Charivari 2022
Unser Verlagsprogramm 2022/23
Unser Verlagsprogramm 2022/23
Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!
Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.
FBE<br />
7<br />
Chari<br />
vari<br />
SINA AHLERS<br />
THOMAS ARZT<br />
GÉRALD AUBERT<br />
CHRISTIAN BARON<br />
SEBASTIAN BAUER<br />
BOV BJERG<br />
WOLFGANG BÖHMER<br />
BRIGITTE BUC<br />
MARTINA CLAVADETSCHER<br />
MATTHIEU DELAPORTE<br />
TOVE DITLEVSEN<br />
JOHN VON DÜFFEL<br />
GILLES DYREK<br />
NATHAN ELLIS<br />
LUCY FRICKE<br />
TOMER GARDI<br />
OLIVIER GAROFALO<br />
SERGEJ GÖßNER<br />
ANNA GSCHNITZER<br />
AMIR GUDARZI<br />
TOM VAN HASSELT<br />
JERRY HERMAN
Schauspiel<br />
Musiktheater<br />
Junges Theater<br />
Stoffrechte
<strong>Charivari</strong><br />
172. Jahrgang<br />
Herbst <strong>2022</strong><br />
Ivana Sokola: Pirsch<br />
Sokola//Spreter: Farn Farn Away<br />
Sokola//Spreter: Polar<br />
Amir Gudarzi: Die Burg der Assassinen<br />
Amir Gudarzi: Wonderwomb<br />
Maria Ursprung: Die nicht geregnet werden<br />
Martina Clavadetscher: Bestien, wir Bestien<br />
Philipp Löhle: Der Hund muss raus<br />
Philipp Löhle: Orbit – Geschichte einer Band<br />
Anna Gschnitzer: Fanes*<br />
Anna Gschnitzer: Wasser<br />
Marcus Peter Tesch: Versuch, ein Stück über die Nibelungen (nicht) zu schreiben<br />
Thomas Arzt: Monster und Margarete<br />
Olivier Garofalo: Wann, wenn nicht jetzt?<br />
Olivier Garofalo: Johanna ist tot<br />
Nathan Ellis: Super High Resolution<br />
Branden Jacobs-Jenkins: Was sich gehört<br />
Florian Zeller: Schwindel<br />
Brigitte Buc: Die Schwestern Bienaimé<br />
Matthieu Delaporte: Einszweiundzwanzig vor dem Ende<br />
Jade-Rose Parker: Die Wahlentscheidung<br />
Mélody Mourey: Wettlauf zum Mond<br />
Gilles Dyrek: Die Rückkehr von Richard 3 mit dem Zug um 9.24 h<br />
Gérald Aubert: Eine wunderbare Trennung<br />
Eugène Labiche: Mein lieber Célimare<br />
Kurt Weill / John von Düffel / Kai Tietje / Mark Twain: Tom Sawyer<br />
Jerry Herman: Dear World / Mack und Mabel / La Cage aux Folles<br />
Tom van Hasselt / Sergej Gößner: Brigitte Bordeaux<br />
Tom van Hasselt: Hans im Glück<br />
Wolfgang Böhmer / Peter Lund: Prinzessin Drosselbart<br />
Gordon Kampe / Sebastian Bauer: Hier kommt keiner durch!<br />
Sergej Gößner: Das schrillste Blau<br />
Clara Leinemann: Fledermops<br />
Mike Kenny: Zugvögel<br />
Maria Ursprung: Vakuum<br />
Sina Ahlers: Landing on an Unknown Planet<br />
Eva Rottmann: Die Prinzessin, die auszog, den Prinzen zu retten<br />
Jörg Isermeyer: Dachs und Rakete. Ab in die Stadt!<br />
Lucy Fricke: Die Diplomatin<br />
Christian Baron: Schön ist die Nacht<br />
Tove Ditlevsen: Gesichter<br />
Iris Sayram: Für euch<br />
Domenico Müllensiefen: Aus unseren Feuern<br />
Bov Bjerg: Deadline<br />
Tomer Gardi: Eine runde Sache<br />
Martina Clavadetscher: Vor aller Augen<br />
Ur- und Erstaufführungen <strong>2022</strong>/23 (Auswahl)<br />
Impressum<br />
1<br />
5<br />
6<br />
7<br />
8<br />
9<br />
10<br />
11<br />
12<br />
13<br />
14<br />
15<br />
16<br />
17<br />
18<br />
19<br />
20<br />
21<br />
22<br />
23<br />
24<br />
25<br />
26<br />
27<br />
28<br />
29<br />
33<br />
34<br />
36<br />
37<br />
38<br />
39<br />
43<br />
44<br />
45<br />
46<br />
47<br />
49<br />
50<br />
51<br />
52<br />
53<br />
55<br />
56
2<br />
NECATI ÖZIRI: GOTT VATER EINZELTÄTER, NATIONALTHEATER MANNHEIM <strong>2022</strong> © MAXIMILIAN BORCHARDT
3
Schauspiel<br />
RESPEKT<br />
nennt man das<br />
Ihr Idioten.
Pirsch<br />
5<br />
Autor:innenpreis des<br />
Heidelberger Stückemarkts <strong>2022</strong><br />
2D, 1H, Chor<br />
UA: 21.01.2023,<br />
Deutsches Theater in Göttingen<br />
© AVI BOLOTINSKY<br />
Mit Pirsch gewann Ivana Sokola in<br />
diesem Jahr den Autor:innenpreis des<br />
Heidelberger Stückemarkts. Nach der<br />
Uraufführung am Deutschen Theater<br />
in Göttingen wird Pirsch in einer Zweitinszenierung<br />
am Theater Heidelberg<br />
den Stückemarkt 2023 eröffnen. Für<br />
ihr Debütstück Kill Baby wurde Ivana<br />
Sokola 2021 mit dem Kleist-Förderpreis<br />
für junge Dramatikerinnen und Dramatiker<br />
sowie mit dem Sonderpreis des<br />
Deutschen Kinder- und Jugendtheaterpreises<br />
ausgezeichnet. Im Auftrag des<br />
Theaters Hof schrieb sie eine Dialog-<br />
Neufassung der Zauberflöte nach<br />
Wolfgang Amadeus Mozart und Emanuel<br />
Schikaneder, die im September 2023<br />
ihre Uraufführung feiern wird.<br />
Es ist FEST und Marinka kehrt<br />
nach Jahren in ihren Heimatort<br />
zurück, um Gerechtigkeit<br />
einzufordern für das, was ihr<br />
damals hinter den Buden und<br />
Lichtern widerfuhr. Nur ein<br />
Traum, sagt ihr Bruder. Marinka<br />
könne den Umfang der Tat<br />
nicht nennen, sagt Lene, die<br />
Polizistin. Aber Marinka will<br />
nicht länger Opfer sein. Sie<br />
wird zur Rächerin: Mit einem<br />
Rudel Hunde nimmt sie eine<br />
unerbittliche Jagd auf, um<br />
Gewalt mit Gewalt zu bekämpfen<br />
und den Einen zur<br />
Rechenschaft zu ziehen.<br />
weitere Stücke (Auswahl): Kill Baby / Tierversuch (Sokola//Spreter)<br />
Mit Pirsch führt uns Ivana<br />
Sokola in die Welt der Dorfund<br />
Stadtfeste, der Kirmes<br />
und des Karnevals. Zwischen<br />
Autoscooter und Hau den<br />
Lukas zeichnet sie eine „Parabel<br />
über strukturelle Gewalt<br />
und patriarchal geprägte<br />
Machtverhältnisse“ (Elena<br />
Philipp). In einem Strom<br />
kunstvoll rhythmisierter, bildstarker<br />
Dialoge verhandeln<br />
Marinka, Lene, Jan und ein<br />
Chor rasender Hunde die<br />
Frage: Wie lässt sich Gerechtigkeit<br />
schaffen, wenn sexualisierte<br />
Gewalt selbst ein<br />
geduldeter Teil gesellschaftlicher<br />
Ordnung ist?<br />
„Sehr fein und subtil, mit fast<br />
klassischem Sprachgefühl,<br />
kühn switchend zwischen<br />
plattem Karteikarten-Deutsch<br />
und trügerischer Poesie.“<br />
THEATER HEUTE<br />
„Wir werden von Ivana Sokola<br />
auf die Pirsch geschickt – auf<br />
der Suche nach der Wahrheit,<br />
die Rache als Möglichkeit,<br />
begleitet von antik anmutenden<br />
Chören, die den Aufbau wie<br />
auch die Dekonstruktion der<br />
Protagonistin befeuern –<br />
gekonnt, versiert und rhythmisch<br />
brillant.“<br />
JURY DES HEIDELBERGER STÜCKEMARKTS<br />
IVANA SOKOLA<br />
Schauspiel
6<br />
Farn Farn<br />
Away<br />
SOKOLA // SPRETER<br />
Schauspiel<br />
Zwei Frauen streifen durch das letzte<br />
Waldstück der Erde. Im Auftrag der<br />
Organisation suchen sie Arne, einen<br />
Forscher, der dem Rascheln der Pflanzen<br />
nachspürte und verschwand. Tief im<br />
Wald treffen sie auf eine Forschungsstation,<br />
umgeben von geheimnisvollen<br />
sprechenden Farnen und bewohnt von<br />
einem ziemlich menschlichen Bot.<br />
Was wissen diese Wesen über das Verschwinden<br />
des Forschers? War es Arne,<br />
der ihnen die Worte, das Denken und<br />
Fühlen beibrachte? Oder sind die Pflanzen<br />
und der Bot schlicht die Vorboten einer<br />
nächsten Stufe der Evolution? Welches<br />
Geheimnis geben sie nicht preis?<br />
In Farn Farn Away fragen<br />
Sokola//Spreter nach der Stellung des<br />
Menschen in einer posthumanen, grenzenlos<br />
vernetzten Welt. Alles scheint hier<br />
miteinander verbunden zu sein – nur<br />
den Menschen sind jegliche Bezüge und<br />
Gewissheiten abhandengekommen.<br />
„Was wie ein fiebriger Krimi begann, wird<br />
zum assoziationsreichen Ringen um große<br />
philosophische Fragen, gestellt in sprachrhythmischer<br />
Verspieltheit und sprachkritischer<br />
Klarheit.“<br />
REMSI AL KHALISI, THEATER HEUTE JAHRBUCH<br />
Die Farne lernen schnell.<br />
Nur BOT lernt schneller.<br />
Was ist der Mensch im<br />
Angesicht BOTTES?<br />
© LINUS MUELLERSCHOEN<br />
2D, 1 Bot, Chor<br />
UA: 04.05.2023, Theater Münster<br />
In der Spielzeit <strong>2022</strong>/23 sind Sokola//Spreter (Ivana Sokola und<br />
Jona Spreter) Hausautor:innen am Theater Münster. Mit ihrem ersten<br />
Stück Tierversuch gewannen sie 2020 den Publikumspreis des<br />
Hans-Gratzer-Stipendiums am Schauspielhaus Wien. Im Rahmen des<br />
Förderpreises für deutschsprachige Dramatik waren sie 2021 zu<br />
einer zweimonatigen Residenz an den Münchner Kammerspielen<br />
eingeladen, wo Tierversuch in einer szenischen Einrichtung von Jan<br />
Bosse zu sehen war. Mit Polar gewannen sie <strong>2022</strong> den Nachwuchswettbewerb<br />
Einfach Radikal am Theater Drachengasse in Wien,<br />
verbunden mit einer Uraufführung des Stücks im Januar 2023<br />
(Regie: Pablo Lawall).<br />
weitere Stücke: Tierversuch
7<br />
Prognose:<br />
Es wird kälter,<br />
es wird wärmer,<br />
es wird kälter.<br />
Aber nun:<br />
Musik.<br />
3 Darsteller:innen, 1 Intercom<br />
UA: 23.01.2023, Theater Drachengasse, Wien<br />
Polar<br />
Eine Strafkolonie auf einem Gletscher, fernab der<br />
Zivilisation. Eine Zelle, ein Fenster, drei Gefangene:<br />
Warren, Salty, Sid. Das Klima im Raum – und damit<br />
ihr Überleben – wird durch eine Anlage gesteuert,<br />
welche die gegenwärtige soziale Kälte oder Wärme<br />
in der Außenwelt als tatsächliche Temperatur in den<br />
Raum leitet. Trotz aller Risiken wagen die drei die<br />
Flucht, um als freie, selbst bestimmte Menschen in<br />
die Wirklichkeit zurüc k zu finden: Sie kämpfen sich<br />
durch eine Wüste aus Eis, an deren Ende ein Schatz<br />
vergraben sein soll …<br />
Polar ist ein Ausbruchsversuch, die vielleicht<br />
wirklich letzte Expedition. Was bleibt uns, wenn im<br />
eisigen Wind alles verweht? Wenn wir auf Fernwärme<br />
nicht mehr vertrauen können? Was bringt uns Erlösung:<br />
die Liebe, die Gewalt, das Geld?<br />
„Aufgrund der innovativen Sprachrhythmik,<br />
der hochpoetischen Bilder des Textes,<br />
denen die Spieler:innen eine feine Komik<br />
verleihen, ohne jemals die Ernsthaftigkeit<br />
des Gesagten zu verraten (…), und aufgrund<br />
der Klarheit der Regie in Zeichensetzung,<br />
formaler Umsetzung und Rhythmik,<br />
die diese dystopische Atmosphäre einer<br />
geschlossenen Gesellschaft im Eis (…)<br />
kreiert, hat sich die Jury für den Entwurf<br />
von Polar entschieden.“<br />
JURYBEGRÜNDUNG EINFACH RADIKAL<br />
Schauspiel
8 Die Burg der Assassinen erzählt von<br />
Bewegungen und Barrieren zwischen<br />
Westen und Osten, Hoffnungen und<br />
Vorurteilen, Annäherungen und Konflikten.<br />
Kunstvoll verknüpft Amir Gudarzi<br />
unterschiedliche Erzählstränge und<br />
Perspektiven miteinander, stellt sie einander<br />
entgegen, zieht Register des<br />
Absurden, Tragischen und Komischen.<br />
Ein Mann durchquert auf seiner Flucht<br />
Grenzen und Länder, bis ihn sein Schicksal<br />
auf einer Straße mitten in Europa ereilt.<br />
Marco Polo reiste vor vielen hundert<br />
Jahren in die entgegengesetzte Richtung:<br />
nach Osten, mit ganz eigenen Erwartungen<br />
und Bildern im Gepäck. Er erzählt<br />
uns von einem Herrscher, der seine<br />
Jünger in einen selbstmörderischen<br />
Kampf schickte. Was wiederum im Hier<br />
und Jetzt einen österreichischen Berg<br />
zu einer Rebellion gegen vergnügungssüchtige<br />
Skitouristen inspiriert.<br />
So eindringlich die erzählten Geschichten<br />
sind, so drängend ist auch die Frage,<br />
die wie ein Grollen darunter liegt: Wer<br />
erzählt, wer schreibt Geschichte?<br />
AMIR GUDARZI<br />
„Es ist ein historisches Kaleidoskop, in dem<br />
die Jahrhunderte wie die Stimmen durcheinanderpurzeln.<br />
Zwei Sphinxe über wachen<br />
das Geschehen, in dem sprechende Berge<br />
auf mongolische Heere treffen, ein Flüchtling<br />
unerwartete Hilfe bekommt, ein Lkw-<br />
Fahrer die Bekanntschaft dreier selbstbewusster<br />
Prostituierter macht. Dazwischen<br />
versucht sich Marco Polo einen Weg nach<br />
Osten zu bahnen und Touristen-Chöre<br />
stecken im Stau auf der Autobahn. (…)<br />
Dieser Text lässt einen staunen.“<br />
Amir Gudarzi, geboren 1986 in Teheran, lebt seit 2009<br />
im Exil in Wien und gewann für sein literarisches<br />
Schaffen zahlreiche Stipendien und Preise. Für Wonderwomb<br />
wurde er mit dem Kleist-Förderpreis für<br />
junge Dramatikerinnen und Dramatiker <strong>2022</strong> ausgezeichnet,<br />
erhielt eine „spezielle Erwähnung“ durch die<br />
Jury der Autor:in nentheatertage und war nominiert für<br />
© JÜRGEN PLETTERBAUER<br />
den Retzhofer Dramapreis 2021. Mit Die Burg der<br />
Assassinen war er 2019 zum Stückemarkt des Berliner<br />
BERNHARD STUDLAR, WIENER WORTSTÄTTEN<br />
Theatertreffens eingeladen. Für sein Stück Quälbarer<br />
Leib – ein Körpergesang wurde er mit dem Christian-<br />
Dietrich-Grabbe-Preis <strong>2022</strong> ausgezeichnet. Amir<br />
Gudarzi arbeitete u. a. mit dem Royal Court Theatre,<br />
Die<br />
London, zusammen und bekam Stipendien vom österreichischen<br />
Bundeskanzleramt und dem Literarischen<br />
Colloquium Berlin. Im Dezember <strong>2022</strong> ist ein neues<br />
Stück mit dem Titel Am Anfang war die Waffe am<br />
Burg<br />
Werk X in Wien zu sehen, zudem entsteht<br />
der<br />
ein Projekt<br />
im Rahmen des Österreich-Schwerpunkts der Leipziger<br />
Buchmesse. Im Frühjahr 2023 erscheint sein<br />
Debütroman Das Ende ist nah bei dtv.<br />
Schauspiel<br />
Besetzung variabel<br />
UA in Verhandlung
Besetzung variabel<br />
UA: 17.09.<strong>2022</strong>, Hessisches Landestheater Marburg<br />
9<br />
Wonderwomb<br />
Minen explodieren an einem Öltanker<br />
in der Straße von Hormus – Raketen<br />
treffen auf eine Raffinerie in Saudi-<br />
Arabien – Drohnen töten einen<br />
Offizier der iranischen Revolutionsgarde.<br />
In New York geht ein Börsenmakler<br />
mit seinen Spekulationen<br />
all-in – ein Sohn und seine Mutter<br />
versuchen, ihre getrennten Leben<br />
im Exil miteinander zu verbinden –<br />
in Dubai und Doha werden Wolkenkratzer<br />
gebaut, die wegen des<br />
Klimawandels bereits zu versinken<br />
drohen. Dazwischen und mittendrin:<br />
die Stimmen der Mächtigen<br />
und Ohnmächtigen, der Dollars und<br />
der Abermillionen Wesen, die zu<br />
Öl geworden sind.<br />
Das Reich der Toten<br />
Ist das Reich des Werdens<br />
Man kann werden<br />
Was man will<br />
Ungeachtet dessen,<br />
was man war.<br />
In Wonderwomb erzählt Amir<br />
Gudarzi von dem Öl, das den Motor<br />
des Kapitalismus am Laufen hält,<br />
für das die Menschen alles aufs<br />
Spiel setzen und das wie kein anderer<br />
Stoff für die Transformation<br />
unserer Welt steht. Multiperspektivisch<br />
und vielstimmig, in einer<br />
rasant rhythmisierten Montage von<br />
konkreten Szenen, Situationen und<br />
Geschichten zoomt das Stück auf<br />
ganz individuelle Knotenpunkte<br />
globaler Konflikte, setzt eine Kartografie<br />
von Macht- und Geopolitik<br />
ins Bild und lässt schließlich das Öl<br />
selbst in die Zukunft blicken.<br />
„Wonderwomb von Amir Gudarzi<br />
zeichnet mit großer sprachlicher<br />
Genauigkeit, einer Vielfalt an Klängen<br />
und einer komplexen Formenfülle ein<br />
Panorama über die Welt und formuliert<br />
die Einladung zur Auseinandersetzung.<br />
(…) Amir Gudarzi gelingt es in seinem<br />
Stück, durch Zeiten zu reisen, persönlich<br />
Erlebtes mit dem Globalen in verschiedensten<br />
medialen Räumen zu<br />
verbinden.“<br />
JURY DES KLEIST-FÖRDERPREIS <strong>2022</strong><br />
weitere Stücke:<br />
Quälbarer Leib – ein Körpergesang<br />
Assassinen<br />
Schauspiel
10<br />
Die nicht<br />
7 Darsteller:innen<br />
UA: 25.05.<strong>2022</strong>, Theater St. Gallen<br />
MARIA URSPRUNG<br />
Schauspiel<br />
Hahn auf, Hahn zu. Kühles,<br />
frisches Wasser, ganz selbstverständlich<br />
und jederzeit<br />
verfügbar. Doch irgendwann<br />
passiert es: Der letzte Tropfen<br />
fällt – dann nichts mehr. Die<br />
Vögel sind schon länger verstummt,<br />
die Temperaturen<br />
über das Erträgliche gestiegen,<br />
doch hingesehen hat<br />
niemand.<br />
Die Krise wird zunehmend<br />
im Alltag spürbar. Schwimmbadbetreiberin<br />
Berit bekommt<br />
nach einem behobenen Defekt<br />
kein Wasser, um das Becken<br />
wieder aufzufüllen – oder nur<br />
für horrendes Geld. Die Ressource<br />
ist knapp und wird für<br />
Wichtigeres gebraucht. Den<br />
Preis bestimmt die Nachfrage.<br />
Die Presse wittert Potenzial<br />
für die große Story, die Politik<br />
das große Geschäft.<br />
Die wenigen Vorräte an<br />
Trinkwasser sind schnell verbraucht<br />
und mit zunehmender<br />
Dehydrierung verlieren die<br />
Figuren die Kontrolle über<br />
ihren Alltag. Nachbar:innen<br />
werden zu Denunziant:innen,<br />
die Mitmenschen radikalisieren<br />
sich, das einst friedliche<br />
Miteinander wird zum existenziellen<br />
Überlebenskampf.<br />
Kann nur noch eine Katastrophe<br />
die Menschheit retten?<br />
weitere Stücke: Schleifpunkt / Vakuum (S. 46)<br />
geregnet<br />
werden<br />
© JULIA SCHWENDNER<br />
Maria Ursprung zeichnet in<br />
feinen Sprachbildern eine<br />
Welt, der die natürlichste und<br />
elementarste Ressource entzogen<br />
ist, und betreibt dabei<br />
Gegenwartsbetrachtung: Wir<br />
sind Teil des Ganzen. Natur<br />
ist Teil des Problems. Die Zeichen<br />
sind da. Also, schmilzt<br />
diese Welt oder ist noch Zeit<br />
für Utopien?<br />
Durst<br />
ist<br />
leise.<br />
Maria Ursprung ist Dramatikerin und<br />
Regisseurin. Ihr Stück Schleifpunkt<br />
entstand im Rahmen der szenischen<br />
Schreibwerkstatt Dramenprozessor<br />
2018/19 und wurde zu den Autor:innentheatertagen<br />
am Deutschen Theater<br />
Berlin 2020 eingeladen. 2020/21 war<br />
Maria Ursprung Hausautorin am Theater<br />
St. Gallen. Die nicht geregnet werden<br />
wird im Frühjahr 2023 am Theater<br />
Vorpommern nachgespielt. Gemeinsam<br />
mit Andrea Brunner, Manuel Bürgin,<br />
Martina Clavadetscher und Julia Haenni<br />
leitet sie seit dieser Spielzeit das<br />
Theater Marie in Suhr.
Bestien,<br />
11<br />
Die Zukunft wird gut! In einem<br />
feinvernetzten Kollektiv werden<br />
die Arbeiterinnen in völligem<br />
Einklang mit der Natur leben,<br />
arbeiten und Gaia huldigen.<br />
Abwegiges ist weit aus dem<br />
Zentrum der Kolonie an den<br />
Waldgürtel verdrängt, der<br />
aber auf die Arbeiterin Roma<br />
eine unwiderstehliche Anziehung<br />
ausübt – denn sie liebäugelt<br />
mit einem verbotenen<br />
Akt der Individualisierung:<br />
einer Schwangerschaft.<br />
Die Zukunft wird schrecklich!<br />
Die Geburtenrate sinkt<br />
aus unerklärlichen Gründen,<br />
bis schließlich gar keine Kinder<br />
mehr geboren werden.<br />
Die Fruchtbarkeits-Forschung<br />
ist die letzte Hoffnung für eine<br />
aussterbende Menschheit,<br />
Massensuizide gehören zum<br />
Alltag. Vor diesem Hintergrund<br />
erscheint Kamas Schwangerschaft<br />
wie ein Wunder – das<br />
sie um jeden Preis geheim<br />
halten will, bevor es das allmächtige<br />
Kollektiv für seine<br />
Zwecke benutzt.<br />
Wie zwei Spiegelbilder<br />
schiebt Martina Clavadetscher<br />
diese beiden Visionen ineinander.<br />
Inspiriert von P. D.<br />
James’ „The Children of Men“<br />
entfaltet der Text seine ganz<br />
eigene Dynamik und untersucht<br />
mit dunklem Humor<br />
und Poesie die erschreckend<br />
wiedererkennbaren Mechanismen<br />
im Umgang mit einer<br />
zunehmend prekären Welt<br />
und dem weiblichen Körper.<br />
wir Bestien<br />
mind. 4 Darsteller:innen<br />
UA: 10.12.<strong>2022</strong>, Bühnen Bern<br />
© JANINE SCHRANZ<br />
Das Kollektiv ist<br />
schlau und schnell<br />
und sozial, weiß<br />
ROMA, das macht<br />
uns so erfolgreich –<br />
und zufrieden.<br />
Martina Clavadetschers Stück Frau<br />
Ada denkt Unerhörtes (UA 2019 am<br />
Schauspiel Leipzig) wird in der aktuellen<br />
Spielzeit weiterhin am Staatstheater<br />
Braunschweig, zusätzlich ab April am<br />
Theater der Altmark Stendal und in der<br />
folgenden Spielzeit am Rheinischen<br />
Landestheater Neuss zu sehen sein.<br />
Das Stück wird <strong>2022</strong> außerdem in spanischer<br />
Sprache beim Festival Theaterwelt<br />
in Mexiko präsentiert. Zuletzt hat<br />
Martina Clavadetscher gemeinsam mit<br />
Katja Brunner WWF – world witch forum<br />
geschrieben. Der Text entstand im Rahmen<br />
des Dramatiker:innen-Fonds des Berliner<br />
Ensembles, mit dem zehn Autor:in -<br />
nen(-Teams) gefördert wurden. Für<br />
ihren Roman Die Erfindung des Ungehorsams<br />
wurde Martina Clavadetscher<br />
mit dem Schweizer Buchpreis 2021<br />
ausgezeichnet. Ihr neuer Roman Vor<br />
aller Augen erschien im August <strong>2022</strong>.<br />
MARTINA CLAVADETSCHER<br />
weitere Stücke (Auswahl): Anleitungen zur Sterblichkeit / Die Erfindung des Ungehorsams (Roman) /<br />
Frau Ada denkt Unerhörtes / Knochenlieder (Roman) / Der letzte Europäer / Vor aller Augen (Roman, S. 53)<br />
Schauspiel
12<br />
4 Darsteller:innen<br />
UA: 01.04.<strong>2022</strong>, Deutsches Theater in Göttingen<br />
Der Hund muss raus<br />
PHILIPP LÖHLE<br />
„Ich habe gerne Sachen ausprobiert“,<br />
sagt Sabine. „Ich<br />
fand es ziemlich lang ziemlich<br />
toll“, sagt Johannes. „Die<br />
Therapie ging ein halbes Jahr.<br />
Danach war ich fast vier Jahre<br />
trocken“, sagt Stefan. Wir<br />
begegnen Drogen überall:<br />
auf dem Bahnhofsvorplatz, im<br />
Büro, auf Partys und Festivals.<br />
Doch gibt es typische Verknüpfungen<br />
von Biografie,<br />
Ereignissen, Dispositionen<br />
und bestimmten Drogen?<br />
Stellt das Leben irgendwann<br />
die Weichen oder ist jede:r für<br />
Süchte und Abhängigkeiten<br />
selbst verantwortlich? Und<br />
wie reagiert die Gesellschaft<br />
auf Süchtige?<br />
Philipp Löhle erforscht in<br />
Gesprächen mit Betroffenen<br />
und Expert:innen Mechanismen<br />
und Realitäten von<br />
Drogen und Süchten.<br />
Ergänzt und konterkariert<br />
werden diese persönlichen<br />
Erzählungen immer wieder<br />
mit Exkursen zur Geschichte<br />
der Drogen, vom Opium in<br />
der Steinzeit über die Opiumkriege<br />
im 19. Jahrhundert bis<br />
zum Onlinehändler Shiny<br />
Flakes. Und dabei wird klar:<br />
Drogen sind auch ein großes<br />
Geschäft, in dem Kriege und<br />
Drogentote nur kleine Hindernisse<br />
auf dem Weg zu traumhaftem<br />
Gewinn sind.<br />
„Aus dieser (Recherche-)Arbeit<br />
ist ein Stück entstanden mit<br />
maximaler Authentizität und<br />
erschreckender Offenheit.<br />
Voller grammgenauer Details,<br />
Beschaffungsnöte und Abstürze,<br />
voller Höhenflüge, Horrortrips<br />
und intakter Elternhäuser.<br />
Ein Text, der von drogiden<br />
Biografien erzählt und in<br />
a bgebrochenen Sätzen von<br />
weggebrochenen Leben.“<br />
THEATER HEUTE<br />
Im Oktober <strong>2022</strong> inszeniert Philipp Löhle am Theater<br />
Heidelberg sein Stück Heidelberg 72ff. und bringt im<br />
April 2023 seine Fassung von Kafkas Die Verwandlung<br />
am Deutschen Theater in Göttingen auf die<br />
Bühne. In der Spielzeit <strong>2022</strong>/23 werden u. a. Philipp<br />
Löhles Stücke Die Mitwisser im November am Theater<br />
Plauen-Zwickau, Morgen ist auch noch ein Tag im<br />
April am Theater Konstanz und Anfang und Ende des<br />
Anthropozäns im Juni am Wolfgang Borchert Theater,<br />
Münster, und in der folgenden Spielzeit am Landestheater<br />
Niedersachsen Nord, Wilhelm shaven, nachgespielt.<br />
Im November hat Peterchens Mondfahrt mit<br />
Anneliese am Staatstheater Kassel sowie am Pfalztheater<br />
Kaiserslautern Premiere und Die Bremer<br />
Stadtmusikanten kommen in Stendal am Theater<br />
der Altmark heraus.<br />
Schauspiel<br />
weitere Stücke (Auswahl): Anfang und Ende des Anthropozäns<br />
/ Das Ding / Du (Norma) / Du (Normen) /<br />
Feuerschlange / Die Kaperer / Kollaps / supernova<br />
(wie gold entsteht) / Die Unsicherheit der Sachlage /<br />
Der Wind macht das Fähnchen / Wir sind keine<br />
Barbaren!
In den 70er-Jahren wird die<br />
Band Orbit gegründet, die<br />
sich den vielfältigen Verlockungen<br />
der Musikindustrie<br />
verweigern will und sich deshalb<br />
zunächst zum ungestörten<br />
Reifungsprozess in den<br />
Probenraum einschließt.<br />
Während sich der erste Auftritt<br />
der Band immer weiter<br />
– ehrlich gesagt: um Jahrzehnte<br />
– verzögert, komponieren<br />
die Bandmitglieder<br />
ganz ohne Einfluss von außen<br />
(fremde Musik verdirbt den<br />
Geschmack!) einen Hit nach<br />
dem anderen. Mehr noch, sie<br />
erfinden ganze Musikströmungen<br />
– Glamrock, Neue<br />
Deutsche Welle, Elektropop.<br />
7 Darsteller:innen<br />
UA: 20.05.2023, Staatstheater Nürnberg<br />
Orbit<br />
13<br />
Geschichte<br />
einer<br />
Band<br />
Dann brauchen wir ein Gelübde<br />
gegen all den Ballast vergangener<br />
Zeiten. Wir müssen alles vergessen,<br />
um ganz frisch, ganz neu darauf zu<br />
blicken. Wir müssen versprechen,<br />
nie mehr andere Musik zu hören,<br />
außer unsere eigene.<br />
Dass die Songs von ihrem<br />
findigen Manager an internationale<br />
Künstler:innen verhökert<br />
werden, beginnen sie erst zu<br />
ahnen, als sie der medialen<br />
Präsenz des Live-Aid-Konzerts<br />
nicht entkommen können: Im<br />
Wembley-Stadion wird eines<br />
ihrer Lieder gespielt!<br />
Mit dieser Mockumentary<br />
fragt Philipp Löhle hintersinnig,<br />
was Originalität im Kunstschaffen<br />
bedeutet und wie<br />
sich gesellschaftliche Strömungen<br />
in der Popkultur niederschlagen.<br />
Vor allem aber<br />
lockt das Stück mit einer<br />
unglaublichen (aber unglaublich<br />
guten) Geschichte und<br />
jeder Menge Potenzial für<br />
Ohrwürmer – das Beste aus<br />
den 70ern, 80ern und 90ern.<br />
© FERNANDO PEREZ RE<br />
Schauspiel
14<br />
ANNA GSCHNITZER<br />
Fanes*<br />
5D, 2H<br />
UA: 15.02.2023, Vereinigte Bühnen Bozen<br />
Der Sagenzyklus vom Reich der<br />
Fanes ist ein zentrales Epos der in<br />
den Dolomiten beheimateten ladinischen<br />
Kultur und Sprache. In den<br />
Geschichten spielen Frauengestalten<br />
als Herrscherinnen und Kriegerinnen<br />
eine hervorgehobene Rolle.<br />
Und das Verhältnis von Mensch<br />
und Natur vor dem Hintergrund der<br />
übermächtigen Elemente ist als<br />
Topos stets präsent. Die Südtiroler<br />
Autorin Anita Pichler hat in den<br />
1980er-Jahren die Volkssagen aufgezeichnet.<br />
Ausgehend von ihren<br />
Erzählungen „Die Frauen von Fanis“<br />
schreibt Anna Gschnitzer ein Stück<br />
mit Musik der Musicbanda Franui<br />
und nähert sich den Mythen aus<br />
heutiger Sicht. In Fanes* sucht eine<br />
Reisende in einer Pension in den<br />
Bergen Erholung und findet eine<br />
Realität vor, die zunehmend von<br />
Naturwesen und -gewalten<br />
beherrscht wird.<br />
„Die Geschichten von Fanis sind<br />
Geschichten von der Zeit vor der<br />
Zeit und von einem Ort vor dem Ort,<br />
den sie benennen. Sie erzählen<br />
vom Werden und Vergehen (…),<br />
von der Gründung eines Reiches,<br />
von Kämpfen, Siegen und Niederlagen<br />
und von der Auflösung, vom<br />
Vergessen und Verschwinden dieser<br />
Wirklichkeit. Am Ende steht<br />
bloß noch ein Sonnenstrahl, Sorejina,<br />
die Zeit nach der Zeit, ein<br />
Beginn.“ (Anita Pichler)<br />
Die Menschen haben die Berge verlassen und sterben,<br />
die Menschen haben die Wasser verlassen und sterben,<br />
die Menschen haben die Tiere verlassen und sterben.<br />
Schauspiel
Die beiden Schwestern Kris und Jana sind<br />
sehr unterschiedlich, was Temperament und<br />
Weltanschauung angeht. Kris ist streitlustig,<br />
aufbrausend und hinterfragt als Theaterregisseurin<br />
den gesellschaftlichen Status quo. Jana<br />
sehnt sich nach Harmonie und hat sich scheinbar<br />
mit ihrer Rolle als wohlhabender Ehefrau<br />
arrangiert. Doch anlässlich der Taufe von<br />
Janas Tochter geben sich beide große Mühe,<br />
die erweiterte Familie um einen Tisch zu versammeln.<br />
Wirklich überrascht sind sie allerdings<br />
nicht, dass der Familienfrieden kaum<br />
bis zur Vorspeise reicht.<br />
Neben Szenen, in denen mit großer Kraft die<br />
Familienschlacht tobt, führt uns das Stück<br />
mit poetischem Feinsinn in die Innenwelt einer<br />
jeden Figur und lässt uns in ihre Wut, ihre<br />
Ängste und Hoffnungen eintauchen, vor allem<br />
aber öffnet es den Raum für die Widersprüche,<br />
die in ihnen wohnen. Anna Gschnitzer untersucht<br />
in Wasser die vielzitierte Spaltung der<br />
Gesellschaft auf der Mikroebene der Familie.<br />
Wie kann man eine gemeinsame Sprache finden,<br />
wenn sich schon zwischen Verwandten<br />
große Milieu-Unterschiede auftun, wenn sich<br />
transgenerationale Traumata immer weiter<br />
fortschreiben und Opfer-Täter-Beziehungen<br />
scheinbar unübersichtlich, aber dennoch tief<br />
in familiären Strukturen verankert sind?<br />
15<br />
7 Darsteller:innen<br />
UA: 21.04.2023, Stadttheater Ingolstadt<br />
Wasser<br />
Willst du jetzt<br />
schon vor dem<br />
Essen trinken?<br />
© ALINA REISENTHEL<br />
Man nennt es<br />
Aperitif.<br />
weitere Stücke: Einfache Leute / Fallen<br />
Anna Gschnitzers Stück<br />
Fallen wird im November<br />
am Theater Drachengasse<br />
in Wien uraufgeführt.<br />
Einfache Leute (ausgezeichnet<br />
mit dem Publikumspreis<br />
des Heidelberger<br />
Stückemarkts<br />
2021 und uraufgeführt<br />
am Staatstheater Mainz)<br />
hat im Mai Premiere am<br />
Theater Konstanz und<br />
ist weiterhin am Theater<br />
Bruchwerk, Siegen, zu<br />
sehen. „Leaving Carthago“,<br />
eine Stückentwicklung<br />
von Anna Gschnitzer und<br />
Pina Bergemann, wurde<br />
im April <strong>2022</strong> am Theaterhaus<br />
Jena uraufgeführt.<br />
Schauspiel
16<br />
Versuch, ein Stück<br />
über die Nibelungen ( nicht )<br />
zu schreiben<br />
Besetzung variabel UA: 22.07.<strong>2022</strong>, Nibelungenfestspiele Worms<br />
MARCUS PETER TESCH<br />
Marcus Peter Tesch nähert sich<br />
den Nibelungen auf ebenso<br />
spielerische wie sprachgewaltige<br />
Weise. Schnell fokussiert<br />
er einen Moment kurz vor<br />
dem mörderischen Finale, als<br />
die Familien um Etzels Tisch<br />
versammelt sind, um davon<br />
ausgehend zentrale Motive<br />
des Mythos zu entfalten.<br />
Dabei setzen sich Autor und<br />
Per former:innen in Bezug<br />
zu dem Stoff und reflektieren<br />
Familientreffen und Stammtische,<br />
Herkunft und Fremdheit,<br />
elitäre Kunst und ländliche<br />
Peripherie. Und immer<br />
wieder kreist der Text auch<br />
um das Scheitern, um die Ve r-<br />
sehrtheit des Körpers (durch<br />
Zahnarztbesuche oder Schwerthiebe),<br />
um die Lücke, die sich<br />
nicht füllen lässt, und findet<br />
in einem stillen, persönlichen<br />
Gespräch zu einem berührenden<br />
Ende.<br />
Mit seinem Stück gewann<br />
Marcus Peter Tesch den mit<br />
10.000 Euro dotierten Autorenwettbewerb<br />
der Wormser<br />
Nibelungenfestspiele. Die<br />
Jury lobte in ihrer Begründung<br />
unter anderem „die unterschiedlichen<br />
Erzählhaltungen<br />
und die spielerische Distanz<br />
des Autors“.<br />
R<br />
Marcus Peter Tesch, geboren 1989,<br />
studierte Angewandte Theaterwissenschaft<br />
in Gießen und arbeitete in verschiedenen<br />
Positionen unter anderem<br />
am Mousonturm Frankfurt und der<br />
Schaubühne Berlin. Texte entstanden<br />
für das STUDIO des Maxim Gorki<br />
Theaters, die Box des Deutschen Theaters,<br />
das Theater Rampe in Stuttgart<br />
sowie im Rahmen des Third Space der<br />
Ruhrtriennale 2019. Für das Berliner<br />
Theatertreffen konzipierte und leitete<br />
er den internationalen Writers’ Room.<br />
2017 war er für den Retzhofer Dramapreis<br />
nominiert und ist seit 2020 Stipendiat<br />
des UniT Schreiblehrgangs FORUM<br />
Text. Aktuell schreibt er an einem Text<br />
für das Grand Theatre Groningen in den<br />
Niederlanden, arbeitet an einer Produktion<br />
der Schaubühne Berlin, an einer<br />
Produktion des Steirischen Herbsts<br />
sowie an einer freien Tanzproduktion<br />
mit Joel Small / Reflektra.<br />
© LAURENT CODACCIONI<br />
ok. i have<br />
no idea<br />
was bisher<br />
geschah.<br />
Schauspiel<br />
weitere Stücke:<br />
Mit deinem Bein im<br />
Mund lässt es sich viel<br />
leichter ich liebe dich<br />
Luka sagen
Monster und Margarete<br />
17<br />
3D, 8H, Chor UA: 18.08.<strong>2022</strong>, Tiroler Volksschauspiele, Telfs<br />
In Thomas Arzts historischem<br />
Stück ist Margarete von Tirol<br />
(1318 – 1369), auch bekannt<br />
als Margarete Maultasch, von<br />
Anfang an eine Frau, die sich<br />
den herrschenden Regeln<br />
willensstark widersetzt.<br />
Monster und Margarete folgt<br />
der Biografie der Heldin,<br />
macht dabei aber die Relevanz<br />
ihres Kampfes um Selbstbestimmung<br />
und die Zeitlosigkeit<br />
der politischen Intrigen<br />
deutlich. „Je mehr ich über<br />
Margarete von Tirol las, desto<br />
klarer wurde mir: Das hat viel<br />
mit dem Heute zu tun. Es geht<br />
um die Macht der Verleumdung.<br />
Diffamierung durch<br />
Fake News. Männer, die sich<br />
Vorteile verschaffen. Kriege,<br />
die vom Zaun gebrochen werden.<br />
(…) Und im Zentrum<br />
diese junge adelige Frau, die<br />
mit 12 verheiratet wird, mit 17<br />
als Herzogin von Tirol ihrem<br />
Vater nachfolgt, mit 24 die<br />
katholische Kirche brüskiert<br />
und sich ohne Scheidung<br />
erneut verheiraten lässt – und<br />
zwar vom Kaiser, gegen den<br />
Willen des Papstes. (…) Und<br />
was ist von Margarete geblieben?<br />
Die Erinnerung an eine<br />
‚hässliche Herzogin‘ mit fratzenhaftem<br />
Gesicht. Tatsächlich<br />
wissen wir aber von den Chronisten<br />
ihrer Zeit, dass sie eine<br />
schöne Frau war. In meinem<br />
Stück versuche ich nun, zum<br />
Menschen Margarete vorzudringen.<br />
Und die Monster in<br />
den Männern zu verorten, die<br />
sie umgaben.“ (Thomas Arzt)<br />
Wunsch und Widerstand, ein Stück<br />
über den Künstler, Anwalt und Holocaust-<br />
Überlebenden Max Riccabona, das<br />
Thomas Arzt im Auftrag des Vorarlberger<br />
Landestheaters geschrieben hat, wird im<br />
Februar in Bregenz uraufgeführt (Regie:<br />
Stefan Otteni). Die Uraufführung von<br />
Leben und Sterben in Wien wird in<br />
der Spielzeit 2023/24 am Theater in<br />
der Josefstadt, Wien, stattfinden (Regie:<br />
Herbert Föttinger). In der laufenden<br />
Spielzeit ist von Thomas Arzt u. a. Else<br />
(ohne Fräulein) weiterhin am Vorarlberger<br />
Landestheater, und ab November<br />
am Landestheater Detmold zu sehen.<br />
Sein Stück Und morgen streiken die<br />
Wale steht am Pfalztheater Kaiserslautern<br />
und am Theater der Jungen Welt,<br />
Leipzig, auf dem Spielplan und hat im<br />
Oktober am Theater Naumburg Premiere.<br />
Aktuell schreibt Thomas Arzt an einem<br />
Stück für die Vereinigten Bühnen Bozen,<br />
das dort im Frühjahr 2024 uraufgeführt<br />
wird. Außerdem ist im Dezember <strong>2022</strong><br />
im Werk X, Wien, die Uraufführung von<br />
„The Secret Bubble“ zu sehen, einem<br />
Werk, das Thomas Arzt zusammen mit<br />
Barbi Markovic und Mario Wurmitzer<br />
geschrieben hat.<br />
© JOSEPH KRPELAN<br />
„Herrlich groteske Szenen<br />
spielen sich (auf der Bühne)<br />
ab: Man sieht Despoten, die<br />
sich wie primitive Schwachköpfe<br />
um Territorien raufen, einen<br />
infamen Kirchenfürsten, der in<br />
der Sauna Ränke schmiedet, ein<br />
Volk, das auf Fake News und<br />
Propaganda hereinfällt.“<br />
DER STANDARD<br />
Wir treten auf<br />
der Stelle. Wir<br />
tragen Kleider,<br />
die wir nicht<br />
tragen<br />
wollen.<br />
THOMAS ARZT<br />
weitere Stücke (Auswahl): Taumel und Tumult / Hollenstein – ein Heimatbild / Leben und Sterben in Wien /<br />
Else (ohne Fräulein) / Und morgen streiken die Wale / Die Gegenstimme (Roman)<br />
Schauspiel
18<br />
Wann,<br />
3D, 4H<br />
UA: 09.03.2023, Wolfgang Borchert Theater, Münster<br />
wenn nicht<br />
jetzt?<br />
OLIVIER GAROFALO<br />
Nach langen Jahren des<br />
Krieges soll eine große Konferenz<br />
endlich Frieden bringen.<br />
Mittendrin: Carolyn Hübsch,<br />
Staatspräsidentin, und Luis<br />
Behrens, selbsternannter<br />
Kontinentalführer. Während<br />
Carolyn Hübsch für eine Neuordnung<br />
wirbt, die Demokratie<br />
und Freiheit garantieren<br />
soll, formuliert Luis Behrens<br />
vor allem den eigenen Führungsanspruch<br />
und fordert<br />
neue großflächige, autokratisch<br />
geführte Herrschaft s-<br />
gebiete. Und dann gibt es da<br />
noch eine konspirative Organisation,<br />
welche die Konferenz<br />
zu sprengen droht …<br />
Wohin steuert die Welt?<br />
375 Jahre nach dem Westfälischen<br />
Friedensschluss fragt<br />
Olivier Garofalo im Auftrag<br />
des Wolfgang Borchert<br />
Theaters, was vom politischen<br />
Dialog übriggeblieben ist,<br />
ohne den Blick für die Verantwortung<br />
jedes Einzelnen aus<br />
den Augen zu verlieren. Im<br />
Sinne einer experimentellen<br />
Geschichtsschreibung öffnet<br />
sich das Stück auch für partizipative<br />
Situationen, in denen<br />
die Schauspieler:innen und<br />
Zuschauer:innen gemeinsam<br />
demokratische Teilhabe und<br />
Dialogfähigkeit erforschen.<br />
Wie steht es um das Zoon<br />
politikon? Müssen wir aktiver<br />
werden? Wann, wenn nicht<br />
jetzt?<br />
Schauspiel<br />
Morgen werden<br />
wir zu besseren<br />
Menschen.<br />
Olivier Garofalo schrieb Johanna ist tot<br />
im Rahmen seiner Hausautorenschaft am<br />
Rheinischen Landestheater Neuss, Wann,<br />
wenn nicht jetzt? entstand als Auftrag<br />
für das Wolfgang Borchert Theater,<br />
Münster. In der Spielzeit 2021/22 hatten<br />
Am Ende des Tages am RLT Neuss sowie<br />
Im Umbruch am Mierscher Kulturhaus<br />
in Luxemburg ihre Uraufführung. Das<br />
Klassenzimmerstück Es ist, was nicht<br />
war wurde am Gerhart-Hauptmann-<br />
Theater Görlitz-Zittau sowie in Jelenia<br />
Góra in polnischer Übersetzung nachgespielt.<br />
Das Zwei-Personen-Kammerspiel<br />
Warte nicht auf den Marlboro-Mann<br />
stand zuletzt am Kaleidoskop Theater<br />
Bettemburg/Luxemburg, am Gerhart-<br />
Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau und<br />
an der Badischen Landesbühne Bruchsal<br />
auf dem Spielplan.
19<br />
Ich bringe<br />
die Demokratie<br />
zurück.<br />
3D, 3H<br />
UA: 22.04.2023, Rheinisches Landestheater Neuss<br />
Johanna ist tot<br />
© JEANINE UNSEN<br />
Kanzler Franz Gaul hat die<br />
demokratische Republik in<br />
eine faschistoide Autokratie<br />
geführt. Die Bürger:innen<br />
werden mit einem bizarren<br />
System aus Desinformationskampagnen,<br />
archaischen<br />
Gladiatorenspielen und virtuellen<br />
Parallelwelten bei der<br />
Stange gehalten, während<br />
sich die letzte Zelle des Widerstands<br />
um Oppositionsführer<br />
Carl Phillipe in einem<br />
Keller vor den Schergen des<br />
Regimes versteckt – bis eine<br />
junge Frau aus der Provinz<br />
buchstäblich an die Kellertür<br />
klopft. Mit scheinbar göttlicher<br />
Intuition und unbändigem<br />
Willen will Johanna Ark<br />
den eingeschlafenen Widerstand<br />
neu beleben: „Die Zeit<br />
der Befreiung ist gekommen.“<br />
Olivier Garofalo verknüpft<br />
das Genre der Dystopie mit<br />
dem Mythos der Johanna von<br />
Orléans. In prägnanten Dialogen<br />
verhandelt Johanna ist<br />
tot aktuelle antidemokratische<br />
Bestrebungen und fragt<br />
nach Heldinnenbildern für<br />
neue Zeiten.<br />
weitere Stücke (Auswahl): Am Ende des Tages / Es ist, was nicht war / Im Umbruch / Warte nicht auf den Marlboro-Mann<br />
Schauspiel
20<br />
Super<br />
High<br />
Resolution<br />
Deutsch von Bastian Häfner 4D, 1H UA: 27.10.<strong>2022</strong>, Soho Theatre, London<br />
DSE: 03.02.2023, Staatstheater Kassel<br />
Von 2018 bis 2019 nahm Nathan Ellis<br />
am Schreibprogramm des Royal Court<br />
Theatre teil. Super High Resolution war<br />
für den Verity Bargate Award nominiert<br />
und wird im Herbst <strong>2022</strong> am Soho<br />
Theatre in London uraufgeführt. „WORK.<br />
TXT“, ein Stück ohne Darsteller, wurde<br />
mit dem Innovationspreis des VAULT<br />
Festivals 2020 und dem TCR International<br />
Innovation Award 2021 ausgezeichnet.<br />
Die Performance ist im<br />
Oktober <strong>2022</strong> im Rahmen des Festivals<br />
Grenzenlos Kultur am Staatstheater<br />
Mainz zu sehen. Nathan Ellis war Teil<br />
des BBC Drama Room. Er schreibt für<br />
Theater und Film und lebt in London<br />
und Berlin.<br />
NATHAN ELLIS<br />
Als junge Ärztin hat Anna das<br />
Gefühl, ihren eigenen Ansprüchen<br />
kaum noch gerecht zu<br />
werden. Die Arbeitslast ist<br />
überwältigend, die Familie<br />
strapaziös und das Privatleben<br />
liegt brach.<br />
Dabei ist Anna nicht nur<br />
kompetente Ärztin, sondern<br />
auch einfühlsame Schwester<br />
und schlagfertige Freundin.<br />
Doch die ständigen Überstunden,<br />
der Schichtbetrieb und<br />
die Kolleg:innen, die Dienst<br />
nach Vorschrift machen, fordern<br />
ihren Tribut. Anna will<br />
alles richtig machen und sich<br />
nicht von der Vorstellung verabschieden,<br />
ganz souverän<br />
mit Belastung umgehen<br />
zu können. Berufliche und<br />
private Verwirklichung muss<br />
doch gleichzeitig möglich<br />
sein! Aber trotz allem Enthusiasmus<br />
und einer guten Portion<br />
Selbstironie steuert sie<br />
längst auf den Kollaps zu.<br />
Nathan Ellis zeigt in perfekt<br />
getimten und lakonischen<br />
Dialogen einen atemlosen<br />
Klinikalltag und eine junge<br />
Ärztin, die sich eigentlich mit<br />
viel rauem Witz im Leben<br />
behauptet. Super High Resolution<br />
macht deutlich, wie<br />
unser Arbeitsalltag – nicht nur<br />
der im Gesundheitswesen –<br />
von latenter Überlastung<br />
geprägt ist.<br />
Aber mir<br />
geht es gut.<br />
Eigentlich<br />
geht es<br />
mir gut.<br />
Schauspiel
(Appropriate)<br />
Deutsch von Christine Richter-Nilsson und Bo Magnus Nilsson 4D, 4H (1 Kind)<br />
UA: 16.03.2014, Signature Theatre, New York City DSE: 02.05.2023, ETA Hoffmann Theater, Bamberg<br />
21<br />
Was sich gehört<br />
Wie sehr sind Familiengeschichte<br />
und historische<br />
Schuld miteinander verwoben?<br />
Lassen sich die Geister<br />
der Vergangenheit überhaupt<br />
noch beherrschen? Eugene<br />
O’Neill trifft auf „True Blood“<br />
in diesem atmosphärischen<br />
Familiendrama, in dem Branden<br />
Jacobs-Jenkins einen<br />
zeitlosen familiären Zwist<br />
mit aktuellen Diskursen um<br />
postkoloniales Erbe, Aneignung<br />
und Vergangenheitsbewältigung<br />
unterlegt.<br />
Nach dem Tod des Patriarchen<br />
müssen die drei<br />
Geschwister Toni, Bo und<br />
Frank den Nachlass ihres<br />
Vaters regeln. Die Älteste,<br />
Toni, ist bereits vor Tagen in<br />
das Südstaaten-Kaff gereist,<br />
um das verwahrloste An -<br />
wesen vor dem Verkauf in<br />
Ordnung zu bringen.<br />
Noch bevor ihr in NYC lebender<br />
Bruder Bo mit Frau und<br />
Kindern eintrifft, taucht völlig<br />
überraschend der jüngste<br />
Sohn Frank auf. Schnell<br />
kochen die Emotionen hoch,<br />
denn es gibt nicht nur sehr<br />
unterschiedliche Vorstellungen<br />
davon, wie der familiären<br />
Vergangenheit zu begegnen<br />
ist, es geht auch ums schnöde<br />
Geld und das finanzielle Überleben<br />
der Familie. Als ein<br />
Fotoalbum mit rassistischen<br />
Verbrechen im Nachlass des<br />
Verstorbenen auftaucht, überschlagen<br />
sich die Ereignisse.<br />
Branden Jacobs-Jenkins’ Stücke Gloria<br />
(DSE 2017 am Residenztheater München)<br />
und „Everybody“ waren in der Endauswahl<br />
für den Pulitzer Prize for Drama.<br />
Was sich gehört und „An Octoroon“<br />
wurden 2014 mit dem Obie Award als<br />
Best New American Play ausgezeichnet.<br />
2019 war die Europapremiere von Was<br />
sich gehört im Donmar Warehouse,<br />
London. Der DSE am ETA Hoffmann<br />
Theater, Bamberg, folgt ebenfalls im Mai<br />
eine Produktion am Theater Freiburg.<br />
Wie lernen die überhaupt<br />
das Lied? Die<br />
Zikadenbabys meine<br />
ich. Was denkst du? Ist<br />
es in ihrer DNA angelegt?<br />
Einprogrammiert?<br />
Oder hören sie es<br />
irgendwo, wenn sie<br />
noch im Ei liegen?<br />
Vielleicht hören sie es<br />
im Schlaf und dann<br />
können sie es auswendig?<br />
Ihre Eltern sind<br />
schon tot, aber sie<br />
erinnern sich noch an<br />
ein Lied, das ein Teil<br />
von ihnen ist ...<br />
BRANDEN JACOBS-JENKINS<br />
weitere Stücke: Gloria<br />
Schauspiel
22<br />
FLORIAN ZELLER<br />
Pierre ist erfolgreicher Arzt,<br />
liebender Ehemann und zugewandter<br />
Vater. Im Freundeskreis<br />
und im Kollegium geschätzt,<br />
von seiner Tochter<br />
verehrt, von seiner Frau<br />
selbstlos unterstützt. Und:<br />
von seiner jungen Geliebten<br />
zunehmend unter Druck<br />
gesetzt. Denn sie will nicht<br />
länger die heimliche Affäre<br />
sein und droht damit, alles<br />
auffliegen zu lassen. Immer<br />
verzweifelter sucht Pierre<br />
einen Ausweg aus dem dichter<br />
werdenden Netz aus Spiel,<br />
Täuschung und Begehren.<br />
„Zellers Spiel mit Form<br />
und Dramenstruktur ist<br />
komplex und fesselnd.“<br />
Schwindel<br />
Florian Zellers neuestes Stück<br />
Schwindel ist ein Genre-Mix<br />
aus Thriller, psychologischem<br />
Well-made-Play und somnambuler<br />
Reise ins Innere<br />
eines Mannes in der Midlife-<br />
Crisis. Zeller webt ein kunstvolles<br />
Netz aus Szenenwiederholungen,<br />
Varianten und<br />
Spiegelungen; eine Struktur,<br />
durch die er seine Kernthemen<br />
– Wahrheit und Lüge – in<br />
neuer Form untersuchen kann.<br />
Ähnlich wie in seinem Stück<br />
Vater treibt Florian Zeller<br />
auch hier ein doppeltes Spiel<br />
mit der Wahrnehmung der<br />
Figuren einerseits und der<br />
Wahrnehmung der Zuschauer:i<br />
nnen andererseits, sodass<br />
der titelgebende Schwindel<br />
schließlich alle erfasst.<br />
frei zur DSE<br />
(Des trains à travers la plaine)<br />
Deutsch von Annette und Paul Bäcker<br />
4D, 4H<br />
UA: 21.02.<strong>2022</strong>,<br />
Hampstead Theatre, London<br />
Florian Zeller ist einer der erfolgreichsten<br />
zeitgenössischen Autoren<br />
Frankreichs. Er schrieb zahlreiche<br />
Komödien sowie das Familien-Triptychon<br />
Vater / Die Mutter / Der Sohn.<br />
Für die Verfilmung seines Stücks Vater<br />
mit Anthony Hopkins in der Hauptrolle<br />
gewann Florian Zeller u. a. einen Oscar<br />
für die beste Drehbuch-Adaption, einen<br />
César sowie den Europäischen Filmpreis.<br />
Zellers Filmadaption von Der<br />
Sohn mit Hugh Jackman in der Hauptrolle<br />
kommt voraussichtlich Ende<br />
<strong>2022</strong> in die deutschen Kinos.<br />
© SAMUEL KIRSZENBAUM<br />
FINANCIAL TIMES ENGLAND<br />
Mein Leben ist zu einem<br />
endlosen Alptraum<br />
geworden.<br />
Schauspiel<br />
weitere Stücke: Hinter der Fassade / Die Lüge / Die Mutter / Der Sohn / Vater / Die Wahrheit
Die Schwestern<br />
23<br />
Bienaimé<br />
Die Schwestern Michèle und<br />
Pascale haben sich seit 20<br />
Jahren nicht gesehen. Pascale<br />
ist in die Großstadt geflüchtet,<br />
Michèle, die Ältere und Ersatzmutter,<br />
lebt weiterhin in ihrem<br />
Heimatdorf. Gemeinsam<br />
haben sie das Häuschen der<br />
Mutter geerbt. Nun kehrt<br />
Pascale völlig überraschend<br />
zurück und würde gern dort<br />
einziehen. Michèle ist alles<br />
andere als begeistert und der<br />
Weg zur Versöhnung ist steinig:<br />
Es braucht u. a. reichlich<br />
Schnaps, eine Geiselnahme,<br />
die Versenkung eines Autos<br />
im Teich, nächtliche Gemüsesuppe<br />
und einen Sirtaki mit<br />
ihrem gemeinsamen Kindheitsfreund<br />
Rémi, bis alle<br />
(wieder) zueinanderfinden.<br />
Die Schwestern Bienaimé<br />
verhandelt, mal tragisch, mal<br />
komisch, Familiendynamiken<br />
und intergenerationelle Muster<br />
und scheut dabei weder<br />
große Gefühle noch derbe<br />
Schimpftiraden. Brigitte Buc<br />
lässt ihre „vielgeliebten<br />
Schwestern“ mit allen Mitteln<br />
umeinander ringen – und um<br />
ihre Kindheitserinnerungen<br />
und Lebensentwürfe.<br />
„Ein Stück voller Humor,<br />
Poesie und Menschlichkeit (…)<br />
über Segen und Fluch<br />
familiärer Bande.“<br />
ARTISTIK REZO<br />
weitere Stücke: Hundswetter<br />
© AMANDINE GAYMARD<br />
(Les sœurs Bienaimé)<br />
Deutsch von Claudia Hamm<br />
2D, 1H<br />
UA: 21.01.<strong>2022</strong>, Théâtre Antoine, Paris<br />
DSE in Verhandlung<br />
Brigitte Buc studierte Schauspiel und<br />
moderne Literatur, spielte an zahlreichen<br />
Theatern und drehte Fernsehfilme u. a.<br />
mit Philippe Monnier. Die Schwestern<br />
Bienaimé ist ihr drittes Stück. Bei der<br />
Pariser Uraufführung führte sie selbst<br />
Regie, eine der Hauptrollen spielte<br />
Valérie Lemercier, die zuletzt Céline<br />
Dion in dem Film „Aline“ verkörperte.<br />
Die DSE von Bucs letzter Komödie<br />
Hundswetter – drei Frauen aus unterschiedlichen<br />
Gesellschaftsschichten<br />
sind durch ein Unwetter 24 Stunden<br />
gemeinsam in einem Café gefangen<br />
– war an der Komödie am Kurfürstendamm,<br />
Berlin, das Stück wurde an über<br />
20 Theatern nachgespielt.<br />
Jetzt hasst<br />
du mich bis<br />
an dein<br />
Lebensende.<br />
Aber du stirbst<br />
vor mir!<br />
BRIGITTE BUC<br />
Schauspiel
24<br />
Einszweiundzwanzig<br />
vor dem<br />
frei zur DSE<br />
(1h22 avant la fin)<br />
Deutsch von Georg Holzer<br />
1D, 2H UA: 27.01.<strong>2022</strong>,<br />
Théâtre La Scala, Paris<br />
Ende<br />
MATTHIEU DELAPORTE<br />
Schauspiel<br />
Als Bernhard sich gerade<br />
umbringen will, klopft es an<br />
der Tür. Ein Mann mit Schnurrbart,<br />
Rollkragenpullover und<br />
Pistole steht davor und zielt<br />
auf den überrumpelten Bernhard.<br />
Es ist der Tod in Person,<br />
der in dieser Funktion seinen<br />
ersten Arbeitstag hat und<br />
Bernhard abholen will: „Wir<br />
sind wie Taxis. Mein Ausbilder<br />
Karlheinz sagt immer: Wir<br />
sind wie Uber.“ Leider hat sich<br />
der Tod im Stockwerk geirrt.<br />
Und auch sonst ist er alles<br />
andere als ein Profi …<br />
Aber der<br />
Tod hat doch<br />
keinen<br />
Schnurrbart.<br />
Einszweiundzwanzig vor<br />
dem Ende ist ein Wortgefecht<br />
um Leben und Tod – wobei<br />
Letzterer eine etwas desolate,<br />
aber dafür umso unterhaltsamere<br />
Mischung aus Existenzialist,<br />
Lebenskünstler und<br />
Alkoholiker ist. Ihm gegenüber<br />
steht der schüchterne,<br />
mit Ende 30 noch ungeküsste<br />
Bernhard, der den tödlichen<br />
Humor nicht versteht, aber<br />
aus Höflichkeit kooperationswillig<br />
ist. Im Zusammenspiel<br />
werden die beiden zum Duo<br />
infernale, das am Ende weiß,<br />
wofür es sich zu leben (oder<br />
sterben) lohnt. Leider zu spät.<br />
Matthieu Delaporte hat seine Komödien<br />
bisher immer im Duo mit Alexandre de<br />
La Patellière geschrieben. Bekannt<br />
wurden die beiden durch ihr Stück Der<br />
Vorname, das in Deutschland mittlerweile<br />
über 200 Mal inszeniert sowie<br />
unter dem gleichnamigen Titel verfilmt<br />
wurde. De La Patellière führte bei der<br />
Pariser Uraufführung von Delaportes<br />
Stück Regie. Ihre Werke zählen<br />
zu den meistgespielten Komödien in<br />
Deutschland.<br />
„Ein charmanter Mix aus<br />
schwarzer Komödie und<br />
metaphysischem Diskurs.“<br />
LES ÉCHOS<br />
© PASCAL ITO<br />
weitere Stücke (mit Alexandre de La Patellière): Das Abschiedsdinner / Alles was Sie wollen / Der Vorname
Die<br />
Wahlentscheidung<br />
25<br />
Carla hat Krebs. Prostatakrebs.<br />
François sagt: „Aber<br />
heutzutage kann man doch<br />
alles heilen, mein Täubchen.“<br />
Die beiden sind seit 30 Jahren<br />
glücklich verheiratet. Er ist<br />
erfolgreicher Politiker, rechtskonservativ,<br />
aktuell im Wahlkampfendspurt,<br />
sie Hausfrau.<br />
Ein gutes Arrangement – das<br />
durch Carlas Krebsdiagnose<br />
völlig über den Haufen geworfen<br />
wird. Und da eine Katastrophe<br />
selten allein kommt,<br />
verkündet ihre Adoptivtochter<br />
Louise den beiden, dass sie<br />
schwanger ist. Und zwar von<br />
François’ ärgstem politischen<br />
Konkurrenten.<br />
© MID<br />
Während François Sorge hat,<br />
wie Louises Schwangerschaft<br />
und seine unverhoffte Ehe mit<br />
einer Transfrau zu seinem<br />
Image als rechtskonservativer<br />
Hoffnungsträger passen sollen,<br />
stellt Carla viel existenziellere<br />
Fragen: Was ist unsere<br />
wahre Identität?<br />
Mit Die Wahlentscheidung<br />
hat Jade-Rose Parker eine<br />
perfekt gebaute Komödie<br />
geschrieben, die das Thema<br />
(Trans-)Identität mitten ins<br />
bürgerliche Wohnzimmer holt<br />
und die mit großer Leichtigkeit<br />
die Frage verhandelt, was<br />
eine Familie ausmacht und<br />
was sie zusammenhält.<br />
frei zur DSE<br />
(Drôle de genre)<br />
Deutsch von Georg Holzer<br />
2D, 2H<br />
UA: 25.01.<strong>2022</strong>,<br />
Théâtre de la Renaissance, Paris<br />
Jade-Rose Parker ist Schauspielerin<br />
und Autorin für Theater und Film. Ihren<br />
Jura-Master machte sie im Bereich<br />
„Geistiges Eigentum“, parallel dazu<br />
spielte sie Theater und drehte u. a. an<br />
der Seite von Sophie Marceau. Sie<br />
schreibt Drehbücher für zahlreiche<br />
französische Serien und ihr Roman<br />
„Ta Gueule, on tourne“ (Fresse, wir<br />
drehen) wurde gerade veröffentlicht.<br />
In der Pariser Erfolgsinszenierung von<br />
Die Wahlentscheidung spielt Jade-<br />
Rose Parker die Rolle der Tochter,<br />
die Almodóvar-Schauspielerin Victoria<br />
Abril spielt die Rolle der Carla.<br />
„Das Stück ist urkomisch,<br />
kämpferisch und relevant! (…)<br />
Ein Riesenerfolg.“<br />
JADE-ROSE PARKER<br />
PARIS MATCH<br />
Gestern war ich glücklich<br />
verheiratet mit einer Frau, die<br />
ich liebe und die mich liebt, und<br />
heute bin ich an einen Kerl mit<br />
Neovagina gekettet!<br />
Schauspiel
26<br />
MÉLODY MOUREY<br />
Schauspiel<br />
1960, ein Arbeiterviertel in<br />
Chicago. Jack Mancini vertickt<br />
Drogen, randaliert nachts<br />
auf der Straße und kellnert in<br />
einer Pizzeria. Und er träumt<br />
vom Fliegen, interessiert sich<br />
für das Weltall und kann hochkomplizierte<br />
mathematische<br />
Formeln im Kopf lösen. Als<br />
ein Psychologie-Professor<br />
das durch Zufall herausfindet,<br />
beginnt die unglaubliche<br />
Reise des rebellischen Underdogs<br />
zum Mond. Sie führt<br />
direkt ins Herz der Swinging<br />
Sixties, Kalter Krieg, Spionagevorwürfe<br />
und Klassenkampf<br />
inklusive. Aber auch<br />
eine erste große Liebe, eine<br />
außergewöhnliche Freundschaft<br />
und der unsterbliche<br />
Traum von den Sternen.<br />
Inspiriert von den realen<br />
Begebenheiten rund um die<br />
Apollo-Mission ist Wettlauf<br />
zum Mond ein kleines Kaleidoskop<br />
der 60er-Jahre und<br />
ein Fest für sechs Schauspieler:innen,<br />
die rund 30 Figuren<br />
in hohem Tempo, schnellen<br />
Szenen und rasanten Rollenwechseln<br />
zum Leben erwecken.<br />
Mit kurzen, pointierten<br />
Dialogen erschafft Mélody<br />
Mourey ein theatrales Biopic,<br />
das der Regie eine Spielwiese<br />
für Ausstattung, Choreografie<br />
und Video bereitet. Fly me<br />
to the moon!<br />
„Eine raffinierte Mischung<br />
aus Realität und Fiktion, ein<br />
perfekter Mix aus Abenteuergeschichte<br />
und Komödie.“<br />
TÉLÉMATIN<br />
Wettlauf<br />
zum<br />
© CORENTIN FOHLEN<br />
Mond<br />
frei zur DSE<br />
(La course des géants)<br />
Deutsch von Corinna Popp<br />
2D, 4H, Mehrfachbesetzung<br />
UA: 09.07.2021, Théâtre des Béliers<br />
parisiens, Paris<br />
Mélody Mourey studierte Politik, Psychologie<br />
sowie Schauspiel und arbeitete als<br />
Journalistin für das Kulturmagazin<br />
L’Éléphant. Ausgehend von journalistischen<br />
Recherchen schrieb sie ihr erstes<br />
Stück „Les Crapauds Fous“ über zwei<br />
polnische Widerstandskämpfer. Sie war<br />
mit Wettlauf zum Mond bei den Prix<br />
Molières <strong>2022</strong> in vier Kategorien nominiert,<br />
u. a. für die beste Privattheater-<br />
Produktion, als beste Regisseurin und<br />
als beste französischsprachige Autorin.<br />
Ich mag<br />
Oliver Twist,<br />
ich frage<br />
mich nur,<br />
wieso man<br />
ihn auf<br />
den Mond<br />
schickt.<br />
Wieso lässt<br />
man Oliver<br />
Twist nicht<br />
da, wo er<br />
hingehört,<br />
auf seinem<br />
Platz?
Pierre-Henri, Familienpatriarch,<br />
Medienmogul und<br />
Arbeitstier, hat seit Jahren<br />
keinen Kontakt mehr zu seiner<br />
Familie. Nun ist er sterbenskrank<br />
und will sich mit<br />
den Seinen versöhnen. Also<br />
engagiert er eine Gruppe<br />
Schauspielerinnen und<br />
Schauspieler, damit diese die<br />
Rollen der Familienmitglieder<br />
übernehmen, alte Konflikte<br />
aufarbeiten und Pierre-Henri<br />
seinen Seelenfrieden finden<br />
kann. Nicht gerechnet hat er<br />
mit dem Privatleben der<br />
Engagierten, ihrem Selbstverständnis<br />
als Künstler, konkurrierenden<br />
Drehterminen und<br />
daraus resultierenden Umbesetzungen.<br />
Und als am Ende<br />
Richard 3, der „echte“ Richard,<br />
sein leiblicher Sohn, auftritt,<br />
ist die Verwirrung perfekt.<br />
© FRÉDÉRIQUE TOULET<br />
Die Rückkehr<br />
von Richard 3<br />
mit dem Zug<br />
um 9.24 h<br />
Gilles Dyreks neueste Komödie<br />
ist eine Familienaufstellung<br />
der besonderen Art, die gekonnt<br />
unterschiedliche Spielebenen<br />
und Register vermischt<br />
und auf überraschende<br />
Weise Familiendynamiken<br />
untersucht. Und sie ist eine<br />
große Liebeserklärung an<br />
Schauspieler:innen, getragen<br />
vom aufrichtigen Glauben an<br />
das Theater und das Spiel.<br />
Eines langen Tages Reise in<br />
den nackten Wahnsinn.<br />
„Mehr als eine verrückte<br />
Komödie: eine Anleitung,<br />
wie man sich mit seiner<br />
Familie versöhnt.“<br />
LE POINT<br />
frei zur DSE<br />
(Le retour de Richard 3<br />
par le train de 9h24)<br />
Deutsch von Lydia Dimitrow<br />
4D, 5H<br />
UA: 10.07.2021, Festival d’Avignon<br />
Gilles Dyrek, 1966 in Paris geboren, ist<br />
Schauspieler und Regisseur, der sowohl<br />
fürs Theater als auch für Film und Fernsehen<br />
arbeitet. Seine Komödie Venedig<br />
im Schnee wurde im deutschsprachigen<br />
Raum von über 60 Theatern gespielt.<br />
Aktuell arbeitet Gilles Dyrek an der<br />
Komödie Win-Win, einem Stück mit<br />
20 Rollen für sechs Spieler:innen, das<br />
eine Mitarbeiter-Vollversammlung mit<br />
viel Situationskomik und hohem Tempo<br />
in ihre Bestandteile zerlegt, allgegenwärtiger<br />
Marketing-, Motivations- und<br />
Selbstoptimierungs-Sprech inklusive.<br />
27<br />
GILLES DYREK<br />
Also soweit ich’s<br />
verstanden habe,<br />
spielen wir seine<br />
Familie, die tot ist,<br />
aber wir tun so, als<br />
ob sie lebt, ja?<br />
Aber: Warum?<br />
weitere Stücke (Auswahl): Venedig im Schnee / Weihnachten auf dem Balkon<br />
Schauspiel
28<br />
Du bist<br />
manchmal<br />
ein bisschen<br />
kompliziert,<br />
oder?<br />
GÉRALD AUBERT<br />
Schauspiel<br />
Eine<br />
wunderbare<br />
Trennung<br />
© GÉRALD AUBERT<br />
Dating im Mid-Life ist nichts<br />
für Feiglinge. Das wissen<br />
Jeanne und David eigentlich<br />
schon, als sie sich auf ein Glas<br />
Wein verabreden. Etwas<br />
unbeholfen und eingerostet,<br />
aber wild entschlossen, an ein<br />
Happy End zu glauben, treffen<br />
sich die beiden. Auf den schönen<br />
Abend samt One-Night-<br />
Stand folgt die unmittelbare<br />
Trennung am nächsten Morgen<br />
und dann ein Reigen des<br />
Hin und Her: Bindungsängste,<br />
Altlasten aus vorangegangenen<br />
Beziehungen und – sehr<br />
unterhaltsame – Sozialphobien<br />
machen es den beiden auch<br />
nicht leichter …<br />
Mit Eine wunderbare Trennung<br />
zeichnet Gérald Aubert<br />
ein charmantes Porträt Beziehungssuchender<br />
der Generation<br />
45+, die sich in die zweite<br />
Runde trauen. Der Glaube an<br />
die große Liebe ist da, aber<br />
bisherige Erfahrungswerte<br />
haben alle Beteiligten vom<br />
Gegenteil überzeugt. Ziemlich<br />
schrullig und extrem amüsant<br />
streitet, missversteht und versöhnt<br />
sich dieses wunderbare<br />
Paar – und glaubt letzten<br />
Endes eben doch an die große<br />
Liebe. Aber so darf man es<br />
auf keinen Fall nennen!<br />
weitere Stücke (Auswahl): Familiäre Gründe / Die Reise / Zimmer 108<br />
frei zur UA<br />
(Une merveilleuse rupture)<br />
Deutsch von Leyla-Claire Rabih und<br />
Frank Weigand<br />
1D, 1H<br />
Gérald Aubert, geboren 1951, studierte<br />
französische und englische Literatur und<br />
schreibt seit vielen Jahren Theaterstücke,<br />
die u. a. in Frankreich verfilmt<br />
wurden und mehrfach für den Prix<br />
Molière nominiert waren. In Deutschland<br />
am bekanntesten ist sein Stück<br />
Zimmer 108, ein psychologisches Kammerspiel,<br />
in dem sich zwei sehr unterschiedliche<br />
Männer in einem Krankenhauszimmer<br />
begegnen.
Mein<br />
UA der Übersetzung frei<br />
(Célimare le bien-aimé)<br />
Deutsch von Rainer Kohlmayer<br />
2D, 5H<br />
29<br />
lieber Célimare<br />
Célimare, eingefleischter<br />
Junggeselle, Bonvivant und<br />
Schwerenöter, will ein neues<br />
Leben beginnen: Er will endlich<br />
heiraten. Emma ist die<br />
Auserwählte, eine junge Frau,<br />
deren Eltern von der Heirat<br />
rundherum begeistert sind.<br />
Doch der Bruch mit seinem<br />
alten Leben ist nicht ganz so<br />
einfach: Célimares Strategie<br />
für ungestörte Romanzen<br />
war es stets, Hausfreund<br />
und Freund des Hauses in<br />
Personal union zu sein. So ist<br />
er eng befreundet mit zwei<br />
geprellten Ehemännern, die<br />
durchaus besitzergreifend und<br />
betreuungsintensiv sind und<br />
die so gar nicht verstehen,<br />
warum ihr lieber Célimare auf<br />
einmal keine Zeit mehr für sie<br />
hat. Und dann tauchen auch<br />
noch kompromittierende<br />
Liebesbriefe auf! Célimare<br />
dreht und windet sich, schmeichelt,<br />
lügt und taktiert an allen<br />
Fronten. Alle sind ihm blind<br />
ver fallen – außer Emma. Die<br />
setzt ihm schließlich ein<br />
Ultimatum …<br />
Ökonomisches Grundgesetz<br />
Nummer eins: Man kann von einem<br />
Freund alles verlangen, alles haben …<br />
(beiseite) sogar seine Frau! (laut)<br />
Aber sein Konto ist tabu.<br />
Mit Célimare hat Labiche<br />
einen charmanten Egomanen<br />
geschaffen, der in seinem<br />
kreativen Umgang mit der<br />
Wahrheit etwas ausgesprochen<br />
Zeitgenössisches hat. Fake<br />
News, Kommerzialisierung<br />
von Freundschaften, Männer,<br />
die sich selbst über- und ihre<br />
Frauen unterschätzen – Rainer<br />
Kohlmayers Neu-Übersetzung<br />
bringt den Vaudeville-Klassiker<br />
sprachlich zeitlos, pointiert<br />
und äußerst unterhaltsam<br />
ins Heute.<br />
„Ich habe mich fast ausschließlich<br />
dem Studium des<br />
Bourgeois, des Philisters<br />
gewidmet, dieses Tier bietet<br />
zahllose Möglichkeiten;<br />
es ist unerschöpflich.“<br />
EUGÈNE LABICHE, 1880<br />
Rainer Kohlmayer ist Übersetzer und<br />
Bearbeiter zahlreicher französischer<br />
und englischer Klassiker. Seine Übersetzungen<br />
von Oscar Wildes Bunbury oder<br />
Ernst sein ist wichtig sowie von Ein<br />
idealer Gatte sind als Reclam-Ausgabe<br />
erschienen und Teil des Desch-Programms.<br />
In der Spielzeit 2020/21 lief<br />
Kohlmayers Bunbury an zahlreichen<br />
Häusern, u. a. am Burgtheater Wien.<br />
EUGÈNE LABICHE<br />
weitere Stücke (in der Übersetzung von Rainer Kohlmayer): Ein Florentinerhut von Eugène Labiche /<br />
Bunbury oder Ernst sein ist wichtig von Oscar Wilde / Ein idealer Gatte von Oscar Wilde<br />
Schauspiel
30<br />
JERRY HERMAN / HARVEY FIERSTEIN / JEAN POIRET: LA CAGE AUX FOLLES, VOLKSOPER WIEN <strong>2022</strong> © BARBARA PÁLFFY
31
Musiktheater<br />
© COURTESY OF THE WEILL-LENYA RESEARCH CENTER, KURT WEILL FOUNDATION FOR MUSIC, NEW YORK
Tom<br />
Sawyer<br />
Auf der Grundlage von Mark<br />
Twains Roman „Die Abenteuer<br />
des Tom Sawyer“ schrieb<br />
John von Düffel bereits 2014<br />
eine primär für Schauspielensembles<br />
angelegte Bühnenfassung<br />
mit Musik unter Verwendung<br />
der fünf „Huckleberry-Finn-Songs“<br />
von Kurt<br />
Weill und weiterer, neu und<br />
frei betexteter Songs aus<br />
Kurt Weills amerikanischer<br />
Schaffensperiode.<br />
In Zusammenarbeit mit der<br />
Komischen Oper Berlin und<br />
der Kurt Weill Foundation for<br />
Music, New York City, entstand<br />
nun eine um zahlreiche<br />
zusätzliche Weill-Songs<br />
erweiterte, groß angelegte<br />
Opernfassung für 43 (alternativ:<br />
19) Musiker:innen,<br />
Kinderchor und zwölf (alternativ:<br />
sieben) Solist:innen.<br />
Kai Tietje orientierte sich in<br />
seinem Arrangement am<br />
Weill’schen Klangkosmos<br />
der 40er-Jahre.<br />
6+<br />
Kinderoper in zwei Akten nach Mark Twain<br />
Musik von Kurt Weill<br />
Text von John von Düffel<br />
Originalliedtexte von Maxwell Anderson und Ira Gershwin<br />
Orchesterarrangement von Kai Tietje<br />
4D, 8H (alternativ: 3D, 4H), Kinderchor<br />
FI I, II, Ob, Klar I, II, III, Fg, Hr, Trp, Pos, Sousaphon/Tb, Perc, Timp, Drum, Bjo/Git,<br />
Kl/Cel, Vl I, II, Vla, Vlc, Kb<br />
UA: 18.02.2023, Komische Oper Berlin<br />
Gib jedem Tag<br />
die Chance,<br />
der schönste deines<br />
Lebens zu werden!<br />
Mark Twains Klassiker über<br />
Freundschaft, Familie, wilde<br />
Abenteuer und erste Liebe als<br />
opulente Familienoper mit<br />
Musik von Kurt Weill für<br />
Menschen ab sechs!<br />
Weiterhin verfügbar ist<br />
auch die für ein Schauspielensemble<br />
geschriebene kleinere<br />
Bühnenfassung mit Musik.<br />
John von Düffel ist seit der Spielzeit<br />
2009/10 Dramaturg am Deutschen<br />
Theater Berlin. Er ist Roman- und Bühnenautor.<br />
Seine Schauspieladaption<br />
von Wolf unter Wölfen wurde 2013 am<br />
Deutschen Theater Berlin uraufgeführt.<br />
Eine Opernfassung desselben Stoffs<br />
(Musik: Søren Nils Eichberg) hatte 2019<br />
Premiere am Stadttheater Koblenz.<br />
Kai Tietje, Dirigent, Arrangeur, Komponist<br />
und Pianist, arbeitete u. a. am<br />
Staatstheater Nürnberg, an den Vereinigten<br />
Bühnen Wien, am Theater Basel<br />
und an der Staatsoper Hannover. Für<br />
die Komische Oper Berlin entwickelte<br />
er gemeinsam mit Stefan Huber eine<br />
Neufassung von Nico Dostals Clivia<br />
sowie die Spoliansky-Revue Heute<br />
Nacht oder nie.<br />
weitere Stücke (Auswahl): Tom Sawyer und Huckleberry Finn (Schauspiel mit Musik von John von Düffel und Kurt Weill)<br />
33<br />
KURT WEILL / JOHN VON DÜFFEL / KAI TIETJE / MARK TWAIN<br />
Musiktheater
34<br />
JERRY HERMAN / JEROME LAWRENCE / ROBERT E. LEE<br />
Musiktheater<br />
Dear<br />
World<br />
Öl unter Paris! Ein Konzern hat es direkt<br />
unter einem Bistro entdeckt. Ganz nah<br />
dran, im Keller des Bistros, lebt Gräfin<br />
Aurelia (eher bekannt als die Irre von<br />
Chaillot), hängt einer unglücklichen<br />
Liebe nach und zieht Strippen. Als der<br />
Konzern beschließt, das Bistro in die Luft<br />
zu sprengen, versuchen Gräfin Aurelia<br />
und der bis über beide Ohren in die<br />
Kellnerin Nina verliebte Manager Julian<br />
erfolgreich, den Plan zu vereiteln. Am<br />
Ende siegt die Liebe über Habgier, kein<br />
Öl wird gebohrt – das gibt’s wirklich<br />
nur in Paris.<br />
Dear World vereint viele der bekanntesten<br />
Lieder von Jerry Herman: „Dear<br />
World“, „Kiss Her Now“, „Each Tomorrow<br />
Morning“, „I’ve Never Said I Love You“,<br />
„I Don’t Want To Know“.<br />
Jerry Herman zählt zu den bekanntesten Broadway-<br />
Komponisten. Am 10. Juli 1933 in New York geboren,<br />
ist er musikalischer Autodidakt und will ursprünglich<br />
Architekt werden. Schon kurz nach Studienbeginn<br />
an der Universität Miami wechselt er das Fach, studiert<br />
Schauspiel und Theaterwissenschaft und beginnt, für<br />
Revuen zu komponieren. Nach seiner Rückkehr nach<br />
New York arbeitet er zunächst als Barpianist, erregt<br />
aber schon bald mit seiner ersten Revue für den<br />
Off-Broadway („I Feel Wonderful“) das Aufsehen der<br />
Musicalwelt. Sein erstes Broadway-Musical, „Milk<br />
and Honey“, das für fünf Tony Awards nominiert wird,<br />
schreibt er 1961. Der große Durchbruch gelingt ihm<br />
1964 mit Hello, Dolly!, das fünf Tonys gewinnt. Mit der<br />
Geschichte von Mame, einer resoluten Dame, die mit<br />
Witz und Selbstsicherheit den ihr anvertrauten verwaisten<br />
Neffen Patrick durchs Leben leitet, gewinnt er<br />
drei Tony Awards. Es folgt 1969 Dear World, das im<br />
Londoner West End zum Musical des Jahres gewählt<br />
wird. 1983 kann Jerry Herman mit La Cage aux Folles<br />
einen weiteren, bis heute andauernden Welterfolg<br />
feiern. 1985 ehrt ihn der Broadway mit Jerry’s Girls,<br />
einer Musicalrevue, in der alle seine weiblichen Hauptrollen<br />
in einer Show gemeinsam auftreten.<br />
weitere Stücke (Auswahl): Hello, Dolly! / Jerry’s Girls / Mame<br />
neu bei FBE<br />
Musical basierend auf dem Theaterstück<br />
„Die Irre von Chaillot“ von Jean Giraudoux<br />
in der Adaption von Maurice Valency<br />
Musik und Liedtexte von Jerry Herman<br />
Buch von Jerome Lawrence und Robert E. Lee<br />
Fassung von David Thompson (2000)<br />
Deutsch von Frederike Haas und Melanie Haupt<br />
4D, 9H (mit Mehrfachbesetzungen)<br />
Reed I (Picc, Fl, Ob, Klar, B.Klar), Hr, Vl, Vlc, Kb, Kl/Key, Perc<br />
UA: 06.02.1969, Mark Hellinger Theatre, New York City<br />
DSE: 01.03.1982, Theater Aachen<br />
DE der Neufassung von David Thompson: 01.10.<strong>2022</strong>, Theater Bielefeld<br />
„Wer sagt,<br />
dass sie irre<br />
ist?“
Mack und Mabel<br />
Reg dich ab<br />
und nimm<br />
dir’n Ei …<br />
Brooklyn, 1938. Der<br />
Filmregisseur Mack<br />
Sennett ist in seine alten<br />
Studios zurückgekehrt,<br />
wo er seinerzeit Hunderte<br />
von Stummfilmkomödien<br />
produziert hat.<br />
Er resigniert angesichts<br />
der neuen, vom Tonfilm<br />
diktierten Entwicklungen<br />
und erinnert sich an die<br />
Anfänge seiner Karriere.<br />
Jerry Hermans Westend-<br />
Neufassung von Mack<br />
und Mabel von 1995 ist<br />
jetzt auch in Deutschland<br />
verfügbar. Die<br />
ebenso klug wie sensibel<br />
in Text und Personal<br />
gestraffte Version des<br />
im Filmmilieu angesiedelten<br />
klassischen Musicals<br />
wurde in Deutschland<br />
zum ersten Mal im<br />
April <strong>2022</strong> am Gerhart-<br />
Hauptmann-Theater<br />
Görlitz-Zittau in der<br />
Regie von Christopher<br />
Tölle gezeigt.<br />
neue Fassung<br />
Musical<br />
Eine musikalische Liebesgeschichte<br />
Buch von Michael Stewart<br />
Musik und Gesangstexte von Jerry Herman<br />
Neufassung von Francine Pascal<br />
Deutsch von Frank Thannhäuser<br />
3D, 11H (mit Mehrfachbesetzungen),<br />
Nebendarsteller:innen<br />
Fassung 1974: Reed I, II, III, IV, Hr, Trp I, II, Pos I, II, Schl<br />
I, II, Git, Kl, Vl I, II, Va, Vc, B; Fassung 1995: Reed I (Picc,<br />
Fl, Klar, A.Sax), Reed II (Klar, A.Sax), Reed III (Klar, S.<br />
Sax, T.Sax), Reed IV (Klar, B.Klar, Bar.Sax), Trp I, II, III,<br />
Pos I, II (B.Pos), Schl, Kl, B/Tb, für größere Version<br />
erweitert um: Hr, Schl II, Git (Bj), Vln, Va, Vc<br />
UA: 06.10.1974, Majestic Theatre, New York City<br />
DSE: 26.09.1998, Badisches Staatstheater Karlsruhe<br />
DE der Neufassung: 22.04.<strong>2022</strong>, Gerhart-Hauptmann-<br />
Theater Görlitz-Zittau<br />
JERRY HERMAN / MICHAEL STEWART<br />
Das Kultmusical La<br />
neue Übersetzung<br />
Cage aux Folles, ein<br />
Plädoyer für ein Leben<br />
Du spielst<br />
außerhalb kleinkarierter<br />
mein Herz Konventionen, gibt es<br />
wie eine jetzt neu in einer Übersetzung<br />
von Martin G.<br />
Ziehharmonika.<br />
neuen Übersetzung ist,<br />
Berger: „Ziel dieser<br />
Menschen so natürlich<br />
wie möglich sprechen zu<br />
lassen. Grundlage des<br />
Werks ist eindeutig wellmade<br />
/ Boulevard und<br />
das Stück eine Konversationskomödie,<br />
die von<br />
La<br />
Geschwindigkeit, Gags<br />
und einer gewissen<br />
Flapsigkeit lebt.“<br />
(Martin G. Berger)<br />
Cage aux Folles<br />
Musical nach „Ein Käfig voller Narren“<br />
von Jean Poiret<br />
Musik und Gesangstexte<br />
von Jerry Herman<br />
Buch von Harvey Fierstein<br />
Deutsch von Martin G. Berger<br />
3D, 7H<br />
Reed I (Picc, Fl, A.Fl, Klar, A.Sax), Reed II (Picc, Fl,<br />
Klar, B.Klar, A.Sax), Reed III (Ob, E.H, Klar), Reed IV<br />
(Es.Klar, Klar, B.Klar, T.Sax), Reed V (Klar, Fg, Bar.<br />
Sax), Hr I, II, Trp I, II, III, Pos I, II, Dr, Perc I, II, Hrf, Git<br />
(Bj), Akk, Vl I, II, Vc, B<br />
UA: 21.08.1983, Palace Theatre, New York City<br />
DE: 27.10.1985, Theater des Westens, Berlin<br />
JERRY HERMAN / HARVEY FIERSTEIN
36<br />
TOM VAN HASSELT / SERGEJ GÖßNER<br />
Musiktheater<br />
Brigitte<br />
Herbert und Moni sind seit<br />
30 Jahren glücklich verheiratet<br />
und führen erfolgreich einen<br />
Weinbaubetrieb in der dörflichen<br />
Idylle von Moselheim.<br />
Eines Tages verkündet Herbert,<br />
eine Frau sein zu wollen, und<br />
trägt fortan nur noch Frauenkleider.<br />
Die Familie ist entsetzt,<br />
die Nachbarn lästern und der<br />
Männerchor will Herbert aus<br />
dem Vereinsleben ausschließen.<br />
Als Brigitte, wie Herbert<br />
jetzt genannt werden möchte,<br />
bei der Jahreshauptversammlung<br />
des Winzerverbands<br />
erklärt, für das Amt der Weinkönigin<br />
zu kandidieren, ist<br />
überregionale Aufmerksamkeit<br />
garantiert, sehr zum Leidwesen<br />
der Verantwortlichen.<br />
Für sich selbst macht Herbert<br />
das alles aber nicht: Es ist der<br />
Versuch einer seit langer Zeit<br />
fälligen, großen Wiedergutmachung,<br />
wie das fulminante<br />
Finale offenbart.<br />
Das Libretto ist geprägt<br />
von Dialogwitz und klug<br />
gereimten Liedtexten, für<br />
deren Vertonung Tom van<br />
Hasselt Anleihen bei französischem<br />
Chanson, 80er-Jahre-<br />
Pop und Jazz-Fusion nimmt.<br />
Mit vielgestaltigen Liedern –<br />
von Songs mit Broadway-<br />
Feeling bis hin zu kabarettistischen<br />
Couplets – gelingt<br />
es Tom van Hasselt, die Spannung<br />
zwischen Provinz und<br />
großer weiter Welt hörbar<br />
zu machen.<br />
Musical nach dem gleichnamigen Bühnenstück von Sergej Gößner<br />
Musik von Tom van Hasselt<br />
Text von Tom van Hasselt und Sergej Gößner<br />
Musikalisches Arrangement von Matthias Flake<br />
1 m/w/d, 2 D, 3 H, Herrenchor<br />
Kl/Key, B, Schl, Git<br />
UA: 02.07.<strong>2022</strong>, Burgfestspiele Mayen<br />
Bordeaux<br />
( Musical )<br />
© BURGFESTSPIELE MAYEN, KLAUS MANNS<br />
„Der Genrewechsel ist beachtlich<br />
gelungen – was zu großen<br />
Teilen an der Musik von Tom<br />
van Hasselt liegt, der Hits mit<br />
Ohrwurmqualität geschrieben<br />
hat (…). Und natürlich profitieren<br />
die Songs von den schlauen<br />
Texten, die ähnlich wie der<br />
Stücktext schillernd vielfältig<br />
sind – von hintergründigsatirisch<br />
bis zu schmackhaft<br />
ausgelassen (…), das setzt in<br />
gerader Linie eine Tradition von<br />
Ein Käfig voller Narren bis<br />
zum Musical ,Kinky Boots‘ fort.“<br />
RHEINZEITUNG<br />
Sergej Gößners Schauspiel Brigitte<br />
Bordeaux entstand als Auftragswerk für<br />
das Theater Trier und wurde dort 2017<br />
uraufgeführt. Als freie Produktion wurde<br />
es u. a. im Theater Rampe, Stuttgart,<br />
sowie in Hamburg gezeigt und ist weiterhin<br />
im Theater am Puls, Schwetzingen,<br />
zu sehen. Mehr zu Sergej Gößner auf<br />
Seite 42.
In dieser Musicaladaption<br />
ist Hans kein Tölpel! Tom<br />
van Hasselt macht aus dem<br />
Märchen über einen, der<br />
durch ungeschickte Tauschgeschäfte<br />
zur Zielscheibe von<br />
Hohn und Spott gerät, eine<br />
intelligente, kapitalismuskritische<br />
Geschichte für die<br />
ganze Familie.<br />
Das Libretto ist zweisprachig<br />
konzipiert. Fremdsprachige<br />
Tiere, dargestellt in Personalunion<br />
von einer singenden<br />
Schauspielerin, beobachten,<br />
kommentieren, illustrieren<br />
oder greifen direkt in die<br />
Handlung ein. Sie ermöglichen<br />
dem anderssprachigen Teil<br />
des Publikums den Zugang,<br />
ohne eine inhaltliche Redundanz<br />
für das zwei sprachige<br />
Publikum ent stehen zu lassen.<br />
Das Spiel mit der Sprache<br />
ist optional – der Text ist so<br />
gestaltet, dass die Tiere jede<br />
erdenkliche Sprache, aber<br />
auch einfach nur Deutsch<br />
sprechen können.<br />
Tom van Hasselts vielfältige<br />
Kompositionen, mal poppig,<br />
mal swingend, in jedem Fall<br />
mit vielen ohrwurmträchtigen<br />
Melodien, treiben die Handlung<br />
voran und führen die<br />
sprachlichen und dramaturgischen<br />
Ebenen geschickt<br />
zusammen.<br />
37<br />
Tom van Hasselt wurde<br />
vom Klavierkabarettisten<br />
zum Musicalautor. Sein<br />
stilistisches Markenzeichen<br />
sind das virtuose Spiel mit<br />
der Sprache und das<br />
Verknüpfen von scheinbar<br />
inkompatiblen Inhalten. Er<br />
war Stipendiat der Celler<br />
Schule bei Edith Jeske<br />
und nahm am Popkurs in<br />
Hamburg teil. Als Vorstandsmitglied<br />
der Deutschen<br />
Musical Akademie<br />
ist es ihm ein Anliegen,<br />
das Genre Musical in<br />
Deutschland weiterzuentwickeln.<br />
Seit Anfang 2014<br />
ist er Organisator der<br />
„Schreib:ma schine – Neue<br />
Ideen für neue Musicals“,<br />
seit 2021 Musikalischer<br />
Leiter der Uckermärkischen<br />
Bühnen Schwedt.<br />
„Das deutsch-polnische Libretto<br />
bringt unaufdringlichen Wortwitz,<br />
eine ganze Palette an tiermetaphorischen<br />
Redewendungen.“<br />
DIE DEUTSCHE BÜHNE<br />
TOM VAN HASSELT<br />
Wieso kein Glück?<br />
Es hat mich doch<br />
hierhergeführt!<br />
5+<br />
Familienmusical<br />
nach den Gebrüdern Grimm<br />
Musik und Text von Tom van Hasselt<br />
Übersetzungen ins Polnische:<br />
Michał Kuczyński<br />
2D, 3H<br />
Klavier oder Halbplayback<br />
oder Kl, Key, Kb, Dr<br />
UA: 19.03.<strong>2022</strong>, Uckermärkische<br />
Bühnen Schwedt<br />
Hans im Glück<br />
weitere Stücke (Auswahl): Alma und das Genie / Drei – ein Musical für zwei / Mamma Macchiato<br />
Musiktheater
38<br />
Musical nach Märchen der<br />
Gebrüder Grimm und Wilhelm Hauff<br />
Musik von Wolfgang Böhmer<br />
Text von Peter Lund<br />
5D, 3H<br />
Bajan, Kl, Key, Kb, Dr<br />
UA: 13.05.<strong>2022</strong>,<br />
Brüder Grimm Festspiele, Hanau<br />
WOLFGANG BÖHMER / PETER LUND<br />
Musiktheater<br />
Gestatten, Erbprinz<br />
Rosenstolz, von Hauptberuf<br />
sensibel. Ich liebe<br />
Geist und Veilchenduft.<br />
Von Pöbel, Armut,<br />
Abgasluft wird<br />
mir ein bisschen übel.<br />
Zum Erhalt der Dynastie soll<br />
Prinzessin Ann heiraten. Die<br />
emanzipierte Thronerbin<br />
weist jedoch alle Bewerber<br />
zurück. Aber anders als im<br />
Originalmärchen torpediert<br />
sie die Heiratspläne nicht<br />
etwa aus Hochmut, sondern<br />
weil sie grundehrlich ist. Die<br />
Bevölkerung wünscht sich<br />
einen Mann auf dem Thron,<br />
was Anns erfolgreich regierende<br />
Mutter („Ich schmeiß<br />
die Firma seit 20 Jahren!“)<br />
zunehmend frustriert. Schließlich<br />
spricht sie ein Machtwort,<br />
um ihre Tochter zur Heirat zu<br />
bewegen und somit auch<br />
einen männlichen Thronfolger<br />
zu erhalten. Daraufhin entscheidet<br />
sich Prinzessin Ann<br />
für den nicht auf der Liste stehenden<br />
vermeintlichen Hofkoch<br />
Jakob vom „Königreich<br />
Nebenan“ und die turbulenten<br />
Verwicklungen nehmen ihren<br />
Lauf …<br />
© BRÜDER GRIMM FESTSPIELE HANAU, HENDRIK NIX<br />
Prinzessin<br />
Drosselbart<br />
Wie bereits in Grimm! verbindet<br />
Peter Lund mehrere Märchen<br />
(König Drosselbart, Zwerg<br />
Nase, Schneewittchen) zu<br />
einem gesellschaftskritischsatirischen<br />
Ganzen und greift<br />
dabei ironisch zugespitzt, niemals<br />
moralisierend, zahlreiche<br />
aktuelle Themen auf.<br />
Wolfgang Böhmer ordnete<br />
die Figuren musikalischen<br />
Genres zu: Prinzessin und<br />
Prinz (Pop), Königin (Chanson),<br />
Köchin und Jakob (Volksmusik),<br />
Ensembleszenen<br />
(Disney-Film-Anklänge). Er<br />
komponierte eine witzig-komödiantische,<br />
unsentimentale<br />
Musik von teilweise zirkusmusikartiger<br />
Anmutung.<br />
Peter Lund wurde in Flensburg geboren.<br />
Parallel zu seinem Architekturstudium in<br />
Berlin widmete er sich der Autoren- und<br />
Regiearbeit. Bis 2004 war er Leitungsmitglied<br />
der Neuköllner Oper. Als Regisseur<br />
für Musiktheater ist er an vielen<br />
renommierten Häusern im In- und Ausland<br />
zu Gast.<br />
Wolfgang Böhmer komponierte neben<br />
Musicals und Kammeropern vielfältige<br />
Film- und Bühnenmusiken und bearbeitete<br />
zahlreiche Musiktheaterwerke für<br />
verschiedene Theater. Seine Musicals<br />
sind weniger dem amerikanischen<br />
Musical als vielmehr der europäischen<br />
Musikkomödie bzw. Operette verpflichtet.<br />
weitere Stücke (Auswahl): Frau Zucker will die Weltherrschaft / Der glückliche Prinz / Grimm! / Jedermann – die<br />
Rockoper / Leben ohne Chris / Stella – das blonde Gespenst vom Kurfürstendamm / Das Wunder von Neukölln
Hier<br />
kommt keiner<br />
durch!<br />
6+<br />
Neue Oper nach dem gleichnamigen<br />
Buch von Isabel Minhós Martins<br />
und Bernardo P. Carvalho,<br />
aus dem Portugiesischen<br />
von Franziska Hauffe<br />
Musik von Gordon Kampe<br />
Text von Sebastian Bauer<br />
2 Schauspieler:innen, mehrfach besetzt<br />
Hr, Pos, Tb, Schl<br />
UA: 28.08.2021, Theater Bonn<br />
Koproduktion mit dem<br />
Beethoven Orchester Bonn<br />
39<br />
SEBASTIAN BAUER<br />
Da steht er nun steif und<br />
streng, der Herr Aufpasser.<br />
Befehl des Generals: Keiner<br />
darf hinüber auf die andere<br />
Seite! Die ist für ihn alleine<br />
reserviert. Auch wenn sie<br />
noch so betteln, fragen, drängeln.<br />
Die Menge wird immer<br />
dichter, immer bunter, immer<br />
aufgeregter. Eigentlich ist es<br />
überhaupt nicht mehr einzusehen,<br />
dass es da plötzlich<br />
eine Grenze geben soll, nur<br />
weil ein General das bestimmt<br />
hat! Und dann passiert etwas.<br />
GORDON KAMPE © MANUEL MIETHE<br />
Sebastian Bauer und Gordon<br />
Kampe machen in ihrer<br />
Kinderoper nach dem gleichnamigen<br />
Bilderbuch die<br />
Absurdität einer willkürlichen<br />
Grenzziehung mit Musik und<br />
Bildern unmittelbar erfahrbar.<br />
Ein buntes, musikalisch-theatrales<br />
Spektakel über Freiheit,<br />
Beschränkung und die Dynamik<br />
von Macht.<br />
Gordon Kampes kompositorisches<br />
Schaffen umfasst Orchester- und<br />
Ensemblewerke, Kammermusik, Werke<br />
für Chor und Gesang sowie Bühnenwerke<br />
für Erwachsene wie Kinder.<br />
Zu den besonderen Qualitäten seiner<br />
Musik gehört, dass sie nicht den<br />
Anschein elitärer Kunstproduktion<br />
vermittelt, sondern direkt dort ansetzt,<br />
wo Klänge tatsächliche Bedeutung<br />
gewinnen: im Akt des Musizierens und<br />
im Vorgang des Wahrnehmens. Seit<br />
2020 ist er Professor für Komposition<br />
an der Hochschule für Musik und<br />
Theater in Hamburg.<br />
weitere Stücke: Kannst Du pfeifen, Johanna? (mit Ulf Stark & Dorothea Hartmann)<br />
Gordon Kampe wird vertreten von Edition Juliane Klein KG<br />
Und die<br />
Menschen<br />
an der<br />
Grenze?<br />
Was ist<br />
mit<br />
denen?<br />
Sebastian Bauer, studierter Cellist und<br />
Musikwissenschaftler, bewegt sich als<br />
freischaffender Regisseur, Bühnenbildner<br />
und Autor formal zwischen Konzert,<br />
Performance und Theater. In seiner<br />
Arbeit wird das Musizieren selbst zum<br />
theatralen Ereignis und führt zu neuen<br />
Hör- und Seherfahrungen. Zuletzt entstanden<br />
Ur- und Erstaufführungen<br />
zeitgenössischer Musiktheaterwerke<br />
wie zum Beispiel „Wut“, ebenfalls mit<br />
Gordon Kampe, bei den Salzburger<br />
Festspielen oder die Jugendoper<br />
„Simon“ mit Musik von Gerhard Stäbler<br />
an der Schauburg München.<br />
GORDON KAMPE / SEBASTIAN BAUER<br />
Musiktheater
40<br />
FRANZ ORGHANDL: DER KATZE IST ES GANZ EGAL, THEATER MÜNSTER <strong>2022</strong> © SINJE HASHEIDER
41
Junges Theater<br />
Ich möcht’s ja selbst gern<br />
wissen, was wohl passiert,<br />
wenn wir uns mischen?<br />
Was verbirgt sich wohl<br />
dazwischen?
Das<br />
43<br />
schrillste<br />
Blau<br />
4+<br />
mind. 2 Darsteller:innen<br />
UA: 05.05.<strong>2022</strong>, Theater Münster<br />
Bunt ist immer besser! Auf gar<br />
keinen Fall, finden Rot, Blau,<br />
Gelb und Grün. Jede Farbe<br />
hält sich für die tollste. Daher<br />
soll auch alles so bleiben, wie<br />
es ist – schön mit Abstand<br />
und Anstand. Denn so war es<br />
schon immer und was schon<br />
immer so war, kann man nicht<br />
ändern. Oder etwa doch? Als<br />
überraschend das zarte Rosa<br />
auftaucht, sind die Farben<br />
zunächst empört: Rosa wechselt<br />
unverhohlen die Nuancen<br />
und scheint dabei auch noch<br />
Spaß zu haben – unverschämt,<br />
diese Zwischentöne! Aber<br />
lustig sieht es schon aus,<br />
müssen sie zaghaft zugeben.<br />
Letztlich siegt die Neugier<br />
und es zeigt sich, dass Vielfalt<br />
immer besser ist als Einfalt.<br />
© LISA KNAUER<br />
Spielerisch und in Versform<br />
hält Sergej Gößner ein lustvolles<br />
Plädoyer für mehr<br />
Mannigfaltigkeit. Das<br />
schrillste Blau lädt dazu ein,<br />
seine Sinne zu schärfen,<br />
Gewiss heiten zu hinterfragen<br />
und sein eigenes Farbspektrum<br />
zu erweitern.<br />
weitere Stücke (Auswahl): lauwarm / Rotkäppchen und Herr Wolff /<br />
Die überraschend seltsamen Abenteuer des Robinson Crusoe<br />
Sergej Gößners Stück Der fabelhafte<br />
Die, entstanden als Auftragswerk für<br />
das Theater Konstanz, war <strong>2022</strong> für den<br />
Mülheimer KinderStückePreis nominiert<br />
und wird in der kommenden Spielzeit<br />
am Theater Paderborn, Stadttheater<br />
Ingolstadt und am Tiroler Landestheater<br />
in Innsbruck nachgespielt. Wegklatschen.<br />
Applaus für Bonnie und Clyde,<br />
ein Auftragswerk für die Bühnen Halle,<br />
wurde 2020 im Rahmen des Festivals<br />
Kaas & Kappes mit dem 22. niederländisch-deutschen<br />
Kinder- und<br />
Jugenddramatiker:in nen preis prämiert<br />
und war <strong>2022</strong> in der Longlist für den<br />
Deutschen Jugend theaterpreis. Am<br />
Theater Bremen wird im November<br />
<strong>2022</strong> Gößners neues Stück Pech und<br />
Schwefel in der Regie von Cora Sachs<br />
uraufgeführt.<br />
SERGEJ GÖßNER<br />
Junges Theater
44<br />
Fledermops<br />
6+ frei zur UA<br />
3D, 1H, ein:e Statist:in<br />
(Mehrfachbesetzung)<br />
Diese Sache ist größer<br />
als irgendwelche Regeln<br />
von Eltern.<br />
CLARA LEINEMANN<br />
Junges Theater<br />
Demonstrieren bedeutet,<br />
anderen zu sagen, was man<br />
denkt. Das ist jedoch ein facher<br />
gesagt als getan, finden Esra<br />
und Anton. Dabei wäre es<br />
gerade jetzt so dringlich, denn<br />
die ohrenbetäubende Baustelle<br />
rückt immer näher an<br />
das verwilderte Gelände hinter<br />
ihrer Wohnsiedlung. Die<br />
beiden Freundinnen spielen<br />
dort schon mindestens seit<br />
der Steinzeit miteinander und<br />
das wollen sie auch weiterhin.<br />
So kommt die friedliebende<br />
Demonstrantin Wummel<br />
genau zur rechten Zeit. Ohne<br />
lang zu fackeln, bringt sie den<br />
beiden das Handwerk des<br />
Protestierens bei und besetzt<br />
mit ihnen das Gebüsch.<br />
Lauthals geigen sie der skrupellosen<br />
Baufirma die Meinung.<br />
© ISABELLE GRASS<br />
Und am Ende zahlt sich auch<br />
noch Antons große Begeisterung<br />
für die Artenvielfalt aus,<br />
die vom unscheinbaren<br />
Regenwurm bis zum geheimnisvollen<br />
Fledermops reicht,<br />
der hinten im Dickicht haust.<br />
Clara Leinemann vereint<br />
mit viel Leichtigkeit einen eingängigen<br />
Plot mit sprachlicher<br />
Anarchie und unkonventionellen<br />
Figurenzeichnungen.<br />
Ganz selbstverständlich<br />
nimmt Fledermops dabei<br />
heteronormative Geschlechterrollen<br />
hops und und zeigt, wie<br />
wichtig es ist, für sich und<br />
die eigenen Überzeugungen<br />
einzustehen.<br />
Clara Leinemann, geb. 1994 in Köln,<br />
studierte am Literaturinstitut in Hildesheim<br />
und schreibt Prosa- und Dramentexte.<br />
Sie wurde zum 4+1 Festival für<br />
junge Dramatiker:innen eingeladen, ihr<br />
Stück „Die Selbstgerechten“ wurde am<br />
Schauspiel Hannover im Rahmen des<br />
Writer’s Studio inszeniert. Mit ihrem<br />
Stück Fledermops war sie für den Berliner<br />
Kindertheaterpreis 2021 nominiert.<br />
Ihre Prosatexte wurden in verschiedenen<br />
Anthologien und Literaturzeitschriften<br />
veröffentlicht. Clara Leinemann engagiert<br />
sich in einem Künstlerinnenkollektiv<br />
für Frauenrechte, arbeitet als Seminarleiterin<br />
für Kreatives Schreiben und<br />
macht Moderations- und Juryarbeit<br />
im Literaturbetrieb.
45<br />
Die Schwalben<br />
versorgen sich<br />
selbst. Sie verdienen<br />
sich ihren Platz.<br />
10+<br />
(Migrating Birds)<br />
Deutsch von Grete Pagan<br />
2D, 2H<br />
UA: 16.04.2023, Schauburg München<br />
© DEAN WALTERS-HOLLIDAY<br />
Zugvögel<br />
Als Nisha mit ihrer Familie ins<br />
Haus zieht, beobachtet Nik<br />
plötzlich merkwürdige Veränderungen<br />
im Verhalten der<br />
Erwachsenen. Niks Vater versteckt<br />
sich hinterm Fenster,<br />
wenn die Nachbarn im Hof<br />
sind, und seine Oma fragt aus<br />
unerklärlichen Gründen, ob es<br />
Ärger mit den Neuen gibt.<br />
Aber auch Nisha scheint so<br />
ihre Geheimnisse zu haben.<br />
Denn als Nik eines Tages<br />
ihren Rucksack im Schulbus<br />
findet, staunt er nicht schlecht,<br />
als er darin einen mysteriösen<br />
Umhang aus Federn entdeckt.<br />
Was hat es damit auf sich? Bei<br />
dem Versuch, dem Rätsel auf<br />
den Grund zu gehen, lernt Nik<br />
nicht nur Nisha besser kennen,<br />
sondern auch etwas über die<br />
Welt: Dinge ändern sich.<br />
Manche Länder gibt es nicht<br />
mehr, Grenzen verschieben<br />
sich. So war es schon immer.<br />
Und Menschen müssen ihre<br />
Länder verlassen. Wie die<br />
Schwalben.<br />
Als Auftragswerk für die<br />
Schauburg München schrieb<br />
Mike Kenny mit Zugvögel<br />
eine Art Fortsetzung seines<br />
Erfolgsstücks Der Junge mit<br />
dem Koffer. In bester Kenny-<br />
Manier verwebt er bekannte<br />
Märchenmotive mit einer<br />
Geschichte schmerzlich nah<br />
an der Wirklichkeit und erzählt<br />
diesmal nicht vom Weggehen,<br />
sondern vom Ankommen.<br />
Mike Kenny ist mit seinen Theaterstücken<br />
für Kinder und Jugendliche seit<br />
Jahren international erfolgreich. Der<br />
Junge mit dem Koffer kann bislang<br />
über 40 Produktionen im deutschsprachigen<br />
Raum vorweisen und Liesbeth<br />
Coltofs Inszenierung am Düsseldorfer<br />
Schauspielhaus wurde 2016 mit dem<br />
deutschen Theaterpreis DER FAUST<br />
prämiert. Bekannt wurde Kenny auch<br />
mit Die Seiltänzerin und Nachtgeknister,<br />
das 2008 als Best Play for<br />
Children and Young People bei den<br />
Writers Guild Awards und 2012 mit dem<br />
Deutschen Kindertheaterpreis ausgezeichnet<br />
wurde.<br />
weitere Stücke (Auswahl): Ein Familienkochbuch / Der Gärtner / Wolkenbilder<br />
MIKE KENNY<br />
Junges Theater
46<br />
Meiner Meinung nach<br />
sind Influencer:innen<br />
sowas wie die fünfte<br />
Gewalt.<br />
MARIA URSPRUNG<br />
Junges Theater<br />
© JULIA SCHWENDNER<br />
Vakuum<br />
Nichts ist so, wie es scheint,<br />
das weiß niemand besser als<br />
YouTuberin Blynkzno. Sie<br />
betreibt einen Kanal, auf dem<br />
sie Videos veröffentlicht, um<br />
über manipulatives Erzählen<br />
und gezielte Falschinformationen<br />
im Internet aufzuklären.<br />
Heute will sie Schüler:innen<br />
ihre Arbeit vorstellen, ihr Vortrag<br />
wird jedoch unterbrochen<br />
von einem unerwarteten<br />
Gast: Ein junger Mann namens<br />
Orino vermisst seinen Bruder,<br />
der sich ins Metaversum<br />
zurückgezogen hat und dessen<br />
letzter bekannter physischer<br />
Standort in diesem<br />
Klassenzimmer war. Zumindest<br />
behauptet Orino das –<br />
denn was Wahrheit und was<br />
Lüge ist, ist nicht immer leicht<br />
zu ergründen.<br />
Geschickt webt Maria<br />
Ursprung in ihrem Klassenzimmerstück<br />
ein komplexes<br />
Netz aus Realitätsebenen und<br />
beleuchtet das Spannungsfeld<br />
zwischen Verschwörungstheorien<br />
und den sozialen Medien.<br />
Vakuum ist ein Aufruf zum<br />
kritischen Denken, zum Prüfen<br />
von Quellen, zum lustvollen,<br />
aber achtsamen Umgang<br />
mit den Tools der digitalen<br />
Welt. Eine Hommage an den<br />
Zweifel und eine Ermutigung,<br />
die Komplexität der Realität<br />
zu umarmen.<br />
weitere Stücke: Die nicht geregnet werden / Schleifpunkt<br />
14+<br />
Klassenzimmerstück<br />
2 Darsteller:innen<br />
UA: 21.09.<strong>2022</strong>, Deutsches Theater<br />
Berlin<br />
Vakuum ist Maria Ursprungs erstes<br />
Klassenzimmerstück. Es entstand im<br />
Auftrag des Deutschen Theaters Berlin,<br />
wo sie in der Spielzeit 2021/22 Teilnehmerin<br />
der Autor:innenateliers war.<br />
(siehe auch Seite 10)
Landing<br />
47<br />
on an<br />
14+<br />
2-20 Darsteller:innen<br />
UA: 25.06.<strong>2022</strong>, Landestheater<br />
Tübingen<br />
Unknown<br />
Eine Gruppe Jugendlicher<br />
quetscht sich in eine Rakete.<br />
Es steht schlecht um die Erde<br />
und eine Lösung für die<br />
Menschheit muss gefunden<br />
werden. Doch kurz nicht aufgepasst,<br />
und schon krachen<br />
sie in eine lebensfeindliche<br />
Biosphäre. Hier regt sich<br />
nichts, alles ist Moor. Die<br />
Jugendlichen werden zu Forschenden.<br />
Auf der Suche<br />
nach Leben stolpern sie über<br />
seltsame Fundstücke einer<br />
vergangenen Zivilisation. Was<br />
ist hier passiert? Und plötzlich<br />
vernehmen sie bekannte<br />
Geräusche: ein Zwitschern,<br />
einen Schuss, ein Summen.<br />
Simsalabimbambasaladusaladim,<br />
lange nichts. Wieder<br />
Zwitschern. Wo sind sie bloß<br />
gelandet?<br />
weitere Stücke: Schamparadies<br />
Planet<br />
Landing on an Unknown<br />
Planet erinnert spitzzüngig<br />
daran, dass der Mensch in<br />
seinem Streben nach Wachstum<br />
und Wohlstand nicht den<br />
Untergang der Erde, sondern<br />
seinen eigenen besiegelt. In<br />
schnell getakteten und bissigen<br />
Repliken lässt Sina Ahlers<br />
einen dystopischen Klangteppich<br />
entstehen, der durch<br />
die Wiederkehr eines<br />
Kuckucks jedoch ein wenig<br />
Hoffnung schöpfen lässt.<br />
Vielleicht helfen uns ein<br />
paar Leute aus der Automobilindustrie,<br />
um die Verbindung<br />
zur Natur wieder mal zu spüren.<br />
© DANIEL GOEDE<br />
Sina Ahlers, 1990 in Stuttgart geboren,<br />
studierte Szenisches Schreiben an der<br />
Universität der Künste Berlin. Ihr erstes<br />
Stück „Medea. Klang. Körper.“ wurde<br />
2017 im Rahmen der Werkstatt Neue<br />
Stücke am BAT gezeigt. Es folgte eine<br />
Koautor:innenschaft am Theater Strahl.<br />
Das Stück „#BerlinBerlin“ wurde mit<br />
dem Friedrich-Luft-Preis ausgezeichnet.<br />
Ihr Stück Schamparadies war 2020 für<br />
den Autor:innenpreis des Heidelberger<br />
Stückemarkts nominiert. Sina Ahlers<br />
schreibt neben szenischen Texten Prosa<br />
und Lyrik. Sie gewann beim 27. Open<br />
Mike den Preis für Prosa sowie den<br />
taz-Publikumspreis.<br />
SINA AHLERS<br />
Junges Theater
Stoffrechte
EVA ROTTMANN<br />
Die Prinzessin,<br />
die auszog, den<br />
Prinzen zu retten<br />
49<br />
Es war einmal ein König, der zu seiner<br />
Tochter sagte: „Für dich ist es Zeit, jetzt<br />
wird geheiratet.“ Denn im Märchen<br />
bestimmen Könige, wann und wen ihre<br />
Töchter heiraten, so war das IMMER<br />
schon. Zunächst muss die Prinzessin<br />
aber von einem Drachen entführt und<br />
vom Prinzen gerettet werden, so war das<br />
IMMER schon. Die Verlobten warten also<br />
geduldig, doch der Drache ist kurzsichtig<br />
und verschleppt versehentlich den<br />
Prinzen. Kurzerhand reitet die Prinzessin<br />
dem Drachen hinterher, befreit den<br />
Prinzen und stellt damit die gesamte<br />
Märchenwelt auf den Kopf. Eva<br />
Rottmann räumt in ihrem ersten Bilderbuch<br />
gehörig mit Rollenklischees und<br />
Vorurteilen auf: ein modernes Märchen<br />
über tatkräftige Prinzessinnen, schüchterne<br />
Prinzen und sanftmütige Drachen.<br />
JÖRG ISERMEYER<br />
Dachs und Rakete.<br />
Ab in die Stadt!<br />
Eines Morgens steht ein Bagger im Bau<br />
von Herrn Dachs, dem hemdsärmeligen<br />
Erfinder, und seiner besten Freundin<br />
Rakete, einer Schnecke. Ein Naturerlebnispark<br />
soll hier entstehen und sie müssen<br />
raus! Sofort! „Aber wo sollen wir<br />
denn jetzt hin?“, fragt sich Herr Dachs.<br />
„Folge einfach deiner Nase“, schlägt<br />
Rakete vor, der immer etwas Gutes<br />
einfällt. Und wenn schon in der Natur<br />
kein Platz mehr für sie ist, dann ziehen<br />
sie eben mit ihren Siebensachen in<br />
die Stadt! Dass dort die Uhren etwas<br />
anders ticken, erfahren sie schnell,<br />
als sie dort sind …<br />
„Autor Jörg Isermeyer führt uns hier<br />
erbarmungslos, aber zugleich höchst<br />
niedlich vor Augen, wie komisch und<br />
fragwürdig unsere sogenannte Zivilisation<br />
eigentlich ist. Nicht nur die<br />
Handlung macht Spaß, sondern auch<br />
seine Sprache voller feinem Humor.“<br />
WIENER ZEITUNG<br />
Stoffrechte
50<br />
LUCY FRICKE<br />
Die Diplomatin<br />
CHRISTIAN BARON<br />
Schön ist die Nacht<br />
Schön ist die Nacht ist ein Roman<br />
über die westdeutschen 70er-Jahre, der<br />
Roman einer ganzen sozialen Klasse.<br />
Unter widrigen Umständen führen die<br />
Freunde Willy und Horst aussichtslose<br />
Kämpfe um ihren Anteil am Wohlstand.<br />
Müssen wir sie uns als glückliche<br />
Menschen vorstellen? Bereits in seinem<br />
literarischen Debüt Ein Mann seiner<br />
Klasse zeigte Christian Baron mit großer<br />
erzählerischer Kraft und Intensität Menschen<br />
in sozialer Schieflage und Perspektivlosigkeit.<br />
Der Roman wurde im<br />
Oktober 2021 am Schauspiel Hannover<br />
urauf geführt, war zum Berliner Theatertreffen<br />
<strong>2022</strong> eingeladen und wird in<br />
der Spielzeit <strong>2022</strong>/23 am Pfalztheater<br />
Kaisers lautern sowie im Werk 2<br />
in Leipzig nachgespielt.<br />
Fred ist eine erfahrene deutsche<br />
Konsulin. Eine Frau, die eigentlich<br />
nichts aus der Ruhe bringt, überall und<br />
nirgends zu Hause. Dann jedoch, in<br />
Montevideo, scheitert sie erstmals in<br />
ihrer Karriere. Sie wird versetzt ins politisch<br />
aufgeheizte Istanbul. Und zwischen<br />
Justizpalast und Sommerresidenz,<br />
Geheimdienst und deutsch-türkischer<br />
Zusammenarbeit, zwischen Affäre und<br />
Einsamkeit stößt sie an die Grenzen<br />
von Freundschaft, Rechtsstaatlichkeit<br />
und europäischer Idee. In ihrem so<br />
komischen wie bitteren neuen Roman<br />
erzählt Lucy Fricke von einer Diplomatin,<br />
die den Glauben an die Diplomatie<br />
verliert – und das, was in ihrem Beruf<br />
das Wichtigste ist: die Geduld.<br />
„Die Diplomatin ist so etwas wie<br />
der Roman zur Stunde. Eine<br />
Geschichte darüber, wie viel in<br />
Krisensituationen auf diplomatischen<br />
Wegen versucht wird und<br />
wie vergeblich dies oft ist.“<br />
NDR<br />
Stoffrechte<br />
„Es ist die grosse Kunst von<br />
Ein Mann seiner Klasse, den<br />
darin geschilderten Menschen<br />
literarisch eine Würde zurückzugeben,<br />
die ihnen im Leben<br />
verwehrt war."<br />
NEUE ZÜRCHER ZEITUNG
TOVE DITLEVSEN<br />
Gesichter<br />
51<br />
Kopenhagen, 1968: Lise Mundus, Autorin<br />
und Mutter dreier Kinder, entgleitet ihr<br />
Alltag. Sie meint, Stimmen zu hören und<br />
Gesichter zu sehen. Sie ist überzeugt,<br />
dass ihr Mann sie betrügt und verlassen<br />
wird. Vor allem aber hat sie Angst, dass<br />
sie nie wieder schreiben kann. Als sie in<br />
die Klinik geht und sich behandeln lässt,<br />
fragt sie sich, ob der Wahnsinn wirklich<br />
etwas ist, wovor sie sich fürchten muss –<br />
oder ob er nicht auch eine Form von<br />
Freiheit für sie bereithält. In Gesichter<br />
macht Tove Ditlevsen die Verschiebungen<br />
in der Wahrnehmung einer Frau mit<br />
literarischen Mitteln meisterhaft erfahrbar.<br />
„Gesichter ist mehr als nur ein Roman<br />
über eine psychotische Störung (…).<br />
Gesichter ist auch ein Roman über<br />
die Not einer Kinderbuchautorin, die<br />
sich gedrängt sieht, mit den eigenen,<br />
und mehr noch, mit den Erwartungen<br />
der anderen zurechtzukommen.“<br />
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG<br />
IRIS SAYRAM<br />
Für euch<br />
Köln in den 80er- und 90er-Jahren. Iris’<br />
Eltern haben wenig, aber sie haben sich,<br />
eine anbetungswürdige kleine Tochter<br />
und Lebenslust. Alles andere, was man<br />
zum Leben braucht, findet sich, irgendwie.<br />
Und Geld verdient man immer,<br />
irgendwo, auch wenn es wehtut: „Klofrau<br />
war nicht der dreckigste Job, den Du<br />
gemacht hast. Jeden Tag. Ob krank oder<br />
gesund. Du hattest nichts, schliefst sogar<br />
auf der Straße und immer wieder gab es<br />
Ärger mit der Polizei. Am Ende konntest<br />
Du nur noch das verkaufen, was Dir<br />
keiner nehmen kann: Deinen Körper.“<br />
Für euch ist eine Liebeserklärung an<br />
die Mutter, die ihren Kindern unter<br />
schwieri g sten Bedingungen ein glückliches<br />
Zuhause schaffen will. Und es ist<br />
ein autobiografischer, so privater wie<br />
politischer Essay darüber, wie hart sozialer<br />
Aufstieg in einem der wohlhabendsten<br />
Ländern der Welt sein kann.<br />
Stoffrechte
52<br />
DOMENICO MÜLLENSIEFEN<br />
Aus unseren Feuern<br />
Sie sind jung, sie sind müde, sie sind<br />
wütend und sie rauchen. Doch sie leben<br />
jetzt. Aus ihren Feuern. Der eine soll<br />
den elterlichen Schlachthof übernehmen,<br />
der andere will nach Amerika auswandern.<br />
Der Dritte, Heiko, muss in dunklen<br />
Gängen Kabel verlegen und saufen lernen.<br />
Als er Jana trifft, verliebt er sich in<br />
sie. Aber das Glück kommt einfach nicht<br />
näher und Heiko wird Bestatter. Eines<br />
Tages wird er an eine Unfallstelle gerufen<br />
und seine Geschichte fängt noch einmal<br />
von vorn an. Ein Arbeiter- und Nachwenderoman<br />
über drei Freunde, die ihre Herkunft<br />
nicht als Urteil und ihre Klasse<br />
nicht als Schicksal hinnehmen wollen.<br />
„Dieses Buch hat mich umgehauen!<br />
Domenico Müllensiefen erzählt von einer<br />
sozialen Klasse, die selten vorkommt in der<br />
deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.<br />
Ohne zu beschönigen oder zu denunzieren,<br />
knallhart realistisch und oft befreiend<br />
witzig, mit einer poetischen Sprache<br />
und Wahnsinnsdialogen.“<br />
CHRISTIAN BARON<br />
BOV BJERG<br />
Deadline<br />
Paula ist Ende 30 und übersetzt<br />
Gebrauchsanweisungen. Sie lebt in den<br />
USA, eine „Verschollene“, die ihrer Heimat<br />
doch nicht entkommen kann: Denn<br />
eines Tages muss sie sich auf den Weg<br />
zurück nach Deutschland machen.<br />
Widerstrebend reist sie noch einmal in<br />
das Dorf ihrer Kindheit. Paulas Vater war<br />
Friedhofssteinmetz, und nun ist sein<br />
eigenes Grab abgelaufen. Es ist an Paula,<br />
seinen Stein abzumontieren und nach<br />
Hause zu schaffen. Das von der Schwester<br />
bewohnte Elternhaus wird zum Schauplatz<br />
einer atemberaubenden Geschichte.<br />
Deadline ist ein suggestiver Roman, der<br />
die Schocks modernen Menschseins<br />
überragend gestaltet, mit spielerischer<br />
Sprache und makabrem Witz.<br />
Stoffrechte<br />
„So hat die Lektüre von Bov Bjerg<br />
einen ähnlichen Effekt wie Bücher von<br />
Arno Schmidt oder Wilhelm Genazino.<br />
Horch doch mal genau in die Wörter<br />
hinein. Und schau die Welt mit frischen<br />
Augen an, geradezu irre, wie fremd<br />
und still sie dann zurückschaut. Sehr<br />
vieles, was sonst so an Texten erscheint,<br />
wirkt neben diesem schmalen, aber<br />
wildwuchernden Debüt karg und<br />
monoton wie eine Magergraswiese.“<br />
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG
TOMER GARDI<br />
Eine runde Sache<br />
53<br />
Zwei Künstler aus unterschiedlichen<br />
Jahrhunderten reisen durch sprachliche<br />
und kulturelle Räume. Fremdheitserfahrungen,<br />
Identität, das Leben als Künstler<br />
und Politik sind die großen Themen des<br />
Romans, in dem sich die beiden Handlungsstränge<br />
gegenseitig spiegeln.<br />
MARTINA CLAVADETSCHER<br />
Vor aller Augen<br />
„Unverschämt, dieser Tomer Gardi. (…)<br />
Eine runde Sache ist ein Schelmenstück.<br />
Wirklichkeit und Fiktion prallen darin aufeinander<br />
wie das Echte und das Gemachte.<br />
Dabei spielt Gardi ebenso kunstvoll wie<br />
dreist mit Lesegewohnheiten und Erwartungen<br />
an einen Roman (…) und hinterfragt<br />
unser Bedürfnis nach Korrektheit und<br />
Geradlinigkeit ebenso wie ästhetische Normen.<br />
Dahinter lauert die bittere Frage, wie<br />
es einem Menschen überhaupt gelingen<br />
kann, seine eigene Sprache zu finden.“<br />
PREIS DER LEIPZIGER BUCHMESSE <strong>2022</strong>,<br />
JURYBEGRÜNDUNG<br />
Ein radikaler Perspektivwechsel. Das<br />
Mädchen mit dem Perlenohrgehänge,<br />
die Dame mit dem Hermelin, Dagny Juel,<br />
Alice Childress, Frauen auf weltberühmten<br />
Gemälden. Wir sehen ihre Körper,<br />
ihre Blicke, ihre Kleidung, gebannt oder<br />
verbannt in einen ewigen Augenblick.<br />
Doch wer waren sie außerhalb dieses<br />
Moments? Martina Clavadetscher ist<br />
den Hinweisen ihrer Leben nachgegangen,<br />
lässt die Frauen erzählen und gibt<br />
ihnen eine Stimme. „Ohne diese Frauen<br />
gäbe es kein Staunen, kein Schauen –<br />
mehr noch, ohne diese Frauen wäre die<br />
Kunstgeschichte, so wie wir sie heute<br />
kennen, undenkbar. Diese Frauen waren<br />
immer auch Mitarbeiterinnen, Künstlerinnen,<br />
Unterstützerinnen, Auslöser, ein<br />
Spiegel der Zeit, Ikonen, Inspiration,<br />
Partnerinnen, Retterinnen.“<br />
(Martina Clavadetscher)<br />
Stoffrechte
Ur- und Erstaufführungen (Auswahl)
55<br />
THOMAS ARZT<br />
Monster und Margarete<br />
UA: 18.08.<strong>2022</strong>,<br />
Tiroler Volksschauspiele, Telfs<br />
KATJA BRANDIS<br />
Woodwalkers<br />
UA: 03.09.<strong>2022</strong>,<br />
Junges Theater Bonn<br />
AMIR GUDARZI<br />
Wonderwomb<br />
UA: 17.09.<strong>2022</strong>,<br />
Hessisches Landestheater Marburg<br />
MARIA URSPRUNG<br />
Vakuum<br />
UA: 21.09.<strong>2022</strong>,<br />
Deutsches Theater Berlin<br />
ARIANE KOCH<br />
Wer ist Walter<br />
SE: 24.09.<strong>2022</strong>,<br />
Theater Winkelwiese, Zürich<br />
JORDI GALCERAN<br />
Die Steilwand<br />
DSE: 29.09.<strong>2022</strong>,<br />
Wolfgang Borchert Theater, Münster<br />
PHILIPP LÖHLE<br />
Heidelberg 72ff.<br />
UA: 07.10.<strong>2022</strong>,<br />
Theater Heidelberg<br />
ANNA GSCHNITZER<br />
Fallen<br />
UA: 02.11.<strong>2022</strong>,<br />
Theater Drachengasse, Wien<br />
SERGEJ GÖßNER<br />
Pech und Schwefel<br />
UA: 05.11.<strong>2022</strong>,<br />
Theater Bremen<br />
FANNY SORGO<br />
Käpten Taumel<br />
UA: 18.11.<strong>2022</strong>,<br />
Mainfranken Theater Würzburg<br />
FELICIA ZELLER<br />
Einsame Menschen<br />
UA: 02.12.<strong>2022</strong>,<br />
Berliner Ensemble<br />
ARIANE KOCH<br />
Die toten Freunde<br />
(Dinosauriermonologe)<br />
UA: 09.12.<strong>2022</strong>,<br />
Pfalztheater<br />
Kaiserslautern<br />
MARTINA CLAVADETSCHER<br />
Bestien, wir Bestien<br />
UA: 10.12.<strong>2022</strong>,<br />
Bühnen Bern<br />
WOLFGANG BÖHMER<br />
MARTIN G. BERGER<br />
CHRISTA WOLF<br />
Der geteilte Himmel<br />
UA: 20.01.2023,<br />
Mecklenburgisches Staatstheater,<br />
Schwerin<br />
IVANA SOKOLA<br />
Pirsch<br />
UA: 21.01.2023,<br />
Deutsches Theater in Göttingen<br />
SOKOLA//SPRETER<br />
Polar<br />
UA: 23.01.2023,<br />
Theater Drachengasse, Wien<br />
NATHAN ELLIS<br />
Super High Resolution<br />
DSE: 03.02.2023,<br />
Staatstheater Kassel<br />
GWENDOLINE SOUBLIN<br />
Und alles<br />
DSE: 11.02.2023,<br />
Theater Konstanz<br />
THOMAS ARZT<br />
Wunsch und Widerstand<br />
UA: 11.02.2023,<br />
Vorarlberger Landestheater, Bregenz<br />
ANNA GSCHNITZER<br />
Fanes*<br />
UA: 15.02.2023,<br />
Vereinigte Bühnen Bozen<br />
WOLFGANG BÖHMER<br />
PETER LUND<br />
Frau Zucker will die Weltherrschaft<br />
ÖE: 16.02.2023,<br />
Theater der Jugend, Wien<br />
KURT WEILL<br />
JOHN VON DÜFFEL<br />
KAI TIETJE<br />
MARK TWAIN<br />
Tom Sawyer<br />
UA: 18.02.2023,<br />
Komische Oper Berlin<br />
SERGEJ GÖßNER<br />
Der fabelhafte Die<br />
ÖE: 18.02.2023,<br />
Tiroler Landestheater, Innsbruck<br />
HAIFAA AL MANSOUR<br />
Das Mädchen Wadjda<br />
DSE: 23.02.2023,<br />
Westfälisches Landestheater,<br />
Castrop-Rauxel<br />
OLIVIER GAROFALO<br />
Wann, wenn nicht jetzt?<br />
UA: 09.03.2023,<br />
Wolfgang Borchert Theater, Münster<br />
VERA SCHINDLER<br />
Wolkenrotz<br />
UA: 10.03.2023,<br />
Landestheater Tübingen<br />
TOVE DITLEVSEN<br />
Kopenhagen-Trilogie<br />
DSE: 24.03.2023,<br />
Residenztheater, München<br />
THILO REFFERT<br />
Linie 912<br />
UA: 26.03.2023,<br />
Eduard-von-Winterstein-Theater,<br />
Annaberg-Buchholz<br />
MARIA URSPRUNG<br />
Die nicht geregnet werden<br />
DE: 15.04.2023,<br />
Theater Vorpommern, Greifswald<br />
MIKE KENNY<br />
Zugvögel<br />
UA: 16.04.2023,<br />
Schauburg München<br />
ANNA GSCHNITZER<br />
Wasser<br />
UA: 21.04.2023,<br />
Stadttheater Ingolstadt<br />
OLIVIER GAROFALO<br />
Johanna ist tot<br />
UA: 22.04.2023,<br />
Rheinisches Landestheater Neuss<br />
DAVID PAQUET<br />
Das Gewicht der Ameisen<br />
ÖE: 28.04.2023,<br />
Salzburger Landestheater<br />
BRANDEN JACOBS-JENKINS<br />
Was sich gehört<br />
DSE: 02.05.2023,<br />
ETA Hoffmann Theater, Bamberg<br />
SOKOLA//SPRETER<br />
Farn Farn Away<br />
UA: 04.05.2023,<br />
Theater Münster<br />
FELICIA ZELLER<br />
Open House (AT)<br />
UA: 17.05.2023,<br />
Theater Oberhausen<br />
PHILIPP LÖHLE<br />
Orbit – Geschichte einer Band<br />
UA: 20.05.2023,<br />
Staatstheater Nürnberg<br />
Ur- und Erstaufführungen (Auswahl)
56 Felix Bloch Erben GmbH & Co. KG<br />
Verlag für Bühne, Film und Funk<br />
Theater-Verlag Desch GmbH<br />
Karl Mahnke Theaterverlag GmbH<br />
FBE Agentur Drehbuch / Regie<br />
Felix Bloch Erben Schauspielagentur GmbH<br />
Hardenbergstraße 6<br />
10623 Berlin<br />
Fon (0 30) 313 90 28<br />
Fax (0 30) 312 93 34<br />
info@felix-bloch-erben.de<br />
www.felix-bloch-erben.de<br />
www.fbe-agentur.de<br />
MITARBEITER:INNEN<br />
Gabriela Bellack (Assistenz Lizenzen)<br />
Ute Bergien (Schauspielagentur)<br />
Susan Colak (Agentur Drehbuch / Regie)<br />
Heike Groß (Amateur- und Laienspielgruppen / Assistenz Lizenzen / Empfangssekretariat)<br />
Bastian Häfner (Leitung Dramaturgie Schauspiel)<br />
Michaela Heberer (Vertragswesen / Abrechnungen)<br />
Christa Hohmann (Dramaturgie Schauspiel / Desch)<br />
Carsten Kretlow (Material-Leih-Abteilung)<br />
Gesine Pagels (Dramaturgie Schauspiel / Medien / stellvertretende Verlagsleiterin)<br />
Boris Priebe (Leitung Dramaturgie Musiktheater)<br />
Melanie Rehder (Assistenz Geschäftsführung)<br />
Tanja Richter (Assistenz Agentur Drehbuch / Regie / Medien)<br />
Florine Schmitter (Assistenz Lizenzen)<br />
Jonas Schönfeldt (Dramaturgie Schauspiel / Marketing)<br />
Julia Solms (Schauspielagentur)<br />
Moritz Staemmler (Geschäftsführer / Verlagsleitung)<br />
Kerstin Stölting (Karl Mahnke Theaterverlag)<br />
Stefanie Sudik (Dramaturgie Musiktheater)<br />
Judith Weißenborn (Dramaturgie Schauspiel / Junges Theater)<br />
<strong>Charivari</strong><br />
172. Jahrgang<br />
Herbst <strong>2022</strong><br />
Redaktionsschluss 22.08.<strong>2022</strong><br />
Redaktion<br />
Dramaturgie / Marketing<br />
Impressum<br />
Gesamtgestaltung und Satz<br />
milchhof / milchhof.net<br />
Druck<br />
primeline print berlin GmbH
<strong>2022</strong><br />
6<br />
172.<br />
<strong>Charivari</strong><br />
172. Jahrgang Herbst <strong>2022</strong><br />
Felix Bloch Erben GmbH & Co. KG<br />
Verlag für Bühne Film und Funk<br />
Hardenbergstraße 6 10623 Berlin<br />
T +49 (0)30 313 90 28 F +49 (0)30 312 93 34<br />
info@felix-bloch-erben.de www.felix-bloch-erben.de<br />
JG.<br />
JÖRG ISERMEYER<br />
BRANDEN JACOBS-JENKINS<br />
GORDON KAMPE<br />
MIKE KENNY<br />
EUGÈNE LABICHE<br />
CLARA LEINEMANN<br />
PHILIPP LÖHLE<br />
PETER LUND<br />
MÉLODY MOUREY<br />
DOMENICO MÜLLENSIEFEN<br />
JADE-ROSE PARKER<br />
EVA ROTTMANN<br />
IRIS SAYRAM<br />
IVANA SOKOLA<br />
SOKOLA//SPRETER<br />
MARCUS PETER TESCH<br />
KAI TIETJE<br />
MARK TWAIN<br />
MARIA URSPRUNG<br />
KURT WEILL<br />
FLORIAN ZELLER