22.09.2022 Aufrufe

FOCUS_2022-39_Vorschau

Sie wollen auch ein ePaper? Erhöhen Sie die Reichweite Ihrer Titel.

YUMPU macht aus Druck-PDFs automatisch weboptimierte ePaper, die Google liebt.

AUSGABE 39 24. September 2022

€ 4,90 EUROPEAN MAGAZINE AWA R D WINNER 2022 POLITICS & SOCIETY /// INFOGRAPHIC

Vestager

So kämpft die EU-

Kommissarin gegen

die Energiepreise

Wagenknecht

Was die Irrläuferin der

Linken über Russland

und Putin denkt

Sex Pistols

Danny Boyle verfilmt

die Kronjuwelen

der britischen

Popkultur

Grauer Star

Netzhautdefekte

Fehlsichtigkeit

Neue

Medizin

für Ihre

Augen


Alle FOCUS-Titel to go.

focus-shop.de

JETZT

E-PAPER LESEN:


EDITORIAL

Über Emotionen und Innovationen

Von Robert Schneider, Chefredakteur

Fotos: Peter Rigaud für FOCUS-Magazin, Jens Hartmann

Liebe Leserinnen,

liebe Leser,

ich finde dieser Tage nicht allzu

viele Gründe für Happiness, außer

vielleicht man ist in München und

schwelgt mit Freunden bierselig

von Festzelt zu Festzelt. Es ist kühl

geworden, der Sommer vorbei. Die

Tage kürzer, die Nachrichten düster.

Alles wird immer teurer und/oder ist

Mangelware. An den Fronten der

Ukraine kein Frieden in Sicht – im

Gegenteil, Putins „Teilmobilmachung“

vom Mittwoch gleicht einer

zweiten Kriegserklärung.

Ja, es fällt mir zurzeit schwer, positiv

zu sein, und ich gebe an dieser

Stelle auch gern zu, dass ich mich

ziemlich schnell von Stimmungen anstecken

lasse und in einem Labyrinth von

Gedanken verlaufe. Umso dankbarer war

ich, kürzlich einen Abend in gänzlich hoffnungsvoller

Energie verbringen zu dürfen.

Denn FOCUS lud zum „Champions Dinner“

ins Münchner Restaurant „Schmock“,

um aus den neun Finalisten den Sieger

unseres Innovationspreises zu feiern.

Trommelwirbel, Applaus und der Gewinner

ist: das Start-up Enpal aus Berlin.

Welche Branche die Firma gerade aufmischt,

wie schnell sie wächst und Jobs

schafft, das lesen Sie auf Seite 62. Nur

so viel sei hier verraten: Enpal ist das erste

grüne „Einhorn“ unter den deutschen

Start-ups, also mindestens eine Milliarde

Euro wert.

Insgesamt 120 Unternehmen mit zukunftsweisenden

Ideen hatten sich beworben

für unseren Preis, den wir zum dritten

Mal vergaben und der mit einer Million

Euro Mediavolumen dotiert ist. Ich möchte

mich bei all diesen Wirtschaftspionieren

herzlich bedanken, ebenso bei unserer

Jury und der Schirmherrin Bettina Stark-

Watzinger, Bundesministerin für Bildung

und Forschung und treibende Kraft für

Zukunft und Innovation. Wir freuen uns

schon auf das kommende Jahr.

Je nach Gesprächspartner und

Sensibilität des Themas können

Interviews eine spannende Sache,

manchmal aber auch eine heikle

Glückwunsch! Robert Schneider überreicht Wolfgang

Gründinger den Innovationspreis, im Hintergrund freut sich

Laudator Helmut Schönenberger, CEO von UnternehmerTUM

Mission werden. Das gilt erst recht, wenn

man aktuell mit einem hohen deutschen

Militär über den Ukraine-Krieg sprechen

will. Wie in solchen Fällen üblich, wird

vorher gerade im deutschen Sprachraum

vereinbart, dass der Text vor dem

Erscheinen deshalb noch mal autorisiert

werden darf. Man kennt das ja:

Nicht jeden Satz, den man im Eifer einer

Debatte sagt, will man später noch lesen.

So war’s auch mit Vier-Sterne-General

Eberhard Zorn vereinbart, mit dem meine

Kollegen Franziska Reich und Thomas

Tuma für die vorherige Ausgabe ein

Interview führten.

Zorn ist als Generalinspekteur der Bundeswehr

der ranghöchste deutsche Sol-

Wichtig für FOCUS-Abonnenten

Der „Hauptstadtbrief“, unser Bonus für

Abonnenten, ist in der Sommerpause.

Erhalten Sie 26 Ausgaben des FOCUS

für 127,40 Euro und zusätzlich einen 80-Euro-

Verrechnungsscheck als Dankeschön.

Bestellen Sie einfach auf

www.focus-abo.de/editorial

das Angebot und Sie erhalten den FOCUS innerhalb

von zwei Wochen pünktlich und portofrei nach Hause

geliefert. Wenn Sie den FOCUS nach den 26 Ausgaben

wieder im Handel kaufen möchten, genügt

ein Anruf und das Abo ist beendet.

* Inkl. MwSt. und Versand. Sie haben ein gesetzliches

Widerrufsrecht.

dat – und er hatte durchaus klare

Ansichten, die auch unser Verfahren

des Gegenlesens überstanden.

Wer immer sich neben Zorn selbst

und seinen Leuten über den Text

beugte – sie feilten hier und da ein

bisschen, ließen aber wichtige Einschätzungen

unberührt.

Und die hatten es in sich, vor

allem bei der Frage, wie Zorn die

jüngsten Gegenoffensiven der Ukrainer

einschätzte: „Was wir wahrnehmen,

sind Gegenangriffe und

Gegenstöße, mit denen man Orte

oder einzelne Frontabschnitte zurückgewinnen,

aber nicht Russland

auf breiter Front zurückdrängen

kann“, zeigte sich der versierte General

skeptisch über manche Jubelmeldungen

der vergangenen Wochen.

Auch in der Frage, ob die Ukraine für

eine echte Gegenoffensive überhaupt

die Kraft habe, beantwortete Zorn klar:

„Sie bräuchten eine Überlegenheit von

mindestens drei zu eins“ – die Zorn aber

derzeit nicht sieht. Zugleich bekräftigte er

seine Sorge, dass Putin sogar eine zweite

Front aufmachen könne: „Die Fähigkeiten

hätte Putin.“ Und: „Würde Putin eine

Generalmobilmachung anordnen, hätte er

auch keine Personalprobleme.“

Das Interview war noch nicht mal erschienen,

da sorgte die an Nachrichtenagenturen

verschickte Vorabmeldung

schon für Echo bzw. für große Empörung:

„Atemberaubend dürftig“ sei Zorns Analyse,

schimpfte Ben Hodges, einst Chef

der US Army Europe. Verteidigungs ministerin

Christine Lambrecht sah sich

genötigt, sich schützend vor ihren General

zu stellen, der es gewagt hatte, sich

seine etwas skeptischere, pragmatische

Haltung zu bewahren. Am Mittwoch dann

zeigte Putin, dass der Vier-Sterne-General

damit nicht so falsch liegt: Der Kreml-

Chef sprach eine Teilmobilmachung aus.

300 000 Reservisten müssen sich nun fertig

machen für den Krieg ihres Präsidenten.

Herzlich Ihr

Mit dem QR-Code können Sie auf die Abo-Seite gelangen

FOCUS 39/2022 3


Zerstörung im Osten

In den befreiten

ukrainischen Gebieten

finden sich Spuren

russischer Verbrechen

Seite 30

Zukunft des

Westens

EU-Kommissarin

Margrethe Vestager

über den Zustand des

westlichen Weltbildes

Seite 54

Sicht von oben

Fußball-Bundestrainer Hansi Flick

hat ein Buch über Fleiß geschrieben.

Was wir von ihm lernen können

Seite 24

Runde im Länglichen

FOCUS-Kolumnist und

Starkoch Yotam Ottolenghi

holt alles aus der Erbse raus

Seite 114

Kult im Stream

Die Sex Pistols waren

der Urknall des Punk.

Man hört ihn bis heute.

Zum Beispiel auf Disney+

Seite 86

Kreuz und quer Von Wespen und anderen (angeblich) lästigen Fliegetieren Seite 18

4 FOCUS 39/2022


INHALT NR. 39 | 24. SEPTEMBER 2022

ANZEIGE

Titelthema

62 Sonne im Sorglos-Paket

Enpal gewinnt den FOCUS Innovationspreis

64 „Reisschüssel“ war gestern

Chinas Autobauer sehen ihre Chance, mit

E-Mobilen in Deutschland durchzustarten

68 Geldmarkt

Wissen

DER NEUE

FORD

E-TRANSIT

70 Lichtblicke für die Augen

Gentherapien, Implantate, raffinierte

Linsen: Forscher und Mediziner erproben

innovative Behandlungsmethoden für

Leiden, die Millionen die Sehkraft kosten

80 Das Weltverbessern neu denken

Physiker und Kabarettist Vince Ebert stellt

Technik-Optimismus gegen Klima-Angst

83 Den Einschlag verhindern

Eine Sonde soll einen Asteroiden ablenken

Titel: Kamila Maciejewska/Unsplash

Fotos: Antoni Lallican, Charlotte de la Fuente für FOCUS-Magazin, Hannah Flick, Louise Hagger/Photography,

Emily Kydd/Food Styling, Jennifer Kay/Prop Styling, Katy Gilhooly/Food Stylist Assistant, FX Networks/Disney

76 „Das Rauchen aufgeben“

Gesünder leben, besser sehen: Ophthalmologe

Robert Finger wirbt für Prävention

FOCUS 39/2022

Agenda

24 Fußballschule fürs Leben

Bundestrainer Hansi Flick schreibt – über

Fleiß als Grundlage des Erfolgs, Mut zum

Außergewöhnlichen und das schöne Spiel

Politik

30 Die Spuren der Mörder

In den zurückeroberten Gebieten im Osten

der Ukraine offenbaren sich Einblicke ins

Innenleben der russischen Armee

36 Die Sprengmeisterin

Sahra Wagenknecht stellt die Linke mal

wieder vor eine Zerreißprobe

40 Die Rechnung, bitte!

In Niedersachsen wird gewählt, und alles

dreht sich um ein Thema: den Winter

46 Die Kunst des Widerstands

Während Fridays for Future die Luft ausgeht,

radikalisiert sich ein kleiner Teil der

Klimabewegung. Wie gefährlich ist das?

51 Politischer Datenstrudel

Claudia Roths Sprachlosigkeit und

Franziska Giffeys sauberer Kiez

52 Der Herbst der Populisten

Jair Bolsonaro ringt mit dem Linken

Luiz Lula um die Macht in Brasilien

Wirtschaft

54 Europas Antwort

Margrethe Vestager, Vizechefin der EU-

Kommission, über das Energiepreisdrama

und westliche Werte in Zeiten des Krieges

Kultur

86 God Save the Pistols

Danny Boyles knallige Serie über die Sex

Pistols läuft ausgerechnet auf Disney+

92 Wenn die Tage kürzer werden …

Unsere Tipps der Woche verabschieden mit

einiger Melancholie den Sommer

94 Ewiger Wahn

Der gefeierte deutsche Oscar-Kandidat

„Im Westen nichts Neues“ über den Ersten

Weltkrieg wirkt grauenhaft aktuell

Leben

104 Wunderwasserland

Die Kreuzfahrtbranche hat höhere

Buchungszahlen als vor der Corona-Krise

108 Die Auswanderer

Thilo Mischke über Gamze und Tobi, die in

Manila auf ein besseres Leben hoffen

110 Kaffeeklatsch mit Christina Meinl

Vor 160 Jahren gründete ihr Ururopa Julius

Meinl in Wien eine Rösterei

114 Die Macht der Erbsen

Yotam Ottolenghis grün-scharfer Dip

116 Im Dienste seiner Majestät

Doppelpack vom Hoflieferanten Bentley

Rubriken

3 Editorial

8 Kolumne von

Jan Fleischhauer

11 Nachrichten

12 Fotos der Woche

18 Grafik der Woche

Insekten

20 Menschen

82 Wir müssen reden

Titelthemen sind rot markiert

93 Mein Salon

102 Bestseller

102 Servicenummern

118 Die Einflussreichen

120 Leserbriefe

121 Nachrufe

121 Impressum

122 Tagebuch

Vollelektrische Hochleistung.

44 Ein Erfolgsmodell wird elektrisch.

Der neue Ford E-Transit ist das erste

vollelektrische Nutzfahrzeug von Ford.

44 Allzeit bereit dank DC-Schnellladung.

Erfahren Sie, wie schnell der Akku des neuen

Ford E-Transit auflädt.

45 Fährt und fährt und fährt.

Die hohe elektrische Reichweite des neuen

Ford E-Transit ist eine seiner Stärken.

45 Ausgezeichnete Sicherheit.

Der hohe Sicherheitsstandard wurde

von Euro NCAP ausgezeichnet.

45 Immer up to date

Abonnieren Sie den Ford Pro Newsletter

und erhalten Sie eine exklusive Studie.


POLITIK

Im Krieg gibt es keine Gewinner

Die ukrainische Gegenoffensive ist militärisch ein Erfolg. Was bleibt, sind ein zerstörtes

Land, kriegsmüde Befreier, unsägliches Leid. Putin reagiert auf die Niederlage mit einer

Teilmobilmachung. FOCUS zu Besuch bei Menschen, die kaum noch zu hoffen wagen

TEXT VON PHILIP MALZAHN FOTOS VON ANTONI LALLICAN

30

FOCUS 39/2022


UKRAINE

Todbringende Beute

Ein ukrainischer Soldat macht Pause

während der Schlacht um Isjum. Er chattet

mit seinem Handy. Der flüchtende

Feind hat eine 152-Millimeter-Panzerhaubitze

Koalizija zurückgelassen.

Sie kann 70 Kilometer weit schießen.

Der 1000-PS-Dieselmotor beschleunigt

den 55-Tonner auf 60 Stundenkilometer

FOCUS 39/2022 31


WISSEN

Verzerrte Linien

Die Fotos auf diesen und den folgenden

Seiten haben wir bearbeitet, um

die Krankheitsbilder aus Sicht der

Patienten darzustellen. Typisches

Anzeichen einer Makuladegeneration

sind Wellen in Gitterstrukturen, vor

allem, wenn man ein Auge zuhält

Im Kampf um das

Augenlicht

Deutschland erlebt eine Epidemie der

Augenleiden. Zehn Millionen Menschen drohen

starke Sehkraftverluste oder gar die Erblindung.

Nun erzielen Forscher und Mediziner erste

Erfolge auf ihrer Suche nach neuen Therapien

TEXT VON PETRA THORBRIETZ

Foto: plainpicture

70

FOCUS 39/2022


TITEL

Altersabhängige

Makuladegeneration

(AMD)

In der Makula, der Stelle

des schärfsten Sehens

auf der Netzhaut, sterben

die lichtemp findlichen

Zellen ab. Am

Ende steht die Erblindung.

Die „trockene“

AMD verläuft langsam,

die „feuchte“ aggressiv

Ursache

Weitgehend unbekannt;

Risiko erhöht bei

Diabetes und hohem

Blutdruck; Adipositas

verdoppelt das Risiko

Symptome

In der Mitte des Sehfeldes

größer werdende

Ausfallerscheinungen,

Bedarf an mehr Licht,

verzerrte Linien, Buchstaben

verschwimmen

Therapie

Noch keine Abhilfe bei

der trockenen Form;

Spritzen ins Auge

bremsen den Verlauf der

feuchten Form

Betroffene

7,5 Millionen Menschen

in Deutschland (35 %

der über 80-Jährigen).

In etwa 20 % der Fälle

entwickelt sich die

feuchte Variante

71


KULTUR

FILM

Unter dem verbeulten

Stahlhelm stechen

weit aufgerissene

Kinder au -

gen hervor, blau

und kalt wie ei -

ne Eiswüste, der

Blick so leer wie die bereits

leblose Seele. Das Gesicht ist

verschmiert und entstellt von

den Spuren des Kampfes, dem

Schlick des Schlachtfeldes, den

Schlieren aus Tränen, Rotz und

Blut. Es ist die Fratze einer vor

Entsetzen erstarrten Existenz,

das Antlitz von Paul Bäumer,

eines jungen Soldaten, der

gemeinsam mit seinen Kameraden

in den Schützengräben

der Westfront dem Sterben

harrt.

„The horror, the horror“,

hauchte Marlon Brando auf

dem Totenbett im Kriegsfilm-

Klassiker „Apocalypse Now“,

ein poetisch-pervertierter Epilog

auf den Wahnsinn des amerikanischen

Vietnam-Engagements.

Aus dem Gesicht von

Felix Kammerer, dem Darsteller

in der Erster-Weltkrieg-Apotheose

„Im Westen nichts Neues“, schreit der

Schrecken. In einem Film, der auch das

Zeug hat zum modernen Klassiker.

Über Serien zum Großprojekt

Manchmal regiert der Zufall in der Kunst,

löst Werke aus und prägt deren Erfolg. Es

war ein glücklicher Umstand, dass Regisseur

Edward Berger 2019 einen Anruf

bekam, ob er an den Filmrechten von „Im

Westen nichts Neues“ interessiert

sei, des fast 100 Jahre

alten Romanklassikers von

Erich Maria Remarque über die

Schrecken des Ersten Weltkriegs.

Berger sagte sofort zu.

Und man muss es wohl einen

unglücklichen Zufall nennen,

dass sich nun seine überwältigende

Neuadaption des Stoffs

mit einer Aktualität konfrontiert

sieht, mit der vor drei Jahren

keiner gerechnet hatte:

dem Krieg in der Ukraine.

Dass die realen Bilder von

Gewalt, Terror und Tod die

Aufnahmebereitschaft und

Neugier des Publikums beeinflussen

werden, dürfte festste-

Ewiger Wahn

Ein gewaltiges, grauenhaft aktuelles

Schlachtengemälde: der deutsche Oscar-

Kandidat „Im Westen nichts Neues“

»

Der Film sollte

vollkommen

erbarmungslos

werden

«

Edward Berger,

Regisseur

hen – die Frage ist nur, auf welche Weise.

Bei seiner Weltpremiere beim wichtigsten

nordamerikanischen Filmfestival in

Toronto wurde Bergers Kriegsepos jedenfalls

gerade gefeiert, von den Zuschauern

wie von den Kritikern. Das Zweieinhalb-

Stunden-Werk, das auch für Deutschland

als Oscar-Kandidat nominiert wurde, ist

nun bei uns erst mal auf der großen Kinoleinwand

zu sehen, auf die es mit seinen

gewaltigen Schlachtprospekten eigentlich

auch gehört, bevor es

Ende Oktober dann weltweit

auf Netflix startet.

Mit einem Budget von gut

20 Millionen Euro ist „Im Westen

nichts Neues“ eine der bisher

teuersten deutschsprachigen

Produktionen. Finanziert

Weltendämmerung

Regisseur Edward Berger inszenierte

die Kampfszenen so

authentisch wie irgend möglich

allerdings mit Dollars vom US-

Streaming-Giganten. Als Berger,

sein Produzent Malte Grunert

und Daniel Brühl, der als

Co-Produzent und Star zu dem

Projekt gestoßen war, dieses

2020 auf dem Berlinale-Filmmarkt

anboten, entschieden

sie sich für Netflix als Partner –

in dem „ganz starken Gefühl,

dort die größtmögliche kreative

Freiheit und Reichweite“

zu bekommen, sagt Berger im

Gespräch. Durch den Erfolgszug

der Streamingplattformen

werden nationale Filme und

Serien für ein globales Publikum

immer interessanter und

die jeweilige Herkunft fast

nebensächlich für Produzenten,

die früher auf englischsprachige

Produkte für den

Weltmarkt bestanden.

Dass Berger das aufwendige,

teure und schwierige Projekt

angehen durfte, verdankt

er seinen internationalen Erfolgen.

In Deutschland wurde der

52-Jährige bisher eigentümlich

missachtet und stieß nicht in

die erste Reihe der Regisseure

vor. Er verschaffte sich in der

Branche mit TV-Inszenierungen

von „Tatort“, „Polizeiruf“ oder

„Kriminaldauerdienst“ einiges

Renommee und überraschte auf der Berlinale

2014 mit dem Wettbewerbsbeitrag

„Jack“, der auch einen deutschen Filmpreis

erhielt. Spätestens als er 2015 die

Regie der Serie „Deutschland 83“ übernahm,

wurde Hollywood auf ihn aufmerksam.

„Oh – my – God!“, begeisterte sich

etwa Tom Hanks einmal dafür: „Absolut

unglaublich!“ Berger wurde in den Folge -

jahren für die angloamerikanischen Se -

rien „The Terror“, „Patrick Melrose“ und

„Your Honor“ verpflichtet, bevor der Wahlberliner

für „Im Westen nichts Neues“ in

die Heimat zurückkehrte.

„Nein, der Film musste auf Deutsch

gedreht werden“, betont Berger, „es gibt

ja auch den fast 100 Jahre alten amerikanischen

Klassiker, der zwar immer

noch sehr gut ist, aber eben auch ein

amerikanischer Film.“ Berger, für das

Gespräch per Videocall zugeschaltet,

verweist zugleich auf die Universalität

des Stoffs, eines Buchs, das man „überall

auf der Welt kennt“, und fügt hinzu: „Ich

bin 25 Jahre nach dem Krieg geboren und

aufgewachsen mit dem Erbe der Scham,

des Grauens, des Terrors. Dieses Gefühl

haben wir alle geerbt, es ist Teil unserer

DNA. Insofern muss sich ein Film dieser

Art aus Deutschland heraus eben ganz

Fotos: Reiner Bajo, dpa

94 FOCUS 39/2022

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!