1 10,0 1,35 5,14 5,55 10,8 2,3 1,8 0,0 1<br />

100,0 13,7 9,2 0,0 1,07 4,08 5,75 -3,3 4,5 9,4 0,0 2<br />

64,2 17,7 9,2 5,4 1,03 2,00 3,50 79,2 8,2 3,0 14,9 1+<br />

74,2 24,7 8,1 6,8 2,09 0,78 3,50 176,9 1,7 0,9 5,5 1<br />

63,1 9,0 9,0 10,3 2,47 2,29 4,62 471,4 4,5 2,7 10,6 2++<br />

63,7 26,2 10,1 10,2 2,78 1,93 5,68 175,6 3,4 2,2 21,5 1<br />

66,6 18,8 18,0 10,8 2,66 1,25 4,22 283,2 2,0 1,0 16,8 1<br />

49,7 22,1 3,8 5,6 2,91 0,33 3,40 52,6 5,2 2,2 14,3 2++<br />

56,1 27,6 16,4 12,4 2,62 4,43 6,51 285,3 3,9 1,9 18,1 2++<br />

42,1 32,3 9,5 9,7 2,61 4,10 4,73 30,1 4,3 3,1 6,5 2++<br />

72,6 30,1 8,0 12,6 1,56 1,97 3,21 1<strong>04</strong>,4 2,6 1,9 12,3 2++<br />

56,4 24,0 20,3 4,9 3,36 2,49 4,59 47,2 2,3 1,3 13,3 2++<br />

39,1 14,4 25,6 14,3 2,97 3,61 2,92 17,9 3,9 1,4 0,0 2++<br />

55,0 41,6 10,7 7,0 2,75 4,35 3,55 40,8 2,2 1,5 0,0 2++<br />

42,6 10,8 11,7 10,6 2,54 1,90 4,27 4,5 3,7 2,3 0,0 2+<br />

48,3 5,6 25,3 12,0 3,28 2,00 4,10 107,4 3,3 1,4 9,5 2++<br />

49,5 15,7 13,4 12,2 2,14 1,74 3,15 98,5 3,3 1,9 2,5 2++<br />

31,2 9,9 13,5 10,1 1,93 2,46 3,62 8,3 4,2 2,5 6,1 2++<br />

77,3 7,6 10,1 10,5 2,53 3,28 4,02 11,2 4,2 1,4 7,8 2+<br />

70,8 15,1 2,5 6,5 1,53 2,33 0,23 5,6 3,4 4,6 17,5 1<br />

73,6 10,4 16,3 10,1 2,80 1,42 6,15 68,6 3,7 5,5 11,5 2++<br />

53,5 26,3 13,8 9,4 2,29 3,74 5,95 367,0 4,2 2,2 12,6 2++<br />

35,7 19,5 24,0 10,0 3,25 3,39 4,60 24,6 3,6 2,0 0,0 2+<br />

26,7 21,9 14,2 10,7 2,49 1,99 4,85 9,3 2,8 3,8 0,0 2+<br />

33,7 25,6 19,5 9,0 2,22 1,34 5,51 17,7 3,6 2,9 3,5 1<br />

77,8 5,6 10,6 11,4 2,42 8,11 5,52 31,8 5,3 6,2 33,2 2<br />

24,1 20,8 18,0 11,0 2,64 2,73 6,00 111,7 3,6 2,7 12,0 2+<br />

62,8 10,4 9,5 11,2 2,19 2,51 5,31 68,5 3,9 3,6 10,6 2++<br />

68,4 15,0 16,6 10,0 2,69 1,44 5,82 110,9 3,6 4,8 7,1 2++<br />

33,6 15,5 12,7 7,6 1,93 1,11 4,76 376,6 3,2 3,3 3,4 1<br />

56,4 18,7 10,5 13,4 2,90 3,18 3,25 209,9 5,0 2,0 13,8 1<br />

48,7 8,5 14,9 9,6 2,23 1,92 4,90 132,7 3,9 3,1 10,2 2+<br />

25,3 17,2 12,4 9,9 2,75 2,38 5,11 72,9 4,9 2,7 7,8 2++<br />

90,1 9,2 14,8 13,8 1,87 2,59 3,12 3,2 5,0 3,2 0,0 2<br />

25,6 8,6 13,1 6,5 2,38 1,42 4,51 91,7 3,8 2,1 1,7 2++<br />

37,1 30,0 17,4 12,3 3,50 3,<strong>04</strong> 4,73 243,0 4,8 2,7 7,2 1<br />

66,5 13,3 12,4 5,5 1,94 11,88 6,00 58,6 13,1 8,4 4,7 2<br />

58,7 26,4 16,1 11,5 2,77 2,32 3,79 15,7 5,0 2,4 12,0 1<br />

23,6 24,3 16,8 11,7 2,42 1,66 4,45 249,1 3,9 2,4 12,8 1<br />

56,1 12,4 12,0 11,3 2,66 3,32 5,53 27,2 3,7 1,9 11,2 2++<br />

65,7 6,6 9,1 12,3 1,73 2,28 4,63 4,5 3,2 1,0 9,5 2<br />

66,1 30,7 6,9 12,6 2,98 2,19 4,92 19,1 1,3 0,6 18,7 2+<br />

61,1 19,6 8,0 11,6 3,15 1,76 4,53 334,8 4,7 1,7 3,6 1<br />

44,3 28,4 7,5 8,0 3,50 2,78 4,63 81,2 7,3 2,8 12,9 1<br />

38,9 7,6 16,5 11,1 2,88 2,54 7,88 179,6 4,7 2,7 9,7 2<br />

LV-Note <strong>2022</strong><br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />

29


TITEL LV-Bilanzanalyse<br />

ZU ABHÄNGIG<br />

VOM EINMALGESCHÄFT?<br />

Lebensversicherer<br />

Anteil Einmalbeiträge<br />

am Neugeschäft<br />

1 HanseMerkur 88,3 %<br />

2 SV Sachsen 72,8 %<br />

3 Öffentliche Braunschweig 68,3 %<br />

4 Ideal 66,2 %<br />

5 Provinzial Rheinland 60,1 %<br />

Markt 36,6 %<br />

VERWALTUNG<br />

Aufwendungen Quote<br />

in Mio. Euro<br />

in Prozent<br />

1.900<br />

1.850<br />

1.800<br />

1.750<br />

1.700<br />

1.650<br />

2017 2018 2019 2020 2021<br />

KOSTENQUOTEN UNTER BEOBACHTUNG<br />

2,30<br />

2,20<br />

2,10<br />

2,00<br />

1,90<br />

1,80<br />

1,70<br />

ABSCHLUSS<br />

Aufwendungen Quote<br />

in Mio. Euro<br />

in Prozent<br />

8.000<br />

7.500<br />

7.000<br />

6.500<br />

6.000<br />

2017 2018 2019 2020 2021<br />

4,70<br />

4,60<br />

4,50<br />

4,40<br />

4,30<br />

4,20<br />

4,10<br />

Quelle: <strong>procontra</strong>-LV-Check <strong>2022</strong> Quelle: <strong>procontra</strong>-LV-Check <strong>2022</strong><br />

Fortsetzung von Seite 26<br />

fern es um die Effizienz des Versicherungsbetriebs<br />

geht. Die in den letzten Jahren gezeichneten<br />

Einmalbeiträge liefern nicht nur<br />

im ersten Jahr, sondern während ihrer gesamten<br />

Vertragslaufzeit einen positiven Beitrag<br />

zum Verwaltungskostenergebnis. Das<br />

Einmalbeitragsgeschäft reduziert auf diese<br />

Weise bei gleichbleibenden Gesamtkosten<br />

dauerhaft die durchschnittliche Kostenbelastung<br />

des vorhandenen Versicherungsbestands,<br />

auch wenn dies in der Verwaltungskostenquote<br />

nicht zum Ausdruck kommt.“<br />

WANN PROFITIEREN DIE KUNDEN?<br />

Das Thema Zinserhöhung beherrscht derzeit<br />

auch die Beratungsgespräche zur Altersvorsorge.<br />

Kunden werden nun höhere<br />

Überschussbeteiligungen erwarten, erst recht,<br />

wenn Lebensversicherer keine ZZR mehr<br />

finanzieren müssen. Doch ganz so schnell<br />

wird es nicht gehen (können). Die Erträge<br />

aus der Auflösung der ZZR werden zunächst<br />

die niedrigeren Coupons im Bestand<br />

ausgleichen. Wie lange dieser Ausgleich erforderlich<br />

ist, bestimmt die Kapitalanlagestruktur<br />

der einzelnen Anbieter. Insgesamt<br />

werden Kunden aber wohl erst mittel- bis<br />

langfristig profitieren. Fraglich, wie wichtig<br />

die Überschussbeteiligung überhaupt noch<br />

ist. Anbieter und Vertriebe setzen immer<br />

stärker auf Produkte mit hybriden oder ganz<br />

ohne Garantiekomponenten. Dort spielt die<br />

Überschussdeklaration für die Wertentwicklung<br />

nur eine geringe oder gar keine Rolle<br />

mehr. Zumindest in der Ansparphase.<br />

Da die Rentenphase nach wie vor überwiegend<br />

klassisch im Deckungsstock abgebildet<br />

wird, bleibt die Überschussbeteiligung für<br />

Kunden aber wichtig. Bader rechnet damit,<br />

dass es noch „einige Jahre“ dauern wird,<br />

bis die Zinswende in den Überschussbeteiligungen<br />

für Kunden spürbar und sichtbar<br />

wird. In der Altersvorsorgeberatung gilt<br />

es ohnehin – trotz positiver Zinswende –,<br />

die Ertragschancen von Produkten in den<br />

Fokus zu stellen. Nur so kann der Inflation<br />

begegnet werden und die Kaufkraft langfristig<br />

erhalten bleiben. Das gelingt immer<br />

besser. Fondsgebundene Lösungen stehen<br />

laut <strong>procontra</strong>-LV-Check <strong>2022</strong> mittlerweile<br />

für 40,1 Prozent der laufenden Neubeiträge.<br />

Die Brutto-Neugeschäftsquote lag mit<br />

12,6 Prozent noch einmal deutlich über<br />

dem Vorjahreswert aus 2020 (10,3) – Tendenz<br />

weiter steigend.<br />

HERAUSFORDERUNGEN BLEIBEN HOCH<br />

Freie Vermittler müssen laut VVG einen<br />

hinreichenden Marktüberblick in ihrer Beratung<br />

gewährleisten. Dazu zählt insbesondere<br />

die Anbieterauswahl. Im Bereich der<br />

Lebensversicherer liefern hier die Entwicklung<br />

des Neugeschäfts gegen laufenden<br />

Beitrag, Kostenquoten und die Ergebnisse<br />

in der Kapitalanlage wichtige Hinweise auf<br />

den „Gesundheitszustand“.<br />

Der Rohüberschuss der Anbieter im<br />

<strong>procontra</strong>-LV-Check stieg auf 10,7 Milliarden<br />

Euro, was vorrangig an einer deutlich<br />

höheren Zuführung zur RfB lag. Erfreulich<br />

zeigte sich bislang die Stornosituation<br />

trotz aller wirtschaftlicher Unsicherheiten.<br />

Die Quote gegen laufenden Beitrag sank<br />

von 4,5 auf rund 4,3 Prozent 2021. Alle<br />

wichtigen Kennzahlen und Marktentwicklungen<br />

sind im <strong>procontra</strong>-LV-Check <strong>2022</strong><br />

analysiert worden. Die Bilanzanalyse ist ab<br />

sofort unter www.lv-check.net verfügbar.<br />

Bei der Frage „Fluch oder Segen?“ ist die<br />

Zinswende klar als Entlastung für die Lebensversicherer<br />

zu werten, vor allem langfristig.<br />

Angesichts der negativen Konjunkturaussichten<br />

und der stark angestiegenen<br />

Inflation bleibt die Situation für Versicherer,<br />

Vermittler und auch Kunden aber weiter<br />

angespannt. „Die hohe Inflation schränkt<br />

die Sparmöglichkeiten vieler Bürger ein und<br />

zehrt an der Realverzinsung der Policen“,<br />

kommentiert Assekurata-Geschäftsführer<br />

Dr. Reiner Will. „Zugleich könnten konkurrierende<br />

Bankprodukte bei weiter steigenden<br />

Zinsen wieder attraktiver werden,<br />

wobei sich dieser Effekt typischerweise erst<br />

zeitversetzt einstellt, wenn die Banken die<br />

höheren Zinsen auch tatsächlich an ihre<br />

Kunden weitergeben.“<br />

Auch die Regulierung fordert vor allem<br />

kleinere Lebensversicherer, die relativ gesehen<br />

höher belastet werden. (Teil-)Run-offs,<br />

wie zuletzt der Axa oder Zurich, und weitere<br />

Konsolidierungen und Übernahmen<br />

(zum Beispiel: Ideal kauft myLife) halten<br />

den Markt in Bewegung. Entsprechend<br />

steigt die Bedeutung für Vermittler, sich<br />

mit dem Zustand der Produktgeber intensiver<br />

auseinanderzusetzen, um verbindliche<br />

Empfehlungen aussprechen zu können.<br />

30 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22


Man muss nicht der Größte sein,<br />

um Großes zu erreichen.<br />

Ausgezeichnete Leistung: Unsere Private Krankenversicherung ist beim Deutschen<br />

Versicherungs-Award <strong>2022</strong> der Gesamtsieger in der Kategorie PKV Vollversicherung.<br />

Jetzt informieren:<br />

www.kv-voll-treffer.de


BUSCHFUNK Investmentfonds<br />

INVESTMENTFONDS<br />

ERHÖHUNG DES SPARERPAUSCHBETRAGS GEPLANT<br />

Kapitalerträge bis 1.000 Euro sollen steuerfrei bleiben<br />

Foto: Gettyimages<br />

Sparen soll sich wieder mehr lohnen. Aus diesem Grund plant Bundesfinanzminister Christian<br />

Lindner, den sogenannten Sparerpauschbetrag anzuheben. Kapitalerträge wie Zinsen und<br />

Dividenden sollen für Singles künftig bis zu einem Betrag von 1.000 Euro von der Einkommenssteuer<br />

befreit bleiben. Für Lebenspartner soll der Freibetrag von derzeit 1.602 auf 2.000<br />

Euro steigen. Eine entsprechende Maßnahme hatten die Ampel-Parteien bereits in ihrem<br />

Koalitionsvertrag vereinbart. Es wäre die erste Anhebung des Sparerpauschbetrags seit 22<br />

Jahren, sagte Lindner. Gerade in Zeiten steigender Preise sei dies notwendig. Auf diese Weise<br />

stärke man nicht nur die private Altersvorsorge, sondern auch die Anlage- und Aktienkultur<br />

der Deutschen.<br />

FRAUEN SETZEN AUF ROBO-ADVISORS<br />

Die Zahl der Anlegerinnen nimmt zu.<br />

Immer mehr Frauen setzen sich eigenständig mit ihren Finanzen auseinander.<br />

Das geht aus der Brokerwahl <strong>2022</strong> des Portals Brokervergleich<br />

hervor. „Wir sehen seit 2016 eine regelmäßige Steigerung, was<br />

die Anzahl der Frauen angeht“, so Projektmanager André Salzwedel.<br />

Dabei hätten Anlagen über Robo-Advisors einen signifikant höheren<br />

Anteil an Anlegerinnen. Bei den Anlageprodukten unterscheiden sich<br />

Männer und Frauen kaum: Mit 83 Prozent investieren die meisten<br />

Deutschen in Aktien, danach folgen Fonds und ETFs (73 Prozent).<br />

Foto: damircudic<br />

GRÜNE KAPITALANLAGEN BOOMEN<br />

Volumen nachhaltiger Geldanlagen auf Rekordhoch<br />

Foto: Simon Kr.<br />

Der Markt für nachhaltige Geldanlagen hat im vergangenen Jahr in Deutschland einen neuen<br />

Rekordwert erreicht. Das zeigt der aktuelle Marktbericht „Nachhaltige Geldanlagen <strong>2022</strong>“.<br />

Demnach stieg das Gesamtvolumen auf 501,4 Milliarden Euro und erhöhte sich damit im Vergleich<br />

zum Vorjahr um 50 Prozent – bei der letzten Erhebung waren es 25 Prozent gewesen.<br />

Der Marktanteil „grüner“ Kapitalanlagen liegt mittlerweile bei 9,4 Prozent. Ausschlaggebend<br />

für das kräftige Wachstum seien verschiedene Faktoren gewesen: 58 Prozent des Zuwachses<br />

von 91,4 Milliarden Euro entfielen auf die dynamische Wertentwicklung nachhaltiger<br />

Kapitalanlagen bzw. auf die Umstellung von Fonds auf Nachhaltigkeit. Weitere 40 Prozent des<br />

Zuwachses basierten 2021 auf Mittelzuflüssen seitens der Privatanleger.<br />

32<br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22


Investmentfonds BUSCHFUNK<br />

abrdn: Auflage China Next Generation Fund<br />

abrdn gibt die Auflegung des Aberdeen Standard Sicav I<br />

– China Next Generation Fund bekannt. Dabei handelt<br />

es sich um einen Small- und Mid-Cap-Fonds (SMID), der<br />

hauptsächlich in die am niedrigsten kapitalisierten 30 Prozent<br />

des chinesischen Aktienmarktes investiert, onshore<br />

(Festland) wie offshore (vor allem Hongkong).<br />

Foto: Iakov Kalinin<br />

Die Folgen des<br />

Zinsanstiegs<br />

Dr. Reiner Will,<br />

Geschäftsführender Gesellschafter und Mitbegründer der<br />

Assekurata Assekuranz Rating-Agentur<br />

Amundi: Erster ETF auf MIB ESG-Index<br />

Amundi hat den FTSE MIB Ucits ETF in den Italy MIB<br />

ESG – Ucits ETF DR gewandelt und bekräftigt damit sein<br />

Engagement für verantwortungsbewusstes Investieren.<br />

Der Amundi Italy MIB ESG – Ucits ETF DR ist der erste ETF<br />

auf den von Euronext neu geschaffenen MIB ESG-Index.<br />

Dieser umfasst aus den 60 liquidesten italienischen börsennotierten<br />

Unternehmen die 40 Aktien, die eine starke<br />

Umwelt-, Sozial- und Governance-Bilanz aufweisen.<br />

Vanguard: Vertriebsprofi wechselt zu SSGA<br />

State Street Global Advisors (SSGA) hat Markus Weis zum<br />

Deutschlandchef speziell für ihre ETF-Reihe SPDR ernannt.<br />

Weis ist ehemaliger Leiter Deutschland und Österreich des<br />

ETF- und Indexfondshauses Vanguard. Er wird in seiner<br />

neuen Funktion an Matteo Andreetto, Leiter für die Emea-<br />

Region bei SPDR, berichten.<br />

Lloyd Fonds: Umbenennung in Laiqon<br />

Der Vermögensverwalter Lloyd Fonds ändert seinen<br />

Namen und heißt bald Laiqon. Als Sachwerteanbieter<br />

gestartet, hat sich das Unternehmen seit 2018 auf liquide<br />

Publikumsfonds fokussiert und möchte mit dem Namenswechsel<br />

seine Neuausrichtung unter der Strategie<br />

„2023/25 2.0“ unterstreichen.<br />

Credit Suisse: Körner neuer Chef<br />

Die Credit Suisse Group AG (Credit Suisse) hat die Ernennung<br />

von Ulrich Körner zum Group Chief Executive Officer<br />

zum 1. August <strong>2022</strong> bekannt gegeben. Er ersetzt Thomas<br />

Gottstein, der zurückgetreten ist. Gleichzeitig hat die Bank<br />

angekündigt, dass sie eine umfassende strategische<br />

Überprüfung durchführt.<br />

Allianz GI: Erfolgreicher Transfer-Abschluss<br />

Allianz Global Investors (Allianz GI) hat den Transfer ihrer<br />

US-Investmentteams und der von ihnen verwalteten<br />

Vermögen zu Voya Investment Management (Voya IM) abgeschlossen.<br />

Dies ist Teil der strategischen Partnerschaft,<br />

die eine globale Vertriebsvereinbarung zwischen den<br />

beiden Unternehmen sowie eine 24-prozentige Beteiligung<br />

der Allianz Gruppe an Voya IM beinhaltet.<br />

Foto: Mariusz Szczygiel<br />

Achim Plate, CEO Lloyd Fonds<br />

Infolge der Corona-Pandemie und des Ukrainekrieges<br />

klettert die Inflation sprunghaft auf<br />

Rekordwerte. Die Zinsen steigen, und auch die<br />

Kreditrisikoprämien weiten sich deutlich aus.<br />

Damit erhöhen sich die Einstandsrenditen, was<br />

zunächst für Lebensversicherer und deren Kunden<br />

eine gute Nachricht ist. Allerdings kam der<br />

Umschwung sehr rapide. So stieg zum Beispiel die<br />

Rendite des zehnjährigen Bundes seit Jahresbeginn<br />

um 170 Basispunkte (Stand 30.6.<strong>2022</strong>).<br />

Und die Entwicklung scheint sich fortzusetzen,<br />

wollen die Notenbanken doch nach einem eher<br />

zögerlichen Vorgehen zu Beginn in diesem Jahr<br />

noch weitere Zinsschritte zur Bekämpfung der<br />

Inflation folgen lassen. Für die Lebensversicherer<br />

ergeben sich hieraus vielfältige Effekte. Positiv<br />

ist die Wirkung auf die Sicherheitslage, denn die<br />

Solvenzanforderungen sinken, was bereits heute<br />

in steigenden Solvenzquoten zu sehen ist. Diese<br />

Entwicklung sollte sich fortsetzen. Bereits auf<br />

dem jetzigen Zinsniveau muss die Branche kaum<br />

bzw. keine Zuführungen zur Zinszusatzreserve<br />

mehr leisten. Vielmehr sind branchenweit schon<br />

Entnahmen zu erwarten.<br />

Da der Zinsanstieg aber zu deutlichen stillen<br />

Lasten bei den festverzinslichen Wertpapieren<br />

führt, sind Hoffnungen auf höhere Überschüsse<br />

und Gewinnbeteiligungen verfrüht.<br />

Viele Versicherer werden geneigt sein, die Lasten<br />

bilanziell eher zu verarbeiten, als Überschüsse an<br />

die Kunden auszuschütten. Wachstumsimpulse<br />

sind daraus nicht abzuleiten.<br />

Zudem dürften Inflation, Pandemie und geopolitisches<br />

Umfeld die Absatzchancen trüben. Die<br />

Erholung an den Zinsmärkten wird sich somit erst<br />

mittelfristig für den Lebensversicherungskunden<br />

bezahlt machen.<br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />

33


INVESTMENTFONDS Anlergerpsychologie<br />

»Angst führt zu<br />

Handlungsdruck«<br />

Extreme Zeiten spiegeln sich in extremen Stimmungsbildern.<br />

Wie Stimmungsbarometer das Marktgeschehen einzufangen versuchen und was sie über<br />

mögliche künftige Entwicklungen aussagen können, erläutert Manfred Hübner.<br />

– TEXT: HEIKE GORRES –<br />

MANFRED HÜBNER ist<br />

neben Patrick Hussy<br />

Geschäftsführer<br />

der Sentix GmbH,<br />

eines Anbieters von<br />

Stimmungsindizes<br />

und Auswertungen<br />

dazu auf Basis der<br />

verhaltensorientierten<br />

Finanztheorie. Beide<br />

führen außerdem das<br />

Beratungsunternehmen<br />

Sentix Asset<br />

Management, wobei<br />

sie nach eigenen Angaben<br />

Erkenntnisse<br />

aus dem Anlegerverhalten<br />

anwenden und<br />

umsetzen.<br />

<strong>procontra</strong>: Derzeit kommen nicht sehr<br />

alltägliche Faktoren zusammen, etwa hohe<br />

Inflation bei niedrigen oder negativen<br />

Zinsen in Industrieländern, stark steigende<br />

Energiepreise, Lieferengpässe, große Unsicherheit<br />

aus dem Russland-Ukraine-Krieg.<br />

Inwieweit können Stimmungsindizes in<br />

Phasen wie diesen überhaupt „funktionieren“<br />

und daraus valide Aussagen abgeleitet<br />

werden?<br />

Manfred Hübner: Stimmungsindizes funktionieren<br />

gerade dann besonders gut, wenn<br />

34 Foto: Sentix Asset Management GmbH


Anlergerpsychologie INVESTMENTFONDS<br />

fristigen Sicht auf sechs Monate stellen<br />

die Menschen tendenziell umfassendere<br />

Überlegungen an, etwa zum Verlauf der<br />

Konjunktur oder zur Einschätzung, ob<br />

der Aktienmarkt teuer oder billig ist. Der<br />

Verhaltensökonom Richard Thaler hat<br />

dies einmal umschrieben als „schnelles“<br />

und „langsames“ Denken. Bei der Einmonatssicht<br />

kommt eher das „schnelle“,<br />

emotionale Denken zum Tragen und bei<br />

der Sechsmonatssicht das „langsame“,<br />

reflektierte Denken.<br />

<strong>procontra</strong>: Wie verarbeiten Sie die gewonnen<br />

Daten?<br />

Hübner: Die Fragen zur kurzen Frist zum<br />

Beispiel fangen das eigentliche Sentiment,<br />

die Stimmungslage, ein. Die Fragen zur<br />

mittelfristigen Sicht erfassen mehr die<br />

»Wo Wissen verloren<br />

geht, nehmen Emotionen<br />

einen immer<br />

größeren Raum ein.«<br />

Grundüberzeugung oder Wertwahrnehmung<br />

der Teilnehmer, was wir strategischen<br />

Bias nennen. Für die Auswertung<br />

der Daten und deren Interpretation nutzen<br />

wir zum einen eigene Modelle und statistische<br />

Analysen. Zum anderen natürlich<br />

Erkenntnisse aus der Theorie, insbesondere<br />

zur Behavioral Finance und zum Börsengeschehen,<br />

um die Ergebnisse einzuordnen.<br />

Ein weiterer Faktor ist unsere Erfahrung,<br />

die auch helfen kann bei der Interpretation<br />

einer Situation. Es ist immer ein Zusammenspiel<br />

aus diesen Elementen.<br />

<strong>procontra</strong>: Welche Verhaltensmuster<br />

kommen aus Ihrer Sicht besonders zum<br />

Tragen?<br />

Hübner: Stimmungen schwanken im Regelfall<br />

sehr schnell zwischen den Polen Angst<br />

und Gier. Sie sind außerdem ein konträrer<br />

Indikator. Ein sehr einseitiges negatives<br />

Stimmungsbild zum Beispiel ist ein Indiz<br />

dafür, dass die Kurse danach steigen. Wenn<br />

Sie sehr negativ gestimmt und gleichzeitig<br />

voll investiert als Beispiel für den Parameter<br />

„Handlung“, bekommen Sie Angst<br />

um Ihr Geld. Diese Angst können Sie im<br />

Regelfall nicht sehr lange aushalten! Sie<br />

große Unsicherheiten bestehen. Denn im<br />

Regelfall befördert die Unsicherheit die<br />

Emotion. Überall dort, wo, vereinfacht<br />

gesagt, Wissen verloren geht, nehmen<br />

Emotionen einen immer größeren Raum<br />

ein. Das führt auch bei den Indikatoren zu<br />

stärkeren Ausprägungen. Und je stärker<br />

die Ausprägungen, umso leichter ist es, die<br />

Situation zu erkennen und daraus Informationen<br />

abzuleiten.<br />

<strong>procontra</strong>: Das klingt sehr abstrakt. Wie<br />

sieht das konkret aus?<br />

Hübner: Das Entscheidungsverhalten von<br />

Menschen wird im Großen und Ganzen<br />

von drei Parametern bestimmt: „Wissen“,<br />

„Emotion“ und „Handlung“, das, was<br />

sie bisher getan haben. In dem Moment,<br />

in dem der Anteil des Wissens kleiner<br />

wird, weil etwa viele neue unbekannte<br />

Faktoren auftreten oder sehr komplex und<br />

widersprüchlich werden und damit die<br />

Abschätzung der Folgen sehr kompliziert<br />

wird, erhalten die Parameter Emotion und<br />

Handlung zwangsläufig mehr Gewicht<br />

und Einfluss. Wenn Sie zum Beispiel hoch<br />

investiert sind und die Kurse fallen nach<br />

einem unvorhersehbaren einschneidenden<br />

Ereignis, entstehen Überlebensängste. Es<br />

werden grundlegende Bereiche des Menschen<br />

berührt. So entstehen Handlungsautomatismen,<br />

die sich auch aus Ihrer<br />

Positionierung im Markt ergeben.<br />

<strong>procontra</strong>: Sie leiten aus Umfragewerten<br />

Stimmungsbilder ab und Aussagen, was<br />

diese Bilder bedeuten. Worauf gründen Sie<br />

diese Aussagen? Wenden Sie zum Beispiel<br />

schematisch das gesammelte Lehrbuchwissen<br />

aus der Behavioral Finance an?<br />

Hübner: In einer wöchentlichen standardisierten<br />

Online-Kapitalmarktumfrage<br />

sammeln wir zunächst die Daten für<br />

die verschiedenen Indizes und Indikatoren.<br />

Die Fragen sind so ausgewählt<br />

und gestellt, dass sie die drei Parameter<br />

des Entscheidungsverhaltens berücksichtigen.<br />

Zum Beispiel fragen wir nach<br />

der Einschätzung, wie sich der Deutsche<br />

Aktienindex DAX auf Sicht von einem<br />

Monat und von sechs Monaten entwickeln<br />

wird. Die unterschiedlichen Zeithorizonte<br />

trennen zu einem gewissen Grad die<br />

Emotion vom Wissen. Denn bei der Sicht<br />

auf einen Monat sind die Teilnehmer sehr<br />

in der Gegenwart verhaftet und antworten<br />

stark entsprechend dem, was sie gerade<br />

beschäftigt. Dies ist im Regelfall stark von<br />

der Emotion beeinflusst. Bei der mittelversuchen,<br />

sich den Schmerz, der damit<br />

einhergeht, von der Seele zu nehmen,<br />

indem Sie verkaufen oder Absicherungen<br />

vornehmen. Die Angst führt grundsätzlich,<br />

bei allen Menschen, zu Handlungsdruck,<br />

früher oder später. Das erzeugt dann das<br />

Potenzial für die Gegenbewegung. Wer<br />

seine Angst überwindet und antizyklisch<br />

kauft, wird in einer solchen Situation im<br />

Regelfall gut entlohnt.<br />

<strong>procontra</strong>: Welche Rolle spielt dann die<br />

mittelfristige Sicht im Verhalten der Anleger?<br />

Hübner: Die Grundüberzeugung, der strategische<br />

Bias, spiegelt ein gewisses Klima<br />

im Markt. Wenn die Anleger mittelfristig<br />

wieder optimistischer werden, entsteht<br />

das, was wir eine Buy-on-dip-Mentalität<br />

nennen, Kauf nach Kursrückgang. In dem<br />

Maße, in dem Sie mittelfristig optimistisch<br />

sind, können Sie zwar kurzfristig noch<br />

Angst haben, fangen aber bereits an, nach<br />

Chancen zu suchen. Umgekehrt ist es bei<br />

einem Hoch. Bevor die Kurse wieder anfangen<br />

zu fallen, haben Sie in der Regel bereits<br />

einen Rückgang im strategischen Bias.<br />

Denn wenn die Kurse sehr weit oben sind,<br />

gibt es die ersten Anleger, die sagen, dass<br />

die Aktien reichlich teuer geworden sind.<br />

Das heißt nicht, dass sie sofort verkaufen.<br />

Aber es machen sich Zweifel an der<br />

Werthaltigkeit der Aktien bemerkbar. Der<br />

mittelfristige Index hat somit eine Vorlauffunktion.<br />

Dann kann es irgendein Event<br />

sein, eine negative Konjunkturprognose,<br />

eine Gewinnwarnung oder was auch immer,<br />

dass die Anleger sagen: Jetzt verkaufe<br />

ich! Denn das hatte ich sowieso vor.<br />

<strong>procontra</strong>: Was waren extreme Stimmungsbilder,<br />

die Sie festgestellt haben, und was<br />

folgte dann in der Realität? Anfang Mai<br />

berichteten Sie zum Beispiel von einem<br />

niedrigen Punktestand für Aktien aus<br />

Euroland, den Sie noch nie zuvor gemessen<br />

hätten. „Meist treten solche Stimmungsextreme<br />

in der Nähe von Markttiefs auf.<br />

Sehr starke Stimmungseinbrüche können<br />

aber auch eine letzte große Lawine<br />

auslösen, die von Kurzschlusshandlungen<br />

begleitet werden. Dies war beispielsweise<br />

im August 2008 der Fall“, lautete die<br />

Interpretation.<br />

Hübner: Mit dem Punktestand im Mai<br />

haben Sie bereits einen der stärksten<br />

Extremwerte genannt. Generell kann man<br />

zwar sagen: Nach großem Pessimismus<br />

kommen steigende Preise. Wenn Sie<br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />

35


INVESTMENTFONDS Anlergerpsychologie<br />

STIMMUNGSBAROMETER FÜR DEN AKTIENMARKT EUROLAND (LARGE CAPS)<br />

10.000 0,40<br />

9.500 0,25<br />

9.000 0,10<br />

8.500 - 0,05<br />

8.000 - 0,20<br />

7.500 - 0,35<br />

7.000 - 0,50<br />

11. Juni 2021 17. Juni <strong>2022</strong><br />

Euro Stoxx 50 Net Return Index in Punkten<br />

Strategischer Bias und Sentiment skalieren zwischen -1 und +1 und zeigen den Saldo aus bullish minus bearish gestimmten Anlegern in Prozentpunkten. Quelle: Sentix<br />

es aber genauer analysieren, stellen<br />

Sie fest, dass extremer Pessimismus nicht<br />

ganz so „gut“ ist im Sinne einer bevorstehenden<br />

Marktdrehung wie fast extremer<br />

Pessimismus. Das hängt mit der Grundeinstellung<br />

zusammen. Wenn die Stimmung<br />

schlecht ist und der Wert des strategischen<br />

Bias nicht ansteigt, fehlt es an positiver<br />

Grundüberzeugung. Das ist dann extremer<br />

Pessimismus. In dieser Situation sind wir<br />

derzeit. Für einen „guten“ Boden, ab dem<br />

der Markt drehen könnte, fehlt eine positive<br />

Grundüberzeugung. Das wäre dann<br />

fast extremer Pessimismus.<br />

<strong>procontra</strong>: Sie machen also aus bestimmten<br />

Signalen zur Stimmung und zur Grundeinstellung<br />

mögliche Wendepunkte aus.<br />

Hübner: Ja. Im Regelfall beginnt der<br />

strategische Bias zu steigen, bevor der<br />

Markt sein Tief durchschreitet. Das ist<br />

auch logisch, weil die Anleger irgendwo<br />

im Trendverlauf sehen, dass die Aktien<br />

sehr viel billiger geworden sind, und nach<br />

Kaufgelegenheiten schauen. Das war zum<br />

Beispiel 2003 sehr schön zu sehen am<br />

Ende der geplatzten Dot-Com-Blase. Die<br />

Kurse waren am Boden, aber schon im<br />

Tief wurde die mittelfristige Erwartung<br />

positiver, während das Sentiment noch negativ<br />

blieb. Die Anleger hatten noch Angst<br />

aus der Dotcom-Blase heraus, zeigten aber<br />

Strategischer Bias und Sentiment in Prozentpunkten<br />

»Im Mai <strong>2022</strong> haben<br />

wir einen der<br />

stärksten Extremwerte<br />

verzeichnet.«<br />

wieder Kaufbereitschaft. Die „guten“ Tiefpunkte<br />

zeichnen sich dadurch aus, dass der<br />

Bias schon steigt, während die Stimmung<br />

schlecht ist. Das ist ein idealer Zeitpunkt<br />

zum Kauf – noch dazu, wenn die Depotstände<br />

leer sind und Anleger somit kräftig<br />

investieren können.<br />

<strong>procontra</strong>: Im weiteren Verlauf des Mai<br />

haben die Aktienkurse wieder etwas angezogen.<br />

Wie ordnen Sie dies ein?<br />

Hübner: Ende Mai zeigte sich die Besonderheit,<br />

dass das Sentiment gestiegen ist nach<br />

leichten Kursanstiegen an den Börsen,<br />

doch das Grundvertrauen sich nach wie<br />

vor nicht verbessert hat. Das ist für uns<br />

„schlechter“ Optimismus. Wenn sich<br />

diese Konstellation in den nächsten vier<br />

Wochen nicht verändert, stimmungsmäßig<br />

also womöglich noch ein Optimismusschub<br />

kommt und die Grundüberzeugung<br />

schwach bleibt, haben wir ein relativ<br />

hohes Risiko, dass die Sommerwochen<br />

problematisch werden.<br />

<strong>procontra</strong>: Welche weiteren zentralen<br />

Annahmen nutzen Sie, um das Marktgeschehen<br />

zu deuten?<br />

Hübner: Neben den verschiedenen Signalen<br />

selbst werten wir auch deren Verlaufsmuster<br />

aus. Wenn wir zum Beispiel ein<br />

bestimmtes Sentiment häufig in der Datenbank<br />

beobachten, betrachten wir, wie sich<br />

der Markt im Durchschnitt vorher bewegt<br />

hat und wie danach.<br />

Für ein sehr negatives Sentiment zum<br />

Beispiel brauchen Sie im Regelfall 20 Handelstage<br />

hintereinander deutlich fallende<br />

Kurse. Danach sind die Leute einfach<br />

fertig! Im Mai hatten wir ein solches Sentiment<br />

nach 20 Tagen fallenden Kursen.<br />

Kurz danach ist die Stimmung leicht<br />

angestiegen, wie es auch typischerweise<br />

der Fall ist. Wenn das Entstehungsmuster<br />

entsprechend unserer Auswertung typisch<br />

ist, ist im Regelfall auch die Folgewirkung<br />

typisch.<br />

<strong>procontra</strong>: Wie deuten Sie eine sehr negative<br />

Stimmung ohne zuvor längere Kursverluste?<br />

Hübner: Wenn ein sehr negatives Sentiment<br />

entsteht, ohne dass die Kurse vorher<br />

länger gefallen sind, muss man umgekehrt<br />

anzweifeln, dass die Folgewirkung so sein<br />

wird wie im typischen Fall. Einfach aus<br />

dem Grund, dass die Leute nicht die Reaktionszeit<br />

hatten. Die Angst ist zwar da.<br />

Die Stimmung ist in diesem Fall aber etwas<br />

anders einzuordnen, als wenn die Kurse<br />

vorher über eine längere Periode gefallen<br />

sind. Der Aspekt, wie eine Stimmung entstanden<br />

ist und was man daraus ableiten<br />

kann, wird aus unserer Sicht von vielen im<br />

Markt noch unterschätzt.<br />

<strong>procontra</strong>: Können Stimmungsbilder<br />

Marktereignisse nicht auch forcieren?<br />

Hübner: Das ist das berühmte Henne-Ei-<br />

Problem: Es lässt sich nicht sagen, was<br />

zuerst da war. Denn alles ist mit allem<br />

irgendwie verbunden. Letztlich ist es so:<br />

Die Stimmung ist eine Funktion vom Preis.<br />

Wenn Marktpreise steigen oder fallen,<br />

führt das dazu, dass die Stimmung besser<br />

wird oder schlechter. Sind die Stimmungen<br />

extrem, wirken sie wiederum auf den Preis<br />

ein, weil der Markt sehr einseitig geworden<br />

ist. Es gibt in diesem Spiel keinen<br />

Anfang und kein Ende.<br />

36 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22


Cover.indd 1 11.10.16 10:35<br />

Sach<br />

macht<br />

Krach.<br />

#05 | 2016Oktober/November 2016<br />

Trend zu Sachversicherungen | Raffelhüschen im Interview | Politik als Investmentrisiko | Maklers Lieblinge 2016 | Kosteneffekt durch LVRG | Schadensregulierung durch den Makler | Bi liges Baugeld<br />

FINANZEN<br />

www.<strong>procontra</strong>-online.de<br />

#Raffelhüschen<br />

Warum Altersvorsorge kinderleicht<br />

ist und dennoch viele<br />

Deutsche daran scheitern<br />

MACH’<br />

SACH!!<br />

#LV-Check<br />

Oktober/November 2016 – D: 4,80 € • I: 6,50 € • E: 6,50 €<br />

Welche Wirkung das LVRG bereits<br />

im ersten Bilanzjahr auf die<br />

Kostenquoten hatte<br />

2016<br />

#05<br />

Das freie Finanzmagazin<br />

#Lieblinge<br />

Welche Versicherer die Makler<br />

zu ihren „Favoriten des Jahres“<br />

kürten<br />

Für alle, die Sach machen wollen.<br />

MACH SACH!!<br />

Bestellbar unter:<br />

www.<strong>procontra</strong>-online.de/printarchiv<br />

<strong>procontra</strong> – Das freie Finanzmagazin


INVESTMENTFONDS ETFs<br />

IM ZWEIFEL FÜR DEN INDEX<br />

In kritischen Marktphasen wie in den ersten Monaten dieses Jahres stehen vor allem passive<br />

Anlageprodukte auf der Einkaufsliste. Dann kommen ihre spezifischen Vorteile zum Tragen.<br />

– TEXT: HEIKE GORRES –<br />

Im ersten Quartal <strong>2022</strong>, unter anderem<br />

geprägt von hoher Inflation bei niedrigen<br />

oder negativen Zinsen in Industrieländern,<br />

negativen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Politik<br />

und großer Unsicherheit aus<br />

dem Russland-Ukraine-Krieg haben ETFs,<br />

börsengehandelte Indexfonds, auf dem<br />

europäischen Markt netto gut 38 Milliarden<br />

Euro an neu investierten Geldern<br />

verzeichnet. Indexfonds in Form passiver<br />

Investmentfonds haben netto rund 18 Milliarden<br />

Euro an Neugeldern eingenommen.<br />

Aus aktiv gemanagten Fonds hingegen haben<br />

Anleger unter dem Strich nahezu 145<br />

Milliarden Euro abgezogen, wie aus einem<br />

Bericht des Fondsanalysehauses Refinitiv<br />

Lipper hervorgeht. Vor allem kräftige Abflüsse<br />

aus Geldmarktfonds haben dort zu<br />

Buche geschlagen – vermutlich auch, um<br />

Verlusten aus der Inflation entgegenzuwirken.<br />

Mischfonds haben als einzige Produktgruppe<br />

der aktiv gemanagten Fonds<br />

netto deutliche Zuflüsse erhalten. Offene<br />

Immobilienfonds, alternative Fonds und als<br />

„andere“ klassifizierte Fonds haben eher<br />

marginal neue Anlegergelder verbucht.<br />

„Die Tatsache, dass die europäischen<br />

Anleger in Zeiten von Marktturbulenzen<br />

passive Produkte kaufen, ist nicht überraschend“,<br />

kommentiert Detlef Glow, Leiter<br />

des Research Europa, Naher Osten und<br />

Afrika (Emea) bei Refinitiv Lipper und Autor<br />

des Berichts. Eine Mittelbewegung in<br />

Richtung passive Anlagen sei in Zeiträumen<br />

schwieriger Marktbedingungen eher der<br />

Normalfall, erläutert der Researcher mit<br />

38 Illustration: Roman Kulon


ETFs INVESTMENTFONDS<br />

Blick auf frühere Krisenjahre. Im schwachen<br />

Börsenjahr 2018, mit Handelskonflikten<br />

der USA mit China und der EU und<br />

anhaltenden Brexit-Verhandlungen, haben<br />

aktiv gemanagte Fonds am europäischen<br />

Markt deutlich mehr Ab- als Zuflüsse verbucht,<br />

während passive Portfolios mehr<br />

Zu- als Abflüsse registriert haben. Das Gleiche<br />

war im Euro-Krisenjahr 2011 der Fall.<br />

2008, im Jahr der Finanzkrise, haben aktiv<br />

gemanagte Produkte massive Geldabflüsse<br />

erlebt, während ETFs deutliche Mittelzuflüsse<br />

verbucht haben. Passive Investmentfonds<br />

haben damals etwas mehr Gelder<br />

verloren als eingenommen (siehe Grafik).<br />

800<br />

600<br />

400<br />

200<br />

0<br />

<strong>2022</strong>: PASSIV SCHLÄGT BISLANG AKTIV<br />

Nettomittelzuflüsse am europäischen Markt<br />

»Gerade in unruhigen<br />

Zeiten wollen Anleger<br />

wissen, was sie im<br />

Portfolio haben.«<br />

DETLEF GLOW, REFINITIV LIPPER<br />

-200<br />

-400<br />

-600<br />

20<strong>04</strong> 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 <strong>2022</strong><br />

YTD<br />

ETFs Indexfonds aktiv gemanagte Fonds<br />

Angaben in Milliarden Euro Quelle: Refinitiv Lipper; <strong>2022</strong> YtD = 1. Januar bis 31. März <strong>2022</strong><br />

kaufen, wobei sie sofort den Preis für die<br />

Wertpapiere genannt bekämen. Bei Investmentfonds<br />

dagegen gebe es vom Zeitpunkt<br />

der Order zum Kauf oder Verkauf bis zur<br />

tatsächlichen Ausführung eine Zeitverzögerung.<br />

„Aufgrund der Zeitverzögerung<br />

bei der Orderabwicklung wissen die Investoren<br />

den Kaufpreis bzw. die Höhe des<br />

Verkaufserlöses erst nach der Orderausführung,<br />

was zu ungewollten Überraschungen<br />

führen kann“, beschreibt der Beobachter.<br />

Transparenz und Handelbarkeit spielen<br />

auch für Markus Jordan, Gründer des<br />

ETF-Anlegerportals extraETF.com, eine<br />

wesentliche Rolle bei den Mittelzuflüssen<br />

im ersten Quartal des laufenden Jahres,<br />

ebenso die Absicht, Risiken zu verringern.<br />

Im Zuge der großen Unsicherheit wollten<br />

Vermögensverwalter und Asset-Manager<br />

ihr Portfolio konservativer gestalten und<br />

hätten Aktien verkauft, meint Jordan. Im<br />

März haben die Aktienmärkte schließlich<br />

deutliche Tiefstände erreicht. „Als sie wieder<br />

gedreht haben, wollten viele Investoren<br />

vermutlich möglichst schnell wieder einsteigen,<br />

um die Aufwärtsbewegung mitzunehmen.<br />

Das geht am besten über ETFs“,<br />

führt der ETF-Spezialist aus. Die Chance<br />

auf einen Mehrertrag aus einem aktiv gemanagten<br />

Produkt sei in einer solchen Si-<br />

HÖCHSTMÖGLICHE KLARHEIT<br />

REDUZIERT RISIKEN<br />

„Gerade in unruhigen Zeiten wollen Anleger<br />

wissen, was sie im Portfolio haben, um<br />

gezielt Entscheidungen treffen zu können“,<br />

sagt Glow. „Bei ETFs kennen die Anleger<br />

die Indexkomponenten auf täglicher Basis<br />

sehr genau und können so beurteilen, ob sie<br />

diese im Portfolio haben wollen oder nicht.<br />

Sie können zudem aus der Indexbewegung<br />

ableiten, wie sich der ETF in ihrem Portfolio<br />

entwickeln sollte.“ Für passive Indexfonds<br />

gelte im Prinzip das Gleiche.<br />

Aktiv gemanagte Fonds böten diese<br />

Transparenz nicht. Dort würden in der<br />

Regel die zehn größten Einzelwerte dargestellt<br />

sowie die Aufteilung des Fonds nach<br />

Ländern und Sektoren oder ähnlichen Kriterien<br />

aufgezeigt. „Aufgrund der aktiven<br />

Auswahl der Titel kann die Wertentwicklung<br />

erheblich von der der Benchmark oder<br />

dem Markt abweichen, was zu Unsicherheit<br />

führt“, meint Glow.<br />

Dazu komme eine deutlich bessere Handelbarkeit<br />

von ETFs im Vergleich zu Investmentfonds.<br />

Investoren könnten einen ETF<br />

während der Öffnungszeiten der entsprechenden<br />

Börsen jederzeit kaufen und vertuation<br />

zweitrangig. „Der entgangene Nutzen,<br />

nicht investiert zu sein, wenn die Kurse<br />

wieder anziehen, wiegt dann schwerer als<br />

die Chance, mit einem aktiv gemanagten<br />

Fonds eventuell einen Mehrwert zu erzielen“,<br />

begründet Jordan. Es könne daher gut<br />

sein, dass einige Kapitalverwalter im weiteren<br />

Jahresverlauf die ETFs wieder verkaufen<br />

und stattdessen wieder verstärkt auf aus<br />

ihrer Sicht gute Fondsmanager setzen. Die<br />

Bilanz am Ende des Jahres wird es zeigen.<br />

PRO<br />

JETZT AUF PASSIV STELLEN?<br />

Anleger nehmen<br />

positive Marktentwicklung<br />

voll mit<br />

ETFs sind sehr<br />

schnell und preisgenau<br />

handelbar<br />

Indexfonds bieten<br />

hohen Grad echter<br />

Marktnachbildung<br />

CONTRA<br />

Anleger nehmen<br />

negative Marktentwicklung<br />

voll mit<br />

ETFs mit synthetischer<br />

Marktabbildung<br />

haben Tücken<br />

Indexfonds haben<br />

nicht immer niedrige<br />

Kosten<br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />

39


INVESTMENTFONDS Rohstoffe<br />

VERLOCKENDE FALLE?!<br />

Die hohen Energiepreise für Öl und Gas belasten Verbraucher und locken Anleger.<br />

Ein Investment stellt Anleger vor die Frage, wie sie zum Thema Nachhaltigkeit stehen.<br />

– TEXT: STEFAN TERLIESNER –<br />

40 Illustration: Roman Kulon


Rohstoffe INVESTMENTFONDS<br />

Der Einmarsch der russischen Armee in die<br />

Ukraine bringt nicht nur viel menschliches<br />

Leid mit sich, er wirbelt auch die Rohstoffmärkte<br />

durcheinander. Nach Auffassung<br />

fast aller Ökonomen dürften die Preise für<br />

Erdöl und Erdgas noch einige Jahre auf relativ<br />

hohem Niveau liegen. Was weltweit<br />

die Verbraucher zum Teil finanziell hart<br />

trifft und aktuell die Inflationsraten zusätzlich<br />

in die Höhe treibt, beschert Anlegern in<br />

Rohstofffonds ordentliche Gewinne.<br />

PARADOXE SITUATION<br />

Das Problem: Rohstoffe sind eine eher<br />

exotische Anlageklasse und werden von<br />

Finanzberatern nicht oft thematisiert, wie<br />

Sebastian Weißschnur, Mitglied der Geschäftsführung<br />

des Maklerverbunds FinanzNet,<br />

gegenüber <strong>procontra</strong> betont (siehe<br />

„Maklers Meinung“). Auch passen die<br />

„Klimakiller“ Öl und Gas so gar nicht zum<br />

Wunsch vieler Kunden nach einer nachhaltigen<br />

Geldanlage. Paradoxerweise kurbelt<br />

aber nicht nur der Krieg, sondern ausgerechnet<br />

auch die Energie- und Mobilitätswende<br />

die Teuerung bei Öl und Gas an.<br />

So befindet sich der Ölpreis „in einem<br />

Kraftfeld zwischen der hohen Nachfrage<br />

nach Energie und dem erklärten Willen,<br />

den Abschied von fossilen Energieträgern<br />

zu beschleunigen, um dem Klimawandel<br />

Grenzen zu setzen“, erklärt Max Holzer,<br />

Investmentstratege bei Union Investment.<br />

Vor dem Hintergrund der Energiewende<br />

habe die Ölindustrie „sehr lange nicht mehr<br />

investiert, schließlich sollen erneuerbare<br />

Energien Öl und Gas ersetzen“. Warum<br />

also noch viel Geld in die Hand nehmen,<br />

um ein neues Ölfeld zu erschließen?<br />

ÖLMULTIS AM DRÜCKER<br />

Die Folge: Die Förderkapazitäten könnten<br />

nicht mehr rasch hochgefahren werden. Die<br />

Ölunternehmen habe das in eine komfortable<br />

Situation gebracht. Die Kosten seien<br />

niedrig, weil wenig investiert wurde, aber<br />

die Cashflows dank der kräftigen Nachfrage<br />

und der hohen Preise immens. „Kein<br />

Wunder, dass die Aktien von Ölkonzernen<br />

in der jüngsten Vergangenheit sehr gut abgeschnitten<br />

haben“, resümiert Holzer.<br />

Das wiederum ist der Grund, weshalb<br />

Fonds wie BlackRock Global Fund World<br />

Energy oder Xtrackers MSCI World Energy<br />

in den letzten zwölf Monaten eine Rendite<br />

von fast 55 Prozent schafften (siehe Tabelle).<br />

In beiden Fonds sind die Ölkonzerne<br />

FONDSNAME TYP ISIN<br />

BlackRock Global<br />

Funds World Energy<br />

Xtrackers MSCI<br />

World Energy<br />

iShares Stoxx 600<br />

Oil & Gas<br />

Auswahl; Ranking jeweils gemäß Performance 1 Jahr <br />

und Tankstellenbetreiber Shell, Exxon Mobile,<br />

Chevron, TotalEnergies und Conoco-<br />

Phillips die größten Positionen.<br />

Der börsengehandelte Indexfonds iShares<br />

Stoxx Europe 600 Oil & Gas, der nur in<br />

europäische Unternehmen investiert, kann<br />

damit nicht mithalten, erzielte auf Sicht<br />

AUSGEWÄHLTE ROHSTOFFFONDS<br />

Subline sogjdhd gdgs gfsd<br />

RENDITE in %<br />

1 Jahr 3 Jahre p. a. 5 Jahre p. a.<br />

LFD. KOSTEN<br />

p. a. in %<br />

Energie- und Rohstoffaktien LU0122376428 54,74 10,47 6,81 2,06<br />

Energie- und Rohstoffaktien-ETF IE00BM67HM91 52,<strong>04</strong> 9,17 7,15 0,25<br />

Energie- und Rohstoffaktien-ETF DE000A0H08M3 26,58 3,13 5,75 0,46<br />

UniCommodities Derivate auf Rohstoffindizes LU0249<strong>04</strong>5476 24,34 18,7 12,23 1,40<br />

DJE Gold &<br />

Ressourcen<br />

Goldminenaktienanteil zzt. 45 % LU0159550077 1,18 8,91 5,55 1,99<br />

»Die Ölindustrie<br />

hat sehr lange nicht<br />

mehr investiert.«<br />

MAX HOLZER, UNION INVESTMENT, RELATIVE RETURN<br />

Stand: 21.06.<strong>2022</strong>; Quelle: Morningstar<br />

von einem Jahr aber immerhin eine Wertsteigerung<br />

von rund 27 Prozent. Dominierende<br />

Position im Fonds ist Shell mit rund<br />

29 Prozent, gefolgt von TotalEnergies (15,1<br />

Prozent) und BP (14,3). Dieser Passivfonds<br />

ist also nicht so breit aufgestellt; bei Shell<br />

muss man sogar von einem Klumpenrisiko<br />

sprechen. Dessen müssen sich Anleger bewusst<br />

sein.<br />

RAFFINERIEN FALLEN AUS<br />

Die drei Fonds sind aktuell also stark in<br />

Unternehmen investiert, die den Großteil<br />

ihres Geschäfts mit Erdöl und daraus raffinierten<br />

Produkten erzielen. Letztere haben<br />

sich nach Ansicht von Holzer von der Entwicklung<br />

des Ölpreises etwas abgekoppelt,<br />

sprich: Der Preis für Benzin ist noch kräftiger<br />

gestiegen als der für Erdöl. Die hohen<br />

Kosten an der Zapfsäule lägen nicht zuletzt<br />

daran, dass Russland nicht nur ein bedeutender<br />

Ölexporteur sei, sondern auch viele<br />

Ölprodukte ins Ausland verkaufe. Auch in<br />

die EU habe Russland bisher reichlich Diesel<br />

und Benzin exportiert. Diese Produktion<br />

lasse sich nicht ohne Weiteres ersetzen.<br />

Da durch den Krieg auch Raffinerien<br />

ausfielen, herrsche bei den verbliebenen<br />

Standorten Hochbetrieb, dementsprechend<br />

blieben auch die Preise noch eine Weile<br />

hoch. Zudem beginne in Europa die Urlaubssaison<br />

und China lockere seine Corona-Maßnahmen<br />

und benötige wieder mehr<br />

Öl. Auch deshalb blieben in den kommenden<br />

Monaten die Preise für Erdöl wie auch<br />

für raffinierte Produkte hoch.<br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />

41


INVESTMENTFONDS Rohstoffe<br />

MAKLERS MEINUNG<br />

»Komplexes<br />

Beratungsfeld«<br />

SEBASTIAN WEISSSCHNUR,<br />

Mitglied der Geschäftsführung<br />

des Maklerverbunds FinanzNet<br />

Aktuell sind Rohstofffonds ein „Renditetreiber“,<br />

und vermutlich bleibt das auch noch<br />

eine Weile so. Vermittler, die mit Rohstoffinvestments<br />

bisher kaum Erfahrungen<br />

gesammelt haben, sollten jetzt aber nicht<br />

hektisch dieses Themenfeld beackern. Die<br />

Beratung zu Rohstoffen ist komplex und<br />

haftungsträchtig: Die Preise hängen stark<br />

von politischen Entscheidungen ab. Zudem<br />

passen Rohstofffonds nicht zum Wunsch<br />

vieler Kunden nach einer nachhaltigen<br />

Geldanlage, die die ESG-Kriterien erfüllt.<br />

Auch wegen der EU-Regulierung – Stichwort<br />

Taxonomie – haben viele Vermittler<br />

ihre Produkt-Portfolios inzwischen an der<br />

Erfüllung der ESG-Kriterien ausgerichtet.<br />

Konsequenterweise sind dadurch Investments<br />

in Öl, Gas und andere schmutzige<br />

Rohstoffe uninteressant. Neu geschaffene<br />

Strukturen jetzt über den Haufen zu werfen<br />

oder die bereits aufgebaute Reputation in<br />

Sachen Nachhaltigkeit durch die Vermittlung<br />

von Rohstofffonds zu untergraben,<br />

erscheint unsinnig.<br />

Und nicht zuletzt fühlen sich längst nicht<br />

alle Finanzberater in der Beratung zu<br />

Rohstoffinvestments zu Hause. 34f-<br />

Vermittler kennen sich typischerweise mit<br />

Themen- und Nischenfonds etwas besser<br />

aus als 34d-Vermittler. In der Praxis decken<br />

allerdings auch 34fler das Thema eher zaghaft<br />

ab. Versicherungsvermittler wiederum<br />

wählen für Fondspolicen häufig entweder<br />

breit gestreute ETFs zum Beispiel auf den<br />

MSCI World Aktienindex oder richten sich<br />

nach Vorschlägen digitaler Portfolio-Advisors.<br />

Diese sehen zuweilen auch Themen<br />

wie Rohstoffe vor, gewichten sie mit 5 bis<br />

10 Prozent allerdings niedrig. Alles in allem<br />

findet in der Praxis also wenig Beratung zu<br />

Rohstofffonds statt.<br />

ÖLAKTIEN MIT POTENZIAL<br />

Ähnlich äußert sich Thorsten Schrieber,<br />

Vorstand beim Fondsanbieter DJE Kapital:<br />

„Der Ölpreis wird sich vermutlich auf einem<br />

höheren Niveau einpendeln.“ Trotz des bisher<br />

bereits fulminanten Aufschwungs sei<br />

dies in den Kursen von Ölaktien noch nicht<br />

enthalten. Der DJE – Gold & Ressourcen<br />

(LU0159550077) ist in signifikantem Umfang<br />

in Ölaktien investiert, allerdings auch<br />

mit einem Anteil von rund 45 Prozent in<br />

»Langfristig machen<br />

Rohstoffe Investoren<br />

glücklich.«<br />

TOBIAS TRETTER, COMMODITY CAPITAL<br />

Goldminenaktien. Wegen der weltweit steigenden<br />

Zinsen steht der Goldpreis aktuell<br />

unter Druck bzw. ist kein Ausbruch nach<br />

oben zu erwarten. Das bremst derzeit die<br />

Performance des Anlagevehikels.<br />

Weitgehend einig sind sich Ökonomen,<br />

dass Verbraucher sich beim Erdgas an<br />

strukturell höhere Preise gewöhnen müssen.<br />

Bislang hätten sich die Europäer mit<br />

günstigem Pipeline-Gas aus Russland versorgt,<br />

sagt Holzer. In Zukunft müsse Europa<br />

den Energieträger vermehrt auf dem<br />

Weltmarkt besorgen und als Flüssiggas per<br />

Spezialschiff ranschaffen. Bis neue Quellen<br />

zum Beispiel in Katar erschlossen seien,<br />

dürfte es noch Jahre dauern. Und wie beim<br />

Öl stehe auch beim Gas der politische Wille<br />

zur Energiewende dem Bau neuer Anlagen<br />

und der Erschließung neuer Gasfelder entgegen.<br />

Eine verzwickte Situation. Für Entspannung<br />

wird wohl erst der Ausbau der<br />

erneuerbaren Energien sorgen, um dann<br />

über eine geringere Nachfrage nach Öl<br />

und Gas deren Preis zu mindern – aber das<br />

braucht Zeit.<br />

FONDS SETZT AUF FUTURES<br />

Der Fonds von Union Investment, Uni-<br />

Commodies, investiert nicht wie die anderen<br />

genannten Investmentfonds in Aktien,<br />

sondern in Derivate wie Futures auf Rohstoffe<br />

und Rohstoffindizes. Damit entgehen<br />

Anleger zum Beispiel dem Risiko, dass ein<br />

Ölkonzern schlecht wirtschaftet. Allerdings<br />

besteht bei Futures die Roll-Problematik,<br />

denn das Investment wird automatisch von<br />

einem bald auslaufenden Kontrakt in einen<br />

länger laufenden gerollt. Das kann je nach<br />

Verlauf der Terminmarktkurve kosten oder<br />

Geld bringen. Momentan lässt sich mit<br />

Terminmarktgeschäften am Rohstoffmarkt<br />

aufgrund der Roll-Renditen noch gutes<br />

Geld verdienen. Denn durch die aktuellen<br />

Knappheiten befinden sich die Terminkurven<br />

in einer sogenannten Backwardation.<br />

Man kann also den nächsten Kontrakt<br />

güns tiger kaufen als den aktuellen und<br />

dadurch eine Prämie vereinnahmen. Das<br />

könnte sich ändern, wenn der Ölpreis wieder<br />

zurückgeht. Danach sieht es derzeit zumindest<br />

nicht aus.<br />

Für Tobias Tretter, Geschäftsführer von<br />

Commodity Capital, gehören Rohstoffe „in<br />

ein gut diversifiziertes Portfolio“. Sie böten<br />

Schutz vor Inflation. Und mächtige Trends<br />

wie Elektromobilität und Energiewende<br />

würden über Dekaden die Nachfrage nach<br />

Rohstoffen wie Lithium, Kupfer, Mangan<br />

und seltenen Erden anheizen. „Rohstoffe<br />

machen Investoren glücklich“, so sein Resümee.<br />

Wichtig noch zu betonen: Investments<br />

in Rohstofffonds sind nur als Beimischung<br />

geeignet. Die Preise schwanken stark. Zudem<br />

sind die politischen Risiken groß. Dies<br />

zeigt nicht zuletzt die aktuelle Debatte über<br />

eine Übergewinnsteuer, mit der „Kriegsgewinne“<br />

von Energiekonzernen abgeschöpft<br />

werden sollen. Auch deshalb sind Rohstoffe<br />

eine exotische Anlageklasse.<br />

PRO<br />

SCHMUTZIGES ÖL IM DEPOT?<br />

Die Aussicht auf<br />

eine attraktive Rendite<br />

spricht für sich<br />

Generell gehören<br />

Rohstoffe in ein diversifiziertes<br />

Portfolio<br />

Vor allem Rohstoffe<br />

bieten gewissen<br />

Schutz vor Inflation<br />

CONTRA<br />

Öl und Gas widersprechen<br />

dem<br />

Nachhaltigkeitsziel<br />

Rohstoffpreise<br />

schwanken sehr stark<br />

Die politischen<br />

Risiken sind nicht<br />

kalkulierbar<br />

42 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22


DIE ÖKOWORLD<br />

SCHLIESST ATOMKRAFT ZU<br />

100% AUS IHREN<br />

INVESTMENTS AUS!<br />

© Smiling Sun –<br />

smilingsun.org<br />

ÖKOWORLD AG<br />

Itterpark 1, 40724 Hilden, Telefon: 02103 | 28 41-0, E-Mail: Info@oekoworld.com, www.oekoworld.com


INVESTMENTFONDS Soziale Netzwerke<br />

SOCIAL MEDIA IM DEPOT<br />

Social-Media-Plattformen sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken und inspirieren<br />

nun auch die Fondsindustrie zu speziellen Produkten. Lohnt sich ein Investment?<br />

– TEXT: HANNAH PETERSOHN –<br />

Social Media boomen. Die Zahl der aktiven<br />

User von Mark Zuckerbergs Plattform<br />

Meta, zu der auch Facebook, Instagram<br />

und WhatsApp gehören, ist allein im<br />

ersten Quartal dieses Jahres um 82 Millionen<br />

angeschwollen. Rund zwei Milliarden<br />

Menschen sind damit Mitglied der Meta-<br />

Gemeinde. Das börsennotierte Unternehmen<br />

machte allein zwischen Januar und<br />

März einen Umsatz von rund 28 Milliarden<br />

Dollar – fast 7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.<br />

Auch Tencent, das chinesische<br />

Meta-Äquivalent, konnte seinen Umsatz im<br />

Geschäftsjahr 2021 um 16 Prozent auf umgerechnet<br />

81 Milliarden Euro deutlich steigern.<br />

Der Gewinn von umgerechnet knapp<br />

33 Milliarden Euro kann sich sehen lassen.<br />

Das lockt Investoren an: Fondsgesellschaften<br />

offerieren mittlerweile Finanzprodukte<br />

mit Social-Media-Fokus, selbst ein Social-<br />

Media-ETF wurde aufgelegt.<br />

VOLATILITÄT VORPROGRAMMIERT<br />

„Wir sehen die zukünftigen Ertragschancen<br />

von Social-Media-Unternehmen sehr optimistisch“,<br />

sagt Thomas Gerber, Fondsmanager<br />

beim Luxemburger Vermögensverwalter<br />

Quint:Essence Capital. Er managt<br />

den Mischfonds „Quint:Essence Strategy<br />

Social Media and Technology“ (ISIN:<br />

LU1074556<strong>04</strong>1), mit einem Volumen von<br />

8,3 Millionen Euro. Aktien und Anleihen<br />

machen 60 Prozent des Portfolios aus, die<br />

restlichen 40 Prozent werden über vermögensverwaltende<br />

Fonds gesteuert. Die<br />

Titelauswahl beschränkt sich aktuell auf<br />

31 Werte, mit den Top-5-Holdings Apple,<br />

Oracle, Microsoft, Meta und Alphabet<br />

liegt der Fokus klar auf dem US-amerikanischen<br />

Markt. Insgesamt lag die Performance<br />

in den vergangenen zwölf Monaten<br />

zwar bei minus 10,5 Prozent, im 5-Jahres-<br />

Durchschnitt performt er aber bei rund 40<br />

Prozent im Plus. Dennoch sollten sich risi-<br />

ko averse Anleger ein Investment gut überlegen.<br />

Die Volatilität des Fonds kann Investoren<br />

Schweißperlen auf die Stirn treiben.<br />

Gerber ist dennoch überzeugt von der<br />

Anlageklasse. „Die vergangenen Jahre haben<br />

bereits eindrucksvoll gezeigt, wie sich<br />

Plattformen wie LinkedIn, Facebook oder<br />

YouTube von einfachen Netzwerk- und<br />

Kommunikationshilfen in wichtige Unterhaltungsplattformen,<br />

Recruitingtools und<br />

in eine Infrastruktur für die ‚digital communities‘<br />

verwandeln.“ Trotz anhaltender<br />

44 Illustration: Eleonora Mavromati


Soziale Netzwerke INVESTMENTFONDS<br />

Plattform-Kritik und Digital-Detox-Trend<br />

glaubt Gerber, dass der Social-Media-Boom<br />

gerade erst begonnen hat: „Die wirtschaftliche<br />

und gesellschaftliche Bedeutung sozialer<br />

Netzwerke wird weiter zunehmen.“<br />

Zumal auch die Hauptertragsquelle der<br />

Unternehmensgewinne munter weiter sprudelt.<br />

Bei Meta bilden mit knapp 27 Milliarden<br />

Dollar der größte Anteil des Umsatzes<br />

im ersten Quartal <strong>2022</strong> die Werbeerlöse.<br />

„In noch nie dagewesener Quantität und<br />

Qualität sammeln die Plattformen Daten<br />

über ihre Nutzer“, schwärmt Fondsmanager<br />

Gerber. Das Social-Media-Erfolgsrezept<br />

besteht im Dreiklang aus: Je besser die Daten,<br />

desto personalisierter die Werbung und<br />

umso größer der Gewinn.<br />

ZUKÜNFTIGE REGULATORIK ALS RISIKO<br />

Doch steigt auch das Bewusstsein der Nutzer<br />

für die Problematik, die sich hinter dem<br />

Handel mit ihren freimütig offengelegten<br />

Daten verbirgt. Und: Die datenschutzrechtlichen<br />

Auflagen nehmen zu. „Regulatorische<br />

Risiken sind definitiv eine Bedrohung<br />

oder potenzielle Einschränkung für<br />

die Monetarisierung der Daten“, räumt<br />

auch Gerber ein. Allerdings erwartet der<br />

Fondsmanager eher Social-Media-freundliche<br />

Kompromisse als ernst zu nehmende<br />

rechtliche Einschränkungen seitens der<br />

»Regulatorische<br />

Risiken sind definitiv<br />

eine Bedrohung für<br />

dieses Anlagethema.«<br />

THOMAS GERBER, QUINT:ESSENCE CAPITAL<br />

190<br />

180<br />

170<br />

160<br />

150<br />

140<br />

130<br />

120<br />

110<br />

1/2018<br />

Angaben in Euro<br />

130<br />

130<br />

TRENDKANAL FÜHRT AUFWÄRTS<br />

Kursverlauf des Quint:Essence Strategy Select<br />

ter zur festen Branchengröße mit hoher<br />

Dividendenrendite mausert. „Telekom ist<br />

so ein Beispiel dafür“, so Masarwah. Zunehmende<br />

Regulierungen von außen seien<br />

ein Indikator für diesen Prozess. „Die EU<br />

hat die Spielräume der Social-Media-Unternehmen<br />

bereits eingegrenzt. Die Wildwest-<br />

Zeiten sind vorbei.“<br />

SOCIAL-MEDIA-ETF: OPTION FÜR ÄNGSTLICHE?<br />

Die Nutzerdaten bleiben, glaubt man<br />

Fondsmanager Gerber, dennoch erst einmal<br />

ein wichtiger Ertragsfaktor. Mit der Entstehung<br />

des Metaversums, eines virtuellen<br />

Ortes, an dem sich reale Menschen auf<br />

digitalem Weg begegnen, kommen noch<br />

zusätzliche Ertragsbringer hinzu. Gerber<br />

spielt damit auf den Verkauf von Avataren<br />

und auf die digitalen Immobiliendeals im<br />

Metaversum an. Im November vergangenen<br />

Jahres hat ein virtuelles Grundstück im<br />

Metaversum für 2,4 Millionen Dollar einen<br />

Abnehmer gefunden. Zukünftig könnten<br />

die neuen Einnahmequellen noch profitabler<br />

als die eigentlichen Daten werden.<br />

Das sieht der Fondsexperte Masarwah<br />

etwas anders. „Das ist eine keinesfalls eingelöste<br />

Wette auf die Zukunft. Second Life<br />

gab es schon einmal, aber davon redet heute<br />

keiner mehr.“ Der Erfolg von Metaverse<br />

sei ungewiss. „Würde man Meta jetzt auslagern<br />

und damit an die Börse gehen, wäre<br />

ich nicht überrascht, wenn es 80 bis 90 Prozent<br />

an Wert verlieren würde. Das ist ein<br />

Cashburner.“ Auch NFT-Geschäftsmodelle<br />

117<br />

134<br />

144<br />

Behörden. Die Unternehmen, so Gerber,<br />

säßen aufgrund ihrer immensen Popularität<br />

und geografischen Flexibilität einfach am<br />

längeren Hebel.<br />

Zumal weitere Einschränkungen nicht<br />

unbedingt negativ für die Wertentwicklung<br />

der Unternehmen sein müssen. Das<br />

zumindest glaubt Ali Masarwah, Fondsexperte,<br />

ehemaliger Morningstar-Analyst und<br />

Chefredakteur bei Envestor, einer Fondsplattform<br />

für Privatanleger. Regulierungen<br />

könnten aus seiner Sicht ein Indiz dafür<br />

sein, dass sich ein einstiger Senkrechtstarwürde<br />

er, zurückhaltend formuliert, stark<br />

hinterfragen.<br />

Die Situation bleibt für Investoren also<br />

erst einmal unwägbar. Wer sich am volatilen<br />

Wachstum aktiv gemanagter Fonds<br />

stört, könnte auch zum „Global X Social<br />

Media ETF“ greifen. Allerdings mit einem<br />

entscheidenden Nachteil: Der ETF investiert<br />

mit 12 Prozent in die Top-One-Position<br />

Tencent, fast ein Drittel des Portfolios<br />

besteht aus chinesischen Unternehmen.<br />

„Wenn sie noch mehr von staatlicher Seite<br />

reguliert werden, ist das ein Risiko“, so<br />

Masarwah. Aber: Das Portfolio ist diversifiziert.<br />

Es könne Schmerzen verursachen,<br />

sei aber nicht völlig Havarie-gefährdet.<br />

Trotzdem: Anleger sollten, laut dem Experten,<br />

nicht mehr als 10 Prozent in einen<br />

solchen Themenfonds stecken. <br />

PRO<br />

154<br />

7/2018 1/2019 7/2019 1/2020 7/2020 1/2021 7/2021 1/<strong>2022</strong> 7/<strong>2022</strong><br />

SOCIAL-MEDIA-INVESTMENTS?!<br />

Hohe globale<br />

Relevanz<br />

Vielfältige<br />

Ertragsquellen<br />

163<br />

Zunehmende Etablierung<br />

der Branche<br />

177<br />

193<br />

CONTRA<br />

Hohe Volatilität<br />

Regulatorische<br />

Risiken<br />

Quelle: Onvista<br />

Unsichere neue<br />

Geschäftsmodelle<br />

155<br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />

45


BUSCHFUNK Versicherungen<br />

VERSICHERUNGEN<br />

AXA VERKAUFT LEBEN-BESTAND AN ATHORA<br />

Rund 900.000 Policen sollen an die Run-off-Plattform gehen.<br />

Die Axa Deutschland verkauft einen Teil ihres Leben-Altbestands an die Run-off-<br />

Plattform Athora. Dies ist der zweite große Run-off-Deal innerhalb weniger Wochen.<br />

Kurz zuvor hatte die Zurich gut 720.000 Policen an den Abwickler Viridium verkauft.<br />

Der aktuelle Axa-Athora-Deal umfasst 900.000 Policen mit einem Deckungsvolumen<br />

von rund 16 Milliarden Euro. Bei dem zu veräußernden Segment handelt es sich um<br />

den Bestand der ehemaligen DBV-Winterthur Leben, die 2006 von der Axa gekauft<br />

wurde. Wie der Versicherer mitteilte, sei der Bestand seit 2013 für das Neugeschäft<br />

geschlossen gewesen. Durch den Verkauf erhält die Axa nicht nur 660 Millionen<br />

Euro, sondern kann ihr Lebensversicherungsgeschäft auch unabhängiger von Finanzmarktrisiken<br />

machen. Die durchschnittliche Verzinsung bei den nun verkauften<br />

Lebensversicherungen habe bei rund 3,2 Prozent gelegen.<br />

IST HOMÖOPATHIE NOCH FINANZIERBAR?<br />

FDP will Alternativmedizin als Kassenleistung streichen.<br />

Foto: Yakubov Alim<br />

Der Bund kommt mit der Sanierung des milliardenschweren Defizits in der<br />

gesetzlichen Krankenversicherung nicht hinterher. Daher schlägt die FDP<br />

jetzt als Maßnahme die Streichung homöopathischer Behandlungen als<br />

Kassenleistung vor. „Homöopathie soll jeder nutzen dürfen, ist aber nachweislich<br />

wissenschaftlich nicht wirksam“, sagte der FDP-Bundestagsabgeordnete<br />

Johannes Vogel. Homöopathie gehört nicht zum Leistungskatalog<br />

der GKV, allerdings übernehmen viele Krankenversicherer teilweise die<br />

Kosten für alternative Mittel.<br />

INFLATION TREIBT VERSICHERUNGSBETRUG<br />

In Großbritannien steigen die Schadenszahlen an.<br />

Durch die hohe Inflation mehren sich in Großbritannien die Fälle von Versicherungsbetrug.<br />

Nach aktuellen Zahlen der britischen Zurich-Tochter hat es in<br />

den ersten fünf Monaten dieses Jahres Betrugsfälle mit einem potenziellen<br />

Schaden in Höhe von 4,2 Millionen Pfund gegeben. Das seien 25 Prozent mehr<br />

als im Vorjahreszeitraum. Als Grund gelten die stark gestiegenen Lebenshaltungskosten.<br />

Besonders häufig meldeten Betrüger gestohlenen Schmuck bzw.<br />

beschädigte oder gestohlene Smartphones und Fernsehgeräte. Die durchschnittliche<br />

Schadenshöhe bei den Betrugsversuchen lag bei 8.800 Pfund.<br />

Eine Häufung von Betrugsfällen in Deutschland konnte die Zurich bislang nicht<br />

feststellen. Auch der Branchenverband GDV registrierte bis dato noch keinen<br />

Anstieg.<br />

Foto: Towfiqu Ahamed<br />

46<br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22


Versicherungen BUSCHFUNK<br />

Bayerische: Neue Fondsserie<br />

Die Bayerische bringt mit der Fondsrente bAV Invest eine<br />

neue fondsgebundene Rentenversicherung auf den Markt.<br />

„Das Konzept des dynamischen Zwei-Topf-Hybrids macht<br />

den Unterschied: Während ein Teil der Beiträge konservativ<br />

und besonders wertbeständig im Deckungsstock der<br />

Baye rischen angelegt wird, investieren wir den zweiten<br />

Teil in die Fondsanlage,“ erläutert Ute Thoma, Leiterin<br />

Betriebliche Vorsorge bei der Bayerischen, das Prinzip.<br />

Haben wir zu viele<br />

Vermittler?<br />

JUSTUS LÜCKE<br />

Geschäftsführer der Versicherungsforen Leipzig und Aktuar<br />

DAV<br />

Allianz: Neue Zahnzusatztarife<br />

Die Allianz Private Krankenversicherung hat ihr Zahnzusatz-Portfolio<br />

neu aufgestellt. Ab sofort ersetzen die drei<br />

Komplettpakete „MeinZahnschutz 75, 90 und 100“ die<br />

bisherige Tarifwelt. Sie sind mit und ohne Altersrückstellungen<br />

erhältlich.<br />

Basler: Photovoltaiktarif auf Thinksurance<br />

Die Basler Versicherungenn sind ab sofort mit einem weiteren<br />

Angebot auf der Vergleichsplattform Thinksurance<br />

vertreten. So ist die Tarifierung im Bereich der Photovoltaikversicherung<br />

möglich. Damit ist die Basler der erste<br />

Anbieter für Photovoltaikversicherungen auf der Plattform.<br />

degenia: Neues Wohngebäudekonzept<br />

Die degenia AG hat ihren Versicherungsschutz für Wohngebäude<br />

überarbeitet. Neu im Wohngebäudekonzept T22<br />

sind unter anderem Bausteine wie grobe Fahrlässigkeit bei<br />

Obliegenheitsverletzung, Wegfall der Mindestwindstärke,<br />

Best-Leistungs- und Besitzstandsgarantie, Inhalte aus<br />

den wegweisenden Urteilen bezüglich Rückstauklappe<br />

sowie undichte Fugen.<br />

Aon: Neuer Managing Director Global Clients<br />

Aon erweitert sein Global-Clients-Geschäft. Zum 1. Juli<br />

wurde Stephan Winneg (50) zum Managing Director<br />

Global Clients ernannt und in das Management-Team des<br />

Erstversicherungsmaklers berufen. Auf der neu geschaffenen<br />

Stelle wird sich Winneg auf eine Intensivierung der<br />

strategischen Neukundengewinnung und den Vertrieb in<br />

dem Kundensegment fokussieren.<br />

Allianz Direct & Check24: Partnerschaft<br />

gestartet<br />

Allianz Direct und Check24 haben eine strategische<br />

Partnerschaft in Deutschland und Spanien initiiert:<br />

Konsumenten in beiden Ländern können zukünftig auf die<br />

Produkte von Allianz Direct auf den Vergleichsportalen von<br />

Check24 zugreifen. Der erste gemeinsame Produkt-Start<br />

wird in der Kfz-Versicherung in Deutschland erfolgen.<br />

Foto: Eloi Omella<br />

Foto: Elxeneize<br />

Foto: Sefa Ozel<br />

Haben wir wirklich zu wenige Vermittler? Der Vertrieb<br />

klagt über Nachwuchs- und Fachkräftemangel.<br />

Aber ich frage mich eher: Haben wir nicht zu<br />

viele Vermittler – oder einfach nur die falschen?<br />

Viele sind der Meinung, dass durch Digitalisierung,<br />

Automatisierung und KI der direkte und persönliche<br />

Kontakt zum Makler oder zur Agentur an<br />

vielen Stellen in Zukunft einfach nicht mehr nötig<br />

sein wird. Die jüngere Generation ist eh „always<br />

online“ und schließt die Versicherungen nach<br />

dem Motto „Geiz ist geil“ daher fast ausschließlich<br />

online ab, beraten durch den Influencer ihres<br />

Vertrauens. Und wer sich so überhaupt nicht für<br />

Versicherungen interessiert, der schließt sie am<br />

Ende doch einfach beim Kauf im (Online-)Handel<br />

ab, Stichwort „Embedded Insurance“. Und das<br />

komplett ohne persönliche Beratung durch einen<br />

Vermittler. Wenn man das so liest, könnte man<br />

sich schon fast fragen: Brauchen wir zukünftig<br />

überhaupt noch Vermittler? Meine Meinung: auf<br />

jeden Fall! Nach wie vor ist die Unsicherheit vieler<br />

Kunden beim Thema Versicherungen hoch, insbesondere<br />

bei komplexen Produkten wie Lebensund<br />

Berufsunfähigkeitsversicherungen. Und diese<br />

Unsicherheit kann einem nur ein Mensch nehmen.<br />

Ein Mensch, dem man vertraut. Das ist aber<br />

kein Blankoscheck oder Freifahrtschein für ein<br />

„Weiter-so“. Zukünftig haben nur noch solche Vermittler<br />

eine Daseinsberechtigung, die die Chancen<br />

der Digitalisierung zu nutzen wissen und trotzdem<br />

ihre Persönlichkeit in den Vordergrund und in den<br />

Dienst der Kunden stellen. Und das idealerweise<br />

fokussiert auf eine Zielgruppe, die sie authentisch<br />

vertreten können, seien es Start-up-Unternehmer,<br />

Pferdebesitzer oder Landwirte. Denn von einem<br />

bin ich überzeugt: Der Feld-Wald-und-Wiesen-<br />

Vermittler wird mindestens perspektivisch der<br />

Vergangenheit angehören.<br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />

47


VERSICHERUNGEN Privater Cyberschutz<br />

»Versicherer verkennen<br />

das Cyberpotenzial«<br />

Die Produktgestaltung ist wenig durchdacht, Schnittmengen zu anderen Versicherungen<br />

erschweren Bedarfsermittlung und Vergleiche. Gründe für Prof. Dr. Michael Fortmann vom<br />

Institut für Versicherungswesen der TH Köln, warum der private Cyberschutz stockt<br />

– TEXT: CARLA FRITZ –<br />

<strong>procontra</strong>: Von Cyberversicherungen im<br />

Privatkundenbereich hört und sieht man<br />

bisher wenig am Markt. Im Gegensatz<br />

zum Gewerbebereich, für den die Assekuranz<br />

kräftig trommelt. Dass die Thematik<br />

gleichzeitig ein ganzes Buch füllt, lässt auf<br />

eine gewisse Problemfülle schließen?<br />

Michael Fortmann: Es ist auf jeden Fall<br />

noch kein rundes Konzept, und es gibt<br />

viele offene Fragen. Der Bedarf wäre schon<br />

da. Aber ob Verbraucherbelange von den<br />

derzeitigen Cyberprodukten – mit sehr<br />

unterschiedlichen Ansätzen – 100-prozentig<br />

erfüllt werden? Da habe ich meine<br />

Zweifel. Und man muss am Markt schon<br />

sehr lange danach suchen und findet sie –<br />

auch bei den einzelnen Versicherern – nicht<br />

immer auf Anhieb.<br />

<strong>procontra</strong>: Wie sortiert sich denn der<br />

Markt bisher?<br />

Fortmann: Von „sortiert“ kann nicht die<br />

Rede sein. Derzeit bieten rund 20 Gesellschaften<br />

privaten Cyberversicherungsschutz<br />

an, ein eigenständiges Produkt<br />

dabei nur wenige – man kann sie an einer<br />

Hand abzählen. Meist ist er als Zusatzbaustein<br />

angedockt, zum Beispiel in einigen<br />

Rechtsschutzversicherungen. Dort findet<br />

man mittlerweile auch in der aktuellen<br />

ARB-Version des GDV einen optionalen<br />

Cyber-Musterbaustein. Auch in der Hausrat<br />

gibt es einige Anbieter, bei der Privathaftpflicht<br />

eher weniger. Im Unterschied<br />

zur gewerblichen Cyberpolice haben wir<br />

es hier also mit vier unterschiedlichen<br />

Policenarten zu tun ...<br />

<strong>procontra</strong>: … aus denen der Kunde<br />

respektive Makler sich den Cyberschutz<br />

zusammensuchen muss. Woran kann man<br />

sich halten – ohne Musterbedingungen<br />

als Orientierungshilfe? Die gibt es vom<br />

GDV bisher ja nur für die Cyberpolice auf<br />

gewerblicher Seite.<br />

Prof. Fortmann ist<br />

Studiengangsleiter<br />

an der TH Köln, lehrt<br />

zu Versicherungsvertragsrecht<br />

und<br />

Haftpflichtversicherung,<br />

insbesondere<br />

mit den Schwerpunkten<br />

Cyberversicherung,<br />

D&O- und<br />

Vertrauensschadenversicherung.<br />

Fortmann: Orientierung an den Deckungsinhalten.<br />

Interneteinkauf. Internetverkauf.<br />

Cybermobbing. Onlinebanking etc. In den<br />

Policen werden meist die gleichen Stichworte<br />

benutzt. Zu prüfen wäre dann – und<br />

das macht es nicht einfacher: Was hat der<br />

48 Foto: privat


Privater Cyberschutz VERSICHERUNGEN<br />

Verbraucher bzw. Kunde hier vielleicht<br />

auch schon in seinen Policen abgedeckt?<br />

Betrug beim Geldabheben oder Interneteinkauf,<br />

Cyberattacken beim Onlinebanking?<br />

Hat er oder sie im Rechtsschutz<br />

vielleicht schon den optionalen Cyberbaustein<br />

mit abgeschlossen? Lohnt sich<br />

dann eine separate Cyberpolice überhaupt<br />

noch? Schließlich will man möglichst keine<br />

Doppelungen haben. Überschneidungen<br />

sind hier jedoch schwer in den Griff zu<br />

bekommen.<br />

<strong>procontra</strong>: Vor circa zehn Jahren ist<br />

die Cyberversicherung auf den Markt<br />

gekommen, zunächst fürs Gewerbe. Sollte<br />

da inzwischen auch für Privat nicht mehr<br />

passiert sein? Mit Homeoffice, Homeschooling<br />

und Onlineshopping ist die Zeit<br />

ja ohnehin auch nicht stehen geblieben.<br />

Mehr Onlinepolicenabschlüsse sind auch<br />

Indiz dafür.<br />

Fortmann: Die Absicherung für Verbraucher<br />

ist erst in den letzten Jahren entstanden.<br />

Der Treiber im Gewerbe sind die<br />

spektakulären Schadenfälle mit den gro ßen<br />

Schlagzeilen. Von Attacken am Bankautomaten,<br />

wo Kunden bestohlen werden oder<br />

ihre PIN ausgespäht wurde, bekommt man<br />

selten etwas mit. Insofern: Die Versicherer<br />

erkennen vielleicht das Potenzial für den<br />

privaten Cyberschutz nicht und tun sich<br />

im Moment auch schwer, ihre Rolle in<br />

diesem Bereich zu finden, tasten sich erst<br />

heran. Vieles in der Produktgestaltung und<br />

Formulierung ist noch nicht bis ins letzte<br />

Detail durchdacht.<br />

<strong>procontra</strong>: Woran stoßen Sie sich insbesondere?<br />

Fortmann: Wer Bezahldienste wie beispielsweise<br />

PayPal nutzt, hat als Betrugsopfer<br />

bereits dadurch Käufer- und teilweise auch<br />

Verkäuferschutz analog den Bausteinen in<br />

der Cyberversicherung. Beim Abschluss<br />

einer solchen Versicherung würde ich<br />

deshalb erwarten, dass der Versicherer<br />

reguliert, also auch der Ansprechpartner<br />

für den Kunden ist und sich beim Dienstleister<br />

schadlos hält. Aber so funktionieren<br />

die meisten Produkte im Moment nicht.<br />

Soweit ein solcher Anspruch des Verbrauchers,<br />

auch gegen Banken oder andere<br />

Dienstleister, besteht, greifen die meisten<br />

Cyberversicherungen für Privatkunden<br />

nicht mehr.<br />

<strong>procontra</strong>: Nach welcher Maßgabe? Was<br />

steht dazu im Kleingedruckten?<br />

Fortmann: Die Versicherung ist subsidiär<br />

zu Ansprüchen Dritter, also nachrangig.<br />

De facto sagt der Versicherer zugespitzt:<br />

Ich decke einen Sachverhalt, aber sofern<br />

ein anderer den Schaden daraus übernimmt,<br />

erhältst du von mir keine Leistung.<br />

Wofür schließt man die Versicherung dann<br />

ab? Damit sie mir sagt, an wen ich mich<br />

wenden soll? Hier, aber auch an anderer<br />

Stelle wird man nachschärfen müssen.<br />

<strong>procontra</strong>: Nachschärfen – das heißt im<br />

erwähnten Beispiel konkret was?<br />

Fortmann: Was hindert die Gesellschaften,<br />

sich die Ansprüche gegen den Bezahldienst<br />

abtreten zu lassen und selbst zu regulieren?<br />

Bei einem Cyberschaden würde ich<br />

als Verbraucher von meiner Versicherung<br />

erwarten, dass ich mich an sie wende und<br />

alles wird gut. Das wäre der Idealfall. Aber<br />

»Ob Verbraucherbelange<br />

von den<br />

derzeitigen Cyberprodukten<br />

100-<br />

prozentig erfüllt<br />

werden? Da habe ich<br />

meine Zweifel.«<br />

man kann ja daran arbeiten. Dabei geht es<br />

nicht zuerst darum, welche Risiken man<br />

decken will.<br />

<strong>procontra</strong>: Sondern?<br />

Fortmann: Mit Cyberbausteinen Teilbereiche<br />

abdecken, Präsenz am Markt zeigen,<br />

das kann man machen. Um dort Erfolg zu<br />

haben, wäre doch aber vielmehr zu klären:<br />

Wie will man sich dort positionieren und<br />

vom Verbraucher wahrgenommen werden?<br />

Anders gesagt: Will man nur ein „Alibiprodukt“<br />

haben nach dem Motto „Wir<br />

können auch Cyber!“? Oder will man<br />

tatsächlich auch Cyberkompetenz beweisen<br />

und den Privatkunden im Schadenfall<br />

nicht alleine lassen?<br />

<strong>procontra</strong>: Worauf wollen Sie hinaus?<br />

Fortmann: Wenn man dem Verbraucher<br />

helfen will, und davon gehe ich aus,<br />

müsste man – ähnlich wie im gewerblichen<br />

Bereich – Betroffene an die Hand nehmen.<br />

Müsste zum Beispiel auch Dienstleister<br />

nennen, die Daten und Computer wiederherstellen.<br />

Rechtsanwälte, die sich in<br />

diesem Bereich auskennen. Vielleicht sogar<br />

Forensiker, die dann auch Hinweise zur<br />

Schadenverhütung geben können. Über<br />

Rahmenverträge hätten Versicherer hier<br />

viel schneller Zugriff auf Experten als der<br />

Kunde.<br />

<strong>procontra</strong>: Dann muss man aber auch über<br />

die Kosten reden und über die massenhaften<br />

eher kleineren Schadenfälle in<br />

diesem Bereich.<br />

Fortmann: Im Einzelfall betrachtet ist der<br />

Forensiker zu teuer. Aber wenn er eine<br />

Spur findet, wie die Hacker eingedrungen<br />

sind, kann er diese Lücke bei einer deutlich<br />

größeren Zahl von Versicherungsnehmern<br />

schließen und so Schadenfälle verhindern.<br />

Und im Hinblick auf das viele Kleinklein<br />

sind wir hier auch nicht mehr in der Situation<br />

wie vor 10 oder 20 Jahren, wo jeder<br />

Schadenfall tatsächlich auch von einem<br />

„echten“ Sachbearbeiter begutachtet werden<br />

muss. Gerade beim Massengeschäft<br />

kann man viel mit Standardvorgängen<br />

arbeiten. KI oder auch Dunkelverarbeitung<br />

könnten dabei wahrscheinlich gut helfen.<br />

<strong>procontra</strong>: Kann man als Makler heute<br />

einem Kunden raten, eine private Cyberversicherung<br />

abzuschließen?<br />

Fortmann: Das hängt vom Einzelfall ab.<br />

Wer Onlinebanking macht, für den kann<br />

der Schutz sinnvoll sein. Cybermobbing<br />

– hier gibt es anwaltliche Leistungen, teilweise<br />

auch eingeschränkt psychologische<br />

Beratung, aber keine Behandlung. Da stellt<br />

sich generell die Frage: Ist das nicht eher<br />

eine Sache für die Krankenversicherung?<br />

Auf der anderen Seite sind bestimmte<br />

Risiken noch nicht berücksichtigt. Ich<br />

erinnere an einen Schadenfall in Finnland.<br />

Dort haben Hacker hochsensible Daten<br />

aus einer psychiatrischen Einrichtung<br />

abgezogen und nicht nur sie erpresst, sondern<br />

auch die Patienten. Auch da könnte<br />

man Verbrauchern Schutz geben.<br />

<strong>procontra</strong>: Viele Anregungen, die auf Umsetzung<br />

warten. Wie sehen Sie die Chancen<br />

dafür?<br />

Fortmann: Ratings könnten hier sicherlich<br />

die Produktqualität fördern, indem man<br />

Vergleichbarkeit herstellt. Makler haben so<br />

Anhaltspunkte, welche Produkte die besten<br />

am Markt sind. Eine gute Bewertung<br />

als Ansporn hat auch in anderen Bereichen<br />

geholfen.<br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />

49


VERSICHERUNGEN Bauversicherungen<br />

KLAU AM BAU<br />

Die Baubranche kämpft mit entfesselten Rohstoffpreisen und Lieferengpässen. Das verstärkt<br />

Begehrlichkeiten bei Langfingern. Doch welche Versicherungen lohnen sich am Bau?<br />

– TEXT: HANNAH PETERSOHN –<br />

Explodierende Rohstoffpreise, unterbrochene<br />

Lieferketten, akuter Materialmangel:<br />

Die Baubranche ächzt unter den aktuellen<br />

Entwicklungen. Dabei handelt es sich um<br />

ein Problem, das nicht neu ist: Die Baustoffpreise<br />

sind bereits im vergangenen Jahr<br />

so stark angestiegen wie seit dem Zweiten<br />

Weltkrieg nicht mehr. Die Kosten für Konstruktionsvollholz<br />

haben laut Statistischem<br />

Bundesamt um 77 Prozent zugelegt, für Betonstahl<br />

mussten Bauherren das Doppelte<br />

berappen. Auch die Preise für Kupfer und<br />

Bitumen sind 2021 mit einem Anstieg um<br />

27 und 36 Prozent empfindlich teurer geworden.<br />

Seit dem russischen Angriffskrieg auf die<br />

Ukraine hat sich die Situation noch einmal<br />

deutlich verschärft. Zum ersten Mal seit<br />

über drei Jahrzehnten musste sogar die<br />

Londoner Metallbörse ihren Handel vorübergehend<br />

einstellen, die Preise hatten sich<br />

von der Realität abgekoppelt. Die Preisrallye<br />

an den Rohstoffmärkten setzt sich derweil<br />

unbeirrt fort. Der Erzeugerpreisindex<br />

lag im März dieses Jahres bei Betonstahl<br />

um etwa 60 Prozent über dem Vorjahresniveau,<br />

Dämmmaterial legte um circa 40<br />

Prozent zu.<br />

Die Auswirkungen auf die Baubranche<br />

sind fatal: „Wir sehen schlimmere Engpässe<br />

bei vielen Baumaterialien als in der<br />

Hochphase der Pandemie. Gleichzeitig explodieren<br />

Energie- und Materialpreise“,<br />

warnt Reinhard Quast, Präsident des Zentralverbands<br />

Deutsches Baugewerbe (zdb).<br />

Mit den Baupreisen steigen die gesamten<br />

50 Illustration: Roman Kulon


Bauversicherungen VERSICHERUNGEN<br />

Baukosten. Und die wiederum treiben die<br />

Versicherungsprämien nach oben. Denn: Je<br />

höher die Baukosten, desto höher die Beiträge.<br />

Und ein weiteres Problem beschäftigt<br />

die Branche: Das wertvolle Baumaterial<br />

weckt Begehrlichkeiten bei Dieben, die<br />

Knappheit verstärkt den Klau am Bau.<br />

BEGEHRTE BEUTE: GELAGERTES MATERIAL<br />

Während die Anzahl der Delikte laut Kriminalstatistik<br />

von gut 24.000 (2020) auf<br />

22.700 (2021) zwar geringfügig gesunken<br />

ist, könnte das in diesem Jahr wieder anders<br />

aussehen: „Wir stellen einen massiven<br />

Kleingeräte- und Kleinteileklau fest: Stahl,<br />

Kupfer, Kabel. Alles, was einfach mitgenommen<br />

werden kann, rumliegt und nicht<br />

fest verbaut ist, ist leichte Beute“, warnt<br />

Burkhard Brämer, Geschäftsführer von<br />

Bauass Versicherungsmakler. Der Versicherungsspezialist<br />

für die Baubranche beobachtet,<br />

dass auch gelagertes Material gerade<br />

häufiger gestohlen wird, die Anzahl der<br />

Schadensfälle steigt.<br />

Das werde die Nachfrage nach einer speziellen<br />

Diebstahlpolice befeuern, ist Brämer<br />

überzeugt. Schließlich deckt die Bauleistungsversicherung,<br />

der herkömmliche<br />

Versicherungsschutz für Bauprojekte, nur<br />

das ab, was fest verbaut ist. Kleine Geräte<br />

wie Bohrer oder herumliegendes Material<br />

sind nicht mit eingeschlossen. „Man kann<br />

über eine Deckungserweiterung auch Teile<br />

des lagernden Materials mitversichern“,<br />

so Brämer. Er empfiehlt Bauherren auch<br />

durchaus den Abschluss dieser Police. Allerdings<br />

knüpfen Versicherer dann bestimmte<br />

Bedingungen an den Schutz: So müssen die<br />

Baumaßnahme und damit auch die Prämie<br />

der Grunddeckung eine nennenswerte Größe<br />

haben und eine Bewachung oder Überwachungsanlagen<br />

vorhanden sein. „Insgesamt<br />

prüfen die Versicherer sehr genau<br />

den Wert und die Transportfähigkeit des<br />

Materials, das Verhältnis zwischen Prämie<br />

und dem Wert des lagernden Materials, die<br />

Bewachung und die Lage der Baustelle.“<br />

Eine Deckung für Klein- und Kleinstgeräte<br />

empfiehlt der Makler hingegen nicht.<br />

Ein Diebstahl in dieser Größenordnung<br />

gefährde schlicht nicht die Existenz des<br />

Bauunternehmers. „Außerdem ist das meist<br />

ein für beide Seiten unbefriedigendes Wechselspiel<br />

aus Diebstahl, Regulierung, Selbstbehaltsanforderung<br />

und Sanierung.“ Insgesamt<br />

sei der Aufwand schlicht zu hoch,<br />

Bauherren sollten ihre Energie besser in<br />

PREISSTEIGERUNGEN VON BAUMATERALIEN 2021<br />

Baustoffpreise so stark angestiegen wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr<br />

Konstruktionsvollholz<br />

Dachlatten<br />

Bauholz<br />

Betonstahl in Stäben<br />

Betonstahlmatten<br />

Bitumen aus Erdöl<br />

Epoxidharze<br />

Halbzeug aus Kupfer und Kupferlegierungen<br />

Metalle insgesamt<br />

Spanplatten<br />

Dämmplatten aus Kunststoff<br />

Erzeugerpreise insgesamt<br />

Veränderungsrate gegenüber Vorjahr in %, Jahresdurchschnitt Quelle: Statistisches Bundesamt (<strong>2022</strong>)<br />

eine sichere Aufbewahrung stecken und mit<br />

eigenen Schutzmaßnahmen dagegenhalten.<br />

Eine Baustellenüberwachung via Video sei<br />

demnach sinnvoller. „Das wird von Bauherren<br />

auch viel mehr nachgefragt. Aber<br />

leider interessiert das die Versicherer gar<br />

nicht“, kritisiert er. Soll heißen: Auch wenn<br />

ein Bauherr seine Baustelle professionell<br />

schützt, verringert das nicht die Versicherungsbeiträge.<br />

Das liege auch an der Kalkulation<br />

der Versicherer, die den Großteil der<br />

»Wir sehen eine<br />

Zunahme von Baumaterial-Diebstählen.«<br />

STEFAN LUTTER, VHV GRUPPE<br />

Prämie für Großschäden wie Brände oder<br />

Überschwemmungen vorsehen und nur<br />

einen deutlich kleineren Teil für den Diebstahl<br />

fest verbauter Teile. Die Versicherer<br />

bewerten das Thema Diebstahl einfach als<br />

kleineres Problem. Doch das könnte sich<br />

schon bald ändern: „Nach den uns vorliegenden<br />

Informationen und Auskünften,<br />

insbesondere aus externen Quellen, wird<br />

0 10 20 30 40 50 60 70 80 90<br />

eine Zunahme von Baumaterial-Diebstahl<br />

gesehen“, erklärt Stefan Lutter, Pressesprecher<br />

der VHV Gruppe, eines der größten<br />

Versicherer für die Baubranche. Infolge von<br />

Material-Lieferengpässen komme es außerdem<br />

zunehmend zu „Verzögerungen bei<br />

der Leistungserbringung“. Betriebsunterbrechungen<br />

sind ein großes finanzielles Risiko<br />

für Bauherren, die dann mit Schadensersatzansprüchen<br />

vonseiten der Investoren<br />

rechnen müssen. Für kleine und mittlere<br />

Unternehmen kann das schnell existenzbedrohend<br />

werden.<br />

MATERIAL ZÜGIG VERBAUEN<br />

Und auch hier spielt das Thema Diebstahl<br />

wieder eine Rolle, denn wenn dann endlich<br />

das ersehnte Baumaterial angekommen ist,<br />

warten Diebe schon auf ihre Chance. Ist ihr<br />

Beutezug erfolgreich, kann das schlimmstenfalls<br />

in einer Unterbrechung des Bauvorhabens<br />

enden. „Natürlich haben wir<br />

die Sorge, dass etwas gestohlen wird. Wir<br />

sehen zu, dass wir die Materialien zeitnah<br />

verbauen“, sagt der Bauunternehmer Gerrit<br />

Büter, Geschäftsführer von Büter Bau,<br />

einem niedersächsischen Unternehmen mit<br />

rund 100 Mitarbeitern.<br />

Die Kosten für sein derzeit größtes Projekt<br />

liegen bei um die 50 Millionen Euro.<br />

Die Baustelle hat er deswegen umzäunen<br />

lassen, ein Wachdienst patrouilliert<br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />

51


VERSICHERUNGEN Bauversicherungen<br />

»Wir stellen massiven Kleinteileklau fest«<br />

BURKHARD BRÄMER, Geschäftsführer von Bauass Versicherungsmakler<br />

<strong>procontra</strong>: Die Rohstoffpreise bewegen sich in<br />

schwindelerregenden Höhen. Brauchen Bauunternehmer<br />

jetzt einen Diebstahlschutz?<br />

Burkhard Brämer: Der Diebstahl in großem<br />

Umfang hält sich bisher in Grenzen. Wir stellen<br />

aber einen massiven Kleingeräte- und Kleinteileklau<br />

fest: Stahl, Kupfer, Kabel. Alles, was einfach<br />

mitgenommen werden kann, rumliegt und nicht<br />

fest verbaut ist, ist ein zunehmendes Thema.<br />

<strong>procontra</strong>: Bekommen Bauherren so einen Verlust<br />

über ihre Versicherung erstattet?<br />

Brämer: Solange etwas fest verbaut ist, ist es<br />

über die Bauleistungsversicherung gedeckt.<br />

Da aber momentan alle Bauherren schlechte<br />

Erfahrungen mit dem Diebstahl von Kleinteilen<br />

machen, wird die Nachfrage nach einer speziellen<br />

Diebstahldeckung zunehmen. Man kann<br />

auch über eine Deckungserweiterung Teile des<br />

lagernden Materials mitversichern. Natürlich<br />

wird da gerade auch mehr gestohlen.<br />

<strong>procontra</strong>: Lohnt sich ein erweiterter Schutz?<br />

Brämer: Wir glauben, dass Bauherren mit<br />

eigenen Schutzmaßnahmen dagegenhalten<br />

müssen. Wer eine Bohrmaschine im Baucontainer<br />

lässt, der mit dem Schraubenzieher aufgeknackt<br />

werden kann, ist auch ein bisschen<br />

selbst schuld. Professionelle Bauherren haben<br />

immer eine Baustellenüberwachung, über die<br />

bei einem Einbruch auch gleich die Polizei alarmiert<br />

wird. Das wird auch viel mehr nachgefragt.<br />

Aber leider interessiert das die Versicherer gar<br />

nicht, sie machen keine Vorgaben.<br />

<strong>procontra</strong>: Das heißt, die Versicherer verschärfen<br />

die Obliegenheiten für die Bauleistungsversicherung<br />

nicht?<br />

Brämer: Nein. Es lohnt sich nicht: Ein Großteil der<br />

Prämie einer Bauleistungsversicherung ist für<br />

den Großschaden gedacht, also wenn es zu<br />

einer Naturkatastrophe, Überschwemmung oder<br />

einem Brand kommt. Ein deutlich kleinerer Teil<br />

ist für den Diebstahlschutz kalkuliert. Wenn ein<br />

Versicherer jetzt die Prämie für diesen Anteil halbiert,<br />

nachdem ein Bauherr eine Überwachung<br />

installiert, dann hat das kaum Auswirkungen auf<br />

die Gesamtprämie. In Bezug auf ein Einfamilienhaus<br />

reden wir da über wenige Euro Ersparnis.<br />

Für diesen Nachlass schafft sich niemand<br />

ein Überwachungssystem an. Diejenigen, die<br />

so einen Schutz wählen, machen das, um die<br />

Störung im Bauablauf zu vermeiden.<br />

<strong>procontra</strong>: Wird eine Betriebsunterbrechungsversicherung<br />

(BU) denn nachgefragt?<br />

Brämer: In der Regel ist ein Ausfall nicht versichert.<br />

Es gibt zwar die entsprechende Police,<br />

aber sie wird nur selten abgeschlossen. Die<br />

BU-Deckung ist recht teuer.<br />

<strong>procontra</strong>: Sind die Prämien in den vergangenen<br />

Jahren angehoben worden?<br />

Brämer: Die gestiegenen Baupreise schlagen<br />

sich auf die gesamten Baukosten nieder, damit<br />

steigen dann auch die Versicherungsbeiträge.<br />

Der Versicherer berechnet die Prämie nach und<br />

bekommt seine ursprüngliche Kalkulation auf<br />

die gestiegenen Baupreise wieder. Das Geschäft<br />

läuft, die gestiegenen Baukosten erhöhen in der<br />

Folge die Prämien. Diese ehrlichen und offenen<br />

Worte hören Sie jetzt von einem Makler, ein Versicherer<br />

wird das sicherlich anders sehen und<br />

eher auf die Großschäden aus den Unwetterereignissen<br />

der vergangenen Jahre verweisen.<br />

regelmäßig. Die Kosten dafür trägt er<br />

selbst. „Die Versicherungsprämien sinken<br />

nicht, obwohl wir damit ja auch die Teile<br />

schützen, die versichert sind“, kritisiert<br />

auch Büter. Allerdings bieten selbst diese<br />

Vorkehrungen keinen abschließenden<br />

Schutz. So haben Diebe auch schon mal<br />

aus den Wänden und der Decke bereits<br />

verbaute Kabel mitgehen lassen. Und trotz<br />

Wachdienst und Umzäunung wurden von<br />

der 50-Millionen-Baustelle bereits zwei<br />

Mal herumliegende Kabel gestohlen. Der<br />

Bauunternehmer erwartet, dass die Häufigkeit<br />

von Diebstählen zunehmen wird,<br />

„angesichts weiter steigender Lebenshaltungskosten<br />

bei Reallohnverlusten für die<br />

Bevölkerung und weiterhin ebenfalls hoch<br />

bleibenden Rohstoffpreisen“. Dennoch hat<br />

sich Büter gegen eine Diebstahlpolice für<br />

sogenannte Kleinteile entschieden. Sie würde<br />

sich nur dann lohnen, wenn drei Mal<br />

so viel wie bisher geklaut würde. Schwere<br />

Seecontainer, die mit massiven Vorhängeschlössern<br />

das begehrte Material schützen<br />

sollen, müssen vorerst genügen. Zumal Büter<br />

auch bisher von einer Betriebsunterbrechung<br />

durch den Klau am Bau verschont<br />

geblieben ist.<br />

In der Regel lassen Bauherren einen Ausfall<br />

nicht versichern. Es gibt zwar eine entsprechende<br />

Police, aber sie wird nur selten<br />

abgeschlossen. „Die BU-Deckung ist recht<br />

teuer“, sagt Versicherungsmakler Brämer.<br />

Die Versicherer sind auf den Abschluss<br />

solcher Policen auch kaum angewiesen.<br />

Ihr Geschäft mit der Bauleistungsversicherung<br />

sei rentabel genug. „Es gibt Sparten,<br />

in denen die Versicherer kaum noch Geld<br />

verdienen, aber das würde ich für die Bauleistungsversicherung<br />

ausschließen, sie ist<br />

auskömmlich.“ Schließlich erhöhen die<br />

Anbieter vor dem Hintergrund der gestiegenen<br />

Baukosten die Prämien, und das,<br />

obwohl sich die Schadenssummen durch<br />

Diebstähle noch in Grenzen halten. „Diese<br />

ehrlichen und offenen Worte hören Sie jetzt<br />

von einem Makler, ein Versicherer wird das<br />

sicherlich anders sehen und eher auf die<br />

Großschäden aus den Unwetterereignissen<br />

der vergangenen Jahre verweisen“, so Brämer.<br />

52 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22


M&M RATING<br />

KV-Unternehmen<br />

R+V-KRANKENVERSICHERUNG<br />

Vergleichen lohnt sich:<br />

Die gesunde Alternative<br />

für Ihr Beihilfe-Geschäft.<br />

Weitersagen: Neue Impulse setzen mit dem R+V-BeihilfeKonzept.<br />

› Erstattung von Arzthonoraren über die Höchstsätze der GOÄ und GOZ hinaus<br />

› Attraktive Leistungen ohne einschränkende Preisverzeichnisse<br />

› Hochwertige Unterstützung bei Zahnbehandlung, -ersatz und<br />

Kieferorthopädie ohne Zahnstaffel oder Erstattungshöchstbeträge<br />

› Psychotherapie ohne Begrenzung der Sitzungszahl<br />

› Geburtspauschale für Frauen<br />

Nutzen Sie den Wachstumsmarkt Gesundheit jetzt für Ihren Erfolg.<br />

Jetzt informieren auf makler-gesundheit.de/beihilfe


VERSICHERUNGEN Fahrradversicherungen<br />

GUTES RAD IST TEUER<br />

Immer mehr Menschen nutzen das Zweirad – und geben dafür immer mehr Geld aus. Ein<br />

Trend mit Beratungsbedarf, denn der Wettbewerb für separate Fahrradpolicen wird schärfer<br />

– TEXT: UWE SCHMIDT-KASPAREK –<br />

„Jedes vierte E-Bike in Deutschland ist<br />

nicht gegen Diebstahl versichert“, sagt<br />

Braulio Dario Rissi, Geschäftsführer<br />

Sachversicherungen beim Internetportal<br />

Check24. „Das ist überraschend, da ein E-<br />

Bike mittlerweile zu den teuersten Anschaffungen<br />

der Deutschen zählt.“ Seit 2019<br />

sei der durchschnittliche Kaufpreis um 17<br />

Prozent auf aktuell 2.857 Euro gestiegen.<br />

Der Trend wird durch Pandemie und den<br />

Kurs zur Nachhaltigkeit noch beschleunigt.<br />

„Das Rad ist heute Transportmittel,<br />

Freizeit- und Sportgerät. Und die Kunden<br />

haben noch nie bereitwillig so viel für ein<br />

Rad ausgegeben“, stellt Andreas Brunner<br />

fest, Versicherungsmakler und Vorstand bei<br />

der Maklergenossenschaft Vema. „Auf den<br />

neuen Bedarf haben inzwischen mehrere<br />

Versicherer reagiert und bieten Fahrradversicherungen<br />

als noch recht neue Sparte an“,<br />

so Brunner.<br />

RUNDUM-SCHUTZ<br />

Angesichts der steigenden Anschaffungskosten<br />

rechnet sich immer häufiger eine<br />

separate Fahrradversicherung. Denn die<br />

Deckungssummen innerhalb der Hausratpolice<br />

kommen für den Bereich „Fahrrad“<br />

schnell an ihre Grenzen. Bei Spezialpolicen<br />

können in der Regel Räder und Pedelecs bis<br />

zu einem Wert von 10.000 Euro versichert<br />

werden. Außerdem gibt es mit der Hausratversicherung<br />

nur Diebstahlschutz. Demgegenüber<br />

leisten die reinen Rad-Policen<br />

nicht nur bei Diebstahl, sondern decken<br />

fast jede Beschädigung ab. Versichert sind<br />

Unfall- und Sturzschäden oder Vandalismus,<br />

also die mutwillige Zerstörung des<br />

Rades. Es gibt eine Absicherung bei Naturgefahren<br />

und Fehlbedienungsschäden<br />

sowie beim Pedelec Schutz für Elektronik,<br />

Feuchtigkeit oder Überspannung. Neben<br />

dem Diebstahl des gesamten Fahrrads, sind<br />

54 Illustration: Roman Kulon


Fahrradversicherungen VERSICHERUNGEN<br />

seine festverschraubten Teile und vielfach<br />

sogar Helme, Taschen oder Gepäck eingeschlossen.<br />

Und in den E-Bike-Tarifen ist<br />

das technische Herzstück, der Akku, mitversichert.<br />

Zudem sorgen die Extrapolicen<br />

inklusiv oder gegen Aufpreis dafür, dass<br />

der Radfahrer nach Unfall oder Panne per<br />

Schutzbrief mobil bleibt.<br />

ANBIETER<br />

TARIF<br />

TOP-SCHUTZ FÜR TOP-BIKES<br />

Erste Anbieter mit Regio-Preis-System<br />

Wuppertal<br />

(PLZ 42103)<br />

PRÄMIENHÖHE in Euro (gerundet)<br />

Düsseldorf<br />

(PLZ 4<strong>04</strong>68)<br />

Münster<br />

(PLZ 48161)<br />

Rostock<br />

(PLZ 18057)<br />

GESAMT-<br />

PUNKTE<br />

EURO-<br />

RADTEST<br />

ERSTMALS TEUERUNGSSCHUTZ<br />

Die Hausratversicherung zahlt bei Diebstahl<br />

den echten Neupreis des Rades,<br />

während Spezial-Rad-Policen nur den<br />

Kaufpreis erstatten. Er gilt im Vertrag als<br />

Versicherungswert. Wertsteigerungen sind<br />

also nicht mitversichert – bisher! Denn nun<br />

bieten schon zwei Assekuranzen einen Einstieg<br />

in die Neuwertversicherung. So leistet<br />

die Ammerländer im Tarif „Fahrrad-Vollkaskoversicherung<br />

– Excellent“, den es für<br />

Fahrräder und Pedelecs gibt, eine sogenannte<br />

Teuerungsabsicherung von 20 Prozent.<br />

Bei andsafe im Tarif „Fahrradversicherung<br />

– Diebstahl, Reparatur und Schutzbrief“,<br />

der auch für Pedelecs abschließbar ist, gilt<br />

ein Vorsorgeschutz von 10 Prozent. Einen<br />

ersten guten Ansatz hat auch die Zurich in<br />

die „E-Mobilversicherung Fahrrad“ und<br />

„E-Mobilversicherung Pedelec“ integriert.<br />

Den Fahrradhelm gibt es immer für bis zu<br />

150 Euro zusätzlich. Der scharfe Wettbewerb<br />

um mehr Leistung wird auch von den<br />

Vermittlern goutiert. Sie haben längst ihren<br />

»Jedes vierte E-Bike<br />

in Deutschland ist<br />

nicht gegen Diebstahl<br />

versichert.«<br />

BRAULIO DARIO RISSI, GESCHÄFTSFÜHRER CHECK24<br />

„Liebling“ gekürt. In der Vema-Umfrage<br />

votierten im April <strong>2022</strong> insgesamt 448 von<br />

822 befragten Maklern für die Ammerländer.<br />

Damit führt die Assekuranz mit 54,5<br />

Prozent der Nennungen vor Barmenia<br />

(13,02 Prozent) und Waldenburger (12,65).<br />

DEUTLICHE PRÄMIENUNTERSCHIEDE<br />

Vermittler können ihren Fahrradkunden<br />

bei der Tarifauswahl helfen. Denn noch<br />

immer gibt es extreme Preisunterschiede<br />

Ammerländer<br />

Fahrrad-Vollkaskoversicherung<br />

für Pedelecs – Excellent<br />

1<strong>04</strong> 1<strong>04</strong> 1<strong>04</strong> 1<strong>04</strong> 91,7 *<br />

Zurich E-MobilSchutz für Pedelec 94 94 94 94 85,0<br />

MVK Top 1<strong>04</strong> 1<strong>04</strong> 1<strong>04</strong> 1<strong>04</strong> 84,7<br />

Barmenia Fahrradversicherung - Diebstahl +<br />

Kasko + Schutzbrief<br />

andsafe<br />

Fahrradversicherung - Diebstahl,<br />

Reparatur und Schutzbrief<br />

109 114 130 182 84,4<br />

103 185 ** 309 185 83,8<br />

Waldenburger Premium Plus 105 157 *** 200 157 82,1<br />

die Bayersiche<br />

Bike PROTECT Prestige E-Bike<br />

100 100 100 100 80,7<br />

Fahrradversicherung ****<br />

BerlinDirekt E-Bike-Versicherung Premium 125 125 125 125 73,5<br />

WGV Fahrradversicherung Optimal 99 190 248 190 72,9<br />

Auszug aus 43 Tarifen, Dargestellt wurddn nur „sehr gut“ bewertete Tarife für Pedelecs; *Der Tarif der Ammerländer wurde mit „sehr gut +“ bewertet. Aktuelle Prämien<br />

aus Online-Rechner der Anbieter; Gesamtpunkte aus Preis/Leistungtest für die Prämienerhebung in Düsseldorf. Die Prämie für Düsseldorf ist seit Februar <strong>2022</strong> um rund<br />

** 63 Euro ; ***41 Euro angehoben worden. ****Für Pedelec mit integriertem GPS-Ortungssysteme gibt es einen Prämienrabatt von 20 Prozent. <br />

Quelle: Euro-Radtest 05/<strong>2022</strong><br />

beim Extra-Radschutz. Das zeigt eine aktuelle<br />

Prämienerhebung für ein neues, 4.000<br />

Euro teures Pedelec (siehe Tabelle). Untersucht<br />

wurden vier Städte, die auf Basis der<br />

Regio-Einteilung der Barmenia-Versicherung<br />

ausgewählt wurden. Eine einheitliche<br />

Regio-Struktur gibt es am Markt nicht. Es<br />

bleibt den Radfahrern und Vermittlern somit<br />

nichts anderes übrig, als die Prämien<br />

individuell zu vergleichen.<br />

Last, but not least: Im Unfallfokus stehen<br />

vor allem ältere Fahrerinnen und Fahrer, die<br />

ein Pedelec nutzen. Während bei den Fahrradfahrern<br />

55 Prozent der Unfalltoten über<br />

65 Jahre alt sind, beträgt der Seniorenanteil<br />

bei E-Rad-Besitzern sogar 68 Prozent – so<br />

die Allianz-Studie „Zweiradsicherheit im<br />

Überblick“. Schwer verletzen sich auf dem<br />

E-Fahrrad 44 Prozent der über 65-Jährigen,<br />

während es auf dem klassischen Rad nur 23<br />

Prozent sind. Wer also auf ein E-Bike steigt,<br />

vor allem wenn er lange nicht mehr mit<br />

dem Rad unterwegs war, sollte sich zusätzlich<br />

auch gegen Unfälle schützen.<br />

Ein guter Anlass, an die Senioren-Unfallpolice<br />

zu erinnern. Sie leistet bekanntlich<br />

nicht nur wie die klassische Unfallversi-<br />

cherung bei Invalidität eine Kapitalsumme,<br />

sondern bietet schon für kleinere Schäden<br />

Hilfe. Während der zeitweiligen Hilfebedürftigkeit<br />

nach einem Unfall wird den<br />

Betroffenen mit Essens-, Reinigungs- und<br />

Unterstützungsservice unter die Arme gegriffen.<br />

PRO<br />

Neuer Rundum-<br />

Schutz<br />

JETZT AUF SEPARATEN<br />

RAD-SCHUTZ SATTELN?<br />

Mehr Schutz für oft<br />

weniger Geld<br />

Unfallschutz für<br />

Senioren verspricht<br />

Zusatzgeschäft<br />

CONTRA<br />

Hoher Aufwand bei<br />

bereits Versicherten<br />

Streichen des<br />

Hausratbausteins ist<br />

erklärungsbedürftig<br />

Niedrige Provisionen<br />

für die Radversicherung<br />

verlangen<br />

schlanken Prozess<br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />

55


VERSICHERUNGEN Haustiere<br />

TIERISCH GUT VERSICHERT?!<br />

Der Markt für Haustiere boomt und ist zu einem Milliardengeschäft avanciert. Die Vierbeiner<br />

sind ein emotionaler Türöffner beim Kunden und im Ernstfall oft unterversichert.<br />

– TEXT: IMKE REIHER –<br />

Deutschland ist ein Eldorado für Hunde<br />

und Katzen. Laut Statista leben rund 28<br />

Millionen der Vierbeiner in deutschen<br />

Haushalten – Tendenz steigend. Über die<br />

Jahre sind sie zu einem lukrativen Wirtschaftsfaktor<br />

avanciert, was die Umsätze<br />

der Heimtierbranche widerspiegeln. Das<br />

lockt neue Anbieter auf den Markt und<br />

sorgt für Produktnachschub.<br />

Auch für Berater kann es sich lohnen,<br />

die vierbeinige Klientel im Fokus zu haben,<br />

denn Tiere sind ein Ansatzpunkt, um ins<br />

Gespräch zu kommen – und ins Geschäft.<br />

Ohne die richtige Versicherung kann es<br />

für Besitzer im Ernstfall sehr teuer werden.<br />

Das größte Risiko birgt eine fehlende<br />

Haftpflichtpolice, da auch Tiere Schäden in<br />

Millionenhöhe verursachen können. Während<br />

Katzen über die Besitzer-Haftpflicht<br />

abgesichert sind, brauchen Hunde eine eigene.<br />

In sechs Bundesländern ist sie für alle<br />

Pflicht, in anderen nur für Listenhunde.<br />

Eine Krankenversicherung für Hund und<br />

Katze ist immer freiwillig und hat noch viel<br />

Luft nach oben: Schätzungen zufolge sind<br />

in Deutschland nur 10 bis 25 Prozent der<br />

Vierbeiner krankenversichert.<br />

HOHE TIERARZTKOSTEN ABFEDERN<br />

Dies kann sich rächen, wenn das Tier verunfallt<br />

oder erkrankt. Tierärzte rechnen ihre<br />

Leistungen nach der Gebührenordnung für<br />

Tierärzte (GOT) ab und können im Notfall<br />

den Faktor 4 ansetzen – da laufen schnell<br />

hohe Kosten auf. Mit einer Versicherung<br />

lassen sich diese abfedern, wobei es zwei<br />

Möglichkeiten gibt: „Eine OP-Versicherung<br />

sichert Operationen unter Narkose inklusive<br />

deren Nachbehandlung ambulant und<br />

stationär ab. Der Vollschutz leistet zusätzlich<br />

bei Behandlungen, die ohne Operation<br />

durchgeführt werden“, so Melanie Berggold<br />

von der Allianz. Dabei stehen verschiedene<br />

Tarife zur Auswahl, die mit steigender<br />

Prämie mehr Leistungen und Erstattungen<br />

bieten. Das Problem: Die Angebote unterscheiden<br />

sich gewaltig. Hier kann der Berater<br />

punkten, indem er den Bedarf ermittelt<br />

und Stolperfallen erklärt. Davon gibt es<br />

einige, wie das Beispiel Petprotect zeigt. In<br />

Werbespots wird die Krankenversicherung<br />

für Hunde und Katzen – hinter der die<br />

Deutsche Familienversicherung (DFV) und<br />

die ProSiebenSat.1 Services GmbH stehen<br />

– damit beworben, dass bis zu 100 Prozent<br />

der Tierarztkosten übernommen werden,<br />

keine Wartezeiten bestehen und die Police<br />

täglich kündbar ist. Das trifft aber nur begrenzt<br />

zu. Denn in den ersten zwei Jahren<br />

sind die Leistungen klar eingeschränkt. So<br />

56 Illustration: Eleonora Mavromati


Haustiere VERSICHERUNGEN<br />

SCHUTZ FÜR HUND UND KATZE<br />

Tarifbeispiele<br />

165,23<br />

MAKLERS MEINUNG<br />

»Lukratives<br />

Sachgeschäft«<br />

OLIVER JANES, Geschäftsführer Puntobiz<br />

GmbH (tierversicherung.biz)<br />

124,<strong>04</strong><br />

29,90<br />

9,90<br />

Agila<br />

Tierkrankenschutzversicherung<br />

82,25<br />

34,40<br />

Agria<br />

Tierkrankenvollversicherung<br />

54,23<br />

Allianz OP-<br />

Versicherung<br />

Premium<br />

40,47<br />

31,06<br />

Arag<br />

Premium<br />

Golden Retriever, geb. 15.01.<strong>2022</strong>, weiblich. Europäisch Kurzhaar, geb. 15.01.<strong>2022</strong>, Wohnungskatze, jeweils ohne Selbstbeteiligung/höchster Tarif.<br />

Angaben in €, Kosten pro Monat<br />

Quelle: eigene Recherche<br />

»Oft handelt es sich<br />

um ausgeschlossene<br />

Vorerkrankungen<br />

oder Leistungen,<br />

die im Tarif nicht<br />

versichert sind.«<br />

MELANIE BERGGOLD, ALLIANZ<br />

71,78<br />

29,92<br />

Barmenia<br />

Premium<br />

55,77<br />

25,90<br />

GHV<br />

Premium<br />

70,51<br />

Gothaer<br />

TK Premium<br />

20,17<br />

9,20<br />

HanseMerkur<br />

64,90<br />

26,70<br />

Helvetia<br />

Petcare<br />

Komfort<br />

8,78 7,36<br />

Luko<br />

40,96<br />

Uelzener<br />

werden für einen Hund in diesem Zeitraum<br />

maximal 900, 1.200 oder 1.500 Euro erstattet<br />

– je nach gewähltem Tarif. Für eine<br />

Katze sind es 350, 475 oder 600 Euro. Im<br />

ersten Jahr wird zudem nur maximal die<br />

Hälfte der Summe ausbezahlt. Damit liegen<br />

die Erstattungen der ersten zwei Jahre<br />

in etwa auf Höhe der eingezahlten Beiträge<br />

– zumal oft auch eine Selbstbeteiligung<br />

anfällt. „Das kommt einer Wartezeit gleich<br />

und muss versicherungstechnisch auch sein,<br />

ansonsten versichern sie brennende Häuser“,<br />

so Oliver Janes, Geschäftsführer des<br />

Tier-Spezialmaklers Puntobiz. Hinzu kommen<br />

etliche Leistungsausschlüsse und Auflagen<br />

für Policennehmer. Zudem räumen<br />

sich die Köpfe hinter Petprotect Rechte<br />

beim Auskunfts- und Mitspracherecht bei<br />

Behandlungen ein, sowie bei Beitragsanpassungen.<br />

Alle Informationen finden sich auf<br />

der Website wieder – nur nicht prominent<br />

platziert.<br />

KOMPLEXE BEDINGUNGEN<br />

VERLANGEN NACH BERATUNG<br />

Das Beispiel zeigt, dass man Verträge genau<br />

lesen und verstehen muss, um ein böses<br />

Erwachen zu vermeiden. Denn natürlich<br />

haben alle Policen Ausschlüsse, mit denen<br />

sich die Anbieter für den Leistungsfall absichern.<br />

Zu den Klassikern zählen bestimmte<br />

und bestehende Krankheiten, Fehlbildungen<br />

und rassespezifische Ausschlüsse.<br />

Ferner Sterilisationen, Kastrationen und etliche<br />

Zahn-Leistungen, die in höheren Tarifen<br />

aber oft bezuschusst werden. Zudem<br />

sind kosmetische Behandlungen nicht abgedeckt,<br />

da alle Policen nur bei Unfall oder<br />

Krankheit greifen, und es gibt in der Regel<br />

eine Wartezeit von 20 bis 30 Tagen, die nur<br />

bei Unfällen entfällt. Auch die Frage, ob<br />

das Tier gesund ist, sollte nicht zum Ja führen,<br />

ohne die Definition des Anbieters zu<br />

prüfen. Gibt es Unstimmigkeiten, entfällt<br />

der Versicherungsschutz.<br />

Die Kunst für Berater ist es, das passendste<br />

Angebot zu finden. Die Leistungen,<br />

Erstattungen und der Preis sind das eine.<br />

Eine Analyse der Ausschlüsse das andere.<br />

Viele Schadensfälle werden aus ähnlichen<br />

Gründen abgelehnt: „Oft handelt es sich<br />

um ausgeschlossene Vorerkrankungen oder<br />

Leistungen, die im gewählten Tarif nicht<br />

versichert sind“, sagt Allianz-Frau<br />

Wir spezialisieren uns seit 2002 auf Tierversicherungen<br />

und sind in den ersten Jahren<br />

komplett belächelt worden: „Was macht<br />

ihr für Mist?“ Und auf Maklerkongressen<br />

kam zuerst die Frage: „Ach, davon kann<br />

man leben?“ Doch gerade in den letzten<br />

zwei Jahren sind viele auf das Thema<br />

angesprungen. Mit monatlichen Beiträgen<br />

zwischen 70 und 100 Euro sind Tierversicherungen<br />

sehr lukrative Sachverträge.<br />

Doch es ist kein Mitnahmegeschäft. Sie<br />

brauchen Expertise und Empathie. Sie<br />

brauchen Zielgruppen-Know-how. Tierhalter<br />

haben spezifische Bedürfnisse, die<br />

müssen Sie kennen. Wenn eine Katze stirbt,<br />

kann man nicht einfach sagen: „Dann gehen<br />

Sie doch ins Tierheim und kaufen sich<br />

eine neue.“ Manchmal telefoniert man dann<br />

eine halbe Stunde. Da darf keine Sanduhr<br />

daneben laufen. Man braucht auch viel<br />

Versicherungs-Know-how, muss Verträge<br />

richtig lesen und sich rechtlich auskennen,<br />

um Haftungsfragen bewerten zu können.<br />

Wenn etwa ein Pferd eine Kolik hat und<br />

stirbt und der Halter die 30.000 Euro nicht<br />

bekommt, weil der Makler Dinge übersehen<br />

hat, braucht er sonst entweder ein dickes<br />

Konto oder eine gute Vermögenshaftpflicht.<br />

Wir haben in den letzten 20 Jahren eine<br />

große Expertise aufgebaut und können<br />

mittlerweile eigene Produkte kreieren, was<br />

vor 20 Jahren noch nicht ging. Der Bereich<br />

hat viel Luft nach oben, wobei wir von der<br />

Vollkasko-Mentalität wegmüssen, hin zu intelligenten<br />

Ausschlüssen und intelligenten<br />

Prüfmechanismen. Es gibt kein Rundumsorglos-Paket<br />

für 30 Euro im Monat, und<br />

das sollte man dem Kunden ehrlich kommunizieren.<br />

Unser Fazit nach 20 Jahren: Der<br />

Tierbereich lohnt sich, aber man sollte es<br />

richtig machen. Heißt: spezialisieren, wenn<br />

es geht, und ansonsten kooperieren.<br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />

57


VERSICHERUNGEN Haustiere<br />

»Obacht bei den Ausschlüssen«<br />

SVENJA HARTLEHNERT, Teamleiterin Produktentwicklung bei der Arag SE<br />

<strong>procontra</strong>: Worauf sollten Tierhalter bei einer<br />

KV-Police achten?<br />

Svenja Hartlehnert: Der Tierhalter sollte sich<br />

vor Abschluss umfassend informieren oder<br />

beraten lassen und seinen persönlichen Bedarf<br />

ermitteln. Ein grundsätzliches Entscheidungskriterium<br />

ist, ob in erster Linie Kosten rund um<br />

Operationen durch eine reine OP-Versicherung<br />

abgesichert werden sollen oder ob ein Rundumschutz<br />

im Rahmen einer Vollversicherung<br />

gewünscht ist. Die Varianten unterscheiden sich<br />

im Leistungsumfang sowie in der generellen<br />

Versicherungssumme, bei den Ausschlüssen,<br />

den Wartezeiten und der Selbstbeteiligung.<br />

<strong>procontra</strong>: Eine Haustier-KV, die ALLE Szenarien<br />

abdeckt und ohne Erstattungsgrenzen zahlt,<br />

gibt es nicht, da die Beiträge zu hoch wären. Wo<br />

kommt es oft zu Missverständnissen?<br />

Hartlehnert: Es gibt einige Ausschlüsse zu<br />

beachten. Ein wichtiger Punkt ist, dass Fehlentwicklungen,<br />

Verletzungen und Krankheiten,<br />

die bei Abschluss der Versicherung bestehen<br />

oder vor Ablauf der Wartezeit auftreten, nicht<br />

versichert sind. Entsprechende Gesundheitsfragen<br />

müssen wahrheitsgemäß und umfassend<br />

bei Antragstellung beantwortet werden. In den<br />

höheren Leistungsvarianten schließen wir einige<br />

Leistungen, die grundsätzlich ausgeschlossen<br />

wären, mit ein. Dazu zählen gynäkologische<br />

Behandlungen und OPs infolge von Hüft- oder<br />

Ellbogengelenksdysplasie.<br />

<strong>procontra</strong>: Woran scheitern viele Ansprüche, die<br />

abgelehnt werden?<br />

Hartlehnert: In unserer bisherigen Praxis mussten<br />

wir oft Ansprüche ablehnen, weil noch eine<br />

Wartezeit besteht oder die Leistung nicht versicherbar<br />

ist – zum Beispiel wenn eine Behandlung<br />

nicht ärztlich notwendig war und es sich<br />

um einen rein ästhetischen Eingriff handelt.<br />

<strong>procontra</strong>: Inwieweit lassen sich zahnmedizinische<br />

Behandlungen abdecken?<br />

Hartlehnert: Bei zahnmedizinischen Behandlungen<br />

muss unterschieden werden, um welche<br />

Art von Behandlung es sich handelt. Grundsätzlich<br />

ausgeschlossen sind Zahnersatz und Korrektur<br />

von Zahn- und Kieferanomalien. Zahnextraktionen<br />

und Zahnwurzelbehandlungen sind<br />

bei uns in allen Policen mitversichert. Zudem<br />

sind bestimmte Vorsorgeleistungen wie etwa<br />

Zahnprophylaxe in der Premiumvariante unserer<br />

OP-Versicherung und bei der Vollversicherung<br />

abgedeckt – mit maximal 150 Euro jährlich für<br />

Vorsorgeleistungen insgesamt.<br />

<strong>procontra</strong>: Stichwort Auslandsschutz: Worauf<br />

müssen Tierbesitzer achten?<br />

Hartlehnert: Bei einer Vollschutz-Police besteht<br />

bei uns ein weltweiter Versicherungsschutz bis<br />

zu zwölf Monate ab Ausreisedatum. Dabei wird<br />

grundsätzlich keine Region ausgeschlossen.<br />

Nicht versichert ist die geplante oder gezielte<br />

Behandlung im Ausland.<br />

<strong>procontra</strong>: Für welchen Zeitraum können Tierkrankenpolicen<br />

bei der Arag maximal abgeschlossen<br />

werden?<br />

Hartlehnert: Bei der Vollversicherung können<br />

Verträge von ein bis drei Jahren Vertragsdauer<br />

abgeschlossen werden. Der bestehende Vertrag<br />

kann bis zum Lebensende des Tieres verlängert<br />

werden. Bei Neuverträgen liegt die Altersgrenze<br />

für Hunde und Katzen bei sechs Jahren.<br />

Berggold. Da viele Krankheiten erst<br />

bei älteren Tieren auftreten, ist ein früher<br />

Policenabschluss ratsam, zumal einige Versicherer<br />

das Höchstalter für Neuverträge<br />

begrenzen. Berater sollten Kunden darauf<br />

hinweisen, ebenso wie auf Tarifanpassungen<br />

für ältere Tiere, die Versicherer vornehmen,<br />

um höhere Risiken einzupreisen.<br />

Auch wenn die meisten Berater Tierversicherungen<br />

bisher klein fahren, scheinen<br />

viele vom Potenzial überzeugt. Das legen<br />

Umfragen nahe. Auf Anbieterseite zieht<br />

der Wettbewerb seit 2020 deutlich an: So<br />

haben unter anderem Agria und SantéVet<br />

erste Policen für den deutschen Markt lanciert.<br />

Weitere Novizen sind DA Direkt und<br />

die Insurtechs Hepster und Helden.de. Das<br />

birgt Zukunftsmusik – auch mit Blick auf<br />

die Produktentwicklung. Gerade für ältere<br />

und erkrankte Tiere sollte nachgebessert<br />

werden, meint Puntobiz-Mann Janes: „Es<br />

müssen intelligente Ausschlüsse und Prüfmechanismen<br />

in die Produkte, um sie fair<br />

und bezahlbar zu machen und bedarfsgerechteren<br />

Schutz zu ermöglichen.“ Fakt ist:<br />

100-prozentig abgesichert ist das Tier nie.<br />

Doch mit der richtigen Police lassen sich<br />

finanzielle Risiken abfedern, die vor allem<br />

durch Operationen auflaufen. Angesichts<br />

der Preisunterschiede sollten Berater insofern<br />

prüfen, ob der Kunde mit der OP-Variante<br />

nicht besser fährt. <br />

PRO<br />

BERATUNGSPOTENZIAL<br />

BEI TIERVERSICHERUNGEN?<br />

Ausgeprägte Unterversicherung<br />

birgt<br />

Verkaufspotenzial<br />

Fachwissen kann<br />

gezielt als Mehrwert<br />

ausgebaut werden<br />

Der Weg über das<br />

Haustier kann Cross-<br />

Selling fördern<br />

CONTRA<br />

Missverhältnis<br />

zwischen Aufwand<br />

und Ertrag<br />

Policenpotenzial für<br />

das Tier ist überschaubar<br />

Recherche und<br />

Expertiseaufbau<br />

brauchen viel Zeit<br />

58 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22


Stuttgarter ANZEIGE<br />

GrüneRente performance+<br />

für eine nachhaltige Altersvorsorge<br />

Bei der Altersvorsorge rückt Nachhaltigkeit ins Zentrum der Beratung und der Anbieterauswahl. Die GrüneRente<br />

performance+ der Stuttgarter erfüllt dieses Bedürfnis, der FONDSPiLOT erleichtert die Altersvorsorgeberatung.<br />

Stuttgarter nachhaltige Anlagegrundsätze,<br />

und mindestens die Höhe des umgeschichteten<br />

Vertragsguthabens wird in nachhaltige<br />

Anlagen investiert. In der Ansparphase<br />

können Kunden den Fokus zwischen<br />

Sicherheit und Renditechance frei wählen.<br />

performance+ erlaubt hierfür die Wahl<br />

unterschiedlicher Beitragsgarantien (zum<br />

Beispiel zwischen 80 und 0 Prozent), die sich<br />

während der Laufzeit noch ändern lassen.<br />

Im „magischen Dreieck“ der Geldanlage<br />

wurden viele Jahre die Ziele des Kunden<br />

definiert und Kompromisse zwischen Risiko,<br />

Rendite und Liquidität gefunden. Mittlerweile<br />

hat sich eine vierte Komponente<br />

entwickelt, die in den Anforderungen an<br />

Produktlösungen eine immer zentralere<br />

Rolle spielt: Nachhaltigkeit. Immer mehr<br />

Menschen suchen nach Lösungen und<br />

Produktgebern für ihre Altersvorsorge, die<br />

in Einklang mit ökologischen, sozialen oder<br />

ethischen Kriterien stehen. Die Stuttgarter<br />

bedient dieses Bedürfnis mit dem Vorsorgekonzept<br />

GrüneRente.<br />

Grün – auch in der Rentenphase<br />

Im Rahmen der GrüneRente performance+<br />

profitieren Kunden von den Renditechancen<br />

der ausgewählten Nachhaltigkeitsfonds.<br />

Optional auch mit einer Garantie zu Rentenbeginn.<br />

In diesem Fall wird das Guthaben<br />

zwischen nachhaltigen Fonds und dem<br />

Sicherungsvermögen der Stuttgarter aufgeteilt.<br />

Das Guthaben im Sicherungsvermögen<br />

wird in nachhaltige Kapitalanlagen investiert.<br />

Für die Fondsanlage kann der Kunde<br />

derzeit aus über 40 verschiedenen Nachhaltigkeitsfonds<br />

wählen – Tendenz steigend.<br />

Die GrüneRente bildet Nachhaltigkeit<br />

zudem auch in der Rentenphase ab. Mit<br />

Beginn der Rentenzahlung wird das Vertragsguthaben<br />

in das Sicherungsvermögen<br />

umgeschichtet. Auch dort gelten bei der<br />

Holen Sie sich wertvolle Tipps für die Kundenberatung,<br />

bilden Sie sich gezielt<br />

weiter und profitieren Sie z. B. von<br />

den Erfahrungsberichten etablierter<br />

Experten und Fondsgesellschaften.<br />

FONDSPiLOT erleichtert die grüne Beratung<br />

Ein effizienter Beratungsprozess ist nötig,<br />

um die „Produkt-PS“ auch auf die Straße<br />

zu bekommen. Da die gesetzlichen Anforderungen<br />

an Vermittler fondsgebundener<br />

Lösungen auch in Zukunft weiter steigen<br />

werden, hat die Stuttgarter mit dem Beratungstool<br />

FONDSPiLOT eine innovative<br />

Lösung entwickelt, die Vermittler entlastet,<br />

ihre Beratung erleichtert und zusätzliche<br />

Sicherheit gibt. Der FONDSPiLOT ermittelt<br />

das Anlegerprofil des Kunden und ein dazu<br />

passendes gemanagtes Portfolio. Dieses wird<br />

permanent überwacht und die Zusammensetzung<br />

bei sich ändernden Märkten während<br />

der Vertragslaufzeit an das Risikoprofil<br />

des Kunden angepasst – kostenfrei. Das optimiert<br />

die Risikosteuerung für den Kunden<br />

und entlastet Vermittler in der Fondsauswahl<br />

und Vertragsbetreuung. Für nachhaltig orientierte<br />

Kunden stehen fünf nach ESG-Kriterien<br />

gemanagte Portfolios zur Verfügung – passend<br />

zum ermittelten Anlegerprofil.<br />

Mehr Informationen unter<br />

Die Stuttgarter GrüneRente:<br />

gruenerente.stuttgarter.de<br />

Die Stuttgarter Fondsrente:<br />

performance.stuttgarter.de<br />

Das Beratungstool FONDSPiLOT:<br />

fondspilot.stuttgarter.de<br />

59


VERSICHERUNGEN Betriebliche Pflegevorsorge<br />

BETRIEB ALS KNOTENLÖSER?!<br />

Die Nachfrage nach privaten Pflegezusatzpolicen ist mau. Nun steuert die Assekuranz mit<br />

neuen Modellen gegen: Sind betriebliche Pflegeversicherungen eine Alternative?<br />

– TEXT: ANNE MAREILE WALTER –<br />

Die gesetzliche Pflegeversicherung hat ein<br />

gravierendes Finanzierungsproblem, und<br />

es wird immer größer: Auf 400 Millionen<br />

Euro summiert sich das aktuelle Minus<br />

von Monat zu Monat. Auf ein Jahr hochgerechnet,<br />

ergibt das ein Defizit von 3,5<br />

Milliarden. Bei den Versicherten macht sich<br />

das Problem in immer stärker steigenden<br />

Eigenanteilen bemerkbar: 2.248 Euro – so<br />

viel müssen Pflegebedürftige monatlich im<br />

Schnitt aus eigener Tasche bezahlen, wenn<br />

sie die Kosten für eine Unterbringung im<br />

Heim stemmen wollen.<br />

Trotzdem setzen nur wenige Deutsche<br />

auf eine private Absicherung, um die klaffende<br />

Versorgungslücke zu schließen. Seit<br />

Jahren ist die Nachfrage nach privaten<br />

Pflegezusatzversicherungen gering: Von<br />

2.732.900 abgeschlossenen Verträgen im<br />

Jahr 2017 erhöhte sich die Zahl im Jahr<br />

2020 nur geringfügig auf 2.853.500 Verträge.<br />

Ende vergangenen Jahres gab es einen<br />

Schwenk: Der Verband der Privaten<br />

Krankenversicherung (PKV) registrierte<br />

ein ordentliches Plus, die Vertragszahl stieg<br />

um 14 Prozent auf 3.255.500 Verträge<br />

an. Laut PKV-Geschäftsführer Stefan Reker<br />

hatte dieser Zuwachs einen konkreten<br />

Grund: Im Juli 2021 wurde die betriebliche<br />

Pflegeversicherung CareFlex eingeführt und<br />

sicherte auf einen Schlag Hunderttausende<br />

Menschen ab. Offenbar ist das Modell der<br />

betrieblichen Absicherung eine sinnvolle<br />

Ergänzung, um die Versorgungslücke in der<br />

Pflege zu schließen.<br />

CAREFLEX ALS VORBILD<br />

CareFlex ist die erste tarifvertraglich vereinbarte,<br />

arbeitgeberfinanzierte Pflegezusatzversicherung<br />

für die Angestellten der<br />

Chemie- und Pharmabranche. Der Versicherungsschutz<br />

erfolgt hier über die Firma,<br />

die Angestellten profitieren von zusätzlichem<br />

Schutz vor dem Pflegerisiko – und<br />

der Arbeitgeber kann mit der Extraleistung<br />

60 Illustration: Roman Kulon


Betriebliche Pflegevorsorge VERSICHERUNGEN<br />

WAS PFLEGEHEIMBEWOHNER SELBST ZAHLEN<br />

Monatliche Kosten, die die Pflegepflichtversicherung nicht übernimmt *<br />

MAKLERS MEINUNG<br />

»Betriebliche Pflege<br />

als Teilentlastung«<br />

Einrichtungseinheitlicher<br />

Eigenanteil (EEE)<br />

Unterkunft<br />

Investitionskosten<br />

Verpflegung<br />

LEONIE PFENNIG, Maklerin beim Netzwerk<br />

freier Finanzberater<br />

1.000 €<br />

478 €<br />

448 €<br />

322 €<br />

* Werte im Bundesdurchschnitt, ohne Sondereinrichtungen, EEE inklusive Ausbildungsvergütung, Stand: 1.4.<strong>2022</strong> Quelle: PKV-Verband<br />

insgesamt 2.248 € im Bundesdurchschnitt<br />

im Wettstreit um begehrte Fachkräfte<br />

punkten.<br />

Bei einer stationären Versorgung erhalten<br />

CareFlex-Versicherte beispielsweise bis<br />

zu 1.000 Euro. Rund die Hälfte der Versorgungslücke<br />

ist mit diesem Modell geschlossen.<br />

Um auch die andere Hälfte abzudecken,<br />

können Versicherte die Leistungen<br />

aufstocken. „Beschäftigte müssen dadurch<br />

nicht mehr so viel in einen privaten Vertrag<br />

investieren“, erklärt Andrea Pichottka,<br />

Geschäftsführerin der zur Bergbauund<br />

Chemie-Gewerkschaft gehörenden IG<br />

BCE Bonusagentur. 1.183 Unternehmen<br />

und 472.000 Mitarbeiter sind aktuell via<br />

CareFlex versichert. Dabei sagt Pichottka<br />

auch: 54 Prozent der Unternehmen hätten<br />

den Wunsch geäußert, auch außertarifliche<br />

Mitarbeiter und leitende Angestellte damit<br />

abzusichern. „Das zeigt den enormen Bedarf“,<br />

so die Geschäftsführerin.<br />

Ein weiteres Beispiel für eine betriebliche<br />

Lösung ist die Feelcare-Versicherung<br />

der Halleschen. Seit April 2021 gibt es hier<br />

nicht nur Pflegeschutz für die Angestellten,<br />

sondern auch für deren Angehörige. Ist ein<br />

Mitarbeiter in der Situation, einen Angehörigen<br />

pflegen zu müssen, erhält er über Feelcare<br />

ein Pflegebudget von bis zu 900 Euro.<br />

Sascha Marquardt, Leiter des Kompetenzcenters<br />

Firmenkunden bei der Halleschen,<br />

nennt weitere Vorteile: „Durch<br />

Feelcare hat der Arbeitgeber weniger Ausfallzeiten<br />

und er kann Mitarbeiter an sich<br />

binden.“ Aber Marquardt gibt auch zu bedenken:<br />

Die betriebliche Pflegeversicherung<br />

der Halleschen ersetze nicht die private<br />

Vorsorge. Allerdings sei das betriebliche<br />

Modell für Angehörige eine sinnvolle Ergänzung<br />

zum privaten Schutz, um sie von<br />

der Pflege zu entlasten.<br />

»Makler müssen nur<br />

eine einzige Person<br />

überzeugen und<br />

sichern damit<br />

gleich mehrere<br />

Menschen ab.«<br />

LEONIE PFENNIG, MAKLERIN<br />

RAHMENBEDINGUNGEN GEHÖREN VERBESSERT<br />

Diese Sichtweise teilt auch die Berliner<br />

Maklerin Leonie Pfennig. Sie berät ihre<br />

Unternehmenskunden zum Thema betriebliche<br />

Pflegeversicherung und hält die über<br />

den Arbeitgeber finanzierten Policen für<br />

einen guten Zusatzschutz. Hinzu komme:<br />

„In der Beratung müssen Makler nur eine<br />

einzige Person überzeugen und sichern damit<br />

gleich mehrere Menschen ab“, sagt sie.<br />

Der Vermittlerverband Votum hält das<br />

betriebliche Modell ebenfalls für sinn-<br />

Der Start des Pflegeversicherungsgesetzes<br />

SGB XI hörte sich gut an: Jetzt werden<br />

alle anfallenden Pflegekosten von der<br />

Pflegekasse bezahlt. Es hat einige Jahre<br />

gedauert, bis allgemein bekannt wurde,<br />

dass die gesetzlichen Leistungen nur bis<br />

zur Mitte eines Monats ausreichen, egal ob<br />

der Pflegedienst pflegt oder man im Heim<br />

untergebracht ist. Der finanzielle Eigenanteil<br />

ist demnach immens hoch.<br />

Was gern in der Betrachtung vergessen<br />

wird: die möglichen Zusatzkosten, die im<br />

Pflegefall entstehen. Ich denke an das<br />

häusliche Umfeld, wo weiterhin Kosten für<br />

Miete, Strom, Wasser und Telefon anfallen.<br />

Auch sollte man das Essen nicht vergessen.<br />

Und was wäre, wenn technische<br />

Geräte, wie Kühlschrank oder Waschmaschine,<br />

kaputtgehen? An den Kosten für<br />

Pflegehilfsmittel, wie zum Beispiel Windeln,<br />

Bettunterlagen, Desinfektionsmittel und<br />

Einmalhandschuhe, beteiligt sich die<br />

Pflegekasse mit maximal 40 Euro im Monat.<br />

Auch das reicht bei Weitem nicht aus.<br />

Daher finde ich die Ideen der Produktschmieden<br />

der Versicherer innovativ und<br />

sehr hilfreich, den Menschen praktisch<br />

durch den Arbeitgeber zu einer Pflegezusatzversicherung<br />

zu verhelfen. Auch<br />

wenn die Absicherungshöhen verständlicherweise<br />

nicht so hoch sind, wie die<br />

finanzielle Lücke sich darstellt, so sind<br />

es doch nicht unerhebliche zusätzliche<br />

monetäre Leistungen, die im Pflegefall den<br />

eigenen Geldbeutel schonen, bzw. auch<br />

das Vermögen, welches man sich über die<br />

Jahre aufgebaut hat und eventuell auch<br />

gern vererben möchte.<br />

Grundsätzlich rate ich immer zu einer privaten<br />

Pflegezusatzabsicherung, sofern es<br />

gesundheitlich und finanziell möglich ist.<br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />

61


VERSICHERUNGEN Betriebliche Pflegevorsorge<br />

»Der sozialpolitische Hebel ist groß«<br />

STEFAN REKER, Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV)<br />

<strong>procontra</strong>: Die Lage in der gesetzlichen Pflegeversicherung<br />

ist dramatisch: Im laufenden<br />

Jahr ist von einem Defizit von 3,5 Milliarden Euro<br />

auszugehen, und die Eigenanteile steigen weiter.<br />

Private Pflegezusatzpolicen werden trotzdem<br />

kaum nachgefragt. Warum?<br />

Stefan Reker: Politische Debatten haben<br />

Einfluss auf das Verhalten der Menschen. So<br />

war 2012/2013 die Nachfrage nach privatem<br />

Pflegezusatz hoch, damals war der Pflege-Bahr<br />

im politischen Fokus. Die Diskussionen führten<br />

dazu, dass die Menschen ein Bewusstsein dafür<br />

entwickelt haben, dass es eine Pflegelücke<br />

gibt und dass sie selbst vorsorgen müssen.<br />

Später, unter den Ministern Hermann Gröhe und<br />

Jens Spahn, gab es einen politischen Schwenk.<br />

Es wurde die Erwartung geweckt, dass die<br />

Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung<br />

ausgeweitet werden, und dieses „Vater Staat<br />

wird sich kümmern“ hat dazu geführt, dass sich<br />

der Trend zur privaten Vorsorge abgeschwächt<br />

hat.<br />

<strong>procontra</strong>: Also steht und fällt die Nachfrage<br />

allein mit den politischen Debatten?<br />

Reker: Nein. Man würde es sich zu leicht<br />

machen, wenn man den schwarzen Peter nur<br />

der Politik zuschiebt. Tatsächlich verdrängt<br />

jeder Einzelne von uns das Pflegerisiko ganz<br />

gern und denkt nicht daran, irgendwann mal alt<br />

und klapprig zu sein. Erst wenn die Einschläge<br />

näherkommen, wächst das Bewusstsein für die<br />

Vorsorge.<br />

<strong>procontra</strong>: Nun sind seit dem vergangenen<br />

Jahr zwei Modelle der betrieblichen Pflegeversicherung<br />

auf dem Markt. Kann die betriebliche<br />

Lösung die Versorgungslücke besser schließen<br />

als eine private Absicherung?<br />

Reker: Dazu ein paar Zahlen: Bei der privaten<br />

Pflegezusatzversicherung hatten wir Ende 2021<br />

im Vergleich zu 2020 einen Zuwachs von 14<br />

Prozent. Dieser Zuwachs resultierte maßgeblich<br />

aus der betrieblichen Pflegezusatzversicherung<br />

CareFlex. Die betriebliche Lösung ist also ein<br />

sehr vielversprechendes Mittel. CareFlex hat in<br />

kürzester Zeit 400.000 Arbeitnehmer versichert<br />

– und auf einen Schlag mehr bewegt als die<br />

komplette Versicherungswirtschaft in mehreren<br />

Jahren. Das zeigt, wie groß der sozialpolitische<br />

Hebel ist. Hinzu kommt: Der Arbeitgeber kann<br />

seine Mitarbeiter an sich binden, es gibt keine<br />

individuellen Gesundheitsprüfungen. Eine Winwin-Situation.<br />

<strong>procontra</strong>: Sollte betriebliche Pflegevorsorge<br />

also stärker gefördert werden?<br />

Reker: Ja, da gibt es schon politischen Gestaltungsbedarf.<br />

So sind beispielsweise die bestehenden<br />

Steuerfreibeträge bei den Arbeitgebern<br />

durch andere betriebliche Sozialleistungen, wie<br />

Jobtickets, ausgeschöpft. Da könnte man mehr<br />

tun. Aber der Ruf nach staatlichen Zuschüssen<br />

ist nicht unser Hauptanliegen. Wir wollen, dass<br />

der Weg dafür geebnet wird, dass möglichst viel<br />

über betriebliche Vorsorge möglich ist – CareFlex<br />

ist da ein wunderbares Vorbild.<br />

voll, eine stärkere politische Förderung<br />

forciert er aber nicht. „Als Verband mit<br />

klarem Bekenntnis zur sozialen Marktwirtschaft<br />

stehen wir politischen Eingriffen in<br />

privatwirtschaftliche Märkte grundsätzlich<br />

skeptisch gegenüber“, erklärt Geschäftsführer<br />

Martin Klein. Allerdings könne an<br />

den Rahmenbedingungen für die betriebliche<br />

Absicherung gefeilt werden, indem<br />

beispielsweise „Antragstellungen vereinfacht“<br />

würden.<br />

Die Forderung des PKV-Verbands fällt<br />

da schon etwas vehementer aus. So machte<br />

PKV-Geschäftsführer Timm Genett kürzlich<br />

während eines Pressegesprächs deutlich:<br />

„Wenn die Politik die betriebliche Pflegeversicherung<br />

fördern würde, würden sich<br />

auch mehr Menschen und Arbeitgeber für<br />

das Produkt interessieren.“ Subventionen<br />

der betrieblichen Pflegeabsicherung sind<br />

vonseiten des Bundesgesundheitsministeriums<br />

(BMG) derweil nicht geplant. „Eine<br />

Stärkung betrieblicher Pflegevorsorgemöglichkeiten<br />

oder daneben eine Erhöhung<br />

der Pflegevorsorgezulage sind im aktuellen<br />

Koalitionsvertrag nicht vorgesehen“, teilte<br />

das BMG auf <strong>procontra</strong>-Nachfrage mit.<br />

Solchen Maßnahmen stünden zudem „die<br />

Ziele einer nachhaltigen Haushaltspolitik“<br />

gegenüber.<br />

Damit sind einmal mehr Berater in der<br />

Pflicht, über die Option einer betrieblichen<br />

Absicherung aufzuklären. Auch wenn<br />

die betrieblichen Modelle nicht geeignet<br />

sind, um die Versorgungslücke komplett<br />

zu schließen – Versicherte sparen mit der<br />

arbeitgeberfinanzierten Police bei der privaten<br />

Absicherung bares Geld.<br />

PRO<br />

DER KNOTENLÖSER FÜR DAS<br />

VERSORGUNGSPROBLEM?<br />

Versicherungsschutz<br />

für große Gruppen<br />

durch Ansprache<br />

eines Kunden<br />

Weniger Geld für<br />

privaten Pflegezusatzschutz<br />

nötig<br />

Arbeitgeber binden<br />

Mitarbeiter an sich<br />

CONTRA<br />

Erhalt der<br />

Arbeitskraft steht<br />

im Vordergrund<br />

Privater Zusatzschutz<br />

ist trotzdem<br />

nötig<br />

Keine politische<br />

Förderung<br />

62 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22


Barmenia ANZEIGE<br />

Vielseitig und einfach:<br />

Barmenias neue Tarifwelt für Beamte<br />

Mit der neuen Tariflinie „Genau-Für-Sie“ wird die Absicherung von Beamten für Makler zukünftig ganz einfach.<br />

Denn dort, wo die Beihilfe aufhört, bietet die Barmenia eine Basisabsicherung samt passender Ergänzung,<br />

und das begleitend durch ein ganzes Leben.<br />

plus<br />

In Deutschland stehen zurzeit mehr als 40<br />

Millionen Menschen im Berufsleben. Davon<br />

entfallen rund 1,8 Millionen Menschen auf<br />

die Berufsgruppe der Beamten (Quelle: Statistisches<br />

Bundesamt). Diese Zahl wird sich –<br />

aufgrund der aktuellen Altersstruktur – mittelfristig<br />

deutlich erhöhen. In der Zielgruppe<br />

der Personen mit Beihilfeanspruch steckt<br />

somit ein erhebliches Potenzial. Beamte<br />

zu versichern, ist vielseitig. Die vielversprechende<br />

neue Tarifwelt der Barmenia macht<br />

es nun noch einfacher, die anspruchsvolle<br />

Zielgruppe abzuholen, zu versichern und<br />

individuell zu begleiten.<br />

Beamtenanwärter sowie Beamte sind sehr<br />

unterschiedlich, und deshalb versichert die<br />

Barmenia sie ab sofort auch so. Die neue<br />

Tarifwelt „Genau-Für-Sie“ berücksichtigt mit<br />

ihren Produkten die verschiedenen Beihilfeverordnungen<br />

der Länder sowie des Bundes<br />

und ermöglicht so einen umfangreichen Versicherungsschutz<br />

im Krankheitsfall. Und das<br />

über die gesamte Beamtenlaufbahn hinweg.<br />

oder<br />

So gehören „Beilhilfe-Bauchschmerzen“ bei<br />

der Beratung eher der Vergangenheit an!<br />

In Deutschland ist eine vollständige<br />

Krankenversicherung verpflichtend. Da die<br />

Beihilfe Kosten von Staatsdienern nur teilweise<br />

übernimmt, müssen Kundinnen und<br />

Kunden darüber aufgeklärt werden, dass<br />

sie zusätzlich zur Beihilfe eine Krankenversicherung<br />

vereinbaren müssen. Das gilt auch<br />

für Beamte, die Heilfürsorge beziehen, dann<br />

spätestens in der Pension. Hier kommen die<br />

neuen Barmenia-Genau-Für-Sie-Produkte ins<br />

Spiel: Sie ergänzen den Schutz der individuellen<br />

Beihilfe. Der Versicherungsschutz lässt<br />

sich einfach über die gesamte Laufbahn mit<br />

optionalen Leistungen an die sich verändernden<br />

Bedürfnisse anpassen.<br />

Top-Leistungen, die sich sehen<br />

lassen können<br />

Kundinnen und Kunden starten mit der<br />

Basisabsicherung, der Genau-Für-Sie<br />

Krankenversicherung. Wer es vielseitiger<br />

und umfangreicher möchte, kann seine<br />

Einstiegsversorgung mit dem Genau-Für-Sie<br />

2-Bett- oder 1-Bett-Baustein, der Genaufür-Sie<br />

Ergänzung sowie der Genau-Für-Sie<br />

Ergänzung Plus aufwerten.<br />

Schließlich sorgt eine höhere Beitragsrückerstattung<br />

dafür, dass sich „gesund leben“ für<br />

alle Staatsdiener lohnt – und zwar nicht nur,<br />

weil es sich so länger leben lässt, sondern<br />

auch, weil auf diesem Weg weniger oder<br />

keine Leistungen in Anspruch genommen<br />

werden. Das belohnt die Barmenia! So<br />

erhalten Beamtenanwärter schon im ersten<br />

leistungsfreien Jahr sechs Monatsbeiträge<br />

zurück. Beamte können sich gestaffelt über<br />

bis zu drei Monatsbeiträge freuen.<br />

Doch es geht noch viel mehr …<br />

Aber das ist noch längst nicht alles: Die<br />

Barmenia-Genau-Für-Sie Krankenversicherung<br />

erstattet nicht nur Kosten, sondern<br />

bietet nebenbei noch umfangreiche Gesundheitsservices<br />

sowie moderne Telemedizin<br />

mit medgate. Darüber können sich<br />

Versicherte per Smartphone rund um die<br />

Uhr mit Ärzt*innen aus ganz Deutschland in<br />

Verbindung setzen. Das stellt eine ärztliche<br />

Beratung auf einfachem Weg sicher und ermöglicht<br />

darüber hinaus auch, Privatrezepte<br />

oder Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen<br />

auszustellen.<br />

Und: Sie begleitet Beamte zuverlässig durch<br />

ihr ganzes Leben. Ein Wechsel in ein anderes<br />

Bundesland – kein Problem! Die Genau-Für-<br />

Sie-Beamtenabsicherung passt sich genau<br />

daran an. Selbst um die Familie muss man<br />

sich nicht sorgen: Sämtliche Familienmitglieder<br />

lassen sich umfänglich absichern.<br />

Kinder von Beamten können ab der Geburt<br />

ohne Gesundheitsprüfung aufgenommen<br />

werden, und das bei niedrigeren Beiträgen.<br />

Die neue Tarifwelt lässt keine Wünsche offen!<br />

Mehr erfahren unter: beamte.barmenia.de<br />

63


BVT Unternehmensgruppe<br />

Sachwerte. Seit 1976.<br />

Die BVT Unternehmensgruppe mit jahrzehntelanger Erfahrung bei deutschen und<br />

internationalen Immobilienengagements, Energie- und Infrastrukturprojekten sowie<br />

Unternehmensbeteiligungen bietet Anlegern attraktive Investitionsmöglichkeiten.<br />

Aktuelle Beteiligungsangebote:<br />

www.residential-usa.de<br />

www.zweitmarktportfolio.de<br />

Immobilien USA<br />

Immobilien Deutschland<br />

Dies ist eine Marketing-Anzeige. Die Anlage in geschlossene Publikums- oder Spezial-AIF ist mit Risiken verbunden. Bitte lesen<br />

Sie den Verkaufsprospekt und die wesentlichen Anlegerinformationen, bevor Sie eine endgültige Anlageentscheidung treffen.<br />

Der Anleger geht eine langfristige Bindung ein, die mit Risiken verbunden ist. Insbesondere sind Verschlechterungen des Marktumfeldes und der Mietraten im Markt sowie der wirtschaftlichen<br />

Gegebenheiten möglich. Die Beteiligungen weisen aufgrund der vorgesehenen Zusammensetzung des jeweiligen Investmentvermögens und der Abhängigkeit von der Marktentwicklung<br />

sowie den bei der Verwaltung verwendeten Techniken eine erhöhte Volatilität auf. Das bedeutet, dass der Wert der Anteile auch innerhalb kurzer Zeiträume erheblichen<br />

Schwankungen nach oben und nach unten unterworfen sein kann. Es können projektentwicklungstypische Risiken, insbesondere das Risiko eines nicht prognosegemäßen Bauverlaufs<br />

bzw. Verkaufs auftreten. Der Anleger stellt der Investmentgesellschaft Eigenkapital zur Verfügung, das durch Verluste aufgezehrt werden kann. Die Beteiligung ist nur eingeschränkt handelbar.<br />

Es besteht das Risiko, dass der Anleger seinen Anteil nicht veräußern oder keinen ihrem Wert angemessenen Preis erzielen kann. Sofern es sich um eine Investition in US-Dollar<br />

handelt, kann die Rendite infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen. Der Anleger sollte daher bei seiner Anlageentscheidung alle in Betracht kommenden Risiken einbeziehen.<br />

Eine Darstellung der wesentlichen Risiken enthalten die Verkaufsunterlagen. Für Spezial-AIF sind die Informationen gemäß § 307 Absatz 1 und 2 KAGB sowie die wesentlichen<br />

Anlegerinformationen in ihrer jeweils aktuellen Fassung sowie der letzte Jahresbericht von Ihrem Anlageberater oder von der derigo GmbH & Co. KG, Rosenheimer Straße 141 h,<br />

81671 München, erhältlich. Für Publikums-AIF sind der Verkaufsprospekt sowie die wesentlichen Anlegerinformationen in ihrer jeweils aktuellen Fassung sowie der letzte veröffentlichte<br />

Jahresbericht – jeweils in deutscher Sprache und kostenlos – in Papierform von Ihrem Anlageberater oder von der derigo GmbH & Co. KG, Rosenheimer Straße 141 h, 81671 München,<br />

erhältlich oder unter www.derigo.deabrufbar. Eine Zusammenfassung der Anlegerrechte ist in deutscher Sprache unter www.derigo.de/Anlegerrechte verfügbar.<br />

Mehr unter www.bvt.de I interesse@bvt.de I +49 89 381 65-206<br />

<strong>procontra</strong> FOKUS in Zusammenarbeit mit der BVT Unternehmensgruppe<br />

Anzeige


BVT FOKUS<br />

FOKUS<br />

BVT<br />

Wohin noch mit dem Geld?<br />

Aktienanleger mussten in den letzten<br />

Monaten viel Leidensfähigkeit aufbringen.<br />

Nach Pandemie, Lieferkettenproblemen<br />

und Ukrainekrieg drückt nun<br />

auch noch die Zinswende auf die Kurse.<br />

Die US-Notenbank Fed eilt mit Riesenschritten<br />

voran, während die Europäische<br />

Zentralbank eher widerstrebend folgt –<br />

um die Staatspleitekandidaten in der Eurozone<br />

nicht ins Wanken zu bringen. Der<br />

Effekt ist dies- wie jenseits des Atlantiks<br />

der gleiche: Der Dow Jones verlor zwischen<br />

Jahresanfang und Juli <strong>2022</strong> rund<br />

15 Prozent, der DAX sogar mehr als 20<br />

Prozent. Das mag günstige Einstiegsgelegenheiten<br />

schaffen, doch der Optimismus<br />

und der Börsenenthusiasmus sind vielen<br />

Deutschen einstweilen vergangen. Der<br />

Rückzug auf Staatsanleihen oder das<br />

hartnäckig beliebte Sparbuch ist trotz<br />

Zinswende auch keine echte Option,<br />

solange die Inflation ein Vielfaches der<br />

Verzinsung beträgt. Das Sicherheitsversprechen<br />

wird hohl, wenn die Kaufkraft<br />

jedes Jahr mehrere Prozent einbüßt.<br />

„Eingebauten“ Inflationsschutz bieten<br />

prinzipiell klassische Sachwerte. Denn<br />

ihr Wert steigt grundsätzlich mit dem<br />

allgemeinen Preisniveau, dem sich auch<br />

der Cashflow innerhalb gewisser Grenzen<br />

anpasst. Beim wichtigsten Sachwertesegment,<br />

den Immobilien, sind die Kaufpreise<br />

allerdings mittlerweile weitgehend enteilt;<br />

in den heiß gelaufenen A- und B-Märkten<br />

lassen sich kaum noch Objekte mit vertretbarem<br />

Kaufpreisfaktor finden. So dämpft<br />

etwa das Ratinghaus Scope im Hinblick<br />

auf offene Immobilienfonds (OIF) allzu<br />

hochfliegende Hoffnungen: „Anleger müssen<br />

aktuell mit niedrigeren, risikoadjustierten<br />

Renditen leben als noch vor einigen<br />

Foto: Ivanastar<br />

Jahren“, resümiert Sonja Knorr, Head of<br />

Alternative Investments bei Scope.<br />

Wohin also mit dem Geld der Kundinnen<br />

und Kunden? Gibt es überhaupt noch<br />

einträgliche Assets mit geringem Risiko?<br />

Die Antwort lautet: Ja. Die Sachwerte-<br />

Spezialisten von BVT haben in mehr als<br />

45 Jahren am Markt bewiesen, dass sie<br />

überzeugende Werte hervorbringen, an<br />

denen auch deutsche Anleger partizipieren.<br />

Erfahren Sie im folgenden Interview mehr<br />

über die alternativen Investmentfonds<br />

(AIFs) „made in Munich“.<br />

Boston:<br />

starkes Wachstum<br />

dank hochwertiger<br />

und -bezahlter<br />

Arbeitsplätze<br />

<strong>procontra</strong> FOKUS in Zusammenarbeit mit der BVT Unternehmensgruppe<br />

Anzeige<br />

65


FOKUS BVT<br />

»Nach wie vor attraktives<br />

Chancen-Risiko-Verhältnis«<br />

BVT gehört in puncto Sachwerte-AIFs zu den ersten, da etabliertesten Adressen in<br />

Deutschland. Jens Freudenberg, Geschäftsführer Vertrieb Private Kunden, erklärt die<br />

Herangehensweise der Münchner und Kooperationsmöglichkeiten für Makler.<br />

– TEXT: SEBASTIAN WILHELM –<br />

<strong>procontra</strong>: Herr Freudenberg, die Zinsen<br />

steigen rasant, die Kaufpreise haben atemberaubende<br />

Höhen erklommen – keine<br />

gute Zeit für Immobilieninvestments,<br />

oder?<br />

Jens Freudenberg: Das kommt darauf an!<br />

Immobilien sind der Klassiker der Sachwertanlage,<br />

und auch in Zeiten rapide<br />

steigender Zinsen und Kaufpreise bieten<br />

sich unseres Erachtens noch überzeugende<br />

Investitionschancen, allerdings abseits der<br />

klassischen Core-Objekt-Fonds. BVT hat<br />

zwei Anlagealternativen im Köcher: Ob<br />

mit Fokus auf deutsche Immobilien über<br />

den attraktiven Zweitmarkterwerb oder<br />

mit Fokus auf die Entwicklung hochwertiger<br />

Apartments an aussichtsreichen<br />

Standorten in den USA – beide Konzepte<br />

profitieren von 45 Jahren Expertise der<br />

BVT als Urgestein der Sachwertbranche.<br />

<strong>procontra</strong>: Werfen wir zunächst einen Blick<br />

auf US-Immobilien. Gibt die eingetrübte<br />

Konjunkturlage in den Vereinigten Staaten<br />

nicht akut Grund zur Besorgnis und Zurückhaltung?<br />

Freudenberg: Obwohl die Immobilienpreise<br />

auch in den USA in den letzten Jahren<br />

stark zugelegt haben, sehen wir jenseits des<br />

Atlantiks eine andere fundamentale Struktur<br />

als in Deutschland und mittelfristig<br />

keine Blasengefahr. Trotz der gestiegenen<br />

Preise und Mieten sind die Mietkostenbelastungen<br />

der US-Haushalte in den vergangenen<br />

drei Jahren – anders als in Deutschland<br />

– sogar im Verhältnis zum mittleren<br />

verfügbaren Haushaltseinkommen gesunken.<br />

Die stark steigenden Löhne in den<br />

relevanten Einkommensgruppen haben<br />

nach unserer Einschätzung die steigenden<br />

Mieten bereits mehr als kompensiert. Und<br />

wir erwarten auch künftig Einkommenszuwächse<br />

bei den Arbeitnehmern, denn auf<br />

gegenwärtig 6,5 Millionen offene Stellen in<br />

den USA kommen gerade mal 3 Millionen<br />

Arbeitssuchende. Hinzu kommt ein großer<br />

Bedarf an Wohnraum, denn in den USA<br />

gibt es weitaus mehr Haushaltsneugründungen<br />

als Neubauten. Die junge Generation,<br />

die als Reaktion auf Covid-19 die<br />

Wirtschaftsmetropolen verlassen hat, zieht<br />

nun zurück in die Städte. Für die kommenden<br />

drei Jahre erwarten unsere Experten<br />

deshalb weiterhin Mietsteigerungen von<br />

im Mittel 3 bis 5 Prozent an attraktiven<br />

Standorten. Angesichts dieser Dynamik<br />

sehen wir bei BVT auch bei den weiteren<br />

»Wir bieten Finanzanlagenvermittlern<br />

die komplette<br />

Digitalisierung des<br />

Vertriebs prozesses –<br />

mit Ausnahme des<br />

Kundengesprächs.«<br />

Zinsanhebungen durch die Fed kalkulierbare<br />

Risiken für die Anleger. Höhere<br />

Zinskosten sollten auch künftig den fundamentalen<br />

Marktdaten zufolge mittelfristig<br />

durch höhere Mieteinnahmen und stabile<br />

Kaufpreise gedeckt werden. Investitionen<br />

in den Dollar, vor allem in US-Wohnimmobilien,<br />

dürften angesichts der stabilen<br />

Dollar-Stärke weiterhin ein attraktives<br />

Investment für deutsche Investoren sein.<br />

<strong>procontra</strong>: Warum nehmen Wohnimmobilien,<br />

insbesondere Class-A-Mehrfamilienhäuser,<br />

eine Sonderrolle am US-Immobilienmarkt<br />

ein?<br />

Freudenberg: Das Eigenheim ist Sinnbild<br />

des amerikanischen Traums. Doch genau<br />

dieser Traum erfüllt sich für viele Amerikaner<br />

nicht mehr. Sie können sich die eigene<br />

Immobilie schlicht nicht mehr leisten.<br />

Denn seit dem Platzen der Subprime-Blase<br />

2007/2008 haben sich die meisten der<br />

US-Häusermärkte wieder stark aufwärts<br />

entwickelt – auch weil zu wenige Häuser<br />

gebaut werden. Vor allem jüngere Amerikaner<br />

wollen lieber zur Miete wohnen,<br />

um flexibel auf die Anforderungen der<br />

modernen Arbeitswelt reagieren zu können.<br />

Zudem entdecken viele wohlhabende<br />

ältere Menschen, oftmals im Rentenalter,<br />

die Vorteile des Wohnens zur Miete für<br />

sich und tauschen ihre zu groß gewordenen<br />

Familienhäuser gegen stadtnahe<br />

komfortable Mietapartments. Diese Entwicklung<br />

bietet vor allem aus Investorensicht<br />

Chancen, denn mit einer Investition<br />

in US-Mietwohnobjekte können Anleger<br />

<strong>procontra</strong> FOKUS in Zusammenarbeit mit der BVT Unternehmensgruppe<br />

66 Anzeige


BVT FOKUS<br />

auch hierzulande vom Miettrend in den<br />

USA profitieren. Das vergleichsweise liberale<br />

Mietrecht sowie kurze Vertragslaufzeiten<br />

machen eine Anpassung der Mieten<br />

an das Marktniveau jederzeit möglich und<br />

ein Engagement damit besonders attraktiv.<br />

Generell bietet das demografische und gesellschaftliche<br />

Umfeld für Mietwohnungsinvestitionen<br />

in den USA, speziell „Multi-<br />

Family Residential“, für die kommenden<br />

Jahre anlegerfreundliche Aussichten.<br />

<strong>procontra</strong>: Die Fonds der BVT Residential<br />

USA-Serie erwirtschaften beeindruckende<br />

Renditen für die deutschen Anleger. Worin<br />

liegt das „Geheimnis“?<br />

Freudenberg: Das Erfolgsrezept unserer<br />

Residential USA-Serie lässt sich ganz kurz<br />

umreißen: früh in die Projektentwicklung<br />

einsteigen, mit bewährtem Risikomanagement<br />

bauen, dann zügig vermieten<br />

und schließlich en bloc verkaufen. Dabei<br />

fokussieren wir uns auf Class-A-Apartmentkomplexe<br />

an metropolennahen,<br />

exzellent angebundenen US-Standorten mit<br />

guten demografischen und wirtschaftlichen<br />

Perspektiven, etwa in den Großräumen<br />

Boston, Washington, D.C. oder Orlando<br />

– und damit auf ein Segment, das sich<br />

einer immensen Nachfrage erfreut. Das<br />

unterstreichen die 2021 erzielten Fondsobjektverkäufe<br />

eindrücklich, denn die<br />

Erlöse übertrafen die Mid-Case-Prognosen<br />

bei Weitem. Und das bei einer Haltedauer<br />

von weniger als drei Jahren. Natürlich<br />

sind solche Wertentwicklungen in der<br />

Vergangenheit kein zuverlässiger Indikator<br />

für die Wertentwicklung der aktuellen<br />

Beteiligungsangebote, doch die Fondsserie<br />

bietet aus unserer Sicht nach wie vor ein<br />

attraktives Chancen-Risiko-Verhältnis für<br />

Anleger.<br />

<strong>procontra</strong>: Birgt der frühe Einstieg in die<br />

Projektentwicklung nicht große Risiken?<br />

Freudenberg: Projektentwicklungen erfordern<br />

auf jeden Fall andere Kompetenzen<br />

und Erfahrungen als die Investition in<br />

Bestandsimmobilien. BVT ist seit 1976 im<br />

Bereich US-Immobilien erfolgreich und<br />

hat ein spezielles Risikomanagementkonzept<br />

entwickelt. So steigen Anleger erst<br />

dann in die Investition ein, wenn wesentliche<br />

Voraussetzungen gegeben sind. Die<br />

Baugenehmigung und die verlässliche<br />

Finanzierungszusage der Bank müssen<br />

ebenso festgelegt sein wie fest vereinbarte<br />

Höchstpreisverträge für Bauleistungen.<br />

Dieses Risikomanagementkonzept hat sich<br />

seit Auflegung der Serie 20<strong>04</strong> bewährt.<br />

Trotz der Maßnahmen zur Risikovermeidung<br />

und Risikoreduktion ist die Anlage<br />

in einen geschlossenen AIF jedoch mit<br />

Risiken verbunden.<br />

<strong>procontra</strong>: Wie sieht demgegenüber Ihre<br />

Anlagestrategie bei Zweitmarkt-Immobilieninvestments<br />

aus?<br />

Freudenberg: Vor dem Hintergrund teilweise<br />

hoher Einstiegspreise bei Immobilieninvestitionen<br />

am Erstmarkt sind Fonds<br />

mit Zweitmarktanteilen eine interessante<br />

Alternative. Die Grundlage eines erfolgreichen<br />

Investments muss jedoch eine<br />

detaillierte, tiefgreifende Analyse der<br />

angebotenen Beteiligungen über einen<br />

längeren Zeitraum hinweg sein. Ein auf<br />

diese Weise kompetent aufgebautes und<br />

betreutes Immobilien-Zweitmarktportfolio<br />

aus Beteiligungen mit nachvollziehbarer<br />

Performance bietet durch die breite Streuung<br />

über verschiedene Asset-Manager,<br />

Objektstandorte, Nutzungsarten, Mieter<br />

und Auflegungsjahre der ausgewählten<br />

Zielgesellschaften einen Diversifizierungsgrad,<br />

der das Risiko eines signifikanten<br />

Kapitalverlusts reduziert, und die Basis<br />

einer überdurchschnittlichen Wirtschaftlichkeitsperspektive.<br />

<strong>procontra</strong>: Ist eine Zeichnung Ihrer Fonds<br />

auch digital möglich? Und gibt es ein Tippgebermodell?<br />

Freudenberg: Digitale Tools machen sowohl<br />

Beratern als auch Kunden das Leben<br />

leichter, wir wollen deshalb auch in dieser<br />

Hinsicht einen zeitgemäßen Service bereitstellen.<br />

Über unseren Partner portagon<br />

bieten wir Finanzanlagenvermittlern die<br />

komplette Digitalisierung des Vertriebsprozesses<br />

– bis auf das Kundengespräch<br />

natürlich. Sie können dadurch ihrerseits<br />

Prozesse vereinfachen, rechtssicher gestalten<br />

und neue Zielgruppen erschließen. Daneben<br />

können sich auch Finanzprofis ohne<br />

34f-Zulassung nach einem Tippgebermodell<br />

anbinden lassen und ihren Kunden so<br />

ebenfalls einen exklusiven Zugang zum<br />

Anlageuniversum der BVT eröffnen.<br />

BVT Unternehmensgruppe Rosenheimer Straße 141 h 81671 München Telefon 089 381 65-206 interesse@bvt.de www.bvt.de<br />

Anzeige<br />

67


BUSCHFUNK Berater<br />

BERATER<br />

BLAU DIREKT VERKAUFT ANTEILE<br />

Warburg Pincus steigt bei Lübecker Maklerpool ein.<br />

blau direkt will weiterwachsen, auch international. Dafür setzt der Maklerpool auf die Hilfe der<br />

Private-Equity-Gesellschaft Warburg Pincus: Der US-amerikanische Investor strebt eine Mehrheitsbeteiligung<br />

an dem Lübecker Unternehmen an. Zunächst soll blau direkt nun von einer<br />

Personengesellschaft in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt werden. In einem nächsten<br />

Schritt ist geplant, das Unternehmen in eine internationale Holding einzubringen. Bereits im<br />

Januar dieses Jahres hatte der Geschäftsführer des Maklerpools, Oliver Pradetto, angekündigt,<br />

sich in vier Jahren aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen und der Gesellschaft<br />

dann nur noch in beratender Funktion zur Seite zu stehen. Im Zuge dessen war Hannes<br />

Heilenkötter in die Geschäftsführung berufen worden.<br />

WUNSCH NACH MEHR BERATUNG<br />

Hilfe bei Finanzentscheidungen nötig<br />

Die Deutschen wünschen sich mehr persönliche Beratung in Finanzund<br />

Vorsorgefragen. Dabei sind nach einer aktuellen Umfrage von<br />

Swiss Life mehr als die Hälfte der Befragten finanziell nicht auf unerwartete<br />

Wendungen im Leben vorbereitet. 80 Prozent finden es „sehr<br />

wichtig“, bei Finanzfragen selbstbestimmt entscheiden zu können,<br />

und 45 Prozent haben in der Vergangenheit mindestens einmal eine<br />

wichtige finanzielle Entscheidung getroffen, die sie später bereut<br />

haben.<br />

Foto: Fizkes<br />

ONLINEABSCHLÜSSE NEHMEN ZU<br />

Kunden setzen vor allem auf Apps und Websites.<br />

Foto: Aleksandar Nakic<br />

Immer häufiger werden Versicherungen online abgeschlossen. Das ist das Ergebnis einer<br />

Sonderabfrage, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) unter<br />

seinen Mitgliedsunternehmen durchgeführt hat. Demnach erfolgt mittlerweile jeder sechste<br />

Abschluss einer Sach-/Unfall- oder Haftpflichtversicherung via Website oder App. 16,4 Prozent<br />

aller Policen im Neugeschäft wurden 2021 digital abgeschlossen, 2020 waren es noch<br />

14,6 Prozent gewesen. Häufig handelte es sich um Versicherungen, die Kunden in Verbindung<br />

mit anderen Produkten gekauft haben. Auch der Vertrieb nutzt verstärkt digitale Tools zur<br />

Kommunikation und Interaktion. Laut GDV hat die zunehmende Digitalisierung nicht zu einer<br />

Marktanteilsverschiebung unter den verschiedenen Vertriebswegen geführt.<br />

68<br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22


Berater BUSCHFUNK<br />

[pma:]: Übernahme fhb Finanzberatung<br />

Der Münsteraner Maklerpool [pma:] Finanz- und<br />

Versicherungsmakler GmbH hat zum 1. Juli die auf Apotheker,<br />

Ärzte und Zahnärzte spezialisierte fhb Finanzberatung<br />

für Heilberufe GmbH übernommen. Nach der Vertriebspartnerschaft<br />

mit DenPhaMed berät er nun, einschließlich<br />

des fhb-Erwerbs, rund 1.500 Apotheken in allen Fragen<br />

rund um Versicherungen, Kapitalanlage und Altersvorsorge.<br />

Foto: River North Photography<br />

2. August: Chance<br />

oder Chaos?<br />

NORMAN WIRTH<br />

Geschäftsführender Vorstand des AfW<br />

HonorarKonzept: Ausbau Team Business<br />

Coaches<br />

Seit dem 1. Juli <strong>2022</strong> stehen den HonorarKonzept-Partnern<br />

mit Roy-Thomas Tychsen (oben) und Alexander Michel<br />

zwei weitere persönliche Ansprechpartner zur Verfügung.<br />

Der Ausbau des Teams mit jetzt deutschlandweit acht<br />

Business Coaches folgt der deutlich gesteigerten Nachfrage<br />

im Netto- und Honorargeschäft.<br />

Thinksurance: 4. Geschäftsführer<br />

Thinksurance ernennt Mathias Berg zum vierten Geschäftsführer<br />

des Unternehmens. Er leitet nun gemeinsam<br />

mit Florian Brokamp, Christopher Leifeld und Dr. Timm<br />

Weitzel die Geschäfte. Berg ist bereits seit November 2020<br />

als Chief Insurance Officer bei Thinksurance beschäftigt<br />

und verantwortet die Partnerschaften mit Versicherern.<br />

FNG: Aktualisierter FNG-DNWE-Leitfaden<br />

FNG und DNWE haben am 20. Juli den aktualisierten Leitfaden<br />

zur Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen (MiFID<br />

II) veröffentlicht. Passend zum Inkrafttreten der Ergänzungen<br />

der Delegierten Verordnung am 2. August bietet<br />

er Beratern eine Orientierungshilfe bei der Einordnung der<br />

Nachhaltigkeitspräferenzen von Kunden.<br />

WTW: Verstärkung von Marsh<br />

Willis Towers Watson (WTW) baut die Sparte Finex<br />

(Financial Lines) des Geschäftsbereichs Corporate Risk &<br />

Broking aus und ernennt Lukas Nazaruk zum Geschäftsführer<br />

der Specialities. Nazaruk war zuletzt Leiter des<br />

Geschäftsbereichs Finpro bei Marsh. Außerdem ergänzen<br />

zukünftig Carsten Schiffner als Head of Business Development<br />

Financial Lines & Specialties und Philipp Rouget als<br />

Head of Financial Lines das Team.<br />

Quirin Bank: Neuer Leiter Anlagenmanagement<br />

Die Quirin Bank hat den Bereich Anlagenmanagement<br />

umgebaut und geteilt. Künftig leitet Philipp Dobbert den<br />

Bereich Vermögensverwaltung und Arndt Kussmann den<br />

Bereich Investmentkommunikation und Analyse.<br />

Foto: Getty Images<br />

Was der Branche beim Thema Nachhaltigkeit geboten<br />

wird, ist schon ein dolles Ding. Wir erleben<br />

eine exorbitante Überbürokratisierung und eine<br />

extreme Verkomplizierung über die verschiedensten,<br />

kaum noch überschaubaren Regelungen<br />

und Begrifflichkeiten (EET, ESG, CSRD, PTF-ESRS,<br />

PAII, SFDR ...). Das Momentum geht verloren. Auch<br />

enthusiastische Unterstützer des Nachhaltigkeitsgedankens<br />

– und dazu zähle ich mich auch<br />

selbst – verlieren den Glauben an die Sinnhaftigkeit<br />

vieler regulatorischer Vorgaben. Die Gefahr<br />

ist groß, dass wir darüber auch die Adressaten<br />

der Regulierung verlieren: die Kundinnen und<br />

Kunden und die Vermittlerschaft. Hinzu kommt<br />

nun auch noch das Chaos beim Inkrafttreten der<br />

verschiedensten Pflichten. Für die Versicherungsvermittlung,<br />

für alle Finanzberaterinnen unter<br />

einem Haftungsdach, für alle Banken und Vermögensverwalter<br />

gilt als Stichtag für den Beginn<br />

der Pflicht zur Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen<br />

bei den Kunden der 2. August. Für alle<br />

mit gewerberechtlicher Zulassung nach Paragraf<br />

34f plötzlich nicht mehr. Und das nur, weil in der<br />

deutschen Finanzanlagenvermittlungsverordnung,<br />

die die Tätigkeit von 34f-Vermittlern regelt,<br />

in Paragraf 16 Absatz 1 Satz 3 auf eine europäische<br />

Delegierte Verordnung verwiesen wird – die<br />

Delegierte Verordnung 2017/565. Deren Artikel 54<br />

wurde zwischenzeitlich durch eine andere Delegierte<br />

Verordnung (2021/1253) geändert, worin die<br />

Nachhaltigkeitspflichten verankert sind. Da die<br />

Verweisung als statisch und nicht als dynamisch<br />

anzusehen ist, gelten aber die neuen Pflichten<br />

erst einmal nicht und die FinVermV muss nun inklusive<br />

Beteiligung des Bundesrats wegen Pfusch<br />

erst noch geändert werden. Verstanden??? Im<br />

Ergebnis: Chaos – und doch große Chance!<br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />

69


BERATER So ist’s Recht!<br />

SO IST’S<br />

RECHT!<br />

Relevante Urteile,<br />

die Makler kennen sollten<br />

– TEXT: ANNE MAREILE WALTER –<br />

Unfallversicherung<br />

165.000 EURO STRAFE WEGEN FALSCHBERATUNG<br />

Versicherungsvermittler müssen den Versicherungsschutz anpassen, sofern sie von gefährlichen<br />

Hobbys ihrer Kunden Kenntnis haben. Das geht aus einem Urteil des OLG Frankfurt a. M. hervor. Konkret<br />

ging es in dem Fall um einen Mann, der in seiner Freizeit sogenanntes Motorrad Speedway ausübte.<br />

2001 schloss er eine Unfallpolice ab, Leistungen infolge von Unfällen bei Rennsportveranstaltungen<br />

waren darin ausgeschlossen. Als der Mann später bei seinem Hobby schwer verunglückte,<br />

verweigerte der Versicherer die Leistung. Daraufhin verklagte der Versicherte seine Vermittlerin<br />

wegen Falschberatung, er habe sein Hobby ausdrücklich erwähnt. Vor dem OLG bekam er am Ende<br />

Recht. So bestehe Aufklärungspflicht für den Vermittler, wenn sich der Versicherungsnehmer irrige<br />

Vorstellungen über den Versicherungsschutz macht. Die Vertreterin musste 165.000 Euro bezahlen.<br />

OLG Frankfurt am Main, 7 U 168/16<br />

Unfallschutz<br />

VERSICHERTER BETRIEBSSPORT?<br />

Kfz-Versicherung<br />

AUFFAHRENDEN TRIFFT KEINE SCHULD<br />

Wenn eine firmeninterne Veranstaltung mit<br />

Mitteln des betrieblichen Gesundheitsmanagements<br />

finanziert wird, muss bei einem<br />

Unfall nicht die Berufsgenossenschaft leisten.<br />

Das hat das Bundessozialgericht entschieden.<br />

Geklagt hatte ein Angestellter, der sich<br />

bei einem Firmen-Fußballturnier ein Bein<br />

gebrochen hatte und Leistungen aus der<br />

gesetzlichen Unfallversicherung beanspruchen<br />

wollte. Sein Antrag wurde abgelehnt, da<br />

es sich bei dem Turnier weder um versicherten<br />

Betriebssport noch um eine betriebliche<br />

Gemeinschaftsveranstaltung gehandelt habe.<br />

Diese Sichtweise teilten die Richter.<br />

Bundessozialgericht, B 2 U 8/20 R<br />

»Ein Vertrag ohne<br />

entsprechende<br />

Deckung würde den<br />

Versicherungsbedarf<br />

nicht erfüllen.«<br />

AUSZUG AUS DEM URTEIL<br />

OLG FRANKFURT AM MAIN<br />

Bei einem Auffahrunfall trägt nicht immer der<br />

Auffahrende die Schuld, wie die Richter am<br />

OLG München nun entschieden. Wegen eines<br />

Überholmanövers in einer Ortschaft waren<br />

die Unfallparteien bzw. ihre Versicherungen in<br />

Streit geraten: Nach Beendigung des Überholmanövers<br />

hatte der Fahrer des überholenden<br />

Fahrzeugs wegen einer auf gelb springenden<br />

Ampel so stark abgebremst, dass das überholte<br />

Fahrzeug auffuhr. In dem Fall sah das OLG die<br />

Schuld nicht beim Auffahrenden. Er habe durch<br />

das knappe Einscheren keine Möglichkeit<br />

gehabt, ausreichenden Sicherheitsabstand<br />

aufzubauen.<br />

OLG München, 10 U 7411/21<br />

Wohngebäude<br />

MANGELHAFTE SOLARMODULE<br />

Nicht jeder Schaden an einer Photovoltaikanlage ist über die Wohngebäude-<br />

oder eine Photovoltaikversicherung abgedeckt. Das geht<br />

aus einem Urteil des OLG Nürnberg hervor. Voraussetzung für den<br />

Leistungseintritt des Versicherers sei das Eintreten eines Sachschadens<br />

als „unvorhersehbar eintretende Beschädigung einer<br />

Sache“. Die mangelhafte Herstellung sei hingegen weder versichert<br />

noch versicherbar. Geklagt hatte ein Mann, der 750 Solarmodule<br />

erworben hatte, die acht Jahre später wegen eines Materialfehlers<br />

unbrauchbar wurden. Den Austausch der Module übernahm der<br />

Mann zunächst auf eigene Kosten, die hierfür angefallenen 18.500<br />

Euro wollte er vom Versicherer erstattet haben. Dieser lehnte ab, da<br />

der Materialfehler bereits bei Vertragsschluss vorgelegen habe.<br />

OLG Nürnberg, 8 U 242/22<br />

BU-Versicherung<br />

FIRMENERBSCHAFT OHNE BELANG<br />

Welche Rolle spielt bei der „konkreten Verweisung“ in der BU-Versicherung<br />

eine anstehende Firmenübernahme? Mit dieser Frage befasste sich nun das<br />

Landgericht Arnsberg. Geklagt hatte ein Mann, der zuvor im elterlichen Bäckerbetrieb<br />

als Bäcker gearbeitet hatte, dieser Tätigkeit wegen einer Erkrankung<br />

an Bäcker-Asthma aber nicht mehr nachgehen konnte. Fünf Monate,<br />

nachdem er BU-Leistungen beantragt hatte, nahm er eine Stelle im Finanzamt<br />

an. Daraufhin verweigerte der Versicherer die BU-Rente, der Mann zog vor<br />

Gericht. Die Stelle im Finanzamt entspreche nicht seiner bisherigen Lebensstellung,<br />

argumentierte er. Zudem habe die Übernahme des väterlichen Bäckereibetriebes<br />

angestanden, wo er als Junior-Chef agiert hätte. Das reichte<br />

dem Gericht nicht aus: Die Position mit Aussicht auf Betriebsübernahme habe<br />

keine Auswirkung auf die Wertschätzung von anderen gehabt.<br />

LG Arnsberg, 1 O 452/29<br />

70 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22


ÖKOWORLD<br />

KLIMA<br />

Der konsequente Klimaschutzfonds<br />

für mehr Zukunft.<br />

ALLE SAGTEN:<br />

„DAS GEHT NICHT.“<br />

DANN KAM EINER,<br />

DER WUSSTE DAS NICHT,<br />

UND HAT’S EINFACH<br />

GEMACHT.<br />

Geben Sie Geld eine klimafreundliche Richtung.<br />

Mit unserem Klimaschutzfonds ÖKOWORLD KLIMA.<br />

Für Gewinn mit Sinn.<br />

ÖKOWORLD AG | Itterpark 1, 40724 Hilden, Telefon: 02103 | 28 41-0<br />

E-Mail: Info@oekoworld.com, www.oekoworld.com


BERATER Provisionsdebatte<br />

»Es darf keinen Provisionsrichtwert<br />

geben«<br />

Die BaFin denkt über die Einführung eines Provisionsrichtwerts in der Lebensversicherung<br />

nach. Warum dies unbegründet geschieht, nutzlos ist und sogar Maklerpools Probleme<br />

bereiten kann, erläutert Votum-Vorstand Martin Klein.<br />

– TEXT: FLORIAN BURGHARDT –<br />

<strong>procontra</strong>: Lange forderte die BaFin für die<br />

Lebensversicherung einen Provisionsdeckel,<br />

nun bastelt sie an einem Provisionsrichtwert.<br />

Was ist der Unterschied?<br />

Martin Klein: Ich würde das mit dem Geschwindigkeitsrichtwert<br />

auf der Autobahn<br />

vergleichen: Der liegt bei 130 Stundenkilometern.<br />

In manchen Abschnitten muss<br />

man langsamer und in anderen darf man<br />

schneller fahren. Uns interessiert nun vor<br />

allem, ob die Versicherer bei einem Provisionsrichtwert<br />

der BaFin unter bestimmten<br />

Voraussetzungen auch wieder nach oben<br />

abweichen können. Denn wenn die Aufsicht<br />

die Provisionssätze diktieren möchte,<br />

dann sind wir schon wieder im Bereich<br />

eines Deckels. Dazu hat die BaFin keine<br />

Ermächtigung, und dieses Vorhaben ist<br />

bekanntlich kürzlich politisch gescheitert,<br />

weil die Ampelparteien es nach längerer<br />

Diskussion nicht in ihren Koalitionsvertrag<br />

mit aufgenommen haben.<br />

<strong>procontra</strong>: Werden die Lebensversicherer<br />

einfach mitziehen, wenn sich die BaFin<br />

per Rundschreiben auf einen Richtwert<br />

festlegt?<br />

Klein: Das Problem ist, dass die Rundschreiben<br />

der BaFin für die beaufsichtigten<br />

Unternehmen als verbindlich gelten. Da<br />

bedarf es dann schon eines gewissen unternehmerischen<br />

Muts, sich zu widersetzen.<br />

Auch weil die BaFin dann wahrscheinlich<br />

zum Einzelgespräch einladen und die<br />

Beweggründe genau hinterfragen würde.<br />

Das würde eine verstärkte Erläuterungsthematik<br />

für die Anbieter bedeuten und sie<br />

in ihrem marktwirtschaftlichen Verhalten<br />

einschränken. Insofern gehe ich davon aus,<br />

dass alle Versicherer den Vorgaben eines<br />

Rundschreibens folgen würden.<br />

<strong>procontra</strong>: Rechnen Sie zumindest vorab<br />

mit Widerstand der Versicherer?<br />

Klein: Die BaFin hat für die zweite<br />

72 Foto: Dierk Kruse


Provisionsdebatte BERATER<br />

Jahreshälfte eine Konsultation zu diesem<br />

Thema angekündigt. Das heißt, hier<br />

werden sowohl wir als Vermittlerverbände<br />

als auch die Versicherer in die Planung<br />

miteinbezogen und können dann auch<br />

unsere zahlreichen Kritikpunkte vorbringen<br />

– Kritikpunkte, die wir übrigens mit<br />

wissenschaftlichen Gutachten hieb- und<br />

stichfest belegen können.<br />

<strong>procontra</strong>: Wie hoch könnte dieser Provisionsrichtwert<br />

nach Vorstellung der BaFin<br />

ausfallen?<br />

Klein: Ich bleibe bei meiner grundsätzlichen<br />

Einschätzung: Es darf keinen derartigen<br />

Richtwert geben. Wenn die Aufsicht<br />

sich hierzu Gedanken macht, dann wird<br />

sie sich sicherlich erst einmal an dem 2019<br />

kursierenden Referentenentwurf zum Provisionsdeckel<br />

orientieren, also 25 Promille<br />

vom Lebenswert als Basis. Abhängig von<br />

qualitativen Merkmalen konnten diese laut<br />

damaligem Entwurf auf bis zu 40 Promille<br />

steigen.<br />

<strong>procontra</strong>: Würden die Provisionen für<br />

das Gros der Vermittler sinken, wenn die<br />

BaFin diesen Richtwert durchsetzt?<br />

Klein: Selbst bei den Umfragen der BaFin<br />

kam heraus, dass die Provisionen im<br />

Marktdurchschnitt gar nicht über 40 Promille<br />

liegen. Ein Richtwert muss also nicht<br />

zwingend ein sinkendes Provisionsniveau<br />

bedeuten. Aber für die unterschiedlichen<br />

Vertriebswege würde es vereinzelt schwieriger<br />

werden, eine angemessene Vergütung<br />

zu erhalten.<br />

<strong>procontra</strong>: An wen denken Sie da konkret<br />

und warum?<br />

Klein: Ein Makler oder Mehrfachagent<br />

muss von seiner verdienten Provision<br />

sein eigenes Büro anmieten, seine Computerhard-<br />

und -software sowie andere<br />

Infrastrukturbereiche selbst finanzieren.<br />

Hingegen haben wir in der Ausschließlichkeit<br />

heute noch Modelle, in denen all das<br />

vom Versicherer zur Verfügung gestellt<br />

wird. In solchen Fällen ist die Provision<br />

nur noch der erfolgsabhängige Teil, weil<br />

die Basis schon da ist. Deshalb werden in<br />

der Ausschließlichkeit geringere Provisionssätze<br />

gezahlt. Wir erinnern die BaFin<br />

nahezu täglich daran, dass bei einem so<br />

heterogenen Markt wie dem deutschen<br />

Finanzvertrieb eine Vereinheitlichung<br />

massive Diskriminierung bestimmter Vertriebskanäle<br />

zur Folge hätte – eine Diskriminierung,<br />

die auch berufliche Existenzen<br />

leichtsinnig aufs Spiel setzen würde.<br />

<strong>procontra</strong>: Würde es dann auch zu Problemen<br />

für Maklerpools kommen?<br />

Klein: Ich denke schon, weil die Maklerpools<br />

in den meisten Fällen eine Provision<br />

erhalten und diese dann größtenteils<br />

an den Makler weitergeben. Für viele<br />

Versicherer sind die Organisationsarbeit<br />

und die Maklerbetreuung, die Pools<br />

erbringen, günstiger, als wenn sie dafür<br />

selbst Personal vorhalten. Dafür zahlen<br />

sie dann eben verhältnismäßig etwas<br />

mehr Provision. Das so zu handhaben<br />

ist Teil der unternehmerischen Freiheit,<br />

und ein Provisionsrichtwert würde diese<br />

massiv einschränken. Es heißt immer, dass<br />

weniger Provision mehr Rendite für die<br />

Lebensversicherungskunden bedeuten würde,<br />

aber das würde nicht passieren. Denn<br />

»Eine Vereinheitlichung<br />

der Provisionssätze<br />

hätte eine massive<br />

Diskriminierung<br />

bestimmter Vertriebskanäle<br />

zur Folge.«<br />

wenn die Versicherer den Pools weniger<br />

Provision bezahlen dürfen, dann würden<br />

sie entweder zu Servicegebühren wechseln<br />

oder das Geschäft über Pools verkleinern<br />

und stattdessen eigene Abteilungen für<br />

Maklerbetreuung & Co. aufbauen. Die<br />

Kosten wären also nicht geringer, sondern<br />

nur auf eine andere Stelle gebucht und<br />

wahrscheinlich sogar höher als vorher.<br />

<strong>procontra</strong>: In der PKV wurde ein Provisionsdeckel<br />

gesetzlich verankert. Kann eine<br />

Regulierung in Leben nun einfach ohne<br />

Gesetzgebung funktionieren?<br />

Klein: Das Wesentliche muss im Parlament<br />

besprochen werden. Es kann doch nicht<br />

sein, dass für die PKV eine Provisionsgrenze<br />

im Gesetz verankert werden musste,<br />

eine solche hingegen in der Lebensversicherung<br />

einfach von der Aufsicht ausgesprochen<br />

werden kann. In der PKV hatten<br />

sich damals rund um Mehmet Göker<br />

massive Missstände bei der Provisionierung<br />

entwickelt, die das nötig machten.<br />

Aber in Leben haben wir solche Missstän-<br />

de derzeit keineswegs. Das hat die BaFin<br />

in ihren eigenen Marktuntersuchungen<br />

übrigens selbst herausgefunden, und auch<br />

ein rechtliches Gutachten des ehemaligen<br />

Verfassungsgerichtspräsidenten Dr. Hans-<br />

Jürgen Papier hat dies ergeben.<br />

<strong>procontra</strong>: Zumal die Bemächtigung der<br />

BaFin zum Einschreiten bei Provisionsexzessen<br />

laut AfW-Vorstand Norman Wirth<br />

in Paragraf 48a VAG längst vorhanden ist.<br />

Klein: Auch aus unserer Sicht steht der<br />

BaFin damit ein Instrument zur Verfügung,<br />

um in Einzelfällen direkt auf konkret<br />

benannte „böse Buben“ zuzugehen und<br />

diese in die Schranken zu weisen. Falls<br />

es also solche Einzelfälle überhaupt gibt,<br />

dann sollte die Aufsicht den Paragrafen<br />

48a auch anwenden. Sollte dann in der<br />

Praxis ein Gericht befinden, dass dieses<br />

Instrument nicht ausreichend ist, um die<br />

Provisionszahlungen einzelner Unternehmen<br />

behördlich zu begrenzen, dann<br />

könnte man immer noch über eine gesetzliche<br />

Ermächtigung nachdenken. Meines<br />

Wissens hat die BaFin diese Variante aber<br />

offiziell, also öffentlich bekannt, noch<br />

nicht angewandt.<br />

<strong>procontra</strong>: Warum wendet die BaFin diese<br />

Möglichkeit nicht an und schürt stattdessen<br />

mit ihrer Provisionsrichtwert-Aussage<br />

Unruhe in der Versicherungsbranche?<br />

Klein: Das kann ich wirklich nicht sagen,<br />

weil ich keinen vertieften Einblick in die<br />

Interna der BaFin habe. Anstatt sich sichtbar<br />

um eventuelle Einzelfälle zu kümmern,<br />

versteift sich die Behörde seit Jahren auf<br />

die allgemeine Regulierung der Provision<br />

– erst durch den Deckel, jetzt durch den<br />

Richtwert. Es wird dabei auch gerne mit<br />

der europäischen Vertriebsrichtlinie IDD<br />

argumentiert, zum Schutz der Verbraucher.<br />

Aber als Chairman des Europäischen<br />

Dachverbands der unabhängigen Finanzberater<br />

und Finanzvermittler Fecif kann<br />

ich sagen, dass unsere Finanzaufsicht<br />

europaweit die einzige ist, die über solche<br />

pauschalen Regulierungen nachdenkt.<br />

<strong>procontra</strong>: Mit welcher Wahrscheinlichkeit<br />

kommt es zum Provisionsrichtwert<br />

hierzulande?<br />

Klein: Die BaFin hat eine klare Agenda.<br />

Wir haben gute Gegenargumente. Wichtig<br />

ist jetzt, dass möglichst viele Vermittler<br />

ihre Verbände dabei unterstützen, dass<br />

jene öffentlich gemacht werden und die<br />

richtigen politischen Entscheidungsträger<br />

erreichen.<br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />

73


BERATER Präferenzabfrage<br />

GRÜNER FEHLSTART?!<br />

Seit 2. August müssen Vermittler die Nachhaltigkeitspräferenzen ihrer Kunden abfragen und<br />

ihnen entsprechende Produkte anbieten. Fehlende Standards erhöhen die Haftungsrisiken.<br />

– TEXT: STEFAN TERLIESNER –<br />

Seit dem 2. August müssen Versicherungsvermittler<br />

ihre Kunden nach ihren Nachhaltigkeitspräferenzen<br />

befragen und ihnen<br />

entsprechende Produkte anbieten. Das<br />

Dreieck in der Geldanlage von Rendite,<br />

Sicherheit und Liquidität ist dadurch zu<br />

einem Viereck mit Nachhaltigkeit als weiterem<br />

Ziel geworden – so verlangte es die<br />

Delegierte Verordnung zur Änderung der<br />

Finanzmarktrichtlinie MiFID II. Die Regelung<br />

ist Teil einer umfassenden Regulierung<br />

aus Richtlinien, Verordnungen, Rechtsakten,<br />

Normen und Vereinbarungen, mit der<br />

die EU-Kommission das Geld der Anleger<br />

in nachhaltige Projekte lenken will. Besonders<br />

wichtig ist die EU-Taxonomie, die festlegt,<br />

wann und wie eine Anlage als „grün“<br />

zu bewerten ist.<br />

DETAILS UND STANDARDS FEHLEN<br />

Bereits der Start der „grünen“ Beratung<br />

ist mit Problemen behaftet. Zunächst einmal<br />

fehlen maßgebliche regulatorische<br />

Grundlagen. Denn Level 2 der Offenlegungsverordnung,<br />

der die detaillierten<br />

Umsetzungsvorgaben, also die technischen<br />

Regulierungsstandards umfasst, tritt erst<br />

Anfang 2023 in Kraft. Erst von diesem Zeit-<br />

punkt an ist es im Verkaufsprospekt verpflichtend,<br />

die Informationen zu den nachhaltigen<br />

Eigenschaften offenzulegen. Die<br />

zeitliche Lücke von fünf Monaten ist mit<br />

Haftungsrisiken für Vermittler verbunden.<br />

„Das wird den Verdruss über eine eigentlich<br />

gut gemeinte europäische Idee weiter<br />

steigern“, so Martin Klein, Geschäftsführer<br />

des Votum Verbands Unabhängiger Finanzdienstleistungsunternehmen.<br />

Ohnehin habe das Bundeswirtschaftsministerium<br />

erst im Juni auf Nachfrage bestätigt,<br />

dass 34f-Vermittler weder aufgrund<br />

direkt geltenden EU-Rechts noch durch<br />

74 Illustration: Roman Kulon


Präferenzabfrage BERATER<br />

die Finanzanlagenvermittlungsverordnung<br />

(FinVermV) verpflichtet sind, die Nachhaltigkeitspräferenzen<br />

ihrer Kunden zu ermitteln.<br />

Das Ministerium hege aber die Hoffnung,<br />

dass Finanzanlagenvermittler dies<br />

freiwillig tun. Klein geht davon aus, dass<br />

es bei diesem Appell zur Freiwilligkeit nicht<br />

bleibt und der Gesetzgeber die FinVermV<br />

anpasst. Bis dahin stehe die Branche „vor<br />

der absurden Situation, dass ein Versicherungsvermittler<br />

verpflichtet ist, Nachhaltigkeitspräferenzen<br />

zu ermitteln, sofern er<br />

eine fondsgebundene Lebensversicherung<br />

vermittelt – der gleiche Vermittler hierzu<br />

jedoch nicht verpflichtet ist, wenn er einen<br />

Fondssparplan vermittelt“.<br />

VERKAUFSPROSPEKT OHNE PRODUKTMERKMALE<br />

Weil sich die neuen, nachhaltigen Produktmerkmale<br />

zunächst häufig nicht in<br />

den Verkaufsprospekten niederschlügen,<br />

könnten Berater ab August keine haftungssicheren<br />

Produktempfehlungen geben. Sein<br />

Verband werde daher für die Vermittler<br />

entsprechende Kundenhinweise entwickeln,<br />

die über die Situation aufklären,<br />

um Haftungssicherheit zu gewähren. Wie<br />

in der Branche zu hören ist, könnte so ein<br />

Hinweis lauten, dass das Produkt in seiner<br />

Strategie zwar entsprechende Merkmale<br />

umsetzt, diese aber noch keine vertraglich<br />

»Die Branche steht<br />

vor einer absurden<br />

Situation.«<br />

MARTIN KLEIN, VOTUM VERBAND UNABHÄNGIGER<br />

FINANZDIENSTLEISTUNGSUNTERNEHMEN<br />

<br />

MiFID-II-Anforderungen<br />

Mindestkriterien<br />

Verbändekonzept<br />

WIRRWARR BEI GRÜNEN ANLAGEPRODUKTEN<br />

Systematik zur Erfassung der Nachhaltigkeitspräferenzen<br />

Berücksichtigung wichtigster<br />

nachteiliger Wirkungen (PAI)<br />

Produkte, die die wichtigsten nachteiligen<br />

Nachhaltigkeitswirkungen (PAIs)<br />

berücksichtigen<br />

Kunde kann einzelne PAIs oder<br />

„PAI-Kategorien“ auswählen<br />

Mindestausschlüsse<br />

gungsverordnung (SFDR) und Principal<br />

Adverse Impacts (PAI) und die Auswirkungen<br />

auf die Kapitalanlage wirklich bewerten<br />

können, sei mal dahingestellt.<br />

NICHT GENUG PRODUKTE<br />

Es wird eine große Herausforderung für<br />

Vermittler, die Kundenwünsche mit dem<br />

vorhandenen Produktangebot zusammenzuführen.<br />

Der Mindestanteil an nachhaltigen<br />

Investitionen ist vom Kunden zu<br />

bestimmen. „Wenn der Kunde in der Beratung<br />

festlegen muss, wie hoch der Anteil<br />

nachhaltiger oder taxonomiekonformer Investments<br />

in einem Fonds sein soll, wird er<br />

wohl intuitiv 100 Prozent sagen“, zitiert die<br />

„Börsen-Zeitung“ Gerhard Faust, Leiter<br />

Kapitalmarktprodukte bei der Deutschen<br />

Bank, in einem Artikel über das Fidelity-<br />

Web-Seminar „ESG-Regulierung im Vertrieb<br />

– wie geht es weiter?“. Je höher der<br />

vom Kunden gewünschte Anteil sein soll,<br />

desto geringer sei das verfügbare Produktangebot.<br />

Bei sehr hohen Taxonomie-Quoten<br />

stehe möglicherweise kein passendes<br />

Produkt zur Verfügung. Erst mit der Zeit<br />

werde der Markt ein ausreichend breit diversifiziertes<br />

Produktangebot entwickeln.<br />

Die entsprechenden Vertriebsinformationen<br />

müssen vom Produktgeber kommen.<br />

„Ein Makler ist hier auf Informationen aus<br />

der Sphäre der Versicherer angewiesen“,<br />

betont Stephan Michaelis, Fachanwalt für<br />

Versicherungsrecht. In der von hoher Un-<br />

Nachhaltige Investitionen<br />

nach SFDR<br />

Produkte mit einem Mindestanteil an<br />

nachhaltigen Investitionen nach Art. 2<br />

Nr. 17 SFDR<br />

Dieser Mindestanteil ist vom Kunden<br />

zu bestimmen<br />

keine schweren Verstöße gegen<br />

UN Global Compact und Demokratie/<br />

Menschenrechte<br />

Produkthersteller berücksichtigt einen anerkannten Branchenstandard (UN PRI)<br />

zugesagten Produktmerkmale sind und die<br />

vertragliche Zusage erst später gemacht<br />

wird.<br />

Auch weil die Details und Standards zu<br />

den Produktmerkmalen noch fehlen, haben<br />

Deutsche Kreditwirtschaft, Fondsverband<br />

BVI und Deutscher Derivate Verband DDV<br />

ein gemeinsames Verbändekonzept vorgelegt.<br />

Es sieht zusätzliche Mindeststandards<br />

wie zum Beispiel den Ausschluss bestimmter<br />

Branchen wie Rüstung und Tabak vor.<br />

Zusammen mit den EU-Vorgaben ergibt<br />

sich eine Gesamtstruktur. Ob Anleger die<br />

Referenzsysteme Taxonomie, Offenlesicherheit<br />

geprägten Anfangszeit der Nachhaltigkeitsberatung<br />

sei Kommunikation<br />

und Offenheit elementar wichtig. Ein Vermittler<br />

solle dem Kunden offenlegen, dass<br />

er auf vom Versicherer bereitgestellte Informationen<br />

zurückgreifen muss, ohne dass<br />

ihm eine Nachprüfung möglich ist. Seinen<br />

Beratungspflichten werde ein Makler gerecht,<br />

wenn er die Nachhaltigkeitspräferenzen<br />

des Kunden abfragt und bei seiner<br />

Produktauswahl mit den Informationen<br />

des Versicherers abgleicht. Insofern, so Michaelis,<br />

gehe es jetzt zwar mit der Berücksichtigung<br />

von Nachhaltigkeitspräferenzen<br />

„richtig los“, aber irgendwie müsse sich<br />

alles noch entwickeln.<br />

ESG-BERATUNG AUS MAKLERSICHT<br />

PRO<br />

Thema bietet die<br />

Möglichkeit der Profilierung<br />

Neukundenpotenzial<br />

insbesondere bei<br />

jüngeren Anlegern<br />

Gute Gelegenheit,<br />

mit Kunden ins Gespräch<br />

zu kommen<br />

Ökologisch nachhaltige<br />

Investitionen nach Taxonomie<br />

Produkte mit einem Mindestanteil an<br />

ökologisch nachhaltigen Investitionen<br />

nach Art 2 Nr. 1 Taxonomie-VO<br />

Dieser Mindestanteil ist vom Kunden<br />

zu bestimmen<br />

keine schweren Verstöße gegen<br />

UN Global Compact und Demokratie/<br />

Menschenrechte<br />

CONTRA<br />

Quelle: Fidelity<br />

Fehlende Standards<br />

erhöhen Unsicherheit<br />

und Haftungsrisiken<br />

Kunden wollen<br />

vor allem Rendite<br />

und Sicherheit, nicht<br />

Nachhaltigkeit<br />

Der bürokratische<br />

Aufwand für Vermittler<br />

ist zu groß<br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />

75


BERATER Spezialmakler im Fokus<br />

DER JUNGE MAKLER<br />

UND DAS MEER<br />

Versicherungsmakler Timo Vierow hat sich auf die Absicherung von Tauchern spezialisiert.<br />

Über die Besonderheiten seiner Zielgruppe, die Bergung von Geisternetzen und warum das<br />

Thema Nachhaltigkeit die größte Chance für die Branche seit Jahren ist<br />

– TEXT: MARTIN THALER –<br />

76 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22


Spezialmakler im Fokus BERATER<br />

Timo Vierow ist derzeit ein gefragter Mann.<br />

Die Rede ist dabei nicht vom großen medialen<br />

Interesse am Bremer Versicherungsmakler<br />

– hierzu an späterer Stelle mehr.<br />

Doch an diesem Freitagmittag dauert es am<br />

Kreidesee im niedersächsischen Hemmoor<br />

nur wenige Schritte, bis Vierow das erste<br />

Mal angesprochen wird.<br />

„Hey Timo, kannst du mir mal helfen?“,<br />

ruft ein Mann in vollem Taucher-Ornat herüber.<br />

„Man ist hier per Du“, erklärt Timo<br />

knapp den jovialen Umgangston, bevor<br />

er mit wenigen Handgriffen den Taucheranzug<br />

seines Gegenübers in Form zupft.<br />

Kaum ist der Mann mit gerichtetem Anzug<br />

in Richtung See aufgebrochen, steht Timo<br />

erneut im Zentrum der Aufmerksamkeit.<br />

Zusammen mit der mehrfach ausgezeichneten<br />

Tauchbasis, an der sich die Taucher<br />

unter anderem ihre Flaschen mit dem erforderlichen<br />

Gasgemisch auffüllen lassen<br />

können, ist der Kreidesee zu einem Anziehungspunkt<br />

für Tauchbegeisterte aus ganz<br />

Deutschland geworden. Tauchlehrer Thomas<br />

Stommel aus dem westfälischen Hagen,<br />

der zu Timo hinüberwinkt, hat bereits<br />

etliche Kilometer an diesem Tag heruntergerissen.<br />

Zahlreiche Geisternetze kann NV-Mitarbeiter Jens Schipper vorweisen.<br />

Makler Timo Vierow mit Tauchlehrer Thomas Stommel am Kreidesee.<br />

Hier am Kreidesee ist der 40-jährige Makler<br />

in seinem Element. Jahrzehntelang wurde<br />

in Hemmoor, auf halbem Wege zwischen<br />

Cuxhaven und Hamburg, Kreide abgebaut,<br />

die für die angrenzende Zementproduktion<br />

verwendet wurde. Der Zement aus Hemmoor<br />

ging um die Welt und wurde unter<br />

anderem beim Bau des Hamburger Atlantic<br />

Hotels, des Berliner Reichstags und – angeblich<br />

– sogar für den Sockel der amerikanischen<br />

Freiheitsstatue verwendet.<br />

Seit 1983 ist der Ofen in Hemmoor nicht<br />

nur sprichwörtlich aus, die Produktion von<br />

Zement ist eingestellt. Der Tagebau vergangener<br />

Jahre bietet heutzutage aber perfekte<br />

Bedingungen für Taucher. Bis zu 60 Meter<br />

geht der See in die Tiefe. Durch das Kreidegestein<br />

ist zudem das Potenzial für Algenbildung<br />

gering, sodass Unterwassersportler<br />

bei guten Bedingungen auf Sichtweiten bis<br />

zu 25 Metern hoffen können.<br />

»Wenn wir das Thema<br />

Nachhaltigkeit<br />

ernsthaft aufgreifen,<br />

liegt hier für die<br />

Versicherer eine<br />

gewaltige Chance.«<br />

TIMO VIEROW, VERSICHERUNGSMAKLER<br />

TÜCKEN FÜR TAUCHER<br />

Zwei Schüler hat Stommel, der gerade aus<br />

dem See wiederaufgetaucht ist, im Schlepptau.<br />

Und sie haben Fragen an den Makler.<br />

Aber nicht zum Tauchen, sondern über ihren<br />

Versicherungsschutz. Ein Tauchurlaub<br />

steht bevor. Die beiden Männer beschäftigt<br />

darum die Frage, wann ihre Reiseabbruchversicherung<br />

leistet. „In meinen Versicherungsbedingungen<br />

heißt es, dass die Versicherung<br />

greift, wenn ich den Hauptzweck<br />

meiner Reise nicht mehr wahrnehmen<br />

kann“, sagt einer der beiden jungen Männer<br />

und fragt mit Blick auf den Makler: „Ist<br />

damit das Tauchen eingeschlossen?“<br />

„Das kommt drauf an, was der Versicherer<br />

als Hauptzweck betrachtet“, beginnt<br />

Timo seine Antwort. Ob Versicherungsschutz<br />

besteht oder nicht, könne man mit<br />

absoluter Gewissheit erst im Schadensfall<br />

sagen. Schrödingers Katze, übersetzt in die<br />

Welt der Versicherungen.<br />

Für alle Taucher, die in dieser Frage aber<br />

Gewissheit haben möchten, hat Timo mehrere<br />

auf Taucher zugeschnittene Deckungskonzepte<br />

entwickelt. Als begeisterter Taucher<br />

weiß der gebürtige Hamburger sowohl<br />

über die Sorgen und Nöte der Tauchgemeinschaft<br />

als auch über die Schwachstellen<br />

in den bestehenden Bedingungswerken<br />

Bescheid.<br />

Denn die Tauchgemeinschaft ist für die<br />

Versicherer weitgehend eine große Unbekannte,<br />

die Versicherungsbedingungen<br />

entsprechend nicht auf diese zugeschnitten.<br />

Auch wenn sich Taucher mit konventionellen<br />

Versicherungen auf der sicheren Seite<br />

wähnen, kann im Schadensfall das böse<br />

Erwachen drohen.<br />

Wer zum Beispiel unter Wasser größere<br />

Entfernungen zurücklegen möchte, setzt<br />

gerne auf sogenannte Scooter (siehe Lexikon)<br />

zur Fortbewegung, James Bond lässt<br />

grüßen. Leistungsstarke Geräte schlagen<br />

gerne einmal mit ein paar Tausend Euro<br />

zu Buche. Das Problem an ihnen: „Für die<br />

Versicherer sind das Wasserfahrzeuge. Und<br />

Wasserfahrzeuge sind grundsätzlich nicht<br />

von der Hausratversicherung umfasst“,<br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />

77


BERATER Spezialmakler im Fokus<br />

Mittels Hebesäcken werden die Netze an die Oberfläche befördert.<br />

Ein weiteres Netz wird von den Tauchern geborgen.<br />

erklärt Timo. Natürlich hat er auch in<br />

der Hausratversicherung – zusammen mit<br />

der ostfriesischen NV Versicherung – ein<br />

entsprechendes Deckungskonzept entwickelt,<br />

das diesen Schutz einschließt.<br />

Es dürfte schwer sein, jemanden in der<br />

Versicherungsbranche zu finden, der so viel<br />

über die Zielgruppe der Taucher zu berichten<br />

weiß wie Timo. Zugleich dürfte es auch<br />

nur wenige Taucher mit einer solchen Versicherungsexpertise<br />

wie Timo geben. Perfekte<br />

Bedingungen also, um als Vermittler<br />

zwischen diesen beiden Welten zu agieren.<br />

Seit Jahren liegt Timo den Versicherern<br />

mit den Besonderheiten seiner Zielgruppe<br />

in den Ohren. Er erklärt, streitet, argumentiert.<br />

Durchaus mit Erfolg. Denn aus Sicht<br />

vieler Versicherer gilt Tauchen als risikoreicher<br />

Sport – besonders wenn die Tauchgänge<br />

in größere Tiefen gehen oder Höhlen<br />

betaucht werden. Entsprechend schwierig<br />

gestaltet es sich für Taucher, eine Risikolebens-<br />

oder Berufsunfähigkeitsversicherung<br />

abzuschließen.<br />

Mittlerweile konnte der Bremer Versicherungsmakler<br />

die Dela zu einer Neubeurteilung<br />

seines Hobbys veranlassen.<br />

Nun haben auch Unterwassersportler, die<br />

Tauchgänge bis zu einer Tiefe von 100<br />

Metern vornehmen, die Möglichkeit, ohne<br />

Risikozuschläge an eine Risikolebensversicherung<br />

zu kommen.<br />

VERSICHERER AGIEREN RESTRIKTIV<br />

Die einzige offene Flanke beim Versicherungsschutz<br />

sieht Timo noch in der Berufsunfähigkeitsversicherung.<br />

Hier agierten die<br />

Ein letzter Check an der Ausrüstung<br />

Makler Timo Vierow zusammen<br />

mit <strong>procontra</strong>-Redakteur Martin Thaler<br />

Versicherer immer noch sehr restriktiv,<br />

fasst Timo zusammen. BU-Schutz sei für<br />

Höhlen- oder Tieftaucher – wenn überhaupt<br />

– nur gegen sehr hohe Risikozuschläge<br />

möglich. „Meiner Meinung nach haben<br />

die Versicherer das Thema Tauchen teilweise<br />

falsch eingestuft.“<br />

Den Versicherern entgehe hier eine attraktive,<br />

da finanzstarke Zielgruppe, ist<br />

Timo überzeugt. „Für alle, die zu viel Geld<br />

haben, empfehle ich Tauchen“, scherzt einer<br />

der Froschmänner am Kreidesee. „Tauchen,<br />

das ist ein alternatives Investment“,<br />

schiebt er mit Verweis auf die zahlreichen<br />

Pleiten am grauen Kapitalmarkt gleich die<br />

nächste Pointe nach.<br />

Tatsächlich hinterlässt die erforderliche<br />

Ausrüstung für all diejenigen, die über das<br />

reine Sporttauchen hinauswollen, ein ziemliches<br />

Loch im Portemonnaie. Für sogenannte<br />

Rebreather (siehe Lexikon), Anzüge,<br />

Atemregler, Scooter und Stages kommen<br />

gut und gerne einmal mehrere Zehntausend<br />

Euro zusammen. „Menschen, die 20.000<br />

Euro in eine Tauchausrüstung investieren,<br />

kann ein gewisser Wohlstand nachgesagt<br />

werden“, ist Timo überzeugt.<br />

Zudem: „Taucher, die über einen Verband<br />

aktiv sind, müssen eine Tauchtauglichkeitsuntersuchung<br />

ablegen. Momentan<br />

ist diese allerdings nicht einheitlich geregelt.<br />

Schafft man hier einheitliche Strukturen,<br />

gäbe es eine Zielgruppe, die nicht<br />

nur wohlhabend und trainiert ist, sondern<br />

sich alle ein, zwei Jahre einer medizinischen<br />

Vorsorgeuntersuchung unterzieht.“ Eigentlich<br />

optimale Bedingungen für die Versiche-<br />

78 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22


Spezialmakler im Fokus BERATER<br />

Sommer.<br />

Sonne.<br />

Sicher!<br />

EINFACH AUF DEN PUNKT.<br />

Makler Timo Vierow stellte eine Woche lang<br />

seine Seefahrerbeine unter Beweis.<br />

Wie die Risikolebensversicherung der<br />

EUROPA – der ideale Schutzschirm für Familien,<br />

Darlehen und Immobilienkredite.<br />

rer – doch noch bleiben diese bei ihrer restriktiven<br />

Betrachtungsweise. Noch. Denn Timo wird weiter<br />

im Dienste seiner Zielgruppe argumentieren.<br />

Diese definiert der 40-Jährige spitz. „Bei Tauchern<br />

kenne ich mich aus, vom Falschschirmspringen<br />

habe ich keine Ahnung“, sagt er. Übersetzt in<br />

sein Geschäftsmodell bedeutet das: Kunden, die mit<br />

Problemen zu ihm kommen, zu denen er sich nicht<br />

aussagekräftig fühlt, werden an Kollegen verwiesen.<br />

Timo will nicht in die Breite beraten, er geht<br />

lieber – für Taucher sehr passend – in die Tiefe.<br />

KONSEQUENTE ZIELGRUPPENFOKUSSIERUNG<br />

Diese konsequente Zielgruppenfokussierung kann<br />

sich Timo aufgrund der Größe der Zielgruppe<br />

durchaus leisten. Wie groß genau die Zahl der Taucher<br />

in Deutschland ist, lässt sich zwar nur schwer<br />

beziffern. Allerdings machen zwischen 25.000 und<br />

27.000 Deutsche jedes Jahr ihren Grundtauchschein.<br />

Auf diesen Zahlen aufbauend, berichtet<br />

Timo von Schätzungen, die von rund 1,25 Millionen<br />

Tauchern im deutschsprachigen Raum ausgehen.<br />

Die Zahl derjenigen, für die das Hobby mehr bedeutet<br />

als ein wenig Wassersport im Sommerurlaub,<br />

ist natürlich wesentlich kleiner. Man kennt sich in<br />

der Szene – auch Timo hat sich hier mittlerweile einen<br />

Namen gemacht. Die Verbindung von persönlichem<br />

Hobby und seiner Arbeit ist dabei „Fluch<br />

und Segen zugleich“, wie er es formuliert. Natürlich<br />

lässt sich für ihn dadurch das Angenehme mit<br />

dem Nützlichen verbinden. Doch diese Verbindung<br />

lässt sich nicht so leicht aufbrechen. Ein Tauch-Trip<br />

zum reinen Vergnügen ist in Deutschland zumindest<br />

kaum möglich – die Fragen und Probleme seiner<br />

(potenziellen) Kunden muss er jederzeit beantworten.<br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />

Das spricht für die EUROPA:<br />

Persönliche Unterstützung durch<br />

erfahrene Maklerberater<br />

Blitzschnelle Reaktion bei Ihren Anfragen<br />

Einfacher, schneller und sicherer<br />

Online-Abschluss<br />

Mehr auf europa-vertriebspartner.de<br />

oder unter 0221 5737-300<br />

Mit Sicherheit<br />

wohlfühlen!<br />

Flexible Absicherungsmöglichkeiten<br />

durch unterschiedliche Tarifvarianten<br />

Wertvoll und preisgekrönt, bei unabhängigen<br />

Vergleichen top platziert<br />

79


BERATER Spezialmakler im Fokus<br />

Gute Stimmung an Bord der „MS Horizont“. Mit dabei waren unter anderem<br />

Besser-Grün-Geschäftsführer Frederic Waller (2. von links) und NV-Vorstand<br />

Henning Benau (rechts).<br />

Die Taucher von „Ghost Diving Germany“ um Derk Remmers (links) gingen<br />

eine Woche lang auf Tauchstation in der Nordsee.<br />

Zugleich stellte sich für Timo gerade in<br />

den schwierigen ersten Jahren der Maklerschaft<br />

die Frage, wie offensiv er für seine<br />

Dienste werben konnte. „Ich will mit den<br />

Menschen ja schließlich noch tauchen können.“<br />

Offenbar hat er in den vergangenen Jahren<br />

das richtige Maß getroffen. Die Kundenzahl<br />

wächst – auch dank Mundpropaganda.<br />

Hier zahlt sich die eingeschworene,<br />

gut vernetzte Szene erneut aus, birgt zugleich<br />

jedoch auch ein Risiko. Denn die<br />

positive Mundpropaganda der zufriedenen<br />

Kunden kann sich bei deren Unzufriedenheit<br />

schnell ins Gegenteil verkehren. Gerade<br />

in kleinen Gruppen verbreiten sich<br />

Nachrichten schnell.<br />

Timo, der seit seinem 17. Lebensjahr im<br />

Versicherungs-Außendienst tätig ist, setzt<br />

darum nicht auf schnellstmögliches, sondern<br />

auf nachhaltiges Wachstum. Nachhaltigkeit<br />

– ein Begriff, der in diesem Gespräch<br />

öfter fällt.<br />

DER ENTSCHEIDENDE HEBEL<br />

Für den Bremer Makler ist Nachhaltigkeit<br />

der entscheidende Hebel, um das angeknackste<br />

Image der Branche und auch<br />

seines Berufsstands zu verbessern. Schon<br />

seit Jahren landen Versicherungsvertreter<br />

bei einer Umfrage des Deutschen Beamtenbundes<br />

auf dem letzten Rang aller Berufsgruppen,<br />

wenn es um das öffentliche Ansehen<br />

geht.<br />

In einer kürzlich durchgeführten Umfrage<br />

geben gerade einmal 8 Prozent der rund<br />

2.000 Befragten an, Versicherungsvertreter<br />

mit einem hohen bzw. sehr hohen Ansehen<br />

zu assoziieren.<br />

Normalerweise dient die „MS Horizont“<br />

für Bestattungen auf hoher Se.<br />

Für Tauchuntensilien werden gerne<br />

mal mehrere Zehntausend Euro fällig.<br />

Wie positive Imagepflege gelingen kann,<br />

zeigt ein zeitlicher Sprung in den Mai. Im<br />

ostfriesischen Harlesiel liegt die „MS Horizont“<br />

am Kai. Normalerweise wird das<br />

2009 in Dienst gestellte Schiff für Seebestattungen<br />

genutzt. An diesem Tag steht<br />

die „Horizont“ allerdings im Dienste des<br />

Umweltschutzes. Zum sogenannten „Ostfriesland-Projekt“<br />

hat Timo zusammen mit<br />

„Grün Versichert“ geladen. Es geht um die<br />

Bergung sogenannter Geisternetze – alte Fischernetze,<br />

die herrenlos durch die sieben<br />

Weltmeere wabern und zur tödlichen Gefahr<br />

für alle Meeresbewohner werden.<br />

Initiiert wurde das Projekt von Timo<br />

selbst, der unter seinen Tauch-Kompagnons<br />

auch Mitglieder von „Ghost Diving Germany“<br />

hat. Eine Organisation, die sich der<br />

Bergung der alten Netze verschrieben hat.<br />

„Viele Versicherer pflanzen einen Baum<br />

oder legen eine Streuobstwiese an, doch<br />

für das Meer gab es bislang kein einziges<br />

Projekt“, erklärt Timo seine Motivation für<br />

das Projekt.<br />

Über eine halbe Tonne alter Netze holen<br />

die Taucher in einer Woche aus der Nordsee.<br />

Angesichts der schwierigen Bedingungen<br />

vor Ort ist das ein großer Erfolg.<br />

Noch größer ist allerdings das öffentliche<br />

Interesse am grobmaschigen Meeresmüll.<br />

Die Woche über geben sich Fernsehsender,<br />

Nachrichtenagenturen und Lokaljournalisten<br />

die Klinke in die Hand. Für Timo<br />

ist es eine Woche im Kamerafokus und<br />

Blitzlichtgewitter – immer wieder muss er<br />

erklären, was sich hinter dem Begriff Geisternetze<br />

verbirgt und warum diese ein so<br />

großes Risiko für Tier, aber auch Mensch<br />

– Stichwort Mikroplastik – darstellen.<br />

80 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22


Spezialmakler im Fokus BERATER<br />

KLEINES TAUCHLEXIKON<br />

ATEMREGLER<br />

Bestandteil des Tauchgeräts, der den Flaschendruck<br />

auf den Umgebungsdruck reduziert und den<br />

Taucher somit mit Luft versorgt<br />

REBREATHER / KREISLAUFTAUCHGERÄT<br />

Atemgerät, das die Ausatemluft reinigt und<br />

wiederverwendet<br />

SCOOTER<br />

Elektrisch betriebenes Unterwasserzuggerät<br />

für Taucher oder schweres Gerät<br />

STAGE<br />

Zusätzliche Flasche mit Atemgas<br />

TECHNISCHES TAUCHEN<br />

Fortgeschrittene Form des Sporttauchens<br />

unter Verwendung besonderer Ausrüstung,<br />

Fertigkeiten oder Gase<br />

Die enorme Resonanz zeigt Timo, dass er<br />

mit dem Thema das öffentliche Interesse<br />

getroffen hat. Besonders freute er sich über<br />

die Mail eines Nordsee-Touristen, die ihn<br />

erreichte. Dieser hatte bei einer Wanderung<br />

durchs Wattenmeer einen Teil eines alten<br />

Fischernetzes gefunden. „Früher hätte ich<br />

das bestimmt liegen gelassen. Aber nun<br />

weiß ich über das Problem Bescheid und<br />

habe das Netz zwecks Entsorgung mitgenommen“,<br />

paraphrasiert Timo den Inhalt.<br />

Auch im kommenden Jahr soll die Aktion<br />

wieder stattfinden.<br />

Doch aus Sicht des Maklers wäre von<br />

Branchenseite wesentlich mehr möglich.<br />

Einzelne Versicherer haben das Thema<br />

zwar aufgegriffen, bei vielen Anbietern vermisst<br />

er die gewünschte Initiative. „Wenn<br />

wir das Thema ernsthaft aufgreifen und<br />

nicht nur als neuen Vertriebs-Gag betrachten,<br />

liegt hier für die Versicherer eine gewaltige<br />

Chance“, ist Timo überzeugt. „Das<br />

Thema Nachhaltigkeit ist die größte Chance,<br />

die die Versicherungsbranche seit Jahren<br />

Über eine halbe Tonne geborgene Netze waren<br />

die Bilanz des Ostfriesland-Projekts.<br />

hat und in den kommenden Jahren haben<br />

wird“, glaubt er. „Wir sind das größte Kapitalsammelbecken.<br />

Wir hätten eine solche<br />

Macht, das Thema nach vorne zu bringen,<br />

und könnten so den Ruf unserer Branche<br />

komplett drehen.“<br />

Vorsorge<br />

GreenInvest<br />

von AXA:<br />

Nachhaltigkeit<br />

im Fokus<br />

Mega-Trend:<br />

nachhaltige<br />

Investments<br />

Immer mehr Kunden ist Nachhaltigkeit wichtig – auch beim Geldanlegen.<br />

Die GREENINVEST FONDS-RENTE von AXA verbindet Verantwortung und<br />

Renditechancen optimal: Investiert wird ausschließlich in nachhaltige Fonds<br />

und Portfolios. Nutzen Sie diese Chance und bieten Sie GreenInvest aktiv an!<br />

Mehr Infos hier:


BERATER Maklerpools<br />

FRESSEN ODER GEFRESSEN WERDEN<br />

Pools kaufen Makler und Finanzinvestoren kaufen Pools. Und am Ende überlebt das<br />

skalierbarste Geschäftsmodell. Ein Blick aufs Geschehen im Markt und in die Zukunft<br />

– TEXT: STEFAN TERLIESNER –<br />

Die Welt der Makler ist im Umbruch. So<br />

will beispielsweise der börsennotierte Finanzdienstleister<br />

JDC Group, zu dem auch<br />

der Pool Jung, DMS & Cie. gehört, künftig<br />

Maklerbüros aufkaufen. Das Vehikel dazu<br />

ist ein Joint Venture mit dem Finanzinvestor<br />

Bain Capital und einer Tochter der Finanzholding<br />

Great West Lifeco. Stimmt das<br />

Kartellamt dem Vorhaben zu, dürfte das<br />

Trio über reichlich Finanzkraft verfügen.<br />

Um Akquisitionskapital geht es auch<br />

beim Einstieg des Finanzinvestors Warburg<br />

Pincus beim Maklerpool blau direkt<br />

und ebenso bei der Mehrheitsübernahme<br />

von Fonds Finanz durch HG Capital Ende<br />

2021. Auch Letztere wollen weitere Firmen<br />

einsammeln und daraus eine Art Superpool<br />

schmieden. Dieser hätte dann so viel Einkaufsmacht,<br />

dass selbst größere Versicherer<br />

und Fondshäuser erzittern würden. Aber<br />

würden die Produktgeber dann noch Geschäfte<br />

mit dem Riesenpool machen?<br />

DIGITALISIERUNG BELEBT BANKASSEKURANZ<br />

Andererseits, so scheint es, führen Skaleneffekte<br />

auch im Vertrieb von Finanzprodukten<br />

auf Dauer zur Entstehung größerer<br />

Einheiten. Am Ende teilt sich eine Handvoll<br />

Dienstleister den Markt auf. Skaleneffekte<br />

sind Größen- bzw. Kostenvorteile von Unternehmen.<br />

Die industrielle Massenfertigung<br />

ist ein Beispiel. Je größer die Stückzahlen<br />

sind, desto kostengünstiger kann<br />

gefertigt werden. Heutzutage lassen sich<br />

Skaleneffekte auch mit digitalen Technologien<br />

erzielen. IT ist teuer, aber einmal installiert,<br />

sinken die Stückkosten mit jedem<br />

weiteren Nutzer.<br />

Die Entwicklung schreitet so rasch voran,<br />

dass große Maklerpools sich selbst schon<br />

gar nicht mehr als Pool bezeichnen, sondern<br />

– wie zum Beispiel blau direkt – als „Infrastrukturdienstleister,<br />

der Technologie, effiziente<br />

Prozesse und Outsourcing-Services für<br />

Vertriebe, Makler, Banken und auch andere<br />

Maklerpools bereitstellt“. Den Big Playern<br />

geht es schon längst nicht mehr um die Vermittlung<br />

nur von Versicherungen, sondern<br />

auch um Bankprodukte. Das Stichwort dazu<br />

lautet: Bankassekuranz. „Die Geschäftsmodelle<br />

verschmelzen“, sagt auch Manuela<br />

Wolf, Projektmanagerin Vertrieb bei den<br />

Versicherungsforen Leipzig. Ein wichtiger<br />

Treiber seien die neuen Technologien, „die<br />

erstmals Versicherungsvertrieb skalierbar<br />

machen“. Die neuen „digitalen Marktplätze<br />

veränderten die Spielregeln“. Weitere Treiber<br />

wie Altersstruktur des Maklermarktes<br />

und Regulierung kämen hinzu.<br />

AUF FINANZKRAFT KOMMT ES AN<br />

Auch deshalb rechnet Sebastian Grabmaier,<br />

Chef der JDC Group, „auf jeden Fall damit,<br />

dass sich kleinere Mitbewerber und<br />

82 Illustration: Roman Kulon


Maklerpools BERATER<br />

Spezialpools an die Großen anlehnen oder fusionieren<br />

werden, bis nur eine Handvoll Digitalplattformen<br />

übrig bleiben“. Und weiter: „Es macht keinen Sinn,<br />

sämtliche Entwicklungen in IT und bei Prozessen oder<br />

auch die tägliche Daten- und Dokumentenversorgung<br />

für ein relativ geringes Geschäftsvolumen vorzuhalten.<br />

Arbeitsteilige Wertschöpfung entspricht der Industrielogik.“<br />

Ähnlich äußern sich die Chefs anderer großer<br />

Pools. So sagt Rolf Schünemann von BCA: „In fünf<br />

bis zehn Jahren dürften wenige große Pools den Markt<br />

überwiegen.“ Mit Blick auf den digitalen Wandel betont<br />

er: Entscheidend seien das Investitionsvolumen<br />

und der langfristige finanzielle Spielraum eines Pools.<br />

Hier hat BCA Vorteile: Zum Gesellschafterkreis gehören<br />

zehn Versicherer.<br />

Im Konzert der Großen spielt sich zunehmend Qualitypool<br />

in den Vordergrund. Die Gesellschaft ist eine<br />

Tochter der börsennotierten Hypoport, eines Netzwerks<br />

von Technologieunternehmen für die Kreditund<br />

Immobilien- sowie Versicherungswirtschaft. An<br />

Qualitypool angebundene Makler erhalten Zugriff<br />

auf die webbasierte Finanzierungsplattform Europace<br />

»In fünf bis zehn<br />

Jahren dürften wenige<br />

große Pools den Markt<br />

überwiegen.«<br />

sowie die Versicherungsplattform Smart Insure. Erst<br />

Ende Januar hatte der Lübecker Maklerpool die verbleibenden<br />

Anteile an Amexpool übernommen. Boris<br />

Beermann, bisher Vorstand der Amexpool, begründete<br />

den Deal auch so: „Qualitypool hat als Teil des Hypoport-Netzwerks<br />

den nötigen finanziellen und technologischen<br />

Hintergrund, um im hart umkämpften<br />

Wettbewerb weiterwachsen zu können.“<br />

MAKLER BLEIBEN WICHTIG<br />

Es geht in der Pool-Welt also um Technologie und Finanzkraft<br />

– und um Makler-Power. Denn alle großen<br />

Vertriebsunterstützer betonen, „dass auch bei den besten<br />

digitalen Services für Makler weiterhin eine kompetente<br />

persönliche Unterstützung nachgefragt wird“,<br />

so zum Beispiel Grabmaier. Auch Schünemann glaubt<br />

„nicht an die Dominanz von lupenrein aufgestellten<br />

digitalen Pools“.<br />

Die Welt der Makler ist im Umbruch, und die Wahl des<br />

Pools hat in Zukunft wohl noch mehr Einfluss auf das<br />

eigene Einkommen als bisher, aber immerhin: Makler<br />

sind weiterhin bedeutende Akteure. <br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />

ROLF SCHÜNEMANN, BCA<br />

SPASSBREMSE,<br />

die:<br />

[ˈʃpaːsˌbʁɛmzə]<br />

Fährt drauf ab, im Leben alles<br />

im Griff zu haben<br />

und tritt bei Vintage-Rallyes<br />

voll aufs Gas.<br />

MEHR DAZU UNTER<br />

www.lv1871.de/financialfreedom<br />

83


FOKUS SIGNAL IDUNA<br />

Sicherheit für Ihr Geschäftsgebäude<br />

und Mehrfamilienhaus<br />

Der SI Immobilienschutz<br />

Ob Geschäftsgebäude oder Mehrfamilienhaus – Ihre Immobilien sollten gut abgesichert sein!<br />

Der neue SI Immobilienschutz bietet einen optimalen Versicherungsschutz, der bereits beim Bau<br />

des Gebäudes beginnt. Mit vielen Verbesserungen und neuen Leistungen, wie zum Beispiel einem<br />

besonderen Schutz für Vermieter, ist ein individueller Rundumschutz garantiert.<br />

<strong>procontra</strong> FOKUS in Zusammenarbeit mit SIGNAL IDUNA<br />

signal-iduna.de<br />

84 Anzeige


SIGNAL IDUNA FOKUS<br />

FOKUS<br />

SIGNAL IDUNA<br />

Auch Gebäude gehen<br />

mit der Zeit<br />

Vor Jahren irgendwann mal abgeschlossen,<br />

Police in die Schublade<br />

gelegt und bisher nie gebraucht: So sieht<br />

vielerorts die Realität der gewerblichen<br />

Gebäudeversicherung aus. Im günstigen<br />

Fall. Denn kommt es zu einem Schaden,<br />

der von einer veralteten Police nicht<br />

gedeckt wird, ist der Frust groß.<br />

Aus diesem Grund gehören auch Versicherungen<br />

für gewerblich genutzte Gebäude<br />

regelmäßig auf den Prüfstand: Genügen sie<br />

noch dem aktuellen Marktstandard? Umfassen<br />

sie auch Risiken, die erst in den letzten<br />

Jahren virulent geworden sind, etwa<br />

im Zuge der Elektromobilität? Wie sehr<br />

wird der Anspruch auf Nachhaltigkeit bei<br />

der Schadenregulierung unterstützt? Wer<br />

Schutz für gewerbliche Gebäude vermittelt,<br />

sollte in all diesen Punkten sicherstellen,<br />

dass sich im Vertrag keine offenen Flanken<br />

finden – im Sinne der Kunden und ihrer<br />

meist beträchtlichen Vermögenswerte,<br />

aber auch im eigenen Interesse, Stichwort<br />

Haftungssicherheit.<br />

SIGNAL IDUNA zählt in der gewerblichen<br />

Absicherung seit jeher zu den Großen am<br />

Markt, was nicht zuletzt stetiger Innovation<br />

zu verdanken ist. Diese prägt nun auch<br />

den „SI Immobilienschutz“, ein brandneues<br />

Produkt der Dortmunder, in dem<br />

das Beste aus drei Welten zusammengeführt<br />

– und nochmals ausgebaut – wird.<br />

Konkret gehen in dem Tarif die drei<br />

bisherigen gewerblichen Gebäudeversicherungen<br />

für Mehrfamilienhäuser und<br />

Geschäftsgebäude inklusive Gebäude-<br />

Schutz-Programm (für Objekte mit einem<br />

Neuwert von über sieben Millionen Euro)<br />

auf. Für Makler wie für Kunden wird die<br />

Absicherung damit deutlich einfacher und<br />

Foto: Woody Alec<br />

zugleich leistungsstärker. Dazu trägt auch<br />

das neu verankerte Opt-out-Prinzip bei:<br />

Grundsätzlich wird ein weiter Schutzschirm<br />

aufgespannt, die Kunden können<br />

jedoch nach Wunsch bestimmte Risiken<br />

ausklammern.<br />

Lesen Sie im Interview auf den Folgeseiten,<br />

mit welcher Zielsetzung, nach welchen<br />

Kriterien und mit welchem Ergebnis<br />

SIGNAL IDUNA den SI Immobilienschutz<br />

entwickelt hat und wie sich das für Ihre<br />

Kunden und Sie selbst auszahlt.<br />

Gewerbeimmobilien<br />

stellen beträchtliche<br />

Werte dar und verdienen<br />

eine exzellente<br />

Absicherung.<br />

<strong>procontra</strong> FOKUS in Zusammenarbeit mit SIGNAL IDUNA<br />

Anzeige<br />

85


FOKUS SIGNAL IDUNA<br />

»Optimaler Rundumschutz<br />

für gewerbliche Gebäude«<br />

Mit dem SI Immobilienschutz hat SIGNAL IDUNA<br />

die gewerbliche Gebäudeversicherung neu gedacht und umgesetzt.<br />

Necati Dogan, Marktmanager Freie Vertriebe, gibt einen Überblick.<br />

– TEXT: SEBASTIAN WILHELM –<br />

<strong>procontra</strong>: Was gab den Anstoß für die<br />

Entwicklung des gewerblichen Gebäudeversicherungskonzepts<br />

SI Immobilienschutz?<br />

Necati Dogan: In erster Linie ist die Strategie<br />

zur Prozessoptimierung im Hause<br />

von SIGNAL IDUNA maßgeblich hierfür<br />

gewesen. Die älteren Bedingungswerke der<br />

gewerblichen Gebäudeversicherung sind<br />

von 2013 und somit fast zehn Jahre alt gewesen.<br />

Das ist eine lange Zeit, in der sich<br />

der Wettbewerb und auch die Kundenansprüche<br />

verändern. In vielen Bereichen<br />

waren wir somit nicht mehr da, wo der<br />

Markt sich aktuell befindet.<br />

Außerdem war die gewerbliche Gebäudeversicherung<br />

bislang in drei unterschiedliche<br />

Produkte mit eigenen Bedingungswerken<br />

aufgeteilt, was sowohl für die<br />

Vermittler als auch für die Endkunden<br />

kompliziert war. Daher lag es auf der<br />

Hand, dass wir hier etwas tun mussten. So<br />

starteten wir mit einer Research-Phase, in<br />

der wir mit unterschiedlichen Parteien aus<br />

dem Vertrieb gesprochen und die aktuellen<br />

Bedürfnisse im Bereich der gewerblichen<br />

Gebäudeversicherung ausgearbeitet haben.<br />

Etwas mehr als ein Jahr danach ist nun<br />

der SI Immobilienschutz entstanden. Mit<br />

diesem Produkt stehen wir im Wettbewerbsvergleich<br />

sehr gut da.<br />

<strong>procontra</strong>: Welche bisherigen Versicherungen<br />

werden im neuen Produkt zusammengefasst<br />

und welchen Mehrwert bietet<br />

diese Bündelung?<br />

Dogan: Bisher war die Produktstruktur<br />

»Grundsätzlich sind<br />

beim SI Immobilienschutz<br />

alle Gefahren<br />

und Bausteine<br />

versichert. Einzelne<br />

können ausgeschlossen<br />

werden.«<br />

sehr komplex. Es gab die gewerbliche<br />

Wohngebäudeversicherung für Mehrfamilienhäuser<br />

und die Geschäftsgebäudeversicherung<br />

für Geschäftsgebäude.<br />

Ab einem Gebäudeneuwert von sieben<br />

Millionen Euro gab es für Letztere noch<br />

das Gebäude-Schutz-Programm. Jedes der<br />

Produkte hatte zusätzlich zu den eigenen<br />

Bedingungen auch eigene Versicherungssummengrenzen.<br />

Mit dem SI Immobilienschutz wird diese<br />

Struktur vereinheitlicht und erheblich<br />

vereinfacht. Beispielsweise gibt es nur eine<br />

einheitliche Versicherungssummengrenze<br />

von 10 Millionen bzw. 25 Millionen Euro<br />

je nach Brandschutzklasse und Gebäudenutzung.<br />

Dadurch wird die gewerbliche<br />

Gebäudeversicherung insgesamt vereinfacht<br />

und ermöglicht schlankere Prozesse<br />

und somit auch eine schnellere Antragsbearbeitung.<br />

Für die Beratung wiederum<br />

bedeutet das, dass der Erklärungsaufwand<br />

zwischen den einzelnen Bedingungswerken<br />

gänzlich entfällt und somit das Haftungsrisiko<br />

als Vermittler reduziert wird.<br />

<strong>procontra</strong>: Mit welchen Highlights und<br />

Alleinstellungsmerkmalen wartet der SI<br />

Immobilienschutz außerdem auf?<br />

Dogan: Der SI Immobilienschutz wurde im<br />

Vergleich zu seinen Vorgängern deutlich<br />

aufgewertet. Dabei wurden bestehende<br />

Leistungen verbessert und neue Leistungen<br />

ergänzt. Die Inhalte sind auf Grundlage<br />

der Research-Ergebnisse und der aktuellen<br />

Marktsituation entstanden. Damit<br />

haben wir ein absolut wettbewerbsfähiges<br />

Produkt für die gewerbliche Gebäudeversicherung<br />

geschaffen. Es ermöglicht eine<br />

umfassende Absicherung, denn mit der<br />

beitragsfreien Rohbau-Feuerversicherung<br />

ist auch ein Neubau von Beginn an<br />

geschützt. Optional kann diese mit einer<br />

Bauleistungsversicherung und einer Bauherrenhaftpflicht<br />

ergänzt werden, um die<br />

Baustelle vollständig abzusichern.<br />

Aber zurück zum Thema: Auch nach<br />

Fertigstellung bietet der SI Immobilienschutz<br />

einen optimalen Rundumschutz.<br />

So sind beispielsweise die Kosten für die<br />

Beseitigung von Graffiti nun bis zur Höhe<br />

der Versicherungssumme versichert und<br />

werden auch erstattet, wenn sich das<br />

Graffiti innerhalb des Gebäudes befindet.<br />

Darüber hinaus bleiben Vermietern finan-<br />

<strong>procontra</strong> FOKUS in Zusammenarbeit mit SIGNAL IDUNA<br />

86 Anzeige


SIGNAL IDUNA FOKUS<br />

zielle Verluste erspart, wenn die Immobilie<br />

nach einem versicherten Schadenfall<br />

vorübergehend nicht mehr genutzt werden<br />

kann. Denn bei Mietverlust leistet der SI<br />

Immobilienschutz bis zu 36 Monate lang,<br />

unabhängig davon, ob das Gebäude an<br />

Privatpersonen oder zur gewerblichen<br />

Nutzung vermietet wird. Aber auch bei<br />

selbst genutzten Immobilien erstattet der SI<br />

Immobilienschutz den ortsüblichen Mietwert.<br />

Das größere Highlight für Vermieter<br />

ist aber der neue Mieterbaustein. Mit ihm<br />

sind Vermieter zusätzlich für wohnwirtschaftlich<br />

genutzte Risiken abgesichert.<br />

Er beinhaltet unter anderem Kosten für<br />

Aufräumung, Schädlingsbekämpfung,<br />

Desinfektion und Reinigung im Zusammenhang<br />

mit Mietnomaden und Schäden<br />

in Gemeinschaftswaschküchen nach einem<br />

Einbruch/Diebstahl.<br />

Eine weitere Besonderheit des SI Immobilienschutzes<br />

ist die Garagenklausel. Mit dieser<br />

ist ein Gebäude selbst dann versichert,<br />

wenn Fahrzeuge darin abgestellt werden,<br />

obwohl es sich nicht um ein ausdrücklich<br />

als Garage ausgewiesenes Gebäude<br />

handelt. Auch der Megatrend Nachhaltigkeit<br />

wurde in der Produktentwicklung<br />

berücksichtigt, denn bei SIGNAL IDUNA<br />

wird großer Wert auf dieses Thema gelegt.<br />

Mit dem SI Immobilienschutz werden nach<br />

einem Schadenfall jetzt auch Mehrkosten<br />

übernommen, die durch den Gebrauch<br />

umweltfreundlicherer Materialien entstehen.<br />

Außerdem sind Kosten für die<br />

Wiederaufforstung gärtnerischer Anlagen<br />

und von Bäumen bis 50.000 Euro eingeschlossen.<br />

Dazu gehören auch Dach- und<br />

Fassadenbegrünungen. Ferner nimmt die<br />

E-Mobilität an Attraktivität und Akzeptanz<br />

zu. In diesem Zusammenhang ist es<br />

interessant zu erwähnen, dass Wallboxen<br />

als Gebäudebestandteil mitversichert sind.<br />

Ein spezielles Highlight ist zudem der<br />

Unterversicherungsverzicht. Mit dem SI<br />

Immobilienschutz gibt es nun die Möglichkeit,<br />

ihn auch in der gewerblichen<br />

Gebäudeversicherung zu vereinbaren. Die<br />

einzige Prämisse besteht darin, dass die<br />

Versicherungssumme mittels SkenData ermittelt<br />

wird. Diese und weitere Leistungshighlights<br />

sind erstklassige Argumente für<br />

den neuen SI Immobilienschutz.<br />

<strong>procontra</strong>: Was hat es mit dem Abwahlmodell<br />

bzw. der Opt-out-Lösung auf sich?<br />

Dogan: Grundsätzlich sind beim SI Immobilienschutz<br />

alle Gefahren und Bausteine<br />

versichert. Der Kunde hat allerdings die<br />

Möglichkeit, seinen Versicherungsschutz<br />

anzupassen. Einzelne Bausteine wie beispielsweise<br />

die Glasversicherung können<br />

ausgeschlossen werden, falls sie nicht<br />

gewünscht sind. Damit geben wir neben<br />

dem Kunden auch dem Vermittler mehr<br />

Flexibilität für das Beratungsgespräch.<br />

Außerdem ist das Abwahlmodell ein<br />

zusätzlicher Faktor für die Entlastung der<br />

Haftung als Vermittler, da der Versicherungsumfang<br />

für jeden Kunden individuell<br />

gestaltet werden kann. So bekommt und<br />

zahlt der Kunde nur das, was er auch<br />

wirklich braucht. Darüber hinaus gibt es<br />

aber auch noch andere Bestandteile des<br />

SI Immobilienschutzes, die zur Entlastung<br />

der Makler beitragen. Bei Einhaltung<br />

aller Obliegenheiten wird zum Beispiel<br />

vollständig auf den Einwand der groben<br />

Fahrlässigkeit verzichtet. Zudem werden<br />

mit der enthaltenen Innovations-Garantie<br />

alle zukünftigen Änderungen der Vertragsbedingungen<br />

automatisch mit eingeschlossen,<br />

sofern sie beitragsfrei und zum<br />

Vorteil des Kunden sind. Ähnlich ist es<br />

bei abweichenden Verbandsbedingungen.<br />

Wenn diese zum Vorteil des Kunden vom<br />

Tarif abweichen, wird auf Wunsch des<br />

Versicherungsnehmers nach den besseren<br />

Verbandsbedingungen reguliert.<br />

<strong>procontra</strong>: Welche Zielgruppen werden mit<br />

dem SI Immobilienschutz adressiert?<br />

Dogan: Der SI Immobilienschutz ist für<br />

alle Eigentümer von Mehrfamilienhäusern,<br />

Mischgebäuden (bestehend aus Wohn- und<br />

Geschäftseinheiten) sowie Geschäftsgebäuden<br />

geeignet. Eine bestimmte Zielgruppe<br />

wird dabei nicht adressiert, allerdings sind<br />

die oben genannten Versicherungssummengrenzen<br />

zu beachten.<br />

<strong>procontra</strong>: Wo können interessierte Makler<br />

mehr Informationen erhalten?<br />

Dogan: Interessierte Makler erhalten<br />

nähere Informationen direkt von ihrem<br />

regionalen Komposit-Spezialisten.<br />

https://maklerblog.signal-iduna.de/<br />

Anzeige<br />

87


BUSCHFUNK Sachwerte<br />

SACHWERTE<br />

TEILVERKAUF LIEGT IM TREND<br />

Immer mehr Eigentümer veräußern Immobilienanteile.<br />

Eigentümer von Immobilien setzen vermehrt auf den Teilverkauf: Zwischen dem<br />

ersten Halbjahr 2021 und dem ersten Halbjahr <strong>2022</strong> haben sich die Anfragen von<br />

Eigentümern nach einem Teilverkauf nahezu verzehnfacht. Das geht aus einer Analyse<br />

des Teilverkauf-Portals wertfaktor hervor. Das Prinzip des Teilverkaufs: Bis zu<br />

50 Prozent des Eigenheims werden zum aktuellen Marktwert an Anbieter wie wertfaktor<br />

veräußert. Dadurch können Eigentümer ihre Immobilie weiter bewohnen, sie<br />

aber auch mit dem neuen Miteigentümer weiterverkaufen. Vor allem Rentner setzen<br />

darauf, mit dieser Finanzierungsmethode Vermögen aus dem Haus in Bargeld umzuwandeln.<br />

23 Prozent der „Teilverkäufer“ wollen so Immobilien hypotheken ablösen<br />

– und 45 Prozent nutzen einen Teil des Erlöses, um laufende Kredite zu bedienen.<br />

Foto: Alvarez<br />

FÖRDERUNG STATT EIGENKAPITAL<br />

SPD will Erwerb von Eigentum erleichtern.<br />

Foto: Marcus Lindstrom<br />

Ein solides Einkommen ist mittlerweile für den Erwerb von Wohneigen<br />

tum kaum noch ausreichend. Nun plant die SPD eine neue<br />

Initiative, um den Immobilienerwerb zu erleichtern. „Es geht letztlich<br />

darum, Eigenkapital zu ersetzen“, sagte SPD-Generalsekretär<br />

Kevin Kühnert in der „Augsburger Allgemeinen“. Um Haushalten<br />

mit stabilem Einkommen, aber ohne große Rücklagen den Weg ins<br />

Eigentum zu ermöglichen, soll es ein staatliches Programm geben.<br />

Derzeit werde im Bauministerium der Vorschlag ausgearbeitet.<br />

IMMOBILIEN IMMER UNERSCHWINGLICHER<br />

Notwendiges Eigenkapital mehr als verdoppelt<br />

Steigende Immobilienpreise, teure Rohstoffe – und parallel klettern die Hypothekenzinsen<br />

in die Höhe: Nach dem aktuellen Marktkompass Baufinanzierung des Analyseinstituts<br />

SWI Finance ist der Immobilienkauf für immer mehr Bevölkerungsgruppen unerschwinglich.<br />

Demnach müssen viele Immobilienkäufer fast ihr komplettes Vermögen in<br />

ihre vier Wände investieren, um das „in <strong>2022</strong> durchschnittlich eingesetzte Eigenkapital<br />

aufzubringen“. Auf die steigenden Preise würden Interessenten reagieren, indem sie ihr<br />

Eigenkapital hochfahren. Dieses erhöhte sich von durchschnittlich 90.000 Euro im Jahr<br />

2016 auf 190.000 Euro <strong>2022</strong>. Parallel würden Schenkungen und Erbschaften immer<br />

wichtiger. Diese kalkuliert ein Drittel der Befragten mittlerweile mit ein.<br />

Foto: filmfoto<br />

88<br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22


Sachwerte BUSCHFUNK<br />

Catella Real Estate: Erwerb von 39 Wohnungen<br />

Catella Real Estate AG erwirbt für den offenen Immobilien-<br />

Spezial-AIF „Catella Dutch Residential II“ ein im Bau<br />

befindliches Objekt im Stadtzentrum von Oosterhout in den<br />

Niederlanden. Es verfügt über 39 Wohnungen mit einer<br />

vermietbaren Wohnfläche von 3.157 Quadratmetern.<br />

Foto: Bim<br />

Regel Nummer 1:<br />

Märkte beruhigen<br />

DR. ANDREAS MATTNER<br />

Präsident Zentraler Immobilien Ausschuss (ZIA)<br />

immobilie1.de: Neues Immobilienportal<br />

Aus einer Initiative mehrerer großer Immobilienmaklerunternehmen<br />

und des Immobilienverbands Deutschland<br />

(IVD) ist der neue Onlinemarktplatz für Immobilien immobilie1.de<br />

hervorgegangen. Auf diesem können Kaufinteressenten<br />

und Mieter Angebote vorab einsehen, bevor diese<br />

auf anderen Portalen erscheinen.<br />

One Group: Spezial-AIF mit Bestandsimmobilien<br />

Die Hamburger One Group weitet das eigene Produktportfolio<br />

aus und bietet erstmals einen ergänzenden Investitionsansatz<br />

für Bestandsimmobilien an. Der „ProReal<br />

Kapstadtring Hamburg“ ist als alternativer Investmentfonds<br />

für semiprofessionelle und institutionelle Investoren<br />

konzipiert und investiert in ein Gebäudeensemble am<br />

Kapstadtring in der Hamburger City Nord. Das Eigenkapital-Platzierungsvolumen<br />

beträgt 21,15 Millionen Euro.<br />

KGAL: Verkauf von Telefonzentrale in Bonn<br />

Die KGAL GmbH & Co. KG hat die in Bonn gelegene weltweite<br />

Firmenzentrale der Deutschen Telekom veräußert.<br />

Dabei agierte die Gesellschaft sowohl als Teileigentümer<br />

des Objekts als auch als Transaktionsberater für die Mehrheitseigentümer,<br />

mehrere südkoreanische institutionelle<br />

Investoren. Das 2017 teilsanierte Headquarter wurde von<br />

Art-Invest Real Estate erworben.<br />

Savills IM: Neues Research-Duo<br />

Savills Investment Management begrüßt zwei neue<br />

Mitglieder im europäischen Research-&-Strategy-Team.<br />

Christian Müller kommt als Head of Research & Strategy<br />

Germany, Ellen Heinrich als Senior Analyst Germany. Beide<br />

werden eng mit dem achtköpfigen globalen Research-<br />

Team sowie den lokalen europäischen Investmentteams<br />

zusammenarbeiten.<br />

Hansainvest: Neue Abteilungsleitung<br />

Vanessa Neumann ist neue Abteilungsleitung Property<br />

Management bei Hansainvest Real Assets. Zuletzt agierte<br />

sie als Gruppenleiterin beim Dienstleister Brunata. Mit der<br />

neuen Position übernimmt sie die Verantwortlichkeit von<br />

Madlen Fiedler, die sich künftig voll auf die Themen ESG<br />

und Corporate Services fokussieren wird.<br />

Foto: Sebastian Kopelsky (ONE GROUP)<br />

Foto: Getty Images<br />

Mehr als ein Jahrzehnt kannte die Immobilienwirtschaft<br />

nur eine Richtung – nach oben. Nach den<br />

geopolitischen Verwerfungen und den deutlich<br />

anziehenden Zinsen sprechen viele davon, dass<br />

die Party nun vorbei sei. In der Tat kämpfen viele<br />

Projektentwickler mit steigenden Finanzierungskosten,<br />

explodierenden Materialpreisen und Fachkräftemangel.<br />

Das alles sind Themen, bei denen<br />

nicht nur die Immobilienwirtschaft, sondern auch<br />

die Politik in der Pflicht steht, Lösungen zu finden.<br />

Auch in härteren Zeiten ist sicher: Sachwerte –<br />

und insbesondere Immobilien – werden weiter<br />

attraktive Investments bleiben. Nach jahrelanger<br />

Nullzinspolitik droht sich die tückische Kombination<br />

aus steigenden Preisen und Miniwachstum<br />

zu einer üblen Gemengelage zu verbinden. Das<br />

Schreckenswort „Stagflation“ macht wieder die<br />

Runde. Fakt ist, dass aktuell Ersparnisse auf Giround<br />

Tagesgeldkonten durch negative Realverzinsung<br />

rasant an Wert verlieren. Die angekündigte<br />

Leitzinserhöhung durch die EZB wird der Kapitalentwertung<br />

nur wenig entgegensetzen.<br />

Genau hier setzen Sachwerte an: Als Güter mit<br />

einem inhärenten Wert können sie sich weitgehend<br />

unabhängig von Aktien- oder Anleihemärkten<br />

entwickeln. Mit dieser Sonderposition dienen<br />

sie als zusätzliche Säule im Vermögensaufbau<br />

und zur Absicherung in Krisenfällen. Während<br />

Finanzwerte wie Anleihen im Umfeld hoher Inflation<br />

überwiegend real an Wert verlieren, bleibt<br />

der reale Preis von Sachwerten meist stabil oder<br />

steigt. Trotz der Unruhen in den Märkten bieten<br />

Immobilien somit die Chance, sich vor inflationsbedingter<br />

Vermögensminderung zu schützen und<br />

gleichzeitig zur Kapitalvermehrung beizutragen.<br />

Die übergreifende Botschaft: Nervosität ist sicher<br />

nicht die Haltung der Stunde. Eine taugliche<br />

Devise ist vielmehr „Die Märkte beruhigen – die<br />

Normalität wird wiederkommen!“<br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />

89


SACHWERTE Kunstversicherung<br />

»Kunstsammler ticken<br />

sehr unterschiedlich«<br />

Kunst wird als Wertanlage immer beliebter. Wie man die Zielgruppe erschließt<br />

und welche Besonderheiten in der Absicherung zu beachten sind,<br />

erläutert Makler Dr. Stephan Zilkens im <strong>procontra</strong>-Gespräch.<br />

– TEXT: ANNE MAREILE WALTER –<br />

<strong>procontra</strong>: Sie beraten seit vielen Jahren als<br />

Makler eine internationale Kunstsammler-<br />

Szene. Wie kam es zu dieser Spezialisierung?<br />

Stephan Zilkens: Das Studium gab den<br />

Ausschlag. Ich habe Kunstgeschichte studiert<br />

und durfte nach dem Abschluss bei<br />

dem Versicherer Nordstern, den es damals<br />

noch gab, die Abteilung Kunstversicherung<br />

mit aufbauen. Die Spezialisierung entstand<br />

also aus einer Bereitschaft heraus, aus dem<br />

klassischen Kunstgeschichtskanon den<br />

Weg in die Wirtschaft zu gehen. Seit 1983<br />

bin ich in diesem Segment unterwegs, mit<br />

einer Unterbrechung zwischen 1990 und<br />

2010. Da habe ich mich mit den Bereichen<br />

Industrieversicherung und erneuerbare<br />

Ener gien beschäftigt. 2010 folgte der<br />

Sprung in die Selbstständigkeit mit der<br />

Beratung zur Kunstversicherung.<br />

<strong>procontra</strong>: Die Selbstständigkeit war bewusst<br />

gewählt?<br />

Zilkens: Nein. In der Kunstgeschichte gibt<br />

es immer eine Fülle von Absolventen, und<br />

die strömen in der Regel alle in dieselben<br />

Richtungen – entweder an die Universität,<br />

ins Museum oder in die Denkmalpflege.<br />

Da sind die Stellen knapp. Für mich war<br />

als Alternative damals klar: Dann wirst<br />

du Taxifahrer. Ich habe viele Reiseleitungen<br />

gemacht und bin dabei schließlich<br />

auf einen Menschen gestoßen, der sagte:<br />

„Können Sie es sich nicht vorstellen,<br />

Versicherungen zu verkaufen, statt Taxi zu<br />

fahren?“ Ich dachte: „Ob Versicherungen<br />

oder Taxifahren – das ist doch ziemlich<br />

ähnlich.“ Dann habe ich aus irgendwelchen<br />

Gründen Feuer gefangen.<br />

90 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22


Kunstversicherung SACHWERTE<br />

<strong>procontra</strong>: Wie tickt die Zielgruppe der<br />

Kunstsammler und Galeristen? Und wie<br />

viel Kunst-Know-how ist für eine gute<br />

Beratung nötig?<br />

Zilkens: Die Zielgruppe tickt sehr unterschiedlich.<br />

Sie reicht vom introvertierten,<br />

geheimnisvollen, auf höchste Diskretion<br />

achtenden Menschentypus bis hin zum extrovertierten<br />

Sammler, der sagt: „Ich zeige<br />

alles, was ich habe.“ Dazwischen gibt es<br />

alle Schattierungen, die man sich vorstellen<br />

kann. Und dann gibt es noch die Gruppe<br />

der Investoren, die eine Fülle von Beratern<br />

um sich haben, über die sie versuchen,<br />

Anlageentscheidungen abzusichern. Die<br />

Zielgruppe gewinnt man vor allem über<br />

Kompetenz.<br />

<strong>procontra</strong>: Wie erschließen Sie sich die<br />

spezielle Zielgruppe?<br />

Zilkens: Wir erreichen sie vor allem auf<br />

Kunstmessen, auch in Galerien trifft man<br />

auf den einen oder anderen Sammler. Und<br />

nach einer gewissen Zeit ist das Gesicht<br />

mit dem Beruf verbunden, man wird<br />

angesprochen. Auf der Biennale in Venedig<br />

bekommt man Zugang zur internationalen<br />

Klientel. Wir haben Kunden in Belgien,<br />

Holland, Katar und Jordanien – auch in<br />

der Ukraine.<br />

<strong>procontra</strong>: Sie sprechen von unterschiedlichen<br />

Sammlertypen, die zu ihrer Klientel<br />

gehören. Gibt es eine Anekdote aus Ihrem<br />

Beratungsalltag, die Ihnen besonders im<br />

Gedächtnis geblieben ist?<br />

Zilkens: Da ist es fast schon schwierig,<br />

eine bestimmte Sache herauszusuchen.<br />

Aber es gibt ein Erlebnis, das mir<br />

besonders im Gedächtnis geblieben ist.<br />

Und zwar hat Tizian (ein Künstler der<br />

Renaissance, Anm. d. Red.) ein Gemälde,<br />

die Maria Magdalena, mehrfach<br />

gemalt. Das Bild gibt es einmal in St.<br />

Petersburg, einmal in San Francisco und<br />

zweimal in Italien. In den 80er-Jahren<br />

rief mich ein Sammler an, der am Telefon<br />

sehr geheimnisvoll tat und sagte, dass<br />

er mir etwas Besonderes zeigen wolle.<br />

Ich fuhr zu ihm und hatte plötzlich ein<br />

vermeintlich fünftes Exemplar der Maria<br />

Magdalena vor der Nase, das ziemlich<br />

echt aussah. Damals spielte kunsthistorische<br />

Provenienz (das wissenschaftliche<br />

Erschließen der Herkunft eines Bildes,<br />

Anm. d. Red.) noch keine so große Rolle.<br />

Letztlich wollte der Sammler erreichen,<br />

dass der Versicherer einen möglichst<br />

hohen Wert für das Gemälde ansetzt, um<br />

dann einem potenziellen Käufer sagen zu<br />

können: „Der Versicherer akzeptiert das<br />

Werk zu dem Wert, und das ist es auch<br />

wert.“ Aber der Versicherer kann nur im<br />

Schadenfall die Summe zur Verfügung<br />

stellen, die er für adäquat hält – er ist<br />

kein Werttransformator. Ob das Werk<br />

tatsächlich ein Original war, habe ich nie<br />

erfahren. Es ist in irgendeinem Banktresor<br />

verschwunden.<br />

<strong>procontra</strong>: Wie häufig kommt es zu Streitfällen<br />

in Versicherungsfragen?<br />

Zilkens: Das passiert immer wieder, und in<br />

Bezug auf die Schäden gibt es auch immer<br />

wieder schwierige Streitfälle. Schäden,<br />

die aus einer natürlichen Beschaffenheit<br />

heraus entstehen, können nicht gedeckt<br />

werden. Nehmen wir als Beispiel die<br />

»Restauratoren werden<br />

versicherungstechnisch<br />

wie Handwerker<br />

behandelt.«<br />

Schokoladenkunstwerke von Dieter<br />

Roth, zu denen kleine Schokoladenkäfer<br />

gehören, die die Schokolade auffressen.<br />

Die Schokoladenkäfer sind Teil der natürlichen<br />

Beschaffenheit des Kunstwerks.<br />

Käme aber ein Kind vorbei und würde die<br />

Schokolade abkratzen, dann wäre das ein<br />

Schaden. Oder: Eine alte, brüchige Leinwand<br />

kann nur unter ganz bestimmten<br />

Bedingungen transportiert werden. Die<br />

Gefahr wird auf dem Transport nicht als<br />

solche eingeschätzt, die Leinwand reißt<br />

auf dem Transportweg, weil normale Vibration<br />

und Material sich nicht vertragen.<br />

Auch das ist ein Schaden, der aus der natürlichen<br />

Beschaffenheit des Kunstwerks<br />

entstanden ist und für den der Versicherer<br />

nicht leisten muss.<br />

<strong>procontra</strong>: Sie beraten Sammler, Galeristen,<br />

Restauratoren – worin bestehen die Unterschiede<br />

beim Versicherungsschutz?<br />

Zilkens: Restauratoren werden versicherungstechnisch<br />

wie Handwerker<br />

behandelt. Wenn der Restaurator etwas<br />

kaputtmacht, muss er nachbessern. Erfüllungsschäden<br />

gibt es nur bedingt und<br />

auch nicht mit hohen Summen. Und egal<br />

ob Museum oder Privatsammler – es ist<br />

immer eine Allgefahrendeckung vorhanden.<br />

Alle Risiken sind versicherbar, mit<br />

Ausnahme von Krieg, Streik, Aufruhr,<br />

Eingriffen von hoher Hand oder staatlicher<br />

Verfügung. Dabei ist die Deckung<br />

vom Grundsatz her gleich, der Unterschied<br />

liegt in der Prämie. So zahlt die Galerie der<br />

Versicherung eine deutlich höhere Prämie<br />

als ein Privatsammler.<br />

<strong>procontra</strong>: Welche Schäden werden in der<br />

Kunstsammler- und Galeristenszene am<br />

häufigsten angezeigt?<br />

Zilkens: Das ist vor allem der Diebstahl.<br />

Das passiert in erster Linie bei Kunst, die<br />

von sich heraus einen hohen Materialwert<br />

besitzt, bei der beispielsweise Gold, Silber<br />

oder Edelsteine eingesetzt sind. Ein Hauptrisiko<br />

sind aber auch Beschädigungen<br />

durch Vandalismus. Also: Jemand steigt<br />

ins Haus ein, ärgert sich, dass er nichts findet,<br />

und fängt an, die Kunst zu zerstören.<br />

Ein anderes hohes Schadenaufkommen<br />

resultiert aus schlecht ausgewählten Transportunternehmen.<br />

Um Kunst zu transportieren,<br />

muss man eine ganze Menge davon<br />

verstehen. Und die Paketdienste verstehen<br />

davon nichts, sind aber billig und werden<br />

deshalb gerne genutzt.<br />

<strong>procontra</strong>: Wird es in absehbarer Zeit Versicherungslösungen<br />

für digitale Entwicklungen<br />

auf dem Kunstmarkt geben, etwa<br />

für NFTs?<br />

Zilkens: Das ist schwer einzuschätzen,<br />

im Moment gibt es da noch keine Lösung.<br />

Cyberversicherungen könnten<br />

helfen, wenn sie bereit wären, sich darauf<br />

einzulassen. Das sind sie aber nicht. Die<br />

Cyberversicherer sagen: Die Angriffe auf<br />

Unternehmen können wir nachvollziehen<br />

und da wissen wir, welche Produktionsausfälle<br />

passieren. Aber bei einem NFT, der<br />

an einem Tag 800 Dollar und am nächsten<br />

64 Millionen Dollar kostet – da stottern<br />

die schon bei den Summen.<br />

<strong>procontra</strong>: Stichwort Rekordinflation:<br />

Wird in der aktuellen Krisenzeit vermehrt<br />

in Kunst investiert? Spüren Sie das an der<br />

Nachfrage?<br />

Zilkens: Wir haben viele institutionelle<br />

Anleger als Kunden, die Kunst als ein<br />

Anlagevehikel nutzen und ansonsten in<br />

Immobilien, Gold und Aktienpakete investieren.<br />

Das ist für uns ein Thema. Aber<br />

es ist schwer, da eine direkte Kausalität<br />

herzustellen. <br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />

91


SACHWERTE Bausparverträge<br />

RENAISSANCE<br />

DER BAUSPARKASSEN?<br />

Bausparverträge büßen seit Jahren an Attraktivität ein. Der Klimawandel und steigende<br />

Zinsen geben ihnen nun eine zweite Chance. Wann der Klassiker sich (nicht) lohnt<br />

– TEXT: ERIKA NEUFELD –<br />

92 Illustration: Roman Kulon


Bausparverträge SACHWERTE<br />

Die Energiepreise gehen durch die Decke.<br />

Im Vergleich zum Jahr 2019 haben sich<br />

Strom um 28 Prozent, Gas und Öl um rund<br />

100 Prozent verteuert. Mit energetischen<br />

Sanierungen können die Kosten deutlich<br />

gesenkt werden. So spart eine klimaneutrale<br />

Heizung bis zu 40 Prozent der Heizkosten<br />

ein. Kein Wunder also, dass immer<br />

mehr Eigentümer planen, ihr Wohneigentum<br />

in den nächsten Jahren energetisch auf<br />

Vordermann zu bringen.<br />

Doch sind Sanierungsmaßnahmen oft<br />

mit hohen Kosten verbunden, die finanziert<br />

werden müssen. Und Finanzierungen werden<br />

mit steigenden Zinsen wieder teurer.<br />

Bausparverträge, deren Bestand in den<br />

letzten Jahren deutlich zurückgegangen<br />

ist, rücken nun wieder in den Fokus. Das<br />

zeigt auch eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens<br />

Kantar, die<br />

im Auftrag des Verbands der Privaten Bausparkassen<br />

erstellt wurde. Demnach halten<br />

26 Prozent der Deutschen Bausparverträge<br />

für eine Top-Geldanlage. Bausparverträge<br />

liegen damit gleichauf mit Immobilien. Aktien<br />

und Investmentfonds lassen sie sogar<br />

hinter sich.<br />

»Die wenigsten<br />

Ratsuchenden<br />

fragen von<br />

sich aus nach<br />

Bausparverträgen.«<br />

RUDOLF FEINER, FINANZBERATER<br />

Das sah lange Zeit ganz anders aus: In den<br />

letzten 20 Jahren ist der Bestand an Bausparverträgen<br />

um rund 28 Prozent zurückgegangen.<br />

So verzeichneten Bausparkassen<br />

im Jahr 2001 noch insgesamt 32,5 Millionen<br />

Verträge. 2021 hingegen fanden sich<br />

nur noch 23,8 Millionen Bausparverträge<br />

im Bestand. Der niedrige Zins der letzten<br />

Jahre, aber auch Kündigungen alter Verträge<br />

durch die Bausparkassen, hätten das<br />

Bausparen für viele Kunden unattraktiv gemacht,<br />

analysiert Rudolf Feiner, Finanzberater<br />

aus Wangen im Allgäu, den Schwund.<br />

Das habe dazu geführt, dass die Produkte<br />

bei vielen Menschen aus dem Blickfeld geraten<br />

sind. Seine Erfahrung aus der Praxis:<br />

„Die wenigsten Ratsuchenden fragen von<br />

sich aus nach Bausparverträgen.“<br />

ENERGETISCHE SANIERUNGEN ALS TREIBER<br />

Doch der Klimawandel und steigende Energiepreise<br />

könnten die Kehrtwende bringen:<br />

Mit dem Interesse an energetischen Sanierungen<br />

wächst auch das nach günstigen Finanzierungen.<br />

Darauf reagieren die ersten<br />

Bausparkassen. Um die Chancen, die hierin<br />

liegen, noch besser zu nutzen, böten einige<br />

bereits spezielle Tarifvarianten an – etwa<br />

Zinsvorteile bei energetischen Modernisierungen<br />

oder Klima-Boni in Form einer<br />

(Teil-)Rückerstattung der Abschlussgebühr<br />

–, berichtet Christian König, Hauptgeschäftsführer<br />

des Verbands der Privaten<br />

Bausparkassen. So bietet Wüstenrot je nach<br />

Tarif einen Klimabonus in Höhe von 300<br />

Euro. Schwäbisch Hall dagegen belohnt<br />

Sparer, die ein Bauspardarlehen für energetische<br />

Modernisierungen abschließen, mit<br />

einem Zinsvorteil von 0,15 Prozent. Weitere<br />

Bausparkassen ziehen nach. Zusätzliche<br />

Anreize bieten auch staatliche Zulagen,<br />

wie etwa die erst im Jahr 2021 erhöhte<br />

Wohnungsbauprämie. Mit 70 bis 140 Euro<br />

pro Jahr fördert der Staat den Wohnungsbau<br />

– die Zulagen können auch für energetische<br />

Sanierungen genutzt werden.<br />

Die erhöhte Nachfrage schafft Raum<br />

für Absatzfantasien. Dennoch haben Bausparverträge<br />

bei vielen Beratern nach wie<br />

vor Exotenstatus. Und zwar aus mehreren<br />

Gründen, wie eine Nachfrage bei einigen<br />

Beratern ergab: Zum einen sind die Produkte<br />

hochkomplex und damit beratungsintensiv.<br />

Zum anderen besteht die Gefahr,<br />

die Konditionen falsch zu berechnen. Da<br />

für das Haus der Zukunft gespart wird,<br />

können die dafür benötigten Mittel nur<br />

geschätzt werden. Wird eine zu große Bausparsumme<br />

vertraglich festgelegt, können<br />

hohe Sparraten oder Verschiebungen bei<br />

der Zuteilungsreife die Folge sein. Aber<br />

auch bei Sofortfinanzierungen über Bausparverträge,<br />

einer Verknüpfung von Bauspar-<br />

und Darlehensverträgen, kommt es<br />

häufiger zu Verzögerungen bei der Zuteilung<br />

der Bausparsumme, weil die beiden<br />

Verträge nicht ausreichend aufeinander abgestimmt<br />

sind. Eine mögliche Konsequenz:<br />

Der Kunde muss den geplanten Baubeginn<br />

oder die Sanierungsmaßnahmen verschieben.<br />

Entsteht ihm dabei ein finanzieller<br />

Schaden, haftet im Zweifel der Berater.<br />

WOHNUNGSBAUFINANZIERUNG<br />

Baugeldauszahlungen 2020<br />

Sparkassen89,2<br />

Genossenschaftsbanken71,0<br />

Kreditbanken64,2<br />

Bausparkassen40,8<br />

Lebensversicherungen10,0<br />

Realkreditinstitute9,7<br />

Landesbanken2,1<br />

Angaben in Mrd. €<br />

Quelle: Verband der Privaten Bausparkassen<br />

TOP-GELDANLAGEN <strong>2022</strong><br />

Wie sparen die Deutschen?<br />

Girokonto42<br />

Sparbuch/Spareinlagen35<br />

Renten- und Kapital-LV 29<br />

Bausparvertrag26<br />

Immobilien26<br />

Investmentfonds25<br />

Aktien23<br />

Riester-Rente19<br />

Tagesgeldkonto u. Ä. 19<br />

Festverzinsliche Wertpapiere 7<br />

Angaben in %, Mehrfachnennungen möglich<br />

Quelle: Kantar<br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />

93


SACHWERTE Bausparverträge<br />

»Bausparer schaffen Planungssicherheit«<br />

JÜRGEN ERTEL, Regionalleiter bei Baufi24<br />

SKEPSIS BEI BERATERN<br />

Björn Olbrich, Geschäftsführer von TBO<br />

Versicherungsmakler, steht Sofortfinanzierungen<br />

ebenfalls eher zurückhaltend gegenüber<br />

– auch aus Kundensicht. So seien<br />

die Zinsen hier zuletzt deutlich schneller<br />

gestiegen, als dies bei den Annuitätendarlehen<br />

der Banken zu beobachten war. „Wir<br />

bekommen fast täglich Mitteilungen der<br />

Bausparkassen über Zinserhöhungen, und<br />

die liegen teilweise bei mehr als 5 Prozent<br />

nominal“, führt Olbrich aus. Die größte<br />

Hürde sieht der Makler jedoch in der<br />

sehr hohen Tilgung, die Bausparkassen<br />

für Sofortfinanzierungen über Bausparverträge<br />

verlangen. „Dadurch lohnt es sich<br />

bei größeren Summen von 100.000 Euro<br />

oder mehr für die meisten Menschen kaum<br />

noch, einen Bausparer für eine künftige Finanzierung<br />

abzuschließen.“<br />

Anders sieht es dagegen aus, wenn der<br />

Zeithorizont größer ist. Auch der ange<strong>procontra</strong>:<br />

Bausparkassen verzeichnen wieder<br />

mehr Zulauf – allerdings nicht nur zur Finanzierung<br />

von Immobilien, sondern überwiegend zur<br />

energetischen Sanierung. Sehen auch Sie in der<br />

Praxis ein verstärktes Interesse an Bausparverträgen?<br />

Jürgen Ertel: Bausparkassen stellen Bauspardarlehen<br />

in einer Größenordnung bis 30.000<br />

Euro ohne Besicherung im Grundbuch. Voraussetzung<br />

dafür ist es, mindestens drei Jahre<br />

Eigentümer der Immobilie zu sein. So können<br />

Eigenheimbesitzer energetische Sanierungsprojekte<br />

zeitnah in Angriff nehmen, ohne sich auf<br />

zusätzliche Kosten für Grundbucheintragung<br />

und Darlehensabschluss einstellen zu müssen.<br />

Wir beobachten verstärkt zunehmendes<br />

Umwelt- und Energiekostenbewusstsein bei<br />

unseren Kunden. In den Fokus rückt die Frage,<br />

wie man künftig Kosten sparen und gleichzeitig<br />

ökologisch nachhaltig agieren kann. Bausparverträge<br />

stellen eine hervorragende Option dar,<br />

um zeitnah Planungssicherheit zu schaffen.<br />

<strong>procontra</strong>: Viele Finanzberater vermitteln keine<br />

Bausparverträge mehr, da sie „nicht ins Geschäftsmodell<br />

passen“. Was meinen Sie, woran<br />

könnte das liegen?<br />

Ertel: Die Vermittlung von Bausparverträgen war<br />

in den vergangenen zwölf Jahren aufgrund des<br />

Niedrigzinsumfelds selten vorteilhaft für Kunden.<br />

Mit der Neuordnung der Zinssituation reizt die<br />

Garantie auf ein zinsgünstiges Darlehen immer<br />

mehr Menschen. Läuft die Festzinsbindung der<br />

Baufinanzierung in fünf oder zehn Jahren dann<br />

aus, stellen Bausparkassen zumeist grundbuchliche<br />

Nachrangdarlehen. Für den Kunden<br />

bedeutet das bei der Anschlussfinanzierung<br />

oftmals wesentlich günstigere Konditionen.<br />

<strong>procontra</strong>: Worauf achten Sie, wenn Sie Ihre<br />

Kunden zu Bausparverträgen beraten? Wo<br />

lauern dabei Stolperfallen?<br />

Ertel: Unsere Beratung richtet sich nach den<br />

Wünschen und dem Bedarf der Kundinnen und<br />

Kunden – angebotene Finanzprodukte müssen<br />

jene abdecken. Bausparverträge sollten von den<br />

Beratenden nicht einfach als „Add-on“ zur Beratung<br />

hinzugefügt werden. Wer in vier Jahren<br />

energetisch sanieren möchte, kann die Kosten<br />

recht gut abschätzen. Wer hingegen in zehn<br />

Jahren ein Haus kaufen möchte, wird den Kaufpreis<br />

für gewöhnlich nicht kennen. In diesem Fall<br />

kann auch eine Bausparsumme nicht eindeutig<br />

beziffert werden. Das Verhältnis zwischen den<br />

Raten in der Anspar- und Darlehensphase muss<br />

zueinander passen, anderenfalls folgt bei der<br />

Rückzahlung der Bausparrate das böse Erwachen,<br />

da die Rückzahlungsquoten klar geregelt<br />

sind.<br />

hobene Leitzins sorgt für zusätzlichen<br />

Rückenwind. Denn mit den steigenden<br />

Zinsen wird die Baufinanzierung immer<br />

kostspieliger. Gerade weil Bausparkassen<br />

unabhängig vom Markt agieren, können sie<br />

dauerhaft niedrigere Zinsen anbieten. Aus<br />

diesem Grund hält Finanzberater Feiner<br />

es aktuell auch für sinnvoll, Kunden die<br />

Vorteile des Bausparens aufzuzeigen. Dem<br />

pflichtet auch Kai Weber, Finanzberater<br />

und Bausparexperte bei Dr. Klein, bei. Weber<br />

ist vom Potenzial überzeugt und sieht<br />

Bausparverträge grundsätzlich als gute Produkte.<br />

Verbesserungsbedarf beim Produkt selbst<br />

sieht er nicht, stattdessen aber Handlungsbedarf<br />

bei den Beratungen. Diese müssten<br />

verbraucherfreundlicher und verständlicher<br />

ausgestaltet werden. „Viele Sparer wissen<br />

nicht, wie ein Bausparvertrag tatsächlich<br />

funktioniert“, hat Weber beobachtet. Da<br />

müssten Berater nachhelfen: die Mecha-<br />

nismen des Bausparens erklären und die<br />

individuellen Vor- und Nachteile objektiv<br />

aufzeigen. <br />

PRO<br />

BAUSPARVERTRÄGE STÄRKER<br />

BERÜCKSICHTIGEN?<br />

Energetische<br />

Sanierungen fördern<br />

die Nachfrage<br />

Steigende Marktzinsen<br />

beflügeln<br />

Zinssicherung mit<br />

Bausparvertrag<br />

Je nach Tarif und<br />

Vertrieb winken attraktive<br />

Provisionen<br />

CONTRA<br />

Verträge sind<br />

hochkomplex<br />

Risiko der Falschberatung<br />

und eines<br />

Beratungshaftungsfalls<br />

Verlust der Provision<br />

durch frühzeitige<br />

Kündigung<br />

94 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22


April / Mai 2018 – D: 4,80 € • I: 6,50 € • E: 6,50 €<br />

Cover.indd 1 12.<strong>04</strong>.18 –15 11:26<br />

DSGV<br />

oooh!<br />

DSGVO | Multi-Asset-Strategien |Nachhaltige Anlagen | bAV-Impulse | Gewerbe-Vergleichsrechner | Simplizität | Vergütung der Zukunft | Eigenheimpolicen | Grundsteuer<br />

www.<strong>procontra</strong>-online.de<br />

FINANZEN<br />

Das freie Finanzmagazin<br />

2018<br />

#02<br />

Für alle, bei denen die Buchstaben DSGVO<br />

kein blankes Entsetzen hervorrufen.<br />

Datenschutz – wie Makler<br />

jetzt agieren müssen<br />

Bestellbar unter:<br />

www.<strong>procontra</strong>-online.de/printarchiv<br />

#02 | 2018<br />

April / Mai 2018<br />

Multi-Asset-Fonds<br />

Gewerbekunden<br />

Eigenheimpolicen<br />

Stressresistente Strategien, die<br />

Attraktive Klientel, die über<br />

Notwendiger Schutz, um die<br />

für die beste Mischung im Depot<br />

professionelle Vergleichsrechner<br />

eigenen vier Wände umfassend<br />

sorgen<br />

gewonnen werden kann<br />

abzusichern<br />

<strong>procontra</strong> – Das freie Finanzmagazin


SACHWERTE Grundsteuer<br />

VON GRUND AUF ERNEUERT<br />

Die Berechnung der Grundsteuer wird reformiert. Bis Ende Oktober müssen<br />

Immobilieneigentümer aktiviert werden. Finanzberatern liefert die Neuerung<br />

einen Anlass zur Information und weiterführenden Beratung.<br />

– TEXT: STEFAN TERLIESNER –<br />

In diesem Sommer haben Finanzberater<br />

einen dringlichen Aufhänger für Kundengespräche.<br />

Zumindest bei ihren Besitzern<br />

und Eigentümern von Immobilien. Aktuell<br />

erhalten jene nämlich Post vom Finanzamt.<br />

Bis Ende Oktober müssen sie für ihren<br />

Grundbesitz eine neue Steuererklärung<br />

abgeben. Die Reform der Berechnung der<br />

Grundsteuer erfordert das. Zum Grundbesitz<br />

gehören Grundstücke einschließlich<br />

der Gebäude sowie Betriebe der Land- und<br />

Forstwirtschaft. Gezahlt wird die Grundsteuer<br />

von den Immobilienbesitzern. Im<br />

Fall der Vermietung kann die Belastung<br />

über die Betriebskosten auf die Mieter umgelegt<br />

werden.<br />

REFORMZIEL: MEHR GERECHTIGKEIT<br />

Die finanziellen Konsequenzen für Eigentümer<br />

und Mieter sind noch nicht ganz klar<br />

und unterscheiden sich in einigen Bundesländern<br />

auch noch. Aber Immobilienexperten<br />

wie Ralph Kinnart von der B&K<br />

Vermögen betonen: „In der Praxis werden<br />

einige Eigentümer deutlich mehr zahlen,<br />

96 Illustration: Roman Kulon


Grundsteuer SACHWERTE<br />

SO ERRECHNET SICH<br />

DIE GRUNDSTEUER *<br />

Beispiel: Einfamilienhaus mit 120 qm,<br />

Mietniveaustufe 4, Baujahr 1960<br />

Formel: Grundsteuer = Grundsteuerwert x Steuermesszahl<br />

in % x Hebesatz *<br />

gute Lage<br />

Einfamilienhaus<br />

120 qm<br />

Bodenrichtwert: 400 €<br />

310.100 €<br />

x<br />

0,031 %<br />

x<br />

421 % *<br />

=<br />

4<strong>04</strong>,71 € / Jahr<br />

mittlere Lage<br />

Einfamilienhaus<br />

120 qm<br />

Bodenrichtwert: 200 €<br />

217.200 €<br />

x<br />

0,031 %<br />

x<br />

421 % *<br />

*<br />

Berechnung nach Bundesmodell. ** Es wird unterstellt, dass die Gemeinde<br />

ihren Hebesatz von 480 auf 421 Prozent senkt, um ihre Grundsteuereinnahmen<br />

konstant zu halten.<br />

Quelle: Bundesministerium der Finanzen<br />

andere dafür weniger.“ Das war die Vorgabe<br />

des Bundesverfassungsgerichts. Die<br />

Steuer sollte gerechter werden. Die bisherige<br />

Berechnung basiert auf alten Grundstückswerten,<br />

den Einheitswerten – im<br />

Westen aus dem Jahr 1964, im Osten werden<br />

die Grundstücke nach ihren Werten im<br />

Jahr 1935 taxiert. Da sich die Werte von<br />

Grundstücken und Gebäuden seitdem im<br />

gesamten Bundesgebiet sehr unterschiedlich<br />

entwickelt haben, kommt es zu steuerlichen<br />

Ungleichbehandlungen, die laut<br />

einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts<br />

von 2018 nicht mehr mit dem Grundgesetz<br />

zu vereinbaren sind.<br />

Also muss jetzt neu gerechnet werden.<br />

Und ab dem 1. Januar 2025 wird dann<br />

die Grundsteuer auf Grundlage des neuen<br />

Rechts erhoben. Für Finanzberater ist die<br />

Steuerreform ein Anlass zum Kundengespräch.<br />

Sie können ihren Klienten mit Immobilienbesitz<br />

bei der einen oder anderen<br />

Frage einen Tipp zum Vorgehen geben.<br />

Möglicherweise kann im Gespräch und auf<br />

Basis der gesammelten Daten bereits abgeschätzt<br />

werden, ob ab 2025 jeden Monat<br />

mehr Grundsteuer fällig wird oder sogar<br />

=<br />

283,47 € / Jahr<br />

Liquidität frei wird, die dann zum Beispiel<br />

für Absicherung oder Vorsorge genutzt<br />

werden könnte.<br />

EIGENTÜMER MÜSSEN AKTIV WERDEN<br />

Mit der Reform führt das Bundesfinanzministerium<br />

neue Regeln ein. „Der gesamte<br />

Grundbesitz in Deutschland wird auf den<br />

Stichtag 1. Januar <strong>2022</strong> neu bewertet“, so<br />

die Behörde. Hierfür sollen die Eigentümer<br />

eine Erklärung zur Feststellung des Grundsteuerwerts<br />

elektronisch an das zuständige<br />

Finanzamt übermitteln. Zu den benötigten<br />

Daten gehören für Wohnimmobilienbesitzer<br />

zum Beispiel die Nummer des Flurstücks,<br />

die Wohnfläche und das Baujahr.<br />

Viele Daten lassen sich aus dem Kaufvertrag,<br />

dem Grundbuchauszug und der Teilungserklärung<br />

entnehmen. Zu den Bodenrichtwerten<br />

informieren sich Eigentümer<br />

kostenlos über die mittlerweile eingerichteten<br />

Internetportale der einzelnen Bundesländer<br />

(siehe auch Checkliste).<br />

In den Verhandlungen musste die Bundesregierung<br />

auf die Länder zugehen und<br />

einer Öffnungsklausel zustimmen; vor<br />

allem Bayern hatte Druck gemacht. Von<br />

der Möglichkeit, abweichende landesspezifische<br />

Regelungen einzuführen, haben dann<br />

fünf Länder Gebrauch gemacht: Baden-<br />

Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen<br />

und Niedersachen. Im Ergebnis gibt es nun<br />

fünf unterschiedliche Modelle, welche Angaben<br />

Eigentümer machen müssen. Besitzer<br />

von Immobilien in unterschiedlichen Bundesländern<br />

müssen dies beachten und im<br />

Zweifel beim zuständigen Finanzamt nachfragen.<br />

AKTUALISIERUNG ALLE SIEBEN JAHRE<br />

Elf Bundesländer nutzen das Bundesmodell.<br />

Hier orientiert sich die Grundsteuer<br />

am Wert des Grundbesitzes auf der Basis<br />

der Bodenrichtwerte. Die Grafik „So errechnet<br />

sich die Grundsteuer“ zeigt, wie<br />

sich der Wert einer flächenidentischen Immobilie<br />

je nach Lage auf die zu zahlende<br />

Grundsteuer auswirkt: Wertvollere Immobilien<br />

gehen mit höheren Steuerzahlungen<br />

einher. Objekte des sozialen Wohnungsbaus<br />

und Wohnungsgenossenschaften werden<br />

unter bestimmten Bedingungen steuerlich<br />

begüns tigt. Weil sich Immobilienwerte<br />

im Laufe der Zeit verändern, soll die Bewertung<br />

– wie ebenfalls vom Bundesverfassungsgericht<br />

gefordert – alle sieben Jahre<br />

automatisch aktualisiert werden.<br />

Vor allem Bayern geht einen Sonderweg.<br />

Hier sind die Fläche und die Nutzung der<br />

Fläche entscheidend. Der Wert des Grundbesitzes<br />

spielt keine Rolle. Damit zahlt ein<br />

Hausbesitzer in der Stadt den gleichen Steuerbetrag<br />

wie ein Eigentümer des gleichen<br />

Hauses auf dem Land. Hessen und Niedersachen<br />

folgen dem bayerischen Modell, berücksichtigen<br />

aber noch die Lage über den<br />

Bodenrichtwert. Baden-Württemberg hat<br />

eine Kombination aus Grundstücksfläche<br />

und Bodenrichtwert eingeführt. Hamburg<br />

berücksichtigt explizit die Wohnlage.<br />

ERHÖHTER KOMMUNALER HEBESATZ<br />

Für die Gemeinden in Deutschland ist die<br />

Grundsteuer eine wichtige Einnahmequelle.<br />

Über einen Hebesatz können sie dafür<br />

sorgen, dass mehr oder weniger Geld in die<br />

Kasse fließt. Derzeit sind es bundesweit 15<br />

Milliarden Euro jährlich. Diese Mittel dienen<br />

den Gemeinden zur Finanzierung von<br />

Schulen und Kindergärten oder zum Ausbau<br />

ihrer Infrastruktur wie Straßen und<br />

Wege. Neu ist das Recht, ab 2025 einen<br />

erhöhten Hebesatz auf unbebaute, baureife<br />

Grundstücke festzulegen. Auch das wäre<br />

für Finanzberater ein Grund für ein Kundengespräch:<br />

der Hinweis, eine Baulücke<br />

zu schließen, nicht nur wegen der Steuer,<br />

sondern weil Wohnraum knapp ist.<br />

HIER BEKOMMEN EIGENTÜMER<br />

DIE DATEN HER<br />

Grundstücksfläche<br />

Wohnfläche<br />

Bodenrichtwert<br />

Baujahr<br />

Nutzungsart<br />

Wohnlage (Hamburg)<br />

Lage (Hessen,<br />

Niedersachen)<br />

Aktenzeichen<br />

der bisherigen<br />

Grundsteuererklärung<br />

Flurnummer<br />

Kauf-/Notarvertrag, Bauunterlagen<br />

Kauf-/Notarvertrag, Bauunterlagen<br />

kostenfrei über die Boris * -Portale<br />

der Länder<br />

Kauf-/Notarvertrag, Bauunterlagen<br />

Wohnung, Haus, Gewerbe, unbebaut<br />

Wohnlagenverzeichnis/Mietspiegel<br />

der Stadt Hamburg<br />

Messzahl, die sich aus den Bodenrichtwerten<br />

im Vergleich zum Gemeindedurchschnitt<br />

berechnet<br />

Das sollte auf dem Informationsschreiben<br />

des Finanzamts stehen.<br />

Ansonsten auf den früheren Grundsteuerbescheiden.<br />

Dort steht auch,<br />

welches Finanzamt für das Grundstück<br />

zuständig ist.<br />

Grundbuchauszug. Allerdings hat nicht<br />

jedes Grundstück eine Flurnummer.<br />

*<br />

Boris = Bodenrichtwertinformationssystem Quelle: V-Bank<br />

<strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22<br />

97


PRIVAT GEFRAGT Justus Lücke, Geschäftsführer Versicherungsforen Leipzig<br />

»Versicherungen<br />

werden sich<br />

stärker in den<br />

Alltag integrieren«<br />

JUSTUS LÜCKE<br />

Jahrgang 1981, Geschäftsführer<br />

Versicherungsforen Leipzig,<br />

seit 2017 Geschäftsführer Maklerforen,<br />

seit 2021 verheiratet, 2 Kinder<br />

IHRE MEINUNG, HERR LÜCKE:<br />

Wir brauchen ein Unterrichtsfach<br />

Finanzen & Versicherungen<br />

Nach der Corona-Pandemie steige ich<br />

wieder ausschließlich auf analoge<br />

Termine um<br />

Der Austausch zwischen Maklern und<br />

Maklerunternehmen ist viel zu gering und<br />

schadet der Branche<br />

Unternehmen in der Versicherungs- und<br />

Finanzbranche sollten mehr mit der Politik<br />

zusammenarbeiten<br />

Nachhaltigkeit sollte in der Branche noch<br />

stärker priorisiert werden<br />

Es sollte mehr Dienstleister und<br />

Unterstützungsmöglichkeiten für Makler<br />

und die Versicherungswelt geben<br />

Zum Frühstück gibt es bei mir<br />

Kaffee, am besten handgemahlen, und<br />

Müsli mit laktosefreier Milch.<br />

Die Homeoffice-Kultur empfinde ich als<br />

einen wirklichen Gewinn an Flexibilität und<br />

Qualität für die Branche, aber auch als eine<br />

Herausforderung für Führung und Kultur.<br />

Diese neue Kompetenz habe ich mir<br />

(Corona-bedingt) angeeignet:<br />

Influencer-Technik-Sets mit gutem Preis-<br />

Leistungs-Verhältnis zusammenzustellen.<br />

Meine wahre Leidenschaft sind<br />

meine Familie, meine Freunde und Kollegen<br />

und ab und zu meine Grenzen etwas<br />

auszutesten.<br />

Meine Freizeit verbringe ich am liebsten<br />

damit,<br />

ein gutes Buch im Hängesessel im Garten<br />

zu lesen, wenn die Familie mal nicht da ist.<br />

Mein erstes Geld habe ich verdient als<br />

Aushilfe im Laden meines Vaters mit Flyerund<br />

Brötchenaustragen sowie Regaleeinräumen.<br />

Meiner Meinung nach gibt es beim Thema<br />

Nachhaltigkeit nicht nur Schwarz und Weiß,<br />

weil<br />

es hier keine eindeutige Definition gibt und<br />

es nicht wichtig ist, wer mehr tut, sondern<br />

dass alle etwas tun.<br />

Meine aktuelle Buch- oder<br />

Hörbuch empfehlung:<br />

„Gott ist ein Kreativer, kein Controller“<br />

von Frank Dopheide<br />

Ich würde gern mal einen Tag lang tauschen<br />

mit …, um dann Folgendes zu tun:<br />

Wladimir Putin, um diesen sinnlosen und<br />

grausamen Krieg sofort zu beenden.<br />

Wahrer Luxus ist für mich<br />

Gesundheit, Zeit für mich und sich keine<br />

Gedanken über die alltäglichen <strong>Ausgabe</strong>n<br />

machen zu müssen.<br />

Das ist mein liebstes Reiseziel:<br />

Australien ist einfach ein fantastisches<br />

Land, aber auch Korsika hat es uns sehr<br />

angetan.<br />

Meine erste Tat zu Beginn eines<br />

Arbeitstages:<br />

Ich suche mir mein gebuchtes Büro und<br />

checke beim ersten Kaffee meine E-Mails.<br />

Die Musik drehe ich lauter bei<br />

Deutsch-Rap wie Deichkind, Fettes Brot etc.<br />

oder Rock wie Metallica, Foo Fighters o. Ä.<br />

Das ist meiner Meinung nach der<br />

Versicherungstrend der Zukunft:<br />

Embedded Insurance. Ich denke, dass sich<br />

Versicherungen viel stärker in den Alltag<br />

der Menschen integrieren werden.<br />

Der größte Missstand in der Finanzund<br />

Versicherungsbranche ist<br />

ihr teilweise fehlender Veränderungswille<br />

aufgrund fehlenden Leidensdrucks.<br />

… so könnte der Missstand behoben<br />

werden:<br />

durch noch mehr mutige Entscheider, die<br />

auch einmal Wege außerhalb der eigenen<br />

Komfortzone gehen.<br />

Eine (unternehmerische) Entscheidung, die<br />

ich gern rückgängig machen würde, war<br />

keine, denn insbesondere aus falschen Entscheidungen<br />

lernt man. Ich hätte manche<br />

Entscheidungen nur deutlich früher treffen<br />

sollen.<br />

98 <strong>procontra</strong> <strong>04</strong> | 22


Stuttgarter GrüneRente<br />

Weil das Leben<br />

Verantwortung braucht.<br />

• Breit diversifiziertes Portfolio ökologischer, sozialer und ethischer Kapitalanlagen.<br />

• Regelmäßige, unabhängige Prüfung der Kapitalanlagen im Sicherungsvermögen durch<br />

das Institut für nachhaltiges, ethisches Finanzwesen, INAF e. V.<br />

• Leistungsstarke Anlagekonzepte und in allen Schichten der Altersvorsorge verfügbar.<br />

gruenerente.stuttgarter.de


ERFOLGE<br />

ERLEBEN<br />

Mit einem starken Partner.<br />

DSL<br />

Privatkredit<br />

Schnell & einfach:<br />

Abschluss jetzt<br />

digital!<br />

DSL Bank – eine Niederlassung der Deutsche Bank AG<br />

In der aktuellen Niedrigzins-Phase bieten Baufinanzierungen und Privatkredite überdurchschnittliche<br />

Umsatzmöglichkeiten. Besonders, wenn sie so ausgezeichnet sind wie die der DSL Bank. Und das ist<br />

nicht der einzige Grund, unser Partner zu werden. Ihre Vorteile:<br />

Flexible und innovative Produkte<br />

Attraktive Konditionen – z. B. bis 30 Jahre<br />

Sollzinsbindung<br />

Individuelle Provisionsgestaltung<br />

Online-Vertriebsplattform Starpool mit<br />

Angeboten der wichtigsten Produktgeber<br />

Garantierter Kundenschutz/keine<br />

Cross-Selling-Verpflichtungen<br />

Stornofreies Privatkreditgeschäft<br />

Vielfältige Qualifizierungsangebote<br />

über die DSL Bank Akademie<br />

Bundesweites Servicenetz mit persönlichen<br />

Ansprechpartnern<br />

Werden Sie jetzt Partner der DSL Bank und nutzen Sie unsere Angebote für Ihren Erfolg!<br />

Telefon: 0228 889-71100 • E-Mail: kontakt@dslbank.de<br />

www.dslbank.de/partner_werden

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!