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moneyeditorial

EDITORIAL

Zynismus

in Grün

GEORG MECK

Chefredakteur

FOCUS-MONEY

es ist nicht sonderlich erquicklich, von der Welt verhöhnt zu werden. Mehrfach

hat das „Wall Street Journal“ die Deutschen für die „dümmste Energiepolitik

der Welt“ verspottet, nachdem wir Jahre zuvor von der angelsächsischen

Presse als der „Patient Europas“ verlacht wurden. Auf den Vorwurf der

lähmenden Erstarrung folgte damals die „Agenda 2010“, die Jahre des Wohlstands

einleitete. Und in der Energiepolitik? Da zelebriert die regierende Politikerkaste

eine an Irrsinn grenzende Sturheit. Soll die ganze Welt in die andere

Richtung marschieren, Deutschland weiß es besser. Kein anderer Staat

schaltet alle konventionellen Kraftwerke gleichzeitig ab, im naiven Vertrauen,

Strom und Wind würden es schon richten (und mit der stillschweigenden

Übereinkunft, zur Not schmutzigen Strom von den Nachbarn abzuzwacken).

Dafür zahlten wir bereits vor Putins Krieg mit den höchsten Energiepreisen,

sein Gasstopp gibt uns den Rest.

Aber selbst jetzt, da ein kalter Winter samt Blackout der Industrie droht, gibt

es kein Einsehen. In der Bevölkerung schon, wohlgemerkt, aber nicht im ökolinken

Establishment samt grünem Wirtschaftsminister. Die Mehrheit im Volk

mag am grundsätzlichen Ziel des Atomausstiegs festhalten, plädiert aber entschieden

dafür, ein paar der verbliebenen AKWs wenigstens ein paar Monate

länger laufen zu lassen. Gewiss, damit ist nicht alles gewonnen, aber wenn jede

Kilowattstunde zählt, warum nicht auch die aus der Kernkraft? Die Gründe dafür

finden sich an der grünen Basis, wo der Anti-AKW-Protest religiösen Rang

genießt – oder mit den Worten eines in die Jahre gekommenen (mittlerweile

staatlich rundumversorgten) Öko-Kämpen: „Ich habe fast 50 Jahre für den Ausstieg

aus der Atomkraft gekämpft. Jetzt, kurz bevor die letzten vom Netz gehen,

lass ich mir den Erfolg nicht klauen.“ Soll das Volk doch frieren! Mehr Zynismus

geht nicht.

Herzlich Ihr

PS: Es gibt Neues aus unserer Redaktion: Wir starten diese Woche

den „Kleingeldhelden“-Kanal auf YouTube. Zum Auftakt präsentieren

wir im Format „Jung&Gierig“ ein Interview mit einer

Lottoberaterin über unverhofften Reichtum. In der Rubrik „Über

Geld spricht man nicht“ treffen wir Vertreter spannender Berufe,

die Einblicke in Alltag und Gehaltszettel geben. Die Erklärvideos

„In 100 Sekunden“ wiederum liefern kurz und

knapp alle Infos zu einem Thema, die Sie für fundierte finanzielle

Entscheidungen brauchen. Schauen Sie rein!

Aus aktuellem Anlass!

Lesen Sie FOCUS-MONEY bequem zu Hause

Liebe Leserinnen und Leser,

die Inflation steigt auf lange nicht mehr erreichte Werte, in

Amerika wie in Europa. Bange blicken die Börsianer auf die

Notenbanken: Welche Folgen hat die Zinswende? Wie geht es

weiter mit den Aktienkursen, wenn eine Rezession immer wahrscheinlicher

wird? Mein Tipp: Sie erfahren alles Wichtige in FOCUS-

MONEY. Den portofreien Kombi-Bezug (Print und Digital) für 1 Jahr erhalten

Sie zum Vorzugspreis von nur 210,60 €* (statt 275,40 € – Sie

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ab 8.00 Uhr. Wenn Sie FOCUS-MONEY nach Bezug wieder im Handel kaufen

möchten: Ein Anruf genügt, und das Abo ist beendet.

FOCUS-MONEY 39/2022

Foto: F. Röth

Composing: FOCUS-MONEY

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3


moneyinhalt

21. SEPTEMBER 2022 www.money.de

moneykompakt

6 Kompakt: Porsche-Börsengang:

Wie komme ich an die Aktie?

7 Hit & Shit: Neuer starker Mann

bei der Lufthansa, Adobe kauft zu

teuer ein

8 Kolumne: Marco Richter über das

Problem der Selbstüberschätzung

8 Börsentag Zürich: Freier Eintritt

für FOCUS-MONEY-Leser

9 Aktienrente: Mehrheit im Land

will neue Altersvorsorge

9 Underberg: Fünf Prozent mit

Hochprozentigem

98 Andis Börsenbarometer: Was

Anleger vom Traditionshaus

Metzler lernen können

10

Viele Fragezeichen

Die Verunsicherung an den

Kapitalmärkten ist groß. Hier sind

die Antworten auf die vordringlichsten

Fragen und Investments,

mit denen Anleger besser durch

die schwierigen Zeiten kommen

moneytitel

10 Interview: Andreas Köster, CIO

bei Union Investment, über den

schwierigen Spagat von Inflation

und Rezession

14 Zinsinvestments: Anleihen

bieten risikobewussten Anlegern

wieder eine Alternative

16 US-Notenbank: Die Stunde der

Falken – die Fed wird zum dritten

Mal die Leitzinsen stark erhöhen

20 So geht’s weiter: Das sind unsere

Antworten auf die Themen Krieg,

Gold und Ethereum

24 Chartsignal: Nach dem langen

Rückwärtsgang bietet sich beim

Dax eine Tradingchance heraus

24 Börsenwissen: Die 20er-Regel

unter der Lupe

26 Kryptowährung: Bei der Umstellung

von Ethereum geht es um die

Zukunft der Digitalwährungen

31 Entlastungspakete: Steuererleichterungen

per Gießkanne

34 Kolumne: Sarna Rösner über

die Lücken des digitalen

Handelsregisters beim Datenschutz

10

„Wir rechnen ab dem ersten Quartal

2023 mit besseren Margen. Dann

sollte auch der Kapitalmarkt

auf die Füße kommen“

ANDREAS KÖSTER, CIO UNION

INVESTMENT

4 Titel: Composing: FOCUS-MONEY

FOCUS-MONEY 39/2022


50

Alles so schön bunt hier

Gestern als Spielerei verunglimpft, könnte das Metaverse

morgen schon DER Milliarden-Deal sein. Wie Anleger

bereits heute an der virtuellen Zukunft partizipieren

moneymarkets

moneyservice

moneyanalyse

36 Dividenden-ETFs: Mit welchen

Indexfonds Anleger von starken

Dividendenaktien profitieren

42 Wasseraktien: Wasser wird knapp

und rückt Wasserversorger in den

Blickpunkt – ETFs wie Fonds

46 Linde: Der Gasehersteller ist ein

internationaler Top-Anbieter im

Zukunftsmarkt Wasserstoff

49 Musterdepots: Füße stillhalten

heißt es bei Nicole Sperch und

Helmut Jaensch, Frank Fischer

verkauft Tencent

50 Metaverse: Mit diesen Aktien,

Fonds und ETFs positionieren sich

Investoren für die virtuelle Welt

53 Medizintechnik: Aktien von

Medtech-Unternehmen eignen

sich wegen ihrer stabilen Erträge

als krisenresistente Depot-Anker

56 Demografie: Der demografische

Wandel ist der größte Umbruch in

der Weltgeschichte – so profitieren

Anleger davon

66 Risikolebensversicherung: Mit

diesen Risikopolicen sichern sich

Familien und Angehörige im Fall

eines Todesfalls ab – die besten

Policen auf einen Blick

76 Lebensversicherer: Eine verlässliche

Kennzahl verrät, welchem

Lebensversicherer Kunden ihre

Altersvorsorge anvertrauen

können

42

Kostbares Nass

Wasser ist ein gefragtes Gut. Die Hitze

und die Dürre des Sommers führten das

eindringlich vor Augen. An der Börse

wurden Wasseraktien heiß gehandelt –

die besten ETFs und Fonds

81 Fonds

82 Deutsche Aktien

90 Internationale Aktien

96 ETFs

97 Zertifikate

moneyrubriken

3 Editorial

80 Leserbriefe – Impressum

98 Termine

moneydigital

60 Social Trends: Google will

Microsoft überholen

61 Analyse: Pole-Position für den

Diabetes-Spezialisten Novo

Nordisk: Startet die Aktie durch?

dswanlegerschutz

64 Porsche-IPO: Wird die Sportwagen-Aktie

zu einem Sammlerstück

wie ein alter 911er? Die Corporate

Governance wirft Fragen auf

64 Standpunkt: Marc Tüngler über

die Fallstricke der virtuellen HV

beim Automobilzulieferer Hella

36

Aristokraten im Depot

Dividendenaktien sorgen für stetige

Einkommensströme – und das auch in

schlechten Börsenzeiten: Mit diesen

ETFs partizipieren Anleger daran

FOCUS-MONEY 39/2022

Inhalt: Illustrationen: VectorStock, Adobe Stock Fotos: A. Gaube, Decentraland, iStock 5


moneytitel

INTERVIEW

AMERIKA JAGT,

EUROPA ZÖGE

Der Peak bei den Zinssteigerungen dürfte bald erreicht sein. Doch die Zinsen werden

lange hoch bleiben, sagt Andreas Köster. Wie Anleger am besten durch die Durststrecke

an den Kapitalmärkten kommen, sagt der Chefanlagestrage bei Union Investment auch

Sie hat den Leitzins mit 75 Basispunkten jetzt so stark erhöht

wie noch nie. Wird das reichen, um die Märkte zu beruhigen?

Köster: Wohl kaum. Das ist nur der erste Schritt. Die

Zentralbank wird die Zinsen so lange erhöhen müssen,

bis die Inflation nachgibt. Die Wirtschaft und die

Kapitalmärkte stehen jetzt hinter diesem Ziel zuvon

HEIKE BANGERT

Die Teuerung ist im Euro-Raum im August auf 9,5 Prozent gestiegen.

Zeitweise sackte der Dax auf 12 800 Punkte ab. Wer

war davon mehr geschockt, die EZB oder die Investoren?

Andreas Köster: Sowohl die Investoren als auch die

Notenbanken haben mit Inflation gerechnet. Überrascht

waren sie allenfalls von der Höhe. Zu Beginn

des Jahres hatte sich die EZB noch auf zwei Prozent

Inflation bei zwei Prozent Wirtschaftwachstum bis

zum Jahresende 2022 eingestellt. Das war durch den

Einmarsch der Russen in die Ukraine und die Null-

Covid-Strategie Chinas nicht zu halten. Dass die

Inflation sich beschleunigt hat, hat die EZB zu spät

bemerkt.

rück. Die USA machen das mit ruhiger Hand. Sie haben

das Handwerkszeug, die Inflation zu bekämpfen.

Die Frage ist hier lediglich: mit oder ohne Rezession?

Leider hat die EZB das Ruder nicht selbst in der Hand.

Sie ist abhängig von der Entwicklung im Konflikt mit

Russland und in China.

Hat EZB-Chefin Christine Lagarde durch ihr Zögern an Glaubwürdigkeit

eingebüßt?

Köster: Das finde ich nicht. Sie hat zwar zu zögerlich

reagiert, den Markt aber gut auf Zinserhöhungen

vorbereitet. Doch die Inflation in der Euro-Zone war

und ist im Wesentlichen angebotsgetrieben von externen

Faktoren, die die EZB nicht zu verantworten

hat und denen monetär schwer beizukommen ist.

Klingt nach einem Experiment, das auch schiefgehen kann?

Köster: Durchaus. Jetzt drängen sich die Probleme

auf, die wir 20 Jahre nicht gelöst haben. Wir haben

keine optimale Währungseinheit und einen frag-

10 FOCUS-MONEY 39/2022


Vita

Andreas Köster

Geb. 1968 in Aurich, Wirtschaftsstudium

in Osnabrück, Düsseldorf

und Providence/USA

Berufseinstieg 1997 bei der Commerzbank,

Wechsel zu Axa Investment

Managers, Schroders, der

Pensionskasse und dem Wealth-

Management der UBS sowie der

Pensionskasse der Credit Suisse

Seit 2021 ist er Chief Investment

Officer bei Union Investment

RT

mentierten Kapitalmarkt. Bei jeder Zinserhöhung

schwingt die Frage mit, wie viel Italien davon vertragen

kann. Im Unterschied zu den USA, die ihre Bilanz

verkürzen, indem sie Staatsanleihen in den

Markt geben, gibt die EZB vor allem Kreditrisiken zurück.

Das muss vorsichtig auskalibriert werden. Der

Markt möchte aber jetzt erst einmal sehen, dass

die Inflation zurückgeht. Spannend wird es in den

Jahren 2023 und 2024, wenn die Zweitrunden -

effekte kommen.

Bei welchem Leitzins werden wir im kommenden Jahr stehen?

Köster: Der Kapitalmarkt wird sich in den USA mit

etwa vier Prozent zufriedengeben. Dort kippt derzeit

die Inflation. Wir befinden uns bald am Peak des

Zinserhöhungszyklus. In der Euro-Zone wird das

drei bis sechs Monate später der Fall sein. Die EZB arbeitet

dabei in größeren Schritten als in den klassischen

25 Basispunkten auf ihr 2-Prozent-Ziel hin.

Ende des Jahres sollte es erreicht werden. Die EZB

geht in diesem Jahr von einer Inflation von 8,1 Prozent

aus sowie von 5,5 Prozent für das kommende

Jahr. Das heißt, dass der Inflations-Peak erreicht ist.

Doch die Zinsen werden bis ins Jahr 2024 hinein

hoch bleiben müssen.

RATIERLICHES

AKTIENSPAREN

ist für Anlageprofi Köster

die Strategie zum

Vermögensaufbau –

gerade in schwierigen

Zeiten, auch wenn

sich das für viele derzeit

unangenehm anfühlt

Was bedeutet das für die Wirtschaft?

Köster: Die USA und die Euro-Zone darf man nicht

in einen Topf werfen. Im Unterschied zur Euro-

Zone gibt es in Amerika genug Güter und Gas. Die Fed

kann bei der Inflationsbekämpfung nach dem Lehrbuch

vorgehen.

FOCUS-MONEY 39/2022 Foto: A. Gaube

11


moneytitel

US-NOTENBANK

Zerstörte Hoffnungen

Die US-Notenbank wird zum dritten Mal in Folge die Leitzinsen um 0,75 Prozentpunkte erhöhen.

Das hat Folgen für die US-Konjunktur und die Wall Street – und die dürften kaum positiv sein

Immer wieder ein Dämpfer

Der Kursverlauf des S&P-500 spiegelt die Stimmungslage

wider: Immer wieder keimt Hoffnung auf

eine Wende bei der Inflation bei den Anlegern auf,

die S&P-500 dann von den Zahlen zerstört wird.

2022

MÄR

Quelle: Bloomberg

S&P-500 in Punkten

SEP

4400

4200

4000

3800

3600

von MIKA HOFFMANN

Immer wieder keimt Hoffnung auf – und immer wieder

wird sie zerstört. So läuft seit Monaten das Spiel an den

Finanzmärkten. Immer wieder hoffen Anleger, die Inflationsraten

würden sich abschwächen. Und immer wieder zerstören

die Daten die Hoffnung. Zuletzt vergangenen Dienstag

in den USA: Die Preissteigerungsrate von 8,3 Prozent – und

insbesondere der monatliche Anstieg der Preise ohne

Energie und Nahrungsmittel, der sogenannten Kernrate,

um 0,6 Prozent – schockierte die Märkte. An nur einem Tag

fiel der S&P-500 um 4,3 Prozent, der höchste Rückgang seit

Juni 2020.

Die US-Notenbank Federal Reserve wird am Mittwoch die

Leitzinsen um 0,75 Prozentpunkte erhöhen. Das steht jetzt

16 Foto: Adobe Stock

FOCUS-MONEY 39/2022


GEBÄUDE DER FEDERAL

RESERVE IN WASHINGTON:

Dunkle Wolken signalisieren

stürmische Zeiten

Ohne Preisstabilität

funktioniert

unsere Wirtschaft

für niemanden –

auch wenn das

Belastungen für

Haushalte und

Unternehmen mit

sich bringt“

JEROME POWELL,

PRÄSIDENT DER US-NOTEN-

BANK FEDERAL RESERVE

so gut wie fest. Einige werfen nun sogar einen

Zinsschritt um 100 Basispunkte in den Raum.

Das wird Folgen haben – Folgen für die Wirtschaftsentwicklung

in den Vereinigten Staaten,

Folgen für die Wall Street und den Dollar. Und

nicht zuletzt wird es auch Folgen für uns in

Deutschland haben. Folgen, die für Anleger in

den nächsten Monaten wohl eher nicht ein

Wohlfühlszenario beinhalten.

Keine Stütze für die Aktienmärkte. „Langsam

dringt es ins Bewusstsein, dass die Bekämpfung

einer strukturellen Inflation länger

braucht als ein paar Monate“, sagt Benjamin

Bente. „Nehmen die Notenbanken diese Aufgabe

ernst, sind sie noch eine ganze Weile keine

Stütze für die Aktienmärkte“, warnt der Geschäftsführer

der Vates Invest GmbH. „Insofern

sind offenbar vergangene Woche die Märkte

wieder auf dem falschen Fuß erwischt worden

in ihrem Inflation-Peak-Optimismus“, analysiert

der Experte. „Hoffnung ist keine Strategie“,

schreibt Philipp E. Bärtschi, Chief Investment

Officer von J. Safra Sarasin, ins Stammbuch.

„Der Offenmarktausschuss der Federal

Reserve hat als übergreifendes Ziel, die Inflationsrate

auf zwei Prozent zurückzubringen – die

Preisstabilität ist die Verantwortung der Federal

Reserve und stützt die Grundfeste unserer

Wirtschaft. Ohne Preisstabilität funktioniert

unsere Wirtschaft für niemanden“, sagt Jerome

Powell. Und stellt klar: „Um die Inflationsrate

zu verringern, bedarf es für eine längere Zeit eines

Wachstums, das unter dem langfristigen

Trend liegt – das wird für Haushalte und Unternehmen

Belastungen mit sich bringen.“ Trotzdem

ist der Chef der amerikanischen Notenbank

fest entschlossen, die Leitzinsen weiter

nach oben zu schrauben.

Reiner Zweckoptimismus. „Mit kräftigen

Zinserhöhungen will die Federal Reserve die

überbordende Nachfrage einbremsen, um damit

der ausufernden Teuerung Herr zu werden

– natürlich verbreitet die Fed dabei Zuversicht

und redet trotz des sich bereits abzeichnenden

konjunkturellen Gegenwinds einem Soft Landing

das Wort. Wir sehen in dieser Haltung indes

reinen Zweckoptimismus und halten seit

geraumer Zeit eine Rezession für unausweichlich“,

kommentiert Daniel Hartmann, Chefvolkswirt

der Fondsgesellschaft Bantleon.

„In der bisherigen US-Wirtschaftsgeschichte

ist einmalig, dass die US-Notenbank in einer

Phase schon weit fortgeschrittener Konjunkturentwicklung

bei sich abzeichnender Re-

FOCUS-MONEY 39/2022

Foto: Bloomberg 17


moneymarkets

IN EINER ANDEREN WELT:

Per Virtual Reality kann man

ins Metaverse eintreten

MEGATREND METAVERSE

Next Level?

Es wird immer realer: das Metaverse. Was es mit der virtuellen Welt auf sich hat, wie weit die

Technologie inzwischen ist und welches wirtschaftliche Potenzial darin liegt

von ALLEGRA ISERT

Über alle Branchen, Plattformen und Zusammenhänge

hinweg – überall kursiert aktuell das Buzzword:

Metaverse. Wer es hört, denkt meist zuerst an den

Facebook-Konzern. Mit der Umbenennung in Meta Platforms

hat das Tech-Unternehmen die Relevanz der virtuellen

Welt für den Konzern hervorgehoben. Seither planen immer

mehr Firmen ihren Einstieg. Dabei können sich nur die

wenigsten wirklich etwas darunter vorstellen.

Seitdem Mark Zuckerberg das Wort in den Mund genommen

hat, spricht jeder Spieleentwickler und Unternehmer

darüber, als sei es der Heilige Gral. Und ja, die Verschmelzung

von realer und digitaler Welt bietet faszinierende Möglichkeiten.

Aber was genau ist das Metaverse? Im Gegensatz

zu der weitverbreiteten Meinung, das Metaversum sei tat-

sächlich von Meta erfunden worden, kursiert der Begriff bereits

seit 1991. Neal Stephenson erwähnte ihn erstmals in

seinem Science-Fiction-Roman „Snow Crash“. Doch rund 69

Prozent der Deutschen können sich noch immer nicht vorstellen,

was hinter dem Buzzword 2022 steht oder wie sie

das Metaversum nutzen können. Lediglich jeder Vierte

glaubt es zu begreifen. Das zeigt eine aktuelle Teamviewer-

Studie.

Neue Stufe sozialer Begegnungen. Kurz gesagt, beschreibt

das Metaverse eine digitale Welt, die durch das Zusammenspiel

von virtueller, erweiterter und physischer Realität

entsteht. Es vereint alle drei Komponenten in einem

dreidimensionalen digitalen Raum als Alternative zur echten

Welt. Tech-Giganten beschreiben es als die nächste Evolution

50 Foto: Pixabay

FOCUS-MONEY 39/2022

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