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NewHealthGuide Magazin 01 2022

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newhealth.guide #1

01

Können die Kliniken noch Förderanträge

stellen? Nein, die Fristen sind

abgelaufen, die Länder mussten bereits

bis 31. Dezember 2021 den Bedarf

ihrer Kliniken beim Bundesamt für Soziale

Sicherung (BAS) beantragen. Fast

alle Kliniken in Deutschland haben

den Ländern rechtzeitig die nötigen

Informationen und den Bedarf für die

Förderanträge mitgeteilt. Diejenigen

vereinzelten Kliniken, die diese Frist

versäumt haben, erhalten zunächst

keine Förderung. Angesichts der zu

erwartenden Abschläge für alle Kliniken,

die 2025 gewisse Anforderungen

nicht erfüllen, sollten aber auch die

Kliniken ohne För derung den Ausbau

der Digitalisierung vorantreiben. Die

Kosten dafür müssen sie allerdings erst

einmal allein stemmen.

02

Wann werden die Anträge der

Kliniken bewilligt? Wie die Antragstellung

erfolgt auch die Zulassung

zweistufig: Das BAS prüft die Anträge

und teilt seinen Entscheid über

die Förderung den Ländern mit –

die Länder wiederum bewilligen in

einem zweiten Schritt den entsprechenden

Kliniken die Förderung.

Das BAS hat bereits – Stand September

2022 – über rund 80 Prozent der

Wo stehen

wir heute?

Die wichtigsten Fragen

und Antworten zum

Krankenhauszukunftsgesetz

Fördergelder entschieden, aktuell

arbeiten die Länder die Bescheide

des BAS ab. „Einige Krankenhäuser

haben bereits die Bewilligung, die

meisten übrigen Kliniken dürften sie

in den nächsten Wochen und Monaten

erhalten“, erklärt Alexander

Beyer, stellvertretender Geschäftsbereichsleiter

Digitalisierung und

eHealth bei der Deutschen Krankenhausgesellschaft

(DKG).

03

Warum ist es wichtig, sich bereits

heute vorzubereiten und nach der

Bewilligung schnell aktiv zu werden?

Die Digitalisierung ist nicht erst

seit dem KHZG ein Thema im Gesundheitswesen,

die IT-Dienstleister

in diesem Feld sind bereits seit Jahren

recht ausgelastet. „Durch das

KHZG wird die Nachfrage bis Ende

2024 noch einmal deutlich gesteigert,

praktisch alle Krankenhäuser

widmen sich dem Thema nun gezwungenermaßen

zur gleichen Zeit.

Hier wird die eigentliche Engstelle

bei der Umsetzung des KHZG sein“,

sagt Fabian Pritzel, Managing

Director Technology & Innovation

bei der Paracelsus-Klinikgruppe.

„Je eher man als Klinik eine Ausschreibung

macht, desto größer

sind die Chancen, dass man noch

einen guten Dienstleister findet.“

Zwar darf die Ausschreibung in der

Regel erst erfolgen, wenn die Klinik

die Bewilligung der Förderung vom

Land erhalten hat. Bis dahin kann

sie aber schon vorbereitet werden.

„Gerade die Projektteams, die sich

vor einigen Monaten in vielen Kliniken

wegen der Anträge formten,

sollten weiter regelmäßig zusammenkommen

und die Umsetzung

planen“, empfiehlt Alexander Beyer

von der DKG. Im Idealfall wird die

Ausschreibung so weit vorbereitet,

dass sie direkt nach der Bewilligung

der Förderung erfolgen kann.

04

Was ist zu tun, wenn sich seit der

Antragstellung die Vorhaben und

die Tools, mit denen man arbeiten

möchte, geändert haben? Nicht

selten vergehen mehr als anderthalb

Jahre zwischen Antragstellung auf

Förderung und Bewilligung derselben.

In der sich schnell entwickelnden

IT-Branche ist das eine lange

Zeit – das ist auch dem BAS bewusst:

„Bestimmte Änderungen sind in der

Regel kein Problem, etwa wenn lediglich

der Anbieter gewechselt

wird und ein anderes Produkt für

den gleichen Zweck gewählt wird“,

sagt Leonard Herbst, Leiter des für

das KHZG zuständigen Referats beim

BAS. Wenn man aber zum Beispiel

FOTO: MURAT TUEREMIS/LAIF

eine Software für Bettenmanagement

beantragt hat und dann mit

dem bewilligten Geld ein Triage-System

einführen will, kann das zum Problem

werden. „Bei solchen größeren

inhaltlichen Unterschieden sollte

seitens des Landes unbedingt mit

uns Rücksprache gehalten werden“,

sagt Herbst. Dazu stellt das BAS den

Ländern ein Meldeformular bereit, in

dem die Änderungen eingetragen

werden können. Heißt: Die Kliniken

sollten die Länder über größere Änderungen

informieren! Diese kleine

bürokratische Hürde sollte jedoch

kein Grund sein, starr am im Antrag

angegebenen Vorgehen festzuhalten.

Letztlich gehe es dem BAS vor

allem darum, dass die bewilligten

Fördertatbestände umgesetzt werden,

so Beyer. Er empfiehlt daher,

das Vorgehen danach auszurichten:

„Der Weg kann vom Antrag abweichen

– solange das Ziel gleich

bleibt.“

05

Nach welchen Kriterien sollte

man seinen Dienstleister aus

den Angeboten auswählen, die

auf die Ausschreibung hin eingehen?

Auf den ersten Blick nimmt

der finanzielle Aspekt des Angebots

eine zentrale Rolle ein – gerade

angesichts der gestiegenen

Kosten und der unsicheren Finanzierung

(siehe unten). Alexander Beyer

von der DKG empfiehlt aber auch,

auf die Qualität und den Grad der

Integration der digitalen Tools in bestehende

Prozesse zu achten. Wenn

etwa erst eine Bestandsaufnahme

des aktuellen Systems erfolgen

soll, ist das schon einmal ein gutes

Zeichen. „Entscheidend ist auch

der Umgang mit den Change-Prozessen:

Am besten sind bereits im

Angebot entsprechende Mitarbeiterschulungen

für die Einführung

des digitalen Tools enthalten“, sagt

Beyer. Auch wenn das Tool installiert

und eingerichtet ist, brauche

es häufig noch eine gewisse Betreuung,

um die Prozesse zügig rundlaufen

zu lassen. Geht ein Anbieter von

vornherein von einer solchen ersten

Betreuungsphase aus und kalkuliert

sie mit ein, sei das sicher nicht verkehrt,

so Beyer.

06

In welchem Zeitraum muss eine

bewilligte Förderung umgesetzt

werden? Es gibt im KHZG zwar keine

ausdrückliche Frist, bis wann ein

Vorhaben nach der Bewilligung umgesetzt

sein muss. Aber weil ab 2025

Abschläge drohen (siehe unten), ist

es eine indirekte Frist. „Zwar kann es

gut sein, dass diese Frist noch einmal

nach hinten verschoben wird. Trotzdem

sollte man dranbleiben, denn

wenn man bedenkt, dass die Deadline

für alle Kliniken gilt, ist selbst eine

Frist bis 2026 oder 2027 immer noch

sehr knapp bemessen“, sagt Fabian

Pritzel von den Paracelsus-Kliniken.

Hinzu kommt: „Einmal im Jahr sollen

die Länder einen Bericht abgeben,

wie der Stand der Dinge ist. Es geht

unter anderem auch darum, dass

die Dienstleister bestätigen, dass

unsere Förderrichtlinien eingehalten

werden“, sagt Leonard Herbst vom

BAS. Diese Bestätigung ist ein weiteres

Argument für eine zeitnahe Umsetzung

des geförderten Vorhabens:

Je früher das Vorhaben inhaltlich

geprüft wird, desto eher lassen sich

Probleme identifizieren und lösen.

07

Was, wenn die Kosten seit Antragstellung

gestiegen sind? Allein die

Inflation sorgt in vielen Fällen dafür,

dass die Kosten seit Antragstellung

gestiegen sind, hinzu kommt die erhöhte

Nachfrage nach IT-Dienstleistern.

„In manchen Bundesländern

wird bereits diskutiert, ob den Kliniken

eine Art Inflationsausgleich erstattet

wird. Bis feststeht, wo man wie viel

Geld zusätzlich bekommt, tragen

die Mehrkosten allerdings bedauerlicherweise

die Kliniken“, sagt Beyer.

Womöglich legt auch der Bund bei

der Fördersumme nach – allerdings

dürfte dies, wenn überhaupt, erst mit

deutlicher Verzögerung erfolgen.

08

Welche Vorgaben müssen bis

Ende 2024 zwingend erfüllt werden

– und womit ist zu rechnen,

wenn dies nicht geschehen ist? Bis

Ende 2024 sollen laut KHZG folgende

digitale Werkzeuge eingeführt sein:

• Patientenportale, bei denen Patienten

die Anamnese digital von zu

Hause aus durchführen und Termine

für eine Behandlung vereinbaren

können

• eine Einrichtung von teil- oder vollautomatisierten

klinischen Entscheidungsunterstützungssystemen

• eine digitale Behandlungsdokumentation,

in der alle Patientendaten

zusammengeführt werden

• ein digitales Medikationsmanagement,

das die arzneimittelbezogenen

Informationen jedes Patienten

bündelt

• ein digitales Leistungsmanagement,

in dem unter anderem der Therapieerfolg

bei den Patientinnen und Patienten

dokumentiert wird.

Sind diese Dienste Anfang 2025

nicht vorhanden, kann eine Strafzahlung

von ein bis zwei Prozent

des Rechnungsbetrags für jeden

voll- und teilstationären Fall verhängt

werden.

09

Was ist mit weiteren Folgekosten

aus den digitalen Angeboten? Für

die Fördertatbestände konnte man

in vielen Fällen auch eine Förderung

für drei Jahre Wartungs- und

Betriebskosten beantragen. „Damit

könnte ein großer Teil der ersten laufenden

Kosten gedeckt werden“,

sagt Herbst. Wer eine solche Förderung

nicht beantragt hat, dem

bleibt zunächst nichts anderes übrig,

als zu hoffen, dass sich für die

Folgekosten neue Möglichkeiten

der Förderung ergeben. Das ist allerdings

nichts, mit dem man fest

rechnen sollte.

„In der Regel empfiehlt es sich, nach

der Einführung digitaler Prozesse für

deren Betreuung und Weiterentwicklung

auch die Kapazitäten eigener

Mitarbeiter einzusetzen“, sagt

Alexander Beyer von der DKG. Das

erfordert zwar interne Ressourcen, ist

aber mittelfristig meist kostengünstiger

als eine umfassende Betreuung

durch einen Dienstleister. Auch hier

gilt: Ein Dienstleister, der die Mitarbeitenden

anfangs gut einarbeitet

(siehe oben), kann es am ehesten

ermöglichen, dass künftig ein großer

Teil des Engagements klinikintern abgewickelt

wird.

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