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IDEAT CONTEMPORARY LIFE Nr. 9

Nr. 9 - September/Oktober 2022 DAS INTERNATIONALE MAGAZIN FÜR INTERIOR DESIGN UND URBANEN LIEFSTYLE

Nr. 9 - September/Oktober 2022
DAS INTERNATIONALE MAGAZIN FÜR INTERIOR DESIGN UND URBANEN LIEFSTYLE

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Wir greifen<br />

nach den<br />

Sternen!<br />

Style<br />

Models in der Star Wars-Galaxie<br />

Homefitness:<br />

Coole Sport-Accessoires<br />

Design<br />

Möbelmesse Mailand:<br />

Das große Trend-Special<br />

Neue Küchen<br />

zum Dahinschmelzen<br />

Von der Arktis<br />

bis ins All<br />

DER FOTOKÜNSTLER<br />

MICHAEL NAJJAR<br />

Trips<br />

Kieze, Kunst, Kulinarik –<br />

Berlins hippe Szene<br />

Traumhotel an der<br />

Amalfiküste<br />

0 9<br />

4 1 9 3 3 0 5 3 0 9 5 0 6<br />

DAS INTERNATIONALE MAGAZIN FÜR INTERIOR DESIGN UND URBANEN <strong>LIFE</strong>STYLE<br />

<strong>Nr</strong>. 9 – September/Oktober 2022 – 9,50 €


SCHRAMM ORIGINS COMPLETE Juna – Design Sebastian Herkner<br />

Handmade in Germany<br />

schramm-werkstaetten.com


ID-INTERN<br />

Aufgewachsen im Tessin, Studium in Florenz, liegt der<br />

Reise- und Lifestylejournalistin Patricia Engelhorn das<br />

Italienische. Für <strong>IDEAT</strong> hat sie mit Anna Maria Enselmi<br />

gesprochen, die im apulischen Lecce einen Kunstpalast an<br />

Gäste vermietet (ab Seite 160). Wo sich Patricia sonst<br />

in der Welt rumtreibt, lesen Sie auf bolieumagazine.com<br />

Kein Berlin-Besuch ohne Currywurst. Silke Bender, die<br />

eigentlich in Paris als Korrespondentin für Architektur- und<br />

Designmagazine tätig ist, genießt die aufblasbare Variante<br />

in einem See ihrer alten Heimat. Für uns stellt sie zwei spannende<br />

Ausstellungen vor: über neue Materialien im Centre<br />

Pompidou-Metz (Seite 22) und über Lucia Eames (Seite 38).<br />

© JAN VAN ROSSEM, MARTIN ZILLGER, AGI SIMOES, PRIVAT<br />

Seit Verena Brüning mit der Kamera eine Fahrt mit dem<br />

Frachtschiff begleitete, ließ sie das Thema nicht mehr<br />

los. Sie machte erst den Segel-, dann den Bootsführerschein<br />

und wird Ende des Jahres den Atlantik überqueren.<br />

»Ein schöner Ausgleich zu meinem Leben in Berlin«, so die<br />

Fotografin. Ihre Bilder von der Hauptstadt ab Seite 224.<br />

In ungewöhnlicher Doppelfunktion bewies sich Khalil Nouir<br />

während unserer Fashionproduktion Möge die Mode mit<br />

euch sein (ab Seite 138). Der gerade 20-jährige Make-upund<br />

Hairstylist hübschte schon Stars beim Carthage Film<br />

Festival und bei der Tunis Fashion Week auf. Auch als<br />

Stormtrooper machte er eine blendende Figur.<br />

5


ID-EDITORIAL<br />

GRIFF ZU DEN STERNEN<br />

Die deutsche Seele neigt, vorsichtig formuliert, zu einer soliden Defensive. Selbst die weltmeisterlichen<br />

deutschen Kicker konnten sich immer auf herausragende Torhüter und Abwehrer wie Georg<br />

»Katsche« Schwarzenbeck (1974), Klaus »Blutgrätsche« Augenthaler (1990) und Jérôme »Big Foot«<br />

Boateng (2014) verlassen. Die Sorge, dass alles vielleicht doch nicht so gut ist, wie es gerade ist, oder<br />

möglicherweise, eher bestimmt, noch schlechter werden könnte, mündet oft in dem, was in anderen<br />

Ländern und Kulturen gern als »German Angst« bezeichnet wird.<br />

Andererseits gibt es auch Gegenbeispiele. Eines, liebe Leser:innen, Sie ahnen es, haben Sie gerade<br />

vor Augen und lesen sogar darin. Dafür an dieser Stelle den herzlichsten Dank der Redaktion. <strong>IDEAT</strong><br />

hat sich entschieden, chronisch zuversichtlich in die Welt zu blicken. Okay, werden Sie sagen, ist ja<br />

auch leicht, wenn man sich ausschließlich mit schönen Dingen beschäftigt wie Kunst und Design, Foto<br />

und Reise, Style und Architektur, Mode und, und, und … Das will ich zugeben. Aber <strong>IDEAT</strong> sieht nicht<br />

nur das Positive in der Welt. <strong>IDEAT</strong> wagt sich nach einem jetzt gerade mal eineinhalbjährigen Himmelssturm<br />

in neue Sphären. Getreu dem etwas großspurigen James-Bond-Motto »Die Welt ist nicht<br />

genug« heben wir endgültig ab. Aber keine Sorge: nicht im übertragenen Sinne, sondern wörtlich.<br />

Wir haben mit der Ausgabe, die Sie gerade aufgeblättert haben, nichts weniger<br />

als endgültig den Weltraum erobert. Und ganz nebenbei die Spanne von<br />

Urzeit bis in die ferne Zukunft in exklusiven Bildern dokumentiert. Dafür<br />

konnten wir einen der abenteuerlichsten Fotografen für unser Portfolio gewinnen,<br />

Michael Najjar, der atemberaubende Fotos von Raumfahrtexpeditionen<br />

und eruptierenden Vulkanen macht. Fotos, bitte entschuldigen Sie die<br />

abgedroschene, aber hier mehr als zutreffende Formulierung, Fotos wie von<br />

einem anderen Stern. Ebenfalls intergalaktisch hat unser Fotograf Robertino<br />

Nikolic High Fashion inszeniert. Die Models wurden eskortiert von weiß gerüsteten<br />

Stormtroopern, Jawas mit ihren dunklen Kapuzenkutten, und Chewbacca, dem zotteligen<br />

Wookie aus Star Wars. Produziert haben wir an Originaldrehorten im tunesischen Teil der Sahara.<br />

Sehr unwahrscheinlich, sich bei diesen Bildern noch in irdischen Gefi lden zu wähnen.<br />

Wir hoffen, Sie haben auch so eine außerirdische Freude an dieser Ausgabe wie wir beim Produzieren.<br />

Es kann schon passieren, dass Sie so lange darin herumstöbern, bis Sie Sterne sehen. Macht aber<br />

nix. Das ist unser kosmischer Plan.<br />

Möge die Freude mit Ihnen sein!<br />

Herzlichst<br />

Jan van Rossem<br />

6


© PAULO MARIOTTI ART<br />

Eine Szene, der ziemlich wenig an perfekt fehlt: Einen Sundowner auf einer Luxusjacht vor atemberaubender Kulisse genießen – viel mehr geht nicht. Außer<br />

vielleicht, einen solchen Traum wahr werden zu lassen. Das ginge – theoretisch – mit der neuen Jacht von Benetti mit Interieur von Giorgetti (ab S. 54).<br />

7


4 1 9 3 3 0 5 3 0 9 5 0 6<br />

0 9<br />

INHALT<br />

September / Oktober 2022<br />

Österreich: 10,50 € / Schweiz: 15,20 SFR / Luxemburg: 10,90 € / Italien: 12,80 € / Spanien: 12,80 €<br />

Style<br />

Models in der Star Wars-Galaxie<br />

Homefitness:<br />

Coole Sport-Accessoires<br />

Design<br />

Möbelmesse Mailand:<br />

Das große Trend-Special<br />

Neue Küchen<br />

zum Dahinschmelzen<br />

Trips<br />

Kieze, Kunst, Kulinarik –<br />

Berlins hippe Szene<br />

Traumhotel an der<br />

Amalfiküste<br />

Wir greifen<br />

nach den<br />

Sternen!<br />

Von der Arktis<br />

bis ins All<br />

DER FOTOKÜNSTLER<br />

MICHAEL NAJJAR<br />

DAS INTERNATIONALE MAGAZIN FÜR INTERIOR DESIGN UND URBANEN <strong>LIFE</strong>STYLE<br />

<strong>Nr</strong>. 9 – September/Oktober 2022 – 9,50 €<br />

UNSER COVER<br />

Bekennt Farbe:<br />

Der Designer Martin<br />

Holzapfel hat im<br />

Wohn- und Arbeitszimmer<br />

seiner Jugend -<br />

stilwohnung in Berlin<br />

den Barschrank<br />

Fontaine, die Schreibtische<br />

Bureau und<br />

die Beistelltische Rally<br />

gefertigt. Mehr seiner<br />

bunten Wohnwelt<br />

sehen Sie ab Seite 186.<br />

© HELENIO BARBETTA<br />

26<br />

SERVICE<br />

05 ID-INTERN<br />

06 ID-EDITORIAL<br />

14 IMPRESSUM<br />

16 ID-LESERUMFRAGE<br />

250 ABO-PRÄMIEN<br />

<strong>CONTEMPORARY</strong> NEWS<br />

ID-NEWS DESIGN<br />

20 Kreiert Objekte voller Emotionen: Ini Archibong<br />

22 Das Centre Pompidou-Metz begeistert mit Design,<br />

das von Flora und Fauna inspiriert ist<br />

24 Die Zeit ist reif für Finn Juhls Whisky Chair<br />

ID-NEWS TREND<br />

26 Farbe der Saison: Blau à la Yves Klein<br />

ID-NEWS ENTDECKUNG<br />

32 Modedesignerin Ann Demeulemeester entwirft jetzt Interior<br />

34 Hingucker: textile Drucke als Wandbehänge<br />

ID-NEWS ART<br />

36 Luxemburgs Mudam zeigt die Multimediawelt von Tacita Dean<br />

38 Lucia Eames’ berührende Kunst aus Papier und Metall<br />

40 Er forscht, fi lmt, fotografi ert – jetzt sind die Arbeiten von Julian<br />

Charrière über die Ausbeutung des Planeten in Neuss zu sehen<br />

ID-NEWS COMPANY<br />

42 Interview mit Lars Lyse, CEO der dänischen Marke Bolia<br />

ID-NEWS FASHION<br />

44 Hommage in Den Haag: Couturier Cristóbal Balenciaga<br />

ID-NEWS FOTO<br />

50 Das MoMA widmet Wolfgang Tillmans eine Einzelausstellung<br />

ID-NEWS SHOPPING<br />

52 Alles, nur nicht Silber: 15 Tabletts<br />

44<br />

36<br />

© COURTESY OF THE ARTIST AND MARIAN GOODMAN GALLERY/REBECCA FANUELE, PIERRE EVEN, PR<br />

8


colored<br />

by LIGHT<br />

Exklusivdiele Eiche Woodstock Naturgetrocknet | Lassen Sie sich von uns inspirieren<br />

Wuppertal | Köln | Krefeld | Dortmund | Hamburg | www.parkett-dietrich.de


ID-INHALT<br />

68<br />

88<br />

ID-NEWS MOBIL<br />

54 Leinen los für die hybridbetriebene Luxusjacht von Benetti<br />

ID-NEWS TECHNIK<br />

56 Von der Kaffeemaschine bis zum Katzenklo:<br />

Hightech, die den Haushalt macht<br />

ID-NEWS TABLE<br />

58 Magisches Madrid: Das Torcuato verzaubert seine Gäste<br />

ID-NEWS HOTEL<br />

60 Erlebnis der Extraklasse: das Botanic Sanctuary Antwerpen<br />

ID-NEWS BÜCHER<br />

64 Tipps für Traveller, Interior-Inspirationen, ein Comic-<br />

Kultbuch, aufregende Fashion-Kampagnen und mehr<br />

<strong>CONTEMPORARY</strong> PICTURES<br />

ID-PORTFOLIO<br />

68 Gigantisch, galaktisch, großartig: die Bilder des<br />

deutschen Fotokünstlers Michael Najjar<br />

<strong>CONTEMPORARY</strong> DESIGN<br />

ID-MAILAND<br />

88 Eine 20-seitige Reise in die wunderbare Welt des Salone<br />

del Mobile – ein Fest der Farben, Formen und Fantasie!<br />

ID-DESIGN KÜCHEN<br />

108 Holz oder Naturstein, farbig oder metallisch: Es gibt viel<br />

Neues über den Lieblingsplatz Nummer eins zu berichten<br />

ID-KULTBAU<br />

128 Die BMW-Zentrale feiert ihr 50-jähriges Jubiläum<br />

ID-KOLUMNE<br />

134 Alte Liebe rostet nicht, das gilt auch für ein Motorrad<br />

<strong>CONTEMPORARY</strong> STYLE<br />

108<br />

138<br />

ID-FASHION<br />

138 Laufsteg? Wie langweilig! Viel spannender ist die<br />

Wüste Tunesiens, wo Models an den Originaldrehorten<br />

von Star Wars die Entwürfe von morgen präsentieren<br />

© ROBERTINO NIKOLIC, ANDREAS OMVIK, MICHAEL NAJJAR: POSTHUMAN WAVES, PR<br />

10


Alma Hasun and Mads Mikkelsen<br />

illuminated by Mito sospeso.<br />

Watch the movie on occhio.com


ID-INHALT<br />

ID-<strong>LIFE</strong>STYLE & STYLE<br />

154 Mit coolen Fitnessgeräten und lässiger Sportmode werden<br />

selbst Couch-Potatos zu Champions<br />

168<br />

ID-ENTDECKUNG<br />

160 Apulien anders: ein Kunst- und Designpalast als Ferienhaus<br />

ID-DESIGN OUTDOOR<br />

168 Diese Sessel, Tische, Poufs … müssen an die frische Luft!<br />

ID-FOKUS<br />

174 Das Thema Essen in Kunst, Design, Mode und Food<br />

<strong>CONTEMPORARY</strong> HOME<br />

HOME 1<br />

186 Berlin: Gegen das Grau vor der Tür bringt Designer Martin<br />

Holzapfel die Räume mit leuchtenden Farben zum Strahlen<br />

HOME 2<br />

196 Bei Como: ein Haus am See, das mit viel Glas, Geothermie,<br />

Solarkollektoren und einer Kakteensammlung beeindruckt<br />

HOME 3<br />

206 Paris: Wie man mit Möbeln vom Flohmarkt seine Wohnung<br />

schick und individuell gestaltet, zeigt Gilbert Kann<br />

HOME 4<br />

214 Rom: Der Diplomat Alfonso Tagliaferri ließ sich ein Apartamento<br />

herrichten, das sein Nomadenleben widerspiegelt<br />

<strong>CONTEMPORARY</strong> TRIPS<br />

ID-URBAN SPIRIT BERLIN<br />

224 Pünktlich zur Art Week Mitte September präsentiert die<br />

Hauptstadt viele spannende Newcomer in Sachen Kunst,<br />

Kulinarik und Trendkieze<br />

ID-URBAN SPIRIT INFO<br />

234 Von Restaurantentdeckungen über außergewöhnliche Hoteleröffnungen<br />

bis zu Kulturevents: Der Herbst gehört Berlin!<br />

ID-CITYTRIP<br />

238 Die wunderbare Verwandlung von Downtown L.A.<br />

ID-HOTSPOT<br />

246 Das Hideaway Borgo Santandrea punktet mit Traumlage an<br />

der Amalfiküste und Gio Pontis Mid-Century-Ikonen<br />

VILLAGE PEOPLE<br />

252 Weltenbummler Remo Masala hat zwar seine Designagentur<br />

in Berlin, ist aber ein Großteil des Jahres on tour<br />

VG Bild-Kunst, Bonn 2022: Cover: Jürgen Eisenacher (o. T., Zeichnung auf Papier, blauer<br />

Buntstift, 2021; Planet, 2021; Pilz, 2021; Grüne Berge, 2021), Seite 225: Joan Jonas (Deckenkunst<br />

Draw on the wind, 2018; Bilderserie Too Busy Bees V, 2014; They come to us without a<br />

word X, 2013); Seite 230: Thierry Noir (Festival of Lights, Berlin 2021, Lichtkunst); Seite 230:<br />

Hans Peter Feldmann (11 Horizons); Seite 232: OMA Architekten/Rem Kohlhaas (KaDeWe<br />

Treppe Berlin); Seite 237: Johannes Itten (Geschäft Erich Hamann, Berlin); Seite 236: George<br />

Grosz (American Couple, 1932; Das kleine Grosz Museum); Seiten 207–2012: Les Simonnet<br />

(bunte Tischskulptur in der Homestory Kann & Misia); Seiten 187–195: Jürgen Eisenacher in<br />

der Homestory Martin Holzapfel (Seite 187: o. T., Aquarell auf Papier, 2018; Konfetti, 2022; Taube,<br />

2016; Schaf, 2016; Esel, 2016; Seite 188: Kegelhund, 2014; Seite 190: o. T., Acryl auf Holz, 2020;<br />

Twins (Fliegenpilze), 2020; Vulkan, 2020; Südstaaten Terrier, 2014; Seite 191: Geist, vorgefertigte<br />

Madonnenfigur aus Gips, 2008; o. T., Zeichnung auf Papier, 2021; Pudeltorte, 2015; La Bourbon,<br />

2019; Seiten 192/193: o. T., Zeichnung auf Papier, 2021; Planet, 2021; Pilz, 2021; Grüne Berge, 2021;<br />

Pepita, 2021; Hubbles, 2021; Seite 194: Loser, 2019; Seite 195: Grau, 2010; Porno Boy on Boy, 1998);<br />

Seite 164: David Tremlett (Fresko in der Homestory Palazzo Luce); Seiten 40–41: Julian Charrière<br />

(An Invitation To Disappear, Bengkulu, 2018; Pure Waste, 2021; Videostill, Controlled Burn, 2022);<br />

Seite 44: Henry Clarke (Stella Oakes in Balenciaga suit, 1951, Palais Galliera)<br />

224<br />

196<br />

© VERENA BRÜNING, HELENIO BARBETTA/LIVING INSIDE, DANILO SCARPATI/LIVING RCS<br />

12


A personal living experience.<br />

Teatro Magico table, design 967Arch<br />

Ola chair, design Team Saba Project<br />

sabaitalia.com


GOOD <strong>LIFE</strong> Publishing GmbH, Borselstraße 18, 22765 Hamburg<br />

Tel. +49 40 39 86 330. magazin@ideat.de. www.ideat.de<br />

Publisher: Christian Peters. christian.peters@ideat.de<br />

Editor-in-Chief: Jan van Rossem. jan.vanrossem@ideat.de<br />

Senior Editor: Camilla Péus. camilla.peus@ideat.de<br />

Senior Editor: Andrea Bierle. andrea.bierle@ideat.de<br />

Editor-at-Large: Christian Krug. christian.krug@ideat.de<br />

Managing Editor: Roswitha Knye. roswitha.knye@ideat.de<br />

Art Director: Petra Wehling. petra.wehling@ideat.de<br />

Layout: Sandra Klostermeyer. sandra.klostermeyer@ideat.de<br />

Bildredaktion: Sandra Hassfeld. sandra.hassfeld@ideat.de<br />

Volontär: Felix Bürner. felix.buerner@ideat.de<br />

Social Media: Julia Ramrath. julia.ramrath@ideat.de<br />

Creative Consultant: Robertino Nikolic<br />

Lektorat: Katharina Harde-Tinnefeld. katharina.harde-tinnefeld@ideat.de, Kathrin Kunterding. kathrin.kunterding@ideat.de<br />

Editorial Assistant: Mandy Tessmann. mandy.tessmann@ideat.de<br />

MITARBEITER DIESER AUSGABE<br />

Autoren: Silke Bender, Caroline Blanc, Beate Boehm-Gawantka, Till Briegleb, Chiara Dal Canto, Patricia Engelhorn, Maja Groninger, Christian Krug,<br />

Natali Michaely, Maïa Morgensztern, Eva Müller-May, Nadine Najjar, Tina Schneider-Rading, Phil Schreyber, Tatjana Seel, Christian Tröster<br />

Fotografen: Helenio Barbetta/Living Inside, Xavier Bejot, Verena Brüning, Serena Eller, Michael Najjar, Robertino Nikolic, Danilo Scarpati/Living RCS<br />

Stylisten: Shima Salamat Khazei, Khalil Nouir (Hair &Make-up), Daria Pandolfi<br />

Models: Sterline Derisier (Cover Paris), Ann-Sophie Braun (MIHA Modelmanagement)<br />

Illustratoren: Le Duo, Paulo Mariotti<br />

SALES & BRAND<br />

anzeigen@ideat.de<br />

Director Sales & Brand: Katharina Struve. katharina.struve@ideat.de. Tel.: +49 170 94 62 367<br />

Sales Agent: Kirsten Fischer. kirsten.fischer@ideat.de<br />

Italien: Jean Pierre Bruel. medias@medias-international.it<br />

Frankreich: Anke Blagogee. anke@ankeblagogee.de<br />

Spanien: Olga Martinez. olga.martinez@aboutim.es<br />

VERLAG<br />

Kontakt: Borselstraße 18, 22765 Hamburg. Tel. +49 40 39 86 330. magazin@ideat.de. www.ideat.de<br />

<strong>IDEAT</strong> Service und Abonnements: Tel. +49 40 39 86 33-98. abo@ideat.de<br />

Litho: Mohn Media, Carl-Bertelsmann-Straße 161 M, 33311 Gütersloh<br />

Druck: Neef + Stumme GmbH, Schillerstraße 2, 29378 Wittingen<br />

Vertrieb: MZV GmbH & Co. KG, Ohmstraße 1, 85716 Unterschleißheim. info@mzv.de. Tel. +49 89 319 06-0<br />

<strong>IDEAT</strong> FRANCE<br />

Founder, Publication Director, Chief Editor: Laurent Blanc<br />

Editor-in-Chief: Vanessa Chenaie<br />

Chief Financial Officer: Franck Baron International Sales Director: Ana Matut<br />

Licenses, Rights & Digital Brand Content Manager: Camille Cornaglia<br />

Lizenznehmer von <strong>IDEAT</strong> Éditions, The Good Company SAS<br />

<strong>IDEAT</strong> ÉDITIONS<br />

12–14, rue Jules-César, 75012 Paris, France<br />

14


EDGY BY BRETZ<br />

ALEXANDER-BRETZ-STR. 2 D-55457 GENSINGEN TEL . 06727-895- 0 INFO@BRETZ.DE BRETZ.DE<br />

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HALLPLATZ 37 NÜRNBERG KÖNIGSBAU PASSAGEN STUTTGART SALZGRIES 2 WIEN


ID-LESERUMFRAGE<br />

Zum Fragebogen gelangen Sie über diesen QR-Code oder diesen Link: www.iqsn.de/L1/ideat


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bahnbrechenden modernen Vision bis hin zum gewagten zeitgenössischen<br />

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1966 Warren Platner<br />

Architekt und Möbeldesigner<br />

2022 Platner Kollektion<br />

Photo: Gionata Xerra


Contemporary News<br />

Notizen aus der Kultur


Guggenheim<br />

(Bilbao)<br />

Tate Modern<br />

(London)<br />

MAC<br />

(Rio de Janeiro)<br />

Centre Pompidou<br />

(Paris)<br />

TIMA<br />

(Imabari/Japan)<br />

Palazzo Grassi<br />

(Venedig)<br />

New Museum<br />

(New York)<br />

Elbphilharmonie<br />

(Hamburg)<br />

Guggenheim<br />

(New York)<br />

© LE DUO


ID-NEWS DESIGN<br />

»Meine Lichtskulpturen<br />

sind in Zusammenarbeit<br />

mit den Glasbläsern<br />

in Murano entstanden:<br />

Ich habe ein Gefühl an<br />

sie weitergegeben, das sie<br />

mit ihren Händen<br />

umsetzten. Das Ergebnis<br />

sind Objekte voller<br />

Emotionen.«<br />

Ini Archibong<br />

© FRANCK JUERY<br />

20


Mann des Kunsthandwerks<br />

Produkte herzustellen, die helfen, »der täglichen<br />

Realität zu entfliehen« – mit diesem Credo hat Ini<br />

Archibong Erfolg: bei Uhren für Hermès, die er<br />

kurz nach seinem Abschluss an der Kunsthochschule<br />

ECAL entwarf, und jüngst mit dem Pavillon<br />

der London Design Biennale in Form einer Seeschnecke.<br />

Jetzt schuf der nigerianisch-kalifornische<br />

Kreative, der in der Schweiz lebt, die Leuchte<br />

Gaea aus graviertem und geätztem Muranoglas für<br />

die Luxusmarke Sé: »Ein Produkt, das Maschinen<br />

nie reproduzieren könnten«, so Ini Archibong.<br />

designbyini.com, se-collections.com


ID-NEWS DESIGN<br />

Von Pfauen, Flügeln und Zungen<br />

Von Silke Bender<br />

Von der formalen Nachahmung bis zum Biodesign:<br />

Eine Ausstellung im Centre Pompidou-Metz zeigt, wie die Natur<br />

unsere Designgeschichte prägt und in die Zukunft führt<br />

Alvar Aalto machte es bereits Anfang der 1920er-Jahre vor: Er bog<br />

eine sanft geschwungene Chaiselongue aus Birkenholz, die sich wie<br />

ein Stück Rinde an den Körper schmiegte, mitsamt ihrer ast-ähnlich<br />

gewölbten Lehnen. Der finnische Architekt und Designer gilt als Pionier des<br />

organischen Designs, der die Beziehung zwischen Mensch und Natur in den<br />

Mittelpunkt rückte. Auch Eero Saarinen entwarf um 1955 den Tulip Chair,<br />

um der »hässlichen und unruhigen Welt« zwischen Tisch- und Stuhlbeinen<br />

etwas entgegenzusetzen. Arne Jacobsen kreierte den berühmten geflügelten<br />

Swan Chair und Pierre Paulin den Tongue Chair, eine Popikone, revolutionär<br />

anders, knallorange und gewellt wie eine schnalzende Zunge. Der Japaner<br />

Tokujin Yoshioka nimmt sich Kristalle zum Vorbild, Ross Lovegrove Korallen.<br />

Und heute? Ist das Präfix »Bio« in Design und Architektur so aktuell<br />

wie nie: Die zukunftsweisendsten Entwürfe nutzt die Biofabrikation, bei der<br />

Mikroorganismen neue Materialien generieren. Designer treten einen Schritt<br />

zur Seite und lassen die Natur mittels 3-D-Drucker komplex simulieren. Dabei<br />

stehen nachhaltige, leicht abbaubare Materialien im Fokus: Das niederländische<br />

Studio Klarenbeek & Dros etwa druckt Stühle aus Pilzmyzel sowie Geschirr<br />

aus Algen und Zucker. Mit 400 solcher von Flora und Fauna inspirierten<br />

Objekte lässt die Ausstellung Mimesis über 100 Jahre Designgeschichte Revue<br />

passieren und schaut gleichzeitig nach vorn: in eine Zukunft, in der Biologie<br />

und Computertechnologie zu Gestaltern der Gegenwart werden.<br />

Wie ein stolzer Pfau:<br />

Der Peacock Chair (1960)<br />

von Verner Panton passt<br />

sich an die Sitzbedürfnisse<br />

des Benutzers an:<br />

Der schalenförmige Aufsatz<br />

kann sowohl separat<br />

auf dem Boden stehen<br />

als auch an der Decke<br />

aufgehängt werden; die<br />

sieben Kissen sind lose.<br />

Mimesis –<br />

A Living Design<br />

Centre Pompidou-Metz,<br />

1 parvis des Droits-del’Homme,<br />

57000 Metz,<br />

bis 06.02.2023.<br />

centrepompidou-metz.fr<br />

© VERNER PANTON DESIGN AG/BASLE AND AUTHORS/CENTRE POMPIDOU/MNAM-CCI/BERTRAND PRÉVOST/DIST. RMN-GP<br />

22


© JORIS LAARMAN/CENTRE POMPIDOU/MNAM-CCI/DIST. RMN – GRAND PALAIS/PHILIPPE MIGEAT, YMER &M ALTA/BENJAMIN GRAINDORGE/CENTRE POMPIDOU/MNAM-CCI/PHILIPPE MIGEAT/DIST. RMN-GP, ADAGP/PARIS 2022/CENTRE POMPIDOU, MNAM-CCI/<br />

GEORGES MEGUERDITCHIAN/DIST. RMN-GP, FABRICE DALL’ANESE, PIERRE PAULIN/CENTRE POMPIDOU/MNAM-CCI/BERTRAND PRÉVOST/DIST. RMN-GP<br />

1<br />

2<br />

3<br />

4 5<br />

1/ Aus dem 3-D-Printer: Der kupferbeschichtete<br />

Adaptation Chair (2015) des Niederländers Joris<br />

Laarman ahmt Blüten- und Aststrukturen nach.<br />

2/ Metamorphose: Die Bank Fallen Tree (2011) aus<br />

Eiche und Borosilikatglas von Benjamin Graindorge<br />

für die Pariser Designgalerie Ymer&Malta ist Metapher<br />

und Skulptur zugleich. 3/ Wie ein zarter Flügel<br />

aus hartem Stahl: Serge Mouilles Monotype<br />

Sculpture (1951–56). 4/ Kreuzung einer Renaissancegrotte<br />

und einer barocken Kapelle: Die Architekten<br />

Michael Hansmeyer und Benjamin Dillenburger ließen<br />

die grotesken Formationen der Grotto II (2017)<br />

aus einem Sand-Farb-Mix von einem 3-D-Drucker<br />

ausspucken. 5/ Ihm lag’s auf der Zunge: Der Sessel<br />

577 von Pierre Paulin, auch bekannt als Tongue<br />

Chair (1967), ist eine Popikone – und dazu ergonomisch,<br />

bequem und stapelbar.<br />

23


ID-NEWS DESIGN<br />

Holzig, malzig, mit Rauchnoten<br />

Von Maja Groninger<br />

1 2<br />

Weil er für das Dänemark der späten 1940er-Jahre zu<br />

extravagant war, ging Finn Juhls Whisky Chair nie in Produktion.<br />

Heute ist die Zeit endlich reif für den edlen Sessel.<br />

Ein Sessel für wohlhabende Spirituosenliebhaber im fortgeschrittenen<br />

Alter – ist so ein Möbel nicht ein Anachronismus? Tatsächlich eckte<br />

der Whisky Chair bereits 1948 an, als der junge dänische Designer<br />

Finn Juhl ihn auf der Schreinerausstellung in Kopenhagen präsentierte. Mit<br />

seinem faltbaren Messingtablett für ein Glas Hochprozentiges suggerierte er<br />

genussvollen Müßiggang und stand so gar nicht im Einklang mit dem damaligen<br />

dänischen Denken und Design. Denn das war grundlegend demokratisch<br />

und richtete sich nicht an reiche Eliten, sondern an die breite Masse.<br />

Selbst Hans Henrik Sørensen, Mitbegründer von House of Finn Juhl, nennt den<br />

Whisky Chair zu seiner Zeit tendenziell politisch inkorrekt: »In gewisser Weise<br />

sagt der Sessel alles, was man über Finn Juhl wissen muss. Er entwarf frei, ohne<br />

viel über kommerzielle Aspekte nachzudenken. Seine Entwürfe waren zwar<br />

immer funktional, oft aber exklusiv und sicher nicht für jedermann erschwinglich.<br />

Darum wurde der Whisky Chair zu Juhls Lebzeiten nie hergestellt, sondern<br />

blieb eine Randnotiz im sozialdemokratischen Dänemark der 40er-Jahre.« Jetzt<br />

aber hat er seinen Auftritt. Und spätestens nach dem ersten Schluck eines mit<br />

Torf geräucherten Single-Malt-Whiskys sind sein stattlicher Preis sowie jegliche<br />

Bedenken, unangenehm extravagant aufzufallen, vergessen.<br />

1/ Der Designer im<br />

Chieftain Chair (1949)<br />

vor seinem Haus bei<br />

Kopenhagen. 2/ Originalaquarell<br />

des Whisky<br />

Chair von 1948 (damals<br />

Kaminstuhl genannt).<br />

Rechte Seite Der Sessel<br />

war einst Teil von Finn<br />

Juhls Konzept »Das Wohnzimmer<br />

eines Kunstsammlers«.<br />

Jetzt gibt es<br />

ihn aus Walnuss mit<br />

Leder- oder Textilpolsterung<br />

in den Tönen Dark<br />

Conifer und Mojave.<br />

Die ersten 250 Whisky<br />

Chairs sind nummeriert,<br />

inklusive Whiskyglas und<br />

Single-Malt-Whisky der<br />

dänischen Destillerie<br />

Stauning. Ca. 9800 Euro.<br />

finnjuhl.com<br />

© HOUSE OF FINN JUHL, PERNILLE KLEMP/DESIGNMUSEUM DANMARK<br />

24


© HOUSE OF FINN JUHL<br />

25


ID-NEWS TREND<br />

Das Werk Ant 125 schuf<br />

Yves Klein bei einer<br />

Performance 1960, in<br />

der er mit blauer Farbe<br />

bemalte Models über<br />

den Malgrund zog. Nun<br />

gibt es die Reproduktion<br />

in Tapetenform,<br />

ca. 1733 Euro pro Set<br />

(Pierre Frey).<br />

Blaues Wunder<br />

Ob hier Yves Klein posthum seine Hände im Spiel hatte? Neuerdings strahlen<br />

Stühle, Sofas, Teppiche und Teller in so intensivem Blau, als hätte er sie<br />

allesamt mit seiner Lieblingsfarbe übergossen. Der Künstler jedenfalls würde<br />

sich an dem aktuellen Trend sicher sehr erfreuen!<br />

Von Camilla Péus<br />

© PIERRE FREY<br />

26


1<br />

2<br />

2<br />

3<br />

4<br />

5<br />

© PR<br />

1/ Windlicht Lucie azure aus blauem Borosilikatglas, ca. 35 Euro (Stelton). 2/ Windbreaker mit Kapuze und Majolika-Print, ca. 1250 Euro (Dolce & Gabbana).<br />

3/ Skulpturaler Hocker Fels aus massiver Esche, inspiriert von Abbruchkanten in Marmorsteinbrüchen, ca. 590 Euro (Objekte unserer Tage). 4/ Keramikservice<br />

Feast, entworfen von dem bekannten israelisch-britischen Koch Yotam Ottolenghi, Speiseteller ab ca. 19 Euro (Serax). 5/ Neuauflage des Kultsofas<br />

Le Bambole von Mario Bellini. Die Ursprungsversion von 1972 wurde komplett überarbeitet und nachhaltig gefertigt, ca. 7560 Euro (B&B Italia).<br />

27


ID-NEWS TREND<br />

Spielt mit Licht und<br />

Schatten: Glas-Beistelltisch<br />

Sol Side Table in<br />

Royalblau vom spanischen<br />

Designerduo<br />

Ortega Guijarro, ca.<br />

1190 Euro (Classicon).<br />

© ELIAS HASSOS/CLASSICON<br />

28


3<br />

1<br />

2<br />

4<br />

6<br />

7<br />

5<br />

8<br />

9<br />

© PR<br />

1/ Stuhl Azul von Paola Navone, Preis a. A. (Turri). 2/ Teppich Car Park blue mit Reifenspuren aus Wolle und Seide von Odd Matter (cc-tapis). 3/ Sessel Pond,<br />

ca. 1355 Euro, und Vase Mime, ca. 200 Euro (Broste Copenhagen). 4/ Art-Ring Lapis Lazuli, ca. 545 Euro (Märta Larsson). 5/ Stuhl Petit Standard von Daniel<br />

Rybakken, ca. 330 Euro (Hay). 6/ Couchtisch Guna aus emailliertem Stein, ca. 750 Euro (Gervasoni). 7/ Lounger Ola aus Memoryschaum, ca. 2290 Euro<br />

(Objekte unserer Tage). 8/ Modulsofa Blocks von Neri&Hu, Preis a. A. (Wittmann). 9/ Nachttisch Drift im Farbton Monarch, ca. 830 Euro (Montana).<br />

29


ID-NEWS TREND<br />

1<br />

2<br />

3<br />

4<br />

5<br />

6<br />

7<br />

8<br />

1/ Spiegel Friedrich, ca. 700 Euro (Objekte unserer Tage). 2/ Glas-Beistelltisch Miya von Elena Salmistraro, Preis a. A. (Cappellini). 3/ Stuhl Neil Denim von Jean-<br />

Marie Massaud, bezogen mit edlem Jeansstoff von Jacob Cohën, ca. 742 Euro (MDF Italia). 4/ Beistelltisch Klaar, ca. 1290 Euro (Leolux). 5/ Daybed<br />

Marlon, ca. 6100 Euro (Dooq). 6/ Kristallcreolen Lucent, ca. 300 Euro (Swarovski). 7/ Gefäße In The Clouds aus geschliffenem Glas vom New Yorker Gestal ter<br />

Jonathan Hansen, Gefäße ab 195 Euro (jonathan-hansen.com). 8/ Glastisch Cosmic von Raw-Edges, ca. 42 000 Euro, Serie Objets Nomades (Louis Vuitton).<br />

© PR<br />

30


© ARPER/SALVA LOPEZ<br />

Das Sofa Shaal von<br />

dem Designerpaar<br />

Nipa Doshi und<br />

Jonathan Levien<br />

schwebt in einer<br />

Holzspange knapp<br />

über dem Boden,<br />

ca. 5990 Euro (Arper).<br />

31


ID-NEWS ENTDECKUNG<br />

Des Sofas neue Kleider<br />

Von Phil Schreyber<br />

Ann Demeulemeester, Star der Antwerpener Modeszene,<br />

entwirft mit ihrem Partner, dem Fotografen Patrick Robyn, Möbel<br />

und Accessoires. Entstanden sind innovative Interieur-Ideen.<br />

Die Aufgabe, ein wirklich neuartiges Sofa zu entwerfen, gestaltet sich<br />

in jeder Hinsicht schwierig: formal, konstruktiv, dekorativ. Alles ist<br />

schon mal da gewesen: breite Armlehnen, schmale, gar keine, Sitztiefe<br />

mehr oder weniger, hohe Rückenlehne oder niedrige – alles mehrfach<br />

auf dem Markt. Da braucht es schon eine Sicht von außen, um dem gemütlichen<br />

Sitzplatz eine Prise Innovation einzuhauchen. Eine Art Mission Impossible,<br />

wie gemacht für Ann Demeulemeester und Patrick Robyn. Sie eine<br />

überaus erfolgreiche Modemacherin, er Fotograf mit Gespür für Interieur<br />

und Sinn für technische Details.<br />

Das Ergebnis (siehe oben) kann sich mehr als sehen lassen, wenn auch eher<br />

auf den zweiten Blick – und zwar von hinten. Auf den ersten Blick sind Sitzund<br />

Rückenpolster zu sehen, die von einem soliden Holzgestell gehalten werden.<br />

Typisch belgischer Minimalismus. Denkste! Mit großem Aufwand und<br />

höchster Präzision hat das Team das Sitzpolster so konzipiert und bezogen,<br />

dass es auf der Rückseite zwei Aussparungen hat, die stabile Holzpflöcke<br />

umschließen. So ist die Sitzfläche rutschfest und das Möbel bietet von der<br />

Rückseite einen optischen Überraschungseffekt.<br />

Die Bezugsstoffe sind, da kommt noch die Modedesignerin durch, fein und<br />

strapazierfähig, farblich gedeckt bis überraschend auffällig. Ganz im Gegensatz<br />

zu den meist schwarzen Kollektionen ihres Fashionlabels, das sie mittlerweile<br />

verkauft hat, um sich anderen Dingen zu widmen. Interieur zum<br />

Beispiel. Neben dem neuen Sofa bietet das Label Serax Ann-Demeulemeester-<br />

Tische mit integrierten Leuchten, Vasen, die ebenfalls leuchten – und eine<br />

atemberaubende Tableware-Serie, mit der vor ein paar Jahren die inspirierende<br />

Kooperation begann.<br />

Schlicht auf den<br />

ersten Blick, aber<br />

nicht unaufwendig:<br />

Das Liegepolster des<br />

Daybeds Beth ist<br />

unverrutschbar dank<br />

der Polsteraussparungen,<br />

die sich um<br />

stabilisierende Holzpflöcke<br />

schmiegen.<br />

SERAX<br />

serax.com<br />

© VICTOR ROBYN<br />

32


1<br />

2 3 4<br />

1/ Ann Demeulemeester ist bekannt geworden als Topmodedesignerin<br />

in Antwerpen. 2/ Ihr Partner Patrick<br />

Robyn. Die beiden kennen sich seit ihrem 16. Lebensjahr.<br />

3/ und 4/ Leuchtende Beispiele der neuen Kollektion sind<br />

die Vasen Lys 3 (links) und Lara sowie der Tisch Stella.<br />

Alle Objekte glänzen dank integrierter Lichtquellen und<br />

geben auch im Dunkeln ein gutes Bild ab. 5/ Das Konstruktionsprinzip<br />

der Liege Beth (linke Seite) funktioniert<br />

auch beim Sessel Ono 1. Viel Wert wurde auch auf die<br />

Qualität und Farben der Bezugsstoffe gelegt.<br />

© VICTOR ROBYN<br />

5


ID-NEWS ENTDECKUNG<br />

Neue Masche<br />

Von Maja Groninger<br />

1 2 3<br />

Wo hört Objektgestaltung auf, wo beginnt Kunst? Mit<br />

den Wandbehängen Risk Knit und neuen Pixel-Prints balanciert<br />

Designer Erwan Bouroullec gekonnt auf der Grenze.<br />

Sich überlappende Flächen, mal dezent grafisch, mal 3-D-artig: Erwan<br />

Bouroullecs jüngste Entwürfe setzen abstrakte Programmierung in<br />

textile Haptik um. Die Muster der Wandbehänge Risk Knit werden<br />

am Rechner generiert, von dem dänischen Label Kvadrat aus Wolle in Gelb-,<br />

Blau- oder Rottönen gestrickt und von The Wrong Shop (Onlineplattform<br />

für Drucke renommierter Gestalter, gegründet von Designer und Unternehmer<br />

Sebastian Wrong) vertrieben. Bouroullec – Typ zerstreuter Professor – erklärt<br />

seine Idee so: Stricken und Programmieren seien sich ähnlicher, als man<br />

denkt. Wie Garnschlaufen, die sich verbinden und robuste, aber dennoch flexible<br />

Schnittstellen bilden, funktionieren eben gleichermaßen Computercodes.<br />

Die finden sich auch in seiner neuen Druckserie The Impossible wieder,<br />

stark verpixelten Ausschnitten ländlicher Szenerien. Bei beiden Projekten<br />

geht es Bouroullec, dessen Großeltern Bauern in der Bretagne waren, um das<br />

Verhältnis von Mensch und Natur: »Für mich ist Landschaft dort, wo sich<br />

menschliche Präsenz und Natur überschneiden. Ich suche die Eindrücke, die<br />

sich daraus ergeben.« Nun ja, interessant und ästhetisch sind die Gewebe<br />

und Drucke, die wie verwobene Papierstreifen wirken, in jedem Fall. Und<br />

auf die Frage »Ist das Kunst?« folgt die Gegenfrage: »Ist das wichtig?«.<br />

1/Die Muster der aus<br />

Wolle gestrickten<br />

Tapisserien Risk Knit<br />

entstehen am Computer.<br />

2/ Designer und Denker:<br />

Erwan Bouroullec interessiert<br />

das Verhältnis<br />

von Mensch und Natur.<br />

3/Auch seine Serie<br />

limitierter Drucke mit<br />

Titeln wie The Donkey<br />

und Replanted Fir setzt<br />

Codes in Kunst um: Sie<br />

ist inspiriert von seiner<br />

Kindheit auf dem Land.<br />

Rechte Seite Die drei<br />

Farbversionen von<br />

Risk Knit sind auf je<br />

100 Exemplare limitiert.<br />

Risk Knit, ca. 1350 Euro.<br />

The Impossible,<br />

ca. 710 Euro.<br />

thewrongshop.co.uk<br />

© THE WRONG SHOP, STUDIO BOUROULLEC<br />

34


© THE WRONG SHOP<br />

35


ID-NEWS ART<br />

Der Zufall als Assistent<br />

Von Camilla Péus<br />

1<br />

Real oder erfunden? Vergangen oder gegenwärtig? Original<br />

oder manipuliert? Im Mudam Luxembourg inszeniert die britische<br />

Multimediakünstlerin Tacita Dean ihre komplexe Welt.<br />

Beim Fotografieren oder Zeichnen lauert Tacita Dean auf das Ungeplante:<br />

»Ob du nun mit Farbe, Kreide oder Film oder womit auch immer<br />

arbeitest – du weißt, dass das Medium selbst dir mitunter etwas vollkommen<br />

Unerwartetes schenkt, etwas weit Besseres, als du beabsichtigt hast.«<br />

Thematisch fasziniert sie dabei der Lauf der Zeit. Für das Hauptwerk ihrer Soloschau<br />

in Luxemburg unternahm sie eine Reise vom Negativen ins Positive:<br />

Inspiriert von Dante Alighieris Göttlicher Komödie und dem Weg durch Hölle,<br />

Fegefeuer und Paradies schuf sie 2021 Bühnenbild und Kostüme für das Ballet<br />

The Dante Projekt im Londoner Royal Opera House. »Das Konzept besteht<br />

darin, vom Umgekehrten zum Aufrechten, von Schwarz-Weiß zu Farbe und von<br />

der Darstellung zur Abstraktion zu gehen«, so Dean. Das Reich der Toten zeichnet<br />

sie als eisiges, umgekehrtes Bergmassiv auf einer riesigen Schiefertafel. Für<br />

die Zwischenwelt hält sie mit der analogen Großbildkamera lila blühende Jakarandabäume<br />

in Los Angeles fest, druckt die Negative als Positivabzüge und<br />

färbt so die Blüten grün – ein Zufallsergebnis, das sie mit weißem Stift noch verschleiert.<br />

Und das Paradies? Übersetzt sie in einen Film mit hypnotisch-planetarischen<br />

Motiven, wie sie auch Dante beschreibt. Nichts für den schnellen<br />

Konsum. Eher eine Einladung, die Zeit, so wie Dean, genau zu beobachten.<br />

2<br />

1/ Auf der Fotoarbeit<br />

Purgatory (Mount I) von<br />

2021 erscheinen violett<br />

blühende Jakarandabäume<br />

in einem unwirklichen<br />

Grün. 2/ Die Britin<br />

Tacita Dean, eine der<br />

wichtigsten Gegenwartskünstlerinnen,<br />

arbeitet<br />

in Berlin und L.A.<br />

Tacita Dean<br />

Mudam Luxembourg,<br />

bis o5.o2.2023.<br />

mudam.com<br />

© COURTESY OF THE ARTIST AND FRITH STREET GALLERY LONDON/STEPHEN WHITE & CO., JIM RAKETE, EMANUEL HOFFMANN FOUNDATION/<br />

LONG-TERM LOAN TO THE ÖFFENTLICHE KUNSTSAMMLUNG BASEL/FREDRIK NILSEN STUDIO, ALEX YUDZON, TACITA DEAN, COURTESY OF THE ARTIST AND MARIAN GOODMAN GALLERY<br />

36


2<br />

1<br />

2<br />

1/ In Tacita Deans Zeichnung Inferno, 2019 (Detail), angefertigt auf<br />

einer zwölf Meter langen Schieferplatte, symbolisieren tief hängende<br />

Gipfel die Unterwelt der Verdammten. 2/ Im Paradies sah<br />

Dante Lichtgestalten – Tacita Dean interpretiert sie als planetarische<br />

Motive: 22­Farben­Siebdruck Paradise: Cherubim, 2021.<br />

37


ID-NEWS ART<br />

Miss Happiness<br />

Von Silke Bender<br />

1<br />

Beinahe unbemerkt schuf Lucia Eames, Tochter von Charles und<br />

Ray Eames, berührende Kunst aus Papier und Metall. Nun<br />

wird der Kalifornierin posthum die Ehre zuteil, die ihr gebührt.<br />

Zu ihren schönsten Erinnerungen zählte sie die Monarchfalter. Einmal<br />

im Jahr tanzten Tausende durch den Garten des berühmten Case<br />

Study House No. 8 in Pacific Palisades, erbaut 1949 von Charles und<br />

Ray Eames. Lucia Eames (1930–2014) ahmte die Schmetterlinge in Scherenschnitten<br />

nach, variantenreich und detailversessen. Von der üppigen Natur<br />

rundherum inspiriert, schuf sie Zeichnungen, Grafiken, Collagen und Metallarbeiten<br />

voller Symbole und Silhouetten, spielte mit Licht und Schatten. Ihre<br />

Wohn- und Arbeitsräume verwandelte sie in visuelle Erlebnisräume, ihre Dekorationen<br />

für Dinnerpartys waren legendär. Doch lange stand sie im Schatten<br />

ihrer Eltern, den Stars des amerikanischen Nachkriegsdesigns.<br />

Auf der Mailänder Designwoche im Juni war in der Schau Seeing with the<br />

Heart nun erstmals ihr eigenes, vor Lebensfreude sprühendes Werk zu sehen.<br />

Nach dem Tod ihres Vaters gründete Lucia Eames, die bei Walter Gropius<br />

studierte und fünf Kinder bekam, die Eames Foundation, um das Erbe der<br />

Eltern zu bewahren. 1990 gab sie den Staffelstab an ihre Kinder weiter und<br />

widmete sich ganz ihrer Kunst. Ihre Cut-out-Metallarbeiten zieren heute<br />

Möbel wie den Heart Table, der noch immer im Wohnzimmer des Elternhauses<br />

steht. »Während der Archivierung haben wir uns an ihrer Hoffnung<br />

und ihrem Humor erfreut«, so Carla Atwood Hartman, Tochter von Lucia<br />

Eames. »Nun möchten wir mit ihrem Optimismus neue Generationen von<br />

Designliebhabern erreichen.«<br />

2<br />

1/ Im Juni 2022 füllten<br />

Scharen von Papierschmetterlingen<br />

die<br />

Mailänder Ausstellung<br />

Seeing with the Heart.<br />

2/ Charles und Lucia<br />

Eames mit Tochter Lucia<br />

und Sohn Byron im<br />

Eames Office 1967.<br />

Lucia Eames –<br />

Seeing with the Heart<br />

Ausstellung der Eames-<br />

Familie und Form Portfolios.<br />

luciaeames.com,<br />

formportfolios.com<br />

© MAXIME GALATI-FOURCADE, 2022 EAMES OFFICE/LLC DBA LUCIA EAMES ARCHIVES<br />

38


www.leicht.com<br />

DIE ARCHITEKTURKÜCHE


ID-NEWS ART<br />

Von der Urzeit bis in die Unendlichkeit<br />

Von Camilla Péus<br />

In seiner bisher ambitioniertesten Schau lädt der französischschweizerische<br />

Künstler Julian Charrière zu einem aufrüttelnden<br />

Trip durch Eis, Feuer und Galaxien in der Langen Foundation.<br />

Aus CO 2 gewonnene Diamanten verschwinden in einem eisigen Schlund<br />

in der Arktis. In einem Springbrunnen züngeln Flammen als Symbol<br />

für den Beginn der Zivilisation. Und ein in Infrarotlicht getauchtes<br />

Pflanzenmeer empfängt tiefschwarz leuchtend den Besucher – eine Anspielung<br />

an den Kohleabbau in Nordrhein-Westfalen und an die riesigen Wälder<br />

des Karbons, die dort vor 300 Millionen Jahren wuchsen. Mit mehreren<br />

neuen Auftragsarbeiten und einer Vielzahl weiterer Werke füllt Julian<br />

Charrière die von Tadao Ando entworfene Langen Foundation.<br />

Der ehemalige Meisterschüler von Olafur Eliasson, Mitglied des Instituts für<br />

Raumexperimente und Absolvent der Berliner Universität der Künste, beackert<br />

brisante Gebiete: Polarschmelze, Umweltzerstörung, atomare Verseuchung.<br />

Dafür forscht, filmt und fotografiert der 34-Jährige an entlegenen<br />

Orten. Er sammelt radioaktiven Inselsand vom Bikini-Atoll, seltene Erden<br />

in Asien und simuliert den Raubbau an der Natur durch einen hämmernden<br />

Rave inmitten einer Palmölplantage in Indonesien. Sein Nachdenken über<br />

den Klimawandel und dessen Auswirkungen strahlt bis in die Ausstellungsräume<br />

ab, die zum Teil mit Solarenergie aus einer ortsspezifischen Skulptur<br />

gespeist werden. So übersetzt Charrière, ohne an Ernsthaftigkeit zu verlieren,<br />

die Ausbeutung des Planeten in betörende Bilder – und bringt damit<br />

diese brennenden, doch abstrakt scheinenden Themen etwas näher.<br />

Julian Charrière arbeitet<br />

auch bei minus 33 Grad.<br />

Etwa für Pure Waste<br />

(Videostill, 2021), als er<br />

eine Handvoll synthetische<br />

Diamanten in ein<br />

Loch in der schmelzenden<br />

grönländischen<br />

Eiskappe kippt.<br />

Julian Charrière –<br />

Controlled Burn<br />

Langen Foundation,<br />

Raketenstation Hombroich<br />

1, 41472 Neuss,<br />

04.09.2022–06.08.2023.<br />

langenfoundation.de<br />

© COURTESY OF THE ARTIST/VG BILD-KUNST, BONN, GERMANY<br />

40


1/ Julian Charrière. 2/ Die neue Videoarbeit<br />

Controlled Burn (2022) lädt den Betrachter<br />

dazu ein, vorbei an Farnen und flatternden<br />

Motten zu rostigen Kühltürmen, alten Ölplattformen<br />

und durch implodierende Feuerwerkskörper<br />

zu schweben. 3/ Transzendentaler<br />

Rave aus Licht und Rauch in einer Palmölplantage<br />

in Indonesien: An Invitation To<br />

Disappear, Bengkulu (2018).<br />

1 2<br />

3<br />

© COURTESY OF THE ARTIST/VG BILD-KUNST, BONN, GERMANY (2), COURTESY OF JULIAN CHARRIÈRE, 2017<br />

41


ID-NEWS COMPANY<br />

1<br />

1/ Die Sofas Veneda haben weiche Daunenpolster. Bei den Couchtischen Plateau aus Eiche von Büro Famos dient die Ablagefläche zugleich als Tablett.<br />

Die neue Stehleuchte Campa aus Opalglas schuf das dänische Büro Spant Studio. Auch neu: handgeknüpfter Teppich Brida aus Biobaumwolle und Leinen.<br />

Sofa, Schoki und Sounderlebnis<br />

Ruhige Farben, klare Formen, Naturmaterialien: Die<br />

dänische Marke Bolia ist Inbegriff des New Scandinavian<br />

Design. CEO Lars Lyse Hansen erzählt, warum er schon<br />

in den Stores auf Rundum-Wohlfühlservice setzt.<br />

Interview von Tina Schneider-Rading<br />

Herr Hansen, Sie kommen gerade aus dem Urlaub?<br />

Und der war perfekt! Wir haben den ersten Sommer in unserer historischen<br />

Villa in Aarhus verbracht, mit Büchern, gesundem Essen,<br />

guten Freunden und Yoga. Für ein paar Tage ging es nach Kopenhagen,<br />

dort studieren unsere drei Kinder. Alles verlief genau nach<br />

Plan – vor allem, weil wir eigentlich gar keine Pläne hatten.<br />

Was überraschte Sie am ersten Tag im Büro am meisten?<br />

Wie ruhig die Atmosphäre war. Wir bereiten gerade die neue<br />

Herbst-Winter-Kollektion vor, bauen sämtliche 80 Läden in Europa<br />

um, arbeiten an der neuen Website. Doch alle bleiben cool. Mir<br />

wurde wieder einmal klar, was für ein toller Haufen wir sind.<br />

Die neuen dampfgebogenen Kite-Stühle aus Massivholz<br />

von Studio Nooi sind stapelbar, das Sofa Caro von<br />

Studio Kaschkasch ist luxuriöses Handwerk. Was<br />

braucht es, damit Sie sich in ein Möbelstück verlieben?<br />

Wenn ich sehe, wie eine Vielzahl von Dingen in einem einzigen<br />

Produkt verschmelzen: Cleverness und Einfachheit, Form und<br />

Schönheit, Materialien, Handwerkskunst, Taktilität und Funktionalität,<br />

Nachhaltigkeit und Langlebigkeit. Aber ich mag auch, wenn<br />

Design eine besondere Geschichte zu erzählen hat.<br />

Eine Kirche in Gent, die Alte Börse in München, eine<br />

Eisenbahnwerkstatt in Aarhus: Nach welchen<br />

Kriterien wählen Sie Standorte für Bolia-Stores aus?<br />

Wir suchen nach Gebäuden mit Geschichte, Identität und Authentizität.<br />

Wir versetzen alte historische Häuser, die schlecht modernisiert<br />

wurden, zurück in ihren Ursprungszustand und lassen<br />

sie wieder erstrahlen. Jeder einzelne Store soll sich in jeder Stadt<br />

relevant anfühlen, deshalb gleicht kein Bolia-Laden dem anderen.<br />

© BOLIA<br />

42


2<br />

3<br />

2/ Lars Lyse Hansen arbeitet seit 2005 an der Expansion des aus Aarhus stammenden Unternehmens. Das Besondere: Bolia hat kaum Lagerbestände. Alle<br />

Produkte werden auf Bestellung gefertigt. 3/ Eichentisch Fusion mit Kite-Stühlen von Studio Nooi, Acorn-Leuchte in Eichelform und Steinzeugservice Forma.<br />

Und drinnen bieten Sie sinnliche Einkaufsabenteuer –<br />

mit Musik, Schokolade, Düften ...<br />

Das machen wir seit mehr als zehn Jahren und die Menschen<br />

lieben es! Ab Herbst gibt es neue Designateliers in allen Geschäften,<br />

also Spielplätze, in denen man seine Interiorideen ausleben<br />

kann. Wir überraschen mit Installationen, Playlists und köstlichen<br />

veganen Snacks. Und gerade arbeiten wir an einem Onlinefeature,<br />

dem Mindful Sound Bath, einem meditativen Klangbad.<br />

Wahrscheinlich ist genau die Mischung Ihr Geheimnis ...<br />

Ich will einfach jeden Tag im Gleichgewicht sein. Deshalb achte ich<br />

schon beim Aufwachen auf meine Energie, meine Stimmung, meinen<br />

Geist und meinen Körper. Es geht um die Balance: zwischen<br />

Dingen, die Energie kosten, und Dingen, die Energie bringen. Auch<br />

Herausforderungen können eine Form der Entspannung sein. Weil<br />

ich mich selbst antreibe und das Gefühl liebe, durch ehrlichen<br />

Schweiß Ergebnisse zu sehen.<br />

Welches Klangbad legen Sie denn privat auf?<br />

Musik läuft bei mir überall! Ambient, die Soundtracks meiner Lieblingsfilme,<br />

1990er-Jahre-Hip-Hop. Ich habe eine komplette Pioneer-<br />

DJ-Anlage im Esszimmer und in unserem Sommerhaus in Falsled.<br />

Auch im Auto läuft immer eine Playlist. Ich streame nur, von Frisky,<br />

Proton, Mixcloud, Spotify und Soundcloud.<br />

Und was können Sie weniger gut?<br />

Meine Frau sagt, ich frage sie zu selten nach ihrer Meinung. Ganz<br />

ehrlich: Ich bin ein miserabler Schwimmer, kann mir schlecht Namen<br />

merken, verbringe zu wenig Zeit mit meinen wunderbaren<br />

Kindern. Und ich kann stur wie ein Esel sein! Außerdem habe ich<br />

mir eingeredet, ich sei ein toller Koch, obwohl ich nie koche.<br />

© BOLIA<br />

Und was machen Sie, wenn Ihnen die Energie ausgeht?<br />

Mit meiner Frau abhängen, guten Rotwein trinken, joggen und<br />

meditieren, mit unseren französischen Bulldoggen Conrad und<br />

Bowie am Strand oder im Wald spazieren gehen. Dort höre ich<br />

dann manchmal auch nur dem Soundtrack der Natur zu.<br />

Das klingt angenehm unperfekt. Und wann denken<br />

Sie abends, dass heute ein guter Tag war?<br />

Oh, eine schwierige Frage ... Ich liebe einfach das Gefühl, dass die<br />

Dinge und die guten Menschen, mit denen ich zu tun habe, auf<br />

einem positiven Weg sind und sich vorwärtsbewegen.<br />

43


ID-NEWS FASHION<br />

Schwarz war sein Fetisch<br />

Das Kunstmuseum Den Haag feiert den großen spanischen<br />

Couturier Cristóbal Balenciaga mit einer umfangreichen<br />

Ausstellung. Er gilt als Visionär und Meister aller Meister.<br />

Seit den 1930er-Jahren revolutionierte er die weibliche<br />

Silhouette und zelebrierte besonders eine Farbe: Schwarz.<br />

Von Eva Müller-May<br />

© HENRY CLARKE/STELLA OAKES IN BALENCIAGA SUIT/1951, PALAIS GALLIERA, KUNSTMUSEUM DEN HAAG<br />

44


© PIERRE EVEN, KUNSTMUSEUM DEN HAAG<br />

Der Hut aus Gazar von<br />

1967 ist aus einem Stück<br />

geformt. Den doppelt<br />

gewebten stabilen Seidenstoff<br />

hat Balenciaga eigens<br />

für seine aufwendigen<br />

Drapierungen entwickelt.<br />

Linke Seite: Das Kostüm<br />

aus Cloquéstoff von 1951 ist<br />

mit seinen weiten Ärmeln<br />

ein Vorläufer für Balenciagas<br />

Kollektion Ballon aus dem<br />

Jahr 1957, für die er Roben<br />

wie skulpturale Variationen<br />

eines Ballons schuf.<br />

45


ID-NEWS FASHION<br />

1<br />

© IRVING PENN/SUE MURRAY IN BALENCIAGA/VOGUE, SEPTEMBER 1967, KUNSTMUSEUM DEN HAAG<br />

46


© COLLECTION ILLUSTRATION EVENING DRESS AND CAPE ENSEMBLE, WINTER 1967, BPK/MINISTÈRE DE LA CULTURE/MÉDIATHÈQUE DU PATRIMOINE/DIST. RMN-GRAND PALAIS/FRANÇOIS KOLLAR, KUNSTMUSEUM DEN HAAG<br />

Schwarz steht gemeinhin für Tod, Trauer<br />

oder das Nichts und gilt, wie Weiß, nicht<br />

als vollwertige Farbe. Im Deutschen ist es<br />

meistens negativ konnotiert: schwarzes Schaf,<br />

Schwarzer Peter, Schwarzfahren, Schwarzarbeit.<br />

Doch spätestens seit dem »kleinen Schwarzen«<br />

von Coco Chanel aus dem Jahr 1926 hat sich die<br />

Unfarbe als Inbegriff von Eleganz in der Mode<br />

durchgesetzt. Wer heute Schwarz trägt, hat Stil, ist<br />

modern, eher cool und manchmal intellektuell.<br />

Für Cristóbal Balenciaga (1895–1972), Sohn eines<br />

baskischen Fischers und einer Näherin, den<br />

Chanel als »einzig wahren Couturier« bezeichnete,<br />

weil er wirklich nähen konnte, während<br />

alle anderen nur zeichneten, war Schwarz geradezu<br />

ein Fetisch. Er erschuf unzählige Variationen<br />

und Metamorphosen von Schwarz, indem er<br />

die Silhouette revolutionierte und mit Materialien<br />

spielte. Seine Kreationen waren opak oder<br />

transparent, matt oder glänzend, aber immer wie<br />

Skulpturen. Balenciaga kombinierte Spitze oder<br />

Satin mit Samtpailletten oder schwarzen Federn,<br />

ohne seine Modelle zu überladen, entwarf voluminöse<br />

Kleider und Capes aus Taft, in denen die<br />

Frau zur lebenden Plastik wurde. Oder aus Gazar,<br />

einem stabilen, doppelt gewebten Seidenstoff,<br />

den er eigens entwickelte, um wie ein Bildhauer<br />

nie gesehene Formen zu kreieren. Damals<br />

vielleicht gewagt, aber noch heute aktuell.<br />

Balenciagas Kleider und Jacken waren raffinierteste<br />

Drapierungen oder von minimalistischem<br />

Schnitt. Wie das Kleid Sac zum Beispiel, das aussieht<br />

wie ein umgedrehter Kartoffelsack, dabei<br />

2<br />

3<br />

aber gleichzeitig äußerst elegant und modern daherkommt.<br />

1957 war es das Must-have der Saison.<br />

Er ersann Kleider in Tonneauform (1947),<br />

Kostüme semi-ajustés (1951), nur mit angedeuteten<br />

Taillen. Oder die Ballon-Linie (1953), die<br />

an einen zerknautschten, aber eleganten Riesenball<br />

erinnert. Es folgten Ei- und Tulpenformen,<br />

die Tunika und das Babydoll-Kleid.<br />

1907, mit gerade zwölf Jahren, ging der junge<br />

Cristóbal in San Sebastián in die Schneiderlehre<br />

und eröffnete schon zehn Jahre später seinen eigenen<br />

Modesalon. Sogar die spanische Königin<br />

und ihre Enkelinnen trugen die Modelle des baskischen<br />

Fischersohnes. 1936, zu Beginn des Bürgerkrieges,<br />

flüchtete Balenciaga nach Paris und<br />

avancierte schnell zum Liebling der Haute-Couture-Kundinnen.<br />

Er kleidete Greta Garbo ein<br />

und ihre Rivalin Marlene Dietrich. Für die damalige<br />

belgische Kronprinzessin Fabiola de Mora y<br />

1/ und 3/ Variation der<br />

Ballonform 1967: Ein<br />

kunstvoll drapiertes<br />

Cape verhüllt den Oberkörper<br />

und verleiht der<br />

Trägerin eine geheimnisvolle<br />

Aura. 2/ Der spanische<br />

Meisterschneider<br />

eroberte 1937 die Pariser<br />

Haute Couture und galt<br />

als »Couturier aller<br />

Couturiers«.<br />

Balenciaga in Black<br />

Kunstmuseum Den Haag,<br />

Stadhouderslaan 41,<br />

2517 HV Den Haag,<br />

24.09.2022–05.03.2023.<br />

kunstmuseum.nl<br />

47


ID-NEWS FASHION<br />

Aragón kreierte er das Brautkleid – natürlich in<br />

Weiß. Balenciaga war so erfolgreich und richtungsweisend,<br />

dass er, um sich vor Imitationen<br />

zu schützen, seine Kollektionen immer außerhalb<br />

des offiziellen Kalenders des Pariser Haute-<br />

Couture-Dachverbandes zeigte, gut einen Monat<br />

später als alle anderen.<br />

Ein Schwarz wie eine Ohrfeige<br />

Inspiriert war Cristóbal Balenciaga von Spaniens<br />

Folklore, dem Stierkampf und der schwarzen<br />

Fischertracht seines Vaters. Schwarz gilt als<br />

Archetypus spanischer Identität, auch bei den<br />

großen spanischen Meistern der Malerei: Balenciaga<br />

entlehnte Velázquez’ Schwarz mit Nuancen<br />

in Rosé und Rot, Goyas perfekte schwarze<br />

Faltenwürfe, Volants und Spitzen oder Zurbaráns<br />

asketische Darstellungen von Mönchen und<br />

Heiligenfiguren. »Die Kleidung war seine Religion«,<br />

analysierte Christian Dior diese Inspiration<br />

des von ihm hochgeschätzten Kollegen.<br />

Modekritiker reagierten konkreter: Im Modemagazin<br />

Harpers Bazaar war beispielsweise<br />

nach seiner erster Kollektion 1937 in Paris zu<br />

lesen, Balenciagas Haute-Couture-Roben seien<br />

»so schwarz, dass es einen wie eine Ohrfeige<br />

trifft (…) Jedes andere Schwarz wirkt dagegen<br />

fast wie Grau.«<br />

Cristóbal Balenciaga hinterließ nach seinem Tod<br />

1972 ein schweres Erbe, das lange nicht angetreten<br />

wurde. Erst ab 1986 versuchten diverse Designer,<br />

sich an dem großen Meister, dem »Couturier<br />

aller Couturiers«, wie er oftmals bezeichnet<br />

wurde, zu messen. Mehr oder weniger erfolgreich.<br />

Seit 2015, fast 100 Jahre nach Gründung<br />

des Modehauses, ist der georgischstämmige<br />

Demna Gvasalia Kreativdirektor. Zu Beginn dieses<br />

Jahres wagte er sich nun auch an die Haute<br />

Couture. Für seine zweite HC-Kollektion im Juli<br />

ließ er Models in hautengen, wie futuristische<br />

Taucheranzüge anmutenden Ganzkörpersuits<br />

aus pechschwarzem Leder durch die Räume des<br />

Headquarters in der Avenue George V. laufen.<br />

Hätte Balenciaga diese Show gemocht? Möglicherweise.<br />

Er scheute das Rampenlicht, gab<br />

keine Interviews und es existieren nur wenige<br />

Zitate. Eines jedoch verdeutlicht sein Credo:<br />

»Eine Frau muss nicht perfekt oder schön sein,<br />

um meine Kleider zu tragen. Das Kleid wird dies<br />

alles für die Frau tun.«<br />

© SUPERSTOCK/ALAMY STOCK PHOTO<br />

48


1<br />

1/ Auch das Spiel mit Licht und<br />

Schatten variierte Balenciaga<br />

gern in seinen All-over-Black-<br />

Modellen: Das Cocktailkleid<br />

ist um die Hüfte mit Blütenblättern<br />

aus Organza verziert, 1965.<br />

2/ Seine Schnitte stehen für<br />

komplex konstruierte Einfachheit<br />

– wie das Babydoll-Kleid<br />

von 1966 aus Seidencloqué.<br />

3/ Das Kleid Sac entwarf er<br />

bereits 1957, hier eine Variation<br />

von 1967. 4/ Asketische Schlichtheit<br />

für ein Kostüm von 1952.<br />

Linke Seite Einige Farbakzente<br />

ließ Balenciaga in Kombination<br />

mit Schwarz zu: hier ein Spitzenkleid<br />

aus Wolljersey, unterlegt<br />

mit eisblauem Tüll, 1955.<br />

© PIERRE EVEN, KUNSTMUSEUM DEN HAAG<br />

2<br />

3 4<br />

49


ID-NEWS FOTO<br />

Das ganz Konkrete und das völlig Flüchtige<br />

Von Andrea Bierle<br />

1 2<br />

Mit einer großen Ausstellung ehrt das MoMA in New York den<br />

deutschen Fotokünstler Wolfgang Tillmans. Zu sehen sind rund<br />

350 Werke – von Momentaufnahmen bis zu abstrakten Bildern.<br />

Es war eine Sensation: Im Jahr 2000, mit Anfang 30, erhielt Wolfgang<br />

Tillmans den Turner Prize. Noch nie zuvor hatte ein Fotograf, dazu<br />

ein Nichtbrite, diese renommierte Auszeichnung für zeitgenössische<br />

Kunst erhalten. Mit seiner »snapshot aesthetic« (die in Wirklichkeit sorgsam<br />

komponiert, manchmal nachgestellt ist) und Bildern aus der Klub- und<br />

Subkulturszene wurde der gebürtige Nordrhein-Westfale in den frühen<br />

1990er-Jahren zum Chronisten seiner Generation. Inzwischen hat Tillmans<br />

anscheinend jedes erdenkliche Genre der Fotografie erforscht – und bekommt<br />

vom New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) nun den Ritterschlag in<br />

Form einer Einzelausstellung. Unter dem Titel To look without fear werden<br />

etwa 350 Fotografien, Videos und Multimedia-Installationen gezeigt, darunter<br />

neuere und noch unveröffentlichte Werke – von »Schnappschüssen«<br />

des ekstatischen Nachtlebens bis zu abstrakten Bildern, die ohne Kamera<br />

entstanden sind, von hochauflösenden Aufnahmen der von Globalisierung<br />

und Digitalisierung geprägten Realität bis zu (Selbst-)Porträts kurz vor und<br />

während der Pandemie. Die Klammer seiner Kunst? »Das ganz Konkrete<br />

und das völlig Flüchtige und dass sich das immer wieder berührt, in den Bildern<br />

wie im Leben, das ist so ein bisschen der Rahmen, den ich sehe.« Ein<br />

Höhepunkt der Schau: Tillmans’ erstes Album Moon in Earthlight von 2021,<br />

eine »Audiofotografie«, die für seinen einzigartigen Stil steht.<br />

1/ Von NRW nach<br />

New York City: Der in<br />

Remscheid geborene<br />

Wolfgang Tillmans zählt<br />

zu den international<br />

einflussreichsten Künstlern<br />

der Gegenwart –<br />

jetzt widmet ihm das<br />

MoMA eine Retrospektive.<br />

2/ Die Beschäftigung<br />

mit dem Thema Licht<br />

zeigt Tillmans’ fast schon<br />

romantisch anmutende<br />

experimentelle Arbeit<br />

Icestorm von 2001.<br />

Wolfgang Tillmans –<br />

To look without fear<br />

Museum of Modern Art,<br />

11 W 53rd St,<br />

New York 10019,<br />

12.09.2022-01.01.2023.<br />

moma.org<br />

© DAN IPP, COURTESY OF THE ARTIST/DAVID ZWIRNER/NEW YORK/HONG KONG/GALERIE BUCHHOLZ/BERLIN/COLOGNE/MAUREEN PALEY/LONDON<br />

50


2<br />

© COURTESY OF THE ARTIST/DAVID ZWIRNER/NEW YORK/HONG KONG/GALERIE BUCHHOLZ/BERLIN/COLOGNE/MAUREEN PALEY/LONDON (4)<br />

1<br />

3<br />

1/ Freischwimmer heißt die Serie von abstrakten Bildern, die durch<br />

fotochemische Verfahren ohne Kamera entstehen und am Kunstmarkt<br />

sehr begehrt sind. 2/ Frühwerk: Das Bild Lutz and Alex sitting in the<br />

trees entstand 1992 und war Teil einer Geschichte im britischen<br />

Trendmagazin i-D. 3/ Regelmäßig lichtet Wolfgang Tillmans seine<br />

Freunde ab, wie hier Frank, in the shower von 2015. Dabei handelt es<br />

sich übrigens um den US-Musiker Frank Ocean. 4/ Lüneburg Self<br />

nennt der 54-Jährige dieses Selbstporträt von 2020. Eine (inszenierte)<br />

Momentaufnahme, die offensichtlich in einem Krankenhauszimmer<br />

aufgenommen wurde.<br />

4<br />

51


ID-NEWS SHOPPING<br />

1<br />

2 3<br />

4 5 6 7<br />

Präsentieren und servieren<br />

Weg mit schnöden Silbertabletts, her mit knalligen Farben und großen Motiven!<br />

Von Caroline Blanc<br />

8 9 10 11<br />

12<br />

13 14 15<br />

1/ Tablett Toiletpaper Sea Girl von Maurizio Cattelan und Pierpaolo Ferrari, ca. 30 Euro (Seletti). 2/ und 3/ Holztabletts Orientalism, ca. 70 Euro<br />

(Les Ottomans). 4/ Keramiktablett Oiva Sääpäiväkirja, ca. 80 Euro (Marimekko). 5/ Holztablett Round Printed, ca. 70 Euro (La DoubleJ). 6/ Tablett Herringbone<br />

aus Keramik von Raw-Edges, ca. 120 Euro (Vitra). 7/ Tablett Colorblock aus Birke, ca. 35 Euro (The Conran Shop). 8/ Holztablett Sardine, ca. 815 Euro (Fornasetti).<br />

9/ Holztablett im Carretto-Design, ca. 1750 Euro (Dolce&Gabbana). 10/ Porzellantablett Aperitivo Diamond Dots, ca. 150 Euro (La DoubleJ). 11/ Tablett Crazy<br />

Navy aus lackiertem Metall, ca. 55 Euro (Gangzai über fleux.com). 12/ Tablett Tourron aus Steingut, ca. 39 Euro (Jars Céramistes). 13/ Porzellantablett Tea For Two<br />

Libellula, ca. 175 Euro (La DoubleJ). 14/ Tablett Contessa Citrino, ca. 480 Euro (Ginori 1735). 15/ Tablett Jellies Family von Patricia Urquiola, ca. 48 Euro (Kartell).<br />

© PR<br />

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ID-NEWS MOBIL<br />

Leiser Luxus<br />

Die italienische Topwerft Benetti hat einen neuen Coup gelandet. Eine hybrid<br />

betriebene Luxusjacht von »nur« 37 Metern Länge mit allem Drum und Dran. Inklusive<br />

exklusiver Möblierung der Edel-Interieurmarke Giorgetti.<br />

Von Jan van Rossem<br />

Still wie ein Schlauchboot gleitet die Jacht<br />

aus dem engen Hafenbecken von Livorno<br />

ins offene Mittelmeer. Selbst die direkt am<br />

Schiff entlangtreibende Hundertschaft blau beringter<br />

Riesenquallen scheint sich nicht im Geringsten<br />

von dem neuen Meeresriesen aus der<br />

Benetti-Werft stören zu lassen. Grund dafür sind<br />

die Elektromotoren des E-Hybrid-Systems, die zu<br />

Beginn der Fahrt und darüber hinaus verhältnismäßig<br />

lange für den Antrieb sorgen.<br />

Der italienische Jachtenbauer bewirbt sein Schiff<br />

B.YOND »als eines der innovativsten Boote, die<br />

je gebaut wurden«. Das bezieht sich allerdings<br />

nicht nur auf den CO 2 -reduzierten Antrieb, sondern<br />

vor allem auch auf das Designkonzept, für<br />

das der langjährige Quasi-Hausdesigner Stefano<br />

Righini verantwortlich zeichnet. Der hatte die<br />

Idee, diese, man kann es nicht oft genug sagen,<br />

»nur« 37 Meter lange Luxusjacht mit einer<br />

rundlichen und damit raumschaffenden Spitze<br />

zu designen, vor allem aber mit vier Decks auszustatten,<br />

und so das Platzangebot auf ein höheres<br />

Level zu heben, statt es in die Länge zu<br />

ziehen. Auf den vier Decks, in zwei Aufgängen<br />

getrennt für Crew und Passagiere erreichbar,<br />

verteilen sich von unten die Service-Area mit begehbarem<br />

Weinkeller und Kühlraum, vier Suiten<br />

für Gäste sowie die Panorama-Lounge auf dem<br />

Hauptdeck. Das Oberdeck ist dem Lebensraum<br />

der Eigner vorbehalten und bietet natürlich<br />

einen 360-Grad-Blick. Und noch eine Etage<br />

höher ist das Sun Deck dem Sonnenbaden und<br />

einem gepflegten Outdoordinner gewidmet.<br />

Abgesehen von dem jederzeit atemberaubenden<br />

Blick in die Weite des Meeres kann man an Bord<br />

beinahe vergessen, auf einem Schiff zu sein. Das<br />

Interieur hat Designer Mauro Izzo mit Möbeln<br />

der Edelmarke Giorgetti ausgestattet, die der<br />

Jacht ein Ambiente verleihen, als sei sie eine<br />

schwimmende Zweitwohnung. Natürliche<br />

Farben sowie geschmeidige Stoffe geben den<br />

Räumlichkeiten und Outdoorbereichen den<br />

Charme und die Gemütlichkeit eines stylishen<br />

Zuhauses. Ahoi!<br />

Eine gute Figur auf hoher<br />

See macht die neue<br />

Jacht B.YOND von<br />

Benetti. Angetrieben<br />

wird sie von einem<br />

modernen Hybridmotor.<br />

© PR<br />

54


1<br />

2<br />

1/ und 3/ und 5/ Das Interieur der Jacht wurde<br />

exklusiv ausgestattet mit Möbeln der italienischen<br />

Edelmarke Giorgetti, deren CEO Giovanni del<br />

Vecchio natürlich auch dem Stapellauf beiwohnte.<br />

An Bord ist faszinierend zu sehen, wie selbstverständlich<br />

die Möblierung der Jacht ein wirklich<br />

wohnliches Ambiente schafft. Ob im Master Bedroom,<br />

im Living Room oder auf den Sonnendecks:<br />

Das Design von Giorgetti erweist sich als absolut<br />

hochseetauglich. 2/ und 4/ Eine Schiffstaufe hat<br />

immer auch etwas Religiös-Weihevolles – inklusive<br />

einem Geistlichen, der der Jacht seinen Segen gibt.<br />

Und es ist stets eine große Party und ein wunderbares<br />

Spektakel. Hunderte geladene Gäste wohnten<br />

der Zeremonie bei – samt Konfettiregen und<br />

VIP-Dinner auf dem Werftgelände in Livorno.<br />

giorgettimeda.com, benettiyachts.it<br />

3<br />

© GIULIANO SARGENTINI (2), PR<br />

4 5<br />

55


ID-NEWS TECHNIK<br />

1<br />

2<br />

Das bisschen<br />

Haushalt …<br />

3<br />

4<br />

… macht sich von allein, sagte der Mann der Sängerin laut Songtext<br />

in den 1970er-Jahren. Ziemlich visionär, der Herr. Heute genügen<br />

ein paar Knopfdrücke und schon kümmern sich kleine Helferlein ums<br />

Staubsaugen, Bügeln, Einkaufen – und frischen Kaffee am Bett.<br />

Von Phil Schreyber<br />

5<br />

7<br />

6<br />

1/ Guten Durchblick verschafft der automatische Fensterputz-Roboter Hobot 2S. Macht sogar Spaß, ihm bei der Arbeit zuzusehen (Pearl). 2/ Auch ein Mülleimer<br />

kann mitdenken: Der Townew T3 schließt automatisch und geruchsneutral, macht volle Müllbeutel zu und spannt automatisch einen neuen auf (Townew). 3/ Jedes<br />

Mal beim Schließen macht sich der Kühlschrank GSXV91BSAF ein Bild vom Inhalt und sendet es aufs Handy – als Gedächtnisstütze für den nächsten Einkauf (LG).<br />

4/ Bevor es der Mieze stinkt, reinigt sich das Katzenklo Scoop Free lieber gleich selbstständig. (Pet Safe). 5/ Tür zu und der Kleiderschrank Refresh Butler sorgt für<br />

ein kleines textiles Dampfbad. Tür auf und Mäntel, Jacketts und Hemden kommen frisch, keim- und nahezu knitterfrei heraus (V-Zug). 6/ Für viele ist Staubsaugen<br />

Höchststrafe – der Mi Robot Vacuum Mop 2 verrichtet die lästige Hausarbeit ohne Murren bürstenlos, saugstark und kollisionsfrei (Xiaomi). 7/ Aus der Traum? Der<br />

Wecker klingelt, hält aber einen neuen Traum bereit: Das Modell Barisieur entschuldigt sich bei Ihnen mit einer frisch gebrühten Tasse Kaffee (Joy Reserve).<br />

© PR<br />

56


MADE TO TOUCH.<br />

DESIGNED TO CONTROL.<br />

LS ZERO – FLÄCHENBÜNDIG.<br />

JUNG.DE<br />

Fotograf: Stefan Grau, Interior: Thatenhorst Interior GmbH


ID-NEWS TABLE<br />

Kulisse für die Kochkunst<br />

Von Andrea Bierle<br />

1 2 3<br />

Farben, Fliesen, Florales, dazu Spiegel, Stuck und eine Speisekarte<br />

so bunt wie das Dekor: Das Torcuato auf dem Dach eines jahrhundertealten<br />

Gebäudes in Madrid ist eine Ode an die Lebensfreude!<br />

Seit Innenarchitekt Pepe Leal in einer spanischen TV-Serie Eigenheime auf<br />

Vordermann brachte, wird sein ausdrucksvoller Mix aus verschiedenen<br />

Stilen und Epochen gefeiert. In einem luxuriösen Einkaufszentrum, früher<br />

Hauptsitz der Zeitung ABC, sorgt nun das von ihm gestaltete Restaurant<br />

Torcuato, benannt nach einem Journalisten und Gründer einer Kunst- und Literaturzeitschrift<br />

aus dem 19. Jahrhundert, für Schlagzeilen. Wer die oberste<br />

Etage des historischen Gebäudes im eleganten Madrider Stadtteil Salamanca<br />

betritt, fühlt sich wie Alice im Wunderland: eine Abfolge von Räumen, in denen<br />

man sich vom fröhlich-unbeschwerten Eklektizismus überraschen lässt. Während<br />

der eine Speisesaal mit Stuck, Spiegeln und Wandgemälden wie Klein-Versailles<br />

daherkommt, dominiert in einem anderen Raum die Botanik: große Pflanzenplakate<br />

an den Wänden, Kräuter in Reagenzgläsern auf Regalen, kombiniert<br />

mit gelben Tulip-Stühlen. »Mich inspirierten die Kuriositätenkabinette der Bourgeoisie<br />

– eine Ansammlung von Souvenirs ihrer Reisen«, sagt Pepe Leal, der<br />

ebenso erfolgreich als Bühnenbildner tätig ist, zuletzt am Staatsballett Berlin.<br />

Die Freude an ungewöhnlichen Kombinationen spiegelt auch die Fusionsküche<br />

von Sergio Fernández wider, in der sich mediterrane Aromen mit mexikanischen<br />

und japanischen Einflüssen verbinden. Urlaubsvibes herrschen auf der<br />

Terrasse, wo man zur Pop-Art-Kulisse Drinks und DJ-Rhythmen genießt.<br />

1/ und 2/ Magische Mikrokosmen:<br />

Das Torcuato<br />

besteht aus fünf Räumen,<br />

darunter die großzügige<br />

Terrasse im Pop-Art-Look.<br />

Zum chilligen Urlaubsflair<br />

passen feine Happen,<br />

Cocktails und DJ-Klänge.<br />

3/ Als Kontrast zur Opulenz,<br />

die an den Hof von<br />

Marie-Antoinette erinnert,<br />

leuchtet im Speisesaalkorridor<br />

ein futuristischfluoreszierender<br />

Ringlüster.<br />

Rechte Seite Das<br />

Ensemble aus Eero Saarinens<br />

ikonischer Tulip-Linie<br />

(Knoll) zu gelben, halbrunden<br />

Sitzmöbeln und<br />

großen Pflanzenaquarellen<br />

strahlt Vitalität und<br />

Anmut aus.<br />

Torcuato<br />

Calle de Serrano 61,<br />

28006 Madrid.<br />

grupolafabrica.es<br />

© DAVID DE LUIS MARTIN/TORCUATO<br />

58


© DAVID DE LUIS MARTIN/TORCUATO<br />

59


ID-NEWS HOTEL<br />

Einkehr de luxe<br />

Von Andrea Bierle<br />

In einem ehemaligen Kloster verwöhnt das<br />

Botanic Sanctuary Antwerp mit Sterneküche, einem exklusiven<br />

Spa und zeitlosem Chic. Ein Hotelerlebnis der Extraklasse!<br />

Belgiens Diamantenmetropole kann sich seit Neuestem mit einem Juwel<br />

der besonderen Art schmücken: Versteckt hinter den hohen Mauern<br />

eines Krankenhauses aus dem 13. Jahrhundert und ehemaligen Klosters,<br />

hat Antwerpens erstes 5-Sterne-Superior-Hotel eröffnet. Doch nicht nur<br />

das historische Backsteinensemble ist außergewöhnlich, auch die Lage, denn<br />

wie der Name Botanic Sanctuary vermuten lässt, befindet sich die Unterkunft<br />

inmitten des Botanischen Gartens. Das 20000 Quadratmeter große<br />

Terrain, auf dem einst Mönche und Nonnen Kräuter für die Heilung von<br />

Kranken anbauten, steht wegen seiner Artenvielfalt seit 1950 unter Denkmalschutz.<br />

Umso größer war die Herausforderung, hier ein Resort der Superlative<br />

zu kreieren. Mit viel Sensibilität für die historische Bausubstanz<br />

und Umwelt sowie jeder Menge Innovationsgeist wurde dieses ambitionierte<br />

Restaurierungsprojekt umgesetzt. Herausgekommen ist eine luxuriöse<br />

Erlebniswelt für die Sinne, die in Bezug auf Kulinarik, Wellbeing und Interieur<br />

höchste Maßstäbe setzt. Die 108 eleganten Zimmer (darunter die Spa-<br />

Suiten mit In-Room-Wellness-Area) verteilen sich auf fünf Gebäudekomplexe,<br />

die durch gläserne Elemente miteinander verbunden sind und dank<br />

dieser Wintergartenoptik dem alten Gemäuer ein wenig Luft geben. Die<br />

Cocktails und Kanapees:<br />

Die Hotelbar Henry’s<br />

hat sich in Windeseile<br />

zu einem Hotspot in<br />

Antwerpens Nachtleben<br />

entwickelt, nicht<br />

nur mittwochs, wenn<br />

Lifejazz gespielt wird.<br />

Rechte Seite Ruheoase:<br />

Im Einklang mit dem<br />

klösterlichen Erbe des<br />

Gebäudes vermitteln<br />

die sensibel in die historische<br />

Bausubstanz<br />

integrierten Räume ein<br />

Gefühl von Wohlbefinden<br />

und Privatsphäre.<br />

Zum Empfang gibt’s in<br />

den Suiten Blumen vom<br />

hauseigenen Floristen.<br />

Botanic Sanctuary<br />

Antwerp<br />

Leopoldstraat 26,<br />

2000 Antwerpen.<br />

DZ ab ca. 295 Euro.<br />

botanicantwerp.be<br />

© HUGO THOMASSEN<br />

60


1<br />

2<br />

3<br />

1/ Im edlen Ambiente des Frühstücksrestaurants<br />

Catalpa, umgeben von Pflanzen und antiken botanischen<br />

Illustrationen, lassen sich die Gäste das<br />

Buffet schmecken (köstlich: die knusprigen belgischen<br />

Waffeln!). 2/ In der Saint Charles Apothecary<br />

werden die im edlen Design verpackten Naturkosmetikprodukte<br />

und Heilkräuter des Wiener Unternehmens<br />

Saint Charles, das im Hotel einen Shop<br />

betreibt, angeboten. 3/Hinter den alten Klostermauern<br />

und mitten im Botanischen Garten befindet<br />

sich heute das Luxusrefugium Botanic Sanctuary.<br />

4/ Bad mit Aussicht: Die Hotelgäste können entweder<br />

auf den Innenhof oder die Gärten schauen.<br />

5/ Puristische Ästhetik herrscht auch im mit einem<br />

Michelin-Stern dekorierten Hotelrestaurant Fine<br />

Fleur. Hier besteht der Signature-Gang aus Knollensellerie,<br />

gefüllt mit thailändischem Nordseekrabbensalat<br />

und verfeinert mit Koriander. 6/ In vielen<br />

der 108 Zimmer sind die alten Balken freigelegt.<br />

Erdig warme Töne, Kunsthandwerk, ein Kamin und<br />

komfortable Sitzmöbel strahlen Gelassenheit aus<br />

und sorgen in dieser Suite für pure Erholung.<br />

4<br />

© HUGO THOMASSEN (5), JURGEN LIJCOPS<br />

5 6<br />

61


ID-NEWS HOTEL<br />

Einrichtung greift den japanischen Wabi-Sabi-Wohnstil auf, geprägt von<br />

Ruhe und Klarheit. Natürliche Materialien, sorgfältig ausgewählte Objekte<br />

und eine sanfte Farbpalette machen die Räume zu Rückzugsoasen nach einem<br />

erfüllten Sightseeingtag. Schließlich hat die Hafenstadt an der Schelde viele<br />

kulturelle Highlights zu bieten, etwa das ganz in der Nähe gelegene Rubenshaus<br />

mit Werken des flämischen Barockmalers Peter Paul Rubens.<br />

Einfach göttlich: Spa und Speisen<br />

Das klösterliche Prinzip »ora et labora« wird hier zwar schon lange nicht<br />

mehr praktiziert, aber der spirituelle Geist ist allgegenwärtig – ob in der puristischen<br />

Architektur oder bei den Treatments im hochmodernen Botanic<br />

Health Spa, wo man auf Achtsamkeit setzt und einem ganzheitlichen Ansatz<br />

folgt: mit alten Heil- und Präventionsmethoden, Naturheilkunde sowie traditioneller<br />

chinesischer und europäischer Medizin. Zu einer ganz anderen<br />

Art von Pilgerstätte hat sich das Mitglied der Leading Hotels of the World<br />

bei Feinschmeckern entwickelt: Unter dem Klosterdach befinden sich gleich<br />

vier Gourmetrestaurants, darunter das mit zwei Sternen dekorierte Hertog<br />

Jan, in dem zwischen Bienenstöcken und Kräutergarten majestätisch-gehobene<br />

Küche serviert wird. Und über das Fine Fleur steht im aktuellen Michelin-Guide:<br />

»Eine Küche voller Finesse – einen Stopp wert!« Übrigens, heiraten<br />

kann man in der zum Boutiqueresort gehörenden Kapelle auch noch.<br />

Kurz: Das Botanic Sancturary ist ein All-inclusive-Erlebnis.<br />

Urbaner Rückzugsort:<br />

Im Botanic Health Spa<br />

trifft nachhaltiges Design<br />

mit den Naturstoffen<br />

Holz, Stein und Glas auf<br />

High-Class-Wellness.<br />

Das auf ein ganzheitliches<br />

Gesundheitskonzept<br />

beruhende Retreat<br />

erstreckt sich über drei<br />

Etagen und wurde<br />

vom Tiroler Spa-Pionier<br />

und Architekten Heinz<br />

Schletterer kreiert.<br />

© AID ARCHITECTEN<br />

62


v<br />

Jean Prouvé Collection<br />

Fotografiert in der Villa Dollander, Le Lavandou, Frankreich; 1949 von<br />

Jean Prouvé (Konstruktion) und seinem Bruder Henri (Architektur) erbaut.


ID-NEWS BÜCHER<br />

Von Andrea Bierle<br />

Ein Paradies auf Erden<br />

»Bali Mystique«. Elora Hardy, 312 Seiten,<br />

englisch, Assouline, 95 Euro<br />

Versammlung der Superhelden<br />

»Marvel Comics Library. Avengers. Vol. 1. 1963–<br />

1965«. 630 Seiten, englisch, Taschen, 150 Euro<br />

Bon appétit!<br />

»Zu Tisch in Paris«. 128 Seiten, Thorbecke,<br />

25 Euro<br />

Ob Miami Beach, Ibiza oder St. Moritz – die<br />

prachtvollen Bildbände der Reisereihe von<br />

Assouline sind immer ein Hingucker. Jetzt hat<br />

der Lifestyleverlag ein Coffee-Table-Buch<br />

über Indonesiens Trendinsel herausgebracht –<br />

mit 200 wunderschönen Fotografien, die die<br />

vielen unterschiedlichen Gesichter von Bali<br />

zeigen. Für Traveller zum (Tag-)Träumen.<br />

Als Thor, Ant-Man, Hulk und Iron Man sich<br />

1963 zu den Avengers zusammenschlossen,<br />

begann eine der bedeutendsten Geschichten<br />

der Comic-Kultur. Jetzt wurde die gigantische<br />

Sammlung der Originale von Jack Kirby und<br />

Stan Lee in einem XXL-Format nachgedruckt<br />

und vollgepackt mit zusätzlichen Fotos, Dokumenten<br />

und Kunstwerken. Kult!<br />

Lust auf einen Citytrip an die Seine, aber keine<br />

Zeit? Dann ist dieses Kochbuch mit den (laut<br />

Untertitel) »besten Rezepten aus Cafés und<br />

Bistros« genau das Richtige. Bei Bouillabaisse,<br />

Crème brûlée und einem Gläschen Crémant<br />

fühlt man sich (fast) wie am Montmartre. Und<br />

für den nächsten Paris-Besuch gibt es dazu<br />

Shoppingtipps für Gourmets.<br />

Fantasievoll und farbenfroh<br />

»Jaime Hayon«. 304 Seiten, englisch,<br />

Gestalten, 50 Euro<br />

Er ist einer der einflussreichsten Kreativen und<br />

wird vom Time-Magazin als visionärer Designer<br />

seiner Generation gefeiert. In seinem neuen<br />

Buch versammelt der in Valencia lebende Jaime<br />

Hayon Auftragsarbeiten für renommierte Marken.<br />

Sein fröhlich-verspielter Stil bewegt sich<br />

zwischen Kunsthandwerk und Design. Schon<br />

das Durchblättern macht gute Laune.<br />

Let’s get prêt-à-porter!<br />

»The Fashion Yearbook 2022«. 240 Seiten,<br />

englisch, Callwey, 49,95 Euro<br />

Moderedakteurin Julia Zirpel und Art Director<br />

Fiona Hayes präsentieren mit einer internationalen<br />

Expertenjury die besten Editorials,<br />

Cover und Kampagnen aus dem Jahr 2021.<br />

Dazu werden die Akteure hinter den glamourösen<br />

Bildern vorgestellt. Von der ersten bis<br />

zur letzten Seite ein großes Guck- und Lesevergnügen,<br />

nicht nur für Fashionistas.<br />

Der besondere Blick<br />

»Sibylle Bergemann«. 256 Seiten,<br />

Hatje Cantz, 48 Euro<br />

Noch bis zum 10. Oktober ist die Ausstellung<br />

des gleichnamigen Fotobands »Sibylle Bergemann.<br />

Stadt Land Hund« in der Berlinischen<br />

Galerie zu sehen. Es sind Aufnahmen aus über<br />

vier Jahrzehnten, die »den Moment atmen«,<br />

geschaffen von der 2011 verstorbenen Mitbegründerin<br />

der Fotoagentur Ostkreuz. Eine<br />

spannende Frau und Ausnahmefotografin!<br />

64


© KRISTIN LEE MOOLMAN/FASHION YEARBOOK 2022 CALLWEY<br />

Diese Ladys<br />

posieren für<br />

die Kampagne<br />

Ultimate Midnight<br />

Angels und zeigen<br />

die Kollektion des<br />

südafrikanischen<br />

Designers Thebe<br />

Magugu, abgebildet<br />

im Fashion<br />

Yearbook 2022.<br />

65


Contemporary Pictures<br />

Galerie der Fotokunst


D800<br />

(Nikon)<br />

Daylight<br />

(Kodak)<br />

M6<br />

(Leica)<br />

Pen<br />

(Olympus)<br />

AE-1<br />

(Canon)<br />

Land Camera 1000<br />

(Polaroid)<br />

iPhone X<br />

(Apple)<br />

X1D<br />

(Hasselblad)<br />

Synchro-Compur<br />

(Rolleiflex)<br />

© LE DUO


ID-PORTFOLIO<br />

Bilder wie vom<br />

anderen Stern<br />

Wenn man die Arbeiten von Michael Najjar betrachtet, sollte man sich nicht zu<br />

sehr auf seine Sinne verlassen. Was real erscheint, könnte Fiktion sein und umgekehrt.<br />

Wenn einem bei diesem Hin und Her leicht schwindlig wird, ist das nur gerechtfertigt.<br />

Das passiert dem Berliner Fotokünstler während seiner abenteuerlichen<br />

Produktionen auch dann und wann.<br />

Von Jan van Rossem<br />

68


eruption, 2021, aus der Serie cool earth.<br />

69


ID-SEITENTITEL


stratospheric injection, 2022, aus der Serie cool earth.


ID-PORTFOLIO<br />

72


hangseng_80-09, 2008, aus der Serie high altitude.<br />

73


Accus deliquis es dolor sequatium faccabo reptati<br />

umquia porepedi doloremodic tempelecto voloren<br />

delescipsae volorehent ex everepudit eri nis


netropolis | shanghai | 2017, aus der Serie netropolis.


ID-PORTFOLIO<br />

76


arctic elegy, 2022, aus der Serie cool earth.


ID-PORTFOLIO<br />

f.a.s.t., 2017, aus der Serie outer space.<br />

78


orbital ascent, 2017, aus der Serie outer space.<br />

79


liquid gravity, 2013, aus der Serie outer space.


ID-PORTFOLIO<br />

82


lunar explorers, 2019, aus der Serie outer space.<br />

83


ID-PORTFOLIO<br />

»Ich brauche für<br />

meine Bilder extreme<br />

Ersterfahrungen!«<br />

Wer Michael Najjar zum Gespräch trifft, kann nicht ahnen, was ihm blüht.<br />

Da sitzt ein aufgeräumter Mittfünfziger, der mit ruhiger, klarer Stimme<br />

über seine Arbeit erzählt. Die nächsten zwei Stunden sind dann allerdings<br />

ein Parforceritt in schwindelerregende Höhen und auf höchste Türme.<br />

Es geht um die Besteigung eines Siebentausenders, Erlebnisse vom Weltraumtraining,<br />

den freien Fall aus zehn Kilometern Höhe – und um Fotos.<br />

Michael Najjar, du präsentierst<br />

hier Fotos aus verschiedenen<br />

Serien, die in vielerlei Hinsicht<br />

unglaublich sind. Wie entstehen<br />

solche Arbeiten?<br />

Es ist immer eine Mischung aus akribischer<br />

Recherche, Bildkonzeption, Shootings<br />

an extremen Locations und monatelanger<br />

Arbeit in der Postproduktion am<br />

Rechner. Die eigene Erfahrung ist die<br />

Basis für meine künstlerische Arbeit.<br />

Das klingt interessant, aber so<br />

richtig kann ich es mir noch<br />

nicht vorstellen. Kannst du ein<br />

Beispiel geben?<br />

Für die Serie netropolis, in der es um die<br />

urbane Verdichtung und Vernetzung im<br />

digitalen Zeitalter geht, bin ich in vielen<br />

Megacitys auf die jeweils höchsten Gebäude<br />

gestiegen, um von dort Fotos zu<br />

machen. Ich habe in alle vier Himmelsrichtungen<br />

fotografiert und die Bilder dann<br />

später mit einem selbst entwickelten Algorithmus<br />

in verschiedenen Dichtegraden<br />

ineinandergerechnet. Der erhöhte Blick<br />

und die Draufsicht transformieren die<br />

ausufernde Stadt dabei zur abstrakten<br />

Landschaft über die Grenzen des Bildes<br />

ins Unendliche. Die Serie ist inspiriert<br />

von Jackson Pollocks drip paintings und<br />

Fritz Langs Stummfilm Metropolis.<br />

Hat man dich überall mit offenen<br />

Armen empfangen?<br />

Na ja. Die Aufnahmebedingungen sind<br />

komplex. Du kannst erst am Morgen entscheiden,<br />

ob Wetter und Lichtverhältnisse<br />

stimmen. Die Genehmigungen müsstest<br />

du aber Wochen vorher genau datiert haben.<br />

Ich bin das pragmatisch angegangen,<br />

manchmal bin ich im Anzug mit Aktenkoffer<br />

und meiner Kamera darin in den<br />

Geschäftstowern nach oben gefahren, als<br />

würde ich dort regulär arbeiten.<br />

Und das gab keine Probleme?<br />

Ab und zu schon. In Dubai war im World<br />

Trade Centre die oberste Plattform gerade<br />

im Umbau. Im weißen Anzug kam ich<br />

bis oben rauf, doch dann stoppte mich die<br />

Security. Ich behauptete spontan, ich sei<br />

der Architekt und müsse nach dem Rechten<br />

sehen. Hat funktioniert. Als die Arbeiter<br />

Mittagspause machten, bin ich aus den<br />

offenen Fenstern auf kleine Vorsprünge<br />

am Gebäude gestiegen, einmal rumgelaufen<br />

und habe meine Fotos gemacht.<br />

In 150 Metern Höhe??<br />

Ja. Wenn es darum geht, meine Bilder zu<br />

bekommen, bin ich immer sehr zielfixiert;<br />

riskante Situationen gehören oft dazu.<br />

Danach kam deine Serie high<br />

altitude. Ging es um Höhenrausch?<br />

Ich war damals fasziniert vom Einfluss<br />

neuer Technologien auf die Finanzmärkte.<br />

Der physische Marktplatz hat sich plötzlich<br />

in die Immaterialität des Rechners<br />

verlagert. Und mir fiel eine Analogie zwischen<br />

Finanzwelt und Bergsteigen auf.<br />

Wie bitte?<br />

Es geht letztendlich in beiden Bereichen<br />

um Risikomanagement. Erklär ich gleich.<br />

Jedenfalls wollte ich einen Siebentausender<br />

besteigen. Bergsteigerfahrung hatte<br />

ich nicht. Monatelanges Training, minutiöse<br />

Vorbereitung, Flug nach Argentinien<br />

zum Aconcagua. Mit Bergführern, Sherpas<br />

und Kameraequipment begann der<br />

Aufstieg. Auf 6500 Metern kamen wir<br />

nicht weiter, mein Bergpartner konnte<br />

nicht mehr. Der Bergführer wollte abbrechen,<br />

aber ich wollte unbedingt nach<br />

oben, so kurz vor dem Ziel. Wir haben einen<br />

zweiten Versuch unternommen – und<br />

es dann auf den Gipfel geschafft.<br />

Klingt ein bisschen verrückt.<br />

Nein. Es geht um mentale und physische<br />

Grenzerfahrungen. Auf dem Gipfel habe<br />

ich vor Erschöpfung und Glück geheult.<br />

Der Sauerstoffmangel führt zu Realitätsverzerrung.<br />

Ich wollte in die Tiefe springen,<br />

dachte, ich könnte fliegen! Ich hatte<br />

die Kamera schon voreingestellt und habe<br />

dann nur noch auf den Auslöser gedrückt.<br />

Das alles für ein paar schöne<br />

Bilder von Bergen?<br />

Es ging nicht nur um schöne Bilder. Es ging<br />

darum, ein Konzept durchzuziehen, und<br />

dafür brauchte ich bestimmtes Bildmaterial.<br />

Und der Aufstieg hat mir die vermutete<br />

Analogie zwischen Finanzmarkt und<br />

Bergsteigen bestätigt. Am Anfang achtest<br />

du noch auf jedes Detail, jeden einzelnen<br />

© THOMAS RUSCH<br />

84


Schritt. Aber je weiter und vor allem je<br />

höher du kommst, desto mehr schwächt<br />

der Sauerstoffmangel dein Risikomanagement.<br />

Euphorie und Adrenalin übernehmen<br />

die Kontrolle. Sauerstoffmangel ist in<br />

den Finanzmärkten mit fehlender Liquidität<br />

gleichzusetzen.<br />

Und das zeigen jetzt die Fotos von<br />

Bergkämmen?<br />

Ich habe sie digital bearbeitet. Pixel für Pixel<br />

verändert. Die Kammlinien entsprechen<br />

jetzt den Kursentwicklungen der<br />

wichtigsten Börsenindizes über einen Zeitraum<br />

von 30 Jahren: Dow Jones, Nasdaq,<br />

Nikkei, Dax. Ich wollte etwas Immaterielles<br />

wieder sichtbar machen.<br />

Einige Bilder scheinen schon sehr<br />

irreal. Passt ja zur Finanzwelt.<br />

Stimmt. Es war ein magischer Moment, als<br />

wir auf dem Gipfel standen. Da dachte<br />

ich: Jetzt muss ich in den Weltraum.<br />

Das ist ja naheliegend.<br />

Nein, im Ernst …<br />

Es war gerade die Zeit, als die Nasa ihr<br />

Shuttle-Programm eingestellt hatte;<br />

immer mehr private Anbieter drängten<br />

in dieses Vakuum. Es war einer dieser<br />

turning points in der Geschichte, die mich<br />

so faszinieren.<br />

Wie bist du vorgegangen?<br />

Es begann erst mal eine lange Recherche.<br />

Bis dahin waren nur circa 550 Menschen<br />

im All gewesen. Ich wollte auch ins All fliegen!<br />

2011 nahm ich Kontakt zu Virgin Galactic<br />

auf, dem Unternehmen von Richard<br />

Branson. Die sagten, klar, ich könne mitmachen,<br />

aber ich müsse ein reguläres Ticket<br />

kaufen. 250000 Dollar. Drei meiner Sammler<br />

haben mir das Ticket dann finanziert.<br />

Was hat dich als Künstler daran<br />

so fasziniert?<br />

Mich interessiert die kulturelle und soziale<br />

Dimension, die der Übergangsprozess<br />

hin zu einer größeren menschlichen Präsenz<br />

im Weltraum eröffnet. Ich wollte auch<br />

wissen, wie sich professionelle Astronauten<br />

vorbereiten. Ich nahm Kontakt zu Star<br />

City, dem russischen Trainingscenter, auf.<br />

Das war nicht einfach. Nach über einem<br />

Jahr und Hunderten von Mails und Telefonaten<br />

haben sie zugestimmt. Ich durfte<br />

mit den Kosmonauten trainieren: in einer<br />

umgebauten Transportmaschine 30 Sekunden<br />

Schwerelosigkeit während der Parabelflüge.<br />

Spacewalk-Training an einem Modell<br />

der Raumstation in einem gigantischen<br />

Hydrolab, im Weltraumanzug zwölf Meter<br />

unter Wasser. Haben wir akribisch vorbereitet,<br />

detaillierte Storyboards, Lichtplanung,<br />

ein weiterer Fotograf und Kameramann<br />

mit mir in der Tiefe. Insgesamt<br />

waren 45 Leute beteiligt, ich war zwei<br />

Stunden unter Wasser.<br />

Uff!<br />

Das Anstrengendste war der Flug mit einer<br />

MiG-29 in die Stratosphäre. Doppelte<br />

Schallgeschwindigkeit, 50 Minuten Manöver.<br />

G-Kräfte trainieren. Du verlierst völlig<br />

die Raumorientierung. Oben, unten, links,<br />

rechts, löst sich alles auf. Ich wollte unbedingt<br />

eine dreifache Drehung um die eigene<br />

Achse fliegen. Brauchte ich für meine<br />

Videoarbeit. Da wirken Kräfte des Siebenfachen<br />

deines Körpergewichts auf<br />

dich ein. Das Blut wird aus dem Kopf rausgepresst,<br />

ich war kurz vor der Bewusstlosigkeit.<br />

Auf einer US-Militärbasis habe ich<br />

einen HALO-Tandem-Fallschirmsprung aus<br />

10 000 Metern Höhe gemacht. HALO<br />

steht für High Altitude Low Opening, also<br />

aus großer Höhe springen und den Fallschirm<br />

spät öffnen. Zwei Minuten freier<br />

Fall Richtung Erdoberfläche bei 300 km/h.<br />

Wir hatten drei Kameraleute in der Luft,<br />

ich selbst hatte sieben Kameras am Körper.<br />

Das war die reinste Form von Gravitationserfahrung<br />

– der freie Fall. Daraus ist<br />

später eine tolle Videoarbeit entstanden.<br />

Und es war eine Vorbereitung für den Flug<br />

ins All. Ich will die Erde von oben sehen.<br />

Was kann danach noch kommen?<br />

Ich arbeite schon an einer neuen Serie,<br />

die setzt sich mit unserer planetaren<br />

Zukunft in Zeiten des Klimawandels sowie<br />

der Rolle neuer Klimatechnologien auseinander.<br />

Der Anstieg der Erdtemperatur<br />

auf über zwei Grad würde diverse Kipppunkte<br />

im Erdsystem aktivieren, die ein<br />

bislang stabiles System in ein chaotisches<br />

verwandeln und unsere zivilisatorische<br />

Existenz gefährden würden. Geoengineering<br />

ist ein wichtiges Thema: Wie kriegen<br />

wir das CO 2 wieder raus aus der Atmosphäre?<br />

Maßnahmen wie aktive CO 2-Absorption<br />

aus der Luft, Einbringung von<br />

Aerosolen in die Stratosphäre, Weltraumreflektoren,<br />

Aufhellung von Wolken, Produktion<br />

von Polareis und Ocean-Farming<br />

gehören zu den Instrumenten des Climate-<br />

Engineerings. Werden wir alles brauchen.<br />

Aber wie fotografiert man das?<br />

Unterschiedliche Ansätze. In Island habe<br />

ich einen Vulkanausbruch aus allernächster<br />

Nähe fotografiert, musste aufpassen,<br />

nicht von herumfliegender Lava getroffen<br />

zu werden. Kürzlich war ich auf Expedition<br />

in der Hocharktis. Die Westküste Spitzbergens<br />

rauf bis zum Nordpol-Packeis.<br />

Spitzbergen ist der sich am schnellsten<br />

erwärmende Ort auf der Erde! Die Arktis<br />

ist der Hotspot des Klimawandels.<br />

Dabei sind extreme Bilder<br />

entstanden.<br />

Ja, schon, aber entscheidend ist natürlich<br />

immer das Konzept. Was transportiert das<br />

Werk am Ende für einen Inhalt, für eine<br />

Aussage? Es geht mir dabei nie um das<br />

Abbilden von Realität, sondern um die<br />

Konstruktion von Realität. Wie bei meinem<br />

Triptychon lunar explorers: Man sieht<br />

zwölf Astronauten auf der Mondoberfläche<br />

arbeiten. Das sind alle Astronauten,<br />

die im Rahmen der sechs Apollo-Missionen<br />

den Mond betreten haben. Aber gemeinsam.<br />

Die Arbeit ist aus Hunderten<br />

von Originalaufnahmen der Nasa komponiert.<br />

Die Mondlandung hat gezeigt, dass<br />

Menschen scheinbar unmögliche Unternehmungen<br />

vollbringen können. Und im<br />

Kontext des Klimawandels ist das jetzt<br />

dringend wieder vonnöten.<br />

85


Contemporary Design<br />

Ein Lob der Kreativität


Shell<br />

(Hans Wegner / Carl Hansen & Son)<br />

Capo<br />

(Doshi & Levien / Cappellini)<br />

Barcelona<br />

(Ludwig Mies van der Rohe / Knoll)<br />

Masters<br />

(Philippe Starck / Eugeni Quitllet / Kartell)<br />

Ball Chair<br />

(Eero Aarnio / Eero Aarnio Originals)<br />

Swan<br />

(Arne Jacobsen / Fritz Hansen)<br />

Acapulco<br />

(Ok Design)<br />

Up 5&6, La Mamma<br />

(Gaetano Pesce / B&B Italia)<br />

RAR<br />

(Charles & Ray Eames / Vitra)<br />

© LE DUO


ID-MAILAND<br />

Auf die Plätze,<br />

fertig, los!<br />

Das Designkarussell dreht sich wieder: Auf der Mailänder Möbelmesse und in den einschlägigen<br />

Szenevierteln der Stadt ging es farbenfroh, verspielt und märchenhaft zu.<br />

Benvenuti zu einer Reise durch eine Wunderwelt der Gestaltung und ihrer Protagonisten.<br />

Von Camilla Péus<br />

© MIRO ZAGNOLI<br />

88


4<br />

3<br />

5<br />

2<br />

10<br />

6<br />

1<br />

7<br />

9<br />

8<br />

© PR<br />

1/ Stuhl S 661 aus Buche in Olivgrün von Günther Eberle (Thonet). 2/ Esszimmersessel Nice aus Leder von GamFratesi (Poltrona Frau). 3/ Minimalist AKA<br />

aus Buchenholz von Konstantin Grcic (Magis). 4/ Lehnstuhl Klismos aus Eiche mit gewebter Lehne von Antonio Citterio (Knoll). 5/ Kaffeehausstuhl Atypical<br />

Chair. Design: Storagemilano (Gebrüder Thonet Vienna). 6/ Stuhl Leggera Outdoor aus emailliertem Stahl von Gio Ponti und Cesare Cassina (Cassina). 7/ Aus<br />

recycelten Illy-Kaffeekapseln: RE-Chair von Antonio Citterio (Kartell). 8/ Stuhl 119F mit Geflecht und Hochglanz-Finish in Altrosa von Sebastian Herkner (Thonet).<br />

9/ Origamistuhl aus der Ruban-Serie von Estudio Persona (Pierre Frey). 10/ Gartenstuhl Capitellum aus Edelstahl im Stil einer antiken Säule (Fornasetti).<br />

Linke Seite In der historischen Bibliothek Circolo Filologico inszenierte Thonet Neuheiten auf dem Circolo Thonet. Konzept: Sebastian Herkner.<br />

89


ID-MAILAND<br />

1 2<br />

Wunderknabe Luke Edward Hall<br />

Frisch vermählt und gut gelaunt stellte der<br />

britische Exzentriker Luke Edward Hall gleich<br />

zwei Kollektionen in Mailand vor: 13 Stoffe<br />

für den venezianischen Textilediteur Rubelli<br />

sowie Sammlerstücke für die florentinische<br />

Porzellanmanufaktur Ginori 1735.<br />

Rubelli fertigt Stoffe seit 1858 – wie haben<br />

Sie die Schätze im Archiv genutzt?<br />

Es war wichtig, in die Rubelli-Historie einzutauchen.<br />

Denn das Team half mir zu verstehen, welches meiner<br />

Muster auf welchen Textilien funktioniert: Blumen<br />

auf Jacquard, Sterne auf Taft, antike Büsten<br />

Von Camilla Péus und Andrea Bierle<br />

Wie entstand die Zusammenarbeit mit<br />

Rubelli für die Linie Return to Arcadia?<br />

Ich traf Nicolò Favaretto, den CEO von Rubelli, in<br />

Venedig, zeigte ihm einige Skizzen und nach einem<br />

kurzweiligen Gespräch beauftragte er mich, eine<br />

Capsule-Kollektion zu entwerfen. Mir war wichtig,<br />

dass die Dekore nicht zu perfekt wirken, sie sollen<br />

vor allem Freude und Optimismus verbreiten. Deshalb<br />

habe ich alle Linien handgezeichnet, bevor sie<br />

digitalisiert wurden, sogar für den Stoff Quatrefoil,<br />

zu dem mich Teppichdesigns des Franzosen Emilio<br />

Terry inspirierten. Ein höchst skurriler Druck (lacht).<br />

auf Baumwolle. Ich fühle mich immer zu alten geblümten<br />

Stoffen hingezogen, aber manchmal erscheinen<br />

mir die Farben etwas trüb. Deshalb habe<br />

ich zum Beispiel den Brokat Ribbon Bouquet mit<br />

Pfirsich- und Lavendeltönen aufgefrischt – die bringen<br />

genau die richtige Menge an Zucker mit.<br />

Warum das große Interesse an der Antike?<br />

Mich fasziniert römische und griechische Historie,<br />

ihre Symbole, die Mythologie. Sie ist voller großartiger<br />

Geschichten um Tod, Schönheit, Tragik. Ich<br />

schaue in die Vergangenheit, um etwas Zeitgenössisches<br />

daraus zu machen. Jetzt erscheinen Leiern,<br />

Tempel und Statuen zwischen Blumen, Blättern und<br />

3<br />

1/ Luke Edward Hall in<br />

seinem Hochzeitsanzug<br />

mit Print Rousham, der<br />

inspiriert ist von einem<br />

Lustgarten in Kent. Das<br />

Design gibt es auch als<br />

Bezugsstoff. 2/ Details<br />

der Stoffe Antinous,<br />

Quatrefoil und Chain<br />

Stripe. 3/ Opulenz:<br />

Bezug Ribbon Bouquet<br />

mit gestickter Blütenpracht<br />

(alles Rubelli).<br />

© ANDREA BIERLE, RUBELLI SPA (2)<br />

90


4 5<br />

Sternen. Dabei ist Farbe der Schlüssel meines gesamten<br />

Schaffens, eine Palette aus staubigem Violett,<br />

Olivgrün, Blassrosa, Smaragd und Rostorange.<br />

© FRANCESCO ROMEO, PR<br />

Und Ihre Duftkerzen und Sammlerstücke<br />

für Ginor i1735 sind von Reisen inspiriert …<br />

Genau. Die Fragrances und Teller feiern meine Lieblingsziele<br />

und zeigen imaginäre Gebäude, die den<br />

Geist des Ortes einfangen, ein gotischer Folly in<br />

den Cotswolds, eine Blockhütte an Kaliforniens<br />

Küste, ein venezianischer Palazzo und ein Riad in<br />

Marrakesch. Die Kerzengefäße entstanden aus einer<br />

Nostalgie für die altmodischen Apotheken, wie<br />

man sie noch in Florenz und Rom findet und die oft<br />

ihre eigenen Düfte und Medikamente mischen.<br />

Welche Rolle spielen englische Gärten?<br />

Sie liefern mir ständig Ideen. Auch mein eigener<br />

Garten in den Cotswolds, wo ich lebe und arbeite.<br />

Allerdings bin ich ein totaler Hobbygärtner!<br />

6<br />

4/ In der rosafarbenen Anfora Rajathra<br />

Palace versteckt sich eine Duftkerze.<br />

5/ Alle Kreationen des Absolventen<br />

der Londoner Designkaderschmiede<br />

Central Saint Martins basieren auf seinen<br />

Zeichnungen. 6/ Reminiszenzen in<br />

Porzellan: Der Teller Palazzo Centauro<br />

erinnert an Venedig, Rain Rock Creek<br />

an Big Sur. Duftkerze Profumi Luchino<br />

(alles Luke Edward Hall für Ginori 1735).<br />

91


ID-MAILAND<br />

C(n)ouchsurfing<br />

Voluminös und knautschig, mit fließenden Silhouetten<br />

in Blüten- und Wolkenformen: Ganz ohne<br />

Ecken und Kanten werden die neuen Sofas und Sessel<br />

zu ultrakomfortablen Entspannungsinseln.<br />

© PR<br />

92


1<br />

2<br />

3<br />

1/ Der XXL-Bunny im Showroom<br />

von Missoni wirkte wie aus dem<br />

Metaverse – ein Symbol für die<br />

Modernität der Marke. Dabei<br />

trug der Hase inmitten der Installation<br />

Welcome Back Dreams<br />

von Kreativchef Alberto Caliri<br />

den typischen Missoni-Strick mit<br />

viel Sinn für Humor. 2/ Farblich<br />

passend: Stuhl Eleganza Missoni<br />

von Philippe Starck mit einem<br />

Bezug aus Jacquardstoff im ikonischen<br />

Zickzackmuster (Kartell).<br />

3/ Loungen wie auf Wolke 7:<br />

Sessel Nana Love Seat mit<br />

Hocker in der Farbe Nude von<br />

Hanne Willmann (Freifrau).<br />

4/ Das Sofa Bomboca erinnert<br />

an das gleichnamige Konfekt aus<br />

Brasilien. Die acht Kissen fügen<br />

sich wie ein Puzzle ineinander.<br />

Von Fernando und Humberto<br />

Campana für die Kollektion<br />

Objets Nomades (Louis Vuitton).<br />

4<br />

© PR<br />

93


ID-MAILAND<br />

1<br />

2<br />

4<br />

3<br />

1/ Schützende Hand: Redesign des Sessels DS-800, den Ubald Klug in den 1970er-Jahren entwarf. Mit lilafarbenem Velours und drehbarem Sitz (de Sede).<br />

2/ Inspiriert von den wogenden Segeln omanischer Handelsschiffe: Sofa Inky Dhow Ripple mit handgemaltem Wellenmuster und Messingfüßen (Bethan<br />

Gray Design). 3/ Revival: Der Sessel Soriana, in den 1960er-Jahren von Afra und Tobia Scarpa kreiert, erhielt einem Bezug aus nachhaltigem japanischem Denim.<br />

Limitiert auf 150 Stück (Cassina). 4/ Drehsessel Cream mit Sitzschale aus gebogenem Holz und Metallfüßen, Entwurf: Studio Truly Truly (Leolux).<br />

© PR<br />

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4<br />

2<br />

1<br />

3<br />

4<br />

5<br />

© PR<br />

1/ Erst eine digitale NFT-Vision, jetzt real: Sessel Hortensia mit 30 000 textilen Blütenblättern im Ton Petal Sage von Andrés Reisinger und Júlia Esqué (Moooi).<br />

2/ Outdoorversion des Sesselklassikers Marenco mit Bezug Capri von Mario Marenco (Arflex). 3/ Komfortsessel Paradise Bird mit Rückenlehne<br />

aus Leder und Polstern mit Taschenfederkern und Daunenfüllung von Luca Nichetto (Wittmann). 4/ Modulsofa Esosoft mit Aluminiumbasis und Polsterwatte<br />

aus recyceltem PET von Antonio Citterio (Cassina). 5/ Feminine Chaiselongue Aldora mit geschwungener Rückenlehne von Cristina Celestino (Moooi).<br />

95


ID-MAILAND<br />

Fashion loves Home<br />

Wer sich gern exklusiv kleidet, kann sich nun auch mit seinen Lieblingslabels zu Hause einrichten. Es gab<br />

in Mailand kaum eine Modemarke, die nicht auch großartige Designprodukte präsentierte.<br />

FENDI CASA<br />

Schon der nagelneue Showroom von Fendi Casa<br />

an der Piazza della Scala, gleich neben der<br />

berühmten Oper, ist mit seinen 700 Quadratmetern<br />

auf zwei Etagen ein Highlight. Ebenso<br />

gelungen: die neue Kollektion – modern,<br />

raffiniert und von den Topnamen der Szene:<br />

Cristina Celestino schuf den Beistelltisch<br />

Earring (o.) in Form eines Ohrsteckers, Atelier<br />

Oï den Spiegelparavent Blossom (r.) und<br />

das Sofa Fun, aus dem das Polstermaterial<br />

herauszuquellen schien, Marcel Wanders die<br />

Couch Five (im Foto l.) und Peter Mabeo eine<br />

Serie geschnitzter Holzmöbel aus Botswana.<br />

fendicasa.com<br />

DOLCE & GABBANA<br />

Dass Domenico Dolce und Stefano Gabbana<br />

Freunde expressiver Muster und Animal Prints<br />

sind, ist bekannt. Bei der Gestaltung ihres ersten<br />

Home-Decor-Showrooms in der Via Durini 23 hat<br />

sich das Duo nun selbst übertroffen: Wohin man<br />

auch schaute, der bunte sizilianische Carretto-<br />

Stil, eine Ode an das Volkserbe der Insel,<br />

prangte auf Sofas, Tischen und Bars – als Allover-Look<br />

vom Boden bis zur Decke. Auch<br />

die anderen drei »Signature Prints« der Marke –<br />

Mediterranblau, Zebra und Leo – zierten<br />

Möbel und Keramiken. Als Solisten haben<br />

die Kreationen durchaus ihren Charme: So<br />

holt der Stuhl Gladiolo (l.) mit sorgfältig auf<br />

den Polsterelementen platziertem Druck<br />

Siziliens Sonne in hiesige Wohnzimmer.<br />

casa.dolcegabbana.com<br />

96


ARMANI/CASA<br />

Giorgio Armani stellte seine Neuheiten in den<br />

Museumshallen der Armani/Silos vor. Das Thema:<br />

Reisen – von China über Japan bis in die Art­déco­<br />

Ära der 1930er­Jahre, in die Natur, aufs Meer und in<br />

den Dschungel. Seine Hommage an die Fahrten an<br />

Bord eines Ozeandampfers inszenierte er in einem<br />

simulierten Bambushain. Dort diente der luxuriöse<br />

Überseeschrank Suite (im Foto l.) als<br />

Kulisse für den edlen Sessel Sharon<br />

(r.) und den Tisch Space (o.). »Zum<br />

ersten Mal nutze ich die Silos, um<br />

eine Ausstellung zu kreieren, die<br />

eine immersive und emotionale<br />

Erfahrung in der Welt von Armani/<br />

Casa bietet«, so der Couturier.<br />

armani.com<br />

© ANDREA FERRARI/FENDI CASA, ANDREA BIERLE, ARMANI CASA, LOEWE, PR<br />

LOEWE<br />

Wiederbeleben, was in Vergessenheit<br />

geraten ist. Darum ging es<br />

Jonathan Anderson, Kreativdirektor<br />

von Loewe, bei dem Projekt<br />

Weave, Restore, Renew. Für die<br />

beeindruckende Ausstellung im<br />

Palazzo Isimbardi übergab das<br />

Haus 240 beschädigte Körbe aus<br />

aller Welt an spanische Kunsthandwerker, die diese<br />

im Namen der Nachhaltigkeit mit Lederschnüren<br />

reparierten. Zudem erforschte Anderson die Lederweberei,<br />

die galizische Stroh­ und Schilfflechttradition<br />

(links ein Korb aus der Linie The Corozas)<br />

und die koreanische Papierwebetechnik<br />

Jitseung (Newspaper Bag, o.). So entstanden<br />

Körbe und Taschen, die zu den schönsten<br />

Dingen gehören, die man diesen Sommer<br />

auf Ibiza oder in Saint­Tropez am braun<br />

gebrannten Arm tragen konnte.<br />

loewe.com<br />

97


ID-MAILAND<br />

LOUIS VUITTON<br />

Alljährlich lässt Louis Vuitton Möbel,<br />

Leuchten und Accessoires von den weltweit<br />

bedeutendsten Designern für die<br />

Serie Objets Nomades fertigen. Überraschend<br />

dabei ist, was die Kreativen<br />

dem Material Leder immer wieder entlocken:<br />

Marcel Wanders verpasste seinem Sofa<br />

Diamond (l.) ein kompliziertes<br />

Flechtwerk, Atelier Oï schnallte<br />

dem Stuhl Belt (r.) die Lehne<br />

ganz einfach um – und Edward<br />

Barber und Jay Osgerby verwandelten<br />

eine Milchflasche mittels<br />

Lederriemen samt Logoprint zur<br />

LED-Leuchte Bell (o.).<br />

louisvuitton.com<br />

HERMÈS<br />

Die großartigen Inszenierungen<br />

von Hermès in Mailand sind ein<br />

Must-see! In der Pelota, der einstigen<br />

Basketballhalle im Brera-<br />

Viertel, hatten Hervé Sauvage und Charlotte<br />

Macaux Perelman vier transluzide Türme errichtet,<br />

inspiriert von den Wassertanks auf New Yorker<br />

Dächern. In deren Innerem stellte die französische<br />

Marke ihre neuen Kreationen vor: den Stuhl Oria (o.)<br />

aus Eiche, Leder und Geflecht von Rafael Moneo<br />

und das Plaid Tissage (l.) aus<br />

Kaschmir von der Künstlerin<br />

Carson Converse mit dem ikonischen<br />

»H«. Das Savoir-faire ist<br />

meisterhaft, ebenso wie die Mode<br />

der Traditionsmarke. Chapeau!<br />

hermes.com<br />

98


2<br />

1 3<br />

Paul Smith x DePadova<br />

© STÉPHANE MURATET/LOUIS VUITTON, MAXIME VERRET/HERMÈS, STUDIO DES FLEURS, ANDREA BIERLE, PR<br />

Motorräder, Snowboards, Autos – es gibt fast<br />

nichts, was Fashiondesigner Paul Smith noch<br />

nicht gestaltet hat – außer Möbel. Jetzt bringt<br />

er mit Boffi/DePadova die Everyday Life-<br />

Kollektion heraus: gradlinig und komfortabel.<br />

Und seine berühmten farbigen Streifen?<br />

Verstecken sich auf der Sesselrückseite.<br />

Von Camilla Péus<br />

Was reizte Sie an der Zusammenarbeit?<br />

DePadova war immer einer meiner Favoriten in der<br />

Möbelbranche, schon um 1960, als die Firma aus einem<br />

Ehepaar bestand. Sie öffneten sich früh der<br />

Moderne, setzten auf Sorgfalt und Komfort, so wie<br />

ich! Wir teilen dieselben Werte. Roberto Gavazzi,<br />

der CEO, traf mich in London in meinem crazy Studio.<br />

Er wusste also, worauf er sich einlässt (lacht).<br />

Gab es ein Aha-Erlebnis bei dem Projekt?<br />

Wissen Sie, es gibt zahllose optisch schöne Sofas,<br />

die nicht besonders komfortabel sind. Sobald man<br />

sich auf die meist zu tiefe Sitzfläche setzt, fällt man<br />

nach hinten. Es ist nicht leicht, ein ansehnliches<br />

Sofa mit höherer Lehne zu gestalten – aber wir haben<br />

es geschafft (klatscht in die Hände und grinst).<br />

Wie sieht es aus beim Material?<br />

Für die weichen Polster haben wir das baumwollähnliche<br />

Naturprodukt Kapok verwendet und mit<br />

recycelten Federn gemischt. Die Bezüge sind aus<br />

einem Baumwoll-Hanf-Gewebe. Der »typische Paul<br />

Smith« versteckt sich nur in der breiten Kreuzstichnaht,<br />

die man von Paul-Smith-Anzügen kennt, und<br />

bei den farbigen Lederriemen hinter der Lehne.<br />

… keine weiteren Paul-Smith-Raffinessen?<br />

Sehen Sie sich die kleinen Ovale am Holzrahmen<br />

der Sessel an! Sie fallen auf, weil ich naturbelassene<br />

mit dunkler Eiche kombiniere. Auch die Couchtische<br />

haben Streifen – allerdings so subtil wie nie!<br />

4<br />

1/ Paul Smith inszenierte<br />

eine Nachbildung seines<br />

Londoner Studios mitsamt<br />

Kunstsammlung<br />

im Mailänder Showroom<br />

von Boffi/DePadova.<br />

2/ Typisch Paul: Sessel<br />

in Ziegelsteinrot, Kissen<br />

in Mitternachtsblau.<br />

3/ Pouf in Blau mit<br />

extrabreitem Kreuzstich.<br />

4/ Lederriemen mit<br />

farbigen Schlaufen an<br />

der Sesselrückseite, die<br />

sogenannten keepers.<br />

99


ID-MAILAND<br />

Fashion x Design<br />

Kollaborationen sind zurzeit hip. Ein »x« zwischen zwei Namen signalisiert die gebündelte Power zweier kreativer<br />

Genies. Die Ergebnisse beeindrucken – vor allem wenn sich Top-Modelabels und -Gestalter verbünden.<br />

SWAROVSKI X ROSENTHAL<br />

Es war ein rauschendes Fest! Auf edlen Etageren<br />

türmte sich pastellfarbenes Konfekt, Torten<br />

waren mit Kristallcolliers verziert, Zuckerdosen mit<br />

kristallenen Papageien und Kaffeekannen trugen<br />

Kristallgriffe mit eingraviertem Schwan. Anlass<br />

der »Swarovski Tea Party« im Garten der Mailänder<br />

Casa degli Atellani: der Launch der Kollektion<br />

Signum, die Swarovski-Designchefi n Giovanna<br />

Engelbert (l.) mit Rosenthal entwickelte. Beim<br />

Service ebenso wie beim<br />

Kristallschmuck spielte sie<br />

mit dem traditionsreichen<br />

Oktagon-Dekor in zauberhaftem<br />

Blau, Grün, Gelb<br />

und Rosa. Bravo, Giovanna!<br />

rosenthal.de, swarovski.com<br />

FERRAGAMO X ACERBIS<br />

Das Luxusunternehmen Salvatore Ferragamo steht<br />

seit 1927 für hochwertigste Lederverarbeitung.<br />

Anlässlich des Projekts Italian Excellence zum<br />

Salone del Mobile tat sich das Modehaus mit den<br />

neuen Kreativdirektoren von Acerbis, Francesco<br />

Meda und David Lopez Quincoces, zusammen. In<br />

der Boutique in der Via Monte Napoleone wurde<br />

ihr Remake des historischen Stuhls Med in mehr farbigem<br />

Wildleder gezeigt – eine Anspielung auf den<br />

berühmten Regenbogen-Keilabsatz des Modelabels,<br />

der auch eine legendäre, 1938 von Salvatore Ferragamo<br />

für Judy Garland kreierte Sandale ziert. Auch<br />

der Kommode Storet (im Foto r.), erdacht von Nanda<br />

Vigo im Jahr 1994, verpasste das Acerbis-Duo mit<br />

leuchtenden Farben und abgerundeten Formen ein<br />

Update – und schickt sie erstmals in Produktion.<br />

ferragamo.com, acerbisdesign.com<br />

100


FAYE TOOGOOD X CARHARTT<br />

Londons Designstern<br />

Faye Toogood und ihre<br />

Schwester Erica kamen<br />

in Begleitung von fünf<br />

Meter hohen Puppets<br />

in den Spazio Maiocchi.<br />

In ihrer Re-Cut-Installation<br />

trugen die Riesen XXL-Versionen der Looks, die sie<br />

für das US-Workwear-Label Carhartt entwarfen.<br />

Die Toogoods verpassten klassischen Jacken und<br />

Overalls skulpturale Volumen, so wie bei der<br />

Oversize-Jacke The Explorer x OG Active (r.)<br />

aus organischer Baumwolle. »Seit den<br />

1990ern habe ich eine braune Carhartt-<br />

Latzhose«, so Faye. »Ich trug sie in der<br />

Kunsthochschule, während all meiner<br />

Schwangerschaften und jetzt, in meinen<br />

Vierzigern, im Garten.«<br />

t-o-o-g-o-o-d.com, carhartt-wip.com<br />

© LORENZO CAPPELLINI BAIO, T-SPACE STUDIO, WU RUI, PR<br />

LORO PIANA X RAPHAEL NAVOT<br />

Loro Piana Interiors produziert Mode, Bezugsstoffe und<br />

Accessoires aus den edelsten Fasern der Welt. Jetzt<br />

feierten die Möbel des Labels in Mailand ein Debüt! Das<br />

Atrium des Headquarters im Cortile della Seta durchzog<br />

eine Dünenlandschaft, in der sich die Kreationen,<br />

designt von Raphael Navot, auf Hügelkuppen positionierten<br />

oder in den »Höhlen« darunter versteckten (Foto r.).<br />

Der Name A Portrait of Comfort war Programm: Die<br />

Chaiselongue Palm Duet mit dem Sidelong Table (l.)<br />

war mit dem Loro-Piana-Material<br />

Cashfur bezogen, einem<br />

Mix aus Kaschmir und Seide –<br />

und ein Genuss für den<br />

Tastsinn. Der Overlap Table<br />

(o.) glänzte in Walnuss.<br />

loropiana.com<br />

101


ID-MAILAND<br />

1<br />

2<br />

Stone<br />

Age<br />

Mit Tischen und Stühlen in Marmor, Onyx und Labradorit<br />

brach in Milano ein neues Steinzeitalter an – nicht kalt und rau,<br />

sondern weich gerundet und lebhaft gemustert.<br />

3 4<br />

5<br />

7<br />

6<br />

9<br />

8<br />

1/ Edler Couchtisch Griffe mit Basis in Walnuss und Platte aus Labradorit-Gestein (Giorgetti). 2/ Esstisch Toveri aus Stahl und Keramik von Studio Truly Truly<br />

(Leolux). 3/ Beistelltisch Tore Onyx im Farbton Verde von David Thulstrup (e15). 4/ Ministuhl Alien Chair aus grauem und pinkem Marmor vom Designduo Katy<br />

Pititskaya und Eduard Eremchuk alias Edxxkat (Nilufar). 5/ Tisch Openup mit Platte aus weißem Carrara-Marmor, Entwurf: Nik Aelbrecht (Cappellini). 6/ Spezialedition<br />

des Tisches Tobi-Ishi aus weißem Carrara- und Verde-Alpi-Marmor, Design: Edward Barber und Jay Osgerby (B&B Italia). 7/ Couchtisch<br />

Oto Medium mit Platte aus Carrara-Marmor und Metalltischbein im Bronzelook von Oscar und Gabriele Buratti (Gallotti & Radice). 8/ und 9/ Esstisch Academy<br />

und Beistelltisch Academy Outdoor mit Beinen aus Stahl und Marmorplatten von Antonio Citterio (Flexform).<br />

© PR<br />

102


Luxury performance fabrics and rugs, shown with Franck Lounge Chairs and Rectangular Coffee Table<br />

Perennials Sutherland Studio | Metzstrasse 33 | 81667 Munich | +49 (0) 89.215.376.82 | germany@thespstudio.com<br />

perennialsfabrics.com | sutherlandfurniture.com


ID-MAILAND<br />

1<br />

Happy Birthday, Bambola!<br />

La Bambola wird 50! Zum Jubiläum schenkt<br />

B&B Italia dem informellen Sessel von Mario<br />

Bellini ein Update: mit weicheren Formen,<br />

soften Bezügen und nachhaltigerem Körper.<br />

(Dreiersofa) und Bamboletto (Bett) machten sich in<br />

den Wohnzimmern breit und erfüllten den Wunsch<br />

nach einem ungezwungenen Lebensstil.<br />

Anlässlich des Jubiläums inszenierte B&B Italias Art-<br />

Von Camilla Péus<br />

Direktor Piero Lissoni die Möbelfamilie im Mailänder<br />

Flagship-Store und ließ von Filmemacher Massi-<br />

Früher war alles besser. Da ließ man 1972 das Model<br />

miliano Bomba (ja, der heißt wirklich so) die Video-<br />

Donna Jordan oben ohne auf einen voluminösen<br />

kampagne Tutte Le Bambole drehen. Wer Probe<br />

Sessel hüpfen, Oliviero Toscani drückte auf den Aus-<br />

gesessen hat, wird bestätigen: Der Bambola geht<br />

löser und das beworbene Möbel schlug ein wie eine<br />

mit der Zeit: Die überarbeitete Version orientiert<br />

Bombe. Die Rede ist von La Bambola, einem Genie-<br />

sich stärker am Original, hat femininere Formen<br />

streich von Mario Bellini, Designer, viel beschäftig-<br />

und ist dank recycelter Polyethylenstruktur nach-<br />

ter Architekt und früherer Herausgeber der Design-<br />

haltiger. »Ich freue mich, diese Familie wiederzu­<br />

bibel Domus (1985–1991). Erfolgsverwöhnt bekam<br />

sehen!«, so Mario Bellini. »Sie bestätigt mir, dass sie<br />

das Maxikissen ohne sichtbare Struktur schon bald<br />

alles andere als alt ist, sondern im Gegenteil ein blü­<br />

Zuwachs: Bibambola (Zweiersofa), Granbambola<br />

2<br />

hendes, vielversprechendes zweites Leben führt.«<br />

3<br />

1/ Mario Bellini, heute<br />

87, auf La Bambola mit<br />

neuem weichem Sablé-<br />

Stoff. 2/ Modedesignerin<br />

Stella McCartney kleidet<br />

den Maxisessel im Fungi<br />

Forest-Print – oder sind<br />

es magic mushrooms?<br />

3/ Die Fotos von Oliviero<br />

Toscani (bekannt für die<br />

Benetton-Kampagne)<br />

wurden sofort zensiert,<br />

was dem Erfolg des<br />

Möbels nicht schadete.<br />

Anzeigenmotiv von 1972<br />

(alles B&BItalia).<br />

© OLIVIERO TOSCANI, B&B ITALIA, PR<br />

104


uehl.com<br />

MAGNOLIA<br />

DESIGN KATI MEYER-BRÜHL<br />

P A S S I O N F O R D E S I G N · E C O - C E R T I F I E D · H A N D C R A F T E D F O R Y O U


ID-MAILAND<br />

Top Locations<br />

Dass man auf dem Designmarathon durch Mailand immer wieder ganz besondere Orte entdeckt, gehört zu den<br />

schönsten Erlebnissen: Diesmal landeten wir in Tresoren, Blumenläden und Napoleons Palazzo.<br />

PULPO<br />

Code geknackt! Hinter den Panzertüren einer<br />

ehemaligen Bank zeigte Patrick L’hoste, Gründer<br />

des deutschen Avantgardelabels Pulpo, die News.<br />

Unter den Preziosen im Tresor waren das Wandregal<br />

Como von Sebastian Herkner (im Foto l.)<br />

sowie die Holzschemel Little Monsters von Vasilica<br />

Isacescu und Nadja Zerunian. Zwischen den Schließfächern:<br />

die Esstische Tavolo2 aus gewelltem Aluminium<br />

und farbigem Glas<br />

von Julia Chiaramonti.<br />

Licht ins Dunkel brachte<br />

auch die sympathische<br />

Keramikleuchte King<br />

Creole von Natascha<br />

Madeiski aus Südtirol.<br />

pulpoproducts.com<br />

CHRISTINA CELESTINO<br />

Die Mailänderin, einer der wichtigsten Namen der<br />

aktuellen Designszene, verwandelte das historische<br />

Blumengeschäft Fioraio Radaelli im Brera-Viertel<br />

in ein grünes Wohnzimmer. In dem ohnehin schon<br />

eleganten Interieur, erschaffen im Jahr 1945 von dem<br />

dänischen Architekten Guglielmo Ulrich, inszenierte<br />

sie ihre femininen Entwürfe: an den Wänden die in<br />

Kolumbien aus Naturfasern handgefertigten Orchideen<br />

Macranta (Ames). Auf den Sockeln<br />

Kissen mit Bezügen von Limonata. Und<br />

auf dem Marmortresen ihre Vasen<br />

Olfattorio (Attico Design), die mit ihrer<br />

integrierten Ampulle dazu einladen,<br />

den Blumenduft zu riechen. Passte<br />

ebenfalls perfekt: der Sessel Peonia<br />

(Pianca) mit einer Lehne in Form einer<br />

Pfingstrosenblüte. Einfach wow!<br />

cristinacelestino.com<br />

© ANDREA BIERLE, DEPASQUALE+MAFFINI, PR<br />

106


TOM DIXON<br />

Seine glänzenden Entwürfe befanden sich in<br />

bester Gesellschaft: Der Brite Tom Dixon<br />

inszenierte sie in den prunkvollen Sälen des<br />

Palazzo Serbelloni. Einst lud dort Gräfin<br />

Gabrio Serbelloni und später Napoleon zu<br />

ausschweifenden Empfängen, heute ist das<br />

Auktionshaus Sotheby’s der Gastgeber. Sein neuer<br />

Lüster Mirror Ball (l.) aus 100 Prozent recyceltem<br />

Polycarbonat mit aufgesprühter Aluminiumschicht<br />

fügte sich ebenso gut ins Bild wie die metallene<br />

Discokugel Etch Puff (r.). Bei seinem Ziel, nachhaltige<br />

Produkte zu produzieren, entstand auch das<br />

Schwergewicht Flame Cut, ein Stuhl aus perforiertem<br />

Eisen, dem Dixon eine »1000-jährige Garantie«<br />

ausstellt. Ambitioniert ist auch sein Stuhl Accretion:<br />

Der bildet sich zurzeit im Meer vor den Bahamas<br />

aus Kalkablagerungen an einem Metallgerüst – ganz<br />

von selbst. tomdixon.com<br />

© ALLEGRA MARTIN, DSL STUDIO, PR<br />

NILUFAR<br />

Die Galerie von Nina Yashar in der noblen Via della<br />

Spiga ist eine Institution – ebenso wie ihr 1500<br />

Quadratmeter großes Schaulager Nilufar Depot<br />

nördlich der Porta Garibaldi. Mit sicherem Gespür<br />

befördert die Erbin einer iranischen Teppichhändlerfamilie<br />

Gestaltertalente ans Licht (sie entdeckte<br />

Martino Gamper und Bethan Laura Wood) – und<br />

bereitet ihnen in ihren Showrooms eine Bühne, an<br />

der kein Designjournalist vorbeikommt. Neueste<br />

Entdeckung: die goldverzierten Teller der Französin<br />

Flavie Audi (o.) und das Service der Schweizerin<br />

Federica Perazzoli, bemalt und<br />

besetzt mit Palmen, Grashüpfern und<br />

Käfern (Vase Tuba und Etagere Oasis, l.),<br />

gefertigt von der Porzellanmanufaktur Ginori 1735<br />

für das Reborn Project. nilufar.com, ginori1735.com<br />

107


ID-DESIGN KÜCHEN<br />

Treffpunkt Nummer eins<br />

Eine Küche kann Designstatement oder Kochwerkstatt sein – vor allem aber ist<br />

sie eine Herzensangelegenheit. Das gemeinsame Kochen und Essen macht sie zum<br />

absoluten Wohlfühlort, der kommunikative Herdfeuer-Effekt ist präsenter denn<br />

je. Und der Look? Mal aus wohnlichem Holz, mal aus edlem Naturstein, auffallend<br />

farbig oder cool metallisch – aber immer so einzigartig wie die Bewohner.<br />

Von Charlotte Kluge<br />

© POGGENPOHL


Basierend auf dem Design von Jorge Pensi aus dem<br />

Jahr 2005 lässt man 2022 bei +Modo die Arbeitsplatte<br />

aus rostrotem Rosso-Lepanto-Marmor versetzt<br />

über dem Korpus schweben (Poggenpohl).


ID-DESIGN KÜCHEN<br />

1<br />

Hölzerner Charme<br />

Wenn das Ambiente behaglich und elegant zugleich sein soll, ist das Naturmaterial<br />

aus dem Wald einfach unschlagbar. Gerade bei puristischen Küchenplanungen<br />

sorgen markante Maserungen für spannende Kontraste. Vertraute Holzarten erhalten<br />

durch neue Verarbeitungen und Inszenierungen eine erfrischende Optik.<br />

2<br />

1/ Vorne die weiße Insel<br />

der Küche b3, dahinter<br />

Technik und Stauraum,<br />

die hinter Falttüren aus<br />

attraktivem Nussbaumfurnier<br />

verschwinden<br />

(Bulthaup). 2/ Mit der<br />

senkrechten Fräsung betont<br />

Designer Sebastian<br />

Desch bei der Küche<br />

echt.zeit das Naturmaterial<br />

Nussbaum (Team 7).<br />

3/ Unter dem Label V-Zug<br />

Living wurden frei stehende<br />

Möbel speziell für die<br />

puristischen High-End-<br />

Geräte der Excellence<br />

Line erschaffen (V-Zug).<br />

3<br />

© LE HAI LINH PHOTOGRAPHY, TEAM 7, PR<br />

110


1<br />

2<br />

1/ Die Fronten Plain sind für die Metod-Korpusse<br />

von Ikea gemacht. Sie leben von der markanten<br />

Eschenholzmaserung in der Farbe Biscotti Wood<br />

(Superfront). 2/ Erfunden wurde das String System<br />

1949, die Weiterentwicklungen taugen heute für alle<br />

Wohnsituationen. Ideal für die Küche: der neue<br />

Oberschrank mit Lifttür in Eiche (String). 3/ Alle<br />

Herde der Kultmarke haben denselben drei Zentimeter<br />

breiten Rahmen. Er hat Designerin Élise<br />

Fouin zur Küche Puissance 3 mit einer vertikalen<br />

oder horizontalen Reliefstruktur inspiriert – besonders<br />

schön in Eiche (La Cornue). 4/ Raumteiler aus<br />

der Küchenwerkstatt: Auf der einen Seite veredelt<br />

das Paneelsystem Fastmount mit dem Furnier Fineline<br />

Grey Lati, einem afrikanischen Hartholz, das<br />

Ambiente, auf der anderen bietet eine Vitrine der<br />

Serie Glance Platz fürs Lieblingsservice (Eggersmann).<br />

5/ Vor 20 Jahren erdachte Designer Piero<br />

Lissoni das Case System 5.0. Typisch sind die fünf<br />

Zentimeter starken Fronten, neu ist die nur acht Millimeter<br />

starke Griffleiste, etwa aus Amerikanischer<br />

Ulme. Ebenso schmal: die Arbeitsplatte (Boffi).<br />

3<br />

© OSMAN TAHIR, MARCUS LAWETT, PR<br />

4<br />

5<br />

111


ID-DESIGN KÜCHEN<br />

1<br />

Stein lebt<br />

Vor Jahrmillionen abgelagertes Sediment und eingeschlossene Fossilien erzählen<br />

von Eiszeiten und Ozeanen – kein Wunder, dass Naturstein die Menschen<br />

fasziniert. Als Material für Arbeitsflächen, Tischplatten, Möbelverkleidungen und<br />

Schrankfronten bringt er ein Stück Erdgeschichte in die eigenen vier Wände.<br />

2<br />

1/ Vor dunkler Eiche<br />

wirkt die Küche ST-ONE<br />

mit der Front Terra aus<br />

brasilianischem Hartgestein<br />

sehr effektvoll<br />

(Strasser). 2/ Der Fokus<br />

auf nur ein Material<br />

wie Carrara­Marmor ist<br />

Vincent Van Duysens<br />

Grundidee für die Serie<br />

Intersection (Dada).<br />

3/ Die Linie Maxima 2.2<br />

liebt offenes Wohnen.<br />

Beim Look Natural<br />

Sharing betonen Metallprofile<br />

und dunkles Holz<br />

den lebhaften Kunststein<br />

Nero Portoro (Cesar).<br />

3<br />

© JAMIE MCGREGOR SMITH, PR<br />

112


1 2<br />

4<br />

© PR<br />

3<br />

1/ Schwarzer Marmor mit einer durchgehenden<br />

Zeichnung über den gesamten Korpus, darüber ein<br />

kubischer Dunstabzug aus Metall – Boffi_Code ist<br />

kein Programm, sondern versteht sich als Haute-<br />

Couture-Atelier, das individuelle Wünsche mit<br />

einem Mix aus Handwerk und industrieller Fertigung<br />

realisiert (Boffi). 2/ Die Küche Tivalì 2.0 vom<br />

Studio Yabu Pushelberg ist die Neuinterpretation<br />

eines Entwurfs von Dante Bonuccelli aus dem Jahr<br />

2004. Das Thema: die Küche als geschlossenes<br />

Möbel im Wohnraum mit Showeffekt – wenn sich die<br />

großen Türen öffnen. Arbeitsfläche und Rückwand<br />

bestehen aus Naturstein (Dada). 3/ Bei Mondial bilden<br />

wuchtige und filigrane, runde und eckige Elemente<br />

eine fein ausbalancierte neue Stilwelt. Spannend<br />

ist die Kombination aus dunklem Kalkstein<br />

Grigio Carnico Patinato und hellem Quarzit White<br />

Fantasy neben Rahmenfronten in Eiche Travertin<br />

(SieMatic). 4/ Mit MyStyle wird der Kühlschrank zum<br />

selbst gestalteten Designobjekt. Die Serie Mason<br />

bietet neben einer Betonoptik die Natursteinlooks<br />

Bilbao Black (s. o.) und Carrara White (Liebherr).<br />

113


ID-DESIGN KÜCHEN<br />

Bei SieMatic wird die<br />

Küche zum Kunstobjekt:<br />

Eine Lichtleiste rahmt<br />

den angeschrägten Sockel<br />

der Serie SLX, betont die<br />

Zeichnung der Arbeitsplatte<br />

aus Keramik, Holz<br />

oder Naturstein sowie die<br />

neuartige Griffmulde und<br />

sorgt für atmosphärische<br />

Raumstimmung. Selbst<br />

Helligkeit und Farbtemperatur<br />

des LED­Lichts<br />

sind steuerbar (SieMatic).<br />

© KLEMME PHOTOS/SIEMATIC


ID-DESIGN KÜCHEN<br />

1<br />

Klassischer Kontrast<br />

Die Küche in Weiß steht nach wie vor ganz oben auf der Beliebtheitsskala, doch<br />

Newcomer Schwarz holt langsam auf! Die beiden neutralen Unfarben bringen<br />

Materialien, Strukturen und Formen besonders gut zur Geltung. Zusammen bilden<br />

sie ein starkes Team mit einer modernen und selbstbewussten Designaussage.<br />

2 3 4<br />

1/ Smart und vernetzt<br />

sind die Geräte der<br />

Excellence Line mit<br />

spiegelnden Glasfronten<br />

(V-Zug). 2/ Die Umluft-<br />

Inselhaube Skyline Edge<br />

ist absenkbar, die Farbe<br />

der Glasblenden variabel<br />

(Berbel). 3/ Kochend<br />

heißes Wasser direkt aus<br />

der Leitung bietet das<br />

System PRO3 mit der<br />

Armatur Flex (Quooker).<br />

4/ B10 mixt gesunde<br />

Drinks auf Knopfdruck –<br />

und macht auch noch<br />

eine gute Figur (Beast).<br />

© INGA POWILLEIT, PR<br />

116


3<br />

1<br />

2<br />

5<br />

© DIEGO RAMOS, MIKE KARLSSON LUNDGREN, PR<br />

4<br />

1/ Fronten aus schwarz glänzendem Glas und das<br />

beleuchtete fl ache Weinkühlfach in der Mitte machen<br />

den Frenchdoor-Kühlschrank KF96RSBEA<br />

iQ700 zum Eyecatcher (Siemens). 2/ Dauerbrenner<br />

weiße Küche: Griffl os und mit bündiger Arbeitsplatte<br />

fügt sich die Planung von Carola Graul mit Komponenten<br />

aus den Programmen Fenix F45, Primo<br />

und Avance in die Architektur ein (Leicht). 3/ Limitiert<br />

ist die Anzahl der Küchenmaschine Artisan<br />

5KSM180CB im Schwarz-Weiß-Look Light & Shadow.<br />

Die Keramikschüssel hat eine plastische Waffelstruktur<br />

(Kitchen Aid). 4/ Die senkrechte Rillenfront<br />

Vertical im Farbton Obsidian Wood veredelt die<br />

Metod-Küchenmöbel von Ikea – die Eschenholzfronten<br />

stammen aus Schweden. Im Kontrast dazu<br />

steht die Natursteinarbeitsplatte mit weißen Einsprengseln<br />

(Superfront). 5/ Der konische Körper<br />

und der darauf abgestimmte Hebel verleihen der<br />

Armatur Sync Pull-Down in der Oberfl äche Dark<br />

Platinum Matt eine dynamische Erscheinung. Die<br />

herausziehbare Schlauchbrause vergrößert den<br />

Ak tionsradius an der Spüle (Dornbracht).<br />

117


ID-DESIGN KÜCHEN<br />

1<br />

Jetzt wird’s bunt<br />

Farben sprechen unsere Sinne an, machen einfach gute Laune und sind zugleich<br />

Ausdruck von Kreativität und persönlichem Geschmack. Und wo zählt der<br />

mehr als in der Küche? Die modernen Nuancen sind fein aufeinander abgestimmt<br />

und bilden eigene Harmonien – wie ein gut abgeschmecktes Lieblingsgericht.<br />

2<br />

3<br />

1/ Für das leuchtende<br />

Orange kam der RAL-<br />

Farbton namens 2008<br />

zum Einsatz – die Möbel<br />

bestehen aus pulverbeschichtetem<br />

Metall<br />

(Popstahl). 2/ Die umfangreiche<br />

Farbpalette Les<br />

Couleurs® Le Corbusier<br />

ist exklusiv im Küchenportfolio<br />

des Herstellers<br />

vertreten (Leicht).<br />

3/ Das überarbeitete<br />

Colour Concept hat<br />

18 neue Satin­ und Samtmattlacktöne<br />

sowie<br />

drei Farbkategorien im<br />

Angebot (Next 125).<br />

© ANTON BRANDL, PR<br />

118


2<br />

1<br />

3<br />

© ANDREAS OMVIK, BENJAMIN PRITZKULEIT, PR<br />

4<br />

1/ Wo ist denn hier eigentlich der Kühlschrank? Die<br />

Geräte der Serie Bespoke nehmen Abstand vom<br />

coolen (!) Edelstahllook. Für die Glastüren gibt es<br />

viele trendige Farben, die wie in einem Baukastensystem<br />

konfigurierbar sind. Dasselbe gilt für die<br />

Kühl- und Gefriereinheiten, von denen bis zu drei<br />

nebeneinander möglich sind (Samsung). 2/ Der<br />

Range Cooker CPF120IGMPT aus der Linie Portofino<br />

mit Grillplatte, Gas- und Induktionskochfeld<br />

sowie zwei Garräumen schafft was weg! Das türkisblaue<br />

Gehäuse sorgt für poppige Vibes (Smeg).<br />

3/ Für Match hat das belgische Kreativduo Muller<br />

Van Severen Fronten in sechs Farben aus Polyethylen<br />

gestaltet. Das wachsartige Material kennt man<br />

aus der Profiküche, wo es für Schneidebretter verwendet<br />

wird. Schöner Kontrast: die Arbeitsplatte<br />

aus Marmor. Die Fronten sind mit dem Ikea-System<br />

Metod kompatibel (Reform). 4/ Der Nischenaufsatz<br />

mit gelochter Rückseite und Beleuchtung verleiht<br />

der Frame Kitchen aus pulverbeschichtetem Stahl<br />

einen lässigen Werkbankcharakter. Das Gute: Sie<br />

wäre auch auf der Terrasse nutzbar (Fantin).<br />

119


ID-DESIGN KÜCHEN<br />

© MATTEO CIRENEI


Ein echtes Highlight ist<br />

die Küche Ego mit einem<br />

Finish aus hochglänzend<br />

poliertem Edelstahl. Damit<br />

sie überall hineinpasst,<br />

sind Stahlstärke, Größe<br />

und Ausstattung komplett<br />

tailormade. Einfach zu<br />

reinigen sowie hitze- und<br />

korrosionsresistent ist sie<br />

außerdem. Die perfekte<br />

Liaison aus kulinarischem<br />

Profilook und Designanspruch<br />

(Abimis).


ID-DESIGN KÜCHEN<br />

1<br />

Unabhängigkeitserklärung<br />

Die Einbauküche war eine Revolution, effizient und praktisch, aber … Designer spüren<br />

dem Retrocharme von Buffets, Vorratsschränken und Kochinseln nach – und<br />

interpretieren sie auf zeitgemäße Art neu. Sie erheben die Elemente zu individuell<br />

konfigurierbaren Modulen, die frei platziert zur Hochform auflaufen.<br />

2<br />

3<br />

1/ Die frei stehenden<br />

Edelstahlelemente<br />

Liberi in cucina sind mit<br />

Spüle, Kochfeld und<br />

Geräten ausstattbar – für<br />

sich allein stehend oder<br />

in kompakten Blöcken<br />

zusammengefasst (Alpes<br />

Inox). 2/ Reduziert und<br />

clever: Mammamia ist<br />

ein Esstisch mit zwei<br />

Induktions-Kochfeldern<br />

(Fabita). 3/ Schrank, Insel<br />

und Buffet als luftiges<br />

Dreiergespann im Raum –<br />

NeoSLATE mit Schieferfurnier<br />

und Soft Lack in<br />

Hennarot (Nolte Küchen).<br />

© PR<br />

122


1<br />

2<br />

1/ Einer für alles: In dem Block von The Cookery<br />

verbirgt sich eine ganze Küche. Das niederländische<br />

Projekt mit Architekturhintergrund bricht mit<br />

vertrauten Standards und definiert etwa die Arbeitshöhe<br />

neu (The Cookery). 2/ Designer Andrea<br />

Federici hat das patentierte Konzept Small Living<br />

Kitchens für kleinste Kochbereiche unter drei Quadratmetern<br />

entwickelt (Falper). 3/ Die beiden<br />

Enden des Inselelements Big Island sind mit der<br />

dunklen Keramik Storm Negro verkleidet. Planerischer<br />

Kunstgriff ist der Brückenschlag zum Wandregal,<br />

wodurch ein zentraler Esstresen entsteht<br />

(Warendorf). 4/ Die Insel der Serie echt.zeit mit<br />

Kochfeld, Essplatz und Spüle hat Designer Sebastian<br />

Desch in drei ergonomisch konzipierte Zonen<br />

mit unterschiedlichen Höhen aufgeteilt (Team 7).<br />

5/ In offenen Küchen geht es ums Verstecken und<br />

Präsentieren, dafür sind Pockettüren ideal! Denn<br />

geöffnet werden sie in den Korpus eingeschoben<br />

und stören nicht. Das Thema passt zur geschlossenen<br />

Zeile wie zu Einzelmöbeln, so auch zur neuen<br />

Inszenierung Homebar. Drink gefällig? (Next 125).<br />

3<br />

© MILAN HOFMANN, KAI POHLKAMP, PR<br />

4<br />

5<br />

123


ID-DESIGN KÜCHEN<br />

1<br />

Geräte für Gourmets<br />

Klar, ein neuer Herd macht noch lange keinen Sternekoch,<br />

sorgt aber garantiert für mehr Spaß und Erfolgserlebnisse<br />

beim Brutzeln. Da ist es gut, wenn man sich auf die Technik<br />

verlassen kann und dank Automatikprogrammen ab und<br />

zu auf Autopilot schalten darf. In offenen Grundrissen heute<br />

unverzichtbar: flüsterleise Dunstabzüge mit Power.<br />

2 3<br />

1/ Nahezu unsichtbar<br />

ist die Deckenhaube<br />

Illusion, da man die<br />

Verkleidung einfach<br />

überstreichen kann<br />

(Elica). 2/ Der Kochfeldabzug<br />

Downline Infi nity<br />

BKA90DLI sorgt für<br />

gute Luft und freie Sicht<br />

am Herd. Das Licht an<br />

den Drehknebeln zeigt<br />

die Temperatur an<br />

(Berbel). 3/ Genießer<br />

haben ihre Schätze gern<br />

im Blick: Weinkühlschrank<br />

KWK36ABGA mit zwei<br />

separaten Temperaturzonen<br />

und Ausziehböden<br />

aus Eiche (Bosch).<br />

© PR<br />

124


DEFINING NORDIC DESIGN<br />

SINCE 1872<br />

Mit dem PK0 A - einem Meisterwerk der klassischen Moderne aus dem Jahr<br />

1952 - ehrt Fritz Hansen anlässlich des 150-jährigen Bestehens skulpturales Design.<br />

Der Sessel ist in Oregon Pine oder Esche Schwarz erhältlich.<br />

PK0 A Chair<br />

Design Poul Kjærholm<br />

Mehr unter fritzhansen.com


ID-DESIGN KÜCHEN<br />

1<br />

2<br />

3 4<br />

5<br />

1/ Der Spezialist für Kochfelder mit Muldenlüftung<br />

hat sein Spektrum um den Backofen X BO und die<br />

Multischublade erweitert. Sie dient zum Aufwärmen,<br />

Warmhalten, Auftauen und Niedertemperaturgaren<br />

(Bora). 2/ Die Downdraft-Haube Black<br />

Levantar sitzt flächenbündig hinter dem Kochfeld<br />

und fährt nur nach oben, wenn man sie einschaltet.<br />

Sie benötigt wenig Platz im Unterschrank – so müssen<br />

Auszüge nur minimal gekürzt werden (Miele).<br />

3/ Dampfgarer, Kaffeevollautomat oder Backofen –<br />

alle Geräte der Excellence Line eint die intuitive<br />

Bedienung über den runden CircleSlider, der in das<br />

Glasdisplay eingeschliffen ist (V-Zug). 4/ Wer eine<br />

wohnliche Küche bevorzugt, wird den Dunstabzug<br />

gern so unauffällig wie möglich einbauen wollen. Die<br />

Designhaube D95XAM2S0 versteckt sich im Oberschrank<br />

hinter Holzfronten, nur die schmale Glasblende<br />

ist zu sehen (Neff). 5/ Bereits 1976 brachte<br />

der Hersteller seinen ersten Muldenlüfter auf den<br />

Markt. Das neue Modell Vario ist Teil der Serie 400,<br />

kann nahtlos integriert und mit allen Kochfeldern<br />

des Modulsystems genutzt werden (Gaggenau).<br />

© PR<br />

126


TIMELESS. THONET.<br />

Chair 661, 2022<br />

Mit der Wiederaufnahme des S 661 legen wir einen preisgekrönten<br />

Entwurf von Günter Eberle aus den frühen Fünfzigerjahren<br />

in zahlreichen Ausführungen neu auf, präsentiert<br />

wurde er zu ersten Mal aus der Mailänder Designausstellung<br />

Triennale im Jahr 1954. Dank seiner Vielseitigkeit und<br />

seines effizienten Umgangs mit Material ist der Allrounder<br />

in Essbereich und Küche, Wohnzimmer oder Homeoffice<br />

genauso wie in öffentlichen Räumen wie Restaurants oder<br />

Wartebereichen einsetzbar. Seine Formholz-Sitzschale lebt<br />

von der Schönheit des natürlichen Materials und begeistert<br />

in elegantem Nussbaum, warm anmutender Eiche, Buche<br />

natur oder gebeizt. Das Stahlrohrgestell ist wahlweise verchromt<br />

oder pulverbeschichtet.<br />

Chair 661, 1954<br />

CHAIR 661<br />

DESIGN GÜNTER EBERLE, 1954 / 2022<br />

thonet.de


ID-KULTBAU<br />

Das unmögliche<br />

Hochhaus<br />

Die Vision der neuen BMW-Zentrale traf den Nerv<br />

der technikbegeisterten 1960er-Jahre. Aber ein Haus wie<br />

ein riesiger Vierzylinder, das war den Managern dann<br />

doch suspekt. Der Wiener Architekt Karl Schwanzer hatte<br />

eine Idee, wie er die Skeptiker überzeugen konnte.<br />

Ebenso abenteuerlich wie das Bauwerk selbst. Dieses Jahr<br />

feiert es sein fünfzigjähriges Jubiläum.<br />

Von Till Briegleb<br />

© BMW AG<br />

128


Ikone der deutschen<br />

Nachkriegsarchitektur:<br />

die BMW-Zentrale im<br />

berühmten Vierzylinder<br />

nebst dem angeschlossenen<br />

Museum in einer<br />

silbernen Schüssel.<br />

129


ID-KULTBAU<br />

Karl Schwanzer war ein Mann der gestochenen<br />

Sentenzen. »Wir brauchen identifizierbare<br />

Architektur. Die Stadt ist keine<br />

Restfläche des Verkehrs«, erklärte er seinen Studenten<br />

in Wien in den Sechzigern, als die serielle<br />

Monotonie der Nachkriegsarchitektur gerade<br />

Hochkonjunktur hatte. Das österreichische Baumeister-Original,<br />

für seine cholerischen Anfälle<br />

genauso berühmt wie für seine fantasievolle<br />

Gestaltung, bewies diese Überzeugung am eindrücklichsten<br />

ausgerechnet bei einem Autobauer,<br />

dessen Interessengebiet naturgemäß die Verkehrsflächen<br />

sind.<br />

An einem Schmerzpunkt der autogerechten Stadt<br />

München, da, wo Schnellstraßen das Spaghettigewirr<br />

einer ausladenden Kreuzung bilden, entwarf<br />

Schwanzer ab 1968 ein Gebäudeensemble<br />

für die Bayrischen Motoren Werke, das weit<br />

mehr wurde als nur »identifizierbare Architektur«.<br />

Der BMW-Turm mit Museum und Park-<br />

haus am Petuelring entstand parallel mit dem<br />

benachbarten Olympiagelände für die Sommerspiele<br />

1972 und wurde – wie das berühmte Dach<br />

des Stadions – von Günter Behnisch und Fritz<br />

Auer zum Münchner Wahrzeichen für eine verjüngte,<br />

weltoffene Metropole.<br />

Mit 99,5 Metern nahezu exakt so hoch wie die<br />

Türme der Frauenkirche (höher durfte damals in<br />

der Landeshauptstadt nicht gebaut werden), bildeten<br />

die vier silbrigen Zylinder das zeitgenössische<br />

Pendant zum romantischen München. Die<br />

selbstbewusste Erhebung einer technikbegeisterten<br />

Zeit, die allen Menschen noch unbekümmerten<br />

Wohlstand versprach, erstrahlte aus der<br />

Aura eines schillernden Wortes: »Vision«. Das<br />

war es, was Karl Schwanzer verwirklichen wollte,<br />

technisch, kulturell und ästhetisch. Der erste<br />

Satz aus seinen Lebenserinnerungen Schwanzer –<br />

Architekt aus Leidenschaft lautet denn auch<br />

nicht zufällig: »Wenn man sich entschlossen hat,<br />

Der Architekt entwarf<br />

Arbeitsplätze für<br />

Menschen mit gleichen<br />

Chancen und ohne<br />

Präferenzen – so seine<br />

Idee. Die runden Großraumbüros<br />

waren für<br />

ihn auch ein Synonym<br />

für den Runden Tisch.<br />

© BMW AG<br />

130


© MYRZIK UND JARISCH/BMW AG<br />

Architekt zu sein, muss man den Mut aufbringen,<br />

Visionen erfüllen zu wollen.«<br />

Aber auch damals war es schon so, dass dort, wo<br />

»Visionen« ausgerufen werden, sofort das Misstrauen<br />

der Kaufleute geweckt war. Schwanzers<br />

Form der Vorhersehung wurde zwar 50 Jahre<br />

später vom Vorstandsvorsitzenden des Konzerns,<br />

Oliver Zipse, mit den Worten gewürdigt,<br />

man würde das Gebäude heute genauso wieder<br />

errichten können. Aber nach dem Wettbewerb<br />

1968, den der einzige nichtdeutsche Architekt<br />

auf einem geteilten zweiten Platz abschloss,<br />

musste der Visionär aus Wien großen Aufwand<br />

betreiben, um die BMW-Manager von ihrem<br />

Glück zu überzeugen.<br />

Schwanzer errichtete in den Münchner Bavaria<br />

Filmstudios auf eigene Kosten ein Stockwerk in<br />

Originalgröße mit gemalter Münchner Kulisse<br />

hinter den Fenstern, engagierte Schauspieler (für<br />

die leitenden Funktionen in braven Anzügen)<br />

sowie Schauspielerinnen (in bunten Blusen und<br />

Kostümen als Sekretärinnen) und führte auf<br />

diese Weise den Motorenmenschen die perfekte<br />

Rotation des Arbeitslebens live vor. Das wirkte.<br />

Karl Schwanzer erhielt den Auftrag mit dem Zusatzprotokoll,<br />

dass der Turm – genauso wie das<br />

den Herren von Schwanzer aufgeschwatzte Automuseum<br />

direkt daneben – zur Eröffnung der<br />

Olympischen Spiele fertig sein sollte.<br />

Das gelang zwar nicht ganz, weswegen das fünfzigjährige<br />

Jubiläum, das BMW dieses Jahr feiert,<br />

ein wenig geschummelt ist. Tatsächlich wurde<br />

die neue Firmenzentrale erst im Mai 1973 eröffnet,<br />

aber zu den Spielen waren die Fassaden bereits<br />

so weit fertig montiert, dass das Hochhaus<br />

als Werbefläche hinüber ins Stadion strahlen<br />

konnte. Und auch das war keine Selbstverständlichkeit,<br />

denn Schwanzer hatte die Konstruktion<br />

des BMW-Turms ebenfalls einer Vision unterworfen.<br />

Die 18 Stockwerke in Kleeblattform<br />

Herzlich willkommen:<br />

Zentral im imposanten<br />

Entree warten die Aufzüge,<br />

die Mitarbeiter<br />

und Besucher in gesonderten<br />

Schächten die<br />

einzelnen »Zylinder«<br />

auf­ und abbefördern.<br />

131


ID-KULTBAU<br />

ruhen nicht auf Fundamenten, sondern hängen<br />

von Galgen an der Spitze des Hauskerns.<br />

Das runde Gehäuse für Aufzüge und Technik<br />

im Zentrum wird gekrönt von vier technoiden<br />

Wunderwerken, die wie riesige Skulpturen wirken.<br />

Insgesamt halten die Zylinder 16 800 Tonnen.<br />

Die Geschossringe wurden am Boden vorgefertigt<br />

und dann nacheinander hochgezogen,<br />

in einem Tempo von vier Metern pro Woche.<br />

Dieses radikale Verfahren, das erstmals in den<br />

1920er-Jahren von den Stuttgarter Architekten<br />

Heinz und Bodo Rasch entwickelt wurde, blieb<br />

in der Baugeschichte zwar eher ein Exotismus.<br />

Doch dadurch verleiht die innovative Seilkonstruktion<br />

dem BMW-Turm etwas Exklusives.<br />

Karl Schwanzer, der ein großer Bewunderer von<br />

Oscar Niemeyer und dessen Entwurf der Retortenstadt<br />

Brasilia war, gruppierte seine Bauobjekte<br />

im Geiste des brasilianischen Architekten als<br />

Solitäre auf der Platte eines großen Flachbaus.<br />

Die markante Vierfachsäule mit ihren nach vorn<br />

gekippten Fenstern wurde ergänzt durch die<br />

große Schüssel für das Museum, die mit ihrer<br />

inneren Rampenkonstruktion an Frank Lloyd<br />

Wrights Guggenheim-Museum in New York erinnert,<br />

sowie ein quaderförmiges Parkhaus mit<br />

einer Fassade aus langen ovalen Schlitzen.<br />

So wie der bekennende Sozialist Niemeyer, der<br />

sein Leben lang für eine gerechte Gesellschaft<br />

mit gleichen Möglichkeiten kämpfte, war auch<br />

der eher bieder wirkende Karl Schwanzer vom<br />

Erneuerungsgeist seiner Zeit ergriffen. Den runden<br />

Großraum verstand er als Runden Tisch, der<br />

»einen Kreis von Menschen mit gleichen Chancen<br />

und ohne Präferenzen vereint«. Die perforierte<br />

Aluminiumhaut der vier Zylinder erklärte<br />

er zu »einer Hülle für weitblickende Gedanken«.<br />

Schwanzer betonte auch für dieses Bürogebäude<br />

die Idee von der »Schönheit in der künstlerischen<br />

Umweltgestaltung«, denn »Zweckmäßig-<br />

Upside down: Das<br />

Hochhaus wurde quasi<br />

von oben nach unten<br />

gebaut. Die einzelnen<br />

Stockwerke wurden am<br />

Boden gefertigt und dann<br />

langsam hochgezogen.<br />

© BMW AG<br />

132


1/ Das Kreismotiv<br />

beherrscht nicht nur<br />

das kleeblattförmige<br />

Hochhaus, sondern<br />

erst recht die benachbarte<br />

Schüssel, in der<br />

historische Modelle der<br />

Marke ausgestellt sind.<br />

2/ und 3/ Die schneckenförmigen<br />

Aufgänge<br />

sind inspiriert vom berühmten<br />

Guggenheim­<br />

Museum in Manhattan.<br />

1<br />

© BMW AG (2), MYRZIK UND JARISCH/BMW AG<br />

keit alleine macht nicht glücklich«. Und zur<br />

Überraschung für einen Baukünstler, den die<br />

Nachwelt mit dem Charme einer optimistischen<br />

Epoche verbindet, ist eines seiner meistgebrauchten<br />

Qualitätsbegriffe: »Behaglichkeit«.<br />

Dieser starke Glaube an einen Teamgeist, der in<br />

einer »freudebringenden« Atmosphäre gedeiht,<br />

half dem Architekten allerdings nicht aus der eigenen<br />

seelischen Isolation. Zwei Jahre nach<br />

Vollendung des BMW-Ensembles erhängte sich<br />

Schwanzer, der immer manisch gearbeitet hatte,<br />

»um nicht depressiv zu werden«. Doch er hinterließ<br />

nicht nur eine der bedeutendsten Ikonen<br />

moderner Firmenarchitektur, sondern prägte<br />

auch eine Generation von österreichischen Studenten,<br />

die von seinen Visionen infiziert waren.<br />

Seine Bewunderer gründeten Büros wie Coop<br />

Himmelb(l)au oder die Gruppe Haus-Rucker-<br />

Co und ließen sein visionäres Erbe weiterleben –<br />

bis in die Gegenwart.<br />

2<br />

3<br />

133


ID-KOLUMNE<br />

Kann die Seele wandern? Und wenn<br />

ja, auch in ein altes Motorrad?<br />

Von Christian Krug<br />

Haben Dinge eine Seele? Natürlich nicht. Und auch wenn die Buddhisten<br />

und Hinduisten annehmen, dass Menschen mit schlechtem Karma<br />

als Stein wiedergeboren werden können, ist diese Art der Seelenwanderung<br />

bisher jedenfalls unbewiesen. Dass Tiere eine Seele haben, darauf<br />

können sich wahrscheinlich viele verständigen. Wenn aber alles Dingliche<br />

seelenlos ist, könnten wir es auch einfach wegwerfen und davon ausgehen,<br />

dass sich bei uns keinerlei Gefühle regen.<br />

Wir wissen, es ist anders. Letztens hat meine Frau eine Uhr verloren, die seit<br />

19 Jahren jeden Tag an ihrem Handgelenk war. Sie wurde über die Jahre ein<br />

Teil von ihr. Dabei war ihre Funktion unerheblich. Meine Frau hat diese<br />

Uhr geliebt, sagt sie. Kann man Dinge lieben, die keine Seele haben?<br />

Auch das ist für mich nur schwer vorstellbar. Jedenfalls haben wir die Uhr<br />

überall gesucht. Einen ganzen Tag lang. Schließlich fand eine Freundin sie<br />

im Garten. Sie war vom Arm gerutscht. Meine Frau war außer sich vor<br />

Freude – und trägt die Uhr seither nicht mehr. Aus Angst, sie wieder zu verlieren.<br />

Aber sie ist wieder in ihrem Leben. Wir bauen also tiefe emotionale<br />

Bindungen zu seelenlosen, kalten Dingen auf.<br />

Bei mir ist es das Motorrad, das Sie auf nebenstehendem Foto sehen. Die<br />

Triumph Scrambler 900 ist 15 Jahre alt. Sie hat mich auf ihrem Rücken durch<br />

halb Europa getragen. Wir fuhren an den Polarkreis in Norwegen und in die<br />

Hitze Südspaniens. Wir überquerten die höchsten Berge und sauten uns bei<br />

Flussüberquerungen mächtig ein. Doch irgendwann merkte ich, sie wird alt.<br />

Sie will nicht mehr, hat Mühe, in die Serpentinen hinein- und wieder hinauszuspringen.<br />

Das Gepäck auf der Rückbank wurde ihr zur Last.<br />

Es war Zeit für eine Neue. Die ist im letzten Jahr angekommen. Kräftiger,<br />

größer, schneller, wendiger, zäher (für Experten: Triumph Tiger 900). Ich<br />

wollte die Scrambler verkaufen. Aber ich kann nicht. Ich will sie nicht zum<br />

Ausschlachten schicken. Das hat sie nicht verdient. Dafür hat sie mir nicht<br />

15 Jahre so gute Dienste erwiesen.<br />

Ich fühle mich für sie verantwortlich. Und ich sage Ihnen, es geht mir besser,<br />

seitdem ich mich entschlossen habe, sie bei mir zu behalten. Vielleicht<br />

ist es vergleichbar mit einem alten Pferd, das keine Turniere mehr reiten<br />

kann. Das bringt man auch nicht zum Metzger, sondern auf die Weide. Und<br />

so fahren wir gemeinsam bei schönem Wetter ein paar kleinere Touren<br />

durch Schleswig-Holstein. Sie muss kein Gepäck mehr tragen und keine Serpentinen<br />

mehr meistern. Sie braucht nur fröhlich vor sich hinzugluckern.<br />

Ich glaube, ihr zweites Leben macht ihr Freude.<br />

Dinge, die man liebt, haben vielleicht keine Seele, aber sie sind für das eigene<br />

Seelenheil wichtig. Meinem Karma habe ich mit der Entscheidung ein<br />

paar Pluspunkte verschafft. Da bin ich mir sicher. Vielleicht suchen Sie auch<br />

bei sich etwas, das Ihnen guttut, wenn Sie es für immer behalten.<br />

134


15 Jahre lang eine treue<br />

Gefährtin, aber jetzt zu<br />

schwach für Gewalttouren<br />

durch Europa. Trotzdem<br />

hat der Kolumnist seine<br />

Triumph Scrambler 900<br />

nicht ausgemustert.<br />

© privat<br />

135


Contemporary Style<br />

Was das Leben bereichert


Hipster<br />

(New York)<br />

Arty<br />

(Berlin)<br />

Healthy<br />

(Los Angeles)<br />

Urban chic<br />

(London)<br />

Retro<br />

(Madrid)<br />

Bohemien<br />

(Paris)<br />

Business<br />

(Schanghai)<br />

Hippie chic<br />

(Amsterdam)<br />

Fashion<br />

(Mailand)<br />

© LE DUO


ID-SEITENTITEL<br />

Fotos: Robertino Nikolic. Produktion und Text: Jan van Rossem<br />

Styling: Shima Salamat Khazei. Haare & Make-up: Khalil Nouir<br />

Models: Sterline Derisier (Cover Paris), Ann-Sophie Braun (MIHA Modelmanagement)<br />

Realisation: Andrea Philippi (Discover Tunesia), Star Wars Fan Club Tunesia<br />

© DESIGNED BY FREEPIK


Beide Outfits:<br />

Suits: Dawid Tomaszewski<br />

139


ID-FASHION<br />

Dress: Ichor.<br />

Schuhe: Giuseppe Tella.<br />

Rechte Seite Mantel und<br />

Body: Rebekka Ruétz.<br />

Schuhe: Dr. Martens.


141


ID-FASHION


Top und Hose:<br />

Marina Hoermanseder.<br />

Linke Seite Top: Gucci<br />

(Vintage). Hut und Rock:<br />

Rebekka Ruétz.<br />

143


ID-FASHION


Kleid: Braim Klei.<br />

Stilettos: Jimmy Choo.


ID-FASHION<br />

Links Top und Rock:<br />

Marina Hoermanseder.<br />

Hut: Giuseppe Tella.<br />

Oben Body: Jessy Stuchly.<br />

Bra: Luise Zücker. Tights:<br />

Wolford. Rechte Seite<br />

Beide Outfits: Ann<br />

Demeulemeester<br />

146


ID-FASHION<br />

Beide Outfits:<br />

Tops: Prada. Tights:<br />

Wolford. Schuhe:<br />

Alexander McQueen.<br />

148


149


ID-FASHION


Kleid und Tüllschal: Dolce<br />

& Gabbana. Linke Seite<br />

Jacke und Hose: Mackage.<br />

Tülltop: Jessy Stuchly.<br />

151


ID-FASHION<br />

Star Wars, das muss mal in aller Deutlichkeit<br />

gesagt werden, ist ohne Tunesien nicht<br />

denkbar. Die Location-Scouts, die sich in<br />

den 1970er-Jahren auf damals noch abenteuerlich<br />

unwegsamen Straßen bis in die Sahara gewagt<br />

hatten, um eine außerirdische Umgebung für das<br />

Sternenmärchen von den Jedi-Rittern (gut) und<br />

dem übermächtigen Imperium (böse) zu finden,<br />

haben hier einen Volltreffer gelandet. Und das<br />

nicht nur, was mögliche Drehorte angeht.<br />

Der Eingangssatz dieses Artikels klingt möglicherweise<br />

ein bisschen vermessen, aber es gibt<br />

zahlreiche Indizien, die sogar eine noch weitergehende<br />

Interpretation nahelegen: Vielleicht ist<br />

Star Wars am Ende gar keine Saga aus der fernen<br />

Zukunft in fremden Galaxien, sondern eher eine<br />

etwas fantasievoll geratene Reisereportage über<br />

das Tunesien, das fernab der Urlaubsinsel Djerba<br />

immer mehr Touristen und Abenteurer fasziniert.<br />

Jedenfalls haben sich George Lucas und sein<br />

Team großzügig inspirieren lassen von dem, was<br />

das Land zu bieten hat.<br />

Nur ein paar Beispiele: Ein typisches Tier des<br />

Landes ist der Wüstenfuchs oder Fennek (Vulpes<br />

zerda), der heute in comicartiger Version mit<br />

allgegenwärtigen Statuen in ganz Tunesien geehrt<br />

wird. Dessen charismatische Ohren wurden<br />

ohne jeden Zweifel adaptiert für die imposante<br />

Erscheinung des kleinen grünen Jedi-Ritters<br />

Yoda, einen der Megahelden des Epos. Auch<br />

»Tatooine«, der Name des Geburtsplaneten von<br />

Luke Skywalker, eines weiteren Helden der guten<br />

Seite, weist eine phonetische Verwandtschaft<br />

zu Tunesien auf, nicht allzu offensichtlich zugegebenermaßen.<br />

Die dunkelbraunen Kutten mit<br />

ihren spitzen Kapuzen, die die Jawas, die kleinen<br />

umtriebigen Elektroschrotthändler des Planeten,<br />

tragen, kann man in der Wüstenregion auf jedem<br />

Markt erwerben. Und selbst der Name des zotteligen<br />

Wookiees Chewbacca ist den Filmemachern<br />

im Vorbeifahren frei Haus geliefert worden.<br />

Auf dem Weg von der Wüste in Richtung<br />

Norden befindet sich die idyllische Bergoase<br />

Chebika. Wer mag da an Zufall glauben?<br />

Was die Locations für mögliche Drehorte angeht,<br />

wurde Lucas’ Film in Tunesien im Übermaß<br />

fündig: In und um Matmata, kurz bevor es<br />

richtig in die Wüste geht, kann man die sogenannten<br />

Troglodyten bestaunen, kreisrunde, von<br />

Menschenhand geschaffene Krater, von deren<br />

Boden in sieben Meter Tiefe höhlenartige Zimmer<br />

in den weichen Fels gegraben wurden – die<br />

Heimat von Luke Skywalker und Prinzessin<br />

Leia, seiner Zwillingsschwester. Eines davon ist<br />

heute ein Hotel. Wer im Sommer über den gigantischen<br />

Salzsee Chott el Jerid fährt, kann das<br />

Wohnhaus von Luke Skywalker sehen – keine<br />

Fata Morgana (die hier auch nicht selten auftaucht).<br />

Das Wohnhaus von Obi-Wan Kenobi,<br />

einem weiteren verdienstvollen Jedi-Ritter, ist<br />

eine Moschee auf der Insel Djerba, die vor allem<br />

im Sonnenuntergang ihre magische Wirkung<br />

erzielt.<br />

Unweit der Stadt Nefta, dem Tor zur endlosen<br />

Sahara, befindet sich eine kleine Wüstensiedlung,<br />

die im Film »Mos Espa« heißt. Sie wird flankiert<br />

von imposanten Sanddünen. In diesem Fall ist es<br />

allerdings ein Werk des Filmteams, das nach den<br />

Dreharbeiten so hinterlassen wurde. Ein Mustsee<br />

für jeden Star-Wars-Fan. Und erstmals die<br />

Haupt-Location für ein Fashion-Shooting.<br />

Das Ende eines<br />

Stormtroopers: Wie im<br />

Film ist den einzelnen<br />

Kriegern des Imperiums<br />

kein langes Mitwirken<br />

beschieden. Während<br />

der Kämpfe werden sie<br />

oft in ihre Einzelteile<br />

zerlegt. Allerdings nicht<br />

so ordentlich wie hier.<br />

Rechte Seite Dress und<br />

Jacke: Dolce & Gabbana.<br />

152


153


ID-<strong>LIFE</strong>STYLE & STYLE<br />

We are the<br />

Style Champions<br />

Vom Kardiotrainer bis zum Jo-Jo, von der<br />

Baseball Cap bis zum Sneaker – mit coolen<br />

Fitnessgeräten und luxuriöser Sportmode<br />

liegt man beim Work-out jetzt ganz weit vorne!<br />

Von Nadine Najjar<br />

© LAURA JANE COULSON FÜR DIOR<br />

154


1<br />

2 3<br />

4 5 6<br />

7<br />

8<br />

9 10<br />

© PR<br />

1/ Bomberjacke mit Fleecefutter, ca. 320 Euro (Lacoste). 2/ Parfum Esprit de Contradiction, ca. 30 Euro (Maison Matine). 3/ Pullover in Netzoptik, ca. 295 Euro<br />

(Max Mara). 4/ Wireless-Kopfhörer Alby mit Touch- und Sprachsteuerung, ca. 70 Euro (Urbanears). 5/ Bikini aus recyceltem Material, ca. 64 Euro (Cos). 6/ Uhr<br />

Aluminium GMT Amerigo Vespucci Special Edition mit Automatikkaliber, inspiriert vom Segelsport, ca. 3950 Euro (Bvlgari). 7/ Tauchset mit Panoramamaske,<br />

ca. 1700 Euro (Dior x Beuchat). 8/ Basketball mit Tragegurt, ca. 650 Euro (Prada). 9/ Mit Übungsmöglichkeiten für alle Grundbewegungen steigert das Laufband<br />

Skillmill die Fitness, ca. 11 350 Euro (Technogym). 10/ Shorts mit elastischer Taille, ca. 130 Euro (The Upside). Linke Seite Stärkt den Rücken: der Technogym Ball<br />

for Dior aus Dual-Density-Schaumstoff mit QR-Code auf dem Griff für den Zugang zu Work-out-Videos, limitiert, ca. 950 Euro (Technogym x Dior).<br />

155


ID-<strong>LIFE</strong>STYLE & STYLE<br />

© ADIDAS X GUCCI<br />

156


1<br />

2 3<br />

4 5<br />

6<br />

7<br />

8<br />

9<br />

10<br />

© PR<br />

1/ Schiedsrichterstuhl Ace aus Teak und Aluminium, ca. 4245 Euro (Ethimo). 2/ Golfballetui, ca. 530 Euro (MCM). 3/ Akupressurkissen mit Kunststoffspikes, ca.<br />

50 Euro (Shaktimat). 4/ Schirmmütze mit abgesetztem Logo, ca. 45 Euro (Wood Wood). 5/ Beachballschläger Under the Waves aus Buche und Kork, ca. 650 Euro<br />

(Hermès). 6/ Yogablock mit Logoprägung und Schulterriemen, ca. 520 Euro (Miu Miu). 7/ Uhr Summit 3, ab ca. 1250 Euro (Montblanc). 8/ Jo-jo Spin, ca. 50 Euro<br />

(Armani Casa). 9/ Limitierter Sneaker zum 50. Geburtstag des Porsche 911 Carrera, ca. 120 Euro (Puma x Porsche). 10/ Ellipsentrainer Cross Personal für intensives<br />

Kardio-Work-out. Design: Antonio Citterio, ca. 14 650 Euro (Technogym). Linke Seite Schneiderkunst und Streetwear: die drei ersten gemeinsamen<br />

Kollektionen von Gucci und Adidas sind inspiriert von einem Archivkatalog der Sportmarke von 1979 (Adidas x Gucci).<br />

157


ID-<strong>LIFE</strong>STYLE & STYLE<br />

© LACOSTE<br />

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1<br />

2 3<br />

4 5<br />

6<br />

7<br />

8 9<br />

© PR<br />

1/ Hantelturm Swing aus Esche mit handgefertigten Lederhanteln, ca. 600 Euro (Nohrd). 2/ Schwimmbrille und Badekappe mit Logoprint, ca. 290 Euro (Fendi<br />

x Arena). 3/ Springseil aus Leder und Holz, ca. 30 Euro (Casall). 4/ Sport-BH mit nahtlosem Racerback, ca. 50 Euro (Calvin Klein). 5/ Blouson mit Trefoil-Print<br />

im Seventies-Stil, ca. 2600 Euro (Adidas x Gucci). 6/ Rudergerät Water Rower aus massiver Eiche mit Smartphone- und Tablethalterung, ca. 1700 (Nohrd).<br />

7/ Bedrucktes Skateboard aus Buche mit Ahornholzbeschichtung, Flachsfasern und Carbon, ca. 2600 Euro (Hermès). 8/ Pétanquespiel im Etui aus Canvas und<br />

Leder, ca. 1100 Euro (Celine). 9/ Sneaker Air Force 1 mit Metallic-Finish, ca. 140 Euro (Nike). Linke Seite Unisex-Bademantel L Active mit Kapuze aus weichem<br />

Jerseyfrottee, ca. 210 Euro (Lacoste über yvesdelorme.com).<br />

159


Verwunschen: Mitten<br />

in Lecce, im Garten<br />

des Palazzo Luce,<br />

gedeihen Bougainvillea,<br />

Palmen und Farne.


ID-ENTDECKUNG<br />

1 2<br />

1/ Den auffälligen Tresen aus Holz, Linoleum und farbigem Glas sowie die Barhocker mit Puschelpolstern entwarf der Italiener Martino Gamper im Auftrag der<br />

Besitzerin für den Palazzo Luce. 2/ Über der geschwungenen Couch in einem der Salons hängt der Laserstahlschnitt Head (Model Opera) Variation von 2017<br />

des südafrikanischen Künstlers William Kentridge. Die farbigen Holzstreifen Cangiante 5 aus dem Jahr 2020 sind von Giuliano Dal Molin.<br />

© HELENIO BARBETTA, MAX ZAMBELLI (2), COURTESY OF LIA RUMMA GALLERY MILAN/NAPLES<br />

Urlaub im Kunstpalast<br />

Wer nach Apulien fährt, hat Strände, Wein und putzige<br />

Trulli-Rundhäuser im Sinn. In der kulturellen Hochburg Lecce entdeckte<br />

die Mailänderin Anna Maria Enselmi einen maroden Adelspalast,<br />

bestückte ihn mit ihrer Design- und Kunstsammlung und vermietet ihn<br />

an Gäste. Ein Ferienhaus der besonderen Art.<br />

Von Patricia Engelhorn<br />

161


ID-ENTDECKUNG<br />

© LEA ANOUCHINSKY (2)<br />

162


Unter dem hohen Kreuzgewölbe liegen<br />

ein Pilates-Studio und das Spa. Die<br />

Zementarbeit Oh Mammal Instinct, Oh<br />

Brother Instinct, Why Are You Still<br />

Scared to Be Linked (2020) ist von Luca<br />

Monterastelli. Linke Seite Die Fliesen<br />

der Dachterrasse von der Traditionsfirma<br />

Francesco De Maio wurden nach<br />

einem Design des Architekturstudios<br />

Dell’Uva bemalt. Inspiration: Gio Pontis<br />

Entwurf von 1976 für die Böden der<br />

Zentrale der Salzburger Nachrichten.<br />

ID-SEITENTITEL


Der Brite David Tremlett, bekannt<br />

für seine Wandzeichnungen, schuf das<br />

Fresko an der Schlafzimmerdecke.<br />

Auch Hans-Agne Jakobssons Vintageleuchte<br />

Patricia, Gio Pontis Beistelltisch<br />

von 1957 und Stühle von Pier Giulio<br />

Magistretti aus den 1930er-Jahren<br />

schmücken den Raum. Die Stoffe auf<br />

dem Eichenbett schuf Livio De Simone,<br />

bekannt als Ikone des Capri-Stils.


ID-ENTDECKUNG<br />

© LEA ANOUCHINSKY (3), MAX ZAMBELLI (2), COURTESY OF GALLERIA ALFONSO ARTIACO/NAPLES (2), COURTESY OF LIA RUMMA GALLERY MILAN/NAPLES<br />

1 2<br />

3<br />

1/ Gio-Ponti-Sekretär Vitrex, entworfen 1939 für die Vetrocoke-Büros, Mailand. Dahinter ein Ponti-Unikat: Parete organizzata, kreiert um 1948 für die Dulciora-<br />

Büros, Mailand. Sessel Margherita von Franco Albini, ca. 1950 (Bonacina). 2/ Gio-Ponti-Ensemble, ersteigert bei Phillips, London. Küche: Abimis. Leuchte: Luigi<br />

Caccia Dominioni. Anrichte von Gio Ponti, ca. 1964 (Cassina) aus dem Hotel Parco dei Principi, Rom. 3/ Outdoormöbel von Gio Ponti, ca 1948 (Casa e Giardino).<br />

4/ Kabinett von Martino Gamper, zusammengesetzt aus Möbelteilen, die Ponti für das Hotel Parco dei Principi, Sorrent, designte (Nilufar Edition).<br />

4<br />

165


ID-ENTDECKUNG<br />

Sofa und Sessel schuf Gio Ponti 1964<br />

für das Hotel Parco dei Principi in<br />

Sorrent (Cassina). Auch der von Architekt<br />

Giuliano Dell’Uva mit Kieseln verzierte<br />

Kamin ist von dem Stil des Kulthotels<br />

inspiriert. Vintagevasen von Keramikkünstler<br />

Michael Frimkess. Der Teppich<br />

The Ministry (Langlands & Bell) zeigt<br />

die Fassade des Gesundheits- und<br />

Bildungsministeriums in Rio de Janeiro,<br />

erbaut 1943 von Oscar Niemeyer.<br />

© LEA ANOUCHINSKY<br />

166


Der Palazzo Luce wurde im 14. Jahrhundert<br />

für Marie d’Enghien,<br />

Gräfin von Lecce, Prinzessin von<br />

Tarent und Königin von Neapel,<br />

errichtet. Heute dürfen Designund<br />

Kunstliebhaber dort wohnen.<br />

Haus zu kaufen. Inzwischen habe ich aber<br />

ein schönes Ferienhaus im Süden Lecces.<br />

Wie entdeckten Sie Palazzo Luce?<br />

Im Sommer vor sechs Jahren bot mir ein<br />

eher zwielichtiger Antiquitätenhändler ei-<br />

anonymes Dienstmädchen an, um den<br />

Palazzo nicht unbeaufsichtigt zu lassen.<br />

Und woher stammt die Kunst?<br />

Als ich mit der Einrichtung des Palazzos<br />

fertig war, fiel mir auf, dass etwas fehlte:<br />

nen Spiegel aus dem 17. Jahrhundert an,<br />

den er in einem Palast in Lecce gesehen<br />

hatte. Ich traute ihm nicht und fuhr mit<br />

Frau Enselmi, Sie gelten als eine<br />

der bedeutendsten Sammlerinnen<br />

Italiens. Wann begann Ihre<br />

Faszination für Design?<br />

Sehr früh, ich war fast noch ein Kind. Von<br />

ihm zum Palast, um mir das Stück anzusehen.<br />

Ich brauchte nur den Moment, um<br />

über die Schwelle zu treten, und wusste,<br />

dass ich den Palazzo kaufen will. Es war,<br />

als würde das Haus nach mir rufen. Ich<br />

dem Geld, das mir meine Großmutter<br />

glaube, dass oft die Häuser sich ihre Be-<br />

sonntags für Kuchen gab, kaufte ich mir<br />

sitzer aussuchen und nicht umgekehrt.<br />

Interiormagazine und schnitt die Artikel<br />

aus, die mir gefielen. Dafür hatte ich extra<br />

eine Mappe mit dem Titel »One day I will<br />

War das Gebäude verwahrlost?<br />

Ja, leider. Wir haben es konservativ res-<br />

have it« angelegt.<br />

tauriert und versucht, so viel wie möglich<br />

zu retten: die Majolikafliesen, die Terra-<br />

Können Sie sich an Ihr erstes<br />

Designerstück erinnern?<br />

Das war das kunterbunte Carlton-Regal,<br />

kottaböden im Fischgrätmuster, die wunderbaren<br />

Türen und die Wandschränke,<br />

die in den Gängen versteckt sind.<br />

Kunst. Ich bat die Mailänder Galeristin Lia<br />

Rumma um Rat. Sie kam nach Lecce und<br />

half mir nicht nur bei der Auswahl der Wer-<br />

das Ettore Sottsass Ende der 1970er-Jahre<br />

für die Memphis-Gruppe entworfen<br />

hatte. Ich war damals 22 und hatte gerade<br />

eine winzige Wohnung in einem schönen<br />

alten Gebäude in Mailands Via Pontaccio<br />

gekauft – genau dort, wo der große Sott-<br />

Ihre Sammlung würde ein Designmuseum<br />

füllen. Stattdessen<br />

verteilten Sie sie im Palast und<br />

öffneten ihn für Gäste. warum?<br />

Ein Museum ist ein Ort von tauber Stille.<br />

ke, sondern auch bei deren Positionierung.<br />

Lia verbrachte allein vier Stunden<br />

damit, Ugo Mulas’ zehn Prints von Marcel<br />

Duchamp zu hängen. Einige Arbeiten entstanden<br />

speziell für Palazzo Luce. David<br />

Tremlett, Antonio Marras, Joseph Kossuth,<br />

sass wohnte. Ich bezahlte bereits die Hy-<br />

Ich finde aber, Kunstwerke und Design-<br />

Audrey Large und Giuliano Dal Molin sind<br />

pothek, das Geld reichte nie aus, aber ich<br />

objekte sollten dort sein, wo gelebt wird.<br />

Künstler, die meiner Einladung folgten<br />

wollte das Carlton unbedingt haben. Es<br />

Deshalb vermiete ich Palazzo Luce an<br />

und vor Ort arbeiteten – auch Michele<br />

kostete 16 Millionen Lire und ich handelte<br />

Menschen, die diese Art von Erfahrung<br />

Guido, der gerade eine Freske mit Kera-<br />

eine 25-teilige Ratenzahlung aus. Als ich<br />

schätzen – Designer, Künstler, Kunst- und<br />

mikapplikationen für den Garten schuf.<br />

es abgezahlt hatte, war ich stolz auf mich<br />

und auf die anstrengenden Aerobic-Stunden,<br />

die ich in Fitnessstudios gab, um meine<br />

Schulden loszuwerden.<br />

Designliebhaber und Sammler wie mich.<br />

Welches sind Ihre Highlights?<br />

Palazzo Luce ist Gio Ponti gewidmet, er<br />

Warum der Name Palazzo Luce?<br />

Kurz nach dem Kauf des Palastes sah ich<br />

in dem Gang mit den schönen Majoliken<br />

Heute führen Sie ein Pilates-Studio<br />

in Mailands hippem Brera-Viertel.<br />

Was verschlug Sie nach Apulien?<br />

Meine Mutter stammt aus Apulien. Als<br />

weckte meine Sammelleidenschaft. Die<br />

meisten meiner Stücke sind von ihm, viele<br />

stammen aus dem Hotel Parco dei Principi<br />

in Salerno, das er gestaltet hat. Jetzt<br />

werden sie wieder von Gästen benutzt.<br />

das Sonnenlicht durch die hohen Fenster<br />

strömen. Daher schien mir der Name der<br />

einzig passende zu sein. Später erfuhr ich,<br />

dass die letzte Bewohnerin des Palasts<br />

ebenfalls Luce hieß. Sie hat mich wohl<br />

© ARISTIDE MAZZARELLA<br />

Kind habe ich dort die Ferien bei meinen<br />

Großeltern verbracht. Immer wenn ich ihr<br />

Haus betrat, sah ich tausend Dinge, die<br />

mich inspirierten: riesige Räume mit majestätischen<br />

Gewölben. Als meine Großeltern<br />

starben, war ich zu jung, um das<br />

Fürchten Sie nicht, dass die<br />

Möbel beschädigt werden?<br />

Das ist meine größte Sorge, denn ich fühle<br />

mich als Hüterin dieser einzigartigen Dinge.<br />

Vielleicht stelle ich mich selbst als<br />

ausgewählt, um ihr Haus zu bewachen.<br />

Palazzo Luce, antikes Zentrum von Lecce<br />

Der Palazzo Luce verfügt über sieben große<br />

Suiten für maximal zehn Gäste auf insgesamt<br />

1500 Quadratmetern Wohnfläche. Butler, Koch<br />

und weiteres Personal stehen zur Verfügung.<br />

Preis auf Anfrage, palazzolucelecce.com<br />

167


ID-DESIGN OUTDOOR<br />

Schönwetterdesign<br />

Auch im Spätsommer laden diese Möbel noch dazu ein,<br />

bei einem Buch und Aperitif zu entspannen! Nur im Regen sollte<br />

man sie nicht (alle) stehen lassen.<br />

Fotos: Danilo Scarpati/Living RCS. Styling: Daria Pandolfi<br />

Kultsessel Round D.154.5 aus Eschenschichtholz, mit Textil- oder Lederbezug und Messingfüßen. Gio Ponti designte ihn bereits im Jahr 1954. Im<br />

Rahmen der Heritage Collection wurde er neu aufgelegt (Molteni & C). Stehleuchte 9602 Chinese Hat aus Messing mit Rattanschirm von Paavo Tynell<br />

(Gubi). Bistrotisch Ola/4 mit Metallgestell und Platte aus Holzfasern und Harz im Cortenstahl-Look. Stapelbarer Stuhl Nenè aus Polypropylen – beides<br />

von Paolo Vernier (Midj). Sitzbank Les Arcs aus Aluminiumrohren, Entwurf: Meneghello Paolelli Associati (Unopiù).<br />

168


Gelber Sessel Panama aus Aluminium und nautischem Seil von Ludovica undRoberto Palomba (Talenti). Steingutfliesen Scenario Tappeto im Majolika-<br />

Style (Marazzi). Dusche Open Air aus eloxiertem Aluminium von Benedini Associati (Agape). Liegestuhl Copacabana aus Teak und Sunbrella-Gewebe<br />

von Christophe Delcourt (Tectona). Couchtisch mit Beton-Tischplatte und Liegestuhl aus schwarzem Aluminium mit Bezug aus Batyline, Kollektion<br />

Branch von Lievore Altherr Molina (Tribù). Minimalistische Tischleuchte Fienile aus Aluminium. Entwurf: Daniel Rybakken (Luceplan).<br />

169


ID-DESIGN OUTDOOR<br />

1<br />

2<br />

1/ Indisches Bett Guna aus Irokoholz und Nautikseil von Chiara Andreatti (Gervasoni). Stehleuchte Xana aus Aluminium von Edmondo Testaguzza<br />

(Karman). Couchtisch Clemo aus Carraramarmor von Massimo Castagna (Gallotti & Radice). Metallregal Cheba von Accardi Buccheri (Medulum).<br />

Sessel Fynn Outdoor aus Teak, Stoffbezug mit gepolsterten Kissen von GamFratesi (Minotti). 2/ Bank Softer than Steel aus Blech, Stahl und<br />

geschwungener Lehne von Nendo (Desalto). Sessel Tibes aus Metall und gefl ochtenem Seil von Gregorio Facco (Potocco). Rote Bank Bi-Sofa aus dem<br />

3-D-Drucker (SognArte). Tische Nara aus Ulme und Sessel Kay Lounge aus Messing und gefl ochtenem Leder von Jean-Marie Massaud (beides Poliform).<br />

170


Farbige Poufs Kipu mit einer<br />

Basis aus Schiffssperrholz und<br />

Bezügen aus wetterfesten<br />

Textilien von Anderssen & Voll<br />

(Lapalma). Daybed Atlante<br />

aus pulverbeschichtetem<br />

Aluminium und Irokoholz mit<br />

weicher Auflage auf elastischen<br />

Gurten. Design: Antonio<br />

Citterio (Flexform). Sesselskulptur<br />

Lemni aus lackiertem<br />

Stahl; Sitzfläche und Lehne<br />

aus gegerbtem Leder. Entwurf:<br />

Marco Lavit (Living Divani).


ID-DESIGN OUTDOOR<br />

Sessel Mbrace Wing mit Rahmen aus Teakholz, Sitzschale aus gewebter Kunstfaser mit herausnehmbarem Kissen. Design: Sebastian Herkner (Dedon).<br />

Stehleuchte Lady Galala Outdoor mit Metallarm und austauschbaren Lampenschirmen aus Plexiglas von Peluffo & Partners (Martinelli Luce). Sofa<br />

Borea mit Aluminiumgestell und gestreifter Polsterung aus Polyesterfasern, die aus recycelten PET-Flaschen gewonnen werden. Entwurf: Piero Lissoni<br />

(B&B Italia). Beistelltisch Monete aus handpatiniertem Metall im Used-Look von Massimo Castagna (Gallotti & Radice).<br />

172


ID-FOKUS<br />

Fantasy Food<br />

Stimmt ja – mit Essen spielt man nicht. Trotzdem inspiriert es Kreative<br />

nahezu jeder Disziplin zu besonderen gestalterischen Momenten.<br />

Von Jan van Rossem<br />

DIE KRAKE<br />

Es schien vorbei zu sein, bevor es begann. Als der bosnische Starkoch Ljubomir Stanisic in Lissabons Szeneviertel Bairro Alto<br />

sein Restaurant eröffnen wollte, scheiterte er fast am Elementaren. Der riesige Herd, den er sich nach eigenem Entwurf in<br />

Mailand hatte fertigen lassen, passte nicht durch das Tor des Altstadtpalastes. Ein Kran musste her, der gerade eben durch<br />

die engen Gassen manövrieren konnte, eine Wand musste wieder eingerissen werden, damit der Herd seinen Platz in der Küche<br />

einnehmen konnte. Aber danach lief es wie geschmiert. Gemeinsam mit seinen Partnern Nelson Santos und Nuno Faria hat<br />

Stanisic das 100 Maneiras nicht nur zu einer der ersten Adressen der portugiesischen Hauptstadt hochgekocht, sondern auch<br />

zu einer der coolsten. Wo sonst macht ein Koch mit einer riesigen Krake als Kopfbedeckung PR für sein Restaurant?<br />

174


© FABRICE DEMOULIN/BISTRO 100 MANEIRAS


ID-FOKUS<br />

DIE BANANE<br />

Die einst berühmteste Banane der Welt trug in den<br />

1920er-Jahren die Sängerin und Revuetänzerin<br />

Josephine Baker in mehrfacher Ausführung als Rockersatz<br />

bei ihren legendären Auftritten und begeisterte<br />

damit das Publikum, noch bevor sie einen Ton von<br />

sich gab. Abgelöst wurde sie (die Banane) von Pop-<br />

Art-Star Andy Warhol, der die gebogene Frucht als<br />

Covermotiv des Debütalbums der Kultband Velvet<br />

Underground mit Sänger Lou Reed entwarf. Die Band<br />

löste sich bald auf und geriet im Laufe der Jahrzehnte<br />

ein wenig in Vergessenheit. Die Banane nicht. Seit<br />

1986 markiert der Künstler Thomas Baumgärtel in<br />

Deutschland und international die interessantesten<br />

und wichtigsten Galerien und Museen mit einer<br />

solchen gesprayten Banane. Das brachte ihr den<br />

Status des inoffiziellen Logos der Kunstszene.<br />

© DCPHOTO/ALAMY STOCK PHOTO<br />

176


DAS BESTECK<br />

Höchstwahrscheinlich ist das Thema Besteck nicht unbedingt das Erste, an was man denkt, wenn es um Spielfilme<br />

geht, schon gar nicht, wenn es sich um Klassiker handelt. Aber eines dieser von nahezu jedem Cineasten verehrten<br />

Meisterwerke sei diesbezüglich dennoch erwähnt. Stanley Kubrick schuf mit seinem Epos 2001: Odyssee im Weltraum<br />

eine solche Kino-Ikone, in der er die Astronauten schon im Entstehungsjahr 1968 (!!) beim Essen in Tablets lesen ließ<br />

(schöne Grüße an Apple). Worauf wir in diesem Fall aber hinauswollen, ist die besondere Beachtung des futuristischen<br />

Bestecks, das sie benutzten. Es hatte kein Geringerer als der große Arne Jacobsen entworfen. Allerdings nicht speziell<br />

für den Film, sondern für sein berühmtes SAS Royal Hotel in Kopenhagen. Zum Zeitpunkt des Drehs schon selbst ein<br />

Klassiker. Es stammt aus dem Jahr 1957.<br />

© COLLECTION CHRISTOPHEL/ALAMY STOCK PHOTO<br />

177


ID-FOKUS<br />

DIE STRASSE<br />

Vielleicht muss es an dieser Stelle einmal persönlich werden. Die alte Weisheit, dass Liebe durch den Magen geht, kann ich<br />

nicht in aller Form bestätigen. Wenn es um die Liebe zu fremden Ländern und Regionen geht, hingegen schon. Ob in Malaysia,<br />

Mexiko oder Marrakesch: Die am Wegesrand angebotenen einfachen Speisen erfreuen mein Herz ganz ungemein. Dabei ist es<br />

nicht unbedingt die hervorragende Kochkunst, die an improvisierten Grills dargeboten wird, sondern es sind die Hingabe und der<br />

Enthusiasmus, womit die oft privat initiativen Köche ihre Speisen zubereiten und mit leuchtenden Augen, hoffend auf ein nettes<br />

Kompliment, servieren. Wantans auf der Treppenstufe eines Hauseingangs in Schanghai oder die Einladung, in die Kochtöpfe<br />

einer Strandbudenküche in der Karibik zu schauen und etwas auszuwählen, machen das Erlebnis der Nahrungsaufnahme so<br />

besonders. In einer Sterneküche gibt es so etwas nicht.<br />

© GETTY IMAGES<br />

178


DIE KOKOSNUSS<br />

George Nelson war Architekt und Designtheoretiker, vor allem aber<br />

langjähriger Designdirektor der Firma Herman Miller, die für das Ehepaar<br />

Eames einen Großteil derer Welterfolge produziert hat. Nelson<br />

selbst trug auch Entwürfe bei, die oft aber eher aus seinem Büro als<br />

aus eigener Hand stammten. Wie auch immer, einen gewissen Hang<br />

zur Adaption von Essbarem zu Sitzbarem kann man ihm und seinen<br />

Mitarbeitern nicht absprechen. Berühmt wurde sein Marshmallow-<br />

Sofa, das aber im Wesentlichen durch den Namen an die weiche,<br />

klebrige Süßspeise erinnert. Offensichtlicher und ästhetisch einzigartiger<br />

ist die Umsetzung der Schale einer Viertel Kokosnuss (allerdings<br />

inside out), die auf vier Beine gestellt zum Designklassiker avancierte:<br />

dem berühmten, zuletzt von Vitra produzierten Coconut Chair.<br />

© VITRA<br />

179


ID-FOKUS<br />

DAS FLEISCH<br />

Die durchaus respektable Künstlerin Stefani Joanne<br />

Angelina Germanotta, die unter dem mehr als fragwürdigen<br />

Künstlernamen Lady Gaga zu Ruhm gelangt<br />

ist, hatte in der Frühphase ihrer Karriere außerdem<br />

noch die Idee, mit ebenso fragwürdigen Outfi ts auf<br />

sich aufmerksam zu machen, was nicht unerheblich<br />

von ihrem vorhandenen Talent abgelenkt hat. Einer der<br />

Höhepunkte dieser Performance-Wut – nicht wenige<br />

Kritiker haben es auch als Tiefpunkt bezeichnet – war<br />

ihr Auftritt bei den MTV Video Music Awards 2010, als<br />

sie zum Schrecken der Veranstalter und zum Spaß des<br />

Publikums ein Kleid aus 20 Kilo (echtem) Rindfl eisch<br />

trug. Gemeinhin wurde ihre dazugehörige Botschaft,<br />

»jeder müsse für seine Prinzipien kämpfen und sich nicht<br />

auf das Fleisch auf unseren Knochen reduzieren lassen«<br />

als ziemlich fadenscheinig eingestuft. Was den PR-Effekt<br />

angeht, ist der Auftritt bis heute nachhaltig.<br />

© PICTURE ALLIANCE/AP PHOTO<br />

180


DAS FAST FOOD<br />

Der niederländische Künstler und Designer Job Smeets entwirft Objekte, die gern kleine amüsante Überraschungen bereithalten,<br />

wie ein von der Decke hängender Punchingball, auf den man besser nicht eindrischt: Er ist mit Beton gefüllt. Sehr oft gehen die<br />

Werke aber so sehr ins Kitschige und Absurde, dass man sich schwer entscheiden kann, ob sie erbärmlich oder erheiternd sind.<br />

Vorläufiger Gipfel dieser Kategorie sind Möbelstücke, die man – mit beiden Augen zugedrückt – möglicherweise als von der Pop-<br />

Art inspiriert einstufen könnte. Die Rede ist von dem abgebildeten Ensemble aus Hotdog (Sofa), Burger (Sessel) und Spiegelei<br />

(Teppich) inklusive Gurken und Tomaten als Kissen. Das Ganze ist – vorsichtig ausgedrückt – ziemlich speziell oder auch am Rande<br />

einer kulinarisch-gestalterischen Geschmacksverirrung. Vielleicht soll es aber einfach nur provozieren. Andererseits meint der<br />

Künstler es wohl ernst; er bietet die Sitzgelegenheiten auf seiner Website tatsächlich zum Kauf an.<br />

© SELETTI<br />

181


DER TISCH<br />

Dass der Norddeutsche an und für sich zu notorischem Understatement neigt, dürfte sich herumgesprochen haben. Aber<br />

im Fall der schlichten Namensgebung The Table für Kevin Fehlings Gourmettempel in der Hamburger Hafencity reicht diese<br />

Charaktereigenschaft als Begründung nicht mehr aus. Es ist die Untertreibung des Jahrhunderts. Sicher, der charismatisch<br />

gewundene einzige Tisch des Lokals ist einzigartig und sehenswert. Das vergessen die maximal 20 Gäste, die das Glück hatten,<br />

eine Reservierung zu ergattern (auf Monate ausgebucht), aber allerspätestens dann, wenn die erste Probe des zehngängigen<br />

Menüs serviert wird. Eigentlich ist das, was der jüngste Dreisternekoch Deutschlands und sein Team Abend für Abend in der<br />

offenen Küche zaubern, ein viel zu aufregendes Kunstwerk, als dass es mit Gabel und Messer für den ersten Biss zerstört werden<br />

dürfte. Die, die das schon tun durften, schwören, der Geschmack sei noch großartiger als der Anblick.<br />

© RENÉ RIIS<br />

182


© MOVIESTORE COLLECTION LTD/ALAMY STOCK PHOTO<br />

DAS GEMÜSE<br />

Man nehme Zucchini, Aubergine, Tomaten, Zwiebeln, Paprika, Knoblauch,<br />

Kräuter, Öl und ein bisschen Brühe, also das, was sowieso in jedem provenzalischen<br />

Garten so rumwächst, schneide es in kleine Stücke und<br />

gare es zusammen in einer Pfanne oder einem Topf. Heraus kommt eine<br />

wirklich sehr leckere Gemüsebeilage, die sich mit einem Stück herzhaftem<br />

Brot auch als vollwertige Mahlzeit eignet. Die Rede ist von Ratatouille.<br />

Das wurde zwar nicht von einer Ratte erfunden, aber in dem fantastischen<br />

gleichnamigen Computeranimationsfilm zaubert ein Jungkoch mit ihrer<br />

Hilfe eine besonders schmackhafte Version. Was allein bei der Bedeutung<br />

des Namens schon eine erwähnenswerte Tatsache ist. Manche<br />

leiten ihn von dem provenzalischen Begriff für Resteessen her. Wahrscheinlicher<br />

ist aber die Herkunft von rata (Armeleuteessen, Fraß)<br />

und touiller (umrühren). Die Bezeichnung »gerührter Fraß« wird dieser<br />

südfranzösischen Spezialität aber unter keinen Umständen gerecht.<br />

183


Contemporary Homes<br />

So schön kann man wohnen


Bob Hope’s House<br />

(John Lautner)<br />

Curtain Wall House<br />

(Shigeru Ban)<br />

Fallingwater House<br />

(Frank Lloyd Wright)<br />

Villa Cavrois<br />

(Robert Mallet-Stevens)<br />

Schröder House<br />

(Gerrit Rietveld)<br />

Bell Beach House<br />

(Dale Naegle)<br />

Modular House<br />

(Matti Suuronen)<br />

Villa Savoye<br />

(Le Corbusier)<br />

Glass House<br />

(Philip Johnson)<br />

© LE DUO


ID-HOME 1<br />

Berlin<br />

Musik für die Augen<br />

Draußen das graue Hauptstadt-Häusermeer, drinnen leuchtende Farben und<br />

eine Einrichtung auf dem schmalen Grat zwischen Möbel und Skulptur: In seiner<br />

Berliner Altbauwohnung setzt der Designer Martin Holzapfel auf starke Töne.<br />

Von Maja Groninger. Fotos: Helenio Barbetta/Living Inside Agency<br />

186


Die Küche mit verspiegelten Fliesen<br />

und dem Esstisch Crossing (Martin<br />

Holzapfel Design), in dessen Platte<br />

farbige Intarsien die Struktur der<br />

gekreuzten Basis formal wiederholen.<br />

Stühle Space Age von Gerd<br />

Lange (Drabert). Linke Seite Martin<br />

Holzapfel vor seinem Wandobjekt<br />

Das große Regal, einer Konsole<br />

aus Acrylglas und lackiertem Holz.


ID-HOME 1<br />

Martin Holzapfels jüngster Entwurf zieht alle Blicke auf sich: Mit<br />

seiner hochglänzenden Oberfläche aus Acrylglas und Birkenholz<br />

sowie den kaleidoskopartigen Quadraten von Signalgelb über Pink<br />

bis hin zu Yves-Klein-Blau ist Das Große Regal vor der weißen Wand im<br />

Studio ein Objekt, das man, zugegeben etwas abgedroschen, einen »echten<br />

Hingucker« nennt. Damit ist es in der großzügigen Altbauwohnung des Kreativen<br />

in bester Gesellschaft. Denn der Interiordesigner und Gestalter, der<br />

mit seinen grafischen und zugleich skulpturalen Entwürfen die Grenzen zwischen<br />

Kunst und Design auslotet, lässt nicht nur seine Möbel in wirkungsvollen<br />

Farbkombinationen strahlen, sondern stellt sie bei sich auch gerne<br />

mal vor sattgrüne oder leuchtend blaue Wände.<br />

Der 57-Jährige – angenehm zurückhaltend und bedacht in seiner Ausdrucksweise<br />

– erzählt, was es mit diesem Powerkolorit auf sich hat. Prinzipiell<br />

gehe es ihm immer um eine Verkörperung von Energie: »Die Spannung in<br />

meinen Entwürfen entsteht durch das Verhältnis von Dreidimensionalität<br />

zur Farbgebung und zur grafischen Gestaltung. So sehen die Möbel aus<br />

jedem Blickwinkel anders aus und wirken mal wie ein Bild, mal wie eine<br />

Skulptur.« Mit dem Etikett »Farbe als Markenzeichen« habe er allerdings<br />

seine Schwierigkeiten, dafür enthält seine Arbeit noch zu viele andere<br />

Blick in den Wintergarten mit<br />

einer teilweise gut erhaltenen<br />

Jugendstiltapete und einem<br />

weißen Vintagestuhl Aluflex<br />

von Armin Wirth (Arflex). Davor<br />

glänzt die Wandkonsole Das<br />

große Regal aus Acrylglas und<br />

Birkenholz (Martin Holzapfel).<br />

Linke Seite Colour-Blocking<br />

im Flur: petrolfarbene Wände,<br />

ein rotes Samtsofa und der<br />

Couchtisch Lake (Martin Holzapfel)<br />

auf einem Kelim aus<br />

Marokko. Darüber das Bild<br />

Kegelhund des Berliner Künstlers<br />

Jürgen Eisenacher.<br />

189


ID-HOME 1<br />

Aspekte (Poesie. Architektur. Funktion.). Aber doch, ja, Farbe sei natürlich<br />

ein wichtiges Thema für ihn. Holzapfel studierte Innenarchitektur an der<br />

Münchner Akademie der Bildenden Künste, brachte sich autodidaktisch<br />

den Möbelbau bei und fertigt auch heute viele seiner Prototypen selbst. Anregungen<br />

aus der modernen Kunst und Architektur spielten dabei immer<br />

eine große Rolle. Berlin mit seiner pulsierenden Kreativszene empfindet er<br />

trotz aller Ecken und Kanten seit 20 Jahren als ungemein inspirierend.<br />

Bunt? Nein! Nur Freude an farbigem Maximalismus.<br />

Der Gestalter selbst lebt in der Hauptstadt hinter historischen Mauern: In<br />

Gesundbrunnen, einem Ortsteil von Mitte, wohnt er mit seinem Lebenspartner<br />

in einem Jugendstilhaus mit prächtiger Fassade. »Auch drinnen gibt es<br />

viele gut erhaltene Jugendstilelemente, etwa die Tapete im Wintergarten, die<br />

Türen und den Stuck«, erzählt Holzapfel beim Rundgang durch die Wohnung,<br />

die formal in zwei Bereiche unterteilt ist: Nach Süden hin liegen Studio,<br />

Wohnzimmer und Küche, auf der anderen Seite ein Schlafzimmer und<br />

der Salon mit Arbeitsplatz, den das Paar eher am Abend nutzt. An den Wandfarben<br />

– Weiß, Grün, Grau oder Petrol – lässt sich leicht erkennen, in welchem<br />

Bereich man sich gerade befindet. Seine farbigen Entwürfe, vom gelben<br />

Im Gästezimmer verbreiten<br />

sattgrüne Wände und der blau<br />

lackierte Holzboden beinahe<br />

Unterwasser-Atmosphäre.<br />

Neben dem Bett ein Beistelltisch<br />

aus Säulen von Martin<br />

Holzapfel. Ein gelber Bistrotisch<br />

und ein marokkanischer<br />

Kelim setzen weitere Farbakzente.<br />

Das Hundegemälde<br />

stammt von Jürgen Eisenacher.<br />

190


1<br />

2<br />

3<br />

4<br />

1/ Der farbige Bereich des Appartements: Im Wohn- und Arbeitszimmer filtern blaue Vorhänge sanft das Licht. Davor Vintage-Bürosessel<br />

(Wilkhahn) am Schreibtisch Bureau (Martin Holzapfel). 2/ Martin Holzapfels halbhohe, grafisch bemalte Anrichte Regard steht im Gästezimmer.<br />

3/ Stillleben mit Hund (Jürgen Eisenacher) und Madonna – oder Geist – im Spiegel. 4/ Dieses dem eigentlichen Wohnzimmer vorgelagerte<br />

Zimmer wird durch einen Lichtschacht hinter dem Buntglasfenster erhellt. Das Lowboard Dock stammt von Martin Holzapfel,<br />

das Gemälde auf der rechten Seite von Jürgen Eisenacher. Der Lloyd-Loom-Sessel ist aus den 1950er-Jahren, der Kelim aus Marokko.<br />

191


Das Wohn- und Arbeitszimmer mit<br />

grauen Wänden und rostroter Decke<br />

(das farbliche Pendant findet sich<br />

im Muster des Kelims wieder) nutzen<br />

die Hausherren am liebsten nachmittags<br />

und abends. Den Barschrank<br />

Fontaine, die Schreibtische Bureau<br />

und die Beistelltische Rally fertigte<br />

Martin Holzapfel. Bodenleuchte<br />

(Zascho Petkow Design), Vintage-<br />

Bürosessel (Wilkhahn).


Blick aus dem Wohnzimmer mit<br />

zitronengelber Sockelbemalung<br />

auf der ruhigeren Südseite des<br />

Hauses ins Schlafzimmer. Links<br />

ein Klapptisch aus Eiche (naturfarben!),<br />

rechts der Beistelltisch<br />

Rally (beides Martin Holzapfel).<br />

Im Schlafzimmer ein Klappstuhl<br />

(Martin Holzapfel), auf dem Bett ein<br />

kariertes Plaid (Wallace & Sewell).


ID-HOME 1<br />

1 2<br />

Esstisch Crossing mit kreuzförmigen Intarsien bis zum Barschrank Fontaine<br />

mit Halbkreisbemalung, stehen überall in friedlicher Koexistenz mit gemusterten<br />

Kelims, Tartandecken, Vintagedesign und Erinnerungsstücken. Das<br />

Ergebnis: ein dichtes Wohnerlebnis – stilvoll, aufgeräumt, nicht bunt (noch<br />

ein Wort, mit dem Holzapfel auf Kriegsfuß steht), aber maximal farbig. Auf<br />

die Frage, ob ihn, den Profi, so viel Farbe auch manchmal nerve, folgt sofort<br />

ein kategorisches Nein – und dann erst mal lange nichts. Schließlich fügt er<br />

hinzu, dass Deutschland in vielen Teilen ja leider recht blass sei, optische Erholungspausen<br />

gäbe es für ihn darum gezwungenermaßen genug und überall.<br />

Holzapfel vermutet, dass dahinter eine tiefe Angst vor Farbe steht, zumindest<br />

was die Einrichtung betrifft: »Wirklich schade, aber wohl schwierig<br />

zu ändern.« Dazu passt, dass die Mehrzahl seiner Kunden aus dem Ausland<br />

stammt, viele von ihnen leben in Berlin.<br />

Ausnahmen von der Regel gäbe es natürlich, aber die seien wirklich selten,<br />

gerade die mehrfarbigen Stücke sind deutschen Kunden oft zu heikel. Kaum<br />

zu glauben – oder vielleicht ist das auch nur das Ergebnis mangelnder Erfahrungen<br />

mit der Materie: Denn wer Martin Holzapfels Welt wieder verlässt<br />

und durch die schwere Jugendstiltür auf den Badstraßenkiez hinaustritt,<br />

für den scheint die Welt draußen im ersten Moment ziemlich grau.<br />

1/ Verspiegelte Fliesen hinter<br />

dem Herd machen die helle<br />

Küche mit ihren hohen Decken<br />

optisch noch größer. Vor der<br />

Küchenzeile mit ihren (selbstverständlich!)<br />

farbig lackierten<br />

Fronten der Esstisch Crossing,<br />

beide stammen aus der Feder<br />

von Martin Holzapfel, der darauf<br />

Wert legt, dass seine Einrichtung<br />

auf keinen Fall zu perfekt daherkommt.<br />

2/ Die reich verzierte<br />

Jugendstilfassade des Hauses<br />

im Berliner Ortsteil Gesundbrunnen<br />

stammt von 1904.<br />

195


ID-HOME 2<br />

Bei Como<br />

Offenes Versteck<br />

»Aghe« ist das friaulische Wort für Wasser. Und der<br />

Name einer Villa mit Blick auf den Alseriosee, deren Räume kunstvoll<br />

ineinanderfließen. Mit dem verschachtelten Bau für eine<br />

gesellige Unternehmerfamilie gelang Architektin Annalisa Mauri das<br />

scheinbar Unmögliche: Sie verschmolz Transparenz mit Intimität.<br />

Von Tatjana Seel und Chiara dal Canto.<br />

Fotos: Helenio Barbetta / Living Inside<br />

196


Räume, Brücken, Loggien, Terrassen, Balkone:<br />

Großzügige Glasflächen verbinden die<br />

asymmetrischen Gebäudeelemente zu einer<br />

Einheit. Vor dem Pool: Outdoorsofa und<br />

Couchtisch Canasta von Patricia Urquiola<br />

(B&B Italia). Linke Seite Roberta Traviglia mit<br />

ihren Kindern Virginia (14) und Jacopo (11)<br />

sowie Pudel Hulk und Kätzchen Scottex.


Das aufgesetzte Schlafzimmer in der zweiten<br />

Etage nutzt die große Dachfläche als<br />

Sonnenterrasse – mit Holzbohlen, strahlend<br />

weißer Brüstung und Panoramablick auf den<br />

Alseriosee sowie die voralpine Landschaft.<br />

Lieblingsleseplatz: die Vintage-Chaiselongue.


ID-HOME 2<br />

Vor Kurzem turnte ein Popstar auf dem Dachfenster herum. Der italienische<br />

Rapper Irama rekelte sich für das Frauenmagazin Grazia auf<br />

einer avantgardistischen Chaiselongue, lehnte sich cool an die Glaswände<br />

zwischen Wohnzimmer und Pool und verlor sich im Blick auf die<br />

Hügel der Brianza. Dabei ist die Villa Aghe, zehn Kilometer südöstlich von<br />

Como gelegen, viel mehr als nur Kulisse für glamouröse Videos: Sie ist selbst<br />

eine Primadonna – die Hauptdarstellerin auf dem Grundstück der Unternehmer<br />

Roberta und Christian Traviglia. »Wir wollten in erster Linie viel Platz«,<br />

so die Hausherrin. Umgesetzt hat diesen Wunsch die Architektin Annalisa<br />

Mauri – mit 750 Quadratmetern Wohnfläche auf drei Ebenen, komplex, aber<br />

äußerst diskret. Denn von der Straße inmitten der kleinen lombardischen<br />

Gemeinde Alserio aus ist kaum zu erkennen, welche Dimensionen sich hinter<br />

der verschachtelten Fassade verbergen. Aus der Luft würde man einzelne<br />

Pools, rötliche Satteldächer und sauber umzäunte Gärten sehen. Und einen<br />

modernen Bau, der sich wie ein schmales Ypsilon in die Idylle schiebt.<br />

Das kürzlich fertiggestellte Werk der Architektin ist zugleich ihr fortschrittlichstes:<br />

Ausgestattet mit Geothermie, Solarkollektoren und Fotovoltaikanlage<br />

ist es aus energetischer Hinsicht fast völlig autonom. Für den bestmöglichen<br />

Blick auf den Lago di Alserio und die dahinterliegenden Berge<br />

passte sie zudem die Ausrichtung der Villa an die abfallende Topografie an.<br />

»Dafür waren jede Menge genaueste Studien nötig«, sagt sie, denn die beste<br />

Die erste Etage ist ein nach drei<br />

Seiten verglaster Hochsitz zum<br />

Wohnen und Essen. Gläserne<br />

Balkonbalustraden ermöglichen<br />

ungehinderte Blicke in die Landschaft<br />

– am liebsten von Jean-<br />

Marie Massauds samtbezogenem<br />

Sofa Mondrian aus. Daneben<br />

der Couchtisch Bristol (beides<br />

Poliform). Innen reflektiert patiniertes<br />

Eichenparkett (Albino<br />

Pozzi) die natürliche Umgebung.<br />

Die beachtliche Kakteensammlung<br />

der Bewohner ähnelt einer<br />

Kollektion moderner Skulpturen.<br />

199


Im Erdgeschoss entspannt die Familie auf<br />

Gae Aulentis Sofaklassiker Stringa von 1965<br />

(Poltronova). Die eingerückte Zimmerdecke<br />

ruht auf Säulen und lässt Raum für den sieben<br />

Meter hohen Kamin von Dominique Imbert<br />

(Focus), der über zwei Etagen verläuft.


ID-HOME 2<br />

1<br />

2<br />

3<br />

4


Ein Lichtschacht über der Galerie schleust Sonne in die<br />

erste Etage. Abends sorgt ein Vintagelüster über dem<br />

Esstisch Opera (Poliform) und den Gemma-Stühlen von<br />

Draga & Aurel (Baxter) für Brillanz. Linke Seite 1/ Die<br />

rahmenlosen Glasgeländer der Holztreppe geben den<br />

Blick auf das maßgefertigte Lichtkunstwerk aus Messing<br />

und Muranoglaskugeln frei (Venicem). 2/ Die Küche One<br />

(Rifra) ist durch Rauchglas-Schiebetüren (Rimadesio) vom<br />

Wohnbereich getrennt. Die matten Fronten sind von Hand<br />

gespachtelt, die Theke ist aus Eichenbohlen, die einst in<br />

Venedigs Lagune standen. 3/ Das Gebäude spielt mit<br />

Blickachsen, auch Palmen spähen neugierig um die Ecke.<br />

4/ Die Treppe aus Eisenblech (Fratelli Rusconi) führt zum<br />

Indoorpool mit Whirlpool-Betten und Dampfbad.<br />

ID-HOME X


ID-HOME 2<br />

1 2<br />

Aussicht ging ausgerechnet gen Norden. »Die Nordfassade ist oft die am<br />

wenigsten gelungene. Ich habe versucht, ihre häufig als negativ eingeschätzten<br />

Eigenschaften in positive umzuwandeln«, erklärt Annalisa Mauri. »Außerdem<br />

war es undenkbar, den Blick auf die Gebirgsgruppe Grigna und das<br />

scharfe Profil des Monte Resegone auszuklammern, die wie eine Krone das<br />

Panorama abschließen.«<br />

Weil es keine direkte Sonneneinstrahlung gibt, fällt Tageslicht durch Fensterflächen,<br />

transparente Balkone und verglaste Deckenöffnungen. Der helle<br />

Wohn- und Essbereich in der ersten Etage kommt ohne Wände aus, bekam<br />

dafür aber eine glasverkleidete Galerie. Das Wohnzimmer darunter ist mit<br />

Sukkulenten, gegossenem Kunstharzboden und Stahlrohr-Sitzgruppe eine<br />

Art modernistisches Gewächshaus mit gläsernem Zugang zum Innenpool.<br />

»Es war wichtig, so viel Licht wie möglich hereinzuholen«, fasst die Architektin<br />

ihren Masterplan zusammen. Genauso funktioniert es mit der Natur:<br />

»Durch die Fenster kommt die Landschaft ins Haus, sodass wir den Eindruck<br />

haben, direkt am Ufer des Sees zu sein«, ergänzt Roberta Traviglia.<br />

Trotz der Größe haben alle vier Bewohner (samt Hund und Katze) nie das<br />

Gefühl, sich darin zu verlieren. Die Schlafzimmer und Bäder sind absichtlich<br />

kleiner gehalten und als Rückzugsorte gedacht. »Es ist ein äußerst geselliges<br />

Haus, das zu unserem Gemüt passt: Wir laden nämlich gerne viele<br />

Freunde ein«, so die Bewohnerin. Und manchmal sogar einen Popstar.<br />

1/ Die Schlafzimmer auf der<br />

dritten Ebene sind absichtlich<br />

als kleinere Rückzugsorte konzipiert.<br />

Bett und Nachttisch<br />

Kelly von Emmanuel Gallina<br />

(Poliform), Tischleuchte Snoopy<br />

von Achille und Pier Giacomo<br />

Castiglioni (Flos). 2/ Blütenbad:<br />

die Wanne Circle mit 150 Zentimetern<br />

Durchmesser (Rifra)<br />

vor der floralen Tapete Niveum<br />

von Eva Germani (Wall&decò).<br />

204


Materialien wie Eiche, Kunstharz und Kuhfell<br />

vermitteln Sinnlichkeit – trotz Purismus.<br />

In der ersten Etage lädt die Chaiselongue<br />

LC4 von Charlotte Perriand, Le Corbusier<br />

und Pierre Jeanneret zur Lesepause ein.<br />

Glänzender Sidekick: Beistelltisch Traccia<br />

von Meret Oppenheim (beides Cassina).


ID-HOME 3<br />

Paris<br />

Neu verpackt<br />

Gilbert Kann hat einen Beruf, um den ihn manche beneiden: Er ist Personal<br />

Shopper. Als Spezialist für dekorative Kunst und Möbel des 20. Jahrhunderts sucht<br />

er für seine Kunden vor allem Vintagestücke. Nun hat er gemeinsam mit dem<br />

Textilverlag Misia seine eigene Wohnung neu eingerichtet. Was wir davon lernen?<br />

1970er-Jahre-Möbel vom Flohmarkt sehen neu bezogen einfach très chic aus.<br />

Von Christian Tröster. Fotos: Xavier Béjot<br />

206


Rund um den Esstisch von Florence Knoll gruppierte<br />

Gilbert Kann Stühle von Joseph-André Motte (Steiner),<br />

denen ihr Viskoseveloursbezug La Pêche aux éponges<br />

einen originellen Auftritt erlaubt. Rechts daneben steht<br />

ein 1950er-Jahre-Sessel, versehen mit dem Baumwollcord<br />

Portofino. Linke Seite Der Shoppingking in seinem Reich:<br />

Gilbert Kann sitzt auf dem Sessel 1705 Easy Chair von<br />

Warren Platner (Knoll), bezogen mit dem Stoff Pic du<br />

Lotus in Seychellenblau.


208<br />

Wie eine surrealistische Vitrine wirkt der Salon von<br />

Gilbert Kann. Links ein Vintage-Modulsofa, bezogen mit<br />

Baumwollsamt Aime. Darüber neigt sich die Leuchte<br />

Arco von Achille Castiglioni (Flos), während rechts etwas<br />

schüchtern die Leuchte 2093-150 von Olivier Mourgue<br />

(Disderot) blüht. Dominiert wird das Ensemble von einer<br />

ausgestopften Pfauenhenne auf dem Kamin sowie der<br />

farblich passenden Snoopy-Leuchte (Flos).


209


Misia starb 1950 – lang lebe Misia! Misia Sert war die Muse vieler<br />

Künstler im Paris der 1920er- und 30er-Jahre. Sie wurde von Renoir<br />

und Toulouse-Lautrec gemalt, pflegte Freundschaften mit Coco<br />

Chanel und Jean Cocteau und wurde eine Größe in der Kulturgeschichte<br />

Frankreichs. Der Nachwelt hinterließ sie eine Spur von Eleganz – fein wie<br />

ein Hauch teuren Parfums. Zumindest Kennern ist Misia ein Begriff. So kam<br />

es, dass ihr Name 2014 von einem Textilverlag adaptiert wurde: Misia Paris<br />

produziert edle Stoffe in Nordfrankreich und hat sich einem Stil verschrieben,<br />

der Art déco mit dem Besten der Gegenwart verbindet.<br />

Um die Sinnlichkeit der Entwürfe besser erlebbar zu machen, taten sich die<br />

Manager von Misia nun mit Gilbert Kann zusammen. Der arbeitet als Interiordesigner,<br />

Stylist und Personal Shopper, so bezeichnet er sich zumindest<br />

selbst – ein Berufsprofil, wie es jenseits von New York wohl nur in Paris<br />

möglich ist. Für Misia ging Gilbert Kann nun aufs Ganze und stellte seine<br />

Privatwohnung als Bühne zur Verfügung. »Die Idee war, sie mit Möbeln neu<br />

einzurichten, die ich normalerweise für einen idealen Kunden finden würde«,<br />

sagt er. »Ich suchte auf dem Antikmarkt Paul Bert Serpette in Saint-Ouen<br />

nach ikonischen Stücken und ließ sie mit Misia-Stoffen neu beziehen. Zu den<br />

Fundstücken gehörten die Sessel Djinn von Olivier Mourgue und andere von<br />

Zuckerbäcker-Stuck, Marmor,<br />

Spiegel, Flügeltüren und noch<br />

dazu extravagante Bezugsstoffe<br />

wie La Pêche aux éponges (dt.:<br />

Schwammtauchen) für die Stühle<br />

von Joseph-André Motte (Misia) –<br />

und trotzdem harmoniert alles.<br />

Rechte Seite Der Sessel Djinn,<br />

entworfen 1965 von Olivier<br />

Mourgue (Airborne), hatte wenig<br />

später einen Auftritt in dem<br />

Science-Fiction-Klassiker 2001:<br />

Odyssee im Weltraum. Gilbert<br />

Kann erlaubte sich den Spaß,<br />

dem spacigen Möbel den<br />

schäfchenartigen Bouclette-<br />

Überzug Ciel d’Ailleurs aus<br />

Schurwolle, Leinen, Baumwolle<br />

und Bambus zu verpassen.<br />

Bewacht wird das Objekt von<br />

Verner Pantons Leuchte<br />

Panthella (Louis Poulsen).<br />

Die Art-déco-Vorhänge Carlton<br />

sind aus Nadelvelours,<br />

Kollektion French Riviera.<br />

210


Warren Platner, dazu Stühle von Pierre Guariche. Es wurde ein komplettes<br />

Wohnzimmer aus den 1970er-Jahren!« Warum es unbedingt alte Möbel sein<br />

sollten? Sie haben, weiß Gilbert Kann, »die Kraft, die Menschen an eine bestimmte<br />

Epoche, einen Lebensstil, eine Konsumweise oder sogar eine Stimmung<br />

zu erinnern. Die Patina der Zeit, selbst auf Alltagsgegenständen aus<br />

Plastik, hinterlässt bei den Menschen eine Nostalgie.«<br />

Museal oder melancholisch wirkt der Stil aber keinesfalls, was auch an Bezugsstoffen<br />

wie La Pêche aux éponges liegt. Dieser texturierte Stoff wird aus<br />

farbigen Garnen entwickelt und erinnert mit seinem minimalisierten Leopardenlook<br />

an Interieurs des Art déco. Oder Ciel d’Ailleurs, ein feines und<br />

dichtes Gewebe aus Noppen, Knoten und Schlingen. Gilbert Kann spannte<br />

ihn über einen Sessel aus den 1960ern, was eine verwegene Kombination<br />

aus Retrofuturismus und kuscheligem Schäfchenlook ergab. Bei Misia war<br />

man ob dieser Ideen begeistert. »Gilbert hat Texturen, Farben, Muster und<br />

Möbel in einer großen geistigen Freiheit kombiniert«, freut sich Marketingmanagerin<br />

Amélie Ducos. »Es bedarf eines guten Auges, um diese Kombinationen<br />

zu wagen und daraus ein harmonisches Ganzes zu machen. Ihm gelang<br />

es, ein Gleichgewicht zu finden zwischen der Weichheit einiger Stoffe<br />

und der Stärke der Möbel, und das alles ohne Geschmacksverirrung.«<br />

Im Mittelpunkt ein auffälliges,<br />

wenngleich anonymes Sofa<br />

auf goldfarbenem Sockel. Es<br />

kann in mehrere Teile zerlegt<br />

werden, die dann als Einzelmöbel<br />

ihren Zweck erfüllen.<br />

Der Bezugsstoff Aime verleiht<br />

dem Vintagefund einen seidigen<br />

Schimmer. Dessen Farbe<br />

Kakao erinnert an die Partykeller<br />

einer dunklen Epoche.<br />

212


ANZEIGE<br />

Kampf dem kleinsten Krümel<br />

1 2<br />

Wenn Dyson neue Produkte entwickelt, macht die Technik<br />

einen Sprung in die Zukunft. Diesmal vollbringt ihn<br />

der Ultraleicht-Staubsauger Dyson V12 Detect Slim. Er entfernt<br />

nicht nur Tierhaare, auch mikroskopisch kleine<br />

Staubkrümel entgehen ihm nicht – egal von welchen Böden.<br />

Leicht und leistungsstark, so stellt man sich den idealen Staubsauger vor.<br />

Doch mit diesen Begriffen ist der Dyson V12 Detect Slim nur unzureichend<br />

beschrieben: Er ist eine Hightech-Reinigungskraft, die selbst<br />

unsichtbaren Staub findet und aufnimmt. Das Modell erkennt Partikel von<br />

einer Größe unter 100 Mikrometern (μm) und passt seine Saugleistung entsprechend<br />

der Menge an. Zusätzlich zählt es die Teilchen. Das führt zu dem<br />

befriedigenden Ergebnis, dass nach dem Staubsaugen nicht nur die Wohnung<br />

blitzt, sondern man den Erfolg auch noch angezeigt bekommt – die Menge<br />

der entfernten Partikel wird fein säuberlich nach Größe sortiert, von »unter<br />

10 μm« (Pollen) über »unter 180 μm« (Milben) bis zu Zuckerkrümeln.<br />

Für Hunde- und Katzenhaare gibt es eine Bodendüse und eine extra Haardüse,<br />

die die Haare von Möbeln und Autositzen dorthin befördert, wo sie hingehören:<br />

in den Staubbehälter. Das funktioniert, ohne dass man selbst handgreiflich<br />

werden muss. Die Bürstwalze wird schon während des Saugvorgangs<br />

automatisch von den Haaren befreit. Willkommen in der Zukunft!<br />

1/ Mithilfe eines Lichtstrahls<br />

an der Bodendüse<br />

macht der kabellose<br />

V12 Detect Slim Staubpartikel<br />

sichtbar, die man<br />

mit bloßem Auge nicht<br />

erkennt – und das bei bis<br />

zu 60 Minuten Akkulaufzeit.<br />

Extraclou: Die Saugkraft<br />

passt sich der Staubmenge<br />

automatisch an.<br />

2/ Ideal für Wohnumfelder<br />

mit Haustieren:<br />

Das Modell entfernt<br />

(auch verfilzte) Tierhaare<br />

auf Autositzen, Möbelpolstern<br />

und Teppichen<br />

gründlich und schnell.<br />

dyson.de


ID-HOME 4<br />

Rom<br />

Die Welt an einem Ort<br />

Früher reiste er als Journalist, jetzt als Diplomat durch die Welt – und über die<br />

Jahre reifte der Wunsch, einen Zufluchtsort in der italienischen Heimat zu finden.<br />

Im Viertel Flaminio ließ sich Alfonso Tagliaferri von Studio 02A ein Appartamento<br />

herrichten, das sein Nomadenleben im wahrsten Sinne widerspiegelt.<br />

Von Tatjana Seel. Fotos: Serena Eller<br />

214


Im Salon sorgen die Ledersofas<br />

Bretagne (Poltrona Frau) für<br />

Grandezza, im Esszimmer sind<br />

Erbstücke wie der Vintagetisch<br />

und die Stühle aus den 1950er-<br />

Jahren versammelt. Das Originaleichenparkett<br />

wurde abgeschliffen.<br />

Die Fotografie der Künstlerin<br />

Zanele Muholi (Michael Stevenson<br />

Gallery) erwarb der Diplomat<br />

in Kapstadt, die Marionette auf<br />

den Philippinen. Linke Seite Mann<br />

von Welt: Alfonso Tagliaferri.<br />

Die Leuchte Illan ist aus hauchdünnem<br />

Sperrholz (Luceplan).


ID-HOME 4<br />

Rom ist aufregend und seine Viertel so unterschiedlich wie Kontinente.<br />

Trastevere ist das Herz der italienischen Metropole, Monti besitzt die<br />

meisten Sehenswürdigkeiten, Parioli die elegantesten Villen und Flaminio<br />

im Norden der Stadt hat sich der Architektur- und Kunstszene verschrieben.<br />

Für den Diplomaten Alfonso Tagliaferri, der Italiens Konsul in<br />

Kapstadt war und zuvor in Manila und Lateinamerika lebte, war Flaminio<br />

die erste Wahl. Der Tiber, an dem er, wenn er mal in der Metropole weilt,<br />

seine Joggingrunde dreht, ist nur einen Steinwurf entfernt, das MAXXI-<br />

Museum für zeitgenössische Kunst liegt fast gegenüber und das berühmte<br />

Auditorium Parco della Musica von Renzo Piano ist auch fußläufig erreichbar.<br />

»Ich suchte nach einem Platz, an den ich nach jedem Auslandsaufenthalt<br />

zurückkehren konnte, der zu einem Zufluchtsort werden sollte«, sagt<br />

Tagliaferri. In einem noblen Jahrhundertwendegebäude wurde er fündig. Die<br />

130 Quadratmeter große Erdgeschosswohnung mit Terrasse gehörte einer<br />

bürgerlichen Familie und war ein wenig in die Jahre gekommen. Doch allein<br />

der quadratische Grundriss mit seinen fünf Zimmern schien auf Anhieb<br />

perfekt. Tagliaferri beauftragte das römische Architektenduo Thomas Grossi<br />

und Marco Rulli von 02A Architettura e Design: »Wenn man stets unterwegs<br />

ist, dann wünscht man sich einen Ort, der einem Geborgenheit schenkt.<br />

Einer japanischen Landschaft<br />

nachempfunden ist die Tapete<br />

Ukiyo (Nobilis), übersetzt<br />

»fließendes Wasser«. Die<br />

Architekten verkleideten damit<br />

den Einbauschrank im Schlafzimmer.<br />

Leisten, Griffe und<br />

der Handtuchhalter sind aus<br />

Messing. Die Badewanne füllt<br />

eine Nische vor dem großen<br />

Bogenfenster. Der blaue Samtvorhang<br />

trennt den Schlafbereich<br />

vom Rest der Wohnung.<br />

Linke Seite Waschtisch und<br />

WC verstecken sich in einem<br />

verspiegelten Kubus. Öffnet der<br />

Hausherr die beiden darin<br />

eingeschnittenen Türen, blickt<br />

er bis in den Garten hinaus.<br />

217


ID-HOME 4<br />

1 2<br />

Ich wollte mich mit all den schönen Dingen umgeben, die ich auf meinen<br />

vielen Reisen gesammelt habe, ohne dass es am Ende nach einem Sammelsurium<br />

aussieht«, erzählt er lachend. Die beiden Architekten von 02A, die<br />

sich während ihres Staatsexamens kennengelernt hatten, schätzten an ihrem<br />

Auftrag besonders die intensiven Gespräche, um sich in das Leben und die<br />

Wünsche des Bauherren einfühlen zu können: »Dieses Projekt«, erzählt<br />

Marco Rulli, »lag uns besonders am Herzen. Wir haben lange über das Konzept<br />

des Zuhauses als Ort der Zugehörigkeit nachgedacht. Am Ende haben<br />

wir selbst dabei eine Menge gelernt.«<br />

Willkommen im Spiegelkabinett<br />

Über einen privaten Garten, den die Designer als üppige Outdooroase inmitten<br />

tropischer Pflanzen und mächtiger Palmen gestalteten, gelangt man<br />

in ein helles, luftiges Wohnzimmer. Dessen sorgfältig restauriertes Tonnengewölbe<br />

zeugt genauso wie das massive, original erhaltene Eichenparkett<br />

vom architektonischen Erbe des Hauses. In der angrenzenden Küche wurde<br />

die Decke in toskanischem Rot gestrichen, passend zum Terrazzoboden und<br />

der Arbeitsplatte aus Granit. Weil die Architekten gerne mit Brüchen und<br />

Imperfektionen arbeiten, lackierten sie die Schrankfronten in Kanariengelb.<br />

1/ Eine Glasschiebetür trennt<br />

Wohnzimmer und Küche.<br />

Die Terrazzofliesen ähneln der<br />

Struktur des gebürsteten<br />

Granits der Arbeitsplatte. Das<br />

Tonnengewölbe wurde in<br />

Tuscan Red (Little Green) gestrichen<br />

– ein schöner Kontrast<br />

zur kanariengelben Einbauküche.<br />

2/ Alfonso Tagliaferri<br />

liebt afrikanische Kunst. Er<br />

begann sie während seiner<br />

Diplomatenzeit in Kapstadt<br />

zu sammeln. Über dem Sofa:<br />

eine Installation aus gebogenen<br />

Sprungfedern von Bronwyn<br />

Katz. Rechte Seite Die antike<br />

Kommode ist ein Erbstück<br />

der Familie aus Italien. Darüber<br />

ein weiteres Kunstwerk aus<br />

Südafrika: ein Wandteppich<br />

von Igshaan Adams.<br />

218


ID-HOME 4<br />

1 2<br />

»Wir haben versucht, mit dem Konzept der Zeit zu spielen, wir wollten kein<br />

›fertiges, perfektes‹ Interieur, sondern dem Unfertigen, dem Unvollkommenen<br />

und dem Unerwarteten Raum geben«, erklärt Marco Rulli. So entstehen<br />

spannende Dialoge zwischen alt und neu, morbid und modern.<br />

Das Schlaf- und Arbeitszimmer sowie die beiden Bäder trennt lediglich ein<br />

Samtvorhang vom Rest der Wohnung. Rückzugsort und Herzstück des<br />

Apartments sollte der Schlafbereich werden. Nicht umsonst nimmt er den<br />

größten Raum ein – und birgt einige Überraschungen: mittendrin versteckt<br />

ein mit rauchfarbenen Spiegelpaneelen verkleideter Kubus-Waschtisch und<br />

ein WC. Zugleich sorgt er für lebhafte Reflexionen und verstärkt das natürliche<br />

Licht. Die Badewanne platzierte das Duo bewusst außerhalb des Quaders<br />

in einer seitlichen Nische. »Wenn ich von dort aus in den Garten sehen<br />

will, öffne ich einfach die beiden Zwischentüren des Würfels«, freut sich der<br />

Diplomat. Rundherum gehen die historisch vorgefundenen Strukturen mit<br />

zeitgenössischem Design, Kunst und Schätzen von den Reisen durch die<br />

Kontinente unkonventionelle Verbindungen ein. Und die Pflanzen, die jedes<br />

Zimmer begrünen, sind Reminiszenzen an die Länder, in denen der professionelle<br />

Nomade gelebt hat. Gerade ist wieder eine Station hinzugekommen:<br />

Seine neue temporäre Heimat liegt im indischen Karnataka.<br />

1/ Der Lieblingsblick des Hausherrn<br />

fällt von der Badewanne<br />

aus durch die geöffneten Türen<br />

des Spiegelkubus bis in die liebevoll<br />

angelegte Gartenoase.<br />

Das dreiflügelige französische<br />

Fenster auf der Südwestseite<br />

sorgt für reichlich Tageslichteinfall.<br />

Farbenfrohe gewebte Teppiche<br />

und Kelims bilden textile<br />

Inseln in Schlafzimmer und Bad.<br />

2/ Der ummauerte Garten ist<br />

von der Straße aus uneinsehbar.<br />

Die Architekten verwandelten<br />

ihn in eine üppige Outdoorlounge<br />

mit Efeu, Palmen sowie<br />

Monstera deliciosa. Durch die<br />

eingewachsene Tür gelangt man<br />

direkt zum Ufer des Tiber.<br />

220


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© LE DUO


ID-URBAN SPIRIT BERLIN<br />

»Es ist immer etwas ganz<br />

Besonderes, hier in Berlin zu sein.<br />

Du weißt nie, was passieren wird.«<br />

Rolling-Stones-Gitarrist Keith Richards beim Konzert in der Waldbühne am 3. August.<br />

© VERENA BRÜNING<br />

224


1 3<br />

2<br />

Hauptstadt der (Lebens-)Kunst<br />

© FREDERICK’S BERLIN, VERENA BRÜNING, WILMINA<br />

Nach zwei »gebremsten« Jahren herrscht<br />

in Berlin wieder reges Treiben. Der Herbst<br />

startet mit der international gefeierten<br />

Art Week und verspricht auch sonst jede<br />

Menge Spannendes in Sachen Kunst, Kulinarik<br />

und Trendkieze. Also, bitte alle aussteigen<br />

– am besten an der neuen U-Bahn-<br />

Station Museumsinsel, denn dort ist man<br />

mittenmang im UNESCO-Weltkulturerbe<br />

und dem Humboldt Forum mit seiner<br />

schicken Rooftop-Bar. Dann geht’s weiter<br />

zu den Newcomern in West und Ost.<br />

Von Andrea Bierle<br />

Fotos: Verena Brüning für <strong>IDEAT</strong><br />

Sie ist der Höhepunkt im Berliner Kunstjahr.<br />

Doch die Veranstalter der Art Week<br />

wissen noch sechs Wochen vor dem Event<br />

Mitte September, zu dem Akteur:innen und Gäste<br />

aus aller Welt pilgern, nicht, an welchem Ort die<br />

Eröffnung nun stattfinden soll. Woanders würde<br />

Panik ausbrechen, doch in der Hauptstadt bleibt<br />

man entspannt. Freestyle ist hier Programm. Der<br />

Charme des Unfertigen gehört zur Spree-Metropole<br />

wie das Talent, daraus etwas Kreatives zu<br />

machen. Berlin, schreibt Florian Illies, sei die<br />

Hauptstadt der Projekte, »wo die Visionen blühen<br />

wie andernorts die Wirtschaft«. Wobei: Ganz<br />

so arm wie zu Klaus Wowereits Zeiten ist sie nicht<br />

mehr, aber immer noch sexy. Laisser-faire kommt<br />

eben an – genau wie ausschweifendes Nachtleben.<br />

Nirgendwo gibt es so viele Klubs, nirgendwo<br />

haben sie so lange geöffnet. Doch zurück zur<br />

Art Week: Inzwischen steht fest, dass der Auftakt<br />

des fünftägigen Festivals der zeitgenössischen<br />

Kunst, bei dem Museen und Institutionen ebenso<br />

beteiligt sind wie Galerien, Privatsammlungen<br />

und Projekträume, auf dem Gelände der<br />

1/ Das Bar-Restaurant<br />

Frederick’s bringt den<br />

Glamour der 1920er-<br />

Jahre zurück zum Potsdamer<br />

Platz. 2/ Neu-<br />

Berlinerin: die Pariserin<br />

Pauline Seguin in ihrer<br />

Galerie Heidi mit einer<br />

Ausstellung der US-amerikanischen<br />

Künstlerin<br />

Joan Jonas. 3/ Bocci-<br />

Leuchten illuminieren<br />

den Amtsalon des Hotels<br />

Wilmina, das einst ein<br />

Frauengefängnis war.<br />

Linke Seite Untergrund<br />

mit Sternenhimmel: Wer<br />

in der neuen U-Bahn-<br />

Station Museumsinsel<br />

(U5) aussteigt, ist umgeben<br />

von Tausenden<br />

Lichtpunkten.<br />

225


ID-URBAN SPIRIT BERLIN<br />

1<br />

3<br />

2<br />

Uferhallen sein wird. Ein riesiges Terrain in Wedding,<br />

das Ende des 19. Jahrhunderts Werkstatt<br />

für die Wagen der Pferdestraßenbahnlinien war<br />

und heute Ateliers von Weltstars beherbergt wie<br />

Katharina Grosse und Monica Bonvicini (ihr widmet<br />

die Neue Nationalgalerie ab November eine<br />

Einzelausstellung). Doch seitdem 2017 private<br />

Investoren das Areal erwarben, herrscht Unruhe,<br />

Mieter fürchten die ökonomische Verdrängung.<br />

»Es sind die Freiräume, die Berlin ausmachen«,<br />

so Moritz van Dülmen, Geschäftsführer der Kulturprojekte<br />

und zuständig für die Art Week. »Ich<br />

nenne sie unseren Regenwald und den müssen<br />

wir schützen.«<br />

Rough & shiny: ein Kiez im Wandel<br />

Von seinem Büro im barocken Palais Podewil an<br />

der Klosterstraße in Mitte geht es mit der U2 zum<br />

nächsten Stopp: Kurfürstenstraße, Galerie Heidi,<br />

einem der jüngsten und ambitioniertesten Kunsträume.<br />

Größer könnte der Kontrast zwischen<br />

dem Namen des fröhlichen Alpenmädchens und<br />

dieser tristen Gegend – bekannt für Straßenprostitution,<br />

Drogenhandel und das Erotikkaufhaus<br />

LSD – nicht sein. Unwillkürlich fällt einem Peter<br />

Fox’ Song aus dessen Album Stadtaffe ein: »Guten<br />

Morgen Berlin, Du kannst so hässlich sein,<br />

so dreckig und grau …«. Pardon, was treibt eine<br />

junge Frau aus Paris dazu, hier ihre Galerie zu<br />

eröffnen? »Ich hatte mir zuvor über 80 Orte angeschaut<br />

und stieß irgendwann auf dieses leer<br />

stehende Ladengeschäft – das Unpolierte gefällt<br />

mir, es hat Charakter«, findet Pauline Seguin, die<br />

in der Pandemie von New York, wo sie für die<br />

renommierte Galerie Gavin Brown’s Enterprise<br />

tätig war, mit ihrem Mann, einem Künstler, in<br />

die deutsche Hauptstadt zog – auch, weil die<br />

Mieten noch bezahlbar sind. Es ist wohl nur<br />

noch eine Frage der Zeit, dass diese Fläche, die<br />

mit ihren bodentiefen Fenstern wie gemacht ist<br />

für Ausstellungen, zu einem begehrten Immobilienobjekt<br />

wird. Immerhin liegt die Potsdamer<br />

Straße ganz in der Nähe – und die hat sich nicht<br />

zuletzt wegen des Imperiums von Sammler und<br />

1/ Sitzt schon in den Startlöchern:<br />

das Team der<br />

Kulturprojekte Berlin mit<br />

Geschäftsführer Moritz<br />

van Dülmen und seinen<br />

Mitarbeiterinnen Caro<br />

Kohl und Mona Stehle,<br />

die für das Programm<br />

der Art Week zuständig<br />

sind. 2/ Die neue Designgalerie<br />

Artefact.Berlin<br />

in Schöneberg präsentiert<br />

farbenfrohe Glaswaren<br />

aus den 1950erbis<br />

70er-Jahren (bis 2.11.,<br />

artefactgalleryberlin.com).<br />

3/ Neuanstrich: Das aus<br />

Israel stammende Street-<br />

Art-Kollektiv Broken<br />

Fingaz Crew gestaltete<br />

die Fassade des Urban<br />

Nation Museums mit<br />

einem Pop-Art-Mural –<br />

und eröffnete jüngst<br />

die Dauerausstellung<br />

Talking… & Other Banana<br />

Skins. Bei dem Gebäude<br />

handelt es sich um ein<br />

von den Graft Architekten<br />

umgebautes Eckhaus.<br />

© VERENA BRÜNING (2), PR<br />

226


© JÉRÔME GALLAND<br />

Rote Decken, rote Wände,<br />

Zebrateppich … ein bisserl<br />

Porn-Pop: willkommen im<br />

Coccodrillo! Die Trattoria<br />

am Hang des schönen Weinbergsparks<br />

setzt auf wildes<br />

Interieur, Gute-Laune-Musik<br />

und auf »la cucina di mamma«.<br />

Ein sinnliches Vergnügen!


ID-URBAN SPIRIT BERLIN<br />

1<br />

3<br />

2<br />

Geschäftsmann Andreas Murkudis in den vergangenen<br />

zwei Jahrzehnten von der schäbigen<br />

»Potse« zum place to be entwickelt. Jetzt also<br />

rund um die Bülowstraße, wo die Häuserfassaden<br />

so übersät sind mit Graffitis wie Hertha-<br />

BSC-Star Kevin-Prince Boateng mit Tattoos.<br />

Aufgewertet wurde der Kiez durch den Umzug<br />

des Unternehmens Sony Music von München in<br />

diese »Schmuddelecke« Berlins. Für das von Studio<br />

Karhard gestaltete Interieur à la Glamourpunk<br />

erhielt der Konzern den German Design<br />

Award 2022.<br />

Urbane Oase mit Fifties-Juwel<br />

Eine ganz andere Architekturperle befindet sich<br />

wenige Gehminuten von dort: das Kleine Grosz<br />

Museum. Fast würde man daran vorbeilaufen,<br />

denn es liegt versteckt hinter einer Mauer. Wer<br />

sie passiert, betritt eine grüne Idylle, deren meterhohe<br />

Bambusbüschel den Lärm der gegenüberliegenden<br />

Hochbahn schlucken. Hier hatte<br />

der Galerist Juerg Judin 2008 eine Tankstelle<br />

aus den 1950er-Jahren als Wohnsitz für sich umgebaut<br />

– und das Ensemble mit verglastem Pavillon<br />

unter dem geschwungenen Dach jüngst<br />

dem George-Grosz-Verein als Ausstellungsort<br />

überlassen. »Wir haben mit allem gerechnet, nur<br />

nicht mit Erfolg«, gibt der Vereinsvorsitzende<br />

Ralf Kemper zu. »Die Resonanz ist super.« Als<br />

ob die Berliner darauf gewartet hätten. Schließlich<br />

galt der 1893 hier geborene Maler, Karikaturist<br />

und Mitbegründer des Dadaismus in den<br />

1920er-Jahren als einer der bedeutendsten Künstler<br />

seiner Zeit. »Der Standort hätte ihm gefallen«,<br />

glaubt Kemper. »Um die Ecke ist der Nollendorfplatz<br />

mit den vielen Vergnügungsstätten,<br />

sein Revier.« Oder »Milljöh«, wie Heinrich Zille<br />

es nannte. Jetzt sind dort Grosz’ schonungslose<br />

Darstellungen der Weimarer Republik und der<br />

Halbwelt unter einem Dach vereint. Das dazugehörende<br />

Café – ein Kleinod!<br />

Doch damit nicht genug, es gibt noch viele weitere<br />

spannende Neuentdeckungen: vom Samurai<br />

Museum in der Auguststraße, dem europaweit<br />

1/ Kit(t)chen de luxe:<br />

In einem historischen<br />

Gefängnis kommen nun<br />

sternwürdige Kreationen<br />

auf den Teller. Verantwortlich<br />

dafür ist Sophia<br />

Rudolph, Küchenchefin<br />

im Lovis, dem Restaurant<br />

des Wilmina-Hotels. Das<br />

liegt in einem Hinterhof<br />

der quirligen Kantstraße.<br />

2/ Anders als der Name<br />

Frühstück 3000 vermuten<br />

lässt, geht es in diesem<br />

Brunch-Lokal nicht<br />

um Quantität, sondern<br />

um Qualität: sensationelles<br />

Brot, exzellenter<br />

Kaffee, raffinierte Speisen<br />

… und das alles in<br />

Gehnähe von der wohl<br />

charmantesten Neueröffnung<br />

des Jahres: 3/ Das<br />

Kleine Grosz Museum.<br />

Untergebracht in einer<br />

Tankstelle von 1956, bietet<br />

es neben Kunst ein<br />

zauberhaftes Café mit<br />

Blick auf Kiefern und<br />

einen Koi-Teich.<br />

© WILMINA, VERENA BRÜNING, PICTURE ALLIANCE/DPA<br />

228


© VERENA BRÜNING<br />

Raues Pflaster: In einem lange<br />

leer stehenden Ladengeschäft<br />

vis-à-vis der U-Bahn-Station<br />

Kurfürstenstraße, bekannt für<br />

Prostitution und Drogen,<br />

befindet sich eine der jüngsten<br />

Berliner Galerien: Heidi. Mehr<br />

Kunst gibt’s in der nahen<br />

Potsdamer Straße.


ID-URBAN SPIRIT BERLIN<br />

1<br />

3<br />

2<br />

ersten seiner Art, bis zur Galerie-Dependance von<br />

Mehdi Chouakri auf dem denkmalgeschützten<br />

Industriegelände der Reinickendorfer Wilhelm<br />

Hallen; vom Kulturwerk der Staatsbibliothek,<br />

das Unter den Linden kostbare Exponate der<br />

Buchkunst ausstellt, bis zum Flughafen Tempelhof,<br />

wo gerade der Tower zu einem Veranstaltungsort<br />

mit tollem Ausblick modernisiert wird.<br />

Außerdem entsteht vor dem Humboldt Forum<br />

ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Form einer<br />

gigantischen begehbaren Schale aus Stahl.<br />

Aufregende Hotelprojekte<br />

Und dann wird mit Spannung die Eröffnung des<br />

Boutiquehotels Château Royal nahe des Brandenburger<br />

Tors erwartet. Dahinter stecken die<br />

Macher des Szenerestaurants Grill Royal, in der<br />

Küche gibt Victoria Elíasdóttir, die Schwester<br />

des Künstlers Ólafur Elíasson, den Ton an. Ein<br />

anderes spektakuläres Hotel hat bereits seine<br />

Pforten geöffnet: das Wilmina in Charlottenburg.<br />

Das Besondere ist seine Vergangenheit als<br />

ehemaliges Gerichtsgebäude und Frauengefängnis.<br />

Jahrzehnte war das überwucherte Gebäude<br />

im Inneren eines Häuserblocks unzugänglich.<br />

Wach geküsst hat es das Architektenpaar Grüntuch-Ernst,<br />

das bereits die leer stehende Jüdische<br />

Mädchenschule von 1930 in Mitte in einen Ort<br />

für Galerien und Gastronomie verwandelte. Auch<br />

bei diesem historischen Projekt ist ihm die Transformation<br />

gelungen: Da, wo während des Zweiten<br />

Weltkriegs deutsche Widerstandskämpferinnen<br />

inhaftiert wurden, befinden sich heute 44<br />

luftig-helle Zimmer. Alles edel. Und doch zögert<br />

man beim Anblick der original erhaltenen Zellentüren<br />

und Gitter an den Fenstern. Sie wurden<br />

bewusst als Spuren der Vergangenheit in die ansonsten<br />

moderne Gestaltung integriert. »Eine<br />

Freundin von mir ist mit brennenden Kräutern<br />

durchgelaufen, um die Räume energetisch zu<br />

säubern«, erzählt Almut Grüntuch-Ernst beim<br />

Rundgang. Zehn Jahre lang haben sie und ihr<br />

Mann an der Realisierung getüftelt. Man spürt<br />

ihren sensiblen Umgang mit der Historie in<br />

1/ Hinter den dicken Betonmauern<br />

eines Hochbunkers<br />

begeistert die<br />

Boros Collection mit 80<br />

Räumen voller zeitgenössischer<br />

Kunst, diesmal zum<br />

Thema Körper – wie hier<br />

von US-Künstlerin Bunny<br />

Rogers. Wer die Werke<br />

sehen will, muss sich zu<br />

einer Führung anmelden:<br />

sammlung-boros.de<br />

2/ Jedes Jahr im Herbst<br />

findet in Berlin das Fes -<br />

tival of Lights statt. Dabei<br />

werden Wahrzeichen,<br />

Gebäude und Plätze,<br />

mit Lichtinszenierungen<br />

versehen (hier bringt<br />

der Künstler Thierry Noir<br />

den Dom zum Strahlen<br />

(7. bis 16.10.2022). 3/ Der<br />

Galerist Mehdi Chouakri<br />

hat im Industrieareal<br />

Wilhelm Hallen seine<br />

dritte Dependance eröffnet.<br />

Dort sind Bilder<br />

von Sylvie Fleury und<br />

Hans-Peter Feldmann<br />

(ganz rechts) ausgestellt.<br />

© PHILIPP MAINZER, BOROS COLLECTION BERLIN/NOSHE, EDEN BREITZ/ALAMY STOCK PHOTO<br />

230


© VERENA BRÜNING<br />

Kein Treppenwitz: Im<br />

Urban Nation Museum<br />

for Urban Contemporary<br />

Art wird die Kunst der<br />

Straße nach innen geholt.<br />

Zu den Hinguckern<br />

gehören die in fluoreszie<br />

renden Farben gestalteten<br />

Stufen des<br />

englischen Buchstabenkünstlers<br />

Ben Eine.


ID-URBAN SPIRIT BERLIN<br />

1<br />

3<br />

2<br />

jedem Detail. Es geht, vorbei an üppigen Gärten,<br />

zum Erweiterungsbau, der Gericht und Gefängnis<br />

verbindet und in dem das Restaurant Lovis<br />

auch Nicht-Hotelgäste empfängt. Kredenzt wird<br />

kunstvoll arrangierte »Contemporary German<br />

Cuisine« von Sophia Rudolph. Dass hier Fine<br />

Dining stattfindet, muss sich allerdings erst noch<br />

herumsprechen, denn die Kantstraße gilt eher als<br />

asiatische Fressmeile.<br />

Nu aba ran an de Buletten!<br />

Nichts gegen Hühnerbrust-Spieße, Currywurst<br />

& Co., aber in Berlin lässt es sich längst ganz<br />

vorzüglich speisen. Das bestätigt das Ranking<br />

der World’s 50 Best Restaurants 2022: Nur zwei<br />

Adressen aus Deutschland schafften es in die<br />

Topliste und beide sind in der Hauptstadt ansässig<br />

– das Nobelhart & Schmutzig in der<br />

Friedrichstraße und das Restaurant Tim Raue in<br />

Kreuzberg. Menschen aus 190 Nationen wohnen<br />

in der Metropole – das wirkt sich positiv<br />

aufs Essen aus. »Als ich 2013 nach Berlin kam,<br />

spielte diese Stadt unter Foodies keine große<br />

Rolle«, erzählt der Koch Stijn Remi mit charmantem<br />

Holland-Akzent. »Ich jobbte damals in<br />

der Markthalle Neun, die zum Treffpunkt der<br />

jungen, kreativen Gastroszene aus aller Welt<br />

wurde.« Drei Jahre später eröffnete er mit seinem<br />

Landsmann Lode van Zuylen das Lode &<br />

Stijn. »Wir waren die new kids on the block –<br />

und schnell ein Hipsterladen«. Dieses Potenzial<br />

hat auch ihr neues Restaurant Remi am Rosa-<br />

Luxemburg-Platz. Die Zutaten stimmen, nicht<br />

nur auf dem Teller. Auch das Interiordesign von<br />

Ester Bruzkus, mit offener Küche im Zentrum<br />

und überdimensionaler Lichtskulptur unter der<br />

Decke, überzeugt. Dazu gibt’s als Farbtupfer die<br />

bildungsbürgerliche Regenbogen-Edition von<br />

Suhrkamp. Kein Zufall, befinden wir uns doch<br />

im Erdgeschoss des Verlagshauses. Kann also<br />

sein, dass Peter Handke am Nachbartisch Platz<br />

nimmt. Auch Wim Wenders wurde schon gesichtet.<br />

Wer weiß, vielleicht ist der Himmel über Berlin<br />

bald um einen Stern reicher.<br />

1/ Ja, jaa, das ist die Berliner<br />

Luft, Luft, Luft … und<br />

die lässt sich bestens auf<br />

der Dachterrasse des<br />

Humboldt Forums genießen,<br />

wo neuerdings die<br />

Rooftop­Bar Baret köstliche<br />

Cocktails zur Aussicht<br />

auf die Wahrzeichen<br />

der Museumsinsel serviert.<br />

2/ Architektonisches<br />

Highlight: die vom niederländischen<br />

Studio OMA<br />

designte Rolltreppe im<br />

KaDeWe. Sie ist Teil der<br />

Neugestaltung des Edelkaufhauses.<br />

3/ Kommod,<br />

glamourös und kulinarisch<br />

vom Feinsten ist das<br />

Boutiquehotel Amo by<br />

Amano und sein Lokal<br />

Joseph, welches in zentraler<br />

Lage der Friedrichstraße<br />

mit israelischer<br />

Küche aufwartet.<br />

© SEBASTIAN HEIL/AMANO, KADEWE/THE KADEWE GROUP, VERENA BRÜNING<br />

232


© VERENA BRÜNING<br />

Literatur geht hier durch<br />

den Magen: Wo die Werke<br />

von Thomas Bernhard,<br />

Hermann Hesse und Jürgen<br />

Habermas verlegt werden,<br />

verwöhnt im Erdgeschoss<br />

des Suhrkamp Verlages der<br />

Niederländer Remi (Foto) im<br />

gleichnamigen Restaurant.


ID-URBAN SPIRIT INFO<br />

UNSERE LIEBLINGSHOTELS IN BERLIN<br />

Ob im charmanten Prenzlauer Berg, in der schicken Mitte oder im wiederbelebten Charlottenburg: Die Hauptstadt<br />

wimmelt nur so von besonderen Unterkünften. Wir stellen Neueröffnungen vor und Häuser mit dem gewissen Extra.<br />

Verspielter Designmix mit viel Grün<br />

25hours Hotel Bikini Berlin<br />

Das Kreativteam von Studio Aisslinger hat während<br />

der Pandemie der Endetage des Lifestylehotels<br />

(mit Neni­Restaurant und Monkey Bar)<br />

einen Frischekick verpasst. Der Ausblick Richtung<br />

Zoo (mit neuem Raubtiergehege!) bleibt<br />

spektakulär. Eine Toplage, um zu Fuß den Großstadtdschungel<br />

des Westens zu erkunden.<br />

Budapester Straße 40. 25hours-hotels.com<br />

Historische Herberge mit Pool<br />

Oderberger<br />

Alles, nur nicht gewöhnlich ist dieses im ehemaligen<br />

Stadtbad vom Prenzlauer Berg untergebrachte<br />

Hotel: 70 gemütliche Designzimmer,<br />

viel Kunst, ein 20­Meter­Pool im Neorenaissancestil<br />

und ein Frühstück de luxe sorgen für<br />

einen besonderen Aufenthalt. Tipp: Das angesagte<br />

Restaurant Otto befindet sich nebenan.<br />

Oderberger Straße 57. hotel-oderberger.berlin<br />

Luxusrefugium mit Topauszeichnung<br />

Hotel de Rome<br />

Das zur Rocco­Forte­Gruppe gehörende Haus<br />

am Bebelplatz wurde vom US­amerikanischen<br />

Reisemagazin Forbes 2022 mit dem begehrten<br />

»Five Star Award« gekürt – für sein beeindruckendes<br />

Interiordesign und den außergewöhnlichen<br />

Service. Zuletzt eröffnete TV­Koch Tim<br />

Mälzer hier sein Fusionrestaurant Chiaro.<br />

Behrenstraße 37. roccofortehotels.com<br />

Gefängnis mit neuer Geschichte<br />

Wilmina<br />

Zum Schlafen ins Kittchen?! Umgeben von üppigen<br />

Gärten, transformierten Grüntuch Ernst<br />

Architekten in Charlottenburg ein Ensemble<br />

aus ehemaligem Gerichtsgebäude und Frauengefängnis<br />

in einen einzigartigen Rückzugsort.<br />

Spektakulär auch die »Contemporary German<br />

Cuisine« von Sophia Rudolph im Lovis.<br />

Kantstraße 79. wilmina.com<br />

Neuzugang mit Preußen-Bezug<br />

Luc<br />

Tiefes Preußischblau und außergewöhnliche<br />

Fotokunst prägen das Mitglied der Marriott<br />

Autograph Collection, das jüngst am Gendarmen ­<br />

markt mit 92 Zimmern eröffnete. Luc – diesen<br />

Spitznamen gab der französische Philosoph Voltaire<br />

seinem Freund und Förderer Friedrich II.<br />

von Preußen. Toll: Frühstück gibt’s bis 16 Uhr!<br />

Charlottenstraße 50. marriott.com<br />

Underground-Adresse mit israelischer Küche<br />

Amo by Amano<br />

Da der Besitzer den Innenhof nicht überdachen<br />

durfte, ließ er von den Architekten Tchoban<br />

Voss Teile seines Hotels ins Untergeschoss verlegen.<br />

Herausgekommen ist ein sehr stylishes<br />

Refugium in Mitte. Wer hier nicht direkt eincheckt,<br />

sollte zumindest Tel Avivs Kompositionen<br />

im hauseigenen Lokal Joseph genießen.<br />

Friedrichstraße 113. amanogroup.de<br />

© STEPHAN LEMKE, 3C4Y PHOTOGRAPHY/TOMMAS BRIED, WILMINA/PATRICIA PARINEJAD, VIKTORIA FEDIRKO, PR<br />

234


VOM FRÜHSTÜCK ZUM DINNER: NEUE RESTAURANTS IN BERLIN<br />

Die Zeiten, in denen man hier vor allem Eisbein, Döner und Currywurst gut essen konnte, sind längst vorbei.<br />

Inzwischen spielt Deutschlands Multikulti-Metropole Nummer eins auch kulinarisch in der ersten Liga.<br />

Stadtschloss mit Esskultur<br />

Baret<br />

Das Humboldt Forum bietet neben sehenswerten<br />

Sammlungen auch Gastronomie: Im<br />

Erdgeschossrestaurant Wilhelm werden<br />

deutsch-französische Spezialitäten kredenzt,<br />

im Baret (benannt nach der Pionierin und Forscherin<br />

Jeanne Baret) internationale Happen<br />

und Cocktails. Ein Hotspot zum Sundowner!<br />

Schloßplatz. baret.berlin<br />

Fine Breakfast im Street-Art-Viertel<br />

Frühstück 3000<br />

Der Name ist nicht gerade geschmackvoll – anders<br />

Ambiente und Karte dieser Schöneberger<br />

Location vis-à-vis des Street-Art-Museums<br />

Urban Nation. Jenseits des üblichen Einerleis<br />

aus Wurst, Käse und Marmelade gibt’s hier Gerichte<br />

wie Erbsenkrapfen mit Minzjoghurt oder<br />

Roastbeef-Focaccia – und das von 9 bis 16 Uhr.<br />

Bülowstraße 101. fruehstueck3000.com<br />

Trattoria für Interieur- und Italofans<br />

Coccodrillo<br />

Kaum eröffnet, ist das Lokal mit seinem wilden<br />

Mix aus Seventies, Diner, Hollywood und rotweißem<br />

Dekor bereits Kult. Doch nicht nur Design<br />

und Lage (am schönen Weinbergspark mit<br />

XL-Terrasse) machen glücklich, auch die italienische<br />

Küche mit köstlichen Antipasti wie Burrata,<br />

hausgemachter (Trüffel-)Pasta und Tiramisu.<br />

Veteranenstraße 9. bigsquadra.com<br />

© VERENA BRÜNING (2), JÉRÔME GALLAND, NILS HASENAU, ROBERT RIEGER, PR<br />

Bohemian Glamour am Potsdamer Platz<br />

Frederick’s<br />

Vor hundert Jahren galt diese Adresse als<br />

gesellschaftlicher Hotspot. Dank des britischen<br />

Architekten Robert Angell erinnert das frühere<br />

Grand Hotel Esplanade an das glamouröse<br />

Berlin der 1920er-Jahre. Es macht Spaß, hier<br />

einen Abend zu verbringen, auch wegen der<br />

Gerichte, die zum Teilen am Tisch einladen.<br />

Bellevuestraße 1. fredericksberlin.com<br />

Ecklokal mit japanischem Style<br />

November<br />

Nach dem Motto »Es muss anders werden, wenn<br />

es gut werden soll«, übernahm die Gastrotruppe<br />

The Catch Family das Kultcafé in Prenzelberg.<br />

Außer dem Namen blieb das Wiener Schnitzel,<br />

beides eine Hommage an die alte Adresse. Im<br />

Turbotempo mausert sich die japanische Brasserie<br />

zum Liebling im Kiez.<br />

Husemannstraße 15. november.berlin<br />

Puristisches Design, feine Aromen<br />

Remi<br />

Nach dem Lode & Stijn in Kreuzberg hat das<br />

niederländische Duo im Erdgeschoss des<br />

Suhrkamp Verlags in Mitte sein zweites Lokal<br />

eröffnet. In der offenen Küche werden die<br />

Speisen (zum Niederknien: Pulpo mit Kräutern<br />

und Schwarze-Linsen-Vinaigrette!) zubereitet.<br />

Ein Hit auch das Interieur von Ester Bruzkus.<br />

Torstraße 48. remi-berlin.de<br />

235


ID-URBAN SPIRIT INFO<br />

UNSERE KULTURAUSWAHL IN BERLIN<br />

Bei über 170 Museen, rund 300 Galerien, gleich drei Opernhäusern sowie mehr als 150 Theatern und Bühnen aller Genres<br />

sind die Möglichkeiten der Unterhaltung schier unerschöpflich. Wir konzentrieren uns auf Aktuelles und Newcomer.<br />

Auftakt in den Kunstherbst<br />

Berlin Art Week<br />

Jedes Jahr im September feiern rund 50 etablierte<br />

Museen, Galerien, aber auch internationale<br />

Newcomer fünf Tage lang die Vielfalt<br />

der zeitgenössischen Kunst. Ins Leben gerufen<br />

hatte das Event 2012 der Kulturmanager Moritz<br />

van Dülmen (Foto). Parallel findet die Positions<br />

Berlin Art Fair im Flughafen Tempelhof statt.<br />

14.–18.09. berlinartweek.de; positions.de<br />

Festival der Architektur<br />

Triennale der Moderne<br />

Ob die Karl-Marx-Allee, das Corbusierhaus, die<br />

Hufeisensiedlung von Bruno Taut oder das Mies<br />

van der Rohe Haus in Alt-Hohenschönhausen:<br />

Am Feiertagswochenende finden tolle Führungen,<br />

Workshops und Ausstellungen statt, dieses<br />

Jahr zum Thema Wohnen. Arbeiten. Leben.<br />

30.09.–2.10. triennale-der-moderne.de/2022/<br />

programm-in-berlin/<br />

Verstecktes Kleinod<br />

Das Kleine Grosz Museum<br />

Mit hartem Strich blickte der 1893 in Berlin<br />

geborene Georg Grosz hinter die Fassade des<br />

Bürgertums. In einer umgebauten Tankstelle<br />

gibt es nun einen Ort für die Arbeiten des<br />

Malers und Karikaturisten. Allein die Architektur<br />

und das von viel Grün eingerahmte Café<br />

(mit köstlichem Kuchen) sind den Besuch wert.<br />

Bülowstraße 18. daskleinegroszmuseum.berlin<br />

Altes Lichtspielhaus, neuer Glanz<br />

Yorck Passage Kino<br />

Mit Respekt für die Vergangenheit führten die<br />

Batek Architekten diese Neuköllner Institution<br />

ins neue Zeitalter: Das ikonische Bogenelement<br />

des Gebäudes von 1910 übernahmen sie als<br />

Barkulisse und tauchten die Verkleidung in ein<br />

sanftes Mintgrün. Neben dem Foyer bekamen<br />

auch zwei historische Säle ein Makeover.<br />

Karl-Marx-Straße 131. yorck.de<br />

Japans Hochkultur trifft auf Hightech<br />

Samurai Museum<br />

Die für ihre Galerien bekannte Auguststraße ist<br />

seit Kurzem um eine Kunstadresse reicher. Wo<br />

einst der Sammler Thomas Olbricht ausstellte,<br />

befindet sich jetzt Europas erstes Samuraimuseum.<br />

Das Besondere: Japans ferne Epoche<br />

wird via interaktiver Installationen auf einem<br />

multimedialen Parcours erlebbar gemacht.<br />

Auguststraße 68. samuraimuseum.de<br />

Viel Platz für Zeitgenössisches<br />

Wilhelm Hallen<br />

Auf dem Gelände eines Industrieareals, den<br />

Wilhelm Hallen im Stadtteil Reinickendorf, hat<br />

Architekt Philipp Mainzer (e15) Räume für die<br />

Galerie Mehdi Chouakri gestaltet. Während<br />

der Art Week sind in dem denkmalgeschützten,<br />

riesigen Ensemble die Werke einer Gruppenausstellung<br />

unter dem Titel Hallen#3 zu sehen.<br />

Kopenhagener Straße 60–72. wilhelm-hallen.de<br />

© VERENA BRÜNING, DANIEL HORN, SYLWIA MAKRIS, E15/PHILIPP MAINZER, PR, IAIN MASTERTON/ALAMY STOCK PHOTO<br />

236


JENSEITS DES MAINSTREAMS: SHOPPEN IN BERLIN<br />

Natürlich ist der Ku’damm mit seiner großen Auswahl an Geschäften und dem toprenovierten KaDeWe eine gute Quelle<br />

zum Einkaufen. Mehr Spaß macht aber ein Bummel durch die Kieze mit einzigartigen Läden – wie unsere sechs Favoriten.<br />

Manufaktur für Mitbringsel<br />

S 7 – Siebensachen<br />

Zettelhalter, Spardose, Obstschale … die Holzprodukte<br />

des Berliner Designduos Jörg Adam<br />

und Dominik Harborth sind einfach (und) schön.<br />

Ihre Spieluhren wurden sogar in der New York<br />

Times gefeiert. Auch sonst gibt es in der Parallelstraße<br />

zur Schönhauser Allee jede Menge<br />

besondere Labels zu entdecken.<br />

Max-Beer-Straße 25. siebensachen.com<br />

Wunderkammer für Objekte<br />

MDC next door<br />

Einen Namen hat sich Melanie dal Canton mit<br />

außergewöhnlichen Beautyprodukten gemacht.<br />

Ihr jüngstes Shopkonzept next door beinhaltet<br />

auch Objekte, kleine Einrichtungsgegenstände<br />

und Schmuck – gelegen am Wasserturm vom<br />

Prenzlauer Berg und damit umringt von vielen<br />

anderen Concept­Stores.<br />

Knaackstraße 26. mdc-cosmetic.de<br />

Salon für Interieur<br />

Season<br />

Obwohl in Mitte gelegen, kann man den kleinen<br />

Shop von Katrin Dellé (Foto) leicht übersehen.<br />

Wer ihn betritt, fühlt sich durch die chilligen<br />

Klänge, die aus den Boxen ertönen, und die<br />

warmen Farben der aus aller Welt stammenden<br />

Einrichtungsgegenstände und Accessoires<br />

geborgen wie in einer Höhle. Eine Fundgrube!<br />

Almstadtstraße 43. season-berlin.com<br />

© VERENA BRÜNING, THOMAS MEYER/OSTKREUZ, PR, DAVID BURGHARDT<br />

Feines für Augen und Gaumen<br />

Erich Hamann Schokolade<br />

Schon das Ladengeschäft ist ein Erlebnis:<br />

Es wurde wie die Inneneinrichtung 1928 vom<br />

Bauhauskünstler Johannes Itten entworfen.<br />

Ebenso unverändert geblieben ist die Verpackung<br />

der Schokoladentafeln und der zart<br />

karierten Konfektschachteln mit blauen Schleifen.<br />

Ein Genuss, auch für die Lieben zu Hause.<br />

Brandenburgische Str. 17. hamann-schokolade.de<br />

Parkett für Avantgarde<br />

Murkudis<br />

Vor zwei Jahrzehnten eröffnete Andreas<br />

Murkudis in der ehemaligen Druckerei des<br />

Tagesspiegel sein erstes Geschäft – es wurde<br />

schnell zu einem international renommierten<br />

Design­Hotspot. Anlässlich der Art Week gibt<br />

es an den inzwischen drei Standorten (<strong>Nr</strong>. 81,<br />

77 + 98) Ausstellungen sowie Installationen.<br />

Potsdamer Straße 81. andreasmurkudis.com<br />

Raum für Erlesenes<br />

About<br />

Die Idee zu einem Buchladen mit monothematischem<br />

Programm kam der Literaturwissenschaftlerin<br />

Gesine Tosin und ihrem Partner,<br />

dem Architekten Lorenz Schreiber, während<br />

einer Auszeit in Indien. Jetzt erfreut das Paar in<br />

der herausgeputzten Linienstraße mit Lektüre<br />

zu »Müßiggang« oder – aktuell – »Freundschaft«.<br />

Linienstraße 114, www.about-bookshop.de<br />

237


ID-CITYTRIP<br />

Pool mit Panorama: Auf der<br />

Dachterrasse des Proper Hotels<br />

gibt’s zur schicken Sonnenliege<br />

freie Sicht auf die Wolkenkratzer<br />

von Downtown L.A.<br />

Downtown L.A. – die neue Szene<br />

Lange mit einem negativen Image behaftet, ist die Innenstadt von Los Angeles derzeit dabei, sich zu<br />

einer Lieblingsecke der kalifornischen Metropole zu mausern. Vom Goldrausch über die Explosion<br />

des Immobilienmarktes bis hin zu zahlreichen Identitätskrisen: Downtown L.A. (DTLA) kennt Höhen<br />

wie Tiefen gleichermaßen. Geschichte(n) eines ebenso kämpferischen wie visionären Bezirks – mit<br />

Potenzial für einen Oscar als coolstes Comeback eines Großstadtviertels!<br />

Von Maïa Morgensztern und Andrea Bierle<br />

Alles begann gut auf diesem spanischen<br />

Fleckchen Erde im äußersten Westen der<br />

Vereinigten Staaten, das 1781 von rund<br />

40 Menschen aus den umliegenden Ländern besiedelt<br />

wurde. Sie nannten ihr Zuhause El Pueblo<br />

de la Reina de Los Ángeles (Das Dorf der Königin<br />

der Engel). Es wuchs und ging 1848 in den Besitz<br />

der USA über. Der Goldrausch und der Ausbau<br />

des Eisenbahnnetzes lockten viele Abenteurer und<br />

Investoren an, darunter den Millionär Lewis Brad-<br />

bury, der seinen Erfolg mit dem Bau des Bradbury<br />

Building zur Schau stellte. Im Inneren erhellt ein<br />

riesiges Glasdach, das vor der Einführung der<br />

Elektrizität unverzichtbar war, ein Atrium. Umgeben<br />

von Backsteinbalkonen und schmiedeeisernen<br />

Geländern, erstreckt es sich über mehrere<br />

offene Stockwerke. Eine imposante Kulisse, die<br />

Regisseur Ridley Scott in den 1980er-Jahren für<br />

seinen Science-Fiction-Film Blade Runner nutzte.<br />

Zuletzt zog dort das NeueHouse ein, ein privater<br />

HINKOMMEN<br />

Lufthansa bietet mehrmals<br />

wöchentlich Direktflüge<br />

von Frankfurt und<br />

München nach Los Angeles<br />

an (die Flugzeit liegt<br />

zwischen 11,5 und knapp<br />

12,5 Stunden).<br />

HOTELS<br />

Proper (1)<br />

Das von Kelly Wearstler<br />

gestaltete Hotel im<br />

Bohemian­Chic ist ein<br />

neuer Liebling des<br />

Viertels und kombiniert<br />

Vintagestücke mit<br />

Werken lokaler Künstler.<br />

© THE INGALLS<br />

238


1<br />

2<br />

3<br />

© TANVEER BADAL PHOTOGRAPHY, THE INGALLS<br />

Nach einem köstlichen<br />

Essen im Restaurant<br />

Caldo Verde mit<br />

portugiesischen<br />

Einflüssen geht es<br />

dann weiter auf die<br />

Dachterrasse, um<br />

den Pool zu genießen –<br />

und die magische<br />

Aussicht auf Downtown.<br />

1100 S. Broadway.<br />

properhotel.com<br />

Hotel Figueroa (2)<br />

Diese 1926 als Rückzugsort<br />

für alleinreisende<br />

Frauen eröffnete Herberge<br />

konnte sich trotz<br />

einer Komplettrenovierung<br />

ihre alte Seele<br />

bewahren. Vor seiner<br />

Wiedereröffnung im<br />

Jahr 2018 wurde das<br />

Haus vor dem Verfall<br />

gerettet und gehört<br />

nun mit seinen 268 Zimmern<br />

zur Hyatt­Gruppe.<br />

Ein internes Kunstprogramm<br />

präsentiert Ausstellungen,<br />

Installationen<br />

sowie Literatursammlungen<br />

amerikanischer<br />

Künstler und Autoren.<br />

Künstlerisch geht es<br />

auch in den Artist Series­<br />

Suiten zu.<br />

939 S. Figueroa Street.<br />

hyatt.com/en-US/<br />

hotel/california/<br />

hotel-figueroa/laxuf<br />

Freehand Los Angeles (3)<br />

Als spannender Mix aus<br />

Designhotel mit bunten<br />

Kacheln sowie gewebten<br />

Teppichen und einer<br />

Jugendherberge mit<br />

Etagenbetten bietet<br />

das Freehand eine<br />

erschwingliche Option,<br />

in der sich Hipster,<br />

Partygänger und<br />

Familien auf der<br />

Durchreise fröhlich<br />

mischen. Die auf dem<br />

Dach gelegene Bar<br />

Broken Shaker ist ideal,<br />

um in entspanntem<br />

Ambiente einen Cocktail<br />

zu schlürfen.<br />

416 W. 8th Street.<br />

freehandhotels.com/<br />

los-angeles<br />

Ace Hotel (4)<br />

Dieses architektonische<br />

Juwel von 1927, welches<br />

das ehemalige Kino der<br />

von Charlie Chaplin<br />

mitgegründeten United<br />

Artists beherbergte, ist<br />

eine Hommage an die<br />

gotische Kathedrale von<br />

Segovia (Spanien) und<br />

zieht eine kreative<br />

Klientel an. Kunstvoll<br />

eklektisches Dekor,<br />

kombiniert mit Industrieschick<br />

und skurrilen<br />

Vintagedetails prägen<br />

die Lobby mit ihrem<br />

schwarz­weiß karierten<br />

Boden sowie die<br />

182 Zimmer. Das Hotel<br />

und seine Rooftopbar<br />

bilden das Zentrum<br />

des Nachtlebens in<br />

der Gegend.<br />

929 S. Broadway.<br />

acehotel.com/los-angeles<br />

239


ID-CITYTRIP<br />

4<br />

6<br />

5<br />

Co-Working-Space und Treffpunkt kreativer Mitglieder.<br />

Die dazugehörende Wyman Bar, benannt<br />

nach dem Architekten des Kultobjekts von 1893,<br />

ist eine der begehrtesten Locations. Als neues<br />

Epizentrum des örtlichen Lebens wurde 1917<br />

unweit des Bradbury Building die Markthalle des<br />

Grand Central Market eröffnet.<br />

In den späten 1920er-Jahren schossen Art-déco-<br />

Wolkenkratzer und neoklassisch angehauchte<br />

Gebäude wie Pilze aus dem Boden. Zu den bemerkenswertesten<br />

Bauwerken gehören das Einkaufszentrum<br />

Eastern Columbia Building, das<br />

13-geschossige The Oviatt, das Southern California<br />

Edison, das die Stadt mit Strom versorgt, und<br />

die City Hall, das Rathaus. Nur wenige Blocks<br />

entfernt steht das neobarocke Tower Theatre,<br />

das erste Tonkino, während der Vorführraum der<br />

United Artists Studios (von Charlie Chaplin mitgegründet)<br />

den spanischen Gotikstil zelebriert.<br />

Inmitten des Glanzes die Kehrseite des amerikanischen<br />

Traums: Im Viertel Skid Row hausen<br />

seit den 1930er-Jahren die Ärmsten der Armen<br />

in provisorischen Zelten. Trotz der Bemühungen<br />

von Missionaren und städtischen Sozialdiensten<br />

profitieren die sozial Abgehängten nicht von den<br />

Aufschwungphasen der Gegend. Die einzige Beachtung<br />

erfahren sie in der Kathedrale Our Lady<br />

of the Angels, 2002 erbaut von Rafael Moneo,<br />

Pritzker-Preisträger des Jahres 1996. Die Wände<br />

des Kirchenschiffs schmücken Porträts aus der<br />

Teppichserie The Communion of Saints des<br />

Künstlers John Nava – als Ehrerbietung gegenüber<br />

den Slumbewohnern.<br />

Die Jahre vergingen, Kriege und aufeinanderfolgende<br />

Finanzkrisen ließen das Viertel untergehen.<br />

DTLA wurde zu einer leeren Hülle, in die<br />

man sich nur noch hineinwagte, um die Textilfabriken<br />

am Laufen zu halten und den Transport<br />

der Waren in den riesigen Lagerhäusern zu verwalten.<br />

Doch der vielfach gefallene Engel rappelte<br />

sich einmal mehr auf. Vieles spricht für ein<br />

neues goldenes Zeitalter.<br />

BARS / RESTAURANTS<br />

Grand Central Market (5)<br />

Der älteste Markt<br />

der Stadt befindet sich<br />

seit dem Jahr 1917 im<br />

Eingangsbereich des<br />

Homer Laughlin Building<br />

(benannt nach seinem<br />

Gründer). Heute<br />

beherbergt er zahlreiche<br />

kleine »Kantinen«, in<br />

denen man schnell etwas<br />

essen kann. Wie wäre<br />

es beispielsweise mit<br />

einer koreanischen<br />

Spezialität bei Shiku,<br />

einem thailändischen<br />

Gericht bei Sticky Rice<br />

oder einer Auswahl an<br />

Käse zum Mitnehmen<br />

bei DTLA Cheese? Eines<br />

© COURTESY OF HAUSER & WIRTH, JAKOB LAYMAN, ACE HOTEL DOWNTOWN LOS ANGELES<br />

240


7 9<br />

8<br />

© SIERRA PRESCOTT, DAMIAN, WONHO FRANK LEE<br />

ist sicher: Hier hat man<br />

die Qual der Wahl.<br />

308 South Hill Street.<br />

grandcentralmarket.com<br />

Manuela (6)<br />

Um Besucher nach<br />

Downtown zu locken,<br />

hat die Galerie für<br />

zeitgenössische Kunst<br />

Hauser & Wirth ihr<br />

kulturelles Angebot<br />

um eine Bar und ein<br />

Restaurant ergänzt,<br />

das größtenteils unter<br />

freiem Himmel liegt.<br />

Hier kommen saisonale<br />

Zutaten seit Kurzem<br />

auch aus dem hauseigenen<br />

Garten. Auf<br />

der Speisekarte stehen<br />

Gerichte wie ein Teller<br />

Forelle mit Kapern<br />

und Fenchel zum Teilen<br />

oder Salat mit Ziegenkäse,<br />

Erdnüssen und<br />

Matchasauce.<br />

907 E. 3rd Street.<br />

manuela-la.com<br />

Damian (7)<br />

Eine gekonnte Mischung<br />

aus mexikanischen Traditionen<br />

sowie lokalen<br />

kalifornischen Produkten:<br />

Das Damian serviert<br />

im Herzen des Arts<br />

District eine raffinierte<br />

Küche in einem begrünten<br />

Industriedekor. Auf<br />

dem Teller finden sich<br />

Garnelentacos, gegrilltes<br />

Fleisch mit Süßkartoffeln<br />

sowie ein dekadentes<br />

Dessert mit Schokolade,<br />

Pekannüssen und<br />

Kochbanane.<br />

2132 E. 7th Place.<br />

damiandtla.com<br />

Majordomo (8)<br />

In der Nähe des Los<br />

Angeles River, in einer<br />

abgelegenen Gegend<br />

an der Grenze zu<br />

Chinatown, bietet<br />

das Majordomo eine<br />

umfangreiche Auswahl<br />

an kalifornischen<br />

Gerichten mit asiatischen<br />

Einflüssen, die<br />

man mit Freunden teilen<br />

kann. Kombinieren Sie<br />

doch mal ein Bing<br />

(hausgemachtes<br />

belegtes Brot) und<br />

die berühmten<br />

Rinderrippen mit Reis<br />

für große Gesellschaften.<br />

Wir empfehlen<br />

eine Reservierung,<br />

denn das Lokal des<br />

Gründers des Momofuku-Imperiums<br />

ist<br />

stets gut besucht.<br />

1725 Naud Street.<br />

majordomo.la<br />

Bestia (9)<br />

Pizzen sowie hausgemachte<br />

Wurstwaren<br />

sind das Highlight<br />

dieses Lokals, das<br />

bereits mehrfach für<br />

seine rustikale italienische<br />

Küche ausgezeichnet<br />

wurde. Dem<br />

Chefkoch- und Besitzerpaar<br />

Ori Menashe und<br />

Genevieve Gergis gehört<br />

auch das Bavel, ein<br />

ebenso bekanntes mediterranes<br />

Restaurant,<br />

das nur wenige Schritte<br />

entfernt liegt.<br />

2121 E. 7th Place.<br />

bestiala.com<br />

Hama Sushi (ohne Bild)<br />

Manchmal muss man<br />

etwas Geduld aufbringen,<br />

um einen Tisch in<br />

diesem winzigen Lokal in<br />

Little Tokyo zu bekommen.<br />

Aber es lohnt sich:<br />

241


ID-CITYTRIP<br />

10<br />

11<br />

12<br />

Historische Architektur, hippe Locations<br />

Die Modemarke Acne Studios, ein Pionier der letzten<br />

Welle, zog 2013 ins Eastern Columbia Building<br />

ein. »Damals gab es in Downtown noch nicht<br />

wirklich viele Geschäfte. Die Kleidung wurde<br />

in den Fabriken im Fashion District hergestellt,<br />

aber niemand wäre auf die Idee gekommen, den<br />

ganzen Weg hierherzufahren, um sie zu kaufen«,<br />

erzählt Elise Parseghian, künstlerische Leiterin<br />

des Labels Xírena, das seit über einem Jahrzehnt<br />

in Downtown ansässig ist. 2010 wurde das Ritz-<br />

Carlton eröffnet, es galt damals als Ufo in einer<br />

Umgebung, die von Sittenstrolchen geprägt war:<br />

Drogen, Gangs sowie Dramen im Cecil Hotel,<br />

wegen einer Serie tragischer Todesfälle als Horrorhaus<br />

verschrien. Doch die Faszination bleibt und<br />

Architekturikonen werden zu neuen Trophäen.<br />

So verwandelte das Ace Hotel das United Artists<br />

Theatre in einen Konzertsaal und bietet direkt<br />

daneben luxuriöse Zimmer an. Im Sommer 2021<br />

eröffnete Apple im historischen Filmtheater seinen<br />

neuen Store, eines der bedeutendsten Restaurierungsprojekte<br />

des Unternehmens. Weiter südlich<br />

hat Interieurkoryphäe Kelly Wearstler das Proper<br />

Hotel, untergebracht in einem ehemaligen YMCA-<br />

Hostel, zu einer Boutiqueadresse gestylt.<br />

Was DTLA am Leben hält, ist seine unerschöpfliche<br />

Energie. Der junge Industriedesigner Kevin<br />

Benito Garcia erinnert sich an wilde illegale Partys<br />

in verlassenen Lagerhäusern, die in den frühen<br />

Morgenstunden von den Trillerpfeifen der Polizei<br />

unterbrochen wurden. Zehn Jahre später teilen<br />

sich diese (inzwischen etwas gezügelteren Happenings)<br />

die Hangars mit ultraschicken Einkaufszentren<br />

wie in Row DTLA, dem historischen<br />

Geschäftsviertel der Innenstadt. Der Privatklub<br />

Soho House, zu dem weltweit über 20 Hotels gehören,<br />

die nur für Mitglieder zugänglich sind,<br />

ließ sich zu Beginn der Pandemie im Art District<br />

inmitten von Graffiti nieder, dicht gefolgt vom<br />

Damian, einem mexikanischen Restaurant der gehobenen<br />

Klasse. Von der italienischen Trattoria<br />

Die unglaublich leckeren<br />

Happen aus frischem<br />

Fisch werden erst bei<br />

der Bestellung zubereitet<br />

– in einem spartanischen<br />

Dekor aus Holzstühlen,<br />

die eine Insel<br />

umschließen, von der<br />

aus man dem Koch<br />

zuschauen kann. Eine<br />

Reservierung ist nicht<br />

möglich.<br />

347 E. 2nd Street.<br />

hamasushi<br />

restaurant.com<br />

SHOPS<br />

Poketo (10)<br />

Im Herzen von Little<br />

Tokyo bietet dieser<br />

bekannte Laden ver­<br />

© ROW DTLA/LIZBETH+AMY, BECCA MENICHETTI/POKETO<br />

242


13<br />

14<br />

15<br />

© YOUPITALIE, JULIE PINZUR, LEX VOIGHT<br />

spielte Wohnaccessoires<br />

wie etwa ein Tischset<br />

aus Bambus, hübsche<br />

Notizbücher oder Strohhalme<br />

aus Glas.<br />

374 E. 2nd Street.<br />

poketo.com<br />

Acne Studios (11)<br />

Die schwedische Marke<br />

für zeitlos schöne<br />

Kleidung eröffnete im<br />

Jahr 2013 eine Filiale<br />

in Downtown, als die<br />

Luxuskonkurrenz auf<br />

West Hollywood setzte.<br />

Die Lagerhäuser dienten<br />

damals der Fashionproduktion<br />

und nicht<br />

dem Verkauf. Ein<br />

Jahrzehnt später ist die<br />

Pionierin des Viertels<br />

ebenso Kult wie das<br />

Eastern Columbia<br />

Building, in dem sie<br />

untergebracht ist.<br />

855 S. Broadway Street.<br />

acnestudios.com<br />

Row DTLA – Bodega (12)<br />

Row ist ein ehemaliges<br />

Warenlager, das in ein<br />

trendiges Einkaufszentrum<br />

umgewandelt<br />

wurde, und beherbergt<br />

den Concept-Store<br />

Bodega, der sich hinter<br />

der falschen Fassade<br />

eines Tante-Emma-<br />

Ladens verbirgt. In<br />

den Regalen finden sich<br />

die Kreationen von<br />

angesagten Designern<br />

wie Kapital (Spezialist<br />

für Denim) und Bode<br />

(der alte Stoffe recycelt).<br />

Sie teilen sich den Platz<br />

mit hausgemachten<br />

Kapselkollektionen und<br />

stilvollem Schmuck.<br />

1320 E. 7th Street.<br />

rowdtla.com/collective/<br />

bodega<br />

Matte Black ! (13)<br />

Ein immersiver Concept-<br />

Store mit einer grafischen,<br />

schwarz-weißen<br />

Popdekoration. Das<br />

Matte Black Coffee ist<br />

das Werk des lokalen<br />

Künstlers und Illustrators<br />

Joshua Vides.<br />

1001 S. Broadway.<br />

matteblackcoffee.com<br />

Mokuyobi (14)<br />

Die Marke made in L.A.<br />

im Herzen von Little<br />

Tokyo ist eine Mischung<br />

aus der Welt des Kawai<br />

(japanisch für »niedlich«,<br />

»süß«) und einem von<br />

den 1990er-Jahren geprägten<br />

Grafikdesign. Zu<br />

den Bestsellern gehören<br />

bunte T-Shirts mit einer<br />

Tasche, Melonentaschen<br />

mit Reißverschluss und<br />

Latzhosen mit geometrischen<br />

Aufdrucken.<br />

101 Japanese<br />

Village Plaza.<br />

mokuyobi.com<br />

The Last Bookstore (15)<br />

Dieser 2000 Quadratmeter<br />

große Büchertempel,<br />

der im Jahr 2005<br />

aus Protest gegen das<br />

Verschwinden der Buchhandlungen<br />

zugunsten<br />

des Onlinehandels<br />

eröffnet wurde, zieht<br />

viele Neugierige und<br />

Bibliophile an. Neue<br />

Bücher und Vintage,<br />

Comics, Vinylschallplatten...<br />

Man nimmt<br />

sich Zeit, um fernab<br />

vom Trubel in den<br />

Regalen zu stöbern.<br />

Und: Hier kann man<br />

sogar heiraten!<br />

453 S. Spring Street.<br />

lastbookstorela.com<br />

243


ID-CITYTRIP<br />

16<br />

17<br />

18<br />

Bestia bis hin zur Bar Hama Sushi, deren Adresse<br />

unter der Hand weitergegeben wird, ist alles bis<br />

auf den letzten Platz gefüllt. Auch gibt es immer<br />

mehr originelle Concept-Stores wie das Matte<br />

Black! oder die Kawaii-Accessoires (japanisch<br />

für »süß«) von Mokuyobi und Poketo, die im<br />

Viertel für frischen, farbenfrohen Wind sorgen.<br />

Topadresse für Kunst und Konzerte<br />

Die Rolle der Kultur ist der Schlüssel zum Erfolg<br />

von DTLA. Bewundernswert die Widerstandsfähigkeit<br />

des MOCA, einer 1976 von Kunstsammlern<br />

gegründeten Institution für Gegenwartskunst,<br />

die ihre Ausstellungsorte vervielfacht hat.<br />

An den Wänden des ehemaligen Polizeiwagenlagers,<br />

das von dem kanadisch-amerikanischen<br />

Architekten Frank Gehry zum MOCA Geffen umgestaltet<br />

wurde, provoziert die Konzeptkünstlerin<br />

Barbara Kruger mit Fragen wie »Who laughs<br />

last?« (Wer lacht zuletzt?) oder »Who is beyond<br />

the law?« (Wer steht jenseits des Gesetzes?).<br />

Begonnen hatte der stetige Aufschwung wohl<br />

mit der Fertigstellung der charismatischen Walt<br />

Disney Concert Hall, ebenfalls von Gehry entworfen.<br />

Sie ist die Spielstätte des Los Angeles<br />

Philharmonic Orchestra und Bühne für klassische<br />

Konzerte und Jazz.<br />

2003 wetteten nur wenige auf dieses Programm,<br />

das Besucher anzusprechen schien, die nicht gewillt<br />

waren, in der Gegend zu verweilen. Das<br />

Projekt kostete mehr als 274 Millionen Dollar,<br />

davon 110 Millionen allein für den Parkplatz.<br />

Heute empfängt das Konzerthaus ein vielfältiges<br />

Publikum und internationale Stars, die die exzellente<br />

Akustik schätzen. Bemerkenswert auch das<br />

Kunstmuseum The Broad, ein Geschenk der Philanthropen<br />

Eli und Edythe Broad. Last but not<br />

least hat die Galerie Hauser & Wirth ihr kulturelles<br />

Angebot um ein Barrestaurant und eine<br />

Gartenoase ergänzt. Alles Beispiele, die zeigen,<br />

dass DTLA sein Krönchen gerichtet hat – und<br />

die Menschen wieder zum Träumen bringt.<br />

ERLEBEN<br />

The Broad (16)<br />

Ein Museum, das man<br />

nicht verpassen sollte:<br />

Das philanthropische<br />

Projekt von Edythe und<br />

Eli Broad birgt Kunstwerke<br />

aus den 1950er-Jahren<br />

bis heute und ein zeitlich<br />

begrenztes Programm.<br />

Aktuell gibt es zwei spannende<br />

Ausstellungen<br />

(noch bis 25.09.): Eine<br />

widmet sich dem japanischen<br />

Künstler Takashi<br />

Murakami, die andere mit<br />

dem Titel This Is Not America’s<br />

Flag untersucht den<br />

Begriff der Nationalität.<br />

221 S. Grand Avenue.<br />

thebroad.org<br />

© MIKE KELLEY, CAROL M. HIGHSMITH ,NIKOLAS KOENIG/HOUSETRIBECA.COM<br />

244


19 21<br />

20<br />

© COURTESY OF LA PHIL/ADAM LATHAM, ELON SCHOENHOLZ (2)<br />

Central Library (17)<br />

In diesem riesigen<br />

Art-déco-Gebäude, das<br />

halb Museum, halb<br />

Bibliothek ist und von<br />

Byzanz und dem alten<br />

Ägypten inspiriert<br />

wurde, drängen sich<br />

die Menschen, um die<br />

Sphinxe und Mosaike<br />

zu bewundern. In der<br />

Rotunde überragt der<br />

Kronleuchter mit der<br />

Darstellung der Tierkreiszeichen<br />

die unglaublichen<br />

Fresken von Dean<br />

Cornwell. Sie erzählen<br />

Kaliforniens Geschichte.<br />

630 W. 5th Street.<br />

lapl.org/branches/<br />

central-library<br />

Bradbury Building (18)<br />

Das im Jahr 1893 aus<br />

Backstein erbaute und<br />

mit schmiedeeisernen<br />

Geländern um ein<br />

schwindelerregendes<br />

Atrium geschmückte<br />

Meisterwerk im Stil der<br />

Neorenaissance diente<br />

als Kulisse für zahlreiche<br />

Filme, darunter die Kult-<br />

Dystopie Blade Runner<br />

von Ridley Scott (1982).<br />

Heute zieht der Ort die<br />

kreativen Köpfe des<br />

Viertels an, die sich im<br />

NeuenHouse treffen,<br />

einem Privatklub, in dem<br />

sich auch die Wyman Bar<br />

befindet (an manchen<br />

Tagen und nach vorheriger<br />

Anmeldung auch für<br />

Nichtmitglieder offen).<br />

304 S. Broadway.<br />

neuehouse.com/houses/<br />

bradbury<br />

Walt Disney<br />

Concert Hall (19)<br />

Ein architektonischer<br />

Wahnsinn aus Stahl, den<br />

Walt Disneys Witwe der<br />

Stadt schenkte. Das von<br />

Frank Gehry entworfene<br />

Hauptquartier des Philharmonischen<br />

Orchesters<br />

von Los Angeles ist<br />

die Homebase von Starmusikern<br />

wie Lang Lang,<br />

Yo-Yo Ma und Hugh Masekela.<br />

Der Konzertsaal<br />

aus gelbem Zedernholz<br />

mit 2265 Plätzen zählt zu<br />

einem der renommiertesten<br />

Häuser des Landes<br />

111 S. Grand Avenue.<br />

laphil.com<br />

Crypto.com Arena<br />

(ohne Bild)<br />

Man kann die Stadt der<br />

Engel nicht besuchen,<br />

ohne in der Crypto.com<br />

Arena zu jubeln. Ob die<br />

Los Angeles Lakers aus<br />

der NBA-Basketballmannschaft,<br />

ein Latino-Musikkonzert<br />

oder eine Standup-Comedyshow:<br />

Es gibt<br />

nichts Besseres, als mit<br />

einer Pizza und einem<br />

Becher Soda den California<br />

way of life zu spüren.<br />

1111 S. Figueroa Street.<br />

cryptoarena.com<br />

MOCA (20) und (21)<br />

Von Künstlern gegründet,<br />

unterstützt das MOCA<br />

(Museum of Contemporary<br />

Art) seit 1979 Kunst<br />

in all ihren Formen. An<br />

der Fassade des MOCA<br />

Grand Avenue sind die<br />

vergänglichen und monumentalen<br />

Arbeiten zeitgenössischer<br />

Künstler wie<br />

Derek Fordjour zu sehen,<br />

der sich für den Zugang<br />

zu Kunst für alle einsetzt.<br />

250 South Grand<br />

Avenue und 152 North<br />

Central Avenue.<br />

moca.org<br />

245


ID-HOTSPOT<br />

Urlaub in Blau-Weiß<br />

Von Camilla Péus<br />

Hoch über dem Tyrrhenischen Meer, zwischen Positano und<br />

Amalfi, thront das neue Hideaway Borgo Santandrea. Seine<br />

Stilakteure: Wasserfarben und Gio Pontis Midcentury-Ikonen.<br />

Die azurblauen Fliesen im Entree des Borgo Santandrea glänzen, als<br />

sei gerade eine Mittelmeerwelle über den Boden geschwappt. Der<br />

erste Eindruck passt. Denn nach der 90-minütigen Serpentinenfahrt<br />

von Neapel bis Amalfi betreten die Gäste das exklusive Hotel ohnehin gefühlt<br />

seekrank. Umso mehr freuen sie sich, dass sie sich auf der Terrasse erst<br />

einmal an einem Minzedrink festhalten können – und über den Blick zum<br />

Horizont, der das endlos glitzernde Blau begrenzt, das sich hier vor jeder<br />

Veranda, jedem Privatpool und jedem Rundbogenfenster ausbreitet.<br />

Vier Jahre hat es gedauert, bis der Architekt Rino Gambardella und mit ihm<br />

ein Team aus Landschaftsgärtnern, Restauratoren und lokalen Handwerkern<br />

eine burgartige Struktur aus den 1960er-Jahren in das Klippenhotel mit<br />

Gewölbedecken, Kaminzimmern und drei exklusiven Restaurants verwandelt<br />

haben. »Das Borgo Santandrea entstand aus einem ehrgeizigen Traum<br />

zweier Hoteliersfamilien«, so der Eigentümer und Geschäftsführer Maurizio<br />

Orlacchio, »meiner und der Familie De Siano.« Der ultimative Luxus, ergänzt<br />

er, sei der direkte Zugang zu einem schmalen Kieselstrand mit Beachbar. Per<br />

Aufzug oder über steile Treppen gelangen Gäste durch duftende Terrassengärten<br />

mit Zitronen- und Granatapfelbäumen, Winterjasmin und Glyzinien<br />

Der Felsvorsprung<br />

bietet gerade genug Platz<br />

für eine Terrasse mit<br />

Fünfsterne-Meerblick.<br />

Rechte Seite Keine<br />

Sorge, auch per Aufzug<br />

gelangt man die knapp<br />

100 Meter runter zum<br />

hoteleigenen Strand –<br />

und wieder hoch.<br />

Borgo Santandrea<br />

Via Giovanni<br />

Augustariccio 33,<br />

84011 Amalfi SA.<br />

DZ ab 2000 €.<br />

borgosantandrea.it,<br />

molteni.it<br />

© BORGO SANTANDREA<br />

246


© BORGO SANTANDREA<br />

247


ID-HOTSPOT<br />

1 2<br />

3<br />

4<br />

© BORGO SANTANDREA (3), ENZO RANDO/BORGO SANTANDREA


is ans Meer. Hier dümpelt am Steg auch das Boot San Lorenzo, um Gäste<br />

nach Capri, Ischia und zum benachbarten Fischerdorf Conca dei Marini mit<br />

seiner Grotta dello Smeraldo, einer türkisfarbenen Grotte, zu bringen.<br />

© ENZO RANDO/BORGO SANTANDREA<br />

Blauer wird’s nicht: vom Fön bis zur Gio-Ponti-Ikone<br />

Überhaupt das Blau. Hier wirkt es so durchdringend, dass der Architekt gar<br />

nicht anders konnte, als es zum stilprägenden Element des gesamten Resorts<br />

zu machen: Die Fliesenböden der Suiten schillern in diversen Blau-Weiß-<br />

Mustern, handbemalt von lokalen Keramikkünstlern. Kunsthandwerker aus<br />

der Amalfiregion fertigten Vasen, der örtliche Schmied die Geländer und ein<br />

Mailänder Tischler die Walnussregale. Auch die Bezugsstoffe von Dedar und<br />

Rubelli, der Dyson-Fön, die Acqua-di-Parma-Kosmetikartikel und selbst die<br />

getuschten Fische auf dem Tellerrand, die neapolitanische Spezialitäten wie<br />

Pasta patate e provola (mit Kartoffeln und Provalakäse) oder das Zitronenrisotto<br />

von Chefkoch Crescenzo Scotti umkreisen – alles fügt sich ins Blau-<br />

Weiß-Thema. Passend zur Leichtigkeit der mediterranen Looks lieferte der<br />

italienische Premiumhersteller Molteni&C Midcentury-Klassiker von Gio<br />

Ponti wie die Sessel D.153.1, die auch in Pontis Mailänder Privatdomizil<br />

standen, und den Lounger D.151.4, den er für Kreuzfahrtschiffe entwarf.<br />

»Wir sind stolz, so viele talentierte Handwerker und bekannte italienische<br />

Marken vereint zu haben«, schwärmt Maurizio Orlacchio, »um ein Hotel zu<br />

schaffen, das wirklich made in Italy ist.«<br />

Buongiorno! Einen Blick<br />

ins Blaue bieten alle 16<br />

Suiten und 34 Zimmer<br />

des Hotels. Bettwäsche:<br />

Once Milano. Linke Seite<br />

1/ Marmorsäulen stützen<br />

die Gewölbedecke der<br />

Lobby. 2/ Kathedrale des<br />

Lichts im Treppenhaus.<br />

3/ Kaminzimmer mit Gio<br />

Pontis D.151.4-Sesseln, die<br />

er einst für Kreuzfahrtschiffe<br />

entwarf. 4/ Auch<br />

vor dem Schreibpult:<br />

Fliesen mit Supergloss.


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Insidertipps für den<br />

Citytrip findet man in<br />

jedem <strong>IDEAT</strong>. Aber auch<br />

die Kollegen von der<br />

New York Times kennen<br />

sich wirklich gut aus.<br />

Starkoch Yotam Ottolenghi<br />

entlockt dem Gemüse<br />

atemberaubende<br />

Geschmackserlebnisse.<br />

Rezepte, die auch<br />

notorische Fleischesser<br />

überzeugen werden.<br />

Und wem Europa<br />

nicht mehr reicht, dem<br />

legen die Experten von<br />

der NYT gleich die ganze<br />

Welt zu Füßen. Aber<br />

Vorsicht: Fernweh droht!<br />

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Riedel zelebriert Gin<br />

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Form. Dicker Bauch und<br />

schmale Öffnung – für<br />

die ganze Aromenvielfalt.<br />

Für die Essstäbchen<br />

aus Melamin gibt es als<br />

Ablage eine helfende<br />

Hand aus Porzellan. So<br />

interpretiert von der<br />

Nomadin Paola Navone.<br />

Spitzenentspannung für zu<br />

Hause: Die ShaktiMat kann<br />

Rücken-, Schulter- und<br />

Nackenschmerzen lindern<br />

sowie die Durchblutung<br />

und den Schlaf verbessern.<br />

»Wie ein Fisch im<br />

Wasser«, heißt es.<br />

Hier hat Paola Navone<br />

das Sprichwort umgedreht.<br />

Wasserkaraffe<br />

in Fischform für die<br />

Designmarke Serax.<br />

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ID-VILLAGE PEOPLE<br />

Unterwegs mit Remo Masala<br />

Hinter dem nach Urlaub klingenden Namen steckt einer der erfolgreichsten<br />

Touristiker Deutschlands: Remo Masala, Sohn einer griechischen Mutter und eines<br />

italienischen Vaters, schaut auf eine zwanzigjährige Vorstandstätigkeit bei großen<br />

Reisekonzernen zurück, ist (Mit-)Erfinder von Lifestylehotel-Brands wie 25Hours,<br />

Superbude oder Casa Cook und führt mit Vision Alphabet seine eigene Agentur.<br />

Interview: Andrea Bierle<br />

Welches Museum beeindruckt<br />

Sie am meisten?<br />

Das Arsenale Institute for Politics of Re-<br />

Eine Stadt, in der<br />

Sie noch leben könnten?<br />

Lissabon.<br />

presentation in Venedig unter der Leitung<br />

Zu Ihren Kunden gehören das<br />

Boutiqueresort Oku Ibiza, das<br />

Immobilienprojekt Cuna del Alma<br />

auf Teneriffa, das Wellnesshotel<br />

Comodo in Bad Gastein sowie Condor.<br />

klingt nach einem Traumjob …<br />

Wir haben das Glück, dass unsere Jobs<br />

auch unsere Hobbys sind. Meist scheint<br />

von Wolfgang Scheppe.<br />

Ein Künstler, den Sie lieben?<br />

Ich sammle Werke von Bruno Munari.<br />

Welche Musik hören Sie immer<br />

wieder gerne?<br />

Ich liebe die sanften Klänge des Bossa<br />

Nova, gepaart mit dem poetischen<br />

Gesang auf Portugiesisch.<br />

Welchen Architekten<br />

bewundern Sie?<br />

Marcio Kogan habe ich mal kennengelernt –<br />

eine beeindruckende Persönlichkeit.<br />

Haben Sie ein Lieblingsgebäude?<br />

Paläste in Tibet.<br />

Ihr liebstes Designstück?<br />

Unter anderem meine Eddie-Harlis-Stühle<br />

an unseren Arbeitsplätzen die Sonne, wir<br />

können leckere lokale Gerichte ausprobieren,<br />

lernen fremden Humor kennen<br />

und es entstehen weltweit tolle Freundschaften.<br />

Ein Hotelprojekt zieht sich über<br />

Sie leben in Berlin – was macht die<br />

Stadt für Sie besonders?<br />

Berlin ist ein faszinierender Magnet für so<br />

viele Menschen und ausgefallene Charak-<br />

für Thonet aus den 1950er-Jahren.<br />

Was haben Sie auf Reisen<br />

immer dabei?<br />

Ein kleines Heft von Muji, in dem ich mir<br />

einen langen Zeitraum – das schweißt<br />

tere, die von allen Ecken der Erde kom-<br />

permanent Notizen mache zu Gedanken,<br />

über die Grenzen hinweg zusammen.<br />

men. In der Summe an Möglichkeiten ist<br />

die mir durch den Kopf schießen. Ich habe<br />

Für welches Reiseziel würden Sie<br />

alles stehen und liegen lassen?<br />

Für meine Lieblingsinsel Naxos.<br />

diese Stadt einzigartig in Deutschland.<br />

Manchmal hasst man sie – gerade als Vielflieger<br />

mit den schlechten Fluganbindungen.<br />

Aber meistens gibt sie einem sehr<br />

Stapel von den Dingern.<br />

Was bringen Sie von Reisen mit?<br />

Seit 30 Jahren spirituelle Holzketten aus<br />

Das beste Hotel, in dem Sie<br />

gewohnt haben?<br />

Viele Aman Resorts sind erstklassig.<br />

Was tun Sie als Erstes, wenn Sie<br />

ein Hotelzimmer betreten?<br />

Fenster öffnen. Wenn das nicht geht,<br />

fühle ich mich gleich unwohl im Hotel.<br />

Das beste Restaurant,<br />

in dem Sie je gewesen sind?<br />

Auf jeden Fall gehört das Al Covo in<br />

Venedig bei Diane und Cesare dazu.<br />

viele Impulse. Hier lässt man sich zwanglos<br />

von grenzenloser Kreativität leiten und<br />

jede und jeder stattet sich mit allen nötigen<br />

Freiheiten aus, um dem Konformismus<br />

zu entgehen. Ich finde das unterhaltsam.<br />

Was sind Ihre derzeit liebsten<br />

Berlin-Adressen?<br />

Natürlich probieren wir hier immer das<br />

Neueste vom Neuen aus – das gehört zu<br />

Berlin wie die Kehrwoche zu Stuttgart.<br />

Und trotzdem sucht man doch immer wieder<br />

seine gewohnten Klassiker auf wie<br />

Borchardt, Grill Royal, Pappa e Ciccia …<br />

aller Welt, meistens mit symbolischer Bedeutung.<br />

Die hänge ich dann zu Hause<br />

über Türgriffe.<br />

Ein Luxusartikel, auf den Sie nicht<br />

verzichten wollen?<br />

Aesop-Pflegeprodukte.<br />

Ein Ort, an den Sie immer wieder<br />

zurückkehren?<br />

Mein Rückzugsort befindet sich auf<br />

Naxos. Dort steht ein Häuschen inmitten<br />

der Natur und direkt am Strand des Ägäischen<br />

Meeres.<br />

© ARIANNA FRICKHINGER/STEVE HERUD<br />

252


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