26.09.2022 Aufrufe

NewHealthGuide Magazin 01 2022

  • Keine Tags gefunden...

Sie wollen auch ein ePaper? Erhöhen Sie die Reichweite Ihrer Titel.

YUMPU macht aus Druck-PDFs automatisch weboptimierte ePaper, die Google liebt.

newhealth.guide #1

newhealth.guide #1

Arbeit publiziert, in der mit einem

Anamnese-Check Beschwerden

eingeordnet werden, dann aber

auch darauf reagiert und der Zugang

zur Behandlung gesichert

wird – und das mit einer diagnostischen

Treffsicherheit, die der von

Fachärzten gleichwertig ist.

Der andere Einsatzbereich sind

chronische Erkrankungen, z. B.

Herzinsuffizienz oder chronische

Lungen erkrankungen. Hier müssen

wir wegkommen von der Quartalslogik,

die in fast allen Fällen jeglicher

medizinischen Logik entbehrt.

Mit Dingen wie zum Beispiel Tele-Monitoring

können wir aber ex -

trem gut bestimmen, wann jemand

wiederkommen muss, und sicherstellen,

dass Menschen Hilfe bekommen,

wenn sie Hilfe benötigen.

Das ist das zentrale Versprechen.

Welche Möglichkeiten gibt es,

an die wir vielleicht noch gar

nicht denken, die deshalb auch

nicht eingesetzt werden, die

aber den Patienten ebenso nützen

können, wie Sie es gerade

beschrieben haben?

Was manchmal zu wenig diskutiert

wird, ist, dass wir eine große Möglichkeit

für mehr Patientensicherheit

in der Behandlung haben. Negative

Dinge passieren, weil Menschen

nicht rechtzeitig in die Behandlung

kommen, weil Verschlechterungen

nicht rechtzeitig erkannt werden,

weil Entscheidungs- oder Kommunikationsfehler

entstehen. Polypharmazie

ist ein riesengroßes Problem

in diesem Zusammenhang – dass

Menschen von verschiedenen Ärzten

unterschiedliche Medikamente

bekommen. Das sind Patientengefährdungen,

die wir vermeiden

können.

Was haben andererseits die Ärzte

und das Pflegepersonal davon,

wenn sie digital unterstützt

werden?

Und der Patient?

„Die Leute wollen

nicht digitale

Medizin, sie wollen

eine bessere

Behandlung“, sagt

Sebastian Kuhn

Mehrwert für alle

Für Pflegepersonal

und Ärzte steht mit

der Digitalisierung

ein neuer „Werkzeugkoffer“

bereit

Wir haben einen neuen „Werkzeugkoffer“

bekommen, den wir

verstehen müssen und den wir

sinnvoll für unsere Patientinnen und

Patienten einsetzen müssen. Durch

ein die Anamnese unterstützendes

KI-Tool und eine strukturierte Anamnese-Form

haben wir die Chance,

sicherzustellen, dass die Anamnese

vollständig ist, dass auch an verschiedene

seltene Erkrankungen

gedacht wird, an Dinge, die man

typischerweise übersieht. Dabei

bin ich nicht dafür, dass ein Algorithmus

allein entscheidet. Aber wir

können Fähigkeiten augmentieren

und bei jemandem, der in dem Bereich

nicht Experte oder Expertin

ist, das diagnostische Niveau deutlich

anheben. Ein Algorithmus mit

Bildanalyse hat z. B. beim malignen

Melanom schon 90–95 Prozent Treffsicherheit

– mehr als ein Facharzt.

Wo verändert sich die medizinische

Landschaft gerade am

stärksten?

Wo aus meiner Sicht in den kommenden

zwei bis drei Jahren eine

Revolution ausbrechen wird, das

ist im Rahmen der chronischen Erkrankungen.

Da wird die Behandlung

in Praxis und Klinik mit Unterstützung

durch digitale Tools das

Versorgungskontinuum sicherstellen.

Das wird erstmalig so richtig in

der Versorgungsqualität ankommen

und auch zu einem spürbaren

Mehrwert für alle Akteure führen,

der absolut entscheidend ist. Die

Leute wollen nicht digitale Medizin,

sondern sie wollen eine bessere

Behandlung. Die Herzinsuffizienz

ist da ein Paradebeispiel. Durch

eine App können wir auf einfache,

smarte Weise eine relevante Verschlechterung

erkennen, bevor

sie zu einer Dekompensation führt,

und zwar etwa sieben Tage vor einer

State-of-the-Art-Behandlung.

Das ergibt eine Reduktion von

etwa 30 Prozent bei der Sterblichkeit,

eine deutliche Reduktion von

stationären Aufnahmen, eine deutlich

höhere Lebensqualität der Patientinnen

und Patienten und eine

Reduktion der Behandlungskosten.

Sie haben eine Studie veröffentlicht

zu „Neuen Gesundheitsberufen

für das digitale Zeitalter“.

Welche Berufe sind das?

Dabei gibt es zwei Aspekte. Das

eine ist die Qualifizierung oder

Weiterqualifizierung von existierenden

Berufen – Ärzten, Pflegenden,

„Der Algorithmus

soll nicht

allein entscheiden,

aber

er kann die

Diagnose vervollständigen“

Physio- oder Ergotherapeuten.

Zum anderen gibt es aber auch

die Überlegung, ob der digitale

Wandel an einigen Stellen nicht so

grundlegend ist, dass sogar neue

Berufsbilder entstehen.

Wir haben dort exemplarisch drei

skizziert. Die erste haben wir „Fachkraft

für digitale Gesundheit oder

Digital Health Carer“ genannt. Das

sind Menschen mit sehr hoher Gesundheitskompetenz,

ähnlich klassischen

Gesundheitsberufen, aber

mit digitaler Expertise. Die stehen

auch weiterhin in unmittelbarem

Patientenkontakt und stellen sicher,

dass die Möglichkeiten auch

wirklich bei den Patientinnen und

Patienten ankommen.

Den zweiten nennen wir „Prozessmanager

für digitale Gesundheit“.

Das sind Personen, die ein

Grundverständnis für Gesundheit

brauchen, auch Digitalexpertise,

zusätzlich aber auch Prozesse und

Management beherrschen. Es ist

eine riesengroße Aufgabe, in den

Institutionen für die verschiedenen

Krankheitsbilder Behandlungsabläufe

zu überdenken, neu zu gestalten,

zu implementieren und die

Qualität zu sichern.

Den dritten nennen wir „Systemarchitekt

für digitale Gesundheit“,

manchmal als Chief Information

Officer bezeichnet. Das sind häufig

Personen mit Doppelqualifikationen

(z. B. Medizin und Health-

IT-Management), die dann übergeordnet

dafür Sorge tragen,

dass die verschiedenen entstehenden

Prozesse in ein Versorgungskonzept

münden, damit

Synergien auch genutzt werden.

Ist es sinnvoll, mit der Einführung

der Digitalisierung im Studium zu

starten?

Wir haben mehrere Jahre gekämpft,

dass „digital“ jetzt essenzieller

Bestandteil des Medizinstudiums

ist. Es gehört zum frühen Zeitpunkt

10

11

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!