4-2022
Fachzeitschrift für Medizintechnik-Produktion, Entwicklung, Distribution und Qualitätsmanagement
Fachzeitschrift für Medizintechnik-Produktion, Entwicklung, Distribution und Qualitätsmanagement
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November September/Oktober November-Dezember 4/<strong>2022</strong> Jg. 1/2008 13<br />
Fachzeitschrift für<br />
Medizin-Technik<br />
meditronicjournal<br />
Europapremiere für neuen<br />
8-Megapixel-Farbmonitor<br />
Rein Medical, Seite 11
961-561d-07.21 ©2021 Kistler Group<br />
Maximale Prozesskontrolle<br />
Null-Fehler-Produktion<br />
Stellen Sie sicher, dass jedes einzelne<br />
Teil Ihren Standards entspricht<br />
Mit Kistler Technologien erreichen Sie eine maximale Zuverlässigkeit<br />
in der Qualitäts sicherung und eine Null-Fehler-Produktion.<br />
So stellen Sie sicher, dass Ihre medizinischen Komponenten zu<br />
100 Prozent normgerecht gefertigt sind.<br />
www.kistler.com/medical
Editorial<br />
Endlich wieder als „Präsenzveranstaltung“<br />
Guido Radig<br />
Provvido PR & Communications<br />
www.provvido.com<br />
Nach zwei virtuellen Durchläufen<br />
startete die 18. Rapid.Tech 3D in Erfurt im<br />
Mai <strong>2022</strong> endlich wieder durch. Diesmal<br />
aber als „Präsenzveranstaltung“ mit der<br />
bekannten Kombination der Messe Erfurt<br />
von Fachkongress und Ausstellung.<br />
Diese Kombination unterscheidet die<br />
Rapid-Tech von der anderen wichtigen<br />
Branchenveranstaltung in Deutschland, der<br />
Formnext in Frankfurt, die im November<br />
<strong>2022</strong> wieder startet.<br />
Insbesondere der Fachkongress der<br />
Rapid.Tech 3D gilt als wichtige Diskussions-<br />
Plattform der AM-Szene. Er bildet eine<br />
einzigartige Brückenfunktion zwischen<br />
Wissenschaft, Anwendern und anbietender<br />
Industrie. Im Schwerpunkt geht der<br />
Fachkongress auf Anwendungsgebiete<br />
in der Luft- und Raumfahrt, Automotive,<br />
Medizintechnik, Werkzeugbau, sowie auf<br />
digitale Prozesskette, Konstruktionsstrategien<br />
und 3D-Werkstoffe ein. Gerade die<br />
Bandbreite der Werkstoffe ist höchst<br />
faszinierend: Neben den „klassischen“<br />
Metallen, der Keimzelle der Branche,<br />
gewinnen Polymere, Silikone, Keramik oder<br />
Glas an Bedeutung.<br />
Unter dem Motto „Verstehen. Sehen.<br />
Erleben.“ trafen sich also in Erfurt die<br />
Vertreter des Additive Manufacturing „live“.<br />
Man sah Michael Kynast, Geschäftsführer<br />
der Messe Erfurt, und Prof. Dr.-Ing. Gerd<br />
Witt von der Universität Duisburg-Essen, bei<br />
der Eröffnung die Erleichterung förmlich an,<br />
wieder real auf Menschen aus der Szene zu<br />
treffen. Eine hoch dynamische AM-Branche<br />
veränderte sich in drei Jahren unübersehbar:<br />
Technologisch, potentialbasiert, wie auch<br />
seitens der Marktkräfte und Anteilseigner.<br />
Falk Heilfort von der Porsche AG brachte<br />
es in der Keynote auf den Punkt: Vor bald<br />
20 Jahren begann in Phase 1 ein Aufbruch<br />
in die neue 3D-Welt auf experimentellem<br />
Niveau. Die Maschinen- und Anlagentechnik<br />
war aus heutiger Sicht untauglich für<br />
industrielle Anwendungen und beherrscht<br />
von Grundlagenentwicklungen für das<br />
Prototyping. Eine Art Spielwiese. Dem folgte<br />
die Phase 2: Übergang in die industrielle<br />
Skalierung mit massiven Steigerungen<br />
von Bauvolumina und Bauraten. Heute,<br />
so Heilfort, befinden wir uns in Phase 3:<br />
Das industrielle Potential wird nun massiv<br />
und disruptiv ausgebaut. Das konstruktive<br />
Denken in bionischen Lösungen verändert<br />
die Produkte. Sie sehen nicht nur anders<br />
als zuvor aus. Sie sind vor allem in vielerlei<br />
Hinsicht leistungsfähiger, leichter und<br />
funktionsgesteigert.<br />
Die Lücke von fast drei Jahren zeigte auch<br />
auf, dass die Branche auf der Anbieterseite<br />
reifte, aber vor allem, dass sich heute<br />
AM verfahrens- und materialübergreifend<br />
entwickelte. Hybride Bauteillösungen zeigen<br />
sich in der Kombination von konventionell<br />
hergestellten Geometrien, die durch AM<br />
veredelt werden, aber auch in immer<br />
neuen Werkstoffen, die für AM erschlossen<br />
oder kombiniert werden. Daneben aber<br />
ist die Szene durch vielfältige Start-Ups<br />
gekennzeichnet die neue Geschäftsmodelle<br />
ausloten: Mit neuen Ideen für Verfahren,<br />
Materialien oder Konstruktionen entlang<br />
einer digitalen Prozesskette.<br />
Erfurt zeigte hier auch eindrucksvoll:<br />
Wenn sich die Lösungen hoch dynamisch<br />
entwickeln, muss man genau auf den Stand<br />
der Technik einzelner Anbieter schauen. Ein<br />
marktmächtiges Unternehmen zeigte eine<br />
neue Generation von 3D-Druckern der Photo-<br />
Polymerization. Zehn Demonstrationsteile<br />
fertigt der 3D-Drucker in 20 Stunden. Nur<br />
wenige Meter entfernt zeigte ein kleinerer<br />
Anbieter eine vergleichbare Anlage: Rund<br />
15 % teurer, aber für exakt die gleichen<br />
10 Bauteile mit einer Baurate von knapp<br />
über 4 Stunden.<br />
Ausstellung und Konferenz spiegelte auch<br />
in der Medizintechnik die hohe Dynamik<br />
der AM-Branche wider. Traditionell spielt<br />
AM in Prothetik, Zahnersatz oder bei<br />
Instrumenten eine Pionierfunktion, da man<br />
von Beginn an auf zertifizierte Materialien<br />
zurückgreifen konnte. Die Vorträge aus<br />
Wissenschaft und Industrie zeigten auf,<br />
wie neue Fertigungsstrategien entstehen.<br />
So zeigte ein Schweizer Hardware-<br />
Anbieter neue 3D-Bauteillösungen in Silikon.<br />
Anwendungsgebiete hier: Brustimplantate<br />
und Hörgeräte. Auch in diesem innovativen<br />
Ansatz erlebte man in Erfurt eindrucksvoll ,<br />
wie es ist, am Puls der Zeit zu sein.<br />
Guido Radig<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
3
Inhalt/Impressum<br />
3 Editorial<br />
4 Inhalt/Impressum<br />
6 Aktuelles<br />
10 Bildverarbeitung<br />
11 Titelstory<br />
12 Schwerpunkt<br />
Produktion<br />
31 Messtechnik<br />
32 Qualitätssicherung<br />
34 Cybersecurity<br />
40 Bedienen und Visualisieren<br />
54 Komponenten<br />
58 Künstliche Intelligenz<br />
60 Sicherheit<br />
64 Sensoren<br />
70 Kommunikation<br />
72 Stromversorgung<br />
76 Medical PC/SBC/Zubehör<br />
November September/Oktober November-Dezember 4/<strong>2022</strong> Jg. 1/2008 13<br />
Fachzeitschrift für<br />
Medizin-Technik<br />
meditronicjournal<br />
Europapremiere für neuen<br />
8-Megapixel-Farbmonitor<br />
Rein Medical, Seite 11<br />
Fachartikel in dieser Ausgabe<br />
Europapremiere für neuen<br />
8-Megapixel-Farbmonitor auf<br />
dem ECR<br />
„Building Bridges“ lautete das diesjährige<br />
Motto des Europäischen Röntgenkongresses<br />
ECR. Nach gut drei Jahren pandemiebedingter<br />
Abwesenheit kehrte die Veranstaltung damit<br />
in das Austria Center Vienna zurück. Auf dem<br />
Stand präsentierte das Unternehmen erstmals<br />
in Europa den neuen 8-Megapixel-Monitor<br />
CL-R813 sowie seine großformatigen Multi-<br />
Modality-Displays, allen voran das Flaggschiff<br />
CL-S1200. 11<br />
Fachzeitschrift für<br />
Medizin-Technik<br />
meditronicjournal<br />
■ Herausgeber und Verlag:<br />
beam-Verlag<br />
Krummbogen 14, 35039 Marburg<br />
www.beam-verlag.de<br />
info@beam-verlag.de<br />
Fax: 06421/9614-23<br />
■ Redaktion:<br />
Dipl.-Ing. Christiane Erdmann<br />
redaktion@beam-verlag.de<br />
■ Anzeigen:<br />
Myrjam Weide, Tel.: 06421/9614-16<br />
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Sabine Tzschentke, Tel.: 06421/9614-11<br />
sabine.tzschentke@beam-verlag.de<br />
Tanja Meß, Tel.: 06421/9614-18<br />
tanja.mess@beam-verlag.de<br />
■ Erscheinungsweise:<br />
5 Hefte jährlich<br />
■ Satz und Reproduktionen:<br />
beam-Verlag<br />
Smarte Verbindungstechnik:<br />
Needle Bonding mit UV-Klebstoffen<br />
Wenn Nadeln in Kunststoff- oder Glasspritzen eingesetzt und verlässlich und dauerhaft verbunden<br />
werden sollen, stellt sich die Frage nach einer geeigneten Verbindungstechnik. Die<br />
moderne Klebstofftechnologie bietet hier mit UV- oder lichthärtenden Klebstoffen meistens<br />
die beste und kostengünstigste Lösung. 24<br />
■ Druck & Auslieferung:<br />
Bonifatius GmbH, Paderborn<br />
www.bonifatius.de<br />
Der beam-Verlag übernimmt trotz sorgsamer<br />
Prüfung der Texte durch die Redaktion<br />
keine Haftung für deren inhaltliche<br />
Richtigkeit. Alle Angaben im Einkaufsführer<br />
beruhen auf Kundenangaben!<br />
Handels- und Gebrauchsnamen, sowie<br />
Waren bezeichnungen und dergleichen<br />
werden in der Zeitschrift ohne Kennzeichnungen<br />
verwendet. Dies berechtigt nicht zu<br />
der Annahme, dass diese Namen im Sinne<br />
der Warenzeichen- und Markenschutzgesetzgebung<br />
als frei zu betrachten sind und<br />
von jedermann ohne Kennzeichnung verwendet<br />
werden dürfen.<br />
Additive Fertigung mit Silikon<br />
Additiv gefertigte Bauteile werden längst nicht<br />
mehr nur für den Prototypenbau verwendet.<br />
Auch im Vorserienbau und für Serienteile wird ihr<br />
großes Potential genutzt. Für technisch einsetzbare<br />
Bauteile sind die Materialeigenschaften von<br />
entscheidender Relevanz. In diesem Bereich können<br />
3D-gedruckte Bauteile nur mit konventionell<br />
gefertigten konkurrieren, wenn sie auch die gleichen<br />
mechanischen und chemischen Eigenschaften<br />
haben. 26<br />
4 4<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
September/Oktober 4/<strong>2022</strong><br />
PCAP ist nicht gleich PCAP<br />
PCAP-Touchscreens können auf verschiedenen<br />
Sensortechnologien basieren. In diesem Beitrag geht es<br />
um kundenspezifische Aufbaumöglichkeiten im industriellen<br />
Umfeld. 44<br />
Einsatz von KI-Bildanalyse zur Erkennung und<br />
Vorbeugung von Krankheiten<br />
Die KI-Bilderkennung verbessert die Vorhersagefähigkeit von<br />
Patientenergebnissen durch Big Data Analytics. Sie wandelt die<br />
aufgenommenen Bilder in Daten um, bevor sie die Informationen analysiert,<br />
um Anomalien zu erkennen. Anhand dieser Ergebnisse können Radiologen<br />
frühe Anzeichen einer Erkrankung erkennen und einen individuellen<br />
Behandlungsplan entwickeln. 58<br />
Dauerläufer für die<br />
Kurzstrecke<br />
Sicherheit medizinischer Geräte und<br />
Erlangung behördlicher Genehmigungen<br />
Die KI-Bilderkennung verbessert die Vorhersagefähigkeit<br />
von Patientenergebnissen durch Big Data Analytics. Sie<br />
wandelt die aufgenommenen Bilder in Daten um, bevor sie<br />
die Informationen analysiert, um Anomalien zu erkennen.<br />
Anhand dieser Ergebnisse können Radiologen frühe<br />
Anzeichen einer Erkrankung erkennen und einen individuellen<br />
Behandlungsplan entwickeln. 60<br />
Im Bereich Medizin- und Aerospace<br />
wird häufig ein induktives Wegmess-<br />
Verfahren mit LVDT als eine<br />
ideale Methode zur kontaktlosen<br />
Messung kleinster Bewegungen bis<br />
50 mm verwendet. LVDT-Sensoren<br />
erfordern nur wenig Einbauraum,<br />
gewährleisten eine sehr hohe<br />
Genauigkeit und sind auch unter<br />
extremen Umgebungsbedingungen<br />
einsetzbar. 64<br />
IO-Link Wireless<br />
entfesselt die industrielle<br />
Kommunikation<br />
Die intelligente Kombination<br />
industrieller Netzwerke mit dem<br />
Kommunikationsstandard IO-Link ist<br />
ein wesentlicher Baustein für die Fabrik<br />
der Zukunft. Die Erweiterung des<br />
etablierten Standards ermöglicht eine<br />
zuverlässige, drahtlose Datenübertragung<br />
in der Prozess- und Fabrikautomation<br />
unter anderem an Montagemaschinen<br />
– zum Beispiel auch im Life- Science-<br />
Bereich. 70<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
5
Aktuelles<br />
Bestandsprodukte und MDR<br />
Weniger als zwei Jahre Zeit für neue Konformitätsbewertung<br />
Auch etwas mehr als ein Jahr<br />
nach Geltungsbeginn ist das System<br />
rund um die neue EU-Verordnung<br />
über Medizinprodukte (MDR)<br />
noch immer nicht voll funktionsfähig.<br />
Es gibt weiterhin zu wenige<br />
Benannte Stellen. Die Hersteller<br />
von Medizinprodukten haben deswegen<br />
unter anderem Probleme<br />
die erneuten Konformitätsbewertungen<br />
nach der MDR für Bestandsprodukte<br />
durchzuführen.<br />
Autor:<br />
Hans-Peter Bursig,<br />
Geschäftsführer Fachverband<br />
Elektromedizinische Technik<br />
ZVEI<br />
www.zvei.org<br />
Artikel 120 der MDR erlaubt<br />
es Herstellern zwar, ihre Medizinprodukte<br />
mit einer CE-Kennzeichnung<br />
nach der früheren<br />
Medizinprodukte-Richtlinie der<br />
EU (MDD) weiter in den Mitgliedstaaten<br />
der Europäischen Union<br />
in Verkehr zu bringen, solange<br />
die entsprechenden Zertifikate<br />
auf Basis der MDD noch gültig<br />
sind. Dies ist aber an zwei Bedingungen<br />
geknüpft: Zum einen dürfen<br />
an den Medizinprodukten seit<br />
dem Geltungsbeginn der MDR<br />
keine wesentlichen Änderungen<br />
vorgenommen worden sein und<br />
zum anderen endet die Gültigkeit<br />
dieser Zertifikate spätestens<br />
am 26. Mai 2024. Bis zu diesem<br />
Zeitpunkt müssen die Hersteller<br />
ihre Bestandsprodukte also<br />
einer erneuten Konformitätsbewertung<br />
nach der MDR unterzogen<br />
haben, wenn diese Produkte<br />
weiter in Verkehr gebracht<br />
werden sollen.<br />
Aktuelle Übersicht<br />
Nach einer aktuellen Übersicht<br />
der europäischen Arbeitsgemeinschaft<br />
der Benannten Stellen werden<br />
bis zum Mai 2024 mehr als 18.000<br />
Zertifikate nach der MDD ihre Gültigkeit<br />
verlieren. Der größte Teil dieser<br />
Zertifikate wird im Jahr 2024 auslaufen.<br />
Kurz vor Ende der Frist nach<br />
Artikel 120 könnten die Benannten<br />
Stellen also mit einer besonders<br />
hohen Belastung bei der Überprüfung<br />
von Bestandsprodukten konfrontiert<br />
werden. Die Hersteller von<br />
Medizinprodukten müssen deshalb<br />
die Situation bei den Bestandsprodukten<br />
sehr sorgfältig prüfen und mit<br />
ihrer Benannten Stelle das weitere<br />
Vorgehen besprechen.<br />
Verändertes<br />
Bestandsprodukt<br />
Dabei können verschiedene Fälle<br />
auftreten: Einige Bestandsprodukte<br />
sollen möglicherweise tatsächlich<br />
technisch unverändert weiterhin in<br />
der EU auf den Markt gebracht werden.<br />
In diesen Fällen ist die erneute<br />
Konformitätsbewertung nach den<br />
Regeln der MDR notwendig. Falls<br />
das Produkt unter der MDR anders<br />
klassifiziert wird als bisher, müssen<br />
die Unterlagen für die Konformitätsbewertung<br />
von Grund auf<br />
neu erstellt werden. Der Hersteller<br />
muss bereits eine Benannte Stelle<br />
nach der MDR haben und die Unterlagen<br />
für die Konformitätsbewertung<br />
nach der MDR zügig erstellen können.<br />
Dieser Fall ist für die Hersteller<br />
aber vergleichsweise einfach<br />
zu planen, weil der Zeitpunkt, zu<br />
dem das MDD-Zertifikat ausläuft,<br />
ein klares Datum vorgibt. Spätestens<br />
zu diesem Termin muss die<br />
neue Konformitätsbewertung abgeschlossen<br />
sein.<br />
Unveränderte<br />
Bestandsprodukte<br />
Allerdings ist auch die Anzahl<br />
der unveränderten Bestandsprodukte,<br />
die neu bewertet werden<br />
müssen, zu beachten. Eine<br />
gute Vorbereitung ist notwendig,<br />
wenn eine große Zahl von unveränderten<br />
Bestandsprodukten<br />
zum selben Termin neu bewertet<br />
werden muss.<br />
Bei anderen Bestandsprodukten<br />
entscheidet sich der Hersteller möglicherweise,<br />
auf eine erneute Konformitätsbewertung<br />
des unveränderten<br />
Bestandsprodukts nach<br />
der MDR zu verzichten. Das kann<br />
der Fall sein, wenn ein wesentlich<br />
verändertes Nachfolgeprodukt mit<br />
aktueller Technik oder ein komplett<br />
neu entwickeltes Produkt unter der<br />
MDR neu auf den Markt gebracht<br />
werden soll. In diesem Fall muss<br />
der Hersteller mit seiner Benannten<br />
Stelle den Ablauf der Konformitätsbewertung<br />
sorgfältig planen,<br />
wenn zwischen dem Auslaufen des<br />
MDD-Zertifikates des unveränderten<br />
Bestandsprodukts und der Konformitätsbewertung<br />
des neuen Medizinprodukts<br />
nach der MDR kein oder<br />
ein nur geringer zeitlicher Abstand<br />
bestehen soll.<br />
Genügend Zeit einplanen<br />
Dieser zweite Fall ist für Hersteller<br />
und Benannte Stellen deshalb<br />
schwieriger zu planen. Der Termin,<br />
zu dem das MDD-Zertifikat<br />
des unveränderten Bestandsprodukts<br />
ausläuft, ist vorgegeben. Der<br />
Zeitpunkt, zu dem eine CE-Kennzeichnung<br />
des neuen Medizinprodukts<br />
möglich ist, lässt sich dagegen<br />
nicht sicher bestimmen. Zum<br />
einen müssen die Unterlagen für<br />
die Konformitätsbewertung nach<br />
der MDR von Anfang an neu erstellt<br />
werden. Den Herstellern fehlen bisher<br />
Erfahrungswerte, um absehen<br />
zu können, wie viel Zeit im konkreten<br />
Fall benötigt wird. Wie lange<br />
die Bewertung durch die Benannte<br />
Stelle in Anspruch nehmen wird,<br />
kann im Moment ebenfalls nicht<br />
sicher beurteilt werden. Sowohl<br />
dem Hersteller wie der Benannten<br />
Stelle fehlt es auch hier an Erfahrungswerten<br />
mit der MDR und den<br />
neuen Anforderungen, um einschätzen<br />
zu können, wie lange eine Überprüfung<br />
dauert und welche Fragen<br />
bei der Bewertung der Unterlagen<br />
auf tauchen können.<br />
Fazit<br />
Die Anwendung der MDR bleibt<br />
für die Hersteller von Medizinprodukten<br />
also eine große Herausforderung,<br />
auch wenn immer mehr<br />
Hersteller die notwendige Zertifizierung<br />
ihres Qualitätsmanagementsystems<br />
für die MDR erhalten. Und<br />
es bleiben insgesamt weniger als<br />
zwei Jahre Zeit, um die Bestandsprodukte<br />
einer neuen Konformitätsbewertung<br />
nach der MDR zu unterziehen.<br />
Jeder Hersteller von Medizinprodukten<br />
sollte hierfür im eigenen<br />
Interesse einen Plan erstellt<br />
haben und regelmäßig überprüfen,<br />
wie es um die Umsetzung steht. ◄<br />
6 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Aktuelles<br />
EVOSYS mit der Auszeichnung<br />
BAYERNS BEST 50 geehrt<br />
Von links nach rechts: Hubert Aiwanger, Frank Brunnecker, Stephanie<br />
Brunnecker, Melanie Aldebert, Holger Aldebert, Stefan Schmal (Jury)<br />
Evosys Laser GmbH<br />
www.evosys-group.com<br />
An die Evosys Laser GmbH aus<br />
Erlangen ist der Preis „BAYERNS<br />
BEST 50“ verliehen worden. Die<br />
Auszeichnung wird jährlich vom<br />
Bayerischen Staatsministerium<br />
für Wirtschaft, Landesentwicklung<br />
und Energie an die 50 wachstumsstärksten<br />
mittelständischen Unternehmen<br />
Bayerns vergeben. Ausschlaggebend<br />
war, dass die Zahl<br />
der Mitarbeiter und des Umsatzes<br />
in der EVOSYS Gruppe innerhalb<br />
der letzten Jahre überdurchschnittlich<br />
gesteigert werden konnte.<br />
Das Erlanger Unternehmen entwickelt<br />
und fertigt Laserschweißanlagen<br />
für die Bearbeitung von Kunststoffen.<br />
Eingesetzt werden diese z.B.<br />
in der Automotive-, Medizintechnikoder<br />
Consumerprodukt-Industrie.<br />
Das Laserschweißen von Kunststoffen<br />
ist ein etabliertes und weit<br />
verbreitetes Fertigungs verfahren.<br />
Es wird vor allem wegen seiner<br />
Zuverlässigkeit, Sauberkeit und<br />
Wirtschaftlichkeit geschätzt.<br />
Nun wurde an EVOSYS der Preis<br />
„BAYERNS BEST 50“ verliehen. Ziel<br />
des Wirtschaftspreises ist es unternehmerische<br />
Verantwortung zu fördern<br />
und damit Chancen für Wachstum<br />
und Beschäftigung zu schaffen.<br />
Fast 7.000 Unternehmen waren aufgefordert,<br />
ihre Bewerbungen abzugeben.<br />
Die Auszeichnung erhalten<br />
besonders wachstumsstarke Mittelständler,<br />
die in den letzten Jahren<br />
die Zahl ihrer Mitarbeiter und ihren<br />
Umsatz überdurchschnittlich steigern<br />
konnten.<br />
Die Preisverleihung fand am<br />
Dienstag, den 26. Juli im Schloss<br />
Schleißheim in München statt. Eine<br />
unabhängige Jury, die deutsche<br />
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft<br />
Mazars, hatte die Preisträger im<br />
Vorfeld ermittelt. Der Bayerische<br />
Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger<br />
gratulierte den Gewinnern persönlich<br />
und zeichnete sie mit dem<br />
begehrten Wirtschaftspreis aus.<br />
„Wir betrachten den Preis‚<br />
BAYERNS BEST 50‘ als große Anerkennung<br />
für unsere bisherigen unternehmerischen<br />
Leistungen, insbesondere<br />
unter den herausfordernden<br />
Rahmen bedingungen der letzten<br />
Jahre.“ freuen sich Frank Brunnecker<br />
und Holger Aldebert, Geschäftsführer<br />
der Evosys Laser GmbH.<br />
Über EVOSYS:<br />
Die Evosys Laser GmbH entwickelt<br />
und fertigt am Standort<br />
Erlangen maßgeschneiderte Systeme<br />
für das Laserschweißen von<br />
Kunststoffen. Mit der langjährigen<br />
Markt- und Prozesserfahrung seiner<br />
Mitarbeiter bietet das Unternehmen<br />
weltweit kreative und<br />
innovative Lösungen zur Integration<br />
in Automatisierungslösungen.<br />
Ein Dienstleistungspaket von<br />
der Design beratung über Mustererstellung<br />
im eigenen Technikum<br />
rundet das Angebotsspektrum ab.<br />
Das Unternehmen wurde bereits<br />
mehrfach prämiert wie zum Beispiel<br />
die Auszeichnung zum TOP<br />
100 Innovations-Champion 2020.<br />
Auch gab es Nominierungen zu<br />
begehrten Wirtschaftspreisen wie<br />
‚Großer Preis des Mittelstandes‘<br />
oder den Bayerischen Gründerpreis.<br />
Es bestehen intensive Kontakte<br />
zum Hochschulstandort Erlangen-<br />
Nürnberg und zum Bayerischen<br />
Laserzentrum.<br />
Die Evosys Gruppe besteht<br />
aktuell aus vier Unternehmen,<br />
der Muttergesellschaft Evosys<br />
Laser GmbH, dem Tochterunternehmen<br />
Evosys Laser Services<br />
GmbH sowie den Niederlassungen<br />
Evosys (Suzhou) Laser System<br />
Co., Ltd. in China und Evosys<br />
North America Corp. in den USA.<br />
Die Evosys Laser GmbH konnte<br />
ihren Umsatz zuletzt gut steigern<br />
und schafft mit ihren Laser anlagen<br />
zahlreiche Arbeitsplätze. Dem<br />
Erlanger Unternehmen wurde deshalb<br />
der Preis „BAYERNS BEST<br />
50“ verliehen. ◄<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
7
Aktuelles<br />
3D-Simulator für Strahlentherapie<br />
Dassault Systèmes, das H. HARTMANN-Institut und das Institut Rafaël starten VORTHEx-Projekt –<br />
den weltweit ersten 3D-Simulator für Strahlentherapie<br />
Dassault Systèmes<br />
www.3ds.com/de/<br />
Eckpunkte im Überblick<br />
• Das Projekt nutzt virtuelle Realität, um Patienten auf ihre Strahlentherapie<br />
vorzubereiten und damit ihr Wohlergehen zu unterstützen<br />
• Über virtuelle Zwillinge von medizinischen Geräten, Umgebung<br />
und Abläufen machen sich Patienten mit der Strahlentherapie vertraut<br />
und werden dadurch besser auf die Behandlung vorbereitet<br />
• Das Projekt stützt sich auf das technische Know-how und die<br />
Ausstattung des 3DEXPERIENCE-Lab von Dassault Systèmes<br />
Dassault Systèmes, das Institut<br />
H. HARTMANN und das Institut<br />
Rafaël gaben den Start des<br />
VORTHEx-Projekts bekannt, des<br />
ersten vollständig in 3D simulierten<br />
Strahlentherapieraums weltweit.<br />
Das Institut H. HARTMANN ist das<br />
erste private Strahlentherapiezentrum<br />
in Frankreich und Teil des<br />
französischen Gesundheitsdienstleisters<br />
ELSAN. Das Projekt ermöglicht<br />
es den Patienten, ihre Behandlung<br />
durch modernste Technologien<br />
vorab virtuell zu erleben. So werden<br />
sie während ihrer Erkrankung unterstützt<br />
und ihr Wohlbefinden während<br />
der Behandlung verbessert.<br />
Therapieraum als virtueller<br />
Zwilling<br />
Der Therapieraum des VORTHEx-<br />
Projekts ist ein virtueller Zwilling<br />
eines neuen Raums des H. HART-<br />
MANN-Instituts für Strahlentherapie<br />
und Radiochirurgie. Er befindet<br />
sich in der Nähe der Arztpraxen und<br />
Behandlungsräume des französischbritischen<br />
Krankenhauses der französischen<br />
Stadt Levallois-Perret und<br />
ist mit dem neuesten Cyberknife-<br />
Roboter des US-Herstellers Accuray<br />
ausgestattet. Die 3D-Simulation<br />
bildet die technischen Details<br />
und Abläufe der Behandlung genau<br />
nach. Dies umfasst den Raum, den<br />
Roboterarm, die Position des Patienten<br />
sowie die Bedingungen und<br />
Schritte der Sitzungen. Das virtuelle<br />
Erleben lässt sich leicht in den<br />
Behandlungsplan des Patienten integrieren<br />
und wird von medizinischen<br />
Fachkräften des H. HARTMANN-<br />
Instituts überwacht, die den Patienten<br />
während der gesamten Sitzung<br />
begleiten.<br />
Patienten verständlicher<br />
aufklären<br />
Allein in Frankreich erkranken<br />
jährlich etwa 400.000 Menschen<br />
neu an Krebs. 60 Prozent<br />
von ihnen werden im Laufe ihrer<br />
Behandlung einer Strahlentherapie<br />
unterzogen. Die Strahlentherapie<br />
konnte in den letzten Jahren<br />
beträchtliche Fortschritte in Bezug<br />
auf Effizienz und Präzision erzielen.<br />
Dennoch kann ein durch die<br />
Krankheit geschwächter Patient<br />
den Bestrahlungsraum als beängstigend<br />
empfinden. Angesichts der<br />
Abläufe, der medizinischen Aufklärungsgespräche<br />
und der Tatsache,<br />
dass sie letztlich auf einem Behandlungstisch<br />
liegen, fällt es den Patienten<br />
oft schwer, sich darauf einzustellen.<br />
Eine gute Unterstützung<br />
spielt eine entscheidende Rolle im<br />
Kampf gegen die Krankheit. Das<br />
VORTHEx-Projekt zielt darauf ab,<br />
die Patienten mit dem Behandlungsort<br />
und den Geräten vertraut<br />
zu machen, damit sie sich wohler<br />
fühlen, ihre Ängste abbauen und<br />
ein besseres Verständnis für die<br />
Behandlung entwickeln.<br />
Patientenmeinungen<br />
„Das Projekt unterstützt unseren<br />
Behandlungsplan und ist eine sehr<br />
realistische und interessante Ergänzung.<br />
Der Arzt führt vor der Strahlentherapie<br />
selbstverständlich ein<br />
Aufklärungsgespräch, aber nicht<br />
alles wird man sich merken können.<br />
Dank der Visualisierung werden die<br />
Sachverhalte verständlicher. Bilder<br />
sind oft besser als 1.000 Worte. Zu<br />
wissen, was auf einen zukommt, ist<br />
immer besser, als im Ungewissen<br />
zu sein“, sagte Christian E., Patient.<br />
„Das ist wirklich eine beeindruckende<br />
Erfahrung. Man taucht förmlich<br />
in das Geschehen ein. Alles ist<br />
klar, präzise, gut gemacht und angenehm.<br />
Das beruhigt mich – was mir<br />
vor Beginn der Behandlung sehr<br />
wichtig ist. Dank dieser Lösung kann<br />
ich besser verstehen, was auf mich<br />
zukommt“, sagte Marc N., Patient.<br />
„Ich hatte Angst – aber diese<br />
Lösung hat es mir ermöglicht,<br />
Abstand zu gewinnen, mich konzentriert<br />
auf die Strahlentherapie vorzubereiten<br />
und mich zu beruhigen.<br />
Ich sehe darin eine Ergänzung, die<br />
uns mit vielen weiteren Details vertraut<br />
macht und bestimmte Fragen<br />
beantwortet, die wir zu stellen uns<br />
vielleicht nicht getraut haben“, sagte<br />
Alain A., Patient.<br />
Virtual-Reality-Ausstattung<br />
Das H. HARTMANN-Institut<br />
arbeitet mit dem Rafaël-Institut<br />
an einem ganzheitlichen Ansatz<br />
für die weltweite Gesundheit, der<br />
modernste Behandlungen und<br />
eine personalisierte und koordinierte<br />
Versorgung miteinander<br />
verbindet. Beim VORTHEx-Projekt<br />
stellte das 3DEXPERIENCE Lab<br />
von Dassault Systèmes das tech-<br />
8 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Aktuelles<br />
Neuer Partner für die Qualitätskontrolle von Kameras<br />
Das 2004 von dem Fotografen<br />
und Ingenieur Norman Koren in<br />
Boulder, Colorado/USA, gegründete<br />
Unternehmen, entwickelt Software<br />
und Testequipment für die<br />
Prüfung der Bildqualität von Digitalkameras.<br />
Weiter hat das Unternehmen<br />
durch aktive Zusammenarbeit<br />
mit den ISO-Normungsgremien<br />
signifikant an der Erstellung<br />
neuer verbesserter Normen mitgewirkt.<br />
Entsprechend ist Imatest<br />
Mitglied der Internationalen Organisation<br />
für Normung und des Institute<br />
of Electrical and Electronics<br />
Engineers und trägt so zur Einführung<br />
standardisierter Methoden zur<br />
Analyse der Bildqualität bei.<br />
In Zusammenarbeit mit Imatest<br />
kann SphereOptics so seinen Kunden<br />
ein Komplettparket zur Kontrolle<br />
digitaler Kameras anbieten.<br />
Um das Angebot für seine<br />
Kunden weiter auszubauen, geht<br />
SphereOptics jetzt eine Partnerschaft<br />
mit Weltmarktführer Imatest<br />
ein. Fahrerlose Transportsysteme<br />
und autonome Systeme<br />
in Medizin, Luft- und Raumfahrt,<br />
aber auch Fahrerassistenzsysteme,<br />
sind auf eine hochkomplexe Sensorik<br />
angewiesen, um sicher navigieren<br />
zu können. Diese Sensorik<br />
nutzt u. a. Lidar, Radar und Kameras.<br />
Zum Optimieren der Kamerasysteme<br />
hat sich das Unternehmen<br />
jetzt Imatest an die Seite geholt.<br />
SphereOptics GmbH<br />
info@sphereoptics.de<br />
www.sphereoptics.de<br />
Lab, Dassault Systèmes. „Die Auswirkungen<br />
dieser immersiven 3D-Erfahrung,<br />
die den Behandlungsraum in<br />
einer virtuellen Welt originalgetreu<br />
wiedergibt, werden in klinischen Tests<br />
mit einer Patientengruppe evaluiert.“<br />
„Die Umsetzung dieses hochinnovativen<br />
Projekts zeigt einmal mehr, dass<br />
wir unser Handeln und Denken entschlossen<br />
auf unsere Patienten ausrichten.<br />
Dazu nutzen wir die Integration<br />
neuer Technologien für das Wohlbefinden<br />
der Patienten und die Präzision<br />
und Sicherheit der Behandlungen“,<br />
sagte Emile Dinet, Managing<br />
Director, H. HARTMANN-Institut. ◄<br />
nologische Know-how und die Virtual-Reality-Ausstattung<br />
für das<br />
umfassende Erleben. Genutzt wurden<br />
die 3DEXCITE-Anwendungen<br />
von Dassault Systèmes und technische<br />
Daten aus realen Prozessen,<br />
um das Szenario und seine<br />
Funktion zu erstellen. Mit digitaler<br />
Kontinuität konnte ein präziser virtueller<br />
Zwilling sowohl des Roboters<br />
als auch des Behandlungsbereichs<br />
erstellt werden. Klinische<br />
Tests, die die Auswirkungen und<br />
die Leistung dieser Simulation bei<br />
der Behandlung von Patienten<br />
messen, werden auf der Medidata<br />
Plattform für klinische Studien<br />
durchgeführt.<br />
Innovative Anwendungen<br />
im Rahmen der<br />
Patientenbehandlung<br />
„Die digitale Kontinuität ermöglicht<br />
es nun, virtuelle Zwillinge medizinischer<br />
Geräte für innovative Anwendungen<br />
im Rahmen der Patientenbehandlung<br />
zu nutzen“, erklärt Frédéric<br />
Vacher, Direktor des 3DEXPERIENCE<br />
CelsiStrip ®<br />
Thermoetikette registriert<br />
Maximalwerte durch<br />
Dauerschwärzung<br />
Diverse Bereiche von<br />
+40 bis +260°C<br />
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EUR 200 (verzollt, exkl. MwSt)<br />
www.spirig.com<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
9
Bildverarbeitung<br />
Portfolio um weitere Filter und<br />
optische Lösungen ergänzt<br />
Die Rauscher GmbH ergänzt ihr umfangreiches Portfolio an Bildverarbeitungskomponenten um die Filter und<br />
optischen Lösungen von Midwest Optical Systems (MidOpt).<br />
RAUSCHER GmbH<br />
info@rauscher.de<br />
www.rauscher.de<br />
Midwest Optical Systems<br />
(MidOpt) ist ein weltweit führender<br />
Anbieter von Filtern und optischen<br />
Lösungen für die industrielle Bildverarbeitung<br />
mit über 30 Jahren<br />
Erfahrung. Das Unternehmen ist<br />
in mehr als 30 Ländern vertreten<br />
und bietet über 3.000 innovative<br />
Produkte an.<br />
In Deutschland und Österreich<br />
sind MidOpt-Filter ab sofort bei der<br />
Rauscher GmbH erhältlich. Die Produkte<br />
des amerikanischen Herstellers<br />
werden speziell für die Anforderungen<br />
der industriellen Bildverarbeitung<br />
entwickelt und ermöglichen<br />
bei der Untersuchung von<br />
Prüf objekten unterschiedlichster<br />
Art zuverlässige Ergebnisse und<br />
eine optimale Bildqualität. Alle<br />
Filter werden nach den höchsten<br />
Standards produziert, sind für den<br />
langfristigen Einsatz optimiert und<br />
halten auch rauesten Umgebungen<br />
stand. Im Gegensatz zu herkömmlichen<br />
Filtern berücksichtigen<br />
MidOpt-Filter eine Gauߑsche Transmissionskurve<br />
und ermög lichen so<br />
eine maximale Transmission, eine<br />
optimale Anpassung an die gängigsten<br />
LED-Wellenlängen sowie<br />
eine geringe Winkel abhängigkeit.<br />
„Filter von MidOpt sind weltweit<br />
in zahlreichen Branchen im Einsatz,<br />
unter anderem in der Fabrikautomation,<br />
in der Verkehrsüber -<br />
wachung, in Medizin- und Biowissenschaften,<br />
bei landwirtschaftlichen<br />
Inspektionsauf gaben, in der<br />
Bewegungs analyse, in Sicherheitsanwendungen<br />
und in vielen weiteren<br />
Bereichen. Wir freuen uns über die<br />
neue Partner schaft mit diesem etablierten<br />
Hersteller, dessen umfangreiches<br />
Angebot zu einer weiteren<br />
Optimierung der Bildverarbeitungssysteme<br />
unserer Kunden beiträgt“, so<br />
die Rauscher-Geschäftsführer Raoul<br />
Kimmelmann und Thomas Miller. ◄<br />
15. – 18. November <strong>2022</strong><br />
Driving<br />
sustainable<br />
progress.<br />
Die Zukunft schon heute erleben.<br />
Auf der electronica <strong>2022</strong>.<br />
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10 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Titelstory<br />
Europapremiere für neuen<br />
8-Megapixel-Farbmonitor auf dem ECR<br />
Rein Medical mit breiter Range an Multi-Modality- und Befundmonitoren<br />
allen voran das Flaggschiff<br />
CL-S1200.<br />
einen ausgeglichenen Bildeindruck<br />
auf dem gesamten Bildschirm.<br />
Rein Medical GmbH<br />
info@reinmedical.com<br />
www.reinmedical.com<br />
„Building Bridges“ lautete das<br />
diesjährige Motto des Europäischen<br />
Röntgenkongresses ECR. Nach<br />
gut drei Jahren pandemiebedingter<br />
Abwesenheit kehrte die Veranstaltung<br />
damit in das Austria Center<br />
Vienna zurück. Auf dem Stand präsentierte<br />
das Unternehmen erstmals<br />
in Europa den neuen 8-Megapixel-<br />
Monitor CL-R813 sowie seine großformatigen<br />
Multi-Modality-Displays,<br />
Einstieg in die<br />
hochwertige<br />
multimodale<br />
Befundung<br />
Der CL-R813 ist für<br />
Radiologen der ideale<br />
Farbmonitor zur Befundung<br />
von Aufnahmen<br />
unterschiedlichster<br />
Modalitäten, etwa DR,<br />
CT, MR und Pathologie.<br />
Das 32 Zoll TFT-<br />
LCD-Display überzeugt<br />
mit einer maximalen<br />
Helligkeit von<br />
500 cd/m² und einem<br />
Kontrastverhältnis von<br />
1000:1. Das Einstiegsgerät reduziert<br />
durch die hohe Auflösung die Belastung<br />
für die Augen und bietet eine<br />
komfortable Bildgebung für die diagnostische<br />
Befundung.<br />
Das Sensorsystem<br />
des CL-R813 besteht aus einem<br />
Frontsensor und einem Umgebungslichtsensor.<br />
„Ersterer misst kontinuierlich<br />
Leuchtdichte und Farbe auf<br />
dem Display und meldet die Werte<br />
an die Kontrolleinheit. So werden<br />
eine sehr stabile Helligkeit und eine<br />
hohe Farbtreue gewährleistet. Letzterer<br />
erkennt die Stärke des Umgebungslichts<br />
und gleicht es für eine<br />
optimale Kalibrierung aus”, erläutert<br />
Cyganek.<br />
Human Presence Sensor<br />
Darüber hinaus beinhaltet der<br />
Monitor einen Human Presence<br />
Sensor. Dieser erkennt, ob ein Arzt<br />
vor dem Bildschirm sitzt - was beim<br />
Energiesparen hilft, wenn der Monitor<br />
nicht in Gebrauch ist. So kann<br />
beispielsweise auch sichergestellt<br />
werden, dass ein Arzt während<br />
der Befundung nicht von der Qualitätskontrolle<br />
gestört wird. Darüber<br />
hinaus sorgt der Uniformity Equalizer<br />
durch die Korrektur der Leuchtdichte<br />
und Farbgleichmäßigkeit für<br />
Ein Display für<br />
unterschiedliche<br />
diagnostische Bilder<br />
Der 30,9-Zoll-Farbmonitor<br />
CL-S1200 mit 12 Megapixeln (4.200<br />
horizontal und 2.800 vertikal) kann<br />
ebenfalls medizinische Bilder unterschiedlicher<br />
Modalitäten nebeneinander<br />
auf einem Monitor darstellen.<br />
Die Anordnung der Fenster<br />
ist dabei frei wählbar. „Der große<br />
Bildschirm ohne Mittelsteg schafft<br />
eine komfortable Umgebung für die<br />
radiologische Diagnostik. Mit seiner<br />
maximalen Helligkeit von 1200 cd/m²<br />
und einem Kontrastverhältnis von<br />
1500:1 ist er auch für die Mammografie<br />
geeignet“, so Cyganek.<br />
Neueste Technologie<br />
integriert<br />
Der Monitor ist mit der neuesten<br />
Technologie ausgestattet. Die patentierte<br />
Funktion Dynamic Gamma etwa<br />
analysiert den gesamten Bildschirminhalt<br />
und wählt in Echtzeit für jedes einzelne<br />
Pixel die jeweils richtige Gammakurve<br />
aus. Das gilt für alle Aufnahmen<br />
und führt zu einer stets optimalen<br />
Darstellung – selbst von bewegten<br />
Bildern. Die Turboluminanzfunktion<br />
kann die Helligkeit und den Kontrast<br />
des Bildschirms für 30 Sekunden<br />
auf den Maximalwert erhöhen, um<br />
erkennbare Graustufen zu vergrößern.<br />
So kann der Radiologe selbst<br />
kontrastarme Läsionen auf Mammografien<br />
sicher beurteilen.<br />
Automatische Anpassung<br />
Leuchtdichte und Farbtemperatur<br />
werden beim CL-S1200 automatisch<br />
und in Echtzeit angepasst. „Der eingebaute<br />
Farbfrontsensor auf dem<br />
Bildschirm misst konstant die Farbtemperatur<br />
und passt Änderungen<br />
über einen langen Zeitraum an“, sagt<br />
Florian Cyganek. Das schont die<br />
Augen des Befundenden Arztes –<br />
ebenso wie die eingebaute Beleuchtung<br />
auf der Rückseite des Monitors<br />
und die indirekte Beleuchtung<br />
von Tastatur und Maus. ◄<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
11
Produktion<br />
Wie lange überstehen medizinische<br />
Instrumente das häufige Sterilisieren?<br />
Autoklavierbeständige UV-Klebstoffe – eine echte Alternative für Klebverbindungen bei stark beanspruchten<br />
medizinischen Geräten<br />
Bild 1: Physikalische und chemische Sterilisationsverfahren, die heutzutage in der medizinischen Industrie üblich sind<br />
Dymax<br />
https://de.dymax.com<br />
Endoskope, chirurgische Instrumente,<br />
zahnmedizinische sowie<br />
andere medizinische Geräte und<br />
deren Gehäusebaugruppen bestehen<br />
häufig aus ganz unterschiedlichen<br />
Materialien und sind heute<br />
an vielen Stellen verklebt oder zum<br />
Schutz ummantelt. Vielfach sind<br />
sie auch mit Sensoren bzw. RFID-<br />
Chips ausgestattet, die ebenfalls<br />
mit den Geräten verklebt sind. Werden<br />
diese nun Hitze, Feuchtigkeit<br />
oder Chemikalien z. B. bei Reinigung<br />
oder der Sterilisation ausgesetzt,<br />
kommen sie schnell an ihre<br />
Grenzen, denn die Klebstoffe bzw.<br />
Schutzbeschichtungen, mit denen<br />
die Geräte komponenten verklebt,<br />
beschichtet oder ummantelt sind,<br />
können so leicht beschädigt werden.<br />
Im besten Fall gehen nur Instrumente<br />
verloren, weil der RFID-<br />
Chip fehlt oder sich abgelöst hat,<br />
im schlimmsten Fall können Geräte<br />
nicht mehr einwandfrei genutzt werden<br />
und führen zur Schädigung des<br />
Patienten. Deshalb ist es von entscheidender<br />
Bedeutung, dass die<br />
zum Einsatz kommenden Klebstoffe<br />
und Schutzbeschichtungen einer<br />
Vielzahl von Belastungen und Einflüssen<br />
standhalten können.<br />
Tests, Normen und<br />
Zulassungen<br />
Diese Klebstoffe und Schutzbeschichtungen<br />
müssen nicht nur<br />
auf einer Vielzahl von Substraten,<br />
darunter Edelstahl, Aluminium,<br />
Glas, sowie schwer verklebbaren<br />
Kunststoffen ausgezeichnet haften,<br />
sondern auch die gleichen<br />
strengen physikalischen Tests, Normen<br />
und Zulassungen, einschließlich<br />
ISO 10993 durchlaufen, denen<br />
alle medizinischen Geräte unterworfen<br />
werden. Zusätzlich müssen<br />
sie auch die zahlreichen Sterilisationszyklen<br />
und unterschiedlichen<br />
Sterilisationsmethoden, denen sie<br />
in der Praxis ausgesetzt werden,<br />
problemlos überstehen. Im Idealfall<br />
sind sie darüber hinaus frei von<br />
Lösemitteln und umweltfreundlich in<br />
der Anwendung wie beispielsweise<br />
lichthärtende Systeme.<br />
Sterilisationsverfahren<br />
Bei den Sterilisationsverfahren,<br />
die in der Medizinindustrie eingesetzt<br />
werden, unterscheidet man<br />
zwischen physikalischen und chemischen<br />
Verfahren. Zu den physikalischen<br />
Sterilisationsmethoden<br />
gehören die thermische Sterilisation,<br />
die Sterilfiltration und die<br />
Bestrahlung mit UV- oder Gammastrahlen.<br />
Bei der chemischen Sterilisation<br />
werden die medizinischen<br />
12 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Produktion<br />
Geräte einer Begasung durch ein Gas- oder<br />
Flüssigkeitsverfahren unterzogen. Bild 1 gibt<br />
einen Überblick über die wesentlichen Sterilisationsverfahren,<br />
die in der Medizintechnik<br />
eingesetzt werden.<br />
Vor- und Nachteile der Verfahren<br />
Jedes dieser Verfahren hat seine Vor- und<br />
Nachteile. Zu den positiven Effekten gehören<br />
je nach Methode beispielsweise die hohe<br />
Durchdringungsfähigkeit, die sehr schnelle<br />
Wirkung gegen Mikroorganismen und die<br />
Beseitigung möglicherweise verbliebener<br />
Rückstände. Zu den negativen Faktoren<br />
zählen lange Sterilisationszyklen, leichte<br />
Entflammbarkeit, die Verwendung gefährlicher<br />
Stoffe oder Chemikalien, Vergilbung<br />
von Kunststoffen und Korrosion verschiedener<br />
Metallsubstrate.<br />
Welches Sterilisationsverfahren im Einzelnen<br />
zum Einsatz kommt hängt von dem medizinischen<br />
Gerät oder Instrument, seiner Funktion,<br />
den Substratkomponenten sowie den<br />
unterschiedlichen Druckverhältnissen und<br />
Umgebungsbedingungen ab, denen es in der<br />
Praxis ausgesetzt ist. Autoklavieren (Dampfsterilisation),<br />
verdampftes Wasserstoffper oxid-<br />
Gasplasma (VHP) und die Ethylenoxidsterilisation<br />
(ETO) gehören zu den häufigsten Sterilisationsmethoden,<br />
die in der Medizinindustrie<br />
eingesetzt werden.<br />
Autoklavieren<br />
Beim Autoklavieren wird Hochdruckdampf<br />
in Kombination mit hohen Temperaturen (ca.<br />
120 °C) genutzt, um die Mikroorganismen<br />
und Bakterien auf den Substratober flächen<br />
unwirksam zu machen und abzutöten. Diese<br />
Sterilisationsmethode hat in der dauer haften<br />
Anwendung allerdings ihre Schwächen, denn<br />
viele Metalle können nach wiederholter Einwirkung<br />
von Dampf korrodieren oder rosten;<br />
einige Kunststoffe können ihre strukturelle<br />
Integrität verlieren, empfindlich auf erhöhte<br />
Hitze reagieren, anfällig für die Migration von<br />
Weichmachern an die Substrat oberfläche sein<br />
oder sogar zerfallen, wenn sie Wasser ausgesetzt<br />
werden.<br />
Daher ist die Sterilisation durch Autoklavieren<br />
nur auf bestimmte Anwendungen<br />
beschränkt. Viele Klebstoffe für medizinische<br />
Geräte halten dem Autoklavieren aufgrund der<br />
hohen Temperatur, der hohen Luftfeuchtigkeit<br />
und des hohen Drucks nur schwer stand.<br />
Das kann dann dazu führen, dass bestehende<br />
Klebe verbindungen angegriffen und die Geräte<br />
oder Instrumente dadurch unbrauchbar werden.<br />
Daher werden immer häufiger Alternativen<br />
zur Dampfsterilisation für wärme- und<br />
feuchtigkeitsempfindliche Instrumente und<br />
Geräte in Betracht gezogen, obwohl der Autoklav<br />
nach wie vor eine der am besten zugänglichen<br />
Optionen für Krankenhäuser, Labors,<br />
Forschungseinrichtungen ist.<br />
Behandlung mittels Ethylenoxid<br />
Eine Alternative zum Autoklavieren ist die<br />
Behandlung mittels Ethylenoxid (Abkürzung:<br />
EO oder EtO), die als eine der häufigsten<br />
Methoden für die Sterilisation von medizinischen<br />
Geräten/Vorrichtungen und Instrumenten<br />
genutzt wird. Bei diesem Verfahren<br />
werden die Produkte in einer abgedichteten<br />
Vakuumkammer dem Ethylenoxid ausgesetzt.<br />
Es handelt sich hierbei um ein chemisches<br />
Verfahren, bei dem die DNS von<br />
Mikroorganismen inaktiviert wird, so dass<br />
diese sich nicht mehr reproduzieren können.<br />
Dabei dringt das Ethylenoxid auch durch luftdurchlässige<br />
Verpackungen und eignet sich<br />
daher optimal für eine Vielzahl von Materialien,<br />
die nicht mit anderen Sterilisierungsmethoden<br />
kompatibel sind.<br />
Gas-Plasma-Sterilisation<br />
Aufgrund einiger negativer Begleiterscheinungen<br />
bei der Sterilisation mit Ethylen oxid,<br />
wie beispielsweise dem Entstehen von gefährlichen<br />
Rückständen und der Tatsache, dass<br />
EtO als flammbares, explosives Gas nur in<br />
Atex-klassifizierten Bereichen verwendet werden<br />
darf, wird die Gas Plasma-Sterilisation<br />
mit Wasserstoffperoxid (VHP) immer populärer.<br />
Sie kommt mittlerweile häufig bei hitzeund<br />
feuchtigkeitsempfindlichen Geräten zum<br />
Einsatz, da die Temperaturen während des<br />
Prozesses ~50 °C nicht überschreiten. VHP<br />
ist ein Verfahren, bei dem Wasserstoffperoxid<br />
in einer Sterilisationskammer zirkuliert<br />
und mit allen Oberflächen in Kontakt kommt,<br />
bevor es nach Abschluss des Sterilisationszyklus<br />
in Sauerstoff und Wasserdampf zerfällt.<br />
Dadurch wird sichergestellt, dass die Instrumente<br />
schnell sterilisiert werden und keine<br />
toxischen Rückstände wie bei der EtO-Sterilisation<br />
zurückbleiben.<br />
In der Praxis gibt es zahlreiche medizinische<br />
Instrumente wie Chirurgische Werkzeuge,<br />
Endoskop-Biopsie-Zubehör, zahnärztliche<br />
Werkzeuge uvm, die wiederholt Sterilisationszyklen<br />
oder mehrfach Autoklaviervorgänge<br />
durchlaufen bzw. alternative Sterilisationsmethoden<br />
wie eine Plasmabehandlung<br />
erfordern.<br />
RFID-Technologie in der<br />
Medizintechnik<br />
Eine Technologie, die sich auch in der<br />
Medizinindustrie immer mehr durchsetzt,<br />
ist die Verwendung von Identifikationschips<br />
oder RFIDs (Radio Frequency Identification)<br />
auf chirurgischen Werkzeugen, Instrumenten<br />
und Verpackungen. RFID-Chips<br />
helfen bei der Verwaltung des genauen<br />
Lagerbestands und erleichtern die Nachverfolgung,<br />
denn mittels kleinster RFID-<br />
Chips können medizinische Instrumente<br />
und Geräte bei Anwendung und Sterilisation<br />
problemlos überwacht werden.<br />
Präzision trifft<br />
Produktivität<br />
Mit dem zweispindligen<br />
Bearbeitungszentrum<br />
BA W02-22i, das mit Linear- und<br />
Torque-Motoren und integrierter<br />
Automatisierung ausgestattet ist,<br />
kann das Produktionsvolumen<br />
schnell gesteigert werden.<br />
Highlights:<br />
– Hohe Maschinensteifi gkeit durch<br />
patentierte Monoblockbauweise für<br />
mehr Präzision durch Stabilität<br />
– Linear- und Torquemotoren in den<br />
Vorschubachsen<br />
– Freier Fall von Spänen durch<br />
horizontale Bearbeitung<br />
– Kleine Grundfl äche (ca. 4 m²)<br />
– Ideale Zugänglichkeit für Wartungsund<br />
Servicearbeiten<br />
sw-machines.com<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong> 13<br />
13
Produktion<br />
Bild 2: Verkapselung eines RFID-Chip, der an einer medizinischen Pinzette<br />
befestigt ist<br />
Anwendungsbereiche<br />
Weitere typische Anwendungen<br />
finden sich:<br />
In Krankenhäusern und Kliniken:<br />
• Ausgabemanagement von Geräten<br />
und Werkzeugen, die für<br />
Unter suchungen und Operationen<br />
benötigt werden<br />
• Vermeidung von lebensbedrohlichen<br />
Operationsfolgen durch im<br />
Körper vergessene Operationsutensilien<br />
• Validierung des Sterilisationsstatus<br />
vor der Verwendung<br />
• Verbesserung/Vereinfachung des<br />
Bestandsmanagement<br />
In anderen Bereichen des<br />
Gesundheitswesens:<br />
• Nachverfolgung und Kontrolle<br />
von Arzneimitteln, um sicherzustellen,<br />
dass die richtige Dosierung<br />
und die richtigen Lagerbedingungen<br />
eingehalten werden<br />
• Nachverfolgung von Blut-/Bioproben<br />
zur Kontrolle der entsprechenden<br />
Lagerungs- und Ablaufdaten<br />
sowie automatisches Tracking,<br />
um eine ordnungsgemäße<br />
Handhabung zu gewährleisten<br />
• Markierung von Wertgegenständen,<br />
wie z. B. chirurgische Instrumente,<br />
Zahnarzt- und Krankenhausausrüstung<br />
RFIDs, die an häufig verwendeten<br />
chirurgischen Instrumenten<br />
angebracht sind, durchlaufen –<br />
genauso wie die zu ihrer Befestigung<br />
verwendeten Materialien -<br />
zahlreiche Sterilisationsvorgänge<br />
und müssen Hunderte von diesen<br />
Zyklen erfolgreich über dauern<br />
(Bild 2).<br />
Bild 3: Lichthärtende Klebstoffe bieten viele Vorteile gegenüber ein- und zweikomponentigen Epoxidharzen<br />
Verkleben, Beschichten und<br />
Verkapseln<br />
Für das Verkleben, Beschichten<br />
und Verkapseln von medizinischen<br />
Geräten und RFIDs stehen<br />
zahlreiche Ein- und Zweikomponenten-Epoxidklebstoffe<br />
zur Verfügung.<br />
Doch häufig sind diese<br />
Materialien im Vergleich zu lichthärtenden<br />
Systemen nicht optimal<br />
für diese Anwendungen im Medizinbereich<br />
geeignet. Zu den Nachteilen<br />
zählen nicht nur die speziell<br />
benötigten Mischsysteme, die langen<br />
Aushärtungszeiten von bis zu<br />
60 Minuten, die kurze Topfzeit oder<br />
die in einigen Fällen erforderliche<br />
Verwendung von Wärmeöfen, sondern<br />
auch die geringere Flexibilität<br />
und Schlagfestigkeit sowie die Notwendigkeit<br />
von Reinigungszyklen,<br />
die gefährliche Abfallstoffe hinterlassen<br />
können.<br />
Einkomponentige, lichthärtende<br />
Klebstoffe sind eine perfekte Alternative<br />
zur Vermeidung dieser Probleme.<br />
Sie garantieren Herstellern<br />
schnelle Aushärtungszeiten von<br />
1 - 30 Sekunden, benötigen keine<br />
Misch- oder Reinigungsprozesse,<br />
weisen je nach Bedarf starre oder<br />
flexible Produkteigenschaften auf,<br />
sind lösungsmittelfrei und RoHSkonform<br />
für eine einfachere Handhabung<br />
und Entsorgung. Diese<br />
Eigenschaften der lichthärtenden<br />
Materialien können dazu beitragen,<br />
Fertigungsprozesse erheblich<br />
zu verbessern, Kosten zu senken<br />
und den Durchsatz zu erhöhen,<br />
wie Bild 3 verdeutlicht.<br />
Universeller UV/<br />
LED-härtbarer Klebstoff<br />
Entsprechend den hohen Anforderungen,<br />
die häufige Sterilisationsvorgänge<br />
mit sich bringen,<br />
wurde ein neuer universeller UV/<br />
LED-härtbarer Klebstoff entwickelt,<br />
der eine extrem geringe Wasseraufnahme<br />
von 0,5 % aufweist und<br />
auch nach zahlreichen Autoklavierzyklen<br />
und Plasmabehandlungen<br />
seine Funktion nicht einbüßt. Dieses<br />
Material wird für die Beschichtung<br />
und/oder Verkapselung von<br />
Gehäusen, Einweg- oder mehrfach<br />
verwendeten medizinischen Instrumenten<br />
sowie einer Vielzahl von<br />
medizinischen Oszilloskopen und<br />
zahnmedizinischen Geräten empfohlen.<br />
Es eignet sich besonders<br />
für die Verkapselung von RFID-<br />
Chips, Sensoren und anderen<br />
elektronischen Komponenten in<br />
und auf medizinischen Geräten,<br />
Werkzeugen und Fläschchen,<br />
bei denen Feuchtigkeitsaufnahme<br />
vermieden werden muss. Zu den<br />
verklebbaren Substraten gehören<br />
Edelstahl, Aluminium, Glas, PP/PE<br />
und Leiterplatten. ◄<br />
Dymax MD 1040-M wurde<br />
einer Reihe von Leistungstests<br />
unterzogen, darunter<br />
beschleunigte Alterung und<br />
Sterilisation, Untersuchung<br />
der Wasseraufnahme, Prüfung<br />
der elektrischen Eigenschaften<br />
und Messung der<br />
Wasserdampfdurchlässigkeit.<br />
Das lösungsmittelfreie Material<br />
erfüllt die Zytotoxizitätsnormen<br />
nach ISO 10993-5 und härtet<br />
bei Bestrahlung mit UV-Licht<br />
oder LED-Licht mit einer Wellenlänge<br />
von 365 nm innerhalb<br />
von Sekunden aus.<br />
Für Hersteller, die sich mit<br />
der Montage und dem Schutz<br />
von medizinischen Geräten<br />
und Instrumenten befassen<br />
und die einen Klebstoff oder<br />
ein Beschichtungs- und Verkapselungsmaterial<br />
suchen,<br />
das zahlreichen Sterilisationszyklen<br />
standhält, könnte<br />
Dymax MD 1040-M die richtige<br />
Lösung sein.<br />
14 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Produktion<br />
Neue Möglichkeiten für die<br />
SLS-Materialentwicklung<br />
Sintratec, Schweizer Hersteller von industriellen 3D-Druck-Systemen, lanciert eine neue Softwarelösung. Mit<br />
dem Material Developer Upgrade (MDU) wird die Sintratec S2 in eine leistungsstarke Entwicklungsplattform mit<br />
über 100 konfigurierbaren Parametern verwandelt.<br />
das Verhalten beim Aufbringen<br />
der Schichten, die Laserleistung,<br />
die Steuerung der Heizzonen<br />
und vieles mehr. Als<br />
Highlight können die Benutzer<br />
die Strategie des Laserpfads<br />
mit Skripten vollständig<br />
anpassen. Der Material<br />
Developer Upgrade ist flexibel,<br />
schnell und vollständig<br />
in die Sintratec Central Software<br />
integriert.<br />
Sintratec<br />
www.sintratec.com<br />
Der 3D-Druck und insbesondere<br />
das Selektive Lasersintern<br />
(SLS) werden von einer begrenzten<br />
Anzahl von Materialien dominiert.<br />
Diese gängigen SLS-Pulver<br />
– wie PA12 oder TPE – haben<br />
sich für viele industriellen Anwendungen<br />
als die ideale Wahl erwiesen.<br />
Für Nischenbereiche, die<br />
besondere Anforderungen an das<br />
Material stellen, fehlte es bisher<br />
jedoch an Optionen.<br />
Neue Möglichkeiten<br />
für die<br />
Materialforschung<br />
und -entwicklung<br />
Mit der Einführung des<br />
Material Developer Upgrades bietet<br />
Sintratec nun eine Softwarefunktion,<br />
die neue Möglichkeiten für die<br />
Materialforschung und -entwicklung<br />
eröffnet. Konfigurationen können in<br />
jedem Schritt des Prozesses vorgenommen<br />
werden - von der digitalen<br />
Teilevorbereitung bis zu verschiedenen<br />
Schritten während des<br />
Drucks. Der Anwender kann insgesamt<br />
über 100 Parameter anpassen.<br />
Dazu gehören Slicing-Einstellungen,<br />
Mehrere Materialien<br />
gleichzeitig entwickeln<br />
Das MDU soll Innovationen<br />
entfesseln – sei es bei der<br />
Anpassung bestehender oder bei<br />
der Entwicklung völlig neuer Pulvermaterialien.<br />
Und dank der Modularität<br />
des Sintratec S2 Systems wird<br />
eine gleichzeitige Entwicklung mehrerer<br />
Materialien zur Realität. Da das<br />
Lasersinter-Modul nie in direktem<br />
Kontakt mit der materialspezifischen,<br />
beweglichen Kerneinheit steht, kommt<br />
es zu keiner Kreuzkontamination.<br />
Daraus resultiert eine wesentlich<br />
schnellere Forschungsgeschwindigkeit<br />
und vereinfachte Einführung des<br />
Materials in Produktionslinien. Weitere<br />
Informationen über das Material<br />
Developer Upgrade unter: sintratec.<br />
com/de/MDU. ◄<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
15
Produktion<br />
Anzeige<br />
Heinz Meise GmbH - Medizintechnik<br />
Vom Medizinprodukthersteller zum<br />
Sterilisationsdienstleister<br />
Unsere Erfahrung<br />
Als Medizinproduktehersteller<br />
wenden wir das Verfahren im industriellen<br />
Bereich bereits seit 1993<br />
erfolgreich im eigenen Unternehmen<br />
an. Seit 2001 mit speziell für unsere<br />
Bedürfnisse entwickelten Sterilisationsanlagen.<br />
Zurzeit sind zwei Anlagen<br />
in Betrieb, STERIPLAS 1000<br />
und STERIPLAS 2000. Jeweils<br />
mit 1000 bzw. 2000 Liter Kammervolumen.<br />
Durch die seit 2008 erhaltene<br />
offizielle Genehmigung zur Lohnsterilisation<br />
haben wir über unsere<br />
eigenen Produkte hinaus eine langjährige<br />
Expertise in der Sterilisation<br />
von Medizinprodukten anderer<br />
Hersteller aus anderen Branchen.<br />
Gas-Plasma-Sterilisation -<br />
VH202<br />
Die Gas-Plasma-Sterilisation<br />
wurde ursprünglich im klinischen<br />
Bereich verwendet und wurde als<br />
NTP-Sterilisation (Niedrig-Temperatur-Plasma-Sterilisation)<br />
bezeichnet.<br />
Ihr Ansprechpartner:<br />
Herr Dirk Reinert,<br />
reinert@meise.com<br />
Heinz Meise GmbH -<br />
Medizintechnik<br />
www.meise.com<br />
Die Heinz Meise GmbH - Medizintechnik<br />
-wurde in ihrer heutigen<br />
Form 1983 von Herrn Heinz Meise<br />
im sauerländischen Schalksmühle<br />
gegründet. Als mittelständisches<br />
Unternehmen entwickeln, fertigen<br />
und vertreiben wir sterile Medizinprodukte<br />
für verschiedene Branchen,<br />
die wir global vermarkten. Unsere<br />
Inhouse Gas-Plasma-Sterilisation<br />
bieten wir zudem auch als Lohnsterilisation<br />
an, ebenso wie den<br />
Verkauf von Sterilisationsanlagen.<br />
Als Sterilisationsdienstleister sind<br />
wir Ihr Partner rund um die materialschonende<br />
Sterilisation Ihrer<br />
Medizinprodukte. Integrieren Sie<br />
mit den SteriVacPlas-Geräten Ihren<br />
Sterilisationsprozess direkt in Ihren<br />
Produktions-Workflow oder lassen<br />
Sie die Sterilisation als Dienstleistung<br />
bei uns durchführen. Gerne<br />
bieten wir Ihnen professionelle<br />
Unterstützung bei der Validierung<br />
Ihrer Produkte an.<br />
16 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Produktion<br />
Vorteile der Inhouse Gas-Plasma-Sterilisation<br />
• keine Verformung<br />
• keine Versprödung<br />
• keine Verfärbung<br />
• keine Korrosion (Verfahren auf trockener Basis)<br />
• energiesparend<br />
Kurze Sterilisationszeit<br />
• mehrere Läufe pro Schicht möglich<br />
• schonende Behandlung des Sterilisationsgutes<br />
• schnelle Verfügbarkeit der sterilen Produkte<br />
Weitere Vorteile<br />
• auf die Produkte abgestimmte Prozessabläufe<br />
• keine Rückstände auf den Produkten<br />
• keine Restgasproblematik, folglich keine Quarantäne der Produkte<br />
nach Sterilisation<br />
• keine allergischen Patientenreaktionen<br />
Vorteile bei eigener Inhouse-Sterilisation<br />
Niedrige Arbeitstemperatur von 45 - 55 °C<br />
• das Verfahren ist sowohl für thermolabile Kunststoffe wie auch für<br />
hochwertige elektronische Bauteile bestens geeignet<br />
• Unabhängig von externen Dienstleistern<br />
• Kosteneinsparung des zusätzlichen Logistikaufwands durch externe<br />
Sterilisation<br />
• Einsparung von Lagerkosten<br />
• Größtmögliche Flexibilität<br />
• keine behördlichen Auflagen zu berücksichtigen<br />
Zu Beachten<br />
• Das Sterilisationsgut muss begasbar sein und darf keine Zellulose<br />
beinhalten<br />
• Es ist eine Tyvek-Steril-Verpackung erforderlich<br />
• Die Sekundärverpackung erfolgt nach der Sterilisation<br />
Das auf Wasserstoffperoxid - H 2 O 2<br />
– basierende Verfahren, wurde mit<br />
der Einführung der MDR im Mai<br />
2021 offiziell als VH2O2 benannt,<br />
wobei das „V“ für vaporised, also<br />
verdampftes Wasserstoffperoxid<br />
steht. Bei diesem Sterilisationsverfahren<br />
handelt es sich um eine<br />
materialschonende und zeiteffiziente<br />
Alternative im Vergleich zu<br />
herkömmlichen Verfahren.<br />
Das Verfahren<br />
Unter Feinvacuum werden die in<br />
der Steril Verpackung befindlichen<br />
Produkte mit verdampftem Wasserstoffperoxid<br />
begast. Über die<br />
Einwirkzeit werden die Mikroorganismen<br />
durch die Mikrobizide Wirkung<br />
des H 2 O 2 abgetötet. Ein Hochfrequenzfeld,<br />
welches zu Prozessbeginn<br />
der Vorwärmung der Produkte<br />
dient, sorgt nach der Einwirkzeit<br />
für den Zerfall des H 2 O 2 in die<br />
unschädlichen Endprodukte Wasser<br />
und Sauerstoff. Während der Hochfrequenzphase<br />
entsteht ein leuchtendes,<br />
physikalisches Plasma, welches<br />
dem Verfahren seinen Namen gab.<br />
Der Meise-Service<br />
Unser erfahrenes Expertenteam berät unsere Kunden<br />
vom telefonischen Erstkontakt bis hin zur späteren Routinesterilisation,<br />
ob als Lohnsterilisation oder mit Ihrem<br />
eigenen SteriVacPlas-Gerät.<br />
Auch im logistischen Bereich nehmen wir gerne<br />
Herausforderungen an.<br />
• kostenloser orientierender Vortest<br />
• Optimierung der Sterilisationszyklen auf Ihre Produkte<br />
• Unterstützung bei der Validierung nach DIN EN ISO 14937<br />
• Unterstützung bei der Auswahl und Präparation geeigneter<br />
Prüfkörper für die Validierung und späteren Routinesterilisation<br />
Sämtliche Prozessparameter werden<br />
gemäß dem Stand der Technik<br />
elektronisch erfasst, ausgewertet,<br />
gesichert und dienen der parametrischen<br />
Freigabe. Weitere detaillierte<br />
Informationen finden Sie auf<br />
unserer Homepage.◄<br />
• Durchführung von Steriltests mittels Bioindikatoren<br />
• Unterstützung bei der Projektierung und Inbetriebnahme<br />
Ihrer Sterilisationsanlage<br />
• Schulung des Bedienpersonals<br />
• Wartung und Service Ihrer Anlage<br />
• Reparatur- und Ersatzteilservice innerhalb von<br />
24 h in Deutschland<br />
Auch bei Interesse an einer eigenen Anlage kann<br />
Ihnen der Weg über die Lohnsterilisation wertvolle<br />
Zeit sparen um Ihre Produkte frühzeitig am Markt zu<br />
platzieren. Wir klären gerne Ihre Fragen und erstellen<br />
Ihnen ein individuelles Angebot über die Kosten<br />
Ihrer Sterilisation.<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
17
Produktion<br />
Aufbau- und Verbindungsstrategien<br />
von optischen Glasfasern<br />
Klebstofffreie Faser-zu-Chip-Anbindung durch direktes Laserschweißen für die integrierte Photonik<br />
Fraunhofer-Institut<br />
für Zuverlässigkeit und<br />
Mikrointegration IZM<br />
www.izm.fraunhofer.de<br />
Aufbau- und Verbindungsstrategien<br />
von optischen Glasfasern mit<br />
photonischen integrierten Schaltkreisen<br />
(PICs) werden üblicherweise<br />
mit Klebstoffen realisiert.<br />
Doch diese Verbindungstechnik<br />
kann langfristig zu optischer<br />
Degradation und dadurch zu<br />
hohen optischen Übertragungsverlusten<br />
führen, welche für kritische<br />
Anwendungen, wie in der<br />
Medizintechnik und Life Science,<br />
fatal sind.<br />
Klebstofffreies,<br />
platzsparendes<br />
und robustes<br />
Laserschweißverfahren<br />
Im Rahmen des Eurostars-Projekts<br />
„PICWeld“ entwickelten Forschende<br />
des Fraunhofer IZM in<br />
Zusammenarbeit mit den Partnern<br />
LioniX International BV,<br />
Phix Photonics Assembly und<br />
ficonTEC Service GmbH, ein klebstofffreies,<br />
platzsparendes und<br />
robustes Laserschweißverfahren<br />
zur Fixierung von Glas fasern an<br />
PICs. Durch die Integration des<br />
Verfahrens in eine automatisierte<br />
Justageanlage wurde die industrielle<br />
Reife des Systems gezeigt,<br />
was die Glas-Glas-Verbindungstechnik<br />
für einen kommerziellen<br />
Einsatz sehr attraktiv macht.<br />
Wechselwirkungen<br />
zwischen Licht und Materie<br />
Schon lange ist bekannt, dass<br />
biochemische Prozesse von Organfunktionen<br />
über die Temperaturregulierung<br />
bis hin zur Hormonproduktion<br />
maßgeblich von Licht<br />
beeinflusst werden. Inzwischen<br />
ist die Forschung rund um Licht<br />
und Körper weit vorangeschritten,<br />
junge Disziplinen wie die Life Science<br />
und Biophotonik beschäftigen<br />
sich mit Fragen, die sich am Schnittpunkt<br />
der Naturwissenschaften und<br />
Medizin befinden. Mit hochpräzisen<br />
und komplexen Messungen können<br />
damit Informationen darüber gewonnen<br />
werden, wie sich die Wechselwirkungen<br />
zwischen Licht und Materie<br />
gestalten, zum Beispiel bei der<br />
Untersuchung der Struktur von Zellen<br />
und Geweben, die für Krebserkrankungen<br />
relevant sind.<br />
Rolle des sichtbaren Lichts<br />
in biologischen Prozessen<br />
zeigen<br />
Doch Einblicke in das Innerste zu<br />
erhalten, ist kein leichtes Unterfangen:<br />
Kürzlich wurden miniaturisierte<br />
Systeme basierend auf photonisch<br />
integrierten Schaltkreisen mit hochstabilen<br />
Faserverbindungen vorgeschlagen,<br />
um die Rolle des sichtbaren<br />
Lichts in biologischen Prozessen<br />
nachvollziehen zu können.<br />
Genau an dieser Stelle setzte das<br />
Fraunhofer IZM im BMBF-geförderten<br />
Eurostars-Projekt „PICWeld“ an und<br />
entwickelte ein gänzlich neuartiges<br />
Laserschweißverfahren, mit dem<br />
optische Fasern direkt mit PICs auf<br />
Quarzglas verschweißt werden können.<br />
Mit Hilfe des Partners ficonTEC<br />
18 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Produktion<br />
Service GmbH wurde dieses Verfahren<br />
in einer automatischen Anlage<br />
umgesetzt, die eine hohe Reproduzierbarkeit<br />
und Skalierbarkeit bietet.<br />
Ziel: robuste und<br />
transparente Glas-Glas-<br />
Verbindung<br />
Das Forschungsteam rund um<br />
Dr. Alethea Vanessa Zamora Gómez<br />
hat es sich zur Aufgabe gemacht,<br />
Glas-Glas-Verbindungen einfacher,<br />
robuster und langlebiger zu gestalten.<br />
Dabei werden die diskreten<br />
optischen Bauteile mit einem Klebstoff<br />
verbunden. Durch die Weichheit<br />
des Klebstoffs kann sich die<br />
Position des Bauteils über die Zeit<br />
ändern, zudem stellt er eine Störstelle<br />
zwischen den beiden Glasschichten<br />
dar, die eine Dämpfung des Signals<br />
verursacht und nach Alterung des<br />
Klebstoffs brüchig werden kann. Die<br />
Langzeit stabilität ist daher oft kritisch.<br />
Um diese Nachteile der Verbindungstechnik<br />
zu umgehen, haben die Forschenden<br />
einen Prozess des CO 2 -<br />
Laserschweißens entwickelt und realisieren<br />
damit erstmals eine direkte,<br />
thermisch robuste und transparente<br />
Glas-Glas-Verbindung.<br />
Neue, automatisierte<br />
Prozessanlage<br />
Um das Laserschweißen für<br />
zuverlässige Quarzglasverbindungen<br />
jedoch nicht nur experimentell<br />
durchzuführen, sondern<br />
der Industrialisierung und hohen<br />
Skalierbarkeit einen Schritt näher<br />
zu kommen, wurde eine gänzlich<br />
neue, automatisierte Prozessanlage<br />
entworfen und hergestellt.<br />
Die entstandene Anlage ermöglicht<br />
eine im Interface klebstofffreie<br />
und polarisationserhaltende,<br />
hocheffiziente Kopplung zwischen<br />
optischen Quarzglas-Fasern und<br />
Quarzglas-PICs mit integrierten<br />
Wellenleitern. Doch bis zur Umsetzung<br />
anwendungstauglicher Verbindungen<br />
mussten die Forschenden<br />
eine Reihe technologischer Herausforderungen<br />
bewältigen. Da Glasfasern<br />
und Substrate unterschiedliche<br />
Volumina haben, sind auch<br />
die Wärmekapazitäten der beiden<br />
Fügepartner ungleich. Diese Diskrepanz<br />
resultiert in einem stark unterschiedlichen<br />
Aufheiz- und Abkühlverhalten,<br />
was z. B. zu Deformationen<br />
oder Rissen beim Abkühlen<br />
führen kann. Die Lösung der Photonik-Experten<br />
lag darin, das Substrat<br />
mittels eines separaten und<br />
individuell anpassbaren Lasers<br />
homogen vorzuheizen, so dass<br />
die Schmelzphase der Faser und<br />
des Substrats dennoch gleich zeitig<br />
erreicht wird.<br />
Erfolgreicher Einsatz<br />
Die Anlage, die mit thermischer<br />
Prozessüberwachung bis 1300 °C,<br />
einem bis auf 1 µm genauen Positioniersystem,<br />
einem Bilderkennungsverfahren<br />
sowie einer Steuerungssoftware<br />
ausgestattet ist, schweißte<br />
bereits im Laufe des Projekts erste<br />
Verbindungen, so dass die Funktionsfähigkeit<br />
getestet und erste prozessorientierte<br />
Messungen durchgeführt<br />
wurden.<br />
Folgeprojekte<br />
Nach dem PICWeld-Abschluss<br />
im Jahr 2021 ergaben sich nahtlos<br />
erste Folgeprojekte, in denen<br />
die neue Technologie zum Faserkoppeln<br />
von Kollimatoren, Wellenleiterchips<br />
und Multilinsenarrays<br />
genutzt wurde. „Mit unserer<br />
Anlage zum CO 2 -Laserschweißen<br />
haben wir das bisherige Verfahrensprinzip<br />
erweitert: Insbesondere<br />
das hohe Automatisierungspotenzial<br />
ermöglicht es den<br />
Kunden, PICs mit höchster Kopplungseffizienz<br />
zu verwenden. In<br />
der Industrie integriert, bedeutet<br />
das einen Sprung für die Anwendungsbereiche<br />
der Biophotonik,<br />
aber auch der Quantenkommunikation<br />
und Hochleistungsphotonik“,<br />
erklärt die Projektleiterin<br />
am Fraunhofer IZM, Dr. Alethea<br />
Vanessa Zamora Gómez.<br />
Förderung<br />
Bundesministerium für Bildung<br />
und Forschung (BMBF) mit dem<br />
Förderkennzeichen 01QE1744C.<br />
Es gehört zum Eurostars-Programm<br />
(11324), in dessen Rahmen eine<br />
Zusammenarbeit mit Lionix International<br />
BV, Phix Photonics Assembly<br />
und ficonTEC Service GmbH<br />
erfolgt ist. ◄<br />
MEDIZINTECHNIK-PRODUKTION.<br />
VOLLAUTOMATISIERT.<br />
Maßgeschneiderte und schlüsselfertige<br />
Produktionsanlagen mit integrierter<br />
Dosiertechnik sorgen für die hochpräzise<br />
und ultraschnelle Herstellung Ihrer<br />
medizintechnischen Geräte und Produkte.<br />
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Technologietag<br />
Vom Prototypenbau über ergonomische<br />
Betriebsmittel für Klein- und Mittelserien<br />
bis hin zur automatisierten Serienfertigung<br />
20. September <strong>2022</strong><br />
Zimmern ob Rottweil<br />
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production.systems@rampf-group.com<br />
www.rampf-group.com<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
19
Produktion<br />
Herausforderungen für 3D-Druck-Anwender<br />
Der 3D-Drucker microArch S230 bietet eine extrem hohe Auflösung (bis<br />
zu 2 μm) mit beispielloser Genauigkeit, Präzision und Geschwindigkeit.<br />
Merkmale der Teile: Lochanordnungen von 50, 100, 200 und 300 μm,<br />
unterschiedliche Säulendesigns (massiv und ausgehöhlt), offene Kanäle<br />
unterschiedlicher Breite, Wandstärken von 10 - 220 Mikron<br />
Wer seine Aufgaben in Produktentwicklung<br />
und Produktion<br />
mithilfe von 3D-Druckern lösen<br />
will, steht vor einigen Herausforderungen.<br />
Sie betreffen die Auswahl<br />
des richtigen Verfahrens mit<br />
der gewünschten Genauigkeit, Auflösung<br />
und Präzision, die jeweils verfügbaren<br />
Materialien, die Wiederholbarkeit<br />
und die erforderliche Nachbearbeitung<br />
der Druckergebnisse.<br />
Schließlich soll sich das 3D-Drucksystem<br />
auf lange Sicht amortisieren.<br />
Auswahl des richtigen<br />
3D-Druckers<br />
Bevor es zur Entscheidung für<br />
einen bestimmten 3D-Drucker<br />
Boston Micro Fabrication<br />
www.bmf3d.com<br />
kommt, müssen Konstrukteure, Fertigungsverantwortliche<br />
und Einkäufer<br />
die beste Technologie für eine<br />
bestimmte Anwendung festlegen.<br />
Die erforderlichen Recherchen können<br />
beträchtlich sein, denn für alle<br />
Anwendungen gibt es mittlerweile<br />
verschiedene Verfahren. Laut Statista<br />
sind die beliebtesten 3D-Drucktechnologien<br />
FDM (Fused Deposition<br />
Modeling), FF (Fused Filament<br />
Fabrication) und SLS (Selective<br />
Laser Sintering). Aber auch die<br />
Stereolithografie (SLA) und Varianten<br />
wie PµSL für den Mikro-3D-<br />
Druck haben ihre Vorteile, je nach<br />
Anwendung und den gewünschten<br />
Eigenschaften der fertigen Bauteile.<br />
Diese Herausforderungen<br />
gehen über Kosten und Komplexität<br />
hinaus. Wer einen 3D-Drucker<br />
anschaffen will, muss genügend<br />
3D-Druckprojekte haben, um eine<br />
solide Kapitalrendite (ROI) zu erzielen.<br />
Ebenso müssen Käufer über<br />
die Geschwindigkeit von 3D-Druckern<br />
und die Mengen nachdenken,<br />
bei denen andere Fertigungsverfahren<br />
kosten effektiver werden<br />
Außerdem müssen sie 3D-Druckgeräte<br />
auswählen, die die erforderliche<br />
Auflösung, Genauigkeit<br />
und Präzision unterstützen. Alle<br />
drei Spezifikationen sind weit verbreitet,<br />
aber die Terminologie kann<br />
missverstanden werden.<br />
Auflösung, Genauigkeit und<br />
Präzision<br />
Die Auflösung setzt sich dabei aus<br />
folgenden Kennzahlen zusammen:<br />
Da 3D-Drucker Teile in drei Dimensionen<br />
produzieren, gibt es Werte für<br />
die XY-Ebene und eine Schichthöhe<br />
oder -dicke für die Auflösung in der<br />
Z-Achse. Beide Zahlen sind wichtig,<br />
aber der XY-Wert hat eine größere<br />
Bedeutung für die Druckqualität und<br />
Oberflächenbeschaffenheit. Es zählen<br />
aber nicht nur die Außenmaße<br />
eines Teils. Denn viele größere Komponenten<br />
enthalten winzige Löcher,<br />
scharfe Kanten oder stiftähnliche<br />
Vorsprünge, die ebenso gedruckt<br />
werden müssen.<br />
Die Genauigkeit ist ein weiterer<br />
Schlüsselparameter und bezieht<br />
sich auf die Fähigkeit des 3D-Druckers,<br />
die gewünschten Abmessungen<br />
zu erreichen. Stellen Sie sich<br />
ein stabförmiges Teil vor, das 10 μm<br />
lang sein muss. Ein Drucker, der ein<br />
Teil mit dieser exakten Messung herstellt,<br />
weist einen hohen Genauigkeitsgrad<br />
auf. Ein System, das ein<br />
Teil mit 11 μm druckt, ist weniger<br />
Hier wurden die 50-µm-Löcher auf<br />
einem microArch S240-System mit<br />
dem Material RG gedruckt<br />
Das Ventil für Gensequenzer hat<br />
Außenmaße von 24,5 x 28,3 x<br />
22 Millimetern und Wandstärken<br />
von 10 - 220 Mikron,<br />
genau. Natürlich muss die Materialschrumpfung<br />
berücksichtigt werden.<br />
Solange ein Teil nicht den vom Benutzer<br />
geforderten Abmessungen entspricht,<br />
ist es nicht genau genug.<br />
Präzision bezieht sich darauf, wie<br />
nah Messungen desselben Gegenstands<br />
beieinander liegen. Ein klassisches<br />
Beispiel für den Unterschied<br />
zwischen Präzision und Genauigkeit<br />
liefert das Dartspiel. Die Darts<br />
sind präzise geworfen, wenn alle<br />
Darts sehr nah beieinander liegen,<br />
aber nicht genau, wenn sie dabei<br />
weit entfernt vom Schwarzen landen.<br />
Genauigkeit und Präzision<br />
sind erreicht, wenn die Pfeile nahe<br />
am Schwarzen und nahe beieinander<br />
landen.<br />
Materialien<br />
Die meisten 3D-Drucker sind<br />
entweder für die Verarbeitung von<br />
Polymeren, Metallen, Verbundwerkstoffen,<br />
Keramik oder Glas ausgelegt.<br />
Es gibt Drucker, die mehrere<br />
Materialien verarbeiten können, wie<br />
So sieht das gleiche Bauteil aus,<br />
wenn es auf einem üblichen SLA-<br />
Drucker gefertigt wird<br />
20 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Produktion<br />
Dieser Stent wurde auf einem<br />
microArch Drucker von BMF aus<br />
biokompatiblem Material gedruckt<br />
Polymere und Keramiken. Diese<br />
Geräte sind jedoch für höherwertige<br />
Anwendungen bestimmt. Bei<br />
weniger fortschrittlichen 3D-Druckern<br />
kann die Auswahl an Materialien<br />
ebenfalls begrenzt sein. Einige<br />
Hersteller bieten ein offenes Materialsystem<br />
an, das auch Fremdprodukte<br />
enthält. Andere beschränken<br />
die Auswahl auf die firmeneigenen<br />
Materialien.<br />
Die Materialauswahl<br />
ist eine Herausforderung, weil<br />
nicht alle in der Produktion üblichen<br />
Stoffe auch für den 3D-Druck verfügbar<br />
sind. Das liegt zum Teil daran,<br />
dass einige Metalle und Polymere<br />
nicht so temperaturgesteuert werden<br />
können, wie die additive Fertigung<br />
es erfordert. Außerdem gilt es, die<br />
Anforderungen einer Anwendung<br />
mit den Eigenschaften des Materials<br />
in Einklang zu bringen. Die Verwendung<br />
unterschiedlicher Materialien<br />
während der Prototypenherstellung<br />
und Produktion erhöht die<br />
Komplexität zusätzlich.<br />
Gerade bei biomedizinischen Produkten<br />
gibt es Probleme mit den<br />
Materialien. So ist etwa die begrenzte<br />
Das Endoskop-Gehäuse misst 9,8 x<br />
9,8 x 13,8 mm und weist komplexe<br />
Strukturen auf<br />
Auswahl an Materialien, die sich für<br />
die Entwicklung von Membranmodulen<br />
eignen, eine große Herausforderung.<br />
Hinzu kommt, dass bei<br />
allen Arten von 3D-Druckmaterialien<br />
die Eigenschaften für die Endanwendung<br />
nicht dieselben wie bei<br />
herkömmlichen Materialen sind.<br />
So hat beispielsweise ABS-Kunststoff,<br />
der in 3D gedruckt wird, nicht<br />
die gleiche Schlagfestigkeit wie<br />
ABS-Kunststoff, der mikrobearbeitet<br />
oder im Mikrospritzgussverfahren<br />
hergestellt wird.<br />
Wiederholbarkeit<br />
Auch die Wiederholbarkeit ist eine<br />
Herausforderung für die 3D-Druckbranche.<br />
Das liegt daran, dass die<br />
Position des Bauteils auf der Druckoberfläche<br />
die Höhe, Breite, Tiefe<br />
und das Gewicht des Endprodukts<br />
beeinflussen kann. Laut einer Studie<br />
zur Qualitätssicherung beim<br />
3D-Druck kann dieser nicht an<br />
jedem Ort und unter allen Bedingungen<br />
Qualität gewährleisten.<br />
Diese mangelnde Wiederholbarkeit<br />
kann den Ertrag verringern<br />
und den Durchsatz verlangsamen.<br />
Besonders die Beziehung zwischen<br />
Wiederholbarkeit und Präzision entspricht<br />
nicht der Genauigkeit, die im<br />
Allgemeinen als die Nähe einer Messung<br />
zum wahren Wert beschrieben<br />
wird. Dagegen ist hochauflösender<br />
3D-Druck im Mikromaßstab<br />
möglich und beim Druck von Mikroteilen<br />
erreicht PµSL Toleranzen von<br />
±25 µm. Mit der PµSL 3D-Drucktechnologie<br />
kann eine spiegelähnliche<br />
Oberfläche mit einer Oberflächengüte<br />
von 0,4 - 0,8 µm Ra<br />
erreicht werden.<br />
Nachbearbeitung<br />
Die meisten 3D-gedruckten Teile<br />
müssen in irgendeiner Form gesäubert<br />
oder nachbearbeitet werden, um<br />
Trägermaterial aus der Konstruktion<br />
zu entfernen. Außerdem müssen<br />
die Oberflächen der Teile geglättet<br />
werden, um die gewünschte Oberflächengüte<br />
zu erreichen. Hierfür<br />
können verschiedene Nachbearbeitungsmethoden<br />
eingesetzt werden.<br />
Beispiele sind Wasserstrahlen,<br />
Schleifen, chemisches Einweichen<br />
und Spülen sowie manuelle<br />
Nachbearbeitung. Unabhängig<br />
von der Methode verursachen sie<br />
alle zusätzliche Kosten und verlängern<br />
die Projektlaufzeit.<br />
Dem Bericht von Wohlers über<br />
den Stand der 3D-Druckindustrie<br />
zufolge entfallen 27 Prozent der<br />
Gesamtkosten für die Herstellung<br />
eines Prototyps auf die Nachbearbeitung.<br />
Doch die Kosten sind nicht die<br />
einzige Sorge. „3D Natives“ berichtet<br />
beispielsweise, dass 52 Prozent<br />
der Befragten es für schwierig halten,<br />
eine gleichmäßige Oberflächenbeschaffenheit<br />
zu erzielen. Für<br />
53 Prozent der Befragten dauern die<br />
Nachbearbeitungszyklen zu lange.<br />
Praktisch und leistungsstark<br />
Die PμSL-Technologie von Boston<br />
Micro Fabrication (BMF) ist eine<br />
neue 3D-Drucktechnologie zur<br />
Produktion von kleinen Teilen, die<br />
hohe Präzision, Auflösung und Genauigkeit<br />
bei hohen Geschwindigkeiten<br />
erfordern. Die Projektions-<br />
Mikro-Stereolithographie (PμSL),<br />
eine Form der SLA, ist weltweit die<br />
einzige Technologie, die in Bezug<br />
auf Größe, Auflösung und Toleranz<br />
dem Präzisionsspritzguss entspricht.<br />
Darüber hinaus bietet BMF<br />
eine offene Materialplattform und<br />
kooperiert mit Drittlieferanten und<br />
OEMs, um Materialien für spezifische<br />
Anwendungen bereitzustellen.<br />
Wer schreibt:<br />
Boston Micro Fabrication (BMF)<br />
hat sich auf 3D-Druck mit Mikropräzision<br />
spezialisiert und die<br />
3D-Drucktchnologie namens PμSL<br />
(Projection Micro Stereolithography)<br />
entwickelt. ◄<br />
PμSL (Projection Micro Stereolithography)<br />
Das microArch-System von<br />
Boston Micro Fabrication beruht<br />
auf einer 3D-Drucktchnologie<br />
namens PμSL (Projection Micro<br />
Stereolithography). Diese Technologie<br />
ermöglicht eine schnelle<br />
Photopolymerisation einer<br />
Schicht flüssigen Polymers mittels<br />
eines UV-Lichtblitzes mit Auflösungen<br />
im Mikrobereich. Durch<br />
anpassbare Optiken, eine hochwertige<br />
Mechanik und eine validierfähige<br />
Fertigungstechnologie,<br />
entstehen genaue, hochauflösende<br />
Komponenten für die<br />
Produktentwicklung, Forschung<br />
und industrielle Kleinserienproduktion.<br />
Dieser Durchbruch der<br />
Branche verschafft Herstellern<br />
die Vorteile des 3D-Drucks ohne<br />
Abstriche an Qualität oder Skalierbarkeit.<br />
Der 3D-Drucker von BMF erlaubt die Mikrofertigung in Serienqualität<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
21
Produktion<br />
Laserschweißen - einfach, sicher und sauber<br />
Lasergeschweißtes medizinisches Bauteil (nadellose Spritze)<br />
Autoren:<br />
Dipl.-Ing. Frank Brunnecker,<br />
Geschäftsführer & Gesellschafter<br />
Dipl.-Ing. Christian Ebenhöh,<br />
Key Account Manager<br />
Evosys Laser GmbH<br />
www.evosys-laser.de<br />
Laserschweißen von Kunststoffen<br />
ist das ideale Verfahren, wenn<br />
Kunststoffteile medizinischer Produkte<br />
prozesssicher miteinander verbunden<br />
werden sollen. Diese Technologie<br />
genießt heute einen guten<br />
Ruf in der Pharma- und Medizintechnikindustrie,<br />
da sie als validierungssicher<br />
gilt. Vom Blut zuckermessgerät<br />
über die Insulin- und Medikamentendosierung<br />
bis hin zu Strukturkomponenten<br />
medizinischer Ausrüstung<br />
wird das Verfahren in vielen<br />
Bereichen eingesetzt.<br />
Laserschweißen von Kunststoffen<br />
hat sich in den vergangenen 20 Jahren<br />
bedeutend weiterentwickelt und<br />
zählt heute zu den bevorzugten Verfahren,<br />
wenn es darum geht, sichere<br />
Verbindungen zu erzeugen. Insbesondere<br />
bei Anwendungen, die<br />
eine hohe Sauberkeit im Herstellungsprozess<br />
erfordern, spielt die<br />
berührungslose und schonende<br />
Fügetechnologie ihre Stärken aus.<br />
Dabei werden die beiden zu verbindenden<br />
Bauteile überlappend positioniert<br />
und mit definiertem Druck<br />
aufeinandergepresst (Bild 1). Beim<br />
üblichen Prinzip des Durchstrahlschweißens<br />
durchdringt der Laser<br />
mit einer Wellenlänge im Bereich<br />
von 800 bis 1.100 nm das obere,<br />
lasertransparente Bauteil und wird<br />
an der Oberfläche des unteren Bauteils<br />
absorbiert. Der untere Fügepartner<br />
wird dadurch direkt, der obere<br />
über Wärmeleitung so weit erhitzt,<br />
bis beide Materialien aufschmelzen<br />
und es zu einer stoffschlüssigen<br />
Verbindung kommt.<br />
Klar-klar-Verfahren<br />
Eine Besonderheit dieser Methode<br />
ist die Notwendigkeit zweier unterschiedlich<br />
gefärbter Fügeteile, um<br />
eine ausreichende Absorption des<br />
Bearbeitungslasers sicherzustellen.<br />
Das EvoClear-Verfahren umgeht<br />
diese Voraussetzung. Es wird oft<br />
auch als 2µm-Schweißen oder<br />
auch Klar-klar-Verfahren bezeichnet.<br />
Durch den Einsatz einer Laserwellenlänge<br />
im Bereich von 1,5 µm<br />
bis 2,2 µm können zwei ungefüllte,<br />
insbesondere im sichtbaren Bereich<br />
klare Kunststoffe miteinander verbunden<br />
werden. Zwar können mit<br />
dieser Variante nicht uneingeschränkt<br />
alle Fügeaufgaben bearbeitet<br />
werden, jedoch lohnt sich<br />
besonders bei medizinischen Produkten<br />
eine genaue Prüfung, da auf<br />
Absorberzusätze verzichtet werden<br />
kann. Im Vergleich zum Durchstrahlschweißen<br />
liegt der wesentliche<br />
Unterschied in der Art der Energieeinbringung.<br />
Das EvoClear-Verfahren<br />
nutzt die Eigenschaft der meisten<br />
Thermoplaste, schon im Naturzustand<br />
Wellenlängen über 1,5 µm<br />
stärker zu absorbieren. Die Deponierung<br />
der Energie erfolgt im Wesentlichen<br />
nicht im Kontaktbereich der<br />
beiden Fügepartner, sondern komplett<br />
im durchstrahlten Volumen und<br />
wird durch eine geeignete Anlagentechnik<br />
geschickt gesteuert.<br />
Laserschweißen von<br />
Polymeren<br />
So ist das Laserschweißen von<br />
Polymeren in der Medizintechnik<br />
nicht mehr wegzudenken, zumal<br />
der Einsatz von Kunststoffen in<br />
der Medizin kontinuierlich wächst<br />
und die Produktkomplexität sowie<br />
Funktionsintegration stetig zunimmt.<br />
Kunststoffe zählen zu den am meisten<br />
verwendeten Materialien in<br />
der Medizin. Der wichtigste Grund<br />
dafür ist die hohe Sicherheit für den<br />
Patienten. Medizinisch zugelassene<br />
Kunststoffe sind hautfreundlich<br />
und lösen keine Allergien aus.<br />
Außerdem sind sie nahezu unzerbrechlich,<br />
nehmen keine Gerüche<br />
an und weisen eine hohe Beständigkeit<br />
gegen Wasser und viele<br />
andere Medien auf.<br />
Hinsichtlich der Herstellprozesse<br />
bieten Polymere eine fast unerschöpfliche<br />
Form- und Anpassbarkeit,<br />
das Design kann nahezu perfekt<br />
auf den jeweiligen Einsatzzweck<br />
zugeschnitten werden. Da neben<br />
sind die Endprodukte und ihre Verarbeitungsverfahren<br />
im Vergleich zu<br />
Alternativen aus Metall oder Glas<br />
häufig preiswerter und können so<br />
in vielen Anwendungen problemlos<br />
als einfach zu nutzender Einwegartikel<br />
ausgelegt werden.<br />
Breites<br />
Anwendungsspektrum<br />
Das Anwendungsspektrum ist<br />
somit breit gefächert. Angefangen<br />
von Verpackungen, Infusionsbeuteln,<br />
Schläuchen und weiteren<br />
Komponenten für Injektionssysteme,<br />
über Prothesen und Inlays bis hin zu<br />
Gehäusen für elektronische Kleinund<br />
Großgeräte, ist der Einsatz von<br />
Kunststoffen denkbar (Bild 2). Auch<br />
komplexe Analyse-Cartridges für die<br />
in-vitro Diagnostik sind mittlerweile<br />
Standard, wofür häufig das Laserschweißen<br />
als Fügeverfahren eingesetzt<br />
wird.<br />
Soll das stoffschlüssige Schweißen<br />
als Verbindungstechnik für eine<br />
Kunststoffbaugruppe eingesetzt werden,<br />
können nur Thermoplaste und<br />
thermoplastische Elastomere eingesetzt<br />
werden. Für die Medizin relevant<br />
und erfolgreich in der Praxis mit<br />
dem Laser gefügt sind im Besonderen:<br />
Polyamide (PA), Poly propylen<br />
(PP), Polycarbonat (PC), Cycloolefin-Copolymere<br />
(COC), Polymethylmethacrylat<br />
(PMMA) sowie Polystyrol<br />
(PS) und Polyetheretherketon<br />
(PEEK).<br />
Bild 1: Schweißprinzip mit<br />
lasertransparentem und<br />
laserabsorbierendem Fügepartner<br />
22 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Produktion<br />
Bild 2: Allgemeine medizinische Bauteile aus Kunststoff<br />
Vorteile des<br />
Laserschweißens<br />
Das Laserschweißen spielt sein<br />
Potenzial vor allem dann aus, wenn<br />
es im Produktionsprozess auf<br />
Hygiene, absolute Partikelfreiheit<br />
und Reproduzierbarkeit ankommt.<br />
Konventionelle Verfahren, wie das<br />
Ultraschallschweißen oder Kleben,<br />
können den immer höheren Reinheitsanforderungen<br />
der Produkte<br />
nicht immer gerecht werden. Beim<br />
Ultraschallschweißen entstehen<br />
verfahrensbedingt Partikel in der<br />
Fügezone, wohingegen die bei einer<br />
Klebeverbindung erforderlichen<br />
Zusatzstoffe hinsichtlich der medizinischen<br />
Unbedenklichkeit häufig<br />
eine Herausforderung darstellen.<br />
So müssen bereits für Produkte<br />
der EU-Risikoklasse IIa (z. B. Hörgeräte)<br />
neu in die Baugruppe eingebrachte<br />
Stoffe zertifiziert werden,<br />
wodurch sich eine Markteinführung<br />
enorm verzögern kann.<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
Reinraumfähigkeit<br />
Mit dem Laserschweißen erhalten<br />
die Entwickler und Hersteller<br />
dagegen einen äußerst sicheren<br />
und hygienischen Produktionsprozess<br />
für Rein- und Sterilraumbedingungen.<br />
Das Ziel ist dort, einen<br />
abgeschotteten Bereich möglichst<br />
kontaminationsfrei zu halten. Die<br />
Partikelreduzierung im Inneren<br />
wird durch entsprechend dimensionierte,<br />
mehrstufige Luftfilterungseinrichtungen<br />
ermöglicht. Die Luft<br />
wird mehrfach pro Stunde möglichst<br />
turbulenzarm, also ohne Verwirbelung,<br />
umgewälzt und gefiltert.<br />
Zugangsschleusen und Schutzkleidungen<br />
sorgen dafür, dass möglichst<br />
wenig Partikel von außen eingebracht<br />
werden. Für die Klassifikation<br />
der Reinheit solcher Räume<br />
gibt es die Norm ISO 14644-1. Sie<br />
erlaubt beispielsweise in der Reinheitsklasse<br />
ISO 1 pro Kubikmeter<br />
Luft gerade einmal noch zwölf Partikel,<br />
davon zehn Stück in der Größe<br />
von einem zehntausendstel Millimeter<br />
und zwei Stück in der Größe<br />
von zwei zehntausendstel Millimeter.<br />
Die geforderte Klasse hängt<br />
dabei stark von der Anwendung<br />
ab, so dass die meisten Produktionsprozesse<br />
in den Reinheitsklassen<br />
ISO 5 bis 8 realisiert werden.<br />
Zwei Herangehensweisen<br />
Um ihren unterschiedlichen Anforderungen<br />
Rechnung zu tragen, sind<br />
zwei Herangehensweisen möglich.<br />
Eine basiert auf der Integration<br />
der gesamten Reinraumtechnik<br />
innerhalb des Gehäuses des<br />
Schweißsystems. Dabei wird mittels<br />
entsprechender Filter die Partikelanzahl<br />
um den Faktor 8.000 bis<br />
10.000 verbessert. Abhängig von<br />
den Umgebungsbedingungen wird<br />
mit dieser Anlagentechnik im Bearbeitungsraum<br />
der Maschine eine<br />
Reinraumklasse besser als ISO 5<br />
erreicht. Die zweite Möglichkeit enthält<br />
keine eigenen Filterelemente,<br />
sondern ist für den Einsatz in einer<br />
Reinraumumgebung konzipiert. Bei<br />
dieser Herangehensweise wird speziell<br />
auf die Verwendung partikelarmer<br />
Komponenten geachtet, um<br />
die Kontamination der Luft zu reduzieren.<br />
Beide Herangehensweisen<br />
erlauben die Laserschutzklasse 1,<br />
wodurch die Systeme im normalen<br />
Produktionsumfeld ohne zusätzliche<br />
Laserschutzmaßnahmen betrieben<br />
werden können.<br />
Qualitätsprüfung<br />
Das Laserschweißen ist für die<br />
Medizinproduktion besonders geeignet,<br />
da sich die Prozess qualität für<br />
jedes einzelne Bauteil erfassen und<br />
dokumentieren lässt. Dafür stehen<br />
in der Wertschöpfungskette<br />
eine ganze Reihe, teilweise parallel<br />
arbeitender Systeme und Sensoren<br />
zur Verfügung.<br />
Vor dem Schweißprozess kann<br />
zunächst eine manuelle oder auch<br />
automatische Überprüfung der Materialeigenschaften<br />
stattfinden. Um die<br />
für das Laserschweißen wichtige<br />
Transmission zu messen, kann ein<br />
Prüfgerät (Bild 3) die Baugruppen<br />
vorab entweder einer Stichprobenoder<br />
100%-Prüfung unter ziehen.<br />
Schwankungen an zugeführten Rohteilen<br />
können so frühzeitig erfasst<br />
und dokumentiert werden. Während<br />
des Schweißprozesses stehen<br />
dann je nach Verfahrensvariante<br />
unterschiedliche Methoden<br />
zur Überwachung zur Verfügung.<br />
Allen Varianten gemein ist die vollständige<br />
Kontrolle und Dokumentation<br />
der wichtigen Systemparameter,<br />
wie etwa Schweißzeit, Spannkraft<br />
und Laserleistung. Vorteilhaft<br />
ist es, wenn die Laserleistung einer<br />
100%-Überwachung in der Strahlformung<br />
unterliegt. Üblicherweise wird<br />
die Leistung nur in der Strahlquelle<br />
gemessen oder indirekt berechnet,<br />
wodurch mögliche Defekte z. B. an<br />
der Faserführung des Lasers nicht<br />
erkannt werden können.<br />
Quasisimultanschweißen<br />
Beim sogenannten Quasisimultanschweißen<br />
wird die erwähnte Parameterkontrolle<br />
durch eine Fügewegüberwachung<br />
ergänzt. Ein Sensor erfasst<br />
dabei die charakteristische Relativbewegung<br />
der Fügeteile zu einander<br />
und wertet diese über die Zeit aus,<br />
was eine sichere Aussage über das<br />
Schweißergebnis ermöglicht.<br />
Bild 3: Das Prüfgerät PICTOR Planar<br />
Eine weitere felderprobte Möglichkeit<br />
zur Online-Prozesskontrolle<br />
ist die Messung der Temperatur in<br />
der Fügezone mittels berührungslosem<br />
Pyrometer. Diese Methode<br />
überträgt die Temperaturwerte ortsaufgelöst<br />
in ein Zeit-/Temperatur-<br />
Diagramm und vergleicht sie mit<br />
oberen und unteren Hüllkurven.<br />
Unterbrechungen in der Schweißnaht,<br />
die beispielsweise durch Formfehler<br />
oder Beschädigungen eines<br />
der Fügepartner entstehen können,<br />
werden damit sicher erkannt.<br />
Die Pyro metrie wird typischerweise<br />
beim Konturschweißen ohne Fügeweg<br />
eingesetzt, kann aber auch<br />
beim Quasisimultanschweißen als<br />
ergänzende Überwachung dienen.<br />
Nach dem Schweißvorgang<br />
können die fertigen Baugruppen<br />
schließlich mittels nachgeschalteter<br />
Kamerainspektion im sichtbaren<br />
oder infraroten Wellenlängenbereich<br />
bewertet werden.<br />
Fehler in der Schweißnaht werden<br />
so zuverlässig erkannt und fehlerhafte<br />
Bauteile aussortiert.<br />
Fazit<br />
Laserschweißen von Kunststoffen<br />
ist als Verfahren prädestiniert für<br />
die hohen Anforderungen in der<br />
Herstellung medizintechnischer<br />
Produkte. Es ist als sauberes und<br />
partikelfreies Verfahren uneingeschränkt<br />
reinraumtauglich und bringt<br />
mit der lückenlosen Nachverfolgbarkeit<br />
sowie den umfangreichen<br />
Möglichkeiten zur Prozesskontrolle<br />
alle Eigenschaften mit, die für eine<br />
zuverlässige Produktion notwendig<br />
sind. ◄<br />
23
Produktion<br />
Smarte Verbindungstechnik:<br />
Needle Bonding mit UV-Klebstoffen<br />
Mit UV-Klebstoffen werden Spritzen industriell gefertigt<br />
Wenn Nadeln in Kunststoff- oder<br />
Glasspritzen eingesetzt und verlässlich<br />
und dauerhaft verbunden werden<br />
sollen, stellt sich die Frage nach<br />
einer geeigneten Verbindungstechnik.<br />
Die Anforderungen sind hoch:<br />
einerseits soll schnell und kostengünstig<br />
produziert werden, insbesondere<br />
bei Einwegartikeln, andererseits<br />
sind Material- oder Verbindungsfehler<br />
nicht tolerierbar.<br />
Die moderne Klebstofftechnologie<br />
bietet hier mit UV- oder lichthärtenden<br />
Klebstoffen meistens die<br />
beste und kostengünstigste Lösung.<br />
Der Clou: UV-Klebstoffe sind<br />
zu 100 % lösemittelfrei, sie härten<br />
innerhalb von Sekundenbruch teilen<br />
unter UV-Licht oder LED-UV-Licht<br />
aus (Bild 1), und sie verfügen nach<br />
der Aushärtung über sehr hohe<br />
Nadelauszugskräfte. Klebstoffhersteller<br />
wie Panacol haben sich auf<br />
Klebstoffe für die Medizintechnik<br />
spezialisiert und die Standardklebstoffe<br />
für Needle Bonding bereits<br />
entsprechend der USP Class VIoder<br />
ISO 10993-5-Normen getestet.<br />
Ebenso wurden die Klebstoffe auf<br />
ihre Beständigkeit bei üblichen Sterilisationsprozessen<br />
getestet. Dadurch<br />
wird die Gesundheitsverträglichkeit<br />
(Biokompatibilität) der fertigen Medizinprodukte<br />
gewährleistet.<br />
Anwendungsspezifische<br />
Kleber<br />
Für das Needle Bonding gibt<br />
es keinen „Alleskleber“. Je nach<br />
Anwendung, Material, Fertigungsstückzahl<br />
und Aushärtungsprozess<br />
stehen spezielle Klebstoffe, meist<br />
auf Acrylatbasis, zur Auswahl. Spritzen<br />
werden in der Regel aus Glas-<br />
Panacol-Elosol GmbH<br />
www.panacol.de<br />
Bild 1: Der Klebstoff in den Nadelhubs wird mit LED-UV-Lichtquellen ausgehärtet<br />
24 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Produktion<br />
Bild 2: Blau fluoreszierender Klebstoff ist nach der Verklebung von Nadeln in<br />
Glasspritzen zu sehen<br />
Bild 3: Blau fluoreszierender Klebstoff ist in den Spritzenhubs deutlich<br />
sichtbar<br />
oder Kunststoffkörpern gefertigt, die<br />
mit Nadeln aus Edelstahl verbunden<br />
werden sollen. Für jede spezifische<br />
Anwendung und Materialpaarung<br />
stehen die unterschiedlichsten<br />
Spezialklebstoffe zur Ver fügung.<br />
Hohe Auszugskräfte der eingeklebten<br />
Nadeln werden maßgeblich<br />
durch eine präzise Fertigung<br />
(Nadelpositionierung, Klebstoffdosierung<br />
und zuverlässige Aushärtung<br />
des Klebstoffs) sowie durch<br />
die Auswahl des Hubs (verwendeter<br />
Werkstoff, Design) und vor allem<br />
durch das passende Klebstoffsystem<br />
bestimmt.<br />
Für die Herstellung von Spritzen,<br />
die meist in großen Stückzahlen<br />
in automatisierter Fertigung<br />
hergestellt werden, eignet sich der<br />
Einsatz von UV-härtenden Klebstoffen,<br />
die über eine hohe Haftung<br />
auf Glas, Kunststoffen und Metallen<br />
verfügen. Kunststoffe wie PP<br />
oder ABS lassen sich sehr gut kleben,<br />
für schwer verklebbare Substrate<br />
wie z. B. Polypropylen müssen<br />
entsprechende Spezialklebstoffe<br />
gewählt werden.<br />
Voraussetzung für die Verklebung<br />
mittels UV-Klebstoffen ist, dass mindestens<br />
eines der Fügeteile transparent<br />
ist. Für UV-geblockte Kunststoffe<br />
besteht auch die Möglichkeit,<br />
Klebstoffe zu wählen, die durch<br />
Strahlung im sichtbaren Wellenlängenbereich<br />
aushärten (Bild 2).<br />
UV- und lichthärtende Klebstoffe<br />
bestehen hauptsächlich aus<br />
einem Harz, zumeist basierend auf<br />
Acrylatharz, sowie Photoinitiatoren.<br />
Diese werden durch UV-Bestrahlung<br />
aktiviert und lösen die Aushärtungsreaktion<br />
(Polymerisation)<br />
aus. Moderne Photoinitiatoren reagieren<br />
auch auf das monochromatische<br />
Licht von LED-Lichtquellen,<br />
so dass viele strahlungshärtende<br />
Klebstoffe sowohl mit UV- als auch<br />
UV-LED-Licht ausgehärtet werden<br />
können.<br />
Eine Besonderheit sind fluoreszierende<br />
Klebstoffe, die für eine<br />
schnelle und effiziente Qualitätskontrolle<br />
eingesetzt werden: Durch<br />
die Anregung mit schwachem UV-<br />
Licht mit einer Wellenlänge von<br />
365 nm fluoresziert der Klebstoff<br />
und Unregel mäßigkeiten in der Klebestelle<br />
sind dadurch leicht sichtbar.<br />
Da viele transparente Kunststoffe<br />
bläulich schimmern, bieten einige<br />
Klebstoffhersteller auch orange fluoreszierende<br />
Klebstoffe für eine<br />
gut sichtbare Prozesskontrolle an<br />
(Bild 3).<br />
Speziell für medizinische<br />
Produkte<br />
spielen die Haltbarkeit<br />
und die Beständigkeit<br />
der Verklebung<br />
gegenüber der<br />
Sterilisation (Dampf-,<br />
Elektronenstrahl-Sterilisation,<br />
Gammaund<br />
ETO-Bestrahlung)<br />
eine entscheidende<br />
Rolle. Um die<br />
Funktionsfähigkeit<br />
der Klebstoffe auch<br />
nach Sterilisation zu<br />
gewährleisten, führen<br />
viele Klebstoffhersteller<br />
bereits bei<br />
der Klebstoffentwicklung<br />
Untersuchungen<br />
zur Beständigkeit<br />
durch. Dafür werden<br />
Musterteile verklebt und nach<br />
Aushärtung die Nadelauszugsfestigkeiten<br />
ermittelt. Im Anschluss<br />
werden die Musterteile sterilisiert<br />
und erneut die Nadelauszugskräfte<br />
ermittelt, die dann einen Vergleich<br />
zur Ausgangsverklebung zulassen.<br />
So wird gewährleistet, dass die Haftwerte<br />
der Klebstoffe auch nach der<br />
Sterilisation stabil bleiben (Bild 4).<br />
Bild 4: Eine Nadel ist mit UV-Klebstoff in einem Butterfly fixiert<br />
Verbindung und Verklebung<br />
früh beachten<br />
Bereits bei der Entwicklung und<br />
beim Design neuer Medizinprodukte<br />
sollte die Verbindung und<br />
Verklebung in die Planung einbezogen<br />
werden. Dies betrifft insbesondere<br />
das Design des Klebespaltes<br />
als auch die Materialauswahl<br />
der zu verklebenden Einzelteile.<br />
Denn je nach Material und<br />
geforderten Haftfestigkeiten ist<br />
die Klebstoffauswahl zu treffen<br />
und das notwendige Aushärtungsequipment<br />
zu wählen. Im Idealfall<br />
kommen Klebstoff und Aushärtesystem<br />
aus einer Hand und<br />
sind damit optimal aufeinander<br />
abgestimmt.<br />
Klebstoffhersteller von zertifizierten<br />
Medizintechnikklebstoffen<br />
verfügen über das notwendige<br />
Knowhow und Erfahrung und bieten<br />
mit einer spezialisierten Abteilung<br />
aus Anwendungsingenieuren<br />
eine individuelle Klebeberatung an.<br />
Auf diese Weise ist Biokompatibilität<br />
sowie eine sichere und dauerhafte<br />
Verbindung auch nach Sterilisation<br />
des fertigen Produktes gewährleistet.<br />
◄<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
25
Produktion<br />
Additive Fertigung mit Silikon<br />
Extrusionsbasierte additive Fertigungsverfahren und Prozesse<br />
ViscoTec<br />
Pumpen- u. Dosiertechnik GmbH<br />
mail@viscotec.de<br />
www.viscotec.de<br />
Additiv gefertigte Bauteile werden<br />
längst nicht mehr nur für den Prototypenbau<br />
verwendet. Auch im Vorserienbau<br />
und für Serienteile wird ihr<br />
großes Potential genutzt. Für technisch<br />
einsetzbare Bauteile sind die<br />
Materialeigenschaften von entscheidender<br />
Relevanz. In diesem Bereich<br />
können 3D-gedruckte Bauteile nur<br />
mit konventionell gefertigten konkurrieren,<br />
wenn sie auch die gleichen<br />
mechanischen und chemischen<br />
Eigenschaften haben. Biokompatibilität,<br />
thermische Beständigkeit<br />
und natürlich die sehr hohe Elastizität<br />
machen Silikon für sehr viele<br />
Anwendungen unverzichtbar. Es<br />
besteht deshalb ein großes Interesse,<br />
die Vorteile der Additiven<br />
Fertigung auch für den Werkstoff<br />
Silikon zu ermöglichen. Der Prozess<br />
zur additiven Verarbeitung<br />
von Silikon ist jedoch nicht trivial.<br />
Von den unterschiedlichen Ansätzen<br />
werden in diesem White Paper<br />
die extrusionsbasierten Verfahren<br />
und Prozesse dargestellt. Insbesondere<br />
werden verschiedene Vernetzungsmechanismen<br />
näher betrachtet<br />
– mit ihren jeweiligen Vor- und<br />
Nachteilen.<br />
3D-Druck von Silikon:<br />
Extrusionsbasierte<br />
Verfahren<br />
Ein entscheidender Vorteil der<br />
extrusionsbasierten Verfahren ist<br />
die große Vielfalt an verarbeitbaren<br />
Flüssigkeiten und Pasten.<br />
Es sind damit nahezu alle Arten<br />
von Silikonen verwendbar: Von<br />
niedrig- bis hochviskos und von<br />
RTV (Raum-Temperatur-Vulkanisation)<br />
über Standard LSR (Liquid<br />
Silicone Rubber) bis hin zu UVvernetzenden<br />
und mit Partikeln<br />
gefüllten Silikonen.<br />
Der extrusionsbasierte Fertigungsprozess<br />
ist dem des FLM-<br />
Druckens (Fused Layer Modelling)<br />
sehr ähnlich. Mit Hilfe eines<br />
Dosierkopfes wird dabei ein Strang<br />
abgelegt. Aus diesem Strang wird<br />
Schicht für Schicht ein Bauteil additiv<br />
gefertigt.<br />
In diesem White Paper werden die<br />
2-komponentigen LSRe und RTV-<br />
Silikone behandelt. LSR benötigen<br />
zur Vernetzung thermische Energie,<br />
RTV-Silikone sind für eine Reaktion<br />
bei Raumtemperatur ausgelegt.<br />
Vernetzung von LSRen<br />
Beim Drucken von Silikon handelt<br />
es sich immer um ein flüssiges<br />
Medium. Entscheidende Prozessparameter<br />
sind deshalb die Formstabilität<br />
und das Vernetzen des Silikons.<br />
Wichtig ist auch: Erst durch<br />
die chemische Reaktion des Materials,<br />
zum Beispiel durch Polyaddition<br />
oder Polykondensation, wird<br />
die Festigkeit des fertigen Silikons<br />
erreicht.<br />
Grundsätzlich unterscheidet man<br />
für LSR-Silikone zwischen zwei<br />
unterschiedlichen Zeitpunkten der<br />
Vernetzung: Vernetzung während<br />
der Fertigung und Vernetzung im<br />
Postprozess bzw. in der Nachbereitung.<br />
Vernetzung während der<br />
Fertigung<br />
• Beheizte Bauplattform:<br />
Beheizbare Bauplattformen in<br />
additiven Fertigungsmaschinen<br />
sind weit verbreitet. Es ist also<br />
naheliegend, die thermische Vernetzungsenergie<br />
darüber bereitzustellen.<br />
Je nach Reaktionszeit<br />
des Silikons kann die Vernetzung<br />
auf einer beheizten Bauplattform<br />
innerhalb weniger Sekunden nach<br />
der Extrusion erfolgen.<br />
Dieses Verfahren hat jedoch einen<br />
entscheidenden Nachteil: Die Temperaturverteilung<br />
verändert sich<br />
mit der Höhe des Bauteils. Denn<br />
je weiter die Schicht von der Bauplattform<br />
entfernt ist, umso weniger<br />
thermische Energie wird zugeführt.<br />
Das bedeutet, dass ein zuverlässiger<br />
und konstanter Prozess für<br />
ein Bauteil mit zahlreichen Schichten<br />
damit sehr schwierig zu realisieren<br />
ist. Erfahrungsgemäß ist es<br />
nicht mehr sinnvoll, Bauteile die<br />
größer als zwei bis drei Zentimeter<br />
sind, mit einer beheizten Bauplattform<br />
zu fertigen.<br />
• Vernetzung jeder Schicht:<br />
Ein Wärmeeintrag auf das jeweilige<br />
Bauteil von oben – nach jeder<br />
Schicht – ermöglicht die gleichmäßige<br />
Vernetzung für eine beliebige<br />
Anzahl an Schichten. Der Wärmeeintrag<br />
erfolgt direkt während<br />
des Druckprozesses, das Bauteil<br />
ist also direkt nach dem Drucken<br />
fertig. Dafür wird eine zusätzliche<br />
Wärme quelle, wie beispielsweise<br />
eine Infrarotlampe, benötigt. Intensität<br />
und Belichtungszeit müssen<br />
auf die jeweilige Schicht angepasst<br />
sein, weshalb der ganze Fertigungsprozess<br />
aufwändiger und komplizierter<br />
wird.<br />
Vernetzung im Postprozess<br />
Ein weiterer Ansatz ist es, ein Silikon<br />
zu verwenden, das aufgrund<br />
seiner rheologischen Eigenschaften<br />
nach der Extrusion die Form<br />
behält. Das kann durch eine sehr<br />
hohe Viskosität oder eine hohe<br />
Thixotropie des Silikons oder auch<br />
durch eine Kombination aus beidem<br />
26 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Produktion<br />
Bild 1: 3D Druck von Silikon: Fertigungsprozess Hydrogeldruck<br />
erreicht werden. Das fertige Bauteil<br />
aus LSR-Silikon wird im Nachgang,<br />
dem sogenannten „postprocessing“,<br />
in einen Ofen gestellt und<br />
bei entsprechenden Temperaturen<br />
vernetzt. Durch den Wärmeeintrag<br />
darf keine Deformation im Bauteil<br />
erfolgen. In diesem Prozess werden<br />
keine zusätzlichen Geräte zur<br />
Wärmezufuhr während des Druckens<br />
benötigt.<br />
Stützmaterial<br />
Für steile Überhänge oder ein<br />
Bridging (das Schließen einer Kontur)<br />
muss eine Stützstruktur aufgebaut<br />
werden. Dieses Stützmaterial<br />
soll während des Fertigungsprozesses<br />
auf dem Silikon haften<br />
und den thermischen Bedingungen<br />
während der Vernetzung standhalten.<br />
Anschließend muss es im fertigen<br />
Bauteil leicht entfernbar sein.<br />
Es ist eine Herausforderung, das<br />
passende Stützmaterial für jedes<br />
Silikon zu finden. Und durch das<br />
Aufbauen der Stützstruktur werden<br />
zusätzliches Material und Zeit<br />
für den Fertigungsprozess benötigt.<br />
Fertigung im Hydrogel<br />
Doch es gibt ein Verfahren, mit<br />
dem Geometriefreiheit ohne das Aufbauen<br />
einer Stützstruktur möglich<br />
ist: Das Fertigen in einem anderen<br />
Medium. Dazu wird das Silikon mit<br />
einer langen Nadel in einen Behälter,<br />
der mit einem „Stützmedium“<br />
gefüllt ist, dosiert. Dieses Stützmedium<br />
kann zum Beispiel ein Pulver<br />
oder Hydrogel sein. Der Prozess ist<br />
in Bild 1 dargestellt:<br />
Im ersten Schritt wird das Silikon<br />
(siehe Bild 1 in orange) in ein Stützmedium<br />
(siehe Bild 1 in blau) dosiert.<br />
Der extrudierte Strang wird von dem<br />
umgebenden Medium fixiert. Nach<br />
dem die gewünschte Struktur aufgebaut<br />
ist und das Silikon vernetzt ist,<br />
kann das Bauteil mit einer Pinzette<br />
aus dem Medium entfernt werden.<br />
Abschließend werden Reste des<br />
Stützmedium entfernt oder einfach<br />
abgewaschen.<br />
Besonders geeignet für dieses<br />
Verfahren sind RTV-Silikone, da<br />
diese bereits nach kurzer Zeit (30<br />
bis 60 Minuten) vernetzt sind. Das<br />
Stützmedium kann nach dem Entfernen<br />
des Bauteils erneut verwendet<br />
werden.<br />
Der größte Vorteil dieses Verfahrens<br />
ist die sehr große Gestaltungsfreiheit.<br />
Man ist weder durch zu steilen<br />
Überhang noch durch Bridging<br />
eingeschränkt. Zur Veranschaulichung<br />
ist in Bild 2 ein Bauteil dargestellt,<br />
das beides aufweist. Dieses<br />
Bauteil wurde mit einer 0,3 mm<br />
Nadel gedruckt. Die dünnen Verbindungen<br />
zwischen der Helix sind mit<br />
Bild 2: DNS-Struktur aus Silikon – gefertigt als 3D Druck Bauteil in Hydrogel<br />
Weitere Infos: https://www.viscotec.de/3d-druck-von-standardmaterialien/<br />
anderen Verfahren bisher nur sehr<br />
schwierig fertigbar.<br />
Nachteile dieser Technologie ist<br />
der große Einsatz an Stützmedium,<br />
das bei größeren Bauteilen notwendig<br />
ist. Und dass eine Verwendung<br />
von LSRen meist nicht sinvoll ist.<br />
Zusammenfassung –<br />
3D Druck von Silikon<br />
Durch die große Vielfalt an unterschiedlichen<br />
extrusionsbasierten<br />
Fertigungsprozessen lassen sich<br />
nahezu alle Bauteile aus Silikon<br />
herstellen. Je nach gewünschter<br />
Geometrie und Silikontyp kann<br />
der passende Prozess definiert<br />
werden. Die Grundlage für einen<br />
erfolgreichen Fertigungsprozess ist<br />
dabei immer eine präzise und wiederholgenaue<br />
Dosierung des Silikons.<br />
Das Potential des Silikon-<br />
3D-Druckes ist bei weitem noch<br />
nicht ausgeschöpft. Insbesondere<br />
mit neuen Verfahren, wie beispielsweise<br />
dem Verwenden von einem<br />
Stützmedium (wie Hydrogel), eröffnen<br />
sich völlig neue Gestaltungsmöglichkeiten.<br />
◄<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
27
Produktion<br />
Industrietauglicher Fokusversteller für<br />
Mikroskopie- und Kameraanwendungen<br />
Präzise, robust, zuverlässig und wirtschaftlich: Industrietauglicher Fokusversteller für Mikroskope und Kameras von<br />
Steinmeyer Mechatronik © 123RF/kkolosov<br />
Autor:<br />
Elger Matthes,<br />
Entwicklung und<br />
Produktmanagement<br />
Steinmeyer Mechatronik GmbH<br />
info@steinmeyer-mechatronik.de<br />
www.steinmeyer-mechatronik.de<br />
Je kleiner der Verfahrweg,<br />
desto geringer die Probleme? Von<br />
wegen. Genau das Gegenteil ist<br />
der Fall. Extrem kurze Distanzen<br />
wie sie in Fokusverstellern für die<br />
automatische Inspektion in Fertigungsanlagen<br />
typisch sind, stellen<br />
hohe Anforderungen an die<br />
Technik und können schnell zur<br />
großen Herausforderung werden.<br />
Die Lösung könnte in einem<br />
unkonventionellen Ansatz liegen.<br />
Dabei bestehen die Fokusversteller<br />
aus einem Federparallelogramm,<br />
einem Exzenterantrieb mit<br />
Schrittmotor sowie einem induktivem<br />
Linearmesssystem und bringen<br />
Performance, Robustheit und<br />
Wirtschaftlichkeit optimal in Einklang.<br />
Dadurch eignen sie sich<br />
perfekt für den Einsatz in industriellen<br />
Mikroskopie- und Kameraanwendungen.<br />
Schnelles Fokussieren<br />
Kamerasysteme, die in der Industrie<br />
zur automatischen Inspektion<br />
und Qualitätssicherung eingesetzt<br />
werden, müssen in Sekundenschnelle<br />
fokussieren. Maximal<br />
100 ms stehen dafür in der Regel<br />
zur Verfügung. Zwar ist ein Verfahrweg<br />
mit 0,5 bis 2 mm nicht besonders<br />
lang – oftmals geht es nur<br />
darum, die Dickenvariation eines<br />
Substrats auszugleichen oder enge<br />
Stacks von Bildern in verschiedenen<br />
Tiefenschärfen aufzunehmen<br />
–, doch gerade diese kurze<br />
Distanz wird für die standardmäßigen<br />
Fokusversteller auf Basis<br />
von Linearführungen schnell zum<br />
Verhängnis. Bei Millionen kleiner<br />
Bewegungen versagt das tribologische<br />
System mechanischer<br />
Wälzführungen frühzeitig, da der<br />
Schmierstoff an der Kontaktstelle<br />
verdrängt wird und sich nicht wie<br />
üblich über die ganze Laufbahn verteilen<br />
kann. Die Folge sind Kaltverschweißungen,<br />
die den gesamten<br />
Versteller blockieren. Bei Bewegungen<br />
im Mikrometer- und Submikrometerbereich<br />
wirken sich<br />
zudem Stick-Slip-Effekte, also der<br />
Übergang von Haft- in Roll reibung<br />
in der Führung, negativ aus.<br />
Innovativer Fokusversteller mit geschlitzten Membranen von Steinmeyer<br />
Mechatronik – ideal für extrem kurze Verfahrwege mit hohen Zyklenzahlen<br />
alle folgenden Bilder © Steinmeyer Mechatronik<br />
Exzenterantrieb mit Schrittmotor und Getrieben für einen Membransteller<br />
mit integrierter Optik<br />
28 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Produktion<br />
Die Fokusversteller bestehen aus einem Federparallelogramm,<br />
einem Exzenterantrieb mit Schrittmotor sowie einem induktivem<br />
Linearmesssystem<br />
Membranversteller mit seitlich integriertem optischen Messkopf<br />
Robustheit und Wirtschaftlichkeit<br />
sind das A und O<br />
In der klassischen Mikroskopie<br />
haben sich für Anwendungen mit<br />
kurzen Wegen und hohen Zyklenzahlen<br />
piezoelektrische Fokusversteller<br />
bewährt. Diese erlauben eine<br />
sehr hohe Dynamik bei gleichzeitig<br />
exzellenter Schrittauflösung, sind<br />
allerdings äußerst empfindlich in<br />
der Handhabung und teuer in der<br />
Anschaffung. Auch benötigen sie<br />
ein spezielles Hochspannungsinterface<br />
für die elektrische Ansteuerung.<br />
Das macht sie für den Einsatz<br />
in industriellen Anwendungen<br />
unattraktiv. Auch andere Alternativen<br />
sind aufgrund ähnlicher Schwächen<br />
keine Idealbesetzung. Doch wie lassen<br />
sich die spezifischen Anforderungen<br />
der Industrie – extrem<br />
kurze Verfahrwege, hohe Dynamik,<br />
robuste Verarbeitung, lange<br />
Lebensdauer, Wartungsfreiheit,<br />
standardisierte Schnittstellen sowie<br />
optimale Wirtschaftlichkeit – unter<br />
einen Hut bringen?<br />
Eine Lösung neu denken<br />
Fokusversteller bestehend aus<br />
einem Federparallelogramm, einem<br />
Exzenterantrieb mit Schrittmotor<br />
und einem induktiven Linearmesssystem.<br />
Auf den ersten Blick mag<br />
diese Kombination für Maschinenbauer<br />
eher befremdlich wirken.<br />
Viele können sich Blattfedern als<br />
Führungselement nicht vorstellen,<br />
auch werden Exzenterantriebe<br />
meist nicht mit Genauigkeit in Verbindung<br />
gebracht - doch derartige<br />
Vorbehalte sind absolut unbegründet.<br />
Die Praxis hat gezeigt, dass<br />
diese Fokusversteller hochpräzise<br />
positionieren und trotzdem die für<br />
das industrielle Umfeld notwendige<br />
Robustheit bieten. Zudem sind sie<br />
noch kostengünstig. Mittlerweile<br />
arbeiten diese Systeme seit vielen<br />
Jahren in der Praxis sehr zuverlässig<br />
und problemlos. Sie absolvieren<br />
mehr als 100 Millionen Fokussierungen<br />
und liefern exzellente Bilder.<br />
Aus der Messtechnik in den<br />
Maschinenbau<br />
Blattfedern kommen ursprünglich<br />
aus der Messtechnik und werden<br />
dort bereits seit über einem<br />
Jahrhundert eingesetzt. Auch die<br />
Hightech-Industrie macht sich das<br />
Prinzip zunutze, im allgemeinen<br />
Maschinenbau werden die Festkörpergelenke<br />
dagegen kaum genutzt.<br />
Dabei sind sie in Form eines Federparallelogramms<br />
gerade bei extrem<br />
kurzen Verfahrwegen eine sinnvolle<br />
Lösung. Bei kleinen Längsbewegungen<br />
deformieren sich die Blattfedern<br />
elastisch, sodass kein Verschleiß<br />
oder Ermüdungsbruch zu<br />
befürchten ist. Die obere Plattform<br />
führt die gewünschte Linearbewegung<br />
aus. Senkrecht dazu kommt es<br />
wegen der Verkürzung der Blattfedern<br />
beim Auslenken zu einer Parasitärbewegung,<br />
die be rechenbar,<br />
systematisch und damit auch kompensierbar<br />
ist.<br />
Ist das nicht akzeptabel, kann die<br />
Blattfeder rotationssymmetrisch als<br />
Membranfeder ausgeführt werden.<br />
Durch die Materialausdehnung entfällt<br />
in diesem Fall die Parasitärbewegung.<br />
Allerdings benötigen Membranfedern<br />
im Vergleich zu Blattfedern<br />
deutlich mehr Platz, was<br />
für viele Anwendungen ein Ausschlusskriterium<br />
darstellt. Bei sehr<br />
kleinen Stellwegen sind die Membranfedern<br />
ebene Blechronden,<br />
für größere Stellwege werden sie<br />
geschlitzt oder mit umlaufenden<br />
Sicken ausgestattet. Bei korrekter<br />
Dimensionierung erlauben Festkörpergelenke<br />
dauerhaft Linearbewegungen<br />
mit kleinen Auslenkungen.<br />
Außerdem haben sie eine sehr hohe<br />
Lebensdauer. Sie kommen ohne<br />
Schmierstoff aus, arbeiten bis auf<br />
innere Materialreibungen reibungsfrei<br />
und weisen keinerlei Hysteresebzw.<br />
Stick-Slip-Effekte. Zudem sind<br />
Federparallelogramm schematisch, in Ruhelage und ausgelenkt<br />
Federparallelogramm: Verfahrweg und Parasitärbewegung<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
29
Produktion<br />
Federparallelogramm durch Exzenter ausgelenkt<br />
sie günstig in der Herstellung und<br />
hinreichend robust in der Anwendung.<br />
Reparaturen können schnell<br />
und mit geringem Aufwand durchgeführt<br />
werden.<br />
Uralte Technik,<br />
hochmodernes System<br />
Auch das Konzept des Exzenterantriebs<br />
ist altbekannt, bereits in<br />
der Antike wurde die Technologie<br />
für die Transformation zwischen<br />
einer Rotations- und einer Linearbewegung<br />
genutzt. Heute finden<br />
sich Exzenterantriebe unter anderem<br />
in Pressen und Spanneinrichtungen,<br />
aber auch in PKW-Verbrennungsmotoren<br />
in Form der Kurbelwelle.<br />
Der Einsatz von Exzentern<br />
ermöglicht eine einfache, robuste<br />
und preiswerte Lösung, hat aber<br />
durchaus seine Tücken hinsichtlich<br />
Linearität und Ansteuerung. So<br />
verhält sich das System bei einer<br />
vollen Umdrehung in der Nähe der<br />
Umkehrpunkte nichtlinear. In der<br />
Folge kommt es zu einer Umkehr<br />
der Linearbewegung bei gleicher<br />
Drehrichtung des Motors. Also gilt<br />
es, eine volle Umdrehung zu vermeiden.<br />
Dies gelingt, indem man<br />
den Drehbereich des Motors eingeschränkt.<br />
Begrenzt man den<br />
Drehwinkel des Motors beispielsweise<br />
auf ±45° aus der Horizontalposition<br />
des Exzenters, dann<br />
verringert sich der Verfahrweg um<br />
circa 30 %. Gleichzeitig werden die<br />
stark nichtlinearen Bereiche ausgeblendet<br />
und die Richtungsumkehr<br />
im Übertragungsverhalten verhindert.<br />
So arbeitet man also nur in<br />
dem Bereich, der eindeutig, wiederholbar,<br />
linear und steuerungsmäßig<br />
gut beherrschbar ist. Die resultierende<br />
Abweichung von einer linearen<br />
Übertragungsfunktion beträgt<br />
bei diesen Grenzwerten maximal<br />
4 %, die nur in den Endbereichen<br />
des Verfahrwegs erreicht wird. Im<br />
Mittel liegt sie bei 1,5 %. Wählt man<br />
die Grenzen enger, lässt sich auf<br />
Kosten des Verstellwegs ein noch<br />
weit besseres lineares Verhalten des<br />
Systems erzielen. Da diese Abweichungen<br />
systematisch sind, können<br />
sie leicht in einer übergeordneten<br />
Software kompensiert werden. Typischerweise<br />
sollten Schrittmotoren<br />
verwendet werden, da diese im Stillstand<br />
externe Momente aufnehmen<br />
können. Für Servomotoren empfiehlt<br />
sich ein hochuntersetzendes<br />
Getriebe, was aber einer einfachen<br />
und kostengünstigen Konstruktion<br />
widerspricht.<br />
Unkomplizierte Erfassung<br />
des aktuellen Verfahrwegs<br />
Setzt man beispielsweise als<br />
Mess- und Feedbacksystem ein<br />
induktives Linearmesssystem ein,<br />
ergeben sich folgende Vorteile: Es<br />
ist gegen Verschmutzung, Schwingungen<br />
und Vibrationen sowie elektrische<br />
und magnetische Felder<br />
weitgehend immun und ermöglicht<br />
damit einen zuverlässigen Betrieb<br />
im industriellen Umfeld. Darüber<br />
hinaus erfüllt es die Forderung nach<br />
einem Standard-Daten interface, das<br />
von den Steuerungskomponenten<br />
sofort gelesen und weiterverarbeitet<br />
werden kann. Sehr hohe Interpolationsraten<br />
von 12 Bit und mehr<br />
erlauben eine Auflösung im Submikrometerbereich.<br />
Durch Einsatz<br />
zweier Leseköpfe auf Maßstäben<br />
leicht unterschiedlicher Periodenlänge<br />
lassen sich die an sich inkrementellen<br />
Systeme als kostengünstige<br />
Absolutmesssysteme konfigurieren.<br />
Eine interne Kalibrierung<br />
ermöglicht die sichere Einhaltung<br />
einer absoluten Genauigkeit<br />
von 10 µm über den gesamten<br />
Verfahrbereich. Da die Ansteuerelektronik<br />
immer die tatsächliche<br />
Position des bewegten Objektivs<br />
misst, ist eine zusätzliche Kompensation<br />
der Exzenter-Nichtlinearitäten<br />
unnötig.<br />
Eine performancestarke,<br />
robuste, zuverlässige und<br />
wirtschaftliche Lösung<br />
Ob Halbleiterindustrie, Biomedizintechnik,<br />
Pharma oder Messtechnik:<br />
Die lückenlose Kontrolle,<br />
Überwachung und Dokumentation<br />
von Prozessschritten wird vielerorts<br />
immer wichtiger. Damit einher<br />
geht eine zunehmende Automatisierung<br />
der Qualitätssicherung,<br />
die durch den Einsatz von<br />
Kamerasystemen oftmals erst<br />
möglich gemacht wird. Hochauflösende<br />
Kamerachips und Rechenpower<br />
zur Bildverarbeitung werden<br />
immer günstiger. Casus knacksus<br />
sind allzu oft noch die Autofokus-Einheiten.<br />
Mit der gezeigten<br />
unkonventionellen Lösung kann<br />
hier Abhilfe geschaffen werden.<br />
Sie erfüllt alle Anforderungen der<br />
Industrie in Bezug auf Robustheit,<br />
Performance, Zuverlässigkeit, Integration<br />
sowie Wirtschaftlichkeit und<br />
eröffnet so neue Möglichkeiten für<br />
automatische Inspektionssysteme<br />
in Fertigungsanlagen. ◄<br />
Wird der Drehwinkel des Motors auf ±45° aus der Horizontalposition des Exzenters begrenzt, ist die Bewegung linear,<br />
wiederholbar und steuerungsmäßig gut beherrschbar<br />
30 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Messtechnik<br />
Oszilloskop-Serie mit 12 Bit Auflösung<br />
Siglent Technologies Germany<br />
GmbH<br />
www.siglenteu.com<br />
Anwendungen aus der Leistungselektronik,<br />
der Medizintechnik<br />
oder des IoT benötigen zur Analyse<br />
von Signalanomalien oftmals<br />
eine feine vertikale Auflösung. Zur<br />
Erfassung dieser Details ist die am<br />
Markt übliche 8-bit Auflösung von<br />
Oszilloskopen regelmäßig unzureichend.<br />
Ein Gerät mit 12-bit Analog-<br />
Digital-Wandlung liefert eine 16x<br />
feiner Auflösung und eignet sich<br />
daher sehr gut für diese Aufgaben.<br />
Der maximale Nutzen kann nur mit<br />
einer rauscharmen Eingangsstufe<br />
erreicht werden. Die neue Oszilloskop-Serie<br />
SDS2000X HD von<br />
Siglent vereint beides und bietet<br />
zusätzlich noch viele weitere nützliche<br />
Standardfunktionen.<br />
Das Besondere an diesen<br />
Geräten<br />
ist die 12-Bit-AD-Wandlung. Im<br />
Vergleich zu 8-Bit ADCs kann damit<br />
eine 16x höhere vertikale Auflösung<br />
erreicht werden. Der von digitalen<br />
Oszilloskopen bekannte Quantisierungsfehler<br />
wird somit erheblich verringert.<br />
Bei der Analyse von kleinsten<br />
Signaldetails, speziell wenn die<br />
Zoomfunktion zum Einsatz kommt,<br />
ist die Verbesserung der Auflösung<br />
besonders wertvoll. Die integrierten<br />
Analog/Digital-Wandler haben<br />
eine Abtastrate von 2 GS/s. Die<br />
Geräte der Serie sind ausschließlich<br />
als „Vierkanaler“ erhältlich. Alle<br />
Oszillo skope sind mit zwei AD-<br />
Wandlern und mit 2x 200 Mega-<br />
Punkten Erfassungsspeicher ausgestattet.<br />
Daraus ergibt sich bei vier<br />
aktivierten Kanälen pro Kanal eine<br />
Mindestabtastrate von 1 GS/s und<br />
eine Speichertiefe von 100 MPkt.<br />
Die Geräte sind in den Bandbreiten<br />
100, 200 und 350 MHz verfügbar.<br />
Wird mehr Bandbreite be nötigt<br />
steht eine Bandbreitenupgrade-<br />
Option zur Verfügung.<br />
Die weitere Ausstattung<br />
der neuen Serie ist identisch mit<br />
der Ausstattung der erfolgreichen<br />
SDS2000X Plus Serie. Damit sind<br />
die folgenden Funktionen ebenfalls<br />
standardmäßig enthalten:<br />
Zonen trigger, Counter, Totalizer,<br />
Masken test, Historie mit Suchfunktion,<br />
FFT-Analyse mit bis zu 2 Millionen<br />
Punkten, serielle Bus-Triggerung<br />
und -Dekodierung für I 2 C,<br />
UART, SPI, LIN, CAN. Die weiteren<br />
Dekoder I 2 S-, CAN-FD-, FlexRay-,<br />
MIL1553-, SENT und Manchester<br />
können per Softwareoption freigeschaltet<br />
werden. Das Gerät kann<br />
durch den Erwerb des Logikanalysator-Adapters<br />
um 16 digitale<br />
Kanäle erweitert werden.<br />
Der Sequenzmodus erhöht die<br />
Kurven-Erfassungsrate auf bis zu<br />
500 000 wfm/s. Damit wird die Totzeit<br />
des Oszilloskops gegenüber dem<br />
„Normal-Modus“ um einen Faktor<br />
von ca. 5 verringert und seltene Signalanomalien<br />
können bei der Fehlersuche<br />
schneller entdeckt werden. Die<br />
integrierte Bode-Plot-Funktion bildet,<br />
zusammen mit dem optionalem 25<br />
MHz Funktionsgenerator, eine komfortable,<br />
platzsparende und kostengünstige<br />
Frequenzganganalyse ohne<br />
dass in zusätz liche externe Instrumente<br />
investiert werden muss. Bei<br />
der Schaltnetz teilentwicklung werden<br />
Bode-Plots verwendet um die<br />
Phasen- und Amplitudenreserve<br />
zu messen.<br />
X-HD-Serie<br />
Ebenso wie die X-Plus-Serie verfügt<br />
die X-HD-Serie über eine Leistungsanalyse-Option.<br />
Damit können<br />
die wichtigsten Messungen<br />
automatisiert durchgeführt werden<br />
und alle üblichen Eigenschaften von<br />
Spannungskonvertern bestimmt<br />
werden. Die feinere vertikale Auflösung<br />
erhöht die Genauigkeit der<br />
Ergebnisse der Leistungsmessung<br />
und ermöglicht eine noch bessere<br />
Optimierung. Die Oszilloskope sind<br />
mit einem 10,1-Zoll-Touch screen<br />
ausgestattet. Somit ist ausreichend<br />
Platz für die Darstellung der Signale<br />
und Analysen vorhanden. Die aus<br />
den aktuellen Ge räten bekannte<br />
gut durchdachte Bedienkonzept<br />
mit der Möglichkeit der Bedienung<br />
per Maus- und Tastatur macht das<br />
Arbeiten mit den Ge räten einfach<br />
und intuitiv. Die Fernsteuerung kann<br />
über den eingebauten Webserver<br />
erfolgen. ◄<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
31
Qualitätssicherung<br />
Maximale Präzision und<br />
Zuverlässigkeit<br />
Schnelle und hochauflösende CT-Inspektion für sichere, hochwertige und langlebige Medizintechnik<br />
Phoenix Speedscan HD, das neue Hochleistungs Mikro-CT-System von Waygate Technologies für industrielle<br />
3D-Prüfverfahren, kombiniert einen hohen Automatisierungsgrad für den produktionsliniennahen Einsatz mit<br />
hoher Auflösung und hohem Durchsatz<br />
Waygate Technologies<br />
www.waygate-tech.com<br />
Medizinische Geräte gehören<br />
zu den am stärksten überwachten<br />
und regulierten Produkten in der<br />
gesamten Industrie, da sie einen<br />
entscheidenden Einfluss auf die<br />
Lebens qualität und das Leben selbst<br />
haben. Deshalb stehen bei medizinischem<br />
Equipment und der Hardware<br />
für Patienten maximale Präzision<br />
und Zuverlässigkeit im Vordergrund.<br />
Höchste und strengste<br />
Qualitäts- und Sicherheitsstandards<br />
müssen durch Qualitätskontrollen<br />
erfüllt werden. Gleichzeitig wird die<br />
in vielen Geräten eingesetzte Technologie<br />
immer komplexer, Implantate<br />
werden beispielsweise kleiner<br />
und es werden zunehmend elektronische<br />
Hightech-Komponenten eingesetzt.<br />
Darüber hinaus werden die<br />
Produktentwicklungszyklen und Produktionsprozesse<br />
immer schneller.<br />
Führende CT-Bildqualität<br />
Von Herzschrittmachern und<br />
anderen batteriebetriebenen Implantaten<br />
wie Nervenstimulatoren oder<br />
Cochlea-Implantaten, über orthopädische<br />
Implantate, Zahnersatz und<br />
Brackets, Katheter, chirur gische<br />
Klammern bis hin zu Hörgeräten<br />
und Insulinpumpen – Waygate Technologies<br />
bietet maßgeschneiderte<br />
Inspektionslösungen mit weltweit<br />
führender CT-Bild qualität für jede<br />
Art von Anwendung.<br />
Ganz gleich, ob strukturelle<br />
Defekte in elektronischen oder<br />
mechanischen Teilen, orthopädischen<br />
Implantaten und zahnmedizinischen<br />
Anwendungen aufzuspüren<br />
sind oder hochpräzise zerstörungsfreie<br />
3D-Messtechnik für<br />
die Überprüfung von Bauteilabmessungen<br />
benötigt wird, die CT-Systeme<br />
von Waygate Technologies bieten<br />
branchenführende Bild qualität<br />
bei Geschwindigkeiten, die für F&E<br />
Analsysen im Labor als auch für<br />
hohen Probensatz in der produktionsnahen<br />
Qualitätsüberwachung<br />
bestens geeignet sind.<br />
Phoenix Speed|scan HD<br />
setzt neue Standards bei<br />
industriellen CT-Systemen<br />
Mit dem Phoenix Speed|scan HD<br />
steht erstmals ein microCT Scanner<br />
zur Verfügung, der atline-und inline<br />
mit kurzen Taktzeiten und hohem<br />
Probendurchsatz 3D inspizieren<br />
und messen kann und somit die<br />
höchsten Präzisionsansprüche der<br />
Branche erfüllt. Das Hochleistungs-<br />
Micro-CT-System wurde speziell für<br />
den produktionsnahen Einsatz mit<br />
hohem Probendurchsatz entwickelt<br />
und kann in den unterschiedlichsten<br />
Industrien eingesetzt werden.<br />
Besonders geeignet ist das neue<br />
System für die wachsenden Inspektionsanforderungen<br />
in der Medizintechnik,<br />
Elektronik- und Automobilindustrie<br />
sowie in der Batteriefertigung<br />
und im 3D-Druck. Der hohe<br />
Automatisierungsgrad des Phoenix<br />
Speed|scan HD ermöglicht das Prüfen<br />
großer Stückzahlen bei durch-<br />
Virtuelle CT-Schnittbilder durch eine gescannte Insulinpumpe<br />
32 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Qualitätssicherung<br />
Virtueller Schnitt durch ein CT Volumen eines Glukose-Sensors<br />
gehender Auslastung des Systems,<br />
um bis zu 100 Prozent des Produktionsvolumens<br />
prüfen zu können.<br />
Die auf künstlicher Intelligenz<br />
basierende automatische Defekterkennung<br />
(ADR) als Teil von Waygate<br />
Technologies´ InspectionWorks<br />
Software Platform erhöht die Effizienz<br />
in der Inspektion zusätzlich. Im<br />
Ergebnis reduzieren sich der Produktionsausschuss<br />
und der Bedienaufwand<br />
sowie die Kosten für die<br />
Qualitätskontrolle.<br />
Schneller und besser<br />
Dr. Oliver Brunke, Application and<br />
Engineering Leader für Industrielle<br />
CT-Systeme bei Waygate Technologies,<br />
erklärt: „Wir sind seit vielen<br />
Jahren Technologieführer in der<br />
Hochgeschwindigkeits-CT-Prüfung.<br />
Mit höher aufgelösten Bildern<br />
bei gleich hohem Probendurchsatz<br />
setzt Phoenix Speed|scan HD<br />
neue Standards in der Medizintechnik<br />
und vielen anderen Industrien.<br />
Dank unserem engen Austausch<br />
mit Anwendern in zahlreichen Branchen<br />
bietet das System eine Vielzahl<br />
von Anpassungsmöglichkeiten.<br />
Durch den hohen Automatisierungsgrad<br />
ist mit unserem neuen System<br />
eine spürbare Qualitäts- und<br />
Effizienzsteigerung in der Produktion<br />
möglich.“<br />
Entwickelt für unterschiedlichste<br />
Industrien<br />
und Anwendungen<br />
Haupteinsatzgebiet des Phoenix<br />
Speed|scan HD ist die Kontrolle<br />
und Optimierung des Produktionsprozesses.<br />
Auf der Basis von<br />
bewährten Technologien entwickelten<br />
die Ingenieure von Waygate<br />
Technologies das neue System<br />
beispielsweise für den Einsatz<br />
in der Unterhaltungselektronikindustrie,<br />
in der neben der Fehlererkennung<br />
vor allem Batterie- und Akkusicherheit<br />
sowie deren Langlebigkeit<br />
eine wichtige Rolle spielen – Faktoren,<br />
die auch in der Medizintechnik<br />
von herausragender Bedeutung<br />
sind. Durch die hohe Detailerkennbarkeit<br />
von bis zu 20 Mikro metern<br />
kann Speed|scan HD gerade in der<br />
Medizintechnik eine qualitativ hochwertige<br />
Inspektion bei gleichzeitig<br />
großer Effizienz gewähr leisten.<br />
Daneben ist das System vor allem<br />
für Fehleranalysen, quantitative<br />
3D-Porositätsanalysen, Materialstrukturanalysen,<br />
Montagekontrollen<br />
oder Soll/Ist-Vergleiche auf<br />
Basis von CAD-Daten in der Medizintechnik-,<br />
Automobil und Luftfahrtindustrie<br />
prädestiniert.<br />
„Scans rund um die Uhr“:<br />
Automatisierte Inline CT für<br />
dauerhaften Einsatz<br />
Speed|scan HD ist konsequent<br />
auf den integrierten Einsatz in der<br />
Produktionslinie mit einem bis zu<br />
100%-ig automatisierten Inspektionsprozess<br />
ausgelegt: ein Doppel-Manipulator<br />
und eine Röntgen-Doppelschleuse<br />
sorgen dafür, dass rund<br />
um die Uhr gescannt werden kann.<br />
Leistungsfähiges<br />
Metrologie-System<br />
Das neue Hochleistungs-CT-<br />
System von Waygate Technologies<br />
kann zudem für die 3D Metrologie<br />
eingesetzt werden, also für die<br />
Geometrievermessung eines Teils<br />
oder Produkts. Damit ist der Einsatz<br />
von Phoenix Speed|scan HD gerade<br />
auch beim Hochfahren der Produktion<br />
neuer Produkte interessant.<br />
Weitere interessante Einsatzgebiete<br />
sind der Kunststoffspritzguss oder<br />
der industrielle 3D-Druck von geometrisch<br />
hochkomplexen Bauteilen.<br />
Marktführende Hard- und<br />
Softwarelösungen<br />
Waygate Technologies bringt<br />
seine mehr als 125-jährige Erfahrung<br />
in der industriellen Inspektion<br />
für innovative Röntgen- und CT-<br />
Lösungen ein, die den Herausforderungen<br />
von OEMs und Zulieferern<br />
gerecht werden. Das Ergebnis<br />
sind marktführende Hard- und<br />
Softwarelösungen, die höchste Auflösung<br />
und größte Messgenauigkeit<br />
bei höheren Geschwindigkeiten<br />
bieten – bei gleichbleibender Bildqualität<br />
und tadelloser Präzision. ◄<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
33
Quelle: it.daily.net<br />
Schützen Sie Ihre Produktion!<br />
Die wichtigsten Fragen zur Cybersecurity<br />
Hacker- und explizit Ransomware-Angriffe sind heute eine etablierte Realität. Sie gelingen relativ einfach und<br />
sind meist auf kleine und mittlere Firmen ausgerichtet, da diese eine eher schwache Cybersecurity haben. Wir<br />
versuchen, Hilfestellung zu geben und eventuelle Wissenslücken zu füllen.<br />
Warum ist Cybersecurity ein<br />
so brennendes Thema?<br />
Einerseits verursachen Angriffe<br />
einen sofortigen immensen Schaden,<br />
weil Daten plötzlich unzugänglich<br />
sind und damit die Arbeit ganz<br />
einfach blockiert wird. Andererseits<br />
lässt sich die globale Situation<br />
rund um Cybersecurity nicht<br />
schnell genug lösen, da weltweit<br />
ganz einfach nicht genug Cybersecurity-Spezialisten<br />
mit Erfahrung<br />
existieren.<br />
Wie groß ist die Dimension<br />
der Bedrohung?<br />
Da auch mittlere und kleine Unternehmen<br />
immer öfter in globale<br />
Hackerangriffe integriert und entsprechend<br />
instrumentalisiert werden,<br />
wird ihr Schutz schon bald<br />
zur Frage der Nationalen Sicherheit<br />
in allen Industriestaaten aufsteigen.<br />
Die Gewinne der Cyberkriminellen<br />
überschreiten inzwischen<br />
den Umsatz der größten Konzerne<br />
weltweit. Mit von der dortigen Politik<br />
begünstigten Angriffen aus Russland<br />
muss neuerdings ebenfalls<br />
gerechnet werden!<br />
Welches sind die<br />
herausragenden Fälle der<br />
letzten Jahre?<br />
• Blockade mehrerer Gasleitungen<br />
in den USA mittels<br />
Ransomware 2020<br />
• Verstellung der Grenzwerte<br />
der Wasserversorgung von<br />
Oldsmar/Florida auf toxisches<br />
Niveau per Remote-Zugriff 2021<br />
• Hackerangriff auf den amerikanischen<br />
IT-Dienstleister Kaseya<br />
mit weltweiten Störungen in der<br />
IT 2021<br />
• Katastrophenfall beim Landratsamt<br />
Anhalt-Bitterfeld infolge<br />
eines Cyberangriffs 2021<br />
• Das letzte Jahr endete mit einer fulminanten<br />
IT-Krise, nachdem eine<br />
Sicherheitslücke in einem Framework<br />
zum Loggen von Anwendungsmeldungen<br />
in Java auffiel und zahlreiche<br />
Behörden und Unternehmen<br />
angreifbar machte. Dieser Vorfall<br />
zeigte, wie eklatant die Sicherheitslücken<br />
auf vielen Geräten sind, da<br />
mehrere hundertmillionen Geräte<br />
weltweit betroffen waren.<br />
„Die deutsche Industrie mit ihren<br />
zahlreichen Hidden Champions ist ein<br />
attraktives Angriffsziel von Cyberkriminellen.<br />
Lt. Umfrage ereignen sich<br />
die kriminellen Vorfälle am häufigsten<br />
in der Produktion bzw. Fertigung.“<br />
Quelle: Bitkom<br />
Wie hoch wird der<br />
Schaden eingeschätzt?<br />
Die Angaben schwanken<br />
beträchtlich. Das ist teils verständlich,<br />
da man den Schaden<br />
verschieden definieren kann und<br />
da viele Betroffene ihn nicht melden.<br />
Gemäß Cyberthreats Report<br />
<strong>2022</strong>, den der IT-Sicherheitsanbieter<br />
Acronis im Dezember veröffentlicht<br />
hat, verursachten Ransomware<br />
und andere Cyberangriffe im vergangenen<br />
Jahr Schäden in Höhen von<br />
20 Milliarden Euro allein in Deutschland<br />
(https://blog.wiwo.de/lookat-it).<br />
Im Netz kursiert u.a. auch<br />
die Angabe 220 Milliarden, die<br />
in der genannten Quelle als Irrtum<br />
bezeichnet wird. In einem<br />
White Paper liest man: „Nach<br />
Angaben des OCR Cybersecurity<br />
Newsletters des US<br />
Department of Health and<br />
Human Services im Herbst<br />
2019 erwirtschaften Cyberkriminelle<br />
nach einer Schätzung<br />
des FBI mehr als 1 Milliarde US-<br />
Dollar an Lösegeld.“ Nimmt man<br />
hier einen Übersetzungsfehler und<br />
1 Billion an, würde das wiederum<br />
gut mit 220 Milliarden hierzulande<br />
harmonieren.<br />
Ist Ausspähen illegal?<br />
Potenziellen Angreifern stehen<br />
bereits im Rahmen der Legalität<br />
34 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
CrowdStrike-Produkte<br />
DAUERGEFAHR RANSOMWARE: WIE SICH UNTERNEHMEN<br />
UND INSTITUTIONEN VOR NEUEN TRENDS UND METHODEN<br />
SCHÜTZEN KÖNNEN<br />
mächtige Werkzeuge wie das IoT-Scanning-Portal<br />
Shodan oder Programme,<br />
die gezielt nach Schwachstellen suchen,<br />
zur Verfügung. Ja nach geografischem<br />
Standort mit seiner örtlichen Gesetzgebung<br />
können dunkle Aktivitäten legal<br />
oder illegal sein.<br />
DIE AKTEURE HINTER<br />
DEN RANSOMWARE-ANGRIFFEN<br />
Cybersecurity<br />
Mimecast bietet Lösungen für den cloudbasierten<br />
Web-Schutz und Cyber-Resilicence-Technologien.<br />
Malware, Phishing-,<br />
Credential-Harvesting- und Identitätsfälschungsangriffe<br />
lassen sich identifizieren<br />
und blockieren, bevor ein Schaden<br />
entsteht. Auch interne Kommunikations-Tools<br />
lassen sich besser verteidigen<br />
und gegen mögliche Insider-Risi-<br />
CrowdStrike Über welche Intelligence Position überwacht verfügen das Cybercrime-<br />
Ökosystem,<br />
die Angreifer?<br />
indem es Cybercrime-Organisationen, ken absichern. unabhängige<br />
Sowohl im üblichen frei zugänglichen<br />
Bedrohungsakteure und deren Beziehungen verfolgt. So wurde<br />
Internet (Clearnet, „sichtbares“ Web) als Ist mein Betrieb von Datenlecks<br />
zum Beispiel auch im der Deppweb Entwickler (nicht von frei Samas zugänglich) (alias Sam Sam) als ein<br />
betroffen?<br />
Bedrohungsakteur als auch im Darknet namens (abgeschlossenes<br />
BOSS SPIDER identifiziert. INDRIK SPIDER<br />
wurde die Web) Entwicklung gibt es zahlreiche von Dridex illegale zugeschrieben. Angebote<br />
für Werkzeuge, um in Firmennetz-<br />
Sie prüfen, ob diese Adresse in Verbin-<br />
Anhand Und Ihrer WIZARD E-Mail-Adresse können<br />
SPIDER, werke auch einzudringen. bekannt als Man der in spricht Russland heute ansässige dung mit Betreiber anderen persönlichen der Daten<br />
Banken-Malware von einem TrickBot „Geschäftsmodell“ (die in der namens Vergangenheit im Internet hauptsächlich<br />
offengelegt wurde und missbraucht<br />
werden identifiziert, könnte. die Das Hasso Platt-<br />
auf Überweisungsbetrug Crime as a Service. abzielte), wurde als Gruppe<br />
ner Institut bietet dazu den HPI Identy<br />
auch Ryuk Wie entwickelt weit haben hat. sich Diese Gruppen wurden dabei beobachtet,<br />
Leak Checker: https://sec.hpi.de/ilc/<br />
wie sie gezielte die Möglichkeiten Ransomware-Angriffe für<br />
initiieren, die dem Konzept der<br />
„Großwildjagd“ Cyberkriminalität folgen und dabei entwickelt? große Gewinne Was erwirtschaften.<br />
sind populäre Maschen des<br />
Cyberkriminalität kann als ein ausgereifter<br />
Markt konnte betrachtet zudem werden. eine zunehmende Hier gibt • Kooperation falsche Chefs von oder Lieferanten, die<br />
Betrugs per E-Mail?<br />
CrowdStrike<br />
es Marketing und Kundenbetreuung oder Zahlungen auf ihr Konto umleiten, sog.<br />
Bedrohungsakteuren bei gezielten Angriffen und ein zunehmendes<br />
Dienstleistungen für maßgeschneiderte Fake President<br />
Auftreten Angriffe als „Mega-Organisation“ werden angeboten. Cyberkriminelle<br />
setzen 2021 bei wurde ihren darauf Erpressungsan-<br />
hingewiesen, sog. dass Fake WIZARD Identy SPIDER Fraud –<br />
beobachten. • Ordern Im CrowdStrike von Waren an Global Fake-Adressen,<br />
Threat Report<br />
ein BGH-Akteur<br />
griffen mit<br />
und<br />
Ransomware<br />
etabliertes<br />
immer<br />
Cybercrime-„Großunternehmen“<br />
häufiger • Herausfischen einer<br />
–<br />
Mail und Verändern<br />
der IBAN, sog. Paymant Diversion<br />
eine Art Miet-Software ein, die im Netz<br />
seine rasanten als Service Operationen bereitgestellt aufrechterhalten wird.<br />
hat und das zweite Jahr in<br />
Folge der am häufigsten gemeldete Cybercrime-Gegner<br />
Was sind die Einfallstore?<br />
Was ist beim wurde. IoT/IIoT zu<br />
beachten?<br />
Zum einen ist es ganz einfach die<br />
gewöhnliche Internet-Anbindung,<br />
zum ande-<br />
HÖHERE KOMPLEXITÄT UND<br />
Schwachstellen in<br />
IoT/IIoT-Geräten sind<br />
ren ist es das<br />
besonders gefährlich,<br />
da sie den<br />
IoT bzw. IIoT.<br />
UNSCHARFE Als größtes Ein-LINIEfallstor<br />
werden<br />
ler Daten begünsti-<br />
Missbrauch sensib-<br />
E-Mails angesehen<br />
(70%). Cybersischen<br />
Gefahgen<br />
und zu phy-<br />
Wie alle Software-Entwickler arbeiten auch Cybercrime-Gruppen<br />
ständig kriminelle an der Verbesserung setzen ihrer Ransomware und rüsten diese mit ren führen können.<br />
um viele Hierzu gehören<br />
neuen Funktionen darauf, dass auf. elektronische<br />
Post erweitert samt und unnötige und veraltete Fehlfunktionen Funktionen von aus Industrieanla-<br />
WIZARD SPIDER zum Beispiel hat Ryuk<br />
neue Funktionen<br />
Anhängen oft zu<br />
gen, Defekte an Geräten und Maschinen<br />
Erfassungsmodule oder Störungen ein, von die Gebäudesi-<br />
dem Code gedankenlos entfernt. geöffnet Diese Gruppe wird. Dem setzt folgen neue<br />
auf die Systeme Hackerangriffe der Opfer (27%). heruntergeladen werden, cherheitssystemen.<br />
um Zugangsdaten<br />
zu orten und laterale Bewegungen in der Umgebung Zu den des Sicherheitsrisiken Opfers zählen nichtgepatchte<br />
Schwachstellen, cloud-basier-<br />
Gibt es Technologien, die<br />
durchzuführen einen sicheren – immer E-Mail-Verkehr<br />
mit dem Ziel, Zugang zum Domänencontroller<br />
tes Management und damit Anfälligkeit<br />
zu erhalten. gewährleisten?<br />
Bei erfolgreichem Zugriff auf den etwa Domänencontroller für Angriffe auf kann Zugangsdaten,<br />
WIZARD SPIDER Die E-Mail seine als eines Ransomware der wichtigsten Ryuk in schwache der gesamten Authentifizierung Umgebung und ein Mangel<br />
an host-basierter Sicherheit.<br />
des Opfers<br />
digitalen<br />
implementieren.<br />
Kommunikationsmittel ist ein<br />
besonders beliebter Angriffspunkt für Die Umgebung ist oft nur durch eine<br />
Ransomware-Attacken. Etwa die Firma Firewall geschützt. Das Netzwerk selbst<br />
„Jeder vierte Mittelständler in<br />
Deutschland war bereits Opfer mindestens<br />
eines erfolgreichen Cyberangriffs.“<br />
Forsa-Studie/Gesamtverband<br />
der deutschen Versicherungswirtschaft<br />
Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Grenzen zwischen<br />
nationalstaatlichen und Cybercrime-Ransomware-Kampagnen<br />
verwischen. Dieser Trend ist seit 2018 zu beobachten. Ob<br />
der Ransomware-Code gestohlen oder willentlich zwischen<br />
nationalstaatlichen Akteuren und Cyberkriminellen geteilt wird, ist nach<br />
wie vor unklar. CrowdStrike hat allerdings beobachtet, dass beide Arten<br />
von Gegnern ähnliche Malware wie beispielsweise Ryuk einsetzen,<br />
entweder meditronic-journal um sofortigen finanziellen 4/<strong>2022</strong> Gewinn zu erzielen oder um eine<br />
Ablenkung zu schaffen, die den Ursprung eines nationalstaatlichen<br />
DIE ENTWICKLUNG DER<br />
MODERNEN RANSOMWARE<br />
• Großwildjagd auf<br />
Infrastrukturen<br />
• Finanzunternehmen<br />
zahlt Lösegeld von<br />
40 Mio. US-Dollar<br />
• Beginn der<br />
„Großwildjagd“<br />
(Big Game<br />
Hunting / BGH)<br />
• JavaScript-<br />
Ransomware<br />
erscheint<br />
• Locky erscheint<br />
• Krankenhaus<br />
zahlt 17.000 Dollar<br />
Lösegeld<br />
• Erträge aus<br />
Ransomware<br />
> 1 Mrd. US-Dollar<br />
• Über 250.000<br />
Ransomware-<br />
Varianten<br />
• CryptoLocker<br />
erscheint<br />
• Einsatz von RSA-<br />
Verschlüsselungen<br />
mit 2048 Bit<br />
• Ransomware für<br />
300 US-Dollar<br />
käuflich<br />
• Erträge aus<br />
CryptoLocker:<br />
30 Mio. US-Dollar in<br />
100 Tagen<br />
• 10.000<br />
Ransomware-<br />
Varianten<br />
• Bitcoin wird<br />
geboren<br />
• Ransomware mit<br />
Bildschirmsperre<br />
erscheint<br />
• Scareware wird<br />
von gefälschten<br />
Virenschutzprogrammen<br />
und bösartigen<br />
Dienstprogrammen<br />
beherrscht<br />
• Erste Varianten<br />
moderner<br />
Ransomware<br />
tauchen auf<br />
2020<br />
2019<br />
2018<br />
2017<br />
2016<br />
2015<br />
2014<br />
2013<br />
2012<br />
2011<br />
2010<br />
2009<br />
2008<br />
2007<br />
2006<br />
2005<br />
• Großwildjagd<br />
auf staatliche<br />
und kommunale<br />
Behörden<br />
• Kommunale<br />
Behörde zahlt<br />
Lösegeld von<br />
460.000 US-Dollar<br />
• Nationalstaatlich<br />
unterstützte<br />
Ransomware<br />
WannaCry<br />
und NotPetya<br />
kombinieren<br />
Wurm-Techniken<br />
zur weltweiten<br />
Verbreitung<br />
• Über 4 Millionen<br />
Ransomware-<br />
Varianten<br />
• Ransomwareas-a-Service<br />
erscheint<br />
• TeslaCrypt<br />
erscheint<br />
• Über 100.000<br />
Ransomware-<br />
Varianten<br />
• Ransomware für<br />
200 US-Dollar<br />
käuflich<br />
• Varianten zur<br />
Imitation der<br />
Mittel von<br />
Vollzugsbehörden<br />
erscheinen<br />
• Malware wandelt<br />
sich von bösartigen<br />
Virenschutzprogrammen<br />
zur Dateiverschlüsselung<br />
• Betrugsprogramm<br />
FileFix Pro erpresst<br />
40 US-Dollar, um<br />
beim Entschlüsseln<br />
von Dateien zu<br />
„helfen“<br />
• Ransomware<br />
stellt von 56-Bit-<br />
Verschlüsselung<br />
auf 660-Bit-RSA-<br />
Verschlüsselung<br />
mit öffentlichem<br />
Schlüssel um<br />
35
Cybersecurity<br />
wird jedoch nicht überwacht und es<br />
mangelt an Endpunktsicherheit und<br />
auch -sichtbarkeit, da keine Agents<br />
eingesetzt werden können.<br />
Welche Angriffsziele sind<br />
möglich?<br />
Jedes Gerät, das über eine<br />
Rechenleistung verfügt, als mindestens<br />
einen Mikroprozessor besitzt,<br />
kommt als mögliches Angriffsziel<br />
in Frage.<br />
Titel<br />
eines über<br />
www.security-insider.de<br />
erhältlichen White Papers<br />
Wie angreifbar ist Microsoft<br />
PowerShell?<br />
PowerShell ist ein mächtiges Tool<br />
für die Systemverwaltung und als<br />
solches eine beliebte Angriffsstelle<br />
für Hacker. Es reichen bereits grundlegende<br />
Kenntnisse aus, um mit<br />
leicht zugänglichen Hacking-Tools<br />
in Systeme einzudringen. Windows<br />
PowerShell verfügt aber seit Version<br />
5 über mehrere Schutzmechanismen,<br />
um Hacking-Angriffe abzuwehren.<br />
Mehr Info: https://lp.scriptrunner.<br />
com/de/powershell-security-guide<br />
Was ist als größtes Risiko<br />
anzusehen?<br />
Viele Geräte werden durch<br />
ihre Nutzer nicht als intelligent<br />
oder vernetzt wahrgenommen.<br />
Wechselnde Verantwortliche,<br />
der schrittweise Ausbau in der<br />
Vergangenheit und nichtstandardisierte<br />
Umgebungen befördern<br />
das Risiko.<br />
Welche Angriffsmöglichkeiten<br />
gibt es?<br />
• Ransomware<br />
Ransomware gelten derzeit als<br />
die größte Bedrohung. Ransom<br />
heißt Lösegeld. Ransomware ist<br />
ein Schadprogramm, meist ein Verschlüsselungsprogramm,<br />
das bei<br />
den Angegriffenen den Zugang zu<br />
Daten und Systemen verhindert oder<br />
einschränkt, indem es beispielsweise<br />
alle Festplatten verschlüsselt.<br />
Für die Entschlüsselung wird<br />
ein Lösegeld verlangt.<br />
• DDoS<br />
Distributed-Denial-of-Service<br />
(DDoS) meint „verteilte Verweigerung“<br />
Dahinter steckt ein Angriff,<br />
der eine Dienstblockade verursacht.<br />
Diese liegt vor, wenn ein angefragter<br />
Dienst nicht mehr bzw. nur noch<br />
stark eingeschränkt verfügbar ist.<br />
Auslöser ist in den meisten Fällen<br />
eine mutwillig herbeigeführte Überlastung<br />
der IT-Infrastruktur. Angreifer<br />
nutzen seit etwa 20 Jahren bereits<br />
diese Spielart der Cyberkriminalität,<br />
meist um Lösegelder zu erpressen.<br />
• Datendiebstahl<br />
Eine dritte Spielart ist das<br />
Abgreifen sensibler Daten und<br />
die Androhung, diese im Netz zu<br />
veröffentlichen. Immer werden<br />
dabei Trojaner eingeschleust,<br />
die das System auskundschaften,<br />
Daten verschlüsseln oder abzapfen.<br />
• Sabotage<br />
Die Cyberkriminellen dringen in<br />
vernetzte Produktionssysteme ein<br />
und manipulieren die Maschinen.<br />
Wie problematisch ist<br />
Ransomware?<br />
Ransomware ist eine neue Form von<br />
Malware. Letztere deckt alle<br />
Arten von<br />
„Während die IT-Sicherheit inzwischen<br />
weitestgehend im Bewusstsein<br />
der meisten Nutzer angekommen<br />
ist und mit entsprechenden Schutzprodukten,<br />
Maßnahmen, aber auch<br />
gesetzlichen Richtlinien unterstützt<br />
wird, ist die Sicherheit von Geräten<br />
in der Peripherie vielfach noch ein<br />
blinder Fleck.“<br />
M. Freunek, Elektropraktiker 8/21<br />
Schadsoftware wie Viren<br />
oder Trojaner ab. Ransomware kann<br />
demnach entweder den Zugang eines<br />
Nutzers zu seinem Computer (Locker-<br />
Ransomware) oder Daten verschlüsseln<br />
und damit für den Nutzer unbrauchbar<br />
machen (Crypto-Ransomware). Die<br />
Angreifer behaupten zwar, dass die<br />
Opfer ihrer Attacke die Kontrolle über<br />
ihre Geräte oder Daten zurückerhalten,<br />
sobald das Lösegeld bezahlt wurde. In<br />
vielen Fällen tritt dies aber nicht ein.<br />
Die durchschnittlichen Reparaturkosten<br />
nach einem Angriff – diese umfassen<br />
u.a. Kosten für die Ausfallzeiten,<br />
Personal, entgangene Aufträge oder für<br />
das Lösegeld – beliefen sich 2021 auf<br />
1,85 Mio. USD und haben sich damit<br />
gegenüber dem Vorjahresniveau mehr<br />
als verdoppelt.<br />
Was ist ein mögliches<br />
Szenario?<br />
Während alle in Richtung „Ransomware-Probleme“<br />
schauen, wird<br />
der richtige Hauptangriff auf das vorher<br />
definierte Ziel, meistens geheime<br />
Firmeninformationen, durchgeführt<br />
und hat somit sehr gute Chancen,<br />
vor dem Ransomware-Problem<br />
unbemerkt zu bleiben.<br />
Welche Zeitrahmen gibt es<br />
für Angriffe?<br />
Durchschnittlich genügen zwei<br />
Minuten für das Eindringen und<br />
Erkennen. Durchschnittlich 30 min<br />
nimmt das Umschauen und Aussähen<br />
in Anspruch.<br />
Welche Schäden sind in<br />
Unternehmen durch einen<br />
Cyberangriff entstanden?<br />
• Unterbrechung des Betriebsablaufs/der<br />
Produktion (ca. 60%)<br />
• Kosten für Datenwiederherstellung<br />
(ca. 50%)<br />
• Diebstahl sensibler Daten<br />
(ca. 10%)<br />
• Reputationsschaden<br />
5%)<br />
• Lösegeld (ca. 5%)<br />
Welche Zeit wird zur<br />
Wiederherstellung der<br />
IT-Systeme benötigt?<br />
• ein Tag (ca. 30%)<br />
• zwei bis drei Tage (ca. 50%)<br />
• mehr als drei Tage (ca. 20%)<br />
(ca.<br />
36 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Cybersecurity<br />
Wie lässt sich Cybersecurity<br />
auffächern?<br />
Cyber-Sicherheitslösungen<br />
basieren öfters auf Cloud Apps,<br />
die Schwachstellen-Management,<br />
Erkennung und Reaktion,<br />
Bedrohungsschutz, kontinuierliche<br />
Überwachung, Patch-<br />
Management, Erkennung<br />
und Reaktion von Multi-Vektor-Endpunkten,<br />
Gefährdungsanzeige,<br />
Zertifikatsbewertung,<br />
Richtlinieneinhaltung, Sicherheitskonfigurationsbewertung,<br />
PCI-Compliance, Überwachung<br />
der Dateiintegrität, Fragebögen zur<br />
Sicherheitsbewertung, Bewertung<br />
der Out-of-Band-Konfiguration,<br />
Scannen von Web-Anwendungen,<br />
Web-Anwendungs-Firewall, globales<br />
IT-Asset-Inventar, CMDB-Synchronisierung,<br />
Zertifikatsinventar,<br />
Cloud-Sicherheitsbewertung und<br />
Containersicherheit anbieten.<br />
Wie lässt sich das<br />
Schutzniveau einfach<br />
verbessern?<br />
Es kostet nur Zeit, aber kein Geld,<br />
wenn man unsicher erscheinende<br />
Passwörter durch sichere ersetzt.<br />
Auch diese kann man sich merken,<br />
wenn man individuelle Floskeln<br />
verwendet und mit Ziffern oder<br />
Großbuchstaben anreichert. Das<br />
ist konsequent bei allen Mitarbeitern<br />
durchzusetzen. Die wichtigsten<br />
Daten sind auch auf Papier<br />
oder elektronisch völlig isoliert zu<br />
sichern. Weiter sollten Netzwerke,<br />
wo immer möglich, separiert und<br />
minimiert werden. Ebenso kostenlos<br />
ist die schnellstmögliche Installation<br />
von Hersteller-Software-Updates.<br />
Welche Bedeutung hat eine<br />
Firewall?<br />
Eine eher geringe. Denn infolge<br />
der zusammengewachsenen IT- und<br />
OT-Netzwerke (Operational Technology)<br />
ist es nicht mehr effektiv,<br />
beim Schutz kritischer Infrastrukturen<br />
ausschließlich oder überhaupt<br />
auf Firewalls zu setzen.<br />
„Wenn eine Firma Alarm schlägt,<br />
weil ihre Computerdaten von Kriminellen<br />
verschlüsselt wurden, dann<br />
ist Zeit der wichtigste Faktor. Denn<br />
leider gibt es in Deutschland derzeit<br />
keine Vorratsdatenspeicherung, und<br />
Daten zu IP-Adressen werden nach<br />
sieben Tagen gelöscht.“<br />
Lars Nowack, zuständig für Cyberund<br />
Wirtschaftskriminalität bei der<br />
Polizeidirektion Görlitz<br />
Wann kann Schadsoftware<br />
die Firmendaten<br />
verschlüsseln?<br />
Das ist immer dann möglich, wenn<br />
die Sicherungssysteme<br />
unzureichend<br />
sind oder nicht richtig<br />
funktionieren, wenn Links gefolgt<br />
wird oder wenn Dateianhänge geöffnet<br />
werden. Besonders gefährlich<br />
sind alte Office-Dateien (.doc,<br />
.xlx, .ppt).<br />
Wie ist die Einschätzung der<br />
IoT-Sicherheit möglich?<br />
Am besten mit Testsoftware. Etwa<br />
Keysight Technologies hat eine IoT<br />
Security Assessment Software<br />
vorgestellt, mit der Hersteller<br />
von IoT-Chips und<br />
-Geräten sowie Organisationen,<br />
die IoT-Geräte einsetzen,<br />
umfassende automatisierte<br />
Cybersecurity-Analysen<br />
durchführen können.<br />
Welches sind die<br />
führenden Sicherheitsanbieter?<br />
Lt. Credit Suisse-Liste mit führenden<br />
Cybersicherheitsanbietern<br />
ist Fortinet klarer Gewinner. Den<br />
zweiten Platz belegt ServiceNow,<br />
den dritten Qualys.<br />
Was bedeutet Trusted<br />
Computing?<br />
Trusted Computing (TC) bedeutet,<br />
dass der Betreiber eines PC-<br />
Systems die Kontrolle über die verwendete<br />
Hard- und Software an<br />
Dritte abgeben kann. Dieses Konzept<br />
wird von der Trusted Computing<br />
Group (TCG) entwickelt und beworben.<br />
Es soll die Sicherheit erhöhen,<br />
da Manipulationen erkannt werden.<br />
Was ist eine Trusted-Computing-Plattform?<br />
Trusted-Computing-Plattformen<br />
(PCs, aber auch andere computergestützte<br />
Systeme wie Mobiltelefone<br />
usw.) können mit einem<br />
zusätzlichen Chip, dem Trusted<br />
Platform Module (TPM), ausgestattet<br />
werden. Dieser kann<br />
mittels kryptographischer Verfahren<br />
die Integrität sowohl<br />
der Software-Datenstrukturen<br />
als auch der Hardware<br />
messen und diese Werte nachprüfbar<br />
und manipulationssicher<br />
abspeichern.<br />
Was bedeutet Roots of<br />
Trust?<br />
Als Roots of Trust (RoT) bezeichnet<br />
man mehrere Funktionen im<br />
Trusted-Computing-Modell, denen<br />
das Betriebssystem des Computers<br />
immer vertraut. RoT ist vergleichbar<br />
„Ransomware ist derzeit eine der<br />
größten Bedrohungen für die IT von<br />
Unternehmen und Organisationen.<br />
Bei erfolgreichen Angriffen werden<br />
Dienstleistungen und Produktion häufig<br />
zum Stillstand gebracht.“<br />
Arne Schönbohm, Präsident des<br />
BSI<br />
mit einer<br />
eigenständigen Engine,<br />
die den kryptografischen Prozessor<br />
kontrolliert, der den Kern des Trusted<br />
Platform Modules (TPM) darstellt.<br />
So wird es z.B. möglich, Software-Updates<br />
auf vertrauensvolle<br />
Weise an alle potenziell betroffenen<br />
Maschinen auf der Welt zu pushen.<br />
Welche Bedeutung haben<br />
Roots of Trust?<br />
Wenn man den untersten Ebenen<br />
der Boot-Struktur eines Geräts<br />
vertrauen und entsprechende Software-Updates<br />
herausgeben kann,<br />
ist eine Fabrik in der Lage, sich<br />
rasch von einer Attacke zu erholen<br />
und ihren geordneten Betrieb<br />
wieder aufzunehmen.<br />
Was bedeutet Trusted<br />
Network Connect?<br />
Mit der Trusted-Network-Connect-Spezifikation<br />
(TNC) entwickelt<br />
die Trusted Computing Group<br />
(TCG) einen Ansatz zur Realisierung<br />
vertrauenswürdiger Netzwerkverbindungen.<br />
Ziel ist eine offene,<br />
herstellerunabhängige Spezifikation<br />
zur Überprüfung der Endpunkt-<br />
Integrität.<br />
Wie ist es um den Schutz<br />
von Edge Computers<br />
bestellt?<br />
Unter Edge versteht man die<br />
Außengrenzen der Regelschleife.<br />
Edge Computer, ausgeführt als<br />
separate Netzwerkknoten oder in<br />
die CPS integriert, lassen sich einfacher<br />
als zentralisierte Netze schützen.<br />
Weiter von Vorteil: Sie reduzieren<br />
die Datenströme auf ihrem<br />
energieintensiven Weg in die Cloud.<br />
Was versteht man unter<br />
SASE?<br />
Da alte Netzwerksicherheitsmodelle<br />
mit den sich weiterentwickelnden<br />
Bedrohungen nicht<br />
mehr Schritt halten konnten und<br />
zudem die moderne Netzwerkarchitektur<br />
immer komplexer<br />
wurde, haben Unternehmen<br />
mit der Umstellung auf ein neues<br />
cloudbasiertes Sicherheitsmodell<br />
begonnen: Secure Access Service<br />
Edge (SASE).<br />
SASE kombiniert ein softwaredefiniertes<br />
Wide Area Network<br />
(WAN) mit zentralen Netzwerksicherheits-Services<br />
– wie Secure<br />
Web Gateways, Cloud Access Security<br />
Broker oder Cloud Firewalls –<br />
und stellt diese an der Netzwerk-<br />
Edge bereit.<br />
Was bedeutet Endpoint<br />
Security?<br />
Endpunktsicherheit ist ein Ansatz<br />
zum Schutz von Computernetzwerken,<br />
die remote mit Clientgeräten<br />
verbunden sind. Endpoint Security<br />
schützt die verschiedenen Endgeräte<br />
in einem Netzwerk vor diversen<br />
Bedrohungen. Technische und organisatorische<br />
Maßnahmen verhindern<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
37
Cybersecurity<br />
den unbefugten<br />
Zugriff auf<br />
Geräte oder<br />
die Ausführung<br />
schädlicher<br />
Software.<br />
Endpoint Security<br />
hat in den<br />
letzten Jahren an<br />
Bedeutung gewonnen,<br />
da die Anzahl an Endgeräten,<br />
die in einem Unternehmensnetzwerk<br />
kommunizieren, stetig zunimmt. Vor<br />
allem Konzepte wie Bring Your Own<br />
Device oder eine vermehrte Nutzung<br />
von Home Offices und der Zugriff auf<br />
zentrale Ressourcen einer Organisation<br />
von mobilen Endgeräte über das Internet<br />
machen Systeme zur Sicherstellung<br />
der Endpoint Security unverzichtbar.<br />
Mehr und mehr stehen mobile Endgeräte<br />
im Fokus der Angreifer.<br />
Titel<br />
eines über<br />
www.security-insider.de<br />
erhältlichen White<br />
Papers<br />
„Immer wieder fallen Unternehmen<br />
Hacker-Angriffen zum Opfer – dabei<br />
trifft es Großkonzerne ebenso wie Mittelständler<br />
oder kleine Betriebe. Die<br />
Folgen sind oft verheerend!“<br />
Stefan Heß, ZVEH<br />
Welche<br />
Maßnahmen<br />
taugen zum<br />
Endpunktschutz?<br />
Sprechen Hersteller von Sicherheitslösungen<br />
über den Endpunktschutz,<br />
sind in der Regel technische Maßnahmen<br />
gemeint. Die Lösungen bestehen<br />
meist aus einer Mischung verschiedener<br />
technischer Maßnahmen wie präventive,<br />
detektive und reaktive Maßnahmen.<br />
Typische technische Maßnahmen<br />
zur Endgerätesicherheit sind<br />
Malware-Schutz, Anwendungsisolation,<br />
Sandboxing, Client Firewalls, Applikationskontrolle,<br />
URL-Filter, Data Loss Prevention<br />
sowie Device Management von<br />
Peripheriegeräten wie Wechselfestplatten,<br />
USB-Sticks oder Bluetooth-Komponenten.<br />
Prinzipiell gehören aber auch<br />
organisatorische Maßnahmen zur Endpoint<br />
Security, wie Schulungen von Mitarbeitern,<br />
Vorgaben für Mitarbeiter im<br />
Umgang mit Endgeräten oder externen<br />
Datenträgern und die Sensibilisierung<br />
gegenüber den verschiedenen<br />
Bedrohungen.<br />
Was meint Endpoint<br />
Detection and<br />
Response?<br />
Die Erkennung und Reaktion<br />
von Endpunktbedrohungen<br />
ist eine Cybertechnologie,<br />
die das IT- und Kommunikations-System<br />
auf Cyberbedrohungen<br />
kontinuierlich überwacht<br />
und darauf reagiert, um<br />
sie zu mindern. Endpoint Detection<br />
and Response und auch<br />
Extended Endpoint Detection and<br />
Response ist heute als Stand der<br />
Technik anzusehen und wirde beispielsweise<br />
von dem System Sophos<br />
XDR realisiert. XDR ist ein Software-<br />
Konzept von verschiedenen Lösungen,<br />
die zusammenwirken.<br />
Was sind die Sicherheitsherausforderungen<br />
in der<br />
Cloud?<br />
Die Sicherheitsherausforderungen<br />
in der Cloud betreffen die unbefugte<br />
Offenlegung von Daten, den<br />
Datenverlust, schwache Zugriffskontrollen,<br />
die gemeinsame Verantwortung<br />
von Nutzern und Betreibern<br />
sowie die Gewährleistung der<br />
Compliance in sich ständig ändernden<br />
Cloud-Umgebungen.<br />
Was bedeutet Automation<br />
per Synchronized Security?<br />
Darunter versteht man die automatisierte<br />
Netzwerkquarantäne.<br />
Diese wird möglich durch die Kommunikation<br />
der Firewall mit dem<br />
Endpunkt.<br />
Was bedeutet Lateral<br />
Movement Protection?<br />
Dies könnte man frei auch mit<br />
„Kommunikationsverweigerung“<br />
übersetzen. Das System steht<br />
wegen einer möglichen Infizierung<br />
für eine Kommunikation nicht mehr<br />
zur Verfügung.<br />
Was ist bei Motion-Control-Anwendungen<br />
zu<br />
beachten?<br />
„Schwachstellen in IoT-Geräten sind<br />
besonders gefährlich, da sie Missbrauch<br />
sensibler Daten begünstigen<br />
und zu physischen Gefahren führen<br />
können, wie z.B. Fehlfunktionen von<br />
Industrieanlagen, Defekte an medizinischen<br />
Geräten oder Störungen von<br />
Haussicherheitssystemen.“<br />
Merritt Maxim, Elsa Pikulik im<br />
State of IoT Security Report 2021<br />
Viele Fabriken<br />
verwenden die standardmäßige<br />
Public-Key-Infrastruktur. Dabei<br />
senden sich die Geräte gegenseitig<br />
Challenges zum Feststellen der<br />
Authentizität und tauschen dann<br />
mit einer bestimmten Methode<br />
einen gemeinsamen Session Key<br />
aus. So etwas verbietet sich leider<br />
in schnellen Bewegungssteuerungen,<br />
da hier eine große Zahl von<br />
Geräten in einem bestimmten Zeitrahmen<br />
zusammenarbeiten muss.<br />
Wie gelingt der Spagat<br />
zwischen schneller Analytik<br />
und Datensicherheit?<br />
Unternehmen stehen vor einer<br />
Herausforderung: Business Analytics<br />
Software aus der Cloud kann<br />
nur einen Teil der Daten auswerten,<br />
da sie keinen Zugriff auf besonders<br />
kritische Daten hat. Andererseits<br />
liegen bereits viele Daten auf einer<br />
oder mehreren Clouds. Eine neue<br />
Funktion von Business Intelligence<br />
Software kann dieses Problem nun<br />
lösen. Dank dieser können Daten<br />
38 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Cybersecurity<br />
sicher innerhalb der unternehmensinternen<br />
Firewall und mit der neusten<br />
Software analysiert werden.<br />
Dazu werden sogenannte Forts<br />
gebildet, virtuelle Mauern, hinter die<br />
keine Daten gelangen. Alle Daten,<br />
Datenverbindungen und Applikationen<br />
werden demnach direkt im<br />
Fort gehostet – Daten müssen also<br />
nie in eine Cloud transferiert werden.<br />
Zusätzlich können Unternehmen<br />
den Workload der Datenanalyse<br />
flexibel zwischen on-premises<br />
und der Cloud aufteilen.<br />
Die Daten müssen also nicht in<br />
die SaaS-Plattform des Herstellers<br />
übertragen werden. Stattdessen<br />
wird die Software zu den Daten<br />
übertragen.<br />
Titel<br />
eines über<br />
www.security-insider.de<br />
erhältlichen White Papers<br />
Was ist ein DoS/<br />
DDoS-Angriff?<br />
Ein DDoS-Angriff ist eine spezielle<br />
Art der Cyberkriminalität. Der<br />
Distributed-Denial-of-Service-Angriff<br />
ist ein „verteilter“ Denial-of-Service-<br />
Angriff (DoS), der wiederum eine<br />
Dienstblockade darstellt. Diese liegt<br />
vor, wenn ein angefragter Dienst<br />
nicht mehr bzw. nur noch stark eingeschränkt<br />
verfügbar ist. Auslöser<br />
ist in den meisten Fällen eine mutwillig<br />
herbeigeführte Überlastung<br />
der IT-Infrastruktur. Angreifer nutzen<br />
diese Art der Cyberkriminalität<br />
u.a., um von ungeschützten Organisationen<br />
Lösegelder zu erpressen.<br />
Kann Künstliche Intelligenz<br />
zum Schutz beitragen?<br />
Das Prinzip Install&Forget funktioniert<br />
nicht mehr. Neue Einfallstore<br />
sind bereits mit regulären Techniken<br />
zu öffnen. Auch eine KI kann<br />
heute die menschliche Intelligenz<br />
und ständige Aufmerksamkeit in<br />
punkto Cybersecurity nicht ersetzen.<br />
Was versteht man unter<br />
proaktivem Schutz?<br />
Unternehmen setzen meist nur<br />
auf Schutz- und Erkennungstechnologien.<br />
Schutztechnologien<br />
sind u.a. Firewalls, E-Mailund<br />
Webgateway-Schutz oder<br />
Antiviren-Software ins Spiel. Der<br />
zweite Schritt sind Erkennungstechnologien<br />
wie Log-, Prozessund<br />
Netzwerk-Analyse.<br />
Wenn diese Technologien allerdings<br />
anschlagen, ist es meistens<br />
schon zu spät und der Angreifer<br />
bzw. die Schadsoftware befindet<br />
sich bereits im Netzwerk. Angreifer<br />
wissen dies und versuchen mit<br />
immer ausgefeilteren Methoden<br />
und immer komplexer werdenden<br />
Schadcodes, Schutz- und Erkennungstechnologien<br />
zu umgehen.<br />
Proaktiver Schutz dreht den Spieß<br />
gewissermaßen um und nimmt den<br />
(potentiellen) Angreifer ins Visier,<br />
indem versucht wird, Informationen<br />
über ihn zu sammeln und sich auf<br />
einen Angriff vorzubereiten.<br />
Kann man sich gegen eine<br />
Cyberattacke versichern?<br />
Es gibt sie, die Cyberversicherung<br />
oder Cyberpolice und die Vertrauensschadenversicherung.<br />
Etwa bei<br />
Franke und Bornberg (www.frankebornberg.de)<br />
findet sich ein ständig<br />
aktualisiertes Rating. Der Abschluss<br />
einer solchen Police scheint sinnvoll,<br />
weil man sich vermutlich nicht<br />
100%-tig absichern kann. Mehr auch<br />
unter www.gdv.de/downloads/versicherungsbedingungen<br />
Gibt es einen Standard für<br />
den Deckungsumfang?<br />
Als Standard hat sich nach<br />
Recherchen des o.g. Analysehauses<br />
folgender Deckungsumfang bei<br />
gewerblichen Cyberpolicen etabliert:<br />
• Wiederherstellung von Daten, Programmen<br />
und Systemen<br />
• IT-Forensik durch Sachverständige<br />
zur Feststellung von Ursache<br />
und Ausmaß des Schadens<br />
• Beratung zur Kommunikation im<br />
Krisenfall<br />
„Gerade wenn es um die Umleitung<br />
von Zahlungsströmen geht, sind auch<br />
viele kleine Firmen betroffen.“<br />
Rüdiger Kirsch, AG Vertrauensschadenversicherung<br />
im GDV<br />
• Benachrichtigung von Betroffenen<br />
einer Datenschutzverletzung<br />
• Rechtsberatung zu den Informationspflichten<br />
Wie wende ich mich im<br />
Schadensfall an die Polizei?<br />
Bei der Polizei gibt es spezialisierte<br />
Cybercrime-Dienststellen.<br />
Speziell für Wirtschaftsunternehmen<br />
gibt es die Zentrale Ansprechstelle<br />
Cybercrime (ZAC). Hier der<br />
Kurz-Link: https://bit.ly/2SEE0Nz<br />
Welche Unterstützung bietet<br />
das Internet?<br />
• kostenloser Quick-Check der VdS<br />
Schadenverhütung zur IT-Sicherheit<br />
in Unternehmen: https://www.<br />
vds-quick-check.de<br />
• Bundesamt für Sicherheit in der<br />
Informationstechnik: www.bsi.<br />
bund.de<br />
• aktuelle Infos und Tipps: www.<br />
allianz-fuer-cybersicherheit.de/<br />
• Sichere Web-Seiten und Content<br />
Management Systeme: https://<br />
siwecos.de/<br />
• Bundesministerium für Wirtschaft<br />
und Energie: www.it-sicherheit-inder-wirtschaft.de/<br />
• Cybersicherheits-Check des GDV:<br />
www.gdv.de/cybercheck<br />
• mehrere White Papers:<br />
www.security-insider.de<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
39
Bedienen und Visualisieren<br />
Touch Panel Industrie-PC als HMI im<br />
industriellen Umfeld<br />
haben sich in den letzten drei<br />
Jahrzehnten ständig weiterentwickelt,<br />
um den wachsenden<br />
Anforderungen und den veränderten<br />
Produktionsanforderungen<br />
gerecht zu werden.<br />
Was ist HMI?<br />
Touch Panel-PCs als Mensch-<br />
Maschinen-Schnittstelle bzw. Human<br />
Machine Interface (HMI) Plattform<br />
sind in der heutigen Gesellschaft<br />
weit verbreitet. Sie ermöglichen<br />
Benutzern mit Systemen zu interagieren<br />
und Informationen auszutauschen.<br />
Tatsächlich sind HMIs<br />
unverzichtbar für die Entwicklung<br />
vieler Branchen geworden, die uns<br />
seit langem wichtig sind, wie z. B.<br />
Handel, Automobil, Unterhaltung,<br />
Elektronik, medizinische Geräte,<br />
Banken und Dienstleistungen.<br />
Bei industriellen Anwendungen<br />
von HMIs bestehen ihre Hauptfunktionen<br />
im Echtzeit-Informationsaustausch<br />
zwischen Menschen<br />
und Maschinen, Produktionsanlagen,<br />
speicherprogrammierbaren<br />
Steuerungen (SPS),<br />
Frequenzumrichtern (VFDs) und<br />
Messgeräten. Die HMIs dienen<br />
zum Anzeigen von Daten sowie<br />
deren Aufbereitung und zum Eingeben<br />
von Bedienbefehlen über<br />
eine Eingabeeinheit (z. B. Touchscreen,<br />
Tastatur oder Maus).<br />
Im Rahmen der zunehmenden<br />
Digitalisierung einer Fabrik (Industrie<br />
4.0) ist die HMI-Technologie<br />
unverzichtbar bei Einführung<br />
der intelligenten Produktion<br />
geworden. Die Leistungsparameter<br />
und verwendeten Technologien<br />
der HMI Platt formen<br />
Ein Human Machine Interface<br />
(HMI) System besteht normalerweise<br />
aus Computer-Hardware auf<br />
die passende Software integriert ist.<br />
Ein Panel-PC ist als HMI ebenso ein<br />
Anzeigegerät durch das integrierte<br />
Display, das es Benutzern ermöglicht,<br />
mit einem System zu interagieren<br />
und Informationen auszutauschen.<br />
Als Bedien einheit dient<br />
typisch der resistive oder kapazitive<br />
Touchscreen. Deshalb spricht<br />
man in diesem Fall von einem Touch<br />
Panel-PC bzw. Touch Panel Industrie-PC<br />
bei Vorhandensein entsprechender<br />
Eigenschaften, die für den<br />
Einsatz im industriellen Umfeld notwendig<br />
sind.<br />
Wie wird HMI in Industrie 4.0<br />
eingesetzt?<br />
Der Aufstieg von Industrie 4.0<br />
und IIoT (Industrial Internet of<br />
Things) hat die Automatisierung<br />
verändert und zu einer globalen<br />
intelligenten Fertigungsrevolution<br />
geführt, die das Paradigma von<br />
„Automatisierung“ zu „intelligenter<br />
Automatisierung“ verschiebt.<br />
In den Produktionslinien intelli-<br />
AMC - Analytik & Messtechnik<br />
GmbH Chemnitz<br />
info@amc-systeme.de<br />
www.amc-systeme.de<br />
40 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Bedienen und Visualisieren<br />
genter Fabriken werden verschiedene<br />
Sensoren in Fertigungsanlagen<br />
eingebaut, um die Produktqualität<br />
automatisch zu überprüfen<br />
und Geräte daten zu erfassen.<br />
HMI-Geräte aggregieren Daten<br />
und verarbeiten die Informationen<br />
einfach für ein effizienteres<br />
und produktiveres System. Darüber<br />
hinaus sind Fabrikmanagement<br />
und Produktionsentscheidungen<br />
entsprechend den Anforderungen<br />
von Cloud-Anwendungen<br />
und intelligenter Fertigung<br />
stärker auf visualisierte Steuerungsplattformen<br />
ange wiesen.<br />
HMIs vereinfachen und visualisieren<br />
Daten, damit sie auf den<br />
ersten Blick intuitiv verständlich<br />
sind. Die Industrie 4.0-Transformation<br />
integriert IT- und OT-Systeme,<br />
um die Verwaltungsdaten in MESoder<br />
ERP-Systemen und die Produktionsdaten<br />
in Produktionsanlagen<br />
auszutauschen und zu nutzen,<br />
um einen flexibleren und effizienteren<br />
Fertigungsprozess zu erreichen.<br />
HMI-Geräte übernehmen<br />
nicht nur die Rolle der Maschinenüberwachung,<br />
sondern sind auch<br />
die Drehscheibe für die Datenverarbeitung<br />
und -übertragung zwischen<br />
IT- und OT-Systemen.<br />
Wie werden HMI Plattformen<br />
industriellen Umgebungsbedingungen<br />
gerecht?<br />
Ein rundum wasserdichter Touch<br />
Panel IPC ist im Allgemeinen für<br />
Anwendungen mit hohen Hygieneund<br />
Reinheitsanforderungen erforderlich,<br />
wie z. B. in der Lebensmittel-<br />
und Getränkeherstellung und<br />
der medizinischen Industrie. Die<br />
HMI-Wasserdichtheit wird je nach<br />
Schutzgrad gegen Fremdkörper<br />
(Werkzeuge, Schmutz etc.) und<br />
Feuchtigkeit durch ein IP-Rating<br />
(Ingress Protection Rating) klassifiziert.<br />
Typisch sind hier IP65 oder<br />
höher. In diesem Bereich bietet AMC<br />
die rundum wasserdichten Touch<br />
Panel IPC der SPC-xxx Serien<br />
als HMI Lösung an. Dazu gehören<br />
z. B. der SPC-515 mit IP69k-zertifiziertem<br />
Edelstahl-Gehäuse und<br />
der SPC-221 mit IP66-Zertifizierung.<br />
Ebenso stehen auch Touch<br />
Panel IPCs mit nur frontseitigen<br />
IP-Schutzgrad von IP54 oder besser<br />
aus unseren PPC und TPC Reihen<br />
für andere Anwendungen im<br />
industriellen Umfeld zur Verfügung.<br />
HMI mit Explosionsschutz-Zertifizierungen<br />
wie C1D2 und ATEX<br />
werden für gefährliche Bereiche<br />
wie Ölfeldbohrungen, Pumpenstationsüberwachung,<br />
Chemieanlagen,<br />
pharmazeutische Fabriken, Ölpipelineüberwachung,<br />
Tanklagerüberwachung<br />
und Tankstellenverwaltung<br />
benötigt. Auch hier bietet AMC<br />
passende C1D2-zertifizierte industrielle<br />
Touch Panel IPCs und industrieeinsatztaugliche<br />
Monitore an,<br />
um diesen Anforderungen gerecht<br />
zu werden.<br />
Weitere Umweltfaktoren<br />
Industrieumgebungen sind Bedingungen<br />
wie Staub, Schmutz und<br />
Vibrationen ausgesetzt, sodass ein<br />
industrietaugliches HMI-Design Haltbarkeit<br />
und eine längere Lebensdauer<br />
versprechen kann als herkömmliche<br />
Geräte für den normalen<br />
Gebrauch. Für einige Outdoor-<br />
Szenarien ist ein HMI mit sonnenlichtlesbarem<br />
Bildschirm unerlässlich.<br />
Auch hier können die robusten<br />
Industrie-Touch-Panel-PCs<br />
(TPC-, SPC-, PPC-Serie) und die<br />
Monitore der FPM-Serie von AMC<br />
eingesetzt werden, um die industrielle<br />
Automatisierung und Datenvisualisierung<br />
unter verschiedenen<br />
Umgebungsbedingungen zu erleichtern.<br />
Insbesondere die Touch Panel<br />
IPCs TPC-1251T und TPC-1551T<br />
ver fügen über einen Bildschirm mit<br />
hoher Helligkeit und geringer Reflexion<br />
für den Außeneinsatz.<br />
Welche wesentlichen<br />
Auswahlmöglichkeiten<br />
bei Displays haben HMI<br />
Plattformen?<br />
Bildschirmgrößen sind einer der<br />
Faktoren, die man bedenken muss.<br />
Üblicherweise werden Touch Panel<br />
IPCs mit kleiner Bildschirmgröße<br />
(typisch 6 bis 15“) für die Einzelmaschinensteuerung<br />
verwendet; mittelgroße<br />
HMI-Bildschirme (typisch<br />
17 bis 32“) für das Gebäudemanagement<br />
und Anbindung an<br />
das MES-System; und große Touch<br />
Panel PCs wie der UTC-542 mit 42“<br />
Bildschirmdiagonale eignen sich perfekt<br />
für die Fernverwaltung in Kontrollräumen.<br />
Für intelligente Anwendungen<br />
ist jedoch eine Datenvisualisierung<br />
erforderlich, sodass größere<br />
HMI-Bildschirme mit höheren<br />
Auflösungen und Seitenverhältnissen<br />
von 16:9 zum Mainstream werden.<br />
AMC bietet industrielle Panel-<br />
PCs von 3,5 bis 42“ und Monitore<br />
unter schiedlicher Größe zur Unterstützung<br />
aller Arten von Fabrikanwendungen<br />
von der Automatisierungssteuerung<br />
bis zum Felddatenmanagement<br />
an.<br />
Touchscreen-Typ<br />
Die Auswahl des Touchscreen-<br />
Typs hängt von den Anforderungen<br />
der Benutzer ab. Wenn die<br />
Anwendung präzise und genaue<br />
Multi-Touch-Fähigkeiten wie Zoomen,<br />
Ziehen, Wischen und Pinch-<br />
Touchscreen-Gesten erfordert,<br />
sind Touchscreen-Typen mit projektiv-kapazitiver<br />
(P-CAP) Steuerung<br />
ideal. Wenn der Bediener<br />
Handschuhe tragen muss, werden<br />
resistive Touchscreen-Typen<br />
(RTS) bevorzugt.<br />
Physische Tasten<br />
Für bestimmte Benutzeranforderungen<br />
werden immer noch HMIs mit<br />
physischen Tasten benötigt. Touchscreen-HMIs<br />
bieten kein taktiles<br />
Feedback wie Tastendruckbestätigung<br />
für Berührungsbefehle, was<br />
besonders für Menschen mit Sehbehinderungen<br />
wichtig ist. Physische<br />
Tasten sind auch hilfreich,<br />
um Probleme zu beseitigen, die bei<br />
der Verwendung von Touchscreen-<br />
HMIs auftreten: nämlich Schwierigkeiten,<br />
grafische Änderungen auf<br />
dem Bildschirm bei Sonnenlicht,<br />
Verschiebungen und unklaren Zielen<br />
zu erkennen, und die Notwendigkeit,<br />
bei wichtigen Aufgaben auf<br />
einen Bildschirm zu schauen. Das<br />
Vorhandensein physischer Tasten<br />
ermöglicht es Benutzern, Auf gaben<br />
schnell und genau zu erledigen.<br />
Optional können hierzu dem Touch<br />
Panel IPC von AMC extern entsprechende<br />
individuelle Lösungen<br />
an die vorhandenen COM Schnittstellen<br />
angeschlossen werden, um<br />
diese in Kombination mit dem Touchscreen<br />
zu nutzen.<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
41
Bedienen und Visualisieren<br />
auch leistungsstarke Konnektivität<br />
mit PCs oder Sensoren für die<br />
Datenübertragung über Ethernet<br />
oder Wi-Fi bieten, aber auch Überwachungsprogramme<br />
und Datenerfassungssysteme<br />
wie SCADA<br />
unterstützen. Auch hier erfüllen<br />
die Touch Panel-PCs im Lieferprogramm<br />
von AMC diese Anforderungen,<br />
da diese optional mit entsprechend<br />
passenden Kommunikations-Schnittstellen<br />
aufgerüstet<br />
werden können.<br />
Module einfach abnehmen und<br />
durch neuere, fortschrittlichere<br />
Module ersetzen können. Modulare<br />
Plattformen können schnell an die<br />
Nutzungsanforderungen angepasst<br />
werden und ermöglichen eine einfache<br />
Wartung, indem Boxmodule<br />
zur Reparatur entfernt werden, ohne<br />
die gesamte Plattform zu demontieren.<br />
Zusätzlich können Datenerfassungs-<br />
und Schnittstellenerweiterungen<br />
z. B. Module der iDOOR<br />
Reihe einfach integriert werden.<br />
Welche Anforderungen<br />
an die Datenverarbeitung<br />
müssen HMIs erfüllen?<br />
HMIs mit hoher Rechenleistung<br />
werden für Anwendungen be nötigt,<br />
die große Datenmengen oder hochauflösende<br />
Bilder verarbeiten, wie<br />
z. B. Fehlerinspektionsanwendungen<br />
in Qualitätskontrollprozessen für<br />
die Lebensmittel- und Getränkeindustrie<br />
sowie Daten- und Bildberechnungen<br />
in der Elektronik fertigung.<br />
AMC bietet hier erstklassige industrielle<br />
Panel-PC-Lösungen mit<br />
integriertem Intel i-Core Prozessor<br />
an. Dazu gehören u. a. die modularen<br />
und lüfterlosen Touch Panel-<br />
PCs der TPC-5000-Reihe und der<br />
TPC-300-Serie/Reihe und die konfigurierbaren<br />
Touch Panel lPCs der<br />
PPC-6000-Reihe, um anspruchsvollere<br />
Industrie 4.0 Anwendungen<br />
zu realisieren.<br />
Wenn andererseits die Anforderungen<br />
an die Datenverarbeitung<br />
geringer sind, wird ein Thin-<br />
Client-Terminal-HMI mit geringerem<br />
Stromverbrauch und geringeren<br />
Kosten empfohlen. Wenn der<br />
Panel-PC außerdem als Web-Terminal<br />
dienen soll, wird eine HMI-<br />
Serie mit Webbrowser-Terminals<br />
aufgrund ihres eingebetteten Browsers<br />
und der schnellen Web-App-<br />
Entwicklungsfunktionen empfohlen.<br />
Auch hier bietet AMC kostengünstige<br />
industrielle Thin-Client-<br />
HMI-Lösungen wie die TPC-200<br />
und PPC-3000-Reihen und Webbrowser-Terminalserie<br />
WOP-200<br />
für verschiedene Szenarien an.<br />
Konnektivität und<br />
Datensicherheit<br />
Welche Anforderungen an Konnektivität<br />
und Datensicherheit<br />
müssen erfüllt werden?<br />
In der intelligenten Fertigung<br />
werden mehr Steuerungsfunktionen<br />
benötigt, um eine höhere<br />
Datenkomplexität und größere<br />
Datenmengen zu verarbeiten.<br />
HMIs müssen eine neue Generation<br />
von Kommunikationsprotokollen<br />
beherrschen, um die<br />
Stabilität und Unmittelbarkeit der<br />
Daten übertragung mit einer SPS<br />
zu gewährleisten. Darüber hinaus<br />
ist die Big-Data-Analyse ein<br />
wertvolles Gut bei der Entwicklung<br />
einer Strategie für die digitale<br />
Transformation, sodass die Datenerfassung<br />
für den Fertigungs- und<br />
Fabrikbetrieb von entscheidender<br />
Bedeutung ist. HMIs müssen<br />
Datensicherheit<br />
Da alle wertvollen Fabrikinformationen<br />
digitalisiert werden müssen,<br />
ist die Datensicherheit ein Problem,<br />
über das man sich Sorgen machen<br />
muss. Die Wahl eines industriellen<br />
Panel-PCs mit TPM (Trusted<br />
Platform Module) ist eine Möglichkeit,<br />
die Sicherheit vor Firmware-<br />
und Ransomware-Angriffen<br />
zu er höhen. AMC bietet hier HMI-<br />
Lösungen mit Windows 10 IoT an,<br />
darunter die PPC-6000-Serie, die<br />
modulare TPC-5000-Serie und die<br />
TPC-300-Serie, die mit TPM 2.0<br />
Modulen ausgestattet sind bzw. aufgerüstet<br />
werden können, um vertrauliche<br />
Daten durch Verschlüsselung<br />
der Festplatte und SSD zu<br />
schützen. Diese Systeme sind somit<br />
auch voll kompatibel zum Einsatz<br />
unter Windows 11.<br />
Erweiterung und<br />
Konfiguration<br />
Sollten HMI Plattformen<br />
erweiter bar und flexibel konfigurierbar<br />
sein?<br />
Kurz gesagt: JA. Bei der Entwicklung<br />
industrieller IoT-Lösungen<br />
werden immer mehr Sensoren eingesetzt<br />
und die Anforderungen an<br />
die Datenverarbeitung werden relativ<br />
hoch sein, daher ist es wichtig, in<br />
die Erweiterbarkeit und Flexibilität<br />
von HMI-Lösungen zu investieren.<br />
Einige Panel-PCs sind mit zusätzlichen<br />
Steckplätzen ausgestattet,<br />
um das Aufrüsten des Speichers<br />
für zukünftige erweiterte Datenverarbeitungsleistungen<br />
zu ermöglichen.<br />
Die modulare TPC-5000-<br />
Reihe ist eine flexible industrielle<br />
HMI-Lösung, bei der die Anzeigemodule<br />
mit Box-Modulen kombiniert<br />
werden, um eine Reihe flexibler<br />
Plattformen anzubieten. Sie<br />
bieten auch Aufwärtskompatibilität,<br />
sodass Bediener vorhandene<br />
Software<br />
Welche Betriebssysteme und<br />
Anwendungs-Software werden<br />
unterstützt?<br />
HMI-Visualisierungsprogramme<br />
und Schnittstellendesigns sind entscheidend,<br />
da sie sich direkt auf<br />
die Benutzererfahrung auswirken,<br />
daher ist es notwendig, die Präferenzen<br />
der Programmiersoftware zu<br />
berücksichtigen. Dazu bietet AMC<br />
die ARM-basierten Panel-PCs der<br />
Serien TPC-100 und PPC-100 an,<br />
die verschiedenste Betriebssysteme<br />
unterstützen, darunter skalier bares<br />
Windows 10/11 und kompaktes<br />
Android 10 und Linux, um die Entwicklung<br />
einzigartiger Anwendungen<br />
zu erleichtern.<br />
Integrierte Apps oder<br />
HMI-Software<br />
Industrielle Panel-PC-Lösungen<br />
mit integrierten Apps oder HMI-<br />
Software sind ebenfalls Optionen<br />
mit Mehrwert. Beispielsweise bietet<br />
AMC das Softwarepaket für die<br />
TPC- oder PPC-Serie mit integrierter<br />
WebAccess/HMI Software von<br />
Advantech an. Weitere optionale<br />
Softwarepakete unterstützen eine<br />
einfache SPS-Verbindung und<br />
Datenvisualisierung und zudem<br />
erleichtern webbasierte Lösungen<br />
die Fernverwaltung von Geräten.<br />
Es lohnt sich auch, die AMC<br />
Partnerschaft mit Drittanbietern<br />
von Software zu beachten, um<br />
die Stärken und Flexibilität der<br />
Software zu bewerten, bevor man<br />
sich für ein HMI Lösung entscheidet.<br />
Zum umfangreichen Lieferprogramm<br />
von AMC gehören seit vielen<br />
Jahren die Softwareentwicklungsplattformen<br />
für Datenerfassungsanwendungen<br />
LabVIEW und<br />
LabWindows als auch die Web-<br />
HMI/Scada- Prozessleitsystem-<br />
Softwarepakete WEBACCES Pro<br />
und i4SCADA. ◄<br />
42 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Medizinischer 32 Zoll 4K-Monitor mit<br />
bis zu 12G-SDI<br />
Leichtgewicht im Kunststoffgehäuse mit vielen Superlativen und Integrationsmöglichkeiten<br />
im medizinischen Umfeld<br />
Canvys - Visual Technology<br />
Solutions<br />
info-europe@canvys.com<br />
www.canvys.de<br />
direkt im<br />
Sterilisator<br />
Temperatur -<br />
Feuchtigkeit -<br />
Druck grafisch<br />
aufzeichnen.<br />
steril@spirig.com<br />
Canvys – Visual Technology Solutions<br />
präsentiert den medizinisch<br />
zugelassenen 32 Zoll 4K-Monitor.<br />
Der Hersteller hat dem hochauflösenden<br />
Gerät im Format 16:9 ein<br />
sehr helles Panel (850 Nits) spendiert.<br />
Dieses sorgt insgesamt für<br />
eine sehr brillante Bilddarstellung.<br />
Das Innenleben wurde mit hochperformanten<br />
Controllern bestückt.<br />
Die Displays sind in verschiedenen<br />
Grundvarianten erhältlich, welche<br />
sich in den vorhandenen Anschlüssen<br />
und Schnittstellen unterscheiden.<br />
Allesamt stellen sie exzellente<br />
visuelle Plattformen dar, um darauf<br />
kundenspezifische Lösungen für den<br />
medizinischen Einsatz zu gründen.<br />
Canvys setzt bewusst auf ein<br />
Kunststoffgehäuse und bietet damit<br />
ein Top-Feature. Einerseits ist das<br />
Display für einen 32-Zöller sehr<br />
leicht (12,1 Kilogramm). Andererseits<br />
erleichtert es in Kombination<br />
mit der flachen Glasfront die<br />
Reinigung und Desinfektion. Das<br />
Gehäuse ist weiß (RAL9003).<br />
Technische Merkmale<br />
Bedienen und Visualisieren<br />
• ALS Sensor zur Backlight-Stabilisierung<br />
und Lebensdauermessung<br />
• BT-Standards BT709, BT1886<br />
und BT2020 werden unterstützt<br />
• 3D-Darstellung durch einen optional<br />
integrierten Polarizerfilm (passive<br />
Brille erforderlich)<br />
• 3D Look Up Table (14-Bit LUT)<br />
mit Unterstützung von HDR10<br />
• DICOM & DIN6868-157-konform<br />
• Picture-in-Picture und Pictureby-Picture-Modi<br />
Anschlüsse/Schnittstellen<br />
Außergewöhnlich: Der Canvys<br />
32 Zoll 4K-Monitor vereint alle marktüblichen<br />
Anschlüsse in einem Gerät.<br />
Das macht ihn universell einetzbar.<br />
• 1x DVI-Eingang plus DVI-Loop-<br />
Through-Ausgang<br />
• optional mit 12G-SDI und 3G-SDI,<br />
Ein- und Ausgänge (Loop-Through<br />
/ 12G-SDI Single-Link oder<br />
3G-Quad-Link)<br />
• 2x Display-Port (unterstützt Display-Port<br />
1.2) plus Display-Port-<br />
Ausgang als Loop-Through für<br />
HDMI & Display-Port oder Daisy-<br />
Chaining Display Port<br />
• 5 VDC-Ausgang zur Unterstützung<br />
von Fiber-Optic-Lösungen<br />
oder Signal-Extender<br />
• Stromversorgung wahlweise mit<br />
AC- oder DC-Eingang<br />
• DC-Variante ist eine 24-Volt-Long-<br />
Distance-Lösung: Stromversorgung<br />
über ein bis zu 20 Meter<br />
langes Kabel möglich<br />
• serielle RS-232-Schnittstelle zur<br />
Ansteuerung des PCAP-Touchscreens<br />
und für Remote Control<br />
und GPIO-Signale<br />
• LAN, USB und DDCCI für Kommunikation<br />
bzw. Kalibrierung<br />
Der Canvys 32 Zoll 4K-Monitor Auch als PCAP-Touchscreen<br />
besticht durch eine file: Vielzahl TI1-PP/CP-20-09-MT<br />
an verfügbar<br />
technischen Features:<br />
Der neue Monitor von Canvys mit<br />
• 4K-Ultra-HD-Panel dimension: (Auflösung einer 46 x Diagonale 32 mmvon 81,3 Zenti meter<br />
von 3840 × 2160 Pixel)<br />
ist wahlweise<br />
4C<br />
mit einem PCAP-<br />
• 10-Bit-Farbtiefe (12-Bit Color Touchscreen verfügbar (10-Punkt-<br />
Processor)<br />
Technologie). Dieser ist mit einem<br />
• 100 Prozent Adobe RGB-Farbrautet,<br />
welches Fingerprints<br />
AG-Coating (Anti Glare) beschich-<br />
verhindert<br />
aber dabei seine gute Gleitfähigkeit<br />
beibehält. Auch das Tragen von<br />
mehreren Latexhandschuhen übereinander,<br />
was in manchen Anwendungen<br />
notwendig und üblich ist, ermöglicht<br />
eine fehlerlose Bedienung.<br />
Der PCAP-Touchscreen kann optional<br />
neben seriell (RS-232) via USB<br />
angesprochen werden. ◄<br />
© byrdyak/Fotolia<br />
ERLEBEN SIE DAS<br />
ABENTEUER PATENSCHAFT<br />
Als Pate leisten Sie Ihren<br />
ganz persönlichen Beitrag<br />
zur weltweiten Naturschutzarbeit<br />
des WWF. Schützen<br />
Sie bedrohte Arten wie Tiger,<br />
Luchse oder Orang-Utans und<br />
ihre Lebensräume. Mit regelmäßigen<br />
Infos halten wir<br />
Sie über Ihr Projekt auf dem<br />
Laufenden. Die Natur braucht<br />
Freunde – werden Sie Pate!<br />
Kostenlose Informationen:<br />
WWF Deutschland, Tel.: 030.311 777-702<br />
oder im Internet: wwf.de/paten<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
43
Bedienen und Visualisieren<br />
PCAP ist nicht gleich PCAP<br />
PCAP-Touchscreens können auf verschiedenen Sensortechnologien basieren.<br />
In diesem Beitrag geht es um<br />
kundenspezifische Aufbaumöglichkeiten<br />
im industriellen Umfeld.<br />
Was ist PCAP?<br />
Die Projected Capacitive Technologie,<br />
kurz PCAP, erlebte mit ihrem<br />
Einsatz im ersten Smartphone den<br />
großen Durchbruch. Innerhalb kürzester<br />
Zeit wurde die intuitive Touchscreen-Technologie<br />
außerhalb der<br />
Fachwelt bekannt und entwickelte<br />
sich schnell zum Standard bei<br />
Smartphones und Tablets.<br />
Aber nicht nur aus dem Consumer-Bereich<br />
ist die PCAP-Technologie<br />
längst nicht mehr wegzudenken.<br />
Display-Experten, wie Data Modul,<br />
entwickelten sie zu einer industrietauglichen<br />
Touch-Lösung weiter,<br />
die eine einwandfreie Funktionalität<br />
und ein optisch ansprechendes<br />
Design zugleich vereint und individuell<br />
auf Kundenwünsche angepasst<br />
werden kann.<br />
Das PCAP-Grundprinzip<br />
Grundsätzlich verfügt ein PCAP-<br />
Touchscreen über ein transparent<br />
leitfähiges Material (z.B. Indium Tin<br />
Oxide, kurz ITO), welches auf beiden<br />
Seiten des Trägermaterials (beispielsweise<br />
Glas oder PET-Folien)<br />
Markus Hell<br />
Head of Product Management<br />
Data Modul<br />
www.data-modul.de<br />
aufgebracht ist. Die ITO- Elektroden<br />
sind meist rautenförmig angelegt<br />
und bilden eine Matrixstruktur. Wird<br />
Spannung angelegt entsteht ein<br />
kapazitives Feld. Dringt ein leitfähiger<br />
Gegenstand, wie beispielsweise<br />
ein Finger in das Feld ein, bewirkt<br />
dies eine Kapazitätsänderung zwischen<br />
den beiden Elektroden. Den<br />
Berührungspunkt bzw. die Position<br />
der Veränderung im kapazitiven<br />
Feld kann der verwendete Touch-<br />
Controller erkennen und zuverlässig<br />
auswerten.<br />
Moderne PCAP-Controller<br />
arbeiten heutzutage auch unter<br />
anspruchsvollen Industrie- bzw.<br />
Umgebungsbedingungen zuverlässig<br />
und präzise. Neben erhöhter<br />
EMV-Stör festigkeit ermöglichen<br />
sie sogar die Bedienung von Touchscreens<br />
mit Handschuhen oder unter<br />
Einfluss leitender Flüssigkeiten.<br />
Um eine optimale Funktionalität zu<br />
gewährleisten, ist jedoch ein Feintuning<br />
des Controllers entsprechend<br />
dem geforderten Anwendungsbereich<br />
nötig. Data Modul Applikationsingenieure<br />
setzen hierfür spezielle<br />
Tools ein, mit der sich verschiedenste<br />
Parameter oder Signalverarbeitungsalgorithmen<br />
individuell<br />
anpassen lassen.<br />
PCAP-Sensoren<br />
Je nach Einsatzgebiet und Umgebungsbedingungen<br />
ist auch die Wahl<br />
des richtigen PCAP-Sensors von<br />
entscheidender Bedeutung. Grundsätzlich<br />
lassen sich PCAP- Sensoren<br />
in verschiedenste Aufbauvarianten<br />
unterscheiden. Typische Faktoren<br />
sind die Schichtdicke, Temperaturbereich<br />
oder Leiterbahnführung,<br />
welche die Randbreite eines Sensors<br />
beeinflusst.<br />
Glas/Glas (G/G)<br />
Beim sogenannten Glas/Glas-<br />
Aufbau (kurz G/G) werden zuerst<br />
die ITO Trägergläser zugeschnitten<br />
und die jeweiligen ITO-Pattern eingeätzt.<br />
Die Leiterbahnen der Elektroden<br />
werden anschließend aufgedruckt.<br />
Dadurch ergibt sich ein<br />
vergleichbarer breiter Rand von<br />
beispielsweise 100/100 µm, quasi<br />
der Abstand bzw. die Breite einer<br />
Leiterbahn, auch Line/Space-Gap<br />
genannt. Im Anschluss werden beide<br />
ITO-Gläser mit Hilfe des OCA-Verfahrens<br />
verklebt sowie mittels Tailbonding<br />
zusammengeführt. Ein Vorteil<br />
dieser Bauart ist, dass der Sensor<br />
ohne zusätzliches Coverglas<br />
eingesetzt werden kann und eine<br />
lange Verfügbarkeit für die Industrie<br />
bietet. Durch die Verwendung von<br />
zwei Gläsern entsteht beim PCAP<br />
G/G eine Aufbaudicke von 2,4 mm<br />
auf, wodurch es robust und besonders<br />
für raue Umgebungsbedingungen<br />
geeignet ist.<br />
Glas/Film/Film (G/F/F) mit<br />
ITO<br />
Bei der PCAP-Glas/Film/Film-<br />
Variante werden Folien statt Glas<br />
als ITO-Träger Substrat verwendet.<br />
Zu Beginn werden die Folien<br />
auf die benötigte Form und Größe<br />
zugeschnitten, anschließend werden<br />
die ITO-Pattern eingeätzt. Im<br />
nächsten Schritt werden die Leiterbahnen<br />
der Elektroden mit einem<br />
50/50µm Line/Space-Gap mit Hilfe<br />
von Laser Etching eingeätzt. Im<br />
Anschluss werden beide ITO-Filme<br />
durch OCA-Bonding inklusive Tailbonding<br />
zusammengeführt. Die<br />
Verklebung mit dem Coverglas findet<br />
ebenfalls im OCA-Bondingverfahren<br />
statt. Aufgrund des Folienwiderstandes<br />
von ca. 100 Ohm eignet<br />
sich das G/F/F Prinzip allerdings<br />
nur für Touchscreens bis zu 24 Zoll.<br />
Glas/Film/Film (G/F/F) mit<br />
Metal Mesh<br />
Bei dieser Alternative des PCAP-<br />
G/F/F-Sensors werden statt dem ITO<br />
Substrat transparente Metallgitterstrukturen<br />
eingesetzt, sogenannter<br />
Metal-Mesh-Vorteil zu ITO ist der<br />
niederohmige Flächenwiderstand<br />
von ca. 25 Ohm, was sich besonders<br />
bei großformatigen Sensoren<br />
(>30 Zoll) in Bezug auf Ladezeiten<br />
bemerkbar macht. Im sogenannten<br />
Roll-to-Roll-Prozess wird das<br />
feine Metallgeflecht durch ein spezielles<br />
Mold&Imprinting-Verfahren<br />
auf eine transparente Folie aufgebracht.<br />
Dank des Mold&Imprinting-<br />
Verfahrens werden Leiterbahnen<br />
mit einem Line/Space Gap von<br />
25/25 µm erreicht. Metal-Mesh-<br />
Sensoren ermöglichen trotz dem<br />
vorwiegenden Einsatz bei großen<br />
Diagonale, die Eingabe mit aktiven<br />
und passiven Stiften, Handschuhfunktionalität,<br />
großformatige Anwendungen<br />
und hochpräzise Touch-<br />
Performance.<br />
Exemplarischer Aufbau eines Glas/Film/Film-basierten PCAP-Sensors mit ITO<br />
44 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Exemplarischer Aufbau eines Glas/Film/Film-basierten PCAP-Sensors auf<br />
Metal-Mesh-Basis<br />
Exemplarischer Aufbau eines PCAP-Sensors mit SITO<br />
Aufgrund ihres biegsamen Aufbaus<br />
können mit der Metal-Mesh-<br />
Technologie flexible, oder auch<br />
gebogene Anwendungen realisiert<br />
werden. Auch lassen sich sehr<br />
schmale Ränder und große Display-<br />
Diagonalen damit ausrüsten.<br />
Single-Sided ITO (SITO)<br />
Hier werden die beiden leitfähigen<br />
ITO-Elektroden mittels eines photolithographischen<br />
Verfahrens auf nur<br />
einer Seite des Glassubstrats aufgebracht.<br />
Die beiden ITO-Elektroden<br />
werden dabei durch eine dünne<br />
Brücke getrennt. Diese Verfahren<br />
ermöglicht es, dass der Rand des<br />
Touch-Sensors auf ein Minimum von<br />
30/20 µm Line/Space Gap reduziert<br />
werden kann. Dank des dünnen<br />
SITO-Glassubstrats mit einer<br />
Dicke von nur 1,1 mm lassen sich so<br />
Anwendungen mit geringer Einbautiefe<br />
realisieren. In Kombination mit<br />
dem guten Signal/Rausch-Verhältnis,<br />
wodurch ein sehr gutes Touch-<br />
Verhalten selbst unter erschwerten<br />
Umgebungsbedingungen ermöglicht<br />
wird, und dem erweiterten<br />
Temperaturbereich von -30 bis<br />
85 °C, machen diese Eigenschaften<br />
SITO mitunter zur idealen Lösung<br />
für industrielle Outdoor oder Automotive-Anwendungen.<br />
Double-Sided ITO (DITO)<br />
In diesem Aufbau werden die<br />
beiden ITO-Schichten auf der Vorder-<br />
und der Rückseite des Glassubstrats<br />
aufgebracht. Obwohl dieser<br />
Aufbau eine größere Randdicke<br />
von 50/50 µm hat, ist DITO mit einer<br />
Tiefe von 1,1 mm und dank seiner<br />
geringeren Kosten eine Alternative<br />
zum PCAP-SITO-Aufbau.<br />
Sensorenschutz und<br />
Covergläser<br />
Neben dem PCAP-Aufbau ist<br />
für die Gesamtfunktionalität eines<br />
Touch-Systems auch die Wahl des<br />
richtigen Schutzes wichtig. Die empfindlichen<br />
Sensoren der PCAP-Technologie<br />
liegen in der Regel hinter<br />
einem Coverglas oder einer (transparenten)<br />
Kunststoffoberfläche.<br />
Glas eignet sich dank seiner vielfältigen<br />
Materialeigenschaften, sowie<br />
Veredelungs- und Individualisierungsoptionen,<br />
besonders gut. Von speziellen<br />
antimikrobiellen Gläsern für beispielsweise<br />
die Medizintechnik, über<br />
EMV- und UV-abschirmende Gläser<br />
bis hin zu Verbund sicherheitsglas,<br />
gibt es für jeden Einsatzzweck passende<br />
Schutzmöglichkeiten. Darüber<br />
hinaus können besondere Oberflächenbehandlungen<br />
wie Mattierung<br />
(Anti glare), Ver- und Entspiegelung<br />
(Mirror Glas/antireflektive) oder auch<br />
schmutzabweisende Beschichtungen<br />
zum Einsatz kommen.<br />
Ist ein besonders hoher Schutz<br />
vor beispielsweise Vandalismus,<br />
Kratzern, Verunreinigungen oder<br />
Temperaturschwankungen gefordert,<br />
lässt sich die Widerstandsfähigkeit<br />
von Gläsern mittels chemischer<br />
oder thermischer Härtung<br />
noch weiter steigern. Viele<br />
der Glas eigenschaften lassen sich<br />
auf Wunsch auch miteinander kombinieren<br />
und so ideal für den Einsatzzweck<br />
vorbereiten.<br />
Ist das Endgerät zudem prüfpflichtig,<br />
muss die Glasstärke den in der<br />
DIN-Norm festgelegten Festigkeitsprüfungen<br />
entsprechen. Je nach<br />
Verwendungsart des Endproduktes<br />
wird zwischen Schlag-, Fallund<br />
Stoßprüfungen sowie Prüfungen<br />
zum Abbau von Formspannungen<br />
unterschieden.<br />
Das Produktdesign enthält häufig<br />
auch in Form und Oberfläche angepasste<br />
Covergläser. Die Glasscheiben<br />
können dabei mit verschiedenen<br />
Weiterverarbeitungsmethoden wie<br />
Kantenbearbeitungen (z.B. C-Kante<br />
poliert oder geschliffen, gefasste<br />
Kante, etc.), Bohrungen, Vertiefungen,<br />
Mulden oder Glaskonturen<br />
versehen werden. Auch lassen sich<br />
Glasscheiben auf Wunsch transluzent<br />
oder lichtdicht, organisch, keramisch<br />
oder digital bedrucken und so<br />
ideal an die gewünschten Designvorgaben<br />
anpassen. Den Individualisierungsoptionen<br />
sind hierbei<br />
kaum Grenzen gesetzt.<br />
Bonding-Verfahren<br />
Das Coverglas, der Touchsensor<br />
und letztlich das Display werden miteinander<br />
im sogenannten Bondingverfahren<br />
verbunden. Dabei stehen<br />
für die Verklebung des PCAP-<br />
Systems verschiedene Bondingverfahren<br />
zur Verfügung. Grundsätzlich<br />
kann zwischen Optical und Air<br />
Bonding unterschieden werden.<br />
Beide Varianten bieten unterschiedliche<br />
Vor- und Nachteile, die es zu<br />
berücksichtigen gilt.<br />
Zu den klassischen Methoden<br />
gehören das OCA (optical clear<br />
adhesive) und das LOCA (liquid optical<br />
clear adhesive) Bonding, die aufgrund<br />
ihrer bewährten Eigenschaften<br />
in der Fertigung von Touchdisplays<br />
zum Großteil eingesetzt werden.<br />
Neue Verfahren wie das Hybrid-<br />
Bonding, eine weiterentwickelte<br />
Kombination aus OCA und LOCA-<br />
Bonding, eignen sich besonders für<br />
großvolumige Projekte.<br />
Als weitere Variante bietet sich<br />
das sogenannte Air Bonding an,<br />
eine vergleichsweise einfache und<br />
kostenoptimierte Lösung, bei der ein<br />
Exemplarischer Aufbau eines PCAP-Sensors mit DITO<br />
doppelseitiges Klebeband rund um<br />
den TFT-Rahmen aufgebracht wird<br />
und so TFT und Touchglas miteinander<br />
verklebt werden.<br />
Die Wahl des richtigen Verfahrens<br />
ist sowohl von der gewünschten<br />
Anwendung, den verwendeten<br />
Sensoren und Gläsern, als auch vom<br />
Design und dem Zielpreis abhängig.<br />
Experten wie Data Modul stehen<br />
beratend zur Seite und können<br />
OCA-, LOCA- und Hybrid-Verfahren<br />
sowie Tail- und Airbonding zum Teil<br />
vollautomatisiert anbieten.<br />
Touch-Technologien für jede<br />
Industrieapplikation<br />
So vielfältig wie die Anwendungsbereiche<br />
sind, so vielfältig sind auch<br />
die damit verbundenen Anforderungen<br />
an industrielle Touchsysteme.<br />
Neben Faktoren wie Funktionalität,<br />
Leistung, Preis und Lebensdauer<br />
gilt es mittlerweile auch erhöhten<br />
Design- und Sicherheitsansprüchen<br />
gerecht zu werden. Bereits<br />
bei der Produktentwicklung sollte<br />
man sich mit den verschiedenen<br />
Möglich keiten und deren Vor- und<br />
Nachteilen vertraut machen. Daher<br />
ist es ratsam, sich frühzeitig professionell<br />
beraten zu lassen und<br />
gemeinsam mit einem Technologieexperten<br />
eine optimal auf die<br />
jeweilige Anwendung zugeschnittene<br />
Lösung zu realisieren. ◄<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
45
Bedienen und Visualisieren<br />
Wunschkonzert: Für jede Kundenanwendung<br />
die passende Tastatur<br />
Bild 1: Bedienfeld einer CNC-Metallbearbeitungsmaschine mit integrierter<br />
Industrietastatur © GeBE/iStock<br />
Der Einsatz von Tastaturen<br />
sowohl in rauen Industrieumgebungen<br />
als auch in sterilen medizintechnischen<br />
Bereichen erfordert<br />
ein flexibles und robustes Eingabemedium.<br />
Typische Einsatzgebiete<br />
der Tastaturen können häufig<br />
ihren Anforderungen nach kategorisiert<br />
werden. Der Artikel gibt einen<br />
Überblick über die verschiedenen<br />
Technologien und geht auf Kombinationsmöglichkeiten<br />
mit anderen<br />
Eingabemedien ein sowie auf<br />
Besonderheiten, welche im Industrie-<br />
bzw. medizintechnischen Alltag<br />
häufig nicht bewusst wahrgenommen<br />
werden. Der Trend geht<br />
zu möglichst kompakten, aber leistungsfähigen<br />
Tastaturen.<br />
Ganz schön flexibel<br />
im All gemeinen ein ausgewogenes<br />
Preis- Leistungs-Verhältnis (Bild 2).<br />
Taktile Rückmeldung<br />
Konventionelle Folientastaturen weisen<br />
aber häufig nur eine sehr geringe<br />
Bedienqualität auf. Dem Anwender<br />
vor Ort an der Maschine oder im OP<br />
muss eine präzise und schnelle Eingabe<br />
von Zahlen oder Ziffern ermöglicht<br />
werden. In der Praxis hat sich<br />
dahingehend sehr viel geändert. Die<br />
Hersteller von Folientastaturen bieten<br />
heutzutage fast ausschließlich Tastaturen<br />
mit sehr guter taktiler Rückmeldung<br />
an. Der Anwender spürt also<br />
bei der Eingabe direkt im Finger, ob<br />
der Druck der Taste zur Ausführung<br />
eines Befehls geführt hat. Dies kann<br />
man entweder durch eingebaute sogenannte<br />
Schnappscheiben erreichen<br />
oder durch Kurzhubtasten. Letztere<br />
sind qualitativ hochwertiger und langlebiger.<br />
Sie erzeugen einen eindeutigen,<br />
hörbaren Schaltkontakt, wodurch<br />
die Eingabesicherheit wesentlich<br />
erhöht wird. Eine Lebensdauer von<br />
mehr als zwei Millionen Schalt spielen<br />
ist heute üblich.<br />
Hart im Nehmen<br />
Tastaturen anderer Technologien,<br />
wie etwa Metalltastaturen, sprechen<br />
insbesondere die Industriekunden<br />
an und sind je nach Einsatzgebiet<br />
mit Kurz- oder Langhubtasten ausgestattet.<br />
Edelstahltastaturen haben<br />
die höchste Widerstandsfähigkeit<br />
aller Industrietastaturen. Sie werden<br />
häufig im Outdoorbereich eingesetzt<br />
und gelten i.d.R. als vandalensichere<br />
Tastaturen (Bild 3).<br />
Diese Bezeichnung nimmt bereits<br />
eine der Haupteigenschaften vorweg:<br />
Der Schutz vor Zerstörung<br />
und Beschädigung. Metalltastaturen<br />
können auf verschiedene Art<br />
und Weise kundenspezifisch angepasst<br />
werden.<br />
Das Stanzen z. B. bietet den Vorteil,<br />
dass die Tasten direkt aus dem<br />
ausgestanzten Material verwendet<br />
werden können. Der Nachteil sind<br />
allerdings die hohen Kosten, da ein<br />
Stanzwerkzeug hergestellt werden<br />
muss. Daher eignet sich das Stanzen<br />
erst ab höheren Stückzahlen.<br />
Beim Lasern werden die einzelnen<br />
Tastendurch brüche mit Hilfe eines<br />
Lasers ausgeschnitten. Dies ist eine<br />
preisgünstige Lösung, die auch für<br />
geringere Stückzahlen geeignet ist.<br />
Die Tasten müssen getrennt produziert<br />
werden, da der Eintrittspunkt<br />
des Lasers immer sichtbar ist und das<br />
Material so verloren ist. Beim Fräsen<br />
werden ähnlich wie beim Lasern die<br />
Tasten ausgeschnitten und das ausgeschnittene<br />
Material geht verloren.<br />
Da bei den vorangegangenen Verarbeitungsarten<br />
nur die Durch brüche<br />
gemacht werden können, werden die<br />
jeweiligen Platten unter einer Fräse<br />
weiterverarbeitet. Mit der Fräse wer-<br />
Autorin:<br />
Astrid Kornelius,<br />
TEXTamtam Agentur<br />
Fünfseenland<br />
GeBE Computer & Peripherie<br />
GmbH<br />
www.tastaturen.com<br />
Folientastaturen sind für den<br />
Einsatz in der Industrie und Medizin<br />
allein schon durch ihre Wasser-<br />
und Staubdichtigkeit (nach DIN<br />
IP65) prädestiniert. Sie sind weitestgehend<br />
resistent gegen Desinfektions-<br />
und Reinigungsmittel und<br />
können somit den hohen Ansprüchen<br />
vollauf gerecht werden. Einschubtaschen<br />
für Wechselbeschriftung,<br />
LEDs, LC-Displays, Not-<br />
Aus-Taster, Touchpads und Trackballs<br />
lassen sich elegant integrieren.<br />
Folientastaturen dienen i.d.R.<br />
der Befehlseingabe an Maschinen<br />
oder auch an Zahlungsstellen. Sie<br />
sind zuverlässig, robust und haben<br />
Bild 2: GFT-105 Folientastatur: Kundenspezifisches Projekt für den Einsatz in<br />
der Medizintechnik<br />
46 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Bedienen und Visualisieren<br />
Bild 3: Widerstandsfähige Edelstahltastatur – gut geschützt gegen<br />
Vandalismus<br />
Bild 4: Standard-Langhubtastatur stets gewappnet gegen Bakterien,<br />
Verschmutzung und Nässe<br />
den z. B. Nuten gefräst, die in die<br />
spezielle Halterung eingesetzt werden,<br />
um das Verdrehen von runden<br />
Tasten zu verhindern.<br />
Dateneingabe mit Bedacht<br />
Die Eingabe über Kurzhub tasten<br />
erfolgt i.d.R. langsamer als bei einer,<br />
für Schnellschreiber optimierten,<br />
Langhubtastatur (Bild 4). Dennoch<br />
ist die Technologie der folienabgedeckten<br />
Tastaturen so weit fortgeschritten,<br />
dass der Anwender<br />
selbst bei Bedienung mit Handschuhen<br />
genau und durch die rückmeldende<br />
Kurzhubtaste eine gewisse<br />
Eingabesicherheit bekommt und mit<br />
etwas Übung, die Daten demnach<br />
schneller eingeben kann.<br />
Alles fest im Griff haben<br />
Aufgrund der leichten Bedienbarkeit<br />
werden nach wie vor Langhubtastaturen<br />
im industriellen und medizintechnischen<br />
Umfeld eingesetzt,<br />
obwohl der Schutz gegen Bakterien,<br />
Verschmutzung und Nässe bei<br />
dieser Technologie häufig sehr aufwändig<br />
ist. Es gibt zwei konkurrierende<br />
Systeme, die allerdings im<br />
Preisverhältnis weit auseinander<br />
gehen. Die robusten, aber teureren<br />
Lösungen bieten anhand von<br />
Gummimembranen, die unter den<br />
Tasten angebracht sind, einen guten<br />
Schutz gegen Staub und Feuchtigkeit.<br />
In Konkurrenz dazu steht<br />
eine, aus weichem Plastikmaterial<br />
geformte Abdeckhaube, die auf der<br />
Oberseite der Tastatur einen gewissen<br />
Schutz bietet. Letztere ist die<br />
preislich weitaus günstigere, aber<br />
auch unkommodere Lösung für<br />
den Anwender. Die lose auf den<br />
Tasten liegende Folie beeinträchtigt<br />
die Eingabe erheblich. Die Vorund<br />
Nachteile der verschiedenen<br />
Technologien hängen häufig auch<br />
von der Kombinationsmöglichkeit<br />
mit anderen Ein- und Ausgabetechnologien<br />
ab. Mausersatzgeräte<br />
wie Trackball oder Touchpad<br />
stellen einen weiteren Entwicklungsmix<br />
dar.<br />
Rund oder eckig<br />
Mausersatzgeräte unter liegen den<br />
gleichen Ansprüchen an Robustheit<br />
und Funktionalität wie die Tastaturen<br />
selber. Trackballs oder Touchpads<br />
werden häufig in die jeweilige<br />
Tastaturausführung integriert.<br />
Ob Tisch-, Rück- oder Fronteinbau,<br />
jede Version hat i.d.R. einen ebenso<br />
wasserdichten Maus ersatz eingebaut.<br />
Es gibt auch die Möglichkeit,<br />
die Mausersatzgeräte separat anzuschließen.<br />
Dies ist in den meisten<br />
Fällen eine Frage der Funktionalität<br />
und der Größe des Arbeitsplatzes.<br />
Egal ob Trackball oder Touchpad,<br />
beide sollten für besonders raue<br />
oder sterile Umgebungsbedingungen<br />
nach IP65 wasser- und staubgeschützt<br />
sein. Mit dem Trackball<br />
lassen sich i.d.R. grafische Zeichnungen<br />
genauer mechanisch positionieren.<br />
Das Touchpad dagegen ist<br />
wegen der komplett geschlossenen<br />
Ober fläche besser geschützt. ◄<br />
Bild 5: Robuste TVG-Serie: Touchpad oder Trackball in Metallfrontplatte, wasserdicht nach DIN IP68/IP65<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
47
Bedienen und Visualisieren<br />
HMI-Markt im Wandel<br />
Autor:<br />
Stefan Heczko,<br />
Geschäftsführer<br />
SECO Northern Europe<br />
https://north.seco.com<br />
Ob bei der Automatenbedienung,<br />
Maschinensteuerung oder bei medizinischen<br />
Geräten – immer öfter<br />
werden für die Interaktion zwischen<br />
Menschen und Maschinen haptische<br />
Bedienelemente und analoge Anzeigen<br />
durch moderne Human Machine<br />
Interfaces (HMIs) ersetzt. Treiber<br />
dafür sind vor allem neue Technologien<br />
aber auch die zunehmende Digitalisierung<br />
in allen Branchen. Dabei<br />
stehen vor allem eine ein fachere<br />
Bedienung und eine präzisere Informationsdarstellung<br />
auf den Displays<br />
im Vordergrund. HMI-Experte SECO<br />
Northern Europe (ehe malig Garz<br />
& Fricke Group) erläutert, welche<br />
Trends derzeit den Markt prägen<br />
und wo die Reise hingeht.<br />
Hygieneaspekt bei der<br />
HMI-Bedienung<br />
Bei HMIs für medizinische Anwendungen<br />
war der Hygieneaspekt<br />
schon immer sehr wichtig. Dies<br />
betrifft insbesondere die Bedienelemente.<br />
Die Corona-Krise führte<br />
dazu, dass dieses Kriterium auch<br />
in anderen Anwendungsgebieten<br />
in den Vordergrund rückt. Deshalb<br />
wird immer öfter gefordert, dass<br />
die Bedieneinheiten komplett desinfizierbar<br />
sein müssen, was sich<br />
auf die eingesetzten Materialien<br />
auswirkt. So sind beispielsweise<br />
sichtbare, lackierte Kunststoffe<br />
in der Regel nicht desinfektionsmittelbeständig.<br />
Auch ist es heute<br />
aus Hygienegründen erforderlich,<br />
dass der Einbau fugenlos erfolgt.<br />
So können keine Kanten entstehen,<br />
in denen sich Schmutz ansammelt.<br />
Die nahtlose Integration von<br />
Displays in Kundenfronten sorgt für<br />
einen hohen Hygieneschutz. Dieser<br />
Aspekt treibt auch die Entwicklung<br />
alternativer Bedienkonzepte wie die<br />
Gestensteuerung voran.<br />
Alternative Bedienkonzepte<br />
Die Interaktionsmöglichkeiten<br />
werden immer vielfältiger: vom<br />
Touch-Screen über Remote Touch<br />
Systeme, bei dem die Bedienung mit<br />
dem eigenen Smartphone erfolgt,<br />
bis hin zu Sprach- und Gestensteuerung.<br />
Im Vordergrund steht dabei die<br />
Überlegung, die optimale Interaktionsmöglichkeit<br />
zwischen Nutzer<br />
und einem spezifischen Endgerät<br />
zu finden. So ist beispielsweise<br />
die Sprachsteuerung in einer lauten<br />
Umgebung nicht sinnvoll und<br />
wenn man die Hände nicht frei hat,<br />
kann man mit einer Gestensteuerung<br />
relativ wenig anfangen. Letztlich<br />
bestimmen also die Applikation,<br />
das Umfeld und der Standort das<br />
Bedienkonzept.<br />
Anpassbare Software<br />
Aus der Smartphone-Welt sind<br />
Anwender gewohnt, ihr Gerät über<br />
die Software individuell anzu passen.<br />
Dieser Trend ist nun auch im B2Bund<br />
Industrial-Bereich und hier insbesondere<br />
im Automotiv-Sektor zu<br />
beobachten. Für Hersteller von Produkten<br />
mit längerer Lebenserwartung<br />
ist es ein enormer Wettbewerbsvorteil,<br />
wenn sich die Geräte<br />
hinsichtlich Aussehens und Art der<br />
Nutzung immer wieder durch Software<br />
an die Gegebenheiten anpassen<br />
und auch modernisieren lassen.<br />
Dieses Konzept bietet die Möglichkeit,<br />
Funktionen über die Software<br />
hinzuzufügen, zu verändern, zu<br />
entfernen oder auch nur für eine<br />
begrenzte Zeit zuzulassen. Mit<br />
diesen Anpassungsmöglichkeiten<br />
können auch Optimierungen und<br />
Funktionserweiterungen während<br />
des laufenden Betriebs erfolgen.<br />
Bei Softwarelösungen für HMIs<br />
ist heute die einfache Integrationsmöglichkeit<br />
in die Systeme der<br />
Geräte hersteller entscheidend.<br />
Dabei geht der Trend eindeutig zur<br />
HMI-Gesamtlösung aus einer Hand,<br />
inklusive kompletter Schnittstelle<br />
zum Betriebssystem, der Einbindung<br />
in übergreifende IoT-Lösungen,<br />
Zertifizierungen, Dokumentation<br />
etc. Dieser Ansatz bietet sehr<br />
viele Möglichkeiten bei der Anpassung<br />
der Systeme, denn durch die<br />
Software können Features nachund<br />
umgerüstet werden - sofern<br />
das auch bei der Hardwareentwicklung<br />
von vornherein berücksichtigt<br />
wurde.<br />
Steigende Rechenleistung<br />
und Hardware-<br />
Anforderungen<br />
Zwar steigt die Rechenleistung<br />
in allen Bereichen, doch der Markt<br />
verlangt nicht nach einer General-<br />
Purpose-Hardware, die alles kann.<br />
Die Bandbreite der Komponenten ist<br />
groß: vom einfachen Mikrocontroller<br />
bis hin zum Controller mit Special<br />
Features wie Industrial Ethernet<br />
mit Echtzeitfähigkeit oder mit<br />
speziellen Kamera-Engines. Von<br />
einfachen Prozessorsystemen bis<br />
hin zu High-Performance-SoCs<br />
ist alles möglich. Durch die Vielfalt<br />
steigen aber auch die Anforderungen<br />
an die Entwickler. Komponenten<br />
mit neueren Technologien und<br />
höheren Bandbreiten verlangen ein<br />
besonderes Augenmerk im Leiter-<br />
48 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Bedienen und Visualisieren<br />
plattendesign. Das ist notwendig,<br />
um einwandfreie Funktion und Stabilität<br />
über den kompletten Temperaturbereich<br />
hinweg zu garantieren.<br />
Das erfordert heute viel mehr Vorarbeit<br />
als noch vor einigen Jahren und<br />
wird künftig noch wichtiger werden.<br />
Auch Schnittstellen haben Auswirkung<br />
auf das Hardware-Design:<br />
USB 3.0 bietet im Vergleich zu<br />
USB 2.0 mehr Funktionen, als nur<br />
einen Speicherstick oder eine Maus<br />
anzuschließen. Diese Features aber<br />
bringen neue Anforderungen hinsichtlich<br />
der Elektromagnetischen<br />
Verträglichkeit (EMV) mit sich. Das<br />
wirkt sich nicht nur auf das Hardware-Design<br />
des HMIs, sondern<br />
auf das gesamte Gerätedesign aus.<br />
Ebenso wie die Bildschirmauflösung<br />
steigt auch die Leistungsfähigkeit der<br />
Prozessoren und damit die Anforderung<br />
an die Software-Entwicklung.<br />
Außerdem wird die Möglichkeit zum<br />
Anschluss von Kameras und Mikrofonen<br />
an Bedeutung gewinnen. Heute<br />
gehört eine umfassende Analyse der<br />
Vorgänge in den Geräten schon fast<br />
zum Standard. Wo auch immer die<br />
Datenauswertung stattfinden wird,<br />
im Gerät oder in der Cloud, es muss<br />
vorher geklärt werden, welche Ziele<br />
erreicht werden sollen.<br />
zum Beispiel eine Neural Network<br />
Engine mit. Dabei ist ein Teil des<br />
Prozessors nur für die Ausführung<br />
von Machine-Learning-Algorithmen<br />
zuständig. Das Thema ist bei<br />
industriellen Systemen noch relativ<br />
neu, bietet jedoch viele Chancen.<br />
Auch die Hersteller fangen<br />
an, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.<br />
Sie stellen sich<br />
beispielsweise Fragen wie: Was<br />
kann ich alles machen, welche Vorteile<br />
ergeben sich daraus und welche<br />
Auswirkungen hat es eventuell<br />
auf meine Geschäftsprozesse?<br />
Kann man im öffentlichen Raum<br />
z. B. eine Kaffeemaschine platzieren,<br />
die per künstlicher Intelligenz<br />
(KI) Gesichter auswertet und dem<br />
Nutzer am Ende einen doppelten<br />
Espresso anbietet, weil er gerade<br />
sehr müde aussieht – ist das datenschutzrechtlich<br />
erlaubt? Hier gibt es<br />
vieles zu beachten und wir stehen<br />
noch ganz am Anfang einer spannenden<br />
Entwicklung.<br />
Zwar kommen Halbleiter mit<br />
dedizierter KI-Einheit erst im nächsten<br />
Jahr auf den Markt, doch ab<br />
dann werden sie definitiv auch<br />
genutzt. So hält diese Technologie<br />
allmählich Einzug in die HMI-<br />
Welt. Dies bietet Herstellern große<br />
Möglichkeiten: Sie können mit<br />
ihren Kunden in die Diskussion<br />
gehen und den Nutzen einer Neural<br />
Network Engine in einem HMI<br />
aufzeigen. Beispielsweise könnte<br />
eine rotierende Komponente in<br />
der Maschine via Mikrofon und<br />
KI überwacht und über die Bedieneinheit<br />
gegebenenfalls Fehler-<br />
und Warnmeldungen ausgegeben<br />
werden. Damit ganz eng<br />
verbunden ist natürlich auch das<br />
Thema Datenschutz. Deshalb wird<br />
die Entwicklungstätigkeit zukünftig<br />
deutlich weiter gefasst sein als bisher.<br />
Entwickler müssen sich mehr<br />
Gedanken über die Auswirkungen<br />
einer Innovation machen und<br />
dabei berücksichtigen, an welche<br />
gesetzlichen Grenzen sie eventuell<br />
gelangen und welche Datenschutzrichtlinien<br />
gegebenenfalls<br />
verletzt werden könnten. ◄<br />
Machine Learning und<br />
Künstliche Intelligenz<br />
Neue Prozessoren wie der<br />
i.MX 8M Plus von NXP bringen<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
49
Bedienen und Visualisieren<br />
Entwicklung von Haptiktechnologien<br />
Weltweit einzigartiges Tool, um Fühlbares messbar zu machen: Künstlicher Finger ermöglicht präzise<br />
Quantifizierung von aktiver und passiver Haptik. Die Software-Suite berechnet dann den Wahrnehmungsfilter als<br />
objektiven Vergleichswert.<br />
Da die Akustik untrennbar zur Haptik gehört, ist der ArFi ebenfalls mit<br />
einem Mikrofon ausgestattet. Dieses nimmt Nebengeräusche, etwa ein<br />
durch nicht fixierte Bauteile bedingtes Klappern, ebenso auf wie gezielte<br />
Töne, beispielsweise das typische Klicken einer mechanischen Taste<br />
Der ArFi von Grewus kann als erstes Gerät nicht nur passive, sondern auch<br />
aktive Haptik messen und quantifizieren<br />
GREWUS GmbH<br />
www.grewus.de<br />
Ob am Smartphone, an Haushaltsgeräten,<br />
im Auto oder in Aufzügen:<br />
Touch-Oberflächen ersetzen<br />
zunehmend mechanische Tasten.<br />
Allerdings geben diese kein typisches<br />
„Klick-Gefühl“ ab; sie bestätigen<br />
die Eingabe also nur visuell<br />
oder akustisch, nicht jedoch auf<br />
haptisch wahrnehmbare Weise.<br />
Die Aufgabe, den Tastsinn anzusprechen,<br />
übernehmen daher nun<br />
piezoelektrische oder elektromagnetische<br />
Aktuatoren, welche die<br />
Haptik von gewöhnlichen Tasten<br />
durch Vibrationen der Oberfläche<br />
imitieren. Da diese jedoch nur minimale<br />
Schwingungsbewegungen<br />
generieren, können sie nicht wie<br />
passive Schalter in einem Kraft-<br />
Weg-Diagramm dargestellt, sondern<br />
müssen unter anderem über<br />
ihre Beschleunigung und Frequenz<br />
beziffert werden. Um aktive Haptik<br />
neben der passiven zu quantifizieren<br />
und so deren subjektive Wahrnehmung<br />
mit objektiven Werten zu<br />
beschreiben, hat die Grewus GmbH<br />
den künstlichen Finger ArFi entwickelt.<br />
Dieser misst Beschleunigungen<br />
einer Oberfläche unter Krafteinfluss<br />
sowie den Schalldruckpegel<br />
und kann auch S-Kurven<br />
aufnehmen. Im Anschluss berechnet<br />
die Software-Suite den Grewus<br />
Haptic Intensity Value (GHIV), mit<br />
dem sich das Wahrgenommene<br />
durch einen objektiven Zahlenwert<br />
erfassen lässt. Die Ergebnisse bieten<br />
zentrale Anhaltspunkte, um den<br />
Designprozess von aktivem haptischem<br />
Feedback zu objektivieren.<br />
Passende Haptik für jede<br />
Anwendungen<br />
„Als Haptic Solution Provider<br />
unterstützen wir unsere Kunden<br />
mit elektromagnetischen und piezoelektrischen<br />
Technologien bei der<br />
Herausforderung, die passende<br />
Haptik für ihre Anwendungen zu<br />
Die Messergebnisse des ArFi bieten zentrale Anhaltspunkte, um den<br />
Designprozess von aktivem haptischem Feedback zu objektivieren<br />
50 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Bedienen und Visualisieren<br />
Das Stand-alone-Gerät ArFi kann über eine systemunabhängige<br />
Browseranwendung bedient werden<br />
Die Haptics Analyser Software rendert alle gemessenen Daten live in<br />
grafische Diagramme und berechnet außerdem den Wahrnehmungsfilter<br />
Grewus Haptic Intensity Value (GHIV)<br />
generieren“, berichtet Elisa Santella,<br />
Geschäftsführerin der Grewus<br />
GmbH. „Hier begegnet uns häufig<br />
der Wunsch, einen bestimmten<br />
Schalter oder eine spezifische Taste<br />
mithilfe von aktiver Haptik zu imitieren<br />
– das Feedback soll sich irgendwie<br />
‚crispy‘ anfühlen, aber trotzdem<br />
weich und angenehm sein.“ Dabei<br />
handelt es sich natürlich um subjektive<br />
Empfindungen und Beschreibungen,<br />
die es zunächst zu quantifizieren<br />
gilt. Sogenannte passive Haptik,<br />
wie sie herkömmliche Schalter<br />
und Tasten generieren, wird in der<br />
Regel mit einem Kraft-Weg-Diagramm,<br />
auch S-Kurve genannt,<br />
grafisch dargestellt. Im Gegensatz<br />
dazu legt aktive Haptik, die mittels<br />
elektromagnetischer oder piezoelektrischer<br />
Aktuatoren generiert<br />
wird, aber nur einen Weg von etwa<br />
0,3 mm zurück. Daher ist statt dessen<br />
die Beschleunigung zu messen und<br />
im Zeit- sowie Frequenzbereich zu<br />
analysieren.<br />
Um aktive Haptik auch mit einer<br />
Belastung der Oberfläche messen<br />
und so mit der passiven vergleichen<br />
zu können, hat Grewus den ArFi entwickelt.<br />
Das Tool vereint als weltweit<br />
erstes Gerät alle notwendigen Messmethoden<br />
miteinander: Es verfügt<br />
über zwei Beschleunigungssensoren,<br />
von denen einer unmittelbar an<br />
der „Fingerkuppe“ des Geräts befestigt<br />
ist und der zweite frei auf der<br />
zu messenden Touch-Fläche platziert<br />
wird. Außerdem ist es mit einem<br />
Kraftsensor sowie einem Mikrofon<br />
ausgestattet. Dank dieser Konstruktion<br />
kann der künst liche Finger alle<br />
Messwerte erfassen, die für die<br />
Evaluierung von Haptik – und der<br />
stets damit in Zusammenhang stehenden<br />
Akustik – erforderlich sind,<br />
und daraus den objektiven GHIV als<br />
einzelnen, vergleichbaren Zahlenwert<br />
berechnen.<br />
Quantifizierung, Evaluierung<br />
und Spezifizierung von<br />
Haptik<br />
„Wenn wir die aktive Haptik einer<br />
Applikation beschreiben, dann bringen<br />
uns die technischen Spezifikationen<br />
des verwendeten Aktuators<br />
allein nicht weiter“, erläutert<br />
Santella. „Diese Angaben sind<br />
stets normiert und berücksichtigen<br />
so nicht die realen Gegebenheiten<br />
wie beispielsweise das tatsächliche<br />
Gewicht oder die Dämpfung<br />
der vom Aktuator in Schwingung<br />
versetzten Fläche.“ Zudem weicht<br />
die Empfindung eines Fingers, der<br />
mit einer bestimmten Kraft auf die<br />
Touch-Oberfläche drückt, deutlich<br />
von den Messdaten eines ungedämpft<br />
auf der Fläche aufliegenden<br />
Sensors ab. Aus diesem Grund verfügt<br />
der ArFi über zwei Beschleunigungssensoren,<br />
die synchron auf<br />
drei Achsen (x, y, z) messen können:<br />
Der erste befindet sich direkt<br />
unter dem Finger, der eine genau<br />
definierte Kraft auf die Ober fläche<br />
ausübt; der zweite kann beliebig auf<br />
der Touch-Fläche platziert werden,<br />
um die Homogenität der Haptikverteilung<br />
zu überprüfen. Da die<br />
Resonanzfrequenz der Mechanik<br />
vom individuellen Kraftaufwand<br />
abhängt, kann der künstliche Finger<br />
zwischen 0,1 N, was einer gerade<br />
wahrnehmbaren Berührung entspricht,<br />
und 10 N erzeugen, also<br />
eine Last von etwa 1 kg.<br />
Dazugehöriger Sound<br />
Da die Akustik untrennbar zur<br />
Haptik gehört, ist der ArFi ebenfalls<br />
mit einem Mikrofon ausgestattet.<br />
Dieses nimmt Neben geräusche,<br />
etwa ein durch nicht fixierte Bauteile<br />
bedingtes, ungewolltes Klappern,<br />
ebenso auf wie gezielte Töne, beispielsweise<br />
das typische Klicken<br />
einer mechanischen Taste. Denn<br />
um passive Haptik authentisch<br />
nachzubilden, ist es unerlässlich,<br />
den dazugehörigen Sound mit einzubeziehen.<br />
„Jeder kennt doch<br />
das Klick-Geräusch einer Taste“,<br />
bekräftigt Santella. „Dabei sorgt das<br />
Zusammenspiel mehrerer Sinnesempfindungen<br />
– in diesem Fall Haptik<br />
und Akustik – dafür, dass ein<br />
bestimmter Reiz – hier das haptische<br />
Feedback – anders wahrgenommen<br />
wird.“ Da es sich bei dem<br />
künstlichen Finger von Grewus um<br />
ein Tool handelt, das den Entwicklungsprozess<br />
erleichtern soll, wurde<br />
Da die Resonanzfrequenz der Mechanik vom individuellen Kraftaufwand<br />
abhängt, kann der künstliche Finger zwischen 0,1 N, was einer gerade<br />
wahrnehmbaren Berührung entspricht, und 10 N erzeugen, also eine Last<br />
von etwa 1 kg<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
51
Bedienen und Visualisieren<br />
Der ArFi ist ein nützliches Werkzeug für die Haptikentwicklung, das<br />
eine Brücke zwischen den Vorstellungen der Anwender, wie sich eine<br />
bestimmte Applikation letztendlich anfühlen soll, und den evaluierbaren,<br />
quantifizierbaren Daten schlägt<br />
in erster Linie auf eine unkomplizierte<br />
Handhabung Wert gelegt. So misst<br />
er taktiles Feedback unter Berücksichtigung<br />
aller relevanten Werte<br />
wie der Beschleunigung unter einem<br />
spezifischen Krafteinfluss, der Auslöseschwellen<br />
und der begleitenden<br />
Akustik vollumfänglich und be reitet<br />
sie zur Weiterverarbeitung auf. Auf<br />
diese Weise wird es schließlich möglich,<br />
die subjektive Empfindung von<br />
„präzise“ oder „weich“ mit einem<br />
objektiven Zahlenwert zu beschreiben,<br />
auf den sich eine spezifische<br />
Applikation gezielt hin entwickeln<br />
und optimieren lässt.<br />
Stand-alone-Gerät mit<br />
Analysesoftware<br />
Das Stand-alone-Gerät ArFi<br />
kann über eine systemunabhängige<br />
Browseranwendung bedient<br />
werden. Die Software ArFi Haptic<br />
Analyser rendert die gemessenen<br />
Werte in Diagramme. Alle gemessenen<br />
Daten können nachträglich<br />
analysiert und angepasst sowie<br />
zur weiteren Verarbeitung in gängige<br />
Formate wie Excel oder CSV<br />
exportiert werden. Die analytische<br />
Bewertung eines spezifischen haptischen<br />
Effekts wird damit komfortabel<br />
möglich. Bei einem der automatisch<br />
vom ArFi Haptic Analyser<br />
berechneten Werte handelt es sich<br />
um den bereits erwähnten GHIV. Er<br />
basiert auf einer mathematischen<br />
Funktion, welche die menschliche<br />
Wahrnehmung des vibro-taktilen<br />
Feedbacks mit einem Zahlenwert<br />
beschreibt. Dieser lässt sich nutzen,<br />
um die Intensitäten verschiedener<br />
Haptiken zu vergleichen oder<br />
nachzubilden.<br />
„Der ArFi ist ein nützliches Werkzeug<br />
für die Haptikentwicklung, das<br />
eine Brücke zwischen den Vorstellungen<br />
der Anwender, wie sich eine<br />
bestimmte Applikation letztendlich<br />
anfühlen soll, und den evaluier baren,<br />
„Mit dem ArFi haben wir ein<br />
Testsystem entwickelt, um Haptik<br />
spezifizieren, evaluieren und<br />
quantifizieren zu können. Dafür<br />
wurden wir auch erfolgreich vom<br />
Zentralen Innovationsprogramm<br />
Mittelstand (ZIM) gefördert“, so<br />
Elisa Santella, Geschäftsführerin bei<br />
GREWUS<br />
quantifizierbaren Daten schlägt“,<br />
fasst Santella zusammen. „Er hilft<br />
uns maßgeblich dabei, aktive Haptik<br />
während der Entwicklungsphase<br />
quantifizierbar und Optimierungsschritte<br />
in der Applikation messbar<br />
zu machen.“◄<br />
Komfortables 3D-Stereo Arbeiten in der Medizintechnik<br />
Komfortables Arbeiten im Sinne höchster<br />
Anwenderzufriedenheit - die 3D PluraView<br />
Monitorserie sorgt dank innovativer Technologie<br />
für perfekte Stereo-Visualisierung und<br />
komfortables Arbeiten in allen medizinischen<br />
Anwendungsbereichen.<br />
Anspruchsvolle Aufgabengebiete in der<br />
modernen Medizintechnik, wie z. B. OP-Planung,<br />
3D-Computertomographie, anatomische Bildgebung<br />
und Visualisierung von Medizindaten<br />
erfordern oft eine räumliche Darstellung in 3D.<br />
Die 3D PluraView Monitorfamilie ist das passive<br />
3D-Stereo System mit der höchsten Nutzer-Akzeptanz<br />
aller derzeit am Markt befindlichen<br />
3D-Stereo Monitore.<br />
Die Plug & Play Beamsplitter-Technologie ist<br />
bereits seit 13 Jahren im Markt etabliert und hat<br />
sich in der 4K 10-Bit (UHD) Version als 3D-Stereo<br />
Referenz durchgesetzt. Die intuitive Bedienung,<br />
aber vor allem der hohe Betrachtungskomfort<br />
in 3D-Stereo, verbessert das Handling<br />
komplexer Visualisierungen deutlich. Denn mit<br />
dem 3D PluraView können die Anwender im<br />
Gegensatz zu früher (2D-Darstellung) sich nun<br />
komplett durchgängig im 3D-Umfeld bewegen.<br />
Diese Möglichkeit der räumlichen Betrachtung<br />
bringt ein komfor tables und zugleich innovatives<br />
Arbeiten in allen Anwendungsbereichen<br />
der Medizintechnik mit sich. Der 3D PluraView<br />
ist geeignet für alle 3D-Stereo fähigen Software-Anwendungen<br />
im Medizinbereich, wie<br />
z.B. VSP, Stereo staxie, MOE, Forsina CT-VR,<br />
Versalius 3D, Sybyl, VMD syngo.fourSight<br />
oder syngo.Via.<br />
Das Arbeiten mit neuster Technologie ist<br />
nicht nur für Institute, Krankenhäuser und Forschungseinrichtungen<br />
von großem Nutzen,<br />
auch Mitarbeiter profitieren davon. Auf gaben<br />
können schneller und präziser umgesetzt werden,<br />
wodurch die Motivation der Anwender, wie<br />
auch die Identifikation mit dem Aufgabengebiet<br />
deutlich gesteigert wird.<br />
Schneider Digital<br />
info@schneider-digital.com<br />
www.schneider-digital.com
Komponenten<br />
Sicher und zuverlässig dank anwendungsorientierter Elektromagnetischer<br />
Verträglichkeit<br />
Medizinische Elektronik fordert<br />
immer höhere Standards, die<br />
Anwendungen werden immer komplexer<br />
und störungsfreies Arbeiten<br />
ist gerade im Gesundheitssektor<br />
essentiell und kann lebenswichtig<br />
sein. Wo allerdings elektronische<br />
Geräte im Einsatz sind, gibt<br />
es auch elektromagnetische<br />
Störungen. Wie<br />
sich das auf ein Gerät<br />
oder auch andere elektronische<br />
Geräte in der<br />
Umgebung auswirkt, ist<br />
der Bereich, wo EMV ins<br />
Spiel kommt.<br />
Ob im Klinikalltag oder<br />
auch bei Health-Care-<br />
Geräten im häuslichen<br />
Bereich: Durch Technologien<br />
wie z. B. Bluetooth<br />
oder WiFi, aber<br />
auch durch elektromagnetische<br />
Störungen,<br />
die von anderen Ge räten<br />
ausgehen, kann es<br />
zu Beeinträchtigungen<br />
hinsichtlich der elektromagnetischen<br />
Verträglichkeit<br />
kommen. Es ist<br />
daher wichtig, sicherzustellen, dass<br />
ein Gerät keine unbeabsichtigten<br />
Ausfälle bei anderen Ge räten verursacht<br />
und gleichzeitig soll das<br />
Gerät selbst in diesem Zusammenhang<br />
auch geschützt werden. Kunststoffgehäuse<br />
bieten i.d.R. von Natur<br />
aus keinen Schutz gegen elektromagnetische<br />
Strahlung: Hier kann<br />
man durch eine Aluminiumbeschichtung<br />
auf der Gehäuse innenseite entgegenwirken,<br />
so dass Störungen<br />
und Schäden in diesem Zusammenhang<br />
sogar gänzlich vermieden<br />
werden können.<br />
OKW bietet die Aluminiumbeschichtung<br />
als Individualisierungsmöglichkeit<br />
an. Zusammen mit weiteren<br />
kundenspezifischen Dienstleistungen,<br />
wie z. B. mechanische<br />
Bearbeitung, Lackierung oder<br />
Bedruckung fertigt OKW individuelle<br />
Gehäuselösungen, abgestimmt<br />
auf die Anforderungen der Kunden.<br />
Odenwälder<br />
Kunststoffwerke<br />
www.okw.com<br />
Massenproduktion von freiliegenden PCB-Leitern<br />
Die Fertigung von Leiterbahnstrukturen<br />
ohne Basismaterial ist<br />
für viele Leiterplattenhersteller eine<br />
Herausforderung. Doch nicht für<br />
Varioprint: Das Unternehmen realisiert<br />
vollständig fliegende Leiterbahnen<br />
für Leiterplattenanwendungen<br />
aus der Medizinbranche.<br />
Mikroleiter für<br />
die medizinische<br />
Massenproduktion<br />
Die neuartige Zwei-Lagen-<br />
Flex-Leiterplatte wurde aus Polyimid<br />
mit 25 - 50 µm Dicke realisiert.<br />
Lasergebohrte Microvias mit<br />
einem Durchmesser von 75 µm<br />
verbinden die zwei Lagen miteinander.<br />
Die Microvias sind zu<br />
90 % mit Kupfer gefüllt und die<br />
Endoberfläche wurde mit galvanischem<br />
Gold veredelt. Die einzigartige<br />
Varioprint-Lösung umfasst<br />
ein speziell entworfenes, lasergefrästes<br />
170-µm-Fenster. Die<br />
hochflexiblen Prozessparameter<br />
von Varioprint ermöglichen, eine<br />
solch fragile Außenkontur<br />
in Massenproduktion<br />
zu fertigen.<br />
Ein historischer<br />
Erfolg für Varioprint<br />
Bisherige Machbarkeitsbeschränkungen<br />
und technische Hindernisse<br />
wurden in<br />
enger Zusammenarbeit<br />
mit dem Kunden überwunden<br />
und führten zu<br />
einem erfolgreichen<br />
Scale-up, bei dem alle<br />
vorgegebenen Spezifikationen<br />
erfüllt wurden.<br />
Dieser einzig artige<br />
interdisziplinäre Ansatz stellt<br />
einen Durchbruch in der Flex-<br />
Technologie für fliegende Leiterbahnen<br />
dar. Zum ersten Mal in<br />
der Geschichte von Varioprint ist<br />
es gelungen, eine reproduzierbare<br />
Lösung für Leiterbahnstrukturen<br />
ohne Basismaterial als Träger<br />
zu finden. Der moderne und<br />
Lasergefrästes Fenster mit 100 µm Leiterbahn<br />
zukunftsorientierte Produktionsstandort<br />
ermöglicht es Varioprint,<br />
solche anspruchsvollen technischen<br />
Anforderungen erfolgreich<br />
zu bewältigen.<br />
Mit diesen fortschrittlichen<br />
technischen Möglichkeiten verschiebt<br />
Varioprint die Grenzen<br />
der Flex-Technologie und verstärkt<br />
die Performance der Produkte<br />
ihrer Kunden.<br />
Varioprint AG<br />
info@varioprint.ch<br />
www.varioprint.ch<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
53
Komponenten<br />
Darf es ein bisschen schneller sein?<br />
Highspeed-Steckverbinder von ept für maximale Designflexibilität<br />
ept GmbH<br />
www.ept.de<br />
Die Nachfrage nach Steckverbindern<br />
für anspruchsvolle<br />
Highspeed-Datenübertragungen<br />
wächst stetig – und mit ihr das<br />
Angebot des Steckverbinderherstellers<br />
ept. So ist der Highspeed-<br />
Steckverbinder Colibri nicht nur in<br />
der Version 10 Gbit/s, sondern<br />
auch 16 Gbit/s verfügbar. Dabei<br />
entspricht er den Anforderungen<br />
der COM-Express-Spezifikation<br />
und eignet sich somit für Anwendungen<br />
nach USB 3.1<br />
Gen2 und PCIe 4.0.<br />
Grund hierfür ist sein<br />
auf Highspeed optimiertes<br />
Kontaktdesign.<br />
Dadurch gelingt ihm die<br />
störungsfreie Übertragung<br />
hoher Daten raten,<br />
wie sie auch bei industriellen<br />
Anwendungen<br />
erforderlich sind. Dazu<br />
gehören neben den<br />
COM-Express-Spezifikationen<br />
vor allem Mez-<br />
zanine-Board-to-Board-<br />
Systeme. So findet der Colibri<br />
bereits in den verschiedensten<br />
Gebieten Anwendung: Nicht nur<br />
in der industriellen Automatisierung,<br />
sondern auch in der Medizinund<br />
Messtechnik, Gebäudetechnik,<br />
Unterhaltungselektronik, im<br />
Gaming sowie im Bereich Transportation<br />
und in POS-Systemen<br />
zählt man bereits auf seine Signalqualität.<br />
Was diesen Steckverbinder<br />
dabei besonders auszeichnet:<br />
Plug und Receptacle stehen in den<br />
Polzahlen 40, 80, 120, 160 und<br />
220 zur Ver fügung und ermöglichen<br />
damit maximale Flexibilität<br />
beim Elektronik design. Eine<br />
440-polige Version, bestehend<br />
aus zwei Plugs beziehungsweise<br />
Receptacles mit je 220 Pins, wird<br />
in einem Bestückrahmen zusammengehalten.<br />
Durch seine kompakte<br />
Bauweise bei einem Raster<br />
von nur 0,5 mm ist der kleine Highspeed-Profi<br />
geradezu prädestiniert<br />
für seinen Einsatz in miniaturisierten<br />
Anwendungen.<br />
Zugleich sorgen seine verschiedenen<br />
Bauhöhen von 5 mm und<br />
8 mm für weitere Flexibilität im<br />
Elektronikdesign durch variable<br />
Leiterplattenabstände. Ein weiterer<br />
Vorteil: Beide Versionen<br />
des Colibri, sowohl 10 Gbit/s als<br />
auch 16 Gbit/s, sind zueinander<br />
layout- und steckkompatibel. Mit<br />
diesem Steckverbinder sind der<br />
Highspeed-Anwendung wirklich<br />
keine Grenzen gesetzt. ◄<br />
Massenflussreglerserie um weitere Produktvarianten erweitert<br />
Sensirion erweitert seine Produktpalette um<br />
zwei weitere Massenflussregler der Erfolgsserie<br />
SFC5500 sowie um vier neue Massenflussmesser,<br />
die die Serie SFM5500 bilden.<br />
Die neuen Massenflussregler und -messer eignen<br />
sich bestens für Analyse-, Medizin- und<br />
Industrie anwendungen.<br />
Die leistungsstarken Massenflussregler<br />
und -messer sind für mehrere Gase kalibriert<br />
und verfügen über Steckanschlüsse, die der<br />
Benutzer selbst aus der Liste kompatibler Teile<br />
auswählen und austauschen kann. Dank seines<br />
äußerst weiten Regelbereichs kann jedes<br />
Gerät mehrere Durchflussbereiche abdecken,<br />
für die sonst separate Geräte erforderlich sind.<br />
Der vielseitige Massenflussregler SFC5500 ist<br />
nun für den Bereich von 50 sccm bis 200 slm<br />
verfügbar. Zudem wird mit der neuen Massenflussmesserserie<br />
SFM5500 eine genauso leistungsstarke,<br />
aber ventillose Schwesterversion<br />
des SFC5500 angeboten. Diese druckfesten<br />
Massenflussmesser gibt es ab sofort für die<br />
folgenden Regelbereiche: 50 sccm, 0,5 slm,<br />
2 slm und 10 slm.<br />
Die Serie SFC5500 bzw. SFM5500 bildet den<br />
Höhepunkt der 20-jährigen Erfolgsgeschichte<br />
von Sensirion in der hochpräzisen Gasflussregelung.<br />
Der Sensor basiert auf dem mikrothermischen<br />
Messprinzip sowie der bewährten<br />
CMOSens MEMS Technologie von Sensirion.<br />
Das Ergebnis sind kompromisslose Massenflussregler<br />
und -messer mit erstklassiger Leistung<br />
und hoher Zuverlässigkeit, die im Gegensatz<br />
zu den meisten anderen Geräten auf dem<br />
Markt keine Drift aufweisen und im laufenden<br />
Betrieb nicht nachkalibriert werden müssen.<br />
Dank des außerordentlich großen Regelbereichs,<br />
den der CMOSens MEMS Durchflusssensor<br />
ermöglicht, deckt die Serie SFC5500<br />
mehrere Durchflussbereiche traditioneller Massenflussregler<br />
und -messer mit einem einzigen<br />
Gerät ab. Dank der Kalibration für unterschiedliche<br />
Gase und der austauschbaren Steckanschlüsse<br />
sind die Massenflussregler der Serie<br />
SFC5500 und SFM5500 die ersten Geräte auf<br />
dem Markt, die in Standardausführung erhältlich<br />
sind und sich für eine Vielzahl von Analyse-,<br />
Medizin- und Industrieanwendungen<br />
eignen. Dank dieser Vielseitigkeit ist die Serie<br />
SFC5500 bzw. SFM5500 auch die erste weltweit,<br />
die über Katalogdistributoren erhältlich ist.<br />
Die Serie SFC5500 bzw. SFM5500 ist für<br />
eine große Bandbreite an Anwendungen geeignet,<br />
bei denen höchste Genauigkeit, maximale<br />
Geschwindigkeit sowie ein größtmöglicher<br />
dynamischer Bereich nötig sind: Mischgasanwendungen<br />
in Medizin- und Analyseinstrumenten,<br />
Prozesssteuerung und Industrieautomatisierung,<br />
Forschung und Entwicklung<br />
sowie Prototyping.<br />
Sensirion<br />
www.sensirion.com<br />
54 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Neuronale Schnittstellen werden<br />
leistungsfähiger<br />
Neuronale Schnittstellen ergänzen auf spektakuläre Weise die Mensch-Maschine-Interaktion –<br />
auch in der Medizin.<br />
Komponenten<br />
Imecs Lösung erreicht eine<br />
Rausch-, Verlustleistungs- und<br />
Flächenleistung, die mit den aktuellen<br />
State-of-the-Art-Neuropixels-<br />
Designs vergleichbar oder sogar<br />
besser ist und gleichzeitig den<br />
Dynamikbereich und die Elektroden-DC-Offset-Toleranz<br />
über einen<br />
AC-gekoppelten Wandler erhöht.<br />
Das 128-kanaligen Auslese-ICs<br />
Imec<br />
www.imec-int.com<br />
Als vor Jahrzehnten Wissenschaftler<br />
verschiedene Sensoren<br />
in Schimpansen einbrachten,<br />
um mit deren Gefühlen eine aufwendige<br />
Vorrichtung zu beeinflussen,<br />
die den Probanden Bananen<br />
spendierte, war das ein Erfolg. Der<br />
war möglich, weil das Nervensystem<br />
auch elektrochemische Signale<br />
nutzt. Der heutige Stand der<br />
Mikro elektronik verschafft dem<br />
Konzept Breitenwirksamkeit, etwa<br />
in Forschung und Medizin oder für<br />
gelähmte Menschen.<br />
Basics<br />
Mit einer neuralen Schnittstelle<br />
kann man die Signale lesen, um sie<br />
hernach auszuwerten. Neuronale<br />
Schnittstellen zielen mittels direkter<br />
oder indirekter Verbindung auf<br />
verschiedene Teile des neuronalen<br />
Systems. Dabei nutzen sie nicht-eintauchende,<br />
halb-eintauchende oder<br />
eintauchende Sensoren.<br />
In der Medizin dienen diese<br />
Schnittstellen vor allem der Diagnose.<br />
Durch sogenanntes Neurofeedback<br />
soll der Patient lernen, seinen<br />
eigenen Zustand zu verändern.<br />
Solche Geräte sind bereits Realität.<br />
In jüngster Zeit wurden mehrere<br />
innovative Auslesearchitekturen<br />
untersucht, um Leistungsparameter<br />
wie Energieverbrauch, Rauschen,<br />
Elektroden-Gleichstrom-<br />
Offset und Eingangsbereich auszuloten.<br />
Ein Kompromiss zwischen all<br />
diesen Parametern ist jedoch nicht<br />
leicht zu erreichen. Etwa Direktdigitalisierungs-Frontends,<br />
die die Signale<br />
nahe der Quelle in die digitale<br />
Welt bringen, haben ein großes<br />
Potenzial zur drastischen Verringerung<br />
der Fläche, schneiden jedoch<br />
in punkto Leistungsaufnahme, Bandbreite<br />
und Unterdrückung des Elektroden-DC-Offsets<br />
vergleichweise<br />
schlecht ab.<br />
Skalierbarer neuronaler<br />
Auslese-Mikrochip<br />
Der neue skalierbare neuronale<br />
Auslese-Mikrochip ist besonders<br />
klein und ermöglicht dennoch die<br />
gleichzeitige Erfassung von lokalen<br />
Feldpotentialen und von Aktionspotentialen<br />
in neurophysiologischen<br />
Experimenten. Der Chip<br />
basiert auf einer neuartigen ACgekoppelten<br />
Delta-Delta-Sigma-<br />
Architektur 1. Ordnung, welche auch<br />
sehr schwache Signale in den digitalen<br />
Bereich umsetzen kann. Auch<br />
in punkto Energieverbrauch steht<br />
der Chip sehr gut da.<br />
AC-Kopplung und direkte<br />
Digitalisierung<br />
„Uns ist es gelungen, AC-Kopplung<br />
und direkte Digitalisierung zu<br />
kombinieren, um Rail-to-Rail-DC-<br />
Offset-Auslöschung und einen höheren<br />
Eingangsbereich (43 mVpp) als<br />
andere AC-gekoppelte Designs zu<br />
erreichen. Dies ist wichtig, um eine<br />
Sättigung der Aufnahmekanäle zu<br />
verhindern und mögliche Bewegungs-/Stimulationsartefakte<br />
zu<br />
beherrschen. Die AC-gekoppelte<br />
Eingangsstufe reduziert außerdem<br />
den Energiebedarf (insgesamt<br />
8,34 µW pro Kanal), da nur<br />
AC-Signale digitalisiert werden“,<br />
erklärt Carolina Mora Lopez, Teamleiterin<br />
des Circuits for Neural Interfaces<br />
Teams von Imec.<br />
Spezielle Architektur<br />
Diese spezielle Architektur ermöglicht<br />
die Implementierung eines<br />
großen Teils der Funktionalität – z.B.<br />
des Anti-Aliasing-Filters – in die<br />
digitale Domäne. Daher ist es möglich,<br />
die Gesamtfläche des Kanals<br />
(0,005 mm 2 ) deutlich zu verkleinern<br />
und die Signalqualität zu verbessern,<br />
indem die Vorteile eines hochskalierten<br />
Technologieknotens (22 nm<br />
FD-SOI) genutzt werden.<br />
„Dieses skalierbare, digital-intensive<br />
Design gewährleistet eine kleine<br />
Grundfläche und einen stromsparenden<br />
IC mit guter Leistung für die<br />
gleichzeitige Erfassung von neuronalen<br />
Signalen. Es öffnet den Weg<br />
zu noch kleineren Sonden mit höherer<br />
Elektrodendichte, die die neurowissenschaftliche<br />
Forschung voranbringen<br />
kann“, fasst Carolina Mora<br />
Lopez zusammen. ◄<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
55
Komponenten<br />
Leistung auf kleinstem Raum<br />
Panasonics Wi-Fi Modul PAN9520 im Rutronik Wireless-Portfolio<br />
Rutronik Elektronische<br />
Bauelemente GmbH<br />
www.rutronik.com<br />
Neuer Joystick basierend<br />
auf Hall-Effekt-ICs<br />
knitter-switch, einer der führenden Schalterhersteller<br />
Europas, bietet einen neuen Joystick,<br />
basierend auf Hall-Effekt-ICs. Mögliche Einsatzgebiete<br />
sind Kamerasteuerungen, Geräte<br />
für Behinderte, Positioniertische im medizinischen<br />
und industriellen Bereich, Instrumente<br />
oder Bühnentechnik.<br />
Der Joystick ist nicht nur in alle Richtungen<br />
flexibel – er verfügt auch über eine „Enter“-<br />
Taste. Und dank steckbarem Kabel ist er sehr<br />
bequem zu montieren. Der neue Joystick verfügt<br />
darüber hinaus über eine lange Lebensdauer:<br />
X- und Y-Achse: 5 000 000 Zyklen, Z-Achse<br />
(Option) 1.000 000 Zyklen. Der Analogausgang<br />
hat 0…5 V DC.<br />
knitter-switch<br />
www.knitter-switch.com<br />
Das Panasonic PAN9520 ist<br />
ein 2,4 GHz 802.11 b/g/n embedded<br />
Wi-Fi Modul und basiert<br />
auf dem ESP32-S2 von Espressif.<br />
Dieser hochintegrierte Single-<br />
Core-Wi-Fi- Mikrocontroller-SoC<br />
mit geringem Stromverbrauch enthält<br />
eine leistungsstarke Xtensa<br />
32-bit LX7 CPU. Zudem ist er auf<br />
Sicherheit und Kosteneffizienz bei<br />
gleichzeitig hoher Leistung ausgelegt.<br />
Durch die integrierte Chipantenne<br />
und den QSPI-Speicher<br />
eignet sich das PAN9520 für eine<br />
Vielzahl von Stand Alone- und Hostgesteuerten<br />
Anwendungen. Es zählt<br />
zu einem der kleinsten Geräte auf<br />
dem Markt (24 x 13 x 3,1 mm) und<br />
ermöglicht ein breites Spektrum an<br />
Peripheriegeräten über Schnittstellen<br />
wie u. a. Full-Speed-USB-OTG,<br />
SPI, UART, I²C. Das Modul ist entweder<br />
als 4 MB Flash-Version mit<br />
2 MB PSRAM oder als 1 MB Flash-<br />
Variante ohne PSRAM verfügbar.<br />
Anwendungsgebiete sind z. B.<br />
Gebäudeautomatisierung, Medizintechnik<br />
und Robotik sowie Smart<br />
City-Infrastrukturen. Unter www.<br />
rutronik24.com ist das Panasonic<br />
PAN9520 erhältlich.<br />
Sichere Datenverbindung<br />
Panasonic kombiniert im<br />
PAN9520 eine Hochleistungs-<br />
CPU, einen Basisbandprozessor<br />
(BB), ein hochempfindliches drahtloses<br />
Funkgerät, einen ROM-Bootloader<br />
und einen Medium Access<br />
Controller (MAC). Ebenso enthält es<br />
eine Verschlüsselungseinheit, chipinternes<br />
SRAM sowie modulinternes<br />
QSPI-Flash und PSRAM (4 MB<br />
Flash-Version). Das Modul garantiert<br />
eine sichere Datenverbindung dank<br />
BIP, CCMP, TKIP, WAPI, WEP und<br />
einem AES-Beschleuniger. Der integrierte<br />
Quarz gewährleistet eine Verbindungsleistung<br />
über die gesamte<br />
Lebensdauer bei einem Temperaturbereich<br />
von -40 °C bis 85 °C. Der<br />
parallele Support von Access Point<br />
und Station Mode gewährleistet<br />
die einfache Einrichtung mehrerer<br />
Wi-Fi-Verbindungen vom Modul zu<br />
Smart Devices und Heimnetzwerk-<br />
Routern. Das Espressif Integrated<br />
Development Framework (ESP-IDF)<br />
ermöglicht dank einer großen Auswahl<br />
von Programmbeispielen die<br />
Entwicklung von Software für verschiedenste<br />
Anwendungen.<br />
Weitere Eigenschaften:<br />
• 802.11mc – Fine Time Measurement<br />
• Output 19,5 dBm bei IEEE 802.11b<br />
@1 Mbps<br />
• Empfindlichkeit -97 dBm bei IEEE<br />
802.11b @1 Mbps<br />
• Stromverbrauch 190 mA Tx, 68<br />
mA Rx, 310 mA Tx peak<br />
• Spannungsbereich: 3 V bis<br />
3,6 V ◄<br />
56 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Komponenten<br />
Einweg- oder Mehrwegprodukte im<br />
medizinischen Bereich?<br />
Wie sich Wegwerf- und wiederverwendbare Komponenten in der Medizin kombinieren lassen.<br />
Kunststoff. Das Portfolio ist flexibel<br />
mit allen ODU MEDI-SNAP Produkten<br />
kombinierbar, welche für bis<br />
zu 5000 Steckzyklen geeignet sind.<br />
Egal ob im medizinischen, zahnmedizinischen<br />
Bereich oder der<br />
häuslichen Versorgung, es stellt sich<br />
immer wieder die Frage nach der<br />
Wiederverwendbarkeit von Medizinprodukten.<br />
Generell gibt es zwei<br />
verschiedene Möglichkeiten: Mehrwegartikel,<br />
die nach der Benutzung<br />
gereinigt und in den meisten Fällen<br />
sterilisiert, oder Einwegartikel<br />
die anschließend entsorgt werden.<br />
Bereits im Vorfeld entscheidet<br />
der Produktmanager des medizinischen<br />
Endproduktes, welche Komponenten<br />
und Zubehörteile als Einweg-<br />
oder Mehrwegprodukt bezogen<br />
werden, immer im Einklang mit<br />
dem Risikomanagement. An oberster<br />
Stelle steht der Patient, für den<br />
höchste Sicherheitsstandards gelten.<br />
Neben der Sicherheit, stehen<br />
die Anforderungen an Kosten, Zeit<br />
und Qualität der Medizinprodukte<br />
im Vordergrund. Zusätzlich muss<br />
für Anwender, wie beispielsweise<br />
medizinischem Personal, eine einfache<br />
Handhabung der Medizinprodukte<br />
gewährleistet werden. Die<br />
ODU GmbH & Co. KG<br />
www.odu.de<br />
Prämisse lautet, möglichst wenig<br />
Aufwand für das Austauschen und<br />
Ersetzen der jeweiligen Medizinkomponenten<br />
nach dem Gebrauch.<br />
Beständigkeit ist gefragt<br />
Im medizinischen Alltag kommen<br />
verschiedenste Desinfektions- und<br />
Reinigungsmittel zum Einsatz. Diese<br />
können Materialien des medizinischen<br />
Endgerätes sowie der Zubehörteile,<br />
wie beispielsweise einen<br />
konfektionierten Steckverbinder, auf<br />
unterschiedlichste Art beeinflussen.<br />
Einzelne Komponenten aus Kunststoff<br />
können sich verfärben, durch<br />
Wärme verformen, Risse bekommen<br />
und am Ende sogar brechen.<br />
Der Kunde erwartet ein ressourcenschonendes,<br />
langlebiges sowie<br />
robustes Qualitätsprodukt, das in<br />
verschiedensten Anwendungsbereichen,<br />
unter anderem der Endoskopie<br />
sowie der Robotik verwendet<br />
werden kann. In diesen Bereichen<br />
wird häufig auf Mehrwegprodukte<br />
gesetzt, da die Endgeräte sehr<br />
teuer sind und dadurch eine lange<br />
Lebensdauer gewährleistet werden<br />
muss. Das ODU Rundsteckverbinder-Portfolio<br />
bietet verschiedenste<br />
Varianten aus Metall und Kunststoff,<br />
die desinfizier- sowie sterilisierbar<br />
und dadurch sehr beständig sind.<br />
Neben dem Steckverbinder wird auf<br />
Wunsch auch die komplette Konfektionierung<br />
übernommen. Hierbei<br />
wird für den Mehrwegbereich<br />
häufig eine Silikonumspritzung inkl.<br />
Silikonkabel verwendet.<br />
Kosteneffizienz sowie<br />
Zeitersparnis im Fokus<br />
Gerade in der häuslichen Versorgung<br />
und in vielen Bereichen<br />
von medizinischen Einrichtungen,<br />
geht aufgrund des erhöhten Aufwands<br />
der Reinigung, Sterilisation<br />
und Verpackung der Trend zu Einwegprodukten.<br />
Die bei Mehrwegprodukten<br />
anfallenden Kosten für<br />
z. B. die Anschaffung eines Autoklavs,<br />
Kosten für benötigtes Desinfektionsmittel<br />
sowie steriles Verpackungsmaterial,<br />
können dadurch eingespart<br />
werden. Im Zuge der Pandemie<br />
musste das medizinische Personal<br />
auf noch effizientere Weise<br />
eingesetzt werden, sodass Einwegprodukte<br />
die Aufbereitung der Medizinprodukte<br />
ersetzten. Aus ökologischer<br />
Sicht sind Einwegkomponenten<br />
zu überdenken. Allerdings<br />
ist es häufig aufgrund der Anforderungen<br />
nicht möglich, auf diese zu<br />
verzichten.<br />
ODU bietet für diese Anforderungen<br />
bereits fertig konfektionierte<br />
Einweg-Abreißsteckverbinder<br />
sowie Einweg-Geräteteile aus<br />
Die Kombination macht den<br />
Unterschied<br />
Jedes Medizingerät hat unterschiedlichste<br />
Anforderungen an die<br />
Sicherheit, die Beständigkeit und die<br />
Kostenstruktur. Der Hersteller entscheidet<br />
bereits bei der Produktentwicklung,<br />
welche Bauteile als Mehrweg-<br />
oder Einwegprodukte verwendet<br />
werden. In den meisten Fällen,<br />
wird es eine Kombination aus beiden<br />
sein: Kosteneffiziente Zubehörteile<br />
als Einwegprodukte, die dennoch<br />
den Hygiene- und Sicherheitsanforderungen<br />
entsprechen, sowie<br />
langlebige Medizingeräte, Monitorsysteme<br />
und Roboter, bei denen<br />
besonders beständige und robuste<br />
Komponenten gefragt sind.<br />
Erfüllung höchster Sicherheitsanforderungen<br />
Mit dem Inkrafttreten der Medical<br />
Device Regulation (MDR) am<br />
27.05.2021 verändern sich die Anforderungen<br />
an Hersteller und Inverkehrbringer<br />
von Medizinprodukten.<br />
Ein adäquates Änderungsmanagement<br />
und angemessenes Risikomanagement,<br />
sowie eine lückenlose<br />
Rückverfolgbarkeit der Produkte<br />
stehen unter anderem im Fokus. Als<br />
Lieferant für medizinische Applikationen<br />
unterstützt ODU seine Kunden<br />
bei der Erfüllung der Forderungen.<br />
Auch mit Blick auf den Anwender-<br />
und Patientenschutz setzt die<br />
Medizin auf höchste Sicherheit hinsichtlich<br />
der IEC 60601-1. Hierbei<br />
kommt dem vollständigen Berührschutz<br />
von Bediener und dem versorgten<br />
Patienten im Fall einer<br />
Störung eine besondere Bedeutung<br />
zu. Mit den Vorgaben von bis<br />
zu 2x MOOP (Means of Operator<br />
Protection) und 2x MOPP (Means<br />
of Patient Protection) orientiert sich<br />
ODU mit seinem Rundsteckverbinderportfolio<br />
an den höchsten Sicherheitsstandards.<br />
◄<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
57
Künstliche Intelligenz<br />
Einsatz von KI-Bildanalyse zur Erkennung und<br />
Vorbeugung von Krankheiten<br />
Ein Eingreifen in Echtzeit kann<br />
die Überlebensrate verbessern<br />
und Ärzten helfen, einen personalisierten<br />
Behandlungsplan auf der<br />
Grundlage der gewonnenen Daten<br />
zu entwickeln. Das Journal of the<br />
American College of Radiology<br />
beleuchtet die Zukunft der KI-Bilderkennung<br />
im Gesundheits wesen,<br />
indem es die verschiedenen Anwendungen<br />
und deren Marktbedarf auflistet.<br />
Einem kürzlich im Journal of<br />
the American College of Radiology<br />
erschienenen Bericht von Dr. Alan<br />
Alexander zufolge werden derzeit<br />
KI-basierte Bildgebungsgeräte für<br />
CT-Scans (90 %), MRTs (60 %)<br />
und Röntgenaufnahmen (56 %)<br />
eingesetzt.<br />
ARROW Electronics<br />
www.arrow.de<br />
In den letzten Jahren hat die<br />
Gesundheitsbranche relativ schnell<br />
Systeme für maschinelles Lernen,<br />
fortschrittliche Algorithmen und<br />
Lösungen für künstliche Intelligenz<br />
integriert, um Präzisionsmedizin zu<br />
betreiben. Die fortschrittliche Technologie<br />
scannt und analysiert Big<br />
Data, um relevante Diagnosen zu<br />
erhalten und verschiedene Krankheiten<br />
zu erkennen.<br />
Die KI-Bilderkennung verbessert<br />
die Vorhersagefähigkeit von Patientenergebnissen<br />
durch Big Data<br />
Analytics. Sie wandelt die aufgenommenen<br />
Bilder in Daten um,<br />
bevor sie die Informationen analysiert,<br />
um Anomalien zu erkennen.<br />
Anhand dieser Ergebnisse können<br />
Radiologen frühe Anzeichen<br />
einer Erkrankung erkennen und<br />
einen individuellen Behandlungsplan<br />
entwickeln.<br />
Die rasche Einführung von KIbasierten<br />
Bildgebungsgeräten (in<br />
Anwendungsfällen wie Röntgen,<br />
MRT und CT) und die steigenden<br />
Investitionen in fortschrittliche Technologien<br />
für das Gesundheits wesen<br />
haben zu einem Aufschwung bei der<br />
Einführung und Nutzung geführt.<br />
Die Investitionen begannen im Jahr<br />
2016, als sich KI als sehr vielversprechend<br />
erwies – seither spielt sie<br />
in der Medizin eine immer wichtigere<br />
Rolle. Tatsächlich sagen Marktberichte<br />
voraus, dass die KI-Bilderkennung<br />
bis zum Jahr 2026 eine<br />
jährliche Wachstumsrate (CAGR)<br />
von 30,4 % erzielen kann (Mordor<br />
Intelligence, 2021).<br />
In diesem Artikel beleuchten wir<br />
das Wachstum der KI-Bilderkennung<br />
bei der Erkennung und Vorbeugung<br />
von Krankheiten und erörtern,<br />
welche Rolle Radiologen bei<br />
dieser Entwicklung spielen und was<br />
die Zukunft der KI mit sich bringt.<br />
Nutzung der<br />
KI-Bilderkennung für<br />
die Frühdiagnose von<br />
Krankheiten<br />
Im Laufe der Jahre hat Künstliche<br />
Intelligenz aufgrund ihrer höheren<br />
Spezifität und niedrigeren Rückrufraten<br />
begonnen, den Gesundheitsmarkt<br />
zu dominieren. Diese<br />
Aspekte erhöhen das Produktivitätsniveau<br />
und die Leistungs fähigkeit bei<br />
der Diagnose verschiedener Krankheiten.<br />
Die moderne diagnostische<br />
Bildgebung ermöglicht es Radiologen,<br />
frühe Anzeichen von Krebs,<br />
Tumoren und anderen Krankheiten<br />
zu erkennen.<br />
Nicht-invasive Diagnostik<br />
Mediziner bevorzugen KI-basierte<br />
Bildgebungsgeräte anstelle von<br />
Biopsieverfahren. Dieser nichtinvasive<br />
Ansatz zur Diagnose und<br />
Erkennung hilft, unerwünschte Komplikationen<br />
zu vermeiden, die Ärzte<br />
bei einer Biopsie erleben können.<br />
Die Ergebnisse sind genauer und<br />
präziser als bei herkömmlichen<br />
Diagnosemethoden. So können<br />
beispielsweise CT-Scans mit Hilfe<br />
fortschrittlicher Technologie Genmutationen<br />
und Läsionen frühzeitig<br />
erkennen.<br />
Darüber hinaus lassen sich so<br />
kleine radiologische Anomalien<br />
feststellen, die vorher unerkannt<br />
geblieben wären. KI nutzt maschinelles<br />
Lernen und Algorithmen,<br />
um gewebebezogene Muster und<br />
Anomalien zu erkennen. Dank ihrer<br />
hohen Empfindlichkeit können diese<br />
Geräte inkonsistente Muster auf<br />
einer Ebene erkennen, die Radiologen<br />
bei der ersten Konsultation<br />
oder bei oberflächlichen Messungen<br />
nicht erkennen können.<br />
Wird Künstliche Intelligenz<br />
Ärzte ersetzen?<br />
Oft wird es für eine unvermeidliche<br />
Folge der Einführung von KI gehalten,<br />
dass PCs und Roboter intelligenter<br />
werden als ihr menschliches Vorbild<br />
und so den Menschen irgendwann<br />
ersetzen. Man könnte sich also fragen,<br />
ob das stetige Wachstum von<br />
58 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Künstliche Intelligenz<br />
KI-basierten Geräten im Gesundheitswesen<br />
dazu führen könnte,<br />
dass beispielsweise der menschliche<br />
Radiologe ersetzt werden kann.<br />
Dies wird in absehbarer Zeit nicht<br />
der Fall sein, da die neue Technik<br />
unterstützt und die Diagnose erleichtert,<br />
aber die menschliche Entscheidung<br />
nicht ersetzen kann. Außerdem<br />
befindet sich die KI-Bilderkennung<br />
derzeit noch in der Entwicklungsphase.<br />
Man sollte auch nicht vergessen,<br />
dass die Entscheidungsfindung<br />
Geschicklichkeit und medizinisches<br />
Wissen erfordert, das über<br />
die algorithmusbasierten Ergebnisse<br />
hinausgeht. Selbst wenn die KI-Bildgebung<br />
die traditionellen Diagnosetechniken<br />
bei quantitativen Aufgaben<br />
übertrifft, reicht sie bei der medizinischen<br />
Entscheidungsfindung bisher<br />
nicht an die menschliche Genauigkeit<br />
heran. Man sollte also die Integration<br />
des maschinellen Lernens<br />
als ergänzende Diagnoselösung für<br />
bestimmte Krankheiten in Betracht<br />
ziehen. Es kann interessierten Radiologen<br />
helfen, ihre Produktivität zu<br />
steigern, indem sie den klinischen<br />
Zeitaufwand reduzieren und die Patientenerfahrung<br />
verbessern.<br />
Der Radiologe für die<br />
richtige Diagnose<br />
Ein kürzlich erschienener Artikel<br />
im Lancet stellt außerdem fest,<br />
dass Radiologen die Patientenergebnisse<br />
optimieren können, wenn<br />
sie bestimmte KI-bezogene Rückschlüsse<br />
berücksichtigen. So kann<br />
es beispielsweise schwierig sein,<br />
eine frühe Diagnose zu beweisen,<br />
wenn die Ergebnisse auf Anomalien<br />
hinweisen, für die es keine umfassende<br />
wissenschaftliche Unterstützung<br />
gibt. Ebenso kann eine<br />
„Überdiagnose aufgrund geringfügiger<br />
Veränderungen“ zu falsch<br />
positiven Ergebnissen führen. Radiologen<br />
müssen ihr Fachwissen<br />
einsetzen, um die Symptome zu<br />
vergleichen und die richtige Diagnose<br />
zu stellen. Kurz gesagt, die<br />
KI-Bild erkennung benötigt immer<br />
noch menschliche Unterstützung,<br />
um ihr Potenzial auszuschöpfen.<br />
Die Zukunft der<br />
KI-Bildgebung<br />
Das Vertrauen in die medizinische<br />
Bildgebung hat im letzten<br />
Jahrzehnt erheblich zugenommen.<br />
Mit der Verbesserung von Machine-<br />
Learning-Netzwerken wird sich die<br />
Erkennung und Interpretation medizinischer<br />
Bilder verbessern. Aus diesem<br />
Grund investieren viele große<br />
Unternehmen und Forschungsprogramme<br />
in KI-Bildsensoren.<br />
Google Health zielt beispielsweise<br />
darauf ab, „die Behandlungsplanung<br />
zu vereinfachen und<br />
die Effizienz der Strahlentherapie<br />
zu verbessern“, indem es mit der<br />
Mayo Clinic zusammenarbeitet, um<br />
einen Algorithmus zu konfigurieren,<br />
der gesundes Gewebe und Organe<br />
von Tumoren trennt. Das Technologieunternehmen<br />
hat auch in KIzentrierte<br />
Bildgebungslösungen<br />
zur Erkennung von Augenkrankheiten,<br />
Brustkrebs und Lungenkrebs<br />
investiert.<br />
Augmented-Reality<br />
Darüber hinaus hat der Erfolg der<br />
KI-Bilderfassung die Entwicklung<br />
von Augmented-Reality-3D-Bildgebung<br />
in der Medizin vorangetrieben.<br />
Derzeit testen Forscher<br />
Prototypen, die es Ärzten ermöglichen,<br />
AR-Headsets zu verwenden,<br />
um betroffene Organe und<br />
Gewebe zu betrachten. Alter nativ<br />
kann die 3D-Bildgebung auch verwendet<br />
werden, um Blockaden,<br />
vernarbtes Gewebe und Tumore<br />
aus verschiedenen Blickwinkeln<br />
zu betrachten. Chirurgen können<br />
diese Informationen nutzen, um<br />
sich während der Operation ausschließlich<br />
auf die Zielstellen zu<br />
konzentrieren.<br />
Fazit<br />
Die Ergänzung der modernen<br />
Diagnostik durch medizinische Bildgebung<br />
erleichtert die Befundung<br />
und macht sie sicherer. Außerdem<br />
kann sie zu lebensverändernden<br />
Erkenntnissen über verschiedene<br />
Krankheiten, Verletzungen (einschließlich<br />
Frakturen und Verletzungen<br />
des Bewegungsapparats)<br />
und Zustände führen. Gesundheitsdienstleister<br />
können Daten generieren,<br />
die sie ohne eine visuelle<br />
Hilfe nicht erkennen würden. Die<br />
hohen Sensitivitäts- und Genauigkeitsraten<br />
führen zu erfolgreichen<br />
Behandlungsplänen.<br />
Letztendlich wird das wachsende<br />
Interesse an der KI-Bilderkennung<br />
die Diagnosetechnologie zugänglicher<br />
und praktischer machen. ◄<br />
November/Dezember/Januar November-Dezember 5/2021 1/2008Jg. 12<br />
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meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
59
Sicherheit<br />
Sicherheit medizinischer Geräte und<br />
Erlangung behördlicher Genehmigungen<br />
Autor:<br />
Robert Bates,<br />
Chief Safety Officer for<br />
Embedded Platform Systems<br />
bei Siemens Digital Industries<br />
Software<br />
www.sw.siemens.com<br />
Die Sicherheit medizinischer<br />
Geräte wird derzeit immer wichtiger.<br />
Die Kunden oder Patienten<br />
dieser Geräte wollen die Sicherheit<br />
haben, dass ihre Gesundheit<br />
und ihre persönlichen Daten auch<br />
wirklich ernst genommen werden.<br />
Von den Regulierungsbehörden<br />
überall auf der Welt wird vor und<br />
nach der Produktfreigabe in zunehmendem<br />
Maße verlangt und überprüft,<br />
dass die Geräte so sicher<br />
wie möglich sind. In den USA hat<br />
die Food and Drug Administration<br />
(FDA) Leitlinien veröffentlicht, die<br />
Anforderungen an medizinische<br />
Geräte beschreiben, in denen<br />
eine ganze Reihe von Aspekten<br />
in Bezug auf die Entwicklung und<br />
Wartung solcher Geräte obligatorisch<br />
wird.<br />
Sicherheitsschwachstellen<br />
Eine Sicherheitsschwachstelle ist<br />
ein Programmierfehler (auch Defekt<br />
oder Bug genannt), der ein Gerät<br />
anfällig gegen die Beeinflussung<br />
oder Beeinträchtigung durch eine<br />
unvorhergesehene externe oder<br />
interne Anwendung macht. Sicherheitsschwachstellen<br />
gibt es in jeder<br />
Produktart, unter anderem auch in<br />
medizinischen Geräten. Indem sie<br />
diesen Fakt anerkennen und sich<br />
auf dessen Unvermeidlichkeit einstellen,<br />
können die Embedded-Entwickler<br />
die Exposition und damit die<br />
möglichen Schäden begrenzen,<br />
die solche Schwachstellen verursachen<br />
können.<br />
Der wichtigste Bestandteil im<br />
Prozess der Erkennung und Eindämmung<br />
dieser potenziellen Probleme<br />
ist ein Industriestandard mit<br />
der Bezeichnung „Common Vulnerabilities<br />
and Exposures“ (CVE). Die<br />
ursprünglich bereits 1999 definierten<br />
CVE stellen eine Zusammenstellung<br />
bekannter, ausnutzbarer Sicherheitsschwachstellen<br />
dar, die in Produkten<br />
bestehen (oder in der Vergangenheit<br />
bestanden). Die CVE werden<br />
von der MITRE Corporation und der<br />
US National Vulnerability Database<br />
(NVD), einer vom US Department<br />
of Homeland Security unterhaltenen<br />
Datenbank, gemeinsam veröffentlicht<br />
und gepflegt. Jede bedeutende<br />
Sicherheitsschwachstelle – von<br />
Heartbleed (CVE-2014-060) über<br />
Shellshock (CVE-2014-6271) bis<br />
hin zu URGENT/11 (11 CVE, entdeckt<br />
im Jahre 2019) – ist hier bis<br />
heute als CVE dokumentiert worden.<br />
Die CVE werden entweder infolge<br />
des verursachten Schadens (wenn<br />
das zugrunde liegende Problem bei<br />
einer nachträglichen Untersuchung<br />
anhand seiner Auswirkungen identifiziert<br />
wird) oder im Ergebnis der<br />
Entdeckung durch einen gewissenhaften<br />
Ingenieur gefunden, dem ein<br />
möglicher Exploit aufgefallen ist. Es<br />
ist gut, dass die meisten Exploits entdeckt<br />
werden, bevor sie Schaden<br />
verursachen. Schlecht ist es jedoch<br />
andererseits, dass ein Exploit von<br />
Hackern überall auf der Welt leicht<br />
ausgenutzt werden kann, sobald<br />
er über den CVE-Prozess weltweit<br />
bekanntgegeben wird – schnelles<br />
Handeln ist also von entscheidender<br />
Bedeutung.<br />
Glücklicherweise gibt der CVE-<br />
Prozess den Produkt- oder Softwareentwicklern<br />
genug Zeit, um<br />
einen Exploit zu beseitigen, bevor<br />
er weltweit bekanntgemacht wird.<br />
Dadurch können sie schnell handeln,<br />
um die erforderliche Gerätesicherheit<br />
zu implementieren.<br />
Einstufung des CVE<br />
Nach seiner Erkennung wird<br />
jedem CVE eine Identifikationsnummer<br />
(ID) zugewiesen. Wird festgestellt,<br />
dass es sich bei einem CVE<br />
um ein Sicherheitsproblem handelt,<br />
wird dem CVE von der NVD außerdem<br />
ein „Vulnerability Score“ zugewiesen.<br />
Dabei handelt es sich um<br />
eine Zahl zwischen 1 und 10. Je<br />
höher die Zahl, desto schwerere<br />
Folgen kann die Schwachstelle für<br />
die betroffenen Geräte haben. Die<br />
NVD enthält auch alle weiteren<br />
bekannten Informationen über das<br />
Problem sowie Links zu relevanten<br />
Websites, die das Sicherheitsproblem<br />
detaillierter beschreiben – einschließlich<br />
von Fehlerbehebungsmöglichkeiten,<br />
soweit möglich.<br />
Hauptvorteil des CVE-<br />
Meldungsprozesses<br />
Der Hauptvorteil des CVE-Meldungsprozesses<br />
besteht darin, dass<br />
das Sicherheitsproblem, Möglichkeiten<br />
zu seiner Behebung sowie<br />
sein Schweregrad und sein Risiko<br />
bekanntgemacht werden, den es für<br />
Produkte haben könnte. Sicherheits-<br />
60 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Sicherheit<br />
schwachstellen können für Geräte,<br />
Kunden und den Anwender selbst<br />
zu verschiedenen negativen Auswirkungen<br />
führen, wie:<br />
- Verlust oder Änderung kritischer<br />
Patientendaten, die zu einer Gesundheitsschädigung<br />
des Patienten oder<br />
zur Gefährdung des medizinischen<br />
Personals führen könnten,<br />
- Offenlegung von Kunden- oder<br />
Endnutzerdaten, die zum Identitätsdiebstahl,<br />
zu HIPAA-Verstößen und<br />
zu anderen schwerwiegenden Folgen<br />
führen könnte,<br />
- Infiltration des Geräts durch böswillige<br />
Akteure, die das Eindringen<br />
von Malware, die Deaktivierung des<br />
Geräts oder die Infizierung anderer<br />
Teile des Krankenhaus- oder Kliniknetzwerks<br />
mit Viren oder Malware<br />
verursachen könnten, usw.<br />
Sicherheitsprobleme und<br />
Produktentwicklung<br />
Bei der Entwicklung von Geräten,<br />
die so sicher wie möglich sein müssen,<br />
ist es wichtig, die verschiedenen<br />
Quellen möglicher Sicherheitsprobleme<br />
zu berücksichtigen:<br />
• Probleme, die der Entwicklungsgemeinschaft<br />
zum Zeitpunkt der<br />
Geräteentwicklung bekannt waren,<br />
• Probleme, die nach der Produktfreigabe<br />
des Geräts entdeckt werden,<br />
• Probleme, die aufgrund mangelhafter<br />
präventiver Entwicklungstechniken<br />
durch die speziell für<br />
das Gerät geschriebene Software<br />
verursacht werden.<br />
Geräteschutz vor bekannten<br />
Sicherheitsproblemen<br />
Viele potenzielle Exploits, die von<br />
Hackern zum Eindringen in Geräte<br />
benutzt wurden, sowie die Methoden<br />
zu ihrer Beseitigung der Sicherheitsgemeinschaft<br />
sind bereits weltweit<br />
bekannt. Es wäre nur zu bedauerlich,<br />
wenn ein medizinisches Gerät<br />
durch ein Sicherheitsproblem, das<br />
zum Zeitpunkt der Gerätefreigabe<br />
bereits bekannt und behebbar war<br />
in die Kontrolle von Hackern geraten<br />
würde. Um dies zu verhindern<br />
sind jedoch große Anstrengungen<br />
erforderlich – Anstrengungen, die<br />
sich später dadurch auszahlen,<br />
dass sie Zeit sparen, den guten Ruf<br />
des Entwicklers schützen sowie die<br />
möglichen juristischen Kosten und<br />
Öffentlichkeitsfolgen begrenzen,<br />
die das Aufreten eines Exploits zur<br />
Folge haben könnte. Darüber hinaus<br />
verlangen die Regulierungsbehörden<br />
von den Geräteentwicklern, dass<br />
sie potenzielle Exploits bereits vor<br />
der Gerätefreigabe prüfen. In den<br />
USA ist dieser Prozess ein Bestandteil<br />
der „FDA Guidance on the Content<br />
of Premarket submissions for<br />
Management of Cybersecurity“.<br />
Prozessablauf<br />
Und so läuft dieser Prozess ab:<br />
Nach jedem CVE, der sich als<br />
Exploit erwiesen hat, kann man<br />
sowohl in der NVD- als auch in<br />
der CVE-Datenbank suchen. Dabei<br />
kann die Suche anhand der Komponentenbezeichnung,<br />
der CVE-ID<br />
oder eines beliebigen Suchworts<br />
durchgeführt werden, das von Interesse<br />
ist. Nehmen wir zum Beispiel<br />
an, dass das Gerät eine Distribution<br />
von Linux verwendet. Bei der<br />
Suche nach Linux-Schwachstellen<br />
tritt eine Reihe von Problemen auf;<br />
als konkretes Beispiel könnten wir<br />
hier CVE-201911683 betrachten.<br />
Dabei handelt es sich um ein kritisches<br />
Sicherheitsproblem, das<br />
der Entwickler auf keinen Fall in seinem<br />
Produkt zulassen sollte, weil es<br />
einerseits sehr gut bekannt ist und<br />
andererseits Angriffe durch Hacker<br />
ermöglicht, bei denen es zu einer<br />
Denial-of-Service-Attacke oder zu<br />
„nicht spezifizierten weiteren Auswirkungen“<br />
kommen kann. Wenn man<br />
sich den Eintrag für diesen Defekt<br />
ansieht, ist zu erkennen, dass er in<br />
den Linux-Kernelversionen 5.0.13<br />
und höher behoben wird. Das heißt,<br />
falls der verwendete Linux-Kernel<br />
noch eine ältere Version aufweist,<br />
sollte man ein Upgrade des Produkts<br />
auf eine dieser neueren Versionen<br />
durchführen.<br />
Tools zur CVE-Ermittlung<br />
Für Open-Source-Komponenten<br />
in einem Produkt steht eine Reihe<br />
von Tools zur Verfügung, mit denen<br />
sich ermitteln lässt, ob in Ihrer Software<br />
wichtige CVE enthalten sind.<br />
Das wichtigste Tool nennt sich „cvecheck“<br />
(https://github.com/clearlinux/cve-check-tool).<br />
Dieses Tool<br />
erzeugt Berichte darüber, welche<br />
Pakete CVE enthalten, die in den<br />
verwendeten Versionen noch nicht<br />
behoben wurden, indem es eine Versionsprüfung<br />
durchführt. Mit diesen<br />
Informationen lässt sich feststellen,<br />
ob vorbeugende Handlungen ergriffen<br />
werden müssen, bevor man die<br />
Images für die Produkte als komplett<br />
betrachtet.<br />
Hersteller mögen diese Art der<br />
Überprüfung und Aktualisierung<br />
nicht, denn sie legen ihren Schwerpunkt<br />
auf die schnelle Entwicklung<br />
und Markteinführung eines Produkts.<br />
Den meisten Geräteherstellern ist<br />
es lieber, wenn ihre Ingenieure Produktprobleme<br />
lösen, anstatt eine<br />
Linux-Distribution zu verwalten und<br />
zu pflegen. Doch für die enormen<br />
Fähigkeiten, die hohe Stabilität und<br />
die breitgefächerte Community von<br />
Open Source ist ein Preis zu zahlen<br />
(Würden Sie lieber selbst eine SSL-<br />
Schicht entwickeln oder eine nutzen,<br />
die bereits weltweit erfolgreich auf<br />
zahllosen Geräten eingesetzt wird?).<br />
Entweder muss der Gerätehersteller<br />
diese Aufgabe selbst übernehmen<br />
oder eine kommerzielle Linux-Distribution<br />
einsetzen und seinen Lieferanten<br />
für diese Aufgabe verantwortlich<br />
machen.<br />
Doch die Überwachung und<br />
Sicherstellung dessen, dass<br />
bekannte Exploits behandelt werden,<br />
ist in dieser Phase nicht der einzige<br />
zu berücksichtigende Gesichtspunkt.<br />
Folgende weitere Aspekte<br />
können zur Exploit-Gefahr für ein<br />
Gerät werdenn, wenn sie unbehandelt<br />
bleiben:<br />
Zugriffskontrolle<br />
• Besteht die Möglichkeit zur Definition<br />
von verschiedenen Rollen,<br />
die Zugriff auf verschiedene Arten<br />
von Daten haben (Benutzerebene,<br />
Managementebene, Wartungsebene<br />
usw.) und ist es sicher, dass<br />
nur autorisierte Rollen Zugriff auf<br />
diese Daten haben?<br />
• Wird der Datenzugriff aus dem<br />
Internet für höhere Benutzerebenen<br />
im Vergleich zum physischen<br />
Zugriff auf das Gerät erschwert?<br />
• Ist die Ausnutzungsmöglichkeit<br />
der Authentifizierungsmethoden<br />
des Geräts für Exploits schwierig?<br />
• Werden Standardkonten und -passwörter<br />
so verwaltet, so dass sie im<br />
Feld nicht für Exploits genutzt werden<br />
können? Linux bietet zumin-<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
61
Sicherheit<br />
dest zwei unterschiedliche Methoden<br />
zur Verwaltung der Zugriffskontrolle:<br />
1) „Discretionary“ (DAC,<br />
diskretionär), das Standard-Linux-<br />
Modell für die Zugangskontrolle,<br />
und 2) „Mandatory“ (MAC, zwingend),<br />
das komplexer und sicherer<br />
ist – ein Bestandteil des SELinux-<br />
Pakets.<br />
Verschlüsselung<br />
Werden die Daten, die auf einem<br />
Gerät gespeichert sind (im internen<br />
Speicher und auch in externen<br />
Speichern) sowie zwischen diesem<br />
Gerät und anderen übertragen werden,<br />
so geschützt und verschlüsselt,<br />
dass sie nur von den Personen entschlüsselt<br />
werden können, denen<br />
der Einblick gestattet ist? Für viele<br />
potenzielle Exploits, die außenstehenden<br />
Akteuren einen Einblick in<br />
Daten gewähren würden, ist immer<br />
noch der richtige Schlüssel erforderlich,<br />
um diese entschlüsseln zu können.<br />
Die Entwickler müssen sicherstellen,<br />
dass ein anderer Mechanismus<br />
überwunden werden muss,<br />
um Zugang zu den Schlüsseln zu<br />
erhalten, als der einfache Zugriff<br />
auf einen verschlüsselten Speicher.<br />
Hardwarebasierte<br />
Sicherheitsunterstützung<br />
Viele Funktionen moderner Prozessoren<br />
tragen zur Gewährleistung<br />
der Sicherheit von Geräten<br />
und Anwendungen bei, doch<br />
es liegt in der Verantwortung des<br />
System designers, diese auszunutzen.<br />
Moderne Mikroprozessoren verfügen<br />
über solche Funktionen wie<br />
TrustZone, Cryptographic Acceleration,<br />
Trusted Platform Modules<br />
(TPMs) und andere, die dazu vorgesehen<br />
sind, die Entwicklung sicherer<br />
Designs zu beschleunigen und zu<br />
unterstützen. Das simple Vorhandensein<br />
dieser Funktionen in der<br />
Hardware erweist sich jedoch als<br />
nutzlos, solange man sie nicht nutzt.<br />
Zukunftssichere Geräte<br />
Nach der Produktfreigabe ist die<br />
Arbeit an einem Produkt aber noch<br />
nicht abgeschlossen. Schließlich ist<br />
die Anzahl bekannter Exploits eine<br />
veränderliche Größe, die täglich<br />
zunimmt. 2019 wurden innerhalb<br />
eines einzigen Jahres 12.174 CVE<br />
erstellt – das entspricht mehr als<br />
30 CVE pro Tag. Die meisten davon<br />
erweisen sich nicht als Sicherheitsprobleme.<br />
Von denen, die zu Problemen<br />
werden, treffen viele nicht<br />
auf alle Geräte zu. Das liegt daran,<br />
dass viele CVE im Zusammenhang<br />
mit älteren Versionen oder Open-<br />
Source-Komponenten gemeldet<br />
werden, oder im Zusammenhang<br />
mit Komponenten auftreten, die<br />
nicht verwendet werden. Selbst in<br />
Bezug auf den Linux-Kernel selbst<br />
wurden 2019 170 CVE gemeldet,<br />
von denen einige zu potenziellen<br />
Exploits führen.<br />
Dies lässt sich nicht verhindern.<br />
Doch der Entwickler muss sich<br />
klarmachen, dass es irgendwann<br />
geschehen wird, und dass er deshalb<br />
sicherstellen muss, dass sein<br />
Gerät darauf vorbereitet ist. Der<br />
richtige Zeitpunkt, um ein Gerät<br />
zukunftssicher zu machen, liegt<br />
noch innerhalb der Entwicklungsphase.<br />
Dann kann er sein Gerät<br />
so vorbereiten, dass es aktualisiert<br />
wird, sobald neue Exploits (und<br />
wichtige Produktdefekte) entdeckt<br />
und behoben werden. Die Regulierungsbehörden<br />
nehmen zu diesem<br />
Thema eine viel nachdrücklichere<br />
Position ein als in der Vergangenheit.<br />
Sie fordern Pläne, mit<br />
denen dieses Thema im Rahmen<br />
der Aftermarket-Planung für das<br />
Gerät behandelt wird (in den USA<br />
gemäß „Guidance for the Postmarket<br />
Management of Cybersecurity<br />
in Medical Devices“).<br />
Mirai-Botnet<br />
Aber es sind nicht nur CVE zu<br />
behandeln. Ein Exploit, der generell<br />
unter dem Namen Mirai-Botnet<br />
bekannt ist, legte im Jahre 2016 zum<br />
Beispiel große Teile des Internets<br />
lahm, indem er die Kontrolle über<br />
kleinere IoT-Geräte wie Webcams<br />
und Router übernahm und sie zur<br />
Ausführung von Distributed-Denialof-Service-Angriffen<br />
(DDoS-Angriffen)<br />
auf US-amerikanische und französische<br />
Webinfrastruktur anbieter<br />
einsetzte. Die meisten Eigen tümer<br />
infizierter Geräte haben keine Kenntnis<br />
davon, dass ihre Systeme infiziert<br />
sind, so dass Mirai (und Derivate<br />
davon) auch heute noch eine<br />
Bedrohung darstellt. Es gibt sogar<br />
aktuell hergestellte Geräte, die<br />
dagegen anfällig sind, obwohl die<br />
zugrunde liegende Ursache so<br />
einfach war, wie der Versuch, mit<br />
64 bekannten Standard-Credential-Kombinationen,<br />
wie Benutzer/Benutzer<br />
oder Benutzer/Passwort,<br />
Zugang zu einem Root-Level-<br />
Zugriffskonto zu erlangen. Da die<br />
meisten Benutzer der betroffenen<br />
Geräte die Standardeinstellungen<br />
nicht kannten oder nicht wussten,<br />
wie sie diese einfach ändern konnten,<br />
hatte das Mirai-Botnet ein leichtes<br />
Spiel bei der Übernahme dieser<br />
Geräte.<br />
Zur Gewährleistung der Zukunftssicherheit<br />
eines Geräts sind im Rahmen<br />
der Entwicklungsphase zahlreiche<br />
Überlegungen notwendig.<br />
Am wichtigsten ist jedoch, dass<br />
das Gerät oder System auf sichere<br />
Weise aktualisiert werden kann.<br />
Dazu gibt es zahlreiche Methoden<br />
und Einrichtungen, die vielfältig und<br />
komplex sind und den Rahmen dieses<br />
Artikels sprengen würden.<br />
Zur Prävention angewendete<br />
Entwicklungstechniken<br />
Wenn der Entwickler Linux und<br />
andere Open-Source-Software als<br />
Bestandteil seines Produktdesigns<br />
einsetzt, gibt es Schwachstellen im<br />
Gerät, die ihm (oder auch anderen)<br />
bekannt sind, wenn er sein Gerät<br />
für den Markt freigibt. Es geht für<br />
ihn also nicht nur darum, zum Zeitpunkt<br />
der Marktfreigabe so viele<br />
Schwachstellen wie möglich ausgemerzt<br />
zu haben, sondern er muss<br />
auch davon ausgehen, dass sich<br />
ein böswilliger Akteur irgendwann<br />
unbefugten Zugriff auf sein Gerät<br />
verschaffen kann. Für einen solchen<br />
Fall will er es dem Hacker so<br />
schwer wie möglich machen, den<br />
erlangten Zugang erfolgreich für<br />
seine Absichten zu nutzen. Es gibt<br />
keinen perfekten Schutz vor zielstrebigen<br />
Hackern, die genau wissen,<br />
welche Exploits in einem Gerät vorhanden<br />
sein können. Doch der Entwickler<br />
sollte es ihnen so schwer wie<br />
möglich machen, diese auszunutzen.<br />
Er kann sich zwar nicht vor Fehlern<br />
in den verwendeten Open-Source-<br />
Modulen schützen, aber er hat die<br />
62 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Sicherheit<br />
Kontrolle über mögliche Fehler in<br />
den eigenen Anwendungen. Die<br />
oben genannten Techniken stellen<br />
natürlich wichtige Gesichtspunkte<br />
für einen verbesserten Schutz im<br />
Produktdesign dar. Doch wie sieht<br />
es mit der Arbeitsweise bei der Entwicklung<br />
der Anwendungen aus?<br />
Exploits aufgrund von<br />
Fehlerwiederholung<br />
Die meisten Exploits kommen in<br />
Open-Source- und Anwendungssoftware<br />
aufgrund von Fehlern<br />
in der Entwicklung vor, die ständig<br />
wiederholt werden. Dereferenzierte<br />
Nullzeiger, die Freigabe von<br />
bereits freigegebenen Speicherbereichen,<br />
ein Überlauf bei Puffern<br />
fester Länge usw. sind nur einige<br />
Beispiele von Programmierfehlern,<br />
die Hacker leicht ausnutzen können,<br />
um ein Gerät zu kompromittieren.<br />
Zur Behandlung dieser Probleme<br />
können mehrere Verfahrensweisen<br />
genutzt werden. Spezielle<br />
Techniken gehen jedoch über den<br />
Rahmen dieses Artikels hinaus. An<br />
folgenden Stellen gibt es Informationen<br />
zu den jeweiligen Themen:<br />
Statische (und dynamische)<br />
Analyse<br />
Die ersten statischen Analysen,<br />
die einem wahrscheinlich begegnen,<br />
sind Warnungen, die der Compiler<br />
ausgibt. Es ist überraschend, wie<br />
viele Unternehmen dieses wertvolle<br />
Diagnosetool in der nicht empfehlenswerten<br />
Eile übersehen, ein<br />
Produkt schnell auf den Markt zu<br />
bringen. Darüber hinaus bietet die<br />
Open-Source-Community mehrere<br />
nützliche Tools zur statischen Analyse,<br />
wie „cppcheck“ und „clang“.<br />
Viele kommerzielle Lösungen sind<br />
ebenfalls erhältlich. Alle erkennen<br />
Probleme, die in normalen Programmiercode-Prüfroutinen<br />
leicht übersehen<br />
werden. Solange die Informationen<br />
aus den Berichten dieser<br />
Tools wirklich behandelt werden,<br />
lassen sich mehrere schwerwiegende<br />
Klassen von potenziellen<br />
Exploits in den Anwendungen verhindern.<br />
Verwendung eines<br />
Programmierstandards<br />
Im Allgemeinen ist der MISRA-<br />
Programmierstandard (https://<br />
MISRA.org.uk/) diesbezüglich<br />
der Goldstandard. Er bietet viele<br />
gut durchdachte Empfehlungen<br />
zur Sicherung einer Anwendung.<br />
Obwohl dieser Standard ursprünglich<br />
aus der Automobilindustrie und<br />
der Welt der Sicherheit stammt, ist<br />
er nicht speziell auf diese beiden<br />
Branchen orientiert. MISRA sollte<br />
deshalb von jedem Gerätehersteller<br />
in Betracht gezogen werden,<br />
der seine Anwendungen sichern<br />
möchte. Zu beachten ist, dass die<br />
meisten statischen Analysetools<br />
die Prüfung von Anwendungen<br />
mithilfe der MISRA-Regeln erheblich<br />
erleichtern. Obwohl es auch<br />
andere Programmierstandards gibt,<br />
stellt MISRA eine so gute Kombination<br />
sinnvoller Erkenntnisse mit<br />
bewährten Verfahren dar, dass<br />
es von Unternehmen jeder Größe<br />
implementierbar ist.<br />
SEI CERT C<br />
Ein weiterer nützlicher Programmierstandard<br />
stammt vom Software<br />
Engineering Institute in Carnegie<br />
Mellon und ist unter der Bezeichnung<br />
SEI CERT C bekannt (https://<br />
wiki.sei.cmu.edu/confluence/display/seccode).<br />
Zwischen diesem<br />
Standard und MISRA gibt es eine<br />
erhebliche Überlappung. Die SEI-<br />
Standards gehen jedoch über C<br />
und C++ hinaus und umfassen auch<br />
Android, Java und Perl.<br />
Es gibt noch viele weitere nützliche<br />
Informationsquellen, die bei<br />
der Entwicklung sicherer Software<br />
zu berücksichtigen sind. Wenn der<br />
Entwickler die oben aufgeführten<br />
Techniken bisher noch nicht anwendet,<br />
kann er an diesem Punkt beginnen<br />
und später seinen Ansatz auf<br />
eine breitere Basis stellen, sobald<br />
er einen intelligenten Programmierstandard<br />
und ein Modell zur<br />
statischen Analyse eingeführt hat.<br />
Schlussfolgerungen<br />
Zu Beginn unseres Artikels wurde<br />
die immer stärkere Verbreitung von<br />
Konnektivität in medizinischen Geräten<br />
beschrieben. Dabei kamen die<br />
Vorteile und auch die Sicherheitsrisiken,<br />
die diese Konnektivität für<br />
unser Leben mit sich gebracht hat,<br />
zur Sprache. Daraufhin wurde näher<br />
auf die zunehmende Kontrolle eingegangen,<br />
die Regulierungsbehörden<br />
wie die FDA in den Vereinigten<br />
Staaten der Integration und Pflege<br />
der Sicherheit in diesen Geräten<br />
widmen. Darüber hinaus wurde<br />
erörtert, wie die aufgeführten Herausforderungen<br />
bei der Konzeption,<br />
Entwicklung und Wartung<br />
medizinischer Geräte bewältigt<br />
werden können. Bei Beachtung der<br />
in diesem Artikel gegebenen Hinweise<br />
lassen sich folgende Vorteile<br />
erreichen:<br />
• Erschwerte Ausnutzbarkeit für<br />
Exploits,<br />
• Schutz vor bekannten und unbekannten<br />
Exploits bei Produktfreigabe,<br />
• Schnellere Aktualisierung zum<br />
Ausschluss neu entdeckter<br />
Exploits,<br />
• Erhöhte Sicherheit und das Gefühl<br />
der Sicherheit für die Kunden,<br />
dass sie auch dann geschützt<br />
sind, wenn einmal etwas passiert.<br />
Der letzte Punkt ist dabei besonders<br />
wichtig. Den Kunden ist<br />
bekannt, dass es keine völlig fehlerfreien<br />
Geräte gibt. Sie wollen aber<br />
wissen, welche Maßnahmen der<br />
Entwickler zur Minimierung eines<br />
Fehlers und seiner Auswirkungen<br />
trifft, und wie er auf den (unvermeidbaren)<br />
Fall vorbereitet ist, dass<br />
einmal etwas passiert. Die in diesem<br />
Artikel beschriebenen Methoden<br />
können nicht alle möglichen,<br />
künftig auftretenden Sicherheitsprobleme<br />
verhindern, versetzen<br />
einen jedoch in die gute Lage, derartige<br />
Probleme bei ihrem Auftreten<br />
schnell lösen zu können.<br />
Durch den Ansatz einer erhöhten<br />
Sicherheit und Begrenzung<br />
der Exposition von Geräten gegenüber<br />
Exploit-Versuchen kann<br />
man die Anfälligkeit von Geräten<br />
gegen Angriffe senken, sich besser<br />
auf den Schutz von Patientendaten<br />
einstellen und mit höherer<br />
Wahrscheinlichkeit problemlos die<br />
behördlichen Genehmigungen einholen<br />
sowie die Behandlungsergebnisse<br />
für Patienten auf der ganzen<br />
Welt verbessern. ◄<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
63
Sensoren<br />
Dauerläufer für die Kurzstrecke<br />
Langlebige LVDT-Sensoren messen kleinste Wege hochpräzise<br />
LVDT in der stereotaktischen Chirurgie © Adobe.Stock 249880233<br />
Im Bereich Medizin- und Aerospace<br />
wird häufig ein induktives<br />
Wegmess-Verfahren mit LVDT als<br />
eine ideale Methode zur kontaktlosen<br />
Messung kleinster Bewegungen<br />
bis 50 mm verwendet. LVDT-<br />
Sensoren erfordern nur wenig Einbauraum,<br />
gewährleisten eine sehr<br />
hohe Genauigkeit und sind auch<br />
unter extremen Umgebungsbedingungen<br />
einsetzbar. Sie arbeiten verschleißfrei,<br />
sodass ihre Standzeiten<br />
bei richtigem Einbau die Gesamt-<br />
Lebensdauer vieler Anlagen übertreffen.<br />
Und auch bei kleinen Wegen<br />
bietet die LVDT-Technologie exzellente<br />
Wiederholgenauigkeiten.<br />
LVDT<br />
Linear variable Differential-Transformatoren<br />
(LVDT) sind analoge<br />
Sensoren, die Bewegungen und<br />
Positionen über einen frei beweglichen<br />
Stößel oder Taster im Sensorgehäuse<br />
erfassen, wo er die Induktivitäten<br />
darin verbauter Spulen beeinflusst.<br />
Mit der direkten Umwandlung<br />
physikalischer Größen – auftretender<br />
Kräfte und Momente – in<br />
messbare Wegstrecken eignen sich<br />
Autor:<br />
Reinhard Koch,<br />
Vertriebsleiter der<br />
Inelta Sensorsysteme deren<br />
Schwesterfirmen PiL Sensoren<br />
und Vypro s.r.o<br />
Inelta Sensorsysteme<br />
www.inelta.de<br />
LVDT-Sensoren für ein sehr breites<br />
Anwendungsspektrum. In der Medizinanwendung<br />
wird die Wiederholgenauigkeit<br />
geschätzt, in Aerospace-Anwendungen<br />
die Lebensdauer<br />
und das Gewicht (Kernverlängerungen<br />
können aus Teflon<br />
statt Stahl implementiert werden).<br />
Spulen als Herz der<br />
LVDT-Sensoren<br />
Die Spulen, also die Hauptbestandteile<br />
jedes LVDT-Sensors, werden<br />
in der Regel um ein hohles Rohr<br />
aus wärmebeständigem Polymer-<br />
Fiberglas gewunden, gegen Feuchtigkeit<br />
gekapselt und mit einer hochpermeablen<br />
magnetischen Schirmung<br />
ummantelt. Da die Sensorkonstruktion<br />
sehr kompakt ist, ist<br />
die Herstellung der Geräte Präzisionsarbeit.<br />
Diese ist nicht zu<br />
unterschätzen. Speziell ausgebildete<br />
und zertifizierte Spezialisten<br />
wickeln und löten die streichholzdünnen<br />
Spulen unter dem Mikroskop.<br />
Je nach Wickeltechnik werden<br />
damit unterschiedliche erforderliche<br />
Linearitäten und Eigenschaften<br />
erreicht, um die Sensoren<br />
genau auf die Bedürfnisse der Kunden<br />
auszulegen.<br />
Unterschätzte Genauigkeit<br />
Nach wie vor werden aus<br />
Unkenntnis häufig LVDT für zahlreiche<br />
Anwendungen gar nicht erst<br />
in Betracht gezogen – unter der<br />
irrigen Annahme, bei diesen Sensortypen<br />
sei keine ausreichende<br />
Linearität gegeben oder die „Genauigkeit“<br />
unzureichend. Jedoch ist<br />
gerade ein LVDT prädestiniert, um<br />
kleinste Bewegungen hoch aufgelöst<br />
zu erkennen. Das LVDT-Messprinzip<br />
hat seine Vorteile bei kleinsten<br />
Differenzbewegungen und hat<br />
eine hervorragende Wiederholgenauigkeit.<br />
Auf dem LVDT-Anbietermarkt<br />
gibt es zwei Arten von Anbietern:<br />
Standardsensoren nach Katalogspezifikationen<br />
und einige<br />
wenige Anbieter, welche die Spezifikationen<br />
an die Anwendung<br />
anpassen können. Bei angepassten<br />
oder kundenspezifischen<br />
Versionen ist es wichtig, immer mit<br />
dem Hersteller zusammenzuarbeiten.<br />
Der Sensor lieferant muss die<br />
Anwendung verstehen.<br />
Das bekannteste Qualitätskriterium<br />
ist die Linearitätsabweichung,<br />
welche eigentlich die Nichtlinearität<br />
eines Sensors darstellt. An sie<br />
werden oft sehr hohe Ansprüche<br />
gestellt, obwohl sogar die Linearität<br />
nicht einheitlich geregelt ist. Generell<br />
stellt die Linearität die Abweichung<br />
der Messwerte zu einer unterschiedlich<br />
bestimmten Referenzgeraden<br />
dar (Bild 1).<br />
Drei differierende<br />
Linearitäten<br />
Die Berechnungsgrundlage der<br />
Linearität hängt stark vom Anwender<br />
ab. So gibt es zum Beispiel in<br />
der Literatur drei differierende Linearitäten.<br />
Die Absolute Linearität,<br />
Bild 1: Unabhängige Linearität © Inelta<br />
die Unabhängige Linearität und die<br />
Anschlussbezogene Linearität. Jede<br />
darf als Linearität bezeichnet werden,<br />
wobei sich diese drei Berechnungsformen<br />
teilweise bis zu 50 %<br />
unterscheiden können. Daher ist es<br />
wichtig das Kunde und Lieferant die<br />
gleiche Definition verwenden.<br />
Trägt man die Fehler bezogen<br />
auf den Messweg zwischen tatsächlichen<br />
Messpunkten und den<br />
zugehörigen Referenzpunkten für<br />
alle drei Linearitäten in ein Diagramm<br />
ein, erhält man folgende<br />
Übersicht (Bild 2).<br />
Anhand dieser Übersicht kann<br />
erkannt werden, dass die Absolute<br />
Linearität in diesem Beispiel<br />
Werte von ca. +1,75 % und -0,5 %<br />
aufweist, die Anschluss-bezogene<br />
immerhin noch Werte von ca. +1,5 %<br />
und -0,5 %. Bei der unabhängigen<br />
Linearität liegen diese Werte bei<br />
ca. +0,72 % und -0,9 %.<br />
Dadurch kommt es, dass die<br />
Absolute Linearität in diesem<br />
Beispiel bei ca. 1,75 % liegt, die<br />
Anschluss-bezogene Linearität bei<br />
ca. 1,5 % und die Unabhängige Linearität<br />
bei nicht einmal 1 %.<br />
Daher wird bei Datenblättern<br />
gerne auf die unabhängige Linearität<br />
zurückgegriffen, da diese Werte<br />
„besser aussehen“. Die Nachvollziehbarkeit<br />
für den Kunden ist allerdings<br />
bei der Absoluten Linearität<br />
besser gegeben. Im Zweifelsfall<br />
sollte der Hersteller Auskunft<br />
geben. Durch Abgleich kann bei<br />
einem LVDT die absolute Linea-<br />
64 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Sensoren<br />
ritätsabweichung der unabhängigen<br />
Linearität angenähert werden.<br />
Verfahrweg und Messweg<br />
Hierzu kommt nun noch die Tatsache,<br />
dass laut Norm der Bereich<br />
zum Berechnen der Linearität bei<br />
Wegsensoren, unabhängig von der<br />
Technologie des Sensors, nicht mit<br />
dem gesamten Verfahrweg identisch<br />
sein muss. Das bedeutet, dass ein<br />
Hersteller zum Beispiel von beiden<br />
Enden bis zu 20 % wegschneiden<br />
darf und die Linearitätsberechnung<br />
auf nur 60 % des Verfahrweges<br />
reduziert. Seriöse Hersteller sprechen<br />
von zwei unterschiedlichen<br />
Messbereichen, dem Verfahrweg<br />
und dem Messweg. Der Messweg<br />
ist je nach Anwendung parametrierbar<br />
(Bild 3).<br />
LVDT ist hysteresefrei<br />
Des Weiteren könnte ein System<br />
eine einwandfreie „Linearität“ (für<br />
Kunde und Hersteller) haben, das<br />
System hat aber trotzdem beim Hinweg<br />
einen anderen Wert als beim<br />
Rückweg. Daher wäre es für diesen<br />
Kunden wichtiger, von der Hysterese<br />
zu sprechen, als von der Linearität.<br />
Dieses Problem tritt bei vielen<br />
Sensortypen auf, jedoch ist ein<br />
LVDT hysteresefrei. Und damit wird<br />
der LVDT die damit zusammenhängenden<br />
Probleme der Hysteresefehler,<br />
der Wiederholgenauigkeit<br />
und der Reproduzierbarkeit nicht<br />
aufweisen.<br />
Definition Hysteresefehler:<br />
Ein Hysteresefehler ist der Distanzunterschied<br />
zwischen zwei<br />
Bild 3: Messweg und Verfahrweg © Inelta<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
aus verschiedenen Richtungen<br />
angefahrenen Referenzpunkt. Das<br />
Ausgangssignal schwankt um den<br />
gemessenen Schaltpunkt. Ein LVDT<br />
ist hysteresefrei.<br />
Definition<br />
Wiederholgenauigkeit:<br />
Es wird das Ausmaß der Übereinstimmung<br />
zwischen den Messergebnissen<br />
wiederholter Messungen mit<br />
der gleichen Messgröße unter gleichen<br />
Bedingungen gemessen. Ein<br />
LVDT ist wiederholgenau.<br />
Definition<br />
Reproduzierbarkeit:<br />
Es wird die quantitative Angabe<br />
der Abweichung voneinander unabhängiger<br />
Messwerte angegeben, die<br />
unter gleichen Bedingungen ermittelt<br />
werden. Ein LVDT liefert reproduzierbare<br />
Werte.<br />
Für den Anwender stellt sich häufig<br />
das Problem bei kurzen Messwegen,<br />
dass die Addition der oben<br />
aufgeführten möglichen Fehler zu<br />
unerwünschten Ungenauigkeiten<br />
führen. Je kürzer der Messweg, je<br />
höher die Anforderungen umso mehr<br />
addieren sich mögliche Fehlerquellen.<br />
Hier spielt ein LVDT-Wegsensor<br />
bei Weglängen von 1 mm bis<br />
400 mm seine Stärken voll aus.<br />
Messungen sind mit der Präzision<br />
von Mikrometern möglich. Lackdichten<br />
zum Beispiel können sie mühelos<br />
hochpräzise erfassen.<br />
Überlegene physikalische<br />
Eigenschaften<br />
LVDT-Sensoren sind in zahlreichen<br />
industriellen Anwendungen<br />
Bild 2: Linearitätsarten © Inelta<br />
mit hohen Anforderungen an Präzision<br />
und Ausfallsicherheit vor allem<br />
deshalb eine optimale Lösung, weil<br />
sie entscheidende Vorzüge gegenüber<br />
anderer Sensorik bieten. So<br />
ermöglicht zum Beispiel das absolute<br />
Messprinzip auch nach Unterbrechungen<br />
der Spannungsversorgung<br />
zuverlässig die Bestimmung<br />
der Sensorposition – in vielen<br />
Anwendungen ein wichtiger<br />
Aspekt. Anders als z. B. ein inkrementeller<br />
Sensor muss ein LVDT<br />
nicht stets nach dem Einschalten<br />
eine Referenzmarke anfahren. Im<br />
Gegensatz zu Linearpotentiometern,<br />
die auf mechanischem Kontakt<br />
basieren, sind LVDT-Sensoren<br />
berührungslos.<br />
Berührungslose Messung<br />
Die induktive Messwertübertragung<br />
erfolgt berührungslos und praktisch<br />
verschleißfrei. Im Sensor entsteht<br />
je nach Bauform keine oder nur<br />
sehr geringe mechanische Reibung,<br />
sodass die theoretisch unbegrenzte<br />
Auflösung nur durch das Rauschverhalten<br />
des Messkreises eingeschränkt<br />
wird. Diese Eigenschaft<br />
bildet auch die Grundlage für eine<br />
herausragende Messpunkt-Reproduzierbarkeit.<br />
Und im Vergleich zu<br />
kapazitiven Sensoren können LVDT<br />
ihre Unempfindlichkeit gegen rotative<br />
Verschiebung im Messkörper<br />
als Vorteil ausspielen: Werden die<br />
Sensoren radialem Versatz ausgesetzt,<br />
weil die zu bemessenden<br />
Körper falsch ausgerichtet oder frei<br />
beweglich sind, bleibt das Ausgangssignal<br />
davon unbeeinflusst.<br />
Absolut robust<br />
Extremen Umgebungstemperaturen<br />
gegenüber sind LVDT-Sensoren<br />
ebenfalls unempfindlich. Ein<br />
Außengehäuse aus Edelstahl, verchromtem<br />
oder vernickeltem Stahl<br />
schirmt sie zusätzlich gegen magnetische<br />
Störeinflüsse ab. Zudem sind<br />
die Geräte aufgrund des berührungslosen<br />
Messprinzips und der<br />
vergossenen elektronischen Bauteile<br />
hochgradig erschütterungsresistent.<br />
In Umgebungen mit hohem<br />
Staub- oder Schmutzaufkommen,<br />
in Atmosphären mit hoher Feuchtigkeit<br />
bis hin zur Funktion im Salzwasser<br />
oder korrosiven Gasen sind<br />
LVDT damit also häufig die bestmögliche<br />
Option. So sind z. B. bei der<br />
Schwingungsmessung von Brücken<br />
die LVDT erste Wahl – sie sind nicht<br />
nur im Umgebungsklima, sondern<br />
auch im Salzwasser beim Tidenhub<br />
im Einsatz.<br />
Vielseitig und variantenreich<br />
Da sich mit LVDT überdies nicht<br />
nur Wege messen lassen, sondern<br />
auch Größen wie z. B. Drehmoment,<br />
Kraft, Druck, Schwingung etc., die<br />
sich in Wegstrecken umformen lassen,<br />
eignen sie sich für vielfältige<br />
Steuer-, Regel- und Überwachungsaufgaben<br />
in der Fertigung. Dazu<br />
zählen beispielsweise die Lagemessung<br />
an Bauteilen oder Brücken,<br />
Ventilen, Robotern und sogar die<br />
Wachstumsmessung (z. B. Baumumfang<br />
über längere Zeiträume<br />
messen), sogar in der Neurochirurgie<br />
zur Gehirnkartierung. LVDT sind<br />
in unterschiedlichen Ausführungen<br />
erhältlich, die eine bedarfsgerechte<br />
Anpassung an geforderte Genauigkeit,<br />
Messbereiche und Auflösung<br />
sowie den zur Verfügung stehenden<br />
Einbauplatz in der Zielanwendung<br />
ermöglichen.<br />
Die häufigste Bauform sind<br />
LVDT mit Messtaster. Für diesen<br />
Typ muss keine Befestigung am<br />
zu messen den Objekt vorgenommen<br />
werden – der Kern ist stattdessen<br />
mit einer Tastspitze samt<br />
Rückstellfeder und integriertem<br />
Präzisionsgleit lager ausgestattet<br />
(Bild 4). Daneben sind Wegsen-<br />
65
Sensoren<br />
Bild 4: LVDT mit Querschnitt in einer Flugzeugturbine © Inelta<br />
Bild 5: Röntgengerät in der Onkologie<br />
hospital-oncology-scanner-x-ray/122124533 © VILevi<br />
sor-Varianten erhältlich, bei denen<br />
der Kern über ein Innengewinde mit<br />
Kernverlängerung verfügt. So kann<br />
er als Stößel direkt am sich bewegenden<br />
Objekt montiert werden.<br />
Diese Ausführung kann entweder<br />
mit einer Stößel lagerung versehen<br />
sein oder berührungslos – also ohne<br />
Kontakt zwischen Spule und Kern<br />
– arbeiten. Die technischen Spezifikationen<br />
eines LVDT sind durch<br />
anwendungsspezifische Modifikationen<br />
in einem breiten Rahmen<br />
anpassbar. Auch das Spulensystem<br />
kann je nach Bedarf unterschiedlich<br />
implementiert werden,<br />
etwa um bessere Linearitäten oder<br />
gezielt nichtlineare Ausgangskennlinien<br />
zu erreichen, das Verhältnis<br />
zwischen Messbereich und Baulänge<br />
zu optimieren oder die Temperaturkompensation<br />
zu verbessern.<br />
Fazit<br />
Das Differential-Transformator-<br />
Prinzip sorgt für hervorragende<br />
Messqualität und bietet in einer Vielzahl<br />
industrieller Anwendungen Vorteile.<br />
Da LVDT-Sensoren langlebig<br />
und robust sind und sich gut schützen<br />
lassen, sind sie für die Verwendung<br />
in rauen Umgebungen geradezu<br />
prädestiniert. Induktive Wegmesser<br />
sind kaum störempfindlich<br />
und tolerieren auch extreme Temperaturen<br />
sowie rasche Temperaturwechsel.<br />
Für Pneumatik- oder<br />
Hydraulikzylinder sind druckdichte<br />
Ausführungen erhältlich. LVDT-Varianten<br />
mit hohem IP-Schutzgrad<br />
sind auch direkt in Flüssigkeiten<br />
einsetzbar – einschließlich aggressiven<br />
Chemikalien. Dank hoher<br />
Vibrationsfestigkeit sind die Sensoren<br />
zudem gut für mobile Anwendungen<br />
gerüstet. Unproblematisch<br />
sind angesichts der Verschleißfreiheit<br />
nicht zuletzt auch Anwendungen<br />
mit besonders dichten Prüfzyklen,<br />
zum Beispiel bei der Positionsmessung<br />
an Hydraulik-Proportionalventilen<br />
oder der Verstellung von Triebwerksschaufeln<br />
wie im Bildbeispiel<br />
dargestellt.<br />
LVDT-Auszug aus<br />
aktuellen Beispielen der<br />
Medizintechnik:<br />
• Motor- und Getriebeeinheit mit Winkelsensor<br />
zur Dimmung der Laserleistung<br />
in der Ophthalmologie<br />
• Sensorbaugruppe für optomechanische<br />
Medizinprodukte<br />
• Wegsensoren für multifunktionale<br />
Diagnosegeräte<br />
LVDT-Auszug aus aktuellen<br />
Beispiele der Flugtechnik<br />
• LVDT in Hubschraubern zur Überwachung<br />
der Rotorsteigung<br />
• LVDT in hydraulischen Radialkolbenpumpen<br />
(druckfest)<br />
So funktionieren LVDT<br />
LVDT-Sensoren bestehen<br />
aus einem Spulensystem mit<br />
einer in der Mitte angebrachten<br />
Primärspule und zwei symmetrisch<br />
neben diesen installierten<br />
Sekundärspulen (Bild 6).<br />
Zur Erfassung und Übertragung<br />
der Bewegung eines Messobjekts<br />
wird ein mechanisch frei beweglicher,<br />
weichmagnetischer Kern in<br />
Form eines Stößels oder Tasters<br />
verwendet. Abhängig vom Messbereich<br />
wird an die Primärspule<br />
eine Wechselspannung mit einer<br />
Frequenz zwischen 1 und 10 kHz<br />
und einer Amplitude von 2,5 bis<br />
5 V angelegt, die eine Wechselspannung<br />
in den Sekundärspulen<br />
induziert. Je nach axialer Verschiebung<br />
des Kerns verändert<br />
sich der Kopplungsfaktor des<br />
Bild 6: Schnittbild eines LVDT-Sensors in Taster-Ausführung © Inelta<br />
LVDTs. Bei Null-Lage des Kerns<br />
ist die Kopplung auf beide Sekundärwicklungen<br />
gleich groß. Eine<br />
Auslenkung dagegen verursacht<br />
eine proportionale Veränderung:<br />
Die induzierte Spannung ist dann<br />
in der Sekundärspule, zu der sich<br />
der Kern hin verschiebt, höher<br />
als in der Spule, von der er sich<br />
entfernt. Die Differenz der beiden<br />
Spannungen ist proportional<br />
zur Kernverschiebung und<br />
kann von der Elektronik anschließend<br />
ausgewertet und in ein normiertes<br />
Ausgangssignal zwischen<br />
0…10 V bzw. 4…20 mA transformiert<br />
werden. Die zur Ansteuerung<br />
und Signalaufbereitung<br />
benötigte Elektronik lässt sich entweder<br />
integrieren oder vom Sensor<br />
absetzen. Im spezifizierten<br />
Messbereich weisen LVDT eine<br />
sehr gute Linearität und eine hervorragende<br />
Wiederholgenauigkeit<br />
und Reproduzierbarkeit auf. ◄<br />
66 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Sensoren<br />
Miniatur-LVDTs zur präzisen Messung kleinster Wege<br />
Die Fertigung von Leiterbahnstrukturen<br />
ohne Basismaterial ist<br />
für viele Leiterplattenhersteller eine<br />
Herausforderung. Doch nicht für<br />
Varioprint: Das Unternehmen realisiert<br />
vollständig fliegende Leiterbahnen<br />
für Leiterplattenanwendungen<br />
aus der Medizinbranche.<br />
Die neuartige Zwei-Lagen-Flex-<br />
Leiterplatte wurde aus Polyimid mit<br />
25 - 50 µm Dicke realisiert. Lasergebohrte<br />
Microvias mit einem<br />
Durchmesser von 75 µm verbinden<br />
die zwei Lagen miteinander.<br />
Die Microvias sind zu 90 % mit<br />
Kupfer gefüllt und die Endoberfläche<br />
wurde mit galvanischem<br />
Gold veredelt. Die einzigartige<br />
Varioprint-Lösung umfasst ein<br />
speziell entworfenes, lasergefrästes<br />
170-µm-Fenster. Die hochflexiblen<br />
Prozessparameter von Varioprint<br />
ermöglichen, eine solch fragile<br />
Außenkontur in Massenproduktion<br />
zu fertigen.<br />
Bisherige Machbarkeitsbeschränkungen<br />
und technische<br />
Hindernisse wurden in enger<br />
Zusammenarbeit mit dem Kunden<br />
überwunden und führten<br />
zu einem erfolgreichen Scaleup,<br />
bei dem alle vorgegebenen<br />
Spezifikationen erfüllt wurden.<br />
Dieser einzigartige interdisziplinäre<br />
Ansatz stellt einen Durchbruch<br />
in der Flex-Technologie für<br />
fliegende Leiterbahnen dar. Zum<br />
ersten Mal in der Geschichte von<br />
Varioprint ist es gelungen, eine<br />
reproduzierbare Lösung für Leiterbahnstrukturen<br />
ohne Basismaterial<br />
als Träger zu finden. Der<br />
moderne und zukunftsorientierte<br />
Produktionsstandort ermöglicht<br />
es Varioprint, solche anspruchsvollen<br />
technischen Anforderungen<br />
erfolgreich zu bewältigen.<br />
Mit diesen fortschrittlichen<br />
technischen Möglichkeiten verschiebt<br />
Varioprint die Grenzen<br />
der Flex-Technologie und verstärkt<br />
die Performance der Produkte<br />
ihrer Kunden.<br />
Inelta Sensorsysteme<br />
GmbH & Co. KG<br />
www.inelta.de<br />
Biokompatible Drucksensoren in verschiedenen Bauformen<br />
AMSYS bietet als Spezialist für<br />
Sensorik im Medizinbereich biokompatible<br />
Drucksensoren in verschiedenen<br />
Bauformen für die unterschiedlichsten<br />
Anwendungen an,<br />
darunter mit dem IntraSense den<br />
wohl kleinsten Absolutdrucksensor<br />
für die in-vivo Anwendung in<br />
Kathetern.<br />
Der nur 220 µm breite IntraSense<br />
Drucksensor passt dabei in die<br />
kleinsten 1 French weiten Katheter.<br />
Mit seinem weiten Druckbereich von<br />
-300..500 mmHg kann er den Blutaber<br />
auch Hirn- oder Blasendruck<br />
schnell und direkt vor Ort messen. Er<br />
wird auch als kalibrierte Version mit<br />
Niederdrucksensoren<br />
für die Medizintechnik<br />
www.amsys.de<br />
verstärktem Analog- und I²C-Ausgang<br />
angeboten. Für rasche erste<br />
Entwicklungsschritte bietet AMSYS<br />
auch ein Evaluierungskit mit USB-<br />
Anschluss und Software für erste<br />
Messungen von Druck und Temperatur<br />
fürs Prototyping an.<br />
Mit dem 1620 hat AMSYS zudem<br />
einen Relativdrucksensor im Portfolio,<br />
der zur einmaligen Verwendung<br />
z.B. in Dialysegeräten oder<br />
Oxygenatoren entwickelt wurde.<br />
Diese günstigen Sensoren decken<br />
den für medizinische Anwendungen<br />
typischen Druckbereich bis<br />
300 mmHg ab. Dabei ist er genau<br />
wie die anderen vorgestellten Drucksensoren<br />
mit ETO sterilisierbar.<br />
Der kleine barometrischer<br />
Sensor MS5839<br />
ist mit einem footprint<br />
von nur 3,3 x 3,3 mm²<br />
universell einsetzbar<br />
und mit seinem biokompatiblen<br />
Gel auch<br />
beispielsweise in der<br />
Anästhesiologie zu<br />
verwenden. Über seine<br />
I²C-Schnittstelle liefert<br />
der MS5839 das<br />
gemessene Druckund<br />
Temperatursignal<br />
hochgenau mit<br />
24 bit. Zusätzlich sind<br />
in dem Modul 6 individuelle<br />
Koeffizienten<br />
abgelegt, die die Softwarekorrektur<br />
für die Druck- und Temperaturmessung<br />
durch einen externen Mikroprozessor<br />
erlauben. Die drei vorgestellten<br />
Sensoren sind alle biokompatibel<br />
beschichtet und für den<br />
direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten<br />
geeignet; im Falle des Intra-<br />
Sense für 24 Stunden, beim 1620<br />
und MS5839 sogar für volle 7 Tage.<br />
Diese und andere Sensoren für<br />
medizinische Produkte stellt AMSYS<br />
auf der Compamed im November<br />
in Düsseldorf vor.<br />
Herausragende<br />
Eigenschaften<br />
• Biokompatibel, für den Kontakt<br />
mit Körperflüssigkeiten geeignet<br />
• Druckbereich: 300...1200 mbar<br />
(MS5839-02BA), -300...500 mmHg<br />
(IntraSense), -0...300 mmHg (1620)<br />
• Temperaturbereich: -40...85 °C<br />
(MS5839), 10...45 °C (IntraSense),<br />
5..40 °C (1620)<br />
• Schnittstellen: unverstärkt (mV),<br />
0,5...4,5 V, I²C<br />
• Keramisches Substrat<br />
• RoHS und REACH konform<br />
AMSYS GmbH & Co. KG<br />
www.amsys.de<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
67
Sensoren<br />
Kundenspezifische Druckschalter<br />
Seit 15 Jahren entwickelt und<br />
fertigt Inelta Sensorsysteme,<br />
Spezialist für Kraft-, Weg- und<br />
Längen messung, auch vollgekapselte<br />
Druckschalter für den<br />
Maschinen- und Anlagen bau,<br />
die Mobilhydraulik sowie den<br />
Geräte bau. Aus ursprünglich<br />
kundenspezifischen Entwicklungsprojekten<br />
ging ein breites<br />
Standard-Sortiment hervor,<br />
das aktuell neun Baureihen an<br />
Membran- und Kolbendruckbasierten<br />
Druck- bzw. Vakuum-<br />
Druckschaltern sowie induktive<br />
Stellungsschalter für Hydrauliksysteme<br />
umfasst. Durch die ausführungsabhängige<br />
Optimierung<br />
für mittlere bis sehr hohe Drücke<br />
und erweiterte Temperaturbereiche<br />
deckt das Programm ein<br />
weites Anwendungsspektrum ab,<br />
das von der Druckniveau-Überwachung,<br />
Druckregulation und<br />
Drucküberwachung in fluidischen<br />
Systemen mit unterschiedlichen<br />
Medien über die Medizin- bis zur<br />
Klimatechnik reicht.<br />
Alle Bau reihen zeichnen sich<br />
durch hohe Überdruck sicherheit,<br />
Schalt genauigkeit und Langlebigkeit<br />
unter extremen Anwendungsumgebungen<br />
aus. Auf Anfrage<br />
führt Inelta auch individuelle<br />
Anpassungen der Serien modelle<br />
durch oder liefert die Sensoreinheiten<br />
als integrierte Systeme für<br />
den kundenspezifischen Bedarf.<br />
Inelta Sensorsysteme<br />
GmbH & Co. KG<br />
www.inelta.de<br />
Spezialformatige Touch-Sensoren für Wearables, Handheld und Gaming-Anwendungen<br />
über einen Taster, an und können<br />
diese optisch auf ein kundenspezifisches<br />
Coverglas und Display<br />
bonden“, erklärt Diana Nanu,<br />
Produkt Manager bei Data Modul.<br />
Die Anforderungen an Displays<br />
steigen stetig und mit ihnen<br />
auch der Bedarf an Sonderformaten<br />
und immer individuelleren<br />
Produkt designs. Entsprechend<br />
dieser Marktwünsche bietet Data<br />
Modul nun neben Touch-Displays<br />
mit standardmäßig rechteckigen<br />
Touch-Sensoren auch runde und<br />
quadratische Touch-Sensoren an,<br />
mit denen auch kleine Diagonalgrößen<br />
effizient bedient werden können.<br />
„Durch die Erweiterung unseres<br />
Touch-Sensor-Portfolios um<br />
Touch-Sensoren in diesen speziellen<br />
Formaten, sind wir in der<br />
Lage moderne Touch-Lösungen<br />
auch für Märkte anzubieten, in<br />
denen standardmäßig kleine Displaygrößen<br />
und Produktdesigns im<br />
Sonderformat gefordert sind. So<br />
bieten wir jetzt auch Touch- Sensoren<br />
zur Integration in Wearables,<br />
Handheld-Geräte oder verschiedenste<br />
Gaming-Anwendungen,<br />
beispielsweise als Alternative<br />
zur mechanischen Bedienung<br />
Bei Wearables mit<br />
PCAP-Technologie<br />
stellt die Sicherstellung eines<br />
stabilen Erdungsdesigns (Grounding)<br />
eine besondere Herausforderung<br />
dar. Der Display-Experte<br />
Data Modul verfügt über langjährige<br />
Erfahrung im Bereich PCAP,<br />
Tuning sowie der Umsetzung kundenspezifischer<br />
Touch-Designs<br />
unter Berücksichtigung aller erforderlichen<br />
mechanischen und Produktdesign-Anforderungen.<br />
Mithilfe<br />
des hauseigenen Tuningtools<br />
easyANALYZER lassen<br />
sich zudem Settings und Parameter<br />
eines Touch-Displays individuell<br />
einstellen und feinjustieren<br />
und das unabhängig davon, obein<br />
Touch-Controller von MICROCHIP<br />
oder ILITEK eingesetzt wird.<br />
DATA MODUL AG<br />
www.data-modul.com<br />
68 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Sensoren<br />
Extrem kleine Temperatur-Sensoren<br />
für Foliensensoren<br />
Heraeus Nexensos und accensors starten strategische Kooperation zur Integration von miniaturisierten<br />
Temperatur-Sensoren in Foliensensoren.<br />
Drainage-Katheter mit Foliensensorsystem zur frühzeitigen Detektion von<br />
intrakorporalen Entzündungen, bestehend aus microRTD Temperatur-<br />
Element, pH-Elektrode und Referenzelektrode (© accensors)<br />
Heraeus Nexensos<br />
www.heraeus-nexensos.de<br />
Miniaturisierung spielt eine immer<br />
größere Rolle in den Bereichen der<br />
Medizinanwendungen, Diagnostik<br />
und Wearables sowie im automobilen<br />
wie auch industriellen Umfeld.<br />
Mit einer direkten Erfassung von<br />
Entzündungsparametern am Patienten<br />
können beispielsweise in der<br />
Operations-Nachversorgung sehr<br />
frühzeitig unregelmäßige Zustände<br />
detektiert werden. Foliensensoren<br />
eröffnen dabei ein sehr breites<br />
Anwendungsspektrum, indem<br />
Parameter wie pH-Wert, Leitfähigkeit,<br />
Feuchtigkeit, Druck und auch<br />
Temperatur erfasst werden. Die präzise<br />
Temperaturmessung hat dabei<br />
sowohl als Messgröße als auch als<br />
Referenzgröße für andere Sensoren<br />
eine zentrale Bedeutung.<br />
Der Temperatursensor-Experte<br />
Heraeus Nexensos und der Foliensensor-Experte<br />
accensors werden<br />
im Rahmen einer strategischen Kooperation<br />
gemeinsam Lösungen entwickeln,<br />
um den Trend der Miniaturisierung<br />
zu unterstützen und präzise<br />
Temperatursensorelemente<br />
in hochintegrierbare Foliensensor-<br />
Elemente und anwendungsspezifische<br />
Foliensensoren zu integrieren.<br />
Im Speziellen werden miniaturisierte<br />
Temperatur-Sensoren der<br />
microRTD-Reihe eingesetzt, die<br />
mit einer Grund fläche von lediglich<br />
0,6 × 0,3 mm und einer Bauhöhe von<br />
unter 40 µm neue Anwendungen<br />
ermöglichen. Die geringe Bauhöhe<br />
der innovativen Temperatursensoren<br />
erlaubt damit die direkte Integration<br />
in Foliensensoren, um eine präzise<br />
und direkte Erfassung der Temperatur<br />
zu realisieren. In Kombination<br />
mit ultra-dünnen Folien mit Materialstärken<br />
von 12 µm können äußerst<br />
flache Foliensensorsysteme mit<br />
einem Gesamtprofil unter 100 µm<br />
realisiert werden.<br />
Die beiden Partner kombinieren<br />
ihre Kompetenzen, um mittels Integration<br />
der neu entwickelten Temperatursensoren<br />
die Messgenauigkeit<br />
der Foliensensoren zu erhöhen<br />
und die Anwendungsbereiche der<br />
Foliensensortechnologie zu erweitern.<br />
Im Zusammenspiel mit weiteren<br />
Plattformen werden multiparametrische<br />
Foliensensorsysteme realisiert,<br />
um anwendungsadaptiert eine<br />
möglichst aussagefähige Zustandserfassung<br />
zu gewährleisten.<br />
„Durch die Kombination unterschiedlicher<br />
Sensortechnologien<br />
erreichen wir eine klassische Win-<br />
Win-Situation: Diesen Punkt sehen<br />
wir beim Einsatz unserer microRTD<br />
Temperatur-Sensoren in Foliensensorsystemen.<br />
Durch unsere<br />
miniaturisierten, ultra-dünnen und<br />
biegbaren Elemente bleiben die<br />
Folien sensorsysteme weiterhin flexibel<br />
und sind in eine Vielzahl von<br />
Anwendungen integrierbar.“, erläutert<br />
Christoph Hartnig, VP Business<br />
Development bei Heraeus Nexensos<br />
die Bedeutung der strategischen<br />
Kooperation.<br />
„Wir sehen den Einsatz von micro-<br />
RTD Temperatur-Sensoren als komplementäre<br />
Technologie zu unseren<br />
in Drucktechnologie hergestellten<br />
Foliensensoren. Es ist eine Synergie<br />
unserer technologischen Möglichkeiten<br />
mit dem klaren Ziel, unseren<br />
Kunden noch mehr Messgenauigkeit<br />
und eine höhere Präzision zu<br />
liefern.“ ergänzt Eike Wilhelm Kottkamp,<br />
CEO innoME/accensors.<br />
Zukunftsweisende<br />
Technologiekombination<br />
Durch die geometrische Designfreiheit<br />
und Flexibilität der Foliensensoren<br />
von accensors, kombiniert<br />
mit den hochpräzisen Temperatursensorelementen<br />
von Heraeus<br />
Nexensos, verschmelzen Printed<br />
Electronics und innovative SMD-<br />
Technologie. Die Kooperationspartner<br />
sehen diese Technologiekombination<br />
als zukunftsweisend und<br />
arbeiten an weiteren Anwendungsfeldern,<br />
in denen miniaturisierte und<br />
flexible Sensor-Plattformen die zentrale<br />
Komponente darstellen. ◄<br />
OEM-Sensoren für die Medizintechnik<br />
Flüssigkeitsdruckmessung<br />
in Ophthalmologie-Systemen<br />
Senstech AG<br />
CH-8320 Fehraltorf<br />
Telefon +41 44 955 04 55<br />
ISO 9001 · ISO 13485<br />
www.senstech.ch<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
Senstech_Ins_<strong>2022</strong>_91x66_meditronic-journal_B.indd 1 09.11.21 08:12<br />
69
Kommunikation<br />
IO-Link Wireless entfesselt die industrielle<br />
Kommunikation<br />
Der neue Kommunikationsstandard für die intelligente Fabrikautomation: Mit IO-Link Wireless entfesselt Balluff die<br />
Industrielle Kommunikation<br />
Die intelligente Kombination<br />
industrieller Netzwerke mit dem<br />
Kommunikationsstandard IO-Link<br />
ist ein wesentlicher Baustein für<br />
die Fabrik der Zukunft. Die Erweiterung<br />
des etablierten Standards ermöglicht<br />
eine zuverlässige, drahtlose<br />
Datenübertragung in der Prozess-<br />
und Fabrikautomation unter<br />
anderem an Montagemaschinen –<br />
zum Beispiel auch im Life- Science-<br />
Bereich.<br />
Enge Platzverhältnisse, mobile<br />
und dynamische Anwendungen:<br />
Die Anforderungen an Automatisierungsleistungen<br />
im industriellen<br />
Umfeld sind hoch. Für die Fabrik der<br />
Zukunft und das Industrial Internet<br />
of Things (IIoT) spielt jedoch der flexible<br />
Einsatz von intelligenten Technologien<br />
und smarten Komponenten<br />
eine elementare Rolle – nicht zuletzt,<br />
um wertvolle Daten zu generieren<br />
und zu analysieren. Ein wichtiger<br />
Baustein: die intelligente Kombination<br />
industrieller Netzwerke mit dem<br />
Autorin:<br />
Sandra Nippert,<br />
Brand Communications Manager<br />
Balluff<br />
www.balluff.com<br />
Kommunikationsstandard IO-Link.<br />
Bislang wurden dabei Sensoren und<br />
Aktoren sowie binäre oder analoge<br />
Devices über Kabel integriert. Nicht<br />
selten führte das zu einer erschwerten<br />
Implementierung einzelner Use<br />
Cases. IO-Link Wireless – eine neue<br />
kabellose IO-Link-Variante schafft<br />
hier nun Abhilfe.<br />
Nahtlose Kommunikation<br />
Als digitale Schnittstelle ermöglicht<br />
der Kommunikationsstandard<br />
IO-Link eine feldbusunabhängige<br />
Punkt-zu-Punkt-Verbindung sowie<br />
eine nahtlose Kommunikation zwischen<br />
Sensor und Automatisierungssystem:<br />
Die Wireless-Technologie<br />
entfesselt die industrielle<br />
Kommunikation, indem notwendige<br />
Leitungen und Kabel durch<br />
die berührungslose Datenübertragung<br />
überflüssig werden. Auch bei<br />
der Nach- oder Umrüstung vorhandener<br />
Anlagen kann die Nutzung<br />
von Wireless-Technologien sinnvoll<br />
sein, denn ein Eingriff in die bestehende<br />
Anlagen architektur ist hierbei<br />
nicht notwendig. IO-Link Wireless<br />
ist ein internationaler Funkstandard,<br />
der das 2,4 GHz ISM (Industrial,<br />
Scientific and Medical Band)<br />
Frequenzband nutzt. So ist dieser<br />
Standard weltweit lizenzfrei nutzbar<br />
– gleich bleibende Systemintegration<br />
und Kompatibilität garantiert.<br />
Einsatz bei der Montage von<br />
Inhalatoren<br />
„IO-Link Wireless kommt überall<br />
dort zum Einsatz, wo eine klassische<br />
Datenübertragung bisher<br />
nicht oder nur erschwert möglich<br />
war“, erklärt Balluff-Produktmanager<br />
Michael Zahlecker. Die Anwendungsbereiche<br />
sind dabei vielseitig.<br />
Neben der Robotik, in der dynamische<br />
Bewegungsabläufe auf der<br />
Tagesordnung stehen, und Transportsystemen,<br />
die oftmals unter<br />
hohen Geschwindigkeiten agieren,<br />
bietet der Einsatz von IO-Link Wireless<br />
auch im Life-Science-Bereich<br />
und in der Medizintechnik Vorteile,<br />
zum Beispiel bei der Montage von<br />
Inhalatoren.<br />
Um Skalierungseffekte zu<br />
er zielen, werden hier die dafür<br />
be nötigten Montagemaschinen<br />
möglichst modular gestaltet. Wechselbare<br />
Drehtische ermöglichen<br />
dabei unter anderem Flexibilität,<br />
kurze Umbauzeiten und eine hohe<br />
Effektivität der Gesamtanlage. Im<br />
Gegensatz zu kabelgebundenen<br />
Systemen ermöglicht IO-Link Wireless<br />
dabei eine noch effizientere<br />
und zukunftsfähigere Verwendung:<br />
Sensordaten werden drahtlos<br />
an die Steuerung übertragen.<br />
Indem induktive Koppler zur Energieversorgung<br />
verwendet werden,<br />
kann der Drehteller unkompliziert<br />
ohne Steckverbinder ausgetauscht<br />
– oder alternativ ein zweites Werkstück<br />
mit einem weiteren IO-Link<br />
Wireless Hub auf einem zusätzlichen<br />
Drehteller bearbeitet werden.<br />
Die Vorteile der Funktechnik?<br />
Eine unkompliziertere Planung und<br />
Installation, keine Abnutzung von<br />
Steckern oder Kabeln sowie eine<br />
Über den IO-Link-Master werden die intelligenten Sensoren und Aktoren mit<br />
der Steuerung verbunden<br />
70 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Kommunikation<br />
Anstatt per Kabel empfängt der<br />
Wireless-Master die Sensordaten per<br />
Funk über eine Bridge (rechts) oder<br />
einen Hub (links). Die Technologie<br />
ist damit ein wesentlicher Baustein<br />
für die Fabrik der Zukunft<br />
problemlose Skalier- und Erweiterbarkeit.<br />
Installation auch an schwer<br />
zugänglichen Stellen<br />
Generell gilt: IO-Link Wireless<br />
eignet sich besonders für solche<br />
Einsatzbereiche, die wenig Platz<br />
für Sensorik bieten, jedoch eine<br />
hohe Prozesssicherheit erfordern.<br />
Hier spielt das System seine Vorteile<br />
hinsichtlich der Robustheit aus.<br />
Ohne die Notwendigkeit einer Verkabelung<br />
können somit auch Condition<br />
Monitoring Sensoren an schwer<br />
zugänglichen Stellen installiert werden<br />
– ideal als Nachrüstung an<br />
bestehenden Lösungen. Mit der<br />
Wireless Technologie hält IO-Link<br />
Einzug in dynamischen Anwendungen<br />
mit hohen Geschwindigkeiten<br />
– einfach zu vergleichen beispielsweise<br />
mit einem fahrerlosen<br />
Transportsystem: Die Basiseinheit<br />
hält mit einer Reichweite von 10<br />
bis 20 Metern jederzeit Kontakt zu<br />
den installierten Komponenten und<br />
greift die benötigten Daten ab, um<br />
sie gesammelt zur weiteren Analyse<br />
zur Verfügung zu stellen.<br />
Neuer Kommunikationsstandard<br />
für die intelligente<br />
Fabrikautomation<br />
Mit der Erweiterung des Portfolios<br />
um eine kabellose IO-Link Variante<br />
etabliert sich ein neuer Kommunikationsstandard<br />
für die intelligente<br />
Fabrikautomation. IO-Link Wireless<br />
verspricht in allen Fällen eine noch<br />
flexiblere und nachhaltigere Anwendung:<br />
Anstatt per Kabel empfängt<br />
der Wireless-Master die Sensordaten<br />
per Funk über eine Bridge oder<br />
einen Hub. Dem Einsatz sind dabei<br />
keine Grenzen gesetzt, da IO-Link<br />
Wireless auf der standardisierten<br />
IO-Link Technologie (IEC 61131-9)<br />
aufbaut und so alle An sprüche der<br />
Fabrikautomation erfüllt.<br />
Mehr Flexibilität und<br />
Mobilität<br />
Mögliche Störungen, beispielsweise<br />
durch den gleichzeitigen<br />
Betrieb von WLAN-Systemen, sind<br />
ausgeschlossen. Die implementierte<br />
Frequency Hopping Funktion ermöglicht<br />
es, überlastete Frequenzkanäle<br />
zu vermeiden, durch zusätzliche<br />
Blacklisting können außerdem<br />
bekannte bereits belegte Kanäle<br />
direkt ausgeschlossen werden. Die<br />
Geräte kommunizieren über einen<br />
Knotenpunkt (IO-Link Master) direkt<br />
mit der Steuerung, was eine stabile<br />
und kontinuierliche Verbindung<br />
von Master zu Device sicherstellt.<br />
Dabei ist IO-Link Wireless deutlich<br />
flexibler als kabelgebundene Varianten<br />
– mit hoher Skalierbarkeit.<br />
Mit einem IO-Link Master mit fünf<br />
Tracks können über acht Ports insgesamt<br />
40 IO-Link Devices verbunden<br />
werden. Je nach Notwendigkeit<br />
in der Kundenanwendung können<br />
weitere Devices über einen zusätzlichen<br />
Master angebunden werden.<br />
Vorteile<br />
Die großen Vorteile gegenüber<br />
kabelgebundenen Varianten liegen<br />
auf der Hand: Mehr Flexibilität und<br />
Mobilität sowie eine erleichterte Planung<br />
und Installation, auch als Retrofit<br />
Lösungen, sprechen für sich. Großes<br />
Augenmerk bei der Entwicklung von<br />
IO-Link Wireless lag für Balluff auch<br />
auf der hohen Zuverlässigkeit: Eine<br />
Latenz von 5 ms sowie eine Paketdatenfehlerrate<br />
von 10 -9 ermöglichen<br />
eine direkte Anbindung sowie schnelle<br />
und zuverlässige Datenübertragung –<br />
mit derselben Kommunikationsstabilität<br />
wie der kabelgebundene IO-Link<br />
Standard. Damit liegt die Fehlerrate<br />
deutlich geringer als bei anderen<br />
Wireless-Technologien, beispielsweise<br />
WLAN, Bluetooth oder 5G. Da<br />
über IO-Link – sowohl bei kabelgebundenen<br />
wie auch Wireless Varianten<br />
– zumeist nur Prozessdaten übertragen<br />
werden, ist eine unverschlüsselte<br />
Verbindung aus reichend. Mit<br />
einer Reichweite von 10 bis 20 Metern<br />
bewegen sich die Daten außerdem in<br />
einem eingeschränkten Betriebsumfeld<br />
– Fragen zum Thema Datensicherheit<br />
stellen sich also beim Einsatz<br />
des Systems nicht.<br />
Unkomplizierte Nachrüstung<br />
in Bestandsanlagen<br />
Alle IO-Link Wireless Komponenten<br />
– Master, Bridge oder Hub –<br />
sind besonders geeignet für Retrofit-Lösungen,<br />
da sie unabhängig von<br />
der bereits bestehenden Maschinenarchitektur<br />
in Bestandsanlagen integriert<br />
werden können. Dafür müssen<br />
– im Gegensatz zu verkabelten Varianten<br />
– keine Kabelkanäle aufgebrochen<br />
oder in die Bestandsarchitektur<br />
eingegriffen werden. Produktmanager<br />
Michael Zahlecker erklärt: „Der<br />
Eingriff ist sozusagen minimalinvasiv.<br />
Für die Implementierung von IO-Link<br />
Wireless wird nur eine Spannungsversorgung<br />
benötigt. Diese ist aber<br />
in bestehenden Maschinen bereits<br />
vorhanden – zusätzliche Kabel sind<br />
also nicht notwendig“. Auch bei<br />
der Inbetriebnahme kann sich der<br />
Anwender auf den gewohnten Komfort<br />
der IO-Link Komponenten verlassen.<br />
Alle Devices sind beispielsweise<br />
über einen integrierten Webserver<br />
konfigurierbar. Auch bei modular<br />
aufgebauten Anlagenkonzepten<br />
ist IO-Link Wireless ideal geeignet,<br />
da zusätzliche Komponenten jederzeit<br />
ohne aufwendigen Eingriff in die<br />
Maschinenarchitektur ergänzt werden<br />
können.<br />
Erweiterung zu<br />
kabelgebundenen Lösungen<br />
Mit der zunehmenden Flexibilisierung<br />
in der modernen Fertigung<br />
wird einen Anstieg des Anteils<br />
an Wireless-Lösungen im industriellen<br />
Umfeld bedingen. Dabei<br />
werden diese kabelgebundenen<br />
Lösungen ergänzt. Die Kombination<br />
unterschiedlicher Lösungen<br />
eröffnet große Chancen. Zentrale<br />
Rolle spielen dabei die Anforderungen<br />
der Anwender: Wohin werden<br />
die Daten gesendet – per Funk<br />
an eine Cloud oder zur nächsten<br />
Basisstation? Werden Daten wie<br />
bei IO-Link Wireless zunächst zur<br />
nächsten Steuerung transportiert?<br />
Oder müssen Daten in Echtzeit<br />
zur Verfügung stehen? All diese<br />
Fragen beeinflussen die Kombination<br />
verschiedenster Wirelessoder<br />
kabelgebundener Lösungen.<br />
So steht IO-Link Wireless in keinerlei<br />
Konkurrenz zu kabelgebundenen<br />
Lösungen, sondern stellt<br />
eine vielversprechende Erweiterung<br />
dar.<br />
Wer schreibt:<br />
1921 in Neuhausen a. d. F.<br />
gegründet, steht Balluff mit seinen<br />
3600 Mitarbeitern weltweit für innovative<br />
Technik, Qualität und branchenübergreifende<br />
Erfahrung in<br />
der industriellen Automation. Als<br />
ein führender Sensor- und Automatisierungsspezialist<br />
bietet das<br />
Familienunternehmen in vierter<br />
Generation ein umfassendes Portfolio<br />
hochwertiger Sensor-, Identifikations-<br />
und Bildverarbeitungslösungen<br />
inklusive Netzwerktechnik<br />
und Software. ◄<br />
Die Funktionsweise von IO-Link Wireless wird unter anderem an den<br />
wechselbaren Drehtischen an Montagemaschinen deutlich: Die kabellose<br />
Variante sorgt hier für eine noch effizientere und zukunftsfähigere<br />
Verwendung des modularen Konzepts<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
71
Stromversorgung<br />
Zuverlässige Versorgung von Industrie-Mainboards:<br />
DC-ATX-Wandler mit Kontaktkühlung und<br />
6…36V-Eingang<br />
Bicker DC161W / Power+Board<br />
Lüfterlose DC-ATX-Stromversorgung für Industrie-Mainboards<br />
Bicker Elektronik GmbH<br />
info@bicker.de<br />
www.bicker.de<br />
Der lüfterlose DC-ATX-Wandler<br />
DC161W von Bicker Elektronik ist<br />
sowohl für mobile Anwendungen<br />
im 12V- bzw. 24V-Bordnetz, als<br />
auch für industrielle und medizinische<br />
Embedded-IPCs bestens<br />
geeignet. Am ATX-Ausgang stehen<br />
exakt geregelt +5 Vsb / +3,3 V /<br />
+5 V / ±12 V zur Verfügung. Der<br />
hoch effiziente DC/DC-Wandler<br />
mit 93 % Wirkungsgrad ist für den<br />
zuverlässigen 24/7-Dauerbetrieb im<br />
erweiterten Temperaturbereich von<br />
-20…+70 °C mit besonders hochwertigen<br />
Komponenten und einem<br />
robusten Schaltungsdesign ausgestattet,<br />
was sich in einer MTBF von<br />
990.000 Stunden widerspiegelt. Mit<br />
einem Weitbereichseingang von 6<br />
bis 36 VDC stellt der DC161W selbst<br />
bei starken Schwankungen der Versorgungsspannung<br />
die zuverlässige<br />
und stabile Stromversorgung<br />
des angeschlossenen Mainboards<br />
sicher und überzeugt in einer Vielzahl<br />
von Anwendungsfeldern, wie<br />
Industrie 4.0 / IIoT, Gateways, Medizintechnik,<br />
Transportation, Digital-<br />
Signage, POS/POI u.v.m.<br />
Flexibles Kabelmanagement<br />
Das Kabelmanagement-System<br />
des DC161W erlaubt den flexiblen<br />
Einsatz kundenspezifischer<br />
Kabelbaum-Lösungen. Auf Wunsch<br />
Unterseite mit passendem Wärmeleitpad für Kontaktkühlung<br />
realisiert Bicker Elektronik die komplette<br />
Konfektionierung des Kabelbaumes<br />
mit individuellen Kabellängen<br />
und Steckerverbindungen.<br />
Wärmeleitpad für<br />
Kontaktkühlung inklusive<br />
Für die optimale thermische<br />
Anbindung der Leistungsbauteile<br />
auf der Platinen-Unterseite ist im<br />
Liefer umfang des DC161W bereits<br />
ein passendes Wärmeleitkissen<br />
(Gap-Filler-Pad) enthalten. Aufgrund<br />
des sehr guten Wärmemanagements<br />
reduziert sich die Erwärmung<br />
auf ein Minimum und macht<br />
so wartungs freie Systeme ohne<br />
rotierende Lüfter möglich.<br />
Vehicle-Ignition-Funktionen<br />
Der DC161W kann sowohl im<br />
Standard-Netzteil-Modus, als auch<br />
im KFZ-Modus beispielsweise für<br />
CarPCs betrieben werden. Die<br />
zündungsabhängige ATX-Stromversorgung<br />
sowie Start und Shutdown<br />
des CarPCs können über<br />
erweiterte Timing-Modi und einen<br />
Mainboard-On/Off-Anschluss (Intel<br />
ATX 12V kompatibel) individuell<br />
konfiguriert werden. Die wählbare<br />
Autolatch-Funktion gewährleistet<br />
beispielsweise das sichere Hochund<br />
Herunterfahren des CarPCs,<br />
selbst bei einem sehr kurzen Zündungsplus.<br />
Der integrierte Tiefentladeschutz<br />
überwacht ständig die<br />
Spannung der Fahrzeugbatterie und<br />
schaltet den DC161W automatisch<br />
ab, sobald die Batteriespannung länger<br />
als eine Minute unter einen definierten<br />
Spannungswert fällt. Zusätzlich<br />
verfügt der DC161W über einen<br />
Remote-On/Off-Anschluss für den<br />
KFZ-Verstärker.<br />
Power+Board-Bundles –<br />
alles aus einer Hand!<br />
Bicker Elektronik bietet im Rahmen<br />
des Power+Board-Programms<br />
passende Industrie-Mainboards führender<br />
Hersteller wie Kontron, ASUS<br />
IoT, AAEON und Avalue. Zudem<br />
steht ein umfangreiches Portfolio<br />
Kabelmanagement-<br />
System ermöglicht Einsatz<br />
kundenspezifischer Kabelbäume<br />
72 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Produktvideo mit allen Details im Überblick: https://www.bicker.de/DC161W<br />
(Stockbild Laptop: Adobe Stock guteksk7 / #266339089)<br />
hochwertiger Systemkomponenten<br />
in Industriequalität zur Verfügung:<br />
Embedded Prozessoren,<br />
SO-/DIMM-Speichermodule, M.2<br />
Embedded Module, Erweiterungskarten,<br />
aktive und passive Kühllösungen.<br />
Mit den zuverlässigen<br />
und langzeitverfügbaren Komplettlösungen<br />
aus einer Hand lässt sich<br />
die Time-To-Market verkürzen und<br />
somit Zeit und Geld bei der Systementwicklung<br />
einsparen.<br />
Alle Produkteigenschaften<br />
im Überblick<br />
• Kontaktgekühlter DC-ATX Wandler<br />
• Ultraweiter Eingangsbereich<br />
6...36 VDC<br />
• Erweiterter Temperaturbereich<br />
-20...+70 °C<br />
• Wirkungsgrad bis 93 %<br />
• Mit Kfz-Ignition-Funktion<br />
• Keine Grundlast erforderlich<br />
• Wärmeleitpad für Gehäuse-<br />
Montage inklusive<br />
• Kabel-Management-System<br />
• POWER_ON und POWER_OK<br />
erfüllen Intel ATX 12V Design<br />
Guide Anforderungen<br />
• Höchste Zuverlässigkeit und<br />
Lebensdauer dank qualitativ hochwertiger<br />
Komponenten<br />
• Optional EMV Filter für EN 55022<br />
Klasse B lieferbar<br />
• 3 Jahre Garantie ◄<br />
Kompakte, zweifach zertifizierte Stromversorgung<br />
TDK-Lambda Germany<br />
GmbH<br />
www.emea.lambda.tdk.com<br />
Die TDK Corporation gibt<br />
die Einführung der 250 W<br />
AC/DC-Netzgeräte der<br />
CUS250-Serie von TDK-Lambda<br />
bekannt. Die Geräte haben eine<br />
Grundfläche von 2“ x 4“ und sind<br />
sowohl nach IEC 60601-1 als auch<br />
nach IEC 62368-1 für Installationen<br />
der Klasse I und der Klasse II<br />
(doppelt isoliert) zertifiziert. Zu<br />
den Zielanwendungen gehören<br />
medizinische Geräte, Geräte für<br />
die häusliche Pflege, zahnmedizinische<br />
Geräte, Prüf- und Messgeräte,<br />
Rundfunkgeräte, professionelle<br />
Audiogeräte und industrielle<br />
Geräte.<br />
Geräuschloser Betrieb<br />
Kontakt- und Konvektionskühlung<br />
ermöglichen einen vollkommen<br />
geräuschlosen Betrieb, bei<br />
Umgebungstemperaturen von<br />
-20 °C bis +50 °C ohne Einschränkungen.<br />
Mit Leistungsderating ist<br />
sogar der Betrieb bis +80 °C möglich.<br />
Mit einem forcierten Luftstrom<br />
von 1 m/s können die geschlossenen<br />
Gehäusevarianten ebenfalls die<br />
volle Ausgangs leistung von 250 W<br />
bis zu 50 °C Umgebungstemperatur<br />
abgeben. Diese Leistung reduziert<br />
sich linear auf 125 W bei Temperaturen<br />
bis 70 °C. Der Luftstrom<br />
kann hier sowohl extern im System<br />
als auch durch einen im Netzteil<br />
integrierten Lüfter bereitgestellt<br />
werden. Optional stehen für die<br />
CUS250M eine Standby-Spannung<br />
von 5 V@0,1 A, Remote On/Off<br />
sowie DC OK- und AC Fail-Signale<br />
zur Auswahl. Als mechanische Varianten<br />
stehen neben dem Standardgerät<br />
mit Metal-Baseplate auch<br />
Modelle mit U-Profil, geschlossenem<br />
Gehäuse mit integriertem Lüfter<br />
oder Platine in Kunststoffwanne<br />
zur Verfügung.<br />
Verschiedene Modelle<br />
Zunächst sind Modelle mit<br />
12 V und 24 V erhältlich, später<br />
folgen weitere Spannungen mit<br />
15 V, 18 V, 28 V, 36 V und 48 V.<br />
Die Ausgangsspannung kann<br />
vom Anwender per Poti justiert<br />
werden. Die Geräte arbeiten mit<br />
einem Weitbereichseingang von<br />
85 bis 264 Vac und der Ableitstrom<br />
beträgt weniger als 150 µA - einschließlich<br />
aller Toleranzen. Der<br />
Berührungsstrom beträgt
Stromversorgung<br />
Das leisten moderne DC/DC-Wandler<br />
Effizient, langlebig, ausfallsicher und individuell anpassbar - in Batterie-versorgten Gleichstromnetzen müssen<br />
DC/DC-Wandler hohen Ansprüchen genügen. Zumindest wünscht man sich das, aber der Weg dorthin hat viele<br />
Fallstricke.<br />
Gut geschützt und effizient: Auch mit aufwändigen Schutz- und<br />
Analysefunktionalität ausgestattet, erreichen aktuelle DC/DC-Wandler<br />
maximale Wirkungsgrade<br />
An moderne Gleichstromwandler<br />
werden die vielfältigsten Anforderungen<br />
gestellt. Dies gilt besonders,<br />
wenn sie in batterieversorgten<br />
Gleichstromnetzen eingesetzt werden.<br />
Dabei kann es sich beispielsweise<br />
um stationäre Systeme zur<br />
Netzausfallüberbrückung handeln<br />
oder auch um mobile Anwendungen<br />
etwa in den Bordnetzen von<br />
Kraftfahrzeugen aller Art. Von 60<br />
bis 9 Volt oder kurzfristig gar 6 Volt<br />
ist dabei die ganze Bandbreite von<br />
Speisespannungen möglich. Wie<br />
alle elektrischen Geräte müssen<br />
auch DC/DC-Wandler den einschlägigen<br />
EMV-Vorschriften genügen.<br />
Sie dürfen weder Störsignale aussenden,<br />
noch von Störstrahlungen<br />
beeinflusst werden. Ein aktiver Verpolungsschutz<br />
ist ebenfalls unabdingbar,<br />
damit die von ihnen versorgten<br />
Applikationen bei einer<br />
gewollten oder ungewollten Vertauschung<br />
der eingangsseitigen Polarität<br />
vor Schäden geschützt sind.<br />
Die Potentialtrennung sorgt dafür,<br />
dass die Versorgungsspannung<br />
auch im Fehlerfall niemals auf die<br />
Sekundärseite durchschlagen kann.<br />
Dank der galvanischen Trennung ist<br />
das System auch gegen Störungen<br />
durch Überspannungen gefeit. Weil<br />
im Batteriebetrieb die elektrische<br />
Energie nicht unbegrenzt zur Verfügung<br />
steht, dürfen diese Schutzmaßnahmen<br />
keinesfalls zulasten<br />
der Effizienz gehen. Dass dies nicht<br />
der Fall sein muss, beweisen verschiedene<br />
DC/DC-Wandler. Zum<br />
Beispiel hat der für den Industrieeinsatz<br />
konzipierte 72 Watt starke<br />
DC/DC-Wandler PSU-1141-08 über<br />
seinen gesamten Eingangsbereich<br />
von 9 Volt bis 32 Volt einen Wirkungsgrad<br />
über 94 Prozent. Und<br />
das bei voller Auslastung. Im Standby-Modus<br />
ohne Last sinkt die Leistungsaufnahme<br />
unter 50 Milliwatt.<br />
Wodurch der Energie-Vorrat<br />
der Batterie-Versorgung in Bereitschaft<br />
praktisch nicht be lastet wird.<br />
Wenn dann schlagartig die volle<br />
Leistung gefragt ist, verhindert eine<br />
aktive Einschaltstrombegrenzung<br />
die impulsartige Belastung des Versorgungsnetzes<br />
beim Zuschalten<br />
des Systems. Weder die Energiespeicher<br />
selbst noch parallel ange-<br />
Autor:<br />
Hermann Püthe<br />
Geschäftsführender<br />
Gesellschafter<br />
inpotron Schaltnetzteile GmbH<br />
www.inpotron.com<br />
Der PSU-1141-08 ist ein DC/DC-Wandler für den Industrieeinsatz. Er hat auf der Primärseite einen elektronischen<br />
Verpolschutz sowie eine Einschaltstrombegrenzung.<br />
74 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Stromversorgung<br />
Sichere, zuverlässige und lautlose Medizinnetzteile - ein Leben lang<br />
Der Stromversorgungshersteller<br />
PULS bietet eine komplette<br />
Serie an Medizinnetzteilen.<br />
Die Stromversorgungen<br />
sind mit 120 W (CP5.241-M1),<br />
240 W (CP10.241-M1) und 480 W<br />
(CP20.241-M1) erhältlich und erfüllen<br />
alle vorgegebenen Anforderungen<br />
zum Schutz von Patienten<br />
und Personal. Durch die Zertifizierung<br />
nach IEC 60601-1, 3rd Edition<br />
und Schutzvorkehrungen gemäß<br />
2x MOPP sind die Stromversorgungen<br />
für den sicheren Einsatz in<br />
der Patienten- und Bedienerumgebung<br />
geeignet. Auch die EMV-Vorgaben<br />
werden gemäß IEC 60601-<br />
1-2, 4. Edition vollständig erfüllt.<br />
Lüfterlose Netzteile bieten in<br />
der Medizintechnik weitere Vorteile.<br />
Die Geräte sind geräuschlos<br />
und haben eine lange Lebensdauer<br />
und geringe Ausfallwahrscheinlichkeit.<br />
Das ermöglicht<br />
einen zuverlässigen und wartungsfreien<br />
Einsatz über Jahre hinweg,<br />
auch im 24/7-Betrieb. Dank der<br />
genormten DIN-Schienen-Montage<br />
sind die Geräte einfach zu<br />
installieren. Aufgrund der kompakten<br />
Bauform benötigen die<br />
Netzteile nur wenig Einbauraum<br />
– bei beengten Platzverhältnissen<br />
in den Systemen oder<br />
aufgrund design-orientierter<br />
Formgebung<br />
sind die PULS-Produkte<br />
also ideale Mitspieler.<br />
Die Verdrahtung<br />
geht ebenfalls<br />
leicht von der Hand<br />
und kann ohne Werkzeug<br />
vorgenommen<br />
werden. Dafür sorgen<br />
die praktischen<br />
Anschlüsse mit<br />
Federzugklemmen.<br />
Mit den Stromversorgungen<br />
der CP-Serie<br />
lassen sich zuverlässige,<br />
kompakte und<br />
ausfallsichere Systeme<br />
in verschiedenen<br />
medizinischen<br />
Anwendungen in der<br />
Krankenhaustechnik,<br />
Gebäudetechnik<br />
sowie z. B. in der<br />
bildgebenden Diagnostik<br />
realisieren.Die Medizinnetzteile<br />
der CP-Serie sind als<br />
Standardprodukte sofort ab Lager<br />
verfügbar, auch über den PULS<br />
Online-Shop.<br />
PULS<br />
www.pulspower.com<br />
schlossene Baugruppen werden so<br />
geschädigt.<br />
Individuelles Design ist<br />
effizienter<br />
So unterschiedlich die Einsatzzwecke<br />
für Gleichstromwandler<br />
sind, so vielfältig sind die Anforderungen,<br />
die an ihr Design gestellt<br />
werden. Nur in den wenigsten Fällen<br />
lassen sich diese mit einem Wandler<br />
von der Stange optimal erfüllen.<br />
Mit modularen Konzepten halten<br />
sich die zusätzlichen Entwicklungskosten<br />
sowie der dafür nötige<br />
Zeitbedarf eines individuell angepassten<br />
DC/DC-Wandlers in überschaubaren<br />
Grenzen. Im Gegenzug<br />
erhält der Kunde ein ganz auf<br />
seine Bedürfnisse zugeschnittenes<br />
Produkt. Mit allen Zusatzfunktionen<br />
und Analyseinformationen,<br />
die er braucht. Es enthält etwa nur<br />
die wirklich notwendigen Kontakte<br />
und Verbindungen, überflüssige Filter<br />
oder andere Komponenten können<br />
eingespart werden. Auch das<br />
Wärmemanagement lässt sich so<br />
optimal an die Gegebenheiten des<br />
geplanten Einsatzes anpassen. Da<br />
ein mechanischer Lüfter zusätzliche<br />
Energie benötigt, störanfällig<br />
ist und etwa in medizinischen<br />
Ge räten unerwünschte Geräusche<br />
und Vibrationen erzeugt, ist der passiven<br />
Kühlung durch natürliche Konvektion<br />
der Vorzug zu geben. Das<br />
Ergebnis ist ein Gleichstromwandler,<br />
der im Dauerbetrieb rund um<br />
die Uhr zuverlässig funktioniert,<br />
für mindestens zehn Jahre oder<br />
länger. Und dabei Temperaturen<br />
zwischen -40 °C und 85 °C locker<br />
wegsteckt. Im Extremfall auch bis<br />
+95 °C. Besonders bei einer redundanten<br />
Stromversorgung, welche<br />
bei Ausfall des Wechselstromnetzes<br />
den sicheren Betrieb gewährleisten<br />
soll, ist das von essenzieller<br />
Bedeutung.<br />
Smarte Wandler als<br />
wertvolle Datenquelle<br />
Moderne Gleichstromwandler sind<br />
nicht bloß verlässliche Gleichspannungsquellen.<br />
Über gängige Industrie-Bus-Systeme,<br />
wie etwa KNX,<br />
DMX oder Asi lassen sie sich fernsteuern<br />
und stellen im Gegenzug<br />
eine Fülle von wertvollen Daten<br />
zur Systemanalyse zur Verfügung.<br />
Durch die Auswertung von Betriebszuständen<br />
wie Leistungsaufnahme,<br />
Betriebsstunden oder Temperatur<br />
lassen sich Stromnetze wirtschaftlicher<br />
und sicherer betreiben.<br />
Nimmt zum Beispiel der Energiebedarf<br />
einer versorgten Maschine im<br />
Laufe der Zeit zu, deutet dies auf<br />
eine notwendige Wartung hin. Bahnt<br />
sich eine kurzfristige Überlastung<br />
der Stromversorgungen an, können<br />
aktuell nicht benötigte Verbraucher,<br />
etwa Displays, ausgeschaltet werden.<br />
Lastspitzen werden vermieden,<br />
wenn während des Anlaufs<br />
eines DC-Motors nicht zusätzlich<br />
der Thermotransferdrucker ein Protokoll<br />
anfertigt. Vernetzte Systeme<br />
werden so zuverlässiger und stabiler<br />
mit Energie versorgt. Gleichzeitig<br />
sinken Anschaffungs- und Betriebskosten,<br />
weil die Überdimensionierung<br />
der Applikationen wegfällt. ◄<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
75
Medical-PC/SBC/Zubehör<br />
Langlebig, robust und leistungsstark<br />
Controlmaster 1019 für industrielle Anwendungen<br />
Wer elektronische Geräte im medizinischen<br />
Umfeld einsetzen möchte<br />
muss sicherstellen, dass diese Geräte<br />
entsprechend zertifiziert sind. Die<br />
Sicherheit des Patienten und des<br />
behandelnden Personals steht an<br />
erster Stelle. Dienen die Geräte zur<br />
Diagnose, Behandlung oder Überwachung<br />
von Patienten und werden sie<br />
an ein Versorgungsnetz angeschlossen,<br />
greift in diesem Fall die Norm<br />
EN 60601-1. Dabei ist nicht allein die<br />
Frage entscheidend, ob ein Energieaustausch<br />
zwischen Patient und Gerät<br />
stattfindet. Auch die Anzeige eines<br />
solchen Vorgangs ist ausreichend,<br />
um ein Gerät zertifizieren zu müssen.<br />
Die Medico Box PCs der ICO<br />
Innovative Computer GmbH erfüllen<br />
sämtliche Anforderungen und<br />
sind somit EN 60601-1 zertifiziert.<br />
Sie können direkt im Patientenumfeld<br />
eingesetzt werden. Mediziner<br />
schätzen die Geräte aber nicht nur<br />
aufgrund ihrer Zertifizierung, sondern<br />
vor allem aufgrund ihrer hervorragenden<br />
Performance und den<br />
kompakten Maßen. Auf gerade einmal<br />
301 x 243 x 130 mm bzw. 301 x<br />
295 x 130 mm können die leistungsstarken<br />
Komponenten der Medico<br />
Box PCs verbaut werden. Das lässt<br />
die Systeme äußerst platzsparend<br />
und mobil werden.<br />
Anwendungsbeispiel<br />
Ein mögliches Anwendungsbeispiel<br />
findet sich daher im Patientenzimmer<br />
selbst. Dort können die<br />
Geräte neben der Visualisierung<br />
von Prozessen auch zur Versorgung<br />
von Beatmungsgeräten des<br />
Patienten verwendet werden. Für<br />
diese Umgebung erweist sich vor<br />
allem die lüfterlose Variante des<br />
Medico Box PCs als sinnvoll.<br />
Zukunftssicher mit viel<br />
Power<br />
Ihre wahre Power entfalten die<br />
Geräte allerdings im Zusammenhang<br />
mit DICOM Prozessen. Hier<br />
kommen die Intel Core i-Prozessoren<br />
der neunten Generation zum Tragen.<br />
Die Wahl besteht zwischen dem ausgewogenen<br />
Intel Core i5-9500TE<br />
2,2 GHz- und dem performanten Intel<br />
Core i7-9700E 2,6 GHz-Prozessor.<br />
Unterstützt durch 8 GB RAM in der<br />
Basisversion (max. 32 GB) und eine<br />
128 GB große SSD, entstehen so<br />
zwei Systeme, die Zukunfts sicherheit<br />
im medizinischen Umfeld versprechen.<br />
Zur komfortablen Nutzung<br />
von DICOM Viewern und anderen<br />
Anwendungen besteht die Möglichkeit,<br />
eine lüfterlose Grafikkarte zu<br />
verbauen, die die Anzeigegeschwindigkeit<br />
enorm verbessert.<br />
Konnektivität<br />
Auch in Sachen Konnektivität sind<br />
die Medico Box PCs bestens ausgestattet.<br />
Displays können wahlweise<br />
per VGA, Displayport oder DVI<br />
angeschlossen werden. Zusätzlich<br />
stehen sechs USB-Ports, zwei Gigabit<br />
LAN-Anschlüsse und zwei serielle<br />
Schnittstellen zur Verfügung. Eine<br />
drahtlose Anbindung der Systeme<br />
an drahtlose Netzwerke ist ebenfalls<br />
unkompliziert via WLAN möglich.<br />
Mit den Medico Box PCs der ICO<br />
Innovative Computer GmbH sind folglich<br />
wichtige Bereiche und Auf gaben<br />
im medizinischen Umfeld abgedeckt<br />
und versprechen Planungssicherheit<br />
für kommende Jahre.<br />
ICO Innovative Computer<br />
GmbH<br />
www.ico.de<br />
Brillante Grafik im mini-ITX-Format mit AMD Ryzen Embedded R2000-Serie<br />
Kontron<br />
www.kontron.de<br />
Das Motherboard auf Basis der<br />
erfolgreichen „Zen+“-Mikroarchitektur<br />
der AMD Ryzen R2000-Serie<br />
eignet sich für vielseitige Grafikanwendungen<br />
und macht einen<br />
Sprung bei der Performance.<br />
Kontron stellte auf der embedded<br />
world <strong>2022</strong> das Industrie-Motherboard<br />
D3723-R mITX<br />
vor, das auf der AMD Ryzen Embedded<br />
R2000-Linie basiert und<br />
in Deutschland entwickelt wurde<br />
sowie zukünftig produziert wird.<br />
Im Vergleich zu V/R1000 APUs<br />
(Accelerated Processing Units)<br />
von AMD liefert es eine höhere<br />
Performance. Neben dem günstigeren<br />
Preis überzeugt das neue<br />
Modell auch mit Windows 11 Support<br />
und einem langen Lebenszyklus<br />
von sieben Jahren. Wie alle<br />
Kontron Motherboards mit der<br />
Bezeichnung D3xxx bzw. K3xxx<br />
wird auch das D3723-R in Deutschland<br />
produziert.<br />
Attraktives Preis-/Leistungsverhältnis<br />
Die Lösung eignet sich dank AMD<br />
Radeon Vega Graphics insbesondere<br />
für Embedded-Grafik-Applikationen<br />
wie professionelle Casino<br />
Gaming-Systeme, medizinische Displays,<br />
Thin Clients und Industrie-<br />
PCs sowie für Kiosk-, Infotainment-<br />
oder Digital-Signage-Systeme. Im<br />
Vergleich zum Vorgängermodell auf<br />
Basis der R1000 und V1000-Serie<br />
zeigt der R2000 ähnliche Features<br />
wie die V1000 SKUs. Dazu gehören<br />
16 PCIe Lanes, bis zu vier Display-Anschlüsse<br />
und eine Skalierbarkeit<br />
der verfügbaren APU SKUs<br />
von 12 bis 54 W (TDP). Windows 11<br />
Support und ein attraktives Preis-/<br />
Leistungsverhältnis sprechen eindeutig<br />
für den R2000.<br />
Brillante Grafik und bis zu<br />
vier unabhängige Displays<br />
Die im SoC integrierte AMD<br />
Radeon Vega GPU sorgt für eine<br />
76 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
Medical-PC/SBC/Zubehör<br />
Eine Klasse für sich<br />
Die neuen Kontron µATX-Motherboards K3841-Q, K3842-Q und K3843-B spiegeln den neuesten Stand der<br />
Hybrid-CPU-Technologie mit Big-Little-Konzept, DDR5-Speicher und PCI Express Gen5<br />
Kontron stellt drei µATX Motherboards<br />
vor, die die neuesten Prozessoren<br />
der 12. Generation Intel<br />
Core i Serie (LGA1700 mit 125 W<br />
TDP) sowie Intel Pentium/Celeron<br />
unterstützen. Es sind die ersten Produkte<br />
einer Reihe neuer Motherboards<br />
„designed and made in<br />
Germany“, bestehend aus Mini-<br />
ITX, µATX und ATX, die im Laufe<br />
des Jahres verfügbar sein werden.<br />
Die neue Motherboard-Familie<br />
unterstützt zudem die aktuelle<br />
DDR5-Memory-Technologie für<br />
beste Systemperformance, PCIe<br />
Gen5 und die neueste Intel LAN-<br />
Generation mit 2,5 Gbit Ethernet.<br />
Die Motherboards sind mit zwei<br />
M.2-Anschlüssen und integriertem<br />
Intel TPM 2.0 für Windows 11<br />
Support ausgestattet. Sie verfügen<br />
über eine 125 W CPU TDP<br />
einschließlich configurable Thermal<br />
Design Power, bei der sich die<br />
Verbrauchsleistung limitieren lässt.<br />
In den Hybrid-CPUs von Intel können<br />
beide Kerne, wie zum Beispiel<br />
Atom und Core i, für noch höhere<br />
Performance zusammen genutzt<br />
werden. Seit Juni sind die neuen<br />
Boards verfügbar. Auch auf der<br />
Embedded World stellte Kontron<br />
diese Motherboards vor.<br />
Zukunftsfähige<br />
Schnittstellen und Langzeitverfügbarkeit<br />
Das Industrie-Motherboard<br />
K3841-Q µATX ist mit dem performanten<br />
Intel Q670E Chipsatz<br />
mit erhöhter Zuverlässigkeit (Embedded<br />
Broad Market) ausgestattet<br />
und insbesondere für die Bereiche<br />
Medizin, Banking, Industrial Automation,<br />
Labor Diagnostik und Video<br />
Surveillance konzipiert. Das Board<br />
verfügt über drei LAN-Schnittstellen,<br />
darunter 1x Intel 219LM Premium<br />
(Unterstützung neuester<br />
Manage ability Funktionen) sowie 2x<br />
I225LM der neuen Generation mit<br />
2,5 Gbit Ethernet. Hinzu kommen<br />
vier COM-Schnittstellen, vier PCIe,<br />
darunter Gen5 und zwei x1, sowie<br />
elf USB-Schnittstellen (USB 3.2<br />
Gen2 sowie Typ C). Das K3841-Q<br />
µATX ist sieben Jahre verfügbar.<br />
Noch mehr Performance für<br />
die Bildverarbeitung<br />
Das K3842-Q µATX-Board bringt<br />
den Intel Q670 Chipsatz mit umfangreichen<br />
Manageability-Funktionen<br />
und Support für Intel Optane Speicher<br />
mit. Damit eignet sich das<br />
Board vor allem für die Integration<br />
in höherwertige Desktop PCs oder<br />
für semi-Industrielle Anwendungen,<br />
wie z. B. Viewing Stations in<br />
der Medizin. Auch hier spielen die<br />
USB-Ports Typ-C und TPM 2.0 für<br />
Windows 11 Support eine wichtige<br />
Rolle. Die Verfügbarkeit beträgt bis<br />
zu fünf Jahre.<br />
K3843-B µATX: Power im<br />
Standard-PC<br />
Für kostengünstige Systeme mit<br />
Bedarf für neueste CPU-Technologie<br />
bietet sich die Variante K3843-B<br />
µATX für den Einbau in kommerziellen<br />
Desktop PCs sowie semiindustriellen<br />
Anwendungen an. Das<br />
K3843-B ist mit dem B660-Chipsatz<br />
ausgestattet. Dabei werden alle<br />
CPUs mit bis zu 125 W TDP unterstützt.<br />
Features wie cTDP, DDR5,<br />
vier DisplayPorts, vier PCIe Gen5-<br />
Interfaces für höhere Geschwindigkeit<br />
und mehr Bandbreite sorgen für<br />
hohe Performance und Funktionalität<br />
in vielseitigen Anwendungsszenarien.<br />
Die Verfügbarkeit beträgt<br />
drei Jahre.<br />
Kontron<br />
www.kontron.de<br />
brillante Grafik und unterstützt bis<br />
zu vier unabhängige Displays in<br />
4K-Auflösung. Als Memory kommen<br />
zwei SO-DIMM-Speichermodule,<br />
schnelle DDR4-2666 oder<br />
3200 mit maximal 32 GB, Dual<br />
Channel und ECC Support zum<br />
Einsatz. Zudem wartet das Motherboard<br />
mit umfangreichen Schnittstellen<br />
auf, darunter Dual GbE,<br />
COM (RS232, RS422, RS485),<br />
USB 3.1 Gen2, M.2 (Key-M, Key-<br />
B) uvm. Ein Wide-Range DC-Input<br />
(8 - 36 V) ermöglicht zudem einen<br />
universellen Einsatz in unterschiedlichsten<br />
Anwendungen. Passend<br />
zum Motherboard ist zudem das<br />
Gehäuse-Kit SMARTCASE S711<br />
erhältlich. ◄<br />
meditronic-journal 4/<strong>2022</strong><br />
77
Medical-PC/SBC/Zubehör<br />
Skalierbare Produktfamilie mit vielen<br />
CPU-Varianten<br />
12. Gen Intel Core Prozessoren in leistungsstarke COM Express Compact Modulfamilie integriert<br />
Komplettes Ecosystem<br />
Hoher Datendurchsatz<br />
Avnet Embedded<br />
www.avnet.com<br />
Avnet Embedded präsentierte auf<br />
der embedded world <strong>2022</strong> die leistungsstarke<br />
COM Express Type 6<br />
Modulfamilie MSC C6C-ALP, die<br />
erstmals 12. Gen Intel Core P-series<br />
und U-series Prozessoren in den<br />
schmalen COM Express Compact<br />
Formfaktor mit Abmessungen von<br />
95 x 95 mm integriert. Die skalierbare<br />
MSC C6C-ALP Produkt familie<br />
zeichnet sich durch eine breite Auswahl<br />
an CPU-Varianten aus, die sich<br />
in der Rechenleistung und Energieeffizienz<br />
unterscheiden.<br />
Vielseitig einsetzbar<br />
Die modulare COM Express<br />
Modulfamilie MSC C6C-ALP ist für<br />
den kommerziellen Umgebungstemperaturbereich<br />
von 0 bis 60 °C ausgelegt<br />
und für unterschiedliche<br />
Industrie anwendungen geeignet,<br />
die auf engem Raum eine hohe<br />
Performance verlangen. Typische<br />
Beispiele sind Anwendungen in der<br />
Medizintechnik, der Prozesssteuerung,<br />
in HMI Terminals, in Transportation<br />
Systemen und in intelligenten<br />
Kiosksystemen.<br />
Zur schnellen Entwicklung<br />
von innovativen Embedded Produkten<br />
stellt Avnet Embedded<br />
auch für ihre neue Modulfamilie<br />
MSC C6C-ALP ein komplettes<br />
Ecosystem mit passendem<br />
Starter Kit, Board Support Package<br />
und Design-in Support zur<br />
Verfügung. Darüber hinaus wird<br />
für alle Baugruppen eine Langzeitverfügbarkeit<br />
garantiert, die<br />
die getätigten Systeminvestitionen<br />
seitens der Kunden sicherstellt.<br />
Der COM Express Standard<br />
bietet zudem eine skalierbare<br />
Performance und eine<br />
Migration hin zu zukünftigen<br />
Technologie Upgrades.<br />
Mit der hochperformanten<br />
Baugruppenfamilie MSC C6C-<br />
ALP erweitert Avnet Embedded<br />
abermals ihr umfangreiches<br />
COM Express Produktportfolio<br />
im oberen Leistungssektor.<br />
Im Januar dieses Jahres<br />
wurde die Modulfamilie im COM<br />
Express Basic Formfaktor (125 x<br />
95 mm) vorgestellt, die ebenfalls auf<br />
der 12. Gen Intel Core Prozessortechnologie<br />
basiert.<br />
Technische Spezifikationen:<br />
Die kompakte COM Express<br />
Modulfamilie MSC C6C-ALP ist<br />
mit 12. Gen Intel Core P-series<br />
und U-series Prozessoren (Codename<br />
„Alder Lake P-series und<br />
U-series“) bestückt. Die neue Intel<br />
Performance Hybrid Architecture<br />
verfügt über Performance-cores<br />
und Efficient-cores, deren jeweilige<br />
Arbeitslast vom integrierten<br />
Intel Threat Director optimiert wird.<br />
Die Architektur bietet insgesamt<br />
bis zu zwölf Cores und 16 Threads<br />
bei einer Thermal Design Power<br />
(TDP) von 28 W. Für Anwendungen<br />
mit niedriger Verlustleistung<br />
können einzelne Prozessorvarianten<br />
bei 12 W betrieben werden.<br />
Die integrierte Intel Iris Xe Architecture<br />
Graphics mit bis zu 96 Execution<br />
Units (EUs) liefert eine hohe<br />
Grafik leistung.<br />
Für einen hohen Datendurchsatz<br />
sorgt die auf den Modulen implementierte<br />
schnelle LPDDR5-5200<br />
Speichertechnologie (memorydown)<br />
mit einer maximalen Kapazität<br />
von 32 GB.<br />
Die MSC C6C-ALP Module können<br />
mit dem COM Express Carrier<br />
Board über acht PCIe Gen 3 Lanes<br />
und vier PCIe Gen 4 Lanes angeschlossen<br />
werden. Die Ethernet<br />
Schnittstelle basierend auf dem Intel<br />
i226 Netzwerkcontroller liefert bis<br />
zu 2,5 GbE Bandbreite. Zusätzlich<br />
sind bis zu vier USB 3.2 Gen 1 / 2<br />
und acht USB 2.0 Ports sowie zwei<br />
UARTs verfügbar. Zur Ansteuerung<br />
von bis zu vier unabhängigen Displays<br />
sind drei DisplayPort / HDMI<br />
Interfaces, ein LVDS und Embedded<br />
DisplayPort Anschluss sowie optional<br />
VGA vorgesehen. Über zwei<br />
SATA 6 Gb/s Kanäle lassen sich<br />
Massenspeicher anbinden. Optional<br />
können die Boards mit einer<br />
NVMe SSD, die eine maximale<br />
Kapazität von 1 TB aufweist, ausgestattet<br />
werden. ◄<br />
78 meditronic-journal 4/<strong>2022</strong>
MADE<br />
SWISS<br />
In Silico We Trust<br />
Solving development<br />
and compliance<br />
issues of medical<br />
devices; it’s time for<br />
virtual prototyping,<br />
Sim4Life!<br />
www.zmt.swiss<br />
www.mrc-gigacomp.de