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FOCUS-GESUNDHEIT_2022-07_Vorschau

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Abnehmen lernen

In der Reha schlauer

werden als der Appetit

Long Covid

Neue Therapien gegen

anhaltende Müdigkeit

Mobil im Alter

Geriatrische Reha erhält

die Selbstständigkeit

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GESUNDHEIT

TOP-Rehakliniken 2023

TOP-Rehakliniken 2023

MORGENS HIN,

ABENDS HEIM

Ambulante Reha

für Hüfte, Knie

und Rücken

81

TOP-KURORTE

& -HEILBÄDER

Erholen Sie sich wie

einst Fürsten und Könige

Plus: Den Antrag

auf Kur erfolgreich

stellen

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GESUNDHEIT

Gelenke, Psyche, Herz

DIE BESTE REHA

So helfen Expertenteams, nach OPs und bei

dauernden Belastungen wieder fit zu werden

EMPFEHLUNG

468 TOP-REHAKLINIKEN FÜR HERZ & GEFÄSSE, LUNGE, RÜCKEN & GELENKE,

IMPLANTATE, KREBS, MAGEN & DARM, PSYCHE, SUCHT, DIABETES, LONG COVID U. V. M.


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E-PAPER LESEN:


EDITORIAL

Wo Sie die Top-Experten

ihres Fachs finden.

Fotos: Christian Schoppe, Michela Morosini für FOCUS-Gesundheit

FOCUS- GESUNDHEIT

Gesunden Alltag üben

Wieder fit fürs eigene Leben zu sein

ist das Ziel eines Rehaaufenthaltes.

Aber es sollte ein neues, besseres Leben

sein, in das man zurückkehrt. Die

Reha ist eine Zäsur, in der sich der

Rehabilitand ganz auf sich besinnt,

alte Gewohnheiten abstreift und

gesündere Alternativen einübt. Der

wahre Rehaerfolg zeigt sich erst Wochen

später, wenn es gelungen ist, das

Erlernte im Alltag umzusetzen und

beizubehalten. Herzpatientin Ruth

Autorin Sina Horsthemke sprach

mit Senioren in der geriatrischen

Rehabilitation (S. 56)

Chefredakteur Jochen Niehaus

Herzlichst Ihr

Petersen profitiert davon noch heute,

zwei Jahrzehnte später (S. 34).

Reha zu Hause ermöglicht die ambulante

Rehabilitation. Welche Angebote

es speziell für Patienten mit Erkrankungen

des Bewegungsapparates gibt,

lesen Sie ab Seite 20. Dazu die wirksamsten

Übungen für einen starken

Rücken ab Seite 26.

Die passende Klinik zu finden bedarf

guter Vorbereitung (Wegweiser ab

S.62). Die Rehaliste 2023 hilft dabei,

die Spezialisierungen der Häuser zu

vergleichen und sich in die Obhut von

Ärzten und Therapeuten zu begeben,

die am meisten Erfahrung mit einzelnen

Krankheitsbildern haben. Klar,

die angenehmen Seiten der Reha,

Serviceangebote und Unterhaltungsmöglichkeiten,

haben wir ebenfalls

recherchiert (S. 88). Falls auch Sie

gerade einer Rehabilitation bedürfen,

wünsche ich Ihnen schon heute viel

Gesundheit und Erfolg!

Ob Arzt, Anwalt oder Steuerberater

— auf focus-empfehlung.de

finden Sie einfach und schnell den

richtigen Spezialisten. Das Experten-

und Ratgeberportal bietet

Ihnen in wichtigen Lebenssituationen

wertvolle Orientierung und

hilft, fundierte Entscheidungen

zu treffen.

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Kliniken

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Recht

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INHALT

FOCUS-GESUNDHEIT 07/2022 REHAKLINIKEN 2023

12

Gelenkig bleiben

Damit Knochen

nicht auf Knochen

reibt, braucht das

Knie Puffer und

Schmiere

Magazin

30

Heilen im Team

Pneumologe und Rehaforscher

Rembert Koczulla legt

bei Post Covid Wert auf multidisziplinäre

Ansätze

Gesund werden

68

Königlich erholt

Im Friedrichsbad

in Baden-Baden

tauchen Kurgäste

in vergangene

Zeiten ab

20 Morgens hin, abends heim

Was ambulante Reha nach

orthopädischen Eingriffen bietet

und für wen sie geeignet ist

9 Stark aus der Krise

Die Auswirkungen der Pandemie

auf Rehaeinrichtungen

10 Hohes Alter, bessere Laune

Die Zufriedenheit nimmt ab 50

zu – und lässt sich trainieren. Das

Glücksmodell als Infografik

12 Alles flutscht

Faszien, Gelenke, Muskeln funktionieren

dank Flüssigkeiten wie

geschmiert. So erhöht Sport die

Produktion der Gelenkschmiere

26 Kreuzweh ade

Diese Übungen stärken den

operierten Rücken und beugen

Beschwerden vor

30 Die Müdigkeit nach dem Virus

Überforderung ist Gift. Was

Fatigue-Patienten und -Therapeuten

bei der Post-Covid-Reha

beachten sollten

34 Das Herz zurückerobern

So nachhaltig wirkt die kardiologische

Reha bei Herzpatienten

Titel: Foto: : PeopleImages/iS tock

4

FOCUS- GESUNDHEIT


87

Top-Adressen

Die FOCUS-Listen

mit herausragenden

Rehakliniken für

unterschiedliche

Krankheitsbilder

plus Kurorte

Top-Reha und -Kur

Empfehlungskriterien So entstehen

die Listen von FOCUS-Gesundheit:

88 Methodik Rehakliniken

124 Methodik Kurorte & Heilbäder

Fotos: Michela Morosini für FOCUS-Gesundheit (2), Science Photo, Arthur F. Selbach/seasons.agency/Jalag

56

Gestärkt

40 Rückkehr zum Ich

In der psychosomatischen Reha

gewinnt Autorin Kirsten Hoffmeister

Abstand von ihren Problemen

46 Schlauer als der Appetit

So lernen Menschen mit Übergewicht,

ihre Verhaltensmuster

langfristig zu ändern

50 Wenn Mama Krebs hat

In einem Kombi-Konzept betreuen

Rehatherapeuten onkologische

Patienten und deren Kinder

parallel

56 Nächstes Ziel: nach Hause

Geriatrische Einrichtungen

geben alten Menschen nach

Unfall oder OP ihre Selbstständigkeit

zurück

zurück

Nach einem Sturz macht

die geriatrische Reha Brigitte

Pröls wieder fit für zu Hause.

Tochter Birgit unterstützt sie

62 Schritt für Schritt wieder fit

Ein Wegweiser für die Reha: alle

Infos von Antrag bis Nachsorge

Gesund bleiben

68 Kuren wie einst die Könige

Körper und Seele erholen sich in

diesen imposanten Residenzen

74 Ab zur Kur

Antworten auf wichtige Fragen

rund um die Vorsorgeleistungen

78 Prävention

Das können Sie für gesunde

Zähne, für erholsamen Schlaf

und gegen Zecken tun. Sanfte

Helfer: Tipps für Wetterfühlige

90 Diabetes

91 Gastroenterologie

92 Geriatrie

94 Herz-Kreislauf

96 Lunge

98 Neurologie

101 Onkologie

104 Orthopädie

112 Orthopädie – ambulante Reha

116 Psyche

119 Rheuma

120 Sucht

123 Eltern-Kind-Reha/Kuren

126 Kurorte und Heilbäder

Rubriken

3 Editorial des Chefredakteurs

6 Kurzmeldungen

130 Vorschau und Impressum

>> Sie finden die Top-Rehakliniken auch

unter: focus-arztsuche.de

FOCUS- GESUNDHEIT 5


Mit geblümter Bluse und Leggings

steht Anita Schuhbauer vor einer

Sprossenwand. Ihre Hände umfassen

die Enden eines Widerstandsbandes.

„Jetzt den Gummi

mit gestreckten Armen Richtung Hüfte ziehen“,

bittet Physiotherapeutin Karo Schlotter, die

neben der Rentnerin steht. „Das stärkt Schultern

und Arme, die Sie für die Fortbewegung mit

den Krücken benötigen.“ Andere Patienten üben

währenddessen an Beinpressen, Laufbändern,

Zugapparaten, Abduktorenmaschinen oder Rudertrainern.

Auch Balancekissen und große Gummibälle

sind im Einsatz.

Der turnhallengroße Saal für die medizinische

Trainingstherapie (MTT) bildet das Herzstück einer

Rehaeinrichtung, die Menschen wie Anita

Schuhbauer wieder fit für den Alltag macht. Die

70-Jährige hat vor drei Wochen eine künstliche

Hüfte erhalten und befindet sich nun in der Anschlussheilbehandlung.

Bemerkenswert ist die Lage

des Zentrums: Schuhbauer und ihre Mit patienten

trainieren in einem sechsstöckigen Zweckbau in

einem Büroviertel am Münchner Heimeranplatz.

Anstatt die Reha, wie für Hüftpatienten üblich,

in einer Klinik im Grünen anzutreten, hat sich

Schuhbauer für eine ambulante Maßnahme in

Wohnortnähe entschieden. „Ich wollte lieber im

eigenen Bett schlafen und zu Hause entspannen.

Bereits die fünf Tage Krankenhausaufenthalt

direkt nach der Operation dauerten mir zu lange“,

so die Oberbayerin. Hinzu kam der Wunsch, ihren

Ehemann nicht drei lange Wochen allein im gemeinsamen

Häuschen in Eichenau westlich von

München zurückzulassen.

Foto: Michela Morosini für FOCUS-Gesundheit

Zu Hause bleiben liegt im Trend

Noch ist die wohnortnahe Behandlung eine

Ausnahme, doch sie gewinnt zunehmend an

Bedeutung. Wurden im Jahr 2002 gerade mal

fünf Prozent aller Rehaleistungen im Bereich der

Deutschen Rentenversicherung ambulant durchgeführt,

ist der Anteil bis 2020 auf 16 Prozent

gestiegen. Am häufigsten wird die ambulante

Anschlussrehabilitation (AHB) – eine medizinische

Reha, die binnen zwei Wochen nach einer

stationären Krankenhausbehandlung startet –

bei orthopädischen Diagnosen genutzt. Hier

fand 2020 bereits knapp jede dritte AHB in einem

ganztägig ambulanten Setting statt. In der

Neurologie und Kardiologie etabliert sich die

Vor-Ort-Reha ebenfalls zunehmend.

FOCUS- GESUNDHEIT 21


Bitte anwinkeln

Jean-Pierre Wehrle,

Facharzt für Orthopädie,

testet die Beweglichkeit

von Anita Schuhbauers

neuer Hüfte

Vorteile der

ambulanten

Reha

• Patienten verbringen

Abende und Wochenenden

in vertrauter

Umgebung

• In der Therapie Erlerntes

wird direkt zu

Hause umgesetzt

• Der Patient bleibt –

neben der Betreuung

durch Reha ärzte

– in der Obhut des

Hausarztes

• Tagsüber weniger

Leerlauf durch

höhere Taktung der

Therapieeinheiten

• Ein Fahrdienst kümmert

sich um den

Transport zur Reha

Eine gestiegene Nachfrage wird auch am Zentrum

für ambulante Rehabilitation (ZAR) München

West registriert, in dem Anita Schuhbauer

ihre Fitness wiedergewinnt. Erst 2014 eröffnet,

wurde die Einrichtung bereits zweimal vergrößert.

Hier lernen jährlich rund 1900 Patienten mit

Erkrankungen aus den Bereichen Orthopädie und

Neurologie, wie sie den Alltag meistern. Mit bundesweit

28 Zentren führt die ZAR-Gruppe den

Markt für ambulante Rehabilitation an.

Der Zuwachs hängt nicht nur mit veränderten

Patientenvorlieben zusammen, sondern ebenso

mit Neuerungen in der Endoprothetik. Dank

Frühmobilisation am Krankenbett und minimalinvasiven

Operationsmethoden, die Sehnen und

Muskulatur möglichst schonen, verlassen die

Neubesitzer von Knie- und Hüftprothesen die

Klinik heutzutage fitter als noch vor zehn oder

zwanzig Jahren. „Damit sind Patienten eher in

der Lage, eine ambulante Anschlussheilbehandlung

wahrzunehmen“, sagt Jean-Pierre Wehrle,

Facharzt für Orthopädie und Chefarzt am ZAR

München West. Die Art der Therapie setzt laut

Wehrle voraus, dass die Rehabilitanden ausreichend

mobil und belastbar sind, um beispielsweise

den täglichen Fahrdienst an ihren Wohnort

zu nutzen. Das ist weniger eine Frage des

Alters als vorwiegend eine von Muskulatur und

Koordination. „Unsere älteste Rehabilitandin

mit Hüftendoprothese hier im Zentrum war

91 Jahre alt“, so der Experte.

Für Anita Schuhbauer stellt die Bewältigung

der Vor-Ort-Reha keine Hürde dar. Jeden Morgen

um neun Uhr schnappt sie sich ihre beiden

Gehhilfen und besteigt einen Minibus, der sie

ins 20 Kilometer entfernte Rehazentrum bringt.

Mit dem Einsammeln weiterer Rehabilitanden

dauert die Fahrzeit eine knappe Dreiviertelstunde.

Eine einfache Wegezeit von maximal 45 Minuten

gilt als „wohnortnah“. Längere Anfahrten

kosten dagegen zu viel Erholungszeit und gelten

als weniger empfehlenswert.

Im Rehazentrum holt sich Schuhbauer zunächst

am Empfang ihr ausgedrucktes Tagesprogramm

ab – alternativ könnte sie die Termine

auch auf ihr Smartphone laden. Heute geht es mit

Wahrnehmungsübungen los, etwa dem bewussten

Aufsetzen und Abrollen des Fußes. Im Anschluss

folgen eine Eisbehandlung mit einer Kältepackung

und ein Gruppentraining mit Bewegungsübungen

Foto: Michela Morosini für FOCUS-Gesundheit

22

FOCUS- GESUNDHEIT


COVID

Die Müdigkeit

nach dem Virus

Eine gute Reha fördert, ohne zu überfordern. Bei Corona-Langzeitfolgen

müssen Therapeuten genau hinschauen. Die Patienten mit

schwerem Erschöpfungssyndrom lernen ihre Grenzen zu erkennen

Das Leben von Anni Conrad änderte

sich im Frühling 2020 drastisch:

Noch in der ersten Welle der Corona-Pandemie

infizierte sich die damals

40-jährige Krankenschwester

mit dem Virus. Fieber, Kopfschmerzen und extreme

Hautsensitivität verschwanden bald, andere

Beschwerden entstanden neu: Herzrasen etwa und

eine starke Kurzatmigkeit, kognitive Probleme wie

Vergesslichkeit und verringerte Konzentration.

Und dann war da noch diese extreme Erschöpfung:

„Man geht auf Toilette und hat danach keine Kraft

mehr fürs Händewaschen“, sagt Conrad.

Gut zwei Jahre später hat Anni Conrad meh rere

Wiedereingliederungsversuche in den Job hinter

sich. Alle mussten abgebrochen werden. „Arbeiten

und atmen gleichzeitig ging nicht“, erzählt sie.

Am meisten behindern sie ihre dezimierten Kraftreserven:

„Maximal drei Stunden pro Tag kann ich

zuverlässig agieren, mehr geht nicht“, erklärt Conrad.

Wobei „agieren“ nicht „arbeiten“ bedeutet –

schon Aktivitäten wie Duschen, Kochen oder Einkaufen

zehren am Energiebudget. Für das „echte“

Arbeiten bleibt nach solchen Routinetätigkeiten

meistens gar keine Kraft mehr.

Wenn Corona bleibt

Long Covid: Erstmals tauchte dieser Begriff im

Mai 2020 in einem Twitter-Beitrag der italienischen

Ärztin Elisa Perego auf, in dem sie ihre

Symptome nach der Covid-Erkrankung beschrieb.

Heute spricht die Medizin von Long Covid, wenn

mindestens vier Wochen nach der Infektion noch

Beschwerden bestehen, und von Post Covid, wenn

dieser Zustand länger als zwölf Wochen anhält.

Anlaufstellen

für häufige

Fragen

Bin ich betroffen?

Unter dem

Google-Stichwort

„Kanadische Konsenskriterien“

findet

sich ein Diagnose-

Fragebogen für

ME/CFS – der auf

Post Covid übertragen

werden kann

(mit Arzt besprechen)

Wohin zur Reha?

Auf longcovid

deutschland.org/

rehabilitation steht

eine Liste mit geeigneten

Rehakliniken

(auf Basis von Erfahrungsberichten)

Wie informieren?

In dem Ratgeber

„Long Covid – Wege

zu neuer Stärke“

(ZS Verlag) stellt die

Ärztin und Betroffene

Claudia Ellert vielversprechende

Rehaprogramme vor.

Schätzungsweise zehn bis 15 Prozent der Patienten

kämpfen mit Long-Covid-Symptomen, etwa zwei

Prozent entwickeln Post Covid. Alle leiden unter

vielfältigen Beschwerden wie Müdigkeit, Kurzatmigkeit,

Gedächtnisproblemen oder Muskelschmerzen.

Viele Langzeitfälle verspüren zudem

eine im Vergleich zur Anstrengung völlig unverhältnismäßige

Erschöpfung, auch Fatigue genannt.

Dass eine Virusinfektion das Chronische Fatigue-Syndrom

(CFS) auslösen kann, ist nicht neu.

Die Folgeerkrankung tritt beispielsweise nach dem

Pfeifferschen Drüsenfieber auf, verursacht durch

das Epstein-Barr-Virus. Und nun auch nach Corona.

Das Kernsymptom der neuroimmunologischen

Erkrankung ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches

Fatigue-Syndrom) ist die Belastungsintoleranz.

Jedes Missachten der persönlichen

Leistungsgrenzen verschlechtert den Gesundheitszustand

der Patienten deutlich. Zum

„Crash“ kommt es direkt nach der Überlastung

oder ein paar Tage später. Der Zustand bleibt mehrere

Tage bestehen, bei sehr schweren Verläufen

auf unbestimmte Zeit. Zugleich fehlt eine medikamentöse

Therapie. Was also hilft?

Atemtherapie, Bewegungstherapie, Krankengymnastik.

„Es ist wichtig, zunächst die Möglichkeit

ambulanter Heilmittel auszuschöpfen“, rät

Anett Reißhauer, Fachärztin für Physikalische und

Rehabilitative Medizin an der Berliner Charité.

Wer sich nach zwölf Wochen immer noch nicht

besser fühlt, sollte eine ambulante oder stationäre

Reha erwägen.

Anni Conrad wählte für ihre erste Reha aufgrund

ihrer Atemprobleme eine Lungenfachklinik

im Nordschwarzwald. Schwimmen, Gymnas-

FOCUS- GESUNDHEIT 31


COVID

tik, Atemtherapie, Massagen – „vieles davon tat

mir erst einmal richtig gut“, erinnert sie sich. Vor

allem der Kontakt zu anderen Betroffenen half:

„Es ist befreiend, wenn man Menschen trifft, die

einfach verstehen, wovon man spricht.“ Trotzdem:

„Gesundheitlich hat mich die erste Reha

eher zurückgeworfen“, glaubt Conrad. Denn die

eigentliche Hauptindikation – das Chronische

Fatigue-Syndrom – spielte in der Therapie eine

untergeordnete Rolle. Zwar legte man ihr im Eingangsgespräch

nahe, „nie mehr zu machen, als der

Akku hergibt“. „Doch wie ich meine Leistungsgrenzen

rechtzeitig erkenne und Zusammen hänge

zu Crash-Symptomen herstelle, wurde mir nicht

erklärt“, so Conrad. Dank ihres Engagements in

der Selbsthilfegruppe „Long Covid Deutschland“

weiß sie heute, dass viele Patienten ähnliche Erfahrungen

machten.

Grenzen kennen und benennen

Rehatherapeuten werden künftig stärker differenzieren

müssen: Während sie üblicherweise Patienten

ermutigen, auch jenseits der Komfortzone zu

trainieren, ist dies bei ME/CFS geradezu schädlich.

Oft müssen Betroffene eher eingebremst

werden. Anni Conrad etwa fiel es schwer, sich im

Kraftraum mit leichten Gewichten zufriedenzugeben,

wenn am Gerät neben ihr eine doppelt so

alte Frau sehr viel mehr stemmte. Rückblickend

sagt sie: „Es braucht Einsicht in das Krankheitsbild,

um zu begreifen, dass man bei CFS nur die

eigene Wahrnehmung als Maßstab hat.“

In der Reha muss also vor Beginn der Therapieplanung

abgeklärt werden, ob eine Belastungsintoleranz

vorliegt. Falls ja, müssen Erkrankte

lernen, ihr begrenztes Potenzial über den Tag so

einzusetzen, dass kein Crash droht. „Pacing“ wird

dieses Energiemanagement genannt. Es ist ein

Balanceakt, der selbst medizinisch Geschulten

Probleme bereitet. Die Gefäßchirurgin Claudia

Ellert leidet seit rund eineinhalb Jahren an Post

Covid mit ME/CFS. „Was Belastungsintoleranz

und Pacing bedeuten, habe ich erst nach einigen

Crashs verstanden“, erzählt sie.

Im Januar 2021 begann Ellert eine Reha in

einer Lungenfachklinik. Damals, sagt sie, war das

Problem der Belastungsintoleranz weder in den

Köpfen des Personals noch in ihrem verankert.

Im Gegenteil, als Hobby-Triathletin war Ellert

fest davon überzeugt, dass Sport ihr guttut. Und

„in dem Moment, in dem ich trainierte, war meine

Leistung auch gar nicht so schlecht“. Die Folge:

»

Anfangs

mussten die

Reha-Einrichtungen

noch lernen,

jetzt sind sie

auf einem

guten Weg

«

Anett Reißhauer,

Fachärztin für Physikalische

und Rehabilitative

Medizin an

der Berliner Charité

„Ich habe in der Reha viel zu viel gemacht“ – mit

dem Ergebnis, dass die Symptome sich Tage später

plötzlich verschlechterten. „Diese Zusammenhänge

muss man erst einmal kapieren“, sagt Ellert.

„Die Intuition, also das gesunde Bauchgefühl,

ist bei dieser Krankheit außer Kraft gesetzt.“ Von

der Therapie wünscht sie sich vor allem eines:

„beraten und aufklären“.

Anett Reißhauer von der Charité sieht die Reha

inzwischen auf einem guten Weg – auch bei der

Weiterbildung von Ärzten und Mitarbeitenden:

„Selbsthilfegruppen und Fachgesellschaften haben

da sehr viel geleistet“, sagt sie. Eine Krux aber

ist geblieben: Für Post-Covid-Patienten mit ME/

CFS gibt es keine eigenen etablierten Kliniken.

Abhängig davon, ob vorwiegend die Lunge, Nerven

und kognitives System, Herz oder Psyche betroffen

sind, wird eine Reha in einer dazu passenden

Einrichtung verordnet. Viele neurologische,

pneumologische, kardiologische und psychosomatische

Einrichtungen bieten jetzt spezielle

Reha konzepte für Post Covid an. „Extrem wichtig

ist der multidisziplinäre Ansatz“, betont Rembert

Koczulla, Chefarzt am Fachzentrum für Pneumologie

an der Schön Klinik Berchtesgadener Land.

Ebenso nötig sei aber auch, dass aufgrund wissenschaftlich

erhobener Daten baldmöglichst verbindliche

Qualitätsstandards für die Rehabilitation bei

Long und Post Covid entwickelt würden.

Sich bei einer stationären Reha für ein paar

Wochen aus dem Alltag herauszuziehen hat Vorteile.

Doch nicht alle Betroffenen haben die Möglichkeit.

Gefäßchirurgin Claudia Ellert wirkt deshalb

an ihrem Arbeitsplatz an der Entwicklung

eines ambulanten Versorgungskonzepts mit. Es

verknüpft Beratung, Bewegung, Behandlung und

Austausch zwischen Betroffenen. „Für all das muss

man nicht zwingend in einer Rehaklinik sein“,

findet sie. „Und man kann die Übungseinheiten

dann durchführen, wenn die Energie dafür da ist.“

Das Konzept wird aktuell im Rahmen einer Studie

für die Lahn-Dill-Kliniken entwickelt und voraussichtlich

ab Herbst 2022 als ambulantes Angebot

verfügbar sein. Es wird Online-Elemente enthalten,

auf die Nutzer dann auch unabhängig vom

Wohnort zugreifen können.

Ob stationär oder ambulant: Dass eine Reha

Post-Covid-Patienten grundsätzlich hilft, steht für

Facharzt Rembert Koczulla, Inhaber der einzigen

Professur für Pneumologische Rehabilitation an

der Universität Marburg, außer Frage. Daten der

Philipps-Universität Marburg, erhoben an der

Foto: Wiebke Peitz Charite Universitätsmedizin Berlin

32

FOCUS- GESUNDHEIT


ADIPOSITAS

Schlauer werden

als der Appetit

In der Adipositas-Reha lernen Menschen mit Gewichtsproblemen, ihre

Verhaltensmuster zu ändern. Die eigentliche Hürde ist der Alltag danach.

Hier die klügsten Strategien für einen langfristigen Reha-Erfolg

REHA- K O N Z E P T

ADIPOSITAS

Um seinen Appetit zu bändigen, hat

sich Daniel Kirschke* ein paar

Tricks überlegt. So legt er beim Essen

ab und zu das Besteck auf die

Seite, lässt den Teller außer Acht

und unterhält sich. Um die Speisen bewusster zu

verzehren, kaut er zudem jeden Bissen gründlich,

zehnmal, fünfzehnmal. Und er trinkt häufiger mal

einen Schluck Wasser bei der Mahlzeit. Horcht

immer mal wieder in sich rein, ob er schon satt

ist. Ein Gefühl, das der stark Übergewichtige

lange Zeit nicht mehr kannte.

Endlich nicht mehr aus der Puste

Kirschke ist stolz auf sich, zehn Kilo hat er schon

abgenommen. Wenn sich der 1,73 Meter große

Mann auf die Waage stellt, zeigt sie nun 106 Kilo

an. Die Hosen kneifen nicht mehr, beim Treppensteigen

gerät er nicht wie früher in Atemnot, er

schläft besser. Auch die Blutzuckerwerte des

Typ-2-Diabetikers sind wieder im Normalbereich.

Der 56-jährige kaufmännische Angestellte aus

dem hessischen Hilders hat geschafft, was vielen

Schwergewichtigen nicht gelingt: Er hat die ersten

Monate nach der stationären Adipositas-Reha gut

gemeistert und die Strategien, die er dort lernte,

in seinen Alltag integriert. Damit hat er die erste

46

*Name von der Redaktion geändert

Für wen?

Für Patienten mit

einem Body-Mass-

Index von mindestens

35 kg/m 2 und Begleiterkrankungen

wie

Typ-2-Diabetes, Gelenkerkrankungen,

Bluthochdruck, Herzinsuffizienz

oder bei

hohem Risiko dafür.

Welche Therapien?

Der Aufenthalt soll

den Lebensstil

grundlegend und

nachhaltig verändern,

um abwechslungsreiche

Ernährung und

ausreichend Bewegung

fest in den

Alltag zu integrieren.

Wichtige Bausteine

sind Methoden der

Psychosomatik und

Verhaltenstherapie

sowie praktische

Übungen wie gemeinsames

Kochen

und Sport.

Hürde genommen, damit die Lebensstiländerung

und das Abnehmen dauerhaft klappen.

„Die ersten sechs bis neun Monate nach der

Reha sind die kritischste Phase, hier zeigt sich

meist, ob es mit der Gewichtsreduktion langfristig

funktioniert“, weiß Dietmar Brückl, Internist

und Chefarzt am Rehazentrum Bad Bocklet. Im

Rahmen einer Reha gesund zu leben, ist noch relativ

einfach. Jeder Patient hat einen individuellen

Therapieplan, in dem die drei bis vier Wochen

genau durchstrukturiert sind. Er radelt morgens

auf dem Ergometer oder läuft mit der Nordic-

Walking-Gruppe eine größere Runde, bessert mit

Physiotherapie muskuläre Verkürzungen und

die damit verbundenen Schmerzen, erfährt in der

Ernährungsschulung, welche Lebensmittel auf

dem Teller liegen sollten und welche besser nicht,

und kocht mit anderen Patienten in der Lernküche

mediterrane Speisen.

„Eine Reha ist aber nur ein Anfang, um Gewichtsprobleme

in den Griff zu bekommen“, sagt

Brückl. Die entscheidende Phase finde dann

statt, wenn der organisierte Tagesablauf aufhört

und der Patient in seinen eigenen Alltag zurückkehrt.

Lassen sich die neuen Konzepte dauerhaft

umsetzen oder erfolgt ein Rückfall in alte

Gewohnheiten?

FOCUS- GESUNDHEIT

Foto: Felix Schmitt für FOCUS-Gesundheit

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