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Marokko-Königreich des Lichtes

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MAROKKO

Eine Reise ins Königreich des Lichts

1


EDITORIAL

Liebe Leserin, lieber Leser,

das Königreich Marokko war schon immer ein beliebtes Reiseziel. Gründe

hat es stets mehr als genug gegeben: die jahrtausendealte Kultur, die

überlieferten Traditionen, die weltberühmte Gastronomie, die legendäre

Gastfreundschaft der Marokkaner und die unvergleichliche Vielfalt der

Landschaften. So haben sich 2019 mehr als 13 Millionen Touristen aller

Nationen für einen Aufenthalt in Marokko entschieden und das Land zum

führenden Reiseziel in Afrika gemacht.

Marokko konnte immer allen Wünschen entsprechen: ob für Alleinreisende,

die dem Alltag entfliehen und Abenteuer erleben wollen, Paare, die

völlig abschalten und gleichzeitig in eine neue Welt eintauchen wollen

oder Familien, die in einem spannenden, aber sicheren Reiseland ihren

Urlaub verbringen möchten – Marokko ist immer die richtige Wahl. Und

noch etwas: Marokko besticht nicht nur durch sein abwechslungsreiches

Angebot. Vielmehr können Sie auf eins besonders zählen: auf die Leidenschaft

der Menschen in der Tourismusbranche, die stets nur für Sie da sein

werden.

Mit diesem Magazin möchten wir Ihnen einen Vorgeschmack auf Marokko

geben und Ihnen die verschiedenen Facetten dieses einzigartigen Reiseziels

vor den Toren Europas vorstellen!

Wir wünschen Ihnen eine angenehme Reise nach Marokko und freuen

uns bereits jetzt darauf, Sie im Königreich des Lichts begrüßen zu dürfen.

Ihr Team des Marokkanischen Fremdenverkehrsamtes

2


INHALT

Marokko – Eine Reise ins Königreich des Lichts

IMPRESSIONEN AUS SÜDMAROKKO

Unser Himmel über der Wüste ..................................... 6

Bei den Töpfern von Tamegroute ................................. 8

Erkundung von AÏt Benhaddou ................................... 10

Durch die Oasen des Drâa-Tals .................................. 12

In den Sanddünen des Erg Chegaga .......................... 14

Unser kleines Camp in der Wüste .............................. 16

Chillout in Marrakesch .............................................. 18

TANGER UND DER NORDEN

Tanger is back! .......................................................... 22

Asilah ......................................................................... 28

Chefchaouen .............................................................. 29

El Jebha ..................................................................... 32

Al Hoceima und Saidia ............................................. 35

FES UND DER MITTLERE ATLAS

Fes, das Tor zum Mittelalter ....................................... 38

Meknes ....................................................................... 44

Mittlerer Atlas ............................................................ 46

STRASSE DER 1000 KASBAHS

AÏt Benhaddou ........................................................... 50

Tal der Rosen, Ouarzazate, Telouet .......................... 52

Dades-Tal, Dades-Schlucht, Hochland ..................... 54

Tinerhir und Todra-Schlucht .................................... 56

Merzouga und Erg Chebbi ........................................ 58

MARRAKESCH UND DER HOHE ATLAS

Marrakesch, die rote Stadt ......................................... 64

Ausflüge und Exkursionen in den Hohen Atlas ........... 74

AGADIR, TAGHAZOUT UND DER ANTIATLAS

Agadir: Was willst Du Meer? .................................... 104

Taghazout ................................................................. 108

Paradise Valley .......................................................... 114

Antiatlas ................................................................... 116

DAKHLA UND DER GROSSE SÜDEN

Dakhla: Zur Südsee immer geradeaus! ..................... 118

Mirleft und Legzira .................................................. 120

Laâyoune und Guelmim ............................................ 122

EXKURSE

Beatniks in der Medina von Tanger .......................... 27

Streifzug durch die marokkanische Küche ............... 36

Die Stadt, die Rom mit Öl versorgte ........................ 45

Wein aus Marokko? ................................................... 48

Der Stoff aus dem die Träume sind ........................... 62

Über den Dächern von Marrakesch .......................... 78

Urlaub im Gartenhaus .............................................. 102

INFOS MAROKKO

Karte Marokko ......................................................... 124

Steckbrief ................................................................. 125

Klima und Reisezeit ................................................. 126

An- und Einreise / Reisen im Land .......................... 127

Die wichtigsten Veranstaltungen .............................. 128

DIE MITTLERE ATLANTIKKÜSTE

Rabat und die Perlen am Atlantik ............................ 80

Casablanca ................................................................ 86

El Jadida ................................................................... 90

Oualidia ..................................................................... 94

Essaouira .................................................................. 98

RUBRIKEN

Editorial ....................................................................... 2

Impressum, Fotovermerke ........................................... 5

Die Tour durch das Königreich des Lichts ................ 20

3


INHALT

64 MARRAKESCH

Zwischen Wüste und Küste

befindet sich eine Stadt, die

seit jeher Besucher aus aller

Welt in ihren Bann zieht:

Marrakesch – ein urbanes

Märchen zwischen Tradition

und Moderne

22 TANGER UND DER NORDEN

Atlantik trifft auf Mittelmeer

und Afrika auf Europa.

Hier mischen sich Kulturen

und Sprachen. Tanger ist

heute spannender denn je

118 DAKHLA UND DER GROSSE SÜDEN

In Dakhla reichen die Dünen

der Sahara bis ans Meer: einer

der wohl außergewöhnlichsten

Orte Marokkos!

50 DIE STRASSE DER 1000

KASBAHS

Im Süden Marokkos

bietet sich eine Tour der

Extraklasse an. Für viele

Reisende ist sie schlichtweg

ein Traum: die Straße

der 1000 Kasbahs

38 FES UND DER MITTLERE ATLAS

Fes und Meknes sind

Marokkos Königsstädte

im Mittleren Atlas. Den

Besucher erwartet ein

Feuerwerk an Eindrücken

80 RABAT UND DIE PERLEN AM

ATLANTIK

Die Atlantikküste hat

wahre Schätze zu bieten:

Rabat, Casablanca,

El Jadida, Oualidia und

natürlich Essaouira

104 AGADIR UND DIE SÜDKÜSTE

Mit 300 Sonnentagen hat

Agadir ganzjährig Saison.

Das berühmte Seebad mit

seiner eleganten Badezone

lässt keine Wünsche offen

4


IMPRESSUM

Marokko – Eine Reise ins Königreich des Lichts

Fotovermerke

(nach Seiten, Anordnung im Layout: l.: links, r.: rechts, M.:

Mitte, o.: oben, u.: unten)

Titel: TomStahl/iStockphoto

Editorial+51: Eldar_V/iStockphoto

Impressum: Maïenga

Impressionen aus Südmarokko: 6-19: Klaus Kopelkert.

Tanger und der Norden: 22-23: issam elhafti/iStockphoto;

24-25: Wirestock Creators/stock.adobe.com;

26 o.+27: redouane.damoun/stock.adobe.com; 26: u.l.:

rayints/stock.adobe.com, u.r.: Amine Bouzidi Idrissi/

iStockphoto; 28 o.: Eduardo 1961/iStockphoto, u.l.:

LIFEismorocco.com, u.r.: olenatur/stock.adobe.com; 29:

kotangens/iStockphoto; 30-31: dinozzaver/stock.adobe.

com; 32-35: Klaus Kopelkert; 36: fazeful /stock.adobe.

com; 37: tbralnina/iStockphoto.

Fes und der Mittlere Atlas: 38-39: Gatsi/iStockphoto;

40 l.: Bioris Stroujko/StockAdobe, M.: Maurizio De

Mattei/stock.adobe.com; 41: Adam Smigielski/iStockphoto;

42: Klaus Kopelkert; 43 o.: Palais Faraj Fes, u.: age/

Mauritius; 44 o.: Jan Wlodarczyk/Mauritius, u.: nyiragongo/stock.adobe.com;

45: Ondrej Bucek/stock.adobe.com;

46 o.: Kotangens/stock.adobe.com, u.: Nicole Regez und

Pit Horstink; 47: JulianSchaldach/iStockphoto; 48-49: La

Ferme Rouge/Jean-Yves Gabriel.

Straße der Kasbahs: 50-51: Starcevic/iStockphoto;

52: Leonid Andronov/stock.adobe.com; 53 o.: saiko3p/

iStockphoto; 54: Frank Charton; 55: Klaus Kopelkert; 56:

Astalor/iStockphoto; 57 o.: AlbertoLoyo/iStockphoto, u.:

Klaus Kopelkert; 58: todamo/iStockphoto; 59 o.: lightkey/

iStockphoto, u.: MaRabelo/iStockphoto; 60: CIMBALY/

MDS2021@FranckODDOUX; 61 o.: MAIENGA/MichaelTubiana,

u.: MAIENGA/Nicolas Jahan; 62: uisapuccini/

iStockphoto; 63 o.: Radka Danailova/iStockphoto, u.:

victoria p./stock.adobe.com.

Marrakesch und der Hohe Atlas: 64-65: ONMT; 66:

Astalor/iStockphoto; 67: Jose Ignacio Soto/Stock.adobe.

com; 68-69: robertharding/Mauritius; 70-71: Fairmont

Royal Palm Golf Club & Country Club; 72: Yann Canari/

Fotolia; 73: caroloscastilla/iStockphoto; 74-75: Lukas/

stock.adobe.com; 76: Abderrahim Elouihssani/iStockphoto;

77 o.: David Gonthier/UTAT, u. Klaus Kopelkert;

78: Olena Znak/stock.adobe.com; 79: Balate Dorin/

StockAdobe.

Die mittlere Atlantikküste: 80-81: zodebala/iStockphoto;

82: Klaus Kopelkert; 83: Gatsi/stock.adobe.com;

84: olenatur/stock.adobe.com; 85: walid Moujanni/iStockphoto;

86-87: Rattham/iStockphoto; 88: Martinelli73/

iStockphoto; 89: Oleksii Hlembotskyi/iStockphoto; 90:

Kirill/stock.adobe.com, u.l.: Klaus Kopelkert, u.r.: Peter

Giovannini/Mauritius; 92-93: Klaus Kopelkert; 94-95

o.: La Sultana Oualidia, u.: masar1920/stock.adobe.

com; 96-97: La Sultana Oualidia; 98 o.: Klaus Kopelkert,

u.l.: Pavliha/iStockphoto, u.r.: Balate Dorin/stock.adobe.

com; 100: Karim Tibari; 101: Klaus Kopelkert; 102: Riad

Yasmine Marrakech: @un_fold_ed / Sophia van den Hoek

from Studio Unfolded; 103: Lucy Mason @goinghomebroke

(instagram).

Agadir, Taghazout und der Antiatlas: 104-105:

Danialand; 106 o.+u.: Adam Smigielski/iStockphoto; 107

u.: GinaKoch/stock.adobe.com; 108-113: Klaus Kopelkert;

114: panosud360/stock.adobe.com; 115: Heather Cooper;

116: nicolamargaret/iStockphoto; 117 o. Klaus Kopelkert,

u. Uwalthie Pic Project/Adobe Stock.

Dakhla und der große Süden: 118-119: ONMT/Hope

Production; 120-121 o.: Alan van Gysen; 120 u. Klaus

Kopelkert; 121 u.: Una Baufala/Pixabay; 122 + 123 u.:

ONMT/Hope Production; 123 o. Margaret Cornfield.

Infos Marokko: 124 Karte: Stephan Hauf; 125 o.: Leonid

Andronov/stock.adobe.com; 126 o.: fafou/iStockphoto,

u.+127 o.: Klaus Kopelkert, u.: L’Heure Bleue.

Veranstaltungen: Bildrechte bei den jeweiligen Veranstaltern.

HERAUSGEBER

Staatlich Marokkanisches Fremdenverkehrsamt

www.visitmorocco.com

KONZEPT, LAYOUT, REDAKTION, BILDREDAKTION, HERSTELLUNG

ADIEU TRISTESSE Verlag, Berlin

REDAKTION / LEKTORAT

Corinne Vastel (V.i.S.d.P.)

Klaus Kopelkert (Fotografie)

Willy Vlodaceck

Sven Kämmerer

Nachdruck, Übersetzungen und Auszüge nur mit ausdrücklicher Genehmigung

des Verlages und mit voller Quellenangabe. Alle Rechte vorbehalten.

© by ADIEU TRISTESSE Verlag Berlin.

Gerichtsstand: Berlin.

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6


IMPRESSIONEN AUS SÜDMAROKKO

UNSER

HIMMEL

ÜBER DER

WÜSTE

Auf dem Programm stand Südmarokko: Giovanni und Katrin hatten eine

ganz besondere Tour ausgearbeitet. Sie führte über die Straße der 1000

Kasbahs durch abgelegene Dörfer im Hohen Atlas zum Erg Chebbi. In der

Wüstenstadt Rissani schlenderten sie durch die Souks, durchstreiften die

umliegenden Oasen und brachen in die Wüste auf.

7


8


BEI DEN TÖPFERN VON TAMEGROUTE

Südlich von Zagora leben Handwerkerfamilien, die ihre Fertigungskunst über Generationen

weitergeben. Es sind klassische Scheibentöpfer. Giovanni hat versucht, einen

Tajine-Topf herzustellen: Der Tonklumpen wird durch die schnelle Drehung einer Töpferscheibe

mit den Händen zu einem Gefäß ausgezogen. Im Anschluss werden die Tonprodukte

zum Trocknen in die Sonne gestellt und danach noch in den mit Holzkohle

befeuerten Ofen geschoben. Die Öfen müssen eine Temperatur von 1000 °C erreichen.

Hier im Drâa-Tal werden die Waren der Töpfer grüne Keramik genannt, da sie durch das

Erhitzen im Ofen grün werden. Nach dem Erkalten werden Mängel beseitigt. Die Keramik

wird geschliffen, poliert und mit natürlichen Farben bemalt.

9


10


ERKUNDUNG VON AÏT BENHADDOU

Nördlich von Ouarzazate befindet sich die wohl interessanteste aller Kasbahs: Aït

Benhaddou. Die exzentrische Wohnburg mit ihren hoch aufragenden Türmen gehört

heute zum Weltkulturerbe. Berühmt wurde Aït Benhaddou als spektakuläre Filmkulisse

in etlichen Hollywoodfilmen wie „Gladiator” und „Die letzte Versuchung Christi“. Für

die Filme „Auf der Jagd nach dem Juwel vom Nil“ und „Lawrence von Arabien“ wurden

eigens neue Türme aus Pappe gebaut. Die neuen Teile der Filmstadt sind so täuschend

echt, dass sie sich perfekt ins Landschaftsbild einfügen.

11


DURCH DIE OASEN DES DRÂA-TALS

Auf dem Weg nach Zagora führt die Strecke durch eine

biblisch anmutende Gegend, die sich der Fluss Drâa selbst

geschaffen hat. Im Norden hat er mächtige Schluchten in

den Berg gegraben, um dann in einem 200 Kilometer langen,

wunderschönen Tal auszulaufen. Im Drâa-Tal, das sich

hinunter bis in die Wüste zieht, versorgt der Fluss unzählige

Oasen, in denen Palmen, Feigen- und Granatapfelbäume

gedeihen. In Verbindung mit den traditionellen Lehmbauten

der Dörfer offenbaren sich dem Reisenden immer wieder

fantastische Panoramen.

12


13


IN DEN SANDDÜNEN DES ERG CHEGAGA

In M‘Hamid verlassen wir den Asphalt und tauchen in den Sand der Sahara

ein. Bis zu den großen Dünen des Erg Chegaga sind es gut drei Stunden

Fahrt. Ganz in der Nähe haben Nomaden ihre Zelte aufgeschlagen. Wir

schauen uns das Lager aus der Nähe an und versuchen uns mit spontanem

Kamel-Trekking. Wir werden ebenfalls hier unser Lager aufschlagen.

14


15


UNSER KLEINES CAMP IN DER WÜSTE

Wir haben uns ein Außenlager aufgebaut. Die Polster nach draußen, Laken drüber,

Kissen raus, fertig! Es stimmt, dass es in der Wüste frisch wird, aber es ist noch angenehm.

Später entfachen wir noch ein schönes Lagerfeuer und ziehen eine gute Flasche

marokkanischen Wein auf. Bis tief in die Nacht liegen wir unter dem Sternenhimmel

und lauschen einfach nur der Stille.

16


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CHILLOUT IN MARRAKESCH

Nördlich von Marrakesch befindet sich der zehn Kilometer lange Oasengürtel La

Palmeraie. Inmitten dieser biblisch anmutenden Szenerie entstanden in den letzten

Jahren sogenannte „Boutique-Hotels“: kleine, aber feine Gästehäuser. Sie haben nur

wenige Zimmer, die dafür umso luxuriöser ausgestattet sind. Hier wird dem Gast jeder

Wunsch von den Lippen abgelesen. Manche Gäste fühlen sich in den charmanten Boutique-Hotels

so wohl, dass sie auf einen Abstecher in die Medina verzichten und nur

eins tun: im Hotel relaxen. Und genau das haben wir auch gemacht!

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19


Die Tour durch das

Königreich des Lichts

Tanger und der Norden

1.

Rabat und die Perlen am Atlantik

Tanger und der Norden

5.

6.

Agadir, Taghazout und der Antiatlas

Laâyoune

Dakhla und der große Süden

7.

Dakhla

Lagouira

20


Tanger

RABAT

Asilah

El Jebha

Chefchaouen

Fes

Al Hoceima

Saidia

Oujda

El Jadida

Casablanca

Meknes

Oualidia

Essaouira

Marrakesch

Agadir

Taroudant

Aït Benhaddou

Ouarzazate

Zagora

Rissani

Erfoud

Merzouga

2.

Legzira

Sidi Ifni

Tafraoute

M‘Hamid

Fes und der Mittlere Atlas

Guelmin

Smara

3.

4.

Die Strasse der 1000 Kasbahs

Marrakesch und der Hohe Atlas

Strasse der Kasbahs

21


TANGER

is back!

Keine Stadt am westlichen Mittelmeer ist derzeit so spannend wie

Tanger. Der städtebauliche Umbruch soll Tanger aus dem Schatten von

Marrakesch herausführen und an die glorreichen Zeiten, als Tanger

noch den „Tangerine Dream“ verkörperte, anknüpfen.

22


TANGER UND DER NORDEN

23


TANGER UND DER NORDEN

Die Corniche von Tanger schlängelt sich elegant

am Mittelmeer entlang. Fünf Kilometer mineralisches

Weiß. Transparente Aufzüge bringen

Menschen aus den unterirdischen Parkhäusern

an die Oberfläche. Bei Sonnenuntergang kommen

die Bewohner von Tanger mit ihren Familien hierher, um

die frische Meeresbrise vor der 14 km entfernten spanischen

Küste zu genießen. Das war nicht immer so. Noch

bis vor wenigen Jahren war dieser Ort für seine Restaurants

und Kabaretts mit Nachtleben bekannt. Nicht weit

von hier entfernt wurden die uralten Stadtmauern der Kasbah

restauriert. Noch heute schützen sie die von Touristen

durchwanderte Altstadt mit ihren antiken weißen Gebäuden

und den schmalen Gassen vor den Fluten des Mittelmeers.

Tanger, eine mythische Stadt, die von zahlreichen

Schriftstellern und Malern beschrieben wurde, erlebt eine

Renaissance. Unterhalb des Hotels Continental, wo einst

Paul Bowles und viele Künstler wohnten und Teile des

Wüstenepos „Himmel über der Wüste“ gedreht wurden,

hatte sich der viel zu klein gewordene und in die Jahre gekommene

Hafen immer weiter in die Stadt hineingeschoben.

Damit ist jetzt Schluss. Der alte Hafen wurde zu einem

Freizeitzentrum umgebaut. Am Fuße des Königlichen

Yachthafens gibt es heute eine schöne Marina und einen

Fischerhafen. Die schwere Containerindustrie wurde ganz

aus der Stadt verbannt. Knapp 50 Kilometer nordöstlich

von Tanger entstand der neue, große Hafen, Tanger Med.

In der strategisch bedeutenden Meerenge von Gibraltar hat

Marokko somit den größten Containerhafen Afrikas am

Mittelmeer geschaffen. Autobahnen und Bahnlinien haben

ihn mit den Zentren des Landes verbunden. Der wirtschaftliche

Aufschwung der Stadt – es wurden Zehntau-

24


TANGER UND DER NORDEN

sende von Arbeitsplätzen geschaffen – zog die Menschen

wie ein Magnet an. Heute leben im Stadtgebiet von Tanger

1,1 Millionen Menschen aus verschiedenen Teilen des

Landes (1950 waren es noch 150 000). Die Stadtentwicklung

ist beeindruckend. Überall ragen im Bau befindliche

Hochhäuser in den Himmel. Allein im beliebten Stadtteil

Beni Makada leben über 500 000 Menschen. Und die Stadt

dehnt sich weiterhin rasant aus. Auf den Hügeln am Stadtrand

vermitteln die Siedlungen aus roten Ziegelsteinhäusern

eine Vorstellung von dem Eldorado, das die Stadt im

Norden für viele Marokkaner geworden ist. Ein Stück weiter

sind es hell getönte, gediegenere Wohnblocks, die inmitten

der Felder wachsen. In Beni Makada glänzen die

gerade erst geteerten Straßen, Sportplätze und Kindertagesstätten.

Im schicken Stadtteil Boubana, in den Hügeln

von Tanger, gibt es ein Zentrum für autistische Kinder und

eines für Waisenkinder. Für die Realisierung des Plans

„Tanger métropole“ wurden enorme Investitionen getätigt.

Von der Modernisierung waren alle Bereiche betroffen,

vom Bau des großen Parks Perdicaris über die Sportstadt

bis hin zu einem Krankenhaus für Onkologie. Das visionäre

Projekt wird nicht nur Tanger, sondern ganz Marokko

verändern. Die Hafenstadt ist auf dem besten Wege, sich

zu einer Top-Reisedestination zu entwickeln. Und sie kann

mit einigem aufwarten: das milde, mediterrane Klima, die

langen Strände, das Flair der „nouvelle ville“, sowie die

charmante Medina mit den unzähligen pittoresken Gassen

und Plätzen. Tanger als wirtschaftliches Zentrum wurde

bereits neu erfunden. Tanger, die Künstlerstadt, beginnt es

auch zu werden. Im Stadtzentrum auf dem Place du 9 Avril

wurde das Kino „Cinéma Rif“ im Art-Déco-Look neu

eröffnet. Es ist längst zur kulturellen Lunge der Stadt

25


avanciert und zu einem Ort der Geselligkeit. Das 1938 gegründete

Kino war bereits der Zerstörung geweiht, als es

2005 von der französisch-marokkanischen Fotografin Yto

Barrada gekauft wurde. Nach zweijähriger Bauzeit wurde

die Cinémathèque de Tanger eingeweiht: zwei Säle mit 50

und 300 Plätzen, eines der wenigen Arthouse-Kinos in

Marokko, in dem so unterschiedliche Filme wie Fassbinders

Lili Marleen oder französische Komödien gezeigt

werden. Tanger hat sich nicht nur städtebaulich, sondern

auch kulturell neu erfunden. Bei Städtereisenden ist das

neue Tanger längst angesagt und kein Geheimtipp mehr.

Schon bald könnte Tanger dem hippen Marrakesch als

Lifestyle-Destination ebenbürtig werden. Der Schriftsteller

Paul Bowles wird das neue Tanger nicht mehr kennenlernen

können. Er starb 1999 in seiner Wahlheimat mit 88

Jahren. Bis zu seinem Tod hatte er als fleißiger Chronist

der Stadt gewirkt. Nun muss die Geschichte Tangers um

ein wichtiges Kapitel ergänzt werden. Das neue Tanger

wird die Geschichte der Beatniks hinter sich lassen und

eine ganz andere Art von jungen Künstlern inspirieren.

TANGER

Oben: Früher Containerhafen, heute

Stadtpark. Die alten Mauern wurden

vollständig restauriert. Der neu gestaltete

Platz lädt zum Flanieren ein

Links: Cap Spartel: Spektakulärer

Aussichtspunkt mit Blick auf die

Straße von Gilbraltar

Rechts: Die Architektur ist keineswegs

einheitlich: Belle Epoque,

Renaissance, Klassizismus

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Beatniks in der Medina von Tanger

Exkurs: Stadtgeschichte

Der in New York lebende Literat Paul Bowles äußert 1931 den Wunsch nach einem interessanten, besonderen

Urlaubsort. Die Schriftstellerin Gertrude Stein empfiehlt ihm das liberale und preisgünstige Tanger. Gemeinsam mit

seinem Freund und Lehrer, dem Komponisten Aaron Copland, nimmt Bowles den zwischen Manhattan und Tanger

verkehrenden Ozeandampfer. Es wird mehr als nur ein Urlaub. Paul Bowles wird wiederkommen und den Rest seines

Lebens in seiner Wahlheimat Tanger verbringen.

In den 50er- und 60er-Jahren kommen die Literaten

der amerikanischen Beat-Generation nach Tanger.

Jack Kerouac wird durch den Kult-Roman „On the

Road“ weltberühmt. Sein Kollege, William Burroughs,

wird in Tanger sein literarisches Hauptwerk „The

Naked Lunch“ verfassen. Die jungen Literaten frönen in

Tanger dem lasziven Leben.

Wer länger bleibt, hält Angestellte.

Es kommen immer

mehr Künstler, die in Europa

und in den USA den spießbürgerlichen

Vorstellungen

nicht folgen wollen. Tanger

war zu diesem Zeitpunkt ein

Fluchtort und Sammelbecken

für alle, die aus dem gewohnten

Trott ausbrechen

wollten. In Tanger mischen

sich die Kulturen. Man

spricht englisch, französisch

und spanisch. Arabische

Märkte und die engen Gassen

der Altstadt sind exotisch

genug, um die Sorgen von

kleinbürgerlichen Lebensentwürfen

zu vergessen. Die

Liste der aus diesem Grund

immer gerne wiederkehrenden

Gäste liest sich dann

auch wie ein Who is Who der

intellektuellen Querdenker

des Westens: die Schriftsteller

Paul Bowles, Jean Genet

und Truman Capote, Tennessee

Williams und Allen Ginsberg, der Filmregisseur Pierre

Paolo Pasolini und der Philosoph Michel Foucault

sowie die Millionärin Barbara Hutton und der Verleger

Malcolm Forbes zählen zu den bekanntesten. In Tanger

machen sie die Nacht zum Tage. An Möglichkeiten mangelt

es nicht. In den vom großen Souk abgehenden Nebenstraßen

gibt es Bars, die bis in die Morgenstunden geöffnet

sind. Die Fangemeinde der Beatniks pilgert noch

heute nach Tanger. Ihr Ziel ist die dem Hotel El Munira

angegliederte Bar Tanger Inn, wo Fotos der Schriftsteller

und Lebenskünstler hängen. Sehnsüchte und alternativentschleunigte

Lebensentwürfe

sind dann immer ein

großes Thema. Für viele

„Neo-Beatniks“ wird Tanger

zur Lebensetappe auf der

ganz privaten Sinnsuche, wie

einst Paul Bowles. Einer seiner

Lieblingsorte war die

Terrasse des Hotels Continental

mit ihrem freien Blick

auf den Hafen. Diesen Hafen

gibt es jedoch nicht mehr.

Seit einigen Jahren erlebt

Tanger nämlich eine bemerkenswerte

Metamorphose:

Tanger macht sich fein. Das

berühmte Hotel aus dem

Jahr 1865 mit dem unvergleichlichen

Blick auf den

Hafen hat heute noch Kultstatus.

Im zweiten Weltkrieg

fungierte es als Versteck für

Spione, später avancierte es

zum Mittelpunkt des kosmopolitischen

und kulturellen

Lebens der Stadt. Interieur

und Mobiliar – die majestätische

Treppe, das alte Klavier,

die tiefen Sessel, das Grammophon sowie die vielen

alten Fotografien – erinnern heute noch an die magischen

Zeiten der Vergangenheit. Dennoch ist das Hotel Continental

kein Museum, vielmehr ist es ein Stück marokkanische

Zeitgeschichte.

27


Hinter jeder zweiten Straße verbirgt sich eine

kleine Überraschung, sei es eine Malerei oder

irgendein Kunstobjekt. Graffitis entdeckt man

an jeder Ecke. Es ist unmöglich, sich dem

besonderen Charme der pittoresken Hafenstadt zu

entziehen. Asilah wird wegen seiner Künstler, die hier und

in der Umgebung leben, mit Essaouira verglichen. Wie in

der südlichen Schwesterstadt findet auch in Asilah

alljährlich ein renommiertes, internationales Kulturfestival

statt, das inzwischen weit über die Landesgrenzen hinaus

bekannt ist. Schriftsteller, Musiker, Maler und Bildhauer

pilgern dann für einen Monat, im August, nach Asilah und

lassen sich von der einmaligen Atmosphäre, die dann dort

herrscht, inspirieren. Asilah ist angesagt! Dabei wurde die

Festungsstadt in den 1980er- Jahren in den Reiseführern

als Kuriosität erwähnt. Davor interessierten sich allenfalls

Seefahrer für den Ort: Die Phönizier errichteten hier um

1500 v. Chr. einen Handelsstützpunkt, genau wie die

Portugiesen 3000 Jahre später. Aus dieser Zeit stammt

auch die für Asilah typische Festungsmauer, die direkt auf

die Felsklippen gebaut wurde. Wegen der schneeweiß

getünchten Häuser mit den blauen Türen und Fensterläden

hat Asilah einen andalusischen Charakter und erinnert an

Chefchaouen im Rifgebirge.

ASILAH

Oben und unten rechts: Da

die Festung quadratisch ist,

kann man sich in den Gassen

nicht verlaufen. Man findet

immer wieder auf den Hauptweg

zurück und kommt stets

an der Mauer an

Links: Die Graffitis wechseln

jedes Jahr. Während des Festivals

malen die Künstler einfach

neue Graffitis auf die alten

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CHEFCHAOUEN

29


CHEFCHAOUEN

Die hübsche Stadt Chefchaouen inmitten der

Rif-Berge birgt ein mysteriöses Geheimnis:

Warum werden die ursprünglich weißen Häuser

zunehmend blau angemalt? Das Phänomen

lockt immer mehr Künstler und neugierige Touristen

nach Chefchaouen. Die Stadt erinnert an einen zauberhaften

Ort aus einem schönen Märchenbuch, voller Düfte und

Farben, mit Tausenden verschiedenen Blautönen. Chefchaouen

gehört zu jenen Städten, die ein Reisender in einem

Tag erkunden kann, wo man aber gern zwei, drei

Tage länger bleibt. Chefchaouen ist bei Weitem nicht so

populär wie Marrakesch oder Fes, aber viel entspannter.

Die wichtigste Sehenswürdigkeit: die mysteriösen blauen

Häuser. Die etwa 70 000 Einwohner zählende Stadt wurde

30


im 15. Jahrhundert zur Zufluchtsstätte für Muslime aus

Andalusien. Aus dieser Zeit stammt auch die gut erhaltene

Altstadt mit ihren weiß getünchten Giebelhäusern. Chefchaouen

hat deshalb ein ausgesprochen andalusisches

Flair. Der Zutritt zur Stadt war bis 1920, als die Spanier

die Stadt eroberten, für Nichtmuslime verboten. Auch

heute noch gilt Chefchaouen als heilige Stadt. Wegen der

malerischen Gassen und schönen exponierten Lage inmitten

der Berge gehört die Stadt zu den eindrucksvollsten

Orten Marokkos. Übrigens: Für das mysteriöse Geheimnis

gibt es eine profane, aber einleuchtende Erklärung:

Wenn im Sommer das gleißende Sonnenlicht von den weißen

Häusern reflektiert wird, kann das für die Augen sehr

anstrengend sein. Das Blau ist viel angenehmer.

31


32


EL JEBHA

33


EL JEBHA

34


AL HOCEIMA

Wer die von vielen noch unentdeckte Mittelmeerküste

Marokkos erkunden möchte,

seien drei Orte empfohlen: El Jebha, Al

Hoceima und Saidia. Ein pittoreskes Fischerdorf,

ein idyllischer Urlaubsfleck und ein ursprünglicher

Badeort. An einer Bucht an der Küste zwischen Tetouan

und Al Hoceima liegt der beschauliche Fischerort El

Jebha. Beeindruckende Steilklippen säumen die Meeresbucht.

Im Ortszentrum finden sich kleine Cafés und Restaurants.

Die Küste ist mit etlichen sehenswerten Kraterbuchten

gesäumt. Dafür ist zuvor aber Wandern angesagt.

Denn über die Küstenstraße gelangt man ins Dorf, nicht zu

den Kraterbuchten. Die sind gut versteckt. Der Fußmarsch

ist beschwerlich – aber der Ausblick entschädigt für die

Mühe. Al Hoceima zählt wegen der traumhaften Lage zu

den attraktivsten Badeorten Marokkos. Die Strände und

Buchten eignen sich hervorragend zum Surfen, Tauchen

und Wasserskifahren. Ausrüstung kann vor Ort geliehen

werden. Vom Ortszentrum im spanischen Stil mit seinen

Cafés, Hotels und Gärten eröffnet sich ein grandioser

Blick auf die benachbarte Meeresbucht. Sehenswert ist der

Hafen: Hier kann man den Fischern bei der Arbeit zuschauen

und mit ihnen aufs Meer fahren! Der Badeort Saidia

liegt etwa 70 Kilometer östlich von Nador. An seinen

wunderschönen kilometerlangen Stränden finden sich

traumhaft gelegene Campingplätze und Ferienhäuser. Das

touristische Zentrum ist die „Mediterranea Saidia“: Ein

700 Hektar großes Küstengelände, das mit Villen, Hotels,

luxuriösen Appartements, Golfplätzen, einem Yachthafen,

Boutiquen und Clubs aufwarten kann.

Linke Seite: Mit den Fischern von

El Jebha kann man die Felsküste

entlang fahren und zahlreiche,

versteckte Grotten und spektakuläre

Kraterbuchten entdecken

SAIDIA

Oben: Der Cala Bonita Strand in

Al Hoceima zählt zu den schönsten

Stränden Marokkos

Links und rechts: Das beliebte

Seebad Saidia wird wegen seines

hellblauen Wassers auch „Blaue

Perle“ genannt. Saidia hat mit 14

km den längsten Strand an der

marokkanischen Mittelmeerküste

35


36


Exkurs: Marokkanische Küche

Streifzug durch die marokkanische Küche

Ein marokkanisches Mahl ist eine alle Sinne weckende Erfahrung. Die marokkanische Küche gehört

zu den besten der Welt. Jede Region offenbart ihre eigenen Spezialitäten. Hier ein kleiner Vorgeschmack

auf das, was Sie in Marokko erwartet.

Beginnen wir den Tag auf der Dachterrasse eines

Riads – mit einem perfekten marokkanischen

Frühstück: frisch gepresster Orangensaft,

dazu Croissants, Joghurt, Pfannkuchen,

frische Konfitüre und köstlicher Honig. Der Kaffee wird

schwarz, mit Milch oder als Milchkaffee serviert, selbstverständlich

bekommt man auch Minztee. Derart gestärkt,

kann der kulinarische Rundgang beginnen. Die Restaurants

in der Medina, auch die mobilen Garküchen auf dem

Platz Djemaa el Fna in Marrakesch,

sind ein gutes Revier, um

die Klassiker der marokkanischen

Küche kennenzulernen. Dazu

zählen besonders die „Tajines“, in

Olivenöl geschmorte Eintopfgerichte.

Unwiderstehlich! Diese

Fleisch-, Geflügel- oder Fischragouts

werden mit diversen Gemüsebeilagen,

gelegentlich auch mit

Datteln, Mandeln oder Pflaumen

gereicht. Traditionell wird die Tajine

in einem Tongefäß mit konischem

Deckel zubereitet, das dem

Gericht seinen Namen gab. Die

tönernen Schmortöpfe werden in

vielen Regionen Marokkos in

Handarbeit hergestellt. Sie sind

nahezu unverwüstlich und extrem

hitzebeständig. Das müssen sie

auch sein, denn ein Tajinegericht

köchelt stundenlang, meist auf offenem

Holzkohlefeuer. Der Topf

besteht aus einem flachen Teller

mit erhöhtem Rand sowie einem Deckel, der konisch nach

oben zuläuft. An der Spitze dieses Deckels befindet sich

außen eine Mulde, die während des Kochvorgangs mit

kaltem Wasser gefüllt wird. Das bewirkt beim Kochen

eine Abkühlung des Deckels. Der im Gefäß aufsteigende

Wasserdampf kühlt ebenfalls ab, kondensiert und fließt an

den Innenseiten des Deckels wieder zurück in den Sud.

Die Zutaten können somit ohne große Hitze gegart werden.

Nährstoffe und Aromen bleiben erhalten – Tajine, das

ist der perfekte Schmortopf schlechthin! Couscous ist das

vielleicht bekanntestete marokkanische Gericht. Hauptbestandteile

sind Hirse- oder Hartweizengrieß. Charakteristisch

ist die feine Ausgewogenheit von Gewürzen und

Fleisch- und Gemüsemischungen. Couscous gibt es in unzähligen

wohlschmeckenden Varianten. Deshalb sollte es

auch eigentlich die Couscous heißen, derart viele gibt es

davon, je nach Jahreszeit und Region. „Brochettes“,

Fleischspießchen, sind ein weiterer Gastro-Klassiker,

ebenso „Kefta“, in Olivenöl gebratene

Hackfleischbällchen. Wer

einen „Méchoui“, ein geröstetes

Lamm am Spieß, kosten möchte,

muss diesen meist vorbestellen.

In kleineren Etablissements stehen

oft frische Salate, Fischteller,

kross gebratenes Geflügel, Eierspeisen

und „Harira“, eine kräftige

Suppe mit Linsen, Bohnen

oder Erbsen, oft mit Fleischeinlage,

auf der Karte. Das Schmuckstück

der marokkanischen Küche

ist die Pastilla. Eine Blätterteigpastete,

gefüllt mit einer Mischung

aus fein geschnittener

Taubenbrust, hart gekochtem Ei,

Mandeln, Honig und Petersilie,

das Ganze mit Puderzucker und

etwas Zimt bestäubt. Ein regelrechtes

Fest der Sinne! Diese

Blätterteigkunst findet man in den

mit Hackfleisch, Hühnerklein

oder Fisch gefüllten Briouats

(Teigtaschen) wieder. Zum Abschluss marokkanisches

Gebäck: Crêpes mit Honig und Sesamkörnern, Mandelkuchen,

Rosinenkuchen, usw. Dazu natürlich den traditionellen

Minztee. Die marokkanische Haute Cuisine vereinigt

arabisch-andalusische, berberische sowie französische

Einflüsse; dazu gehören feine Oliven- und Arganöle sowie

virtuos abgestimmte Gewürzmischungen. Wer auf seiner

Marokkoreise ein paar Pfunde zugelegt hat, der ist offensichtlich

auf seine Art im Land angekommen.

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Das Tor zum

FES

Mittelalter

In vielen Städten und Regionen

Marokkos hält die Moderne Einzug.

Wie sieht es in Fes, im spirituellen

Herzen des Landes aus?

Ihre Medina – die größte und am

besten erhaltene der Welt – liefert

den Besuchern ein Feuerwerk

an Eindrücken.

38


FES UND DER MITTLERE ATLAS

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FES UND DER MITTLERE ATLAS

Im Gerberviertel von Fes el-Bali

werden noch auf traditionelle

Weise Felle bearbeitet und

Lederwaren aller Art hergestellt.

Wer den Gerbern bei ihrer

schweißtreibenden Arbeit zuschauen

möchte, sollte allerdings

nicht zimperlich sein. Über den

Farbbottichen entfaltet sich ein

Geruch, der für die Nasen der

Besucher eine Herausforderung

ist. Für die Touristen gibt es eine

einfache Lösung: Minzzweige, die

man sich vor die Nase hält

Youssef scheint sich da ganz sicher zu sein:

„Zwanzigtausend Kilometer garantiert!“ Er

lobt nicht den in Tanger produzierten Neuwagen.

Nein, er verkauft gerade ein einfaches

Paar belghas – Pantoffeln aus Leder. Er weiß, dass er das

Spiel fast gewonnen hat, wenn ihm der Tourist ein Lächeln

schenkt. Immerhin ist es ihm gelungen, das Interesse des

Mannes so weit zu wecken, dass dieser ihm bis auf die Terrasse

seines Ladens folgt. Von dort genießt man einen

sagenhaften Blick auf die Chouara Gerbereien. Sie sind

älter als 900 Jahre, erstrecken sich über 7000 Quadratmeter

und beschäftigen rund 400 Mitarbeiter. Ihre Restaurierung

vor einigen Jahren hat dem einzigartigen mittelalterlichen

Flair nicht geschadet. „Die Show muss weitergehen“,

meint Youssef und überreicht „seinem“ Touristen einen

frischen Minzstrauß. Er soll den strengen Geruch überdecken,

der aus den tiefen Becken hochsteigt. Die Tierhäute

werden zunächst in ein Kalkbad getaucht und anschließend

in eine Bio-Lake aus tierischen Exkrementen gelegt.

„Siehst du, jetzt kommen sie in die Waschmaschine“, sagt

der junge Mann, der seinem Gast jeden Arbeitsgang präzise

erklärt. Bei der „Waschmaschine“ handelt es sich um

eine große Holztrommel, in der die Häute immer und

immer wieder gewaschen und geschleudert werden. Der

gesamte Arbeitsprozess erstreckt sich über gut 30 Tage.

„Die Leute aus Europa“, so Youssef, „finden die Färbung

des Leders am interessantesten – all die bunten Farben.“

Youssef listet die Produkte auf, die dafür zum Einsatz

kommen: „Mohnpulver für das Rot, Henna für das

40


FES

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42 FES


FES UND DER MITTLERE ATLAS

Orange, Indigo für das Blau und die Safranblume – die

teuerste Zutat – für das Gelb.“ Heutzutage werden hier

10 000 Häute pro Tag behandelt. „Dbagh Dar Dar Dhab“,

lautet ein Sprichwort in Fes: „Die Gerberei ist eine

Goldgrube!“ Oder wie Youssef einfach formuliert: „Fes

hat Leder im Blut!“ In der Medina von Fes arbeiten schätzungsweise

immer noch 30 000 Handwerker, obwohl die

Töpfer, die Zellig-Handwerker und die Blechschmiede im

Osten der Stadt einquartiert wurden. Dennoch halten auf

dem Platz Seffarine immer noch viele Handwerksbetriebe

die Stellung, wie zum Beispiel die Blechschmiede. Der

Duft von Zedernholz – kennzeichnend für die Schreinereien

– schwebt immer noch in der Luft, wenn man durch den

Nejjarine Souk schlendert. An anderen Stellen befinden

sich kleine Schneider-Ateliers, Stickereien, Schuhmacher

und etliche andere auf Weiterverarbeitung spezialisierte

Fachbetriebe. „Aber den Brokat-Meister Haj Ouazzani

wird man nur mit ortskundiger Hilfe finden können“,

meint Mouhib Brahim, ein junger Designer aus Fes und

ergänzt: „Die große Kunst besteht in Fes darin, ein

Geheimnis zu hüten!” Mouhib weiß den unermesslichen

Schatz, den Fes mit seinem enormen Arsenal an

begnadeten und spezialisierten Handwerkern aufbieten

kann, richtig zu bewerten: „Unsere Handwerker können

alles, sie sind sogar in der Lage, die historischen

Denkmäler materialgerecht zu restaurieren.“ „Fes ist ein

lebendiges Museum“, meint Chakib Kabbaj, Präsident der

autorisierten Stadtführer in Fes. So wurde 2009 ein

Schulungs- und Qualifizierungszentrum für Kunsthandwerk

ins Leben gerufen. 2015 haben 450 Schüler eine

Ausbildung in 25 verschiedenen Berufen absolviert. „Wir

haben als Meister die besten Handwerker von Fes genommen”,

ergänzt dessen Direktor Aboujaafar Ahmed

stolz. „Die Selektion ist streng, aber im Anschluss können

wir viel Arbeit garantieren”. Fes wurde 1981 von der

UNESCO zum Welterbe der Menschheit ernannt. Die

Stadt ist in der Tat eine ewige Baustelle. In den vergangenen

Jahren wurde die Sanierung von über 50 historischen

Denkmälern durchgeführt, resümiert Serrhini Fouad,

Direktor der Agentur für Entwicklung und Rehabilitation

der Medina. Auf der Liste steht auch die berühmte

Medersa Seffarine, wo junge Theologiestudenten aus der

nahe gelegenen Moschee Karaouine beherbergt sind.

Diese bekamen – das muss man sich mal vorstellen –

neben einer Kantine und Duschen auch Fernsehen und

WLAN. Wer also dachte, Fes verharre auf ewig in seiner

Vergangenheit, der irrt. Vielmehr spürt man allerorten,

dass Fes mehr ist als die Summe seiner Handwerker. Man

möchte den legendären Ruf als avantgardistische Stadt,

der Fes jahrhundertelang vorauseilte, wiederbeleben. Eben

wie im Jahre 859, als ein gewisser Sylvester II., der später

Papst wurde, und der jüdische Philosoph Maimonides die

Karaouine-Universität, die älteste der Welt, besuchten.

Oben: Nach den Erkundungen in der

größten Medina der Welt können die

Besucher in einem der zahlreichen, erstklassigen

Hotels herrlich entspannen

Links: Werkstatt und Verkaufsraum in

einem – auf engstem Raum. Fes ist für

seine Handwerker bekannt. Bei uns ist

der Beruf des Scherenschleifers schon

lange ausgestorben

Unten: Die Medersa Attarine ist eine

ehemalige Koranschule. Sie wurde 1323

erbaut. Sie gehört zur Medina, die 1981

von der UNESCO als Weltkulturerbe

anerkannt wurde

FES

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MEKNES

Oben: Das imposante Tor Bab al Khemis. Es

wurde im 17. Jahrhundert nach den Plänen

von Moulay Ismaïl erbaut

Unten: Knapp 25 Kilometer nördlich gelangt

man zur heiligen Stadt Moulay Idriss. Hier befindet

sich auch die Grabstätte des gleichnamigen

Herrschers des ersten marokkanischen Reiches.

Die Stadt gilt als einer der bedeutendsten

Wallfahrtsorte Marokkos für Muslime

Meknes wurde 1996 von der UNESCO zum

Weltkulturerbe erklärt. Die in 550 m Höhe

gelegene Stadt mit ihren 500 000 Einwohnern

gehört neben Fes, Marrakesch

und Rabat zu den vier Königsstädten Marokkos. Moulay

Ismail, der Gründer der Alaouiten-Dynastie war ambitioniert

und visionär. Er verwandelte ein bedeutungsloses

Städtchen in ein „marokkanisches Versailles“. Innerhalb

der hohen Mauern der Stadt erschufen seine Arbeiter einen

prächtigen Palast, Moscheen, Medersen, Gärten und Wasserwerke,

die durch ihre Vielfalt und architektonische Einheit

heute noch beeindrucken. Entsprechend lang ist die

Liste der Sehenswürdigkeiten: das prachtvolle Mausoleum

von Moulay Ismail, die riesigen Stallungen des Heri Souani,

das imposante Stadttor Bab el Mansour oder – 30 Kilometer

von Meknes entfernt – der Wallfahrtsort Moulay

Idriss. Meknes hat kein Spektakel wie Marrakesch zu bieten.

Auch erfährt der Besucher keine Zeitreise ins Mittelalter,

wie das in Fes der Fall ist. Wer bereit ist, sich auf den

besonderen Charme einer Königsstadt mit einst atemberaubender

Architektur einzulassen, wird eine unvergessliche,

hinreißende Entdeckungsreise erleben abseits der

Touristenströme. In gewisser Hinsicht ist der Besuch von

Meknes ein echter Geheimtipp.

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Die Stadt, die Rom mit Öl versorgte

Exkurs: Zeitreise

Vor über 2000 Jahren verblüfften die Römer mit ihren Innovationen nicht nur einen gallischen Hinkelsteinproduzenten,

der von ihren „irren“ Ideen gar nichts wissen wollte. Zu Unrecht. Denn dort, wo sich die Römer niederließen,

haben sie beeindruckende Städte gegründet – futuristische Megacities der Antike. Eine davon war Volubilis.

Die ehemalige Hauptstadt der römischen Afrikaprovinz

Mauretania ist heute die bedeutendste

Ruinenstadt Marokkos. Reisende bekommen

bei einem Rundgang durch dieses

beeindruckende Freilichtmuseum eine gute Vorstellung

vom damaligen Leben der

Römer in Marokko. Volubilis,

Weltkulturerbe der

UNESCO, liegt 40 Kilometer

nördlich der alten

Königsstadt Meknes, einem

Gebiet mit äußerst

fruchtbarem Boden. Volubilis

war seinerzeit einer

der größten Produzenten

von Olivenöl. Mehr als 40

Hektar Olivenbaumhaine

befanden sich in der Umgebung

der Stadt. Ein gut

ausgebauter Handelsweg

ins heutige Tanger sicherte

den Export und den

Wohlstand von über

10000 Menschen, die in

Volubilis gelebt haben.

Die Ausgrabungen brachten

nicht nur spektakuläre

Mosaike zutage. Vielmehr

belegen sie, dass

hier auf marokkanischem

Territorium eine völlig

neue Stadtplanung umgesetzt

wurde: Stadtmauer,

Forum, Kapitol, Basilika

sowie die mächtigen Triumphbögen.

Außerdem

legten die Römer ein neuartiges

Straßennetz an,

das die einzelnen Stadtviertel verbunden hat. Noch im 7.

Jahrhundert, als die Römer längst Marokko verlassen hatten

und die Araber kamen, sprachen die Bewohner Latein.

Das Gelände ist täglich von 8:30 Uhr bis eine Stunde vor

Sonnenuntergang zugänglich. Der Ort kann allein oder in

Begleitung eines Führers besichtigt werden. Mehrere offizielle

Führer befinden sich am Eingang des Geländes (Reservierung

für einen persönlichen Besuch möglich). Vorher

besser den Preis für die Besichtigung festmachen!

Eine individuelle Besichtigung

dauert etwa zwei

bis drei Stunden, aber

man kann dort den ganzen

Tag schlendern, wenn

man sich alles en Details

ansehen möchte. Die

wichtigsten Monumente

sind mit Tafeln gekennzeichnet.

Das Museum

zeigt auf zwei Etagen

Fundstücke und dokumentiert

die Ausgrabungen

des 42 Hektar großen

Geländes. Darüber hinaus

wird die historische

Bedeutung der archäologischen

Ausgrabungstätte

erklärt. Die meisten Informationen

sind in Arabisch,

Französisch und

Englisch verfügbar. Die

Ausstellungsstücke umfassen

hauptsächlich Keramiken,

Marmorstauen,

Bronzen und Mosaike.

Einige Ausgrabungsfunde

aus Volubilis sind auch

im archäologischen Museum

in Rabat ausgestellt.

Im Sommer kann

es in dieser Gegend sehr

heiß werden! Man sollte

unbedingt einen Hut tragen und eine Wasserflasche mitnehmen,

auf dem Gelände ist kaum Schatten. Am besten

für den eigenen Besuch sind die kühleren und ruhigeren

Stunden des Morgens sowie der späte Abend.

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MITTLERER ATLAS

Oben: Die sanft hügelige und grüne Landschaft

bei Ifrane im Mittleren Atlas

Rechts: Die Oum er Rbia-Quellen im Nationalpark

von Aguelmam Azigza. Sie sind besonders in

der heißen Jahreszeit ein beliebtes Ausflugsziel.

Auf dem Weg dorthin kann man die Zedernwälder

des Mittleren Atlas besuchen und mit etwas

Glück die hier lebenden Berberaffen sehen

Links: Spektakuläre Fahrt durch die enge

Schlucht des Cirque de Jaffar

Der Mittlere Atlas findet bei vielen Reisenden

nur wenig Beachtung. Leider zu Unrecht. Keine

Region in Marokko ist derart vielfältig:

Am Cirque de Jaffar, im Südosten der Region,

begegnen sich der Mittlere und der Hohe Atlas, durchschnitten

von einer gerade mal zwei Meter breiten

Schlucht. Ein spektakulärer Ort für Offroad-Exkursionen.

Auch eine Trekkingtour durch die Schlucht dürfte unvergessen

bleiben. Diese Location kontrastiert die topographische

Vielfältigkeit des Mittleren Atlas besonders: Hier,

bei Midelt, die aride Bergregion. Auf der anderen Seite, im

Westen des Mittleren Atlas befindet sich der regenreichste

Landschaftsteil Marokkos. Südlich von Meknes eignet

sich der Boden sogar zum sensiblen Weinanbau, da der

Lehm-Kalk-Boden das Wasser gut aufnehmen und hervorragende

Weine hervorbringen kann. Das Klima ist

nicht minder abwechslungsreich: Im Winter fallen hier die

Temperaturen auf unter Null Grad Celsius, es kann durchaus

bis in den April hinein Frost geben. Charakteristisch

ist aber auch der Chergui, ein äußerst warmer Wind, der

sich im Hochsommer so anfühlt, als würde man die Tür

eines Backofens öffnen. Die Temperatur steigt dann auf

bis zu 40 Grad Celsius. Die für die Region typischen Olivenbäume

und Zypressen spenden dann Schatten. Sie verwandeln

mitunter das Bild des Mittleren Atlas in eine pittoreske

Toskana- oder Provencelandschaft.

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47


Exkurs: Weinland Marokko

Wein aus Marokko?

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50 Millionen Flaschen Wein werden jährlich in Marokko

produziert. Das überrascht? Dann probieren

Sie erst mal einen marokkanischen Wein aus!

Wer schon mal, vermutlich im

Urlaub, einen marokkanischen

Wein verkostet hat, wird festgestellt

haben, dass dieses sonnenverwöhnte

Land hervorragende Weine hervorbringt.

Das ist kein Zufall, Marokko hat eine

über 2000 Jahre alte Tradition im Weinanbau,

die bis zu den Phöniziern zurückreicht. Auch

nach dem Eintreffen der Araber im Jahr 681

wurde die Weinproduktion nie ganz unterbrochen.

Heute kommen viele Winzer aus dem

Bordelais oder Châteauneuf-du-Pape und produzieren

nun in den Weinregionen um Meknes,

Casablanca und Essaouira Spitzengewächse.

Dort können die lehm- und kalkhaltigen Böden

bei 300 bis 400 mm Regen im Jahr das Wasser

gut halten und bleiben fruchtbar. Die Aufzucht

der Reben muss hingegen dem Klima angepasst

werden. Die Winzer können nicht so dicht

pflanzen wie in Europa, das würde die Rebe zu

sehr „stressen“. Stattdessen brauchen sie eine

dichte Belaubung, die Schatten spendet und vor

Sonnenbrand schützt. Auch müssen die Trauben

aufgrund der klimatischen Bedingungen

früher geerntet werden als in Europa, also bereits

Anfang August, während in Europa die

Ernte erst im September, manchmal sogar im

Oktober beginnt. Alles in allem ermöglichen

die marokkanischen Bedingungen gute Weinproduktionen:

Die Rotweine sind mit bis zu 14

Prozent Alkoholgehalt schwer und haben starke,

kräftige Aromen. Die guten Weißweine sind

fruchtig und leicht zu trinken, sofern sie nicht

im Barrique ausgebaut werden. In den vergangenen

Jahren hat sich zudem in Marokko die

Luxushotellerie eindrucksvoll entwickelt. Nirgendwo

im Mittelmeerraum gibt es solch eine

Dichte an Fünfsterne-Hotels und erstklassigen

Restaurants wie hier. Eine Herausforderung für

die marokkanischen Winzer, die mit viel Hingabe

einheimische Spitzengewächse kreieren.

Die marokkanischen Grand Crus brauchen sich

vor den europäischen Weinen nicht zu verstecken.

Viele dieser Spitzenweine sind für besondere

Anlässe hervorragend geeignet, wie beispielsweise

der „Orian Blanc“, ein trockener

Wein mit einem süßen, likörartigen Geschmack,

kräftigen Aromen und einem langen Abgang.

Ein echter Luxuswein, der in Marokko einzigartig

ist. Auch die Spitzenweine der anderen

Weingüter haben es in sich.

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Die Straße

KasbahS

der 1000

Im Süden Marokkos bietet sich eine Tour der Extraklasse an.

Auf dem Weg in die Wüste führt sie entlang der schneebedeckten

Berge des Hohen Atlas und vorbei an den größten

Canyons Nordafrikas. Für viele Reisende ist sie schlichtweg

ein Traum: die Straße der 1000 Kasbahs.


STRASSE DER 1000 KASBAHS


STRASSE DER 1000 KASBAHS

TAL DER ROSEN

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STRASSE DER 1000 KASBAHS

OUARZAZATE

Oben: Die im 17. Jhd. erbaute

Taourirt Kasbah im Stadtzentrum

von Ouarzazate

Rechts: Von den Fenstern

der Kasbah Telouet hat man

einen herrlichen Blick auf

Telouet und auf die umliegenden

Landschaften

Links: Die Ruine einer alten

Kasbah im Tal der Rosen, am

Fuße des M‘Goun-Massivs

TELOUET

Eine Tour auf der Straße der 1000 Kasbahs startet man am

besten in Marrakesch. Der Gebirgsparcours windet sich

zunächst in zahllosen Serpentinen auf den 2260 Meter

hohen Gebirgspass Tizi n’ Tichka. Ein Geländewagen ist

nicht erforderlich, die Straße ist asphaltiert und gut ausgebaut. Das

erste Etappenziel hält ein echtes Highlight bereit: Nördlich von

Ouarzazate befindet sich die wohl interessanteste aller Kasbahs: Aït

Benhaddou. Die exzentrische Wohnburg mit ihren herausragenden

Türmen gehört heute zum Weltkulturerbe. Berühmt wurde Aït

Benhaddou als spektakuläre Filmkulisse in etlichen Hollywoodfilmen

wie „Gladiator“ und „Die letzte Versuchung Christi“.

Für die Filme „Auf der Jagd nach dem Juwel vom Nil“ und

„Lawrence von Arabien“ wurden eigens neue Türme aus Pappe

gebaut. Die neuen Teile der Filmstadt sind so täuschend echt, dass

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STRASSE DER 1000 KASBAHS

DADES-TAL

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STRASSE DER 1000 KASBAHS

DADES-SCHLUCHT

Oben: Das Hochland nördlich

der Dades-Schlucht bietet

atemberaubende Ausblicke

Links: Die eindrucksvolle

Kasbah Tamnalt inmitten des

Dades-Tals wurde im Einklang

mit der Natur erbaut

Rechts: Von Boulmane du

Dades führt eine spektakuläre

Serpentinen-Straße durch die

gleichnamige Schlucht

sie sich perfekt ins Landschaftsbild einfügen. An der Filmstadt

Ouarzazate vorbei gelangt man schließlich auf die berühmte Straße

der Kasbahs. Unzählige Kasbahs, jene für Marokko typischen

Lehmburgen, die früher vielen Hundert Menschen als Wohnstatt

dienten und in Kriegszeiten Schutz geboten haben, werden passiert.

Auf dieser Strecke gehören die atemberaubenden Schluchten

„Gorges du Todra“ und „Gorges du Dades“ zum Pflichtprogramm.

Es sind die größten Canyons in Nordafrika. Die Tour führt nun

entlang des Hohen Atlas. Man hat die eindrucksvolle Bergkulisse

links stets im Blick. Etwa 20 Kilometer westlich der Todra-Schlucht

erreicht man die Oase Tinerhir. Der auf Terrassen angelegte Ort in

landschaftlich wunderschönem Ambiente am Fuße eines dichten

Palmenhains besitzt sehenswerte Bauwerke. Die Kasbah überragt

die Stadt, den Palmenhain und das ganze Land. Auf keinen Fall

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STRASSE DER 1000 KASBAHS

TODRA-SCHLUCHT

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STRASSE DER 1000 KASBAHS

TINERHIR

Oben: Die Oasenstadt

Tinerhir am Fuße der Todra-

Schlucht ist der Hauptort

der Region

Links und rechts: Tradition

und Wandel in der Todra-

Schlucht: Diese Frau kommt

mit ihrem Esel aus dem

Norden und macht hier

Rast – wie die Touristen im

Reisebus, die den größten

Canyon Nordafrikas entdecken

möchten

darf man den Abstecher in die Todra-Schlucht versäumen. Ein

unbeschreibliches Erlebnis. Die Schlucht ist an den engsten Stellen

gerade einmal zehn Meter breit. Neben der Straße plätschert das

Wasser des Oued Todra, das die Dattelpalmen und Mandelbaumfelder

bewässert. Weiter geht es in Richtung Wüste. Auf dem Weg zum

Erg Chebbi, Marokkos Sanddünengebiet im Südosten, steuern aus

dem Norden kommende Reisende zunächst die Oasenstadt Rissani

an. Diese Region, am Rande der Sahara, Tafilalet genannt, wurde

einst von der mächtigen Karawanenstadt Sijilmassa beherrscht. Das

sagenhaft reiche Handelszentrum war ein Verkehrsknotenpunkt.

Heute versanden die Ruinen der einst mächtigen Stadt. Den Karawanenhandel

ersetzt nun der Tourismus. In dem kleinen Wüstenort

Merzouga, 40 Kilometer weiter südlich, können Reisende Abenteuerluft

schnuppern – ohne Expeditionsausrüstung. War Merzouga

noch vor zwei Jahrzehnten ein Dorf mit wenigen Lehmbauten und

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STRASSE DER 1000 KASBAHS

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STRASSE DER 1000 KASBAHS

Oben und links: Merzouga

bietet eine ideale Basis,

um ein Camp in den Dünen

aufzuschlagen und gänzlich

unter freiem Himmel

zu nächtigen

Rechts: Die Herbergen

rund um den Erg Chebbi

bieten auch in der Wüste

viel Komfort

ERG CHEBBI

nur über eine Wellblechpiste zu erreichen, führt heute eine

Teerstraße direkt zu Hotels, die an den Dünen liegen. Die Hoteliers

organisieren Kamelausritte in zusammengestellten Karawanen. Die

Zeiten ändern sich eben. In Merzougas Wüstenherbergen lässt sich

herrlich abschalten. Die einstöckigen Lehmbauten sind weiträumig

angelegt. Inmitten der charmanten Hotels im Kasbah-Stil befinden

sich mehrere Gärten, Terrassen und schattige Plätze. In den komfortablen,

großen Zimmern fühlt man sich wie ein Fürst. Die Räume

sind mit Teppichen ausgelegt und mit Details verziert. Das Essen

wird liebevoll zubereitet. Die Atmosphäre ist familiär. Von den

rückseitigen Terrassen, wo man selbst im Januar im T-Shirt frühstücken

kann, gelangt man direkt in die Dünen. Was will man

mehr? Vielleicht die Wüste in einem Sportwettbewerb kennenlernen?

Davon gibt es einige. Die bekanntesten sind Aïcha des Gazelles,

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STRASSE DER 1000 KASBAHS

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STRASSE DER 1000 KASBAHS

Oben und rechts: Gefährliche

Dünenabfahrt bei der Ralley

Aïcha des Gazelles. Wer mit

dem Fahrzeug einsandet, muss

es freischaufeln. Eine schweißtreibende

Angelenheit

Links: Wer im Frühling zufällig

nichts Besseres zu tun haben

sollte, könnte doch beim Marathon

des Sables mitmachen!

ERG CHEBBI

eine internationale Wüstenrallye nur für Frauen und der Marathon

des Sables. Bei „Aïcha“ besteht das Konzept darin, vom Start zum

Ziel auf dem kürzesten Weg zu gelangen. Wer am Ende die

wenigsten Kilometer auf dem Tacho hat, gewinnt – selbst wenn man

als Letzte das Ziel erreicht! Ohne Karte, Kompass und GPS. Der

jährlich ausgetragene Marathon des Sables erstreckt sich über rund

250 Kilometer in sechs Etappen. Austragungsort ist der Erg Chebbi.

Laufuntergründe sind Sand, Geröll, Stein, Fels. Die Organisation

erlaubt lediglich neun Liter Wasser pro Teilnehmer am Tag. Die

gesamte Verpflegung für die Woche, Kleidung, Schlafsack, Isomatte

und Pflichtgegenstände, sind vom Teilnehmer selbst zu tragen. Zu

anstrengend? Dann machen Sie doch einfach nur Urlaub und

schauen den Teilnehmern zu.

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Der Stoff aus dem die Träume sind

In Marokko wird eines der kostbarsten Bestandteile von Parfums und Wellness-Produkten hergestellt: das Rosenöl.

Die Herstellung hat es in sich. Im Frühjahr werden unzählige Rosenblüten von Hand geerntet und verarbeitet.

Wer sich das anschauen möchte, muss in eine der abgelegensten Regionen des Landes reisen: ins Tal der Rosen.

Der Legende nach brachten Pilger aus Mekka

die Rosa damascena − eine von weltweit über

200 Rosenarten − bereits im 10. oder 11. Jahrhundert

nach Marokko. Nachgewiesen ist der

Anbau im berühmten Tal der Rosen jedoch erst zu Beginn

des 20. Jahrhunderts zur Zeit des französischen Protektorats,

gefördert durch französische Parfumeure, deren Interesse

speziell der Rosa damascena galt. Ihr Markenzeichen:

Ein starker Duft und ein hoher Gehalt an ätherischen

Ölen. Beste Eigenschaften für die Herstellung des kostbaren

Rosenöls, dessen Produktion extrem aufwendig ist und

das bei Parfumeuren in aller Welt hoch geschätzt wird.

Seine Verwendung ist schon im antiken Griechenland bekannt.

Dort wurde das Öl durch Extraktion mittels Sesamöl

gewonnen und als Parfum sowie als Aroma für Speisen

verwendet. Das moderne, auch heute noch gebräuchliche

Verfahren der Wasserdampfdestillation stammt ursprünglich

aus Persien. Es verbreitete sich um 1000 n.Chr. in

Europa und Nordafrika. Auch in Marokko wird Rosenöl

vermutlich schon lange mittels traditioneller Verfahren

hergestellt. Seit 1938 wird es in den Destillerien von El-

Kelâa M’Gouna, das im Tal der Rosen liegt, in größeren

Mengen produziert und von dort in alle Welt exportiert.

Das Tal der Rosen liegt rund 300 Kilometer von Marrakesch

entfernt, am Fuße des Hohen Atlas. Es ist im berühmten

Dades-Tal beheimatet, auf etwa 1500 Meter

62


Exkurs: Tal der Rosen

Höhe, und wird durch den Fluss

Assif M’Goun, der im Hohen

Atlas entspringt, bewässert. Das

Klima ist semiarid: beste Voraussetzungen

für die Rosa damascena

und die Rosa centifolia,

die hier angebaut und in

El-Kelâa M’Gouna, der marokkanischen

Rosenstadt, verarbeitet

werden. Marokko gehört zu

den weltweit größten Produzenten

dieser Rosenarten. Jährlich

werden im Tal der Rosen etwa

2000 Tonnen Rosenblüten geerntet

und zu einer Vielzahl an

verschiedenen Produkten verarbeitet

– ein enorm wichtiger

Wirtschaftsfaktor für die Region,

der großes Wachstumspotenzial

hat. Vor Sonnenaufgang beginnen

die Rosenpflückerinnen,

die Rosenknospen und -blüten von Hand zu ernten und in

Körben und Säcken zu sammeln. Zu dieser frühen Tageszeit

ist der Gehalt an ätherischem Öl am höchsten. Dem

Sammeln folgt die Auslese. Danach werden die Blüten

entweder gleich in der Destillerie verarbeitet oder auf den

Lehmdächern der Kasbahs getrocknet. Aus den Blütenblättern

wird durch Wasserdampfdestillation das wertvolle

Rosenöl gewonnen. Die Ausbeute ist allerdings extrem gering:

Für einen Liter Rosenöl

werden 5000 Rosenblüten benötigt,

das sind in etwa drei Tonnen.

Rosenöl ist eines der kostbarsten

ätherischen Öle, die

unter anderem für die Herstellung

hochwertiger Parfums verwendet

werden: Drei Milliliter

kosten derzeit etwa 150 Euro.

Das sogenannte Rosenwasser,

ein begehrtes Wellnessprodukt,

fällt bei der Destillation als Nebenprodukt

an. Rosenöl wird

heute allerdings auch künstlich

hergestellt: Die synthetische Variante

erreicht zwar nicht die

edle Qualität des Originals, kostet jedoch auch nur einen

Bruchteil davon. Rosenöl ist Bestandteil zahlreicher Parfums

und wird zu diesem Zweck in alle Welt exportiert.

Darüber hinaus ist es schon seit Jahrhunderten für seine

heilende, insbesondere entzündungshemmende Wirkung

bekannt. 2013 wurde die Rosa damascena vom ‚Verein zur

Förderung der naturgemäßen

Heilweise‘ sogar zur Heilpflanze

des Jahres gewählt, sie wirke

„krampflösend und fiebersenkend“.

Im Supermarktregal finden

sich denn auch unzählige

Wellness-Produkte, denen Rosenöl

oder Rosenwasser beigefügt

ist: vom Duschbad über

Körperlotionen und Cremes bis

hin zu Massageölen und Gesichtswässern.

Rosenwasser ist

zudem ein beliebtes Mittel zur

Hautpflege. In der arabischen

Welt ist Rosenwasser traditionell

auch in der Küche unverzichtbar.

Wer schon einmal in

Marokko war, wird ihm zumeist

schon bei der Ankunft im Riad

oder zur Begrüßung in einem

Geschäft oder einem marokkanischen

Haushalt begegnen. Denn zu dem landestypischen

Minztee wird Gebäck gereicht, dem oft etwas Rosenwasser

beigemischt wird und ihm ein unverwechselbares Aroma

verleiht. Nicht zu vergessen: Rosenwasser ist oftmals

Bestandteil von Marzipan, das schon lange den Weg nach

Europa gefunden hat. Die beste Gelegenheit, die überwältigende

Schönheit des Tales der Rosen zu erleben, bietet

sich im Frühjahr. Dann stehen die Rosen in voller Blüte.

Anfang Mai findet seit 1960 zudem

alljährlich das viertägige

Rosenfest in El-Kelâa M’Gouna

statt. Hier wird alles aufgefahren,

was die Region zu bieten

hat. Auf Märkten bieten lokale

Hersteller alle erdenklichen Produkte

rund um die Rose an. Auf

Führungen durch die Produktionsstätten

heimischer Kooperativen

kann man die Produktion

von Rosenöl hautnah miterleben.

Es gibt Diskussionsrunden,

Bühnen, auf denen Musik gespielt

wird, eine Pferdeschau

und viele weitere Events, deren

krönender Abschluss die Wahl der Rosenkönigin ist: Ein

buntes Spektakel, ein rauschendes Fest zu Ehren der Rosa

damascena, die für diese abgelegene Region Marokkos

eine große wirtschaftliche Bedeutung hat. Das Tal der Rosen

ist eine Station, die auf keiner Marokko-Rundreise

fehlen sollte.

63


MARRAKESCH UND DER HOHE ATLAS

DIE ROTE STADT

Die aufregendste Bergoase der Welt

MARRAKESCH

64


Am Fuße der schneebedeckten Berge des Hohen

Atlas, auf halbem Weg zwischen Wüste und Küste,

befindet sich eine Stadt, die seit jeher Besucher aus

aller Welt in ihren Bann zieht: Marrakesch – ein

urbanes Märchen zwischen Tradition und Moderne.

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MARRAKESCH UND DER HOHE ATLAS

Als eine der vier Königsstädte

und ehemalige Hauptstadt des

Landes verfügt die rote Stadt

mit dem wohl berühmtesten

Marktplatz der Welt, dem Djemaa El Fna,

über ein entsprechend reiches architektonisches

Erbe. Zahl reiche Denkmäler aus dem

12. und 16. Jahrhundert, als Marrakesch

kulturelle Blütezeiten erlebte, sind erhalten:

eindrucksvolle Sakralbauten, bedeutende

Koranschulen und Museen, prächtige Palastanlagen

und Nekropolen sowie die imposante

Koutoubia-Moschee, das Wahrzeichen

der Stadt. Aus gutem Grund wurde

die Medina von Marrakesch 1985 von der

UNESCO auf die Weltkulturerbeliste gesetzt.

Wer zum ersten Mal Marrakesch besucht,

entdeckt hinter der mächtigen Stadtmauer

ein exotisches Universum, das weltweit

einzigartig und voller Überraschungen ist:

die Medina. Sie lockt mit leuchtenden Farben

und betörenden Gerüchen. Es heißt,

wer die Medina von Marrakesch nicht mit

allen Sinnen wahrgenommen hat, der ist

nie wirklich in Marokko gewesen. Eine

Entdeckungstour in der Medina der heutigen

Millionenstadt ist spektakulär, unfassbar,

einmalig und voller Kontraste. Schlendert

man durch die engen Gassen,

passierbar nur für Fußgänger, Mopeds und

Eselskarren, führt der Weg entlang uralter

Fassaden mit rissigem Verputz und bröckelndem

Gebälk unweigerlich in die

Souks. Hier schlägt das Herz von Marrakesch:

Winzige, kaum schrankgroße Läden,

elegante Boutiquen und weiträumige

Kontore wechseln einander ab. Ein paar

Schritte weiter sind Gewürze zu Pyramiden

aufgeschichtet, unzählige Olivensorten

appetitlich drapiert warten auf Käufer. Dazwischen

winzige Garküchen. Rauchschwaden,

Duftfahnen, unbekannte Aromen

würzen die Luft. In den unzähligen

Souks finden Touristen alles, was die marokkanische

Basarökonomie an Souvenirs

aufbietet, und die „Marrakchi“, was sie für

den Alltag brauchen. Hier gibt es nichts,

was es nicht gibt: Safran, Arganöl, eine

komplette Wohnzimmereinrichtung ... Beeindruckend

ist die perfekte Versorgungslogistik:

Kurze Einkaufs- und Vertriebswege,

ein nach Branchen aufgefächertes

Warensortiment, Recyclingkreisläufe eines

nachhaltigen Wirtschaftens und noch dazu

Fachwerkstätten en masse – die Kunst des

Reparierens beschäftigt hier immer noch

ein Heer von Spezialisten.

Zwischen Medina und Neustadt gelegen,

markiert der Djemaa El Fna, Afrikas berühmtester

Platz, das pulsierende Zentrum

Marrakeschs. Aus gutem Grund hat die

UNESCO diesen Platz 2001 auf die Liste

des immateriellen Kulturerbes der Menschheit

gesetzt: Nicht ein Ensemble aus historischen

Baudenkmälern macht diesen Platz

so einzigartig, sondern eine Art soziale

Skulptur, die sich hier tagtäglich aus jenen

Akteuren formt, die das Gelände bevölkern.

Theater und Arena, Markt- und Rummelplatz,

anarchische Heiterkeit und geschäftstüchtige

Schläue – dieser Platz

Links: Hier gibt es nichts, was es

nicht gibt: Safran, Arganöl oder

handgefertigte Lampen

Unten: Das 77 Meter hohe Wahrzeichen

der Stadt, die Koutoubia-

Moschee, befindet sich am Rand

des Djemaa el Fna. Das abends

angestrahlte Minarett der 1150

erbauten Koutoubia ist aus 25 Kilometern

Entfernung zu sehen

Nächste Seite: Der Djemaa El Fna.

Das verwinkelte Gelände ist stets

von Einheimischen und Touristen

bevölkert, die sich unterhalten

lassen und – mit der Dämmerung,

wenn die zahlreichen mobilen Garküchen

aufgebaut werden – unter

freiem Himmel zu Abend essen. Im

Hintergrund ragt eindrucksvoll die

Koutoubia-Moschee empor

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MARRAKESCH UND DER HOHE ATLAS

präsentiert dies alles in flirrender Gleichzeitigkeit.

Schlangenbeschwörer, Akrobaten,

Possenreißer, Märchenerzähler, Wunderheiler,

Feuerschlucker und Wahrsager

sind hier zugange, Wasserverkäufer und

Gnaoua-Musiker machen ihre Aufwartung,

Heilkräuter und Amulette werden feilgeboten,

die öffentlichen Schreiber bieten ihre

Dienste an – für die, die nicht lesen und

schreiben können … Wahrhaftig ein „immaterielles“

Kulturgut – überwältigend und

schwer zu fassen. Wer jedoch glaubt, in

ganz Marrakesch sei die Zeit seit Jahrhunderten

stehen geblieben, irrt. Die Oasenmetropole

pendelt wie kaum eine andere

Stadt zwischen den Welten: Marrakesch

kann auch modern. Und wie!

Es ist Samstagnacht. Luxuslimousinen,

edle Roben, die Herren in Schwarz. Großer

Aufgalopp vor den Clubs. Stelldichein der

Schönen und Reichen. Wir sind nicht in

Monte Carlo, sondern in Marrakesch. Der

internationale Jetset fliegt übers Wochenende

ein: Multimillionäre, Filmstars,

Show- und Sportgrößen, Models und Politiker

– Marrakesch ist in, hip, trendy. In den

Hotel-Diskotheken und Sky-Lounges legen

die angesagtesten DJs auf, die den Vergleich

mit ihren Kollegen aus Ibiza nicht

scheuen müssen. Die edel spiegelverkleideten

Cocktailbars im Stadtteil Guéliz haben

selbst die ausgefallensten Drinks vorrätig.

Darüber hinaus haben sich dort Kaffeehaus-,

Club- und Lounge-Szenen entwickelt.

Der Beach-Club am Circuit de la Palmeraie

wird als „coolest place on earth“

gepriesen. Das Konzept: Pool-Landschaft,

Club, Bar und Restaurant in einem. Es wurde

in Miami, Saint-Tropez und Marbella

erprobt und dann nach Marrakesch importiert.

Im Kontext einer uralten Königsstadt

wirkt die Location wie ein Raumschiff von

einem fernen Planeten. Szenenwechsel. Im

eleganten Ortsteil Hivernage finden sich

spätabends zu Liveacts wie den „Orientalischen

Nächten“ wohlhabende Gäste ein.

Die Läden sind voll. Marrakesch ist eben

ein Sehnsuchtsort – nicht nur für Touristen.

Wenn sich allabendlich die Hotel-Lounges,

Straßencafés, Bars und Brasserien mit Publikum

füllen, beginnt das Sehen und Gesehenwerden

– nicht selten in einem der angesagten,

feinen Gourmet-Tempel, deren

Angebot besonders auf die marokkanische,

französische oder italienisch-mediterrane

Küche konzentriert ist. Ausgehen hat in

Marrakesch auch eine kulturelle Komponente.

Die Mode- und Design-Metropole,

Kongress- und Konferenzstadt wird als

Festivalstadt zunehmend bedeutend. Im

Juli findet das „Festival National des Arts

Populaires“ statt, im Dezember das renommierte

Internationale Filmfestival. Ganzjährig

finden Kinogänger im „Cinema Colisée“

in Guéliz ein exzellentes Programm.

und im „Théâtre Royal“ an der Place de

l’Empereur werden Dramenklassiker der

Moderne inszeniert. Marrakesch hat eben

viele Facetten: in der Historie verwurzelt,

der Zukunft zugewandt.

Seiten 70-71: Marrakesch entwickelt

sich zunehmend zu einer Spitzendestination

für ambitionierte Golfer. Wegen

der konstanten klimatischen Verhältnisse

und der Nähe zu Europa ist es ein

ideales Land für das Wintertraining.

Fairways und Greens befinden sich in

einem perfekten Pflegezustand

Links: 1980 kauften Yves Saint-Laurent

und Pierre Bergé den Garten des

Malers Majorelle. Heute erblüht er in

alter Pracht und verzaubert Besucher

aus aller Welt

Unten: Etwas außerhalb der Medina

befindet sich der Menara-Garten, eine

schöne Anlage mit Obstplantagen und

Olivenhainen. Der schöne Pavillon

stammt aus dem 19. Jahrhundert. Von

seiner Terrasse hat man eine überwältigende

Aussicht auf die schneebedeckten

Gipfelketten des Hohen Atlas

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AUSFLÜGE UND EXKURSIONEN

IN DEN HOHEN ATLAS

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MARRAKESCH UND DER HOHE ATLAS

Seiten 74-75:

Schneebedeckte Horizonte, Landschaften

aus Fels und Eis, Leere und Weite

bestimmen die Szenerie des Hohen

Atlas. In diesem Revier kann man tagelang

unterwegs sein, übernachtet in

Schutzhütten, kocht über offenem Feuer

und genießt den weiten, sternenklaren

Himmel über dem Hohen Atlas

Rechts: Manche Bergrennen haben

hohe Anspruchsprofile und zugleich

schöne Landschaften zu bieten. Andere

führen auf Wegen, wo Himmel und

Bergspitzen zu einer Einheit verschmelzen.

Die UTAT verbindet alles und sogar

noch mehr! Der Streckenverlauf ist

atemberaubend!

Das grandiose Panorama des

schneebedeckten Hohen Atlas

ist in Marrakesch zum Greifen

nah. Die Oasen, Schluchten

und Wasserfälle des Gebirges sind nur 60

Kilometer entfernt. Ein Eldorado für Trekking-Aktivisten

und Ausflügler.

Einmal das Dach Marokkos besteigen, zu

Fuß die hinreißenden Täler erwandern, per

Mountainbike oder mit dem Mietwagen die

Umgebung entdecken – von Marrakesch

aus ist alles machbar. Kaum 30 Minuten

unterwegs – und der Fahrtwind trägt unbekannte

Düfte ins Wageninnere, Prisen

eines würzigen Geruchs, draußen rauscht

Gewässer, kleine terrassierte Felder beidseits

der Straße, von Mäuerchen begrenzt,

Obstplantagen, Nuss- und Mandelbäume,

im Licht schimmernde Farben – eine idyllische

Landschaft, die die hektische Betriebsamkeit

der Metropole vergessen lässt.

Das Ourika-Tal bietet sich für eine Art

Landpartie von Marrakesch aus an. In Setti

Fatma, wo die Teerstraße endet, locken

mehrere Wasserfälle; man kann wandern,

baden, picknicken, auf Maultieren ausreiten,

Trekkingtouren starten. Ein schöner

Tagesausflug und pure Erholung. Aber es

geht auch sportiver: Wenn durchtrainierte

Mittvierziger, drahtige Pensionäre und junge

Sportler anspruchsvolle Trekkingtouren

planen, treffen sie sich am Djemaa el Fna.

Hier werden Kontakte geknüpft, Bergführer

vermittelt, Details besprochen. Die

Wege sind unterschiedlich, das Ziel ist dasselbe:

das Toubkal-Massiv. Als höchste Erhebung

Marokkos beherrscht der 4167 Meter

hohe Djebel Toubkal den Atlas.

Schneebedeckte Horizonte, Landschaften

aus Fels und Eis, Leere und Weite bestimmen

die Szenerie. In diesem Revier kann

man tagelang unterwegs sein. Wer möchte

da noch nach Marrakesch zurück?

Links: Das Naturwunder von Ouzoud.

Ein Tagesausflug zu den Wasserfällen

gehört zum Pflichtprogramm eines

Marrakesch-Aufenthaltes

Unten: Im Ourika-Tal kann man

wandern, baden, picknicken, auf

Maultieren ausreiten oder diverse

Trekkingtouren starten. Ein schöner

Tagesausflug und pure Erholung!

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Exkurs: Abenteuer Marrakesch

Über den Dächern von Marrakesch

In keiner anderen Metropole gibt es eine derarte Dachterrassenkultur wie in Marrakesch. Hier kann man eine kurze

Auszeit vom atemberaubenden „Kulturbetrieb“ nehmen. Denn in den Souks entdeckt der Reisende ein einzigartiges,

exotisches Universum voller Überraschungen. Sven Kämmerer war auf den Dachterrassen von Marrakesch unterwegs.

Die Sonne erobert langsam den Djemaa el Fna,

der um diese Uhrzeit noch nicht richtig ausgeschlafen

hat. Der Himmel ist stahlblau. Es

scheint wieder ein wunderbarer Tag zu werden.

Ich habe schon einige hundert Meter zurückgelegt –

Morgensport – und bin auf dem Weg zu meinem „Theater“.

Heute frühstücke ich nicht im Riad, sondern im Café

de France. Es befindet sich direkt am Djemaa el Fna und

ist eine Institution. Es gehört zu Marrakesch wie das Café

de Flore zu Saint-Germain-des-Près in Paris. Dabei ist das

Café de France keine Szenelocation, kein aufgehübschtes

Latte- Macchiato-Café mit durchdesigntem Interieur. Im

Gegenteil. Mit dem schlichten Mobiliar und seinem morbiden

Charme ist es so bescheiden zeitlos, dass es niemals

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trendy werden kann. Auf der netten Terrasse haben sich

schon ein paar Gäste eingefunden, wohl auch Frühaufsteher.

Dort sitzen sie in meinem „Theater“, im Parkett, erste

Reihe und gehören gewissermaßen als lebendes Inventar

zur Bühne. Gelebtes Theater in Marrakesch. Berthold

Brecht hätte sicher seine wahre Freude. Wenn ich in Marrakesch

bin, zieht es mich immer wieder hierhin, und zwar

nach ganz oben auf die Dachterrasse. Sie ist zwar Sonne

und Wind schutzlos ausgesetzt, aber der Ausblick entschädigt

für alles. Gerade bekomme ich meinen café crème.

Essen wird auf dem Dach nicht serviert, vermutlich ist den

Kellnern der Service über

die steile Treppe zu anstrengend.

Das macht gar

nichts. Ich wusste das, bin

dementsprechend präpariert

und habe mir ein

kleines Lunchpaket mitgebracht.

Auf dem Hinweg

konnte ich noch einen

kleinen Schlenker über die

„Pâtisserie des Princes“

machen. Sie liegt ebenfalls

ganz in der Nähe des

Djemaa el Fna und gehört

zu den besten der Stadt.

Wer eine Vorliebe für delikate

Pâtisserie hat, sollte

hier auf keinen Fall vorbeigehen.

Mir gelingt das

nie. Eigentlich wollte ich

nur ein Croissant kaufen,

dann aber sah ich unter

dem gläsernen Tresen die

Objekte der Begierde:

„pain au lait“, „tarte au citron“,

„forêt noire“ sowie

raffinierte Kreationen mit

Blätterteig und Cremetörtchen

bis hin zum primitiven

Fettgebäck. Ich war

wie hypnotisiert. Die wirklich ernste Gefahr lauerte aber

hinter meinem Rücken. Dort steht der Vitrinenschrank. Er

ist riesig, reicht vom Boden bis unter die Decke und erstreckt

sich über die gesamte Wand. Darin: die berühmten

gâteaux secs, hausgemachte Kekse, feinste Pralinen und

Schlimmeres. Alles, was Sie jemals über feine Pâtisserie

zu erfahren versuchten, aber nie danach zu fragen wagten

– hier können Sie es: „Das sieht ja gut aus. Wie sind denn

die tartes aux fraises?“ „Elles sont excellentes, Monsieur!“

„Und das hier, die tarte au citron?“ „Aussi!“ Ich

zeige auf eine Schokoladentorte, die wohl nur aus Schokolade

besteht, genau kann ich es aber nicht erkennen. Ich

frage lieber nochmal nach. „Ist die Torte ganz aus Schokolade?“

„Bien sûr, Monsieur!“ Ich lasse mir einen kleinen

Karton zusammenstellen. Mein Croissant hab ich

auch gekauft. Ich denke, nach meinem Spaziergang hab

ich mir das verdient. Marrakesch hat dem Gast unendlich

viel zu bieten, fordert ihn aber auch. Denn all die neuen

Eindrücke wollen erst einmal verarbeitet werden. Bei einem

Bummel durch die Souks erscheinen dem Besucher

Orte wie das Café de France wie eine Oase in der Wüste.

In einer Stadt, die den Reisenden

jede Sekunde zu

vereinnahmen weiß, sind

solche Terrassen wichtige

Rückzugsorte. Man kann

nach Bedarf Abstand von

all der Exotik gewinnen,

zur Ruhe kommen und

sich die zahlreichen Theaterdarbietungen

von der

Loge aus anschauen. In

den Souks von Marrakesch

gibt es viele solcher

Inseln der Ruhe, wie zum

Beispiel die zahlreichen

Cafés auf dem Marché aux

épices, auf dessen Terrassen

sich die Touristen jederzeit

dem intensiven

Kulturbetrieb entziehen

können. Ich kann so einen

ganzen Tag verbummeln:

Mal einen café crème auf

der einen Terrasse hier,

mal einen frisch gepressten

Orangensaft auf dem

anderen Dach dort. Aber

wie lange wird das so noch

möglich sein? Wie ein großes

Nachrichtenmagazin

berichtete, hat eine amerikanische Fast-Food-Kette ein

Angebot zum Kauf des Café de France abgegeben. Es

wurde abgelehnt. Während ich darüber nachdenke, wie

lange sich der Besitzer solchen Offerten noch wird entziehen

können, wird mir klar, dass bald wieder Showtime ist.

Die Sonne ist schon fast untergegangen und auf dem Djemaa

el Fna werden bereits die ersten Garküchen aufgebaut.

Ich muss jetzt unbedingt los. In meinem Theater beginnt

nämlich gleich die nächste Vorstellung. Und die will

ich auf keinen Fall verpassen.

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R ABAT

und die

PERLEN

am

ATLANTIK

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DIE MITTLERE ATLANTIKKÜSTE

Die Königsstadt und Hauptstadt Rabat ist berühmt für ihre historischen

Hinterlassenschaften Kasbah des Oudayas und Chellah.

Nicht weniger aufregend ist eine Zeitreise in die jüngere Geschichte

der Hauptstadt. Im Quartier de l‘ Océan und im Viertel Bab Al

Bahr zeigt sich Rabat von seiner modernen und besonders charmanten

Seite. Rabat ist sicherlich nicht die bekannteste, aber die

vielseitigste aller Königsstädte.

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Links: In der Kasbah des Oudayas verleihen die bunten Straßen der alten

Festung eine wunderschöne, mediterrane Milde. In den kleinen Cafés

kann man herrlich relaxen

Oben: Die rebellisch anmutende Festung mit den zahlreichen verwinkelten

Gassen und kleinen Wegen liegt auf einer Klippe an der Mündung

des Bouregreg und erstreckt sich über eine Fläche von vier Hektar

Federleicht schwebt die neue

Straßenbahn über die nagelneue

Brücke Hassan II.

Sie überspannt den Fluss

Bouregreg, der die Ufer der Schwesterstädte

Rabat und Salé trennt. Wer

hinunterschaut, entdeckt Dutzende

neue, kleine dreistöckige Gebäude,

die inmitten einer einst versandeten

Flussmündung emporragen. Hier befindet

sich das neu gebaute, moderne

und elegante Viertel Bab Al Bahr,

zweifellos eine architektonische Bereicherung

für die Hauptstadt. Für

den Besucher besonders interessant

ist vor allem, dass dieses Viertel mitten

in die Symbole des Königreiches

hineingebaut wurde: Würde man von

dort aus eine Panoramaaufnahme

machen, so dürfte sich dem Betrachter

von rechts nach links ein ziemlich

majestätisches Ensemble bieten: die

Kasbah des Oudayas – eine eindrucksvolle

Festung und die Wiege

von Rabat. Dann die andalusische

Mauer der Medina. Links davon die

Rudimente des Hassan-Turms aus

dem 13. Jahrhundert. Daneben das

prächtige Mausoleum aus weißem

Marmor von König Mohammed V.,

und schließlich die Chellah, eine von

Meriniden-Sultanen auf den Ruinen

einer römischen Stadt gebauten Nekropole,

die sich hinter der Biegung

des Flusses versteckt. Dieses Bild

hätte man vor gar nicht allzu langer

Zeit so nicht aufnehmen können. Die

beiden Schwesterstädte Rabat und

Salé hatten sich nämlich längst von

ihrer jeweiligen Küste entfernt. Die

Zeit, als die Korsaren mit ihren

Schiffen von den Häfen aus Rabat

und Salé bis zu den Küsten von Cornwall

segelten und die Flotten der katholischen

Könige angriffen, war ohnehin

lange vorbei. Meer und Stadt

haben sich im Laufe der Jahrhunderte

immer weiter auseinandergelebt.

Die endgültige Trennung wurde dann

in den 1970er Jahren besiegelt. In

dieser Zeit verlor der Hafen von Rabat

gegenüber seinem südlichen

Konkurrenten in Casablanca endgültig

an Bedeutung. Mehr noch: Er hatte

schlichtweg keine Funktion mehr,

versandete zunehmend und wurde

letztendlich überflüssig. Das sollte

sich ändern. Jahrzehntelang hatte

man sich mit einem Plan beschäftigt,

der das Meer seinen Anwohnern zurückgeben

sollte. König Mohammed

VI. rief schließlich 2003 das Ausbauprojekt

der Mündungsufer des Bouregreg

ins Leben. Sowohl die Stadt

als auch das Land nahmen dafür

richtig Geld in die Hand: Drei Milliarden

Dirham (ca. 300 Millionen

Euro) wurden für die Entwässerung

des Flusses, den Bau von zwei Yachtund

Fischerhäfen, einer Brücke, einer

Straßenbahn und von einem Tunnel

mobilisiert. Die Straßenbahn allein

hatte umgerechnet etwa 50 Millionen

Euro gekostet, die neue Brücke Hassan

II 120 Millionen Euro. Um den

Rest zu finanzieren, setzte man auf

den lukrativen Verkauf der neuen

Immobilien im Viertel Bab Al Bahr.

Für ihre Konzeption zeichneten sich

zwei marokkanische Architekturbüros

verantwortlich, aber auch inter-

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84


DIE MITTLERE ATLANTIKKÜSTE

national renommierte Architekten

wurden mit eingebunden, wie z.B.

Norman Foster, in Deutschland bestens

bekannt als jener Architekt, der

den Reichstag in Berlin neu gestaltet

und umgebaut hat. Von Anfang an

hat man bei diesem Großprojekt die

Bevölkerung buchstäblich mit ins

Boot geholt. So wurden nämlich die

77 „barcassiers“ – so nennt man in

Rabat die Besitzer kleiner Boote –,

die vor dem Bau der Hassan II-Brücke

für die Überquerung des Flusses

von Ufer zu Ufer dienten, während

der zweijährigen Bauarbeiten angemessen

entschädigt. Mittlerweile

sind sie wieder zurück. Ihre kleinen

Boote, die im Zuge der städtischen

Umbaumaßnahmen auch frische Anstriche

bekommen haben, dienen

heute als charmante Ausflugsschiffe

auf dem Fluss. An den Ufern wurden

die Felsen durch Kais ersetzt, kleine

Cafés haben dort eröffnet, und an jedem

schönen Abend gehen hier nun

die Bewohner der benachbarten Medina

spazieren. Im Bab Al Bahr-Viertel,

wo sich die Hauptstadt täglich

neu erfindet, ist die Metamorphose

noch lange nicht abgeschlossen.

Nicht minder interessant ist der Besuch

des „Quartier de l’Océan“, eines

Stadtviertels zwischen Strandpromenade

und Medina. Dort, auf der anderen

Seite der Mauer, scheint die

Zeit stehen geblieben zu sein. Wie

früher sitzen hier Familien mit ihren

Sonnenschirmen am Strand. Die alten

Gebäude aus den Vierzigerjahren

sind umsäumt von kleinen Feigen-

und Granatapfelbäumen. In den

1960er-Jahren zogen viele reiche, alt

eingesessene Familien aus anderen

Vierteln Rabats hierher, um in den

kleinen Restaurants in der Rue Napoli

und Rue Addis Abeba leckere Tapas

zu essen oder in der Rue London

auf dem Gemüsemarkt einzukaufen.

Heute ist dieser Teil von Rabat längst

ein Szeneviertel, vergleichbar mit

den in Paris als „Bobo“ (für Bourgeois

Bohème) bezeichneten Quartiers

oder dem Prenzlauer Berg in

Berlin. Egal welche Prioritäten man

bei einem Besuch von Rabat macht:

Ob in der Kasbah, der Chellah im

Bab Al Bahr oder im Quartier de

l’Océan – in der Hauptstadt können

Besucher überall eine spannende

Zeitreise erleben.

Links: Blick aus dem Mausoleum von Mohammed V. Das Mausoleum

wird rund um die Uhr von Soldaten in altmaghrebinischen Uniformen

bewacht. Gegenüber das Wahrzeichen Rabats: der Hassan-Turm. Der

reich verzierte Turm konnte baulich nie vollendet werden. Die Überreste

des Turms und der Säulen sind dennoch äußerst sehenswert

Unten: Die Autobahnumgehung von Rabat über den Oued Bouregreg

führt über die 950 Meter lange Mohammed VI-Schrägseilbrücke. Das

ästhetisch außergewöhnliche Bauwerk ist die längste Brücke ihrer Art

in Afrika. Sie wurde in Form eines Bogens entworfen, der die neuen

Tore der Städte Rabat und Salé symbolisiert

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CASABLANCA

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DIE MITTLERE ATLANTIKKÜSTE

Links und rechts: Nicht weniger als 60% der Spitzenunternehmen Marokkos

und die meisten Banken sind in Casablanca angesiedelt. In der Wirtschaftsmetropole

finden das ganze Jahr über Seminare und Kongresse statt

Seiten 86-87: Die Moschee Hassan II wurde zum Teil auf dem Wasser gebaut.

Sie besteht im Erdgeschoss aus einem rechteckigen Gebetssaal, der von achtundsiebzig

Säulen gestützt wird

Zur blauen Stunde, wenn

Casablanca früh erwacht,

schlängeln sich die „petits

Taxi“ am Fuß der ultramodernen

Gebäude der weißen Stadt

vorbei. Man spürt sofort die Energie

und die Dynamik, die von dieser Metropole

ausgehen. Casablanca, das

Wirtschaftszentrum Marokkos lebt

ein zügelloses Tempo vor. Warum

finden so viele Künstler hier ihre Inspirationsquelle?

Vielleicht fühlen

sie sich durch die kontrastierten Kurven

der Art-Déco-Gebäude angezogen?

Oder liegt es am kosmopolitischen

Flair einer Stadt, wo sich alle

Nationalitäten über den Weg laufen?

Jedenfalls zeigt sie dem Besucher unzählige

faszinierende Facetten. Casablanca

ist mit über vier Millionen

Einwohnern die mit Abstand größte

Stadt Marokkos. Die wirtschaftliche

Hauptstadt verfügt über den größten

Hafen und Flughafen des Landes.

Das Stadtbild ist geprägt von Hochhäusern

und breiten Boulevards. An

der stets lebhaften Küstenstraße reihen

sich Cafés, Restaurants, Eiscafés,

Luxushotels, Einkaufszentren,

Spielplätze, Diskotheken, Kinos und

Bürokomplexe aneinander. Erlebnisbäder

wurden hier ins Meer hineingebaut.

Nicht weit entfernt, im Villenviertel

Anfa, dem marokkanischen

Beverly Hills, lassen sich spektakuläre

Architekturstile entdecken. Dennoch

ist den meisten Besuchern vor

allem ein Bauwerk der Superlative

bekannt, und das ist unbedingt einen

Besuch wert: die Moschee Hassan II,

nach der Moschee von Mekka die

zweitgrößte der Welt. Die Ausmaße

des gigantischen Sakralbaus, der auf

einer erdbebensicheren Plattform ins

Meer hinein gebaut wurde, übersteigt

alle Dimensionen. Allein der Gebetssaal

fasst 25 000 Gläubige. 90 Ingenieure

und 30 000 marokkanische

Handwerker arbeiteten sieben Jahre

lang an der Errichtung des Monumentalbaus

am Ufer des Atlantiks.

Die Moschee Hassan II verbindet Religiosität

und Weltoffenheit, traditionelles

Kunsthandwerk und modernste

Technik. Als einzige Moschee in

Marokko steht sie auch Nicht-Muslimen

offen.

89


EL JADIDA

Die Besucher stehen staunend

an der Festungsmauer.

Immer wieder

blicken sie abwechselnd

nach unten ins Meer und zu dem marokkanischen

Jungen, der auf der hohen

Mauer hin und her läuft. „Das

dürften gute 15 Meter sein“, meint

einer der Touristen zu seiner Frau.

„Er wird doch jetzt nicht da runterspringen?“

Die eindrucksvolle Festung

aus dem frühen 16. Jahrhundert

lockt jedes Jahr Besucher aus aller

Welt an. Die halbstarken Jugendlichen,

die sich hier bei schönem Wetter

in den Atlantik stürzen, gehören

gewissermaßen zum lebenden Inventar

der Cité Portugaise, deren imposante

Mauern exakt 14 Meter aus

dem Meer emporragen. Sie haben die

Jahrhunderte nahezu unversehrt

überstanden. Die Verteidigungsanlage

mit ihren fünf Türmen, von denen

drei in Richtung Küste, die anderen

zum Meer ausgerichtet sind, hat die

Form eines Kleeblattes und eine

wahrhaft turbulente Vergangenheit

hinter sich. Darauf lassen nicht zuletzt

die unzähligen Schießscharten

schließen. Die Festung war nämlich

schon vor Ankunft der Urlauber bei

Franzosen, Maltesern, Sarden, Spaniern,

Deutschen, Engländern, Italienern

und Portugiesen äußerst beliebt,

wenngleich die „Besucher“ aus vergangenen

Tagen gänzlich andere Interessen

verfolgten. Für phönizische,

karthagische und römische Seefahrer

war die sichere Reede wegen ihrer

strategischen Lage am Atlantik bereits

in vorchristlicher Zeit ein Lieblingsort

für einen Zwischenhalt. Als

die Portugiesen hier vor über 500

Jahren eine Festungsstadt errichteten,

nannten sie sie „Mazagao“ (heute

Mazagan). Die Küstenstadt entwickelte

sich schnell zur wichtigsten

portugiesischen Handelsniederlassung

in Marokko. Über Mazagan

wurde jahrhundertelang das internationale

Seegeschäft mit Indien abgewickelt.

Als sich die Portugiesen aus

Marokko zurückzogen, sprengten sie

weite Teile der Hafenstadt. Eben an

diesen Stellen wurde später El Jadida

(„Die Neue“) errichtet. Andere Stadtteile

von Mazagan haben glückli-

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Oben und unten: Jeden Sommer das gleiche Spektakel und gelebte Tradition in der Cité Portugaise: Die Jugendlichen, die im Sommer von der Festungsmauer springen, haben sich

das von den Größeren abgeschaut. Die Besucher kommen vor allem wegen der berühmten Zisterne (unten). Sie befindet sich in einem unterirdisch gelegenen quadratischen Raum.

Er hat eine Seitenlänge von 34 Metern, die Gewölbe ruhen auf 25 Säulen. Die Zisterne, die erst im 20. Jahrhundert entdeckt wurde, hatte die Festungsstadt, die immer wieder langen

Belagerungen standhalten musste, mit Wasser versorgt. Ein drei mal drei Meter großer Lichtschacht lässt im Halbdunkel einmalige Lichtspiele entstehen. Der Architekt dieser Zisterne

hat sich bei der Gestaltung sowohl von Moscheen als auch von Kirchen inspirieren lassen. Eher ungewollt hat er hier ein eindrucksvolles Kunstwerk geschaffen

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92


DIE MITTLERE ATLANTIKKÜSTE

cherweise die Zeit unbeschadet überstanden.

Heute sind sie besonders

sehenswert, wie die Cité Portugaise,

die 2004 auf die Liste des UNESCO

Weltkulturerbes gesetzt wurde. Wer

den einzigartigen Hauch der Geschichte

dieser Stadt spüren möchte,

sollte die Cité Portugaise besuchen.

Hauptattraktion ist sicherlich die

mysteriöse und faszinierende Zisterne

mit einem geradezu kunstvoll gearbeiteten

Kreuzgewölbe. Sie diente

als Kulisse großer Filme (z.B.

„Othello“). Trotz der großen Berühmtheit

dieser Zisterne und der

Touristen, die aus aller Welt hier herkommen,

um sie zu sehen, ist die Cité

Portugaise kein Freilichtmuseum

und sehr authentisch geblieben. In

der Cité Portugaise, leben immer

noch viele marokkanische Familien.

Die Altstadt bietet bis heute eine

hohe Lebensqualität. Im Sommer ist

die Stadt für die Kinder ganz toll:

Das Wasser ist in unmittelbarer

Nähe, die Kinder können sich erfrischen,

schwimmen gehen oder ins

Wasser springen. Das Leben in der

Stadt wirkt überall entspannt: ob auf

dem Gewürzmarkt oder in der Kissaria

mit ihren winzigen Geschäften,

Boutiquen und den vielen Djellabah-

Schneidern, deren Schicksal es zu

sein scheint, für immer auf abgewetzten

Matten zu hocken. Außerhalb

der Cité Portugaise hat, wie

überall auf der Welt, die Moderne

Einzug gehalten. Die Stadt mit der

glorreichen Vergangenheit zählte vor

400 Jahren nicht mehr als 4000 Einwohner.

Heute sind es etwa 200 000.

El Jadida ist längst eine regionale

Metropole und wächst mit rasanter

Geschwindigkeit. Die Stadt hat ehrgeizige

Pläne. El Jadida schickt sich

an, nach Casablanca zum zweitwichtigsten

Wirtschaftszentrum Marokkos

zu avancieren. Ganz unbegründet

sind diese Erwartungen nicht.

Wegen äußerst verlockender Zuschüsse

siedeln sich immer mehr

multinationale Unternehmen in der

Region an. Die Region Doukkala, hat

neben der Provinz Souss-Massa die

ertragreichste Landwirtschaft Marokkos.

Das war bereits den Portugiesen

nur allzu gut bekannt, als sie

1502 ihre Zelte hier aufschlugen.

Obst und Gemüse gibt es im Überfluss

und ist außerdem sehr günstig.

Dafür ist die Region im ganzen Land

bekannt, genauso wie die Großzügigkeit

der Doukkalas. Man sagt: „Wenn

man bei einem Doukkala zum Essen

eingeladen wird, geht man garantiert

nicht hungrig nach Hause.“

Links: Viele der historischen Gebäude wurden in den letzten 10 Jahren

aufwendig restauriert und zu Cafés, Restaurants und Hotels, teilweise

mit schönen Dachterrassen, ausgebaut

Rechts: 2009 eröffnete ein Luxusresort am Mazagan Beach. Es ist

berühmt für seinen exzellenten Golf-Parcours und seinen sieben

Kilometer langen privaten Sandstrand

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OUALIDIA

Der Himmel ist bedeckt,

es ist windstill und weder

besonders warm

noch kühl. Die Fischer

schieben ihre Kähne ins Meer hinaus

und kämpfen dabei gegen die mächtigen

Wellen an. Die Krabbenfischer

kontrollieren ihre mit Langusten und

Meeresspinnen gefüllten Netze, die

in den Spalten der porösen Felsen

hängen. Ein Tag wie jeder andere.

Und wie jeden Tag macht auch

Karima am „Grande Plage“, wie sie

den Strand hier an der Atlantikseite

nennen, ihren morgendlichen Spaziergang.

„Ich liebe diesen Strand“,

sagt sie, „diese Stimmung, einmalig!

Mit nichts möchte ich tauschen.

Oualidia ist ein Paradies auf Erden.“

Karima ist nicht von hier. Sie wurde

in Casablanca geboren und wuchs in

Deutschland auf. Heute lebt sie hier.

„Das Klima ist traumhaft, gerade

für mich als Asthmatikerin. Auch

das Umland ist wunderschön“, sagt

sie. Karima hat 26 Jahre im

Rheinland gelebt, zuerst in Düsseldorf,

später in Leverkusen. Ihre

Mutter ist Deutsche, der Vater

Marokkaner. „Meine Eltern hatten

hier 1972 ein Grundstück gekauft

und ein Haus gebaut. Damals war

Oualidia noch ein Dörfchen. Hier

haben wir unsere Sommerferien

verbracht. Das war noch eine andere

Zeit!“, schwärmt sie. Inzwischen hat

sie das Haus geerbt und lebt dort mit

ihrem Mann. Es liegt keine 200

Meter vom Strand entfernt, direkt an

Oualidias Hauptstraße, wo sich heute

etliche Restaurants, Läden und

Hotels befinden. „Aus Casablanca

und Marrakesch kommen viele

Besucher nur der Austern wegen“,

erzählt Karima. Die Austernbänke

liegen am nördlichen Ende der

Lagune. Dort befindet sich auch eine

Saline. „Man kann da mit dem Boot

hinfahren“, sagt sie. „Austern essen

und zurückfahren! Ab und zu muss

man sich das mal gönnen.“ In

Oualidia herrscht ein mediterranes

Klima. Der Temperaturunterschied

ist über das Jahr verteilt gering, die

Winter sind mild. Die Temperaturen

fallen selten unter 12 Grad, die Hitze

ist bei 26 Grad sehr erträglich.

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Oben: Hier lässt es sich den ganzen Tag aushalten: Angefangen mit einem üppigen Frühstück am Strand,

dann baden, sonnen und faulenzen... Gibt es einen schöneren Ort zum Entspannen und Abschalten?

Unten: Die Lagune von Oualidia. In der Lagune haben sich zahlreiche Hotels und Restaurants angesiedelt.

Schön zu erkennen sind der innere Strand und die außenliegende Küste

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DIE MITTLERE ATLANTIKKÜSTE

Links und rechts: In Oualidia kann man direkt am Wasser der Lagune essen. Restaurants bieten

alles, was aus dem Meer kommt und natürlich alles frisch! Zu den Spezialitäten gehören

Fisch, Hummer, Meeresspinnen und natürlich Austern – die besten in Marokko

Außerdem bringt der Atlantik stets

eine angenehme Brise in die Lagune,

die den Ort wie ein abschirmendes

Felsband vor Wind und Wetter

schützt. Die Gärten und Salzwiesen

laden zum Spaziergang und zum

Abschalten ein. Es ist diese ganz

besondere Mischung aus erfrischender

Sinnlichkeit und exponierter

Lage, die das Seebad Oualidia von

allen anderen unterscheidet. Zahlreiche

Hoteliers haben sich daher für

Oualidia entschieden. Verständlich,

denn man kann den Gast hier mit

Austern aus der eigenen Zucht

verwöhnen. So verwundert es nicht,

dass es in Oualidia auch eine Super-

Luxus-Herberge gibt. Sie liegt am

Rande der Lagune und erscheint von

weitem wie eine maurischen Festung,

die sich harmonisch im zauberhaften

Ambiente einfügt. Kommt man dem

5-Sterne-Hotel näher, staunt das

Auge über ausgelagerte Strohhütten,

erfreut sich am Türkis des Schwimmbades,

flüchtet sich in die Lagune

und verliert sich im Meer. Sieht so

ein Traumurlaub aus? Sicherlich für

viele. Aber es geht auch anders: Das

Ehepaar Michael und Monika waren

mit ihrem Wohnmobil in Marokko

unterwegs. „In der Lagune“, so

berichtet Michael, „habe ich das

Kajakfahren gelernt. Dort werden

Meerkajaks vermietet. Eine tolle

Sache. Das macht richtig Spaß!“

Die beiden haben ansonsten viel Zeit

mit Erkundungen verbracht. Unweit

der Lagune gibt es viele Höhlen.

„Manche sind so groß, dass zehn

Personen darin Platz finden. Ein

junger Fischer hatte uns dahin

geführt. Vor einer Höhle hatte er

sich auf einem Felsen eine Plattform

gebaut. Dort kocht er für Touristen,

grillt Meeresspinnen über dem

Feuer. Für uns hat der junge Mann

Muscheln und Sardellen zubereitet,

die wir dann an einem Tisch fünf

Meter über dem Meer gegessen

haben. Einmalig!“

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Oben und unten: Essaouiras Medina ist wie viele marokkanische Städte von einer schweren Festungsmauer umgeben.

Von hier bietet sich ein wunderschöner Blick über die Stadt und den Atlantik bis hin zu den Purpurinseln. Die unzähligen

Gassen der andalusisch anmutenden Altstadt, die kleinen Läden sowie die dreistöckigen weißen Häuser mit ihren

bunten Türen und Fensterrahmen verleihen der Hafenstadt viel Charme und eine ganz besondere Leichtigkeit

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ESSAOUIRA

Rachid ist voll in seinem

Element. Konzentriert

spricht er laut und deutlich

zu seinen vor ihm

knienden Schülern, die wie Jünger

an den Lippen ihres Meisters kleben.

„Achtet auf eure Balance!“, sagt er

auf englisch. Und weiter: „Lächelt

beim Aufstehen!“ Die Szene ereignet

sich am Strand von Essaouira, kurz

vor Sonnenuntergang. Sie hat etwas

Magisches, fast schon Sakrales an

sich. Man hat den Eindruck, als gäbe

es für diese Gruppe, es sind Surfanfänger,

in diesem Moment nichts

Wichtigeres auf der Welt. Die Lektion

dauert 45 Minuten. Sie ist Teil

eines Einstiegskurses ins Wellenreiten.

Jeder Schüler hat ein Board

dabei und einen Neoprenanzug an.

Die erste Unterrichtsstunde findet

noch nicht im Wasser, sondern am

Strand statt. „Trockenübungen sind

die beste Vorbereitung, so können sie

alle Bewegungen und Griffe in Ruhe

und langsam kennenlernen“, meint

Rachid. Im Sand erklärt er präzise,

wie sich seine Schüler auf das Board

legen und wie sie den richtigen Moment

abpassen sollten, um die perfekte

Welle zu erwischen. Und vor

allem: Wie sie es schaffen, auf dem

Board aufzustehen. Das ist gar nicht

so einfach, vor allem, wenn man dabei

noch lächeln soll. „Smile!“, ruft

Rachid immer wieder. Positives Feeling

ist angesagt. Oder „good vibrations“,

wie es einst die Hippies nannten,

die genau diesen Strand vor 40

Jahren unsicher machten. „Es ist anfangs

nicht einfach, eine gute Balance

zu finden“, doziert Rachid, „gut

gelaunt geht es besser. Die zweite

Stunde findet im Wasser statt. Dann

gilt es nur noch, möglichst lange auf

dem Brett zu bleiben.“ Essaouira gilt

in der Szene als perfekter Ort, um

Surfen zu lernen: Es gibt keine Haie,

keine Felsen, das Surfen ist völlig

ungefährlich. Wind und Wellen sind

konstant, weder zu stark noch zu

hoch. Eine kleine, vor der Küste liegende

Insel fängt die richtig großen

Wellen vom offenen Meer etwas ab.

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Oben: Seit 1998 lockt das Gnaoua-Musikfestival mit hochrangigen Künstlern Besucher aus aller Welt

an. Die rhythmusbetonte Gnaoua-Musik, die ursprünglich aus dem westlichen Afrika südlich der Sahara

stammt, wird mit traditionellen Instrumenten gespielt und kann sich über Stunden bis zur Ekstase steigern

In Strandnähe sind die Wellen etwa

zwei bis zweieinhalb Meter hoch.

Hervorragende Bedingungen zum

Lernen also. Dabei zieht es keineswegs

nur Anfänger nach Essaouira.

Julia und Johannes beispielsweise,

beide Anfang zwanzig und aus Tirol,

„wollten zwei Wochen lang in

den Sommerferien einen richtigen

Kite-Surf-Urlaub machen“, wie Julia

erzählt. „Ich habe erst heuer im April

angefangen zu kiten, am Neusiedlersee

in Österreich. Da wir immer

schon mal nach Marokko wollten,

fiel die Entscheidung schnell auf Essaouira.“

Das frühere Korsarennest

ist heute gewissermaßen der coole

Kontrapunkt zum quirligen und gehypten

Marrakesch und zieht Surfer

und Künstler aus aller Welt magisch

an. Essaouira hat eben eine ganz besondere

Ausstrahlung: Die Stadt mit

der mächtigen Festungsanlage und

dem malerischen Fischereihafen liegt

auf einer kleinen Halbinsel. Die weite

Bucht, der schöne Sandstrand und

der reizvolle, zentrale Platz Moulay

el Hassan mit etlichen Cafés und

Restaurants machen Essaouira zu

einem der schönsten Orte Marokkos.

Unweit der Scala in der Rue Attarine

hat sich vor einem alten Stadthaus

eine Traube von Touristen gebildet.

Sie bestaunen die Werke eines Künstlers.

Die Bilder hängen an einer

Hauswand. Das Atelier – bestehend

aus Tisch und Stuhl, Malkasten und

Pinsel sowie Blechschere, Hammer

und Nägeln – hat er kurzerhand davor

aufgebaut. Es ist eine Art mobile

Open-Air-Galerie. „Das sind alles

Originale“, sagt er und verweist stolz

auf seine einzigartige Technik. Die

Aquarelle verziert er mit akkurat

ausgeschnittenen, geglätteten Blechtäfelchen,

die er aus Cola-Dosen und

Sardinenbüchsen ausschneidet. Eine

Mischung aus marokkanischer Kunst

und Popart. Nirgendwo in Marokko

befindet sich eine solche Dichte an

Künstlerwerkstätten, Ateliers und

Galerien wie hier. Dass Essaouira ein

Ort mit ganz besonderem Flair ist,

wusste man in Europa und Amerika

100


DIE MITTLERE ATLANTIKKÜSTE

Oben: Essaouira ist von jeher ein Paradies für Kreative, Aussteiger und Lebenskünstler. Legendäre

Musiker wie Jimi Hendrix, Bob Marley, Jim Morrison und die Rolling Stones ließen sich vom einzigartigen

Flair inspirieren. Diese Zeiten sind lange vorbei. Heute geben in Essaouira Surfer den Ton an

bereits Ende der 60 er-Jahre. Damals

avancierte die kleine Hafenstadt zum

Zentrum für Hippies, Aussteiger und

Künstler. Legendäre Musiker wie

Jimi Hendrix, Bob Marley, Jim Morrison

und die Rolling Stones ließen

sich vom einzigartigen Flair inspirieren.

Es war Essaouiras erster Touristenboom.

Heute ist Essaouira eines

der beliebtesten Ziele Marokkos. Die

Stadt hat sich entsprechend verändert:

Private Hoteliers renovierten in

liebevoller Kleinarbeit alte, verfallene

Stadtpaläste und verwandelten sie

in komfortable Gästehäuser. Die

Strandpromenade außerhalb der Medina

ist heute gesäumt mit Luxushotels,

Apartmenthäusern und Strandcafés.

Marrakesch ist über die neue,

zweispurige Nationalstraße in weniger

als zwei Stunden erreichbar. Die

charmante Künstlerdestination verfügt

über einen eigenen Flughafen

und hat somit direkten Anschluss an

die große weite Welt. Die Gefahr,

dass Essaouira seinen Charme verlieren

könnte, sieht Rachid nicht.

„Wir in Essaouira haben unsere

ganz eigene Mentalität. Die Menschen

hier sind entspannt. Wenn du

mit jemandem reden willst, bist du

stets willkommen. Wenn du deine

Ruhe willst – OK! Keiner drängt dich

zu irgendetwas. Wir leben in einer

kleinen Stadt, wir teilen gerne, sei es

unser Essen, alles! Wenn junge Leute

aus Marrakesch oder Casablanca

herkommen, sind sie fasziniert, finden

schnell Freunde, machen gemeinsam

Musik. Manche verlieben

sich und heiraten. In anderen Städten

haben die Menschen ein Auto,

ein Haus, sparen Geld. Hier haben

wir diese Probleme nicht. Wir haben

ein gutes Herz, eine positive Mentalität.

Das ist für uns das Wichtigste.

Geld, Autos, Häuser kannst du verlieren.

Freunde verlierst du nie.“ Es

gibt wohl doch noch Wichtigeres als

Surfen – sogar in der Künstlerstadt

Essaouira. Wenn Jimi Hendrix diese

Entwicklung erlebt hätte, wäre er sicher

regelmäßig nach Essaouira wiedergekommen.

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EXKURS: MAROKKANISCHE WOHNKULTUR

Urlaub im Gartenhaus

In Marokko gibt es die weltweit ausgeprägteste Riadkultur. Über 1000 ehemalige

Stadtpaläste wurden hier zu privaten Gästehäusern umgebaut. Das Wohnen in einem

dieser luxuriösen Refugien der Stille wird zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Die Medina mit ihren Souks und den vielen

Sehenswürdigkeiten lässt sich schwerlich

an nur einem Tag erkunden. Vier Tage sollte

man schon einplanen, optimal wäre eine

Woche. Wer dann auch noch „mittendrin, statt nur dabei“

sein möchte, dem sei als Unterkunft ein Riad mitten in der

Medina empfohlen. In

Marrakesch gibt es die

weltweit ausgeprägteste

Riadkultur. Über 1000

ehemalige Stadtpaläste

wurden hier zu privaten

Gästehäusern umgebaut.

Das Wohnen in einem

dieser luxuriösen Refugien

der Stille wird zu

einem unvergesslichen

Erlebnis. Die etwas ungewöhnliche

Anreise

gehört dazu: Koffer und

Taschen werden in einer

Sackkarre verstaut und

von einem Mitarbeiter

des Riads zielsicher

durch das Gassenlabyrinth

der Medina transportiert.

Wenn die Geräusche

des Djemaa el

Fna verebben, führt der

Weg immer weiter vom

Platz weg. Man passiert

ursprüngliche Gegenden.

Schließlich eine Holztür,

die Farbe abgeblättert,

keine Hausnummer,

eine Luke in einer Wand.

„Hier soll das Domizil

sein? Wahrscheinlich ein Irrtum in der Adresse …“

Der Mitarbeiter klopft an die Tür. Sie wird geöffnet, die

Gäste hereingebeten und nun – das: Im Inneren herrscht

eine vollendete Harmonie aus Licht, Wasser und Pflanzen,

Schnitzwerk und seidenweichem Verputz in gedämpften

Farben. Singvögel zwitschern im Geäst, auf der Oberfläche

des kleinen Pools treiben Seerosenblätter, tiefblauer

Himmel leuchtet über dem nach oben offenen Innenhof.

Ein Springbrunnen plätschert, im Windzug einer Brise

rascheln Palmwedel, Schatten huschen über die farbigen

Wandkacheln. Die Gäste erhalten ein Paar weiche Lederpantoffeln,

auf einem Silbertablett

wird frischer

Minztee mit Gebäck serviert

– die anfängliche

Beklommenheit hat sich

in Wohlbehagen aufgelöst:

Die Adresse, kein

Zweifel, ist korrekt! Die

Gäste beginnen allmählich,

den Unterschied zu

herkömmlichen, auch

noblen Unterkünften zu

erkennen: In einem Riad,

arabisch „Garten“, sind

die Zimmer stets auf

einen zentralen Innenund

Lichthof ausgerichtet.

Verborgener Wohlstand

hinter bröckelnden

Fassaden. Für Touristen

ungewöhnlich, in Marrakesch

aber üblich –

denn ein Riad macht

auf Understatement. In

den letzten Jahren wurden

Hunderte aufwendig

restauriert: Im Arrangement

von Möbeln und

Lampen, Stoffen und

Teppichen, in der Ausgestaltung

der Bäder und

Terrassen betört das ästhetische Gespür marokkanischer

Designer mit ihrem untrüglichen Sinn für Farben, Materialien

und Verarbeitung. Ein echtes Kontrastprogramm zum

genormten Komfort der großen Hotels: Ein Hotel kann

man vergessen, ein Riad sicherlich nicht.

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WAS WILLST

DU MEER?

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MAROKKOS STRANDBAD

AGADIR, TAGHAZOUT UND DER ANTIATLAS

Direkt vor der Küste Agadirs fließt der Kanarenstrom. Er beschert der Stadt

im Sommer wie im Winter angenehme Temperaturen. Hier wird es nie kalt

und nie sehr heiß. Auch das Meer ist praktisch das ganze Jahr über perfekt

temperiert. Mit 300 Sonnentagen hat Agadir ganzjährig Saison. Das berühmte

Seebad mit seiner modernen und eleganten Badezone lässt keine

Wünsche offen. Von Agadir aus bieten sich eindrucksvolle Exkursionen an.

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Oben: Agadir ist seit einigen

Jahren um eine Attraktion reicher:

der beschauliche Yachthafen,

die „Marina“. Hier liegen Yachten

und hochklassige Segelboote

vor Anker. Der Hafen lädt zum

Bummeln und Shoppen ein

Links: Agadirs Hauptattraktion

ist der 10 Kilometer lange

Sandstrand. Die 7 km schöne

Strandpromenade wird von zahlreichen

Restaurants, Cafés und

erstklassigen, eleganten Hotels

gesäumt

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Das Meer hat sich zurückgezogen. Am breiten

Strand nutzen Sportler die Gunst der Stunde.

Überall wird Fußball gespielt, Jogger traben

barfuß durch den feinen Sand, Radfahrer radeln

am Wasser entlang. Liebespaare und Familien genießen

den Sonnenuntergang. Es ist 17 Uhr und noch angenehm

warm, 22 Grad – in Berlin schneit es. Die meisten

Besucher bereiten sich nun auf den Abend vor. In knapp

zwei Stunden geht es zum Buffet: Es warten gegrillter Fisch

und feine Salate, marokkanische und internationale Spezialitäten,

zum Schluss unwiderstehliche, süße Köstlichkeiten.

Wer nicht im Hotel ist, besucht eins der zahlreichen Restaurants

und Cafés. Die meisten von ihnen haben den Tag an

einem der beheizten Pools verbracht: sonnenbaden, lesen,

relaxen. Andere waren Tennis oder Golf spielen, surfen

oder reiten. Im Seebad Agadir kommt jeder auf seine Kosten.

Die Top-Adresse für Badeurlauber hat sich in den letzten

Jahren gewissermaßen neu erfunden und mächtig herausgeputzt.

Luxuriöse Hotels wurden gebaut, erstklassige

Restaurants, trendige Diskotheken, Cafés und Nachtclubs

eröffnet. Elegante Boutiquen laden zum Shoppen ein. Agadir

vermittelt dem Reisenden eine klare Botschaft: „Hier

dreht sich alles nur um Dich!“

Unten: Zehn Kilometer südlich

von Agadir befindet sich das

architektonische Meisterwerk

der Medina Polizzi – eine nachgebaute

Medina. Sie beherbergt

traditionelle Kunsthandwerkstätten

und ein sehenswertes

Freilichtmuseum

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TAGHAZOUT

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AGADIR, TAGHAZOUT UND DER ANTIATLAS

Sonne satt, Wellen wie geschaffen zum Gleiten und

ein interessantes Hinterland für Naturwanderungen...

30 Minuten von Agadir entfernt lebt Taghazout

den ganzen Winter über nach der Sommerzeit.

Hier kann man ein Sauerstoffbad nehmen, indem man

Surfen und Yoga mit Bohème-Chic verbindet. Lange Zeit

war Taghazout (ausgesprochen: tarasut) ein gut gehütetes

Geheimnis. Ein Zufluchtsort für Hippies, die Pioniere des

Slow-Life waren, und für Surfer auf der Suche nach der perfekten

Welle in Marokko. Seitdem hat sich die Landschaft

um dieses kleine Fischerdorf nördlich von Agadir im Südwesten

des Landes verändert. An der langen Bucht, die sich

etwas weiter entfernt erstreckt, ist ein luxuriöser Badeort

mit 4 km langer Strandpromenade entstanden: zahlreiche

Hotels großer Marken und ein 18-Loch-Golfplatz prägen

den Hügel südlich des Fischerdorfes. Dennoch hat Taghazout

seine Ursprünglichkeit nicht verloren. Hier teilen sich

Surfbretter und blaue Fischerboote den Ozean und die aktuelle

Garderobe besteht aus bunten Djellabas und Surferkombis.

Der Schmelztiegel der Kulturen mit seinem Zen-

Geist hat völlig neue Szene-Locations hervorgebracht.

Boutique-Hotels, Surf-Camps und kleine Ethno-Chic-Restaurants

ziehen Surfer, Yogis und all diejenigen an, die davon

träumen, im Rhythmus der Natur abzuschalten. Im

Oben: Die coolen Strandcafés

und Restaurants im Bohème-Chic

bilden einen interessanten Kontrast

zu den neuen, luxuriösen Hotels

Links: Taghazout hat seine Seele

nicht verloren. Hier teilen sich Surfbretter

und blaue Fischerboote

den Ozean

Unten: In Taghazout dreht sich die

Welt immer nur um eins

111


Oben: Der lange Sandstrand von

Taghazout. In der Gegend gibt es

über 15 Surf-Spots. Für jeden ist

etwas dabei. Vom Anfänger bis

zum Weltklasse-Rider

Rechts: Welch eine Kulisse!

Abends verschmelzen goldener

Sand und ockerfarbene Felsen

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Winter formt die Brandung des Atlantiks am Anchor Point

endlose Wellen mit schäumender Gischt. Ein Traum für erfahrene

Surfer! Im Jahr 2020 kamen Champions aus allen

Ozeanen, um sich mit den Weltklasse-Brechern zu messen.

Zum ersten Mal war die Bucht von Taghazout eine der

Schlüsseletappen der World Surf League. In Taghazout

trifft man sowohl auf Surfer mit Surfbrett unter dem Arm

als auch auf Yogis mit ihren Matten. Surfen und Yoga sind

hier die beste Kombination. Rund um Taghazout kann jeder

nach Lust und Laune seinen Strand finden. Im Herzen des

Dorfes nimmt man den Takt des örtlichen Lebens an: Hier

wird seit Urzeiten das Slow Life praktiziert. Bei Ebbe verwandelt

sich der Strand manchmal in einen Spielplatz. Touristen

spielen Fußball oder Volleyball. Wer lieber faulenzt,

wählt ein Plätzchen in der Bucht, in der sich der neue Badeort

ausbreitet. Am Abend, egal für welches Sandplätzchen

man sich entscheidet, hält man Ausschau nach dem Sonnenuntergang

über dem Ozean: orangefarbener Himmel und

rosa Wolken.

Unten: Ein Kamelritt am Strand,

am besten bei Sonnenuntergang.

Für eine Familie ist das ein Muss!

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PARADISE VALLEY

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AGADIR, TAGHAZOUT UND DER ANTIATLAS

Ein „echtes“ Ausflugsziel im Umland – sowohl

von Agadir als auch von Taghazout aus – sind die

berühmten Wasserfälle von Imouzzer, bekannter

unter dem Namen „Paradise Valley“. Die canyonartige

Schlucht mit Arganien und Olivenbäumen – ein

ausgewiesenes Naturschutzgebiet – ist atemberaubend.

Man erreicht das Paradise Valley nach einer Stunde Fahrt.

Danach ist Wandern angesagt. Man quert kleine Flüsse,

kommt an mehreren kleinen Open-Air-Cafés vorbei, wo

man ‚Amlou‘, eine Paste aus Honig, Mandeln und Arganöl,

das ja aus dieser Region stammt, kaufen kann. Nach und

nach gelangt man immer tiefer in die Schlucht, stets am

Fluss entlang, der durch das ganze Tal fließt. Schließlich

erreicht man mehrere Seen, gewissermaßen natürliche

Swimmingpools. Wer seinen Fußmarsch noch 15 Minuten

fortsetzt, wird reich belohnt, denn der Wanderer erreicht

einen dritten See, der von einem Wasserfall gespeist wird.

Welch ein magischer, traumhafter Ort! Das Paradise Valley

macht seinem Namen wirklich alle Ehre.

Links, oben und unten: Am Ende vom Paradise Valley erreicht

man eine natürliche Poollandschaft, die aus mehreren

Seen besteht. Hier kann man baden, auf den Felsen sitzen

und ins Wasser springen

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TAL DER AMMELN

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AGADIR, TAGHAZOUT UND DER ANTIATLAS

Knapp 200 Kilometer von Agadir entfernt liegt in

1000 Metern Höhe die fantastische Bergwelt

des Antiatlas mit seinem Hauptort Tafraoute.

Diese Region gehört zu den grandiosesten

Landschaften Marokkos. Ein Leckerbissen für Entdecker

und Abenteurer. In dieser Gegend befinden sich unzählige

bizarre Steinformationen wie zum Beispiel der sogenannte

„Chapeau de Napoléon“, ein Fels, der dem Hut von Napoleon

ähneln soll. Die Strecke nach Tafraoute verläuft über

eindrucksvolle Serpentinenpassagen in manchmal schwindelerregenden

Höhen. Am Ziel angelangt erreicht man das

Tal der Ammeln. Hier ist es den Bewohnern gelungen, dieser

kargen Bergwelt Gärten und Terrassen abzutrotzen. Das

Tal der Ammeln eignet sich perfekt zum Erkunden, Klettern

und Wandern. Tafraoute hat auch Künstler zu eigenwilligen

Kreationen inspiriert. Der für diese Kunstform bekannte

belgische Maler Jean Vérame hat hier die Felsen

bemalt. Über 20 Tonnen Naturfarbe soll er in den Bergen

bei Tafraoute verarbeitet haben. Ein Besuch dieser fantastischen

Region wird garantiert zum Highlight eines Agadir-

Urlaubs.

Oben: Im Nordosten von Tafraoute befindet sich der Agadir

Tasguent. In solchen Speicherburgen horteten die Bewohner

der umliegenden Dörfer ihr ganzes Hab und Gut

Links: Die „rochers bleus“ – eine eindrucksvolle Gegend, ideal

zum Klettern und Wandern

Unten: Die vielen kleinen Dörfer im Tal der Ammeln bilden

einen farbenfrohen Kontrast zur kargen Felswüste des Antiatlas

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DAKHLA

Zur Südsee immer gerade aus!

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DAKHLA UND DER GROSSE SÜDEN

Im äußersten Süden Marokkos liegt eine kleine

Halbinsel, die immer mehr Menschen in ihren Bann

zieht: Dakhla – eine Lagune wie aus dem Bilderbuch.

Die Natur hat ihr ein einzigartiges Geschenk

gemacht und eine spektakuläre Lage verliehen.

Dakhla befindet sich nur wenige Kilometer nördlich

des Wendekreises des Krebses – wie Havanna und

Hawaii. Das ganze Jahr über herrscht ein sehr mildes

Klima mit angenehmen Wassertemperaturen.

Eingefangen zwischen den Wellen des Atlantiks

und den Dünen der Sahara hat sich Dakhla zu einer

Hochburg des Kitesurfens entwickelt. Nun entdecken

auch andere Reisende die Halbinsel.

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MIRLEFT

Oben: Nach Legzira zieht es vor

allem Surfer und Weltenbummler,

die im milden Klima des

südlichen Marokkos überwintern

möchten. Legzira ist von Sidi Ifni

aus auf einem ausgedehnten

Strandspaziergang zu erreichen

Rechts: Die weite Bucht von

Mirleft mit dem großen

Sandstrand

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LEGZIRA

Südlich von Agadir gibt es sie immer noch, die einsamen

Buchten und die fast menschenleeren Sandstrände.

Der Naturstrand, eine zunehmend vom

Aussterben bedrohte Spezies, hat hier echte Überlebenschancen.

Vielerorts steht er in Marokko gewissermaßen

unter Artenschutz wie in Mirleft oder Legzira. Der

Kies- und Sandstrand von Legzira ist für seine Naturwunder

weltbekannt: riesige, vom Meer ausgehöhlte rote Felsentore.

Starker Wind, mächtige Wellen und große Hitze

haben ihre Spuren hinterlassen und eindrucksvolle Naturdenkmäler

geformt. Riesige Felstore strahlen in der Abendsonne

in starken Farben. Der Anblick ist derart spektakulär,

dass sie in keinem Reiseführer fehlen dürfen.

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LAÂYOUNE

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DAKHLA UND DER GROSSE SÜDEN

GUELMIM

DAKHLA

Oben: Guelmim, 200 Kilometer südlich von Agadir, gilt für

Wüstentouristen als das Tor zur Sahara in Marokko

Mitte: Kitesurfer auf der ganzen Welt lieben

die Lagune Dakhla

Links: Laâyoune, der größte Ort im Süden Marokkos,

befindet sich auf halbem Weg zwischen Agadir und Dakhla

Dakhla hat einzigartige Postkartenlandschaften

zu bieten. Knapp 30

Kilometer vor der Stadt erhebt

sich eine riesige Düne aus weißem

Sand. Sie hat die Form eines Halbmondes,

der in der Mitte der Lagune emporragt

und sich bei Flut in eine Insel verwandelt. Die

Strände sind meist menschenleer. Im Ganzen

erstreckt sich die Lagune über 40 Kilometer.

Es fällt nicht schwer, hier zur Ruhe zu kommen

– den Oktober ausgenommen, wenn, wie

jedes Jahr, in Dakhla eine Etappe des Kitesurf-Weltcups

ausgetragen wird. Aber diese

fünf Tage sind schnell vorbei. Dann hat man

die Halbinsel wieder fast ganz für sich allein.

Und zwar rundherum.

123


Portugal

Spanien

MAROKKO INFOS

Madeira

(Port.)

A T L A N T I S C H E R

Kanarische Inseln

(Sp.)

O Z E A N

Tarfaya

Marokko

Tan Tan

Mirleft

Legzira

Sidi Ifni

Guelmim

Tanger

Asilah

Tetouan

Larache Chefchaouen Al Hoceima Nador Saïdia

Ksar el Kebir

Ketama

Ouezzane

Oujda

Kenitra

Taza

Fes

Taourirt

RABAT Meknes

Aïn

Sefrou

Beni

Casablanca

Mathar

Oulmès

El Jadida

Azrou

Oued

Settat

Zem Khenifra

Missour

Oualidia

Safi

Khouribga

Beni Mellal

Midelt

Rich Talsinnt

Douârfa

Marrakesch

Essaouira

Jebel Toubkal

4167 m

Agadir

Taroudant

Tafraoute

Tiznit

A n t i

H o h e r

Akka

Aït Benhaddou

a t l a

Irhil M'Goun

4071 m

Ouarzazate

Agdz

s

M i t

Draatal

Zagora

M'Hamid

R

t l e

A t l a s

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Errachidia

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Erfoud

Rissani

Merzouga

El Jebha

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g

s

r A t l a

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Bouânane

Mittelmeer

Figuig

Laâyoune

Smara

Boujdour

Galtat Zemmour

S A H A R A

Lagouira

Dakhla

Imlili

Tichla

Awserd

200 km

ATLANTISCHER

OZEAN

Qualidia

El Jadida

Settat

Kenitra

Khouribga

Oulmès

Oued

Zem

Safi

Beni Mellal

Ilmichil

Cascade d'Ouzoud

Agoudal

Marrakesch Demnate Gorges du Todra

Essaouira

Gorges du Dades

Tizi-n- Telouet

Tichka

Tinerhir

Jebel Toubkal

Boulmane

4167 m

Dades

Tizi-n-Test

Ait

Benhaddou

Quarzazate

Agadir

Agdz

Taroudant

Tiznit

Irherm

Tafraout

Casablanca

El Ksiba

H o h e r A

A n t i a t l a s

Akka

RABAT

Zagora

M'Hamid

Meknes

M i t t

Draatal

Khenifra

l e r

Fes

e r

Azrou

Rich

Sefrou

A t l a s

Midelt

t l a s

Taza

200 km

Missour

Blaue Quelle

von Meski

Talsinnt

Bouânane

Errachidia

Gorges du Ziz

Erfoud

Rissani Erg Chebbi

Merzouga

Taouz

124


MAROKKO INFOS

DAS LAND

Die wichtigsten Basisinformationen in der Kurzübersicht.

Alles Weitere lernt man am besten beim „Praxistest” vor Ort

in Marokko kennen.

Steckbrief Marokko

Staatsname

Königreich Marokko

Flagge

Lage

Das Königreich Marokko befindet

sich im äußersten Nordwesten des

afrikanischen Kontinents. Marokko

wird im Norden von der Straße von

Gibraltar und dem Mittelmeer begrenzt,

im Süden grenzt Marokko an

Mauretanien, im Osten an Algerien

und im Westen bildet der Atlantik

eine natürliche Grenze.

Fläche

710 850 Quadratkilometer

Hauptstadt

Rabat

Ortszeit

Marokko hat die Umstellung

auf Winterzeit im Oktober 2018

abgeschafft. Im Winter herrscht

Zeitgleichheit mit Deutschland. Im

Sommer beträgt der Zeitunterschied

1 Stunde (Berlin 12 Uhr =

Marrakesch 11 Uhr).

Bevölkerung

36,8 Millionen Einwohner (2022).

Sprachen

Amtssprachen in Marokko: Arabisch

und Amazigh. Gesprochene

Sprachen: arabische und berberische

Dialekte, Französisch, Spanisch und

Englisch.

Religion

Der Islam ist in Marokko Staatsreligion.

98 Prozent sind sunnitische

Moslems.

Staatsform

Marokko ist eine konstitutionelle

Monarchie. Der König ist Staatsoberhaupt.

König von Marokko ist

seit 1999 SM Mohammed VI.

Geld

Für den marokkanischen Dirham

(MAD) gilt ein Wechselkurs von

etwa 1 Euro = 11 MAD.

Fast überall gibt es Bankautomaten,

an denen man mit EC- oder Kreditkarte

Geld abheben kann. Maximal

2000 Dirham dürfen ein- und

ausgeführt werden.

Wichtigste Städte

Casablanca: 3 239 585

Rabat (mit Salé): 1 754 425

Fes: 1 008 782

Marrakesch: 887 192

Agadir: 742 130

Tanger: 730 849

Die Straßenbahn in Casablanca

Feiertage

Die nicht konfessionellen Feiertage

haben ihren Ursprung in der

Geschichte des Landes oder werden

mit anderen Nationen geteilt (1.

Januar und 1. Mai). Die Geschäfte

und Restaurants bleiben an diesen

Feiertagen in Marokko geöffnet.

Die fünf religiösen Feiertage richten

sich nach dem Mondkalender und

fallen in jedem Jahr stets auf einen

anderen Tag: erster Tag des Muharram

(Neujahr), Mouloud (Geburt

des Propheten Mohammed), Aïd

el-Seghir (Ende des Ramadan) und

Aïd el-Kébir (das große Opferfest

im Gedenken an den Propheten

Abraham). Die marokkanischen

Feiertage im Überblick: Tag der

öffentlichen Unabhängigkeitserklärung:

11. Januar; Tag der

Arbeit: 1. Mai; Thronfest: 30. Juli;

Oued-Ed-Dahab-Tag: 14. August;

Tag der Revolution (1953): 20.

August; Geburtstag von König

Mohammed VI: 21. August; Tag des

Grünen Marsches: 6. November. Tag

der Unabhängigkeit: 18 November.

125


MAROKKO INFOS

DAS LAND

Klima und Reisezeit

Marokkos Landschaften sind sehr

vielfältig. Sie lassen sich in drei

Zonen einteilen: Küsten, Berge

und Wüsten. Dementsprechend

unterschiedlich ist das Klima.

Die Küste

Marokkos Küsten liegen am Mittelmeer

und am Atlantik. Im Norden

herrscht ein typisches Mittelmeerklima

mit milden Wintern und sehr

warmen Sommern. Die Temperaturunterschiede

zwischen Sommer

und Winter sind höher als am

Atlantik. Die Temperaturen an der

Atlantikküste sind das ganze Jahr

über sehr mild. Die südliche Küste

ab Agadir lässt sich das ganze Jahr

über hervorragend bereisen. Hier

herrscht zu allen Jahreszeiten ein

ausgesprochen angenehmes Klima.

Die Tagestemperaturen fallen in

dieser Region im Winter nicht unter

20 Grad und steigen im Hochsommer

nur selten über 30 Grad.

Die Berge

Marokko ist ein Land mit vielen

Gebirgen: Rifgebirge, Mittlerer Atlas,

Hoher Atlas und Antiatlas. Alle

Gebirgszüge erstrecken sich diagonal

über das Land. In den Bergen

entdeckt der Reisende die diskrete

Schönheit des Landes abseits

der großen Touristenzentren. Im

Hochgebirge des Hohen Atlas wird

es in den Wintermonaten sehr kalt.

Die Gebirgspässe können kurzzeitig

gesperrt sein. Für Trekking sind die

Monate im Frühling und Herbst optimal.

Den Djebel Toubkal (4167 m)

sollte man im Sommer erklimmen.

Die Städte

Für die Städte innerhalb des Landes

sind die Monate Februar bis Juni,

sowie September bis Dezember

klimatisch optimal. Im Hochsommer,

zwischen Juli und August, kann

es sehr warm werden. Im Winter

werden tagsüber Temperaturen von

20 Grad und nachts von 10 Grad

erreicht.

Die Stadtmauer von Marrakesch vor schneebedecktem Hohen Atlas

Die Wüste-Reisezeit

Marokkos bekannteste Wüstengebiete

liegen bei M’ Hamid und

Merzouga. Dort befinden sich

Marokkos geschlossene Dünenlandschaften,

die bei den

Reisenden ausgesprochen beliebt

sind. Die beste Reisezeit für diese

Regionen im Norden der Sahara

sind Frühling, Herbst und Winter.

Die Wüste-Klima

Im Sommer werden in den

Wüstenregionen Marokkos höchste

Temperaturen gemessen. Das gilt

insbesondere dann, wenn der

Harmatan (Wüstenwind) aufzieht.

In den anderen Jahreszeiten sind die

Temperaturen auch tagsüber durchaus

moderat und im Winter sogar

sehr angenehm.

Die Marina von Agadir

126


MAROKKO INFOS

UNTERWEGS

Mietwagen

In allen größeren Städten und an

Flughäfen lassen sich Mietwagen

problemlos anmieten.

Unterkünfte

Im ganzen Land gibt es Hotels aller

Komfortklassen: wunderschöne,

luxuriös anmutende Hotels im

traditionellen Kasbah-Stil, die

An- und Einreise

Reisepass

Deutsche, österreichische und

schweizerische Staatsbürger benötigen

grundsätzlich einen Reisepass

zur Einreise nach Marokko. Der

Reisepass muss zum Zeitpunkt der

Einreise mindestens für die Dauer

des Aufenthaltes in Marokko gültig

sein. Kinder brauchen entweder

einen Reise- oder einen Kinderpass.

Visum

EU-Staatsangehörige, sowie Schweizer

benötigen für touristische und

geschäftliche Zwecke für eine Dauer

bis zu 90 Tagen kein Visum.

Zoll: Einreise

Ausländische Währungen dürfen in

unbegrenzter Menge ein- und ausgeführt

werden. Bargeld im Wert

von 100 000 MAD (Dirhams) muss

deklariert werden. Medikamente für

den eigenen Gebrauch dürfen nach

Marokko eingeführt werden. Zollfrei

bei der Einreise sind außerdem:

200 gr. Tabakwaren, 1 l Wein , 1 l

Schnaps.150 ml Parfum, 250 ml

Eau de Toilette.

Anreise mit dem Auto

Für Reisende, die viel Zeit mitbringen

und in Marokko oft unterwegs sein

möchten, empfiehlt sich die Anreise

mit dem eigenen Fahrzeug. Berücksichtigt

man, dass die An- und Abreise

schon eine Woche in Anspruch

nimmt, sollten dann mindestens

vier Wochen eingeplant werden.

Das Fahrzeug muss spätestens sechs

Monate nach der Einreise wieder

ausgeführt werden. In Marokko

sind mittlerweile Werkstätten aller

Fahrzeughersteller vertreten.

Fährverbindungen

Die Anreise ist von Spanien, Frankreich

und Italien aus möglich. Nach

Tanger: ab Livorno oder Genua

zweimal wöchentlich, Dauer ca. 48

Stunden. Von Barcelona viermal

wöchentlich. Von Tarifa oder

Algeciras täglich. Von Gibraltar zweimal

wöchentlich, Dauer 2 Stunden.

Nach Nador: von Almeria, Spanien

täglich, Dauer ca. 6 Stunden. Von

Motril, Spanien, täglich, Dauer ca.

3 Stunden. Von Sète, Frankreich,

einmal pro Woche. Nach Al Hoceima:

von Motril, Spanien, dreimal

wöchentlich, Dauer 3 Stunden.

Das Dünenmeer des Erg Chebbi

Reisen im Land

Straßenverkehr

Für das Reisen mit dem Auto

benötigt man den Fahrzeug- und

Führerschein sowie die grüne

Versicherungskarte, die für Marokko

gültig sein muss. Ein Schutzbrief ist

empfehlenswert. Das Straßennetz

ist mittlerweile sehr gut ausgebaut.

Großstädte können über die

kostenpflichtigen (aber preiswerten)

Autobahnen angefahren werden.

Mittlerweile kann man Marokko

bis in den hintersten Winkel ohne

Geländewagen bereisen. Das Tankstellennetz

ist gut ausgebaut. Viele

Städte sind problemlos per Bahn

oder Bus zu erreichen.

Verkehr in der Stadt

Das beste Verkehrsmittel ist das

Stadttaxi (Petit Taxi, mit Taxometern

ausgestattet). Das Linienbusnetz ist

gut ausgebaut und preiswert. Die

Medina ist für Autos gesperrt. Eine

besonders reizvolle Art der Fortbewegung

bieten die Pferdekutschen

(Calèches). In den großen Städten

befinden sich Fernbusbahnhöfe und

Sammeltaxistände.

keineswegs teuer sein müssen. Wer

in der Medina wohnen möchte, dem

sei ein Riad empfohlen. Die Preise

für ein Zimmer in diesen ehemaligen

Stadtpalästen variieren sehr stark. Je

nach Ausstattung, Lage und Saison

findet man Zimmer im gesamten

Preisspektrum.

Notfall

Ist ein Arzt vonnöten, kann sehr

schnell und unkompliziert geholfen

werden. Hotels und Riads verfügen

meist über Adressen von Ärzten, mit

denen sie zusammenarbeiten. Nach

dem Anruf kommt der Arzt in der

Regel in kürzester Zeit ins Haus. Eine

Konsultation kostet etwa 50 Euro.

Der Betrag muss bar bezahlt werden.

In den größeren Städten gibt es

Notdienst-Apotheken, die nachts

geöffnet haben.

Notrufnummern

Polizei: 19

Feuerwehr : 15

Gendarmerie Royale: 177

Ambulanz / Feuerwehr: 150

Ärztliche Notfälle: 141

127


MAROKKO INFOS

DIE WICHTIGSTEN VERANSTALTUNGEN IN MAROKKO

Strände, Berge, Metropolen – Marokko ist für seine Vielseitigkeit

bekannt. Das gilt ausdrücklich auch für den

Veranstaltungskalender.

Januar

März

Festival International

des Nomades

www.nomadsfestival.org

‣ M‘hamid El Ghizlane

Drei Tage lang steht in M‘Hamid die

Kultur im Mittelpunkt. Alle Arten

von Künstlern sind zur Darbietung

eingeladen.

GKA Kiteworld Tour

www.gkakiteworldtour.com

‣ Dakhla

Ausschließlich die besten 100 Rider

und und Riderinnen der Welt nehmen

an diesem Kiteboarding-Event

teil, darunter die größten Champions

der Disziplin. Das Highlight des GKA

Dakhla Kitesurf World Cup ist das

Freestyle. Die Zuschauer dürfen sich

somit auf spektakuläre Figuren und

Sprünge freuen.

Mai

Printemps du Livre et des Arts

de Tanger

www.printempsdulivretanger.org

‣ Tanger

Bei diesem Buch- und Kunstfestival

dreht sich drei Tage lang alles um die

literarische und künstlerische Vitalität

Marokkos. Am Festival nehmen

vor allem marokkanische und

ausländische Schriftsteller, Dichter,

Künstler und Verleger teil.

Rosenfest

‣ El-Kelâa M‘Gouna

Ein farbenprächtiges Folklorefest zur

Rosenernte in der Oasenstadt an der

Straße der Kasbahs. Musik, Tänze

und Darbietungen.

Trophee Hassan II & Coupe Lalla

Meriem de Golf

www.hassan2golftrophy.com

‣ Rabat

Internationales Golfturnier mit

Teilnehmern der Weltelite.

Marathon de Marrakech

www.marathon-marrakech.com

‣ Marrakesch

Am letzten Januarwochenende ist

Marrakesch autofrei! Mehr als 8000

Läufer aus aller Welt nehmen an

dem prestigeträchtigen internationalen

Marathon teil.

Februar

Renault 4L Trophy

www.4ltrophy.com

‣ Quer durch Marokko

Eine 6000 km lange Wüstenrallye

von Frankreich nach Marrakesch mit

Renault 4L. Nur für Studenten!

Rallye Aïcha des Gazelles

www.rallyeaichadesgazelles.com

‣ Quer durch Marokko, Wüste

Internationale Wüstenrallye nur

für Frauen. Das Konzept ist, vom

Start zum Ziel auf dem kürzesten

Weg zu gelangen. Wer am Ende die

wenigsten Kilometer auf dem Tacho

hat, gewinnt – selbst wenn man als

Letzter das Ziel erreicht! Ohne Karte,

Kompass, GPS, festgelegte Routen.

Rallye du Maroc Classic

www.rallye-maroc-classic.com

‣ Quer durch Marokko

Offene Rallye für Oldtimer der Jahre

1930 bis 1980. Eine Rallye der Nostalgie,

die ein wenig von der Eleganz

und dem Charme des damaligen

Rennsports vermittelt.

Rallye Transmarocaine

www.go2events.fr/transmarocaine

‣ Von Essaouira über den Mittleren

Atlas nach Marrakesch

Offene Multi-Sport-Rallye, zu Fuß

sowie mit Mountainbike und Kanu.

April

Marathon des Sables

www.marathondessables.com

‣ Sahara-Wüste

Dieser legendäre, siebentägige

Wüstenmarathon gilt als einer der

härtesten Läufe der Welt. Sechs

extrem anstrengende Etappen mit

insgesamt 250 km sind in sieben

Tagen zu bewältigen. Die Läufer

müssen während des Laufes ihr

eigenes Gepäck tragen und das

Wasser ist rationiert!

Printemps des Alizés

www.printempsmusicaldesalizes.com

‣ Essaouira

Einzigartiges und unvergessliches

musikalisches Erlebnis mit herausragenden

Künstlern.

Festival de Merzouga

www.festivalmerzouga.com

‣ Merzouga

Festival der Wüstenmusik in Merzouga.

In der einzigartigen Dünenlandschaft

des Erg Chebbi finden neben

Musik- und Tanzveranstaltungen

auch Kunsthandwerksausstellungen

statt.

Oriental Legends Pro-Am

‣ Saidia

Das Oriental Legends Pro-Am ist

ein marokkanisches Golfturnier.

Profi- und Amateurgolfer können an

einem Wochenende auf einem der

schönsten Golfplätze der Region zwei

Runden zusammen spielen.

Juni

Meeting International Mohammed

VI d’Athlétisme

https://rabat.diamondleague.com

‣ Rabat

In Rabat findet jedes Jahr das internationale

Leichtathletik-Treffen mit

den besten Athleten der Welt statt.

Das Ereignis steht im Zeichen des

Umweltschutzes und führt Sportbegeisterte

aus aller Welt zusammen.

Festival Gnaoua & Musiques

du Monde

www.festival-gnaoua.net

‣ Essaouira

Das Internationale Festival der

spirituellen Gnaoua-Musik. Vier

Tage lang ist die Stadt Essaouira eine

einzige große Bühne: überall Musik,

belebte Straßen und volle Cafés.

128


MAROKKO INFOS

DIE WICHTIGSTEN VERANSTALTUNGEN IN MAROKKO

Festival de Fès des Musiques

sacrées du Monde

www.fesfestival.com

‣ Fes

Internationales Festival der sakralen

Weltmusik in Fes. Chöre, Orchester,

Tanzgruppen und Solisten aus aller

Welt spielen in den Andalusischen

Gärten im Palais du Batha in Fes-El-

Bali und auf dem Platz Bab Makina

in Fes-El-Jedid.

Festival National des Arts

Populaires

‣ Marrakesch

Ob Tanz, Gesang, Darbietungen

aus dem Zirkus oder der Welt

der Magie – hunderte völlig

verschiedene Künstler treten bei

diesem einzigartigen Festival auf.

Das Festival National des Arts

Populaires ist für alle Künste offen.

International renommierte Größen

und weniger bekannte Künstler

haben ein gemeinsames Ziel: Das

Publikum zu verzaubern. Bei den

Folkloreveranstaltungen werden

die althergebrachten Traditionen

der einzelnen Regionen des Landes

modern interpretiert. Jedes Jahr wird

ein Land als Ehrengast eingeladen.

Juli

Marrakech du Rire

www.marrakechdurire.com

‣ Marrakesch

Jedes Jahr kommt der berühmte

französisch-marokkanische

Comedian Jamel Debbouze nach

Marrakesch, um dieses äußerst

beliebte Comedy-Festival zu veranstalten.

Eine schöne Gelegenheit, alle

Menschen aus der gesamten französischsprachigen

Welt im Zeichen des

Humors zusammenzubringen.

Festival international du Raï

‣ Oujda

Fünf Tage lang wird Oujda zur

Hauptstadt des Raï, der traditionellen

und zeitgenössischen Musik des

Orients. Dieses Festival gilt als das

größte seiner Art. Die Zuschauer dürfen

sich auf Stars aller Generationen

und junge Talente aus Oujda und der

Region freuen.

Festival de la Culture Amazigh

www.festivalamazighfes.com

‣ Fes

Das Festival bietet kulturellen und

künstlerischen Darbietungen der

Amazigh-Kultur eine Bühne. Im

Fokus stehen Musik und Poesie.

Festival Timitar

www.festivaltimitar.ma

‣ Agadir

Das Timitar-Festival ist das vielleicht

bedeutendste Fest der Region. Amazigh-Künstler

treten gemeinsam mit

anderen Künstlern aus aller Welt auf.

An vier Abenden gibt es in Agadir

die Möglichkeit Ausstellungen zu

besuchen, Auftritte zu bewundern,

an Debatten teilzunehmen. Das Ziel:

mit der Musik Brücken zwischen den

verschiedenen Welten zu bauen, um

den zukünftigen Generationen den

Weg zu weisen.

Grand Prix de Marrakech

www.marrakechgrandprix.com

‣ Marrakesch

Der Marrakesch E-Prix ist ein

Automobilrennen der FIA-Formel-

E-Meisterschaft. Im Rahmen der

UN-Klimakonferenz in Marrakesch

2016 wurde der Marrakesch E-Prix

erstmals auf dem Circuit International

Automobile Moulay el Hassan

ausgetragen.

Semaine Nautique de M‘Diq

‣ M‘Diq, Tetouan

Am internationalen Segelwettbewerb

nehmen mehr als 70 Sportler

aus sieben Ländern aus Afrika, Europa

und Asien teil. Der Wettbewerb

zielt darauf ab, den marokkanischen

Sportlern die Möglichkeit zu geben,

von den Erfahrungen hochrangiger

Wettkämpfer zu lernen.

Moussem Moulay Abdellah

Amghar d‘El Jadida

www.moulayabdellah.ma

‣ El Jadida

Zum Moussem in El Jadida kommen

rund 300 000 Menschen zu Ehren

des Moulay Abdellah Amghar, der

im 12. Jahrhundert lebte. Fast 1000

Reiter repräsentieren bei den Fantasia-Reiterspielen

ihre Stämme.

Festival d‘Asilah

‣ Asilah

Das internationale Kulturfestival

ist inzwischen weit über die

Landesgrenzen hinaus bekannt.

Schriftsteller, Musiker, Maler und

Bildhauer pilgern für einen Monat

nach Asilah und lassen sich von der

einmaligen Atmosphäre der vom

Atlantik umspülten Festungsstadt

inspirieren.

Moussem International

Féminin d‘Asilah

‣ Asilah

Frauen-Festival; Kultur und Kunst,

Musik, Tänze und Darbietungen.

August

Festival Karacena

www.karacena.art

‣ Salé

Das Festival ist einzigartig in

Marokko und findet alle zwei

Jahre in Rabat und Salé statt. Bei

diesem Festival lässt sich der ganze

Reichtum der Zirkuswelt entdecken.

Die Darbietungen werden sowohl in

einer Zirkusschule als auch in mehreren

öffentlichen Räumen gezeigt.

Festival d‘Imilchil

‣ Imilchil im Hohen Atlas

Zum Jahresfest des Stammesheiligen

(Marabout) treffen sich tausende

Nomaden am Heiligengrab in

Imilchil im Hohen Atlas. Während

des Festes werden u.a. Ehen der Mitglieder

des Aït Haddidou Stammes

geschlossen.

September

Festival du Film de Femmes

de Salé

www.fiffs.ma

‣ Salé

Das Filmfestival verfolgt das Ziel, von

Frauen gemachte Filme zu fördern

und Frauen im Film hervorzuheben.

Moussem de Tan-Tan

www.fondationalmouggar.org

‣ Tan-Tan

Größtes Festival der Amazigh-Kultur

in Nordafrika. Es wird gesungen und

gedichtet.

TANJAzz in Tanger

www.tanjazz.org

‣ Tanger

Internationales Jazzfestival mit

kostenlosen Konzerten und Animationen

in den Straßen von Tanger.

Oasis Festival

www.intothewild.ma

‣ Dakhla, Marrakesch

Das größte Festival für elektronische

Musik in Marokko. Elektrosounds

werden mit lokaler Musik vermischt.

Tagsüber wird das Festival mit

mehreren Ständen belebt, wie Yoga-

& Henna-Workshops, Massagesitzungen

und Streetfood. Ursprünglich

fand das Festival in Marrakesch

statt. Ab 2022 nahm das Festival

Kurs auf andere Orte wie Dakhla und

Ouarzazate.

129


MAROKKO INFOS

DIE WICHTIGSTEN VERANSTALTUNGEN IN MAROKKO

Bin El Ouidane Swim & Run

‣ Bin El Ouidane

Bei diesem Wettkampf wird Laufen

und Schwimmen kombiniert. Er

findet am wunderschönen See von

Bin El Ouidane in der Provinz Azilal

statt. In Zweierteams müssen die

Teilnehmer zwischen und auf den

Inseln des Sees abwechselnd laufen

und schwimmen, um eine Gesamtstrecke

von 31 km zurückzulegen.

Davon entfallen fünf km auf das

Schwimmen und 26 km auf das

Laufen.

November

Oktober

Salon du Cheval in El Jadida

www.salonducheval.ma

‣ El Jadida

Jedes Jahr strömen mehr als tausend

Pferdeliebhaber aus der ganzen

Welt zur größten internationalen

Pferdemesse auf dem afrikanischen

Kontinent. Sechs Tage lang wechseln

sich Shows, Wettbewerbe und

Konferenzen ab.

Festival des Andalousies

Atlantiques

‣ Essaouira

Das Festival ehrt die jüdisch-arabisch-andalusische

Musik. Marokkos.

Das Ziel ist, das gemeinsame

Erbe Marokkos und Spaniens in den

Vordergrund der Kunst zu stellen.

Morocco Royal Tour

‣ Tetouan, Rabat, El Jadida

www.mrt.ma

Die Morocco Royal Tour, eine internationale

Springreit-Tour, die an drei

Wochenenden in drei verschiedenen

Städten stattfindet, ist eine Pflichtveranstaltung

im internationalen

Reitsportkalender. Der Wettbewerb

besteht aus drei Etappen. Die dritte

Etappe, das große Finale der Tour,

findet während des Salon du Cheval

in El Jadida statt.

Moga Festival

‣ Essaouira

www.mogafestival.com

MOGA ist ein Festival für elektronische

Musik. Das Festival will sich von

den Wellen des Atlantiks inspiriert

fühlen lassen, um die Menschen

aus aller Welt durch Tanz, Musik,

Kunst und Wellness miteinander zu

verbinden.

Festival de la Culture Soufie

‣ Fes

www.festivalculturesoufie.com

Das Festival bietet eine gute Gelegenheit,

die mit dem Sufismus

verbundenen Künste - Malerei,

Kalligraphie, Literatur und Film,

sowie die sufistischen Einflüsse in

der Architektur und im Lebensstil zu

entdecken.

Festival des Contes et Arts

Populaires de Zagora

‣ Zagora

Bei diesem Karnevalsfest im tiefen

Süden Marokkos bietet sich den

Bewohnern von Zagora die schöne

Gelegenheit auf den Straßen zu den

Rhythmen von Musikgruppen zu

feiern. Es gibt Einzel- und Gruppenauftritte

von Geschichtenerzählern,

interessante Kunstabende, spannende

Theaterstücke, Aufführungen

für Kinder sowie Workshops für

Körpersprache.

Raid Courrier Sud

www.raidcourriersud.fr

‣ Atlantikküste, Antiatlas u.a. im

Programm.

Diese Rallye ist eine Kombination

aus sportlichem Wettbewerb und

Entdeckungstour, währenddessen

die Teilnehmer Marokko beim

Mountainbiken und Laufen kennenlernen.

Inspiriert vom ersten Buch

von Saint-Exupéry „Südkurier”, wo er

seine Erfahrungen als Luftpostpilot

während des Ersten Weltkrieges verarbeitete,

ist das Ziel immer Tarfaya

(zur Saint-Exupérys Zeit „Cap Juby”).

Dattel-Fest

‣ Erfoud

Tanz, Musik und Darbietungen zur

Dattelernte in Erfoud (oder Rissani).

Ultra Trail Atlas Toubkal (UTAT)

www.atlas-trail.com

‣ Im Hohen Atlas

Seit mittlerweile 10 Jahren bringt

der Ultra Trail Atlas Toubkal

Läufer aus der ganzen Welt auf dem

wunderschönen Oukaïmeden-Plateau

zusammen. Jedes Jahr finden

sich viele Teilnehmer im Hohen Atlas

ein, um ein einzigartiges Abenteuer

zu erleben. Als idealer Spielplatz für

Outdoor-Sportler bieten die Berge

des Hohen Atlas atemberaubende

Landschaften sowie wilde, technische

und spielerische Pfade.

Festival International du Film

de Marrakech

www.festivalmarrakech.info

‣ Marrakesch

Das internationale Filmfestival lockt

seit Jahren eine beeindruckend

große Zahl von weltbekannten

Stars an.

Concert pour la Tolérance

‣ Agadir

Die Veranstaltung zieht jedes Mal

mehr als 150 000 Zuschauer an

den Strand und an die Corniche von

Agadir, um ein großartiges (und

kostenloses) Spektakel zu erleben.

Das Motto des Konzerts ist

Toleranz. Es treten marokkanische,

französische und andere internationale

Künstler auf, die sich für

die universellen Werte der Toleranz,

des Friedens, des Respekts und des

Dialogs einsetzen.

Dezember

Morocco Swim Trek

www.moroccoswimtrek.com

‣ Dakhla

Der Wettbewerb, der sich über vier

Tage erstreckt, findet in der Lagune

von Dakhla statt. Insgesamt müssen

25 km in vier Etappen zurückgelegt

werden. Gewonnen hat, wer für die

25 km am wenigsten Zeit benötigt.

130


132

www.visitmorocco.com

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