01.09.2022 Aufrufe

Sachwert Magazin 04/2022

Risiko ist Ansichtssache | Auszug aus dem Buch »Die besten Aktien der Welt – 3. Ausgabe« von Peter Seilern Value-Investing – Zukauf nach dem Vorbild Buffetts | Dr. Henrik Leber über Inflationsschutz Am Immobilienmarkt ziehen düstere Wolken auf | Helge Norbert Ziegler Rette sich, wer kann – nur wie? | Thomas Hennings Hochkarätige Investition | Chris Pampel im Interview Die vierte Wende | Auszug aus dem Buch »The Foult Turning« von William Strauss und Neil Howe

Risiko ist Ansichtssache | Auszug aus dem Buch »Die besten Aktien der Welt – 3. Ausgabe« von Peter Seilern
Value-Investing – Zukauf nach dem Vorbild Buffetts | Dr. Henrik Leber über Inflationsschutz
Am Immobilienmarkt ziehen düstere Wolken auf | Helge Norbert Ziegler
Rette sich, wer kann – nur wie? | Thomas Hennings
Hochkarätige Investition | Chris Pampel im Interview
Die vierte Wende | Auszug aus dem Buch »The Foult Turning« von William Strauss und Neil Howe

MEHR ANZEIGEN
WENIGER ANZEIGEN

Sie wollen auch ein ePaper? Erhöhen Sie die Reichweite Ihrer Titel.

YUMPU macht aus Druck-PDFs automatisch weboptimierte ePaper, die Google liebt.

Nr. 04 l 2022 • www.sachwert-magazin.de

EDELMETALLE ROHSTOFFE IMMOBILIEN BETEILIGUNGEN RARITÄTEN WISSEN

EUR 3,90

Dr. Hendrik Leber

Value-Investing

DIE BESTEN

Bilder: IMAGO / UPI Photo, Lisa Dünser

Wissen

Die Vierte Wende

AKTIEN

ALLER ZEITEN



Editorial

Julien Backhaus

Verleger

Bild: Oliver Reetz, Cover: Finanzbuch Verlag

Die besten Aktien der Welt

Risiko ist Ansichtssache

Das nächste Heft

erscheint am

01. Dezember 2022

In unsicheren Zeiten werden manche Anleger

nervös, gar übervorsichtig. Viele

dieser ängstlichen Investoren und natürlich

auch die zur Stabilität verdonnerten

Rentenfonds treibt es dann zum Beispiel

in Staatsanleihen – die eigentlich keine

Zinsen bringen, sondern im besten Fall

die Inflation ausgleichen. Aber das ist in

diesen Zeiten hoher Inflation mehr als selten.

Bleibt also die Frage der Alternative.

Wir könnten uns fragen, was eine Anleihe

überhaupt sicher macht? Erfolgreiche

Staaten sind von einer erfolgreichen Wirtschaft

abhängig. Ohne Wertschöpfung ist

ein Staat wertlos. Warum also nicht gleich

in die Wirtschaft investieren, statt den vermeintlich

sicheren Umweg über Anleihen

zu nehmen? Unser Titelthema beschäftigt

sich mit den besten Aktien der Welt.

Tatsächlich geht es aber nicht um Einzeltitel,

denn die können variieren. Es geht

vielmehr um die richtigen Branchen und

das Timing. Und dies lässt sich historisch

schließlich immer gut belegen. Auch wenn

das Gerücht immer wieder auftaucht, in

dieser oder jener Krise wird alles anders.

In der Regel wiederholen sich die Muster

in der Geschichte immer und immer wieder.

Auch Dr. Leber ist vom Value Investing

überzeugt und schildert in einem kürzlich

erschienenen Interview mit wirtschaft tv,

welche Märkte er forciert. Dass wir auf der

Welt eine Zeitenwende erleben, ist auch

nichts Neues. Im Buchauszug von »The

Fourth Turning« lesen Sie eine etwas beängstigende

Sozialtheorie, auf die wir uns

wohl lieber einstellen sollten, statt in unser

Verderben zu rennen.

Viel Vergnügen bei der Lektüre

Ihr Julien Backhaus

Verleger

Seit Juli 2021

im Handel!

SACHWERT MAGAZIN 4/2022

3


OFFENBACH ANTWERPEN PARIS

IHR BRILLANTER PARTNER

Kaiserstraße 74-78

63065 Offenbach am Main

Hoveniersstraat 19

2018 Antwerpen

33 Rue de Mogador

75009 Paris

Tel. 069 93 99 60 100 · info@schneider-kollegen.net · www.schneider-kollegen.net


Inhalt 04/2022

Titelstory

6 Risiko ist Ansichtssache

Auszug aus dem Buch »Die besten Aktien

der Welt – 3. Ausgabe« von Peter Seilern

Risiko ist Ansichtssache

Börse

10 Value-Investing – Zukauf nach dem

Vorbild Buffets

Dr. Hendrik Leber über Inflationsschutz

Immobilien

12 Am Immobilienmarkt ziehen düstere

Wolken auf

Helge Norbert Ziegler

Meinung

14 Rette sich, wer kann – nur wie?

Thomas Hennings

Sachwerte

18 Hochkarätige Investition

Chris Pampel im Interview

6

Wissen

20 Die vierte Wende

Auszug aus dem Buch »The Fourth

Turning« von William Strauss und

Neil Howe

Sonstiges

27 Best of Web

Bild: Depositphotos / Anton_Sokolov

Impressum

Sachwert Magazin ISSN 2197-1587

Redaktion

Zum Flugplatz 44, 27356 Rotenburg

Tel: (0 42 68) 9 53 04-91, Fax: 9 53 04-92

E-Mail: redaktion@sachwert-magazin.de

Chefredakteur (V.i.S.d.P.) Julien Backhaus

Redaktionsleitung: Johanna Schmidt

Redaktion: Anna Seifert, Martina Karaczko

Layout und Gestaltung: Judith Iben,

Jasmin Päper, Christina Meyer

E-Mail: magazine@backhausverlag.de

Verlag

Backhaus Finanzverlag GmbH ist ein

Unternehmen der Backhaus Mediengruppe

Holding GmbH

Geschäftsführer Julien D. Backhaus

Herausgeber, Verleger Julien D. Backhaus

E-Mail: info@backhausverlag.de

Lektorat

Ole Jürgens Onlineservices

Dr. Ole Jürgens

Jägerhöhe 36,

27356 Rotenburg

E-Mail: info@textcelsior.de

Druck

BerlinDruck GmbH + Co KG

Oskar-Schulze-Straße 12,

28832 Achim

Telefon: (04 21) 4 38 71-0

Telefax: (04 21) 4 38 71-33

E-Mail: info@berlindruck.de

Vertrieb

Press Impact GmbH

Neuer Höltigbaum 2

22143 Hamburg

www.press-impact.de

Verkauf/Abo

Verkaufspreis Deutschland EUR 3,90

inkl. 7 % MwSt.

Jahresabonnement Inland z. Z. EUR 15,00

inkl. 7 % MwSt.

Verkaufspreis Ausland z. Z. EUR 6,40,

inkl. 7 % MwSt.

Jahresabonnement Ausland z. Z. EUR 25,60

inkl. 7 % MwSt.

aboservice@backhausverlag.de

Telefon (0 42 68) 9 53 04-91

Onlineredaktion & Anzeigen

E-Mail: online@sachwert-magazin.de

Autoren (Verantwortliche i.S.d.P.)

Die Autoren der Artikel und Kommentare im Sachwert

Magazin sind im Sinne des Presserechts selbst verantwortlich.

Die Meinung der Autoren spiegelt nicht

unbedingt die Meinung der Redaktion wider. Trotz

sorgfältiger Prüfung durch die Redaktion wird in keiner

Weise Haftung für Richtigkeit, geschweige denn für

Empfehlungen, übernommen.

Für den Inhalt der Anzeigen sind die Unternehmen

verantwortlich.

Vervielfältigung oder Verbreitung nicht ohne Genehmigung

Alle Rechte vorbehalten.

Verbandsmitgliedshaften des Verlags:


Titelstory

RISIKO

IST ANSICHTSSACHE

Ein etablierter Grundsatz lautet,

dass jeder Anleger für höhere Erträge

auch ein höheres Risiko in

Kauf nehmen müsse. Leider ist

dieser Grundsatz falsch. Denken

Sie ans Roulette: Alle Chips auf eine Farbe

zu setzen bedeutet die Chance auf das

doppelte Kapital, jedoch mit dem Risiko

des Totalverlustes. Es ist kein größeres

Risiko vorstellbar und so würde auch niemand

einem Anleger zu einem derartigen

Vorgehen raten. Die Idee, dass ein höheres

Risiko gleichzeitig höhere Erträge bedeutet,

ist also falsch. Ebenso falsch ist der

Grundsatz, dass Assets, die normalerweise

als risikoarm beschrieben werden, auch risikoärmer

sind.

Es ist eine weit verbreitete Ansicht, dass

Bargeld auf einem Sparbuch auf der Bank

risikofrei angelegt sei, gefolgt von Investitionen

in Staatsanleihen. Beide Annahmen

sind grundsätzlich falsch. Beginnen

wir beim Sparbuch: Dabei geben wir der

Bank ein Darlehen für das Versprechen,

dafür Zinsen zu bekommen. Das gilt jedoch

nur, wenn man das Glück auf seiner

Seite hat. Derzeit bekommt man nämlich

sehr wenig bis gar nichts für seine Bankguthaben.

Aber warum sollen wir einer Bank vertrauen,

warum sind wir sicher, das Geld

auch zurückzubekommen? Unbesichert

bedeutet ungesichert, es gibt nichts, was

das Versprechen einer Bank, das Geld zurückzuzahlen,

unterstützt. Im Krisenfall

DAHER STELLT SICH FÜR

EINEN ANLEGER DIE FRAGE:

BORGE ICH MEIN KAPITAL

EINER BANK ODER EINEM

STAAT VON ZWEIFELHAFTER

REPUTATION ODER INVES-

TIERE ICH ES NICHT LIEBER

SELBST IN QUALITY-GROWTH-

UNTERNEHMEN?

kann die Bank das Geld von ihren Kreditnehmern

zurückverlangen, um ihre

Darlehen auszuzahlen. Aber wie liquide

sind die Kreditnehmer? Niemand kann

das wirklich wissen. Denken Sie daran,

als 2013 auf Zypern die Banken und die

Regierung ihre politischen Interessen

über ihre Verpflichtung stellten, Sparguthaben

wieder auszuzahlen. Die Kunden

wurden damals sogar gezwungen, auf

Teile ihrer Forderungen zu verzichten.

Auch wenn wir solche Extrembeispiele

für legalisierten Diebstahl ausblenden,

können wir nie sicher sein, ob unser eingezahltes

Geld weise oder verantwortungslos

investiert wird. Immerhin haften

die Banken in Deutschland bis zu einer

Höhe von 100.000 Euro für Bankguthaben.

In vielen anderen Ländern dagegen

haften die Regierungen bis zu einem gewissen

Betrag, was Manager dazu verleitet,

noch mehr Risiko einzugehen. Dieser

Umstand war einer der Gründe für die

Kreditkrise 2007 bis 2009.

Auch Staatsanleihen sind nicht so risikoarm,

wie die Theorie besagt. Derzeit bieten

Schuldverschreibungen europäischer

Staaten Negativzinsen, der Anleger zahlt

also dafür, dass er sein Geld herleiht. Er

bekommt daher kaum oder gar keine

Zinsen und bezahlt die Garantie, nach

einer bestimmten Zeit sein Kapital wieder

bekommen, mit der Unsicherheit, ob

das Kapital dann auch so viel wert ist wie

zuvor. Inflation ist der größte Feind von

Festzinsinvestitionen. Inflation bedeutet

daher einen Verlust an Kaufkraft. Eine

Anleihe ohne Zinsen oder mit Negativzinsen

ist also kaum eine risikoarme Veranlagung.

Das weltweite, starke Ansteigen

der Inflationsraten in letzter Zeit hat

diese Debatte neu entfacht.

Daher stellt sich für einen Anleger die

Frage: Borge ich mein Kapital einer Bank

oder einem Staat von zweifelhafter Reputation

oder investiere ich es nicht lieber

selbst in Quality-Growth-Unternehmen?

Damit partizipiere ich am Erfolg

der besten und renommiertesten Unternehmen,

die über außergewöhnliches

Wachstum und überzeugende Bilanzen

verfügen und obendrein noch schuldenfrei

sind. Betrachtet man die Dinge

auf diese Weise, so wird klar: An dieser

Investmentphilosophie führt kein Weg

vorbei.

6

SACHWERT MAGAZIN 4/2022


Titelstory

Bilder: Depositphotos / Anton_Sokolov, Cover: Finanzbuch Verlag

Es gibt natürlich auch andere Faktoren,

die der Ertragssteigerung abträglich sind

und meistens auch nicht vom Anleger beeinflusst

werden können. Glück etwa ist

ein Faktor, der außerhalb unserer Einflusssphäre

liegt, denn ob bei Beginn einer Investition

gerade ein positiver oder ein negativer

Trend beginnt, können wir meist

nicht wissen. Nichts hat einen Anleger an

der russischen Börse vor einem Totalverlust

bewahrt, als die Bolschewisten 1917

die Macht ergriffen.

Investoren in den USA und im Vereinigten

Königreich, die Anfang der 1980er-Jahre

mit ihrer Veranlagung begannen, hatten

das große Glück, am Beginn des lukrativsten

Jahrzehnts für Börseninvestments im

20. Jahrhundert zu stehen. Bis auf eine

Korrektur 1987 und eine Rezession ein

paar Jahre später konnte man beinahe

nichts falsch machen. Auch japanische Investoren

konnten sich über hohe Kursgewinne

freuen. Anleger, die in den 1990er-

Jahren begannen, mussten jedoch fast 20

Jahre mit schwachen Erträgen leben.

Diese Entwicklungen waren ein Spiegelbild

der Erfahrungen aus den 1970er-Jahren,

als die meisten Anleger starke Verluste

akzeptieren mussten. Gründe dafür

waren die beiden Ölkrisen, Inflation und

eine globale Rezession. Japan entwickelte

sich damals viel besser, weil die Börsen

die großen Nachkriegserfolge des Wirtschaftswunders

Nippons zu dem Zeitpunkt

erst einpreisten. Denken Sie dabei

beispielsweise an Unternehmen wie Sony

und Toshiba.

Einen der positivsten Faktoren der vergangenen

30 Jahre stellt die Entwicklung der

Telekommunikation dar. Sie hat tatsächlich

globale Märkte für Aktien, Anleihen und

Währungen geschaffen. Damit wurde es

für Investoren sehr einfach, in Unternehmen

und Wirtschaftszweige weltweit zu

investieren. Der freie Kapitalverkehr, unabhängige

Zentralbanken und die Globalisierung

von Produktion und Handel vervielfachten

die Investmentmöglichkeiten und

erleichterten den Zugang zu ihnen.

Manche Experten behaupten, dass einige

Investmentbereiche, darunter auch viele

mit einem Bezug zu Aktien, nicht mündelsicher

sind. Diese Ansicht ist irreführend.

Fundierte, verlässliche Investments bleiben

das, was sie sind, gleichgültig, wer sie

hält. Die Kursentwicklung wird nicht vom

Alter und Status des Investors beeinflusst.

Ein Sprichwort sagt: Die Aktie weiß nicht,

wer sie hält. Es gibt keinen Grund, warum

irgendwer davon abgehalten werden sollte,

in die Asset-Klasse der Quality-Growth-

Aktien zu investieren, wenn sie doch die

sichersten und lukrativsten Investments

repräsentieren.

In den zurückliegenden Jahren gab es sehr

viele Kursstürze und einen hohen Anstieg

der Volatilität. Aber diese Volatilität macht

Investments nicht risikoreicher, sondern

FUNDIERTE, VERLÄSSLICHE INVESTMENTS BLEIBEN DAS,

WAS SIE SIND, GLEICHGÜLTIG, WER SIE HÄLT.

»Die besten Aktien der Welt

– 3. Ausgabe«

von Peter Seilern

304 Seiten

Erschienen: Mai 2022

Finanzbuch Verlag

ISBN: 978-3-95972-622-1

SACHWERT MAGAZIN 4/2022

7


Titelstory

sorgt für sehr gute Möglichkeiten, Anteile

sehr guter Unternehmen zu einem sehr

guten Preis zu kaufen. Investoren, die mit

einem klaren Kopf entscheiden, profitieren

daher von der Volatilität, ohne Risiken

einzugehen.

Quality-Growth-Aktien bieten daher eine

sehr gute Kombination von überdurchschnittlichen

Erträgen mit unterdurchschnittlichem

Risiko. Sie werden in guten

Zeiten starke Kursanstiege verzeichnen

und Rezessionen trotzen. Ein geduldiger

und emotional sicherer Investor wird

sich durch das konsequente Halten seiner

Quality-Growth-Aktien-Positionen

erhebliche Transaktionskosten ersparen.

Statt hektisch zu traden, kann er die Zeit

dazu nutzen, sein Wissen über die Unternehmen

und Wirtschaftszweige, in die

er investiert ist, zu vermehren. Denn es

gibt keine Garantie, nur eine hohe Wahrscheinlichkeit,

dass diese Unternehmen

auch weiterhin jenes Wachstum erzielen,

das sie ursprünglich in den Fokus der Aufmerksamkeit

rückte.

ERFOLG BEDARF LAUFENDER

KONTROLLE

Der Quality-Growth-Investor muss daher

alle Anzeichen, die eine Verschlechterung

der Wettbewerbssituation bedeuten

könnten, genau beobachten und verfolgen.

Denn wenn ein Investment sein

Potenzial, Ertrag zu bringen, verloren hat,

braucht es viel Mut, die eigene Meinung

zu ändern, um gegebenenfalls zu verkau-

fen, und das im ungünstigsten Fall auch

mit Verlust. Ständiges Beobachten und

Messen der Performance hat also immer

höchste Priorität. Dann hat ein Quality-

Growth-Investor auch in schlechten Zeiten

die Sicherheit, dass sich der Wert seines

Portfolios in besseren Zeiten ebenso rasch

wieder erholen wird. Es wird unter allen

Umständen gut performen. Im Laufe der

Zeit wird ein Investor feststellen, dass sich

ein durchschnittliches Nettowachstum von

12 bis 15 Prozent auch in einem gleich hohen

Ertrag niederschlagen wird.

DENKMUSTER EINES INVESTORS

Das Wissen und das Temperament eines

Investors sind von entscheidender Bedeutung.

Manche Anleger denken, Investieren

sei eine aufregende und abenteuerliche

Angelegenheit oder zumindest das

Gegenteil von ruhigem und akribischem

Arbeiten. Doch jeder, der den Aktienmarkt

– sei es im Guten oder im Bösen

– mit einem Casino gleichsetzt, irrt gewaltig.

Gute Investitionen brauchen Bescheidenheit,

Durchhaltevermögen und einen

langen Zeithorizont. Der diesem Leitsatz

verpflichtete Investor verzichtet auf Emotionen,

lässt das Modernistische und Trendige

außen vor und ignoriert alle Stimmen,

die nach täglichem Handeln rufen.

Es gibt Investoren, die aus Prinzip jedes Risiko

meiden, auch wenn häufig das Risiko

nur in der eigenen Vorstellung existiert.

Sie tolerieren nicht einmal Verluste auf

dem Papier. Sie leiden permanent unter

Verlustängsten; doch wenn das zugrunde

liegende Unternehmen gesund ist, wird

sich der Kurs immer wieder bald erholen.

Aktien sollten für einen Investor so etwas

wie das eigene Haus sein: befindet es sich

in bester Lage, so wird es im Wert steigen,

und es ergibt keinen Sinn, täglich

den Immobilienmakler anzurufen und den

Wert der Immobilien immer wieder neu

bestimmen zu lassen. Natürlich sollen Investitionen

beobachtet werden, so wie

der Hausbesitzer immer wieder sein Dach

inspiziert, aber es ist sinnlos, dauernd daran

herumzuwerkeln.

Investoren, die den Ratschlägen in diesem

Buch folgen, werden in der Lage sein,

ein Portfolio von Quality-Growth-Aktien

aufzubauen, das auch Börsenkrisen gut

übersteht und danach gleich wieder Fahrt

aufnimmt und die neuen guten Unternehmenszahlen

entsprechend in guten Erträgen

widerspiegelt. In diesem Spiel wird

also die aus Äsops Fabel bekannte »konsequente«

Schildkröte immer wieder den

»ablenkbaren« Hasen schlagen.

Am wesentlichsten ist aber, dass das eingesetzte

Kapital alle Krisen, die die Politik,

die Wirtschaft und/oder der Markt an sich

hervorrufen, überdauert und dabei noch

wächst. Auch wenn diese Wechselfälle

meistens speziell sind, kann der Investor

doch stets darauf vertrauen, dass genau

jene Quality-Growth-Unternehmen am

Ende zählen, die sich schon in vielen Krisen

behauptet haben.

ES GIBT INVESTOREN, DIE AUS PRINZIP JEDES RISIKO

MEIDEN, AUCH WENN HÄUFIG DAS RISIKO NUR IN DER

EIGENEN VORSTELLUNG EXISTIERT.

Das Augenmerk auf die Qualität von

Unternehmen zu richten wird sich immer

auszahlen und den Investor auch nach

Krisenzeiten reich, ja sogar im Überfluss,

beschenken.

Bild: IMAGO / sepp spiegl

8

SACHWERT MAGAZIN 4/2022


SACHWERT MAGAZIN 4/2022

9


Börse

VALUE-INVESTING

– ZUKAUF NACH DEM VORBILD BUFFETTS?

DR. HENDRIK LEBER ÜBER INFLATIONSSCHUTZ IN VOLATILEN ZEITEN

Pandemie und Lieferschwierigkeiten

sorgten bereits für einen

Mangel an Ressourcen – mit dem

Ausbruch des Russland-Ukraine-Kriegs

und den EU-Maßnahmen

hat sich die wirtschaftliche Lage

noch verschärft. Nach Angaben des Portals

»Statista« befindet sich die Inflation

in Deutschland seit dem Jahr 2021 auf

Rekordniveau. Die Sorgen um die Preissteigerungen

gehen auch an der Börse

nicht spurlos vorüber: In der ersten Jahreshälfte

sahen sich bekannte Indizes

wie der Dax oder der Nasdaq mit hohen

Verlusten, teilweise den höchsten seit

Jahrzehnten konfrontiert. In solch wirtschaftlich

unübersichtlichen Situationen

orientieren sich Anleger zunehmend an

den Strategien erfahrener Investoren,

wie des über 90-jährigen Warren Buffett,

CEO der Berkshire Hathaway und

bekannt als »Orakel von Omaha«. »Sei

ängstlich, wenn andere gierig sind und

sei gierig, wenn andere ängstlich sind«,

ist nur einer von vielen Leitsätzen, die

Buffett zugeschrieben werden.

Doch was ist dran an Buffets Investment-

Prinzipien? Hierüber sprach Börsenkorrespondent

Mick Knauff bei »wirtschaft

tv« mit dem Experten Dr. Hendrik Leber,

dem geschäftsführenden Gesellschafter

der ACATIS Investment KVG mbH. Als

Buffett-Kenner ist der Experte regelmäßiger

Gast auf dem Branchentreff in Omaha.

Mit dem Prinzip des auch von Buffett

praktizierten »Value-Investing« könnten

Anleger ihr Geld weitgehend vor Inflation

schützen, meint er.

DIE VORZÜGE DES MODERNEN VALUE

INVESTINGS

Grund genug also, sich noch einmal näher

mit der von Benjamin Graham geprägten

Strategie zu beschäftigen, die viele bereits

als überholt ansehen: Value-Investing

meint ein Anlageprinzip, mit dem Firmen

weniger nach ihrem aktuellen Börsenkurs

und mehr nach ihrem inneren, realwirtschaftlichen

Wert beurteilt werden.

Warren Buffett gründet seinen Erfolg vor

allem auf dieser Vorgehensweise, nach

deren Regeln er erst kürzlich wieder sein

Portfolio erweiterte: Mit dem Kauf des Versicherers

Alleghany sowie seiner stärkeren

Beteiligung beim Öl im Angesicht der Krise

sorgte der Großinvestor im Frühjahr 2022

für Aufsehen. »Die Tatsache, dass er so viel

Geld auf den Tisch legt, zeigt, dass er sehr

positiv [gestimmt] ist für die Gesamtwirtschaft«,

analysiert Dr. Leber die Entscheidungen

Buffetts.

Buffetts derzeitige und frühere Investitionen

dienen dem Fachmann als Hintergrundfolie,

um die Möglichkeiten des

Value-Investments aufzuzeigen: So sei

Value-Investing keinesfalls nur in älteren

Branchen möglich, sogar in Biotech-Unternehmen

wie BioNTech ließe sich nach dem

Value-Prinzip investieren, meint der Experte.

Dabei müsse man seiner Ansicht nach

auch nicht so streng wie Buffett dem Prinzip

des »circle of competence« folgen, also

nur das kaufen, womit man sich auskenne.

Schließlich habe selbst das »Orakel von

Omaha« bereits zugegeben, dass es sich

verkalkuliert habe, als es zunächst Technologietitel

wie Apple vernachlässigt und dadurch

auf Renditen verzichtet habe.

»SEI ÄNGSTLICH,

WENN ANDERE

GIERIG SIND UND

SEI GIERIG,

WENN ANDERE

ÄNGSTLICH SIND.«

– Warren Buffett

10

SACHWERT MAGAZIN 4/2022


Börse

»DARUM IST DIE EZB FÜR MICH ZU

ZAGHAFT«

Deutliche Kritik an Buffett und seinem Geschäftspartner

Charlie Munger äußert der

Experte in einem anderen Bereich: »Ich

glaube (…), dass beide die Kryptowelt

nicht wirklich verstanden haben«, lautet

seine Einschätzung. Die Lobeshymne der

US-Investoren auf das Bargeld zeige dies

seiner Ansicht nach deutlich: Ebenso wie

das von Buffett und Munger beanstandete

Kryptogeld benötige nämlich auch Bargeld

»ganz schön viel Vertrauensvorschuss«.

Für Dr. Leber indes hat eine Kryptowährung

wie der Bitcoin gerade aufgrund seiner

Knappheit einen hohen Wert. Auch

dass der Bitcoin sich leicht transferieren

lasse, zeige laut Dr. Leber das Potenzial der

Kryptowährungen. Darum sei er auch ein

Befürworter der Bestrebungen von Notenbanken

wie der EZB, die darauf hinausliefen,

die »Kryptowährungen einzufangen«,

um so beispielsweise einen »Krypto-Euro

zu schaffen«. Eine Regulierung durch Notenbanken

würde Dr. Leber zufolge viele

Probleme lösen, die dem Kryptomarkt derzeit

noch innewohnten und die »legale Tür

in das System« öffnen.

»DA, WO HEUTE ALLE HINLAUFEN, WÜRDE

ICH NICHT HINGEHEN«, ERKLÄRT ER UND

MEINT DAMIT DIE VERMEINTLICH SICHEREN

BRANCHEN DER INDUSTRIE.

Problematischer als beim Kryptogeld ordnet

der Experte die Rolle der EZB bei der

Inflationsbekämpfung ein: Hier kritisiert er

die Notenbank dafür, noch lange Zeit untätig

gewesen zu sein, während die Inflation

bereits im Gange war. Auch die nun

beschlossene Zinserhöhung sieht er kritisch

– sie sei ihm »viel zu zaghaft«. Die derzeitigen

Maßnahmen der Notenbank passten

nicht mit seinem Weltbild zusammen, sagt

er und impliziert, dass er »ganz locker« 15

Prozent erwartet hätte.

Bilder: IMAGO / Xinhua, Lisa Dünser

LOHNENSWERTE INVESTITIONEN –

DAS MEINT DER EXPERTE

Doch Dr. Leber ist nicht nur Theoretiker,

er hält auch konkrete Ratschläge für angesichts

der Wirtschaftslage verunsicherte

Anleger bereit: »Da, wo heute alle hinlaufen,

würde ich nicht hingehen«, erklärt er

und meint damit die vermeintlich sicheren

Branchen der Industrie. Interessant seien

für ihn stattdessen Firmen, die weitgehend

ohne Produktionsstätten und Maschinen

auskommen. Das umfasse beispielsweise

Konzerne, die den virtuellen Bereich

abdeckten. Marktführer aus dem Cloudbereich

wie Apple würde er daher als Value-Titel

bezeichnen. Auch den deutschen

Aktien aus der zweiten Reihe bescheinigt

er gute Chancen. Hier fänden sich KMU,

beispielsweise solche, die sich auf Laser

oder Medizintechnik spezialisiert hätten.

Diese seien für ihn »fast die interessanteren

Firmen im DAX«. AS

SACHWERT MAGAZIN 4/2022

11


Immobilien

Am Immobilienmarkt

ziehen düstere Wolken auf

AUF DEM WOHNIMMOBILIENMARKT SIND STARKE VERÄNDERUNGEN ERKENNBAR,

WAS AUF DEM GEWERBEIMMOBILIENMARKT NICHT UNBEDINGT DER FALL IST.

Nahezu 20 Jahre lang kannten

die Preise auf dem Wohnimmobilienmarkt

nur eine Richtung:

nach oben. Immer mal

wieder wurde zwar die Frage

gestellt, ob es denn eine Immobilienblase

gäbe und ob diese alsbald platzen würde.

Viele, auch der Autor, beantworteten die

Frage negativ, wobei immer davon ausgegangen

wurde, dass sich der Markt weiterhin

»normal« entwickeln würde. Wer

dachte dabei schon an Corona, die Ukraine

oder die Lieferengpässe durch Verstopfung

der chinesischen Häfen? Wie denn

auch? Prophet oder Hellseher ist schließlich

niemand.

Doch jetzt treten ebendiese unerwarteten

Situationen ein. Schon Mitte des letzten

Jahres prognostizierte der Autor, dass es

infolge von Corona (an den Krieg in der

Ukraine dachte man damals noch nicht)

zu Personalproblemen, Kurzarbeit, Entlassungen

und Insolvenzen kommen würde,

mit Verzögerung spätestens dann, wenn

die Corona-Hilfen seitens des Staates

nicht mehr gewährt werden würden. Es

traf nicht zu dem Zeitpunkt ein, wie erwartet,

aber jetzt sind infolge der massiven

Änderungen die Auswirkungen da

– Auswirkungen, die sich auch auf den

Wohnimmobilienmarkt auswirken.

Immobilienmakler berichten dem BVFI

– Bundesverband für die Immobilienwirtschaft

–, dessen Präsident der Autor ist,

dass sie nicht mehr zu wenig Verkaufs-

objekte anzubieten hätten, wie es jahrelang

der Fall war. Nein, die Anzahl der verkaufswilligen

Eigentümer würde extrem

zunehmen. Warum ist dem so?

Einmal glauben noch viele Eigentümer,

ihre Immobilie würde zu einem Phantasiepreis

einen Käufer finden. Bei ihrer Preisfindung

recherchieren sie auf den Internetportalen,

versehen die gefundenen Preise

mit einem persönlichen Zuschlag, weil

ihre Immobilie ja etwas Besonderes ist,

und einem weiteren Zuschlag, denn heruntergehen

mit dem Preis könne man ja

noch immer. Das sind Irrtümer ohne Ende!

Ganz zu schweigen davon, dass einmal

eine Untersuchung ergab, dass zwischen

dem Angebotspreis in den Portalen und

12

SACHWERT MAGAZIN 4/2022


Immobilien

Bilder: IMAGO / Roland Hartig, Depositphotos / AndrewLozovyi, BVFI

dem tatsächlich erzielten Verkaufspreis

Differenzen zwischen 20 und 25 Prozent

liegen können. Ein weiterer Grund ist,

dass die ein oder anderen marktbeobachtenden

Immobilieneigentümer einen

Rückgang der Immobilienpreise erahnen

und jetzt noch schnell ihr Schnäppchen

machen wollen.

Bei alledem findet eine weitere Marktveränderung

statt: Waren vor 2 Monaten

noch Hypothekenzinsen von um die 1 Prozent

möglich, so stiegen diese mittlerweile

sprunghaft auf 3 bis 3,5 Prozent. Die 4

Prozent sind in Sicht. Die Auswirkungen

sind enorm. Hat beispielsweise ein Immobilienkäufer

den Kaufpreis seines neuen

500.000 Euro teuren Einfamilienhauses

mit 100.000 Euro Eigenkapital finanziert,

so musste er für das Darlehen von 400.000

Euro monatlich Zinsen in Höhe von circa

333 Euro bezahlen. Künftig muss er dafür

monatlich circa 1.333 Euro einkalkulieren.

Das sind also 1.000 Euro pro Monat mehr!

Diese Kostensteigerung können viele nicht

schultern. Das wissen auch die Banken,

weshalb, so berichten Immobilienmakler,

reihenweise ursprüngliche Finanzierungsmodelle

nicht mehr funktionieren und in

Aussicht gestellte Finanzierungen seitens

der Banken nicht mehr gewährt werden.

Zusätzlich schränkt die auf 7,14 Prozent

gestiegene Inflation die Kaufkraft massiv

ein. Den Menschen steht weniger Geld

zur Bezahlung der Zinsen zur Verfügung.

Noch schlimmer könnte es in 2 bis 3 Jahren

werden, wenn die Anzahl der Zwangsversteigerungen

zunimmt, was prognostiziert

wird.

Doch diese Entwicklung trifft auch noch

andere Teilnehmer am Wohnimmobilienmarkt

– zum Beispiel die Bauträger. Und

zwar in doppelter Hinsicht. Bisher konnten

sie nahezu problemlos ihre Immobilien

vom Plan weg in einem Stadium verkaufen,

in dem mit dem Bau der Immobilie

noch gar nicht begonnen wurde. Kalkuliert

wurde der Verkaufspreis mit Preisen

des Baumaterials von vor einem Jahr. Heute

müssen ganz andere Preise bezahlt werden.

Der Bau wird erheblich teurer, verzögert

sich gegebenenfalls sogar auch noch.

Doch mit dem Käufer wurde ein fester

Preis und ein fester Fertigstellungstermin

vereinbart! Der Bauträger, der nicht genügend

Reserven hat, wird ins Schlingern geraten.

Die nachteiligen Folgen für ihn und

seine Käufer kann man sich ausmalen.

Und wie sieht das aus Sicht des Immobilienmaklers

aus? Ihm werden, so hört

man, vermehrt Immobilien zum Verkauf

angeboten. Traumhaft – möge man denken.

Wie lange ist es her, dass das so war?

Die Aufgabe des Maklers

wird also künftig mehr

darin bestehen, Verkäufer

und Bauträger in

ihren Preisvorstellungen

»auf den Boden der Tatsachen«

zurückzuholen.

Denn noch immer schwelgen verkaufswillige

Eigentümer in den oben geschilderten

Denkweisen. Zugleich nimmt die

Anzahl der Kaufwilligen in Anbetracht

der geschilderten Unwägbarkeiten ab.

Die Aufgabe des Maklers wird also künftig

mehr darin bestehen, Verkäufer und

Bauträger in ihren Preisvorstellungen

»auf den Boden der Tatsachen« zurückzuholen.

Und bei den Kaufwilligen wird

es künftig in Anbetracht der gestiegenen

Finanzierungskosten nicht mehr das Einfamilienhaus

sein, sondern eventuell nur die

Eigentumswohnung.

Der Immobilienmarkt kennt noch andere

Mitspieler. Da sind zum einen die Kapitalanleger.

Diese interessiert die Zinsentwicklung

nicht, denn sie zahlen alles mit

vorhandenem Kapital. Sie werden sich

eher an den sich reduzierenden Preisen erfreuen

oder, da es für das Festgeld jetzt

ja wieder Zinsen gibt, noch ein bis zwei

Jahre abwarten. Sie werden sich an die

Nullerjahre erinnern, als infolge der Lehman-Brothers-Pleite

die Immobilienpreise

je nach Region stagnierten oder gar fielen.

Denn die oben geschilderten Situationen

können sich zu ihren Gunsten auswirken.

Abwarten und Geduld haben ist also angesagt,

um zu einem günstigeren Zeitpunkt

wieder aktiv zu werden.

Und wie ist das bei den Immobilieninvestoren?

Diese setzen meist auf die Hebelwirkung

des geringen Eigenkapitals und

finanzieren daher den überwiegenden Teil

ihres Investments mit Fremdkapital. Das

ist jedoch teurer geworden. Daher werden

auch sie entweder noch eine Weile

zuwarten, bis sich das Investment wieder

rechnet, oder noch härter in die Preisverhandlung

eintreten als bisher. Entgegen

kommt ihnen dabei, dass so mancher

Immobilieneigentümer in Anbetracht der

gestiegenen Zinsen, Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit,

Insolvenz des Arbeitgebers oder

verlangten Nachfinanzierung der Bank

wegen des gesunkenen Immobilienwertes

verkaufen muss. Zudem wird die Schere

zwischen dem Darlehenszins und der Inflationsrate

größer. Gab es bisher kaum

eine Differenz, so beträgt sie heute ca. 3

Prozent (7,14 Prozent Inflationsrate abzgl.

4 Prozent Zinsen).

Fazit: Der Wohnimmobilienmarkt ist so

spannend wie schon lange nicht mehr.

Umstellen müssen sich alle Protagonisten,

die Verkaufswilligen, die Kaufwilligen, die

Finanzierenden, die Immobilienmakler,

die Bauträger usw. Diejenigen, die bisher

vielleicht sogar jahrelang einfach nur so

die positiven Aspekte der stets steigenden

Preise und fallenden Zinsen »mitnahmen«,

werden es schwer haben, sich auf

die neue Situation einzustellen. Derjenige,

der dies nicht schafft, läuft Gefahr, vom

Markt verschlungen zu werden. Flexibilität,

Taktik und Anpassung der Strategie

an die neue Situation sind angesagt. Es

bleibt spannend zu beobachten, wer das

schafft.

Der Autor

Helge Norbert Ziegler ist Wirtschaftsjurist,

Präsident des BVFI – »Bundes verband für

die Immobilienwirtschaft« und Inhaber des

ImmobilienFachVerlags.

SACHWERT MAGAZIN 4/2022

13


Meinung

Rette sich, wer kann

– nur wie?

SACHWERTEXPERTE THOMAS HENNINGS TEILT

SEINE EINSCHÄTZUNG DER AKTUELLEN FINANZ-

UND WIRTSCHAFTSKRISEN.

14

SACHWERT MAGAZIN 4/2022


Meinung

Bilder: IMAGO / U. J. Alexander, wirtschaft tv

Die so nahen kriegerischen Auseinandersetzungen

in der Ukraine

und dazu viele Folgen aus

einem Krieg, an dem sich unser

Land leider indirekt oder direkt

beteiligt, trafen auf eine Gesellschaft, die

sich bereits verändert hatte. Zu diesem Zeitpunkt

hatten wir bereits fast zwei unwirkliche

Jahre mit vielen ungewöhnlichen Herausforderungen,

mit wenigen guten und

vielen unglaublich schlechten Maßnahmen

der Politik hinter uns.

Man liest und hört überall, dass fast alle negativen

Veränderungen wie beispielsweise

extreme Verteuerungen der Lebensmittel,

Energiepreisexplosionen und Kraftstoffpreiserhöhungen

durch den Krieg verursacht

wurden und werden. Das sehe ich

absolut nicht so, sondern differenzierter,

und behaupte, dass Großkonzerne unmittelbare

Preiserhöhungen als riesige Chance

entdeckten und durch die Behauptung »Es

liegt alles am Krieg« jede Preiserhöhung

leicht wegargumentieren können. Es wird

gerade unglaublich »Kasse gemacht«. Es

wird insbesondere über unsere Medien

suggeriert, ja fast gebetsmühlenartig wiederholt,

Russland sei an allem schuld. Dem

muss ich widersprechen. Was aber nichts

mit meiner persönlichen Haltung gegenüber

Kriegen und deren Auslösern zu tun

hat. In den letzten zwei Jahren hieß es permanent,

»das Virus« sei an allem Schuld.

Nein, es liegt daran, was man – beziehungsweise

hier auch, was die Politik – aus

der ungewohnten Situation macht, dazulernt

und und wie man diese verbessert.

Die Gründe der Preisexplosionen sind weit

vorher entstanden. Die Unterbrechung von

wichtigen und auch zeitlich begrenzten

Lieferketten trieben die Preise in die Höhe,

da die hohe Nachfrage bestand, aber

wenig oder keine Ware vorlag. Die Abhängigkeiten

von Asien, insbesondere

China, brechen uns das Genick, wenn

das Regime in China alle Menschen und

Arbeiter wegsperrt wegen Corona. Wer

soll dann die Häfen, Fabriken und so weiter

bewirtschaften? Dazu der irrwitzige Umstand,

dass sich normale Mitarbeiter und

Fachkräfte in den sinnfreien und schädlichen

Lockdown-Zeiten bei uns umschauen

mussten und neue Jobs in den unterschiedlichsten

Branchen angenommen haben.

DAS BEDEUTET DIE INFLATION FÜR

VERBRAUCHER

Die meisten Menschen in unserem Land

hätten nicht gedacht, dass wir innerhalb

von zwei bis drei Monaten eine so starke

Veränderung unseres Lebens erfahren würden.

Und das ist erst der Anfang. Es ploppt

jetzt alles auf, was jahre- und jahrzehntelang

seitens der Politik und Wirtschaft anzugehen

versäumt wurde. Alle Verbraucher

müssen von nun an extrem tief in die Tasche

greifen, um das aktuelle Lebensniveau zu

halten, aber bei vielen Menschen werden

die Hände nicht tief genug greifen können.

Es wird ganz viele Menschen arg treffen.

Nur wenige Berater und Dienstleister haben

eine geradlinige Philosophie und beraten

ihre Kunden dahingehend, dass die

Inflation Vermögenswerte in Geld, also

Geldwerte, regelrecht vernichtet, und bieten

intelligente Lösungen an. Aktuell wird

über 7,2 Prozent Inflation gesprochen, diese

ist aber weitaus höher. Alle Verbraucher,

die ihr Spar- und Anlageverhalten von nun

an nicht rigoros verändern und optimieren,

werden »brutale« Verluste erleiden. Es hört

sich gerade in diesen Krisenzeiten martialisch

an, aber das ist leider Fakt.

WIE KUNDEN VON BANKEN

UND SPARKASSEN IHRE GELDER

VERLIEREN

Es greift nun noch keiner »direkt in die Kasse«,

aber wer mittel- und langfristig sein

Geldvermögen anlegt, der muss umdenken.

Wegen diesen typisch deutschen Spleens,

»Mein Geld ist auf der Bank sicher und mir

kann nichts passieren«, werden sich noch

so einige umgucken müssen. Verschiedene

Gesetze erlauben es den Institutionen wie

Banken, Versicherungen und Investmenthäusern,

die Kundengelder einzufrieren beziehungsweise

ab gewissen niedrigen Grenzen

Gelder einzubehalten, wenn es um die

Finanzstabilität der Bankenwelt und Ähnliches

geht. Die Gesetze lauten SAG, KAGB,

VAG. Das ist alles in speziellen Paragrafen

geregelt und nachlesbar.

Wer mittel- und langfristig seine Gelder bei

0 Prozent oder »sensationellen« 0,01 Prozent

oder 0,1 Prozent anlegt, der gehört

eigentlich mal wach geschüttelt. Ohne Studium

kann ich leicht errechnen, dass eine

offizielle Inflation von sechs Prozent, sieben

Prozent mein Geldvermögen bei den null

Prozent oder 0,1 Prozent Zinsen regelrecht

wegfrisst. Meine Kaufkraft in der Zukunft

Der Autor

Thomas Hennings ist Experte für Sachwertlösungen

und Makroökonomie.

Er ist Inhaber von »Hennings Finanz-

Management«.

schwindet. Alles wird teurer, aber mein

Vermögen »wächst« nicht parallel nach,

auch die Gehälter nicht.

DIESE AUSSICHTEN ERWARTEN

VERBRAUCHER

Finanzierungszinsen steigen weiter enorm

an, Anschluss- und Neufinanzierungen

werden massiv zurückgehen. Die Politik

fährt nun »schwere Geschütze« gegen

das eigene Volk auf: Zum Beispiel werden

Bargeldzahlungshöhen zukünftig reduziert

und bald wird das Bargeld gänzlich

abgeschafft, ein Vermögensregister wird

europaweit eingeführt, die Grundsteuererklärung

muss innerhalb kürzester Zeit abgegeben

werden, ansonsten werden Strafgelder

fällig – ein Wahnsinn. Dazu direkte

und indirekte Steuererhöhungen und ein

Irrwitz, aber Realität: Pro ein Prozent Inflation

nimmt der Staat circa zehn Milliarden

mehr an Steuern ein. Da die Produkte im

Preis steigen, erhöht sich auch die jeweilig

enthaltene Steuer. Somit kann die Politik

auch sackkarrenweise Geld überallhin

spenden und zahlen. Des Weiteren wird es

bald eine Änderung in der Besteuerung von

Kapitalvermögen geben, die bekannten

ES WIRD INS-

BESONDERE

ÜBER UNSERE

MEDIEN SUG-

GERIERT, [...]

RUSSLAND

SEI AN ALLEM

SCHULD. DEM

MUSS ICH WI-

DERSPRECHEN.

SACHWERT MAGAZIN 4/2022

15


Meinung

25 Prozent zuzüglich Soli und Kirchensteuer

werden abgeschafft und dann selbstverständlich

erhöht. Auch wird es zukünftig in

der Erbschaft- und Schenkungsteuerthematik

steuerliche Veränderungen geben.

Die Masse der Sparer und Anleger wird

sehr hohe Vermögensverluste einfahren,

weil eine unglaubliche Finanz-Lethargie

und wenig Allgemeinwissen diesbezüglich

in der breiten Bevölkerung vorherrschen.

Das werden auch beste Berater und unabhängige

Finanzdienstleister nicht mehr

flächendeckend ändern können. Hinzu

kommt, dass deutsche Verbraucher viel zu

wenig Rücklagen für ernste finanzielle Situationen

haben. Man steckt »knietief im

Dispo«. Aber auch normalen Sparern und

Anlegern kann geholfen werden, wenn

sie es denn zulassen. Hier gibt es passgenaue

Lösungen mit ausgewählten Sachwertkonzepten.

Verbraucher müssen auch

lernen und verstehen, andere Risiken bei

der Geldanlage einzugehen. Vermögende

Unternehmer, Menschen und Familien

wiederum erkennen spätestens jetzt, dass

sie unbedingt handeln müssen. Auch die

Angst vor Vermögensverlusten und vor

zu hohen Steuerabgaben motivieren diese

Menschen, sich Zeit zu nehmen und das

eigene Vermögensportfolio professionell

überprüfen zu lassen.

DAS MÜSSEN VERMÖGENDE

ANLEGERINNEN UND ANLEGER JETZT

BEACHTEN

Erfahrungsgemäß findet man immer strukturelle

Probleme im Portfolio vor; es fehlt

der berühmte rote Faden im gesamten

Vermögensportfolio, dazu auch die juristische

und steuerliche Begleitung. Vermögende

Menschen haben grundsätzlich

folgende Lösungswünsche gedanklich im

Kopf, aber noch nicht so umgesetzt: unbedingter

Erhalt der Vermögenswerte, überdurchschnittliche

Wertentwicklung, Sachwerte,

Inflationsschutz, Liquidität, flexible

Auszahlungsmöglichkeiten, Steuervorteile

in der Investitions- und Vermögensübergangsphase,

Erbschaft- und Schenkungsteuerlösungen

sowie transparente Kosten

und internationale Lösungen. Diese Aneinanderreihung

von Wünschen und Zielen

überfordert weit über 95 Prozent der Berater

am Markt.

Und das, obwohl es nicht einmal besonders

komplizierte Produkte und Konzepte

sind. Sie sind aber bewusst anspruchsvoll

und grundsätzlich nur für eine bestimmte

Klientel umsetzbar. Die Vermögensstruktur

wird hier zunächst komplett auf den Prüfstand

gestellt, auch mittels professioneller

Softwareunterstützung. Der sogenannte

Rechtsmantel befindet sich im Europäischen

Wirtschaftsraum, also in Europa, aber

nicht in der EU. Auch andere Währungen

neben dem Euro sind entspannt umsetzbar.

Zusätzlich wird das Portfolio auf den

Geldwert- und Sachwertanteil genauestens

überprüft und erheblich pro Sachwerte

durch exklusive Lösungen optimiert. Hierbei

sind folgende Unterteilungen gut zu

verstehen und zu berücksichtigen: Immobilienwerte

– Wertmetalle – Produktivkapital.

Normale Anlegerinnen und Anleger und

auch vermögende Menschen müssen sich

nun wirklich ernsthafte Sorgen um ihr bisher

Erspartes beziehungsweise um ihre

Vermögenswerte machen. Ein überschaubarer

Kreis von hochwertigen Beratern in

diesem Land warnt seit einigen Jahren vor

der schleichenden Enteignung über die Inflation

und mögliche Gesetze, welche einzig

der Stabilität der Geld- und Finanzsysteme

gelten. Ja, die klassischen deutschen

Bank- und Lebensversicherungssparer

werden viel Geldvermögen verlieren und

haben zig Jahre umsonst gespart – das ist

hart, aber Realität. Vermögendere Menschen

und Familien haben nahezu immer

das Motiv »Angst vor Verlusten«. Diese

werden aber eintreten, wenn Unsummen

überproportional auf unverzinsten Konten

angelegt sind. Zudem müssen vermögende

Menschen sich darüber im Klaren sein,

dass eine Behörde stets gewinnt, wenn

man nicht seine steuerlichen Möglichkeiten

ausschöpft, die gesetzlich umsetzbar

sind. Vermögende Menschen haben einen

gewissen »Urtrieb«, ihre bereits mehrfach

besteuerten Vermögenswerte nun optimal

auszurichten. Es gibt sie, die Finanz-Rettungsboote

für das eigene Vermögen und

für die zukünftigen Vermögenswerte. Man

rettet sein Vermögen, indem man sich Zeit

nimmt, nachdenkt, Fragen stellt und dann

intelligente Lösungen umsetzt!

ES GIBT SIE,

DIE FINANZ-

RETTUNGS-

BOOTE FÜR

DAS EIGENE

VERMÖGEN [...].

Bild: IMAGO / Chris Emil Janßen

16

16

SACHWERT MAGAZIN 4/2022


Meinung

Seit Beginn der Coronapandemie vor mehr als

zwei Jahren haben vor allen Dingen die

Lockdowns in China und den USA den

globalen Containerverkehr stark beeinträchtigt.

Die Auswirkungen bekommt bis heute

auch die deutsche Wirtschaft zu spüren.

SACHWERT MAGAZIN 3/2022 4/2022

17


Sachwerte

HOCHKARÄTIGE

INVESTITION

SIE SIND EIN KNAPPES GUT UND VERSPRECHEN SICHERHEIT. FÜR WEN LOHNT

SICH DIE INVESTITION IN FARBEDELSTEINE UND WAS IST ZU BEACHTEN?

Bei vielen Anlegern liegen Farbedelsteine

nicht gerade auf den

vorderen Plätzen. Aber ein Blick

auf die seltenen Steine lohnt

sich. Chris Pampel, Inhaber des

Deutschen Edelstein Kontors, erklärt,

warum das so ist, und warum Anleger

mit Bedacht an die Auswahl der Edelsteine

herangehen sollten.

Farbedelsteine, die sich als Investment

eignen, sind seltener als Diamanten

oder Gold. Wie ist Ihre langfristige Prognose

zur Wertentwicklung seltener

Farbedelsteine angesichts sinkender

Verfügbarkeit?

Im vergangenen Jahr wurden weltweit mehr

als 3.000 Tonnen Gold abgebaut. Im Vergleich

dazu wurden für die Schmuckindustrie

knapp zehn Tonnen Diamanten abgebaut.

Farbedelsteine sind deutlich seltener.

Von den »Big Three« der Farbedelsteine,

Begutachtung von einem

geschliffenen Rubin.

also Rubin, Saphir und Smaragd, wurden

2021 insgesamt gerade einmal knapp 600

Kilogramm weltweit abgebaut und nur zwei

bis drei Prozent davon erfüllen überhaupt

die Kriterien für Investment-Farbedelsteine.

Und genau diese geologische Seltenheit

macht das Thema Investment-Farbedelsteine

so spannend, erst recht in Hinblick auf

den Zukunftsbonus.

Was genau ist damit gemeint?

Betrachtet man die Wertentwicklung der

begehrtesten Farbedelsteine der vergangenen

20 Jahre, sieht man, dass die Steine in

Investment-Qualität jedes Jahr kontinuierlich

um vier bis sieben Prozent gestiegen

sind. Wir sprechen hier immer von einer Investition

in einen mobilen Sachwert mit einem

Anlage-Horizont von mindestens zehn

Jahren mit einer Beimischung von fünf bis

sieben Prozent des Gesamtvermögens. Die

Edelsteine legen also jedes Jahr, unabhängig

von wirtschaftlichen und politischen Veränderungen,

im Wert zu. Besonders spannend

wird es aber, wenn in einem Abbau-Gebiet

keine Farbedelsteine in Investment-Qualität

mehr gefunden werden, weil es dann zu erheblichen

Preissprüngen kommt.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Natürlich. Nehmen wir zum Beispiel Rubine

aus der Mogok-Region in Burma. Hier wurden

bis Ende der 90er Jahre wunderschöne

Rubine in herausragender Qualität gefunden,

die unter anderem den Begriff »Pigeon

Blood Red«, also Taubenblutrot, geprägt haben.

Doch dann war diese Mine erschöpft.

Es wurden keine Rubine in Investment-Qualität

mehr gefunden, also war klar, dass keine

mehr hinzukommen und die Preise stiegen.

Wer Mitte der 90er Jahre einen Rubin

in Investment-Qualität aus Burma gekauft

hat, hat also einen extrem seltenen Stein,

der sich bis heute im Wert vervielfacht hat.

Wie funktioniert das Pricing am Markt

konkret?

Wir kaufen diese Edelsteine direkt bei den

Händlern und Schleifereien vor Ort und lassen

sie dann von einem unabhängigen und

vor allem anerkannten Gemmologischen Institut

wissenschaftlich befunden. Anerkannt

bedeutet, dass sich das Labor durch eigene

Veröffentlichungen einen Namen gemacht

hat, daher über qualifiziertes Fachpersonal

verfügt, sprich Mineralogen und Gemmologen,

und mit entsprechendem teuren

wissenschaftlichen Equipment nach einem

standardisierten Prozess die Edelsteine befundet.

Erst wenn uns der Befundbericht vorliegt, in

dem alles deklariert ist und feststeht, dass

18

SACHWERT MAGAZIN 4/2022


Sachwerte

der Edelstein über Investmentqualität verfügt,

beauftragen wir einen unabhängigen

vereidigten Sachverständigen der IHK mit

der Erstellung eines Wertgutachtens. Dabei

ist wichtig, dass die wissenschaftliche und

die kaufmännische Bewertung des Steins

getrennt voneinander erfolgen muss.

Der Sachverständige ermittelt nach sorgfältiger

Marktrecherche den aktuellen Wiederbeschaffungswert

des Steins im Einzelhandel

und gibt hierbei immer eine Spanne

von plus/minus zehn Prozent an. Da ein Investment

nur dann Sinn macht, wenn der

Kunde den besten Preis bezahlt, nehmen

wir den Wiederbeschaffungswert minus

die zehn Prozent und legen diesen Wert als

unseren Verkaufspreis an den Kunden fest.

Worauf werden die Steine untersucht

und wie werden sie bewertet?

Es wird unter anderem nach den Standards

der CIBJO befundet. Die CIBJO ist die internationale

Vereinigung aller anerkannter

Labore, die von der UN akkreditiert ist,

Edelstein-Standards definiert und stetig

weiterentwickelt. Anerkannte Labore sind

zum Beispiel die Deutsche Stiftung Edelstein

Forschung (DSEF) oder das Gem Research

Swisslab (GRS) in der Schweiz.

Nicht jeder Edelstein eignet sich für ein

Investment. Worauf muss der Käufer

achten?

Man muss zwischen Schmuck- und Investmentqualität

unterscheiden. Ein Investment-Farbedelstein

ist immer von Natur aus

perfekt und bedarf bis auf den Schliff und

die Politur keiner weiteren Behandlung. Leider

gibt es im Internet einige Anbieter, die

Farbedelsteine in Schmuck-Qualität als Investment

anbieten. Diese Steine sind schön

anzusehen. Allerdings erreichen sie entweder

nicht bei allen 4Cs Topwerte und/oder

sie wurden behandelt, also zum Beispiel

erhitzt, bestrahlt oder mit Chemikalien versetzt.

Wenn Sie einen Drei-Karat-Saphir für 3.000

Euro im Internet oder von einem Händler im

Laden als Investment angeboten bekommen,

können Sie sicher sein, dass es sich

dabei nicht um einen Saphir in Investment-

Qualität handelt. Ein solcher Stein in Investment-Qualität

liegt aktuell bei etwa 30.000

Euro. Für ein seriöses Investment benötigt

man zudem die bereits erwähnte zertifizierte

wissenschaftliche und kaufmännische

Bewertung von anerkannten Instituten. Nur

mit diesen beiden Dokumenten kann ein

Käufer sicher sein, dass er einen Farbedelstein

in Investment-Qualität zu einem angemessenen

Preis erworben hat, den er auch

wieder bestmöglich verkaufen kann.

In der aktuellen Lage müssen wir an

den Märkten mit unerwarteten Szenarien

rechnen. Wie stabil sind Farbedelsteine

als Wertanlage?

Da es unserer Erde grundsätzlich egal ist,

wie unsere politische und wirtschaftliche

Lage ist, verlieren Edelsteine nicht ihre geologische

Seltenheit. Im Gegenteil: Das, was

schon gefördert wurde, behält seinen Preis

in Bezug zu anderen Produkten des Lebens.

Grundsätzlich sollte man vor dem Kauf eines

Edelsteins aber erstmal eine Grundlage

schaffen: Haus, Auto, Fortbildung. Dann

kann ich nach Diversifikationen durch unter

anderem Edelsteine schauen. Allerdings

werden mobile Sachwerte in Krisen durch

politische und wirtschaftliche Instabilitäten

immer wichtiger.

Eine Aktie kauft man meist nach sachlichen

Gesichtspunkten. Wie ist das bei

Farbedelsteinen? Spielen da auch Emotionen

eine Rolle?

Auch bei Aktien spielen Emotionen eine

Rolle. Aktien können eine grundlegende

Investition sein, gerade ETFs. Der emotionale

Aspekt spielt aber tatsächlich auch

bei Edelsteinen rein, denn ein Käufer kann

sich entscheiden, welchen Edelstein er

kauft – dabei können Emotionen für die

Geschwindigkeit des Wiederverkaufs eine

Rolle spielen. Grundsätzlich empfehle ich

deshalb sogar, beim Edelsteinkauf auf seine

Emotionen zu hören.

Und jetzt noch eine ganz pragmatische

Frage: Wo bewahrt man einen wertvollen

Farbedelstein auf?

Viele unserer Kunden verwahren ihre Farbedelsteine

gerne über ein Zollfreilager in

Deutschland oder Liechtenstein. Die Verwahrung

in einem Zollfreilager hat den

Vorteil, dass die Mehrwertsteuer gestundet

wird, wodurch der Investitionsbetrag steigt

und für einen höherwertigen Stein ausgegeben

werden kann. MK

Bilder: IMAGO / PanoramiC, Deutsches Edelstein Kontor

»BETRACHTET MAN DIE WERTENTWICKLUNG

DER BEGEHRTESTEN FARBEDELSTEINE DER

VERGANGENEN 20 JAHRE, SIEHT MAN, DASS

DIE STEINE IN INVESTMENT-QUALITÄT JEDES

JAHR KONTINUIERLICH UM 4 BIS 7 PROZENT

GESTIEGEN SIND.«

SACHWERT MAGAZIN 4/2022 19


Wissen

DIE VIERTE WENDE

WIE SIE SICH PERSÖNLICH VORBEREITEN SOLLTEN

Auszug aus dem Buch »The Fourth Turning« von William Strauss und Neil Howe

Überlegen Sie sich, was bei einem

schweren Schneesturm

passiert. Sie hören die Unwetterwarnung,

aber möglicherweise

treffen Sie keine

Vorkehrungen. Der Himmel verfinstert

sich. Dann kommt der Sturm mit voller

Wucht, und alles verwandelt sich in ein

DIE GESCHICHTE WARNT,

DASS EINE KRISE DIE

GRUNDLEGENDE SOZIALE

UND ÖKONOMISCHE UMGE-

BUNG VERÄNDERN WIRD, DIE

SIE AKTUELL ALS SELBSTVER-

STÄNDLICH BETRACHTEN.

heulendes weißes Chaos. Nach und nach

brechen Ihre Verbindungen zum Maschinenzeitalter

ab. Der Strom fällt aus, der

Fernseher ist schwarz, die Akkus sind

leer und das Radio verstummt. Das Telefon

funktioniert nicht mehr, die Straßen

sind unpassierbar und die Autos stecken

fest. Die Nahrungsmittel werden knapp.

Alle Dinge der modernen Zivilisation –

Geldautomaten, Investmentfonds, Einzelhandelsketten,

Computer, Satelliten,

Flugzeuge und Regierungen – sind irrelevant.

Der Sturm hat Sie und Ihre

Welt auf eine kleine Zahl an Elementarkräften

reduziert, von denen einige gut

und andere schlecht sind. Zu den Guten

gehören die letzten Überreste der sozialen

Kohäsion, die Sie zusammenkratzen

können, von den Überlebensfähigkeiten

Ihrer eigenen Familie über Nachbarn, die

Ihnen zu Hilfe eilen und mit Ihnen teilen,

bis zu einer Familie, die Ihnen einen

schweren Schneepflug leiht, weil Sie ihr

einmal aus der Patsche geholfen haben.

Stellen Sie sich vor, Sie und Ihre engsten

Angehörigen befinden sich inmitten

eines tosenden Schneesturms, der

mehrere Jahre andauert. Überlegen Sie

sich, was Sie brauchen, wer Ihnen helfen

könnte, und warum Ihr Schicksal irgendjemand

anders interessieren sollte als Sie

selbst. So planen Sie für einen säkularen

Winter.

Glauben Sie nicht, dass Sie der Vierten

Wende entkommen können, wie Sie sich

heute von den Nachrichten und der nationalen

Politik abwenden oder vielleicht

sogar Steuern umgehen, die Sie nicht

zahlen wollen. Die Geschichte warnt,

dass eine Krise die grundlegende soziale

und ökonomische Umgebung verändern

wird, die Sie aktuell als selbstverständlich

betrachten. Die Vierte Wendung braucht

den Tod und die Wiedergeburt der sozialen

Ordnung. Das ist der ultimative

Übergangsritus für ein ganzes Volk, der

einen Mindestzustand des reinen Chaos

erfordert, dessen Natur und Dauer nie-

20

SACHWERT MAGAZIN 4/2022


Wissen

Bilder: IMAGO / ZUMA Wire (Nikolas Georgiou) / ZUMA Wire (U.S. Army)

Die Bestsellerautoren William Strauss und Neil Howe blicken beispielhaft in der

amerikanischen Geschichte 500 Jahre zurück und entdecken ein eindeutiges Muster:

Die moderne Geschichte verläuft in Zyklen, von denen jeder etwa so lange dauert wie

ein Menschenleben, und jeder besteht aus vier Epochen – oder »Turnings« –, die etwa

20 Jahre dauern und immer in der gleichen Reihenfolge auftreten. Zusammen bilden die

vier Wendungen einen Rhythmus von Wachstum, Reifung, Verfall und Wiedergeburt in

der Geschichte. Strauss und Howe sehen uns auf den letzten Metern in der letzten

Phase, der Krise.

mand vorhersagen kann. Dazu könnten

Episoden der sozialen Vertreibung (und

erzwungenen Migration), eine totale

Mobilisierung (und Wehrpflicht für junge

Menschen), der wirtschaftliche Zusammenbruch

(und Massenarbeitslosigkeit),

Kommunikations-Blackouts (und

die Isolierung der Haushalte) oder der

soziale Zusammenbruch (und staatliche

Sicherheitskomitees) gehören. Höchstwahrscheinlich

werden mehr als eines

dieser Elemente beteiligt sein.

Wie bei einem Schneesturm werden einfache,

aber grundlegende Wahrheiten

erneut sichtbar. Dabei handelt es sich

um vertraute Elemente der Legende und

des Mythos, die die Zeiten überdauern,

weil sie in Zeiten voller Gefahren erforderlich

sind. Die klassischen Tugenden,

die sich in einem Zeitalter der Auflösung

nicht unbedingt bezahlt gemacht

haben (Eigenschaften wie Vertrauen,

Verlässlichkeit, Geduld, Beharrlichkeit,

Sparsamkeit und Selbstlosigkeit)

werden in einer Krise zu einer harten

Währung. Wäre die Geschichte nicht

saisonal, wären diese Tugenden seit Langem

atrophiert und als nutzlos für die

Menschheit in der Erinnerung verblasst.

Sie verbleiben in unserer Tradition, weil

sie einmal pro Säkulum in ihrem vollen

Umfang bestärkt werden, jene, die sie

unter Beweis stellen, belohnen, und alle

anderen bestrafen. Achten Sie bei den

epischen Sagen über gesellschaftliche

Gefahren vom Beowulf-Epos bis zur TV-

Doku-Serie Victory at Sea darauf, wer

sich durchsetzt und welche Tugenden

diese Personen besitzen. Wenn die Krise

ausbricht, sind das die Mythen, denen

Sie nacheifern wollen, und das werden

die Werte sein, die Sie unter Beweis stellen

müssen.

Um sich auf die Vierte Wende vorzubereiten,

sollten Sie die folgenden Lektionen

der Saisonalität beachten.

• Korrigieren Sie sich: Kehren Sie zurück

zu klassischen Tugenden.

In der kommenden Krise werden klare

Unterscheidungen zwischen zuverlässigen

und unzuverlässigen Menschen gezogen.

Erarbeiten Sie sich einen Ruf als

eine Person von Ehre und Integrität, die

Selbstbeschränkung, Familienverpflichtungen,

kulturellen Anstand und gegenseitiges

Vertrauen wertschätzt. Seien Sie

ein guter Bürger Ihrer Stadt, ein guter

Nachbar in Ihrem Viertel und ein guter

Kollege in Ihrem Beruf. Seien Sie manierlich

und halten Sie sich an öffentliche

Verhaltensstandards. Gehen Sie davon

aus, dass Ihr Ruf in der Gemeinschaft

eine wesentlich größere Bedeutung haben

wird als jetzt. Die Vierte Wende wird

mit rücksichtslosen Menschen (oder Organisationen),

die für Illoyalität, die Verletzung

fester Vereinbarungen oder den

Einsatz jedes möglichen Hebels verrufen

sind, nicht zimperlich umgehen. Je stärker

Ihre grundlegenden Überzeugungen

und Werte mit denen anderer Menschen

(und Gemeinschaften) übereinstimmen,

desto hilfsbereiter erweisen sich diese

anderen Menschen (und Behördenvertreter)

in einer Notlage. Gehen Sie

davon aus, dass sie entsprechend der

Reputation Ihrer Gruppe behandelt werden.

Unabhängig von Ihrem aktuellen

institutionellen Vorteil, wenn Ihr Unternehmen

als räuberisch, Ihr Berufszweig

als parasitär oder Ihr Einfluss als korrumpierend

wahrgenommen werden, sind

Sie persönlich gefährdet.

• Passen Sie sich an: Beachten Sie die

neu entstehenden Normen des Gemeinwesens.

In einer Vierten Wende wird der Kern

der Nation wichtiger sein als ihre Vielfalt.

Team, Marke und Standard werden

die neuen Schlagwörter sein. Alles, was

nicht mit diesen Begriffen beschreibbar

ist, könnte beiseite gewischt werden –

oder schlimmer. Isolieren Sie sich nicht

von kommunalen Angelegenheiten.

IN DER VIERTEN WENDE WERDEN DIE MENSCHEN BELOHNT,

DIE SICH EINEN RUF FÜR GUTE ZUSAMMENARBEIT UND DIE

AKZEPTANZ VON AUTORITÄT ERWORBEN HABEN.

SACHWERT MAGAZIN 4/2022 21


Wissen

Wenn Sie sich »ausklinken«, könnte sich

das genau zu dem Zeitpunkt rächen,

wenn Sie wissen müssen, was die einzelnen

Ebenen des Staats tun, um Ihre

grundlegendsten Bedürfnisse zu erfüllen.

Es wird auf den äußeren Anschein

ankommen. Die Justiz wird hart durchgreifen,

weil die Gesellschaft mehr Ordnung

verlangt, aber weniger Ressourcen

und Zeit besitzt, um sie durchzusetzen.

Wenn sich die Form verabschiedet, werden

Unschuldige leiden. Wenn Sie nicht

falsch beurteilt werden wollen, verzichten

Sie auf ein Verhalten, dass die

Autoritäten des Krisenzeitalters dazu

veranlassen könnte, Sie als schuldig zu

betrachten. Wenn Sie zu einer ethnischen

oder Rassenminderheit gehören,

wappnen Sie sich gegen eine nativistische

Gegenreaktion von einer durchsetzungswilligen

(und möglicherweise

autoritären) Mehrheit. Auf der Höhe der

Krise müssen Sie vielleicht zwischen der

Loyalität zu einer nationalen Gemeinschaft

und der Loyalität zu Ihrer eigenen

Gruppe wählen. Sich von Menschen anderer

Rassen oder Ethnien zu isolieren,

könnte riskant sein, weil sie möglicherweise

Nothilfe von Menschen benötigen,

um die Sie heute einen großen Bogen

machen.

• Knüpfen und pflegen Sie Beziehungen:

Knüpfen Sie Beziehungen unterschiedlichster

Art.

Wenn die Krise ausbricht, wird Anonymität

mit diskreditierten Übeln des

Zeitalters der Auflösung assoziiert und

gefürchtet werden. Direkte persönliche

Verbindungen werden eine neue Wertschätzung

erfahren. Sie sollten Menschen

kennen, die Ihnen helfen können.

In der Vierten Wende könnte es sehr

wichtig sein, gut positionierte Freunde

zu haben. Die Korruption auf hohem

Niveau (institutionell) wird zurückgehen,

auf niedriger (persönlicher) Ebene

könnte sie dagegen aufblühen, weil

die Menschen kurzfristige Gefallen von

Behörden brauchen, um ihre grundlegendsten

und dringlichsten Bedürfnisse

befriedigen zu können. An den Märkten

werden ähnliche Regeln gelten. Der persönliche

Kontakt (zu Nachbarn, Vorgesetzten,

Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten,

Gläubigern, Schuldnern, Beamten,

Polizisten) wird eine neue Bedeutung

erlangen. Rechnen Sie mit einem Verlust

der persönlichen Privatsphäre. Vierte

Wenden können für Freigeister finstere

Zeiten sein: So wie eine Art Behördenvertreter

möglicherweise eine neue Autorität

besitzt, um etwas für Sie zu tun,

könnte eine Kategorie – etwa ein eilig

ernannter Richter – plötzlich eine neue

Autorität besitzen, um Ihnen etwas anzutun.

• Schließen Sie sich mit anderen zusammen:

Bereiten Sie sich (und Ihre Kinder)

auf Kooperation vor.

In der Vierten Wende werden die Menschen

belohnt, die sich einen Ruf für

gute Zusammenarbeit und die Akzeptanz

von Autorität erworben haben.

Vereinbaren Sie Ihre Kompetenzen, Arbeiten

und Hobbys mit denen anderer

Menschen. Betonen Sie nicht, was Sie

als Individuum von anderen unterscheidet,

sondern was Sie mit anderen verbindet.

In der Geschäftswelt sollten Sie

auf Strukturen abzielen, die Teams und

Hierarchien kombinieren und Technologien

einsetzen (einschließlich Computern),

um Menschen zusammenzubringen.

Erziehen Sie Ihre Kinder dazu, gute

Teamfähigkeiten zu entwickeln. Halten

Sie sie nicht dazu an, sich außerhalb

des Mainstreams zu bewegen. Wo öffentliche

Schulen funktionieren, sollten

Sie Ihre Kinder dort zur Schule gehen

lassen, damit sie Gruppenkompetenzen

unter Klassenkameraden mit unterschiedlichem

Hintergrund und Fähigkeiten

erlernen. Erwarten Sie, dass Ihre

Kinder eine enge Verbindung zum Staat

entwickeln. Bei Erreichen der Volljährigkeit

könnten sich Ihre Kinder in echter

Gefahr befinden. Das ist natürlich ein

Grund zu echter Sorge, aber wenn man

den verbesserten Status von Kindern betrachtet,

sollte es auch ein Grund für

Stolz und Hoffnung sein.

• Pflegen Sie die eigenen Wurzeln: Suchen

Sie Unterstützung bei Ihrer Familie.

Wenn die Vierte Wende kommt, wird

Ihre Familie Ihr ultimatives Sicherheitsnetz

sein. Pflegen Sie vertrauensvolle Beziehungen

zu Ihrer erweiterten Familie,

von den Großeltern bis zu den Enkeln,

von den Schwiegereltern bis zu entfernten

Cousins und Cousinen. Wenn andere

Unterstützungsquellen versiegen,

22

SACHWERT MAGAZIN 4/2022


Wissen

Bild: IMAGO / UPI Photo, Cover: Finanzbuch Verlag

wird Ihr Haushalt am besten funktionieren,

wenn er mehrere Generationen

umfasst und sich seine jungen und alten

Mitglieder umeinander kümmern. Auf

dem Höhepunkt der Krise könnte eine

Frühverrentung (oder ein Leben fernab

von anderen Familienmitgliedern) neue

Nöte bedeuten. Ein wohlhabendes älteres

Familienmitglied könnte erwägen,

im Zeitalter der Auflösung möglichst

viel Vermögen auf seine Erben zu übertragen

und somit das Risiko späterer

konfiskatorischer Erbschaftssteuern zu

vermeiden. Wenn Sie keinen Ehepartner

oder Kinder haben, sollten Sie ein

alternatives, familienähnliches Unterstützungsnetzwerk

in Ihrem Freundes-,

Kollegen- oder Nachbarschaftskreis aufbauen.

Die Vierte Wende wird für sozial

gestrandete Menschen oder solche, die

sich als gestrandet empfinden, keine

gute Zeit sein.

• Wappnen Sie sich: Rüsten Sie sich

für eine Schwächung oder sogar den

Zusammenbruch staatlicher Unterstützungsmechanismen.

In der Vierten Wende könnten sich die

heutigen großzügigen staatlichen Sozialleistungen

(finanzielle Unterstützung,

Krankenversicherung, Wohnprojekte und

soziale Dienste) deutlich verschlechtern.

Die Jugend, und nicht das Alter, wird der

Mittelpunkt des staatlichen Handelns und

der Anreize sein. Mit der Ausnahme, dass

Sie davon ausgehen, dass Ihr Einkommen

und Ihr Vermögen so gering sind,

dass Sie eine Bedürftigkeit nachweisen

können, sollten Sie sich nicht auf staatliche

Zusagen über die Verlässlichkeit der

Sozialversicherung und der staatlichen

Krankenversicherungen Medicare und

Medicaid und vielleicht sogar der staatlichen

Beamtenpensionen verlassen. Jede

dieser Zusagen könnte sich als genauso

wenig verlässlich erweisen wie frühere

Zusagen über Continental und Confederate

Dollars. Sie sollten umgehend damit

beginnen, für Ihre eigene finanzielle Sicherheit

zu sorgen. Sie sollten viel Geld

sparen, selbst wenn das bedeutet, dass

Sie Ihren derzeitigen Lebensstandard senken

müssen. Heute einen gesunden Lebensstil

zu pflegen, ist die beste Methode,

um eine gute Gesundheitsfürsorge

im Alter zu gewährleisten. Rechnen Sie

im Gesundheitswesen mit neuen Triage-

Regeln und zählen Sie nicht darauf, dass

irgendjemand für die Folgen Ihrer ungesunden

Lebensweise im Zeitalter der

Auflösung zahlen wird. Besprechen Sie

mit Ihrer Familie, wie die Lasten des Al-

»The Fourth Turning«

von William Strauss

und Neil Howe

544 Seiten

Erschienen: Juli 2022

Finanzbuch Verlag

ISBN: 978-3-95972-568-2

ters geschultert werden könnten, falls und

wenn die staatlichen Leistungen ausfallen.

Bereiten Sie sich auf harte Entscheidungen

vor, mit denen Sie in der Vierten Wende

konfrontiert sein könnten, indem Sie sich

überlegen, was Ihr Leben (und Ihr Tod) für

andere bedeuten könnte.

• Sichern Sie sich durch eine breite Risikostreuung

ab: Diversifizieren Sie alles, was

Sie tun.

Wenn die Krise ausbricht, kann alles passieren.

Wenn Sie jetzt eine Karriere beginnen,

denken Sie daran, dass Generalisten

mit überlebenswichtigem Knowhow einen

Vorteil gegenüber Spezialisten genießen,

deren Fähigkeiten nur in einer unbeschädigten

Umgebung nützlich sind. Sprechen

Sie möglichst viele Sprachen, erlernen Sie

den sicheren Umgang mit möglichst vielen

Kulturen und Technologien. Ihr Unternehmen

könnte eine völlige Veränderung

der Marktbedingungen erfahren. Rechnen

Sie damit, dass staatliche Subventionen

eingestellt werden, sich das regulatorische

Umfeld schnell verändert und neue

Handelsbarrieren errichtet werden. Vermeiden

Sie gehebelte Instrumente oder

langfristige Schulden, einschließlich hoher

Studentenkredite. Gehen Sie davon aus,

dass alle Ihre externen Sicherheitsnetze

(Renten, Sozialversicherung, Medicare) in

Trümmern liegen könnten. Investieren Sie

umfangreich in Wertpapiere, um im verbleibenden

Zeitalter der Auflösung möglichst

hohe Gewinne zu erzielen, aber

bleiben Sie aufmerksam für die allgemeine

Stimmung. Denken Sie daran, dass die

Gefahr einer großen Abwertung steigt,

je näher die Krise heranrückt. Sichern

Sie Ihr Portfolio ab und nehmen Sie Vermögenswerte

ausländischer Märkte auf,

deren säkulare Rhythmen nicht mit Amerikas

Rhythmus zusammenfallen. Sorgen

Sie dafür, dass Sie bei Krisenausbruch

einen verlässlichen Cashflow, diversifizierte

Geldanlagen und einige liquide

Vermögenswerte haben. Sie sollten wissen,

wo Ihr Geld steckt. Versuchen Sie

dafür zu sorgen, dass kein gravierendes

Ereignis (Inflation, Deflation, Marktzusammenbruch,

Bankpanik, nationaler

Zahlungsausfall) Ihr gesamtes Vermögen

vernichtet.

Wenn Sie diese Lektionen anwenden, ist

Ihr Risiko relativ gering. Nehmen wir an,

Sie hätten Glück und würden persönlich

von der Krise nicht stark betroffen.

Durch Ihre Vorbereitung haben Sie vielleicht

einige kurzfristige Einkommensverluste

erlitten oder Annehmlichkeiten

eingebüßt, aber nichts von langer Dauer.

Nehmen wir an, Sie hätten weniger

Glück. Wenn Sie sich nicht vorbereitet

haben, riskieren Sie sehr viel. Die Geschichte

warnt, dass säkulare Winter

für alle, aber besonders für diejenigen,

die auf dem linken Fuß erwischt werden,

besonders harte Zeiten sind. Unabhängig

von Ihrem Alter, Geschlecht,

Einkommen, Rasse, Familienstatus oder

Ihrer beruflichen Tätigkeit können vernünftige

Entscheidungen, die Sie heute

treffen, dazu beitragen, wirklich bittere

Entscheidungen in der Vierten Wende

zu vermeiden.

SORGEN SIE DAFÜR, DASS SIE BEI KRISENAUSBRUCH EINEN

VERLÄSSLICHEN CASHFLOW, DIVERSIFIZIERTE GELDANLAGEN

UND EINIGE LIQUIDE VERMÖGENSWERTE HABEN.

SACHWERT MAGAZIN 4/2022

23


Anzeige

INFLATIONSSCHUTZ

UND VERMÖGENSAUFBAU

MIT NACHHALTIGEM OBST- & GEMÜSEANBAU

Der Fokus des Fonds »Agri Terra Citrus Basket I« liegt auf Erträgen aus dem

Anbau von Obst und Gemüse. Diese Asset-Klasse bietet neben hohen regelmäßigen

Erträgen perfekten Schutz vor Inflation und ist weitestgehend krisenresistent.

Denn bekanntlich gilt: Gegessen und getrunken wird immer!

Seit über 25 Jahren sind die Brüder

Carsten und Michael Pfau nun

schon in Paraguay investiert und

seit nunmehr fast 10 Jahren bieten

sie über die Agri Terra Gruppe

ihr Knowhow als Anbieter von Agrarinvestments

auch auf dem europäischen

Markt an. Vielen ist daher Agri Terra bereits

als Anbieter beispielsweise des »Rinder‐Direktinvestments«

und der »OrangenRENTE®«,

einem Direktinvestment in

Orangenplantagen, aus der Vergangenheit

bekannt.

Nun konnte in die Tat umgesetzt werden,

was von bestehenden Kunden und Interessenten

immer wieder angeregt und angefragt

wurde:

Ein komplett reguliertes Angebot für ein

breites Anlegerpublikum ist inzwischen

in den Vertrieb gestartet. Mit dem Publikums‐AIF

»Agri Terra Citrus Basket I« setzt

die Agri Terra auf eine durchdachte Diversifizierung

im Obst‐ und Gemüsesegment

und baut dabei auf den eigenen Stärken

und bereits erzielten Erfolgen auf.

Der Agri Terra Citrus Basket I bietet Anlegern

die Möglichkeit, sich im Rahmen eines

Publikums-AIF am Freilandanbau, also

der Anpflanzung und Bewirtschaftung

von Orangen und sonstiger Zitrusfrüchte,

dem Gewächshausanbau anderer Obstund

Gemüsesorten wie z. B. Erdbeeren

sowie einer in Planung befindlichen Fabrik

für Orangensaft zu beteiligen.

Für die Aktivitäten wird in Paraguay

fruchtbares Agrarland erworben – Anbau

und Ernte erfolgen durch mehrere paraguayische

Zielgesellschaften des Agri Terra

Citrus Basket I. Die ertragsstarke Anlagestrategie

basiert auf den laufenden Einnahmen

aus dem Verkauf der geernteten

Erzeugnisse während der Bewirtschaftungsphase

und aus der Veräußerung der

Zielgesellschaften bzw. des Anlagevermögens

am Ende der Laufzeit.

Die Wahl des Investitionsstandorts ist dabei

bewusst außerhalb Europas gewählt. Im

Unterschied zu anderen Regionen verfügt

Südamerika über ausreichende Süßwasservorkommen

und Potenzial für eine ökologische

Erweiterung der Anbauflächen. Die

klimatischen Bedingungen führen dazu,

dass für manche landwirtschaftlichen Produkte

mehrere Ernten pro Jahr möglich

sind. Für Agrarinvestitionen bietet Paraguay

besondere Standortvorteile. Dazu zäh-

Bilder: Depositphotos / ccaetano, Agri Terra Vertriebs GmbH, Carsten Pfau

24

SACHWERT MAGAZIN 4/2022


Anzeige

DER AGRI TERRA CITRUS BASKET I AUF EINEN BLICK:

– geschlossener Publikums-AIF nach KAGB

– geplante Laufzeit: 5 Jahre

– geplante Ausschüttungen: jährlich

– prognostizierter Gesamtmittelrückfluss: 166,93 Prozent

– prognostizierte IRR-Rendite: 11,80 Prozent

– Mindestbeteiligung: 10.000 US-Dollar zzgl. 5 Prozent Agio

– Investitionsvolumen: 10.000.000 US-Dollar zzgl. Erhöhungsoption

– Finanzierung: ausschließlich Eigenkapital

– Initialkosten: max. 7,74 Prozent der Kommanditeinlage

len ein attraktives Lohnniveau und Steuersystem

sowie niedrige Energiekosten.

Herr Carsten Pfau über die Standortvorteile

von Paraguay:

»Paraguay hat zunächst vor allem eins:

komparative Kostenvorteile. In den Segmenten

der Landwirtschaft, in denen wir

aktiv sind, ist Paraguay auf der Kostenseite

kaum zu schlagen. Auf der anderen Seite

treffen wir auf Preise, die sich aus einem

weltweiten Gefüge heraus ergeben. Da

entsteht viel Raum für recht hohe Gewinnmargen.

Klimatisch ist das Land geradezu

ideal für das, was wir tun, und die

geographische Lage im Herzen Südamerikas

ist ebenfalls ein strategischer Vorteil.

Wenn wir diese idealen Voraussetzungen

nun mit einer ordentlichen unternehmerischen

Struktur kombinieren und mit ausreichend

finanzieller Liquidität unterlegen,

sind wir zwangsläufig auf der Siegerseite.

Unsere Unternehmensgruppe ist vor Ort

bereits zu einer recht beachtlichen Größe

herangewachsen. Wir sind ein wichtiger

und beliebter Arbeitgeber, haben über

ein Jahrzehnt hinweg eine sehr gesunde

Struktur und Hierarchie herausgearbeitet

und die Mechanismen funktionieren recht

gut. Man setzt sich als Anleger mit uns

also sozusagen in ein gemachtes Nest.«

Weder die Anbauflächen noch die relevanten

Märkte sind mit Europa oder der EU

korreliert. Vielmehr befinden sich die Absatzmärkte

der angebauten Obst‐ und Gemüsesorten

vornehmlich in Paraguay. Das

wirtschaftlich stark wachsende Paraguay

importiert derzeit über 70 Prozent des

Verbrauchs an Obst und Gemüse aus den

Nachbarländern. Dabei sind die Transportkosten

der Importe höher als deren Produktionskosten.

Die beschränkte Produktion

des Landes ist oftmals bereits lange

im Voraus ausverkauft. Laufend entstehen

neue Supermärkte, die Obst und Gemüse

für ihr Angebot benötigen, und auch die

Nachfrage seitens Saft- und Limonadenherstellern

nimmt stetig zu. Die steigende

Nachfrage hat dazu geführt, dass bereits

Abnahmegarantien des Großhandels für

die bisher von der Agri Terra Gruppe in

Paraguay angebauten Produkte vorliegen.

Parallel zur wachsenden Nachfrage in

Paraguay ist ein zunehmendes Interesse in

Asien, insbesondere in Taiwan, Hongkong

und Singapur, an paraguayischen Agrarprodukten

zu beobachten, sodass die Zahl

der Absatzmärkte zukünftig noch deutlich

größer werden könnte.

KURZUM:

Die Investitionsmöglichkeit in den Agri

Terra Citrus Basket I vereint den tendenziell

statischen Landerwerb mit der dynamischen

Einnahmenkomponente eines

Agrarbetriebs einschließlich der nachgelagerten

Weiterverarbeitungsmöglichkeit

der landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Damit

bietet der Fonds eine unternehmerische

Beteiligung in Reinform an einem

krisenresistenten, inflationsschützenden

Investment mit zweistelligen, jährlichen

Renditechancen.

rechts: Carsten Pfau,

Komplementär und geschäftsführender Gesellschafter

der Agri Terra KG, Geschäftsführer (CEO)

der Agri Terra Gruppe

unten: Plantagenhochburg

Nueva Italia in Paraguay

SACHWERT MAGAZIN 4/2022

25


26

SACHWERT MAGAZIN 4/2022


Best of Web

Best of Web

Zahl der Wohnungsneubauten bricht ein

Steigende Zinsen und höhere Kosten

lassen die Zahl der Wohnungsneubauten

einbrechen. Laut einer Umfrage des

Bundesverbandes Freier Immobilien- und

Wohnungsunternehmen (BFW) würden

die meisten der befragten 1600 Mitglieder

Neubauprojekte zurückstellen oder ganz

aufgeben. »In der aktuellen Situation ist

Neubau ohnehin nicht mehr kalkulierbar

wegen steigender Bauzinsen, explodierender

Baukosten und gestörter Lieferketten«,

wird BFW-Präsident Dirk Salewski in einem

Bericht des Onlineportals der »FAZ« zitiert.

Die Ergebnisse der Umfrage deuten auf

einen Rückgang zwischen 50.000 und

75.000 neuer Wohnungen. So sei das Ziel

der Bundesregierung von 400.000 Neubauwohnungen

nicht zu erreichen, mahnte

Salewski. Die Branche brauche verlässliche

Förderbedingungen, wirtschaftliche

und realistische Neubau-Anforderungen...

Den ganzen Artikel können Sie unter

www.sachwert-magazin.de lesen.

Porsche will nach dem Börsengang auf vollelektrische

Fahrzeuge setzen

Die Porsche AG bereitet sich auf den Börsengang

vor und hat jetzt bei einer Investorenveranstaltung

Pläne vorgestellt, wie

es danach weitergehen soll. Die Umsatzund

Gewinnmarge könnten laut CEO Oliver

Blume und Finanzchef Lutz Meschke

langfristig bei mehr als 20 Prozent liegen.

Der Sportwagenbauer sieht diese Möglichkeiten

laut dem Onlineportal des

»Manager Magazin« bei der steigenden

Zielgruppe an wohlhabenden Menschen

und bei der Ausrichtung auf reine Elektroautos.

Oliver Blume und VW-Mutterkonzernchef

Herbert Diess streben für

den Börsengang eine möglichst hohe

Bewertung des Unternehmens an, unter

anderem um nötige Investitionen in

die Elektromobilität zu ermöglichen. Bis

2030 sollen die Fahrzeuge von Porsche

zu 80 Prozent vollelektrisch sein...

Den ganzen Artikel können Sie unter

www.sachwert-magazin.de lesen.

Aus Covern wird Kunst: »Die drei ???« als NFTs

Bilder: IMAGO / Rust / ZUMA Wire, Depositphotos / cbies

Bereits seit den 60er-Jahren begeistern die

Geschichten rund um Justus Jonas, Peter

Shaw und Bob Andrews – bekannt als »Die

drei ???« – ihre Fangemeinde. Die an Pop-

Art erinnernden Cover zu den Büchern und

Hörspielen entwarf in den Jahren von 1970

bis 1999 die 2009 verstorbene Künstlerin

Aiga Rasch. Eben diese berühmten Aushängeschilder

der generationsübergreifenden

Detektivgeschichten sind es, die nun

als Vorlage für digitale Kunst dienen sollen.

Sechs NFT-Kunstschaffende werden die Bilder

neu interpretieren – das gab die NFT

-Plattform twelve x twelve, die für dieses

Projekt mit Sony Music kooperiert, am

Mittwochvormittag auf Twitter bekannt.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur

(dpa) sollen die NFT-Künstler

Andreas Preis, Ghozt, Marco Mori, Max

Schwugier, Rabea Senftenberg und Stefan

Große die Cover reinterpretieren. Der erste

NFT-Drop ist für den siebten September

geplant.

Die beliebte Reihe hält unter anderem den

Rekord als erfolgreichste Hörspielproduktion

weltweit. Allein vier Milliarden Audio-

Streams hätten »Die drei ???« im letzten

Jahr generiert, sagte Christoph Behm von

Sony Music. Angesichts dieser Fakten läge

es nahe, mit den neugestalteten Covern

»ein Experiment am NFT-Kunstmarkt zu

wagen.«

Diesen und andere Artikel finden Sie

unter www.sachwert-magazin.de.

SACHWERT MAGAZIN 4/2022

27


Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!