04.09.2022 Aufrufe

Pirouette No. 07/2022 September

Der erste Junioren Grand Prix der neuen Saison fand wieder einmal im besonders im Winter recht mondänen französischen Alpenort Courchevel in 1.850 Meter Höhe statt. Das Event fand womöglich zum letzten Mal in dieser Eishalle statt, die für die Olympischen Spiele von 1992 im nahen Albertville für Curling gebaut worden war. Das Schaulaufen moderierte erstmals Brian Joubert. Das beste Niveau hatte die Frauenkonkurrenz, denn zumindest die Läuferinnen der besten Gruppe zeigten auch ohne russische Spitzenathletinnen erstklassige Leistungen. Topthemen: · DEU-Sichtung · Junioren Grand Prix Courchevel · Sommertraining Weiteres aus dem Inhalt: · Vorschau Nebelhorn Trophy · Pressekonferenz: Yuzuru Hanyu · Interview: Deniss Vasiljevs · Am Anfang war die Musik: Wie die perfekte Musikauswahl aarangiert wird · Wer startet wo beim Grand Prix? · Sommertraining in Antwerpen · Sommertraining in der Schweiz · ISU-Paarlauflehrgang · DEU-Sichtungslaufen in Oberstdorf · Buchrezension: Kiira Korpi · Sommertraining in Russland · Sommerwettbewerbe Nordamerika · Neues aus Japan · Mao Asadas Eisshow · Japan: Gensan Summer Cup · Junioren Grand Prix Courchevel · Analyse: Online-Training · Sichtungslaufen Estland · Der Aufstieg Estlands · Neues aus aller Welt Titelbild: Vanessa James und Eric Radford haben nach nur einer gemeinsamen Saison ihre Karriere beendet. Foto: Hella Höppner Auch als Printversion erhältlich unter: www.pirouette-online.de/nr-7-september-2022.html (Erscheinungstermin 14.9.2022)

Der erste Junioren Grand Prix der neuen Saison fand wieder einmal im besonders im Winter recht mondänen französischen Alpenort Courchevel in 1.850 Meter Höhe statt. Das Event fand womöglich zum letzten Mal in dieser Eishalle statt, die für die Olympischen Spiele von 1992 im nahen Albertville für Curling gebaut worden war. Das Schaulaufen moderierte erstmals Brian Joubert. Das beste Niveau hatte die Frauenkonkurrenz, denn zumindest die Läuferinnen der besten Gruppe zeigten auch ohne russische Spitzenathletinnen erstklassige Leistungen.

Topthemen:
· DEU-Sichtung
· Junioren Grand Prix Courchevel
· Sommertraining

Weiteres aus dem Inhalt:
· Vorschau Nebelhorn Trophy
· Pressekonferenz: Yuzuru Hanyu
· Interview: Deniss Vasiljevs
· Am Anfang war die Musik: Wie die perfekte Musikauswahl aarangiert wird
· Wer startet wo beim Grand Prix?
· Sommertraining in Antwerpen
· Sommertraining in der Schweiz
· ISU-Paarlauflehrgang
· DEU-Sichtungslaufen in Oberstdorf
· Buchrezension: Kiira Korpi
· Sommertraining in Russland
· Sommerwettbewerbe Nordamerika
· Neues aus Japan
· Mao Asadas Eisshow
· Japan: Gensan Summer Cup
· Junioren Grand Prix Courchevel
· Analyse: Online-Training
· Sichtungslaufen Estland
· Der Aufstieg Estlands
· Neues aus aller Welt

Titelbild: Vanessa James und Eric Radford haben nach nur einer gemeinsamen Saison ihre Karriere beendet. Foto: Hella Höppner

Auch als Printversion erhältlich unter: www.pirouette-online.de/nr-7-september-2022.html (Erscheinungstermin 14.9.2022)

MEHR ANZEIGEN
WENIGER ANZEIGEN

Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!

Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.

<strong>Pirouette</strong><br />

Nr. 7 | <strong>September</strong> <strong>2022</strong><br />

Internationales Eiskunstlauf-Magazin | 55. Jahrgang | www.pirouette-online.de<br />

Vanessa James & Eric Radford<br />

DEU-Sichtung<br />

Junioren Grand Prix<br />

Courchevel<br />

Sommertraining


2<br />

Nebelhorn Trophy <strong>2022</strong><br />

Vorschau<br />

Früherer ISU-Präsident Cinquanta gestorben<br />

Am 18. Juli ist der frühere ISU-Präsident Ottavio Cinquanta mit 83 Jahren gestorben. In seiner Jugend<br />

war der Italiener Eisschnellläufer und Eishockeyspieler. Hauptberuflich war er nach dem Abschluss<br />

eines Betriebswirtschaftsstudiums leitend im Finanzwesen bei italienischen Firmen tätig. Später übernahm<br />

er mehr und mehr offizielle Positionen im Sport in Italien und dann in der ISU. Von 1994 bis<br />

2016 war er ISU-Präsident und ein Reformer, der unter anderem die Grand Prix-Serie (zusammen mit<br />

Peter Krick, Didier Gailhaguet und dem Kanadier David Dore) und Preisgelder für Läufer einführte und<br />

auch sonst vieles in der ISU professionalisierte.<br />

Ein sehr hoch dotierter Vertrag mit der US-Fernsehgesellschaft<br />

abc erlaubte der ISU teure Innovationen,<br />

wie die Junioren Grand Prix-Serie und<br />

den Entwicklungsfonds. Nach dem Preisrichterskandal<br />

bei den Olympischen Spielen 2002<br />

drängte er, ein neues Wertungssystem einzuführen,<br />

was erfolgreich gelang. Ab 1996 war Cinquanta<br />

auch Mitglied im IOC.<br />

Quelle: Facebook<br />

Was macht eigentlich…<br />

Nathalie Weinzierl?<br />

Die Mannheimer Läuferin und zweimalige Deutsche<br />

Meisterin Nathalie Weinzierl legt in dieser<br />

Saison ihren Fokus auf ihr Jura-Staatsexamen,<br />

nachdem sie im vergangenen Jahr den Bachelor<br />

als Unternehmensjuristin erfolgreich abgeschlossen<br />

hat. Daher läuft sie vorläufig keine Wettbewerbe.<br />

Der <strong>Pirouette</strong> schrieb sie: „Aber ich habe<br />

noch nicht geplant aufzuhören, zumal die<br />

nächsten Olympischen Spiele in Mailand sind.<br />

Außerdem mache ich aktuell meinen C-Trainerschein<br />

(Leistungssport).“<br />

Quelle: ISU<br />

Synchron-Meisterschaften<br />

2023 in Neuss<br />

Anfang August gab die DEU bekannt, dass die<br />

Deutschen Synchronmeisterschaften 2023 am 11.<br />

und 12. Februar im Rahmen des ISU-Synchronwettbewerbs<br />

Cup of Neuss ebenda stattfinden sollen.<br />

Franz Streubel verheiratet<br />

Der Berliner Einzelläufer und zweifache Deutsche<br />

Meister (2014 und 2015) Franz Streubel<br />

(31), der dreimal mit den Plätzen 13 - 15 an<br />

EM teilgenommen hatte, lebt schon einige<br />

Jahre in Großbritannien. Im Frühsommer hat<br />

er die Britin Sophia Jones-Streubel (29) geheiratet,<br />

die zeitweise in Berlin gelebt hatte.<br />

Jones war Eistänzerin, zuletzt mit Jordan<br />

Brown aktiv und mit ihm im Jahr 2013 Dritte<br />

der britischen Meisterschaften, anschließend<br />

Showläuferin.<br />

Attraktive Nebelhorn Trophy<br />

Auch in diesem Jahr findet eine<br />

gut besetzte Nebelhorn Trophy<br />

statt: Trainingstag ist Mittwoch,<br />

der 21. <strong>September</strong> von 9 bis<br />

20 Uhr. Rechtzeitig vor dem<br />

Redaktionsschluss dieses Heftes<br />

wurde die Meldeliste veröffentlicht,<br />

die sich natürlich durch<br />

Krankheiten, Verletzungen<br />

oder anderen Gründen<br />

noch ändern kann.<br />

Tickets kann man online, an der Tourist Information<br />

im Oberstdorf-Haus im Ortszentrum oder<br />

direkt an der Kasse beim Eintritt kaufen, denn<br />

ausverkauft war der Wettbewerb noch nie. Eine<br />

Dauerkarte für drei Tage mit Schaulaufen kostet<br />

65 Euro, mit Walser-Kurkarte 60 Euro und für<br />

Kinder bis 14 und Menschen mit Behinderung<br />

32,50 Euro.<br />

Bei den Frauen haben sich sehr bekannte Läuferinnen<br />

angemeldet: Die WM-Zweite Loena Hendrickx<br />

aus Belgien will ebenso starten wie die<br />

beiden US-Amerikanerinnen Gracie Gold (WM-<br />

Vierte) und Starr Andrews sowie die beiden Österreicherinnen<br />

Olga Mikutina und Stefanie Pesendorfer<br />

und die Schweizerinnen Alexia Paganini<br />

und Livia Kaiser. Aus Oberstdorf kommt die<br />

Deutsche Vizemeisterin Kristina Isaev.<br />

Jennifer Janse van Rensburg<br />

und Benjamin Steffan<br />

Foto: Flade<br />

Bei den Männern führen die olympia-erfahrenen<br />

Kanadier Keegan Messing und Roman Sadovsky<br />

das Feld an. Für die DEU ist hier Nikita Starostin<br />

gemeldet, der bei der WM das Finale erreicht<br />

hatte. Unter den 15 gemeldeten Paaren hoffen<br />

Annika Hocke & Robert Kunkel und Alisa Efimova<br />

& Ruben Blommaert auf Medaillen. Im Eistanzen<br />

wollen die Lokalmatadoren Jennifer Janse<br />

van Rensburg & Benjamin Steffan ihr Saisondebüt<br />

geben, aus Deutschland sind außerdem Lara<br />

Luft & Maximilian Pfisterer sowie Charise Matthaei<br />

& Max Liebers am Start. Favoriten sind<br />

wohl die britischen WM-Sechsten Lilah Fear &<br />

Lewis Gibson, dabei auch die WM-Zehnten Alison<br />

Reed und Saulius Ambrulevicius aus Litauen<br />

und die Tschechischen Nebelhorn-Sieger 2020,<br />

Natalie Taschlerova und Filip Taschler. krk<br />

Ungefährer Zeitplan<br />

Do, 22.09. 13:00 KP Männer<br />

Do, 22.09. 16:15 KP Frauen<br />

Do, 22.09. 19:30 KP Paare<br />

Fr. 23.09. 13:00 Rhythmustanz<br />

Fr. 23.09. 15:45 Kür Männer<br />

Fr. 23.09. 19:45 Kür Paare<br />

Sa. 24.09. 11:00 Kür Frauen<br />

Sa. 24.09. 14:30 Kür Eistanzen<br />

Sa. 24.09. 20:15 Schaulaufen<br />

Infos<br />

auf der Event-Site der<br />

DEU unter:<br />

www.eislauf-union.de/<br />

events/nebelhorn-trophy


Impressum<br />

Verlags- und Redaktionsanschrift:<br />

STS·Verlag+Werbung<br />

Stefan Schulze<br />

Am Stutz 14<br />

97993 Creglingen<br />

Fon <strong>07</strong>933-700-191<br />

Fax <strong>07</strong>933-700-192<br />

E-Mail: info@pirouette-online.de<br />

Webshop: www.pirouette-online.de<br />

Google Play: https://play.google.com/store/apps/<br />

details?id=de.pirouette.android<br />

App Store: https://apps.apple.com/us/app/<br />

pirouette-magazin/id1553450950<br />

Verlagsleitung: Stefan Schulze<br />

Chefredakteur: Klaus-Reinhold Kany<br />

Stellvertreterin: Tatjana Flade<br />

Mitarbeiter: Albert René Kolb (Schweiz),<br />

Katrin Flaschka (Österreich), Hella Höppner<br />

Grafik: Stefan Schulze, Andreas Münch<br />

Anzeigen: Stefan Schulze<br />

Kundenbetreuung: Angelika Manicone<br />

Für unverlangt eingesandte Manuskripte<br />

und Bildzuschriften haftet der Verlag nicht.<br />

Beiträge, die mit Namen oder Initialen des Verfassers<br />

gezeichnet sind, stellen nicht unbedingt die Meinung<br />

der Redaktion oder des Herausgebers dar. Für die<br />

Richtigkeit der Mitteilungen und Berichte zeichnen<br />

die Clubs verantwortlich. Zuschriften können von uns,<br />

falls kein ausdrücklicher Vor behalt gemacht wird, im<br />

Wortlaut oder aus zugs weise veröffentlicht werden.<br />

Erscheinungsweise: 10 mal im Jahr, Mai/Juni und<br />

Juli/August sind Doppelausgaben, sonst monatlich.<br />

Einzelheft (Print): 6,90 EUR zzgl. Versand<br />

Einzelheft (App Store / Google Play): 5,99 / 6,49 EUR<br />

Jahresabonnement (Print):<br />

Deutschland: 69 EUR, EU: 72 EUR inkl. Versand<br />

Probeabo (Print): 36 EUR, EU: 38 EUR inkl. Versand<br />

Bankverbindungen:<br />

GLS Gemeinschaftsbank eG<br />

IBAN DE34430609677014380800,<br />

BIC GENODEM1GLS<br />

USt.-ID DE 178391062<br />

Anzeigen: Standard-Formate zum vergünstigten<br />

Festpreis in unserer Preisliste,<br />

Download unter www.pirouette-online.de/info/<br />

anzeigenpreise<br />

Copyright für alle Beiträge bei: STS·Verlag+Werbung.<br />

Nachdruck in Wort und Bild, auch auszugsweise,<br />

nur mit schriftlicher Ge neh migung des Verlags.<br />

Gerichtsstand: Bad Mergentheim<br />

Kündigung sind bis acht Wochen vor Ablauf des<br />

Abon ne ments möglich, sonst erfolgt Verlängerung um<br />

ein weiteres Jahr. Eine Kündigung bedarf der<br />

Schriftform.<br />

Unsere vollständigen AGB sind nachzulesen unter:<br />

www.pirouette-online.de/info/<br />

allgemeine-geschaeftsbedingungen<br />

Inhalt<br />

Vorschau Nebelhorn Trophy 2<br />

Neues aus aller Welt 2<br />

Pressekonferenz: Yuzuru Hanyu 4<br />

Interview: Deniss Vasiljevs 5<br />

Neues aus aller Welt 6<br />

Musikauswahl8<br />

Neues aus aller Welt 9<br />

Wer startet wo beim Grand Prix? 10<br />

Sommertraining in Antwerpen 12<br />

Neues aus aller Welt 13<br />

Sommertraining in der Schweiz 14<br />

ISU-Paarlauflehrgang16<br />

DEU-Sichtungslaufen in Oberstdorf 18<br />

Buchrezension: Kiira Korpi 21<br />

Sommertraining in Russland 22<br />

Sommerwettbewerbe <strong>No</strong>rdamerika 24<br />

Neues aus Japan 26<br />

Mao Asadas Eisshow 27<br />

Japan: Gensan Summer Cup 28<br />

Junioren Grand Prix Courchevel 29<br />

Analyse: Online-Training 32<br />

Sichtungslaufen Estland 33<br />

Der Aufstieg Estlands 35<br />

Titelbild:<br />

Vanessa James und Eric Radford haben<br />

nach nur einer gemeinsamen Saison<br />

ihre Karriere beendet.<br />

Foto: Hella Höppner<br />

Mao Asada stellt ihre neue Show Beyond vor (Seite 27)<br />

Fotoquelle: Beyond Ice Show, (<br />

(C) 浅 田 真 央 アイスショー「BEYOND」 製 作 委 員 会<br />

Termine<br />

Mitte <strong>September</strong> bis Ende Oktober <strong>2022</strong><br />

12.09. – 16.09. Challenger in Lake Placid<br />

(USA)<br />

15.09. – 18.09. Challenger: Lombardia<br />

Trophy in Bergamo (Italien)<br />

21.09. – 24.09. ISU Adult Competition in<br />

Ottawa (Kanada)<br />

22.09. – 24.09. Challenger: Nebelhorn<br />

Trophy in Oberstdorf<br />

22.09. – 24.09. Junioren Grand Prix ohne<br />

Paare in Yerewan (Armenien)<br />

29.09. – 01.10. Junioren Grand Prix 1 mit<br />

Paaren in Danzig (Polen, von<br />

Grenoble verlegt)<br />

29.09. – 01.10. Challenger: Nepela Memorial<br />

in Bratislava (Slowakei)<br />

05.10. – 08.10. Junioren Grand Prix 2 mit<br />

Paaren in Danzig (Polen)<br />

05.10. – 09.10. Challenger: Finlandia Trophy<br />

in Espoo<br />

08.10. Japan Open in Saitama<br />

(Japan)<br />

12.10. – 15.10. Junioren Grand Prix ohne<br />

Paare in Egna (Neumarkt,<br />

Italien)<br />

13.10. – 16.10. Challenger: Budapest Trophy<br />

(Ungarn)<br />

15.10. – 16.10. Tayside Trophy in Dundee<br />

(Großbritannien)<br />

18.10. – 23.10. Trophée Metropole Nice in<br />

Nizza (Frankreich)<br />

19.10. – 23.10. Mentor Cup in Torun (Polen),<br />

abgesagt<br />

21.10. – 23.10. Grand Prix Skate America in<br />

<strong>No</strong>rwood bei Boston (USA)<br />

25.10. – 28.10. Autumn Talents Cup in<br />

Brovary (Ukraine)<br />

26.10. – 29.10. Challenger: Denis Ten<br />

Memorial in Almaty<br />

(Kasachstan)<br />

26.10. – 30.10. Crystal Skate in Bukarest<br />

(Rumänien)<br />

27.10. – 30.10. Tirnavia Ice Cup in Trnava<br />

(Slowakei)<br />

27.10. – 30.10. Mezzaluna Cup in Mentana<br />

(Italien)<br />

28.10. – 30.10. Grand Prix: Skate Canada in<br />

Mississauga (Ontario)<br />

Die nächste <strong>Pirouette</strong> erscheint voraussichtlich am:<br />

5. Oktober <strong>2022</strong> (Digital), 14. Oktober <strong>2022</strong> (Print)<br />

3<br />

Inhalt & Termine


4<br />

Yuzuru Hanyu<br />

Pressekonferenz<br />

Yuzuru Hanyu<br />

»Ich möchte einen<br />

Neubeginn machen«<br />

Eine Pressekonferenz, aufgezeichnet<br />

und übersetzt von<br />

Maria Laura Brandmann Mitsuoka<br />

Yuzuru: Als Profiathlet werde ich mich nicht<br />

mehr mit anderen Wettkämpfern messen. Von<br />

nun an möchte ich mich selbst wertschätzen,<br />

meine Schwächen ausmerzen und mein früheres<br />

Selbst überwinden. Außerdem habe ich immer<br />

noch das Ziel vor Augen, einen vierfachen Axel<br />

vor Publikum zu stehen. Darüber hinaus habe ich<br />

die Entscheidung getroffen, auf mein Innerstes<br />

zu hören und meine Gefühle in den Vordergrund<br />

zu stellen. Ich bin wirklich glücklich, wenn die<br />

Menschen, die mich bis hierher unterstützt haben,<br />

meine Arbeit schätzen und (bei meinen<br />

Darbietungen) etwas fühlen. Dieses Glück möchte<br />

ich bewahren. Bei vielen Entscheidungen ist<br />

es natürlich sehr traurig, enttäuscht zu werden,<br />

aber auch in solchen Situationen hoffe ich, dass<br />

mein Eislaufen für Sie einen Wert hat. Ich werde<br />

mich weiterhin selbst herausfordern, auch mit<br />

dem 4A, und mein Bestes geben, in Zukunft ein<br />

höheres Niveau zu erreichen. Von nun an werde<br />

ich diesen Sport als professioneller Läufer in Ehren<br />

halten und versuchen, durch harte Arbeit<br />

dem Ideal von „Yuzuru Hanyu“ gerecht zu werden.<br />

Bitte begleiten Sie mein kämpferisches Ich<br />

auch weiterhin auf seinem Weg.<br />

Sind Sie traurig über die Entscheidung, denn<br />

Wettkampfsport aufzugeben?<br />

Ich fühle mich überhaupt nicht traurig. Im Gegenteil,<br />

als ich über meine <strong>No</strong>tizen für diese<br />

Pressekonferenz nachgedacht und dabei meine<br />

Zukunftspläne in Betracht gezogen habe, dachte<br />

ich mir: „Ich bin nicht so (traurig)“ Ich bin vielmehr<br />

entschlossen, diesen Weg zu gehen. Es ist<br />

der Weg, den ich bestreiten möchte. Ich möchte<br />

von nun an noch härter arbeiten, ich möchte<br />

mehr Gelegenheiten schaffen, bei denen die<br />

Menschen meinen Eiskunstlauf sehen können,<br />

nicht nur bei begrenzten Anlässen wie Wettbewerben.<br />

Deshalb möchte ich, dass sich alle darauf<br />

freuen.<br />

Wie blicken Sie jetzt auf die Olympischen<br />

Spiele zurück?<br />

Ich habe bei den Olympischen Spielen zweimal<br />

Gold gewonnen. Für mich sind diese Erfahrungen<br />

sehr wichtig, weil sie mich in die Position<br />

gebracht haben, in der ich jetzt bin. Außerdem<br />

habe ich durch meine Teilnahme in Peking zeigen<br />

können, dass ich immer noch meine Träume<br />

verfolge und hart arbeite, auch wenn mir mein<br />

Vorhaben nicht gelungen ist.<br />

Wie sind Sie zu dieser Entscheidung gekommen<br />

aufzuhören?<br />

Ich habe das Gefühl, in Wettkämpfen bereits alles<br />

erreicht zu haben, was ich in meiner Laufbahn<br />

hätte erreichen können. Außerdem bin ich<br />

nicht mehr auf der Suche nach Anerkennung für<br />

Leistungen. Natürlich war ich unentschlossen,<br />

aber ich hatte schon nach Pyeongchang an einen<br />

Rücktritt gedacht. Ich mag das Wort nicht<br />

wirklich, deshalb verwende ich es nicht gerne.<br />

In einem Interview, als ich 16 oder 17 Jahre alt<br />

war, habe ich auf die Frage, was ich tun würde,<br />

wenn ich zwei olympische Wettbewerbe hintereinander<br />

gewinnen würde, aus tiefstem Herzen<br />

gesagt, dass meine Karriere dann erst richtig<br />

beginnen würde. So fühle ich mich auch jetzt.<br />

Ich hatte schon nach den Olympischen Spielen<br />

in Pyeongchang überlegt, Profi-Läufer zu werden,<br />

aber es gab den 4A und einige Wettkämpfe,<br />

darunter die Vier-Kontinente-Meisterschaften,<br />

bei denen ich nicht Gold geholt hatte. Also<br />

habe ich weitergemacht. Und da ich weiterhin<br />

den 4A stehen wollte, habe ich an den Olympischen<br />

Spielen in Peking teilgenommen. Jetzt<br />

denke ich, dass ich den 4A nicht unbedingt bei<br />

einem Wettkampf landen muss. Von nun an<br />

möchte ich mich von einer noch athletischeren<br />

Seite zeigen, einen Neubeginn machen und auf<br />

der nächsten Bühne stehen. Ich sehe (meine<br />

Entscheidung) nicht als negativ, nicht als Rücktritt<br />

an. Ist es nicht seltsam, dass der Ruhestand<br />

im Eiskunstlauf so negativ konnotiert ist? Ich<br />

denke, es ist eher ein Neuanfang.<br />

Was haben Sie als Profi-Sportler vor?<br />

Hanyu auf Youtube, Foto: privat<br />

Superstar Yuzuru Hanyu (27) gab auf einer Pressekonferenz in Tokio im Juli seinen<br />

Benoît Richaud (links)mit Daniel Grassl und<br />

Rücktritt bekannt. Die <strong>Pirouette</strong> veröffentlicht Auszüge Trainer aus der Lorenzo Pressekonferenz, Magri bei der JWM 2020 die in<br />

Japan ein großes Medienereignis war. Der zweimalige Olympiasieger begann mit einem<br />

Statement und beantwortete danach Fragen der Medien.<br />

Ich habe bereits einige Ideen gesammelt und<br />

mich mit anderen ausgetauscht. Ich möchte einen<br />

Eiskunstlauf einführen, der dem heutigen<br />

Zeitgeist entspricht. Mit meinen Shows möchte<br />

ich meine Fans sowie Menschen überzeugen,<br />

die vielleicht noch nie mit dem Sport in Berührung<br />

gekommen sind.<br />

Sie haben bei den Olympischen Spielen<br />

Medaillen gewonnen und verschiedene<br />

Rekorde aufgestellt, allerdings trotzdem weiterhin<br />

nach vorne geschaut. Was hat Sie so<br />

sehr angetrieben?<br />

Ich glaube, das liegt daran, dass ich ein Athlet<br />

bin. Ich war im Grunde nie zufrieden mit meiner<br />

gegenwärtigen Leistung. Ich wollte einfach immer<br />

besser werden. Ob es die Sprünge oder der<br />

musikalische Ausdruck im Eiskunstlauf waren,<br />

ich habe mich immer darauf gefreut, besser zu<br />

werden. Weil ich das hatte, habe ich bis heute<br />

mit dem Eiskunstlauf weitermachen können. Für<br />

mich ist Eiskunstlauf gleichbedeutend mit „am<br />

Leben sein“.<br />

Welche Schwierigkeiten gibt es in Ihrem<br />

Leben als Yuzuru Hanyu?<br />

Für mich ist es eine schwere Bürde, Yuzuru Hanyu<br />

zu sein. Wenn ich auf Pressekonferenzen<br />

wie dieser spreche oder hier auf der Bühne stehe,<br />

war ich so nervös, dass alles, woran ich gedacht<br />

hatte, wie weggeblasen war. Ich war so<br />

nervös, dass meine Hände und Füße blau angelaufen<br />

sind. Es gab viele Momente, in denen ich<br />

mich innerlich sehr leer gefühlt habe. Es gab<br />

auch viele Momente, in denen mir grundlos Tränen<br />

in die Augen gestiegen sind oder in denen<br />

ich nicht essen konnte. Ich habe auch mein Vertrauen<br />

in einige Menschen verloren. Deshalb<br />

denke ich, dass es wichtig ist, acht auf meine<br />

mentale Verfassung zu geben. Bevor mein Herz<br />

leer wird, möchte ich mich selbst so sehr wertschätzen,<br />

wie die Menschen um mich herum<br />

mich geschätzt haben.<br />

•••<br />

Update:<br />

Im August <strong>2022</strong> stellte Hanyu seinen eigenen<br />

Videokanal „Hanyu Yuzuru“ vor und<br />

streamte eine Trainingseinheit, zu der er die<br />

Presse eingeladen hatte. Das Video hatte<br />

innerhalb eines halben<br />

Tages 1,4 Millionen Aufrufe,<br />

den Kanal<br />

hatten drei Tage nach<br />

dem Start 539.000 Fans<br />

abonniert.<br />

https://www.youtube.com/channel/<br />

UChXVX37lFVqMfYWNsDvqhdQ/featured


Deniss Vasiljevs<br />

Im Herbst <strong>2022</strong> startet Deniss Vasiljevs<br />

(23) bereits in seine 7. Meisterklassesaison.<br />

„Ich fühle mich unter all meinen Kollegen<br />

bereits wie ein Dinosaurier!“, sagt er<br />

lachend. Jahr für Jahr harte Arbeit liegen<br />

bereits hinter ihm, Stunden um Monate<br />

um Jahre hat er vor allem Vierfache geübt.<br />

Seine Disziplin und sein hartnäckiger Wille<br />

zahlten sich vor allem in der vergangenen<br />

Saison aus, als er mit zwei sauberen und<br />

die Menge begeisternden Programmen die<br />

Bronzemedaille bei der Europameisterschaft<br />

in Tallinn gewinnen konnte. Die<br />

erste jemals für sein Heimatland Lettland.<br />

Eine beeindruckende Leistung, die jedoch<br />

noch nicht das Ende der Fahnenstange<br />

bilden soll: Bis Mailand 2026 soll es auf<br />

jeden Fall noch weitergehen. Dorthin begleiten<br />

sollen ihn sein langjähriges Trainerteam<br />

um Stéphane Lambiel und sein<br />

Trainingsstandort Champéry in der<br />

Schweiz. Wenn man sich mit Deniss hinsetzt<br />

und ihn erzählen lässt, von seinen<br />

Plänen, Idealen und seinen Visionen, merkt<br />

man schnell, dass man es hier mit einem<br />

außergewöhnlichen jungen Mann zu tun<br />

hat, der nichts dem Zufall überlässt.<br />

Deniss, die Saisonvorbereitungen laufen auf<br />

Hochtouren, wie geht es Ihnen?<br />

Deniss: Sehr gut, ich bin fit und gut in Form,<br />

auch wenn das aktuelle Trainingscamp sehr anstrengend<br />

ist und ich mich auf meinen Urlaub<br />

kommende Woche freue. Da geht es für ein paar<br />

Tage nach Hause nach Lettland. Grundsätzlich<br />

trainiere ich hart, bilde mich in vielen Bereichen<br />

weiter, versuche mein Wissen anzuwenden und<br />

immer, wenn ich falle, wieder aufzustehen.<br />

Die letzte Saison verlief sehr erfolgreich.<br />

Welchen Einfluss hatte das auf Sie?<br />

»Ich will meinen ganz<br />

persönlichen Gipfel erklimmen«<br />

Sie haben vor, bis Mailand 2026<br />

weiterzulaufen. Was sind Ihre Ziele?<br />

Meine Grundphilosophie ist, dass ich die Leute<br />

durch meine Programme unterhalten will. Ich<br />

möchte technisch mit den Besten mithalten<br />

können und trotzdem niemals die Präsentation<br />

und den Unterhaltungswert auf der Strecke lassen.<br />

Das stellt eine große Herausforderung dar<br />

und lässt mich täglich über meine Grenzen hinausgehen.<br />

Um etwas mehr in Zahlen zu sprechen:<br />

Ich möchte in beiden Programmen zusammen<br />

mindestens zwei stabile Vierfache<br />

springen und regelmäßig um die 275 Punkte erreichen.<br />

Das ist nicht einfach für mich, da ich<br />

grundsätzlich nicht die besten körperlichen Voraussetzungen<br />

mitbringe, größer und breiter bin<br />

als viele meiner Konkurrenten. Aber ich arbeite<br />

stetig daran, mich zu verbessern und mich<br />

selbst zu perfektionieren. 300 Punkte wären ein<br />

Fernziel, von dem ich noch nicht weiß, ob ich es<br />

je erreichen kann.<br />

Was können Sie zu Ihren neuen Programmen<br />

erzählen?<br />

Das Kurzprogramm ist zu „Englishman in New<br />

York“ von Sting. Ich habe mich noch in keinem<br />

anderen Programm so sehr selbst mit eingebracht<br />

und mitgearbeitet. Daher bin ich stolz<br />

und gespannt, wie es sich entwickeln wird. Die<br />

Choreografin ist Salome Brunner. Meine neue<br />

Kür wird zur „Sinfonie aus der neuen Welt“ von<br />

Dvorak sein, choreografiert von Stéphane Lambiel.<br />

Zu dieser Musik zu laufen war mein Traum<br />

seit drei Jahren. Ich liebe dieses Stück einfach.<br />

Es war schwierig, die 40 Minuten auf vier zu<br />

kürzen, aber ich denke, wir haben ein recht einzigartiges<br />

Programm erschaffen. Es ist sicher eines<br />

der anspruchsvollsten Programme, das ich in<br />

meiner Karriere je laufen werde. Es ist unglaublich<br />

intensiv und lässt mir kaum Raum zum Luft<br />

holen. Aber ich liebe diese Herausforderung.<br />

Sie leben seit 6 Jahren in den Schweizer<br />

Bergen. Wie hat Sie diese außergewöhnliche<br />

Umgebung geprägt?<br />

Jeden Morgen, wenn ich aufstehe, blicke ich auf<br />

die 3000 Meter hohen Berge, die Dents du Midi.<br />

Ich sehe sie als ein Symbol für meine Karriere:<br />

Eines Tages werde ich den Gipfel erklimmen. Ich<br />

weiß, dass es sehr anstrengend wird und ich<br />

diesen langen Weg auch nicht alleine schaffen<br />

kann. Du musst dich körperlich und mental fit<br />

machen und benötigst jede Menge Planung und<br />

Vorbereitung. Der Gipfel liegt genau vor dir,<br />

aber der Pfad dorthin ist voller Gefahren und<br />

Hindernisse. Und so erinnert mich der Berg jeden<br />

Tag aufs Neue: Zieh dein Ding durch, wenn<br />

du dort hinauf willst! Und irgendwann werde<br />

ich meinen persönlichen Gipfel erklimmen. Nur<br />

ich alleine kann und werde entscheiden, wann<br />

und wie ich diesen erreicht habe.<br />

Neben Eiskunstlauf haben Sie viele weitere<br />

Interessen. Unter anderem schreiben Sie an<br />

einen eigenen Roman.<br />

5<br />

Deniss Vasiljevs<br />

Interview<br />

Ich habe die letzte Saison über viel Selbstbewusstsein<br />

aufgebaut, allerdings nicht unbedingt<br />

durch die guten Ergebnisse. Die waren eher das<br />

Resultat dessen. Ich hatte einfach Freude an<br />

meinen Programmen und habe es geschafft,<br />

schwierige Momente zu überwinden. Wenn man<br />

Wettbewerb für Wettbewerb Auftritte hinlegt,<br />

mit denen man zufrieden ist, ist das ein großartiges<br />

Gefühl. Die Tatsache, dass ich die Medaille<br />

bei der Europameisterschaft gewonnen habe<br />

oder auch bei den Grand Prix-Wettbewerben<br />

gute Ergebnisse erzielt habe, hat mein Herz<br />

nicht wirklich berührt. Für einen Moment, in<br />

dem man seine Ängste und allen Druck überwindet,<br />

sich einfach frei auf dem Eis fühlt und<br />

den Auftritt voll und ganz genießen kann, würde<br />

ich jede Medaille eintauschen. Von diesen<br />

Momenten gab es in der letzten Saison einige,<br />

und das macht mich sehr glücklich und stolz.<br />

Foto: Dombrowski<br />

Es ist ein Fantasy-Roman, an dem ich seit nunmehr<br />

vier Jahren arbeite. Er beinhaltet vier<br />

Handlungsstränge, von denen ich drei bereits zu<br />

Papier gebracht habe. Grundsätzlich geht es um<br />

Emotionen und wie sie unser Handeln und unser<br />

Urteilsvermögen beeinflussen. Da er in einer<br />

Fantasiewelt spielt, gibt es natürlich ein magisches<br />

System. Trotzdem ist es mir wichtig, dass<br />

die Handlung in sich realistisch ist. Es geht darum,<br />

dass Macht auch viel Ballast mit sich bringt.<br />

Natürlich ist die Geschichte verknüpft mit vielen<br />

meiner eigenen Erlebnisse und Emotionen. Dieses<br />

Buch ist ein großes Projekt, aber auf Grund der<br />

Disziplin, die mein Sport mich gelehrt hat, bin ich<br />

mir sicher, dass ich es fertigstellen werde.<br />

Viel Erfolg dabei und für die neue Saison.<br />

Mit Deniss Vasiljevs sprach Judith Dombrowski.


6<br />

News<br />

Alexander Vedenin<br />

gestorben<br />

Alexander Vedenin und Mirijam Ziegler<br />

Quelle: www.alexandervedenin.com<br />

Der ehemalige Trainer und Preisrichter Alexander<br />

Vedenin ist im Alter von 75 Jahren<br />

überraschend gestorben, wie der russische<br />

Eiskunstlauf-Verband auf seiner Webseite berichtet.<br />

Vedenin war 1963 und 1965 Sowjetischer<br />

Meister. Nach dem Ende seiner aktiven<br />

Karriere arbeitete er als Trainer in Russland<br />

und im Ausland, unter anderem auch in Österreich,<br />

München, Schweden und im Großraum<br />

Chicago. Er war außerdem einige Jahre<br />

lang internationaler Preisrichter. Im vergangenen<br />

Herbst war er mit einem Interview negativ<br />

aufgefallen, in dem er sich homophob über<br />

den Eistänzer Guillaume Cizeron äußerte.<br />

Vedenin soll wieder in Russland gelebt haben<br />

und am 30. August in Sotchi verstorben sein.<br />

Die Todesumstände sind nicht bekannt. tat<br />

Aljona Savchenko<br />

in Stuttgart<br />

Am Samstag den 27. August fand in Stuttgart<br />

ein Landeskader-Lehrgang statt. Wir haben ihn<br />

unter das Motto „Skating Skills“ (Eislauffertigkeiten)<br />

gestellt, da ihnen nach der Reduzierung<br />

der Komponenten noch mehr Gewichtung zufällt.<br />

Die Eishalle in Stuttgart öffnete erst am<br />

15. August und viele Läufer/innen standen erst<br />

seit zwei Wochen auf dem Eis. Somit fiel die<br />

Entscheidung leicht, intensiv an den Skating<br />

Skills zu arbeiten. Wir haben Aljona Savchenko<br />

eingeladen und uns riesig gefreut, dass sie für<br />

uns Zeit gefunden hat. Neben den Kadersportler/innen<br />

aus Baden-Württemberg hat der Verband<br />

auch Läufer/innen eingeladen, die bei der<br />

letzten Sichtung positiv aufgefallen sind. Insgesamt<br />

durften 31 Sportler/innen mit Aljona Savchenko,<br />

Olga Edler und Steffen Hörmann auf<br />

dem Eis arbeiten. Die Aufregung bei den jüngeren<br />

Sportler/innen war sehr groß. Tage davor<br />

fanden Vorbereitungen statt, was man alles unterschreiben<br />

lassen könne (Schlittschuhe, Schoner,<br />

Buch von Aljona, T-Shirt usw.). Die Eltern<br />

berichteten, dass die Kinder vor dem Lehrgang<br />

nicht einschlafen konnten. Dann war es soweit<br />

und die Läufer/innen standen mit Aljona auf<br />

dem Eis. Es war beeindruckend, mit wieviel Präsenz<br />

sie ihre Übungen vormachte. Sie wirbelte<br />

übers Eis und zeigte den Läufer/innen wie man<br />

effektiv abstößt. Eine Läuferin sagte zu mir:<br />

„Aljona kommt mit einem Abstoß von Stuttgart<br />

nach Berlin!“ Ihr Programm ging von den Basics<br />

über Hydroblading, Clean Skating, Moves in the<br />

Field, Powerful and Fast Skating bis hin zu originellen<br />

Sprüngen und Verbindungen. Jede<br />

Stunde und jede Übung war anders gestaltet.<br />

Sie sprühte vor kreativen Ideen und machte jeden<br />

Schritt leidenschaftlich gerne selbst vor. Die<br />

Läufer kamen nach den zwei Stunden mit Aljona<br />

glücklich, aber erschöpft vom Eis. Aljona dagegen<br />

sprühte nach sechs Stunden am Stück<br />

immer noch vor Energie! Claudia Unger<br />

Was machen eigentlich…<br />

Corinna Halke<br />

und Eberhard Rausch?<br />

Ihren 65. Geburtstag feierte im Juli bei Garmisch-Partenkirchen<br />

die frühere deutsche Paarlaufmeisterin<br />

Corinna Halke-Teichmann. Sie war<br />

mit ihrem einstigen Partner Eberhard Rausch in<br />

den Jahren zwischen 1972 bis 1978 dreimal<br />

Deutschen Meisterin, nahm an fünf Europa- und<br />

Weltmeisterschaften teil und qualifizierte sich<br />

zweimal für Olympische Spiele. 1972 nahm die<br />

gebürtige Dortmunderin damals als jüngste Teilnehmerin<br />

überhaupt an den Olympischen Spielen<br />

in Sapporo teil. Halke & Rausch starteten<br />

einst für den SC Riessersee und trainierten in<br />

Garmisch-Partenkirchen beim damaligen Bundestrainer<br />

Erich Zeller. Bekannt wurde Corinna<br />

Halke nach ihrer Karriere als Paarläuferin auch<br />

als Moderatorin und Reporterin beim Bayerischen<br />

Rundfunk, für den sie noch heute tätig<br />

ist. Die Mutter einer 29-jährigen Tochter lebt in<br />

Grainau und ist noch genauso energiegeladen<br />

wie früher als Eiskunstläuferin. Ihr einstiger Eislaufpartner<br />

Eberhard Rausch, der im Dezember<br />

75 Jahre alt wird, war einst in Mannheim mit<br />

Brunhilde Basler (heute Bruni Skotnicky) gelaufen,<br />

errang mit ihr 1970 den deutschen Meistertitel<br />

und fand 1972 in Corinna Halke eine<br />

neue Partnerin. Er lebt nun am Gardasee in Italien<br />

und besitzt dort ein gut gehendes Restaurant.<br />

Zuvor war er in der Schweiz als Sportlehrer<br />

an einem hochkarätigen Internat tätig und<br />

lernte dort auch seine Frau kennen. Danach verschlug<br />

es ihn als Surflehrer nach Italien und er<br />

leitete eine florierende Surfschule. Später sattelte<br />

er noch einmal mit seiner Frau in die Gastronomie<br />

um. <br />

gd<br />

Dopingfall in Deutschland<br />

Die nationale deutsche Dopingagentur Nada<br />

meldet in ihrem Jahresbericht, dass es im Herbst<br />

2021 einen Dopingfall im deutschen Eiskunstlauf<br />

gegeben hat. Anders als bei Dopingfällen in anderen<br />

Ländern (siehe die beiden Fälle bei den<br />

Olympischen Spielen) wollen die DEU und die<br />

Trainer aber, dass in Deutschland der Name der<br />

Sportlerin bzw. des Sportlers nicht genannt werden,<br />

gleichgültig ob sie/er volljährig ist oder<br />

nicht. Viele Insider, auch die <strong>Pirouette</strong>-Mitarbeiter,<br />

wissen, um wen es sich handelt und wer<br />

seitdem nicht mehr aufgetreten ist. Die betreffende<br />

Sportlerin bzw. der betreffende Sportler<br />

wurde zu einer vierjährigen Sperre verurteilt, hat<br />

sich aus finanziellen Gründen keinen teuren Anwalt<br />

nehmen können und ihre/seine Karriere be-<br />

endet. Die Nada schrieb, es sei das Mittel<br />

Drostanolon gefunden worden, das eigentlich<br />

nur in der Bodybuildingszene verwendet wird<br />

und sehr Eislauf-untypisch ist. Ein Insider/eine<br />

Insiderin sagte der <strong>Pirouette</strong>, es sei ein Nanogramm<br />

(eine absolut winzige Menge) dieser<br />

Substanz gefunden worden, aber das könne auch<br />

von einer Hautcreme, Rasiercreme oder etwas<br />

Ähnlichem kommen, was nicht verboten ist. krk<br />

Müller nach Oberstdorf<br />

umgezogen<br />

Von Dortmund bzw. ihrer Heimatstadt Gütersloh<br />

nach Oberstdorf umgezogen ist Eistänzerin Katharina<br />

Müller, unter anderem, weil sie hier einen<br />

Freund gefunden hat (nicht vom Eislaufen,<br />

sagt sie). Einerseits hätte sie olympisches Feuer<br />

gefangen und könnte sich vorstellen, 2026 noch<br />

einmal bei den Spielen zu starten. Aber mit zunehmendem<br />

Alter könne sie sich weniger als<br />

früher vorstellen, im Ausland zu trainieren.<br />

„Denn später will ich in Deutschland leben. In<br />

Russland zu leben, schließe ich seit dem Kriegsbeginn<br />

ganz aus. Ich sehe erstmal, was mir über<br />

den Weg läuft und mache zurzeit eine B-Trainerausbildung..<br />

Vielleicht schneit plötzlich einmal<br />

ein guter Tanzpartner für mich herein, man<br />

weiß ja nie, das sieht man ja bei Joti (Polizoakis).<br />

Ich könnte mir auch eine Karriere als<br />

Preisrichterin vorstellen.“ Tim Dieck betreute<br />

Louis Weissert, arbeitet mit einem kleinen Tanzpaar<br />

und sagte, er mache demnächst einige<br />

Probetrainings und werde anschließend entscheiden,<br />

mit wem und wo er weiterlaufen wird.<br />

Beide machten am Tag nach der Sichtung eine<br />

Prüfung im Rahmen der Trainerausbildung. krk<br />

Papadakis/Cizeron<br />

bei Holiday on Ice<br />

in Deutschland<br />

Die DEU und ihr Kooperationspartner Holiday on<br />

Ice gaben bekannt, dass die Eistanz-Olympiasieger<br />

Gabriella Papadakis & Guillaume Cizeron im<br />

Winter achtmal Gaststars bei den jeweiligen<br />

Premieren der Tournee „A New Day“ von Holiday<br />

on Ice durch Deutschland sind:<br />

Rostock: 08.12.<strong>2022</strong><br />

Leipzig: 22.12.<strong>2022</strong><br />

Frankfurt: 03.01.2023<br />

Köln: 13.01.2023<br />

Dortmund: 20.01.2023<br />

Stuttgart: 25.01.2023<br />

München: 16.02.2023<br />

Berlin: 01.03.2023<br />

James & Radford<br />

beenden Karriere<br />

Vanessa James und Eric Radford haben nach nur<br />

einer gemeinsamen Saison ihre Karriere beendet.<br />

Die Französin besitzt auch die kanadische<br />

Staatsbürgerschaft und war bis 2018 mit dem<br />

Franzosen Morgan Ciprès gestartet. Der Kanadier<br />

hatte eigentlich seine Karriere mit Meagan<br />

Duhamel 2018 mit Team-Gold bei Olympia und


einer Olympischen Bronzemedaille in der Paarlaufkonkurrenz<br />

beendet. Aber im Frühsommer<br />

2021 gaben James und Radford überraschend<br />

bekannt, dass sie zu ISU-Wettbewerben zurückkehren<br />

und bei den Olympischen Spielen sowie<br />

der WM <strong>2022</strong> noch einmal und diesmal miteinander<br />

starten wollten. Diese Ziele erreichten sie,<br />

belegten bei den Spielen Rang 12 und gewannen<br />

bei der WM in Montpellier sogar eine Bronzemedaille<br />

(siehe Titelbild dieses Heftes). Aber<br />

ihr Alter ist mit 34 bzw. 37 Jahren fortgeschritten<br />

und sie haben nun anderes im Blick: Radford<br />

sitzt jetzt als Läufervertreter im ISU-Vorstand<br />

und James arbeitet als Trainerin, zum Beispiel<br />

beim ISU-Paarlauflehrgang in Oberstdorf.<br />

Tennell wechselt nach Nizza<br />

Die Amerikanerin Bradie Tennell (24), Neunte<br />

bei der WM 2021 und Neunte bei den Olympischen<br />

Spielen 2018, konnte wegen zunächst<br />

rätselhafter und heftiger Fußschmerzen fast ein<br />

ganzes Jahr nicht trainieren und verpasste daher<br />

die Olympischen Spiele <strong>2022</strong>. Jetzt ist sie<br />

wieder fit und wechselte von Colorado Springs<br />

in das französische Nizza zu ihrem französischen<br />

Choreografen Benoit Richaud. Dieser zog<br />

von seinem bisherigen Familien-Wohnort nahe<br />

Avignon aus und nach Nizza und betreut somit<br />

erstmals eine Läuferin als Haupttrainer. Außerdem<br />

arbeitet Tennell in Nizza mit dem Sprungtrainer<br />

Cedric Tour.<br />

Babies<br />

Die Kanadier Meagan Duhamel (36) und<br />

Bruno Marcotte (48) wurden am 13. Juli Eltern<br />

einer Tochter namens Miya. Dies ist<br />

das zweite Kind des Ehepaares. Duhamel<br />

hatte ihre Läuferkarriere 2018 mit Eric Radford<br />

beendet, Marcotte war lange Jahre ihr<br />

Trainer und arbeitet seit einigen Jahren in<br />

Oakville, etwa eine Autostunde südwestlich<br />

von Toronto.<br />

Die bayerische Eistanz-Preisrichterin Ekaterina<br />

Zabolotnaya und ihr Ehepartner, die<br />

von Sri Lanka nach München umgezogen<br />

sind, wurden am 25. Juli Eltern eines Sohnes<br />

Alexander.<br />

Ksenia Stolbova, die Olympia-Zweite im<br />

Paarlauf von 2014 (mit Fedor Klimov) und<br />

Trainer Nikolai Morozov freuen sich über<br />

die Geburt ihres Sohnes Platon. Der Junge<br />

kam am 5. August zur Welt, wie die russische<br />

Journalistin Elena Vaitsekhovskaia auf<br />

ihrem Telegramm-Kanal berichete. Morozov<br />

war bereits dreimal verheiratet und hat die<br />

erwachsene Tochter und aktive Eistänzerin<br />

Anabelle aus erster Ehe.<br />

Besuchen Sie<br />

die <strong>Pirouette</strong><br />

auf Facebook<br />

Grassl zieht in die USA<br />

Der Südtiroler Einzelläufer Daniel Grassl verlässt<br />

seinen langjährigen Trainingsort Egna nahe Bozen<br />

und sein bisheriges Trainerteam um Lorenzo<br />

Magri und geht nach <strong>No</strong>rwood nahe Boston in<br />

den renommierten Boston Skating Club. Seine<br />

neuen Haupttrainer werden der Amerikaner russischer<br />

Herkunft Alexei Letov und dessen Ehefrau<br />

Olga Ganicheva. Auf Facebook schrieb<br />

Grassl, das er Egna im Guten verlasse und immer<br />

wieder dorthin zum Training zurückkönne, wenn<br />

er das wolle. Er beherrscht zwar vier oder fünf<br />

Vierfache, erhielt aber wegen nicht sehr eleganter<br />

Landungen bisher nur wenige Pluspunkte für<br />

seine Sprünge. Vermutlich wird ein eleganterer<br />

Sprungstil die Hauptaufgabe seines neuen Trainerteams<br />

sein. Schon vorher hatte er sein neues<br />

KP zu „I Feel Love“ von Sam Smith mit dem<br />

Amerikaner Jason Brown choreografiert.<br />

Browning und Czisny<br />

verheiratet<br />

Kurt Browning (56), kanadischer langjähriger<br />

Showläufer und viermal Weltmeister zwischen<br />

1989 und 1993, und die amerikanische Läuferin<br />

Alissa Czisny (35), WM-Fünfte 2011 und vor allem<br />

wegen ihrer Weltklasse-<strong>Pirouette</strong>n bekannt,<br />

haben im Sommer geheiratet. Browning war zuvor<br />

viele Jahre mit der kanadischen Balletttänzerin<br />

Sonia Rodriguez verheiratet.<br />

7<br />

News<br />

Cimlova & Polizoakis arbeiten mit Skotnicky<br />

In Oberstdorf trainierte während der DEU-Sichtung<br />

und insgesamt zwei Wochen lang auch der<br />

frühere Deutsche Eistanzmeister Joti Polizoakis<br />

(27) mit seiner neuen tschechischen Partnerin<br />

Denisa Cimlova (19). Sie arbeiteten mit dem eigentlich<br />

schon im Ruhestand befindlichen Martin<br />

Skotnicky, natürlich auf Tschechisch, solange<br />

Haupttrainerin Barbara Fusar Poli im Sommerurlaub<br />

war. Cimlova war bei der Junioren-WM<br />

mit ihrem früheren Partner Vilem Hlavsa auf<br />

Rang 21 gelandet, aber Hlavsa musste anschließend<br />

seine Karriere aus gesundheitlichen Gründen<br />

beenden. Aljona Savchenko, die mit Polizoakis<br />

schon viele Jahre gut befreundet ist, hatte<br />

den Kontakt hergestellt. Der Eistänzer behält<br />

zwar seine Wohnung in Berlin, beendete aber<br />

seine Berliner Choreografentätigkeit und läuft<br />

auch nicht bei Holiday on Ice. Seit Anfang Juni<br />

trainiert das Duo nun in der Mailänder Tanzschule,<br />

in der Cimlova schon drei Jahre gearbeitet<br />

hatte. Sie gleicht ein bisschen der Eistänzerin<br />

Kati Winkler, als diese 18 oder 20<br />

Jahre alt war, was nicht nur dem Autor dieses<br />

Artikels, sondern auch Skotnicky aufgefallen<br />

war. Ende August sollte das neue Paar zum<br />

tschechischen Sichtungslaufen nach Ostrava<br />

und danach sollte entschieden werden, welche<br />

Wettbewerbe und welche finanzielle Unterstützung<br />

sie erhalten sollen. Im Rhythmustanz<br />

laufen sie zu Samba und Rumba (vier<br />

Teile), in der Kür zu „Mad World“ in der Version<br />

von Seal und zwei anderen Stücken. Im<br />

Training sahen die Programme schon recht attraktiv<br />

aus, zumal beide eine gute Ausstrahlung<br />

haben. <br />

krk<br />

Herbrikova & Roulet<br />

verheiratet<br />

Das Schweizer Paarlaufpaar Alexandra Herbrikova<br />

& Nicolas Roulet, das seine Karriere 2021 beendete,<br />

hat Anfang Juli im tschechischen Olomouc<br />

geheiratet. In den Jahren 2016 und 2020<br />

nahmen sie an Europanmeisterschaften teil und<br />

starteten ansonsten bei kleineren Wettbewerben.<br />

Neues von der Tanzschule<br />

in Montreal<br />

Das ukrainische Tanzpaar Mariia Holubtsova &<br />

Kyryl Bielobrov hat über den ganzen Juli und<br />

August in der Eistanzschule von Montreal trainiert<br />

und wurde durch Sponsoren finanziell unterstützt.<br />

In der Zweigstelle der Tanzschule in<br />

London/Ontario, deren Chef Olympiasieger Scott<br />

Moir ist, arbeiten jetzt Madison Hubbell, Olympische<br />

Bronzemedaillengewinnerin mit Zachary<br />

Donohue im Februar dieses Jahres, und ihr Verlobter,<br />

der spanische Ex-Eistänzer Adrian Diaz<br />

als neue Trainer.<br />

krk<br />

Joti Polizoakis &<br />

Denisa Cimlova mit<br />

Martin Skotnicky<br />

beim Training<br />

Foto: Höppner<br />

Das <strong>Pirouette</strong>-Magazin<br />

für Smartphone und Tablet!


8<br />

Musikauswahl<br />

Hugo Chouinard<br />

Karl Hugo<br />

Fotos: privat<br />

Am Anfang war die Musik<br />

Eiskunstlauf ist eine der wenigen Sportarten, in denen Musik ein wichtiger Teil der<br />

Darbietung ist. Die richtige Musik zu finden, sie so zu arrangieren, dass sie perfekt<br />

zu der Läuferin oder dem Läufer und Programm passt, ist nicht immer leicht.<br />

„Meiner Erfahrung nach fängst du mit der Recherche<br />

an“, sagt der Lette Deniss Vasiljevs. „Du<br />

fängst nicht damit an, dass du sagst ‚oh, das gefällt<br />

mir, lass uns das machen‘. Du brauchst ein<br />

Thema.“ Paarlauf-Weltmeister Brandon Frazier<br />

stimmt zu: „Die Musikauswahl basiert auf einer<br />

Kombination von Sachen, wie dass der Choreograph<br />

und die Läufer ihre Ideen auf den Tisch<br />

bringen. Manchmal kann das ein schwieriger<br />

Prozess sein und viel Zeit geht für die Suche<br />

nach der richtigen Musik drauf.“ In den meisten<br />

Fällen suchen die Läuferinnen und Läufer die<br />

Musik gemeinsam mit ihren Trainer/innen und<br />

Choreographen aus. Manche sind mehr als andere<br />

in diesen Prozess involviert und suchen aktiv<br />

Musik für sich, während andere sich auf ihre<br />

Choreographen verlassen. Oder sie fragen ihre<br />

Fans nach Vorschlägen. „Für Paare kann es eine<br />

Herausforderung sein, ein Musikstück zu finden,<br />

für das beide die gleiche Leidenschaft empfinden“,<br />

sagt Frazier. „Obwohl wir ein Team sind,<br />

sind wir doch zwei verschiedene Individuen,<br />

die einen unterschiedlichen Musikgeschmack<br />

haben können. Daher kann es<br />

lange dauern, bis Paare das richtige<br />

Stück finden, mit dem beide sich gut<br />

fühlen und von dem sie wissen,<br />

dass dieses bestimmte Stück das<br />

Beste aus ihnen herausholt.“<br />

Sobald man eine Musik<br />

hat, muss sie geschnitten<br />

oder angepasst werden,<br />

und hier kommen<br />

Leute wie Hugo Chouinard<br />

und Karl Hugo ins Spiel. Die Kanadier produzieren<br />

Musik für etwa 2.000 Programme pro Saison.<br />

Bei den Olympischen Winterspielen in Peking<br />

haben 31 Läufer oder Paare eine Musik<br />

verwendet, die Chouinard und Hugo bearbeitet<br />

oder kreiert haben, darunter die Olympiasieger<br />

Nathan Chen und Gabriella Papadakis/Guillaume<br />

Cizeron. „Jedes Programm beginnt mit einer<br />

Inspiration“, verrät Chouinard. „Manchmal haben<br />

sie (Läufer/ oder Trainer/innen) ein Konzept<br />

und bitten mich, ihnen Stücke vorzuschlagen,<br />

mit denen sie ihre Geschichte auf dem Eis erzählen<br />

können. Manchmal haben sie schon Teile<br />

ausgesucht und bitten mich, ihnen dabei zu<br />

helfen, die passende Ergänzung zu finden.<br />

Manche kommen mit detaillierten Anweisungen,<br />

während andere mir viel künstlerische<br />

Freiheit geben.“ In den vergangenen<br />

fünf Jahren geht der Trend hin<br />

zu individuell angefertigten Kompositionen,<br />

wie der Musik-Designer berichtet.<br />

In diesem Fall komponiert Chouinards<br />

Geschäftspartner, der Musiker<br />

Karl Hugo, ein Stück, um etwas zu<br />

ergänzen oder schreibt sogar die<br />

Musik für eine komplette Kür.<br />

Alexa Knierim und<br />

Brandon Frazier<br />

Foto: Höppner<br />

Musik für ein Eislaufprogramm zu schaffen, ist<br />

mehr als nur sicherzustellen, dass die Länge<br />

stimmt. „Die Struktur muss vorsichtig so aufgebaut<br />

werden, dass die Musik eine emotionale<br />

und energetische Kurve schafft, die das Programm<br />

gleichzeitig mitreißend, ästhetisch<br />

macht und so optimiert, dass sie das Programm<br />

verbessert,“ unterstreicht Chouinard. „Die Platzierung<br />

der Elemente hat einen Einfluss auf die<br />

Bearbeitung, weil Musikalität belohnt wird.“ Ist<br />

die Musik einmal produziert, ist die Arbeit jedoch<br />

oft noch nicht vorbei. „Manche Bearbei-<br />

tungen brauchen nur eine<br />

Version, während andere sich<br />

im Verlauf der Saison entwickeln<br />

und bis zu 60 Versionen<br />

haben können“, berichtet der Franko-Kanadier.<br />

Das passiert meistens<br />

im Eistanz. „Jede Sekunde ist<br />

durchdacht und angepasst, um<br />

optimalen Komfort und Passgenauigkeit<br />

zu erreichen. Das ist ein<br />

wenig wie ein Kostüm anzupassen.“ Als<br />

ehemaliger Eistänzer, der 1993 für Kanada bei<br />

der Junioren-WM den vierten Platz belegte,<br />

kennt Chouinard die Bedürfnisse genau. Wichtig<br />

ist auch die Tonqualität. Stimmt die nicht, hinterlässt<br />

das einen negativen Eindruck bei Zuschauern<br />

und Preisrichtern. Daher arbeitet<br />

Chouinard beständig daran, seine Technik zu<br />

verbessern, damit die Musik in dieser anspruchsvollen<br />

akustischen Umgebung, also der<br />

Eishalle, gut klingt. „Selbst wenn die Bearbeitung<br />

gelungen ist, muss sie im Wettbewerb perfekt<br />

klingen. Jedes Detail zählt, denn die Musik<br />

sollte nie einen Eislauf-Moment verderben, son-


9<br />

dern dafür genutzt werden, um Magie zu<br />

schaffen“, so der Musikdesigner.<br />

Magie zu schaffen ist genau das, was jede<br />

Läuferin, jeder Läufer erreichen will, mit der<br />

perfekten Musik, der perfekten Choreographie,<br />

dem perfekten Programm. Daher suchen sie<br />

stets nach dem richtigen Material. Und obwohl<br />

es so viel Musik gibt und Gesang seit 2014 in<br />

allen Disziplinen erlaubt ist, hört man manche<br />

Stücke immer wieder – Klassiker wie „Carmen“,<br />

„Die Vier Jahreszeiten“ oder populäre Filmmusik<br />

wie den „Tango de Roxanne“. Aber es gibt<br />

immer noch die Möglichkeit, ein neues Arrangement<br />

oder eine interessante Bearbeitung zu<br />

finden, die eine x-mal verwendete Musik wieder<br />

neu klingen lässt. Und die Darbietung<br />

macht einen Unterschied. „Egal, wie<br />

oft das Stück schon benutzt wurde,<br />

jeder Läufer kann es mit seiner eisläuferischen<br />

Version zu seiner eigenen<br />

Ausdrucksform machen. Die<br />

Musik mag dieselbe sein, aber<br />

die Darstellung, die Bedeutung<br />

und die Geschichte, die ein Läufer<br />

erzählt, kann ganz anders<br />

sein“, meint Frazier.<br />

Manchmal haben die Sportler und<br />

Sportlerinnen eine Musik im Kopf, zu der sie<br />

gerne laufen würden, es aber aus verschiedenen<br />

Gründen bisher nicht getan haben. Vielleicht<br />

fühlen sie sich nicht bereit dafür oder sie<br />

warten auf den richtigen Moment, etwas für<br />

sie Neues und anderes auszuprobieren. „Ich<br />

mag Rap-Musik nicht, aber da ist Musik, die so<br />

ähnlich ist und dennoch einen schönen Fluss,<br />

eine Musikalität hat“, erzählt Vasiljevs. „Ich<br />

habe probiert, einfach für mich dazu zu tanzen.<br />

Das würde ich gerne mal genauer erforschen.“<br />

Fraziers Wunsch, einmal zu „Fix You“ von Coldplay<br />

zu laufen, wurde in der Olympiasaison<br />

Wirklichkeit. „Ich war so froh, dass Alexa die<br />

Idee ebenfalls gefallen hat. Insbesondere zu<br />

dieser Musik bei den Olympischen Spielen zu<br />

laufen war besser, als ich je zu hoffen gewagt<br />

hatte“, sagt er. Auf seiner Wunschliste steht<br />

jetzt ein Beatles-Medley.<br />

Die Saison hat begonnen, die Musiken sind<br />

ausgewählt und einige Läuferinnen und Läufer<br />

haben sie in Interviews oder in den sozialen<br />

Netzwerken bekanntgegeben, während andere<br />

sie noch bis zu ihrem ersten Auftritt geheim<br />

halten möchten. In jedem Fall war die Musikwahl<br />

ein wichtiger Schritt in die neue Saison.<br />

Dennoch sind Designer Chouinard und Komponist<br />

Hugo noch beschäftigt, bearbeiten und<br />

schaffen Musik. „Die Musikwahl ist ein entscheidender<br />

Schritt, die einen großen Einfluss<br />

auf die Darbietung hat und darauf, wie sie bei<br />

Publikum und Preisrichtern ankommt“, meint<br />

Chouinard. „Ich denke, dass die meisten Musikstile<br />

als Hintergrund für ein Programm geeignet<br />

sind, so lange der Sportler inspiriert ist<br />

und Emotionen verspürt, wenn er sie hört.<br />

Wenn die Musik uns vibrieren lässt, können<br />

wir sie ausdrücken und das Publikum spürt<br />

das. Es ist essenziell, eine Wahl zu treffen, die<br />

die Fähigkeiten der Läufer herausstellt.“<br />

<br />

Tatjana Flade<br />

Viktor Petrenko, Foto: privat (Quelle: Wikipedia)<br />

Ukrainischer Verband<br />

wirft Petrenko raus<br />

Der Ukrainische Eislauf-Verband hat Viktor<br />

Petrenko, Olympiasieger von 1992, ausgeschlossen<br />

und von seiner Funktion als Vize-<br />

Präsident entbunden. Damit reagierte der Verband<br />

darauf, dass Petrenko in Tatjana Navkas<br />

Eis-Show im russischen Sotchi auftritt. Navka<br />

ist die Ehefrau von Dmitri Peskov, des Sprechers<br />

des russischen Präsidenten Vladimir Putin.<br />

„Der ehemalige Athlet traf seine beschämende<br />

Entscheidung trotz des blutigen Krieges,<br />

den Russland seit fünf Monaten gegen<br />

die Ukraine führt“, schreibt der Verband im<br />

Juli auf seiner Webseite. Petrenko trete zusammen<br />

mit den Unterstützern des Krieges<br />

auf. Der 53-Jährige, der aus Odessa in der<br />

Südukraine stammt, lebt seit dem Ende seiner<br />

Karriere größtenteils in den USA, hielt aber<br />

stets den Kontakt zur alten Heimat. Er startete<br />

zu Beginn seiner Karriere für die Sowjetunion<br />

und gewann Bronze bei den Olympischen<br />

Spielen 1988. In Albertville wurde er<br />

für den losen Nachfolge-Staatenverbund „Gemeinschaft<br />

Unabhängiger Staaten“ Olympiasieger<br />

und in Lillehammer bei seinem Comeback<br />

trat er schließlich für die Ukraine an.<br />

Ärger wegen ihres Auftritts in Navkas Shows<br />

bekamen auch die Litauer Margarita Drobizako/Povilas<br />

Vanagas. Der litauische Staatspräsident<br />

Gitanas Nauseda entzog ihnen den Gediminas-Orden,<br />

den sie anlässlich ihrer Erfolge<br />

mit EM- und WM-Medaillen im Jahr 2000 erhalten<br />

hatten. Außerdem werde geprüft, ob<br />

man der gebürtigen Russin Drobiazko die litauische<br />

Staatsbürgerschaft aberkennen könne.<br />

„Ich habe keinen Zweifel daran, dass das<br />

Eistanzpaar hervorragende Athleten waren,<br />

aber sie haben ihre Verdienste um Litauen, für<br />

die sie im Jahr 2000 ausgezeichnet wurden,<br />

mit ihrer zynischen Tat zunichtegemacht“, kritisierte<br />

Nauseda. Bestenfalls sei ihre Teilnahme<br />

an der Show inmitten des Kriegs in der<br />

Ukraine politische Blindheit. Im schlimmsten<br />

Fall spuckten sie auf die „Erinnerung an abgeschlachtete<br />

Babys, Kinder, Frauen und alte<br />

Menschen“, schrieb Nauseda auf Facebook.<br />

Anders als bei Petrenko ist diese Reaktion<br />

schwer nachvollziehbar, da Litauen keine<br />

Kriegspartei ist und Drobiazko/Vanagas weder in<br />

Litauen noch in der Ukraine oder in Russland irgendeinen<br />

offiziellen Posten bekleiden. Sie leben<br />

und arbeiten bereits seit mehr als 20 Jahren<br />

in Russland. <br />

Film nach Drehbuch<br />

von Denis Ten<br />

Vier Jahre nach dem tragischen Tod des kasachischen<br />

Eiskunstläufers Denis Ten kommt in<br />

seiner Heimat ein Film ins Kino, zu dem er das<br />

Drehbuch geschrieben hatte. Der Olympia-Dritte<br />

von 2014 beteiligte sich mit seinem Script an<br />

einem Wettbewerb des kasachischen Regisseurs<br />

Timur Bekmambetov und kam ins Halbfinale.<br />

„An dem „Screenlife Contest“ nahmen mehr als<br />

250 Wettbewerber aus aller Welt teil. Gestern<br />

kam ich ins Halbfinale. Wie ich das geschafft<br />

habe, weiß ich nicht. Aber eine einzelne Idee,<br />

die vor kurzem entstanden war, wurde mein<br />

Glücklos für diese ungewöhnliche Lebenserfahrung“,<br />

schrieb Ten am 14. Juli 2018 auf Instagram<br />

– nur fünf Tage, bevor er von zwei Kriminellen<br />

auf offener Straße in seiner Heimatstadt<br />

Almaty erstochen wurde. Nach der Ermordung<br />

des Eiskunstläufers entschied Bekmambetov,<br />

dass er den Film drehen werde und setzte das<br />

Projekt mit der Unterstützung von Tens Mutter<br />

Oksana um. Sie behielten das originale Drehbuch<br />

bei. Außerdem ist in dem Film das Lied<br />

„She won’t be mine“ zu hören, das der Sportler<br />

geschrieben hatte. Der Film kam am 28. Juli in<br />

Kasachstan ins Kino. „Blind Love“ (Blinde Liebe)<br />

erzählt die ungewöhnliche Liebesgeschichte<br />

zwischen der taubstummen Luna und dem blinden<br />

Sol. Gedreht wurde in Hollywood. Ob der<br />

Film auch außerhalb Kasachstans zu sehen sein<br />

wird, war zunächst nicht bekannt. Auf Instagram<br />

gibt es unter @blindlove_by_denisten<br />

weitere Informationen. <br />

Trusova in Schweden<br />

nicht willkommen<br />

Alexandra Trusova ist auf Druck des schwedischen<br />

Eislauf-Verbands von einer Veranstaltung<br />

in Stockholm ausgeladen worden. Der Eislaufclub<br />

Djurgadens hatte zusammen mit dem<br />

Sportbekleidungshersteller Loop Sport die Olympia-Zweite<br />

für Ende August als Gasttrainerin<br />

und für einen Auftritt engagiert. Doch der<br />

schwedische Verband teilte den Veranstaltern<br />

mit, dass die Anwesenheit der Russin nicht erwünscht<br />

sei, wie russische Medien berichten.<br />

Loop Sport schrieb, dass man die Absage des<br />

Events bedauere. 80 Prozent der Eintrittskarten<br />

seien bereits verkauft gewesen, woran man die<br />

Unterstützung für das Projekt habe sehen können.<br />

„Alexandra hat ihren Platz in der Weltgeschichte,<br />

da sie den Frauen-Eiskunstlauf auf ein<br />

neues Niveau gehoben und eine Revolution<br />

vollbracht hat. Sie kommt aus Russland, aber sie<br />

gehört zu der Welt des Fortschritts und der Zukunft<br />

der Menschheit. Darüber hinaus war sie<br />

nie in ein politisches Projekt involviert, sondern<br />

konzentriert sich nur auf das, womit sie sich im<br />

Leben befasst – mit der Kunst des Eislaufens,“<br />

zitierten russische Medien Loop Sport. tat<br />

News


10<br />

Wer startet wo beim Grand Prix?<br />

Grand Prix in Finnland und Großbritannien<br />

Wer startet wo?<br />

Erst am 22. Juli, also später als in anderen<br />

Jahren, hat die ISU bekanntgegeben,<br />

wer zu welchem Grand Prix eingeladen<br />

worden ist. Das lag auch daran, dass<br />

man offensichtlich nicht problemlos Ersatz<br />

für den Cup of China gefunden hat,<br />

nachdem China wegen der andauernden<br />

Pandemie schon wieder keinen Grand Prix<br />

ausrichten will. Ein bisschen Durcheinander<br />

gab es in der ISU, denn jemand veröffentlichte<br />

das britische Sheffield schon<br />

eine Woche zuvor auf der Webseite, offenbar<br />

unbeabsichtigt. Es wurde nach einer<br />

Stunde wieder gelöscht, wohl weil der britische<br />

Verband noch nicht endgültig mit<br />

dem neuen Sponsor MK Wilson Blades<br />

klargekommen war, dem bekannten Hersteller<br />

von Eislaufkufen, der seinen Sitz in<br />

Sheffield hat. Weniger Probleme gab es<br />

mit Finnland, das diesmal als Ersatz für<br />

den Cup of Russia einsprang, so wie schon<br />

vor vier Jahren einmal als Ersatz für China.<br />

Die Hartwall-Halle in Helsinki, die zum<br />

Teil einem russischen Geschäftsmann gehört,<br />

ist wegen der politischen Sanktionen<br />

nach wie vor geschlossen und die im Jahr<br />

2018 für den Grand Prix benutzte Halle<br />

soll vom Eishockey belegt sein.<br />

Daher wich man - wie für die EM 2023 - in die<br />

Metro Arena in Espoo aus, die vom Zentrum von<br />

Helsinki mit einer U-Bahn-Linie gut zu erreichen<br />

ist und in der seit einigen Jahren die Finlandia<br />

Trophy abgehalten wird. Nach Angers in West-<br />

Frankreich kommt man vom Pariser Flughafen-<br />

TGV-Bahnhof aus oder vom innerstädtischen<br />

Bahnhof Gare Montparnasse aus in etwa zwei<br />

Stunden mit dem TGV-Schnellzug. Nach Sheffield<br />

fährt eine Bahn vom Flughafen Manchester<br />

über den Hauptbahnhof Manchester etwa 50 km<br />

weit. Somit finden nun drei Grand Prix in westbzw.<br />

nordeuropäischen Ländern statt, die für<br />

Fans aus den deutschsprachigen Ländern relativ<br />

einfach zu erreichen sind, wenn sie Grand Prix<br />

live erleben wollen. Russland darf wegen des andauernden<br />

Krieges weiterhin keine internationalen<br />

Wettbewerbe ausrichten und auch keine<br />

Läufer/innen für internationale Wettbewerber<br />

nominieren, daher kamen viele andere zum Zuge.<br />

Beim Blick auf die Teilnehmerfelder sind besonders<br />

die Paarlaufkonkurrenzen relativ schwach<br />

besetzt. Aus den USA fehlen Nathan Chen, der<br />

in Vollzeit sein Studium an der Eliteuniversität<br />

von Yale fortsetzt (siehe Seite xx). Auch sein<br />

Landsmann und Nebelhorn-Sieger Vincent Zhou<br />

konzentriert sich auf sein Universitätsstudium.<br />

Ebenfalls nicht nominiert ist Mariah Bell, obwohl<br />

alle drei nicht offiziell zurückgetreten<br />

sind. Die Paarlaufweltmeister Knierim & Frazier<br />

machen dagegen mit großzügiger Unterstützung<br />

des US-Verbandes weiter, ebenso wie die<br />

kanadischen Eistänzer Gilles/Poirier. Gabriella<br />

Frauen<br />

USA (<strong>No</strong>rwood nahe Boston): Zhu,<br />

Kitromilis, Schott, Matsuike, Sakamoto, Lee,<br />

Park, Yun, Kurakova, Glenn, Levito, Gold<br />

Kanada (Mississauga, nahe Flughafen von<br />

Toronto): Ryabova, Pinzarone, Daleman,<br />

Schizas, Schumacher, Brezinova, Petrökina,<br />

Higuchi, Kihira, Yokoi, You, Thorngren<br />

Frankreich (Angers): Mikutina, Hendrickx,<br />

Mazzara, Serna, eine weitere Französin,<br />

Kawabe, Matsuike, Sumiyoshi, Kim, Lee,<br />

van Zundert, Shin<br />

Großbritannien (Sheffield): Pinzarrone,<br />

McKay, Gubanova, Schott, Mihara, You,<br />

Kurakova, Sauter, Paganini, Izzo, Levito,<br />

Tennell<br />

Japan (Sapporo): Mikutina, Ryabova,<br />

Petrökina, Higuchi, Sakamoto, Sumiyoshi, Ji,<br />

Kim, Wi, Andrews, Glenn, Shin<br />

Finnland (Espoo): Hendrickx, Schizas, Kiibus,<br />

Ceder, Peltonen, Saarinen, Gubanova, Kawabe,<br />

Kihira, Mihara, Tennell, Thorngren<br />

Männer<br />

USA: Ersatz für Kerry (Starostin???) , Chiu,<br />

Sadovsky, Michail Selevko, Grassl, Kagiyama,<br />

Miyake, Cha, Carrillo, Kapeikis, Malinin,<br />

ein weiterer Amerikaner<br />

Kanada: Gogolev, Messing, Orzel, Jin, Alexandr<br />

Selevko, Rizzo, Miura, Uno, Vasilievs,<br />

Britschgi, Ma, Pulkinen<br />

Frankreich: Chiu, Reshtenko, M. Selevko,<br />

Aymoz, Siao Him Fa, ein weiterer Franzose,<br />

Kagiyama, Tomono, Yamamoto, Shaidorov,<br />

Lee<br />

Großbritannien: Ersatz für Litvintsev<br />

(Starostin?), Circelli, Sadovsky, Newberry,<br />

Appleby, Kvitelashvili, Grassl, Sato, Shimada,<br />

Tsuboi, Vasiljevs, Ma<br />

Japan: Zandron, Gogolev, Jin, Siao Him Fa,<br />

Egadze, Frangipani, Rizzo, Tomono, Uno,<br />

Yamamoto, Cha, Hiwatashi<br />

Finnland: Messing, Levandi, Virtanen,<br />

Aymoz, Kvitelashvili, Honda, Sato, Tsuboi,<br />

Shaidorov, Majorov, Malinin, Pulkinen<br />

Papadakis und Guillaume hatten schon im Frühsommer<br />

angekündigt, dass sie in dieser Saison<br />

pausieren wollen. Acht verschiedene Südkoreanerinnen<br />

sind bei den Frauen am Start.<br />

Das kanadische Kunstlaufpaar Evelyn Walsh &<br />

Trennt Michaud, Sechste bei der WM, ließ sich<br />

zwar zu den Grand Prix in Kanada und Großbritannien<br />

einladen. Aber eine Woche nach der<br />

Veröffentlichung der Meldeliste gab der kanadische<br />

Verband ihre Trennung bekannt. Ersatz war<br />

in Mississauga noch nicht nominiert und die Italiener<br />

Caldara & Maglio in Sheffield. Die Ukrainer<br />

Oleksandra Nazarova & Maksym Nikitin haben<br />

wohl ihre Karriere beendet und meldeten<br />

sich Anfang August von den Grand Prix in den<br />

USA und Frankreich ab. Ersatz in den USA sind<br />

ihre Landsleute Mariia Holubstova & Kyryl Bielobrov,<br />

die im Sommer zwei Monate in der Montrealer<br />

Eistanzschule trainieren konnten. Die<br />

deutschen Läufer kamen vorläufig mittelmäßig<br />

weg. Nicole Schott und Annika Hocke & Robert<br />

Kunkel erhielten ihre zwei verdienten Grand Prix,<br />

Jennifer Janse van Rensburg & Benjamin Steffan<br />

und Letizia Roscher & Luis Schuster immerhin<br />

einen, obwohl sie nicht bei der WM waren. Nikita<br />

Starostin ging dagegen vorläufig leer aus und<br />

hofft auf ein Nachrücken. Alisa Efimova & Ru-<br />

Kunstlaufpaare<br />

USA: Ersatz für Golubeva & Giotopoulos-<br />

Moore, Stellato-Dudek & Deschamps,<br />

Danilova & Tsiba, Crafoord & Crafoord,<br />

Ersatz für Holichenko & Darenskyi, die<br />

angeblich kein Visum für die USA erhalten,<br />

Knierim & Frazier, Smirnova & Siianytsia,<br />

ein weiteres US-Paar<br />

Kanada: McIntosh & Mimar, Ersatz für<br />

Walsh & Michaud, ein weiteres kanadisches<br />

Paar, Zukova & Bidar, Conti & Macii, Miura<br />

& Kihara, Chan & Howe, McBeath &<br />

Bartholomay<br />

Frankreich: Stellato-Dudek & Deschamps,<br />

Peng & Jin, Kovalev & Kovalev, Piegad &<br />

Strekalin, ein weiteres französisches Paar,<br />

Safina & Berulava, Hocke & Kunkel, Ghilardi<br />

& Ambrosini<br />

Großbritannien: Matte & Ferland, Ersatz für<br />

Walsh & Michaud, Vaipan-Law & Digby,<br />

Metelkina & Parkman, Roscher & Schuster,<br />

Conti & Macii, Knierim & Frazier, McBeath<br />

& Bartholomay<br />

Japan: Chernyshova & Windsor, McIntosh &<br />

Mimar, Zukova & Bidar, Kovalev & Kovalev,<br />

Hocke & Kunkel, Caldara & Maglio, Miura &<br />

Kihara, Chan & Howe<br />

Finnland: Matte & Ferland, Peng & Jin,<br />

Metelkina & Parkman, Safina & Berulava,<br />

Ghilardi & Ambrosini, Danilova & Tsiba,<br />

Holichenko & Darenskiy, Smirnova &<br />

Siianytsia


11<br />

ben Blommaert müssen wohl erst bei der Nebelhorn<br />

Trophy gut abschneiden, um danach noch<br />

nachzurücken. Die Österreicherin Olga Mikutina<br />

wurde zweimal nominiert, ihr Landsmann Maurizio<br />

Zandron einmal, ebenso wie der Schweizer<br />

Lukas Britschgi und seine Landsfrau Alexia Paganini.<br />

Hier die nominierten Läufer/innen in alphabetischer<br />

Reihenfolge ihrer Länderabkürzungen<br />

mit Stand 3. <strong>September</strong>. Klaus-Reinhold Kany<br />

Eistanzpaare<br />

USA: Lauriault & Le Gac, Soucisse & Firus,<br />

Demougeot & Le Mercier, Janse van<br />

Rensburg & Steffan, Muramoto & Takahashi,<br />

Reed & Ambrulevicius, Holubtsova &<br />

Bielobrov, Chock & Bates, Hawayek & Baker,<br />

McNamara & Spiridonov<br />

Wer startet wo beim Grand Prix?<br />

Kanada: Harris & Chan, Gilles & Poirier,<br />

Lajoie & Lagha, Makita & Gunara, Fear &<br />

Gibson, <strong>No</strong>sovitskaya & <strong>No</strong>sovitskiy,<br />

Komatsubara & Koleto, Bratti & Somerville,<br />

Cesanek & Yehorov, Green & Parsons<br />

Frankreich: Fournier-Beaudry & Soerensen,<br />

Lanaghan & Razgulajevs, Turkkila & Versluis,<br />

Demougeot & Le Mercier, Lopareva &<br />

Brissaud, ein weiteres französisches Tanzpaar,<br />

Guignard & Fabbri, Kazakova & Reviya,<br />

Pate & Bye, Wolfkostin & Chen<br />

Großbritannien: Fabbri & Ayer, Lajoie &<br />

Lagha, Sales & Wamsteeker, Taschlerova &<br />

Taschler, Fear & Gilson, Kazakova & Reviya,<br />

Guignard & Fabbri, Holubtsova & Bielobrov,<br />

Brown & Brown, Carreira & Ponomarenko<br />

Japan: Fournier-Beaudry & Soerensen,<br />

Wang & Liu, Orihara & Pirinen, Lopareva &<br />

Brissaud, Muramoto & Takahashi, Komatsubara<br />

& Koleto, Reed & Ambrulevicius,<br />

Chock & Bates, Green & Parsons, Wolfkostin<br />

& Chen<br />

Finnland: Gilles & Poirier, Soucisse & Firus,<br />

Wang & Liu, Taschlerova & Taschler, Orihara<br />

& Pirinen, Turkkila & Versluis, Lagouge &<br />

Caffa, Brown & Brown, Carreira &<br />

Ponomarenko, Hawayek & Baker<br />

Die <strong>Pirouette</strong> auf Facebook<br />

Die <strong>Pirouette</strong> auf Instagram<br />

Jennifer Janse van Rensburg und Benjamin Steffan mit „ihrer“ <strong>Pirouette</strong>, Foto: Klaus-Reinhold Kany


12<br />

Sommertraining in Antwerpen<br />

Hendrickx und Starostin gehen voll motiviert in die neue Saison<br />

Sommertraining in Antwerpen<br />

In Belgien vor Ort: Tatjana Flade<br />

Die WM-Zweite Loena Hendrickx bereitet sich vorwiegend an ihren üblichen Trainingsorten<br />

in Belgien auf die neue Saison vor. Mit dabei ist oft ihr Trainingskamerad<br />

und WM-Teilnehmer Nikita Starostin, der aber auch Camps in Finnland sowie DEU-Lehrgänge<br />

in Deutschland absolvierte. Die <strong>Pirouette</strong> wollte die Schüler von Jorik Hendrickx<br />

und Choreograph Adam Solya bei einem Camp in Antwerpen Anfang Juli beobachten<br />

und interviewen, aber Loena erkrankte kurz vorher und beantwortete die Fragen der<br />

<strong>Pirouette</strong> später separat. Die Eishalle befindet sich im Stadtteil Deurne, nicht weit vom<br />

Zentrum entfernt in einem modernen Sportzentrum mit Schwimmbad. Hendrickx und<br />

Solya waren fast ununterbrochen auf dem Eis mit verschiedenen Gruppen von Läufern<br />

beschäftigt, arbeiteten mit ihnen an Elementen und den Programmen. Aus der Türkei<br />

war Burak Demirboga mit seiner Trainerin angereist.<br />

Für Hendrickxs und seine Schwester war die Silbermedaille<br />

in Montpellier ein Erfolg, von dem<br />

sie nicht zu träumen gewagt hätten. Die Belgierin<br />

dachte trotzdem nicht ans Aufhören, sondern<br />

fühlt sich nach wie vor motiviert. Sie hat<br />

zwei neue Programme mit Solya einstudiert und<br />

Musik gewählt, die sie aus ihrer „Komfortzone“<br />

herausführt, wie sie sagt. Im KP sind das die<br />

Lieder „Si mama“ von der rumänischen Sängerin<br />

Inna und „Mi Gente“ von Beyoncé, in der Kür<br />

der Song „Poeta“ von Roby Facchinetti.<br />

Jorik Hendrickx<br />

Foto: privat<br />

„Nach der WM hatten Loena und Nikita eine<br />

kleine Pause, aber es ist, als wäre die WM erst<br />

gestern gewesen. Ich bin froh, dass die Struktur<br />

ihrer Programme steht, aber es gibt noch<br />

viel Arbeit an den Details. Nikita muss an den<br />

Vierfachen arbeiten und Loena an den dreifach-dreifach<br />

Kombinationen. Bei diesen<br />

Camps fokussieren wir uns auf die Sprünge,<br />

<strong>Pirouette</strong>n, auf die Technik allgemein. Der<br />

Schlüssel ist es, Ausdauer aufzubauen. Wenn<br />

die Saison beginnt, verlangen Training und<br />

Wettkämpfe dem Körper viel ab. Daher musst<br />

du den Körper an mehr Training gewöhnen<br />

und in der Saison kannst du das Trainingsvolumen<br />

etwas zurückfahren, aber das wird durch<br />

die anstrengenden Wettbewerbe kompensiert.<br />

Jetzt ist die Zeit, deinen Körper zu fordern,<br />

müde zu machen und dann wieder erholen zu<br />

lassen und in die Saison zu gehen.“<br />

Loena Hendrickx<br />

Foto: privat<br />

Loena Hendrickx<br />

„Direkt nach der WM hatte ich viele Interviews,<br />

aber jetzt ist es wieder ruhig. Meine<br />

Einstellung ist dieselbe – hart arbeiten und<br />

tun, was ich liebe. Alles ist möglich, so lange<br />

du Freude an dem hast, was du tust und da ist<br />

immer die Motivation, sich weiter zu entwickeln.<br />

Ich arbeite jetzt daran, wieder in Form<br />

zu kommen, an schwierigen Kombinationen<br />

und an meinen zwei neuen Programmen. Mein<br />

Fokus liegt auf den Programmen und allen<br />

Elementen darin und mein Hauptaugenmerk<br />

liegt darauf, gesund zu bleiben. Ich mache viel<br />

neben dem Eis, damit mein Körper stark genug<br />

für all das Training während der Saison ist. Im<br />

letzten Jahr bekam ich viele Komplimente,<br />

dass meine Kür etwas Besonderes und wunderschön<br />

war. Das machte die Auswahl für die<br />

Programme für die kommende Saison schwierig,<br />

aber mein Team und ich haben die perfekten<br />

Songs gefunden.“<br />

Starostin ist ein großer Fan von seiner Trainingskameradin,<br />

sie inspiriert ihn mit ihrer harten Arbeit<br />

auf und neben dem Eis. Neben dem Training<br />

mit Jorik Hendrickx holt er sich Input bei anderen<br />

Coaches und war ganz begeistert von Sommercamps<br />

in Finnland mit der russischstämmigen<br />

Trainerin Marina Shirshova. In Antwerpen<br />

widmete sich der EM-13. den Sprüngen und<br />

seinen neuen Programmen. Für das KP hat<br />

Starostin mit Choreograph Solya „Maria“ aus der<br />

Westside Story und für die Kür Musik der Acid-<br />

Jazz-Band Jamiroquai ausgesucht und kann in<br />

beiden seine Stärken herausstellen – Emotionen<br />

und tänzerische Qualitäten. Außerdem nutzt der<br />

gebürtige Sankt Petersburger seine Freizeit, um<br />

besser Deutsch zu lernen und hat erhebliche<br />

Fortschritte gemacht. Er ist zuversichtlich, dass<br />

er rechtzeitig für die Olympischen Spiele 2026<br />

die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten wird.<br />

Nikita Starostin<br />

„Nach der WM hatte ich eine Pause, danach<br />

haben wir das KP aufgebaut und ich habe an<br />

einem DEU-Lehrgang teilgenommen. In Finnland<br />

habe ich im Juni und Juli mit Marina<br />

Shirshova gearbeitet, sie ist eine sehr talentierte<br />

Trainerin, die gute Technik vermittelt.<br />

Ich habe mich sehr gefreut, dass ich in den<br />

Perspektivkader aufgenommen wurde. Ich<br />

habe zwei neue Programme für die Saison. So<br />

ein KP hatte ich noch nicht, es ist mehr in die<br />

klassische Richtung und die Kür ist sehr vielseitig.<br />

Adam und ich suchen die Musiken immer<br />

zusammen aus, analysieren, wie es sich<br />

auf dem Eis anhört, wie es aussieht. Wir wol-


Adam Solya<br />

Nazarova/Nikitin<br />

erklären Rücktritt<br />

13<br />

News<br />

Foto: Tatjana Flade<br />

„Meine Saison fängt so Ende April an und<br />

dann bin ich sehr beschäftigt. Ich habe so<br />

viele Programme gemacht, ich habe sie nicht<br />

einmal gezählt, von Läufern auf nationalen<br />

Niveau bis zu Olympiateilnehmern. In diesem<br />

Jahr hatte ich noch mehr zu tun als sonst.<br />

Das ist natürlich dank Loenas Erfolg, so war<br />

meine Arbeit auch mehr im Rampenlicht und<br />

ich bekam sehr viele Anfragen. Ich wünschte<br />

mir nur, dass ein Tag mehr als 24 Stunden<br />

hat, denn ich möchte wirklich gerne mit allen<br />

arbeiten, sie unterstützen, weiterentwickeln<br />

und für alle individuelle Programme gestalten.<br />

Die Herausforderung ist sicherzustellen,<br />

dass jeder anders ist. Meine Philosophie ist<br />

es, mich ständig neu zu erfinden, auch im<br />

Hinblick auf die Läufer, damit ihre Individualität<br />

herauskommt. Eines der wichtigsten<br />

Dinge, die ich als Choreograph im Kopf habe,<br />

ist, dass wir etwas anderes und Individuelles<br />

schaffen, damit die Persönlichkeit und das<br />

Talent durchscheinen und wir den Akzent auf<br />

den richtigen Stil und Musik setzen. Wenn<br />

ein Läufer zu mir kommt, recherchiere ich ein<br />

wenig, was für Programme sie hatten, mit<br />

dem sie gearbeitet haben. Ich suche gezielt<br />

danach, was ich einbringen kann, was anders<br />

ist, was ihre Besonderheit ist, worauf ich den<br />

Akzent legen kann, welche Musik, welchen<br />

Stil, welche Körpersprache wir auswählen.<br />

Und oft ist das sehr interessant, weil ich die<br />

Sportler mit meinen Stilvorschlägen überrasche,<br />

an die sie nie vorher gedacht hatten.<br />

Die Läufer sollen sich zu 100 Prozent wohlfühlen,<br />

das Programm muss wie eine zweite<br />

Haut sitzen.“<br />

Die ukrainischen Eistänzer Alexandra Nazarova/Maxim<br />

Nikitin haben ihren Rücktritt erklärt.<br />

„Maxim und ich haben mehr als 20<br />

Jahre lang als Paar zusammengearbeitet. Es<br />

gab sehr viele fröhliche Momente, viele Male<br />

war es schwer und sogar schmerzhaft, aber<br />

dennoch waren diese 20 Jahre die besten“,<br />

schrieb die Läuferin auf Instagram. Nazarova/<br />

Niktin hatten mit ihrem RD zu ukrainischer<br />

Musik bei der WM Aufmerksamkeit erregt.<br />

Sie wollen dem Sport verbunden bleiben und<br />

als Trainer arbeiten. <strong>No</strong>ch aber wüssten sie<br />

nicht, wo sie dauerhaft ihre Zelte aufschlagen<br />

werden, teilte Nazarova der „<strong>Pirouette</strong>“<br />

mit. Das Duo stammt aus der ostukrainischen<br />

Stadt Charkiv und musste von dort wegen<br />

des Krieges flüchten. Nazarova/Nikitin gewannen<br />

2015 Bronze bei der Junioren-WM<br />

und nahmen an den Olympischen Spielen<br />

2018 und <strong>2022</strong> teil (21. bzw. 20. Platz). Bei<br />

der EM <strong>2022</strong> erreichten sie Rang zehn, bei<br />

der WM in Montpellier waren sie nur zum<br />

Rhythmustanz angetreten.<br />

tat<br />

Sarah van Berkel mit<br />

Ehemann Tim und Sohn <strong>No</strong>é<br />

Fotoquelle: Facebook<br />

Solya ist ein aufstrebender Choreograph, den<br />

Startrainer Alexei Mishin bereits vor ein paar<br />

Jahren entdeckte und für seine Läufer engagierte.<br />

Inzwischen macht der Ungar, ein ehemaliger<br />

Eis- und Musicaltänzer, viele Programme auch<br />

für deutsche Läufer. Nach dem Erfolg von Loena<br />

Hendrickx haben sich so viele an ihn gewandt,<br />

dass er Aufträge ablehnen musste.<br />

Während Hendrickx und seine Schüler nur zeitweise<br />

in Antwerpen trainieren, arbeitet die ehemalige<br />

Paarläuferin Daria Popova seit sieben<br />

Jahren ständig hier. Die gebürtige Russin war<br />

bis 2014 mit Bruno Massot für Frankreich gestartet,<br />

bis er sie verließ, um seine Karriere mit<br />

Aljona Savchenko fortzusetzen. •••<br />

Foto: Tatjana Flade<br />

len immer etwas Besonderes machen und<br />

keine Musik nehmen, die schon viele andere<br />

hatten. Bei der WM habe ich sehr viel Erfahrung<br />

gesammelt. Ich habe mich (aus Nervosität)<br />

etwas zurückgenommen, bin nicht mit<br />

voller Kraft gelaufen. Das hätte ich anders<br />

machen müssen, denn die WM ist eine gute<br />

Gelegenheit, sich zu präsentieren und man<br />

muss alles geben. Ich möchte bei der Nebelhorn<br />

Trophy starten und dann wahrscheinlich<br />

bei der Finlandia Trophy und beim Challenger<br />

in Graz. Mein Ziel für die Saison ist<br />

es, mich von meiner besten Seite zu zeigen,<br />

schöne Programme zu haben, gute Ergebnisse<br />

zu erzielen und gesund zu bleiben. Ich arbeite<br />

natürlich an Vierfachen. Meine Technik<br />

hat sich verbessert.“<br />

Sarah Meier wieder<br />

Mutter<br />

Sarah van Berkel (geborene Meier), 38, die<br />

Europameisterin 2011, und ihr Ehemann Jan,<br />

ein Triathlet, 36, freuen sich über die Geburt<br />

ihres zweiten Kindes. Der kleine <strong>No</strong>è kam am<br />

8. August zur Welt. Das Paar hat bereits den<br />

zweieinhalb Jahre alten Sohn Tim. Meier war<br />

die erfolgreichste Schweizer Einzelläuferin<br />

seit Denise Biellmann - und gewann ihren<br />

EM-Titel genau 30 Jahre nach Biellmann.<br />

Seit ihrem Karriereende arbeitet die Ex-Eiskunstläuferin<br />

als Journalistin für die Schweizer<br />

Illustrierte. <br />

tat


14<br />

Stéphane Lambiel in der Schweiz<br />

Die mit Abstand erfolgreichste Saison<br />

der noch jungen Geschichte der<br />

Skating School of Switzerland liegt hinter<br />

Doppelweltmeister Stéphane Lambiel<br />

und seinem Trainerteam: Bei den Europameisterschaften<br />

in Tallinn holte erst<br />

Deniss Vasiljevs aus Lettland die Bronzemedaille,<br />

bei den olympischen Spielen<br />

gab es Einzel- Bronze für Shoma Uno<br />

und als krönenden Abschluss holte der<br />

Japaner in Montpellier bei der Weltmeisterschaft<br />

Gold und machte Lambiel<br />

damit zum Weltmeistertrainer.<br />

Stéphane Lambiel mit Salome Brunner und Peter Grütter<br />

Sommertraining<br />

Sommertraining in der Schweiz<br />

mit Stéphane Lambiel<br />

Aus Champéry berichtet Judith Dombrowski<br />

Trotz der Erfolge ist das Team jedoch auf dem<br />

Boden geblieben. Im täglichen Trainingsbetrieb<br />

hat sich nicht viel verändert und Lambiel<br />

schätzt die Erfolge seiner Schützlinge, egal auf<br />

welchem Niveau: „Ich habe viele tolle Erinnerungen<br />

an die letzten acht Jahre Training hier<br />

in Champéry, natürlich hatten wir viele Erfolge<br />

letzte Saison, aber für mich macht es keinen<br />

großen Unterschied, auf welchem Level meine<br />

Schüler erfolgreich sind, solange sie ihre Möglichkeiten<br />

voll ausschöpfen und ihre persönlichen<br />

Siege erringen.“<br />

Als Gast beim „Summer Camp“<br />

Die <strong>Pirouette</strong> war wie bereits im letzten Jahr<br />

beim traditionellen „Summer Camp“ zu Gast.<br />

Das Camp gibt es tatsächlich schon länger als<br />

die Eislaufschule selbst und es fand zum<br />

achten Mal statt. Neben drei Eiszeiten pro Tag<br />

haben die Schüler, die jedes Jahr Ende Juli aus<br />

aller Welt in die Schweizer Alpen reisen, drei<br />

weitere Einheiten: Hip-Hop mit Khoudia Toure,<br />

Kampfkunst mit Philippe Clement, Ballett und<br />

Musical mit Leslie Wiesner. Gerade bei diesen<br />

Aktivitäten sieht man den großteils Jugendlichen<br />

den Spaß deutlich an und alle schwärmen<br />

von den Extraeinheiten. So kann sich Lambiels<br />

Starschüler Deniss Vasiljevs sogar vorstellen, in<br />

Zukunft einmal eine Shownummer zu einem<br />

Hip-Hop Stück zu entwerfen, da ihm „die Hip<br />

Hop Stunden hier so gut gefallen und das, obwohl<br />

diese Musikrichtung normalerweise gar<br />

nicht meinem Musikgeschmack entspricht!“<br />

Am Ende beider Trainingswochen steht traditionell<br />

am Samstagabend eine Programmpräsentation<br />

an. Diese bietet den Läufern die<br />

Möglichkeit, ihre neuen Programme in einem<br />

geschützten Rahmen ohne Video- und Fotoaufnahmen<br />

vor einem kleinen Publikum zu<br />

präsentieren und Wertungen des Trainerteams<br />

zu erhalten. So zeigte unter anderem Vasiljevs<br />

seine neue Kür zu Dvorak’s 9. Sinfonie das<br />

erste Mal vor Publikum (siehe Interview S. 5),<br />

sowie der Japaner Koshiro Shimada sein KP zu<br />

„Sing, Sing, Sing“, das er im Juni in Japan mit<br />

Jeffrey Buttle erarbeitet hat.<br />

Am Sonntagabend klingt die sechstägige Trainingswoche<br />

traditionell mit der Musicalpräsentation<br />

aus. In der ersten Woche präsentierten<br />

die Eislaufschüler ein Stück aus „Mary Poppins“,<br />

in der zweiten aus „Aladin“. Die Ausdruckskraft,<br />

die für eine Musicaldarstellung benötigt wird,<br />

wird allen sicherlich während der Saison auf<br />

dem Eis zu Gute kommen.<br />

Prominente Unterstützung<br />

aus Kanada<br />

Auf dem Eis wird Weltmeister Lambiel beim Training<br />

von seinen eigenen langjährigen Mentoren<br />

Peter Grütter und Salome Brunner und dem Italiener<br />

Angelo Dolfini unterstützt. Der Kanadier<br />

Ghislain Briand, einst rechte Hand von Brian Orser<br />

im Toronto Cricket and Curling Club, war<br />

Ghislain Briand<br />

„Ich brauchte eine Veränderung, daher habe ich mein<br />

Engagement in Toronto erstmal soweit niedergelegt und<br />

arbeite nun zum einen Teil in Champéry und zum anderen<br />

Teil mit der Kinoshita Akademie in Japan. Ich arbeite<br />

sehr gerne mit Stéphane zusammen, das Team ist großartig.<br />

Außerdem ist die Umgebung und die ganze Atmosphäre<br />

hier in den Schweizer Alpen so unglaublich<br />

schön. Ich arbeite hier als Sprungtrainer. Im Frühjahr<br />

habe ich das erste Mal mit Shoma Uno zusammengearbeitet,<br />

vorher konnte ich das auf Grund meiner Arbeit<br />

mit Yuzuru Hanyu nicht tun. Ich arbeite mit all meinen<br />

Schülern an der richtigen Körperausrichtung. Mit Shoma<br />

arbeite ich zum Beispiel an seiner 4T-3T-Kombination,<br />

damit er nicht mehr so öffnet und den zweiten Sprung<br />

doppelt. Ich habe ihm außerdem dabei geholfen, dass<br />

sein vierfacher Rittberger wieder konstant wird. Die<br />

Weltklasseläufer brauchen meist nur Nuancen an Hilfestellung,<br />

weil sie bereits ein so gutes Körpergefühl ha-<br />

nach einer pandemiebedingten Pause wieder<br />

beim Camp als Sprungtrainer im Einsatz. In<br />

Meisterklassen geht er mehrmals wöchentlich<br />

mit den Schülern alle Sprünge durch, gibt sehr<br />

klare Angaben und bemerkt jeden kleinsten Fehler<br />

bei der Aushol- oder Landebewegung. Seinem<br />

Training zuzuschauen ist ein wahres Erlebnis.<br />

Briand spart dabei nicht mit Videobeispielen der<br />

ganz Großen, vorneweg seinem Starschüler Yuzuru<br />

Hanyu, sowie eindrucksvollen Vergleichen:<br />

„Jetzt könnt ihr den Sprung vielleicht. Aber stellt<br />

euch vor, ihr müsst ihn abliefern in 1000 Metern<br />

Höhe und wenn ihr einen Fuß daneben setzt,<br />

seid ihr tot. Das wird euer Gefühl beim Wettbewerb<br />

sein. Und das wird automatisch dazu führen,<br />

dass ihr vorsichtiger seid. Und genau diese<br />

Vorsicht wird euch umbringen!“<br />

Lambiel hat Briand jetzt in Teilzeitbeschäftigung<br />

nach Champéry geholt. Das ist definitiv eine<br />

große Aufwertung des Trainingsstandorts im<br />

Schweizer Wallis.


15<br />

Lambiel als Vorbild für seine Schüler<br />

Das Trainingscamp ist immer schnell ausgebucht.<br />

Die 40 Eislaufschüler, die pro Woche teilweise<br />

wechseln, kamen dieses Jahr neben der Schweiz<br />

und anderen Europäischen Ländern aus Japan,<br />

Kanada, und Taiwan. Eine größere Gruppe an<br />

Läufern kam dieses Jahr aus Großbritannien, unter<br />

anderem der bisherige Juniorenläufer Edward<br />

Appleby, der darauf hoffte, den verbleibenden<br />

Platz beim Grand Prix in Sheffield zu ergattern.<br />

Neben Vasiljevs und Shimada war die mehrfache<br />

italienische Meisterin Lara Naki Gutmann prominentester<br />

Gast im diesjährigen Camp.<br />

Weltmeister Shoma Uno wird zur Saisonvorbereitung<br />

wieder zu seiner Trainingsgruppe stoßen.<br />

Zuvor wird er Ende August noch gemeinsam<br />

mit seinem Trainer in der Show Friends on<br />

Ice in Japan auf dem Eis stehen. Auch Engagements<br />

mit den Japanerinnen Satoko Miyahara<br />

und der Olympiasiegerin von 2006, Shizuka<br />

Arakawa kommen für Lambiel in Frage, der bei<br />

Fantasy on Ice nach 2 1/2 Jahren Pause das<br />

erste Mal wieder selbst auftrat und dort zwei<br />

sehr bewegende Programme zu den Liedern<br />

„This Bitter Earth“ von Dinah Washington und<br />

„Lost“ von Dermot Kennedy präsentierte. Dort<br />

zeigte der 37-Jährige, dass er sportlich noch<br />

mit seinen Schülern mithalten kann, indem er<br />

mehrfach im Showfinale den 4T landete. Schüler<br />

Shimada war als Zuschauer dabei: „Als ich<br />

ihn auf dem Eis gesehen habe, war ich unglaublich<br />

stolz, dass dieser großartige Eiskunstläufer<br />

mein Trainer ist.“<br />

ben. Ich werde weiterhin mit Yuzuru Hanyu<br />

zusammenarbeiten und ihm mit Rat und Tat<br />

zur Seite stehen, wenn er meine Hilfe benötigt.<br />

Ich habe mich im Rahmen seiner Show<br />

Fantasy on Ice das erste Mal nach 26 Monaten<br />

persönlich mit ihm getroffen. Er hat mich<br />

nicht wiedererkannt, da ich über 30 Kilo abgenommen<br />

habe. Es war ein sehr emotionales<br />

Treffen. Sein Rücktritt vom Wettbewerb ist<br />

natürlich schade für den Sport. Ich habe ihm<br />

dazu nur gesagt: „Solange du glücklich bist,<br />

bin ich es auch!“ Leider hat Yuzuru sich selbst<br />

nie die Zeit gegeben, sich voll und ganz von<br />

seinen Verletzungen zu erholen, da er die Auftritte<br />

so liebt. Nun denke ich, wird er die Eisshows<br />

auf der Welt genauso revolutionieren,<br />

wie er den Eiskunstlaufsport revolutioniert<br />

hat. Er steht vor so vielen Möglichkeiten jetzt.<br />

Ich habe keinen Zweifel, dass er bei was immer<br />

er anpacken wird, Erfolg haben wird.“<br />

Lambiel: „Deniss ist erwachsen geworden in den<br />

sechs Jahren, in denen wir zusammenarbeiten.<br />

Er ist ein sehr starker junger Mann mit großem<br />

Ehrgeiz und Entschlossenheit. Durch seinen großen<br />

Wunsch nach Perfektionismus kommen ihm<br />

natürlich auch immer wieder Zweifel, sodass ich<br />

ihm ab und an das Licht am Ende des Tunnels<br />

aufzeigen muss, aber seine Energie ist einfach<br />

großartig. Ich habe vom ersten Moment an ihn<br />

geglaubt, weil ich gesehen habe, wie unglaublich<br />

entschlossen und fleißig er ist. Bei der Europameisterschaft<br />

in Tallinn war er einfach bereit<br />

und in bester Form und konnte gleichzeitig<br />

den Druck ablegen. Ich habe jeden einzelnen<br />

Tag in Tallinn mit ihm genossen und mich unglaublich<br />

für ihn gefreut.<br />

Koshiro hat sich ebenso wie Deniss unglaublich<br />

weiterentwickelt. Ich kenne ihn seit vielen Jahren.<br />

Es ist verrückt, da ich ihn noch als kleinen<br />

Jungen vor mir sehe und nun ist er auf einmal<br />

ein erwachsener Mann. Er ist sanft, entschlossen,<br />

sehr klug, fleißig und hat das Herz am<br />

rechten Fleck. Der Konkurrenzdruck bei den japanischen<br />

Männern ist unglaublich hoch, aber<br />

ich glaube, er hat es nun geschafft sich etwas<br />

von diesem Druck zu befreien und sich ganz auf<br />

sich zu konzentrieren, er hat seine ganz eigene<br />

Stärke gefunden.“<br />

•••<br />

Stéphane Lambiel<br />

„Shoma ist viel unabhängiger geworden und hat mehr<br />

Persönlichkeit entwickelt. Er weiß, was er will, das hilft<br />

ihm bei der Performance. Es war schön zu sehen, wie<br />

befreit er bei der Weltmeisterschaft in Montpellier gelaufen<br />

ist. Er ist ein sehr emotionaler Läufer, daher<br />

verstehen wir uns oft ohne Worte. Diese vier Minuten,<br />

in denen er seine Kür gelaufen ist, habe ich seine<br />

Freude am Eislaufen gespürt und das war das Highlight<br />

für mich. Für Shomas neue Programme für die<br />

kommende Saison habe ich das Kurzprogramm choreografiert<br />

und die Musik für die Kür gewählt. Für das<br />

Kurzprogramm hatten wir erst zwei Lieder zur Auswahl,<br />

aber sobald in der ersten Stunde die ersten Töne<br />

des Liedes „Gravity“ von John Mayer erklangen und<br />

Shoma sich dazu bewegt hat, wusste ich, dass das die<br />

richtige Wahl ist. Es passt so gut zu ihm und es fühl<br />

sich total natürlich an. Die „Air“ von Bach wollten wir<br />

schon seit einiger Zeit für die Kür verwenden, aber ich<br />

habe lange nach dem passenden zweiten Teil gesucht<br />

und habe ihn mit dem Stück „Mea tormenta, properate“<br />

von Hasse gefunden. Ich mag den Sänger Jakub<br />

Orlinski total gerne, er hat diese kraftvolle Stimme, die<br />

mit Shomas Laufstil so gut zusammenpasst.“<br />

Deniss Vasiljevs<br />

Fotos: Dombrowski<br />

Sommertraining Stéphane Lambiel in der Schweiz


16<br />

ISU-Paarlauflehrgang<br />

ISU-Paarlauflehrgang<br />

Im Juli fand im Center of Excellence in<br />

Oberstdorf – ähnlich wie im vorigen Jahr<br />

- ein zweiteiliger, überwiegend von der<br />

ISU und zu einem kleineren Teil auch von<br />

der DEU finanzierter Paarlauflehrgang<br />

statt: eine Woche für Juniorenpaare und<br />

eine Woche überwiegend für Meisterpaare,<br />

jeweils aus verschiedenen Ländern.<br />

Alisa Efimova und<br />

Ruben Blommaert<br />

Stützpunktleiter Daniel Wende konnte als bewährter<br />

Organisator wieder renommierte Trainer<br />

wie Vanessa James, Robin Szolkowy, Rostislav<br />

Sinycin, Natalia Karamysheva, Brunot Massot,<br />

Robin Szolkowy (Meisterklasse, außer am letzten<br />

Tag, weil er da aus der Schweiz nach Chemnitz<br />

umzog), Ondrej Hotarek (Junioren), Rico<br />

Rex (Junioren, fehlte bei den Meistern wegen<br />

Corona) sowie eine Tanztrainerin und zwei Balletttrainer<br />

gewinnen, dazu kam die Mehrzahl<br />

der Heimtrainer. Die Paare waren in jeweils drei<br />

Gruppen von vier (bzw. bei kurzfristig nicht Gekommenen<br />

drei) Duos eingeteilt, die auf dem<br />

Eis, neben dem Eis oder im Ballettraum mit den<br />

Trainern ganztägig arbeiteten. Bei den Junioren<br />

waren neben Paaren aus Italien, der Schweiz,<br />

Spanien und Portugal auch Clara-Sophie Lampe<br />

& Ilia Trofymov aus Mannheim, Sonja & Robert<br />

Löwenherz aus Berlin sowie Aliyah Ackermann<br />

& Tobija Harms aus Oberstdorf dabei.<br />

In der Meisterklasse nahmen die italienischen<br />

Duos Rebecca Ghilardi & Fillippo Ambrosini (Nebelhorn-Sieger<br />

2020), Sara Conti & Niccolo Ma-<br />

Coline Keriven<br />

und Tom Bouvart<br />

Rebecca Ghilardi und Fillippo Ambrosini, Fotos: Hella Höppner


17<br />

ISU-Paarlauflehrgang<br />

Trainer und Teilnehmer des Lehrgangs (von links): Daniel Wende, Barbara Luoni, Rosanna Murante, Robert Kunkel, Annika Hocke, Rebecca Ghilardi, Filippo Ambrosini, Franca Bianconi,<br />

Bruno Massot, Sara Conti, Niccolo Macii, Vanessa James, Ruben Blommaert, Alisa Efimova, Florian Just.<br />

cii und Anna Valesi & Manuel Piazza teil, die<br />

französischen Bruno Massot-Schüler Oxana Vouillamoz<br />

& Flavien Giniaux, Coline Keriven & ihr<br />

neuer Partner Tom Bouvart, Aurelie Faula & Théo<br />

Belle und die Finnin Milania Väänänen & mit ihrem<br />

neuen italienischen Partner Filippo Clerici,<br />

die Niederländer Nika Osipova & Dmitry Epstein<br />

(mit Heimtrainer Dmitri Kaplun) und die Ukrainer<br />

Violetta Sierova & Ivan Khobta (mit Heimtrainer<br />

Pylyp Zalevskyi). Das ukrainische EM-Paar Sofiia<br />

Holichenko & Artem Darenskyi hatte kurzfristig<br />

abgesagt. Die beiden deutschen Paare Alisa Efimova<br />

& Ruben Blommaert (mit Heimtrainer Florian<br />

Just) und Annika Hocke & Robert Kunkel<br />

(mit Co-Heimtrainerin Barbara Luoni) konnten<br />

nur sehr eingeschränkt teilnehmen, weil Blommaert<br />

eine gerade abklingende Sommergrippe<br />

hatte und Kunkel am ersten Tag von der Kufe einer<br />

Italienerin am Ellenbogen getroffen und so<br />

verletzt wurde, dass dieser im Krankenhaus genäht<br />

und geschont werden musste.<br />

Die Meisterpaare hatten ein sehr unterschiedliches<br />

Niveau: Während die Italiener Ghilardi &<br />

Ambrosini (Olympia-14. in diesem Jahr) sämtliche<br />

Elemente in mindestens guter Qualität<br />

längst beherrschen, hatten andere noch viel<br />

Mühe oder konnten sie noch gar nicht regelgerecht<br />

zeigen. Besonders die beiden noch nicht<br />

international aufgetretenen Duos von Bruno<br />

Massot wirkten noch ein bisschen wie Anfänger,<br />

aber sie machen auch noch nicht lange<br />

Paarlauf. Am jeweils letzten Tag fand eine<br />

Überprüfung statt, bei der die Duos ihre Programme<br />

zeigten und anschließend von den beiden<br />

deutschen Controllerinnen bzw. Preisrichterinnen<br />

Kerstin Kimminus und Ulla Faig sowie<br />

der Technischen Spezialistin Maylin Wende jeweils<br />

für 15-20 Minuten beraten wurden, was<br />

aus Sicht einer Jury wie bewertet würde und<br />

was sie vor allem noch verbessern sollten. Allerdings<br />

ließ die Mehrzahl der Paare noch einige<br />

Elemente aus. Annika Hocke und Robert<br />

Kunkel liefen eine Kür, aber wegen seines lädierten<br />

Ellenbogen ohne einige Elemente. Auch<br />

Alisa Efimova und Ruben Blommaert traten zu<br />

einer Kür mit Pausen an.<br />

Außer vom Paarlauflehrgang gab es im Juli<br />

auch anderes zu berichten. Die Halle 2 bleibt<br />

wohl bis nach der Nebelhorn Trophy gesperrt,<br />

weil eine komplizierte Ersatzteilbeschaffung<br />

über die Regierung von Schwaben, Lieferkettenstörungen<br />

und Fachkräftemangel bei Baufirmen<br />

eine schnelle Reparatur verhindern. Maylin<br />

Wende arbeitet halbtags im Fremdenverkehrsamt<br />

Oberstdorf, denn die dreijährige Tochter<br />

Leonie geht längst in den Kindergarten, war<br />

beim Zuschauen sehr am Paarlaufen interessiert<br />

und wollte klettern und heben. Der Ukrainer<br />

Ivan Shmuratko ist im Team Huth untergekommen<br />

und trainierte ein neues Programm mit<br />

Sprechgesang. Klaus-Reinhold Kany<br />

Annicka Hocke<br />

und Robert Kunkel<br />

Trainer Bruno Massot mit Rebecca Ghilardi<br />

und Fillippo Ambrosini<br />

Anna Valesi und Manuel Piazza mit Trainerin Vanessa James


18<br />

DEU-Sichtungslaufen<br />

DEU-Sichtung mit<br />

Licht und Schatten<br />

In Oberstdorf dabei: Klaus-Reinhold Kany<br />

Fotos: Hella Höppner<br />

Die diesjährige Sichtung der DEU-Meisterklasseläufer und der Junioren,<br />

die wegen Krankheit oder Verletzung nicht schon im Juli in<br />

Dortmund überprüft werden konnten, fand nicht im rapide absinkenden<br />

Berlin statt und auch nicht im relativ zentral gelegenen Mannheim,<br />

wie in den vergangenen beiden Jahren, sondern richtigerweise in<br />

Oberstdorf. Denn dorthin verlagert sich immer mehr das deutsche Eiskunstlauf-Geschehen,<br />

besonders seitdem es mehr Online-Studiengänge<br />

gibt, die man überall absolvieren kann. Im Allgäu trainieren die<br />

meisten deutschen Kaderläufer und der Status als Exzellenzzentrum<br />

wirkt magnetisch, auch Bundestrainer Robert Dierking kommt sehr<br />

gut an. Für die in Italien trainierenden Deutschen ist Oberstdorf<br />

ebenso das nächstgelegene Zentrum und ohne Flug erreichbar.<br />

Das Ganze war eine kostenaufwendige dreitägige<br />

Veranstaltung in zwei Hallen, weil neben den<br />

Nicht-Oberstdorfer Läufer/innen eine ganze Reihe<br />

der renommiertesten deutschen Preisrichter,<br />

die Mitarbeiter der Geschäftsstelle und andere<br />

kamen, die Reise- und hohe Hotelkosten verursachten,<br />

meistens in einem teuren Hotel in Sonthofen,<br />

weil Oberstdorf so gut wie ausgebucht<br />

war. Direkt vor und wenige Minuten nach jedem<br />

Programm wurden wieder jedem Läufer etwas<br />

Blut am Ohrläppchen für Laktattests abgenommen<br />

und die Herzfrequenz mit Hilfe eines Brustgürtels<br />

gemessen. Für jeden Läufer und jedes<br />

Paar nahm man sich zweimal etwa 15 Minuten<br />

Zeit zur mündlichen Auswertung am Eis. Außer<br />

dem Vorlaufen fanden im Rahmen der Sichtung<br />

noch Workshops statt, unter anderem zur richtigen<br />

Ernährung, zur Regelkunde und zur Psychologie.<br />

Zu viele Einzel- und Paarläufer zeigten allerdings<br />

wegen noch nicht ganz überstandener<br />

gesundheitlicher Probleme keine kompletten Programme,<br />

allerdings hat die DEU versprochen,<br />

dass sich das Jahr für Jahr verbessern soll.<br />

Mehrere Eistänzer in sehr guter Form<br />

an Details gearbeitet. Mit Pasquale haben wir<br />

hauptsächlich am Rhythmustanz gearbeitet, er<br />

hat dem Latein-Programm vor allem mehr Charakter<br />

gegeben. Mit Igor haben wir an der Kür<br />

gearbeitet. Wir sind sehr zufrieden mit der Arbeit,<br />

auch mit den anderen Trainern, es war ein<br />

sehr erfolgreicher Aufenthalt.“ Ebenfalls aus gesundheitlichen<br />

Gründen (von ihm) nicht teilnehmen<br />

konnten Viktoria Lopusova und Asaf Kazimov<br />

aus Dortmund.<br />

Lara Luft und<br />

Maximilian Pfisterer<br />

Charise Matthaei<br />

und Max Liebers<br />

Kurzfristig absagen mussten die Deutschen<br />

Meister Jennifer Janse van Rensburg und Benjamin<br />

Steffan, obwohl sie gut von ihrem dreiwöchigen<br />

USA-Aufenthalt bei Igor Shpilband und<br />

Pasquale Camerlengo zurückgekommen waren.<br />

Aber Janse van Rensburg hatte sich in Oberstdorf<br />

bei einer unglücklichen Drehung im Knie<br />

eine Zerrung zugezogen, so dass sie mindestens<br />

zwei Wochen pausieren musste. „Ich bin hier in<br />

sehr guter Behandlung und bin zuversichtlich,<br />

dass wir bis zur Nebelhorn Trophy wieder fit<br />

sind“, kommentierte sie, während sie oben in der<br />

Eishalle am Fitnessfahrrad trainierte. Steffan<br />

sprach über ihren USA-Aufenthalt: „Ein Tapetenwechsel<br />

ist immer gut, wir mögen die gute Trainingsatmosphäre<br />

dort. Wir sind mit der Rohfassung<br />

der Programme hingereist und haben viel<br />

Ein neues Tanzpaar aus Chemnitz mit viel Erfahrung<br />

mit früheren Partnern sind Charise Matthaei<br />

& Max Liebers. Matthaei war früher mit<br />

Maximilian Pfisterer gelaufen, Liebers mit Anne<br />

Marie Wolf, die ihre Karriere beendete. Privat<br />

sind Matthaei und Liebers schon vier Jahre liiert<br />

und seit März trainieren sie miteinander bei<br />

Hendrick Hilpert. Im April war Liebers bei der<br />

Bundeswehr. Geplant sind die Nebelhorn Trophy,<br />

die Challenger-Wettbewerbe in Warschau und<br />

Zagreb und kleinere Event in Nizza und Egna,<br />

eventuell auch die Universiade. Den Rhythmustanz<br />

laufen sie nach der Samba „Nectar and<br />

Ambrosia“ von Zoey & Aloé, der Rumba „Online“<br />

von De-Phazz und der weiteren Samba „Rescue<br />

Me“ von Zoey & Aloé. In der Kür hört man die<br />

Musik des Films „Good-bye Lenin“. Die Beiden<br />

sind mit 1,71 bzw. 1,87 Meter relativ groß und<br />

können daher lange und elegante Linien präsentieren.<br />

Bei der Sichtung liefen sie komplette<br />

Programme, die allerdings hier und da noch ei-


19<br />

nen höheren Schwierigkeitsgrad erhoffen lassen.<br />

Nach erst viereinhalb Monaten gemeinsamen<br />

Trainings ist das ganz normal. Gut ging es Lara<br />

Luft und Maximilian Pfisterer, den Dritten der<br />

vergangenen Deutschen Meisterschaften, die fit<br />

und gesund ihre kompletten Programme präsentierten<br />

und mehr Selbstbewusstsein als früher<br />

ausstrahlten. Inzwischen ist ihre Kürmusik veröffentlicht:<br />

vier Teile aus der Rockoper „Mozart“.<br />

Drei Juniorentanzpaare wurden schon Ende Juli<br />

in Dortmund gesichtet, aber die beiden Oberstdorfer<br />

Duos mussten damals wegen Corona zu<br />

Hause bleiben und konnten nun zu Hause ihre<br />

Programme zeigen. Darya Grimm & Michail Savitskiy<br />

hatten weniger Zeit als geplant für die<br />

Einstudierung ihrer neuen Programme und beginnen<br />

die Saison daher mit dem dritten Junioren<br />

Grand Prix in Riga, gefolgt vom sechsten in<br />

Danzig. In Oberstdorf präsentierten sie ihren argentinischen<br />

Rhythmustanz schon mit viel Können.<br />

Die Kür zu einer teils klassischen, teils modernen<br />

Version der Nussknackersuite ist auf dem<br />

Weg zu einem Meisterwerk. Trainer Sinicyns<br />

zweites Juniorenpaar Mia Lee Mayer & Tobias<br />

Huber konnte ebenfalls bereits mit interessanten<br />

Passagen überzeugen, sowohl im Rhythmustanz<br />

zu „Malamente“ von Rosalia als auch in der Kür,<br />

unter anderem zum Musical „Schach“.<br />

sondern vom Höhentraining in Bormio gekommen<br />

und erzählten, dass sie sich in Bergamo<br />

sehr wohl fühlten, auch weil die Erholungszeiten<br />

zwischen den Trainingseinheiten sinnvoll<br />

geplant sind, was sie in Berlin vermissten. Um<br />

das Training zu finanzieren, fordern sie mehr finanzielle<br />

Unterstützung durch die DEU (neben<br />

den zwei Bundeswehrstellen). Kunkels beim<br />

ISU-Lehrgang (siehe Seite 16) verletzter Ellenbogen<br />

war bei der Sichtung noch nicht ausgeheilt,<br />

so dass sie in der Kür einige Elemente,<br />

auch Würfe und Twist, auslassen mussten. Eine<br />

neu in die Kür genommene Sprungfolge 3S-2A<br />

klappte gut, während im KP Hockes 3S umgestiegen<br />

war. Letizia Roscher und Luis Schuster<br />

zeigten nur doppelte und noch keine dreifachen<br />

Elemente, denn Schuster hatte den Grundlehrgang<br />

bei der Bundeswehr von April auf Juli verschieben<br />

müssen, weil die Junioren-WM wegen<br />

Corona von Anfang März auf April verlegt worden<br />

war. Daher konnten sie nicht am ISU-Seminar<br />

im Juli teilnehmen und waren bei der Sichtung<br />

noch nicht lange im Training. Einige Elemente<br />

waren beidfüßig gelandet.<br />

Aliyah Ackermann<br />

und Tobija Harms<br />

Sonja und Robert<br />

Löwenherz<br />

DEU-Sichtungslaufen<br />

Drei Meister- und drei Juniorenpaare<br />

Alisa Efimova und Ruben Blommaert begannen<br />

ihr KP zu Beethovens Mondscheinsonate mit einem<br />

erstklassigen dreifachen Twist, aber der<br />

Wurfrittberger war touchiert und beide patzten<br />

beim 3T. In der noch von Alexander König choreografierten<br />

Kür zu Musik der Dire Straits ließen<br />

sie – wohl abgesprochen - die Einzelsprünge aus,<br />

während der Twist, die Würfe (alles dreifach) und<br />

die Hebungen problemlos klappten. Blommaert<br />

machte am folgenden Tag eine Trainerprüfung.<br />

Annika Hocke & Robert Kunkel waren mit<br />

Haupttrainer Ondrej Hotarek nicht aus Bergamo,<br />

Alisa Efimova und<br />

Ruben Blommaert<br />

Letizia Roscher<br />

und Luis Schuster<br />

Sonja & Robert Löwenherz<br />

aus Berlin hatten von den<br />

drei Juniorenpaaren die<br />

beste Paarlaufharmonie,<br />

weil sie am längsten<br />

zusammenlaufen. Allerdings<br />

ging ihr 2A im KP<br />

daneben, aber die beiden<br />

anderen Paare begnügten sich<br />

mit 2R. In der Kür zu einem<br />

Chaplin-Medley patzten sie bei<br />

den Einzelsprüngen, aber vieles<br />

andere gelang recht gut. Die<br />

Oberstdorfer Aliyah Ackermann (14)<br />

& Tobija Harms (20), 18 Monate<br />

ein Paar auf dem Eis, liefen zu „Meckie Messer“<br />

im KP ein fast fehlerfreie mit doppelten Elementen,<br />

nur die Todesspirale klappte nicht. Ihre<br />

Kür mit doppelten Elementen war so gut wie<br />

fehlerfrei, wenn auch etwas vorsichtig. In dieser<br />

Saison können sie bei den Junioren laufen (Junioren-GP<br />

sind in Riga und Danzig geplant).<br />

Aber wegen der auf dem ISU-Kongress beschlossenen<br />

Erhöhung der Altersgrenzen für<br />

Mädchen ist sie immer ein Jahr zu jung für die<br />

Meisterklasse, aber er zu alt für Junioren. Damit<br />

können sie für zwei komplette Jahre nicht starten,<br />

wenn es keine Ausnahme gibt. Ihr Saisonziel<br />

ist die Teilnahme an der Junioren-WM, außerdem<br />

110 Punkte für die NK1-Kadernorm. Sie<br />

kommt aus Aschaffenburg, er aus Osnabrück.<br />

Sofia Krause & Albert Loor misslangen in beiden<br />

Programmen mehrere Elemente. Ob das für einen<br />

Junioren Grand Prix reicht? Janne Salatzki<br />

(17) & Lukas Röseler (20) aus Berlin wollen<br />

schon mehr als ein Jahr ihr Debüt mit einem<br />

kompletten Wettbewerb geben. Aber sie waren<br />

auch diesmal wieder nicht beim Sichtungslaufen,<br />

weil bei ihnen immer etwas dazwischenkommt.<br />

Am Rande der Paarlauf-Findung in Berlin<br />

in der Woche zuvor liefen sie wenigstens ein<br />

KP. Vom 16. bis 19.09. wird es in Chemnitz eine<br />

Nachsichtung geben, zu der die in Oberstdorf<br />

verhinderten Läufer/innen eingeladen sind, also<br />

auch Salatzki & Röseler, Hatakawa, Calderari,<br />

Hirling und Herrmann.


20<br />

DEU-Sichtungslaufen<br />

Kai Jagoda<br />

Louis Weissert<br />

einem oder zwei Wettbewerben und das Erreichen<br />

des Perspektivkaders. Aber er brauche noch<br />

etwas Zeit, um seine Programme aufzubauen.<br />

werb ist wieder offen, nachdem der für Mitte<br />

Oktober geplante Mentor Cup im polnischen Torun<br />

ausfällt. Dann sollen vielleicht der Volvo Cup<br />

in Riga und/oder Andorra folgen. Zur NRW-Trophy<br />

will er nicht, weil er schlechte Erinnerungen<br />

an seinen früheren Trainingsort Dortmund habe.<br />

Ob ihm wirklich sein Verhalten vor Jahren als<br />

Junior noch jemand übelnimmt? Hier könnte ein<br />

Frieden stiftendes Telefonat Probleme lösen. Das<br />

KP zur Musik „In This Shirt“ von der britischen<br />

Gruppe „The Irrepressibles“ behält er bei. Die<br />

neue Kür zu „Con te partiro“, gesungen von Andrea<br />

Bocelli, hat Massimo Scali mit ihm choreografiert.<br />

In dieser durchaus stilvollen Kür zeigte<br />

er allerdings in Oberstdorf nur die schon viele<br />

Jahre beherrschten Sprünge, 3F und 3L ließ er<br />

dagegen aus. Sein wichtigstes Saisonziel ist, gesund<br />

zu bleiben und die Programme auf hohem<br />

Niveau zu stabilisieren. Den erhofften Durchbruch<br />

hat er noch vor sich. Der Junior Davide<br />

Calderari fehlte wegen einer nach Problemen im<br />

Vorjahr erneut aufgetretenen Fußverletzung.<br />

Fehlerreiche Männer<br />

Nikita Starostin und sein Trainer Adam Solya<br />

hatten viel angekündigt. Stilistisch ist der<br />

21-Jährige ohne Zweifel recht stark, aber im KP<br />

verpatzte er den immerhin versuchten 4S, stieg<br />

allerdings auch beim 3A um, ebenso wie den 3L,<br />

so dass er keinen zweiten Sprung anhängen<br />

konnte. Die Kür war ebenfalls durchwachsen, hier<br />

versuchte er die Mehrzahl der Sprünge mit beiden<br />

Armen über dem Kopf. Das Saisondebüt soll<br />

bei der Nebelhorn Trophy stattfinden. Kai Jagoda<br />

gefällt es in Oberstdorf, weil er hier Konkurrenten<br />

hat. Das KP läuft er zu „Clocks“ von Two Cellos<br />

(Coldplay), die Andrea Vaturi choreografiert hatte.<br />

Bei der Sichtung war der geplante 4T allerdings<br />

dreifach, beim 3A ging er zu Boden und der<br />

Flip war einfach. Mit der Kür zu Musik von Philip<br />

Glass will er in eine neue Richtung gehen. Ende<br />

August wollte er noch einmal bei Vaturi und<br />

Huth in Italien trainieren. Erster Wettbewerb soll<br />

evtl. die Finlandia Trophy werden.<br />

Louis Weissert, 23. der Junioren-WM in Tallinn<br />

vor einem halben Jahr, hat nach einem beruflichen<br />

Praktikum Dortmund verlassen, ist nach<br />

Oberstdorf gezogen und kann dies mit dem Bauingenieurstudium<br />

an der Online-Universität in<br />

Erfurt verbinden: „Oberstdorf ist der beste Platz,<br />

um in Deutschland zu trainieren. Da sind auch<br />

ein paar andere Sportler, die einen anspornen<br />

und zu denen man nach oben schauen kann.“<br />

Für das Organisatorische bleibt seine bisherige<br />

Trainerin Martina Dieck zuständig, aber trainieren<br />

will der 19-Jährige mit Bundestrainer Robert<br />

Dierking und seiner Ehefrau Anna. Er muss jetzt<br />

in der Meisterklasse laufen. Sein KP zum „Lied<br />

ohne Worte“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy<br />

hat er beibehalten, die neue Kür hat Tim Dieck<br />

wieder mit ihm choreografiert, der mit ihm in<br />

Oberstdorf war. Der erste Wettbewerb soll im<br />

Oktober Budapest werden, dann sind Nizza und<br />

Graz geplant. Im Laufe der Saison soll ein 3A<br />

dazukommen, aber bei der Sichtung ging er im<br />

KP beim 3F zu Boden und zeigte alle weiteren<br />

Sprünge doppelt. Saisonziel sind 200 Punkte bei<br />

Denis Gurdzhi noch immer ohne<br />

3F und 3L<br />

Der stilistisch schon immer überzeugende Dortmunder<br />

Denis Gurdzhi (19) ist nicht mehr im<br />

DEU-Kader, trainiert seit mehr als einem Jahr im<br />

Südtiroler Egna. In diesem Frühjahr musste er<br />

sich einer Nasenoperation unterziehen und deshalb<br />

zwei Monate pausieren, erst seit Anfang<br />

Juli sei er wieder auf dem Eis. Das Training mit<br />

Lorenzo Magri und dessen Co-Trainern gefällt<br />

ihm nach wie vor gut, denn „eine große Trainingsgruppe<br />

mit erstklassigen Läufern auf hohem<br />

Niveau gibt mir viel mehr Ansporn. Der 3L<br />

und der 3F sind jetzt stabil geworden“. Allerdings<br />

riss er im KP den Flip auf und stieg beim 3R um,<br />

so dass er keine Kombination zeigen konnte.<br />

Sein Kommentar: „Ich habe erst zwei Wochen<br />

zuvor erfahren, dass ich zur Sichtung kommen<br />

soll. Daher hatte ich wenig Zeit zur Vorbereitung.“<br />

Wenn das so stimmt, scheint die Kommunikation<br />

mit München nicht ideal zu funktionieren.<br />

3A und 4S oder 4R will er im Laufe der Saison<br />

einbauen, sagt er. Der erste Saisonwettbe-<br />

Denis Gurdzhi<br />

Kristina Isaev war die einzige Einzelläuferin am<br />

Start. Erfreulicherweise lief die Oberstdorferin<br />

zwei komplette Programme und mit mehr Selbstbewusstsein<br />

als früher. Das KP enthielt 3T-2T<br />

(soll 3T-3T werden), umgestiegener Flip und 2A<br />

zur bekannten Musik „Palladio“ von Karl Jenkins.<br />

In der Kür zu einer „Toccata in G-Dur“ von Joao<br />

Carlos Martins hätte sie locker die vier Männer<br />

geschlagen, denn ihr Programm enthielt sieben<br />

gestandene Dreifache, wenn auch nicht alle eindeutig<br />

rückwärts gelandet. Zwei Startplätze bei<br />

der WM in Japan (dank des zehnten Ranges von<br />

Nicole Schott bei der WM <strong>2022</strong>) motivieren sie<br />

zu guten Leistungen. Nicole Schott sagte ihre<br />

Sichtung ab, weil sie nach ihren Long-Covid-Problemen<br />

zwar wieder trainierte, aber noch keine<br />

ausgearbeiteten Programme hatte. Aya Hatakawa<br />

war im Sommer in Japan und heilt ihre Fußprobleme<br />

aus. Nargiz Süleymanova aus Köln scheint<br />

von der Bildfläche verschwunden. Der Ukrainer<br />

Ivan Shmuratko, der sich in Oberstdorf gut integriert<br />

hat, wurde „außer Konkurrenz“ ebenfalls<br />

überprüft, jeweils kurz vor der Sichtung der anderen.<br />

Erstmals sah man von ihm auch einen 4S,<br />

wenn auch noch nicht perfekt. <br />

•••<br />

Kristina Isaev


Kiira Korpis<br />

Lebensgeschichte<br />

Die Finnin Kiira Korpi (33) hat zwischen 2005<br />

und 2015 eine Vielzahl von internationalen<br />

Wettbewerben bestritten. Ihre größten Erfolge<br />

sind zwei EM-Bronzemedaillen bei den EM 20<strong>07</strong><br />

und 2011 und eine silberne im Jahr 2012. 2010<br />

war sie Elfte bei den Olympischen Spielen. Ihre<br />

Stärke war ein eleganter Laufstil, unterstrichen<br />

durch ihr sehr gutes Aussehen. Für das Publikum<br />

hat sie stets strahlend gelächelt, aber in ihrem<br />

Inneren hatte sie häufig Zweifel, litt unter<br />

Burn-out und vielen Verletzungen. Ihre Karriere<br />

hat sie zusammen mit dem Fernsehkommentator<br />

Jere Nurminen in einem Buch festgehalten,<br />

das 2018 auf Finnisch erschien und vor einigen<br />

Monaten in englischer Übersetzung.<br />

Dann folgt ihre Kindheit in Tampere. Der Vater<br />

war ein Workaholic, hatte als Eishockey-Nationaltrainer<br />

viel Stress, erhielt sogar Bombendrohungen,<br />

war oft verreist und hatte zeitweise<br />

Alkoholprobleme. Die Mutter war als Lehrerin<br />

sehr streng und betrachtete das Eislaufen nur<br />

als Hobby. Kiira hatte schon als kleines Mädchen<br />

einen extrem starken Willen, eckte aber<br />

damit oft an. Sie war eine hervorragende Schülerin,<br />

ihre Zeugnisse dokumentierten 9,9 von 10<br />

möglichen Punkten, aber ihre Mutter war nie<br />

zufrieden. Größten Halt und tröstende Worte<br />

gab Kiira die zwei Jahre ältere und liebevolle<br />

Schwester Petra.<br />

Mit acht Jahren kam sie zu der erstklassigen<br />

Trainerin Maaret Siromaa, bei der sie lange<br />

Jahre blieb. Mit 13 gewann sie den Nachwuchswettbewerb<br />

bei der NRW Trophy in Dortmund.<br />

Sie erhielt durch Vermittlung der Verbandspräsidentin<br />

Susanna Rahkamo ein ISU-<br />

Stipendium und es ging stetig aufwärts. Trotz<br />

starker nationaler Konkurrenz durfte sie 2004<br />

zur Junioren-WM. Weil Konkurrentin Alisa Drei<br />

krank war, ergatterte sie schon 2006 ein Ticket<br />

für Olympia.<br />

21<br />

Kiira Korpi<br />

Buchrezension<br />

Foto: Höppner<br />

Sie fängt mit der Pressekonferenz beim gerade<br />

gewonnenen Cup of Russia im Jahr 2012 an, bei<br />

der sie als Perfektionistin überhaupt nicht<br />

glücklich ist, weil sie besser hätte laufen können.<br />

Dann folgt ein Kapitel aus dem Sommer<br />

2015, als sie in das Allgäu gewechselt war,<br />

denn „Oberstdorf ist eines der besten Trainingszentren<br />

für Eisläufer in Europa.“ Nach<br />

einer wegen Burn-out völlig misslungenen<br />

WM 2015 in Shanghai (Platz 31) will sie entscheiden,<br />

ob sie ihr Training mit dem damals<br />

in Oberstdorf arbeitenden und ihr unsympathisch<br />

gewordenen Trainer Carlos Avila de<br />

Borba und damit ihre Karriere beenden soll.<br />

Aber sie ringt lange Zeit mit sich selbst.<br />

Dies zieht sich durch viele Kapitel des Buches,<br />

denn immer wieder ist sie trotz<br />

manch großer Erfolge so erschöpft, dass<br />

sie Zweifel an einer Fortsetzung ihrer<br />

Karriere hat. Vorher war sie 2013 drei<br />

glückliche Monate bei Rafael Arutunian<br />

in Kalifornien, als bei einem harmlosen<br />

einfachen Axel beim Warmlaufen ihre<br />

Achillessehne riss und sie sich nach einem<br />

halben Jahr Quälerei in Finnland in München bei<br />

dem bekannten Bayern München-Arzt Dr. Müller-Wohlfahrt<br />

operieren ließ.<br />

Kiira Korpi – Surviving the Ruthless<br />

World of Championship Figure Skating<br />

ISBN Papier: 978-1-4766-8508-3<br />

ISBN e-Buch: 978-1-4766-4657-2<br />

Aber der Rummel um sie überforderte sie mental,<br />

sie bekam Angstzustände und verpatzte das<br />

KP. Sponsoren und Medien umwarben sie trotz<br />

Platz 16 wegen ihrer Ausstrahlung und des<br />

Aussehens. Sie hatte vor jedem Interview<br />

Angst, etwas Falsches zu sagen. Ganz entsetzt<br />

war sie 2008, als der US-Reporter und Fotograf<br />

Barry Mittan (der auch für die <strong>Pirouette</strong> fotografierte)<br />

schrieb, sie sei „die hübscheste Frau<br />

im Eiskunstlaufen“, weil sie sich gar nicht so<br />

schön fand. Diese Selbstzweifel lähmten sie<br />

auch in den nächsten Jahren, was sie sehr ausführlich<br />

beschreibt. Immerhin konnte sie sich<br />

wegen vieler Sponsoren viel leisten, auch<br />

erstklassige Choreografen. Aber für Sponsorentermine<br />

fiel manches Training aus<br />

und sie fühlte sich stets gehetzt. Korpi beschreibt<br />

dann ausführlich ihre Probleme<br />

mit Essen und Gewicht und ihr häufiges<br />

Weinen nach jedem Training, denn sie wollte<br />

immer perfekt sein.<br />

2010 lernte sie in Mailand den Spanier mit<br />

einem finnischem Elternteil namens Arthur<br />

Borges kennen, der in der Modeindustrie arbeitete.<br />

Mit ihm war sie fünf Jahre liiert,<br />

wenn auch meist nur in Fernbeziehung. Aber<br />

nach dem Ende ihrer Karriere im Sommer 2015<br />

heiratete sie ihn. Bei Olympia 2014 konnte sie<br />

nicht starten, weil Finnland keinen Startplatz<br />

holte. Sie trennte sich von ihren finnischen<br />

Trainerinnen, aber weder die in Kalifornien<br />

noch Oberstdorf brachten ihr Glück und<br />

Zufriedenheit.<br />

Nach dem Ende ihrer Karriere zog sie mit Borges<br />

nach New York, studierte dort Psychologie<br />

und arbeitet auch als Trainerin und Showläuferin.<br />

Gegen Ende des Buches schreibt sie einen<br />

Brief an sich selbst, in dem sie ihre Probleme<br />

noch einmal kritisierte. Das hatte man schon<br />

vorher gelesen. Nicht im Buch steht, dass sie<br />

sich 2021 von Borges wieder trennte. <br />

<br />

Klaus-Reinhold Kany


22<br />

Neues aus Russland<br />

Sommertraining<br />

Aus St. Petersburg berichtet Tatjana Flade<br />

Die russischen Eiskunstläuferinnen und<br />

Eiskunstläufer haben sich im Sommer<br />

weiter auf eine Saison unter Sanktionen<br />

vorbereitet. Trainingslager fanden fast<br />

ausschließlich im Inland statt. Alexei<br />

Mishin allerdings fuhr mit seinen Schützlingen<br />

in der ersten Augusthälfte in die<br />

Berge nach Courchevel, dem Austragungsort<br />

des ersten Junioren Grand Prix,<br />

und die Gruppen von Svetlana Sokolovskaia<br />

und Evgeni Rukavitsin reisten (wie<br />

Mishin im Frühjahr) nach Armenien. Der<br />

russische Verband passte seinen Wettkampfkalender<br />

der Situation an. Da Russland<br />

nicht an den Grand Prix Serien teilnehmen<br />

darf, verschob der Verband das<br />

Sichtungslaufen für die Junioren auf<br />

Mitte August und für die Meisterklasse<br />

auf Ende <strong>September</strong> (zeitgleich mit der<br />

Nebelhorn Trophy). Mehrere Stars wie<br />

Olympiasiegerin Anna Shcherbakova, Europameisterin<br />

Kamila Valieva oder die<br />

Eistänzer Alexandra Stepanova/Ivan Bukin<br />

nahmen bis in den August hinein an<br />

Shows teil. Denn ihre Saison wird erst<br />

Ende <strong>September</strong> mit dem Sichtungslaufen<br />

und den darauffolgenden innerrussischen<br />

Pokalwettbewerben beginnen. Die<br />

sind zu einer „nationalen Grand Prix Serie“<br />

aufgewertet worden und sollen mit<br />

Preisgeld ausgestattet werden.<br />

„Anna Karenina“ und „Elvis Presley“<br />

Die Paare von Tamara Moskvina und Mishins<br />

Schüler trainierten im August fleißig. Anastasia<br />

Mishina/Alexander Galliamov durften nach der<br />

für sie sehr erfolgreichen Olympiasaison ein we-<br />

Der „Tango im Irrenhaus“<br />

Neues aus Russland<br />

nig länger Pause machen, aber im Juni waren<br />

sie wie ihre Trainingskameraden Alexandra Boikova/Dmitri<br />

Kozlovski beim Trainingslager in<br />

Sotchi. Beide Spitzenduos haben zwei neue Programme:<br />

Mishina/Galliamovs KP ist zum Walzer<br />

<strong>No</strong>. 2 von Dmitri Shostakovitch, die Kür ein<br />

Elvis-Presley-Medley. Boikova/Kozlovski laufen<br />

zu „In the Road Jack“ im KP und zur Filmmusik<br />

„Anna Karenina“ in der Kür. Die Programme der<br />

Europameister von 2019 hat der ehemalige Eistänzer<br />

Nikolai Moroshkin choreographiert. Auch<br />

Boikova/Kozlovski arbeiten an Vierfachen und<br />

haben bereits den Twist auf dem Eis gestanden.<br />

Das neue Duo Jasmina Kadyrova/Valeri Kolesov,<br />

das bei Moskvina und Artur Minchuk trainiert,<br />

macht einen guten Eindruck mit stabilen Elementen<br />

und will sich rasch etablieren. „Wenn<br />

man in dieser Trainingsgruppe ist, weiß man,<br />

dass man hart arbeiten muss und ein Resultat<br />

erzielen will“, kommentierte Kadyrova. Die besten<br />

Einzelläufer im Club sind nach wie vor Petr<br />

Gumennik, Nikolai Ugozhaev und Andrei Kutovoi,<br />

wobei letzterer sich nach langwierigen Verletzungs-<br />

und Wachstumsproblemen zurückkämpfen<br />

muss.<br />

Tango im Irrenhaus<br />

Anastasia Mishina<br />

und Alexander Galliamov<br />

Fotos: Tatjana Flade<br />

Alexei Mishins Truppe spornt sich gegenseitig<br />

an – Mikhail Kolyada, Evgeni Semenenko, Gleb<br />

Lutfullin und Andrei Lazukin konkurrieren mit<br />

ihren Vierfachen, und auch Lisa Tuktamysheva<br />

will den 4T endlich zur Wettkampfreife bringen.<br />

Die Programme sind ganz unterschiedlich –<br />

während Semenenko zu koreanischer Popmusik<br />

tanzt und im KP das „Adagio“ von Albinoni interpretiert,<br />

greift Tuktamysheva zu einer speziellen<br />

Komposition des Musikers Bkhima Yusunov<br />

in der Kür. Ob sie ihr Beyoncé-KP beibehält,<br />

war zunächst unklar. Kolyada sollte das Nussknacker-KP<br />

behalten, aber vielleicht kommt<br />

Maestro Mishin wieder mit etwas Neuem. Die<br />

»<br />

Anastasia Mishina & Alexander Galliamov<br />

Anastasia: „Seit der Kindheit hatten wir dieses<br />

Ziel, Olympiasieger zu werden. Das haben<br />

wir im Prinzip im Teamwettbewerb erreicht<br />

und das Schwierigste ist es jetzt, sich neue<br />

Ziele zu setzen. Wenn wir auf den Vierjahreszyklus<br />

schauen, dann ist das erste Jahr das<br />

Wichtigste zum Erlernen neuer Elemente. Die<br />

letzten zwei Jahre vor den Olympischen Spielen<br />

arbeitest du an dem, was du gelernt hast<br />

und die Trainer bringen kaum etwas Neues<br />

an Elementen ein. (Vierfache) Würfe haben<br />

wir bisher noch nicht ohne Longe probiert,<br />

aber sie sind geplant. Irina Zhuk und Alexander<br />

Svinin haben unsere neue Kür zu Elvis<br />

Presley aufgebaut. Das war ein neuer Stil für<br />

uns. Das KP haben wir im Trainingslager mit<br />

Alexander Zhulin gemacht. Uns ärgert sehr,<br />

wenn einige Leute sagen, ‚die sind in anderthalb<br />

Jahren so hochgekommen und haben alles<br />

gewonnen, jetzt hören sie auf oder heben<br />

ab‘. Wir wollen beweisen, dass das nicht so<br />

ist und wir noch etwas erreichen können. Am<br />

Ende der Saison war es nicht einfach für uns,<br />

weil wir nicht wussten, welche Wettbewerbe<br />

es geben wird und ob es überhaupt welche<br />

geben wird und auch nicht, wer im Sport<br />

bleibt, wer aufhört. Jetzt ist es etwas klarer,<br />

unser Verband hat versprochen, dass wir genügend<br />

Wettbewerbe haben werden und deshalb<br />

haben wir das Ziel, uns auf sie vorzubereiten<br />

- zum Beispiel haben wir anstelle der<br />

internationalen Grand Prix unsere nationalen<br />

Wettbewerbe. Wir hoffen, dass wir bald wieder<br />

in den allgemeinen Fluss einsteigen und<br />

zugelassen werden.“<br />

Alexander: „Wir gehen Schritt für Schritt vor.<br />

Wir wollen nicht sofort Bäume ausreißen.<br />

«<br />

Wenn wir fühlen, dass ein Element so weit ist<br />

und wir mehr machen können, dann fangen<br />

wir an, es schwieriger zu machen. Wir wollen<br />

nicht aufhören, uns zu entwickeln und zu arbeiten,<br />

wir wollen neue Elemente lernen, den<br />

Zuschauern und Preisrichtern etwas Neues<br />

zeigen. Wir sind noch junge Sportler, wir haben<br />

nicht ans Aufhören gedacht.“<br />

Kür zum „Tango aus dem Irrenhaus“ von Alfred<br />

Schnittke ist sehr ausdrucksstark und – auch<br />

wenn das niemand so gesagt hat – angesichts<br />

der Situation in der Welt eine passende Wahl.<br />

Semenenko hat das erste Jahr seines Medizinstudiums<br />

erfolgreich hinter sich gebracht und<br />

ist entschlossen, es fortzusetzen. Zu seinem 19.<br />

Geburtstag Ende Juli kamen Fans mit Geschenken<br />

und einer Torte an die Halle, um ihm zu


23<br />

»<br />

Alexandra Boikova & Dmitri Kozlovski<br />

Dmitri: „Mir scheint, dass wir mit der Erfahrung,<br />

wie wir jetzt gesammelt haben, jetzt<br />

etwas Neues in der Premierensaison des<br />

neuen Zyklus ausprobieren müssen. Wir<br />

müssen uns in der Technik entwickeln. Gerade<br />

der Paarlauf ist hinten dran, ist in den<br />

frühen 2000er Jahren steckengeblieben. Es<br />

gab nur ein paar wenige, die sich hervorgetan<br />

haben. Jetzt ist es im Eiskunstlauf oft so<br />

– man muss sein Minimum schaffen und seine<br />

Platzierung erreichen. Aber das ist kein<br />

Sport. Der Eiskunstlauf hat zwei Kopfschüsse<br />

abbekommen – den Rücktritt von Hanyu und<br />

die Sperre der Russen. Bei den Wettbewerben<br />

sollten die Besten antreten.“<br />

Alexandra: „Viele haben verständlicherweise<br />

Angst (vor vierfachen Elementen), denn das<br />

ist wahnsinnig verletzungsgefährlich und leider<br />

lohnt es sich wegen der Punktzahlen<br />

nicht. Und die werden nicht angehoben,<br />

wenn wir diese Elemente nicht systematisch<br />

zeigen. Das müssen wir tun, damit die Oberen<br />

sehen, dass man die Erhöhung des Schwierigkeitsgrads<br />

im Paarlauf fördern soll. Unser KP<br />

war zunächst etwas ungewohnt für mich<br />

vom Stil her, da muss ich sexy sein und aus<br />

mir herausgehen. Die Kür ist sehr dramatisch<br />

und die Stimmung ändert sich dreimal – wir<br />

versuchen, den Roman darzustellen.“<br />

«<br />

gratulieren. Tuktamysheva ist ein gefragter Gast<br />

bei Veranstaltungen außerhalb vom Eis wie<br />

Sportfestivals. Die 25-Jährige ist sehr populär,<br />

weil sie eine lange Karriere hat und sich der<br />

jüngeren Konkurrenz stellt.<br />

Die Georgier von St. Petersburg<br />

Der Italiener Nikolaj Memola, der eine russische<br />

Mutter hat, die einst Studentin bei Mishin war<br />

und ihren Sohn coacht, kam wie im Vorjahr fürs<br />

Sommertraining zu Tatiana und Alexei Mishin.<br />

Der groß gewachsene Memola, Siebter bei der<br />

Junioren-WM <strong>2022</strong>, hofft auf die Qualifikation<br />

fürs Junioren-Finale in Turin. Der Italiener war<br />

nicht der einzige Ausländer, der trotz komplizierter<br />

Anreise nach Russland kam. In der Eislauf-Akademie<br />

traf die <strong>Pirouette</strong> eine Finnin an,<br />

die entgegen dem Wunsch ihres Verbandes zeitweise<br />

bei Evgeni Rukavitsin trainiert, sowie<br />

Anastasia Gubanova<br />

Alexandra Boikova und<br />

Dmitri Kozlovski<br />

Mikhail Koyada<br />

»<br />

Mikhail Kolyada<br />

„Ich eröffne mir neue kreative Welten. Wenn<br />

Schauspieler ihr Studium beendet haben, bekommen<br />

sie ihre Rollen und manche bleiben<br />

in einem Genre. Ich möchte verschiedene<br />

Rollen spielen können, damit nicht eine bestimmte<br />

an mir haften bleibt. Zu so etwas<br />

wie „Tango im Irrenhaus“ bin ich noch nie<br />

gelaufen. Ich verarbeite alles in mir und einen<br />

psychisch kranken Menschen darzustellen<br />

und dem Zuschauer etwas Neues, meine<br />

Vision zu geben, ist sehr schwer. Ich suche<br />

nach Gefühlen, Emotionen, Mimik, Gesten –<br />

es gibt ein sehr großes Spektrum an Material,<br />

um das alles in vier Minuten wiederzugeben.<br />

Mir gefällt es, an jedem Moment im<br />

Programm zu feilen. Jeder Blick, jede Geste<br />

zählt. Mir ist klar, dass nicht jeder<br />

«<br />

Mensch<br />

im Saal das sieht, aber meine Aufgabe ist es<br />

eben, es so darzustellen, damit es jeder sieht<br />

und es nicht nur in mir tief drinnen sitzt.<br />

Und das ist das Interessante und Schwierige<br />

zugleich. Das KP behalten wir vielleicht, aber<br />

wir passen es an die neuen Regeln an und<br />

ich bin dafür, das Kostüm zu wechseln, weil<br />

es ziemlich abgetragen ist.“<br />

Maia Mazzara. Die Französin hat wie Memola<br />

eine russische Mutter, spricht gut Russisch und<br />

trainiert seit Jahren regelmäßig bei Kirill Davydenko.<br />

„Die Sperre für die russischen Läufer<br />

halte ich für falsch, die Sportler können nichts<br />

für diese Situation. Wer jetzt insbesondere bei<br />

den Mädchen bei einem Wettbewerb gewinnt,<br />

kann sich gar nicht als echte Siegerin bezeichnen,<br />

denn jeder weiß, dass die besten fehlen“,<br />

kritisierte Mazzara, die einen Umweg über Dubai<br />

und Moskau in Kauf genommen hatte, um<br />

nach St. Petersburg zu kommen. In der Akademie<br />

trainieren mehrere russischstämmige Läuferinnen<br />

und Läufer, die für Georgien starten.<br />

Anastasia Gubanova befand sich nach ihrer<br />

Fuß-OP vom Mai noch im Aufbau. Für das KP<br />

haben sie und ihr Team um Rukavitsin das<br />

Stück „Historiette“ von Fabrizio Paterlini ausgesucht,<br />

für die Kür indische Musik. „Das ist<br />

ein ganz neuer Stil für mich, es gefällt mir<br />

sehr“, so die WM-Sechste.<br />

Beim Trainertrio Velikov aus Liudmila und Nikolai<br />

plus Enkel Vasili trainieren neben einigen<br />

neuen Juniorenduos die Georgier Anastasia<br />

Metelkina/Danil Parkman, die in der vergangenen<br />

Saison verletzungsbedingt nicht bei den<br />

großen Events antreten konnten, obwohl sie<br />

bei der Golden Spin of Zagreb die interne Ausscheidung<br />

gegen die späteren Juniorenweltmeister<br />

Karina Safina/Luka Berulava gewonnen<br />

hatten. Sie wollen nun bei der Nebelhorn Trophy<br />

auf sich aufmerksam machen. Ihr ausdrucksstarkes<br />

KP ist zum Blues „I’ll Take Care<br />

of You“, ihre Kürmusik hielten sie geheim. Dmitri<br />

Aliev kam in der ersten Augustwoche von<br />

Shows zurück. Seiner Trainingsgruppe schloss<br />

sich Ende August Artur Danielian, der EM-<br />

Zweite von 2019, an. Andrei Mozalev arbeitete<br />

an seinen neuen Programmen zu „Kashmir“ von<br />

Led Zeppelin (KP) und dem anspruchsvollen<br />

Stück „Kerber“ von Yann Tiersen (Kür).<br />

Junioren-Sichtung in <strong>No</strong>vogorsk<br />

Bei der Sichtung der Junioren riskierten einige<br />

Mädchen Vierfachsprünge, aber nur wenige<br />

mehr oder weniger erfolgreich – zum Beispiel<br />

Veronika Zhilina, die bei Evgeni Plushenko trainiert,<br />

oder die Eteri-Tutberidze-Schülerin Alisa<br />

Dvoeglazova. Die Top-Juniorinnen wie Sofia<br />

Akatieva und Adelia Petrosian werden erst bei<br />

der Sichtung der Meisterklasse auftreten. Die<br />

jungen Herren leisteten sich viele Fehler, im<br />

Paarlauf und Eistanz gibt es talentierten Nachwuchs,<br />

insbesondere das Tanzduo Vasilisa Kaganovskaia/Valeri<br />

Angelopol. Olympiasiegerin<br />

Shcherbakova unterzog sich im August einer<br />

Knie-OP in Deutschland. Unterdessen hatte die<br />

russische Anti-Dopingagentur Rusada bis zum<br />

Redaktionsschluss kein Ergebnis ihrer Untersuchung<br />

im Fall Kamila Valieva vorgelegt. Aber<br />

selbst wenn die Entscheidung der Rusada über<br />

eine Sperre oder Nicht-Sperre von Valieva, deren<br />

Dopingskandal bei den Olympischen Spielen<br />

hohe Wellen schlug, endlich vorliegt, wird<br />

die Sache wahrscheinlich kein Ende finden, da<br />

ein Einspruch der Weltdopingagentur WADA<br />

möglich ist. Die in Peking erfolgreichen Teams<br />

werden also wohl weiterhin auf ihre Medaillen<br />

warten müssen. <br />

•••<br />

Neues aus Russland<br />

Sommertraining


24<br />

Sommerwettbewerbe <strong>No</strong>rdamerika<br />

<strong>No</strong>rdamerikanische<br />

Sommerwettbewerbe<br />

In der zweiten Juli- und der ersten Augusthälfte fanden in <strong>No</strong>rdamerika die ersten<br />

Wettbewerbe mit nur noch drei statt bisher fünf Komponenten statt. Spitzenläufer<br />

waren nicht am Start.<br />

Skate Detroit<br />

Der Wettbewerb Skate Detroit im Vorort Bloomfield,<br />

den die <strong>Pirouette</strong> viele Jahre lang besucht hatte, ist<br />

inzwischen überwiegend ein Event für Solotänzer,<br />

andere Breitensportler und Nachwuchsläufer geworden.<br />

Nur wenige Läufer der Meisterklasse und Junioren<br />

gingen diesmal am vorletzten Juliwochenende an<br />

den Start, fast niemand mit internationaler Erfahrung.<br />

Siegerin der Meisterklasse wurde Maryn Pierce aus<br />

Colorado Springs, die vor einem Jahr Achte des Junioren<br />

Grand Prix in Krasnoyarsk geworden war, diesmal<br />

mit 162 Punkten und einer mit Pluspunkten belohnten<br />

3L-2T-2R-Kombination in der Kür. Einziger männlicher<br />

Einzelläufer in der Meisterklasse war Nathan Chapple aus<br />

Lakewood, Ohio mit 166 Punkten und zwei gelungenen<br />

Dreifachen in der Kür. Das beste der drei Kunstlaufpaare<br />

waren Valentina Plazas & Maximiliano Fernandez aus dem<br />

Großraum Detroit mit 151 Zählern. Fernandez war 2014<br />

und 2016 mit anderen Partnerinnen als Junior international<br />

dabei und pausierte danach einige Jahre.<br />

Cranberry Cup nahe Boston<br />

Erst vor zwei Jahren wurde die neue Vereinshalle<br />

des altwehrwürdigen Boston Skating Club<br />

im südwestlichen Vorort <strong>No</strong>rwood eingeweiht.<br />

Seitdem ist sie für Wettbewerbe sehr beliebt<br />

und erhält im Oktober sogar erstmals Skate<br />

America. Zum zweiten Mal fand hier Mitte August<br />

der Einzellaufwettbewerb Cranberry Cup<br />

statt. Einzige Deutsche vor Ort war Preisrichterin<br />

Ulla Faig. Die beste Leistung bot der für Israel<br />

startende WM-25. und in Kanada lebende<br />

Mark Gorodnitsky, der 219 Punkte holte. Im KP<br />

glückten 3F-3T und 3L, aber beim 3A wäre er<br />

beinahe gestürzt. In der Kür gelangen alle acht<br />

geplanten Dreifachen, Vierfache hatte er dagegen<br />

nicht im Programm. Zweiter mit 206 Zählern<br />

wurde der US-Läufer Tomoki Hiwatashi,<br />

der zu Beginn der Kür 4S und 4T meisterte,<br />

aber später mehrfach patzte. Auf Rang drei mit<br />

200 Punkten kam sein Landsmann Eric Sjoberg.<br />

Bei den Frauen gewann die Amerikanerin Audrey<br />

Shin aus Colorado Springs mit 175 Punkten trotz<br />

Sturz beim 3R im KP und unterdrehtem zweitem<br />

Kombinations-3T im KP. Zu Beginn der Kür gelangen<br />

vier Dreifache, aber später riss sie den<br />

Lutz auf und zwei weitere Dreifache waren<br />

Senta Böhlke<br />

Maryn Pierce<br />

Foto: Flade<br />

leicht unterdreht (q). Die international noch<br />

unbekannte Sonja Hilmer kam auf Platz zwei<br />

mit 167 Punkten und fiel auf, weil sie eine<br />

Sprungkombination aus einem gegen den Uhrzeigersinn<br />

gedrehten 3S und einem ohne Zwischenschritt<br />

im Uhrzeigersinn gezeigten 2S<br />

zeigte. Die Jury einigte sich, nichts abzuziehen,<br />

obwohl sie logischerweise einen Kantenwechsel<br />

vornahm, was neuerdings abgezogen werden<br />

soll. Aber nur eine Preisrichterin (aus Mexiko)<br />

gab für dieses Element eine +4, alle anderen<br />

zwischen 0 und +2. Amber Glenn aus Texas<br />

landete auf Rang drei mit 166 Punkten, obwohl<br />

sie einen 3A zu Beginn der Kür riskierte, aber er<br />

wurde abgewertet und sie stürzte. Im KP hatte<br />

sie den Axel und den Rittberger aufgerissen<br />

und war nur Elfte geworden. Die angekündigten<br />

bekannten Läuferinnen Maé-Bérénice Méité<br />

(Frankreich) und Young You (Südkorea) sagten<br />

kurzfristig ab. Juniorensiegerin wurde Lia<br />

Pereira aus Kanada (169 Zähler), Juniorensieger<br />

Strommer Beck aus den USA mit 187 Punkten.<br />

Im Nicht-Internationalen Wettbewerb (Cranberry<br />

Open), der parallel durchgeführt wurde,<br />

siegten im Paarlaufen die Amerikaner Maria<br />

Mokhova und Ivan Mokhov mit 160 Punkten.<br />

Philadelphia Summer<br />

International<br />

Zwei sehr gute Leistungen bei den Frauen<br />

konnten die wenigen Zuschauer beim Philadelphia<br />

Summer International Event sehen.<br />

Der Wettkampf fand wieder in Aston nahe<br />

Philadelphia in der Vierfach-Eishalle namens<br />

Ice Works Skating Complex statt, die zu einem<br />

Teil auch der Deutsch-Amerikanerin<br />

Uschi Keszler gehört. Die <strong>Pirouette</strong> hatte diesen<br />

Sommerwettbewerb jahrelang besucht.<br />

Siegerin in der Meisterklasse mit 2<strong>07</strong> Punkten<br />

wurde die aktuelle Juniorenweltmeisterin Isabeau<br />

Levito, die in der Nähe wohnt und trainiert.<br />

Im KP konnte die 15-Jährige Pluspunkte<br />

bei 3F, 2A und der 3L-3R-Kombination verbuchen,<br />

aber eine <strong>Pirouette</strong> war unsauber. Die<br />

Komponenten gingen bis auf 8,75. In der Kür<br />

erzielten vier Dreifache Pluspunkte, aber zwei<br />

weitere waren technisch nicht ganz korrekt.<br />

Silber mit 203 Zählern holte Lindsay Thorngren<br />

aus Montclair in New Jersey mit sechs<br />

sehr überzeugenden Elementen im KP, aber<br />

einem knapp unterdrehten 3T nach dem 3L. In<br />

der Kür zeigte die Schülerin der früheren Österreicherin<br />

Julia Lautowa drei gute Dreifache,<br />

aber auch drei nicht ganz einwandfreie.<br />

Auf Rang drei mit 180 Punkten platzierte sich<br />

Gracie Gold, die in den Jahren 2014 bis 2016<br />

dreimal Vierte bei Olympia bzw. der WM war<br />

und dann mit vielerlei Problemen kämpfte,<br />

aber in dieser Saison einen erneuten Comeback-Versuch<br />

wagen will. Sie trainiert nicht<br />

mehr bei dem ex-Franzosen Vincent Restencourt,<br />

sondern ebenfalls in Aston bei Pavel Filchenkov<br />

(36), der früher für Russland und<br />

Aserbaidschan als Eistänzer startete. Ihr KP<br />

war mit 3L-3T und 3R fehlerlos und in den ersten<br />

zweieinhalb Minuten ihrer Kür gelangen<br />

ihr fünf Dreifache, aber gegen Ende ließen ihre<br />

Kräfte nach und sie lief in beiden Programmen<br />

weniger leichtfüßig und langsamer als die bei-<br />

Isabeau Levito<br />

Foto: Höppner


den mehr als zehn Jahre jüngeren Konkurrentinnen<br />

vor ihr. Gewinner bei den Männern mit<br />

209 Punkten wurde der Amerikaner Liam Kapeikis,<br />

der nahe Vancouver in Kanada trainiert.<br />

Im KP gelang der 3F sehr gut, aber der 3A war<br />

unsauber und bei der 3L-3T-Kombination wäre<br />

er beinahe gestürzt. In der Kür glückten sechs<br />

Dreifache, aber beim 3A ging er zu Boden.<br />

Quebec Sommermeisterschaften<br />

Bei den Sommermeisterschaften von Quebec<br />

im Montrealer Vorort Pierrefonds war der Eistanz<br />

der Meisterklasse am besten besetzt. Sieger<br />

mit beachtlichen 193 Punkten wurden die<br />

Kanadier Marie-Jade Lauriault und Romain Le<br />

Gac, die früher für Frankreich gestartet waren<br />

und im Jahr 2019 Platz 14 bei der WM belegt<br />

hatten. In der Kür laufen sie zur bekannten<br />

Musik von „Pink Panther“. Auf Platz zwei mit<br />

182 Punkten kamen ihre Montrealer Trainingskameraden<br />

Carolane Soucisse und Shane Firus,<br />

die 2021 Siebte bei ihren beiden Grand Prix<br />

geworden waren. Haley Sales und Nikolas<br />

Wamsteeker aus Toronto holten als Dritte 178<br />

Zähler. Bei den Männern gewann mit 181<br />

Punkten und ohne 3A oder Vierfache der Filipino<br />

Edrian Paul Celestino, der bei der Nebelhorn<br />

Trophy 2021 Rang 18 belegt hatte.<br />

Schiedsrichter war hier ISU-Vizepräsident Benoit<br />

Lavoie. Von den 20 Frauen konnte niemand<br />

wirklich überzeugen, auch die Siegerin<br />

Laura Paquette mit 140 Punkten nicht. Das<br />

beste der fünf Kunstlaufpaare waren Deanna<br />

Stellato & Maxime Deschamps, die als Dritte<br />

der kanadischen Meisterschaften <strong>2022</strong> mit<br />

183 Punkten trotz Patzern bei den Würfen einen<br />

zufriedenstellenden Eindruck hinterließen.<br />

Lake Placid Eistanz<br />

Ebenfalls eine langjährige Tradition hat der<br />

Eistanzwettbewerb in Lake Placid Ende Juli,<br />

der in diesem Jahr wieder im ISU-Kalender<br />

stand. So wie jedes Jahr waren auch diesmal<br />

die Levels zu Saisonbeginn noch ziemlich<br />

niedrig. Sieger der Meisterklasse wurden diesmal<br />

Lorraine McNamara & Anton Spiridonov<br />

mit beachtlichen 181 Punkten. Sie erhielten<br />

später den freien Grand Prix-Platz in den USA.<br />

Knapp dahinter mit 179 Zählern landeten Eva<br />

Pate und Logan Bye vor Katarina Wolfkostin &<br />

Jeffrey Chen (175), die den Rhythmustanz gewannen,<br />

sowie Emily Bratti & Ian Somerville<br />

(173). Den Juniorenwettbewerb gewannen die<br />

für Israel startenden Elizabeth Tkachenko &<br />

Trainersohn Alexei Kiliakov. Als Dateneingeberin<br />

in der Meisterklasse und als Replay Operatorin<br />

(also verantwortlich dafür, dass sich die Preisrichter<br />

einzelne Elemente in der Wiederholung<br />

anschauen können) bei den Junioren aktiv war<br />

Julia Degenhardt aus München.<br />

Lorraine McNamara<br />

und Anton Spiridonov<br />

Fotos: Ritoss<br />

25<br />

Sommerwettbewerbe <strong>No</strong>rdamerika<br />

Glacier Falls<br />

Summer Classics<br />

Schon seit vielen Jahren wird am letzten Juliwochenende<br />

der Wettbewerb Glacier Falls<br />

abgehalten, diesmal wieder im kalifornischen<br />

Anaheim, der Disney-Stadt nahe Los Angeles.<br />

Bei den Männern gewann Tomoki Hiwatashi<br />

aus Colorado Springs, Juniorenweltmeister im<br />

Jahr 2019, mit 216 Punkten, einer guten<br />

4T-3T-Kombination, einem knapp unterdrehten<br />

zweiten 4T, einem soliden 3A und einem<br />

unterdrehten 4S, alles in der Kür. Das KP hatte<br />

der Kanadier Stephen Gogolev mit 4T-2T<br />

und 4S (88 Punkte) gewonnen, aber zur Kür<br />

ging er nicht an den Start. Die beste unter<br />

immerhin 18 Läuferinnen der Meisterklasse<br />

war Sonja Hilmer aus dem kanadischen Edmonton<br />

mit 177 Punkten und sechs gelungenen<br />

Dreifachen in der Kür. Einziges Paar der<br />

Meisterklasse waren Sonia Baram & Daniel<br />

Tioumentsev mit beachtlichen 179 Zählern,<br />

aber Schwächen bei den Einzelsprüngen. Damit<br />

qualifizierten sie sich für den Junioren<br />

Grand Prix in Ostrava. Mit 4S und 205 Punkten<br />

Juniorensieger wurde Daniil Murzin aus<br />

San Franzisko.<br />

Eva Pate und<br />

Logan Bye<br />

Katrina Wolfkostin<br />

und Jeffrey Chen


26<br />

Neues aus Japan<br />

Neues aus Japan<br />

Trainingslager mit Stars in Karuizawa<br />

Olympia-Silbermedaillengewinner Yuma Kagiyama,<br />

Weltmeisterin Kaori Sakamoto und viele<br />

andere japanische Spitzenathleten nahmen<br />

im Juli am diesjährigen Trainingslager in Karuizawa<br />

(Präfektur Nagano) teil. Dabei verriet<br />

Kagiyama, dass er insgesamt fünf Vierfachsprünge<br />

in seine neue Kür „Rain In Your Black<br />

Eyes“ einbauen wolle. In der ersten Hälfte seines<br />

Trainings sprang er zum ersten Mal vor<br />

den Medien einen 4L, später dann einen 4R<br />

und einen 4S. Die zweite Hälfte beendete er<br />

mit zwei 4T. In einem Interview mit Nikkan<br />

Sports sagte er: „Gestern konnte ich auch einen<br />

4L stehen, also denke ich, dass er langsam<br />

Form annimmt. Die Erfolgsquote ist noch<br />

nicht sehr hoch, etwa 70 Prozent, aber ich<br />

denke, dass ich auf Anhieb sicher werden<br />

kann.“ An dem Rittberger habe er sich allerdings<br />

erst noch die Zähne ausgebissen. „Ich<br />

arbeite schon seit dem letzten Jahr an ihm, er<br />

ist wirklich sehr schwierig. Ich werde natürlich<br />

weiter hart an ihm arbeiten, aber im Moment<br />

liegt mein Fokus auf dem Lutz.“<br />

Dreams On Ice:<br />

Träume werden wahr<br />

Obwohl die heißen Sommertemperaturen Ausflüge<br />

fast unmöglich machen, versammelten<br />

sich Hunderte von Eiskunstlauffans vor dem<br />

„KOSÉ Shin Yokohama-Skate Center“, um die<br />

Weltmeister Shoma Uno und Kaori Sakamoto<br />

bei der Eisshow Dreams On Ice (1.-3. Juli) zu<br />

bejubeln. Neben weiteren japanischen Spitzenläufern<br />

wie Yuma Kagiyama und Wakaba Higuchi<br />

bereicherten auch Olympiasieger Nathan<br />

Chen und Junioren-Weltmeister Ilia Malinin das<br />

Event. Zum ersten Mal präsentierte Yuma Kagiyama<br />

dem Publikum sein neues KP „Believer“,<br />

das er mit Choreografin Shae-Lynn Bourne in<br />

Los Angeles einstudiert hatte. „Ich bin noch nie<br />

zu Rockmusik aufgetreten, und heute hatte ich<br />

das Gefühl, dass ich noch nicht genug Power<br />

auf dem Eis habe. Daran arbeite ich derzeit<br />

auch im Training“, sagte Kagiyama. Die Olympia-Dritte<br />

Kaori Sakamoto heizte der Halle mit<br />

ihrem neuen KP „Rock with U/ Feedback“ richtig<br />

ein. Mit einem Kostüm, das farblich perfekt auf<br />

die bunten Scheinwerferlichter abgestimmt war,<br />

verwandelte sie die Eisbahn in eine lebhafte<br />

Disco-Tanzfläche. Publikumsliebling Shoma Uno<br />

trat mit seiner neuen Kür „Gravity“ auf und landete<br />

alle Sprünge fehlerfrei. Gegen Ende des<br />

Programms baute er seine Schrittfolgen auf die<br />

Musik auf und verband seinen Layback-Mond<br />

mit dem charakteristischen Gitarrensolo des<br />

Stücks. „Als Stephane (Lambiel) Coach nach Japan<br />

gekommen ist, haben wir das Programm<br />

gemeinsam überarbeitet und an die neuen<br />

(ISU-)Regeln angepasst“, kommentierte Uno<br />

rückblickend seinen Auftritt.<br />

Yuma Kagiyama<br />

Kaori Sakamoto<br />

Fotos: Hella Höppner<br />

Die Titelverteidigung im Blick, geht Weltmeisterin<br />

Sakamoto mit zwei komplett neuen Programmen<br />

in die Saison. Die Choreographie des<br />

KP „Rock With You/ Feedback“ wurde von Rohene<br />

Ward übernommen, während Marie-France<br />

Dubreuil das Ruder für die Kür „Elastic Heart“ in<br />

die Hand nahm. Mit zwei Programmen, die unterschiedlicher<br />

nicht sein könnten, wolle sie zeigen,<br />

wie sehr sie sich auf dem Eis entwickelt<br />

habe. Dabei habe sie sich nicht auf neue Sprünge<br />

konzentriert, da der Ausdruck und die Choreografie<br />

wichtiger seien. Gegenüber Nikkan<br />

Sports erklärte sie: „Das KP ist eher tänzerisch,<br />

während die erste Hälfte der Kür langsam beginnt.<br />

,Stärker werden und überleben‘, das ist<br />

das Image (der Kür). Ich möchte mein Image<br />

ändern und zeigen, was ich zu bieten habe.“<br />

Olympiasieger Nathan Chen holte eine Variation<br />

seiner Kür „Rocketman“ aus der Trickkiste und<br />

entlockte dem Publikum nicht nur für seine<br />

zwei fehlerfreien 4F, sondern auch für seinen<br />

Rückwärtssalto am Ende des Programms Jubelrufe.<br />

Gleich zu Beginn seiner Showeinlage erklärte<br />

er, dass er sich in der kommenden Saison<br />

auf sein Studium konzentrieren wolle. Für den<br />

17-jährigen Ilia Malinin wurde ein Traum wahr,<br />

als er zum ersten Mal in seinem Leben das japanische<br />

Eis betrat und mit amerikanischen<br />

Fahnen und Bannern bejubelt wurde. Erst im<br />

Mai war er in einem Trainingslager den 4A gelandet,<br />

ein Sprung, an dem Japans Favorit Yuzuru<br />

Hanyu bei den Olympischen Spielen gescheitert<br />

war. Auch beim Training in Yokohama bewältigte<br />

Malinin den 4A wiederholt und versetzte<br />

die japanischen Athleten gehörig ins<br />

Staunen. Uno staunte: „Ich habe seinen 4A zum<br />

ersten Mal live gesehen, und er wirkte dabei<br />

sehr sicher. Ich bin überzeugt, dass er ihn in der<br />

kommenden Saison noch öfter springen wird. Es<br />

ist einfach zu unglaublich! Nicht nur, dass er<br />

ihn springen kann, auch seine Erfolgsrate ist<br />

sehr hoch! Wäre er (4A) für mich greifbar, wäre<br />

ich wahrscheinlich noch angespornter, aber so<br />

bin ich einfach nur überwältigt“.<br />

Besuchen Sie die <strong>Pirouette</strong> auf Facebook


27<br />

Mao Asadas neue Eisshow<br />

Nach Mao Asadas Rücktritt vom Leistungssport im Jahr 2017 und ihrer<br />

dreijährigen Tournee durch Japan war es zunächst ruhig um die Silbermedaillengewinnerin<br />

der Olympischen Spiele in Vancouver (2010) geworden.<br />

Doch am 4. Juli gab sie in einer Pressekonferenz ein Vorhaben bekannt, das<br />

die Herzen ihrer Fans höherschlagen ließ. In einem goldschimmernden Kleid,<br />

das perfekt auf die Hintergrundkulisse abgestimmt war, betrat sie die Bühne<br />

des „United Cinema“ in Toyosu (Tokio) und erzählte den Medien stolz<br />

von ihrer neuen Tour „Beyond“. Insgesamt 70 Auftritte in 17 Städten planen<br />

Asada und zehn weitere Athleten zwischen <strong>September</strong> <strong>2022</strong> und März<br />

2023, ein umfangreiches Projekt, in das Asada viel Herzblut gesteckt hat.<br />

„Ich bin mit großer Entschlossenheit an die Vorbereitungen herangegangen.<br />

Ich wollte viele Hürden überwinden, meine Vergangenheit hinter<br />

mir lassen und diese Erfahrungen in die Show einbringen. Meine Botschaft<br />

an alle ist, dass es im Leben viele Berge zu erklimmen gibt.<br />

(Diese Berge) möchte ich gemeinsam mit dem Publikum besteigen.“<br />

Zwei Schlagwörter sollen sich bei der Eisshow „Beyond“ als Motto<br />

durch das kommende Jahr ziehen: Entschlossenheit und Fortschritt.<br />

Nach der letzten Tournee habe sie die Qualität ihrer Darbietung<br />

verbessern und den Alltag des Publikums ein wenig aufhellen<br />

wollen. Mehrere Stunden am Tag habe sie an den Vorbereitungen<br />

für ihre Show gesessen, Darsteller ausgewählt und<br />

das gesamte Konzept überdacht. Außerdem habe sie sich in<br />

Off-Ice-Disziplinen wie Stepptanz und Ballett eingearbeitet,<br />

um eine einzigartige Choreografie zu kreieren. Doch<br />

nicht nur die Programmentwicklung sei von ihr übernommen<br />

worden, sondern auch die organisatorische<br />

Planung. So habe sie die Musikauswahl getroffen und<br />

sich außerdem mit den Designern beraten, um Stoffe<br />

und Requisiten für die Kostüme festzulegen.<br />

„Ich habe mir überlegt, welche Lieder wir verwenden<br />

und wo wir die Musik schneiden. Ich<br />

wollte versuchen, eine möglichst gute Mischung<br />

aus Klassik, Jazz und Oper zu finden.<br />

Es sollten Lieder aus verschiedenen Genres<br />

integriert werden, damit das Publikum die<br />

Show richtig genießen kann (...) Bei der<br />

Auswahl der Requisiten haben wir<br />

viel experimentiert. Mir ist wichtig,<br />

meinen Fortschritt anhand<br />

der Accessoires zu zeigen.“<br />

Auch die Gestaltung des Logos,<br />

der neuen Website und der Fanartikel<br />

habe sie selbst in die Hand genommen, berichtete<br />

sie. Dabei habe sie immer die<br />

Schwarz-Gold-Farbkombination im Hinterkopf<br />

behalten, die ihrer Meinung nach das Motto<br />

„Beyond“ am besten ausdrückt. „Der Schriftzug<br />

(des Logos) steht für die Spuren im Eis,<br />

die Kristalle für Schneeflocken. Wir haben das<br />

Design gemeinsam erarbeitet und es soll das<br />

Überwinden unserer Grenzen‘ darstellen“, erklärte<br />

Asada. Die Tour startet am 10. <strong>September</strong><br />

mit drei Shows in der Präfektur Shiga<br />

und endet am 19. März 2023 in Tokio.<br />

Fotoquelle: Beyond Ice Show, (<br />

(C) 浅 田 真 央 アイスショー「BEYOND」 製 作 委 員 会<br />

Mao Asadas Eisshow<br />

Japan<br />

Paarläuferin Miura<br />

verletzt<br />

Bis vor kurzem fand der Paarlauf in Japan nur<br />

wenig Beachtung. Doch nachdem das Team<br />

„Rikuryu“ (Riku Miura/Ryuichi Kihara) bei den<br />

Olympischen Spielen in Peking den siebten<br />

Platz belegen konnte, erfährt die Disziplin einen<br />

Aufschwung. Umso enttäuschter waren die japanischen<br />

Eislauffans, als Riku Miura auf Twitter<br />

bekannt gab, verletzungsbedingt nicht an<br />

den „The Ice“-Shows in Niigata und Osaka teilnehmen<br />

zu können. „Ich bedaure sehr, nicht vor<br />

allen auftreten zu können... Jetzt möchte ich<br />

mich auf meine körperliche Genesung konzentrieren,<br />

damit ich schnell wieder an Wettkämpfen<br />

teilnehmen kann.“ Nach dem Gewinn der<br />

WM-Silbermedaille sind die Erwartungen an<br />

das Team „Rikuryu“ hoch.<br />

Rika Kihira<br />

endlich wieder am Start<br />

Die vergangene Saison war für die zweimalige<br />

Vier-Kontinente-Meisterin Rika Kihira mehr als<br />

enttäuschend, denn aufgrund eines Ermüdungsbruchs<br />

verpasste sie die Teilnahme an den<br />

Olympischen Spielen. Bei einer Veranstaltung<br />

für einen Sponsor kündigte sie jedoch freudig<br />

an, dass sie in der jetzigen Saison endlich wieder<br />

am Start sein werde. „In der letzten Saison<br />

habe ich wegen meiner Verletzung nicht an<br />

Wettkämpfen teilnehmen können und versucht,<br />

geduldig zu sein. Sobald ich dachte, dass eine<br />

Verbesserung eingetreten war, hatte ich feststellen<br />

müssen, dass (die Verletzung) sich wieder<br />

verschlimmert hatte. Was ich in dieser Zeit<br />

gelernt habe, wird sich in der kommenden Saison<br />

(in Bezug auf die Leistung) sicherlich auszahlen.<br />

Das gilt für die Vierfachsprünge und den<br />

Axel, aber auch für meinen Ausdruck. Ich<br />

möchte, dass viel mehr Menschen sehen, wie<br />

sehr ich mich selbst herausfordere“, sagte sie<br />

dem Webmagazin Daily.<br />

„Jason-sen sei“<br />

unterrichtet in Toyohashi<br />

„Mein größter Traum ist es, eines Tages Englischlehrer<br />

an einer japanischen Schule zu werden“,<br />

hatte der US-Amerikaner Jason Brown in<br />

mehreren Interviews betont. Nachdem die japanischen<br />

Grenzen im Juni nach einer langen Corona-Pause<br />

wieder geöffnet wurden, konnte<br />

Brown diesen Traum nun endlich verwirklichen –<br />

wenn auch nur für einen Tag. „Neulich hatte ich<br />

die Gelegenheit, einen Tag lang an einer Mittelschule<br />

in Toyohashi (Präfektur Aichi) zu unterrichten!<br />

Wir sprachen mit den Schülern über unsere<br />

Träume und aßen gemeinsam zu Mittag (...)<br />

Schon als Kind wollte ich in Japan Englisch unterrichten,<br />

daher war dies eine einzigartige Erfahrung<br />

für mich“, schrieb der 27-jährige am 30.<br />

Juni auf seiner Instagram-Seite. <br />

<br />

Maria Laura Brandmann Mitsuoka


28<br />

Gensan Summer Cup<br />

Japan<br />

Yamamoto glänzt beim<br />

Gensan Summer Cup<br />

Für viele japanische Athleten ist<br />

der lokale Wettbewerb Gensan<br />

Summer Cup (Präfektur Shiga,<br />

11.-14. August) der erste Schritt in<br />

die neue Saison. Nach dem Pandemie-bedingten<br />

Ausfall 2020 und<br />

dem Ausschluss von Zuschauern im<br />

Folgejahr durften sich die Läufer<br />

endlich wieder vor versammeltem<br />

Publikum präsentieren.<br />

Kazuki Tomono<br />

Stolz posierte der Sieger Sota Yamamoto<br />

mit seiner Goldmedaille, als er neben dem<br />

Zweitplatzierten Kazuki Tomono und dem<br />

Bronzegewinner Kao Miura auf das Podium<br />

trat. Bereits am ersten Wettkampftag<br />

erzielte er mit seinem KP zu „Yesterday“<br />

volle 95,15 Punkte und hatte damit mehr<br />

als zehn Punkte Vorsprung vor Tomono. Er<br />

eröffnete sein KP mit einer schönen<br />

4T-3T-Kombination und landete auch den<br />

4S sauber. „Es war das erste Mal, dass ich<br />

in einem KP weder beim Vierfachen noch<br />

in der 4-3-Kombination Fehler gemacht<br />

habe. Und im Training für die Kür ist mir<br />

endlich der Flip gelungen. Dieses Mal<br />

habe ich den 4S und 4T eingebaut, ich<br />

hoffe, dass ich ihn (den 4F) in Zukunft<br />

ebenfalls integrieren kann.“<br />

Sota Yamamoto<br />

Foto: Skate Canada/Earl<br />

Auch in seiner Kür zum 2. Klavierkonzert<br />

von Rachmaninov zeigte der<br />

21-Jährige Ausdauer und wagte sich<br />

früh im Programm an einen 4S. Die<br />

folgende 4T-2T-Kombination konnte er stehen,<br />

ebenso wie den nächsten 4T. In der<br />

zweiten Hälfte schlichen sich zwar einige<br />

Fehler ein, dennoch beendete er seinen Auftritt<br />

zu stehenden Ovationen und einer Gesamtbewertung<br />

von 263,84 Punkten. „Ich habe mich<br />

wie im Training gefühlt und das hat sich heute<br />

sehr (positiv) auf meine Leistung ausgewirkt. (In<br />

der letzten Saison) habe ich mir Sorgen um<br />

meine Kür gemacht, aber ich habe viel experimentiert<br />

und glaube, dass ich in dieser Saison<br />

meinen Weg gefunden habe. Ich war in der<br />

Lage, eine bessere Leistung als in der letzten<br />

Saison zu erbringen.“<br />

Für Tomono, Silbermedaillengewinner der Vier-<br />

Kontinente-Meisterschaft <strong>2022</strong>, verlief der<br />

Wettbewerb eher ernüchternd. In seinem KP zu<br />

„Happy Jazz“ konnte er zwar die erste 4T-3T-<br />

Kombination stehen, stürzte aber nach seinem<br />

4S. „Ich habe im Hinblick auf den Wettkampf<br />

nicht genug trainieren können und das hat sich<br />

gerächt. Meine Leistung war nicht gut. Mein<br />

Ziel ist es, meinen eigenen Stil für KP und Kür<br />

zu entwickeln und mich selbst herauszufor-<br />

Mai Mihara<br />

Fotos: Höppner<br />

dern.“ Auch die Kür zur „Fledermaus“ wollte<br />

nicht so recht gelingen. So wurden beide 4T zu<br />

2T, der 3A endete mit einem Sturz.<br />

Kao Miura, seit dieser Saison in der Meisterklasse<br />

am Start, musste ebenfalls Lehrgeld zahlen Er<br />

eröffnete sein KP zu „Michaelangelo‘70“ mit einem<br />

sauberen 4S, scheiterte aber an der 4T-3T-<br />

Kombination. Auch seine Kür zum Phantom der<br />

Oper war ein wenig holprig. „Ich war nicht in<br />

der richtigen Kondition. Aber es war wichtig,


vor den entscheidenden Wettkämpfen eine Einschätzung<br />

meiner Leistung zu bekommen.“ Im<br />

Juli hatte sich Miura mit COVID-19 infiziert und<br />

war daraufhin für 10 Tage in Quarantäne gegangen.<br />

Erst Anfang August hatte er wieder auf<br />

das Eis zurückkehren können.<br />

Bei den Läuferinnen stand wie zu erwarten die<br />

Vier-Kontinente-Siegerin Mai Mihara mit fast 28<br />

Punkten Vorsprung auf der obersten Stufe des<br />

Podiums. Sie begann das KP zu „Merry Christmas,<br />

Mr. Lawrence“ mit einem gelungenen 2A und<br />

wusste Publikum und Jury mit eleganten Bewegungen<br />

zu beeindrucken. Bei dem 3F war sie ein<br />

wenig wackelig auf den Beinen, doch diesen kleinen<br />

Fauxpas machte sie mit einer gelungenen<br />

3L-3T-Kombination und Level 4-Bewertungen bei<br />

den <strong>Pirouette</strong>n und Schrittfolgen wieder wett.<br />

„Ich war sehr nervös, aber ich konnte zeigen, was<br />

ich im Training gelernt habe.“<br />

Ähnlich leistungsstark war die Kür zu „El amor<br />

brujo“. Mihara leitete ihre Darbietung mit einer<br />

2A-3T-Kombination ein und stand alle Folgesprünge<br />

mit Bravour. Dann trat allerdings ein<br />

kleines Missgeschick ein, mit dem niemand<br />

rechnen konnte – die Musik verstummte. Die<br />

3L-2T-2R-Kombination und den folgenden 3R<br />

sprang sie noch im Stillen, anschließend unterbrach<br />

sie ihr Programm, um eine neue CD zu<br />

holen. Trotz dieses Missgeschicks erhielt sie für<br />

die elegante Ausführung aller Elemente eine<br />

hohe Punktzahl. „Vielleicht wäre es besser gewesen,<br />

sofort zur Jury zu gehen, als die Musik<br />

aufhörte, aber ich wollte den Fluss nicht unterbrechen<br />

und habe bis zum 3R weitergemacht.<br />

Das war ein guter Punkt für mich, um in der<br />

Mitte des Liedes neu anzufangen und von der<br />

Schrittfolge zur Choreografie überzugehen.<br />

Beim Training halte ich die Musik auch zwischendurch<br />

an, wenn ich einen Fehler gemacht<br />

habe, und trainiere im Stillen weiter. Der Song<br />

hat sich in meinem Kopf abgespielt.“<br />

Olympiastarterin Mana Kawabe zeigte sich mit<br />

dem KP zu einem Billie-Eilish-Medley stilistisch<br />

in einem völlig neuen Licht und konnte den<br />

zweiten Platz für sich beanspruchen, riskierte<br />

aber keinen 3A. Die Kür zu „Drowning“ fiel am<br />

letzten Wettkampftag leider weniger stark aus.<br />

Auch hier entschied sie sich, das Programm<br />

nicht mit einem 3A zu beginnen und zog die<br />

erste Hälfte der Kür sicher durch, bis sich bei<br />

der 3L-3T-Kombi ein Fehler einschlich und sie<br />

beim 3R stürzte. „Wenn man bedenkt, dass es<br />

mein erster Wettkampf war, waren meine<br />

Sprünge besser als sonst. Aber meine Enttäuschung<br />

ist groß.“<br />

Die Bronzemedaille holte sich überraschend Rion<br />

Sumiyoshi, neuerdings in der Meisterklasse, mit<br />

ihrer Kür zu „Enchantress“. Im KP lag sie nur auf<br />

Rang 7 und wagte sich gleich zu Beginn der Kür<br />

an einen 4T. Zwar konnte sie diesen nicht stehen<br />

und machte auch beim folgenden Sprung einen<br />

Fehler, doch in der zweiten Hälfte raffte sie sich<br />

wieder auf. Weltmeisterin Kaori Sakamoto, die<br />

ursprünglich antreten wollte, verzichtete laut<br />

Ansage aufgrund mangelnder Vorbereitungszeit<br />

wegen schulischer Aktivitäten auf die Teilnahme.<br />

<br />

Maria Laura Brandmann Mitsuoka<br />

Asiaten dominieren<br />

in Courchevel<br />

Neue Verbandspräsidentin stellt sich vor<br />

Keine Deutschen dabei<br />

In Courchevel vor Ort: Klaus-Reinhold Kany<br />

Der erste Junioren Grand Prix der neuen Saison fand wieder einmal im besonders im<br />

Winter recht mondänen französischen Alpenort Courchevel in 1.850 Meter Höhe<br />

statt. Von der Eishalle aus blickt man in tausend Meter tiefer gelegene Täler und<br />

auf mehrere Seilbahnen. Eine besondere Spezialität des Ortes ist ein Flughafen auf<br />

über 2.000 Meter Höhe auf einer flachen Bergkuppe, auf dem kleine Privatmaschinen<br />

auf einer nur 538 Meter langen und gefährlichen Piste mit bis zu 18 % Gefälle<br />

aufwärts landen und abwärts starten können. Im Winter kamen hier russische Oligarchen<br />

an, die ihren Urlaub in Luxuswohnungen verbrachten. Diese goldenen Zeiten<br />

gehen für Courchevel nun wohl wegen der kriegsbedingten Sanktionen zu Ende.<br />

In der Eishalle war eine Ausstellung mit 70 schönen Fotos im DIN A3-Format des<br />

französischen Fotografen Olivier Brajon von der WM in Montpellier.<br />

Das Event fand womöglich zum letzten Mal<br />

in dieser Eishalle statt, die für die Olympischen<br />

Spiele von 1992 im nahen Albertville<br />

für Curling gebaut worden war. Zum einen<br />

geht der langjährige Hallen- und Vereinschef<br />

Didier Barioz in den Ruhestand, der besonders<br />

engagiert und zuletzt sogar offizieller<br />

Eismeister bei den Olympischen Spielen in<br />

Peking gewesen war. Zum anderen soll die<br />

neue französische Verbandspräsidentin Gwenaelle<br />

<strong>No</strong>ury wegen finanzkräftiger Sponsoren<br />

den nahe Grenoble gelegenen Wintersportort<br />

Vaujany bevorzugen, wo Trainer Florent<br />

Amodio arbeitet. Der <strong>Pirouette</strong> sagte<br />

sie, sie wolle zunächst ihren Schwerpunkt<br />

mehr auf die Förderung des Breitensports<br />

vor allem bei den Kindern legen. So wolle es<br />

auch die Mehrzahl der Vereinspräsidenten,<br />

die sie gewählt haben. Aber weil die Kinder<br />

nationale Idole brauchen, wolle sie weiterhin<br />

den Spitzensport fördern und internationale<br />

Wettbewerbe veranstalten.<br />

Die Eishalle von Courchevel, Foto: Kany<br />

Eine Veranstaltung wurde allerdings ihretwegen<br />

schon gestrichen: Der für Ende <strong>September</strong><br />

zunächst in Zagreb geplante und<br />

dann nach Grenoble verlegte Junioren<br />

Grand Prix findet dort nicht statt. Bei der<br />

Präsidentschaftswahl im Juni hatten die<br />

Vereine der Region Rhône-Alpes (um Lyon<br />

und Grenoble) für Péchalat gestimmt, auch<br />

die Sportpolitiker der Region sollen sie favorisiert<br />

haben. Für ein Eislaufevent in ihrer<br />

Region unter der Gegenkandidatin wollten Region<br />

und Sponsoren keine Zuschüsse mehr geben,<br />

so dass Grenoble nicht mehr finanzierbar<br />

war. Daher musste der französische Verband<br />

den Junioren Grand Prix an die ISU zurückgeben.<br />

Danzig sprang ein und richtet nun zwei<br />

Junioren Grand Prix hintereinander aus, so wie<br />

im vorigen Jahr Courchevel. <strong>No</strong>ury trat in Courchevel<br />

erstmals nach ihrer Wahl bei einer Veranstaltung<br />

in Erscheinung und stellte sich und<br />

ihre Pläne vielen Trainern, Preisrichtern und anderen<br />

Offiziellen freundlich vor, die sie bisher<br />

meist gar nicht kannten. Damit trat sie Veröffentlichungen<br />

der großen Sportpresse entgegen,<br />

die ihr unterstellten, sie sei eine Marionette<br />

des im Jahr 2020 gestürzten Ex-Präsidenten<br />

Didier Gailhaguet. Dieser mischt nun im Vereinswesen<br />

mit, weil er sich zum Vizepräsidenten<br />

des Vereins in Poitiers wählen ließ, den<br />

Ex-Weltmeister und Trainer Brian Joubert vor<br />

wenigen Jahren gegründet hatte, mit Mutter<br />

Raymonde Joubert als Clubpräsidentin. Man<br />

wird sehen, welche konkreten Entscheidungen<br />

<strong>No</strong>ury und ihre neue Mannschaft treffen.<br />

Von Péchalats im Jahr 2020 engagiertem Team<br />

mit Annick Dumont als Sportdirektorin an der<br />

Spitze wollte oder musste allerdings die Mehrheit<br />

(auch Dumont) schon wieder gehen. Erster<br />

sichtbarer Beschluss: Das Schaulaufen in Courchevel,<br />

dem einzigen Junioren Grand Prix mit<br />

29<br />

Junioren Grand Prix Courchevel


30<br />

Junioren Grand Prix Courchevel<br />

dieser Veranstaltung, moderierte erstmals Brian<br />

Joubert. Einziger offizieller Deutscher in Courchevel<br />

war Preisrichter Rolf Pipoh, der von der<br />

ISU eingeladen wurde und bei den Männern<br />

und im Eistanzen wertete. Den deutschen Eistänzern<br />

war der Wettbewerb zu früh in der Saison,<br />

und die Einzelläufer hatten nach dem mäßigen<br />

Abschneiden bei der Junioren-WM gar<br />

keine Startplätze. Paarlaufen gibt es in Courchevel<br />

nicht, weil nur eine Halle zur Verfügung<br />

steht. Die gesamte Juniorenserie wird wieder<br />

von der ISU im Livestream übertragen. Diesmal<br />

kommentiert nicht der Kanadier Ted Barton alleine,<br />

sondern teils zusammen, teils abwechselnd<br />

mit dem britischen Eistänzer und jetzigen<br />

Profiläufer und Choreografen Mark Hanretty.<br />

Ausgesprochen viele Läufer/innen interpretierten<br />

orientalische Musik.<br />

bei sonst sehr guten Elementen beim 3R im<br />

KP um und touchierte mit der Hand. In der<br />

Kür war der immerhin versuchte 3A leicht<br />

unterdreht (q) und auch drei andere Dreifache<br />

nicht ganz einwandfrei. Einen guten<br />

vierten Platz belegte die Estin Maria Ellise Kaljuvere<br />

und untermauerte damit den Aufschwung<br />

in Estland (siehe Seite 34). Carla Anthea<br />

Gradinaru wurde die bessere der beiden<br />

Zürcherinnen, weil sie im KP eine 3L-2T-Kombination<br />

und in der Kür drei Dreifache sauber landen<br />

konnte. Livia Kaiser stürzte dagegen beim<br />

3L im KP und hatte daher keine Kombination,<br />

3R und 2A gelangen aber. In der Kür waren sogar<br />

vier Dreifache gut, aber sie riss den zweiten<br />

Lutz auf.<br />

Asien auch bei den Männern vorne<br />

Ayumi Shibayama<br />

Drei Asiatinnen vorne<br />

Das beste Niveau hatte die Frauenkonkurrenz,<br />

denn zumindest die Läuferinnen der besten<br />

Gruppe zeigten auch ohne russische Spitzenathletinnen<br />

erstklassige Leistungen. Die erstplatzierte<br />

Hana Yoshida (17) aus Kyoto, Juniorensiegerin<br />

bei den<br />

Bavarian Open<br />

in diesem Jahr,<br />

aber bisher bei<br />

keinem Junioren<br />

Grand Prix dabei,<br />

lief ein KP mit sechs sehr guten KP-Elementen<br />

(viermal Level 4). Aber in der<br />

Sprungkombination waren sowohl der 3L als<br />

auch der 3T an der Grenze zur Unterdrehung<br />

(q). Ihre Kür enthielt acht Dreifache, darunter<br />

einen leicht umgestiegenen 3A plus fünf<br />

souveräne und zwei nicht ganz einwandfreie<br />

weitere Dreifache. Die Choreo-<br />

Schrittfolge, die alle Juniorinnen und<br />

Junioren in dieser Saison in der Kür<br />

statt der bisherigen klassischen<br />

Schrittfolge zeigen, war herausragend.<br />

Ihre Landsfrau Ayumi Shibayama (14) war<br />

ein fehlerfreies KP ebenfalls mit vier Level<br />

4-Elementen gelaufen. Aber in der Kür<br />

versuchte sie keinen 3A und riss den<br />

zweiten 2A auf. Daher und wegen weniger<br />

starker Präsentation konnte sie die<br />

Führung trotz erstklassiger <strong>Pirouette</strong>n<br />

nicht behaupten. Die Südkoreanerin<br />

Yujae Kim (13) stieg<br />

Shunsuke Nakamura (17) aus dem japanischen<br />

Kyoto, in der vergangenen Saison 25. der japanischen<br />

Meisterklasse-Meisterschaften, war der<br />

einzige Läufer mit einem Vierfachversuch, aber<br />

der beim Einlaufen noch gestandene 4T misslang<br />

in der orientalischen Kür zu „Scheich“ der<br />

aus der Türkei stammenden kanadischen Gruppe<br />

Mercan Dede. Neun Dreifache gelangen jedoch<br />

mehr oder weniger sauber, einer mehr als erlaubt.<br />

Daher erhielt der zweite 3L keine Punkte,<br />

nachdem er vorher schon zwei 3A und zwei 3T<br />

präsentiert hatte. Im KP sind bei Junioren keine<br />

Vierfachen zulässig, so dass er mit vier Dreifachsprüngen<br />

zu „El Conquistador“ von Maxime<br />

Rodriguez den maximalen Schwierigkeitsgrad<br />

im Programm hatte. Die <strong>Pirouette</strong>n waren dagegen<br />

nicht sehr überzeugend.<br />

Der 18 Jahre alte Südkoreaner Younghyun Cha,<br />

19. der Junioren-WM <strong>2022</strong>, startet schon seit<br />

vier Jahren bei Junioren Grand Prix. Er begnügte<br />

sich in beiden Programmen mit 2A statt 3A und<br />

lief in der Kür zur orientalischen Filmmusik,<br />

„Dune“ von Hans Zimmer. Fünf<br />

Dreifache glückten, zwei aber<br />

nicht. Der zweite Japaner Ryoga<br />

Morimoto (15) trainiert wie der<br />

Sieger und die Siegerin bei Mie<br />

Hana Yoshida<br />

Fotos: Olivier Brajon<br />

Hamada in Kyoto. Bei seinem internationalen<br />

Debüt gelang das KP fehlerfrei mit 3L-3T und<br />

2A, aber in der Kür (erneut ohne 3A) lief einiges<br />

nicht nach Wunsch.<br />

Erstklassiger Bodenstein<br />

Shunsuke Nakamura<br />

Younghyun Cha<br />

Die bisher beste Vorstellung seiner Karriere mit<br />

184 Punkten bot der Schweizer <strong>No</strong>ah Bodenstein.<br />

Der 17-Jährige Lausanner<br />

war der einzige Läufer des Feldes<br />

mit zwei so gut wie fehlerlosen<br />

Programmen ohne Unterdrehung und<br />

ohne Kantenfehler. Das KP enthielt 2A, 3F-<br />

3T und 3R und die Kür sieben Dreifache, allerdings<br />

ohne 3A-Versuch. Dass er eine Medaille<br />

um etwa vier Punkte verpasste, lag an dem defensiveren<br />

und weniger aggressiven Laufstil und<br />

der geringeren Sprunghöhe. Mit sechs oder sieben<br />

Jahren hatten er und seine zwei Jahre ältere<br />

Schwester (die ihre Karriere vor kurzem beendete)<br />

angefangen, weil ihre Mutter eine<br />

Freundin hatte, deren Tochter in der Lausanner<br />

Eishalle lief. Lange Jahre trainieren sie dort,<br />

aber in den letzten zwei Jahren zog es ihn nach<br />

Oberstdorf zu Michael Huth und dem ihm schon<br />

als Lambiel-Assistenten bekannten deutschen<br />

Bundestrainer Robert Dierking. Bodenstein: „Ich<br />

war auch schon in Genf bei Peter Grütter, in<br />

Champéry bei Stéphane Lambiel, in Toronto und


<strong>No</strong>ah Bodenstein mit Betreuer<br />

Chafik Besseghier, Foto: Kany<br />

anderswo. Aber Oberstdorf liegt nahe an der<br />

Schweiz und dort gibt es erstklassige Trainer,<br />

deshalb bin ich jetzt dort. Keiner hatte diesmal<br />

Zeit, mit mir zu fahren, daher ist hier Chafik<br />

Besseghier.“ 2021 hatte er längere Zeit Knieprobleme,<br />

die er noch immer etwas spürt.<br />

Die schwierigeren Sprünge will er in die<br />

zweite Kürhälfte einbauen und die <strong>Pirouette</strong>n<br />

verbessern. Geplant sind<br />

Meisterklasse-Wettbewerbe in Budapest,<br />

Warschau und Dortmund. Sein Saisonziel<br />

sind der 3A und/oder der 4S und ein Platz unter<br />

den besten zehn bei der Junioren-WM. Im Februar<br />

beendet er eine Schweizer Online-Schule<br />

mit der Matura (Abitur).<br />

Michael Xie aus dem nordkalifornischen Oakland<br />

ging beim 3A im KP zu Boden, stand den Sprung<br />

aber in der Kür, allerdings ging einiges andere<br />

daneben. Der beste der drei Franzosen wurde Ian<br />

Vauclin (18), der bei Yohan Deslot in Grenoble<br />

trainiert. Im KP riskierte er nur 2A, in der Kür war<br />

der 3A-Versuch umgestiegen und mit der Hand<br />

touchiert. <strong>No</strong>ch vorpubertär, aber schon mit beachtlicher<br />

Präsenz lief David Li (15) aus Vancouver,<br />

der in der Kür die Musik „La Bohème“ von<br />

Charles Aznavour verwendete, zu der sein Idol<br />

Nathan Chen zwei Saisons lang gelaufen war.<br />

Hannah Lim und Ye Quan<br />

Südkoreaner gewinnen Eistanz<br />

Nach Bronze im vergangenen Jahr an gleicher<br />

Stelle holte das südkoreanische Tanzpaar Hannah<br />

Lim (17) & Ye Quan (20) diesmal die erste<br />

Eistanz-Goldmedaille in der Eislaufgeschichte<br />

von Südkorea. Das Duo hatte bei der Junioren-<br />

WM vor fünf Monaten Rang sechs ganz dicht<br />

hinter den Oberstdorfern Grimm & Savitskiy belegt<br />

und trainiert in der Montrealer Tanzschule.<br />

Lim ist gebürtige Kanadierin und ihr Montrealer<br />

Haupttrainer ist der 31-jährige Franko-Kanadier<br />

Benjamin Brisebois. Lim & Quan erhielten im<br />

Rhythmustanz-Tango „Primavera Portena“ von<br />

Astor Piazzolla gemischte Levels, so wie für<br />

weltweit alle Tanzpaare zu Saisonbeginn üblich.<br />

Ihre Kür zu einer erweiterten Version des „Danse<br />

Macabre“ von Camille Saint-Saens gefiel mit<br />

einem dynamischen und ausdrucksstarken Vortrag<br />

mit höheren Levels als im Rhythmustanz,<br />

Elementebewertungen von überwiegend +3 und<br />

Komponenten von durchschnittlich 7,45. Natürlich<br />

sind jetzt das Juniorenfinale in Turin und<br />

eine Medaille bei der Junioren-WM in Calgary<br />

ihre Saisonziele.<br />

Die Franzosen Celina Fradji (17) & Jean-Hans<br />

Fourneaux (19) trainieren bei der französischen<br />

Junioren-Nationaltrainerin Karine Arribert in<br />

Villard de Lans nahe Grenoble. Sie liefen fehlerfrei<br />

zum Tango „Gringo Nr.1“, den der bekannte<br />

Musikarrangeur Hugo Chouinard (siehe Artikel<br />

Seite 8) ebenso wie die teilweise orientalische<br />

Kür zusammengestellt hatte, und gewannen die<br />

einzige Medaille in Courchevel für Frankreich.<br />

Die Bronzemedaillengewinner Vanessa Pham<br />

(18) & Jonathan Rogers (19) kommen aus Houston<br />

in Texas und trainieren dort bei dem einstigen<br />

israelischen Eistänzer Roman Zaretsky. Die<br />

Schweizer Milla O’Brien (15) & Laurin Wiederkehr<br />

(16) arbeiten in Zürich mit Cornelia Leroy.<br />

Wiederkehr ging einmal<br />

kurz zu Boden,<br />

aber ihre Levels<br />

waren bereits<br />

relativ hoch.<br />

•••<br />

Frauen | JGP Courchevel<br />

KP Kür Pkt<br />

1 Hana Yoshida – Japan 2 1 203.52<br />

2 Ayumi Shibayama – Japan 1 3 188.39<br />

3 Yujae Kim – Südkorea 3 2 185.67<br />

4 Maria Eliise Kaljuvere – Estland 6 4 169.32<br />

5 Clare Seo – Ver. Staaten 5 5 168.34<br />

6 Lia Pereira – Kanada 10 6 154.59<br />

7 Nella Pelkonen – Finnland 4 9 153.98<br />

8 Ella Chen – Israel 7 8 150.<strong>07</strong><br />

9 Seojin Youn – Südkorea 11 7 146.86<br />

10 Sarah Everhardt – Ver. Staaten 8 10 144.13<br />

11 Carla Anthea Gradinaru – Schweiz 9 11 139.57<br />

12 Lola Ghozali – Frankreich 13 12 134.93<br />

13 Livia Kaiser – Schweiz 16 13 132.19<br />

14 Babeth Hansson-Ostergaard – Dänem. 12 18 124.96<br />

15 Julia Brovall – Schweden 15 15 123.72<br />

16 Elena Agostinelli – Italien 19 14 123.39<br />

17 Isabella Smit – Niederlande 18 16 116.40<br />

18 Clémence Mayindu – Frankreich 20 17 115.37<br />

19 Julija Polniuk – Polen 17 19 106.95<br />

20 Eve Dubecq – Frankreich 14 21 106.52<br />

21 Sofja Stepcenko – Lettland 22 20 100.18<br />

22 Elli <strong>No</strong>riko M. Kankare – Luxemburg 21 24 92.16<br />

23 Robyn Foster – Irland 24 23 91.78<br />

24 Karina Issakova – Kasachstan 25 22 91.09<br />

25 Agne Ivanovaite – Litauen 30 26 79.<strong>07</strong><br />

26 Simona Bhasin – Australien 26 27 79.<strong>07</strong><br />

27 Paula Margarido Pereira – Andorra 31 25 77.76<br />

28 Supitsara Attawiboon – Thailand 23 29 75.43<br />

29 Sorami Tanaka – Peru 27 28 71.38<br />

30 Lowenna Prigg – Großbritannien 28 30 66.80<br />

31 Mckayla Ong – Singapur 29 31 64.70<br />

32 Valentina Cueva – Ecuador 32 32 38.73<br />

Männer | JGP Courchevel<br />

KP Kür Pkt<br />

1 Shunsuke Nakamura – Japan 1 1 219.65<br />

2 Younghyun Cha – Südkorea 2 2 196.15<br />

3 Ryoga Morimoto – Japan 3 4 188.66<br />

4 <strong>No</strong>ah Bodenstein – Schweiz 6 3 184.42<br />

5 Michael Xie – Ver. Staaten 4 6 180.95<br />

6 Ian Vauclin – Frankreich 5 7 175.44<br />

7 Adam Hagara – Slowakei 8 5 174.70<br />

8 Lucius Kazanecki – Ver. Staaten 9 8 167.85<br />

9 Jean Medard – Frankreich 7 10 155.10<br />

10 David Li – Kanada 12 9 154.74<br />

11 Makar Suntsev – Finnland 10 11 147.30<br />

12 Tommaso Barison – Italien 11 13 142.13<br />

13 Jonathan Egyptson – Schweden 16 12 137.11<br />

14 Efe Ergin Dincer – Türkei 13 16 134.72<br />

15 Axel Ahmed – Frankreich 14 15 134.61<br />

16 Leonid Gitelman – Israel 17 14 132.89<br />

17 Oleg Melnikov – Kasachstan 15 18 122.82<br />

18 Connor Bray – Großbritannien 18 17 118.51<br />

19 Dillon Judge – Irland 19 20 83.53<br />

20 Dhiyab Aldarmaki – Ver. Arabische E.. 20 19 82.60<br />

Eistanz | JGP Courchevel<br />

RT Kür Pkt<br />

1 Hannah Lim / Ye Quan<br />

Südkorea 1 1 161.96<br />

2 Celina Fradji / Jean-Hans Fourneaux<br />

Frankreich 2 2 147.66<br />

3 Vanessa Pham / Jonathan Rogers<br />

Ver. Staaten 3 3 143.26<br />

4 Elliana Peal / Ethan Peal<br />

Ver. Staaten 4 5 134.50<br />

5 Chaima Ben Khelifa / Everest Zhu<br />

Kanada 5 4 131.67<br />

6 Layla Veillon / Alexander Brandys<br />

Kanada 7 6 126.37<br />

7 Lou Koch / Ivan Melnyk<br />

Frankreich 6 8 120.41<br />

8 Milla O‘Brien / Laurin Wiederkehr<br />

Schweiz 8 7 117.69<br />

9 Ambre Perrier Gianesini / Samuel Blanc Klaperman<br />

Frankreich 9 9 110.26<br />

10 Sophia Bushell / Alex Lapsky<br />

Großbritannien 10 10 87.78<br />

11 Laura Hegarty / Kevin Hegarty<br />

Irland 11 11 54.61<br />

31<br />

Junioren Grand Prix Courchevel<br />

Besuchen Sie die <strong>Pirouette</strong> auf Facebook


32<br />

Online-Training<br />

Analyse<br />

Digitale Technologien erobern die<br />

Welt des Eiskunstlaufs<br />

Eine Analyse<br />

von Nathalie Topaj<br />

Dmitri Savin<br />

Foto: privat<br />

Vielseitig einsetzbare digitale Mittel und neue Technologien eroberten in letzter<br />

Zeit rasant alle Bereiche des Lebens. Heutzutage ist es selbstverständlich, private<br />

oder berufliche Gespräche per Zoom, Microsoft Teams, WhatsApp usw. zu führen, Online-Konferenzen<br />

mit Teilnehmenden aus aller Welt zu veranstalten oder täglich aus<br />

der Ferne zu unterrichten oder unterrichtet zu werden. Wie sieht es damit heute im<br />

Eiskunstlauf aus? Inwieweit werden neue Technologien fürs Training oder die Kommunikation<br />

genutzt? Welche Kooperationen entstehen durch die immer grenzenloser werdenden<br />

Möglichkeiten der digitalen Welt? Was wünschen sich die Trainer von heute für<br />

die weitere Entwicklung und Nutzung von neuen Technologien?<br />

Ist Ferntraining die<br />

Trainingsmethode der Zukunft?<br />

In Folge der COVID-19-Pandemie und der dadurch<br />

massiv eingeschränkten direkten Kontakte<br />

und Zugang zu Trainingsorten wurden<br />

alternative Trainingsmethoden eingesetzt.<br />

„Jede Krise schafft einen Weg zum Fortschritt“,<br />

merkte der Paarlaufspezialist Dmitri<br />

Savin an, der Minerva Hase/<strong>No</strong>lan Seegert erfolgreich<br />

betreut hat. Viele Trainingsorte reagierten<br />

sehr schnell und boten den Sportler/<br />

innen Off-Ice-Training online an. Nach der<br />

Pandemie behielten viele die Online-Einheiten<br />

bei und weiteten sie sogar aus. In Kanada bietet<br />

das Trainingszentrum „Canadian Ice Academy“<br />

in Mississauga, in dem der ehemalige<br />

Paarläufer und junge Trainer Andrew Evans<br />

(betreut die Dritten der Junioren-WM Brooke<br />

McIntosh/Benjamin Mimar) tätig ist, mehrmals<br />

pro Woche Onlineunterricht für Läufer/innen<br />

im Land und weltweit an.<br />

Allerdings haben Online-Angebote natürlich<br />

gewisse Grenzen, abhängig vom Alter und Niveau<br />

der Sportler/innen oder von technischen<br />

Voraussetzungen wie einer guten Internetverbindung.<br />

Zusätzlich weist Evans darauf hin,<br />

dass zwar Einzelläufer/innen unter Umständen<br />

auf Dauer aus der Ferne trainiert und gefördert<br />

werden können. Allerdings ist es für Paare weniger<br />

effektiv, da bei ihnen viele Elemente gemeinsam<br />

mit dem Trainer ausgeführt werden<br />

und mehr taktile Kontrolle nötig ist. Savin, mit<br />

dem Evans seit einiger Zeit erfolgreich kooperiert,<br />

betont ebenfalls, dass besonders bei Paaren<br />

die Zusammenarbeit der Partner und ihre<br />

Körpermaße über Videoformate unzureichend<br />

widergegeben werden. Um Paare zu trainieren,<br />

auch online, ist deswegen das Kennenlernen in<br />

Präsenz vorteilhaft – „man muss die Sportler in<br />

Echt erleben“, wie der Russe sagt.<br />

Generell sind sich die befragten Trainer einig,<br />

dass Sportler/innen einen festen Trainings-<br />

standort brauchen, um eine optimale Förderung<br />

zu erhalten. Die Atmosphäre am Trainingsort,<br />

die Intensität, die Energie und die Möglichkeit,<br />

mit anderen gemeinsam zu trainieren und sich<br />

gegenseitig anzutreiben, sind wichtige Komponenten<br />

des Trainings. Der Zugang zu Online-<br />

Formaten, vor allem zur Information, kann zwar<br />

Vorteile bringen, ist aber kein Ersatz für das<br />

Training an einem festen Standort.<br />

Gleichzeitig sind manche Top-Sportler/innen<br />

durchaus in der Lage, allein in der Ferne zu trainieren.<br />

Erfolgscoach Rafael Arutiunian schaffte<br />

dies bereits mit Nathan Chen vor der Pandemie,<br />

während der Läufer an der Yale Universität studierte.<br />

Der Trainer sei vor allem Pädagoge und<br />

soll seine Sportler/innen erziehen, sagt Arutiunian.<br />

Die Routine sei erlernbar und Athlet/innen,<br />

die ihre tägliche Routine kennen und den Sport<br />

lieben, seien in der Lage, vieles allein zu meistern,<br />

egal wo sie sich befinden, es sei einfach<br />

ein Lebensstil. Der Italiener Lorenzo Magri, der<br />

in Egna viele internationale Schüler/innen betreut,<br />

meint, dass Läufer/innen ab einem gewissen<br />

Alter nicht für jede Bewegung einen Trainer<br />

oder eine Trainerin brauchen. Die Struktur im<br />

Training und Mentoring seien wichtiger als eine<br />

ständige Anleitung.<br />

Nutzung von digitalen Technologien<br />

im Trainingsprozess<br />

Wie Savin verriet, wurden Videoaufzeichnungen<br />

bereits vor Jahrzehnten eingesetzt (zum Beispiel<br />

von dem einstigen deutschen Bundestrainer Erich<br />

Zeller in den 70er und 80er Jahren), nur läuft der<br />

ganze Prozess der Aufnahme, Verarbeitung, Analyse<br />

und Monitoring heute viel schneller ab. Zur<br />

Pandemiezeit griffen viele beim Online-Training<br />

zu Videoprogrammen, hielten mit Trainern per<br />

Videoanruf Kontakt und schickten Videoaufnahmen<br />

zur Analyse. Die Sportler/innen können<br />

selbst sehr gut mit den gängigen Aufnahmeprogrammen<br />

umgehen, oft besser als ihre Trainer/<br />

innen, wie Magri beobachtete. Die Coaches bitten<br />

sie, z.B. mehrere Versuche eines Sprungs aufzunehmen,<br />

die anschließend analysiert werden.<br />

Außerdem könne die Verwendung verschiedener<br />

digitaler Mittel zu besserer Wahrnehmung des<br />

eigenen Körpers und der eigenen Bewegungen<br />

verhelfen, sagt Magri weiter. Die Trainer benutzen<br />

dafür Apps wie Coach’s Eye oder Dartfish,<br />

die detaillierte Videoanalysen ermöglichen. Allerdings<br />

wünschen sie sich Programme, die besser<br />

auf den Eiskunstlauf zugeschnitten sind und<br />

weitere Parameter berücksichtigen.<br />

Seltsamerweise habe sich trotz aller Fortschritte<br />

nichts wirklich geändert, meint Evans zur Verwendung<br />

neuer Technologien. Die Bereitschaft<br />

zu lernen sei schon immer da gewesen, jetzt nur<br />

auf eine andere Art und Weise. Digitale Technologien<br />

machen die Dinge leichter zugänglich,<br />

aber es seien die grundlegenden Dinge, die sehr<br />

gute Trainer oder Sportler ausmachen.<br />

Weitere Entwicklung<br />

In Zeiten der Globalisierung sind internationale<br />

Kooperationen gang und gäbe. Laut Savin sei<br />

Eiskunstlauf schon lange kein Sport des einzelnen<br />

Trainers oder der Trainerin mehr, sondern<br />

eines Teams. Wie sich dieses zusammensetze,<br />

wer mit wem zusammenarbeite, sei jedem selbst<br />

überlassen. Viele kooperieren langfristig, auch<br />

länderübergreifend, und seien immer bereit zu<br />

helfen, weil sie den Eiskunstlauf einfach lieben<br />

und zur Entwicklung der Sportart in anderen<br />

Ländern beitragen<br />

Anzeige<br />

wollen, betont der<br />

russische Coach. Viele<br />

neue Kooperationen<br />

finden heutzutage<br />

virtuell statt und sind<br />

überhaupt erst durch<br />

die Entwicklung moderner<br />

Technologien<br />

möglich geworden.


Internationale Trainingslager und Seminare<br />

haben im Eiskunstlauf bereits eine lange Tradition.<br />

Sie öffnen neue Horizonte und Perspektiven<br />

für weitere Entwicklung und Kooperationen.<br />

Eine Kombination von Online- und<br />

Präsenzveranstaltungen sei die am besten geeignete<br />

Methode, findet Savin, und fügt hinzu,<br />

dass ebenso für die Weiterentwicklung<br />

von Trainerstäben Seminare nötig seien. Magri<br />

wünscht sich, dass mehr Zeit für die Weiterbildung<br />

der Coaches vorhanden sei, ggf. durch<br />

Online-Angebote. Durch seine Promotion in<br />

der Sportwissenschaft an der Universität Rom,<br />

die er parallel zu seiner Trainertätigkeit absolviert,<br />

sieht er, wie viel ihm das Studium bringt<br />

und gleichzeitig wie viel Zeit man mit Online-<br />

Kursen sparen kann.<br />

Mit Beginn des neuen olympischen Zyklus ist<br />

Arutiunian dazu bereit, seine Erfahrungen<br />

mehr als bisher zu teilen. Er denkt daran, eine<br />

Art virtuellen Raum zu schaffen, in dem Kolleg/innen<br />

mitverfolgen könnten, wie er mit<br />

Sportlern umgeht, wie er mit ihnen spricht,<br />

was er ihnen vorschlägt, wie er Fehler korrigiert,<br />

welchen Trainingsansatz er im Allgemeinen<br />

hat. Dafür seien professionelle Videoaufnahmen<br />

und eine entsprechende Vorbereitung<br />

notwendig, aber das Angebot könnte für<br />

viele interessant sein. Laut Arutiunian habe<br />

das Internet unser Leben verändert, aber die<br />

virtuelle Realität im Eiskunstlauf sei noch im<br />

Keimzustand. Damit eine wirkliche Entwicklung<br />

stattfinde, solle die virtuelle Kommunikation<br />

für einen regelmäßigen Austausch,<br />

Diskussionen zwischen Trainern, Athleten,<br />

Preisrichtern und Funktionären und für das<br />

Lösen aktueller Probleme genutzt werden.<br />

Dafür sollten Trainer und Athleten äquivalent<br />

in verschiedenen ISU-Komitees mehr als aktuell<br />

repräsentiert sein. Magri meint ebenfalls,<br />

dass viel mehr Kontakt mit Experten<br />

und Preisrichtern nötig sei, um z.B. Programme<br />

zu überprüfen und Feedback zu erhalten,<br />

was über die ISU organisiert werden könne.<br />

Am Ende sind viel mehr Initiativen, finanzielle<br />

Investitionen und Strukturen nötig, um den<br />

Eiskunstlauf weiter voran zu bringen, auch<br />

mit neuen Technologien, die speziell für diese<br />

Sportart entwickelt werden. <br />

•••<br />

Kein Eis mehr für<br />

Chemnitzer Trainingshalle?<br />

In die Trainingshalle des Chemnitzer Bundesstützpunktes<br />

soll kein Eis gelegt werden, weil<br />

Energie gespart werden soll. Dies gab die<br />

Stadt Chemnitz am 1. <strong>September</strong> bekannt. Die<br />

große Haupthalle ist im kaltem Winter nicht<br />

für das Training nutzbar, weil sie ungeheizt ist.<br />

Damit stünden vier Vereine in Chemnitz ohne<br />

Trainingsstätte da, auch Trainer Robin Szolkowy,<br />

der erst Anfang August von der Schweiz<br />

nach Chemnitz gezogen war, und das Paar Letizia<br />

Roscher und Luis Schuster. Ähnliche Absichten<br />

gab es auch für das Erika-Hess-Stadion<br />

in Berlin-Wedding, aber hier konnte DEU-<br />

Vizepräsident Reinhard Ketterer aus Berlin in<br />

seinen letzten Amtswochen eine Schließung<br />

noch verhindern. <br />

krk<br />

Petrökina riskiert<br />

3A beim estnischen<br />

Sichtungslaufen<br />

Niina Petrökina, Foto: Flade<br />

Beim Sichtungslaufen des estnischen<br />

Verbandes Ende August haben<br />

die Topläufer/innen<br />

des Landes ihre<br />

neuen Programme<br />

auf gutem<br />

Niveau gezeigt und<br />

wertvolles Feedback bekommen.<br />

Den besten Eindruck hinterließ<br />

Niina Petrökina, die sogar den 3A in KP<br />

und Kür riskierte.<br />

Zwar stürzte sie beide Male, aber darüber<br />

waren weder sie noch ihre<br />

Trainerin Svetlana Vernavskaja<br />

traurig. „Das Wichtigste war, ihn<br />

zu probieren und das Programm<br />

danach weiter durchzulaufen,“<br />

sagte die Trainerin. Die anderen<br />

Elemente gelangen. Die<br />

Läuferin, die 2020 an Aplastischer<br />

Anämie, einer seltenen<br />

und gefährlichen Knochenmarkserkrankung<br />

litt, ist eine<br />

Kandidatin für Top-Platzierungen<br />

in dieser Saison. Ihr extravagantes<br />

KP zu „Give Us a<br />

Little Love“ hat Adam Solya<br />

choreographiert, die Kür zu<br />

„Age of Heroes“ von Havasi der<br />

Kanadier Mark Pillay. „Am<br />

dreifachen Axel habe ich<br />

schon vor meiner Erkrankung<br />

gearbeitet, jetzt bin<br />

ich wieder dran. <strong>No</strong>ch<br />

habe ich keinen sauber im<br />

Training gestanden, aber<br />

ich bin nah dran und<br />

weiß, dass ich es früher<br />

oder später schaffen<br />

werde,“ kommentierte<br />

die Estin.<br />

(Fortsetzung auf Seite 34)<br />

33<br />

Sichtungslaufen Estland


34<br />

Sichtungslaufen Estland<br />

Eva-Lotta Kiibus mit Trainer Thomas Kennes, Fotos: Flade<br />

Eva-Lotta Kiibus kam mit ihrem neuen Trainer,<br />

dem Niederländer Thomas Kennes, zur Sichtung.<br />

Sie läuft ihre Programme aus dem Vorjahr – das<br />

freche Stück „Baiana“ von Barbatuques im KP<br />

»<br />

und „Shallow“ von Lady Gaga in der Kür.<br />

Eva-Lotta Kiibus<br />

„Ich brauchte eine Veränderung, nachdem<br />

ich seit 15 Jahren in dieser Eishalle<br />

«<br />

saß. Mit<br />

Thomas zu arbeiten, gefällt mir sehr gut.<br />

Meine Programme habe ich behalten, weil<br />

ich sie wegen meiner Verletzung in der vergangenen<br />

Saison nicht so zeigen konnte, wie<br />

ich wollte. Ich hatte wegen der Verletzung<br />

schon daran gedacht, nach den Olympischen<br />

Spielen aufzuhören, aber jetzt geht es mir<br />

gut und ich bin motiviert.“<br />

Die mehrmalige Landesmeisterin Gerli Linnamäe<br />

ist noch nicht ganz in Form. Die Ukrainerin<br />

Anastasia Gozhva, die mit ihrer Trainerin Marina<br />

Amirkhanova wegen des Krieges nach Tallinn<br />

geflüchtet ist, testete ihre Programme vor der<br />

Nebelhorn Trophy.<br />

Bei den Herren präsentierten sich Arlet Levandi,<br />

Aleksandr und Mihhail Selevko. Olympiateilnehmer<br />

Aleksandr Selevko, mit 21 Jahren der ältere<br />

der Brüder, hat ein neues KP zu moderner Tanzmusik<br />

mit orientalischem Touch „The Egyptian<br />

Trap Mix Desert“, das er mit Rostislav Sinicyn<br />

einstudiert hat. Die Kür zu zwei <strong>No</strong>cturnes von<br />

Frédéric Chopin ist aus dem Vorjahr. Obwohl er<br />

wegen einer Erkältung Trainingsausfall hatte,<br />

trat Selevko an. Der 4L klappte im Einlaufen,<br />

aber nicht im Programm.<br />

»<br />

Aleksandr Selevko<br />

„Mir kam die Idee, dass ich zu arabischer<br />

Musik laufen wollte und ich habe dieses<br />

Stück gefunden. Das ist ein neuer Stil<br />

«<br />

für<br />

mich und es ist für mir interessant, mich darin<br />

auszuprobieren. Ich habe die Musik zusammengestellt<br />

und meiner Trainerin (Irina<br />

Kononova) hat es gefallen. Die Choreographie<br />

ist ziemlich anspruchsvoll. Wir haben beide<br />

Programme schwieriger gemacht und zwei<br />

Vierfache im KP und drei Vierfache in der Kür.<br />

Im Training klappt der 4F, aber wir haben ihn<br />

noch nicht eingebaut. Mit meinem Bruder<br />

habe ich ein sehr gutes Verhältnis.“<br />

Aleksandr (links)<br />

und Mihhail Selevko<br />

mit Trainerin<br />

Irina Kononova<br />

Sein Bruder Mihhail ist anderthalb Jahre jünger<br />

und ist in die Meisterklasse aufgestiegen, nachdem<br />

er mit Platz sechs bei der Junioren-WM<br />

<strong>2022</strong> das beste Ergebnis für Estland geholt hat.<br />

Der WM-15. läuft zu „Break My Baby“ von Kaleo<br />

im KP und „What Could Have Been“ von<br />

Sting in der Kür. Beide Programme sind neu und<br />

von Sinicyn erstellt. Levandi hat ebenfalls zwei<br />

neue Programme, insbesondere die Kür zu „Adagio<br />

for Tron“ ist sehr interessant. Die Musik hat<br />

der 16-Jährige selbst ausgesucht. Den 3A probierte<br />

er noch nicht, will ihn aber sobald wie<br />

möglich präsentieren.


Der Aufstieg<br />

Estlands<br />

Der Baltenstaat Estland war in der vergangenen<br />

Saison ein Zentrum des internationalen<br />

Eiskunstlaufs. Gleich drei<br />

ISU-Meisterschaften fanden in der malerischen<br />

Ostee-Metropole Tallinn statt: zunächst<br />

wie geplant die vorolympische EM,<br />

aber dann auch die Vier-Kontinente-<br />

Meisterschaft sowie die Junioren-Weltmeisterschaft,<br />

nachdem die ursprünglichen<br />

Ausrichter China und Bulgarien wegen<br />

der Pandemie abgesprungen waren.<br />

Tallinn stemmte diese drei Meisterschaften<br />

in der Tondiraba-Halle mit Bravour.<br />

Aber Estland ist nicht nur ein hervorragender<br />

Gastgeber, sondern hat mittlerweile<br />

sportlich im Eiskunstlauf einiges zu<br />

bieten: fünf Einzelläuferinnen und –läufer<br />

in der Meisterklasse sowie ein junges<br />

Tanzpaar machten auf sich aufmerksam.<br />

Niina Petrökina, Eva-Lotta Kiibus, Arlet<br />

Levandi sowie Alexander und Mihhail Selevko<br />

dürfen (z.T. auch wegen der Sperre<br />

Russlands) im Grand Prix starten, was angesichts<br />

der Gesamtbevölkerung von 1,3<br />

Millionen erstaunlich ist. Zum Vergleich:<br />

Deutschland hat 83,2 Millionen Einwohner<br />

und ist mit Nicole Schott, Annika Hocke/Robert<br />

Kunkel und Jennifer Janse van<br />

Rensburg/Benjamin Steffan dreimal im<br />

Grand Prix vertreten. Estland hatte auch<br />

in der Vergangenheit immer wieder gute<br />

Sportlerinnen und Sportler wie Elena Glebova<br />

oder das Tanzpaar Grethe Grünberg/<br />

Kristjan Rand, aber nun ist eine ganze talentierte<br />

Generation herangewachsen, die<br />

jetzt zwischen 16 und 21 Jahren alt ist.<br />

Niina Petrokina mit Trainerin Svetlana Varnavskaja<br />

Foto: Dombrowski<br />

Nach der erneuten Unabhängigkeit 1991 gab es<br />

im Land zunächst wenige Strukturen für den<br />

Leistungssport, wie die Trainerinnen Anna Levandi,<br />

in den 80er Jahren eine Weltklasse-Läuferin<br />

unter ihrem Mädchennamen Kondrashova, und<br />

Irina Kononova berichten. Lange hatte Tallinn<br />

nur eine Eishalle. „Als ich 1989 heiratete und<br />

(von Moskau) nach Estland zog, gab es hier kein<br />

System, das es Sportlern erlaubt hätte, auf ein<br />

hohes Niveau zu kommen“, sagt Levandi. Im<br />

Zuge von Perestrojka und Unabhängigkeit<br />

schlossen die staatlichen sowjetischen Sportschulen.<br />

Levandi gründete 2001 schließlich ihren<br />

privaten Club in einer von einem Sponsor finanzierten<br />

Eishalle im Westen der Stadt. „Lange war<br />

sie die einzige, in der alle (Leistungssportler)<br />

trainieren konnten. Zum Glück erbaute die Stadt<br />

dann vor acht Jahren mit EU-Geldern die moderne<br />

Tondiraba-Halle am anderen Ende von Tallinn.<br />

Dorthin zog Kononova um, die unter anderem<br />

die Selevko-Brüder von Kindheit an betreut. Verbandspräsidentin<br />

Maire Arm nennt vor allem drei<br />

Gründe für den Aufschwung im estnischen Eiskunstlauf:<br />

„Wir haben viele gute Trainer, die motiviert<br />

und gut ausgebildet sind, um die Sportler<br />

auf das höchste Niveau zu bringen. Zweitens haben<br />

wir eine städtische Sportschule in Tallinn (in<br />

Tondiraba), allein für den Leistungssport. Die<br />

Sportler werden im jungen Alter dafür ausgewählt<br />

und qualifizieren sich nur, wenn sie die für<br />

ihr Alter vorgesehenen Elemente beherrschen.<br />

Drittens hat der estnische Eislaufverband eine<br />

Mindestpunktzahl für die Teilnahme an den nationalen<br />

Meisterschaften in der Junioren- und<br />

Meisterklasse gesetzt. Wir haben auch ein Motivationssystem<br />

aufgebaut, um Geld des Verbandes<br />

an Läufer und Trainer zu verteilen.“<br />

Levandi hebt hervor, dass die Trainerinnen und<br />

Trainer diese leistungssportlichen Prinzipien für<br />

die Aufnahme in die Sportschule gemeinsam<br />

geschaffen haben. „Diese Auswahl findet ab<br />

zehn, elf Jahren statt. Vorher trainieren die Kinder<br />

in privaten Schulen, auf eigene Kosten. Von<br />

Jahr zu Jahr haben wir die Anforderungen für<br />

die Sportschule erhöht. Denn um gute Bedingungen<br />

zu schaffen, muss die Zahl der Sportler<br />

auf dem Eis begrenzt sein“, erklärt sie. Ihr Sohn<br />

Arlet profitiert ebenfalls von den guten Bedingungen<br />

und war 2021 der erste männliche Läu-<br />

Anna und Arlet Levandi, Foto: Flade<br />

fer, der eine Medaille im Junioren Grand Prix<br />

gewinnen konnte. Für ihn hat der Aufschwung<br />

auch mit der Konkurrenz zu tun. „Die Entwicklung<br />

im estnischen Eiskunstlauf ist in der letzten<br />

Zeit brillant. Wir haben ein faires Selektionssystem<br />

und wenn es unter den Läufern Konkurrenz<br />

gibt, führt das immer zu guten Ergebnissen“,<br />

meint er. „Das konnte man in der letzten<br />

Saison sehen. Mihhail und Alexander Selevko<br />

waren tolle Konkurrenten, was die großartigen<br />

Ergebnisse von uns allen beeinflusst hat.”<br />

Die Läufer sammelten bei ihren Wettbewerben<br />

Punkte und qualifizierten sich so für die Meisterschaften,<br />

weshalb Arlet Levandi bei der EM<br />

startete, Alexander Selevko bei den Olympischen<br />

Spielen und sein Bruder Mihhail bei der WM.<br />

Bei den Damen gilt dasselbe für Kiibus und Petrökina.<br />

Insbesondere letztere hat sich in der<br />

Saison sehr gesteigert und holte Top-Ten-Platzierungen<br />

bei der EM und der Junioren-WM. Kiibus<br />

hatte allerdings mit Verletzungsproblemen<br />

zu kämpfen. Sie will ihre langjährige Trainerin<br />

Anna Levandi verlassen, um zu Thomas Kennes<br />

in die Niederlande zu gehen, weil dort ihr<br />

Freund, ein estnischer Eisschnellläufer, trainiert.<br />

Im Eistanzen hat der Este Marko Jevgeni Gaidajenko<br />

in Solène Mazingue aus Frankreich eine<br />

passende Partnerin gefunden. Das Duo, das jetzt<br />

in Montréal trainiert, gewann Bronze beim JGP<br />

in Courchevel 2021 und erreichte bei seinem Debüt<br />

bei EM und WM immerhin das Finale.<br />

In ganz Estland gibt es laut Verbandspräsidentin<br />

Arm etwa 500 Eiskunstläuferinnen und Eiskunstläufer,<br />

alle Niveaus und Altersklassen zusammengenommen.<br />

Tallinn ist das Zentrum, aber<br />

auch in Tartu, Narva, Kohtla-Järve und Viljandi<br />

wird trainiert. In Tartu arbeitete bis vor kurzem<br />

der EM-Zweite von 2002, Alexander Abt aus<br />

Russland, als Trainer. „Wir haben gute Kontakte<br />

und die Trainer besuchen Seminare und die Läufer<br />

starten bei Wettbewerben“, sagt Arm. Das<br />

Interesse am Eiskunstlauf ist groß. In Tallinn<br />

gebe es mehr interessierte Eltern als Plätze für<br />

die Kinder, erzählt Arm. „Eiskunstlauf ist beliebt<br />

bei den Esten. Die Medien sind durch die Erfolge<br />

unserer Läufer mehr und mehr interessiert.“ Arm<br />

erwartet einen positiven Effekt durch die drei<br />

ISU-Meisterschaften in Tallinn Anfang des Jahres.<br />

„Das hat dem Eiskunstlauf viel Aufmerksamkeit<br />

gebracht und sogar Menschen, die sonst<br />

wenig über den Sport wissen, gaben sehr positives<br />

Feedback. Ich denke, wir werden den Effekt<br />

dieser Wettbewerbe bald bei unseren jungen<br />

Läufern sehen.“ Arm, die in ihrer Jugend selbst<br />

Eisläuferin war und sich seit 2002 im Verband<br />

engagiert, hofft auf eine weitere positive Entwicklung<br />

des Sports. Dafür will sie neue Sponsoren<br />

finden und das System, das bisher gut funktioniert<br />

hat, weiterentwickeln. Tatjana Flade<br />

35<br />

Der Aufstieg Estlands<br />

Sommertraining


Das <strong>Pirouette</strong>-Magazin gibt es jetzt als App für Ihr Smartphone und Tablet!<br />

<strong>Pirouette</strong>Digital<br />

Das Eiskunstlaufmagazin<br />

››› Das Eiskunstlauf magazin gibt es jetzt<br />

endlich als App!<br />

››› Digital früher lesen als Print: Die<br />

<strong>Pirouette</strong>Digital erscheint ca. 10 Tage<br />

vor der Printausgabe!<br />

››› Keine Lieferzeit!<br />

››› Günstiger im Vergleich zur gedruckten<br />

Ausgabe und keine zusätzlichen<br />

Versandkosten!<br />

››› Lesen Sie die <strong>Pirouette</strong> an jedem Ort,<br />

auch ohne Internetzugang!<br />

››› Für die Android und iOS erhältlich!<br />

››› Kostenloser Download als Vorschau<br />

im AppStore und bei GooglePlay - Sie<br />

können entscheiden, welche Ausgaben<br />

Sie kaufen möchten!

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!