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der motor classic – Das Classic- & Oldtimermagazin – Kommunikation für die Branche

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Mit freundlicher Unterstützung<br />

<strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022 | Schutzgebühr 5,90 €<br />

Verband <strong>der</strong> Motoren-<br />

Instandsetzungsbetriebe<br />

BÜSSING und <strong>die</strong><br />

Erfindung <strong>der</strong><br />

Unterflur<strong>motor</strong>en<br />

Grandezza<br />

<strong>für</strong> den Acker<br />

Schönheiten vom Lande <strong>–</strong><br />

italienische Oldtimer-Traktoren<br />

Die<br />

Legende<br />

lebt!


Editorial<br />

Liebe Leserinnen und Leser,<br />

das „<strong>der</strong> <strong>motor</strong> <strong>classic</strong>“ Magazin begeistert<br />

<strong>für</strong> „alte“ Motoren. Für <strong>die</strong><br />

Feinheiten, <strong>die</strong> durchdachte Technik<br />

und das fortschrittliche Denken<br />

<strong>der</strong> Konstrukteure zur damaligen<br />

Zeit. Unsere Berichterstattung ist<br />

abwechslungsreich und beschränkt<br />

sich nicht auf Äußerlichkeiten, son<strong>der</strong>n<br />

wir betrachten Entwicklungen,<br />

<strong>die</strong> unser heutiges Leben maßgeblich<br />

beeinflussen.<br />

Unter den Berichten sind zum einen<br />

echte Klassiker, welche je<strong>der</strong><br />

kannte und <strong>die</strong> sich durch Film und<br />

Fernsehen einen Namen gemacht<br />

haben und teilweise noch heute Bekanntheit genießen. Zum an<strong>der</strong>en sind<br />

es Preziosen, <strong>die</strong> ihre Leistung erbracht und in ihren jeweiligen <strong>Branche</strong>n<br />

und Einsatzgebieten sehr wohl geschätzt, aber von <strong>der</strong> breiten Masse unbeachtet<br />

blieben.<br />

Wir lenken den Blick auf <strong>die</strong> unterschiedlichsten Fahrzeuge und <strong>die</strong> Feinheiten<br />

von <strong>der</strong>en Motoren. Die Bauweise, <strong>der</strong> Fortschritt <strong>der</strong> Technik und<br />

Entwicklung, all <strong>die</strong>s beeinflussten <strong>die</strong> Karosserie und Möglichkeiten enorm.<br />

Um einen fast „unsichtbaren“ Motor wie in <strong>der</strong> heutigen Zeit zu bekommen,<br />

waren viele Konstrukteure, Techniker und Profis ihres Faches nötig. Und<br />

manchmal gab es sie auch, <strong>die</strong> Ideen, <strong>die</strong> bei ihrer Entdeckung nichts wert<br />

waren, einfach weil <strong>die</strong> Zeit <strong>für</strong> sie noch nicht gekommen war.<br />

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen.<br />

Ihr<br />

Thomas Cor<strong>die</strong>r<br />

(Geschäftsführer)


Inhalt<br />

Über den Fluß und in <strong>die</strong> Wäl<strong>der</strong> <strong>–</strong> Der Landrover Defen<strong>der</strong><br />

<strong>Das</strong> Konzept ETA <strong>–</strong> BMWs Drossel<strong>motor</strong> als Dieselalternative<br />

Innovative Additive von ERC <strong>für</strong> Ihren Oldtimer<br />

Büssing, MAN und ein genialer Konstrukteur<br />

Motoren Langbauer in Graz <strong>–</strong> Mehr als 50 Jahre Oldtimer Fachkenntnis<br />

<strong>Classic</strong>-Cars-Stu<strong>die</strong> <strong>–</strong> Die deutsche Oldtimer-Hochburg heißt Bottrop<br />

V8-Motoren in <strong>der</strong> Kompaktklasse <strong>–</strong> AMC Pacer und MGB GT V8<br />

Son<strong>der</strong>anfertigungen von Elring <strong>–</strong> Top-Qualität in allen Varianten<br />

Komm, wir fahren! <strong>–</strong> Die 1. Röhrl-Klassik startet<br />

Designikone <strong>–</strong> Der Jaguar E-Type<br />

Im Rückspiegel <strong>–</strong> Mit <strong>der</strong> 80 übersprang Audi erstmals <strong>die</strong> Million<br />

HY-PE! <strong>–</strong> Der französische Bulli Citroen HY<br />

Motorschäden bei Neuwagen in zunehmen<strong>der</strong> Anzahl<br />

Grandezza <strong>für</strong> den Acker <strong>–</strong> Italienische Oldtimer-Traktoren<br />

Haushaltsgerät auf Rä<strong>der</strong>n <strong>–</strong> Die »tolle Kiste« Fiat Panda<br />

Deutsche Vorkriegstechnik aus Kiew <strong>–</strong> Die KMZ K750<br />

Im Bücherregal <strong>–</strong> Der Bulli des Ostens<br />

Oldtimer im täglichen Einsatz <strong>–</strong> MAN MIL GL KAT 1<br />

HATZ <strong>Classic</strong> Parts <strong>–</strong> Ersatzteilversorgung <strong>für</strong> Diesel<strong>motor</strong>en<br />

Der Seltene <strong>für</strong> den großen Geldbeutel <strong>–</strong> Tucker 48<br />

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IMPRESSUM<br />

Unternehmen<br />

BEPOINT Me<strong>die</strong>n GmbH<br />

Amselweg 3, D 53498 Bad Breisig<br />

Telefonkontakt: +49 (0)2633 47595 20<br />

E-Mail-Kontakt: redaktion@bepoint.de<br />

Webseite<br />

www.bepoint.de<br />

Herausgeber<br />

Geschäftsführer:<br />

Thomas Cor<strong>die</strong>r<br />

Gestaltung<br />

Me<strong>die</strong>n GmbH<br />

Druck<br />

Vulkan-Druckerei oHG<br />

August-Horch-Str. 15<br />

D 56736 Kottenheim<br />

Bildnachweise<br />

AdobeStock: S. 1-3, 4-7, 9, 11, 17, 30-31,<br />

35-36, 39, 40, 46-47; Pixabay: S. 13, 19,<br />

28-30, 37, 49; Wikipedia: S. 8-9, 12-15,<br />

22-23, 37-38, 40-43, 50-51; amp.net: S.18,<br />

21, 26-27, 32-34, 49, 54-55; Pexels: S. 56;<br />

S. 4-7 Text: mk BEPOINT Me<strong>die</strong>n; S. 8-10<br />

Text: mk BEPOINT Me<strong>die</strong>n; S.11 Text:<br />

jf BEPOINT Me<strong>die</strong>n; S.12-15 Text: mk<br />

BEPOINT Me<strong>die</strong>n; S. 16-17 Text: jf<br />

BEPOINT Me<strong>die</strong>n, Fotos: Langbauer<br />

Motoren; S.18-21 Text: amp.net; S. 22-23<br />

Text: mk BEPOINT Me<strong>die</strong>n; S. 24-25 Text +<br />

Fotos: Elring; S. 26-27 Text: amp.net; S.28-<br />

31 Text: mk BEPOINT Me<strong>die</strong>n; S.32-34<br />

Text: amp.net; S. 36-38 Text: mk BEPOINT<br />

Me<strong>die</strong>n; S. 39 Text: amp.net; S.40-43 Text:<br />

mk BEPOINT Me<strong>die</strong>n; S. 46-47 Text: mk<br />

BEPOINT Me<strong>die</strong>n; S. 48 Text + Fotos: ts<br />

BEPOINT Me<strong>die</strong>n; S. 49 Text: amp.net;<br />

S. 50-51 Text: mk BEPOINT Me<strong>die</strong>n; S. 52-<br />

53 Text: Friedrich Dicke GmbH & Co. KG<br />

Fotos: Friedrich Dicke GmbH & Co. KG,<br />

HATZ; S. 54-55 Text: amp.net<br />

Ausgabe<br />

<strong>classic</strong> 1/2022<br />

Auflage<br />

Print und Digital<br />

Alle Beiträge sind urheberrechtlich<br />

geschützt, Reproduktionen bedürfen <strong>der</strong><br />

schriftlichen Genehmigung. Eine Gewähr<br />

<strong>für</strong> <strong>die</strong> Richtigkeit <strong>der</strong> Veröffentlichung<br />

kann trotz sorgfältiger Prüfung nicht übernommen<br />

werden. Warenzeichen werden<br />

auch ohne ausdrückliche Kennzeichnung<br />

anerkannt. Druckfehler und Irrtümer nicht<br />

ausgeschlossen.<br />

Mit freundlicher Unterstützung<br />

Verband <strong>der</strong> Motoren-<br />

Instandsetzungsbetriebe<br />

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Über den Fluß<br />

und in<br />

<strong>die</strong> Wäl<strong>der</strong><br />

Hemingway hätte als Abenteurer sicherlich seine Freude an <strong>die</strong>sem robusten<br />

Gelände-Klassiker gehabt. Immerhin sind 75 % aller jemals ausgelieferten<br />

Land Rover, seit 1990 unter dem Namen »Defen<strong>der</strong>« bekannt, noch im Einsatz.<br />

Bis heute hat <strong>der</strong> Wagen Kultstatus, wird allerdings inzwischen gerne in<br />

Großstadtdschungeln wie Hamburg o<strong>der</strong> Berlin gefahren, was aber beim<br />

dortigen Zustand mancher Straßen durchaus seine Berechtigung hat.<br />

Einigen Lesern dürfte <strong>der</strong> Defen<strong>der</strong> noch aus <strong>der</strong><br />

US-Fernsehserie »Daktari« bekannt sein. Die Wahl des<br />

Fahrzeugs ist insofern verwun<strong>der</strong>lich, da <strong>die</strong> Amerikaner ja<br />

mit dem Jeep ein adäquates Pendant gehabt hätten. Auch<br />

<strong>der</strong> Camel-Mann (<strong>für</strong> <strong>die</strong> geh ich meilenweit) wird zu seinen<br />

Zigaretten eher gefahren sein, da sich im Hintergrund immer<br />

mal wie<strong>der</strong> ein »Landy« entdecken lässt. <strong>–</strong> Meine ersten Begegnungen<br />

in <strong>der</strong> Jugend waren <strong>die</strong> kurze Militärausführung<br />

Wolf, durch eine nahegelegene Englän<strong>der</strong>-Siedlung, sowie<br />

diverse Kasernen in <strong>der</strong> weiteren Umgebung. <strong>Das</strong> charakteristische<br />

Motorengeräusch <strong>die</strong>ser Serie III war ziemlich<br />

einzigartig, da damals in Deutschland nur sehr selten zivile<br />

Defen<strong>der</strong> fuhren.<br />

Tatsächlich war <strong>die</strong> Inspirationsquelle <strong>für</strong> <strong>die</strong> Entstehung des<br />

Land Rovers <strong>der</strong> dann von 1948 bis 2016 über zwei Millionen<br />

mal gebaut wurde, ein »Willys-Jeep«. Nach dem Zweiten<br />

Weltkrieg gab es in England verbliebene Jeeps, <strong>die</strong> gerne<br />

von Landwirten genutzt wurden. Ihre Anzahl nahm aber<br />

stetig ab und konnte den Bedarf bei weitem nicht decken.<br />

So entstand durch <strong>die</strong> Initiative des Chefingenieurs von<br />

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Land Rover Defen<strong>der</strong><br />

Zum Expeditionsfahrzeug<br />

umgerüsteter Defen<strong>der</strong> 110<br />

Seine Qualitäten im<br />

Gelände rühren von seiner<br />

ursprünglichen Verwendung<br />

in <strong>der</strong> Landwirtschaft<br />

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Rover ein funktionales Fahrzeug <strong>für</strong> den landwirtschaftlichen<br />

Bereich. Von Anfang an wurde das Fahrzeug als das »go<br />

anywhere vehicle« beworben. Seine Geländegängigkeit und<br />

seine Robustheit wurden immer hervorgehoben. Prospekte<br />

zeigten ihn anfangs als Arbeitsgerät in <strong>der</strong> Landwirtschaft<br />

o<strong>der</strong> Industrie. Im April 1948 wurde das Fahrzeug dann<br />

auf <strong>der</strong> Amsterdamer Motor Show <strong>der</strong> Öffentlichkeit vorgestellt.<br />

Es hieß einfach nur Land Rover und wurde von einem<br />

50 PS (37 kW) 1,6 Liter Benziner angetrieben. 1957 ergänzte<br />

den Benzin<strong>motor</strong> ein neuer 2,0 L Diesel<strong>motor</strong> mit<br />

obenliegen<strong>der</strong><br />

Ventilsteuerung<br />

Serie IIa mit<br />

(Overhead Valves<br />

OHV). <strong>Das</strong><br />

aussenliegenden<br />

Scheinwerfern<br />

Fahrzeug war<br />

insgesamt sehr<br />

spartanisch ausgestattet<br />

und<br />

<strong>der</strong> Rahmen war<br />

auch nicht mehr<br />

verzinkt, wie ursprünglich<br />

vorgesehen.<br />

Diese<br />

Serie I wurde bis<br />

1958 gebaut und<br />

dann durch <strong>die</strong><br />

Serie II ersetzt.<br />

Nach dem großen und vor allem unerwarteten Erfolg wurden<br />

einige Dinge überarbeitet. Unter <strong>der</strong> Motorhaube war<br />

<strong>die</strong> größte Än<strong>der</strong>ung <strong>der</strong> neue 2,25 Liter Benzin<strong>motor</strong> mit 70<br />

PS. Dieser Motor überlebte dank seiner Robustheit bis in <strong>die</strong><br />

Serie III. Der 2,0 L Diesel<strong>motor</strong> blieb hingegen unverän<strong>der</strong>t.<br />

Ein Update innerhalb <strong>der</strong> zweiten Serie wird mit Serie IIa betitelt.<br />

Bauzeit war von 1961 bis 1971. Hier hielt ab 1967 erstmalig<br />

ein 2,6 Liter 6 Zylin<strong>der</strong><br />

Benzin<strong>motor</strong> Einzug, <strong>die</strong> bis<br />

dato größte Motorisierung,<br />

sowie ein überarbeiteter<br />

Diesel<strong>motor</strong> mit 2,28 l Hubraum.<br />

Dieses Modell war<br />

auch das erste, welches das<br />

noch heute vorhandene Aussehen<br />

<strong>der</strong> Frontpartie hatte,<br />

bei dem <strong>die</strong> Scheinwerfer<br />

nach außen wan<strong>der</strong>ten, da<br />

<strong>die</strong>s inzwischen in zahlreichen<br />

Län<strong>der</strong>n Pflicht war.<br />

Landrover aus <strong>der</strong><br />

Serie II mit<br />

innenliegenden<br />

Scheinwerfern<br />

im neuen Kühlergrill nie<strong>der</strong>schlug. <strong>Das</strong> nun erstmals aus<br />

Kunststoff gefertigte Teil stieß jedoch auf wenig Gegenliebe,<br />

wurden <strong>die</strong> alten aus Metall doch bisher oft zum Grillen über<br />

offenem Feuer genutzt. Diese neue Frontpartie än<strong>der</strong>te sich<br />

dann noch einmal, als erstmalig ein V8-Motor in den Wagen<br />

verpflanzt wurde. Seitdem ist <strong>die</strong> Fronpartie bündig und <strong>der</strong><br />

nun schwarze Kühlergrill ist nicht mehr eingezogen.<br />

Zu Anfang wurden <strong>die</strong> Motoren <strong>der</strong> Serie IIa weiterverwendet,<br />

später ersetzte ein von Rover entwickelter 3,5 l<br />

V8-Motor mit 66 kW (91 PS) bei 3.500 U/min den 2,6 l<br />

6-Zylin<strong>der</strong>. Um <strong>die</strong> Kraft des V8 Motors aufzunehmen, wurde<br />

in den Serie III Modellen mit <strong>die</strong>sen Motoren ein neues<br />

Getriebe verbaut.<br />

Die Serie III markierte in <strong>der</strong> Geschichte Land Rovers einen<br />

wichtigen Punkt. Sie war einerseits das letzte Modell<br />

aus <strong>der</strong> Reihe <strong>der</strong> erfolgreichen Serien und beendete <strong>die</strong><br />

Ära so mancher Technik, wie <strong>die</strong> <strong>der</strong> Blattfe<strong>der</strong>n. Sie über-<br />

Im September 1971 kam <strong>die</strong><br />

Serie III auf den Markt, <strong>die</strong><br />

am längsten lief, nämlich bis<br />

1985. Eine For<strong>der</strong>ung von<br />

Land Rover war ein optisch<br />

mo<strong>der</strong>nisiertes Fahrzeug,<br />

was sich im Wesentlichen<br />

Spartanische Ausstattung<br />

in einem frühen Landy<br />

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Land Rover Defen<strong>der</strong><br />

Blick durch das<br />

Scheinwerfergehäuse<br />

auf den 2,28 l Benzin<strong>motor</strong><br />

gab aber auch etliches an <strong>die</strong> nachfolgenden Fahrzeuggenerationen.<br />

<strong>Das</strong> Antriebskonstrukt aus Motor, Getriebe,<br />

Untersetzungsgetriebe mit Abtrieb auf beide Achsen, <strong>der</strong><br />

Rahmen, <strong>die</strong> modulare Bauweise <strong>der</strong> Karosserie und auch<br />

ihre Form. An<strong>der</strong>erseits war <strong>die</strong> Serie III das erste Modell,<br />

in dem wichtige Neuerungen Einzug hielten, <strong>die</strong> dann <strong>für</strong><br />

viele Jahre in <strong>die</strong> neue Generation von Fahrzeugen übernommen<br />

wurden und welche <strong>die</strong> Zukunft <strong>die</strong>ser Baureihe<br />

sichern sollten.<br />

<strong>Das</strong> heute als »Defen<strong>der</strong>« allseits bekannte Land Rover<br />

Modell kam 1983 mit <strong>der</strong> Bezeichnung One Ten (110) auf<br />

den Markt. 110 bezieht sich auf den Achsabstand in Zoll,<br />

sehr beliebt ist auch <strong>der</strong> kürzere Ninety (90). Aus marketingtechnischen<br />

Gründen sind <strong>die</strong>se Werte allerdings gerundet<br />

Im Herbst 1989 wurde eine Differenzierung des Modellnamens<br />

notwendig, da <strong>der</strong> Land Rover Discovery eingeführt<br />

wurde. Mitte <strong>der</strong> 1990er Jahre wurde <strong>der</strong> 200 Tdi Motor mit<br />

107 PS, <strong>der</strong> bereits im Discovery verbaut wurde, ebenfalls<br />

im Defen<strong>der</strong> angeboten. Durch <strong>die</strong>se Motorisierung wirkte<br />

<strong>der</strong> Landy erstmals etwas spritziger. Schnell ist er ohnehin<br />

nie gewesen, schließlich waren ein Leergewicht von 1.800<br />

kg und ein hoher Luftwi<strong>der</strong>stand im Weg. Immerhin waren<br />

in <strong>der</strong> Spitze 130-145 km/h möglich. Allerdings betrug <strong>der</strong><br />

Dieselverbrauch 10 bis 11 l/100 km.<br />

Eine Modellpflege des Defen<strong>der</strong> erfolgte 2007, sozusagen<br />

ein letztes Update <strong>die</strong>ser ewigen Baureihe. Cockpit und Sitze<br />

wurden verän<strong>der</strong>t und komfortabler ausgelegt. Die wichtigsten<br />

Än<strong>der</strong>ungen waren jedoch ein neuer Motor und ein<br />

Sechsganggetriebe. Bei <strong>der</strong> letzten Modellgeneration des<br />

Defen<strong>der</strong>s kam ein Ford-Vierzylin<strong>der</strong>-Diesel<strong>motor</strong> zum Einsatz,<br />

<strong>der</strong> unter an<strong>der</strong>em auch im Ford Transit fuhr und <strong>die</strong><br />

Euro-4-Abgasnorm erfüllte. Diese Normen zu erfüllen wurde<br />

immer schwieriger und <strong>die</strong> Karosserie-Form war zudem mit<br />

den EU-Richtlinien zum Fußgängerschutz nicht mehr vereinbar.<br />

Nach fast 70 Jahren Bauzeit neigte sich <strong>die</strong> Ära Land<br />

Rover Defen<strong>der</strong> ihrem Ende entgegen. Drei Son<strong>der</strong>modelle<br />

mit beson<strong>der</strong>en Ausstattungspaketen markierten dann 2016<br />

das Produktionsende.//<br />

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Seiner Zeit um einiges voraus <strong>–</strong> Der BMW Sechszylin<strong>der</strong> M20 B27 startete 1982 mit dem<br />

Konzept eines hubraumstarken und dennoch umweltfreundlichen und sparsamen Drossel<strong>motor</strong><br />

als Diesel<strong>motor</strong>-Alternative. Namensgeber ist <strong>der</strong> griechische Buchstabe Eta,<br />

welcher in <strong>der</strong> Technik als Bezeichnung <strong>für</strong> den Wirkungsgrad verwendet wird.<br />

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<strong>Das</strong> Konzept ETA<br />

Sieht man heute <strong>die</strong> Bezeichnung „e“ auf dem Heckdeckel<br />

eines aktuellen BMW, handelt es sich um einen Plugin-<br />

Hybrid, also ein Fahrzeug mit <strong>der</strong> Möglichkeit, eine kurze<br />

Strecke rein elektrisch zurückzulegen. 1982 stand das<br />

Kürzel „e“ <strong>für</strong> ein innovatives Motorkonzept, welches mit<br />

größerem Hubraum, weniger Leistung und dadurch weniger<br />

Verbrauch auftrumpfte. Der eta-Motor stellt damit das<br />

genaue Gegenteil des heutigen Downsizing dar, seine Intention<br />

ist aber <strong>die</strong> gleiche: Umweltschutz.<br />

Die Basis <strong>für</strong> <strong>die</strong>ses Konzept war <strong>der</strong> M20. Dieser wurde<br />

als „kleiner“ Sechszylin<strong>der</strong> Mitte <strong>der</strong> 1970er Jahre entwickelt,<br />

da <strong>der</strong> ab 1968 gebaute „große“ Sechszylin<strong>der</strong> BMW<br />

M30 aufgrund seiner Abmessungen nicht <strong>für</strong> <strong>die</strong> erste 3er<br />

Reihe E21 geeignet war. In <strong>der</strong> 2. Generation E 30 stellte<br />

<strong>der</strong> M20 B27 vom Hubraum her das größte Modell dar,<br />

sollte aber anhand des <strong>für</strong> BMW untypischen Konzeptes<br />

und den Verkaufszahlen eher ein Nischendasein fristen.<br />

Die Bezeichnung M20 steht <strong>für</strong> <strong>die</strong> Motorgeneration 20 und<br />

B27 <strong>für</strong> den Hubraum von 2,7 Litern.<br />

Der eta-Motor hat im Vergleich zum konventionellen<br />

M20-Motor längere Saugrohre, geän<strong>der</strong>te Steuerzeiten<br />

und reduzierte Reibwerte durch Maßnahmen wie weichere<br />

Ventilfe<strong>der</strong>n, reduzierte Kolbenringvorspannung und<br />

nur vier Nockenwellenlager. Bei niedrigen Drehzahlen hat<br />

<strong>der</strong> eta ein erheblich höheres Drehmoment, bedingt durch<br />

den großen Hubraum. Den Maximalwert von 178 Nm des<br />

2,0-l-Motors erreicht <strong>der</strong> 2,7-l-Motor schon fast im Leerlauf<br />

unterhalb 1.000 U/min, <strong>der</strong> eigene Maximalwert liegt<br />

bei wuchtigen 240 Nm <strong>die</strong> bei 3.250 U/min anliegen. Dieser<br />

Wert lag auf Höhe <strong>der</strong> damaligen M30-Sechszylin<strong>der</strong>,<br />

z.B. im 728i <strong>der</strong> Baureihe E23 mit 2,8 l Hubraum, <strong>die</strong> aber<br />

deutlich höhere Leistungen (135 kW/184 PS bei 5.400<br />

U/min) erreichten. <strong>Das</strong> <strong>für</strong> <strong>die</strong> 80er Jahre technisch hochentwickelte<br />

Motronic-Steuergerät sorgt <strong>für</strong> einen ausgezeichnet<br />

ruhigen Motorlauf, gute Starteigenschaften und<br />

geringen Treibstoffverbrauch. Die typische BMW-Eigenschaft<br />

eines drehzahlfreudigen Motors ist da<strong>für</strong> allerdings<br />

nicht vorhanden, im Gegenteil beginnt <strong>der</strong> rote Bereich<br />

des Drehzahlmessers bereits bei 4.800 U/min. 1986 wurde<br />

<strong>der</strong> eta-Motor überarbeitet und bekam einen geän<strong>der</strong>ten<br />

Zylin<strong>der</strong>kopf vom M20B25. Die Nennleistung steigerte<br />

sich damit auf 95 kW (129 PS), und auch <strong>die</strong> Enddrehzahl<br />

wurde auf 5.300 U/min angehoben.<br />

Der Vorteil <strong>die</strong>ses Motors ist, er braucht sich nie anzustrengen.<br />

Um <strong>die</strong> gefor<strong>der</strong>te Kraft zu leisten, ist er dadurch<br />

praktisch von den ersten Kurbelwellenumdrehungen an<br />

voll da. Die niedrigen Drehzahlen sorgen <strong>für</strong> deutlich weniger<br />

Schadstoffausstoß als seine hochdrehenden Artgenossen.<br />

Serienmäßig wurde <strong>der</strong> eta zudem mit Abgasfilter und<br />

Katalysator ausgeliefert. Sogar im Benzinverbrauch hält er<br />

sich vornehm zurück. Der damals angegebene Testdurchschnitt<br />

lag bei 10,7 l/100 km. Möglich waren bei mo<strong>der</strong>ater<br />

Fahrweise sogar Werte von 7 - 9 Litern/100 km. Für so<br />

eine bullige Maschine in den 80ern ein Traumwert.<br />

Der eta vereint damit <strong>die</strong> Vorteile des Benziners, wie große<br />

Laufruhe, geringe Geräuschemissionen und spontanen<br />

Antritt, sowie <strong>die</strong> des Turbo<strong>die</strong>sels, hohes Drehmoment bei<br />

niedrigen Drehzahlen und geringen Verbrauch.<br />

Ursprünglich war sogar <strong>die</strong> breite Einführung <strong>der</strong> e-Linie,<br />

neben <strong>der</strong> i-Linie (Benziner mit Einspritzung) und <strong>der</strong> damals<br />

noch jungen d-Linie (Diesel<strong>motor</strong>en) geplant. Warum<br />

sich BMW letztendlich dagegen entschied, ist bis heute<br />

nicht bekannt, kann aber mit dem eher sportlich orientierten<br />

Image des Herstellers zusammenhängen.<br />

Irreführend auf dem Heckdeckel ist <strong>die</strong> Typbezeichnung<br />

Ansaugbrücke eines<br />

M20B27 mit Saugrohreinspritzung.<br />

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325e o<strong>der</strong> 525e. Die beiden letzten Ziffern stehen bei BMW<br />

<strong>für</strong> den Hubraum, also müssten <strong>die</strong> Modelle mit ihren 2,7<br />

l Hubraum 327e und 527e heissen. Eigentlich könnte das<br />

e auch <strong>für</strong> Effizienz stehen, da <strong>die</strong> eta-Modelle gerne von<br />

Sparern und Pfennigfuchsern gefahren wurden, was <strong>die</strong><br />

überdurchschnittlich oft vertretene Buchhalter-Ausstattung<br />

<strong>die</strong>ser Fahrzeuge erklärt. Diese wird aber auch von <strong>der</strong><br />

Oldtimer-Szene ganz gerne genommen, da einfach weniger<br />

kaputtgehen kann. Beide Limousinen bieten Platz <strong>für</strong><br />

vier Personen, aufgrund <strong>der</strong> langlebigen Technik sowie <strong>der</strong><br />

guten Ersatzteilversorgung sind <strong>die</strong> Kosten kalkulierbar,<br />

und <strong>die</strong> sanfte Auslegung des Motors schont Nerven und<br />

das Portemonnaie. Es sind ehrliche und praktische Autos,<br />

<strong>der</strong>en Reiz im seidigen Reihensechser liegt.<br />

Allerdings haben seinerzeit <strong>die</strong> Tester einiger Automagazine<br />

wenig gutes am BMW eta gelassen. Von kaum erreichbaren<br />

Verbrauchs-Testwerten unter 10l war <strong>die</strong> Rede, und einer<br />

dadurch geringen Reichweite anhand des kleinen 55l-Tank<br />

(325e). Hinzu kam, das <strong>der</strong> eta aufgrund seiner Katalysator-Technik<br />

nur bleifreies Benzin vertrug, welches im Jahr<br />

1985 noch nicht an je<strong>der</strong> Tankstelle zu haben war. Verbleites<br />

Benzin hätte das vorzeitige Ende des Kats bedeutet. So wurde<br />

empfohlen, immer einige Kanister Benzin im Kofferraum<br />

mitzuführen. Bleifrei gab es auch nur mit niedriger Oktanzahl<br />

MOZ 88 / ROZ 91. So musste (zum Nachteil des Verbrauchs)<br />

das Eta-Konzept verwässert und <strong>die</strong> Verdichtung deutlich reduziert<br />

werden. Angeblich war <strong>der</strong> Motor ursprünglich eine<br />

Entwicklung <strong>der</strong> BMW Marine GmbH als Boots<strong>motor</strong>, bis er<br />

dann als Antrieb <strong>für</strong> das Auto entdeckt wurde.<br />

Im Vergleichstest mit den Geschwistern 320i und 323i<br />

ist vor allem <strong>der</strong> hohe Preis, <strong>der</strong> nur knapp unter dem<br />

des damaligen Topmodells lag, moniert worden, sowie<br />

<strong>die</strong> geringen Unterschiede im Kraftstoffverbrauch. Ungeschlagen<br />

zwar <strong>die</strong> Laufruhe und Lärmentwicklung,<br />

da <strong>der</strong> Motor ja nicht höher als 4.200 U/min drehte. Die<br />

Kaufempfehlung war daher ganz klar <strong>der</strong> 323i. So blieb<br />

<strong>der</strong> eta ein Nischenmodell, was heutige Sammler durch<br />

den Seltenheitswert natürlich freut. Inzwischen wird sich<br />

in vielen Foren über <strong>die</strong> Fahrzeuge ausgetauscht, wer<br />

einen ergattert hat, gibt ihn meist nicht wie<strong>der</strong> her, zumal<br />

<strong>die</strong>ses Motorkonzept recht einmalig ist, da sich kein an<strong>der</strong>er<br />

Hersteller an ihm versucht hat.//<br />

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Additive <strong>für</strong> Ihren Motor<br />

www.erc-online.de<br />

Innovative Additive<br />

<strong>für</strong> Ihren Oldtimer<br />

Ein Zusatz <strong>für</strong> längere Laufzeit<br />

Die ERC-Additiv GmbH gehört zu den erfahrenen Spezialisten<br />

und das seit fast 30 Jahren. Durch <strong>die</strong> erfolgreiche Forschung<br />

und Entwicklung <strong>der</strong> eigenen Spezialisten im Haus,<br />

existieren von <strong>der</strong> Marke ERC mittlerweile <strong>für</strong> sämtliche Kraftstoffe<br />

wie Benzin, Diesel, Gas spezielle Automotive-Additive,<br />

sowie sogenannte Service-Additive wie Kühler Reiniger und<br />

Kühlerdicht. Und auch <strong>für</strong> Motorenöl gibt es eine attraktive<br />

Sortimentsauswahl.<br />

Damit Kraftstoffe ihren Anfor<strong>der</strong>ungen gewachsen sind, ist<br />

<strong>der</strong> Einsatz von Additiven notwendig. Gerade Oldtimer profitieren<br />

in beson<strong>der</strong>em Maße von Spezial-Additiven, da <strong>die</strong>se<br />

neben <strong>der</strong> Verbesserung<br />

<strong>der</strong> Qualität<br />

<strong>der</strong> Kraftstoffe<br />

auch <strong>die</strong> Funktion<br />

<strong>der</strong> kraftstoffführenden<br />

Systeme<br />

beeinflusst. Damit<br />

kann eine maximale<br />

Energieausbeute<br />

erreicht werden<br />

und das Fahrzeug<br />

läuft länger. <strong>Das</strong><br />

ist auch <strong>der</strong> Grund,<br />

weshalb heute so gut wie kein Kraft- o<strong>der</strong> Brennstoff ohne<br />

Additive auskommt.<br />

Eine saubere Zunft - aber bitte mit Oldtimer<br />

ERC hat durch sein breites Portfolio eine Son<strong>der</strong>stellung am<br />

Markt: Als einziger Additiv-Hersteller beherrscht das Unternehmen<br />

<strong>die</strong> komplette Wertschöpfungskette von <strong>der</strong> Additiventwicklung<br />

über den Rohstoffeinkauf, <strong>die</strong> Herstellung und<br />

Abfüllung bis hin zur weltweiten Vermarktung aus einer Hand.<br />

Deshalb ist ERC ein kompetenter Partner <strong>für</strong> Treibstoff- und<br />

Motorenhersteller, denn wann immer neue Herausfor<strong>der</strong>ungen<br />

im Umweltschutz o<strong>der</strong> in <strong>der</strong> Performance- o<strong>der</strong> Verbrennungsoptimierung<br />

zu meistern sind, haben <strong>die</strong> Experten<br />

ihre Finger an den Lösungen <strong>der</strong> Zukunft. Forschung und<br />

Entwicklung stehen niemals still, denn davon hängt ab, ob<br />

wir in eine saubere Zukunft fahren können. Und was <strong>der</strong> „Mobilitätswende“<br />

hilft, kommt in <strong>die</strong>sem Fall auch den Oldtimer<br />

Besitzern zugute. Denn <strong>die</strong> Spezial-Additive verbessern sich<br />

stetig und bringen beson<strong>der</strong>s bei den Raritäten einen wichtigen<br />

Effekt. Sowohl <strong>die</strong> Langlebigkeit <strong>der</strong> alten Teile werden<br />

geför<strong>der</strong>t als auch <strong>der</strong> CO 2<br />

-Ausstoss <strong>der</strong> Verbrennungs<strong>motor</strong>en<br />

verringert. Und letzteres sorgt <strong>für</strong> mehr Akzeptanz <strong>für</strong><br />

<strong>die</strong> weitere Nutzung von Oldtimern auf unseren Straßen.<br />

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11


Büssing, MAN und ein<br />

genialer Konstrukteur<br />

<strong>Das</strong> Erscheinungsbild heutiger LKW und Busse ist einem Mann zu verdanken, <strong>der</strong> den ursprünglich<br />

weit vorne vor dem Fahrerhaus sitzenden Motor, unter das Fahrzeug verlegte. Paul Arendt<br />

entwickelte <strong>für</strong> <strong>die</strong> Firma Büssing den Unterflur<strong>motor</strong>, <strong>der</strong> <strong>die</strong> Nutzfahrzeugwelt revolutionierte.<br />

Wer kennt sie nicht, <strong>die</strong> typischen gelben Doppeldecker-Busse<br />

im West-Berlin <strong>der</strong> 1950er und 1960er Jahre.<br />

Dieser zweiachsige Doppelstock-Omnibus Typ D2U von<br />

Büssing, mit Unterflur<strong>motor</strong> rechtsseitig hinter <strong>der</strong> Vor<strong>der</strong>achse,<br />

wurde von 1951 bis 1964 gebaut.<br />

Gegründet wurde <strong>die</strong> Büssing AG im Jahr 1903 in Braunschweig<br />

von Heinrich Büssing. Schon am 22. Oktober<br />

1903 wurde <strong>der</strong> erste Lastkraftwagen fertiggestellt. Alle<br />

bisherigen Erkenntnisse aus den vorherigen Erprobungen,<br />

waren als Verbesserungen in <strong>die</strong> Konstruktion eingeflossen.<br />

Angetrieben wurde das Fahrzeug von einem<br />

Zweizylin<strong>der</strong>-Otto<strong>motor</strong> mit einer Leistung von 9 PS. Der<br />

Transport bzw. <strong>die</strong> Beför<strong>der</strong>ung von Personen war <strong>für</strong><br />

Büssing D2U Doppeldecker<br />

im West-Berlin <strong>der</strong> 1950er Jahre<br />

Heinrich Büssing neben dem Transport von Gütern eine<br />

weitere Perspektive, sein Unternehmen auszubauen.<br />

Hier sah er parallel zur Eisenbahn eine Zukunft, denn <strong>die</strong><br />

Eisenbahn war nur bedingt in <strong>der</strong> Lage, den regionalen<br />

Verkehr zu be<strong>die</strong>nen. So wurde am 3. Juni 1904 <strong>der</strong> erste<br />

betriebsfertige Motor-Omnibus, den Büssing im Linienverkehr<br />

betreiben wollte,<br />

präsentiert. Er war<br />

mit einem 20-PS-Vierzylin<strong>der</strong><strong>motor</strong><br />

mit einem<br />

Hubraum von 4,76<br />

Litern versehen und<br />

konnte 12 Personen beför<strong>der</strong>n.<br />

<strong>Das</strong> Fahrzeug<br />

erreichte eine Höchstgeschwindigkeit<br />

von 20<br />

km/h. Schon sehr früh<br />

erkannte Büssing, dass<br />

<strong>die</strong> Märkte <strong>für</strong> seine<br />

Produkte nicht nur auf<br />

Deutschland beschränkt<br />

sein dürfen. Viele Nachfragen<br />

auf den Automobilausstellungen zeigten das Interesse<br />

<strong>der</strong> ausländischen Kunden. Um dem Unternehmen<br />

eine Identität zu geben, entschloss sich Heinrich Büssing,<br />

ein Warenzeichen in Auftrag zu geben, welches er<br />

als einprägsames Signet auf Plakaten und zu Werbezwecken<br />

einsetzen konnte. Büssing bat nach dem Vorbild<br />

des vor <strong>der</strong> Burg Dankwar<strong>der</strong>ode stehenden Löwen den<br />

Grafiker Hermann Fischer das Zeichen zu gestalten. Alle<br />

Fahrzeuge und Geschäftspapiere trugen ab 1913 <strong>die</strong>ses<br />

Logo. Der Löwe befand sich gut sichtbar auf dem Kühler<br />

aller Büssing-Fahrzeuge. Auch wenn <strong>die</strong>ser in seiner<br />

Form mehrfach abgeän<strong>der</strong>t wurde, hatte das Markenzeichen<br />

Büssings dort seinen Platz. MAN Truck & Bus<br />

übernahm den Löwen später <strong>für</strong> ihr Firmenlogo. Auf allen<br />

MAN-Fahrzeugen befindet sich bis heute <strong>die</strong>ser Löwe.<br />

Doch dazu später.<br />

Als Specialfabrik <strong>für</strong> Motorlastwagen, Motoromnibusse<br />

und Motoren, Braunschweig, entwickelte sich Büssing<br />

zu einem <strong>der</strong> größten Anbieter von Omnibussen und<br />

Lastkraftwagen in Mitteleuropa mit zudem beachtlichen<br />

Exporten nach Übersee. Der Mann, mit dem <strong>der</strong> Erfolg<br />

<strong>die</strong>ser Marke untrennbar verbunden ist, heißt Paul<br />

Arendt. Als Chefkonstrukteur und technischer Direktor<br />

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Büssing<br />

bei Büssing entwickelte und erfand er<br />

den Unterflur Diesel-Motor. Im Jahr<br />

1927 wurde Arendt Konstruktionschef<br />

<strong>für</strong> Motoren. Er entwickelte <strong>die</strong> ersten<br />

Frontlenker-Busse nach amerikanischem<br />

Vorbild ohne Motorhaube, <strong>die</strong><br />

auch Fageol mit stehenden Benzin-Motoren<br />

baute. Fageol experimentierte seit<br />

1929 mit einem in <strong>der</strong> Mitte liegenden<br />

Benzin<strong>motor</strong>. Arendt wollte nach <strong>die</strong>sem<br />

Vorbild in Zusammenarbeit mit <strong>der</strong><br />

Hannoverschen Waggonfabrik (HAWA)<br />

einen rahmenlosen, selbsttragenden<br />

Aufbau als Dreiachser konstruieren. Ein<br />

solcher Trambus hätte 25 Prozent an<br />

Länge gegenüber einem konventionellen<br />

Bus mit vorstehen<strong>der</strong> Motorhaube<br />

eingespart. Dieser 1929 fertiggestellte<br />

Trambus besaß einen stehenden Vorkammer-Diesel<strong>motor</strong><br />

Typ FD 6-Zylin<strong>der</strong> mit 90 PS aus<br />

9,5 Litern Hubraum. Dieser Motor, eine Gemeinschaftsentwicklung<br />

mit <strong>der</strong> Maschinenfabrik Körting in Hannover,<br />

war in <strong>der</strong> Mitte längs zur Fahrtrichtung auf <strong>der</strong><br />

rechten Seite installiert, und teilte sich mit Getriebe und<br />

Kupplung einen Hilfsrahmen, <strong>der</strong> <strong>für</strong> Wartungsarbeiten<br />

seitlich ausgeschwenkt werden konnte.<br />

Klassischer Langhauber<br />

von Büssing: 8000 S<br />

1930 wollte Arendt bei Büssing einen liegenden Unterflur<strong>motor</strong><br />

unter dem Wagenboden unterbringen, stieß<br />

jedoch auf Wi<strong>der</strong>stand im Unternehmen. Der erste<br />

Büssing-Frontlenker Tram-Bus mit stehendem Diesel-Motor<br />

wurde dann 1931 auf <strong>der</strong> Internationalen<br />

Automobil-Ausstellung (IAA) vorgestellt. Ein Wechsel<br />

zu Hanomag brachte ihn zur Realisation eines<br />

Unterflur<strong>motor</strong> eines<br />

Hanomag HL 3,0<br />

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13


Frontlenker-Fahrzeugs mit<br />

einem liegend aufgehängten<br />

Unterflur-Diesel<strong>motor</strong> in<br />

<strong>der</strong> Wagenmitte. 1933 vorgestellt,<br />

wurden mehrere<br />

Hun<strong>der</strong>t als LKW und Omnibus<br />

gefertigt, bevor <strong>die</strong><br />

Produktion bei Hanomag<br />

nur ein Jahr später aufgrund<br />

von Sanierungsmaßnahmen<br />

eingestellt wurde. Diese<br />

Entwicklung brachte Arendt<br />

1935 zurück zu Büssing.<br />

Er wurde Chefkonstrukteur<br />

<strong>für</strong> Unterflur<strong>motor</strong>en zum<br />

Einsatz in Omnibussen,<br />

ab 1939 auch <strong>für</strong> Lkw. Im<br />

Jahr 1941 wurde er technischer<br />

Direktor und konnte<br />

1949 auf <strong>der</strong> technischen<br />

Exportmesse in Hannover<br />

den von ihm entwickelten<br />

Büssing Unterflur-Omnibus<br />

Typ 5000 TU vorstellen. In<br />

Büssing 22-150 Decklaster, BJ 1965,<br />

Braunschweig-Querum waren<br />

1951 nach Plänen <strong>der</strong><br />

110 kW (150 PS), max 80 km/h,<br />

Länge 10,32 m, Gewicht 7300 kg.<br />

Geschäftsleitung aus dem<br />

Jahre 1942 <strong>die</strong> mo<strong>der</strong>nste<br />

Schmiede Norddeutschlands<br />

und ein Presswerk vollendet worden. Hier begann<br />

Büssing, <strong>die</strong> Gesamtbelegschaft war auf 43 000 Mitarbeiter<br />

gewachsen, mit <strong>der</strong> Serienfertigung eigener Omnibuskarosserien.<br />

Ende <strong>der</strong> Fünfziger Jahre war <strong>die</strong> Kapazität <strong>der</strong> Büssing-Werke<br />

im Braunschweiger Stammwerk erschöpft.<br />

<strong>Das</strong> Kapital des Familienunternehmens reichte nicht<br />

mehr aus, um <strong>die</strong> dringend notwendigen Fabrikationsumstrukturierungen<br />

selbst zu finanzieren. Nach einer Neuordnung<br />

<strong>der</strong> Firmenstruktur wurde Büssing 1960 erneut<br />

zu einer Aktiengesellschaft und verlegte ab 1965 den<br />

Produktionsstandort nach Salzgitter-Watenstedt. Da bei<br />

Büssing klassische Langhauber- und Frontlenkerfahrzeuge<br />

parallel zu den Frontlenkermodellen mit Unterflur<strong>motor</strong>en<br />

angeboten wurden, ergab sich in Konstruktion und<br />

Fertigung ein erheblicher Mehraufwand.<br />

<strong>Das</strong> wohl teuerste Projekt <strong>der</strong> deutschen Nutzfahrzeuggeschichte<br />

blieb <strong>der</strong> Versuch, ein komplettes neues Unterflur-Programm<br />

zu verwirklichen und damit <strong>die</strong> bisher<br />

betriebene mehrgleisige Fertigung aufzugeben. Eine hektische<br />

und kostspielige Phase <strong>der</strong> Umstrukturierung begann,<br />

<strong>die</strong> Millionen verschlang und das Ende <strong>der</strong> Marke<br />

Büssing einleitete.<br />

Im Jahr 1960 erwirtschaftete Büssing zum letzten Mal Gewinn.<br />

1962 stieg <strong>die</strong> Salzgitter AG in das Unternehmen<br />

ein und übernahm es bis 1968 vollständig. Bei Büssing<br />

war man von <strong>der</strong> Konstruktion des Unterflur<strong>motor</strong>s jedoch<br />

weiterhin voll überzeugt und entwickelte in <strong>der</strong> Folge weitere<br />

Modelle mit <strong>die</strong>sem Antriebskonzept. Beispielhaft zu<br />

nennen sind hier <strong>der</strong> Commodore Typ 16-210, bei dem<br />

auch an einem Sattelschlepper das Unterflurprinzip angewendet<br />

wurde, <strong>der</strong> jedoch nur auf wenige gebaute Exemplare<br />

kam, sowie <strong>der</strong> Supercargo Decklaster (beide 1965),<br />

dessen Fahrerhaus unter <strong>der</strong> Ladefläche angebracht war,<br />

Büssing BS 16 L Unterflur<strong>motor</strong><br />

mit 320 PS. Gebaut von 1967 bis 1971.<br />

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Büssing<br />

Seit 1971 ziert <strong>der</strong> Löwe gemeinsam<br />

mit dem Schriftzug <strong>die</strong> Fahrzeuge.<br />

<strong>Das</strong> Wappentier wurde von MAN aus<br />

Wertschätzung gegenüber <strong>der</strong> Firma<br />

Büssing in das Logo integriert, <strong>die</strong> sie<br />

im gleichen Jahr übernahmen.<br />

1914 1950 1968 1971 2012<br />

so dass <strong>die</strong> gesamte Grundfläche <strong>für</strong> genormte Transportbehälter<br />

zu Verfügung stand. Für das Unternehmen<br />

entstanden hohe Entwicklungskosten, <strong>die</strong> <strong>die</strong>se technisch<br />

anspruchsvollen Konstruktionen mit sich brachten und<br />

sich sogar letzten Endes als Fehlinvestitionen herausstellten.<br />

Diese wegweisende Konstruktion kam aber zu früh<br />

(genormte ISO-Container setzten sich <strong>für</strong> den Straßentransport<br />

erst in den 1970er Jahren durch), so dass das<br />

Fahrzeug kaum ein Unternehmen haben mochte.<br />

Nachdem <strong>die</strong> enormen Kosten, <strong>die</strong> Büssing aufwarf, <strong>die</strong><br />

Salzgitter AG zu gefährden begannen, verkaufte <strong>die</strong>se<br />

ihre Tochter zwischen 1968 und 1972 nach und nach<br />

an den Konkurrenten MAN. Dieser übernahm 1971 das<br />

Management bei Büssing, aber noch bis zum Jahresende<br />

wurde <strong>der</strong> bisherige Name Büssing eigenständig<br />

fortgeführt. Ab Januar 1972 produzierte <strong>die</strong> Büssing AG<br />

dann nur noch <strong>für</strong> MAN. Die Fahrzeuge trugen ab <strong>die</strong>sem<br />

Zeitpunkt den Schriftzug MAN-Büssing, waren aber beim<br />

Kraftfahrt-Bundesamt schon als MAN-Produktion registriert.<br />

Mit dem Betriebspachtvertrag zwischen Büssing und<br />

MAN vom 30. Mai 1972 verpachtete Büssing <strong>die</strong> Werksanlagen<br />

in Braunschweig und Salzgitter-Watenstedt an<br />

<strong>die</strong> MAN. Damit endete <strong>die</strong> Existenz des Unternehmens<br />

Heinrich Büssing Nutzfahrzeuge. Bis 1973 blieben Omnibusse<br />

von Büssing sowie <strong>die</strong> Unterflur-Motor-LKW unter<br />

dem Doppelnamen MAN-Büssing nahezu unverän<strong>der</strong>t<br />

im Programm, während <strong>die</strong> Frontlenker-LKW mit stehend<br />

eingebautem Motor sowie <strong>die</strong> Haubenwagen seit 1972<br />

nicht mehr produziert wurden. Weitergebaut wurden zudem<br />

<strong>die</strong> weit verbreiteten Standard-Linienbusse, ab 1972<br />

als MAN-Büssing und später weiter als MAN-Busse. Zunächst<br />

wurde bei den Lastwagen das Büssing-Fahrerhaus<br />

durch das <strong>der</strong> vergleichbaren MAN-eigenen Baumuster<br />

ersetzt, wogegen <strong>die</strong> technische Unterflurkonstruktion<br />

von Büssing vorerst weiterlief und von MAN in eigener<br />

Regie noch einige Jahre weitergeführt wurde.<br />

Nach einer Übergangsphase verschwand auch <strong>der</strong> Name<br />

Büssing von Lastwagen und Bussen, wo dann anstatt<br />

MAN-Büssing nur noch MAN stand: MAN stellte noch bis<br />

1979 Busse und LKW unter dem Namen MAN-Büssing<br />

her. Interessanterweise hat jedoch das Büssing-Markenzeichen<br />

überlebt, <strong>der</strong> Braunschweiger Löwe: Er findet<br />

sich, wenn auch in mo<strong>der</strong>nisierter Form, an Kühlergrill<br />

und Lenkrä<strong>der</strong>n von MAN Nutzfahrzeugen.//<br />

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15


Über 50-jährige Oldtimer<br />

Fachkenntnisse in Graz<br />

Die Spezialisten bei Langbauer Motoren verstehen ihr Handwerk.<br />

Motoreninstandsetzung ist ein spannendes Handwerk und<br />

ganz beson<strong>der</strong>s <strong>die</strong> alten Oldtimer<strong>motor</strong>en benötigen wahre<br />

Experten mit <strong>der</strong> nötigen Erfahrung. Der Betrieb von Gert<br />

Langbauer hat eine lange Tradition. Durch jahrelange Qualitätsarbeit<br />

und intensiven Kundenservice sind <strong>die</strong> Fachleute<br />

auch über <strong>die</strong> Landesgrenze von Österreich bekannt. Bei<br />

den Motoren ab 1900 handelt es sich um Herzstücke von<br />

echten Preziosen, <strong>die</strong>se Schätze werden nur Fachleuten<br />

übergeben. Denn gerade bei Oldtimern legen viele Besitzer<br />

Wert auf eine Fachwerkstatt, <strong>die</strong> sie rund um überzeugen<br />

kann und <strong>die</strong>ses Vertrauen hat sich<br />

herumgesprochen.<br />

Für das Expertenteam in Graz ist klar,<br />

sie führen nicht nur <strong>die</strong> notwendigen<br />

Reparaturen zuverlässig durch, son<strong>der</strong>n<br />

gehen auch <strong>der</strong> Schadensursache<br />

professionell auf den Grund.<br />

Häufig liegen <strong>die</strong> Fehler außerhalb<br />

des Motors. Ursachen gibt es viele,<br />

wie Wartungsmängel, Umwelteinflüsse,<br />

Betriebsstoffmangel (Öl, Kühlflüssigkeit),<br />

Be<strong>die</strong>nungsfehler aber auch<br />

Defekte wie <strong>die</strong> Kühlung, Zündung,<br />

Luftfilter, Motorsteuerung, Kabeldefekte<br />

und vieles mehr.<br />

Für <strong>die</strong> Durchführung <strong>der</strong> Prüfungen<br />

und Motoreninstandsetzung steht<br />

den Profis ein perfekt ausgestatteter<br />

Maschinenpark zur Verfügung. Wenn<br />

16<br />

www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022


Langbauer Motoren<br />

alte Traditionswerkzeuge nicht mehr ausreichen,<br />

wird mo<strong>der</strong>nste Technik eingesetzt,<br />

eben immer das Werkzeug o<strong>der</strong> <strong>die</strong> Maschine,<br />

welche das beste Ergebnis erzielt. Für <strong>die</strong><br />

Durchführung <strong>der</strong> Arbeiten benötigen <strong>die</strong> Mitarbeiter<br />

eine gute Aus- und Weiterbildung und<br />

viel Erfahrung. Da<strong>für</strong> arbeitet das Team um<br />

Gert Langbauer Hand in Hand und bringt dadurch<br />

sowohl dem Unternehmen als auch den<br />

Kunden den bestmöglichen Nutzen.<br />

Je<strong>der</strong> Hersteller hat seine eigenen spezifischen<br />

Reparaturstufen. Diese werden exakt<br />

eingehalten und beachtet, denn Abweichungen<br />

können nicht<br />

nur zum Totalschaden<br />

führen, son<strong>der</strong>n<br />

auch <strong>die</strong> Garantie<br />

beeinträchtigen. Die<br />

Werkstatt verfügt<br />

über alle Maschinen,<br />

Ausrüstungen<br />

und Messmittel, welche <strong>für</strong> <strong>die</strong><br />

Einhaltung <strong>der</strong> engen Toleranzen<br />

im Bereich von 0,01mm erfor<strong>der</strong>lich<br />

sind. Bei <strong>der</strong> Fachwerkstatt<br />

in Graz erhält man umfangreichen<br />

Service von <strong>der</strong> kompetenten<br />

Beratung, über eine <strong>motor</strong>enbezogene<br />

Fahrzeugdiagnose mit<br />

einem detaillierten Kostenvoranschlag. Alles rund um <strong>die</strong><br />

Bearbeitung von Motorenteilen, Teile wuchten sowie eine<br />

schadensbezo gene Instandsetzung und Generalüberholung<br />

von komplet ten Motoren. Auf <strong>die</strong> Leistungen <strong>der</strong> Grazer<br />

Profis kann man sich verlassen und <strong>die</strong> Arbeiten haben<br />

langfristige Effekte, denn Motoreninstandsetzung ist nachhaltig<br />

und schont <strong>die</strong> Umwelt. Für <strong>die</strong> Oldtimerbesitzer bedeutet<br />

das viele schöne Ausfahrten mit ihren Preziosen.//<br />

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Wir sanieren den Motor<br />

Ihres Oldtimers.<br />

Motoreninstandsetzung | Kurbelwellen schleifen | Zylin<strong>der</strong> ausbüchsen<br />

Lager und Kolben anfertigen | Hauptlager Bohrungen<br />

Teile wuchten | Ventilsitzringe erneuern | Motorenbau<br />

Langbauer GmbH & Co KG | Kalsdorferstr. 26 | Feldkirchen bei Graz<br />

Tel.: +43 (0) 316-7115950 | www.langbauer-<strong>motor</strong>en.at


<strong>Classic</strong>-Cars-Stu<strong>die</strong>:<br />

Die deutsche<br />

Oldtimer-Hochburg<br />

heißt Bottrop<br />

Wenn von Oldtimern <strong>die</strong> Rede ist, denken wohl <strong>die</strong> meisten<br />

an automobile Preziosen wie den Mercedes 300 SL,<br />

Ferrari 250 GT, Porsche 356 o<strong>der</strong> auch Alfa Romeo 8C<br />

und Aston Martin DB5: schön, begehrenswert, aber lei<strong>der</strong><br />

auch unerschwinglich. Doch das stimmt so nicht. Der hiesige<br />

Oldtimer-Markt ist durchwachsen und regional nach<br />

Kaufkraft und Begeisterung sehr unterschiedlich geprägt.<br />

Vor allem aber ist <strong>der</strong> Einstieg in <strong>die</strong> Oldtimer-Szene gar<br />

nicht so teuer wie manch einer denkt <strong>–</strong> kommt immer<br />

drauf an, was man fahren will und ob man in Hamburg<br />

wohnt o<strong>der</strong> in Bottrop.<br />

So das Ergebnis <strong>der</strong> von BBE Automotive mit Unterstützung<br />

von VDA, VDIK und ZDK erstellten vierten Stu<strong>die</strong><br />

zum Young- und Oldtimer-Markt in Deutschland. Auf Basis<br />

<strong>der</strong> Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) und einer<br />

bundesweit angelegten Befragung von etwa 300 Werkstätten<br />

mit <strong>Classic</strong>-Engagement wurde <strong>der</strong> Bestand <strong>der</strong><br />

Old- und Youngtimer, <strong>die</strong> in <strong>der</strong> Freizeit als Hobby o<strong>der</strong><br />

Anlageobjekt genutzt werden, analysiert. In Summe zählt<br />

<strong>die</strong> Stu<strong>die</strong> rund 1,4 Millionen Fahrzeuge, zu denen neben<br />

den klassischen Oldtimern ab 30 Jahren knapp 600.000<br />

zumeist über 20jährige Youngtimer zählen, <strong>die</strong> sicheres<br />

Potenzial hätten, Oldtimer zu werden.Von den Oldtimern<br />

mit offiziellem Gutachten und H-Kennzeichen zählte das<br />

KBA Anfang 2020 in Deutschland genau 526.020 Zulassungen.<br />

Dazu rechnet <strong>die</strong> BBE-Automotive-Stu<strong>die</strong> außerdem<br />

<strong>die</strong> rund 200.000 nicht zugelassenen Modelle aus<br />

Sammlungen und Museen, <strong>die</strong> nicht o<strong>der</strong> über 07er-Kurz-<br />

18 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022


<strong>Classic</strong>-Cars-Stu<strong>die</strong><br />

Imposanter Auftritt:<br />

Drei Corvette Stingray beleuchten<br />

<strong>die</strong> abendliche Szenerie<br />

kennzeichen gefahren werden. Macht unterm Strich einen<br />

Bestand von 857.044 Oldtimern, <strong>der</strong> damit in den letzten<br />

zehn Jahren stetig gewachsen ist, allein zum vergangenen<br />

Jahr um 13,3 Prozent.<br />

Deutsche Marken dominieren<br />

Den größten Anteil daran stellt VW mit 183.190 Modellen,<br />

gefolgt von Mercedes-Benz mit 174.263 Exemplaren, <strong>die</strong><br />

damit zusammen allein 43 Prozent des Oldtimer-Marktes<br />

ausmachen. Erst mit großen Abstand folgen BMW<br />

(51.054), Opel (49.248) und Porsche (43.839). Mit mehr<br />

als 20.000 Einheiten schaffen es <strong>die</strong> zwei Importmarken<br />

Fiat und GM unter <strong>die</strong> Top10. Bei den einzelnen Modellen<br />

wie<strong>der</strong>um halten <strong>die</strong> VW-Dauerläufer Käfer (53.228),<br />

Golf (41.393) und VW-Bus T1,T2 T3 (36.997) <strong>die</strong> drei vor<strong>der</strong>sten<br />

Plätze. Dahinter reihen sich <strong>der</strong> Mercedes W123<br />

(28.936) und <strong>der</strong> Trabi (27.461) ein.<br />

Ein weiteres bemerkenswertes Ergebnis <strong>der</strong> Stu<strong>die</strong>: <strong>die</strong><br />

Liebe <strong>für</strong> Oldtimer hat nicht zwingend etwas mit <strong>der</strong> Kaufkraft<br />

zu tun. So stellen in <strong>der</strong> Verteilung nach Postleitzahlen<br />

zwar Hamburg, Düsseldorf und München <strong>die</strong> mit<br />

Abstand höchsten Oldtimerquoten. Nach Kreisen aufgeschlüsselt<br />

jedoch ist Bottrop mit doppelt so hohem Bestand<br />

(3,8 Prozent) im Vergleich zum Bundesdurchschnitt<br />

(1,8 Prozent) <strong>die</strong> Oldtimer-Hochburg. Der zweite Blick<br />

zeigt allerdings auch: Im Vergleich zu München etwa<br />

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Kaum weniger interessant ist <strong>der</strong> Wert des deutschen<br />

Oldtimerbestands, den <strong>die</strong> Stu<strong>die</strong> mit Hilfe von Expertenschätzungen<br />

erstmals ermittelt hat. Demnach ist <strong>die</strong><br />

deutsche Oldtimer-Flotte insgesamt rund 24 Milliarden<br />

Euro schwer. Wobei hier <strong>die</strong> Hälfte auf <strong>die</strong> Fahrzeuge mit<br />

H-Kennzeichen entfällt und gut ein Drittel ohne Zulassung<br />

in Sammlungen, Museen o<strong>der</strong> beim Restaurator stehen.<br />

Beson<strong>der</strong>s aufschlussreich ist dabei das Verhältnis zwischen<br />

Bestands- und Wertanteil.<br />

setzt sich <strong>der</strong> Oldtimeranteil im Ruhrpott zur Hälfte aus<br />

VW, Opel und Ford zusammen, <strong>die</strong> in <strong>der</strong> Isar-Metropole<br />

mit 21,1 Prozent nicht mal den Anteil des Mercedes-Kontingents<br />

ausmachen.<br />

Oldtimerbestand rund 24 Milliarden wert<br />

Weil <strong>die</strong> meisten Oldtimer einen Wert zwischen 5.000 bis<br />

20.000 Euro repräsentieren, machen mehr als zwei Drittel<br />

(67 Prozent) <strong>der</strong> zugelassenen Fahrzeuge zusammen gerade<br />

mal ein Drittel (35 Prozent) des gesamten Bestandswerts<br />

aus. Wohingegen beispielsweise <strong>die</strong> zwei Prozent<br />

<strong>der</strong> Modelle von 100.000 bis 250.000 Euro und <strong>die</strong> 0,4<br />

Prozent <strong>der</strong> noch teureren zusammen fast 20 Prozent<br />

Anteil besitzen. Umgekehrt liegt <strong>die</strong> zweitgrößte Gruppe<br />

mit 41 Prozent <strong>der</strong> zugelassenen Oldtimer nur bei einem<br />

Wert von bis zu 10.000 Euro. „Somit ist <strong>der</strong> Einstieg in<br />

<strong>die</strong> Oldtimerszene erschwinglich“, sagt BBE Automotive<br />

Geschäftsführer Gerd Heinemann.<br />

Wertmeister Mercedes-Benz<br />

Bei den einzelnen Marken wie<strong>der</strong>um hält Mercedes-Benz<br />

mit 174.263 Zulassungen im Wert von geschätzten 3,6<br />

Milliarden Euro den höchsten Bestandswert (23 Prozent),<br />

gefolgt von Porsche mit 43.839 Modellen im Wert von 3,0<br />

Milliarden Euro (19 Prozent). Auf dem dritten Platz liegt<br />

VW (13 Prozent), <strong>die</strong> zwar mit 183.190 Zulassungen <strong>die</strong><br />

meisten Oldtimer im Markt stellen, dessen Gesamtwert<br />

sich jedoch auf „nur“ 2,0 Milliarden Euro summiert.<br />

Womit zugleich sichtbar wird, warum <strong>die</strong> Oldtimer-<strong>Branche</strong><br />

trotz vergleichsweise überschaubarer Stückzahlen<br />

insgesamt große wirtschaftliche Bedeutung hat. Mehr als<br />

20 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022


<strong>Classic</strong>-Cars-Stu<strong>die</strong><br />

3.500 Werkstätten und Autohäuser<br />

mit über 9.000 Beschäftigten engagieren<br />

sich hier, darunter 780 <strong>Classic</strong>-Werkstätten<br />

mit ZDK-Zertifizierung.<br />

3.000 Händler liefern Teile,<br />

dazu 50 Großhändler als Spezialisten.<br />

Es gibt mehr als 1.000 Museen<br />

und Sammlungen in Deutschland<br />

und von 4.000 Events, darunter<br />

mehr als 50 Messen, im Jahr profitieren<br />

viele weitere <strong>Branche</strong>n.<br />

Wenn auch nicht gerade im aktuellen.<br />

Die Corona-Pandemie hat<br />

erwartungsgemäß bei 60 Prozent<br />

<strong>der</strong> Umfrage-Teilnehmer zu Umsatzeinbußen<br />

geführt. Es herrsche<br />

aber Optimismus <strong>für</strong> das Jahr 2021, heißt es in <strong>der</strong> Stu<strong>die</strong>.<br />

Zum einen wegen <strong>der</strong> stabilen Preise gerade auch<br />

<strong>für</strong> Premiummarken. Zum an<strong>der</strong>en rückten Importmarken<br />

und Volumenmodelle nach, <strong>die</strong> neue Kunden rekrutieren.<br />

Bei den fernöstlichen Herstellern etwa steigt <strong>die</strong> Quote<br />

<strong>der</strong> Youngtimer, bei den anglo-amerikanischen <strong>die</strong> <strong>der</strong><br />

Oldtimer.<br />

Greta-Generation darf sich entspannen<br />

Nicht zuletzt genießt <strong>die</strong> Oldtimer-Szene generell große<br />

Sympathien. Insbeson<strong>der</strong>e im Mutterland des Autos<br />

Mercedes W123 mit<br />

einem beeindruckenden<br />

Gesamtanteil von fast 29.000<br />

zugelassenen Fahrzeugen<br />

werden sie als technisches Kulturgut gesehen. Ergebnisse<br />

aus <strong>der</strong> 2020er Stu<strong>die</strong> des Instituts <strong>für</strong> Demoskopie<br />

Allensbach (IfD) zeigen, dass sich 43 Prozent <strong>der</strong> Bevölkerung<br />

freuen, wenn sie einen Oldtimer sehen und je<strong>der</strong> Dritte<br />

gerne einmal mit einem Oldtimer fahren würde. Vor allem<br />

<strong>die</strong> unter 30jährigen stellen mit 23 Prozent hier <strong>die</strong> größte<br />

Gruppe mit „Interesse an <strong>der</strong> Fahrt mit einem Oldtimer“.<br />

Selbst <strong>die</strong> Greta-Generation darf sich entspannen, gelten<br />

Oldtimer auf Grund ihrer durchschnittlichen Fahrleistungen<br />

von weniger als 2.000 Kilometer pro Jahr sowie<br />

einem Anteil an <strong>der</strong> jährlichen Fahrleistung aller Pkw von<br />

unter 0,5 Prozent nicht als Umweltsün<strong>der</strong>.// (ampnet/fw)<br />

Seltener Exot:<br />

Der DeTomaso Pantera<br />

bewegt sich im hohen<br />

fünfstelligen Bereich<br />

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21


Auch gerne als<br />

Frosch bezeichnet:<br />

AMC Pacer<br />

Elegante Linien Made in Italy:<br />

Für den MGB GT holten sich <strong>die</strong><br />

Briten Design-Verstärkung<br />

V8-Motoren in<br />

<strong>der</strong> Kompaktklasse<br />

In den 1970er Jahren gab es den Begriff natürlich noch nicht, aber kleine Coupés<br />

durchaus. Und zwei von ihnen bekamen ab Werk einen Motor eingebaut, <strong>der</strong><br />

eigentlich in einer ganz an<strong>der</strong>en Liga spielt: AMC Pacer und MGB GT V8.<br />

Als 1991 zum Start <strong>der</strong> dritten Generation<br />

Golf von Anfang an ein 2,8 l Sechszylin<strong>der</strong><br />

im Motorenprogramm war, ging<br />

ein Raunen durch <strong>die</strong> Fachpresse. Ein<br />

so großer Motor in <strong>der</strong> Kompaktklasse!<br />

Ein absolutes Novum. <strong>–</strong> Eben nicht,<br />

denn wer etwas in <strong>der</strong> automobilen<br />

Geschichte forscht findet auf Anhieb<br />

zwei Vertreter aus den 70er Jahren, <strong>der</strong>en<br />

Motoren noch zwei Zylin<strong>der</strong> mehr<br />

aufweisen. Der MGB GT V8 ist auf<br />

unseren Straßen durchaus mal zu sehen,<br />

während <strong>der</strong> AMC Pacer praktisch nur in<br />

den USA zu finden ist. Während <strong>der</strong> MGB<br />

GT britische Eleganz bis in den Innenraum<br />

verströmt, gibt <strong>der</strong> AMC das hässliche<br />

Entlein. Seinen Spitznamen »Rollendes<br />

Aquarium« verdankt er einer großzügigen<br />

Verglasung rundum. Der Pacer ist kurz<br />

aber ungewöhnlich breit, sogar breiter als<br />

eine Mercedes S-Klasse. Dementsprechend<br />

wurde <strong>der</strong> Pacer mit dem Slogan<br />

22 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022


V8-Motoren in <strong>der</strong> Kompaktklasse<br />

»The first wide small car« (<strong>der</strong> erste breite<br />

Kleinwagen) beworben. Im Innenraum geht es<br />

amerikanisch zu, Plastik wohin das Auge reicht,<br />

da<strong>für</strong> aber mit Komfort wie Klimanlage und Automatikgetriebe.<br />

Die große Überraschung bietet<br />

sich, wenn man <strong>die</strong> Motorhaube öffnet. Hier<br />

werkelt ein 5,0 l V8-Motor 304 mit 132 PS (98<br />

kW) aus dem Hause American Motors Corporation.<br />

Ursprünglich sollte <strong>der</strong> Pacer <strong>die</strong> Antwort auf<br />

steigende Benzinpreise sein, was anhand des<br />

Verbrauchs von ca. 20 l / 100 km selbst 1978<br />

ziemlich skurril anmutet. Sogar <strong>die</strong> Einstiegsmodelle<br />

waren Sechszylin<strong>der</strong> mit 3,8 l und 4,2 l<br />

Hubraum. Ursprünglich war ein Wankel<strong>motor</strong><br />

vorgesehen, <strong>der</strong> allerdings durch <strong>die</strong><br />

strengen US-Abgasnormen fiel. Sämtliche<br />

angebotenen Motoren sind aber eher zum Cruisen,<br />

denn zum sportlichen Fahren gedacht.<br />

Letzteres verhin<strong>der</strong>te auch das Gesamtgewicht<br />

des Pacer, welches bei ca. 1,5 t lag.<br />

Zudem entsprach <strong>der</strong> Pacer mit Verbundglas-Windschutzscheibe,<br />

steifer Karosserie<br />

und massivem Seitenaufprallschutz künftigen Sicherheitsbestimmungen.<br />

Inzwischen ist er ein gesuchter<br />

und eigentlich seltener Klassiker. Seinen größten Erfolg<br />

in <strong>der</strong> relativ kurzen Bauzeit von 1975 bis 1979<br />

feierte <strong>der</strong> AMC Pacer in <strong>der</strong> amerikanischen Filmkomö<strong>die</strong><br />

»Wayne's World«.<br />

Der MGB GT schaffte es nicht in <strong>die</strong> Filmwelt, da<strong>für</strong> hat<br />

beim Coupé Pininfarina aus Italien Hand angelegt. Dem<br />

1962 vorgestellten MG Roadster wurde im Oktober 1965<br />

ein 2+2-sitziges Coupé an <strong>die</strong> Seite gestellt, welches anfangs<br />

mit einem 1,8 Liter großes Vierzylin<strong>der</strong>triebwerk mit<br />

70 kW / 95 PS erhältlich war. Zwei Jahre später lancierte<br />

<strong>die</strong> BMC den MGC mit Sechszylin<strong>der</strong><strong>motor</strong> , im Prinzip ein<br />

MGB, angeboten als Coupé und als Cabriolet, mit einem<br />

3-Liter Reihensechszylin<strong>der</strong><strong>motor</strong>, wie er auch im Austin<br />

3 Litre verbaut wurde. Der schwere Motor überzeugte<br />

Blick auf den 3,5 l V8 des<br />

MGB GT mit 139 PS(101 kW)<br />

AMC 5,0 Liter V8-Motor<br />

mit 132 PS (98 kW)<br />

als Top<strong>motor</strong>isierung<br />

im Pacer<br />

zwar durch deutlich mehr Fahrkultur als <strong>der</strong> Vierzylin<strong>der</strong>,<br />

das massiv höhere Gewicht führte aber trotz Mehrleistung<br />

nicht zu beson<strong>der</strong>s sportlichen Fahrleistungen. Bis 1969<br />

entstanden gerade einmal 4.458 Coupés mit Dreiliter<strong>motor</strong>.<br />

So blieb <strong>der</strong> Wunsch nach einer leistungsstarken und<br />

sportlichen Variante erst einmal unerfüllt. Hier trat 1972 <strong>der</strong><br />

Tuner Costello Engineering auf den Plan, indem er einen<br />

Rover-V8 mit 151 DIN-PS in den Bug des MGB pflanzte.<br />

Weil <strong>die</strong>ser Aluminium-Motor, den Rover in den Sechzigern<br />

von Buick übernommen hatte, sogar leichter als <strong>der</strong> bisherige<br />

MG-Vierzylin<strong>der</strong> war, konnten Käufer des kostenintensiven<br />

Umbausatzes von erheblich verbesserten Fahrleistungen<br />

profitieren. Über 200 km/h sollen damit möglich<br />

gewesen sein.<br />

Erst 1972 gab es dann eine offizielle Version des nun MGB<br />

GT V8 genannten Coupés. Im Gegensatz zu Costello hatte<br />

man <strong>die</strong> Verdichtung des 3,5 l V8 von 10,5:1 auf 8,25:1<br />

gesenkt, damit er sich mit Normalbenzin<br />

zufrieden gab. Dies bedeutete<br />

allerdings eine Leistungsreduktion<br />

auf etwa 139 PS, <strong>die</strong> bei<br />

5.000 Umdrehungen anlagen. <strong>Das</strong><br />

um 14 kg gegenüber dem Vierzylin<strong>der</strong><br />

verringerte Gewicht des<br />

V8-Motors wurde durch schwere<br />

Nebenaggregate und modifizierte<br />

Aufhängungen wegen <strong>der</strong> Mehrleistung<br />

nahezu ausgeglichen.<br />

1,1 t Leergewicht brachte das V8-<br />

Coupé schließlich auf <strong>die</strong> Waage.<br />

<strong>Das</strong> reichte <strong>für</strong> beachtliche Fahrleistungen.<br />

So brauchte er ganze<br />

8,3 Sekunden von 0 - 60 Meilen.<br />

Die Stückzahlen <strong>die</strong>ses Über-GT<br />

hielten sich allerdings in Grenzen,<br />

da keine Linkslenker-Version im<br />

Angebot und damit wichtige Märkte<br />

wie <strong>die</strong> USA ausfielen. <strong>Das</strong> <strong>der</strong><br />

V8 GT unter Sammlern als blaue<br />

Mauritius gilt, dürfte somit nicht<br />

überraschen.//<br />

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23


Son<strong>der</strong>anfertigungen<br />

von Elring <strong>–</strong> Top-Qualität<br />

in allen Varianten<br />

Oldtimer, Youngtimer, getunte Motoren, Rennsportfahrzeuge o<strong>der</strong> landwirtschaftliche<br />

Maschinen <strong>–</strong> ElringKlinger, führen<strong>der</strong> Entwicklungspartner und Serienlieferant <strong>der</strong><br />

internationalen Fahrzeugindustrie, hat eine Leidenschaft <strong>für</strong> Liebhaberstücke. Mit<br />

seiner Ersatzteilmarke „Elring <strong>–</strong> das Original“ bietet <strong>der</strong> Automobilzulieferer rund um<br />

den Globus einen beson<strong>der</strong>en Service: Für <strong>die</strong> Motoreninstandsetzung liefert das Unternehmen<br />

individuell maßgefertigte Zylin<strong>der</strong>kopf- und Spezialdichtungen, <strong>die</strong> höchste<br />

Qualitätsanfor<strong>der</strong>ungen erfüllen. Und das in allen denkbaren Ausführungsvarianten.<br />

Oldtimer, Youngtimer, getunte Motoren, Rennsportfahrzeuge<br />

o<strong>der</strong> landwirtschaftliche Maschinen <strong>–</strong> ElringKlinger, führen<strong>der</strong><br />

Entwicklungspartner und Serienlieferant <strong>der</strong> internationalen<br />

Fahrzeugindustrie, hat eine Leidenschaft <strong>für</strong> Liebhaberstücke.<br />

Mit seiner Ersatzteilmarke „Elring <strong>–</strong> das Original“<br />

bietet <strong>der</strong> Automobilzulieferer rund um den Globus einen<br />

beson<strong>der</strong>en Service: Für <strong>die</strong> Motoreninstandsetzung liefert<br />

das Unternehmen individuell maßgefertigte Zylin<strong>der</strong>kopfund<br />

Spezialdichtungen, <strong>die</strong> höchste Qualitätsanfor<strong>der</strong>ungen<br />

erfüllen. Und das in allen denkbaren Ausführungsvarianten.<br />

Oldtimer und <strong>Classic</strong>-Fahrzeuge sind echte Liebhaberstücke<br />

und haben sich zu einer lukrativen Wertanlage entwickelt.<br />

Auch Motorrä<strong>der</strong> o<strong>der</strong> landwirtschaftlich genutzte<br />

Maschinen erfreuen sich einer wachsenden Fangemeinde.<br />

Eines haben dabei alle gemein: je älter ein Motor und je<br />

höher <strong>die</strong> Belastungen, desto häufiger treten Schadensfälle<br />

und Verschleißerscheinungen auf. „Nehmen Sie beispielsweise<br />

ein getuntes Auto mit deutlich mehr Leistung unter<br />

<strong>der</strong> Haube als ein normaler Pkw. Die Anfor<strong>der</strong>ungen an <strong>die</strong><br />

verbauten Teile im Motor sind hier um ein Vielfaches höher“,<br />

erklärt Mario Rauch, Leiter des technischen Marketings bei<br />

Elring. Die Elring-Experten wissen, wie schwierig es oftmals<br />

ist, an Ersatzteile <strong>für</strong> ein bestimmtes Fahrzeug zu kommen.<br />

Die Beschaffung einzelner Komponenten über <strong>die</strong> Hersteller<br />

o<strong>der</strong> den Fachhandel ist oft sehr aufwändig, manchmal<br />

sogar nicht mehr realisierbar. ElringKlinger liefert als eines<br />

von wenigen Unternehmen Son<strong>der</strong>anfertigungen in höchster<br />

Qualität und unterstützt damit <strong>die</strong> Besitzer beson<strong>der</strong>er<br />

Fahrzeuge und Motoren mit individuell maßgefertigten Motordichtungen.<br />

Der weltweit agierende Automobilzulieferer<br />

verfügt an seinem Hauptsitz in Dettingen/Erms über einen<br />

eigenen Bereich, <strong>der</strong> Muster und Prototypen fertigt. „Ganz<br />

egal welcher Wunsch an uns herangetragen wird <strong>–</strong> wir gehen<br />

individuell auf <strong>die</strong> Bedürfnisse unserer Kunden ein“, verspricht<br />

Rauch. Zu den gängigen Marken gehören klassische<br />

Fahrzeuge von Mercedes-Benz, Jaguar, Aston Martin und<br />

Ferrari. Oftmals handelt es sich aber auch um Fahrzeuge,<br />

<strong>die</strong> über 80 Jahre alt sind: Alvis, Horch, Delage und Bugatti.<br />

Wachsen<strong>der</strong> Markt <strong>–</strong> auch durch Youngtimer<br />

Und <strong>die</strong> Anfragen werden stetig mehr. „Zum einen wächst<br />

<strong>der</strong> Markt kontinuierlich <strong>–</strong> auch <strong>für</strong> Youngtimer <strong>–</strong> und zum<br />

an<strong>der</strong>en hat sich in verschiedenen Internetforen bereits<br />

herumgesprochen, wie hochwertig Son<strong>der</strong>anfertigungen<br />

von Elring sind. Wir werden als Qualitätsführer wahrgenommen“,<br />

so Mario Rauch. Im ElringKlinger-Prototypenbau<br />

scannt ein Laser <strong>die</strong> Umrisse <strong>der</strong> alten, oftmals<br />

beschädigten, Dichtung ein. Aus <strong>die</strong>sen Daten wird dann<br />

ein exakt passendes Ersatzteil, ein echtes Einzelstück,<br />

erstellt. Doch <strong>die</strong> Dichtungs-Profis können nicht nur „alt“:<br />

Auch in mo<strong>der</strong>nen und beliebten Renn- und Tuningserien<br />

sind Zylin<strong>der</strong>kopfdichtungen „made by ElringKlinger“ sehr<br />

erfolgreich im Einsatz. Bei fast allen Dichtungen, <strong>die</strong> <strong>für</strong><br />

<strong>die</strong>se Fahrzeuge angefertigt werden, handelt es sich um<br />

FerrolasticTM-Metall-Weichstoff-Dichtungen.<br />

24<br />

www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022


Anzeige<br />

Ansicht einer beschädigten<br />

Zylin<strong>der</strong>kopfdichtung<br />

Ansicht einer fabrikneuen<br />

Zylin<strong>der</strong>kopfdichtung<br />

Teilweise werden aber auch MetaloflexTM-Metalllagen-<br />

Zylin<strong>der</strong>kopfdichtungen umgebaut, d. h. <strong>die</strong> Bauhöhe wird<br />

individuell angepasst o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Brennraumdurchmesser <strong>–</strong><br />

soweit technisch möglich <strong>–</strong> verän<strong>der</strong>t. Natürlich können<br />

<strong>die</strong> Dichtungen auch eins zu eins angefertigt werden. Dazu<br />

wird lediglich ein gebrauchtes Muster, eine maßstabsgetreue<br />

Zeichnung o<strong>der</strong> eine Handskizze mit den Maßen und<br />

<strong>der</strong> Verwendungsstelle benötigt. „Übrigens sind auch Son<strong>der</strong>anfertigungen<br />

von MLS-Dichtungen möglich. Bezüglich<br />

<strong>der</strong> Bauhöhe o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Beschichtung kann <strong>die</strong>s nach<br />

Kundenabsprache relativ einfach umgesetzt werden“, so<br />

Rauch. Sollte jedoch eine Anpassung des Sickenverlaufes<br />

<strong>–</strong> beispielsweise durch eine Bohrungsvergrößerung o<strong>der</strong><br />

eine Korrektur <strong>der</strong> Sickenhöhe <strong>–</strong> notwendig sein, müssen<br />

neue Sickenwerkzeuge gefertigt werden. „Auch hier können<br />

wir helfen, denn in unserem eigenen Werkzeugbau<br />

sind wir in <strong>der</strong> Lage alle erfor<strong>der</strong>lichen Werkzeuge anzufertigen“,<br />

sagt <strong>der</strong> Teamleiter. Die anfallenden Kosten <strong>für</strong><br />

das Werkzeug trägt dann allerdings <strong>der</strong> Auftraggeber.<br />

Im Gegensatz zum alltäglichen Geschäft im freien Ersatzteilmarkt,<br />

das über ein Händlernetz organisiert ist, besteht<br />

im Bereich Son<strong>der</strong>anfertigungen zusätzlich <strong>der</strong> direkte Kontakt<br />

zu den Fahrzeugbesitzern o<strong>der</strong> den Motoreninstandsetzern.<br />

Hintergrund <strong>die</strong>ser Vorgehensweise: Wichtige technische<br />

Informationen müssen präzise und ohne Umwege<br />

übermittelt werden um einen vertrauensvollen und schnellen<br />

Service bieten zu können.<br />

Dichtmassen <strong>–</strong> auch<br />

bei Schmuckstücken gefragt<br />

Als weltweit führen<strong>der</strong> Servicepartner <strong>für</strong> <strong>die</strong> fachgerechte<br />

Motoreninstandsetzung bietet Elring neben kompletten<br />

Dichtungssätzen, Dichtungen und Zubehörteilen auch ein<br />

umfassendes Sortiment an Dichtmassen. Diese haben sich<br />

bei <strong>der</strong> Motorreparatur und -instandsetzung von Pkw, Nkw,<br />

Motorrä<strong>der</strong>n und in vielen an<strong>der</strong>en Anwendungsbereichen<br />

in <strong>der</strong> Praxis millionenfach bewährt. Welche<br />

Dichtmasse <strong>die</strong> Ideale <strong>für</strong> den jeweiligen<br />

Bedarf ist, erfahren Anwen<strong>der</strong> im<br />

Online- Dichtmassenberater. In gerade<br />

einmal drei einfachen Schritten gelangt<br />

<strong>der</strong> User direkt zu <strong>der</strong> <strong>für</strong> ihn geeigneten<br />

Dichtmasse. Einfacher geht’s nicht.<br />

Dichtungswerkstoffe <strong>–</strong> Dichtungen<br />

einfach selbst herstellen<br />

Auch <strong>für</strong> individuelle Abdichtaufgaben hat Elring <strong>die</strong> richtige<br />

Lösung parat. Neue Nebendichtungen lassen sich speziell<br />

bei Flachdichtungen aus Weichstoffdichtungsmaterial einfach<br />

und schnell selbst herstellen. Produkteigenschaften<br />

und Abmessungen <strong>der</strong> Dichtungswerkstoffe sind <strong>für</strong> <strong>die</strong><br />

verschiedensten Einsatzbereiche konzipiert. Sie werden<br />

als Platten- o<strong>der</strong> Rollenware geliefert. Mit dem praktischen<br />

Elring Service-Kit (447.101) kann <strong>die</strong> benötigte Dichtung in<br />

kurzer Zeit selbst angefertigt werden. <strong>Das</strong> Service-Kit enthält<br />

Dichtungswerkstoffe in unterschiedlichen Dicken <strong>für</strong> alle<br />

Temperaturbereiche, um in je<strong>der</strong> Notlage auszuhelfen. Mit<br />

einer Auswahl von Dichtungsschabern, einem Stempelkissen<br />

o<strong>der</strong> Farbspray sowie Locheisen verfügt <strong>der</strong> Kfz-Profi<br />

über alle wichtigen Spezialwerkzeuge.<br />

TIPP:<br />

Zur Unterstützung bietet Elring professionelle<br />

Montage-Videos unter<br />

www.elring.de an. Hier werden <strong>für</strong> Je<strong>der</strong>mann<br />

detailliert und nachvollziehbar<br />

alle wichtigen Schritte vermittelt.//<br />

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25


Komm, wir fahren!<br />

Die 1. Röhrl-Klassik<br />

startet in Mecklenburg-<br />

Vorpommern<br />

Der Blick? Herausfor<strong>der</strong>nd. Die Erwartungen? Groß. Kein Wun<strong>der</strong>: Die »1. Röhrl-Klassik« geht im<br />

Spätsommer an den Start. Eine Gleichmäßigkeitsrallye nur <strong>für</strong> klassische Porsche. Und wenn Walter<br />

Röhrl da<strong>für</strong> seinen Namen gibt, dann muss alles perfekt sein. Text: Thorsten Elbigmann<br />

Es gibt viele Oldtimer-Rallyes <strong>–</strong> aber keine wie <strong>die</strong>se! Denn<br />

<strong>die</strong> 1. Röhrl-Klassik wendet sich ausschließlich an Porsche-Fahrer.<br />

Als wir mit den Planungen begonnen haben,<br />

da war noch überhaupt nicht klar, dass Walter Röhrl mit an<br />

Bord sein wird. Doch nachdem er von dem Konzept erfahren<br />

hatte und wir ihm versichern konnten, dass er als Schirmherr<br />

<strong>für</strong> ein Event auftritt, das seinen Ansprüchen an Qualität<br />

gerecht wird, sagte er spontan zu. Keine Sorge: Hier geht<br />

es nicht um Driftwinkel und Ideallinie! Die 1. Röhrl-Klassik<br />

ist eine Orientierungsfahrt mit Gleichmäßigkeitsprüfungen <strong>–</strong><br />

alles im Rahmen <strong>der</strong> Straßenverkehrsordnung. Denn Strafpunkte<br />

in Flensburg braucht niemand von uns.<br />

Für <strong>die</strong> erste Auflage <strong>der</strong> Röhrl-Klassik sind nur luftgekühlte<br />

und Transaxle-Porsche zugelassen. Wir beginnen mit 111<br />

Teams <strong>–</strong> weil unser Verlag Delius Klasing in <strong>die</strong>sem Jahr<br />

111 Jahre alt wird. Die Teams sollten sinnvollerweise aus<br />

zwei Personen bestehen <strong>–</strong> und das ist auch <strong>der</strong> Punkt, an<br />

dem man sich fragen sollte, ob <strong>die</strong> Teilnahme mit einem Porsche-Traktor<br />

sinnvoll ist. Nach den Statuten <strong>der</strong> Rallye wäre<br />

sie theoretisch denkbar. Doch bei den Tagesetappen, <strong>die</strong><br />

sich immer im dreistelligen Kilometer-Bereich bewegen werden,<br />

ist ein Traktor wahrscheinlich nicht <strong>die</strong> beste Wahl. Wir<br />

freuen uns also auf 356, 911 bis einschließlich Typ 993, alle<br />

912, 914, 924, 928, 944 und 968 und beson<strong>der</strong>e Fahrzeuge<br />

wie zum Beispiel 550, 904, 959 o<strong>der</strong> ähnliche. Es sollte sich<br />

immer um Porsche handeln, nicht um Nachbauten auf zum<br />

Beispiel Käfer-Basis <strong>–</strong> klar.<br />

26 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022


1. Röhrl-Klassik in Mecklenburg-Vorpommern<br />

Ort <strong>der</strong> Zusammenkunft wird <strong>der</strong> malerische Fleesensee<br />

inmitten <strong>der</strong> Mecklenburger Seenplatte sein. <strong>Das</strong> dortige<br />

Schloss Hotel Fleesensee <strong>die</strong>nt als würdiger Rahmen und<br />

Ausgangs- und Endpunkt <strong>der</strong> mehrtägigen Rallye, <strong>die</strong> <strong>die</strong><br />

Teilnehmer durch ganz Mecklenburg führen wird. <strong>Das</strong> Organisationsteam<br />

stellt ein erfahrener Rallye-Veranstalter:<br />

Plusrallye <strong>–</strong> bekannt zum Beispiel von <strong>der</strong> Sauerland-Klassik<br />

o<strong>der</strong> <strong>der</strong> AvD-Histo-Monte.<br />

Man kann sich also sicher sein, dass <strong>die</strong> Strecken sorgsam<br />

nach touristischen Aspekten und Spaßfaktor ausgesucht<br />

sind. Peter Göbel, Mastermind von Plusrallye, kennt nicht<br />

nur <strong>die</strong> Region wie seine Westentasche, son<strong>der</strong>n auch als<br />

versierter Rallyefahrer beide Seiten: <strong>die</strong> des Teilnehmers<br />

ebenso wie <strong>die</strong> des Veranstalters. Entsprechend inszeniert<br />

er <strong>die</strong> Rallye so, dass <strong>die</strong>jenigen, <strong>die</strong> doch schon mit einigem<br />

Ernst und Ehrgeiz ans Werk gehen, <strong>die</strong> Wertungsprüfungen<br />

in geeigneter <strong>–</strong> ruhiger <strong>–</strong> Umgebung absolvieren<br />

können. Jedoch kommen dank<br />

<strong>der</strong> Ortsdurchfahrten und <strong>der</strong><br />

mo<strong>der</strong>ierten Start- und Zielveranstaltungen<br />

auch <strong>die</strong>jenigen<br />

auf ihre Kosten, <strong>die</strong> eher<br />

dem Unterhaltungsaspekt zugewandt<br />

sind. Ausstellungen<br />

und Präsentationen im Zielbereich<br />

laden zum Verweilen ein.<br />

Zahlreiche Sponsoren haben<br />

bereits Interesse bekundet und<br />

werden mit dazu beitragen,<br />

dass das Preisgefüge <strong>für</strong> <strong>die</strong><br />

Teilnahme im Rahmen bleibt.<br />

Und auch <strong>der</strong> AvD hat schon<br />

zugesagt und wird als Serviceteam<br />

während <strong>der</strong> Rallye zur Verfügung stehen und kleinere<br />

Pannen beheben <strong>–</strong> o<strong>der</strong> auch abschleppen, falls nötig.<br />

Rund um das eigentliche Fahrerlebnis wird es ein Rahmenprogramm<br />

geben, das von morgens bis abends Abwechslung<br />

und ganz viel Spaß bietet. Zahlreiche Prominente mit<br />

Benzin im Blut wollen zudem teilnehmen. Fest zugesagt<br />

haben neben Walter Röhrl bereits weitere Prominente. Und<br />

auch seitens <strong>der</strong> Firma Porsche gibt es großes Interesse.<br />

Professionelle Fotografen und Videografen dokumentieren<br />

<strong>die</strong> Rallye <strong>–</strong> und natürlich wird auch <strong>die</strong> Redaktion von POR-<br />

SCHE KLASSIK vor Ort sein. Die Details zu den Starterklassen,<br />

zu Fragen nach einen Get-together, das <strong>der</strong> Rallye<br />

vorausgeht, den genauen Wertungsprüfungen bis hin zum<br />

Umfang des Willkommenspaketes sind <strong>der</strong>zeit heiß diskutiert.<br />

So viel ist aber klar: Es wird sehr viel <strong>für</strong>s Geld geboten<br />

werden. Weitere Infos gibt es fortlaufend auf www.<br />

roehrl-klassik.de, dort kann man sich auch um eine Teilnahme<br />

bewerben.//<br />

AMC 5,0 Liter V8-Motor<br />

mit 132 PS (98 kW)<br />

als Top<strong>motor</strong>isierung<br />

im Pacer<br />

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27


Der Jaguar E-Type ist ein automobiles Kunstwerk mit ständigem Sitz im Museum<br />

of Mo<strong>der</strong>n Art in New York und wertbeständiger Protagonist in vielen Autosammlungen.<br />

Die Ehre, in einem <strong>der</strong> wichtigsten Kunstmuseen <strong>die</strong>ser Erde<br />

zu stehen kam posthum, genauer gesagt, 21 Jahre nach Produktionsende.<br />

Diese Unvergänglichkeit adelte eine automobile<br />

Skulptur, <strong>die</strong> durch <strong>die</strong> Ölkrise 73/74 ein unvermitteltes<br />

Aus erfuhr. Die Produktionszahlen gingen damals regelrecht<br />

in den Keller und man entschloss sich, <strong>die</strong> Ikone aus dem<br />

Programm zu nehmen. Eine letzte Son<strong>der</strong>edition, limitiert auf<br />

50 Roadster-Exemplare in schwarz und mit Rechtslenkung<br />

verließ 1975 das Werk in Browns Lane.<br />

Begonnen hatte alles 1961, mit <strong>der</strong> Vorstellung des Jaguar<br />

E-Type auf dem Genfer Auto-Salon. Er war als zwei- und<br />

2+2-sitziges Coupé und als zweisitziger Roadster erhältlich.<br />

Eine aufsehenerregende Neuerung des E-Type war<br />

<strong>die</strong> hintere Doppelquerlenkerradaufhängung an einem<br />

eigenen Hilfsrahmen mit einem Längslenker und zwei Fe<strong>der</strong>-Dämpfer<br />

Einheiten mit den Antriebswellen als oberen<br />

Querlenkern. Für <strong>die</strong> recht konservative britische Automobilindustrie<br />

war <strong>die</strong>se fortschrittliche Bauweise ein Meilenstein.<br />

Ausgeliefert wurde <strong>der</strong> E-Type mit einem Sechszylin<strong>der</strong>-Reihen<strong>motor</strong><br />

mit 3.781 cm³ und 269 PS bei 5.500 U/<br />

min. Diese <strong>für</strong> damalige Verhältnisse enorme Kraft wurde<br />

mittels eines Viergang-Getriebes auf <strong>die</strong> Hinterrä<strong>der</strong> verteilt<br />

28 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022


Designikone <strong>–</strong> Jaguar E-Type<br />

<strong>Das</strong> von Malcolm Sayer entwickelte<br />

Design galt als spektakulär. Eine<br />

schmale und zugleich muskulöse Form.<br />

Vor allem in den USA wurde <strong>der</strong><br />

E-Type mit großem Erfolg verkauft.<br />

und <strong>der</strong> Vortrieb endete erst, als <strong>die</strong> Spitzengeschwindigkeit<br />

von 240 km/h erreicht war. Einzel-Brennräume und ein langer<br />

Zylin<strong>der</strong>hub sorgten zudem auch bei niedrigen Drehzahlen<br />

<strong>für</strong> das ordentliche Drehmoment von 353 Nm bei 4.000<br />

U/min. Damit war <strong>der</strong> klassische Spurt von 0 auf 100 km/h<br />

in ungefähr 7 Sekunden absolviert. Mit <strong>die</strong>sen Daten spielte<br />

<strong>der</strong> E-Type in einer Liga mit den großen Supersportwagen<br />

jener Ära. Verglichen mit den Konkurrenten Ferrari und<br />

Maserati war er allerdings in <strong>der</strong> Anschaffung mit einem<br />

Preis von 5.580 Dollar (1963) fast schon günstig. Beliebtheit<br />

erlangte <strong>die</strong> Katze mit <strong>der</strong> lange Schnauze vor allem bei <strong>der</strong><br />

Die seitlich öffnende Heckklappe<br />

macht aus dem E-Type fast<br />

einen Shooting Brake.<br />

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29


Dieses Meisterwerk <strong>der</strong> Ästhetik<br />

lässt nicht nur Mechanikerherzen<br />

höher schlagen: 3,8 l Reihensechszylin<strong>der</strong><br />

<strong>der</strong> 1. Serie mit 265 PS.<br />

damaligen Prominenz. Von Brigitte Bardot über Elton John<br />

und George Harrison bis hin zu Frank Sinatra, sie alle besaßen<br />

einen E-Type. Von Enzo Ferrari aber gab es den verbalen<br />

Ritterschlag, er bezeichnete das von Malcom Sayer<br />

gestaltete Fahrzeug als „das schönste Auto aller Zeiten“.<br />

Auch verpasste Chancen gehören zu einem bewegten<br />

Autoleben: Sir William Lyons, <strong>der</strong> Grün<strong>der</strong> <strong>der</strong> Marke<br />

Jaguar soll sich seinerzeit geweigert haben, drei<br />

E-Type an das Filmset von James<br />

Bond zu liefern, weil <strong>die</strong> Warteliste aus<br />

Hollywood so lang war. Dementsprechend<br />

stieg Sean Connery damals in den Aston<br />

Martin DB 5. Der Rest ist Geschichte.<br />

Die zweite Serie des Jaguar E-Type wurde ab<br />

1968 ausgeliefert <strong>–</strong> ein Grund <strong>für</strong> <strong>die</strong> Überarbeitung<br />

des Modells waren vor allem <strong>die</strong><br />

strengeren Sicherheitsbestimmungen in den<br />

USA, so fielen beispielsweise <strong>die</strong> Scheinwerferabdeckungen<br />

weg, <strong>die</strong> Kühleröffnungen<br />

wurden vergrößert, neue Blinker und einige<br />

an<strong>der</strong>e Details verän<strong>der</strong>t und angepasst.<br />

Im Jahr 1964 bohrte man den 3,8-Liter-Reihensechszylin<strong>der</strong>-Motor<br />

auf 4,2 Liter (4.235<br />

cm³) auf, damit besaß er ein maximales<br />

Drehmoment von 384 Nm bei 4.000/min bei<br />

30 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022


Designikone <strong>–</strong> Jaguar E-Type<br />

gleicher Motorleistung (269 PS/197,6 kW bei 5.400/min).<br />

Zudem wurde anstelle <strong>der</strong> Moss-Box mit ihrem unsynchronisierten<br />

ersten Gang und langen Schaltwegen ein<br />

voll synchronisiertes, von Jaguar selbst entwickeltes Viergang-Schaltgetriebe<br />

verwendet. 1966 kam <strong>der</strong> 2+2 hinzu,<br />

ein Coupé mit längerem Radstand und zwei Notsitzen im<br />

Fond. Erstmalig gab es <strong>für</strong> <strong>die</strong>ses Coupé eine BorgWarner<br />

Dreigang-Automatik.<br />

Die finale Version und damit <strong>die</strong> Serie 3 trat 1971 auf den<br />

Plan. Jaguar präsentierte den ersten Großserien-Zwölfzylin<strong>der</strong><br />

mit Leichtmetallblock. Der E-Type mit Zwölfzylin<strong>der</strong><br />

war das erste Fahrzeug <strong>der</strong> Marke, das in den USA debütierte<br />

und nicht in Europa. Der gänzlich neu entwickelte<br />

5,3-Liter-(5.343 cm³)-V12-Motor mit einer Leistung von<br />

276 PS (203 kW) bei 5.850/min und einem maximalen<br />

Drehmoment von 412 Nm bei 3.600/min ging entwicklungstechnisch<br />

bis ins Jahr 1935 zurück. Allerdings litten<br />

Agilität und Leistung, <strong>die</strong> den E-Type zu Beginn <strong>der</strong> Baureihe<br />

ausgezeichnet hatten, unter <strong>der</strong> großen Maschine.<br />

Die dritte Serie konnte dadurch nicht an <strong>die</strong> Erfolge <strong>der</strong><br />

ersten beiden Serien anknüpfen, <strong>die</strong> Verkaufszahlen blieben<br />

hinter den Erwartungen zurück. Zudem wurde jetzt <strong>der</strong><br />

Radstand des 2+2 <strong>für</strong> den Roadster übernommen und <strong>die</strong><br />

Produktion des kurzen Coupés eingestellt. Trotzdem war<br />

<strong>der</strong> E-Type mit über 72.000 gebauten Einheiten in 14 Jahren<br />

<strong>der</strong> bis dahin meistgebaute Supersportwagen.<br />

Bis heute pflegt Jaguar den Mythos des E-Type. 2014<br />

legten <strong>die</strong> Briten den Lightweight von 1963 wie<strong>der</strong> auf, in<br />

dem sie sechs damals nicht genutzte Chassis-Nummern<br />

an neu aufgebaute Exemplare vergaben. Speziell <strong>für</strong> den<br />

Rennsport konstruierte Jaguar im Winter 1962/63 eine<br />

leichtere Version des E-Type, <strong>die</strong> <strong>die</strong> Bezeichnung Lightweight<br />

erhielt, da <strong>die</strong> Karosserie aus Aluminium gefertigt<br />

war. Die Lightweight-Serie war als limitierte Auflage von<br />

18 Exemplaren konzipiert, wurde aber aus unbekannten<br />

Gründen nach zwölf Fahrzeugen eingestellt. Die fehlenden<br />

sechs Lightweights wurden nach den originalen Konstruktionsplänen<br />

von 1963 gebaut und mit den Chassisnummern<br />

13-18 versehen. <strong>Das</strong> 3,9 Liter große Alu-Triebwerk wird<br />

durch drei Weber-Doppelvergaser o<strong>der</strong> optional mit einer<br />

mechanischen Direkteinspritzung mit Benzin und Luft versorgt.<br />

340 PS und 380 Newtonmeter maximales Drehmoment<br />

sorgen somit <strong>für</strong> viel alte neue Fahrfreude. Einzig <strong>der</strong><br />

wahnwitzige Preis von 1,5 Millionen pro Stück erzeugte<br />

leichte Schnappatmung. Aber nur ganz kurz, dann waren<br />

alle sechs verkauft.//<br />

Ein sachlich-sportlicher Charakter ohne<br />

unnötigen Dekor zeichnet das Jaguar-<br />

Cockpit aus. Mit echten Materialien, wie Alu,<br />

Holz und Le<strong>der</strong>. Ein haptischer Genuß!<br />

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31


Im Rückspiegel:<br />

Mit <strong>der</strong> 80 übersprang<br />

Audi erstmals <strong>die</strong> Million<br />

Seine Bedeutung <strong>für</strong> das Wie<strong>der</strong>erstarken <strong>der</strong> Marke<br />

ist unbestritten: Der 1972 vorgestellte Audi 80 wird <strong>der</strong><br />

erste Millionenseller <strong>der</strong> Ingolstädter. Mit ihm hielt vor<br />

50 Jahren außerdem das Baukastenprinzip im Volkswagen-Konzern<br />

Einzug.<br />

Der Audi 80, intern „B1“ genannt, sollte „mo<strong>der</strong>n, aber nicht<br />

modisch“ und ein zuverlässiges Familienauto sein. Darin<br />

waren sich <strong>der</strong> damalige Audi-Technikvorstand Ludwig<br />

Kraus und <strong>die</strong> Volkswagen AG als neue Konzernmutter<br />

Ende <strong>der</strong> 1960er-Jahre einig. Wie beim Rennwagenbau<br />

ließ Chefentwickler Kraus seine Mitarbeiter <strong>für</strong> jedes einzelne<br />

Teil prüfen, wo noch Gewicht gespart werden könnte,<br />

ohne dass <strong>die</strong> Qualität darunter litt. Der Leichtbau sorgte<br />

nicht nur <strong>für</strong> sportliche Fahrleistungen, son<strong>der</strong>n auch <strong>für</strong><br />

einen <strong>für</strong> damalige Verhältnisse geringen Verbrauch. Damit<br />

war das neue Modell das passende Fahrzeug <strong>für</strong> <strong>die</strong><br />

Ölkrise 1973 <strong>–</strong> und wurde auch prompt „Auto des Jahres<br />

1973“ in Europa, nachdem <strong>der</strong> Audi im Jahr davor auch<br />

in einigen Län<strong>der</strong>n den Titel bereits auf nationaler Ebene<br />

bekommen hatte.<br />

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Im Rückspiegel: Audi 80<br />

Audi 80 GL (1973).<br />

<strong>Das</strong> Design im Stil <strong>der</strong> neuen Sachlichkeit <strong>der</strong> 1970er-Jahre<br />

gestaltete Designer Hartmut Warkuß mit. Er stieg 1976 zum<br />

„Hauptabteilungsleiter Stilistik“ auf und prägt das Design<br />

<strong>der</strong> Marke über mehrere Modellgenerationen. <strong>Das</strong> Basismodell<br />

mit zwei Türen wog lediglich 835 Kilogramm. Vorgestellt<br />

wurde <strong>der</strong> neue Audi im Juli 1972 nach den tragischen<br />

Olympischen Spielen in München. Seine Technik brachte<br />

zahlreiche neue Lösungen mit, <strong>die</strong> nach und nach auch in<br />

an<strong>der</strong>en Modellen des VW-Konzerns zu finden waren.<br />

Mit 2,47 Metern Radstand und 4,18 Metern Länge begründete<br />

<strong>der</strong> Audi 80 quasi <strong>die</strong> Kompaktklasse, lief damals<br />

aber noch als Mittelklassemodell. Fahrwerksingenieur<br />

Detlef Banholzer realisierte erstmalig in einem europäischen<br />

Großserienfahrzeug den negativen Lenkrollradius<br />

<strong>–</strong> eine Lösung, von <strong>der</strong> <strong>die</strong> Stabilität beim Bremsen stark<br />

profitiert. Mit <strong>der</strong> diagonalen Aufteilung <strong>der</strong> hydraulischen<br />

Bremsanlage hatte Audi <strong>die</strong> Sicherheit im Blick. Der Motor<br />

<strong>der</strong> Limousine lag längs vor <strong>der</strong> angetriebenen Vor<strong>der</strong>achse,<br />

das Vierganggetriebe hinter ihr. Zur Markteinführung<br />

gab es drei Motorisierungen mit 1,3 und 1,5 Liter Hubraum,<br />

mit 55 PS (44 kW) sowie 75 PS (55 kW) und 85 PS (63<br />

kW). Damit war <strong>der</strong> Audi 80 bis zu 170 km/h schnell.<br />

Konstruktives Highlight <strong>der</strong> ebenso drehfreudigen wie<br />

unkomplizierten Vierzylin<strong>der</strong> war <strong>die</strong> Ventilsteuerung per<br />

obenliegen<strong>der</strong>, zahnriemengetriebener Nockenwelle und<br />

wartungsfreien Tassenstößeln. Entwicklungschef Ludwig<br />

Kraus hatte den Gedanken einer Baukastenreihe aufgebracht<br />

und <strong>der</strong> von Techniker Franz Hauk und seinem<br />

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33


Team entworfene Motor wurde zum meistgebauten im<br />

Konzern. Intern trug er <strong>die</strong> Bezeichnung EA 827.<br />

Audi 80 LS<br />

(Phantomzeichnung<br />

Motorraum).<br />

Bis zum Produktionsende im Sommer 1978 wurden mehr<br />

als eine Million Stück <strong>der</strong> Generation B1 gebaut. Aufgrund<br />

<strong>der</strong> großen Nachfrage reichen <strong>die</strong> Kapazitäten im Werk Ingolstadt<br />

bald schon nicht mehr aus, und so kam <strong>der</strong> Audi 80<br />

auch aus den Volkswagen-Werken Wolfsburg und Emden.<br />

Mit <strong>der</strong> von Giorgio Giugiaro gezeichneten und durch<br />

Karosseriebauer Karmann realisierten Coupé-Stu<strong>die</strong> Asso<br />

di Picche zeigte sich schon 1973 das sportliche Potenzial<br />

des B1. 1973 ging dann auch schon <strong>der</strong> Audi 80 GT mit<br />

1,6-Liter-Motor und 100 PS (74 kW) in Serie, im Oktober<br />

1975 löst ihn <strong>der</strong> Audi 80 GTE mit 110 PS (81 kW) ab. 1976<br />

näherte sich <strong>die</strong> Limousine im Rahmen <strong>der</strong> Modellpflege<br />

mit großen Block- statt Rundscheinwerfern optisch an <strong>die</strong><br />

neue Generation des Audi 100 an. In den USA lief <strong>der</strong> Audi<br />

80 übrigens als Fox vom Band (eine Bezeichnung, <strong>die</strong> später<br />

bei VW wie<strong>der</strong>kehrte). Nach vier Modellgenerationen<br />

(B1 bis B4) löste Mitte <strong>der</strong> 1990er-Jahre <strong>der</strong> A4 (B5) den<br />

Audi 80 ab.//<br />

Audi 80 LS (1973).<br />

Audi 80 GTE von 1976.<br />

34 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022


Im Rückspiegel: Audi 80<br />

Alles, nur nicht langsam.<br />

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Der französische Bulli Citroen HY mit ähnlichem Kult-Charakter. We<strong>der</strong><br />

<strong>der</strong> Vorgänger noch <strong>die</strong> Nachfolger erreichten <strong>die</strong> lange Bauzeit von<br />

33 Jahren und <strong>die</strong> Stückzahl von einer halben Million Fahrzeugen.<br />

Vor allem in größeren Städten sieht man ihn häufig als mobile<br />

Espresso-Bar o<strong>der</strong> veganen Food-Truck: Der Citroen HY.<br />

Ihren Ursprung hat <strong>die</strong> rollende Wellblechbude allerdings<br />

weniger im hippen Bereich <strong>der</strong> fahrbaren Gastronomie, son<strong>der</strong>n<br />

eher im Segment <strong>der</strong> praktischen Nutzfahrzeuge. Die<br />

bisher längste Bauzeit <strong>für</strong> einen Kleintransporter, nämlich<br />

33 Jahre, zeigt seine robuste Zuverlässigkeit, <strong>die</strong> nicht nur<br />

Handwerker überzeugte, son<strong>der</strong>n Polizei, Feuerwehr, Post<br />

und Krankenhäuser. Der Öffentlichkeit vorgestellt wurde er<br />

1947, noch vor dem 2 CV (Ente) und vor dem Konkurrenten<br />

VW T1 (Bulli), Er trat <strong>die</strong> direkte Nachfolge des nur kurz<br />

gebauten Citroën TUB an und konnte bereits ein Jahr nach<br />

seiner Präsentation in Serie gefertigt werden. Den Namen<br />

TUB behielten <strong>die</strong> Franzosen <strong>für</strong> den HY weswegen er dort<br />

auch immer noch gerne so genannt wird. Bis zum Ende <strong>der</strong><br />

Produktion im Jahr 1981 liefen fast 500.000 Exemplare des<br />

36 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022


Citroen HY<br />

Ein zum<br />

Crêpe-Wagen<br />

umgebauter HY<br />

Citroën HY vom Band.<br />

Außergewöhnlich war<br />

<strong>die</strong> selbsttragende, mit<br />

gewelltem Blech beplankte<br />

Karosserie.<br />

Durch <strong>die</strong> Formgebung<br />

konnte das Blech auf<br />

eine Dicke von 0,5 mm<br />

reduziert werden, was<br />

<strong>für</strong> ein niedriges Fahrzeuggewicht<br />

und somit<br />

<strong>für</strong> eine höhere Nutzlast<br />

sorgte. Den gleichen<br />

Gedanken hegten schon<br />

<strong>die</strong> deutschen Flugzeugbauer<br />

als sie <strong>die</strong> "JU 52"<br />

konstruierten. Die Ähnlichkeit<br />

<strong>der</strong> beiden hat<br />

durchaus seinen Grund.<br />

<strong>Das</strong> raumsparende Fahrwerk mit Doppelquerlenkern<br />

vorn, parallelen Schwingen hinten und<br />

Drehstabfe<strong>der</strong>ung an beiden Achsen ermöglichte<br />

eine niedrige Ladekante, welche nur 35<br />

cm über dem Boden lag. Motor und Getriebe<br />

kamen von <strong>der</strong> Limousine Traction Avant und<br />

später <strong>der</strong> DS (<strong>die</strong> Göttin), jedoch jeweils umgekehrt<br />

eingebaut, d.h. mit dem Motor vor<br />

<strong>der</strong> Vor<strong>der</strong>achse und mit entgegengesetzter<br />

Motor-Drehrichtung. Die Motorenauswahl war<br />

überschaubar: Es gab zwei Otto<strong>motor</strong>en mit<br />

1,6 l und 1,9 l Hubraum (25-35 kW) und drei<br />

Diesel<strong>motor</strong>en mit gleichem Hubraum, aber<br />

bis immerhin 42 kW Leistung. Letztere for<strong>der</strong>n<br />

echte Liebe und hartes Einstecken <strong>–</strong> sie sind<br />

sehr laut, rauh und lahm. Aber <strong>die</strong> Motoren<br />

waren ausdauernd und nahezu unkaputtbar.<br />

Allerdings ist <strong>die</strong> Lärmentwicklung enorm, Motor-<br />

und Abrollgeräusche dringen so gut wie<br />

Deutlich sichtbar ist<br />

<strong>die</strong> Motorabdeckung zwischen<br />

den nachgerüsteten Sitzen<br />

ungefiltert in den Innenraum. Eine Geräuschdämmung<br />

gab es nicht und auch nachträglich<br />

läßt sich da nicht allzu viel machen, schließlich<br />

befindet sich <strong>der</strong> Motor zum Großteil direkt<br />

zwischen Fahrer und Beifahrer und <strong>die</strong><br />

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37


Frühe Explosionszeichnung<br />

eines HY-Motors<br />

abdeckende Blechhaube ist<br />

so knapp bemessen, dass <strong>für</strong><br />

Dämm-Material so gut wie kein<br />

Platz ist. <strong>Das</strong> gleiche gilt <strong>für</strong><br />

Rä<strong>der</strong> und Antriebwellen, auf<br />

denen man im wahrsten Sinne<br />

des Wortes sitzt und <strong>die</strong> einen<br />

den Straßenzustand hautnah<br />

spüren lassen.<br />

Komfort stand einfach nicht im<br />

Lastenheft und gibt es auch<br />

(fast) nicht. Alles am HY ist<br />

auf Funktionalität und Praxistauglichkeit<br />

ausgelegt. Viele<br />

daraus resultierende Lösungen<br />

sind schlichtweg genial,<br />

heute aber nicht mehr ganz<br />

zeitgemäß. <strong>Das</strong> Blechkleid<br />

ist insgesamt solide verarbeitet,<br />

aber mit den Citroën-typischen<br />

Schwachpunkten. In<br />

den Sicken des Blechs und<br />

an den Schweißpunkten <strong>der</strong><br />

Holme sammelt sich gerne<br />

Dreck, <strong>der</strong> im Laufe <strong>der</strong> Zeit<br />

unweigerlich <strong>für</strong> Rost sorgt,<br />

ebenso wie in allen, als Vierkant<br />

ausgelegten Holmen, <strong>die</strong><br />

nicht zugänglich sind. Am Augenscheinlichsten<br />

ist <strong>die</strong>s oft<br />

an <strong>der</strong> Reserverad- und Tankklappe<br />

zu sehen, <strong>die</strong> den Aufwirbelungen<br />

<strong>der</strong> Vor<strong>der</strong>rä<strong>der</strong><br />

ausgeliefert sind, sowie rund<br />

um <strong>die</strong> 3-teilige Heckklappe;<br />

auch <strong>die</strong> Regenrinne ist dort<br />

bedroht. Tragende Fahrzeugteile<br />

überleben wegen ihrer<br />

Materialstärke deutlich länger.<br />

Beim Kauf gilt wie bei allen<br />

Citroens, je weiter südlich<br />

das Objekt <strong>der</strong> Begierde zum<br />

Verkauf steht, desto besser.<br />

Da <strong>die</strong> meisten HY zweckerfüllend<br />

als Nutzfahrzeuge eingesetzt<br />

und entsprechend behandelt<br />

wurden, wird es immer<br />

schwieriger, ein gut erhaltenes<br />

und vor allem bezahlbares Exemplar<br />

zu finden.//<br />

38 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022


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Grandezza<br />

<strong>für</strong> den Acker<br />

Italienische Oldtimer-Traktoren führen den Liebhaber zurück in <strong>die</strong> analoge<br />

Welt <strong>der</strong> Mechanik, in eine Zeit in <strong>der</strong> alles langsamer und einfacher war.<br />

Sie zeigen eine <strong>für</strong> reine Nutzfahrzeuge eher seltene (Motoren)-Ästhetik.<br />

hielt das Unternehmen zu lange am Glühkopf<strong>motor</strong> fest,<br />

und später fehlten <strong>die</strong> Mittel <strong>für</strong> eine Produktionsumstellung,<br />

sodass es am 2. Juli 1964 schließen musste.<br />

Motomeccanica<br />

Alfa Romeo von 1931<br />

Sie hatten klangvolle Namen: Alfa Romeo, Lamborghini,<br />

Balilla, Pavesi, Landini und Orsi. Allen gemeinsam war<br />

eine Eleganz, <strong>die</strong> in <strong>die</strong>sem robusten Segment <strong>der</strong> Traktoren<br />

ungewöhnlich war. Wenn man dagegen deutsche<br />

Lanz-Modelle sieht, fällt sofort das Grobe und Martialische<br />

auf, das <strong>die</strong>se Modelle verkörpern. So musste man<br />

den Glühkopf<strong>motor</strong> <strong>der</strong> Lanz-Traktoren erst mit einem<br />

Gasbrenner anheizen, bevor er startete. Früher wurde<br />

er mit einem herausnehmbaren Lenkrad angekurbelt und<br />

fuhr mit allem, was brennbar war: Butter, Margarine o<strong>der</strong><br />

Diesel. Diesen Glühkopf<strong>motor</strong> fand man auch und zwar<br />

ausschließlich bei <strong>der</strong> 1881 gegründeten Orsi Trattori aus<br />

<strong>der</strong> Region Piemont in Norditalien. Die Marke entwickelte<br />

sich erfolgreich, wenn auch nie <strong>die</strong> Größe <strong>der</strong> Konkurrenten<br />

wie etwa Landini erreicht wurde. In den 1950er Jahren<br />

Verglichen mit Orsi-Traktoren ist beispielsweise <strong>der</strong> Alfa Romeo<br />

(in Italien hieß er Balilla) <strong>der</strong> Firma Motomeccanica ein<br />

schlanker Exot, vor allem wenn es sich um ein Modell <strong>für</strong><br />

den Weinanbau handelte. Ein Trecker mit Un<strong>der</strong>statement.<br />

Denn nur wenige wissen, dass unter dem Namen <strong>der</strong> legendären<br />

Autoschmiede Schlepper nach Frankreich exportiert<br />

wurden. Ein echter Seltenheitsfaktor also, was beson<strong>der</strong>s<br />

<strong>für</strong> Sammler interessant ist. Seit vielen Jahren steigen <strong>die</strong><br />

Preise <strong>für</strong> Oldtimer-Traktoren kontinuierlich an. Traktoren<br />

bleiben lange im Einsatz, man lässt sie häufig lieber in <strong>der</strong><br />

So endeten viele Traktoren:<br />

Abgestellt und vergessen.<br />

40 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022


Grandezza <strong>für</strong> den Acker<br />

Scheune o<strong>der</strong> auf dem Feld verrosten, als sie zu verschrotten.<br />

Von den fast zwei Millionen Traktoren in Deutschland<br />

sind ungefähr <strong>die</strong> Hälfte älter als 30 Jahre. Daran kann man<br />

das Potential <strong>für</strong> zukünftige Sammlerstücke gut erkennen.<br />

<strong>Das</strong> Wechselspiel aus verdeckter und frei liegen<strong>der</strong> Mechanik<br />

erzeugt bei den alten Traktoren eine Ästhetik, <strong>die</strong> das<br />

Maschinelle nicht verbirgt, son<strong>der</strong>n offen zur Schau stellt.<br />

Gerade heute <strong>–</strong> in Zeiten, in denen man es gewohnt ist,<br />

dass <strong>die</strong> computergesteuerte Technik hinter einer designten<br />

Oberfläche verborgen bleibt, kann es sehr erfrischend<br />

wirken, <strong>die</strong> Funktionsweise eines Fahrzeugs mit den Augen<br />

zu erfassen. Im Gegensatz zu den rustikalen Lanz-Bulldogs<br />

lassen sich <strong>die</strong> eleganteren Alfa-Traktoren noch immer als<br />

Zeichen <strong>der</strong> Mo<strong>der</strong>ne interpretieren.<br />

Bis in das Heute erstrahlt <strong>der</strong> Stern <strong>der</strong> Traktorenmarke<br />

Landini, <strong>die</strong> es immer noch gibt. Und das seit 1884. Landini<br />

hielt wie Orsi sehr lange am unverwüstlichen und zuverlässigen<br />

Glühkopf<strong>motor</strong> fest. Erst 1965 wurde <strong>die</strong> Produktion<br />

eingestellt. Zum beliebtesten und meistverkauften Traktorenmodell<br />

mauserte sich <strong>der</strong> L-25 und stieg in Italien in den<br />

1950er Jahren mit dem größten Marktanteil auf. 1956 gab<br />

es <strong>die</strong> offizielle Präsentation des Landinetta Obstbautraktors<br />

und nur ein Jahr später wurde mit Perkins Engines eine<br />

Vereinbarung zur Lizenzproduktion von Diesel<strong>motor</strong>en in<br />

Italien geschlossen. 1959 produzierte Landini mit dem Landini<br />

C35 seinen ersten Raupentraktor. Schmalspurtraktoren<br />

<strong>für</strong> den Obst- und Weinanbau entstanden ab 1982. Jene Exemplare<br />

sind beson<strong>der</strong>s begehrt, da sie bei <strong>der</strong> Weinernte<br />

eingesetzt wurden. Sie verfügten über schmalere Achsen,<br />

um zwischen den Rebstöcken manövrieren zu können. <strong>Das</strong><br />

unterstreicht nochmals <strong>die</strong> schlanke Eleganz <strong>der</strong> Marke und<br />

passt gleichzeitig besser in <strong>die</strong> Sammler-Garage. In <strong>die</strong>se<br />

gehört vor allem ein Lamborghini-Traktor. Die legendäre<br />

Sportwagenschmiede hat ebenfalls mit landwirtschaftlichen<br />

Fahrzeugen angefangen. Der Legende nach verließ <strong>der</strong><br />

Grün<strong>der</strong> Ferruccio<br />

Lamborghini das <strong>für</strong><br />

ihn sehr erfolgreiche<br />

landwirtschaftliche<br />

Segment, weil er mit<br />

seinem Ferrari unzufrieden<br />

war und<br />

beschloß, fortan <strong>die</strong><br />

besseren Sportwagen<br />

zu bauen. Seine<br />

Traktoren, allen<br />

voran <strong>der</strong> Lamborghinetta<br />

mit einem<br />

Zweizylin<strong>der</strong><strong>motor</strong><br />

und 16 kW (22 PS),<br />

Meistverkaufter Traktor seiner Zeit:<br />

Landini L-25, Baujahr: 1959,<br />

25 PS, Hubraum: 4.312 cm³,<br />

Gewicht: 1.600 kg.<br />

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41


einem Gewicht von 1.000 kg und einem damaligen Verkaufspreis<br />

von 1 Million Lire ist heute ein gesuchtes Exemplar.<br />

Weniger sportlich, da<strong>für</strong> älter: Die Geschichte von Fiat Trattori<br />

SpA begann 1918, als das Unternehmen seinen ersten<br />

Traktor, den Fiat 702, mit 30 PS (22 kW) auf den Markt<br />

brachte. Dem Modell 702 folgten etliche Varianten. Mit <strong>die</strong>sen,<br />

welche bis 1925 produziert wurden, erreichte Fiat Trattori<br />

den Meilenstein von 2.000 produzierten Einheiten. Im<br />

Jahr 1929 verkaufte das Werk bereits mehr als 1.000 Traktoren<br />

jährlich. Der erste europäische Raupentraktor kam<br />

drei Jahre später: <strong>der</strong> Fiat 700C. Im selben Jahr wurde <strong>die</strong><br />

Produktion von Turin nach Modena verlagert. 1939 brachte<br />

das dortige Werk den ersten Serientraktor auf den Markt,<br />

den Fiat 40 Boghetto. Aufgrund einer Erfindung von Fortunato<br />

Boghetto konnte <strong>der</strong> Motor <strong>die</strong>ses Traktors mit einer<br />

Vielzahl von Kraftstoffen (Kerosin, Diesel, Alkohol, Benzin,<br />

Erdgas und Vergasergas) betrieben werden.<br />

Die Markteinführung des Fiat 25R 1951 wurde zu einer <strong>der</strong><br />

Schlüsselmaschinen in <strong>der</strong> Geschichte von Fiat. Dieses<br />

Modell verfügte über einen 2,3-Liter Benzin<strong>motor</strong> mit 23 PS<br />

Nennleistung. Im Jahr 1953 ersetzte man <strong>die</strong>ses Aggregat<br />

durch eine Diesel-Maschine, <strong>die</strong> jetzt 25 PS Nennleistung<br />

aufwies. Der unter <strong>der</strong> Bezeichnung Fiat 25 RD geführte<br />

Traktor stand als Hochrad- und Standard-Ausführung zur<br />

Verfügung. Zusätzlich war eine Raupen-Variante unter <strong>der</strong><br />

Bezeichnung 25 C erhältlich. Für seine Zeit außergewöhnlich<br />

war <strong>die</strong> serienmäßige elektrische 24 Volt-Anlage incl.<br />

Anlasser. Auch <strong>der</strong> Vierradantrieb, <strong>der</strong> auf Wunsch geor<strong>der</strong>t<br />

werden konnte, war seiner Zeit weit voraus. Der innovative<br />

orangefarbene Traktor (<strong>der</strong> erste einer langen Serie von<br />

Traktoren bis 1983) half Fiat beim Eintritt in den europäischen<br />

Agrarmarkt. Produziert in einer großen Anzahl von<br />

Modellen, in Obstgarten- und Forstwirtschaftsversionen,<br />

wurden fast 45.000 Einheiten <strong>die</strong>ser bemerkenswerten Maschine<br />

auf den Markt gebracht. <strong>Das</strong> beliebte Orange verschwand<br />

später als Fiat Trattori zu FiatAgri umbenannt wurde<br />

und än<strong>der</strong>te seine Lackierung zu Burgund, <strong>die</strong> bei allen<br />

neuen Traktoren verwendet wurde.<br />

Deutlich seltener anzutreffen sind Oldtimer <strong>der</strong> Marke Carraro.<br />

Foto aus <strong>der</strong> Januarausgabe 1919<br />

des The Gas Engine Monthly Magazines<br />

Die Ursprünge gehen zurück bis ins Jahr 1910, als <strong>der</strong> Schmied<br />

Giovanni Carraro auf <strong>der</strong> Industriemesse in Padua eine Mehrzweckmaschine<br />

zum Pflügen, Säen, Eggen und Walzen vorstellte.<br />

In den 1950er Jahren wurde mit dem Geräteträger Universal<br />

<strong>der</strong> erste Carraro-Traktor entwickelt. Sein jüngster Sohn<br />

Antonio gründete 1960 <strong>die</strong> Firma Antonio Carraro di Giovanni<br />

Fiat 25 R mit stehendem wassergekühlten<br />

Viertakt-Vierzylin<strong>der</strong>-Diesel<strong>motor</strong> mit Vorkammer-Verfahren,<br />

Druckumlaufschmierung,<br />

Bosch-Fliehkraft-Verstellregler, Ölbadluftfilter,<br />

Bosch-Zapfendüse, dreifach-gelagerter<br />

Kurbelwelle, Bosch-Einspritzpumpe sowie<br />

Kühler mit Thermostat und Lüfter.<br />

42 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022


Grandezza <strong>für</strong> den Acker<br />

Fast so schön wie ein<br />

nostalgischer Ferrari:<br />

Frontansicht des SAME 240<br />

aus dem Jahr 1959<br />

und im gleichen Jahr wurde<br />

<strong>der</strong> erste Einachsschlepper<br />

des Unternehmens vorgestellt.<br />

Bereits ein Jahr später<br />

folgte <strong>der</strong> erste gebaute Einachstraktor<br />

und erhielt den<br />

Namen "Scarabeo". Carraro<br />

begann dann 1964 mit <strong>der</strong><br />

Entwicklung eines 20 PS<br />

starken Traktors mit Knicklenkung.<br />

Dieser bildete den<br />

Grundstock <strong>der</strong> späteren<br />

Tigre-Baureihe.<br />

Groß und bekannt hingegen ist <strong>die</strong> von den Brü<strong>der</strong>n Francesco<br />

und Eugenio Cassani 1942 gegründete Marke SAME<br />

(Società Accomandita Motori Endotermici), was auf deutsch<br />

Kommanditgesellschaft <strong>für</strong> endothermische Motoren bedeutet.<br />

1927 entwarfen und konstruierten <strong>die</strong> beiden einen<br />

Traktor mit dem Namen Cassani 40 PS, <strong>der</strong> durch einen<br />

Diesel<strong>motor</strong> angetrieben wurde <strong>–</strong> einer Antriebsart, <strong>die</strong> seit<br />

den 1920er Jahren <strong>für</strong> Fahrzeuge in <strong>der</strong> Industrie, beim Militär<br />

und <strong>für</strong> Eisenbahnen eingesetzt wurde. Es handelte sich<br />

um einen liegenden Zweizylin<strong>der</strong><strong>motor</strong>, <strong>der</strong> als Zweitakter<br />

mit einem Hubraum von 12.723 cm³ konzipiert war und bei<br />

550 U/min eine Leistung von 40 PS brachte. Die Zündung<br />

erfolgte mit Hilfe eines zigarettenähnlichen Glüheinsatzes,<br />

welcher da<strong>für</strong> sorgte, dass <strong>der</strong> Kraftstoff in den Leitungen<br />

besser zündete und <strong>der</strong> Motor unter Druck gestartet wurde.<br />

Anfangs stellte SAME Verbrennungs- und Diesel<strong>motor</strong>en <strong>für</strong><br />

den zivilen und industriellen Gebrauch sowie Winden, Kräne,<br />

Pflüge und Feuerlöschpumpen her. 1946 entstanden <strong>die</strong><br />

ersten selbstfahrenden, mit Petroleum betriebenen Mähmaschinen<br />

mit 8 PS. Ende <strong>der</strong> 1950er folgte <strong>die</strong> Einführung des<br />

eleganten SAME 240. Dieser wurde als intelligenter Traktor<br />

bezeichnet, da er erstmals serienmäßig mit <strong>der</strong> automatischen<br />

SAC-Steuerung (Stazione Automatica di Controllo)<br />

von SAME ausgestattet war, mit <strong>der</strong> <strong>die</strong> Kraft <strong>der</strong> Kraftheber<br />

gesteuert wurde und <strong>die</strong> in den darauf folgenden Jahren in<br />

alle Fahrzeuge einfloss. Er hatte einen Zweizylin<strong>der</strong><strong>motor</strong><br />

mit 42 PS, 6 Vorwärts- und 1 Rückwärtsgang und erreichte<br />

eine Höchstgeschwindigkeit von 28,9 km/h. <strong>–</strong> Auch <strong>die</strong><br />

Ästhetik <strong>die</strong>ses Fahrzeugs ist bestechend, wie so vieles aus<br />

Italien: Mode, Stoffe, Design. Und zeigt anschaulich, dass<br />

Nutzen auch schön sein kann und das Auge erfreuen darf.//<br />

Cassani 40 PS Traktor<br />

von Francesco und<br />

Eugenio Cassani<br />

www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022<br />

43


Haushaltsgerät<br />

auf Rä<strong>der</strong>n<br />

Der italienische Star-Designer Giorgio Giugiaro designte <strong>die</strong> »tolle Kiste«, wie <strong>der</strong> Fiat<br />

Panda, neben vielen an<strong>der</strong>en Bezeichnungen liebevoll genannt wurde. Ihn zu fahren war<br />

ein Statement <strong>für</strong> minimalistische Funktionalität und gegen das Auto als Statussymbol.<br />

In den beginnenden 90ern wäre <strong>der</strong> Panda fast mein erstes<br />

Auto geworden. Ein frühes Modell noch mit geteilter Seitenscheibe<br />

war in <strong>der</strong> Verwandtschaft übrig und als Zweitwagen<br />

auch nur wenig gefahren worden. Bei <strong>der</strong> Besichtigung<br />

wurde mein Gesicht allerdings immer länger, da das<br />

»Fahrzeug« nicht mal über ein richtiges Armaturenbrett<br />

verfügte, son<strong>der</strong>n nur eine mit Stoff bespannte Ablage besaß.<br />

Als Instrumententräger fungierte ein kleiner Karton mit<br />

einem Tacho und ein paar Warnleuchten darin. Kein Radio<br />

und auch kein vorgesehener Platz da<strong>für</strong>. Die Sitze waren<br />

kaum gepolsterte Metallrahmen, aber am enttäuschensten<br />

war <strong>der</strong> winzige Motor mit seinen 847cm 3 und niedlichen 25<br />

kW (34 PS). Dabei weiß ich jetzt, dass <strong>die</strong>s nicht einmal <strong>der</strong><br />

kleinste Motor war: Es gab als Einstiegsmodell noch den<br />

650er mit 22 kW (30 PS) und als Topmodell den 900er mit<br />

33 kW (45 PS). Erst mit dem 1986 vorgestellten Panda MK2<br />

wurde <strong>die</strong> mo<strong>der</strong>nere Fire-Motorengeneration eingeführt,<br />

<strong>die</strong> bis zu 55 PS schaffte. Die Überzeugungsversuche <strong>der</strong><br />

Verwandtschaft mit günstigem Unterhalt und geringem Verbrauch<br />

halfen nichts. Geworden ist es dann ein roter Golf 1<br />

mit <strong>der</strong> doppelten PS-Leistung des Panda.<br />

Erfolgreich war <strong>der</strong> Panda <strong>der</strong> ersten Generation trotzdem.<br />

Mehr als 4 Millionen Autos wurden in <strong>der</strong> Zeit von 1980 bis<br />

46<br />

www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022


Haushaltsgerät auf Rä<strong>der</strong>n<br />

2003 produziert und damit war er das meistverkaufte Modell<br />

<strong>der</strong> Marke Fiat. Ab 1996 allerdings nur noch in Italien, da<br />

<strong>die</strong> Abgas- und Sicherheitsvorschriften in <strong>der</strong> EU verschärft<br />

wurden. Viele Fahrzeuge überlebten nur <strong>die</strong> ersten Jahre,<br />

da es keinen Korossionsschutz gab und viele Pandas bereits<br />

nach vier Jahren faustgroße Löcher in <strong>der</strong> Karosserie<br />

hatten. Der Beliebtheit war <strong>die</strong>s aber nicht abträglich, zumal<br />

Fiat hier nachbesserte. Die in den 80ern sehr bekannte<br />

Werbekampagne in Deutschland »Fiat Panda <strong>–</strong> <strong>die</strong> tolle Kiste«<br />

stellte <strong>die</strong> Alltagstauglichkeit, Ökonomie und Ökologie in<br />

den Vor<strong>der</strong>grund. Hier befand sich <strong>der</strong> Panda in guter Gesellschaft<br />

mit dem Citroen 2CV und dem Renault 4.<br />

Die Motoren <strong>der</strong> 1. Generation waren ursprünglich beim<br />

Fiat 850 verwendet worden und gehen auf den Motor, des<br />

1955 eingeführten Fiat 600 zurück. Dieser Motortyp mit<br />

Grauguss-Block und Aluminium-Zylin<strong>der</strong>kopf hat drei Kurbelwellenlager,<br />

eine kettengetriebene, seitliche Nockenwelle<br />

sowie hängende Ventile. Direkt auf dem Zylin<strong>der</strong>kopf<br />

sitzt <strong>der</strong> Vergaser. Die Motoren sind robust und zeigen<br />

auch Dauerläufer-Qualitäten: Es gibt Pandas mit Laufleistungen<br />

von mehr als 400.000 km. Die neu entwickelten „FI-<br />

RE-Motoren“ (Fully Integrated Robotized Engine) wurden<br />

von Robotern montiert, was weniger bewegte Teile als <strong>der</strong><br />

ältere OHV-Motor bedeutete. Eine zahnriemengetriebene<br />

Der wassergekühlte<br />

Vierzylin<strong>der</strong><strong>motor</strong> des<br />

Fiat Panda Typ 141 war<br />

keine Wan<strong>der</strong>düne, aber<br />

auch kein Rennwagen.<br />

obenliegende Nockenwelle und eine fünffach gelagerte<br />

Kurbelwelle kennzeichnen <strong>die</strong>sen 8-Ventiler. Die Leistungsausbeute<br />

war unwesentlich größer: Hubräume von<br />

769 - 1.108 cm 3 und 34 bis 55 PS (25 bis 40 kW). Fiat verwendete<br />

zuerst ausschließlich Weber-Einfachvergaser zur<br />

Gemischaufbereitung, später folgten Einspritzanlagen mit<br />

einer zentralen Einspritzdüse. Als Version „D“ gab es den<br />

Panda mit einem aus dem Fiat Uno stammenden 1.301<br />

cm³-Diesel<strong>motor</strong>, <strong>der</strong> 39 PS (29 kW) leistete. Gebaut wurde<br />

er von 1986 bis 1992.<br />

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Deutsche Vorkriegstechnik<br />

aus Kiew<br />

Die<br />

KMZ K750 kam 1956 auf den Markt und wurde von den Kiewer<br />

Motorrad Werken hergestellt. Dieses Motorrad basiert auf <strong>der</strong> BMW R71,<br />

<strong>die</strong> überwiegend als Gespann <strong>für</strong> <strong>die</strong> Wehrmacht bis 1941 im Einsatz war.<br />

Es wirkt alles noch recht<br />

unspektakulär, als David<br />

Wieprich mit seinem goldfarbenen<br />

Mercedes W123<br />

um <strong>die</strong> Ecke biegt. Der 2,5 l<br />

Reihen-6-Zylin<strong>der</strong> erzählt uns seine Geschichte, kraftvoll<br />

und ge<strong>die</strong>gen geben <strong>die</strong> 140 PS des M123 uns eine kurze<br />

aber klare Rückmeldung darüber, was alte und gut gehütete<br />

Motoren <strong>für</strong> eine Standfestigkeit beweisen können. Doch<br />

heute geht es eigentlich gar nicht um <strong>die</strong>ses Schmuckstück<br />

von 1980. Heute sollen „nur“ 3 Rä<strong>der</strong> unser Fokus sein. Zum<br />

Vorschein kommt ein Motorrad. Ein Beiwagen-Gespann, um<br />

genau zu sein. Die KMZ K750 von 1959 präsentiert sich in<br />

einem auf den ersten Blick nahezu perfekten Zustand.<br />

Noch bevor wir uns alles richtig anschauen können, gerät ihr<br />

Besitzer schon ins Schwärmen. „Ich wollte ja niemals Motorrad<br />

fahren, hatte nicht mal einen Führerschein. <strong>Das</strong> war<br />

damals nichts <strong>für</strong> mich.“ Soweit <strong>der</strong> Stand vor gut 2 ½ Jahren.<br />

Doch das Schicksal hatte an<strong>der</strong>e Pläne. Auf <strong>der</strong> Suche<br />

nach einem passenden Gefährt <strong>für</strong> seine Freundin begegnete<br />

David unerwartet dem „Molotov“, wie das Gespann im<br />

Osten früher gern genannt wurde. Die unweigerliche Folge:<br />

Gesehen, verliebt, gekauft. Der fehlende Führerschein jetzt<br />

nur noch Formsache. Mittlerweile sind unzählige Arbeitsstunden<br />

in <strong>die</strong> Aufbereitung <strong>der</strong> Maschine geflossen.<br />

Auch das Herzstück <strong>der</strong> K750,<br />

<strong>der</strong> ca. 26 PS starke 2-Zylin<strong>der</strong><br />

Motor mit 746 ccm hat volle Aufmerksamkeit<br />

erhalten. An<strong>der</strong>s<br />

als bei den meisten bekannten<br />

Motorrad<strong>motor</strong>en liegen <strong>die</strong> Zylin<strong>der</strong><br />

hier horizontal im Winkel<br />

von 180 Grad. Ungewöhnlich,<br />

im Fahrstil etwas gewöhnungsbedürftig,<br />

aber nicht weniger effizient. Die<br />

Zylin<strong>der</strong>bohrungen von 78mm haben<br />

mittlerweile durch Verschleiß Kolben<br />

im 1. Übermaß bekommen, so sind<br />

viele weitere Jahre Zuverlässigkeit<br />

und Leistung gesichert. Zuverlässigkeit,<br />

ein wichtiger Punkt, wenn man<br />

bedenkt, dass <strong>die</strong> ca. 350 Kg <strong>der</strong> Maschine<br />

PLUS Fahrer und ggf. Beifahrer<br />

auch durchs Land bewegt werden<br />

wollen. Hier trifft Fachwissen auf einen<br />

weiteren wichtigen Punkt im Bereich<br />

Oldtimer. Matching Numbers. Ein Begriff,<br />

welcher in Oldtimer- und Liebhaberkreisen<br />

einen kaum zu beziffernden<br />

Stellenwert einnimmt.<br />

Es ist immer wie<strong>der</strong> wun<strong>der</strong>voll zu sehen, wie sich Menschen<br />

mit <strong>der</strong>artiger Leidenschaft um den Erhalt solcher<br />

Schmuckstücke kümmern, wieviel Energie, Verständnis,<br />

Zeit, und am Ende natürlich auch Geld in solch ein Hobby<br />

fließen. Obwohl. Hobby? David hat hierzu eine klare Meinung:<br />

„<strong>Das</strong> ist nicht nur ein Hobby, das ist Liebe!“<br />

48<br />

www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022


LITERATUR<br />

Bücherseite rund um das Thema Motoren<br />

Im Bücherregal:<br />

Der Bulli<br />

des Ostens<br />

Während sich <strong>der</strong> Bulli in <strong>die</strong>ser Zeit vom T1 bis zum T4 wandelte,<br />

blieb sein DDR Pendant drei Jahrzehnte nahezu unverän<strong>der</strong>t<br />

in Produktion. Mit dem Einbau eines Viertakters von<br />

VW (sic!) mauserte sich <strong>der</strong> Barkas B 1000 in <strong>der</strong> Wendezeit<br />

zum B 1000-1. Äußerlich war bis auf <strong>die</strong> Typenbezeichnung<br />

kein Unterschied zu erkennen. Gestalterische Neuentwürfe<br />

bezogen sich in all den Jahren nur auf <strong>die</strong> Frontmaske, und<br />

selbst <strong>die</strong> scheiterten stets aus Kostengründen.<br />

1952 befassten sich <strong>die</strong> Verantwortlichen bei den Frankenberger<br />

Motorenwerken erstmals mit dem Nachfolger ihres<br />

noch aus Vorkriegsjahren stammenden Transporters Framo.<br />

Ein erster Prototyp konnte jedoch nicht überzeugen.<br />

Fünf Jahre später entstanden dann erste Funktionsmuster<br />

des Barkas (= Blitz), wie sich <strong>der</strong> DDR-Fahrzeughersteller<br />

mittlerweile umbenannt hatte. Es dauerte dann noch vier<br />

weitere Jahre, ehe <strong>der</strong> B 1000 (Ein-Tonner) serienreif war.<br />

Nachdem mehrere Vierzylin<strong>der</strong>, darunter auch ein Viertakter,<br />

verworfen worden waren, musste am Ende <strong>der</strong> Dreizylin<strong>der</strong>-Zweitakter<br />

aus dem Wartburg als Antrieb herhalten.<br />

Dennoch war <strong>der</strong> ostdeutsche Schnelltransporter zu Beginn<br />

international durchaus konkurrenzfähig. Er blieb aber stets<br />

ein Fahrzeug <strong>der</strong> Mangelwirtschaft. So lag <strong>die</strong> höchste Jahresproduktion<br />

bei lediglich 8.176 Einheiten (1975). Zudem<br />

ging rund <strong>die</strong> Hälfte <strong>der</strong> Fahrzeuge in den Export. Neben<br />

Ungarn war vor allem Belgien ein großer Abnehmer, wo <strong>der</strong><br />

Barkas auch mit einem Hochdach ausgestattet wurde und<br />

auch als günstiger Campingbus zu haben war.<br />

Mit dem Nie<strong>der</strong>gang des Zweitakters wurde <strong>der</strong> DDR-Bulli<br />

schon nach wenigen Jahren international abgehängt. Bereits<br />

1968 hatten daher Arbeiten <strong>für</strong> den Einbau eines Viertakters<br />

und am Nachfolger B 1100 begonnen. Nach drei<br />

Prototypen fiel er 1972 aber <strong>der</strong> Planwirtschaft zum Opfer.<br />

Es sollte dann noch fast 20 Jahre dauern, bis <strong>der</strong> Barkas<br />

endlich einen Viertakt-Motor bekam <strong>–</strong> wie Trabant und Wartburg<br />

von Volkswagen. Apropos Trabant: Mit ihm musste<br />

sich <strong>der</strong> Barkas <strong>die</strong> Farbpalette teilen. Wir wissen: Mit <strong>der</strong><br />

Wende war <strong>der</strong> Untergang <strong>der</strong> ostdeutschen Fahrzeugproduktion<br />

nicht mehr aufzuhalten. So sollte beispielsweise im<br />

März 1991 <strong>der</strong> Barkas mit Wohnmobilaufbau von Karmann<br />

in Serie gehen, doch am 10. April 1991 war in den beiden<br />

Werken Frankenberg und Hainichen bereits Schicht im<br />

Schacht. Der B 1000 ließ sich einfach nicht mehr preisgünstig<br />

genug herstellen. Und <strong>die</strong> Idee, <strong>die</strong> Produktion nahe St.<br />

Petersburg neu aufzubauen, scheiterte schließlich an den<br />

zu hohen Kosten.<br />

Mit dem Buch „Barkas B 1000: Der DDR-Schnelltransporter“<br />

rückt Torsten Langbein <strong>die</strong> Geschichte des Fahrzeugs<br />

bildreich in den Blickpunkt. Die 150 Abbildungen beinhalten<br />

auch eine Reihe seltener Aufnahmen, etwa des B 1100<br />

und <strong>der</strong> nie realisierten Frontentwürfe sowie <strong>der</strong> belgischen<br />

Hochdachausführung und des Karmann-Campers. Zudem<br />

gab es einen Entwurf von Westfalia. Vom B 1000-1 mit<br />

1,3-Liter-VW-Motor wurden lediglich nur noch knapp 1.500<br />

Stück gebaut. Ihnen standen am Ende über 176.000 Stück<br />

des DDR-Originals gegenüber.<br />

Mit einer Reihe von Schnitt- und Explosionszeichnungen<br />

widmet sich Torsten Langbein immer wie<strong>der</strong> auch technischen<br />

Details. Einige Passagen lesen sich ein wenig irritierend<br />

wie zeitgenössischer Jargon, ohne dass es sich um<br />

Zitate handelt: „Dadurch hat <strong>der</strong> B 1000 als Schnelltransporter<br />

in den Bereichen Handel und Versorgung, Industrie,<br />

Handwerk, Landwirtschaft, Gesundheitswesen und den<br />

Staatlichen Organen als leistungsstarker und geräumiger<br />

Kleintransporter mit einer Nutzmasse von einer Tonne zur<br />

Lösung unterschiedlicher Transportaufgaben über 30 Jahre<br />

lang beigetragen. Zahlreiche Weiterentwicklungen und<br />

Detailverbesserungen führten im Laufe <strong>der</strong> Jahre zur einer<br />

Erhöhung des Gebrauchswertes, <strong>der</strong> Grenznutzungsdauer<br />

und Zuverlässigkeit.“<br />

„Barkas B 1000: Der DDR-Schnelltransporter“ von Torsten<br />

Langbein ist im Motorbuch-Verlag erschienen. <strong>Das</strong> Buch hat<br />

128 Seiten mit 150 Abbildungen und kostet 19,95 Euro.<br />

www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022<br />

49


MAN<br />

MIL GL KAT I<br />

Oldtimer im täglichen Einsatz:<br />

Ursprünglich 1962 als militärische<br />

Son<strong>der</strong>entwicklung <strong>für</strong> <strong>die</strong><br />

Bundeswehr entstanden, wird<br />

das charakterisitische Fahrzeug<br />

MAN KAT 1 auch von THW,<br />

UN und Feuerwehr genutzt.<br />

MAN 10 t gl mit Ladekran. Beladen mit<br />

Munition und gekennzeichnet gemäß Gefahrgutverordnung<br />

im Verfügungsraum eines Truppenübungsplatzes<br />

1. FeldArtLBtl 51 Idar-Oberstein.<br />

Wer sich schon einmal auf einem Truppenübungsplatz<br />

rumgetrieben hat, kennt das markante und schwere Motorengeräusch<br />

des hubraumstarken Achtzylin<strong>der</strong>s mit<br />

Turbola<strong>der</strong>. Der MAN KAT I ist das Gesicht <strong>der</strong> Bundeswehr.<br />

Denn kaum ein an<strong>der</strong>es Militärfahrzeug prägt das<br />

Bild <strong>der</strong> Streitkräfte mehr als <strong>der</strong> MAN, <strong>der</strong> militärisch<br />

korrekt als Lkw mil gl Kat I (militärisch geländegängig)<br />

bezeichnet wird. <strong>Das</strong> Kürzel „Kat“ steht dabei <strong>für</strong> „Kategorie“.<br />

Fast jede Einheit verfügt über mindestens eine<br />

Version des geländegängigen Lastenträgers, <strong>der</strong> in <strong>der</strong><br />

Lage ist, einem Kampfpanzer im Gelände zu folgen. Der<br />

„Fünftonner“ mit zwei Achsen wird ergänzt von <strong>der</strong> dreiachsigen<br />

Variante mit sieben Tonnen Zuladung und dem<br />

imposanten Vierachser <strong>für</strong> zehn Tonnen mit Doppellenkung<br />

vorne. Allen ist <strong>der</strong> verwindungsarme Kastenrahmen<br />

gemein und <strong>der</strong> Motor sitzt, im Gegensatz zu an<strong>der</strong>en<br />

Lastkraftwagen, hinter dem Fahrerhaus. Der KAT<br />

ist extrem belastbar und robust. Sein Motor gilt als unkaputtbar<br />

und ihm macht auch dreckiger o<strong>der</strong> wässriger<br />

Kraftstoff nicht das Geringste aus. Die Strahlungswärme<br />

des Motors ist gewöhnungsbedürftig, da es durch seine<br />

Positionierung beim Fahren kuschelig warm wird und<br />

man selten eine Zusatzheizung braucht. Hinzu kommt,<br />

dass keine unnötige Elektronik verbaut ist. Was an Elektrik<br />

vorhanden ist, wurde sehr reparaturfreundlich gehalten.<br />

Der normale Durchschnittsverbrauch liegt bei ca.<br />

38 l / 100km, Geländefahrten sind hier schon mit eingerechnet.<br />

Ursprünglich war in <strong>der</strong> Anfor<strong>der</strong>ungsliste ein<br />

Vielstoff<strong>motor</strong> vorgesehen, da aber <strong>die</strong> Beschaffungskosten<br />

zu hoch waren, wurde auf einen luftgekühlten<br />

Deutz V8-Motor mit und ohne Turboaufladung zurückgegriffen.<br />

Im Dezember 1975 unterschrieb <strong>die</strong> Bundeswehr<br />

mit MAN den Serienvertrag über <strong>die</strong> Lieferung von den<br />

nochmals in zwei Kategorien unterteilten militärischen<br />

Son<strong>der</strong>entwicklungen. So erfolgte im November 1976 <strong>die</strong><br />

Auslieferung <strong>der</strong> ersten Kategorie I MAN, des 10 t mil gl.<br />

Alle LKW <strong>der</strong> Serie sind im Baukastensystem aufgebaut.<br />

So bestehen sämtliche Fahrzeuge aus einem verwindungsarmen<br />

Kastenrahmen mit hochbeweglichen Achsen,<br />

<strong>die</strong> über Schraubenfe<strong>der</strong>n mit dem Rahmen verbunden<br />

sind. Der Motor sitzt im Frontlenkerfahrerhaus,<br />

welches durch eine Zwischenwand in Fahrer- und Motorraum<br />

geteilt wird. Als Beson<strong>der</strong>heit ist <strong>der</strong> Motor hinter<br />

dem Fahrerraum eingebaut und nicht wie bei an<strong>der</strong>en<br />

Frontlenkern darunter. Dadurch konnte eine Höhe über<br />

dem Führerhaus von knapp 2,9 m realisiert werden, was<br />

<strong>die</strong> Verladung auf Standard-Eisenbahnwagons ermöglicht.<br />

Um das Lichtraumprofil <strong>der</strong> Eisenbahn einzuhalten,<br />

wurden <strong>die</strong> oberen Kanten des Fahrerhauses charakteristisch<br />

abgeschrägt. Da <strong>die</strong> Fahrzeuge <strong>der</strong> ersten Bau-<br />

MAN 7 t gl KAT I: mit Ladekran<br />

und Leichtmetallschlägen nachgerüstetes<br />

Modell desTHW<br />

50 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022


MAN mil gl KAT I<br />

Ein Zweiachser<br />

im Dienst <strong>der</strong> UN.<br />

reihe noch auf den schwimmfähigen Prototypen basieren,<br />

ist <strong>der</strong>en Fahrerhaus nicht <strong>für</strong> Wartungszwecke kippbar.<br />

Dies wurde erst mit <strong>der</strong> zweiten Baureihe Mitte <strong>der</strong> 1980er<br />

Jahre eingeführt. Der Motor gibt seine Leistung über <strong>die</strong><br />

Wandler-Schaltkupplung, Schaltgetriebe und das Verteilergetriebe<br />

auf <strong>die</strong> Vor<strong>der</strong>- und Hinterachsen ab. In <strong>der</strong><br />

ersten Baureihe KAT I bildeten <strong>die</strong>se drei Komponenten<br />

eine Einheit und sind somit ein Son<strong>der</strong>bauteil.<br />

Für <strong>die</strong> späteren Baureihen KAT I A1 wurden günstigere<br />

Großserienteile aus <strong>der</strong> laufenden Lkw-Produktion verwendet.<br />

Damit ließ sich auch <strong>die</strong> Anzahl <strong>der</strong> Gänge von 6<br />

auf 16 erhöhen, was <strong>die</strong> theoretische Höchstgeschwindigkeit<br />

von 90 auf rund 120 km/h steigert. Bei <strong>der</strong> üblicherweise<br />

gefahrenen Geschwindigkeit von 80 km/h reduzierte<br />

sich <strong>die</strong> Motordrehzahl erheblich, was den Kraftstoffverbrauch<br />

senkte. Die Bordnetzspannung betrug 24 V und<br />

entsprach so dem Standard in <strong>der</strong> Bundeswehr. Der vierachsige<br />

LKW stellte den Abschluß <strong>der</strong> KAT I Familie dar.<br />

Ausgerüstet mit einem 320 PS Deutz<strong>motor</strong>, Abgasturbola<strong>der</strong><br />

und Ladeluftkühlung wird <strong>die</strong>ser LKW bis heute von<br />

den Versorgungseinheiten <strong>der</strong> Divisionen, Brigaden und<br />

Korpsverbände des Heeres eingesetzt. Durch <strong>die</strong> verlängerte<br />

Ladefläche wird <strong>die</strong>ses Fahrzeug <strong>für</strong> den Transport<br />

von Mengenverbrauchsgütern wie Munition und Kraftstoff<br />

genutzt und <strong>die</strong>nt <strong>der</strong> Versorgung <strong>der</strong> Kampfeinheiten.<br />

MAN baute in den Jahren 1976 bis 1985 zwei Versionen.<br />

Der Typ 454 verfügte über eine 5 t Seilwinde <strong>der</strong> Firma<br />

Rotzler und war auf Umschlaggeräte wie etwa Gabelstapler<br />

angewiesen. Dagegen verfügte <strong>der</strong> Typ 464 über einen<br />

1t Ladekran <strong>der</strong> Firma Atlas Weyhausen, montiert auf<br />

<strong>der</strong> linken Seite <strong>der</strong> Ladeflächenmitte. Bedingt durch den<br />

Ladekran konnte <strong>die</strong>ser Typ nur neun Europaletten laden.<br />

Im Rahmen <strong>der</strong> Auslandseinsätze <strong>der</strong> Bundeswehr wurden<br />

einige Fahrzeuge zusätzlich mit einer modularen<br />

Schutzausstattung (MSA) gepanzert, um den Schutz<br />

<strong>der</strong> Besatzung zu erhöhen. Neubauten <strong>der</strong> Generation 3<br />

verfügten dagegen je nach Modell über eine sogenannte<br />

Fahrzeugschutzausstattung (FSA). Zur Selbstverteidigung<br />

hatten <strong>die</strong> Fahrzeuge ein auf Drehringlafette montiertes<br />

Maschinengewehr MG3.<br />

Der MAN wird inzwischen auch vermehrt zivil genutzt. Sei<br />

es als Einsatzfahrzeug bei THW und Feuerwehr o<strong>der</strong> als<br />

8x8 Expeditionsfahrzeug und Campingmobil. Robust und<br />

unverwüstlich, vor allem <strong>für</strong> heiße Regionen geeignet durch<br />

seinen luftgekühlten Motor, wird er wohl auch in Jahrzehnten<br />

noch auf Straßen und im Gelände anzutreffen sein.//<br />

Koloss: V8-Diesel<strong>motor</strong><br />

mit 13 l Hubraum<br />

und 320 PS / 235 kW<br />

Technische Daten MAN gl Kat I<br />

HERSTELLER<br />

ANTRIEB<br />

MAN<br />

Deutz 8-Zylin<strong>der</strong> - V-90° - Diesel<strong>motor</strong><br />

mit Direkt-Einspritzung und Turboladung<br />

<strong>Das</strong> Cockpit aus dem<br />

Jahr 1962 ist reduziert auf<br />

das Wesentliche.<br />

HUBRAUM<br />

LEISTUNG<br />

MAXIMALER DREHMOMENT<br />

HÖCHSTGESCHWINDIGKEIT<br />

KRAFTSTOFFTANK INHALT<br />

MOTORÖL<br />

GETRIEBE<br />

ZULÄSSIGE GESAMTMASSE<br />

BESATZUNG<br />

12.763 ccm<br />

320 PS / 235 kW<br />

1.000 Nm bei 1.750 U/min<br />

ca. 120 km/h<br />

270 Liter<br />

33 Liter<br />

45 Liter<br />

22.000 kg<br />

1 Fahrer / 2 Beifahrer<br />

www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022<br />

51


HATZ<br />

<strong>Classic</strong> Parts<br />

Großes ET-Lager<br />

Pleuelstangen neu,<br />

Nachfertigung o<strong>der</strong><br />

instandgesetzt<br />

Er läuft, und läuft,<br />

und läuft... den<br />

Spruch kennt wohl<br />

je<strong>der</strong> in Bezug<br />

auf ein legendäres<br />

Automobil das<br />

Deutschland auf<br />

dem Weg nach<br />

oben begleitet hat.<br />

Aber auch auf ein<br />

„Arbeitstier“ trifft<br />

<strong>die</strong>se Redewendung<br />

zu. Die Die-<br />

Kurbelwelle HATZ Z790<br />

sel<strong>motor</strong>en <strong>der</strong><br />

Firma HATZ aus<br />

Ruhstorf in Nie<strong>der</strong>bayern<br />

haben sich aufgrund ihrer Zuverlässigkeit<br />

und Robustheit einen ähnlichen Ruf wie das eingangs<br />

erwähnte Krabbeltier aus Wolfsburg erarbeitet. Viele<br />

Aggregate verrichten noch immer ihren Dienst im harten<br />

Baualltag auf Rüttelplatten, in Walzen, in Stromerzeugern<br />

und vielen weiteren industriellen Geräten. Nicht zu<br />

vergessen, <strong>die</strong> mittlerweile meist in Liebhaberhänden untergekommenen<br />

Traktoren <strong>der</strong> Firma HATZ. Eine große<br />

Fangemeinde hat sich mittlerweile um <strong>die</strong> kleinen Kraftpakete<br />

aus Bayern gebildet. Es wird sich in Internetforen<br />

und auf Treffen ausgetauscht, <strong>die</strong> „Schätzchen“ gehegt<br />

und gepflegt. Solange <strong>der</strong> Motor läuft, kümmern sich viele<br />

Nutzer wenig um <strong>die</strong> Ersatzteile.<br />

Wehe jedoch, dass Herzstück <strong>der</strong> Maschine zickt.... Für<br />

viele folgt dann <strong>die</strong> Suche nach den passenden Ersatzteilen.<br />

Der industrielle Nutzer will <strong>die</strong> Maschine möglichst<br />

schnell wie<strong>der</strong> auf <strong>der</strong> Baustelle sehen, <strong>der</strong> Enthusiast,<br />

<strong>der</strong> nicht selten auch eine Kindheitserinnerung damit verbindet,<br />

entschließt sich dann zu einer Komplettüberholung<br />

bis hin zu den korrekten Aufklebern am Motor.<br />

Dank ihrer langjährigen Partnerschaft <strong>für</strong> HATZ Originalteile<br />

kommen <strong>die</strong> meisten Suchenden letztendlich zur<br />

Firma Friedrich Dicke GmbH & Co. KG. Die Motorenspezialisten<br />

aus Bischofswiesen haben sich über <strong>die</strong> Jahre<br />

einen weitreichenden Ruf nicht nur bei den aktuellen<br />

Motoren erarbeitet, son<strong>der</strong>n auch ein Hauptaugenmerk<br />

auf <strong>die</strong> sogenannten <strong>Classic</strong> Parts gerichtet. Durch <strong>die</strong><br />

langjährige enge und intensive Zusammenarbeit mit dem<br />

nie<strong>der</strong>bayerischen Hersteller sowie dem Unruhestand<br />

von Seniorchef Friedrich Dicke konnte ein beachtliches<br />

Wissen und ein großes Ersatzteillager <strong>für</strong> <strong>die</strong> alten Motoren<br />

aus Ruhstorf angesammelt werden.<br />

Jahrelang wurden <strong>die</strong> nach Bischofswiesen ausgelagerten<br />

<strong>Classic</strong> Parts durch Firma Dicke im Auftrag von<br />

52 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022


Hatz <strong>Classic</strong> Parts<br />

Nachfertigung<br />

Schalldämpfer<br />

<strong>für</strong> E673<br />

HATZ an <strong>der</strong>en<br />

Kunden kommissioniert<br />

und verschickt.<br />

Viele benötigte<br />

Teile, <strong>die</strong><br />

werksseitig nicht<br />

mehr geliefert<br />

werden konnten,<br />

wurden durch das<br />

Engagement <strong>der</strong> Firma Dicke, soweit möglich beim ehemaligen<br />

Originalhersteller, nachbeschafft. Der Vertrieb<br />

<strong>der</strong> Baureihen E6, E7, E8 und Z durch <strong>die</strong> Motorenfabrik<br />

HATZ wurde vor mehr als 20 Jahren eingestellt. Folgerichtig<br />

wurden dann im Februar 2022 <strong>die</strong> restlichen<br />

Ersatzteile <strong>der</strong> vom Hersteller nicht mehr unterstützten<br />

Motorenserien an <strong>die</strong> Firma Dicke verkauft. Diese zeichnet<br />

seither eigenverantwortlich und werksunabhängig <strong>für</strong><br />

den Vertrieb <strong>der</strong> Ersatzteile und <strong>der</strong>en Nachbeschaffung<br />

verantwortlich. Insbeson<strong>der</strong>e <strong>die</strong> Nachbeschaffung bereitet<br />

aufgrund <strong>der</strong> angespannten Situation auf den Rohstoff-<br />

und Zuliefermärkten einen bisher nicht bekannten<br />

Aufwand und erfor<strong>der</strong>t mitunter viel Geduld.<br />

Aus Schrott<br />

wird Kunst<br />

Ventile<br />

Volles Programm<br />

Durch den richtigen Spürsinn <strong>für</strong> <strong>die</strong> benötigten Teile ist<br />

man in <strong>der</strong> Lage, sämtliche Kunden zeitnah und flexibel<br />

mit Original-Ersatzteilen & hochwertigen Nachfertigungen<br />

in Erstausrüsterqualität <strong>für</strong> ihre Aggregate zu versorgen.<br />

Mittlerweile be<strong>die</strong>nt <strong>der</strong> Familienbetrieb aus dem Berchtesgadener<br />

Land Kunden auf dem ganzen Globus. Der<br />

weiteste Kundenkontakt reicht bis nach Neu-Kaledonien<br />

in <strong>der</strong> Südsee. Sollte mal ein Ersatzteil nicht mehr zur<br />

Verfügung stehen, wird auf den umfassenden Fundus an<br />

Gebrauchtteilen zurückgegriffen.. Diese Teile werden <strong>für</strong><br />

<strong>die</strong> Kunden aufbereitet, Zylin<strong>der</strong> gebohrt & gehont, Pleuel<br />

ausgewinkelt u.v.m. Auf Bestellung werden komplette Motoren,<br />

wie <strong>die</strong> <strong>der</strong> E und Z Serie, neu aufgebaut und nach<br />

einem Prüfstandslauf an <strong>die</strong> Kundschaft ausgeliefert. Auch<br />

bei technischen Fragen kann in den meisten Fällen schnell<br />

und unkompliziert weitergeholfen werden. In <strong>der</strong> Regel bekommt<br />

man jeden Problemfall wie<strong>der</strong> zum Laufen.<br />

Natürlich kümmert sich das Team rund um Seniorchef<br />

Friedrich Dicke als Servicepartner <strong>der</strong> Marke HATZ auch<br />

um Instandsetzung, Service und Vertrieb <strong>für</strong> <strong>die</strong> aktuelle<br />

Produktlinie von Industrie<strong>die</strong>sel<strong>motor</strong>en.//<br />

HATZ ES79<br />

Neuaufbau<br />

Standort Bischofswiesen<br />

www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022<br />

53


Der Seltene<br />

Er sollte das revolutionärste Auto <strong>der</strong> USA werden. Werbeslogan: Heute das Auto <strong>für</strong> morgen.<br />

Der Tucker 48 war in den frühen Nachkriegsjahren eine radikale Antithese zur Massenware<br />

von Ford, Chrysler und General Motors. Futuristisch, aerodynamisch und flach.<br />

Blick auf <strong>die</strong> reduzierte,<br />

aber elegante Tachoeinheit<br />

Un<strong>der</strong>statement sieht an<strong>der</strong>s aus:<br />

Gleich sechs Endrohre<br />

zieren das Heck des Tucker.<br />

Tucker. Tucker? Ein Automobilunternehmen mit <strong>die</strong>sem<br />

Namen spielte gegen Ende <strong>der</strong> 1940er Jahre nur eine<br />

winzige Rolle und dürfte inzwischen nur wenigen Oldtimer-Enthusiasten<br />

etwas sagen. Insgesamt schaffte es<br />

<strong>die</strong> Tucker Corporation aus Chicago in den USA innerhalb<br />

ihrer kurzen Existenz, ein einziges Modell auf <strong>die</strong><br />

Rä<strong>der</strong> zu stellen und davon gerade einmal 51 Exemplare<br />

zu produzieren. 47 haben bis heute überlebt. Eines<br />

davon wurde 2018 bei Sotheby´s <strong>für</strong> 1.792.000 Dollar<br />

versteigert.<br />

Preston Tucker, 1903 geboren in <strong>der</strong> Nähe von Detroit,<br />

muss schon früh seine Liebe zum Automobil entwickelt<br />

haben. Angeblich soll er schon im zarten Alter von elf Jahren<br />

hinter dem Steuer gesessen, mit 16 einen schwunghaften<br />

Gebrauchtwagenhandel aufgezogen und später<br />

nach abgebrochener Schulausbildung eine Laufbahn als<br />

Polizist eingeschlagen haben. Einziger Grund: Er war von<br />

den schnellen Autos und Motorrä<strong>der</strong>n <strong>der</strong> Gesetzeshüter<br />

mehr als fasziniert. Seine Karriere endete allerdings abrupt<br />

als sich herausstellte, dass er <strong>für</strong> den Dienst viel zu<br />

jung war. Danach eröffnete er eine Tankstelle und arbeitete<br />

kurze Zeit bei Ford am Fließband. In den 1930er Jahren<br />

begeisterte er sich <strong>für</strong> den Motorsport, beschäftigte<br />

sich angesichts des drohenden Kriegs in Europa mit <strong>der</strong><br />

Konstruktion eines Panzers und scheiterte später an <strong>der</strong><br />

Entwicklung eines Kampfflugzeugs.<br />

Sein großer Wurf gelang Preston Tucker kurz nach<br />

Kriegsende mit <strong>der</strong> Präsentation des Tucker 48, des ersten<br />

und einzigen von ihm herausgebrachten Autos. Doch<br />

das Schicksal meinte es nicht gut <strong>–</strong> we<strong>der</strong> mit Tucker<br />

noch mit seinem Auto. So wie 20 Jahre später <strong>der</strong> NSU<br />

Ro 80 in Deutschland, war <strong>der</strong> Tucker 48 in den USA sei-<br />

54 www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022


Der Seltene <strong>–</strong> Tucker 48<br />

ner Zeit um Längen voraus. „Car of Tomorrow“, Auto von<br />

morgen, lautete <strong>der</strong> Werbeslogan.<br />

Seine Karosserie, <strong>für</strong> <strong>der</strong>en Gestaltung <strong>der</strong> Designer<br />

Alex Tremulis angeblich nur eine Woche benötigte, unterschied<br />

sich drastisch von damals gewohnten Formen und<br />

zeichnete sich durch einen Luftwi<strong>der</strong>standsbeiwert von<br />

0,27 aus. Zudem bot das Auto Sicherheitseinrichtungen,<br />

<strong>die</strong> erst Jahre später Standard wurden wie zum Beispiel<br />

Sicherheitsglas, Sicherheitsgurte, Scheibenbremsen, gepolstertes<br />

Armaturenbrett o<strong>der</strong> Kurvenlicht. Sein Sechszylin<strong>der</strong>-Boxer<strong>motor</strong><br />

mit Benzineinspritzung (5,5 Liter Hubraum,<br />

123 kW / 167 PS) befand sich im Heck und trieb<br />

später den Helikopter Bell 47 an.<br />

Den Großen Drei aus Detroit <strong>–</strong> Chrysler, Ford und General<br />

Motors <strong>–</strong> war <strong>der</strong> unwillkommene Newcomer mehr<br />

als nur ein Dorn im Auge. Sie versuchten, ihn mit allen<br />

legalen und illegalen Mitteln aus dem Weg zu räumen und<br />

hatten Ende <strong>der</strong> 1940er Jahre mit ihren Schmutzkampagnen<br />

Erfolg. Preston musste sich wegen angeblicher Steuerhinterziehung<br />

in Höhe von 30 Millionen Dollar vor Gericht<br />

verantworten. Er wurde zwar freigesprochen, konnte<br />

sich aber von dem Schlag bis zu seinem Lebensende<br />

1956 nicht mehr erholen. Den amerikanischen Regisseur<br />

Francis Ford Coppola faszinierte das Leben von Preston<br />

Tucker und <strong>die</strong> Geschichte seines Autos so sehr, dass er<br />

darüber 1988 den Spielfilm „Ein Mann und sein Traumauto"<br />

(im englischen Original „The Man and his Dream") mit<br />

Jeff Bridges in <strong>der</strong> Hauptrolle drehte.<br />

Der Tucker 48, welcher in Phoenix/Arizona beim Auktionshaus<br />

Sotheby's unter den Hammer kam, war im Besitz<br />

seines Produzenten Preston Tucker höchstpersönlich, bis<br />

<strong>der</strong> ihn 1955 an den Gouverneur von Arkansas verkaufte.<br />

Der wie<strong>der</strong>um reichte den Wagen 1959 an einen Besitzer<br />

in Los Angeles weiter. Während Preston Tucker ihn schon<br />

1948 in einem Werbefilm und in Farbe <strong>für</strong> sein Unternehmen<br />

auftreten ließ, spielte das Auto 1988 auch eine Rolle<br />

in Coppolas Film. Obwohl das inzwischen von Grund auf<br />

restaurierte Fahrzeug im Laufe seines 70jährigen Lebens<br />

durch eine Vielzahl verschiedener Hände wan<strong>der</strong>te, ist<br />

seine Laufleistung erstaunlich kurz. Auf dem Tacho stehen<br />

nur 19.199 Meilen was 30.898 Kilometern entspricht.<br />

(ampnet/hrr)<br />

Mittig sitzt <strong>der</strong> Scheinwerfer<br />

<strong>für</strong> das Kurvenlicht<br />

Nur fliegen ist schöner:<br />

Der 5,5 l Boxer<strong>motor</strong> verrichtet<br />

seine Arbeit auch im<br />

Hubschrauber Bell 47<br />

www.<strong>der</strong><strong>motor</strong>.de | <strong>classic</strong> Ausgabe 1/2022<br />

55


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Motor exzellent läuft.<br />

Wir sorgen da<strong>für</strong>, dass Ihre<br />

Expertise bekannt wird.<br />

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Als Spezialisten im Motoren Bereich kennen wir <strong>die</strong> <strong>Branche</strong> und ihre<br />

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Wir begleiten Sie von <strong>der</strong> Markenentwicklung und einem mo<strong>der</strong>nen<br />

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