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moneyeditorial

EDITORIAL

Das 300-Milliarden-

Problem

FRANK MERTGEN

stellv. Chefredakteur

FOCUS-MONEY

Deutschland hofft, glimpflich durch den nächsten Winter

zu kommen. Ohne zu frieren, ohne eine Explosion

der Zahl der Firmenpleiten erleben zu müssen. Denken

Sie persönlich auch schon über einen Heizlüfter für den

Notfall nach? Über den Winter 2023/24 will verständlicherweise

niemand sinnieren, der könnte auch noch einmal hart

werden.

Aber dann, dann ist doch das Gröbste überstanden? In Sachen

Krieg und Gaskrise? Hoffentlich, hoffentlich schon viel

früher. Und wenn es gut geht, hilft zum Beispiel der forcierte

Ausbau erneuerbarer Energien und der Energieeffizienz,

beim Kampf gegen den Klimawandel voranzukommen.

Das ist aber nur eine von fünf großen Aufgaben oder nötigen

Transformationen in Deutschland in den nächsten Jahrzehnten,

wie Michael Thöne schreibt, geschäftsführender Direktor

des Finanzwissenschaftlichen Forschungsinstituts an

der Uni Köln. Dazu treten vier weitere gigantische Aufgaben,

hier an Beispielen aus dem praktischen Leben verdeutlicht:

In der zweiten Jahreshälfte 2024 sperrt die Bahn die wichtige

Strecke Frankfurt–Mannheim für eine Sanierung – das

steht für die nötige Sanierung der Infrastruktur.

So hätte man es vor 30 Jahren auch gern gehabt: Junge Bewerber

können immer mehr verlangen, reden vor allem anderen

erst einmal von Sabbatical, Urlaub, superindividuellen

Freiräumen – das steht für die Demografiekrise.

Die Bundeswehr beschafft statt bis zum Jahr 2031 bereits

bis 2025 für die Soldaten u. a. endlich ausreichend Kampfjacken

und Kampfhosen, Nässe- und Kälteschutz, Unterwäsche,

Hosengürtel und -träger, Handschuhe – das steht

für die Stärkung der äußeren Sicherheit, innere Sicherheit

und Cyberabwehr kommen dazu.

Haben Sie überall im Land vernünftigen Handy-Empfang?

Eben – das steht für die nötige digitale Umwälzung.

Nun sind alle Aufgaben so wichtig, dass man sie nicht

nacheinander abarbeiten kann, sondern zeitgleich anpacken

muss. Und das kostet eine Menge Geld, nach einer ersten

Überschlagsrechnung von Michael Thöne (der ganze Aufsatz

hier: https://www.ifo.de/publikationen/2022/zeitschrifteinzelheft/ifo-schnelldienst-092022)

summieren sich die

Zusatzkosten auf rund acht Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung

(BIP) bzw. 300 Milliarden Euro jährlich.

Wo könnten so viele Zusatz-Milliarden herkommen? Wo

Deutschland schon als Hochsteuerland bekannt ist und die

hohen Sozialabgaben noch weiter steigen (siehe „Herausfor-

derung Demografie“). Aus einer sechsten großen Transformation,

meint Finanzwissenschaftler Thöne. „Die sechste

große Transformation betrifft die Modernisierung des öffentlichen

Sektors in Deutschland hin zu einem leistungsfähigen

und dabei auch effizienten Staat.“ In puncto Effizienz der öffentlichen

Verwaltung liegt die Bundesrepublik nach einer

EU-Studie im guten Mittelfeld. Aber vergleicht man die

Staatsaufgaben mit den jeweils besten Lösungen, käme ein

theoretisches Einsparpotenzial von 315 Milliarden Euro heraus.

Thöne weiß, dass die theoretischen Potenziale in der

Praxis nie und nimmer zu erreichen sind. „Wichtig ist vielmehr,

die Augen dafür zu öffnen, dass Staatsleistungen mit

sehr hoher Qualität mit sehr unterschiedlichem Aufwand an

volkswirtschaftlichen Ressourcen erbracht werden können.“

Er konzediert auch, dass sich Lösungen aus anderen Staaten

nicht ohne Weiteres auf die föderal so eng verflochtene Bundesrepublik

übertragen lassen.

Ob da ein großer Wurf gelingt? Solange in der deutschen

Hauptstadt nicht einmal Bundestagswahlen richtig organisiert

werden können, ist es schwer, Zweifel zu unterdrücken.

Ihr

Aus aktuellem Anlass!

Lesen Sie FOCUS-MONEY bequem zu Hause

Liebe Leserinnen und Leser,

die Inflation steigt auf lange nicht mehr erreichte Werte, in

Amerika wie in Europa. Bange blicken die Börsianer auf die

Notenbanken, die praktisch weltweit (Ausnahmen Japan und Türkei)

ihre Leitzinsen in großen Schritten anheben. Was bedeutet das

für die Finanzmärkte? Mein Tipp: Sie erfahren alles Wichtige in

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FOCUS-MONEY 40/2022

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3


moneyinhalt

10

Ein Klassiker startet durch

Mit dem größten Börsengang seit 25 Jahren lässt VW seine traditionsreiche

Sportwagentochter Porsche von der Leine. FOCUS-MONEY

macht den großen IPO-Check: Die Chancen, die Wettbewerber, die

Pläne des Clans – und mit welcher Autoaktie Anleger am besten fahren

moneykompakt

6 Kompakt: Wo sich 2022 Parallelen

zum Lehman-Jahr zeigen

7 Das kaufe ich jetzt: Rational

bleiben – und rational kaufen

7 Meine erste Aktie: Quirin-Chef

Karl Matthäus Schmidt und die

Lehre aus BASF

7 Hit & Shit: Suse-Aktie

im freien Fall

30

Lohnendes Finale

Corona und die Folgen für die

Unternehmenslandschaft schieben

das Übernahmekarussell an – für

Anleger neue Chancen auf

dicke Abfindungen bei

Endspielen

8 Kolumne: Was Investoren von

Roger Federer lernen können

8 Umfrage: Wo Deutschland bei

der Digitalisierung schwächelt

98 Andis Börsenbarometer: Wie

Anleger den wahren Trend finden

moneytitel

10 Porsche-Mythos: Warum die

Sportwagenaktie gleich fünffach

punktet

13 Familienbande: Interessen,

Konflikte – und wer im Porsche-

Reich die Fäden zieht

14 Ferrari & Co.: So gelingt der

Porsche-Einstieg durch die

Hintertür. Plus: Die beste Autoaktie

18 Luxus: Drei krisenfeste Rendite

perlen – LVMH, Richemont, Hermès

22 Oldtimer: Wo die höchsten

Wertsteigerungen inklusive

Fahrspaß locken

moneymarkets

26 Mischfonds: Der beste Schutz bei

jedem Börsenwetter

27 Interview: Fondsprofi Peter Rieth

von Oddo BHF über Qualitätsaktien

und Panikgedanken

4 Titelfoto: Porsche

FOCUS-MONEY 40/2022


28. SEPTEMBER 2022 www.money.de

29 Interview: Capital-Group-Managerin

Julie Dickson über die richtige

Strategie in schlechten Zeiten

30 Squeeze-out: Bei welchen Aktien

hohe Abfindungen winken

34 Zertifikate: Mit cleverer Bonusstrategie

in beide Richtungen

verdienen

36 Energie: Wie sich Anleger vor

steigenden Heiz- und Strompreisen

schützen

40 Technologie: Warum eine

schottische Fondsgesellschaft

weiter an Wachstumswerte glaubt

44 Nebenwerte: Wo Stock-Picker

jetzt günstig zugreifen

50 Chartsignal: Wieso beim MDax

alles auf dem Kopf steht

50 Börsenwissen: Die wichtigsten

Begriffe rund um den IPO

51 Musterdepots: Fischer hält an

Luftfahrtaktie fest

58 Tiefkühlkost: Coole Renditen

einstreichen – mit Nestlé, Nomad

Foods und General Mills

62 Elektronik: Vom Sparboom

profitieren

56

36

Echt abgefahren!

Nach dem Energiepreisschock

wartet ein kühler und teurer

Winter. Mit dem FOCUS-

MONEY-Energiekorb kommen

Anleger in Sachen Investment

gut durch die kalte Jahreszeit

moneydigital

„Es gibt keine Alternative zu China“

52 Highlights: Die Gründe für den

Abverkauf bei Ethereum

53 Analyse: Ist die Sonova-Aktie

nach dem Kurseinbruch ein Kauf?

55 Kleingeldhelden: Ein Glücksforscher

sagt, ob Geld glücklich macht

56 Mission Money: China-Experte

Frank Sieren über ein Land in

Wartestellung

dswanlegerschutz

65 Nachhaltigkeit: Die vierte

Dimension der Geldanlage

FRANK SIEREN, JOURNALIST, AUTOR UND CHINA-EXPERTE

Vier gegen die Welt

in Euro

MSCI-World

Outperformance

Energie-Depot

2018 19 20 21 2022

25 000

20 000

15 000

10 000

5 000

moneysteuern&recht

66 Steuererklärung: Wie Angestellte

1000 Euro Erstattung kassieren

moneyservice

70 PKV: Die besten Top-Schutz-Tarife

0

74 Studie: FOCUS-MONEY stellt die

fairsten Hausratversicherungen vor

moneyanalyse

81 Fonds

82 Deutsche Aktien

90 Internationale Aktien

96 ETFs

97 Zertifikate

moneyrubriken

3 Editorial

80 Leserbriefe – Impressum

98 Termine

Quelle: Bloomberg

26

Für jedes

Börsenwetter

Auf den Märkten geht’s hoch

her. Vorhersagen sind kaum

möglich. Diese Mischfonds bieten

einen Top-Schutz für jedes

Börsenwetter. Plus: Zwei

Fondsprofis im Interview

Inhalt: Fotos: Porsche, 123RF, Panthermedia 5


10 Foto: Porsche

FOCUS-MONEY 40/2022


moneytitel

RENNVERSION

DES PORSCHE

TAYCAN:

Börsensprint bringt

Milliardenerlöse für

neues Wachstum

VOM

TITEL

SIEGER ZUM

CHAMPION

Trotz Liebhaberpreis wird die Porsche-Aktie zum Renner! Wer Aktien ergattert, hält ein

Blatt mit fünf Assen – hohe Performance, Luxus, Markenstärke, Volumen, Tradition

Die Zahlen zum IPO

Börsensegment:

Prime Standard

WKN/ISIN PAG911/DE000PAG9113

Emissionsvolumen: 8,7 bis 9,4 Mrd. Euro

Börsenwert nach IPO: 70 bis 75 Mrd. Euro

Zahl der angebotenen Aktien: 113,9 Millionen

Zeichnungsfrist: 20.9. bis 28.9.2022

erste Notiz 29. September 2022

Preisspanne: 76,50 bis 82,50 Euro

Konsortialbanken:

Quelle: Unternehmensangaben

Bank of America, Citigroup, Goldman

Sachs, J.P. Morgan, BNP Paribas/

DAB, Deutsche Bank, Consorsbank,

Deutsche Sparkassen-Finanzgruppe,

Maxblue, S Broker, Unicredit, Morgan

Stanley, Santander, Barclays, Société

Générale, Commerzbank, Crédit

Agricole/Metzler Bank, Landesbank

Baden-Württemberg (LBBW), Mizuho,

Mediobanca

von JENS MASUHR

Keiner braucht ihn. Jeder möchte ihn“, steht in

der Anzeige über dem 911er, nach dem sich

sämtliche Fahrgäste eines Reisebusses umdrehen.

Heute zählt der Werbespruch aus den

70ern – wie der Ur-Porsche selbst – zu den

Klassikern seiner Branche.

Besonderer Cocktail. Vieles spricht dafür, dass der Börsengang

der Zuffenhausener PS-Schmiede ebenfalls Kultstatus

erreicht. Nicht nur, weil man im Führungsboard

den Mut hat, in einer der schwierigsten Börsenphasen

überhaupt den größten IPO („Initial Public Offering“) seit

dem Börsengang der Deutschen Telekom durchzuziehen.

Auch der Werbegag, das Grundkapital in Anlehnung an

das berühmteste Modell in der Palette auf 911 Millionen

Aktien zu verteilen, streichelt den Mythos. Fast überflüssig

zu erwähnen, dass die Schwaben überzeugend wie

kein anderer Hersteller Tradition, Markenstärke, Sportlichkeit,

Luxus und Volumen miteinander verbinden.

FOCUS-MONEY 40/2022

11


moneytitel

Eine Rendite von 700 Prozent in zehn Jahren klingt nach

Wahnsinn. Im Oldtimermarkt ist sie Realität. 2,3 Millionen

Euro bringt der Ferrari 288 GTO auf Auktionen.

Vor fast 40 Jahren war er mit seinem 400-PS-starken 2,8-Liter-V8-Motor

der stärkste Straßensportwagen der Welt. Nun

mag der Ferrari ein Exot für Wohlhabende sein. Doch Oldtimer

gibt es auch schon für wenige Tausend Euro. In Zeiten

des Ukraine-Kriegs mit galoppierender Inflation überlegen

immer mehr Menschen, wie sie ihr Vermögen schützen. Warum

sich also nicht einen alten Kindheitstraum erfüllen und

in das „Garagengold“ investieren?

Klar ist: Auf dem Girokonto schrumpft das Vermögen. Oldtimer

können da eine krisenresistente Anlage sein. Insbesondere

gut erhaltene seltene Modelle dürften auf Dauer an Wert

gewinnen. Spricht man mit Fachleuten, Sammlern und Kfz-

Meistern, zeigt sich ein gemischtes Bild. Es gibt Fälle wie den

Ferrari GTO. Aber auch eine Nummer kleiner steigt der Wert

mancher Oldtimer: Ein VW Fridolin etwa hat sich binnen

zehn Jahren von um die 9000 Euro auf mehr als 55 000 Euro

gesteigert.

Oldtimer als Lebensgefühl. Zugleich bieten Oldtimer mehr

als ein Goldbarren oder ein Gemälde, die zu Hause vor sich

hindümpeln. Sie sind Lebensgefühl, Hobby und Leidenschaft.

Und sie verlangen Pflege, Unterhalt und ein bisschen Liebe.

Schlicht kaufen, in der Garage abstellen und irgendwann

Rendite einfahren ist zu kurz gedacht. „Das Schöne an Oldtimern

ist, dass man diese Werte benutzen kann“, sagt Mika

Hahn, Center Manager der Classic Remise in Berlin, einer Art

365-Tage-Oldtimer-Messe. Das Gewerbezentrum für klassische

und besondere Fahrzeuge wurde 2003 in Berlin eröff-

AUTOS

Die größte

Rendite ist

der Fahrspaß

Für seltene Oldtimer-Modelle locken

Millionen. Doch auch mit wenig Kapital lässt

sich viel erreichen. Ohne Einarbeitung und

Expertise läuft freilich nichts

von NATHANAEL HÄFNER

22 Foto: Bob Masters Classic Car Images/Alamy

Composing: FOCUS-MONEY

FOCUS-MONEY 40/2022


FERRARI 288 GTO

Immer mehr Oldtimer-Liebhaber

Die Entwicklung seit 2006 bis heute

Pkws mit H-Kennzeichen

in Tausend

526

585

648

422

140

145

188

231

314

2006

08

10

12

14

16

18

20

2022

Quelle: VDA

net, ein zweiter Standort startete 2006 in Düsseldorf. Dort

treffen sich Fans, Branchenkenner und Oldtimerclubs, der

Eintritt ist kostenfrei.

Wer in Oldtimer investiert, muss ein wenig Benzin im Blut

haben, sich interessieren, einarbeiten. Nur dann lohnt sich

die Anlage. Erste Orientierung für den Markt liefern Portale

wie Classic Trader, Classic Analytics, Classic Data. Diese Anbieter

besuchen regelmäßig Auktionen, die dort aufgerufenen

Preise sind jedoch wie sonst auch stark vom Zustand, der

Ausstattung und dem Baujahr abhängig. Mika Hahn von der

Classic Remise empfiehlt, den Markt über einen längeren

Zeitraum zu beobachten. Ein wenig Arbeit bleibt also nicht

aus. Umfangreiche Preisdaten gibt es etwa beim Classic-Data-Marktspiegel.

Classic Analytics veröffentlicht jährlich für

den Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) den

Oldtimer-Index. Er wertet die Preise 88 repräsentativer Modelle

aus und gewichtet sie in Abhängigkeit von den Zulassungszahlen.

Der 2021er-Index erschien im Januar 2021,

also noch zu Beginn der Pandemie und vor dem Ukraine-

Krieg. Dennoch lässt er Rückschlüsse zu: So steigerte sich der

Ford Capri von 2017 bis 2020 am meisten im Wert, um 94,4

Prozent. Unter den Top-10-Gewinnern sind gleich vier Volkswagen-Modelle.

Der Käfer steigerte den Wert im Standardmodell

um 59,1 Prozent, der Golf 3 um 47,7 Prozent, der seltene

VW 181 um 37,4 Prozent sowie das Käfer-Cabrio um

immerhin 27,5 Prozent. Volkswagen scheint wie bei Neuwagen

eine solide Anlage zu sein. Wer sich konkret beim Händler

für ein Modell interessiert, holt am besten ein Gutachten

eines Kfz-Sachverständigen von etwa TÜV, Dekra oder Classic

Data ein. Das wird ohnehin spätestens dann fällig, wenn

das gekaufte Auto versichert wird. Der Gutachter schaut sich

das Auto an und weiß, ob wirklich alle Teile original sind, es

mal einen Unfall gab, der Kilometerstand stimmt. Dazu gibt

es meistens Bilder: Das Gutachten lässt sich also auch re mote

anfertigen, ohne dass Kaufinteressierte vor Ort sind. Die Preise

für ein Gutachten liegen aktuell bei 200 Euro.

Oldtimerclubs finden immer schwieriger junge Mitglieder.

In ihnen tummeln sich häufig Rentner, die dem alten Wagen

erst nach dem Berufsleben viel Zeit und Geld widmen. Studien

belegen: Jüngere Menschen begeistern sich nicht mehr

für Autos. Das Center of Automotive Management (CAM) der

FH Bergisch Gladbach um Direktor Stefan Bratzel stellte

schon 2018 fest, dass nur 55 Prozent der Erwachsenen unter

25 Jahren einen eigenen Pkw für wichtig oder sehr wichtig

halten. Bei Stadtbewohnern unter 25 sind es sogar nur 36

Prozent. In der Gesamtbevölkerung hingegen halten 73 Prozent

einen Privat-Pkw für notwendig. Dazu kommen Trends

wie Hybrid- und Elektroantriebe. Geteilte Mobilität, Fahrrad

und ÖPNV liegen bei Jüngeren hoch im Kurs. Die Deloitte-

„Global Automotive Consumer Study“ von 2022 befand: Rund

40 Prozent der Befragten würden bei ihrem nächsten Autokauf

ein Hybridfahrzeug wählen, 2021 waren es noch 26

Prozent. Ein reines Elektroauto würden 15 Prozent wählen.

Wer in jungen Jahren kein Auto besitzen möchte, wird sich

kaum im Alter einen Oldtimer zulegen.

Besuch bei einem, der es wissen muss. Frank Noack, 57, ist

Werkstattmeister beim freien Kfz-Meisterbetrieb Bernd

Eckerfeld in Berlin-Steglitz. Eine Spezialität: Die Werkstatt

restauriert und pflegt Oldtimer. Das macht etwa 20 Prozent

des Geschäfts aus. Der Betrieb repariert viele alte Mercedes,

besonders die SL-„Pagoden“-Modelle. Im Betrieb arbeiten

zehn Menschen, bei Noack klingelt ständig das Telefon, es

geht um feuchte Stellen, Ventildeckeldichtungen, Verchromungen.

Immer wieder kommen Mitarbeiter ins Büro, der

FOCUS-MONEY 40/2022

23


moneymarkets

FLAMME VOR FÖRDERANLAGE:

Die Preissteigerungen wirken wie

Zunder auf Strom- und Heizkosten

– und auf manche Aktien

ENERGIE

Warm anziehen

Quelle: Bloomberg; Stand: 16.9.22

Auf dem Gipfel

Während der Abwärtsbewegung großer Börsen haben

sich Aktiengesellschaften, die mit Öl, Gas & Co.

Geld verdienen, gut gehalten. Sie notieren in Sichtweite

ihrer Allzeithochs und dürften langfristig noch

teurer werden.

Entfernung vom Allzeithoch

in Prozent

Tourmaline Oil 6,5

Cheniere Energy 6,5

ConocoPhillips 9,2

EnviTec Biogas 14,9

Dow Jones 17,0

Dax 22,0

Vieles wird teurer. Wie Anleger steigende Heiz-

und Strompreise kontern können. Mit einem

FOCUS-MONEY-Energie-Depot gegen die Krise

von DIRK REICHMANN

Es ist ein Ausflug in die Mangelwirtschaft. In Deutschland

diskutieren die Verantwortlichen über eine Strompreisbremse.

Da ist man in Großbritannien weiter. „Die

britische Premierministerin will Heiz- und Stromkosten für

Privathaushalte auf 2500 Pfund jährlich begrenzen“, heißt

es bei zeit.de.

Energie ist ein Thema. Im Jahr 2019 betrug der Anteil von

Rohöl an der weltweiten Stromerzeugung 30,9 Prozent,

dann folgten Kohle/Torf mit 26,8 Prozent, Erdgas mit 23,2

Prozent, Biokraftstoff und Kernenergie. Das zeigen Zahlen

des Datensammlers Statista. Da wirken Preissteigerungen

der Rohstoffe wie Zunder auf Strom- und Heizkosten – und

häufig auf Aktien.

36 Foto: Bloomberg

FOCUS-MONEY 40/2022

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