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4-2022

Fachzeitschrift für Medizintechnik-Produktion, Entwicklung, Distribution und Qualitätsmanagement

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November September/Oktober November-Dezember 4/<strong>2022</strong> Jg. 1/2008 13<br />

Fachzeitschrift für<br />

Medizin-Technik<br />

meditronicjournal<br />

Europapremiere für neuen<br />

8-Megapixel-Farbmonitor<br />

Rein Medical, Seite 11


961-561d-07.21 ©2021 Kistler Group<br />

Maximale Prozesskontrolle<br />

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Editorial<br />

Endlich wieder als „Präsenzveranstaltung“<br />

Guido Radig<br />

Provvido PR & Communications<br />

www.provvido.com<br />

Nach zwei virtuellen Durchläufen<br />

startete die 18. Rapid.Tech 3D in Erfurt im<br />

Mai <strong>2022</strong> endlich wieder durch. Diesmal<br />

aber als „Präsenzveranstaltung“ mit der<br />

bekannten Kombination der Messe Erfurt<br />

von Fachkongress und Ausstellung.<br />

Diese Kombination unterscheidet die<br />

Rapid-Tech von der anderen wichtigen<br />

Branchenveranstaltung in Deutschland, der<br />

Formnext in Frankfurt, die im November<br />

<strong>2022</strong> wieder startet.<br />

Insbesondere der Fachkongress der<br />

Rapid.Tech 3D gilt als wichtige Diskussions-<br />

Plattform der AM-Szene. Er bildet eine<br />

einzigartige Brückenfunktion zwischen<br />

Wissenschaft, Anwendern und anbietender<br />

Industrie. Im Schwerpunkt geht der<br />

Fachkongress auf Anwendungsgebiete<br />

in der Luft- und Raumfahrt, Automotive,<br />

Medizintechnik, Werkzeugbau, sowie auf<br />

digitale Prozesskette, Konstruktionsstrategien<br />

und 3D-Werkstoffe ein. Gerade die<br />

Bandbreite der Werkstoffe ist höchst<br />

faszinierend: Neben den „klassischen“<br />

Metallen, der Keimzelle der Branche,<br />

gewinnen Polymere, Silikone, Keramik oder<br />

Glas an Bedeutung.<br />

Unter dem Motto „Verstehen. Sehen.<br />

Erleben.“ trafen sich also in Erfurt die<br />

Vertreter des Additive Manufacturing „live“.<br />

Man sah Michael Kynast, Geschäftsführer<br />

der Messe Erfurt, und Prof. Dr.-Ing. Gerd<br />

Witt von der Universität Duisburg-Essen, bei<br />

der Eröffnung die Erleichterung förmlich an,<br />

wieder real auf Menschen aus der Szene zu<br />

treffen. Eine hoch dynamische AM-Branche<br />

veränderte sich in drei Jahren unübersehbar:<br />

Technologisch, potentialbasiert, wie auch<br />

seitens der Marktkräfte und Anteilseigner.<br />

Falk Heilfort von der Porsche AG brachte<br />

es in der Keynote auf den Punkt: Vor bald<br />

20 Jahren begann in Phase 1 ein Aufbruch<br />

in die neue 3D-Welt auf experimentellem<br />

Niveau. Die Maschinen- und Anlagentechnik<br />

war aus heutiger Sicht untauglich für<br />

industrielle Anwendungen und beherrscht<br />

von Grundlagenentwicklungen für das<br />

Prototyping. Eine Art Spielwiese. Dem folgte<br />

die Phase 2: Übergang in die industrielle<br />

Skalierung mit massiven Steigerungen<br />

von Bauvolumina und Bauraten. Heute,<br />

so Heilfort, befinden wir uns in Phase 3:<br />

Das industrielle Potential wird nun massiv<br />

und disruptiv ausgebaut. Das konstruktive<br />

Denken in bionischen Lösungen verändert<br />

die Produkte. Sie sehen nicht nur anders<br />

als zuvor aus. Sie sind vor allem in vielerlei<br />

Hinsicht leistungsfähiger, leichter und<br />

funktionsgesteigert.<br />

Die Lücke von fast drei Jahren zeigte auch<br />

auf, dass die Branche auf der Anbieterseite<br />

reifte, aber vor allem, dass sich heute<br />

AM verfahrens- und materialübergreifend<br />

entwickelte. Hybride Bauteillösungen zeigen<br />

sich in der Kombination von konventionell<br />

hergestellten Geometrien, die durch AM<br />

veredelt werden, aber auch in immer<br />

neuen Werkstoffen, die für AM erschlossen<br />

oder kombiniert werden. Daneben aber<br />

ist die Szene durch vielfältige Start-Ups<br />

gekennzeichnet die neue Geschäftsmodelle<br />

ausloten: Mit neuen Ideen für Verfahren,<br />

Materialien oder Konstruktionen entlang<br />

einer digitalen Prozesskette.<br />

Erfurt zeigte hier auch eindrucksvoll:<br />

Wenn sich die Lösungen hoch dynamisch<br />

entwickeln, muss man genau auf den Stand<br />

der Technik einzelner Anbieter schauen. Ein<br />

marktmächtiges Unternehmen zeigte eine<br />

neue Generation von 3D-Druckern der Photo-<br />

Polymerization. Zehn Demonstrationsteile<br />

fertigt der 3D-Drucker in 20 Stunden. Nur<br />

wenige Meter entfernt zeigte ein kleinerer<br />

Anbieter eine vergleichbare Anlage: Rund<br />

15 % teurer, aber für exakt die gleichen<br />

10 Bauteile mit einer Baurate von knapp<br />

über 4 Stunden.<br />

Ausstellung und Konferenz spiegelte auch<br />

in der Medizintechnik die hohe Dynamik<br />

der AM-Branche wider. Traditionell spielt<br />

AM in Prothetik, Zahnersatz oder bei<br />

Instrumenten eine Pionierfunktion, da man<br />

von Beginn an auf zertifizierte Materialien<br />

zurückgreifen konnte. Die Vorträge aus<br />

Wissenschaft und Industrie zeigten auf,<br />

wie neue Fertigungsstrategien entstehen.<br />

So zeigte ein Schweizer Hardware-<br />

Anbieter neue 3D-Bauteillösungen in Silikon.<br />

Anwendungsgebiete hier: Brustimplantate<br />

und Hörgeräte. Auch in diesem innovativen<br />

Ansatz erlebte man in Erfurt eindrucksvoll ,<br />

wie es ist, am Puls der Zeit zu sein.<br />

Guido Radig<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

3


Inhalt/Impressum<br />

3 Editorial<br />

4 Inhalt/Impressum<br />

6 Aktuelles<br />

10 Bildverarbeitung<br />

11 Titelstory<br />

12 Schwerpunkt<br />

Produktion<br />

31 Messtechnik<br />

32 Qualitätssicherung<br />

34 Cybersecurity<br />

40 Bedienen und Visualisieren<br />

54 Komponenten<br />

58 Künstliche Intelligenz<br />

60 Sicherheit<br />

64 Sensoren<br />

70 Kommunikation<br />

72 Stromversorgung<br />

76 Medical PC/SBC/Zubehör<br />

November September/Oktober November-Dezember 4/<strong>2022</strong> Jg. 1/2008 13<br />

Fachzeitschrift für<br />

Medizin-Technik<br />

meditronicjournal<br />

Europapremiere für neuen<br />

8-Megapixel-Farbmonitor<br />

Rein Medical, Seite 11<br />

Fachartikel in dieser Ausgabe<br />

Europapremiere für neuen<br />

8-Megapixel-Farbmonitor auf<br />

dem ECR<br />

„Building Bridges“ lautete das diesjährige<br />

Motto des Europäischen Röntgenkongresses<br />

ECR. Nach gut drei Jahren pandemiebedingter<br />

Abwesenheit kehrte die Veranstaltung damit<br />

in das Austria Center Vienna zurück. Auf dem<br />

Stand präsentierte das Unternehmen erstmals<br />

in Europa den neuen 8-Megapixel-Monitor<br />

CL-R813 sowie seine großformatigen Multi-<br />

Modality-Displays, allen voran das Flaggschiff<br />

CL-S1200. 11<br />

Fachzeitschrift für<br />

Medizin-Technik<br />

meditronicjournal<br />

■ Herausgeber und Verlag:<br />

beam-Verlag<br />

Krummbogen 14, 35039 Marburg<br />

www.beam-verlag.de<br />

info@beam-verlag.de<br />

Fax: 06421/9614-23<br />

■ Redaktion:<br />

Dipl.-Ing. Christiane Erdmann<br />

redaktion@beam-verlag.de<br />

■ Anzeigen:<br />

Myrjam Weide, Tel.: 06421/9614-16<br />

m.weide@beam-verlag.de<br />

Sabine Tzschentke, Tel.: 06421/9614-11<br />

sabine.tzschentke@beam-verlag.de<br />

Tanja Meß, Tel.: 06421/9614-18<br />

tanja.mess@beam-verlag.de<br />

■ Erscheinungsweise:<br />

5 Hefte jährlich<br />

■ Satz und Reproduktionen:<br />

beam-Verlag<br />

Smarte Verbindungstechnik:<br />

Needle Bonding mit UV-Klebstoffen<br />

Wenn Nadeln in Kunststoff- oder Glasspritzen eingesetzt und verlässlich und dauerhaft verbunden<br />

werden sollen, stellt sich die Frage nach einer geeigneten Verbindungstechnik. Die<br />

moderne Klebstofftechnologie bietet hier mit UV- oder lichthärtenden Klebstoffen meistens<br />

die beste und kostengünstigste Lösung. 24<br />

■ Druck & Auslieferung:<br />

Bonifatius GmbH, Paderborn<br />

www.bonifatius.de<br />

Der beam-Verlag übernimmt trotz sorgsamer<br />

Prüfung der Texte durch die Redaktion<br />

keine Haftung für deren inhaltliche<br />

Richtigkeit. Alle Angaben im Einkaufsführer<br />

beruhen auf Kundenangaben!<br />

Handels- und Gebrauchsnamen, sowie<br />

Waren bezeichnungen und dergleichen<br />

werden in der Zeitschrift ohne Kennzeichnungen<br />

verwendet. Dies berechtigt nicht zu<br />

der Annahme, dass diese Namen im Sinne<br />

der Warenzeichen- und Markenschutzgesetzgebung<br />

als frei zu betrachten sind und<br />

von jedermann ohne Kennzeichnung verwendet<br />

werden dürfen.<br />

Additive Fertigung mit Silikon<br />

Additiv gefertigte Bauteile werden längst nicht<br />

mehr nur für den Prototypenbau verwendet.<br />

Auch im Vorserienbau und für Serienteile wird ihr<br />

großes Potential genutzt. Für technisch einsetzbare<br />

Bauteile sind die Materialeigenschaften von<br />

entscheidender Relevanz. In diesem Bereich können<br />

3D-gedruckte Bauteile nur mit konventionell<br />

gefertigten konkurrieren, wenn sie auch die gleichen<br />

mechanischen und chemischen Eigenschaften<br />

haben. 26<br />

4 4<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


September/Oktober 4/<strong>2022</strong><br />

PCAP ist nicht gleich PCAP<br />

PCAP-Touchscreens können auf verschiedenen<br />

Sensortechnologien basieren. In diesem Beitrag geht es<br />

um kundenspezifische Aufbaumöglichkeiten im industriellen<br />

Umfeld. 44<br />

Einsatz von KI-Bildanalyse zur Erkennung und<br />

Vorbeugung von Krankheiten<br />

Die KI-Bilderkennung verbessert die Vorhersagefähigkeit von<br />

Patientenergebnissen durch Big Data Analytics. Sie wandelt die<br />

aufgenommenen Bilder in Daten um, bevor sie die Informationen analysiert,<br />

um Anomalien zu erkennen. Anhand dieser Ergebnisse können Radiologen<br />

frühe Anzeichen einer Erkrankung erkennen und einen individuellen<br />

Behandlungsplan entwickeln. 58<br />

Dauerläufer für die<br />

Kurzstrecke<br />

Sicherheit medizinischer Geräte und<br />

Erlangung behördlicher Genehmigungen<br />

Die KI-Bilderkennung verbessert die Vorhersagefähigkeit<br />

von Patientenergebnissen durch Big Data Analytics. Sie<br />

wandelt die aufgenommenen Bilder in Daten um, bevor sie<br />

die Informationen analysiert, um Anomalien zu erkennen.<br />

Anhand dieser Ergebnisse können Radiologen frühe<br />

Anzeichen einer Erkrankung erkennen und einen individuellen<br />

Behandlungsplan entwickeln. 60<br />

Im Bereich Medizin- und Aerospace<br />

wird häufig ein induktives Wegmess-<br />

Verfahren mit LVDT als eine<br />

ideale Methode zur kontaktlosen<br />

Messung kleinster Bewegungen bis<br />

50 mm verwendet. LVDT-Sensoren<br />

erfordern nur wenig Einbauraum,<br />

gewährleisten eine sehr hohe<br />

Genauigkeit und sind auch unter<br />

extremen Umgebungsbedingungen<br />

einsetzbar. 64<br />

IO-Link Wireless<br />

entfesselt die industrielle<br />

Kommunikation<br />

Die intelligente Kombination<br />

industrieller Netzwerke mit dem<br />

Kommunikationsstandard IO-Link ist<br />

ein wesentlicher Baustein für die Fabrik<br />

der Zukunft. Die Erweiterung des<br />

etablierten Standards ermöglicht eine<br />

zuverlässige, drahtlose Datenübertragung<br />

in der Prozess- und Fabrikautomation<br />

unter anderem an Montagemaschinen<br />

– zum Beispiel auch im Life- Science-<br />

Bereich. 70<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

5


Aktuelles<br />

Bestandsprodukte und MDR<br />

Weniger als zwei Jahre Zeit für neue Konformitätsbewertung<br />

Auch etwas mehr als ein Jahr<br />

nach Geltungsbeginn ist das System<br />

rund um die neue EU-Verordnung<br />

über Medizinprodukte (MDR)<br />

noch immer nicht voll funktionsfähig.<br />

Es gibt weiterhin zu wenige<br />

Benannte Stellen. Die Hersteller<br />

von Medizinprodukten haben deswegen<br />

unter anderem Probleme<br />

die erneuten Konformitätsbewertungen<br />

nach der MDR für Bestandsprodukte<br />

durchzuführen.<br />

Autor:<br />

Hans-Peter Bursig,<br />

Geschäftsführer Fachverband<br />

Elektromedizinische Technik<br />

ZVEI<br />

www.zvei.org<br />

Artikel 120 der MDR erlaubt<br />

es Herstellern zwar, ihre Medizinprodukte<br />

mit einer CE-Kennzeichnung<br />

nach der früheren<br />

Medizinprodukte-Richtlinie der<br />

EU (MDD) weiter in den Mitgliedstaaten<br />

der Europäischen Union<br />

in Verkehr zu bringen, solange<br />

die entsprechenden Zertifikate<br />

auf Basis der MDD noch gültig<br />

sind. Dies ist aber an zwei Bedingungen<br />

geknüpft: Zum einen dürfen<br />

an den Medizinprodukten seit<br />

dem Geltungsbeginn der MDR<br />

keine wesentlichen Änderungen<br />

vorgenommen worden sein und<br />

zum anderen endet die Gültigkeit<br />

dieser Zertifikate spätestens<br />

am 26. Mai 2024. Bis zu diesem<br />

Zeitpunkt müssen die Hersteller<br />

ihre Bestandsprodukte also<br />

einer erneuten Konformitätsbewertung<br />

nach der MDR unterzogen<br />

haben, wenn diese Produkte<br />

weiter in Verkehr gebracht<br />

werden sollen.<br />

Aktuelle Übersicht<br />

Nach einer aktuellen Übersicht<br />

der europäischen Arbeitsgemeinschaft<br />

der Benannten Stellen werden<br />

bis zum Mai 2024 mehr als 18.000<br />

Zertifikate nach der MDD ihre Gültigkeit<br />

verlieren. Der größte Teil dieser<br />

Zertifikate wird im Jahr 2024 auslaufen.<br />

Kurz vor Ende der Frist nach<br />

Artikel 120 könnten die Benannten<br />

Stellen also mit einer besonders<br />

hohen Belastung bei der Überprüfung<br />

von Bestandsprodukten konfrontiert<br />

werden. Die Hersteller von<br />

Medizinprodukten müssen deshalb<br />

die Situation bei den Bestandsprodukten<br />

sehr sorgfältig prüfen und mit<br />

ihrer Benannten Stelle das weitere<br />

Vorgehen besprechen.<br />

Verändertes<br />

Bestandsprodukt<br />

Dabei können verschiedene Fälle<br />

auftreten: Einige Bestandsprodukte<br />

sollen möglicherweise tatsächlich<br />

technisch unverändert weiterhin in<br />

der EU auf den Markt gebracht werden.<br />

In diesen Fällen ist die erneute<br />

Konformitätsbewertung nach den<br />

Regeln der MDR notwendig. Falls<br />

das Produkt unter der MDR anders<br />

klassifiziert wird als bisher, müssen<br />

die Unterlagen für die Konformitätsbewertung<br />

von Grund auf<br />

neu erstellt werden. Der Hersteller<br />

muss bereits eine Benannte Stelle<br />

nach der MDR haben und die Unterlagen<br />

für die Konformitätsbewertung<br />

nach der MDR zügig erstellen können.<br />

Dieser Fall ist für die Hersteller<br />

aber vergleichsweise einfach<br />

zu planen, weil der Zeitpunkt, zu<br />

dem das MDD-Zertifikat ausläuft,<br />

ein klares Datum vorgibt. Spätestens<br />

zu diesem Termin muss die<br />

neue Konformitätsbewertung abgeschlossen<br />

sein.<br />

Unveränderte<br />

Bestandsprodukte<br />

Allerdings ist auch die Anzahl<br />

der unveränderten Bestandsprodukte,<br />

die neu bewertet werden<br />

müssen, zu beachten. Eine<br />

gute Vorbereitung ist notwendig,<br />

wenn eine große Zahl von unveränderten<br />

Bestandsprodukten<br />

zum selben Termin neu bewertet<br />

werden muss.<br />

Bei anderen Bestandsprodukten<br />

entscheidet sich der Hersteller möglicherweise,<br />

auf eine erneute Konformitätsbewertung<br />

des unveränderten<br />

Bestandsprodukts nach<br />

der MDR zu verzichten. Das kann<br />

der Fall sein, wenn ein wesentlich<br />

verändertes Nachfolgeprodukt mit<br />

aktueller Technik oder ein komplett<br />

neu entwickeltes Produkt unter der<br />

MDR neu auf den Markt gebracht<br />

werden soll. In diesem Fall muss<br />

der Hersteller mit seiner Benannten<br />

Stelle den Ablauf der Konformitätsbewertung<br />

sorgfältig planen,<br />

wenn zwischen dem Auslaufen des<br />

MDD-Zertifikates des unveränderten<br />

Bestandsprodukts und der Konformitätsbewertung<br />

des neuen Medizinprodukts<br />

nach der MDR kein oder<br />

ein nur geringer zeitlicher Abstand<br />

bestehen soll.<br />

Genügend Zeit einplanen<br />

Dieser zweite Fall ist für Hersteller<br />

und Benannte Stellen deshalb<br />

schwieriger zu planen. Der Termin,<br />

zu dem das MDD-Zertifikat<br />

des unveränderten Bestandsprodukts<br />

ausläuft, ist vorgegeben. Der<br />

Zeitpunkt, zu dem eine CE-Kennzeichnung<br />

des neuen Medizinprodukts<br />

möglich ist, lässt sich dagegen<br />

nicht sicher bestimmen. Zum<br />

einen müssen die Unterlagen für<br />

die Konformitätsbewertung nach<br />

der MDR von Anfang an neu erstellt<br />

werden. Den Herstellern fehlen bisher<br />

Erfahrungswerte, um absehen<br />

zu können, wie viel Zeit im konkreten<br />

Fall benötigt wird. Wie lange<br />

die Bewertung durch die Benannte<br />

Stelle in Anspruch nehmen wird,<br />

kann im Moment ebenfalls nicht<br />

sicher beurteilt werden. Sowohl<br />

dem Hersteller wie der Benannten<br />

Stelle fehlt es auch hier an Erfahrungswerten<br />

mit der MDR und den<br />

neuen Anforderungen, um einschätzen<br />

zu können, wie lange eine Überprüfung<br />

dauert und welche Fragen<br />

bei der Bewertung der Unterlagen<br />

auf tauchen können.<br />

Fazit<br />

Die Anwendung der MDR bleibt<br />

für die Hersteller von Medizinprodukten<br />

also eine große Herausforderung,<br />

auch wenn immer mehr<br />

Hersteller die notwendige Zertifizierung<br />

ihres Qualitätsmanagementsystems<br />

für die MDR erhalten. Und<br />

es bleiben insgesamt weniger als<br />

zwei Jahre Zeit, um die Bestandsprodukte<br />

einer neuen Konformitätsbewertung<br />

nach der MDR zu unterziehen.<br />

Jeder Hersteller von Medizinprodukten<br />

sollte hierfür im eigenen<br />

Interesse einen Plan erstellt<br />

haben und regelmäßig überprüfen,<br />

wie es um die Umsetzung steht. ◄<br />

6 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Aktuelles<br />

EVOSYS mit der Auszeichnung<br />

BAYERNS BEST 50 geehrt<br />

Von links nach rechts: Hubert Aiwanger, Frank Brunnecker, Stephanie<br />

Brunnecker, Melanie Aldebert, Holger Aldebert, Stefan Schmal (Jury)<br />

Evosys Laser GmbH<br />

www.evosys-group.com<br />

An die Evosys Laser GmbH aus<br />

Erlangen ist der Preis „BAYERNS<br />

BEST 50“ verliehen worden. Die<br />

Auszeichnung wird jährlich vom<br />

Bayerischen Staatsministerium<br />

für Wirtschaft, Landesentwicklung<br />

und Energie an die 50 wachstumsstärksten<br />

mittelständischen Unternehmen<br />

Bayerns vergeben. Ausschlaggebend<br />

war, dass die Zahl<br />

der Mitarbeiter und des Umsatzes<br />

in der EVOSYS Gruppe innerhalb<br />

der letzten Jahre überdurchschnittlich<br />

gesteigert werden konnte.<br />

Das Erlanger Unternehmen entwickelt<br />

und fertigt Laserschweißanlagen<br />

für die Bearbeitung von Kunststoffen.<br />

Eingesetzt werden diese z.B.<br />

in der Automotive-, Medizintechnikoder<br />

Consumerprodukt-Industrie.<br />

Das Laserschweißen von Kunststoffen<br />

ist ein etabliertes und weit<br />

verbreitetes Fertigungs verfahren.<br />

Es wird vor allem wegen seiner<br />

Zuverlässigkeit, Sauberkeit und<br />

Wirtschaftlichkeit geschätzt.<br />

Nun wurde an EVOSYS der Preis<br />

„BAYERNS BEST 50“ verliehen. Ziel<br />

des Wirtschaftspreises ist es unternehmerische<br />

Verantwortung zu fördern<br />

und damit Chancen für Wachstum<br />

und Beschäftigung zu schaffen.<br />

Fast 7.000 Unternehmen waren aufgefordert,<br />

ihre Bewerbungen abzugeben.<br />

Die Auszeichnung erhalten<br />

besonders wachstumsstarke Mittelständler,<br />

die in den letzten Jahren<br />

die Zahl ihrer Mitarbeiter und ihren<br />

Umsatz überdurchschnittlich steigern<br />

konnten.<br />

Die Preisverleihung fand am<br />

Dienstag, den 26. Juli im Schloss<br />

Schleißheim in München statt. Eine<br />

unabhängige Jury, die deutsche<br />

Wirtschaftsprüfungsgesellschaft<br />

Mazars, hatte die Preisträger im<br />

Vorfeld ermittelt. Der Bayerische<br />

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger<br />

gratulierte den Gewinnern persönlich<br />

und zeichnete sie mit dem<br />

begehrten Wirtschaftspreis aus.<br />

„Wir betrachten den Preis‚<br />

BAYERNS BEST 50‘ als große Anerkennung<br />

für unsere bisherigen unternehmerischen<br />

Leistungen, insbesondere<br />

unter den herausfordernden<br />

Rahmen bedingungen der letzten<br />

Jahre.“ freuen sich Frank Brunnecker<br />

und Holger Aldebert, Geschäftsführer<br />

der Evosys Laser GmbH.<br />

Über EVOSYS:<br />

Die Evosys Laser GmbH entwickelt<br />

und fertigt am Standort<br />

Erlangen maßgeschneiderte Systeme<br />

für das Laserschweißen von<br />

Kunststoffen. Mit der langjährigen<br />

Markt- und Prozesserfahrung seiner<br />

Mitarbeiter bietet das Unternehmen<br />

weltweit kreative und<br />

innovative Lösungen zur Integration<br />

in Automatisierungslösungen.<br />

Ein Dienstleistungspaket von<br />

der Design beratung über Mustererstellung<br />

im eigenen Technikum<br />

rundet das Angebotsspektrum ab.<br />

Das Unternehmen wurde bereits<br />

mehrfach prämiert wie zum Beispiel<br />

die Auszeichnung zum TOP<br />

100 Innovations-Champion 2020.<br />

Auch gab es Nominierungen zu<br />

begehrten Wirtschaftspreisen wie<br />

‚Großer Preis des Mittelstandes‘<br />

oder den Bayerischen Gründerpreis.<br />

Es bestehen intensive Kontakte<br />

zum Hochschulstandort Erlangen-<br />

Nürnberg und zum Bayerischen<br />

Laserzentrum.<br />

Die Evosys Gruppe besteht<br />

aktuell aus vier Unternehmen,<br />

der Muttergesellschaft Evosys<br />

Laser GmbH, dem Tochterunternehmen<br />

Evosys Laser Services<br />

GmbH sowie den Niederlassungen<br />

Evosys (Suzhou) Laser System<br />

Co., Ltd. in China und Evosys<br />

North America Corp. in den USA.<br />

Die Evosys Laser GmbH konnte<br />

ihren Umsatz zuletzt gut steigern<br />

und schafft mit ihren Laser anlagen<br />

zahlreiche Arbeitsplätze. Dem<br />

Erlanger Unternehmen wurde deshalb<br />

der Preis „BAYERNS BEST<br />

50“ verliehen. ◄<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

7


Aktuelles<br />

3D-Simulator für Strahlentherapie<br />

Dassault Systèmes, das H. HARTMANN-Institut und das Institut Rafaël starten VORTHEx-Projekt –<br />

den weltweit ersten 3D-Simulator für Strahlentherapie<br />

Dassault Systèmes<br />

www.3ds.com/de/<br />

Eckpunkte im Überblick<br />

• Das Projekt nutzt virtuelle Realität, um Patienten auf ihre Strahlentherapie<br />

vorzubereiten und damit ihr Wohlergehen zu unterstützen<br />

• Über virtuelle Zwillinge von medizinischen Geräten, Umgebung<br />

und Abläufen machen sich Patienten mit der Strahlentherapie vertraut<br />

und werden dadurch besser auf die Behandlung vorbereitet<br />

• Das Projekt stützt sich auf das technische Know-how und die<br />

Ausstattung des 3DEXPERIENCE-Lab von Dassault Systèmes<br />

Dassault Systèmes, das Institut<br />

H. HARTMANN und das Institut<br />

Rafaël gaben den Start des<br />

VORTHEx-Projekts bekannt, des<br />

ersten vollständig in 3D simulierten<br />

Strahlentherapieraums weltweit.<br />

Das Institut H. HARTMANN ist das<br />

erste private Strahlentherapiezentrum<br />

in Frankreich und Teil des<br />

französischen Gesundheitsdienstleisters<br />

ELSAN. Das Projekt ermöglicht<br />

es den Patienten, ihre Behandlung<br />

durch modernste Technologien<br />

vorab virtuell zu erleben. So werden<br />

sie während ihrer Erkrankung unterstützt<br />

und ihr Wohlbefinden während<br />

der Behandlung verbessert.<br />

Therapieraum als virtueller<br />

Zwilling<br />

Der Therapieraum des VORTHEx-<br />

Projekts ist ein virtueller Zwilling<br />

eines neuen Raums des H. HART-<br />

MANN-Instituts für Strahlentherapie<br />

und Radiochirurgie. Er befindet<br />

sich in der Nähe der Arztpraxen und<br />

Behandlungsräume des französischbritischen<br />

Krankenhauses der französischen<br />

Stadt Levallois-Perret und<br />

ist mit dem neuesten Cyberknife-<br />

Roboter des US-Herstellers Accuray<br />

ausgestattet. Die 3D-Simulation<br />

bildet die technischen Details<br />

und Abläufe der Behandlung genau<br />

nach. Dies umfasst den Raum, den<br />

Roboterarm, die Position des Patienten<br />

sowie die Bedingungen und<br />

Schritte der Sitzungen. Das virtuelle<br />

Erleben lässt sich leicht in den<br />

Behandlungsplan des Patienten integrieren<br />

und wird von medizinischen<br />

Fachkräften des H. HARTMANN-<br />

Instituts überwacht, die den Patienten<br />

während der gesamten Sitzung<br />

begleiten.<br />

Patienten verständlicher<br />

aufklären<br />

Allein in Frankreich erkranken<br />

jährlich etwa 400.000 Menschen<br />

neu an Krebs. 60 Prozent<br />

von ihnen werden im Laufe ihrer<br />

Behandlung einer Strahlentherapie<br />

unterzogen. Die Strahlentherapie<br />

konnte in den letzten Jahren<br />

beträchtliche Fortschritte in Bezug<br />

auf Effizienz und Präzision erzielen.<br />

Dennoch kann ein durch die<br />

Krankheit geschwächter Patient<br />

den Bestrahlungsraum als beängstigend<br />

empfinden. Angesichts der<br />

Abläufe, der medizinischen Aufklärungsgespräche<br />

und der Tatsache,<br />

dass sie letztlich auf einem Behandlungstisch<br />

liegen, fällt es den Patienten<br />

oft schwer, sich darauf einzustellen.<br />

Eine gute Unterstützung<br />

spielt eine entscheidende Rolle im<br />

Kampf gegen die Krankheit. Das<br />

VORTHEx-Projekt zielt darauf ab,<br />

die Patienten mit dem Behandlungsort<br />

und den Geräten vertraut<br />

zu machen, damit sie sich wohler<br />

fühlen, ihre Ängste abbauen und<br />

ein besseres Verständnis für die<br />

Behandlung entwickeln.<br />

Patientenmeinungen<br />

„Das Projekt unterstützt unseren<br />

Behandlungsplan und ist eine sehr<br />

realistische und interessante Ergänzung.<br />

Der Arzt führt vor der Strahlentherapie<br />

selbstverständlich ein<br />

Aufklärungsgespräch, aber nicht<br />

alles wird man sich merken können.<br />

Dank der Visualisierung werden die<br />

Sachverhalte verständlicher. Bilder<br />

sind oft besser als 1.000 Worte. Zu<br />

wissen, was auf einen zukommt, ist<br />

immer besser, als im Ungewissen<br />

zu sein“, sagte Christian E., Patient.<br />

„Das ist wirklich eine beeindruckende<br />

Erfahrung. Man taucht förmlich<br />

in das Geschehen ein. Alles ist<br />

klar, präzise, gut gemacht und angenehm.<br />

Das beruhigt mich – was mir<br />

vor Beginn der Behandlung sehr<br />

wichtig ist. Dank dieser Lösung kann<br />

ich besser verstehen, was auf mich<br />

zukommt“, sagte Marc N., Patient.<br />

„Ich hatte Angst – aber diese<br />

Lösung hat es mir ermöglicht,<br />

Abstand zu gewinnen, mich konzentriert<br />

auf die Strahlentherapie vorzubereiten<br />

und mich zu beruhigen.<br />

Ich sehe darin eine Ergänzung, die<br />

uns mit vielen weiteren Details vertraut<br />

macht und bestimmte Fragen<br />

beantwortet, die wir zu stellen uns<br />

vielleicht nicht getraut haben“, sagte<br />

Alain A., Patient.<br />

Virtual-Reality-Ausstattung<br />

Das H. HARTMANN-Institut<br />

arbeitet mit dem Rafaël-Institut<br />

an einem ganzheitlichen Ansatz<br />

für die weltweite Gesundheit, der<br />

modernste Behandlungen und<br />

eine personalisierte und koordinierte<br />

Versorgung miteinander<br />

verbindet. Beim VORTHEx-Projekt<br />

stellte das 3DEXPERIENCE Lab<br />

von Dassault Systèmes das tech-<br />

8 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Aktuelles<br />

Neuer Partner für die Qualitätskontrolle von Kameras<br />

Das 2004 von dem Fotografen<br />

und Ingenieur Norman Koren in<br />

Boulder, Colorado/USA, gegründete<br />

Unternehmen, entwickelt Software<br />

und Testequipment für die<br />

Prüfung der Bildqualität von Digitalkameras.<br />

Weiter hat das Unternehmen<br />

durch aktive Zusammenarbeit<br />

mit den ISO-Normungsgremien<br />

signifikant an der Erstellung<br />

neuer verbesserter Normen mitgewirkt.<br />

Entsprechend ist Imatest<br />

Mitglied der Internationalen Organisation<br />

für Normung und des Institute<br />

of Electrical and Electronics<br />

Engineers und trägt so zur Einführung<br />

standardisierter Methoden zur<br />

Analyse der Bildqualität bei.<br />

In Zusammenarbeit mit Imatest<br />

kann SphereOptics so seinen Kunden<br />

ein Komplettparket zur Kontrolle<br />

digitaler Kameras anbieten.<br />

Um das Angebot für seine<br />

Kunden weiter auszubauen, geht<br />

SphereOptics jetzt eine Partnerschaft<br />

mit Weltmarktführer Imatest<br />

ein. Fahrerlose Transportsysteme<br />

und autonome Systeme<br />

in Medizin, Luft- und Raumfahrt,<br />

aber auch Fahrerassistenzsysteme,<br />

sind auf eine hochkomplexe Sensorik<br />

angewiesen, um sicher navigieren<br />

zu können. Diese Sensorik<br />

nutzt u. a. Lidar, Radar und Kameras.<br />

Zum Optimieren der Kamerasysteme<br />

hat sich das Unternehmen<br />

jetzt Imatest an die Seite geholt.<br />

SphereOptics GmbH<br />

info@sphereoptics.de<br />

www.sphereoptics.de<br />

Lab, Dassault Systèmes. „Die Auswirkungen<br />

dieser immersiven 3D-Erfahrung,<br />

die den Behandlungsraum in<br />

einer virtuellen Welt originalgetreu<br />

wiedergibt, werden in klinischen Tests<br />

mit einer Patientengruppe evaluiert.“<br />

„Die Umsetzung dieses hochinnovativen<br />

Projekts zeigt einmal mehr, dass<br />

wir unser Handeln und Denken entschlossen<br />

auf unsere Patienten ausrichten.<br />

Dazu nutzen wir die Integration<br />

neuer Technologien für das Wohlbefinden<br />

der Patienten und die Präzision<br />

und Sicherheit der Behandlungen“,<br />

sagte Emile Dinet, Managing<br />

Director, H. HARTMANN-Institut. ◄<br />

nologische Know-how und die Virtual-Reality-Ausstattung<br />

für das<br />

umfassende Erleben. Genutzt wurden<br />

die 3DEXCITE-Anwendungen<br />

von Dassault Systèmes und technische<br />

Daten aus realen Prozessen,<br />

um das Szenario und seine<br />

Funktion zu erstellen. Mit digitaler<br />

Kontinuität konnte ein präziser virtueller<br />

Zwilling sowohl des Roboters<br />

als auch des Behandlungsbereichs<br />

erstellt werden. Klinische<br />

Tests, die die Auswirkungen und<br />

die Leistung dieser Simulation bei<br />

der Behandlung von Patienten<br />

messen, werden auf der Medidata<br />

Plattform für klinische Studien<br />

durchgeführt.<br />

Innovative Anwendungen<br />

im Rahmen der<br />

Patientenbehandlung<br />

„Die digitale Kontinuität ermöglicht<br />

es nun, virtuelle Zwillinge medizinischer<br />

Geräte für innovative Anwendungen<br />

im Rahmen der Patientenbehandlung<br />

zu nutzen“, erklärt Frédéric<br />

Vacher, Direktor des 3DEXPERIENCE<br />

CelsiStrip ®<br />

Thermoetikette registriert<br />

Maximalwerte durch<br />

Dauerschwärzung<br />

Diverse Bereiche von<br />

+40 bis +260°C<br />

GRATIS Musterset von celsi@spirig.com<br />

Kostenloser Versand DE/AT ab Bestellwert<br />

EUR 200 (verzollt, exkl. MwSt)<br />

www.spirig.com<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

9


Bildverarbeitung<br />

Portfolio um weitere Filter und<br />

optische Lösungen ergänzt<br />

Die Rauscher GmbH ergänzt ihr umfangreiches Portfolio an Bildverarbeitungskomponenten um die Filter und<br />

optischen Lösungen von Midwest Optical Systems (MidOpt).<br />

RAUSCHER GmbH<br />

info@rauscher.de<br />

www.rauscher.de<br />

Midwest Optical Systems<br />

(MidOpt) ist ein weltweit führender<br />

Anbieter von Filtern und optischen<br />

Lösungen für die industrielle Bildverarbeitung<br />

mit über 30 Jahren<br />

Erfahrung. Das Unternehmen ist<br />

in mehr als 30 Ländern vertreten<br />

und bietet über 3.000 innovative<br />

Produkte an.<br />

In Deutschland und Österreich<br />

sind MidOpt-Filter ab sofort bei der<br />

Rauscher GmbH erhältlich. Die Produkte<br />

des amerikanischen Herstellers<br />

werden speziell für die Anforderungen<br />

der industriellen Bildverarbeitung<br />

entwickelt und ermöglichen<br />

bei der Untersuchung von<br />

Prüf objekten unterschiedlichster<br />

Art zuverlässige Ergebnisse und<br />

eine optimale Bildqualität. Alle<br />

Filter werden nach den höchsten<br />

Standards produziert, sind für den<br />

langfristigen Einsatz optimiert und<br />

halten auch rauesten Umgebungen<br />

stand. Im Gegensatz zu herkömmlichen<br />

Filtern berücksichtigen<br />

MidOpt-Filter eine Gauߑsche Transmissionskurve<br />

und ermög lichen so<br />

eine maximale Transmission, eine<br />

optimale Anpassung an die gängigsten<br />

LED-Wellenlängen sowie<br />

eine geringe Winkel abhängigkeit.<br />

„Filter von MidOpt sind weltweit<br />

in zahlreichen Branchen im Einsatz,<br />

unter anderem in der Fabrikautomation,<br />

in der Verkehrsüber -<br />

wachung, in Medizin- und Biowissenschaften,<br />

bei landwirtschaftlichen<br />

Inspektionsauf gaben, in der<br />

Bewegungs analyse, in Sicherheitsanwendungen<br />

und in vielen weiteren<br />

Bereichen. Wir freuen uns über die<br />

neue Partner schaft mit diesem etablierten<br />

Hersteller, dessen umfangreiches<br />

Angebot zu einer weiteren<br />

Optimierung der Bildverarbeitungssysteme<br />

unserer Kunden beiträgt“, so<br />

die Rauscher-Geschäftsführer Raoul<br />

Kimmelmann und Thomas Miller. ◄<br />

15. – 18. November <strong>2022</strong><br />

Driving<br />

sustainable<br />

progress.<br />

Die Zukunft schon heute erleben.<br />

Auf der electronica <strong>2022</strong>.<br />

Jetzt Ticket sichern!<br />

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10 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Titelstory<br />

Europapremiere für neuen<br />

8-Megapixel-Farbmonitor auf dem ECR<br />

Rein Medical mit breiter Range an Multi-Modality- und Befundmonitoren<br />

allen voran das Flaggschiff<br />

CL-S1200.<br />

einen ausgeglichenen Bildeindruck<br />

auf dem gesamten Bildschirm.<br />

Rein Medical GmbH<br />

info@reinmedical.com<br />

www.reinmedical.com<br />

„Building Bridges“ lautete das<br />

diesjährige Motto des Europäischen<br />

Röntgenkongresses ECR. Nach<br />

gut drei Jahren pandemiebedingter<br />

Abwesenheit kehrte die Veranstaltung<br />

damit in das Austria Center<br />

Vienna zurück. Auf dem Stand präsentierte<br />

das Unternehmen erstmals<br />

in Europa den neuen 8-Megapixel-<br />

Monitor CL-R813 sowie seine großformatigen<br />

Multi-Modality-Displays,<br />

Einstieg in die<br />

hochwertige<br />

multimodale<br />

Befundung<br />

Der CL-R813 ist für<br />

Radiologen der ideale<br />

Farbmonitor zur Befundung<br />

von Aufnahmen<br />

unterschiedlichster<br />

Modalitäten, etwa DR,<br />

CT, MR und Pathologie.<br />

Das 32 Zoll TFT-<br />

LCD-Display überzeugt<br />

mit einer maximalen<br />

Helligkeit von<br />

500 cd/m² und einem<br />

Kontrastverhältnis von<br />

1000:1. Das Einstiegsgerät reduziert<br />

durch die hohe Auflösung die Belastung<br />

für die Augen und bietet eine<br />

komfortable Bildgebung für die diagnostische<br />

Befundung.<br />

Das Sensorsystem<br />

des CL-R813 besteht aus einem<br />

Frontsensor und einem Umgebungslichtsensor.<br />

„Ersterer misst kontinuierlich<br />

Leuchtdichte und Farbe auf<br />

dem Display und meldet die Werte<br />

an die Kontrolleinheit. So werden<br />

eine sehr stabile Helligkeit und eine<br />

hohe Farbtreue gewährleistet. Letzterer<br />

erkennt die Stärke des Umgebungslichts<br />

und gleicht es für eine<br />

optimale Kalibrierung aus”, erläutert<br />

Cyganek.<br />

Human Presence Sensor<br />

Darüber hinaus beinhaltet der<br />

Monitor einen Human Presence<br />

Sensor. Dieser erkennt, ob ein Arzt<br />

vor dem Bildschirm sitzt - was beim<br />

Energiesparen hilft, wenn der Monitor<br />

nicht in Gebrauch ist. So kann<br />

beispielsweise auch sichergestellt<br />

werden, dass ein Arzt während<br />

der Befundung nicht von der Qualitätskontrolle<br />

gestört wird. Darüber<br />

hinaus sorgt der Uniformity Equalizer<br />

durch die Korrektur der Leuchtdichte<br />

und Farbgleichmäßigkeit für<br />

Ein Display für<br />

unterschiedliche<br />

diagnostische Bilder<br />

Der 30,9-Zoll-Farbmonitor<br />

CL-S1200 mit 12 Megapixeln (4.200<br />

horizontal und 2.800 vertikal) kann<br />

ebenfalls medizinische Bilder unterschiedlicher<br />

Modalitäten nebeneinander<br />

auf einem Monitor darstellen.<br />

Die Anordnung der Fenster<br />

ist dabei frei wählbar. „Der große<br />

Bildschirm ohne Mittelsteg schafft<br />

eine komfortable Umgebung für die<br />

radiologische Diagnostik. Mit seiner<br />

maximalen Helligkeit von 1200 cd/m²<br />

und einem Kontrastverhältnis von<br />

1500:1 ist er auch für die Mammografie<br />

geeignet“, so Cyganek.<br />

Neueste Technologie<br />

integriert<br />

Der Monitor ist mit der neuesten<br />

Technologie ausgestattet. Die patentierte<br />

Funktion Dynamic Gamma etwa<br />

analysiert den gesamten Bildschirminhalt<br />

und wählt in Echtzeit für jedes einzelne<br />

Pixel die jeweils richtige Gammakurve<br />

aus. Das gilt für alle Aufnahmen<br />

und führt zu einer stets optimalen<br />

Darstellung – selbst von bewegten<br />

Bildern. Die Turboluminanzfunktion<br />

kann die Helligkeit und den Kontrast<br />

des Bildschirms für 30 Sekunden<br />

auf den Maximalwert erhöhen, um<br />

erkennbare Graustufen zu vergrößern.<br />

So kann der Radiologe selbst<br />

kontrastarme Läsionen auf Mammografien<br />

sicher beurteilen.<br />

Automatische Anpassung<br />

Leuchtdichte und Farbtemperatur<br />

werden beim CL-S1200 automatisch<br />

und in Echtzeit angepasst. „Der eingebaute<br />

Farbfrontsensor auf dem<br />

Bildschirm misst konstant die Farbtemperatur<br />

und passt Änderungen<br />

über einen langen Zeitraum an“, sagt<br />

Florian Cyganek. Das schont die<br />

Augen des Befundenden Arztes –<br />

ebenso wie die eingebaute Beleuchtung<br />

auf der Rückseite des Monitors<br />

und die indirekte Beleuchtung<br />

von Tastatur und Maus. ◄<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

11


Produktion<br />

Wie lange überstehen medizinische<br />

Instrumente das häufige Sterilisieren?<br />

Autoklavierbeständige UV-Klebstoffe – eine echte Alternative für Klebverbindungen bei stark beanspruchten<br />

medizinischen Geräten<br />

Bild 1: Physikalische und chemische Sterilisationsverfahren, die heutzutage in der medizinischen Industrie üblich sind<br />

Dymax<br />

https://de.dymax.com<br />

Endoskope, chirurgische Instrumente,<br />

zahnmedizinische sowie<br />

andere medizinische Geräte und<br />

deren Gehäusebaugruppen bestehen<br />

häufig aus ganz unterschiedlichen<br />

Materialien und sind heute<br />

an vielen Stellen verklebt oder zum<br />

Schutz ummantelt. Vielfach sind<br />

sie auch mit Sensoren bzw. RFID-<br />

Chips ausgestattet, die ebenfalls<br />

mit den Geräten verklebt sind. Werden<br />

diese nun Hitze, Feuchtigkeit<br />

oder Chemikalien z. B. bei Reinigung<br />

oder der Sterilisation ausgesetzt,<br />

kommen sie schnell an ihre<br />

Grenzen, denn die Klebstoffe bzw.<br />

Schutzbeschichtungen, mit denen<br />

die Geräte komponenten verklebt,<br />

beschichtet oder ummantelt sind,<br />

können so leicht beschädigt werden.<br />

Im besten Fall gehen nur Instrumente<br />

verloren, weil der RFID-<br />

Chip fehlt oder sich abgelöst hat,<br />

im schlimmsten Fall können Geräte<br />

nicht mehr einwandfrei genutzt werden<br />

und führen zur Schädigung des<br />

Patienten. Deshalb ist es von entscheidender<br />

Bedeutung, dass die<br />

zum Einsatz kommenden Klebstoffe<br />

und Schutzbeschichtungen einer<br />

Vielzahl von Belastungen und Einflüssen<br />

standhalten können.<br />

Tests, Normen und<br />

Zulassungen<br />

Diese Klebstoffe und Schutzbeschichtungen<br />

müssen nicht nur<br />

auf einer Vielzahl von Substraten,<br />

darunter Edelstahl, Aluminium,<br />

Glas, sowie schwer verklebbaren<br />

Kunststoffen ausgezeichnet haften,<br />

sondern auch die gleichen<br />

strengen physikalischen Tests, Normen<br />

und Zulassungen, einschließlich<br />

ISO 10993 durchlaufen, denen<br />

alle medizinischen Geräte unterworfen<br />

werden. Zusätzlich müssen<br />

sie auch die zahlreichen Sterilisationszyklen<br />

und unterschiedlichen<br />

Sterilisationsmethoden, denen sie<br />

in der Praxis ausgesetzt werden,<br />

problemlos überstehen. Im Idealfall<br />

sind sie darüber hinaus frei von<br />

Lösemitteln und umweltfreundlich in<br />

der Anwendung wie beispielsweise<br />

lichthärtende Systeme.<br />

Sterilisationsverfahren<br />

Bei den Sterilisationsverfahren,<br />

die in der Medizinindustrie eingesetzt<br />

werden, unterscheidet man<br />

zwischen physikalischen und chemischen<br />

Verfahren. Zu den physikalischen<br />

Sterilisationsmethoden<br />

gehören die thermische Sterilisation,<br />

die Sterilfiltration und die<br />

Bestrahlung mit UV- oder Gammastrahlen.<br />

Bei der chemischen Sterilisation<br />

werden die medizinischen<br />

12 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Produktion<br />

Geräte einer Begasung durch ein Gas- oder<br />

Flüssigkeitsverfahren unterzogen. Bild 1 gibt<br />

einen Überblick über die wesentlichen Sterilisationsverfahren,<br />

die in der Medizintechnik<br />

eingesetzt werden.<br />

Vor- und Nachteile der Verfahren<br />

Jedes dieser Verfahren hat seine Vor- und<br />

Nachteile. Zu den positiven Effekten gehören<br />

je nach Methode beispielsweise die hohe<br />

Durchdringungsfähigkeit, die sehr schnelle<br />

Wirkung gegen Mikroorganismen und die<br />

Beseitigung möglicherweise verbliebener<br />

Rückstände. Zu den negativen Faktoren<br />

zählen lange Sterilisationszyklen, leichte<br />

Entflammbarkeit, die Verwendung gefährlicher<br />

Stoffe oder Chemikalien, Vergilbung<br />

von Kunststoffen und Korrosion verschiedener<br />

Metallsubstrate.<br />

Welches Sterilisationsverfahren im Einzelnen<br />

zum Einsatz kommt hängt von dem medizinischen<br />

Gerät oder Instrument, seiner Funktion,<br />

den Substratkomponenten sowie den<br />

unterschiedlichen Druckverhältnissen und<br />

Umgebungsbedingungen ab, denen es in der<br />

Praxis ausgesetzt ist. Autoklavieren (Dampfsterilisation),<br />

verdampftes Wasserstoffper oxid-<br />

Gasplasma (VHP) und die Ethylenoxidsterilisation<br />

(ETO) gehören zu den häufigsten Sterilisationsmethoden,<br />

die in der Medizinindustrie<br />

eingesetzt werden.<br />

Autoklavieren<br />

Beim Autoklavieren wird Hochdruckdampf<br />

in Kombination mit hohen Temperaturen (ca.<br />

120 °C) genutzt, um die Mikroorganismen<br />

und Bakterien auf den Substratober flächen<br />

unwirksam zu machen und abzutöten. Diese<br />

Sterilisationsmethode hat in der dauer haften<br />

Anwendung allerdings ihre Schwächen, denn<br />

viele Metalle können nach wiederholter Einwirkung<br />

von Dampf korrodieren oder rosten;<br />

einige Kunststoffe können ihre strukturelle<br />

Integrität verlieren, empfindlich auf erhöhte<br />

Hitze reagieren, anfällig für die Migration von<br />

Weichmachern an die Substrat oberfläche sein<br />

oder sogar zerfallen, wenn sie Wasser ausgesetzt<br />

werden.<br />

Daher ist die Sterilisation durch Autoklavieren<br />

nur auf bestimmte Anwendungen<br />

beschränkt. Viele Klebstoffe für medizinische<br />

Geräte halten dem Autoklavieren aufgrund der<br />

hohen Temperatur, der hohen Luftfeuchtigkeit<br />

und des hohen Drucks nur schwer stand.<br />

Das kann dann dazu führen, dass bestehende<br />

Klebe verbindungen angegriffen und die Geräte<br />

oder Instrumente dadurch unbrauchbar werden.<br />

Daher werden immer häufiger Alternativen<br />

zur Dampfsterilisation für wärme- und<br />

feuchtigkeitsempfindliche Instrumente und<br />

Geräte in Betracht gezogen, obwohl der Autoklav<br />

nach wie vor eine der am besten zugänglichen<br />

Optionen für Krankenhäuser, Labors,<br />

Forschungseinrichtungen ist.<br />

Behandlung mittels Ethylenoxid<br />

Eine Alternative zum Autoklavieren ist die<br />

Behandlung mittels Ethylenoxid (Abkürzung:<br />

EO oder EtO), die als eine der häufigsten<br />

Methoden für die Sterilisation von medizinischen<br />

Geräten/Vorrichtungen und Instrumenten<br />

genutzt wird. Bei diesem Verfahren<br />

werden die Produkte in einer abgedichteten<br />

Vakuumkammer dem Ethylenoxid ausgesetzt.<br />

Es handelt sich hierbei um ein chemisches<br />

Verfahren, bei dem die DNS von<br />

Mikroorganismen inaktiviert wird, so dass<br />

diese sich nicht mehr reproduzieren können.<br />

Dabei dringt das Ethylenoxid auch durch luftdurchlässige<br />

Verpackungen und eignet sich<br />

daher optimal für eine Vielzahl von Materialien,<br />

die nicht mit anderen Sterilisierungsmethoden<br />

kompatibel sind.<br />

Gas-Plasma-Sterilisation<br />

Aufgrund einiger negativer Begleiterscheinungen<br />

bei der Sterilisation mit Ethylen oxid,<br />

wie beispielsweise dem Entstehen von gefährlichen<br />

Rückständen und der Tatsache, dass<br />

EtO als flammbares, explosives Gas nur in<br />

Atex-klassifizierten Bereichen verwendet werden<br />

darf, wird die Gas Plasma-Sterilisation<br />

mit Wasserstoffperoxid (VHP) immer populärer.<br />

Sie kommt mittlerweile häufig bei hitzeund<br />

feuchtigkeitsempfindlichen Geräten zum<br />

Einsatz, da die Temperaturen während des<br />

Prozesses ~50 °C nicht überschreiten. VHP<br />

ist ein Verfahren, bei dem Wasserstoffperoxid<br />

in einer Sterilisationskammer zirkuliert<br />

und mit allen Oberflächen in Kontakt kommt,<br />

bevor es nach Abschluss des Sterilisationszyklus<br />

in Sauerstoff und Wasserdampf zerfällt.<br />

Dadurch wird sichergestellt, dass die Instrumente<br />

schnell sterilisiert werden und keine<br />

toxischen Rückstände wie bei der EtO-Sterilisation<br />

zurückbleiben.<br />

In der Praxis gibt es zahlreiche medizinische<br />

Instrumente wie Chirurgische Werkzeuge,<br />

Endoskop-Biopsie-Zubehör, zahnärztliche<br />

Werkzeuge uvm, die wiederholt Sterilisationszyklen<br />

oder mehrfach Autoklaviervorgänge<br />

durchlaufen bzw. alternative Sterilisationsmethoden<br />

wie eine Plasmabehandlung<br />

erfordern.<br />

RFID-Technologie in der<br />

Medizintechnik<br />

Eine Technologie, die sich auch in der<br />

Medizinindustrie immer mehr durchsetzt,<br />

ist die Verwendung von Identifikationschips<br />

oder RFIDs (Radio Frequency Identification)<br />

auf chirurgischen Werkzeugen, Instrumenten<br />

und Verpackungen. RFID-Chips<br />

helfen bei der Verwaltung des genauen<br />

Lagerbestands und erleichtern die Nachverfolgung,<br />

denn mittels kleinster RFID-<br />

Chips können medizinische Instrumente<br />

und Geräte bei Anwendung und Sterilisation<br />

problemlos überwacht werden.<br />

Präzision trifft<br />

Produktivität<br />

Mit dem zweispindligen<br />

Bearbeitungszentrum<br />

BA W02-22i, das mit Linear- und<br />

Torque-Motoren und integrierter<br />

Automatisierung ausgestattet ist,<br />

kann das Produktionsvolumen<br />

schnell gesteigert werden.<br />

Highlights:<br />

– Hohe Maschinensteifi gkeit durch<br />

patentierte Monoblockbauweise für<br />

mehr Präzision durch Stabilität<br />

– Linear- und Torquemotoren in den<br />

Vorschubachsen<br />

– Freier Fall von Spänen durch<br />

horizontale Bearbeitung<br />

– Kleine Grundfl äche (ca. 4 m²)<br />

– Ideale Zugänglichkeit für Wartungsund<br />

Servicearbeiten<br />

sw-machines.com<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong> 13<br />

13


Produktion<br />

Bild 2: Verkapselung eines RFID-Chip, der an einer medizinischen Pinzette<br />

befestigt ist<br />

Anwendungsbereiche<br />

Weitere typische Anwendungen<br />

finden sich:<br />

In Krankenhäusern und Kliniken:<br />

• Ausgabemanagement von Geräten<br />

und Werkzeugen, die für<br />

Unter suchungen und Operationen<br />

benötigt werden<br />

• Vermeidung von lebensbedrohlichen<br />

Operationsfolgen durch im<br />

Körper vergessene Operationsutensilien<br />

• Validierung des Sterilisationsstatus<br />

vor der Verwendung<br />

• Verbesserung/Vereinfachung des<br />

Bestandsmanagement<br />

In anderen Bereichen des<br />

Gesundheitswesens:<br />

• Nachverfolgung und Kontrolle<br />

von Arzneimitteln, um sicherzustellen,<br />

dass die richtige Dosierung<br />

und die richtigen Lagerbedingungen<br />

eingehalten werden<br />

• Nachverfolgung von Blut-/Bioproben<br />

zur Kontrolle der entsprechenden<br />

Lagerungs- und Ablaufdaten<br />

sowie automatisches Tracking,<br />

um eine ordnungsgemäße<br />

Handhabung zu gewährleisten<br />

• Markierung von Wertgegenständen,<br />

wie z. B. chirurgische Instrumente,<br />

Zahnarzt- und Krankenhausausrüstung<br />

RFIDs, die an häufig verwendeten<br />

chirurgischen Instrumenten<br />

angebracht sind, durchlaufen –<br />

genauso wie die zu ihrer Befestigung<br />

verwendeten Materialien -<br />

zahlreiche Sterilisationsvorgänge<br />

und müssen Hunderte von diesen<br />

Zyklen erfolgreich über dauern<br />

(Bild 2).<br />

Bild 3: Lichthärtende Klebstoffe bieten viele Vorteile gegenüber ein- und zweikomponentigen Epoxidharzen<br />

Verkleben, Beschichten und<br />

Verkapseln<br />

Für das Verkleben, Beschichten<br />

und Verkapseln von medizinischen<br />

Geräten und RFIDs stehen<br />

zahlreiche Ein- und Zweikomponenten-Epoxidklebstoffe<br />

zur Verfügung.<br />

Doch häufig sind diese<br />

Materialien im Vergleich zu lichthärtenden<br />

Systemen nicht optimal<br />

für diese Anwendungen im Medizinbereich<br />

geeignet. Zu den Nachteilen<br />

zählen nicht nur die speziell<br />

benötigten Mischsysteme, die langen<br />

Aushärtungszeiten von bis zu<br />

60 Minuten, die kurze Topfzeit oder<br />

die in einigen Fällen erforderliche<br />

Verwendung von Wärmeöfen, sondern<br />

auch die geringere Flexibilität<br />

und Schlagfestigkeit sowie die Notwendigkeit<br />

von Reinigungszyklen,<br />

die gefährliche Abfallstoffe hinterlassen<br />

können.<br />

Einkomponentige, lichthärtende<br />

Klebstoffe sind eine perfekte Alternative<br />

zur Vermeidung dieser Probleme.<br />

Sie garantieren Herstellern<br />

schnelle Aushärtungszeiten von<br />

1 - 30 Sekunden, benötigen keine<br />

Misch- oder Reinigungsprozesse,<br />

weisen je nach Bedarf starre oder<br />

flexible Produkteigenschaften auf,<br />

sind lösungsmittelfrei und RoHSkonform<br />

für eine einfachere Handhabung<br />

und Entsorgung. Diese<br />

Eigenschaften der lichthärtenden<br />

Materialien können dazu beitragen,<br />

Fertigungsprozesse erheblich<br />

zu verbessern, Kosten zu senken<br />

und den Durchsatz zu erhöhen,<br />

wie Bild 3 verdeutlicht.<br />

Universeller UV/<br />

LED-härtbarer Klebstoff<br />

Entsprechend den hohen Anforderungen,<br />

die häufige Sterilisationsvorgänge<br />

mit sich bringen,<br />

wurde ein neuer universeller UV/<br />

LED-härtbarer Klebstoff entwickelt,<br />

der eine extrem geringe Wasseraufnahme<br />

von 0,5 % aufweist und<br />

auch nach zahlreichen Autoklavierzyklen<br />

und Plasmabehandlungen<br />

seine Funktion nicht einbüßt. Dieses<br />

Material wird für die Beschichtung<br />

und/oder Verkapselung von<br />

Gehäusen, Einweg- oder mehrfach<br />

verwendeten medizinischen Instrumenten<br />

sowie einer Vielzahl von<br />

medizinischen Oszilloskopen und<br />

zahnmedizinischen Geräten empfohlen.<br />

Es eignet sich besonders<br />

für die Verkapselung von RFID-<br />

Chips, Sensoren und anderen<br />

elektronischen Komponenten in<br />

und auf medizinischen Geräten,<br />

Werkzeugen und Fläschchen,<br />

bei denen Feuchtigkeitsaufnahme<br />

vermieden werden muss. Zu den<br />

verklebbaren Substraten gehören<br />

Edelstahl, Aluminium, Glas, PP/PE<br />

und Leiterplatten. ◄<br />

Dymax MD 1040-M wurde<br />

einer Reihe von Leistungstests<br />

unterzogen, darunter<br />

beschleunigte Alterung und<br />

Sterilisation, Untersuchung<br />

der Wasseraufnahme, Prüfung<br />

der elektrischen Eigenschaften<br />

und Messung der<br />

Wasserdampfdurchlässigkeit.<br />

Das lösungsmittelfreie Material<br />

erfüllt die Zytotoxizitätsnormen<br />

nach ISO 10993-5 und härtet<br />

bei Bestrahlung mit UV-Licht<br />

oder LED-Licht mit einer Wellenlänge<br />

von 365 nm innerhalb<br />

von Sekunden aus.<br />

Für Hersteller, die sich mit<br />

der Montage und dem Schutz<br />

von medizinischen Geräten<br />

und Instrumenten befassen<br />

und die einen Klebstoff oder<br />

ein Beschichtungs- und Verkapselungsmaterial<br />

suchen,<br />

das zahlreichen Sterilisationszyklen<br />

standhält, könnte<br />

Dymax MD 1040-M die richtige<br />

Lösung sein.<br />

14 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Produktion<br />

Neue Möglichkeiten für die<br />

SLS-Materialentwicklung<br />

Sintratec, Schweizer Hersteller von industriellen 3D-Druck-Systemen, lanciert eine neue Softwarelösung. Mit<br />

dem Material Developer Upgrade (MDU) wird die Sintratec S2 in eine leistungsstarke Entwicklungsplattform mit<br />

über 100 konfigurierbaren Parametern verwandelt.<br />

das Verhalten beim Aufbringen<br />

der Schichten, die Laserleistung,<br />

die Steuerung der Heizzonen<br />

und vieles mehr. Als<br />

Highlight können die Benutzer<br />

die Strategie des Laserpfads<br />

mit Skripten vollständig<br />

anpassen. Der Material<br />

Developer Upgrade ist flexibel,<br />

schnell und vollständig<br />

in die Sintratec Central Software<br />

integriert.<br />

Sintratec<br />

www.sintratec.com<br />

Der 3D-Druck und insbesondere<br />

das Selektive Lasersintern<br />

(SLS) werden von einer begrenzten<br />

Anzahl von Materialien dominiert.<br />

Diese gängigen SLS-Pulver<br />

– wie PA12 oder TPE – haben<br />

sich für viele industriellen Anwendungen<br />

als die ideale Wahl erwiesen.<br />

Für Nischenbereiche, die<br />

besondere Anforderungen an das<br />

Material stellen, fehlte es bisher<br />

jedoch an Optionen.<br />

Neue Möglichkeiten<br />

für die<br />

Materialforschung<br />

und -entwicklung<br />

Mit der Einführung des<br />

Material Developer Upgrades bietet<br />

Sintratec nun eine Softwarefunktion,<br />

die neue Möglichkeiten für die<br />

Materialforschung und -entwicklung<br />

eröffnet. Konfigurationen können in<br />

jedem Schritt des Prozesses vorgenommen<br />

werden - von der digitalen<br />

Teilevorbereitung bis zu verschiedenen<br />

Schritten während des<br />

Drucks. Der Anwender kann insgesamt<br />

über 100 Parameter anpassen.<br />

Dazu gehören Slicing-Einstellungen,<br />

Mehrere Materialien<br />

gleichzeitig entwickeln<br />

Das MDU soll Innovationen<br />

entfesseln – sei es bei der<br />

Anpassung bestehender oder bei<br />

der Entwicklung völlig neuer Pulvermaterialien.<br />

Und dank der Modularität<br />

des Sintratec S2 Systems wird<br />

eine gleichzeitige Entwicklung mehrerer<br />

Materialien zur Realität. Da das<br />

Lasersinter-Modul nie in direktem<br />

Kontakt mit der materialspezifischen,<br />

beweglichen Kerneinheit steht, kommt<br />

es zu keiner Kreuzkontamination.<br />

Daraus resultiert eine wesentlich<br />

schnellere Forschungsgeschwindigkeit<br />

und vereinfachte Einführung des<br />

Materials in Produktionslinien. Weitere<br />

Informationen über das Material<br />

Developer Upgrade unter: sintratec.<br />

com/de/MDU. ◄<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

15


Produktion<br />

Anzeige<br />

Heinz Meise GmbH - Medizintechnik<br />

Vom Medizinprodukthersteller zum<br />

Sterilisationsdienstleister<br />

Unsere Erfahrung<br />

Als Medizinproduktehersteller<br />

wenden wir das Verfahren im industriellen<br />

Bereich bereits seit 1993<br />

erfolgreich im eigenen Unternehmen<br />

an. Seit 2001 mit speziell für unsere<br />

Bedürfnisse entwickelten Sterilisationsanlagen.<br />

Zurzeit sind zwei Anlagen<br />

in Betrieb, STERIPLAS 1000<br />

und STERIPLAS 2000. Jeweils<br />

mit 1000 bzw. 2000 Liter Kammervolumen.<br />

Durch die seit 2008 erhaltene<br />

offizielle Genehmigung zur Lohnsterilisation<br />

haben wir über unsere<br />

eigenen Produkte hinaus eine langjährige<br />

Expertise in der Sterilisation<br />

von Medizinprodukten anderer<br />

Hersteller aus anderen Branchen.<br />

Gas-Plasma-Sterilisation -<br />

VH202<br />

Die Gas-Plasma-Sterilisation<br />

wurde ursprünglich im klinischen<br />

Bereich verwendet und wurde als<br />

NTP-Sterilisation (Niedrig-Temperatur-Plasma-Sterilisation)<br />

bezeichnet.<br />

Ihr Ansprechpartner:<br />

Herr Dirk Reinert,<br />

reinert@meise.com<br />

Heinz Meise GmbH -<br />

Medizintechnik<br />

www.meise.com<br />

Die Heinz Meise GmbH - Medizintechnik<br />

-wurde in ihrer heutigen<br />

Form 1983 von Herrn Heinz Meise<br />

im sauerländischen Schalksmühle<br />

gegründet. Als mittelständisches<br />

Unternehmen entwickeln, fertigen<br />

und vertreiben wir sterile Medizinprodukte<br />

für verschiedene Branchen,<br />

die wir global vermarkten. Unsere<br />

Inhouse Gas-Plasma-Sterilisation<br />

bieten wir zudem auch als Lohnsterilisation<br />

an, ebenso wie den<br />

Verkauf von Sterilisationsanlagen.<br />

Als Sterilisationsdienstleister sind<br />

wir Ihr Partner rund um die materialschonende<br />

Sterilisation Ihrer<br />

Medizinprodukte. Integrieren Sie<br />

mit den SteriVacPlas-Geräten Ihren<br />

Sterilisationsprozess direkt in Ihren<br />

Produktions-Workflow oder lassen<br />

Sie die Sterilisation als Dienstleistung<br />

bei uns durchführen. Gerne<br />

bieten wir Ihnen professionelle<br />

Unterstützung bei der Validierung<br />

Ihrer Produkte an.<br />

16 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Produktion<br />

Vorteile der Inhouse Gas-Plasma-Sterilisation<br />

• keine Verformung<br />

• keine Versprödung<br />

• keine Verfärbung<br />

• keine Korrosion (Verfahren auf trockener Basis)<br />

• energiesparend<br />

Kurze Sterilisationszeit<br />

• mehrere Läufe pro Schicht möglich<br />

• schonende Behandlung des Sterilisationsgutes<br />

• schnelle Verfügbarkeit der sterilen Produkte<br />

Weitere Vorteile<br />

• auf die Produkte abgestimmte Prozessabläufe<br />

• keine Rückstände auf den Produkten<br />

• keine Restgasproblematik, folglich keine Quarantäne der Produkte<br />

nach Sterilisation<br />

• keine allergischen Patientenreaktionen<br />

Vorteile bei eigener Inhouse-Sterilisation<br />

Niedrige Arbeitstemperatur von 45 - 55 °C<br />

• das Verfahren ist sowohl für thermolabile Kunststoffe wie auch für<br />

hochwertige elektronische Bauteile bestens geeignet<br />

• Unabhängig von externen Dienstleistern<br />

• Kosteneinsparung des zusätzlichen Logistikaufwands durch externe<br />

Sterilisation<br />

• Einsparung von Lagerkosten<br />

• Größtmögliche Flexibilität<br />

• keine behördlichen Auflagen zu berücksichtigen<br />

Zu Beachten<br />

• Das Sterilisationsgut muss begasbar sein und darf keine Zellulose<br />

beinhalten<br />

• Es ist eine Tyvek-Steril-Verpackung erforderlich<br />

• Die Sekundärverpackung erfolgt nach der Sterilisation<br />

Das auf Wasserstoffperoxid - H 2 O 2<br />

– basierende Verfahren, wurde mit<br />

der Einführung der MDR im Mai<br />

2021 offiziell als VH2O2 benannt,<br />

wobei das „V“ für vaporised, also<br />

verdampftes Wasserstoffperoxid<br />

steht. Bei diesem Sterilisationsverfahren<br />

handelt es sich um eine<br />

materialschonende und zeiteffiziente<br />

Alternative im Vergleich zu<br />

herkömmlichen Verfahren.<br />

Das Verfahren<br />

Unter Feinvacuum werden die in<br />

der Steril Verpackung befindlichen<br />

Produkte mit verdampftem Wasserstoffperoxid<br />

begast. Über die<br />

Einwirkzeit werden die Mikroorganismen<br />

durch die Mikrobizide Wirkung<br />

des H 2 O 2 abgetötet. Ein Hochfrequenzfeld,<br />

welches zu Prozessbeginn<br />

der Vorwärmung der Produkte<br />

dient, sorgt nach der Einwirkzeit<br />

für den Zerfall des H 2 O 2 in die<br />

unschädlichen Endprodukte Wasser<br />

und Sauerstoff. Während der Hochfrequenzphase<br />

entsteht ein leuchtendes,<br />

physikalisches Plasma, welches<br />

dem Verfahren seinen Namen gab.<br />

Der Meise-Service<br />

Unser erfahrenes Expertenteam berät unsere Kunden<br />

vom telefonischen Erstkontakt bis hin zur späteren Routinesterilisation,<br />

ob als Lohnsterilisation oder mit Ihrem<br />

eigenen SteriVacPlas-Gerät.<br />

Auch im logistischen Bereich nehmen wir gerne<br />

Herausforderungen an.<br />

• kostenloser orientierender Vortest<br />

• Optimierung der Sterilisationszyklen auf Ihre Produkte<br />

• Unterstützung bei der Validierung nach DIN EN ISO 14937<br />

• Unterstützung bei der Auswahl und Präparation geeigneter<br />

Prüfkörper für die Validierung und späteren Routinesterilisation<br />

Sämtliche Prozessparameter werden<br />

gemäß dem Stand der Technik<br />

elektronisch erfasst, ausgewertet,<br />

gesichert und dienen der parametrischen<br />

Freigabe. Weitere detaillierte<br />

Informationen finden Sie auf<br />

unserer Homepage.◄<br />

• Durchführung von Steriltests mittels Bioindikatoren<br />

• Unterstützung bei der Projektierung und Inbetriebnahme<br />

Ihrer Sterilisationsanlage<br />

• Schulung des Bedienpersonals<br />

• Wartung und Service Ihrer Anlage<br />

• Reparatur- und Ersatzteilservice innerhalb von<br />

24 h in Deutschland<br />

Auch bei Interesse an einer eigenen Anlage kann<br />

Ihnen der Weg über die Lohnsterilisation wertvolle<br />

Zeit sparen um Ihre Produkte frühzeitig am Markt zu<br />

platzieren. Wir klären gerne Ihre Fragen und erstellen<br />

Ihnen ein individuelles Angebot über die Kosten<br />

Ihrer Sterilisation.<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

17


Produktion<br />

Aufbau- und Verbindungsstrategien<br />

von optischen Glasfasern<br />

Klebstofffreie Faser-zu-Chip-Anbindung durch direktes Laserschweißen für die integrierte Photonik<br />

Fraunhofer-Institut<br />

für Zuverlässigkeit und<br />

Mikrointegration IZM<br />

www.izm.fraunhofer.de<br />

Aufbau- und Verbindungsstrategien<br />

von optischen Glasfasern mit<br />

photonischen integrierten Schaltkreisen<br />

(PICs) werden üblicherweise<br />

mit Klebstoffen realisiert.<br />

Doch diese Verbindungstechnik<br />

kann langfristig zu optischer<br />

Degradation und dadurch zu<br />

hohen optischen Übertragungsverlusten<br />

führen, welche für kritische<br />

Anwendungen, wie in der<br />

Medizintechnik und Life Science,<br />

fatal sind.<br />

Klebstofffreies,<br />

platzsparendes<br />

und robustes<br />

Laserschweißverfahren<br />

Im Rahmen des Eurostars-Projekts<br />

„PICWeld“ entwickelten Forschende<br />

des Fraunhofer IZM in<br />

Zusammenarbeit mit den Partnern<br />

LioniX International BV,<br />

Phix Photonics Assembly und<br />

ficonTEC Service GmbH, ein klebstofffreies,<br />

platzsparendes und<br />

robustes Laserschweißverfahren<br />

zur Fixierung von Glas fasern an<br />

PICs. Durch die Integration des<br />

Verfahrens in eine automatisierte<br />

Justageanlage wurde die industrielle<br />

Reife des Systems gezeigt,<br />

was die Glas-Glas-Verbindungstechnik<br />

für einen kommerziellen<br />

Einsatz sehr attraktiv macht.<br />

Wechselwirkungen<br />

zwischen Licht und Materie<br />

Schon lange ist bekannt, dass<br />

biochemische Prozesse von Organfunktionen<br />

über die Temperaturregulierung<br />

bis hin zur Hormonproduktion<br />

maßgeblich von Licht<br />

beeinflusst werden. Inzwischen<br />

ist die Forschung rund um Licht<br />

und Körper weit vorangeschritten,<br />

junge Disziplinen wie die Life Science<br />

und Biophotonik beschäftigen<br />

sich mit Fragen, die sich am Schnittpunkt<br />

der Naturwissenschaften und<br />

Medizin befinden. Mit hochpräzisen<br />

und komplexen Messungen können<br />

damit Informationen darüber gewonnen<br />

werden, wie sich die Wechselwirkungen<br />

zwischen Licht und Materie<br />

gestalten, zum Beispiel bei der<br />

Untersuchung der Struktur von Zellen<br />

und Geweben, die für Krebserkrankungen<br />

relevant sind.<br />

Rolle des sichtbaren Lichts<br />

in biologischen Prozessen<br />

zeigen<br />

Doch Einblicke in das Innerste zu<br />

erhalten, ist kein leichtes Unterfangen:<br />

Kürzlich wurden miniaturisierte<br />

Systeme basierend auf photonisch<br />

integrierten Schaltkreisen mit hochstabilen<br />

Faserverbindungen vorgeschlagen,<br />

um die Rolle des sichtbaren<br />

Lichts in biologischen Prozessen<br />

nachvollziehen zu können.<br />

Genau an dieser Stelle setzte das<br />

Fraunhofer IZM im BMBF-geförderten<br />

Eurostars-Projekt „PICWeld“ an und<br />

entwickelte ein gänzlich neuartiges<br />

Laserschweißverfahren, mit dem<br />

optische Fasern direkt mit PICs auf<br />

Quarzglas verschweißt werden können.<br />

Mit Hilfe des Partners ficonTEC<br />

18 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Produktion<br />

Service GmbH wurde dieses Verfahren<br />

in einer automatischen Anlage<br />

umgesetzt, die eine hohe Reproduzierbarkeit<br />

und Skalierbarkeit bietet.<br />

Ziel: robuste und<br />

transparente Glas-Glas-<br />

Verbindung<br />

Das Forschungsteam rund um<br />

Dr. Alethea Vanessa Zamora Gómez<br />

hat es sich zur Aufgabe gemacht,<br />

Glas-Glas-Verbindungen einfacher,<br />

robuster und langlebiger zu gestalten.<br />

Dabei werden die diskreten<br />

optischen Bauteile mit einem Klebstoff<br />

verbunden. Durch die Weichheit<br />

des Klebstoffs kann sich die<br />

Position des Bauteils über die Zeit<br />

ändern, zudem stellt er eine Störstelle<br />

zwischen den beiden Glasschichten<br />

dar, die eine Dämpfung des Signals<br />

verursacht und nach Alterung des<br />

Klebstoffs brüchig werden kann. Die<br />

Langzeit stabilität ist daher oft kritisch.<br />

Um diese Nachteile der Verbindungstechnik<br />

zu umgehen, haben die Forschenden<br />

einen Prozess des CO 2 -<br />

Laserschweißens entwickelt und realisieren<br />

damit erstmals eine direkte,<br />

thermisch robuste und transparente<br />

Glas-Glas-Verbindung.<br />

Neue, automatisierte<br />

Prozessanlage<br />

Um das Laserschweißen für<br />

zuverlässige Quarzglasverbindungen<br />

jedoch nicht nur experimentell<br />

durchzuführen, sondern<br />

der Industrialisierung und hohen<br />

Skalierbarkeit einen Schritt näher<br />

zu kommen, wurde eine gänzlich<br />

neue, automatisierte Prozessanlage<br />

entworfen und hergestellt.<br />

Die entstandene Anlage ermöglicht<br />

eine im Interface klebstofffreie<br />

und polarisationserhaltende,<br />

hocheffiziente Kopplung zwischen<br />

optischen Quarzglas-Fasern und<br />

Quarzglas-PICs mit integrierten<br />

Wellenleitern. Doch bis zur Umsetzung<br />

anwendungstauglicher Verbindungen<br />

mussten die Forschenden<br />

eine Reihe technologischer Herausforderungen<br />

bewältigen. Da Glasfasern<br />

und Substrate unterschiedliche<br />

Volumina haben, sind auch<br />

die Wärmekapazitäten der beiden<br />

Fügepartner ungleich. Diese Diskrepanz<br />

resultiert in einem stark unterschiedlichen<br />

Aufheiz- und Abkühlverhalten,<br />

was z. B. zu Deformationen<br />

oder Rissen beim Abkühlen<br />

führen kann. Die Lösung der Photonik-Experten<br />

lag darin, das Substrat<br />

mittels eines separaten und<br />

individuell anpassbaren Lasers<br />

homogen vorzuheizen, so dass<br />

die Schmelzphase der Faser und<br />

des Substrats dennoch gleich zeitig<br />

erreicht wird.<br />

Erfolgreicher Einsatz<br />

Die Anlage, die mit thermischer<br />

Prozessüberwachung bis 1300 °C,<br />

einem bis auf 1 µm genauen Positioniersystem,<br />

einem Bilderkennungsverfahren<br />

sowie einer Steuerungssoftware<br />

ausgestattet ist, schweißte<br />

bereits im Laufe des Projekts erste<br />

Verbindungen, so dass die Funktionsfähigkeit<br />

getestet und erste prozessorientierte<br />

Messungen durchgeführt<br />

wurden.<br />

Folgeprojekte<br />

Nach dem PICWeld-Abschluss<br />

im Jahr 2021 ergaben sich nahtlos<br />

erste Folgeprojekte, in denen<br />

die neue Technologie zum Faserkoppeln<br />

von Kollimatoren, Wellenleiterchips<br />

und Multilinsenarrays<br />

genutzt wurde. „Mit unserer<br />

Anlage zum CO 2 -Laserschweißen<br />

haben wir das bisherige Verfahrensprinzip<br />

erweitert: Insbesondere<br />

das hohe Automatisierungspotenzial<br />

ermöglicht es den<br />

Kunden, PICs mit höchster Kopplungseffizienz<br />

zu verwenden. In<br />

der Industrie integriert, bedeutet<br />

das einen Sprung für die Anwendungsbereiche<br />

der Biophotonik,<br />

aber auch der Quantenkommunikation<br />

und Hochleistungsphotonik“,<br />

erklärt die Projektleiterin<br />

am Fraunhofer IZM, Dr. Alethea<br />

Vanessa Zamora Gómez.<br />

Förderung<br />

Bundesministerium für Bildung<br />

und Forschung (BMBF) mit dem<br />

Förderkennzeichen 01QE1744C.<br />

Es gehört zum Eurostars-Programm<br />

(11324), in dessen Rahmen eine<br />

Zusammenarbeit mit Lionix International<br />

BV, Phix Photonics Assembly<br />

und ficonTEC Service GmbH<br />

erfolgt ist. ◄<br />

MEDIZINTECHNIK-PRODUKTION.<br />

VOLLAUTOMATISIERT.<br />

Maßgeschneiderte und schlüsselfertige<br />

Produktionsanlagen mit integrierter<br />

Dosiertechnik sorgen für die hochpräzise<br />

und ultraschnelle Herstellung Ihrer<br />

medizintechnischen Geräte und Produkte.<br />

JETZT ANMELDEN:<br />

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Vom Prototypenbau über ergonomische<br />

Betriebsmittel für Klein- und Mittelserien<br />

bis hin zur automatisierten Serienfertigung<br />

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Prototyp<br />

Mittelserie<br />

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meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

19


Produktion<br />

Herausforderungen für 3D-Druck-Anwender<br />

Der 3D-Drucker microArch S230 bietet eine extrem hohe Auflösung (bis<br />

zu 2 μm) mit beispielloser Genauigkeit, Präzision und Geschwindigkeit.<br />

Merkmale der Teile: Lochanordnungen von 50, 100, 200 und 300 μm,<br />

unterschiedliche Säulendesigns (massiv und ausgehöhlt), offene Kanäle<br />

unterschiedlicher Breite, Wandstärken von 10 - 220 Mikron<br />

Wer seine Aufgaben in Produktentwicklung<br />

und Produktion<br />

mithilfe von 3D-Druckern lösen<br />

will, steht vor einigen Herausforderungen.<br />

Sie betreffen die Auswahl<br />

des richtigen Verfahrens mit<br />

der gewünschten Genauigkeit, Auflösung<br />

und Präzision, die jeweils verfügbaren<br />

Materialien, die Wiederholbarkeit<br />

und die erforderliche Nachbearbeitung<br />

der Druckergebnisse.<br />

Schließlich soll sich das 3D-Drucksystem<br />

auf lange Sicht amortisieren.<br />

Auswahl des richtigen<br />

3D-Druckers<br />

Bevor es zur Entscheidung für<br />

einen bestimmten 3D-Drucker<br />

Boston Micro Fabrication<br />

www.bmf3d.com<br />

kommt, müssen Konstrukteure, Fertigungsverantwortliche<br />

und Einkäufer<br />

die beste Technologie für eine<br />

bestimmte Anwendung festlegen.<br />

Die erforderlichen Recherchen können<br />

beträchtlich sein, denn für alle<br />

Anwendungen gibt es mittlerweile<br />

verschiedene Verfahren. Laut Statista<br />

sind die beliebtesten 3D-Drucktechnologien<br />

FDM (Fused Deposition<br />

Modeling), FF (Fused Filament<br />

Fabrication) und SLS (Selective<br />

Laser Sintering). Aber auch die<br />

Stereolithografie (SLA) und Varianten<br />

wie PµSL für den Mikro-3D-<br />

Druck haben ihre Vorteile, je nach<br />

Anwendung und den gewünschten<br />

Eigenschaften der fertigen Bauteile.<br />

Diese Herausforderungen<br />

gehen über Kosten und Komplexität<br />

hinaus. Wer einen 3D-Drucker<br />

anschaffen will, muss genügend<br />

3D-Druckprojekte haben, um eine<br />

solide Kapitalrendite (ROI) zu erzielen.<br />

Ebenso müssen Käufer über<br />

die Geschwindigkeit von 3D-Druckern<br />

und die Mengen nachdenken,<br />

bei denen andere Fertigungsverfahren<br />

kosten effektiver werden<br />

Außerdem müssen sie 3D-Druckgeräte<br />

auswählen, die die erforderliche<br />

Auflösung, Genauigkeit<br />

und Präzision unterstützen. Alle<br />

drei Spezifikationen sind weit verbreitet,<br />

aber die Terminologie kann<br />

missverstanden werden.<br />

Auflösung, Genauigkeit und<br />

Präzision<br />

Die Auflösung setzt sich dabei aus<br />

folgenden Kennzahlen zusammen:<br />

Da 3D-Drucker Teile in drei Dimensionen<br />

produzieren, gibt es Werte für<br />

die XY-Ebene und eine Schichthöhe<br />

oder -dicke für die Auflösung in der<br />

Z-Achse. Beide Zahlen sind wichtig,<br />

aber der XY-Wert hat eine größere<br />

Bedeutung für die Druckqualität und<br />

Oberflächenbeschaffenheit. Es zählen<br />

aber nicht nur die Außenmaße<br />

eines Teils. Denn viele größere Komponenten<br />

enthalten winzige Löcher,<br />

scharfe Kanten oder stiftähnliche<br />

Vorsprünge, die ebenso gedruckt<br />

werden müssen.<br />

Die Genauigkeit ist ein weiterer<br />

Schlüsselparameter und bezieht<br />

sich auf die Fähigkeit des 3D-Druckers,<br />

die gewünschten Abmessungen<br />

zu erreichen. Stellen Sie sich<br />

ein stabförmiges Teil vor, das 10 μm<br />

lang sein muss. Ein Drucker, der ein<br />

Teil mit dieser exakten Messung herstellt,<br />

weist einen hohen Genauigkeitsgrad<br />

auf. Ein System, das ein<br />

Teil mit 11 μm druckt, ist weniger<br />

Hier wurden die 50-µm-Löcher auf<br />

einem microArch S240-System mit<br />

dem Material RG gedruckt<br />

Das Ventil für Gensequenzer hat<br />

Außenmaße von 24,5 x 28,3 x<br />

22 Millimetern und Wandstärken<br />

von 10 - 220 Mikron,<br />

genau. Natürlich muss die Materialschrumpfung<br />

berücksichtigt werden.<br />

Solange ein Teil nicht den vom Benutzer<br />

geforderten Abmessungen entspricht,<br />

ist es nicht genau genug.<br />

Präzision bezieht sich darauf, wie<br />

nah Messungen desselben Gegenstands<br />

beieinander liegen. Ein klassisches<br />

Beispiel für den Unterschied<br />

zwischen Präzision und Genauigkeit<br />

liefert das Dartspiel. Die Darts<br />

sind präzise geworfen, wenn alle<br />

Darts sehr nah beieinander liegen,<br />

aber nicht genau, wenn sie dabei<br />

weit entfernt vom Schwarzen landen.<br />

Genauigkeit und Präzision<br />

sind erreicht, wenn die Pfeile nahe<br />

am Schwarzen und nahe beieinander<br />

landen.<br />

Materialien<br />

Die meisten 3D-Drucker sind<br />

entweder für die Verarbeitung von<br />

Polymeren, Metallen, Verbundwerkstoffen,<br />

Keramik oder Glas ausgelegt.<br />

Es gibt Drucker, die mehrere<br />

Materialien verarbeiten können, wie<br />

So sieht das gleiche Bauteil aus,<br />

wenn es auf einem üblichen SLA-<br />

Drucker gefertigt wird<br />

20 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Produktion<br />

Dieser Stent wurde auf einem<br />

microArch Drucker von BMF aus<br />

biokompatiblem Material gedruckt<br />

Polymere und Keramiken. Diese<br />

Geräte sind jedoch für höherwertige<br />

Anwendungen bestimmt. Bei<br />

weniger fortschrittlichen 3D-Druckern<br />

kann die Auswahl an Materialien<br />

ebenfalls begrenzt sein. Einige<br />

Hersteller bieten ein offenes Materialsystem<br />

an, das auch Fremdprodukte<br />

enthält. Andere beschränken<br />

die Auswahl auf die firmeneigenen<br />

Materialien.<br />

Die Materialauswahl<br />

ist eine Herausforderung, weil<br />

nicht alle in der Produktion üblichen<br />

Stoffe auch für den 3D-Druck verfügbar<br />

sind. Das liegt zum Teil daran,<br />

dass einige Metalle und Polymere<br />

nicht so temperaturgesteuert werden<br />

können, wie die additive Fertigung<br />

es erfordert. Außerdem gilt es, die<br />

Anforderungen einer Anwendung<br />

mit den Eigenschaften des Materials<br />

in Einklang zu bringen. Die Verwendung<br />

unterschiedlicher Materialien<br />

während der Prototypenherstellung<br />

und Produktion erhöht die<br />

Komplexität zusätzlich.<br />

Gerade bei biomedizinischen Produkten<br />

gibt es Probleme mit den<br />

Materialien. So ist etwa die begrenzte<br />

Das Endoskop-Gehäuse misst 9,8 x<br />

9,8 x 13,8 mm und weist komplexe<br />

Strukturen auf<br />

Auswahl an Materialien, die sich für<br />

die Entwicklung von Membranmodulen<br />

eignen, eine große Herausforderung.<br />

Hinzu kommt, dass bei<br />

allen Arten von 3D-Druckmaterialien<br />

die Eigenschaften für die Endanwendung<br />

nicht dieselben wie bei<br />

herkömmlichen Materialen sind.<br />

So hat beispielsweise ABS-Kunststoff,<br />

der in 3D gedruckt wird, nicht<br />

die gleiche Schlagfestigkeit wie<br />

ABS-Kunststoff, der mikrobearbeitet<br />

oder im Mikrospritzgussverfahren<br />

hergestellt wird.<br />

Wiederholbarkeit<br />

Auch die Wiederholbarkeit ist eine<br />

Herausforderung für die 3D-Druckbranche.<br />

Das liegt daran, dass die<br />

Position des Bauteils auf der Druckoberfläche<br />

die Höhe, Breite, Tiefe<br />

und das Gewicht des Endprodukts<br />

beeinflussen kann. Laut einer Studie<br />

zur Qualitätssicherung beim<br />

3D-Druck kann dieser nicht an<br />

jedem Ort und unter allen Bedingungen<br />

Qualität gewährleisten.<br />

Diese mangelnde Wiederholbarkeit<br />

kann den Ertrag verringern<br />

und den Durchsatz verlangsamen.<br />

Besonders die Beziehung zwischen<br />

Wiederholbarkeit und Präzision entspricht<br />

nicht der Genauigkeit, die im<br />

Allgemeinen als die Nähe einer Messung<br />

zum wahren Wert beschrieben<br />

wird. Dagegen ist hochauflösender<br />

3D-Druck im Mikromaßstab<br />

möglich und beim Druck von Mikroteilen<br />

erreicht PµSL Toleranzen von<br />

±25 µm. Mit der PµSL 3D-Drucktechnologie<br />

kann eine spiegelähnliche<br />

Oberfläche mit einer Oberflächengüte<br />

von 0,4 - 0,8 µm Ra<br />

erreicht werden.<br />

Nachbearbeitung<br />

Die meisten 3D-gedruckten Teile<br />

müssen in irgendeiner Form gesäubert<br />

oder nachbearbeitet werden, um<br />

Trägermaterial aus der Konstruktion<br />

zu entfernen. Außerdem müssen<br />

die Oberflächen der Teile geglättet<br />

werden, um die gewünschte Oberflächengüte<br />

zu erreichen. Hierfür<br />

können verschiedene Nachbearbeitungsmethoden<br />

eingesetzt werden.<br />

Beispiele sind Wasserstrahlen,<br />

Schleifen, chemisches Einweichen<br />

und Spülen sowie manuelle<br />

Nachbearbeitung. Unabhängig<br />

von der Methode verursachen sie<br />

alle zusätzliche Kosten und verlängern<br />

die Projektlaufzeit.<br />

Dem Bericht von Wohlers über<br />

den Stand der 3D-Druckindustrie<br />

zufolge entfallen 27 Prozent der<br />

Gesamtkosten für die Herstellung<br />

eines Prototyps auf die Nachbearbeitung.<br />

Doch die Kosten sind nicht die<br />

einzige Sorge. „3D Natives“ berichtet<br />

beispielsweise, dass 52 Prozent<br />

der Befragten es für schwierig halten,<br />

eine gleichmäßige Oberflächenbeschaffenheit<br />

zu erzielen. Für<br />

53 Prozent der Befragten dauern die<br />

Nachbearbeitungszyklen zu lange.<br />

Praktisch und leistungsstark<br />

Die PμSL-Technologie von Boston<br />

Micro Fabrication (BMF) ist eine<br />

neue 3D-Drucktechnologie zur<br />

Produktion von kleinen Teilen, die<br />

hohe Präzision, Auflösung und Genauigkeit<br />

bei hohen Geschwindigkeiten<br />

erfordern. Die Projektions-<br />

Mikro-Stereolithographie (PμSL),<br />

eine Form der SLA, ist weltweit die<br />

einzige Technologie, die in Bezug<br />

auf Größe, Auflösung und Toleranz<br />

dem Präzisionsspritzguss entspricht.<br />

Darüber hinaus bietet BMF<br />

eine offene Materialplattform und<br />

kooperiert mit Drittlieferanten und<br />

OEMs, um Materialien für spezifische<br />

Anwendungen bereitzustellen.<br />

Wer schreibt:<br />

Boston Micro Fabrication (BMF)<br />

hat sich auf 3D-Druck mit Mikropräzision<br />

spezialisiert und die<br />

3D-Drucktchnologie namens PμSL<br />

(Projection Micro Stereolithography)<br />

entwickelt. ◄<br />

PμSL (Projection Micro Stereolithography)<br />

Das microArch-System von<br />

Boston Micro Fabrication beruht<br />

auf einer 3D-Drucktchnologie<br />

namens PμSL (Projection Micro<br />

Stereolithography). Diese Technologie<br />

ermöglicht eine schnelle<br />

Photopolymerisation einer<br />

Schicht flüssigen Polymers mittels<br />

eines UV-Lichtblitzes mit Auflösungen<br />

im Mikrobereich. Durch<br />

anpassbare Optiken, eine hochwertige<br />

Mechanik und eine validierfähige<br />

Fertigungstechnologie,<br />

entstehen genaue, hochauflösende<br />

Komponenten für die<br />

Produktentwicklung, Forschung<br />

und industrielle Kleinserienproduktion.<br />

Dieser Durchbruch der<br />

Branche verschafft Herstellern<br />

die Vorteile des 3D-Drucks ohne<br />

Abstriche an Qualität oder Skalierbarkeit.<br />

Der 3D-Drucker von BMF erlaubt die Mikrofertigung in Serienqualität<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

21


Produktion<br />

Laserschweißen - einfach, sicher und sauber<br />

Lasergeschweißtes medizinisches Bauteil (nadellose Spritze)<br />

Autoren:<br />

Dipl.-Ing. Frank Brunnecker,<br />

Geschäftsführer & Gesellschafter<br />

Dipl.-Ing. Christian Ebenhöh,<br />

Key Account Manager<br />

Evosys Laser GmbH<br />

www.evosys-laser.de<br />

Laserschweißen von Kunststoffen<br />

ist das ideale Verfahren, wenn<br />

Kunststoffteile medizinischer Produkte<br />

prozesssicher miteinander verbunden<br />

werden sollen. Diese Technologie<br />

genießt heute einen guten<br />

Ruf in der Pharma- und Medizintechnikindustrie,<br />

da sie als validierungssicher<br />

gilt. Vom Blut zuckermessgerät<br />

über die Insulin- und Medikamentendosierung<br />

bis hin zu Strukturkomponenten<br />

medizinischer Ausrüstung<br />

wird das Verfahren in vielen<br />

Bereichen eingesetzt.<br />

Laserschweißen von Kunststoffen<br />

hat sich in den vergangenen 20 Jahren<br />

bedeutend weiterentwickelt und<br />

zählt heute zu den bevorzugten Verfahren,<br />

wenn es darum geht, sichere<br />

Verbindungen zu erzeugen. Insbesondere<br />

bei Anwendungen, die<br />

eine hohe Sauberkeit im Herstellungsprozess<br />

erfordern, spielt die<br />

berührungslose und schonende<br />

Fügetechnologie ihre Stärken aus.<br />

Dabei werden die beiden zu verbindenden<br />

Bauteile überlappend positioniert<br />

und mit definiertem Druck<br />

aufeinandergepresst (Bild 1). Beim<br />

üblichen Prinzip des Durchstrahlschweißens<br />

durchdringt der Laser<br />

mit einer Wellenlänge im Bereich<br />

von 800 bis 1.100 nm das obere,<br />

lasertransparente Bauteil und wird<br />

an der Oberfläche des unteren Bauteils<br />

absorbiert. Der untere Fügepartner<br />

wird dadurch direkt, der obere<br />

über Wärmeleitung so weit erhitzt,<br />

bis beide Materialien aufschmelzen<br />

und es zu einer stoffschlüssigen<br />

Verbindung kommt.<br />

Klar-klar-Verfahren<br />

Eine Besonderheit dieser Methode<br />

ist die Notwendigkeit zweier unterschiedlich<br />

gefärbter Fügeteile, um<br />

eine ausreichende Absorption des<br />

Bearbeitungslasers sicherzustellen.<br />

Das EvoClear-Verfahren umgeht<br />

diese Voraussetzung. Es wird oft<br />

auch als 2µm-Schweißen oder<br />

auch Klar-klar-Verfahren bezeichnet.<br />

Durch den Einsatz einer Laserwellenlänge<br />

im Bereich von 1,5 µm<br />

bis 2,2 µm können zwei ungefüllte,<br />

insbesondere im sichtbaren Bereich<br />

klare Kunststoffe miteinander verbunden<br />

werden. Zwar können mit<br />

dieser Variante nicht uneingeschränkt<br />

alle Fügeaufgaben bearbeitet<br />

werden, jedoch lohnt sich<br />

besonders bei medizinischen Produkten<br />

eine genaue Prüfung, da auf<br />

Absorberzusätze verzichtet werden<br />

kann. Im Vergleich zum Durchstrahlschweißen<br />

liegt der wesentliche<br />

Unterschied in der Art der Energieeinbringung.<br />

Das EvoClear-Verfahren<br />

nutzt die Eigenschaft der meisten<br />

Thermoplaste, schon im Naturzustand<br />

Wellenlängen über 1,5 µm<br />

stärker zu absorbieren. Die Deponierung<br />

der Energie erfolgt im Wesentlichen<br />

nicht im Kontaktbereich der<br />

beiden Fügepartner, sondern komplett<br />

im durchstrahlten Volumen und<br />

wird durch eine geeignete Anlagentechnik<br />

geschickt gesteuert.<br />

Laserschweißen von<br />

Polymeren<br />

So ist das Laserschweißen von<br />

Polymeren in der Medizintechnik<br />

nicht mehr wegzudenken, zumal<br />

der Einsatz von Kunststoffen in<br />

der Medizin kontinuierlich wächst<br />

und die Produktkomplexität sowie<br />

Funktionsintegration stetig zunimmt.<br />

Kunststoffe zählen zu den am meisten<br />

verwendeten Materialien in<br />

der Medizin. Der wichtigste Grund<br />

dafür ist die hohe Sicherheit für den<br />

Patienten. Medizinisch zugelassene<br />

Kunststoffe sind hautfreundlich<br />

und lösen keine Allergien aus.<br />

Außerdem sind sie nahezu unzerbrechlich,<br />

nehmen keine Gerüche<br />

an und weisen eine hohe Beständigkeit<br />

gegen Wasser und viele<br />

andere Medien auf.<br />

Hinsichtlich der Herstellprozesse<br />

bieten Polymere eine fast unerschöpfliche<br />

Form- und Anpassbarkeit,<br />

das Design kann nahezu perfekt<br />

auf den jeweiligen Einsatzzweck<br />

zugeschnitten werden. Da neben<br />

sind die Endprodukte und ihre Verarbeitungsverfahren<br />

im Vergleich zu<br />

Alternativen aus Metall oder Glas<br />

häufig preiswerter und können so<br />

in vielen Anwendungen problemlos<br />

als einfach zu nutzender Einwegartikel<br />

ausgelegt werden.<br />

Breites<br />

Anwendungsspektrum<br />

Das Anwendungsspektrum ist<br />

somit breit gefächert. Angefangen<br />

von Verpackungen, Infusionsbeuteln,<br />

Schläuchen und weiteren<br />

Komponenten für Injektionssysteme,<br />

über Prothesen und Inlays bis hin zu<br />

Gehäusen für elektronische Kleinund<br />

Großgeräte, ist der Einsatz von<br />

Kunststoffen denkbar (Bild 2). Auch<br />

komplexe Analyse-Cartridges für die<br />

in-vitro Diagnostik sind mittlerweile<br />

Standard, wofür häufig das Laserschweißen<br />

als Fügeverfahren eingesetzt<br />

wird.<br />

Soll das stoffschlüssige Schweißen<br />

als Verbindungstechnik für eine<br />

Kunststoffbaugruppe eingesetzt werden,<br />

können nur Thermoplaste und<br />

thermoplastische Elastomere eingesetzt<br />

werden. Für die Medizin relevant<br />

und erfolgreich in der Praxis mit<br />

dem Laser gefügt sind im Besonderen:<br />

Polyamide (PA), Poly propylen<br />

(PP), Polycarbonat (PC), Cycloolefin-Copolymere<br />

(COC), Polymethylmethacrylat<br />

(PMMA) sowie Polystyrol<br />

(PS) und Polyetheretherketon<br />

(PEEK).<br />

Bild 1: Schweißprinzip mit<br />

lasertransparentem und<br />

laserabsorbierendem Fügepartner<br />

22 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Produktion<br />

Bild 2: Allgemeine medizinische Bauteile aus Kunststoff<br />

Vorteile des<br />

Laserschweißens<br />

Das Laserschweißen spielt sein<br />

Potenzial vor allem dann aus, wenn<br />

es im Produktionsprozess auf<br />

Hygiene, absolute Partikelfreiheit<br />

und Reproduzierbarkeit ankommt.<br />

Konventionelle Verfahren, wie das<br />

Ultraschallschweißen oder Kleben,<br />

können den immer höheren Reinheitsanforderungen<br />

der Produkte<br />

nicht immer gerecht werden. Beim<br />

Ultraschallschweißen entstehen<br />

verfahrensbedingt Partikel in der<br />

Fügezone, wohingegen die bei einer<br />

Klebeverbindung erforderlichen<br />

Zusatzstoffe hinsichtlich der medizinischen<br />

Unbedenklichkeit häufig<br />

eine Herausforderung darstellen.<br />

So müssen bereits für Produkte<br />

der EU-Risikoklasse IIa (z. B. Hörgeräte)<br />

neu in die Baugruppe eingebrachte<br />

Stoffe zertifiziert werden,<br />

wodurch sich eine Markteinführung<br />

enorm verzögern kann.<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

Reinraumfähigkeit<br />

Mit dem Laserschweißen erhalten<br />

die Entwickler und Hersteller<br />

dagegen einen äußerst sicheren<br />

und hygienischen Produktionsprozess<br />

für Rein- und Sterilraumbedingungen.<br />

Das Ziel ist dort, einen<br />

abgeschotteten Bereich möglichst<br />

kontaminationsfrei zu halten. Die<br />

Partikelreduzierung im Inneren<br />

wird durch entsprechend dimensionierte,<br />

mehrstufige Luftfilterungseinrichtungen<br />

ermöglicht. Die Luft<br />

wird mehrfach pro Stunde möglichst<br />

turbulenzarm, also ohne Verwirbelung,<br />

umgewälzt und gefiltert.<br />

Zugangsschleusen und Schutzkleidungen<br />

sorgen dafür, dass möglichst<br />

wenig Partikel von außen eingebracht<br />

werden. Für die Klassifikation<br />

der Reinheit solcher Räume<br />

gibt es die Norm ISO 14644-1. Sie<br />

erlaubt beispielsweise in der Reinheitsklasse<br />

ISO 1 pro Kubikmeter<br />

Luft gerade einmal noch zwölf Partikel,<br />

davon zehn Stück in der Größe<br />

von einem zehntausendstel Millimeter<br />

und zwei Stück in der Größe<br />

von zwei zehntausendstel Millimeter.<br />

Die geforderte Klasse hängt<br />

dabei stark von der Anwendung<br />

ab, so dass die meisten Produktionsprozesse<br />

in den Reinheitsklassen<br />

ISO 5 bis 8 realisiert werden.<br />

Zwei Herangehensweisen<br />

Um ihren unterschiedlichen Anforderungen<br />

Rechnung zu tragen, sind<br />

zwei Herangehensweisen möglich.<br />

Eine basiert auf der Integration<br />

der gesamten Reinraumtechnik<br />

innerhalb des Gehäuses des<br />

Schweißsystems. Dabei wird mittels<br />

entsprechender Filter die Partikelanzahl<br />

um den Faktor 8.000 bis<br />

10.000 verbessert. Abhängig von<br />

den Umgebungsbedingungen wird<br />

mit dieser Anlagentechnik im Bearbeitungsraum<br />

der Maschine eine<br />

Reinraumklasse besser als ISO 5<br />

erreicht. Die zweite Möglichkeit enthält<br />

keine eigenen Filterelemente,<br />

sondern ist für den Einsatz in einer<br />

Reinraumumgebung konzipiert. Bei<br />

dieser Herangehensweise wird speziell<br />

auf die Verwendung partikelarmer<br />

Komponenten geachtet, um<br />

die Kontamination der Luft zu reduzieren.<br />

Beide Herangehensweisen<br />

erlauben die Laserschutzklasse 1,<br />

wodurch die Systeme im normalen<br />

Produktionsumfeld ohne zusätzliche<br />

Laserschutzmaßnahmen betrieben<br />

werden können.<br />

Qualitätsprüfung<br />

Das Laserschweißen ist für die<br />

Medizinproduktion besonders geeignet,<br />

da sich die Prozess qualität für<br />

jedes einzelne Bauteil erfassen und<br />

dokumentieren lässt. Dafür stehen<br />

in der Wertschöpfungskette<br />

eine ganze Reihe, teilweise parallel<br />

arbeitender Systeme und Sensoren<br />

zur Verfügung.<br />

Vor dem Schweißprozess kann<br />

zunächst eine manuelle oder auch<br />

automatische Überprüfung der Materialeigenschaften<br />

stattfinden. Um die<br />

für das Laserschweißen wichtige<br />

Transmission zu messen, kann ein<br />

Prüfgerät (Bild 3) die Baugruppen<br />

vorab entweder einer Stichprobenoder<br />

100%-Prüfung unter ziehen.<br />

Schwankungen an zugeführten Rohteilen<br />

können so frühzeitig erfasst<br />

und dokumentiert werden. Während<br />

des Schweißprozesses stehen<br />

dann je nach Verfahrensvariante<br />

unterschiedliche Methoden<br />

zur Überwachung zur Verfügung.<br />

Allen Varianten gemein ist die vollständige<br />

Kontrolle und Dokumentation<br />

der wichtigen Systemparameter,<br />

wie etwa Schweißzeit, Spannkraft<br />

und Laserleistung. Vorteilhaft<br />

ist es, wenn die Laserleistung einer<br />

100%-Überwachung in der Strahlformung<br />

unterliegt. Üblicherweise wird<br />

die Leistung nur in der Strahlquelle<br />

gemessen oder indirekt berechnet,<br />

wodurch mögliche Defekte z. B. an<br />

der Faserführung des Lasers nicht<br />

erkannt werden können.<br />

Quasisimultanschweißen<br />

Beim sogenannten Quasisimultanschweißen<br />

wird die erwähnte Parameterkontrolle<br />

durch eine Fügewegüberwachung<br />

ergänzt. Ein Sensor erfasst<br />

dabei die charakteristische Relativbewegung<br />

der Fügeteile zu einander<br />

und wertet diese über die Zeit aus,<br />

was eine sichere Aussage über das<br />

Schweißergebnis ermöglicht.<br />

Bild 3: Das Prüfgerät PICTOR Planar<br />

Eine weitere felderprobte Möglichkeit<br />

zur Online-Prozesskontrolle<br />

ist die Messung der Temperatur in<br />

der Fügezone mittels berührungslosem<br />

Pyrometer. Diese Methode<br />

überträgt die Temperaturwerte ortsaufgelöst<br />

in ein Zeit-/Temperatur-<br />

Diagramm und vergleicht sie mit<br />

oberen und unteren Hüllkurven.<br />

Unterbrechungen in der Schweißnaht,<br />

die beispielsweise durch Formfehler<br />

oder Beschädigungen eines<br />

der Fügepartner entstehen können,<br />

werden damit sicher erkannt.<br />

Die Pyro metrie wird typischerweise<br />

beim Konturschweißen ohne Fügeweg<br />

eingesetzt, kann aber auch<br />

beim Quasisimultanschweißen als<br />

ergänzende Überwachung dienen.<br />

Nach dem Schweißvorgang<br />

können die fertigen Baugruppen<br />

schließlich mittels nachgeschalteter<br />

Kamerainspektion im sichtbaren<br />

oder infraroten Wellenlängenbereich<br />

bewertet werden.<br />

Fehler in der Schweißnaht werden<br />

so zuverlässig erkannt und fehlerhafte<br />

Bauteile aussortiert.<br />

Fazit<br />

Laserschweißen von Kunststoffen<br />

ist als Verfahren prädestiniert für<br />

die hohen Anforderungen in der<br />

Herstellung medizintechnischer<br />

Produkte. Es ist als sauberes und<br />

partikelfreies Verfahren uneingeschränkt<br />

reinraumtauglich und bringt<br />

mit der lückenlosen Nachverfolgbarkeit<br />

sowie den umfangreichen<br />

Möglichkeiten zur Prozesskontrolle<br />

alle Eigenschaften mit, die für eine<br />

zuverlässige Produktion notwendig<br />

sind. ◄<br />

23


Produktion<br />

Smarte Verbindungstechnik:<br />

Needle Bonding mit UV-Klebstoffen<br />

Mit UV-Klebstoffen werden Spritzen industriell gefertigt<br />

Wenn Nadeln in Kunststoff- oder<br />

Glasspritzen eingesetzt und verlässlich<br />

und dauerhaft verbunden werden<br />

sollen, stellt sich die Frage nach<br />

einer geeigneten Verbindungstechnik.<br />

Die Anforderungen sind hoch:<br />

einerseits soll schnell und kostengünstig<br />

produziert werden, insbesondere<br />

bei Einwegartikeln, andererseits<br />

sind Material- oder Verbindungsfehler<br />

nicht tolerierbar.<br />

Die moderne Klebstofftechnologie<br />

bietet hier mit UV- oder lichthärtenden<br />

Klebstoffen meistens die<br />

beste und kostengünstigste Lösung.<br />

Der Clou: UV-Klebstoffe sind<br />

zu 100 % lösemittelfrei, sie härten<br />

innerhalb von Sekundenbruch teilen<br />

unter UV-Licht oder LED-UV-Licht<br />

aus (Bild 1), und sie verfügen nach<br />

der Aushärtung über sehr hohe<br />

Nadelauszugskräfte. Klebstoffhersteller<br />

wie Panacol haben sich auf<br />

Klebstoffe für die Medizintechnik<br />

spezialisiert und die Standardklebstoffe<br />

für Needle Bonding bereits<br />

entsprechend der USP Class VIoder<br />

ISO 10993-5-Normen getestet.<br />

Ebenso wurden die Klebstoffe auf<br />

ihre Beständigkeit bei üblichen Sterilisationsprozessen<br />

getestet. Dadurch<br />

wird die Gesundheitsverträglichkeit<br />

(Biokompatibilität) der fertigen Medizinprodukte<br />

gewährleistet.<br />

Anwendungsspezifische<br />

Kleber<br />

Für das Needle Bonding gibt<br />

es keinen „Alleskleber“. Je nach<br />

Anwendung, Material, Fertigungsstückzahl<br />

und Aushärtungsprozess<br />

stehen spezielle Klebstoffe, meist<br />

auf Acrylatbasis, zur Auswahl. Spritzen<br />

werden in der Regel aus Glas-<br />

Panacol-Elosol GmbH<br />

www.panacol.de<br />

Bild 1: Der Klebstoff in den Nadelhubs wird mit LED-UV-Lichtquellen ausgehärtet<br />

24 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Produktion<br />

Bild 2: Blau fluoreszierender Klebstoff ist nach der Verklebung von Nadeln in<br />

Glasspritzen zu sehen<br />

Bild 3: Blau fluoreszierender Klebstoff ist in den Spritzenhubs deutlich<br />

sichtbar<br />

oder Kunststoffkörpern gefertigt, die<br />

mit Nadeln aus Edelstahl verbunden<br />

werden sollen. Für jede spezifische<br />

Anwendung und Materialpaarung<br />

stehen die unterschiedlichsten<br />

Spezialklebstoffe zur Ver fügung.<br />

Hohe Auszugskräfte der eingeklebten<br />

Nadeln werden maßgeblich<br />

durch eine präzise Fertigung<br />

(Nadelpositionierung, Klebstoffdosierung<br />

und zuverlässige Aushärtung<br />

des Klebstoffs) sowie durch<br />

die Auswahl des Hubs (verwendeter<br />

Werkstoff, Design) und vor allem<br />

durch das passende Klebstoffsystem<br />

bestimmt.<br />

Für die Herstellung von Spritzen,<br />

die meist in großen Stückzahlen<br />

in automatisierter Fertigung<br />

hergestellt werden, eignet sich der<br />

Einsatz von UV-härtenden Klebstoffen,<br />

die über eine hohe Haftung<br />

auf Glas, Kunststoffen und Metallen<br />

verfügen. Kunststoffe wie PP<br />

oder ABS lassen sich sehr gut kleben,<br />

für schwer verklebbare Substrate<br />

wie z. B. Polypropylen müssen<br />

entsprechende Spezialklebstoffe<br />

gewählt werden.<br />

Voraussetzung für die Verklebung<br />

mittels UV-Klebstoffen ist, dass mindestens<br />

eines der Fügeteile transparent<br />

ist. Für UV-geblockte Kunststoffe<br />

besteht auch die Möglichkeit,<br />

Klebstoffe zu wählen, die durch<br />

Strahlung im sichtbaren Wellenlängenbereich<br />

aushärten (Bild 2).<br />

UV- und lichthärtende Klebstoffe<br />

bestehen hauptsächlich aus<br />

einem Harz, zumeist basierend auf<br />

Acrylatharz, sowie Photoinitiatoren.<br />

Diese werden durch UV-Bestrahlung<br />

aktiviert und lösen die Aushärtungsreaktion<br />

(Polymerisation)<br />

aus. Moderne Photoinitiatoren reagieren<br />

auch auf das monochromatische<br />

Licht von LED-Lichtquellen,<br />

so dass viele strahlungshärtende<br />

Klebstoffe sowohl mit UV- als auch<br />

UV-LED-Licht ausgehärtet werden<br />

können.<br />

Eine Besonderheit sind fluoreszierende<br />

Klebstoffe, die für eine<br />

schnelle und effiziente Qualitätskontrolle<br />

eingesetzt werden: Durch<br />

die Anregung mit schwachem UV-<br />

Licht mit einer Wellenlänge von<br />

365 nm fluoresziert der Klebstoff<br />

und Unregel mäßigkeiten in der Klebestelle<br />

sind dadurch leicht sichtbar.<br />

Da viele transparente Kunststoffe<br />

bläulich schimmern, bieten einige<br />

Klebstoffhersteller auch orange fluoreszierende<br />

Klebstoffe für eine<br />

gut sichtbare Prozesskontrolle an<br />

(Bild 3).<br />

Speziell für medizinische<br />

Produkte<br />

spielen die Haltbarkeit<br />

und die Beständigkeit<br />

der Verklebung<br />

gegenüber der<br />

Sterilisation (Dampf-,<br />

Elektronenstrahl-Sterilisation,<br />

Gammaund<br />

ETO-Bestrahlung)<br />

eine entscheidende<br />

Rolle. Um die<br />

Funktionsfähigkeit<br />

der Klebstoffe auch<br />

nach Sterilisation zu<br />

gewährleisten, führen<br />

viele Klebstoffhersteller<br />

bereits bei<br />

der Klebstoffentwicklung<br />

Untersuchungen<br />

zur Beständigkeit<br />

durch. Dafür werden<br />

Musterteile verklebt und nach<br />

Aushärtung die Nadelauszugsfestigkeiten<br />

ermittelt. Im Anschluss<br />

werden die Musterteile sterilisiert<br />

und erneut die Nadelauszugskräfte<br />

ermittelt, die dann einen Vergleich<br />

zur Ausgangsverklebung zulassen.<br />

So wird gewährleistet, dass die Haftwerte<br />

der Klebstoffe auch nach der<br />

Sterilisation stabil bleiben (Bild 4).<br />

Bild 4: Eine Nadel ist mit UV-Klebstoff in einem Butterfly fixiert<br />

Verbindung und Verklebung<br />

früh beachten<br />

Bereits bei der Entwicklung und<br />

beim Design neuer Medizinprodukte<br />

sollte die Verbindung und<br />

Verklebung in die Planung einbezogen<br />

werden. Dies betrifft insbesondere<br />

das Design des Klebespaltes<br />

als auch die Materialauswahl<br />

der zu verklebenden Einzelteile.<br />

Denn je nach Material und<br />

geforderten Haftfestigkeiten ist<br />

die Klebstoffauswahl zu treffen<br />

und das notwendige Aushärtungsequipment<br />

zu wählen. Im Idealfall<br />

kommen Klebstoff und Aushärtesystem<br />

aus einer Hand und<br />

sind damit optimal aufeinander<br />

abgestimmt.<br />

Klebstoffhersteller von zertifizierten<br />

Medizintechnikklebstoffen<br />

verfügen über das notwendige<br />

Knowhow und Erfahrung und bieten<br />

mit einer spezialisierten Abteilung<br />

aus Anwendungsingenieuren<br />

eine individuelle Klebeberatung an.<br />

Auf diese Weise ist Biokompatibilität<br />

sowie eine sichere und dauerhafte<br />

Verbindung auch nach Sterilisation<br />

des fertigen Produktes gewährleistet.<br />

◄<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

25


Produktion<br />

Additive Fertigung mit Silikon<br />

Extrusionsbasierte additive Fertigungsverfahren und Prozesse<br />

ViscoTec<br />

Pumpen- u. Dosiertechnik GmbH<br />

mail@viscotec.de<br />

www.viscotec.de<br />

Additiv gefertigte Bauteile werden<br />

längst nicht mehr nur für den Prototypenbau<br />

verwendet. Auch im Vorserienbau<br />

und für Serienteile wird ihr<br />

großes Potential genutzt. Für technisch<br />

einsetzbare Bauteile sind die<br />

Materialeigenschaften von entscheidender<br />

Relevanz. In diesem Bereich<br />

können 3D-gedruckte Bauteile nur<br />

mit konventionell gefertigten konkurrieren,<br />

wenn sie auch die gleichen<br />

mechanischen und chemischen<br />

Eigenschaften haben. Biokompatibilität,<br />

thermische Beständigkeit<br />

und natürlich die sehr hohe Elastizität<br />

machen Silikon für sehr viele<br />

Anwendungen unverzichtbar. Es<br />

besteht deshalb ein großes Interesse,<br />

die Vorteile der Additiven<br />

Fertigung auch für den Werkstoff<br />

Silikon zu ermöglichen. Der Prozess<br />

zur additiven Verarbeitung<br />

von Silikon ist jedoch nicht trivial.<br />

Von den unterschiedlichen Ansätzen<br />

werden in diesem White Paper<br />

die extrusionsbasierten Verfahren<br />

und Prozesse dargestellt. Insbesondere<br />

werden verschiedene Vernetzungsmechanismen<br />

näher betrachtet<br />

– mit ihren jeweiligen Vor- und<br />

Nachteilen.<br />

3D-Druck von Silikon:<br />

Extrusionsbasierte<br />

Verfahren<br />

Ein entscheidender Vorteil der<br />

extrusionsbasierten Verfahren ist<br />

die große Vielfalt an verarbeitbaren<br />

Flüssigkeiten und Pasten.<br />

Es sind damit nahezu alle Arten<br />

von Silikonen verwendbar: Von<br />

niedrig- bis hochviskos und von<br />

RTV (Raum-Temperatur-Vulkanisation)<br />

über Standard LSR (Liquid<br />

Silicone Rubber) bis hin zu UVvernetzenden<br />

und mit Partikeln<br />

gefüllten Silikonen.<br />

Der extrusionsbasierte Fertigungsprozess<br />

ist dem des FLM-<br />

Druckens (Fused Layer Modelling)<br />

sehr ähnlich. Mit Hilfe eines<br />

Dosierkopfes wird dabei ein Strang<br />

abgelegt. Aus diesem Strang wird<br />

Schicht für Schicht ein Bauteil additiv<br />

gefertigt.<br />

In diesem White Paper werden die<br />

2-komponentigen LSRe und RTV-<br />

Silikone behandelt. LSR benötigen<br />

zur Vernetzung thermische Energie,<br />

RTV-Silikone sind für eine Reaktion<br />

bei Raumtemperatur ausgelegt.<br />

Vernetzung von LSRen<br />

Beim Drucken von Silikon handelt<br />

es sich immer um ein flüssiges<br />

Medium. Entscheidende Prozessparameter<br />

sind deshalb die Formstabilität<br />

und das Vernetzen des Silikons.<br />

Wichtig ist auch: Erst durch<br />

die chemische Reaktion des Materials,<br />

zum Beispiel durch Polyaddition<br />

oder Polykondensation, wird<br />

die Festigkeit des fertigen Silikons<br />

erreicht.<br />

Grundsätzlich unterscheidet man<br />

für LSR-Silikone zwischen zwei<br />

unterschiedlichen Zeitpunkten der<br />

Vernetzung: Vernetzung während<br />

der Fertigung und Vernetzung im<br />

Postprozess bzw. in der Nachbereitung.<br />

Vernetzung während der<br />

Fertigung<br />

• Beheizte Bauplattform:<br />

Beheizbare Bauplattformen in<br />

additiven Fertigungsmaschinen<br />

sind weit verbreitet. Es ist also<br />

naheliegend, die thermische Vernetzungsenergie<br />

darüber bereitzustellen.<br />

Je nach Reaktionszeit<br />

des Silikons kann die Vernetzung<br />

auf einer beheizten Bauplattform<br />

innerhalb weniger Sekunden nach<br />

der Extrusion erfolgen.<br />

Dieses Verfahren hat jedoch einen<br />

entscheidenden Nachteil: Die Temperaturverteilung<br />

verändert sich<br />

mit der Höhe des Bauteils. Denn<br />

je weiter die Schicht von der Bauplattform<br />

entfernt ist, umso weniger<br />

thermische Energie wird zugeführt.<br />

Das bedeutet, dass ein zuverlässiger<br />

und konstanter Prozess für<br />

ein Bauteil mit zahlreichen Schichten<br />

damit sehr schwierig zu realisieren<br />

ist. Erfahrungsgemäß ist es<br />

nicht mehr sinnvoll, Bauteile die<br />

größer als zwei bis drei Zentimeter<br />

sind, mit einer beheizten Bauplattform<br />

zu fertigen.<br />

• Vernetzung jeder Schicht:<br />

Ein Wärmeeintrag auf das jeweilige<br />

Bauteil von oben – nach jeder<br />

Schicht – ermöglicht die gleichmäßige<br />

Vernetzung für eine beliebige<br />

Anzahl an Schichten. Der Wärmeeintrag<br />

erfolgt direkt während<br />

des Druckprozesses, das Bauteil<br />

ist also direkt nach dem Drucken<br />

fertig. Dafür wird eine zusätzliche<br />

Wärme quelle, wie beispielsweise<br />

eine Infrarotlampe, benötigt. Intensität<br />

und Belichtungszeit müssen<br />

auf die jeweilige Schicht angepasst<br />

sein, weshalb der ganze Fertigungsprozess<br />

aufwändiger und komplizierter<br />

wird.<br />

Vernetzung im Postprozess<br />

Ein weiterer Ansatz ist es, ein Silikon<br />

zu verwenden, das aufgrund<br />

seiner rheologischen Eigenschaften<br />

nach der Extrusion die Form<br />

behält. Das kann durch eine sehr<br />

hohe Viskosität oder eine hohe<br />

Thixotropie des Silikons oder auch<br />

durch eine Kombination aus beidem<br />

26 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Produktion<br />

Bild 1: 3D Druck von Silikon: Fertigungsprozess Hydrogeldruck<br />

erreicht werden. Das fertige Bauteil<br />

aus LSR-Silikon wird im Nachgang,<br />

dem sogenannten „postprocessing“,<br />

in einen Ofen gestellt und<br />

bei entsprechenden Temperaturen<br />

vernetzt. Durch den Wärmeeintrag<br />

darf keine Deformation im Bauteil<br />

erfolgen. In diesem Prozess werden<br />

keine zusätzlichen Geräte zur<br />

Wärmezufuhr während des Druckens<br />

benötigt.<br />

Stützmaterial<br />

Für steile Überhänge oder ein<br />

Bridging (das Schließen einer Kontur)<br />

muss eine Stützstruktur aufgebaut<br />

werden. Dieses Stützmaterial<br />

soll während des Fertigungsprozesses<br />

auf dem Silikon haften<br />

und den thermischen Bedingungen<br />

während der Vernetzung standhalten.<br />

Anschließend muss es im fertigen<br />

Bauteil leicht entfernbar sein.<br />

Es ist eine Herausforderung, das<br />

passende Stützmaterial für jedes<br />

Silikon zu finden. Und durch das<br />

Aufbauen der Stützstruktur werden<br />

zusätzliches Material und Zeit<br />

für den Fertigungsprozess benötigt.<br />

Fertigung im Hydrogel<br />

Doch es gibt ein Verfahren, mit<br />

dem Geometriefreiheit ohne das Aufbauen<br />

einer Stützstruktur möglich<br />

ist: Das Fertigen in einem anderen<br />

Medium. Dazu wird das Silikon mit<br />

einer langen Nadel in einen Behälter,<br />

der mit einem „Stützmedium“<br />

gefüllt ist, dosiert. Dieses Stützmedium<br />

kann zum Beispiel ein Pulver<br />

oder Hydrogel sein. Der Prozess ist<br />

in Bild 1 dargestellt:<br />

Im ersten Schritt wird das Silikon<br />

(siehe Bild 1 in orange) in ein Stützmedium<br />

(siehe Bild 1 in blau) dosiert.<br />

Der extrudierte Strang wird von dem<br />

umgebenden Medium fixiert. Nach<br />

dem die gewünschte Struktur aufgebaut<br />

ist und das Silikon vernetzt ist,<br />

kann das Bauteil mit einer Pinzette<br />

aus dem Medium entfernt werden.<br />

Abschließend werden Reste des<br />

Stützmedium entfernt oder einfach<br />

abgewaschen.<br />

Besonders geeignet für dieses<br />

Verfahren sind RTV-Silikone, da<br />

diese bereits nach kurzer Zeit (30<br />

bis 60 Minuten) vernetzt sind. Das<br />

Stützmedium kann nach dem Entfernen<br />

des Bauteils erneut verwendet<br />

werden.<br />

Der größte Vorteil dieses Verfahrens<br />

ist die sehr große Gestaltungsfreiheit.<br />

Man ist weder durch zu steilen<br />

Überhang noch durch Bridging<br />

eingeschränkt. Zur Veranschaulichung<br />

ist in Bild 2 ein Bauteil dargestellt,<br />

das beides aufweist. Dieses<br />

Bauteil wurde mit einer 0,3 mm<br />

Nadel gedruckt. Die dünnen Verbindungen<br />

zwischen der Helix sind mit<br />

Bild 2: DNS-Struktur aus Silikon – gefertigt als 3D Druck Bauteil in Hydrogel<br />

Weitere Infos: https://www.viscotec.de/3d-druck-von-standardmaterialien/<br />

anderen Verfahren bisher nur sehr<br />

schwierig fertigbar.<br />

Nachteile dieser Technologie ist<br />

der große Einsatz an Stützmedium,<br />

das bei größeren Bauteilen notwendig<br />

ist. Und dass eine Verwendung<br />

von LSRen meist nicht sinvoll ist.<br />

Zusammenfassung –<br />

3D Druck von Silikon<br />

Durch die große Vielfalt an unterschiedlichen<br />

extrusionsbasierten<br />

Fertigungsprozessen lassen sich<br />

nahezu alle Bauteile aus Silikon<br />

herstellen. Je nach gewünschter<br />

Geometrie und Silikontyp kann<br />

der passende Prozess definiert<br />

werden. Die Grundlage für einen<br />

erfolgreichen Fertigungsprozess ist<br />

dabei immer eine präzise und wiederholgenaue<br />

Dosierung des Silikons.<br />

Das Potential des Silikon-<br />

3D-Druckes ist bei weitem noch<br />

nicht ausgeschöpft. Insbesondere<br />

mit neuen Verfahren, wie beispielsweise<br />

dem Verwenden von einem<br />

Stützmedium (wie Hydrogel), eröffnen<br />

sich völlig neue Gestaltungsmöglichkeiten.<br />

◄<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

27


Produktion<br />

Industrietauglicher Fokusversteller für<br />

Mikroskopie- und Kameraanwendungen<br />

Präzise, robust, zuverlässig und wirtschaftlich: Industrietauglicher Fokusversteller für Mikroskope und Kameras von<br />

Steinmeyer Mechatronik © 123RF/kkolosov<br />

Autor:<br />

Elger Matthes,<br />

Entwicklung und<br />

Produktmanagement<br />

Steinmeyer Mechatronik GmbH<br />

info@steinmeyer-mechatronik.de<br />

www.steinmeyer-mechatronik.de<br />

Je kleiner der Verfahrweg,<br />

desto geringer die Probleme? Von<br />

wegen. Genau das Gegenteil ist<br />

der Fall. Extrem kurze Distanzen<br />

wie sie in Fokusverstellern für die<br />

automatische Inspektion in Fertigungsanlagen<br />

typisch sind, stellen<br />

hohe Anforderungen an die<br />

Technik und können schnell zur<br />

großen Herausforderung werden.<br />

Die Lösung könnte in einem<br />

unkonventionellen Ansatz liegen.<br />

Dabei bestehen die Fokusversteller<br />

aus einem Federparallelogramm,<br />

einem Exzenterantrieb mit<br />

Schrittmotor sowie einem induktivem<br />

Linearmesssystem und bringen<br />

Performance, Robustheit und<br />

Wirtschaftlichkeit optimal in Einklang.<br />

Dadurch eignen sie sich<br />

perfekt für den Einsatz in industriellen<br />

Mikroskopie- und Kameraanwendungen.<br />

Schnelles Fokussieren<br />

Kamerasysteme, die in der Industrie<br />

zur automatischen Inspektion<br />

und Qualitätssicherung eingesetzt<br />

werden, müssen in Sekundenschnelle<br />

fokussieren. Maximal<br />

100 ms stehen dafür in der Regel<br />

zur Verfügung. Zwar ist ein Verfahrweg<br />

mit 0,5 bis 2 mm nicht besonders<br />

lang – oftmals geht es nur<br />

darum, die Dickenvariation eines<br />

Substrats auszugleichen oder enge<br />

Stacks von Bildern in verschiedenen<br />

Tiefenschärfen aufzunehmen<br />

–, doch gerade diese kurze<br />

Distanz wird für die standardmäßigen<br />

Fokusversteller auf Basis<br />

von Linearführungen schnell zum<br />

Verhängnis. Bei Millionen kleiner<br />

Bewegungen versagt das tribologische<br />

System mechanischer<br />

Wälzführungen frühzeitig, da der<br />

Schmierstoff an der Kontaktstelle<br />

verdrängt wird und sich nicht wie<br />

üblich über die ganze Laufbahn verteilen<br />

kann. Die Folge sind Kaltverschweißungen,<br />

die den gesamten<br />

Versteller blockieren. Bei Bewegungen<br />

im Mikrometer- und Submikrometerbereich<br />

wirken sich<br />

zudem Stick-Slip-Effekte, also der<br />

Übergang von Haft- in Roll reibung<br />

in der Führung, negativ aus.<br />

Innovativer Fokusversteller mit geschlitzten Membranen von Steinmeyer<br />

Mechatronik – ideal für extrem kurze Verfahrwege mit hohen Zyklenzahlen<br />

alle folgenden Bilder © Steinmeyer Mechatronik<br />

Exzenterantrieb mit Schrittmotor und Getrieben für einen Membransteller<br />

mit integrierter Optik<br />

28 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Produktion<br />

Die Fokusversteller bestehen aus einem Federparallelogramm,<br />

einem Exzenterantrieb mit Schrittmotor sowie einem induktivem<br />

Linearmesssystem<br />

Membranversteller mit seitlich integriertem optischen Messkopf<br />

Robustheit und Wirtschaftlichkeit<br />

sind das A und O<br />

In der klassischen Mikroskopie<br />

haben sich für Anwendungen mit<br />

kurzen Wegen und hohen Zyklenzahlen<br />

piezoelektrische Fokusversteller<br />

bewährt. Diese erlauben eine<br />

sehr hohe Dynamik bei gleichzeitig<br />

exzellenter Schrittauflösung, sind<br />

allerdings äußerst empfindlich in<br />

der Handhabung und teuer in der<br />

Anschaffung. Auch benötigen sie<br />

ein spezielles Hochspannungsinterface<br />

für die elektrische Ansteuerung.<br />

Das macht sie für den Einsatz<br />

in industriellen Anwendungen<br />

unattraktiv. Auch andere Alternativen<br />

sind aufgrund ähnlicher Schwächen<br />

keine Idealbesetzung. Doch wie lassen<br />

sich die spezifischen Anforderungen<br />

der Industrie – extrem<br />

kurze Verfahrwege, hohe Dynamik,<br />

robuste Verarbeitung, lange<br />

Lebensdauer, Wartungsfreiheit,<br />

standardisierte Schnittstellen sowie<br />

optimale Wirtschaftlichkeit – unter<br />

einen Hut bringen?<br />

Eine Lösung neu denken<br />

Fokusversteller bestehend aus<br />

einem Federparallelogramm, einem<br />

Exzenterantrieb mit Schrittmotor<br />

und einem induktiven Linearmesssystem.<br />

Auf den ersten Blick mag<br />

diese Kombination für Maschinenbauer<br />

eher befremdlich wirken.<br />

Viele können sich Blattfedern als<br />

Führungselement nicht vorstellen,<br />

auch werden Exzenterantriebe<br />

meist nicht mit Genauigkeit in Verbindung<br />

gebracht - doch derartige<br />

Vorbehalte sind absolut unbegründet.<br />

Die Praxis hat gezeigt, dass<br />

diese Fokusversteller hochpräzise<br />

positionieren und trotzdem die für<br />

das industrielle Umfeld notwendige<br />

Robustheit bieten. Zudem sind sie<br />

noch kostengünstig. Mittlerweile<br />

arbeiten diese Systeme seit vielen<br />

Jahren in der Praxis sehr zuverlässig<br />

und problemlos. Sie absolvieren<br />

mehr als 100 Millionen Fokussierungen<br />

und liefern exzellente Bilder.<br />

Aus der Messtechnik in den<br />

Maschinenbau<br />

Blattfedern kommen ursprünglich<br />

aus der Messtechnik und werden<br />

dort bereits seit über einem<br />

Jahrhundert eingesetzt. Auch die<br />

Hightech-Industrie macht sich das<br />

Prinzip zunutze, im allgemeinen<br />

Maschinenbau werden die Festkörpergelenke<br />

dagegen kaum genutzt.<br />

Dabei sind sie in Form eines Federparallelogramms<br />

gerade bei extrem<br />

kurzen Verfahrwegen eine sinnvolle<br />

Lösung. Bei kleinen Längsbewegungen<br />

deformieren sich die Blattfedern<br />

elastisch, sodass kein Verschleiß<br />

oder Ermüdungsbruch zu<br />

befürchten ist. Die obere Plattform<br />

führt die gewünschte Linearbewegung<br />

aus. Senkrecht dazu kommt es<br />

wegen der Verkürzung der Blattfedern<br />

beim Auslenken zu einer Parasitärbewegung,<br />

die be rechenbar,<br />

systematisch und damit auch kompensierbar<br />

ist.<br />

Ist das nicht akzeptabel, kann die<br />

Blattfeder rotationssymmetrisch als<br />

Membranfeder ausgeführt werden.<br />

Durch die Materialausdehnung entfällt<br />

in diesem Fall die Parasitärbewegung.<br />

Allerdings benötigen Membranfedern<br />

im Vergleich zu Blattfedern<br />

deutlich mehr Platz, was<br />

für viele Anwendungen ein Ausschlusskriterium<br />

darstellt. Bei sehr<br />

kleinen Stellwegen sind die Membranfedern<br />

ebene Blechronden,<br />

für größere Stellwege werden sie<br />

geschlitzt oder mit umlaufenden<br />

Sicken ausgestattet. Bei korrekter<br />

Dimensionierung erlauben Festkörpergelenke<br />

dauerhaft Linearbewegungen<br />

mit kleinen Auslenkungen.<br />

Außerdem haben sie eine sehr hohe<br />

Lebensdauer. Sie kommen ohne<br />

Schmierstoff aus, arbeiten bis auf<br />

innere Materialreibungen reibungsfrei<br />

und weisen keinerlei Hysteresebzw.<br />

Stick-Slip-Effekte. Zudem sind<br />

Federparallelogramm schematisch, in Ruhelage und ausgelenkt<br />

Federparallelogramm: Verfahrweg und Parasitärbewegung<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

29


Produktion<br />

Federparallelogramm durch Exzenter ausgelenkt<br />

sie günstig in der Herstellung und<br />

hinreichend robust in der Anwendung.<br />

Reparaturen können schnell<br />

und mit geringem Aufwand durchgeführt<br />

werden.<br />

Uralte Technik,<br />

hochmodernes System<br />

Auch das Konzept des Exzenterantriebs<br />

ist altbekannt, bereits in<br />

der Antike wurde die Technologie<br />

für die Transformation zwischen<br />

einer Rotations- und einer Linearbewegung<br />

genutzt. Heute finden<br />

sich Exzenterantriebe unter anderem<br />

in Pressen und Spanneinrichtungen,<br />

aber auch in PKW-Verbrennungsmotoren<br />

in Form der Kurbelwelle.<br />

Der Einsatz von Exzentern<br />

ermöglicht eine einfache, robuste<br />

und preiswerte Lösung, hat aber<br />

durchaus seine Tücken hinsichtlich<br />

Linearität und Ansteuerung. So<br />

verhält sich das System bei einer<br />

vollen Umdrehung in der Nähe der<br />

Umkehrpunkte nichtlinear. In der<br />

Folge kommt es zu einer Umkehr<br />

der Linearbewegung bei gleicher<br />

Drehrichtung des Motors. Also gilt<br />

es, eine volle Umdrehung zu vermeiden.<br />

Dies gelingt, indem man<br />

den Drehbereich des Motors eingeschränkt.<br />

Begrenzt man den<br />

Drehwinkel des Motors beispielsweise<br />

auf ±45° aus der Horizontalposition<br />

des Exzenters, dann<br />

verringert sich der Verfahrweg um<br />

circa 30 %. Gleichzeitig werden die<br />

stark nichtlinearen Bereiche ausgeblendet<br />

und die Richtungsumkehr<br />

im Übertragungsverhalten verhindert.<br />

So arbeitet man also nur in<br />

dem Bereich, der eindeutig, wiederholbar,<br />

linear und steuerungsmäßig<br />

gut beherrschbar ist. Die resultierende<br />

Abweichung von einer linearen<br />

Übertragungsfunktion beträgt<br />

bei diesen Grenzwerten maximal<br />

4 %, die nur in den Endbereichen<br />

des Verfahrwegs erreicht wird. Im<br />

Mittel liegt sie bei 1,5 %. Wählt man<br />

die Grenzen enger, lässt sich auf<br />

Kosten des Verstellwegs ein noch<br />

weit besseres lineares Verhalten des<br />

Systems erzielen. Da diese Abweichungen<br />

systematisch sind, können<br />

sie leicht in einer übergeordneten<br />

Software kompensiert werden. Typischerweise<br />

sollten Schrittmotoren<br />

verwendet werden, da diese im Stillstand<br />

externe Momente aufnehmen<br />

können. Für Servomotoren empfiehlt<br />

sich ein hochuntersetzendes<br />

Getriebe, was aber einer einfachen<br />

und kostengünstigen Konstruktion<br />

widerspricht.<br />

Unkomplizierte Erfassung<br />

des aktuellen Verfahrwegs<br />

Setzt man beispielsweise als<br />

Mess- und Feedbacksystem ein<br />

induktives Linearmesssystem ein,<br />

ergeben sich folgende Vorteile: Es<br />

ist gegen Verschmutzung, Schwingungen<br />

und Vibrationen sowie elektrische<br />

und magnetische Felder<br />

weitgehend immun und ermöglicht<br />

damit einen zuverlässigen Betrieb<br />

im industriellen Umfeld. Darüber<br />

hinaus erfüllt es die Forderung nach<br />

einem Standard-Daten interface, das<br />

von den Steuerungskomponenten<br />

sofort gelesen und weiterverarbeitet<br />

werden kann. Sehr hohe Interpolationsraten<br />

von 12 Bit und mehr<br />

erlauben eine Auflösung im Submikrometerbereich.<br />

Durch Einsatz<br />

zweier Leseköpfe auf Maßstäben<br />

leicht unterschiedlicher Periodenlänge<br />

lassen sich die an sich inkrementellen<br />

Systeme als kostengünstige<br />

Absolutmesssysteme konfigurieren.<br />

Eine interne Kalibrierung<br />

ermöglicht die sichere Einhaltung<br />

einer absoluten Genauigkeit<br />

von 10 µm über den gesamten<br />

Verfahrbereich. Da die Ansteuerelektronik<br />

immer die tatsächliche<br />

Position des bewegten Objektivs<br />

misst, ist eine zusätzliche Kompensation<br />

der Exzenter-Nichtlinearitäten<br />

unnötig.<br />

Eine performancestarke,<br />

robuste, zuverlässige und<br />

wirtschaftliche Lösung<br />

Ob Halbleiterindustrie, Biomedizintechnik,<br />

Pharma oder Messtechnik:<br />

Die lückenlose Kontrolle,<br />

Überwachung und Dokumentation<br />

von Prozessschritten wird vielerorts<br />

immer wichtiger. Damit einher<br />

geht eine zunehmende Automatisierung<br />

der Qualitätssicherung,<br />

die durch den Einsatz von<br />

Kamerasystemen oftmals erst<br />

möglich gemacht wird. Hochauflösende<br />

Kamerachips und Rechenpower<br />

zur Bildverarbeitung werden<br />

immer günstiger. Casus knacksus<br />

sind allzu oft noch die Autofokus-Einheiten.<br />

Mit der gezeigten<br />

unkonventionellen Lösung kann<br />

hier Abhilfe geschaffen werden.<br />

Sie erfüllt alle Anforderungen der<br />

Industrie in Bezug auf Robustheit,<br />

Performance, Zuverlässigkeit, Integration<br />

sowie Wirtschaftlichkeit und<br />

eröffnet so neue Möglichkeiten für<br />

automatische Inspektionssysteme<br />

in Fertigungsanlagen. ◄<br />

Wird der Drehwinkel des Motors auf ±45° aus der Horizontalposition des Exzenters begrenzt, ist die Bewegung linear,<br />

wiederholbar und steuerungsmäßig gut beherrschbar<br />

30 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Messtechnik<br />

Oszilloskop-Serie mit 12 Bit Auflösung<br />

Siglent Technologies Germany<br />

GmbH<br />

www.siglenteu.com<br />

Anwendungen aus der Leistungselektronik,<br />

der Medizintechnik<br />

oder des IoT benötigen zur Analyse<br />

von Signalanomalien oftmals<br />

eine feine vertikale Auflösung. Zur<br />

Erfassung dieser Details ist die am<br />

Markt übliche 8-bit Auflösung von<br />

Oszilloskopen regelmäßig unzureichend.<br />

Ein Gerät mit 12-bit Analog-<br />

Digital-Wandlung liefert eine 16x<br />

feiner Auflösung und eignet sich<br />

daher sehr gut für diese Aufgaben.<br />

Der maximale Nutzen kann nur mit<br />

einer rauscharmen Eingangsstufe<br />

erreicht werden. Die neue Oszilloskop-Serie<br />

SDS2000X HD von<br />

Siglent vereint beides und bietet<br />

zusätzlich noch viele weitere nützliche<br />

Standardfunktionen.<br />

Das Besondere an diesen<br />

Geräten<br />

ist die 12-Bit-AD-Wandlung. Im<br />

Vergleich zu 8-Bit ADCs kann damit<br />

eine 16x höhere vertikale Auflösung<br />

erreicht werden. Der von digitalen<br />

Oszilloskopen bekannte Quantisierungsfehler<br />

wird somit erheblich verringert.<br />

Bei der Analyse von kleinsten<br />

Signaldetails, speziell wenn die<br />

Zoomfunktion zum Einsatz kommt,<br />

ist die Verbesserung der Auflösung<br />

besonders wertvoll. Die integrierten<br />

Analog/Digital-Wandler haben<br />

eine Abtastrate von 2 GS/s. Die<br />

Geräte der Serie sind ausschließlich<br />

als „Vierkanaler“ erhältlich. Alle<br />

Oszillo skope sind mit zwei AD-<br />

Wandlern und mit 2x 200 Mega-<br />

Punkten Erfassungsspeicher ausgestattet.<br />

Daraus ergibt sich bei vier<br />

aktivierten Kanälen pro Kanal eine<br />

Mindestabtastrate von 1 GS/s und<br />

eine Speichertiefe von 100 MPkt.<br />

Die Geräte sind in den Bandbreiten<br />

100, 200 und 350 MHz verfügbar.<br />

Wird mehr Bandbreite be nötigt<br />

steht eine Bandbreitenupgrade-<br />

Option zur Verfügung.<br />

Die weitere Ausstattung<br />

der neuen Serie ist identisch mit<br />

der Ausstattung der erfolgreichen<br />

SDS2000X Plus Serie. Damit sind<br />

die folgenden Funktionen ebenfalls<br />

standardmäßig enthalten:<br />

Zonen trigger, Counter, Totalizer,<br />

Masken test, Historie mit Suchfunktion,<br />

FFT-Analyse mit bis zu 2 Millionen<br />

Punkten, serielle Bus-Triggerung<br />

und -Dekodierung für I 2 C,<br />

UART, SPI, LIN, CAN. Die weiteren<br />

Dekoder I 2 S-, CAN-FD-, FlexRay-,<br />

MIL1553-, SENT und Manchester<br />

können per Softwareoption freigeschaltet<br />

werden. Das Gerät kann<br />

durch den Erwerb des Logikanalysator-Adapters<br />

um 16 digitale<br />

Kanäle erweitert werden.<br />

Der Sequenzmodus erhöht die<br />

Kurven-Erfassungsrate auf bis zu<br />

500 000 wfm/s. Damit wird die Totzeit<br />

des Oszilloskops gegenüber dem<br />

„Normal-Modus“ um einen Faktor<br />

von ca. 5 verringert und seltene Signalanomalien<br />

können bei der Fehlersuche<br />

schneller entdeckt werden. Die<br />

integrierte Bode-Plot-Funktion bildet,<br />

zusammen mit dem optionalem 25<br />

MHz Funktionsgenerator, eine komfortable,<br />

platzsparende und kostengünstige<br />

Frequenzganganalyse ohne<br />

dass in zusätz liche externe Instrumente<br />

investiert werden muss. Bei<br />

der Schaltnetz teilentwicklung werden<br />

Bode-Plots verwendet um die<br />

Phasen- und Amplitudenreserve<br />

zu messen.<br />

X-HD-Serie<br />

Ebenso wie die X-Plus-Serie verfügt<br />

die X-HD-Serie über eine Leistungsanalyse-Option.<br />

Damit können<br />

die wichtigsten Messungen<br />

automatisiert durchgeführt werden<br />

und alle üblichen Eigenschaften von<br />

Spannungskonvertern bestimmt<br />

werden. Die feinere vertikale Auflösung<br />

erhöht die Genauigkeit der<br />

Ergebnisse der Leistungsmessung<br />

und ermöglicht eine noch bessere<br />

Optimierung. Die Oszilloskope sind<br />

mit einem 10,1-Zoll-Touch screen<br />

ausgestattet. Somit ist ausreichend<br />

Platz für die Darstellung der Signale<br />

und Analysen vorhanden. Die aus<br />

den aktuellen Ge räten bekannte<br />

gut durchdachte Bedienkonzept<br />

mit der Möglichkeit der Bedienung<br />

per Maus- und Tastatur macht das<br />

Arbeiten mit den Ge räten einfach<br />

und intuitiv. Die Fernsteuerung kann<br />

über den eingebauten Webserver<br />

erfolgen. ◄<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

31


Qualitätssicherung<br />

Maximale Präzision und<br />

Zuverlässigkeit<br />

Schnelle und hochauflösende CT-Inspektion für sichere, hochwertige und langlebige Medizintechnik<br />

Phoenix Speedscan HD, das neue Hochleistungs Mikro-CT-System von Waygate Technologies für industrielle<br />

3D-Prüfverfahren, kombiniert einen hohen Automatisierungsgrad für den produktionsliniennahen Einsatz mit<br />

hoher Auflösung und hohem Durchsatz<br />

Waygate Technologies<br />

www.waygate-tech.com<br />

Medizinische Geräte gehören<br />

zu den am stärksten überwachten<br />

und regulierten Produkten in der<br />

gesamten Industrie, da sie einen<br />

entscheidenden Einfluss auf die<br />

Lebens qualität und das Leben selbst<br />

haben. Deshalb stehen bei medizinischem<br />

Equipment und der Hardware<br />

für Patienten maximale Präzision<br />

und Zuverlässigkeit im Vordergrund.<br />

Höchste und strengste<br />

Qualitäts- und Sicherheitsstandards<br />

müssen durch Qualitätskontrollen<br />

erfüllt werden. Gleichzeitig wird die<br />

in vielen Geräten eingesetzte Technologie<br />

immer komplexer, Implantate<br />

werden beispielsweise kleiner<br />

und es werden zunehmend elektronische<br />

Hightech-Komponenten eingesetzt.<br />

Darüber hinaus werden die<br />

Produktentwicklungszyklen und Produktionsprozesse<br />

immer schneller.<br />

Führende CT-Bildqualität<br />

Von Herzschrittmachern und<br />

anderen batteriebetriebenen Implantaten<br />

wie Nervenstimulatoren oder<br />

Cochlea-Implantaten, über orthopädische<br />

Implantate, Zahnersatz und<br />

Brackets, Katheter, chirur gische<br />

Klammern bis hin zu Hörgeräten<br />

und Insulinpumpen – Waygate Technologies<br />

bietet maßgeschneiderte<br />

Inspektionslösungen mit weltweit<br />

führender CT-Bild qualität für jede<br />

Art von Anwendung.<br />

Ganz gleich, ob strukturelle<br />

Defekte in elektronischen oder<br />

mechanischen Teilen, orthopädischen<br />

Implantaten und zahnmedizinischen<br />

Anwendungen aufzuspüren<br />

sind oder hochpräzise zerstörungsfreie<br />

3D-Messtechnik für<br />

die Überprüfung von Bauteilabmessungen<br />

benötigt wird, die CT-Systeme<br />

von Waygate Technologies bieten<br />

branchenführende Bild qualität<br />

bei Geschwindigkeiten, die für F&E<br />

Analsysen im Labor als auch für<br />

hohen Probensatz in der produktionsnahen<br />

Qualitätsüberwachung<br />

bestens geeignet sind.<br />

Phoenix Speed|scan HD<br />

setzt neue Standards bei<br />

industriellen CT-Systemen<br />

Mit dem Phoenix Speed|scan HD<br />

steht erstmals ein microCT Scanner<br />

zur Verfügung, der atline-und inline<br />

mit kurzen Taktzeiten und hohem<br />

Probendurchsatz 3D inspizieren<br />

und messen kann und somit die<br />

höchsten Präzisionsansprüche der<br />

Branche erfüllt. Das Hochleistungs-<br />

Micro-CT-System wurde speziell für<br />

den produktionsnahen Einsatz mit<br />

hohem Probendurchsatz entwickelt<br />

und kann in den unterschiedlichsten<br />

Industrien eingesetzt werden.<br />

Besonders geeignet ist das neue<br />

System für die wachsenden Inspektionsanforderungen<br />

in der Medizintechnik,<br />

Elektronik- und Automobilindustrie<br />

sowie in der Batteriefertigung<br />

und im 3D-Druck. Der hohe<br />

Automatisierungsgrad des Phoenix<br />

Speed|scan HD ermöglicht das Prüfen<br />

großer Stückzahlen bei durch-<br />

Virtuelle CT-Schnittbilder durch eine gescannte Insulinpumpe<br />

32 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Qualitätssicherung<br />

Virtueller Schnitt durch ein CT Volumen eines Glukose-Sensors<br />

gehender Auslastung des Systems,<br />

um bis zu 100 Prozent des Produktionsvolumens<br />

prüfen zu können.<br />

Die auf künstlicher Intelligenz<br />

basierende automatische Defekterkennung<br />

(ADR) als Teil von Waygate<br />

Technologies´ InspectionWorks<br />

Software Platform erhöht die Effizienz<br />

in der Inspektion zusätzlich. Im<br />

Ergebnis reduzieren sich der Produktionsausschuss<br />

und der Bedienaufwand<br />

sowie die Kosten für die<br />

Qualitätskontrolle.<br />

Schneller und besser<br />

Dr. Oliver Brunke, Application and<br />

Engineering Leader für Industrielle<br />

CT-Systeme bei Waygate Technologies,<br />

erklärt: „Wir sind seit vielen<br />

Jahren Technologieführer in der<br />

Hochgeschwindigkeits-CT-Prüfung.<br />

Mit höher aufgelösten Bildern<br />

bei gleich hohem Probendurchsatz<br />

setzt Phoenix Speed|scan HD<br />

neue Standards in der Medizintechnik<br />

und vielen anderen Industrien.<br />

Dank unserem engen Austausch<br />

mit Anwendern in zahlreichen Branchen<br />

bietet das System eine Vielzahl<br />

von Anpassungsmöglichkeiten.<br />

Durch den hohen Automatisierungsgrad<br />

ist mit unserem neuen System<br />

eine spürbare Qualitäts- und<br />

Effizienzsteigerung in der Produktion<br />

möglich.“<br />

Entwickelt für unterschiedlichste<br />

Industrien<br />

und Anwendungen<br />

Haupteinsatzgebiet des Phoenix<br />

Speed|scan HD ist die Kontrolle<br />

und Optimierung des Produktionsprozesses.<br />

Auf der Basis von<br />

bewährten Technologien entwickelten<br />

die Ingenieure von Waygate<br />

Technologies das neue System<br />

beispielsweise für den Einsatz<br />

in der Unterhaltungselektronikindustrie,<br />

in der neben der Fehlererkennung<br />

vor allem Batterie- und Akkusicherheit<br />

sowie deren Langlebigkeit<br />

eine wichtige Rolle spielen – Faktoren,<br />

die auch in der Medizintechnik<br />

von herausragender Bedeutung<br />

sind. Durch die hohe Detailerkennbarkeit<br />

von bis zu 20 Mikro metern<br />

kann Speed|scan HD gerade in der<br />

Medizintechnik eine qualitativ hochwertige<br />

Inspektion bei gleichzeitig<br />

großer Effizienz gewähr leisten.<br />

Daneben ist das System vor allem<br />

für Fehleranalysen, quantitative<br />

3D-Porositätsanalysen, Materialstrukturanalysen,<br />

Montagekontrollen<br />

oder Soll/Ist-Vergleiche auf<br />

Basis von CAD-Daten in der Medizintechnik-,<br />

Automobil und Luftfahrtindustrie<br />

prädestiniert.<br />

„Scans rund um die Uhr“:<br />

Automatisierte Inline CT für<br />

dauerhaften Einsatz<br />

Speed|scan HD ist konsequent<br />

auf den integrierten Einsatz in der<br />

Produktionslinie mit einem bis zu<br />

100%-ig automatisierten Inspektionsprozess<br />

ausgelegt: ein Doppel-Manipulator<br />

und eine Röntgen-Doppelschleuse<br />

sorgen dafür, dass rund<br />

um die Uhr gescannt werden kann.<br />

Leistungsfähiges<br />

Metrologie-System<br />

Das neue Hochleistungs-CT-<br />

System von Waygate Technologies<br />

kann zudem für die 3D Metrologie<br />

eingesetzt werden, also für die<br />

Geometrievermessung eines Teils<br />

oder Produkts. Damit ist der Einsatz<br />

von Phoenix Speed|scan HD gerade<br />

auch beim Hochfahren der Produktion<br />

neuer Produkte interessant.<br />

Weitere interessante Einsatzgebiete<br />

sind der Kunststoffspritzguss oder<br />

der industrielle 3D-Druck von geometrisch<br />

hochkomplexen Bauteilen.<br />

Marktführende Hard- und<br />

Softwarelösungen<br />

Waygate Technologies bringt<br />

seine mehr als 125-jährige Erfahrung<br />

in der industriellen Inspektion<br />

für innovative Röntgen- und CT-<br />

Lösungen ein, die den Herausforderungen<br />

von OEMs und Zulieferern<br />

gerecht werden. Das Ergebnis<br />

sind marktführende Hard- und<br />

Softwarelösungen, die höchste Auflösung<br />

und größte Messgenauigkeit<br />

bei höheren Geschwindigkeiten<br />

bieten – bei gleichbleibender Bildqualität<br />

und tadelloser Präzision. ◄<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

33


Quelle: it.daily.net<br />

Schützen Sie Ihre Produktion!<br />

Die wichtigsten Fragen zur Cybersecurity<br />

Hacker- und explizit Ransomware-Angriffe sind heute eine etablierte Realität. Sie gelingen relativ einfach und<br />

sind meist auf kleine und mittlere Firmen ausgerichtet, da diese eine eher schwache Cybersecurity haben. Wir<br />

versuchen, Hilfestellung zu geben und eventuelle Wissenslücken zu füllen.<br />

Warum ist Cybersecurity ein<br />

so brennendes Thema?<br />

Einerseits verursachen Angriffe<br />

einen sofortigen immensen Schaden,<br />

weil Daten plötzlich unzugänglich<br />

sind und damit die Arbeit ganz<br />

einfach blockiert wird. Andererseits<br />

lässt sich die globale Situation<br />

rund um Cybersecurity nicht<br />

schnell genug lösen, da weltweit<br />

ganz einfach nicht genug Cybersecurity-Spezialisten<br />

mit Erfahrung<br />

existieren.<br />

Wie groß ist die Dimension<br />

der Bedrohung?<br />

Da auch mittlere und kleine Unternehmen<br />

immer öfter in globale<br />

Hackerangriffe integriert und entsprechend<br />

instrumentalisiert werden,<br />

wird ihr Schutz schon bald<br />

zur Frage der Nationalen Sicherheit<br />

in allen Industriestaaten aufsteigen.<br />

Die Gewinne der Cyberkriminellen<br />

überschreiten inzwischen<br />

den Umsatz der größten Konzerne<br />

weltweit. Mit von der dortigen Politik<br />

begünstigten Angriffen aus Russland<br />

muss neuerdings ebenfalls<br />

gerechnet werden!<br />

Welches sind die<br />

herausragenden Fälle der<br />

letzten Jahre?<br />

• Blockade mehrerer Gasleitungen<br />

in den USA mittels<br />

Ransomware 2020<br />

• Verstellung der Grenzwerte<br />

der Wasserversorgung von<br />

Oldsmar/Florida auf toxisches<br />

Niveau per Remote-Zugriff 2021<br />

• Hackerangriff auf den amerikanischen<br />

IT-Dienstleister Kaseya<br />

mit weltweiten Störungen in der<br />

IT 2021<br />

• Katastrophenfall beim Landratsamt<br />

Anhalt-Bitterfeld infolge<br />

eines Cyberangriffs 2021<br />

• Das letzte Jahr endete mit einer fulminanten<br />

IT-Krise, nachdem eine<br />

Sicherheitslücke in einem Framework<br />

zum Loggen von Anwendungsmeldungen<br />

in Java auffiel und zahlreiche<br />

Behörden und Unternehmen<br />

angreifbar machte. Dieser Vorfall<br />

zeigte, wie eklatant die Sicherheitslücken<br />

auf vielen Geräten sind, da<br />

mehrere hundertmillionen Geräte<br />

weltweit betroffen waren.<br />

„Die deutsche Industrie mit ihren<br />

zahlreichen Hidden Champions ist ein<br />

attraktives Angriffsziel von Cyberkriminellen.<br />

Lt. Umfrage ereignen sich<br />

die kriminellen Vorfälle am häufigsten<br />

in der Produktion bzw. Fertigung.“<br />

Quelle: Bitkom<br />

Wie hoch wird der<br />

Schaden eingeschätzt?<br />

Die Angaben schwanken<br />

beträchtlich. Das ist teils verständlich,<br />

da man den Schaden<br />

verschieden definieren kann und<br />

da viele Betroffene ihn nicht melden.<br />

Gemäß Cyberthreats Report<br />

<strong>2022</strong>, den der IT-Sicherheitsanbieter<br />

Acronis im Dezember veröffentlicht<br />

hat, verursachten Ransomware<br />

und andere Cyberangriffe im vergangenen<br />

Jahr Schäden in Höhen von<br />

20 Milliarden Euro allein in Deutschland<br />

(https://blog.wiwo.de/lookat-it).<br />

Im Netz kursiert u.a. auch<br />

die Angabe 220 Milliarden, die<br />

in der genannten Quelle als Irrtum<br />

bezeichnet wird. In einem<br />

White Paper liest man: „Nach<br />

Angaben des OCR Cybersecurity<br />

Newsletters des US<br />

Department of Health and<br />

Human Services im Herbst<br />

2019 erwirtschaften Cyberkriminelle<br />

nach einer Schätzung<br />

des FBI mehr als 1 Milliarde US-<br />

Dollar an Lösegeld.“ Nimmt man<br />

hier einen Übersetzungsfehler und<br />

1 Billion an, würde das wiederum<br />

gut mit 220 Milliarden hierzulande<br />

harmonieren.<br />

Ist Ausspähen illegal?<br />

Potenziellen Angreifern stehen<br />

bereits im Rahmen der Legalität<br />

34 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


CrowdStrike-Produkte<br />

DAUERGEFAHR RANSOMWARE: WIE SICH UNTERNEHMEN<br />

UND INSTITUTIONEN VOR NEUEN TRENDS UND METHODEN<br />

SCHÜTZEN KÖNNEN<br />

mächtige Werkzeuge wie das IoT-Scanning-Portal<br />

Shodan oder Programme,<br />

die gezielt nach Schwachstellen suchen,<br />

zur Verfügung. Ja nach geografischem<br />

Standort mit seiner örtlichen Gesetzgebung<br />

können dunkle Aktivitäten legal<br />

oder illegal sein.<br />

DIE AKTEURE HINTER<br />

DEN RANSOMWARE-ANGRIFFEN<br />

Cybersecurity<br />

Mimecast bietet Lösungen für den cloudbasierten<br />

Web-Schutz und Cyber-Resilicence-Technologien.<br />

Malware, Phishing-,<br />

Credential-Harvesting- und Identitätsfälschungsangriffe<br />

lassen sich identifizieren<br />

und blockieren, bevor ein Schaden<br />

entsteht. Auch interne Kommunikations-Tools<br />

lassen sich besser verteidigen<br />

und gegen mögliche Insider-Risi-<br />

CrowdStrike Über welche Intelligence Position überwacht verfügen das Cybercrime-<br />

Ökosystem,<br />

die Angreifer?<br />

indem es Cybercrime-Organisationen, ken absichern. unabhängige<br />

Sowohl im üblichen frei zugänglichen<br />

Bedrohungsakteure und deren Beziehungen verfolgt. So wurde<br />

Internet (Clearnet, „sichtbares“ Web) als Ist mein Betrieb von Datenlecks<br />

zum Beispiel auch im der Deppweb Entwickler (nicht von frei Samas zugänglich) (alias Sam Sam) als ein<br />

betroffen?<br />

Bedrohungsakteur als auch im Darknet namens (abgeschlossenes<br />

BOSS SPIDER identifiziert. INDRIK SPIDER<br />

wurde die Web) Entwicklung gibt es zahlreiche von Dridex illegale zugeschrieben. Angebote<br />

für Werkzeuge, um in Firmennetz-<br />

Sie prüfen, ob diese Adresse in Verbin-<br />

Anhand Und Ihrer WIZARD E-Mail-Adresse können<br />

SPIDER, werke auch einzudringen. bekannt als Man der in spricht Russland heute ansässige dung mit Betreiber anderen persönlichen der Daten<br />

Banken-Malware von einem TrickBot „Geschäftsmodell“ (die in der namens Vergangenheit im Internet hauptsächlich<br />

offengelegt wurde und missbraucht<br />

werden identifiziert, könnte. die Das Hasso Platt-<br />

auf Überweisungsbetrug Crime as a Service. abzielte), wurde als Gruppe<br />

ner Institut bietet dazu den HPI Identy<br />

auch Ryuk Wie entwickelt weit haben hat. sich Diese Gruppen wurden dabei beobachtet,<br />

Leak Checker: https://sec.hpi.de/ilc/<br />

wie sie gezielte die Möglichkeiten Ransomware-Angriffe für<br />

initiieren, die dem Konzept der<br />

„Großwildjagd“ Cyberkriminalität folgen und dabei entwickelt? große Gewinne Was erwirtschaften.<br />

sind populäre Maschen des<br />

Cyberkriminalität kann als ein ausgereifter<br />

Markt konnte betrachtet zudem werden. eine zunehmende Hier gibt • Kooperation falsche Chefs von oder Lieferanten, die<br />

Betrugs per E-Mail?<br />

CrowdStrike<br />

es Marketing und Kundenbetreuung oder Zahlungen auf ihr Konto umleiten, sog.<br />

Bedrohungsakteuren bei gezielten Angriffen und ein zunehmendes<br />

Dienstleistungen für maßgeschneiderte Fake President<br />

Auftreten Angriffe als „Mega-Organisation“ werden angeboten. Cyberkriminelle<br />

setzen 2021 bei wurde ihren darauf Erpressungsan-<br />

hingewiesen, sog. dass Fake WIZARD Identy SPIDER Fraud –<br />

beobachten. • Ordern Im CrowdStrike von Waren an Global Fake-Adressen,<br />

Threat Report<br />

ein BGH-Akteur<br />

griffen mit<br />

und<br />

Ransomware<br />

etabliertes<br />

immer<br />

Cybercrime-„Großunternehmen“<br />

häufiger • Herausfischen einer<br />

–<br />

Mail und Verändern<br />

der IBAN, sog. Paymant Diversion<br />

eine Art Miet-Software ein, die im Netz<br />

seine rasanten als Service Operationen bereitgestellt aufrechterhalten wird.<br />

hat und das zweite Jahr in<br />

Folge der am häufigsten gemeldete Cybercrime-Gegner<br />

Was sind die Einfallstore?<br />

Was ist beim wurde. IoT/IIoT zu<br />

beachten?<br />

Zum einen ist es ganz einfach die<br />

gewöhnliche Internet-Anbindung,<br />

zum ande-<br />

HÖHERE KOMPLEXITÄT UND<br />

Schwachstellen in<br />

IoT/IIoT-Geräten sind<br />

ren ist es das<br />

besonders gefährlich,<br />

da sie den<br />

IoT bzw. IIoT.<br />

UNSCHARFE Als größtes Ein-LINIEfallstor<br />

werden<br />

ler Daten begünsti-<br />

Missbrauch sensib-<br />

E-Mails angesehen<br />

(70%). Cybersischen<br />

Gefahgen<br />

und zu phy-<br />

Wie alle Software-Entwickler arbeiten auch Cybercrime-Gruppen<br />

ständig kriminelle an der Verbesserung setzen ihrer Ransomware und rüsten diese mit ren führen können.<br />

um viele Hierzu gehören<br />

neuen Funktionen darauf, dass auf. elektronische<br />

Post erweitert samt und unnötige und veraltete Fehlfunktionen Funktionen von aus Industrieanla-<br />

WIZARD SPIDER zum Beispiel hat Ryuk<br />

neue Funktionen<br />

Anhängen oft zu<br />

gen, Defekte an Geräten und Maschinen<br />

Erfassungsmodule oder Störungen ein, von die Gebäudesi-<br />

dem Code gedankenlos entfernt. geöffnet Diese Gruppe wird. Dem setzt folgen neue<br />

auf die Systeme Hackerangriffe der Opfer (27%). heruntergeladen werden, cherheitssystemen.<br />

um Zugangsdaten<br />

zu orten und laterale Bewegungen in der Umgebung Zu den des Sicherheitsrisiken Opfers zählen nichtgepatchte<br />

Schwachstellen, cloud-basier-<br />

Gibt es Technologien, die<br />

durchzuführen einen sicheren – immer E-Mail-Verkehr<br />

mit dem Ziel, Zugang zum Domänencontroller<br />

tes Management und damit Anfälligkeit<br />

zu erhalten. gewährleisten?<br />

Bei erfolgreichem Zugriff auf den etwa Domänencontroller für Angriffe auf kann Zugangsdaten,<br />

WIZARD SPIDER Die E-Mail seine als eines Ransomware der wichtigsten Ryuk in schwache der gesamten Authentifizierung Umgebung und ein Mangel<br />

an host-basierter Sicherheit.<br />

des Opfers<br />

digitalen<br />

implementieren.<br />

Kommunikationsmittel ist ein<br />

besonders beliebter Angriffspunkt für Die Umgebung ist oft nur durch eine<br />

Ransomware-Attacken. Etwa die Firma Firewall geschützt. Das Netzwerk selbst<br />

„Jeder vierte Mittelständler in<br />

Deutschland war bereits Opfer mindestens<br />

eines erfolgreichen Cyberangriffs.“<br />

Forsa-Studie/Gesamtverband<br />

der deutschen Versicherungswirtschaft<br />

Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Grenzen zwischen<br />

nationalstaatlichen und Cybercrime-Ransomware-Kampagnen<br />

verwischen. Dieser Trend ist seit 2018 zu beobachten. Ob<br />

der Ransomware-Code gestohlen oder willentlich zwischen<br />

nationalstaatlichen Akteuren und Cyberkriminellen geteilt wird, ist nach<br />

wie vor unklar. CrowdStrike hat allerdings beobachtet, dass beide Arten<br />

von Gegnern ähnliche Malware wie beispielsweise Ryuk einsetzen,<br />

entweder meditronic-journal um sofortigen finanziellen 4/<strong>2022</strong> Gewinn zu erzielen oder um eine<br />

Ablenkung zu schaffen, die den Ursprung eines nationalstaatlichen<br />

DIE ENTWICKLUNG DER<br />

MODERNEN RANSOMWARE<br />

• Großwildjagd auf<br />

Infrastrukturen<br />

• Finanzunternehmen<br />

zahlt Lösegeld von<br />

40 Mio. US-Dollar<br />

• Beginn der<br />

„Großwildjagd“<br />

(Big Game<br />

Hunting / BGH)<br />

• JavaScript-<br />

Ransomware<br />

erscheint<br />

• Locky erscheint<br />

• Krankenhaus<br />

zahlt 17.000 Dollar<br />

Lösegeld<br />

• Erträge aus<br />

Ransomware<br />

> 1 Mrd. US-Dollar<br />

• Über 250.000<br />

Ransomware-<br />

Varianten<br />

• CryptoLocker<br />

erscheint<br />

• Einsatz von RSA-<br />

Verschlüsselungen<br />

mit 2048 Bit<br />

• Ransomware für<br />

300 US-Dollar<br />

käuflich<br />

• Erträge aus<br />

CryptoLocker:<br />

30 Mio. US-Dollar in<br />

100 Tagen<br />

• 10.000<br />

Ransomware-<br />

Varianten<br />

• Bitcoin wird<br />

geboren<br />

• Ransomware mit<br />

Bildschirmsperre<br />

erscheint<br />

• Scareware wird<br />

von gefälschten<br />

Virenschutzprogrammen<br />

und bösartigen<br />

Dienstprogrammen<br />

beherrscht<br />

• Erste Varianten<br />

moderner<br />

Ransomware<br />

tauchen auf<br />

2020<br />

2019<br />

2018<br />

2017<br />

2016<br />

2015<br />

2014<br />

2013<br />

2012<br />

2011<br />

2010<br />

2009<br />

2008<br />

2007<br />

2006<br />

2005<br />

• Großwildjagd<br />

auf staatliche<br />

und kommunale<br />

Behörden<br />

• Kommunale<br />

Behörde zahlt<br />

Lösegeld von<br />

460.000 US-Dollar<br />

• Nationalstaatlich<br />

unterstützte<br />

Ransomware<br />

WannaCry<br />

und NotPetya<br />

kombinieren<br />

Wurm-Techniken<br />

zur weltweiten<br />

Verbreitung<br />

• Über 4 Millionen<br />

Ransomware-<br />

Varianten<br />

• Ransomwareas-a-Service<br />

erscheint<br />

• TeslaCrypt<br />

erscheint<br />

• Über 100.000<br />

Ransomware-<br />

Varianten<br />

• Ransomware für<br />

200 US-Dollar<br />

käuflich<br />

• Varianten zur<br />

Imitation der<br />

Mittel von<br />

Vollzugsbehörden<br />

erscheinen<br />

• Malware wandelt<br />

sich von bösartigen<br />

Virenschutzprogrammen<br />

zur Dateiverschlüsselung<br />

• Betrugsprogramm<br />

FileFix Pro erpresst<br />

40 US-Dollar, um<br />

beim Entschlüsseln<br />

von Dateien zu<br />

„helfen“<br />

• Ransomware<br />

stellt von 56-Bit-<br />

Verschlüsselung<br />

auf 660-Bit-RSA-<br />

Verschlüsselung<br />

mit öffentlichem<br />

Schlüssel um<br />

35


Cybersecurity<br />

wird jedoch nicht überwacht und es<br />

mangelt an Endpunktsicherheit und<br />

auch -sichtbarkeit, da keine Agents<br />

eingesetzt werden können.<br />

Welche Angriffsziele sind<br />

möglich?<br />

Jedes Gerät, das über eine<br />

Rechenleistung verfügt, als mindestens<br />

einen Mikroprozessor besitzt,<br />

kommt als mögliches Angriffsziel<br />

in Frage.<br />

Titel<br />

eines über<br />

www.security-insider.de<br />

erhältlichen White Papers<br />

Wie angreifbar ist Microsoft<br />

PowerShell?<br />

PowerShell ist ein mächtiges Tool<br />

für die Systemverwaltung und als<br />

solches eine beliebte Angriffsstelle<br />

für Hacker. Es reichen bereits grundlegende<br />

Kenntnisse aus, um mit<br />

leicht zugänglichen Hacking-Tools<br />

in Systeme einzudringen. Windows<br />

PowerShell verfügt aber seit Version<br />

5 über mehrere Schutzmechanismen,<br />

um Hacking-Angriffe abzuwehren.<br />

Mehr Info: https://lp.scriptrunner.<br />

com/de/powershell-security-guide<br />

Was ist als größtes Risiko<br />

anzusehen?<br />

Viele Geräte werden durch<br />

ihre Nutzer nicht als intelligent<br />

oder vernetzt wahrgenommen.<br />

Wechselnde Verantwortliche,<br />

der schrittweise Ausbau in der<br />

Vergangenheit und nichtstandardisierte<br />

Umgebungen befördern<br />

das Risiko.<br />

Welche Angriffsmöglichkeiten<br />

gibt es?<br />

• Ransomware<br />

Ransomware gelten derzeit als<br />

die größte Bedrohung. Ransom<br />

heißt Lösegeld. Ransomware ist<br />

ein Schadprogramm, meist ein Verschlüsselungsprogramm,<br />

das bei<br />

den Angegriffenen den Zugang zu<br />

Daten und Systemen verhindert oder<br />

einschränkt, indem es beispielsweise<br />

alle Festplatten verschlüsselt.<br />

Für die Entschlüsselung wird<br />

ein Lösegeld verlangt.<br />

• DDoS<br />

Distributed-Denial-of-Service<br />

(DDoS) meint „verteilte Verweigerung“<br />

Dahinter steckt ein Angriff,<br />

der eine Dienstblockade verursacht.<br />

Diese liegt vor, wenn ein angefragter<br />

Dienst nicht mehr bzw. nur noch<br />

stark eingeschränkt verfügbar ist.<br />

Auslöser ist in den meisten Fällen<br />

eine mutwillig herbeigeführte Überlastung<br />

der IT-Infrastruktur. Angreifer<br />

nutzen seit etwa 20 Jahren bereits<br />

diese Spielart der Cyberkriminalität,<br />

meist um Lösegelder zu erpressen.<br />

• Datendiebstahl<br />

Eine dritte Spielart ist das<br />

Abgreifen sensibler Daten und<br />

die Androhung, diese im Netz zu<br />

veröffentlichen. Immer werden<br />

dabei Trojaner eingeschleust,<br />

die das System auskundschaften,<br />

Daten verschlüsseln oder abzapfen.<br />

• Sabotage<br />

Die Cyberkriminellen dringen in<br />

vernetzte Produktionssysteme ein<br />

und manipulieren die Maschinen.<br />

Wie problematisch ist<br />

Ransomware?<br />

Ransomware ist eine neue Form von<br />

Malware. Letztere deckt alle<br />

Arten von<br />

„Während die IT-Sicherheit inzwischen<br />

weitestgehend im Bewusstsein<br />

der meisten Nutzer angekommen<br />

ist und mit entsprechenden Schutzprodukten,<br />

Maßnahmen, aber auch<br />

gesetzlichen Richtlinien unterstützt<br />

wird, ist die Sicherheit von Geräten<br />

in der Peripherie vielfach noch ein<br />

blinder Fleck.“<br />

M. Freunek, Elektropraktiker 8/21<br />

Schadsoftware wie Viren<br />

oder Trojaner ab. Ransomware kann<br />

demnach entweder den Zugang eines<br />

Nutzers zu seinem Computer (Locker-<br />

Ransomware) oder Daten verschlüsseln<br />

und damit für den Nutzer unbrauchbar<br />

machen (Crypto-Ransomware). Die<br />

Angreifer behaupten zwar, dass die<br />

Opfer ihrer Attacke die Kontrolle über<br />

ihre Geräte oder Daten zurückerhalten,<br />

sobald das Lösegeld bezahlt wurde. In<br />

vielen Fällen tritt dies aber nicht ein.<br />

Die durchschnittlichen Reparaturkosten<br />

nach einem Angriff – diese umfassen<br />

u.a. Kosten für die Ausfallzeiten,<br />

Personal, entgangene Aufträge oder für<br />

das Lösegeld – beliefen sich 2021 auf<br />

1,85 Mio. USD und haben sich damit<br />

gegenüber dem Vorjahresniveau mehr<br />

als verdoppelt.<br />

Was ist ein mögliches<br />

Szenario?<br />

Während alle in Richtung „Ransomware-Probleme“<br />

schauen, wird<br />

der richtige Hauptangriff auf das vorher<br />

definierte Ziel, meistens geheime<br />

Firmeninformationen, durchgeführt<br />

und hat somit sehr gute Chancen,<br />

vor dem Ransomware-Problem<br />

unbemerkt zu bleiben.<br />

Welche Zeitrahmen gibt es<br />

für Angriffe?<br />

Durchschnittlich genügen zwei<br />

Minuten für das Eindringen und<br />

Erkennen. Durchschnittlich 30 min<br />

nimmt das Umschauen und Aussähen<br />

in Anspruch.<br />

Welche Schäden sind in<br />

Unternehmen durch einen<br />

Cyberangriff entstanden?<br />

• Unterbrechung des Betriebsablaufs/der<br />

Produktion (ca. 60%)<br />

• Kosten für Datenwiederherstellung<br />

(ca. 50%)<br />

• Diebstahl sensibler Daten<br />

(ca. 10%)<br />

• Reputationsschaden<br />

5%)<br />

• Lösegeld (ca. 5%)<br />

Welche Zeit wird zur<br />

Wiederherstellung der<br />

IT-Systeme benötigt?<br />

• ein Tag (ca. 30%)<br />

• zwei bis drei Tage (ca. 50%)<br />

• mehr als drei Tage (ca. 20%)<br />

(ca.<br />

36 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Cybersecurity<br />

Wie lässt sich Cybersecurity<br />

auffächern?<br />

Cyber-Sicherheitslösungen<br />

basieren öfters auf Cloud Apps,<br />

die Schwachstellen-Management,<br />

Erkennung und Reaktion,<br />

Bedrohungsschutz, kontinuierliche<br />

Überwachung, Patch-<br />

Management, Erkennung<br />

und Reaktion von Multi-Vektor-Endpunkten,<br />

Gefährdungsanzeige,<br />

Zertifikatsbewertung,<br />

Richtlinieneinhaltung, Sicherheitskonfigurationsbewertung,<br />

PCI-Compliance, Überwachung<br />

der Dateiintegrität, Fragebögen zur<br />

Sicherheitsbewertung, Bewertung<br />

der Out-of-Band-Konfiguration,<br />

Scannen von Web-Anwendungen,<br />

Web-Anwendungs-Firewall, globales<br />

IT-Asset-Inventar, CMDB-Synchronisierung,<br />

Zertifikatsinventar,<br />

Cloud-Sicherheitsbewertung und<br />

Containersicherheit anbieten.<br />

Wie lässt sich das<br />

Schutzniveau einfach<br />

verbessern?<br />

Es kostet nur Zeit, aber kein Geld,<br />

wenn man unsicher erscheinende<br />

Passwörter durch sichere ersetzt.<br />

Auch diese kann man sich merken,<br />

wenn man individuelle Floskeln<br />

verwendet und mit Ziffern oder<br />

Großbuchstaben anreichert. Das<br />

ist konsequent bei allen Mitarbeitern<br />

durchzusetzen. Die wichtigsten<br />

Daten sind auch auf Papier<br />

oder elektronisch völlig isoliert zu<br />

sichern. Weiter sollten Netzwerke,<br />

wo immer möglich, separiert und<br />

minimiert werden. Ebenso kostenlos<br />

ist die schnellstmögliche Installation<br />

von Hersteller-Software-Updates.<br />

Welche Bedeutung hat eine<br />

Firewall?<br />

Eine eher geringe. Denn infolge<br />

der zusammengewachsenen IT- und<br />

OT-Netzwerke (Operational Technology)<br />

ist es nicht mehr effektiv,<br />

beim Schutz kritischer Infrastrukturen<br />

ausschließlich oder überhaupt<br />

auf Firewalls zu setzen.<br />

„Wenn eine Firma Alarm schlägt,<br />

weil ihre Computerdaten von Kriminellen<br />

verschlüsselt wurden, dann<br />

ist Zeit der wichtigste Faktor. Denn<br />

leider gibt es in Deutschland derzeit<br />

keine Vorratsdatenspeicherung, und<br />

Daten zu IP-Adressen werden nach<br />

sieben Tagen gelöscht.“<br />

Lars Nowack, zuständig für Cyberund<br />

Wirtschaftskriminalität bei der<br />

Polizeidirektion Görlitz<br />

Wann kann Schadsoftware<br />

die Firmendaten<br />

verschlüsseln?<br />

Das ist immer dann möglich, wenn<br />

die Sicherungssysteme<br />

unzureichend<br />

sind oder nicht richtig<br />

funktionieren, wenn Links gefolgt<br />

wird oder wenn Dateianhänge geöffnet<br />

werden. Besonders gefährlich<br />

sind alte Office-Dateien (.doc,<br />

.xlx, .ppt).<br />

Wie ist die Einschätzung der<br />

IoT-Sicherheit möglich?<br />

Am besten mit Testsoftware. Etwa<br />

Keysight Technologies hat eine IoT<br />

Security Assessment Software<br />

vorgestellt, mit der Hersteller<br />

von IoT-Chips und<br />

-Geräten sowie Organisationen,<br />

die IoT-Geräte einsetzen,<br />

umfassende automatisierte<br />

Cybersecurity-Analysen<br />

durchführen können.<br />

Welches sind die<br />

führenden Sicherheitsanbieter?<br />

Lt. Credit Suisse-Liste mit führenden<br />

Cybersicherheitsanbietern<br />

ist Fortinet klarer Gewinner. Den<br />

zweiten Platz belegt ServiceNow,<br />

den dritten Qualys.<br />

Was bedeutet Trusted<br />

Computing?<br />

Trusted Computing (TC) bedeutet,<br />

dass der Betreiber eines PC-<br />

Systems die Kontrolle über die verwendete<br />

Hard- und Software an<br />

Dritte abgeben kann. Dieses Konzept<br />

wird von der Trusted Computing<br />

Group (TCG) entwickelt und beworben.<br />

Es soll die Sicherheit erhöhen,<br />

da Manipulationen erkannt werden.<br />

Was ist eine Trusted-Computing-Plattform?<br />

Trusted-Computing-Plattformen<br />

(PCs, aber auch andere computergestützte<br />

Systeme wie Mobiltelefone<br />

usw.) können mit einem<br />

zusätzlichen Chip, dem Trusted<br />

Platform Module (TPM), ausgestattet<br />

werden. Dieser kann<br />

mittels kryptographischer Verfahren<br />

die Integrität sowohl<br />

der Software-Datenstrukturen<br />

als auch der Hardware<br />

messen und diese Werte nachprüfbar<br />

und manipulationssicher<br />

abspeichern.<br />

Was bedeutet Roots of<br />

Trust?<br />

Als Roots of Trust (RoT) bezeichnet<br />

man mehrere Funktionen im<br />

Trusted-Computing-Modell, denen<br />

das Betriebssystem des Computers<br />

immer vertraut. RoT ist vergleichbar<br />

„Ransomware ist derzeit eine der<br />

größten Bedrohungen für die IT von<br />

Unternehmen und Organisationen.<br />

Bei erfolgreichen Angriffen werden<br />

Dienstleistungen und Produktion häufig<br />

zum Stillstand gebracht.“<br />

Arne Schönbohm, Präsident des<br />

BSI<br />

mit einer<br />

eigenständigen Engine,<br />

die den kryptografischen Prozessor<br />

kontrolliert, der den Kern des Trusted<br />

Platform Modules (TPM) darstellt.<br />

So wird es z.B. möglich, Software-Updates<br />

auf vertrauensvolle<br />

Weise an alle potenziell betroffenen<br />

Maschinen auf der Welt zu pushen.<br />

Welche Bedeutung haben<br />

Roots of Trust?<br />

Wenn man den untersten Ebenen<br />

der Boot-Struktur eines Geräts<br />

vertrauen und entsprechende Software-Updates<br />

herausgeben kann,<br />

ist eine Fabrik in der Lage, sich<br />

rasch von einer Attacke zu erholen<br />

und ihren geordneten Betrieb<br />

wieder aufzunehmen.<br />

Was bedeutet Trusted<br />

Network Connect?<br />

Mit der Trusted-Network-Connect-Spezifikation<br />

(TNC) entwickelt<br />

die Trusted Computing Group<br />

(TCG) einen Ansatz zur Realisierung<br />

vertrauenswürdiger Netzwerkverbindungen.<br />

Ziel ist eine offene,<br />

herstellerunabhängige Spezifikation<br />

zur Überprüfung der Endpunkt-<br />

Integrität.<br />

Wie ist es um den Schutz<br />

von Edge Computers<br />

bestellt?<br />

Unter Edge versteht man die<br />

Außengrenzen der Regelschleife.<br />

Edge Computer, ausgeführt als<br />

separate Netzwerkknoten oder in<br />

die CPS integriert, lassen sich einfacher<br />

als zentralisierte Netze schützen.<br />

Weiter von Vorteil: Sie reduzieren<br />

die Datenströme auf ihrem<br />

energieintensiven Weg in die Cloud.<br />

Was versteht man unter<br />

SASE?<br />

Da alte Netzwerksicherheitsmodelle<br />

mit den sich weiterentwickelnden<br />

Bedrohungen nicht<br />

mehr Schritt halten konnten und<br />

zudem die moderne Netzwerkarchitektur<br />

immer komplexer<br />

wurde, haben Unternehmen<br />

mit der Umstellung auf ein neues<br />

cloudbasiertes Sicherheitsmodell<br />

begonnen: Secure Access Service<br />

Edge (SASE).<br />

SASE kombiniert ein softwaredefiniertes<br />

Wide Area Network<br />

(WAN) mit zentralen Netzwerksicherheits-Services<br />

– wie Secure<br />

Web Gateways, Cloud Access Security<br />

Broker oder Cloud Firewalls –<br />

und stellt diese an der Netzwerk-<br />

Edge bereit.<br />

Was bedeutet Endpoint<br />

Security?<br />

Endpunktsicherheit ist ein Ansatz<br />

zum Schutz von Computernetzwerken,<br />

die remote mit Clientgeräten<br />

verbunden sind. Endpoint Security<br />

schützt die verschiedenen Endgeräte<br />

in einem Netzwerk vor diversen<br />

Bedrohungen. Technische und organisatorische<br />

Maßnahmen verhindern<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

37


Cybersecurity<br />

den unbefugten<br />

Zugriff auf<br />

Geräte oder<br />

die Ausführung<br />

schädlicher<br />

Software.<br />

Endpoint Security<br />

hat in den<br />

letzten Jahren an<br />

Bedeutung gewonnen,<br />

da die Anzahl an Endgeräten,<br />

die in einem Unternehmensnetzwerk<br />

kommunizieren, stetig zunimmt. Vor<br />

allem Konzepte wie Bring Your Own<br />

Device oder eine vermehrte Nutzung<br />

von Home Offices und der Zugriff auf<br />

zentrale Ressourcen einer Organisation<br />

von mobilen Endgeräte über das Internet<br />

machen Systeme zur Sicherstellung<br />

der Endpoint Security unverzichtbar.<br />

Mehr und mehr stehen mobile Endgeräte<br />

im Fokus der Angreifer.<br />

Titel<br />

eines über<br />

www.security-insider.de<br />

erhältlichen White<br />

Papers<br />

„Immer wieder fallen Unternehmen<br />

Hacker-Angriffen zum Opfer – dabei<br />

trifft es Großkonzerne ebenso wie Mittelständler<br />

oder kleine Betriebe. Die<br />

Folgen sind oft verheerend!“<br />

Stefan Heß, ZVEH<br />

Welche<br />

Maßnahmen<br />

taugen zum<br />

Endpunktschutz?<br />

Sprechen Hersteller von Sicherheitslösungen<br />

über den Endpunktschutz,<br />

sind in der Regel technische Maßnahmen<br />

gemeint. Die Lösungen bestehen<br />

meist aus einer Mischung verschiedener<br />

technischer Maßnahmen wie präventive,<br />

detektive und reaktive Maßnahmen.<br />

Typische technische Maßnahmen<br />

zur Endgerätesicherheit sind<br />

Malware-Schutz, Anwendungsisolation,<br />

Sandboxing, Client Firewalls, Applikationskontrolle,<br />

URL-Filter, Data Loss Prevention<br />

sowie Device Management von<br />

Peripheriegeräten wie Wechselfestplatten,<br />

USB-Sticks oder Bluetooth-Komponenten.<br />

Prinzipiell gehören aber auch<br />

organisatorische Maßnahmen zur Endpoint<br />

Security, wie Schulungen von Mitarbeitern,<br />

Vorgaben für Mitarbeiter im<br />

Umgang mit Endgeräten oder externen<br />

Datenträgern und die Sensibilisierung<br />

gegenüber den verschiedenen<br />

Bedrohungen.<br />

Was meint Endpoint<br />

Detection and<br />

Response?<br />

Die Erkennung und Reaktion<br />

von Endpunktbedrohungen<br />

ist eine Cybertechnologie,<br />

die das IT- und Kommunikations-System<br />

auf Cyberbedrohungen<br />

kontinuierlich überwacht<br />

und darauf reagiert, um<br />

sie zu mindern. Endpoint Detection<br />

and Response und auch<br />

Extended Endpoint Detection and<br />

Response ist heute als Stand der<br />

Technik anzusehen und wirde beispielsweise<br />

von dem System Sophos<br />

XDR realisiert. XDR ist ein Software-<br />

Konzept von verschiedenen Lösungen,<br />

die zusammenwirken.<br />

Was sind die Sicherheitsherausforderungen<br />

in der<br />

Cloud?<br />

Die Sicherheitsherausforderungen<br />

in der Cloud betreffen die unbefugte<br />

Offenlegung von Daten, den<br />

Datenverlust, schwache Zugriffskontrollen,<br />

die gemeinsame Verantwortung<br />

von Nutzern und Betreibern<br />

sowie die Gewährleistung der<br />

Compliance in sich ständig ändernden<br />

Cloud-Umgebungen.<br />

Was bedeutet Automation<br />

per Synchronized Security?<br />

Darunter versteht man die automatisierte<br />

Netzwerkquarantäne.<br />

Diese wird möglich durch die Kommunikation<br />

der Firewall mit dem<br />

Endpunkt.<br />

Was bedeutet Lateral<br />

Movement Protection?<br />

Dies könnte man frei auch mit<br />

„Kommunikationsverweigerung“<br />

übersetzen. Das System steht<br />

wegen einer möglichen Infizierung<br />

für eine Kommunikation nicht mehr<br />

zur Verfügung.<br />

Was ist bei Motion-Control-Anwendungen<br />

zu<br />

beachten?<br />

„Schwachstellen in IoT-Geräten sind<br />

besonders gefährlich, da sie Missbrauch<br />

sensibler Daten begünstigen<br />

und zu physischen Gefahren führen<br />

können, wie z.B. Fehlfunktionen von<br />

Industrieanlagen, Defekte an medizinischen<br />

Geräten oder Störungen von<br />

Haussicherheitssystemen.“<br />

Merritt Maxim, Elsa Pikulik im<br />

State of IoT Security Report 2021<br />

Viele Fabriken<br />

verwenden die standardmäßige<br />

Public-Key-Infrastruktur. Dabei<br />

senden sich die Geräte gegenseitig<br />

Challenges zum Feststellen der<br />

Authentizität und tauschen dann<br />

mit einer bestimmten Methode<br />

einen gemeinsamen Session Key<br />

aus. So etwas verbietet sich leider<br />

in schnellen Bewegungssteuerungen,<br />

da hier eine große Zahl von<br />

Geräten in einem bestimmten Zeitrahmen<br />

zusammenarbeiten muss.<br />

Wie gelingt der Spagat<br />

zwischen schneller Analytik<br />

und Datensicherheit?<br />

Unternehmen stehen vor einer<br />

Herausforderung: Business Analytics<br />

Software aus der Cloud kann<br />

nur einen Teil der Daten auswerten,<br />

da sie keinen Zugriff auf besonders<br />

kritische Daten hat. Andererseits<br />

liegen bereits viele Daten auf einer<br />

oder mehreren Clouds. Eine neue<br />

Funktion von Business Intelligence<br />

Software kann dieses Problem nun<br />

lösen. Dank dieser können Daten<br />

38 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Cybersecurity<br />

sicher innerhalb der unternehmensinternen<br />

Firewall und mit der neusten<br />

Software analysiert werden.<br />

Dazu werden sogenannte Forts<br />

gebildet, virtuelle Mauern, hinter die<br />

keine Daten gelangen. Alle Daten,<br />

Datenverbindungen und Applikationen<br />

werden demnach direkt im<br />

Fort gehostet – Daten müssen also<br />

nie in eine Cloud transferiert werden.<br />

Zusätzlich können Unternehmen<br />

den Workload der Datenanalyse<br />

flexibel zwischen on-premises<br />

und der Cloud aufteilen.<br />

Die Daten müssen also nicht in<br />

die SaaS-Plattform des Herstellers<br />

übertragen werden. Stattdessen<br />

wird die Software zu den Daten<br />

übertragen.<br />

Titel<br />

eines über<br />

www.security-insider.de<br />

erhältlichen White Papers<br />

Was ist ein DoS/<br />

DDoS-Angriff?<br />

Ein DDoS-Angriff ist eine spezielle<br />

Art der Cyberkriminalität. Der<br />

Distributed-Denial-of-Service-Angriff<br />

ist ein „verteilter“ Denial-of-Service-<br />

Angriff (DoS), der wiederum eine<br />

Dienstblockade darstellt. Diese liegt<br />

vor, wenn ein angefragter Dienst<br />

nicht mehr bzw. nur noch stark eingeschränkt<br />

verfügbar ist. Auslöser<br />

ist in den meisten Fällen eine mutwillig<br />

herbeigeführte Überlastung<br />

der IT-Infrastruktur. Angreifer nutzen<br />

diese Art der Cyberkriminalität<br />

u.a., um von ungeschützten Organisationen<br />

Lösegelder zu erpressen.<br />

Kann Künstliche Intelligenz<br />

zum Schutz beitragen?<br />

Das Prinzip Install&Forget funktioniert<br />

nicht mehr. Neue Einfallstore<br />

sind bereits mit regulären Techniken<br />

zu öffnen. Auch eine KI kann<br />

heute die menschliche Intelligenz<br />

und ständige Aufmerksamkeit in<br />

punkto Cybersecurity nicht ersetzen.<br />

Was versteht man unter<br />

proaktivem Schutz?<br />

Unternehmen setzen meist nur<br />

auf Schutz- und Erkennungstechnologien.<br />

Schutztechnologien<br />

sind u.a. Firewalls, E-Mailund<br />

Webgateway-Schutz oder<br />

Antiviren-Software ins Spiel. Der<br />

zweite Schritt sind Erkennungstechnologien<br />

wie Log-, Prozessund<br />

Netzwerk-Analyse.<br />

Wenn diese Technologien allerdings<br />

anschlagen, ist es meistens<br />

schon zu spät und der Angreifer<br />

bzw. die Schadsoftware befindet<br />

sich bereits im Netzwerk. Angreifer<br />

wissen dies und versuchen mit<br />

immer ausgefeilteren Methoden<br />

und immer komplexer werdenden<br />

Schadcodes, Schutz- und Erkennungstechnologien<br />

zu umgehen.<br />

Proaktiver Schutz dreht den Spieß<br />

gewissermaßen um und nimmt den<br />

(potentiellen) Angreifer ins Visier,<br />

indem versucht wird, Informationen<br />

über ihn zu sammeln und sich auf<br />

einen Angriff vorzubereiten.<br />

Kann man sich gegen eine<br />

Cyberattacke versichern?<br />

Es gibt sie, die Cyberversicherung<br />

oder Cyberpolice und die Vertrauensschadenversicherung.<br />

Etwa bei<br />

Franke und Bornberg (www.frankebornberg.de)<br />

findet sich ein ständig<br />

aktualisiertes Rating. Der Abschluss<br />

einer solchen Police scheint sinnvoll,<br />

weil man sich vermutlich nicht<br />

100%-tig absichern kann. Mehr auch<br />

unter www.gdv.de/downloads/versicherungsbedingungen<br />

Gibt es einen Standard für<br />

den Deckungsumfang?<br />

Als Standard hat sich nach<br />

Recherchen des o.g. Analysehauses<br />

folgender Deckungsumfang bei<br />

gewerblichen Cyberpolicen etabliert:<br />

• Wiederherstellung von Daten, Programmen<br />

und Systemen<br />

• IT-Forensik durch Sachverständige<br />

zur Feststellung von Ursache<br />

und Ausmaß des Schadens<br />

• Beratung zur Kommunikation im<br />

Krisenfall<br />

„Gerade wenn es um die Umleitung<br />

von Zahlungsströmen geht, sind auch<br />

viele kleine Firmen betroffen.“<br />

Rüdiger Kirsch, AG Vertrauensschadenversicherung<br />

im GDV<br />

• Benachrichtigung von Betroffenen<br />

einer Datenschutzverletzung<br />

• Rechtsberatung zu den Informationspflichten<br />

Wie wende ich mich im<br />

Schadensfall an die Polizei?<br />

Bei der Polizei gibt es spezialisierte<br />

Cybercrime-Dienststellen.<br />

Speziell für Wirtschaftsunternehmen<br />

gibt es die Zentrale Ansprechstelle<br />

Cybercrime (ZAC). Hier der<br />

Kurz-Link: https://bit.ly/2SEE0Nz<br />

Welche Unterstützung bietet<br />

das Internet?<br />

• kostenloser Quick-Check der VdS<br />

Schadenverhütung zur IT-Sicherheit<br />

in Unternehmen: https://www.<br />

vds-quick-check.de<br />

• Bundesamt für Sicherheit in der<br />

Informationstechnik: www.bsi.<br />

bund.de<br />

• aktuelle Infos und Tipps: www.<br />

allianz-fuer-cybersicherheit.de/<br />

• Sichere Web-Seiten und Content<br />

Management Systeme: https://<br />

siwecos.de/<br />

• Bundesministerium für Wirtschaft<br />

und Energie: www.it-sicherheit-inder-wirtschaft.de/<br />

• Cybersicherheits-Check des GDV:<br />

www.gdv.de/cybercheck<br />

• mehrere White Papers:<br />

www.security-insider.de<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

39


Bedienen und Visualisieren<br />

Touch Panel Industrie-PC als HMI im<br />

industriellen Umfeld<br />

haben sich in den letzten drei<br />

Jahrzehnten ständig weiterentwickelt,<br />

um den wachsenden<br />

Anforderungen und den veränderten<br />

Produktionsanforderungen<br />

gerecht zu werden.<br />

Was ist HMI?<br />

Touch Panel-PCs als Mensch-<br />

Maschinen-Schnittstelle bzw. Human<br />

Machine Interface (HMI) Plattform<br />

sind in der heutigen Gesellschaft<br />

weit verbreitet. Sie ermöglichen<br />

Benutzern mit Systemen zu interagieren<br />

und Informationen auszutauschen.<br />

Tatsächlich sind HMIs<br />

unverzichtbar für die Entwicklung<br />

vieler Branchen geworden, die uns<br />

seit langem wichtig sind, wie z. B.<br />

Handel, Automobil, Unterhaltung,<br />

Elektronik, medizinische Geräte,<br />

Banken und Dienstleistungen.<br />

Bei industriellen Anwendungen<br />

von HMIs bestehen ihre Hauptfunktionen<br />

im Echtzeit-Informationsaustausch<br />

zwischen Menschen<br />

und Maschinen, Produktionsanlagen,<br />

speicherprogrammierbaren<br />

Steuerungen (SPS),<br />

Frequenzumrichtern (VFDs) und<br />

Messgeräten. Die HMIs dienen<br />

zum Anzeigen von Daten sowie<br />

deren Aufbereitung und zum Eingeben<br />

von Bedienbefehlen über<br />

eine Eingabeeinheit (z. B. Touchscreen,<br />

Tastatur oder Maus).<br />

Im Rahmen der zunehmenden<br />

Digitalisierung einer Fabrik (Industrie<br />

4.0) ist die HMI-Technologie<br />

unverzichtbar bei Einführung<br />

der intelligenten Produktion<br />

geworden. Die Leistungsparameter<br />

und verwendeten Technologien<br />

der HMI Platt formen<br />

Ein Human Machine Interface<br />

(HMI) System besteht normalerweise<br />

aus Computer-Hardware auf<br />

die passende Software integriert ist.<br />

Ein Panel-PC ist als HMI ebenso ein<br />

Anzeigegerät durch das integrierte<br />

Display, das es Benutzern ermöglicht,<br />

mit einem System zu interagieren<br />

und Informationen auszutauschen.<br />

Als Bedien einheit dient<br />

typisch der resistive oder kapazitive<br />

Touchscreen. Deshalb spricht<br />

man in diesem Fall von einem Touch<br />

Panel-PC bzw. Touch Panel Industrie-PC<br />

bei Vorhandensein entsprechender<br />

Eigenschaften, die für den<br />

Einsatz im industriellen Umfeld notwendig<br />

sind.<br />

Wie wird HMI in Industrie 4.0<br />

eingesetzt?<br />

Der Aufstieg von Industrie 4.0<br />

und IIoT (Industrial Internet of<br />

Things) hat die Automatisierung<br />

verändert und zu einer globalen<br />

intelligenten Fertigungsrevolution<br />

geführt, die das Paradigma von<br />

„Automatisierung“ zu „intelligenter<br />

Automatisierung“ verschiebt.<br />

In den Produktionslinien intelli-<br />

AMC - Analytik & Messtechnik<br />

GmbH Chemnitz<br />

info@amc-systeme.de<br />

www.amc-systeme.de<br />

40 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Bedienen und Visualisieren<br />

genter Fabriken werden verschiedene<br />

Sensoren in Fertigungsanlagen<br />

eingebaut, um die Produktqualität<br />

automatisch zu überprüfen<br />

und Geräte daten zu erfassen.<br />

HMI-Geräte aggregieren Daten<br />

und verarbeiten die Informationen<br />

einfach für ein effizienteres<br />

und produktiveres System. Darüber<br />

hinaus sind Fabrikmanagement<br />

und Produktionsentscheidungen<br />

entsprechend den Anforderungen<br />

von Cloud-Anwendungen<br />

und intelligenter Fertigung<br />

stärker auf visualisierte Steuerungsplattformen<br />

ange wiesen.<br />

HMIs vereinfachen und visualisieren<br />

Daten, damit sie auf den<br />

ersten Blick intuitiv verständlich<br />

sind. Die Industrie 4.0-Transformation<br />

integriert IT- und OT-Systeme,<br />

um die Verwaltungsdaten in MESoder<br />

ERP-Systemen und die Produktionsdaten<br />

in Produktionsanlagen<br />

auszutauschen und zu nutzen,<br />

um einen flexibleren und effizienteren<br />

Fertigungsprozess zu erreichen.<br />

HMI-Geräte übernehmen<br />

nicht nur die Rolle der Maschinenüberwachung,<br />

sondern sind auch<br />

die Drehscheibe für die Datenverarbeitung<br />

und -übertragung zwischen<br />

IT- und OT-Systemen.<br />

Wie werden HMI Plattformen<br />

industriellen Umgebungsbedingungen<br />

gerecht?<br />

Ein rundum wasserdichter Touch<br />

Panel IPC ist im Allgemeinen für<br />

Anwendungen mit hohen Hygieneund<br />

Reinheitsanforderungen erforderlich,<br />

wie z. B. in der Lebensmittel-<br />

und Getränkeherstellung und<br />

der medizinischen Industrie. Die<br />

HMI-Wasserdichtheit wird je nach<br />

Schutzgrad gegen Fremdkörper<br />

(Werkzeuge, Schmutz etc.) und<br />

Feuchtigkeit durch ein IP-Rating<br />

(Ingress Protection Rating) klassifiziert.<br />

Typisch sind hier IP65 oder<br />

höher. In diesem Bereich bietet AMC<br />

die rundum wasserdichten Touch<br />

Panel IPC der SPC-xxx Serien<br />

als HMI Lösung an. Dazu gehören<br />

z. B. der SPC-515 mit IP69k-zertifiziertem<br />

Edelstahl-Gehäuse und<br />

der SPC-221 mit IP66-Zertifizierung.<br />

Ebenso stehen auch Touch<br />

Panel IPCs mit nur frontseitigen<br />

IP-Schutzgrad von IP54 oder besser<br />

aus unseren PPC und TPC Reihen<br />

für andere Anwendungen im<br />

industriellen Umfeld zur Verfügung.<br />

HMI mit Explosionsschutz-Zertifizierungen<br />

wie C1D2 und ATEX<br />

werden für gefährliche Bereiche<br />

wie Ölfeldbohrungen, Pumpenstationsüberwachung,<br />

Chemieanlagen,<br />

pharmazeutische Fabriken, Ölpipelineüberwachung,<br />

Tanklagerüberwachung<br />

und Tankstellenverwaltung<br />

benötigt. Auch hier bietet AMC<br />

passende C1D2-zertifizierte industrielle<br />

Touch Panel IPCs und industrieeinsatztaugliche<br />

Monitore an,<br />

um diesen Anforderungen gerecht<br />

zu werden.<br />

Weitere Umweltfaktoren<br />

Industrieumgebungen sind Bedingungen<br />

wie Staub, Schmutz und<br />

Vibrationen ausgesetzt, sodass ein<br />

industrietaugliches HMI-Design Haltbarkeit<br />

und eine längere Lebensdauer<br />

versprechen kann als herkömmliche<br />

Geräte für den normalen<br />

Gebrauch. Für einige Outdoor-<br />

Szenarien ist ein HMI mit sonnenlichtlesbarem<br />

Bildschirm unerlässlich.<br />

Auch hier können die robusten<br />

Industrie-Touch-Panel-PCs<br />

(TPC-, SPC-, PPC-Serie) und die<br />

Monitore der FPM-Serie von AMC<br />

eingesetzt werden, um die industrielle<br />

Automatisierung und Datenvisualisierung<br />

unter verschiedenen<br />

Umgebungsbedingungen zu erleichtern.<br />

Insbesondere die Touch Panel<br />

IPCs TPC-1251T und TPC-1551T<br />

ver fügen über einen Bildschirm mit<br />

hoher Helligkeit und geringer Reflexion<br />

für den Außeneinsatz.<br />

Welche wesentlichen<br />

Auswahlmöglichkeiten<br />

bei Displays haben HMI<br />

Plattformen?<br />

Bildschirmgrößen sind einer der<br />

Faktoren, die man bedenken muss.<br />

Üblicherweise werden Touch Panel<br />

IPCs mit kleiner Bildschirmgröße<br />

(typisch 6 bis 15“) für die Einzelmaschinensteuerung<br />

verwendet; mittelgroße<br />

HMI-Bildschirme (typisch<br />

17 bis 32“) für das Gebäudemanagement<br />

und Anbindung an<br />

das MES-System; und große Touch<br />

Panel PCs wie der UTC-542 mit 42“<br />

Bildschirmdiagonale eignen sich perfekt<br />

für die Fernverwaltung in Kontrollräumen.<br />

Für intelligente Anwendungen<br />

ist jedoch eine Datenvisualisierung<br />

erforderlich, sodass größere<br />

HMI-Bildschirme mit höheren<br />

Auflösungen und Seitenverhältnissen<br />

von 16:9 zum Mainstream werden.<br />

AMC bietet industrielle Panel-<br />

PCs von 3,5 bis 42“ und Monitore<br />

unter schiedlicher Größe zur Unterstützung<br />

aller Arten von Fabrikanwendungen<br />

von der Automatisierungssteuerung<br />

bis zum Felddatenmanagement<br />

an.<br />

Touchscreen-Typ<br />

Die Auswahl des Touchscreen-<br />

Typs hängt von den Anforderungen<br />

der Benutzer ab. Wenn die<br />

Anwendung präzise und genaue<br />

Multi-Touch-Fähigkeiten wie Zoomen,<br />

Ziehen, Wischen und Pinch-<br />

Touchscreen-Gesten erfordert,<br />

sind Touchscreen-Typen mit projektiv-kapazitiver<br />

(P-CAP) Steuerung<br />

ideal. Wenn der Bediener<br />

Handschuhe tragen muss, werden<br />

resistive Touchscreen-Typen<br />

(RTS) bevorzugt.<br />

Physische Tasten<br />

Für bestimmte Benutzeranforderungen<br />

werden immer noch HMIs mit<br />

physischen Tasten benötigt. Touchscreen-HMIs<br />

bieten kein taktiles<br />

Feedback wie Tastendruckbestätigung<br />

für Berührungsbefehle, was<br />

besonders für Menschen mit Sehbehinderungen<br />

wichtig ist. Physische<br />

Tasten sind auch hilfreich,<br />

um Probleme zu beseitigen, die bei<br />

der Verwendung von Touchscreen-<br />

HMIs auftreten: nämlich Schwierigkeiten,<br />

grafische Änderungen auf<br />

dem Bildschirm bei Sonnenlicht,<br />

Verschiebungen und unklaren Zielen<br />

zu erkennen, und die Notwendigkeit,<br />

bei wichtigen Aufgaben auf<br />

einen Bildschirm zu schauen. Das<br />

Vorhandensein physischer Tasten<br />

ermöglicht es Benutzern, Auf gaben<br />

schnell und genau zu erledigen.<br />

Optional können hierzu dem Touch<br />

Panel IPC von AMC extern entsprechende<br />

individuelle Lösungen<br />

an die vorhandenen COM Schnittstellen<br />

angeschlossen werden, um<br />

diese in Kombination mit dem Touchscreen<br />

zu nutzen.<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

41


Bedienen und Visualisieren<br />

auch leistungsstarke Konnektivität<br />

mit PCs oder Sensoren für die<br />

Datenübertragung über Ethernet<br />

oder Wi-Fi bieten, aber auch Überwachungsprogramme<br />

und Datenerfassungssysteme<br />

wie SCADA<br />

unterstützen. Auch hier erfüllen<br />

die Touch Panel-PCs im Lieferprogramm<br />

von AMC diese Anforderungen,<br />

da diese optional mit entsprechend<br />

passenden Kommunikations-Schnittstellen<br />

aufgerüstet<br />

werden können.<br />

Module einfach abnehmen und<br />

durch neuere, fortschrittlichere<br />

Module ersetzen können. Modulare<br />

Plattformen können schnell an die<br />

Nutzungsanforderungen angepasst<br />

werden und ermöglichen eine einfache<br />

Wartung, indem Boxmodule<br />

zur Reparatur entfernt werden, ohne<br />

die gesamte Plattform zu demontieren.<br />

Zusätzlich können Datenerfassungs-<br />

und Schnittstellenerweiterungen<br />

z. B. Module der iDOOR<br />

Reihe einfach integriert werden.<br />

Welche Anforderungen<br />

an die Datenverarbeitung<br />

müssen HMIs erfüllen?<br />

HMIs mit hoher Rechenleistung<br />

werden für Anwendungen be nötigt,<br />

die große Datenmengen oder hochauflösende<br />

Bilder verarbeiten, wie<br />

z. B. Fehlerinspektionsanwendungen<br />

in Qualitätskontrollprozessen für<br />

die Lebensmittel- und Getränkeindustrie<br />

sowie Daten- und Bildberechnungen<br />

in der Elektronik fertigung.<br />

AMC bietet hier erstklassige industrielle<br />

Panel-PC-Lösungen mit<br />

integriertem Intel i-Core Prozessor<br />

an. Dazu gehören u. a. die modularen<br />

und lüfterlosen Touch Panel-<br />

PCs der TPC-5000-Reihe und der<br />

TPC-300-Serie/Reihe und die konfigurierbaren<br />

Touch Panel lPCs der<br />

PPC-6000-Reihe, um anspruchsvollere<br />

Industrie 4.0 Anwendungen<br />

zu realisieren.<br />

Wenn andererseits die Anforderungen<br />

an die Datenverarbeitung<br />

geringer sind, wird ein Thin-<br />

Client-Terminal-HMI mit geringerem<br />

Stromverbrauch und geringeren<br />

Kosten empfohlen. Wenn der<br />

Panel-PC außerdem als Web-Terminal<br />

dienen soll, wird eine HMI-<br />

Serie mit Webbrowser-Terminals<br />

aufgrund ihres eingebetteten Browsers<br />

und der schnellen Web-App-<br />

Entwicklungsfunktionen empfohlen.<br />

Auch hier bietet AMC kostengünstige<br />

industrielle Thin-Client-<br />

HMI-Lösungen wie die TPC-200<br />

und PPC-3000-Reihen und Webbrowser-Terminalserie<br />

WOP-200<br />

für verschiedene Szenarien an.<br />

Konnektivität und<br />

Datensicherheit<br />

Welche Anforderungen an Konnektivität<br />

und Datensicherheit<br />

müssen erfüllt werden?<br />

In der intelligenten Fertigung<br />

werden mehr Steuerungsfunktionen<br />

benötigt, um eine höhere<br />

Datenkomplexität und größere<br />

Datenmengen zu verarbeiten.<br />

HMIs müssen eine neue Generation<br />

von Kommunikationsprotokollen<br />

beherrschen, um die<br />

Stabilität und Unmittelbarkeit der<br />

Daten übertragung mit einer SPS<br />

zu gewährleisten. Darüber hinaus<br />

ist die Big-Data-Analyse ein<br />

wertvolles Gut bei der Entwicklung<br />

einer Strategie für die digitale<br />

Transformation, sodass die Datenerfassung<br />

für den Fertigungs- und<br />

Fabrikbetrieb von entscheidender<br />

Bedeutung ist. HMIs müssen<br />

Datensicherheit<br />

Da alle wertvollen Fabrikinformationen<br />

digitalisiert werden müssen,<br />

ist die Datensicherheit ein Problem,<br />

über das man sich Sorgen machen<br />

muss. Die Wahl eines industriellen<br />

Panel-PCs mit TPM (Trusted<br />

Platform Module) ist eine Möglichkeit,<br />

die Sicherheit vor Firmware-<br />

und Ransomware-Angriffen<br />

zu er höhen. AMC bietet hier HMI-<br />

Lösungen mit Windows 10 IoT an,<br />

darunter die PPC-6000-Serie, die<br />

modulare TPC-5000-Serie und die<br />

TPC-300-Serie, die mit TPM 2.0<br />

Modulen ausgestattet sind bzw. aufgerüstet<br />

werden können, um vertrauliche<br />

Daten durch Verschlüsselung<br />

der Festplatte und SSD zu<br />

schützen. Diese Systeme sind somit<br />

auch voll kompatibel zum Einsatz<br />

unter Windows 11.<br />

Erweiterung und<br />

Konfiguration<br />

Sollten HMI Plattformen<br />

erweiter bar und flexibel konfigurierbar<br />

sein?<br />

Kurz gesagt: JA. Bei der Entwicklung<br />

industrieller IoT-Lösungen<br />

werden immer mehr Sensoren eingesetzt<br />

und die Anforderungen an<br />

die Datenverarbeitung werden relativ<br />

hoch sein, daher ist es wichtig, in<br />

die Erweiterbarkeit und Flexibilität<br />

von HMI-Lösungen zu investieren.<br />

Einige Panel-PCs sind mit zusätzlichen<br />

Steckplätzen ausgestattet,<br />

um das Aufrüsten des Speichers<br />

für zukünftige erweiterte Datenverarbeitungsleistungen<br />

zu ermöglichen.<br />

Die modulare TPC-5000-<br />

Reihe ist eine flexible industrielle<br />

HMI-Lösung, bei der die Anzeigemodule<br />

mit Box-Modulen kombiniert<br />

werden, um eine Reihe flexibler<br />

Plattformen anzubieten. Sie<br />

bieten auch Aufwärtskompatibilität,<br />

sodass Bediener vorhandene<br />

Software<br />

Welche Betriebssysteme und<br />

Anwendungs-Software werden<br />

unterstützt?<br />

HMI-Visualisierungsprogramme<br />

und Schnittstellendesigns sind entscheidend,<br />

da sie sich direkt auf<br />

die Benutzererfahrung auswirken,<br />

daher ist es notwendig, die Präferenzen<br />

der Programmiersoftware zu<br />

berücksichtigen. Dazu bietet AMC<br />

die ARM-basierten Panel-PCs der<br />

Serien TPC-100 und PPC-100 an,<br />

die verschiedenste Betriebssysteme<br />

unterstützen, darunter skalier bares<br />

Windows 10/11 und kompaktes<br />

Android 10 und Linux, um die Entwicklung<br />

einzigartiger Anwendungen<br />

zu erleichtern.<br />

Integrierte Apps oder<br />

HMI-Software<br />

Industrielle Panel-PC-Lösungen<br />

mit integrierten Apps oder HMI-<br />

Software sind ebenfalls Optionen<br />

mit Mehrwert. Beispielsweise bietet<br />

AMC das Softwarepaket für die<br />

TPC- oder PPC-Serie mit integrierter<br />

WebAccess/HMI Software von<br />

Advantech an. Weitere optionale<br />

Softwarepakete unterstützen eine<br />

einfache SPS-Verbindung und<br />

Datenvisualisierung und zudem<br />

erleichtern webbasierte Lösungen<br />

die Fernverwaltung von Geräten.<br />

Es lohnt sich auch, die AMC<br />

Partnerschaft mit Drittanbietern<br />

von Software zu beachten, um<br />

die Stärken und Flexibilität der<br />

Software zu bewerten, bevor man<br />

sich für ein HMI Lösung entscheidet.<br />

Zum umfangreichen Lieferprogramm<br />

von AMC gehören seit vielen<br />

Jahren die Softwareentwicklungsplattformen<br />

für Datenerfassungsanwendungen<br />

LabVIEW und<br />

LabWindows als auch die Web-<br />

HMI/Scada- Prozessleitsystem-<br />

Softwarepakete WEBACCES Pro<br />

und i4SCADA. ◄<br />

42 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Medizinischer 32 Zoll 4K-Monitor mit<br />

bis zu 12G-SDI<br />

Leichtgewicht im Kunststoffgehäuse mit vielen Superlativen und Integrationsmöglichkeiten<br />

im medizinischen Umfeld<br />

Canvys - Visual Technology<br />

Solutions<br />

info-europe@canvys.com<br />

www.canvys.de<br />

direkt im<br />

Sterilisator<br />

Temperatur -<br />

Feuchtigkeit -<br />

Druck grafisch<br />

aufzeichnen.<br />

steril@spirig.com<br />

Canvys – Visual Technology Solutions<br />

präsentiert den medizinisch<br />

zugelassenen 32 Zoll 4K-Monitor.<br />

Der Hersteller hat dem hochauflösenden<br />

Gerät im Format 16:9 ein<br />

sehr helles Panel (850 Nits) spendiert.<br />

Dieses sorgt insgesamt für<br />

eine sehr brillante Bilddarstellung.<br />

Das Innenleben wurde mit hochperformanten<br />

Controllern bestückt.<br />

Die Displays sind in verschiedenen<br />

Grundvarianten erhältlich, welche<br />

sich in den vorhandenen Anschlüssen<br />

und Schnittstellen unterscheiden.<br />

Allesamt stellen sie exzellente<br />

visuelle Plattformen dar, um darauf<br />

kundenspezifische Lösungen für den<br />

medizinischen Einsatz zu gründen.<br />

Canvys setzt bewusst auf ein<br />

Kunststoffgehäuse und bietet damit<br />

ein Top-Feature. Einerseits ist das<br />

Display für einen 32-Zöller sehr<br />

leicht (12,1 Kilogramm). Andererseits<br />

erleichtert es in Kombination<br />

mit der flachen Glasfront die<br />

Reinigung und Desinfektion. Das<br />

Gehäuse ist weiß (RAL9003).<br />

Technische Merkmale<br />

Bedienen und Visualisieren<br />

• ALS Sensor zur Backlight-Stabilisierung<br />

und Lebensdauermessung<br />

• BT-Standards BT709, BT1886<br />

und BT2020 werden unterstützt<br />

• 3D-Darstellung durch einen optional<br />

integrierten Polarizerfilm (passive<br />

Brille erforderlich)<br />

• 3D Look Up Table (14-Bit LUT)<br />

mit Unterstützung von HDR10<br />

• DICOM & DIN6868-157-konform<br />

• Picture-in-Picture und Pictureby-Picture-Modi<br />

Anschlüsse/Schnittstellen<br />

Außergewöhnlich: Der Canvys<br />

32 Zoll 4K-Monitor vereint alle marktüblichen<br />

Anschlüsse in einem Gerät.<br />

Das macht ihn universell einetzbar.<br />

• 1x DVI-Eingang plus DVI-Loop-<br />

Through-Ausgang<br />

• optional mit 12G-SDI und 3G-SDI,<br />

Ein- und Ausgänge (Loop-Through<br />

/ 12G-SDI Single-Link oder<br />

3G-Quad-Link)<br />

• 2x Display-Port (unterstützt Display-Port<br />

1.2) plus Display-Port-<br />

Ausgang als Loop-Through für<br />

HDMI & Display-Port oder Daisy-<br />

Chaining Display Port<br />

• 5 VDC-Ausgang zur Unterstützung<br />

von Fiber-Optic-Lösungen<br />

oder Signal-Extender<br />

• Stromversorgung wahlweise mit<br />

AC- oder DC-Eingang<br />

• DC-Variante ist eine 24-Volt-Long-<br />

Distance-Lösung: Stromversorgung<br />

über ein bis zu 20 Meter<br />

langes Kabel möglich<br />

• serielle RS-232-Schnittstelle zur<br />

Ansteuerung des PCAP-Touchscreens<br />

und für Remote Control<br />

und GPIO-Signale<br />

• LAN, USB und DDCCI für Kommunikation<br />

bzw. Kalibrierung<br />

Der Canvys 32 Zoll 4K-Monitor Auch als PCAP-Touchscreen<br />

besticht durch eine file: Vielzahl TI1-PP/CP-20-09-MT<br />

an verfügbar<br />

technischen Features:<br />

Der neue Monitor von Canvys mit<br />

• 4K-Ultra-HD-Panel dimension: (Auflösung einer 46 x Diagonale 32 mmvon 81,3 Zenti meter<br />

von 3840 × 2160 Pixel)<br />

ist wahlweise<br />

4C<br />

mit einem PCAP-<br />

• 10-Bit-Farbtiefe (12-Bit Color Touchscreen verfügbar (10-Punkt-<br />

Processor)<br />

Technologie). Dieser ist mit einem<br />

• 100 Prozent Adobe RGB-Farbrautet,<br />

welches Fingerprints<br />

AG-Coating (Anti Glare) beschich-<br />

verhindert<br />

aber dabei seine gute Gleitfähigkeit<br />

beibehält. Auch das Tragen von<br />

mehreren Latexhandschuhen übereinander,<br />

was in manchen Anwendungen<br />

notwendig und üblich ist, ermöglicht<br />

eine fehlerlose Bedienung.<br />

Der PCAP-Touchscreen kann optional<br />

neben seriell (RS-232) via USB<br />

angesprochen werden. ◄<br />

© byrdyak/Fotolia<br />

ERLEBEN SIE DAS<br />

ABENTEUER PATENSCHAFT<br />

Als Pate leisten Sie Ihren<br />

ganz persönlichen Beitrag<br />

zur weltweiten Naturschutzarbeit<br />

des WWF. Schützen<br />

Sie bedrohte Arten wie Tiger,<br />

Luchse oder Orang-Utans und<br />

ihre Lebensräume. Mit regelmäßigen<br />

Infos halten wir<br />

Sie über Ihr Projekt auf dem<br />

Laufenden. Die Natur braucht<br />

Freunde – werden Sie Pate!<br />

Kostenlose Informationen:<br />

WWF Deutschland, Tel.: 030.311 777-702<br />

oder im Internet: wwf.de/paten<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

43


Bedienen und Visualisieren<br />

PCAP ist nicht gleich PCAP<br />

PCAP-Touchscreens können auf verschiedenen Sensortechnologien basieren.<br />

In diesem Beitrag geht es um<br />

kundenspezifische Aufbaumöglichkeiten<br />

im industriellen Umfeld.<br />

Was ist PCAP?<br />

Die Projected Capacitive Technologie,<br />

kurz PCAP, erlebte mit ihrem<br />

Einsatz im ersten Smartphone den<br />

großen Durchbruch. Innerhalb kürzester<br />

Zeit wurde die intuitive Touchscreen-Technologie<br />

außerhalb der<br />

Fachwelt bekannt und entwickelte<br />

sich schnell zum Standard bei<br />

Smartphones und Tablets.<br />

Aber nicht nur aus dem Consumer-Bereich<br />

ist die PCAP-Technologie<br />

längst nicht mehr wegzudenken.<br />

Display-Experten, wie Data Modul,<br />

entwickelten sie zu einer industrietauglichen<br />

Touch-Lösung weiter,<br />

die eine einwandfreie Funktionalität<br />

und ein optisch ansprechendes<br />

Design zugleich vereint und individuell<br />

auf Kundenwünsche angepasst<br />

werden kann.<br />

Das PCAP-Grundprinzip<br />

Grundsätzlich verfügt ein PCAP-<br />

Touchscreen über ein transparent<br />

leitfähiges Material (z.B. Indium Tin<br />

Oxide, kurz ITO), welches auf beiden<br />

Seiten des Trägermaterials (beispielsweise<br />

Glas oder PET-Folien)<br />

Markus Hell<br />

Head of Product Management<br />

Data Modul<br />

www.data-modul.de<br />

aufgebracht ist. Die ITO- Elektroden<br />

sind meist rautenförmig angelegt<br />

und bilden eine Matrixstruktur. Wird<br />

Spannung angelegt entsteht ein<br />

kapazitives Feld. Dringt ein leitfähiger<br />

Gegenstand, wie beispielsweise<br />

ein Finger in das Feld ein, bewirkt<br />

dies eine Kapazitätsänderung zwischen<br />

den beiden Elektroden. Den<br />

Berührungspunkt bzw. die Position<br />

der Veränderung im kapazitiven<br />

Feld kann der verwendete Touch-<br />

Controller erkennen und zuverlässig<br />

auswerten.<br />

Moderne PCAP-Controller<br />

arbeiten heutzutage auch unter<br />

anspruchsvollen Industrie- bzw.<br />

Umgebungsbedingungen zuverlässig<br />

und präzise. Neben erhöhter<br />

EMV-Stör festigkeit ermöglichen<br />

sie sogar die Bedienung von Touchscreens<br />

mit Handschuhen oder unter<br />

Einfluss leitender Flüssigkeiten.<br />

Um eine optimale Funktionalität zu<br />

gewährleisten, ist jedoch ein Feintuning<br />

des Controllers entsprechend<br />

dem geforderten Anwendungsbereich<br />

nötig. Data Modul Applikationsingenieure<br />

setzen hierfür spezielle<br />

Tools ein, mit der sich verschiedenste<br />

Parameter oder Signalverarbeitungsalgorithmen<br />

individuell<br />

anpassen lassen.<br />

PCAP-Sensoren<br />

Je nach Einsatzgebiet und Umgebungsbedingungen<br />

ist auch die Wahl<br />

des richtigen PCAP-Sensors von<br />

entscheidender Bedeutung. Grundsätzlich<br />

lassen sich PCAP- Sensoren<br />

in verschiedenste Aufbauvarianten<br />

unterscheiden. Typische Faktoren<br />

sind die Schichtdicke, Temperaturbereich<br />

oder Leiterbahnführung,<br />

welche die Randbreite eines Sensors<br />

beeinflusst.<br />

Glas/Glas (G/G)<br />

Beim sogenannten Glas/Glas-<br />

Aufbau (kurz G/G) werden zuerst<br />

die ITO Trägergläser zugeschnitten<br />

und die jeweiligen ITO-Pattern eingeätzt.<br />

Die Leiterbahnen der Elektroden<br />

werden anschließend aufgedruckt.<br />

Dadurch ergibt sich ein<br />

vergleichbarer breiter Rand von<br />

beispielsweise 100/100 µm, quasi<br />

der Abstand bzw. die Breite einer<br />

Leiterbahn, auch Line/Space-Gap<br />

genannt. Im Anschluss werden beide<br />

ITO-Gläser mit Hilfe des OCA-Verfahrens<br />

verklebt sowie mittels Tailbonding<br />

zusammengeführt. Ein Vorteil<br />

dieser Bauart ist, dass der Sensor<br />

ohne zusätzliches Coverglas<br />

eingesetzt werden kann und eine<br />

lange Verfügbarkeit für die Industrie<br />

bietet. Durch die Verwendung von<br />

zwei Gläsern entsteht beim PCAP<br />

G/G eine Aufbaudicke von 2,4 mm<br />

auf, wodurch es robust und besonders<br />

für raue Umgebungsbedingungen<br />

geeignet ist.<br />

Glas/Film/Film (G/F/F) mit<br />

ITO<br />

Bei der PCAP-Glas/Film/Film-<br />

Variante werden Folien statt Glas<br />

als ITO-Träger Substrat verwendet.<br />

Zu Beginn werden die Folien<br />

auf die benötigte Form und Größe<br />

zugeschnitten, anschließend werden<br />

die ITO-Pattern eingeätzt. Im<br />

nächsten Schritt werden die Leiterbahnen<br />

der Elektroden mit einem<br />

50/50µm Line/Space-Gap mit Hilfe<br />

von Laser Etching eingeätzt. Im<br />

Anschluss werden beide ITO-Filme<br />

durch OCA-Bonding inklusive Tailbonding<br />

zusammengeführt. Die<br />

Verklebung mit dem Coverglas findet<br />

ebenfalls im OCA-Bondingverfahren<br />

statt. Aufgrund des Folienwiderstandes<br />

von ca. 100 Ohm eignet<br />

sich das G/F/F Prinzip allerdings<br />

nur für Touchscreens bis zu 24 Zoll.<br />

Glas/Film/Film (G/F/F) mit<br />

Metal Mesh<br />

Bei dieser Alternative des PCAP-<br />

G/F/F-Sensors werden statt dem ITO<br />

Substrat transparente Metallgitterstrukturen<br />

eingesetzt, sogenannter<br />

Metal-Mesh-Vorteil zu ITO ist der<br />

niederohmige Flächenwiderstand<br />

von ca. 25 Ohm, was sich besonders<br />

bei großformatigen Sensoren<br />

(>30 Zoll) in Bezug auf Ladezeiten<br />

bemerkbar macht. Im sogenannten<br />

Roll-to-Roll-Prozess wird das<br />

feine Metallgeflecht durch ein spezielles<br />

Mold&Imprinting-Verfahren<br />

auf eine transparente Folie aufgebracht.<br />

Dank des Mold&Imprinting-<br />

Verfahrens werden Leiterbahnen<br />

mit einem Line/Space Gap von<br />

25/25 µm erreicht. Metal-Mesh-<br />

Sensoren ermöglichen trotz dem<br />

vorwiegenden Einsatz bei großen<br />

Diagonale, die Eingabe mit aktiven<br />

und passiven Stiften, Handschuhfunktionalität,<br />

großformatige Anwendungen<br />

und hochpräzise Touch-<br />

Performance.<br />

Exemplarischer Aufbau eines Glas/Film/Film-basierten PCAP-Sensors mit ITO<br />

44 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Exemplarischer Aufbau eines Glas/Film/Film-basierten PCAP-Sensors auf<br />

Metal-Mesh-Basis<br />

Exemplarischer Aufbau eines PCAP-Sensors mit SITO<br />

Aufgrund ihres biegsamen Aufbaus<br />

können mit der Metal-Mesh-<br />

Technologie flexible, oder auch<br />

gebogene Anwendungen realisiert<br />

werden. Auch lassen sich sehr<br />

schmale Ränder und große Display-<br />

Diagonalen damit ausrüsten.<br />

Single-Sided ITO (SITO)<br />

Hier werden die beiden leitfähigen<br />

ITO-Elektroden mittels eines photolithographischen<br />

Verfahrens auf nur<br />

einer Seite des Glassubstrats aufgebracht.<br />

Die beiden ITO-Elektroden<br />

werden dabei durch eine dünne<br />

Brücke getrennt. Diese Verfahren<br />

ermöglicht es, dass der Rand des<br />

Touch-Sensors auf ein Minimum von<br />

30/20 µm Line/Space Gap reduziert<br />

werden kann. Dank des dünnen<br />

SITO-Glassubstrats mit einer<br />

Dicke von nur 1,1 mm lassen sich so<br />

Anwendungen mit geringer Einbautiefe<br />

realisieren. In Kombination mit<br />

dem guten Signal/Rausch-Verhältnis,<br />

wodurch ein sehr gutes Touch-<br />

Verhalten selbst unter erschwerten<br />

Umgebungsbedingungen ermöglicht<br />

wird, und dem erweiterten<br />

Temperaturbereich von -30 bis<br />

85 °C, machen diese Eigenschaften<br />

SITO mitunter zur idealen Lösung<br />

für industrielle Outdoor oder Automotive-Anwendungen.<br />

Double-Sided ITO (DITO)<br />

In diesem Aufbau werden die<br />

beiden ITO-Schichten auf der Vorder-<br />

und der Rückseite des Glassubstrats<br />

aufgebracht. Obwohl dieser<br />

Aufbau eine größere Randdicke<br />

von 50/50 µm hat, ist DITO mit einer<br />

Tiefe von 1,1 mm und dank seiner<br />

geringeren Kosten eine Alternative<br />

zum PCAP-SITO-Aufbau.<br />

Sensorenschutz und<br />

Covergläser<br />

Neben dem PCAP-Aufbau ist<br />

für die Gesamtfunktionalität eines<br />

Touch-Systems auch die Wahl des<br />

richtigen Schutzes wichtig. Die empfindlichen<br />

Sensoren der PCAP-Technologie<br />

liegen in der Regel hinter<br />

einem Coverglas oder einer (transparenten)<br />

Kunststoffoberfläche.<br />

Glas eignet sich dank seiner vielfältigen<br />

Materialeigenschaften, sowie<br />

Veredelungs- und Individualisierungsoptionen,<br />

besonders gut. Von speziellen<br />

antimikrobiellen Gläsern für beispielsweise<br />

die Medizintechnik, über<br />

EMV- und UV-abschirmende Gläser<br />

bis hin zu Verbund sicherheitsglas,<br />

gibt es für jeden Einsatzzweck passende<br />

Schutzmöglichkeiten. Darüber<br />

hinaus können besondere Oberflächenbehandlungen<br />

wie Mattierung<br />

(Anti glare), Ver- und Entspiegelung<br />

(Mirror Glas/antireflektive) oder auch<br />

schmutzabweisende Beschichtungen<br />

zum Einsatz kommen.<br />

Ist ein besonders hoher Schutz<br />

vor beispielsweise Vandalismus,<br />

Kratzern, Verunreinigungen oder<br />

Temperaturschwankungen gefordert,<br />

lässt sich die Widerstandsfähigkeit<br />

von Gläsern mittels chemischer<br />

oder thermischer Härtung<br />

noch weiter steigern. Viele<br />

der Glas eigenschaften lassen sich<br />

auf Wunsch auch miteinander kombinieren<br />

und so ideal für den Einsatzzweck<br />

vorbereiten.<br />

Ist das Endgerät zudem prüfpflichtig,<br />

muss die Glasstärke den in der<br />

DIN-Norm festgelegten Festigkeitsprüfungen<br />

entsprechen. Je nach<br />

Verwendungsart des Endproduktes<br />

wird zwischen Schlag-, Fallund<br />

Stoßprüfungen sowie Prüfungen<br />

zum Abbau von Formspannungen<br />

unterschieden.<br />

Das Produktdesign enthält häufig<br />

auch in Form und Oberfläche angepasste<br />

Covergläser. Die Glasscheiben<br />

können dabei mit verschiedenen<br />

Weiterverarbeitungsmethoden wie<br />

Kantenbearbeitungen (z.B. C-Kante<br />

poliert oder geschliffen, gefasste<br />

Kante, etc.), Bohrungen, Vertiefungen,<br />

Mulden oder Glaskonturen<br />

versehen werden. Auch lassen sich<br />

Glasscheiben auf Wunsch transluzent<br />

oder lichtdicht, organisch, keramisch<br />

oder digital bedrucken und so<br />

ideal an die gewünschten Designvorgaben<br />

anpassen. Den Individualisierungsoptionen<br />

sind hierbei<br />

kaum Grenzen gesetzt.<br />

Bonding-Verfahren<br />

Das Coverglas, der Touchsensor<br />

und letztlich das Display werden miteinander<br />

im sogenannten Bondingverfahren<br />

verbunden. Dabei stehen<br />

für die Verklebung des PCAP-<br />

Systems verschiedene Bondingverfahren<br />

zur Verfügung. Grundsätzlich<br />

kann zwischen Optical und Air<br />

Bonding unterschieden werden.<br />

Beide Varianten bieten unterschiedliche<br />

Vor- und Nachteile, die es zu<br />

berücksichtigen gilt.<br />

Zu den klassischen Methoden<br />

gehören das OCA (optical clear<br />

adhesive) und das LOCA (liquid optical<br />

clear adhesive) Bonding, die aufgrund<br />

ihrer bewährten Eigenschaften<br />

in der Fertigung von Touchdisplays<br />

zum Großteil eingesetzt werden.<br />

Neue Verfahren wie das Hybrid-<br />

Bonding, eine weiterentwickelte<br />

Kombination aus OCA und LOCA-<br />

Bonding, eignen sich besonders für<br />

großvolumige Projekte.<br />

Als weitere Variante bietet sich<br />

das sogenannte Air Bonding an,<br />

eine vergleichsweise einfache und<br />

kostenoptimierte Lösung, bei der ein<br />

Exemplarischer Aufbau eines PCAP-Sensors mit DITO<br />

doppelseitiges Klebeband rund um<br />

den TFT-Rahmen aufgebracht wird<br />

und so TFT und Touchglas miteinander<br />

verklebt werden.<br />

Die Wahl des richtigen Verfahrens<br />

ist sowohl von der gewünschten<br />

Anwendung, den verwendeten<br />

Sensoren und Gläsern, als auch vom<br />

Design und dem Zielpreis abhängig.<br />

Experten wie Data Modul stehen<br />

beratend zur Seite und können<br />

OCA-, LOCA- und Hybrid-Verfahren<br />

sowie Tail- und Airbonding zum Teil<br />

vollautomatisiert anbieten.<br />

Touch-Technologien für jede<br />

Industrieapplikation<br />

So vielfältig wie die Anwendungsbereiche<br />

sind, so vielfältig sind auch<br />

die damit verbundenen Anforderungen<br />

an industrielle Touchsysteme.<br />

Neben Faktoren wie Funktionalität,<br />

Leistung, Preis und Lebensdauer<br />

gilt es mittlerweile auch erhöhten<br />

Design- und Sicherheitsansprüchen<br />

gerecht zu werden. Bereits<br />

bei der Produktentwicklung sollte<br />

man sich mit den verschiedenen<br />

Möglich keiten und deren Vor- und<br />

Nachteilen vertraut machen. Daher<br />

ist es ratsam, sich frühzeitig professionell<br />

beraten zu lassen und<br />

gemeinsam mit einem Technologieexperten<br />

eine optimal auf die<br />

jeweilige Anwendung zugeschnittene<br />

Lösung zu realisieren. ◄<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

45


Bedienen und Visualisieren<br />

Wunschkonzert: Für jede Kundenanwendung<br />

die passende Tastatur<br />

Bild 1: Bedienfeld einer CNC-Metallbearbeitungsmaschine mit integrierter<br />

Industrietastatur © GeBE/iStock<br />

Der Einsatz von Tastaturen<br />

sowohl in rauen Industrieumgebungen<br />

als auch in sterilen medizintechnischen<br />

Bereichen erfordert<br />

ein flexibles und robustes Eingabemedium.<br />

Typische Einsatzgebiete<br />

der Tastaturen können häufig<br />

ihren Anforderungen nach kategorisiert<br />

werden. Der Artikel gibt einen<br />

Überblick über die verschiedenen<br />

Technologien und geht auf Kombinationsmöglichkeiten<br />

mit anderen<br />

Eingabemedien ein sowie auf<br />

Besonderheiten, welche im Industrie-<br />

bzw. medizintechnischen Alltag<br />

häufig nicht bewusst wahrgenommen<br />

werden. Der Trend geht<br />

zu möglichst kompakten, aber leistungsfähigen<br />

Tastaturen.<br />

Ganz schön flexibel<br />

im All gemeinen ein ausgewogenes<br />

Preis- Leistungs-Verhältnis (Bild 2).<br />

Taktile Rückmeldung<br />

Konventionelle Folientastaturen weisen<br />

aber häufig nur eine sehr geringe<br />

Bedienqualität auf. Dem Anwender<br />

vor Ort an der Maschine oder im OP<br />

muss eine präzise und schnelle Eingabe<br />

von Zahlen oder Ziffern ermöglicht<br />

werden. In der Praxis hat sich<br />

dahingehend sehr viel geändert. Die<br />

Hersteller von Folientastaturen bieten<br />

heutzutage fast ausschließlich Tastaturen<br />

mit sehr guter taktiler Rückmeldung<br />

an. Der Anwender spürt also<br />

bei der Eingabe direkt im Finger, ob<br />

der Druck der Taste zur Ausführung<br />

eines Befehls geführt hat. Dies kann<br />

man entweder durch eingebaute sogenannte<br />

Schnappscheiben erreichen<br />

oder durch Kurzhubtasten. Letztere<br />

sind qualitativ hochwertiger und langlebiger.<br />

Sie erzeugen einen eindeutigen,<br />

hörbaren Schaltkontakt, wodurch<br />

die Eingabesicherheit wesentlich<br />

erhöht wird. Eine Lebensdauer von<br />

mehr als zwei Millionen Schalt spielen<br />

ist heute üblich.<br />

Hart im Nehmen<br />

Tastaturen anderer Technologien,<br />

wie etwa Metalltastaturen, sprechen<br />

insbesondere die Industriekunden<br />

an und sind je nach Einsatzgebiet<br />

mit Kurz- oder Langhubtasten ausgestattet.<br />

Edelstahltastaturen haben<br />

die höchste Widerstandsfähigkeit<br />

aller Industrietastaturen. Sie werden<br />

häufig im Outdoorbereich eingesetzt<br />

und gelten i.d.R. als vandalensichere<br />

Tastaturen (Bild 3).<br />

Diese Bezeichnung nimmt bereits<br />

eine der Haupteigenschaften vorweg:<br />

Der Schutz vor Zerstörung<br />

und Beschädigung. Metalltastaturen<br />

können auf verschiedene Art<br />

und Weise kundenspezifisch angepasst<br />

werden.<br />

Das Stanzen z. B. bietet den Vorteil,<br />

dass die Tasten direkt aus dem<br />

ausgestanzten Material verwendet<br />

werden können. Der Nachteil sind<br />

allerdings die hohen Kosten, da ein<br />

Stanzwerkzeug hergestellt werden<br />

muss. Daher eignet sich das Stanzen<br />

erst ab höheren Stückzahlen.<br />

Beim Lasern werden die einzelnen<br />

Tastendurch brüche mit Hilfe eines<br />

Lasers ausgeschnitten. Dies ist eine<br />

preisgünstige Lösung, die auch für<br />

geringere Stückzahlen geeignet ist.<br />

Die Tasten müssen getrennt produziert<br />

werden, da der Eintrittspunkt<br />

des Lasers immer sichtbar ist und das<br />

Material so verloren ist. Beim Fräsen<br />

werden ähnlich wie beim Lasern die<br />

Tasten ausgeschnitten und das ausgeschnittene<br />

Material geht verloren.<br />

Da bei den vorangegangenen Verarbeitungsarten<br />

nur die Durch brüche<br />

gemacht werden können, werden die<br />

jeweiligen Platten unter einer Fräse<br />

weiterverarbeitet. Mit der Fräse wer-<br />

Autorin:<br />

Astrid Kornelius,<br />

TEXTamtam Agentur<br />

Fünfseenland<br />

GeBE Computer & Peripherie<br />

GmbH<br />

www.tastaturen.com<br />

Folientastaturen sind für den<br />

Einsatz in der Industrie und Medizin<br />

allein schon durch ihre Wasser-<br />

und Staubdichtigkeit (nach DIN<br />

IP65) prädestiniert. Sie sind weitestgehend<br />

resistent gegen Desinfektions-<br />

und Reinigungsmittel und<br />

können somit den hohen Ansprüchen<br />

vollauf gerecht werden. Einschubtaschen<br />

für Wechselbeschriftung,<br />

LEDs, LC-Displays, Not-<br />

Aus-Taster, Touchpads und Trackballs<br />

lassen sich elegant integrieren.<br />

Folientastaturen dienen i.d.R.<br />

der Befehlseingabe an Maschinen<br />

oder auch an Zahlungsstellen. Sie<br />

sind zuverlässig, robust und haben<br />

Bild 2: GFT-105 Folientastatur: Kundenspezifisches Projekt für den Einsatz in<br />

der Medizintechnik<br />

46 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Bedienen und Visualisieren<br />

Bild 3: Widerstandsfähige Edelstahltastatur – gut geschützt gegen<br />

Vandalismus<br />

Bild 4: Standard-Langhubtastatur stets gewappnet gegen Bakterien,<br />

Verschmutzung und Nässe<br />

den z. B. Nuten gefräst, die in die<br />

spezielle Halterung eingesetzt werden,<br />

um das Verdrehen von runden<br />

Tasten zu verhindern.<br />

Dateneingabe mit Bedacht<br />

Die Eingabe über Kurzhub tasten<br />

erfolgt i.d.R. langsamer als bei einer,<br />

für Schnellschreiber optimierten,<br />

Langhubtastatur (Bild 4). Dennoch<br />

ist die Technologie der folienabgedeckten<br />

Tastaturen so weit fortgeschritten,<br />

dass der Anwender<br />

selbst bei Bedienung mit Handschuhen<br />

genau und durch die rückmeldende<br />

Kurzhubtaste eine gewisse<br />

Eingabesicherheit bekommt und mit<br />

etwas Übung, die Daten demnach<br />

schneller eingeben kann.<br />

Alles fest im Griff haben<br />

Aufgrund der leichten Bedienbarkeit<br />

werden nach wie vor Langhubtastaturen<br />

im industriellen und medizintechnischen<br />

Umfeld eingesetzt,<br />

obwohl der Schutz gegen Bakterien,<br />

Verschmutzung und Nässe bei<br />

dieser Technologie häufig sehr aufwändig<br />

ist. Es gibt zwei konkurrierende<br />

Systeme, die allerdings im<br />

Preisverhältnis weit auseinander<br />

gehen. Die robusten, aber teureren<br />

Lösungen bieten anhand von<br />

Gummimembranen, die unter den<br />

Tasten angebracht sind, einen guten<br />

Schutz gegen Staub und Feuchtigkeit.<br />

In Konkurrenz dazu steht<br />

eine, aus weichem Plastikmaterial<br />

geformte Abdeckhaube, die auf der<br />

Oberseite der Tastatur einen gewissen<br />

Schutz bietet. Letztere ist die<br />

preislich weitaus günstigere, aber<br />

auch unkommodere Lösung für<br />

den Anwender. Die lose auf den<br />

Tasten liegende Folie beeinträchtigt<br />

die Eingabe erheblich. Die Vorund<br />

Nachteile der verschiedenen<br />

Technologien hängen häufig auch<br />

von der Kombinationsmöglichkeit<br />

mit anderen Ein- und Ausgabetechnologien<br />

ab. Mausersatzgeräte<br />

wie Trackball oder Touchpad<br />

stellen einen weiteren Entwicklungsmix<br />

dar.<br />

Rund oder eckig<br />

Mausersatzgeräte unter liegen den<br />

gleichen Ansprüchen an Robustheit<br />

und Funktionalität wie die Tastaturen<br />

selber. Trackballs oder Touchpads<br />

werden häufig in die jeweilige<br />

Tastaturausführung integriert.<br />

Ob Tisch-, Rück- oder Fronteinbau,<br />

jede Version hat i.d.R. einen ebenso<br />

wasserdichten Maus ersatz eingebaut.<br />

Es gibt auch die Möglichkeit,<br />

die Mausersatzgeräte separat anzuschließen.<br />

Dies ist in den meisten<br />

Fällen eine Frage der Funktionalität<br />

und der Größe des Arbeitsplatzes.<br />

Egal ob Trackball oder Touchpad,<br />

beide sollten für besonders raue<br />

oder sterile Umgebungsbedingungen<br />

nach IP65 wasser- und staubgeschützt<br />

sein. Mit dem Trackball<br />

lassen sich i.d.R. grafische Zeichnungen<br />

genauer mechanisch positionieren.<br />

Das Touchpad dagegen ist<br />

wegen der komplett geschlossenen<br />

Ober fläche besser geschützt. ◄<br />

Bild 5: Robuste TVG-Serie: Touchpad oder Trackball in Metallfrontplatte, wasserdicht nach DIN IP68/IP65<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

47


Bedienen und Visualisieren<br />

HMI-Markt im Wandel<br />

Autor:<br />

Stefan Heczko,<br />

Geschäftsführer<br />

SECO Northern Europe<br />

https://north.seco.com<br />

Ob bei der Automatenbedienung,<br />

Maschinensteuerung oder bei medizinischen<br />

Geräten – immer öfter<br />

werden für die Interaktion zwischen<br />

Menschen und Maschinen haptische<br />

Bedienelemente und analoge Anzeigen<br />

durch moderne Human Machine<br />

Interfaces (HMIs) ersetzt. Treiber<br />

dafür sind vor allem neue Technologien<br />

aber auch die zunehmende Digitalisierung<br />

in allen Branchen. Dabei<br />

stehen vor allem eine ein fachere<br />

Bedienung und eine präzisere Informationsdarstellung<br />

auf den Displays<br />

im Vordergrund. HMI-Experte SECO<br />

Northern Europe (ehe malig Garz<br />

& Fricke Group) erläutert, welche<br />

Trends derzeit den Markt prägen<br />

und wo die Reise hingeht.<br />

Hygieneaspekt bei der<br />

HMI-Bedienung<br />

Bei HMIs für medizinische Anwendungen<br />

war der Hygieneaspekt<br />

schon immer sehr wichtig. Dies<br />

betrifft insbesondere die Bedienelemente.<br />

Die Corona-Krise führte<br />

dazu, dass dieses Kriterium auch<br />

in anderen Anwendungsgebieten<br />

in den Vordergrund rückt. Deshalb<br />

wird immer öfter gefordert, dass<br />

die Bedieneinheiten komplett desinfizierbar<br />

sein müssen, was sich<br />

auf die eingesetzten Materialien<br />

auswirkt. So sind beispielsweise<br />

sichtbare, lackierte Kunststoffe<br />

in der Regel nicht desinfektionsmittelbeständig.<br />

Auch ist es heute<br />

aus Hygienegründen erforderlich,<br />

dass der Einbau fugenlos erfolgt.<br />

So können keine Kanten entstehen,<br />

in denen sich Schmutz ansammelt.<br />

Die nahtlose Integration von<br />

Displays in Kundenfronten sorgt für<br />

einen hohen Hygieneschutz. Dieser<br />

Aspekt treibt auch die Entwicklung<br />

alternativer Bedienkonzepte wie die<br />

Gestensteuerung voran.<br />

Alternative Bedienkonzepte<br />

Die Interaktionsmöglichkeiten<br />

werden immer vielfältiger: vom<br />

Touch-Screen über Remote Touch<br />

Systeme, bei dem die Bedienung mit<br />

dem eigenen Smartphone erfolgt,<br />

bis hin zu Sprach- und Gestensteuerung.<br />

Im Vordergrund steht dabei die<br />

Überlegung, die optimale Interaktionsmöglichkeit<br />

zwischen Nutzer<br />

und einem spezifischen Endgerät<br />

zu finden. So ist beispielsweise<br />

die Sprachsteuerung in einer lauten<br />

Umgebung nicht sinnvoll und<br />

wenn man die Hände nicht frei hat,<br />

kann man mit einer Gestensteuerung<br />

relativ wenig anfangen. Letztlich<br />

bestimmen also die Applikation,<br />

das Umfeld und der Standort das<br />

Bedienkonzept.<br />

Anpassbare Software<br />

Aus der Smartphone-Welt sind<br />

Anwender gewohnt, ihr Gerät über<br />

die Software individuell anzu passen.<br />

Dieser Trend ist nun auch im B2Bund<br />

Industrial-Bereich und hier insbesondere<br />

im Automotiv-Sektor zu<br />

beobachten. Für Hersteller von Produkten<br />

mit längerer Lebenserwartung<br />

ist es ein enormer Wettbewerbsvorteil,<br />

wenn sich die Geräte<br />

hinsichtlich Aussehens und Art der<br />

Nutzung immer wieder durch Software<br />

an die Gegebenheiten anpassen<br />

und auch modernisieren lassen.<br />

Dieses Konzept bietet die Möglichkeit,<br />

Funktionen über die Software<br />

hinzuzufügen, zu verändern, zu<br />

entfernen oder auch nur für eine<br />

begrenzte Zeit zuzulassen. Mit<br />

diesen Anpassungsmöglichkeiten<br />

können auch Optimierungen und<br />

Funktionserweiterungen während<br />

des laufenden Betriebs erfolgen.<br />

Bei Softwarelösungen für HMIs<br />

ist heute die einfache Integrationsmöglichkeit<br />

in die Systeme der<br />

Geräte hersteller entscheidend.<br />

Dabei geht der Trend eindeutig zur<br />

HMI-Gesamtlösung aus einer Hand,<br />

inklusive kompletter Schnittstelle<br />

zum Betriebssystem, der Einbindung<br />

in übergreifende IoT-Lösungen,<br />

Zertifizierungen, Dokumentation<br />

etc. Dieser Ansatz bietet sehr<br />

viele Möglichkeiten bei der Anpassung<br />

der Systeme, denn durch die<br />

Software können Features nachund<br />

umgerüstet werden - sofern<br />

das auch bei der Hardwareentwicklung<br />

von vornherein berücksichtigt<br />

wurde.<br />

Steigende Rechenleistung<br />

und Hardware-<br />

Anforderungen<br />

Zwar steigt die Rechenleistung<br />

in allen Bereichen, doch der Markt<br />

verlangt nicht nach einer General-<br />

Purpose-Hardware, die alles kann.<br />

Die Bandbreite der Komponenten ist<br />

groß: vom einfachen Mikrocontroller<br />

bis hin zum Controller mit Special<br />

Features wie Industrial Ethernet<br />

mit Echtzeitfähigkeit oder mit<br />

speziellen Kamera-Engines. Von<br />

einfachen Prozessorsystemen bis<br />

hin zu High-Performance-SoCs<br />

ist alles möglich. Durch die Vielfalt<br />

steigen aber auch die Anforderungen<br />

an die Entwickler. Komponenten<br />

mit neueren Technologien und<br />

höheren Bandbreiten verlangen ein<br />

besonderes Augenmerk im Leiter-<br />

48 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Bedienen und Visualisieren<br />

plattendesign. Das ist notwendig,<br />

um einwandfreie Funktion und Stabilität<br />

über den kompletten Temperaturbereich<br />

hinweg zu garantieren.<br />

Das erfordert heute viel mehr Vorarbeit<br />

als noch vor einigen Jahren und<br />

wird künftig noch wichtiger werden.<br />

Auch Schnittstellen haben Auswirkung<br />

auf das Hardware-Design:<br />

USB 3.0 bietet im Vergleich zu<br />

USB 2.0 mehr Funktionen, als nur<br />

einen Speicherstick oder eine Maus<br />

anzuschließen. Diese Features aber<br />

bringen neue Anforderungen hinsichtlich<br />

der Elektromagnetischen<br />

Verträglichkeit (EMV) mit sich. Das<br />

wirkt sich nicht nur auf das Hardware-Design<br />

des HMIs, sondern<br />

auf das gesamte Gerätedesign aus.<br />

Ebenso wie die Bildschirmauflösung<br />

steigt auch die Leistungsfähigkeit der<br />

Prozessoren und damit die Anforderung<br />

an die Software-Entwicklung.<br />

Außerdem wird die Möglichkeit zum<br />

Anschluss von Kameras und Mikrofonen<br />

an Bedeutung gewinnen. Heute<br />

gehört eine umfassende Analyse der<br />

Vorgänge in den Geräten schon fast<br />

zum Standard. Wo auch immer die<br />

Datenauswertung stattfinden wird,<br />

im Gerät oder in der Cloud, es muss<br />

vorher geklärt werden, welche Ziele<br />

erreicht werden sollen.<br />

zum Beispiel eine Neural Network<br />

Engine mit. Dabei ist ein Teil des<br />

Prozessors nur für die Ausführung<br />

von Machine-Learning-Algorithmen<br />

zuständig. Das Thema ist bei<br />

industriellen Systemen noch relativ<br />

neu, bietet jedoch viele Chancen.<br />

Auch die Hersteller fangen<br />

an, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.<br />

Sie stellen sich<br />

beispielsweise Fragen wie: Was<br />

kann ich alles machen, welche Vorteile<br />

ergeben sich daraus und welche<br />

Auswirkungen hat es eventuell<br />

auf meine Geschäftsprozesse?<br />

Kann man im öffentlichen Raum<br />

z. B. eine Kaffeemaschine platzieren,<br />

die per künstlicher Intelligenz<br />

(KI) Gesichter auswertet und dem<br />

Nutzer am Ende einen doppelten<br />

Espresso anbietet, weil er gerade<br />

sehr müde aussieht – ist das datenschutzrechtlich<br />

erlaubt? Hier gibt es<br />

vieles zu beachten und wir stehen<br />

noch ganz am Anfang einer spannenden<br />

Entwicklung.<br />

Zwar kommen Halbleiter mit<br />

dedizierter KI-Einheit erst im nächsten<br />

Jahr auf den Markt, doch ab<br />

dann werden sie definitiv auch<br />

genutzt. So hält diese Technologie<br />

allmählich Einzug in die HMI-<br />

Welt. Dies bietet Herstellern große<br />

Möglichkeiten: Sie können mit<br />

ihren Kunden in die Diskussion<br />

gehen und den Nutzen einer Neural<br />

Network Engine in einem HMI<br />

aufzeigen. Beispielsweise könnte<br />

eine rotierende Komponente in<br />

der Maschine via Mikrofon und<br />

KI überwacht und über die Bedieneinheit<br />

gegebenenfalls Fehler-<br />

und Warnmeldungen ausgegeben<br />

werden. Damit ganz eng<br />

verbunden ist natürlich auch das<br />

Thema Datenschutz. Deshalb wird<br />

die Entwicklungstätigkeit zukünftig<br />

deutlich weiter gefasst sein als bisher.<br />

Entwickler müssen sich mehr<br />

Gedanken über die Auswirkungen<br />

einer Innovation machen und<br />

dabei berücksichtigen, an welche<br />

gesetzlichen Grenzen sie eventuell<br />

gelangen und welche Datenschutzrichtlinien<br />

gegebenenfalls<br />

verletzt werden könnten. ◄<br />

Machine Learning und<br />

Künstliche Intelligenz<br />

Neue Prozessoren wie der<br />

i.MX 8M Plus von NXP bringen<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

49


Bedienen und Visualisieren<br />

Entwicklung von Haptiktechnologien<br />

Weltweit einzigartiges Tool, um Fühlbares messbar zu machen: Künstlicher Finger ermöglicht präzise<br />

Quantifizierung von aktiver und passiver Haptik. Die Software-Suite berechnet dann den Wahrnehmungsfilter als<br />

objektiven Vergleichswert.<br />

Da die Akustik untrennbar zur Haptik gehört, ist der ArFi ebenfalls mit<br />

einem Mikrofon ausgestattet. Dieses nimmt Nebengeräusche, etwa ein<br />

durch nicht fixierte Bauteile bedingtes Klappern, ebenso auf wie gezielte<br />

Töne, beispielsweise das typische Klicken einer mechanischen Taste<br />

Der ArFi von Grewus kann als erstes Gerät nicht nur passive, sondern auch<br />

aktive Haptik messen und quantifizieren<br />

GREWUS GmbH<br />

www.grewus.de<br />

Ob am Smartphone, an Haushaltsgeräten,<br />

im Auto oder in Aufzügen:<br />

Touch-Oberflächen ersetzen<br />

zunehmend mechanische Tasten.<br />

Allerdings geben diese kein typisches<br />

„Klick-Gefühl“ ab; sie bestätigen<br />

die Eingabe also nur visuell<br />

oder akustisch, nicht jedoch auf<br />

haptisch wahrnehmbare Weise.<br />

Die Aufgabe, den Tastsinn anzusprechen,<br />

übernehmen daher nun<br />

piezoelektrische oder elektromagnetische<br />

Aktuatoren, welche die<br />

Haptik von gewöhnlichen Tasten<br />

durch Vibrationen der Oberfläche<br />

imitieren. Da diese jedoch nur minimale<br />

Schwingungsbewegungen<br />

generieren, können sie nicht wie<br />

passive Schalter in einem Kraft-<br />

Weg-Diagramm dargestellt, sondern<br />

müssen unter anderem über<br />

ihre Beschleunigung und Frequenz<br />

beziffert werden. Um aktive Haptik<br />

neben der passiven zu quantifizieren<br />

und so deren subjektive Wahrnehmung<br />

mit objektiven Werten zu<br />

beschreiben, hat die Grewus GmbH<br />

den künstlichen Finger ArFi entwickelt.<br />

Dieser misst Beschleunigungen<br />

einer Oberfläche unter Krafteinfluss<br />

sowie den Schalldruckpegel<br />

und kann auch S-Kurven<br />

aufnehmen. Im Anschluss berechnet<br />

die Software-Suite den Grewus<br />

Haptic Intensity Value (GHIV), mit<br />

dem sich das Wahrgenommene<br />

durch einen objektiven Zahlenwert<br />

erfassen lässt. Die Ergebnisse bieten<br />

zentrale Anhaltspunkte, um den<br />

Designprozess von aktivem haptischem<br />

Feedback zu objektivieren.<br />

Passende Haptik für jede<br />

Anwendungen<br />

„Als Haptic Solution Provider<br />

unterstützen wir unsere Kunden<br />

mit elektromagnetischen und piezoelektrischen<br />

Technologien bei der<br />

Herausforderung, die passende<br />

Haptik für ihre Anwendungen zu<br />

Die Messergebnisse des ArFi bieten zentrale Anhaltspunkte, um den<br />

Designprozess von aktivem haptischem Feedback zu objektivieren<br />

50 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Bedienen und Visualisieren<br />

Das Stand-alone-Gerät ArFi kann über eine systemunabhängige<br />

Browseranwendung bedient werden<br />

Die Haptics Analyser Software rendert alle gemessenen Daten live in<br />

grafische Diagramme und berechnet außerdem den Wahrnehmungsfilter<br />

Grewus Haptic Intensity Value (GHIV)<br />

generieren“, berichtet Elisa Santella,<br />

Geschäftsführerin der Grewus<br />

GmbH. „Hier begegnet uns häufig<br />

der Wunsch, einen bestimmten<br />

Schalter oder eine spezifische Taste<br />

mithilfe von aktiver Haptik zu imitieren<br />

– das Feedback soll sich irgendwie<br />

‚crispy‘ anfühlen, aber trotzdem<br />

weich und angenehm sein.“ Dabei<br />

handelt es sich natürlich um subjektive<br />

Empfindungen und Beschreibungen,<br />

die es zunächst zu quantifizieren<br />

gilt. Sogenannte passive Haptik,<br />

wie sie herkömmliche Schalter<br />

und Tasten generieren, wird in der<br />

Regel mit einem Kraft-Weg-Diagramm,<br />

auch S-Kurve genannt,<br />

grafisch dargestellt. Im Gegensatz<br />

dazu legt aktive Haptik, die mittels<br />

elektromagnetischer oder piezoelektrischer<br />

Aktuatoren generiert<br />

wird, aber nur einen Weg von etwa<br />

0,3 mm zurück. Daher ist statt dessen<br />

die Beschleunigung zu messen und<br />

im Zeit- sowie Frequenzbereich zu<br />

analysieren.<br />

Um aktive Haptik auch mit einer<br />

Belastung der Oberfläche messen<br />

und so mit der passiven vergleichen<br />

zu können, hat Grewus den ArFi entwickelt.<br />

Das Tool vereint als weltweit<br />

erstes Gerät alle notwendigen Messmethoden<br />

miteinander: Es verfügt<br />

über zwei Beschleunigungssensoren,<br />

von denen einer unmittelbar an<br />

der „Fingerkuppe“ des Geräts befestigt<br />

ist und der zweite frei auf der<br />

zu messenden Touch-Fläche platziert<br />

wird. Außerdem ist es mit einem<br />

Kraftsensor sowie einem Mikrofon<br />

ausgestattet. Dank dieser Konstruktion<br />

kann der künst liche Finger alle<br />

Messwerte erfassen, die für die<br />

Evaluierung von Haptik – und der<br />

stets damit in Zusammenhang stehenden<br />

Akustik – erforderlich sind,<br />

und daraus den objektiven GHIV als<br />

einzelnen, vergleichbaren Zahlenwert<br />

berechnen.<br />

Quantifizierung, Evaluierung<br />

und Spezifizierung von<br />

Haptik<br />

„Wenn wir die aktive Haptik einer<br />

Applikation beschreiben, dann bringen<br />

uns die technischen Spezifikationen<br />

des verwendeten Aktuators<br />

allein nicht weiter“, erläutert<br />

Santella. „Diese Angaben sind<br />

stets normiert und berücksichtigen<br />

so nicht die realen Gegebenheiten<br />

wie beispielsweise das tatsächliche<br />

Gewicht oder die Dämpfung<br />

der vom Aktuator in Schwingung<br />

versetzten Fläche.“ Zudem weicht<br />

die Empfindung eines Fingers, der<br />

mit einer bestimmten Kraft auf die<br />

Touch-Oberfläche drückt, deutlich<br />

von den Messdaten eines ungedämpft<br />

auf der Fläche aufliegenden<br />

Sensors ab. Aus diesem Grund verfügt<br />

der ArFi über zwei Beschleunigungssensoren,<br />

die synchron auf<br />

drei Achsen (x, y, z) messen können:<br />

Der erste befindet sich direkt<br />

unter dem Finger, der eine genau<br />

definierte Kraft auf die Ober fläche<br />

ausübt; der zweite kann beliebig auf<br />

der Touch-Fläche platziert werden,<br />

um die Homogenität der Haptikverteilung<br />

zu überprüfen. Da die<br />

Resonanzfrequenz der Mechanik<br />

vom individuellen Kraftaufwand<br />

abhängt, kann der künstliche Finger<br />

zwischen 0,1 N, was einer gerade<br />

wahrnehmbaren Berührung entspricht,<br />

und 10 N erzeugen, also<br />

eine Last von etwa 1 kg.<br />

Dazugehöriger Sound<br />

Da die Akustik untrennbar zur<br />

Haptik gehört, ist der ArFi ebenfalls<br />

mit einem Mikrofon ausgestattet.<br />

Dieses nimmt Neben geräusche,<br />

etwa ein durch nicht fixierte Bauteile<br />

bedingtes, ungewolltes Klappern,<br />

ebenso auf wie gezielte Töne, beispielsweise<br />

das typische Klicken<br />

einer mechanischen Taste. Denn<br />

um passive Haptik authentisch<br />

nachzubilden, ist es unerlässlich,<br />

den dazugehörigen Sound mit einzubeziehen.<br />

„Jeder kennt doch<br />

das Klick-Geräusch einer Taste“,<br />

bekräftigt Santella. „Dabei sorgt das<br />

Zusammenspiel mehrerer Sinnesempfindungen<br />

– in diesem Fall Haptik<br />

und Akustik – dafür, dass ein<br />

bestimmter Reiz – hier das haptische<br />

Feedback – anders wahrgenommen<br />

wird.“ Da es sich bei dem<br />

künstlichen Finger von Grewus um<br />

ein Tool handelt, das den Entwicklungsprozess<br />

erleichtern soll, wurde<br />

Da die Resonanzfrequenz der Mechanik vom individuellen Kraftaufwand<br />

abhängt, kann der künstliche Finger zwischen 0,1 N, was einer gerade<br />

wahrnehmbaren Berührung entspricht, und 10 N erzeugen, also eine Last<br />

von etwa 1 kg<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

51


Bedienen und Visualisieren<br />

Der ArFi ist ein nützliches Werkzeug für die Haptikentwicklung, das<br />

eine Brücke zwischen den Vorstellungen der Anwender, wie sich eine<br />

bestimmte Applikation letztendlich anfühlen soll, und den evaluierbaren,<br />

quantifizierbaren Daten schlägt<br />

in erster Linie auf eine unkomplizierte<br />

Handhabung Wert gelegt. So misst<br />

er taktiles Feedback unter Berücksichtigung<br />

aller relevanten Werte<br />

wie der Beschleunigung unter einem<br />

spezifischen Krafteinfluss, der Auslöseschwellen<br />

und der begleitenden<br />

Akustik vollumfänglich und be reitet<br />

sie zur Weiterverarbeitung auf. Auf<br />

diese Weise wird es schließlich möglich,<br />

die subjektive Empfindung von<br />

„präzise“ oder „weich“ mit einem<br />

objektiven Zahlenwert zu beschreiben,<br />

auf den sich eine spezifische<br />

Applikation gezielt hin entwickeln<br />

und optimieren lässt.<br />

Stand-alone-Gerät mit<br />

Analysesoftware<br />

Das Stand-alone-Gerät ArFi<br />

kann über eine systemunabhängige<br />

Browseranwendung bedient<br />

werden. Die Software ArFi Haptic<br />

Analyser rendert die gemessenen<br />

Werte in Diagramme. Alle gemessenen<br />

Daten können nachträglich<br />

analysiert und angepasst sowie<br />

zur weiteren Verarbeitung in gängige<br />

Formate wie Excel oder CSV<br />

exportiert werden. Die analytische<br />

Bewertung eines spezifischen haptischen<br />

Effekts wird damit komfortabel<br />

möglich. Bei einem der automatisch<br />

vom ArFi Haptic Analyser<br />

berechneten Werte handelt es sich<br />

um den bereits erwähnten GHIV. Er<br />

basiert auf einer mathematischen<br />

Funktion, welche die menschliche<br />

Wahrnehmung des vibro-taktilen<br />

Feedbacks mit einem Zahlenwert<br />

beschreibt. Dieser lässt sich nutzen,<br />

um die Intensitäten verschiedener<br />

Haptiken zu vergleichen oder<br />

nachzubilden.<br />

„Der ArFi ist ein nützliches Werkzeug<br />

für die Haptikentwicklung, das<br />

eine Brücke zwischen den Vorstellungen<br />

der Anwender, wie sich eine<br />

bestimmte Applikation letztendlich<br />

anfühlen soll, und den evaluier baren,<br />

„Mit dem ArFi haben wir ein<br />

Testsystem entwickelt, um Haptik<br />

spezifizieren, evaluieren und<br />

quantifizieren zu können. Dafür<br />

wurden wir auch erfolgreich vom<br />

Zentralen Innovationsprogramm<br />

Mittelstand (ZIM) gefördert“, so<br />

Elisa Santella, Geschäftsführerin bei<br />

GREWUS<br />

quantifizierbaren Daten schlägt“,<br />

fasst Santella zusammen. „Er hilft<br />

uns maßgeblich dabei, aktive Haptik<br />

während der Entwicklungsphase<br />

quantifizierbar und Optimierungsschritte<br />

in der Applikation messbar<br />

zu machen.“◄<br />

Komfortables 3D-Stereo Arbeiten in der Medizintechnik<br />

Komfortables Arbeiten im Sinne höchster<br />

Anwenderzufriedenheit - die 3D PluraView<br />

Monitorserie sorgt dank innovativer Technologie<br />

für perfekte Stereo-Visualisierung und<br />

komfortables Arbeiten in allen medizinischen<br />

Anwendungsbereichen.<br />

Anspruchsvolle Aufgabengebiete in der<br />

modernen Medizintechnik, wie z. B. OP-Planung,<br />

3D-Computertomographie, anatomische Bildgebung<br />

und Visualisierung von Medizindaten<br />

erfordern oft eine räumliche Darstellung in 3D.<br />

Die 3D PluraView Monitorfamilie ist das passive<br />

3D-Stereo System mit der höchsten Nutzer-Akzeptanz<br />

aller derzeit am Markt befindlichen<br />

3D-Stereo Monitore.<br />

Die Plug & Play Beamsplitter-Technologie ist<br />

bereits seit 13 Jahren im Markt etabliert und hat<br />

sich in der 4K 10-Bit (UHD) Version als 3D-Stereo<br />

Referenz durchgesetzt. Die intuitive Bedienung,<br />

aber vor allem der hohe Betrachtungskomfort<br />

in 3D-Stereo, verbessert das Handling<br />

komplexer Visualisierungen deutlich. Denn mit<br />

dem 3D PluraView können die Anwender im<br />

Gegensatz zu früher (2D-Darstellung) sich nun<br />

komplett durchgängig im 3D-Umfeld bewegen.<br />

Diese Möglichkeit der räumlichen Betrachtung<br />

bringt ein komfor tables und zugleich innovatives<br />

Arbeiten in allen Anwendungsbereichen<br />

der Medizintechnik mit sich. Der 3D PluraView<br />

ist geeignet für alle 3D-Stereo fähigen Software-Anwendungen<br />

im Medizinbereich, wie<br />

z.B. VSP, Stereo staxie, MOE, Forsina CT-VR,<br />

Versalius 3D, Sybyl, VMD syngo.fourSight<br />

oder syngo.Via.<br />

Das Arbeiten mit neuster Technologie ist<br />

nicht nur für Institute, Krankenhäuser und Forschungseinrichtungen<br />

von großem Nutzen,<br />

auch Mitarbeiter profitieren davon. Auf gaben<br />

können schneller und präziser umgesetzt werden,<br />

wodurch die Motivation der Anwender, wie<br />

auch die Identifikation mit dem Aufgabengebiet<br />

deutlich gesteigert wird.<br />

Schneider Digital<br />

info@schneider-digital.com<br />

www.schneider-digital.com


Komponenten<br />

Sicher und zuverlässig dank anwendungsorientierter Elektromagnetischer<br />

Verträglichkeit<br />

Medizinische Elektronik fordert<br />

immer höhere Standards, die<br />

Anwendungen werden immer komplexer<br />

und störungsfreies Arbeiten<br />

ist gerade im Gesundheitssektor<br />

essentiell und kann lebenswichtig<br />

sein. Wo allerdings elektronische<br />

Geräte im Einsatz sind, gibt<br />

es auch elektromagnetische<br />

Störungen. Wie<br />

sich das auf ein Gerät<br />

oder auch andere elektronische<br />

Geräte in der<br />

Umgebung auswirkt, ist<br />

der Bereich, wo EMV ins<br />

Spiel kommt.<br />

Ob im Klinikalltag oder<br />

auch bei Health-Care-<br />

Geräten im häuslichen<br />

Bereich: Durch Technologien<br />

wie z. B. Bluetooth<br />

oder WiFi, aber<br />

auch durch elektromagnetische<br />

Störungen,<br />

die von anderen Ge räten<br />

ausgehen, kann es<br />

zu Beeinträchtigungen<br />

hinsichtlich der elektromagnetischen<br />

Verträglichkeit<br />

kommen. Es ist<br />

daher wichtig, sicherzustellen, dass<br />

ein Gerät keine unbeabsichtigten<br />

Ausfälle bei anderen Ge räten verursacht<br />

und gleichzeitig soll das<br />

Gerät selbst in diesem Zusammenhang<br />

auch geschützt werden. Kunststoffgehäuse<br />

bieten i.d.R. von Natur<br />

aus keinen Schutz gegen elektromagnetische<br />

Strahlung: Hier kann<br />

man durch eine Aluminiumbeschichtung<br />

auf der Gehäuse innenseite entgegenwirken,<br />

so dass Störungen<br />

und Schäden in diesem Zusammenhang<br />

sogar gänzlich vermieden<br />

werden können.<br />

OKW bietet die Aluminiumbeschichtung<br />

als Individualisierungsmöglichkeit<br />

an. Zusammen mit weiteren<br />

kundenspezifischen Dienstleistungen,<br />

wie z. B. mechanische<br />

Bearbeitung, Lackierung oder<br />

Bedruckung fertigt OKW individuelle<br />

Gehäuselösungen, abgestimmt<br />

auf die Anforderungen der Kunden.<br />

Odenwälder<br />

Kunststoffwerke<br />

www.okw.com<br />

Massenproduktion von freiliegenden PCB-Leitern<br />

Die Fertigung von Leiterbahnstrukturen<br />

ohne Basismaterial ist<br />

für viele Leiterplattenhersteller eine<br />

Herausforderung. Doch nicht für<br />

Varioprint: Das Unternehmen realisiert<br />

vollständig fliegende Leiterbahnen<br />

für Leiterplattenanwendungen<br />

aus der Medizinbranche.<br />

Mikroleiter für<br />

die medizinische<br />

Massenproduktion<br />

Die neuartige Zwei-Lagen-<br />

Flex-Leiterplatte wurde aus Polyimid<br />

mit 25 - 50 µm Dicke realisiert.<br />

Lasergebohrte Microvias mit<br />

einem Durchmesser von 75 µm<br />

verbinden die zwei Lagen miteinander.<br />

Die Microvias sind zu<br />

90 % mit Kupfer gefüllt und die<br />

Endoberfläche wurde mit galvanischem<br />

Gold veredelt. Die einzigartige<br />

Varioprint-Lösung umfasst<br />

ein speziell entworfenes, lasergefrästes<br />

170-µm-Fenster. Die<br />

hochflexiblen Prozessparameter<br />

von Varioprint ermöglichen, eine<br />

solch fragile Außenkontur<br />

in Massenproduktion<br />

zu fertigen.<br />

Ein historischer<br />

Erfolg für Varioprint<br />

Bisherige Machbarkeitsbeschränkungen<br />

und technische Hindernisse<br />

wurden in<br />

enger Zusammenarbeit<br />

mit dem Kunden überwunden<br />

und führten zu<br />

einem erfolgreichen<br />

Scale-up, bei dem alle<br />

vorgegebenen Spezifikationen<br />

erfüllt wurden.<br />

Dieser einzig artige<br />

interdisziplinäre Ansatz stellt<br />

einen Durchbruch in der Flex-<br />

Technologie für fliegende Leiterbahnen<br />

dar. Zum ersten Mal in<br />

der Geschichte von Varioprint ist<br />

es gelungen, eine reproduzierbare<br />

Lösung für Leiterbahnstrukturen<br />

ohne Basismaterial als Träger<br />

zu finden. Der moderne und<br />

Lasergefrästes Fenster mit 100 µm Leiterbahn<br />

zukunftsorientierte Produktionsstandort<br />

ermöglicht es Varioprint,<br />

solche anspruchsvollen technischen<br />

Anforderungen erfolgreich<br />

zu bewältigen.<br />

Mit diesen fortschrittlichen<br />

technischen Möglichkeiten verschiebt<br />

Varioprint die Grenzen<br />

der Flex-Technologie und verstärkt<br />

die Performance der Produkte<br />

ihrer Kunden.<br />

Varioprint AG<br />

info@varioprint.ch<br />

www.varioprint.ch<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

53


Komponenten<br />

Darf es ein bisschen schneller sein?<br />

Highspeed-Steckverbinder von ept für maximale Designflexibilität<br />

ept GmbH<br />

www.ept.de<br />

Die Nachfrage nach Steckverbindern<br />

für anspruchsvolle<br />

Highspeed-Datenübertragungen<br />

wächst stetig – und mit ihr das<br />

Angebot des Steckverbinderherstellers<br />

ept. So ist der Highspeed-<br />

Steckverbinder Colibri nicht nur in<br />

der Version 10 Gbit/s, sondern<br />

auch 16 Gbit/s verfügbar. Dabei<br />

entspricht er den Anforderungen<br />

der COM-Express-Spezifikation<br />

und eignet sich somit für Anwendungen<br />

nach USB 3.1<br />

Gen2 und PCIe 4.0.<br />

Grund hierfür ist sein<br />

auf Highspeed optimiertes<br />

Kontaktdesign.<br />

Dadurch gelingt ihm die<br />

störungsfreie Übertragung<br />

hoher Daten raten,<br />

wie sie auch bei industriellen<br />

Anwendungen<br />

erforderlich sind. Dazu<br />

gehören neben den<br />

COM-Express-Spezifikationen<br />

vor allem Mez-<br />

zanine-Board-to-Board-<br />

Systeme. So findet der Colibri<br />

bereits in den verschiedensten<br />

Gebieten Anwendung: Nicht nur<br />

in der industriellen Automatisierung,<br />

sondern auch in der Medizinund<br />

Messtechnik, Gebäudetechnik,<br />

Unterhaltungselektronik, im<br />

Gaming sowie im Bereich Transportation<br />

und in POS-Systemen<br />

zählt man bereits auf seine Signalqualität.<br />

Was diesen Steckverbinder<br />

dabei besonders auszeichnet:<br />

Plug und Receptacle stehen in den<br />

Polzahlen 40, 80, 120, 160 und<br />

220 zur Ver fügung und ermöglichen<br />

damit maximale Flexibilität<br />

beim Elektronik design. Eine<br />

440-polige Version, bestehend<br />

aus zwei Plugs beziehungsweise<br />

Receptacles mit je 220 Pins, wird<br />

in einem Bestückrahmen zusammengehalten.<br />

Durch seine kompakte<br />

Bauweise bei einem Raster<br />

von nur 0,5 mm ist der kleine Highspeed-Profi<br />

geradezu prädestiniert<br />

für seinen Einsatz in miniaturisierten<br />

Anwendungen.<br />

Zugleich sorgen seine verschiedenen<br />

Bauhöhen von 5 mm und<br />

8 mm für weitere Flexibilität im<br />

Elektronikdesign durch variable<br />

Leiterplattenabstände. Ein weiterer<br />

Vorteil: Beide Versionen<br />

des Colibri, sowohl 10 Gbit/s als<br />

auch 16 Gbit/s, sind zueinander<br />

layout- und steckkompatibel. Mit<br />

diesem Steckverbinder sind der<br />

Highspeed-Anwendung wirklich<br />

keine Grenzen gesetzt. ◄<br />

Massenflussreglerserie um weitere Produktvarianten erweitert<br />

Sensirion erweitert seine Produktpalette um<br />

zwei weitere Massenflussregler der Erfolgsserie<br />

SFC5500 sowie um vier neue Massenflussmesser,<br />

die die Serie SFM5500 bilden.<br />

Die neuen Massenflussregler und -messer eignen<br />

sich bestens für Analyse-, Medizin- und<br />

Industrie anwendungen.<br />

Die leistungsstarken Massenflussregler<br />

und -messer sind für mehrere Gase kalibriert<br />

und verfügen über Steckanschlüsse, die der<br />

Benutzer selbst aus der Liste kompatibler Teile<br />

auswählen und austauschen kann. Dank seines<br />

äußerst weiten Regelbereichs kann jedes<br />

Gerät mehrere Durchflussbereiche abdecken,<br />

für die sonst separate Geräte erforderlich sind.<br />

Der vielseitige Massenflussregler SFC5500 ist<br />

nun für den Bereich von 50 sccm bis 200 slm<br />

verfügbar. Zudem wird mit der neuen Massenflussmesserserie<br />

SFM5500 eine genauso leistungsstarke,<br />

aber ventillose Schwesterversion<br />

des SFC5500 angeboten. Diese druckfesten<br />

Massenflussmesser gibt es ab sofort für die<br />

folgenden Regelbereiche: 50 sccm, 0,5 slm,<br />

2 slm und 10 slm.<br />

Die Serie SFC5500 bzw. SFM5500 bildet den<br />

Höhepunkt der 20-jährigen Erfolgsgeschichte<br />

von Sensirion in der hochpräzisen Gasflussregelung.<br />

Der Sensor basiert auf dem mikrothermischen<br />

Messprinzip sowie der bewährten<br />

CMOSens MEMS Technologie von Sensirion.<br />

Das Ergebnis sind kompromisslose Massenflussregler<br />

und -messer mit erstklassiger Leistung<br />

und hoher Zuverlässigkeit, die im Gegensatz<br />

zu den meisten anderen Geräten auf dem<br />

Markt keine Drift aufweisen und im laufenden<br />

Betrieb nicht nachkalibriert werden müssen.<br />

Dank des außerordentlich großen Regelbereichs,<br />

den der CMOSens MEMS Durchflusssensor<br />

ermöglicht, deckt die Serie SFC5500<br />

mehrere Durchflussbereiche traditioneller Massenflussregler<br />

und -messer mit einem einzigen<br />

Gerät ab. Dank der Kalibration für unterschiedliche<br />

Gase und der austauschbaren Steckanschlüsse<br />

sind die Massenflussregler der Serie<br />

SFC5500 und SFM5500 die ersten Geräte auf<br />

dem Markt, die in Standardausführung erhältlich<br />

sind und sich für eine Vielzahl von Analyse-,<br />

Medizin- und Industrieanwendungen<br />

eignen. Dank dieser Vielseitigkeit ist die Serie<br />

SFC5500 bzw. SFM5500 auch die erste weltweit,<br />

die über Katalogdistributoren erhältlich ist.<br />

Die Serie SFC5500 bzw. SFM5500 ist für<br />

eine große Bandbreite an Anwendungen geeignet,<br />

bei denen höchste Genauigkeit, maximale<br />

Geschwindigkeit sowie ein größtmöglicher<br />

dynamischer Bereich nötig sind: Mischgasanwendungen<br />

in Medizin- und Analyseinstrumenten,<br />

Prozesssteuerung und Industrieautomatisierung,<br />

Forschung und Entwicklung<br />

sowie Prototyping.<br />

Sensirion<br />

www.sensirion.com<br />

54 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Neuronale Schnittstellen werden<br />

leistungsfähiger<br />

Neuronale Schnittstellen ergänzen auf spektakuläre Weise die Mensch-Maschine-Interaktion –<br />

auch in der Medizin.<br />

Komponenten<br />

Imecs Lösung erreicht eine<br />

Rausch-, Verlustleistungs- und<br />

Flächenleistung, die mit den aktuellen<br />

State-of-the-Art-Neuropixels-<br />

Designs vergleichbar oder sogar<br />

besser ist und gleichzeitig den<br />

Dynamikbereich und die Elektroden-DC-Offset-Toleranz<br />

über einen<br />

AC-gekoppelten Wandler erhöht.<br />

Das 128-kanaligen Auslese-ICs<br />

Imec<br />

www.imec-int.com<br />

Als vor Jahrzehnten Wissenschaftler<br />

verschiedene Sensoren<br />

in Schimpansen einbrachten,<br />

um mit deren Gefühlen eine aufwendige<br />

Vorrichtung zu beeinflussen,<br />

die den Probanden Bananen<br />

spendierte, war das ein Erfolg. Der<br />

war möglich, weil das Nervensystem<br />

auch elektrochemische Signale<br />

nutzt. Der heutige Stand der<br />

Mikro elektronik verschafft dem<br />

Konzept Breitenwirksamkeit, etwa<br />

in Forschung und Medizin oder für<br />

gelähmte Menschen.<br />

Basics<br />

Mit einer neuralen Schnittstelle<br />

kann man die Signale lesen, um sie<br />

hernach auszuwerten. Neuronale<br />

Schnittstellen zielen mittels direkter<br />

oder indirekter Verbindung auf<br />

verschiedene Teile des neuronalen<br />

Systems. Dabei nutzen sie nicht-eintauchende,<br />

halb-eintauchende oder<br />

eintauchende Sensoren.<br />

In der Medizin dienen diese<br />

Schnittstellen vor allem der Diagnose.<br />

Durch sogenanntes Neurofeedback<br />

soll der Patient lernen, seinen<br />

eigenen Zustand zu verändern.<br />

Solche Geräte sind bereits Realität.<br />

In jüngster Zeit wurden mehrere<br />

innovative Auslesearchitekturen<br />

untersucht, um Leistungsparameter<br />

wie Energieverbrauch, Rauschen,<br />

Elektroden-Gleichstrom-<br />

Offset und Eingangsbereich auszuloten.<br />

Ein Kompromiss zwischen all<br />

diesen Parametern ist jedoch nicht<br />

leicht zu erreichen. Etwa Direktdigitalisierungs-Frontends,<br />

die die Signale<br />

nahe der Quelle in die digitale<br />

Welt bringen, haben ein großes<br />

Potenzial zur drastischen Verringerung<br />

der Fläche, schneiden jedoch<br />

in punkto Leistungsaufnahme, Bandbreite<br />

und Unterdrückung des Elektroden-DC-Offsets<br />

vergleichweise<br />

schlecht ab.<br />

Skalierbarer neuronaler<br />

Auslese-Mikrochip<br />

Der neue skalierbare neuronale<br />

Auslese-Mikrochip ist besonders<br />

klein und ermöglicht dennoch die<br />

gleichzeitige Erfassung von lokalen<br />

Feldpotentialen und von Aktionspotentialen<br />

in neurophysiologischen<br />

Experimenten. Der Chip<br />

basiert auf einer neuartigen ACgekoppelten<br />

Delta-Delta-Sigma-<br />

Architektur 1. Ordnung, welche auch<br />

sehr schwache Signale in den digitalen<br />

Bereich umsetzen kann. Auch<br />

in punkto Energieverbrauch steht<br />

der Chip sehr gut da.<br />

AC-Kopplung und direkte<br />

Digitalisierung<br />

„Uns ist es gelungen, AC-Kopplung<br />

und direkte Digitalisierung zu<br />

kombinieren, um Rail-to-Rail-DC-<br />

Offset-Auslöschung und einen höheren<br />

Eingangsbereich (43 mVpp) als<br />

andere AC-gekoppelte Designs zu<br />

erreichen. Dies ist wichtig, um eine<br />

Sättigung der Aufnahmekanäle zu<br />

verhindern und mögliche Bewegungs-/Stimulationsartefakte<br />

zu<br />

beherrschen. Die AC-gekoppelte<br />

Eingangsstufe reduziert außerdem<br />

den Energiebedarf (insgesamt<br />

8,34 µW pro Kanal), da nur<br />

AC-Signale digitalisiert werden“,<br />

erklärt Carolina Mora Lopez, Teamleiterin<br />

des Circuits for Neural Interfaces<br />

Teams von Imec.<br />

Spezielle Architektur<br />

Diese spezielle Architektur ermöglicht<br />

die Implementierung eines<br />

großen Teils der Funktionalität – z.B.<br />

des Anti-Aliasing-Filters – in die<br />

digitale Domäne. Daher ist es möglich,<br />

die Gesamtfläche des Kanals<br />

(0,005 mm 2 ) deutlich zu verkleinern<br />

und die Signalqualität zu verbessern,<br />

indem die Vorteile eines hochskalierten<br />

Technologieknotens (22 nm<br />

FD-SOI) genutzt werden.<br />

„Dieses skalierbare, digital-intensive<br />

Design gewährleistet eine kleine<br />

Grundfläche und einen stromsparenden<br />

IC mit guter Leistung für die<br />

gleichzeitige Erfassung von neuronalen<br />

Signalen. Es öffnet den Weg<br />

zu noch kleineren Sonden mit höherer<br />

Elektrodendichte, die die neurowissenschaftliche<br />

Forschung voranbringen<br />

kann“, fasst Carolina Mora<br />

Lopez zusammen. ◄<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

55


Komponenten<br />

Leistung auf kleinstem Raum<br />

Panasonics Wi-Fi Modul PAN9520 im Rutronik Wireless-Portfolio<br />

Rutronik Elektronische<br />

Bauelemente GmbH<br />

www.rutronik.com<br />

Neuer Joystick basierend<br />

auf Hall-Effekt-ICs<br />

knitter-switch, einer der führenden Schalterhersteller<br />

Europas, bietet einen neuen Joystick,<br />

basierend auf Hall-Effekt-ICs. Mögliche Einsatzgebiete<br />

sind Kamerasteuerungen, Geräte<br />

für Behinderte, Positioniertische im medizinischen<br />

und industriellen Bereich, Instrumente<br />

oder Bühnentechnik.<br />

Der Joystick ist nicht nur in alle Richtungen<br />

flexibel – er verfügt auch über eine „Enter“-<br />

Taste. Und dank steckbarem Kabel ist er sehr<br />

bequem zu montieren. Der neue Joystick verfügt<br />

darüber hinaus über eine lange Lebensdauer:<br />

X- und Y-Achse: 5 000 000 Zyklen, Z-Achse<br />

(Option) 1.000 000 Zyklen. Der Analogausgang<br />

hat 0…5 V DC.<br />

knitter-switch<br />

www.knitter-switch.com<br />

Das Panasonic PAN9520 ist<br />

ein 2,4 GHz 802.11 b/g/n embedded<br />

Wi-Fi Modul und basiert<br />

auf dem ESP32-S2 von Espressif.<br />

Dieser hochintegrierte Single-<br />

Core-Wi-Fi- Mikrocontroller-SoC<br />

mit geringem Stromverbrauch enthält<br />

eine leistungsstarke Xtensa<br />

32-bit LX7 CPU. Zudem ist er auf<br />

Sicherheit und Kosteneffizienz bei<br />

gleichzeitig hoher Leistung ausgelegt.<br />

Durch die integrierte Chipantenne<br />

und den QSPI-Speicher<br />

eignet sich das PAN9520 für eine<br />

Vielzahl von Stand Alone- und Hostgesteuerten<br />

Anwendungen. Es zählt<br />

zu einem der kleinsten Geräte auf<br />

dem Markt (24 x 13 x 3,1 mm) und<br />

ermöglicht ein breites Spektrum an<br />

Peripheriegeräten über Schnittstellen<br />

wie u. a. Full-Speed-USB-OTG,<br />

SPI, UART, I²C. Das Modul ist entweder<br />

als 4 MB Flash-Version mit<br />

2 MB PSRAM oder als 1 MB Flash-<br />

Variante ohne PSRAM verfügbar.<br />

Anwendungsgebiete sind z. B.<br />

Gebäudeautomatisierung, Medizintechnik<br />

und Robotik sowie Smart<br />

City-Infrastrukturen. Unter www.<br />

rutronik24.com ist das Panasonic<br />

PAN9520 erhältlich.<br />

Sichere Datenverbindung<br />

Panasonic kombiniert im<br />

PAN9520 eine Hochleistungs-<br />

CPU, einen Basisbandprozessor<br />

(BB), ein hochempfindliches drahtloses<br />

Funkgerät, einen ROM-Bootloader<br />

und einen Medium Access<br />

Controller (MAC). Ebenso enthält es<br />

eine Verschlüsselungseinheit, chipinternes<br />

SRAM sowie modulinternes<br />

QSPI-Flash und PSRAM (4 MB<br />

Flash-Version). Das Modul garantiert<br />

eine sichere Datenverbindung dank<br />

BIP, CCMP, TKIP, WAPI, WEP und<br />

einem AES-Beschleuniger. Der integrierte<br />

Quarz gewährleistet eine Verbindungsleistung<br />

über die gesamte<br />

Lebensdauer bei einem Temperaturbereich<br />

von -40 °C bis 85 °C. Der<br />

parallele Support von Access Point<br />

und Station Mode gewährleistet<br />

die einfache Einrichtung mehrerer<br />

Wi-Fi-Verbindungen vom Modul zu<br />

Smart Devices und Heimnetzwerk-<br />

Routern. Das Espressif Integrated<br />

Development Framework (ESP-IDF)<br />

ermöglicht dank einer großen Auswahl<br />

von Programmbeispielen die<br />

Entwicklung von Software für verschiedenste<br />

Anwendungen.<br />

Weitere Eigenschaften:<br />

• 802.11mc – Fine Time Measurement<br />

• Output 19,5 dBm bei IEEE 802.11b<br />

@1 Mbps<br />

• Empfindlichkeit -97 dBm bei IEEE<br />

802.11b @1 Mbps<br />

• Stromverbrauch 190 mA Tx, 68<br />

mA Rx, 310 mA Tx peak<br />

• Spannungsbereich: 3 V bis<br />

3,6 V ◄<br />

56 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Komponenten<br />

Einweg- oder Mehrwegprodukte im<br />

medizinischen Bereich?<br />

Wie sich Wegwerf- und wiederverwendbare Komponenten in der Medizin kombinieren lassen.<br />

Kunststoff. Das Portfolio ist flexibel<br />

mit allen ODU MEDI-SNAP Produkten<br />

kombinierbar, welche für bis<br />

zu 5000 Steckzyklen geeignet sind.<br />

Egal ob im medizinischen, zahnmedizinischen<br />

Bereich oder der<br />

häuslichen Versorgung, es stellt sich<br />

immer wieder die Frage nach der<br />

Wiederverwendbarkeit von Medizinprodukten.<br />

Generell gibt es zwei<br />

verschiedene Möglichkeiten: Mehrwegartikel,<br />

die nach der Benutzung<br />

gereinigt und in den meisten Fällen<br />

sterilisiert, oder Einwegartikel<br />

die anschließend entsorgt werden.<br />

Bereits im Vorfeld entscheidet<br />

der Produktmanager des medizinischen<br />

Endproduktes, welche Komponenten<br />

und Zubehörteile als Einweg-<br />

oder Mehrwegprodukt bezogen<br />

werden, immer im Einklang mit<br />

dem Risikomanagement. An oberster<br />

Stelle steht der Patient, für den<br />

höchste Sicherheitsstandards gelten.<br />

Neben der Sicherheit, stehen<br />

die Anforderungen an Kosten, Zeit<br />

und Qualität der Medizinprodukte<br />

im Vordergrund. Zusätzlich muss<br />

für Anwender, wie beispielsweise<br />

medizinischem Personal, eine einfache<br />

Handhabung der Medizinprodukte<br />

gewährleistet werden. Die<br />

ODU GmbH & Co. KG<br />

www.odu.de<br />

Prämisse lautet, möglichst wenig<br />

Aufwand für das Austauschen und<br />

Ersetzen der jeweiligen Medizinkomponenten<br />

nach dem Gebrauch.<br />

Beständigkeit ist gefragt<br />

Im medizinischen Alltag kommen<br />

verschiedenste Desinfektions- und<br />

Reinigungsmittel zum Einsatz. Diese<br />

können Materialien des medizinischen<br />

Endgerätes sowie der Zubehörteile,<br />

wie beispielsweise einen<br />

konfektionierten Steckverbinder, auf<br />

unterschiedlichste Art beeinflussen.<br />

Einzelne Komponenten aus Kunststoff<br />

können sich verfärben, durch<br />

Wärme verformen, Risse bekommen<br />

und am Ende sogar brechen.<br />

Der Kunde erwartet ein ressourcenschonendes,<br />

langlebiges sowie<br />

robustes Qualitätsprodukt, das in<br />

verschiedensten Anwendungsbereichen,<br />

unter anderem der Endoskopie<br />

sowie der Robotik verwendet<br />

werden kann. In diesen Bereichen<br />

wird häufig auf Mehrwegprodukte<br />

gesetzt, da die Endgeräte sehr<br />

teuer sind und dadurch eine lange<br />

Lebensdauer gewährleistet werden<br />

muss. Das ODU Rundsteckverbinder-Portfolio<br />

bietet verschiedenste<br />

Varianten aus Metall und Kunststoff,<br />

die desinfizier- sowie sterilisierbar<br />

und dadurch sehr beständig sind.<br />

Neben dem Steckverbinder wird auf<br />

Wunsch auch die komplette Konfektionierung<br />

übernommen. Hierbei<br />

wird für den Mehrwegbereich<br />

häufig eine Silikonumspritzung inkl.<br />

Silikonkabel verwendet.<br />

Kosteneffizienz sowie<br />

Zeitersparnis im Fokus<br />

Gerade in der häuslichen Versorgung<br />

und in vielen Bereichen<br />

von medizinischen Einrichtungen,<br />

geht aufgrund des erhöhten Aufwands<br />

der Reinigung, Sterilisation<br />

und Verpackung der Trend zu Einwegprodukten.<br />

Die bei Mehrwegprodukten<br />

anfallenden Kosten für<br />

z. B. die Anschaffung eines Autoklavs,<br />

Kosten für benötigtes Desinfektionsmittel<br />

sowie steriles Verpackungsmaterial,<br />

können dadurch eingespart<br />

werden. Im Zuge der Pandemie<br />

musste das medizinische Personal<br />

auf noch effizientere Weise<br />

eingesetzt werden, sodass Einwegprodukte<br />

die Aufbereitung der Medizinprodukte<br />

ersetzten. Aus ökologischer<br />

Sicht sind Einwegkomponenten<br />

zu überdenken. Allerdings<br />

ist es häufig aufgrund der Anforderungen<br />

nicht möglich, auf diese zu<br />

verzichten.<br />

ODU bietet für diese Anforderungen<br />

bereits fertig konfektionierte<br />

Einweg-Abreißsteckverbinder<br />

sowie Einweg-Geräteteile aus<br />

Die Kombination macht den<br />

Unterschied<br />

Jedes Medizingerät hat unterschiedlichste<br />

Anforderungen an die<br />

Sicherheit, die Beständigkeit und die<br />

Kostenstruktur. Der Hersteller entscheidet<br />

bereits bei der Produktentwicklung,<br />

welche Bauteile als Mehrweg-<br />

oder Einwegprodukte verwendet<br />

werden. In den meisten Fällen,<br />

wird es eine Kombination aus beiden<br />

sein: Kosteneffiziente Zubehörteile<br />

als Einwegprodukte, die dennoch<br />

den Hygiene- und Sicherheitsanforderungen<br />

entsprechen, sowie<br />

langlebige Medizingeräte, Monitorsysteme<br />

und Roboter, bei denen<br />

besonders beständige und robuste<br />

Komponenten gefragt sind.<br />

Erfüllung höchster Sicherheitsanforderungen<br />

Mit dem Inkrafttreten der Medical<br />

Device Regulation (MDR) am<br />

27.05.2021 verändern sich die Anforderungen<br />

an Hersteller und Inverkehrbringer<br />

von Medizinprodukten.<br />

Ein adäquates Änderungsmanagement<br />

und angemessenes Risikomanagement,<br />

sowie eine lückenlose<br />

Rückverfolgbarkeit der Produkte<br />

stehen unter anderem im Fokus. Als<br />

Lieferant für medizinische Applikationen<br />

unterstützt ODU seine Kunden<br />

bei der Erfüllung der Forderungen.<br />

Auch mit Blick auf den Anwender-<br />

und Patientenschutz setzt die<br />

Medizin auf höchste Sicherheit hinsichtlich<br />

der IEC 60601-1. Hierbei<br />

kommt dem vollständigen Berührschutz<br />

von Bediener und dem versorgten<br />

Patienten im Fall einer<br />

Störung eine besondere Bedeutung<br />

zu. Mit den Vorgaben von bis<br />

zu 2x MOOP (Means of Operator<br />

Protection) und 2x MOPP (Means<br />

of Patient Protection) orientiert sich<br />

ODU mit seinem Rundsteckverbinderportfolio<br />

an den höchsten Sicherheitsstandards.<br />

◄<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

57


Künstliche Intelligenz<br />

Einsatz von KI-Bildanalyse zur Erkennung und<br />

Vorbeugung von Krankheiten<br />

Ein Eingreifen in Echtzeit kann<br />

die Überlebensrate verbessern<br />

und Ärzten helfen, einen personalisierten<br />

Behandlungsplan auf der<br />

Grundlage der gewonnenen Daten<br />

zu entwickeln. Das Journal of the<br />

American College of Radiology<br />

beleuchtet die Zukunft der KI-Bilderkennung<br />

im Gesundheits wesen,<br />

indem es die verschiedenen Anwendungen<br />

und deren Marktbedarf auflistet.<br />

Einem kürzlich im Journal of<br />

the American College of Radiology<br />

erschienenen Bericht von Dr. Alan<br />

Alexander zufolge werden derzeit<br />

KI-basierte Bildgebungsgeräte für<br />

CT-Scans (90 %), MRTs (60 %)<br />

und Röntgenaufnahmen (56 %)<br />

eingesetzt.<br />

ARROW Electronics<br />

www.arrow.de<br />

In den letzten Jahren hat die<br />

Gesundheitsbranche relativ schnell<br />

Systeme für maschinelles Lernen,<br />

fortschrittliche Algorithmen und<br />

Lösungen für künstliche Intelligenz<br />

integriert, um Präzisionsmedizin zu<br />

betreiben. Die fortschrittliche Technologie<br />

scannt und analysiert Big<br />

Data, um relevante Diagnosen zu<br />

erhalten und verschiedene Krankheiten<br />

zu erkennen.<br />

Die KI-Bilderkennung verbessert<br />

die Vorhersagefähigkeit von Patientenergebnissen<br />

durch Big Data<br />

Analytics. Sie wandelt die aufgenommenen<br />

Bilder in Daten um,<br />

bevor sie die Informationen analysiert,<br />

um Anomalien zu erkennen.<br />

Anhand dieser Ergebnisse können<br />

Radiologen frühe Anzeichen<br />

einer Erkrankung erkennen und<br />

einen individuellen Behandlungsplan<br />

entwickeln.<br />

Die rasche Einführung von KIbasierten<br />

Bildgebungsgeräten (in<br />

Anwendungsfällen wie Röntgen,<br />

MRT und CT) und die steigenden<br />

Investitionen in fortschrittliche Technologien<br />

für das Gesundheits wesen<br />

haben zu einem Aufschwung bei der<br />

Einführung und Nutzung geführt.<br />

Die Investitionen begannen im Jahr<br />

2016, als sich KI als sehr vielversprechend<br />

erwies – seither spielt sie<br />

in der Medizin eine immer wichtigere<br />

Rolle. Tatsächlich sagen Marktberichte<br />

voraus, dass die KI-Bilderkennung<br />

bis zum Jahr 2026 eine<br />

jährliche Wachstumsrate (CAGR)<br />

von 30,4 % erzielen kann (Mordor<br />

Intelligence, 2021).<br />

In diesem Artikel beleuchten wir<br />

das Wachstum der KI-Bilderkennung<br />

bei der Erkennung und Vorbeugung<br />

von Krankheiten und erörtern,<br />

welche Rolle Radiologen bei<br />

dieser Entwicklung spielen und was<br />

die Zukunft der KI mit sich bringt.<br />

Nutzung der<br />

KI-Bilderkennung für<br />

die Frühdiagnose von<br />

Krankheiten<br />

Im Laufe der Jahre hat Künstliche<br />

Intelligenz aufgrund ihrer höheren<br />

Spezifität und niedrigeren Rückrufraten<br />

begonnen, den Gesundheitsmarkt<br />

zu dominieren. Diese<br />

Aspekte erhöhen das Produktivitätsniveau<br />

und die Leistungs fähigkeit bei<br />

der Diagnose verschiedener Krankheiten.<br />

Die moderne diagnostische<br />

Bildgebung ermöglicht es Radiologen,<br />

frühe Anzeichen von Krebs,<br />

Tumoren und anderen Krankheiten<br />

zu erkennen.<br />

Nicht-invasive Diagnostik<br />

Mediziner bevorzugen KI-basierte<br />

Bildgebungsgeräte anstelle von<br />

Biopsieverfahren. Dieser nichtinvasive<br />

Ansatz zur Diagnose und<br />

Erkennung hilft, unerwünschte Komplikationen<br />

zu vermeiden, die Ärzte<br />

bei einer Biopsie erleben können.<br />

Die Ergebnisse sind genauer und<br />

präziser als bei herkömmlichen<br />

Diagnosemethoden. So können<br />

beispielsweise CT-Scans mit Hilfe<br />

fortschrittlicher Technologie Genmutationen<br />

und Läsionen frühzeitig<br />

erkennen.<br />

Darüber hinaus lassen sich so<br />

kleine radiologische Anomalien<br />

feststellen, die vorher unerkannt<br />

geblieben wären. KI nutzt maschinelles<br />

Lernen und Algorithmen,<br />

um gewebebezogene Muster und<br />

Anomalien zu erkennen. Dank ihrer<br />

hohen Empfindlichkeit können diese<br />

Geräte inkonsistente Muster auf<br />

einer Ebene erkennen, die Radiologen<br />

bei der ersten Konsultation<br />

oder bei oberflächlichen Messungen<br />

nicht erkennen können.<br />

Wird Künstliche Intelligenz<br />

Ärzte ersetzen?<br />

Oft wird es für eine unvermeidliche<br />

Folge der Einführung von KI gehalten,<br />

dass PCs und Roboter intelligenter<br />

werden als ihr menschliches Vorbild<br />

und so den Menschen irgendwann<br />

ersetzen. Man könnte sich also fragen,<br />

ob das stetige Wachstum von<br />

58 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Künstliche Intelligenz<br />

KI-basierten Geräten im Gesundheitswesen<br />

dazu führen könnte,<br />

dass beispielsweise der menschliche<br />

Radiologe ersetzt werden kann.<br />

Dies wird in absehbarer Zeit nicht<br />

der Fall sein, da die neue Technik<br />

unterstützt und die Diagnose erleichtert,<br />

aber die menschliche Entscheidung<br />

nicht ersetzen kann. Außerdem<br />

befindet sich die KI-Bilderkennung<br />

derzeit noch in der Entwicklungsphase.<br />

Man sollte auch nicht vergessen,<br />

dass die Entscheidungsfindung<br />

Geschicklichkeit und medizinisches<br />

Wissen erfordert, das über<br />

die algorithmusbasierten Ergebnisse<br />

hinausgeht. Selbst wenn die KI-Bildgebung<br />

die traditionellen Diagnosetechniken<br />

bei quantitativen Aufgaben<br />

übertrifft, reicht sie bei der medizinischen<br />

Entscheidungsfindung bisher<br />

nicht an die menschliche Genauigkeit<br />

heran. Man sollte also die Integration<br />

des maschinellen Lernens<br />

als ergänzende Diagnoselösung für<br />

bestimmte Krankheiten in Betracht<br />

ziehen. Es kann interessierten Radiologen<br />

helfen, ihre Produktivität zu<br />

steigern, indem sie den klinischen<br />

Zeitaufwand reduzieren und die Patientenerfahrung<br />

verbessern.<br />

Der Radiologe für die<br />

richtige Diagnose<br />

Ein kürzlich erschienener Artikel<br />

im Lancet stellt außerdem fest,<br />

dass Radiologen die Patientenergebnisse<br />

optimieren können, wenn<br />

sie bestimmte KI-bezogene Rückschlüsse<br />

berücksichtigen. So kann<br />

es beispielsweise schwierig sein,<br />

eine frühe Diagnose zu beweisen,<br />

wenn die Ergebnisse auf Anomalien<br />

hinweisen, für die es keine umfassende<br />

wissenschaftliche Unterstützung<br />

gibt. Ebenso kann eine<br />

„Überdiagnose aufgrund geringfügiger<br />

Veränderungen“ zu falsch<br />

positiven Ergebnissen führen. Radiologen<br />

müssen ihr Fachwissen<br />

einsetzen, um die Symptome zu<br />

vergleichen und die richtige Diagnose<br />

zu stellen. Kurz gesagt, die<br />

KI-Bild erkennung benötigt immer<br />

noch menschliche Unterstützung,<br />

um ihr Potenzial auszuschöpfen.<br />

Die Zukunft der<br />

KI-Bildgebung<br />

Das Vertrauen in die medizinische<br />

Bildgebung hat im letzten<br />

Jahrzehnt erheblich zugenommen.<br />

Mit der Verbesserung von Machine-<br />

Learning-Netzwerken wird sich die<br />

Erkennung und Interpretation medizinischer<br />

Bilder verbessern. Aus diesem<br />

Grund investieren viele große<br />

Unternehmen und Forschungsprogramme<br />

in KI-Bildsensoren.<br />

Google Health zielt beispielsweise<br />

darauf ab, „die Behandlungsplanung<br />

zu vereinfachen und<br />

die Effizienz der Strahlentherapie<br />

zu verbessern“, indem es mit der<br />

Mayo Clinic zusammenarbeitet, um<br />

einen Algorithmus zu konfigurieren,<br />

der gesundes Gewebe und Organe<br />

von Tumoren trennt. Das Technologieunternehmen<br />

hat auch in KIzentrierte<br />

Bildgebungslösungen<br />

zur Erkennung von Augenkrankheiten,<br />

Brustkrebs und Lungenkrebs<br />

investiert.<br />

Augmented-Reality<br />

Darüber hinaus hat der Erfolg der<br />

KI-Bilderfassung die Entwicklung<br />

von Augmented-Reality-3D-Bildgebung<br />

in der Medizin vorangetrieben.<br />

Derzeit testen Forscher<br />

Prototypen, die es Ärzten ermöglichen,<br />

AR-Headsets zu verwenden,<br />

um betroffene Organe und<br />

Gewebe zu betrachten. Alter nativ<br />

kann die 3D-Bildgebung auch verwendet<br />

werden, um Blockaden,<br />

vernarbtes Gewebe und Tumore<br />

aus verschiedenen Blickwinkeln<br />

zu betrachten. Chirurgen können<br />

diese Informationen nutzen, um<br />

sich während der Operation ausschließlich<br />

auf die Zielstellen zu<br />

konzentrieren.<br />

Fazit<br />

Die Ergänzung der modernen<br />

Diagnostik durch medizinische Bildgebung<br />

erleichtert die Befundung<br />

und macht sie sicherer. Außerdem<br />

kann sie zu lebensverändernden<br />

Erkenntnissen über verschiedene<br />

Krankheiten, Verletzungen (einschließlich<br />

Frakturen und Verletzungen<br />

des Bewegungsapparats)<br />

und Zustände führen. Gesundheitsdienstleister<br />

können Daten generieren,<br />

die sie ohne eine visuelle<br />

Hilfe nicht erkennen würden. Die<br />

hohen Sensitivitäts- und Genauigkeitsraten<br />

führen zu erfolgreichen<br />

Behandlungsplänen.<br />

Letztendlich wird das wachsende<br />

Interesse an der KI-Bilderkennung<br />

die Diagnosetechnologie zugänglicher<br />

und praktischer machen. ◄<br />

November/Dezember/Januar November-Dezember 5/2021 1/2008Jg. 12<br />

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meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

59


Sicherheit<br />

Sicherheit medizinischer Geräte und<br />

Erlangung behördlicher Genehmigungen<br />

Autor:<br />

Robert Bates,<br />

Chief Safety Officer for<br />

Embedded Platform Systems<br />

bei Siemens Digital Industries<br />

Software<br />

www.sw.siemens.com<br />

Die Sicherheit medizinischer<br />

Geräte wird derzeit immer wichtiger.<br />

Die Kunden oder Patienten<br />

dieser Geräte wollen die Sicherheit<br />

haben, dass ihre Gesundheit<br />

und ihre persönlichen Daten auch<br />

wirklich ernst genommen werden.<br />

Von den Regulierungsbehörden<br />

überall auf der Welt wird vor und<br />

nach der Produktfreigabe in zunehmendem<br />

Maße verlangt und überprüft,<br />

dass die Geräte so sicher<br />

wie möglich sind. In den USA hat<br />

die Food and Drug Administration<br />

(FDA) Leitlinien veröffentlicht, die<br />

Anforderungen an medizinische<br />

Geräte beschreiben, in denen<br />

eine ganze Reihe von Aspekten<br />

in Bezug auf die Entwicklung und<br />

Wartung solcher Geräte obligatorisch<br />

wird.<br />

Sicherheitsschwachstellen<br />

Eine Sicherheitsschwachstelle ist<br />

ein Programmierfehler (auch Defekt<br />

oder Bug genannt), der ein Gerät<br />

anfällig gegen die Beeinflussung<br />

oder Beeinträchtigung durch eine<br />

unvorhergesehene externe oder<br />

interne Anwendung macht. Sicherheitsschwachstellen<br />

gibt es in jeder<br />

Produktart, unter anderem auch in<br />

medizinischen Geräten. Indem sie<br />

diesen Fakt anerkennen und sich<br />

auf dessen Unvermeidlichkeit einstellen,<br />

können die Embedded-Entwickler<br />

die Exposition und damit die<br />

möglichen Schäden begrenzen,<br />

die solche Schwachstellen verursachen<br />

können.<br />

Der wichtigste Bestandteil im<br />

Prozess der Erkennung und Eindämmung<br />

dieser potenziellen Probleme<br />

ist ein Industriestandard mit<br />

der Bezeichnung „Common Vulnerabilities<br />

and Exposures“ (CVE). Die<br />

ursprünglich bereits 1999 definierten<br />

CVE stellen eine Zusammenstellung<br />

bekannter, ausnutzbarer Sicherheitsschwachstellen<br />

dar, die in Produkten<br />

bestehen (oder in der Vergangenheit<br />

bestanden). Die CVE werden<br />

von der MITRE Corporation und der<br />

US National Vulnerability Database<br />

(NVD), einer vom US Department<br />

of Homeland Security unterhaltenen<br />

Datenbank, gemeinsam veröffentlicht<br />

und gepflegt. Jede bedeutende<br />

Sicherheitsschwachstelle – von<br />

Heartbleed (CVE-2014-060) über<br />

Shellshock (CVE-2014-6271) bis<br />

hin zu URGENT/11 (11 CVE, entdeckt<br />

im Jahre 2019) – ist hier bis<br />

heute als CVE dokumentiert worden.<br />

Die CVE werden entweder infolge<br />

des verursachten Schadens (wenn<br />

das zugrunde liegende Problem bei<br />

einer nachträglichen Untersuchung<br />

anhand seiner Auswirkungen identifiziert<br />

wird) oder im Ergebnis der<br />

Entdeckung durch einen gewissenhaften<br />

Ingenieur gefunden, dem ein<br />

möglicher Exploit aufgefallen ist. Es<br />

ist gut, dass die meisten Exploits entdeckt<br />

werden, bevor sie Schaden<br />

verursachen. Schlecht ist es jedoch<br />

andererseits, dass ein Exploit von<br />

Hackern überall auf der Welt leicht<br />

ausgenutzt werden kann, sobald<br />

er über den CVE-Prozess weltweit<br />

bekanntgegeben wird – schnelles<br />

Handeln ist also von entscheidender<br />

Bedeutung.<br />

Glücklicherweise gibt der CVE-<br />

Prozess den Produkt- oder Softwareentwicklern<br />

genug Zeit, um<br />

einen Exploit zu beseitigen, bevor<br />

er weltweit bekanntgemacht wird.<br />

Dadurch können sie schnell handeln,<br />

um die erforderliche Gerätesicherheit<br />

zu implementieren.<br />

Einstufung des CVE<br />

Nach seiner Erkennung wird<br />

jedem CVE eine Identifikationsnummer<br />

(ID) zugewiesen. Wird festgestellt,<br />

dass es sich bei einem CVE<br />

um ein Sicherheitsproblem handelt,<br />

wird dem CVE von der NVD außerdem<br />

ein „Vulnerability Score“ zugewiesen.<br />

Dabei handelt es sich um<br />

eine Zahl zwischen 1 und 10. Je<br />

höher die Zahl, desto schwerere<br />

Folgen kann die Schwachstelle für<br />

die betroffenen Geräte haben. Die<br />

NVD enthält auch alle weiteren<br />

bekannten Informationen über das<br />

Problem sowie Links zu relevanten<br />

Websites, die das Sicherheitsproblem<br />

detaillierter beschreiben – einschließlich<br />

von Fehlerbehebungsmöglichkeiten,<br />

soweit möglich.<br />

Hauptvorteil des CVE-<br />

Meldungsprozesses<br />

Der Hauptvorteil des CVE-Meldungsprozesses<br />

besteht darin, dass<br />

das Sicherheitsproblem, Möglichkeiten<br />

zu seiner Behebung sowie<br />

sein Schweregrad und sein Risiko<br />

bekanntgemacht werden, den es für<br />

Produkte haben könnte. Sicherheits-<br />

60 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Sicherheit<br />

schwachstellen können für Geräte,<br />

Kunden und den Anwender selbst<br />

zu verschiedenen negativen Auswirkungen<br />

führen, wie:<br />

- Verlust oder Änderung kritischer<br />

Patientendaten, die zu einer Gesundheitsschädigung<br />

des Patienten oder<br />

zur Gefährdung des medizinischen<br />

Personals führen könnten,<br />

- Offenlegung von Kunden- oder<br />

Endnutzerdaten, die zum Identitätsdiebstahl,<br />

zu HIPAA-Verstößen und<br />

zu anderen schwerwiegenden Folgen<br />

führen könnte,<br />

- Infiltration des Geräts durch böswillige<br />

Akteure, die das Eindringen<br />

von Malware, die Deaktivierung des<br />

Geräts oder die Infizierung anderer<br />

Teile des Krankenhaus- oder Kliniknetzwerks<br />

mit Viren oder Malware<br />

verursachen könnten, usw.<br />

Sicherheitsprobleme und<br />

Produktentwicklung<br />

Bei der Entwicklung von Geräten,<br />

die so sicher wie möglich sein müssen,<br />

ist es wichtig, die verschiedenen<br />

Quellen möglicher Sicherheitsprobleme<br />

zu berücksichtigen:<br />

• Probleme, die der Entwicklungsgemeinschaft<br />

zum Zeitpunkt der<br />

Geräteentwicklung bekannt waren,<br />

• Probleme, die nach der Produktfreigabe<br />

des Geräts entdeckt werden,<br />

• Probleme, die aufgrund mangelhafter<br />

präventiver Entwicklungstechniken<br />

durch die speziell für<br />

das Gerät geschriebene Software<br />

verursacht werden.<br />

Geräteschutz vor bekannten<br />

Sicherheitsproblemen<br />

Viele potenzielle Exploits, die von<br />

Hackern zum Eindringen in Geräte<br />

benutzt wurden, sowie die Methoden<br />

zu ihrer Beseitigung der Sicherheitsgemeinschaft<br />

sind bereits weltweit<br />

bekannt. Es wäre nur zu bedauerlich,<br />

wenn ein medizinisches Gerät<br />

durch ein Sicherheitsproblem, das<br />

zum Zeitpunkt der Gerätefreigabe<br />

bereits bekannt und behebbar war<br />

in die Kontrolle von Hackern geraten<br />

würde. Um dies zu verhindern<br />

sind jedoch große Anstrengungen<br />

erforderlich – Anstrengungen, die<br />

sich später dadurch auszahlen,<br />

dass sie Zeit sparen, den guten Ruf<br />

des Entwicklers schützen sowie die<br />

möglichen juristischen Kosten und<br />

Öffentlichkeitsfolgen begrenzen,<br />

die das Aufreten eines Exploits zur<br />

Folge haben könnte. Darüber hinaus<br />

verlangen die Regulierungsbehörden<br />

von den Geräteentwicklern, dass<br />

sie potenzielle Exploits bereits vor<br />

der Gerätefreigabe prüfen. In den<br />

USA ist dieser Prozess ein Bestandteil<br />

der „FDA Guidance on the Content<br />

of Premarket submissions for<br />

Management of Cybersecurity“.<br />

Prozessablauf<br />

Und so läuft dieser Prozess ab:<br />

Nach jedem CVE, der sich als<br />

Exploit erwiesen hat, kann man<br />

sowohl in der NVD- als auch in<br />

der CVE-Datenbank suchen. Dabei<br />

kann die Suche anhand der Komponentenbezeichnung,<br />

der CVE-ID<br />

oder eines beliebigen Suchworts<br />

durchgeführt werden, das von Interesse<br />

ist. Nehmen wir zum Beispiel<br />

an, dass das Gerät eine Distribution<br />

von Linux verwendet. Bei der<br />

Suche nach Linux-Schwachstellen<br />

tritt eine Reihe von Problemen auf;<br />

als konkretes Beispiel könnten wir<br />

hier CVE-201911683 betrachten.<br />

Dabei handelt es sich um ein kritisches<br />

Sicherheitsproblem, das<br />

der Entwickler auf keinen Fall in seinem<br />

Produkt zulassen sollte, weil es<br />

einerseits sehr gut bekannt ist und<br />

andererseits Angriffe durch Hacker<br />

ermöglicht, bei denen es zu einer<br />

Denial-of-Service-Attacke oder zu<br />

„nicht spezifizierten weiteren Auswirkungen“<br />

kommen kann. Wenn man<br />

sich den Eintrag für diesen Defekt<br />

ansieht, ist zu erkennen, dass er in<br />

den Linux-Kernelversionen 5.0.13<br />

und höher behoben wird. Das heißt,<br />

falls der verwendete Linux-Kernel<br />

noch eine ältere Version aufweist,<br />

sollte man ein Upgrade des Produkts<br />

auf eine dieser neueren Versionen<br />

durchführen.<br />

Tools zur CVE-Ermittlung<br />

Für Open-Source-Komponenten<br />

in einem Produkt steht eine Reihe<br />

von Tools zur Verfügung, mit denen<br />

sich ermitteln lässt, ob in Ihrer Software<br />

wichtige CVE enthalten sind.<br />

Das wichtigste Tool nennt sich „cvecheck“<br />

(https://github.com/clearlinux/cve-check-tool).<br />

Dieses Tool<br />

erzeugt Berichte darüber, welche<br />

Pakete CVE enthalten, die in den<br />

verwendeten Versionen noch nicht<br />

behoben wurden, indem es eine Versionsprüfung<br />

durchführt. Mit diesen<br />

Informationen lässt sich feststellen,<br />

ob vorbeugende Handlungen ergriffen<br />

werden müssen, bevor man die<br />

Images für die Produkte als komplett<br />

betrachtet.<br />

Hersteller mögen diese Art der<br />

Überprüfung und Aktualisierung<br />

nicht, denn sie legen ihren Schwerpunkt<br />

auf die schnelle Entwicklung<br />

und Markteinführung eines Produkts.<br />

Den meisten Geräteherstellern ist<br />

es lieber, wenn ihre Ingenieure Produktprobleme<br />

lösen, anstatt eine<br />

Linux-Distribution zu verwalten und<br />

zu pflegen. Doch für die enormen<br />

Fähigkeiten, die hohe Stabilität und<br />

die breitgefächerte Community von<br />

Open Source ist ein Preis zu zahlen<br />

(Würden Sie lieber selbst eine SSL-<br />

Schicht entwickeln oder eine nutzen,<br />

die bereits weltweit erfolgreich auf<br />

zahllosen Geräten eingesetzt wird?).<br />

Entweder muss der Gerätehersteller<br />

diese Aufgabe selbst übernehmen<br />

oder eine kommerzielle Linux-Distribution<br />

einsetzen und seinen Lieferanten<br />

für diese Aufgabe verantwortlich<br />

machen.<br />

Doch die Überwachung und<br />

Sicherstellung dessen, dass<br />

bekannte Exploits behandelt werden,<br />

ist in dieser Phase nicht der einzige<br />

zu berücksichtigende Gesichtspunkt.<br />

Folgende weitere Aspekte<br />

können zur Exploit-Gefahr für ein<br />

Gerät werdenn, wenn sie unbehandelt<br />

bleiben:<br />

Zugriffskontrolle<br />

• Besteht die Möglichkeit zur Definition<br />

von verschiedenen Rollen,<br />

die Zugriff auf verschiedene Arten<br />

von Daten haben (Benutzerebene,<br />

Managementebene, Wartungsebene<br />

usw.) und ist es sicher, dass<br />

nur autorisierte Rollen Zugriff auf<br />

diese Daten haben?<br />

• Wird der Datenzugriff aus dem<br />

Internet für höhere Benutzerebenen<br />

im Vergleich zum physischen<br />

Zugriff auf das Gerät erschwert?<br />

• Ist die Ausnutzungsmöglichkeit<br />

der Authentifizierungsmethoden<br />

des Geräts für Exploits schwierig?<br />

• Werden Standardkonten und -passwörter<br />

so verwaltet, so dass sie im<br />

Feld nicht für Exploits genutzt werden<br />

können? Linux bietet zumin-<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

61


Sicherheit<br />

dest zwei unterschiedliche Methoden<br />

zur Verwaltung der Zugriffskontrolle:<br />

1) „Discretionary“ (DAC,<br />

diskretionär), das Standard-Linux-<br />

Modell für die Zugangskontrolle,<br />

und 2) „Mandatory“ (MAC, zwingend),<br />

das komplexer und sicherer<br />

ist – ein Bestandteil des SELinux-<br />

Pakets.<br />

Verschlüsselung<br />

Werden die Daten, die auf einem<br />

Gerät gespeichert sind (im internen<br />

Speicher und auch in externen<br />

Speichern) sowie zwischen diesem<br />

Gerät und anderen übertragen werden,<br />

so geschützt und verschlüsselt,<br />

dass sie nur von den Personen entschlüsselt<br />

werden können, denen<br />

der Einblick gestattet ist? Für viele<br />

potenzielle Exploits, die außenstehenden<br />

Akteuren einen Einblick in<br />

Daten gewähren würden, ist immer<br />

noch der richtige Schlüssel erforderlich,<br />

um diese entschlüsseln zu können.<br />

Die Entwickler müssen sicherstellen,<br />

dass ein anderer Mechanismus<br />

überwunden werden muss,<br />

um Zugang zu den Schlüsseln zu<br />

erhalten, als der einfache Zugriff<br />

auf einen verschlüsselten Speicher.<br />

Hardwarebasierte<br />

Sicherheitsunterstützung<br />

Viele Funktionen moderner Prozessoren<br />

tragen zur Gewährleistung<br />

der Sicherheit von Geräten<br />

und Anwendungen bei, doch<br />

es liegt in der Verantwortung des<br />

System designers, diese auszunutzen.<br />

Moderne Mikroprozessoren verfügen<br />

über solche Funktionen wie<br />

TrustZone, Cryptographic Acceleration,<br />

Trusted Platform Modules<br />

(TPMs) und andere, die dazu vorgesehen<br />

sind, die Entwicklung sicherer<br />

Designs zu beschleunigen und zu<br />

unterstützen. Das simple Vorhandensein<br />

dieser Funktionen in der<br />

Hardware erweist sich jedoch als<br />

nutzlos, solange man sie nicht nutzt.<br />

Zukunftssichere Geräte<br />

Nach der Produktfreigabe ist die<br />

Arbeit an einem Produkt aber noch<br />

nicht abgeschlossen. Schließlich ist<br />

die Anzahl bekannter Exploits eine<br />

veränderliche Größe, die täglich<br />

zunimmt. 2019 wurden innerhalb<br />

eines einzigen Jahres 12.174 CVE<br />

erstellt – das entspricht mehr als<br />

30 CVE pro Tag. Die meisten davon<br />

erweisen sich nicht als Sicherheitsprobleme.<br />

Von denen, die zu Problemen<br />

werden, treffen viele nicht<br />

auf alle Geräte zu. Das liegt daran,<br />

dass viele CVE im Zusammenhang<br />

mit älteren Versionen oder Open-<br />

Source-Komponenten gemeldet<br />

werden, oder im Zusammenhang<br />

mit Komponenten auftreten, die<br />

nicht verwendet werden. Selbst in<br />

Bezug auf den Linux-Kernel selbst<br />

wurden 2019 170 CVE gemeldet,<br />

von denen einige zu potenziellen<br />

Exploits führen.<br />

Dies lässt sich nicht verhindern.<br />

Doch der Entwickler muss sich<br />

klarmachen, dass es irgendwann<br />

geschehen wird, und dass er deshalb<br />

sicherstellen muss, dass sein<br />

Gerät darauf vorbereitet ist. Der<br />

richtige Zeitpunkt, um ein Gerät<br />

zukunftssicher zu machen, liegt<br />

noch innerhalb der Entwicklungsphase.<br />

Dann kann er sein Gerät<br />

so vorbereiten, dass es aktualisiert<br />

wird, sobald neue Exploits (und<br />

wichtige Produktdefekte) entdeckt<br />

und behoben werden. Die Regulierungsbehörden<br />

nehmen zu diesem<br />

Thema eine viel nachdrücklichere<br />

Position ein als in der Vergangenheit.<br />

Sie fordern Pläne, mit<br />

denen dieses Thema im Rahmen<br />

der Aftermarket-Planung für das<br />

Gerät behandelt wird (in den USA<br />

gemäß „Guidance for the Postmarket<br />

Management of Cybersecurity<br />

in Medical Devices“).<br />

Mirai-Botnet<br />

Aber es sind nicht nur CVE zu<br />

behandeln. Ein Exploit, der generell<br />

unter dem Namen Mirai-Botnet<br />

bekannt ist, legte im Jahre 2016 zum<br />

Beispiel große Teile des Internets<br />

lahm, indem er die Kontrolle über<br />

kleinere IoT-Geräte wie Webcams<br />

und Router übernahm und sie zur<br />

Ausführung von Distributed-Denialof-Service-Angriffen<br />

(DDoS-Angriffen)<br />

auf US-amerikanische und französische<br />

Webinfrastruktur anbieter<br />

einsetzte. Die meisten Eigen tümer<br />

infizierter Geräte haben keine Kenntnis<br />

davon, dass ihre Systeme infiziert<br />

sind, so dass Mirai (und Derivate<br />

davon) auch heute noch eine<br />

Bedrohung darstellt. Es gibt sogar<br />

aktuell hergestellte Geräte, die<br />

dagegen anfällig sind, obwohl die<br />

zugrunde liegende Ursache so<br />

einfach war, wie der Versuch, mit<br />

64 bekannten Standard-Credential-Kombinationen,<br />

wie Benutzer/Benutzer<br />

oder Benutzer/Passwort,<br />

Zugang zu einem Root-Level-<br />

Zugriffskonto zu erlangen. Da die<br />

meisten Benutzer der betroffenen<br />

Geräte die Standardeinstellungen<br />

nicht kannten oder nicht wussten,<br />

wie sie diese einfach ändern konnten,<br />

hatte das Mirai-Botnet ein leichtes<br />

Spiel bei der Übernahme dieser<br />

Geräte.<br />

Zur Gewährleistung der Zukunftssicherheit<br />

eines Geräts sind im Rahmen<br />

der Entwicklungsphase zahlreiche<br />

Überlegungen notwendig.<br />

Am wichtigsten ist jedoch, dass<br />

das Gerät oder System auf sichere<br />

Weise aktualisiert werden kann.<br />

Dazu gibt es zahlreiche Methoden<br />

und Einrichtungen, die vielfältig und<br />

komplex sind und den Rahmen dieses<br />

Artikels sprengen würden.<br />

Zur Prävention angewendete<br />

Entwicklungstechniken<br />

Wenn der Entwickler Linux und<br />

andere Open-Source-Software als<br />

Bestandteil seines Produktdesigns<br />

einsetzt, gibt es Schwachstellen im<br />

Gerät, die ihm (oder auch anderen)<br />

bekannt sind, wenn er sein Gerät<br />

für den Markt freigibt. Es geht für<br />

ihn also nicht nur darum, zum Zeitpunkt<br />

der Marktfreigabe so viele<br />

Schwachstellen wie möglich ausgemerzt<br />

zu haben, sondern er muss<br />

auch davon ausgehen, dass sich<br />

ein böswilliger Akteur irgendwann<br />

unbefugten Zugriff auf sein Gerät<br />

verschaffen kann. Für einen solchen<br />

Fall will er es dem Hacker so<br />

schwer wie möglich machen, den<br />

erlangten Zugang erfolgreich für<br />

seine Absichten zu nutzen. Es gibt<br />

keinen perfekten Schutz vor zielstrebigen<br />

Hackern, die genau wissen,<br />

welche Exploits in einem Gerät vorhanden<br />

sein können. Doch der Entwickler<br />

sollte es ihnen so schwer wie<br />

möglich machen, diese auszunutzen.<br />

Er kann sich zwar nicht vor Fehlern<br />

in den verwendeten Open-Source-<br />

Modulen schützen, aber er hat die<br />

62 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Sicherheit<br />

Kontrolle über mögliche Fehler in<br />

den eigenen Anwendungen. Die<br />

oben genannten Techniken stellen<br />

natürlich wichtige Gesichtspunkte<br />

für einen verbesserten Schutz im<br />

Produktdesign dar. Doch wie sieht<br />

es mit der Arbeitsweise bei der Entwicklung<br />

der Anwendungen aus?<br />

Exploits aufgrund von<br />

Fehlerwiederholung<br />

Die meisten Exploits kommen in<br />

Open-Source- und Anwendungssoftware<br />

aufgrund von Fehlern<br />

in der Entwicklung vor, die ständig<br />

wiederholt werden. Dereferenzierte<br />

Nullzeiger, die Freigabe von<br />

bereits freigegebenen Speicherbereichen,<br />

ein Überlauf bei Puffern<br />

fester Länge usw. sind nur einige<br />

Beispiele von Programmierfehlern,<br />

die Hacker leicht ausnutzen können,<br />

um ein Gerät zu kompromittieren.<br />

Zur Behandlung dieser Probleme<br />

können mehrere Verfahrensweisen<br />

genutzt werden. Spezielle<br />

Techniken gehen jedoch über den<br />

Rahmen dieses Artikels hinaus. An<br />

folgenden Stellen gibt es Informationen<br />

zu den jeweiligen Themen:<br />

Statische (und dynamische)<br />

Analyse<br />

Die ersten statischen Analysen,<br />

die einem wahrscheinlich begegnen,<br />

sind Warnungen, die der Compiler<br />

ausgibt. Es ist überraschend, wie<br />

viele Unternehmen dieses wertvolle<br />

Diagnosetool in der nicht empfehlenswerten<br />

Eile übersehen, ein<br />

Produkt schnell auf den Markt zu<br />

bringen. Darüber hinaus bietet die<br />

Open-Source-Community mehrere<br />

nützliche Tools zur statischen Analyse,<br />

wie „cppcheck“ und „clang“.<br />

Viele kommerzielle Lösungen sind<br />

ebenfalls erhältlich. Alle erkennen<br />

Probleme, die in normalen Programmiercode-Prüfroutinen<br />

leicht übersehen<br />

werden. Solange die Informationen<br />

aus den Berichten dieser<br />

Tools wirklich behandelt werden,<br />

lassen sich mehrere schwerwiegende<br />

Klassen von potenziellen<br />

Exploits in den Anwendungen verhindern.<br />

Verwendung eines<br />

Programmierstandards<br />

Im Allgemeinen ist der MISRA-<br />

Programmierstandard (https://<br />

MISRA.org.uk/) diesbezüglich<br />

der Goldstandard. Er bietet viele<br />

gut durchdachte Empfehlungen<br />

zur Sicherung einer Anwendung.<br />

Obwohl dieser Standard ursprünglich<br />

aus der Automobilindustrie und<br />

der Welt der Sicherheit stammt, ist<br />

er nicht speziell auf diese beiden<br />

Branchen orientiert. MISRA sollte<br />

deshalb von jedem Gerätehersteller<br />

in Betracht gezogen werden,<br />

der seine Anwendungen sichern<br />

möchte. Zu beachten ist, dass die<br />

meisten statischen Analysetools<br />

die Prüfung von Anwendungen<br />

mithilfe der MISRA-Regeln erheblich<br />

erleichtern. Obwohl es auch<br />

andere Programmierstandards gibt,<br />

stellt MISRA eine so gute Kombination<br />

sinnvoller Erkenntnisse mit<br />

bewährten Verfahren dar, dass<br />

es von Unternehmen jeder Größe<br />

implementierbar ist.<br />

SEI CERT C<br />

Ein weiterer nützlicher Programmierstandard<br />

stammt vom Software<br />

Engineering Institute in Carnegie<br />

Mellon und ist unter der Bezeichnung<br />

SEI CERT C bekannt (https://<br />

wiki.sei.cmu.edu/confluence/display/seccode).<br />

Zwischen diesem<br />

Standard und MISRA gibt es eine<br />

erhebliche Überlappung. Die SEI-<br />

Standards gehen jedoch über C<br />

und C++ hinaus und umfassen auch<br />

Android, Java und Perl.<br />

Es gibt noch viele weitere nützliche<br />

Informationsquellen, die bei<br />

der Entwicklung sicherer Software<br />

zu berücksichtigen sind. Wenn der<br />

Entwickler die oben aufgeführten<br />

Techniken bisher noch nicht anwendet,<br />

kann er an diesem Punkt beginnen<br />

und später seinen Ansatz auf<br />

eine breitere Basis stellen, sobald<br />

er einen intelligenten Programmierstandard<br />

und ein Modell zur<br />

statischen Analyse eingeführt hat.<br />

Schlussfolgerungen<br />

Zu Beginn unseres Artikels wurde<br />

die immer stärkere Verbreitung von<br />

Konnektivität in medizinischen Geräten<br />

beschrieben. Dabei kamen die<br />

Vorteile und auch die Sicherheitsrisiken,<br />

die diese Konnektivität für<br />

unser Leben mit sich gebracht hat,<br />

zur Sprache. Daraufhin wurde näher<br />

auf die zunehmende Kontrolle eingegangen,<br />

die Regulierungsbehörden<br />

wie die FDA in den Vereinigten<br />

Staaten der Integration und Pflege<br />

der Sicherheit in diesen Geräten<br />

widmen. Darüber hinaus wurde<br />

erörtert, wie die aufgeführten Herausforderungen<br />

bei der Konzeption,<br />

Entwicklung und Wartung<br />

medizinischer Geräte bewältigt<br />

werden können. Bei Beachtung der<br />

in diesem Artikel gegebenen Hinweise<br />

lassen sich folgende Vorteile<br />

erreichen:<br />

• Erschwerte Ausnutzbarkeit für<br />

Exploits,<br />

• Schutz vor bekannten und unbekannten<br />

Exploits bei Produktfreigabe,<br />

• Schnellere Aktualisierung zum<br />

Ausschluss neu entdeckter<br />

Exploits,<br />

• Erhöhte Sicherheit und das Gefühl<br />

der Sicherheit für die Kunden,<br />

dass sie auch dann geschützt<br />

sind, wenn einmal etwas passiert.<br />

Der letzte Punkt ist dabei besonders<br />

wichtig. Den Kunden ist<br />

bekannt, dass es keine völlig fehlerfreien<br />

Geräte gibt. Sie wollen aber<br />

wissen, welche Maßnahmen der<br />

Entwickler zur Minimierung eines<br />

Fehlers und seiner Auswirkungen<br />

trifft, und wie er auf den (unvermeidbaren)<br />

Fall vorbereitet ist, dass<br />

einmal etwas passiert. Die in diesem<br />

Artikel beschriebenen Methoden<br />

können nicht alle möglichen,<br />

künftig auftretenden Sicherheitsprobleme<br />

verhindern, versetzen<br />

einen jedoch in die gute Lage, derartige<br />

Probleme bei ihrem Auftreten<br />

schnell lösen zu können.<br />

Durch den Ansatz einer erhöhten<br />

Sicherheit und Begrenzung<br />

der Exposition von Geräten gegenüber<br />

Exploit-Versuchen kann<br />

man die Anfälligkeit von Geräten<br />

gegen Angriffe senken, sich besser<br />

auf den Schutz von Patientendaten<br />

einstellen und mit höherer<br />

Wahrscheinlichkeit problemlos die<br />

behördlichen Genehmigungen einholen<br />

sowie die Behandlungsergebnisse<br />

für Patienten auf der ganzen<br />

Welt verbessern. ◄<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

63


Sensoren<br />

Dauerläufer für die Kurzstrecke<br />

Langlebige LVDT-Sensoren messen kleinste Wege hochpräzise<br />

LVDT in der stereotaktischen Chirurgie © Adobe.Stock 249880233<br />

Im Bereich Medizin- und Aerospace<br />

wird häufig ein induktives<br />

Wegmess-Verfahren mit LVDT als<br />

eine ideale Methode zur kontaktlosen<br />

Messung kleinster Bewegungen<br />

bis 50 mm verwendet. LVDT-<br />

Sensoren erfordern nur wenig Einbauraum,<br />

gewährleisten eine sehr<br />

hohe Genauigkeit und sind auch<br />

unter extremen Umgebungsbedingungen<br />

einsetzbar. Sie arbeiten verschleißfrei,<br />

sodass ihre Standzeiten<br />

bei richtigem Einbau die Gesamt-<br />

Lebensdauer vieler Anlagen übertreffen.<br />

Und auch bei kleinen Wegen<br />

bietet die LVDT-Technologie exzellente<br />

Wiederholgenauigkeiten.<br />

LVDT<br />

Linear variable Differential-Transformatoren<br />

(LVDT) sind analoge<br />

Sensoren, die Bewegungen und<br />

Positionen über einen frei beweglichen<br />

Stößel oder Taster im Sensorgehäuse<br />

erfassen, wo er die Induktivitäten<br />

darin verbauter Spulen beeinflusst.<br />

Mit der direkten Umwandlung<br />

physikalischer Größen – auftretender<br />

Kräfte und Momente – in<br />

messbare Wegstrecken eignen sich<br />

Autor:<br />

Reinhard Koch,<br />

Vertriebsleiter der<br />

Inelta Sensorsysteme deren<br />

Schwesterfirmen PiL Sensoren<br />

und Vypro s.r.o<br />

Inelta Sensorsysteme<br />

www.inelta.de<br />

LVDT-Sensoren für ein sehr breites<br />

Anwendungsspektrum. In der Medizinanwendung<br />

wird die Wiederholgenauigkeit<br />

geschätzt, in Aerospace-Anwendungen<br />

die Lebensdauer<br />

und das Gewicht (Kernverlängerungen<br />

können aus Teflon<br />

statt Stahl implementiert werden).<br />

Spulen als Herz der<br />

LVDT-Sensoren<br />

Die Spulen, also die Hauptbestandteile<br />

jedes LVDT-Sensors, werden<br />

in der Regel um ein hohles Rohr<br />

aus wärmebeständigem Polymer-<br />

Fiberglas gewunden, gegen Feuchtigkeit<br />

gekapselt und mit einer hochpermeablen<br />

magnetischen Schirmung<br />

ummantelt. Da die Sensorkonstruktion<br />

sehr kompakt ist, ist<br />

die Herstellung der Geräte Präzisionsarbeit.<br />

Diese ist nicht zu<br />

unterschätzen. Speziell ausgebildete<br />

und zertifizierte Spezialisten<br />

wickeln und löten die streichholzdünnen<br />

Spulen unter dem Mikroskop.<br />

Je nach Wickeltechnik werden<br />

damit unterschiedliche erforderliche<br />

Linearitäten und Eigenschaften<br />

erreicht, um die Sensoren<br />

genau auf die Bedürfnisse der Kunden<br />

auszulegen.<br />

Unterschätzte Genauigkeit<br />

Nach wie vor werden aus<br />

Unkenntnis häufig LVDT für zahlreiche<br />

Anwendungen gar nicht erst<br />

in Betracht gezogen – unter der<br />

irrigen Annahme, bei diesen Sensortypen<br />

sei keine ausreichende<br />

Linearität gegeben oder die „Genauigkeit“<br />

unzureichend. Jedoch ist<br />

gerade ein LVDT prädestiniert, um<br />

kleinste Bewegungen hoch aufgelöst<br />

zu erkennen. Das LVDT-Messprinzip<br />

hat seine Vorteile bei kleinsten<br />

Differenzbewegungen und hat<br />

eine hervorragende Wiederholgenauigkeit.<br />

Auf dem LVDT-Anbietermarkt<br />

gibt es zwei Arten von Anbietern:<br />

Standardsensoren nach Katalogspezifikationen<br />

und einige<br />

wenige Anbieter, welche die Spezifikationen<br />

an die Anwendung<br />

anpassen können. Bei angepassten<br />

oder kundenspezifischen<br />

Versionen ist es wichtig, immer mit<br />

dem Hersteller zusammenzuarbeiten.<br />

Der Sensor lieferant muss die<br />

Anwendung verstehen.<br />

Das bekannteste Qualitätskriterium<br />

ist die Linearitätsabweichung,<br />

welche eigentlich die Nichtlinearität<br />

eines Sensors darstellt. An sie<br />

werden oft sehr hohe Ansprüche<br />

gestellt, obwohl sogar die Linearität<br />

nicht einheitlich geregelt ist. Generell<br />

stellt die Linearität die Abweichung<br />

der Messwerte zu einer unterschiedlich<br />

bestimmten Referenzgeraden<br />

dar (Bild 1).<br />

Drei differierende<br />

Linearitäten<br />

Die Berechnungsgrundlage der<br />

Linearität hängt stark vom Anwender<br />

ab. So gibt es zum Beispiel in<br />

der Literatur drei differierende Linearitäten.<br />

Die Absolute Linearität,<br />

Bild 1: Unabhängige Linearität © Inelta<br />

die Unabhängige Linearität und die<br />

Anschlussbezogene Linearität. Jede<br />

darf als Linearität bezeichnet werden,<br />

wobei sich diese drei Berechnungsformen<br />

teilweise bis zu 50 %<br />

unterscheiden können. Daher ist es<br />

wichtig das Kunde und Lieferant die<br />

gleiche Definition verwenden.<br />

Trägt man die Fehler bezogen<br />

auf den Messweg zwischen tatsächlichen<br />

Messpunkten und den<br />

zugehörigen Referenzpunkten für<br />

alle drei Linearitäten in ein Diagramm<br />

ein, erhält man folgende<br />

Übersicht (Bild 2).<br />

Anhand dieser Übersicht kann<br />

erkannt werden, dass die Absolute<br />

Linearität in diesem Beispiel<br />

Werte von ca. +1,75 % und -0,5 %<br />

aufweist, die Anschluss-bezogene<br />

immerhin noch Werte von ca. +1,5 %<br />

und -0,5 %. Bei der unabhängigen<br />

Linearität liegen diese Werte bei<br />

ca. +0,72 % und -0,9 %.<br />

Dadurch kommt es, dass die<br />

Absolute Linearität in diesem<br />

Beispiel bei ca. 1,75 % liegt, die<br />

Anschluss-bezogene Linearität bei<br />

ca. 1,5 % und die Unabhängige Linearität<br />

bei nicht einmal 1 %.<br />

Daher wird bei Datenblättern<br />

gerne auf die unabhängige Linearität<br />

zurückgegriffen, da diese Werte<br />

„besser aussehen“. Die Nachvollziehbarkeit<br />

für den Kunden ist allerdings<br />

bei der Absoluten Linearität<br />

besser gegeben. Im Zweifelsfall<br />

sollte der Hersteller Auskunft<br />

geben. Durch Abgleich kann bei<br />

einem LVDT die absolute Linea-<br />

64 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Sensoren<br />

ritätsabweichung der unabhängigen<br />

Linearität angenähert werden.<br />

Verfahrweg und Messweg<br />

Hierzu kommt nun noch die Tatsache,<br />

dass laut Norm der Bereich<br />

zum Berechnen der Linearität bei<br />

Wegsensoren, unabhängig von der<br />

Technologie des Sensors, nicht mit<br />

dem gesamten Verfahrweg identisch<br />

sein muss. Das bedeutet, dass ein<br />

Hersteller zum Beispiel von beiden<br />

Enden bis zu 20 % wegschneiden<br />

darf und die Linearitätsberechnung<br />

auf nur 60 % des Verfahrweges<br />

reduziert. Seriöse Hersteller sprechen<br />

von zwei unterschiedlichen<br />

Messbereichen, dem Verfahrweg<br />

und dem Messweg. Der Messweg<br />

ist je nach Anwendung parametrierbar<br />

(Bild 3).<br />

LVDT ist hysteresefrei<br />

Des Weiteren könnte ein System<br />

eine einwandfreie „Linearität“ (für<br />

Kunde und Hersteller) haben, das<br />

System hat aber trotzdem beim Hinweg<br />

einen anderen Wert als beim<br />

Rückweg. Daher wäre es für diesen<br />

Kunden wichtiger, von der Hysterese<br />

zu sprechen, als von der Linearität.<br />

Dieses Problem tritt bei vielen<br />

Sensortypen auf, jedoch ist ein<br />

LVDT hysteresefrei. Und damit wird<br />

der LVDT die damit zusammenhängenden<br />

Probleme der Hysteresefehler,<br />

der Wiederholgenauigkeit<br />

und der Reproduzierbarkeit nicht<br />

aufweisen.<br />

Definition Hysteresefehler:<br />

Ein Hysteresefehler ist der Distanzunterschied<br />

zwischen zwei<br />

Bild 3: Messweg und Verfahrweg © Inelta<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

aus verschiedenen Richtungen<br />

angefahrenen Referenzpunkt. Das<br />

Ausgangssignal schwankt um den<br />

gemessenen Schaltpunkt. Ein LVDT<br />

ist hysteresefrei.<br />

Definition<br />

Wiederholgenauigkeit:<br />

Es wird das Ausmaß der Übereinstimmung<br />

zwischen den Messergebnissen<br />

wiederholter Messungen mit<br />

der gleichen Messgröße unter gleichen<br />

Bedingungen gemessen. Ein<br />

LVDT ist wiederholgenau.<br />

Definition<br />

Reproduzierbarkeit:<br />

Es wird die quantitative Angabe<br />

der Abweichung voneinander unabhängiger<br />

Messwerte angegeben, die<br />

unter gleichen Bedingungen ermittelt<br />

werden. Ein LVDT liefert reproduzierbare<br />

Werte.<br />

Für den Anwender stellt sich häufig<br />

das Problem bei kurzen Messwegen,<br />

dass die Addition der oben<br />

aufgeführten möglichen Fehler zu<br />

unerwünschten Ungenauigkeiten<br />

führen. Je kürzer der Messweg, je<br />

höher die Anforderungen umso mehr<br />

addieren sich mögliche Fehlerquellen.<br />

Hier spielt ein LVDT-Wegsensor<br />

bei Weglängen von 1 mm bis<br />

400 mm seine Stärken voll aus.<br />

Messungen sind mit der Präzision<br />

von Mikrometern möglich. Lackdichten<br />

zum Beispiel können sie mühelos<br />

hochpräzise erfassen.<br />

Überlegene physikalische<br />

Eigenschaften<br />

LVDT-Sensoren sind in zahlreichen<br />

industriellen Anwendungen<br />

Bild 2: Linearitätsarten © Inelta<br />

mit hohen Anforderungen an Präzision<br />

und Ausfallsicherheit vor allem<br />

deshalb eine optimale Lösung, weil<br />

sie entscheidende Vorzüge gegenüber<br />

anderer Sensorik bieten. So<br />

ermöglicht zum Beispiel das absolute<br />

Messprinzip auch nach Unterbrechungen<br />

der Spannungsversorgung<br />

zuverlässig die Bestimmung<br />

der Sensorposition – in vielen<br />

Anwendungen ein wichtiger<br />

Aspekt. Anders als z. B. ein inkrementeller<br />

Sensor muss ein LVDT<br />

nicht stets nach dem Einschalten<br />

eine Referenzmarke anfahren. Im<br />

Gegensatz zu Linearpotentiometern,<br />

die auf mechanischem Kontakt<br />

basieren, sind LVDT-Sensoren<br />

berührungslos.<br />

Berührungslose Messung<br />

Die induktive Messwertübertragung<br />

erfolgt berührungslos und praktisch<br />

verschleißfrei. Im Sensor entsteht<br />

je nach Bauform keine oder nur<br />

sehr geringe mechanische Reibung,<br />

sodass die theoretisch unbegrenzte<br />

Auflösung nur durch das Rauschverhalten<br />

des Messkreises eingeschränkt<br />

wird. Diese Eigenschaft<br />

bildet auch die Grundlage für eine<br />

herausragende Messpunkt-Reproduzierbarkeit.<br />

Und im Vergleich zu<br />

kapazitiven Sensoren können LVDT<br />

ihre Unempfindlichkeit gegen rotative<br />

Verschiebung im Messkörper<br />

als Vorteil ausspielen: Werden die<br />

Sensoren radialem Versatz ausgesetzt,<br />

weil die zu bemessenden<br />

Körper falsch ausgerichtet oder frei<br />

beweglich sind, bleibt das Ausgangssignal<br />

davon unbeeinflusst.<br />

Absolut robust<br />

Extremen Umgebungstemperaturen<br />

gegenüber sind LVDT-Sensoren<br />

ebenfalls unempfindlich. Ein<br />

Außengehäuse aus Edelstahl, verchromtem<br />

oder vernickeltem Stahl<br />

schirmt sie zusätzlich gegen magnetische<br />

Störeinflüsse ab. Zudem sind<br />

die Geräte aufgrund des berührungslosen<br />

Messprinzips und der<br />

vergossenen elektronischen Bauteile<br />

hochgradig erschütterungsresistent.<br />

In Umgebungen mit hohem<br />

Staub- oder Schmutzaufkommen,<br />

in Atmosphären mit hoher Feuchtigkeit<br />

bis hin zur Funktion im Salzwasser<br />

oder korrosiven Gasen sind<br />

LVDT damit also häufig die bestmögliche<br />

Option. So sind z. B. bei der<br />

Schwingungsmessung von Brücken<br />

die LVDT erste Wahl – sie sind nicht<br />

nur im Umgebungsklima, sondern<br />

auch im Salzwasser beim Tidenhub<br />

im Einsatz.<br />

Vielseitig und variantenreich<br />

Da sich mit LVDT überdies nicht<br />

nur Wege messen lassen, sondern<br />

auch Größen wie z. B. Drehmoment,<br />

Kraft, Druck, Schwingung etc., die<br />

sich in Wegstrecken umformen lassen,<br />

eignen sie sich für vielfältige<br />

Steuer-, Regel- und Überwachungsaufgaben<br />

in der Fertigung. Dazu<br />

zählen beispielsweise die Lagemessung<br />

an Bauteilen oder Brücken,<br />

Ventilen, Robotern und sogar die<br />

Wachstumsmessung (z. B. Baumumfang<br />

über längere Zeiträume<br />

messen), sogar in der Neurochirurgie<br />

zur Gehirnkartierung. LVDT sind<br />

in unterschiedlichen Ausführungen<br />

erhältlich, die eine bedarfsgerechte<br />

Anpassung an geforderte Genauigkeit,<br />

Messbereiche und Auflösung<br />

sowie den zur Verfügung stehenden<br />

Einbauplatz in der Zielanwendung<br />

ermöglichen.<br />

Die häufigste Bauform sind<br />

LVDT mit Messtaster. Für diesen<br />

Typ muss keine Befestigung am<br />

zu messen den Objekt vorgenommen<br />

werden – der Kern ist stattdessen<br />

mit einer Tastspitze samt<br />

Rückstellfeder und integriertem<br />

Präzisionsgleit lager ausgestattet<br />

(Bild 4). Daneben sind Wegsen-<br />

65


Sensoren<br />

Bild 4: LVDT mit Querschnitt in einer Flugzeugturbine © Inelta<br />

Bild 5: Röntgengerät in der Onkologie<br />

hospital-oncology-scanner-x-ray/122124533 © VILevi<br />

sor-Varianten erhältlich, bei denen<br />

der Kern über ein Innengewinde mit<br />

Kernverlängerung verfügt. So kann<br />

er als Stößel direkt am sich bewegenden<br />

Objekt montiert werden.<br />

Diese Ausführung kann entweder<br />

mit einer Stößel lagerung versehen<br />

sein oder berührungslos – also ohne<br />

Kontakt zwischen Spule und Kern<br />

– arbeiten. Die technischen Spezifikationen<br />

eines LVDT sind durch<br />

anwendungsspezifische Modifikationen<br />

in einem breiten Rahmen<br />

anpassbar. Auch das Spulensystem<br />

kann je nach Bedarf unterschiedlich<br />

implementiert werden,<br />

etwa um bessere Linearitäten oder<br />

gezielt nichtlineare Ausgangskennlinien<br />

zu erreichen, das Verhältnis<br />

zwischen Messbereich und Baulänge<br />

zu optimieren oder die Temperaturkompensation<br />

zu verbessern.<br />

Fazit<br />

Das Differential-Transformator-<br />

Prinzip sorgt für hervorragende<br />

Messqualität und bietet in einer Vielzahl<br />

industrieller Anwendungen Vorteile.<br />

Da LVDT-Sensoren langlebig<br />

und robust sind und sich gut schützen<br />

lassen, sind sie für die Verwendung<br />

in rauen Umgebungen geradezu<br />

prädestiniert. Induktive Wegmesser<br />

sind kaum störempfindlich<br />

und tolerieren auch extreme Temperaturen<br />

sowie rasche Temperaturwechsel.<br />

Für Pneumatik- oder<br />

Hydraulikzylinder sind druckdichte<br />

Ausführungen erhältlich. LVDT-Varianten<br />

mit hohem IP-Schutzgrad<br />

sind auch direkt in Flüssigkeiten<br />

einsetzbar – einschließlich aggressiven<br />

Chemikalien. Dank hoher<br />

Vibrationsfestigkeit sind die Sensoren<br />

zudem gut für mobile Anwendungen<br />

gerüstet. Unproblematisch<br />

sind angesichts der Verschleißfreiheit<br />

nicht zuletzt auch Anwendungen<br />

mit besonders dichten Prüfzyklen,<br />

zum Beispiel bei der Positionsmessung<br />

an Hydraulik-Proportionalventilen<br />

oder der Verstellung von Triebwerksschaufeln<br />

wie im Bildbeispiel<br />

dargestellt.<br />

LVDT-Auszug aus<br />

aktuellen Beispielen der<br />

Medizintechnik:<br />

• Motor- und Getriebeeinheit mit Winkelsensor<br />

zur Dimmung der Laserleistung<br />

in der Ophthalmologie<br />

• Sensorbaugruppe für optomechanische<br />

Medizinprodukte<br />

• Wegsensoren für multifunktionale<br />

Diagnosegeräte<br />

LVDT-Auszug aus aktuellen<br />

Beispiele der Flugtechnik<br />

• LVDT in Hubschraubern zur Überwachung<br />

der Rotorsteigung<br />

• LVDT in hydraulischen Radialkolbenpumpen<br />

(druckfest)<br />

So funktionieren LVDT<br />

LVDT-Sensoren bestehen<br />

aus einem Spulensystem mit<br />

einer in der Mitte angebrachten<br />

Primärspule und zwei symmetrisch<br />

neben diesen installierten<br />

Sekundärspulen (Bild 6).<br />

Zur Erfassung und Übertragung<br />

der Bewegung eines Messobjekts<br />

wird ein mechanisch frei beweglicher,<br />

weichmagnetischer Kern in<br />

Form eines Stößels oder Tasters<br />

verwendet. Abhängig vom Messbereich<br />

wird an die Primärspule<br />

eine Wechselspannung mit einer<br />

Frequenz zwischen 1 und 10 kHz<br />

und einer Amplitude von 2,5 bis<br />

5 V angelegt, die eine Wechselspannung<br />

in den Sekundärspulen<br />

induziert. Je nach axialer Verschiebung<br />

des Kerns verändert<br />

sich der Kopplungsfaktor des<br />

Bild 6: Schnittbild eines LVDT-Sensors in Taster-Ausführung © Inelta<br />

LVDTs. Bei Null-Lage des Kerns<br />

ist die Kopplung auf beide Sekundärwicklungen<br />

gleich groß. Eine<br />

Auslenkung dagegen verursacht<br />

eine proportionale Veränderung:<br />

Die induzierte Spannung ist dann<br />

in der Sekundärspule, zu der sich<br />

der Kern hin verschiebt, höher<br />

als in der Spule, von der er sich<br />

entfernt. Die Differenz der beiden<br />

Spannungen ist proportional<br />

zur Kernverschiebung und<br />

kann von der Elektronik anschließend<br />

ausgewertet und in ein normiertes<br />

Ausgangssignal zwischen<br />

0…10 V bzw. 4…20 mA transformiert<br />

werden. Die zur Ansteuerung<br />

und Signalaufbereitung<br />

benötigte Elektronik lässt sich entweder<br />

integrieren oder vom Sensor<br />

absetzen. Im spezifizierten<br />

Messbereich weisen LVDT eine<br />

sehr gute Linearität und eine hervorragende<br />

Wiederholgenauigkeit<br />

und Reproduzierbarkeit auf. ◄<br />

66 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Sensoren<br />

Miniatur-LVDTs zur präzisen Messung kleinster Wege<br />

Die Fertigung von Leiterbahnstrukturen<br />

ohne Basismaterial ist<br />

für viele Leiterplattenhersteller eine<br />

Herausforderung. Doch nicht für<br />

Varioprint: Das Unternehmen realisiert<br />

vollständig fliegende Leiterbahnen<br />

für Leiterplattenanwendungen<br />

aus der Medizinbranche.<br />

Die neuartige Zwei-Lagen-Flex-<br />

Leiterplatte wurde aus Polyimid mit<br />

25 - 50 µm Dicke realisiert. Lasergebohrte<br />

Microvias mit einem<br />

Durchmesser von 75 µm verbinden<br />

die zwei Lagen miteinander.<br />

Die Microvias sind zu 90 % mit<br />

Kupfer gefüllt und die Endoberfläche<br />

wurde mit galvanischem<br />

Gold veredelt. Die einzigartige<br />

Varioprint-Lösung umfasst ein<br />

speziell entworfenes, lasergefrästes<br />

170-µm-Fenster. Die hochflexiblen<br />

Prozessparameter von Varioprint<br />

ermöglichen, eine solch fragile<br />

Außenkontur in Massenproduktion<br />

zu fertigen.<br />

Bisherige Machbarkeitsbeschränkungen<br />

und technische<br />

Hindernisse wurden in enger<br />

Zusammenarbeit mit dem Kunden<br />

überwunden und führten<br />

zu einem erfolgreichen Scaleup,<br />

bei dem alle vorgegebenen<br />

Spezifikationen erfüllt wurden.<br />

Dieser einzigartige interdisziplinäre<br />

Ansatz stellt einen Durchbruch<br />

in der Flex-Technologie für<br />

fliegende Leiterbahnen dar. Zum<br />

ersten Mal in der Geschichte von<br />

Varioprint ist es gelungen, eine<br />

reproduzierbare Lösung für Leiterbahnstrukturen<br />

ohne Basismaterial<br />

als Träger zu finden. Der<br />

moderne und zukunftsorientierte<br />

Produktionsstandort ermöglicht<br />

es Varioprint, solche anspruchsvollen<br />

technischen Anforderungen<br />

erfolgreich zu bewältigen.<br />

Mit diesen fortschrittlichen<br />

technischen Möglichkeiten verschiebt<br />

Varioprint die Grenzen<br />

der Flex-Technologie und verstärkt<br />

die Performance der Produkte<br />

ihrer Kunden.<br />

Inelta Sensorsysteme<br />

GmbH & Co. KG<br />

www.inelta.de<br />

Biokompatible Drucksensoren in verschiedenen Bauformen<br />

AMSYS bietet als Spezialist für<br />

Sensorik im Medizinbereich biokompatible<br />

Drucksensoren in verschiedenen<br />

Bauformen für die unterschiedlichsten<br />

Anwendungen an,<br />

darunter mit dem IntraSense den<br />

wohl kleinsten Absolutdrucksensor<br />

für die in-vivo Anwendung in<br />

Kathetern.<br />

Der nur 220 µm breite IntraSense<br />

Drucksensor passt dabei in die<br />

kleinsten 1 French weiten Katheter.<br />

Mit seinem weiten Druckbereich von<br />

-300..500 mmHg kann er den Blutaber<br />

auch Hirn- oder Blasendruck<br />

schnell und direkt vor Ort messen. Er<br />

wird auch als kalibrierte Version mit<br />

Niederdrucksensoren<br />

für die Medizintechnik<br />

www.amsys.de<br />

verstärktem Analog- und I²C-Ausgang<br />

angeboten. Für rasche erste<br />

Entwicklungsschritte bietet AMSYS<br />

auch ein Evaluierungskit mit USB-<br />

Anschluss und Software für erste<br />

Messungen von Druck und Temperatur<br />

fürs Prototyping an.<br />

Mit dem 1620 hat AMSYS zudem<br />

einen Relativdrucksensor im Portfolio,<br />

der zur einmaligen Verwendung<br />

z.B. in Dialysegeräten oder<br />

Oxygenatoren entwickelt wurde.<br />

Diese günstigen Sensoren decken<br />

den für medizinische Anwendungen<br />

typischen Druckbereich bis<br />

300 mmHg ab. Dabei ist er genau<br />

wie die anderen vorgestellten Drucksensoren<br />

mit ETO sterilisierbar.<br />

Der kleine barometrischer<br />

Sensor MS5839<br />

ist mit einem footprint<br />

von nur 3,3 x 3,3 mm²<br />

universell einsetzbar<br />

und mit seinem biokompatiblen<br />

Gel auch<br />

beispielsweise in der<br />

Anästhesiologie zu<br />

verwenden. Über seine<br />

I²C-Schnittstelle liefert<br />

der MS5839 das<br />

gemessene Druckund<br />

Temperatursignal<br />

hochgenau mit<br />

24 bit. Zusätzlich sind<br />

in dem Modul 6 individuelle<br />

Koeffizienten<br />

abgelegt, die die Softwarekorrektur<br />

für die Druck- und Temperaturmessung<br />

durch einen externen Mikroprozessor<br />

erlauben. Die drei vorgestellten<br />

Sensoren sind alle biokompatibel<br />

beschichtet und für den<br />

direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten<br />

geeignet; im Falle des Intra-<br />

Sense für 24 Stunden, beim 1620<br />

und MS5839 sogar für volle 7 Tage.<br />

Diese und andere Sensoren für<br />

medizinische Produkte stellt AMSYS<br />

auf der Compamed im November<br />

in Düsseldorf vor.<br />

Herausragende<br />

Eigenschaften<br />

• Biokompatibel, für den Kontakt<br />

mit Körperflüssigkeiten geeignet<br />

• Druckbereich: 300...1200 mbar<br />

(MS5839-02BA), -300...500 mmHg<br />

(IntraSense), -0...300 mmHg (1620)<br />

• Temperaturbereich: -40...85 °C<br />

(MS5839), 10...45 °C (IntraSense),<br />

5..40 °C (1620)<br />

• Schnittstellen: unverstärkt (mV),<br />

0,5...4,5 V, I²C<br />

• Keramisches Substrat<br />

• RoHS und REACH konform<br />

AMSYS GmbH & Co. KG<br />

www.amsys.de<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

67


Sensoren<br />

Kundenspezifische Druckschalter<br />

Seit 15 Jahren entwickelt und<br />

fertigt Inelta Sensorsysteme,<br />

Spezialist für Kraft-, Weg- und<br />

Längen messung, auch vollgekapselte<br />

Druckschalter für den<br />

Maschinen- und Anlagen bau,<br />

die Mobilhydraulik sowie den<br />

Geräte bau. Aus ursprünglich<br />

kundenspezifischen Entwicklungsprojekten<br />

ging ein breites<br />

Standard-Sortiment hervor,<br />

das aktuell neun Baureihen an<br />

Membran- und Kolbendruckbasierten<br />

Druck- bzw. Vakuum-<br />

Druckschaltern sowie induktive<br />

Stellungsschalter für Hydrauliksysteme<br />

umfasst. Durch die ausführungsabhängige<br />

Optimierung<br />

für mittlere bis sehr hohe Drücke<br />

und erweiterte Temperaturbereiche<br />

deckt das Programm ein<br />

weites Anwendungsspektrum ab,<br />

das von der Druckniveau-Überwachung,<br />

Druckregulation und<br />

Drucküberwachung in fluidischen<br />

Systemen mit unterschiedlichen<br />

Medien über die Medizin- bis zur<br />

Klimatechnik reicht.<br />

Alle Bau reihen zeichnen sich<br />

durch hohe Überdruck sicherheit,<br />

Schalt genauigkeit und Langlebigkeit<br />

unter extremen Anwendungsumgebungen<br />

aus. Auf Anfrage<br />

führt Inelta auch individuelle<br />

Anpassungen der Serien modelle<br />

durch oder liefert die Sensoreinheiten<br />

als integrierte Systeme für<br />

den kundenspezifischen Bedarf.<br />

Inelta Sensorsysteme<br />

GmbH & Co. KG<br />

www.inelta.de<br />

Spezialformatige Touch-Sensoren für Wearables, Handheld und Gaming-Anwendungen<br />

über einen Taster, an und können<br />

diese optisch auf ein kundenspezifisches<br />

Coverglas und Display<br />

bonden“, erklärt Diana Nanu,<br />

Produkt Manager bei Data Modul.<br />

Die Anforderungen an Displays<br />

steigen stetig und mit ihnen<br />

auch der Bedarf an Sonderformaten<br />

und immer individuelleren<br />

Produkt designs. Entsprechend<br />

dieser Marktwünsche bietet Data<br />

Modul nun neben Touch-Displays<br />

mit standardmäßig rechteckigen<br />

Touch-Sensoren auch runde und<br />

quadratische Touch-Sensoren an,<br />

mit denen auch kleine Diagonalgrößen<br />

effizient bedient werden können.<br />

„Durch die Erweiterung unseres<br />

Touch-Sensor-Portfolios um<br />

Touch-Sensoren in diesen speziellen<br />

Formaten, sind wir in der<br />

Lage moderne Touch-Lösungen<br />

auch für Märkte anzubieten, in<br />

denen standardmäßig kleine Displaygrößen<br />

und Produktdesigns im<br />

Sonderformat gefordert sind. So<br />

bieten wir jetzt auch Touch- Sensoren<br />

zur Integration in Wearables,<br />

Handheld-Geräte oder verschiedenste<br />

Gaming-Anwendungen,<br />

beispielsweise als Alternative<br />

zur mechanischen Bedienung<br />

Bei Wearables mit<br />

PCAP-Technologie<br />

stellt die Sicherstellung eines<br />

stabilen Erdungsdesigns (Grounding)<br />

eine besondere Herausforderung<br />

dar. Der Display-Experte<br />

Data Modul verfügt über langjährige<br />

Erfahrung im Bereich PCAP,<br />

Tuning sowie der Umsetzung kundenspezifischer<br />

Touch-Designs<br />

unter Berücksichtigung aller erforderlichen<br />

mechanischen und Produktdesign-Anforderungen.<br />

Mithilfe<br />

des hauseigenen Tuningtools<br />

easyANALYZER lassen<br />

sich zudem Settings und Parameter<br />

eines Touch-Displays individuell<br />

einstellen und feinjustieren<br />

und das unabhängig davon, obein<br />

Touch-Controller von MICROCHIP<br />

oder ILITEK eingesetzt wird.<br />

DATA MODUL AG<br />

www.data-modul.com<br />

68 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Sensoren<br />

Extrem kleine Temperatur-Sensoren<br />

für Foliensensoren<br />

Heraeus Nexensos und accensors starten strategische Kooperation zur Integration von miniaturisierten<br />

Temperatur-Sensoren in Foliensensoren.<br />

Drainage-Katheter mit Foliensensorsystem zur frühzeitigen Detektion von<br />

intrakorporalen Entzündungen, bestehend aus microRTD Temperatur-<br />

Element, pH-Elektrode und Referenzelektrode (© accensors)<br />

Heraeus Nexensos<br />

www.heraeus-nexensos.de<br />

Miniaturisierung spielt eine immer<br />

größere Rolle in den Bereichen der<br />

Medizinanwendungen, Diagnostik<br />

und Wearables sowie im automobilen<br />

wie auch industriellen Umfeld.<br />

Mit einer direkten Erfassung von<br />

Entzündungsparametern am Patienten<br />

können beispielsweise in der<br />

Operations-Nachversorgung sehr<br />

frühzeitig unregelmäßige Zustände<br />

detektiert werden. Foliensensoren<br />

eröffnen dabei ein sehr breites<br />

Anwendungsspektrum, indem<br />

Parameter wie pH-Wert, Leitfähigkeit,<br />

Feuchtigkeit, Druck und auch<br />

Temperatur erfasst werden. Die präzise<br />

Temperaturmessung hat dabei<br />

sowohl als Messgröße als auch als<br />

Referenzgröße für andere Sensoren<br />

eine zentrale Bedeutung.<br />

Der Temperatursensor-Experte<br />

Heraeus Nexensos und der Foliensensor-Experte<br />

accensors werden<br />

im Rahmen einer strategischen Kooperation<br />

gemeinsam Lösungen entwickeln,<br />

um den Trend der Miniaturisierung<br />

zu unterstützen und präzise<br />

Temperatursensorelemente<br />

in hochintegrierbare Foliensensor-<br />

Elemente und anwendungsspezifische<br />

Foliensensoren zu integrieren.<br />

Im Speziellen werden miniaturisierte<br />

Temperatur-Sensoren der<br />

microRTD-Reihe eingesetzt, die<br />

mit einer Grund fläche von lediglich<br />

0,6 × 0,3 mm und einer Bauhöhe von<br />

unter 40 µm neue Anwendungen<br />

ermöglichen. Die geringe Bauhöhe<br />

der innovativen Temperatursensoren<br />

erlaubt damit die direkte Integration<br />

in Foliensensoren, um eine präzise<br />

und direkte Erfassung der Temperatur<br />

zu realisieren. In Kombination<br />

mit ultra-dünnen Folien mit Materialstärken<br />

von 12 µm können äußerst<br />

flache Foliensensorsysteme mit<br />

einem Gesamtprofil unter 100 µm<br />

realisiert werden.<br />

Die beiden Partner kombinieren<br />

ihre Kompetenzen, um mittels Integration<br />

der neu entwickelten Temperatursensoren<br />

die Messgenauigkeit<br />

der Foliensensoren zu erhöhen<br />

und die Anwendungsbereiche der<br />

Foliensensortechnologie zu erweitern.<br />

Im Zusammenspiel mit weiteren<br />

Plattformen werden multiparametrische<br />

Foliensensorsysteme realisiert,<br />

um anwendungsadaptiert eine<br />

möglichst aussagefähige Zustandserfassung<br />

zu gewährleisten.<br />

„Durch die Kombination unterschiedlicher<br />

Sensortechnologien<br />

erreichen wir eine klassische Win-<br />

Win-Situation: Diesen Punkt sehen<br />

wir beim Einsatz unserer microRTD<br />

Temperatur-Sensoren in Foliensensorsystemen.<br />

Durch unsere<br />

miniaturisierten, ultra-dünnen und<br />

biegbaren Elemente bleiben die<br />

Folien sensorsysteme weiterhin flexibel<br />

und sind in eine Vielzahl von<br />

Anwendungen integrierbar.“, erläutert<br />

Christoph Hartnig, VP Business<br />

Development bei Heraeus Nexensos<br />

die Bedeutung der strategischen<br />

Kooperation.<br />

„Wir sehen den Einsatz von micro-<br />

RTD Temperatur-Sensoren als komplementäre<br />

Technologie zu unseren<br />

in Drucktechnologie hergestellten<br />

Foliensensoren. Es ist eine Synergie<br />

unserer technologischen Möglichkeiten<br />

mit dem klaren Ziel, unseren<br />

Kunden noch mehr Messgenauigkeit<br />

und eine höhere Präzision zu<br />

liefern.“ ergänzt Eike Wilhelm Kottkamp,<br />

CEO innoME/accensors.<br />

Zukunftsweisende<br />

Technologiekombination<br />

Durch die geometrische Designfreiheit<br />

und Flexibilität der Foliensensoren<br />

von accensors, kombiniert<br />

mit den hochpräzisen Temperatursensorelementen<br />

von Heraeus<br />

Nexensos, verschmelzen Printed<br />

Electronics und innovative SMD-<br />

Technologie. Die Kooperationspartner<br />

sehen diese Technologiekombination<br />

als zukunftsweisend und<br />

arbeiten an weiteren Anwendungsfeldern,<br />

in denen miniaturisierte und<br />

flexible Sensor-Plattformen die zentrale<br />

Komponente darstellen. ◄<br />

OEM-Sensoren für die Medizintechnik<br />

Flüssigkeitsdruckmessung<br />

in Ophthalmologie-Systemen<br />

Senstech AG<br />

CH-8320 Fehraltorf<br />

Telefon +41 44 955 04 55<br />

ISO 9001 · ISO 13485<br />

www.senstech.ch<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

Senstech_Ins_<strong>2022</strong>_91x66_meditronic-journal_B.indd 1 09.11.21 08:12<br />

69


Kommunikation<br />

IO-Link Wireless entfesselt die industrielle<br />

Kommunikation<br />

Der neue Kommunikationsstandard für die intelligente Fabrikautomation: Mit IO-Link Wireless entfesselt Balluff die<br />

Industrielle Kommunikation<br />

Die intelligente Kombination<br />

industrieller Netzwerke mit dem<br />

Kommunikationsstandard IO-Link<br />

ist ein wesentlicher Baustein für<br />

die Fabrik der Zukunft. Die Erweiterung<br />

des etablierten Standards ermöglicht<br />

eine zuverlässige, drahtlose<br />

Datenübertragung in der Prozess-<br />

und Fabrikautomation unter<br />

anderem an Montagemaschinen –<br />

zum Beispiel auch im Life- Science-<br />

Bereich.<br />

Enge Platzverhältnisse, mobile<br />

und dynamische Anwendungen:<br />

Die Anforderungen an Automatisierungsleistungen<br />

im industriellen<br />

Umfeld sind hoch. Für die Fabrik der<br />

Zukunft und das Industrial Internet<br />

of Things (IIoT) spielt jedoch der flexible<br />

Einsatz von intelligenten Technologien<br />

und smarten Komponenten<br />

eine elementare Rolle – nicht zuletzt,<br />

um wertvolle Daten zu generieren<br />

und zu analysieren. Ein wichtiger<br />

Baustein: die intelligente Kombination<br />

industrieller Netzwerke mit dem<br />

Autorin:<br />

Sandra Nippert,<br />

Brand Communications Manager<br />

Balluff<br />

www.balluff.com<br />

Kommunikationsstandard IO-Link.<br />

Bislang wurden dabei Sensoren und<br />

Aktoren sowie binäre oder analoge<br />

Devices über Kabel integriert. Nicht<br />

selten führte das zu einer erschwerten<br />

Implementierung einzelner Use<br />

Cases. IO-Link Wireless – eine neue<br />

kabellose IO-Link-Variante schafft<br />

hier nun Abhilfe.<br />

Nahtlose Kommunikation<br />

Als digitale Schnittstelle ermöglicht<br />

der Kommunikationsstandard<br />

IO-Link eine feldbusunabhängige<br />

Punkt-zu-Punkt-Verbindung sowie<br />

eine nahtlose Kommunikation zwischen<br />

Sensor und Automatisierungssystem:<br />

Die Wireless-Technologie<br />

entfesselt die industrielle<br />

Kommunikation, indem notwendige<br />

Leitungen und Kabel durch<br />

die berührungslose Datenübertragung<br />

überflüssig werden. Auch bei<br />

der Nach- oder Umrüstung vorhandener<br />

Anlagen kann die Nutzung<br />

von Wireless-Technologien sinnvoll<br />

sein, denn ein Eingriff in die bestehende<br />

Anlagen architektur ist hierbei<br />

nicht notwendig. IO-Link Wireless<br />

ist ein internationaler Funkstandard,<br />

der das 2,4 GHz ISM (Industrial,<br />

Scientific and Medical Band)<br />

Frequenzband nutzt. So ist dieser<br />

Standard weltweit lizenzfrei nutzbar<br />

– gleich bleibende Systemintegration<br />

und Kompatibilität garantiert.<br />

Einsatz bei der Montage von<br />

Inhalatoren<br />

„IO-Link Wireless kommt überall<br />

dort zum Einsatz, wo eine klassische<br />

Datenübertragung bisher<br />

nicht oder nur erschwert möglich<br />

war“, erklärt Balluff-Produktmanager<br />

Michael Zahlecker. Die Anwendungsbereiche<br />

sind dabei vielseitig.<br />

Neben der Robotik, in der dynamische<br />

Bewegungsabläufe auf der<br />

Tagesordnung stehen, und Transportsystemen,<br />

die oftmals unter<br />

hohen Geschwindigkeiten agieren,<br />

bietet der Einsatz von IO-Link Wireless<br />

auch im Life-Science-Bereich<br />

und in der Medizintechnik Vorteile,<br />

zum Beispiel bei der Montage von<br />

Inhalatoren.<br />

Um Skalierungseffekte zu<br />

er zielen, werden hier die dafür<br />

be nötigten Montagemaschinen<br />

möglichst modular gestaltet. Wechselbare<br />

Drehtische ermöglichen<br />

dabei unter anderem Flexibilität,<br />

kurze Umbauzeiten und eine hohe<br />

Effektivität der Gesamtanlage. Im<br />

Gegensatz zu kabelgebundenen<br />

Systemen ermöglicht IO-Link Wireless<br />

dabei eine noch effizientere<br />

und zukunftsfähigere Verwendung:<br />

Sensordaten werden drahtlos<br />

an die Steuerung übertragen.<br />

Indem induktive Koppler zur Energieversorgung<br />

verwendet werden,<br />

kann der Drehteller unkompliziert<br />

ohne Steckverbinder ausgetauscht<br />

– oder alternativ ein zweites Werkstück<br />

mit einem weiteren IO-Link<br />

Wireless Hub auf einem zusätzlichen<br />

Drehteller bearbeitet werden.<br />

Die Vorteile der Funktechnik?<br />

Eine unkompliziertere Planung und<br />

Installation, keine Abnutzung von<br />

Steckern oder Kabeln sowie eine<br />

Über den IO-Link-Master werden die intelligenten Sensoren und Aktoren mit<br />

der Steuerung verbunden<br />

70 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Kommunikation<br />

Anstatt per Kabel empfängt der<br />

Wireless-Master die Sensordaten per<br />

Funk über eine Bridge (rechts) oder<br />

einen Hub (links). Die Technologie<br />

ist damit ein wesentlicher Baustein<br />

für die Fabrik der Zukunft<br />

problemlose Skalier- und Erweiterbarkeit.<br />

Installation auch an schwer<br />

zugänglichen Stellen<br />

Generell gilt: IO-Link Wireless<br />

eignet sich besonders für solche<br />

Einsatzbereiche, die wenig Platz<br />

für Sensorik bieten, jedoch eine<br />

hohe Prozesssicherheit erfordern.<br />

Hier spielt das System seine Vorteile<br />

hinsichtlich der Robustheit aus.<br />

Ohne die Notwendigkeit einer Verkabelung<br />

können somit auch Condition<br />

Monitoring Sensoren an schwer<br />

zugänglichen Stellen installiert werden<br />

– ideal als Nachrüstung an<br />

bestehenden Lösungen. Mit der<br />

Wireless Technologie hält IO-Link<br />

Einzug in dynamischen Anwendungen<br />

mit hohen Geschwindigkeiten<br />

– einfach zu vergleichen beispielsweise<br />

mit einem fahrerlosen<br />

Transportsystem: Die Basiseinheit<br />

hält mit einer Reichweite von 10<br />

bis 20 Metern jederzeit Kontakt zu<br />

den installierten Komponenten und<br />

greift die benötigten Daten ab, um<br />

sie gesammelt zur weiteren Analyse<br />

zur Verfügung zu stellen.<br />

Neuer Kommunikationsstandard<br />

für die intelligente<br />

Fabrikautomation<br />

Mit der Erweiterung des Portfolios<br />

um eine kabellose IO-Link Variante<br />

etabliert sich ein neuer Kommunikationsstandard<br />

für die intelligente<br />

Fabrikautomation. IO-Link Wireless<br />

verspricht in allen Fällen eine noch<br />

flexiblere und nachhaltigere Anwendung:<br />

Anstatt per Kabel empfängt<br />

der Wireless-Master die Sensordaten<br />

per Funk über eine Bridge oder<br />

einen Hub. Dem Einsatz sind dabei<br />

keine Grenzen gesetzt, da IO-Link<br />

Wireless auf der standardisierten<br />

IO-Link Technologie (IEC 61131-9)<br />

aufbaut und so alle An sprüche der<br />

Fabrikautomation erfüllt.<br />

Mehr Flexibilität und<br />

Mobilität<br />

Mögliche Störungen, beispielsweise<br />

durch den gleichzeitigen<br />

Betrieb von WLAN-Systemen, sind<br />

ausgeschlossen. Die implementierte<br />

Frequency Hopping Funktion ermöglicht<br />

es, überlastete Frequenzkanäle<br />

zu vermeiden, durch zusätzliche<br />

Blacklisting können außerdem<br />

bekannte bereits belegte Kanäle<br />

direkt ausgeschlossen werden. Die<br />

Geräte kommunizieren über einen<br />

Knotenpunkt (IO-Link Master) direkt<br />

mit der Steuerung, was eine stabile<br />

und kontinuierliche Verbindung<br />

von Master zu Device sicherstellt.<br />

Dabei ist IO-Link Wireless deutlich<br />

flexibler als kabelgebundene Varianten<br />

– mit hoher Skalierbarkeit.<br />

Mit einem IO-Link Master mit fünf<br />

Tracks können über acht Ports insgesamt<br />

40 IO-Link Devices verbunden<br />

werden. Je nach Notwendigkeit<br />

in der Kundenanwendung können<br />

weitere Devices über einen zusätzlichen<br />

Master angebunden werden.<br />

Vorteile<br />

Die großen Vorteile gegenüber<br />

kabelgebundenen Varianten liegen<br />

auf der Hand: Mehr Flexibilität und<br />

Mobilität sowie eine erleichterte Planung<br />

und Installation, auch als Retrofit<br />

Lösungen, sprechen für sich. Großes<br />

Augenmerk bei der Entwicklung von<br />

IO-Link Wireless lag für Balluff auch<br />

auf der hohen Zuverlässigkeit: Eine<br />

Latenz von 5 ms sowie eine Paketdatenfehlerrate<br />

von 10 -9 ermöglichen<br />

eine direkte Anbindung sowie schnelle<br />

und zuverlässige Datenübertragung –<br />

mit derselben Kommunikationsstabilität<br />

wie der kabelgebundene IO-Link<br />

Standard. Damit liegt die Fehlerrate<br />

deutlich geringer als bei anderen<br />

Wireless-Technologien, beispielsweise<br />

WLAN, Bluetooth oder 5G. Da<br />

über IO-Link – sowohl bei kabelgebundenen<br />

wie auch Wireless Varianten<br />

– zumeist nur Prozessdaten übertragen<br />

werden, ist eine unverschlüsselte<br />

Verbindung aus reichend. Mit<br />

einer Reichweite von 10 bis 20 Metern<br />

bewegen sich die Daten außerdem in<br />

einem eingeschränkten Betriebsumfeld<br />

– Fragen zum Thema Datensicherheit<br />

stellen sich also beim Einsatz<br />

des Systems nicht.<br />

Unkomplizierte Nachrüstung<br />

in Bestandsanlagen<br />

Alle IO-Link Wireless Komponenten<br />

– Master, Bridge oder Hub –<br />

sind besonders geeignet für Retrofit-Lösungen,<br />

da sie unabhängig von<br />

der bereits bestehenden Maschinenarchitektur<br />

in Bestandsanlagen integriert<br />

werden können. Dafür müssen<br />

– im Gegensatz zu verkabelten Varianten<br />

– keine Kabelkanäle aufgebrochen<br />

oder in die Bestandsarchitektur<br />

eingegriffen werden. Produktmanager<br />

Michael Zahlecker erklärt: „Der<br />

Eingriff ist sozusagen minimalinvasiv.<br />

Für die Implementierung von IO-Link<br />

Wireless wird nur eine Spannungsversorgung<br />

benötigt. Diese ist aber<br />

in bestehenden Maschinen bereits<br />

vorhanden – zusätzliche Kabel sind<br />

also nicht notwendig“. Auch bei<br />

der Inbetriebnahme kann sich der<br />

Anwender auf den gewohnten Komfort<br />

der IO-Link Komponenten verlassen.<br />

Alle Devices sind beispielsweise<br />

über einen integrierten Webserver<br />

konfigurierbar. Auch bei modular<br />

aufgebauten Anlagenkonzepten<br />

ist IO-Link Wireless ideal geeignet,<br />

da zusätzliche Komponenten jederzeit<br />

ohne aufwendigen Eingriff in die<br />

Maschinenarchitektur ergänzt werden<br />

können.<br />

Erweiterung zu<br />

kabelgebundenen Lösungen<br />

Mit der zunehmenden Flexibilisierung<br />

in der modernen Fertigung<br />

wird einen Anstieg des Anteils<br />

an Wireless-Lösungen im industriellen<br />

Umfeld bedingen. Dabei<br />

werden diese kabelgebundenen<br />

Lösungen ergänzt. Die Kombination<br />

unterschiedlicher Lösungen<br />

eröffnet große Chancen. Zentrale<br />

Rolle spielen dabei die Anforderungen<br />

der Anwender: Wohin werden<br />

die Daten gesendet – per Funk<br />

an eine Cloud oder zur nächsten<br />

Basisstation? Werden Daten wie<br />

bei IO-Link Wireless zunächst zur<br />

nächsten Steuerung transportiert?<br />

Oder müssen Daten in Echtzeit<br />

zur Verfügung stehen? All diese<br />

Fragen beeinflussen die Kombination<br />

verschiedenster Wirelessoder<br />

kabelgebundener Lösungen.<br />

So steht IO-Link Wireless in keinerlei<br />

Konkurrenz zu kabelgebundenen<br />

Lösungen, sondern stellt<br />

eine vielversprechende Erweiterung<br />

dar.<br />

Wer schreibt:<br />

1921 in Neuhausen a. d. F.<br />

gegründet, steht Balluff mit seinen<br />

3600 Mitarbeitern weltweit für innovative<br />

Technik, Qualität und branchenübergreifende<br />

Erfahrung in<br />

der industriellen Automation. Als<br />

ein führender Sensor- und Automatisierungsspezialist<br />

bietet das<br />

Familienunternehmen in vierter<br />

Generation ein umfassendes Portfolio<br />

hochwertiger Sensor-, Identifikations-<br />

und Bildverarbeitungslösungen<br />

inklusive Netzwerktechnik<br />

und Software. ◄<br />

Die Funktionsweise von IO-Link Wireless wird unter anderem an den<br />

wechselbaren Drehtischen an Montagemaschinen deutlich: Die kabellose<br />

Variante sorgt hier für eine noch effizientere und zukunftsfähigere<br />

Verwendung des modularen Konzepts<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

71


Stromversorgung<br />

Zuverlässige Versorgung von Industrie-Mainboards:<br />

DC-ATX-Wandler mit Kontaktkühlung und<br />

6…36V-Eingang<br />

Bicker DC161W / Power+Board<br />

Lüfterlose DC-ATX-Stromversorgung für Industrie-Mainboards<br />

Bicker Elektronik GmbH<br />

info@bicker.de<br />

www.bicker.de<br />

Der lüfterlose DC-ATX-Wandler<br />

DC161W von Bicker Elektronik ist<br />

sowohl für mobile Anwendungen<br />

im 12V- bzw. 24V-Bordnetz, als<br />

auch für industrielle und medizinische<br />

Embedded-IPCs bestens<br />

geeignet. Am ATX-Ausgang stehen<br />

exakt geregelt +5 Vsb / +3,3 V /<br />

+5 V / ±12 V zur Verfügung. Der<br />

hoch effiziente DC/DC-Wandler<br />

mit 93 % Wirkungsgrad ist für den<br />

zuverlässigen 24/7-Dauerbetrieb im<br />

erweiterten Temperaturbereich von<br />

-20…+70 °C mit besonders hochwertigen<br />

Komponenten und einem<br />

robusten Schaltungsdesign ausgestattet,<br />

was sich in einer MTBF von<br />

990.000 Stunden widerspiegelt. Mit<br />

einem Weitbereichseingang von 6<br />

bis 36 VDC stellt der DC161W selbst<br />

bei starken Schwankungen der Versorgungsspannung<br />

die zuverlässige<br />

und stabile Stromversorgung<br />

des angeschlossenen Mainboards<br />

sicher und überzeugt in einer Vielzahl<br />

von Anwendungsfeldern, wie<br />

Industrie 4.0 / IIoT, Gateways, Medizintechnik,<br />

Transportation, Digital-<br />

Signage, POS/POI u.v.m.<br />

Flexibles Kabelmanagement<br />

Das Kabelmanagement-System<br />

des DC161W erlaubt den flexiblen<br />

Einsatz kundenspezifischer<br />

Kabelbaum-Lösungen. Auf Wunsch<br />

Unterseite mit passendem Wärmeleitpad für Kontaktkühlung<br />

realisiert Bicker Elektronik die komplette<br />

Konfektionierung des Kabelbaumes<br />

mit individuellen Kabellängen<br />

und Steckerverbindungen.<br />

Wärmeleitpad für<br />

Kontaktkühlung inklusive<br />

Für die optimale thermische<br />

Anbindung der Leistungsbauteile<br />

auf der Platinen-Unterseite ist im<br />

Liefer umfang des DC161W bereits<br />

ein passendes Wärmeleitkissen<br />

(Gap-Filler-Pad) enthalten. Aufgrund<br />

des sehr guten Wärmemanagements<br />

reduziert sich die Erwärmung<br />

auf ein Minimum und macht<br />

so wartungs freie Systeme ohne<br />

rotierende Lüfter möglich.<br />

Vehicle-Ignition-Funktionen<br />

Der DC161W kann sowohl im<br />

Standard-Netzteil-Modus, als auch<br />

im KFZ-Modus beispielsweise für<br />

CarPCs betrieben werden. Die<br />

zündungsabhängige ATX-Stromversorgung<br />

sowie Start und Shutdown<br />

des CarPCs können über<br />

erweiterte Timing-Modi und einen<br />

Mainboard-On/Off-Anschluss (Intel<br />

ATX 12V kompatibel) individuell<br />

konfiguriert werden. Die wählbare<br />

Autolatch-Funktion gewährleistet<br />

beispielsweise das sichere Hochund<br />

Herunterfahren des CarPCs,<br />

selbst bei einem sehr kurzen Zündungsplus.<br />

Der integrierte Tiefentladeschutz<br />

überwacht ständig die<br />

Spannung der Fahrzeugbatterie und<br />

schaltet den DC161W automatisch<br />

ab, sobald die Batteriespannung länger<br />

als eine Minute unter einen definierten<br />

Spannungswert fällt. Zusätzlich<br />

verfügt der DC161W über einen<br />

Remote-On/Off-Anschluss für den<br />

KFZ-Verstärker.<br />

Power+Board-Bundles –<br />

alles aus einer Hand!<br />

Bicker Elektronik bietet im Rahmen<br />

des Power+Board-Programms<br />

passende Industrie-Mainboards führender<br />

Hersteller wie Kontron, ASUS<br />

IoT, AAEON und Avalue. Zudem<br />

steht ein umfangreiches Portfolio<br />

Kabelmanagement-<br />

System ermöglicht Einsatz<br />

kundenspezifischer Kabelbäume<br />

72 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Produktvideo mit allen Details im Überblick: https://www.bicker.de/DC161W<br />

(Stockbild Laptop: Adobe Stock guteksk7 / #266339089)<br />

hochwertiger Systemkomponenten<br />

in Industriequalität zur Verfügung:<br />

Embedded Prozessoren,<br />

SO-/DIMM-Speichermodule, M.2<br />

Embedded Module, Erweiterungskarten,<br />

aktive und passive Kühllösungen.<br />

Mit den zuverlässigen<br />

und langzeitverfügbaren Komplettlösungen<br />

aus einer Hand lässt sich<br />

die Time-To-Market verkürzen und<br />

somit Zeit und Geld bei der Systementwicklung<br />

einsparen.<br />

Alle Produkteigenschaften<br />

im Überblick<br />

• Kontaktgekühlter DC-ATX Wandler<br />

• Ultraweiter Eingangsbereich<br />

6...36 VDC<br />

• Erweiterter Temperaturbereich<br />

-20...+70 °C<br />

• Wirkungsgrad bis 93 %<br />

• Mit Kfz-Ignition-Funktion<br />

• Keine Grundlast erforderlich<br />

• Wärmeleitpad für Gehäuse-<br />

Montage inklusive<br />

• Kabel-Management-System<br />

• POWER_ON und POWER_OK<br />

erfüllen Intel ATX 12V Design<br />

Guide Anforderungen<br />

• Höchste Zuverlässigkeit und<br />

Lebensdauer dank qualitativ hochwertiger<br />

Komponenten<br />

• Optional EMV Filter für EN 55022<br />

Klasse B lieferbar<br />

• 3 Jahre Garantie ◄<br />

Kompakte, zweifach zertifizierte Stromversorgung<br />

TDK-Lambda Germany<br />

GmbH<br />

www.emea.lambda.tdk.com<br />

Die TDK Corporation gibt<br />

die Einführung der 250 W<br />

AC/DC-Netzgeräte der<br />

CUS250-Serie von TDK-Lambda<br />

bekannt. Die Geräte haben eine<br />

Grundfläche von 2“ x 4“ und sind<br />

sowohl nach IEC 60601-1 als auch<br />

nach IEC 62368-1 für Installationen<br />

der Klasse I und der Klasse II<br />

(doppelt isoliert) zertifiziert. Zu<br />

den Zielanwendungen gehören<br />

medizinische Geräte, Geräte für<br />

die häusliche Pflege, zahnmedizinische<br />

Geräte, Prüf- und Messgeräte,<br />

Rundfunkgeräte, professionelle<br />

Audiogeräte und industrielle<br />

Geräte.<br />

Geräuschloser Betrieb<br />

Kontakt- und Konvektionskühlung<br />

ermöglichen einen vollkommen<br />

geräuschlosen Betrieb, bei<br />

Umgebungstemperaturen von<br />

-20 °C bis +50 °C ohne Einschränkungen.<br />

Mit Leistungsderating ist<br />

sogar der Betrieb bis +80 °C möglich.<br />

Mit einem forcierten Luftstrom<br />

von 1 m/s können die geschlossenen<br />

Gehäusevarianten ebenfalls die<br />

volle Ausgangs leistung von 250 W<br />

bis zu 50 °C Umgebungstemperatur<br />

abgeben. Diese Leistung reduziert<br />

sich linear auf 125 W bei Temperaturen<br />

bis 70 °C. Der Luftstrom<br />

kann hier sowohl extern im System<br />

als auch durch einen im Netzteil<br />

integrierten Lüfter bereitgestellt<br />

werden. Optional stehen für die<br />

CUS250M eine Standby-Spannung<br />

von 5 V@0,1 A, Remote On/Off<br />

sowie DC OK- und AC Fail-Signale<br />

zur Auswahl. Als mechanische Varianten<br />

stehen neben dem Standardgerät<br />

mit Metal-Baseplate auch<br />

Modelle mit U-Profil, geschlossenem<br />

Gehäuse mit integriertem Lüfter<br />

oder Platine in Kunststoffwanne<br />

zur Verfügung.<br />

Verschiedene Modelle<br />

Zunächst sind Modelle mit<br />

12 V und 24 V erhältlich, später<br />

folgen weitere Spannungen mit<br />

15 V, 18 V, 28 V, 36 V und 48 V.<br />

Die Ausgangsspannung kann<br />

vom Anwender per Poti justiert<br />

werden. Die Geräte arbeiten mit<br />

einem Weitbereichseingang von<br />

85 bis 264 Vac und der Ableitstrom<br />

beträgt weniger als 150 µA - einschließlich<br />

aller Toleranzen. Der<br />

Berührungsstrom beträgt


Stromversorgung<br />

Das leisten moderne DC/DC-Wandler<br />

Effizient, langlebig, ausfallsicher und individuell anpassbar - in Batterie-versorgten Gleichstromnetzen müssen<br />

DC/DC-Wandler hohen Ansprüchen genügen. Zumindest wünscht man sich das, aber der Weg dorthin hat viele<br />

Fallstricke.<br />

Gut geschützt und effizient: Auch mit aufwändigen Schutz- und<br />

Analysefunktionalität ausgestattet, erreichen aktuelle DC/DC-Wandler<br />

maximale Wirkungsgrade<br />

An moderne Gleichstromwandler<br />

werden die vielfältigsten Anforderungen<br />

gestellt. Dies gilt besonders,<br />

wenn sie in batterieversorgten<br />

Gleichstromnetzen eingesetzt werden.<br />

Dabei kann es sich beispielsweise<br />

um stationäre Systeme zur<br />

Netzausfallüberbrückung handeln<br />

oder auch um mobile Anwendungen<br />

etwa in den Bordnetzen von<br />

Kraftfahrzeugen aller Art. Von 60<br />

bis 9 Volt oder kurzfristig gar 6 Volt<br />

ist dabei die ganze Bandbreite von<br />

Speisespannungen möglich. Wie<br />

alle elektrischen Geräte müssen<br />

auch DC/DC-Wandler den einschlägigen<br />

EMV-Vorschriften genügen.<br />

Sie dürfen weder Störsignale aussenden,<br />

noch von Störstrahlungen<br />

beeinflusst werden. Ein aktiver Verpolungsschutz<br />

ist ebenfalls unabdingbar,<br />

damit die von ihnen versorgten<br />

Applikationen bei einer<br />

gewollten oder ungewollten Vertauschung<br />

der eingangsseitigen Polarität<br />

vor Schäden geschützt sind.<br />

Die Potentialtrennung sorgt dafür,<br />

dass die Versorgungsspannung<br />

auch im Fehlerfall niemals auf die<br />

Sekundärseite durchschlagen kann.<br />

Dank der galvanischen Trennung ist<br />

das System auch gegen Störungen<br />

durch Überspannungen gefeit. Weil<br />

im Batteriebetrieb die elektrische<br />

Energie nicht unbegrenzt zur Verfügung<br />

steht, dürfen diese Schutzmaßnahmen<br />

keinesfalls zulasten<br />

der Effizienz gehen. Dass dies nicht<br />

der Fall sein muss, beweisen verschiedene<br />

DC/DC-Wandler. Zum<br />

Beispiel hat der für den Industrieeinsatz<br />

konzipierte 72 Watt starke<br />

DC/DC-Wandler PSU-1141-08 über<br />

seinen gesamten Eingangsbereich<br />

von 9 Volt bis 32 Volt einen Wirkungsgrad<br />

über 94 Prozent. Und<br />

das bei voller Auslastung. Im Standby-Modus<br />

ohne Last sinkt die Leistungsaufnahme<br />

unter 50 Milliwatt.<br />

Wodurch der Energie-Vorrat<br />

der Batterie-Versorgung in Bereitschaft<br />

praktisch nicht be lastet wird.<br />

Wenn dann schlagartig die volle<br />

Leistung gefragt ist, verhindert eine<br />

aktive Einschaltstrombegrenzung<br />

die impulsartige Belastung des Versorgungsnetzes<br />

beim Zuschalten<br />

des Systems. Weder die Energiespeicher<br />

selbst noch parallel ange-<br />

Autor:<br />

Hermann Püthe<br />

Geschäftsführender<br />

Gesellschafter<br />

inpotron Schaltnetzteile GmbH<br />

www.inpotron.com<br />

Der PSU-1141-08 ist ein DC/DC-Wandler für den Industrieeinsatz. Er hat auf der Primärseite einen elektronischen<br />

Verpolschutz sowie eine Einschaltstrombegrenzung.<br />

74 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Stromversorgung<br />

Sichere, zuverlässige und lautlose Medizinnetzteile - ein Leben lang<br />

Der Stromversorgungshersteller<br />

PULS bietet eine komplette<br />

Serie an Medizinnetzteilen.<br />

Die Stromversorgungen<br />

sind mit 120 W (CP5.241-M1),<br />

240 W (CP10.241-M1) und 480 W<br />

(CP20.241-M1) erhältlich und erfüllen<br />

alle vorgegebenen Anforderungen<br />

zum Schutz von Patienten<br />

und Personal. Durch die Zertifizierung<br />

nach IEC 60601-1, 3rd Edition<br />

und Schutzvorkehrungen gemäß<br />

2x MOPP sind die Stromversorgungen<br />

für den sicheren Einsatz in<br />

der Patienten- und Bedienerumgebung<br />

geeignet. Auch die EMV-Vorgaben<br />

werden gemäß IEC 60601-<br />

1-2, 4. Edition vollständig erfüllt.<br />

Lüfterlose Netzteile bieten in<br />

der Medizintechnik weitere Vorteile.<br />

Die Geräte sind geräuschlos<br />

und haben eine lange Lebensdauer<br />

und geringe Ausfallwahrscheinlichkeit.<br />

Das ermöglicht<br />

einen zuverlässigen und wartungsfreien<br />

Einsatz über Jahre hinweg,<br />

auch im 24/7-Betrieb. Dank der<br />

genormten DIN-Schienen-Montage<br />

sind die Geräte einfach zu<br />

installieren. Aufgrund der kompakten<br />

Bauform benötigen die<br />

Netzteile nur wenig Einbauraum<br />

– bei beengten Platzverhältnissen<br />

in den Systemen oder<br />

aufgrund design-orientierter<br />

Formgebung<br />

sind die PULS-Produkte<br />

also ideale Mitspieler.<br />

Die Verdrahtung<br />

geht ebenfalls<br />

leicht von der Hand<br />

und kann ohne Werkzeug<br />

vorgenommen<br />

werden. Dafür sorgen<br />

die praktischen<br />

Anschlüsse mit<br />

Federzugklemmen.<br />

Mit den Stromversorgungen<br />

der CP-Serie<br />

lassen sich zuverlässige,<br />

kompakte und<br />

ausfallsichere Systeme<br />

in verschiedenen<br />

medizinischen<br />

Anwendungen in der<br />

Krankenhaustechnik,<br />

Gebäudetechnik<br />

sowie z. B. in der<br />

bildgebenden Diagnostik<br />

realisieren.Die Medizinnetzteile<br />

der CP-Serie sind als<br />

Standardprodukte sofort ab Lager<br />

verfügbar, auch über den PULS<br />

Online-Shop.<br />

PULS<br />

www.pulspower.com<br />

schlossene Baugruppen werden so<br />

geschädigt.<br />

Individuelles Design ist<br />

effizienter<br />

So unterschiedlich die Einsatzzwecke<br />

für Gleichstromwandler<br />

sind, so vielfältig sind die Anforderungen,<br />

die an ihr Design gestellt<br />

werden. Nur in den wenigsten Fällen<br />

lassen sich diese mit einem Wandler<br />

von der Stange optimal erfüllen.<br />

Mit modularen Konzepten halten<br />

sich die zusätzlichen Entwicklungskosten<br />

sowie der dafür nötige<br />

Zeitbedarf eines individuell angepassten<br />

DC/DC-Wandlers in überschaubaren<br />

Grenzen. Im Gegenzug<br />

erhält der Kunde ein ganz auf<br />

seine Bedürfnisse zugeschnittenes<br />

Produkt. Mit allen Zusatzfunktionen<br />

und Analyseinformationen,<br />

die er braucht. Es enthält etwa nur<br />

die wirklich notwendigen Kontakte<br />

und Verbindungen, überflüssige Filter<br />

oder andere Komponenten können<br />

eingespart werden. Auch das<br />

Wärmemanagement lässt sich so<br />

optimal an die Gegebenheiten des<br />

geplanten Einsatzes anpassen. Da<br />

ein mechanischer Lüfter zusätzliche<br />

Energie benötigt, störanfällig<br />

ist und etwa in medizinischen<br />

Ge räten unerwünschte Geräusche<br />

und Vibrationen erzeugt, ist der passiven<br />

Kühlung durch natürliche Konvektion<br />

der Vorzug zu geben. Das<br />

Ergebnis ist ein Gleichstromwandler,<br />

der im Dauerbetrieb rund um<br />

die Uhr zuverlässig funktioniert,<br />

für mindestens zehn Jahre oder<br />

länger. Und dabei Temperaturen<br />

zwischen -40 °C und 85 °C locker<br />

wegsteckt. Im Extremfall auch bis<br />

+95 °C. Besonders bei einer redundanten<br />

Stromversorgung, welche<br />

bei Ausfall des Wechselstromnetzes<br />

den sicheren Betrieb gewährleisten<br />

soll, ist das von essenzieller<br />

Bedeutung.<br />

Smarte Wandler als<br />

wertvolle Datenquelle<br />

Moderne Gleichstromwandler sind<br />

nicht bloß verlässliche Gleichspannungsquellen.<br />

Über gängige Industrie-Bus-Systeme,<br />

wie etwa KNX,<br />

DMX oder Asi lassen sie sich fernsteuern<br />

und stellen im Gegenzug<br />

eine Fülle von wertvollen Daten<br />

zur Systemanalyse zur Verfügung.<br />

Durch die Auswertung von Betriebszuständen<br />

wie Leistungsaufnahme,<br />

Betriebsstunden oder Temperatur<br />

lassen sich Stromnetze wirtschaftlicher<br />

und sicherer betreiben.<br />

Nimmt zum Beispiel der Energiebedarf<br />

einer versorgten Maschine im<br />

Laufe der Zeit zu, deutet dies auf<br />

eine notwendige Wartung hin. Bahnt<br />

sich eine kurzfristige Überlastung<br />

der Stromversorgungen an, können<br />

aktuell nicht benötigte Verbraucher,<br />

etwa Displays, ausgeschaltet werden.<br />

Lastspitzen werden vermieden,<br />

wenn während des Anlaufs<br />

eines DC-Motors nicht zusätzlich<br />

der Thermotransferdrucker ein Protokoll<br />

anfertigt. Vernetzte Systeme<br />

werden so zuverlässiger und stabiler<br />

mit Energie versorgt. Gleichzeitig<br />

sinken Anschaffungs- und Betriebskosten,<br />

weil die Überdimensionierung<br />

der Applikationen wegfällt. ◄<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

75


Medical-PC/SBC/Zubehör<br />

Langlebig, robust und leistungsstark<br />

Controlmaster 1019 für industrielle Anwendungen<br />

Wer elektronische Geräte im medizinischen<br />

Umfeld einsetzen möchte<br />

muss sicherstellen, dass diese Geräte<br />

entsprechend zertifiziert sind. Die<br />

Sicherheit des Patienten und des<br />

behandelnden Personals steht an<br />

erster Stelle. Dienen die Geräte zur<br />

Diagnose, Behandlung oder Überwachung<br />

von Patienten und werden sie<br />

an ein Versorgungsnetz angeschlossen,<br />

greift in diesem Fall die Norm<br />

EN 60601-1. Dabei ist nicht allein die<br />

Frage entscheidend, ob ein Energieaustausch<br />

zwischen Patient und Gerät<br />

stattfindet. Auch die Anzeige eines<br />

solchen Vorgangs ist ausreichend,<br />

um ein Gerät zertifizieren zu müssen.<br />

Die Medico Box PCs der ICO<br />

Innovative Computer GmbH erfüllen<br />

sämtliche Anforderungen und<br />

sind somit EN 60601-1 zertifiziert.<br />

Sie können direkt im Patientenumfeld<br />

eingesetzt werden. Mediziner<br />

schätzen die Geräte aber nicht nur<br />

aufgrund ihrer Zertifizierung, sondern<br />

vor allem aufgrund ihrer hervorragenden<br />

Performance und den<br />

kompakten Maßen. Auf gerade einmal<br />

301 x 243 x 130 mm bzw. 301 x<br />

295 x 130 mm können die leistungsstarken<br />

Komponenten der Medico<br />

Box PCs verbaut werden. Das lässt<br />

die Systeme äußerst platzsparend<br />

und mobil werden.<br />

Anwendungsbeispiel<br />

Ein mögliches Anwendungsbeispiel<br />

findet sich daher im Patientenzimmer<br />

selbst. Dort können die<br />

Geräte neben der Visualisierung<br />

von Prozessen auch zur Versorgung<br />

von Beatmungsgeräten des<br />

Patienten verwendet werden. Für<br />

diese Umgebung erweist sich vor<br />

allem die lüfterlose Variante des<br />

Medico Box PCs als sinnvoll.<br />

Zukunftssicher mit viel<br />

Power<br />

Ihre wahre Power entfalten die<br />

Geräte allerdings im Zusammenhang<br />

mit DICOM Prozessen. Hier<br />

kommen die Intel Core i-Prozessoren<br />

der neunten Generation zum Tragen.<br />

Die Wahl besteht zwischen dem ausgewogenen<br />

Intel Core i5-9500TE<br />

2,2 GHz- und dem performanten Intel<br />

Core i7-9700E 2,6 GHz-Prozessor.<br />

Unterstützt durch 8 GB RAM in der<br />

Basisversion (max. 32 GB) und eine<br />

128 GB große SSD, entstehen so<br />

zwei Systeme, die Zukunfts sicherheit<br />

im medizinischen Umfeld versprechen.<br />

Zur komfortablen Nutzung<br />

von DICOM Viewern und anderen<br />

Anwendungen besteht die Möglichkeit,<br />

eine lüfterlose Grafikkarte zu<br />

verbauen, die die Anzeigegeschwindigkeit<br />

enorm verbessert.<br />

Konnektivität<br />

Auch in Sachen Konnektivität sind<br />

die Medico Box PCs bestens ausgestattet.<br />

Displays können wahlweise<br />

per VGA, Displayport oder DVI<br />

angeschlossen werden. Zusätzlich<br />

stehen sechs USB-Ports, zwei Gigabit<br />

LAN-Anschlüsse und zwei serielle<br />

Schnittstellen zur Verfügung. Eine<br />

drahtlose Anbindung der Systeme<br />

an drahtlose Netzwerke ist ebenfalls<br />

unkompliziert via WLAN möglich.<br />

Mit den Medico Box PCs der ICO<br />

Innovative Computer GmbH sind folglich<br />

wichtige Bereiche und Auf gaben<br />

im medizinischen Umfeld abgedeckt<br />

und versprechen Planungssicherheit<br />

für kommende Jahre.<br />

ICO Innovative Computer<br />

GmbH<br />

www.ico.de<br />

Brillante Grafik im mini-ITX-Format mit AMD Ryzen Embedded R2000-Serie<br />

Kontron<br />

www.kontron.de<br />

Das Motherboard auf Basis der<br />

erfolgreichen „Zen+“-Mikroarchitektur<br />

der AMD Ryzen R2000-Serie<br />

eignet sich für vielseitige Grafikanwendungen<br />

und macht einen<br />

Sprung bei der Performance.<br />

Kontron stellte auf der embedded<br />

world <strong>2022</strong> das Industrie-Motherboard<br />

D3723-R mITX<br />

vor, das auf der AMD Ryzen Embedded<br />

R2000-Linie basiert und<br />

in Deutschland entwickelt wurde<br />

sowie zukünftig produziert wird.<br />

Im Vergleich zu V/R1000 APUs<br />

(Accelerated Processing Units)<br />

von AMD liefert es eine höhere<br />

Performance. Neben dem günstigeren<br />

Preis überzeugt das neue<br />

Modell auch mit Windows 11 Support<br />

und einem langen Lebenszyklus<br />

von sieben Jahren. Wie alle<br />

Kontron Motherboards mit der<br />

Bezeichnung D3xxx bzw. K3xxx<br />

wird auch das D3723-R in Deutschland<br />

produziert.<br />

Attraktives Preis-/Leistungsverhältnis<br />

Die Lösung eignet sich dank AMD<br />

Radeon Vega Graphics insbesondere<br />

für Embedded-Grafik-Applikationen<br />

wie professionelle Casino<br />

Gaming-Systeme, medizinische Displays,<br />

Thin Clients und Industrie-<br />

PCs sowie für Kiosk-, Infotainment-<br />

oder Digital-Signage-Systeme. Im<br />

Vergleich zum Vorgängermodell auf<br />

Basis der R1000 und V1000-Serie<br />

zeigt der R2000 ähnliche Features<br />

wie die V1000 SKUs. Dazu gehören<br />

16 PCIe Lanes, bis zu vier Display-Anschlüsse<br />

und eine Skalierbarkeit<br />

der verfügbaren APU SKUs<br />

von 12 bis 54 W (TDP). Windows 11<br />

Support und ein attraktives Preis-/<br />

Leistungsverhältnis sprechen eindeutig<br />

für den R2000.<br />

Brillante Grafik und bis zu<br />

vier unabhängige Displays<br />

Die im SoC integrierte AMD<br />

Radeon Vega GPU sorgt für eine<br />

76 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


Medical-PC/SBC/Zubehör<br />

Eine Klasse für sich<br />

Die neuen Kontron µATX-Motherboards K3841-Q, K3842-Q und K3843-B spiegeln den neuesten Stand der<br />

Hybrid-CPU-Technologie mit Big-Little-Konzept, DDR5-Speicher und PCI Express Gen5<br />

Kontron stellt drei µATX Motherboards<br />

vor, die die neuesten Prozessoren<br />

der 12. Generation Intel<br />

Core i Serie (LGA1700 mit 125 W<br />

TDP) sowie Intel Pentium/Celeron<br />

unterstützen. Es sind die ersten Produkte<br />

einer Reihe neuer Motherboards<br />

„designed and made in<br />

Germany“, bestehend aus Mini-<br />

ITX, µATX und ATX, die im Laufe<br />

des Jahres verfügbar sein werden.<br />

Die neue Motherboard-Familie<br />

unterstützt zudem die aktuelle<br />

DDR5-Memory-Technologie für<br />

beste Systemperformance, PCIe<br />

Gen5 und die neueste Intel LAN-<br />

Generation mit 2,5 Gbit Ethernet.<br />

Die Motherboards sind mit zwei<br />

M.2-Anschlüssen und integriertem<br />

Intel TPM 2.0 für Windows 11<br />

Support ausgestattet. Sie verfügen<br />

über eine 125 W CPU TDP<br />

einschließlich configurable Thermal<br />

Design Power, bei der sich die<br />

Verbrauchsleistung limitieren lässt.<br />

In den Hybrid-CPUs von Intel können<br />

beide Kerne, wie zum Beispiel<br />

Atom und Core i, für noch höhere<br />

Performance zusammen genutzt<br />

werden. Seit Juni sind die neuen<br />

Boards verfügbar. Auch auf der<br />

Embedded World stellte Kontron<br />

diese Motherboards vor.<br />

Zukunftsfähige<br />

Schnittstellen und Langzeitverfügbarkeit<br />

Das Industrie-Motherboard<br />

K3841-Q µATX ist mit dem performanten<br />

Intel Q670E Chipsatz<br />

mit erhöhter Zuverlässigkeit (Embedded<br />

Broad Market) ausgestattet<br />

und insbesondere für die Bereiche<br />

Medizin, Banking, Industrial Automation,<br />

Labor Diagnostik und Video<br />

Surveillance konzipiert. Das Board<br />

verfügt über drei LAN-Schnittstellen,<br />

darunter 1x Intel 219LM Premium<br />

(Unterstützung neuester<br />

Manage ability Funktionen) sowie 2x<br />

I225LM der neuen Generation mit<br />

2,5 Gbit Ethernet. Hinzu kommen<br />

vier COM-Schnittstellen, vier PCIe,<br />

darunter Gen5 und zwei x1, sowie<br />

elf USB-Schnittstellen (USB 3.2<br />

Gen2 sowie Typ C). Das K3841-Q<br />

µATX ist sieben Jahre verfügbar.<br />

Noch mehr Performance für<br />

die Bildverarbeitung<br />

Das K3842-Q µATX-Board bringt<br />

den Intel Q670 Chipsatz mit umfangreichen<br />

Manageability-Funktionen<br />

und Support für Intel Optane Speicher<br />

mit. Damit eignet sich das<br />

Board vor allem für die Integration<br />

in höherwertige Desktop PCs oder<br />

für semi-Industrielle Anwendungen,<br />

wie z. B. Viewing Stations in<br />

der Medizin. Auch hier spielen die<br />

USB-Ports Typ-C und TPM 2.0 für<br />

Windows 11 Support eine wichtige<br />

Rolle. Die Verfügbarkeit beträgt bis<br />

zu fünf Jahre.<br />

K3843-B µATX: Power im<br />

Standard-PC<br />

Für kostengünstige Systeme mit<br />

Bedarf für neueste CPU-Technologie<br />

bietet sich die Variante K3843-B<br />

µATX für den Einbau in kommerziellen<br />

Desktop PCs sowie semiindustriellen<br />

Anwendungen an. Das<br />

K3843-B ist mit dem B660-Chipsatz<br />

ausgestattet. Dabei werden alle<br />

CPUs mit bis zu 125 W TDP unterstützt.<br />

Features wie cTDP, DDR5,<br />

vier DisplayPorts, vier PCIe Gen5-<br />

Interfaces für höhere Geschwindigkeit<br />

und mehr Bandbreite sorgen für<br />

hohe Performance und Funktionalität<br />

in vielseitigen Anwendungsszenarien.<br />

Die Verfügbarkeit beträgt<br />

drei Jahre.<br />

Kontron<br />

www.kontron.de<br />

brillante Grafik und unterstützt bis<br />

zu vier unabhängige Displays in<br />

4K-Auflösung. Als Memory kommen<br />

zwei SO-DIMM-Speichermodule,<br />

schnelle DDR4-2666 oder<br />

3200 mit maximal 32 GB, Dual<br />

Channel und ECC Support zum<br />

Einsatz. Zudem wartet das Motherboard<br />

mit umfangreichen Schnittstellen<br />

auf, darunter Dual GbE,<br />

COM (RS232, RS422, RS485),<br />

USB 3.1 Gen2, M.2 (Key-M, Key-<br />

B) uvm. Ein Wide-Range DC-Input<br />

(8 - 36 V) ermöglicht zudem einen<br />

universellen Einsatz in unterschiedlichsten<br />

Anwendungen. Passend<br />

zum Motherboard ist zudem das<br />

Gehäuse-Kit SMARTCASE S711<br />

erhältlich. ◄<br />

meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />

77


Medical-PC/SBC/Zubehör<br />

Skalierbare Produktfamilie mit vielen<br />

CPU-Varianten<br />

12. Gen Intel Core Prozessoren in leistungsstarke COM Express Compact Modulfamilie integriert<br />

Komplettes Ecosystem<br />

Hoher Datendurchsatz<br />

Avnet Embedded<br />

www.avnet.com<br />

Avnet Embedded präsentierte auf<br />

der embedded world <strong>2022</strong> die leistungsstarke<br />

COM Express Type 6<br />

Modulfamilie MSC C6C-ALP, die<br />

erstmals 12. Gen Intel Core P-series<br />

und U-series Prozessoren in den<br />

schmalen COM Express Compact<br />

Formfaktor mit Abmessungen von<br />

95 x 95 mm integriert. Die skalierbare<br />

MSC C6C-ALP Produkt familie<br />

zeichnet sich durch eine breite Auswahl<br />

an CPU-Varianten aus, die sich<br />

in der Rechenleistung und Energieeffizienz<br />

unterscheiden.<br />

Vielseitig einsetzbar<br />

Die modulare COM Express<br />

Modulfamilie MSC C6C-ALP ist für<br />

den kommerziellen Umgebungstemperaturbereich<br />

von 0 bis 60 °C ausgelegt<br />

und für unterschiedliche<br />

Industrie anwendungen geeignet,<br />

die auf engem Raum eine hohe<br />

Performance verlangen. Typische<br />

Beispiele sind Anwendungen in der<br />

Medizintechnik, der Prozesssteuerung,<br />

in HMI Terminals, in Transportation<br />

Systemen und in intelligenten<br />

Kiosksystemen.<br />

Zur schnellen Entwicklung<br />

von innovativen Embedded Produkten<br />

stellt Avnet Embedded<br />

auch für ihre neue Modulfamilie<br />

MSC C6C-ALP ein komplettes<br />

Ecosystem mit passendem<br />

Starter Kit, Board Support Package<br />

und Design-in Support zur<br />

Verfügung. Darüber hinaus wird<br />

für alle Baugruppen eine Langzeitverfügbarkeit<br />

garantiert, die<br />

die getätigten Systeminvestitionen<br />

seitens der Kunden sicherstellt.<br />

Der COM Express Standard<br />

bietet zudem eine skalierbare<br />

Performance und eine<br />

Migration hin zu zukünftigen<br />

Technologie Upgrades.<br />

Mit der hochperformanten<br />

Baugruppenfamilie MSC C6C-<br />

ALP erweitert Avnet Embedded<br />

abermals ihr umfangreiches<br />

COM Express Produktportfolio<br />

im oberen Leistungssektor.<br />

Im Januar dieses Jahres<br />

wurde die Modulfamilie im COM<br />

Express Basic Formfaktor (125 x<br />

95 mm) vorgestellt, die ebenfalls auf<br />

der 12. Gen Intel Core Prozessortechnologie<br />

basiert.<br />

Technische Spezifikationen:<br />

Die kompakte COM Express<br />

Modulfamilie MSC C6C-ALP ist<br />

mit 12. Gen Intel Core P-series<br />

und U-series Prozessoren (Codename<br />

„Alder Lake P-series und<br />

U-series“) bestückt. Die neue Intel<br />

Performance Hybrid Architecture<br />

verfügt über Performance-cores<br />

und Efficient-cores, deren jeweilige<br />

Arbeitslast vom integrierten<br />

Intel Threat Director optimiert wird.<br />

Die Architektur bietet insgesamt<br />

bis zu zwölf Cores und 16 Threads<br />

bei einer Thermal Design Power<br />

(TDP) von 28 W. Für Anwendungen<br />

mit niedriger Verlustleistung<br />

können einzelne Prozessorvarianten<br />

bei 12 W betrieben werden.<br />

Die integrierte Intel Iris Xe Architecture<br />

Graphics mit bis zu 96 Execution<br />

Units (EUs) liefert eine hohe<br />

Grafik leistung.<br />

Für einen hohen Datendurchsatz<br />

sorgt die auf den Modulen implementierte<br />

schnelle LPDDR5-5200<br />

Speichertechnologie (memorydown)<br />

mit einer maximalen Kapazität<br />

von 32 GB.<br />

Die MSC C6C-ALP Module können<br />

mit dem COM Express Carrier<br />

Board über acht PCIe Gen 3 Lanes<br />

und vier PCIe Gen 4 Lanes angeschlossen<br />

werden. Die Ethernet<br />

Schnittstelle basierend auf dem Intel<br />

i226 Netzwerkcontroller liefert bis<br />

zu 2,5 GbE Bandbreite. Zusätzlich<br />

sind bis zu vier USB 3.2 Gen 1 / 2<br />

und acht USB 2.0 Ports sowie zwei<br />

UARTs verfügbar. Zur Ansteuerung<br />

von bis zu vier unabhängigen Displays<br />

sind drei DisplayPort / HDMI<br />

Interfaces, ein LVDS und Embedded<br />

DisplayPort Anschluss sowie optional<br />

VGA vorgesehen. Über zwei<br />

SATA 6 Gb/s Kanäle lassen sich<br />

Massenspeicher anbinden. Optional<br />

können die Boards mit einer<br />

NVMe SSD, die eine maximale<br />

Kapazität von 1 TB aufweist, ausgestattet<br />

werden. ◄<br />

78 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>


MADE<br />

SWISS<br />

In Silico We Trust<br />

Solving development<br />

and compliance<br />

issues of medical<br />

devices; it’s time for<br />

virtual prototyping,<br />

Sim4Life!<br />

www.zmt.swiss<br />

www.mrc-gigacomp.de

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