der motor classic – Das Classic- & Oldtimermagazin – Kommunikation für die Branche
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<strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022 | Schutzgebühr 5,90 €<br />
Verband <strong>der</strong> Motoren-<br />
Instandsetzungsbetriebe<br />
BÜSSING und <strong>die</strong><br />
Erfindung <strong>der</strong><br />
Unterflur<strong>motor</strong>en<br />
Grandezza<br />
<strong>für</strong> den Acker<br />
Schönheiten vom Lande <strong>–</strong><br />
italienische Oldtimer-Traktoren<br />
Die<br />
Legende<br />
lebt!
Editorial<br />
Liebe Leserinnen und Leser,<br />
das „<strong>der</strong> <strong>motor</strong> <strong>classic</strong>“ Magazin begeistert<br />
<strong>für</strong> „alte“ Motoren. Für <strong>die</strong><br />
Feinheiten, <strong>die</strong> durchdachte Technik<br />
und das fortschrittliche Denken<br />
<strong>der</strong> Konstrukteure zur damaligen<br />
Zeit. Unsere Berichterstattung ist<br />
abwechslungsreich und beschränkt<br />
sich nicht auf Äußerlichkeiten, son<strong>der</strong>n<br />
wir betrachten Entwicklungen,<br />
<strong>die</strong> unser heutiges Leben maßgeblich<br />
beeinflussen.<br />
Unter den Berichten sind zum einen<br />
echte Klassiker, welche je<strong>der</strong><br />
kannte und <strong>die</strong> sich durch Film und<br />
Fernsehen einen Namen gemacht<br />
haben und teilweise noch heute Bekanntheit genießen. Zum an<strong>der</strong>en sind<br />
es Preziosen, <strong>die</strong> ihre Leistung erbracht und in ihren jeweiligen <strong>Branche</strong>n<br />
und Einsatzgebieten sehr wohl geschätzt, aber von <strong>der</strong> breiten Masse unbeachtet<br />
blieben.<br />
Wir lenken den Blick auf <strong>die</strong> unterschiedlichsten Fahrzeuge und <strong>die</strong> Feinheiten<br />
von <strong>der</strong>en Motoren. Die Bauweise, <strong>der</strong> Fortschritt <strong>der</strong> Technik und<br />
Entwicklung, all <strong>die</strong>s beeinflussten <strong>die</strong> Karosserie und Möglichkeiten enorm.<br />
Um einen fast „unsichtbaren“ Motor wie in <strong>der</strong> heutigen Zeit zu bekommen,<br />
waren viele Konstrukteure, Techniker und Profis ihres Faches nötig. Und<br />
manchmal gab es sie auch, <strong>die</strong> Ideen, <strong>die</strong> bei ihrer Entdeckung nichts wert<br />
waren, einfach weil <strong>die</strong> Zeit <strong>für</strong> sie noch nicht gekommen war.<br />
Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen.<br />
Ihr<br />
Thomas Cor<strong>die</strong>r<br />
(Geschäftsführer)
Inhalt<br />
Über den Fluß und in <strong>die</strong> Wäl<strong>der</strong> <strong>–</strong> Der Landrover Defen<strong>der</strong><br />
<strong>Das</strong> Konzept ETA <strong>–</strong> BMWs Drossel<strong>motor</strong> als Dieselalternative<br />
Innovative Additive von ERC <strong>für</strong> Ihren Oldtimer<br />
Büssing, MAN und ein genialer Konstrukteur<br />
Motoren Langbauer in Graz <strong>–</strong> Mehr als 50 Jahre Oldtimer Fachkenntnis<br />
<strong>Classic</strong>-Cars-Stu<strong>die</strong> <strong>–</strong> Die deutsche Oldtimer-Hochburg heißt Bottrop<br />
V8-Motoren in <strong>der</strong> Kompaktklasse <strong>–</strong> AMC Pacer und MGB GT V8<br />
Son<strong>der</strong>anfertigungen von Elring <strong>–</strong> Top-Qualität in allen Varianten<br />
Komm, wir fahren! <strong>–</strong> Die 1. Röhrl-Klassik startet<br />
Designikone <strong>–</strong> Der Jaguar E-Type<br />
Im Rückspiegel <strong>–</strong> Mit <strong>der</strong> 80 übersprang Audi erstmals <strong>die</strong> Million<br />
HY-PE! <strong>–</strong> Der französische Bulli Citroen HY<br />
Motorschäden bei Neuwagen in zunehmen<strong>der</strong> Anzahl<br />
Grandezza <strong>für</strong> den Acker <strong>–</strong> Italienische Oldtimer-Traktoren<br />
Haushaltsgerät auf Rä<strong>der</strong>n <strong>–</strong> Die »tolle Kiste« Fiat Panda<br />
Deutsche Vorkriegstechnik aus Kiew <strong>–</strong> Die KMZ K750<br />
Im Bücherregal <strong>–</strong> Der Bulli des Ostens<br />
Oldtimer im täglichen Einsatz <strong>–</strong> MAN MIL GL KAT 1<br />
HATZ <strong>Classic</strong> Parts <strong>–</strong> Ersatzteilversorgung <strong>für</strong> Diesel<strong>motor</strong>en<br />
Der Seltene <strong>für</strong> den großen Geldbeutel <strong>–</strong> Tucker 48<br />
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IMPRESSUM<br />
Unternehmen<br />
BEPOINT Me<strong>die</strong>n GmbH<br />
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28-30, 37, 49; Wikipedia: S. 8-9, 12-15,<br />
22-23, 37-38, 40-43, 50-51; amp.net: S.18,<br />
21, 26-27, 32-34, 49, 54-55; Pexels: S. 56;<br />
S. 4-7 Text: mk BEPOINT Me<strong>die</strong>n; S. 8-10<br />
Text: mk BEPOINT Me<strong>die</strong>n; S.11 Text:<br />
jf BEPOINT Me<strong>die</strong>n; S.12-15 Text: mk<br />
BEPOINT Me<strong>die</strong>n; S. 16-17 Text: jf<br />
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Motoren; S.18-21 Text: amp.net; S. 22-23<br />
Text: mk BEPOINT Me<strong>die</strong>n; S. 24-25 Text +<br />
Fotos: Elring; S. 26-27 Text: amp.net; S.28-<br />
31 Text: mk BEPOINT Me<strong>die</strong>n; S.32-34<br />
Text: amp.net; S. 36-38 Text: mk BEPOINT<br />
Me<strong>die</strong>n; S. 39 Text: amp.net; S.40-43 Text:<br />
mk BEPOINT Me<strong>die</strong>n; S. 46-47 Text: mk<br />
BEPOINT Me<strong>die</strong>n; S. 48 Text + Fotos: ts<br />
BEPOINT Me<strong>die</strong>n; S. 49 Text: amp.net;<br />
S. 50-51 Text: mk BEPOINT Me<strong>die</strong>n; S. 52-<br />
53 Text: Friedrich Dicke GmbH & Co. KG<br />
Fotos: Friedrich Dicke GmbH & Co. KG,<br />
HATZ; S. 54-55 Text: amp.net<br />
Ausgabe<br />
<strong>classic</strong> 1/2022<br />
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Über den Fluß<br />
und in<br />
<strong>die</strong> Wäl<strong>der</strong><br />
Hemingway hätte als Abenteurer sicherlich seine Freude an <strong>die</strong>sem robusten<br />
Gelände-Klassiker gehabt. Immerhin sind 75 % aller jemals ausgelieferten<br />
Land Rover, seit 1990 unter dem Namen »Defen<strong>der</strong>« bekannt, noch im Einsatz.<br />
Bis heute hat <strong>der</strong> Wagen Kultstatus, wird allerdings inzwischen gerne in<br />
Großstadtdschungeln wie Hamburg o<strong>der</strong> Berlin gefahren, was aber beim<br />
dortigen Zustand mancher Straßen durchaus seine Berechtigung hat.<br />
Einigen Lesern dürfte <strong>der</strong> Defen<strong>der</strong> noch aus <strong>der</strong><br />
US-Fernsehserie »Daktari« bekannt sein. Die Wahl des<br />
Fahrzeugs ist insofern verwun<strong>der</strong>lich, da <strong>die</strong> Amerikaner ja<br />
mit dem Jeep ein adäquates Pendant gehabt hätten. Auch<br />
<strong>der</strong> Camel-Mann (<strong>für</strong> <strong>die</strong> geh ich meilenweit) wird zu seinen<br />
Zigaretten eher gefahren sein, da sich im Hintergrund immer<br />
mal wie<strong>der</strong> ein »Landy« entdecken lässt. <strong>–</strong> Meine ersten Begegnungen<br />
in <strong>der</strong> Jugend waren <strong>die</strong> kurze Militärausführung<br />
Wolf, durch eine nahegelegene Englän<strong>der</strong>-Siedlung, sowie<br />
diverse Kasernen in <strong>der</strong> weiteren Umgebung. <strong>Das</strong> charakteristische<br />
Motorengeräusch <strong>die</strong>ser Serie III war ziemlich<br />
einzigartig, da damals in Deutschland nur sehr selten zivile<br />
Defen<strong>der</strong> fuhren.<br />
Tatsächlich war <strong>die</strong> Inspirationsquelle <strong>für</strong> <strong>die</strong> Entstehung des<br />
Land Rovers <strong>der</strong> dann von 1948 bis 2016 über zwei Millionen<br />
mal gebaut wurde, ein »Willys-Jeep«. Nach dem Zweiten<br />
Weltkrieg gab es in England verbliebene Jeeps, <strong>die</strong> gerne<br />
von Landwirten genutzt wurden. Ihre Anzahl nahm aber<br />
stetig ab und konnte den Bedarf bei weitem nicht decken.<br />
So entstand durch <strong>die</strong> Initiative des Chefingenieurs von<br />
4<br />
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Land Rover Defen<strong>der</strong><br />
Zum Expeditionsfahrzeug<br />
umgerüsteter Defen<strong>der</strong> 110<br />
Seine Qualitäten im<br />
Gelände rühren von seiner<br />
ursprünglichen Verwendung<br />
in <strong>der</strong> Landwirtschaft<br />
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Rover ein funktionales Fahrzeug <strong>für</strong> den landwirtschaftlichen<br />
Bereich. Von Anfang an wurde das Fahrzeug als das »go<br />
anywhere vehicle« beworben. Seine Geländegängigkeit und<br />
seine Robustheit wurden immer hervorgehoben. Prospekte<br />
zeigten ihn anfangs als Arbeitsgerät in <strong>der</strong> Landwirtschaft<br />
o<strong>der</strong> Industrie. Im April 1948 wurde das Fahrzeug dann<br />
auf <strong>der</strong> Amsterdamer Motor Show <strong>der</strong> Öffentlichkeit vorgestellt.<br />
Es hieß einfach nur Land Rover und wurde von einem<br />
50 PS (37 kW) 1,6 Liter Benziner angetrieben. 1957 ergänzte<br />
den Benzin<strong>motor</strong> ein neuer 2,0 L Diesel<strong>motor</strong> mit<br />
obenliegen<strong>der</strong><br />
Ventilsteuerung<br />
Serie IIa mit<br />
(Overhead Valves<br />
OHV). <strong>Das</strong><br />
aussenliegenden<br />
Scheinwerfern<br />
Fahrzeug war<br />
insgesamt sehr<br />
spartanisch ausgestattet<br />
und<br />
<strong>der</strong> Rahmen war<br />
auch nicht mehr<br />
verzinkt, wie ursprünglich<br />
vorgesehen.<br />
Diese<br />
Serie I wurde bis<br />
1958 gebaut und<br />
dann durch <strong>die</strong><br />
Serie II ersetzt.<br />
Nach dem großen und vor allem unerwarteten Erfolg wurden<br />
einige Dinge überarbeitet. Unter <strong>der</strong> Motorhaube war<br />
<strong>die</strong> größte Än<strong>der</strong>ung <strong>der</strong> neue 2,25 Liter Benzin<strong>motor</strong> mit 70<br />
PS. Dieser Motor überlebte dank seiner Robustheit bis in <strong>die</strong><br />
Serie III. Der 2,0 L Diesel<strong>motor</strong> blieb hingegen unverän<strong>der</strong>t.<br />
Ein Update innerhalb <strong>der</strong> zweiten Serie wird mit Serie IIa betitelt.<br />
Bauzeit war von 1961 bis 1971. Hier hielt ab 1967 erstmalig<br />
ein 2,6 Liter 6 Zylin<strong>der</strong><br />
Benzin<strong>motor</strong> Einzug, <strong>die</strong> bis<br />
dato größte Motorisierung,<br />
sowie ein überarbeiteter<br />
Diesel<strong>motor</strong> mit 2,28 l Hubraum.<br />
Dieses Modell war<br />
auch das erste, welches das<br />
noch heute vorhandene Aussehen<br />
<strong>der</strong> Frontpartie hatte,<br />
bei dem <strong>die</strong> Scheinwerfer<br />
nach außen wan<strong>der</strong>ten, da<br />
<strong>die</strong>s inzwischen in zahlreichen<br />
Län<strong>der</strong>n Pflicht war.<br />
Landrover aus <strong>der</strong><br />
Serie II mit<br />
innenliegenden<br />
Scheinwerfern<br />
im neuen Kühlergrill nie<strong>der</strong>schlug. <strong>Das</strong> nun erstmals aus<br />
Kunststoff gefertigte Teil stieß jedoch auf wenig Gegenliebe,<br />
wurden <strong>die</strong> alten aus Metall doch bisher oft zum Grillen über<br />
offenem Feuer genutzt. Diese neue Frontpartie än<strong>der</strong>te sich<br />
dann noch einmal, als erstmalig ein V8-Motor in den Wagen<br />
verpflanzt wurde. Seitdem ist <strong>die</strong> Fronpartie bündig und <strong>der</strong><br />
nun schwarze Kühlergrill ist nicht mehr eingezogen.<br />
Zu Anfang wurden <strong>die</strong> Motoren <strong>der</strong> Serie IIa weiterverwendet,<br />
später ersetzte ein von Rover entwickelter 3,5 l<br />
V8-Motor mit 66 kW (91 PS) bei 3.500 U/min den 2,6 l<br />
6-Zylin<strong>der</strong>. Um <strong>die</strong> Kraft des V8 Motors aufzunehmen, wurde<br />
in den Serie III Modellen mit <strong>die</strong>sen Motoren ein neues<br />
Getriebe verbaut.<br />
Die Serie III markierte in <strong>der</strong> Geschichte Land Rovers einen<br />
wichtigen Punkt. Sie war einerseits das letzte Modell<br />
aus <strong>der</strong> Reihe <strong>der</strong> erfolgreichen Serien und beendete <strong>die</strong><br />
Ära so mancher Technik, wie <strong>die</strong> <strong>der</strong> Blattfe<strong>der</strong>n. Sie über-<br />
Im September 1971 kam <strong>die</strong><br />
Serie III auf den Markt, <strong>die</strong><br />
am längsten lief, nämlich bis<br />
1985. Eine For<strong>der</strong>ung von<br />
Land Rover war ein optisch<br />
mo<strong>der</strong>nisiertes Fahrzeug,<br />
was sich im Wesentlichen<br />
Spartanische Ausstattung<br />
in einem frühen Landy<br />
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Land Rover Defen<strong>der</strong><br />
Blick durch das<br />
Scheinwerfergehäuse<br />
auf den 2,28 l Benzin<strong>motor</strong><br />
gab aber auch etliches an <strong>die</strong> nachfolgenden Fahrzeuggenerationen.<br />
<strong>Das</strong> Antriebskonstrukt aus Motor, Getriebe,<br />
Untersetzungsgetriebe mit Abtrieb auf beide Achsen, <strong>der</strong><br />
Rahmen, <strong>die</strong> modulare Bauweise <strong>der</strong> Karosserie und auch<br />
ihre Form. An<strong>der</strong>erseits war <strong>die</strong> Serie III das erste Modell,<br />
in dem wichtige Neuerungen Einzug hielten, <strong>die</strong> dann <strong>für</strong><br />
viele Jahre in <strong>die</strong> neue Generation von Fahrzeugen übernommen<br />
wurden und welche <strong>die</strong> Zukunft <strong>die</strong>ser Baureihe<br />
sichern sollten.<br />
<strong>Das</strong> heute als »Defen<strong>der</strong>« allseits bekannte Land Rover<br />
Modell kam 1983 mit <strong>der</strong> Bezeichnung One Ten (110) auf<br />
den Markt. 110 bezieht sich auf den Achsabstand in Zoll,<br />
sehr beliebt ist auch <strong>der</strong> kürzere Ninety (90). Aus marketingtechnischen<br />
Gründen sind <strong>die</strong>se Werte allerdings gerundet<br />
Im Herbst 1989 wurde eine Differenzierung des Modellnamens<br />
notwendig, da <strong>der</strong> Land Rover Discovery eingeführt<br />
wurde. Mitte <strong>der</strong> 1990er Jahre wurde <strong>der</strong> 200 Tdi Motor mit<br />
107 PS, <strong>der</strong> bereits im Discovery verbaut wurde, ebenfalls<br />
im Defen<strong>der</strong> angeboten. Durch <strong>die</strong>se Motorisierung wirkte<br />
<strong>der</strong> Landy erstmals etwas spritziger. Schnell ist er ohnehin<br />
nie gewesen, schließlich waren ein Leergewicht von 1.800<br />
kg und ein hoher Luftwi<strong>der</strong>stand im Weg. Immerhin waren<br />
in <strong>der</strong> Spitze 130-145 km/h möglich. Allerdings betrug <strong>der</strong><br />
Dieselverbrauch 10 bis 11 l/100 km.<br />
Eine Modellpflege des Defen<strong>der</strong> erfolgte 2007, sozusagen<br />
ein letztes Update <strong>die</strong>ser ewigen Baureihe. Cockpit und Sitze<br />
wurden verän<strong>der</strong>t und komfortabler ausgelegt. Die wichtigsten<br />
Än<strong>der</strong>ungen waren jedoch ein neuer Motor und ein<br />
Sechsganggetriebe. Bei <strong>der</strong> letzten Modellgeneration des<br />
Defen<strong>der</strong>s kam ein Ford-Vierzylin<strong>der</strong>-Diesel<strong>motor</strong> zum Einsatz,<br />
<strong>der</strong> unter an<strong>der</strong>em auch im Ford Transit fuhr und <strong>die</strong><br />
Euro-4-Abgasnorm erfüllte. Diese Normen zu erfüllen wurde<br />
immer schwieriger und <strong>die</strong> Karosserie-Form war zudem mit<br />
den EU-Richtlinien zum Fußgängerschutz nicht mehr vereinbar.<br />
Nach fast 70 Jahren Bauzeit neigte sich <strong>die</strong> Ära Land<br />
Rover Defen<strong>der</strong> ihrem Ende entgegen. Drei Son<strong>der</strong>modelle<br />
mit beson<strong>der</strong>en Ausstattungspaketen markierten dann 2016<br />
das Produktionsende.//<br />
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Seiner Zeit um einiges voraus <strong>–</strong> Der BMW Sechszylin<strong>der</strong> M20 B27 startete 1982 mit dem<br />
Konzept eines hubraumstarken und dennoch umweltfreundlichen und sparsamen Drossel<strong>motor</strong><br />
als Diesel<strong>motor</strong>-Alternative. Namensgeber ist <strong>der</strong> griechische Buchstabe Eta,<br />
welcher in <strong>der</strong> Technik als Bezeichnung <strong>für</strong> den Wirkungsgrad verwendet wird.<br />
8<br />
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<strong>Das</strong> Konzept ETA<br />
Sieht man heute <strong>die</strong> Bezeichnung „e“ auf dem Heckdeckel<br />
eines aktuellen BMW, handelt es sich um einen Plugin-<br />
Hybrid, also ein Fahrzeug mit <strong>der</strong> Möglichkeit, eine kurze<br />
Strecke rein elektrisch zurückzulegen. 1982 stand das<br />
Kürzel „e“ <strong>für</strong> ein innovatives Motorkonzept, welches mit<br />
größerem Hubraum, weniger Leistung und dadurch weniger<br />
Verbrauch auftrumpfte. Der eta-Motor stellt damit das<br />
genaue Gegenteil des heutigen Downsizing dar, seine Intention<br />
ist aber <strong>die</strong> gleiche: Umweltschutz.<br />
Die Basis <strong>für</strong> <strong>die</strong>ses Konzept war <strong>der</strong> M20. Dieser wurde<br />
als „kleiner“ Sechszylin<strong>der</strong> Mitte <strong>der</strong> 1970er Jahre entwickelt,<br />
da <strong>der</strong> ab 1968 gebaute „große“ Sechszylin<strong>der</strong> BMW<br />
M30 aufgrund seiner Abmessungen nicht <strong>für</strong> <strong>die</strong> erste 3er<br />
Reihe E21 geeignet war. In <strong>der</strong> 2. Generation E 30 stellte<br />
<strong>der</strong> M20 B27 vom Hubraum her das größte Modell dar,<br />
sollte aber anhand des <strong>für</strong> BMW untypischen Konzeptes<br />
und den Verkaufszahlen eher ein Nischendasein fristen.<br />
Die Bezeichnung M20 steht <strong>für</strong> <strong>die</strong> Motorgeneration 20 und<br />
B27 <strong>für</strong> den Hubraum von 2,7 Litern.<br />
Der eta-Motor hat im Vergleich zum konventionellen<br />
M20-Motor längere Saugrohre, geän<strong>der</strong>te Steuerzeiten<br />
und reduzierte Reibwerte durch Maßnahmen wie weichere<br />
Ventilfe<strong>der</strong>n, reduzierte Kolbenringvorspannung und<br />
nur vier Nockenwellenlager. Bei niedrigen Drehzahlen hat<br />
<strong>der</strong> eta ein erheblich höheres Drehmoment, bedingt durch<br />
den großen Hubraum. Den Maximalwert von 178 Nm des<br />
2,0-l-Motors erreicht <strong>der</strong> 2,7-l-Motor schon fast im Leerlauf<br />
unterhalb 1.000 U/min, <strong>der</strong> eigene Maximalwert liegt<br />
bei wuchtigen 240 Nm <strong>die</strong> bei 3.250 U/min anliegen. Dieser<br />
Wert lag auf Höhe <strong>der</strong> damaligen M30-Sechszylin<strong>der</strong>,<br />
z.B. im 728i <strong>der</strong> Baureihe E23 mit 2,8 l Hubraum, <strong>die</strong> aber<br />
deutlich höhere Leistungen (135 kW/184 PS bei 5.400<br />
U/min) erreichten. <strong>Das</strong> <strong>für</strong> <strong>die</strong> 80er Jahre technisch hochentwickelte<br />
Motronic-Steuergerät sorgt <strong>für</strong> einen ausgezeichnet<br />
ruhigen Motorlauf, gute Starteigenschaften und<br />
geringen Treibstoffverbrauch. Die typische BMW-Eigenschaft<br />
eines drehzahlfreudigen Motors ist da<strong>für</strong> allerdings<br />
nicht vorhanden, im Gegenteil beginnt <strong>der</strong> rote Bereich<br />
des Drehzahlmessers bereits bei 4.800 U/min. 1986 wurde<br />
<strong>der</strong> eta-Motor überarbeitet und bekam einen geän<strong>der</strong>ten<br />
Zylin<strong>der</strong>kopf vom M20B25. Die Nennleistung steigerte<br />
sich damit auf 95 kW (129 PS), und auch <strong>die</strong> Enddrehzahl<br />
wurde auf 5.300 U/min angehoben.<br />
Der Vorteil <strong>die</strong>ses Motors ist, er braucht sich nie anzustrengen.<br />
Um <strong>die</strong> gefor<strong>der</strong>te Kraft zu leisten, ist er dadurch<br />
praktisch von den ersten Kurbelwellenumdrehungen an<br />
voll da. Die niedrigen Drehzahlen sorgen <strong>für</strong> deutlich weniger<br />
Schadstoffausstoß als seine hochdrehenden Artgenossen.<br />
Serienmäßig wurde <strong>der</strong> eta zudem mit Abgasfilter und<br />
Katalysator ausgeliefert. Sogar im Benzinverbrauch hält er<br />
sich vornehm zurück. Der damals angegebene Testdurchschnitt<br />
lag bei 10,7 l/100 km. Möglich waren bei mo<strong>der</strong>ater<br />
Fahrweise sogar Werte von 7 - 9 Litern/100 km. Für so<br />
eine bullige Maschine in den 80ern ein Traumwert.<br />
Der eta vereint damit <strong>die</strong> Vorteile des Benziners, wie große<br />
Laufruhe, geringe Geräuschemissionen und spontanen<br />
Antritt, sowie <strong>die</strong> des Turbo<strong>die</strong>sels, hohes Drehmoment bei<br />
niedrigen Drehzahlen und geringen Verbrauch.<br />
Ursprünglich war sogar <strong>die</strong> breite Einführung <strong>der</strong> e-Linie,<br />
neben <strong>der</strong> i-Linie (Benziner mit Einspritzung) und <strong>der</strong> damals<br />
noch jungen d-Linie (Diesel<strong>motor</strong>en) geplant. Warum<br />
sich BMW letztendlich dagegen entschied, ist bis heute<br />
nicht bekannt, kann aber mit dem eher sportlich orientierten<br />
Image des Herstellers zusammenhängen.<br />
Irreführend auf dem Heckdeckel ist <strong>die</strong> Typbezeichnung<br />
Ansaugbrücke eines<br />
M20B27 mit Saugrohreinspritzung.<br />
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9
325e o<strong>der</strong> 525e. Die beiden letzten Ziffern stehen bei BMW<br />
<strong>für</strong> den Hubraum, also müssten <strong>die</strong> Modelle mit ihren 2,7<br />
l Hubraum 327e und 527e heissen. Eigentlich könnte das<br />
e auch <strong>für</strong> Effizienz stehen, da <strong>die</strong> eta-Modelle gerne von<br />
Sparern und Pfennigfuchsern gefahren wurden, was <strong>die</strong><br />
überdurchschnittlich oft vertretene Buchhalter-Ausstattung<br />
<strong>die</strong>ser Fahrzeuge erklärt. Diese wird aber auch von <strong>der</strong><br />
Oldtimer-Szene ganz gerne genommen, da einfach weniger<br />
kaputtgehen kann. Beide Limousinen bieten Platz <strong>für</strong><br />
vier Personen, aufgrund <strong>der</strong> langlebigen Technik sowie <strong>der</strong><br />
guten Ersatzteilversorgung sind <strong>die</strong> Kosten kalkulierbar,<br />
und <strong>die</strong> sanfte Auslegung des Motors schont Nerven und<br />
das Portemonnaie. Es sind ehrliche und praktische Autos,<br />
<strong>der</strong>en Reiz im seidigen Reihensechser liegt.<br />
Allerdings haben seinerzeit <strong>die</strong> Tester einiger Automagazine<br />
wenig gutes am BMW eta gelassen. Von kaum erreichbaren<br />
Verbrauchs-Testwerten unter 10l war <strong>die</strong> Rede, und einer<br />
dadurch geringen Reichweite anhand des kleinen 55l-Tank<br />
(325e). Hinzu kam, das <strong>der</strong> eta aufgrund seiner Katalysator-Technik<br />
nur bleifreies Benzin vertrug, welches im Jahr<br />
1985 noch nicht an je<strong>der</strong> Tankstelle zu haben war. Verbleites<br />
Benzin hätte das vorzeitige Ende des Kats bedeutet. So wurde<br />
empfohlen, immer einige Kanister Benzin im Kofferraum<br />
mitzuführen. Bleifrei gab es auch nur mit niedriger Oktanzahl<br />
MOZ 88 / ROZ 91. So musste (zum Nachteil des Verbrauchs)<br />
das Eta-Konzept verwässert und <strong>die</strong> Verdichtung deutlich reduziert<br />
werden. Angeblich war <strong>der</strong> Motor ursprünglich eine<br />
Entwicklung <strong>der</strong> BMW Marine GmbH als Boots<strong>motor</strong>, bis er<br />
dann als Antrieb <strong>für</strong> das Auto entdeckt wurde.<br />
Im Vergleichstest mit den Geschwistern 320i und 323i<br />
ist vor allem <strong>der</strong> hohe Preis, <strong>der</strong> nur knapp unter dem<br />
des damaligen Topmodells lag, moniert worden, sowie<br />
<strong>die</strong> geringen Unterschiede im Kraftstoffverbrauch. Ungeschlagen<br />
zwar <strong>die</strong> Laufruhe und Lärmentwicklung,<br />
da <strong>der</strong> Motor ja nicht höher als 4.200 U/min drehte. Die<br />
Kaufempfehlung war daher ganz klar <strong>der</strong> 323i. So blieb<br />
<strong>der</strong> eta ein Nischenmodell, was heutige Sammler durch<br />
den Seltenheitswert natürlich freut. Inzwischen wird sich<br />
in vielen Foren über <strong>die</strong> Fahrzeuge ausgetauscht, wer<br />
einen ergattert hat, gibt ihn meist nicht wie<strong>der</strong> her, zumal<br />
<strong>die</strong>ses Motorkonzept recht einmalig ist, da sich kein an<strong>der</strong>er<br />
Hersteller an ihm versucht hat.//<br />
10<br />
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Additive <strong>für</strong> Ihren Motor<br />
www.erc-online.de<br />
Innovative Additive<br />
<strong>für</strong> Ihren Oldtimer<br />
Ein Zusatz <strong>für</strong> längere Laufzeit<br />
Die ERC-Additiv GmbH gehört zu den erfahrenen Spezialisten<br />
und das seit fast 30 Jahren. Durch <strong>die</strong> erfolgreiche Forschung<br />
und Entwicklung <strong>der</strong> eigenen Spezialisten im Haus,<br />
existieren von <strong>der</strong> Marke ERC mittlerweile <strong>für</strong> sämtliche Kraftstoffe<br />
wie Benzin, Diesel, Gas spezielle Automotive-Additive,<br />
sowie sogenannte Service-Additive wie Kühler Reiniger und<br />
Kühlerdicht. Und auch <strong>für</strong> Motorenöl gibt es eine attraktive<br />
Sortimentsauswahl.<br />
Damit Kraftstoffe ihren Anfor<strong>der</strong>ungen gewachsen sind, ist<br />
<strong>der</strong> Einsatz von Additiven notwendig. Gerade Oldtimer profitieren<br />
in beson<strong>der</strong>em Maße von Spezial-Additiven, da <strong>die</strong>se<br />
neben <strong>der</strong> Verbesserung<br />
<strong>der</strong> Qualität<br />
<strong>der</strong> Kraftstoffe<br />
auch <strong>die</strong> Funktion<br />
<strong>der</strong> kraftstoffführenden<br />
Systeme<br />
beeinflusst. Damit<br />
kann eine maximale<br />
Energieausbeute<br />
erreicht werden<br />
und das Fahrzeug<br />
läuft länger. <strong>Das</strong><br />
ist auch <strong>der</strong> Grund,<br />
weshalb heute so gut wie kein Kraft- o<strong>der</strong> Brennstoff ohne<br />
Additive auskommt.<br />
Eine saubere Zunft - aber bitte mit Oldtimer<br />
ERC hat durch sein breites Portfolio eine Son<strong>der</strong>stellung am<br />
Markt: Als einziger Additiv-Hersteller beherrscht das Unternehmen<br />
<strong>die</strong> komplette Wertschöpfungskette von <strong>der</strong> Additiventwicklung<br />
über den Rohstoffeinkauf, <strong>die</strong> Herstellung und<br />
Abfüllung bis hin zur weltweiten Vermarktung aus einer Hand.<br />
Deshalb ist ERC ein kompetenter Partner <strong>für</strong> Treibstoff- und<br />
Motorenhersteller, denn wann immer neue Herausfor<strong>der</strong>ungen<br />
im Umweltschutz o<strong>der</strong> in <strong>der</strong> Performance- o<strong>der</strong> Verbrennungsoptimierung<br />
zu meistern sind, haben <strong>die</strong> Experten<br />
ihre Finger an den Lösungen <strong>der</strong> Zukunft. Forschung und<br />
Entwicklung stehen niemals still, denn davon hängt ab, ob<br />
wir in eine saubere Zukunft fahren können. Und was <strong>der</strong> „Mobilitätswende“<br />
hilft, kommt in <strong>die</strong>sem Fall auch den Oldtimer<br />
Besitzern zugute. Denn <strong>die</strong> Spezial-Additive verbessern sich<br />
stetig und bringen beson<strong>der</strong>s bei den Raritäten einen wichtigen<br />
Effekt. Sowohl <strong>die</strong> Langlebigkeit <strong>der</strong> alten Teile werden<br />
geför<strong>der</strong>t als auch <strong>der</strong> CO 2<br />
-Ausstoss <strong>der</strong> Verbrennungs<strong>motor</strong>en<br />
verringert. Und letzteres sorgt <strong>für</strong> mehr Akzeptanz <strong>für</strong><br />
<strong>die</strong> weitere Nutzung von Oldtimern auf unseren Straßen.<br />
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11
Büssing, MAN und ein<br />
genialer Konstrukteur<br />
<strong>Das</strong> Erscheinungsbild heutiger LKW und Busse ist einem Mann zu verdanken, <strong>der</strong> den ursprünglich<br />
weit vorne vor dem Fahrerhaus sitzenden Motor, unter das Fahrzeug verlegte. Paul Arendt<br />
entwickelte <strong>für</strong> <strong>die</strong> Firma Büssing den Unterflur<strong>motor</strong>, <strong>der</strong> <strong>die</strong> Nutzfahrzeugwelt revolutionierte.<br />
Wer kennt sie nicht, <strong>die</strong> typischen gelben Doppeldecker-Busse<br />
im West-Berlin <strong>der</strong> 1950er und 1960er Jahre.<br />
Dieser zweiachsige Doppelstock-Omnibus Typ D2U von<br />
Büssing, mit Unterflur<strong>motor</strong> rechtsseitig hinter <strong>der</strong> Vor<strong>der</strong>achse,<br />
wurde von 1951 bis 1964 gebaut.<br />
Gegründet wurde <strong>die</strong> Büssing AG im Jahr 1903 in Braunschweig<br />
von Heinrich Büssing. Schon am 22. Oktober<br />
1903 wurde <strong>der</strong> erste Lastkraftwagen fertiggestellt. Alle<br />
bisherigen Erkenntnisse aus den vorherigen Erprobungen,<br />
waren als Verbesserungen in <strong>die</strong> Konstruktion eingeflossen.<br />
Angetrieben wurde das Fahrzeug von einem<br />
Zweizylin<strong>der</strong>-Otto<strong>motor</strong> mit einer Leistung von 9 PS. Der<br />
Transport bzw. <strong>die</strong> Beför<strong>der</strong>ung von Personen war <strong>für</strong><br />
Büssing D2U Doppeldecker<br />
im West-Berlin <strong>der</strong> 1950er Jahre<br />
Heinrich Büssing neben dem Transport von Gütern eine<br />
weitere Perspektive, sein Unternehmen auszubauen.<br />
Hier sah er parallel zur Eisenbahn eine Zukunft, denn <strong>die</strong><br />
Eisenbahn war nur bedingt in <strong>der</strong> Lage, den regionalen<br />
Verkehr zu be<strong>die</strong>nen. So wurde am 3. Juni 1904 <strong>der</strong> erste<br />
betriebsfertige Motor-Omnibus, den Büssing im Linienverkehr<br />
betreiben wollte,<br />
präsentiert. Er war<br />
mit einem 20-PS-Vierzylin<strong>der</strong><strong>motor</strong><br />
mit einem<br />
Hubraum von 4,76<br />
Litern versehen und<br />
konnte 12 Personen beför<strong>der</strong>n.<br />
<strong>Das</strong> Fahrzeug<br />
erreichte eine Höchstgeschwindigkeit<br />
von 20<br />
km/h. Schon sehr früh<br />
erkannte Büssing, dass<br />
<strong>die</strong> Märkte <strong>für</strong> seine<br />
Produkte nicht nur auf<br />
Deutschland beschränkt<br />
sein dürfen. Viele Nachfragen<br />
auf den Automobilausstellungen zeigten das Interesse<br />
<strong>der</strong> ausländischen Kunden. Um dem Unternehmen<br />
eine Identität zu geben, entschloss sich Heinrich Büssing,<br />
ein Warenzeichen in Auftrag zu geben, welches er<br />
als einprägsames Signet auf Plakaten und zu Werbezwecken<br />
einsetzen konnte. Büssing bat nach dem Vorbild<br />
des vor <strong>der</strong> Burg Dankwar<strong>der</strong>ode stehenden Löwen den<br />
Grafiker Hermann Fischer das Zeichen zu gestalten. Alle<br />
Fahrzeuge und Geschäftspapiere trugen ab 1913 <strong>die</strong>ses<br />
Logo. Der Löwe befand sich gut sichtbar auf dem Kühler<br />
aller Büssing-Fahrzeuge. Auch wenn <strong>die</strong>ser in seiner<br />
Form mehrfach abgeän<strong>der</strong>t wurde, hatte das Markenzeichen<br />
Büssings dort seinen Platz. MAN Truck & Bus<br />
übernahm den Löwen später <strong>für</strong> ihr Firmenlogo. Auf allen<br />
MAN-Fahrzeugen befindet sich bis heute <strong>die</strong>ser Löwe.<br />
Doch dazu später.<br />
Als Specialfabrik <strong>für</strong> Motorlastwagen, Motoromnibusse<br />
und Motoren, Braunschweig, entwickelte sich Büssing<br />
zu einem <strong>der</strong> größten Anbieter von Omnibussen und<br />
Lastkraftwagen in Mitteleuropa mit zudem beachtlichen<br />
Exporten nach Übersee. Der Mann, mit dem <strong>der</strong> Erfolg<br />
<strong>die</strong>ser Marke untrennbar verbunden ist, heißt Paul<br />
Arendt. Als Chefkonstrukteur und technischer Direktor<br />
12 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022
Büssing<br />
bei Büssing entwickelte und erfand er<br />
den Unterflur Diesel-Motor. Im Jahr<br />
1927 wurde Arendt Konstruktionschef<br />
<strong>für</strong> Motoren. Er entwickelte <strong>die</strong> ersten<br />
Frontlenker-Busse nach amerikanischem<br />
Vorbild ohne Motorhaube, <strong>die</strong><br />
auch Fageol mit stehenden Benzin-Motoren<br />
baute. Fageol experimentierte seit<br />
1929 mit einem in <strong>der</strong> Mitte liegenden<br />
Benzin<strong>motor</strong>. Arendt wollte nach <strong>die</strong>sem<br />
Vorbild in Zusammenarbeit mit <strong>der</strong><br />
Hannoverschen Waggonfabrik (HAWA)<br />
einen rahmenlosen, selbsttragenden<br />
Aufbau als Dreiachser konstruieren. Ein<br />
solcher Trambus hätte 25 Prozent an<br />
Länge gegenüber einem konventionellen<br />
Bus mit vorstehen<strong>der</strong> Motorhaube<br />
eingespart. Dieser 1929 fertiggestellte<br />
Trambus besaß einen stehenden Vorkammer-Diesel<strong>motor</strong><br />
Typ FD 6-Zylin<strong>der</strong> mit 90 PS aus<br />
9,5 Litern Hubraum. Dieser Motor, eine Gemeinschaftsentwicklung<br />
mit <strong>der</strong> Maschinenfabrik Körting in Hannover,<br />
war in <strong>der</strong> Mitte längs zur Fahrtrichtung auf <strong>der</strong><br />
rechten Seite installiert, und teilte sich mit Getriebe und<br />
Kupplung einen Hilfsrahmen, <strong>der</strong> <strong>für</strong> Wartungsarbeiten<br />
seitlich ausgeschwenkt werden konnte.<br />
Klassischer Langhauber<br />
von Büssing: 8000 S<br />
1930 wollte Arendt bei Büssing einen liegenden Unterflur<strong>motor</strong><br />
unter dem Wagenboden unterbringen, stieß<br />
jedoch auf Wi<strong>der</strong>stand im Unternehmen. Der erste<br />
Büssing-Frontlenker Tram-Bus mit stehendem Diesel-Motor<br />
wurde dann 1931 auf <strong>der</strong> Internationalen<br />
Automobil-Ausstellung (IAA) vorgestellt. Ein Wechsel<br />
zu Hanomag brachte ihn zur Realisation eines<br />
Unterflur<strong>motor</strong> eines<br />
Hanomag HL 3,0<br />
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13
Frontlenker-Fahrzeugs mit<br />
einem liegend aufgehängten<br />
Unterflur-Diesel<strong>motor</strong> in<br />
<strong>der</strong> Wagenmitte. 1933 vorgestellt,<br />
wurden mehrere<br />
Hun<strong>der</strong>t als LKW und Omnibus<br />
gefertigt, bevor <strong>die</strong><br />
Produktion bei Hanomag<br />
nur ein Jahr später aufgrund<br />
von Sanierungsmaßnahmen<br />
eingestellt wurde. Diese<br />
Entwicklung brachte Arendt<br />
1935 zurück zu Büssing.<br />
Er wurde Chefkonstrukteur<br />
<strong>für</strong> Unterflur<strong>motor</strong>en zum<br />
Einsatz in Omnibussen,<br />
ab 1939 auch <strong>für</strong> Lkw. Im<br />
Jahr 1941 wurde er technischer<br />
Direktor und konnte<br />
1949 auf <strong>der</strong> technischen<br />
Exportmesse in Hannover<br />
den von ihm entwickelten<br />
Büssing Unterflur-Omnibus<br />
Typ 5000 TU vorstellen. In<br />
Büssing 22-150 Decklaster, BJ 1965,<br />
Braunschweig-Querum waren<br />
1951 nach Plänen <strong>der</strong><br />
110 kW (150 PS), max 80 km/h,<br />
Länge 10,32 m, Gewicht 7300 kg.<br />
Geschäftsleitung aus dem<br />
Jahre 1942 <strong>die</strong> mo<strong>der</strong>nste<br />
Schmiede Norddeutschlands<br />
und ein Presswerk vollendet worden. Hier begann<br />
Büssing, <strong>die</strong> Gesamtbelegschaft war auf 43 000 Mitarbeiter<br />
gewachsen, mit <strong>der</strong> Serienfertigung eigener Omnibuskarosserien.<br />
Ende <strong>der</strong> Fünfziger Jahre war <strong>die</strong> Kapazität <strong>der</strong> Büssing-Werke<br />
im Braunschweiger Stammwerk erschöpft.<br />
<strong>Das</strong> Kapital des Familienunternehmens reichte nicht<br />
mehr aus, um <strong>die</strong> dringend notwendigen Fabrikationsumstrukturierungen<br />
selbst zu finanzieren. Nach einer Neuordnung<br />
<strong>der</strong> Firmenstruktur wurde Büssing 1960 erneut<br />
zu einer Aktiengesellschaft und verlegte ab 1965 den<br />
Produktionsstandort nach Salzgitter-Watenstedt. Da bei<br />
Büssing klassische Langhauber- und Frontlenkerfahrzeuge<br />
parallel zu den Frontlenkermodellen mit Unterflur<strong>motor</strong>en<br />
angeboten wurden, ergab sich in Konstruktion und<br />
Fertigung ein erheblicher Mehraufwand.<br />
<strong>Das</strong> wohl teuerste Projekt <strong>der</strong> deutschen Nutzfahrzeuggeschichte<br />
blieb <strong>der</strong> Versuch, ein komplettes neues Unterflur-Programm<br />
zu verwirklichen und damit <strong>die</strong> bisher<br />
betriebene mehrgleisige Fertigung aufzugeben. Eine hektische<br />
und kostspielige Phase <strong>der</strong> Umstrukturierung begann,<br />
<strong>die</strong> Millionen verschlang und das Ende <strong>der</strong> Marke<br />
Büssing einleitete.<br />
Im Jahr 1960 erwirtschaftete Büssing zum letzten Mal Gewinn.<br />
1962 stieg <strong>die</strong> Salzgitter AG in das Unternehmen<br />
ein und übernahm es bis 1968 vollständig. Bei Büssing<br />
war man von <strong>der</strong> Konstruktion des Unterflur<strong>motor</strong>s jedoch<br />
weiterhin voll überzeugt und entwickelte in <strong>der</strong> Folge weitere<br />
Modelle mit <strong>die</strong>sem Antriebskonzept. Beispielhaft zu<br />
nennen sind hier <strong>der</strong> Commodore Typ 16-210, bei dem<br />
auch an einem Sattelschlepper das Unterflurprinzip angewendet<br />
wurde, <strong>der</strong> jedoch nur auf wenige gebaute Exemplare<br />
kam, sowie <strong>der</strong> Supercargo Decklaster (beide 1965),<br />
dessen Fahrerhaus unter <strong>der</strong> Ladefläche angebracht war,<br />
Büssing BS 16 L Unterflur<strong>motor</strong><br />
mit 320 PS. Gebaut von 1967 bis 1971.<br />
14 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022
Büssing<br />
Seit 1971 ziert <strong>der</strong> Löwe gemeinsam<br />
mit dem Schriftzug <strong>die</strong> Fahrzeuge.<br />
<strong>Das</strong> Wappentier wurde von MAN aus<br />
Wertschätzung gegenüber <strong>der</strong> Firma<br />
Büssing in das Logo integriert, <strong>die</strong> sie<br />
im gleichen Jahr übernahmen.<br />
1914 1950 1968 1971 2012<br />
so dass <strong>die</strong> gesamte Grundfläche <strong>für</strong> genormte Transportbehälter<br />
zu Verfügung stand. Für das Unternehmen<br />
entstanden hohe Entwicklungskosten, <strong>die</strong> <strong>die</strong>se technisch<br />
anspruchsvollen Konstruktionen mit sich brachten und<br />
sich sogar letzten Endes als Fehlinvestitionen herausstellten.<br />
Diese wegweisende Konstruktion kam aber zu früh<br />
(genormte ISO-Container setzten sich <strong>für</strong> den Straßentransport<br />
erst in den 1970er Jahren durch), so dass das<br />
Fahrzeug kaum ein Unternehmen haben mochte.<br />
Nachdem <strong>die</strong> enormen Kosten, <strong>die</strong> Büssing aufwarf, <strong>die</strong><br />
Salzgitter AG zu gefährden begannen, verkaufte <strong>die</strong>se<br />
ihre Tochter zwischen 1968 und 1972 nach und nach<br />
an den Konkurrenten MAN. Dieser übernahm 1971 das<br />
Management bei Büssing, aber noch bis zum Jahresende<br />
wurde <strong>der</strong> bisherige Name Büssing eigenständig<br />
fortgeführt. Ab Januar 1972 produzierte <strong>die</strong> Büssing AG<br />
dann nur noch <strong>für</strong> MAN. Die Fahrzeuge trugen ab <strong>die</strong>sem<br />
Zeitpunkt den Schriftzug MAN-Büssing, waren aber beim<br />
Kraftfahrt-Bundesamt schon als MAN-Produktion registriert.<br />
Mit dem Betriebspachtvertrag zwischen Büssing und<br />
MAN vom 30. Mai 1972 verpachtete Büssing <strong>die</strong> Werksanlagen<br />
in Braunschweig und Salzgitter-Watenstedt an<br />
<strong>die</strong> MAN. Damit endete <strong>die</strong> Existenz des Unternehmens<br />
Heinrich Büssing Nutzfahrzeuge. Bis 1973 blieben Omnibusse<br />
von Büssing sowie <strong>die</strong> Unterflur-Motor-LKW unter<br />
dem Doppelnamen MAN-Büssing nahezu unverän<strong>der</strong>t<br />
im Programm, während <strong>die</strong> Frontlenker-LKW mit stehend<br />
eingebautem Motor sowie <strong>die</strong> Haubenwagen seit 1972<br />
nicht mehr produziert wurden. Weitergebaut wurden zudem<br />
<strong>die</strong> weit verbreiteten Standard-Linienbusse, ab 1972<br />
als MAN-Büssing und später weiter als MAN-Busse. Zunächst<br />
wurde bei den Lastwagen das Büssing-Fahrerhaus<br />
durch das <strong>der</strong> vergleichbaren MAN-eigenen Baumuster<br />
ersetzt, wogegen <strong>die</strong> technische Unterflurkonstruktion<br />
von Büssing vorerst weiterlief und von MAN in eigener<br />
Regie noch einige Jahre weitergeführt wurde.<br />
Nach einer Übergangsphase verschwand auch <strong>der</strong> Name<br />
Büssing von Lastwagen und Bussen, wo dann anstatt<br />
MAN-Büssing nur noch MAN stand: MAN stellte noch bis<br />
1979 Busse und LKW unter dem Namen MAN-Büssing<br />
her. Interessanterweise hat jedoch das Büssing-Markenzeichen<br />
überlebt, <strong>der</strong> Braunschweiger Löwe: Er findet<br />
sich, wenn auch in mo<strong>der</strong>nisierter Form, an Kühlergrill<br />
und Lenkrä<strong>der</strong>n von MAN Nutzfahrzeugen.//<br />
www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022<br />
15
Über 50-jährige Oldtimer<br />
Fachkenntnisse in Graz<br />
Die Spezialisten bei Langbauer Motoren verstehen ihr Handwerk.<br />
Motoreninstandsetzung ist ein spannendes Handwerk und<br />
ganz beson<strong>der</strong>s <strong>die</strong> alten Oldtimer<strong>motor</strong>en benötigen wahre<br />
Experten mit <strong>der</strong> nötigen Erfahrung. Der Betrieb von Gert<br />
Langbauer hat eine lange Tradition. Durch jahrelange Qualitätsarbeit<br />
und intensiven Kundenservice sind <strong>die</strong> Fachleute<br />
auch über <strong>die</strong> Landesgrenze von Österreich bekannt. Bei<br />
den Motoren ab 1900 handelt es sich um Herzstücke von<br />
echten Preziosen, <strong>die</strong>se Schätze werden nur Fachleuten<br />
übergeben. Denn gerade bei Oldtimern legen viele Besitzer<br />
Wert auf eine Fachwerkstatt, <strong>die</strong> sie rund um überzeugen<br />
kann und <strong>die</strong>ses Vertrauen hat sich<br />
herumgesprochen.<br />
Für das Expertenteam in Graz ist klar,<br />
sie führen nicht nur <strong>die</strong> notwendigen<br />
Reparaturen zuverlässig durch, son<strong>der</strong>n<br />
gehen auch <strong>der</strong> Schadensursache<br />
professionell auf den Grund.<br />
Häufig liegen <strong>die</strong> Fehler außerhalb<br />
des Motors. Ursachen gibt es viele,<br />
wie Wartungsmängel, Umwelteinflüsse,<br />
Betriebsstoffmangel (Öl, Kühlflüssigkeit),<br />
Be<strong>die</strong>nungsfehler aber auch<br />
Defekte wie <strong>die</strong> Kühlung, Zündung,<br />
Luftfilter, Motorsteuerung, Kabeldefekte<br />
und vieles mehr.<br />
Für <strong>die</strong> Durchführung <strong>der</strong> Prüfungen<br />
und Motoreninstandsetzung steht<br />
den Profis ein perfekt ausgestatteter<br />
Maschinenpark zur Verfügung. Wenn<br />
16<br />
www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022
Langbauer Motoren<br />
alte Traditionswerkzeuge nicht mehr ausreichen,<br />
wird mo<strong>der</strong>nste Technik eingesetzt,<br />
eben immer das Werkzeug o<strong>der</strong> <strong>die</strong> Maschine,<br />
welche das beste Ergebnis erzielt. Für <strong>die</strong><br />
Durchführung <strong>der</strong> Arbeiten benötigen <strong>die</strong> Mitarbeiter<br />
eine gute Aus- und Weiterbildung und<br />
viel Erfahrung. Da<strong>für</strong> arbeitet das Team um<br />
Gert Langbauer Hand in Hand und bringt dadurch<br />
sowohl dem Unternehmen als auch den<br />
Kunden den bestmöglichen Nutzen.<br />
Je<strong>der</strong> Hersteller hat seine eigenen spezifischen<br />
Reparaturstufen. Diese werden exakt<br />
eingehalten und beachtet, denn Abweichungen<br />
können nicht<br />
nur zum Totalschaden<br />
führen, son<strong>der</strong>n<br />
auch <strong>die</strong> Garantie<br />
beeinträchtigen. Die<br />
Werkstatt verfügt<br />
über alle Maschinen,<br />
Ausrüstungen<br />
und Messmittel, welche <strong>für</strong> <strong>die</strong><br />
Einhaltung <strong>der</strong> engen Toleranzen<br />
im Bereich von 0,01mm erfor<strong>der</strong>lich<br />
sind. Bei <strong>der</strong> Fachwerkstatt<br />
in Graz erhält man umfangreichen<br />
Service von <strong>der</strong> kompetenten<br />
Beratung, über eine <strong>motor</strong>enbezogene<br />
Fahrzeugdiagnose mit<br />
einem detaillierten Kostenvoranschlag. Alles rund um <strong>die</strong><br />
Bearbeitung von Motorenteilen, Teile wuchten sowie eine<br />
schadensbezo gene Instandsetzung und Generalüberholung<br />
von komplet ten Motoren. Auf <strong>die</strong> Leistungen <strong>der</strong> Grazer<br />
Profis kann man sich verlassen und <strong>die</strong> Arbeiten haben<br />
langfristige Effekte, denn Motoreninstandsetzung ist nachhaltig<br />
und schont <strong>die</strong> Umwelt. Für <strong>die</strong> Oldtimerbesitzer bedeutet<br />
das viele schöne Ausfahrten mit ihren Preziosen.//<br />
Anzeige<br />
Wir sanieren den Motor<br />
Ihres Oldtimers.<br />
Motoreninstandsetzung | Kurbelwellen schleifen | Zylin<strong>der</strong> ausbüchsen<br />
Lager und Kolben anfertigen | Hauptlager Bohrungen<br />
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Tel.: +43 (0) 316-7115950 | www.langbauer-<strong>motor</strong>en.at
<strong>Classic</strong>-Cars-Stu<strong>die</strong>:<br />
Die deutsche<br />
Oldtimer-Hochburg<br />
heißt Bottrop<br />
Wenn von Oldtimern <strong>die</strong> Rede ist, denken wohl <strong>die</strong> meisten<br />
an automobile Preziosen wie den Mercedes 300 SL,<br />
Ferrari 250 GT, Porsche 356 o<strong>der</strong> auch Alfa Romeo 8C<br />
und Aston Martin DB5: schön, begehrenswert, aber lei<strong>der</strong><br />
auch unerschwinglich. Doch das stimmt so nicht. Der hiesige<br />
Oldtimer-Markt ist durchwachsen und regional nach<br />
Kaufkraft und Begeisterung sehr unterschiedlich geprägt.<br />
Vor allem aber ist <strong>der</strong> Einstieg in <strong>die</strong> Oldtimer-Szene gar<br />
nicht so teuer wie manch einer denkt <strong>–</strong> kommt immer<br />
drauf an, was man fahren will und ob man in Hamburg<br />
wohnt o<strong>der</strong> in Bottrop.<br />
So das Ergebnis <strong>der</strong> von BBE Automotive mit Unterstützung<br />
von VDA, VDIK und ZDK erstellten vierten Stu<strong>die</strong><br />
zum Young- und Oldtimer-Markt in Deutschland. Auf Basis<br />
<strong>der</strong> Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) und einer<br />
bundesweit angelegten Befragung von etwa 300 Werkstätten<br />
mit <strong>Classic</strong>-Engagement wurde <strong>der</strong> Bestand <strong>der</strong><br />
Old- und Youngtimer, <strong>die</strong> in <strong>der</strong> Freizeit als Hobby o<strong>der</strong><br />
Anlageobjekt genutzt werden, analysiert. In Summe zählt<br />
<strong>die</strong> Stu<strong>die</strong> rund 1,4 Millionen Fahrzeuge, zu denen neben<br />
den klassischen Oldtimern ab 30 Jahren knapp 600.000<br />
zumeist über 20jährige Youngtimer zählen, <strong>die</strong> sicheres<br />
Potenzial hätten, Oldtimer zu werden.Von den Oldtimern<br />
mit offiziellem Gutachten und H-Kennzeichen zählte das<br />
KBA Anfang 2020 in Deutschland genau 526.020 Zulassungen.<br />
Dazu rechnet <strong>die</strong> BBE-Automotive-Stu<strong>die</strong> außerdem<br />
<strong>die</strong> rund 200.000 nicht zugelassenen Modelle aus<br />
Sammlungen und Museen, <strong>die</strong> nicht o<strong>der</strong> über 07er-Kurz-<br />
18 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022
<strong>Classic</strong>-Cars-Stu<strong>die</strong><br />
Imposanter Auftritt:<br />
Drei Corvette Stingray beleuchten<br />
<strong>die</strong> abendliche Szenerie<br />
kennzeichen gefahren werden. Macht unterm Strich einen<br />
Bestand von 857.044 Oldtimern, <strong>der</strong> damit in den letzten<br />
zehn Jahren stetig gewachsen ist, allein zum vergangenen<br />
Jahr um 13,3 Prozent.<br />
Deutsche Marken dominieren<br />
Den größten Anteil daran stellt VW mit 183.190 Modellen,<br />
gefolgt von Mercedes-Benz mit 174.263 Exemplaren, <strong>die</strong><br />
damit zusammen allein 43 Prozent des Oldtimer-Marktes<br />
ausmachen. Erst mit großen Abstand folgen BMW<br />
(51.054), Opel (49.248) und Porsche (43.839). Mit mehr<br />
als 20.000 Einheiten schaffen es <strong>die</strong> zwei Importmarken<br />
Fiat und GM unter <strong>die</strong> Top10. Bei den einzelnen Modellen<br />
wie<strong>der</strong>um halten <strong>die</strong> VW-Dauerläufer Käfer (53.228),<br />
Golf (41.393) und VW-Bus T1,T2 T3 (36.997) <strong>die</strong> drei vor<strong>der</strong>sten<br />
Plätze. Dahinter reihen sich <strong>der</strong> Mercedes W123<br />
(28.936) und <strong>der</strong> Trabi (27.461) ein.<br />
Ein weiteres bemerkenswertes Ergebnis <strong>der</strong> Stu<strong>die</strong>: <strong>die</strong><br />
Liebe <strong>für</strong> Oldtimer hat nicht zwingend etwas mit <strong>der</strong> Kaufkraft<br />
zu tun. So stellen in <strong>der</strong> Verteilung nach Postleitzahlen<br />
zwar Hamburg, Düsseldorf und München <strong>die</strong> mit<br />
Abstand höchsten Oldtimerquoten. Nach Kreisen aufgeschlüsselt<br />
jedoch ist Bottrop mit doppelt so hohem Bestand<br />
(3,8 Prozent) im Vergleich zum Bundesdurchschnitt<br />
(1,8 Prozent) <strong>die</strong> Oldtimer-Hochburg. Der zweite Blick<br />
zeigt allerdings auch: Im Vergleich zu München etwa<br />
www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022<br />
19
Kaum weniger interessant ist <strong>der</strong> Wert des deutschen<br />
Oldtimerbestands, den <strong>die</strong> Stu<strong>die</strong> mit Hilfe von Expertenschätzungen<br />
erstmals ermittelt hat. Demnach ist <strong>die</strong><br />
deutsche Oldtimer-Flotte insgesamt rund 24 Milliarden<br />
Euro schwer. Wobei hier <strong>die</strong> Hälfte auf <strong>die</strong> Fahrzeuge mit<br />
H-Kennzeichen entfällt und gut ein Drittel ohne Zulassung<br />
in Sammlungen, Museen o<strong>der</strong> beim Restaurator stehen.<br />
Beson<strong>der</strong>s aufschlussreich ist dabei das Verhältnis zwischen<br />
Bestands- und Wertanteil.<br />
setzt sich <strong>der</strong> Oldtimeranteil im Ruhrpott zur Hälfte aus<br />
VW, Opel und Ford zusammen, <strong>die</strong> in <strong>der</strong> Isar-Metropole<br />
mit 21,1 Prozent nicht mal den Anteil des Mercedes-Kontingents<br />
ausmachen.<br />
Oldtimerbestand rund 24 Milliarden wert<br />
Weil <strong>die</strong> meisten Oldtimer einen Wert zwischen 5.000 bis<br />
20.000 Euro repräsentieren, machen mehr als zwei Drittel<br />
(67 Prozent) <strong>der</strong> zugelassenen Fahrzeuge zusammen gerade<br />
mal ein Drittel (35 Prozent) des gesamten Bestandswerts<br />
aus. Wohingegen beispielsweise <strong>die</strong> zwei Prozent<br />
<strong>der</strong> Modelle von 100.000 bis 250.000 Euro und <strong>die</strong> 0,4<br />
Prozent <strong>der</strong> noch teureren zusammen fast 20 Prozent<br />
Anteil besitzen. Umgekehrt liegt <strong>die</strong> zweitgrößte Gruppe<br />
mit 41 Prozent <strong>der</strong> zugelassenen Oldtimer nur bei einem<br />
Wert von bis zu 10.000 Euro. „Somit ist <strong>der</strong> Einstieg in<br />
<strong>die</strong> Oldtimerszene erschwinglich“, sagt BBE Automotive<br />
Geschäftsführer Gerd Heinemann.<br />
Wertmeister Mercedes-Benz<br />
Bei den einzelnen Marken wie<strong>der</strong>um hält Mercedes-Benz<br />
mit 174.263 Zulassungen im Wert von geschätzten 3,6<br />
Milliarden Euro den höchsten Bestandswert (23 Prozent),<br />
gefolgt von Porsche mit 43.839 Modellen im Wert von 3,0<br />
Milliarden Euro (19 Prozent). Auf dem dritten Platz liegt<br />
VW (13 Prozent), <strong>die</strong> zwar mit 183.190 Zulassungen <strong>die</strong><br />
meisten Oldtimer im Markt stellen, dessen Gesamtwert<br />
sich jedoch auf „nur“ 2,0 Milliarden Euro summiert.<br />
Womit zugleich sichtbar wird, warum <strong>die</strong> Oldtimer-<strong>Branche</strong><br />
trotz vergleichsweise überschaubarer Stückzahlen<br />
insgesamt große wirtschaftliche Bedeutung hat. Mehr als<br />
20 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022
<strong>Classic</strong>-Cars-Stu<strong>die</strong><br />
3.500 Werkstätten und Autohäuser<br />
mit über 9.000 Beschäftigten engagieren<br />
sich hier, darunter 780 <strong>Classic</strong>-Werkstätten<br />
mit ZDK-Zertifizierung.<br />
3.000 Händler liefern Teile,<br />
dazu 50 Großhändler als Spezialisten.<br />
Es gibt mehr als 1.000 Museen<br />
und Sammlungen in Deutschland<br />
und von 4.000 Events, darunter<br />
mehr als 50 Messen, im Jahr profitieren<br />
viele weitere <strong>Branche</strong>n.<br />
Wenn auch nicht gerade im aktuellen.<br />
Die Corona-Pandemie hat<br />
erwartungsgemäß bei 60 Prozent<br />
<strong>der</strong> Umfrage-Teilnehmer zu Umsatzeinbußen<br />
geführt. Es herrsche<br />
aber Optimismus <strong>für</strong> das Jahr 2021, heißt es in <strong>der</strong> Stu<strong>die</strong>.<br />
Zum einen wegen <strong>der</strong> stabilen Preise gerade auch<br />
<strong>für</strong> Premiummarken. Zum an<strong>der</strong>en rückten Importmarken<br />
und Volumenmodelle nach, <strong>die</strong> neue Kunden rekrutieren.<br />
Bei den fernöstlichen Herstellern etwa steigt <strong>die</strong> Quote<br />
<strong>der</strong> Youngtimer, bei den anglo-amerikanischen <strong>die</strong> <strong>der</strong><br />
Oldtimer.<br />
Greta-Generation darf sich entspannen<br />
Nicht zuletzt genießt <strong>die</strong> Oldtimer-Szene generell große<br />
Sympathien. Insbeson<strong>der</strong>e im Mutterland des Autos<br />
Mercedes W123 mit<br />
einem beeindruckenden<br />
Gesamtanteil von fast 29.000<br />
zugelassenen Fahrzeugen<br />
werden sie als technisches Kulturgut gesehen. Ergebnisse<br />
aus <strong>der</strong> 2020er Stu<strong>die</strong> des Instituts <strong>für</strong> Demoskopie<br />
Allensbach (IfD) zeigen, dass sich 43 Prozent <strong>der</strong> Bevölkerung<br />
freuen, wenn sie einen Oldtimer sehen und je<strong>der</strong> Dritte<br />
gerne einmal mit einem Oldtimer fahren würde. Vor allem<br />
<strong>die</strong> unter 30jährigen stellen mit 23 Prozent hier <strong>die</strong> größte<br />
Gruppe mit „Interesse an <strong>der</strong> Fahrt mit einem Oldtimer“.<br />
Selbst <strong>die</strong> Greta-Generation darf sich entspannen, gelten<br />
Oldtimer auf Grund ihrer durchschnittlichen Fahrleistungen<br />
von weniger als 2.000 Kilometer pro Jahr sowie<br />
einem Anteil an <strong>der</strong> jährlichen Fahrleistung aller Pkw von<br />
unter 0,5 Prozent nicht als Umweltsün<strong>der</strong>.// (ampnet/fw)<br />
Seltener Exot:<br />
Der DeTomaso Pantera<br />
bewegt sich im hohen<br />
fünfstelligen Bereich<br />
www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022<br />
21
Auch gerne als<br />
Frosch bezeichnet:<br />
AMC Pacer<br />
Elegante Linien Made in Italy:<br />
Für den MGB GT holten sich <strong>die</strong><br />
Briten Design-Verstärkung<br />
V8-Motoren in<br />
<strong>der</strong> Kompaktklasse<br />
In den 1970er Jahren gab es den Begriff natürlich noch nicht, aber kleine Coupés<br />
durchaus. Und zwei von ihnen bekamen ab Werk einen Motor eingebaut, <strong>der</strong><br />
eigentlich in einer ganz an<strong>der</strong>en Liga spielt: AMC Pacer und MGB GT V8.<br />
Als 1991 zum Start <strong>der</strong> dritten Generation<br />
Golf von Anfang an ein 2,8 l Sechszylin<strong>der</strong><br />
im Motorenprogramm war, ging<br />
ein Raunen durch <strong>die</strong> Fachpresse. Ein<br />
so großer Motor in <strong>der</strong> Kompaktklasse!<br />
Ein absolutes Novum. <strong>–</strong> Eben nicht,<br />
denn wer etwas in <strong>der</strong> automobilen<br />
Geschichte forscht findet auf Anhieb<br />
zwei Vertreter aus den 70er Jahren, <strong>der</strong>en<br />
Motoren noch zwei Zylin<strong>der</strong> mehr<br />
aufweisen. Der MGB GT V8 ist auf<br />
unseren Straßen durchaus mal zu sehen,<br />
während <strong>der</strong> AMC Pacer praktisch nur in<br />
den USA zu finden ist. Während <strong>der</strong> MGB<br />
GT britische Eleganz bis in den Innenraum<br />
verströmt, gibt <strong>der</strong> AMC das hässliche<br />
Entlein. Seinen Spitznamen »Rollendes<br />
Aquarium« verdankt er einer großzügigen<br />
Verglasung rundum. Der Pacer ist kurz<br />
aber ungewöhnlich breit, sogar breiter als<br />
eine Mercedes S-Klasse. Dementsprechend<br />
wurde <strong>der</strong> Pacer mit dem Slogan<br />
22 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022
V8-Motoren in <strong>der</strong> Kompaktklasse<br />
»The first wide small car« (<strong>der</strong> erste breite<br />
Kleinwagen) beworben. Im Innenraum geht es<br />
amerikanisch zu, Plastik wohin das Auge reicht,<br />
da<strong>für</strong> aber mit Komfort wie Klimanlage und Automatikgetriebe.<br />
Die große Überraschung bietet<br />
sich, wenn man <strong>die</strong> Motorhaube öffnet. Hier<br />
werkelt ein 5,0 l V8-Motor 304 mit 132 PS (98<br />
kW) aus dem Hause American Motors Corporation.<br />
Ursprünglich sollte <strong>der</strong> Pacer <strong>die</strong> Antwort auf<br />
steigende Benzinpreise sein, was anhand des<br />
Verbrauchs von ca. 20 l / 100 km selbst 1978<br />
ziemlich skurril anmutet. Sogar <strong>die</strong> Einstiegsmodelle<br />
waren Sechszylin<strong>der</strong> mit 3,8 l und 4,2 l<br />
Hubraum. Ursprünglich war ein Wankel<strong>motor</strong><br />
vorgesehen, <strong>der</strong> allerdings durch <strong>die</strong><br />
strengen US-Abgasnormen fiel. Sämtliche<br />
angebotenen Motoren sind aber eher zum Cruisen,<br />
denn zum sportlichen Fahren gedacht.<br />
Letzteres verhin<strong>der</strong>te auch das Gesamtgewicht<br />
des Pacer, welches bei ca. 1,5 t lag.<br />
Zudem entsprach <strong>der</strong> Pacer mit Verbundglas-Windschutzscheibe,<br />
steifer Karosserie<br />
und massivem Seitenaufprallschutz künftigen Sicherheitsbestimmungen.<br />
Inzwischen ist er ein gesuchter<br />
und eigentlich seltener Klassiker. Seinen größten Erfolg<br />
in <strong>der</strong> relativ kurzen Bauzeit von 1975 bis 1979<br />
feierte <strong>der</strong> AMC Pacer in <strong>der</strong> amerikanischen Filmkomö<strong>die</strong><br />
»Wayne's World«.<br />
Der MGB GT schaffte es nicht in <strong>die</strong> Filmwelt, da<strong>für</strong> hat<br />
beim Coupé Pininfarina aus Italien Hand angelegt. Dem<br />
1962 vorgestellten MG Roadster wurde im Oktober 1965<br />
ein 2+2-sitziges Coupé an <strong>die</strong> Seite gestellt, welches anfangs<br />
mit einem 1,8 Liter großes Vierzylin<strong>der</strong>triebwerk mit<br />
70 kW / 95 PS erhältlich war. Zwei Jahre später lancierte<br />
<strong>die</strong> BMC den MGC mit Sechszylin<strong>der</strong><strong>motor</strong> , im Prinzip ein<br />
MGB, angeboten als Coupé und als Cabriolet, mit einem<br />
3-Liter Reihensechszylin<strong>der</strong><strong>motor</strong>, wie er auch im Austin<br />
3 Litre verbaut wurde. Der schwere Motor überzeugte<br />
Blick auf den 3,5 l V8 des<br />
MGB GT mit 139 PS(101 kW)<br />
AMC 5,0 Liter V8-Motor<br />
mit 132 PS (98 kW)<br />
als Top<strong>motor</strong>isierung<br />
im Pacer<br />
zwar durch deutlich mehr Fahrkultur als <strong>der</strong> Vierzylin<strong>der</strong>,<br />
das massiv höhere Gewicht führte aber trotz Mehrleistung<br />
nicht zu beson<strong>der</strong>s sportlichen Fahrleistungen. Bis 1969<br />
entstanden gerade einmal 4.458 Coupés mit Dreiliter<strong>motor</strong>.<br />
So blieb <strong>der</strong> Wunsch nach einer leistungsstarken und<br />
sportlichen Variante erst einmal unerfüllt. Hier trat 1972 <strong>der</strong><br />
Tuner Costello Engineering auf den Plan, indem er einen<br />
Rover-V8 mit 151 DIN-PS in den Bug des MGB pflanzte.<br />
Weil <strong>die</strong>ser Aluminium-Motor, den Rover in den Sechzigern<br />
von Buick übernommen hatte, sogar leichter als <strong>der</strong> bisherige<br />
MG-Vierzylin<strong>der</strong> war, konnten Käufer des kostenintensiven<br />
Umbausatzes von erheblich verbesserten Fahrleistungen<br />
profitieren. Über 200 km/h sollen damit möglich<br />
gewesen sein.<br />
Erst 1972 gab es dann eine offizielle Version des nun MGB<br />
GT V8 genannten Coupés. Im Gegensatz zu Costello hatte<br />
man <strong>die</strong> Verdichtung des 3,5 l V8 von 10,5:1 auf 8,25:1<br />
gesenkt, damit er sich mit Normalbenzin<br />
zufrieden gab. Dies bedeutete<br />
allerdings eine Leistungsreduktion<br />
auf etwa 139 PS, <strong>die</strong> bei<br />
5.000 Umdrehungen anlagen. <strong>Das</strong><br />
um 14 kg gegenüber dem Vierzylin<strong>der</strong><br />
verringerte Gewicht des<br />
V8-Motors wurde durch schwere<br />
Nebenaggregate und modifizierte<br />
Aufhängungen wegen <strong>der</strong> Mehrleistung<br />
nahezu ausgeglichen.<br />
1,1 t Leergewicht brachte das V8-<br />
Coupé schließlich auf <strong>die</strong> Waage.<br />
<strong>Das</strong> reichte <strong>für</strong> beachtliche Fahrleistungen.<br />
So brauchte er ganze<br />
8,3 Sekunden von 0 - 60 Meilen.<br />
Die Stückzahlen <strong>die</strong>ses Über-GT<br />
hielten sich allerdings in Grenzen,<br />
da keine Linkslenker-Version im<br />
Angebot und damit wichtige Märkte<br />
wie <strong>die</strong> USA ausfielen. <strong>Das</strong> <strong>der</strong><br />
V8 GT unter Sammlern als blaue<br />
Mauritius gilt, dürfte somit nicht<br />
überraschen.//<br />
www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022<br />
23
Son<strong>der</strong>anfertigungen<br />
von Elring <strong>–</strong> Top-Qualität<br />
in allen Varianten<br />
Oldtimer, Youngtimer, getunte Motoren, Rennsportfahrzeuge o<strong>der</strong> landwirtschaftliche<br />
Maschinen <strong>–</strong> ElringKlinger, führen<strong>der</strong> Entwicklungspartner und Serienlieferant <strong>der</strong><br />
internationalen Fahrzeugindustrie, hat eine Leidenschaft <strong>für</strong> Liebhaberstücke. Mit<br />
seiner Ersatzteilmarke „Elring <strong>–</strong> das Original“ bietet <strong>der</strong> Automobilzulieferer rund um<br />
den Globus einen beson<strong>der</strong>en Service: Für <strong>die</strong> Motoreninstandsetzung liefert das Unternehmen<br />
individuell maßgefertigte Zylin<strong>der</strong>kopf- und Spezialdichtungen, <strong>die</strong> höchste<br />
Qualitätsanfor<strong>der</strong>ungen erfüllen. Und das in allen denkbaren Ausführungsvarianten.<br />
Oldtimer, Youngtimer, getunte Motoren, Rennsportfahrzeuge<br />
o<strong>der</strong> landwirtschaftliche Maschinen <strong>–</strong> ElringKlinger, führen<strong>der</strong><br />
Entwicklungspartner und Serienlieferant <strong>der</strong> internationalen<br />
Fahrzeugindustrie, hat eine Leidenschaft <strong>für</strong> Liebhaberstücke.<br />
Mit seiner Ersatzteilmarke „Elring <strong>–</strong> das Original“<br />
bietet <strong>der</strong> Automobilzulieferer rund um den Globus einen<br />
beson<strong>der</strong>en Service: Für <strong>die</strong> Motoreninstandsetzung liefert<br />
das Unternehmen individuell maßgefertigte Zylin<strong>der</strong>kopfund<br />
Spezialdichtungen, <strong>die</strong> höchste Qualitätsanfor<strong>der</strong>ungen<br />
erfüllen. Und das in allen denkbaren Ausführungsvarianten.<br />
Oldtimer und <strong>Classic</strong>-Fahrzeuge sind echte Liebhaberstücke<br />
und haben sich zu einer lukrativen Wertanlage entwickelt.<br />
Auch Motorrä<strong>der</strong> o<strong>der</strong> landwirtschaftlich genutzte<br />
Maschinen erfreuen sich einer wachsenden Fangemeinde.<br />
Eines haben dabei alle gemein: je älter ein Motor und je<br />
höher <strong>die</strong> Belastungen, desto häufiger treten Schadensfälle<br />
und Verschleißerscheinungen auf. „Nehmen Sie beispielsweise<br />
ein getuntes Auto mit deutlich mehr Leistung unter<br />
<strong>der</strong> Haube als ein normaler Pkw. Die Anfor<strong>der</strong>ungen an <strong>die</strong><br />
verbauten Teile im Motor sind hier um ein Vielfaches höher“,<br />
erklärt Mario Rauch, Leiter des technischen Marketings bei<br />
Elring. Die Elring-Experten wissen, wie schwierig es oftmals<br />
ist, an Ersatzteile <strong>für</strong> ein bestimmtes Fahrzeug zu kommen.<br />
Die Beschaffung einzelner Komponenten über <strong>die</strong> Hersteller<br />
o<strong>der</strong> den Fachhandel ist oft sehr aufwändig, manchmal<br />
sogar nicht mehr realisierbar. ElringKlinger liefert als eines<br />
von wenigen Unternehmen Son<strong>der</strong>anfertigungen in höchster<br />
Qualität und unterstützt damit <strong>die</strong> Besitzer beson<strong>der</strong>er<br />
Fahrzeuge und Motoren mit individuell maßgefertigten Motordichtungen.<br />
Der weltweit agierende Automobilzulieferer<br />
verfügt an seinem Hauptsitz in Dettingen/Erms über einen<br />
eigenen Bereich, <strong>der</strong> Muster und Prototypen fertigt. „Ganz<br />
egal welcher Wunsch an uns herangetragen wird <strong>–</strong> wir gehen<br />
individuell auf <strong>die</strong> Bedürfnisse unserer Kunden ein“, verspricht<br />
Rauch. Zu den gängigen Marken gehören klassische<br />
Fahrzeuge von Mercedes-Benz, Jaguar, Aston Martin und<br />
Ferrari. Oftmals handelt es sich aber auch um Fahrzeuge,<br />
<strong>die</strong> über 80 Jahre alt sind: Alvis, Horch, Delage und Bugatti.<br />
Wachsen<strong>der</strong> Markt <strong>–</strong> auch durch Youngtimer<br />
Und <strong>die</strong> Anfragen werden stetig mehr. „Zum einen wächst<br />
<strong>der</strong> Markt kontinuierlich <strong>–</strong> auch <strong>für</strong> Youngtimer <strong>–</strong> und zum<br />
an<strong>der</strong>en hat sich in verschiedenen Internetforen bereits<br />
herumgesprochen, wie hochwertig Son<strong>der</strong>anfertigungen<br />
von Elring sind. Wir werden als Qualitätsführer wahrgenommen“,<br />
so Mario Rauch. Im ElringKlinger-Prototypenbau<br />
scannt ein Laser <strong>die</strong> Umrisse <strong>der</strong> alten, oftmals<br />
beschädigten, Dichtung ein. Aus <strong>die</strong>sen Daten wird dann<br />
ein exakt passendes Ersatzteil, ein echtes Einzelstück,<br />
erstellt. Doch <strong>die</strong> Dichtungs-Profis können nicht nur „alt“:<br />
Auch in mo<strong>der</strong>nen und beliebten Renn- und Tuningserien<br />
sind Zylin<strong>der</strong>kopfdichtungen „made by ElringKlinger“ sehr<br />
erfolgreich im Einsatz. Bei fast allen Dichtungen, <strong>die</strong> <strong>für</strong><br />
<strong>die</strong>se Fahrzeuge angefertigt werden, handelt es sich um<br />
FerrolasticTM-Metall-Weichstoff-Dichtungen.<br />
24<br />
www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022
Anzeige<br />
Ansicht einer beschädigten<br />
Zylin<strong>der</strong>kopfdichtung<br />
Ansicht einer fabrikneuen<br />
Zylin<strong>der</strong>kopfdichtung<br />
Teilweise werden aber auch MetaloflexTM-Metalllagen-<br />
Zylin<strong>der</strong>kopfdichtungen umgebaut, d. h. <strong>die</strong> Bauhöhe wird<br />
individuell angepasst o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Brennraumdurchmesser <strong>–</strong><br />
soweit technisch möglich <strong>–</strong> verän<strong>der</strong>t. Natürlich können<br />
<strong>die</strong> Dichtungen auch eins zu eins angefertigt werden. Dazu<br />
wird lediglich ein gebrauchtes Muster, eine maßstabsgetreue<br />
Zeichnung o<strong>der</strong> eine Handskizze mit den Maßen und<br />
<strong>der</strong> Verwendungsstelle benötigt. „Übrigens sind auch Son<strong>der</strong>anfertigungen<br />
von MLS-Dichtungen möglich. Bezüglich<br />
<strong>der</strong> Bauhöhe o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Beschichtung kann <strong>die</strong>s nach<br />
Kundenabsprache relativ einfach umgesetzt werden“, so<br />
Rauch. Sollte jedoch eine Anpassung des Sickenverlaufes<br />
<strong>–</strong> beispielsweise durch eine Bohrungsvergrößerung o<strong>der</strong><br />
eine Korrektur <strong>der</strong> Sickenhöhe <strong>–</strong> notwendig sein, müssen<br />
neue Sickenwerkzeuge gefertigt werden. „Auch hier können<br />
wir helfen, denn in unserem eigenen Werkzeugbau<br />
sind wir in <strong>der</strong> Lage alle erfor<strong>der</strong>lichen Werkzeuge anzufertigen“,<br />
sagt <strong>der</strong> Teamleiter. Die anfallenden Kosten <strong>für</strong><br />
das Werkzeug trägt dann allerdings <strong>der</strong> Auftraggeber.<br />
Im Gegensatz zum alltäglichen Geschäft im freien Ersatzteilmarkt,<br />
das über ein Händlernetz organisiert ist, besteht<br />
im Bereich Son<strong>der</strong>anfertigungen zusätzlich <strong>der</strong> direkte Kontakt<br />
zu den Fahrzeugbesitzern o<strong>der</strong> den Motoreninstandsetzern.<br />
Hintergrund <strong>die</strong>ser Vorgehensweise: Wichtige technische<br />
Informationen müssen präzise und ohne Umwege<br />
übermittelt werden um einen vertrauensvollen und schnellen<br />
Service bieten zu können.<br />
Dichtmassen <strong>–</strong> auch<br />
bei Schmuckstücken gefragt<br />
Als weltweit führen<strong>der</strong> Servicepartner <strong>für</strong> <strong>die</strong> fachgerechte<br />
Motoreninstandsetzung bietet Elring neben kompletten<br />
Dichtungssätzen, Dichtungen und Zubehörteilen auch ein<br />
umfassendes Sortiment an Dichtmassen. Diese haben sich<br />
bei <strong>der</strong> Motorreparatur und -instandsetzung von Pkw, Nkw,<br />
Motorrä<strong>der</strong>n und in vielen an<strong>der</strong>en Anwendungsbereichen<br />
in <strong>der</strong> Praxis millionenfach bewährt. Welche<br />
Dichtmasse <strong>die</strong> Ideale <strong>für</strong> den jeweiligen<br />
Bedarf ist, erfahren Anwen<strong>der</strong> im<br />
Online- Dichtmassenberater. In gerade<br />
einmal drei einfachen Schritten gelangt<br />
<strong>der</strong> User direkt zu <strong>der</strong> <strong>für</strong> ihn geeigneten<br />
Dichtmasse. Einfacher geht’s nicht.<br />
Dichtungswerkstoffe <strong>–</strong> Dichtungen<br />
einfach selbst herstellen<br />
Auch <strong>für</strong> individuelle Abdichtaufgaben hat Elring <strong>die</strong> richtige<br />
Lösung parat. Neue Nebendichtungen lassen sich speziell<br />
bei Flachdichtungen aus Weichstoffdichtungsmaterial einfach<br />
und schnell selbst herstellen. Produkteigenschaften<br />
und Abmessungen <strong>der</strong> Dichtungswerkstoffe sind <strong>für</strong> <strong>die</strong><br />
verschiedensten Einsatzbereiche konzipiert. Sie werden<br />
als Platten- o<strong>der</strong> Rollenware geliefert. Mit dem praktischen<br />
Elring Service-Kit (447.101) kann <strong>die</strong> benötigte Dichtung in<br />
kurzer Zeit selbst angefertigt werden. <strong>Das</strong> Service-Kit enthält<br />
Dichtungswerkstoffe in unterschiedlichen Dicken <strong>für</strong> alle<br />
Temperaturbereiche, um in je<strong>der</strong> Notlage auszuhelfen. Mit<br />
einer Auswahl von Dichtungsschabern, einem Stempelkissen<br />
o<strong>der</strong> Farbspray sowie Locheisen verfügt <strong>der</strong> Kfz-Profi<br />
über alle wichtigen Spezialwerkzeuge.<br />
TIPP:<br />
Zur Unterstützung bietet Elring professionelle<br />
Montage-Videos unter<br />
www.elring.de an. Hier werden <strong>für</strong> Je<strong>der</strong>mann<br />
detailliert und nachvollziehbar<br />
alle wichtigen Schritte vermittelt.//<br />
www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022<br />
25
Komm, wir fahren!<br />
Die 1. Röhrl-Klassik<br />
startet in Mecklenburg-<br />
Vorpommern<br />
Der Blick? Herausfor<strong>der</strong>nd. Die Erwartungen? Groß. Kein Wun<strong>der</strong>: Die »1. Röhrl-Klassik« geht im<br />
Spätsommer an den Start. Eine Gleichmäßigkeitsrallye nur <strong>für</strong> klassische Porsche. Und wenn Walter<br />
Röhrl da<strong>für</strong> seinen Namen gibt, dann muss alles perfekt sein. Text: Thorsten Elbigmann<br />
Es gibt viele Oldtimer-Rallyes <strong>–</strong> aber keine wie <strong>die</strong>se! Denn<br />
<strong>die</strong> 1. Röhrl-Klassik wendet sich ausschließlich an Porsche-Fahrer.<br />
Als wir mit den Planungen begonnen haben,<br />
da war noch überhaupt nicht klar, dass Walter Röhrl mit an<br />
Bord sein wird. Doch nachdem er von dem Konzept erfahren<br />
hatte und wir ihm versichern konnten, dass er als Schirmherr<br />
<strong>für</strong> ein Event auftritt, das seinen Ansprüchen an Qualität<br />
gerecht wird, sagte er spontan zu. Keine Sorge: Hier geht<br />
es nicht um Driftwinkel und Ideallinie! Die 1. Röhrl-Klassik<br />
ist eine Orientierungsfahrt mit Gleichmäßigkeitsprüfungen <strong>–</strong><br />
alles im Rahmen <strong>der</strong> Straßenverkehrsordnung. Denn Strafpunkte<br />
in Flensburg braucht niemand von uns.<br />
Für <strong>die</strong> erste Auflage <strong>der</strong> Röhrl-Klassik sind nur luftgekühlte<br />
und Transaxle-Porsche zugelassen. Wir beginnen mit 111<br />
Teams <strong>–</strong> weil unser Verlag Delius Klasing in <strong>die</strong>sem Jahr<br />
111 Jahre alt wird. Die Teams sollten sinnvollerweise aus<br />
zwei Personen bestehen <strong>–</strong> und das ist auch <strong>der</strong> Punkt, an<br />
dem man sich fragen sollte, ob <strong>die</strong> Teilnahme mit einem Porsche-Traktor<br />
sinnvoll ist. Nach den Statuten <strong>der</strong> Rallye wäre<br />
sie theoretisch denkbar. Doch bei den Tagesetappen, <strong>die</strong><br />
sich immer im dreistelligen Kilometer-Bereich bewegen werden,<br />
ist ein Traktor wahrscheinlich nicht <strong>die</strong> beste Wahl. Wir<br />
freuen uns also auf 356, 911 bis einschließlich Typ 993, alle<br />
912, 914, 924, 928, 944 und 968 und beson<strong>der</strong>e Fahrzeuge<br />
wie zum Beispiel 550, 904, 959 o<strong>der</strong> ähnliche. Es sollte sich<br />
immer um Porsche handeln, nicht um Nachbauten auf zum<br />
Beispiel Käfer-Basis <strong>–</strong> klar.<br />
26 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022
1. Röhrl-Klassik in Mecklenburg-Vorpommern<br />
Ort <strong>der</strong> Zusammenkunft wird <strong>der</strong> malerische Fleesensee<br />
inmitten <strong>der</strong> Mecklenburger Seenplatte sein. <strong>Das</strong> dortige<br />
Schloss Hotel Fleesensee <strong>die</strong>nt als würdiger Rahmen und<br />
Ausgangs- und Endpunkt <strong>der</strong> mehrtägigen Rallye, <strong>die</strong> <strong>die</strong><br />
Teilnehmer durch ganz Mecklenburg führen wird. <strong>Das</strong> Organisationsteam<br />
stellt ein erfahrener Rallye-Veranstalter:<br />
Plusrallye <strong>–</strong> bekannt zum Beispiel von <strong>der</strong> Sauerland-Klassik<br />
o<strong>der</strong> <strong>der</strong> AvD-Histo-Monte.<br />
Man kann sich also sicher sein, dass <strong>die</strong> Strecken sorgsam<br />
nach touristischen Aspekten und Spaßfaktor ausgesucht<br />
sind. Peter Göbel, Mastermind von Plusrallye, kennt nicht<br />
nur <strong>die</strong> Region wie seine Westentasche, son<strong>der</strong>n auch als<br />
versierter Rallyefahrer beide Seiten: <strong>die</strong> des Teilnehmers<br />
ebenso wie <strong>die</strong> des Veranstalters. Entsprechend inszeniert<br />
er <strong>die</strong> Rallye so, dass <strong>die</strong>jenigen, <strong>die</strong> doch schon mit einigem<br />
Ernst und Ehrgeiz ans Werk gehen, <strong>die</strong> Wertungsprüfungen<br />
in geeigneter <strong>–</strong> ruhiger <strong>–</strong> Umgebung absolvieren<br />
können. Jedoch kommen dank<br />
<strong>der</strong> Ortsdurchfahrten und <strong>der</strong><br />
mo<strong>der</strong>ierten Start- und Zielveranstaltungen<br />
auch <strong>die</strong>jenigen<br />
auf ihre Kosten, <strong>die</strong> eher<br />
dem Unterhaltungsaspekt zugewandt<br />
sind. Ausstellungen<br />
und Präsentationen im Zielbereich<br />
laden zum Verweilen ein.<br />
Zahlreiche Sponsoren haben<br />
bereits Interesse bekundet und<br />
werden mit dazu beitragen,<br />
dass das Preisgefüge <strong>für</strong> <strong>die</strong><br />
Teilnahme im Rahmen bleibt.<br />
Und auch <strong>der</strong> AvD hat schon<br />
zugesagt und wird als Serviceteam<br />
während <strong>der</strong> Rallye zur Verfügung stehen und kleinere<br />
Pannen beheben <strong>–</strong> o<strong>der</strong> auch abschleppen, falls nötig.<br />
Rund um das eigentliche Fahrerlebnis wird es ein Rahmenprogramm<br />
geben, das von morgens bis abends Abwechslung<br />
und ganz viel Spaß bietet. Zahlreiche Prominente mit<br />
Benzin im Blut wollen zudem teilnehmen. Fest zugesagt<br />
haben neben Walter Röhrl bereits weitere Prominente. Und<br />
auch seitens <strong>der</strong> Firma Porsche gibt es großes Interesse.<br />
Professionelle Fotografen und Videografen dokumentieren<br />
<strong>die</strong> Rallye <strong>–</strong> und natürlich wird auch <strong>die</strong> Redaktion von POR-<br />
SCHE KLASSIK vor Ort sein. Die Details zu den Starterklassen,<br />
zu Fragen nach einen Get-together, das <strong>der</strong> Rallye<br />
vorausgeht, den genauen Wertungsprüfungen bis hin zum<br />
Umfang des Willkommenspaketes sind <strong>der</strong>zeit heiß diskutiert.<br />
So viel ist aber klar: Es wird sehr viel <strong>für</strong>s Geld geboten<br />
werden. Weitere Infos gibt es fortlaufend auf www.<br />
roehrl-klassik.de, dort kann man sich auch um eine Teilnahme<br />
bewerben.//<br />
AMC 5,0 Liter V8-Motor<br />
mit 132 PS (98 kW)<br />
als Top<strong>motor</strong>isierung<br />
im Pacer<br />
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27
Der Jaguar E-Type ist ein automobiles Kunstwerk mit ständigem Sitz im Museum<br />
of Mo<strong>der</strong>n Art in New York und wertbeständiger Protagonist in vielen Autosammlungen.<br />
Die Ehre, in einem <strong>der</strong> wichtigsten Kunstmuseen <strong>die</strong>ser Erde<br />
zu stehen kam posthum, genauer gesagt, 21 Jahre nach Produktionsende.<br />
Diese Unvergänglichkeit adelte eine automobile<br />
Skulptur, <strong>die</strong> durch <strong>die</strong> Ölkrise 73/74 ein unvermitteltes<br />
Aus erfuhr. Die Produktionszahlen gingen damals regelrecht<br />
in den Keller und man entschloss sich, <strong>die</strong> Ikone aus dem<br />
Programm zu nehmen. Eine letzte Son<strong>der</strong>edition, limitiert auf<br />
50 Roadster-Exemplare in schwarz und mit Rechtslenkung<br />
verließ 1975 das Werk in Browns Lane.<br />
Begonnen hatte alles 1961, mit <strong>der</strong> Vorstellung des Jaguar<br />
E-Type auf dem Genfer Auto-Salon. Er war als zwei- und<br />
2+2-sitziges Coupé und als zweisitziger Roadster erhältlich.<br />
Eine aufsehenerregende Neuerung des E-Type war<br />
<strong>die</strong> hintere Doppelquerlenkerradaufhängung an einem<br />
eigenen Hilfsrahmen mit einem Längslenker und zwei Fe<strong>der</strong>-Dämpfer<br />
Einheiten mit den Antriebswellen als oberen<br />
Querlenkern. Für <strong>die</strong> recht konservative britische Automobilindustrie<br />
war <strong>die</strong>se fortschrittliche Bauweise ein Meilenstein.<br />
Ausgeliefert wurde <strong>der</strong> E-Type mit einem Sechszylin<strong>der</strong>-Reihen<strong>motor</strong><br />
mit 3.781 cm³ und 269 PS bei 5.500 U/<br />
min. Diese <strong>für</strong> damalige Verhältnisse enorme Kraft wurde<br />
mittels eines Viergang-Getriebes auf <strong>die</strong> Hinterrä<strong>der</strong> verteilt<br />
28 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022
Designikone <strong>–</strong> Jaguar E-Type<br />
<strong>Das</strong> von Malcolm Sayer entwickelte<br />
Design galt als spektakulär. Eine<br />
schmale und zugleich muskulöse Form.<br />
Vor allem in den USA wurde <strong>der</strong><br />
E-Type mit großem Erfolg verkauft.<br />
und <strong>der</strong> Vortrieb endete erst, als <strong>die</strong> Spitzengeschwindigkeit<br />
von 240 km/h erreicht war. Einzel-Brennräume und ein langer<br />
Zylin<strong>der</strong>hub sorgten zudem auch bei niedrigen Drehzahlen<br />
<strong>für</strong> das ordentliche Drehmoment von 353 Nm bei 4.000<br />
U/min. Damit war <strong>der</strong> klassische Spurt von 0 auf 100 km/h<br />
in ungefähr 7 Sekunden absolviert. Mit <strong>die</strong>sen Daten spielte<br />
<strong>der</strong> E-Type in einer Liga mit den großen Supersportwagen<br />
jener Ära. Verglichen mit den Konkurrenten Ferrari und<br />
Maserati war er allerdings in <strong>der</strong> Anschaffung mit einem<br />
Preis von 5.580 Dollar (1963) fast schon günstig. Beliebtheit<br />
erlangte <strong>die</strong> Katze mit <strong>der</strong> lange Schnauze vor allem bei <strong>der</strong><br />
Die seitlich öffnende Heckklappe<br />
macht aus dem E-Type fast<br />
einen Shooting Brake.<br />
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29
Dieses Meisterwerk <strong>der</strong> Ästhetik<br />
lässt nicht nur Mechanikerherzen<br />
höher schlagen: 3,8 l Reihensechszylin<strong>der</strong><br />
<strong>der</strong> 1. Serie mit 265 PS.<br />
damaligen Prominenz. Von Brigitte Bardot über Elton John<br />
und George Harrison bis hin zu Frank Sinatra, sie alle besaßen<br />
einen E-Type. Von Enzo Ferrari aber gab es den verbalen<br />
Ritterschlag, er bezeichnete das von Malcom Sayer<br />
gestaltete Fahrzeug als „das schönste Auto aller Zeiten“.<br />
Auch verpasste Chancen gehören zu einem bewegten<br />
Autoleben: Sir William Lyons, <strong>der</strong> Grün<strong>der</strong> <strong>der</strong> Marke<br />
Jaguar soll sich seinerzeit geweigert haben, drei<br />
E-Type an das Filmset von James<br />
Bond zu liefern, weil <strong>die</strong> Warteliste aus<br />
Hollywood so lang war. Dementsprechend<br />
stieg Sean Connery damals in den Aston<br />
Martin DB 5. Der Rest ist Geschichte.<br />
Die zweite Serie des Jaguar E-Type wurde ab<br />
1968 ausgeliefert <strong>–</strong> ein Grund <strong>für</strong> <strong>die</strong> Überarbeitung<br />
des Modells waren vor allem <strong>die</strong><br />
strengeren Sicherheitsbestimmungen in den<br />
USA, so fielen beispielsweise <strong>die</strong> Scheinwerferabdeckungen<br />
weg, <strong>die</strong> Kühleröffnungen<br />
wurden vergrößert, neue Blinker und einige<br />
an<strong>der</strong>e Details verän<strong>der</strong>t und angepasst.<br />
Im Jahr 1964 bohrte man den 3,8-Liter-Reihensechszylin<strong>der</strong>-Motor<br />
auf 4,2 Liter (4.235<br />
cm³) auf, damit besaß er ein maximales<br />
Drehmoment von 384 Nm bei 4.000/min bei<br />
30 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022
Designikone <strong>–</strong> Jaguar E-Type<br />
gleicher Motorleistung (269 PS/197,6 kW bei 5.400/min).<br />
Zudem wurde anstelle <strong>der</strong> Moss-Box mit ihrem unsynchronisierten<br />
ersten Gang und langen Schaltwegen ein<br />
voll synchronisiertes, von Jaguar selbst entwickeltes Viergang-Schaltgetriebe<br />
verwendet. 1966 kam <strong>der</strong> 2+2 hinzu,<br />
ein Coupé mit längerem Radstand und zwei Notsitzen im<br />
Fond. Erstmalig gab es <strong>für</strong> <strong>die</strong>ses Coupé eine BorgWarner<br />
Dreigang-Automatik.<br />
Die finale Version und damit <strong>die</strong> Serie 3 trat 1971 auf den<br />
Plan. Jaguar präsentierte den ersten Großserien-Zwölfzylin<strong>der</strong><br />
mit Leichtmetallblock. Der E-Type mit Zwölfzylin<strong>der</strong><br />
war das erste Fahrzeug <strong>der</strong> Marke, das in den USA debütierte<br />
und nicht in Europa. Der gänzlich neu entwickelte<br />
5,3-Liter-(5.343 cm³)-V12-Motor mit einer Leistung von<br />
276 PS (203 kW) bei 5.850/min und einem maximalen<br />
Drehmoment von 412 Nm bei 3.600/min ging entwicklungstechnisch<br />
bis ins Jahr 1935 zurück. Allerdings litten<br />
Agilität und Leistung, <strong>die</strong> den E-Type zu Beginn <strong>der</strong> Baureihe<br />
ausgezeichnet hatten, unter <strong>der</strong> großen Maschine.<br />
Die dritte Serie konnte dadurch nicht an <strong>die</strong> Erfolge <strong>der</strong><br />
ersten beiden Serien anknüpfen, <strong>die</strong> Verkaufszahlen blieben<br />
hinter den Erwartungen zurück. Zudem wurde jetzt <strong>der</strong><br />
Radstand des 2+2 <strong>für</strong> den Roadster übernommen und <strong>die</strong><br />
Produktion des kurzen Coupés eingestellt. Trotzdem war<br />
<strong>der</strong> E-Type mit über 72.000 gebauten Einheiten in 14 Jahren<br />
<strong>der</strong> bis dahin meistgebaute Supersportwagen.<br />
Bis heute pflegt Jaguar den Mythos des E-Type. 2014<br />
legten <strong>die</strong> Briten den Lightweight von 1963 wie<strong>der</strong> auf, in<br />
dem sie sechs damals nicht genutzte Chassis-Nummern<br />
an neu aufgebaute Exemplare vergaben. Speziell <strong>für</strong> den<br />
Rennsport konstruierte Jaguar im Winter 1962/63 eine<br />
leichtere Version des E-Type, <strong>die</strong> <strong>die</strong> Bezeichnung Lightweight<br />
erhielt, da <strong>die</strong> Karosserie aus Aluminium gefertigt<br />
war. Die Lightweight-Serie war als limitierte Auflage von<br />
18 Exemplaren konzipiert, wurde aber aus unbekannten<br />
Gründen nach zwölf Fahrzeugen eingestellt. Die fehlenden<br />
sechs Lightweights wurden nach den originalen Konstruktionsplänen<br />
von 1963 gebaut und mit den Chassisnummern<br />
13-18 versehen. <strong>Das</strong> 3,9 Liter große Alu-Triebwerk wird<br />
durch drei Weber-Doppelvergaser o<strong>der</strong> optional mit einer<br />
mechanischen Direkteinspritzung mit Benzin und Luft versorgt.<br />
340 PS und 380 Newtonmeter maximales Drehmoment<br />
sorgen somit <strong>für</strong> viel alte neue Fahrfreude. Einzig <strong>der</strong><br />
wahnwitzige Preis von 1,5 Millionen pro Stück erzeugte<br />
leichte Schnappatmung. Aber nur ganz kurz, dann waren<br />
alle sechs verkauft.//<br />
Ein sachlich-sportlicher Charakter ohne<br />
unnötigen Dekor zeichnet das Jaguar-<br />
Cockpit aus. Mit echten Materialien, wie Alu,<br />
Holz und Le<strong>der</strong>. Ein haptischer Genuß!<br />
www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022<br />
31
Im Rückspiegel:<br />
Mit <strong>der</strong> 80 übersprang<br />
Audi erstmals <strong>die</strong> Million<br />
Seine Bedeutung <strong>für</strong> das Wie<strong>der</strong>erstarken <strong>der</strong> Marke<br />
ist unbestritten: Der 1972 vorgestellte Audi 80 wird <strong>der</strong><br />
erste Millionenseller <strong>der</strong> Ingolstädter. Mit ihm hielt vor<br />
50 Jahren außerdem das Baukastenprinzip im Volkswagen-Konzern<br />
Einzug.<br />
Der Audi 80, intern „B1“ genannt, sollte „mo<strong>der</strong>n, aber nicht<br />
modisch“ und ein zuverlässiges Familienauto sein. Darin<br />
waren sich <strong>der</strong> damalige Audi-Technikvorstand Ludwig<br />
Kraus und <strong>die</strong> Volkswagen AG als neue Konzernmutter<br />
Ende <strong>der</strong> 1960er-Jahre einig. Wie beim Rennwagenbau<br />
ließ Chefentwickler Kraus seine Mitarbeiter <strong>für</strong> jedes einzelne<br />
Teil prüfen, wo noch Gewicht gespart werden könnte,<br />
ohne dass <strong>die</strong> Qualität darunter litt. Der Leichtbau sorgte<br />
nicht nur <strong>für</strong> sportliche Fahrleistungen, son<strong>der</strong>n auch <strong>für</strong><br />
einen <strong>für</strong> damalige Verhältnisse geringen Verbrauch. Damit<br />
war das neue Modell das passende Fahrzeug <strong>für</strong> <strong>die</strong><br />
Ölkrise 1973 <strong>–</strong> und wurde auch prompt „Auto des Jahres<br />
1973“ in Europa, nachdem <strong>der</strong> Audi im Jahr davor auch<br />
in einigen Län<strong>der</strong>n den Titel bereits auf nationaler Ebene<br />
bekommen hatte.<br />
32 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022
Im Rückspiegel: Audi 80<br />
Audi 80 GL (1973).<br />
<strong>Das</strong> Design im Stil <strong>der</strong> neuen Sachlichkeit <strong>der</strong> 1970er-Jahre<br />
gestaltete Designer Hartmut Warkuß mit. Er stieg 1976 zum<br />
„Hauptabteilungsleiter Stilistik“ auf und prägt das Design<br />
<strong>der</strong> Marke über mehrere Modellgenerationen. <strong>Das</strong> Basismodell<br />
mit zwei Türen wog lediglich 835 Kilogramm. Vorgestellt<br />
wurde <strong>der</strong> neue Audi im Juli 1972 nach den tragischen<br />
Olympischen Spielen in München. Seine Technik brachte<br />
zahlreiche neue Lösungen mit, <strong>die</strong> nach und nach auch in<br />
an<strong>der</strong>en Modellen des VW-Konzerns zu finden waren.<br />
Mit 2,47 Metern Radstand und 4,18 Metern Länge begründete<br />
<strong>der</strong> Audi 80 quasi <strong>die</strong> Kompaktklasse, lief damals<br />
aber noch als Mittelklassemodell. Fahrwerksingenieur<br />
Detlef Banholzer realisierte erstmalig in einem europäischen<br />
Großserienfahrzeug den negativen Lenkrollradius<br />
<strong>–</strong> eine Lösung, von <strong>der</strong> <strong>die</strong> Stabilität beim Bremsen stark<br />
profitiert. Mit <strong>der</strong> diagonalen Aufteilung <strong>der</strong> hydraulischen<br />
Bremsanlage hatte Audi <strong>die</strong> Sicherheit im Blick. Der Motor<br />
<strong>der</strong> Limousine lag längs vor <strong>der</strong> angetriebenen Vor<strong>der</strong>achse,<br />
das Vierganggetriebe hinter ihr. Zur Markteinführung<br />
gab es drei Motorisierungen mit 1,3 und 1,5 Liter Hubraum,<br />
mit 55 PS (44 kW) sowie 75 PS (55 kW) und 85 PS (63<br />
kW). Damit war <strong>der</strong> Audi 80 bis zu 170 km/h schnell.<br />
Konstruktives Highlight <strong>der</strong> ebenso drehfreudigen wie<br />
unkomplizierten Vierzylin<strong>der</strong> war <strong>die</strong> Ventilsteuerung per<br />
obenliegen<strong>der</strong>, zahnriemengetriebener Nockenwelle und<br />
wartungsfreien Tassenstößeln. Entwicklungschef Ludwig<br />
Kraus hatte den Gedanken einer Baukastenreihe aufgebracht<br />
und <strong>der</strong> von Techniker Franz Hauk und seinem<br />
www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022<br />
33
Team entworfene Motor wurde zum meistgebauten im<br />
Konzern. Intern trug er <strong>die</strong> Bezeichnung EA 827.<br />
Audi 80 LS<br />
(Phantomzeichnung<br />
Motorraum).<br />
Bis zum Produktionsende im Sommer 1978 wurden mehr<br />
als eine Million Stück <strong>der</strong> Generation B1 gebaut. Aufgrund<br />
<strong>der</strong> großen Nachfrage reichen <strong>die</strong> Kapazitäten im Werk Ingolstadt<br />
bald schon nicht mehr aus, und so kam <strong>der</strong> Audi 80<br />
auch aus den Volkswagen-Werken Wolfsburg und Emden.<br />
Mit <strong>der</strong> von Giorgio Giugiaro gezeichneten und durch<br />
Karosseriebauer Karmann realisierten Coupé-Stu<strong>die</strong> Asso<br />
di Picche zeigte sich schon 1973 das sportliche Potenzial<br />
des B1. 1973 ging dann auch schon <strong>der</strong> Audi 80 GT mit<br />
1,6-Liter-Motor und 100 PS (74 kW) in Serie, im Oktober<br />
1975 löst ihn <strong>der</strong> Audi 80 GTE mit 110 PS (81 kW) ab. 1976<br />
näherte sich <strong>die</strong> Limousine im Rahmen <strong>der</strong> Modellpflege<br />
mit großen Block- statt Rundscheinwerfern optisch an <strong>die</strong><br />
neue Generation des Audi 100 an. In den USA lief <strong>der</strong> Audi<br />
80 übrigens als Fox vom Band (eine Bezeichnung, <strong>die</strong> später<br />
bei VW wie<strong>der</strong>kehrte). Nach vier Modellgenerationen<br />
(B1 bis B4) löste Mitte <strong>der</strong> 1990er-Jahre <strong>der</strong> A4 (B5) den<br />
Audi 80 ab.//<br />
Audi 80 LS (1973).<br />
Audi 80 GTE von 1976.<br />
34 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022
Im Rückspiegel: Audi 80<br />
Alles, nur nicht langsam.<br />
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Der französische Bulli Citroen HY mit ähnlichem Kult-Charakter. We<strong>der</strong><br />
<strong>der</strong> Vorgänger noch <strong>die</strong> Nachfolger erreichten <strong>die</strong> lange Bauzeit von<br />
33 Jahren und <strong>die</strong> Stückzahl von einer halben Million Fahrzeugen.<br />
Vor allem in größeren Städten sieht man ihn häufig als mobile<br />
Espresso-Bar o<strong>der</strong> veganen Food-Truck: Der Citroen HY.<br />
Ihren Ursprung hat <strong>die</strong> rollende Wellblechbude allerdings<br />
weniger im hippen Bereich <strong>der</strong> fahrbaren Gastronomie, son<strong>der</strong>n<br />
eher im Segment <strong>der</strong> praktischen Nutzfahrzeuge. Die<br />
bisher längste Bauzeit <strong>für</strong> einen Kleintransporter, nämlich<br />
33 Jahre, zeigt seine robuste Zuverlässigkeit, <strong>die</strong> nicht nur<br />
Handwerker überzeugte, son<strong>der</strong>n Polizei, Feuerwehr, Post<br />
und Krankenhäuser. Der Öffentlichkeit vorgestellt wurde er<br />
1947, noch vor dem 2 CV (Ente) und vor dem Konkurrenten<br />
VW T1 (Bulli), Er trat <strong>die</strong> direkte Nachfolge des nur kurz<br />
gebauten Citroën TUB an und konnte bereits ein Jahr nach<br />
seiner Präsentation in Serie gefertigt werden. Den Namen<br />
TUB behielten <strong>die</strong> Franzosen <strong>für</strong> den HY weswegen er dort<br />
auch immer noch gerne so genannt wird. Bis zum Ende <strong>der</strong><br />
Produktion im Jahr 1981 liefen fast 500.000 Exemplare des<br />
36 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022
Citroen HY<br />
Ein zum<br />
Crêpe-Wagen<br />
umgebauter HY<br />
Citroën HY vom Band.<br />
Außergewöhnlich war<br />
<strong>die</strong> selbsttragende, mit<br />
gewelltem Blech beplankte<br />
Karosserie.<br />
Durch <strong>die</strong> Formgebung<br />
konnte das Blech auf<br />
eine Dicke von 0,5 mm<br />
reduziert werden, was<br />
<strong>für</strong> ein niedriges Fahrzeuggewicht<br />
und somit<br />
<strong>für</strong> eine höhere Nutzlast<br />
sorgte. Den gleichen<br />
Gedanken hegten schon<br />
<strong>die</strong> deutschen Flugzeugbauer<br />
als sie <strong>die</strong> "JU 52"<br />
konstruierten. Die Ähnlichkeit<br />
<strong>der</strong> beiden hat<br />
durchaus seinen Grund.<br />
<strong>Das</strong> raumsparende Fahrwerk mit Doppelquerlenkern<br />
vorn, parallelen Schwingen hinten und<br />
Drehstabfe<strong>der</strong>ung an beiden Achsen ermöglichte<br />
eine niedrige Ladekante, welche nur 35<br />
cm über dem Boden lag. Motor und Getriebe<br />
kamen von <strong>der</strong> Limousine Traction Avant und<br />
später <strong>der</strong> DS (<strong>die</strong> Göttin), jedoch jeweils umgekehrt<br />
eingebaut, d.h. mit dem Motor vor<br />
<strong>der</strong> Vor<strong>der</strong>achse und mit entgegengesetzter<br />
Motor-Drehrichtung. Die Motorenauswahl war<br />
überschaubar: Es gab zwei Otto<strong>motor</strong>en mit<br />
1,6 l und 1,9 l Hubraum (25-35 kW) und drei<br />
Diesel<strong>motor</strong>en mit gleichem Hubraum, aber<br />
bis immerhin 42 kW Leistung. Letztere for<strong>der</strong>n<br />
echte Liebe und hartes Einstecken <strong>–</strong> sie sind<br />
sehr laut, rauh und lahm. Aber <strong>die</strong> Motoren<br />
waren ausdauernd und nahezu unkaputtbar.<br />
Allerdings ist <strong>die</strong> Lärmentwicklung enorm, Motor-<br />
und Abrollgeräusche dringen so gut wie<br />
Deutlich sichtbar ist<br />
<strong>die</strong> Motorabdeckung zwischen<br />
den nachgerüsteten Sitzen<br />
ungefiltert in den Innenraum. Eine Geräuschdämmung<br />
gab es nicht und auch nachträglich<br />
läßt sich da nicht allzu viel machen, schließlich<br />
befindet sich <strong>der</strong> Motor zum Großteil direkt<br />
zwischen Fahrer und Beifahrer und <strong>die</strong><br />
www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022<br />
37
Frühe Explosionszeichnung<br />
eines HY-Motors<br />
abdeckende Blechhaube ist<br />
so knapp bemessen, dass <strong>für</strong><br />
Dämm-Material so gut wie kein<br />
Platz ist. <strong>Das</strong> gleiche gilt <strong>für</strong><br />
Rä<strong>der</strong> und Antriebwellen, auf<br />
denen man im wahrsten Sinne<br />
des Wortes sitzt und <strong>die</strong> einen<br />
den Straßenzustand hautnah<br />
spüren lassen.<br />
Komfort stand einfach nicht im<br />
Lastenheft und gibt es auch<br />
(fast) nicht. Alles am HY ist<br />
auf Funktionalität und Praxistauglichkeit<br />
ausgelegt. Viele<br />
daraus resultierende Lösungen<br />
sind schlichtweg genial,<br />
heute aber nicht mehr ganz<br />
zeitgemäß. <strong>Das</strong> Blechkleid<br />
ist insgesamt solide verarbeitet,<br />
aber mit den Citroën-typischen<br />
Schwachpunkten. In<br />
den Sicken des Blechs und<br />
an den Schweißpunkten <strong>der</strong><br />
Holme sammelt sich gerne<br />
Dreck, <strong>der</strong> im Laufe <strong>der</strong> Zeit<br />
unweigerlich <strong>für</strong> Rost sorgt,<br />
ebenso wie in allen, als Vierkant<br />
ausgelegten Holmen, <strong>die</strong><br />
nicht zugänglich sind. Am Augenscheinlichsten<br />
ist <strong>die</strong>s oft<br />
an <strong>der</strong> Reserverad- und Tankklappe<br />
zu sehen, <strong>die</strong> den Aufwirbelungen<br />
<strong>der</strong> Vor<strong>der</strong>rä<strong>der</strong><br />
ausgeliefert sind, sowie rund<br />
um <strong>die</strong> 3-teilige Heckklappe;<br />
auch <strong>die</strong> Regenrinne ist dort<br />
bedroht. Tragende Fahrzeugteile<br />
überleben wegen ihrer<br />
Materialstärke deutlich länger.<br />
Beim Kauf gilt wie bei allen<br />
Citroens, je weiter südlich<br />
das Objekt <strong>der</strong> Begierde zum<br />
Verkauf steht, desto besser.<br />
Da <strong>die</strong> meisten HY zweckerfüllend<br />
als Nutzfahrzeuge eingesetzt<br />
und entsprechend behandelt<br />
wurden, wird es immer<br />
schwieriger, ein gut erhaltenes<br />
und vor allem bezahlbares Exemplar<br />
zu finden.//<br />
38 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022
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<strong>für</strong> den Acker<br />
Italienische Oldtimer-Traktoren führen den Liebhaber zurück in <strong>die</strong> analoge<br />
Welt <strong>der</strong> Mechanik, in eine Zeit in <strong>der</strong> alles langsamer und einfacher war.<br />
Sie zeigen eine <strong>für</strong> reine Nutzfahrzeuge eher seltene (Motoren)-Ästhetik.<br />
hielt das Unternehmen zu lange am Glühkopf<strong>motor</strong> fest,<br />
und später fehlten <strong>die</strong> Mittel <strong>für</strong> eine Produktionsumstellung,<br />
sodass es am 2. Juli 1964 schließen musste.<br />
Motomeccanica<br />
Alfa Romeo von 1931<br />
Sie hatten klangvolle Namen: Alfa Romeo, Lamborghini,<br />
Balilla, Pavesi, Landini und Orsi. Allen gemeinsam war<br />
eine Eleganz, <strong>die</strong> in <strong>die</strong>sem robusten Segment <strong>der</strong> Traktoren<br />
ungewöhnlich war. Wenn man dagegen deutsche<br />
Lanz-Modelle sieht, fällt sofort das Grobe und Martialische<br />
auf, das <strong>die</strong>se Modelle verkörpern. So musste man<br />
den Glühkopf<strong>motor</strong> <strong>der</strong> Lanz-Traktoren erst mit einem<br />
Gasbrenner anheizen, bevor er startete. Früher wurde<br />
er mit einem herausnehmbaren Lenkrad angekurbelt und<br />
fuhr mit allem, was brennbar war: Butter, Margarine o<strong>der</strong><br />
Diesel. Diesen Glühkopf<strong>motor</strong> fand man auch und zwar<br />
ausschließlich bei <strong>der</strong> 1881 gegründeten Orsi Trattori aus<br />
<strong>der</strong> Region Piemont in Norditalien. Die Marke entwickelte<br />
sich erfolgreich, wenn auch nie <strong>die</strong> Größe <strong>der</strong> Konkurrenten<br />
wie etwa Landini erreicht wurde. In den 1950er Jahren<br />
Verglichen mit Orsi-Traktoren ist beispielsweise <strong>der</strong> Alfa Romeo<br />
(in Italien hieß er Balilla) <strong>der</strong> Firma Motomeccanica ein<br />
schlanker Exot, vor allem wenn es sich um ein Modell <strong>für</strong><br />
den Weinanbau handelte. Ein Trecker mit Un<strong>der</strong>statement.<br />
Denn nur wenige wissen, dass unter dem Namen <strong>der</strong> legendären<br />
Autoschmiede Schlepper nach Frankreich exportiert<br />
wurden. Ein echter Seltenheitsfaktor also, was beson<strong>der</strong>s<br />
<strong>für</strong> Sammler interessant ist. Seit vielen Jahren steigen <strong>die</strong><br />
Preise <strong>für</strong> Oldtimer-Traktoren kontinuierlich an. Traktoren<br />
bleiben lange im Einsatz, man lässt sie häufig lieber in <strong>der</strong><br />
So endeten viele Traktoren:<br />
Abgestellt und vergessen.<br />
40 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022
Grandezza <strong>für</strong> den Acker<br />
Scheune o<strong>der</strong> auf dem Feld verrosten, als sie zu verschrotten.<br />
Von den fast zwei Millionen Traktoren in Deutschland<br />
sind ungefähr <strong>die</strong> Hälfte älter als 30 Jahre. Daran kann man<br />
das Potential <strong>für</strong> zukünftige Sammlerstücke gut erkennen.<br />
<strong>Das</strong> Wechselspiel aus verdeckter und frei liegen<strong>der</strong> Mechanik<br />
erzeugt bei den alten Traktoren eine Ästhetik, <strong>die</strong> das<br />
Maschinelle nicht verbirgt, son<strong>der</strong>n offen zur Schau stellt.<br />
Gerade heute <strong>–</strong> in Zeiten, in denen man es gewohnt ist,<br />
dass <strong>die</strong> computergesteuerte Technik hinter einer designten<br />
Oberfläche verborgen bleibt, kann es sehr erfrischend<br />
wirken, <strong>die</strong> Funktionsweise eines Fahrzeugs mit den Augen<br />
zu erfassen. Im Gegensatz zu den rustikalen Lanz-Bulldogs<br />
lassen sich <strong>die</strong> eleganteren Alfa-Traktoren noch immer als<br />
Zeichen <strong>der</strong> Mo<strong>der</strong>ne interpretieren.<br />
Bis in das Heute erstrahlt <strong>der</strong> Stern <strong>der</strong> Traktorenmarke<br />
Landini, <strong>die</strong> es immer noch gibt. Und das seit 1884. Landini<br />
hielt wie Orsi sehr lange am unverwüstlichen und zuverlässigen<br />
Glühkopf<strong>motor</strong> fest. Erst 1965 wurde <strong>die</strong> Produktion<br />
eingestellt. Zum beliebtesten und meistverkauften Traktorenmodell<br />
mauserte sich <strong>der</strong> L-25 und stieg in Italien in den<br />
1950er Jahren mit dem größten Marktanteil auf. 1956 gab<br />
es <strong>die</strong> offizielle Präsentation des Landinetta Obstbautraktors<br />
und nur ein Jahr später wurde mit Perkins Engines eine<br />
Vereinbarung zur Lizenzproduktion von Diesel<strong>motor</strong>en in<br />
Italien geschlossen. 1959 produzierte Landini mit dem Landini<br />
C35 seinen ersten Raupentraktor. Schmalspurtraktoren<br />
<strong>für</strong> den Obst- und Weinanbau entstanden ab 1982. Jene Exemplare<br />
sind beson<strong>der</strong>s begehrt, da sie bei <strong>der</strong> Weinernte<br />
eingesetzt wurden. Sie verfügten über schmalere Achsen,<br />
um zwischen den Rebstöcken manövrieren zu können. <strong>Das</strong><br />
unterstreicht nochmals <strong>die</strong> schlanke Eleganz <strong>der</strong> Marke und<br />
passt gleichzeitig besser in <strong>die</strong> Sammler-Garage. In <strong>die</strong>se<br />
gehört vor allem ein Lamborghini-Traktor. Die legendäre<br />
Sportwagenschmiede hat ebenfalls mit landwirtschaftlichen<br />
Fahrzeugen angefangen. Der Legende nach verließ <strong>der</strong><br />
Grün<strong>der</strong> Ferruccio<br />
Lamborghini das <strong>für</strong><br />
ihn sehr erfolgreiche<br />
landwirtschaftliche<br />
Segment, weil er mit<br />
seinem Ferrari unzufrieden<br />
war und<br />
beschloß, fortan <strong>die</strong><br />
besseren Sportwagen<br />
zu bauen. Seine<br />
Traktoren, allen<br />
voran <strong>der</strong> Lamborghinetta<br />
mit einem<br />
Zweizylin<strong>der</strong><strong>motor</strong><br />
und 16 kW (22 PS),<br />
Meistverkaufter Traktor seiner Zeit:<br />
Landini L-25, Baujahr: 1959,<br />
25 PS, Hubraum: 4.312 cm³,<br />
Gewicht: 1.600 kg.<br />
www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022<br />
41
einem Gewicht von 1.000 kg und einem damaligen Verkaufspreis<br />
von 1 Million Lire ist heute ein gesuchtes Exemplar.<br />
Weniger sportlich, da<strong>für</strong> älter: Die Geschichte von Fiat Trattori<br />
SpA begann 1918, als das Unternehmen seinen ersten<br />
Traktor, den Fiat 702, mit 30 PS (22 kW) auf den Markt<br />
brachte. Dem Modell 702 folgten etliche Varianten. Mit <strong>die</strong>sen,<br />
welche bis 1925 produziert wurden, erreichte Fiat Trattori<br />
den Meilenstein von 2.000 produzierten Einheiten. Im<br />
Jahr 1929 verkaufte das Werk bereits mehr als 1.000 Traktoren<br />
jährlich. Der erste europäische Raupentraktor kam<br />
drei Jahre später: <strong>der</strong> Fiat 700C. Im selben Jahr wurde <strong>die</strong><br />
Produktion von Turin nach Modena verlagert. 1939 brachte<br />
das dortige Werk den ersten Serientraktor auf den Markt,<br />
den Fiat 40 Boghetto. Aufgrund einer Erfindung von Fortunato<br />
Boghetto konnte <strong>der</strong> Motor <strong>die</strong>ses Traktors mit einer<br />
Vielzahl von Kraftstoffen (Kerosin, Diesel, Alkohol, Benzin,<br />
Erdgas und Vergasergas) betrieben werden.<br />
Die Markteinführung des Fiat 25R 1951 wurde zu einer <strong>der</strong><br />
Schlüsselmaschinen in <strong>der</strong> Geschichte von Fiat. Dieses<br />
Modell verfügte über einen 2,3-Liter Benzin<strong>motor</strong> mit 23 PS<br />
Nennleistung. Im Jahr 1953 ersetzte man <strong>die</strong>ses Aggregat<br />
durch eine Diesel-Maschine, <strong>die</strong> jetzt 25 PS Nennleistung<br />
aufwies. Der unter <strong>der</strong> Bezeichnung Fiat 25 RD geführte<br />
Traktor stand als Hochrad- und Standard-Ausführung zur<br />
Verfügung. Zusätzlich war eine Raupen-Variante unter <strong>der</strong><br />
Bezeichnung 25 C erhältlich. Für seine Zeit außergewöhnlich<br />
war <strong>die</strong> serienmäßige elektrische 24 Volt-Anlage incl.<br />
Anlasser. Auch <strong>der</strong> Vierradantrieb, <strong>der</strong> auf Wunsch geor<strong>der</strong>t<br />
werden konnte, war seiner Zeit weit voraus. Der innovative<br />
orangefarbene Traktor (<strong>der</strong> erste einer langen Serie von<br />
Traktoren bis 1983) half Fiat beim Eintritt in den europäischen<br />
Agrarmarkt. Produziert in einer großen Anzahl von<br />
Modellen, in Obstgarten- und Forstwirtschaftsversionen,<br />
wurden fast 45.000 Einheiten <strong>die</strong>ser bemerkenswerten Maschine<br />
auf den Markt gebracht. <strong>Das</strong> beliebte Orange verschwand<br />
später als Fiat Trattori zu FiatAgri umbenannt wurde<br />
und än<strong>der</strong>te seine Lackierung zu Burgund, <strong>die</strong> bei allen<br />
neuen Traktoren verwendet wurde.<br />
Deutlich seltener anzutreffen sind Oldtimer <strong>der</strong> Marke Carraro.<br />
Foto aus <strong>der</strong> Januarausgabe 1919<br />
des The Gas Engine Monthly Magazines<br />
Die Ursprünge gehen zurück bis ins Jahr 1910, als <strong>der</strong> Schmied<br />
Giovanni Carraro auf <strong>der</strong> Industriemesse in Padua eine Mehrzweckmaschine<br />
zum Pflügen, Säen, Eggen und Walzen vorstellte.<br />
In den 1950er Jahren wurde mit dem Geräteträger Universal<br />
<strong>der</strong> erste Carraro-Traktor entwickelt. Sein jüngster Sohn<br />
Antonio gründete 1960 <strong>die</strong> Firma Antonio Carraro di Giovanni<br />
Fiat 25 R mit stehendem wassergekühlten<br />
Viertakt-Vierzylin<strong>der</strong>-Diesel<strong>motor</strong> mit Vorkammer-Verfahren,<br />
Druckumlaufschmierung,<br />
Bosch-Fliehkraft-Verstellregler, Ölbadluftfilter,<br />
Bosch-Zapfendüse, dreifach-gelagerter<br />
Kurbelwelle, Bosch-Einspritzpumpe sowie<br />
Kühler mit Thermostat und Lüfter.<br />
42 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022
Grandezza <strong>für</strong> den Acker<br />
Fast so schön wie ein<br />
nostalgischer Ferrari:<br />
Frontansicht des SAME 240<br />
aus dem Jahr 1959<br />
und im gleichen Jahr wurde<br />
<strong>der</strong> erste Einachsschlepper<br />
des Unternehmens vorgestellt.<br />
Bereits ein Jahr später<br />
folgte <strong>der</strong> erste gebaute Einachstraktor<br />
und erhielt den<br />
Namen "Scarabeo". Carraro<br />
begann dann 1964 mit <strong>der</strong><br />
Entwicklung eines 20 PS<br />
starken Traktors mit Knicklenkung.<br />
Dieser bildete den<br />
Grundstock <strong>der</strong> späteren<br />
Tigre-Baureihe.<br />
Groß und bekannt hingegen ist <strong>die</strong> von den Brü<strong>der</strong>n Francesco<br />
und Eugenio Cassani 1942 gegründete Marke SAME<br />
(Società Accomandita Motori Endotermici), was auf deutsch<br />
Kommanditgesellschaft <strong>für</strong> endothermische Motoren bedeutet.<br />
1927 entwarfen und konstruierten <strong>die</strong> beiden einen<br />
Traktor mit dem Namen Cassani 40 PS, <strong>der</strong> durch einen<br />
Diesel<strong>motor</strong> angetrieben wurde <strong>–</strong> einer Antriebsart, <strong>die</strong> seit<br />
den 1920er Jahren <strong>für</strong> Fahrzeuge in <strong>der</strong> Industrie, beim Militär<br />
und <strong>für</strong> Eisenbahnen eingesetzt wurde. Es handelte sich<br />
um einen liegenden Zweizylin<strong>der</strong><strong>motor</strong>, <strong>der</strong> als Zweitakter<br />
mit einem Hubraum von 12.723 cm³ konzipiert war und bei<br />
550 U/min eine Leistung von 40 PS brachte. Die Zündung<br />
erfolgte mit Hilfe eines zigarettenähnlichen Glüheinsatzes,<br />
welcher da<strong>für</strong> sorgte, dass <strong>der</strong> Kraftstoff in den Leitungen<br />
besser zündete und <strong>der</strong> Motor unter Druck gestartet wurde.<br />
Anfangs stellte SAME Verbrennungs- und Diesel<strong>motor</strong>en <strong>für</strong><br />
den zivilen und industriellen Gebrauch sowie Winden, Kräne,<br />
Pflüge und Feuerlöschpumpen her. 1946 entstanden <strong>die</strong><br />
ersten selbstfahrenden, mit Petroleum betriebenen Mähmaschinen<br />
mit 8 PS. Ende <strong>der</strong> 1950er folgte <strong>die</strong> Einführung des<br />
eleganten SAME 240. Dieser wurde als intelligenter Traktor<br />
bezeichnet, da er erstmals serienmäßig mit <strong>der</strong> automatischen<br />
SAC-Steuerung (Stazione Automatica di Controllo)<br />
von SAME ausgestattet war, mit <strong>der</strong> <strong>die</strong> Kraft <strong>der</strong> Kraftheber<br />
gesteuert wurde und <strong>die</strong> in den darauf folgenden Jahren in<br />
alle Fahrzeuge einfloss. Er hatte einen Zweizylin<strong>der</strong><strong>motor</strong><br />
mit 42 PS, 6 Vorwärts- und 1 Rückwärtsgang und erreichte<br />
eine Höchstgeschwindigkeit von 28,9 km/h. <strong>–</strong> Auch <strong>die</strong><br />
Ästhetik <strong>die</strong>ses Fahrzeugs ist bestechend, wie so vieles aus<br />
Italien: Mode, Stoffe, Design. Und zeigt anschaulich, dass<br />
Nutzen auch schön sein kann und das Auge erfreuen darf.//<br />
Cassani 40 PS Traktor<br />
von Francesco und<br />
Eugenio Cassani<br />
www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022<br />
43
Haushaltsgerät<br />
auf Rä<strong>der</strong>n<br />
Der italienische Star-Designer Giorgio Giugiaro designte <strong>die</strong> »tolle Kiste«, wie <strong>der</strong> Fiat<br />
Panda, neben vielen an<strong>der</strong>en Bezeichnungen liebevoll genannt wurde. Ihn zu fahren war<br />
ein Statement <strong>für</strong> minimalistische Funktionalität und gegen das Auto als Statussymbol.<br />
In den beginnenden 90ern wäre <strong>der</strong> Panda fast mein erstes<br />
Auto geworden. Ein frühes Modell noch mit geteilter Seitenscheibe<br />
war in <strong>der</strong> Verwandtschaft übrig und als Zweitwagen<br />
auch nur wenig gefahren worden. Bei <strong>der</strong> Besichtigung<br />
wurde mein Gesicht allerdings immer länger, da das<br />
»Fahrzeug« nicht mal über ein richtiges Armaturenbrett<br />
verfügte, son<strong>der</strong>n nur eine mit Stoff bespannte Ablage besaß.<br />
Als Instrumententräger fungierte ein kleiner Karton mit<br />
einem Tacho und ein paar Warnleuchten darin. Kein Radio<br />
und auch kein vorgesehener Platz da<strong>für</strong>. Die Sitze waren<br />
kaum gepolsterte Metallrahmen, aber am enttäuschensten<br />
war <strong>der</strong> winzige Motor mit seinen 847cm 3 und niedlichen 25<br />
kW (34 PS). Dabei weiß ich jetzt, dass <strong>die</strong>s nicht einmal <strong>der</strong><br />
kleinste Motor war: Es gab als Einstiegsmodell noch den<br />
650er mit 22 kW (30 PS) und als Topmodell den 900er mit<br />
33 kW (45 PS). Erst mit dem 1986 vorgestellten Panda MK2<br />
wurde <strong>die</strong> mo<strong>der</strong>nere Fire-Motorengeneration eingeführt,<br />
<strong>die</strong> bis zu 55 PS schaffte. Die Überzeugungsversuche <strong>der</strong><br />
Verwandtschaft mit günstigem Unterhalt und geringem Verbrauch<br />
halfen nichts. Geworden ist es dann ein roter Golf 1<br />
mit <strong>der</strong> doppelten PS-Leistung des Panda.<br />
Erfolgreich war <strong>der</strong> Panda <strong>der</strong> ersten Generation trotzdem.<br />
Mehr als 4 Millionen Autos wurden in <strong>der</strong> Zeit von 1980 bis<br />
46<br />
www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022
Haushaltsgerät auf Rä<strong>der</strong>n<br />
2003 produziert und damit war er das meistverkaufte Modell<br />
<strong>der</strong> Marke Fiat. Ab 1996 allerdings nur noch in Italien, da<br />
<strong>die</strong> Abgas- und Sicherheitsvorschriften in <strong>der</strong> EU verschärft<br />
wurden. Viele Fahrzeuge überlebten nur <strong>die</strong> ersten Jahre,<br />
da es keinen Korossionsschutz gab und viele Pandas bereits<br />
nach vier Jahren faustgroße Löcher in <strong>der</strong> Karosserie<br />
hatten. Der Beliebtheit war <strong>die</strong>s aber nicht abträglich, zumal<br />
Fiat hier nachbesserte. Die in den 80ern sehr bekannte<br />
Werbekampagne in Deutschland »Fiat Panda <strong>–</strong> <strong>die</strong> tolle Kiste«<br />
stellte <strong>die</strong> Alltagstauglichkeit, Ökonomie und Ökologie in<br />
den Vor<strong>der</strong>grund. Hier befand sich <strong>der</strong> Panda in guter Gesellschaft<br />
mit dem Citroen 2CV und dem Renault 4.<br />
Die Motoren <strong>der</strong> 1. Generation waren ursprünglich beim<br />
Fiat 850 verwendet worden und gehen auf den Motor, des<br />
1955 eingeführten Fiat 600 zurück. Dieser Motortyp mit<br />
Grauguss-Block und Aluminium-Zylin<strong>der</strong>kopf hat drei Kurbelwellenlager,<br />
eine kettengetriebene, seitliche Nockenwelle<br />
sowie hängende Ventile. Direkt auf dem Zylin<strong>der</strong>kopf<br />
sitzt <strong>der</strong> Vergaser. Die Motoren sind robust und zeigen<br />
auch Dauerläufer-Qualitäten: Es gibt Pandas mit Laufleistungen<br />
von mehr als 400.000 km. Die neu entwickelten „FI-<br />
RE-Motoren“ (Fully Integrated Robotized Engine) wurden<br />
von Robotern montiert, was weniger bewegte Teile als <strong>der</strong><br />
ältere OHV-Motor bedeutete. Eine zahnriemengetriebene<br />
Der wassergekühlte<br />
Vierzylin<strong>der</strong><strong>motor</strong> des<br />
Fiat Panda Typ 141 war<br />
keine Wan<strong>der</strong>düne, aber<br />
auch kein Rennwagen.<br />
obenliegende Nockenwelle und eine fünffach gelagerte<br />
Kurbelwelle kennzeichnen <strong>die</strong>sen 8-Ventiler. Die Leistungsausbeute<br />
war unwesentlich größer: Hubräume von<br />
769 - 1.108 cm 3 und 34 bis 55 PS (25 bis 40 kW). Fiat verwendete<br />
zuerst ausschließlich Weber-Einfachvergaser zur<br />
Gemischaufbereitung, später folgten Einspritzanlagen mit<br />
einer zentralen Einspritzdüse. Als Version „D“ gab es den<br />
Panda mit einem aus dem Fiat Uno stammenden 1.301<br />
cm³-Diesel<strong>motor</strong>, <strong>der</strong> 39 PS (29 kW) leistete. Gebaut wurde<br />
er von 1986 bis 1992.<br />
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Deutsche Vorkriegstechnik<br />
aus Kiew<br />
Die<br />
KMZ K750 kam 1956 auf den Markt und wurde von den Kiewer<br />
Motorrad Werken hergestellt. Dieses Motorrad basiert auf <strong>der</strong> BMW R71,<br />
<strong>die</strong> überwiegend als Gespann <strong>für</strong> <strong>die</strong> Wehrmacht bis 1941 im Einsatz war.<br />
Es wirkt alles noch recht<br />
unspektakulär, als David<br />
Wieprich mit seinem goldfarbenen<br />
Mercedes W123<br />
um <strong>die</strong> Ecke biegt. Der 2,5 l<br />
Reihen-6-Zylin<strong>der</strong> erzählt uns seine Geschichte, kraftvoll<br />
und ge<strong>die</strong>gen geben <strong>die</strong> 140 PS des M123 uns eine kurze<br />
aber klare Rückmeldung darüber, was alte und gut gehütete<br />
Motoren <strong>für</strong> eine Standfestigkeit beweisen können. Doch<br />
heute geht es eigentlich gar nicht um <strong>die</strong>ses Schmuckstück<br />
von 1980. Heute sollen „nur“ 3 Rä<strong>der</strong> unser Fokus sein. Zum<br />
Vorschein kommt ein Motorrad. Ein Beiwagen-Gespann, um<br />
genau zu sein. Die KMZ K750 von 1959 präsentiert sich in<br />
einem auf den ersten Blick nahezu perfekten Zustand.<br />
Noch bevor wir uns alles richtig anschauen können, gerät ihr<br />
Besitzer schon ins Schwärmen. „Ich wollte ja niemals Motorrad<br />
fahren, hatte nicht mal einen Führerschein. <strong>Das</strong> war<br />
damals nichts <strong>für</strong> mich.“ Soweit <strong>der</strong> Stand vor gut 2 ½ Jahren.<br />
Doch das Schicksal hatte an<strong>der</strong>e Pläne. Auf <strong>der</strong> Suche<br />
nach einem passenden Gefährt <strong>für</strong> seine Freundin begegnete<br />
David unerwartet dem „Molotov“, wie das Gespann im<br />
Osten früher gern genannt wurde. Die unweigerliche Folge:<br />
Gesehen, verliebt, gekauft. Der fehlende Führerschein jetzt<br />
nur noch Formsache. Mittlerweile sind unzählige Arbeitsstunden<br />
in <strong>die</strong> Aufbereitung <strong>der</strong> Maschine geflossen.<br />
Auch das Herzstück <strong>der</strong> K750,<br />
<strong>der</strong> ca. 26 PS starke 2-Zylin<strong>der</strong><br />
Motor mit 746 ccm hat volle Aufmerksamkeit<br />
erhalten. An<strong>der</strong>s<br />
als bei den meisten bekannten<br />
Motorrad<strong>motor</strong>en liegen <strong>die</strong> Zylin<strong>der</strong><br />
hier horizontal im Winkel<br />
von 180 Grad. Ungewöhnlich,<br />
im Fahrstil etwas gewöhnungsbedürftig,<br />
aber nicht weniger effizient. Die<br />
Zylin<strong>der</strong>bohrungen von 78mm haben<br />
mittlerweile durch Verschleiß Kolben<br />
im 1. Übermaß bekommen, so sind<br />
viele weitere Jahre Zuverlässigkeit<br />
und Leistung gesichert. Zuverlässigkeit,<br />
ein wichtiger Punkt, wenn man<br />
bedenkt, dass <strong>die</strong> ca. 350 Kg <strong>der</strong> Maschine<br />
PLUS Fahrer und ggf. Beifahrer<br />
auch durchs Land bewegt werden<br />
wollen. Hier trifft Fachwissen auf einen<br />
weiteren wichtigen Punkt im Bereich<br />
Oldtimer. Matching Numbers. Ein Begriff,<br />
welcher in Oldtimer- und Liebhaberkreisen<br />
einen kaum zu beziffernden<br />
Stellenwert einnimmt.<br />
Es ist immer wie<strong>der</strong> wun<strong>der</strong>voll zu sehen, wie sich Menschen<br />
mit <strong>der</strong>artiger Leidenschaft um den Erhalt solcher<br />
Schmuckstücke kümmern, wieviel Energie, Verständnis,<br />
Zeit, und am Ende natürlich auch Geld in solch ein Hobby<br />
fließen. Obwohl. Hobby? David hat hierzu eine klare Meinung:<br />
„<strong>Das</strong> ist nicht nur ein Hobby, das ist Liebe!“<br />
48<br />
www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022
LITERATUR<br />
Bücherseite rund um das Thema Motoren<br />
Im Bücherregal:<br />
Der Bulli<br />
des Ostens<br />
Während sich <strong>der</strong> Bulli in <strong>die</strong>ser Zeit vom T1 bis zum T4 wandelte,<br />
blieb sein DDR Pendant drei Jahrzehnte nahezu unverän<strong>der</strong>t<br />
in Produktion. Mit dem Einbau eines Viertakters von<br />
VW (sic!) mauserte sich <strong>der</strong> Barkas B 1000 in <strong>der</strong> Wendezeit<br />
zum B 1000-1. Äußerlich war bis auf <strong>die</strong> Typenbezeichnung<br />
kein Unterschied zu erkennen. Gestalterische Neuentwürfe<br />
bezogen sich in all den Jahren nur auf <strong>die</strong> Frontmaske, und<br />
selbst <strong>die</strong> scheiterten stets aus Kostengründen.<br />
1952 befassten sich <strong>die</strong> Verantwortlichen bei den Frankenberger<br />
Motorenwerken erstmals mit dem Nachfolger ihres<br />
noch aus Vorkriegsjahren stammenden Transporters Framo.<br />
Ein erster Prototyp konnte jedoch nicht überzeugen.<br />
Fünf Jahre später entstanden dann erste Funktionsmuster<br />
des Barkas (= Blitz), wie sich <strong>der</strong> DDR-Fahrzeughersteller<br />
mittlerweile umbenannt hatte. Es dauerte dann noch vier<br />
weitere Jahre, ehe <strong>der</strong> B 1000 (Ein-Tonner) serienreif war.<br />
Nachdem mehrere Vierzylin<strong>der</strong>, darunter auch ein Viertakter,<br />
verworfen worden waren, musste am Ende <strong>der</strong> Dreizylin<strong>der</strong>-Zweitakter<br />
aus dem Wartburg als Antrieb herhalten.<br />
Dennoch war <strong>der</strong> ostdeutsche Schnelltransporter zu Beginn<br />
international durchaus konkurrenzfähig. Er blieb aber stets<br />
ein Fahrzeug <strong>der</strong> Mangelwirtschaft. So lag <strong>die</strong> höchste Jahresproduktion<br />
bei lediglich 8.176 Einheiten (1975). Zudem<br />
ging rund <strong>die</strong> Hälfte <strong>der</strong> Fahrzeuge in den Export. Neben<br />
Ungarn war vor allem Belgien ein großer Abnehmer, wo <strong>der</strong><br />
Barkas auch mit einem Hochdach ausgestattet wurde und<br />
auch als günstiger Campingbus zu haben war.<br />
Mit dem Nie<strong>der</strong>gang des Zweitakters wurde <strong>der</strong> DDR-Bulli<br />
schon nach wenigen Jahren international abgehängt. Bereits<br />
1968 hatten daher Arbeiten <strong>für</strong> den Einbau eines Viertakters<br />
und am Nachfolger B 1100 begonnen. Nach drei<br />
Prototypen fiel er 1972 aber <strong>der</strong> Planwirtschaft zum Opfer.<br />
Es sollte dann noch fast 20 Jahre dauern, bis <strong>der</strong> Barkas<br />
endlich einen Viertakt-Motor bekam <strong>–</strong> wie Trabant und Wartburg<br />
von Volkswagen. Apropos Trabant: Mit ihm musste<br />
sich <strong>der</strong> Barkas <strong>die</strong> Farbpalette teilen. Wir wissen: Mit <strong>der</strong><br />
Wende war <strong>der</strong> Untergang <strong>der</strong> ostdeutschen Fahrzeugproduktion<br />
nicht mehr aufzuhalten. So sollte beispielsweise im<br />
März 1991 <strong>der</strong> Barkas mit Wohnmobilaufbau von Karmann<br />
in Serie gehen, doch am 10. April 1991 war in den beiden<br />
Werken Frankenberg und Hainichen bereits Schicht im<br />
Schacht. Der B 1000 ließ sich einfach nicht mehr preisgünstig<br />
genug herstellen. Und <strong>die</strong> Idee, <strong>die</strong> Produktion nahe St.<br />
Petersburg neu aufzubauen, scheiterte schließlich an den<br />
zu hohen Kosten.<br />
Mit dem Buch „Barkas B 1000: Der DDR-Schnelltransporter“<br />
rückt Torsten Langbein <strong>die</strong> Geschichte des Fahrzeugs<br />
bildreich in den Blickpunkt. Die 150 Abbildungen beinhalten<br />
auch eine Reihe seltener Aufnahmen, etwa des B 1100<br />
und <strong>der</strong> nie realisierten Frontentwürfe sowie <strong>der</strong> belgischen<br />
Hochdachausführung und des Karmann-Campers. Zudem<br />
gab es einen Entwurf von Westfalia. Vom B 1000-1 mit<br />
1,3-Liter-VW-Motor wurden lediglich nur noch knapp 1.500<br />
Stück gebaut. Ihnen standen am Ende über 176.000 Stück<br />
des DDR-Originals gegenüber.<br />
Mit einer Reihe von Schnitt- und Explosionszeichnungen<br />
widmet sich Torsten Langbein immer wie<strong>der</strong> auch technischen<br />
Details. Einige Passagen lesen sich ein wenig irritierend<br />
wie zeitgenössischer Jargon, ohne dass es sich um<br />
Zitate handelt: „Dadurch hat <strong>der</strong> B 1000 als Schnelltransporter<br />
in den Bereichen Handel und Versorgung, Industrie,<br />
Handwerk, Landwirtschaft, Gesundheitswesen und den<br />
Staatlichen Organen als leistungsstarker und geräumiger<br />
Kleintransporter mit einer Nutzmasse von einer Tonne zur<br />
Lösung unterschiedlicher Transportaufgaben über 30 Jahre<br />
lang beigetragen. Zahlreiche Weiterentwicklungen und<br />
Detailverbesserungen führten im Laufe <strong>der</strong> Jahre zur einer<br />
Erhöhung des Gebrauchswertes, <strong>der</strong> Grenznutzungsdauer<br />
und Zuverlässigkeit.“<br />
„Barkas B 1000: Der DDR-Schnelltransporter“ von Torsten<br />
Langbein ist im Motorbuch-Verlag erschienen. <strong>Das</strong> Buch hat<br />
128 Seiten mit 150 Abbildungen und kostet 19,95 Euro.<br />
www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022<br />
49
MAN<br />
MIL GL KAT I<br />
Oldtimer im täglichen Einsatz:<br />
Ursprünglich 1962 als militärische<br />
Son<strong>der</strong>entwicklung <strong>für</strong> <strong>die</strong><br />
Bundeswehr entstanden, wird<br />
das charakterisitische Fahrzeug<br />
MAN KAT 1 auch von THW,<br />
UN und Feuerwehr genutzt.<br />
MAN 10 t gl mit Ladekran. Beladen mit<br />
Munition und gekennzeichnet gemäß Gefahrgutverordnung<br />
im Verfügungsraum eines Truppenübungsplatzes<br />
1. FeldArtLBtl 51 Idar-Oberstein.<br />
Wer sich schon einmal auf einem Truppenübungsplatz<br />
rumgetrieben hat, kennt das markante und schwere Motorengeräusch<br />
des hubraumstarken Achtzylin<strong>der</strong>s mit<br />
Turbola<strong>der</strong>. Der MAN KAT I ist das Gesicht <strong>der</strong> Bundeswehr.<br />
Denn kaum ein an<strong>der</strong>es Militärfahrzeug prägt das<br />
Bild <strong>der</strong> Streitkräfte mehr als <strong>der</strong> MAN, <strong>der</strong> militärisch<br />
korrekt als Lkw mil gl Kat I (militärisch geländegängig)<br />
bezeichnet wird. <strong>Das</strong> Kürzel „Kat“ steht dabei <strong>für</strong> „Kategorie“.<br />
Fast jede Einheit verfügt über mindestens eine<br />
Version des geländegängigen Lastenträgers, <strong>der</strong> in <strong>der</strong><br />
Lage ist, einem Kampfpanzer im Gelände zu folgen. Der<br />
„Fünftonner“ mit zwei Achsen wird ergänzt von <strong>der</strong> dreiachsigen<br />
Variante mit sieben Tonnen Zuladung und dem<br />
imposanten Vierachser <strong>für</strong> zehn Tonnen mit Doppellenkung<br />
vorne. Allen ist <strong>der</strong> verwindungsarme Kastenrahmen<br />
gemein und <strong>der</strong> Motor sitzt, im Gegensatz zu an<strong>der</strong>en<br />
Lastkraftwagen, hinter dem Fahrerhaus. Der KAT<br />
ist extrem belastbar und robust. Sein Motor gilt als unkaputtbar<br />
und ihm macht auch dreckiger o<strong>der</strong> wässriger<br />
Kraftstoff nicht das Geringste aus. Die Strahlungswärme<br />
des Motors ist gewöhnungsbedürftig, da es durch seine<br />
Positionierung beim Fahren kuschelig warm wird und<br />
man selten eine Zusatzheizung braucht. Hinzu kommt,<br />
dass keine unnötige Elektronik verbaut ist. Was an Elektrik<br />
vorhanden ist, wurde sehr reparaturfreundlich gehalten.<br />
Der normale Durchschnittsverbrauch liegt bei ca.<br />
38 l / 100km, Geländefahrten sind hier schon mit eingerechnet.<br />
Ursprünglich war in <strong>der</strong> Anfor<strong>der</strong>ungsliste ein<br />
Vielstoff<strong>motor</strong> vorgesehen, da aber <strong>die</strong> Beschaffungskosten<br />
zu hoch waren, wurde auf einen luftgekühlten<br />
Deutz V8-Motor mit und ohne Turboaufladung zurückgegriffen.<br />
Im Dezember 1975 unterschrieb <strong>die</strong> Bundeswehr<br />
mit MAN den Serienvertrag über <strong>die</strong> Lieferung von den<br />
nochmals in zwei Kategorien unterteilten militärischen<br />
Son<strong>der</strong>entwicklungen. So erfolgte im November 1976 <strong>die</strong><br />
Auslieferung <strong>der</strong> ersten Kategorie I MAN, des 10 t mil gl.<br />
Alle LKW <strong>der</strong> Serie sind im Baukastensystem aufgebaut.<br />
So bestehen sämtliche Fahrzeuge aus einem verwindungsarmen<br />
Kastenrahmen mit hochbeweglichen Achsen,<br />
<strong>die</strong> über Schraubenfe<strong>der</strong>n mit dem Rahmen verbunden<br />
sind. Der Motor sitzt im Frontlenkerfahrerhaus,<br />
welches durch eine Zwischenwand in Fahrer- und Motorraum<br />
geteilt wird. Als Beson<strong>der</strong>heit ist <strong>der</strong> Motor hinter<br />
dem Fahrerraum eingebaut und nicht wie bei an<strong>der</strong>en<br />
Frontlenkern darunter. Dadurch konnte eine Höhe über<br />
dem Führerhaus von knapp 2,9 m realisiert werden, was<br />
<strong>die</strong> Verladung auf Standard-Eisenbahnwagons ermöglicht.<br />
Um das Lichtraumprofil <strong>der</strong> Eisenbahn einzuhalten,<br />
wurden <strong>die</strong> oberen Kanten des Fahrerhauses charakteristisch<br />
abgeschrägt. Da <strong>die</strong> Fahrzeuge <strong>der</strong> ersten Bau-<br />
MAN 7 t gl KAT I: mit Ladekran<br />
und Leichtmetallschlägen nachgerüstetes<br />
Modell desTHW<br />
50 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022
MAN mil gl KAT I<br />
Ein Zweiachser<br />
im Dienst <strong>der</strong> UN.<br />
reihe noch auf den schwimmfähigen Prototypen basieren,<br />
ist <strong>der</strong>en Fahrerhaus nicht <strong>für</strong> Wartungszwecke kippbar.<br />
Dies wurde erst mit <strong>der</strong> zweiten Baureihe Mitte <strong>der</strong> 1980er<br />
Jahre eingeführt. Der Motor gibt seine Leistung über <strong>die</strong><br />
Wandler-Schaltkupplung, Schaltgetriebe und das Verteilergetriebe<br />
auf <strong>die</strong> Vor<strong>der</strong>- und Hinterachsen ab. In <strong>der</strong><br />
ersten Baureihe KAT I bildeten <strong>die</strong>se drei Komponenten<br />
eine Einheit und sind somit ein Son<strong>der</strong>bauteil.<br />
Für <strong>die</strong> späteren Baureihen KAT I A1 wurden günstigere<br />
Großserienteile aus <strong>der</strong> laufenden Lkw-Produktion verwendet.<br />
Damit ließ sich auch <strong>die</strong> Anzahl <strong>der</strong> Gänge von 6<br />
auf 16 erhöhen, was <strong>die</strong> theoretische Höchstgeschwindigkeit<br />
von 90 auf rund 120 km/h steigert. Bei <strong>der</strong> üblicherweise<br />
gefahrenen Geschwindigkeit von 80 km/h reduzierte<br />
sich <strong>die</strong> Motordrehzahl erheblich, was den Kraftstoffverbrauch<br />
senkte. Die Bordnetzspannung betrug 24 V und<br />
entsprach so dem Standard in <strong>der</strong> Bundeswehr. Der vierachsige<br />
LKW stellte den Abschluß <strong>der</strong> KAT I Familie dar.<br />
Ausgerüstet mit einem 320 PS Deutz<strong>motor</strong>, Abgasturbola<strong>der</strong><br />
und Ladeluftkühlung wird <strong>die</strong>ser LKW bis heute von<br />
den Versorgungseinheiten <strong>der</strong> Divisionen, Brigaden und<br />
Korpsverbände des Heeres eingesetzt. Durch <strong>die</strong> verlängerte<br />
Ladefläche wird <strong>die</strong>ses Fahrzeug <strong>für</strong> den Transport<br />
von Mengenverbrauchsgütern wie Munition und Kraftstoff<br />
genutzt und <strong>die</strong>nt <strong>der</strong> Versorgung <strong>der</strong> Kampfeinheiten.<br />
MAN baute in den Jahren 1976 bis 1985 zwei Versionen.<br />
Der Typ 454 verfügte über eine 5 t Seilwinde <strong>der</strong> Firma<br />
Rotzler und war auf Umschlaggeräte wie etwa Gabelstapler<br />
angewiesen. Dagegen verfügte <strong>der</strong> Typ 464 über einen<br />
1t Ladekran <strong>der</strong> Firma Atlas Weyhausen, montiert auf<br />
<strong>der</strong> linken Seite <strong>der</strong> Ladeflächenmitte. Bedingt durch den<br />
Ladekran konnte <strong>die</strong>ser Typ nur neun Europaletten laden.<br />
Im Rahmen <strong>der</strong> Auslandseinsätze <strong>der</strong> Bundeswehr wurden<br />
einige Fahrzeuge zusätzlich mit einer modularen<br />
Schutzausstattung (MSA) gepanzert, um den Schutz<br />
<strong>der</strong> Besatzung zu erhöhen. Neubauten <strong>der</strong> Generation 3<br />
verfügten dagegen je nach Modell über eine sogenannte<br />
Fahrzeugschutzausstattung (FSA). Zur Selbstverteidigung<br />
hatten <strong>die</strong> Fahrzeuge ein auf Drehringlafette montiertes<br />
Maschinengewehr MG3.<br />
Der MAN wird inzwischen auch vermehrt zivil genutzt. Sei<br />
es als Einsatzfahrzeug bei THW und Feuerwehr o<strong>der</strong> als<br />
8x8 Expeditionsfahrzeug und Campingmobil. Robust und<br />
unverwüstlich, vor allem <strong>für</strong> heiße Regionen geeignet durch<br />
seinen luftgekühlten Motor, wird er wohl auch in Jahrzehnten<br />
noch auf Straßen und im Gelände anzutreffen sein.//<br />
Koloss: V8-Diesel<strong>motor</strong><br />
mit 13 l Hubraum<br />
und 320 PS / 235 kW<br />
Technische Daten MAN gl Kat I<br />
HERSTELLER<br />
ANTRIEB<br />
MAN<br />
Deutz 8-Zylin<strong>der</strong> - V-90° - Diesel<strong>motor</strong><br />
mit Direkt-Einspritzung und Turboladung<br />
<strong>Das</strong> Cockpit aus dem<br />
Jahr 1962 ist reduziert auf<br />
das Wesentliche.<br />
HUBRAUM<br />
LEISTUNG<br />
MAXIMALER DREHMOMENT<br />
HÖCHSTGESCHWINDIGKEIT<br />
KRAFTSTOFFTANK INHALT<br />
MOTORÖL<br />
GETRIEBE<br />
ZULÄSSIGE GESAMTMASSE<br />
BESATZUNG<br />
12.763 ccm<br />
320 PS / 235 kW<br />
1.000 Nm bei 1.750 U/min<br />
ca. 120 km/h<br />
270 Liter<br />
33 Liter<br />
45 Liter<br />
22.000 kg<br />
1 Fahrer / 2 Beifahrer<br />
www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022<br />
51
HATZ<br />
<strong>Classic</strong> Parts<br />
Großes ET-Lager<br />
Pleuelstangen neu,<br />
Nachfertigung o<strong>der</strong><br />
instandgesetzt<br />
Er läuft, und läuft,<br />
und läuft... den<br />
Spruch kennt wohl<br />
je<strong>der</strong> in Bezug<br />
auf ein legendäres<br />
Automobil das<br />
Deutschland auf<br />
dem Weg nach<br />
oben begleitet hat.<br />
Aber auch auf ein<br />
„Arbeitstier“ trifft<br />
<strong>die</strong>se Redewendung<br />
zu. Die Die-<br />
Kurbelwelle HATZ Z790<br />
sel<strong>motor</strong>en <strong>der</strong><br />
Firma HATZ aus<br />
Ruhstorf in Nie<strong>der</strong>bayern<br />
haben sich aufgrund ihrer Zuverlässigkeit<br />
und Robustheit einen ähnlichen Ruf wie das eingangs<br />
erwähnte Krabbeltier aus Wolfsburg erarbeitet. Viele<br />
Aggregate verrichten noch immer ihren Dienst im harten<br />
Baualltag auf Rüttelplatten, in Walzen, in Stromerzeugern<br />
und vielen weiteren industriellen Geräten. Nicht zu<br />
vergessen, <strong>die</strong> mittlerweile meist in Liebhaberhänden untergekommenen<br />
Traktoren <strong>der</strong> Firma HATZ. Eine große<br />
Fangemeinde hat sich mittlerweile um <strong>die</strong> kleinen Kraftpakete<br />
aus Bayern gebildet. Es wird sich in Internetforen<br />
und auf Treffen ausgetauscht, <strong>die</strong> „Schätzchen“ gehegt<br />
und gepflegt. Solange <strong>der</strong> Motor läuft, kümmern sich viele<br />
Nutzer wenig um <strong>die</strong> Ersatzteile.<br />
Wehe jedoch, dass Herzstück <strong>der</strong> Maschine zickt.... Für<br />
viele folgt dann <strong>die</strong> Suche nach den passenden Ersatzteilen.<br />
Der industrielle Nutzer will <strong>die</strong> Maschine möglichst<br />
schnell wie<strong>der</strong> auf <strong>der</strong> Baustelle sehen, <strong>der</strong> Enthusiast,<br />
<strong>der</strong> nicht selten auch eine Kindheitserinnerung damit verbindet,<br />
entschließt sich dann zu einer Komplettüberholung<br />
bis hin zu den korrekten Aufklebern am Motor.<br />
Dank ihrer langjährigen Partnerschaft <strong>für</strong> HATZ Originalteile<br />
kommen <strong>die</strong> meisten Suchenden letztendlich zur<br />
Firma Friedrich Dicke GmbH & Co. KG. Die Motorenspezialisten<br />
aus Bischofswiesen haben sich über <strong>die</strong> Jahre<br />
einen weitreichenden Ruf nicht nur bei den aktuellen<br />
Motoren erarbeitet, son<strong>der</strong>n auch ein Hauptaugenmerk<br />
auf <strong>die</strong> sogenannten <strong>Classic</strong> Parts gerichtet. Durch <strong>die</strong><br />
langjährige enge und intensive Zusammenarbeit mit dem<br />
nie<strong>der</strong>bayerischen Hersteller sowie dem Unruhestand<br />
von Seniorchef Friedrich Dicke konnte ein beachtliches<br />
Wissen und ein großes Ersatzteillager <strong>für</strong> <strong>die</strong> alten Motoren<br />
aus Ruhstorf angesammelt werden.<br />
Jahrelang wurden <strong>die</strong> nach Bischofswiesen ausgelagerten<br />
<strong>Classic</strong> Parts durch Firma Dicke im Auftrag von<br />
52 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022
Hatz <strong>Classic</strong> Parts<br />
Nachfertigung<br />
Schalldämpfer<br />
<strong>für</strong> E673<br />
HATZ an <strong>der</strong>en<br />
Kunden kommissioniert<br />
und verschickt.<br />
Viele benötigte<br />
Teile, <strong>die</strong><br />
werksseitig nicht<br />
mehr geliefert<br />
werden konnten,<br />
wurden durch das<br />
Engagement <strong>der</strong> Firma Dicke, soweit möglich beim ehemaligen<br />
Originalhersteller, nachbeschafft. Der Vertrieb<br />
<strong>der</strong> Baureihen E6, E7, E8 und Z durch <strong>die</strong> Motorenfabrik<br />
HATZ wurde vor mehr als 20 Jahren eingestellt. Folgerichtig<br />
wurden dann im Februar 2022 <strong>die</strong> restlichen<br />
Ersatzteile <strong>der</strong> vom Hersteller nicht mehr unterstützten<br />
Motorenserien an <strong>die</strong> Firma Dicke verkauft. Diese zeichnet<br />
seither eigenverantwortlich und werksunabhängig <strong>für</strong><br />
den Vertrieb <strong>der</strong> Ersatzteile und <strong>der</strong>en Nachbeschaffung<br />
verantwortlich. Insbeson<strong>der</strong>e <strong>die</strong> Nachbeschaffung bereitet<br />
aufgrund <strong>der</strong> angespannten Situation auf den Rohstoff-<br />
und Zuliefermärkten einen bisher nicht bekannten<br />
Aufwand und erfor<strong>der</strong>t mitunter viel Geduld.<br />
Aus Schrott<br />
wird Kunst<br />
Ventile<br />
Volles Programm<br />
Durch den richtigen Spürsinn <strong>für</strong> <strong>die</strong> benötigten Teile ist<br />
man in <strong>der</strong> Lage, sämtliche Kunden zeitnah und flexibel<br />
mit Original-Ersatzteilen & hochwertigen Nachfertigungen<br />
in Erstausrüsterqualität <strong>für</strong> ihre Aggregate zu versorgen.<br />
Mittlerweile be<strong>die</strong>nt <strong>der</strong> Familienbetrieb aus dem Berchtesgadener<br />
Land Kunden auf dem ganzen Globus. Der<br />
weiteste Kundenkontakt reicht bis nach Neu-Kaledonien<br />
in <strong>der</strong> Südsee. Sollte mal ein Ersatzteil nicht mehr zur<br />
Verfügung stehen, wird auf den umfassenden Fundus an<br />
Gebrauchtteilen zurückgegriffen.. Diese Teile werden <strong>für</strong><br />
<strong>die</strong> Kunden aufbereitet, Zylin<strong>der</strong> gebohrt & gehont, Pleuel<br />
ausgewinkelt u.v.m. Auf Bestellung werden komplette Motoren,<br />
wie <strong>die</strong> <strong>der</strong> E und Z Serie, neu aufgebaut und nach<br />
einem Prüfstandslauf an <strong>die</strong> Kundschaft ausgeliefert. Auch<br />
bei technischen Fragen kann in den meisten Fällen schnell<br />
und unkompliziert weitergeholfen werden. In <strong>der</strong> Regel bekommt<br />
man jeden Problemfall wie<strong>der</strong> zum Laufen.<br />
Natürlich kümmert sich das Team rund um Seniorchef<br />
Friedrich Dicke als Servicepartner <strong>der</strong> Marke HATZ auch<br />
um Instandsetzung, Service und Vertrieb <strong>für</strong> <strong>die</strong> aktuelle<br />
Produktlinie von Industrie<strong>die</strong>sel<strong>motor</strong>en.//<br />
HATZ ES79<br />
Neuaufbau<br />
Standort Bischofswiesen<br />
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53
Der Seltene<br />
Er sollte das revolutionärste Auto <strong>der</strong> USA werden. Werbeslogan: Heute das Auto <strong>für</strong> morgen.<br />
Der Tucker 48 war in den frühen Nachkriegsjahren eine radikale Antithese zur Massenware<br />
von Ford, Chrysler und General Motors. Futuristisch, aerodynamisch und flach.<br />
Blick auf <strong>die</strong> reduzierte,<br />
aber elegante Tachoeinheit<br />
Un<strong>der</strong>statement sieht an<strong>der</strong>s aus:<br />
Gleich sechs Endrohre<br />
zieren das Heck des Tucker.<br />
Tucker. Tucker? Ein Automobilunternehmen mit <strong>die</strong>sem<br />
Namen spielte gegen Ende <strong>der</strong> 1940er Jahre nur eine<br />
winzige Rolle und dürfte inzwischen nur wenigen Oldtimer-Enthusiasten<br />
etwas sagen. Insgesamt schaffte es<br />
<strong>die</strong> Tucker Corporation aus Chicago in den USA innerhalb<br />
ihrer kurzen Existenz, ein einziges Modell auf <strong>die</strong><br />
Rä<strong>der</strong> zu stellen und davon gerade einmal 51 Exemplare<br />
zu produzieren. 47 haben bis heute überlebt. Eines<br />
davon wurde 2018 bei Sotheby´s <strong>für</strong> 1.792.000 Dollar<br />
versteigert.<br />
Preston Tucker, 1903 geboren in <strong>der</strong> Nähe von Detroit,<br />
muss schon früh seine Liebe zum Automobil entwickelt<br />
haben. Angeblich soll er schon im zarten Alter von elf Jahren<br />
hinter dem Steuer gesessen, mit 16 einen schwunghaften<br />
Gebrauchtwagenhandel aufgezogen und später<br />
nach abgebrochener Schulausbildung eine Laufbahn als<br />
Polizist eingeschlagen haben. Einziger Grund: Er war von<br />
den schnellen Autos und Motorrä<strong>der</strong>n <strong>der</strong> Gesetzeshüter<br />
mehr als fasziniert. Seine Karriere endete allerdings abrupt<br />
als sich herausstellte, dass er <strong>für</strong> den Dienst viel zu<br />
jung war. Danach eröffnete er eine Tankstelle und arbeitete<br />
kurze Zeit bei Ford am Fließband. In den 1930er Jahren<br />
begeisterte er sich <strong>für</strong> den Motorsport, beschäftigte<br />
sich angesichts des drohenden Kriegs in Europa mit <strong>der</strong><br />
Konstruktion eines Panzers und scheiterte später an <strong>der</strong><br />
Entwicklung eines Kampfflugzeugs.<br />
Sein großer Wurf gelang Preston Tucker kurz nach<br />
Kriegsende mit <strong>der</strong> Präsentation des Tucker 48, des ersten<br />
und einzigen von ihm herausgebrachten Autos. Doch<br />
das Schicksal meinte es nicht gut <strong>–</strong> we<strong>der</strong> mit Tucker<br />
noch mit seinem Auto. So wie 20 Jahre später <strong>der</strong> NSU<br />
Ro 80 in Deutschland, war <strong>der</strong> Tucker 48 in den USA sei-<br />
54 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022
Der Seltene <strong>–</strong> Tucker 48<br />
ner Zeit um Längen voraus. „Car of Tomorrow“, Auto von<br />
morgen, lautete <strong>der</strong> Werbeslogan.<br />
Seine Karosserie, <strong>für</strong> <strong>der</strong>en Gestaltung <strong>der</strong> Designer<br />
Alex Tremulis angeblich nur eine Woche benötigte, unterschied<br />
sich drastisch von damals gewohnten Formen und<br />
zeichnete sich durch einen Luftwi<strong>der</strong>standsbeiwert von<br />
0,27 aus. Zudem bot das Auto Sicherheitseinrichtungen,<br />
<strong>die</strong> erst Jahre später Standard wurden wie zum Beispiel<br />
Sicherheitsglas, Sicherheitsgurte, Scheibenbremsen, gepolstertes<br />
Armaturenbrett o<strong>der</strong> Kurvenlicht. Sein Sechszylin<strong>der</strong>-Boxer<strong>motor</strong><br />
mit Benzineinspritzung (5,5 Liter Hubraum,<br />
123 kW / 167 PS) befand sich im Heck und trieb<br />
später den Helikopter Bell 47 an.<br />
Den Großen Drei aus Detroit <strong>–</strong> Chrysler, Ford und General<br />
Motors <strong>–</strong> war <strong>der</strong> unwillkommene Newcomer mehr<br />
als nur ein Dorn im Auge. Sie versuchten, ihn mit allen<br />
legalen und illegalen Mitteln aus dem Weg zu räumen und<br />
hatten Ende <strong>der</strong> 1940er Jahre mit ihren Schmutzkampagnen<br />
Erfolg. Preston musste sich wegen angeblicher Steuerhinterziehung<br />
in Höhe von 30 Millionen Dollar vor Gericht<br />
verantworten. Er wurde zwar freigesprochen, konnte<br />
sich aber von dem Schlag bis zu seinem Lebensende<br />
1956 nicht mehr erholen. Den amerikanischen Regisseur<br />
Francis Ford Coppola faszinierte das Leben von Preston<br />
Tucker und <strong>die</strong> Geschichte seines Autos so sehr, dass er<br />
darüber 1988 den Spielfilm „Ein Mann und sein Traumauto"<br />
(im englischen Original „The Man and his Dream") mit<br />
Jeff Bridges in <strong>der</strong> Hauptrolle drehte.<br />
Der Tucker 48, welcher in Phoenix/Arizona beim Auktionshaus<br />
Sotheby's unter den Hammer kam, war im Besitz<br />
seines Produzenten Preston Tucker höchstpersönlich, bis<br />
<strong>der</strong> ihn 1955 an den Gouverneur von Arkansas verkaufte.<br />
Der wie<strong>der</strong>um reichte den Wagen 1959 an einen Besitzer<br />
in Los Angeles weiter. Während Preston Tucker ihn schon<br />
1948 in einem Werbefilm und in Farbe <strong>für</strong> sein Unternehmen<br />
auftreten ließ, spielte das Auto 1988 auch eine Rolle<br />
in Coppolas Film. Obwohl das inzwischen von Grund auf<br />
restaurierte Fahrzeug im Laufe seines 70jährigen Lebens<br />
durch eine Vielzahl verschiedener Hände wan<strong>der</strong>te, ist<br />
seine Laufleistung erstaunlich kurz. Auf dem Tacho stehen<br />
nur 19.199 Meilen was 30.898 Kilometern entspricht.<br />
(ampnet/hrr)<br />
Mittig sitzt <strong>der</strong> Scheinwerfer<br />
<strong>für</strong> das Kurvenlicht<br />
Nur fliegen ist schöner:<br />
Der 5,5 l Boxer<strong>motor</strong> verrichtet<br />
seine Arbeit auch im<br />
Hubschrauber Bell 47<br />
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Sie sorgen da<strong>für</strong>, dass <strong>der</strong><br />
Motor exzellent läuft.<br />
Wir sorgen da<strong>für</strong>, dass Ihre<br />
Expertise bekannt wird.<br />
BEPOINT. Neue Perspektiven.<br />
Als Spezialisten im Motoren Bereich kennen wir <strong>die</strong> <strong>Branche</strong> und ihre<br />
Anfor<strong>der</strong>ungen. Gezielte Umsetzung, ganz ohne lange Erklärungen.<br />
Wir begleiten Sie von <strong>der</strong> Markenentwicklung und einem mo<strong>der</strong>nen<br />
Corporate Design über Onlinekommunikation bis hin zu Werbekampagnen.<br />
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