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Ggbg Heft 03_2022_Herbst

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Mitteilungsblatt der Freunde von St. Georgenberg

Nr. 116 • Herbst 2022

www.sankt-georgenberg.at


Bunter Blumenschmuck anlässlich der 35-Jahre-Feier

am St. Georgenberg


Liebe Freunde von

St. Georgenberg!

Am 27. Juni 1987 wurde der Verein „Freunde von St. Georgenberg“ gegründet.

35 Jahre später war dies für den Vereinsvorstand ein guter Anlass, alle

Mitglieder und sonstigen „Freunde von St. Georgenberg“ einzuladen, am

25. Juni 2022 auf dem heiligen Berg der Tiroler ein Fest der Erinnerung und

des Dankes zu feiern.

Viel, sehr viel haben die „Freunde von

St. Georgenberg“ in den vergangenen

dreieinhalb Jahrzehnten getan und beigetragen,

um mitzuhelfen, den St. Georgenberg,

dieses beeindruckende Felsenheiligtum

inmitten der wilden Bergwelt

des Karwendel, zu sanieren und für die

Zukunft zu erhalten.

Allen, die mitgeholfen haben, den

Gnadenort zu erhalten, ein dankbares

Vergelts Gott zu sagen, ist jedem Vorstandsmitglied

ein ehrliches Herzensbedürfnis.

Da sind zuallererst die vielen Spender,

deren finanziellen Gaben zu verdanken

ist, dass die Voraussetzungen zur

Sanierung der Gebäude, vor allem der

Wallfahrtskirche, rasch erfüllt werden

konnten. Das dem hl. Georg und dem

hl. Jakobus d. Ä. geweihte Gotteshaus

wurde zwischen 1987 und 1997 wieder

ein Juwel unter den Barockkirchen

Tirols. An dieser Stelle sind auch die

Künstler und Handwerker zu bedanken,

dass sie ihr Wissen und Können

eingebracht und mitgeholfen haben, die

Renovierung von St. Georgenberg zu einem

guten Ende zu bringen. Ihnen allen

rufen wir ein von Herzen kommendes

Vergelts Gott zu.

Dankbar sind wir aber auch jenen Kräften

im Kloster, die mit dem Verein unbeirrbar

das Wohl des Georgenbergs

verfolgten. Da sind in erster Linie die

verdienstvollen Wallfahrtspatres Benedikt

Vollmann und Burkard Schweikl

zu nennen.

Zu danken ist aber auch den Zelebranten,

Ministranten, Musikanten, Organisten

und anderen, die viele hl. Messen

zu würdigen Festgottesdiensten machten,

für Blumenschmuck und Sauberkeit

in der Kirche sorgten und dergleichen

mehr.

– 3 –


Dank gebührt auch dafür, dass im Wallfahrtsgasthaus

ein guter Geist herrscht

und fleißige, tüchtige und freundliche

Hände werken.

Und wie viele interessante und wertvolle

Beiträge hat P. Thomas Naupp zu den

Vereinsnachrichten beigetragen, was

hat er seinerzeit als Archivar des Klosters

auch für den Georgenberg geleistet!

Ein Danke gebührt aber auch den mitunter

sehr vielen und manchmal wenigen

Pilgern, die von der Weng aus zum

Gnadenort wallen. Ein „Grüß Gott“ sei

auch den Wanderern und Touristen

gesagt, die dem Georgenberg einen Besuch

abstatten.

Der Vorstand der „Freunde von St. Georgenberg“

dankt insbesondere auch

allen seinen Vereinsmitgliedern für ihr

Mittun durch all die Jahre und Jahrzehnte.

Und abschließend darf ich als Vereinsobmann

allen Vorstandsmitgliedern

danken. Es wurden bis heute nicht weniger

als 305 bisweilen turbulente Vorstandssitzungen

abgehalten und viel

Zeit geopfert für das Heiligtum im Stallental.

In Dankbarkeit feierte der Verein am

Samstag, 25. Juni 2022, seinen 35-jährigen

Bestand. Schriftführerin Alexandra

Ingenhaeff-Berenkamp und Organisationsreferentin

Gabi Plattner hatten

ein bemerkenswert abwechslungsreiches

und von über 30 Sponsoren unterstütztes

Festprogramm für Alt und

Jung bzw. Groß und Klein erstellt und

abgewickelt. Die Bilder auf den folgenden

Seiten geben davon Kunde.

Dr. Wolfgang Ingenhaeff-Berenkamp,

Obmann

Impressum

Medieninhaber, Herausgeber, Verleger, Redaktion: „Freunde von St. Georgenberg“, Vorstand,

c/o Benediktinerabtei St. Georgenberg, 6135 Stans, St. Georgenberg 181. Bildnachweis: Diözese

Innsbruck (S. 15), alle anderen: Archiv und Chronik „Freunde von St. Georgenberg“. Verlags- und

Aufgabe-Postamt: A-6060 Hall in Tirol; Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Mitteilungsblatt

der „Freunde von St. Georgenberg“ auf die Unterscheidung der männlichen und weiblichen

Schreibweise verzichtet. Sofern nicht ausdrücklich auf Frauen und Männer Bezug genommen

wird, sind beide Geschlechter gleichermaßen angesprochen, alle personenbezogenen Bezeichnungen

umfassen sowohl die weibliche als auch die männliche Form.

– 4 –


Ein gelungenes

Programm

An die 600 Gäste waren auf den Georgenberg gekommen, um bei sommerlichen

Temperaturen mitzufeiern. Liedermacher Martin Locher & Gitarrist David

Mana, die Saxofonistin Isabella Knottner sowie die Landesmusikschule Schwaz

gaben musikalisch ihr Bestes. Abt Jeremias führte Interessierte durch das Kloster,

und Sepp Kahn, Almliterat und Bauer aus Itter, las aus seinen Werken; Stefan und

Martin begleiteten ihn. Auch für die Kinder wurde Unterhaltsames geboten: eine

Bastel- und Malstation, eine Märchenstunde mit Volksschullehrerin und Buchautorin

Michaela Sautner, Zuckerwatte u. v. a. m. Eine große Tombola mit tollen

Preisen rundete das Programm ab.

Abt Jeremias Schröder begrüßte beim

Freialtar die ersten Gäste; Obmann

Wolfgang Ingenhaeff-Berenkamp und

Bürgermeister von Stans, Michael Huber,

eröffneten mit kräftiger Unterstützung

der Bläsergruppe der Musikkapelle

Stans das Fest. Kassierin Herta

Blaickner und Gerd Lieb, der Wirt

des Wallfahrtsgasthauses, erhielten für

langjährige, verdienstvolle Erfüllung

ihrer Vorstandsämter das Verdienstzeichen

des Vereins, der Obmann erhielt

aus der Hand von Bürgermeister Huber

Ehrenurkunde und Anstecknadel in

Form der Hohen Brücke als Ehrenzeichen.

Isabella Knottner gab ab dem späten

Vormittag im Gastgarten Kostproben

ihrer Kunst, mitreißende Töne aus

ihrem Saxofon herauszulocken. Zur

Abt Jeremias begrüßt die Festgäste

– 5 –


selben Zeit und ein zweites Mal am

Nachmittag stellte in der Gaststube des

Wirtshauses Sepp Kahn, der Bauer und

Literat aus Itter, seine Bauernbuchserie

„Ein Bauer auf Kur“, „Zwei Bauern

im Fitnessstudio“, „Drei Bauern auf

Wallfahrt“ (nach St. Georgenberg) und

– ganz neu – „Vier Bauern an der Waterkant“

vor – bestens begleitet von Stefan

und Martin.

Mittags bot der Kinderchor der Landesmusikschule

Schwaz in der Wallfahrtskirche

„Wohlklang und Stimmungsvolles“.

Um 15 Uhr wurde dort

ein stimmungsvoller Gottesdienst

gefeiert. Zelebrant und Prediger war

Abt Jeremias Schröder. Er leitete auch

die abschließende Vesper, musikalisch

begleitet von der Gitarrengruppe der

Landesmusikschule Schwaz.

Vorstandsmitglied Gabi Plattner, Illustratorin

und Pädagogin aus dem

Oberinntal, dem ganzen Tag über farbenfrohe

Unterhaltung für die Kleinen.

Die Jenbacher Volksschullehrerin Michaela

Sautner lud Kinder (und interessierte

Erwachsene) zu zwei spannenden

und kurzweiligen Märchenstunden vor

der Lindenkirche.

„Belagert“ wurde das von Sarah Ingenhaeff-Berenkamp

und weiteren drei

jungen Damen betreute „Vereinsstandl“

vor der Kirche, wo Hunger gestillt und

Durst gelöscht werden konnten. Die

dank großzügiger Sponsoren mit hochwertigen

Preisen aufwartende Tombola

fand viele Interessierte.

Am Nachmittag sorgten andere Töne

im Gastgarten des Wallfahrtsgasthauses

für begeisterte Zuhörer: Das zweite

musikalische Highlight des Tages Tages

besorgten zwei überaus sympathische

Musiker. Martin Locher erzählte dem

Publikum musikalisch Geschichten und

begeisterte es weit länger als vereinbart.

Der aus Italien stammende David Mana

fesselte mit seinem exzellenten Gespür

für Melodie und Dynamik.

Während der Obmann von Radio U1

interviewt wurde, lud der Hausobere

am Vormittag und am Nachmittag zu

einem Rundgang durch das Kloster,

der unter anderem in die neue Hauskapelle

führte. Im Klosterhof bot das

Den Organisatorinnen Alexandra und Gabi sowie

allen Mitwirkenden und Teilnehmenden sagt

der Vorstand der „Freunde von St. Georgenberg“

ein von Herzen kommendes „Vergelts Gott“!

– 6 –


Der Obmann überreichte Herta Blaickner und Gerd Lieb das Verdienstzeichen.

Das Fest

Seitenblicke

Anerkennung für 35 Jahre verdienstvolle Arbeit

rund um den St. Georgenberg

Isabella Knottner sorgte im Gastgarten für

Stimmung

– 7 –


Sepp Kahn wusste zusammen mit den Musikanten Stefan und Martin die Gäste zu erheitern.

Der Kinderchor der Landesmusikschule Schwaz

– 8 –


Open-Air-Konzert an einer außergewöhnlichen Location: Martin Locher und David Mana

Führung mit Abt Jeremias durch das Kloster; links in der neuen Hauskapelle

– 9 –


Spiel und Spaß bei der Kinderstation

Großer Andrang beim Vereinsstand samt Tombola

Radio U1 im Interview mit dem Obmann Dr. Wolfgang Ingenhaeff-Berenkamp

– 10 –


www.sankt-georgenberg.at

#

www.sankt-georgenberg.at


JA,

… ich will Mitglied der

„Freunde von St. Georgenberg“ werden!

Der Jahresbeitrag beträgt € 15.-

Wenn keine

Marke zur Hand,

Postgebühr

beim Empfänger

einheben

Geworben von (Name des werbenden Vereinsmitglieds einsetzen!)

Vorname Nachname Titel

Straße

Nr.

Postleitzahl

Ort

An den

Vorstand der

Freunde von St. Georgenberg

E-Mail

Datum

Unterschrift

Telefon

– 12 –

c/o St. Georgenberg 181

A-6135 Stans

JA,

… ich will Mitglied der

„Freunde von St. Georgenberg“ werden!

Der Jahresbeitrag beträgt € 15.-

Wenn keine

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Freunde von St. Georgenberg

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Rückseite des Zahlscheins bitte nicht beschriften.


F r e u n d e v o n S t . G e o r g e n b e r g

A T 6 9 3 6 3 2 2 0 0 0 0 0 0 7 0 0 6 0

R Z T I A T 2 2 3 2 2

J a h r e s b e i t r a g 2 0 2 1 … …

S p e n d e

… …

F r e u n d e v o n S t . G e o r g e n b e r g

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R Z T I A T 2 2 3 2 2

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S p e n d e

… …


Die leise Sinfonie

von Georgenberg

Anlässlich der Altarweihe des Hochaltars in der restaurierten Wallfahrstskirche

von St. Georgenberg hielt Innsbrucks Bischof Reinhold Stecher am 10. Juli 1993

eine Predigt mit dem Titel „Die leise Sinfonie von Georgenberg“. Sie verdient,

dass fast drei Jahrzehnte später noch einmal auf sie eingegangen wird.

Bischof Reinhold Stecher

(* 22. Dezember 1921, † 29. Jänner 2013)

Dass St. Georgenberg vielen Menschen

sehr viel wert ist, hat die Geschichte

dieser Renovierung [der Wallfahrtskirche,

Anm.] bewiesen. Und genau das

ist’s, dem ich nachspüren möchte: der

Kostbarkeit dieses Wallfahrtsorts. Das

ist nicht mit einem Wort zu sagen. Dieser

heilige Ort vereinigt vieles, und es

braucht jetzt – trotz aller Festesfreude

– ein großes Stillwerden, damit man die

einmalige Sinfonie von St. Georgenberg

erlauscht.

Einige Stimmen, einige Instrumente

will ich herausgreifen.

– 15 –


Da ist einmal die Schlucht.

Wer von Stans heraufgeht, erlebt sie

eindrucksvoll. Und dieser Weg ist wie

eine Gegenwärtigsetzung, eine Realisierung

des Psalm 23: „Auch wenn ich

wandern muss in finsterer Schlucht – ich

fürchte kein Unheil. Du bist ja bei mir!“ –

Kommen wir nicht alle aus Schluchten?

Du aus der Schlucht mit dem Todesfall

in der Familie, Du aus der Schlucht der

Schuld, die man sich so ungern eingesteht.

Du aus der Schlucht der Angst

nach einem bedenklichen Befund dess

Arztes; Du aus der Schlucht der familiären

Tragödie. Du aus der Schlucht

der Zukunftsangst; Du aus der Schlucht

der ungelösten Wohnungsfrage; Du aus

der Schlucht des Glaubenszweifels; ich

aus der Schlucht der Kirchensorge. –

Wir kommen alle aus Schluchten. Auf

dem Weg nach Georgenberg nehmen

die dunklen Schatten des Leb4ens Gestalt

an. Aber über die Felsen und Abgründe

hinweg schwebt das Psalmwort:

„Auch wenn ich wandern muss in finstrer

Schlucht – ich fürchte kein Unheil. Du bist

ja bei mir!“

Und dann kommt zu dieser Sinfonie

das Rauschen des Bachs.

Er singt seine Melodie tief unter dem

Heiligtum, unermüdlich durch die Jahrtausende.

Beim Propheten Jeremia steht

das Wort: „Ich führe sie an wasserführende

Bäche.“ In der Heiligen Schrift ist so oft

vom „lebendigen Wasser“ die Rede, dass

wir den Stallenbach nicht lange fragen

müssen, was seine Stimme in der Sinfonie

von Georgenberg bedeutet: Das

lebendige Wasser im tiefsten Talgrund

ist das uralte Symbol der Gnade. Es gibt

keine schönere Begleitung auf einem

Wallfahrtsweg als das Rauschen des

Bachs.

Und einen weiteren Beitrag leistet

das leise Singen der Wälder.

Und auch dieser Part der Bäume taucht

schon in der Heiligen Schrift auf. Das

Singen der Wälder habe nicht ich erfunden.

Denn es heißt im Psalm 96 (12):

„Jubeln sollen alle Bäume des Waldes …“

Die Bäume erinnern an den Menschen

und das Menschenleben – vor allem

den, der nach Georgenberg heraufgeht

und heute einen Hochwald sieht, wo er

als Kind noch einen niederen Jungwald

gesehen hat. Und die Bäume bringen

mit ihrem alljährlichen Grünen einen

Ton der Hoffnung in die Sinfonie von

Georgenberg. Es pilgert sich gut durch

Wälder.

Und dann ist da der ragende Fels,

auf dem Kirche und Kloster stehen.

Der ragende Fels übernimmt in der Georgenberger

Sinfonie das „Sursum corda“

– Empor die Herzen! Mann kann

zu dieser Wallfahrtskirche gar nicht hinaufschauen,

ohne das zu fühlen. Und

so mancher, der die Lage von Georgenberg

zum ersten Mal gesehen hat, wird

– 16 –


sich gedacht haben, was der Psalm 61

ausdrückt: „Herr, führ mich auf den Felsen,

der mir zu hoch ist!“ Auch der ragende

Fels ist ein Urbild der Hl. Schrift,

voll heiliger Symbolkraft. Der Prophet

Jesaia hat dieses Hinpilgern zum Felsen

schon vor 2.700 Jahren beschrieben: „Ihr

freut euch von Herzen wie Pilger, die unter

dem Klang der Flöten zum Berg des Herrn,

zu Israels Felsen hinaufziehen …“ (30/29)

Und nun ist in die Sinfonie von Georgenberg

ein ganz neuer Ton gekommen,

ein jubilierender Geigenton – das

ist die Schönheit des Gotteshauses.

Die Kirche als solche hatte nämlich,

wenn wir’s ehrlich sagen, etwas Tristes.

Man hat als Beter sicher darüber hinweggesehen.

Aber jetzt ist diese Kirche

einfach schön – und zwar so schön, wie

man es sich eigentlich gar nicht recht

vorstellen konnte. Vielleicht wird zum

heutigen Tag auch das Psalmwort passen:

„Das Herz geht mir über, wenn ich daran

denke, wie ich zum Haus des Herrn zog

in festlicher Schar …“ (55/15) Wir wissen

heute im Fremdenverkehrsland Tirol,

dass eine schöne Kirche schlicht und

einfach ein Einladung zu Gott hin ist,

ein Werbeprospekt für das Mysterium.

Und nachdem wir alle diese Vorspiele

der Sinfonie auf uns haben wirken lassen,

knien wir hin, wie Hunderttausende

hier schon gekniet sind, und erfahren

die Milde der Mutter.

Das Gnadenbild von Georgenberg ist

herb. Es ist das Bild einer Mutter in der

größten Bedrängnis, das Bild der Auserwählten,

der trotz ihrer Auserwählung

gar nichts erspart geblieben ist. Aber

zu dieser Mutter der Schmerzen dürfen

viele, die da beten, so etwas wie eine geheime

Solidarität verspüren, ein verstehendes

Anhören und eine Milde, die um

die Nöte der Menschheit weiß. Es gibt

eine Marienverehrung, die die grellen

Sensationen sucht. Die Pieta von Georgenberg

steuert zur großen Sinfonie

eine Weise bei, die tröstlich und herb

zugleich ist: die Nachfolge ihres Sohnes

durch alle Schatten des Schicksals.

Und damit sind wir beim letzten gewaltigen

Akkord von Georgenberg: dem

Sohn, der auf dem Schoß der Mutter

liegt und doch auf unserem Altar lebt.

Er ist deshalb der große Akkord, weil er

das Wort ist, durch das alles geschaffen

wurde, auch die Schlucht, der Bach, die

Wälder, der Fels und der Mensch. Und

er ist der Erlöser, durch den alles erlöst

wird, die Schuld und die Sehnsucht, die

Trauer und das Leid; und er ist die Vollendung,

zu der sich die Schlucht öffnet

und zu der der Bach hinunterrauscht

und für die die Wälder jubeln und zu

der der Fels hinaufragt und von der die

Schönheit des Gotteshauses eine Ahnung

geben will und die die Mutter, die

einst die Schmerzensreiche war, heute

schon mit ihm teilt.

Habe ich zu viel gesagt, wenn ich Georgenberg

eine Sinfonie Gottes genannt

habe? Ich glaube, dass das die vielen, die

da heraufgehen, immer schon gefühlt

haben, ohne es aussprechen zu können.

Heute wollte ich das einmal in Dankbarkeit

zum Ausdruck bringen.

Amen.

– 17 –


– 18 –


Wie bekannt, sehen die „Freunde von St. Georgenberg“ die Unterstützung und

Förderung der Wallfahrt zum St. Georgenberg als ihre wichtigsten Aufgaben.

Daher soll in den nächsten Mitteilungsblättern die Wallfahrt zum Georgenberg

aus verschiedenen Blickwinkeln genauer betrachtet werden.

Thomas Naupp OSB

geschichte

der Georgenberger Wallfahrt | Teil 2

4. DIE WALLFAHRTSORDNUNG

Über Durchführung und Organisation

der Bittgänge und Wallfahrten im Mittelalter

und zu Beginn der Neuzeit gibt

uns das sogenannte Kirchenfahrten- und

Speisebuch interessante Aufschlüsse.

Dieses für die Kultur- und Wallfahrtsgeschichte

wertvolle handgeschriebene

Buch wurde jedoch nicht – wie bisher

angenommen – 1519 geschrieben, sondern

in einem ersten Block im Jahr 1419

und in einem zweiten, für uns entscheidenden

Teil im Jahr 1527 erstellt. Darin

sind die Wallfahrtstage genau festgelegt.

Dass die Kreuzgänge immer nur in der

besseren Jahreszeit veranstaltet werden

konnten, nämlich in den Monaten April

bis September, ist selbstverständlich.

Den Anfang machten die Achentaler

am Fest des hl. Georg, das damals noch

am 24. April (heute 23. April) gefeiert

wurde. Der Abschluss war den Vompern

vorbehalten, zu deren Pfarrsprengel

auch Schwaz und St. Margarethen,

Terfens und Stans gehörten. Die Weitfahne

hatte die Pfarrei Aibling mit

Mutrachting, Willing und Elmosen;

auch die Zahl der Teilnehmer war, wie

es scheint, beim Aiblinger Kreuzgang

am höchsten; vom Jahr 1447 wissen wir

z. B., dass ungefähr 300 Personen die

Kreuzfahrt mitmachten. Die Aiblinger

kamen noch dazu aus freien Stücken,

während die anderen Pfarreien „irgendwie

verpflichtet“ waren. Nur die Aiblinger

durften in der Klosterküche kochen,

„weil sie mit dem Bau unseres Klosters

den Anfang gemacht“ (Gründer Rathold

von Aibling!), wie Abt Kaspar

Augsburger schreibt. Nicht nur die von

Aibling, auch andere hatten einen ganz

ansehnlichen Weg zurückzulegen; so

etwa der Pfarrer von Ebbs mit seinen

Seelsorgskindern, zu denen auch die

Bewohner von Kufstein, Walchsee und

Niederndorf gehörten; oder der Pfarrer

von Söll, in dessen Pilgerschar auch die

von Ellmau, Scheffau und Wildschönau

eingereiht waren; oder der von Patsch,

mit dem außer den eigenen Leuten auch

die von Lans, Sistrans und Ellbögen den

Berg des hl. Georg erstiegen. Der Fügener

Pfarrherr führte so ziemlich das

– 19 –


ganze Zillertal an, soweit es zur Diözese

Brixen gehörte, nämlich Fügen, Strass,

Schlitters, Hippach, Uderns, Ried und

Tux, während mit seinem Amtsbruder

von Zell am Ziller außer den Zellern

selber nur noch Hart und Stumm zur

Kirche des hl. Georg wallten. Münster

brachte auch Wiesing, Eben und Jenbach

mit; aus dem Stubaital kam Telfes

mit Fulpmes, Mieders und Neustift;

der Kreuzgang von Axams umfasste

noch Oberperfuss, Kematen, Götzens,

Zirl und Reith bei Seefeld; mit denen

von Matrei am Brenner erschienen die

Trinser, mit den Kirchbichlern die von

Wörgl, Itter, Schwoich und Häring;

mit Kolsass schlossen sich Volders,

Wattens, Weer, Weerberg und Pill zu

gemeinsamer Wallfahrt zusammen; zu

den Leuten von Brixen im Thale gesellten

sich die Hopfgartner, Westendorfer

und Kirchberger, und ihnen dürften

sich später wohl auch die St. Johanner

angeschlossen haben; Mils und Baumkirchen

(einschließlich Fritzens und

Gnadenwald) gingen miteinander, und

wiederum Thaur, Rum und Arzl, während

Hall, Absam, Ampass, Kitzbühel

und Kirchdorf Alleingänger gewesen zu

sein scheinen; der Pfarrer von Reith bei

Brixlegg nahm auch Kundl, Bruck i. Z.,

Alpbach und Radfeld mit.

Das Programm eines solchen Kreuzgangs

war bis ins kleinste Detail geregelt.

Die Pilgerzüge aus der Umgebung

kamen in der Früh zum Amt und gingen

am selben Tag wieder heim; so vor

allem Vomp, aber auch Münster, Kolsass

und Mils, jeweils mit den Gläubigen aus

jenen damals zur Urpfarre gehörigen

Dörfern, die jetzt längst selbständige

Pfarreien sind. Ja, sogar die Achentaler

trafen am Morgen auf St. Georgenberg

ein. Alle anderen kamen am Abend zur

Vesper. Wenngleich das Bergkloster

früher bedeutend größer war als heute,

so mag es doch manchmal nicht leicht

gefallen sein, die Wallfahrer für die

Nacht unterzubringen; und sie durften

keine großen Ansprüche stellen; aber

die Leute waren ja zu jener Zeit im Allgemeinen

viel genügsamer. Ein Bett im

Gästehaus des Klosters bekamen nur

die Geistlichen, die Kirchpröpste oder

Kirchmaier, die Mesner und vielleicht

sonst noch der eine und andere. Die übrigen

mussten sich wohl mit einem einfachen

Lager auf Heu oder Stroh begnügen,

und das wahrscheinlich meist nicht

im Kloster selber, sondern auf einem

der benachbarten Berghöfe. Aus zeitgenössischen

Aufschreibungen ist uns beispielsweise

bekannt, dass die Pilger aus

Söll, Ellmau, Scheffau und Wildschönau

auf dem Hof „Heuberg“ übernachteten

und erst am frühen Morgen ins Kloster

kamen. Sicher haben die Heuberger dafür

eine Vergütung vom Kloster bekommen;

es ist ja auch von „Durach“ und

„Roßweid“ aufgeschrieben, dass man

ihnen den Zehent nachgelassen hat, „die

weil die Kreuz darüber her gangen sein,

das ihnen beschwerlich gewest“. „Beschwerlich“

dürften hauptsächlich die

Pferde der Pilger gewesen sein; denn die

aus weiter entfernten Pfarreien kamen

zum Teil, vielleicht aus mancher Pfarrei

sogar alle, zu Pferd; die Tiere hat

man dann wohl über Nacht auf freiem

Feld gelassen, und man kann sich leicht

denken, dass diese Felder dann keinen

großen Ertrag mehr abwarfen. Um 1555

– 20 –


wurden der Duracher und der Roßweider

Pächter verhalten, wieder den vollen

Zins zu zahlen, „dieweilen nun yetz

kein Kreuz mehr daher kombt“.

Mit Speise und Trank wurden die Wallfahrer

gut gehalten. Die Priester wurden

gewöhnlich an den Abttisch geladen,

die Kirchpröpste und Mesner sowie die

Almosensammler wurden bevorzugt

verpflegt, aber auch die gewöhnlichen

Pilger, die mit den organisierten Kreuzgängen

kamen, lebten nicht schlecht.

Auch die Pferde wurden nicht vergessen

und erhielten ihr Futter, wenn auch

nur die Reittiere der Geistlichen und

Kirchpröpste im Reitstall beim Kloster

untergebracht und versorgt werden

konnten.

Wieviel Leute kamen, hing von verschiedenen

Umständen ab, vor allem

von der Größe der Pfarrei; aus kleineren

Pfarreien erwartete man wenigstens

20–30, aus größeren wenigstens 30–40

Teilnehmer. Gedacht war die Sache

so, dass aus jedem Haus, „aus dem der

Rauch aufsteigt“, wenigstens ein Mann

erscheinen sollte. Frauen waren von

diesen gemeinsamen Kirchfahrten anscheinend

allgemein ausgeschlossen;

sicher weiß man das vom Aiblinger

Kreuzgang. Die Durchschnittszahl der

Kreuzgangsteilnehmer kann man etwa,

Priester und andere Amtsträger inbegriffen,

mit 60–70 annehmen.

Das Almosen an die Kirche bestand ursprünglich

in Geld, Weizen, Wachs und

Käse; die Naturalgaben wurden aber

in den einzelnen Pfarreien gesammelt

und dann von den Klosterleuten an Ort

und Stelle abgeholt. Später wurde die

Wachsspende in eine Geldgabe umgewandelt;

man nannte diese Spende, die

über das gewöhnliche Geldopfer gegeben

wurde, den „Lichtpfennig“ oder

„Wachsdenar“.

Die Höhe der Geldspenden war für

die einzelnen Pfarren festgesetzt, wurde

aber, soweit die vorhandenen Aufschreibungen

darüber Aufschluss geben,

nicht immer voll erreicht. Für

Kirche und Kloster dürfte nicht allzu

viel geblieben sein; es mussten ja die

Kosten für Verpflegung und Unterkunft

der Pilger und für die Versorgung

der Pferde bestritten werden; auch die

„Ehrungen“, die der Abt den Priestern,

Kirchpröpsten, Kornsammlern und

Mesnern reichen musste, kosteten etwas.

Diese „Ehrungen“ waren durch

Brauch und Herkommen bestimmt und

je nach Pfarrei und Empfänger verschieden;

der Hauptsache nach bestanden sie

in Handtüchern, Handschuhen, Filzschuhen,

Bockfellen oder Bockhäuten,

Baumöl, Pfeffer und Fischen, wobei von

Letzteren die Aale besonders begehrt

waren.

Die Kreuzgänge galten der Kirche des

hl. Georg und ihrem reichen Reliquienschatz.

So fand denn auch der Gottesdienst

in der Abteikirche und nicht,

wie man meinen möchte, in der Kirche

„U. L. Frau unter der Linde“ statt. Die

Pilger wurden an der Kirchentür oder

auch an der Klosterpforte empfangen

und ins Gotteshaus geleitet. Dort war

Predigt, der erste Opfergang und etwa

auch Beichtgelegenheit; in der Früh war

Amt mit dem zweiten Opfergang, Verkündung

der Ablässe, Verehrung der

Reliquien, und zuletzt überreichte der

Abt oder dessen Beauftragter die „Eh-

– 21 –


ungen“, soweit diese nicht um Weihnachten

den Empfängern durch einen

Klosterboten überbracht wurden. Die

Pfarren, die erst in der Früh mit dem

Kreuz auf dem hl. Berg eintrafen, hatten

jedenfalls alles am Vormittag, und

es mag besonders in späterer Zeit, als

die Zahl der Priester im Kloster mitunter

äußerst gering war, für die Mönche

ziemlich anstrengend gewesen sein. Sicherlich

haben die Wallfahrer, wenigstens

sofern sie das erste Mal die Pilgerfahrt

mitmachten, die Kirche mit ihren

schönen Bildern und Altären eingehend

bewundert und die verschiedenen Kapellen

besichtigt, die damals außerhalb

der Klostermauern lagen. Sie sind wohl

auch ins „Heiltumgewölbe“ (die Reliquienkapelle

in der Unterkirche) hinabgestiegen,

um die Schreine, Kreuze

und Monstranzen anzustaunen, die der

fromme Sinn edler Wohltäter für die

zahlreichen Reliquien hatte anfertigen

lassen, und sie haben mit Sicherheit

auch bei „U. L. Frau unter der Linde“

einen andächtigen Besuch gemacht, um

dann wieder – körperlich erquickt und

seelisch gestärkt – den Heimweg anzutreten.

5. DER GEORGENBERGER

RELIQUIENSCHATZ

Das Kloster St. Georgenberg war bestrebt,

nicht nur zur Förderung der

Wallfahrt, sondern auch zur Hebung

des Ansehens seine Reliquienschätze

ständig zu mehren und deren „Echtheit“

durch die Autorität großer Persönlichkeiten

beglaubigen zu lassen. Nicht nur

Päpste und Bischöfe, auch Kaiser und

Könige bürgten für die Authentizität

der Gebeine und Heiligenandenken;

wir müssen nämlich unterscheiden zwischen

den eigentlichen Reliquien und

den Erinnerungszeichen an heilige Personen

und Orte. In den Knochensplittern,

Haaren, Textilien und Gebrauchsgegenständen

heiliger Personen, die in

Tafeln, Kreuzen, Kästchen und Gläsern

eingearbeitet waren, sah der mittelalterliche

Mensch immer die Person dessen,

denen sie zu Lebzeiten gehört hatten,

und stellte deshalb kaum die Frage nach

der Echtheit der Reliquie.

Schwer ist, die Gesamtzahl der Heiligenreliquien,

die während des Mittelalters

auf St. Georgenberg verehrt wurden, anzugeben.

Das Heiltumverzeichnis (auch

Chronik genannt) von 1480 gibt über

130 Heilige an, von denen das Kloster

Reliquien und Andenken besaß. Da von

einigen Heiligen mehrere Partikel aufbewahrt

wurden, beträgt die Anzahl der

Reliquien natürlich ein Mehrfaches davon.

Allein eine nicht mehr vorhandene

Weihetafel von 1204, die einst angeblich

über dem Hochaltar angebracht gewesen

war, gab 109 Reliquien an.

Das Heiltumverzeichnis von 1480 verrät

weiters, dass nach Verlängerung des

Chors der Abteikirche 1386 allein im

Hochaltar folgende Reliquien untergebracht

waren: das Öl der Jungfrau Maria

von Sardinal, der Arm und ein halber

Schenkel des hl. Georg, die Armröhre

der Ursula, die Schultern Maria Magdalenas,

Stoffstücke aus dem Kleid Mariens,

ein Teil vom Gewand des hl. Christophorus,

Knochenteile der Heiligen

Agatha, Cäcilia und Agnes, das Schul-

– 22 –


terblatt der hl. Lucia und eine Armröhre

von einer der 11.000 Jungfrauen. 1411

schenkte Herzog Friedrich dem Bergkloster

drei Späne des Kreuzes Christi

„in ein silbren und vergült kreuczel gevaßt“,

die dann Erzherzog Sigmund der

Münzreiche gemeinsam mit anderen

Heiltümern „in ein groß gar kospar und

mercklich kreucz hat vassen lassen“.

1480 hatte der Georgenberger Heiltumschatz

eine derartige Anziehungskraft,

dass Abt Kaspar II. die päpstliche Erlaubnis

einholen musste, die Reliquien

am Sonntag Laetare und zum Jacobifest

im Freien öffentlich aufstellen zu

dürfen, weil für die Reliquienschau in

der Kirche kein Platz mehr war. Eine

solche Heiltumschau bot auch den herbeigeströmten

Wallfahrern ein erhöhtes

Gemeinschaftserlebnis und stellte

ein gesellschaftliches Großereignis dar.

Im ganzen Unterinntal und weit darüber

hinaus gab es keinen solchen Reliquienschatz,

der annähernd so große

Ausstrahlung hatte wie der von St.

Georgenberg. Der von Abt Benedikt

Herschl (1639–1660) verfasste „Athos

Georgianus“ – ein beschreibendes und

reich illustriertes Reliquienverzeichnis,

erschienen 1652 bei Wagner in Innsbruck

– gibt einen guten Einblick in

das Georgenberger Heiltum, das in acht

„Chöre“ eingeteilt ist, wie es bei der

öffentlichen Heiltumschau unter Gebet

und Gesang vorgestellt wurde. Die

acht „Chöre“ gliedern sich in Reliquien

und Erinnerungsstücke von „1. hll. Frauen

und Witfrauen, 2. hll. Jungfrauen,

Klosterfrauen und Märtyrinnen, 3. hll.

Beichtigern, 4. hll. Päpsten und Bischöfen,

5. hll. Märtyrern, 6. hll. Propheten

und Jüngern Christi, 7. Unserer Lieben

Frau und 8. Von der Menschheit Christi

Jesu unseres Herrn.“

Herschl schreibt, dass die Brände den

hl. Gebeinen nichts anhaben konnten;

er ließ die älteren neu fassen und in

Form von 80 Kupferstichen in besagtem

Buch abbilden. Allerdings dürften dem

Brand von 1705 fast sämtliche Reliquiare

zum Opfer gefallen sein. Auch die

im Athos Georgianus abgebildete, von

Herschl bei S. Hötzer in München 1647

in Auftrag gegebene Sakramentsmonstranz,

von der nur mehr eine Engelsfigur

erhalten ist, hat die Hitze des Feuers

nicht ausgehalten.

Wahrscheinlich im Zusammenhang

mit dem Wallfahrergedränge führte

Abt Augsburger 1473 mit Zustimmung

Herzog Sigmunds das sogenannte Stableramt

ein. Dieses wurde jeweils einem

Adeligen übertragen, der sich am

Vorabend von Festtagen zu Pferd auf

St. Georgenberg einzufinden hatte; an

den Festtagen selber musste er während

der hl. Messe und wohl auch bei

der gut besuchten Heiltumschau mit

einem silbernen Stab verhindern, dass

sich die Volksmassen zu weit nach vorn

drängten. Dafür bekam der Betreffende

jährlich 10 Pfund Berner, ein Paar Filzschuhe,

ein Paar Handschuhe pro Festtag

und zweimal im Jahr eine Hose aus

Bockhaut und eine Kappe.

6. GEBETSVERBRÜDERUNGEN

UND BRUDERSCHAFTEN

Den Gebetsverbrüderungen liegt der

Gedanke der gegenseitigen Hilfeleis-

– 23 –


tung zugrunde, wobei auf das Gebet

für die Verstorbenen und lebenden

Mitbrüder der konföderierten Klöster

besonderer Wert gelegt wurde. Im Mittelpunkt

aber stand – wie im gesamten

religiösen Leben – die Feier des hl. Messopfers,

von dem sich die Gläubigen

reichliche Zuwendung himmlischer

Gnaden, Stärkung in den Kämpfen des

Lebens, Schutz gegen alle Gefahren des

Leibes und der Seele, Trost im Sterben

und nicht zuletzt Erlösung von den

Qualen des Fegfeuers erhofften. Um

1660 war St. Georgenberg mit 80 Klöstern

in Tirol, Österreich und Bayern

gebetsverbrüdert. Gebetsverbrüderungen

waren aber durchaus nicht nur auf

Ordensgemeinschaften und -mitglieder

beschränkt, auch die Laienwelt konnte

und wollte an den Früchten der frommen

Werke der Mönche – wie Nachtwachen,

Fasten und Beten, vor allem hl.

Messen – teilnehmen, die ihnen sowohl

in dieser Welt wie auch in der Ewigkeit

zugute kamen. Es waren meist Vertreter

einheimischer Adelsgeschlechter (Rottenburger,

Schlitterer, Freundsberger,

Baumkirchner, Fragensteiner usw.), die

in die Bruderschaft aufgenommen wurden;

später folgten auch Bürger und

Bauern.

Das früheste Zeugnis einer Bruderschaftsaufnahme

auf St. Georgenberg

übermittelt uns eine Urkunde aus der

Amtszeit des Abtes Wernher (1225–

1242). Laut diesem Dokument schenkte

der Priester Kuno von Marling dem

Kloster St. Georgenberg einen Acker

und Weingärten mit der Bedingung,

dass sich die Mönche an den Samstagen

nach der Vesper zur Kirche „Maria

unter der Linde“ begeben und dort das

entsprechende Responsorium singen

sollten. Den am Abend im Refektorium

versammelten Mitbrüdern wurde dafür

ein Trunk aus den Erträgnissen seiner

Weingärten verabreicht. Dafür sicherte

man ihm die Aufnahme in die Bruderschaft

zu.

Als äußeres Zeichen der Mitgliedschaft

galt die jährliche Zuwendung von sogenannten

Bruderschuhen vor Weihnachten

an die Bruderschaftsmitglieder

durch das Kloster. Gelegentlich kommt

in den Georgenberger Urkunden auch

die Bezeichnung Polsterschuh oder

Filzschuh vor. „Bruderschuhe“ bedeuten

die Schuhe der Klostergeistlichen;

deren Überreichung durch das Kloster

sollte die Aufnahme des Laien als Mitglied

in die klösterliche Gemeinschaft

zum „ususfructus“ (Nutzgenuss) an den

geistlichen Gütern sinnfällig zum Ausdruck

bringen.

Aus unseren Quellen geht leider nicht

hervor, welchen Titel oder welchen Patron

diese frühe Bruderschaft auf St.

Georgenberg hatte. Auch den genauen

Zeitpunkt kennen wir nicht, dürfen

aber annehmen, dass der Beginn der

Fraternität ins 12. Jahrhundert zurückreicht.

Unter dem hochgebildeten Abt Kaspar

II. wurden auf St. Georgenberg zwei

Bruderschaften (neu) errichtet: die vom

hl. Georg bei der Klosterkirche (26. August

1483) und die von den 7 Freuden

Mariens (12. Oktober 1483). Es scheint

aber auch eine solche von den Sieben

Schmerzen Mariens gegeben zu haben,

die 1741 in die „Bruderschaft der

schmerzhaften Muttergottes“ umbe-

– 24 –


nannt wurde. Abt Pirmin Pockstaller

revitalisierte diese Bruderschaft und

taufte sie in eine „Bruderschaft der

christlichen Nächstenliebe unter dem

Schutz der schmerzhaften Muttergottes“

um (1840); er bestimmte nun vier

Tage (hl. Georg, hl. Johannes d. T.,

Mariä Himmelfahrt und hl. Anna), an

denen die Mitglieder anlässlich einer

Wallfahrt nach St. Georgenberg einen

Ablass von sieben Jahren gewinnen

konnten. Die Errichtung der Barbarabruderschaft,

deren Mitglieder häufig

Schwazer Bergleute waren, erfolgte 1516,

die der „Erzbruderschaft des hl. Skapulieres

U. L. Fr. vom Berge Karmel“ 1642

und die zum „Hl. Schutzengel“ 1699.

Während die Georgsbruderschaft nach

dem Brand von 1705 erlosch, wurde die

Schutzengelbruderschaft in Fiecht 1708

wieder errichtet. Da die Fiechter Stiftskirche

den hl. Josef zum Patron hat,

kam es 1736 zur Errichtung einer Josefsbruderschaft.

Die Skapulierbruderschaft zählte von

der Gründung ab (1642) bis um 1900 ca.

60.000 Mitglieder. Die Georgenberger

Wallfahrt wurde gerade durch die Bruderschaften

gefördert. Starb ein Bruderschaftsmitglied,

wurde sein Name

ins Nekrologium geschrieben und seiner

am Jahrestag des Todes im hl. Opfer

und Gebet gedacht; außerdem wurde

jährlich am 4. Mai für alle verstorbenen

Mitglieder ein gemeinsamer Jahrtag gehalten.

bitte der kassierin

Wie (fast) immer …

… bittet die Kassierin alle Mitglieder freundlich um die Zahlung des

Mitgliedsbeitrags für das laufende Jahr. Der Zahlschein – siehe Seite 14 –

leistet Ihnen dazu gute Dienste. Der Beitrag beträgt weiterhin 15 Euro

im Jahr. Ich danke Ihnen herzlich für Ihr Mittun.

Herta Blaickner

Kassierin

Liebe Leserin! Lieber Leser!

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Ausgabe des Mitteilungsblatts des

Vereins der „Freunde von St. Georgenberg“.

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Zur Anmeldung siehe S. 12

– 25 –


gottesdienste

st. georgenberg

Sonn- und Feiertage

Gottesdienste um 10.30 und 15.00 Uhr

An Werktagen

Gottesdienst um 15.00 Uhr

– 26 –


Bitte um Frieden und Versöhnung

nachtwall-

2022 fahrten

19.30 Uhr Beichtgelegenheit

20.00 Uhr Rosenkranz

20.30 Pilgergottesdienst

Zelebranten und Prediger

Dienstag, 13. September 2022

Bischof Benno Elbs, Feldkirch

Pilgermesse mit Bürgermeisterkapelle

unter Dr. Karl Mark

Donnerstag, 13. Oktober 2022

Bischof Hermann Glettler, Innsbruck

Pilgermesse mit Schola Fiecht

– 27 –


EMPFÄNGER

(wenn unzustellbar, bitte zurück an den Absender. Danke!)

ABSENDER

Freunde von St. Georgenberg

c/o St. Georgenberg 181

6135 Stans

Österreichische Post AG

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