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procontra Ausgabe 05-2022 Preview

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www.procontra-online.de

Oktober / November 2022 – D: 4,80 € • I: 6,50 € • E: 6,50 €

Folgen der Inflation | ESG-Regulierung | Psychotest in der PKV | Waldbrandversicherung | Maklers Lieblinge | Bestandsübertragung | Kleinleins letztes Interview | Förderungen für Immobilien #05 | 2022

Oktober / November 2022

BaFin-Irrsinn

Wie die Aufsicht ESG-Fonds

regulieren will und dabei den

Standort schwächt

PKV-Test

Welche Versicherer psychische

Vorerkrankungen kategorisch

ausschließen

Das freie Finanzmagazin

Maklers Lieblinge

Mit wem der freie Vertrieb

am liebsten in die Beratungsgespräche

geht


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EDITORIAL

Inflation wird

Versorgungsniveau

verschlechtern

pro Auch wenn sich die Inflationsraten ab 2024 wieder normalisieren

sollten, die Folgen für Absicherung und Vorsorge werden dramatisch sein.

Bis die Löhne und Einkommen nachziehen und den Preissprung der vergangenen

Monate ausgleichen können, werden noch Jahre vergehen. Bis dahin

werden Privathaushalte an ihre Budgetlimits getrieben und „überflüssige“

Ausgaben infrage gestellt. Leider fallen diesen Überlegungen auch immer

Sparbeiträge und Versicherungsprämien zum Opfer. Zu abstrakt scheint ihr

Nutzen, zu greifbar das kurzfristige Einsparpotenzial. Ziehen die Versicherer

noch ihre an Preisindizes gekoppelten Prämien nach, brechen viele Absicherungskonzepte

zusammen und Unterversicherung wird die Regel. Auch für

viele Gewerbekunden, wo Experten die Situation in der Gebäude-, Inhaltsund

Haftpflichtversicherung als „besonders alarmierend“ einschätzen.

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contra Natürlich leiden Verbraucher und Gewerbetreibende unter den

Preissteigerungen der vergangenen Monate. Doch die hohe Inflaton muss

nicht zwangläufig in der Aufgabe von Vorsorgebemühungen oder einer generellen

Unterversicherung in der privaten und gewerblichen Sachversicherung

münden. Im Leben-Bereich sind die Produkte flexibel genug, um beispielsweise

mit Beitragspausen auf finanzielle Engpässe zu reagieren und eine Kündigung

zu vermeiden. In der Sachsparte braucht es die Makler. Sie müssen

vor allem ihren Gewerbekunden erklären, welche Verträge von Anpassungen

an Preisindizes betroffen sind, und prüfen, ob die Versicherungssummen den

tatsächlichen Wiederbeschaffungswert noch abbilden. Wer hier proaktiv auf

Kunden zugeht, kann Kurzschlussreaktionen und Unterversicherung vermeiden

und Absicherungskonzpete sicher durch die Krise begleiten.

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LIEBE MAKLER, LIEBE LESER,

die procontra-Redaktion wünscht Ihnen

eine aufschlussreiche Ausgabe.

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Matthias Hundt

Chefredakteur

procontra 05 | 22

Dialog Lebensversicherung-AG

Stadtberger Str. 99, 86157 Augsburg


procontra Inhaltsverzeichnis

INHALT

18

Inflation als Vorbote

Unterversicherung und Prämienexplosionen

sind Folgen der

Rekordinflation.

64

Maklers

Lieblinge

Der freie

Vertrieb wählte

wieder seine

Favoriten

unter den

Assekuranzen.

»Psychos« ohne jede Chance

Psychische Erkrankung und PKV-

Wechsel passen nicht zusammen

– zeigt der große procontra-Test.

44

58

Bestände richtig loslassen

Wie Vermittler ihr Lebenswerk

übergeben und jetzt noch wertsteigernd

optimieren können.

4 procontra 05 | 22


Inhaltsverzeichnis procontra

PANORAMA

13 Zeitenwende Hans-Jörg Naumer

über die Katalysatoren der

Deglobalisierung

INVESTMENTFONDS

24 Buschfunk

26 »Kein aktiver Vertrieb von Fonds

mit Kernkraft« Volker Weber vom

Forum Nachhaltige Geldanlagen

(FNG) über die EU-Entscheidung,

Gas und Atomkraft als nachhaltig zu

deklarieren

VERSICHERUNGEN

40 Buschfunk

42 »Maklerbetreuer werden zum

Coach der Vertriebspartner«

Alte-Leiziger-Vorstand Frank Kettnaker

über Maklerbetreuung der

Zukunft und den Servicebedarf von

Vermittlern

30 Mehr Struktur im Depot Infrastrukturinvestments

stabilisieren

nicht nur das Portfolio, sondern

können es auch mit der Inflation

aufnehmen.

14 Panorama Fakten für Vertrieb

und Stammtisch

16 Leserbriefe

TITEL

18 Inflation als Vorbote Die Preissteigerungen

liegen auf Rekordniveau

und sind in aller Munde.

Doch die Risiken, die jetzt entstehen,

betreffen Versicherte auch

dann noch, wenn sich die Inflation

längst wieder normalisiert hat.

»Die Inflation treibt

die durchschnittliche

Schadenshöhe weiter

nach oben.«

THOMAS SEPP

Allianz-Industrieversicherer AGCS

32 Comeback der Rentenfonds Die

Zinswende rückt Anleihen wieder in

ein attraktives Licht für Investoren.

Was diese nun beachten müssen

36 Bärendienst für Fondsstandort

Die BaFin meint es gut mit ihrem

Alleingang bei der Regulierung

nachhaltiger Fonds - und schwächt

damit den Standort Deutschland.

44 »Psychos« ohne jede Chance

PKV-Versicherer lehnen Anfragen

mit psychischen Vorerkrankungen

fast kategorisch ab. Das zeigt der

procontra-Test, der einige Anbieter

zum Umdenken bewegte.

48 Forst mit heißem Risiko Zunehmende

Dürreperioden erhöhen den

Absicherungsbedarf für Waldbesitzer.

50 Bankrott zurückgelassen?! Die

Absicherung von Hinterbliebenen

offenbart in vielen Rentenverträgen

Schwächen und liefert somit Beratungsansätze.

52 Akku-Risiken entladen E-Autos

fahren mit erhöhtem Feuerrisiko.

Mit Prävention und Tarifoptimierung

können Vermittler für eine sichere

Fahrt sorgen.

procontra 05 | 22

5


procontra Inhaltsverzeichnis

BERATER

54 Buschfunk

56 »Ich sehe Vermittler nicht als

Gegner« Mit Axel Kleinlein verlässt

einer der schärfsten Kritiker die

Verbraucherschutzbühne.

procontra gab er noch ein resümierendes

Interview.

SACHWERTE

72 Buschfunk

74 »Spürbare Abschwächung zu

erwarten« Jens Tolckmitt vom Verband

deutscher Pfandbriefbanken

über den Wohnimmobilienmarkt und

Probleme für Schwellenhaushalte

76 Fördertöpfe: auftun, aufzeigen,

ausschöpfen Wenn die Finanzierung

von Wohneigentum immer

schwieriger wird, helfen Förderungen.

Welche Vermittler ihren

bauwilligen Kunden nahelegen

sollten

RUBRIKEN

3 Editorial

8 Firmen- und

Personenverzeichnis

8 Impressum

82 Privat gefragt

Steckbrief von Karoline Viktoria

Mielken, Geschäftsführerin der

Nettowelt GmbH

58 Bestände richtig loslassen Was

Vermittler bei und im Vorfeld der Bestandsübergabe

beachten sollten,

damit das Lebenswerk wirklich

vergoldet werden kann

62 pro & contra: Geht den FinTechs

jetzt das Geld aus? Die Zinswende

verteuert Finanzierungen, und

Investoren bieten sich nun wieder

Alternativen. Werden FinTechs

darunter leiden? Zwei konträre

Meinungen dazu

80 Am Puls der Zeit?! Sachwerte

liegen im Trend – nicht nur bei hoher

Inflation. Doch sind Luxusuhren ein

lohnendes Investment oder doch

nur was fürs Handgelenk?

»Nettotarife sind

sinnvoll – für Kunden

und Vermittler.«

KAROLINE VIKTORIA MIELKEN

Nettowelt GmbH

64 Die Lieblinge der Makler Rekordteilnahme

bei der jährlichen

Umfrage zu den Favoriten im freien

Vertrieb. Mit Rückkehrern, Dauerbrennern

und einigen Überraschungen

6 procontra 05 | 22


Eric Bussert

Vorstand Vertrieb und Marketing

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SERVICE Firmen- und Personenverzeichnis

FIRMENVERZEICHNIS

A

Accenture........................................................................... 62

AGCS.......................................................................................20

Alliance Bernstein.........................................................25

Allianz..........................................17, 20, 37, 46, 53, 65

Alte Leipziger....................................................... 42 f., 65

Amazon.................................................................................. 41

Ammerländer..................................................................... 41

Ampega................................................................................25

Amundi..................................................................................25

AnaCap..................................................................................73

Aon...........................................................................................55

Apple......................................................................................80

Arag.........................................................................................45

Axa..............................................................................45 f., 48

B

Bain Capital........................................................................59

Barmenia......................................................................... 45 f.

Bayerische Beamtenkrankenkasse...............45

BCA...........................................................................................60

BGV..............................................................................................17

BNP Paribas...................................................................... 24

Breitling.................................................................................80

BVT............................................................................................73

C

Capinside..............................................................................31

Colognewatch...................................................................81

Corestate..............................................................................73

D

Degussa Bank.................................................................55

Deka.......................................................................26, 37, 73

Deutsche Bank...............................................................33

DKV..........................................................................................45

Dr. Klein...................................................................................77

DWS.............................................................................30 f., 37

E

Element..............................................................................62 f.

Engel & Völkers................................................................72

Erfinderdienst...................................................................26

Ergo.....................................................................................14, 41

F

Fidelity...................................................................................25

Finanzinvest Consulting..........................................33

Finlex........................................................................................ 41

Fonds Finanz..................................................55, 59, 65

Freo...........................................................................................73

G

Galcap....................................................................................73

Global Service..................................................................55

Goldman Sachs..............................................................25

Gossler, Gobert & Wolters.........................................21

Gothaer...................................................................... 41, 48 f.

Great West Lifeco..........................................................59

GVO........................................................................................... 49

H

Hallesche...................................................................46, 65

Hannover Rück........................................................19, 40

Hans John..........................................................................55

Hansainvest.......................................................................73

HanseMerkur...................................................................45

HDI........................................................................................ 50 f.

HG Capital...................................................................59, 65

Horando................................................................................80

I, J

Ideal.........................................................................................50

Inter.........................................................................................45

InterRisk..................................................................................17

Itzehoer...................................................................................17

JDC...........................................................................................59

L

Lazard....................................................................................30

LKH...........................................................................................45

M

M.M.Warburg.....................................................................33

Mama......................................................................................26

MFS IM...................................................................................33

Montagu...............................................................................25

Morgen & Morgen............................................................17

Munich Re....................................................................19, 40

N

Netfonds.......................................................................19, 25

Nettowelt.............................................................................82

Nixdorf Kapital..................................................................26

Nürnberger.......................................................................... 41

NV................................................................................................17

O

Omega...................................................................................80

Oppenfield...........................................................................73

Ostangler................................................................................17

P

Patek Philippe..................................................................80

PIB Group.............................................................................55

Pier Investment...............................................................73

Pimco.....................................................................................34

Policen Direkt...................................................................59

Prinas Montan.................................................................55

Protectoplus......................................................................53

INDEX

R

R+V...........................................................................................46

Refinitiv................................................................................. 24

Resultate Institut...........................................................59

Robeco..................................................................................25

Roland...................................................................................... 41

Rolex................................................................................... 80 f.

S

S.L.P..........................................................................................55

Savills......................................................................................73

Schad......................................................................................78

Scope..................................................................................... 24

Scor......................................................................................52 f.

SDK............................................................................................41

Seiko.......................................................................................80

SHB.............................................................................................17

Signal Iduna......................................................................45

Silvertip..................................................................................73

SMR............................................................................................21

SparkassenVersicherung......................................52

Swiss Re.........................................................................19, 41

Swisscanto.........................................................................26

T

Talanx.....................................................................................25

TCW-Gruppe......................................................................25

U

Union Investment...............................................31, 37 f.

Universal Investment.................................................25

V

Vanguard.............................................................................34

vdp Research....................................................................74

Vema.......................................................................................65

Versicherungsforen Leipzig..................................... 41

Versicherungskammer Bayern..........................45

VHV..........................................................................................53

Volkswagen.......................................................................52

Volkswohl Bund......................................................... 22 f.

W

Wellinvest............................................................................34

WestLB...................................................................................26

Willis Towers Watson....................................................21

Württembergische.......................................................45

PERSONENVERZEICHNIS

A

Anne, Benoit.....................................................................33

Asmussen, Jörg...............................................................12

B, C

Bachmeier, Peter...........................................................53

Bauer, Christian...............................................................73

Bauermeister, Anja.......................................................38

Beenken, Matthias.......................................................59

Beier, Nils............................................................................. 62

Biden, Joe.............................................................................31

Bock, Frank ........................................................................37

Bollhorst, Janine............................................................53

Branson, Mark..................................................................37

Briones-Schulz, Katja.................................................. 41

Brückner, Michael..................................................... 80 f.

Cliquet, Bertrand........................................................ 30 f.

D

Danner, Christian...........................................................45

David-Spickermann, Florian.................................52

Dilg, Martin..........................................................................25

Dreyer, Aljoscha.............................................................. 49

Droll, Jan.......................................................................... 48 f.

E, F

Eich, Stefan.........................................................................37

Emde, Nico...........................................................................21

Finger, Marcus.................................................................80

G

Glorius, Anja.......................................................40, 44 ff.

Görler, Andreas...............................................................34

Grabmaier, Sebastian................................................59

Grimm, Andreas..............................................................59

H

Happacher, Maximilian............................................. 29

Haukje, Thomas............................................................. 22

Heidekamp, Bert............................................................50

J, K

Janssen, Onno...............................................................55

Kampmeyer, Stefan......................................................25

Kanschik, Philipp...........................................................59

Kantak, Ralf......................................................................... 41

Kettnaker, Frank................................................ 42 f., 65

Kieper, Oliver.......................................................................19

Klein, Frank..........................................................................77

Kleinlein, Axel................................................................56 f.

Klude, Carsten..............................................................33 f.

Koch, Kathryn..................................................................25

Kräker, Holger...................................................................55

Kretschmann, Winfried...............................................12

Kretschmer, Michael.....................................................12

L

Lauterbach, Karl...............................................................14

Leiss, Felix............................................................................72

Lippman, David...............................................................25

Losing-Malota, Olga.......................................................21

Lücke, Justus.................................................................... 41

Lüer, Thomas......................................................................51

M

Macht, Christian.........................................................62 f.

Mann, Thomas................................................................25

Mattner, Andreas...........................................................73

Mayer, Brigitte..................................................................50

Mehta, Kunal.....................................................................34

Mielken, Karoline Viktoria.........................................82

Mitzlaff, Ulrich.................................................................... 41

N

Nagel, Joachim.......................................................12, 33

Naumer, Hans-Jörg.......................................................13

P

Pickel, Michael.................................................................40

Ploemacher, Harry.......................................................25

Porazik, Norbert.............................................................65

Preininger, Alexander.................................................25

R

Rehmke, Stephen...........................................................57

Rietow, Jana.......................................................................31

Rosenberger, Harald..................................................... 41

Rudolph, Stephan..........................................................73

S, T

Sack, Markus...................................................................33

Schad, Marcus.................................................................78

Schleicher, Sven............................................................55

Schmidt, Dagmar..........................................................54

Schmidt, Harald................................................................13

Schneider, Semira..........................................................73

Schürmann, Rolf............................................................60

Schütz, Cedric..................................................................73

Schwegat, Stephan.................................................52 f.

Sepp, Thomas.................................................................20

Sharma, Vinay...................................................................31

Solomon, Honor..............................................................25

Steinmeyer, Martin.......................................................25

Stephan, Ulrich...............................................................33

Tolckmitt, Jens............................................................. 74 f.

V

Veit, Konstantin...............................................................34

von Laufenberg, Henri.................................................81

W

Weber, Volker...................................................... 26 ff., 37

Wiese, Andreas.......................................................... 48 f.

Wirth, Norman........................................................20, 55

Wollmershäuser, Timo.................................................19

Z

Zekri, Dianoush................................................................73

Zielke, Carsten.................................................................40

Zimmermann, Carsten................................................76

VERLAG UND REDAKTION

Alsterspree Verlag GmbH

Firmensitz: Großer Burstah 50-52, 20457 Hamburg

Postanschrift: Kurfürstendamm 173 / 174, 10707 Berlin

Telefon: +49 (0 30) 232 56 27 00

Fax: +49 (0)30 232 56 27 49

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HERAUSGEBER

Philipp B. Siebert

CHEFREDAKTEUR

Matthias Hundt

ART DIRECTOR

Niels Flender

LAYOUT UND INFOGRAFIK

Sabine Müller

BILDREDAKTION

Roman Kulon, Eleonora Mavromati, Jakob Bettin

LEKTORAT

TextSchleiferei.de

TEXTBEITRÄGE

Mailin Bartknecht, Florian Burghardt, Carla Fritz, Heike

Gorres, Matthias Hundt, Dr. Hans-Jörg Naumer, Hannah

Petersohn, Imke Reiher, Uwe Schmidt-Kasparek, Stefan

Terliesner, Martin Thaler, Jan Wagner, Anne Mareile Walter

COVERILLUSTRATION

Eleonora Mavromati

ANZEIGENBERATUNG

Nadin Prüwer

n.pruewer@alsterspree.de

+49 (0)40 6 07 71 29 24

ANZEIGENDISPOSITION

Marcel Berno

m.berno@alsterspree.de

Verlagsgeschäftsführer: Philipp B. Siebert,

Tilman J. Freyenhagen

Verantwortlich für diese Ausgabe i. S. d. P.:

Matthias Hundt

IMPRESSUM

DRUCKEREI

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16356 Ahrensfelde

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LESERSERVICE

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Jahresabonnement: 20 Euro

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© 2022 für alle Beiträge: procontra, procontra Spezial,

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vorbehalten. Nachdruck, Aufnahme in Online-Dienste,

Internet und Vervielfältigung auf Datenträger oder

durch andere Verfahren (auch auszugsweise) nur mit

schriftlicher Genehmigung des Verlags.

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und Diagrammen liegen Informationen zugrunde, die

die Redaktion für verlässlich hält. Trotz sorgfältiger

Auswahl der Quellen kann für die Richtigkeit des Inhalts

keine Haftung übernommen werden. Die in procontra

gemachten Angaben dienen der Unterrichtung und

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ist der Bezugspreis im Mitgliedsbeitrag enthalten:

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Votum Verband Unabhängiger Finanzdienstleistungsunternehmen

in Europa e. V.

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8 procontra 05 | 22


SOLIDARITÄT MIT DER UKRAINE –

PROTEST GEGEN DEN KRIEG

FRIEDEN SCHAFFEN OHNE WAFFEN!

Die ÖKOWORLD steht in ihrem Denken und Fühlen seit Gründung

für den Frieden. Selbstverständlich sind Waffen und Rüstung aus

allen Investments ausgeschlossen.

KEINE BLUTIGE RENDITE. KEIN BLUTIGES GELD.

Fassungslos beobachten wir das Kriegstreiben, das Wladimir Putin

kaltblütig und ohne jeden Verstand und ohne jegliche menschliche

Regung vollzieht.

Die ÖKOWORLD verurteilt das Verhalten

der russischen Regierung auf das

Allerschärfste! Wir investieren nicht in

Aktien von russischen Unternehmen!

Es wird Krieg geführt, mitten in Europa.

Hunderttausende Menschen, darunter viele

Frauen und Kinder, fliehen vor dem Blutvergießen

und der brutalen Gewalt in ihrem Land.

Sie werden gnadenlos vertrieben aus ihrer Heimat.

Unser Mitgefühl ist bei allen Menschen, den Familien aus der

Ukraine, die nun in Furcht und Angst leben.

Wir hoffen auf eine baldige Entspannung in der Ukraine.

ÖKOWORLD AG

Itterpark 1, 40724 Hilden, Telefon: 02103 | 28 41-0, E-Mail: Info@oekoworld.com, www.oekoworld.com


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PANORAMA Notiert

PANORAMA

ELEMENTARSCHUTZ:

TREND ZUR PFLICHT?!

Nach der Flutkatastrophe im Ahrtal berichteten wir vor

einem Jahr über Ansätze, um die Abdeckungsquote

beim Elementarschutz zu erhöhen. Braucht es einen

Versicherungszwang oder soll der Staat in den Hochwasserschutz

investieren? Zu dieser Frage haben sich

damals viele Diskussionen entsponnen.

Ein Jahr später ist die Debatte ein kleines Stück weiter

vorangekommen. Neben Baden-Württembergs Ministerpräsident

Winfried Kretschmann (Grüne) und Sachsens

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) machte

sich kürzlich auch das für Verbraucherschutz zuständige

Bundesumweltministerium für eine verpflichtende

Versicherung stark. Verfassungsrechtlich ist eine

Pflichtversicherung, wie eine Stellungnahme der Justizministerkonferenz

zeigt, nicht ausgeschlossen.

»Von der neutralen

Rate sind wir

noch ein ganzes

Stück weg.«

Bundesbank-Präsident

Joachim Nagel hält den

aktuellen Straffungskurs

der EZB für nicht ausreichend.

Man sei noch

weit von einem Zinsniveau

entfernt, mit dem

die Wirtschaft weder

angeschoben noch gebremst

wird. Daher seien

weitere Zinserhöhungen

nötig.

CYBER-

VERSICHERER

RUTSCHEN

IN DIE ROTEN

ZAHLEN

Die deutschen Versicherer fuhren im vergangenen Jahr mit Cyberpolicen

erstmals einen Verlust ein. Nach einer Branchenauswertung

des GDV betrug die Schadenkostenquote fast 124 Prozent – ein Jahr

zuvor waren es noch 65 Prozent gewesen. Somit kamen auf jeden

eingenommenen Euro Ausgaben für Schäden und Verwaltung in

Höhe von 1,24 Euro. Zwar stiegen die Beiträge 2021 insgesamt um

49 Prozent auf 178 Millionen Euro an, doch: „Einzelne Cyberattacken

hatten schwerwiegende Folgen und führten jeweils zu Kosten

im oberen einstelligen Millionenbereich“, erläutert GDV-Hauptgeschäftsführer

Jörg Asmussen.

12 Foto l.u.: Frank Rumpenhorst


Notiert PANORAMA

Zeitenwende

DR. HANS-JÖRG NAUMER

leitet Global Capital Markets & Thematic Research

von Allianz Global Investors

HARALD SCHMIDTS ZWEIFEL-

HAFTER RENTENBESCHEID

Auf diesem schmalen Finanzpolster wird sich Harald Schmidt

wohl nicht lange ausruhen: 272 Euro – diesen spärlichen

Betrag weist der gesetzliche Rentenbescheid des TV-Entertainers

auf. „Die kassier ich auch knallhart. Ich hab ja einbezahlt,

das steht mir zu“, so Schmidt, der kürzlich seinen 65. Geburtstag

feierte. Er sei zwar die meiste Zeit Freiberufler gewesen

und ist das auch immer noch – aber er habe „15 Jahre voll

eingezahlt“, was ihn zu dieser Minirente berechtige.

Das „Rentenschicksal“ des Moderators nahm der Bundesverband

der Rentenberater zum Anlass und rechnete noch einmal

nach. Mit dem Ergebnis: In die Berechnung schlich sich offenbar

der Fehlerteufel ein. Sofern Schmidt „voll eingezahlt“ habe,

sollten ihm 1.080,60 Euro zustehen. Für einen auskömmlichen

Lebensabend dürfte die Late-Night-Ikone wohl ohnehin nicht

auf einen korrekten Bescheid angewiesen sein.

Zeitenwende überall. Geopolitisch strukturiert sich

die Welt neu. Die „Deglobalisierung“ nimmt Gestalt an.

Demografisch wächst die Welt zwar weiter, wird dabei

aber älter und die Zuwachsraten nehmen ab. Die Babyboomer

verabschieden sich in die Rente. Bereits seit 2013

scheiden in den Industriestaaten mehr Menschen aus dem

Arbeitsleben aus, als neue hinzutreten. Die Verlierer und

Gewinner des Dekarbonisierungstrends sortieren sich bereits

jetzt. Für die Umstellung auf die treibhausgasneutrale

Weltwirtschaft sind der Krieg gegen die Ukraine und die

damit verbundenen Lieferengpässe bei Gas geradezu ein

Katalysator. Ein Katalysator auch für die Deglobalisierung.

Wurde diese schon von der Digitalisierung (welche Roboterarbeitsplätze

im Inland gegenüber Arbeitsplätzen in

Übersee preiswerter werden lässt) und der Brüchigkeit der

Lieferketten beschleunigt, so kommen die geopolitischen

Spannungen jetzt noch dazu. Die Inflation – ein lange für

tot geglaubtes Gespenst – meldet sich mit lautem Gepolter

zurück und zwingt die Zentralbanken der Welt zum Handeln.

Die Inflation ist gekommen, um zu bleiben. Auch das

eine Zeitenwende. Bei niedrigen Nominal- und tiefroten Realrenditen

ist es für die Kapitalanlage keine leichte Aufgabe,

zumindest die Kaufkraft des Vermögens zu verteidigen.

Ohne risikoreichere Anlageformen wie Aktien wird es nicht

gehen. Diese haben sich in der Vergangenheit gegenüber

der Inflation gut geschlagen. Zu mehr Rendite gehört aber

immer auch mehr Risiko. Und die Risiken haben nicht abgenommen:

Die Konjunktur bewegt sich auf abschüssigen

Pfaden, die Zentralbanken kämpfen gegen die Inflation und

dürften, von Ausnahmen wie China abgesehen, die Zinsen

weiter anheben. Und natürlich immer wieder die Geopolitik.

Dies ist eine gute Zeit, die mittel-/längerfristige Zusammensetzung

der Kapitalanlage zu überdenken und auf die

Segmente zu setzen, die von der Zeitenwende profitieren.

7.626

... Beschwerden gingen zwischen Januar und

Juli dieses Jahres bei der Schlichtungsstelle

des Versicherungsombudsmanns ein. Damit

sank das Beschwerdeaufkommen im Vergleich

zum Vorjahr deutlich: So registrierte die Schlichtungsstelle

im gleichen Zeitraum 2021 insgesamt

9.293 Meldungen.

procontra 05 | 22

13


PANORAMA Fakten für Vertrieb und Stammtisch

Immer älter,

immer teurer

In vielen Bundesländern wird die

Überalterung der Gesellschaft in absehbarer

Zeit finanziell erheblich zu

Buche schlagen. Dies geht aus einer

vom GDV in Auftrag gegebenen Studie

hervor. Bis 2040 würden gerade

die wirtschaftsstarken Bundesländer

Bayern und Baden-Württemberg

finanziell ins Hintertreffen geraten,

heißt es darin. In den nächsten Jahrzehnten

vollziehe sich dort die gesellschaftliche

Alterung, die anderswo

bereits weiter vorangeschritten

ist. Nur in Berlin und Hamburg würden

die altersabhängigen Einnahmen

die Ausgaben übersteigen.

Vertrauen in

Versicherungen

Auch in der aktuellen Krisenzeit von

Rekordinflation und steigenden Energiepreisen

büßen Versicherungen bei

Anlegern offenbar kein Vertrauen ein.

Nach dem Risiko-Report der Ergo legt

der Großteil der Befragten sein Geld

in Lebensversicherungen, Riester-

Renten oder einer betrieblichen

Altersvorsorge an. An zweiter Stelle des Geldanlage-Rankings

stehen Immobilien und Aktien. Gold und andere Rohstoffe bilden

mit 10 Prozent das Schlusslicht. Jeder fünfte Deutsche legt

überhaupt kein Geld an.

Die Zukunft der

Gesundheit

Die Deutschen haben in Bezug auf ihre gesundheitliche Zukunft

offenbar große Sorgen. Nach dem aktuellen Risiko-Report

der Ergo glauben 37 Prozent, dass sich ihr Gesundheitszustand

in den nächsten zehn Jahren gegenüber dem heutigen

verschlechtern wird. Dabei sind Geringverdienende am pessimistischsten,

was die eigene Gesundheitserwartung betrifft.

Auf die Frage, was die Studienteilnehmer im Alter am meisten

fürchten, landet die Sorge vor Krankheit auf dem Spitzenplatz

mit 64 Prozent. Das Thema Altersarmut sehen 41 Prozent als

Problem. Besonders bei Frauen ist diese Angst ausgeprägt:

Für 46 Prozent von ihnen ist Armut ein Angstfaktor – bei den

Männern gaben das 36 Prozent an.

Immer längeres Arbeiten

Immer mehr Männer und Frauen gehen nach dem 60. Lebensjahr

einer versicherungspflichtigen Tätigkeit nach. Nach

Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren zum Jahresende

2021 noch über drei Millionen ältere Beschäftigte registriert

– im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einer Steigerung

von etwas mehr als 7 Prozent. Und laut dem Statistischen

Bundesamt hat die Erwerbsbeteiligung der 60- bis 64-Jährigen

innerhalb des vergangenen Jahrzehnts so stark zugenommen

wie in keiner ande- ren Altersgruppe – von 41

Prozent (2010) auf 61 Prozent (2020).

MEHR PFLEGEPERSONAL

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will die Krankenhäuser zu

einer ausreichenden Zahl an Pflegekräften verpflichten. Nach aktuellen

Gesetzesplänen soll dafür auf den Stationen eine Methode zur Personalbemessung

eingeführt werden, die ab 2025 verpflichtend wird. Ab 1. Januar

2023 ist eine schrittweise Einführung zunächst mit einer Erprobung in

ausgewählten Kliniken vorgesehen. Auf dieser Basis soll schließlich eine

Verordnung mit Vorgaben für die Personalbemessung erarbeitet werden.

14 procontra 05 | 22


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PANORAMA Leserbriefe

KOMMENTIERT

»Telematik: Fluch oder Segen?«

Umfrage: Von 1.000 Autofahrern sind 45

Prozent einverstanden, wenn die Fahrdaten

nach einem Unfall automatisch an den Kfz-

Versicherer gesendet werden.

Wenn die Befragten allesamt wüssten, was

dem Versicherer damit an Regress/Quotelung/Ablehnung

eröffnet wird, dann würden

sie gegebenenfalls noch mal anders entscheiden.

Ich werde meinen Kunden definitiv

nicht zu einem Telematiktarif raten.

CLAUDE BURGARD

via Facebook

WER SCHAFFT’S JETZT NOCH IN DIE PKV?

Der Bund hat die Versicherungspflichtgrenze für die PKV empfindlich hochgeschraubt.

»Nur noch 4 Krankenkassen«

Selten war die Motivation zum Kostensparen

so allgegenwärtig. Einer unserer Leser sieht

offenbar bei den gesetzlichen Krankenkassen

einen großen Hebel.

Wann fängt man an, darüber nachzudenken,

die Anzahl der Krankenkassen zu reduzieren?

Bei der gesetzlichen Rentenversicherung

besteht eine Hauptstelle und in einigen

Großstädten einige Beratungszentren. Bei

der PKV gibt es oft eine zentrale Stelle,

wo die Leistungen bearbeitet werden. Im

Zuge der Onlineberatungen fahren wenige

Personen zu den Krankenkassen und

bei Abwicklungen von Leistungen über

EDV spart man Zeit und Kosten. Es ist an

der Zeit, die Kassen zu reduzieren und zu

verstaatlichen. Zuletzt gab es 11 Allgemeine

Ortskrankenkassen plus Zweigstellen, 77

Betriebskrankenkassen und 14 sonstige. Jede

Krankenkasse hat einen Vorstand, Aufsichtsrat

und Sekretärinnen. Jede Krankenkasse

hat ein Gebäude, welches Miete, Büromöbel

kostet, außerdem der laufende Unterhalt wie

Gas und Strom sowie Reparaturen. Die Werbungen

der Kassen („Kommen Sie zu uns,

wir sind die Besten“) verschlingen Millionen.

Ebenso die Internetpräsenz. Vielleicht

wäre eine räumliche Aufteilung nach Nord,

West, Ost, Süd der erste Schritt. In jeder

eine Krankenkasse. Es würden Milliarden

an Kosten gespart. Zugunsten der Beitragszahler

und zur Vereinfachung des Systems.

Der Arzt braucht dann nur mit einer Kasse

abzurechnen. Vielleicht sollte darüber mal

eine Diskussion ins Leben gerufen werden.

WERNER HELMHOLZ-MALLINOVSKY

via E-Mail

1

2

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4

5

TOP 5 DER AUSGABE

+++KLICKVERDÄCHTIG+++

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Nur 6 Anbieter stehen finanziell ausgezeichnet da

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PLÄNE FÜR GERINGERE RÜCKLAGEN

Krankenkassen warnen vor Insolvenz

www.procontra-online.de/gkv-insolvenz

»Es geht darum, nicht pleitezugehen«

Die Zinsen für Immobilienkredite steigen. Automatisch

schließen wieder mehr Menschen

Bausparverträge ab, um sich für die Zukunft

verhältnismäßig niedrige Kreditzinsen zu

sichern. Doch Verbraucherschützer machen

wenig Hoffnung, dass dieser Plan aufgeht.

Zu oft schon hätten in der Vergangenheit

Bausparkassen Altverträge aus verschiedensten

Gründen gekündigt, wenn sie ihnen

zu wenig Gewinn brachten.

Was mir am „Verbraucherschutz“ gefällt,

ist, dass dessen Aussagen so leicht zu widerlegen

sind. Guckt man sich die Geschäftsberichte

an, sieht man, dass hier keine BSK

übermäßige Gewinne macht. Also hat das

nix mit „Die machen, was sie wollen“ zu

tun, sondern mit notwendigen Entscheidungen,

um nicht pleitezugehen. Hier macht

es wieder den Eindruck: „Hmm, was bringt

mir im Moment die höchste Aufmerksamkeit

– das bespiele ich mal.“ Ätzend. Denn

der Name Verbraucherschutz impliziert

doch irgendwie, dass da jemand neutral an

der Seite eines Verbrauchers steht.

TIM WOLFF DVAG

via Facebook

16 Illustration: Jakob Bettin


Leserbriefe PANORAMA

»6 von 221 fallen durch«

Die Ratingagentur Morgen & Morgen hat

kürzlich Wohngebäudeversicherungen

getestet. Im Vergleich befanden sich 221

Produkte, von denen sechs die schlechteste

Gesamtnote im Test erhielten. Dabei

handelt es sich um die Tarife „Basis“ (BGV),

„L“ (InterRisk), „Basis“ (Itzehoer), „WohnhausSpar

2.0“ (NV), „Standard“ (Ostangler)

und „Klassik“ (SHB). Mit dieser Auswahl auf

den hinteren Plätzen zeigten sich auch die

procontra-Leser einverstanden.

Die Tarife, die durchgefallen sind, verkauft

auch kein respektabler Makler.

FLORIAN REX

via Facebook

»Alkohol- und Tabaksteuer verzehnfachen«

Im Jahr 2023 wird das finanzielle Defizit in

der gesetzlichen Krankenversicherung etwa

23 Milliarden Euro betragen. Um es teilweise

zu tilgen, schlagen die Innungskrankenkassen

vor, man könne die GKV an den

Einnahmen aus der Alkohol- und Tabaksteu-

er beteiligen. Schließlich verursache der

übermäßige Genuss von Alkohol und Tabak

immense Folgekosten für das Gesundheitssystem.

Die Steuern für Alkohol und Tabak müssten

zehn Mal so hoch sein und schwups, regelt

sich alles von alleine. Ich glaube, eine höhere

»Da muss wohl dann

eine Umlage her.

Was bei Gas geht, geht

auch bei der GKV.«

ANDRE KELLERT, VIA FACEBOOK, ZUM GKV-FINANZDEFIZIT

Steuer hätte auch durchaus positive Auswirkung

auf die Bevölkerung. Mittelfristig

wird der übermäßige Konsum sinken, der

Zigarettenkonsum hat sich durch die Preise

schon extrem eingeschränkt. Mir geht’s um

das unkontrollierte Konsumverhalten, weil

die Verfügbarkeit immer gegeben ist. In

Singapur funktioniert das super.

MARK FÖRSTER

via Facebook

»Klare Absage an den Außendienst«

Die Allianz will ihr Kundenportal „Meine Allianz“

für Makler öffnen. Zukünftig sollen dessen

Nutzer, die mindestens einen Vertrag in

der Betreuung eines Maklers haben, diesen

Vermittler als ihren bevorzugten Ansprechpartner

hinterlegen können – bislang war

dies nur für Allianz-Vertreter möglich.

Die Kolleginnen und Kollegen der Allianz

können einem leidtun! Eine klare Absage an

den Außendienst.

JENS-RAINER BOHLSEN

via Facebook

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procontra 05 | 22

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17


TITEL Folgen der Inflation

INFLATION ALS VORBOTE

Die hohe Teuerungsrate vernichtet nicht nur Ersparnisse,

sondern hat auch gravierende Folgen für die Sachversicherung: vielfach droht

Unterversicherung, und dann rollt auch noch ein Prämien-Tsunami heran.

– TEXT: STEFAN TERLIESNER –

18 procontra 05 | 22


Folgen der Inflation TITEL

Sind Makler bald systemrelevant? Eine

kühne Frage. Immerhin wird ihre Rolle als

Finanzberater an der Seite ihrer Kunden

„in nächster Zeit wohl noch wichtiger werden“,

betont Maximilian Happacher, stellvertretender

Vorstandsvorsitzender der einflussreichen

Deutschen Aktuarvereinigung,

im Interview mit procontra (siehe Seite 20).

Tatsächlich war das Thema Finanzplanung

für einen Großteil der privaten Haushalte

und Gewerbetreibende noch nie so drängend

wie heute. „Unsere Berater haben alle

Hände voll zu tun“, sagt auch Oliver Kieper,

Vorstand bei Netfonds. Auf Anfrage

von procontra bei zehn Maklerpools berichten

die meisten von einem immer stärkeren

Beratungsbedarf der Kunden.

Angesichts rasant steigender Preise selbst

für Güter des täglichen Bedarfs wie Brot,

Butter und Energie überlegen sich immer

mehr Menschen genau, wofür sie ihr Geld

ausgeben. „Die realen Einkommen und die

Ersparnisse der privaten Haushalte schmelzen

dahin“, schreibt das ifo Institut in seiner

Konjunkturprognose Herbst 2022. Das

Schlimmste stehe den Menschen noch bevor.

Im kommenden Jahr werde das Bruttoinlandsprodukt

um 0,3 Prozent schrumpfen

und die Inflationsrate auf 9,3 Prozent

steigen. Ihren Höhepunkt werde die Geldentwertung

voraussichtlich im ersten Quartal

2023 mit etwa 11 Prozent erreichen.

„Erst 2024 erwarten wir eine Normalisierung

mit 1,8 Prozent Wachstum und 2,4

Prozent Inflation“, berichtet Timo Wollmershäuser,

Leiter Konjunkturprognosen

beim ifo Institut (siehe Grafik). Das klingt

nach Entspannung – ist es aber nicht. Das

absolute Preisniveau wird hoch bleiben,

lediglich die Preissteigerung zum Vorjahr

(dann von 2024 zu 2023) fällt geringer aus

und schmälert die Inflationsrate. Ziehen die

Einkommen und Löhne nicht entsprechend

nach, bleibt die Haushaltsbelastung weiterhin

hoch und steigt weiter.

UNTERVERSICHERUNG UND

PRÄMIENANPASSUNGEN

Die steigenden Preise strahlen mehr oder

weniger auch stark auf die Deckungen

und Prämien in der Sachversicherung aus.

Versichert sind fast immer die Neuwerte,

Wiederbeschaffungswerte oder Unterarten

davon wie zum Beispiel gleitender Neuwert.

All diese Werte sind von der aktuellen

Preisentwicklung direkt betroffen. Sofern

die Inflationsrate zu schnell klettert, liegen

10

8

6

4

2

0

Angaben in %

INFLATIONSRATE IN DEUTSCHLAND

Veränderung des Verbraucherpreisindex gegenüber Vorjahr

1,5 1,8

die versicherten Werte über der festgelegten

Versicherungssumme – Unterversicherung

droht. Zwar beinhalten viele Policen tariflich

vereinbarte Anpassungen der Versicherungssumme

und Beiträge, diese greife aber

immer erst im Folgejahr. Durch die Kopplung

der Versicherungssumme an diverse

»Die realen Einkommen

und die

Ersparnisse der

privaten Haushalte

schmelzen dahin.«

IFO INSTITUT, KONJUNKTURPROGNOSE HERBST 2022

Preisindizes soll Unterversicherung vermieden

werden (siehe Grafik auf Seite 21).

Normalerweise gelingt das, aber die Zeiten

sind nicht mehr normal. Im Privatbereich

könnten sich Absicherungslücken vor allem

in der Wohngebäude-, Hausrat- und Kfz-

Versicherung ergeben, im Gewerbesegment

insbesondere in der Gebäude-, Inhalts- und

Haftpflichtversicherung.

Was die Beiträge betrifft, zeichnet sich

eine Erhöhungsrunde ab. Viele Bestandsverträge

enthalten eine Beitragsanpassungsklausel,

die die Produktgeber nun

umsetzen. Wie stark ein Versicherer an

der Preisschraube dreht, hängt vom Wettbewerb

sowie der eigenen Strategie und

1,4

0,5

2017 2018 2019 2020 2021 2022e 2023e 2024e

3,1

8,1

9,3

2,4

Quelle: Statistisches Bundesamt, Prognose vom ifo Institut

Bilanzstärke ab. Noch halten sich die Versicherer

auf Anfrage von procontra bedeckt

– auch mit Verweis auf kartellrechtliche

Gründe. „Wir können keine Option ausschließen“,

heißt es lapidar. Oder: „Aktuariell

wird sich das in künftigen Prämien niederschlagen.“

Pool-Vorstand Kieper hat bei

Wohngebäudepolicen bereits Aufschläge

„von 10 bis 25 Prozent“ gesehen, und das

Ende sei noch nicht absehbar. Ursachlich

dafür seien „explodierende Handwerkskosten“

sowie die Schäden der Hochwasserkatastrophe

2021.

Wie hoch der Prämien-Tsunami sein

wird, lassen auch Äußerungen von Rückversicherern

auf dem Branchentreffen im

Fürstentum Monte Carlo im September

erahnen. Medienvertreter vor Ort berichten,

dass die führenden Spieler der Szene –

Munich Re, Swiss Re und Hannover Rück

– ihre Kunden, also die Erstversicherer, auf

prozentual zweistellige Preissteigerungen

vorbereiten. Ein Großteil der Verteuerung

dürfte beim Endkunden ankommen, also

der Klientel der Makler.

KÜHLEN KOPF BEWAHREN

Wie werden Privathaushalte und Unternehmen

darauf reagieren? Das ist die entscheidende

Frage. Fest steht: In dieser Situation

gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren

und an der richtigen Stelle zu sparen, also

eben nicht überstürzt der Prämienerhöhung

zu widersprechen oder sogar die Police zu

kündigen. Statt mehr Prämie zu zahlen,

kann ein Kunde einen höheren Selbstbehalt

vereinbaren. Auch ein Tarifwechsel ist

vielleicht sinnvoll. Solche Alternativen

procontra 05 | 22

19


TITEL Folgen der Inflation

aufzuzeigen ist der Job von Maklern.

Vor allem eine Unterversicherung gilt es zu

vermeiden. Im Schadensfall käme es sonst

zu einer bösen Überraschung. Anders als in

der Altersvorsorge geht es in der Sachsparte

oft um die Deckung existenzieller Risiken,

denn Schäden am eigenen Haus oder Betrieb

zahlt niemand mal eben aus der Portokasse.

Hier gegenzuhalten und aufzuklären, ist

eine wichtige Aufgabe von Maklern (siehe:

„Checkliste gegen Unterversicherung“ auf

Seite 22). Zwar gibt es für Vermittler angesichts

der Krise keine Pflicht, jetzt die Verträge

zu optimieren, sagt Norman Wirth,

Rechtsanwalt und Vorstand beim AfW

– Bundesverband Finanzdienstleistungen.

Dennoch sollten Vermittler, allein schon

aus dem Servicegedanken heraus, proaktiv

auf ihre Kunden zugehen und mit ihnen zusammen

eine mögliche Veränderung ihrer

finanziellen Lage analysieren. So ließen sich

Kurzschlussreaktionen der Versicherungsnehmer

verhindern. Insofern könnten Makler

für ihre Kunden Helfer in der Not sein.

GALOPPIERENDE INFLATION IM GEWERBE

Besonders brenzlig ist die Situation bei Gewerbekunden.

Die für die Summenanpassung

und die Kalkulation der Versicherer

relevanten Indizes wie zum Beispiel der

Erzeugerpreisindex gewerblicher Produkte

entwickeln sich „besonders alarmierend“,

meint Thomas Sepp, Vorstand beim Allianz-Industrieversicherer

AGCS. Tatsächlich

offenbart ein Blick auf die jüngste

Entwicklung des Index eine galoppierende

Inflation. Laut Statistischem Bundesamt

verteuerten sich gewerbliche Produkte im

August gegenüber dem Vorjahresmonat um

45,8 Prozent. Seit einem Jahr ist die Rate

jeden Monat prozentual zweistellig (siehe

Grafik rechts).

In einem Interview auf einer AGCS-

Internetseite schildert Sepp die Lage: „Die

»Vermittler werden nun noch wichtiger«

DR. MAXIMILIAN HAPPACHER, stellvertretender Vorstandsvorsitzender Deutsche Aktuarvereinigung

procontra: Die Inflation rennt, wie stark werden

Versicherer jetzt ihre Prämien erhöhen?

Maximilian Happacher: Umfang und Geschwindigkeit

von Preisanpassungen sind stark unternehmens-

und spartenindividuell. Unterschiede

ergeben sich in erster Linie aus der Zusammensetzung

der Versicherungsportfolios. So sind

Sach- und Kraftfahrtversicherungen stärker

betroffen als zum Beispiel Unfallversicherungen.

procontra: Wie kann ein Makler erkennen, welcher

Sachversicherer eher die Prämien erhöhen

wird?

Happacher: Es gibt verschiedene Faktoren, die

die Wahrscheinlichkeit einer Prämienanpassung

beeinflussen können. Dazu gehört zum einen

die Höhe der Schadenrückstellungen eines Versicherers.

Zum anderen steigt die Wahrscheinlichkeit

einer Prämienanpassung mit hohen

Schadensummen.

procontra: Was sind die Treiber für höhere

Beiträge?

Happacher: Die Gebäudeversicherung ist vom

starken Anstieg der Baukosten betroffen.

Die Schäden in der Kfz-Haftpflicht werden

durch den Anstieg der Ersatzteil- und

Mietwagenkosten deutlich teurer. Vertraglich

sind Prämienanpassungen häufig auch an

Indizes gekoppelt, die in der Regel zeitverzögert

zu Prämienanpassungen führen.

Rein theoretisch könnte es auch sein, dass

wir schnellere Prämienanpassungen durch

Änderungskündigungen sehen.

procontra: Was meinen Sie mit Änderungskündigungen?

Happacher: Im Gegensatz zu Lebens- und

privaten Krankenversicherungen werden

Verträge im Bereich der Schaden-/Unfallversicherung

in der Regel mit einer Laufzeit

von einem Jahr abgeschlossen. Versicherer

haben also prinzipiell die Möglichkeit, etwa

Verträge in der Wohngebäudeversicherung zu

kündigen und auf diese Weise höhere Prämien

zu erzielen.

proconta: Welche Möglichkeiten haben Versicherer,

eine Prämienerhöhung zu vermeiden?

Happacher: Für den Bestand im Kompositbereich

hat der Versicherer wenig Möglichkeiten,

hier ist er im Wesentlichen von der Entwicklung

der Schadenhäufigkeit und der Schadenkosten

abhängig. Allerdings kann sowohl für den Bestand

als auch für das Neugeschäft Versicherungsschutz

mit Prävention gekoppelt werden,

um so Schäden zu vermeiden oder zumindest

früher zu erkennen. Dies reduziert wiederum

die Schadenaufwendungen und entlastet den

Druck auf die Prämien. Letztlich ist auch das

Underwriting eine Stellschraube, um das Risiko

zu begrenzen.

procontra: Dann würde der Markt ein Stück weit

intransparenter. Auf Vermittler kommt deutlich

mehr Arbeit zu, oder?

Happacher: Die Risikobewertung individueller

Versicherter ist immer eine Herausforderung.

Individuelle Risiken müssen sorgfältig bewertet

und abgesichert werden, um eine Unterversicherung

zu vermeiden. Die erste Instanz, um

diese vorzunehmen und passende Produkte zu

empfehlen, sind Vermittler. Deren Rolle wird in

der nächsten Zeit wohl noch wichtiger werden.

20 procontra 05 | 22


Folgen der Inflation TITEL

Materialen sind nicht nur teuer, sondern

aufgrund von Engpässen (…) nicht oder

zumindest nicht zügig verfügbar.“ Zudem

treibe die Inflation die durchschnittliche

Schadenshöhe nach oben, die Schäden

würden also teurer. Er schildert ein Beispiel:

Nach Ausbruch der Pandemie hätten

viele Unternehmen ihre Läger mit Vorräten

besonders voll wieder aufgefüllt. Einige

Vorräte wie Holz, Stahl, Baumaterialien,

bestimmte Rohstoffe und Computerchips

seien nun viel mehr wert als vor einem Jahr.

„Daher sind sowohl der Sachschaden als

auch der Betriebsunterbrechungsschaden

wahrscheinlich wesentlich höher.“

WERTE MÜSSEN AKTUALISIERT WERDEN

Sein Ratschlag in dieser Situation lautet:

„Die Ermittlung und Aktualisierung der

Versicherungswerte ist ein dringendes Anliegen

für alle; Versicherer, Makler und die

Versicherten.“ Es sei wichtig, dass Unternehmen

den Wert von Vermögenswerten

sowie die Auswirkungen auf Kosten für

Wiederbeschaffung oder Betriebsunterbrechung

regelmäßig überprüfen und anpassen,

um sicherzustellen, dass sie nach einem

Schaden vollständig entschädigt werden.

Bei einem Schadensfall in den USA für eine

gewerbliche Immobilie, die bei einem Brand

zerstört worden sei, sei der Wiederbeschaffungswert

fast doppelt so hoch wie der vom

Versicherten angegebene Wert, schildert er

ein weiteres Beispiel. Die Lücke sei auf eine

Kombination aus Inflation, Nachfragewelle

und Unterversicherung zurückzuführen.

Auch Nico Emde, Mitglied der Geschäftsleitung

bei Gossler, Gobert & Wolters

Assekuranz-Makler, weist auf die

Notwendigkeit einer Wertprüfung hin. Die

Wahrscheinlichkeit, dass der Lagerbestand

im Fall eines Schadens unterversichert ist,

sei aktuell sehr hoch. Viele Gewerbekunden

würden ihren Makler lediglich einmal

im Jahr, oft im Zuge der Jahresgespräche,

über Veränderungen informieren. Dann sei

es für einen Ratschlag oft bereits zu spät.

Gerade unter den aktuellen Bedingungen

sollten Unternehmer ihren Makler rechtzeitig

informieren, damit dieser den Schutz

prüfen könne.

HAFTZEITEN AN NEUE LAGE ANPASSEN

Mit Blick auf die Deckung eines möglichen

Ertragsausfalls sieht Emde ebenfalls Anpassungsbedarf.

Aktuell sei wegen gestörter

Lieferketten und Knappheiten die Beschaf-

50

40

30

20

10

0

-10

WICHTIGE PREISINDIZES IN DER SACHVERSICHERUNG

Beispielhafte Preisentwicklung für den Gewerbe- und Privatbereich

3,1 4,4 4,3

2,4 2,9 1,2 -1,7

2017 2018 2019 2020 2021 2022

Erzeugerpreisindex gewerbliche Produkte (Veränderung gegenüber dem Vorjahresmonat in %)

Baupreisindex für Wohngebäude (Veränderung gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal in %)

WOHN-

GEBÄUDE-

VERSICHERUNG

Baupreisindex

zu 80 Prozent

Tariflohnindex

für das Baugewerbe

zu 20 Prozent

Versicherungssummen sind oft an Preisindizes gebunden

HAUSRAT-

VERSICHERUNG

(dynamische)

Verbraucher preisindex

(VPI)

fung von Material stark verzögert, sodass

die ursprünglich festgelegten Haftzeiten

mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr

ausreichten. Es sei möglich, Haftzeiten bis

auf 36 Monate auszuweiten, berichtet er

in einem Fachartikel auf einer Internetseite

des Kooperationspartners SMR Strategische

Management- und Risikoberatung.

Die Gefahr einer Unterversicherung jedenfalls

ist real. Zwar enthalten die meisten

Policen eine Wertzuschlagsklausel, um die

Versicherungssumme automatisch anzupassen.

„Aufgrund der starken Inflation ist

jedoch nicht mehr sichergestellt, dass die

Klauseln die Erhöhung der Versicherungswerte

ausreichend abbilden“, erläutert Olga

1,6

GEWERBLICHE

GEBÄUDE-

VERSICHERUNG

Preisindex

für gewerbliche

Betriebsgebäude

9,1

45,8

9,5 14,3 17,3

Quelle: Statistisches Bundesamt

GEWERBLICHE

INHALTS -

VERSICHERUNG

Erzeugerpreisindex

gewerbliche Produkte

(Summenanpassung)

Preisindex

für gewerbliche Arbeitsmaschinen

(Wertzuschlag)

Quelle: Inter Versicherungsgruppe; eigene Ergänzungen

Losing-Malota von der Unternehmensberatung

Willis Towers Watson. Und weiter:

„Wir empfehlen daher auch die Wertzuschläge

zu überprüfen.“ Wie procontra

erfahren hat, wird im Versicherungsmarkt

auch diskutiert, ob spezielle Klauseln, die

das Risiko einer Unterversicherung berücksichtigen,

wieder in die Policen aufgenommen

werden sollen, sofern in der Gewerbesparte

auf breiter Front eine Aktualisierung

der Vermögenswerte ausbleibt.

Die Lage in der industriellen Sachversicherung

ist auch deshalb angespannt, weil

das Jahr 2021 mit einer Schadenkostenquote

von über 170 Prozent im Markt endete.

Klimaveränderungsbedingt höhere

procontra 05 | 22

21


TITEL Folgen der Inflation

CHECKLISTE

GEGEN UNTERVERSICHERUNG

Was Makler jetzt für ihre Kunden tun können:

Bei Kunden das Bewusstsein für eine

mögliche Unterversicherung stärken

Kunden auf unterschiedlich steigende

Beiträge der Versicherer vorbereiten

Kunden sollten Beitragserhöhungen

nicht widersprechen

Alternativen bei Beitragserhöhung

aufzeigen: Selbstbehalt, Tarifwechsel usw.

Versicherungssumme prüfen und

gegebenenfalls im Tarif anpassen

Tarife um Klausel zum Unterversicherungsverzicht

erweitern; sonst nur anteilige

Leistung

Liquiditätsbeschaffung durch Optimierung

bestehender Finanzverträge

Ratenzahlungen durch jährliche

Zahlweise reduzieren

Bei der Wahl der Produktgeber auf

Bilanzqualität und Schadenrück ­

stellungen achten

Zusätzlich bei Gewerbekunden:

Wertzuschlagsklausel für jährliche

Anpassung der Versicherungssumme

vereinbaren

Prüfen, ob Anpassung der Versicherungssumme

über Wertzuschläge hinaus

notwendig ist

Prüfen, ob für das Gewerbe eine (inkludierte)

Vorsorgeversicherung sinnvoll ist

Die für die jeweilige Branche relevanten

Preisindizes anschauen/beobachten

Wertüberprüfung durchführen; eventuell

gemeinsam mit einem Dienstleister

Dauer einer möglichen Betriebsunterbrechung

prüfen und eventuell im Tarif

anpassen

Bei hoher Inflation von Unternehmen

deklarierte Werte unterjährig aktualisieren

Im Rahmen einer Risikoanalyse prüfen,

ob Firma kleine Risiken nicht selbst

tragen kann

Quelle: procontra

Schadenaufwendungen spielen hier

auch eine Rolle. Vor diesem Hintergrund

rechnet Thomas Haukje, Präsident des

Bundesverbands Deutscher Versicherungsmakler

(BDVM), für 2023 mit Preissteigerungen

von 5 bis 10 Prozent. Normalerweise

würden höhere Preise mehr Kapazitäten

der Versicherer nach sich ziehen. Doch

auch das sei nicht mehr automatisch der

Fall. „Unsere Kunden müssen lernen, dass

sie nicht immer den Versicherungsschutz

bekommen, den sie sich wünschen“, sagte

Haukje eigenen Angaben zufolge im September

auf der Jahrestagung des BDVM in

Hamburg.

DECKUNGSLÜCKEN AUCH BEI PRIVATPOLICEN

Auch in der privaten Sachversicherung drohen

Unterversicherung und höhere Beiträge.

„Privatkunden werden 2023 erschrocken

sein, wenn sie ihren Brief mit der Rechnung

für die Gebäude- und Hausratversicherung

öffnen“, so der BDVM-Präsident.

Mehrbeitrag aufgrund von Wertzuschlägen

und gleitenden Neuwerten, höhere Schadenzahlungen

durch Wetterereignisse und

inflationsbedingt teurere Reparaturen würden

ihre Schatten vorauswerfen. „Das wird

mit den Energierechnungen für einen lauten

Aufschrei in den Haushalten sorgen“,

fürchtet Haukje.

Und erneut schlägt die Stunde der Makler.

Von allen Spartipps, die in der Öffentlichkeit

die Runde machen, schaufelt ein

Finanz-Check in vielen Haushalten die

meis te Liquidität frei (siehe Kasten „10

Spartipps“).

Im Privatbereich wird die Versicherungssumme

in der Regel ebenfalls an die Entwicklung

der Inflation angepasst – sofern

der jeweilige Vertrag die entsprechende

Klausel enthält, was insbesondere bei Altverträgen

zu prüfen wäre. Zum Beispiel

erfolgt die Anpassung in der Wohngebäudeversicherung

anhand des Baupreis- und

Tariflohnindex, wobei die Baupreise mit

einem Gewicht von 80 Prozent in die Berechnung

einfließen. Im zweiten Quartal

2022 sind die Baupreise um 17,6 Prozent

im Vergleich zum Vorjahresquartal gestiegen,

berichtet das Statistische Bundesamt;

auch das ist happig.

VERZICHT HILFT NICHT BEI TOTALSCHADEN

„Für Versicherungsnehmer besteht die

Gefahr, unterversichert zu sein“, gibt der

Versicherer Volkswohl Bund zu bedenken.

Zwar hätten viele Verbraucher einen Unterversicherungsversicht

vereinbart. Die

Klausel helfe aber nicht bei einem Totalschaden,

wenn ein neues Haus oder die

Wiederbeschaffung des gesamten Hausrats

und die versicherten Kosten höher sind als

die vereinbarte Versicherungssumme. „Die

Obergrenze der Versicherungsleistung ist

immer die vereinbarte Versicherungssumme“,

heißt es aus der Fachabteilung des

Versicherers. Das muss man einem Makler

nicht erklären. Wichtig ist, dass er bei

seinen Kunden prüft, ob der jeweilige Tarif

überhaupt einen Unterversicherungsverzicht

beinhaltet und ob die Versicherungssumme

angepasst werden muss.

Die Versicherungssumme sollte immer

dem Versicherungswert entsprechen, in der

Hausratversicherung also der Wiederbeschaffungspreis

zum Neuwert und in der

Wohngebäudeversicherung der gleitende

Neuwert. Letzterer ist bekanntlich der Betrag,

der aufzuwenden ist, um ein neues

Haus nach den heute geltenden Vorschriften

wiederherzustellen. Solange das Preisniveau

nicht oder nur wenig steigt, ist alles

gut. Diese Zeiten sind aber erst einmal

vorbei. In der Sachversicherung gilt daher:

Wenn jetzt durch Inflation der Versiche-

10 SPARTIPPS

So trotzen Kunden der Inflation:

Finanzverträge optimieren

Kfz-Versicherung überprüfen

(Stichtag: 30.11.)

Haushaltsbuch führen,

Sparmöglichkeiten entdecken

Tarife wechseln: Handy, Telefon,

Internet, Streaming

Autofahren immer

im höchstmöglichen Gang

Kostenloses Girokonto und Depot nutzen

Günstigeren Strom- und

Gasanbieter wählen

Teuren Kredit umschulden

(ohne Restschuldpolice)

Handwerker gemeinsam

mit Nachbarn beauftragen

Bewusster konsumieren

Quelle: Finanztip, BHW, Sparkassen

22 procontra 05 | 22


Folgen der Inflation TITEL

»Privatkunden

werden über ihre

Rechnung für die

Gebäude- und Hausratversicherung

erschrocken sein.«

THOMAS HAUKJE, PRÄSIDENT BDVM

rungswert steigt, reicht die Versicherungssumme

möglicherweise nicht mehr aus und

es liegt eine Unterversicherung vor. „Für

kleine und mittlere Schäden hilft dagegen

ein Unterversicherungsverzicht. Bei großen

Schäden oder Totalschäden nicht“, stellen

die Experten vom Volkswohl Bund klar.

Die Folgen einer Unterversicherung zeigt

die Beispielrechnung rechts.

MAKLER WICHTIGER DENN JE

Fazit: Auf Makler kommt eine Menge

Arbeit zu. Die hohen Inflationsraten wirbeln

das Deckungs- und Preisgefüge in der

Sachversicherung durcheinander. Mit einer

Verzögerung von ein, zwei Jahren dürften

viele Produktgeber ihre Prämien deutlich

anheben, insbesondere bei Gewerbeversicherungen.

Gleichzeitig droht vielen Privatkunden

und Unternehmen eine Unterversicherung

– und zwar akut und trotz häufig bestehender

tariflicher Anpassungsmechanismen

wie Kopplung der Versicherungssumme an

die Entwicklung von Preisindizes. Makler

mit entsprechendem Mandat sollten jetzt

proaktiv auf ihre Kunden zugehen und sich

als Helfer in der Not erweisen. Bei der Gelegenheit

können sie gleich die gesamten

Finanzen optimieren und vielfach dringend

benötigte Liquidität beschaffen. Makler

sind vielleicht nicht systemrelevant, aber

aktuell wird ihre Dienstleistung dringender

denn je benötigt.

FOLGEN EINER UNTERVERSICHERUNG

Ist die Versicherungssumme zum Zeitpunkt

eines Schadens niedriger als der Versicherungswert,

zahlt der Versicherer den Schaden

nur anteilig und der Versicherungsnehmer

den Rest. Beispiel:

ANGENOMMENE ECKDATEN

vereinbarte Versicherungssumme: 30.000 €

reeller Versicherungswert: 50.000 €

entstandener Schaden: 6.000 €

BERECHNUNG

Schadensbetrag x Versicherungssumme /

Versicherungswert = Entschädigung

Für das genannte Beispiel heißt das:

6.000 x 30.000 / 50.000 = 3.600 €

ERGEBNIS

Die Versicherung zahlt eine Entschädigung

von 3.600 €. Aufgrund der bestehenden

Unterversicherung müsste der Versicherungsnehmer

in diesem Beispiel 2.400 €

selbst zahlen.

Quelle: Allianz, eigene Ergänzungen

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Jetzt lohnt sich Abhängen doppelt!

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Highlights im neuen Hausrattarif

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procontra 05 | 22

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23


BUSCHFUNK Investmentfonds

INVESTMENTFONDS

MEHR ENGAGEMENT IN AKTIVEN ETFS

Europäische Investoren setzen auf das Fondssegment.

Foto: Whyframestudio

Einer Umfrage der Ratingagentur Scope zufolge wird das Engagement in aktiv gemanagten

ETFs zunehmen: Demnach wollen 71 Prozent der europäischen Investoren ihr Engagement in

dieser Fondsgruppe in den kommenden zwölf Monaten erweitern. Das Gesamtvolumen der

aktiven ETFs belief sich in Deutschland Ende Juli auf rund 18 Milliarden Euro – 1,5 Billionen

Euro steckten in den insgesamt 1.954 verfügbaren ETFs. Das Segment wachse kräftig, so

die Scope-Analysten. In den USA habe die Produktgattung bereits einen „beeindruckenden

Zuwachs“ erlebt. „Europa könnte diesem Trend folgen“, so die Ratingagentur. Viele Produkte

auf dem Markt der aktiven ETFs seien relativ neu, sodass ihre langfristige Leistung schwer

zu beurteilen ist. Knapp 40 Prozent der von Scope analysierten Fonds waren weniger als drei

Jahre alt.

SPAC-BOOM GEHT ZU ENDE

Infolge von Inflation und Krieg nimmt das Interesse

von Investoren immer weiter ab.

Der Markt für Spacs liegt aktuell am Boden: Als Folge von Rezessionsängsten,

Inflation und Ukraine-Krieg ist der Markt für Börsengänge

in Europa beinahe zum Erliegen gekommen – fast alle Spacs

dotieren im Minus, an neuen Vehikeln haben Investoren kaum mehr

Interesse. Nach Zahlen des Analysehauses Refinitiv gab es im dritten

Quartal dieses Jahres nur noch 16 Spac-IPOs gegenüber 313 auf dem

Höhepunkt des Hypes im ersten Quartal 2021. Die Zahl der Fusionen

von Spacs mit Zielunternehmen fiel von 104 auf jetzt nur noch 31.

Foto: Cemagraphics

DEMOGRAFIE PRÄGT ANLAGEVERHALTEN

Effekte einer alternden Gesellschaft

Foto: Shapecharge

Der demografische Wandel macht auch vor Investitionsentscheidungen nicht halt. Nach einer

aktuellen Befragung des Vermögensverwalters BNP Paribas Asset unter 135 institutionellen

Investoren und Finanzanlagenvermittlern in Europa, Asien und USA sagen drei Viertel (74

Prozent) der Investoren, dass diese Entwicklung in den vergangenen drei Jahren Einfluss

auf Investitionsfragen genommen habe. So nennen 95 Prozent der europäischen Investoren

den Gesundheitssektor als einen der attraktivsten Anlagebereiche, während Technologie

auf dem zweiten Platz rangiert (81 Prozent). Zudem gaben die Befragten an, dass angesichts

des demografischen Wandels vor allem Aktien (52 Prozent) und Immobilien (50 Prozent) von

erhöhten Zuflüssen profitieren würden.

24

procontra 05 | 22


Investmentfonds BUSCHFUNK

Ampega: Wechsel in der Geschäftsführung

Ampega Asset Management GmbH, ein Tochterunternehmen

der Talanx, verabschiedet mit Harry Ploemacher

zum Jahresende ihren langjährigen CEO in den Ruhestand.

Sprecher der Geschäftsführung wird ab Januar

2023 Dr. Thomas Mann (Foto), der seit 2009 als Chief

Investment Officer der Ampega-Geschäftsführung angehört.

Ebenfalls ab Januar 2023 wird Stefan Kampmeyer

Mitglied der Geschäftsführung.

ESG: chaotisch &

chancenreich!

MARTIN STEINMEYER

Vorstandsvorsitzender Netfonds AG

Universal Investment: Neuer Anteilseigner

Die Universal Investment Gruppe erhält neben dem

bestehenden Hauptanteilseigner Montagu einen weiteren

Anteilseigner: Das Canada Pension Plan Investment Board

(CPP Investments) beteiligt sich mit einem signifikanten

Investment. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt

der Genehmigung durch die Aufsichtsbehörden.

Goldman Sachs AM: Aktienchefin geht

Kathryn Koch verlässt Goldman Sachs und wechselt zur

TCW-Gruppe. Bei dem globalen unabhängigen US-Vermögensverwalter

wird sie Präsidentin und Hauptgeschäftsführerin.

Sie verantwortet dann alle Aspekte der Führung

und des Managements von TCW. Der derzeitige Präsident

und CEO David Lippman wird sich Ende des Jahres 2022

aus der TCW-Gruppe zurückziehen.

Fidelity International: Thematische ETF-Reihe

Fidelity International erweitert ihr ETF-Angebot und legt

eine Themen-ETF-Reihe auf, die zunächst aus fünf neuen

Produkten besteht. Die ETFs bilden die thematischen

Indizes von Fidelity nach. Die fünf Themen beinhalten

saubere Energie, digitale Gesundheit, Metaversum, Cloud

Computing sowie Elektrofahrzeuge und Verkehr der

Zukunft.

Robeco: Sales-Profi kehrt zurück

Nach etwa einem Jahr kehrt Alexander Preininger zu

Robeco zurück. Ab dem 1. November wird er neuer globaler

Vertriebs- und Marketingleiter sowie Mitglied des Exekutivkomitees.

Preininger kommt von Amundi, wo er Global

Head of Institutional Coverage war.

Alliance Bernstein: Vertriebschef geht

Martin Dilg (Foto), Leiter des Privat- und Großkundengeschäfts

Zentral- und Osteuropa, wird Alliance Bernstein

zum Jahresende verlassen. Er geht auf eigenen Wunsch

und trennt sich im Guten. Bis ein neuer Vertriebschef gefunden

ist, wird Honor Solomon den Großkundenvertrieb

in der DACH-Region und Osteuropa leiten.

Foto: deepblue4you

Als ich die Dimension der ESG-Regulierung

verstanden hatte, war ich beeindruckt, was sich

unsere europäischen Politiker getraut haben

und welchen Einfluss dies auf die globalen Wirtschafts-

und Finanzmärkte hat. Diese Regulierung

ist zwar für viele Unternehmen mit einem

erheblichen Aufwand verbunden, hat aber die

Chance, Geldflüsse in die Nachhaltigkeit zu

steuern. Das Sprichwort „Geld regiert die Welt“

wird seine positive Seite zeigen. Eindrucksvoll

hat der Markt bereits die Ernsthaftigkeit bewiesen

- „Greenwashing“ wird nicht geduldet. Ich

denke, wir alle sind uns einig, dass wir dringend

„echte“ Maßnahmen benötigen, um unsere

Umwelt und unsere Gesellschaft wieder „in die

Spur zu bringen“.

Bedauerlich ist, dass dieses absolut sinnvolle

und große Projekt schlecht koordiniert ist. Berater

müssen ihre Kunden nach deren Nachhaltigkeitspräferenzen

befragen, obwohl die Daten

erst von den wenigsten Gesellschaften geliefert

werden (müssen). In der Folge müsste das gesamte

Portfolio veräußert werden. Berater sind

aktuell praktisch gezwungen, das Thema ESG

dem Kunden so vorzustellen, wie es ist: ein praktisches

Chaos. Hoffentlich stimmt das Sprichwort

„Der erste Eindruck zählt“ bei Beratern und

Kunden an dieser Stelle nicht!

Fakt ist, dass die wenigsten Menschen (gleich

welcher Bildungsschicht) die Dimension der

ESG-Maßnahmen kennen. Anleger können durch

ihre individuellen Präferenzen Gelder steuern,

und Firmen werden „gezwungen“ sich nachhaltig

aufzustellen.

Es ist Ihr Job und Ihre Chance, Ihren Kunden diese

Hintergründe zu erläutern. Eine tolle Chance,

Aufgabe und Positionierung für uns alle!

procontra 05 | 22

25


INVESTMENTFONDS Investmenttalk

»Kein aktiver Vertrieb

von Fonds mit Kernkraft«

Atomkraft und fossiles Gas gelten laut EU nun als nachhaltig.

Volker Weber, Vorstandsvorsitzender des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG),

über die Folgen für die Finanzbranche, Vertriebe und Anleger

– TEXT: HEIKE GORRES –

procontra: Das EU-Parlament hat die Entscheidung

der EU-Kommission, Atomkraft

und fossiles Gas als „nachhaltig“ einzustufen,

im Juli abgesegnet. Was bedeutet das

für das Forum Nachhaltige Geldanlagen?

Volker Weber: Diese Entscheidung ändert

unsere Position nicht. Wir haben uns

bereits im Sommer vergangenen Jahres zu

dem Thema positioniert: Wir sprechen uns

gegen die Klassifizierung von Atom und

Gas als nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten

VOLKER WEBER hat seit 2007

den Vorstandsvorsitz des

Forums Nachhaltige Geldanlagen

e. V. inne und ist seit 2015

Mitglied des Board of Directors

des Verbands European

Sustainable Investment Forum,

kurz Eurosif. Seit 2019 ist

Weber außerdem Vorstand der

Nixdorf Kapital AG. Zu weiteren

Stationen zählen das Dienstleistungsunternehmen

Mama

Sustainable Incubation AG, die

Beratungsgesellschaft Erfinderdienst

und die Swisscanto

Fondsleitung AG, ebenso wie

die Dekabank, der WestLB-

Konzern und die Deutsche

Bundesbank. Insgesamt ist

Weber seit mehr als

20 Jahren im Bereich nachhaltiges

Finanzwesen engagiert.

26 Foto: FNG


Investmenttalk INVESTMENTFONDS

aus. Kurz vor der Abstimmung im EU-Parlament

haben wir dies auch nochmals in

einem Anschreiben gegenüber ausgewählten

Mitgliedern des Europaparlaments

dargelegt. Hinzu kommt: Atomenergie ist

eines der häufigsten Ausschlusskriterien

bei Nachhaltigkeitsfonds in Deutschland!

Wir halten die Entscheidung insgesamt

für kontraproduktiv, die nun gerade bei

Anlegern, aber auch bei Finanzmarktteilnehmern

für große Verwirrung sorgt.

procontra: Könnte das Forum Nachhaltige

Geldanlagen nicht indirekt vom Markt

oder von Produktanbietern dazu gedrängt

werden, diese Einstufung bei der Bewertung

der Nachhaltigkeit von Fonds zu

übernehmen?

Weber: Viele unserer Mitglieder haben den

offenen Brief zum Ausschluss von Atomkraft

als nachhaltige Wirtschaftsaktivität

unter der EU-Taxonomie-Verordnung

unterzeichnet. Außerdem haben einige

große Asset-Manager bereits angekündigt,

dass sie ihre Nachhaltigkeitsfilter

diesbezüglich nicht anpassen werden. Bei

der Nachhaltigkeitsbewertung beziehen

Sie sich vermutlich auf das FNG-Siegel.

Hier ist klar zwischen dem FNG und der

„Qualitätssicherungsgesellschaft Nachhaltiger

Geldanlagen“ QNG zu trennen, die

die operative Gesamtverantwortung für

das FNG-Siegel trägt. Das FNG war 2015

Initiator, hat aber keinen Einfluss auf die

weitere Ausgestaltung der Kriterien, um

die Unabhängigkeit des Siegels zu garantieren.

Prüfer des Siegels ist die Sustainable

Finance Research Group der Universität

Hamburg, die auch Research erstellt und

mit der QNG für die Weiterentwicklung

der Methodik des FNG-Siegels verantwortlich

ist.

procontra: Wie könnten andere Bewertungsanbieter

für die Nachhaltigkeit von

Fonds nun mit der Einstufung von Atom

und Gas umgehen?

Weber: Generell ist Transparenz wichtig!

Sowohl institutionelle Investoren als auch

die Privatanlegerseite sollten sich schnell

und einfach informieren können, in was

ihr Geld investiert wird.

procontra: Einige Fondsanbieter wollen

womöglich beiden Gruppierungen etwas

anbieten.

Weber: Dafür gibt es im Grunde seit 2019

die Offenlegungs-Verordnung. Diese Verordnung

regelt die Offenlegungspflichten

von Finanzdienstleistungen bezüglich der

Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsthemen

in ihren Strategien, Prozessen

und Produkten. Zusammen mit unseren

Partnern beim Europäischen Forum für

Nachhaltige Investitionen Eurosif engagieren

wir uns schon lange in diesem Bereich:

Seit 2008 haben wir den europäischen

Transparenzkodex, nach dem als „nachhaltig“

bezeichnete Produkte sehr genau

ihre Nachhaltigkeitsstrategien beschreiben

müssen. Wenn es bei einem Fonds zum

Beispiel heißt, dass er einen breit angelegten

Ansatz verfolgt, die Transformation

zu einer nachhaltigen Wirtschaftsordnung,

wie sie die EU anstrebt, unterstützen will

und hierfür in Kernkraft oder fossile Energieträger

investieren kann, dann ist das

»Atomenergie ist

eines der häufigsten

Ausschlusskriterien

bei Nachhaltigkeitsfonds

in

Deutschland.«

transparent dokumentiert. Die Entscheidung,

in den Fonds zu investieren, liegt

dann bei den Verbrauchern. Wichtig ist,

dass Anbieter das Anlagekonzept transparent

machen.

procontra: Anleger sollten sich also nicht

nur schlaumachen über die Ansätze von

Nachhaltigkeitsfonds, sondern auch eine

klare Meinung haben zu den unterschiedlichen

Energieträgern.

Weber: Letztlich ist es immer in der Verantwortung

jedes Investors zu wissen, in

was er investiert. Verbraucher müssen sich

schon zu einem gewissen Grad damit beschäftigen

und Grundsatzentscheidungen

treffen. Dazu zählt auch das Thema, ob

jemand Atomkraft im Fonds haben möchte

oder nicht.

procontra: Einige als nachhaltig angebotene

Fonds enthalten hohe Anteile an Staatsanleihen

von Ländern, die auf Atomkraft

setzen, zum Beispiel Frankreich. Anleger

müssen also sehr genau hinschauen.

Weber: ESG-Kriterien für die Berücksichtigung

von Ökologie, Sozialem und

guter Unternehmensführung zum Beispiel

können Fondsanbieter natürlich auch auf

Staaten anwenden. Wenn sich ein Staat

nach einem ESG-Filterprozess eines Fonds

für ein Investment qualifiziert, können

auch Anleihen dieses Staates gekauft

werden. Es ist nur wichtig, dass Kunden

vor ihrer Kaufentscheidung wissen, wie

der Nachhaltigkeitsansatz aussieht. Darauf

zielt auch die Taxonomie und vor allem

die Offenlegungs-Verordnung der EU ab.

procontra: Vermuten oder beobachten Sie

bereits, dass Fondsanbieter sich umstellen

und Atomkraft und/oder fossiles Gas nun

als nachhaltig einstufen?

Weber: Unsere Mitglieder ändern ihre Position

wie gesagt nicht. Darunter sind auch

große deutsche Fondsanbieter, die international

tätig sind. Wie es mit ausländischen

Anbietern aussieht, die europaweit ihre

Produkte vertreiben, ist schwerlich abzuschätzen.

Einige der großen europäischen

Gesellschaften haben mitgeteilt, dass sie

ihre Politik überdenken wollen. Hierbei

dürfte auch die Überlegung wichtig sein,

ob sie auf dem deutschen Markt signifikant

eine Rolle spielen wollen oder nicht.

Denn von den Vertrieben bekomme ich

gespiegelt, dass sie keine Produkte aktiv

als Nachhaltigkeitsinvestment vertreiben

werden, in denen Kernkraft enthalten ist.

procontra: Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht

BaFin hat ihre

Richtlinie, mit der Investmentfonds als

nachhaltig eingestuft werden sollen, auf

unbestimmte Zeit verschoben. Sie will allerdings

Produkte nach den Vorgaben der

Konsultationsfassung der geplanten Richtlinie

einstufen. Wie ist Ihre Einschätzung

zur geplanten Richtlinie und zu diesem

Vorgehen der BaFin?

Weber: Ich bin kein großer Fan von einem

deutschen Sonderweg! Das stärkt nicht

den Finanzplatz Deutschland. Wer nun

einen Nachhaltigkeitsfonds auflegen möchte,

wird vermutlich auf andere Fondsplätze

wie Luxemburg oder Liechtenstein

ausweichen. Mit dem europäischen Pass

kann der Fonds dann auch in Deutschland

angeboten werden. Ein solches Regularium

sollte man, wenn überhaupt, europaweit

abstimmen, um allen gleiche Wettbewerbsbedingungen

zu gewährleisten.

procontra: Zahlreiche Kritiker dieses Vorgehens

der BaFin bemängeln eine fehlende

Rechtssicherheit.

Weber: Wir haben unsere Mitglieder

procontra 05 | 22

27


INVESTMENTFONDS Investmenttalk

AUSSCHLÜSSE

ESG-INTEGRATION

ENGAGEMENT

NORMBASIERTES SCREENING

STIMMRECHTSAUSÜBUNG

BEST-IN-CLASS

NACHHALTIGE THEMENFONDS

IMPACT INVESTMENT

Schweiz Österreich Deutschland

Angaben in % nach Volumen nachhaltiger Assets

NACHHALTIGE ANLAGESTRATEGIEN

in Deutschland, Österreich und der Schweiz 2021

für die Erhebung zum Marktbericht

„Nachhaltige Geldanlagen 2022“ auch zur

Umsetzung der BaFin-Richtlinie befragt.

Fast die Hälfte der Befragten hält die

Sachlage für unklar. Das trägt nicht zu

ruhigen Fahrwassern am Markt bei. Hinzu

kommt, dass heute erst zwei Umweltziele

der Taxonomie-Verordnung aktiv sind:

„Klimaschutz“ sowie „Anpassung an den

Klimawandel“. Trotzdem sollen sich die

Portfolios laut der Finanzaufsicht bereits

jetzt auf die komplette Verordnung

beziehen. Das ist schlichtweg unmöglich!

So vorzugehen, halte ich für stark verfrüht

und einengend.

5

7

7

10

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73

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Quelle: FNG – Forum Nachhaltige Geldanlagen, Swiss Sustainable Finance

»Wichtig ist,

dass Kunden vor

ihrer Kaufentscheidung

wissen, wie

der Nachhaltigkeitsansatz

aussieht.«

80

82

82

84

96

99

procontra: Diese Unklarheit müsste der

Finanzaufsicht ebenfalls bewusst gewesen

sein. Trotzdem hat sie so entschieden.

Weber: Ein Faktor ist womöglich, dass

sie einen deutlichen Punkt setzen wollte.

Früher hat die BaFin lange nur zugesehen.

Die EU hat zum Beispiel 2018 den

Aktionsplan „Finanzierung nachhaltigen

Wachstums“ erarbeitet. Erst 2019 jedoch

kam ein BaFin-Merkblatt zum Thema

Nachhaltigkeitsziele heraus. Sie hat zwar

richtig entschieden, die Richtlinie erst

einmal auszusetzen. Aber das war nur

eine halbherzige Aussetzung, da nun die

Konsultationsfassung der Richtlinie gelten

soll. Besser wäre gewesen, sie komplett

zurückzuziehen und sich mit der Branche

zusammenzusetzen, um zu sehen, was man

gegen Greenwashing tun kann. Die Taxonomie-

und Offenlegungs-Verordnung

selbst verhindern kein Greenwashing und

sind kein Qualitätsmerkmal für Nachhaltigkeit.

procontra: Was würden Sie zum Thema

Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage noch

ergänzen, falls überhaupt?

Weber: Der Regulator hat die Endkunden

zuletzt etwas überfordert. Viele wissen

zum Beispiel wahrscheinlich nicht, was es

mit dem Begriff „Nachhaltigkeitspräferenz“

auf sich hat, nach der Vertriebe ihre

Kunden nun fragen müssen. Wichtig ist

daher, dass Anleger erkennen, dass nachhaltige

Geldanlagen einen Beitrag leisten

können zu ökologischen und sozialen Themen

und zu einer guten Unternehmensführung

– und dass die Ermittlung ihrer

Nachhaltigkeitspräferenz hier sehr helfen

kann. Wichtig ist auch, die Vermittler zu

schulen, damit sie mit den Kunden diese

Punkte herausarbeiten und beschreiben

können. Wir selbst stellen eine verstärkte

Nachfrage nach Schulungen fest, die

Buchungszahlen für Aus- und Weiterbildung

in dem Bereich steigen deutlich an.

Zusätzlich haben wir gemeinsam mit dem

Deutschen Netzwerk für Wirtschaftsethik

DNWE einen aktualisierten Leitfaden zur

Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen

gemäß der zweiten europäischen Finanzmarktrichtlinie

MiFID II veröffentlicht.

Er bietet Beraterinnen und Beratern eine

Orientierungshilfe bei der Einordnung

dieser Präferenzen ihrer Kundinnen und

Kunden. Das Thema Weiterbildung dürfte

uns auch in den kommenden Jahren stark

beschäftigen.

28 procontra 05 | 22


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INVESTMENTFONDS Infrastrukturfonds

MEHR STRUKTUR IM DEPOT

Investments in Infrastruktur trotzen der Krise und bringen Eigenschaften mit,

die der anhaltenden Inflation stabil entgegenstehen.

– TEXT: STEFAN TERLIESNER –

Es gibt eine Aktiengattung, die sich allen

aktuellen Krisen zum Trotz performancemäßig

gut schlägt: börsennotierte Infrastrukturwerte.

„Sie hatten ein sehr starkes

Jahr 2021, und auch im bisherigen Jahresverlauf

schnitten sie deutlich besser ab als

die breiteren globalen Aktienmärkte“, sagt

Bertrand Cliquet, Analyst im Fondsmanagement-Team

des Lazard Global Listed

Infrastructur Equity Fund, der für die letzten

zwölf Monaten eine Rendite von rund

10 Prozent aufweist.

BESSER ALS DIE INDIZES

Selbst in diesem Jahr, in dem großen Aktienindizes

wie der US-amerikanische Dow

Jones und der deutsche DAX mit 10 Prozent

bzw. 16 Prozent im Minus liegen,

schafft der Lazard-Fonds ein Plus von gut

3 Prozent. Andere Infrastrukturfonds zeigen

eine noch beeindruckendere Wertentwicklung.

So legte der DWS Invest Global

Infrastructure seit Januar um mehr als

14 Prozent zu. Ein Grund: In unsicheren

Zeiten würden sich die Anleger defensiven

Anlagen zuwenden, „insbesondere solchen,

die einen gewissen Inflationsschutz bieten

können“, erklärt Cliquet die Entwicklung.

Beide Vorzüge – defensive Anlage und

Inflationsschutz – müssen erklärt werden.

Zunächst einmal gelten Infrastruktur-

Investments als defensiv, weil es sich um

Produkte handelt, die stets gebraucht werden.

Unter die Kategorie fallen die Bereiche

Ener gie, Wasser, Gesundheit, Verkehr,

Kommunikation und Bildung. Entsprechend

vielfältig sind die konkreten Anlage-

30 Illustration: Roman Kulon


Infrastrukturfonds INVESTMENTFONDS

ziele: Stromnetze, Gasleitungen, Wasserversorger,

Abwasserentsorger, Krankenhäuser,

Kliniken, Mautstraßen, Flughäfen, Schienenwege,

Mobilfunkmasten, Glasfasernetze

sowie Schulen und Universitäten. „Es

handelt sich also um Dienste, die essenziell

für die Gesellschaft sind“, betont auch Vinay

Sharma, Portfoliomanager von Union

Investment.

SCHUTZ VOR INFLATION

„Gleichzeitig sind Infrastrukturanlagen in

einem von Inflation geprägten Marktumfeld

besonders gefragt“, ergänzt Jana Rietow,

Produktspezialistin beim Fondsanbieter

DWS. Ihre Begründung: „Die Erträge

dieser Unternehmen sind oftmals an die

Inflation gekoppelt. Staatliche Konzessionen

oder Leasingverträge erlauben es den

Besitzern und Betreibern, die zusätzlichen

Kosten, die durch die Inflation entstanden

sind, in Form von Preiserhöhungen weiterzugeben,

um somit ihre Erträge sicherzustellen.“

Allerdings schützt nicht jede Infrastrukturanlage

automatisch vor Inflation.

Hierauf weist Cliquet hin. „Von den rund

400 börsennotierten Aktien, die es auf den

Infrastrukturmärkten weltweit gibt, bieten

weniger als 25 Prozent einen Inflationsschutz.“

Die Auswahl sei daher von entscheidender

Bedeutung.

Die Attraktivität von Investments in Infrastruktur

hat in den vergangenen Jahren

mehrere Fondsanbieter dazu bewogen,

neue Produkte aufzulegen. Union Investment

zum Beispiel hat am 1. Juni einen Infrastrukturfonds

für Privatanleger auf den

Markt gebracht, den UniNachhaltig Aktien

Infrastruktur. Bisher hatte das genossenschaftliche

Fondshaus nur entsprechende

Anlagevehikel für institutionelle Investoren

wie Banken, Versicherungen und Altersvorsorgeeinrichtungen.

Eigenen Angaben

zufolge schätzen diese Profi-Anleger die stabilen

Erträge und hohen Ausschüttungen

von Infrastrukturunternehmen, denn oft

sind diese in einem geschützten Markt tätig

oder gar ein regionaler Monopolist. Bespiele

dafür seien Versorger.

RIESIGER INVESTITIONSBEDARF

Der weltweite Investitionsbedarf in die Infrastruktur

ist riesig. Bis 2040 schätzt der

Global Infrastructure Hub das Volumen

auf 94 Billionen US-Dollar – nur für die 56

Staaten, für die ausreichend Daten vorliegen.

Erst Ende Juni haben die G7-Staaten

Infrastruktur-Investitionen im Umfang von

insgesamt 600 Milliarden Euro bis 2027

angestoßen. Mit dem Programm „Partnerschaft

für Globale Infrastruktur“ sollen

Investitionen etwa für Klimaschutz, im

Energiesektor und im Gesundheitswesen

ermöglicht werden. US-Präsident Joe Biden

»Die Erträge von

Infrastrukturunternehmen

sind

oftmals an die

Inflation gekoppelt.«

JANA RIETOW, DWS

habe diese Initiative angestoßen, hieß es bei

deren Vorstellung auf dem Gipfel in Schloss

Elmau in Bayern.

Eine Zeit lang können Regierungen den

Ausbau oder die Sanierung der Infrastruktur

vernachlässigen. Zugunsten von Wahlversprechen

und Sozialausgaben neigen

Politiker aller Parteien dazu. Hierauf weisen

Ökonomen immer wieder hin. Aber

irgendwann würden das Wachstum und

die Steuereinnahmen beeinträchtigt. Dann

müsse wieder investiert werden. An diesem

Punkt seien Deutschland sowie etliche andere

westliche Demokratien angekommen.

Tatsächlich denkt man beim Stichwort Investitionsstau

in Deutschland unweigerlich

IN INFRASTRUKTUR INVESTIEREN

FONDSNAME ISIN RENDITE in % LFD.

LFD. JAHR

Auswahl; Ranking jeweils gemäß Performance 1 Jahr, *thesaurierend, **ausschüttend

1 JAHR

3 JAHRE

p. a.

5 JAHRE

p. a.

KOSTEN

p. a. in %

iShares Global Infrastructure

UCITS ETF USD ** IE00B1FZS467 16,2 24,6 11,2 11,6 0,65

DWS Invest Global

Infrastructure ** LU0363470237 14,2 22,9 11,1 10,2 1,59

Credit Suisse Infrastructure

Equity Fund B USD * LU1692116392 8,6 14,0 12,3 11,5 1,88

Lazard Global Listed

Infrastructure Equity Fund GBP * IE00B5NXD345 3,2 10,1 10,2 7,6 1,00

Stand: 22.8.2022, Quelle: Morningstar

an all die maroden Straßen und Brücken,

die Schulen in schlechtem Zustand und die

langsame Internetverbindung in vielen Regionen.

Wer mit der Deutschen Bahn reist,

weiß, was solch eine Vernachlässigung für

Folgen hat. Und wie Capinside berichtet,

ist hierzulande inzwischen ein Drittel aller

Autobahnbrücken sanierungsbedürftig, nur

um ein weiteres Beispiel zu nennen.

SCHUB DURCH NACHHALTIGKEIT

Auch die zahlreichen globalen Nachhaltigkeitsinitiativen

zielen auf Infrastrukturvorhaben

wie den Ausbau erneuerbarer

Energien ab. Die EU will im Rahmen ihres

Green Deals gewaltige Geldströme in nachhaltige

Investitionen lenken. Ein Großteil

des Kapitals dürfte in erneuerbare Energien

wie Solarparks, Windkraftanlagen und

Wasserstofferzeugung und -distribution

fließen – eben in Infrastruktur. Ähnliches

planen die USA. Erst Anfang August hat

das US-Repräsentantenhaus ein 750 Milliarden

Dollar schweres Klimagesetz verabschiedet.

Es zielt unter anderem darauf ab,

bis 2030 die CO 2

-Emissionen in den Vereinigten

Staaten um 40 Prozent unter den

Stand von 2005 zu drücken.

Fazit: Der Investitionsbedarf in Infrastruktur

bleibt gewaltig. Ohne Beteiligung

privater Investoren lassen sich die ehrgeizigen

Auf-, Ausbau- und Modernisierungsprogramme

nicht stemmen. Mit Infrastrukturfonds

stellen Anleger indirekt Geld zur

Verfügung und haben im Gegenzug die

Chance auf langfristig attraktive Renditen.

Selbst in den aktuell schwierigen Zeiten

performt die Aktiengattung gut.

procontra 05 | 22

31


INVESTMENTFONDS Anleihen

COMEBACK DER RENTENFONDS

Für Staatsanleihen gibt es wieder 2 bis 4 Prozent. Ist damit die Zeit gekommen,

um sich Rentenfonds ins Depot zu legen? Immer mehr Anlageprofis meinen: ja.

– TEXT: STEFAN TERLIESNER –

32 Illustration: Eleonora Mavromati


Anleihen INVESTMENTFONDS

An den Rentenmärkten erleben Investoren

eine denkwürdige Entwicklung. Im ersten

Halbjahr brachen die Kurse von Bundesanleihen

und US-Treasuries mit einer Restlaufzeit

von zehn Jahren um fast 20 Prozent

ein. Für Staatstitel, die für Stabilität

und Sicherheit stehen, ist das ein Blutbad.

Angerichtet haben es die Zentralbanken

in den USA und der Eurozone mit ihrer

Zinswende. „Die Geldpolitik crasht den

Rentenmarkt“, kommentierte Carsten Klude,

Chefvolkswirt der M.M. Warburg, die

Entwicklung. Niemals zuvor sei es zu einem

derartigen Absturz bei den Anleihekursen

gekommen – zumindest so weit, wie die

Daten der Privatbank zurückreichten.

EZB NIMMT DEN KAMPF AN

Parallel zu den Kursverlusten schnellten

die Zinsen für neue Papiere in die Höhe,

bei zehnjährigen Bundesanleihen von minus

0,2 auf plus 1,7 Prozent. Im Juli folgte

die kurze Phase einer Gegenbewegung mit

Kurserholung respektive Zinsrückgang.

Der Grund waren aufkommende Rezessionsbefürchtungen.

Da dennoch die Inflationsraten

in Europa und den USA stramm

auf zweistellige Prozentsätze zusteuern,

musste auch die Europäische Zentralbank

(EZB) ein deutliches Zeichen der Inflationsbekämpfung

setzen: Anfang September

erhöhte sie den Leitzins um 75 Basispunkte

auf 1,25 Prozent. Es war die kräftigste

Zins erhöhung in ihrer Geschichte.

Seitdem zahlt der deutsche Staat auf neu

begebene zehnjährige Bundesanleihen wieder

rund 1,7 Prozent. Die Entwicklung in

den USA verlief ähnlich. Dort werfen zehnjährige

US-Staatsanleihen sogar 3,3 Prozent

ab. An diese Zahlen muss man sich erst einmal

gewöhnen: Erstmals seit vielen Jahren

gibt es für Zinspapiere wieder ansatzweise

das, was im Namen steht: Zinsen! Anleger,

die Italien Geld leihen, bekommen aktuell

sogar 4,1 Prozent, um ein weiteres Beispiel

zu nennen. Das sind Sphären, von denen

Anleger seit Jahren nur träumen konnten.

ERWARTUNGEN SIND ENTSCHEIDEND

Die Zinswende ist nicht auf Deutschland

und die USA beschränkt, sondern hat zahlreiche

Länder rund um den Globus erfasst.

„Im gesamten Anleiheuniversum“, betont

Benoit Anne, Anlageexperte bei MFS Investment

Management, „sind die Renditen

seit Jahresbeginn stark gestiegen – bei High

Yield um über 400, bei Emerging Market-

RENTENFONDS MIT KURZER LAUFZEIT

Die Anlagevehikel dürften bald ihren Boden finden

und dann wieder an Wert gewinnen.

NAME ISIN VOLUMEN in

Mio. €

Staatsanleihen um etwa 350 und bei Investmentgrade-Titeln

je nach Region um 235

bis 245 Basispunkte.“

Für Anleger stellen sich vor diesem Hintergrund

wichtige Fragen: Ist bereits die

Zeit, mithilfe eines Rentenfonds in gut verzinste

Staats- und/oder Unternehmensanleihen

zu investieren? Und lohnen sich Anleihen

bei einer Geldentwertung von aktuell

fast 8 Prozent überhaupt? Zieht man die

Inflation von den aktuell möglichen Zinsen

»Im gesamten

Anleiheuniversum

sind die Renditen

seit Jahresbeginn

stark gestiegen.«

BENOIT ANNE, MFS INVESTMENT MANAGEMENT

halbwegs solider Anleihen ab, ergibt sich

schließlich immer noch ein realer Verlust.

„Entscheidend ist nicht die aktuelle Inflationsrate.

Vielmehr zählt die Inflationserwartung“,

meint Markus Sack von Finanzinvest

Consulting.

WEITERE ZINSERHÖHUNGEN WAHRSCHEINLICH

Kurzfristig könnte der Preisauftrieb noch

zunehmen. Bundesbankpräsident Joa chim

Nagel hält im Herbst eine Rate von 10

Prozent für möglich. Eine längere Perspektive

nehmen die Fachleute der EZB ein.

RENDITE

1 Jahr in %

LAUFENDE

KOSTEN p. a.

Allianz Euro Bond Short Term EUR LU1221649186 140 - 2,6 0,46

Amundi S.F. Short Term Bond I EUR LU1706854400 1.347 -3,2 0,42

Lloyd Fonds Assets Defensive Opportunities DE000A1H72N5 110 - 3,2 0,57

Vontobel Fund Euro Short Term Bond LU1650589689 188 - 4,6 0,20

Oddo BHF Euro Short Term Bond FT-CR-EUR DE0008478124 51 - 5,0 0,52

Quelle: Morningstar, Stand: 9/2022

Eigenen Angaben zufolge rechnen sie mit

durchschnittlichen Inflationsraten von 8,1

Prozent für 2022, 5,5 Prozent für 2023 und

2,3 Prozent für 2024. Insofern sind die aktuellen

Anleiherenditen zwar okay, aber für

eine positive Realrendite noch nicht hoch

genug.

Die Inflationserwartungen können sich

aber ändern; und natürlich auch die gezahlten

Zinsen. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege

bei der Deutschen Bank, geht

fest davon aus, dass „auf den verbleibenden

Sitzungen der EZB in diesem Jahr weitere

kräftige Leizinsanhebungen folgen werden“.

Danach aber könnte die Phase steigender

Zinsen schon wieder vorbei sein.

Nicht wenige Marktteilnehmer rechnen damit,

dass das Ende der Zinssteigerungen in

Sichtweite kommt. Der Grund: Inzwischen

sei eine Rezession in der Eurozone so gut

wie sicher.

REZESSION SCHEINT UNAUSWEICHLICH

Auch für die USA und Großbritannien

deute alles auf einen Rückgang der Wirtschaftsleistung

hin. Ein in der Vergangenheit

stets zuverlässiger Indikator dafür sei

die invertierte Zinskurve in den beiden

Ländern. In diesem Fall liegen die kurzfristigen

Zinsen höher als die langfristigen;

normal ist der umgekehrte Verlauf. Weiter

gehen Beobachter davon aus, dass die EZB

auch deshalb so rasch und kräftig ihren

Leitzins erhöht, um sich Munition für eine

Rezession zu beschaffen – also bei Bedarf

die Zinsen überhaupt erst wieder senken zu

können.

Wegen dieser Konstellation mehren sich

die Stimmen, die den Kauf von Anlei-

procontra 05 | 22

33


INVESTMENTFONDS Anleihen

»Wir bleiben weiterhin vorsichtig«

KUNAL MEHTA, Head of Fixed Income Product Specialism bei Vanguard

hen für attraktiv halten. Um das Risiko

von Einzelanlagen zu vermeiden, empfiehlt

Andreas Görler, Senior Manager beim Vermögensverwalter

Wellinvest, den Erwerb

von Anteilen an einem aktiv verwalteten

Rentenfonds. „Als Privatinvestor kann

man im Euroraum bleiben und Staatsund

Unternehmensanleihen mit mittlerer

bis guter Bonität und kürzeren Laufzeiten

vorziehen.“ Zwar fielen auch bei Anleihen

mit kürzeren Laufzeiten die Kurse, wenn

die Zinsen zunächst noch steigen. Aber bei

Weitem nicht so stark wie bei langfristigen

Papieren. Und unterstelle man eine Rückprocontra:

Die Rezessionsrisiken nehmen zu.

Was bedeutet das für Rentenfonds?

Kunal Mehta: Bei festverzinslichen Krediten deutet

das steigende Rezessionsrisiko auf höhere

Renditen und breitere Spreads hin. Und während

jeweils die Leitzinsen der G7-Zentralbanken

weiter steigen und die Bilanzen der Zentralbanken

in den kommenden Monaten zu schrumpfen

beginnen, wird es einen Punkt geben, an dem

Kernanleihen anfangen, risikoreiche festverzinsliche

Wertpapiere zu unterstützen. Denn sobald

sich eine Rezession abzeichnet, werden die

Märkte und schließlich auch die Zentralbanken

darangehen, die Zinssätze zu senken. Dann

steigen die Kurse umlaufender Anleihen.

procontra: Das spricht für einen Anleihekauf,

kurz bevor der Zinstrend

kippt. Andererseits dürften in

einer Rezession die Ausfallraten

steigen. Wie gehen Sie mit

diesem Risiko um?

Mehta: Das Credit-Research-

Team von Vanguard deckt

über 80 Prozent des globalen

Kreditmarktes ab. Durch die

Analyse und das Engagement

bei den Emittenten

können wir das Ausfallrisiko

bei Fonds steuern. Unternehmensanleihen

unterhalb der

Investment-Grade-Kategorie

sind ein sehr vielfältiger

Marktbereich, in dem eine

Wertanalyse aktiven Anlegern

helfen kann, die besten

Chancen zu erkennen und die

gefährlichsten Fallstricke zu

vermeiden.

procontra: Die EZB hat weitere

Leitzinserhöhungen in Aussicht gestellt. Wie

lange wird der Zinserhöhungszyklus andauern?

Mehta: Der Markt geht derzeit von einem Leitzins

von 2,5 Prozent aus, der etwa im Sommer 2023

erreicht werden soll. Dem schließen wir uns an.

procontra: Eingangs haben Sie erwähnt, dass

die Notenbanken demnächst damit begönnen,

ihre aufgeblähten Bilanzen zu verkürzen. Wann

erwarten Sie den Beginn dieser Maßnahme?

Mehta: Wahrscheinlich ab Anfang 2023. Der

Markt sieht sich also sowohl mit einem Anstieg

der Geldkosten als auch mit einer Schrumpfung

der Geldmenge konfrontiert.

procontra: Als der Leitzins noch negativ war,

mussten Anleger zunehmend zu langfristigen

Anleihen mit geringerer Qualität greifen, um

überhaupt noch eine positive Rendite zu erwirtschaften.

Bekommen Fondsmanager jetzt eine

angemessenere Entschädigung für das Risiko?

Mehta: Wegen der ungewissen Prognosen

bleiben wir vorsichtig. Angesichts der hohen

Volatilität könnte die Auswahl von Wertpapieren

zunehmen, die nicht mit unverhältnismäßig

hohen Verlustrisiken behaftet sind, sobald

die Kurse weiter auseinanderdriften. Beispiel

Investment-Grade-Unternehmensanleihen: Hier

könnten die Risikoaufschläge zwar noch weiter

steigen, doch sind die Renditen bereits jetzt

attraktiv; Pharmawerte, Versorger, Real Estate

Investment Trusts sowie Finanzwerte sind aus

unserer Sicht besonders günstig.

zahlung zu 100 Prozent, störten die Kursschwankungen

nicht so sehr.

Ähnlich äußert sich Konstantin Veit, Leiter

für Euro-Staatsanleihen beim weltgrößten

Anlagemanager Pimco: „Jetzt ist ein guter

Zeitpunkt für Investments in europäische

Märkte für Anleihen mit kurzer Laufzeit.“

Chefvolkswirt Klude ist allerdings noch

nicht ganz überzeugt: Erst wenn der Zinserhöhungszyklus

seinen Zenit erreicht hat,

sei der Rentenmarkt wieder attraktiv. Bis

dahin sollte man warten. Fazit: Anleger

müssen auf Sicht fahren und sich informieren.

JETZT IN ANLEIHEN INVESTIEREN?

PRO

Zinserhöhungszyklus

könnte bald

enden

Inflationserwartungen

gehen ab

2023 zurück

Als Portfoliobaustein

sinnvoll

CONTRA

Zinsen steigen

weiter, Bestandskurse

fallen dann

Reale Verzinsung

bleibt noch lange

negativ

Rezession würde

Ausfallraten erhöhen

34 procontra 05 | 22


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INVESTMENTFONDS ESG-Regulierung

BÄRENDIENST

FÜR FONDSSTANDORT

Obwohl die EU das Thema erledigt hatte, fährt die BaFin einen Alleingang

bei der Regulierung nachhaltiger Fonds. Dessen Mehrwert ist fraglich,

eine Schwächung des Fondsstandorts schon jetzt spürbar.

– TEXT: JAN F. WAGNER –

Um die Überregulierung zu verstehen, muss

man auf den Spätsommer 2021 zurückblicken.

Damals erfuhr die Branche, dass die

BaFin die Offenlegungs-Verordnung verschärft

hat. Die EU-Verordnung schreibt

Anbietern von Fonds mit einer nachhaltigen

Strategie (als „Artikel 8“ klassifiziert)

hat, argumentiert die BaFin, dass sie die

Anleger nicht ausreichend vor möglichem

„Greenwashing“ schütze. Laut BaFin garantiert

die Offenlegungs-Verordnung

nicht, dass der Fonds auch in der Praxis

nachhaltig investiert. Auf Anfrage teilt die

Behörde mit: „Anlagebedingungen von inund

Impact-Fonds („Artikel 9“) vor, im

Prospekt genau zu beschreiben, wie mit

dem Thema Nachhaltigkeit, oder im Fachjargon:

„ESG“, umgegangen wird.

Obwohl diese Berichtspflicht den Regulierern

anderer EU-Fondsstandorte wie beispielsweise

Luxemburg oder Irland gereicht

36 Illustration: Roman Kulon


ESG-Regulierung INVESTMENTFONDS

ländischen Investmentvermögen unterliegen

gemäß § 163 Abs. 1 Satz 1 KAGB einer

Genehmigungspflicht durch die BaFin. Die

Bezeichnung eines Investmentvermögens

darf nach § 4 Abs. 1 KAGB nicht irreführen.“

QUOTE FÜR DEUTSCHE ESG-FONDS

Vor diesem Hintergrund beschloss die Ba-

Fin, dass Artikel-8- und -9-Fonds, die in

Deutschland aufgelegt werden, mindestens

75 Prozent nachhaltige Investments

beinhalten müssen. Dabei kann man die

Haltung der BaFin auch als Unterstellung

auffassen: Immerhin vertrauen die anderen

EU-Regulierer einfach darauf, dass der

Fonds die nachhaltige Strategie umsetzt, die

im Prospekt angegeben wird. Ein nachgewiesener

Fall von entsprechendem Greenwashing.

Erwartungsgemäß stieß die Quote auf

heftige Kritik in der Fondsbranche. Aus einer

Mitteilung vom Anfang September hieß

es: „Der BVI kritisiert, dass ein BaFin-Standard,

der ausschließlich für hierzulande

aufgelegte Fonds gilt, dem Fondsstandort

Deutschland im Wettbewerb mit anderen

Auflagestandorten wie Luxemburg und Irland

schwer schadet. Ausländische Fonds

könnten per EU-Pass im deutschen Markt

als nachhaltig vertrieben werden, ohne die

Vorgaben der BaFin erfüllen zu müssen.“

Obwohl der BVI für eine Rücknahme der

Quote plädierte, blieb die BaFin bei ihrer

Linie. Im weiteren Verlauf wird die Geschichte

etwas verwirrend: Auf einer Pressekonferenz

im Mai erklärte BaFin-Präsident

Mark Branson, dass die Richtlinie für

die Quote wegen des schwierigen Marktumfelds

– sprich des Ukraine-Krieges – ausgesetzt

wurde. Gleichzeitig aber machte

Branson klar, dass die BaFin auch ohne die

entsprechende rechtliche Basis die Quote

nach wie vor anwende.

FONDSSTANDORT GESCHWÄCHT

Seitdem warnen Branchenvertreter erneut,

dass die Quote dem heimischen Standort

schaden könnte – auch weil deutsche Fondsanbieter

nach Luxemburg ausweichen dürften.

Im Interview mit procontra sagte zum

Beispiel Volker Weber, Vorstandsvorsitzender

des Forums Nachhaltige Geldanlagen

(FNG): „Wer nun einen Nachhaltigkeitsfonds

auflegen möchte, wird vermutlich auf

andere Fondsplätze wie Luxemburg oder

Liechtenstein ausweichen.“ Weber verwies

Publikumsfonds

313

136

VERMÖGEN VON FONDS MIT NACHHALTIGKEITSMERKMALEN

GEMÄSS EU-OFFENLEGUNGS-VERORDNUNG

Spezialfonds

344

Stichtag jeweils Quartalsende. Angaben in Mrd. €

zudem auf eine Umfrage des FNG, wonach

fast die Hälfte der FNG-Mitglieder die

Sachlage für unklar hält (siehe dazu Interview

auf Seite 26 dieser Ausgabe).

Haben sich aber die Befürchtungen hinsichtlich

der Quote bewahrheitet? Das lässt

sich bislang nicht eindeutig sagen. Denn

was die Fondsbranche bei all ihrer Kritik

nicht erwähnt: Luxemburg wurde auch bereits

vor der neuen Regulierung in Sachen

Nachhaltigkeit von deutschen Fondshäusern

wie Deka, DWS, Union Investment

und Allianz Global Investors (AGI) gern als

Auflegungsland bevorzugt. Dank des EU-

Passes sind Luxemburger Fonds automatisch

für den deutschen Vertrieb zugelassen,

was wiederum die Versorgung von Finanzberatern

mit den entsprechenden Produkten

sichert. Wegen des finanzplatzfreundlichen

Luxemburg sieht sich der deutsche Fondsstandort

also bereits heute einem hohen

Wettbewerbsdruck ausgesetzt.

Mit der Quote könnte der Druck größer

werden. Eine Recherche von procontra hat

ergeben, dass die Quote für den deutschen

Standort zumindest nicht förderlich war.

Die Union Investment sagt, dass zwei von

drei ESG-Fonds, die seit Herbst 2021 aufgelegt

wurden, ihre Heimat in Luxemburg

haben (siehe Interview). Ob dieser Trend

sich fortsetzt, bleibt abzuwarten. 17 von

30 nachhaltigen Fonds der Union sind in

Luxemburg beheimatet, die restlichen 13 in

Deutschland.

Auch Stefan Eich, Leiter Strategisches

Produktmanagement bei der Deka, sagt,

er beobachte eine gewisse Vorliebe für

141

374

143

Q1 2021 Q2 2021 Q3 2021 Q4 2021 Q1 2022 Q2 2022

495

159

563

575

143

Quelle: BVI (Bundesverband Investment und Asset Management e. V.)

Luxemburg bei neu aufgelegten ESG-

Fonds. Eich sagt aber auch: „Es gibt durchaus

Auflagen nachhaltiger Investmentvermögen

in Deutschland, auch die Deka wird

den Fondsstandort Deutschland für die

Auflage von Fonds mit Nachhaltigkeitsmerkmalen

nutzen.“ Allianz Global Investors

(AGI) kann derweil mit der Quote gut

leben und nennt einen Vorteil, der damit

zusammenhängt: „Wir sehen (bei der Quotenerfüllung)

keine kritische Einengung des

Anlageuniversums. Wir denken vielmehr,

dass die Etikettentreue wichtig ist. Dies erleichtert

den Beratern bei der Abfrage das

Leben, weil sie so relativ zuverlässige Angaben

haben“, sagt ein AGI-Sprecher. Die

Frage nach der Standortpräferenz ließ die

AGI unbeantwortet.

WENIGER (ESG-)FONDS AUFGELEGT

Und was meint der BVI zu den Auswirkungen

der Quote? Auf Anfrage teilte

der Verband mit, dass der Anteil von in

Deutschland aufgelegten ESG-Fonds im

Verhältnis zu allen neu aufgelegten ESG-

Fonds deutscher Anbieter von 33 Prozent

im Gesamtjahr 2021 auf 27 Prozent im ersten

Halbjahr 2022 zurückging. Inwieweit

die „BaFin-Quote“ für diesen Rückgang

verantwortlich war, ist laut BVI jedoch unklar.

Dessen Sprecher Frank Bock sagt, die

Marktturbulenzen seit dem Ukraine-Krieg

hätten zu einer generellen Zurückhaltung

bei der Auflage geführt. 2021 wurden rund

700 Publikumsfonds bzw. Anteilscheinklassen

in Deutschland aufgelegt. Im ersten

Halbjahr 2022 waren es nur 280.

151

procontra 05 | 22

37


INVESTMENTFONDS ESG-Regulierung

»Eine Anpassung

wäre zu begrüßen«

ANJA BAUERMEISTER, Abteilungsleiterin Publikumsfonds bei Union Investment

procontra: Frau Bauermeister, hat die Quote

der BaFin dazu geführt, dass Ihr Unternehmen

den Standort Luxemburg verstärkt nutzt, um

nachhaltige Fonds zu lancieren?

Anja Bauermeister: Wir würden uns natürlich

wünschen, dass die Vorgaben der europäischen

Regulierung in den EU-Mitgliedsstaaten

einheitlich umgesetzt werden. Der Alleingang

der BaFin sorgt dafür, dass die Regelungen in

den Verkaufsprospekten bzw. Anlagebedingungen

für unsere nachhaltigen Produkte an

einigen Stellen unterschiedlich sind. Das ist für

Kunden kaum nachvollziehbar. Für uns erhöht

es den Aufwand. Von den drei seit Herbst 2021

neu aufgelegten Publikumsfonds für Privatkunden

fiel die Wahl bei einem auf Deutschland,

bei den zwei anderen auf Luxemburg.

procontra: Ist die Quote von 75 Prozent nachhaltiger

Investments in den entsprechenden

Fonds überhaupt darstellbar? Sind solche

Fonds ausreichend diversifiziert?

Bauermeister: Die Quote ist darstellbar. Wo

Nachhaltigkeit draufsteht, soll auch Nachhaltigkeit

drin sein. Allerdings kommt es entscheidend

auf die Umsetzung an. Leider bezieht

sich die Quote nämlich nicht auf die Wertpapiere,

in die ein Fonds investiert, sondern

auf den gesamten Fonds. Das kann für die

Steuerung der Portfolios in extremen Marktsituationen

problematisch sein, da nur bis zu

25 Prozent Kassenbestände

aufgebaut

werden können. Diese

Einschränkung dient

nicht der Nachhaltigkeit.

Eine Anpassung

wäre daher zu begrüßen.

Klumpenrisiken

drohen nur, wenn man

den Begriff „nachhaltige

Investments“ zu

eng interpretiert, indem

man zu viele braune

Geschäftsfelder ausschließt

und sich auf zu

wenige grüne Gewinner

konzentriert. Hier kommt es also auf das

Portfoliomanagement an. Unsere Portfolios

sind ausbalanciert, weil wir in alle Geschäftsfelder

investieren, die sich transformieren

können, und dort in die Unternehmen, die sich

glaubwürdig transformieren.

procontra: Wenn die Quote vor Etikettenschwindel

bei den Fonds schützen soll und

auch darstellbar ist, könnte sie sich zu einem

Qualitätsmerkmal entwickeln?

Bauermeister: Die Quote führt einen strengeren

Maßstab ein und versucht so, Qualität zu

fördern. Strenge führt aber nicht notwendigerweise

zur Qualität. Und Qualität bedeutet mehr

als Nachhaltigkeit: Auch Sicherheit, Liquidität

und Rendite, die wir aus dem magischen

Dreieck der Geldanlage kennen, sind wichtige

Zielgrößen für Anleger.

procontra: Derzeit fehlt die rechtliche Basis

für die Quote. Hat die BaFin Ihnen signalisiert,

dass die entsprechende Richtlinie kommen

wird?

Bauermeister: Die Rechtsgrundlage der aktuellen

Verwaltungspraxis ist derzeit unklar. Eine

Klärung dieser Frage könnte Rahmenbedingungen

vereinheitlichen und damit Orientierung

stiften. Mehr Transparenz wäre hier

wünschenswert und passt gut zum Thema

Nachhaltigkeit.

Nur weil die Quote nicht zu einem

Exodus nachhaltiger Fonds aus Deutschland

geführt hat, heißt das nicht im Umkehrschluss,

dass sie für die deutsche

nachhaltige Investmentindustrie gut ist. Im

Gegenteil: Deutsche Fondsanbieter können

immer nach Luxemburg ausweichen, wenn

sie der Meinung sind, die Quote hindere sie

daran, eine maximale Diversifikation zu erzielen.

Diese Entscheidung wäre auch legitim,

weil ihre Produkte es einfacher hätten,

Klumpenrisiken zu vermeiden – wie zum

Beispiel eine Übergewichtung zugunsten

des Sektors grüne Technik. Dasselbe gilt

für ausländische Asset-Manager, die ESG-

Fonds in Deutschland anbieten wollen.

Auch die Befürchtung, dass etwa der

Luxemburger Regulierer mit einer fehlenden

Quote Greenwashing fördern

könnte, ist unbegründet. Das liegt an den

Transparenzpflichten unter der Offenlegungs-Verordnung.

Damit können Berater

und Anleger nachvollziehen, ob die im

Fondsprospekt angegebene nachhaltige

Strategie wirklich umgesetzt wird. Angesichts

dieser hohen Transparenz und damit

des großen Reputationsrisikos wäre es für

den Anbieter höchst risikoreich, wenn er

Greenwashing betriebe.

Für die Aufsicht stellt die Quote jedenfalls

kein Hindernis in Sachen Diversifikation

dar. Eine Sprecherin begründet: „ESG

bezieht sich nicht nur auf ‚Environment‘,

sondern auch auf ‚Social‘ und ‚Governance‘.

Zudem bietet die BaFin-Verwaltungspraxis

Flexibilität. Investmentvermögen dürfen

sich auch dann als nachhaltig bezeichnen,

wenn sie eine nachhaltige Anlagestrategie

verfolgen und bestimmte Mindestausschlüsse

einhalten.“ Sollte die Quote aber

letztlich doch zu einem Exodus nachhaltiger

Fonds aus Deutschland führen, würde

es für die BaFin schwierig, in der Frage hart

zu bleiben.

PRO

BAFIN-QUOTE FÜR ESG-FONDS?

Schutz vor

„Greenwashing ”

Mögliches

Qualitätsmerkmal

Hilfreich für Berater

CONTRA

Erschwert die

Diversifikation

Gefahr für den

Fondsstandort

Durch EU-Regelung

eigentlich unnötig

38 procontra 05 | 22


Swiss Life ANZEIGE

Swiss Life vergünstigt ihre BU

für über 800 Berufe

Neben vielen qualitativen Optimierungen hat Swiss Life im aktuellen BU-Update über 800 Berufe preislich

deutlich günstiger gestaltet. Dazu zählen akademische Berufe, Studierende und Berufe aus der

Human- und Zahnmedizin sowie gewerbliche und handwerkliche Berufe.

die BU-Jahresrente innerhalb der ersten fünf

Jahre einmalig bis auf 60.000 Euro erhöht

werden, wenn eines von insgesamt fünf klar

definierten Ereignissen eintritt. So ist zum

Beispiel für eine junge HNO-Fachärztin, die

in einer Fachklinik angestellt war und nun

die eigene Praxis eröffnet, die Erhöhung

ihrer bisherigen BU-Jahresrente von 30.000

Euro auf maximal 60.000 Euro möglich,

sofern bei Antragstellung ein ärztliches

Zeugnis vorgelegt wurde.

Insbesondere profitieren akademische

Berufe aus den Bereichen Wirtschaftsingenieurswesen,

Informatik sowie Diplom-

Betriebswirte von diesen Maßnahmen.

Aber auch für viele handwerkliche Berufe

und solche mit einem hohen Anteil an körperlichen

Tätigkeiten, wie zum Beispiel bei

Mitarbeitenden in der Produktion, der Pflege

oder im Lager, werden die Tarife günstiger.

„Mit dem aktuellen Update unterstreicht

Swiss Life ihre Position als eine der führenden

BU-Anbieterinnen am deutschen

Versicherungsmarkt sowie ihre federführende

Rolle als Konsortialführerin in den

Branchenlösungen, die allein für über 17

Millionen Erwerbstätige und deren Familienangehörige

direkt Angebote unterbreiten.

Damit leisten wir einen unmittelbaren Beitrag

zur finanziellen Selbstbestimmung und

Sicherheit unserer Kundschaft“, sagt Stefan

Holzer, Leiter Versicherungsproduktion und

Mitglied der Geschäftsleitung von Swiss Life

Deutschland.

Zu den relevanten Berufen aus den beiden

Branchenlösungen MetallRente und

Chemie Rente, die von attraktiveren Konditionen

profitieren, zählen zum Beispiel

Mechatroniker/-in, Maschinenbauingenieur/-in,

IT-Berater/-in, Flugzeugmechaniker/-in,

aber auch Controller/-in, Chemiker/-

in, Projektmanager/-in, Industriemeister/-in

und Angestellte von Ver- und Entsorgungsunternehmen.

Mediziner/-innen und medizinisches

Fachpersonal profitieren besonders

Günstigere Beiträge gelten insbesondere

für Berufe der Human- und Zahnmedizin

sowie viele Berufe im Gesundheitswesen,

darunter Chef- und Oberärztinnen und

-ärzte, Fachärztinnen und -ärzte, Assistenzärztinnen

und -ärzte, (Zahn-)Medizinische

Fachangestellte und Krankenschwestern

sowie Krankenpfleger. Damit spricht Swiss

Life eine große Anzahl an Berufen an, die

sich über das Versorgungswerk KlinikRente

absichern können.

Erweiterte Nachversicherungsgarantie

für die Ärzteschaft bis auf 60.000 Euro

BU-Jahresrente

Eine Besonderheit speziell für Human- und

Zahnmediziner/-innen ist die erweiterte

Nachversicherungsgarantie. Durch sie kann

Studierende deutlich bessergestellt

Insbesondere Studierende profitieren

von den aktuellen Beitragsanpassungen,

da hinsichtlich der Prämienhöhe und der

maximal versicherbaren BU-Rentenhöhe

nicht mehr zwischen Master- und Bachelor-

Studierenden unterschieden wird. Bei vielen

Bachelor-Studierenden führt dies zu einer

Beitragsreduktion von knapp 30 Prozent.

Qualitativ noch attraktiver

und leistungsstärker

Außerdem hat Swiss Life zahlreiche qualitative

Optimierungen vorgenommen: Dazu

zählen Erweiterungen bei der Nachversicherungsgarantie

(NVG), eine verbesserte

Verlängerungsgarantie und der nachträgliche

Einschluss der care-Option und AU-

Rente ohne erneute Gesundheitsprüfung im

Rahmen der NVG. Zukünftig können zudem

die Wiedereingliederungs- und die Umschulungshilfe

mehrfach in Anspruch genommen

werden.

Weitere Infos zur Swiss Life BU unter

www.swisslife.de

Tel. +49 89 38109-2222

Mail: Direktservice@swisslife.de

Swiss Life Deutschland,

Zeppelinstraße 1, 85748 Garching b. München

39


BUSCHFUNK Versicherungen

VERSICHERUNGEN

VERSICHERUNGSSCHUTZ WIRD TEURER

Rückversicherer erwarten bald steigende Prämien.

Versicherungsschutz dürfte künftig teurer werden. Wegen der hohen Inflationsraten gehen

große Rückversicherer von steigenden Preisen in der Schaden- und Unfallversicherung

aus. Werden die Verträge mit den Erstversicherern erhöht, seien risikoadjustierte Ratenerhöhungen

unvermeidbar, teilte die Hannover Rück gegenüber dpa mit. Auch die Munich Re

kündigte wegen der Inflation ein wachsendes Prämienvolumen an. In der Wohngebäudeversicherung

werden Aufschläge von bis zu 15 Prozent erwartet. Ein Grund dafür seien die stark

gestiegenen Baukosten und Immobilienwerte. Laut Michael Pickel, Vorstandsmitglied der

Hannover Rück, müssten die Prämien in der Kfz-Versicherung 2023 um 10 Prozent steigen –

nur um die Kosten für die Inflation zu decken. Mehr zu den Inflationsfolgen im Titel ab Seite 18.

VERBESSERTE FINANZKRAFT

Deutsche Lebensversicherer stehen besser da.

Die Solvenzsituation der deutschen Lebensversicherer hat sich im

Vorjahresvergleich deutlich entspannt. Das zeigt eine Untersuchung,

die der Bund der Versicherten (BdV) zusammen mit dem Analysten

Carsten Zielke vorgenommen hat. Nur noch 13 statt 23 Unternehmen

wurden angezählt. Darunter versteht der BdV Unternehmen mit negativer

Gewinnerwartung oder solche, die ausreichende Solvenz nur

unter Zuhilfenahme von Übergangsmaßnahmen erreichen. Zudem

hat sich fast jeder Lebensversicherer solvenztechnisch verbessert.

PSYCHOTHERAPIEN ALS HINDERNIS

procontra-Test belegt erschwerten PKV-Zugang.

Wer in der Vergangenheit eine Psychotherapie in Anspruch genommen hat, hat kaum mehr

Chancen, in die PKV zu wechseln: Von vielen privaten Krankenversicherern wird die Behandlung

als hohes Risiko eingestuft. Das ist das Ergebnis einer Recherche, die procontra

zusammen mit der PKV-Spezialistin Anja Glorius durchgeführt hat. Dafür wurden Voranfragen

für Musterkunden mit unterschiedlichen therapeutischen Behandlungen an die Versicherer

geschickt. „Die Reaktionen der Versicherer sind bei dem Thema nicht mehr zeitgemäß“,

zieht Maklerin Glorius ein Fazit. Die Reaktionen führten dazu, dass „Menschen nichts für ihre

Psyche tun“. Vermittler sollten Ablehnungen daher hinterfragen und auf eine individuellere

Prüfung pochen. Lesen Sie mehr über den procontra-Test auf Seite 44.

40

procontra 05 | 22


Versicherungen BUSCHFUNK

Gothaer: Vorsorge für Kinder

Die Gothaer hat ihr Produktportfolio im Bereich der Kindervorsorge

erweitert. Der Fähigkeitenschutz Kids bietet nicht

nur Versicherungsschutz gegen den Verlust, sondern

auch das Nichtlernen von Fähigkeiten ab dem sechsten

Lebensmonat. Parallel zur Entwicklung des Kindes wächst

auch der Versicherungsschutz mit.

Foto: Rawpixel

Kann Vertrieb

auch Krise?

JUSTUS LÜCKE

Geschäftsführer der Versicherungsforen

Leipzig und Aktuar DAV

SDK: Wechsel an der Spitze

Im Vorstand der Süddeutschen Krankenversicherung a. G.

(SDK) steht ein Wechsel an. Vorbehaltlich der Zustimmung

der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, wird

Dr. Ulrich Mitzlaff, Sprecher des Vorstands, zum 1. Januar

2023 Teil der Vorstandsriege. Er folgt Dr. Ralf Kantak nach.

Finlex: Zwei neue Versicherungsprodukte

Finlex startet ein digitales Versicherungsangebot für

verkammerte Berufe: Mit der „D&O für Kanzleimanager“

werden Rechtsanwälte, Steuerberater und Patentanwälte

von der persönlichen Haftung als Leitungsorgane

entlastet. Die „Vermögensschaden-Haftpflicht Objektversicherung

für Insolvenz- & Sanierungsverfahren“ sichert

das persönliche Risiko der in Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Tätigen ab.

Nürnberger: Vervollständigung Führungsriege

Katja Briones-Schulz verantwortet künftig die Geschäfte

der Nürnberger-Personenversicherer. Sie folgt auf Harald

Rosenberger, der nach der ordentlichen Hauptversammlung

2023 neuer Vorstandsvorsitzender der Nürnberger

wird. Briones-Schulz kommt von der Swiss Re, wo sie

unter anderem für den deutschen Markt zuständig war.

AV & Roland: Erweiterung Fahrradschutz

Die Ammerländer Versicherung (AV) und Roland Schutzbrief

haben ihren Versicherungsschutz für Fahrräder

erweitert. So hat die AV den Roland Schutzbrief in die Produkte

„Exclusiv“ und „Excellent“ integriert und bietet neue

Leistungen. Dazu zählen zum Beispiel psychologische

Ersthilfe nach einem Verkehrsunfall oder eine telefonische

rechtliche Erstberatung.

Ergo: Versicherungen über Amazon

Ergo bietet ein umfassendes Angebot an Geräte- und

Warenschutzversicherungen für Elektro- und Haushaltsgeräte

sowie andere Geräte des täglichen Gebrauchs auf

den Amazon-Marktplätzen Italien und Spanien an. Die

Policen werden als sogenannte Annex-Versicherungen

angeboten, also als Versicherungen ergänzend zum Kauf

eines Sachwerts oder einer Dienstleistung.

Foto: Media Raw Stock

Foto: Tomm L.

Foto: Brizmaker

Nach der Krise ist vor der Krise. Oder doch mittendrin?

Schon in der Vergangenheit haben insbesondere

die Krisen von weltweitem Ausmaß unser Leben

und unsere Gesellschaft geprägt, zum Beispiel

„9/11“ oder die „Subprime-Krise“ 2008. Doch gefühlt

waren wir noch nie so lange im „Krisenmodus“

wie jetzt. Seit Anfang 2020 gleiten wir quasi von

einer Krise in die nächste: Corona, Ukraine-Krieg,

Klimakatastrophen, Inflation etc. Das Positive

daran: Bisher haben wir es immer wieder geschafft,

gestärkt aus solchen Krisen hervorzugehen. Nicht

nur wir als Gesellschaft, sondern auch die Versicherungswirtschaft

und insbesondere der Vertrieb.

Die Versicherungsbranche ist eigentlich prädestiniert

für Krisen, denn sie bietet Sicherheit und

Beständigkeit. Und so kann man sagen, dass die

Branche beispielsweise die ersten Corona-Monate

verhältnismäßig unbeschadet überstanden hat. Wer

die neuen Gegebenheiten und technischen Möglichkeiten

für sich genutzt hat, konnte sogar einen

großen (Umsatz-)Sprung nach vorne machen. Doch

wie lange geht diese Entwicklung weiter? Hier sehe

ich doch langsam ein paar Wolken am Horizont. Die

Zeiten explodierender Inflation gehen an Versicherungen

nicht spurlos vorbei und werden unweigerlich

zu Preisanpassungen führen. Steigende Zinsen

bringen zwar Entlastung für die Bilanzen, setzen

aber die Börsen unter Druck und lassen das „Tafelsilber“

stille Reserven schwinden. Und wenn man

insbesondere das untere Einkommensdrittel der

Bevölkerung fragt, ob sie lieber für ihr Alter vorsorgen

oder ihre Wohnung heizen, dann ist die Antwort

vermutlich klar. Doch nicht nur die Umsatzentwicklung

gerät unter Druck – der Fachkräftemangel wird

auch die (Personal-)Kosten in ungeahnte Höhen

treiben. In dieser Gemengelage wird sich vermutlich

in den nächsten Monaten und Jahren die Spreu vom

Weizen trennen und sich zeigen, wer tatsächlich

Krise kann.

procontra 05 | 22

41


VERSICHERUNGEN Maklerbetreuung

»Maklerbetreuer als

Coach der Vermittler«

Die freien Vermittler sprechen der Alte Leipziger die beste Maklerbetreuung zu. Woran das

liegt, erklärt Frank Kettnaker, Vorstand für Vertrieb und Marketing bei der ALH Gruppe.

– TEXT: FLORIAN BURGHARDT –

procontra: Herzlichen Glückwunsch zum

ersten Platz in unserer Königskategorie.

Warum, glauben Sie, haben die Makler Sie

zum Versicherer mit der besten Maklerbetreuung

gekürt?

Frank Kettnaker: Vielen Dank, das freut

uns sehr und ist Anerkennung für den

unermüdlichen Einsatz unserer Kollegen

im Innen- und Außendienst. Die Mischung

aus hoher Fachlichkeit und gezielter vertrieblicher

Unterstützung unseres angestellten

Außendienstes und unserer Backoffice-

Mitarbeiter ist hier sicherlich die Basis für

unsere gutes Abschneiden. Der persönliche

Kontakt ist unser Erfolgsfaktor in der

Maklerbetreuung.

procontra: Was sind derzeit die größten

Herausforderungen für Makler?

Kettnaker: Durch die derzeitigen Rahmenbedingungen

spüren die Makler beim Kunden

eine verstärkte Kaufzurückhaltung.

Gerade in diesen Zeiten ist die Optimierung

des individuellen Versicherungsschutzes

jedoch wichtiger als je zuvor.

procontra: Wie können Makler vorgehen,

um die notwendige Vorsorge bei ihren

Kunden auch in diesen Tagen zu platzieren?

Kettnaker: Makler können die aktuelle

Risikosituation der Kunden überprüfen

und sie auf diese ansprechen. Es geht um

eine bedarfsgerechte Beratung. Mit einer

solchen können Kunden auch in einem

zurückhaltenden Konsumklima überzeugt

werden. Demografie und Kapitalmarktumfeld

haben heute einen großen Einfluss

auf optimale Versorgungslösungen. Die

Kunden brauchen jemanden, der mit ihnen

über diese Herausforderungen und Möglichkeiten

spricht.

FRANK KETTNAKER ist Vorstand für Vertrieb und

Marketing bei der Alte Leipziger – Hallesche

Versicherungsgruppe.

42 procontra 05 | 22


Maklerbetreuung VERSICHERUNGEN

procontra: Was tut die Alte Leipziger, um

die unabhängigen Vermittler dabei zu

unterstützen?

Kettnaker: Es klingt banal: Besonders

wichtig ist es, für unsere Makler erreichbar

zu sein. Eine schnelle, lösungsorientierte

und vor allem kompetente Unterstützung

ist für uns die Grundlage unserer täglichen

Arbeit. Der Maklerbetreuer wird immer

mehr zum Coach der Vertriebspartner.

Tools zur Onlineberatung, Unterstützung

bei der Erstellung kurzer Vertriebsvideos

über einen Videogenerator und Zugang

zur Onlineabwicklung der Arbeitnehmerberatung

sind Beispiele aus unserer Praxis.

procontra: Wie hat sich die Maklerbetreuung

in der Vergangenheit verändert?

Kettnaker: In der Vergangenheit stand

der Vermittlerbesuch im Vordergrund der

Tätigkeit. Heute ist der Maklerbetreuer

Rat- und Impulsgeber. Jeder Vermittlertyp

hat einen individuellen Servicebedarf.

Darauf ist unsere zukünftige Betreuung

ausgerichtet.

procontra: Können Sie die neue Tätigkeit

als Rat- und Impulsgeber an einem konkreten

Beispiel beschreiben?

Kettnaker: Ein konkretes Beispiel ist die

personalisierte Videokommunikation. Sich

über Videos und Clips zu informieren, ist

heute für die Nutzer Standard. Aber es

ist nicht für jeden Vermittler Standard,

Videos zu erstellen. Dabei helfen wir. Der

Videogenerator der ALH Gruppe ist ein

Tool für die Onlineberatung. Bestehende

Produkt- und Erklärfilme können mit

Kontaktdaten, Foto und Logo individualisiert

werden. Oder Vermittler nehmen

über einen Handyvideo-Generator eigene

Grußbotschaften auf, die in einen professionellen

Rahmen gesetzt werden. Wir

zeigen den Vermittlern, wie das geht, und

sind bei Fragen für sie da. Das ist eine

tolle kostenlose Möglichkeit, mit der wir

Vertriebsimpulse setzen.

procontra: Und wie wird sich die Maklerbetreuung

in den nächsten Jahren verändern?

Kettnaker: Das Regionalprinzip, also die

Aufteilung nach Gebieten und Postleitzahl,

ist aus unserer Sicht überholt. Einer auf

Vermittlertypen und deren Bedürfnisse

ausgerichteten Betreuung gehört die Zukunft.

Industriemakler, Vertriebe oder Digitalmakler

haben einen unterschiedlichen

Betreuungsbedarf. Darauf müssen auch die

Anforderungsprofile der Maklerbetreuer

procontra: Welche Technologie machen Sie

sich da zunutze?

Kettnaker: Zu Beginn von Corona haben

wir fast 1.000 Geschäftspartnern das

Onlineberatungstool Flexperto zur Verfügung

gestellt. Auch heute bieten wir den

Zugang noch mit einer Vergünstigung für

unsere Vermittler an. Möglich ist damit ein

vollständig digitaler Prozess ohne Medienbruch.

Von der Terminvereinbarung bis

zur Unterschrift kann alles komplett online

abgewickelt werden. Wir stellen noch

weitere zusätzliche Kommunikationstools

wie MS Teams zur Verfügung.

procontra: Viele Versicherer fahren ihre

Maklerbetreuung eher zurück – wie plant

hier die Alte Leipziger?

Kettnaker: Wir stehen klar zu unserem

wichtigsten Vertriebsweg, das ist keine

Frage. Wir werden uns noch stärker auf

unsere wichtigen Vermittler fokussieren.

Die strategische Ausrichtung unseres

Partnervertriebs und die Verknüpfung mit

direkten Vertriebszugängen zu Endkunden

sehe ich als das Zukunftsthema der ALH

Gruppe als Maklerversicherer.

procontra: „Auf wichtige Vermittler foder

Zukunft ausgerichtet werden.

procontra: Was sind die Herausforderungen

für einen Versicherer in Bezug auf

die Maklerbetreuung?

Kettnaker: Am Ende geht es um die besten

Produkte, die besten Prozesse und die

besten Serviceleistungen. Dabei spielt

Technologie eine immer größere Rolle, um

Serviceanforderungen von Maklern in der

Betreuung gerecht zu werden.

15,5

Alte

Leipziger

Alle Angaben in %

TOP 5 VERSICHERER

14,4

Allianz

13,0

Volkswohl

Bund

12,4

VHV

11,2

Die

Bayerische

kussieren“ – das heißt, die umsatzstarken

Vermittler können mit einer intensiveren

Betreuung rechnen?

Kettnaker: Wir haben acht Vermittlertypen

definiert, von denen wir uns in den nächsten

Jahren den stärksten Wachstumsschub

erwarten. Bei umsatzstarken Vermittlern

ist der Anspruch auf besten Service besonders

ausgeprägt. Dem wollen wir mit

verschiedenen Leistungen gerecht werden.

procontra: Und „direkte Vertriebszugänge

zu Endkunden“ – wie ist das gemeint?

Kettnaker: Um die Wünsche der Makler zu

verstehen, ist für uns auch das Verhalten

der Endkunden wichtig. Der Zugang zum

Kunden ist ein immer wichtigeres Thema.

Hier können wir über die Gewinnung von

Leads unterstützen.

procontra: Stichwort Digitalisierung – was

kann in der Maklerbetreuung digitalisiert

werden und wo braucht es weiterhin den

Betreuer vor Ort?

Kettnaker: Die Anforderungen der verschiedenen

Maklertypen sind ganz unterschiedlich

und unser Außendienst arbeitet

bereits hybrid. Der persönliche Kontakt

ist jedoch aus unserer Sicht nach wie vor

in den meisten Beziehungen zu Maklern

entscheidend und wird in den seltensten

Fällen ganz verschwinden.

procontra: Und wie gehen Sie bei der

Alte Leipziger mit dem Spagat zwischen

physischen Maklerbetreuern und digitaler

Betreuung um?

Kettnaker: Hybride Arbeit ist ein entscheidender

Faktor im „New Work“ für uns.

Daher müssen wir unsere Betreuer im

Außen- und Innendienst dazu befähigen,

diesen Spagat zu leisten. Um dies zu gewährleisten,

haben wir bereits in Technologien

und Ausstattung investiert und tun

dies auch weiter. Zudem richten wir unser

Weiterbildungsangebot konsequent an

den neuen Anforderungen aus. Mit dem

ALH Campus haben wir eine Plattform für

Weiterbildung und IDD-Themen eingerichtet.

Dort bieten wir für alle Sparten

digitale Webinare, aber auch Präsenz-

Veranstaltungen. Wie so oft kommt es auf

eine gute Mischung aus digitalem Kontakt

und persönlicher Begegnung an. Empathie

ist nicht digitalisierbar. Aber wie man sich

beim Kunden bestmöglich digital platzieren

kann, das kann man lernen. Gemeinsam

mit unseren Partnern entwickeln wir

uns weiter und finden einen digitalen und

persönlichen Weg.

procontra 05 | 22

43


VERSICHERUNGEN Private Krankenversicherung

»PSYCHOS« OHNE JEDE CHANCE

Psychotherapie und PKV-Wechsel? Das schließt sich fast automatisch aus.

Selbst bei Paartherapien und Coaching wiegeln viele Versicherer kategorisch ab.

procontra hat den Test gemacht und konnte einige Anbieter sogar zum Umdenken bewegen.

– TEXT: HANNAH PETERSOHN –

17,8 Millionen Deutsche sind jährlich

von einer psychischen Erkrankung betroffen.

Doch Therapieplätze sind knapp, die

Nachfrage ist massiv gestiegen. Viele Betroffene

warten mitunter monatelang auf

eine Behandlung. Wer dann endlich einen

Platz beim Therapeuten ergattert hat, hofft

auf Hilfe und Heilung. Doch er bekommt

auch einen „Stempel“ aufgedrückt, der

bei der zukünftigen Krankenversicherung

Probleme bereitet. Eine zurückliegende Be-

handlung durch einen Psychotherapeuten

stufen private Krankenversicherer oft als

hohes Risiko ein, viele lehnen Neukunden

mit Therapieerfahrung automatisch ab.

Zusammen mit der PKV-Spezialistin Anja

Glorius hat procontra Voranfragen für

Musterkunden mit unterschiedlichen therapeutischen

Behandlungen an die Versicherer

geschickt. Die Reaktionen überraschten

und erlauben die Frage, ob die Gesellschaften

noch zeitgemäß entscheiden.

PSYCHOTHERAPIE ALS KILLERKRITERIUM?

Anna (37), IT-Administratorin, 30 Sitzungen

Verhaltenstherapie vor 5 Jahren,

seitdem behandlungs- und beschwerdefrei,

erst- und einmalig aufgetreten, keine Psychopharmaka-Einnahme

Anna hat bei PKV-Anbietern die schlechtesten

Karten. Sie bekam bei insgesamt 22

Anfragen 16 Ablehnungen. Der Rest forderte

immerhin weitere Informationen wie

ein ärztliches Attest und eine Prognose des

44 Illustration: Roman Kulon


Private Krankenversicherung VERSICHERUNGEN

Therapeuten. „Letztlich würden sie aber

auf jeden Fall ablehnen“, ist Glorius überzeugt.

Auch die DKV lehnte die Voranfrage

ab, obwohl der Versicherer nur fünf Jahre

rückwirkend fragt. Aber weil die Therapie

angegeben wurde, fließt sie in die Risikoberechnung

ein – mit entsprechenden Folgen.

Bei der LKH wurde die Behandlung

beispielsweise nicht genannt. Wäre sie genannt

worden, stünden die Chancen wieder

schlecht, glaubt die Maklerin.

Acht Anbieter fragen rückwirkend fünf

Jahre, ob eine psychotherapeutische Behandlung

in Anspruch genommen wurde,

bei 13 Unternehmen lag der Abfragezeitraum

bei zehn Jahren. Insgesamt beobachtet

Glorius eine Verschlechterung der Situation

und nennt die Axa als Beispiel, die

in einem neuen Tarif nun acht statt vorher

fünf Jahre abfragt. Die Arag begründet

den langen Abfragezeitraum damit, dass

so auch periodisch verlaufende Erkrankungen

wie bipolare Störungen erkannt

werden sollen. Ähnlich argumentiert die

Württembergische: „Bei psychischen Erkrankungen

besteht oft noch einige Jahre

nach Abschluss der Behandlung das Risiko

eines Rezidivs, also Rückfalls.“ Also

einmal krank, immer krank? Und tatsächlich

erklärt auch die Versicherungskammer

Bayern, die Muttergesellschaft der Bayerischen

Beamtenkrankenkasse (BBKK):

„Das Rezidivrisiko nach dem Auftreten einer

psychischen Erkrankung ist leider hoch,

die uns vorliegenden Zahlen sind valide und

lassen keinen Interpretationsspielraum zu.“

Glorius hält diese Einstellung für eine Farce:

„Die glauben immer noch: Wenn jemand

zu einer Therapie geht, dann ist er

für immer angeknackst.“

Maria (37), leitende Bankangestellte, 3 Sitzungen

Psychotherapie vor 2 Jahren wegen

Scheidung vom Ehepartner, seitdem behandlungs-

und beschwerdefrei, erst- und

einmalig aufgetreten

Auch Maria wurde von 13 PKV-Anbietern

abgelehnt. Die Signal Iduna ruderte teilweise

zurück und räumt auf procontra-Rückfrage

selbstkritisch ein: „Die Anfrage hätte

im Rahmen einer individuellen Prüfung

aufgrund von aussagekräftigen Berichten

nicht zwingend abgelehnt werden müssen.“

Man wolle den Fehler prüfen. Das

Ergebnis der Voranfrage zeige, an welchen

Stellen man nachjustieren müsse. Andere

Versicherer fordern eine Selbstauskunft,

eine Art psychologischen Fragebogen, den

Glorius meist gemeinsam mit ihren Kunden

ausfüllt. Allerdings weiterhin anonymisiert.

Erst wenn der Versicherer auch nach der

Selbstauskunft sein „Okay“ gibt, stellt die

Maklerin den offiziellen Antrag. Glorius

ist skeptisch. Sie befürchtet, Versicherer

könnten Voranfragen trotz des Datenschutzes

speichern und sich dann untereinander

austauschen. Das würde die Versicherbarkeit

weiter erschweren. Doch unabhängig

davon: Was ist letztlich ausschlaggebend

»Die Reaktionen der

Versicherer sind nicht

mehr zeitgemäß.«

ANJA GLORIUS, MAKLERIN (KVOPTIMAL.DE)

dafür, ob ein PKV-Interessent trotz Therapie

angenommen wird? „Die Wahl des

Therapieverfahrens ist nicht entscheidend

für eine Risikobeurteilung“, erklärt Arag-

Pressesprecher Christian Danner. Auch der

Arag gehe es um das Wiedererkrankungsrisiko.

Die BBKK hingegen unterscheidet

zwischen einer akuten Belastungsreaktion

und einer schweren depressiven Episode,

ähnlich wie die HanseMerkur: „Endogene

Formen, wie bei einer Depression, sind in

der Regel nicht versicherbar, während eine

Versicherbarkeit bei exogenen Formen,

z. B. Trennung vom Ehepartner, nicht ausgeschlossen

ist.“ Ein Vorgehen, das PKV-

Maklerin Glorius begrüßt: „Es ist doch

etwas anderes, ob jemand punktuell eine

schwere Zeit hat oder dauerhaft labil ist.“

Nina (41), Management-Assistentin,

Paartherapie mit Ehepartner zur Stabilisierung

der langjährigen Partnerschaft, 15

Sitzungen vor 3 Jahren

Auch eine Paartherapie wird in der Regel

von einer ausgebildeten Fachkraft vorgenommen.

Wollen Versicherer wissen, ob es

jemals eine Behandlung bei einem Psychotherapeuten

gegeben hat, müssten Antragsteller

die Frage dann bejahen – das reduziert

die Chancen auf eine PKV. „Wenn sich

dann herausstellen sollte, dass die Paartherapie

in Anspruch genommen wurde, weil

die Antragstellerin Angst vor einem Betrug

durch ihren Partner hatte, ist das wieder

ein echtes Problem“, sagt Glorius. Bei Nina

trifft das zwar nicht zu, dennoch wurde sie

von 15 Versicherern abgelehnt. Zwei Versicherer

sind nach procontra-Rückfrage

jedoch wieder zurückgerudert: Die Arag

wolle den Fall noch einmal intern prüfen.

Die Axa erklärt die Ablehnung mit „einem

individuellen Fehler“. Die Reaktion entspreche

demnach nicht der üblichen Annahmepolitik.

Die hohe Ablehnungsquote verwundert

auch Glorius. Wovor hat die Branche Angst?

Viele befürchten offenbar, dass sich hinter

der Paartherapie noch eine psychische Erkrankung

verbergen könnte. „Eine Paartherapie

lässt zunächst einmal offen, ob und

bei welchem Partner eine krankhafte Störung

existiert“, so die Barmenia. Bei der Inter

habe man die Erfahrung gemacht, dass

im Rahmen der Paartherapie oft noch eine

psychische Erkrankung festgestellt wird.

Bei der BBKK geht man sogar einen Schritt

weiter: „Insbesondere bei psychischen Erkrankungen

können relevante Vorerkrankungen

hinter ‚sozialverträglichen Ausweichdiagnosen‘

maskiert werden.“ Dass

jemand eine Paartherapie wegen einer psychischen

Erkrankung macht, habe Glorius

in ihren 20 Jahren Berufserfahrung jedoch

noch nie gehört.

Stefan (30), angestellter pharmazeutischer

Leiter, drei Sitzungen berufliches Coaching

vor drei Jahren beim Psychotherapeuten,

ausschließlich zur beruflichen Orientierung,

ohne Beschwerden

Wer bisher dachte, dass ein berufliches

Coaching unverfänglich für den Eintritt

in die PKV sein müsste, irrt. Aufgrund der

hohen Coachingkosten lassen sich Betroffene

oft eine Diagnose vom Arzt ausstellen,

damit die Kosten von der Krankenkasse

Foto: Sebastian Berger

45


VERSICHERUNGEN Private Krankenversicherung

übernommen werden. „Das wird dann

zum Problem“, so Glorius. Die Anbieter

wollen Details wissen, etwa: Bei wem fand

das Coaching statt? War es eine psychotherapeutisch

ausgebildete Fachkraft, verhält

es sich ähnlich wie bei Ninas Paartherapie.

Dennoch hat Stefan bessere Chancen. Er

wurde nur von sechs Anbietern direkt abgelehnt.

Die Hallesche erklärt auf Nachfrage

jedoch, die Risikoprüfung in Zukunft möglicherweise

anpassen zu wollen. Und die

anfragen prüfen würden. Bei den meisten

Anbietern sieben Computerprogramme die

Anfragen durch und generieren Annahme

oder Ablehnung. Das führt dann oft zu

pauschalen Entscheidungen, die die individuelle

Situation nicht einbeziehen.

Das Fazit des procontra-Tests: Bei wem

die Psychotherapie nicht lang genug zurückliegt,

der hat kaum eine Chance. „Die

Reaktionen der Versicherer sind nicht mehr

zeitgemäß“, beklagt Glorius. Sie bemän-

Axa korrigiert sich abermals, eine Annahme

wäre entgegen der ersten Einschätzung

„grundsätzlich ohne Ausschlüsse und Risikozuschläge

möglich“. Die Allianz stimmt

einer Annahme zwar zu, allerdings nur

mit einem Risikozuschlag. Barmenia und

R+V würden Stefan „ohne Erschwernis“

versichern. „Ein berufliches Coaching hat

keinen Krankheitswert“, so die Barmenia.

Glorius hebt den Versicherer positiv hervor,

weil dort noch Fachkräfte die Risikovor-

Abfragezeitraum

Anna (37), IT-Administratorin, 30 Sitzungen Verhaltenstherapie

vor 5 Jahren wegen depressiver Episode,

seitdem behandlungs- und beschwerdefrei, erst- und

einmalig aufgetreten, keine Medikamentation

Maria (37), leitende Bankangestellte,

3 Sitzungen Psychotherapie vor 2 Jahren wegen

Scheidung vom Ehepartner, seitdem behandlungs- und

beschwerdefrei, erst- und einmalig aufgetreten

Nina (41), Management-Assistentin, 15 Sitzungen

Paartherapie mit Ehepartner zur Stabilisierung der

langjährigen Partnerschaft vor 3 Jahren

Allianz 5 Jahre (mit Risikozuschlag 18 %)

Alte Oldenburger 10 Jahre Paartherapiebericht erforderlich

Arag 10 Jahre

Axa

5 (Active-

ME: 8

Jahre)


Abschlussbericht des Psychotherapeuten

und beiliegende Zusatzerklärung erforderlich


(wollen Fall intern erneut prüfen)

(Reaktion: RVA war ein Fehler, entspreche nicht üblicher

Annahmepolitik; Annahme sei möglich)

Barmenia 10 Jahre Selbstauskunft wegen Vorerkrankung(-en) erforderlich

Bayerische Beamtenkrankenkasse

10 Jahre

Ärztliches Zeugnis über Zustand

nach Verhaltenstherapie erforderlich

Selbstauskunft erforderlich

Attest zur Paartherapie mit Begründung und ob psychosomatische

Erkrankungen vorliegen; Behandlung von

Psychotherapeuten oder Mediator o. Ä. durchgeführt?

Concordia 10 Jahre keine Rückmeldung

Continentale 5 Jahre

DKV 5 Jahre Abschlussbefund und ICD-Code erforderlich

Gothaer 5 Jahre

Hallesche 10 Jahre Ärztliches Zeugnis erforderlich

HanseMerkur 5 Jahre Abschlussbericht erforderlich Paartherapiebericht erforderlich

Inter 10 Jahre

PROCONTRA-TEST: ERGEBNISSE DER VORANFRAGEN

Selbstauskunft „Psychische Erkrankungen“ (Diagnose?)

mit der Angabe der genauen ICD-Diagnose erforderlich;

Behandlung wegen Angststörung oder Trauer?

Selbstauskunft und Abschlussbericht erforderlich

LKH 5 Jahre

Münchener Verein 5 Jahre Abschlussbericht erforderlich

Nürnberger 5 Jahre Ärztliches Attest vom Therapeuten erforderlich Selbstauskunft erforderlich Selbstauskunft erforderlich

ottonova 10 Jahre

R+V 10 Jahre

Ärztliches Attest oder Abschlussbericht mit Angabe der

Diagnose, Beschwerden, Behandlung und Behandlungsdauer,

Folgen und Verlauf bis heute erforderlich

Paartherapiebericht erforderlich

SDK 10 Jahre

Signal Iduna 10 Jahre

(Reaktion: „Hätte nicht zwingend

abgelehnt werden müssen“)

(Reaktion: „Hätte nicht zwingend

abgelehnt werden müssen“)

uniVersa 10 Jahre Ärztliches Attest vom Therapeuten erforderlich

Württembergische 10 Jahre

46 procontra 05 | 22


Private Krankenversicherung VERSICHERUNGEN

gelt, dass der Präventionsgedanke keine

Rolle spiele: „Viele wollen doch einfach nur

gesund bleiben. Die Reaktionen der Versicherer

führen dazu, dass Menschen nichts

für ihre Psyche tun.“

Der Test zeigt Vermittlern aber auch,

dass es sich lohnen kann, eine Ablehnung

noch einmal zu hinterfragen und auf eine

individuellere Prüfung zu pochen. Der eine

oder andere Versicherer überdenkt seine

Entscheidung dann vielleicht noch mal.

Turteltauben.

Abschluss.

Piepen.

EINFACH AUF DEN PUNKT.

Wie unsere Paar-Aktion in der Risikolebensversicherung

mit 2 × 25 € Beitragsguthaben * .

Stefan (30), angestellter pharmazeutischer Leiter,

3 Sitzungen berufliches Coaching beim Psychotherapeuten

vor 3 Jahren, seither ohne Beschwerden

(mit Risikozuschlag 19 %)

Behandlungsbericht erforderlich

Abschlussbericht erforderlich

(Reaktion: RVA war ein Fehler, entspreche nicht üblicher

Annahmepolitik; Annahme sei möglich)

procontra 05 | 22


Abschlussbericht erforderlich

Abschlussbericht erforderlich


Abschlussbericht mit ICD-10-Diagnose erforderlich



Abschlussbericht erforderlich

Selbstauskunft „Psychische Erkrankungen“

(inkl. Diagnose) mit ICD-Diagnose erforderlich


Abschlussbericht erforderlich

Selbstauskunft erforderlich

Abschlussbericht erforderlich


Arztattest erforderlich (Diagnose, Behandlungszeitraum

und -status, Art der Behandlung, Prognose), sämtliche

Facharzt-, Krankenhaus- und OP-Berichte, Selbstauskunft

Befundbericht zur Therapie mit Diagnose, Ursache,

Art und Umfang der Therapie erforderlich

Abschlussbericht erforderlich


Quelle: procontra

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Die Anträge müssen gleichzeitig und zusammen mit dem

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vom 01.09.2022 bis zum 31.12.2022 bei der EUROPA eingereicht

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Vertrag erhält bereits ab der ersten Fälligkeit ein Beitragsguthaben

in Höhe von 25 € (15 € für das Kalenderjahr 2022, 10 € für das

Kalenderjahr 2023). Für die Teilnahme an der Aktion ist die Zahlung

per SEPA-Lastschriftverfahren erforderlich. Der Rechtsweg ist

ausgeschlossen, keine Barauszahlung, Teilnahme ab 18 Jahren,

Ansprüche sind nicht übertragbar.

47


VERSICHERUNGEN Waldversicherung

FORST MIT HEISSEM RISIKO

Brenzlige Situation für den deutschen Wald, wo längst nicht mehr alles im grünen Bereich ist.

Lösungsansatz für Versicherer und somit auch Makler:

mit Prävention und Risikoschutz auf Nachhaltigkeit abzielen

– TEXT: CARLA FRITZ –

Nationalpark Harz und Sächsische Schweiz.

Brandenburg, Bayern, Berlin. Der Wald

brennt, „auch in Regionen, wo das früher

nur sehr selten vorkam – wie beispielsweise

in Hessen oder hier im Bergischen Land“,

kommentiert Diplom-Forstwirt Andreas

Wiese von der Axa das Geschehen quer

durch die Bundesländer.

Das hat bekanntermaßen mit Trockenheit,

Hitze, Wind und dem vielen Totholz

im Wald zu tun, andererseits mit der größeren

Begängnis dort seit der Pandemie.

„Menschen, die früher in der ‚Muckibude‘

waren, erleben jetzt den Wald. Erfreulich“,

so Wiese. Die Kehrseite: Fahrlässigkeit,

wenn Autos mit noch brandheißen Katalysatoren

am Waldrand abgestellt werden,

in der grünen Lunge gegrillt oder geraucht

wird. „Nach wie vor sind die meisten

Waldbrände – circa 95 Prozent – menschengemacht“,

sagt Jan Droll, Produktmanager

Waldversicherung bei der Gothaer. Dazu

gehört auch der Funkenflug von Erntemaschinen

im Wald und auf dem Feld.

KLEINWALDEIGENTÜMER WOLLEN SCHUTZ

Rund 4.200 Hektar fackelten bis Mitte August

dieses Jahres ab, etwa 10 Prozent mehr

als im Hitzerekordjahr 2018 – so die Zahlen

des Europäischen Waldbrand-Informationssystems

(EFFIS) für die Bundesrepublik.

Da nehmen sich die verkohlten circa

150 Hektar aus 2021 fast wie Peanuts aus.

„In normalen Jahren summiert sich die

durch Brand verwüstete Waldfläche auf

rund 600 Hektar“, so Forstassessor Droll.

Dass – wie jüngst in Brandenburg – 600 bis

800 Hektar am Stück brennen, sei schon

außergewöhnlich – und auch dass die Feuer

mehrere Tage lang wüteten. „Im Schnitt

haben wir Flächenbrände von 0,5 bis 0,7

Hektar mit Ausreißern von circa 100 bis

200 Hektar.“ Ein Waldbrand sei normalerweise

innerhalb eines Tages gelöscht. „In

diesem Jahr sah die Welt etwas anders aus.“

Mit Folgen für den Absicherungsbedarf

und -wunsch. Die Gefahr so nah vor Au-

gen, decken sich zunehmend mehr Kleinwald

eigen tümer mit einer Waldbrandversicherung

ein. Davon berichten die Anbieter

unisono. „Wir versichern den Vermögenswert

des Waldes. Also nicht nur den aktu-

48 Illustration: Roman Kulon


Waldversicherung VERSICHERUNGEN

ellen Holzwert, der zum Beispiel bei einem

jungen Fichtenwald gleich null wäre, weil

das Holz noch nicht verwertbar ist“, erklärt

Wiese das auf die jeweilige Region

abgestimmte Konzept. Dabei wächst die

baumartenbezogene Versicherungssumme

pro Hektar mit dem Alter des Waldes mit

– von anfänglich beispielsweise 5.000 Euro

auf 20.000 Euro im Extremfall, wenn ein

Kiefern-Altbestand abbrennt, bei der Eiche

gegebenenfalls auf 35.000 Euro.

»Wir prüfen die

Honorierung von

Brandschutzkonzepten

und Frühwarnsystemen.«

JAN DROLL, GOTHAER

MULTI- STATT MONOKULTUR

„Darin schlägt sich letztlich nieder, womit

der Waldbesitzer sein Geld verdient.“ Fichte,

Eiche oder Edellaubholz werden von daher

anders bewertet als zum Beispiel Birke,

Erle oder sonstiges Weichholz.

Neben diesem monetären Wert dürfte

nach Wieses Überzeugung in Zukunft auch

der ökologische Wert eine Rolle spielen.

„An dieser Bewertung der Ökosystemleistung

des Waldes arbeiten derzeit die Wissenschaft,

die Forstbranche und auch wir

als Versicherer.“ Heißt: Wenn Waldbesitzer

ihre Bestände in Richtung Mischwald

umbauen, klimaresiliente und weniger

waldbrandgefährdete Baumarten wählen,

könnte das künftig auch die Waldbewertung

beeinflussen und sich letztlich auch in

höheren Versicherungssummen oder geringeren

Prämien widerspiegeln. Schon jetzt

sei der ökologisch sinnvollere Mischwald

wesentlich günstiger in der Versicherung.

Mischwald statt Nadelwald-Monokultur.

Dafür vergibt die GVO einen Nachhaltigkeitsrabatt

von 10 Prozent auf die

Prämie. „Er kommt ab zwei Hauptbaumarten

im Bestand zum Tragen. Zum Beispiel

Eiche und Buche oder Kiefer und Buche“,

erläutert Forstexperte Aljoscha Dreyer.

1.600

1.400

1.200

Durchschnitt seit 1993: 1.035

1.000

800

600

400

200

0

FEUERGEFAHR

Zahl der jährlichen Waldbrände in Deutschland

2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020

MEHR VORSORGE

Wie die Gothaer versichert auch die GVO

die Waldbestände nach einem Pauschalkonzept.

„Mit 4.000 Euro Entschädigung pro

Hektar – egal ob Jungkultur oder hiebsreifer

Bestand – sollte man als Kleinwaldbesitzer

gut hinkommen“, bezieht sich Dreyer

auf das hauseigene Angebot und den statistisch

durchschnittlichen Waldbrandschaden

der letzten 30 Jahre von 2.600 Euro je

Hektar Waldfläche. „Gerade hatten wir –

nach einem Waldbrandschaden – auch eine

Anfrage einer Forstbetriebsgemeinschaft

aus Brandenburg“, so Dreyer. „Teils haben

diese Zweckgemeinschaften lediglich eine

Haftpflichtversicherung.“ Eine Beobachtung,

die er mit Droll teilt.

Ein Umdenken setzt auch bei größeren

Forstbetrieben ab 100 Hektar ein, die Feuerschäden

bisher zumeist finanziell selbst

gestemmt haben. Hier registriert die Gothaer

seit circa zehn Jahren eine „Verschiebung

der Risikopräferenzen hin zu vorsorglicher

Versicherung der Waldbrandgefahr“.

Last Minute – wenn der Nachbarwald in

Reichweite schon brennt – sollte man sich

aber bekanntlich nicht darauf verlassen.

„In Einzelfällen gibt es aktuell eine Wartezeit

von vier Wochen. Außergewöhnlich für

uns, aber für die Risikoprüfung nötig“, so

Droll.

Für ihn durchaus vorstellbar, dass ein sehr

brandgefährdeter Wald künftig nur versichert

wird, sofern der Eigentümer nachweislich

eine Löschwasserentnahmestelle

vor Ort installiert. Solche Möglichkeiten

könnten, für extreme Risikogebiete, dann

auch standardmäßig Eingang in die Tarifwerke

finden – ebenso die Honorierung von

Brandschutzkonzepten und Frühwarnsystemen,

bei denen die Digitalisierung helfen

könne.

LOHNT DER ABSCHLUSS

EINER WALDBRANDVERSICHERUNG?

PRO

Klimawandel/

wachsende Waldbrandgefahr

Ertragsausfall in der

Holzernte abdecken

Wiederbewaldung

vorgeschrieben/kostet

1.708

1.523

CONTRA

Für Kleinwaldbesitzer

überschaubarer

Verlust

Geringes Risiko in

moorigen/feuchten

Gebieten

Eigenes Brandschutzkonzept/

Frühwarnsystem

1.360

Quelle: GDV

procontra 05 | 22

49


VERSICHERUNGEN Hinterbliebenenabsicherung

BANKROTT ZURÜCKGELASSEN?!

Geld weg, Rente weg. Dumm gelaufen für den, der den anderen überlebt. Trotz neuer Vielfalt

bei der Alters- und Hinterbliebenenvorsorge braucht es Makler, die das Ganze steuern.

– TEXT: CARLA FRITZ –

Eine halbe Million Euro fürs Alter investiert

und trotzdem auf ergänzende Grundsicherung

angewiesen? Gar nicht so weit hergeholt,

dieses Szenario – für ein Paar um die

60, das sich mit dem Geld aus einem Immobilienverkauf

eine private Rente sichern

wollte. Beide vorher selbstständig, beide

mit einer gesetzlichen Rente unterhalb der

Grundsicherung. „Deshalb brauchten sie

in jedem Fall eine Ergänzung – egal, wer

wen überlebt“, so Brigitte Mayer von der

Verbraucherzentrale Hessen. Der Wunsch

waren 1.500 Euro Rente auf verbundene

Leben, das tatsächliche Angebot vom Vermittler

1.350 Euro, „wieder einmal versteckt

in einer Prognoserente – und auch

nicht auf verbundene Leben“. Bei diesem

Modell hätte der Mann als Hinterbliebener

ergänzende Grundsicherung gebraucht,

wenn seine Frau während des Rentenbezugs

gestorben wäre. Denn der Vertrag war

auf sie kalkuliert. 400.000 Euro von der

halben Million wären in ihre private Rente

gegangen, 60.000 Euro in eine Hinterbliebenenabsicherung

respektive Rente für ihn.

GROB UND FEIN

Wie sind die Hinterbliebenen in Altersvorsorgeverträgen

abgesichert? Eine Frage,

die sich einmal mehr stellt, wenn jetzt

die Babyboomer – wie im konkreten Fall

oft als Paar und im statistischen Durchschnitt

auch mit höherer Lebenserwartung

– in den Ruhestand gehen. „Bei manchen

Modellen müsste man tatsächlich sagen:

am besten vor Rentenbeginn das Zeitliche

segnen‘“, überspitzt Mayer. Als „differenzierter

und flexibler, von daher aber auch

unübersichtlicher“ beschreibt Makler Bert

Heidekamp aus Berlin die Angebotssituation.

Ver gleichs programme helfen da nach

seiner Erfahrung nur bedingt weiter. „Regelungen

für die Absicherung der Hinterbliebenen

sind dort oft nur sehr grob gefasst.“

Andererseits: Deutlich längere Rentengarantiezeiten

von bis zu 30 Jahren etwa bei

HDI oder Auflösung des Guthabens noch

bis zum 80. Lebensjahr etwa bei der Ideal,

bevor es verrentet wird – in der neuen

Vielfalt stecken auch neue Möglichkeiten.

Wenn man sie sich denn erschließt.

IM WECHSELSPIEL

Heidekamp nutzt für seine Kundschaft in

bestimmten Konstellationen beispielsweise

die Unterschiede zwischen Anspar- und

Rentenphase: durch unterschiedlichen Rentenbeginn

von zwei oder mehreren Verträgen

– je nach Prämienhöhe. Selbst wenn bei

dem einen Vertrag, der deutlich früher einsetzt,

die Rentengarantiezeit für den Hinterbliebenen

schon überschritten ist, bleibt

dann immer noch der zweite Vertrag. Soweit

noch in der Ansparphase, wird für die

Hinterbliebenen dann typischerweise das

Guthaben fast 100-prozentig ausgekippt, in

der Rentenbezugsphase das Restguthaben,

oder es gibt die Auszahlung entsprechend

der Rentengarantiezeit. „Auch das kann

man je nach Bedarf steuern.“

Dazu sei aber im Vorfeld zu klären:

Kommt der Kunde zu Lebzeiten mit diesem

Splitting überhaupt klar? „Was will

er wirklich – eine klassische Rente oder

50 Illustration: Roman Kulon


Hinterbliebenenabsicherung VERSICHERUNGEN

»Bei manchen Modellen

müsste man tatsächlich

überspitzt sagen: am besten

vor Rentenbeginn das

Zeitliche segnen. «

BRIGITTE MAYER, VERBRAUCHERZENTRALE HESSEN

eventuell einen Teil in Fonds?“ Welches Risiko hat er

und welche Risikoneigung? Aufschlussreich insofern

auch, was Thomas Lüer, im Vorstand von HDI für den

Makler- und Kooperationsvertrieb verantwortlich, in

Bezug auf das hauseigene Angebot feststellt: „Bei rund

80 Prozent derjenigen, deren fondsgebundene Rentenversicherung

fällig zur Auszahlung ist, überwiegt

eindeutig der Wunsch nach einer Kapitalleistung, die

anderen entscheiden sich für die Rentenzahlung.“ Vor

Jahren sei dieses Verhältnis bei Altersvorsorgeprodukten

noch fast ausgeglichen gewesen.

Mayers Fazit: Man sollte durchaus auch über Alternativen

zur klassischen Rentenversicherung nachdenken,

über befristete Renten, Fonds- und Bankentnahmepläne.

Das erwähnte Paar hat sein Geld auf ihren

Rat hin – zunächst kurzfristig – in einen gestaffelten

Bankentnahmeplan angelegt – „wo der Anspruch der

Erben nicht verfallen kann und aus dem sich auch die

gewünschten 1.500 Euro finanzieren lassen“. Das letzte

Wort ist insofern noch nicht gesprochen.

So oder so: eine Grundsatzentscheidung, die erhebliche

Ansprüche an das Beratungsgespräch stellt.

STEREOTYP,

der:

[ʃteʁeoˈtyːp]

PRO

PRIVATRENTE MIT

HINTERBLIEBENENABSICHERUNG?

In Kombi mit lebenslanger

Rente hohe Sicherheit

für Bezieher zu Lebzeiten,

das hießt auch für Partner/

Kinder

Sicherheit für Erben

durch verlängerte Garantiezeiten

(Rentenphase)

Anpassungsfähige

Gestaltung durch flexibles

Eintrittsalter

CONTRA

Kosten für Hinterbliebenenabsicherung

schmälern

Rente

Anspruch der Erben

zeitlich/summenmäßig

begrenzt (Rentenphase)

Je nach Status des

Hinterbliebenen nicht

lebensnotwendig

Kann sich später das

Ferienhaus UND

die Traumanlage leisten.

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procontra 05 | 22

51


VERSICHERUNGEN E-Mobilität

AKKU-RISIKEN ENTLADEN

Akkus sind das Herz jeden elektrisch angetriebenen Fahrzeugs. Doch sie erhöhen auch

deutlich das Feuerrisiko. Vermittler können mit Schadenverhütung und Aktualisierung von

Verträgen die Kunden aufklären und besser schützen.

– TEXT: UWE SCHMIDT-KASPAREK –

„Durch die verbreitete Verwendung von

Lithium-Ionen-Batterien können Fahrzeuge

schneller und heißer in Flammen aufgehen“,

warnt Florian David-Spickermann

vom Rückversicherer Scor. Wenn Fahrzeuge

brennen, kann es bei Hochspannungsbatterien

zu einer Kettenreaktion kommen, die

als thermisches Durchgehen bekannt ist.

Dann entzündet eine Zelle die nächste und

die Temperaturen steigen. „Eine externe

Kühlung ist kaum wirksam, da die Zellen

zur Außenhülle hin zunehmend thermisch

isoliert und in stabile, weitgehend wasserdichte

Gehäuse eingebaut sind, welche

sicher in die Fahrzeugstruktur integriert

sind“, erläutert David-Spickermann.

SCHIFFBRUCH NACH E-FAHRZEUG-BRAND

Spektakuläre Brandfälle zeigen, dass die

Gefahr nicht nur theoretisch ist. So brannte

der Frachter „Felicity Ace“ mit knapp

4.000 Autos der VW-Gruppe und sank

später im Atlantik. Die Brandursache ist

unklar. Es sollen aber sehr viele E-Autos

an Bord gewesen sein. „Spektakulär waren

zudem Brände in den Busdepots der Stuttgarter

Straßenbahnen (SSB), der Rheinbahn

in Düsseldorf und der Hannoverschen

Verkehrsbetriebe Üstra“, erklärt Stephan

Schwegat, Leiter Gewerbe/Industrie bei der

SV SparkassenVersicherung. Insgesamt verursachten

die Brände hohe zweistellige Millionenschäden.

Die gefährlichen Akkus, die

bei kompakter Bauweise eine hohe Energiedichte

haben, befinden sich aber nicht

nur in Bussen und E-Autos, sondern auch

in E-Bikes, in Scootern und sogar in jedem

Smartphone.

SCHADENFREQUENZ NOCH UNAUFFÄLLIG

Trotzdem ist aktuell die Schadenfrequenz

noch nicht auffällig. Daher bekämpfen Ex-

perten energisch das Vorurteil, Elektroautos

würden öfter brennen als andere Fahrzeuge.

Dafür gibt es nach den Erfahrungen

der Autoversicherer sowie der Feuerwehr

keine Anhaltspunkte. E-Fahrzeuge brennen

nach Erkenntnis der Autoversicherer nicht

häufiger als Fahrzeuge mit herkömmlichem

Verbrennungsantrieb (siehe Tabelle). Da-

her ist nach Meinung der Unfallforscher

ein Verbot von Elektroautos in Tiefgaragen

nicht notwendig. Dies bestätigt auch der

Fachausschuss Vorbeugender Brand- und

Gefahrenschutz der deutschen Feuerwehren.

„Das Sperren einer Garage für alternativ

angetriebene Pkw ist aus brandschutztechnischer

Sicht nicht angezeigt, wenn die

52 Illustration: Roman Kulon


E-Mobilität VERSICHERUNGEN

Garage dem Baurecht entspricht“, erläutert

Peter Bachmeier, Leitender Branddirektor

und Vorsitzender des Fachausschusses.

„Solange der Gesetzgeber ein Parken in

Tiefgaragen nicht verbietet, werden wir

in solchen Fällen den Versicherungsschutz

nicht über unsere Bedingungen einschränken

oder ausschließen“, erläutert Janine

Bollhorst von der VHV.

SCHADENVERHÜTUNG WICHTIG

Spezielle Zuschläge für das „Akku-Risiko“

verlangen derzeit weder die Rück-, noch die

Erstversicherer. Es gibt auch keine besonderen

Pflichten. „Bis auf Weiteres planen

wir keine Änderungen der Bedingungen für

unsere Kunden mit E-Autos“, heißt es bei

der VHV. Und die Allianz rät lediglich, keine

ungeeigneten Ladegeräte zu verwenden.

„Das Laden an üblichen Schutzkontaktsteckdosen

ist zwar grundsätzlich möglich,

diese sind jedoch nicht für eine höhere Dauerbelastung

ausgelegt“, warnt der Gesamtverband

der Deutschen Versicherungswirtschaft

(GDV). Sicherer, störungsfreier und

schneller beim Laden seien fest installierte

Ladeeinrichtungen, sogenannte Wallboxen.

Der Rückversicherer Scor wünscht sich

schon heute, dass E-Fahrzeuge nicht „unbeaufsichtigt

in der Nacht“ geladen werden.

Denn schon kleine Beschädigungen, falsche

Ladegeräte oder Temperaturunterschiede

»Nach Unfällen oder

Stürzen sollte der

Akku sorgsam

kontrolliert und

notfalls sogar ausgewechselt

werden.«

STEPHAN SCHWEGAT, SV SPARKASSENVERSICHERUNG

könnten Brände verursachen, warnt die

Protectoplus GmbH, ein Anbieter von

Gefahrstofflager-Systemen. Auch eine vollständige

Entladung der Lithiumbatterie

kann durch einen inneren Kurzschluss zu

einem Brand führen. Deshalb sollten die

Batterien stets mit einer Ladeleistung von

40 Prozent gelagert werden. Sehr sinnvoll

BRANDSCHÄDEN AN PKW IN DER VOLL- UND TEILKASKO

Auf Öko-Fahrzeuge entfällt wegen geringer Verbreitung

nur ein Bruchteil aller Fahrzeugbrände.

20.000 250

19.000

18.000 18.200

213

17.800 18.050

200

16.900

16.000 15.900

16.100

16.000

150

15.100

154

14.800

14.000 101

100

66

12.000 56

50

40

46

30

17 22

10.000 0

2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020

Anzahl der Brände aller Fahrzeuge


ist es, Gewerbe- und Industriebetriebe über

die Gefahren, die von Akkus ausgehen, umfassend

aufzuklären. Schwegat: „Oft kann

man organisatorisch so eingreifen, dass

die Gefahr minimiert wird.“ So könnten

E-Autos etwa im Freien oder weit von

brandgefährdeten Gebäuden entfernt geparkt

werden. „Nach Unfällen oder Stürzen

sollte der Akku sorgsam kontrolliert

und notfalls sogar ausgewechselt werden“,

mahnt Experte Schwegat. Sogar ein Laptop

oder das Smartphone, das bei den meisten

Menschen in der Nacht geladen wird, sollte

auf einer feuerfesten Unterlage liegen. Wer

solche Ratschläge nicht befolgt, handelt unter

Umständen fahrlässig.

LEISTUNGSKÜRZUNGEN MÖGLICH

Während Haftpflichtschäden, also etwa

wenn ein E-Fahrzeug beim Brand Dritte in

Mitleidenschaft zieht, nur bei Vorsatz nicht

entschädigt werden, gilt dies bei Sachversicherungen

wie der Feuer-, Kasko-, Hausrat-

oder Wohngebäudepolice nicht. Hier

könnte der Versicherer theoretisch „grobe

Fahrlässigkeit“ einwenden und je nach

Schwere des Verschuldens nur einen Teil

des Schadens ersetzen. „Daher ist es sinnvoll,

dass alte Verträge upgedatet werden“,

rät Schwegat. Bei modernen Policen verzichten

viele Versicherer in vollem Umfang

auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit.

Für Vermittler und Makler ist die Aufklärung

und Verbesserung der privaten

Policen ein echter Vertriebsimpuls. Denn

Anzahl der Brandschäden an Elektro- und Hybrid-Fahrzeugen

bei Gleichverteilung der Schäden (Schätzung)

in der heutigen Zeit ist Schadenverhütung

besonders wichtig, da Ersatzteile kaum beschafft

werden können. „Es geht etwa bei

einem Brand meist nicht um den reinen

Sachschaden, sondern vielmehr um die Betriebsunterbrechung,

die heute sehr lange

ausfallen kann“, warnt Schwegat.

Mit Aufklärung und Vertragsverbesserung

können Vermittler daher bei ihren

Kunden echt punkten, denn die neue Feuergefahr

durch Akkus dürfte noch kaum in

den Köpfen präsent sein.

PRO

AUF DEN GEFAHRENHERD

»AKKU« HINWEISEN

Die Gefahrenhinweise

sind ein neutraler

Anlass für ein

Gespräch.

Entwarnung gibt es

hinsichtlich zusätzlicher

Pflichten vonseiten

der Versicherer

Der Übergang

zum optimalen Versicherungsschutz

ist fließend

Quelle: GDV 2022, eigene Schätzung

CONTRA

„Aus einer Maus

wird ein Elefant“

gemacht, da die Schadenfrequenz

nicht

steigt

Mit solchen „Tipps“

werden die Kunden

bereits überhäuft

Das Thema

„Fahrlässigkeit“ ist

sehr kompliziert und

aufwendig

procontra 05 | 22

53


BUSCHFUNK Berater

BERATER

WOHNUNGSEIGENTÜMER HAFTEN GEMEINSAM

BGH fällt Urteil zu Schäden in Eigentümergemeinschaftsanlagen.

Foto: Andrei 310

Muss eine Wohnungseigentümer-Gemeinschaft für Schäden aufkommen, die nur in einer

einzelnen Wohnung auftreten und von der Versicherung nicht übernommen werden? Zu dieser

Frage hat der Bundesgerichtshof nun ein wegweisendes Urteil gefällt und kommt zu dem

Schluss: Der in der Gebäudeversicherung vereinbarte Selbstbehalt ist von allen Eigentümern

gemeinschaftlich zu tragen (AZ: V ZR 69/21). Die Begründung der Richter: Eine höhere Selbstbeteiligung

führe zu niedrigeren Versicherungsbeiträgen – und davon profitieren alle. Daher

müssten auch die Kosten auf alle Schultern gleichermaßen verteilt werden. Geklagt hatte die

Eigentümerin einer Kölner Gewerbefläche. In der Wohnungseigentümer-Gemeinschaft, der

sie angehörte, war es wegen mangelhafter Leitungen in der Vergangenheit immer wieder zu

Leitungswasserschäden gekommen. Die Gewerbeeinheit war stets unversehrt geblieben.

SPARERPAUSCHBETRAG WIRD ERHÖHT

Bundeskabinett beschließt Steuererleichterungen.

Das Bundeskabinett hat eine Erhöhung des Sparerpauschbetrags

beschlossen: Zum Jahresbeginn 2023 sollen die pro Jahr vor der

Abgeltungssteuer geschützten Kapitalerträge von derzeit noch 801

Euro pro Alleinstehenden auf 1.000 Euro angehoben werden. Für

steuerlich gemeinsam veranlagte Ehegatten/Lebenspartner beläuft

sich die Erhöhung entsprechend auf 2.000 Euro. Bereits erteilte

Freistellungsaufträge sollen von den Banken pauschal um den Satz

der Erhöhung – rund 25 Prozent – angepasst werden.

Foto: Rolphus

BUND PLANT SCHUTZSCHIRM FÜR PFLEGEHEIME

SPD kündigt für den Herbst Entlastungspaket an.

Foto: SPD

Um die immer weiter steigenden Eigenanteile für Pflegebedürftige sowie die Folgen von

Rekordinflation und hohen Energiepreisen abzufedern, plant der Bund, im Herbst einen

Schutzschirm für Pflegeheime, soziale Einrichtungen und Krankenhäuser einzurichten:

SPD-Fraktionsvize Dagmar Schmidt kündigte kürzlich im Interview mit der „Bild“-Zeitung ein

Entlastungspaket an. Welche Summen die Bundesregierung dafür in die Hand nehmen will

und unter welchen Voraussetzungen ein solches Maßnahmenpaket zum Tragen kommen soll,

sagte sie allerdings nicht. Das Bundesgesundheitsministerium teilte auf procontra-Anfrage

mit, dass aktuell noch keine konkreten Planungen zu dem in Aussicht stehenden Maßnahmenpaket

existieren.

54

procontra 05 | 22


Berater BUSCHFUNK

BaFin: Taskforce für Unternehmensprüfung

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht

(BaFin) hat eine neue Abteilung gegründet, um Unternehmen

in Verdachtsfällen schnell vor Ort prüfen zu können.

Die Taskforce ist Teil der Neuorganisation der Behörde. Sie

arbeitet Hand in Hand mit den Aufsichtsbereichen und der

neuen Fokusaufsicht der BaFin.

Foto: Amnaj Khetsamtip

Come together,

right now!

NORMAN WIRTH

Geschäftsführender Vorstand des AfW

Fonds Finanz: Neuer Ausbildungsleiter

Der Münchener Maklerpool Fonds Finanz hat mit Holger

Kräker ab Mitte Oktober einen neuen Ausbildungsleiter.

Der 45-jährige Versicherungskaufmann und Betriebswirt

soll die Nachwuchsarbeit bei Fonds Finanz verstärken und

das Angebot der Ausbildung zum geprüften Versicherungsmakler

weiterentwickeln.

PIB Gruppe: Neuer CEO für Europa

Der spezialisierte Versicherungsmakler PIB Group

hat Onno Janssen zum CEO mit Schwerpunkt Europa

ernannt. In der neu geschaffenen Position wird Janssen

verschiedene bestehende Geschäftsbereiche der PIB in

Europa verantworten. Darüber hinaus soll er neue Märkte

erschließen. Janssen stammt ursprünglich aus den Niederlanden

und war 21 Jahre lang bei Aon tätig.

AfW: Aktualisierte Checkliste zur VSH

Der Bundesverband Finanzdienstleistung AfW e. V. hat

seine Checkliste zur Bedarfsüberprüfung in der Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung

(VSH) für Finanzdienstleister

überarbeitet. Dazu wurde in gemeinsamer

Arbeit mit dem Fördermitglied Hans John Versicherungsmakler

GmbH Feedback aus der Branche berücksichtigt.

S.L.P.: Neuer Vorstand

Sven Schleicher hat Anfang September das neu geschaffene

Vorstandsressort Marketing und Vertrieb bei der

S.L.P. Vertriebsservice AG übernommen. In seiner Funktion

unterstützt er zentral die einzelnen Vertriebseinheiten der

Gesellschaft und deren Führungskräfte. Die S.L.P. ist seit

über 24 Jahren als Assekuradeur in der Unfall-, Hausratund

Haftpflichtversicherung tätig.

Degussa: Verkauf von Prinas Montan

Die Frankfurter Degussa Bank AG hat ihren Versicherungsvermittler

Prinas Montan veräußert. Käufer ist die

in Köln ansässige Global Service GmbH. Die Transaktion

wurde rückwirkend zum 1. Januar 2022 durchgeführt.

2020 hatte Prinas Montan bei einem Umsatz von knapp

zwölf Millionen Euro einen Gewinn von rund 1,5 Millionen

Euro erzielt.

Foto: Jaco Blund

Foto: Olena Babak

Die Diskussion zum Provisionsdeckel – neuerdings

von der BaFin auch Provisionsrichtwert genannt

– läuft in Deutschland. Getrieben wird sie von der

BaFin, vermeintlichen Verbraucherschützern und

irritierenderweise auch von Branchenteilnehmern,

die meinen, damit den Pools, Vertrieben oder

insgesamt dem Maklermarkt schaden zu können.

Letzteres finde ich besonders ärgerlich. Zudem

wurde auch gerade wieder die Diskussion über die

Abschaffung der Abschlussprovision gestartet.

Auch damit soll wohl weniger den Kunden Gutes

getan als Pfründe gesichert werden. Vor allem

schadet man damit gerade jungen Berufseinsteigern,

die nicht von einer schon aufgebauten

Bestandsprovision leben können und damit in die

Abhängigkeit von Provisionsvorschusszahlungen

von dem einen oder anderen Vertrieb getrieben

werden. Warum schaffen wir es nicht endlich, viel

mehr die Gemeinsamkeiten zu betonen, als mit

dem Finger auf andere Branchenteilnehmer zu

zeigen oder ihnen schaden zu wollen und damit

den tatsächlichen Gegnern einer sozialliberalen

Wirtschaftsordnung den Teppich auszurollen? Ein

weiteres Negativbeispiel war jetzt sicherlich das

Unvermögen der Branche, einen eigenen Standard

zur Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen

der Kunden hinzubekommen. Das scheiterte,

trotz erheblichen Bemühens einiger, an zu vielen

Partikularinteressen. Mit dem Ergebnis, dass wir

nun doch diverse Ergebnisse haben. Für Verständnis

in der Vermittlerschaft sorgt das nicht

wirklich. Gute Beispiele gibt es ja auch am Markt,

wie die Erweiterung der Träger des DIVA Instituts

neben dem BDV nun auch um die Verbände AfW,

VGA und Votum zeigt. Auch die Neuaufstellung

des Arbeitskreises Beratungsprozesse als e. V.

unter Trägerschaft verschiedener Verbände und

Verbünde ist da zu nennen. Mehr davon!

procontra 05 | 22

55


BERATER Verbraucherschutz

»Ich sehe Vermittler

nicht als Gegner«

Nach über zehn Jahren legt Deutschlands schärfster Versicherungskritiker seinen Posten als

Vorstandssprecher beim Bund der Versicherten nieder. Axel Kleinlein über Siege,

Niederlagen und die Zukunft der Altersvorsorge

– TEXT: MARTIN THALER –

procontra: Seit 2011 waren Sie mit kurzer

Unterbrechung Vorstandssprecher des

BdV. Stehen die Verbraucher in Versicherungsfragen

Ihrer Meinung nach heute

besser da als damals?

Axel Kleinlein: Das ist eine schwierige Frage,

weil sich die Versicherungswelt in den

vergangenen Jahren stark geändert hat.

Die Gesetzeslage hat sich – insbesondere

im Lebensversicherungsbereich – aus Verbrauchersicht

deutlich verschlechtert. Man

denke nur an das Lebensversicherungsreformgesetz

oder die Zinszusatzreserve. Das

waren bittere Einschläge. Die neue Produktlandschaft

ist sehr intransparent und

bietet nur wenige Vor-, dafür umso mehr

Nachteile für die Kunden. Wir konnten

zwar als Verbraucherschützer den einen

oder anderen positiven Akzent setzen, dennoch

haben wir bei diesem Hase-Igel-Spiel

mit den Lebensversicherern nicht wirklich

Land gewonnen.

procontra: Welche positiven Akzente der

vergangenen Jahre sehen Sie denn als

besonderen Erfolg?

Kleinlein: Ich glaube, dass das Thema Verbraucherschutz

an Bedeutung gewonnen

hat – in der Branche selbst, aber auch in

der Politik gibt es mittlerweile eine größere

Sensibilität für das Thema. Die größten

Duftmarken konnten wir dabei sicherlich

auf europäischer Ebene setzen, beispielsweise

bei der IDD oder Solvency II.

procontra: In welcher Hinsicht hätten Sie

gerne mehr erreicht?

Kleinlein: Ich hätte mir auf jeden Fall

einen Kostendeckel gewünscht. Das

56 procontra 05 | 22


Verbraucherschutz BERATER

Gleiche gilt für transparentere Lebensversicherungsprodukte

und einen faireren

Umgang mit den Kunden. Es ist bedauerlich,

dass man, um etwas Positives für

die Verbraucher zu erreichen, immer erst

die Gerichte bemühen muss. Ich wünsche

mir auch weiterhin mehr Nachhaltigkeit

in der Produktlandschaft, insbesondere

bei den Lebensversicherern. Die Produktlandschaft,

wie wir sie heute vorfinden, ist

nichts, was auf Jahrzehnte hinaus Bestand

haben kann. In der Politik heißt es, dass

stets nur auf Vier-Jahres-Sicht geschaut

wird. Bei vielen Versicherungsvorständen

habe ich den Eindruck, dass die Zeiträume

noch kürzer sind.

procontra: Worauf spielen Sie an?

Kleinlein: Man denke nur an Produkte wie

eine Mehrtopf-Indexpolice. Die versteht

schon zum Zeitpunkt, zu dem sie verkauft

wird, kaum jemand. Da bin ich mir ziemlich

sicher, dass es in zehn Jahren nicht

mehr genügend Menschen gibt, die diese

Produkte nachvollziehen und entsprechend

auch sauber führen können. Wir haben

in den vergangenen 20 Jahren ein echtes

Feuerwerk an neuen Tarifentwicklungen

erlebt – fast schon im Jahresrhythmus sind

zuletzt neue Tarife aufgelegt worden. Die

Heerscharen an Mathematikern, die es

bräuchte, um diese Tarife zu führen, sehe

ich hingegen nicht. Darum glaube ich, dass

das noch zu einem riesigen Problem für die

Unternehmen werden wird.

procontra: Eine gewisse Konstanz hat ja

Ihre Kritik an der Riester-Rente. Warum

ist diese Debatte um die geförderte Altersvorsorge

so ein Dauerbrenner?

Kleinlein: Die Riester-Rente hat zwar mittlerweile

im Neugeschäft keine Bedeutung

mehr, aber sie ist letztlich immer noch ein

politisches Prestigeobjekt. Der Name allein

steht ja schon symbolisch für die damalige

rote-grüne Koalition – entsprechend

tun sich die beteiligten Parteien natürlich

schwer einzugestehen, dass dieses Projekt

letztlich gescheitert ist. Es entsteht bei den

Politikern fast so etwas wie ein pawlowscher

Reflex, sobald es um die Riester-

Rente geht.

procontra: Erneut hat die Bundesregierung

in den Koalitionsvertrag geschrieben, sie

wolle prüfen, wie es mit der geförderten

Altersvorsorge weitergehen soll. Auf

welches Ergebnis hoffen Sie?

Kleinlein: Ich würde in erster Linie auf eine

Entscheidung hoffen. Es ist schließlich

nicht die erste Bundesregierung, die sich

einen Prüfauftrag in den Koalitionsvertrag

geschrieben hat. Leider stellt man doch

einen gewissen Entscheidungsunwillen fest,

der damit für alle Beteiligten ein Problem

darstellt: Die Versicherungsbranche weiß

nicht, worauf sie sich einstellen kann, die

Vermittlerschaft weiß auch nicht, wohin

es geht, und auch der Kunde wird, was die

eigene Altersvorsorge angeht, vollkommen

im Nebel gelassen.

procontra: Vorschläge für eine Reformierung

der geförderten Altersvorsorge gibt es

ja genug. Welcher wäre es aus Ihrer Sicht

wert, umgesetzt zu werden?

Kleinlein: Ich persönlich denke, dass

die Riester-Rente in ihrer jetzigen Form

gestoppt werden sollte. Wir brauchen ein

»Die Produktlandschaft,

wie wir sie

heute vorfinden,

ist nichts, was auf

Jahrzehnte hinaus

Bestand haben kann.«

Modell mit mehr Flexibilität, wie beispielsweise

die vom BdV vorgeschlagene

Basisdepotvorsorge. Jede Form der Altersvorsorge

kann dann gefördert werden,

keine wird, wie derzeit die Versicherungen,

privilegiert. Bei der Fördersystematik

könnte ich mir auch gut vorstellen, dass

das bisherige Riester-System adaptiert

wird.

procontra: Sie sprechen im Zusammenhang

mit Lebensversicherungen ja gerne vom

legalen Betrug – sprich: Die Versicherer

halten die bestehenden Regeln ein. Muss

man als Verband folglich nicht gegen den

Gesetzgeber stärker vorgehen?

Kleinlein: Es geht nicht darum, gegen die

Regierung zu arbeiten, sondern diese mit

guten Argumenten zu überzeugen. Gute

Lobbyarbeit ist für den Verbraucherschutz

entscheidend. Allerdings fällt es uns

schwer, mit der Lobbyarbeit der Versicherer

mitzuhalten, dafür ist sie viel zu stark

aufgestellt.

procontra: Sie sagen selbst von sich, gerne

zu provozieren. Bei unseren Lesern –

nimmt man die Reaktionen auf Artikel

mit Ihnen zum Maßstab – scheint das zu

funktionieren. Sowohl Verbraucherschützer

als auch Makler stehen allerdings

im Lager des Kunden. Braucht es diese

Konfrontation?

Kleinlein: Ich sehe die Makler bzw. Vermittler

nicht als Gegner. Problematisch

sind aus meiner Sicht im Dreieck aus

Endkunden, Vermittlern und Versicherern

Letztere, die schließlich für die Intransparenz

und schlechten Produkte verantwortlich

sind. Wenn es nur schlechte Produkte

gibt, können die Vermittler auch nur diese

vertreiben. Darum sind wir schon eher bestrebt,

Schnittmengen mit den Vermittlern

zu finden, als einen Konfrontationskurs

einzuschlagen.

procontra: In welchem Bereich sehen Sie

die größten Herausforderungen für Ihren

Nachfolger Stephen Rehmke?

Kleinlein: Im Bereich der Lebensversicherungen

sind das sicherlich die Einführung

eines Kostendeckels sowie die Frage, wie

es mit der geförderten Altersvorsorge

weitergehen wird. Im Bereich der Sachversicherung

wird die Frage entscheidend,

wie Elementarschäden künftig versichert

werden können – auch weil die Klimarisiken

weiter zunehmen werden. Und auch

in der privaten Krankenversicherung sehe

ich großen Reformbedarf.

procontra: Was meinen Sie genau?

Kleinlein: Hier muss es beispielsweise um

das Thema Beitragsanpassungen gehen.

Auch braucht es aufgrund des steigenden

finanziellen Drucks für viele eine Alternative

für die Basistarife. Neue Lösungen

sind gefragt. Und wir sehen auch, dass die

Versicherer bereit sind, sich zu bewegen.

procontra: Sie selbst wollen sich ja nicht zu

einem Versicherer bewegen, das haben Sie

schon ausgeschlossen. Wo geht Ihre Reise

stattdessen hin?

Kleinlein: Ich möchte zukünftig stärker

inhaltlich und weniger organisatorisch

arbeiten. Ich hatte vor meiner Tätigkeit für

den BdV mit „Math Concepts“ bereits ein

kleines versicherungsmathematisches Büro,

mit dem ich unter anderem die „10 Jahre

Riester“-Studie für die Friedrich-Ebert-

Stiftung erstellt habe. Hier möchte ich

wieder ansetzen. Ich kann aber versprechen,

dass ich meinen kritischen Blick auf

die Branche behalte.

procontra 05 | 22

57


BERATER Bestandsübergabe

BESTÄNDE RICHTIG LOSLASSEN

Obwohl das Interesse von Pools und Investoren an den Lebenswerken

der Makler riesig ist, ist der Verkauf kein Selbstläufer.

Im Gegenteil: Ohne Vorbereitung kommt die böse Überraschung.

– TEXT: STEFAN TERLIESNER –

58 Illustration: Roman Kulon


Bestandsübergabe BERATER

Investoren und Pools machen Jagd auf Maklerbestände.

Policen Direkt zum Beispiel fokussiert

Bestände kleinerer und mittelgroßer

Makler und hat in diesem Jahr schon

32 Bestände übernommen. Geschäftsführer

Philipp Kanschik: „Unsere Zielgruppe für

Asset Deals sind selbstständige Makler und

Maklerhäuser mit maximal fünf Mitarbeitern,

deren Fokus auf Privat- und kleineren

Gewerbekunden liegt.“

VIEL KAPITAL IM MARKT

Anders als größere Einheiten mit sieben- bis

achtstelligen Umsätzen finde diese Gruppe

bislang bei Investoren und professionellen

Aufkäufern vergleichsweise wenig Beachtung,

meint Kanschik. Andererseits strömt

über Finanzinvestoren aktuell sehr viel

Kapital in den Markt. Die Firmenkäufer

haben entweder ganze Maklerpools übernommen

oder kooperieren mit großen

Pools. Und alle verfolgen das gleiche Ziel:

möglichst viele lukrative Bestände erbeuten.

HG Capital erwarb dafür die Mehrheit

an Fonds Finanz. Und der Pool JDC Group

verbündete sich gleich mit zwei Investoren,

Bain Capital und Great West Lifeco.

„Angesichts des riesigen Interesses an

Beständen kann ich doch eigentlich einen

hohen Preis für mein Lebenswerk erzielen“,

mag so mancher Makler denken. Das

Problem dabei aus Maklersicht: Auch das

Angebot ist riesig. Im gerade veröffentlichten

Policen-Direkt-Marktbarometer 2022

zeigt sich, „dass eine große Nachfolgewelle

unmittelbar bevorsteht“. Der Grund: Altersbedingt

scheidet in den nächsten drei,

vier Jahren jeder dritte Makler aus dem

Berufsleben aus. Dabei streben 42 Prozent

der 413 befragten Makler eine Verrentung

ihres Bestands an, und gut jeder fünfte

wünscht, dass ihnen jemand den Bestand

abkauft (sieht Grafik).

GUTE VORBEREITUNG NOTWENDIG

Jetzt mal schnell seinen Bestand auf den

Markt werfen, weil die Nachfrage der Käufer

so groß ist, stelle keine gute Idee dar,

meint Matthias Beenken, Professor für Versicherungswirtschaft

an der Fachhochschule

Dortmund. Eben weil Käufer die Wahl

haben, sagt er ziemlich ernüchternd für abgabewillige

Makler: „Bestände verkaufen sich

nur noch schwer, und wenn, dann nur nach

guter Vorbereitung.“ Dabei gehe es nicht

um Wochen oder Monate, sondern Jahre.

„Empfehlenswert ist, mit mindestens fünf,

Sonstige:

Angaben in %

5

Auslaufen

des Bestands:

Verkauf des

Bestands: 21

Unternehmensverkauf: 25

7

besser zehn Jahren Vorlaufzeit zu planen.“

Das bestätigt Andreas Grimm, Geschäftsführer

vom Resultate Institut für Unternehmensanalyse

und Bewertungsverfahren:

„Kurzfristig kann ein Makler am Wert

seines Unternehmens nichts ändern.“ Vielleicht

innerhalb eines Jahres sei es noch

»Bestände verkaufen

sich nur noch schwer,

und wenn, dann

nur nach guter

Vorbereitung.«

MATTHIAS BEENKEN, PROFESSOR FÜR

VERSICHERUNGSWIRTSCHAFT, FH DORTMUND

machbar, die Übertragbarkeit der Bestände

zu verbessern. Und dass Makler in Verhandlungen

mit Profi-Käufern nicht unbedingt

einen guten Schnitt machen, erklärt

Grimm ebenfalls im Interview.

INVESTOREN SELEKTIEREN IN RUHE

Und so schauen sich die Finanzinvestoren

und mit ihnen kooperierenden Pools die

BELIEBTE NACHFOLGELÖSUNGEN

Verrentung

des Bestands:

42

Quelle: Policen Direkt

Bestände an, die im Markt verfügbar sind

– und selektieren in Ruhe. Auf die Frage,

welche Kriterien ihm als Bestandskäufer

wichtig sind, sagt Sebastian Grabmaier,

Vorstandsvorsitzender der JDC Group:

„Wir sind grundsätzlich an allen Arten

von Beständen interessiert, die Qualität

hat aber entscheidenden Einfluss auf den

Kaufpreis.“ Das kürzlich mit den Finanzinvestoren

gegründete Gemeinschaftsunternehmen

habe bereits erste Anfragen

von Gewerbemaklern mit über einer Million

Euro Umsatz erhalten. Und die eigene

Deutsche Makler Rente ziele auf alle Arten

von Privatbeständen der angebundenen

Makler. „Seit Einführung im Jahr 2015 haben

wir über 50 Bestände, darunter auch

einige Kleinstbestände, gekauft“, verrät

Grabmaier.

Und dann zählt er eine lange Reihe an

Kaufkriterien auf: „Wir bevorzugen eine

hohe Digitalisierungs- und Maklervollmachtsquote,

einen hohen Anteil an Sach-,

Haftpflicht- und Unfallversicherungsgeschäft

bzw. wiederkehrende Personenversicherungs-

und Investmentfondslösungen,

geringe Provisionen in Stornohaftung,

generell gut gepflegte Daten und korrekte

Adressen. Von Vorteil sind auch eine hohe

Vertragsdichte, ein mittleres Kunden- und

Vertragsalter sowie vertretbare Stornoquoten

und Beschwerdeaufkommen.“

procontra 05 | 22

59


BERATER Bestandsübergabe

»Es zählt, was beim Käufer ankommt«

ANDREAS GRIMM, Geschäftsführer und Inhaber Resultate Institut für Unternehmensanalyse und Bewertungsverfahren

procontra: Finanzinvestoren schließen sich mit

Pools zusammen, um Maklern deren Bestände

an Kundenverträgen abzukaufen. Machen die

Verkäufer einen guten Deal?

Andreas Grimm: Das hängt vom Unternehmen

und der Qualität des Bestands ab. Wir stellen

fest, dass mittelständische Makler, die ihr

Unternehmen als Kapitalgesellschaft führen, im

Fokus stehen. Käufer sind in diesem Fall Maklerunternehmen,

die Synergiepotenzial heben

oder regional expandieren wollen. Bei kleineren

Maklerbüros achten die Interessenten vor allem

auf einen hohen Anteil von Bestandscourtagen

am Gesamtumsatz. Bestandskäufer, die

durch Finanzinvestoren finanziert sind, sind an

wiederkehrenden Vergütungen interessiert. Bei

Courtagen aus Neugeschäft ist ihre Zahlungsbereitschaft

gering, da müssen sich Verkäufer

andere, eher regionale Käufer suchen.

procontra: Worauf sollten Makler bei den Verhandlungen

achten?

Grimm: Die Profi-Käufer haben klare Renditeerwartungen

und wissen genau, was sie wollen.

Nicht selten knüpfen sie Kaufpreiszusagen an

Garantien und Freistellungen, die der Verkäufer

zu erfüllen hat. Zum Beispiel soll der Makler

zusichern, dass alle oder fast alle zum Zeitpunkt

der Verhandlungen bestehenden Verträge zum

Zeitpunkt der tatsächlichen Übergabe auch

noch bestehen. Auch soll der Makler garantieren,

dass das Guthaben auf seinem Storno-

Reserve-Konto ausreicht, um zu erwartende

Stornierungen auszugleichen – sonst haftet

der Verkäufer für den übersteigenden Betrag.

Während der unerfahrene Verkäufer fast nur

auf den Kaufpreis achtet, bauen erfahrene Unternehmenskäufer

ein für Laien kaum nachvollziehbares

Konstrukt aus Vertragsklauseln auf.

Eben weil Makler es hier mit M&A-Spezialisten

zu tun haben, sollten sie ebenfalls einen Profi in

Sachen Mergers & Acquisitions an ihrer Seite

haben.

procontra: Können Makler kurzfristig noch eine

Art „Kaufpreis-Tuning“ vornehmen?

Grimm: Kurzfristig kann man den Wert eines

Unternehmens nicht steigern. Eine gute Verhandlungstaktik

könnte was bringen. Aber das

funktioniert bei Profi-Käufern nicht. Als einzige

Option bleibt, die Übertragbarkeit der Bestände

zu verbessern.

procontra: Und wie gelingt Maklern das?

Grimm: Dafür bedarf es insbesondere von jedem

Kunden eines schriftlichen Maklervertrages und

einer Datenschutzerklärung, die die Zustimmung

zur Übertragung an einen Rechtsnachfolger

beinhaltet – auch im Todesfall des Maklers,

damit im Notfall seine Erben nicht leer ausgehen.

Ohne Kundenzustimmung funktioniert

eine direkte Übertragung nicht. Hat eine Makler

seinen Bestand bisher nicht entsprechend

gepflegt, könnte er dies vielleicht innerhalb von

zwölf Monaten nachholen. Also: Nicht die Höhe

des aktuellen Bestands ist entscheidend für

den Kaufpreis. Es zählt, was vom Bestand beim

Käufer ankommt.

DIGITALE DATEN SIND EIN MUSS

Jedes Kriterium ist ein Hebel, den ein Makler

ansetzen kann, um für sein Unternehmen

oder seinen Bestand einen guten Preis

zu erzielen. Sind viele oder alle Merkmale

erfüllt, zahlen Bestandskäufer für übertragene

Jahresumsätze oft das Drei- oder Vierfache,

gelegentlich auch mehr, ist im Markt

zu hören. Es lohnt sich also, das eigene „Lebenswerk“

auch kurz vor dem Ruhestand

dahin gehend noch einmal zu optimieren.

Die einzelnen Kriterien haben für die Käufer

ein unterschiedliches Gewicht. Besonders

wichtig seien die Zusammensetzung des

Bestands und die technische Aufstellung,

erklärt Rolf Schürmann, Vorstandschef des

Maklerpools BCA, der unter anderem mit

seinem Angebot der BCA-Maklerrente auf

Bestandsjagd geht. Und wörtlich: „Sollte

der Vermittler zudem die nötige geschäftliche

Größe im Investmentgeschäft besitzen

und sämtliche Vertragsdaten digital aufbereitet

haben, dann ist dies der Idealfall.“

Fazit: Das Interesse an gut gepflegten

Beständen und professionell aufgestellten

Maklerunternehmen ist riesig. Vor allem

die wiederkehrenden Bestandscourtagen

locken Kapitalgeber an, die im Verbund

mit einem großen Maklerpool auf Beutezug

gehen. Geschenkt bekommen Makler aber

nichts. Wessen Bestand oder Büro technisch

nicht auf der Höhe der Zeit ist – sprich

Bytes statt Papier –, wird sein Lebenswerk

selbst in diesem Umfeld kaum gut verkaufen

können; möglicherweise sogar gar nicht

und er muss es auslaufen lassen.

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BERATER pro & contra

ZINSWENDE – GEHT DEN FINTECHS

JETZT DAS GELD AUS?

Durch die Zinswende ergeben sich für

Investoren attraktive Alternativen. Dr. Nils

Beier (Managing Director bei Accenture)

und Christian Macht (CEO von Element)

mit kontroversen Ansichten, wie sich das bei

FinTechs niederschlägt

Dr. Nils Beier,

Managing Director bei der

Unternehmensberatung Accenture

Im Vergleich zu den vergangenen zwei Jahren ist es heute deutlich

schwerer für FinTechs, Funding zu bekommen. Dies gilt nicht für

alle FinTechs in gleichem Maße, aber die Zeiten des unbegrenzten

Geldes sind erst mal vorbei.

Die prognostizierten Fundings in Deutschland werden im Jahr

2022 sehr deutlich unter denen aus 2021 liegen. Das ist ein klares

Zeichen für eine deutliche Abkühlung. Allerdings war 2021 für

FinTechs auch ein extremes Jahr mit sehr hohen Fundings. Vergleicht

man die Jahre 2022 und 2020, so sieht man einen klaren

Anstieg. Nichtsdestotrotz: FinTechs haben es jetzt schwerer, an

Gelder zu kommen, als vorher.

Hierfür gibt es einen wesentlichen

Grund: die gestiegenen Zinsen.

pro

Der Zinsanstieg führt zu einer Abwertung

der Aktienmärkte. Dies

wirkt sich negativ auf die Bewertungen

der größeren FinTechs aus.

Größere FinTechs lassen

sich recht gut mit

den börsennotierten

„FinTechs“ vergleichen.

Unterschiedliche

Multiples sind nicht

mehr erklärbar. Somit

drohen den Investoren

in diesem Teil ihrer Bestände

deutliche Kurskorrekturen

nach unten.

Dies gilt es zu verhindern. Anders als an den Aktienmärkten,

materialisiert sich eine solche Abwertung aber erst dann, wenn

eine neue Finanzierungsrunde und damit Bewertung ansteht. Deshalb

zögern Investoren die Finanzierung derzeit möglichst lange

hinaus. Der Fokus aller Investoren liegt auf ihren bestehenden

Investments mit dem Ziel, diese schnell zu „profitabilisieren“.

Das bedeutet, ganz klassisch: Kosten runter, Erträge hoch. Mittelfristig

muss zudem ein nachhaltig profitables Geschäftsmodell

vorgezeigt werden, denn die Zinswende wird nicht übermorgen

wieder vorbei sein.

»Das Geld der

Investoren sitzt

nicht mehr so

locker wie vorher.«

DER FOKUS LIEGT KLAR AUF DEN BESTÄNDEN

Wenn sich über kurz oder lang eine Finanzierung nicht vermeiden

lässt, wird „ausgesiebt“. Nur wer klar und nachvollziehbar

aufzeigen kann, wie die Profitabilität zügig erreicht werden kann,

bekommt eine Finanzierung. Die anderen werden zum Beispiel

verkauft oder abgewickelt. Bei wirklich großen FinTechs kann

auch ein „Too big to fail“-Effekt entstehen. Obwohl es keinen

62 procontra 05 | 22


pro & contra BERATER

klaren Plan gibt, um profitabel zu werden, erhalten diese Mega-

FinTechs weitere Finanzierungen, auch weil schon zu viel Geld

dort gebunden ist.

Der Fokus der Investoren liegt also derzeit klar auf den Beständen.

Aufs Neugeschäft vollständig verzichten derzeit jene

Investoren, die eher Mitläufer sind, zum Beispiel Family Offices.

Professionelle Venture-Capital-Investoren schauen sich neue Investments

natürlich weiterhin an. Es gibt noch immer viel Geld

im Markt, und die Fundraisings waren sowohl in 2021 als auch

2022 sehr hoch. Aber eben mit deutlich mehr Zeit und ohne den

Druck, den Deal möglichst schnell zuzusagen aus der Angst heraus,

ihn sonst zu verlieren. Das bedeutet aber gerade für kleinere

FinTechs auch, dass das Geld der Investoren nicht mehr „so locker

sitzt“ wie vorher.

Warum den FinTechs im Generellen nicht das Geld ausgehen wird,

liegt meiner Meinung nach an deren Agilität und Innovationsfreude,

aber vor allem auch am Innovationsstau der Finanzindustrie!

Der Gründungsboom von vor 2017 hat sich abgeschwächt,

der Wettbewerb nimmt zu, die Akquisitionskosten an der Kundenschnittstelle

sind hoch und Finanzierungsmittel schwerer zu

beschaffen. Die derzeitige Marktsituation um Krieg, Inflation

und die Erwartung weiter steigender Zinsen übt enormen Druck

auf die FinTechs aus, schneller profitabel zu werden. Wenn man

in diesem Kontext als FinTech dann auch noch Geld braucht, erhöht

sich der Druck durch die Investoren.

DIE FINANZINDUSTRIE STECKT IM INNOVATIONSSTAU

FinTechs verfolgen ganz unterschiedliche Ansätze, vor allem in

der Wertschöpfungskette. Manche sind im Versicherungssektor

mit innovativen Lösungen im Vertrieb tätig, andere bieten Apps

an, die die finanzielle Situation der Nutzer analysieren, und wieder

andere stellen Banken oder Versicherern IT-Lösungen zur

Verfügung.

Die Finanzindustrie steckt im Innovationsstau, die technologische

Entwicklung schreitet aber weiter voran, daher wird

es zu weiteren Gründungen kommen, die sich als lukrative Geschäftsmodelle

erweisen werden. Die Zukunft wird – wie in anderen

Branchen – durch Schnelligkeit, Flexibilität und Effizienz

entschieden. Essenzielle Vorteile werden das Einbinden von KI-

Mechanismen und Big Data bringen. Viele Neugründungen

fokussierten sich in jüngster Zeit

eher auf B2B. Vorteile sind im Wesentlichen

die Synergieeffekte auf beiden Seiten. Während

FinTechs ihre Agilität und ihr IT-Know-how einbringen,

bringen die Etablierten ihren Zugang

zu den Kunden, ihre großen Datenbestände sowie

regulatorisches Know-how ein. Auch ist der

B2B Approach – wenn die ersten großen Hürden

genommen sind – meist das resilientere Modell.

ETWAS M&A SCHADET DEM MARKT NICHT

Die aktuelle Krise wirkt potenzierend, weil sich

der Markt konsolidiert. Die Geschäftsmodelle,

die nachhaltig sind, werden gestärkt daraus hervorgehen. Investoren

erkennen sehr wohl, welche Start-ups – risikogewichtet

– lukrativ sind, und es wird weiter finanziert und investiert. Investments

werden nicht aufhören. Es wird nur – ich würde fast

behaupten: endlich – genauer geprüft, wer es verdient. Ich gehe

von nicht wenigen Fusionen und Übernahmen aus, aber etwas

M&A schadet dem FinTech-Markt definitiv nicht!

contra

»Investments werden nicht

aufhören. Es wird nur genauer

geprüft, wer es verdient.«

Christian

Macht,

Vorstandsvorsitzender

des Berliner

FinTechs

Element

Nach dem Winter wird der Frühling kommen. Der größte Fehler,

den die Branche jetzt machen kann, ist zu glauben, das FinTechs

verschwinden. Ganz im Gegenteil: FinTechs – ein paar weniger

sicherlich – werden gestärkt aus der Krise hervorgehen. Jetzt ist

der richtige Zeitpunkt, um zu guten Konditionen einzusteigen.

procontra 05 | 22

63


BERATER Maklers Lieblinge 2022

DIE LIEBLINGE DER MAKLER

Inflation, Zinswende und Zukunftsängste erhöhen derzeit den Beratungsbedarf.

Auf welche Produktgeber und Partner die freien Vermittler dabei setzen,

hat „Maklers Lieblinge“ ermittelt – und war dabei noch nie so aussagekräftig.

– TEXT: FLORIAN BURGHARDT –

Mischmodelle offenbar an Bedeutung (13,9

Prozent gegenüber 11,3 Prozent 2021).

Im Durchschnitt können die Umfrageteilnehmer

auf 20 bis 25 Jahre Berufserfahrung

in der Versicherungsbranche zurückblicken.

Zwar arbeiten viele von ihnen (39,3

Prozent) komplett allein, die Mehrheit hat

aber mindestens einen Angestellten. Zusammen

mit diesen betreuen die Vermittler

durchschnittlich etwa 550 Kunden, von

denen jeder etwa vier Verträge bei ihnen

hat. Ihr hauptsächliches Einkommen erzielen

die Vermittler seit diesem Jahr wieder

mit der Lebensversicherung (47,9 Prozent).

Im Vorjahr hatte diese nur den zweiten

Rang hinter SHUK-RS-privat innegehabt,

welches nun an zweiter Stelle kommt (38,7

Prozent). Die Bereiche Gewerbe-Komposit

(7,4 Prozent) und PKV (6,0) stellen nur für

die wenigsten Makler die hauptsächliche

Einkommensquelle dar. Das soll offenbar

auch noch eine ganze Weile so weitergehen.

Denn die Einstellung oder Übergabe des

eigenen Geschäftsbetriebs in der nächsten

Zeit ist aktuell nur für 8,1 Prozent ein Thema.

Was bewegt die Makler, wie sieht ihr Arbeitsalltag

aus und mit welchen Versicherern

arbeiten sie in den verschiedenen

Produktbereichen am liebsten zusammen?

Zum mittlerweile neunten Mal fragte

„Maklers Lieblinge“ danach. Noch nie waren

die gesammelten Antworten dabei so

aussagekräftig wie in diesem Jahr – insgesamt

1.742 Vermittlerinnen und Vermittler

nahmen an der procontra-Umfrage teil.

9 von 10 Teilnehmer (90,3 Prozent) sind

als Makler oder Mehrfachagenten unterwegs.

Der Rest teilt sich auf in Honorarberater,

gebundene Vertreter, Versicherungsberater

und angestellte Verkäufer.

Entsprechend verfügen fast alle Teilnehmer

über eine Zulassung als Versicherungsvermittler

gemäß Paragraf 34d GewO (91,6

Prozent). Die meisten Überschneidungen

gibt es demnach mit Immobilienmaklern

gemäß 34c GewO (33,0 Prozent), erst danach

folgen die Finanzanlagenvermittler

gemäß 34f GewO (29,2). Zwar lässt sich

der Großteil der Vermittler seine Dienste

auch weiterhin mit Provision bzw. Courtage

vergüten (83,2 Prozent), jedoch gewinnen

AN MAKLERPOOLS FÜHRT KEIN WEG VORBEI

Als umso wichtiger sehen es die Makler

daher an, sich für einen anspruchsvollen

Wettbewerb zu wappnen. Dabei spielen

Maklerpools, -verbünde und andere Intermediär-Formen

eine wichtige Rolle. Nur

noch 7,8 Prozent der Umfrageteilnehmer

arbeiten nicht mit einem solchen zusammen,

was auch mit der Teilnahme einiger

gebundener Vertreter zusammenhängen

könnte. Oft genügt hier ein Partner (43,9

Prozent). Knapp jeder Dritte ist an zwei

Intermediäre angebunden (29,0 Prozent),

und jeweils kleinere Gruppen nutzen drei

64 Illustration: Roman Kulon


Maklers Lieblinge 2022 BERATER

1

2

3

Fonds Finanz

Vema

9,6

blau direkt

Alle Angaben in %

TOP 3 MAKLERPOOLS

11,7

56,6

Pools (11,2 Prozent) oder mehr (8,0). Wer

als Vermittler eine solche Zusammenarbeit

betreibt, schätzt daran vor allem den breiten

Produkt- und Anbieterzugang (76,0

Prozent; Mehrfachnennungen möglich; n =

1.296). Auch die Möglichkeit zur Nutzung

der verschiedenen Vergleichsrechner wird

als sehr wertvoll wahrgenommen (62,8

Prozent). Die Reduzierung ihres administrativen

Aufwands durch die Anbindung

bildet für 51,8 Prozent der Makler den

Hauptgrund für die Zusammenarbeit.

Mit Blick auf die diesjährige Abstimmung

zeigt sich, dass dies erneut der Fonds

Finanz aus München am besten gelingt

(siehe Grafik „Top 3 Maklerpools“). Die

Meldung vom Dezember 2021, dass der

Investor HG Capital 60 Prozent an dem

Maklerpool gekauft hat, hat diesem also

offenbar nicht negativ zugesetzt. „Die erneute

Auszeichnung als Maklers Liebling

2022 freut mich natürlich sehr und ist eine

großartige Anerkennung unserer Arbeit,

die wir stets im Sinne unserer Makler leisten.

Dieses Resultat zeigt, dass wir als führender

Maklerpool den Finger immer am

Puls der Zeit haben, und spiegelt vor allem

das positive Stimmungsbild der Makler wider.

Daher geht ein großes Dankeschön an

alle Maklerinnen und Makler, die uns dank

der gemeinsamen Zusammenarbeit mit uns

ihr Vertrauen schenken“, kommentierte

Fonds-Finanz-Chef Norbert Porazik das

Ergebnis. Seit 2018 steht sein Pool in dieser

Kategorie immer ganz oben. Nur 2019

wurde er einmalig von der Vema abgelöst.

COMEBACK DER ALTE LEIPZIGER

Einen neuen Sieger gibt es dagegen in der

Kategorie „Beste Maklerbetreuung“. Hier

konnte die Alte Leipziger zum zweiten Mal

(erstmalig 2016) die Herzen der Makler

vollends erobern. ALH-Vertriebsvorstand

Frank Kettnaker sagte: „Ich freue mich

außerordentlich, dass die Makler sagen:

Die beste Betreuung bieten uns Alte Leipziger

und Hallesche. Dieser Platz eins ist

die höchste Form der Anerkennung für

unsere Arbeit. Ich danke allen Maklerinnen

und Maklern, die uns ihre Stimme

gegeben haben, und ich danke insbesondere

allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

der ALH Gruppe, die mit Freude und

Elan Tag für Tag diesen ausgezeichneten

Service bieten“ (sie he Interview Seite 42).

Entscheidend für eine gute Maklerbetreuung

sind aus Sicht der Umfrageteilnehmer

gute Erreichbarkeit (87,1 Prozent) und

schnelle Rückmeldungen auf Nachfragen

(84,9). Die Kompetenz speziell der Maklerbetreuer

(67,2 Prozent), aber auch die

Kompetenz aller Beschäftigten im Bereich

Maklerbetreuung (66,6) liegen dabei ziemlich

gleichauf als drittwichtigster Grund.

Auch eine schnelle Antrags- und Schadenbearbeitung

(56,6 Prozent) sowie einen

freundlichen Umgangston (47,0) schätzen

die unabhängigen Vermittler. Wenn diese

Attribute bei einem Versicherer gegeben

sind, spielen die Qualität der Vertriebsunterlagen

(28,8 Prozent) und die Möglichkeit

zur Kommunikation über viele

verschiedene Kanäle (26,2) nur untergeordnete

Rollen. Kaum noch Bedeutung besitzen

dagegen regelmäßige Treffen vor Ort

(13,8 Prozent) sowie generell eine regionale

Abdeckung mit Maklerbetreuern in der

Fläche (13,3).

Natürlich haben wir auch in diesem

Jahr wieder wissen wollen, mit welchen

Versicherern die freien Vermittler in den

vier großen Sparten Lebensversicherung,

private Krankenversicherung, Schaden-/

Unfallversicherung für Privatkunden sowie

Gewerbe-Komposit am liebsten zusammenarbeiten.

Dabei wurden im Vergleich zum

Vorjahr zahlreiche Top-3-Platzierungen innerhalb

der insgesamt 35 abgefragten Produktkategorien

getauscht.

Die meisten ersten Plätze (sieben) gingen

dabei an die Allianz, die in den letzten Jahren

generell in der Gunst der Makler merklich

aufgeholt hat und in der Lebensversicherung

dominiert.

In den anderen Sparten gestalteten sich

die Rennen dagegen offener. Auch manche

Deckungskonzepte von Maklerpools und

Assekuradeuren schafften es auf die vorderen

Plätze. Wer sonst noch gut abschnitt,

können Sie den folgenden Tabellen entnehmen.

Top-Anbieter Komposit Gewerbe

# Gesellschaft %

Betriebshaftpflicht

1 Die Bayerische 10,5

2 VHV 9,4

3 R+V 7,3

Cyber Gewerbe

1 Hiscox 21

2 Cogitanda 12,2

3 Markel 8,7

Betriebsschließung

1 HDI 12,4

2 Allianz 7,8

3 R+V 5,6

D&O

1 Hiscox 23,4

2 Markel 11,5

3 R+V 8

Vermögensschaden-Haftpflicht

1 Hiscox 17,5

2 Ergo, Allianz 10,8

4 R+V 10,1

Kfz-Flotte

1 Kravag 21,7

2 VHV 14

3 R+V 11,2

Betriebsinhalt

1 Die Bayerische 10,1

2 Axa 8

3 R+V, Rhion 6,6

Firmenrechtsschutz

1 Arag 32,2

2 Auxilia 16,4

3 Roland 12,9

Illustration: Roman Kulon

65


BERATER Maklers Lieblinge 2022

Top-Anbieter Private Lebensversicherung

# Gesellschaft %

Privatrente

1 Allianz 21,3

2 Volkswohl Bund 7

3 Die Bayerische 6,7

# Gesellschaft %

Indexpolice

1 Allianz 20,3

2 Volkswohl Bund 10,6

3 LV 1871 5,8

# Gesellschaft %

Grundfähigkeit

1 Canada Life 16,7

2 Nürnberger 12

3 Die Bayerische 9,4

Fondspolice

1 Allianz 9,3

2 LV 1871 8,5

3 Volkswohl Bund 7,8

Rürup / Basisrente

1 Allianz 11,8

2 LV 1871 7,5

3 Canada Life 6,1

Risikoleben

1 Dela, Hannoversche 20,6

3 Dialog 7,9

4 Allianz 7,8

bAV

1 Allianz 19,4

2 Canada Life 7,1

3 Alte Leipziger 7

Berufsunfähigkeit

1 Alte Leipziger 17,2

2 Nürnberger 12,2

3 Die Bayerische 8

Dread Disease

1 Canada Life 38,3

2 Nürnberger 10,1

3 Zurich, die Bayerische 7,9

Riester

1 WWK 17

2 Allianz 10,1

3 Volkswohl Bund 6,4

Erwerbsunfähigkeit

1 Allianz 8,4

2 Canada Life 6,5

3 Nürnberger 6,2

Sterbegeld

1 Dela 15,6

2 Ideal 10,6

3 Monuta 9,4

Top-Anbieter SHUK-RS Privatkunden

# Gesellschaft %

Private Haftpflicht

1 Die Haftpflichtkasse 27,8

2 VHV 17,1

3 Maxpool-Deckungskonzept 7,7

# Gesellschaft %

Rechtsschutz

1 Arag 28,6

2 Auxilia 25,2

3 Itzehoer 8,4

# Gesellschaft %

Unfall

1 InterRisk 14,5

2 Basler 13

3 Die Haftpflichtkasse 12,7

Hausrat

1 Die Haftpflichtkasse 18,9

2 Ammerländer 17

3 VHV 7,4

Tierhalterhaftpflicht

1 Die Haftpflichtkasse 23,4

2 NV 11,7

3 Maxpool-Deckungskonzept 8,3

Kfz

1 VHV 29,2

2 Itzehoer 14,4

3 Kravag 8,4

Wohngebäude

1 Domcura 26,2

2 Konzept & Marketing 7,1

3 VHV 7

Tier-Kranken / Tier-OP

1 Adcuri 14,2

2 Uelzener 14,1

3 Barmenia 10,6

Cyber Privat

1 VHV 6,5

2 HDI 4,3

3 Cogitanda 3,7

66 procontra 05|22


Maklers Lieblinge 2022 BERATER

Top-Anbieter Private Krankenversicherung

# Gesellschaft %

Vollversicherung

1 HanseMerkur 14,5

2 Barmenia 14

3 Arag 12,1

# Gesellschaft %

Krankenzusatz ambulant

1 Barmenia 20,9

2 Arag 8,6

3 DKV 6,7

# Gesellschaft %

Pflegezusatz

1 Allianz 20,2

2 Ideal 8,4

3 DFV 7,9

Zahnzusatz

1 Barmenia 23,6

2 Arag 11,6

3 Nürnberger, die Bayerische 8,6

Krankenzusatz stationär

1 Barmenia 14

2 Arag 11,1

3 Hallesche 8,2

bKV

1 Hallesche 15,8

2 Allianz 12,3

3 Nürnberger 9,6

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Man steigt nie zwei Mal in denselben

Fluss – diese Weisheit gilt auch für

die alljährliche Kfz-Wechselsaison. Wer

als Makler oder Maklerin schon länger

im Geschäft ist, mag zwar in jedem

Herbst gewisse Parallelen erkennen.

Zugleich aber stellt sich die Kfz-Tariflandschaft

immer wieder neu dar, denn

die Produktentwickler in der Assekuranz

ruhen ebenso wenig wie die technische

Entwicklung. Diese hält die Maklerschaft

gleich auf zwei Ebenen auf Trab: Zum einen

verändern sich die Fahrzeuge fortlaufend.

Das gilt im Kleinen, etwa mit besserem

Diebstahlschutz, stetig ausgefeilteren

Sicherheitssystemen und immer teureren

Gadgets, aber vor allem im Großen, wie

bei der breiten Elektrifizierung. Die E-

Mobilitäts-Revolution zieht auch eine tarifliche

Umwälzung nach sich, die gerade

erst begonnen hat. Als Reaktion auf diese

Entwicklungen passen die Versicherer

ihre Tarife kontinuierlich an den Stand

der Technik an. Neben diesem müssen sie

aber auch weitere Faktoren einbeziehen,

etwa den auf Kundenseite wachsenden

Wunsch nach Nachhaltigkeit. Und dann

ist da schließlich auch noch der brancheninterne

Wettbewerb, der genuin

versicherungstechnische Fortschritt also,

Alles neu macht die

Wechselsaison

der immer wieder Tarifinnovationen hervorbringt

und neue Standards setzt. Aus

all dem ergibt sich eine hohe Dynamik im

Kfz-Tarifgefüge.

Zum anderen macht der Fortschritt auch

bei den Beratungs-, Tarifauswahl- und

Abwicklungsprozessen keine Pause. Die

Versicherer arbeiten mit Hochdruck daran,

Maklern und Endkunden mit digitaler

Hilfe das Leben zu erleichtern. Sosehr das

im Einzelnen gelingt, so unübersichtlich

macht die Vielzahl der Lösungen den

Foto: Baona

Markt für Vermittler. Ein „Business as

usual“ mag es im Kfz-Wechselgeschäft

vielleicht vor vielen Jahren gegeben haben,

heute indes muss man am Ball bleiben und

jedes Jahr neue Bewertungen anstellen.

Immerhin auf eines ist dabei Verlass: Die

KRAVAG gehört in die engere Auswahl.

Denn im Kfz-Geschäft liegt die Kernkompetenz

der R+V-Tochter, und das merkt

man den Produkten, Prozessen und Services

an. Mehr dazu lesen Sie im Interview

auf den Folgeseiten.

Die Zukunft der

Mobilität:

Elektrofahrzeuge

verlangen neue

Schwerpunkte in der

Absicherung – ein Treiber

der dynamischen

Entwicklung.

procontra FOKUS in Zusammenarbeit mit der R+V Versicherungsgruppe

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69


FOKUS R+V Versicherungsgruppe

»Wir denken zu 99 Prozent

in Richtung Makler«

Inga Gauer, Filialdirektorin bei der KRAVAG, über die Kfz-Tarife und -Services ihres Hauses,

fortwährende Prozessoptimierung und die Rolle, die Makler dabei spielen

– TEXT: SEBASTIAN WILHELM –

procontra: KRAVAG ist als Kfz-Versicherer

seit Jahrzehnten am Markt. Warum sollten

Makler auch heute noch zu einer Absicherung

bei Ihnen raten?

Inga Gauer: Wie Sie erwähnen, gibt es

uns bei der KRAVAG schon sehr lange.

Wir haben einen sehr klaren und starken

Fokus, nämlich auf alles rund um das Thema

Kfz – Privatkunden, Flottengeschäft,

Branchenpolice und, und, und. Durch die

Spezialisierung und unseren klaren Fokus

kennen wir die Sorgen und Nöte und auch

die Herausforderungen, mit denen die

Kunden und unsere Geschäftspartner konfrontiert

sind, und liefern dafür attraktive

Lösungen.

procontra: Welche Services bieten Sie Maklern

außerhalb des eigentlichen Versicherungsvorgangs?

Gauer: Da ist die Bandbreite ziemlich

groß. Es fängt an mit den technischen

Anbindungen, das heißt: Wie kommt ein

Geschäftspartner überhaupt zu seinen

Bestandsdaten? Ein Stichwort lautet hier

BiPRO, wie bei anderen Sparten und

Gesellschaften auch. Gerade im Bereich

Kfz sind wir da sehr gut aufgestellt. Es

gibt zudem Geschäftspartner, die kein

eigenes Maklerverwaltungsprogramm

haben. Nicht nur für sie haben wir unser

Maklerportal komplett neu aufgestellt, wo

man alle Daten schnell findet und herunterladen

kann. Dann gibt es aber noch

ganz andere Themen bei der KRAVAG.

Bei der KRAVAG-LOGISTIC, wo auch das

Schwer- und Gütergeschäft abgewickelt

wird, haben wir uns beispielsweise gefragt:

»Die Kunden

schließen jetzt ab

und haben dank der

Beitragsgarantie die

Sicherheit einer

stabilen Prämie im

nächsten Jahr.«

Was passiert eigentlich mit den Lkw, die

an den Raststätten nachts keinen Parkplatz

mehr bekommen? Dafür haben wir

das KRAVAG Truck Parking ins Leben

gerufen, für das Kunden mit großen Höfen

Parkplätze zur Verfügung stellen. Das ist

ein bundesweites Netzwerk, das – Hand

aufs Herz – mit dem eigentlichen Kfz-Tarif

gar nichts zu tun hat, aber eine wertvolle

Hilfestellung für unsere Kunden darstellt.

In diesem Sinne decken wir mit unseren

Services ein sehr breites Spektrum ab, etwa

auch indem wir unsere Kunden bei Aktionen

unterstützen. Wenn beispielsweise ein

Kunde mit einer mittelgroßen Flotte alle

seine Kunden anschreiben möchte, um sie

vor der Urlaubszeit über den Schutzbrief

oder die Fahrerschutz-Zusatzversicherung

zu informieren, dann unterstützen wir das

auf verschiedenen Wegen, ob mit Musteranschreiben

oder mit der Selektion. So

versuchen wir auf alle Bedarfe und Wünsche

rund um Kfz einzugehen.

procontra: Am Ende achten die Kunden

indes jenseits aller Services primär auf die

„harten“ Tarifbedingungen. Mit welchen

Highlights und Alleinstellungsmerkmalen

können Sie hier überzeugen?

Gauer: Im Zuge der Entwicklung des neuen

Kfz-Tarifs haben wir uns nicht nur den

Wettbewerb angeschaut, sondern auch

noch einmal neu Gedanken über die Frage

gemacht: Was braucht eigentlich der Geschäftspartner?

Wir haben zum Beispiel die

Fristen für die Neuwertentschädigung verlängert.

Im letzten Jahr haben wir bereits

für den sogenannten Zusatzfahrer einen

Baustein entwickelt, der insbesondere für

Familien sehr sinnvoll ist, in denen die

Kinder gerade den Führerschein gemacht

haben und das elterliche Auto mit nutzen.

Er wird von den Kunden hervorragend angenommen.

Auch beim Thema E-Mobilität

sind wir sehr gut aufgestellt, wenngleich

hier der Raum nicht ausreicht, um in die

kundenfreundlichen Details einzutauchen.

procontra: Der Zusatzfahrer genießt mit

dem entsprechenden Baustein den gleichen

Schutz wie der Hauptfahrer?

Gauer: Genau, für einen festen Betrag pro

Jahr kann der Zusatzfahrer die versicherten

Autos zu gleichen Konditionen

mitnutzen. Ansonsten gibt es ja, auch

bei der KRAVAG, häufig die Regelung,

dass man pro Auto den jüngsten und den

ältesten Fahrer angeben kann. Das ist aber

etwas herausfordernd und gilt manchmal

procontra FOKUS in Zusammenarbeit mit der R+V Versicherungsgruppe

70 Anzeige


R+V Versicherungsgruppe FOKUS

nur für einen bestimmten Zeitraum, weil

der Zusatzfahrer irgendwann doch auf ein

eigenes Fahrzeug umsteigt.

procontra: In der Kfz-Sparte haben Onlineabschlüsse

einen vergleichsweise hohen

Anteil. Welchen Vorteil haben die Kunden,

wenn sie einen Makler zurate ziehen?

Gauer: Hier ist die Antwort schon ein

bisschen in der Frage enthalten, denn

sie lautet: den Makler. Wer schon mal

versucht hat, sich durch einen Online-

Versicherungsvergleich mit all seinen

Tarifen und Angeboten „durchzuwühlen“,

weiß das. Es gibt so viele Anbieter, so viele

verschiedene Tarifgestaltungen, dass ein

Endkunde kaum überblicken kann, welche

Tarifmerkmale und welche Bausteine für

ihn sinnvoll sein können. Hier kann ein

Makler, der die Kundensituation und den

Bedarf genau kennt, entscheidende Orientierung

geben. Zumal es sich im Schadenfall

auszahlt, wenn der Kunde nicht allein

der Gesellschaft gegenübersteht, sondern

auf die Erfahrung und Hilfe eines Maklers

bauen kann.

procontra: Apropos Schadenabwicklung:

Welches Feedback erhält die KRAVAG für

ihre Regulierungspraxis von Maklern?

Gauer: Wir erhalten tatsächlich durch

die Bank sehr gutes Feedback. Allenfalls

bei bundesweiten Kumulschäden, also in

Spitzenzeiten, kommt es vielleicht mal zu

kurzen Wartezeiten an unserer Hotline,

die wir dann aber schnell und gezielt

verstärken. In normalen Zeiten läuft es

schnell und reibungslos, und natürlich

ist auch Kulanz für uns kein Fremdwort,

wenn Grenzfälle auftreten. Bei dieser

Gelegenheit möchte ich auch mal Dank an

die Kollegen in den Schadenabteilungen

aussprechen, von deren exzellenter Arbeit

wir im Vertrieb ja massiv profitieren. Die

hohe Qualität unserer Schadenabwicklung

wird auch in neutralen Umfragen immer

wieder bestätigt. Nichtsdestotrotz arbeiten

wir weiterhin permanent daran, auch

im Bereich Schaden die Prozesse noch

einfacher und schlanker zu machen, damit

es für alle Beteiligten schneller geht. Denn

im Schadenfall zeigt sich schließlich erst,

ob man dem Leistungsversprechen, das

man vielleicht über viele Jahre gegeben

hat, auch gerecht wird. Nehmen wir die

relativ häufig vorkommenden Glasschäden

als Beispiel. Wir versuchen auch hier, einfache,

schlanke Prozesse zu generieren, in

deren Rahmen sich unser Geschäftspartner

nur einmal auf einer Plattform anmelden

muss und danach alles automatisiert im

Hintergrund abläuft und mit dem Kunden

geregelt wird.

procontra: Sie haben auch eine Beitragsgarantie

eingeführt – für welche Tarife gilt

sie?

Gauer: Die Beitragsgarantie gilt für die

KRAVAG Allgemeine und innerhalb unseres

Konzerns auch für die R+V Premium.

Die Kunden schließen jetzt ab und haben

die Sicherheit eines stabilen Beitrags im

nächsten Jahr.

procontra: Haben Makler bei der KRA-

VAG persönliche Ansprechpartner bei

Fragen und Problemen?

Gauer: Ja, wir unterhalten ein bundesweites

Netzwerk von Maklerbetreuern,

die ausschließlich für das Thema Kfz

zuständig sind und als die ersten Ansprechpartner

für unsere Makler fungieren

– für alle Fragen, ob zur Beantragung, zu

Sondereinstufungen, Schadenfällen oder

Bestandsumdeckungen. Sie kümmern

sich den ganzen Tag um nichts anderes

als die Belange unserer Partner. Falls der

persönliche Maklerbetreuer mal temporär

nicht erreichbar ist, weil er zum

Beispiel in einem Meeting sitzt, stehen

auch unsere Schaden-Hotline und unser

Servicecenter zur Verfügung, für die wir

auch von Maklern sehr positives Feedback

bekommen. Es gibt also mehrere Kanäle

zwischen der KRAVAG und ihren Maklerpartnern.

Diese spielen bei der Weiterentwicklung

unserer Produkte und Prozesse

immer eine zentrale Rolle, denn sie sind

ja gewissermaßen unsere Kunden. Ob wir

eine BiPRO-Schnittstelle anbinden, ist für

die Endkunden schließlich nicht relevant.

99 Prozent unserer Überlegungen gehen

daher in Richtung Makler.

www.makler.ruv.de/kfz

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71


BUSCHFUNK Sachwerte

SACHWERTE

IMMER WENIGER HÄUSLEBAUER

Drastischer Rückgang bei den Baugenehmigungen

Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen und Einfamilienhäuser ist erheblich zurückgegangen.

So wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) von Januar

bis Juli 2022 insgesamt 216.425 Baugenehmigungen für Wohnungen erteilt – dies waren

2,1 Prozent oder 4.690 weniger als im Vorjahreszeitraum. Bei den Baugenehmigungen für

Einfamilienhäuser war der Rückgang noch drastischer: Von Januar bis Juli 2022 ging die Zahl

im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16,1 Prozent (9.343) auf 48.613 zurück. Dabei spielt

allerdings auch das Auslaufen des Baukindergeldes 2021 eine Rolle. Familien mit Kindern

konnten die staatliche Fördermaßnahme beantragen, wenn sie eine Baugenehmigung für

selbst genutztes Wohneigentum vorliegen hatten. Am 31. März 2021 endete das Programm.

Foto: Frizzantine

ENERGIEEFFIZIENZ OBERSTE PRIO

Steigende Energiepreise bestimmen Kaufverhalten.

Foto: Imaginima

Durch die hohen Energiepreise wird die Energieeffizienz von Gebäuden

immer mehr zu einem entscheidenden Kaufkriterium. Nach einer

Analyse des Immobilienvermittlers Engel & Völkers werden mangelhaft

isolierte Altbauten und Bestandsobjekte mit weniger modernen

Heizungssystemen zunehmend gemieden. Stattdessen liege der

Fokus von Kaufinteressenten auf Immobilien in energetisch bestem

Zustand – also Neubauten oder kernsanierte Objekte, bei denen in

den kommenden Jahren keine Investitionen erforderlich sind.

BAUBRANCHE STEHT VOR ABSCHWUNG

Historischer Anstieg bei Auftragsstornierungen

Hohe Baukosten und steigende Kreditzinsen sorgen im Wohnungsbau vermehrt für Auftragsstornierungen.

Nach einer aktuellen Umfrage des Münchner ifo Instituts waren im August 11,6

Prozent der befragten Unternehmen davon betroffen, nach 11,5 Prozent im Vormonat. „Seit

April sehen wir, dass auffällig viele Projekte gestrichen werden“, konstatiert ifo-Forscher Felix

Leiss. Viele Betriebe befürchten Geschäftsrückgänge: Der Erwartungsindikator fiel auf minus

48,3 Punkte und markiert damit den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebung 1991. Bis vor

wenigen Monaten hätten die Weichen im Wohnungsbau noch auf Wachstum gestanden. Zwar

verfügten die Unternehmen noch immer über prall gefüllte Auftragsbücher. „Aber mit Blick

auf die künftige Entwicklung greift die Angst um sich“, so Leiss.

Foto: Ifo-Institut

72

procontra 05 | 22


Sachwerte BUSCHFUNK

Hansainvest: Langfristiger Mietvertrag mit

flämischer Staatsbehörde

Hansainvest Real Assets hat für das Objekt Kolonien straat

29/31 in der Brüsseler Innenstadt einen neuen Großmieter

gewonnen. Die flämische Regierungsbehörde für Einbürgerungen

bezieht langfristig schrittweise seit 1. September

2022 insgesamt 3.246 Quadratmeter Bürofläche in der

Liegenschaft.

Foto: Jakub Mazur

MiFID: Mehr

Klarheit, bitte!

DR. ANDREAS MATTNER

Präsident des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA)

Savills: Mehrfamilienhäuser boomen

Mehr als 27,3 Milliarden Euro wurden laut Savills in der

ersten Jahreshälfte 2022 europaweit in Mehrfamilienhäuser

investiert – das höchste bislang erfasste Halbjahresergebnis.

Während die Transaktionsvolumen in Deutschland,

Irland, den Niederlanden und Schweden im zweiten

Quartal zurückgingen, war in Großbritannien, Dänemark

und Spanien ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen.

Deka Immobilien: Verkauf Einzelhandelsobjekt

Die Deka Immobilien hat ein Einzelhandelsobjekt in Paris

aus dem Portfolio des Spezialfonds VA-Domus nach

rund sechs Jahren Haltedauer veräußert. Käufer ist ein

Joint Venture zwischen AnaCap Financial Partners und

Freo Group. Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen

vereinbart.

Oppenfield: Neues Joint Venture

Die europaweit operierende Immobilienplattform Oppenfield

hat das Joint Venture Oppenfield Real Estate Investment

Management GmbH (OREIM) gegründet. Mehrheitsgesellschafter

sind Galcap Europe aus Österreich und Pier

Investment Partner aus Deutschland. Hinzu kommen fünf

weitere Gesellschafter aus Belgien, Frankreich, Großbritannien,

den Niederlanden und Spanien.

BVT: 3 Wohnungsbauprojekte in den USA

Die BVT Unternehmensgruppe hat drei weitere Projektentwicklungen

in den US-Bundesstaaten Georgia, Virginia

und Connecticut angebunden. Die Investitionen erfolgten

für den Fonds BVT Residential USA 17 sowie für den Teilfonds

BVT Residential USA 18.

Silvertip Capital: 5 Spezialisten von Corestate

Silvertip Capital vergrößert das Team am Standort

Frankfurt. So wird Stephan Rudolph (MRICS) Senior Vice

President Asset Management. Semira Schneider und Dianoush

Zekri werden Vice Presidents Asset Management.

Christian Bauer startet als Senior Associate im Asset und

Investment Team und Cedric Schütz wird Analyst im Asset

und Investment Team. Alle fünf stammen von Corestate.

Foto: sl-f

Foto: Global P.

Foto: Kruck 20

Die Regeländerung zur Finanzmarktrichtlinie MiFID

erscheint auf den ersten Blick als eine ziemlich

klare Sache: Banken und Sparkassen sind seit

dem vorigen Monat verpflichtet, Kundinnen

und Kunden bei der Anlageberatung nach ihren

Präferenzen in puncto Nachhaltigkeit zu befragen.

Diese Vorlieben müssen dann bei der Auswahl der

Finanzprodukte berücksichtigt werden. MiFID soll

also grünen Finanzprodukten einen Schub geben

und nachhaltige Geldanlagen für breitere Bevölkerungsgruppen

öffnen. Das alles ist sowohl für offene

als auch für geschlossene Immobilienfonds

von großer Bedeutung. Keine Frage: Ein Mehr an

Nachhaltigkeit ist ein Muss. Mancher fühlt sich

da spontan an die alte Pralinen-Werbung erinnert:

„Wer kann dazu schon Nein sagen?“ Der ZIA

jedenfalls ist aus voller Überzeugung dabei. Das

Problem ist nur: Was genau gilt als nachhaltig?

Nicht, dass es hier an Antworten fehlte. Nur, leider

fallen die unterschiedlich aus. Die MiFID-Novelle

ist neben der Taxonomie und der Offenlegungs-

Verordnung einer der zentralen Bausteine des

Sustainable Finance Action Plans der EU. Was

unter Nachhaltigkeit zu verstehen ist, ist schon in

der Offenlegungs-Verordnung und der Taxonomie

nicht einheitlich geregelt. Durch MiFID zeigt sich

diese Widersprüchlichkeit jetzt noch drastischer.

Denn die Anforderungen an nachhaltige Produkte

im Sinne von MiFID weichen wiederum von der

Offenlegungs-Verordnung ab. Die Gleichung grün

= gut geht also schon deswegen nur begrenzt auf,

weil nicht widerspruchsfrei dargelegt wird, was

„nachhaltig“ ist. Der gewünschte Effekt, auch

Gelder der Privatkunden in nachhaltige Investitionen

zu lenken, droht daher auf der Strecke zu

bleiben. Das allerdings wäre ein provozierend hoher

Preis. Die dringende Bitte also: Mehr Klarheit,

bitte.

procontra 05 | 22

73


SACHWERTE Wohnimmobilien

»Spürbare Abschwächung

zu erwarten«

Die Zeiten rasch steigender Preise für Wohnimmobilien sind bald vorbei.

Warum ein Einbruch aber nicht zu erwarten sei, erläutert Jens Tolckmitt,

Hauptgeschäftsführer des Verbands deutscher Pfandbriefbanken, im Interview.

– TEXT: STEFAN TERLIESNER –

procontra: Herr Tolckmitt, getragen von

extrem niedrigen Zinsen sind die Preise

für Immobilien jahrelang gestiegen. Jetzt

steigen die Zinsen. Ist der Preisboom im

Wohnsektor vorbei?

Jens Tolckmitt: Nein, die positive Entwicklung

auf dem deutschen Immobilienmarkt

hält bislang weiter an. Im zweiten Quartal

sind die Wohnimmobilienpreise um

10,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquar

tal gestiegen, wie unser vdp-Index

zeigt. Die Preise für Wohnimmobilien in

den Top-7-Städten erhöhten sich sogar um

11 Prozent.

procontra: Wie aussagekräftig sind Ihre

Zahlen?

Tolckmitt: Sehr aussagekräftig. Im Gegensatz

zu anderen Preisindizes am Markt, die

rein auf Angebotspreise abstellen, basiert

der vdp-Index auf echten Preisdaten. Unser

Tochterunternehmen vdp Research wertet

quartalsweise die Daten abgeschlossener

Immobilienfinanzierungen von mehr als

700 Kreditinstituten aus. In unseren Index

fließen also nur Preise ein, die tatsächlich

am Markt erzielt worden sind – und zwar

flächendeckend für ganz Deutschland.

procontra: Hat Sie die Entwicklung überrascht?

Tolckmitt: Dass der Preisanstieg im zweiten

Quartal noch anhält, war zu erwarten,

die unverändert hohe Steigerungsrate

nicht unbedingt. Hier könnte eine gewisse

Zeitverzögerung zum Tragen kommen:

Von der Finanzierungsanfrage bis zum

endgültigen Abschluss können manchmal

mehrere Monate vergehen, auch quartals-

74 procontra 05 | 22


Wohnimmobilien SACHWERTE

übergreifend, sodass sich eine geringere

Preisdynamik womöglich erst in den

nächs ten Quartalen zeigen wird. Am positiven

Vorzeichen wird sich unseres Erachtens

aber auch auf absehbare Zeit nichts

ändern. Schließlich ist der Wohnungsmarkt

nach wie vor angespannt, und die Bautätigkeit

fällt weiterhin viel zu gering aus.

procontra: Aber Immobilienkredite sind

seit dem Frühjahr im Schnitt dreimal so

teuer wie vorher. Macht sich das bei der

Nachfrage nicht bemerkbar?

Tolckmitt: Die Zinsen für Immobilienkredite

haben sich im ersten Halbjahr deutlich

erhöht, das stimmt, zuletzt hat sich das

Zinsniveau allerdings schon wieder reduziert.

Welche Auswirkungen diese Entwicklung

auf die Nachfrage nach Wohnimmobiliendarlehen

haben wird, werden wir

konkret erst in den nächsten Quartalen

sehen. Denn der Immobilienmarkt läuft

der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung

einige Monate hinterher.

procontra: Könnte die Immobilienfinanzierung

dann in Gefahr geraten?

Tolckmitt: Die Finanzierungszahlen der

vdp-Mitgliedsinstitute deuten bereits

darauf hin, dass es speziell für Schwellenhaushalte

zusehends schwieriger wird,

ihren Traum vom Eigenheim zu verwirklichen:

Finanzierungen für selbst genutztes

Wohneigentum waren im zweiten Quartal

dieses Jahres schon nicht mehr in dem

Ausmaß gefragt wie zuvor. Für Ein- und

Zweifamilienhäuser sowie für Eigentumswohnungen

haben Kreditinstitute im

zweiten Quartal 2022 Darlehen mit einem

Volumen von rund 19,4 Milliarden Euro

zugesagt – nach 24 Milliarden Euro im

Vorquartal und 21,6 Milliarden Euro im

zweiten Quartal 2021.

procontra: Wie lautet Ihre Prognose für

die Immobilienpreise in den kommenden

Monaten?

Tolckmitt: Das Umfeld ist aktuell sehr

schwierig. Gleich mehrere Belastungsfaktoren

kommen zusammen: der Angriffskrieg

Russlands auf die Ukraine,

die Energiekrise, die gedämpften Wachstumsaussichten,

die Inflation, die Engpässe

bei Fachkräften und Materialien

und der spürbare Zinsanstieg. Aufgrund

dieser Negativfaktoren ist bei potenziellen

Käufern und Bauherren schon jetzt eine

gewisse Zurückhaltung zu beobachten.

Wir gehen davon aus, dass sich dies zeitverzögert

auch in den Index-Ergebnissen

niederschlagen wird. Mit einer spürbaren

Abschwächung der Preisdynamik ist zu

rechnen. Künftig dürfte sich die Entwicklung

der Wohnimmobilienpreise wieder

stärker an den erzielbaren Mieten orientieren

– zum einen, weil der langjährige

Sonderfaktor, die historisch günstigen

Finanzierungskonditionen, weggefallen ist,

zum anderen, weil die Baukosten spürbar

angestiegen sind.

procontra: Bleibt Raum für weitere Preissteigerungen

bei Wohnimmobilien?

Tolckmitt: Ja, durchaus. Der deutsche Immobilienmarkt

wird als „sicherer Hafen“

von Investoren geschätzt – unter anderem

deshalb, weil hierzulande nicht auf Vorrat

gebaut wurde, anders als in anderen

europäischen Ländern vor der Finanzkrise.

»Für Schwellenhaushalte

wird es

zusehends schwieriger,

ihren Traum

vom Eigenheim zu

verwirklichen.«

Am Nachfrageüberhang hat sich zudem

nichts geändert. Und da das ambitionierte

Ziel der Bundesregierung, 400.000 neue

Wohnungen pro Jahr zu schaffen, nicht zuletzt

aufgrund des Materialengpasses und

deutlich gestiegener Baukosten in weite

Ferne rückt, wird es auf der Angebotsseite

vorerst keine Entspannung geben.

procontra: Wie besorgt sind Sie über die

Zinsentwicklung?

Tolckmitt: Zuletzt sind die Bauzinsen ja

wieder etwas gefallen. Derzeit befinden sie

sich auf dem Niveau von 2012/2013. Das

bedeutet, dass Familien, die damals eine

Finanzierung für zehn Jahre abgeschlossen

haben und nun eine Anschlussfinanzierung

benötigen, zu annähernd gleichen

Zinskonditionen abschließen können. Zu

berücksichtigen ist ferner die in Deutschland

übliche hohe Anfangstilgung bei den

Langfristfinanzierungen. Selbst im Falle

steigender Zinsen könnte die Zins- und

Gesamtbelastung bei Anschlussfinanzie-

rungen somit geringer ausfallen, da bereits

ein bedeutender Betrag getilgt worden ist.

Die lange Zinsbindung in Deutschland

sichert Kreditnehmer also weitgehend ab.

procontra: Was müsste passieren, dass die

Preise einbrechen?

Tolckmitt: Spürbare Preisabschläge wären

nur dann denkbar, wenn es zu einem Überangebot

käme, wenn also in größerem Stil

und über eine längere Zeit Notverkäufe

von Immobilien stattfinden würden. Von

diesem Szenario sind wir aktuell weit entfernt.

Aufgrund des anhaltenden Nachfrageüberhangs

sind aus heutiger Sicht keine

Preiseinbrüche zu erwarten. Wohnimmobilien

sind in vielen Regionen Deutschlands

weiterhin knapp.

procontra: Immer mehr Ökonomen sagen

eine Rezession für Deutschland voraus.

Wie schätzen Sie die daraus resultierenden

Risiken für den Wohnimmobilienmarkt

ein?

Tolckmitt: Der Wirtschaftseinbruch zu

Beginn der Covid-19-Krise liegt inzwischen

mehr als zwei Jahre zurück. In der

Retrospektive hat er auf den deutschen Immobilienmarkt

nur geringe Auswirkungen

gehabt. Vielmehr ist es so gewesen, dass

die Pandemie bereits zuvor beobachtbare

Tendenzen sogar verstärkte: beispielsweise

die erhöhte Nachfrage nach Wohnimmobilien.

Sollten die aktuellen konjunkturellen

Belastungsfaktoren tatsächlich zu einer Rezession

in Deutschland führen; sollte diese

deutlich länger andauern als zu Beginn

der Pandemie und sich auch spürbar auf

den Arbeitsmarkt auswirken, würde das

natürlich auch am Immobilienmarkt nicht

spurlos vorbeigehen.

procontra: Was bedeutet das konkret?

Tolckmitt: Dann wäre damit zu rechnen,

dass die Nachfrage nach Immobilien sinkt.

Ob sie dann allerdings so weit sinken würde,

dass bei Wohnimmobilien das Angebot

die Nachfrage übersteigt und es somit zu

fallenden Preisen kommt, bleibt abzuwarten.

So robust, wie sich der Immobilienmarkt

in Deutschland in den vergangenen

Jahrzehnten präsentiert hat, wird er auch

die kommende, sicherlich schwierigere

Marktphase mutmaßlich gut überstehen.

Immobilien sind schließlich in jeder

Konjunkturphase ein sinnvolles Investment

und dienen ja auch bei den derzeit hohen

Teuerungsraten als Inflationsschutz. Zudem

bleibt die Anzahl möglicher Anlagealternativen

bislang überschaubar.

procontra 05 | 22

75


SACHWERTE Immobilienfinanzierung

FÖRDERTÖPFE: AUFTUN,

AUFZEIGEN, AUSSCHÖPFEN

Wer baut, kann diverse Fördergelder und Zuschüsse beantragen. Doch das Angebot ist

unübersichtlich und ändert sich laufend. Eine gute Finanzberatung hilft Bauherren,

das Optimum für sich herauszuholen.

– TEXT: IMKE REIHER –

400.000 neue Wohnungen pro Jahr: So lautet

das Ziel der Bundesregierung. Davon ist

sie im Moment noch weit entfernt. Auch

private Bau-Interessenten müssen sich zusehends

von ihren Immobilienplänen verabschieden,

nachdem sich die Bauzinsen auf

Jahressicht mehr als verdreifacht haben.

Dazu kommen die hohe Inflation, steigende

Kosten für Baumaterial und Energie, Liefer

eng pässe sowie ein Mangel an Handwerkern.

Das macht Fördermittel umso wichtiger,

die Bund, Länder und Kommunen zur Verfügung

stellen. Das Problem: Das Angebot

an Krediten, Zuschüssen und Zulagen ist

unübersichtlich und ändert sich mitunter

kurzfristig. So hat die Regierung im Juli

die Fördermittel für energieeffiziente Neubauten

massiv gekürzt und die Förderung

weitgehend auf zinsverbilligte Kredite umgestellt,

während Zuschussvarianten ins

Hintertreffen geraten. Zudem wurden die

Anforderungen bei der Neubauförderung

erhöht. Künftig ist diese an den Standard

„Energiehaus 40“ geknüpft – den ambitioniertesten

von allen – sowie an ein

Zertifikat, das diesen bestätigt. „Statt die

Neubauwirtschaft mit öffentlichen Mitteln

anzukurbeln, wurde sie noch mehr eingedampft“,

sagt Carsten Zimmermann, Vorstandsvorsitzender

beim Bundesverband

deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen

e. V. (GdW).

76 Illustration: Roman Kulon


Immobilienfinanzierung SACHWERTE

FÖRDERMITTEL IM ÜBERBLICK

ZUSÄTZLICHE FÖRDERUNG REGIONALE FÖRDERUNG BUNDESWEITE FÖRDERUNG

MAKLERS MEINUNG

»Wir schauen auf

regionale Förderung«

FRANK KLEIN, Baufinanzierungsexperte

bei Dr. Klein, Siegen

durch durch durch

Kirchen

Arbeitgeber

BERATER: MÖGLICHE ZUSCHÜSSE AUSLOTEN

Da es keine Übersicht über sämtliche Förderprogramme

für Bauwillige gibt, ist

eine gute Beratung essenziell, um sich im

Fördermittel-Dschungel zurechtzufinden.

Zudem kann ein Berater die richtige Kombination

von Bank- und Förderdarlehen

sowie auch Stolperfallen aufzeigen. Ein

Beispiel: „Es besteht die Gefahr, dass Fördergelder

beantragt, aber nicht ausbezahlt

werden und Bauherren eine Nachfinanzierung

zu deutlich schlechteren Konditionen

stemmen müssen“, weiß Frank Klein, Baufinanzierungsexperte

bei Dr. Klein in Siegen.

Auch deswegen ist es ratsam, die Baufinanzierung

auf mehrere Säulen zu stellen

und unterschiedliche Kreditlaufzeiten zu

wählen, um flexibler zu bleiben. Wichtig zu

wissen: Ein Rechtsanspruch auf Fördermittel

besteht nicht.

STAATLICHE ZUSCHÜSSE

VON KFW, BAFA & CO.

Auf Bundesebene sind die Kreditanstalt

für Wiederaufbau (KfW) und das Bundesamt

für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle

(BAFA) die zwei wichtigsten Adressen für

Fördermittel beim Hausbau. Während die

KfW zinsgünstige Kredite für „größere“ Aktionen

vergibt, unterstützt das BAFA energieeffiziente

Einzelmaßnahmen. Allerdings

kommen für Bauwillige seit der jüngsten

Rotstift-Aktion nur noch wenige Förderprogramme

für Neubau infrage. Dazu zählen

das Wohneigentumsprogramm der KfW

(124) und einige Förderungen des BAFA.

Allerdings sollte man Letztere besser nicht

in die direkte Finanzierung einbinden, weil

Kommunen

Bundesländer

BAFA

Quelle: Aroundhome

es mitunter länger dauert, bis die Gel der

ausbezahlt werden, rät Bauexperte Klein:

„Besser ist es, die Förderung abzurufen und

als Sondertilgung mit einfließen zu lassen.“

Weitere staatliche Unterstützungsmöglichkeiten

sind zudem über Bausparverträge

(Wohnungsbauprämie, VL-Leistungen, Arbeitnehmersparzulage),

Wohn-Riester und

das Baukindergeld möglich. Sämtliche Zulagen

sind an bestimmte Voraussetzungen

»Statt die Neubauwirtschaft

mit

öffentlichen Mitteln

anzukurbeln, wurde

sie noch mehr

eingedampft.«

CARSTEN ZIMMERMANN, GDW

Wohnriester

(Eigenheimrente)

Darlehen der

KfW-Bank

gekoppelt, wie etwa Einkommensgrenzen.

Die Baukindergeld-Förderung läuft zudem

zum 31. Dezember 2023 aus.

REGIONALE FÖRDERPROGRAMME IM BLICK

Neben den staatlichen Programmen sollten

Berater auch die regionale Bauförderung

im Blick haben, um Finanzierungslücken

zu verkleinern. „Die regionale Förderung

wird wichtiger, aber ist noch nicht so bekannt“,

sagt Klein. Hier lässt sich ein

„In den letzten Monaten wurden die Fördermittel

für den Neubau massiv gekürzt, den

die alte Regierung noch stärker gefördert

hat. Hier wurde eine neue Richtung

eingeschlagen, der Fokus liegt jetzt auf

Bestandsimmobilien. Die Energieeffizienzprogramme

wurden quasi alle gestrichen,

und neuer Standard ist das KfW-40-Haus,

das schon eine hohe Energieeffizienz hat.

Aktuell können private Bauherren bei der

KfW in erster Linie das Wohneigentumsprogramm

124 in Anspruch nehmen. Zudem

kann man auch Einzelförderungen für

den Bereich Wärmeerzeugung beim BAFA

abrufen – theoretisch auch parallel, da

dies nicht als Doppelförderung angesehen

wird. Allerdings kann es da manchmal

länger dauern, bis das Geld kommt, was

Bauherren bei der Planung im Hinterkopf

haben sollten. Insofern sollte dies vielleicht

besser als Sondertilgung verwendet

werden. Weitere Fördermöglichkeiten durch

den Staat gibt es zudem für Teilbereiche,

etwa über das Wohnkindergeld oder die

Grunderwerbssteuer. Wir schauen bei Dr.

Klein auch gezielt auf die regionale Förderung,

die wichtiger wird. Vielen sind diese

Fördermöglichkeiten nicht so bekannt. Hier

können Berater punkten und einen Mehrwert

generieren. Zudem ist es ratsam, auch

auf einen Energieberater zuzugehen, der

alle Fördermöglichkeiten kennt. Allerdings

sind jene aktuell massiv überlastet und

oft schwer zu bekommen. Mein Wunsch

mit Blick auf eine Förderung beim Neubau

wäre, den Fokus hier nicht unbedingt auf

Mehrfamilienhäuser zu legen, weil die Mittel

oft von Bauträgern abgegriffen werden.

Stattdessen sollte die Förderung auf Familien,

erneuerbaren Energien und Heizsystemen

liegen.“

procontra 05 | 22

77


SACHWERTE Immobilienfinanzierung

»Förderlandschaft unübersichtlich«

MARCUS SCHAD, Geschäftsführer Sozialwissenschaftliches Institut Schad GmbH & Co. KG in Hamburg

procontra: Was sind die zentralen Ergebnisse

der SWI-Finance-Studie?

Marcus Schad: Erstens gehen zwei Drittel der

Befragten davon aus, sich keine Immobilie leisten

zu können. Selbst in der Einkommensgruppe

ab 6.000 Euro Netto-Haushaltseinkommen ist es

fast ein Viertel. Zweitens haben Immobilieninteressenten

in den letzten Jahren hauptsächlich

das Eigenkapital erhöht, um die Rate im Rahmen

zu halten, wobei Schenkungen und Erbschaften

eine zunehmende Rolle spielen. Doch bei

gleichzeitig hohen Preisen und hohen Zinsen

funktioniert das oft nicht mehr.

Das führt drittens zu einer sinkenden Nachfrage

nach Immobilien, die von steigenden Preisen

für Baumaterial, dessen Knappheit und einem

Fachkräftemangel noch befeuert wird.

procontra: Welche Fördergelder und Zuschüsse

sind für Bauwillige noch möglich?

Schad: Es gibt eine unübersichtliche Landschaft

von Förderungen, und es muss individuell

geschaut werden, was passt. Besonders

wichtig sind die Kredite und Förderungen der

staatlichen KfW. Sie sind oft abhängig davon,

wie energiesparend der Bau oder die Sanierung

der Immobilie ist. Wenn regenerative Energie ins

Spiel kommt, kommt zusätzlich die BAFA-Förderung

hinzu. Zudem gibt es auf regionaler Ebene

Förderungen, und auch die Altersvorsorge kann

ein Baustein sein, in Form von Wohn-Riester. Die

staatliche Förderung ist für selbst genutztes

Wohneigentum möglich.

procontra: Wie können Finanzberater das Thema

Fördermittel für Bauwillige anbringen?

Schad: Die Aufgabe der Berater ist es, für den

Kunden das beste Gesamtpaket zu schnüren

und dabei Zuschüsse und Förderungen

miteinzubeziehen. Dies sollte dem Kunden aktiv

als Mehrwert in den Gesprächen kommuniziert

werden. Die Zusammenarbeit mit einem Energieberater

kann in der Finanzierungsberatung eine

Möglichkeit sein, sich zu profilieren. Unsere Studie

hat gezeigt, dass eine persönliche Beratung

den Interessenten weiter wichtig bleibt, zumal

die Baufinanzierung ein komplexes Produkt ist.

procontra: Woran hakt es und was sollte sich

Ihrer Meinung nach ändern?

Schad: Das Feld an Zuschüssen und Förderungen

ist sehr weit. Umfangreiche Bedingungen

und Fallstricke führen dazu, dass es oft

nur mit Fachleuten möglich ist, die Beantragung

vorzunehmen. Im Fall von Energieberatern

etwa kann der nächste Termin jedoch weit in

der Zukunft liegen. Hier ist eine Vereinfachung

der Auswahl und der Beantragungsprozesse

anzustreben.

procontra: Welchen Rat würden Sie der Regierung

geben, die mehr Neubauwohnungen

anstrebt?

Schad: Bei Investoren und Wohnungsbaugesellschaften

haben sich die ausgesetzten

Förderungen negativ ausgewirkt. Hier ist Verunsicherung

geschaffen worden. Die gestoppten

Projekte lassen sich angesichts gestiegener

Kosten und geänderter Vorgaben auch nicht

einfach wiederaufnehmen. Sollen die Neubauziele

nicht abgeschrieben werden, ist eine

verlässliche Förderung notwendig. Bei den privaten

Bauherren liegen die Herausforderungen

ähnlich. Den Punkt Grunderwerbsteuer hat die

Regierung seit Anfang 2022 ja schon mal auf

der Agenda.

potenzieller Mehrwert gegenüber der

Konkurrenz schaffen, weil man dem Kunden

mehr Möglichkeiten zeigt, finanzielle

Zuschüsse für den Hausbau zu bekommen.

So gibt es beispielsweise das sogenannte

Einheimischen-Modell, bei dem eine Kommune

vergünstigte Grundstücke vergibt.

Die Fördervoraussetzungen variieren bei

den einzelnen Städten und Gemeinden.

Meist müssen die Antragsteller aber schon

fünf Jahre vor Ort leben. Eine Übersicht

über zahlreiche Fördermittel von Städten

und Gemeinden für den Erwerb von Wohneigentum

bietet das Onlineportal „Aktion

Pro Eigenheim“, auf dem sich auch Berater

kundig machen können.

FÖRDERANTRÄGE FRÜHZEITIG STELLEN

In jedem Fall sollten Berater ihre Kunden

darauf hinweisen, dass diese viele Fördermittel

VOR Beginn einer Maßnahme

beantragen müssen und die Bestätigung

abwarten sollten. Wenn bereits ein Liefer-,

Leistungs- oder Kaufvertrag besteht, ist die

Förderung passé.

Um Planungsfehler zu vermeiden und

Fristen einzuhalten, sind Berater für Energieeffizienz

eine gute Adresse, deren Einbinden

mitunter sogar Voraussetzung für eine

Förderung ist – und ebenfalls bezuschusst

wird. Für 2023 hat die Regierung eine Reform

bei der Neubauförderung angekündigt.

Das Thema bleibt also im Fluss.

PRO

BERATUNGSPOTENZIAL

»FÖRDERTÖPFE«?

Klientel mit Cross-

Selling-Potenzial für

zukünftige Geschäfte

Fokus auf regionale

Förderung zum Mehrwert

ausbauen

Einlesen in Fördermittel

pusht Wissen

für andere Bereiche

CONTRA

Einarbeiten ist

zeitaufwendig und

Materie ändert sich

schnell

Aufwand und Ertrag

stehen zunächst im

Missverhältnis

Wissenstand muss

auf dem Laufenden

gehalten werden

78 procontra 05 | 22


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SACHWERTE Luxusuhren

AM PULS DER ZEIT?!

Marktpreise weit oberhalb des Listenpreises und Modelle, die in kurzer Zeit ihren Wert

verdoppeln. Was ist beim Investment in Luxusuhren zu beachten?

– TEXT: ANNE MAREILE WALTER –

„Materiell ist keine Luxusuhr auch nur

ansatzweise ihr Geld wert.“ Zu diesem

Fazit kommt Uhrenexperte und YouTube-

Bekanntheit Marcus Finger in einem Videobeitrag,

in dem er seine Follower über das

Wertsteigerungspotenzial von Luxusuhren

aufklärt. Der Wert der hochwertigen Zeitmesser

– so seine weitere Ausführung – sei

ideeller Natur und speise sich aus einer

subjektiven Einschätzung. Der Hype um

Klassiker wie Rolex entstehe durch hohe

Nachfrage und künstliche Verknappung.

Bei etlichen Uhrenmodellen schießen so die

Preise durch die Decke und Käufer können

mit hohen Renditen rechnen.

Eine aktuelle Statistik des Luxusuhren-

Händlers Horando zeigt ebenfalls: Bei einigen

Uhrenmodellen, wie der Patek Philippe

Nautilus, ist in einem Zeitraum von rund

acht Jahren eine Wertsteigerung von mehreren

100 Prozent drin. Im Vergleich mit

den Börsennotierungen international agierender

Großunternehmen werde die Spanne

der Rendite noch deutlicher, heißt es

in der dazugehörigen Pressemitteilung. So

habe Apple zwischen 2014 und 2022 eine

Wertsteigerung von 112 Prozent verzeichnet

– im selben Zeitraum stieg der Wert der

Patek Philippe um 718 Prozent. Ist es demnach

lukrativ, in Zeiten hoher Inflation und

negativer Realverzinsung in das Sachwerte-

Segment Luxusuhren zu investieren?

ANLEGER BRAUCHEN EINE

PERSÖNLICHE AFFINITÄT

Mit Blick auf die Marktpreise kann die

Frage eindeutig mit einem Ja beantwortet

werden. Auch der Uhrenexperte und Fachjournalist

Michael Brückner unterstreicht

die Beobachtung von Horando. In den vergangenen

Jahren hätten die Uhrenpreise

tatsächlich „exorbitant zugelegt“, sagt er,

schränkt aber gleichzeitig ein: Nicht jede

hochwertige Uhr beschere dem Anleger

auch eine saftige Rendite. „Rund 80 Prozent

der Uhren besitzen kein Wertsteigerungspotenzial

und sind als Kapitalanlage

vollkommen ungeeignet“, erklärt Brückner.

Die übrigen 20 Prozent seien bestimmte

Marken und Modelle, die einem Großteil

der Uhrenliebhaber gefallen. Rolex, Omega,

Seiko, Breitling – es sind Markennamen,

die in dem Zusammenhang nicht

überraschend klingen.

80 Illustration: Eleonora Mavromati


Luxusuhren SACHWERTE

Dabei ist ein Investment in Luxusuhren

nicht per se für jeden Anleger geeignet.

„Wer in Luxusuhren investieren will,

braucht eine persönliche Affinität“, sagt

Brückner. Es bringe wenig, die Uhr im Tresor

zu lagern und dann die Wertsteigerung

abzuwarten. „Luxusuhren werfen eben

nicht nur eine normale Rendite ab. Auf die

normale Rendite kommt die emotionale

Rendite obendrauf.“

Sechs oder sieben Jahre – so lange dauere

es im Schnitt, bis eine Uhr langsam im Wert

steigt. Hinzu kommt der Nutzwert. Anders

als andere Sachwerte kann der Anleger sein

Investment am Handgelenk tragen – und

es zeigt die Zeit an. „Luxusuhren sind ein

langfristiges Investment“, erklärt Brückner.

Oft sei es so, dass erst die Kinder oder Enkelkinder

finanziell profitieren. Denn bis

eine Uhr zum begehrten Sammlerobjekt

wird, könnten Jahre oder Jahrzehnte vergehen.

Bei international gefragten Luxusuhren,

wie der Rolex Daytona, seien Renditen

von bis zu 6 Prozent im Jahr möglich.

Zudem müssten Anleger beachten: Nach

rund acht Jahren ist die erste Revision der

Uhr fällig; und diese Verbindlichkeit drückt

die Rendite. Das professionelle Überholen

könne schnell vierstellige Beträge verschlingen,

fügt der Fachmann hinzu.

VINTAGE – EIN GARANT FÜR HOHE RENDITEN?

Anders als bei Gold-Investments müssen

Anleger bei Luxusuhren auch den vorgeschriebenen

Umsatzsteuersatz in Höhe von

19 Prozent mit in ihre Rechnung einbeziehen.

Nach der ein Jahr dauernden Spekulationsfrist

sind die Renditen schließlich

steuerfrei.

Henri von Laufenberg hat für Anleger mit

einem Faible für Luxusuhren eine weitere

»80 Prozent der Uhren

haben kein Wertsteigerungspotenzial

und sind als Kapitalanlage

vollkommen

ungeeignet.«

MICHAEL BRÜCKNER, UHRENEXPERTE UND BUCHAUTOR

PREIS-BOOM NUR BEI WENIGEN MARKEN

Preisentwicklung nach Marken auf dem Markt für Secondhand-Uhren

Patek Philippe

Audemars Piguet

Vacheron Constantin

Rolex

A. Lange & Söhne

Girrad-Perregaux

Cartier

H. Moser & Cie.

Jaeger-LeCoultre

Brequet

Swatch

Breitling

IWC

Omega

Tudor

-1,5

-1,6

-0,3

-4,0

Zeitraum: die letzten 12 Monate; Angaben in % Quelle: Watchcharts

Empfehlung: Aus Sicht des für den Händler

Colognewatch tätigen Uhrenexperten sind

Vintage-Uhren ein Garant für hohe Renditen.

Die Modelle seien in der Regel rar,

dadurch steige der Wert. Wer sich eine Uhr

mit dem Ziel einer Wertanlage anschaffe,

landet laut von Laufenberg in der Regel

bei sieben bis acht Mainstream-Modellen –

Uhren, die in den vergangenen 20 Jahren

die höchsten Wertzuwächse verzeichneten.

Die Preise seien meistens fünfstellig.

MARKT IST EHER VON SAMMLERN GEPRÄGT

„Früher war das Investment Luxusuhr

ein exotisches. Heute hat es einen traditionellen

Charakter bekommen“, sagt von

Laufenberg. Dafür spricht eben auch die

große Nachfrage nach Luxusuhren, die die

Preise zuletzt immer weiter in die Höhe

trieb. Laut von Laufenberg gab es jüngst

jedoch einen Schwenk, die Preise gingen

runter. „Uhren, die sich Sammler noch vor

einem halben Jahr nicht leisten konnten,

sind plötzlich erschwinglich“, führt er aus.

Zuletzt habe der Preisrückgang bei rund 15

Prozent gelegen. Über die Gründe lasse sich

nur spekulieren: Die Sommerflaute könne

eine Ursache sein oder der Corona-Lockdown

in China. Da hätten viele Anleger die

Entscheidung getroffen, zu verkaufen, statt

3,0

2,6

3,8

5,1

7,2

13,1

15,0

ihr Investment zu halten. „Aktuell haben

wir ein Level der Stagnation erreicht“, ist

der Experte überzeugt. Dem Markt, der

eher von Sammlern als von Händlern geprägt

sei, tue das gut.

Wer mit dem Gedanken spielt, sein Geld

in dekorative Zeitmesser anzulegen, könnte

diese Anschaffung jetzt womöglich zu moderaten

Preisen realisieren. Dabei sollte allerdings

eine Maxime vor Augen bleiben:

Wenn am Ende 5 Prozent weniger auf dem

Konto verbleiben, sollten sich dies mit der

Freude an dem Investment aufwiegen lassen.


PRO

26,1

LUKRATIVE LUXUSUHREN?

Stabiler Werterhalt

Hohe Renditen bei

bestimmten Modellen

möglich

Großer Nutzwert,

emotionale Bedeutung

37,4

CONTRA

46,6

Spezifisches

Know-how nötig

Wertsteigerung

nur bei wenigen

Uhrenmodellen

Oft profitieren erst

die nachfolgenden

Generationen

51,6

procontra 05 | 22

81


PRIVAT GEFRAGT Karoline Viktoria Mielken, Geschäftsführerin Nettowelt GmbH

»Nettotarife sind sinnvoll

– für Kunden und

Vermittler«

KAROLINE VIKTORIA MIELKEN

(mein Sohn sagt „dinoalt“, 1986)

Geschäftsführerin Nettowelt GmbH,

verheiratet, 1 Kind

IHRE MEINUNG, FRAU MIELKEN:

Wir brauchen ein Unterrichtsfach

Finanzen & Versicherungen

Digitale Beratung kann mit analogen

Möglichkeiten mithalten

Nettotarife sollten über die Altersvorsorge

hinaus in die Beratung integriert werden

Die Branche braucht ein Provisionsverbot/

den Provisionsdeckel

Die Branche sollte die sozialen Medien

noch stärker nutzen, um ihr Image/die

Außenwirkung zu verbessern

Der Einstieg in das Honorargeschäft sollte

für Vermittler vereinfacht werden

Zum Frühstück gibt es bei mir

Joghurt mit Müsli.

Die Homeoffice-Kultur empfinde ich als

super, denn man arbeitet ungestört und

effektiv. Ganz ohne Büro würde mir aber

doch etwas fehlen.

Diese neue Kompetenz habe ich mir

(Corona-bedingt) angeeignet:

In Videokonferenzen ein professionelles

Gesicht machen, während im Hintergrund

ein großer Wutausbruch des Sohnes naht –

Gelassenheit.

Meine wahre Leidenschaft sind

Tiere – vom Hund bis zur Ziege. Eine Zoojahreskarte

ist für uns ganz wertvoll.

Meine Freizeit verbringe ich am liebsten

damit,

in der Natur zu sein, gerne ruhiger.

Mein erstes Geld habe ich verdient als

Verkäuferin im Modegeschäft und Kellnerin.

Deshalb setze ich mich für Nettotarife ein:

weil es einfach Sinn macht – für Kunden

und Vermittler.

Meine aktuelle Serien- oder

Filmempfehlung:

Bei uns mogeln sich die Minions gerne auf

den Bildschirm. Aber sonst: Meiberger – Im

Kopf des Täters mit Fritz Karl.

Am meisten Überwindung kostet es mich,

Fleisch für die Familie zuzubereiten (Vegetarierin).

Selten, mein Mann kocht bei uns.

Ich würde gern mal einen Tag lang tauschen

mit …, um dann Folgendes zu tun:

Da fallen mir ganz viele Personen ein – zum

Beispiel Adele und mit dieser Stimme ein

Konzert geben.

Wahrer Luxus ist für mich:

Zeit in der Natur zu verbringen, am liebsten

am Meer. Oder ganz profan: in Ruhe ein

Buch zu lesen.

Das ist mein liebstes Reiseziel:

Sylt, und das Schönste waren bisher die

Hamptons und New York.

Meine erste Tat zu Beginn

eines Arbeitstages:

alle wichtigen Portale öffnen. Danach einen

Kaffee holen.

Deshalb verstehen wir uns als Dienstleister

und nicht als Maklerpool:

Wir sind eine Schnittstelle für Vergütungsprozesse,

mit dem Vertrag an sich haben

wir in der Tiefe nichts zu tun.

Der größte Missstand in meiner Branche ist:

Frauen werden immer wieder unterschätzt

und müssen noch immer mehr kämpfen als

Männer.

… so könnte der Missstand behoben werden:

Ich habe schon an ein Schild auf meiner

Stirn gedacht: Punkt 1-5 weiß ich schon, du

kannst gerne bei 6 starten …

Aber im Ernst: indem immer mehr Frauen in

Führungspositionen kommen und andere

Frauen ermutigen.

Eine (unternehmerische) Entscheidung, die

ich gern rückgängig machen würde, war

keine, denn jede Fehlentscheidung hat mich

etwas gelehrt.

Wenn ich einen Tag Kanzlerin wäre,

würde ich Folgendes veranlassen:

Schwierige Frage – ich glaube, ich würde

in Bewegung/Aktivitäten für Kinder und

Jugendliche investieren, um Gewalt vorzubeugen.

Bildungsthemen würde ich auch

vorantreiben wollen (zum Beispiel Startgeld/Wohngeld

für Azubis).

82 procontra 05 | 22


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