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Pico della Mirandola (Herausgegeben und kommentiert von Jörg Lauster): Über die Würde des Menschen (Leseprobe)

»Phönix der Geister« nannten ihn seine Zeitgenossen, von einem Mozart für Philosophen spricht einer seiner besten Kenner in der Gegenwart. Pico della Mirandola wurde in seinem kurzen Leben vor allem für eine Rede berühmt, die ihn der Papst nie halten ließ, die »Oratio de hominis dignitate«. Sie gilt als ein Glanzpunkt des Menschenverständnisses der Renaissance, das tief in der christlichen Tradition wurzelt. Pico interpretiert die Erschaffung zur Gottebenbildlichkeit als Auftrag, das Menschsein in freier Selbsttätigkeit als Angleichung an Gott zu gestalten. Seine Einsichten zu Menschenbild und idealer Lebensführung stützt er auf ein umfassend philosophisch-theologisches Programm, das nicht nur Christentum, antike Philosophie und Weisheitstraditionen, sondern auch Christentum und Judentum miteinander versöhnen will.

»Phönix der Geister« nannten ihn seine Zeitgenossen, von einem Mozart für Philosophen spricht einer seiner besten Kenner in der Gegenwart. Pico della Mirandola wurde in seinem kurzen Leben vor allem für eine Rede berühmt, die ihn der Papst nie halten ließ, die »Oratio de hominis dignitate«. Sie gilt als ein Glanzpunkt des Menschenverständnisses der Renaissance, das tief in der christlichen Tradition wurzelt.
Pico interpretiert die Erschaffung zur Gottebenbildlichkeit als Auftrag, das Menschsein in freier Selbsttätigkeit als Angleichung an Gott zu gestalten. Seine Einsichten zu Menschenbild und idealer Lebensführung stützt er auf ein umfassend philosophisch-theologisches Programm, das nicht nur Christentum, antike Philosophie und Weisheitstraditionen, sondern auch Christentum und Judentum miteinander versöhnen will.

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Große Texte der Christenheit (GTCh) | 13

Pico della Mirandola

Über die Würde

des Menschen

Herausgegeben und

kommentiert von Jörg Lauster


Vorwort

Giovanni Pico della Mirandolas Über die Würde des Menschen

(De hominis dignitate ) ist in der europäischen Kultur- und

Religionsgeschichte eine der berühmtesten Reden, die nie

gehalten wurden. Der junge Graf verfasste sie 1486 als Eröffnung

zu 900 Thesen, auf deren Grundlage er mit den Gelehrten

seiner Zeit über die Versöhnung der philosophischen

und religiösen Traditionen nicht nur Europas, sondern der

ihm bekannten Welt diskutieren wollte. Die in Rom geplante

Disputation kam nie zustande und darum wurde die Rede

auch nie gehalten.

Pico feiert die besondere Stellung der Menschen im Aufbau

des Universums und entfaltet, was sich daraus für das

Leben der Menschen ergibt. Sein erhabenes Bild von der

Menschheit und ihrer Aufgabe in der Welt ist durch und

durch christlich geprägt. Schon allein darum gehört die Rede

in die Reihe der großen Texten des Christentums. Die Zeitgenossen

priesen Pico, der mit seinen theologischen und philosophischen

Gedanken früh an die Öffentlichkeit trat und

jung starb, als „Wunderkind“ und „Phönix der Geister“, in

der Gegenwart gilt er als „Mozart für Philosophen“. Picos Text

wurde einflussreich für das Selbstverständnis der Menschen

in der Moderne, man sah darin ein Vermächtnis, das an die

Würde und an die Freiheit der Menschen appellierte. Beide

sind für Pico jedoch nicht ohne ein christliches Fundament

zu denken. In die Euphorie, die im 19. Jahrhundert ihren Höhepunkt

erreicht, mischen sich inzwischen kritische Töne aus

unterschiedlichen Richtungen. Seit dem Ende des 20. Jahr-

5


Vorwort

hunderts mehren sich in der Erforschung der Werke Picos die

Stimmen, die seine Wirkung für ein großes Missverständnis

halten. Seine neuplatonisch geprägte und bisweilen auch

scholastisch geformte Anthropologie könne nicht mühelos in

die Moderne transportiert werden, die vom Menschen ganz

anders denke. Andere wiederum halten Pico für einen Vertreter

fataler menschlicher Selbstüberschätzung, die das Anthropozän

präge. Ziel der folgenden Ausgabe ist es, in Picos

Denken einzuführen, die Grundgedanken seiner Rede vorzustellen,

die Einwände zu diskutieren und am Ende zu fragen,

was wir heute von einem prominenten Vertreter der christlichen

Renaissance für die Herausforderungen des Christentums

in der Gegenwart lernen können.

Den Herausgebern danke ich für die kritische Durchsicht des

Manuskripts und die geistreichen Anregungen. Frau Dr. Annette

Weidhas und dem Verlag danke ich für die gute Zusammenarbeit.

Barbara Rappenglück und Fanny Sommerfeld haben

sich um Literaturbeschaffung und Korrekturen gekümmert.

Dafür gilt auch ihnen mein herzlicher Dank.

Jörg Lauster

Juli 2022

6


Inhalt

A Der Text . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9

B Erläuterungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87

1. Giovanni Pico della Mirandola und seine Zeit . . . . . . . . . . . . . 88

2. Kampf der Interpretationen – die vielen Picos . . . . . . . . . . . . . 95

3. Picos Motive und Methoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 111

4. Die Rede über die Würde des Menschen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 143

5. Picos Vermächtnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 165

C Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 171

Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 172

Quellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 172

Verwendete Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 173

7


A

Der Text


Pico della Mirandola

Legi, Patres colendissimi, in Arabum monumentis, interrogatum

Abdalam Sarracenum, quid in hac quasi mundana

scaena admirandum maxime spectaretur, nihil spectari homine

admirabilius respondisse. Cui sententiae illud Mercurii

adstipulatur: Magnum, o Asclepi, miraculum est homo. Horum

dictorum rationem cogitanti mihi non satis illa faciebant,

quae multa de humanae naturae praestantia afferuntur

a multis: esse hominem creaturarum internuntium, superis

familiarem, regem inferiorum; sensuum perspicacia,

rationis indagine, intelligentiae lumine, naturae interpretem;

stabilis aevi et fluxi temporis interstitium, et (quod Persae

dicunt) mundi copulam, immo hymenaeum, ab angelis,

teste Davide, paulo deminutum. Magna haec quidem, sed

non principalia, idest quae summae admirationis Privilegium

sibi iure vendicent. Cur enim non ipsos angelos et

beatissimos caeli choros magis admiremur? Tandem intellexisse

mihi sum visus, cur felicissimum proindeque dignum

omni admiratione animal sit homo, et quae sit demum illa

conditio quam in universi serie sortitus sit, non brutis modo,

sed astris, sed ultramundanis mentibus invidiosam. Res

supra fidem et mira. Quidni? Nam et propterea magnum

miraculum et admirandum profecto animal iure homo et

dicitur et existimatur. Sed quaenam ea sit audite, Patres, et

10


Über die Würde des Menschen (De hominis dignitate)

Ich las in den Werken der Araber, ehrenwerte Väter, der Sarazene

Abdala habe auf die Frage, was es auf dieser irdischen

Bühne, um einmal den Ausdruck zu benutzen, als das am

meisten Bewunderungswürdige zu sehen gebe, geantwortet:

nichts Wunderbareres als den Menschen. Dieser Ansicht

pflichtet jenes Wort des Merkur bei: Ein großes Wunder,

Asclepius, ist der Mensch. Da ich über den Sinn dieser Aussprüche

nachdachte, befriedigte mich nicht, was alles über

die Vorzüglichkeit der menschlichen Natur von vielen angeführt

wird: der Mensch sei Vermittler zwischen den Geschöpfen,

mit den Göttern vertraut, König über die niedrigeren

Wesen; mit seiner Sinnesschärfe, der Forschungskraft

seiner Vernunft, dem Licht seines Verstandes sei er der Deuter

der Natur; er sei der Zwischenraum zwischen dauernder

Ewigkeit und fließender Zeit und (wie die Perser sagen) das

Bindeglied der Welt, ja mehr noch ihr Hochzeitslied, nach

dem Zeugnis des David nur wenig geringer als die Engel.

Diese Eigenschaften sind zwar bedeutend, aber nicht die

hauptsächlichen, das heißt die mit Recht das Privileg der

höchsten Bewunderung für sich beanspruchten. Warum

nämlich sollten wir nicht die Engel selbst und die seligen

Chöre des Himmels mehr bewundern? Endlich glaubte ich

verstanden zu haben, warum der Mensch das am meisten

ge segnete und daher ein jeder Bewunderung würdiges Lebewesen

ist und was für eine Stellung es schließlich ist, die ihm

in der Reihe des Universums zuteil geworden ist und um

die ihn nicht nur die vernunftlosen Geschöpfe, sondern die

Sterne, die überweltlichen Geister gar beneiden müssen. Die

Sache ist unglaublich und wunderbar. Warum auch nicht?

Denn deshalb wird der Mensch zu Recht ein großes Wunder

und ein in der Tat beneidenswertes Lebewesen genannt und

auch dafür gehalten. Worum es sich bei dieser Stellung han-

11


Pico della Mirandola

benignis auribus pro vestra humanitate hanc mihi operam

condonate.

Iam summus Pater architectus Deus hanc quam videmus

mundanam domum, divinitatis templum augustissimum

archanae legibus sapientiae fabrefecerat. Supercaelestem regionem

mentibus decorarat; aethereos globos aeternis animis

vegetarat; excrementarias ac feculentas inferioris mundi

partes omnigena animalium turba complerat. Sed, opere consummato,

desiderabat artifex esse aliquem qui tanti operis rationem

perpenderet, pulchritudinem amaret, magnitudinem

admiraretur. Idcirco iam rebus omnibus (ut Moses Timaeusque

testantur) absolutis, de producendo homine postremo

cogitavit. Verum nec erat in archetypis unde novam sobolem

effingeret, nec in thesauris quod novo filio hereditarium largiretur,

nec in subselliis totius orbis, ubi universi contemplator

iste sederet. Iam plena omnia; omnia summis, mediis,

infimisque ordinibus fuerant distributa. Sed non erat paternae

potestatis in extrema fetura quasi effeta defecisse; non

erat sapientiae, consilii inopia in re necessaria fluctuasse; non

erat benefici amoris, ut qui in aliis esset divinam liberalitatem

laudaturus in se illam damnare cogeretur.

Statuit tandem optimus opifex, ut cui dare nihil proprium

poterat commune esset quicquid privatum singulis

fuerat. Igitur hominem accepit indiscretae opus imaginis at-

12


Über die Würde des Menschen (De hominis dignitate)

delt, Väter, hört und schenkt mir eure Aufmerksamkeit mit

geneigten Ohren, entsprechend eurer Freundlichkeit.

Schon hatte Gottvater, der höchste Baumeister, dieses

Haus, die Welt, die wir sehen, als erhabensten Tempel der

Gottheit nach den Gesetzen verborgener Weisheit errichtet.

Den Raum über den Himmeln hatte er mit Geistern geschmückt,

die Sphären des Äthers mit ewigen Seelen belebt,

die kotigen und schmutzigen Teile der unteren Welt mit

einer Schar Lebewesen aller Art gefüllt. Aber als das Werk

vollendet war, wünschte der Meister, es gäbe jemanden, der

die Gesetzmäßigkeit eines so großen Werkes genau erwöge,

seine Schönheit liebte und seine Größe bewunderte. Daher

dachte er, als schon alle Dinge (wie Moses und Timaios bezeugen)

vollendet waren, zuletzt an die Erschaffung des Menschen.

Es gab aber unter den Archetypen keinen, nach dem er

einen neuen Spross bilden konnte, unter den Schätzen auch

nichts, was er seinem neuen Sohn als Erbe schenken konnte,

und es gab unter den Plätzen der ganzen Erde keinen, den der

Betrachter des Universums einnehmen konnte. Alles war bereits

voll, alles den oberen, mittleren und unteren Ordnungen

zugeteilt. Aber es hätte nicht der väterlichen Allmacht

entsprochen, bei der letzten Schöpfung gewissermaßen aus

Erschöpfung zu versagen; es hätte nicht seiner Weisheit entsprochen,

aus Ratlosigkeit in einer unumgänglichen Angelegenheit

unschlüssig zu sein; nicht hätte es seiner wohltätigen

Liebe entsprochen, dass der, der die göttliche Großzügigkeit

an den anderen loben sollte, gezwungen wäre, sie in Bezug auf

sich selbst zu verurteilen.

Endlich beschloss der höchste Künstler, dass der, dem er

nichts Eigenes geben konnte, Anteil habe an allem, was die

einzelnen jeweils für sich gehabt hatten. Also war er zufrieden

mit dem Menschen als einem Geschöpf von unbestimm-

13


Pico della Mirandola

que in mundi positum meditullio sic est alloquutus: „Nec

certam sedem, nec propriam faciem, nec munus ullum peculiare

tibi dedimus, o Adam, ut quam sedem, quam faciem,

quae munera tute optaveris, ea, pro voto pro tua sententia, habeas

et possideas. Definita ceteris natura intra praescriptas a

nobis leges coercetur. Tu, nullis angustiis coercitus, pro tuo

arbitrio, in cuius manu te posui, tibi illam praefinies. Medium

te mundi posui, ut circumspiceres inde commodius

quicquid est in mundo. Nec te caelestem neque terrenum, neque

mortalem neque immortalem fecimus, ut tui ipsius quasi

arbitrarius honorariusque plastes et fictor, in quam malueris

tute formam effingas. Poteris in inferiora quae sunt bruta degenerare;

poteris in superiora quae sunt divina ex tui animi

sententia regenerari.“

O summam Dei patris liberalitatem, summam et admirandam

hominis felicitatem! cui datum id habere quod optat,

id esse quod velit. Bruta simul atque nascuntur id secum afferunt,

ut ait Lucilius, e bulga matris quod possessura sunt.

Supremi spiritus aut ab initio aut paulo mox id fuerunt, quod

sunt futuri in perpetuas aeternitates. Nascenti homini omnifaria

semina et omnigenae vitae germina indidit Pater; quae

quisque excoluerit illa adolescent, et fructus suos ferent in

14


Über die Würde des Menschen (De hominis dignitate)

ter Gestalt, stellte ihn in die Mitte der Welt und sprach ihn so

an: „Wir haben dir keinen festen Wohnsitz gegeben, Adam,

kein eigenes Aussehen noch irgendeine besondere Gabe, damit

du den Wohnsitz, das Aussehen und die Gaben, die du

selbst dir ausersiehst, entsprechend deinem Wunsch und

Entschluss habest und besitzest. Die Natur der übrigen Geschöpfe

ist fest bestimmt und wird innerhalb von uns vorgeschriebener

Gesetze begrenzt. Du sollst dir deine ohne jede

Einschränkung und Enge, nach deinem Ermessen, dem ich

dich anvertraut habe, selber bestimmen. Ich habe dich in die

Mitte der Welt gestellt, damit du dich von dort aus bequemer

umsehen kannst, was es auf der Welt gibt. Weder haben wir

dich himmlisch noch irdisch, weder sterblich noch unsterblich

geschaffen, damit du wie dein eigener, in Ehre frei entscheidender,

schöpferischer Bildhauer dich selbst zu der

Gestalt ausformst, die du bevorzugst. Du kannst zum Niedrigeren,

zum Tierischen entarten; du kannst aber auch zum

Hö heren, zum Göttlichen wiedergeboren werden, wenn deine

Seele es beschließt.“

Welch unübertreffliche Großmut Gottvaters, welch hohes

und bewundernswertes Glück des Menschen! Dem gegeben

ist zu haben, was er wünscht, zu sein, was er will. Die

Tiere tragen gleich bei ihrer Geburt aus dem Beutel ihrer

Mutter, wie Lucilius sagt, mit sich fort, was sie besitzen werden.

Die höchsten Geister waren entweder von Anfang an

oder bald danach, was sie bis in alle Ewigkeit sein werden. Im

Menschen sind bei seiner Geburt von Gottvater vielerlei Samen

und Keime für jede Lebensform angelegt; welche ein

jeder hegt und pflegt, die werden heranwachsen und ihre

Früchte in ihm tragen. Sind es pflanzliche, wird er zur

Pflanze, sind es sinnliche, zum Tier werden. Sind es Keime der

Vernunft, wird er sich zu einem himmlischen Lebewesen ent-

15


Pico della Mirandola

illo. Si vegetalia, planta fiet. Si sensualia, obrutescet. Si rationalia,

caeleste evadet animal. Si intellectualia, angelus erit et

Dei filius, et si nulla creaturarum sorte contentus in unitatis

centrum suae se receperit, unus cum Deo spiritus factus, in

solitaria Patris caligine qui est super omnia constitutus omnibus

antestabit.

Quis hunc nostrum chamaeleonta non admiretur? aut

omnino quis aliud quicquam admiretur magis? Quem non

immerito Asclepius Atheniensis versipellis huius et se ipsam

transformantis naturae argumento per Proteum in mysteriis

significari dixit. Hinc illae apud Hebraeos et Pythagoricos

metamorphoses celebratae. Nam et Hebraeorum theologia

secretior nunc Enoch sanctum in angelum divinitatis, quem

vocant „mālākh hasheˇkhīnāh”, nunc in alia alios numina reformant.

Et Pythagorici scaelestos homines in bruta deformant

et, si Empedocli creditur, etiam in plantas. Quas imitatus

Maumeth illud frequens habebat in ore, qui a divina lege

recesserit brutum evadere, et merito quidem. Neque enim

plantam cortex, sed stupida et nihil sentiens natura; neque

iumenta corium, sed bruta anima et sensualis; nec caelum orbiculatum

corpus, sed recta ratio; nec sequestratio corporis,

sed spiritalis intelligentia angelum facit. Si quem enim videris

deditum ventri, humi serpentem hominem, frutex est,

non homo, quem vides; si quem in fantasiae quasi Calypsus

vanis praestigiis caecutientem et subscalpenti delinitum illecebra

sensibus mancipatum, brutum est, non homo, quem

16


Über die Würde des Menschen (De hominis dignitate)

wickeln; sind es geistige, wird er ein Engel sein und Gottes

Sohn. Wenn er sich nun, mit keinem Los der Geschöpfe zufrieden,

ins Zentrum seiner Einheit zurückgezogen hat, wird

er, ein Geist mit Gott geworden, in der einsamen Dunkelheit

des über allem stehenden Vaters alles überragen.

Wer sollte dies unser Chamäleon nicht bewundern? Oder

wer sollte gar irgendetwas anderes mehr bewundern? Von

dem Asklepios von Athen mit vollem Recht wegen dieser

ständig wechselnden und sich selbst verwandelnden Natur

gesagt hat, er werde in den Mysterien durch Proteus dargestellt.

Daher die berühmten Metamorphosen bei Hebräern

und Pythagoreern. Denn die geheime Theologie der Hebräer

verwandelt bald den heiligen Enoch in einen Engel der Gottheit,

den sie „mālākh hasheˇkhīnāh”, nennen, bald andere in

andere göttliche Wesen. Ebenso werden bei den Pythagoreern

frevelhafte Menschen zu Tieren und, wenn man Empedokles

glaubt, sogar zu Pflanzen verunstaltet. Mahomet führte, indem

er sie nachahmte, häufig das Wort im Mund, wer vom

göttlichen Gebot abgewichen sei, werde zum Tier, und das

mit Recht. Denn nicht die Rinde macht die Pflanze aus, sondern

ihr verstandloses und nichts fühlendes Wesen, das Tier

nicht das Fell, sondern die vernunftlose und sinnesabhängige

Seele, den Himmel nicht der kreisrunde Körper, sondern die

genaue Gesetzmäßigkeit; nicht die Trennung vom Körper,

sondern das geistliche Erkenntnisvermögen macht den Engel

aus. Wenn du nämlich einen Menschen siehst, der seinem

Bauch ergeben auf dem Boden kriecht, dann ist das ein

Strauch, den du siehst, kein Mensch; wenn einen, der blind in

den nichtigen Gaukeleien der Phantasie, wie denen der Kalypso,

verfangen, durch verführerische Verlockung betört und

seinen Sinnen verfallen ist, so ist das ein Tier, das du siehst,

kein Mensch. Wenn einen Philosophen, der in rechter Abwä-

17


Pico della Mirandola

vides. Si recta philosophum ratione omnia discernentem,

hunc venereris; caeleste est animal, non terrenum. Si purum

contemplatorem corporis nescium, in penetralia mentis relegatum,

hic non terrenum, non caeleste animal; hic augustius

est numen humana carne circumvestitum.

Ecquis hominem non admiretur? qui non immerito in sacris

litteris mosaicis et christianis, nunc omnis carnis, nunc

omnis creaturae appellatione designatur, quando se ipsum

ipse in omnis carnis faciem, in omnis creaturae ingenium effingit,

fabricat et transformat. Idcirco scribit Evantes Persa,

ubi chaldaicam theologiam enarrat, non esse homini suam

ullam et nativam imaginem, extrarias multas et adventitias.

Hinc illud Chaldaeorum: „Enōsh hu shǐnnūim vekammah

teˇ bhāo c th baa c l haj“ idest homo variae ac multiformis et desultoriae

naturae animal. Sed quorsum haec? ut intelligamus,

postquam hac nati sumus conditione, ut id simus quod esse

volumus, curare hoc potissimum debere nos, ut illud quidem

in nos non dicatur, cum in honore essemus non cognovisse similes

factos brutis et iumentis insipientibus. Sed illud potius

Asaph prophetae: »Dii estis et filii excelsi omnes«, ne, abutentes

indulgentissima Patris liberalitate, quam dedit ille liberam

optionem, e salutari noxiam faciamus nobis. Invadat animum

sacra quaedam ambitio ut mediocribus non contenti

anhelemus ad summa, adque illa (quando possumus si volu-

18


Über die Würde des Menschen (De hominis dignitate)

gung alles unterscheidet, kannst du ihn verehren: er ist ein

himmlisches Lebewesen, kein irdisches. Wenn du aber einen

reinen Betrachter siehst, der von seinem Körper nichts weiß,

ins Innere seines Geistes zurückgezogen, so ist der kein irdisches,

kein himmlisches Lebewesen; er ist ein erhabeneres,

mit menschlichem Fleisch umhülltes göttliches Wesen.

Sollte also irgendjemand den Menschen nicht bewundern?

Der mit vollem Recht in der mosaischen und der christlichen

Heiligen Schrift bald durch die Nennung „alles Fleisch“,

bald „alle Kreatur“ bezeichnet wird, da er sich selbst doch zur

Gestalt jeden Fleisches, in die Eigenart jeder Kreatur ausformt,

verfertigt und in sie verwandelt. Deswegen schreibt

der Perser Euantes, wo er die chaldäische Theologie erklärt,

der Mensch habe keine eigene und angeborene Gestalt, aber

viele fremde und von außen kommende. Daher das Wort

der Chaldäer: „Enōsh hu shǐnnūim vekammah teˇbhāo c th baa c l

haj“ das heißt der Mensch ist ein Lebewesen von verschiedenartiger,

vielgestaltiger und sprunghafter Natur. Aber wozu

dies? Damit wir verstehen: da wir unter der Bedingung geboren

worden sind, dass wir das sind, was wir sein wollen, müssen

wir am ehesten dafür sorgen, dass man nicht von uns sagt,

als wir in Ansehen standen, hätten wir nicht erkannt, dass

wir dem vernunftlosen Vieh ähnlich geworden seien. Sondern

vielmehr das Wort des Propheten Asaph: „Ihr seid alle Götter

und Söhne des Höchsten“, damit wir uns die freie Wahl,

die uns Gottvater gegeben hat, nicht durch Missbrauch seiner

gütigen Großzügigkeit von etwas Heilsamem zu etwas

Schädlichem machen. Ein heiliger Ehrgeiz dringe in unsere

Seele, dass wir, nicht zufrieden mit dem Mittelmäßigen, nach

dem Höchsten verlangen und uns mit ganzer Kraft bemühen,

es zu erreichen — denn wir können es, wenn wir wollen. Lasst

uns das Irdische verschmähen, das Himmlische verachten,

19


B

Erläuterungen


Jörg Lauster

1. Giovanni Pico della Mirandola und seine Zeit

Die Kleinstadt Mirandola in der südlichen Po-Ebene liegt in

der Mitte kultureller Zentren, im Nordwesten ist Mantua

nahe, im Südwesten Modena, im Osten ist es nicht weit nach

Ferrara und auch die Universitäten Padua und Bologna, die

noch heute zu den besten des Landes gehören, sind in Reichweite.

Der Geburtsort steht mit seiner Mittellage für die vielfältigen

Einflüsse, die Pico in seinem Leben aufnahm und

miteinander verband.

Am 24. Februar 1463 wurde Giovanni Pico als jüngstes

Kind und Nachzügler des Grafen von Mirandola Gianfranceso

I. Pico und seiner Frau Giulia Boiardo geboren. 1 Die Herkunft

aus dem kleinen Grafengeschlecht sicherte ihm Zeit

seines Lebens finanzielle Unabhängigkeit, die seine vielfältigen

Studien möglich machte. Nachdem der Vater in Picos

früher Kindheit gestorben war, übernahm die Mutter die Verantwortung

für seine Erziehung und Ausbildung. Wie für

jene Zeit nicht unüblich wünschte sie für ihren jüngsten

Sohn eine geistliche Laufbahn. Sie ließ ihm eine vorzügliche

Erziehung zuteil werden, sehr früh wurde er in Latein und

Griechisch unterwiesen. Das Engagement der Mutter und die

offensichtlichen Geistesgaben des Jungen machten es möglich,

dass er 1477 im Alter von 14 Jahren ein Studium des kanonischen

Rechts an der Universität Bologna aufnahm. Im

August 1478 starb seine Mutter, Pico war mit 15 Jahren Waise.

Dies gewährte ihm jedoch auch die Freiheit, einzig den eige-

1 Zur Biographie klassisch: Garin, Pico; zum neueren Stand der Forschung:

Borghesi, Life, 202–219; in den deutschen Textausgaben zu Picos Werken im

Meiner-Verlag bieten die jeweiligen Einleitungen gute und knappe biographische

Skizzen.

88


Erläuterungen

nen Ideen zu folgen. Das Studium in Bologna, das seine intellektuellen

Interessen nicht befriedigte, gab er auf und wechselte

nach Ferrara zum Studium der dort humanistisch geprägten

Philosophie. In dieser Zeit besuchte er Marsilio Ficino

und seinen neuplatonischen Kreis in Florenz, der ihn nachhaltig

prägen sollte. Auch eine ganz andere, aber ebenfalls für

Pico folgenreiche Begegnung fällt in jene Jahre. Pico freundete

sich mit dem Dominikanerpater Girolamo Savonarola

an, eine Freundschaft, die eineinhalb Jahrzehnte später sowohl

für sein eigenes Geschick als auch für das der Stadt Florenz

wichtig werden sollte. Pico blieb auch in Ferrara nicht

lange und ging 1480 an die Universität Padua, das Zentrum

des italienischen Aristotelismus, um dort die Werke des Aristoteles

und Averroes zu studieren. Das Interesse an Aristoteles

war an sich nicht verwunderlich, da längst nicht alle Humanisten

nur an Platon interessiert waren. Erstaunlich war

jedoch, dass Pico in Padua Gefallen an der scholastischen Tradition

der Aristoteles-Interpretation fand. Sein Briefwechsel

mit einem der führenden humanistischen Aristoteliker seiner

Zeit, Ermolao Barbaro, macht deutlich, wie er mit diesem

Ansinnen die humanistischen Kreise irritierte. Picos Versuch,

nicht nur Platon und Aristoteles, sondern auch die jeweils

unterschiedlichen Interpretationstraditionen zu vereinigen,

bleibt ein lebenslanges Anliegen. In Padua beginnt auch Picos

intensive Beschäftigung mit dem Judentum. Bei Elia del

Mendigo lernte er Hebräisch und ließ sich von ihm nicht

nur in die islamische Aristoteles-Auslegung, sondern auch

in jüdische und hebräische Handschriften einführen. Später

wurde die schillernde Gestalt des Flavius Mithridates für ihn

wichtig, ein sizilianischer Jude, der zum Christentum konvertierte

und in Rom wirkte. Ihm scheint Pico die wesentlichen

Einsichten in die Quellen der Kabbala zu verdanken.

89


Jörg Lauster

Nach zwei Jahren an unterschiedlichen Orten zog es Pico

spätestens ab dem Frühjahr 1484 nach Florenz. Protegiert

vom mächtigsten Mann der Stadt, Lorenzo de’ Medici, schloss

er sich dem neuplatonischen Kreis um Marsilio Ficino an und

knüpfte vor allem mit dem Dichter Angelo Poliziano freundschaftliche

Bande. Florenz war zu jener Zeit zweifelsohne das

Zentrum der Renaissance-Kultur. Der Aufenthalt wurde für

Pico prägend, von Ficino erhielt er viele und wichtige Anregungen.

Als ein Schüler im engeren Sinne wird man ihn dennoch

nicht bezeichnen können, Pico suchte in einigen Punkten

nach anderen Wegen als sein neuplatonischer Mentor.

Ihrer Freundschaft und der gegenseitigen Bewunderung tat

dies keinen Abbruch. In dem geistig anregenden Klima des

Florentiner Intellektuellenzirkels kamen Pico viele Ideen. Er

scheint den Plan einer poetischen Theologie gehegt zu haben,

die sich um neue, dichterische Formen des religiösen Ausdrucks

bemühte. 1485 verließ er jedoch auch Florenz wieder,

um sich in Paris noch einmal intensiv mit dem dort etablierten

und eher spätscholastisch geprägten Aristotelismus

zu beschäftigen. Im Frühjahr 1486 kehrte er schließlich

mit dem festen Plan zu einem erstaunlichen Großprojekt

zurück. Er wollte unter der Anwesenheit des Papstes

in Rom öffentlich mit Gelehrten aus aller Welt über die

Übereinstimmungen und tiefen Einsichten der platonischen,

aristotelischen, neuplatonischen, aber auch pythagoräischen,

hermetischen und kabbalistischen Philosophie diskutieren.

Man kann also in den 900 Thesen eine frühe Summe der vielfältigen

Studien des damals 23-Jährigen sehen, mit denen er

an die Öffentlichkeit treten wollte.

Auf dem Weg nach Rom ereignete sich im März 1486 eine

skurrile Episode. In Arezzo verliebte er sich in die verheiratete

Frau eines Cousins von Lorenzo de’ Medici, Margherita, und

90


Erläuterungen

die Dame offensichtlich auch in ihn. Die beiden versuchten,

gemeinsam aus Arezzo zu entkommen, wurden jedoch von

dem missgestimmten Ehemann und seinen Truppen auf der

Flucht gestellt. Margherita wurde zurückgebracht und Pico

bei der Verhaftung schwer verletzt. Allein der Macht Lorenzo

de’ Medicis war es zu verdanken, dass er überlebte, aus der

Haft entlassen und die Sache so gut wie möglich unter den

Teppich gekehrt werden konnte. Erwähnung verdient die kuriose

Begebenheit aus zwei Gründen. Zum einen schien die

Episode damals bei den Zeitgenossen wie bei seinen Interpreten

heute ein schummriges Licht auf das römische Großprojekt

der 900 Thesen zu werfen. Wie ernst konnte man das Vorhaben

nehmen, wenn Pico es kurz zuvor wegen einer amour

fou aufs Spiel zu setzen bereit war? Es drängt sich der Eindruck

eines unsteten, eruptiven, sprunghaften Charakters

auf, der sich zu einer grundsätzlichen Kritik ausweitete.

Konnte ein 23 Jahre junger Mann, der es kaum länger als zwei

Jahre an einem Ort aushielt, wirklich zu dem so groß angelegten

Projekt einer Synthese nahezu aller namhaften philosophischen

Strömungen aufrufen? Zu allen Zeiten meldeten

seine Kritiker daran Zweifel an. Zum anderen leitete die Begebenheit

eine offensichtliche Lebenswende ein. Um seine

Verletzungen zu kurieren, vielleicht aber auch aus Scham, zog

sich Pico im Sommer 1486 in ein Landhaus in Umbrien in der

Nähe von Perugia zurück. Er arbeitete dort intensiv mit Flavius

Mithridates zusammen und intensivierte seine Studien

jüdischer und kabbalistischer Quellen. Diese arbeitete er

dann in seine 900 Thesen ein. Die Lebensform zurückgezogener

Gelehrsamkeit wurde für Pico dann vor allem nach den

Ereignissen um die 900 Thesen zu seiner bevorzugten.

Zuvor regierte aber noch einmal der Tumult. In dem ereignisreichen

Jahr 1486 stellte er die 900 Thesen fertig und

91


Jörg Lauster

plante die Diskussion für Anfang 1487. Seiner Einladung

fügte er eine Einleitung bei, die er im Spätjahr 1486 verfasste.

Die Einleitungsrede ist die berühmte Oratio de dignitate hominis.

Der Titel stammte nicht von Pico, und die Rede konnte

auch nie von ihm gehalten werden. Denn Papst Innozenz VIII.

untersagte die Disputation und setzte eine Kommission zur

Untersuchung der Thesen ein. Diese beanstandete 13 Thesen

als häretisch. Pico überarbeitete sie und verfasste eine Verteidigungsschrift,

die Apologia. Er veröffentlichte sie ohne vorherige

Zustimmung durch die päpstliche Behörde. Die zeigte

sich über diese Eigenmächtigkeit erzürnt, zumal sie auch mit

den Überarbeitungen Picos keineswegs einverstanden war.

Die 900 Thesen wurden darum pauschal verurteilt und in

Rom vorhandene Exemplare verbrannt. Pico machte sich von

Rom nach Paris auf, wurde aber auf Geheiß des Papstes, der

sich scheinbar von Picos ungestümer Initiative auch persönlich

hintergangen fühlte, in Südfrankreich verhaftet. Einmal

mehr verdankte Pico viel der Unterstützung durch Lorenzo

de’ Medici. Der konnte, diesmal zudem im Verbund mit dem

französischen König, beim Papst erwirken, dass Pico nach Florenz

zurückkehren und sich dort unter der Aufsicht der Medicis

frei bewegen durfte. Erst der Borgia-Papst Alexander VI.

hob die Maßnahmen Roms 1493 auf und rehabilitierte Pico.

Lorenzo stellte dem Verfolgten ein Landhaus in der Nähe

von Florenz zur Verfügung. Dorthin zog sich Pico zurück und

setzte seine Studien fort. Dies ermöglichte ihm eine rege literarische

Produktivität, drei seiner wichtigsten Schriften, der

Heptaplus, ein Kommentar zur Schöpfungsgeschichte, De

Ente et Uno, ein Vereinigungsversuch des platonischen und

aristotelischen Konzept des Einen, und die Streitschrift gegen

die Astrologiegläubigkeit seiner Zeit, die Disputationes

adversus astrologiam divinatricem, entstanden in dieser Zeit.

92


Erläuterungen

In seinen letzten Lebensjahren stand Pico dem Dominikanermönch

Savonarola nahe, mit dem er seit seiner Zeit in Ferrara

befreundet war. Dem Rat Picos folgend holte Lorenzo de’

Medici den Dominikaner 1490 nach Florenz. Es ist eine der

vielen Ironien der Geschichte, dass der von den Medici gerufene

Prediger nach dem Tod Lorenzos 1492 zur größten Bedrohung

für die Dynastie der Medici wurde. In den Unruhen

jener Zeit starb Pico della Mirandola am 17. November 1494

im Alter von nur 31 Jahren unter ungeklärten Umständen.

Sein Biograph berichtet von einem plötzlichen starken Fieber,

2 es ist aber letztlich nicht ganz auszuschließen, dass ihm

seine Nähe zu Savonarola zum Verhängnis wurde und er das

Opfer eines Giftanschlages wurde. 3

Picos Anhängerschaft hat es zu allen Zeiten Rätsel aufgegeben,

warum sich der weltoffene Philosoph der Freiheit und

Menschenwürde dem kulturfeindlichen Theokratie-Propheten

Savonarola in Florenz anschloss. Die Gründe sind vielfältig.

Die beiden verband seit langem eine Freundschaft, und in

all ihrer Unterschiedlichkeit einte sie, dass sie die Situation

des Christentums im 15. Jahrhundert als unbedingt erneuerungsbedürftig

empfanden. Schließlich scheint der Aufruhr,

in dem Pico seit 1486 für viele Monate lebte, die bereits erwähnte

Lebenswende forciert zu haben. Picos Neffe, Gianfrancesco

Pico della Mirandola, der seinen Onkel verehrte und

einige seiner Schriften postum publizierte, verfasste eine

kurze Lebensbeschreibung. Sie ist mit einiger Vorsicht zu

behandeln, da sie ein unübersehbares Interesse an den Tag

2 Gianfrancesco Pico della Mirandola, Leben, 81.

3 Der englische Wikipedia-Eintrag verweist auf die entsprechenden Presseartikel:

https://en.wikipedia.org/wiki/Giovanni_Pico_della_Mirandola

[abgerufen 22.04.22].

93


Jörg Lauster

legt, Pico als hochgemuten, untadeligen und humanistisch

umfassend gebildeten christlichen Edelmann darzustellen.

Trotz der Absicht, Pico in ein positives Licht zu rücken, verdient

eine Passage Aufmerksamkeit. „Die Schönheit seines

Körpers, verbunden mit den lieblichen Zügen seines Gesichts

und dazu sein wunderbarer Ruf, seine Gelehrsamkeit, sein

Reichtum, seine edle Abstammung, das alles entzündete viele

Frauen in Liebe zu ihm, und er verhielt sich dieser Sehnsucht

gegenüber nicht ablehnend und verfiel dadurch in ein eitles

Leben. Aber nachdem er aus dieser Täuschung erwacht war,

zog er seinen Sinn davon zurück und wandte sich zu Christus.“

4 Man kann dies als Indiz für eine Kehre im Leben Picos

lesen. Dazu fügt sich eine Bemerkung Savonarolas. Er hielt die

Grabrede auf seinen Freund und erwähnte darin, dass Pico im

Begriffe stand, in den Dominikanerorden einzutreten. 5 Es ist

nicht auszuschließen, dass dies tatsächlich Picos Pläne vor

seinem unerwartet frühen Tod waren.

Giovanni Pico della Mirandolas kurzes Leben bietet Stoff

für einen langen Roman. Es wirft Licht auf die Zeit, in der es

gelebt wurde. 6 Hunger nach Bildung, Entdeckerneugier auf

unbekannte Quellen des Wissens und unruhiger Tatendrang

stehen auf der einen Seite, die Beharrungskräfte sowohl der

Institutionen als auch der Tradition auf der anderen. Picos

sprunghafter und wechselvoller Bildungsweg räumt mit

dem Klischee auf, der Humanismus der Renaissance habe das

scholastische Denken des Mittelalters mit einem Handstreich

vom Tisch gefegt. Die Epochenschwelle des 15. Jahr-

4 Gianfrancesco Pico della Mirandola, Leben, 72.

5 A. a. O., 85.

6 Vgl. zum Zeitkolorit: Roeck, Morgen, mit Hinweisen auch zu Pico 571f. und

794 f.

94


Erläuterungen

hunderts ist ein Übergang, kein radikaler Bruch. Seine Erfahrungen

in Paris zeigen, dass auch ein humanistisch gesonnener

Denker sich von den Denkanstrengungen scholastischer

Theologie belehren lassen wollte und konnte. Pico verkörpert

darin mustergültig die Spannungen seiner Zeit. In den als

Aufbruch wahrgenommenen Herausforderungen rangen die

Kräfte des Alten mit neuen Einsichten, Pico suchte beides

miteinander zu versöhnen. Viele seiner Zeitgenossen priesen

an Pico sein Auftreten, die Schnelligkeit seines Denkens, die

Energie seiner Pläne und die Begeisterung für das Unbekannte,

getragen war dies aber auch von tiefen Loyalitäten.

Fast zeitgleich schloss Pico Ende der Siebzigerjahre Freundschaft

sowohl mit Savonarola als auch mit Marsilio Ficino,

dem dominikanischen Kirchen- und Kulturkritiker einerseits,

und dem neuplatonischen Theologen und Philosophen

der Kultur andererseits. Sein großes Programm der Versöhnung

des Denkens ist darum nicht nur eines der Theorie, sondern

der eigenen Existenz.

2. Kampf der Interpretationen – die vielen Picos

Picos Tod mit 31 Jahren galt schon seinen Zeitgenossen als viel

zu früh. Das mehrte seinen Ruhm und auch den Mythos um

seine Person. Für die Rezeption seines Denkens liegen die

besonderen Schwierigkeiten darin, dass ihm die Lebenszeit

fehlte, die vielen Fäden, die er in seinen Studien aufnahm,

letztlich miteinander zu verbinden. Gewiss thronte über seinen

Schriften das hehre Gesamtanliegen einer Versöhnung

unterschiedlicher Denkrichtungen, er legte dazu auch selbst

Versuche vor, vieles musste am Ende jedoch offen bleiben. Das

macht es für seine Auslegerinnen und Ausleger zu allen Zei-

95


Jörg Lauster

ten schwierig, Picos Ideen auf einen gemeinsamen Nenner zu

bringen. Diese Interpretationsnöte schlagen sich in einer besonderen

Auslegungsgeschichte nieder. In Pico konnte jeder

finden, was er finden wollte. Darum ist die Geschichte der Interpretationen

seiner Schriften so disparat und darum fehlt es

in ihr auch nicht an Versuchen, mit den jeweiligen Vorgängern

tabula rasa zu veranstalten und gewissermaßen noch

einmal von vorne zu beginnen. Der Weg zu Picos berühmter

Rede führt nur durch eine turbulente Auslegungsgeschichte,

die darum hier vorangestellt werden soll.

Pico galt seiner Zeit als eine Lichtgestalt, deren Strahlen

auch noch im 16. Jahrhundert schienen. Seine Ideen wirkten

in humanistischen Kreisen in Italien, vor allem aber in Frankreich

und in England bei John Colet und Thomas Morus weiter.

Auch Martin Luther verweist auf ihn, allerdings nur wenige

Male. Er wusste von Picos Programm, Aristoteles mit Platon

zu vereinen, konnte dem Projekt aber nichts abgewinnen

(vgl. WA 1,611,38). Zudem deutet er an, dass Pico keinen ,substanzhaften‘

Abstieg Christi in das Reich der Toten gelehrt

habe (vgl. WA 31I,516,zu37/38). Tatsächlich zählte dies zu Picos

Thesen, die die römischen Gutachter beanstandet hatten. 7

Luther sah in Pico vor allem ein prominentes Beispiel für die

Fehleranfälligkeit päpstlicher Entscheidungen (vgl. WA 1,574,

21 und WA 6,183,19). Mit Picos Theologie und mit seinem Freiheitsbegriff,

der offenkundig anders als Luthers eigenes Verständnis

ausfällt, scheint er sich nicht beschäftigt zu haben.

Anders liegen die Dinge bei Huldrych Zwingli. Der Tübinger

Repetent Christoph Sigwart hatte 1855 ein Studie vorgelegt,

die Picos Einfluss auf den Schweizer Reformator untersucht.

Fünf Jahre vor dem durch Jacob Burckhardt ausgelösten gro-

7 Vgl. Pico, Thesen, 199 (1. These).

96


Erläuterungen

ßen Schwung – und das macht seine Studie noch bemerkenswerter

– entwirft Sigwart ein kenntnisreiches Bild, das für die

Geschichte der Erforschung Picos aufschlussreich ist. 8 Folgenreich

für die Theologie sind die Einflüsse Picos, die Sigwart

in Zwinglis Schriften aufweisen kann. Sigwart geht mit

gutem Grund nicht von konkreten literarischen Bezügen aus.

Es ist die Gesamtlinie in Picos Denken, die auf Zwingli offensichtlich

so gewirkt hat, dass er Pico zu seinen verehrten Lehrern

zählte. Unter dem Einfluss von Picos Menschenbild habe

Zwingli die klassisch-theologische Frage nach der ewigen Seligkeit

und wie der Mensch ihrer gewiss werden könne in die

Frage nach der menschlichen Bestimmung und ihren Verwirklichungsmöglichkeiten

im Leben der Menschen transformiert.

9 Sigwart beruft sich wiederholt auf Ferdinand

Christian Baur 10 , seine kenntnisreiche Pico-Studie ist darum

ein Indiz, dass der Neuprotestantismus des 19. Jahrhunderts

die Einflüsse der Renaissance auf die Reformation deutlich

stärker hervorhob als dies im konfessionellen Lutherbild des

19. Jahrhunderts vorgesehen war. Mit der Verbindung von

Pico und Zwingli erhob Sigwart die Renaissance zu einer

wichtigen Quelle des Neuprotestantismus. Ernst Troeltsch

führte dieses Programm zwei Generationen später weiter und

stellte damit als einer der wenigen deutschsprachigen Protestanten

einen Zusammenhang von Renaissance und Kulturprotestantismus

her.

Das bedeutendste Denkmal für Pico hat Jacob Burckhardt

in seiner großen Kulturgeschichte der Renaissance errichtet.

Dem erstmals 1860 erschienenen Buch ist es zusammen mit

8 Vgl. Sigwart, Zwingli, 16–26.

9 Sigwart, Zwingli, 232

10 Vgl. z. B. ebd.

97


Jörg Lauster

den Arbeiten des französischen Historikers Jules Michelet zu

verdanken, dass die Renaissance ab der Mitte des 19. Jahrhunderts

als eine eigenständige Epoche ins Bewusstsein trat.

Burckhardt begründete das Ideal des Renaissancemenschen,

der tatkräftig in immer neuen Entwürfen die Herausforderungen

und auch die wechselhaften Schicksalsschläge seines

Daseins meistert. In Burckhardts Darstellung leuchtet ein heroischer

Vitalismus auf, der auch seinem Freund und Kollegen

Friedrich Nietzsche höchst sympathisch war. Burckhardts

Kulturgeschichte ist ein Meilenstein in der historischen

Forschung, sie ist aber auch ein Spiegel, den er seiner

eigenen Zeit vorhält. Picos Rede über die Würde des Menschen

maß er höchste Bedeutung bei, er sah in ihr „eines der

edelsten Vermächtnisse jener Kulturepoche 11 . Pico habe darin

das Selbstverständnis der Menschen von ihrer Rolle und Aufgabe

in der Welt auf den Punkt gebracht. Kritiker haben freilich

in dem Monument, das Burckhardt für Pico errichtete,

den Anbeginn eines Verhängnisses gesehen. Burckhardt habe

zu einseitig den Blick auf die Anfangspassagen der Oratio gelenkt,

diese damit zwar berühmt gemacht, aber zugleich die

Vielfalt in Picos Denken ausgeblendet.

Das von Burckhardt geweckte Interesse führte im 20. Jahrhundert

zu einer Blütephase der Renaissanceforschung, in

der auch Pico mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht wurde.

12 Eine Meisterleistung sowohl in den Fragen der Textedition

als auch in der Rekonstruktion von Picos Denken waren

die Arbeiten des italienischen Philosophiehistorikers Euge-

11 Burckhardt, Renaissance, 258.

12 Vgl. zum Folgenden: Trotz (oder gerade wegen) ihres Interesse an einer

Dekonstruktion bieten hervorragende Forschungsüberblicke: Craven, Pico,

1–20 und umfassend Copenhaver, Magic, 71–336.

98


Erläuterungen

nio Garin. Seine Monographie aus dem 1937 galt lange als

Maßstab und bietet noch heute, obgleich in Detailfragen ergänzungsbedürftig,

wichtige Perspektiven. 13 Garin machte

den Einheits-Gedanken zur leitenden Perspektive in seiner

Deutung. Er sah in Picos Schriften eine metaphysisch begründete,

rationale Religionsphilosophie heraufziehen, die

die Konfessionsgrenzen überwand und darin weit in die Moderne

hineinragte. Garins Auffassung ist unter den führenden

Kennern der Renaissance nicht unwidersprochen geblieben.

Paul Oskar Kristeller und andere sahen darin eine metaphysische

Überhöhung und überklare Vereinheitlichung der

an sich doch disparaten Texte Picos. Garin hat seine Sicht später

auch etwas abgemildert. Trotz unterschiedliche Ansätze

waren sich aber Philosophen wie Ernst Cassirer und Paul Oskar

Kristeller darin einig, Pico als eine eigenständige Erscheinungsform

vor allem des Renaissanceplatonismus zu lesen.

Kristeller gilt als einer der wirkungsmächtigsten Philosophiehistoriker

der Renaissance im 20. Jahrhundert. Unter

dem Naziregime musste er die Hamburger Universität verlassen,

um letztlich in den USA eine neue akademische Heimat

zu finden. Er lenkte den Blick ergänzend auf die humanistischen

Anliegen, die er bei Pico am Werke sah. Dem philosophischen

fügte er einen pädagogischen Aspekt hinzu und

verstand Picos Anliegen umfassender als ein Kultur- und Erziehungsprogramm.

Naturgemäß war Giovanni Pico della Mirandola für die

italienische Renaissanceforschung stets von besonderem Interesse,

da das Zeitalter der Renaissance Fragen des nationalen

Selbstverständnisses berührte, ähnlich wie die Epoche des

Idealismus in Deutschland. Jedoch zeichnete sich bereits un-

13 Vgl. Garin, Pico.

99


Jörg Lauster

ter den italienischen Gelehrten eine beachtliche Bandbreite

der Interpretationsansätze ab. Mindestens drei Linien sind zu

erkennen. Schon früh wurde erstens gesehen, dass Pico nicht

nur im Kontext des Platonismus oder Aristotelismus seiner

Zeit zu lesen ist, sondern mit seinem Interesse an jüdischen

Quellen und der Kabbala eigene Weg in Richtung eines modernen

Universalismus beschritt. 14 Zweitens erfreute sich

eine Interpretation besonderer Beliebtheit, die auf der Linie

von Garins früher Monographie Pico als systembildenden

Philosophen verstand. Schüler des einflussreichen Giovanni

Gentile rückten die Renaissance nahe an den deutschen Idealismus

heran und stilisierten Pico zu dessen Vorläufer. 15 Zudem

verwiesen sie auf Picos kirchenkritische Passagen und

die Reaktion der Inquisition. Das reichte offensichtlich, um

ihn trotz seiner scholastischen Neigungen letztlich zu einem

Vater des Antiklerikalismus zu erheben, der in Italien durchaus

eine intellektuelle Tradition hatte und hat. Es mangelte

dann aber drittens später – die Debatte um die Bedeutung Picos

für die Theologie wurde zunächst außerhalb Italiens begonnen

– auch nicht an Stimmen, die bei Pico eine ansprechende

und durchaus kirchenkonforme Theologie fanden.

Allein in der umfangreichen italienischen Forschung zu Pico

konnte er als Universalist, als idealistischer Kirchenkritiker

oder als innovativer Dogmatiker verstanden werden.

Die Einschätzungen zu Picos Theologie sind für die Absicht

des hier vorliegenden Bandes von besonderer Relevanz.

Das theologische Interesse an Pico bewegt sich keineswegs in

einem abgelegenen Sonderforschungsgelände. Ernst Cassirer

hatte schon 1927 in seiner Studie Individuum und Kosmos ein

14 Vgl. Anagnine, Pico.

15 Vgl. Saitta, Il pensiero italiano.

100


Erläuterungen

entscheidendes Diktum geprägt: „Die Philosophie des Quattrocento

ist und bleibt, gerade in ihren bedeutendsten und

folgenreichsten Leistungen, wesentlich Theologie.“ 16 Es dauerte

lange, bis Cassirers Diktum Gehör fand und Pico nicht

nur als Philosoph, sondern als Theologe Interesse auf sich zog.

Ein undergraduate-Student, aber immerhin aus Harvard,

brachte den Stein der spezifisch theologischen Erforschung

von Picos Schriften ins Rollen. Avery Dulles, der Sohn des späteren

US-Außenministers John Foster Dulles, entstammte einer

einflussreichen protestantischen Familie, konvertierte jedoch

während seines Studiums zum Katholizismus, trat später

den Jesuiten bei und wurde schließlich zum Kardinal

ernannt. Als junger Student beschäftigte er sich im Umfeld

seiner Konversion mit Pico. Sein preisgekrönter Essay lenkte

den Blick auf etwas scheinbar Offensichtliches, das aber in der

Forschung lange übersehen wurde: Picos Interesse an der

Scholastik. 17 Vermutlich fügte sich diese Seite in Pico nicht

gut in das Bild, das seit Jacob Burckhardt von der Renaissance

als Gegenbewegung gegen das Mittelalter gezeichnet wurde.

Aber schon seinen Zeitgenossen war es ja keineswegs entgangen,

dass Pico gegenüber einem Humanisten wie Ermolao

Barbaro die Vorzüge der scholastischen Methode pries, sich

zur Vorbereitung seiner 900 Thesen noch einmal eigens nach

Paris begab und für die geplante Zusammenkunft in Rom die

dialektische Methode scholastischer Debatten vorschlug.

Dulles mochte die scholastische Seite zu stark betont und Picos

Theologie zu stark systematisiert haben, seine Grundeinsicht

hatte jedoch Bestand und wurde auch in der Pico-Forschung

rasch von Größen wie Eugenio Garin anerkannt.

16 Cassirer, Individuum und Kosmos, 4

17 Dulles, Princeps Concordiae.

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