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Dialog August 2022

Zeitschrift Gymnasium Immensee

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<strong>Dialog</strong><br />

Mottowoche<br />

Die Gymi-Schülerinnen und<br />

-Schüler organisierten erstmals<br />

eine Mottowoche zu unterschiedlichsten<br />

Themen<br />

> 26<br />

<strong>August</strong><br />

<strong>2022</strong><br />

Matura <strong>2022</strong>: Das Gymi feiert<br />

48 Maturae und Maturi > 2<br />

Schule: Von B wie Blocktage<br />

bis L wie Last School Day > 14<br />

Studierfähigkeit: Basale<br />

fachliche Kompetenzen > 36


Maturafeier vom 1. 7. <strong>2022</strong> in der Kapelle des Gymnasiums Immensee: Die Maturae und Maturi jubeln, die Angehörigen fotografieren und filmen. FOTO: SMO!<br />

Matura <strong>2022</strong><br />

2<br />

MATURA <strong>2022</strong><br />

GYMNASIUM IMMENSEE


Inhalt «<strong>Dialog</strong>» <strong>August</strong> <strong>2022</strong><br />

Matura <strong>2022</strong> 2<br />

Aktuell8<br />

Editorial9<br />

Impressum9<br />

Schule14<br />

Schülerinnen und Schüler 30<br />

Maturaarbeiten32<br />

Studierfähigkeit36<br />

Ehemalige48<br />

VGI-Alumni57<br />

Personalia58<br />

Termine61<br />

Schlusspunkt62<br />

InfoanlässeLetzte<br />

DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> INHALT 3


Matura <strong>2022</strong><br />

SOZIALPREIS<br />

DIE 48 MATURAE UND MATURI (ALPHABETISCH)<br />

Rosana Camenzind (Foto unten, l.), Rigi Kaltbad<br />

BESTE MATURA<br />

1. Platz: Ines Henkel (2. v. l.), Küssnacht am Rigi<br />

Notendurchschnitt 5,462<br />

2. Platz: Fabian Gut (2. v. r.), Immensee<br />

Notendurchschnitt 5,423<br />

3. Platz: Catrin Darms (r.), Buonas<br />

Notendurchschnitt 5,308<br />

Appelt Anand, Cham<br />

Baldauf Timon, Meggen<br />

Blümel Anna-Luisa, Weggis<br />

Boger William, Küssnacht am Rigi<br />

Brantschen Fabienne, Merlischachen<br />

Buchner Jessica, Vitznau<br />

Camenzind Rosana, Rigi Kaltbad<br />

Christen Jovita, Goldau<br />

Darms Anna, Buonas<br />

Darms Catrin, Buonas<br />

Diethelm Dominik, Küssnacht am Rigi<br />

Dilger Melanie, Meierskappel<br />

* Dörig Fabiano, Schindellegi<br />

Ehrat Gina, Immensee<br />

Ehrler Severin, Immensee<br />

Furrer Yaara, Küssnacht am Rigi<br />

Gagliano Mathias, Küssnacht am Rigi<br />

* Gmür Janin, Schindellegi<br />

Gut Fabian, Immensee<br />

Hasler Fabian, Weggis<br />

Henkel Ines, Küssnacht am Rigi<br />

Hofmann Louis, Weggis<br />

* Iten Leon, Oberägeri<br />

Janutin Jael, Hünenberg See<br />

Job Flurin, Udligenswil<br />

Kazakova Katia, Zug<br />

Kessler David, Küssnacht am Rigi<br />

Konrad Joy, Zug<br />

Lennep Keanu Neo, Weggis<br />

Mayor León, Küssnacht am Rigi<br />

Michel Linus, Küssnacht am Rigi<br />

Musch Silas, Altdorf UR<br />

Neuenschwander Carole, Immensee<br />

Oetiker Linus, Merlischachen<br />

Purtschert Mara, Küssnacht am Rigi<br />

Reichlin Irina, Immensee<br />

Sattler Luke, Vitznau<br />

Schwarzenberger Kimi, Buonas<br />

Secchi Livio, Vitznau<br />

Stillhart Noemi, Küssnacht am Rigi<br />

Strickler Nuria, Meierskappel<br />

Suter Robin, Goldau<br />

Suter Thomas, Goldau<br />

Ulrich Silja, Küssnacht am Rigi<br />

von Matt Rahel, Udligenswil<br />

Weymann Jill, Küssnacht am Rigi<br />

Young Michael, Baar<br />

Zumbühl Jasmin, Merlischachen<br />

* INTERNE SCHÜLERINNEN UND SCHÜLER<br />

4 MATURA <strong>2022</strong><br />

GYMNASIUM IMMENSEE


APÉRO<br />

Im Anschluss an die Maturafeier waren die Maturae und Maturi mit ihren Angehörigen zum Apéro im Oberen Hof eingeladen.<br />

FOTOS<br />

LINKE SEITE: SMO!<br />

RECHTE SEITE: MB<br />

DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> MATURA <strong>2022</strong> 5


Matura <strong>2022</strong><br />

«Gestaltet eure Geschichte selber»<br />

Am Gymnasium Immensee waren<br />

49 junge Frauen und Männer zu<br />

den diesjährigen Maturaprüfungen<br />

angetreten. 48 reüssierten<br />

und konnten an der Maturafeier<br />

vom 1. 7. <strong>2022</strong> das Reifezeugnis<br />

entgegennehmen.<br />

«Herzliche Gratulation! Nun ist<br />

der grosse Moment da. In wenigen<br />

Minuten dürft ihr euer Maturazeugnis<br />

in Empfang nehmen»,<br />

eröffnete Rektor Benno Planzer<br />

die Maturafeier am frühen Abend<br />

des 1. 7. <strong>2022</strong> in der Kapelle des<br />

Gymnasiums Immensee vor vollen<br />

Bänken. «Dieses begehrte Zeugnis<br />

attestiert euch eine umfassende<br />

Reife. Ihr habt euch ein ganzheitliches<br />

Wissen und Können erarbeitet.<br />

Viele Vorgänge auf unserer<br />

Welt betrachtet ihr mit einem<br />

vertieften Verständnis für grosse<br />

und kleine Zusammenhänge.<br />

Die Zukunft unserer Gesellschaft<br />

braucht Menschen wie euch,<br />

gesunde, anpackende und reife<br />

junge Menschen.»<br />

Das Leben wirklich leben<br />

Als Festredner begrüsste Planzer<br />

als «wahren Freund des Gymnasiums<br />

Immensee» Res Marty aus<br />

Lachen. Er leitete unter anderem<br />

zwanzig Jahre lang die Berufsberatung<br />

Kanton Schwyz. Heute ist<br />

Marty als Lehrbeauftragter, Buchautor<br />

und pädagogischer Berater<br />

tätig. Er engagierte sich im Stiftungsrat<br />

der Stiftung Gymnasium<br />

Immensee und unterstützt die<br />

Schule nach wie vor bei der Kaderselektion<br />

und im Personalcoaching.<br />

Nachdem er den Maturae und Maturi<br />

zu ihrem Erfolg gratuliert hatte,<br />

meinte er: «Damit haben Sie noch<br />

keine stabile berufliche Identität<br />

erreicht, aber es ist ein Schritt dazu.<br />

Sie werden mit Ihrem Studium oder<br />

Ihrer weiteren beruflichen Bildung<br />

diesen nächsten Schritt in Richtung<br />

beruflicher und persönlicher<br />

Kongruenz noch zu leisten haben.<br />

Tun Sie dies bewusst, explizit,<br />

reflektiert und wo immer möglich<br />

leidenschaftlich engagiert.»<br />

Er schloss seine Ausführungen mit<br />

den Hinweisen: «Bewältigen Sie die<br />

vielen Herausforderungen, nehmen<br />

Sie das Steuer in die Hände, und<br />

fahren Sie gleichzeitig mit Verstand<br />

6 MATURA <strong>2022</strong><br />

GYMNASIUM IMMENSEE


Linke Seite: Die Maturafeier fand in würdigem Rahmen<br />

und vor voll besetzten Bänken statt.<br />

Oben links: Schülerinnen und Schülern des Ergänzungsfachs<br />

Musik unter der Leitung von Franziska Trottmann<br />

und Marc Moscatelli begleiteten die Maturafeier.<br />

Oben rechts: Das Schlusswort der Feier gehörte der<br />

Maturaklasse, vertreten durch Rosana Camenzind (l.) und<br />

Janin Gmür, die ihre Kolleginnen und Kollegen aufriefen:<br />

«Seid die Hauptrolle. Gestaltet eure Geschichte selber.»<br />

Aussen links: Festredner Res Marty gab den Maturae<br />

und Maturi Hinweise für ihren künftigen Lebensweg:<br />

«Nehmen Sie das Steuer in die Hände, und fahren Sie<br />

gleichzeitig mit Verstand und rücksichtsvoller Empathie.»<br />

Links: Rektor Benno Planzer zollte der Leistung der<br />

Maturandinnen und Maturanden Respekt und gratulierte<br />

mit einem kräftigen Applaus.<br />

und rücksichtsvoller Empathie.<br />

Mit individuellen und sozialen<br />

Erfolgserlebnissen motivieren Sie<br />

sich lebenslang weiter. Und was<br />

gibt es Schöneres als das Leben<br />

wirklich zu leben.»<br />

Sozialpreis, beste Matura<br />

und Zeugnisübergabe<br />

Nach der Festrede kam dann der<br />

grosse Moment. Den Auftakt zur<br />

Zeugnisübergabe machte Rosana<br />

Camenzind, Rigi Kaltbad, die den<br />

Sozialpreis erhielt. Er wird jeweils<br />

von den 6. Klassen, und damit von<br />

den Schülerinnen und Schülern<br />

selbst als Anerkennung für ausserordentliches<br />

Engagement zugunsten<br />

der Klasse und der Schulgemeinschaft<br />

verliehen.<br />

Für die beste Matura mit einem<br />

Notendurchschnitt von 5,462 wurde<br />

Ines Henkel, Küssnacht am Rigi,<br />

ausgezeichnet. Platz zwei erreichte<br />

Fabian Gut, Immensee, mit einem<br />

Notendurchschnitt von 5,423.<br />

Catrin Darms, Buonas, kam mit einem<br />

Notendurchschnitt von 5,308<br />

auf den dritten Platz.<br />

Nach diesen Ehrungen bekamen<br />

auch alle anderen erfolgreichen<br />

Maturandinnen und Maturanden<br />

endlich das heiss begehrte Dokument<br />

überreicht.<br />

Seid die Hauptrolle<br />

Als letzten Maturafeier-Punkt vor<br />

Dank, Schlusswort und Einladung<br />

zum Apéro bat Planzer Rosana<br />

Camenzind und Janin Gmür ans<br />

Rednerpult. Sie sprachen im Namen<br />

der Maturae und Maturi <strong>2022</strong>.<br />

«Wir lernten, mit allen Charakteren<br />

und Lerntypen zusammenzuarbeiten»,<br />

blickten sie auf ihre Gymi-Zeit<br />

zurück, um ihre Maturakolleginnen<br />

und -kollegen schliesslich energisch<br />

– und damit indirekt auch an<br />

Festredner Marty anknüpfend –<br />

aufzurufen: «Versucht nicht, eine<br />

Nebenrolle im Leben von jemandem<br />

anderen zu spielen, sondern<br />

seid die Hauptrolle. Gestaltet eure<br />

Geschichte selber.» Der Applaus<br />

auf diese Worte war mindestens so<br />

energisch wie der Aufruf.<br />

Viva la Vida<br />

Abgerundet wurde die würdige<br />

Maturafeier von Schülerinnen und<br />

Schülern des Ergänzungsfachs Musik<br />

unter der Leitung von Franziska<br />

Trottmann und Marc Moscatelli.<br />

Sie hatten den Anlass mit insgesamt<br />

vier Intermezzi – darunter<br />

treffende Songs wie «Viva la<br />

Vida» von Coldplay – musikalisch<br />

perfekt begleitet.<br />

TEXT: SMO!<br />

FOTOS: MB, SMO!<br />

DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> MATURA <strong>2022</strong> 7


Meisterliche Gymi-Qualität<br />

WAS IST<br />

Q2E?<br />

Mit grossem Erfolg hat das<br />

Gymnasium Immensee am<br />

23. 6. <strong>2022</strong> den Zertifizie -<br />

rungs-Audit zur Q2E-Norm<br />

auf Masterstufe bestanden.<br />

Das erfahrene Auditorenteam<br />

der Société Générale de Surveillance<br />

SA (SGS) lobt das Gymnasium<br />

Immen see – und dabei explizit die<br />

Schulleitung – für die qualitäts- und<br />

entwicklungsorientierte Arbeit.<br />

Besonders hervorgehoben wird<br />

die seit dem letzten Hearing 2019<br />

sichtbare Weiterentwicklung auf<br />

allen Ebenen, die Veränderungen<br />

zu agiler Führung sowie die ressourcen-<br />

und entwicklungsorientierte<br />

Personalführung und -entwicklung.<br />

Seit Juni 2007 verfügt das Gymnasium Immensee über ein umfassendes<br />

Qualitäts fördersystem nach Q2E (Qualität durch Evaluation<br />

und Entwicklung). Das Institut für externe Schulevaluation<br />

auf der Sekundarstufe II (IFES) beurteilt das Qualitätsmanagement<br />

der Schule in allen Bereichen auf den Niveaustufen 3 (fortgeschrittenes<br />

und eingespieltes QM) und 4 (Excellence-Stufe).<br />

Die Innovationsfreudigkeit der<br />

Lehrerschaft, der professionelle<br />

Umgang mit Qualitätsdefiziten,<br />

die Qualitätsanstrengungen in<br />

geschlossenen Zyklen, um den<br />

Gymi-Unterricht permanent weiterzuentwickeln,<br />

haben das Auditorenteam<br />

überzeugt. In allen neun<br />

Dimensionen des Qualitätsmanagements<br />

nach Q2E erzielt das Gymnasium<br />

sehr hohe Bewertungen.<br />

Das Auditorenteam hat die Schule<br />

bestens beraten, damit sie ihre<br />

Ressourcen für die in drei Jahren<br />

stattfindende IFES-Evaluation optimal<br />

einsetzen und für die Zeit bis<br />

dorthin eine passende Evaluationsplanung<br />

vornehmen kann. Ebenfalls<br />

Rechnen, was das Zeug hält<br />

Am 17. 3. <strong>2022</strong> fand der Känguru-Wettbewerb <strong>2022</strong> statt, an dem in der gesamten Schweiz<br />

51 918 Schülerinnen und Schüler aus 794 Schulen teilnahmen, was ein neuer Rekord ist.<br />

Auch am Gymnasium Immensee wurde gerechnet, bis die Köpfe rauchten. Das sind die Bestplatzierten der Schule:<br />

Untergymnasium<br />

(schweizweit 10 577 Teilnehmende)<br />

1. Rang: León, 1. Kl. (Rang 172)<br />

2. Rang: Maximilian, 2. Kl. (Rang 409)<br />

3. Rang: Tyra, 2. Kl. (Rang 670)<br />

Mittelgymnasium<br />

(schweizweit 6 883 Teilnehmende)<br />

1. Rang: Maik, 3. Kl. (Rang 37)<br />

2. Rang: Gianluca, 4. Kl. (Rang 55)<br />

3. Rang: Vera, 4. Kl. (Rang 86)<br />

Obergymnasium<br />

(schweizweit 1 768 Teilnehmende)<br />

1. Rang: Jonas, 5. Kl. (Rang 55)<br />

2. Rang: Sofie, 5. Kl. (Rang 154)<br />

3. Rang: Fabian, 6. Kl. (Rang 190)<br />

KÄNGURU-<br />

WETT-<br />

BEWERB<br />

<strong>2022</strong><br />

Beim Känguru-Wettbewerb der Mathematik handelt es sich um<br />

einen mathematischen Multiple-Choice-Wettbewerb für rund<br />

6 Millionen Teilnehmende in mehr als 80 Ländern weltweit.<br />

Dieser findet jeweils am 3. Donnerstag im März <strong>2022</strong> überall<br />

gleichzeitig statt. Er wird an den Schulen als Klausur (unter<br />

Aufsicht) geschrieben. In 75 Minuten sind je nach Klassenstufe<br />

24 bis 30 Aufgaben zu lösen. WWW.KAENGURU-SCHWEIZ.CH<br />

TEXT: DOMINIK BERNASCONI, CHEMIE UND MATHEMATIK,<br />

DOMINIK.BERNASCONI@GYMNASIUM-IMMENSEE.CH | FOTO: MB<br />

Die Kategoriensieger<br />

des<br />

Känguru-<br />

Wettbewerbs<br />

<strong>2022</strong> heben<br />

ab: (v. l. n. r.)<br />

Maik, 3. Kl.,<br />

León, 1. Kl., und<br />

Jonas, 5. Kl.<br />

8 AKTUELL<br />

GYMNASIUM IMMENSEE


Editorial<br />

bestärkt wurden die Verantwort lichen<br />

in ihren Anstrengungen, die wiederkehrenden<br />

Auf gaben prozessorientiert<br />

abzubilden.<br />

VON BENNO PLANZER<br />

REKTOR<br />

BENNO.PLANZER@GYMNASIUM-IMMENSEE.CH<br />

Pionierarbeit in digitaler<br />

Wissenssicherung<br />

Die Prozesslandkarte des Gym nasiums<br />

Immensee wird als ideale Basis für das<br />

in Entwicklung begriffene digitale Daten-<br />

und Qualitätsmanagementsystem<br />

erachtet. Damit leistet die Schule auch<br />

in der digitalen Wissens sicherung<br />

Pionierarbeit. Lehrpersonen sowie<br />

Schülerinnen und Schüler werden den<br />

direkten Nutzen fürs Unterrichten<br />

bzw. beim Lernen positiv spüren.<br />

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER<br />

Am 1. Juli ehrten wir gemeinsam mit Angehörigen und Lehrpersonen<br />

unsere Maturae und Maturi <strong>2022</strong> in einer würdigen<br />

Feier. Zum Auftakt dieses «<strong>Dialog</strong>s» strahlen Sie die Erfolgreichen<br />

mit berechtigtem Stolz und in bester Festlaune an.<br />

Welch eine Vielfalt an Anlässen und schulischen Höhepunkten<br />

in diesem Sommersemester! Stellvertretend picke ich die Projekt-<br />

und die Mottowoche heraus. Unser lebendiges Gymi wird<br />

durch die Ideen und Initiativen seiner Schülerinnen und Schüler<br />

mitbefeuert. Genau darum war die Mottowoche ein Vollerfolg.<br />

Im «Research Project» forschten und experimentierten die<br />

Teilnehmenden mithilfe neuer Ansätze. Dank zeitgemässer<br />

Methoden und digitaler Arbeitsmittel wähnten wir uns in vernetzten,<br />

agilen und innovativen Start-ups. In der Technikwoche<br />

brachten uns Praktikerinnen und Praktiker aus Unternehmen<br />

und Hochschulen die Welt der Technik und der technischen<br />

Berufe näher. Wir zeigen Ihnen aber auch spannende Beispiele<br />

aus den gestalterischen und musischen Fächern.<br />

In den Fachbereichen der Naturwissenschaften und Mathematik<br />

durften wir Topresultate mit Ausstrahlungskraft verzeichnen.<br />

Lesen Sie über herausragende Leistungen an der Schweizer<br />

Chemie-Olympiade <strong>2022</strong> und am Känguru-Wettbewerb.<br />

Die basalen fachlichen Studierkompetenzen beschäftigen<br />

auch unser Gymi. Worum geht's bei den «BFSK», und was<br />

haben sie mit der Studierfähigkeit und dem prüfungsfreien<br />

Zugang zu den Hochschulen zu tun? Auch dazu wünsche ich<br />

Ihnen eine spannende und entdeckungsreiche Lektüre.<br />

Titelbild<br />

Die Sechstklässlerinnen (v. l. n. r.) Janin, Fabienne und Jasmin<br />

im Sport-Outfit an der Mottowoche. FOTO: MB<br />

Impressum <strong>August</strong> <strong>2022</strong><br />

Herausgeber: Rektorat Gymnasium Immensee<br />

Adresse: «<strong>Dialog</strong>», Gymnasium Immensee,<br />

Bethlehemweg 12, CH-6405 Immensee,<br />

Telefon 041 854 81 81, info@gymnasium-immensee.ch<br />

Verantwortlich für diese Ausgabe: Benno Planzer, Rektor<br />

Fotos: Michael Brühlmeier (MB), Texte/Fotos:<br />

David Coulin (DC), Realisation: smo! GmbH<br />

DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> EDITORIAL | IMPRESSUM 9


Neue Mitarbeitende<br />

Herzlich willkommen!<br />

VIVIANE ARTHO, INTERNATSBETREUUNG<br />

VIVIANE.ARTHO@GYMNASIUM-IMMENSEE.CH<br />

GEMEINSAM WACHSEN<br />

Meine gymnasiale Zeit absolvierte ich an der Kantonsschule<br />

Alpenquai in Luzern. Dabei hatte ich die Möglichkeit,<br />

ein Jahr lang ein College in Neuseeland zu besuchen.<br />

Durch diesen Aufenthalt, aber auch weitere Reisen<br />

in Europa, Afrika, Asien, Nord- und Mittelamerika konnte<br />

ich von Kulturen anderer Länder Spannendes lernen.<br />

Während meines Masterstudiums an der Universität<br />

Zürich (Soziologie, Arbeits- und Organisationspsychologie<br />

sowie Betriebswirtschaftslehre) richtete ich meinen<br />

Fokus auf die Ermittlung bestimmender Faktoren eines<br />

glücklichen Lebens im interkulturellen Vergleich. Meine<br />

Vision war es schon früh, Menschen zu begleiten, um<br />

das eigene Glücksempfinden im Alltag sowie bei der<br />

Arbeit zu erhöhen. Deswegen bildete ich mich auch<br />

berufsbegleitend weiter in Didaktik, Coaching, mentalem<br />

Training, Meditation, Yoga, Bewegung sowie<br />

Ausdruckspädagogik.<br />

In den letzten zirka zwanzig Jahren durfte ich im<br />

Bildungs-, Wirtschafts- sowie Freizeitsektor Lernende,<br />

Lehrende, Mitarbeitende, Führungskräfte sowie Privatpersonen<br />

bei verschiedensten Anliegen als Beraterin,<br />

Mentalcoach sowie Bewegungs- und Entspannungstrainerin<br />

unterstützen.<br />

Am Gymnasium Immensee haben sich tolle Spezialisten<br />

als Lehrende und Organisatoren zusammengefunden,<br />

um die Lernenden top zu unterrichten. Gerne bringe<br />

ich auch meine Fähigkeiten ein zur Unterstützung<br />

der optimalen Entwicklung der Lernenden sowie des<br />

Betriebes. Ich freue mich darauf, dass wir gemeinsam<br />

wachsen können.<br />

FRANZISKA DURRER, INTERNATSLEITUNG<br />

FRANZISKA.DURRER@GYMNASIUM-IMMENSEE.CH<br />

POSITIV GEPRÄGTE ZIELORIENTIERUNG<br />

Aufgewachsen im Kanton Zug, führte mich meine<br />

erste berufliche Station an eine Aussenschule mit<br />

altersdurchmischten Klassen. Schnell war klar, dass<br />

meine persönliche Wertekultur und das Konzept des<br />

altersdurchmischten Lernens (AdL) gut miteinander<br />

korrespondieren. Mir entsprachen ländliche Umgebung<br />

und familiäre Bildungsatmosphäre, welche die jungen<br />

Persönlichkeiten in ihrer Selbst- und Sozialkompetenz<br />

optimal förderten. Nach der Geburt unserer Söhne gestaltete<br />

sich der berufliche Wiedereinstieg in vergleichbaren<br />

Lernumgebungen im Kanton Zug.<br />

Ab 2004 eröffneten sich mir als Dozentin Berufsbildung<br />

Krankenpflege Möglichkeiten für erste Unterrichtserfahrungen<br />

mit jungen Erwachsenen. Die Offenheit<br />

der Auszubildenden und die positive Dynamik, mit<br />

der sie die gemeinsame Bildungszeit prägten, nährten<br />

meinen Wunsch nach einem hauptberuflichen Engagement<br />

mit Erwachsenen. Dieses fand sich in einer<br />

Anstellung der Fachstelle Bildung im Strafvollzug.<br />

Seit nunmehr sieben Jahren unterrichte ich Eingewiesene<br />

in einer geschlossenen Justizvollzugsanstalt<br />

im Kanton Zürich. Menschen im Zwangskontext für<br />

Bildung zu gewinnen, erfordert eine klare und positiv<br />

geprägte Zielorientierung. Die nachhaltige Wirkung<br />

dieser Massnahmen basiert massgeblich auf einer<br />

transparenten, interdisziplinären Zusammenarbeit.<br />

Mit dem Wechsel ans Gymnasium Immensee verbinde<br />

ich viel Neues, bei gleichzeitiger Integration bisheriger<br />

Erfahrungswerte. Ab kommendem Schuljahr verantworte<br />

ich die Leitung des Internats und freue mich auf<br />

gute Kooperation mit allen, die Lernen und Leben am<br />

Gymi mitprägen.<br />

10 AKTUELL<br />

GYMNASIUM IMMENSEE


MALIN JAKOBSSON, FRANZÖSISCH<br />

MALIN.JAKOBSSON@GYMNASIUM-IMMENSEE.CH<br />

«WITH LANGUAGES, YOU ARE AT HOME ANYWHERE.» EDMUND DE WAAL<br />

Schon als Kind, in meinem Heimatland<br />

Finnland, haben mich Sprachen<br />

und verschiedene Kulturen<br />

fasziniert. Somit war es für mich<br />

klar, dass ich nach der Matura<br />

Sprachen studieren wollte. Nach<br />

dem Masterstudium in Französisch,<br />

Deutsch und Pädagogik inklusive<br />

eines Austauschjahrs in Frankreich<br />

und diverser Stellvertretungen<br />

habe ich mich einige Jahre dem<br />

Übersetzen und der Projektleitung<br />

gewidmet.<br />

Als mein Mann und ich vor achtzehn<br />

Jahren die Chance bekamen, in die<br />

Schweiz zu ziehen, zögerten wir<br />

nicht. Wir verliebten uns sofort<br />

in Luzern, wo ich weiterhin in der<br />

Übersetzungsbranche tätig sein<br />

durfte. Wir bekamen zwei Töchter,<br />

und mit der Zeit wuchs das Interesse,<br />

in den Lehrerberuf einzusteigen.<br />

Nun habe ich schon acht Jahre<br />

Erfahrung als Fachlehrperson und<br />

war an verschiedenen Schulen auf<br />

unterschiedlichen Stufen tätig.<br />

Die letzten drei Jahre habe ich in der Primarschule<br />

Französisch, Englisch und Deutsch als Zweitsprache<br />

(DaZ) unterrichtet und nebenberuflich für das Lehrdiplom<br />

für Maturitätsschulen studiert.<br />

Nun bin ich am Ende meines Studiums und daher sehr<br />

motiviert, am Gymnasium Immensee zu starten und<br />

die Schülerinnen und Schüler dreier Klassen für die<br />

französische Sprache begeistern zu dürfen.<br />

Neben dem Unterrichten tanke ich Energie beim Singen<br />

oder im Grünen beim Joggen oder Wandern. In der<br />

Natur kann ich zur Ruhe kommen und finde dort den<br />

wohltuenden Ausgleich zum hektischen Alltag.<br />

CLAUDE LIECHTI, PHYSIK UND MATHEMATIK<br />

CLAUDE.LIECHTI@GYMNASIUM-IMMENSEE.CH<br />

SIMONE STEFFEN-BRÄNDLE,<br />

INTERNATSBETREUUNG<br />

SIMONE.STEFFEN@<br />

GYMNASIUM-IMMENSEE.CH<br />

IMMENSEE! DAS IST ETWAS FÜR MICH<br />

WORTE FLIESSEN LASSEN<br />

Von der Mission in Immensee hatte<br />

ich auch schon gelesen. Aber dann las<br />

ich im Februar, dass das Gymnasium<br />

Immensee eine Physiklehrkraft sucht.<br />

Nach einem Telefonat mit Benno<br />

Planzer, wo mir die Tradition der<br />

Schule klar wurde (ehemalige Schülerinnen<br />

und Schüler übernehmen im<br />

späteren Leben oft ein Parteipräsidium<br />

oder werden in den Bundesrat gewählt),<br />

und nachdem mir Google Maps<br />

die Fahrzeiten von Zürich Höngg nach<br />

Immensee ausgerechnet hatte (40–45<br />

Minuten), bekam der Name «Immensee»<br />

plötzlich einen neuen Glanz.<br />

Im katholischen Schwyz, wo Philosophie<br />

ein Grundlagenfach ist, in<br />

einem altehrwürdigen Gebäude,<br />

ich glaube: Das ist etwas für mich.<br />

Denn als Erstes studierte ich an<br />

der Uni Zürich Philosophie mit den<br />

Nebenfächern Physik und Volkswirtschaft.<br />

Als das Nebenfach Physik<br />

erarbeitet war und all die wirklich<br />

interessanten Vorlesungen über<br />

Quantenmechanik, Relativitätstheorie<br />

usw. am Horizont auftauchten, wurde<br />

aus dem Nebenfach Physik nochmals<br />

ein Hauptfach in theoretischer<br />

Physik. Meine Spezialisierung in der<br />

Philosophie der Physik (Raum, Zeit,<br />

Materie) hätte mich in den angelsächsischen<br />

Raum geführt. Doch die<br />

Geburt meiner Tochter liess mich in<br />

Zürich bleiben, wo ich ja glücklich am<br />

Unterrichten war.<br />

Zum Glück konnte ich schon nach<br />

den ersten Semestern Physik an der<br />

Uni am Literargymnasium Rämibühl<br />

in Zürich mit einem kleinen Pensum<br />

anfangen und so meine Studien<br />

finanzieren. Nach insgesamt acht Jahren<br />

Rämibühl und vier Jahren Atelierschule<br />

Zürich (privates Steiner-Gymnasium)<br />

nun also Immensee an der<br />

Rigi! Ich freue mich.<br />

<strong>Dialog</strong> spricht mich an. In Form des Namens dieser<br />

Zeitschrift wie auch im privaten und beruflichen<br />

Umfeld. In meiner 20-jährigen Tätigkeit als Religionspädagogin<br />

und Jugendarbeiterin durfte ich viele<br />

<strong>Dialog</strong>e führen, ein Teil von ihnen sein. Auch in der<br />

Familie ist <strong>Dialog</strong> ein Dauerbrenner, und es wird<br />

auch in meiner zukünftigen Anstellung ein Fokus<br />

meines Engagements sein.<br />

Es gibt für mich nichts Spannenderes und Herausfordernderes<br />

als die Kommunikation zwischen<br />

Menschen auf verschiedenen Ebenen. Ich stosse<br />

dabei selber an Grenzen, da kommunizieren nicht<br />

nur Signale senden bedeutet, sondern auch das<br />

Verstehen meines Gegenübers beinhaltet – Missverständnisse<br />

inbegriffen. Ich bin jedoch überzeugt,<br />

dass wir durch Klarheit und gleichzeitige Sensibilität<br />

eine gegenseitige Verbindung schaffen, die das<br />

Leben in der Gemeinschaft lebenswert macht.<br />

Ich freue mich auf das Miteinander am Gymnasium<br />

Immensee, ganz im Sinne des griechischen<br />

Ursprungs: dia-logos, hindurch-reden oder synonym<br />

«Fliessen von Worten». Meinerseits ergänzt durch<br />

Taten, mit Neugier und Grosszügigkeit.<br />

DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> 11<br />

AKTUELL


Am Puls der Schule<br />

Das Sekretariatsteam: (v. l. n. r.) Regula Rühle, Alexandra Zumbühl und Vanesa Varela.<br />

Die Mitarbeiterinnen des<br />

Schulsekretariats halten<br />

hinter den Kulissen alle<br />

Fäden zusammen und<br />

lassen nichts aus dem<br />

Ruder laufen. Oberstes<br />

Ziel ist ein reibungsloser<br />

Schulablauf.<br />

Montagmorgen, 11. 4. <strong>2022</strong>, 7.45 Uhr: Beim Empfangsschalter<br />

des Gymnasiums Immensee herrscht<br />

Hochbetrieb. Denn heute ist Abgabe schriftlicher<br />

Maturaarbeiten mit Titeln wie «Mit welchen Mitteln<br />

lassen sich Familie und Beruf für die Frau vereinbaren?»<br />

oder «Nutzen von elektrischen Handprothesen<br />

für Spezialisten und Betroffene». Deadline: 08.05 Uhr<br />

MEZ, der Wecker tickt. Im Minutentakt kommen die<br />

Maturandinnen und Maturanden, geben Original<br />

und Kopie ab, zudem oft einen Stick und ein gelbes<br />

Begleitheft, das den Verlauf der Arbeiten dokumentiert.<br />

Korrektheit ist uns<br />

enorm wichtig<br />

Am Schalter steht Alexandra<br />

Zumbühl, eigentlich als Finanzfachfrau<br />

angestellt, aber Teil des<br />

Sekretariats- und Empfangsteams.<br />

Sie kann nachfühlen, denn sie<br />

hat 1998 am Gymi Immensee die<br />

Matura gemacht. Jetzt steht sie<br />

auf der anderen Seite, kontrolliert<br />

und fragt nach: «Kopie vergessen?<br />

12<br />

AKTUELL<br />

GYMNASIUM IMMENSEE


Organisation ist das A und O<br />

Hinten steht die Sekretariatsleiterin Vanesa Varela<br />

an ihrem Stehpult. Das Telefon klingelt ständig. «Ja,<br />

selbstverständlich. Ich werde Ihrem Sohn ausrichten<br />

lassen, dass er um 11 Uhr vor dem Eingang für<br />

den Arztbesuch bereitstehen soll.» (Dazu ist zu<br />

sagen, dass in der Unterstufe Lernende während des<br />

Unterrichts keinen Zugang zu ihren Handys haben.)<br />

«Ja, ich werde die Absenz im Schulnetz eintragen und<br />

wünsche gute Besserung.» Und dann dies: «Okay,<br />

auch dir gute Besserung! Könntest du mir eine Mail<br />

senden mit den Vorschlägen, wie die Klassen, bei denen<br />

du Unterricht hast, beschäftigt werden sollen?»<br />

Varela lächelt ruhig: «Der Lehrer hat heute erst ab der<br />

zweiten Lektion Unterricht, da haben wir genügend<br />

Zeit, um alles zu organisieren.» Bald schon steht der<br />

zuständige Prorektor im Sekretariat, holt das Briefing<br />

ab für den Unterrichtsersatz. «Wenn es anders nicht<br />

möglich ist, bieten wir uns auch an für Aufsichtsdienste»,<br />

sagt Varela. Und als Schulhausguides für<br />

verirrte Eltern. Und als interner Postdienst. Und als<br />

Ticketschalter für Schulaufführungen. Und als First<br />

Responder für defekte Kopiergeräte. Und sowieso<br />

für Erste Hilfe. «Meist sind es Kleinigkeiten», so<br />

Zumbühl. «Aber ich musste auch schon Schülerinnen<br />

oder Schüler zum Arzt bringen», ergänzt Rühle. In der<br />

Regel genügen aber der Medikamentenschrank des<br />

Sekretariats und ein paar gute Worte.<br />

Abwechslung macht Spass<br />

Leider keine Annahme.» – «Kein Stick? Geht klar.» –<br />

«Kopie gebunden statt lose? Ist akzeptiert.» Hinter ihr<br />

ordnet Regula Rühle die Arbeiten. Mit siebeneinhalb<br />

Dienstjahren ist sie die Amtsälteste – und deshalb in<br />

solchen Dingen Auskunftsperson. «Korrektheit ist bei<br />

uns enorm wichtig», sagt sie. Denn von einem Schulsekretariat<br />

hängt Entscheidendes ab. Man stelle sich nur<br />

vor, Rühle würde vergessen, eine Schülerin oder einen<br />

Schüler fristgerecht über eine bestandene Aufnahmeprüfung<br />

zu informieren. Nicht auszudenken, was das<br />

bei dieser Familie auslösen würde! Oder ein Aufgebot<br />

für die mündliche Matura würde verwechselt. Oder …<br />

«Es sind die vielen kleinen Dinge, die unseren Job so<br />

abwechslungsreich, aber auch so wichtig machen»,<br />

erklärt Rühle. Wenn da nur nicht auch noch die<br />

umfassenderen Aufgaben mit all den tausend Details<br />

wären, für die man dann auch noch Zeit haben müsste:<br />

Das Eintrittsverfahren administrativ managen, die<br />

Aufnahmeprüfungen organisieren, die Stundenpläne<br />

koordinieren, Rechnungen ablegen, die Maturität<br />

organisatorisch und administrativ abarbeiten ... Wie<br />

auch immer: In der Hand hält sie Dankeskärtchen.<br />

Auf dem Tisch liegt ein Inserat zum Aushang bereit.<br />

Und auf der Ablage ein abholbereiter Schlüssel.<br />

«Es ist wichtig, alles zu dokumentieren», betont<br />

Varela. «Jede von uns muss die wichtigsten Arbeiten<br />

sofort übernehmen können.» Dies souzusagen als<br />

Sicherung gegen einen frühmorgendlichen administra<br />

tiven Schulkollaps. Nicht auszudenken ...<br />

TEXT: DC | FOTO: MB<br />

DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> AKTUELL 13


Vom 30. 3.<br />

bis 1. 4. <strong>2022</strong><br />

fanden die<br />

Blocktage für<br />

die 1. und<br />

2. Klassen statt.<br />

Die Projektwoche<br />

für die 3. und<br />

5. Klassen dauerten<br />

vom 28. 3.<br />

bis 1. 4. <strong>2022</strong>.<br />

BLOCKTAGE UND PROJEKTWOCHE<br />

Ohren- und<br />

Augenschmaus<br />

Programm<br />

1. Klassen<br />

Musikvideos<br />

> S. 14<br />

2. Klassen<br />

Massenmedien<br />

> S. 15–17<br />

3. Klassen<br />

Research<br />

Project<br />

> S. 18–19<br />

Während der Blocktage drehten die Klassen 1a und 1b Musikvideos.<br />

Die Lieder «I Need a Dollar» von Aloe Blacc, «Heathens» von Twenty One Pilots und<br />

«Gangsta’s Paradise» von Coolio standen zur Auswahl. Am ersten Tag studierten wir<br />

einen Tanz ein und suchten Ideen für das Musikvideo. Wir übten auch, das Lied zu singen.<br />

Am nächsten Tag filmten wir das Musikvideo und sangen unser Lied ein. Am letzten Tag<br />

schnitten wir das Video und schauten es am Ende des Tages zusammen an.<br />

Das alles hat uns sehr viel Spass gemacht, und die Videos sind gut geworden!<br />

TEXT: CINDY, MAGDALENA, YARA, MIA, MARIELLA, ALLE 1. KL. | FOTOS: MB<br />

4. Klassen<br />

Schulfrei,<br />

Kompensation<br />

Sozialpraktikum<br />

und Sprachaufenthalt<br />

5. Klassen<br />

Technikwoche<br />

> S. 20 –21<br />

Kendra (l.) und Nadia<br />

planen ihre Choreo.<br />

Beim Einsingen eines Musikstücks:<br />

(v. l. n. r.) Janis, Lorenzo, Finn, und Felix.<br />

Das grosse Rätselraten: Henrik (l.), Loic<br />

und Tim (r.) hantieren mit dem Stativ.<br />

Tom (liegend) sowie (v. l. n. r.) Livio, Michel, Benjamin,<br />

Leon und Andrej sammeln Ideen für ihre Choreo.<br />

14<br />

SCHULE<br />

GYMNASIUM IMMENSEE


Trau deinen Augen<br />

nicht!<br />

Die Schülerinnen<br />

und Schüler der<br />

zweiten Klassen<br />

waren in den<br />

diesjährigen<br />

Blocktagen ganz<br />

schön gefordert.<br />

In kleinen Gruppen<br />

erarbeiteten<br />

sie selbstständig<br />

ein Konzept zum<br />

Thema «Fake<br />

It!», welches es<br />

anschliessend<br />

gestalterisch,<br />

schauspielerisch<br />

und technisch<br />

in die Realität<br />

umzusetzen galt.<br />

Liv serviert uns ein<br />

selbst gebasteltes<br />

Cheeseburger-Menü<br />

und dazu einen<br />

luftig leichten<br />

Milk shake.<br />

> 16<br />

DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> SCHULE 15


15 ><br />

BLOCKTAGE UND PROJEKTWOCHE<br />

Luca (l.) und Pieter tauchen ab in die Welt des Bastelns.<br />

Raul: «Meiner Meinung nach ist es ziemlich<br />

krass und auch ein bisschen verstörend,<br />

wie viel man heutzutage fälschen kann.<br />

Man ist sich gar nicht mehr so sicher,<br />

was überhaupt ‹fake› und was ‹echt› ist.»<br />

Bereits im Vorfeld zu den Blocktagen setzten<br />

sich die Klassen 2a und 2b im Rahmen des<br />

Deutschunterrichts mit den unterschiedlichen<br />

und komplexen Problemstellungen von Fake<br />

News auseinander. Gefälschte Bilder, manipulierte<br />

Videos, verzerrte Schlagzeilen und verführerische<br />

Verschwörungstheorien stellen eine<br />

bisher nie da gewesene Herausforderung für<br />

die tägliche Orientierung in der ohnehin schon<br />

unübersichtlichen Welt der Massenmedien dar<br />

– gewiss nicht ausschliesslich, aber vielleicht<br />

besonders für die jüngeren Generationen.<br />

Selber faken!<br />

Es grünt so grün …!<br />

Ayleen beim Pinseln.<br />

Inya (l.) und Meret mischen<br />

den passenden Farbton.<br />

In den Blocktagen hiess es dann aber für einmal<br />

«Selber faken!». Die Gruppen erhielten den<br />

Auftrag, einen kurzen Film zu erstellen,<br />

16<br />

SCHULE<br />

GYMNASIUM IMMENSEE


in welchem sie mithilfe mitgebrachter<br />

und selbst gebastelter Requisiten<br />

und Kulissen eine kurze, eigens<br />

erfundene Geschichte erzählen<br />

sollten. In dreitägiger Arbeit wurde<br />

also geplant, skizziert, geschnitten,<br />

gerissen, gepinselt, beklebt,<br />

zerknüllt, gedruckt, gehämmert, gebohrt,<br />

gesägt, fotografiert, gefilmt<br />

und bearbeitet.<br />

Und die Resultate konnten sich<br />

sehen lassen! Ob ein Kurzurlaub<br />

in Holland, eine glamouröse Oscarverleihung,<br />

eine Fehde mit einem<br />

Hut stibitzenden Affen oder ein<br />

Überfall auf ein American Diner:<br />

die kreativen Ideen wurden mit<br />

grossem Einsatz und viel Detailverliebtheit<br />

zum Leben erweckt.<br />

Am Freitagnachmittag konnten die<br />

Produkte dann der versammelten<br />

Schülerschaft vorgestellt werden.<br />

Durch ein Abstimmungsverfahren<br />

wurde sodann das Video von Alan,<br />

Edward und Cedric, das eine fiktive<br />

Reise nach Boston zeigt, zum Sieger<br />

gekürt. Als Preis gab es eine kleine<br />

Schatztruhe, gefüllt mit – wie könnte<br />

es anders sein – gefakten Goldmünzen<br />

aus Schokolade. An dieser Stelle<br />

noch einmal herzliche Gratulation<br />

den dreien sowie natürlich auch<br />

allen anderen Beteiligten!<br />

TEXT UND GRUPPENFOTO:<br />

NICOLAS ANNEN, DEUTSCH, NICOLAS.<br />

ANNEN@GYMNASIUM-IMMENSEE.CH<br />

ÜBRIGE FOTOS: MB<br />

Ein buntes Sammelsurium an grossen und<br />

klei nen Arbeiten und dazwischen müde, aber<br />

glückliche Gesichter. Die Blocktage <strong>2022</strong><br />

waren ein voller Erfolg!<br />

Inya: «Ich finde es immer<br />

mal wieder sehr erstaunlich,<br />

was man heutzutage alles<br />

faken kann, es aber gar nicht<br />

bemerkt wird. Daher war<br />

es eine tolle Erfahrung für<br />

mich, in den Blocktagen<br />

selber so eine ‹Fake-Welt›<br />

zu erstellen.»<br />

DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> SCHULE 17


BLOCKTAGE UND PROJEKTWOCHE<br />

Forschen wird gerade neu erfunden – schnell, spielerisch,<br />

aber äusserst effizient. Ein Augenschein in der Projektwoche,<br />

wo sich die 3. Klassen mit dem «Research Project» befassten.<br />

Fail fast – fix early!<br />

Probieren geht erst mal über studieren: Die Drittklässler (v. l. n. r.) David, Isaiah und Sani<br />

versuchen mit zwanzig Spaghetti, einem Meter Kreppband, einem Meter Bindfaden und<br />

einem Marshmallow eine möglichst hohe, frei stehende Konstruktion zu bauen.<br />

FOTO: FLAVIO CARRERA, PHILOSOPHIE, FLAVIO.CARRERA@GYMNASIUM-IMMENSEE.CH<br />

18 SCHULE<br />

GYMNASIUM IMMENSEE


Nehmen wir die «Marshmallow<br />

Challenge». Es geht darum, mit<br />

zwanzig Spaghetti, einem Meter<br />

Kreppband, einem Meter Bindfaden<br />

und einem Marshmallow<br />

eine möglichst hohe, frei stehende<br />

Konstruktion zu bauen. Na, dann<br />

studieren wir mal, oder? Wir machen<br />

statische Berechnungen, zeichnen<br />

das auf – und setzen es dann um.<br />

«Falsch», sagt der Philosophielehrer<br />

Flavio Carrera, denn das neue Motto<br />

lautet «Fail fast, fix early!». Was<br />

das bedeutet, wird in den achtzehn<br />

Minuten der «Marsh mallow Challenge»<br />

klar. Probieren geht erst mal<br />

über studieren. Eifrig basteln die<br />

Gruppen einen ersten Prototyp, um<br />

dann zu erkennen: So ein Marshmallow<br />

ist gar nicht so leicht wie<br />

gedacht! Also: Ein zweiter Versuch,<br />

stabiler, abgestützter. Aber nun<br />

fehlt die Höhe! Dafür hat die Gruppe<br />

nun schon Erfahrung in Bezug auf<br />

die Biegefähigkeit eines rohen Spaghetti.<br />

Also nochmals, besser, höher!<br />

«Es ist wichtig, beim Forschen und<br />

Experimentieren agil zu sein», meint<br />

Carrera, «da ist es zuweilen besser,<br />

mit Prototypen zu arbeiten und diese<br />

zu optimieren, bevor das ganze<br />

Projekt durchgezogen wird.»<br />

Agiles Experimentieren<br />

und Forschen<br />

Diese Agilität nahmen sich auch<br />

Ann-Sophie, Elena, Salome und<br />

Samantha aus der dritten Klasse<br />

zu Herzen, als sie wissen wollten,<br />

ob die Aussicht auf Belohnung<br />

oder Bestrafung Auswirkung auf<br />

die Leistung hat. Dazu liessen sie<br />

einige Schülerkolleginnen und<br />

-kollegen der ersten und zweiten<br />

Klasse kleine Mathetests schreiben<br />

– zuerst ohne Kommentar,<br />

danach mit Aussicht auf eine kleine<br />

Schokolade als Belohnung oder<br />

mit der Drohung, diese Schokolade<br />

zu entziehen, wenn das Ergebnis<br />

schlechter sein sollte als in der<br />

Hat die Aussicht auf Belohnung (Schoggi) oder Bestrafung (keine Schoggi) Auswirkung<br />

auf die Leistung? Dies wollen die vier Schülerinnen der 3. Klasse (v. l. n. r.)<br />

Salome, Ann-Sophie, Samantha und Elena mithilfe agilen Forschens herausfinden.<br />

FOTO: MB<br />

ersten Prüfung. «Dabei verbesserten<br />

wir laufend die Tests, die<br />

Auswertung und die Präsentation<br />

der Studie», sagt Ann-Sophie.<br />

Ein rund 80-seitiges Handbuch,<br />

das Flavio Carrera und Christoph<br />

Benkler, ehemaliger Biologie- und<br />

Informatiklehrer, unter Mithilfe des<br />

emeritierten ETH-Statistikprofessors<br />

Hans Rudolf Künsch erarbeiteten,<br />

war dabei sehr hilfreich.<br />

Was ist eine Korrelation? Was ist<br />

der Unterschied zwischen einem<br />

metrischen und einem kategorialen<br />

Merkmal? Wie wird eine Signifikanz<br />

berechnet und dargestellt? «Es ist<br />

wichtig, die Lernenden jetzt schon<br />

an die Methodik einer Maturaarbeit<br />

heranzuführen», betont Carrera.<br />

Bestrafung bringts auch ...<br />

Tatsächlich gelangten die vier<br />

Forscherinnen zu einem überraschenden<br />

Resultat. Dass ohne<br />

Kommentar die Tests in etwa gleich<br />

ausfallen, war zu erwarten. Dass<br />

bei einer Belohnung das Resultat<br />

besser ausfällt, auch. Aber bei einer<br />

Bestrafung? Zur Verblüffung aller<br />

waren die Resultate nicht schlechter,<br />

sondern ebenfalls deutlich<br />

besser als beim ersten Test! «Die<br />

Probanden taten alles, um einer<br />

Bestrafung zu entgehen – inklusive<br />

einander abschauen», sagt Samantha.<br />

«Trotzdem ist es gefährlich,<br />

Leistung nur noch von Belohnung<br />

und Bestrafung abhängig<br />

zu machen», ergänzt Ann-Sophie<br />

und verweist sie auf den Delfinariumeffekt,<br />

«zuerst sprangen die<br />

Delfine höher, um die Belohnung<br />

zu erhaschen. Als sie aber merkten,<br />

dass sie auch sonst zu ihren<br />

Fischen kommen, verloren sie das<br />

Interesse daran.» Trotzdem: Sowohl<br />

die Schöggeli als auch die Marshmallows<br />

schmeckten vorzüglich …<br />

TEXT: DC<br />

DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> SCHULE 19


BLOCKTAGE UND PROJEKTWOCHE<br />

Die Welt der technischen Berufe<br />

Zum ersten Mal führten die 5. Klassen dieses<br />

Jahr im Rahmen der Projektwoche die Technikwoche<br />

durch, begleitet vom Verein Ing.ch.<br />

Ziele dieser Woche waren, das Interesse an Technik<br />

auf spielerische Art zu wecken, den praktischen Umgang<br />

mit Technik und Informatik auszuprobieren und<br />

damit das Selbstvertrauen in Bezug auf technische<br />

Berufe zu stärken.<br />

Selber ein funktionierendes Gerät bauen<br />

Nach einem spannenden Referat über innovative<br />

Technologien wie Blockchain oder Internet of Things<br />

legten sich die Fünftklässlerinnen und -klässler gleich<br />

selbst ins Zeug. Die Aufgabe war, ein Gerät zu bauen,<br />

das ein Ei über fünf Meter unbeschadet<br />

transportieren kann. Dabei wurde<br />

rasch klar, dass eine Idee noch kein<br />

funktionierendes Produkt ist, sondern<br />

das Experimentieren die entscheidenden<br />

Verbesserungen bringt.<br />

Ein Besuch an der Hochschule Luzern<br />

informierte über einen alternativen,<br />

durchaus für Maturandinnen und<br />

Maturanden valablen Studienweg,<br />

mit mehr Praxisbezug als an den<br />

Universitäten und der ETH.<br />

Ein weiteres Highlight war ein Workshop,<br />

wo wahlweise Solarfahrzeuge,<br />

Brücken oder Lautsprecher gebaut<br />

wurden, was für viele eine wohltuende<br />

Abwechslung zum teils etwas theorielastigen<br />

Gymialltag war, mit dem<br />

Ziel, ein funktionierendes Produkt in<br />

den eigenen Händen zu halten.<br />

Informatik und Technik bieten<br />

interessante Arbeitsfelder<br />

Auch ein Besuch bei einer Firma wie<br />

Roche oder Renergia, wo technische<br />

Berufe im Vordergrund stehen,<br />

brachte den Lernenden die Welt<br />

der technischen Berufe näher, bei<br />

Holcim geschah dies auf explosive<br />

Art mit einer Sprengung.<br />

Verschiedene Personen traten als<br />

«Zeugen» für den Weg als Informatikerin<br />

und Informatiker auf,<br />

20<br />

SCHULE<br />

GYMNASIUM IMMENSEE


Ganz links: Selina (l.) und Nora justieren ihr Eier-Transportgerät.<br />

Oben links: Philippe (l.) und Tim montieren die Solarzellen für<br />

das Solarfahrzeug.<br />

Unten links: Digital vernetzte Möglichkeiten im Wohnbereich.<br />

werden im iHomeLab vorgestellt.<br />

Unten: Rechtzeitig zum Start des Solarfahrzeugrennens zeigte sich die Sonne.<br />

Ganz unten links: (v. l. n. r.) Moritz, Silja, Gilles und Livia testen die Belastbarkeit<br />

der Brückenkonstruktion.<br />

Ganz unten rechts: Mara diskutiert mit dem Referenten Rudi Neuberth über<br />

Ethik in der Wissenschaft.<br />

zum Beispiel an der ETH Zürich, darunter auch ein<br />

ehemaliger Maturand des Gymnasiums Immensee.<br />

Selbstredend wollen nicht alle Teilnehmenden nach<br />

dieser Woche technische Berufe wählen. Immerhin<br />

fanden diese dann heraus, dass<br />

Technik und Informatik wichtige<br />

Tätigkeitsfelder bieten mit vielen<br />

Chancen, gerade in der Schweiz.<br />

Andere haben Freude am Konstruieren,<br />

Programmieren und<br />

Ausprobieren entdeckt.<br />

TEXT UND FOTOS: MB<br />

DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> SCHULE 21


Bewährtes aus<br />

dem Pop-Keller<br />

Es musizieren: (v. l. n. r.) Musiklehrer Marc Moscatelli, Elena, Maik,<br />

Timo, Ruven, Tim (am Flügel) sowie Leah und Kiana (Gesang).<br />

Konzert «Work in Progress» der Schulband<br />

und Gesangsklasse vom 9. 5. <strong>2022</strong>.<br />

Das abwechslungsreiche Programm war ein musikalisches<br />

Zeugnis dessen, was die Jugendlichen bewegt:<br />

Beziehung, Beziehung und nochmals Beziehung.<br />

So drehten sich die meisten Songs, die von den acht<br />

Bandmitgliedern und vier Solosängerinnen dargebracht<br />

wurden, balladenhaft um Liebe, gebrochene Herzen<br />

und Männer, die einfach Männer sind. Interessant war,<br />

wie die verschiedenen Stimmcharaktere den Liedern<br />

ihr eigenes Gepräge gaben und so die Vorträge zu ganz<br />

persönlichen Statements wurden. Einige zeugten von<br />

beachtlichem gesanglichem Können. Alleine schon der<br />

Mut, mit seiner eigenen Stimme vor das Publikum hinzustehen,<br />

stiess bei der Zuhörerschaft auf Bewunderung.<br />

TEXT UND FOTO: DC<br />

Sänger Michael, 6. Kl., begleitet sich selbst am Flügel.<br />

MITWIRKENDE<br />

Solosängerinnen<br />

der Gesangsklasse<br />

von<br />

Simon Witzig,<br />

Chor:<br />

Jessica, 6. Kl.<br />

Salome, 3. Kl.<br />

Adia, 4. Kl.<br />

Sarah, 5. Kl.<br />

Schulband unter der Leitung<br />

von Marc Moscatelli, Musik:<br />

Maik (E-Bass), 3. Kl.<br />

Kiana (Gesang), 1. Kl.<br />

Leah (Gesang, Gitarre), 1. Kl.<br />

Elena (E-Gitarre), 4. Kl.<br />

Ruven (Drums), 4. Kl.<br />

Tim (Klavier), 1. Kl.<br />

Timo (Perkussion, Drums), 1. Kl.<br />

Yela, 5. Kl., am Schlagzeug.<br />

22 SCHULE<br />

GYMNASIUM IMMENSEE


What a Feelin’!<br />

Es gibt sie wieder, die Konzerte des Gymichors und<br />

der Musizierenden des Ergänzungsfachs (EF) Musik.<br />

Wie Phoenix aus der Asche sind am 20. 5. <strong>2022</strong> die<br />

satten Sounds und legendären Stimmen aus der<br />

viralen Zwangspause auferstanden.<br />

Sensationell Michael, der das über hundertköpfige<br />

Publikum mit Songs wie «Way Down We Go» und<br />

«Bad Day» mit seiner Stimme am Piano im Stil von<br />

Elton John verblüffte. Oder Janin, die in ihrer selbst geschriebenen<br />

und komponierten Ballade «A Feeling of<br />

Onism» Stimmungen anklingen liess, die im gesamten<br />

dichten Programm immer wieder aufpoppten: die Natur<br />

(«Feeling the Rise of the Wind»), das Leben («Sounds<br />

of Nature, Feeling so Alive»), die Liebe («Why Don’t<br />

You Try Joining My Live»). Oder Jessica und Sarah, die<br />

in «Easy on Me» in packendem Duett die Tücken der<br />

Adoleszenz besangen: «I was still a child, didn’t get<br />

the chance to feel the world around me, I had no time<br />

to choose ...». Oder all die anderen Interpretinnen und<br />

Interpreten, die über sich hinaus- und in die Musik hineinwuchsen<br />

wie Yela am Schlagzeug oder Rosana an<br />

der elektrischen Harfe. Sie lebten Musik und erzeugten<br />

den zwingenden Sound, der jeden Saal zum Schwingen<br />

bringt. Oder – wie im Falle von «Amélie» – mit Einsatz<br />

eines Akkordeons eine Musette aufs Parkett zauberten,<br />

die sich wie flirrende Luft über Lavendelfelder der<br />

Provence anfühlte.<br />

Gekonnt abgemischter Sound<br />

Janin, 6. Kl., singt ihre selbst geschriebene Ballade «A Feeling of Onism».<br />

Ein Jahr lang hatten die über dreissig Musizierenden<br />

von Chor und Band auf diesen Konzertmoment hingearbeitet.<br />

Sie feilten unter der Leitung der Musiklehrpersonen<br />

Franziska Trottmann und Marc Moscatelli sowie<br />

Simon Witzig, Chor, an den Sounds, die im Übrigen vom<br />

Technikteam gekonnt abgemischt und mit dezenten<br />

Hall- und Echoeffekten durchsetzt wurden. Und sie<br />

studierten Choreografien ein, die in einer noch kaum<br />

gesehenen Body-Percussion in der Zugabe «Memories»<br />

gipfelten. Das Publikum dankte mit frenetischem<br />

Applaus, und manche werden noch den Song im Ohr<br />

behalten, der für das ganze Konzert stehen kann:<br />

«Take your passion … I’m music now … I’m rhythm now …<br />

What a feelin’!»<br />

Das Sextett mit (v. l. n. r.) Mara, 6. Kl., Elina, 3. Kl., Felix und Sofia, beide 5. Kl.,<br />

sowie Ines und Rosana, beide 6. Kl.<br />

TEXT: DC | FOTOS: MB<br />

DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> SCHULE 23


Juhui, Sommersporttag!<br />

Nach zwei Jahren Unterbruch<br />

wegen Corona<br />

fand am 21. 6. <strong>2022</strong><br />

endlich wieder einmal ein<br />

Sommer sporttag statt.<br />

Am Vormittag gingen<br />

unsere Schülerinnen und<br />

Schüler im Chiemenwald auf<br />

OL-Postensuche. Nachmittags<br />

vergnügten sie sich<br />

bei heissem Sommerwetter<br />

an den Spielturnieren im<br />

Küssnachter Luterbach und<br />

am Gymi.<br />

FOTOS: MB<br />

Mehr Fotos vom<br />

Sommersporttag<br />

24 SCHULE<br />

GYMNASIUM IMMENSEE


Über religiösen Fanatismus<br />

und die Macht von Ideen<br />

Nach einer längeren Coronapause<br />

war es endlich wieder so<br />

weit: Schülerinnen und Schüler<br />

aller Stufen versammelten sich<br />

am Abend des 9. 6. <strong>2022</strong> zum<br />

traditionellen «Café Philo», organisiert<br />

von den 5. Klassen mit<br />

Unterstützung der Fachschaft<br />

Philosophie, Psychologie und<br />

Pädagogik (PPP).<br />

In der philosophischen Runde<br />

wurden Fragen zum Thema Fanatismus<br />

erörtert: Wie fühlt es sich als<br />

Kind an, in einem fanatisch-religiösen<br />

Umfeld aufzuwachsen? Sind<br />

wir nicht alle fanatisch mit dem<br />

Unterschied, dass unser Fanatismus<br />

von der Gesellschaft anerkannt ist?<br />

Wie tolerant sollte man gegenüber<br />

religiösem Fanatismus sein?<br />

Gedankliche Fesseln lösen<br />

Als Gast hatte die Fachschaft Remo<br />

Zumstein eingeladen, Schweizermeister<br />

im Poetry-Slam. Am Café<br />

Philo nahm er aber nicht wegen<br />

seiner Sprachkunst teil, sondern<br />

weil er sich bereit erklärt hatte, von<br />

seiner Kindheit und Jugend in einem<br />

fanatisch-religiösen Milieu zu berichten.<br />

Zumstein verschaffte dem<br />

Publikum Einblick in die Gefühlslage<br />

eines jungen Menschen, dem über<br />

sieben Jahre fanatisches Gedankengut<br />

eingetrichtert worden war, und<br />

in die schwierigen Kämpfe, die er<br />

ausgefochten hatte, um diese gedanklichen<br />

Fesseln wieder zu lösen.<br />

Parallelen zu Platons<br />

Höhlengleichnis<br />

Die beiden Moderatoren, David und<br />

Lino, beide 5. Kl., führten gekonnt<br />

Gast Remo Zumstein (M.) mit den Moderatoren David (l.) und Lino,<br />

beide 5. Kl., vor einer Projektion des Höhlengleichnisses.<br />

CAFÉ PHILOSOPHIQUE<br />

In den 90er-Jahren etablierte sich in französischen Grossstädten<br />

ein sonntagvormittägliches Zusammen kommen in<br />

Cafés, wo philosophisch interessierte Menschen miteinander<br />

über aktuelle und zeitlose Themen ins Gespräch kamen.<br />

Die Kernidee der Café Philos in Immensee besteht darin, das<br />

gemeinsame, klassenübergreifende Philosophieren in einem<br />

nicht beurteilten, unbeschwerten Kontext zu ermöglichen<br />

und zu fördern. Die Philosophie verlässt so immer mehr<br />

ihren Elfenbeinturm und hält Einzug in unseren Alltag.<br />

durch den Abend, indem sie immer<br />

wieder Parallelen zu Platons<br />

Höhlengleichnis zogen und die<br />

Diskussion unter den Schülerinnen<br />

und Schülern kompetent führten.<br />

Am Ende kamen wir dann doch<br />

noch in den Genuss von Zumsteins<br />

Sprachkunst, indem er spontan und<br />

frei Kurztexte aus seinem Repertoire<br />

wiedergab.<br />

TEXT: PETRA EYHOLZER,<br />

DEUTSCH UND PHILOSOPHIE,<br />

PETRA.EYHOLZER@<br />

GYMNASIUM-IMMENSEE.CH,<br />

UND FLAVIO CARRERA,<br />

PHILOSOPHIE, FLAVIO.CARRERA<br />

@GYMNASIUM-IMMENSEE.CH<br />

FOTO: FLAVIO CARRERA<br />

DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> SCHULE 25


Das Gymi einmal etwas anders<br />

Vom 30. 5. bis 3. 6. <strong>2022</strong> fand am<br />

Gymi erstmals eine Mottowoche<br />

statt, an der Schülerinnen und<br />

Schüler aller Stufen teilnahmen.<br />

Es war ein voller Erfolg, und an<br />

jedem Tag wurde man von neuen<br />

kreativen und lustigen Kostümen<br />

überrascht. Mit Musik in den Pausen<br />

und den passenden Kostümen wurde<br />

Tag für Tag ein neues Thema zum<br />

Leben erweckt.<br />

Sportarten, Sommer 1969, Kindheitshelden,<br />

Strand, roter Teppich<br />

Zum Einstieg war am Montag das<br />

Thema Sportarten angesagt, und das<br />

Gymi verwandelte sich kurzerhand in<br />

ein Sportzentrum (Fotos oben). Am<br />

Dienstag hiess es dann nicht «back<br />

to the future», sondern zurück zum<br />

«Summer of ’69». An Flower-Power<br />

und guter Stimmung fehlte es an<br />

diesem Tag sicherlich nicht. Von Feen<br />

über Superhelden bis zu bekannten<br />

Gesichtern aus dem Gymi konnte<br />

man am Mittwoch, dem Tag der Kindheitshelden,<br />

alles am Gymi finden.<br />

Gegen Ende der Woche wurde dann<br />

bereits einmal die Vorfreude auf die<br />

Sommerferien gefeiert. Denn durch<br />

das Motto «Strand» konnte man<br />

nicht anders als in Ferienstimmung<br />

zu geraten. Den Abschluss der Woche<br />

bildete das Thema «Red Carpet»<br />

(Fotos unten), und zur Freude aller<br />

Schülerinnen und Schüler kleidete<br />

sich auch das Mensateam passend<br />

zum Motto.<br />

Rückblickend können alle auf eine<br />

gelungene Woche zurückblicken, die<br />

für den einen oder anderen Lacher<br />

sorgte und uns allen durch viele<br />

lustige Bilder in Erinnerung bleiben<br />

wird.<br />

TEXT: NOEMI STILLHART, 6. KL., NOEMI.<br />

STILLHART@GYMNASIUM-IMMENSEE.CH<br />

FOTOS: MB<br />

26 SCHULE<br />

GYMNASIUM IMMENSEE


In Verkörperung<br />

Ende April <strong>2022</strong> besuchten<br />

die Schülerinnen und<br />

Schüler der 6. Klasse mit<br />

Schwerpunktfach Bildne<br />

risches Gestalten die<br />

Aus stellung «In Verkörperung»<br />

im Ausstellungsraum<br />

Benzeholz in Meggen.<br />

Die Künstlerinnen Kathrin<br />

Affentranger und Pat Treyer<br />

zeigten in der Ausstellung<br />

Arbeiten, die nicht unterschiedlicher<br />

sein könnten.<br />

Affentranger, eine genaue<br />

Planerin, präsentiert fein<br />

ausgearbeitete Zeichnungen<br />

und Objekte. Für die<br />

grossformatigen Malereien<br />

von Pat Treyer spielen der<br />

Moment und das Bauchgefühl<br />

eine wichtige Rolle.<br />

Die Gruppe, begleitet von<br />

Johanna Gschwend und<br />

Diana Seeholzer, konnte der<br />

Künstlerin Pat Treyer vor<br />

Ort Fragen zu ihren Werken,<br />

Verkaufspreisen und ihrer<br />

Biografie stellen. Was bedeutet<br />

es heute, im Körper<br />

einer Frau zu sein? Wie<br />

unterschiedlich können die<br />

Antworten auf diese Frage<br />

ausfallen? Wie sieht ein<br />

Leben als Künstlerin aus?<br />

Was braucht es, um von der<br />

Kunst leben zu können?<br />

Die Begegnung mit der<br />

zeitgenössischen Kunst und<br />

das offene, persönliche Gespräch<br />

darüber werden die<br />

Gruppe hoffentlich bestärken,<br />

nach der Matura ihren<br />

eigenen Weg zu gehen.<br />

BEGLEITPERSON: DIANA<br />

SEEHOLZER, BILDNERISCHES/<br />

TECHNISCHES GESTALTEN,<br />

DIANA.SEEHOLZER@<br />

GYMNASIUM-IMMENSEE.CH<br />

TEXT UND FOTOS: JOHANNA<br />

GSCHWEND, BILDNERISCHES<br />

GESTALTEN, JOHANNA.<br />

GSCHWEND@GYMNASIUM-<br />

IMMENSEE.CH<br />

DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> SCHULE 27


Ausgelassene Feier am letzten<br />

28 SCHULE<br />

GYMNASIUM IMMENSEE


Schultag<br />

Nach zweijährigem Unterbruch konnte am 17. 6. <strong>2022</strong> der Last School Day (LSD)<br />

der Maturandinnen und Maturanden dieses Jahr wieder gebührend gefeiert werden.<br />

Dank des Feiertages am<br />

Vortag ist es Schülerinnen<br />

und Schülern der Maturaklassen<br />

gelungen, die<br />

Eingänge einiger Büros<br />

von Lehrpersonen entsprechend<br />

ihren Namen zu<br />

dekorieren. Am beeindruckendsten<br />

war wohl die<br />

über zwei Meter hohe<br />

Mauer vor dem Büro des<br />

Physiklehrers Christoph<br />

Murer. Das Spiel mit den<br />

indischen Holifarben sorgte<br />

für eine ausgelassene<br />

und frohe Stimmung auf<br />

dem Fussballplatz.<br />

Auf dem oberen Hof<br />

haben sich ein paar<br />

mutige Lehrpersonen den<br />

Fragen von Schülerinnen<br />

und Schülern gestellt und<br />

mussten bei einer falschen<br />

Antwort eine kalte<br />

Dusche über sich ergehen<br />

lassen. Dank der hohen<br />

Temperaturen eine relativ<br />

milde Strafe.<br />

RAHEL STOCKER, PROREKTORIN<br />

5.–6. KL., RAHEL.STOCKER@<br />

GYMNASIUM-IMMENSEE.CH<br />

FOTOS: MB<br />

DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> SCHULE 29


Musical auf die Beine gestellt<br />

In den vielen Jahren am Gymi Immensee<br />

fehlte Janin Gmür, 6. Kl., und Laurin Hunkeler,<br />

4. Kl., immer ein kreativer Ausgleich, weshalb<br />

sie das Theater wieder zurück ins Leben riefen.<br />

Während der Projektwoche im Herbst 2021 kamen<br />

wir an einem Abend im Internat auf diese Idee. Wir<br />

hatten gerade einen Musicalmarathon hinter uns und<br />

plauderten noch etwas. Die Idee, ein Musical umzusetzen,<br />

warf Janin einfach in den Raum, und ich (Laurin)<br />

war sofort dabei. Am nächsten Morgen verfassten wir<br />

unser erstes Mail an Prorektorin Rahel Stocker und<br />

brachten so den Stein ins Rollen.<br />

Casting und Proben für «Mamma Mia»<br />

Nach der langen Warterei für die Zusage konnten<br />

wir endlich loslegen. Wir begannen also, mit einem<br />

Cas ting, um zu schauen, ob überhaupt Interesse für<br />

ein Theater bestehe. Zu unserer Überraschung meldeten<br />

sich über 30 Schülerinnen und Schüler für das<br />

Casting an. Schliesslich starteten wir das Projekt mit<br />

28 Teilnehmenden (siehe Kasten). Vorsorglich hatten<br />

wir diverse Musicals aus dem Internet herausgesucht<br />

und hofften, gemeinsam eine Entscheidung treffen zu<br />

können. Letztendlich fiel unsere Wahl auf das Stück<br />

«Mamma Mia».<br />

Angefangen wurde mit einem<br />

Table-Reading, bei dem gemeinsam<br />

das Drehbuch durchgelesen<br />

wurde, um einen ungefähren<br />

Überblick und ein Gefühl für das<br />

Stück zu bekommen. Wegen der<br />

aktuellen Coronasituation mussten<br />

einige Treffen online stattfinden.<br />

Danach konnten die Proben im<br />

Theatersaal beginnen. Wir erstellten<br />

ein Team, das für die Kostüme<br />

zuständig war, und fingen an, die<br />

Tänze des Musicals einzustudieren.<br />

An dieser Stelle wollen wir uns bei<br />

Noemi Stillhart, 6. Kl., für die Choreografie,<br />

Jessica Buchner, 6. Kl.,<br />

für die Organisation und Einstellung<br />

des Lichts, Rosana Camen -<br />

zind, 6 Kl., für die Produktionsleitung<br />

und Cornelius Götz, 4. Kl.,<br />

für die Unterstützung als «Mädchen<br />

für alles» bedanken.<br />

Film anstatt Aufführung<br />

Nach den Weihnachtsferien fühlten<br />

wir uns bereit, das Ergebnis der<br />

Proben mit der Kamera festzuhalten.<br />

Da wir aufgrund der Coronasituation<br />

keine Aufführung machen<br />

konnten, entschieden wir uns, das<br />

Musical als Film zu realisieren. Das<br />

technische Equipment brachten<br />

wir einerseits von zu Hause mit,<br />

konnten aber auch einiges von der<br />

Schule ausleihen. Hier wollen wir<br />

Johanna Gschwend, Bildnerisches<br />

Gestalten, unseren Dank aussprechen.<br />

Beim Filmen waren wir ständig auf<br />

der Suche nach einem Kompromiss<br />

zwischen Ästhetik und Komplexität<br />

der verschiedenen Einstellungen<br />

und zeitlichem Aufwand. Trotz einiger<br />

Schwierigkeiten sind wir stolz<br />

auf unser Endprodukt.<br />

Bei allen Fragen stand uns Prorektorin<br />

Rahel Stocker immer tatkräftig<br />

zur Seite. Wir bedanken uns für<br />

ihre Unterstützung und Geduld,<br />

auch nach vielen und stetigen Mails<br />

unsererseits.<br />

TEXT: CORNELIUS GÖTZ, 4. KL.<br />

TEXT UND FOTO:<br />

LAURIN HUNKELER, 4. KL.<br />

TEILNEHMENDE<br />

3. Klassen: Alea Oetiker, Paranee<br />

Göldi, Abhilasha von Zwehl<br />

4. Klassen: Sara Candan, Claire<br />

Feil, Cornelius Götz, Lynn Hächler,<br />

Laurin Hunkeler, Nora Janner,<br />

Felix Lüthold, Bianca Manzione,<br />

Tina Moser, Joy O'Toole, Marino<br />

Rüttimann, Hudson Ruoss,<br />

Robyn Schwab, Estera Sokra,<br />

Sofia Taormina, Etienne Wüthrich<br />

5. Klassen: Jada Gabathuler,<br />

Lea Iltisberger<br />

6. Klassen: Jessica Buchner,<br />

Rosana Camenzind, Anna Darms,<br />

Severin Ehrler, Mathias Gagliano,<br />

Janin Gmür, Noemi Stillhart<br />

30<br />

SCHÜLERINNEN UND SCHÜLER<br />

GYMNASIUM IMMENSEE


Finalteilnahme für Chemietalent<br />

Vom 18. bis 23. 4. <strong>2022</strong> liessen<br />

achtzehn Teenager an der ETH<br />

Zürich die Bunsenbrenner flackern.<br />

Mit dabei war David Kessler,<br />

der die 6. Klasse am Gymnasium<br />

Immensee besucht. Er hatte<br />

sich gegen ursprünglich über<br />

400 Teilnehmende durchgesetzt<br />

und erreichte den 7. Rang. Damit<br />

verpasste er die Teilnahme an<br />

der Internationalen Chemie-<br />

Olympiade, die den vier Besten<br />

vorbehalten ist, nur knapp.<br />

David Kessler, der zu Hause ein eigenes<br />

kleines Chemielabor besitzt,<br />

hat die Chemie in den Genen.<br />

Sein Grossvater, Prof. Horst Kessler,<br />

forschte an der TU München zur<br />

nuklear-magnetischen Resonanz –<br />

als Fachkollege des Winterthurers<br />

Richard Ernst, der für seine Entdeckungen<br />

auf diesem Gebiet gar<br />

einen Nobelpreis erhielt.<br />

Eine Faszination, die auf den<br />

Maturanden übergesprungen ist.<br />

Worum geht es bei der nuklearmagnetischen<br />

Resonanz? «Um<br />

die Wechselwirkung magnetischer<br />

Felder», erklärt Kessler, «damit<br />

kann man zum Beispiel nachweisen,<br />

ob sich Moleküle bei einem<br />

chemischen Reaktionsversuch<br />

tatsächlich verändert haben und die<br />

Reaktion somit erfolgreich war.»<br />

Tiefer gehende Fragen ergeben<br />

für den Laien keinen Sinn, wie es<br />

auch wenig Sinn ergibt, den Titel<br />

der Maturaarbeit «Untersuchung<br />

des Reaktionsverhaltens einer<br />

säurekatalysierten Veresterung von<br />

Butanolen» auf Anhieb verstehen<br />

zu wollen.<br />

Von Rang 16 auf Rang 7<br />

verbessert<br />

Bei den Schweizer Vorausscheidungen<br />

zur Internationalen Chemie-<br />

David Kessler im Chemie labor des Gymnasiums Immensee. FOTO: MB<br />

Olympiade wurden organische,<br />

anorganische und physikalische<br />

Chemie praktisch und theoretisch<br />

geprüft. «Vor allem die physikalische<br />

Chemie ist hart für mich, denn<br />

sie ist nicht mein Spezialgebiet»,<br />

meint Kessler.<br />

Im Finale vom 23. 4. <strong>2022</strong> verbesserte<br />

er sich von Rang 16 auf<br />

Rang 7. Damit verpasste Kessler die<br />

Teilnahme an der Internationalen<br />

Chemie-Olympiade, die den vier<br />

Besten vorbehalten ist, nur knapp.<br />

WWW.CHEMISTRY.OLYMPIAD.CH<br />

TEXT: DC<br />

DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> SCHÜLERINNEN UND SCHÜLER 31


hin<br />

32 MATURAARBEITEN<br />

GYMNASIUM IMMENSEE


«Inwiefern hat sich die Toleranz der Schweizer Jugend durch die Coronapandemie verändert?» Mit dieser Frage befasste<br />

sich Elena Herger, 5. Kl., in ihrer Maturaarbeit und stiess dabei manchmal an die Grenzen ihrer eigenen Frustrationstoleranz.<br />

Zuerst galt es, zu erklären, was unter Toleranz zu verstehen ist. Gemäss dem lateinischen Wortsinn geht es nicht bloss um passive<br />

Duldung, sondern um durchaus auch schmerzhaftes Erdulden von Handlungsweisen anderer, die einem eigentlich nicht passen.<br />

Mehr noch: Gleichgültigkeit gilt als eigentliches Gegenteil von Toleranz. Bei zu viel Toleranz wird im schlimmsten Fall die ganze<br />

Toleranzkultur preisgegeben. Dann zum Beispiel, wenn man vor lauter Toleranz gegenüber totalitären Denkweisen Putin in Europa<br />

einmarschieren liesse. Aber darum ging es nicht in Elena Hergers, 5. Kl., Maturaarbeit.<br />

Gleichgültigkeit als Selbstschutz vor Frustration<br />

Es ging um die Frage, was die Coronapandemie mit der Toleranz der Schweizer Jugend gemacht hat. Die Frage stellt sich bei all den<br />

extremen Stellungsbezügen während der Pandemie zu Recht. «Die Covid-19-Massnahmen führten dazu, dass man sich weniger<br />

austauschen konnte und so die Gefahr grösser war, sich einer extremistischen und intoleranten Haltung anzuschliessen», sagt<br />

Herger. Sie stützt sich dabei auf umfangreiche Recherchen sowie Expertenbefragungen. Aber da ist noch etwas anderes: die Aggression<br />

und die Frustration. Tatsächlich gab es in der Coronapandemie Situationen zuhauf, die einen nerven konnten. Über die Hälfte der<br />

23 befragten Jugendlichen gaben denn auch folgerichtig an, zumindest manchmal Frust verspürt zu haben. Aber führte das tatsächlich<br />

zu mehr Intoleranz? «Ja und nein», meint Herger. Nein, weil die jungen Menschen angaben, entweder keine Veränderung in ihrem<br />

Toleranzverhalten wahrgenommen zu haben oder nicht aggressiver, sondern ganz im Gegenteil eher gleichgültiger geworden zu<br />

sein. Ja, weil genau diese Gleichgültigkeit auch als Selbstschutz vor Aggression interpretiert werden kann. Erinnern wir uns: Gleichgültigkeit<br />

ist das Gegenteil von Toleranz.<br />

k big<br />

Situationen verstehen und angemessen handeln<br />

So linear und harmlos die Fragestellung der Maturaarbeit daherkam, so komplex sind die philosophischen<br />

und psychologischen Denkwelten, die sich dahinter auftaten. «Hinter einigen Fragen, die ich mir stellte,<br />

erschienen ein Dutzend weitere Problemstellungen», sagt Herger. «Daraus die relevanten Fragestellungen<br />

herauszufiltern, stellte meine Frustrationstoleranz manchmal auf die Probe.» Allein die Klarheit siegte über das<br />

Chaos, und den Spass am Hinterfragen und Nachbohren verlor Herger nie. Ihr Ziel ist es aber nicht, in der Theorie hängen zu bleiben<br />

und nun ein Leben lang gescheite Arbeiten zu schreiben. «Mein eigentliches Interesse gilt dem Bestreben, das Verhalten des Menschen<br />

in vielleicht auch problematischen Situationen zu verstehen, dabei aber auch konkrete Handlungsoptionen zu entwickeln»,<br />

erklärt sie. Auch wenn sie dabei die Situation von nur einem einzelnen Menschen positiv beeinflussen könne, lohne sich das.<br />

TEXT: DC | FOTO: MB<br />

DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> MATURAARBEITEN 33


In Daniel Düsentriebs<br />

Fussstapfen<br />

Der Technikfreak Marco<br />

Vieli, 5. Kl., wollte es<br />

wissen: Gelingt es mir,<br />

ein aktiv unterstützendes<br />

Exoskelett (Ellbogengelenk)<br />

zu bauen? Gesagt,<br />

getan und fertig war seine<br />

Maturaarbeit.<br />

Es gibt sie noch: Die Tüftler und Bastler, die<br />

in irgendeinem Keller zum Beispiel aus Gokartpneus,<br />

dem Motor eines Töffs und der Schalung<br />

von Getränkeharassen ein Fasnachtsmobil<br />

zusammenbauen. Oder mithilfe eines<br />

Feuerlöschers eine Konfettikanone kreieren.<br />

Sie nennen sich «Schrauber» oder «Hobbyschweisser»,<br />

und die Bekanntesten ihrer<br />

Zunft sind die Typen der DMAX-Serie «Steel<br />

Buddies».<br />

Leidenschaft fürs Tüfteln,<br />

Forschen und Konstruieren<br />

Der Fünftklässler Marco Vieli ist auch so ein<br />

Technikfreak. Es war sein Grossvater, der ihm<br />

die Leidenschaft für das Tüfteln, Forschen und<br />

Konstruieren mit auf den Weg gab. «Es gibt<br />

immer etwas zu reparieren oder instand zu<br />

stellen», meint er.<br />

Was er sich aber für seine Maturaarbeit vorgenommen<br />

hat, gehört schon in die Champions<br />

League seiner Zunft: ein Exoskelett.<br />

Dieses soll dem Menschen im wahrsten Sinn<br />

des Wortes unter die Arme greifen und das<br />

Ellbogengelenk in seinen Kraftaufwändungen<br />

aktiv unterstützen. «Exoskelette können zu<br />

militärischen Zwecken gebraucht werden, aber<br />

auch zum Beispiel in Postverteilzentren, wo<br />

es gilt, schwere Pakete zu heben», erläutert<br />

Vieli. Es gibt solche, die funktionieren mittels<br />

Elektromotoren und Akkus, wobei das Gewicht<br />

der Batterie schon etwas störend sein kann.<br />

Deshalb hat er sich für eine Variante mit<br />

Druckluft entschieden: «Diese muss zwar über<br />

eine Leitung zugeführt werden, aber wenn<br />

man am selben Ort bleibt, spielt das ja keine<br />

Rolle. Zudem verfügen viele Firmen bereits<br />

über ein solches Druckluftsystem, an dem das<br />

Skelett angeschlossen werden könnte.»<br />

Also begann Marco zu konstruieren. Da brauchte<br />

es erst einmal Gelenke. Marco entschied<br />

sich, diese aus Gehäuselagern zu bauen, da<br />

dies eher einfach ist und so Abweichungen in<br />

der Flucht korrigiert werden. Dann brauchte<br />

es Sensoren. Sensoren mit Taster schienen<br />

geeigneter als Muskelkontraktionssensoren,<br />

da so nicht ständig die Klebeelektroden vom<br />

Körper entfernt und wieder appliziert werden<br />

mussten. Und schliesslich brauchte es eine<br />

geeignete Antriebstechnik. Das ist eine<br />

Wissenschaft für sich. Letztlich entschied<br />

sich Marco für Pneumatikzylinder beim Ellbogengelenk,<br />

aber für Schrittmotoren in den<br />

Schultergelenken.<br />

34<br />

MATURAARBEITEN<br />

GYMNASIUM IMMENSEE


Haufenweise Herausforderungen zu meistern<br />

Und los gings. Oder nicht? «Oft stand ich einfach in<br />

der Werkstatt vor einem unerwarteten Problem und<br />

studierte an der Lösung herum», sagt Vieli. Anfangs<br />

schrieb er die aufgewendeten Stunden noch auf, bald<br />

liess er dies dann aber bleiben. Es gab – im Detail – Herausforderungen<br />

zuhauf. Wie befestige ich das Ding am<br />

Körper, damit die Kraftübertragung wirklich funktionieren<br />

kann? Wie programmiere ich die Steuerung der<br />

Schrittmotoren, damit der Motor<br />

langsam anläuft und dann ebenso<br />

langsam beschleunigt? Wie viel<br />

Luftdruck braucht es im System,<br />

um das gewünschte Resultat zu erzielen?<br />

Ohne jahrelange Erfahrung<br />

mit verschiedensten Technikanwendungen<br />

und Schweissgeräten<br />

hätte er wohl aufgeben müssen.<br />

So aber meisterte er jede Klippe,<br />

und das Resultat darf sich sehen<br />

lassen: Ganze 55 Kilos vermag das<br />

Exoskelett zu heben, nur sanft<br />

gesteuert und mit wenig Kraft vom<br />

menschlichen Ellbogen. Und Vieli<br />

schaffte es, damit ein Glas Wasser<br />

anzuheben und auf einer erhöhten<br />

Platte wieder abzustellen, praktisch<br />

ohne Wasser zu verschütten. Bravo!<br />

TEXT: DC | FOTO: MB<br />

DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> MATURAARBEITEN 35


STUDIERFÄHIGKEIT<br />

36 BASALE FACHLICHE STUDIERKOMPETENZEN<br />

GYMNASIUM IMMENSEE


Was alle<br />

Maturae<br />

und Maturi<br />

können<br />

und wissen<br />

müssen<br />

Das eidgenössische Maturitätszeugnis hat<br />

einen hohen Wert. Es attestiert den Maturae<br />

und Maturi nicht nur Reife, sondern garantiert<br />

ihnen den prüfungsfreien Übertritt<br />

an Spitzenuniversitäten wie die ETH und<br />

die weiteren kantonalen Institutionen. Die<br />

gymnasiale Ausbildung soll zur «allgemeinen<br />

Studierfähigkeit» führen. Durchaus<br />

nicht unumstritten ist, was darunter genau<br />

zu verstehen sei. Schliesslich war noch zu<br />

keiner Zeit jede Maturandin oder jeder Maturand<br />

in der Lage, beispielsweise ein Mathematikstudium<br />

aufzunehmen.<br />

> 38<br />

DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> BASALE FACHLICHE STUDIERKOMPETENZEN 37


37 ><br />

STUDIERFÄHIGKEIT<br />

VON BENNO PLANZER<br />

REKTOR<br />

BENNO.PLANZER@GYMNASIUM-IMMENSEE.CH<br />

Gesamtschweizerische Evaluationen der gymnasialen<br />

Maturität haben ergeben, dass die Mehrheit der<br />

Schweizer Maturae und Maturi für ein universitäres<br />

Studium grundsätzlich gut gerüstet sei. Ein Teil von<br />

ihnen verfüge aber in einigen Bereichen, die für viele<br />

Studienrichtungen von besonderer Bedeutung seien,<br />

über mangelhaftes oder ungenügendes Wissen und<br />

Können, so etwa in Mathematik und in der Erstsprache.<br />

Folglich wurde aus Kreisen der Universitäten und der<br />

ETH überspitzt moniert, dass ein Teil der Maturae und<br />

Maturi in der Erstsprache und in Mathematik kein Niveau<br />

erreiche, das für irgendeine Hochschule akzeptabel<br />

sei. Es gebe zu viele Mittelschulabgängerinnen und<br />

Mittelschulabgänger, die an den universitären Prüfungen<br />

oder bei Arbeiten kaum einen einzigen deutschen<br />

Satz korrekt schreiben könnten. Exponenten der ETH<br />

drohten gar, dass aufgrund der eigenen Erfahrungen<br />

und mit diesen Evaluationsergebnissen ein prüfungsfreier<br />

Zutritt mit der Matura infrage zu stellen sei.<br />

Liegt es beim schwachen Niveau in der Erstsprache<br />

schlicht und einfach daran, dass Kinder und Jugendliche<br />

weniger lesen? Oder ist die Schule schuld, die – wie<br />

einige Experten kritisieren – kaum noch Wert auf das<br />

Einüben von Orthografie und Syntax lege? Was ist zu<br />

tun? Wie kann jene Qualität garantiert und ausgewiesen<br />

werden, die den prüfungsfreien Zugang zu den<br />

Hochschulen sichert?<br />

Projekt «basale fachliche<br />

Studierkompetenzen» (BFSK)<br />

Hans Ambühl, der ehemalige Generalsekretär der<br />

kantonalen Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK),<br />

führte seinerzeit mit Besorgnis aus, dass die Qualität<br />

der Gymnasien die EDK sehr beschäftige. Er konstatierte,<br />

dass die Klagen über mangelhafte Orthografie<br />

und Syntax, Defizite in der sprachlichen Logik, ganz<br />

generell über den schriftlichen Ausdruck, zunähmen.<br />

Ambühl betonte, dass die Gymnasien eine Bringschuld<br />

hätten. Gerade weil die EDK das System mit einer<br />

relativ hohen Freiheit für die Gymnasien und dem prüfungsfreien<br />

Zutritt an die Hochschulen erhalten wolle,<br />

müssten die Gymnasien ein Interesse daran haben, jene<br />

Qualität zu garantieren, zu der sie auch verpflichtet<br />

«Die gymnasiale<br />

Gretchenfrage lautet:<br />

Welches fachliche<br />

Wissen und welches<br />

Können sind für die<br />

Aufnahme des Studiums<br />

in einer breiten Anzahl<br />

von Studienfächern<br />

unabdingbar?»<br />

seien. «Wir nehmen die qualitativen Probleme jedenfalls<br />

nicht einfach in Kauf», meinte Ambühl zuletzt am<br />

21. 1. 2015 gegenüber der «NZZ» entschlossen.<br />

Die EDK packte 2012 ein wichtiges Projekt an, um die<br />

Sicherung des prüfungsfreien Zugangs zur Hochschule<br />

in die Wege zu leiten. Professor Franz Eberle von der<br />

Universität Zürich wurde beauftragt, sogenannte basale<br />

fachliche Kompetenzen für die allgemeine Studierfähigkeit<br />

in Mathematik und in der Erstsprache dingfest<br />

zu machen. Die gymnasiale Gretchenfrage lautete:<br />

Welches fachliche Wissen und welches Können sind<br />

für die Aufnahme des Studiums in einer breiten Anzahl<br />

von Studienfächern unabdingbar?<br />

In einem ersten Teil ermittelten Eberle und sein Team<br />

die Anforderungen in Erstsprache und Mathematik<br />

empirisch. Vierzig Studierende, die das erste Studienjahr<br />

mit gutem Erfolg abgeschlossen hatten, wurden<br />

schriftlich und mündlich befragt. Diese Personen<br />

studierten in zwanzig repräsentativ ausgewählten<br />

Studiengängen in allen Schweizer Sprachregionen.<br />

Auf einem Fragebogen gaben sie an, welche mathematischen<br />

Fertigkeiten und welche Kompetenzen in der<br />

Erstsprache sie im ersten Studienjahr wie oft hatten<br />

einsetzen müssen und inwieweit sie diese bereits<br />

mitzubringen hatten. Analysiert wurden sodann die<br />

Lehrunterlagen, und die Befragten gaben an, wo sie<br />

mathematisches Wissen und Können benötigten.<br />

38 BASALE FACHLICHE STUDIERKOMPETENZEN<br />

GYMNASIUM IMMENSEE


In einem zweiten Teil wurde ein Vorschlag für die<br />

basalen fachlichen Kompetenzen erarbeitet. Grund -<br />

lage hierzu bildeten die im ersten Teil gewonnenen Erkenntnisse<br />

sowie Überlegungen von Fachdidaktikern.<br />

Für jedes Fach zeichneten Vertreter der Fachdidaktik,<br />

der Universität und der Lehrerschaft verantwortlich.<br />

In einem dritten Teil wurde das didaktische Konzept<br />

abgeleitet. Die Frage lautete, wie die basalen Kompetenzen<br />

nachhaltig und flächendeckend zu fördern<br />

seien. Eberle ging davon aus, dass man die Kompetenzen<br />

in den bestehenden Lehrplänen verorten und die<br />

Unterrichtsdidaktik bezüglich Zielerreichung anpassen<br />

kann.<br />

Kritische Haltung der Lehrerschaft<br />

Kritischer stand die Lehrerschaft der Einführung der<br />

basalen fachlichen Studierkompetenzen (BFSK) gegenüber,<br />

obwohl der Verein Schweizerischer Gymnasiallehrerinnen<br />

und Gymnasiallehrer der Erarbeitung von<br />

Basiskompetenzen zugestimmt hatte. Es waren Ängste<br />

vorhanden, dass der gymnasiale Unterricht bei den<br />

Basiskompetenzen haltmachen und damit eine Nivellierung<br />

nach unten stattfinden würde. Einen solchen<br />

Abbau wünschte sich aber niemand. Es war immer klar,<br />

dass das Gymnasium weiterhin die maximale Bildung<br />

in allen Fächern anstreben soll. Wichtig war auch, dass<br />

keine Absicht bestand, Bildungsstandards zu definieren,<br />

wie dies für die Volksschule mit dem Lehrplan 21<br />

umgesetzt wurde. So betonte Eberle, dass es einzig<br />

darum gehe, besonders störende Kompetenzlücken zu<br />

schliessen.<br />

Wegweisender EDK-Beschluss<br />

Bildungsverantwortliche aus den Gymnasien, den<br />

Hochschulen und der Bildungsverwaltung einigten sich<br />

auf ein Set von basalen fachlichen Kompetenzen für<br />

die allgemeine Studierfähigkeit. Im Jahr 2016 erliess<br />

die EDK die nötigen Rechtsgrundlagen, um den Rahmenlehrplan<br />

mit den BFSK zu ergänzen. Damit war der<br />

prüfungsfreie Übertritt mit dem Maturaausweis an die<br />

Hochschulen gerettet. Die Hochschulen werden aber<br />

auf die flächendeckende und korrekte Umsetzung der<br />

BFSK sehr wohl ein Auge werfen. Der Ball wurde den<br />

Kantonen zugespielt, welche die Umsetzung unverzüglich<br />

an die Hand nahmen, um eine korrekte Umsetzung<br />

garantieren zu können.<br />

Gymnasiale Studierfähigkeit und BFSK<br />

unterscheiden sich<br />

«Das bedeutet<br />

gewiss nicht, dass<br />

sich die Aufgabe des<br />

Gymnasiums in der<br />

Vorbereitung des<br />

Hochschulstudiums<br />

erschöpft, es bedeutet<br />

aber, dass dies die<br />

Kernaufgabe des<br />

Gymnasiums sein<br />

muss.»<br />

Die Hochschulvorbereitung ist die zentrale Aufgabe<br />

des Gymnasiums. Schon vor Jahren stellten die Zürcher<br />

alt Universitätrektoren Andreas Fischer und Hans<br />

Weder diese Aussage ins rechte Licht: «Das bedeutet<br />

gewiss nicht, dass sich die Aufgabe des Gymnasiums in<br />

der Vorbereitung des Hochschulstudiums erschöpft, es<br />

bedeutet aber, dass dies die Kernaufgabe des Gymnasiums<br />

sein muss.»<br />

Zur allgemeinen Studierfähigkeit steuern Wissen,<br />

Können, Kompetenzen, Persönlichkeitsfaktoren und<br />

Haltungen aus ganz vielen Bereichen bei. Als fachliche<br />

Kompetenzen sind Wissen und Können aus den Hauptfachbereichen<br />

Erstsprache, Zweitsprache, Mathematik,<br />

Englisch und Informationstechnologien zu bezeichnen.<br />

Das Vernetzen und der Transfer verbinden die Fachbereiche<br />

interdisziplinär. Nicht minder wichtig sind<br />

> 40<br />

DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> BASALE FACHLICHE STUDIERKOMPETENZEN 39


39 ><br />

STUDIERFÄHIGKEIT<br />

überfachliche Kompetenzen wie Arbeitsorganisation<br />

und Planung, Zeitmanagement, Selbstreflexion,<br />

Lernstrategien, Bewältigung von komplexen und<br />

neuen Arbeitssituationen, Kommunikationsfähigkeit,<br />

soziales Lernen, Deutungskompetenzen, Grundlagen<br />

des wissenschaftlichen Arbeitens und ein korrekter<br />

Umgang mit Quellen und Medien. Die Persönlichkeitsentwicklung<br />

ist ein wesentlicher Pfeiler der gymnasialen<br />

Bildung. Es geht um das Fördern und Stärken der<br />

Persönlichkeit und um das Hinführen zu einer Gesellschaftsreife.<br />

Persönliche Einstellungen sind nicht einfach erlernbar.<br />

Der gymnasiale Unterricht kann und soll sie aber<br />

fördern: Interesse, Neugier, Fantasie, Eigenmotivation,<br />

Fähigkeit für aufbauende Kritik, gute Streitkultur,<br />

Offenheit, Werte und Haltungen, Aufmerksamkeit,<br />

Ausdauer, Pflichtbewusstsein, Strebsamkeit und<br />

positive Selbstwirksamkeit beziehungsweise positives<br />

Selbstkonzept. Zum Starkwerden gehören auch<br />

Momente der Lebensfreude, der Kultur, des Sports,<br />

des Ausgleichs und der Zerstreuung. Die Hochschulen<br />

erwarten eine hohe Belastbarkeit, ein Dranblieben<br />

DAS NEUE «LERNNAVI» HILFT MIT, DIE BFSK ZU ERREICHEN<br />

Ab dem Schuljahr <strong>2022</strong>/2023<br />

steht das Lernnavi für Deutsch<br />

und Mathematik zur Verfügung.<br />

Dieses neue Instrument orientiert<br />

sich am Teilprojekt BFSK der EDK<br />

zur Sicherstellung des prüfungsfreien<br />

Hochschulzugangs. Die<br />

Verwendung des Lernnavis erfolgt<br />

hauptsächlich selbstständig und<br />

eigenverantwortlich durch die<br />

Schülerinnen und Schüler.<br />

Das Lernnavi stellt Aufgaben der<br />

Fächer Deutsch und Mathematik<br />

bereit, die in drei verschiedenen<br />

Modi von den Schülerinnen und<br />

Schülern bearbeitet werden können.<br />

Im Modus «Lernen» können die<br />

Schülerinnen und Schüler den<br />

Themenbereich auswählen und<br />

erhalten zu ihren Fähigkeiten<br />

passende Aufgaben zugewiesen.<br />

Der Lernprozess wird unterstützt,<br />

indem Theorieteile, Kommentarfunktionen<br />

(die Schülerinnen und<br />

Schüler können Kommentare zu<br />

Aufgaben erfassen und Hilfestellungen<br />

für andere Benutzerinnen<br />

und Benutzer geben), Möglichkeiten<br />

für Schritt-für-Schritt-Lösungen<br />

im Fach Mathematik, Hilfestellungen<br />

und Tipps, individuelle Feedbacks<br />

nach jeder gelösten Aufgabe<br />

und Auswertungen bezüglich des<br />

Lernstands zur Verfügung gestellt<br />

werden.<br />

Mit dem Modus «Level Check»<br />

erhalten die Schülerinnen und<br />

Schüler eine Rückmeldung, auf welchem<br />

Niveau sie in Bezug auf ihre<br />

Kompetenzen stehen. Level-Checks<br />

können pro Themenbereich beliebig<br />

oft gemacht werden. Weil sich das<br />

System den Fähigkeiten der Schülerin<br />

oder des Schülers anpasst, sind<br />

Level-Checks im selben Themenbereich<br />

nicht identisch.<br />

Im Modus «Lehren» können die<br />

Lehrpersonen individuelle Aufgabenpakete<br />

(«Lektionen») für ihre<br />

Schülerinnen und Schüler zusammenstellen.<br />

Das Lernnavi ist ein lernendes<br />

System, das mit zunehmendem<br />

Einsatz und wachsender Verbreitung<br />

in mehreren Kantonen immer<br />

besser wird. Zudem wird das<br />

System in der Algorithmik weiter<br />

optimiert und motivationssteigernde<br />

Elemente entwickelt.<br />

Beispiel für einen Lernnavi-Desktop. BILD: WWW.LERNNAVI.CH<br />

40 BASALE FACHLICHE STUDIERKOMPETENZEN<br />

GYMNASIUM IMMENSEE


und ein Durchbeissen. Ein Gewohntsein an Kritik,<br />

gepaart mit einer guten Frustrationstoleranz, werden<br />

als ebenso unabdingbar erachtet.<br />

Eberle und sein Forschungsteam zeigten mit ihrer Arbeit,<br />

welche Voraussetzungen für die allgemeine Studierfähigkeit<br />

gegeben sein müssen. Um im Sinne der<br />

allgemeinen Studierfähigkeit jedes Studium erfolgreich<br />

aufnehmen zu können, braucht es erstens überfachliche<br />

kognitive und nicht kognitive Kompetenzen (etwa<br />

analytisches und schlussfolgerndes Denken, Selbstorganisation,<br />

Zeitmanagement, Pflichtbewusstsein).<br />

Zweitens bedarf es des Fachwissens und -könnens,<br />

das von vielen Studienfächern vorausgesetzt wird<br />

(basale fachliche Kompetenzen für allgemeine Studierfähigkeit).<br />

Dazu gehören insbesondere Wissen und<br />

Können aus Erstsprache, Englisch und Mathematik sowie<br />

Informatik-Anwendungskompetenzen. Und drittens<br />

setzen die einzelnen universitären Studienfächer auch<br />

noch mehr oder weniger umfangreiches Spezialwissen<br />

und -können voraus. Abbildung 1 zeigt diese beschriebenen<br />

Zielkomponenten und Zusammenhänge.<br />

So ermittelten Eberle und sein Forschungsteam ein Set<br />

Abbildung 1: Basale fachliche Komptenzen im Kontext der gymnasialen Fächer und Ziele<br />

AUS FRANZ EBERLE ET AL.: BASALE FACHLICHE KOMPETENZEN FÜR ALLGEMEINE STUDIERFÄHIGKEIT IN MATHEMATIK UND<br />

ERSTSPRACHE. SCHLUSSBERICHT ZUHANDEN DER EDK. 15. OKTOBER 2014 (REVIDIERTE FASSUNG VOM 12. JANUAR 2015)<br />

> 42<br />

DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> BASALE FACHLICHE STUDIERKOMPETENZEN 41


41 ><br />

STUDIERFÄHIGKEIT<br />

«Mit durchschnittlichem<br />

Fleiss und Einsatz<br />

erreichen alle<br />

Schülerinnen und<br />

Schüler des Gymnasiums<br />

Immensee die geforderten<br />

basalen fachlichen<br />

Studierkompetenzen.»<br />

von grundlegenden fachlichen Kompetenzen, die fast<br />

von allen Studienrichtungen vorausgesetzt werden.<br />

Dabei geht es um Wissen und Können, das Maturandinnen<br />

und Maturanden eigentlich mit einer absoluten<br />

Selbstverständlichkeit beherrschen müssen.<br />

Das Erreichen der weiteren gymnasialen Lerninhalte,<br />

die über das Basale gehen und auch überfachliche<br />

Bereiche und die Gesellschaftsreife betreffen, sind<br />

Bestandteil der Matura und werden in unterschiedlicher<br />

Form an den Maturaprüfungen getestet. Die<br />

Maturaprüfungen gehen umfangmässig und noch mehr<br />

in Bezug auf das Leistungsniveau sehr weit über das<br />

Basale hinaus. Vereinfacht kann angefügt werden, dass<br />

die meisten BFSK nach dem vierten Jahr des sechs Jahre<br />

dauernden Langzeitgymnasiums erfüllt sein sollten.<br />

Die BFSK am Gymnasium Immensee<br />

Am Gymnasium Immensee werden die BFSK in den Fächern<br />

Deutsch und Mathematik in den 3. und 4. Klassen<br />

sowohl selbstständig als auch in einem Unterrichtgefäss<br />

gefördert. Die Schülerinnen und Schüler der<br />

beiden Klassenstufen kommen je ein Semester lang<br />

in den Genuss dieser Zusatzlektion. Dabei werden<br />

unterschiedliche Lern- und Hilfsmittel eingesetzt. Von<br />

analogen Papierdokumenten bis zu verschiedenen<br />

digitalen Lernportalen stehen den Schülerinnen und<br />

Schülern zahlreiche nützliche Hilfsmittel und Instrumente<br />

zur Verfügung, die ein individualisiertes Lernen<br />

und Trainieren erlauben.<br />

Das Erreichen der BFSK wird am Ende des Schuljahrs<br />

mittels Zusatzdokument zum Zeugnis ausgewiesen.<br />

Mit durchschnittlichem Fleiss und Einsatz erreichen alle<br />

Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Immensee<br />

die geforderten basalen fachlichen Studierkompetenzen.<br />

Berechtigterweise sei festgestellt, dass Schülerinnen<br />

und Schüler, welche die BFSK-Ziele in der 3. und<br />

4. Klassen nicht erreichen würden, sich kaum auf einem<br />

sicheren Weg zur Matura befinden. Sie haben zwar die<br />

Möglichkeiten, den Nachweis allenfalls in den folgenden<br />

Jahren bis zur Matura noch zu erbringen. Für das<br />

Bestehen der viel weiter gehenden und entsprechend<br />

anforderungsreichen Maturaprüfungen könnten in solchen<br />

Fällen aber wohl kaum gute Prognosen gestellt<br />

werden.<br />

AM GYMI IMMENSEE ÜBEN DIE SCHÜLERINNEN UND SCHÜLER DIESE BFSK<br />

Im Fach Deutsch werden<br />

die folgenden BFSK-<br />

Themengebiete geübt:<br />

– Orthografie<br />

– Interpunktion<br />

– Wortarten<br />

– Satzglieder<br />

– Satzgefüge<br />

– Stilistik<br />

– Textrezeption<br />

– Textproduktion<br />

Im Fach Mathematik werden in einem ersten Schritt<br />

schwerpunktmässig die Themen der dritten und<br />

vierten Klassen des Langzeitgymnasiums trainiert,<br />

namentlich die folgenden BFSK-Teilbereiche:<br />

– Zahlen und Zahlenmengen<br />

– Term und Termumformungen<br />

– Gleichungen<br />

– Funktionen<br />

– Elementargeometrie<br />

– Ähnlichkeitsgeometrie<br />

– Trigonometrie<br />

Vollständig finden sich alle<br />

Themenbereiche im Anhang zum<br />

Rahmen lehrplan für die Maturitätsschulen<br />

vom 9. 6. 1994. Die<br />

basalen fachlichen Kompetenzen<br />

für die allgemeine Studierfähigkeit<br />

in Erstsprache und Mathematik<br />

sind im Anhang vom 17. 3. 2016<br />

dargestellt.<br />

DOWNLOAD: HTTPS://<br />

EDUDOC.CH/RECORD/121436?LN=DE<br />

42 BASALE FACHLICHE STUDIERKOMPETENZEN<br />

GYMNASIUM IMMENSEE


BFSK-Selbsttest Deutsch<br />

Beispiel S2<br />

Geprüfte BK: A, B, C1, C3 | Zeit: 60 Minuten | Hilfsmittel: Rechtschreibeprogramm, Wörterbuch<br />

Lesen Sie folgenden Text und korrigieren Sie die darin enthaltenen Fehler sorgfältig.<br />

Gehen Sie jeweils wie folgt vor:<br />

– Streichen Sie falsch geschriebene Wörter durch und schreiben Sie das Wort in der richtigen<br />

Schreibweise direkt darüber.<br />

– Setzen Sie fehlende Satzzeichen (unter anderem Kommas) ein; umkreisen Sie falsch gesetzte<br />

Satz zeichen.<br />

– Korrigieren Sie Fehler aus dem Bereich der Grammatik oder des Satzbaus direkt im Text.<br />

Fadri ist 14 jährig. Er läst sich von seinem Handy wecken und setzt<br />

sich, wenn er nach dem Frühstück aus dem Haus geht, die Kopfhörer<br />

auf um Musik zu hören. Im Bus prüfte er rasch seine Mailbox, liest neue<br />

Nachrichten auf WhatsApp, schaut, wie viele Herzen er für seinen letzten<br />

Insta gram-Post erhalten hat und leitet seinen Freunden ein lustiges<br />

YouTube-Video weiter. Im Unterricht arbeitet er, mit seinen Mitschülern<br />

weiter an einer Gruppen Präsentation. Die Notizen seines Kollegen<br />

fotografiert er in seine Unterlagen. Alles tut er mit seinem Smartphone.<br />

Nach der Schule fährt Fadri direkt zum Fussballtraining und anschliessend<br />

nach Hause. Im Bus repetiert er auf seinem Handy die Französischwörtern<br />

mit einer Lernkartei. Zuhause fährt er hoch zuerst seinen Laptop, sodass<br />

er kann weiterarbeiten an seinem Vortrag. Danach prüft er, ob sein Team<br />

bereits vollständig online ist, um das nächste Fussballspiel in «FIFA»<br />

spielen zu können. Zwei fehlen noch. Er schickt ihm eine WhatsApp-<br />

Nachricht, fragt, ob sie für’s Spiel bereit seien?<br />

Rund eine Stunde später kündet seine Mutter das Nachtessen an.<br />

Er weiss jetzt bleibt ihm noch eine halbe Stunde. Im Chat schreibt er,<br />

dass er bei der nächsten Gelegenheit aussteigt. Bereits eine Viertelstunde<br />

später,ist es soweit. In der Zeit, die ihm bis zum Abendessen noch bleiben<br />

chattet er mit seiner Freundin über etwas lustiges, das er auf Instagram<br />

gesehen hat.<br />

> SEITE 60: LÖSUNG<br />

DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> BASALE FACHLICHE STUDIERKOMPETENZEN 43


STUDIERFÄHIGKEIT<br />

BFSK-Selbsttest Mathematik<br />

Aufgabe 1 (Brüche)<br />

Vereinfache den Bruch, falls dies möglich ist!<br />

Aufgabe 2 (Strahlensatz)<br />

Berechne die Strecke B'C'<br />

Aufgabe 3 (Gleichungen)<br />

Löse die folgende Gleichung:<br />

(x – 3) (2x – 5) + 4 (2 – x) + 12 = 2 (1 – x) 2<br />

44 BASALE FACHLICHE STUDIERKOMPETENZEN<br />

GYMNASIUM IMMENSEE


Aufgabe 4 (Stereometrie)<br />

Berechne den Oberflächeninhalt des folgenden Körpers.<br />

Aufgabe 5 (Umstellen von Formeln)<br />

Löse die Volumenformel der Kugel (<br />

) nach r auf.<br />

Aufgabe 6 (Geraden)<br />

Gegeben sind die beiden Punkte A (–4 / 1) und B (4 / 5) einer linearen Funktion.<br />

Bestimme die Steigung m und den y-Achsenabschnitt q.<br />

Notiere die Funktion in der Form y = mx + q.<br />

> SEITE 61: LÖSUNGEN<br />

DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> BASALE FACHLICHE STUDIERKOMPETENZEN<br />

45


STUDIERFÄHIGKEIT<br />

«Basics first!»<br />

Wer studieren<br />

will, muss nicht<br />

nur komplexe<br />

Zusammenhänge<br />

erfassen<br />

können,<br />

sondern auch<br />

das schulische<br />

Grundhandwerk<br />

beherrschen.<br />

Am<br />

Gymi Immensee<br />

läuft ein<br />

grosses Projekt,<br />

um dies<br />

sicher zustellen.<br />

TEXT: DC<br />

FOTO: MB<br />

Die Order kam von ganz oben. Die Rektoren der Universitäten<br />

unseres Landes drohten den Kantonsschulen<br />

mit flächendeckenden Aufnahmetests, sollten sich die<br />

«basalen fachlichen Studierkompetenzen» nicht verbessern.<br />

Dazu veröffentlichten sie im Jahr 2015 eine<br />

284 Seiten starke Studie. Sie zeigte auf, wo der Schuh<br />

drückt. «Vor allem in der Mathematik und in der Erstsprache<br />

– bei uns also Deutsch – braucht es eine zusätzliche<br />

Sicherung der Grundkompetenzen», sagt Benno<br />

Planzer, Rektor des Gymnasiums Immensee. «Dies ist<br />

natürlich nicht zuletzt eine Folge der immer besseren<br />

Rechner und digitalen Sprachunterstützungen, die uns<br />

die Anwendung zum Beispiel des Bruchrechnens oder<br />

der korrekten Rechtschreibung abnehmen.»<br />

Mathematik: Schulübergreifende Kooperation<br />

Deshalb hat das Gymnasium Immensee ein umfangreiches<br />

Projekt aufgelegt. Dieses besteht aus zwei<br />

zusätzlichen, strukturierten Übungslektionen in den<br />

dritten Gymnasialklassen. «Bei uns werden alle Schülerinnen<br />

und Schüler durch dieses Programm geführt»,<br />

Schülerinnen und Schüler arbeiten gemeinsam an<br />

ihren basalen fachlichen Studierkompetenzen:<br />

(v. l. n. r.) Marwin, Linn, Luci und Anna, alle 3. Klasse.<br />

sagt Benno Planzer. «Zudem suchen wir für die Entwicklung<br />

dieser Programme die Kooperation mit anderen<br />

Gymnasien. Im Bereich der Mathematik ist Projektleiter<br />

Simon Bachmann bei der Kanti Musegg fündig<br />

geworden. Gemeinsam haben die beiden Schulen ein<br />

70-seitiges Skript entwickelt, das die Schülerinnen und<br />

Schüler durchgehen müssen. Das geht von der Lösung<br />

linearer Gleichungen über Pythagoras und Pyramiden<br />

bis zu Berechnungen von Kegeln und Kugeln. «Bei der<br />

Entwicklung können wir auf unsere Fernunterrichtserfahrung<br />

der letzten beiden Jahre zurückgreifen», sagt<br />

Bachmann. So ist ein Teil der Aufgaben über Lernprogramme<br />

wie «forms» oder «bettermarks» zugänglich.<br />

«Diese Programme erleichtern die Arbeit enorm. Sie<br />

bieten einen Überblick in Echtzeit, welche Schüler gerade<br />

wo stehen, und verkürzen auch die Korrekturzeit.»<br />

Getestet wird gleich zweimal. «Wer beim ersten Test<br />

durchfällt, muss nochmals antreten», so Bachmann.<br />

Deutsch: Prototyp wird laufend optimiert<br />

Etwas weniger strukturiert ist der Kursus im Deutsch.<br />

«Da liegt das Hauptaugenmerk auf den Textverständnis»,<br />

meint Deutschlehrer Nicolas Annen. «Studierende<br />

müssen in der Lage sein, auch bei komplexen Texten die<br />

wichtigsten Aussagen herausfiltrieren und zusammenfassen<br />

zu können.» Aber auch Grammatik und Rechtschreibung<br />

stehen auf dem Programm. «Studierende<br />

sollten nicht auf ein Korrekturprogramm angewiesen<br />

sein», sagt Annen dazu. Und was sagen die Schülerinnen<br />

und Schüler? Erst einmal nicht viel, denn während<br />

der Übungslektionen sind sie sehr damit beschäftigt,<br />

innerhalb des engen Zeitrahmens die geforderte Leistung<br />

zu erbringen. «Das jetzige Skript ist ein Prototyp»,<br />

sagt Bachmann. «Aufgrund der Erfahrungen mit den<br />

Schülerinnen und Schülern passen wir es laufend an,<br />

nehmen da etwas weg und fügen an einem anderen Ort<br />

etwas hinzu.» Bei Annen liegt die Herausforderung eher<br />

in der Frage der Überprüfung: «Standardisierte Tests im<br />

Deutsch sind schwierig.» Beide erhoffen sich, dass es<br />

für eine harmonisierte Umsetzung dieses Programms<br />

zwischen den Gymnasien noch mehr Kooperation gibt<br />

– «damit die Universitäten in Zukunft besser wissen,<br />

was im Bildungsrucksack der Studienbeginnerinnen und<br />

-beginner steckt», betont Planzer.<br />

46<br />

BASALE FACHLICHE STUDIERKOMPETENZEN<br />

GYMNASIUM IMMENSEE


DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> BASALE FACHLICHE STUDIERKOMPETENZEN 47


Feuer und<br />

Flamme<br />

für die Kunst<br />

VON DIANA SEEHOLZER, MATURA 1996,<br />

BILDNERISCHES UND TECHNISCHES GESTALTEN,<br />

DIANASEE@GMX.CH, WWW.DIANASEEHOLZER.CH<br />

Wer hätte gedacht, dass ich nach<br />

meiner Matura 1996 später in<br />

irgendeiner Weise wieder mit dem<br />

Gymnasium Immensee zu tun<br />

haben würde? Ich nicht.<br />

Dass ich nun bereits seit dem Jahr<br />

2003 (mit drei längeren Unterbrechungen)<br />

als Lehrperson für<br />

Bildnerisches und Technisches<br />

Gestalten tätig sein darf und somit<br />

tief verwurzelt bin im Gymi, hat<br />

mit glücklichen Umständen zu tun.<br />

Diese Schule mit ihrem charismatischen<br />

Gebäude, den gewachsenen<br />

und sich laufend auch ändernden<br />

Strukturen, den wechselnden und<br />

einigen ihr treu bleibenden Lehr-<br />

personen ist ein reicher Nährboden<br />

für gutes Entwickeln. Persönlich<br />

schätze ich auch Kleinigkeiten wie<br />

mit dem Velo zur Schule fahren zu<br />

können, das alte und immer noch<br />

sehr schöne Z-Bau-Treppenhaus<br />

(mein Fitnessprogramm ) oder<br />

den reichen Baum- und Vogelbestand<br />

rund um die Schulanlage.<br />

Neues entdecken<br />

und weitergeben<br />

Ich wusste bereits als Kind, dass<br />

ich später etwas im gestalterischen<br />

Bereich machen wollte.<br />

Das Erschaffen aus eigener Vor-<br />

48<br />

EHEMALIGE<br />

GYMNASIUM IMMENSEE


DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> EHEMALIGE 49<br />

> 50


49 ><br />

stellung und Fantasie hat mich<br />

schon damals fasziniert. Egal, ob<br />

Malerei, Zeichnung, Installationen<br />

oder Keramik, Ich schätze es, mich<br />

mit Material ausdrücken zu können.<br />

Kunst ist ein grosses Feld; ich<br />

entdecke immer wieder Neues<br />

und gebe dies auch gerne weiter.<br />

Freude und Leidenschaft zu teilen,<br />

empfinde ich als etwas sehr Bereicherndes.<br />

Ich denke, Schülerinnen<br />

und Schüler schätzen eine Lehrperson,<br />

die für etwas brennt und ein<br />

Feuer für die Sache in sich trägt.<br />

So erging es zumindest mir in meiner<br />

eigenen Schulzeit. Ich habe viele<br />

Persönlichkeiten erleben dürfen,<br />

die sehr unterschiedlich waren. Das<br />

hat mir gutgetan. Zu kurz kamen<br />

damals jedoch die Frauen – es gab<br />

kaum weibliche Lehrpersonen. Dies<br />

hat sich nun zum Glück geändert.<br />

Während meiner Zeit am Gymi<br />

begann ich mit siebzehn Jahren<br />

die Privatpilotenausbildung und<br />

absolvierte schrittweise in den<br />

folgenden Jahren die Ausbildung<br />

zur Berufs- und Gletscherpilotin.<br />

Dass ich dies machen konnte, hatte<br />

auch mit dem glücklichen Umstand<br />

zu tun, dass mein Vater ein leidenschaftlicher<br />

Pilot und Fluglehrer<br />

war. Er gründete die Firma Seeholzer-Air,<br />

welche ich später mit<br />

meinen Eltern als Familienbetrieb<br />

führte. Die Fliegerei hat mich stark<br />

geprägt, insbesondere habe ich<br />

gelernt, Verantwortung zu übernehmen<br />

und selbstständig tätig zu<br />

sein. Inzwischen ist das Fliegen für<br />

mich Vergangenheit, aber ich trage<br />

einen reichen Schatz an Erlebnissen<br />

und Bildern in mir.<br />

Künstlerische und berufliche<br />

Weiterentwicklung<br />

An der Hochschule Luzern Design<br />

& Kunst habe ich 1997 den gestalterischen<br />

Vorkurs und im Anschluss<br />

das Studium zur Zeichen- und Werklehrerin abgeschlossen<br />

(heute Major Art Teaching MAT). Das waren fünf<br />

sehr reiche und spannende Jahre. Meine Wochenenden<br />

und Ferien verbrachte ich bei schönem Wetter auf<br />

dem Flugplatz und in der Luft. Nach meinem Studienabschluss<br />

machte ich bewusst Stellvertretungen und<br />

unterrichtete in Abendkursen für Erwachsene. Kontinuierlich<br />

entwickelte ich im Atelier mein Werk weiter.<br />

Ein weiterer wichtiger Meilenstein für mich war ein<br />

sechsmonatiges Kunststipendium oberhalb von Einsiedeln<br />

(auf dem Katzenstrick). Diese Zeit allein in<br />

einem grossen Atelier war entscheidend, um mein<br />

Schaffen als Künstlerin zu festigen. Denn mir war<br />

immer klar: Ich wollte neben dem Unterrichten auch<br />

«Schülerinnen und<br />

Schüler schätzen eine<br />

Lehrperson, die für<br />

etwas brennt und ein<br />

Feuer für die Sache in<br />

sich trägt. So erging es<br />

zumindest mir in meiner<br />

eigenen Schulzeit.»<br />

als bildende Künstlerin tätig sein. Mit der Zeit verdichtet<br />

sich ein Werk. Im Idealfall entsteht etwas, das stark<br />

genug ist, um eine bestimmte Aussage zu erzeugen.<br />

Ein persönlicher und reicher Prozess, den ich immer<br />

wieder gerne durchlaufe.<br />

Ich konnte in meiner bisherigen Zeit an unterschiedlichsten<br />

Orten ausstellen und durfte so bereichernde<br />

Begegnungen erleben. Mehrere Auszeichnungen (unter<br />

anderem Werkbeitrag des Kantons Schwyz und der<br />

Kulturpreis von Küssnacht) haben mich in meinem Tun<br />

bestärkt. Sehr dankbar bin ich, dass ich durch Stipendien<br />

die Chance erhielt, mich 2007 für vier Monate<br />

in New York aufzuhalten und 2011 für sechs Monate<br />

in Paris das Atelier der Visarte Zentralschweiz nutzen<br />

konnte. Diese Aufenthalte verhalfen mir zu mehr<br />

Distanz und neuen Inputs. Ich kam mit vollen Batterien<br />

und tausend Ideen zurück.<br />

Gleichzeitig Künstlerin, Kuratorin,<br />

Lehrerin und Mutter<br />

Ich ermögliche auch gerne anderen<br />

Menschen Dinge. Beispielsweise<br />

habe ich zusammen mit Freunden<br />

fünfmal das Open Air «Luna<br />

Lounge» und zweimal die «Offenen<br />

Ateliers in Küssnacht» organisiert.<br />

Gleichzeitig Kuratorin und Künstlerin<br />

zu sein, erlebte ich in meiner<br />

sechsjährigen aktiven Beteiligung<br />

an der Alpineum Produzentengalerie<br />

in Luzern. Als Lehrerin für<br />

Bildnerisches und Technisches<br />

Gestalten hoffe ich, dass etwas<br />

von meinen Lektionen hängen<br />

bleibt und die Lernenden in ihrem<br />

späteren Leben begleitet.<br />

Ich wurde mit vierzig Jahren Mutter<br />

– für mich der ideale Zeitpunkt<br />

und mein grösstes Geburtstagsgeschenk.<br />

Wir haben das Glück,<br />

als Familie in meinem Elternhaus<br />

leben und arbeiten zu können. Die<br />

ehemalige Autowerkstatt haben<br />

wir so umgenutzt, dass neben dem<br />

Wohnbereich auch unsere Ateliers<br />

Platz haben (mein Mann René Odermatt<br />

ist bildender Künstler). Unser<br />

Sohn Ignaz kann somit an einem Ort<br />

aufwachsen, an welchem Arbeiten<br />

und Wohnen ineinanderfliessen, und<br />

darf ganz selbstverständlich miterleben,<br />

womit wir uns beschäftigen.<br />

Auch meine Schwester Aline lebt mit<br />

ihrer Familie inzwischen im gleichen<br />

Haus, was ich sehr schätze.<br />

Ich erinnere mich an einen Aufsatz,<br />

den ich 1995 im Fach Philosophie<br />

zum Thema Glück schrieb. «Ich<br />

möchte einmal in einem grossen<br />

Haus leben mit Menschen, die mir<br />

wichtig sind, und das tun können,<br />

was mich wirklich interessiert.»<br />

Vieles, was ich bereits damals als<br />

wichtig empfand, ist eingetroffen.<br />

Dafür bin ich sehr dankbar.<br />

FOTO: RENÉ ODERMATT,<br />

WWW.RENEODERMATT.CH<br />

50<br />

EHEMALIGE<br />

GYMNASIUM IMMENSEE


Veränderungen<br />

sind immer<br />

eine Chance,<br />

sich weiterzuentwickeln<br />

VON CHRISTIAN RUST,<br />

MATURA 1994<br />

Mein Berufsweg verlief untypisch<br />

für einen Gymnasiasten. Es brauchte<br />

Überwindung, den Hochschulweg<br />

abzubrechen und den Weg<br />

der höheren Berufsbildung zu<br />

beschreiten. Diesen Schritt habe<br />

ich nie bereut, und von der Wissens<br />

vermittlung am Gymi kann ich<br />

heute noch profitieren.<br />

Leben am Gymnasium Immensee<br />

Am Gymi wird politisiert. Da treffen<br />

verschiedene Ansichten aufeinander.<br />

Ich nahm kaum an politischen<br />

Unterhaltungen teil, welche nicht<br />

selten in Disputen endeten. In den<br />

Pausen bevorzugte ich Darts und<br />

Töggelikasten. Ganz unbeteiligt am<br />

Gymileben war ich nicht. So half<br />

ich für einige Spiele dem Volleyball-Club<br />

aus und war Mitorganisator<br />

der Rock-Beiz im Bunker.<br />

Einige Maturanden des Jahrgangs<br />

1992 werden sich an ihre legendäre<br />

Maturafeier erinnern … Mangels<br />

freier Zeit blieb es auch bei wenigen<br />

Besuchen bei den Wikingern.<br />

In Immensee aufgewachsen,<br />

verbrachte ich den grössten Teil<br />

meiner Freizeit im Fussballclub<br />

oder mit Guggenmusik-Kollegen.<br />

Berufsweg<br />

Mit dem Erlangen der Matura 1994<br />

brach eine neue Zeit an. Nach dem<br />

Zwischenjahr mit Rekrutenschule,<br />

Waldarbeit und einem Praktikum<br />

in einer Zimmerei ahnte ich, dass<br />

> 52<br />

DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> EHEMALIGE 51


51 ><br />

der Abstecher an die ETH Zürich<br />

wohl kurz sein würde. Mit dem<br />

Wirtschaftsdiplom und – selbst<br />

verschuldeten – Lücken in den<br />

Naturwissenschaften war ich nicht<br />

gut gerüstet. Auch konnte ich mich<br />

mit dem Hochschulleben nicht<br />

anfreunden. So war das Studium<br />

der Forstwissenschaften ein<br />

Murks. Zum Zimmermann fühlte<br />

ich mich berufen. Die körperliche<br />

Anstrengung und der Duft frischer<br />

Hobelspäne gaben mir das Gefühl,<br />

wirkliche Arbeit zu leisten. Da das<br />

Praktikum zur Lehrzeit gezählt wurde,<br />

konnte ich in der Berufsschule<br />

ins 2. Lehrjahr einsteigen. Nach<br />

einigen Jahren Berufserfahrung<br />

erlangte ich an der Schweizerischen<br />

Bauschule Aarau das Diplom<br />

Holzbautechniker/Bauführer. Hier<br />

trafen sich gleichgesinnte Berufsleute.<br />

Die Kamerad schaft bleibt mir<br />

in besonderer Erinnerung.<br />

Die Abwicklung eines Bauprojekts<br />

fand ich so spannend, dass ich mich<br />

dazu entschied, Bauleitungs- und<br />

Projektleitungsaufgaben zu übernehmen.<br />

Die Baukunst beruht nicht<br />

nur auf Tradition, und ohne neue<br />

technische Herausforderungen<br />

fehlt der Ansporn zur Innovation.<br />

Die Argumente eines gestaltenden<br />

Architekten waren einleuchtend.<br />

MEINE MEILENSTEINE<br />

– Bezirksschulen Küssnacht<br />

– Gymnasium Immensee<br />

– Fachausweis Zimmermann<br />

– Diplom Bauführer/Techniker Holzbau<br />

– Bau-/Projektleitung Hochbau<br />

– Heirat, zwei Kinder<br />

– DAS Projektmanagement Bau<br />

– Abteilungsleiter Infrastruktur Bezirk Küssnacht<br />

– Projektleiter Bauherr/Bauherrenvertreter<br />

Industriebau<br />

«Ich will<br />

meine Gegenwart<br />

bewusst erleben<br />

und gestalten.<br />

Rückblicke,<br />

Selbstreflexion<br />

und zielgerichtetes<br />

Vorgehen verstehe<br />

ich als Grundlage für<br />

zukunftsorientierte<br />

Entscheidungen.»<br />

Ich bleibe der Praktiker und strebe<br />

konstruktiv einfache Lösungen an.<br />

Öffentliche Aufträge wie der Bau<br />

von Schulhäusern und Turnhallen<br />

oder die Mitarbeit an den Berg- und<br />

Talstationen der Stoos- und der<br />

Rotenfluebahn sind nicht alltäglich.<br />

Es gilt, die Bedürfnisse der Interessenvertreter<br />

abzuklären und den<br />

grösstmöglichen Konsens zu erzielen.<br />

Zufällig und nicht zur Karriereplanung<br />

gehörend, ergab sich die Möglichkeit,<br />

in Küssnacht das Ressort<br />

Infrastruktur als Abteilungsleiter zu<br />

übernehmen. Einer der Hauptgründe<br />

für diesen beruflichen Schritt<br />

waren grosse Bauprojekte wie<br />

die Neue Zentrumsgestaltung in<br />

Küssnacht oder die Erweiterung der<br />

Sportanlage Luterbach. Nach drei<br />

Jahren Verwaltungsarbeit fasste<br />

ich den Entschluss, mich wieder<br />

meiner Passion, dem Abwickeln<br />

von Bauprojekten, zuzuwenden.<br />

Im Baugewerbe herrscht seit Jahren<br />

ein Mangel an Fachleuten. So fand<br />

ich mit der RUAG Real Estate AG<br />

als Eigentümerin mehrerer Industrieareale<br />

eine spannende Arbeitgeberin.<br />

Hauptauftraggeberin von<br />

Neu- und Umbauten ist die RUAG<br />

Schweiz AG. Sie übernimmt, vorwiegend<br />

für die Schweizer Armee<br />

und Polizeikorps das Lifecycle-<br />

Management sicherheitsrelevanter<br />

Systeme. Zurzeit bearbeite ich als<br />

Projektleiter Bauherr mehrere<br />

Projekte in Thun (Prüf- und Messhallen),<br />

in Lodrino (neuer Hangar)<br />

und in der Zentralschweiz (Dachsanierung<br />

Windkanal und Werkhalle<br />

für Rotorblätter).<br />

Beweggründe<br />

Christian Rust mit<br />

seiner Frau Barbara<br />

und den Kindern<br />

Xena Lia und<br />

Gian Lio auf der<br />

Treppe der<br />

Tellskapelle in der<br />

Hohlen Gasse.<br />

FOTO:<br />

THOMAS WALPEN,<br />

MATURA 2000,<br />

KOLLEGIUM SPIRITUS<br />

SANCTUS, BRIG<br />

Ich will mich in meinem Tun stets<br />

berufen fühlen. Es gibt keine<br />

Rückschläge. Veränderungen sind<br />

immer eine Chance, sich weiterzuentwickeln.<br />

Meistens bieten sich<br />

dafür mehrere Möglichkeiten. Ich<br />

treffe Entscheidungen, zu denen<br />

ich jederzeit stehen kann.<br />

Ich will meine Gegenwart bewusst<br />

erleben und gestalten. Rückblicke,<br />

Selbstreflexion und zielgerichtetes<br />

Vorgehen verstehe ich als Grundlage<br />

für zukunftsorientierte Entscheidungen.<br />

Ich bin ich selbst, wenn ich ein<br />

ausgewogenes Verhältnis zwischen<br />

Arbeit, Familienleben und<br />

Freizeitaktivitäten verwirklichen<br />

kann und bewusst die Momente für<br />

Familie, Freizeit und Beruf erlebe.<br />

Damit schaffe ich die Voraussetzung<br />

für ein erfülltes Leben.<br />

52<br />

EHEMALIGE<br />

GYMNASIUM IMMENSEE


DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> EHEMALIGE 53


49 ><br />

Viele Menschen haben einen Traum.<br />

Kim Fölmli, Matura 2014, lebt ihn –<br />

als professionelle Musicaldarstellerin<br />

und als Singer-Songwriterin.<br />

Vom<br />

professionellen<br />

Musical<br />

zum<br />

Musikprojekt<br />

54<br />

EHEMALIGE<br />

GYMNASIUM IMMENSEE


«Ich bin mehr als Verkleidung und Make-up.»<br />

Kim Fölmli machte schon als Kind bei Mini-Playback-<br />

Shows mit. 2008 begann sie bei VoiceSteps, der Zuger<br />

Musicalschule. «Ab dann wusste ich, dass ich professionelle<br />

Musicaldarstellerin werden wollte», so Fölmli.<br />

Während ihrer Gymi-Zeit besuchte sie das Nebenfach<br />

Chor und Musik. Ihre Abschlussarbeit bestand aus<br />

einer Musicalproduktion, bei der sie als Regisseurin<br />

und musikalische Leiterin im März 2013 das Publikum<br />

überzeugte. Nach der Matura ging sie nach Australien,<br />

wo sie 2016 den Bachelor in Musik mit Schwerpunkt<br />

Musical erwarb. Eine weitere Ausbildung in London<br />

schloss sie 2018 mit dem Master in Musical und Musiktheater<br />

ab.<br />

Acht Aufführungen pro Woche<br />

Fölmli fand eine Agentin und bewarb sich für verschiedenste<br />

Shows. Nach vielen Absagen kam die Zusage<br />

für das Musical «Tanz der Vampire». Zwischen Oktober<br />

2019 und März 2020 stand sie im deutschen Oberhausen<br />

fast täglich auf der Bühne. Pro Woche fanden<br />

acht Aufführungen statt. Eine weitere Saison «Tanz<br />

der Vampire» folgte – theoretisch, denn dann kam<br />

Corona. «Ich war froh, dass ich einen Vertrag mit Stage<br />

Entertainment hatte, ich erhielt trotz Corona einen<br />

Lohn und hatte keine finanziellen Sorgen», erinnert<br />

sich die heute 26-Jährige. «Ich hatte Glück, dass ich bei<br />

einer so grossen Produktion dabei war.» Der Vertrag<br />

lief im Januar <strong>2022</strong> aus. Im letzten Sommer hat sie sich<br />

entschieden, diesen nicht mehr zu verlängern. Denn sie<br />

hat jetzt neue Pläne.<br />

Eigene Musikprojekte gestartet<br />

Die Zeit während der coronabedingten Bühnenabwesenheit<br />

nutzte Fölmli für eigene Musikprojekte. Sie<br />

machte ein Onlinestudium für Musikproduktion und<br />

Sounddesign. Mit einem Produzenten entwickelte sie<br />

sich musikalisch weiter und schrieb eigene Songs.<br />

Um Aufnahmen in einem Tonstudio zu finanzieren,<br />

sammelten sie per Crowdfunding 4 500 Franken.<br />

Ein weiterer Produzent – ihr heutiger Manager – kam<br />

zum Projekt hinzu. Die eigentlich als Spass gedachte<br />

Idee entwickelte sich immer mehr zu einem ernsteren<br />

Projekt. «Ich merkte, dass es mir sehr gefällt, kreativ<br />

zu sein und mit den Liedern eigene Geschichten zu<br />

erzählen.» Im Gegensatz zu Musicals, wo die Rollen<br />

fix gegeben sind und man jemand anderes spielt, kann<br />

Fölmli so sich als eigenständige Künstlerin verwirklichen.<br />

«Obwohl ich Musicals liebe, bin ich mehr als<br />

Verkleidung und Make-up. Mir gefällt, dass ich jetzt<br />

selber über mich bestimmen kann.» Das Risiko, dass<br />

es nicht wie gewünscht klappt, nimmt sie in Kauf.<br />

Bald kommt die EP<br />

Das Musikprojekt hat sich verzögert, unter anderem<br />

wegen Corona. Die Macher der EP «Lost» haben sich<br />

zudem entschieden, ein Musikvideo zu produzieren.<br />

Eine eigene Website musste her: www. kimfolmli.com.<br />

Um sich über Wasser zu halten, jobbt Fölmli ab April<br />

Teilzeit, nachdem sie sich im Februar und Anfang März<br />

ihrer zweiten grossen Leidenschaft widmete: dem<br />

Reisen. Die EP «Lost» wird noch in diesem Jahr veröffentlicht.<br />

Dann wird sich zeigen, wie erfolgreich Fölmli<br />

damit sein wird.<br />

WWW.KIMFOLMLI.COM<br />

Kim Fölmli bei einem ihrer Auftritte im<br />

Musical «Tanz der Vampire» in der Rolle<br />

von Sarah, die einen Grafen kennenlernt,<br />

der ihr ewige Freiheit verspricht.<br />

TEXT: PATRICK CAPLAZI,<br />

ERSCHIENEN IM «FREIEN SCHWEIZER», 25. 3. <strong>2022</strong><br />

FOTO: ZVG<br />

DIALOG APRIL 2021 EHEMALIGE 55


Summa cum laude<br />

Am 11. 2. <strong>2022</strong><br />

wurde die Doktorarbeit<br />

von<br />

Julia Ehrler,<br />

Matura 2011,<br />

aus Küssnacht<br />

von der Wirtschafts-<br />

und<br />

Sozialwissenschaftlichen<br />

Fakultät der<br />

Universität<br />

Freiburg<br />

einstimmig<br />

angenommen.<br />

Dieser Arbeit<br />

gingen neuneinhalb<br />

Jahre<br />

intensives Studium<br />

voraus.<br />

Mit grossem Erfolg schloss Julia<br />

Ehrler aus Küssnacht im März<br />

<strong>2022</strong> das Doktoratsstudium in<br />

Wirtschaftswissenschaften an der<br />

Universität Freiburg ab und wird<br />

nach der Drucklegung der Dissertationsschrift<br />

den Titel Dr. rer. pol.<br />

(Doktor der Staatswissenschaften)<br />

tragen. Ihre Doktorarbeit «Strategische<br />

Erfolgsfaktoren der Schweizer<br />

Bergbahnbranche» wurde mit<br />

«Magna cum laude» (mit grossem<br />

Lob) bewertet. Für ihre Disputation<br />

(Verteidigung der Doktorarbeit)<br />

erhielt die 29-Jährige sogar das<br />

Prädikat «Summa cum laude»<br />

(höchstmögliches Prädikat).<br />

Ehrler hat sich nach der Maturität<br />

am Gymnasium Immensee für die<br />

Universität Freiburg entschieden.<br />

In den vergangenen gut neun Jahren<br />

machte sie dort den Bachelor<br />

in Medien- und Kommunikationswissenschaften<br />

mit dem Nebenfach<br />

Betriebswirtschaftslehre, danach<br />

folgte der Master in Management<br />

mit Schwerpunkt «Strategisches<br />

Management», «European Business»<br />

und «Marketing». Die letzten<br />

gut vier Jahre widmete sie dem<br />

Doktoratsstudium am Lehrstuhl<br />

für Unternehmensführung.<br />

Seit neun Jahren arbeitet Ehrler<br />

bei den Rigi-Bahnen. Zuerst als<br />

Zugbegleiterin und Bremserin,<br />

anschliessend setzte sie Projekte<br />

in Marketing und Verkauf um und<br />

ist seit 2017 Projektleiterin im<br />

Online- und Digitalisierungsbereich.<br />

«Durch meine Stelle bei der ältesten<br />

Zahnradbahn Europas habe ich<br />

meine Leidenschaft für die Bergbahnbranche<br />

entdeckt», so Ehrler.<br />

Dementsprechend widmete sie ihre<br />

Die erfolgreiche<br />

Julia Ehrler<br />

zusammen mit<br />

Prof. Dr. Rudolf<br />

Grünig (l.) und<br />

ihrem Vater<br />

Beat Ehrler.<br />

FOTO: ZVG<br />

Doktorarbeit diesem Thema.<br />

Auf rund 350 Seiten beleuchtet sie<br />

die strategischen Erfolgsfaktoren<br />

der Schweizer Bergbahnbranche.<br />

Ehrlers Dissertation verfolgt das<br />

Ziel, die Erfolgsfaktoren der Schweizer<br />

Bergbahnbranche zu identifi-<br />

Psalmen-Konzert<br />

Am 5. 4. <strong>2022</strong><br />

führte Michael<br />

Peter Fuchs,<br />

Matura 1972,<br />

Deutschlehrer<br />

1979–1984,<br />

seine neuen<br />

Psalmen in der<br />

Kapelle vor.<br />

Zusammen mit<br />

Simone Händel<br />

und Hans-<br />

Christoph Grasser<br />

entstand<br />

ein friedliches<br />

Konzert.<br />

Schon sein ganzes Leben lang<br />

beschäftigte sich Michael Peter<br />

Fuchs mit der Frage, wie er Raum<br />

für die grossen Geheimnisse Gott,<br />

das Leben und die Liebe schaffen<br />

kann. In Wort und Melodie handeln<br />

die neuen Psalmen von den Erfahrungen<br />

mit den grossen Geheimnissen.<br />

Das Buch «Die Psalmen» im<br />

Alten Testament diente Fuchs<br />

als Gebetsschule. Das Buch endet<br />

mit 150 Psalmen, und im Laufe<br />

der Zeit entschied sich Fuchs,<br />

weitere Psalmen zu schreiben.<br />

So kamen dreissig weitere Psalmen<br />

zusammen. Die Verbindung seiner<br />

eigenen Glaubens-, Hoffnungsund<br />

Lebensgeschichte mit der<br />

biblischen Geschichte führte zur<br />

Entstehung der neuen Psalmen,<br />

die unter dem Titel «mit gott im<br />

rugge» als Buch und CD erschienen.<br />

Das Projekt der neuen Psalmen ist<br />

ein ökumenisches Projekt, es wird<br />

gemeinsam für alle Christen veranstaltet.<br />

Dies schlägt sich auch in der<br />

Besetzung der Musikanten nieder.<br />

Simone Händel und Hans-Christoph<br />

Grasser leben in einer christlichen<br />

Arbeits- und Lebensgemeinschaft<br />

in der Basisgemeinde Wulfshagenerhütten<br />

bei Kiel. Insofern drücken<br />

auch sie Ökumene aus.<br />

56<br />

EHEMALIGE<br />

GYMNASIUM IMMENSEE


UNTERSTÜTZEN<br />

Der Verein Gymnasium Immensee (VGI) ist ein<br />

tragender Partner des Gymnasiums Immensee.<br />

zieren und darauf aufbauend strategische Handlungsempfehlungen<br />

abzuleiten. Die Küssnachterin hofft<br />

nun, dass sie mit ihren Handlungsempfehlungen eine<br />

erfolgreiche Weiterentwicklung der Schweizer Bergbahnbranche<br />

unterstützen kann.<br />

JULIA.EHRLER@RIGI.CH<br />

TEXT: MK/PD, ERSCHIENEN IM «FREIEN SCHWEIZER», 14. 4. <strong>2022</strong><br />

Das Konzert besitzt den Charakter eines Friedensgebets.<br />

Es dient der Besinnung und setzt ein Zeichen<br />

für Frieden, für Versöhnung und protestiert gegen<br />

alles Böse und jegliche Gewalt. Das Konzert wurde im<br />

Verlauf von Fuchs unterbrochen, um zusammen mit<br />

dem Publikum ein Friedenslied zu singen. Zusammen<br />

erklang in der Kapelle der Bethlehem Mission «Friede<br />

wünsch ich dir, Friede wünsch ich mir, Friede mit eus<br />

allne und de ganze Welt». Das Konzert endete mit dem<br />

180. Psalm, der gleichzeitig auch der leiseste Psalm<br />

war. Dieser beschreibt Gott als das Allerleiseste, was<br />

es überhaupt gibt. «Denn wenn wir am Ende sind,<br />

fängt Gott erst mit uns an», lautete der letzte Satz<br />

des 180. Psalms.<br />

WWW.MICHAEL-PETER-FUCHS-SPIRITUALITAET.DE<br />

TEXT UND FOTO: DOMINIQUE JÖRIN,<br />

ERSCHIENEN IM «FREIEN SCHWEIZER», 8.4.<strong>2022</strong><br />

Der VGI vereint alle am Gymnasium Immensee<br />

Interessierten. Bei Gründung der Stiftung Gymnasium<br />

Immensee hat sich der VGI am Kapital beteiligt.<br />

Seither ist er eine unverzichtbare Kraft der Schule.<br />

Aus den Mitgliederbeiträgen leistet der VGI jährlich<br />

einen substanziellen Beitrag an den Stipendienfonds.<br />

Dieser bietet Jugendlichen aus weniger begüterten<br />

Familien die Möglichkeit, das Gymnasium Immensee<br />

zu besuchen.<br />

VERNETZEN<br />

Der Verein Gymnasium Immensee (VGI) ist<br />

ein Alumni-Netzwerk, von dem alle Mitglieder<br />

profitieren.<br />

Der VGI stärkt und fördert den Zusammenhalt und<br />

pflegt die Beziehungen zwischen den Alumni des<br />

Gymnasiums Immensee. Mitglieder sind zudem Lehrpersonen,<br />

Freundinnen und Freunde der Schule, Firmen<br />

und Institutionen, die öffentliche Hand oder der Altherrenbund<br />

der Studentenverbindung Wikinger.<br />

Seinen Mitgliedern dient der VGI als grosse, unkomplizierte<br />

Plattform für den effizienten Austausch von<br />

Kontakten, Informationen (z. B. fürs Studium oder für<br />

die Berufswahl), Hinweisen, Jobangeboten usw.<br />

Jahresbeitrag<br />

30 CHF Nichtverdienende | 100 CHF Verdienende<br />

VGI-ALUMNI:<br />

SCAN & JOIN NOW<br />

DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> VGI-ALUMNI 57


Personalia<br />

STUDIENERFOLG<br />

Julia Ehrler,<br />

Matura 2011, hat<br />

die Doktorarbeit<br />

«Strategische<br />

Erfolgsfaktoren<br />

der Schweizer<br />

Bergbahnbranche»<br />

verfasst, die<br />

am 11. 4. <strong>2022</strong> von der Universität<br />

Freiburg mit «magna cum laude»<br />

ausgezeichnet wurde. Den Bachelor<br />

machte Ehrler in Medien- und<br />

Kommunikationswissenschaften,<br />

danach folgte der Master in<br />

Management.<br />

QUELLE: «FREIER SCHWEIZER», 14. 4. <strong>2022</strong><br />

> LESEN SIE DAZU DEN BEITRAG AUF S. 56<br />

IN DIESEM «DIALOG».<br />

SPORT<br />

Max Heinzer, Matura 2006, gewann<br />

mit dem Schweizer Degenteam am<br />

29. 5. <strong>2022</strong> das Weltcupturnier im<br />

georgischen Tiflis. Im Finale setzte<br />

es sich gegen den mehrfachen<br />

Olympiasieger Frankreich durch.<br />

Es ist Heinzers 18. Weltcupsieg<br />

(zehn Einzel, acht Team). «Ich habe<br />

mir selbst bewiesen, dass ich mit<br />

34 Jahren immer noch mit der Weltspitze<br />

mithalten kann.»<br />

QUELLE: «BOTE DER URSCHWEIZ»,<br />

30.5.<strong>2022</strong><br />

Am 19. 6. <strong>2022</strong> eroberte Heinzer<br />

im türkischen Antalya eine EM-<br />

Medaille. Sein Lauf endete nach<br />

zehn Siegen in Folge im Halbfinal<br />

gegen den mehrfachen Europa-<br />

meister Yannick Borel aus Frankreich.<br />

Heinzers beeindruckendes<br />

Palmarès umfasst nun sechs WMund<br />

elf EM-Medaillen. Im Teamwettkampf<br />

am 22. 6. <strong>2022</strong> unterlagen<br />

die Schweizer im Viertelfinal gegen<br />

den nachmaligen Europameister<br />

Italien und platzierten sich auf dem<br />

fünften EM-Schlussrang.<br />

QUELLE: «BOTE DER URSCHWEIZ»,<br />

20.6. <strong>2022</strong><br />

WWW.MAXHEINZER.CH<br />

GEBURTEN<br />

Sandra Michlig, Schulsekretärin<br />

2016–2021, und Cyril durften am<br />

19. 8. 2021 ihre dritte Tochter<br />

Klara auf dieser Welt begrüssen.<br />

Flavio Carrera, Philosophie und<br />

Abendsport, und Cornelia sind die<br />

glücklichen Eltern von María de<br />

los Ángeles Carrera, benannt nach<br />

der spanischen Grossmutter.<br />

Das Sonntagskind hat am 6. 3. <strong>2022</strong><br />

das Licht der Welt erblickt. Mutter<br />

und Kind sind wohlauf, der Kindvater<br />

gefordert.<br />

Sandra Sacher, Deutsch, Geschichte,<br />

Schul- und Lernberatung, und<br />

Gregor Eduard Joseph Gander freuen<br />

sich über die Geburt ihrer Tochter<br />

Josephine, die am 22. 4. <strong>2022</strong><br />

zur Welt gekommen ist und ihnen<br />

grosse Freude bereitet.<br />

PUBLIKATIONEN<br />

Paul A. Truttmann,<br />

Matura<br />

1972, geht in<br />

seinem Fachbuch<br />

«Künstliche<br />

Künstler. Kann<br />

Künstliche<br />

Intelligenz der<br />

Materie Geist einhauchen?» Fragen<br />

nach wie: Kann ein Roboter mehr<br />

sein als Drähte und Programme?<br />

Kann er Neues schaffen? Kann er<br />

gar kreativ sein? Oder ist Kreativität etwas zutiefst<br />

Menschliches? Künstliche Intelligenz wirft grundsätzliche<br />

anthropologische Fragen auf. An Beispielen erklärt,<br />

werden Physik und Philosophie verknüpft. Der Haupttext<br />

richtet sich an interessierte Laien. Der vertiefende<br />

Anhang gibt ein Einstieg in die technischen Bereiche<br />

und stellt dabei die dahinterstehenden grundlegenden<br />

Konzepte der Informatik, Mathematik und Physik dar.<br />

Die Vertiefung fällt durchaus auch etwas physikalischmathematisch<br />

aus. Er soll Studierenden den Übergang<br />

zu den stark formalisierten Darstellungen eines Stoff -<br />

gebiets auf universitärem Niveau ermöglichen.<br />

CONSULT.TRUTTMANN@BLUEWIN.CH /<br />

WWW.FUEHRUNG-MANAGEMENT-WEITERBILDUNG.CH<br />

PAUL A. TRUTTMANN: «KÜNSTLICHE KÜNSTLER. KANN<br />

KÜNSTLICHE INTELLIGENZ DER MATERIE GEIST EINHAUCHEN?»<br />

TASCHENBUCH, ACADEMIA, 2021, 237 SEITEN, CHF 66.90,<br />

ISBN 978-3-89665-968-2.<br />

Michael Peter Fuchs, Matura 1972,<br />

Deutschlehrer 1979–1984, hat das<br />

biblische Buch «Die Psalmen» um<br />

weitere 30 neue Psalmen ergänzt.<br />

Diese sind in Schweizerdeutsch und<br />

Hochdeutsch abgefasst und unter dem Titel «mit gott<br />

im rugge» als Buch und CD erschienen. Die Idee dazu<br />

entsprang einem inneren Impuls des Autors, sich in die<br />

Reihe der Psalmbeter zu stellen, um die «Debatte mit<br />

Gott» auf seine Weise weiterzuführen. In der Tradition<br />

biblischer Psalmen sind auch die neuen Psalmen als<br />

gesungene Gebete konzipiert.<br />

MICHAEL PETER FUCHS: MIT GOTT IM RUGGE, BUCH UND CD,<br />

REX-VERLAG, LUZERN, 72 SEITEN, 24 X 24 CM, AB CHF 50.–,<br />

ISBN 978-3-7252-1078-7.<br />

> LESEN SIE DAZU DEN BEITRAG AUF S. 56 IN DIESEM «DIALOG».<br />

AUSSTELLUNG<br />

Das Literaturmuseum Strauhof in<br />

Zürich widmet Al Imfeld (1935–<br />

2017), Matura 1954, posthum eine<br />

Ausstellung. Ausgangspunkt ist<br />

Imfelds monumentale Anthologie<br />

«Afrika im Gedicht». Das Buch von<br />

2015 enthält mehr als 550 Gedichte<br />

aus allen Teilen des afrikanischen<br />

Kontinents der Jahre 1960 bis 2014.<br />

«LITAFRIKA POESIEN EINES KONTINENTS». LITERATURMUSEUM<br />

STRAUHOF ZÜRICH. ERSTER TEIL DER AUSSTELLUNGSTRILOGIE<br />

BIS 4. 9. <strong>2022</strong>. WWW. STRAUHOF.CH<br />

WWW.ALIMFELD.CH | FOTO: EIK<br />

58 PERSONALIA<br />

GYMNASIUM IMMENSEE


HUMOR, MORD UND TOTSCHLAG<br />

Flavio Carrera (auf dem Foto vor<br />

dem Hotel Seehof in Küssnacht) ist<br />

Philosophielehrer am Gymnasium<br />

Immensee. Nach Feierabend verwandelt<br />

er sich in Günter Struchen.<br />

Unter diesem Pseudonym hat der<br />

35-Jährige kürzlich seinen zweiten<br />

Krimi herausgegeben. Dieser spielt<br />

im Raum Küssnacht und dreht<br />

sich unter anderem um vergiftete<br />

Weggen aus Meggen. Der gebürtige<br />

Berner möchte mit seinen Büchern<br />

nicht nur unterhalten, sondern auch<br />

Philosophisches und Historisches<br />

einbeziehen. Zudem versucht Struchen<br />

in seinen Texten den Spagat<br />

zwischen Fiktion und Realität zu<br />

meistern. So nutzt er reale Orte<br />

wie das Hotel Seehof, die Redaktion<br />

des «Freiern Schweizers»<br />

oder das Gymnasium Immensee<br />

als Schauplätze. «Das Buch ist<br />

eine sehr wirre Verflechtung von<br />

Fiktion und Realität. Ich glaube, die<br />

älteren Küssnachter erkennen, dass<br />

ich mich bei den Charakteren von<br />

gewissen historischen Personen<br />

inspirieren liess», meint der Autor.<br />

Carreras Berner Kollegen erfanden<br />

den Titel «Vergiftete Weggen von<br />

Meggen», nachdem sie das Dorf<br />

Meggen auf der Landkarte entdeckt<br />

hatten. Zu Beginn hatte Carrera<br />

also nur diesen Titel und musste<br />

daraus irgendwie eine Geschichte<br />

kreieren. Dabei wollte er vier<br />

Dinge erreichen: Erstens sollte eine<br />

spannende Geschichte entstehen,<br />

zweitens schmuggelte er Ideen aus<br />

der Philosophie in den Krimi, drittens<br />

verwendete er schweizerdeutsche<br />

Ausdrücke, also Helvetismen,<br />

und viertens platzierte er punktuell<br />

historisch wahre Aspekte.<br />

Bei diesem Krimi griff er ein Thema<br />

des Philosophen Herbert Marcuse<br />

auf: wie die Industrialisierung den<br />

Menschen veränderte und dieser<br />

sich von der Arbeit entfremdete.<br />

«Das hat mich besonders gereizt,<br />

weil aktuell etwas Ähnliches wie<br />

zur Zeit der Industrialisierung zu<br />

passieren scheint. Leute können<br />

durch die Digitalisierung ihre Arbeit<br />

verlieren.»<br />

Für die Fortsetzung hat Carrera<br />

wieder einen Titel zugespielt erhalten.<br />

Wir sind gespannt auf seinen<br />

dritten Krimi.<br />

TEXT UND FOTO: BASIEREND AUF<br />

EINEM INTERVIEW VON MATEO LANDOLT,<br />

MATURA 2018, ERSCHIENEN IM<br />

«FREIEN SCHWEIZER», 10. 6. <strong>2022</strong><br />

Günter Struchen (alias<br />

Flavio Carrera, Philosophie):<br />

Hauptkommissar Theobald<br />

Weinzäpfli und die vergifteten<br />

Weggen von Meggen<br />

COSMOS-VERLAG, <strong>2022</strong>, 216 SEITEN,<br />

CHF 34.–, ISBN 978-3-305-00486-7<br />

WWW.SCHLAFWANDLER.CH<br />

DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> PERSONALIA 59


STUDIERFÄHIGKEIT<br />

LÖSUNG BFSK-SELBSTTEST DEUTSCH<br />

Beispiel S2<br />

Geprüfte BK: A, B, C1, C3 | Zeit: 60 Minuten | Hilfsmittel: Rechtschreibeprogramm, Wörterbuch<br />

Lesen Sie folgenden Text und korrigieren Sie die darin enthaltenen Fehler sorgfältig.<br />

Gehen Sie jeweils wie folgt vor:<br />

– Streichen Sie falsch geschriebene Wörter durch und schreiben Sie das Wort in der richtigen<br />

Schreibweise direkt darüber.<br />

– Setzen Sie fehlende Satzzeichen (unter anderem Kommas) ein; umkreisen Sie falsch gesetzte<br />

Satz zeichen.<br />

– Korrigieren Sie Fehler aus dem Bereich der Grammatik oder des Satzbaus direkt im Text.<br />

Fadri ist 14-jährig. Er lässt sich von seinem Handy wecken und setzt<br />

sich, wenn er nach dem Frühstück aus dem Haus geht, die Kopfhörer<br />

auf, um Musik zu hören. Im Bus prüft er rasch seine Mailbox, liest neue<br />

Nachrichten auf WhatsApp, schaut, wie viele Herzen er für seinen letzten<br />

Insta gram-Post erhalten hat und leitet seinen Freunden ein lustiges<br />

YouTube-Video weiter. Im Unterricht arbeitet er ( ) mit seinen Mitschülern<br />

weiter an einer Gruppenpräsentation. Die Notizen seines Kollegen<br />

fotografiert er für seine Unterlagen. Alles tut er mit seinem Smartphone.<br />

Nach der Schule fährt Fadri direkt zum Fussballtraining und anschliessend<br />

nach Hause. Im Bus repetiert er auf seinem Handy die Französischwörter<br />

mit einer Lernkartei. Zuhause fährt er zuerst seinen Laptop hoch, sodass<br />

er an seinem Vortrag weiterarbeiten kann. Danach prüft er, ob sein Team<br />

bereits vollständig online ist, um das nächste Fussballspiel in «FIFA»<br />

spielen zu können. Zwei fehlen noch. Er schickt ihnen eine WhatsApp-<br />

Nachricht, fragt, ob sie fürs Spiel bereit seien.<br />

Rund eine Stunde später kündet seine Mutter das Nachtessen an.<br />

Er weiss, jetzt bleibt ihm noch eine halbe Stunde. Im Chat schreibt er,<br />

dass er bei der nächsten Gelegenheit aussteigt. Bereits eine Viertelstunde<br />

später ( ) ist es soweit. In der Zeit, die ihm bis zum Abendessen noch<br />

bleibt, chattet er mit seiner Freundin über etwas Lustiges, das er auf<br />

Instagram gesehen hat.<br />

Orthografie<br />

Interpunktion<br />

Grammatik<br />

Satzbau<br />

> SEITE 43: AUFGABE<br />

60 BASALE FACHLICHE STUDIERKOMPETENZEN<br />

GYMNASIUM IMMENSEE


Termine<br />

LÖSUNGEN BFSK-SELBSTTEST MATHEMATIK<br />

Aufgabe 1 (Brüche)<br />

Faktorisieren des Bruchs<br />

Aufgabe 2 (Strahlensatz)<br />

Laut 2. Strahlensatz gilt: 5 : 4 = 8 : x 5x = 32 <br />

Aufgabe 3 (Gleichungen)<br />

x = 6.4 cm<br />

2x 2 - 5x - 6x + 15 + 8 - 4x + 12 = 2 (1 – 2x + x 2 )<br />

2x 2 - 5x - 6x + 15 + 8 - 4x + 12 = 2 – 4x + 2x 2<br />

-11x + 23 – 4x + 12 = 2 – 4x - 15x + 35 = 2 – 4x 33 = 11x x = 3<br />

Aufgabe 4 (Stereometrie)<br />

M Kegel =<br />

M Pyramide =<br />

A Quadrat – Kreis =<br />

S Total = M K + M P + A = 13 927 cm 2<br />

Aufgabe 5 (Umstellen von Formeln)<br />

<strong>August</strong> <strong>2022</strong><br />

29. Beginn Schuljahr <strong>2022</strong>/2023<br />

September <strong>2022</strong><br />

21. Ehemaligentreffen, Matura 1972,<br />

1967, 1962, 1957, 1952, 1947<br />

10.35 Uhr: Unterrichtsbesuch<br />

11.30 Uhr: Apéro, Mittagessen<br />

Oktober <strong>2022</strong><br />

1. Herbstferien bis 16. Oktober<br />

26. 13.45–16.30 Uhr: Besuchsnachmittag<br />

für Primarschülerinnen und -schüler<br />

14.00–15.30 Uhr: Infoanlass Eltern 1. Kl.<br />

28. 15.15–17.30 Uhr: mündliche<br />

Präsentation Maturaarbeiten, 6. Kl.<br />

(Publikum 5. Kl.)<br />

November <strong>2022</strong><br />

1. Allerheiligen (schulfrei)<br />

2. 13.45–16.30 Uhr: Besuchsnachmittag<br />

für Sekundarschülerinnen und -schüler<br />

14.00–16.30 Uhr: Infoanlass Eltern 3. Kl.<br />

25. 19–21 Uhr: Infoanlass für Interessierte<br />

Dezember <strong>2022</strong><br />

8. Maria Empfängnis (schulfrei)<br />

23. Weihnachtsferien bis 8. Januar 2023<br />

Januar 2023<br />

14. 10–12 Uhr: Infoanlass für Interessierte<br />

Februar 2023<br />

8. 19.30 Uhr: Konzert Ergänzungsfach<br />

Musik<br />

10. 19–21 Uhr: Infoanlass für Interessierte<br />

18. Sportferien bis 5. März<br />

Aufgabe 6 (Geraden)<br />

Punkt A oder B einsetzen (hier B): 5 = 0.5(4) + q 5 = 2 + q<br />

3 = q y = 0.5x + 3<br />

März 2023<br />

15./16., 8 Uhr: Aufnahmeprüfungen 3. Kl.<br />

April 2023<br />

5. 8.30–15.30 Uhr:<br />

Aufnahmeprüfungen 1. Kl.<br />

7. Karfreitag (schulfrei)<br />

10. Ostermontag (schulfrei)<br />

29. Frühlingsferien bis 14. Mai<br />

> SEITEN 44/45: AUFGABEN<br />

Der nächste «<strong>Dialog</strong>»<br />

erscheint im April 2023.<br />

DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> TERMINE 61


Handy, Tablet & Co. –<br />

Fluch oder Segen?<br />

VON ALEXANDRA WILLI<br />

SCHULSOZIALARBEITERIN<br />

ALEXANDRA.WILLII@GYMNASIUM-IMMENSEE.CH<br />

Weil es heute regnet, lasse ich mein Velo in der Garage<br />

stehen und nehme den Bus zur Arbeit. Eigentlich könnte<br />

ich auch laufen, diesmal rede ich mir aber ein, dass<br />

mein Rucksack viel zu schwer dafür ist. Vor mir sitzen<br />

zwei Jugendliche. Sie begrüssen sich kurz und schauen<br />

sich in die Augen. In derselben Sekunde beginnt das<br />

Checken der Nachrichten sowie der zugeschickten<br />

Videos und Fotos auf ihren Smartphones. In Windeseile<br />

tippen und streichen ihre Finger über den Handybildschirm.<br />

TikTok, Instagram, Snapchat, WhatsApp. Noch<br />

kurz ein Strategiegame, und meine Fahrt ist zu Ende.<br />

Innerhalb von fünf Minuten wurde ich wieder Augenzeugin<br />

einer unglaublich schnellen Datenverarbeitung.<br />

Ich steige aus und mache mir meine Gedanken auf dem<br />

Weg zum Schulhaus. Wie viel Zeit sollten wir in der virtuellen<br />

Welt verbringen? Wie stark bestimmt sie unser<br />

Leben? Sind die scheinbar endlosen Möglichkeiten auf<br />

unseren digitalen Geräten Fluch oder Segen?<br />

Der schnelle Informationsaustausch neuer Medien lässt<br />

zu, dass wir nahe bei Verwandten sein können, obwohl<br />

wir Tausende Kilometer weit weg wohnen. Oder dass in<br />

Sekundenschnelle, dank der Vernetzung in den sozialen<br />

Medien ein neuer Klassenchat eingerichtet werden<br />

kann, obwohl das neue Schuljahr noch gar nicht begonnen<br />

hat und die Schülerinnen und Schüler sich noch<br />

nicht alle kennen. Findet sich eine Person gerade sehr<br />

attraktiv, postet sie ein Bild von sich in den sozialen<br />

Medien und erhält in Form von Kommentaren und Likes<br />

62<br />

SCHLUSSPUNKT<br />

GYMNASIUM IMMENSEE


Schlusspunkt<br />

innerhalb weniger Minuten Feedbacks. Was passiert,<br />

wenn die Rückmeldungen negativ oder gar beleidigend<br />

sind? Wie gehe ich mit dem Druck um, ständig das<br />

Gefühl zu haben, erreichbar sein zu müssen?<br />

Wenn es allgemeingültige Nutzungsbestimmungen<br />

für jede Lebenslage geben würde, wären die Artikel<br />

über «Neue Medien» nicht so zahlreich. Da gibt es<br />

Tipps und Tricks für Eltern von Teenagern, Empfehlungen<br />

für Bildschirmzeiten und Handykonsum und<br />

gleichzeitig verbilligte Familienangebote mit extragrossen<br />

Daten volumen für die Kinder. Was ist es nun,<br />

Fluch oder Segen? Kommt es denn nicht auf die eigene<br />

Mediennutzung an? Ich lade Sie ein, sich selber zu<br />

fragen, was und wie viel Sie über die digitalen Medien<br />

konsumieren. Was erzeugt Druck bei Ihnen, und in welchen<br />

Bereichen gelingt es Ihnen, Grenzen zu setzen?<br />

Wann geniessen Sie das Streamen und den unkomplizierten<br />

Zugang zur Musik- und Filmwelt?<br />

An diesem Abend ist mein Rucksack irgendwie leichter<br />

geworden, und ich entscheide mich, zu Fuss nach<br />

Hause zu gehen. Auf dem Weg komme ich zum Schluss,<br />

dass es nicht um Fluch oder Segen geht, sondern vielmehr<br />

um Fluch und Segen.<br />

DIALOG AUGUST <strong>2022</strong> SCHLUSSPUNKT 63


Gymnasium Immensee<br />

Bethlehemweg 12<br />

CH-6405 Immensee<br />

Tel +41 (0)41 854 81 81<br />

info@gymnasium-immensee.ch<br />

www.gymnasium-immensee.ch<br />

Maturitätsschule mit<br />

öffentlichem Leistungsauftrag<br />

Tagesschule und Internat<br />

Erfolgreiche Lernformen<br />

Zweisprachiger Unterricht<br />

Infoanlässe<br />

für Wissensdurstige<br />

und ihre Eltern<br />

MITTWOCH,<br />

26. OKTOBER <strong>2022</strong><br />

13.45–16.30 Uhr: Besuchsnachmittag<br />

für Primarschülerinnen und -schüler<br />

14.00–15.30 Uhr: Infoanlass Eltern 1. Kl.<br />

MITTWOCH,<br />

2. NOVEMBER <strong>2022</strong><br />

13.45–16.30 Uhr: Besuchsnachmittag<br />

für Sekundarschülerinnen und -schüler<br />

14.00–15.30 Uhr: Infoanlass Eltern 3. Kl.<br />

WEITERE INFOANLÄSSE<br />

FÜR INTERESSIERTE<br />

Freitag, 25. 11. <strong>2022</strong>, 19–21 Uhr<br />

Samstag, 14. 1. 2023, 10–12 Uhr<br />

Freitag, 10. 2. 2023, 19–21 Uhr<br />

Chunnsch<br />

au is<br />

Gymi?

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