02.09.2022 Aufrufe

möbel kultur 9/22

Erfolgreiche ePaper selbst erstellen

Machen Sie aus Ihren PDF Publikationen ein blätterbares Flipbook mit unserer einzigartigen Google optimierten e-Paper Software.

ZKZ 4937

9 I 2022

MAGAZIN FÜR DAS MÖBEL-BUSINESS

Lage spitzt

sich zu

Handel und Industrie

zwischen Notfallplänen

und Transformation

Wilder

Foto: Samsung „Bespoke“

So bereitet sich die

Branche auf den

Messe-Marathon vor

Herbst

STATISTIK-EXTRA

FRISCHE ZAHLEN

AUF 24 SEITEN

Carat: Zukunft in der Cloud

Trendteam: Bewegte Zeiten

Analyse: Der Preis ist heiß!

VDM: „Komplexe Gemengelage“

Beckermann: Mehrwert in Losgröße 1

Küchen: Kaufargument Nachhaltigkeit


TOP-THEMA/STRATEGIE

Illustration: Shutterstock / kozhedub_nc

Branche zwischen

Notfallplänen und

Transformation

Die letzen zwei Jahre waren bereits herausfordernd für die Führung vieler Unternehmen. Doch die

Lage spitzt sich zu. Ukraine-Krieg, Energiekrise und die Inflation setzen auch die Möbelbranche weiter

unter Druck. Nur „Brände zu löschen“ kann vor dem Hintergrund der Zeitenwende keine erfolgreiche

Lösung mehr sein. Jetzt ist Business Continuity Management gefragt, sagt Dr. Timo Renz, geschäftsführender

Gesellschafter von Dr. Wieselhuber & Partner im Interview mit der „möbel kultur“.

möbel kultur: Herr Dr. Renz, in den Medien

ist im Moment viel die Rede von Zeitenwende.

Was bedeutet das für unsere

Gesellschaft und für die Wirtschaft?

Dr. Timo Renz: Wir leben in turbulenten

und durch hohe Unsicherheit

gekennzeichnete Zeiten. Der Begriff

„Zeitenwende“ beschreibt das historische

Ausmaß der Turbulenzen

und Veränderung im Vergleich zu

den vergangenen Jahren. Einerseits

gelten weiterhin die langfristigen

Megatrends wie z.B. Digitalisierung,

Nachhaltigkeit, demografischer und

gesellschaftlicher Wandel. Andererseits

beeinflussen und dominieren

aktuelle Ereignisse wie der Ukraine-

Krieg, die Energiekrise, Rohstoffund

Lieferengpässe oder Inflation

das gesellschaftliche und wirtschaftliche

Geschehen. Wir alle kennen die

langfristigen Konsequenzen dieser

Melange für Gesellschaft, Politik und

Wirtschaft noch nicht genau. Wir

wissen aber, dass im Unterschied zu

den Boomjahren nach 2010 weder

die Basisannahmen unseres Handelns

wie z.B. Frieden, garantierte

Energieversorgung, funktionierende

Lieferketten, freier Welthandel,

22 möbel kultur 9/2022


Geldstabilität, noch die Ziele unseres

Handelns wie z.B. Wachstum,

Wohlstand, Sicherheit gewährleistet

sind – das ist ein Paradigmenwechsel!

Die Folgen spüren wir alle.

möbel kultur: Auf welche Bedingungen

muss sich speziell die Möbelbranche

einstellen?

Dr. Timo Renz: Die Bedingungen

waren bereits in der Coronazeit für

die Unternehmen in der Möbelbranche

nicht einfach. Viele haben

im „Krisenmodus“ gearbeitet und

unter Beweis gestellt, dass sie diese

Aufgabe meistern konnten. Jedoch

dürfen wir drei Dinge nicht vergessen,

die veränderte Bedingungen

nach sich ziehen: Erstens gab es

für die Möbelwirtschaft während

der Lockdown-Zeiten eine Hochkonjunktur.

Viele Reise- und Vergnügungsbudgets,

die nicht ausgegeben

werden konnten, wurden

umgeschichtet und in ein „Wohlfühlzuhause“

gesteckt, wovon die

Branche mit einer mengen- und

auch wertmäßig steigenden Nachfrage

profitierte. Und das ist jetzt

anders.

Mit Beginn des Krieges gegen die

Ukraine veränderten sich die Konsum-Vorzeichen

dramatisch: Seitdem

hören die Konsumenten nicht

nur von der Zeitenwende in den

Medien, sondern sie spüren es auch

tagtäglich in ihrem Geldbeutel. Die

damit einhergehende Unsicherheit,

Angst und knapper werdende Konsumbudgets,

wirken sich bereits jetzt

dramatisch auf das Kaufverhalten

aus. Das Ifo­ Institut meldet Konjunkturtiefstand.

Zweitens ist der

Bauboom vorbei. Noch ist das in der

Möbelbranche nicht angekommen,

weil die laufenden Bauprojekte fertiggestellt

werden. Aber jetzt schon

werden viele geplante Bauvorhaben

storniert und mit den steigenden

Kosten und Zinsen wird die Baubranche

aller Voraussicht nach einbrechen.

Dies wird auch Spuren in

der Möbelbranche, z.B. bei Küchenund

Badmöbeln, hinterlassen. Und

drittens stehen wir in Bezug auf

die Veränderungstreiber Digitalisierung

und Nachhaltigkeit heute ganz

woanders als noch vor Corona, und

der Transformationsdruck hat definitiv

weiter zugenommen. Diese

schwierigen Bedingungen werden

vorerst wohl bleiben und führen

dazu, dass die Unternehmen in der

Möbelbranche derzeit den Spagat

meistern müssen zwischen „kurzfristig

Brände löschen“ und gleichzeitig

„langfristig Transformation

gestalten“.

möbel kultur: Die Lieferketten sind nach

wie vor gestört, die Energieversorgung

problematisch, die Preise steigen – welchen

kurzfristigen Notfallplan gibt es für

die Unternehmen, um im Geschäftsjahr

2022 noch mit einem blauen Auge davon

zu kommen?

Dr. Timo Renz: Sie sprechen genau

die Punkte an, die ich mit „Brände

löschen“ meine: Aufrechterhaltung

der Produktions- und Lieferfähigkeit,

Sicherstellung der Energieversorgung,

Durchführung von permanenten

und völlig atypischen Preisverhandlungen

mit Zulieferern und

Händlern, ggf. auch Finanzierungsthemen.

Der kurzfristige Notfallplan

kann nur lauten: Prioritäten bilden,

fokussiert, schnell sowie konsequent

handeln und dabei sicherstellen,

dass die jeweiligen Aufgaben und

Sachverhalte aus mehreren Perspektiven

bewertet werden. In der Praxis

hat sich diesbezüglich der Einsatz

einer „Task Force“ bewährt: Mit

den richtigen Köpfen, den richtigen

Qualifikationen, Kompetenzen und

Befugnissen. Ich habe den Eindruck,

dass viele hier von den Erfahrungen

aus der Corona-Zeit profitieren.

möbel kultur: Ein robustes Geschäftsmodell

ist von je her die Basis für langfristigen

Erfolg eines Unternehmens. Wie muss

Robustheit heute neu definiert werden

und wie sollte Unternehmensführung in

unsicheren Zeiten aussehen?

Dr. Timo Renz: Das Problem ist doch,

dass man mit „kurzfristigem Notfallplan“

und „Fahren auf Sicht“

ein Unternehmen nicht langfristig

absichert. Ein wesentliches Element

für mehr Robustheit besteht darin,

einen „präventiven Notfallplan“ für

unwahrscheinliche, aber mögliche

„Black Swan-Events“ in der Tasche

zu haben. Denn mit diesen werden

wir leider immer wieder konfrontiert

werden. Es gibt dafür Methoden,

die man z.B. aus der Notfallmedizin

oder aus der Luftfahrt kennt

und die heute unter der Überschrift

Business Continuity Management

(BCM) zusammengefasst werden.

Statt nach jedem unvorhersehbaren

Ereignis überrascht in den Krisenmodus

zu schalten, besteht das Ziel

des BCM darin, das Unternehmen

auf so einen Notfall vorzubereiten,

indem mögliche Szenarien im

Vorfeld durchdacht und möglichst

standardisierte Ablaufpläne

für den Krisen fall

entwickelt werden.

möbel kultur: Für welche

Unternehmen ist

Business Continuity

Management relevant?

Dr. Timo Renz: In der

heutigen Zeitenwende

besteht die

Notwendigkeit für

BCM im Grunde für

jede Organisation. Es

wird daher teilweise schon

politisch ein gesetzlich verpflichtendes

BCM für bestimmte

Branchen gefordert. Das halte ich

für richtig und klug: Man kann doch

jetzt schon darüber nachdenken,

welche betrieblichen Störungen und

ökonomischen Risiken z.B. einen

Küchenhersteller, Polstermöbler

oder einen Zulieferer treffen, und

was man dagegen tun könnte, wenn

– vielleicht noch nicht in diesem,

aber womöglich im nächsten Jahr

– die Energie rationiert wird? Oder

wenn der Krieg sich ausweitet –

Stichwort China/Taiwan oder Nato-

Fall in Osteuropa? Wir merken in

unserer Beratungspraxis vor allem

bei gut aufgestellten Familienunternehmen

innerhalb und außerhalb

der Möbelbranche, dass das Thema

BCM sehr an Stellenwert gewonnen

hat. BCM hilft die gesamte Wertschöpfungskette

robuster und zuverlässiger

zu machen. Der Nutzen entsteht

allerdings nicht nur im Notfall.

Vielmehr generiert man auch einen

kommunizierbaren und ggf. auch

monetarisierbaren Wettbewerbsvorteil,

in dem man sich als „jederzeit

zuverlässiger Partner“ positioniert.

BCM ist ein wirksames, aber

dennoch sicher nur ein Mittel für

mehr Robustheit. Das allein reicht

nicht aus, um langfristigen Erfolg

sicherzustellen. Gerade für die vielen

Familienunternehmen in der

Dr. Timo Renz, geschäftsführender

Gesellschafter bei Dr. Wieselhuber

& Partner rät dringend dazu, nicht

mehr nur auf Sicht zu fahren,

sondern jetzt den Transformationsprozess

voranzutreiben.

Mit Beginn des

Krieges gegen die

Ukraine veränderten

sich die Konsum-

Vorzeichen dramatisch.

9/2022 möbel kultur 23


TOP-THEMA/MOEBEL.DE

Der Preis

ist heiß

100 %

01. Januar 2022

Seit dem Start vor 20 Jahren verfolgt moebel.de die Vision, dass sich jeder Endverbraucher

passend einrichten kann und der Algorithmus den Nutzer zum richtigen

Anbieter führt – egal ob on- oder offline. Heute sind über 250 Onlineshops und über 200

lokale Händler auf der Plattform versammelt, die mehr als 50 Mio. Besucher:innen pro

Jahr zu ihren Lieblingsstücken aus allen Kategorien verhelfen. Für die „möbel kultur

analysiert moebel.de künftig die Preisentwicklung in den wichtigsten Top-Kategorien.

CRO Alexander Wessels erklärt, wie die Leser:innen davon profitieren können.

Alexander Wessels ist seit über sechs

Jahren in unterschiedlichen Positionen

bei moebel.de tätig, aktuell als Chief

Revenue Officer. Berufliche Stationen

zuvor: Happycar und Comdirect Bank.

möbel kultur: Herr Wessels, Sie werten

die Preisentwicklungen der Top 100-Produkte

bei moebel.de aus. Wie gehen Sie

dabei vor?

Alexander Wessels: Für die Analyse

in der „möbel kultur“ berücksichtigt

moebel.de die Verkaufspreise

der Produkte im deutschen Möbelhandel

in (saisonal) relevanten Top-

Kategorien. Pro Kategorie werden

die 100 klickstärksten Produkte

identifiziert und der (Endverbraucher-)Preis

dieser Produkte wird auf

100 Prozent zum 1. Januar 2022

indexiert. Über den Jahresverlauf ist

es somit möglich, die Preisentwicklung

innerhalb einer Kategorie und

Gesamt aufzuzeigen und zu analysieren.

Durch die Herausnahme und

Hinzunahme von Produkten durch

Partner und der damit verbundenen

Tatsache, dass Daten für einen

oder mehrere Tage für das jeweilige

Produkt nicht vorliegen, ist es wichtig

zu wissen, dass sich Indexwerte

pro Kategorie oder Gesamt nie aus

allen Produkten zusammensetzen,

aber aus einem überwiegenden

Teil, sodass der „moebel.de Preis-

Index“ eine große Relevanz für die

Branche aufweist. Betrachtet man

die einzelnen Produkte, decken die

Top 100 Artikel alle Preisgruppen

ab, angefangen vom Preiseinstieg

über die Mittelklasse bis hin zum

Top-Segment. Premium-Möbel sind

tendenziell unterrepräsentiert, weil

es in diesem Segment noch immer

nicht üblich ist, alle Modelle uneingeschränkt

online zu distribuieren.

Der Gesamt-Preisindex setzt sich

aus folgenden acht Kategorien zusammen:

Gartenmöbel-Sets, Ess tische,

Küchenstühle, Boxspringbetten,

Kleiderschränke, Sofas & Couches,

Couchtische und Wohnwände.

möbel kultur: Wie können „möbel

kultur“-Leser:innen von Ihren Auswertungen

profitieren?

Alexander Wessels: Mir ist aktuell kein

aussagekräftigerer und sensiblerer

Preis-Index bekannt, der bis auf die

einzelne Warengruppe genau Preisentwicklungen

im deutschen Handel

abbildet. Der Erkenntnisgewinn ist

dabei außerordentlich hoch, denn

angesichts der aktuellen Turbulenzen

fehlt doch vor allen Dingen

eines: Orientierung. Und dafür

sorgt der Index nun in Bezug auf

die Verbraucherpreise. Insbesondere

Händler können daraufhin Ableitungen

für die eigene Preisgestaltung

treffen. Wie entwickelt sich

der Markt? Und wie verhalte ich

mich als einzelner Player dazu? Versuche

ich einen Trend zu verstärken,

exakt abzubilden oder verhalte ich

mich konträr? Der Index liefert die

notwendigen Informationen, um

eine eigene Preisstrategie zu entwickeln.

Industrieunternehmen

wiederum können ablesen, wieviel

von den Preiserhöhungen ungefähr

zum Endverbraucher durchgereicht

werden. Wir freuen uns, dass der

„moebel.de Preis-Index“ in jeder

Ausgabe der „möbel kultur“ nun

mit Spannung von den Leser:innen

erwartet wird.

möbel kultur: Preise sind in diesem

Jahr ein heißes Thema. Was hat Sie bei

Ihrer August-Auswertung am meisten

überrascht?

Alexander Wessels: Der deutliche

Anstieg zum 1. August zeigt, dass

moebel.de die Vermarktungswirklichkeit

exakt darstellt. Wir interpretieren

den rasanten August-Anstieg

so, dass nach der Urlaubssaison die

neuen Preislisten gegriffen haben.

Dafür gibt es immer eine Vorlaufzeit

von drei bis vier Monaten, sodass

sich nun die Marktsituation aus

26 möbel kultur 9/2022


ca. 109 %

01. August 2022

Preisentwicklung (gesamt) von

acht Kategorien anhand der

100 klickstärksten Produkte

pro Kategorie

Die moebel.de Einordnung: Das war tatsächlich ein sprunghafter Anstieg zum

1. August über die acht wichtigsten Kategorien hinweg. Die Vermutung

steht recht sattelfest, dass zum Monatsstart die neuen Hersteller-Preislisten

gegriffen haben und zu knapp fünf Prozent höheren Preisen geführt haben.

Die Verbraucher haben in der Haupturlaubsphase davon wohl nur wenig

mitbekommen.

Unserer Recherche nach gibt

der Handel bisher nicht die Preissteigerungen

in gleicher Höhe

weiter, wie es in den vorherigen

Wertschöpfungs stufen erzeugt

wird, um das Abwürgen des

Konsums zu verhindern. Alexander Wessels

dem Frühjahr bemerkbar macht. Bis

dahin verlief der Preisanstieg über

alle Kategorien hinweg kontinuierlich

und noch relativ milde.

möbel kultur: Bei Wohnwänden sind

die Preise seit Januar um 15 Prozent

gestiegen, was vor allem an den enormen

Sprüngen bei Holzwerkstoffen liegt.

Welche Auswirkungen könnte das auf die

Nachfrage haben?

Alexander Wessels: Natürlich ist zu

befürchten, dass sich der Preisanstieg

negativ auf das Konsumverhalten

auswirkt. Andererseits

bleiben 15 Prozent seit Januar im

Vergleich mit anderen Gütern wie

beispielsweise Lebensmitteln noch

im Rahmen und die Verbraucher

können eins und eins zusammenzählen:

Man muss kein Ingenieur

sein, um zu erahnen, dass bei der

Möbelproduktion bzw. bei der Spanplatten-Produktion

viele Rohstoffe

und viel Energie benötigt werden.

Bei dem jetzigen Preisniveau würden

wir aber noch nicht auf ein

Abwürgen des Einrichtungskonsums

schließen, zumal wir sehr

gespannt sind, wie sich die Preise

im Herbst entwickeln, wenn der

ein oder andere Händler eventuell

doch wieder auf Lockangebote setzt,

um Impulse zu schaffen. Erst recht,

wenn die Lager freigeräumt werden

müssen, weil im Winter die neuen

Kollektionen ausgeliefert werden,

die auf den Herbstmessen gezeigt

werden.

Aber um Ihren Aspekt der Spanplatte

noch einmal aufzugreifen:

Insgesamt wird sich aufgrund der

hohen Kosten in der Produktion,

die Frage nach der Marktfähigkeit

der Spanplatte stellen. Wenn das Gap

zwischen Spanplatte und Massivholz

immer kleiner wird, werden sich

viele Verbraucher wahrscheinlich für

die nur noch unwesentlich teureren

Massivholzmöbel entscheiden

wollen. Das hätte Auswirkungen auf

das gesamte Zerlegtmöbel-Segment.

möbel kultur: Bei Ihrer ersten Auswertung

zeigen sich durchaus ambivalente Entwicklungen.

Kommt es also beim Möbelkauf

der Endverbraucher künftig noch

mehr auf das richtige Timing an, um von

günstigen Preisen zu profitieren?

Alexander Wessels: In erster Linie

sehen wir die ambivalenten Entwicklungen

saisonal begründet

und dieses Phänomen hat es schon

immer gegeben. Schauen Sie sich

dazu einmal die Gartensortimente

an, deren saisonale Preisentwicklungen

absolut logisch nachvollziehbar

sind.

Andererseits sind die Verbraucher

aktuell wegen der Preiserhöhungen

in allen Bereichen sehr

sensibel. Und bei Möbeln haben

die Verbraucher:innen am Ende

nur ein „Gefühl für den richtigen

Preis“, denn wenn Sie einhundert

Menschen auf der Straße fragen,

wie viel eine Schrankwand kostet,

bekommen Sie sehr wahrscheinlich

einhundert verschiedene Antworten.

Das ist bei einem Stück Butter

anders. Insofern wäre die Branche

jetzt gut beraten, werthaltig zu vermarkten

und die höheren Preise

an entsprechende Qualitätsmerkmale

zu knüpfen. Das ist auch eine

Chance, solange das neue Preisgefüge

noch nicht steht.

möbel kultur: Warum werden Küchen bei

dem Gesamt-Preisindex nicht erfasst?

Alexander Wessels: Wir können bei

dem Gesamt-Preisindex nur die Sortimente

berücksichtigen, die auch

mit einem entsprechenden Verbraucherpreis

auf dem Portal gelistet sind.

Zum Hintergrund: Wir betreiben mit

unserem Küchen-Portal sehr erfolgreich

Lead-Generierung für unsere

Küchenpartner. Dabei werden bei

Interesse an einem Beratungsgespräch

alle dafür relevanten Informationen

vom Kunden gesammelt. Daraufhin

spricht unser Customer Service

mit dem Nutzer direkt einen Termin

ab und reicht diesen an das

Küchenstudio weiter. Ab dann ist

der Kunde aber in der Betreuung

des Händlers, was auch bedeutet,

dass der finale Preis zwischen dem

Küchenfachberater und dem Kunden

verhandelt wird. An diese Daten kommen

bzw. wollen wir gar nicht ran.

möbel kultur: Wie sind die Frequenzen

bei moebel.de aktuell? Merken Sie auf

der Plattform ein abflauendes Interesse

an Möbeln?

Alexander Wessels: Moebel.de ist ein

Abbild des Marktes und natürlich

registrieren wir, dass die Menschen

sich gerade mit Urlaub und

anderen Dingen beschäftigen. Wir

möchten hier vorerst aber nur auf

eine saisonale Phase schließen und

gehen davon aus, dass das Interesse

zum Herbst wieder zunehmen wird

und dass die Kunden wissen, wo sie

das vielfältigste und größte Möbel-

Angebot sichten und filtern können.

RITA BREER

Preisentwicklung Sofas & Couches

der 100 klickstärksten Produkte

120 %

115 %

110 %

105 %

100 %

95 %

90 %

01. JAN 22 01. FEB 22 01. MÄRZ 22 01. APRIL 22 01. MAI 22 01. JUNI 22 01. JULI 22 01. AUG 22

Die moebel.de Einordnung: Während Polstermöbel bisher noch mit verhaltenen Preissteigerungen

vermarktet wurden, kam es im August nun zu einer regelrechten Preisexplosion.

Seit Ende Juli sind die Preise um über zehn Prozent gestiegen. Es sieht aber so aus, als sei ein

Plateau zur Monatsmitte vorerst erreicht.

9/2022 möbel kultur 27


TOP-THEMA/MÖBELINDUSTRIE

„Wilde & komplexe

Gemengelage“

Jan Kurth, Geschäftsführer

der Verbände der deutschen

Möbelindustrie (VDM/VHK),

bleibt für das Gesamtjahr

verhalten optimistisch.

Trotz aller Herausforderungen

und Aufs und Abs

hat die deutsche Möbelindustrie

die letzten zwei

Pandemiejahre gut gemeistert.

Auch im ersten Halbjahr

2022 konnten die Her -

steller ein Plus von 13,4

Prozent auf 9,5 Mrd. Euro

verbuchen. Jetzt sei aber

noch ein Päckchen oben

drauf gekommen durch

den Ukraine-Krieg, der die

Störungen der Materialverfügbarkeiten

und Lieferketten

zusätzlich verschärft

habe, so VDM-Geschäftsführer

Jan Kurth.

+13,4 %

Umsatz 1. Hj.

+26 %

Export USA

+ 6-8 %

Prognose 2022

33 %

Exportquote

Es bleiben volatile Zeiten für die

deutsche Möbelindustrie. Von

einer Achterbahnfahrt sprach

VDM-Geschäftsführer Jan Kurth,

was die Lage treffend skizziert. Dem

Corona-Schock im Frühjahr 2020

folgte eine überraschend schnelle

Erholung, dann wurde die Möbelindustrie

durch den drastischen

Materialmangel ausgebremst mit

in der Folge steigenden Preisen.

Mit Ausbruch des Ukraine-Krieges

gerieten die Lieferketten nachhaltig

aus den Fugen, die Energieversor-

gung bleibt fragil und die Konsumneigung

der Endverbraucher:innen

u. a. aufgrund der hohen Inflation

schwer kalkulierbar.

Vor diesem Hintergrund kann die

deutsche Möbelindustrie mit einem

Umsatzwachstum von 13,4 Prozent

auf 9,5 Mrd. Euro im ersten Halbjahr

2022 sicherlich noch zufrieden

sein. Gleichwohl spiegele dieses Plus

im Wesentlichen die gestiegenen

Materialkosten wider, das mengenmäßige

Wachstum fiel wesentlich

geringer aus. Während der Heimatmarkt

in diesem Zeitraum um 13,8

Prozent zulegte, lief das Auslandsgeschäft

mit plus12,6 Prozent etwas

verhaltener. Und bereits im Juni

zeigte sich insgesamt eine deutlich

abgeschwächte Dynamik. Wobei Jan

Kurth zu Recht betonte, dass viele

Deutsche jetzt erst einmal in Urlaub

gefahren seien und zudem auch in

der Vergangenheit ein Sommerloch

in der Möbelbranche ein durchaus

gängiges Phänomen gewesen sei.

Für eine bessere Einordung: Bei

der Bewertung der aktuellen Ergeb-

28 möbel kultur 9/2022


nisse muss auf die Vorjahreswerte

verwiesen werden – die Umsätze der

deutschen Möbelhersteller legten im

ersten Halbjahr 2021 um insgesamt

4,1 Prozent zu. Der Inlandsumsatz

stieg damals um 1,1 Prozent und

der Auslandsumsatz um 10,7 Prozent.

Die aktuellen Umsätze deutscher

Möbelhersteller bewegen sich

sowohl im Inland als auch im Ausland

deutlich über dem Niveau des

Jahres 2019 und somit über den Vergleichswerten

vor der Corona-Krise.

Einmal mehr Motor des Wachstums

war die Küchenmöbelindustrie

mit einem kräftigen Umsatzanstieg

um 12,4 Prozent auf rund 3,2 Mrd.

Euro. Den höchsten Sprung registrierten

die Hersteller von Polstermöbeln,

deren Umsätze von Januar bis

Juni 2022 um 19,1 Prozent auf 577

Mio. Euro zulegen konnten. Auch die

Entwicklung beim größten Segment

der Möbelindustrie – den sonstigen

Möbeln (darunter Wohn-, Ess- und

Schlafzimmermöbel) sowie Möbelteilen

– fiel mit plus 17,1 Prozent

auf 3,3 Mrd. Euro positiver aus

als im Branchendurchschnitt. Das

kleinste Segment der Branche – die

Matratzenindustrie – vermeldete

dagegen ein Minus in Höhe von

7,1 Prozent auf 336 Mio. Euro.

In Summe positiv tendierten

auch die ausländischen Aktivitäten

– vor allem in Europa. „Besonders

erfreulich und nicht unbedingt zu

erwarten war die Steigerung der

Ausfuhren ins Vereinigte Königreich

mit einem kräftigen Plus von 17

Prozent auf gut 280 Mio. Euro. Der

britische Markt erlebte nach der

Unterzeichnung des Handelsabkommens

mit der EU ein fulminantes

Comeback und entwickelte sich zum

fünftwichtigsten Exportmarkt der

deutschen Möbelindustrie“, freute

sich Jan Kurth. Frankreich belegt

nach wie vor Platz eins im Ranking

der wichtigsten Exportmärkte mit

einem leichten Minus von 2,8 Prozent

auf 709,7 Mio. Euro, gefolgt

von der Schweiz mit plus 3 Prozent

(615,8 Mio. Euro), Österreich

mit minus 3,4 Prozent (530,3 Mio.

Euro) und den Niederlanden mit

plus 11,6 Prozent (509,7 Mio.

Euro). Positiv zudem, dass auch in

anderen wichtigen europäischen

Exportmärkten wie Italien, Spanien,

Polen, Tschechien und Norwegen

ein deutliches Wachstum verzeichnet

wurde.

Bei den Märkten außerhalb Europas

gab es jedoch ambivalente Entwicklungen.

Besonders positiv war

aus Branchensicht, dass die USA

nach der Überwindung der Folgen

der Corona-Krise wieder die Rolle

des internationalen Konjunkturmotors

im Möbelbereich übernahmen

– die deutschen Möbelexporte

über den Atlantik kletterten

von Januar bis Juni 2022 um stolze

25,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr

auf gut 145 Mio. Euro. Damit

wies der US-Markt die höchste

Steigerungsrate unter den wichtigsten

Exportmärkten der deutschen

Möbelindustrie auf. China

bleibt zwar auch im Jahr 2022 der

zweitwichtigste außereuro päische

Exportmarkt für deutsche Möbel,

jedoch gingen die Ausfuhren ins

Reich der Mitte im ersten Halbjahr

um 10,4 Prozent auf 74,6 Mio. Euro

zurück. Ursächlich hierfür war nicht

zuletzt die strenge Null-Covid-Strategie

der chinesischen Regierung,

die das Wirtschaftswachstum negativ

beeinträchtigt und erhebliche Reiseeinschränkungen

zur Folge hat.

Der russische Angriffskrieg gegen

die Ukraine führte seit Ende Februar

dazu, dass viele deutsche Möbelhersteller

ihre Geschäftsaktivitäten

in Russland ganz oder teilweise

einstellten. In der Folge brachen

die deutschen Möbelexporte nach

Russland im bisherigen Jahresverlauf

um 29 Prozent ein. Dagegen

entwickelte sich Saudi-Arabien vor

dem Hintergrund der politischen

und wirtschaftlichen Öffnung

des Landes ausgesprochen positiv

(+18,7 %), wenngleich sich die

Ausfuhren in das Land noch auf

einem relativ niedrigen Niveau

bewegen. Die Industrieexportquote

– dies ist der Anteil der von

den heimischen Möbelherstellern

direkt ins Ausland gelieferten Ware

am Gesamtumsatz der Branche – lag

im ersten Halbjahr 2022 infolge des

höheren Wachstums des Inlandsmarktes

bei 33 Prozent und damit

geringfügig unter dem Niveau des

Vorjahres.

Die deutschen Möbelimporte

legten im ersten Halbjahr 2022 kräftig

um 13,5 Prozent auf 5,8 Mrd.

Euro zu. Die Dynamik in den einzelnen

Ländern zeigte sich jedoch sehr

uneinheitlich: Mit einem Zuwachs

von 24,1 Prozent auf knapp 1,9

Mrd. Euro stiegen die Einfuhren aus

China überdurchschnittlich stark.

Allerdings lag das Wachstum des

Importwerts überwiegend an der

deutlichen Verteuerung von Möbeln

aus chinesischer Produktion – die

Importmenge ging im gleichen

Zeitraum um 8,6 Prozent zurück.

In Bezug auf den Importwert baut

China, dessen Anteil an den Gesamtimporten

bei 32,1 Prozent liegt,

seine Position als wichtigstes Möbelherkunftsland

vor Polen (+10,6 %)

weiter aus. Der Anteil Polens an den

Gesamtimporten ging auf 26,2 Prozent

zurück. Die Importe aus dem

drittplatzierten Italien reduzierte

sich leicht um 0,5 Prozent auf 228

Mio. Euro mit einem Anteil von 3,9

Prozent an den Gesamtimporten.

Noch mehr Daten

und Fakte über die

Möbelindustrie

gibt es in unserem

Statistik Special

auf S. 33.

9/2022 möbel kultur 29


TOP-THEMA/STATISTIK-EXTRA

Daten & Fakten

in der Möbelindustrie

Möbelindustrie

Insgesamt sind bundesweit knapp 100.000 Mitarbeitende

in 996 Betrieben der Möbelindustrie

beschäftigt. Allein in NRW sind es 31.659 und damit

1,3 Prozent mehr als im Vorjahr.

Zahl der Beschäftigten

in der Möbelindustrie insgesamt 2021

in Deutschland

97.124

(–2,1 % ** )

Zahl der Betriebe

in der Möbelindustrie insgesamt 2021

in Deutschland

996

(–0,1 % ** )

In den aktuell volatilen Zeiten kommt es mehr denn je darauf an,

Prognosen auf aussagefähiges Datenmaterial zu stützen. Gemeinsam

mit den Verbänden der Holz- und Möbelindustrie Nordrhein- Westfalen

gibt die „möbel kultur“ deshalb erneut und exklusiv das

24-Seiten-starke Extra „Statistik“ heraus. Hier finden sich aktuelle

Daten zu den Umsätzen der Möbelindustrie, den Auftragseingängen,

den Entwicklungen im Im- und Export, der Zahl der Beschäftigen und

dessen Altersstruktur sowie zur Möbelhochburg Ostwestfalen-Lippe.

Zudem gibt es eine Umfrage zu den derzeitigen Herausforderungen,

die die Industrie am stärksten umtreibt. Denn in der Unsicherheit

braucht die Branche Fixpunkte, an denen sie sich orientieren kann

und die dabei helfen, daraus Schlüsse für die Zukunft zu ziehen.

Küche

Die Küchenmöbelindustrie ist der Wachstumsmotor für die gesamte Branche. Das

spiegelt sich auch in der Zahl der Beschäftigten wieder, die weiter zulegen konnte.

Zahl der Beschäftigten

in der Küchenmöbelindustrie insgesamt 2021

in Deutschland

18.716

(+6,9 % ** )

&

Zahl der Betriebe

in der Küchenmöbelindustrie insgesamt 2021

in Deutschland

75

(+7,1 % ** )

*

Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten. **Zum Vorjahr. Quellen: IHK Bielefeld, IHK Detmold, IT.NRW, Statistisches Bundesamt, VHK Herford

32 möbel kultur 9/2022


ZKZ 4937

9 I 2022

SPECIAL

WESTFALEN

Messe-Preview

Neuheiten-Stopps

mit Mehrwert

Top: Der aktuelle Guide mit allen

Messezentren und Showrooms

Foto: Dunlopillo

/// M.O.W.: Nah am Markt /// Actona Group: Übernahmen pushen die Polsterkompetenz

/// Dunlopillo: Mit smarter Schlaf-Technologie /// Zuiver: Nachhaltige Strategie ///

Trendteam: „Jetzt schlägt die Stunde der Importeure“ /// Möbelmeile: Neue Kampagne


WESTFALEN

Foto: DFoto: www.freepik.com/Yacht photo created by v.ivash

Auf Kurs bleiben

Es ist ein unsicheres Fahrwasser, in dem sich die Möbelbranche

aktuell befindet. Ukraine-Krieg, Rohstoffknappheit, Corona-Pandemie,

lange Lieferzeiten, Inflation, steigende Energiekosten und nicht zuletzt

die Konsumrückhaltung der Verbraucher:innen machen es den Unternehmen

nicht leicht, positiv gestimmt in die Zukunft zu blicken. Und

dennoch stecken sie den Kopf nicht in den Sand, sondern versuchen

mit nachhaltigen Prozessen, frischen Entwicklungen und neuen PoS-

Konzepten Begehrlichkeiten zu wecken und die Lust am Einrichten

auf einem hohen Niveau zu halten. Geteilt werden diese Ideen jetzt

wieder auf den Herbstmessen, die mit Spannung erwartet werden.

Wie wichtig und gefragt diese sind, zeigt ein Blick auf die Buchungsstände

und Aktionen: Die M.O.W. meldet mit über 500 Ausstellern aus

41 Nationen einen neuen Rekord im Messezentrum Bad Salzuflen. Mit

einem Auslandsanteil von 60 Prozent ist zudem die Internationalität

nochmals gestiegen. Neuaussteller gibt es auch im Informa Messezentrum.

Rom aus Belgien und Leu aus der Schweiz lassen die Anzahl

der teilnehmenden Firmen vor Ort auf 15 steigen. Auf der Möbelmeile

feiern Sudbrock und Thielemeyer ihr 100-jähriges Bestehen. Nicht zu

vergessen sind die zahlreichen Showrooms der westfälischen Hersteller,

die zeitgleich zur M.O.W. ihre Türen öffnen und Händlern wie

Verbänden frischen Input für die kommende Saison liefern – ebenso

wie ausreichend Gelegenheit, sich auszutauschen und zu netzwerken,

um gemeinsam auch in stürmischen Zeiten Kurs zu halten.

Top-Themen

in diesem Westfalen-Special:

Messezentren: Stopps mit

Mehrwert

M.O.W.: Nah am Markt &

voller Einsatz

Actona Group: Übernahmen

pushen Polsterkompetenz

Dunlopillo: Smarte

Schlaf-Technologie

Trendteam: „Jetzt schlägt

wieder die Stunde der

Importeure“

ZUM TITEL

Mit „Motion“, dem ersten smarten Sortiment

aus drei Schlafprodukten setzt Dunlopillo einen

weiteren Meilenstein in Sachen Innovation.

9/2022 möbel kultur 45


WESTFALEN

POLIPOL

DIEPENAU

LÜBBECKE

TANJA MEISE

MINDEN

HÜLSTA

KIRCHLENGERN

MEISE

COTTA GROUP

M.O.W.

FORTE

HERFORD

HOMETREND +

FORESTDREAM

INFORMA

WERTHER

INTERIOR

DAYS OWL

BIELEFELD

BAD SALZUFLEN

BEGA

DETMOLD

LÜGDE

MÖBELMEILE

STEINHEIM

RHEDA-

WIEDENBRÜCK

An zahlreichen Stationen

in Ostwestfalen können

Fachbesucher:innen wieder

interessante Neuheiten

entdecken und sich für die

kommende Einrichtungs-

Saison inspirieren lassen.

RIETBERG

PADERBORN

BAD DRIBURG

HÖXTER

M.O.W.

Termin: 18. bis 22. September 2022

Öffnungszeiten: Sonntag bis Mittwoch 9-18 Uhr, Donnerstag 9-16 Uhr.

Messegelände: Messezentrum Bad Salzuflen mit knapp 85.000 qm Hallenfläche, die komplett belegt ist.

Weitläufiges Areal mit diversen Eingängen und großzügigem Außengelände. Alle 17 Hallenbereiche sind geöffnet.

Aussteller: Über 500 Aussteller aus 41 Nationen mit breiter Angebotspalette aller Warengruppen für

konventionelles Wohnen, Mitnahme, JuWo/SB und Online sowie die 360 Grad Plaza mit Dienstleistern für die

Möbelbranche.

Besucherregistrierung: Fachbesucher:innen werden gebeten, sich vorab unter www.mow.de anzumelden.

Online-Angebote: Online-Einträge der Aussteller mit Informationen zu Unternehmen, Ansprechpartner:innen,

Warengruppe, Vertriebsform und Herkunft, interaktive Hallenpläne, Wegweiser zum

Download und als Blätterkatalog, Online-Registrierung sowie Online-Hotelbuchung.

www.mow.de

Verwaltung/Postanschrift: Benzstraße 23, 32108 Bad Salzuflen

Zentralparkplatz: Heerserheider Str. 2, 32107 Bad Salzuflen

Foto: M.O.W.

46 möbel kultur 9/2022


Stopps mit

Ein heißer Messeherbst steht

vor der Tür. In Ostwestfalen

öffnen neben der M.O.W.

zahlreiche Hersteller ihre

Showrooms, um mit nachhaltigen

Entwicklungen der

Konsumflaute entgegenzuwirken

und dem Handel

nützliche Instrumente zur

Schaffung neuer Begehrlichkeiten

an die Hand zu geben.

Wer wann und wo seine Neuheiten

präsentiert, zeigt die

Übersicht der „möbel kultur“.

Mehrwert

9/2022 möbel kultur 47


WESTFALEN

Actona Group: Neue Wachstumsstrategie

Übernahmen pushen die

Polsterkompetenz

Mit Spannung wird der Auftritt der Actona Group auf der diesjährigen M.O.W. erwartet. Denn durch die Übernahmen von

Theca und Sits, die ebenfalls in Bad Salzuflen ausstellen, hat das zur Lars Larsen Group gehörende Unternehmen seine

Polsterkompetenz gestärkt. Und gleichzeitig angekündigt, seine Position durch weitere Übernahmen ausbauen zu wollen.

Jimmi Mortensen,

CEO der Actona Group,

die zur Lars Larsen

Group gehört (r.),

hat eine ehrgeizige

Wachstumsstrategie

herausgegeben.

Foto: Ole Mortensen, Grafiken: Lars Larsen Group

Ehrgeizige Ziele hat sich die

Actona Group gesteckt: Nachdem

sie für das Geschäftsjahr

2021 ein Rekordergebnis von

2,34 Mrd. DKK (ca. 314,6 Mio.

Euro)verbuchen konnte, gab sie

gleichzeitig neue Wachstumspläne

bekannt. So will sie ihre Polsterkompetenz

ausbauen und dafür

entsprechende Hersteller übernehmen.

Das Polster- Segment ist einer

der zentralen Geschäftsbereiche des

Unternehmens, das zur Lars Larsen

Group gehört. Um diesen weiter

auszubauen, strebt es nach eigenen

Angaben insbesondere den Kauf

von Firmen an, die hauptsächlich in

Nord- und Südeuropa produzieren.

Actona selbst betreibt Fertigungsstätten

in der Ukraine und China.

Den ersten Schritt in Richtung

Wachstum unternahm der Konzern

Anfang des Jahres mit der Übernahme

von Theca. Das dänische

Unternehmen fertigt seine Sofas

und Ruhesessel in eigenen Fabriken

in Litauen. „Die Übernahme

von Theca ist die erste von einer

erwarteten Reihe von strategisch

wichtigen Übernahmen, die sowohl

unsere Innovations- und Produktionskompetenzen

stärken als auch

unsere Kapazität erheblich steigern

werden. Polster sind die größte

Produktkategorie auf dem Möbelmarkt

und daher ist es uns wichtig,

sowohl durch Akquisitionen als

auch durch organisches Wachstum

kontinuierlich zu wachsen“, sagt

Jimmi Mortensen, CEO der Actona

Group. Theca hatte im vergangenen

Geschäftsjahr einen Umsatz von

rund 0,5 Mrd. DKK (ca. 67,2 Mio.

Euro) erwirtschaftet.

„Mit der Übernahme von Theca

erhalten wir zusätzliche Kompetenzen

und Kapazitäten. Wir werden

auch einen Synergieeffekt über die

Fabriken hinweg schaffen können.

Die Gründung einer Polstersparte

mit einem Umsatz von mehr als

einer Milliarde DKK (ca. 134,3 Mio.

Euro) – der während des Strategiezeitraums

verdoppelt werden soll

– eröffnet mehrere neue Möglichkeiten.

Wir werden in der Lage sein,

für ein breiteres Kundenportfolio

zu produzieren und den Polstermarkt

noch besser abzudecken“,

führt Mortensen fort.

Die neue Polstersparte verantwortet

seit der Übernahme Claus

Svenningsen, CEO von Theca, der

damit gleichzeitig dem Managementteam

der Actona Group beitrat.

Der Hauptsitz von Theca bleibt

im dänischen Risskov. Auch für die

Mitarbeiter:innen des Labels geht es

wie gewohnt weiter, da Theca und

Actona als zwei separate Marken

angeboten werden. Ebenso bleibt die

Theca-Marke Flexlux eigenständig.

Gleiches gilt für Sits. Bei dem

Unternehmen, dessen Hauptsitz

und Produktionsstätten sich in und

um Brodnica in Nordpolen befinden,

hat die Actona Group Mitte

Juni zugeschlagen. „Es ist kein

Geheimnis, dass wir die Messlatte

hoch gelegt haben, mit unserem

54 möbel kultur 9/2022


Die Weltkarte der Actona

Group: Durch die Übernahme

von Theca und Sits konnte

die Gruppe die Anzahl ihrer

Produktionsstätten in Europa

deutlich erhöhen.

finanziellen Ziel, unser Geschäft

innerhalb weniger Jahre zu verdoppeln“,

sagt der CEO der Actona

Group, Jimmi Mortensen. „Sits kann

der Gruppe starke Kompetenzen

und neue Wachstumsmöglichkeiten

einbringen, die unser bestehendes

Geschäft und unsere zukünftigen

Wachstumspläne ergänzen.“

Sits wurde 1993 von Erik und

Marianne Näsström gegründet.

Heute beschäftigt das Unternehmen

rund 2.000 Mitarbeiter:innen

und ist in mehreren europäischen

Ländern, darunter Dänemark und

Deutschland, aktiv.

„Mit Sits im Portfolio sind wir

in der Lage, unsere Polstersparte

erheblich zu stärken und eine Reihe

von Synergien in der gesamten

Gruppe zu schaffen, wie z. B. eine

effizientere Produktion, eine bessere

Materialbeschaffung, erweiterte Vertriebskanäle

und eine erhöhte Kapazität“,

führt Jimmi Mortensen fort.

Und Erik Näsström ergänzt: „Die

Familie freut sich sehr, für Sits ein

neues Zuhause mit ähnlichen Werten

wie Wertschätzung der Mitarbeiter

und faires Wirtschaften gefunden

zu haben. Wir danken allen unseren

Kollegen, Kunden und Lieferanten

für 30 gemeinsame Jahre und freuen

uns darauf, die Entwicklung von Sits

als Teil der Actona Group zu verfolgen.

Wir sind sicher, dass beide

Unternehmen davon profitieren und

ein großer Erfolg werden!“

Die Wettbewerbsbehörden müssen

die Übernahme noch genehmigen.

Grünes Licht wird in den

kommenden Monaten erwartet.

DORIS SCHMIDT

www.actonagroup.com

Anzeige

Teppiche Lalee OHG | Am Langen Graben 28B | 52353 Düren | Germany | info@lalee.de


WESTFALEN

Trendteam: Ralf Müller im Interview

„Jetzt schlägt wieder die

Stunde der Importeure“

Es sind bewegte Zeiten für den Möbel-Import. Das gilt selbst für einen erfahrenen

Einkaufs-Pionier wie Ralf Müller, Inhaber und Geschäftsführer von Trendteam und

Inter-Furn aus Steinheim. Nachdem es auch im Unternehmen selbst einige personelle

Veränderungen gegeben hat, ist das Unternehmen nun gut aufgestellt, um den Herausforderungen

am Markt zu begegnen – mit neuen Sourcing-Regionen, neuen Vertriebsleuten

und einem neuen digitalen Auftritt.

FACTS

❯ Trendteam GmbH & Co. KG +

Inter-Furn Möbelhandels

GmbH & Co. KG

Finkenstraße 8-10

32839 Steinheim

❯ Geschäftsführer: Ralf Müller

❯ Mitarbeitende: 80, davon 20 in Polen

❯ Warengruppen: Wohn- und

Esszimmer, Media, Badezimmer,

Garderobe, Kommoden,

Babyzimmer, Jugendzimmer

www.trendteam.eu

möbel kultur: Herr Müller, im Import-

Geschäft ist einiges in Bewegung – wahrscheinlich

so sehr wie lange nicht. Bei

einem der Bega-Hauptlieferanten steigt

die Lutz-Gruppe ein. Reality ist in Turbulenzen

geraten. Was ist da los?

Ralf Müller: Es ist eine fordernde

Zeit für den Möbel-Import. Die

Auftragseingänge sind seit Ende

April spürbar rückläufig und auf

der anderen Seite müssen wir uns

ständig damit beschäftigen, dass

Lieferketten gestört sind. Und dass

Trendteam von dem Krieg in der

Ukraine besonders betroffen ist,

ist bekannt, weil die Ukraine einer

unserer wichtigsten Beschaffungsmärkte

war – und noch immer ist.

möbel kultur: Wie ist die Lage in der

Ukraine aktuell?

Ralf Müller: Wie wir angekündigt

haben, arbeiten wir weiter mit

unseren zehn Lieferanten zusammen

und entwickeln gemeinsam

neue Modelle für die M.O.W. Dennoch

ist die Lage angespannt. Es

kommt immer wieder vor, dass

Luftalarm ausgelöst wird. Dann ist

an Normalbetrieb selbstverständlich

nicht zu denken. Das verkompliziert

das Reisen, die Produktion und den

Transport.

möbel kultur: Ikea hat laut Aussage des

ukrainischen Industrieverbands alle

Aufträge storniert – zum Schutz der

Die Steinheimer Basis:

Hier arbeiten 60 der 80

Mitarbeitenden. Das

Warenlager wird aber

in Polen betrieben.

60 möbel kultur 9/2022


Mitarbeiter:innen in den Fabriken. Sind

dadurch günstige Kapazitäten auf den

Markt gekommen?

Ralf Müller: Darum geht es in der

Ukraine für mich gerade gar nicht.

Unsere bestehenden Lieferanten

können sich unserer Solidarität

ganz sicher sein. Aber ich kann den

Einkauf dort nicht intensivieren,

weil das kein vernünftiges Risikomanagement

wäre.

möbel kultur: Können Sie das noch präzisieren?

Wie stark sind Sie von der ukrainischen

Industrie abhängig?

Ralf Müller: Wir haben sogar schon

mal 50 Prozent unseres Ordervolumens

in der Ukraine abgedeckt

und haben daher entschieden, Kontingente

umzuschichten, denn das

Risiko ist angesichts der ungewissen

Zukunft in dem Land zu groß.

Und denken Sie bitte daran, dass

wir auch in Weißrussland Lieferanten

hatten. Zu Beginn des Krieges

war es noch möglich Möbel

von dort zu beziehen, aber das ist

mittlerweile so gut wie unmöglich

geworden. Unsere Handelspartner

wollen oder dürfen auch keine

Ware mehr von dort beziehen.

möbel kultur: Zeigt der Handel aber

generell Verständnis für die Verwerfungen

am Markt und somit auch für die

Preissteigerungen?

Ralf Müller: Ich drücke es mal so aus:

Der Markt entwickelt sich rückläufig

und die Preise nach oben. Das ist

sicher keine glückliche Konstellation,

zumal sich die Lage in diesem

Sommer verfestigt hat.

möbel kultur: Sie sind in ganz unterschiedlichen

Vertriebskanälen aktiv. Gibt

es aktuell Unterschiede in den Sparten

Discount, Großfläche, LEH, E-Commerce?

Ralf Müller: Nein, wir sehen in allen

Bereichen wenig Bewegung. Aber das

überrascht mich auch nicht. Oberste

Priorität hatte in diesem Sommer der

Urlaub, denn nach zwei Jahren Pandemie

wollten die Menschen wieder

raus. Und im Alltag geht es um die

gestiegenen Lebenshaltungskosten.

Die Politik sorgt mit den düsteren

Energieprognosen für den Winter

auch nicht für Zuversicht.

möbel kultur: Das betrifft vor allem das

untere Einkommenssegment. Wird es

einen Discount im bisherigen Sinne noch

geben?

Ralf Müller: Aktuell ist es schwierig die

Differenzierung aufrecht zu erhalten.

Verjüngung im (Trend-)Team: Gerade im digitalen Bereich und im Export hat sich das

Unternehmen mit frischen Kräften verstärkt.

Für die Lieferanten

gesprochen sehe ich das

als Alarmsignal, dass

Ikea die Preise so stark

anhebt.

möbel kultur: Warum ist das so? Wie ist

die Situation im Wareneinkauf für Sie?

Ralf Müller: Das Preisniveau ist weiter

sehr hoch und es ist auch nicht

abzusehen, dass sich die Preis spirale

kurzfristig wieder zurückdreht.

Denn jetzt beginnt die Phase der

Lohnerhöhungen, was sich weiter

auf die Logistik auswirkt, wo die

Preise ohnehin schon explodiert

sind. Das liegt nicht nur an den

gestiegenen Diesel-Preisen, sondern

auch an regulatorischen Maßnahmen

aus Brüssel. Es gibt neue

Arbeitszeitgesetze, welche die Logistik

deutlich verteuern. Das summiert

sich in Polen pro Fahrer auf Mehrkosten

zwischen 600 und 800 Euro

pro Monat.

möbel kultur: Ikea hat die Preise ebenfalls

kräftig erhöht, bei einigen Produkten

sogar verdoppelt. Und das, obwohl Ikea

die Wertschöpfung sehr stark vertikalisiert

hat. Ist das eine Chance, Ikea die

Preisführerschaft abspenstig zu machen?

Ralf Müller: Im Gegenteil. Ich bewerte

das eher als ein Zeichen, dass wir

Ralf Müller

als Importeure die Preise noch deutlicher

anheben müssten, um wirtschaftlich

agieren zu können. Für die

Lieferanten gesprochen sehe ich das

als Alarmsignal, dass Ikea die Preise

so stark anhebt.

möbel kultur: Wohin verlagern Sie den

Einkauf?

Ralf Müller: Trendteam ist weltweit

vernetzt, aber natürlich hat sich

gezeigt, dass wir uns zu abhängig

von Osteuropa gemacht haben.

Nicht erst durch den Krieg, sondern

auch schon während Corona,

als wir viele Engpässe bei der Ware

aus Osteuropa gesehen haben.

Wir schauen beispielsweise in

ganz Südamerika nach Ware, auch

wenn die Containerpreise von dort

ebenfalls hoch sind. Die brasilianische

Kiefer hat aber schon seit 20

Jahren eine Bedeutung für uns.

möbel kultur: Wie bewerten Sie China?

Ralf Müller: Wissen Sie, ich bin beruflich

zu meinen Welle-Zeiten in

China großgeworden. Ich habe dort

nach wie vor ein gutes Netzwerk und

telefoniere jede Woche mit meinen

Kontaktleuten. Die Preise, die dort

gerade gemacht geboten werden,

sind ohne Zweifel wettbewerbsfähig.

Aber der Transport verteuert

die Ware so sehr, dass sich diese hier

aktuell nicht verkaufen lässt.

Zudem sind die Quarantäne-Vorschriften

so streng, dass das Land

quasi abgeschottet ist. Und nun

kommt auch noch der schwache

Euro-Kurs dazu, der den Einkauf

in US-Dollar teurer macht. China

ist aktuell für uns kein geeigneter

Einkaufsmarkt.

möbel kultur: Es ist wirklich nicht einfach

gerade...

Ralf Müller: Schon, aber eines ist doch

auch ganz klar. Wir sind als Importeur

gefragt, Lösungen für diese dramatischen

Umbrüche am Markt zu

finden. Das ist unsere Existenzberechtigung.

Und gerade sind wir so

gefordert wie lange nicht mehr. Man

kann es aber auch positiv wenden:

Jetzt schlägt wieder die Stunde der

Importeure.

möbel kultur: Machen Ihnen die großen

Handelsketten mit ihren Direktimporten

nicht zusätzlich das Leben schwer?

Ralf Müller: Diese Bemühungen waren

nicht zu übersehen, allein schon

weil man den Einkäufern auf den

asiatischen Messen begegnet ist.

Allerdings ist das eher ein Phänomen

in normalen Zeiten, wenn das

Importgeschäft nicht so kompliziert

ist. Nicht jeder Konzern schickt seine

Einkäufer gerade in die Ukraine oder

nach China. Das ist unsere Rolle,

dafür sind wir die Spezialisten.

9/2022 möbel kultur 61


ZKZ 4937

9 I 2022

SPECIAL

KÜCHE

Messeherbst Ostwestfalen

Wo frische

Ideen reifen

→EXTRA-SERVICE:

Alle Messezentren rund

um die Küchenmeile

Foto: Blanco

/// Beckermann: Mehrwert in Losgröße 1 /// Carat: Viel Zukunft in der Cloud /// Bonial:

Exklusivumfrage zur Nachhaltigkeit /// Petsch: Vom Zehnkämpfer zum Spezialisten ///

Kvik: Schneller im grünen Kreislauf /// Asensu: Anker setzen mit „Unique Content“


KÜCHE

Foto: Trendfairs / Sascha Bartel

Echte Vorfreude in Krisenzeiten

Endlich wieder eine „normale“ Ostwestfalen-Ausnahmezeit. Fünf Tage Küche satt:

über Fronten streicheln, Gerätefeatures bestaunen, vor allem aber auch vertraute

Menschen mal wieder live und maskenlos zu sprechen. Von morgens bis spät abends

– schön, dass MHK wieder einlädt – von einem Küchenhersteller zum nächsten

Ausstellungszentrum und überall gibt es so viel Neues zu sehen, dass die Zeit rast.

Das ist Terminstress, wie ich ihn in Corona-Zeiten vermisst habe.

Ein Wermutstropfen ist die Gewissheit, aus Zeitgründen nicht allen Ausstellern

gerecht werden zu können, obwohl wir von der „möbel kultur“ in voller Stärke unterwegs

sein werden. Bei allen 177 Unternehmen rund um die Küchenmeile vorbeizuschauen,

das werden wir leider kaum schaffen.

Wie der Alltag beim Küchenkauf aussieht, habe ich im vergangenen Jahr erlebt. Ich

habe zwei befreundete Ehepaare, die nach 25 Jahren bzw. für ihre Neubauwohnung

durchaus Geld ausgeben wollten, aus der Ferne beratend begleitet. Natürlich muss

jede:r die Planung am Computer lernen, doch es ist schade, wenn sie zum echten

Geduldsspiel wird, sobald eine andere Veränderung gewünscht wird. Und leider

fühlte sich ein Ehepaar vom Ansatz eines Küchenstudios, die Erstberatung mit verfügbaren

E-Geräten zu starten, vor den Kopf gestoßen. Pech für diesen Verkäufer,

dass sie nicht den erwarteten Zeitdruck hatten. In keinem Fall klappte der Einbau

dann im ersten Anlauf komplett, und das hatte keineswegs mit nicht lieferbaren

E-Geräten zu tun. Warum nie im zuerst besuchten Küchenstudio bzw. Möbelgeschäft

gekauft wurde, hatte auch noch andere Gründe.

Bleibt zu hoffen, dass in Ostwestfalen die Produktneuheiten der Küchenbranche im

Fokus stehen und ihnen nicht die Show durch Lieferprobleme oder Inflationsängste

gestohlen wird, die natürlich nicht wegzudiskutieren sind.


SUSANNE KRAFT

Top-Themen

in diesem Küchen-Special:

Carat-Interview: Viel Zukunft

in der Cloud

Beckermann: Mehrwert in

Losgröße 1

Bonial-Umfrage zu Nachhaltigkeit:

Spitzenwert für

Langlebigkeit

AMK-Länderworkshop: Wild

auf Südafrika

Petsch: Vom Zehnkämpfer

zum Spezialisten

Kvik: Schneller im grünen

Kreislauf

Küchenherbst: Alle Stationen

mit Öffnungszeiten und

Anmeldeinformationen

Hardeck: Planung mit

Wow-Effekt

Asensu: Anker setzen mit

„Unique Content“

Titel: Blanco stellt zur Messe auf Gut Böckel

eine neue Generation der „Blanco Unit“ vor.

9/2022 möbel kultur 81


KÜCHE

Carat: Was der digitale Umbruch bedeutet

Viel Zukunft in der Cloud

Nach dem Abschied der beiden Geschäftsführer Gerhard Essig und Norbert Michael in den Ruhestand bilden

seit einem Jahr Andreas Günther und Andreas Joost das Tandem an der Spitze. Zur Herbstmesse auf Gut Böckel

kündigen beide nun ein neues „Look & Feel“ an, verbunden mit einigen Innovationen. Und es geht munter weiter.

Wie rasant Digitalisierung mit Cloud und „KI“ den Geschäftsalltag im Küchenhandel verändert und über aktuelle

Herausforderungen sprach die „möbel kultur“ mit dem neuen Chef-Duo.

Vorbildliche Stabübergabe:

Offiziell seit Sommer 2021 bilden

Andreas Joost und Andreas

Günther (v.l.) die Führungsspitze

bei Carat. Doch beide verfügen

schon über viele Jahre Erfahrung

bei der MHK-Softwaretochter.

Joost kam durch die Übernahme

von Orgadata ins Unternehmen

(2001), Günther ist seit 2011 im

Vertriebsmanagement.

möbel kultur: Sie beide, Herr Günther und

Herr Joost, sind jetzt schon seit letztem

Sommer das neue Geschäftsführerduo und

schon viele Jahre bei Carat. Wie haben Sie

die Verantwortung unter sich aufgeteilt?

Andreas Joost: Die grundsätzliche Aufteilung

haben wir von Gerhard Essig

und Norbert Michael übernommen.

Der Kollege Günther verantwortet die

Kundenschnittstelle, also die Bereiche

Vertrieb, Marketing, Support und

Academy, während ich für die Softwareentwicklung

sowie den Datenbereich

zuständig bin.

Andreas Günther: Wir treten heute

als Tandem nach außen auf, weil

wir ja auch über unterschiedliche

Qualifikationen verfügen. Darüber

hinaus wurde noch eine weitere

Management-Ebene etabliert – das

Product Owner-Team. Dies sind

sechs Experten für verschiedene

Skills, wie Market Research, Marketing,

Key Account, Webentwicklung,

Datenqualität und das breite Feld der

Applikationen. Wir sind hier jetzt

sehr agil organisiert und haben das

gesamte Unternehmen Carat noch

stärker auf die Kundenbedürfnisse

ausgerichtet.

möbel kultur: Carat war schon immer sehr

agil. Was ist für Sie die größte Veränderung,

die Sie miterlebt haben?

Andreas Joost: Neben den zahlreichen

Innovationen der letzten Jahre zählt

sicher die schnelle Verfügbarkeit der

Daten dazu. Früher wurden die Daten

der jeweiligen Hersteller ein bis

zwei Mal im Jahr aktualisiert, heute

geschieht dies fast monatlich. „Just

in time“ ist für uns selbstverständlich

geworden. Selbst wenn Fehler in der

Artikelerfassung auftauchen sollten,

werden diese in der Regel noch am

selben Tag korrigiert – damit der

Handel immer auf dem aktuellsten

Stand ist und Fehler möglichst vermieden

werden. Dies stellt heute vor

allem die Anbindung an die Cloud

sicher.

Andererseits bleiben wir natürlich

abhängig von der Industrie, dass sie

die Informationen frühzeitig liefert.

Andreas Günther: Grundsätzlich wissen

natürlich auch die Hersteller, wie

wichtig die Qualität der Daten für

alle ist. Denn Fehler multiplizieren

sich mit fatalen Auswirkungen. Hier

hat sich in der Abstimmung wirklich

sehr viel verbessert. Ein gutes

Beispiel hierfür ist das aktuell mit

Bosch durchgeführte Projekt, in dessen

Rahmen wir die elektro nische

Hauspreisliste direkt an unser Planungsprogramm

angebunden haben.

Hierbei entsteht ein Riesenvorteil

für die Carat-Nutzer, weil alle Produktinformationen

in Echtzeit verfügbar

werden. Genauso haben wir

kürzlich in Zusammenarbeit mit der

Küchenindustrie die Herausforderung

gestemmt, auch Wohn- und

Badmöbel für den Handel einfach

planbar zu machen. Wenn neue Produktsortimente

am POS nicht einfach

planbar sind, werden diese schließlich

im Handel auch nicht verkauft.

möbel kultur: Kann man heute genauso

Bäder und Wohnräume mit Carat planen?

Andreas Joost: Alles, was die Küchenindustrie

in Form von Sets anbietet,

können wir auch in die Planung

einbringen.

Andreas Günther: Dies gehört zu den

Dingen, die wir lernen mussten.

Denn bei den Sets müssen sechs

oder sieben Artikel gleichzeitig in

die Planung übernommen werden.

Andererseits können dann einzelne

Elemente auch ausgetauscht oder versetzt

werden.

82 möbel kultur 9/2022


Andreas Joost: Eine andere Herausforderung

sind für uns die Gleittürsysteme,

die einige Küchenhersteller

für die Abgrenzung von Räumen

anbieten. Da dieses Sortiment stark

von der Küchenlogik abweicht, haben

wir uns dazu entschieden, für die

Planung der Gleittürensysteme den

Web-Konfigurator „kitchen+space“

anzudocken.

möbel kultur: Apropos Nachfrage: Carat

bietet heute eine ganze Menge mehr als

nur die Planungssoftware. Was gehört zu

den aktuell wichtigsten Applikationen?

Andreas Joost: Zu unserem Leistungsportfolio

zählt unter anderem der

Online-Konfigurator „Carat planner“,

der heute oft für die Leadgenerierung

im Internet eingesetzt wird. So

können Endkunden und -kundinnen

erste Entwürfe auf ihren Grundrissen

online ausprobieren und dem jeweiligen

Händler zur Verfügung stellen.

Dieser kann dann die Endkundenplanung

in seinem Profi-Planungssystem

verfeinern. Für den Bereich

Aufmaß haben wir erste Erfahrungen

mit der Augmented Reality-App

gesammelt. Im Lockdown haben sich

viele Händler auch an Distanzberatung

gewöhnt, die wir mit dem

neuen Produkt „Carat meeting“ als

Videoberatung direkt aus der Planung

heraus starten können. Außerdem

haben wir mit dem neuen Produkt

„Carat service“ den Montageprozess

bis zum Abnahmeprotokoll und der

Fotodokumentation komplett digitalisiert.

Auf der Herbstmesse stellen

wir eine umfangreiche Funktionserweiterung

für „Carat service“ vor.

möbel kultur: Wie sieht es mit der Durchgängigkeit

der digitalen Planungen

aus, z. B. bei Konfiguratoren oder auch

Planungstischen?

Andreas Joost: Die Endkunden-Planungen

aus dem „Carat planner“ können

ins System des Händlers übernommen

und professionalisiert werden.

Andreas Günther: Wir arbeiten beim

„Carat planner“ grundsätzlich mit

einem für die Endkunden angepassten

Artikelkatalog. Der Händler

kann dann die Endkundenplanungen

auf seinen favorisierten Lieferanten

übertragen. Unsere Software baut die

User-Planung automatisch in eine

Küche von Hersteller X oder Y um.

Eine Ausnahme: Bei Nobilia Elements

arbeitet der „Carat planner“ auch

mit echten Daten, die allerdings auf

einem reduzierten Schranksortiment

basieren. Denn den Endverbraucher

würden 15.000 Einzeltypen völlig

überfordern.

möbel kultur: Wird denn wirklich alles

genutzt, was Carat bietet? Wie stark wird

beispielsweise die Visualisierung mit VR-

Brille am POS gebucht?

Andreas Günther: Es gibt ja nicht ein

Paket für alles. Da wir unser Portfolio

modular im Abomodell aufgesplittet

haben, können unsere Kunden das

buchen, was sie brauchen.

Die Möglichkeit für Virtual Reality

bietet Carat schon seit 2018 und wir

sind vor der Pandemie damit gut

gestartet. Im Corona-Jahr 2020 hat

die Nachfrage allerdings stagniert.

Der Grund dafür ist sicher die geringere

Frequenz am POS. Gleichzeitig

wurde aber unser „Carat planner“

sehr stark genutzt, weil häufig auf

Distanz geplant wurde. Inzwischen

geht die Nachfrage für VR wieder

steil nach oben, weil dies ein echter

Eyecatcher ist.

Andreas Joost: Wir haben übrigens die

Auswahl der Brillen erweitert und

können mit unserem Modul inzwischen

alle gängigen Markenmodelle

ansteuern. Dazu empfehlen wir dringend

eine leistungsfähige Grafikkarte,

um Schwindel bei Kopfbewegungen

zu vermeiden.

möbel kultur: In Deutschland ist Carat

schon lange Marktführer, wie verläuft das

Wachstum im Ausland?

Andreas Günther: Wir bedienen aktuell

rund 6.000 Kunden weltweit. Die

Software gibt es in 14 Sprachen. Auch

unser Support muss natürlich über

diese Sprachkenntnisse verfügen. Wir

folgen meist der Küchenindustrie:

Wenn ein Hersteller in einem Markt

neu gestartet ist, braucht dieser ja

auch eine auf das Land angepasste,

professionelle Planungssoftware.

möbel kultur: Was bedeuten die Anpassungen

an die jeweiligen Märkte, abgesehen

von der Sprache?

Andreas Günther: Andere Länder,

andere Sitten. Da gelten oft ganz

andere Anforderungen, nicht nur bei

den Küchen, sondern auch bei den

Verkaufsprozessen. Diese müssen wir

uns ganz genau ansehen, damit wir

als Softwarehersteller entsprechend

unterstützen können.

Andreas Joost: Die Produktdaten sind

natürlich fast identisch. Aber nehmen

wir das Beispiel Frankreich:

Hier gibt es die Ecomobilier-Abgabe,

die auch extra ausgewiesen werden

muss. In UK ist es wiederum so, dass

die Händler oft Einzelbausteine verschiedener

Hersteller kombinieren.

Neben dem Inch-Maß ist dies für

uns eine echte Herausforderung. Und

China ist noch einmal ganz speziell.

möbel kultur: Hierzulande hat Carat längst

Kund:innen, die nicht nur aus dem eigenen

Verbund der MHK Group kommen. Was

offenbar kein Problem darstellt. Wie hoch

ist der Anteil der Nicht-MHKler inzwischen?

Andreas Günther: Bei geschätzten

60 Prozent Marktanteil von Carat

können Sie sich das Volumen in etwa

Anzeige

Lebensraum Ballerina:

Perfektion. Faszination.

EINLADUNG

HAUSMESSE 2022

17.-23. September 2022

www.ballerina.de


KÜCHE

Exklusive Bonial-Umfrage: Nachhaltigkeit bei Küchen

Spitzenwert für

Langlebigkeit

Nachhaltigkeit ist heute ein Kaufargument, auch bei

Küchen. Welche Kriterien Endverbraucher:innen wichtig

sind, ob Aufpreise akzeptiert werden und vieles weitere,

wollte die „möbel kultur“ wissen und hat gemeinsam mit

Bonial nachgefragt. Ein Resultat: Die Bereitschaft, für ein

gutes, „grünes“ Gewissen mehr zu zahlen, ist vorhanden.

Zum Nulltarif ist Nachhaltigkeit

meist nicht zu haben. Um

Klimaziele zu erreichen und

langfristig das Überleben der Menschheit

zu sichern, ist nicht nur jedes

Unternehmen, sondern auch jedes

Individuum aufgefordert, den eigenen

ökologischen Fußabdruck zu reduzieren.

Ob und wie ausgeprägt das

Bewusstsein für die Notwendigkeit

nachhaltigen Handelns im Allgemeinen

und beim Küchenkauf im Besonderen

bei Verbraucher:innen schon

vorhanden ist, zeigt eine Umfrage.

Bonial hat für die „möbel kultur

Ende Juli 1.096 Nutzer:innen der

„kaufDA“- und „MeinProspekt“-App

dazu interviewt.

So ermutigend die Ergebnisse

sind – 87 Prozent der Befragten

ist Nachhaltigkeit (sehr) wichtig

und immerhin 12 Prozent wären

bereit, dafür einen Aufpreis unabhängig

von dessen Höhe zu zahlen

–, so offensichtlich gibt es jedoch

Kommunikationsdefizite. Denn

nur 15 Prozent der Umfrageteilnehmer:innen

gaben an, dass sie

einen nachhaltigen Küchenher steller

kennen. Natürlich mag das der Tatsache

geschuldet sein, dass sie sich

momentan nicht mit einem Küchenerwerb

beschäftigen, aber zugleich

zeigt es, dass das seit Jahren vorhandene

Engagement vieler Küchenhersteller

mit mehr als respektablen

Nachhaltigkeitskriterien bei einer Küche

Worauf Verbraucher:innen Wert legen (Mehrfachnennungen möglich)

Zwei wichtige Kriterien unter der Lupe

Auf einer Skala von 1 – sehr wichtig bis 6 – gar nicht wichtig (absolute Zahlen)

Langlebigkeit der Küche 86 %

Die Produktion der Küche läuft

möglichst umweltfreundlich ab

Die verarbeiteten Materialien

sind umweltfreundlich

Umweltfreundlich verarbeitete

Materialien

Umweltfreundliche Produktion

66 %

71 %

1 403 1 460

2 322 2 313

3 202 3 181

Hersteller achtet auf ökologische

und soziale Kriterien

Möglichkeit, die Küche

später zu recyceln

65 %

63 %

4 71 4 67

5 32 5 22

6 66 6 53

Quelle Bonial,

Grafiken: möbel kultur

86 möbel kultur 9/2022


Wichtigkeit des Themas

Nachhaltigkeit generell

Hohe Zustimmung für den Megatrend

11 % Weniger wichtig

2 % Gar nicht wichtig

32 % Sehr wichtig

55 % Wichtig

Links: Rotpunkt Küchen – hier die „Zerox HPL XT“

– werden seit 2020 klimaneutral produziert. Für

Spanplatten setzt Rotpunkt Recyclingholz ein.

Nachhaltigkeitsargumenten wie

klima neutraler Produktion oder

ressourcensparendem Materialeinsatz

noch wenig bis zu den Endverbraucher:innen

durchgedrungen ist.

Ähnlich verhält es sich mit

Umweltsiegeln und -zertifizierungen.

Nur 14 Prozent der Befragten

gaben an, dass sie ihnen „definitiv“

vertrauen, während 20 Prozent

dies „eher nicht“ tun. Die Mehrheit

(66 %) sagte: „Ich vertraue nur

denen, die ich wirklich kenne.“

Am POS sind es vor allem Händler,

die Aufklärungsarbeit leisten

können. Wie stark die Kriterien

und die Wünsche der Befragten für

eine nachhaltige Küche auf bereits

real existierende Produkte treffen,

offenbart der Detailblick auf die

Ergebnisse.

Die Langlebigkeit der Küche ist

den Umfrage-Teilnehmer:innen

am wichtigsten (86 %). Moderne

Küchen bieten sie. Statistisch gesehen

kauft jeder Deutsche in seinem

Leben nur zwei von ihnen, die etwas

Pflege vorausgesetzt meist 20 bis

25 Jahre halten, bis sie ausgetauscht

werden. Auch in Sachen Einsatz

umweltfreundlicher Materialien und

einer ebensolchen Produktion, die

71 bzw. 66 Prozent wertschätzen,

hat sich viel getan. Wasserlösliche

Lacke und die Abfallnutzung zur

Energiegewinnung sind schon lange

Wünsche für eine nachhaltige Küche

Womit Küchenhersteller ihre Produkte weiter verbessern können

Küche müsste flexibel veränderbar

für den Fall eines Umzugs sein

10 Jahre Reparaturfähigkeit

für die gesamte Küche

47 %

52 %

Das Herz der Küchenbranche

17. bis 22. September 2022, Löhne

Die Plattform für Neuheiten

der Küchenbranche

Die elfte Ausgabe der area30 mit erneut über 130

Ausstellern und Marken sowie dem 2018 erstmals

erfolgreich eröffneten Showroom cube30 ist das Herz

während der Küchenmeile A30, „der weltgrößten Küchenfachmesse

für Profis aus Handel und Industrie.“ *

Seit ihrer Premiere 2011 steht die area30

im Mittelpunkt der herbstlichen Haus- und Fachmesselandschaft

der Küchenbranche.

Sie ist die zentrale Fach- und Ordermesse für Küchenstudios,

den Küchen-Fachhandel, Verbund-gruppen,

die Großfläche sowie

Projektanten und Architekten.

*

Quelle: www.kuechenmeile.de

Problemloser und kostengünstiger

Austausch von Fronten und Arbeitsplatten

47 %

Möglichkeit von Mietkauf, zumindest bei

einzelnen Komponenten

Nichts davon / nicht relevant für mich

9 %

11 %

Online-Anmeldung & kostenfreier Eintritt:

www.area-30.de/checkin


KÜCHE

Gerade für den nahtlosen Übergang

von der Küche zum Wohnraum bietet

Beckermann viele maßgenaue Optionen

(wie hier beim Programm „London“

im neuen Nussbaum-Furnier).

Beckermann: Wie sich Leistung im Detail unterscheidet

Mehrwert in Losgröße 1

Mit 50 Mio. Euro Umsatz und 230 Mitarbeitenden ist Beckermann Küchen ein typischer

Mittelständler, der sich mit seinen Leistungen jedoch nicht hinter den Großen der Branche

verstecken muss. Im Gegenteil: In den letzten Jahren wurde erheblich in die Produktion

investiert, um beim Industriestandard 4.0 mitzuhalten und zugleich mit Mehrwert durch

Maßfertigung zu punkten. Wie Handelspartner aktuell davon profitieren und wie das

Unternehmen die Kosten-Balance bewältigt, zeigte sich beim Lokaltermin in Cappeln.

90 möbel kultur 9/2022


Seit 1978 ist GF Bernd Lampe (68, l.) bei Beckermann, hat Höhen und Tiefen erlebt. Für Rückendeckung

sorgt seit 1993 die Horstmann Group – und mit 67 Prozent Export gab es 2021 ein

zweistelliges Umsatzplus. Robert Woelk (r.) leitet seit einem Jahr den Gesamtvertrieb.

Das vor einem Jahr neu entwickelte POS-Material stellt

gezielt den „Lebensraum“ in den Mittelpunkt.

Nicht im Küchenmekka OWL,

sondern im Oldenburger

Münsterland ist Beckermann

zu Hause. Und dies seit

1896, weshalb das Unternehmen

wohl einer der ältesten Küchenhersteller

Deutschlands ist. Auch die

Herbstmesse wird sich ganz auf den

Heimat standort fokussieren. Das

heißt also, dass noch keine Rückkehr

an den Stammplatz in der Area30 in

Löhne stattfindet. Die Entscheidung

wurde ausführlich diskutiert, erklärt

Geschäftsführer Bernard (Bernd)

Lampe im Redaktionsgespräch.

Doch im Frühjahr waren die Aussichten

für die Pandemie-Entwicklung

noch zu vage im Verhältnis zum

nicht unerheblichen Aufwand, sagt

er und hofft, dass den Handel nun

die Neugier zur Reise nach Cappeln

bewegt. Nicht nur um nach einem

Jahr Corona-Verzögerung auf 125

Jahre Beckermann anzustoßen, sondern

auch um die Updates im Leistungsportfolio

mit eigenen Augen

zu begutachten. Immerhin ist in

den vergangenen Jahren viel und

Grundlegendes passiert.

Seit März 2021 ist die neue Produktionshalle

in Betrieb, in der auf

17.000 qm das umsetzt wird, was

der Slogan „Die Details machen den

Unterschied“ verspricht. Bereits

2012 wurde mit der Umstellung auf

Losgröße 1 begonnen und sukzessive

in die Automatisierung investiert.

Voraussetzung für die industrielle

Maßfertigung, die höchste Individualität

in der Planung ermöglicht und

zugleich die wirtschaftliche Rentabilität

im Auge behält. Um nicht wie

einige Manufakturen „in Schönheit

zu sterben“. So werden mittlerweile

alle wichtigen Steps vom Plattenzuschnitt

über die Frontenbearbeitung

bis zur Bekantung durch Robotertechnik

übernommen. Alle Prozesse

sind barcodegesteuert. Auch das

erste fahrerlose Transportsystem

ist im Einsatz. Zwar gibt es immer

noch weitere Ausbaupläne, die

Produktionsgeschäftsführer Jürgen

Gieske im Kopf hat, doch längst gilt

Beckermann als Musterbeispiel in

der Klasse der Mittelständler, u. a. als

Referenz von Anlagenbauer Homag.

Die finanzielle Sicherheit und auch

der strategische Impuls kommen

nicht zuletzt durch die Horstmann

Gruppe (rd. 300 Mio. Euro Umsatz),

für die Jürgen Horstmann seit 1993

Rückendeckung gibt.

Was bei Beckermann alles möglich

ist und welcher Mehrwert darin

steckt, kann jeder auf der Website

nachlesen. Ob Türen nach Maß,

von übergroß und überbreit bis zur

Rahmenfront für Weinkühler, ob

sockelfrei und „schwebend“, begehbare

Hauswirtschafträume mit

Durchgangstür oder Lackierungen

in allen NCS- und RAL-Farben: Die

Leistungen klingen eher nach einer

Schreinerei als nach einem Industriebetrieb.

Schon die bildreiche

Website-Gestaltung macht Lust auf

das Besondere, das vielleicht andere

nicht bieten können. Sondermaße

gehören zum täglich Brot (je nach

Aufwand sogar ohne Aufpreis) und

die meisten Fronten, die früher

eingekauft wurden, kommen jetzt

aus eigener Herstellung. Vor allem

die Lackierkompetenz werde stark

genutzt, um extravagante Wünsche

zu erfüllen oder wohnliche Perfektion

zu schaffen. Das Korpusraster

mit 133 mm wurde im Zuge ergonomischer

Anpassungen schon in

den 90er Jahren entwickelt. Die

Korpusfarben wurden jetzt nochmals

auf 34 erweitert.

Durch den hohen Eigenfertigungsanteil

und die eingespielte

Flexibilität konnte Beckermann

gerade während der jüngsten Phase

der unterbrochenen Lieferketten

punkten. Während größere Küchenhersteller

monatelang ihre Liefertermine

verschieben mussten, gab

es in Cappeln höchstens mal eine

Woche Verzögerung, betont Robert

Woelk, seit Januar Gesamtvertriebsleiter

(ehemals Bax). Und dies trotz

der Komplexität der Produkte.

Das Wissen, dass bei Beckermann

alles möglich ist, sei vor allem eine

9/2022 möbel kultur 91


65

239

FORUM 26

Rödinghausen

ARCHITEKTURWERKSTATT

GUT BÖCKEL

30

KÜCHENMEILE A30

IDF34

Corona-Zeiten. Man kann die Messe

also getrost als das größte deutsche

Küchenevent aller Zeiten bezeichnen.

Eine beeindruckende Entwicklung

– vor allem, wenn man an die

ersten Meilensteine rund um die

A30 zurückdenkt, die hier heimische

Hersteller als Marketinginitiative

für ihre Hausmessen setzten.

Der konstante Zulauf aus anderen

Gegenden Deutschlands bestätigt

wiederum die Rolle von Ostwest-

KITCHEN-

CENTER

LÖHNE

AREA30

Löhne

HOUSE4KITCHEN

2

Bad Oeynhausen

Herford

Bielefeld

61

Bad

Salzuflen

Preview auf die Messetour durch OWL

Wo neue

Ideen reifen

239

Verl

2

Auch wenn aktuell viele Messeschauplätze in Frage

stehen: Ostwestfalen hat für die Küchenbranche seine

Strahlkraft nicht verloren. Im Gegenteil: Noch nie haben

sich so viele Aussteller rund um Löhne und Röding hausen

und von Cappeln bis nach Verl zusammengefunden.

Gerade in dieser unsicheren Zeit vermittelt dieses „Back

to Normal“ ein Gefühl von Stabilität. Diese zu erhalten,

neue Ideen zu sehen und zu ernten, ist allemal ein Grund

für die Reise durch die aktuelle Küchen-Welt.

Erst recht, weil 2021 pandemiebedingt

noch nicht auf Hochtouren

gefahren wurde, fällt

die Größe der diesjährigen Ostwestfalen-Schau

auf. Immerhin

über 170 Unternehmen sind es

diesmal, die sich ab dem 17. September

rund eine Woche lang an

der Küchenmeile A30 und darüber

hinaus präsentieren. Damit

sind es wieder deutlich mehr als

zuvor, sogar im Vergleich zu Vor-

106 möbel kultur 9/2022


KüchenmeileA30 (Haus Beck)

Eine

Zukunft

ohne

Öko-Angst.

Nachhaltigkeit

beginnt zuhause:

Geben Sie Ihr Bestes,

und wir geben unseres.

Mehr erfahren Sie unter:

grundig.de/oekoangst

falen als Küchen-Mekka. Zumal sich

viele auswärtige Unternehmen auch

dauerhaft hier niederlassen, um sich

enger mit der Branche zu vernetzen

und leichter Kontakte aufzubauen.

So lässt sich kaum mehr von

einer typischen Regionalmesse

sprechen. Denn auch die gesamte

Entourage zur westfälischen Möbel-

Prominenz – ob für Gerätetechnik,

Arbeitsplatten, Spülen, Armaturen,

Nischensysteme oder sonstige

Kompetenzen – findet sich hier

an einem Platz. Überdies wird das

Besucheraufkommen tendenziell

immer internationaler. Selbst wenn

sich das Feedback aus dem Ausland

diesmal corona- oder krisenbedingt

eher abschwächen sollte. Eine gute

Bilanz für die Aussteller wäre es

jedoch schon, wenn der deutsche

Handel, auf den die Messe traditionell

fokussiert ist, die Chance zum

Austausch in größerer Zahl nutzt.

Neben den Showrooms der Big

Player in Verl, Löhne und Rödinghausen

gibt es auch immer mehr

Zentren, die ihrerseits enorme

Zuwächse verzeichnen. Nach den

ersten Dauermietern Leicht, V-Zug,

Liebherr, Inalco und Gessi zählt jetzt

beispielsweise die Architekturwerkstatt

in Löhne bereits insgesamt

elf Unternehmen auf 4.000 qm.

Frisch eingezogen ist der niederländische

Arbeitsplatten-Spezialist

Dekker. Temporär für die Dauer

der Küchenmeile kommen zudem

Out4kitchen, BBQtion by Village

Garden sowie Refsta hinzu. Eine

ganze Reihe von Newcomern und

Rückkehrern aus den Bereichen

Geräte, Küchenausstattung und

Dienstleistung verzeichnet die

Area30 in Löhne und ist mit ihren

84 Ständen so groß wie nie. Premiere

feiern hier u. a. Haier und

Massivholzspezialist Decker.

Im House4Kitchen ist die BSH-

Tochter Solitaire mit ihrer in Mailand

erstmals gezeigten Weltneuheit

eines vernetzten Wasserplatzes ganz

sicher ein Besuchermagnet – neben

den Schwestern Neff und Gaggenau

sowie Schüller/Next125 und

Franke.

Über aktuell 13 Dauermieter

freut sich das IDF34, das erst im

vergangenen Herbst eröffnet hat.

Und auch Gut Böckel wird durch

Zuwächse noch attraktiver. Mit

Gorenje und Küppersbusch sowie

in diesem Jahr wieder Miele sind

nun insgesamt acht Gerätehersteller

auf dem idyllischen Gut beheimatet.

Darüber hinaus hat sich hier MHK

eine neue Anlaufstelle in einer ehemaligen

Remise geschaffen, nur ein

paar Schritte von der Softwaretochter

Carat entfernt.

Gerade vor dem Hintergrund

unwägbarer weltweiter Veränderungen

sollte es also möglichst viele

Besucher:innen aus der gesamten

Branche nach Ostwestfalen ziehen.

Möge das „Herz der Küchenbranche“

pulsieren!

HEIKE LORENZ

Foto: Shutterstock / high fliers

www.grundig.de


gute Ideen &

funktionierende Konzepte

erfolgreiche Kollegen & Partner

Perspektive in

herausfordernden Zeiten Zum Faktencheck

Werden Sie Teil der starken Gemeinschaft!

Erfahren Sie mehr unter:

www.interliving.de

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!