Chronik als PDF (Format DIN A4, 96 Seiten - Pommersche ...

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Chronik als PDF (Format DIN A4, 96 Seiten - Pommersche ...

150 JAHRE

POMMERSCHE VOLKSBANK EG

CHRONIK EINER ERFOLGSGESCHICHTE

1


3

Die Vorstandsmitglieder Bernhard Feldmann

und Holger Scheew (Sprecher) v. l. n. r.

VORWORT

Mitte des 19. Jahrhunderts – kleinen Handwerksbetrieben

macht die fortschreitende Industrialisierung

zu schaffen und Landwirte sind nach Missernten

in Gefahr, Haus und Hof zu verlieren. Raiffeisen,

Schulze-Delitzsch oder Haas erkennen diese Situation

und gründen zur Abwehr Selbsthilfevereine als

Vorläufer der Genossenschaftsbanken.

In Stralsund sind es 15 Kaufleute und Handwerker,

die diesen Beispielen folgen. Sie wollen Abhilfe für

eine Kreditklemme schaffen und rufen am 15. Juni

1860 den Credit-Verein, die heutige Pommersche

Volksbank eG, ins Leben.

2010 – die Pommersche Volksbank eG begeht ihr

150-jähriges Jubiläum. In den vielen zurückliegenden

Jahren mit ihren wechselhaften Epochen hat

die Bank nichts von ihrer Attraktivität eingebüßt

– sie war stets ein verlässlicher Partner für ihre Mitglieder,

Kunden und Menschen in der Region. Es ist

der Verdienst der jeweiligen Geschäftsleiter, ehrenamtlichen

Kontrollorgane sowie Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter. Ihnen gebührt unser besonderer

Dank und Anerkennung. Dieses Vermächtnis ist für

uns zugleich Verpflichtung, die Bank auch weiterhin

erfolgreich zu führen.

Danken möchten wir auch Frau Dr. Nehmzow mit

ihrem Team des Stralsunder Stadtarchivs für die Erstellung

dieser Chronik. Ihnen ist es gelungen, aus

den vielen historischen Unterlagen einen Abriss zur

Bankgeschichte zu geben, mit dem sie es verstehen,

den Leser auf eine spannende Zeitreise mitzunehmen.

Wir wünschen Ihnen bei der Lektüre viel Freude.

Vielleicht wird Ihnen, wie auch uns, Vieles bekannt

vorkommen. Dinge, die uns heute begegnen, haben

auch schon unsere Vorgänger beschäftigt.

Holger Scheew Bernhard Feldmann


INHALT

3 VORWORT

7 DIE GENOSSENSCHAFTLICHE IDEE

8 Selbstverantwortung, Selbstverwaltung, Hilfe zur Selbsthilfe

10 Der Stralsunder Credit-Verein wird geboren

13 Der Credit-Verein erweitert seinen Geschäftszweck

13 Schulze-Delitzsch kommt zu Besuch

13 Das preußische Genossenschaftsgesetz wird erlassen

17 BANKENENTWICKLUNG IM KAISERREICH

19 Einführung der Goldmark

19 Währungsreform beendet galoppierende Inflation

21 Wechselfälschungen belasten das Kundenvertrauen

21 Attraktive Dividendenausschüttung

21 Lukrative Bankkassiererstelle

22 Verbandsrevision

22 Hilfe für das „überschwemmte“ Rheinland

22 Neue Konkurrenz

22 Die Bank zieht in die Semlowerstraße 43

23 Der Credit-Verein als Gastgeber eines Verbandstages

24 Der Credit-Verein feiert sein 50 jähriges Bestehen

24 Der Credit-Verein bleibt krisenfest

25 Der erste Weltkrieg

27 DIE STRALSUNDER BANK IN DER WEIMAER REPUBLIK

29 Die Nachkriegszeit

29 Inflation vernichtet Vermögen der Sparer

31 Die Weltwirtwirtschaftskrise und das Ende der Weimarer Republik

31 Bankenkrise von 1931

33 DIE STRALSUNDER BANK WäHREND DES NATIONALSOZIALISMUS

34 Ein Ereignisreiches Jahr 1933

35 Aufbauprogramme sollen Wirtschaft ankurbeln

38 Die Volksbank Stralsund während des zweiten Weltkriegs

41 Der Geschäftsbetrieb wird eingestellt

43 Die Bank für Handwerk und Gewerbe e.G.m.H.

Während der Besatzungszeit

44 Wiederaufnahme der Bankgeschäfte

45 Neue Geschäftsadresse

48 Neues Geld

4


5

INHALT

51 DIE BANK FüR HANDWERK UND GEWERBE E.G.M.H.

IN DER DEUTSCHEN DEMOKRATISCHEN REPUBLIK

53 Erlebnisbericht Rosemarie Zeidler

54 Neustrukturierung des Bankwesens

56 Umzug in das Gebäude Katharinenberg 13a

57 Kauf des ehemaligen Domizils Mönchstr. 24

58 Banknotenumtausch

59 Umbau der Hauptstelle Mönchstr. 24

63 Der übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus

64 Erlebnisbericht Jürgen Küster

66 Die Mark der DDR wird eingeführt

68 20. Jahrestag nach Wiedereröffnung der Bank

69 Auswirkungen der SED-Parteitage für die

Bankenlandschaft in der DDR

75 DIE BANK IM VEREINTEN DEUTSCHLAND

76 Erlebnisbericht Kurt W. Frey

79 Umwandlung zur Volksbank Stralsund eG

80 Umbau der Hauptstelle

81 Fusion mit der Raiffeisenbank Stralsund eG

81 Die Raiffeisenbank Stralsund eG

81 Die Bank geht ihren Weg

82 Der Euro kommt

82 Die Hauptstelle wird zu klein

83 Fusion mit der Raiffeisenbank eG Grimmen

84 Geschichte der Raiffeisenbank Grimmen

85 Verschmelzung mit der Volksbank eG Ribnitz-Damgarten

86 Der Euro als Bargeld

88 Vereinigung mit der Volks- und Raiffeisenbank Rügen eG

zur Pommerschen Volksbank eG

88 Die Volks- und Raiffeisenbank Rügen eG

88 Der Verschmelzungsvertrag

88 GABI

89 Förderer in der Region

92 2010 – Das Jubiläumsjahr

95 IMPRESSUM


DIE GENOSSENSCHAFTLICHE IDEE

7


Raiffeisen

(1818-1888)

Haas

(1839-1913)

Schulze-Delitzsch

(1808-1883)

SELBSTVERANTWORTUNG,

SELBSTVERWALTUNG,

HILFE ZUR SELBSTHILFE

Die Erfolgsgeschichte der Genossenschaften

erzählt von der

schnellen weltweiten Ausbreitung

einer Idee und belegt

gleichzeitig eine erstaunliche

Anpassungsfähigkeit an aktuelle

Herausforderungen.

2006 wurde ihr gar eine ganz

besondere Ehre zuteil. Der Wirtschaftsprofessor

und Banker Muhammad

Yunus aus Bangladesch

wurde für seine genossenschaftliche

Arbeit mit dem Friedensnobelpreis

ausgezeichnet. Die von

ihm gegründete Grameen-Bank

vergibt Mikrokredite an die

Armen und verschafft ihnen so

ein Startkapital, um ihre wirtschaftliche

Existenz zu sichern

und künftig ein besseres Leben

führen zu können. Dieses Modell

erinnert stark an die Vorläufer

der im 19. Jahrhundert gegründeten

Genossenschaften.

Die gewaltigen Erfindungen

und technischen Verbesserungen

in dieser Zeit führten eine

tiefgreifende Umgestaltung des

gewerblichen Betriebes herbei.

Während sich in Frankreich und

England die Industrialisierung

bereits Mitte des 18. und zu Beginn

des 19. Jahrhunderts vollzogen

hatte, griffen diese Entwicklungen

in Deutschland erst in der

Mitte des 19. Jahrhunderts.

Verbesserungen und Fortschritte

auf gewerblichem Gebiet vermochte

das Handwerk auf Grund

fehlender finanzieller Mittel

gar nicht oder nicht erfolgreich

genug für sich auszunutzen. So

entstanden in Europa fast gleichzeitig

Selbsthilfeeinrichtungen.

Gleichgesinnte bündelten ihre

Kräfte und teilten die gemeinsam

erzielten Vorteile unter sich

auf.

Die ersten Kreditgenossenschaften

entstanden aber in Deutschland,

weil es hier noch kein

flächendeckendes und funktionierendes

Bankensystem gab.

Die vorhandenen Unternehmen

waren letztendlich der Industrie

und wohlhabenden Bürgern

vorbehalten. Handwerker,

Gewerbetreibende und Bauern

hatten kaum eine Möglichkeit,

Geld zu fairen Konditionen zu

leihen. Ohne finanzielle Mittel

war es jedoch fast nicht möglich,

die wirtschaftliche Existenz zu

sichern. Das wiederum ermöglichte

Wucherern ungeahnte

Möglichkeiten. Ohne Rücksicht

zogen sie den kleinen Leuten

das Geld aus der Tasche.

Diese Situation blieb den Begründern

der deutschen Genossenschaften

Friedrich Wilhelm

Raiffeisen, Hermann Schulze-

Delitzsch und Wilhelm Haas

nicht verborgen. Sie alle entstammten

dem gehobenen

Bildungsbürgertum und waren

durch ihre Arbeit täglich mit den

8

Sorgen und Nöten der einfachen

Menschen konfrontiert. Alle drei

hatten ein Ziel, aber unterschiedliche

Herangehensweisen an die

Lösung der Probleme.

Raiffeisen (1818-1888) sah für

die Not leidende ländliche Bevölkerung

in der genossenschaftlichen

Selbsthilfe einen Ausweg

aus der Misere und forderte die

Rückbesinnung auf christliche

Werte.

Haas (1839-1913) appellierte an

die solidarische Mitverantwortung

der Menschen und erwarb

sich besondere Verdienste bei

der Vernetzung von landwirtschaftlichen

Genossenschaften.

Schulze-Delitzsch (1808–1883)

wollte mit Hilfe der Genossenschaften

insbesondere den Handwerkern

und Kleinunternehmern

in den Städten eine Möglichkeit

aufzeigen, ihre wirtschaftliche

Selbständigkeit zu bewahren.

Sein oberstes Ziel bestand darin,

die Wettbewerbsfähigkeit von

Handwerkern und Kleinunternehmen

durch Selbsthilfe,

Selbstverwaltung und Selbstverantwortung

zu stärken. Er

ermutigte die Menschen, aktiv

an der Verbesserung ihrer Lage

mitzuwirken. Eine staatliche

Bevormundung lehnte er mit

Vehemenz ab, da diese freies Unternehmertum

behindern würde,

indem sie Eigeninitiative ersticke.

Und da die Kraft des Einzelnen

unter veränderten wirtschaftlichen

Bedingungen nicht ausreiche,

um die Herausforderungen

zu meistern, bedürfe es der solidarischen

Vereinigung. Deshalb

gründete der Jurist als Erster ab

1849 in umfassender Weise nach

einem einheitlichen Plan Genossenschaften

der Handwerker

und Arbeiter. In diesen galt bald

der Leitsatz „Vereinter Kraft gar

leicht gelingt, was einer nicht

zustande bringt“.

Schulze-Delitzsch gilt als „Vater

und Gestalter des deutschen

Genossenschaftswesens“. Mit

dem von ihm initiierten und

am 27.3.1867 erlassenen preußischen

Genossenschaftsgesetz,

das mit der Reichsgründung


1871 zu Reichsrecht wurde und

die Genossenschaft als juristische

Person auswies, gelang der

Genossenschaftsbewegung ein

wichtiger Erfolg. Den endgültigen

Durchbruch erzielte sie aber

durch das Reichsgesetz betreffend

die Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften

vom

1.5.1889 (Genossenschaftsgesetz),

das bis zur umfassenden Reform

bis 2006 gültig war.

Den Begriff Volksbank verwendete

Schulze-Delitzsch erstmals

im Jahre 1855 in seiner Veröffentlichung

„Vorschuß- und Kreditvereine

als Volksbanken“. In

einem gleichnamigen Handbuch

erläuterte er anschaulich den

Gründungsprozess einer solchen.

Wie sah die Situation für Handwerker

und kleine Gewerbetreibende

um 1860 in dem ca.18.000

Einwohner zählenden Stralsund

aus?

Im Wirtschaftsgefüge nahm das

Handwerk einen bedeutenden

Platz ein. Zählt man die Schiffer

zu dieser Berufsgruppe hinzu,

kann man von nahezu 2.500

Personen sprechen, die im Handwerk

beschäftigt waren. Hinzu

kamen etwa 140 Großkaufleute

und 75 Höker (Kleinkaufleute).

Auch die Landwirtschaft hatte

eine nicht unbedeutende Stellung

im Wirtschaftsgefüge inne.

Industriebetriebe hatten sich erst

im bescheidenen Maße angesiedelt.

Als Bank arbeitete lediglich

die städtische Sparkasse.

9

Genossenschaftsgesetz

1867

Alter Markt in

Stralsund, um

1860


Inserat zur

Vorbereitung

der Vereinsgründung

Ankündigung

der Generalversammlung

(1860)

Verzeichnis der

Gründungsmitglieder

des

Credit-Vereins

Statut des

Credit-Vereins,

1860 (li.)

Inserat zur

Eröffnung

der Bank am

1.8.1860 (re.)

10

DER STRALSUNDER CREDIT-VEREIN

WIRD GEBOREN

In der „Stralsundischen Zeitung“ erscheinen mehrere

Inserate, die die Handwerker und Bauern im

Stadt- und Landkreis aufhorchen lassen. Es geht um

Vorschussvereine. Von solchen Einrichtungen hat

man schon einiges gehört und über die Vor- und

Nachteile lebhaft diskutiert. Die Inserenten zeigen

an, „dass die in Neuvorpommern und Rügen bestehenden

Credit-Verhältnisse zur Zeit nicht mehr

genügen“ und eine „änderung und Verbesserung

derselben dringend geboten“ sei. Auf mehreren

Versammlungen werden Interessierte darüber aufgeklärt,

worin der Zweck solcher Vereine besteht.

Die Werbung fällt auf fruchtbaren Boden und am

15.06.1860 wird im „Hotel du Nord“ von 15 Kaufleuten

und Handwerkern der Stralsunder Credit-

Verein ins Leben gerufen. Dessen Ziel besteht darin,

den Mitgliedern die erforderlichen Geldmittel

für ihre Geschäfts- und Wirtschaftsbetriebe auf

gemeinschaftlichen Kredit zur Verfügung zu stellen

und damit eine „sittliche und materielle Hebung

des Handwerkerstandes“ zu erreichen. Die Gründungsmitglieder

verabschieden ein erstes Statut,

das von J. W. Osten als Vorsitzendem, J. Steffen als

Kassierer und J. F. Figuhr als Schriftführer unterzeichnet

wird.

Seine Geschäftstätigkeit beginnt der Verein am

1.08.1860 in angemieteten Räumen in der Fährstraße

19. 66 Mitglieder zahlen ein Stammkapital

von 918 Taler ein.

Der voll gezahlte Stammanteil der Mitglieder

beträgt 20 Taler, das Eintrittsgeld 1 Taler, der

Monatsbeitrag 5 Silbergroschen und die Höhe der

Vorschüsse (Kredite) ist auf 5 - 50 Taler festgesetzt.

(Ein Handwerksgeselle verdiente in dieser Zeit bei

freier Kost und Logis jährlich ca. 40 Taler).


11

Gründungsurkunde

(15.6.1860)

Fährstraße in

Stralsund um

1860


Mitgliederver-

zeichnis


DER CREDIT-VEREIN ERWEITERT

SEINEN GESCHäFTSZWECK

Auf Beschluss der Generalversammlung

wird am 15.06.1862

beim Credit-Verein eine Sparkasse

eröffnet, die sich bald

großer Beliebtheit innerhalb der

Stralsunder Bevölkerung erfreut.

Jedermann ist berechtigt, seinen

„Sparpfennig“ auf der neuen

Sparkasse zu deponieren.

Garanten für die Sicherheit

dieser Geldanlage sind die 257

„ehrbaren Männer“, die inzwischen

Mitglieder der Genossenschaft

sind.

Nach einjährigem Bestehen verweist

die Sparkasse auf Einlagen

von 7.679 Talern und der festgesetzte

Zinsfuß von 3,5 % kommt

sowohl Mitgliedern als auch

Sparern zu Gute. Im Vergleich

zu anderen Stralsunder Kreditinstituten

hat die Sparkasse des

Credit-Vereins an jedem Wochentag

geöffnet, gewährt eine

gute Verzinsung und zahlt auch

größere Beträge ohne vorherige

Kündigung an die Kunden aus.

SCHULZE-DELITZSCH KOMMT ZU

BESUCH

Der Credit-Verein führt die

doppelte Buchführung ein. Er

begründet die Veränderung mit

dem stetig gestiegenen Geschäftsumfang,

bei dem die einfache

Buchführung nicht mehr

die notwendige Gewähr für die

übersichtlichkeit biete.

Die Genossenschaft zählt 1.864

bereits 368 Mitglieder, davon 25

Auswärtige.

Um aber das eigene Kapital zum

fremden in ein angemessenes

Verhältnis zu bringen, wird der

Maximalbetrag des Stammanteils

auf 60 Taler erhöht. Die erstmals

veröffentlichte Bilanz weist

eine Endsumme von 63.602 Taler,

27 Silbergroschen und 1 Pfennig

aus. Die Generalversammlung

beschließt die Gewährung von

Vorschüssen bis zu 1.000 Talern

und Einlagen auf Sparbüchern

bis zu 200 Talern.

In diesem Jahr eröffnet die

Genossenschaft Konten bei der

Disconto-Gesellschaft in Berlin

und bei der Ritterschaftlichen

Privatbank in Stettin, um nicht

benötigte Kassenbestände verzinslich

anzulegen.

Aus Sicherheitsgründen wird die

Anzahl der Vorstandsmitglieder

auf 12 Personen erhöht. Anlass

dafür ist die Unterschlagung von

11.676 Talern aus der Vereinskasse

durch den Kassierer. Dieser

Vorfall schwächt das Vertrauen

der Mitglieder in die noch junge

Genossenschaft beträchtlich.

Vorstandschef der Bank ist zu

diesem Zeitpunkt der Apotheker

Dr. Karl Gustav Weißenborn.

Ein besonderer Höhepunkt

für die Vereinsmitglieder und

viele andere Stralsunder ist der

Besuch von Dr. Schulze-Delitzsch

am 30./31.Mai 1864 in Stralsund.

Der Mitbegründer des deutschen

Genossenschaftswesens hält

vor zahlreichen Zuhörern im

„Hotel du Nord“ einen Vortrag

zur „Handwerkerfrage“, ist Gast

eines Festessens mit 200 geladenen

Gästen und tauft am 31.

Mai ein Schiff auf den Namen

„Schulze-Delitzsch“.

DAS PREUSSISCHE GENOSSEN-

SCHAFTSGESETZ WIRD ERLASSEN

Der Credit-Verein vereinheitlicht

das Geschäftsjahr mit dem Kalenderjahr

und erhöht den Zinsfuß

bei Vergabe von Vorschüssen.

Da das Geschäftsguthaben und

die Darlehen der Mitglieder

nicht ausreichen, in einer Zeit der

Anspannung des Geldmarktes die

Nachfrage nach Krediten zu befriedigen,

beschließt der Vorstand,

Einlagen in laufender Rechnung

und auf feste Fristen auch von

Nichtmitgliedern anzunehmen.

Auf Antrag des Credit-Vereins

genehmigt der Rat der Stadt

Stralsund die zinsbare Belegung

disponibler Kapitalien der

Genossenschaft bei der Stadtsparkasse.

Die Verbindungen zur

Ritterschaftlichen Privatbank in

Stettin und zur Disconto-Gesellschaft

in Berlin werden infolge

der hohen Unkosten aufgegeben.

Im Rechnungsjahr 1864/65 macht

der Credit-Verein erstmals finanzielle

Verluste, die aber durch

13

den Reservefonds beglichen werden

können. Die Krise wird aber

schneller überstanden als vermutet,

da der Verein im Zusammenhang

mit dem Genossenschaftsgesetz

vom 27. März 1867 durch

Schlussbilanz

1864

Dr. Karl Gustav

Weißenborn mit

seiner Gattin

Emilie, geb.

Dumrath

Hotel du Nord

(danach Hotel

Bismarck), Mühlenstr.20/21


Genossenschafts

gesetz

1889

Eintragung in das Genossenschaftsregister 1868

mit dem Zusatz „Eingetragene Genossenschaft mit

unbeschränkter Haftpflicht“ firmiert und dadurch

nach außen den Eindruck einer größeren Sicherheit

für die Darlehensgläubiger hinterlässt.

Gleichzeitig werden im Zusammenhang mit dem

Erlass des Genossenschaftsgesetzes die Aufgaben

des Kassierers und Kontrolleurs nicht mehr von Mitgliedern

des Vorstandes im Nebenberuf ausgeführt.

Eigens dafür bestellte Mitarbeiter werden mit der

Führung dieser Geschäfte betraut und die Vereinskasse

übernimmt deren Bezahlung. An die Spitze

des Vereins tritt von nun ab ein Direktor. Dem

Vorstand beiseite steht der Verwaltungsrat, der sich

aus 12 Mitgliedern zusammensetzt und dessen Aufgaben

in der Revision der Finanzgeschäfte bestehen.

Des Weiteren zählt die Prüfung der durch den

Vorstand vorgelegten Bilanzen auf ihre Richtigkeit

zum Aufgabenfeld. Der Verwaltungsrat nennt sich

im Einklang mit dem Genossenschaftsgesetz Aufsichtsrat,

an dessen Seite als höchstes Kontrollorgan

die Generalversammlung tritt.

Die Bank zieht als Mieter in die Semlowerstraße 43.

14


15

Semlower

Straße


BANKENENTWICKLUNG IM KAISERREICH

(1871 – 1919)

17


Banknoten

Taler, Mark


EINFüHRUNG DER

GOLDMARK

Das deutsche Geldwesen befindet sich in einem Zustand,

„der das ganze Leben des Volkes vergiftet“,

so der Vater der Münzreform Ludwig Bamberger.

Tatsächlich herrscht ein unüberschaubares Wirrwarr.

Es gibt acht Landeswährungen mit insgesamt 119

verschiedenen Münzen, wie Gulden, Taler oder

Groschen. Hinzu kommen auch noch Papiergeldscheine.

Nach heftigen Debatten im Reichstag einigt man

sich auf die Währungsunion, die sich über mehrere

Jahre hinzieht.

1871 wird die Goldmark als gesetzliches Zahlungsmittel

eingeführt.

Bezahlt wird bis 1873 noch mit altem und neuem

Geld. Ab 1876 wird der gesamte deutsche Geldumlauf

durch die Reichsbank geregelt.

Der Jahresabschluss der Genossenschaft 1871

gestaltet sich „äußerst günstig“, da erhebliche Gewinne

in Höhe von 4.272 Talern durch Aktienpapiere

erzielt worden sind. Der Reingewinn beträgt in

diesem Jahr 6.513 Taler, 12 Groschen und 5 Pfennig.

Die gute Geschäftslage des Vereins ergibt sich auch

aus der erheblich niedrigeren Verzinsung (4 %) der

aufgenommenen fremden Gelder.

Die Kapitalangebote an den Verein sind höher als

der eigentliche Bedarf. Dennoch wird kein Geld abgewiesen,

sondern zu den geltenden Bedingungen

angenommen.

Im Zusammenhang mit der Zinsherabsetzung, die

auch das Betriebskapital erheblich billiger macht,

wird auch der Zinsfuß für Vorschüsse von 6 % auf

5,5 % gesenkt.

Da das Betriebskapital an fremden Mitteln infolge

der Geldflüssigkeit nach dem Deutsch-Französischen

Krieg 1870/71 eine erhebliche Erweiterung

erfährt, ist eine Vermehrung des eigenen Genossenschaftskapitals

erstrebenswert. Deshalb wird

der Maximalbetrag des einzelnen Stammanteils

von 60 auf 100 Taler erhöht. Noch vor Jahresschluss

zahlt eine erhebliche Anzahl der Mitglieder den

Geschäftsanteil voll.

In den Verwaltungsrat neu gewählt werden die

Kaufleute W. Falkenberg und E. Fischer, wiedergewählt

Böttcher Berg, Kaufmann Lehl, Altermann

Meincke sowie Kaufmann Mierendorff.

1872 eröffnet der Credit-Verein ein Konto bei der

Deutschen Genossenschaftsbank von Sorgel, Parisius

& Cie. in Berlin.

19

WäHRUNGSREFORM BEENDET

GALOPPIERENDE INFLATION

Die Genossenschaft kann 1874 wiederum in fast

allen Geschäftszweigen einen gegenüber dem Vorjahr

vergrößerten Umsatz nachweisen.

Vorschüsse: 134.082 Taler

Vorschüsse in laufender Rechnung: 1.162.048 Taler

Aufgenommene Darlehen: 105.051 Taler

Darlehen in laufender Rechnung: 1.106.364 Taler

Spareinlagen: 153.302 Taler 28 Groschen 6 Pfennig

Geschäftsanteile der Mitglieder: 4.620 Taler

22 Groschen 2 Pfennig

Der Gesamtumsatz auf allen Konten beträgt

14.925.814 Taler 27 Groschen und 8 Pfennig. Der

Reingewinn wird mit 4.866 Talern 14 Groschen und

7 Pfennig beziffert.

Die Generalversammlung beschließt, dem Vorstand

Tantiemen von 10% des Reingewinns anstatt einer

fälligen Gehaltserhöhung und dem Verwaltungsrat

eine Remuneration (Vergütung) von 300 Talern zu

gewähren sowie 10% Dividende zur Verteilung zu

bringen.

Der Verein zählt 642 Mitglieder.

änderungen im Statut des Vereins ergeben sich

durch die Zustimmung der Mitglieder zur Zulassung

der „vollen Reichsmark“ zur Dividende und auf

Erhöhung des Eintrittsgeldes auf 10 Reichsmark.


Einladung zur

Generalver-

sammlung


WECHSELFäLSCHUNGEN BELASTEN

DAS KUNDENVERTRAUEN

In der Bank werden umfangreiche Wechselfälschungen

des Vorstandsmitgliedes Weyergang in

Höhe von 56.000 Mark bekannt. Die Folge ist eine

umfangreiche Kündigung fremder Kapitalien, was

zum Stillstand in der Entwicklung des Unternehmens

führt.

Die Bilanzen von 1875/76 weisen einen Rückgang

von 1.150.000 auf 830.000 Mark und die Aufnahme

eines Bankdarlehens von 192.000 Mark auf. Nur

die prompte Auszahlung der gekündigten Gelder

rettet das Ansehen der Bank. Trotzdem treten 21

Mitglieder aus, so dass sich der Mitgliederbestand

am Ende des Jahres 1875 bei 621 befindet.

ATTRAKTIVE

DIVIDENDENAUSSCHüTTUNG

Auf der Generalversammlung am 27. Februar

1878 wird festgestellt, dass sich die Geschäfte

der Bank im Jahre 1877 in „sehr befriedigender

Weise entwickelt haben und allen mit genügender

Sicherstellung verbundenen Credit-Anforderungen

der Mitglieder jederzeit ohne Schwierigkeiten hat

entsprochen werden können.“

Der Geldzufluss wird als „gleichmäßig und stetig“

beschrieben. Die aus fremden Geldern (verzinslichen

Darlehen und Spareinlagen) bestehenden

Betriebsfonds betragen am Jahresschluss 1.028.855

Mark und erreichen somit einen Zuwachs von

110.000 Mark. Der vermehrte Zufluss von Geld

macht sich auch durch den Zusammenbruch der

Ritterschaftlichen Privatbank in Stettin bemerkbar.

Der Gesamtumsatz der Bank wird auf 46.539.084,86

Mark beziffert.

Der Reingewinn beträgt 17.432,50 Mark.

Die Generalversammlung folgt dem Vorschlag

des Verwaltungsrates und bringt 12% Dividende

zur Verteilung. Eine relativ hohe Dividende kann

auch 1878 beobachtet werden, die vermutlich als

Lockmittel für neue Mitglieder zu verstehen ist.

Eine so hohe Dividende ist bis 1922 nicht wieder zur

Ausschüttung gekommen.

Der Credit-Verein eröffnet ein Girokonto bei der

Reichsbankstelle in Stralsund.

Die Höhe des Stammanteils wird 1878 auf 600 Mark

festgesetzt. Durch diese Maßnahme werden die eigenen

Bestände um 40.000 Mark gehoben und das

Verhältnis der eigenen Bestände zu den fremden

Geldern verändert sich von 1:5,61 auf 1:6,53.

1883 bestehen die Betriebsmittel der Bank zu

78,79% aus angeliehenen und 21,21% aus eigenen

Kapitalien.

21

LUKRATIVE

BANKKASSIERERSTELLE

Bereits im Januar 1879 wird vom Credit-Verein

die vertrauenswürdige Stelle des Kassierers ausgeschrieben

und die Generalversammlung am 3.

Februar 1879 beschließt neue Gehälter für den

Kassierer und den Kontrolleur des Vereins. Nach

kontrovers geführten Diskussionen wird das Jahresgehalt

für den Kassierer auf 4.000 Mark und für

den Kontrolleur auf 3.500 Mark festgesetzt. Das

entspricht einem Monatsgehalt von 333 bzw. 291

Mark. (Vergleichsweise verdient eine Dienstmagd

in dieser Zeit für eine tägliche Arbeitszeit von 12

Stunden etwa 80 Mark, ein Maurer 250 Mark, ein

Schulleiter 350 Mark und ein Inspektor auf einem

Landgut 500 Mark.)

Ankündigung

der Generalversammlung

1879

Ausschreibung

der Kassiererstelle

1879

Mitglieder des

Verwaltungsrates

1879


Inserat Eröffnung

1902

VERBANDSREVISION

Erstmalig in der Vereinsgeschichte wird im Dezember

1881 durch den Norddeutschen Genossenschaftsverband

eine Revision der gesamten

Einrichtungen der Stralsunder Bank durchgeführt.

Das Unternehmen stellt sich als einer der größten

und modernsten Vereine freiwillig der Untersuchung,

um Vorbildwirkung auf andere Kreditgenossenschaften

auszuüben. Dabei kann es, wie

Schulze-Delitzsch fordert, nicht darum gehen,

Einzelgeschäfte zu prüfen. Die Gesamttätigkeit der

Genossenschaft solle zur Disposition stehen, um

Verbesserungen in der Arbeit herbeizuführen.

Die Mitgliederzahl beträgt im Geschäftsjahr

1881 625. Der Gesamtumsatz bewegt sich bei

51.706.996,04 Mark und der Reingewinn wird mit

22.800 Mark angegeben. Die Generalversammlung

beschließt am 27. Feb. 1882 eine Dividende von 8%.

HILFE FüR DAS

„üBERSCHWEMMTE“ RHEINLAND

Hermann Schulze-Delitzsch schlägt den Kreditgenossenschaften

vor, karitativ tätig zu werden und

einen Teil des Reingewinns aus dem Jahre 1882 zu

Gunsten des durch starke überschwemmung in

Mitleidenschaft gezogenen Rheinlandes zu verwenden.

Die Mitglieder der Stralsunder Bank greifen

auf ihrer Generalversammlung am 19.2.1883 diesen

Vorschlag auf, der aber nicht zur Umsetzung gelangt.

Eine Hilfe für das Rheinland wird aber durch

freiwillige Sammlungen innerhalb der Mitgliedschaft

realisiert.

Auf ihrer Generalversammlung am 25.9.1883 ehren

die Mitglieder die Verdienste des am 29.4.1883 verstorbenen

Begründers des Genossenschaftswesens

Dr. Hermann Schultze-Delitzsch.

Die Generalversammlung am 28.2.1888 beschließt,

den Verwaltungsratsmitgliedern grundsätzlich als

Aufwandsentschädigung für ihre Tätigkeit 3 % des

jährlichen Reingewinns zur Verfügung zu stellen.

Eine festgelegte Aufwandsentschädigung hat es zuvor

nicht gegeben, so dass die Mitgliederversammlung

auf Antrag in jedem Jahr darüber abzustimmen

hatte. 1887 beträgt der Reingewinn 22.642,86

Mark. Den Mitgliedern wird eine Dividende von 7%

gewährt.

Wiedergewählt in den Aufsichtsrat werden der

Kaufmann Wothke, der Schiffbaumeister Mohr, der

Klempnermeister Bäsell und der Kaufmann Mayer.

22

1889 wandelt sich der Verein in eine Genossenschaft

mit unbeschränkter Haftpflicht um und wird

als Credit-Verein zu Stralsund eGmuH unter der

Genossenschaftsregisternummer 1 des Amtsgerichtes

Stralsund eingetragen.

NEUE

KONKURRENZ

Die Bank erhöht 1896 auf Grund der Besserung der

wirtschaftlichen Lage den Zinssatz für Darlehen in

laufender Rechnung von 1% auf 2%.

Die Bautätigkeit in Stralsund ist rege und der

Credit-Verein kann mit Hilfe der ihm durch die

Zinsaufbesserung zugeströmten Gelder seiner Mitglieder

bei genügender Sicherheit weitgehendste

Kredite gewähren.

Die Umsätze auf den Konten bessern sich bedeutend.

Das Jahr 1898 zeigt gegenüber dem Vorjahr

eine Erhöhung des Gesamtumsatzes um fast 2

Millionen Mark.

Um die Jahrhundertwende erhöht die Reichsbank

sukzessive ihren Wechseldiskontsatz von 4 auf 7 %

und es macht sich insgesamt eine Geldknappheit

bemerkbar. Vorübergehend erhöht die Stralsunder

Bank den Zinssatz für laufende Darlehen auf 3 %

und stellt sich durch diese Maßnahme die notwendigen

Betriebsmittel zur Verfügung. Die Zinssätze

auf den anderen Konten erfahren eine Erhöhung

um je ein halbes Prozent. Letzteres geschieht

nicht zuletzt in Konkurrenz mit der im Jahre 1900

gegründeten Neuvorpommerschen Spar- und

Credit-Bank. Da diese als eine Aktiengesellschaft

bei der Kreditgewährung nicht an eine Maximalgrenze

gebunden ist und auch im Großhandel, den

sie größtenteils zu ihren Kunden zählt, günstigere

Anlagebedingungen hat, muss sich die Stralsunder

Bank bei den Zinsen für aufgenommene Darlehen

und Spareinlagen nach der Konkurrenz richten.

Damit verhindert sie nachweislich ein verstärktes

Abfließen von Kapitalien.

DIE BANK ZIEHT IN DIE

SEMLOWERSTRASSE 43

1902 kauf die Bank das Grundstück Semlower straße

43 in bester Lage der Stadt und baut das dazu

gehörige Gebäude zu einem modernen Geschäftslokal

um.

In dieser Zeit kann ein Stillstand in der Entwicklung

des Unternehmens beobachtet werden, der

einerseits durch die wirtschaftliche Notlage des

Handwerks und der Kaufleute hervorgerufen

wird, die teilweise durch die schlechten Ernten im

Getreide- und Hackfruchtanbau der benachbarten

landwirtschaftlichen Gebiete beeinträchtigt werden.

Andererseits hatte sich die Form einer Genossenschaft

besonders in einer Handels- und Geschäftswelt

wie es sie in Stralsund gab, bis zu einem

bestimmten Grad überlebt, da sowohl die Kreditbe-


schaffung mit gewissen Schwierigkeiten verknüpft

und auch die Höhe des Kredits begrenzt war. Hinzu

kommt, dass die Stralsunder Bank in Form einer

Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht für

jedes Mitglied die Gefahr in sich trug, für fehlgeschlagene

Spekulationsgeschäfte eines Mitglieds

bis zu jeder Höhe mit seinem Vermögen gerade zu

stehen. Das schreckte potentielle neue Mitglieder

ab. Die wandten sich deshalb eher der Neuvorpommerschen

Spar- und Kreditbank zu.

23

DER CREDIT-VEREIN ALS

GASTGEBER EINES VERBANDSTAGES

Der Credit-Verein ist Gastgeber für den 42. Verbandstag

der Norddeutschen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften,

der vom 21. Juli – 23. Juli

1904 in Stralsund im Rüheschen Konzerthaus tagt.

Von 50 Vereinen, die dem Verband angehören, sind

35 mit Delegierten vertreten. Verbandsdirektor

Stech bezeichnet in seiner Rede vor den Delegierten

und Gästen die Arbeit der Genossenschaften

als segensreich zur Stärkung und Verbesserung der

wirtschaftlichen Lage ihrer Mitglieder. Die dem

Verband angehörenden Genossenschaften waren

1903 in der Lage, ihren Mitgliedern Kredite in Höhe

von 60 Millionen Mark zu gewähren. Die durchschnittlich

veranlagten Zinsen in Höhe von 5 % sind

im Vergleich zu anderen Kreditinstituten durchaus

konkurrenzfähig. Der Verbandsdirektor fordert die

Genossenschaften auf, im Interesse der Mitglieder

die „Sucht nach hohen Dividenden“ möglichst einzudämmen.

Durchschnittlich beträgt die Höhe der

Dividende im Verband 5 %. Dieser Wert trifft auch

Quittungs -

buch des

Credit-Vereins


Einladung zur

Verbandstagung

vom 21.7. bis

23.7.1904

Tages ordnung

der Verbandstagung

Konzerthaus

Rühe;

(später Gewerkschaftshaus)

Stralsund

Konzerthaus

Rühe (später-

Gewerkschaftshaus)

24

für die Stralsunder Bank für die Jahre 1902–1904 zu.

Ein Fazit des Verbandstages besteht in der Erkenntnis,

dass die Zeiten der einfachen Vorschussvereine

vorbei seien und man den Mitgliedern dasselbe

bieten müsse, was eine Bank bietet. Dazu gehöre

auch die Einrichtung des Kontokorrentverkehrs.

Die Delegierten der Tagung wählen den Rechtanwalt

Stech aus Neustrelitz erneut zum Verbandsdirektor.

Das Rahmenprogramm für die Delegierten bietet

Ausflüge nach Lauterbach und Binz sowie die Teilnahme

an den Feierlichkeiten zur Enthüllung des

Lambert-Steinwich-Denkmals auf dem Alten Markt

am 24. Juli 1904.

DER CREDIT-VEREIN FEIERT SEIN

50 JäHRIGES BESTEHEN

Von den einstigen Gründungsmitgliedern ist lediglich

der Damastweber A. Pohl noch am Leben.

In der Generalversammlung am 16. März 1910

würdigt Direktor Reinhold Pieritz die 50-jährige

Entwicklung des Vereins trotz Höhen und Tiefen

als segenbringend für die Mitglieder und die ganze

Region. Seinen Dank richtet er auch an die Mitglieder

des Vorstandes, des Verwaltungsrates und

Aufsichtsrates für ihre unermüdliche Tätigkeit.

Die Genossenschaft zählt 818 Mitglieder, darunter

181 selbständige Handwerker sowie 121 selbständige

Kaufleute und Händler. Unter den Mitgliedern

sind auch 192 Frauen.

Laut Verwaltungsbericht des Jahres 1910 erwirtschaftet

das Unternehmen einen Reingewinn von

33.404,41 Mark und sieht seine Hauptaufgabe nicht

in der hohen Verzinsung des Mitgliederguthabens,

sondern in der Vergabe möglichst billiger Kredite

für die Anteilinhaber.

DER CREDIT-VEREIN

BLEIBT KRISENFEST

Die schwere Geldkrise in Amerika im Jahre 1907,

deren Auswirkungen sich über die ganze Welt

erstreckten, lassen vorübergehend auch bei der

Stralsunder Bank die Zinssätze etwas ansteigen.

Die nachfolgenden Jahre stehen aber wiederum

im Zeichen einer ruhigen Weiterentwicklung. Die

Sätze, zu denen Kapitalien angenommen werden,

erfahren nur geringe Veränderungen. Das Jahr

1912 setzt mit einem unbedeutenden Rückgang

der Einlagen ein. Infolge der sich an den italienischtürkischen

Krieg anschließenden Balkanunruhen

entziehen verängstigte Kunden dem Bankverkehr

namhafte Beträge von Spareinlagen. Zudem wird

die Landwirtschaft durch anhaltende ungünstige

Witterung an der rechtzeitigen Einbringung der

Ernte gehindert, wodurch wiederum größere Verluste

an Spareinlagen unvermeidlich sind.

Aus den genannten Gründen verringern sich die


Gesamteinlagen der Stralsunder Bank um 150.000

Mark. Die Bilanz des Jahres 1913 weist einen Gesamtumsatz

von 2.966.943,70 Mark aus.

DER ERSTE

WELTKRIEG

Das Kriegsjahr 1914 lässt noch einen größeren Abfluss

an fremden Geldern eintreten, aber schon im

zweiten Kriegsjahr nehmen die Depositen wieder

dieselbe Höhe ein wie im letzen Friedensjahr.

Die Spareinlagen weisen aber auf Grund der starken

Beteiligung des kleinen Sparers an den Kriegsanleihen

eine Verminderung auf.

Die Zunahme auf dem Depositenkonto steigert

sich in den nächsten Jahren aus den Verdiensten

mit Nahrungsmittelgeschäften und mit Firmen, die

Heereslieferungen übernehmen, ganz bedeutend.

Dadurch machen sich die beträchtlichen Abgänge

für die Kriegsanleihezeichnungen nicht sonderlich

bemerkbar.

1916 liegen die Zinssätze für Darlehen in laufender

Rechnung und für Spareinlagen bei 3 % sowie für

Darlehen mit festen Fristen bei 4 %.

Bis 1918 wachsen die fremden Kapitalien in der

Bank auf 40 % an. Diese Steigerung hält bis in das

Inflationsjahr 1923 an, in dem sich dann die Ziffern

in märchenhaften Summen verlieren.

Gemäß Beschluss der Generalversammlung vom 18.

September 1916 und nach Ablauf des gesetzlich

vorgeschriebenen Sperrjahres wird die Genossenschaft

zum 1. Januar 1918 in eine „Genossenschaft

mit beschränkter Haftpflicht“ umgewandelt und

das Unternehmen erhält den Namen

„Stralsunder Bank, eingetragene Genossenschaft mit

beschränkter Haftpflicht“.

Im Zusammenhang mit der Umwandlung und der

Firmenänderung wird eine Umgestaltung der Satzung

vorgenommen. Laut § 1 ist „der Gegenstand

des Unternehmens der Betrieb von Bankgeschäften

zum Zwecke der Beschaffung der in Gewerbe und

Wirtschaft der Mitglieder nötigen Mittel.“ Das Betriebskapital

setzt sich aus dem Genossenschaftsvermögen

und aus fremden Geldern zusammen, die

„nach dem durch das Kreditbedürfnis der Mitglieder

gebotenen Umfange aufgenommen werden können.“

Die Organe sind der Vorstand, der Aufsichtsrat

und die Generalversammlung.

25

Mit der Umwandlung des Geldinstituts in eine

Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht erhöht

sich die Zahl der Mitglieder um 33 auf 815. Die

Anzahl der Stammanteile vermehrt sich um 193.

Ebenso erfährt das eigene Kapital eine erhebliche

Steigerung. Hinzu kommt, dass durch die fortschreitende

Entwertung der Mark den Gewerbetreibenden

und Kaufleuten die Möglichkeit gegeben wird,

die verhältnismäßig niedrig gehaltenen Anteile

ohne wesentliche Schwierigkeiten zu erwerben und

auszuzahlen. Die Jahre des Niedergangs der Wirtschaft

und der Zerrüttung der Währung weisen ein

Anwachsen der Mitgliederzahlen und damit eine

beträchtliche Vermehrung der eigenen Mittel aus.

Einladung zur

Generalversammlung

zum

50 jährigen

Bestehen


DIE STRALSUNDER BANK

IN DER WEIMARER REPUBLIK

27


Wilhelm Struck,

Vorstand (li.)

Wilhelm Zander,

Vorstand (re.)

Bankräume in

der Semlower-

straße um 1910

28


DIE NACHKRIEGSZEIT

Mit Einführung der stabilen Währung im Jahr 1923

wird jeder Geschäftsanteil eines Mitglieds auf 200

Mark festgesetzt und jedes Mitglied kann nach §

48a der Satzung bis zu fünf Anteile erwerben. Ein

Erwerb weiterer Anteile wird aber erst dann gestattet,

wenn der vorhergehende Anteil voll bezahlt ist.

Die Haftsumme ist für jeden Anteil auf 600 Mark

festgesetzt.

INFLATION VERNICHTET

VERMöGEN DER SPARER

Nach Einführung der festen Währung wird wieder

jedem Handwerker und Kaufmann die Möglichkeit

gegeben, zu rechnen, zu kalkulieren und zu

disponieren. Das deutsche Wirtschaftsleben kommt

in Gang und die Banken werden von Seiten der

Kreditsuchenden stark in Anspruch genommen. Die

eigenen Mittel der Genossenschaft sind infolge der

Umstellung enorm zusammengeschrumpft, aber die

Einlagen der Mitglieder erleichtern den Neubeginn.

Das Geschäftsjahr 1924 gestaltet sich für die Stralsunder

Bank „zufriedenstellend.“ Die Schlussbilanz

zeigt für Spareinlagen den Betrag von 5.102 Mark

und für Depositen die Summe von 219.946 Mark an.

Das Vertrauen, das der Bank von ihrer Gründung an

entgegengebracht wurde, ist durch die Kriegs- und

Nachkriegszeit nicht wesentlich erschüttert worden.

Die Mitgliederzahl ist von 483 im Jahre 1913 auf

1185 im Jahre 1924 gestiegen. Obwohl die Zahl der

Mitglieder im Vergleich zum Jahre 1913 fast um die

Hälfte wächst, verringert sich das Geschäftsguthaben

auf ein Zehntel. Die Ursache dafür liegt in der

eigenen Nutzung des Kapitals durch Handwerker

29

und Kaufleute für ihre Firmen oder den Lebensunterhalt.

Die Mitgliederschaft der Bank besteht vor dem 1.

Weltkrieg zu einem Sechstel aus Rentnern und Pensionären.

Diese verlieren durch die Inflation fast vollständig

ihr Vermögen. An deren Stelle treten nach

1924 Personen mit geringeren Einlagen. So weist die

Bilanz von 1913 Spareinlagen in Höhe von 1.366.321

Inserat zur Umbenennung

des

Credit-Vereins

in Stralsunder

Bank 1918

Bilanz1924

Jahresumsätze

der Bank

1864–1924


Notgeld

1923


Mark auf. 1924 sind es lediglich 5.102 Mark.

1913 muss die Bank, um die hereinströmenden Kapitalien

zinsbringend anzulegen, nach Hypotheken

greifen. 1924 sieht sie sich genötigt, für gegebene

Wechsel Kapitalien aufzunehmen, um den Kreditanforderungen

seitens der Mitglieder gerecht zu

werden.

Für die im Laufe des Jahres 1924 neu eingezahlten

Mitgliederguthaben beschließt die Generalversammlung

anstelle der früher ausgeschütteten

Dividende eine Verzinsung von 10 %. Das kann

zugleich als Lockmittel für zukünftige Kunden

bewertet werden.

Am Jahresende 1928 kann die Bank trotz unerfreulicher

wirtschaftlicher Entwicklung und

„Versteifung am Geldmarkt“ eine positive Bilanz

ziehen. Die Umsätze weisen eine Steigerung von

8 Millionen Reichsmark auf und bewegen sich bei

54.302.039 Reichsmark.

Die Bank macht einen Reingewinn von 19.567,73

Reichsmark und zur Verteilung kommen 10 %

Dividende.

Der Höchstbetrag des einem Mitglied zu gewährenden

Kredites beläuft sich auf 30.000 Reichsmark.

Im Geschäftsjahr 1928 vergibt das Unternehmen

Kredite in Höhe von 1.371.355,12 Reichsmark.

Die Bank zählt 900 Mitglieder, davon sind 123 selbständige

Handwerker, 201 selbständige Kaufleute

und Fabrikanten, 89 Angehörige freier Berufe, 29

selbständige Landwirte, 36 Arbeiter und Angestellte

sowie 422 Sonstige.

Direktor des Unternehmens ist Walter Biederstedt

und sein Stellvertreter Ernst Kollhoff.

Im Geschäftsjahr 1928 verstirbt der Kaufmann

Julius Sandhop, langjähriges Mitglied der Bank und

Vorsitzender des Aufsichtsrates.

DIE WELTWIRTWIRTSCHAFTSKRISE UND

DAS ENDE DER WEIMARER REPUBLIK

Der „schwarze Freitag“ am 25.10.1929 an der New

Yorker Börse leitet die Weltwirtschaftskrise ein. Die

Kurse der Wertpapiere fallen schlagartig und lösen

eine Panik unter den Aktienhändlern aus.

Die enge Verflechtung des amerikanischen mit dem

deutschen Geldmarkt wirkt beschleunigend auf

die Entwicklung der Krise in Deutschland. So muss

Bankdirektor Walter Biederstedt in seinem Bericht

vor der Generalversammlung bereits Ende des

Jahres 1929 konstatieren, dass „die wirtschaftliche

Krise außerordentlich schwer“ sei und die „Zahl der

Zusammenbrüche, der Konkurse, der Zwangsvergleiche

und die Zahl der Arbeitslosen eine Höhe“

erreicht habe, „wie sie wohl die größten Pessimisten

nicht vorgesehen haben.“ Eindringlich fordert

er den Mittelstand auf, sich im Interesse des überlebens

den genossenschaftlichen Kreditorganisationen

anzuschließen, da offensichtlich von den Großbanken

eine Unterstützung der Mittelschicht nicht

erwartet werden kann. Erstmals kommt das Thema

31

Fusion der Genossenschaftsbanken als Gewähr für

das überleben der Banken in die Diskussion.

BANKENKRISE VON 1931

Der 13. Juli 1931 wird in Deutschland als „schwarzer

Freitag“ bezeichnet, denn mit dem Zusammenbruch

der großen und einflussreichen Darmstädter

und Nationalbank (Danatbank) droht der völlige

Ruin des deutschen Bankenwesens. Um die weitere

Ausbreitung der Finanzkrise zu verhindern, verabschiedet

die deutsche Regierung mehrere Notverordnungen,

die u. a. die Devisenzwangsbewirtschaftung

unter der Kontrolle der Reichsbank und

eine zweitägige Schließung der Banken beinhaltet.

Durch diese Maßnahmen werden die Bankkunden

enorm verunsichert, greifen zu unüberlegten

Abforderungen ihrer Einlagen und horten diese zu

Hause „im Strumpf“. Schätzungen gehen davon

aus, dass in Deutschland ca. 1 Milliarde Reichsmark

so den Banken entzogen wurde.

Auch um Stralsund machen diese Entwicklungen

keinen Bogen, so dass auch die Stralsunder Bank

in kleinerem Umfang „Angstabhebungen“ in Kauf

nehmen muss. Dennoch bezeichnet das Unternehmen

das Geschäftsjahr 1930 als befriedigend und

kann 8 % Dividende zur Verteilung bringen. Der

Reingewinn beträgt nach Abschreibungen immerhin

noch 17.511,14 Reichsmark, die Bilanzsumme

50.623.013 Reichsmark.

Die Weltwirtschaftskrise hinterlässt auch in Stralsund

tiefe Spuren.

Im Zeitraum 1929–1932 müssen 65 kleine Fabriken,

Handwerksbetriebe und Geschäfte Konkurs anmelden,

171 Gebäude kommen unter Zwangsversteigerung.

Im Geschäftsjahr 1931/32 geht die Anzahl der

Beschäftigten in Handwerksbetrieben von 2.362 im

Jahr 1929 auf 700 zurück. Im Baugewerbe sind 83%

der Arbeiter ohne Beschäftigung. Insgesamt gibt es

unter den 44.310 Stralsunder Einwohnern 16.277

registrierte Arbeitslose.

Zudem hat der schlechte Sommer 1931 negative

Auswirkungen auf die Landwirtschaft und den

Urlaubsbetrieb in den Badeorten.

Liegenschaften kommen oftmals nur zu einem Drittel

ihres eigentlichen Wertes zur Veräußerung.

Die geschilderte negative Entwicklung spiegelt sich

auch in den Umsatzziffern der Stralsunder Bank

wider. Das Jahr 1931 bringt einen Rückgang des

Umsatzes um 10 Millionen, so dass der Direktor die

Lage als „untragbar“ einschätzen muss.

Mit Rücksicht auf die schwierigen wirtschaftlichen

Verhältnisse beschließt die Generalversammlung

am 26. März 1932, den überschuss aus dem Jahre

1931 einem Rückstellungskonto gutzuschreiben.

Neu gewählt in den Aufsichtsrat wird der Kaufmann

Arnold Fischer.


DIE STRALSUNDER BANK

WäHREND DES NATIONALSOZIALISMUS

33


Schlussbilanz

der Stralsunder

Bank für das

Geschäftsjahr

1933

EIN EREIGNISREICHES

JAHR 1933

Am 30. Januar 1933 ernennt der Reichspräsident

Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler

und beauftragt ihn mit der Regierungsbildung.

In Stralsund bleibt der deutsch-konservative Dr. Carl

Heydemann Oberbürgermeister der Stadt, obwohl

die Bürgerschaftsmitglieder der NSDAP vehement

für seine Absetzung stimmen. Der überwiegende

Teil der Bürger sehnt sich aber in die gute alte Kaiserzeit

zurück und verhält sich deshalb gegenüber

der NSDAP zunächst reserviert bis ablehnend.

Laut Geschäftsbericht hatte die Stralsunder Bank im

Jahre 1932 mit den „schweren Folgen der Bankenkrise

im Juli 1931“ außerordentlich zu kämpfen.

Die sehr schlechte Auftragslage im städtischen

Handwerk spiegelt sich in der Bilanz der Stralsunder

Bank wider, die einen Rückgang des Umsatzes

von etwa 4,5 Millionen Reichsmark aufweist. Seit

34

dem August 1932 scheint eine Stabilisierung durchzugreifen.

Abhebungen sind im letzten halben Jahr

verhältnismäßig wenig zu verzeichnen. Die Reichshilfe

bietet Sicherheit für die weitere Zukunft, falls

Abschreibungen notwendig werden sollten.

Auf Grund dieser Bewilligung kann die Verteilung

einer Dividende für das verflossene Jahr noch nicht

erfolgen. Dem Vorstand ist es wichtiger, für die

Erhaltung der Einlagen in voller Höhe zu sorgen.


AUFBAUPROGRAMME SOLLEN

WIRTSCHAFT ANKURBELN

Mit stark ausgeweiteten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen

soll die Arbeitslosigkeit in Deutschland

drastisch gesenkt werden. Das Hauptvorhaben

ist dabei der Bau von Reichsautobahnen, durch

deren Errichtung 15.000 Arbeiter in Lohn und

Brot gelangen. Um die Lage des Mittelstandes zu

verbessern, werden Steuererleichterungen in Form

von Gutscheinen und Zuschüssen für die Instandsetzung

von Wohnungen und für Umbauten

gewährt. Dadurch verbessert sich die Auftragslage

des örtlichen Handwerks. Durch die Festsetzung

von Erzeugerpreisen wird der Niedergang der

Landwirtschaft aufgehalten.

In Stralsund werden die Arbeiten zum Bau des Rügendammes,

die schon im September 1933 wieder

begannen, weiter forciert.

35

Am Aufbauprogramm beteiligt sich die Stralsunder

Bank mit der Bereitstellung von Krediten für Instandsetzungsarbeiten

und andere Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen.

Um die Bereitstellung von Krediten noch weiter zu

erleichtern, genehmigen die Mitglieder auf der Generalversammlung

vom 15. Mai 1934 die Erhöhung

Der Bau des

Rügendammes

1933 war eine

große Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.

Kundenschalter

der Stralsunder

Bank in der

Semlowerstraße 43


Deckblatt des

Geschäftsberichts

der Stralsunder

Bank für

das Jahr 1935

Stralsunder

Bank, Semlowerstraße

43,

1935 (li.)

Werbung der

Stralsunder

Bank im Stralsunder

Tageblatt

vom 29. Januar

1938 (re.)

der Kreditgrenze für Darlehen im Rahmen des Arbeitsbeschaffungsprogramms

in dringenden Fällen

auf 150.000 Reichsmark. Der turnusmäßig aus dem

Aufsichtsrat ausscheidende Tischlermeister Oskar

Hüter wird wieder gewählt, währenddessen für

den verstorbenen Studienrat Krüger die Mitglieder

einstimmig Bäckermeister Gustav Wehnert in den

Aufsichtsrat berufen. Ein junger Mann namens

Berthold Beitz nimmt 1934 eine zweijährige Lehre

zum Bankkaufmann auf. Niemand ahnt, dass aus

dem am 26. September 1913 in Zemmin geborenen

Beitz einmal der Generalbevollmächtigte der Friedrich

Krupp GmbH und Vorsitzende des Kuratoriums

36

der Alfried-Krupp-von Bohlen-und-Halbach-Stiftung

werden sollte.

Direktor Walter Biederstedt spricht auf der Generalversammlung

am 3. April 1935 aus Anlass des

75-jährigen Bestehens des Instituts über dessen

Geschichte und Aufbau. älteste Mitglieder in der

Genossenschaft sind die stadtbekannten Bürger

Heinrich Stein, Wilhelm Dähn, Max Dankwardt,

Wilhelm Zemsch, Carl Rubarth, Carl Dettmann

und Wilhelm Schütz. An der Jubiläumssitzung

nimmt auch Direktor Dahl von der Hauptgenossenschaftsbank

E. G. m. b. H. Berlin teil, der über die

„Aufgaben der Genossenschaften im Dritten Reich“

spricht.

Die allgemeine Besserung der Wirtschaftslage im

Jahre 1935 macht sich auch für die Bank bemerkbar.

So steigt der Umsatz innerhalb eines Jahres von

25 auf 31 Millionen Reichsmark. An den Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen

beteiligt sich die Bank

durch die Vergabe von kurzfristigen Krediten. Im

Geschäftsbericht wird besonders hervorgehoben,

dass die Bank allen berechtigten Kreditgesuchen

der Mitglieder nachkommen konnte. Erstmalig seit

1931 beschließt die Generalversammlung wieder

die Auszahlung einer Dividende, die 3,5 % beträgt.

Die Aufsichtsratswahl endet mit der einstimmigen

Wiederwahl von Konditoreibesitzer Eduard Mehlert,

Kaufmann Reinhold Zillmann und Kaufmann

Arnold Fischer.

In diesem Jahr lässt die Bank in dem Speicher des

Grundstückes Semlowerstrasse 43 einen Auto-Unterstellraum

einbauen.

Nach der Einführung der allgemeinen Wehrdienstpflicht

am 22. Mai 1935 beginnt ein umfangreiches

Bauprogramm in der Wehrmacht, das auch in Stralsund

seinen sichtbaren Ausdruck in der Erweiterung

bestehender Kasernen und in der Errichtung

neuer militärischer Anlagen findet. Im Zusammenhang

mit den militärischen Neubauten entstehen

in der Knieper-Vorstadt und in der heutigen

Rudolf-Breitscheid-Straße neue Wohnhäuser mit

Wohnungen für Militärangehörige. Der allgemeine

wirtschaftliche Aufschwung und das Bauprogramm

der Wehrmacht wirkt sich positiv auf die Geschäftstätigkeit

der Stralsunder Bank aus. Sie unterstützt

mit der Vergabe von Krediten die Firmen und

Handwerker der Hansestadt und der näheren

Umgebung. So kann Direktor Wilhelm Biederstedt

auf der Generalversammlung am 2. März 1838


mitteilen, dass sich der Umsatz

bis Ende 1937 auf 50 Millionen

Reichsmark erhöht hat.

Für die weitere Verwirklichung

des Gedankens einer genossenschaftlichen

Selbsthilfe durch die

Gesamtheit der genossenschaftlichen

Banken wird ein Garantiefonds

gebildet. Dieser stellt

gewissermaßen eine Generalreserve

aller Genossenschaftsbanken

dar. Die Stralsunder Bank

zahlt 725 Reichsmark in diesen

Fonds ein.

DIE VOLKSBANK STRALSUND

WäHREND

DES ZWEITEN WELTKRIEGS

Auf der Generalversammlung

am 2. März 1939 werden zwei

änderungen im Statut der

Genossenschaftsbank vorgenommen.

Die anwesenden Mitglieder

beschließen einstimmig die Umbenennung

der Stralsunder Bank

in Volksbank. Dazu erscheint am

9. März im „Stralsunder Tageblatt“

und in der „Pommerschen

Zeitung“ eine Bekanntmachung

mit folgendem Wortlaut:

„In übereinstimmung mit allen

deutschen Kreditgenossenschaften

haben auch wir uns, dem

Zuge der heutigen Wirtschaftsentwicklung

entsprechend,

entschlossen, die einheitlichen

Firmenbezeichnung Volksbank

Stralsund Eingetragene Genossenschaft

mit beschränkter

Haftpflicht zu übernehmen.

Nachdem diese Firmenänderung

in unserer Generalversammlung

vom 2. März 1939 einstimmig

beschlossen und die Eintragung

37

in das Genossenschaftsregister

beim Amtsgericht Stralsund

erfolgt ist, bitten wir unsere

Mitglieder und Geschäftsfreunde,

von dieser Firmenänderung

Kenntnis zu nehmen.“

Weiterhin fasst die Generalversammlung

den Beschluss, dass

der Vorstand aus mindestens

zwei Mitgliedern bestehen soll,

die Mitglied der NSDAP sind.

Die Volksbank befindet sich stetig

im Aufstieg. „Dank der zielsicheren

nationalsozialistischen

Wirtschaftslenkung“, so Direktor

Walter Biederstedt, „haben

sich Handwerk und Gewerbe in

unserm Geschäftsbereich in gesunder

Weise weiter entwickelt;

auch unsere Genossenschaft hat

im letzten Geschäftsjahr hieran

regen Anteil gehabt.“

Der Umsatz des Institutes beträgt

1938 58 Millionen Reichsmark.

Im Mai 1939 erfolgt der Einbau

einer Nachttresoranlage, um den

Geschäftsfreunden eine Abliefe-

100 Reichsmark.

Ausgabedatum

30. Mai 1936.

Außerkraftsetzung

26. Juni

1948


Mitteilung über

die Umbenennung

in Volksbank

Stralsund

E. G. m. b. H.,

9. März 1939

Wie so oft fand

die Generalversammlung

am

2. März 1939 im

Hotel „Goldener

Löwe“ statt.

rung von Beträgen zu jeder Tages- und Nachtzeit

zu ermöglichen.

Mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in

Polen beginnt am 1. September 1939 der Zweite

Weltkrieg. Begeistert begrüßt wird der neuerliche

Krieg von den Deutschen nicht. Bei den deutschen

Banken und Sparkassen bleibt aber alles ruhig.

Auch die Volksbank Stralsund hat keine nennenswerten

Abhebungen infolge des Kriegsausbruchs

zu verzeichnen. Der Geschäftsverkehr läuft vollkommen

normal weiter.

Am 4. Oktober stirbt Vorstandsmitglied Ernst

Friedrich Kohlhoff. Für ihn wird bis zum 31. März

1940 der Aufsichtsratsvorsitzende Arnold Fischer als

2. Vorstandsmitglied bestimmt.

Vorstand und Aufsichtsrat setzen sich nun aus folgenden

Personen zusammen:

Vorstand: Walter Biederstedt, hauptamtlich,

Arnold Fischer, ehrenamtlich

Aufsichtsrat: Vorsitzender Tischlermeister Oskar

Hüter, Konditoreibesitzer Eduard Mehlert, Juwelier

Carl Stabenow, Bäckermeister Gustav Wehnert,

Oberlehrer Fritz Wähnke.

Vom 27. November bis 8. Dezember 1939 erfolgt

eine Prüfung der Volksbank Stralsund durch den

Pommerschen Genossenschaftsverband (Schulze-

Delitzsch) e. V. unter Berücksichtigung der Verordnung

über Maßnahmen auf dem Gebiete des

Rechts der Handelsgesellschaften und der Erwerbs-

und Wirtschaftsgenossenschaften vom 4. September

1939.


39

Gebäude der

Volksbank

Semlowerstraße

43, um 1940


Werbung der

Volksbank im

Geschäftsbericht

für das

Jahr 1940

Deckblatt des

Geschäftsberichts

für das

Jahr 1940

40

In Stralsund beginnt in diesem Jahr die so genannte

Entschandelung. Dabei sollen die Häuserfassaden

ganzer Straßenzüge von übermäßigem Stuck sowie

aufdringlicher Werbung befreit werden und einen

neuen Farbanstrich erhalten. In der Semlowerstraße

startet die Aktion, die als Vorzeigeprojekt

für ganz Norddeutschland gilt. Durch den Ausbruch

des Krieges kommt es aber nicht mehr zu einer

Erneuerung der Fassade der Volksbank. Um „nach

dem siegreichen Ende des Krieges“ die Arbeiten

ausführen zu können, stellt die Volksbank vorsorglich

7.000 Reichsmark in ein Rückstellungskonto ein.

Die Entwicklung der Volksbank Stralsund kann laut

Geschäftsbericht für das Jahr 1941 als „günstig“

bezeichnet werden. Infolge des Zustromes fremder

Gelder ist die Bilanzsumme im Jahre 1940 von 2,2

Millionen auf 3 Millionen Reichsmark gestiegen.

1941 erhöht sie sich sogar weiter auf 4 Millionen

Reichsmark. Der Creditbedarf der Mitglieder kann

zu jeder Zeit mit Hilfe eigener Mittel befriedigt

werden.

Für den Umbau des Hauses, der erst nach dem Ende

des Krieges vorgenommen werden kann, stellt die

Bank 5.000 Reichsmark bereit.

Trotz des Krieges kann die Bank im Jahre 1942

ihren Umsatz von 64 auf 67 Millionen Reichsmark

steigern. Für das Jahr 1943 kann der Vorstand letztmalig

einen Geschäftsbericht der Generalversammlung

vorlegen. In allen Eckdaten zeigt sich weiterhin

eine positive Entwicklung der Bank. Deshalb

wird wiederum eine Dividende von 5 % ausgezahlt.


DER GESCHäFTSBETRIEB

WIRD EINGESTELLT

Im Sommer und Herbst des Jahres 1944 wird

der Krieg für die Stralsunder Bevölkerung direkt

spürbar. Die anglo-amerikanischen Bombenangriffe,

vor allem der Angriff vom 6. Oktober bringen

starke Zerstörungen und großes menschliches Leid.

385 Gebäude der Innenstadt und weite Teile der

Frankenvorstadt liegen in Trümmern, darunter bedeutende

Baudenkmale wie die Johanniskirche, das

Semlower Tor oder das Wrangelpalais. Nahezu 700

Menschen finden den Tod. Die NSDAP ordnet für

den 12. und 16. Oktober zwei Massenbegräbnisse

auf dem Ehrenfriedhof an, die sich zu „machtvollen

Demonstrationen“ entwickeln und den „unbeugsamen

Siegeswillen“ der Stralsunder zum Ausdruck

bringen sollen. Tatsächlich verbreiten sich unter der

Mehrheit der Stralsunder Bevölkerung Fatalismus

und Apathie.

Auch das Geschäftsgebäude der Volksbank in der

Semlowerstraße 43 wird während des Angriffs von

einer Bombe getroffen. Die Zerstörungen sind so

groß, dass ein weiterer Geschäftsbetrieb darin nicht

mehr möglich ist. Daher zieht die Volksbank in Räume

der Reichsbank an der Tribseer Straße 1 um.

In den Morgenstunden des 1. Mai 1945 rücken

Truppen der Roten Armee in Stralsund ein.

Am nächsten Tag stellt die Volksbank ihren Geschäftsbetrieb

ein.

41

Blick in die

Semlowerstraße

nach dem

Bombenangriff

vom 6. Oktober

1944

Gebäude der

Volksbank in der

Semlowerstraße

nach dem

Bombenangriff

vom 6. Oktober

1944


DIE BANK FüR HANDWERK UND GEWERBE E.G.M.H.

WäHREND DER BESATZUNGSZEIT

43


52 Mitteilung

an das Sekretari-

atIndustriewe- sen über die

Aufnahme der

Tätigkeit der

früheren Volks-

bank, 24. April

1946

WIEDERAUFNAHME

DER BANKGESCHäFTE

Am 15. Januar 1946 erlässt der

Oberste Chef der Sowjetischen

Militäradministration den Befehl

Nr. 14 zur Wiedererrichtung der

Volksbanken als Gewerbebanken.

In der Ausgabe der „Täglichen

Rundschau“ vom 29. Januar 1946

erscheint dazu folgende Mitteilung:

„Aus dem Stabe der Sowjetischen

Militärverwaltung:

Wiedererrichtung von Banken für

Gewerbe und Handwerk (frühere

Volksbanken) in der sowjetischen

Besatzungszone Deutschlands.

Zur gedeihlichen Entwicklung

von Gewerbe und Handwerk in

der sowjetischen Besatzungszone

Deutschlands hat der Oberste

Chef der Sowjetischen Militärverwaltung

die Wiederaufnahme

der Tätigkeit der Volksbanken

erlaubt. Die Leitung der Banken

für Handwerk und Gewerbe

(ehemals Volksbanken) ist bis zur

Wahl der neuen Verwaltungen

den Organisationsausschüssen

zu übertragen, die von den

örtlichen Selbstverwaltungen

berufen werden. Den Organisationsausschüssen

sind die

Wiedererfassung aller Mitglieder

der Banken für Handwerk

und Gewerbe bis zum 1. März

1946 und die Gewährleistung

der vorbereitenden Arbeiten

zur Wahl der neuen Verwaltung

der Volksbanken zu übertragen.

Bis zum 1. Mai d. J. müssen die

Wahlen der Verwaltungsorgane

der Banken für Gewerbe und

Handwerk durchgeführt sein.

Den Banken für Handwerk und

Gewerbe ist es erlaubt, eine

Ergänzung ihres Stammkapitals

durch nachträgliche Einzahlung

von seiten ihrer alten Mitglieder

in Höhe von 50% von deren

ehemaligen Anteilen und durch

Heranziehung der Anteile neuer

Mitglieder vorzunehmen. Das

44

Vermögen der Banken für Gewerbe

und Handwerk sowie deren

Kontokorrent- und Kassensalden

in Kreditanstalten, die sich nach

dem 9. Mai 1945 gebildet haben,

gehen in die Verfügung der Organisationsausschüsse

über.“

Am 20. Februar erfolgt in Stralsund

die Ernennung eines Organisationsausschusses

zur Neuwahl

der Verwaltungsorgane der Bank

für Handel und Gewerbe.

Das Komitee besteht aus dem

Berufsschuldirektor Fritz Wähnke,

dem Kaufmann Arnold Fischer

und dem Kaufmann Kurt Kröning.

Am 3. April übergibt der

Organisationsausschuss

der Bank für Handwerk und Gewerbe

e. G. m. b. H. dem Stadtkommandanten

einen Antrag

auf Genehmigung zur Durchführung

einer Versammlung für die

Wiederaufnahme der Tätigkeit

der Bank. Nur wenige Tage später,

am 11. April, findet die außerordentlicheGeneralversammlung

zur Wiederaufnahme der

Tätigkeit der Bank für Handwerk

und Gewerbe (ehemals Volksbank)

im „Hotel am Bahnhof“

statt. Die anwesenden Mitglieder

genehmigen das neue Statut und

den neuen Namen der Bank, die

fortan Bank für Handwerk und

Gewerbe e. G. m. b. H. heißt.

In den Aufsichtsrat werden

Berufsschuldirektor Fritz Wähnke,

Kaufmann Arnold Fischer,

Kaufmann Kurt Kröning, Bauunternehmer

Augustin Hotze, Gastwirt

Ernst Müller und Uhrmachermeister

Gustav Jäger gewählt.

Den Vorsitz des Aufsichtsrates

übernimmt Kurt Kröning. Am

23. April 1946 wird die Bank in

Räumen des Hauses Mönchstraße

24 wieder eröffnet. Mit einer Einlage

von 600 Reichsmark beginnt

das Kassengeschäft. Reinhard

Ponick und Friedrich Wähnke

werden am 1. Oktober vom Aufsichtsrat

zu Vorstandsmitgliedern

berufen.


NEUE

GESCHäFTSADRESSE

Zur Geschichte des Hauses

Mönchstraße 24

Das große dreigeschossige Gebäude

Mönchstraße 24 mit seiner

ansehnlichen Fassade wurde in

den Jahren 1888/89 errichtet. Zuvor

stand an dieser Stelle das so

genannte Große Beghinenhaus.

Beghinen waren im Mittelalter

Gemeinschaften von Frauen, die

unter einer Vorsteherin ohne

Klostergelübde zusammen lebten.

Späterhin entwickelten sich die

Stralsunder Beghinenhäuser mehr

und mehr zu „Altersheimen“, in

die man sich einkaufen musste.

Mitte des 19. Jahrhunderts waren

die Zustände im Großen Beghinenhaus

katastrophal. Immer

und immer wieder reichten die

Vorsteher beim Rat Gesuche für

einen Neubau oder zumindest

für eine Verlegung des Beghinenhauses

ein. 1888 erfolgte dann

endlich am Knieperwall der Bau

eines neuen Gebäudes. Haus und

Grundstück Mönchstraße 24 erwarb

im gleichen Jahr der Möbelhändler

Ferdinand Karow. Dieser

übergab der zuständigen städtischen

Behörde am 22. September

1888 folgendes Baugesuch: „Der

Wohllöblichen Polizei-Direktion

erlaube ich mir, in der Anlage die

Zeichnung über den von mir beabsichtigten

Neubau eines Wohnhauses

auf dem Grundstücke

Mönchstraße 24 hierselbst mit

der gehorsamen Bitte vorzulegen,

mir die Bauerlaubnis auf Grund

derselben ertheilen zu wollen;

ich erlaube mir noch zu bemerken,

dass es in meiner Absicht

liegt, die beiden Treppen massiv

herzustellen und das Dachgeschoß

unausgebaut zu belassen“.

Stadtbaumeister von Haselberg

empfahl eine überprüfung der

statischen Berechnungen, da für

den Neubau „sehr stark belastete

Eisenkonstruktionen“ vorgesehen

waren. Im Februar 1889

reichte Möbelhändler Karow

eine „statische Berechnung nebst

Zeichnung über die Tragfähigkeit

der Eisenkon struktion“ ein, die

nicht beanstandet wurde. Nach

der Fertigstellung des Hauses

vermietete Karow die Räume im

Erdgeschoss zur Eröffnung von

Geschäften. August Dürkop führte

in der Mönchstraße 24 ab 1912

eine Filiale der damals sehr bekannten

Stettiner Fahrradfirma

Paul Pollack. 1914 wechselte Dürkop

mit seinem Fahrradgeschäft

in die Heilgeiststraße 93. Dort

entwickelte sich in den zwanziger

Jahren aus dem einstigen

kleinen Fahrradladen das größte

„Spezialgeschäft für Kraftwagen,

45

Krafträder und Fahrräder“ in

Vorpommern. In der Mönchstraße

24 befand sich zu jener Zeit

die „Vorpommersche Automobil-

Vertriebs-Gesellschaft“, die unter

anderem zu jeder Tages- und

Nachtzeit, so jedenfalls verspricht

es eine damalige Werbung, Autos

vermietete. Und damit die Autos

auch gleich betankt werden

konnten, stand von 1925 bis 1934

vor dem Gebäude eine Benzinpumpstation

der Mineralölwerke

Rhenania. 1946 gehört das Haus

der Hypotheken-Verein GmbH.

Seit Juli 1946 kündet ein Schild

mit der Aufschrift Bank davon,

dass sich hier nun die Bank für

Handel und Gewerbe befindet.

„Haakstraße

(heute Teil der

Mönchstraße)

mit dem Großen

Beghinenhaus,

um 1865

August Dürkop,

seine Frau, Tochter

Erna und

zwei Gesellen

vor dem Haus

Mönchstraße

24, um 1915


BEGEHRTE

ANLAGEPRODUKTE

Auf Befehl der SMA und durch die Verfügung der

Deutschen Zentralverwaltung tritt für alle Genossenschaftsbanken

ein neues Musterstatut in Kraft, das

noch 1946 den Mitgliedern zur Genehmigung vorzulegen

ist. Am 14. Oktober findet deshalb wiederum

im Ausschank der Vereinsbrauerei eine außerordentliche

Generalversammlung statt, in der die Satzung

angenommen wird. Im Vergleich zur alten Satzung

hat sich natürlich der Name geändert, und unter

Paragraf 4 findet man nunmehr den Passus, dass

„Kriegsverbrecher, Kriegsschuldige, ehemalige aktive

Mitglieder der faschistischen Partei und ihrer Gliederungen“

nicht als Mitglied aufgenommen werden

können. Auf dieser Versammlung wird weiterhin

beschlossen, die Höchstgrenze für die Hereinnahme

fremder Gelder von 10.000.000 Reichsmark auf

5.000.000 Reichsmark zu verringern.

Am 23. Juli 1947 findet seit 1944 wieder eine ordentliche

Generalversammlung im Ausschank der Stralsunder

Vereinsbrauerei in der Ossenreyerstraße 7

statt. Während der Tagung genehmigt der Aufsichtsrat

die Abschlüsse der Jahre 1944, 1945 und 1946.

Die Landes-Zeitung berichtet über die Versammlung

in ihrer Ausgabe vom 2. August wie folgt: „Günstige

Entwicklung der Genossenschaftsbank. Obgleich die

einzige genossenschaftliche Bank in Stralsund, die

Bank für Handwerk und Gewerbe e. G. m. b. H., erst

am 23. April 1946 eröffnet wurde, gab die kürzlich

stattgefundene erste Vollversammlung ein recht

günstiges Bild. Die äußerst gesunde Entwicklung

der Bank drückt sich dadurch aus, dass sich im Laufe

des ersten Halbjahres 1947 die Einlagen verdoppelt

haben. Die Bank ist dem Raiffeisenverband Mecklenburg

angeschlossen, der jetzt die landwirtschaftlichen

und gewerblichen Genossenschaften betreut,

was als recht günstiger Umstand anzusehen ist, und

arbeitet mit der Raiffeisen-Zentralkasse in Rostock

zusammen. Aufgebaut auf gesunder und breiter

genossenschaftlicher Grundlage, ist sich die Bank für

Handwerk und Gewerbe durchaus bewusst, dass ihre

Arbeit im beginnenden neuen Geschäftsjahr, dem 88.

als genossenschaftliches Bankunternehmen, mit zu

einer langsamen Gesundung unseres Wirtschaftslebens

beitragen wird.“ Es muss noch erwähnt werden,

dass auf der Generalversammlung vom 23. Juli

Reinhard Ponick, Friedrich Wähnke und Ernst Müller

in den Vorstand gewählt werden.

46


20 Reichsmark.

Ausgabedatum

Februar 1945.

Außerkraftsetzung

26. Juni

1948


NEUES GELD

Auf der Aufsichtsrats- und Vorstandssitzung vom 30.

November 1948 werden 172 Mitglieder nach Paragraf

8 der Satzung ausgeschlossen. Ihre Anschriften

sind nicht mehr bekannt, teilweise sind sie verzogen

oder verstorben. Besonders aber haben sie ihre

Pflicht zur Nachzahlung von 50 Prozent der Anteile

nicht erfüllt. Das jeweilige Guthaben bleibt aber als

blockiertes Guthaben bestehen.

In der lokalen Presse erscheint zu dieser Problematik

folgender Aufruf der Bank:

„Unsere Mitglieder werden hierdurch letztmalig

gebeten, 50 % auf die blockierten Stammteilguthaben

von vor dem 8. Mai bis zum 15. Dezember

1948 an unserer Kasse, Mönchstr. 24, einzuzahlen,

andernfalls die Mitgliedschaft am 31. Dezember

1948 erlischt. Der Vorstand der Bank für Handwerk

und Gewerbe e. G. m. b. H., Stralsund.“

Infolge der separaten Währungsreform in den

westlichen Besatzungszonen befiehlt der Oberste

Chef der Sowjetischen Militärverwaltung in

Deutschland, „auf dem gesamten Territorium der

sowjetischen Besatzungszone Deutschlands und

Groß-Berlins“ in der Zeit vom 24. bis 28. Juni neue

Geldscheine einzuführen. Die Deutsche Wirtschaftskommission

erlässt am 21. Juni eine entsprechende

Verordnung. Darin heißt es u. a.:

„1. Vom 24. Juni 1948 ab werden im Bereich der

sowjetischen Besatzungszone Deutschlands als

gesetzlich zugelassene Zahlungsmittel Reichsmark

und Rentenmark alten Musters mit aufgeklebten

Spezialkupons in Umlauf gebracht. …

2. Alle Personen, Unternehmen, Organisationen

und Anstalten, die sich im Bereich der sowjetischen

Besatzungszone befinden, sind verpflichtet,

vom 24. Juni bis zum 28. Juni 1948

einschließlich die in ihrem Besitz befindlichen

Reichsmark, Rentenmark und Mark der Alliierten

Militärbehörden an die Kreditinstitute zum

Umtausch gegen Geldscheine mit Spezialkupons

abzuliefern. …

3. …

4. Vom 26. Juni 1948 ab sind in der sowjetischen

Besatzungszone Reichsmark und Rentenmark

ohne aufgeklebte Spezialkupons sowie Mark

der Alliierten Militärbehörden nicht mehr

umlaufsfähig. Die zum Umtausch nicht abgelieferten

Reichsmark, Rentenmark und Mark der

Alliierten Militärbehörden werden mit Wirkung

vom 29. Juni 1948 außer Kraft gesetzt (annulliert).

5. Die Salden der Spareinlagen, der laufenden und

anderen Konten bei den Kreditinstituten der sowjetischen

Beatzungszone werden umgewertet

… . Das Geld kann bei allen Banken, Sparkassen,

48

Handwerker- und landwirtschaftlichen Kreditgenossenschaften,

allen Postämtern und allen

staatlichen und kommunalen Kassen umgetauscht

werden.“

Die Währungsumstellung verläuft in den 34 Stralsunder

Umtauschstellen ohne größere Probleme.

Sobald neue Geldzeichen zur Verfügung stehen,

werden die Banknoten mit den aufgeklebten Spezialkupons

aus dem Verkehr gezogen. Der Umtausch

in Banknoten der Deutschen Notenbank erfolgt in

der Zeit vom 25.–28. Juli im Verhältnis 1 : 1.

Auf den Generalversammlungen am 12. und 27.

Juni 1949 in der Gaststätte „Gambrinus“ in der

Mühlenstraße 20/21 werden die Geschäftsanweisungen

für den Aufsichtsrat und für den Vorstand

genehmigt. Der Aufsichtsrat, so schreibt u. a. die

Anweisung vor, hat sich alljährlich in der ersten

Sitzung der Generalversammlung neu zu konstituieren

und soll den Vorstand „bei seiner Geschäftsführung

in allen Teilen der Verwaltung“ überwachen.

Um dieser Aufsichtspflicht nachzukommen,

sind angemeldete und unangemeldete Prüfungen

der Bestände, Bücher, Schriften und Urkunden

vorzunehmen. Hinzu kommt die Inventur- und

Bilanzprüfung am Jahresschluss. Die laufenden

Revisionen nimmt eine Revisionskommission vor.

Spätestens vier Wochen nach jeder Revision „hat

sich der Aufsichtsrat zu überzeugen, ob der Vorstand

die beanstandeten Mängel abgestellt hat.

Besonders hervorgehoben ist der Paragraph, dass

Mitglieder des Aufsichtsrates über alle geschäftlichen

Vorkommnisse und Dinge, die sie in Ausübung

ihres Amtes erfahren, Stillschweigen zu wahren

haben. Der Vorstand hat laut Geschäftsanweisung

dafür zu sorgen, „dass die Bücher und Korrespondenzen

nach den gesetzlichen Vorschriften und in

handelsüblicher, übersichtlicher Weise geführt und

aufbewahrt werden“. Die Umsätze sind durch den

Vorstand täglich zusammenzustellen. Alle 14 Tage

ist eine Rohbilanz zu ziehen, der sich Rohbilanzen

für den Monat, das Vierteljahr und das Halbjahr

anzuschließen haben. Zusagen für Kredite müssen

durch den Gesamtvorstand und den Aufsichtsrat

genehmigt werden.

Hervorzuheben ist der Punkt, dass persönliche Kreditgeschäfte

der Vorstandsmitglieder in jedem Fall

der vorherigen Genehmigung bedürfen.


20 Reichsmark

mit aufgeklebtemSpezialkupon.Ausgabedatum

24. Juni

1948.

Außerkraftsetzung

27. Juli

1948

10 Deutsche

Mark. Ausgabedatum

25. Juli

1948. Außerkraftsetzung

13.

Oktober 1957


DIE BANK FüR HANDWERK UND GEWERBE E.G.M.H.

IN DER DEUTSCHEN DEMOKRATISCHEN REPUBLIK

51


Rosemarie

Zeidler (Mitte)

1959 während der

Eröffnungsfeier

52


ERLEBNISBERICHT

Rosemarie Zeidler

Bankkauffrau 1954 – 1994

Informationen über die Arbeit

und Eindrücke während meiner

Tätigkeit bei der Bank für Handwerk

und Gewerbe e. G. m. b. H.

Am 1. September 1954 begann

ich eine dreijährige Lehre als

Bankkaufmann bei der Bank für

Handwerk und Gewerbe, die

sich damals im Gebäude Katharinenberg

13a befand. Mein

erstes Lehrlingsentgelt betrug

50 DM. Im 3. Lehrjahr bekam ich

immerhin schon 90 DM Brutto.

Nach Abschluss der Lehre wurde

ich am 1. September 1957 mit einem

Anfangsgehalt von 259 DM

fest eingestellt. Bei Lehrbeginn

waren wir 18 Angestellte (16

Vollzeitbeschäftigte und zwei

Lehrlinge) einschließlich Hausmeister

und Reinigungskraft. Wir

verfügten über einen großen

Kassenraum, ein Direktorenzimmer,

zwei relativ große Arbeitszimmer,

einen Sanitätsraum und

ein „Kabuff“, in dem sich die Registratur

mit Andrema-Utensilien

und unsere Poststelle befanden.

Die Konto-Auszüge wurden für

Nichtabholer in der Innenstadt

von unserer Botin ausgetragen

oder mit der Post zugestellt.

Der Tagesablauf war gut

organisiert. Bis 12 Uhr war die

Bank für den Kundenverkehr

geöffnet, danach erfolgten alle

buchungstechnischen Arbeiten,

die den „Tag zum Stimmen“

brachten. Die Sollseite und die

Habenseite aller veranlassten

Buchungen mussten übereinstimmen,

so dass die Tagesbilanz

abgeschlossen werden konnte.

Hatten sich ein oder mehrere

Fehler eingeschlichen, wurde

so lange geprüft, bis die übereinstimmung

vorlag. Zum Ende

eines jeden Monats wurde eine

Inventur aller Konten aufgestellt,

die dann ebenfalls genau mit

dem Hauptbuch (Bilanz) übereinstimmen

musste. Vorher ging

es nicht nach Hause, auch wenn

der Freund bereits zum Abholen

wartete. Der Fehler musste festgestellt

werden.

Die Zinsberechnung erfolgte manuell

und progressiv für das laufende

Jahr im Voraus und wurde

durch die täglichen Umsätze verändert.

Das kostete damals sehr

viel Zeit, heute erfolgt dagegen

alles automatisch. Zur Erstellung

des Jahresabschlusses arbeiteten

wir auch am Silvestertag bis 17

Uhr. Häufig kam es vor, dass wir

noch länger über den Abschlüssen

saßen. Für den Geschäftsablauf

standen uns zwei Telefone

zur Verfügung, ein Hauptapparat

und ein Nebenapparat, der

im Direktorenzimmer stand.

Im Gebäude Mönchstraße 24,

das früher dem Hypothekenverein

gehörte, fanden Ende der

fünfziger Jahre große Umbauarbeiten

statt, die durch den

Architekten Grundmann geleitet

wurden. Die modernen und

ansehnlichen Schaltertresen und

die Holzverkleidung im Kassenraum

fertigte der Tischlermeister

Küseling.

53

1959 zogen wir vom Katharinenberg

x in die Mönchstraße 24.

Das war eine Errungenschaft: ein

ganzes Haus, neue Arbeitsräume,

ein großer Kassenraum, eine

elektrische Kassen- und Registriermaschine,

die eine Arbeitskraft

ersetzte, eine Telefonanlage

mit ca. zehn Nebenapparaten.

Die Einmann-Bedienung, die

vom Verband vorgegeben war,

setzte sich in der Praxis nicht

durch.

Am Mittwoch nach Schließung

der Bank war generell Mitarbeiterschulung

angesagt. Dabei

ging es um fachliche Informationen

und Neues aus Politik

und Wirtschaft. Referenten

vom Stralsunder Finanzamt

oder von der Kriminalpolizei

sprachen während der Schulungen

zu verschiedenen Themen.

An ein Thema des Referenten

der Kriminalpolizei kann ich

mich noch erinnern. Es lautete:

„Wiedererkennung eines Bürgers

im Rahmen der Aufklärung von

Straftaten“.

Das sind meine Erinnerungen an

eine arbeitsreiche, aber schöne

Zeit.

Stralsund, 12. Januar 2010

Rosemarie Zeidler

Rosemarie

Zeidler

Bankkauffrau

1954 – 1994


Belegschaft

der Bank für

Handwerk und

Gewerbe, 1.

Mai 1952

NEUSTRUKTURIERUNG

DES BANKWESENS

Durch die Gründung der DDR macht sich eine

Neustrukturierung des Bankenwesens notwendig.

Neben der Deutschen Notenbank bleiben die

Sparkassen, die ländlichen Kreditgenossenschaften

und auch die gewerblichen Kreditgenossenschaften

bestehen. In Auswirkung der Reorganisation des

ländlichen Genossenschaftswesens beschließt der

Vorstand am 19. Oktober 1950 das Ausscheiden aus

dem Verband landwirtschaftlicher Genossenschaften

und den Beitritt zum Genossenschaftsverband für

Handwerk und Gewerbe, Gesetzlicher Revisionsverband

e. V. Schwerin. Damit endet die Tätigkeit der

Bank als Zahlstelle für den Kreis Franzburg - Barth

und die Kontoführung der Dorfgenossenschaften,

der Kreiskonsumgenossenschaft Stralsund und für

die Neubauernkredite. Das hat natürlich eine Verringerung

des Umsatzes der Bank zur Folge.

Das Reklameschild an der Mönchstraße 24 wird

entfernt und die Fassade im Erdgeschoss mit dem

Schriftzug „Bank für Handwerk und Gewerbe

e. G. m. b. H.“ versehen.

Die Provisorische Volkskammer beschloss am 9. August

1950 das Gesetz zur Förderung des Handwerks.

Die im Gesetz festgeschriebene Herabsetzung der

Steuersätze und eine verbesserte Versorgung mit

Reparaturmaterial unterstützen die bestehenden

und ermöglichen das Entstehen neuer Handwerksbetriebe.

Das bringt der Bank einen bedeutenden

Kundenzuwachs, aber auch erhebliche Mehrarbeit.

Die Beschränkung des Bargeldverkehrs, des Eilver-

54

kehrs und sonstige im öffentlichen Interesse liegenden

Aufgaben verdoppeln den Arbeitsanfall und

die dazu notwendigen Aufwendungen. Besonders

ungünstig wirkt sich daher der Raummangel im

Geschäftslokal aus.

Durch die Abgabe der Konten der landwirtschaftlichen

Genossenschaften und der Kreiskonsumgenossenschaft

verringert sich der Umsatz um mehr als

100 Millionen DM.

Auf einer außerordentlichen Generalversammlung

am 27. Dezember 1951 im Hotel „Zur Post“ wird der

Beitritt zu einer genossenschaftlichen Selbsthilfe der

gewerblichen Kreditgenossenschaften des Landes

Mecklenburg beschlossen. Nach Paragraf 3 der Satzung

des Hilfsfonds beträgt der jährliche Beitrag 5 %

des zu versteuernden Reingewinns des Vorjahres.

Auf der Generalversammlung vom 23. Mai 1952

gibt Bankdirektor Ponick eine Neuregelung der

Kredithöchstgrenze bekannt. Danach beträgt sie

für Kreditnehmer 75.000 DM, bei Genossenschaften

150.000 DM.

Dem Aufsichtsrat gehören zu diesem Zeitpunkt

der Aufsichtsratsvorsitzende Kürschnermeister

Martin Ritter, sein Stellvertreter, der Kaufmann

Oskar Toepfer, der Kaufmann Hermann Grösser,

Uhrmachermeister Willi Behm, Baumeister Augustin

Hotze und Tischlermeister Walter Rinow an.

Der Vorstand setzt sich aus dem 1. Vorstandsmitglied

und Geschäftsführer Bankleiter Reinhard Ponick,

dem Kaufmann Arnold Fischer und dem Berufsschulleiter

Friedrich Wähnke zusammen.


55

Neuer Sitz

der Bank für

Handwerk und

Gewerbe am

Katharinenberg

13a


Leitspruch aus

dem Geschäftsbericht

für das

Jahr 1955

Kassenraum am

Katharinenberg

13a

UMZUG IN DAS GEBäUDE

KATHARINENBERG 13a

Im Mai 1953 werden die Geschäftsräume der Bank

für Handwerk und Gewerbe von der Mönchstraße

24 in das Gebäude Katharinenberg 13a verlegt.

Der Umzug löst das Problem des Raummangels auf

lange Sicht aber nicht.

Auf der Generalversammlung am 30. Juli 1953 in

den Räumen der HO-Gaststätte Ossenreyerstraße

7 wird der Paragraph 4 der Satzung dahingehend

geändert, dass der Absatz B, wonach Kriegsverbrecher,

Kriegsschuldige, ehemalige aktive Mitglieder

der faschistischen Partei und ihrer Gliederungen

als Mitglieder nicht aufgenommen werden können,

gestrichen wird. Die Mitglieder stimmen nicht einstimmig

für die änderung der Satzung bezüglich

der Mitgliedschaft, wenngleich der Versammlungsleiter

nur eine Stimmenthaltung registriert.

Am 30. September tritt Bankdirektor Reinhard

Ponick aus Krankheitsgründen nach siebenjähriger

56

Tätigkeit zurück. Das Aufsichtsratsmitglied Friedrich

Wähnke führt die Bank im zweiten Halbjahr 1953

weiter.

Am 1. Januar 1954 nimmt Johannes Heinrich seine

Tätigkeit als Bankleiter auf. Auf der Generalversammlung

am 9. Juni wird er in den Vorstand

gewählt. Auf dieser Versammlung beschließen die

Mitglieder erneut eine Veränderung des Paragrafen

4 des Statuts. Danach dürfen Kriegsverbrecher

und Kriegsschuldige als Mitglieder nicht aufgenommen

werden.


KAUF DES EHEMALIGEN

DOMIZILS MöNCHSTR. 24

Der Katharinenberg besaß früher einen sehr

schlechten Ruf. Unzucht, Trunksucht und Schlägereien

gehörten in dieser Gasse zum Alltag. Obwohl

sich nach 1945 in dieser Hinsicht schon vieles

geändert hatte, blieb der Ruf des Katharinenbergs

als sozialer Brennpunkt der Stadt noch lange

erhalten. Auf der Generalversammlung der Bank

für Handwerk und Gewerbe am 10. April 1956 im

Hotel „Goldener Löwe“ kritisieren Mitglieder die

schlechte Lage auf dem Katharinenberg. Neben

dem schlechten Ruf ist wohl auch der Standort in

einer Seitengasse für viele Mitglieder nicht akzeptabel.

Die Idee, in die Mönchstraße 48 zu ziehen,

wird bald verworfen. Stattdessen erwirbt die Bank

am 1. Juli 1956 vom in Liquidation befindlichen Hypothekenverein

das Haus Mönchstraße 24, in dem

sich die Geschäftsstelle der Bank schon von 1946 bis

Mai 1953 befand.

57

Am 4. November1956 verstirbt Aufsichtsratsmitglied

Friedrich Wähnke, der seit 1953 die Bank als

Vorstand führte. Besondere Verdienste erwarb er

sich bei der Reorganisation der Bank nach dem 2.

Weltkrieg. Für ihn delegiert der Aufsichtsrat Uhrmachermeister

Willi Behm in den Vorstand.

Der Vorstand setzt sich nunmehr aus dem Vorsitzenden

Johannes Heinrich, seinem Stellvertreter

Martin Ritter und dem Schriftführer Willi Behm

zusammen.

Werbung der

Bank, 1956


50 Deutsche

Mark. Aus-

gabedatum

13. Oktober

1957. Außer-

kraftsetzung

1. Mai 1965

BANKNOTENUMTAUSCH

Auf der Generalversammlung vom 23. Mai 1957 in

„Heinzelmanns Garten“, Carl-Heydemann-Ring 9,

beschließen die Mitglieder eine Höchstkreditgrenze

von 250.000 DM. Neues Mitglied im Aufsichtsrat

wird der Elektromeister Neumann.

Ein besonderes Ereignis in der Geschichte der Bank

ist der Banknotenumtausch am 13. Oktober 1957.

Um Spekulationen vorzubeugen, unterliegen die

Vorbereitungen strikter Geheimhaltung. Die Bank

für Handwerk und Gewerbe ist eine der Umtauschstellen

im Stadtkreis, die gemäß Anordnung

mittags um 12 Uhr öffnen. Obwohl sich eine lange

Schlange vor der Bank bildet, verläuft die Abfertigung

korrekt und unkompliziert. Um 22 Uhr ist die

Aktion beendet.

Laut Geschäftsbericht wird der Plan der Spareinlagensteigerung

mit 199 % erfüllt. Die Mitgliederzahl

steigt kontinuierlich. 1952 waren es noch 215

Mitglieder, Ende des Jahres 1957 sind es 354.


UMBAU DER HAUPTSTELLE

MöNCHSTR. 24

Mit dem Architekten Werner Grundmann wird am

17. März 1958 ein Vertrag über die Erarbeitung

der Umbaupläne für das Erd- und Kellergeschoss

Mönchstraße 24 abgeschlossen. Schon wenige Tage

später stellt Werner Grundmann seinen Entwurf zur

Gestaltung des Kundenraumes vor, der die Zustimmung

des Vorstandes findet. Im Bauantrag zum

Ausbau des Erdgeschosses und des Kellers heißt

es u. a.: „Die Bank für Handwerk und Gewerbe in

Stralsund beabsichtigt in ihrem bankeigenen Gebäude

Mönch-Strasse Nr. 24 Ecke Bielkenhagen ihre

Geschäftsräume einzurichten, die allen modernen

Anforderungen eines Bankbetriebes gerecht werden.

Für diese Zwecke werden die gesamten Erdgeschoßräume

des Hauses verwendet. Im südlichen

Teil des Erdgeschosses, dem Bielkenhagen zugewendet,

soll der Bankbetrieb mit Kassenhalle und

das Leiterzimmer untergebracht werden. Der rechts

des Treppenhauses gelegene Teil soll internen Zwecken,

als Konferenzraum, Maschinen-Buchhaltung

und Registratur dienen. Im Kellergeschoß sind

Toiletten-Anlagen für Damen und Herren des Bankpersonals,

eine Duschanlage, eine Teeküche, die

59

Tresoranlage, Aktenarchivraum, die Heizanlage und

der Kohlenraum vorgesehen. … Der Zugang der

Bankkunden erfolgt von der Ecke Bielkenhagen-

Mönch-Strasse. … Neben der Erlangung von guten

Arbeits- und Sicherungsbedingungen des Bankbetriebes

ist besonderer Wert auf eine entsprechende

Gestaltung des Publikumsraumes (Kassenhalle) und

des Buchhaltungsraumes gelegt, den der Bankkunde

beim Aufenthalt in der Kassenhalle übersehen

kann.“ Erstmalig ist auch der Einbau eines Schließfachblockes

geplant.

Arbeiten an der

Erdgeschossfassade

des Hauses

Mönchstraße 24

Fertiggestellter

Schließfachblock


Umbauarbeiten

im Erdgeschoss

und Kellerbe-

reich des Hauses

Mönchstraße 24

Eröffnungsfei-

er im neuen

Domizil am 6.

Dezember 1959

Bankdirektor

Johannes

Heinrich spricht

zu Beginn der

Feier über die

Geschichte

der Genossen-

schaft.

Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter

während der

Eröffnungsfeier.

Von links

nach rechts:

Renate Last,

Herr Knuth

gesellte sich als

Vorsitzender des

Aufsichtsrates

dazu,

Herr Benz,

Gisela Fröhlich,

Rosemarie

Zeidler,

Gisela Trost,

Gisela Zerbst,

Editha Sund.

60

Da Werner Grundmann inzwischen die DDR verlassen

hat, übernimmt Architekt Johannes Pahlitzsch

die Betreuung des Objekts. Die finanziellen Mittel

für die Durchführung der Bauarbeiten am und im

Gebäude Mönchstraße 24 besitzt die Bank aber

nicht im ausreichenden Maße. Deshalb beschließen

die Mitglieder des Vorstandes und des Aufsichtsrates

am 9. Oktober 1958 auf einer gemeinschaftlichen

Sitzung die Aufnahme eines Kredits bei der

Stadt- und Kreissparkasse Stralsund in Höhe von

80.000 DM.

Der Beginn der Umbauarbeiten verzögert sich, da

die Firma GHG Technik, die Räume im Erdgeschoss

angemietet hat, nicht termingemäß auszieht.

Der Ausbau von Bankräumen im Erd- und Kellergeschoss

der Mönchstraße 24 erfolgt hauptsächlich

durch die stadtbekannte und renommierte Firma

A. Hotze & Söhne. Die umfangreichen Tischlerarbeiten

führen die Firmen Küseling, Meier und Rinow

aus. Weiterhin sind an den Arbeiten die Maler meister

Kremke und Döring, der Kunstschmiedemeister Tiede

und der Kunstschlossermeister Biskup beteiligt.

Unerwartet wird Architekt Johannes Pahlitzsch im

Sommer 1959 inhaftiert. Der Vorstand ist sich aber

einig, nicht noch einmal einen neuen Architekten

mit der Betreuung des sowieso kurz vor dem Abschluss

stehenden Projekts zu beauftragen.

Am 20. November 1959 wird der Umbau abgenommen.

Die gesamten Kosten einschließlich der

Betriebseinrichtungen vom Baubeginn 1958 bis

zur Fertigstellung im November 1959 betragen

211.099,40 DM. Darin sind die Grundstückskosten in

Höhe von 134.911,64 DM enthalten.

Am 6. Dezember findet eine Feier zur bevorstehenden

Eröffnung in den neuen Räumen statt. An

dieser nehmen ca. 65 Personen, darunter auch alle

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, teil. Direktor Johannes

Heinrich berichtet über die Entwicklung der

Bank von 1860 bis 1959. Die besonderen Glückwün-


sche und Grüße der den Bau ausführenden Betriebe

überbringt Tischlermeister Rinow. Die Vertreter der

Gewerbebanken Rostock, Greifswald, Bergen und

Saßnitz übergeben als Geschenk ein Gemälde des

Kunstmalers Lorenz, das seinen Platz in der Sitzecke

des Kundenraumes findet.

Von vielen Mitgliedern gehen Glückwunschschreiben

ein. So schreiben die Gebrüder Stabenow: „Zur

Eröffnung Ihrer neuen Geschäftsräume möchten

auch wir Ihnen unsere herzlichsten Glückwünsche

aussprechen. Durch die jahrzehntelange Verbindung

zwischen Ihrer Bank und unserer Firma hat

sich ein solches Vertrauensverhältnis herausgebildet,

dass man mehr als gern mit Ihrer Bank gearbeitet

hat und arbeitet. Vertrauensvoll konnte man

sich mit seinen Nöten an Sie wenden und vertrauensvoll

hat Ihre Bank geholfen, wo sie nur helfen

konnte. Wir möchten Ihnen daher an dieser Stelle

Dank sagen für das Vertrauen, das Sie in unsere

Firma gesetzt haben und für die Mühewaltungen,

die Sie durch unsere Firma gehabt haben.“

Am 7. Dezember 1959 nimmt die Bank für Handwerk

und Gewerbe in den neuen Räumen den

Geschäftsbetrieb auf. Die Kunden sind vom großen,

modernen und offenen Schalterbereich beeindruckt.

Am 13. Dezember besichtigen ca. 250 geladene Mitglieder

die neuen Kunden- und Arbeitsräume und

den Tresorraum der Bank.

Durch die neuen Geschäftsräume können die

öffnungszeiten jetzt auch auf den Nachmittag ausgedehnt

werden. Ein willkommenes Angebot für

61

die Kunden stellt der Nachttresor dar, durch den

Einzahlungen nach Kassenschluss möglich sind.

Am 19. April 1960 werden in einer gemeinsamen

Sitzung von Vorstand und Aufsichtsrat Hans-

Joachim Heuer aus Tribsees zum Vorsitzenden des

Eröffnung

der Bank für

Handwerk und

Gewerbe in der

Mönchstraße 24

am 7. Dezember

1959

Sitzecke im Kundenraum

mit

Seebild, 1959

Eröffnung

der Bank für

Handwerk und

Gewerbe in der

Mönchstraße 24

am 7. Dezember

1959


Außenansicht

der Bank für

Handwerk und

Gewerbe in der

Mönchstraße 24

Bankdirektor

Johannes

Heinrich am

Schreibtisch

Aufsichtsrats und Karl-Heinz Ramlow aus Stralsund

zu dessen Stellvertreter gewählt. Die Generalversammlung

findet einige Wochen später, am 17.

Juni, statt. Hier wird u. a. der Beschluss gefasst, die

Höchstgrenze für Spar- und Giroeinlagen, die seit

1957 sieben Millionen DM betrug, auf zehn Millionen

DM festzusetzen.

62

Infolge der „Republikflucht“ von Kürschnermeister

Martin Ritter, der zunächst Mitglied des Aufsichtsrates

war und später dem Vorstand der Bank angehörte,

delegiert der Aufsichtsrat 1961 den Kapitän

und Fuhrunternehmer Willi Knuth, bisher Vorsitzender

des Aufsichtsrates, in den Vorstand. Durch

„republikflüchtige Personen“ hat die Bank bisher,

so hebt der Vorstand in der Generalversammlung

hervor, keine Kreditausfälle erlitten.

Im Dezember beginnt die noch ausstehende malermäßige

Instandsetzung des Treppenhauses in der

Mönchstraße 24.


DER üBERGANG VOM

KAPITALISMUS ZUM SOZIALIS-

MUS

Anfang der 60er Jahre tritt die

DDR nach offizieller Ansicht in

eine neue Entwicklungsphase

ein. Man betrachtet die Probleme

beim übergang vom

Kapitalismus zum Sozialismus

im Wesentlichen als gelöst. Im

Bereich der gesamten Wirtschaft

sind die Veränderungen

tatsächlich beträchtlich. Nach

offiziellen Quellen sind 85,5%

der Betriebe verstaatlicht, weitere

6,6 % arbeiten als Betriebe

mit staatlicher Beteiligung. Der

Anteil der privaten Wirtschaft

beträgt nur noch 7,9 %. Rund

90 % der landwirtschaftlichen

Bruttoproduktion wird von

Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften

(LPG) und

Volkseigenen Gütern erzeugt.

ähnlich intensiv wird die entsprechende

Umwandlung im

Bereich des Handwerks vorangetrieben.

Während 1958 noch

93 % des Gesamtprodukts vom

privaten Handwerk erwirtschaftet

wird, sind es 1961 nur noch

65%. Im Handel geht der private

Anteil auf unter 10 % zurück.

Auch in Stralsund und seiner

Umgebung sind die Handwerker

und Gewerbetreibenden,

hauptsächliche Kunden der Bank

für Handwerk und Gewerbe,

zu einem beträchtlichen Teil in

Genossenschaften zusammengefasst

und, wie die Bank selbst, in

das System sozialistischer Planwirtschaft

eingebunden.

Trotz spürbarer Probleme v.a. im

Bereich der Arbeitskräfte und

der Materialbeschaffung sind

die Betriebsergebnisse dieser

Genossenschaften ebenso wie

die der privaten Handwerker

meist positiv.

Eine entsprechend gute Entwicklung

zeigt der Geschäftsbericht

des Vorstandes der Bank für

das Jahr 1962. Die Bilanzsumme

beträgt 11.314.000 DM, die

erzielten Umsätze beziffern sich

auf 178.900.000 DM. Die Bank

betreut mehr als 4.500 Konten

mit Spareinlagen in Höhe von

7.777.000 DM. Hier liegt einer

der Schwerpunkte der Arbeit

der Bank, in dem sich Bank- und

staatliche Interessen treffen. Im

Bericht heißt es: „Eine unserer

Hauptaufgaben bleibt nach wie

vor die Sammlung der freien

Mittel der Bevölkerung, damit

die planmäßige Entwicklung

unserer Volkswirtschaft nicht

durch den Ausfall finanzieller

Mittel gehemmt wird.“ Wie groß

der Geldbedarf der staatlichen

Wirtschaft ist, lässt sich auch daran

erkennen, dass die Bank trotz

intensiver und erfolgreicher

Werbung und Kundenbetreuung

die diesbezügliche staatliche

Planauflage nur zu 66,2 % erfüllen

kann, obwohl sie damit auf

diesem Gebiet das erfolgreichste

der Stralsunder Kreditinstitute

ist.

63

Besonders beliebte Sparformen

sind zu diesem Zeitpunkt das

Prämiensparen sowie Hypothekenpfandbriefe

der Deutschen

Investitionsbank und Wohnungsbauobligationen,

die der

Finanzierung des Wohnungsbaus

dienen.

Sparaufruf aus

dem Geschäftsbericht

für 1962


Jürgen Küster

Bankvorstand

1964-2000

ERLEBNISBERICHT

Jürgen Küster

1964-2000 Bankvorstand

„Nach einer sehr guten Berufsausbildung

zum Bankkaufmann in

der damaligen Deutschen Notenbank

und mehrjähriger Tätigkeit

in allen Sparten der Bankarbeit

wechselte ich zum 01.10.1964 zur

Bank für Handwerk und Gewerbe.

Von diesem Zeitpunkt an war

ich stellvertretender Direktor und

verantwortlich für das Kreditgeschäft.

Viele ehemalige Kollegen und

Verantwortliche aus der Politik

hatten mir abgeraten, weil die

Bank auf Grund der sozialistischen

Entwicklung des Staates ein

Auslaufmodell darstellen würde.

Es kam anders.

In der Gewerbebank traf ich

auf gut qualifiziertes und hoch

motiviertes Personal. Das Verhältnis

der Kollegen untereinander

war von gegenseitiger Achtung,

Hilfe und Zusammenarbeit

gekennzeichnet. Alle Mitarbeiter

betrachteten freundliche Bedienung

und kompetente Beratung

als Selbstverständlichkeit, so dass

die Kunden uns als „ihre“ Bank

betrachteten. Dabei regelte die

Genossenschaftsbank nicht nur

die finanziellen Angelegenheiten

für Vertreter von Handwerk

und Gewerbe, sondern für jeden

Bürger, der dies wünschte.

Wesentliche Einschnitte in Entscheidungs-

und Bewegungsfreiheit

erfuhr die Bank durch den

1970 gefassten Beschluss über

die Einführung des einheitlichen

Finanzsystems.

Mit der Einführung der EDV

1971 und des Einbeleg-Systems

wurde die Bewältigung des stetig

steigenden Geschäftsumfanges

wesentlich erleichtert. Auch

die Kunden profitierten davon

erheblich.

Unsere Bank führte die Konten

der Einkaufs- und Liefergenossenschaften,

der Produktionsgenossenschaften

des Handwerks,

der Fischereiproduktionsgenossenschaften,

des größten Teils des

privaten Handwerks und Gewerbes

in der Stadt und im Landkreis

Stralsund sowie im Kreis Grimmen

und im südlichen Teil der Insel

Rügen. Außerdem ließen viele

Bürger ihr Konto bei uns führen.

Unsere Kunden wurden in allen

Geldangelegenheiten beraten

und bei Bedarf mit den nötigen

Krediten ausgestattet.

Diese Arbeit war nicht immer

einfach, zumal die politische Orientierung

lange Zeit auf die Beseitigung

der privaten Wirtschaft

ausgerichtet war. Dies änderte

sich 1976, als man feststellte, dass

die volkseigenen Betriebe auf

Grund ihrer Organisation nicht in

der Lage waren, die Bevölkerung

mit den erforderlichen Reparaturen

und Dienstleistungen

zu versorgen. Neugründungen

privater Handwerks- und Gewerbebetriebe

wurden ab sofort

gefördert. Die Neuorientierung

ermöglichte es auch, Kredite

mit Steuervergünstigungen zu

vergeben. Die Räte der Städte

und Gemeinden bildeten Kommissionen,

die diese Aufgaben

zu realisieren hatten. Als einziger

Bankvertreter habe ich in diesen

Kommissionen mitgearbeitet und

64

damit auch unseren Einfluss als

Genossenschaftskasse geltend

machen können.

Die notwendigen Kenntnisse zur

guten fachlichen Beratung der

privaten und genossenschaftlichen

Wirtschaft hatte ich mir

durch das Studium an der Fachhochschule

für Finanzwirtschaft

in Gotha angeeignet, welches

mich nach der Wende berechtigte,

den Titel „Diplom-Betriebswirt

FH“ zu führen. Außerdem absolvierte

ich ein Studium an der

Humboldt-Universität zu Berlin,

Sektion Wirtschaftswissenschaft,

mit dem Abschluss „Diplomökonom“.

Durch die von uns gepflegten

engen Finanz- und Kreditbeziehungen

zur genossenschaftlichen

und privaten Wirtschaft und die

Kontrolle über die Verwendung

der Kreditmittel waren wir bestens

über deren Probleme informiert.

Es herrschte eine allgemeine

Mangelwirtschaft, die sich

besonders stark in diesem Bereich

bemerkbar machte. Dies betraf

besonders die Materialbelieferung,

die mangelhafte technische

Ausstattung, die nur zögerliche

und unzureichende Freigabe von

Baumaterialien und -kapazitäten

für die Erhaltung und Erweiterung

der Betriebe. Diese Situation

veranlasste mich, ständig

entsprechende Hinweise an die

zuständigen Fachabteilungen

der Räte der Stadt und der Kreise

zu geben. Dabei habe ich immer

darauf hingewiesen, dass unter

diesen Bedingungen die einfache

Reproduktion (Erhalt und Wiederherstellung

der Kapazitäten)


nicht möglich ist. Hierauf gab es

nie eine Reaktion. Die geschilderte

Situation verschlechterte sich

ständig bis zur Wende 1989.

Als der Direktor unserer Bank

Johannes Heinrich im Mai 1987 in

Ruhestand ging, wurde ich durch

den Aufsichtsrat und mit Zustimmung

des Genossenschaftsverbandes

zum Direktor und

Vorstand berufen. Diese Tätigkeit

habe ich bis zum Ausscheiden aus

dem aktiven Dienst im Jahr 2000

ausgeübt.

Die Wende brachte auch uns eine

ganze Reihe an Veränderungen.

So mussten alle Geschäftsfelder,

die zur Zeit der DDR nicht mehr

betrieben wurden, wie beispielsweise

das Wertpapier- und Aktiengeschäft,

wieder belebt werden.

Das Bankgeschäft der BRD

wurde auf uns übertragen, ohne

Vorteile aus unserer Zeit, wie

zum Beispiel das Einbeleg-System,

zu übernehmen. Auch das Kreditgeschäft

unterlag grundlegenden

Veränderungen. Um den neuen

Anforderungen und der neuen

Rechtslage gerecht zu werden,

mussten zwei wesentliche

Hürden genommen werden. So

überprüfte einerseits das Bundesaufsichtsamt

für das Kreditwesen,

ob wir als Vorstandsmitglieder

die fachlichen Voraussetzungen

für die weitere Geschäftsführung

erfüllten. Zum Anderen erfolgte

für alle Vorstandsmitglieder der

genossenschaftlichen Banken

von 1991-1993 ein Seminar zum

Nachweis fachtheoretischer

Kenntnisse für Bankleiter an der

Raiffeisenschule des Genossenschaftsverbandes

in Rendsburg.

Das Zusammenwachsen der alten

und der neuen Bundesländer

brachte auch eine Annäherung

unter den Banken mit sich. So

wurde ich als einziges Vorstandsmitglied

aus den neuen Bundesländern

in den Aufsichtsrat der

größten genossenschaftlichen

Hypothekenbank, der Deutschen

Genossenschafts-Hypothekenbank

Hamburg, gewählt. Außerdem

wurde ich in den Beirat des

Präsidenten der Landeszentralbank

der Freien und Hansestadt

Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern

und Schleswig-Holstein berufen.

Diese führte die Geschäfte

der Deutschen Bundesbank in

den einzelnen Bundesländern.

Die mit der Vereinigung erforderlichen

Veränderungen und die

Währungsumstellung forderten

von den Mitarbeitern Höchstleistungen.

Viel Hilfe und besondere

Unterstützung erhielten wir

dabei von unserer Patenbank,

der Kieler Volksbank. Besonders

unterstützte uns das Vorstandsmitglied

Klaus Delfs. Seine ganze

Familie half zum Beispiel bei der

Währungsumstellung 1990. Ganz

besonders engagierte sich Herr

Delfs im Kreditgeschäft und war

dabei immer ein guter Ratgeber.

Als sehr hilfreich erwies es sich

auch, dass zeitweilig Mitarbeiter

der Kieler Volksbank bei uns tätig

waren und unsere Mitarbeiter

in Kiel Erfahrungen sammeln

konnten.

Das für uns neue Wirtschaftssystem

verlangte ein Umdenken

in der Stellung der Banken zu

einander. Es wuchs die Erkenntnis,

dass zum Beispiel zwei genos-

65

senschaftliche Banken wie die

Volksbank und die Raiffeisenbank

in einem Ort sich unnötig

Konkurrenz machen. Daraufhin

gab es Verhandlungen zwischen

den Vorständen und Aufsichtsräten

beider Banken. 1992 erfolgte

dann nach entsprechenden Beschlüssen

der zuständigen Organe

die Fusion beider Banken. Der

Aufsichtsrat bestellte als gleichberechtigte

Vorstandsmitglieder der

vereinigten Bank die Herren Kurt

W. Frey und Jürgen Küster.

Die Entwicklung zeigte, dass es

viele überschneidungen und

Gemeinsamkeiten mit der Raiffeisenbank

Grimmen gab. Deshalb

wurde folgerichtig zwischen

beiden Banken ebenfalls Fusionsverhandlungen

geführt. Im

Ergebnis kam es im Jahr 2000

zum Zusammenschluss.

Die kluge und marktorientierte

Geschäftspolitik und der engagierte

Einsatz der Mitarbeiter

führte zur großen Anerkennung

seitens der Kunden und zur ständigen

wirtschaftlichen Stärkung

der Bank. Mit dieser Entwicklung

konnte sich die Bank einen geachteten

Platz am Markt erobern.

Eine große Hilfe war stets der

Aufsichtsrat mit seinem Vorsitzenden,

dem Obermeister der

Friseurinnung und Kreishandwerksmeister

Peter-Klaus Haar.

Als Fazit kann ich mit Zufriedenheit

auf die Entwicklung der

Bank blicken. Es waren bewegte

und erfüllte Jahrzehnte meines

Lebens, auf die ich noch heute

stolz bin.“


Die neue

Währung

5 Mark der DDR

DIE MARK DER DDR

WIRD EINGEFüHRT

Ab dem 1. August 1964 werden landesweit neue

Banknoten ausgegeben. Die Währung heißt ab

sofort Mark der DDR und löst die Deutsche Mark

ab, die bis zum 30. April 1965 als gleichberechtigtes

Zahlungsmittel gültig ist. Der Vorstand der Bank

für Handwerk und Gewerbe konstatiert einen

reibungslosen Ablauf der Einführung der neuen

Währung.

Die Bilanzsumme beträgt 14.715.000 Mark. Der

Reingewinn wächst von im Vorjahr 10.588,40 Mark

auf 24.992,81 Mark. Besonders positiv ist auch die

Entwicklung der Spareinlagen. Hier gibt es einen

Zuwachs von 2.039.900 Mark auf 10.796.000 Mark.

Die staatliche Planauflage wird so mit außergewöhnlichen

279,4 % erfüllt. Die verwalteten Spareinlagen

machen 73,4 % der gesamten Betriebsmittel

der Bank aus.

Nachdem 1962 bereits die Höchstgrenze für Anleihen

durch einstimmigen Beschluss von 10 auf

15 Millionen Mark heraufgesetzt wurde, legt die

Mitgliederversammlung die Erhöhung der Kredit-

Höchstgrenze für die private Wirtschaft von 95.000

Mark auf 120.000 Mark, die Höchstgrenze für Anleihen

der Bank auf 25 Millionen Mark fest.

Die Höchstgrenze für Kredite an Genossenschaften

des Handwerks wird 1965 von 250.000 Mark auf

600.000 Mark erhöht.


Die neue

Währung

10 Mark der DDR

Die neue

Währung

50 Mark der DDR


Einladung zur

Jahreshauptversammlung

im

Jubiläumsjahr

20. JAHRESTAG

NACH WIEDERERöFFNUNG DER

BANK

Die Jahreshauptversammlung

am 15. April 1966 fällt mit dem

20. Jahrestag der Wiedereröffnung

der Bank nach dem

2. Weltkrieg zusammen. Oberbürgermeister

Heinz Lesener

würdigt im Rahmen seiner

Glückwünsche auch im Namen

des Rates der Stadt und der

Stadtverordnetenversammlung

die Arbeit der Einzelhändler,

Handwerker, Inhaber privater

Industriebetriebe und Gewerbetreibenden,

deren Tätigkeit

eng mit der Bank verbunden ist

und drückt seine Anerkennung

für die Erfolge der Bank für

Handwerk und Gewerbe und

seine besten Wünsche für deren

erfolgreiche Zukunft aus.

Der Direktor der Bank Johannes

Heinrich erhält aus den Händen

des Oberbürgermeisters die

Medaille für ausgezeichnete

Leistungen.

Die Bank ehrt jene Mitglieder,

die 20 Jahre und länger der

Genossenschaft angehören, mit

kleinen Präsenten. Der Vorsitzende

des Aufsichtsrates Hans-

Joachim Heuer dankt in diesem

Zusammenhang den Herren Willi

Knuth und Willi Behm für deren

langjährige Tätigkeit als ehrenamtliche

Vorstandsmitglieder.

Die Generalversammlung beschließt

entgegen der Empfehlung

des Deutschen Genossenschaftsverbandes

rückwirkend

zum 1. Januar 1965 die Erhöhung

der Dienstausfallentschädigungen

für ehrenamtliche Aufsichtsratsmitglieder

auf 3 Mark

je Stunde. Der stellvertretende

Vorstandsvorsitzende erhält 100

Mark monatlich, alle weiteren

Vorstandsmitglieder 90 Mark im

Monat, bescheidene Summen

angesichts der auch im Jubiläumsjahr

sehr guten Ergebnisse

der Bank.

Der verwaltete Geldfonds

erhöht sich beispielsweise von

17.777.000 Mark im Vorjahr auf

20.094.000 Mark, der Umsatz

erreicht ein Volumen von

68

215.327.000 Mark, die Mitgliederguthaben

betragen 108.400

Mark. Ein besonderes Anliegen

der Bank ist ein stetig wachsender

Bestand an Eigenmitteln,

die sich 1966 auf 319.700 Mark

belaufen.

Aus dem Reingewinn von

27.466,52 Mark spendet die Bank

erstmalig 1.000 Mark für den

weiteren Ausbau des Stralsunder

Tierparks und begründet damit

eine über Jahrzehnte fortgeführte

Tradition.

1967 hat die Bank für Handwerk

und Gewerbe 14 Mitarbeiter.

Geleitet wird sie von Bankdirektor

Johannes Heinrich. Ihm

zur Seite stehen Jürgen Küster,

Abteilungsleiter ökonomie;

Editha Sund, Abteilungsleiterin

Buchhaltung; Meta Neukirch,

Abteilungsleiterin Sparverkehr

und Schalter; Hanna Demmin,

Kassiererin; Gisela Fröhlich,

Sachbearbeiterin ökonomie;

Hildegard Heink, Kontoführerin;

Rosemarie Zeidler, Kontoführerin;

Gisela Zerbst, Sachbearbeiterin

für unbaren Zahlungsverkehr;

Gisela Trost, Maschinenbuchhalterin;

Regina Klook, Sachbearbeiterin

Sparverkehr; Ursula

Callies, Maschinenbuchhalterin

und Sachbearbeiterin Schalter;

Ilse Küster, Sachbearbeiterin

Schalter und Käthe Buchholtz,

Expedientin.

Ihre Aufgabe ist zu diesem

Zeitpunkt die Betreuung von

10 Einkaufs- und Liefergenossenschaften

(ELG), 16 Produktionsgenossenschaften

des

Handwerks (PGH), 3 Fischerei-

Produktionsgenossenschaften

(FPG) sowie zahlreicher individuell

arbeitender Handwerker,

Freischaffender und Angestellter.


AUSWIRKUNGEN DER SED-PARTEITAGE FüR

DIE BANKENLANDSCHAFT IN DER DDR

Dem durch den VII. Parteitag der Sozialistischen

Einheitspartei Deutschlands im Vorjahr bekräftigten

Ziel der Gestaltung der DDR zum „entwickelten

gesellschaftlichen System des Sozialismus“ folgend

kommt es auch zu Veränderungen in der Bankenlandschaft

der DDR. Am 1. Januar 1968 wird die

Staatsbank als Emissionsbank gebildet. Gleichzeitig

nimmt die Industrie- und Handelsbank, hervorgegangen

aus der Deutschen Notenbank und der

Deutschen Investitionsbank, ihre Tätigkeit auf. Ihre

Zuständigkeit erstreckt sich im Wesentlichen auf

die Durchführung des Zahlungs- und Verrechnungsverkehrs

und die Kreditgewährung an volkseigene

Betriebe der Bereiche Industrie, Bau, Handel und

Verkehr.

Die Finanzkontrolle der Betriebe der örtlichen Versorgungswirtschaft

soll sich entsprechend der Empfehlung

des Ministeriums für Finanzen weiterhin

bei den Sparkassen und den Banken für Handwerk

und Gewerbe konzentrieren. Ihre Aufgaben sind

dabei nicht ausschließlich auf finanzielle Fragen

beschränkt. Sie sind auch gehalten, den weiteren

Ausbau „sozialistischer Wirtschaftsstrukturen in

Handwerk und Gewerbe zu fördern“.

In Stralsund ist der Anteil individueller, nicht den

PGH angeschlossener Betriebe gerade im Bereich

des Handwerks noch sehr hoch. So beschäftigen die

Produktionsgenossenschaften des Handwerks 850

Mitarbeiter, in den privaten Handwerksbetrieben

sind 1.310 Beschäftigte tätig. In seinem Geschäftsbericht

für 1968 berichtet der Vorstand auch über

das Mitwirken der Bank am Zusammenschluss von

5 selbständigen Friseurbetrieben zur PGH „Ihr

Friseur“ und am Beitritt zweier leistungsfähiger

Tischlereibetriebe zur bereits bestehenden „PGH

Raumkunst“.

Der technischen Entwicklung der Zeit folgend

beginnt die Genossenschaftsbank im Jahr 1968 als

erstes Kreditinstitut Stralsunds mit den Vorbereitungen

zur Einführung der Elektronischen Datenverarbeitung.

Die Umstellung von Gehalts- auf

Spargirokonten wird abgeschlossen. Dies schließt

die Vergabe neuer Kontonummern ein, so dass ab

Januar 1969 mit den EDV-tauglichen Konten gearbeitet

werden kann. 65 % der Sparkonten werden

ebenfalls umgestellt.

69

Bis 1969 bezeichnet die Bank ihre Verwaltungsorgane

traditionell als Vorstand und Aufsichtsrat.

Dem Vorstand gehören zu diesem Zeitpunkt

Johannes Heinrich, der Direktor der Bank, als Vorsitzender,

Willi Knuth, Kapitän und Fuhrunternehmer,

als stellvertretender Vorsitzender und der Uhrmachermeister

Willi Behm an.

Im Aufsichtsrat sind der Vorsitzende der PGH Bau

und Elektrohandwerk Tribsees Hans-Joachim Heuer

als Vorsitzender, Rechtsanwalt Karl-Heinz Ramlow

als stellvertretender Vorsitzender, sowie der Tischlermeister

Paul Graap, der Diplom-Ingenieur und

Bauunternehmer Hermann Hotze, der Vorsitzende

der PGH des Elektrohandwerks Werner Schult und

Bäckermeister Hans-Joachim Thoms tätig.

Der Kundenstamm erweitert sich um die neu

gegründete PGH „Ihr Friseur“ und, als Folge der

Umstrukturierungen im Bankwesen, 5 PGH sowie

eine FPG des Kreises Grimmen.

Der Reingewinn beträgt 61.143,32 Mark. Letztmalig

wird in Zuführung zum Reservefonds (27.820,00

Mark) und Zuführung zur Betriebsrücklage

(27.043,32 Mark) unterschieden. 4 % werden wie in

den vergangenen Jahren auf die Mitgliederguthaben

gezahlt.

In Verbindung mit der Umgestaltung im Bankwesen

gibt sich die Genossenschaftsbank ein neues

Statut, das am 24. April 1970 von der Generalversammlung

beschlossen wird. Es berücksichtigt

neben der veränderten Aufgabenstellung auch das

Bemühen um eine verbale Abgrenzung von bundesdeutschen

Kreditinstituten. So tritt an die Stelle

des Vorstandes ein Genossenschaftsrat, der sich aus

drei bis neun durch die Mitgliederversammlung gewählten

Mitgliedern und einem delegierten Vertreter

des Rates der Stadt zusammensetzen soll. Seine

Heiterer Blick

der Mitarbeiter

der Bank

auf das ernste

Thema „EDV-

Einführung“


Aufgabe besteht hauptsächlich darin, den Direktor

der Bank bei der Erfüllung der Aufgaben der Bank

zu beraten und zu unterstützen. Der Direktor soll

dem Genossenschaftsrat rechenschaftspflichtig sein.

Der Aufsichtsrat wird in eine Revisionskommission

umgewandelt, die ebenfalls drei bis neun gewählte

Mitglieder haben und durch innerbetriebliche Revisionen

die Ordnung und Sicherheit der Bankarbeit

kontrollieren soll.

Des Weiteren werden Reservefonds und Betriebsrücklage

in einen unteilbaren Fonds und die

Mitgliederguthaben in einen Anteilfonds umgewandelt.

Künftig entfällt auch die Festlegung von

Kredithöchstgrenzen zur Risikobegrenzung durch

die Mitgliederversammlung.

Dem neuen Statut entsprechend wählt die Generalversammlung

erstmals Genossenschaftsrat und

Revisionskommission. Deren personelle Besetzung

lehnt sich stark an die der bisherigen Verwaltungsorgane

an.

Den Genossenschaftsrat bilden Willi Knuth, Willi

Behm und Erich Kuhl. Letzteren bestimmt die konstituierende

Sitzung zum Vorsitzenden des Genossenschaftsrates.

Die erste Revisionskommission besteht aus

Hans-Joachim Heuer (auf der späteren konstituierenden

Sitzung zum Vorsitzenden gewählt), Karl-

Heinz Ramlow, Hermann Hotze, Werner Schuldt,

Hans-Joachim Thoms, Hans-Peter Dobrindt.

Statt vom Reingewinn wird künftig vom Nettogewinn

gesprochen. Er beträgt in diesem Jahr

70.591,02 Mark. Davon entfallen 64.215,02 Mark

auf den unteilbaren Fonds.

70

Als erstes der Stralsunder Kreditinstitute schließt

die Genossenschaftskasse die Einführung der Elektronischen

Datenverarbeitung erfolgreich ab. Auf

der Mitgliederversammlung würdigt der stellvertretende

Oberbürgermeister Horst Brandt die diesbezüglichen

Leistungen der Kasse und ehrt den Leiter

der Bank Johannes Heinrich und seinen Stellvertreter

Jürgen Küster mit der Medaille „Aktivist der

sozialistischen Arbeit“.

Entsprechend den Beschlüssen des VIII. Parteitages

der SED im Vorjahr nähert sich die DDR in politischen

und wirtschaftlichen Fragen weiter an die

UdSSR an. Dies äußert sich u. a. im weiteren Ausbau

des staatlichen Anteils an Wirtschaftsunternehmen

aller Art. Allein im 1. Halbjahr des Jahres 1972

kommt es landesweit zur überführung von 11.300

Betrieben mit staatlicher Beteiligung, privaten Betrieben

im Industrie- und Baubereich und industriell

arbeitenden PGH in Staatseigentum.

Diese Entwicklung hat auch für die Stralsunder

Genossenschaftsbank spürbare Folgen. Erstmals

kommt es zu einer Ausgliederung von Betrieben

aus der Betreuung durch die Genossenschaftsbank.

Die Finanzen der zu VEB umgewandelten

industriell produzierenden PGH werden künftig

entsprechend der neuen Bankenstruktur von der

Industrie- und Handelsbank verwaltet. Im Rechenschaftsbericht

des Genossenschaftsrates heißt es in

diesem Zusammenhang: „Damit hat sich der Kreis

der von den Genossenschaftsbanken betreuten

PGH und privaten Betriebe nicht unbedeutend

vermindert. Es haben in der inneren Struktur der

Genossenschaftsbanken die Verrechnungs- und

Sparfunktionen an Bedeutung gewonnen. Die

Genossenschaftsbanken üben damit mehr eine mit

den Sparkassen vergleichbare Funktion aus.“

Die Wahlen zu Genossenschaftsrat und Revisionskommission

bringen auch personelle Veränderungen.

Im Genossenschaftsrat tritt Hans-Joachim Heuer,

bisher Vorsitzender der Revisionskommission, an

die Stelle des durch Tod ausgeschiedenen Friseurmeisters

Erich Kuhl. Für den ebenfalls verstorbenen

Kapitän Willi Knuth wird Herbert Hübner gewählt.

In die Revisionskommission wählt die Mitgliederversammlung

Kurt Nützmann für den künftig im

Genossenschaftsrat tätigen Hans-Joachim Heuer.

Gerhard Buck ersetzt den aus gesundheitlichen

Gründen ausscheidenden Karl-Heinz Ramlow.

1973 betreut die Genossenschaftskasse 17 PGH, 3

FPG, 8 ELG, 1 sonstige Genossenschaft und zahlreiche

private Handwerker, Einzelhändler, Gewerbetreibende

und sonstige Bürger des Stadt- und Landkreises

Stralsund und des Kreises Grimmen. 82%

der Einlagen der Kasse stammen von den Genossenschaften,

88 % der ausgereichten Kredite liegen im

Bereich der genossenschaftlichen Wirtschaft.

Wiederum zur Abgrenzung von „den kapitalistischen

Kreditgenossenschaften der BRD, die oft


ähnliche Namen führen“ beschließt der Verbandstag

der Genossenschaftsbanken im Dezember 1973

eine Umbenennung der Verbandes in „Verband der

Genossenschaftskassen für Handwerk und Gewerbe

der DDR“ und der einzelnen Banken in „Genossenschaftskassen

für Handwerk und Gewerbe der

DDR“.

Die Mitgliederversammlung bestätigt eine entsprechende

änderung des 1970 in Kraft getretenen

Statutes. Paragraph 1 lautet danach:

(1) Die Genossenschaftskasse für Handwerk und Gewerbe

der Deutschen Demokratischen Republik

ist eine sozialistische Genossenschaft und

Bestandteil des Bankensystems der Deutschen

Demokratischen Republik.

(2) Der Name der Kasse lautet: Genossenschaftskasse

für Handwerk und Gewerbe der Deutschen

Demokratischen Republik.

(3) Ihr Sitz ist Stralsund...“

Alle übrigen Paragraphen erhalten hinsichtlich der

Firmenbezeichnung eine entsprechende Veränderung.

Der Vorstand betont ausdrücklich, dass sich mit dieser

Namensänderung in keiner Weise die Stellung

oder die Eigentumsverhältnisse der Bank verändern.

1975 hat die Genossenschaftskasse 329 Mitglieder

und führt 5.826 Konten. Die verwalteten Geldfonds

belaufen sich auf 41.764,600 Mark, der Jahresumsatz

beträgt 238.528,700 Mark. Der Nettogewinn

liegt bei 88.482,98 Mark.

Um die auf dem IX. Parteitag der SED zur Hauptaufgabe

erklärte Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik,

also die Verbesserung der materiellen und

kulturellen Lebensbedingungen der Bevölkerung

zu realisieren, setzt noch im selben Jahr eine umfangreiche

Förderung von Handwerk und Gewerbe

ein. In Umsetzung des Ministerratsbeschlusses vom

12. Februar 1976 verabschiedet Stralsunds Stadtverordnetenversammlung

am 8. Juli 1976 eine Konzeption

zur Weiterentwicklung und Verbesserung

der Reparatur-, Dienst- und Versorgungsleistungen

für die Bürger. Nach Erteilung neuer Gewerbegenehmigungen

nehmen in diesem Jahr in Stralsund

und Umgebung 60 neue Handwerker, Gewerbetreibende

und Einzelhändler ihre Tätigkeit auf. Sie

erhalten bei der Geschäftsgründung aktive Hilfe

von der Stralsunder Genossenschaftskasse in Form

zinsgünstiger Kredite, aber auch bei allgemeinen

Finanzproblemen und in Fragen der Rechnungsführung

und Statistik.

1977 scheidet Hermann Hotze durch Amtsablauf

aus der Revisionskommission aus. Da er auf eine

erneute Kandidatur verzichtet, wird statt seiner

der Vorsitzende der PGH „Maler“ Egon Waldow

gewählt. Für den auf eigenen Wunsch ebenfalls

ausscheidenden Hans-Peter Dobrint wählt die Mit-

71

gliederversammlung Uwe Petrik aus Stahlbrode.

Die Genossenschaftskasse reicht Kredite mit einem

Gesamtumfang von rund 10 Millionen Mark v. a.

an Handwerker und Gewerbetreibende aus. Einen

relativ kleinen, aber nicht unwichtigen Anteil haben

die an „Bürger zur Befriedigung individueller

Bedürfnisse“ vergebenen Kredite, deren Stand zum

Jahresschluss 1978 ein Volumen von 284.000 Mark

hat.

Die positive Entwicklung der Genossenschaftskasse

setzt sich 1979 fort. Der Nettogewinn überschreitet

mit 114.524,34 Mark erstmals die 100.000 Mark-

Grenze. Die Kasse verwaltet einen Geldfonds von

56.594.400 Mark und betreut 6.964 Konten. Im

Rechenschaftsbericht wird in diesem Zusammenhang

besonders hervorgehoben, dass alle Dienstleistungen

für Bürger und Wirtschaft trotz steigenden

Zahlungsverkehrs bei gleicher Anzahl an

Arbeitskräften und weiter gesenkter Fehlerquote

ausgeführt werden.

1980 beträgt der Nettogewinn 136.928,61 Mark.

Davon werden dem unteilbaren Fonds 132.848,61

Mark zugeführt, 4 % Zinsen (4.080,00 Mark) auf

die Guthaben der Mitglieder gezahlt und je 1.000

Mark für den weiteren Aufbau des Tierparks und

die internationale Solidarität gespendet.

1981 hat die Genossenschaftskasse gute Erfolge bei

der „Mobilisierung der freien Mittel der Bevölkerung“.

Die Spareinlagen der Bürger wachsen um

knappe 2 Millionen Mark auf 38.598.600 Mark. Die

staatliche Planauflage wird in diesem Bereich mit

185,6 % erfüllt.

Die Revisionskommission erhält ein neues Mitglied.

An die Stelle des auf eigenen Wunsch aus

Altersgründen ausscheidenden Werner Schuldt tritt

Alfred Goldberg.

1982 betreut die Genossenschaftskasse 30 Genossenschaften,

zahlreiche private Handwerker und

Einzelhändler, Kommissionshändler, Gewerbetreibende

und Privatpersonen. Die Genossenschaften

bringen 91 % der Einlagen der Kasse ein und

nehmen 43 % der Kredite in Anspruch. Die Kreditgewährung

erfolgt entsprechend dem Ministerratsbeschluss

vom 12. Februar 1976 und der Richtlinie

der Staatsbank vom 25. März 1976 zur Förderung

privater Einzelhandelsgeschäfte, Gaststätten und

Handwerksbetriebe v. a. im Falle einer geplanten

Geschäftsgründung oder -übernahme nach wie vor

unproblematisch und zu ermäßigten Zinsbedingungen.

1982 liegen die Zinserstattungsansprüche der

Kasse gegenüber dem Staatshaushalt, überwiegend

aus solchen Krediten, bei 44.093 Mark.


Ab März 1983 verfügt die Genossenschaftskasse

über die technische Möglichkeit der Datenfernübertragung,

die eine erhebliche Kostensenkung

mit sich bringt.

Neben der jährlichen Spende für den Ausbau des

Tierparks unterstützt die Genossenschaftskasse

1984 aus den Nettogewinnen der zwei vorangegangenen

Jahre die Vorbereitung der 750-Jahrfeier der

Stadt Stralsund mit je Tausend Mark.

Statt des verstorbenen Mitgliedes Herbert Hübner

wird Kurt Nützmann, bisher Mitglied der Revisionskommission,

in den Genossenschaftsrat gewählt.

An seiner Stelle wählt die Mitgliederversammlung

Günter Graap in die Revisionskommission.

Für den nach 39 Jahren der Mitgliedschaft in den

Verwaltungsorganen der Bank auf eigenen Wunsch

aus Altersgründen ausscheidenden Willi Behm wird

1985 Günter Graap, bisher Mitglied der Revisionskommission,

in den Genossenschaftsrat gewählt.

Ihn ersetzt in der Revisionskommission Siegfried

Schmidt.

1986 erwirtschaftet die Genossenschaftskasse einen

Nettogewinn von 171.492,60 Mark.

In der Mitgliederversammlung vom 9. April 1987

gibt Hans-Joachim Heuer, Vorsitzender des Genossenschaftsrates,

bekannt, dass der langjährige

Direktor der Genossenschaftskasse Johannes

Heinrich Ende Mai 1987 nach Erreichen des Rentenalters

in den Ruhestand tritt. Herr Heuer dankt

Herrn Heinrich für seine fast 34jährige erfolgreiche

Tätigkeit als Direktor. Als seinen Nachfolger stellt er

den seit 1964 als seinen Stellvertreter fungierenden

Jürgen Küster vor. Er übernimmt die Amtsgeschäfte

am 1. Juni 1987.

72

1988 betreut die Genossenschaftskasse 461 Betriebe

in den Kreisen Stralsund-Stadt, Stralsund-Land,

Grimmen, Rügen und Ribnitz-Damgarten, darunter

17 PGH, 4 FPG, 8 ELG, 248 private Handwerksbetriebe,

23 private Dienstleistungsbetriebe und 30

private Handelsbetriebe.

Das Rechnungsjahr 1988 wird mit einer Bilanzsumme

von 97.925.700 Mark abgeschlossen. Mit

53.026.000 Mark haben Spareinlagen der Bevölkerung

daran einen Anteil von 54,3 %. Die Genossenschaftskasse

hat 346 Mitglieder und führt 8.899

Konten. Sie gibt Grund- und Umlaufmittelkredite

in Höhe von 6.740.000 Mark sowie Kredite an die

Bevölkerung in Höhe von 36.000 Mark aus. Die

Eigenmittel der Kasse erhöhen sich auf 2.372.700

Mark. Der Nettogewinn liegt bei 187.247,64 Mark.

Die Kontrollorgane der Kasse erhalten je zwei zusätzliche

Mitglieder.

Neu in den Genossenschaftsrat gewählt wird Alfred

Goldberg.

Peter-Klaus Haar, Jürgen Grünschläger und Hans-

Joachim Brauch sind die neuen Mitglieder der

Revisionskommission.

1989 beläuft sich der Nettogewinn auf 196.654,86

Mark.


DIE BANK IM VEREINTEN DEUTSCHLAND

75


Kurt W. Frey

Bankvorstand

1992 – 2004

ERLEBNISBERICHT

Kurt W. Frey

1992-2004 Bankvorstand

„Das 150. Firmenjubiläum der

Pommerschen Volksbank eG

legt es nahe, den Zeitraum

1990 bis 2000 nachzuzeichnen.

Ausgehend von den historischen

Rahmenbedingungen beschreibe

ich einen Paradigmenwechsel,

der geradezu revolutionären

Charakter hat.

Bankensystem der DDR – Transformation

Die Wiedervereinigung stellte

eine große Herausforderung für

die deutschen Kreditgenossenschaften

dar.

Die ehemals im Raiffeisenverband

organisierten ländlichen

Genossenschaften mit Bankgeschäft

wurden in der DDR

als Bäuerliche Handelsgenossenschaften

(BHG) in die Vereinigungen

der gegenseitigen

Bauernhilfe (VdgB) eingegliedert.

Aufgabe der VdgB war die

Organisation der sozialistischen

Dorfgemeinschaft. Das Kreditgeschäft

wurde bei der Bank für

Landwirtschaft und Nahrungsgüterwirtschaft

in Berlin zentralisiert.

Die Volksbanken wurden in der

DDR in Genossenschaftsbanken

für Handwerk und Gewerbe

umbenannt.

1990 wurde das Bankgeschäft

aus den 272 noch existierenden

BHG als eigenständige Raiffeisenbanken

ausgegliedert. Die

Filialen der Bank für Landwirtschaft

und Nahrungsgüterwirt-

schaft wurden zum Teil als eigenständige

Raiffeisenbanken vor

Ort neu gegründet. Ihre Berliner

Zentrale ging in das Eigentum

der DG BANK - heute DZ-BANK -

über.

Einfacher war es im gewerblichen

Sektor. Die 95 Genossenschaftskassen

firmierten seit

1990 wieder als Volksbanken.

Zugleich stellten die westdeutschen

Kreditgenossenschaften

den ostdeutschen Genossenschaftsbanken

einen Solidarfonds

für investive Maßnahmen

in Höhe von 280 Millionen DM

zur Verfügung. Außerdem gab

es praktische Hilfe durch Bankpartnerschaften.

Bankkaufleute

aus den alten Bundesländern

konnten so auf Zeit in den

neuen Ländern praktische

Aufbauhilfe leisten; ostdeutsche

Bankangestellte bekamen in den

westdeutschen Genossenschaftsbanken

Schnellkurse über das

moderne Bankgeschäft.

Die Annäherung an den Westen

Bereits im Jahre 1989 fanden

Gespräche zwischen Genossenschaftsvertretern

West- und

Ostdeutschlands statt. Zur selben

Zeit herrschte ebenfalls ein

großes Joint-Venture-Angebot

seitens westdeutscher Kreditbanken

und internationaler, in

Ostdeutschland ansässiger Banken

vor. Ein erster und wesentlicher

Erfolg konnte bereits am 8.

März 1990 verzeichnet werden.

Genossenschaftskassen und Bäuerliche

Handelsgenossenschaften

gewannen ihre betriebliche

Eigenverantwortung zurück und

76

wurden erneut an das Förderungsprinzip

gebunden. Der

dreistufige Aufbau des Genossenschaftsbankwesens,

geteilt in

Ortsbanken, Verbundsinstitute

und Zentralbanken, wurde auf

Grund einer Krise der DG Bank

zunächst beibehalten, zweifelte

man doch daran, dass es ihr allein

möglich wäre, den Wiederaufbau

des genossenschaftlichen

Kreditwesens in Ostdeutschland

durchzuführen.

Die auf der primären Stufe

stehenden Genossenschaftsbanken

versuchten bereits früh, den

Status als Volks- oder Raiffeisenbanken

zu erlangen. Bereits im

April 1990 fand eine gemeinsame

Umwandlung der Genossenschaftskassen

in Volksbanken

statt. Die Umwandlung der BHG

verlief zögerlicher, wurde aber

bis zur Einigung Deutschlands

ebenfalls vorgenommen. Unmittelbar

danach fanden bereits

erste Fusionen statt.

Kreditinstitute in den neuen

Bundesländern 1990

Zunächst soll die Konkurrenzsituation

der Genossenschaftsbanken

im ostdeutschen Bankensektor

betrachtet werden.

Der Anteil der Bankstellen

von Genossenschaftsbanken in

Ostdeutschland lag mit 46,3%

direkt hinter der Sparkasse mit

47,4%. Da die Sparkassen zu

DDR-Zeiten 80% der Privatkunden

betreuten, befanden sie sich

allerdings in einer wesentlich

besseren Ausgangslage. Dies

ist auch zu erkennen am Anteil

des Geschäftsvolumens der


Kreditgenossenschaften, das pro

Bankstelle nur 15 Millionen DM

umfasste und damit lediglich

7,8% des Marktanteiles ausmachte.

Als weiteres Konkurrenzmerkmal

ist anzuführen, dass die

„Hauptzielgruppe beider (...) der

Mittelstand und die Privatkundschaft;

auf dem Land, wo sich

die Großbanken zurückgezogen

haben, (...) oft einzige Wettbewerber

sind.“ Ziel der genossenschaftlichen

Kreditinstitute

musste es also sein, direkt nach

dem Mauerfall den Marktanteil,

bezogen auf das Geschäftsvolumen,

massiv auszubauen und

die mit der Neuorientierung

der Bankenpolitik verbundene

Unsicherheit wechselfreudiger

Kunden anderer Kreditinstitute

auszunutzen.

Die Währungsunion –

Die D-Mark für die DDR

Noch bevor die beiden deutschen

Staaten formell ihre

Wiedervereinigung beschlossen,

kam die wirtschaftliche Einheit

in Gang. Hintergrund war wohl

die Tatsache, dass die vielen

Flüchtlinge aus der DDR nicht

nur vor politischer Unfreiheit

flüchteten, sondern vor allem

durch den Wohlstand im Westen

Deutschlands angezogen wurden.

Aus westlicher Sicht konnte

einer Massenflucht nur dadurch

begegnet werden, dass man

das östliche Deutschland wirtschaftlich

unterstützte, wofür

die noch existierende DDR statt

der sozialistischen Planwirtschaft

die westliche Marktwirtschaft

einführen sollte. Deshalb

bot die Bundesregierung der

DDR an, eine Wirtschafts- und

Währungsunion einzuführen,

letzteres nicht zuletzt deshalb,

weil die Deutsche Mark sowieso

schon seit Jahren eine Art

Schattenwährung gewesen war.

Bestimmte Dienstleistungen

wie z. B. Klempnerarbeiten,

gab es schnell praktisch nur auf

dem schwarzen Markt gegen

DM. Außerdem hatte die DDR

selbst zur Zweitklassigkeit ihrer

Währung beigetragen, indem sie

im Land sogenannte Intershops

einrichtete, in denen man west-

liche Konsumgüter gegen harte

Devisen (DM, US-Dollar) kaufen

konnte. So war in der DDR eine

neue Zweiklassengesellschaft

entstanden: diejenigen mit Zugang

zu harten Währungen, weil

sie z. B. Verwandte oder Bekannte

im Westen hatten und den

anderen, die für Ostmark (Mark

der Deutschen Notenbank) nur

in den staatlichen „HO-Läden“

einkaufen konnten.

Am 1. Juli 1990 wurde dann die

D-Mark als offizielles Zahlungsmittel

der DDR eingeführt. Dies

war praktisch der wichtigste

Schritt in Richtung deutsche Einheit,

die am 31.9.1990 vertraglich

besiegelt wurde und drei

Tage später in Kraft trat.

In der Bundesrepublik entfachte

sich eine lange Diskussion

über die Modalitäten der

Währungsumstellung. Wie viel

sollte eine Ostmark wert sein?

Die Regierung Kohl entschied

sich gegen den Widerstand

der SPD unter Lafontaine und

gegen die Bedenken vieler

Wirtschaftswissenschaftler für

eine sehr großzügige Regelung.

Im Vertrag zur Währungsunion

heißt es dazu: Löhne, Gehälter,

Stipendien, Renten, Mieten und

Pachten sowie weitere wiederkehrende

Zahlungen werden im

Verhältnis 1 zu 1 umgestellt. Alle

anderen auf Mark der Deutschen

Demokratischen Republik

lautenden Forderungen und

Verbindlichkeiten werden grundsätzlich

im Verhältnis 2 zu 1

umgestellt, wobei eine Differenzierung

nach dem Lebensalter

der Berechtigten stattfindet. Das

bedeutete, dass viele Bürger der

DDR praktisch über Nacht erhebliche

DM-Vermögen besaßen.

Es bedeutete aber auch, dass

Unternehmen jetzt Löhne und

Verbindlichkeiten in DM zahlen

mussten, was sie angesichts ihres

technologischen Rückstandes oft

nicht konnten. So gingen viele

Firmen pleite. Die Arbeitslosigkeit

im Osten stieg rapide an.

Im Nachhinein muss man wohl

sagen, dass es keine Alternative

zur Einführung der D-Mark in

der DDR gab, dass jedoch die

Umstellung im Verhältnis 1:1

mehr zur kurzfristigen Stabilisie-

77

rung der damaligen Bundesregierung

als zur wirtschaftlichen

Gesundung der neuen Bundesländer

beitrug.

Die Pommersche Volksbank

Die Satzung der Volksbank

Stralsund wurde am 26.4.1990

beschlossen. Die eingetragene

Genossenschaft ist aus der Genossenschaftskasse

für Handwerk

und Gewerbe der DDR, Stralsund

hervorgegangen.

Nur wer sich die Zeitenwende

1989/90 vergegenwärtigt,

kann den im ersten Jahrzehnt

beschrittenen Weg in seiner

Tragweite erfassen. So wurde im

Zuge der deutschen Vereinigung

die rechtliche und institutionelle

Grundstruktur des marktwirtschaftlichen

Systems der Bundesrepublik

transferiert. Hier

erfolgten zur gleichen Zeit in

nahezu allen gesellschaftlichen

Bereichen radikale Brüche.

Transformation, vom Standpunkt

der Pommerschen Volksbank aus

gesehen, bedeutete die gleichzeitige

Umformung aller Elemente

des bisherigen Betriebes unter

weitgehender Beibehaltung des

Bankpersonals und des sozialen

Umfeldes. In der Spannung zwischen

von außen übernommenen

Struktur- und Funktionsprinzipien

und örtlicher Umsetzung

bzw. Umsetzbarkeit wurde die

Frage der erfolgreichen Bewältigung

dieses fundamentalen

Wandels entschieden. Heute

können wir mit Fug und Recht

feststellen, dass der Wandel

mehr als bewältigt wurde.

Zur Aufnahme des operativen

Geschäfts fehlte schon die

grundlegende Büroinfrastruktur.

Selbst einfache Vordrucke und

Formblätter mussten gemäß

neuem Standard eingeführt

werden. Um zu einer funktionsfähigen

und marktgerechten Genossenschaftsbank

zu gelangen,

mussten arbeitsfähige Strukturen

aufgebaut werden. Für

große Investitionsmaßnahmen

wurden durch den Solidarfonds

des BVR „Investive Maßnahmen“

Finanzmittel von 100 Millionen

DM zur Verfügung gestellt. Auch


die Stralsunder Volksbank nahm

für erste weitreichende Umbau-

und Modernisierungsmaßnahmen

1991/92 Mittel in Anspruch.

Die Umstellung auf den Universalbankbetrieb

unter Wettbewerbsbedingungen

beinhaltete

für das Personal der Pommerschen

Volksbank eine Herausforderung

von gewaltigem Ausmaß.

Für mich war dieser Teil meiner

Leitungs- und Führungsaufgabe

mit einer Ungeduld verbunden,

die Mitarbeiter dazu zu bringen,

zu verstehen, dass an Stelle

umfassender planwirtschaftlicher

Ziele individuelle Verantwortung

wahrzunehmen ist. Natürlich waren

am Anfang die Mannschaftsleistung

(Kollektivgeist), das Engagement

und die Bereitschaft

zum Improvisieren und Verändern

von Nutzen. Danach lag

jedoch der Erfolgsfaktor der PVB

für die Bewältigung der betrieblichen

Umstellung und dem Bestehen

auf dem harten Bankenmarkt

in der Qualifikation und

Selbständigkeit jedes Einzelnen,

sei es im Management, sei es bei

den Mitarbeitern. Nur so konnte

sich die PVB seit der Wiedervereinigung

den Bedürfnissen ihrer

Mitglieder und Kunden optimal

anpassen. Sie ist inzwischen die

größte Genossenschaftsbank in

Mecklenburg-Vorpommern und

kann deshalb auf Grund einer

guten Eigenkapital- und Ertragslage

aktuellen Trends und auch

wirtschaftlichen Krisen trotzen.

Der Aufbau der Strukturen

beleuchtet nur einen Teil des

Umbaus von einer Zahlstelle zur

Universalbank. Die Hauptlast der

Transformation wurde von den

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

getragen, die vor Ort die

Strukturen aufbauten, sie ausfüllten

und durch ihren Einsatz

den Aufbau der Pommerschen

Volksbank erst ermöglichten.

Das Ausmaß der Veränderung

lässt sich wie folgt zusammenfassen:

„Die Führungskräfte und

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

die das umsetzen mussten,

mussten ja im Zuge der Herstellung

der deutschen Einheit

nicht nur für ihren Job völlig neu

lernen – man konnte ja fast alles

vergessen, was man gelernt hatte

– sie mussten auch im privaten

Bereich alles neu gestalten.“

Bildlich gesprochen hatte jeder

DDR-Bürger einen Hut aufgesetzt

bekommen, der vom Kopf

bis zu den Knöcheln reichte.

Das Vorstands-Duo der ersten

Jahre mit Herrn Küster und mir

bewies auch, dass weder westdeutsche

Besserwisserei noch

ostdeutsche Selbstquälerei zu

Blöcken wurden. Im Gegenteil,

die Zusammensetzung aus einem

Vorstandsmitglied Ost und

einem Vorstandsmitglied West

war, wie auch bei vielen anderen

Volksbanken, eine geschickte

und die Zukunft sichernde Lösung

für die PVB.“

78


UMWANDLUNG ZUR VOLKSBANK STRALSUND EG

Das Jahr 1990 bringt die tiefgreifendste politische

Veränderung der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Bereits im Herbst des Vorjahres setzt eine von

verschiedenen oppositionellen Gruppen initiierte

friedliche Protestbewegung mit dem Ziel einer umfassenden

Reform der sozialistischen Gesellschaft

der DDR ein. Daraus entwickelt sich in kurzer Zeit

eine landesweite Massenbewegung, die eine Wiedervereinigung

beider deutscher Staaten fordert. In

dieser Situation offeriert die Regierung der Bundesrepublik

Deutschland die Vorbereitung einer Währungs-,

Wirtschafts- und Sozialunion. Angesichts

massiver wirtschaftlicher Schwierigkeiten und sich

immer mehr ausweitender Massenabwanderungen

von DDR-Bürgern in die BRD spricht sich die DDR-

Regierung am 1. Februar 1990 für die Ausarbeitung

eines entsprechenden Vertrages aus.

Am 1. Juli 1990 kommt es zur Währungsunion. Ab

sofort ist die Deutsche Mark offizielles Zahlungsmittel

der DDR. Der Vertrag über die deutsche

Einheit wird am 31. September unterzeichnet und

tritt am 3. Oktober in Kraft.

Im Rahmen der Reform des Bankwesens der DDR

in Vorbereitung auf die Wiedervereinigung beider

deutscher Staaten kommt es u. a. zur Umwandlung

der Vereinigungen der gegenseitigen Bauernhilfe

- Bäuerliche Handelsgenossenschaften (VdgB BHG)

in Raiffeisenbanken sowie zur Umwandlung der

Genossenschaftskassen der DDR in Volksbanken.

Die Genossenschaftskasse für Handwerk und

Gewerbe Stralsund wird dem auf der Mitgliederversammlung

vom 26. April 1990 beschlossenen Statut

folgend zur Volksbank Stralsund eG.

Sie versteht sich als eine Bank für das Handwerk

und Gewerbe, für mittelständische Betriebe und

Privatkunden, denen die Volksbank das gesamte

Angebot an Bankleistungen von der Kontoführung

über Kredite, Wertpapiergeschäfte bis hin zu Vermögensberatung

und -verwaltung bietet.

Mit der Satzung werden folgende weitere wesentliche

Veränderungen beschlossen:

- Festlegung des Aufsichtsrates auf 6 Personen

- Höhe der Geschäftsanteile: 200,00 Mark

- Nachschusspflicht in Höhe der Geschäftsanteile

- Bildung einer gesetzlichen Rücklage in Höhe von

mindestens 25 % des Jahresüberschusses

- Bildung einer weiteren Ergebnisrücklage in Höhe

von mindestens 50 % des Jahresüberschusses

In den zu bildenden Aufsichtsrat wählt die Mitgliederversammlung

Frau Koski und die Herren Haar

(künftiger Vorsitzender des Aufsichtsrates), Brauch,

Schmidt, Grünschläger und Waldow.

Hans-Joachim Thoms wird Ehrenmitglied mit beratender

Stimme.

Dem Vorstand gehören Jürgen Küster als Vor-

79

standsvorsitzender sowie Ernst-Peter Lobeck und

Alfred Goldberg an.

Im Rahmen ihrer Bemühungen um Geschäftsbeziehungen

mit Banken des Beitrittsgebietes beruft

die Deutsche Genossenschafts-Hypothekenbank

Hamburg Jürgen Küster kurz darauf als einzigen

Vertreter der neuen Bundesländer in den Aufsichtsrat

ihrer Bank. Diese Funktion hat er bis zu seinem

Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2000 inne.

Die Bank hat derzeit 21 Mitarbeiter, die vor der

außerordentlichen Herausforderung stehen, sich

in kürzester Zeit von sozialistischer Planwirtschaft

auf marktwirtschaftlichen Bankbetrieb umzustellen

und Geschäftsbereiche, die wie beispielsweise der

Wertpapierhandel lange Zeit nicht bedient werden

konnten, neu aufzulegen. Mit großem persönlichen

Engagement der Leitung wie aller Angestellten

und dank der personellen und technischen Hilfe

und Unterstützung durch die Volksbank Kiel gelingt

diese Umstellung ohne größere Probleme.


Bankbetrieb auf

engstem Raum

Während der

Bauarbeiten

dient der Containergleichermaßen

als Kassen-,

Schalter-,

Arbeits- und

Aufenthaltsraum

Der neue

Eingangs bereich

80

UMBAU DER HAUPTSTELLE

1991 beginnt der Umbau der Geschäftsstelle in der

Mönchstraße 24 zwecks Anpassung an die veränderten

Kundenbedürfnisse. Während der Bauarbeiten

betreuen die 28 Mitarbeiter der Bank ihre

Kunden in einem Container auf dem benachbarten

Grundstück Bielkenhagen 1 – 4.

Am 27. Januar 1992 eröffnet die Bank ihre umgestalteten

Geschäftsräume in der Mönchstraße

24 für den Kundenverkehr. Alle Büros sind komplett

renoviert, die Schalterhalle neu gestaltet. Im

Bedienungsraum trennt nun kein Tresen mehr die

Mitarbeiter der Bank von ihren Kunden. Computergestützte

Arbeitsplätze verteilen sich über den

gesamten Raum. In Separées können vertrauliche

Beratungsgespräche geführt werden. Die Kasse

mit zwei Arbeitsplätzen ist nach modernen Sicherheitsstandards

gestaltet und arbeitet mit automatischen

Geldgebern. Ab sofort besteht auch die

Möglichkeit der Selbstbedienung. Dafür stehen den

Kunden Kontoauszugdrucker und Geldautomaten

zur Verfügung.

Seit der Währungsunion am 1. Juli 1990 bis 1992

verdoppelt sich die Kundenzahl, die Zahl der Kredite

ist gar sechs Mal so hoch. Dabei erhöht sich

die Anzahl der Mitarbeiter nur um die Hälfte. Sie

bewältigen die anfallende Arbeit dank moderner

Technik.


FUSION MIT DER

RAIFFEISENBANK STRALSUND EG

Im Jahr 1992 erfolgt auch die erste von mehreren

Fusionen mit Kreditinstituten der Region. Die

Volksbank Stralsund eG verschmilzt mit der Raiffeisenbank

Stralsund eG zur Stralsunder Volksbank eG.

Die Fusion der beiden genossenschaftlichen Kreditinstitute

soll die geschäftlichen Grundlagen der

Bank erweitern, deren Leistungsfähigkeit erhöhen

und durch Aufhebung einer Konkurrenzsituation

die kreditgenossenschaftliche Marktposition am

Standort Stralsund nachhaltig sichern.

Mit einer Bilanzsumme von rund 200 Millionen DM

stellt das neue Institut eine leistungsstarke und

dennoch überschaubare Betriebsgröße dar. Geführt

wird es von den beiden hauptamtlichen Vorständen

Jürgen Küster und Kurt W. Frey (ehemals Raiffeisenbank

Stralsund). Die bisherigen ehrenamtlichen

Vorstandsmitglieder Alfred Goldberg und Dr.

Harald Stobinsky werden in den neuen Aufsichtsrat

gewählt, dessen Vorsitz Friseurmeister Klaus-Peter

Haar, Vorsitzender der Handwerkskammer, inne hat.

Hauptsitz der Bank ist die Mönchstraße 24. Die

bisherige Raiffeisenbank am Alten Markt 8 dient

nach Abschluss der Modernisierung im Jahr 1994 als

Hauptzweigstelle. Auch die Geschäftsstellen in Altenpleen,

Franzburg, Martensdorf, Prohn, Tribsees

und Velgast bleiben bestehen. Die Bank beschäftigt

67 Mitarbeiter. Fusionsbedingte Kündigungen gibt

es nicht.

DIE RAIFFEISENBANK STRALSUND EG

Zur Geschichte der Raiffeisenbank Stralsund sind

nur wenige Unterlagen überliefert. Am 24. Januar

1922 wurde die Stralsunder Spar- und Darlehenskasse

eGmbH mit Sitz in Stralsund unter der Nummer

48 in das Genossenschaftsregister des Amtsgerichtes

Stralsund eingetragen. Als Vorstand fungierten

die Ackerbürger Paul Kartheur und Friedrich Dinsel

sowie der Kaufmann Ernst Brekenfeld. Das erste

Statut datiert vom 30. September 1921. Am 18. Mai

1942 wurde die Kasse aus dem Genossenschaftsregister

gelöscht.

Im Genossenschaftseintrag zur Raiffeisenbank

Stralsund eG findet sich der Hinweis, dass der VdgB

BHG Stralsund mit Sitz in Martensdorf, eingetragen

in das Genossenschaftsregister des Kreises Stralsund,

am 17. Juli 1990 ein neues Statut annahm und in

eine Genossenschaft mit dem Namen Raiffeisenbank

eG Stralsund umgewandelt wurde. Am 23.

April 1992 beschloss die Generalversammlung der

Raiffeisenbank Stralsund die Verschmelzung mit

der Volksbank Stralsund durch übertragung. Dem

stimmte die Generalversammlung der Volksbank

Stralsund eG am 1. Juni 1992 zu.

81

DIE BANK GEHT IHREN WEG

Trotz der Verschlechterung der gesamtwirtschaftlichen

Rahmenbedingungen wächst die Bilanzsumme

der Volksbank 1994 um mehr als 11 Prozent

auf 264 Millionen DM. Zuwächse gibt es auch im

Immobilien-Service und im Kreditbereich, v. a.

durch langfristige Kredite für den Mittelstand und

Wohnungsbaukredite für Privatpersonen.

Die Zahl der Mitglieder steigt um 23 % auf 1.309

Bankteilhaber, 18.000 Kunden werden in 8 Filialen

betreut.

Die Hauptzweigstelle der Volksbank am Alten

Markt in Stralsund wird am 7. Oktober nach umfangreichen

Umbau- und Modernisierungsarbeiten,

die bei laufendem Bankbetrieb stattfinden, an

Mitarbeiter und Kunden übergeben. Ihnen steht

nun eine hochmoderne Filiale mit kundenfreundlicher,

behindertengerechter Raumaufteilung und

Ausstattung zur Verfügung, die gleichzeitig alle Voraussetzungen

für einen rationalen Betriebsablauf

und optimale Arbeitsbedingungen für die Bankmitarbeiter

bietet. Kreishandwerksmeister Klaus-

Peter Haar, Vorsitzender des Aufsichtsrates der

Bank, betont bei der feierlichen Einweihung die

persönliche, angenehme Atmosphäre und wünscht

der Volksbank, ihren Mitgliedern und Kunden in

Anlehnung an die Handbreit Wasser unter dem Kiel

aus der Seefahrt „immer einen Pfennig in der Kasse

- es darf aber getrost auch etwas mehr sein!“

1995 werden in Stralsund im Linden-Center und am

Heinrich-Heine-Ring 111 neue Zweigstellen eröffnet.

Zweigstelle

Alter Markt 8 in

Stralsund

Neubau der

Zweigstelle

Heinrich-Heine-

Ring 111


Grundsteinlegung

des neuen

Bankgebäudes

Archäologin

Verena

Hoffmann mit

Fundstücken (li.)

Die neue Geschäftsstelle

im

Rohbau (re.)

Die archäologische

Grabung

auf dem Baugelände

fördert

interessante

Geschichtszeugnisse

zu Tage

Im Jahresabschluss für 1998 wird die Entwicklung

der Ertragslage, die sich im Rahmen vergleichbarer

Volksbanken und Raiffeisenbanken bewegt, als

zufriedenstellend gewertet. Der Jahresüberschuss

beträgt 393.289,21 DM. Davon gehen je 150.000

DM in die gesetzliche Rücklage und andere Ergebnisrücklagen

ein. 91.492,80 DM (5,6 %) werden als

Dividende an die Mitglieder ausgeschüttet.

Die Volksbank ist zweitgrößter Steuerzahler Stralsunds.

Von den abgeführten 2,4 Millionen DM Steuern

kommen 800.000 DM Gewerbesteuer direkt der

Stadt Stralsund zugute.

82

DER EURO KOMMT

Am 1. Januar 1999, 3 Jahre vor Ausgabe der realen

Banknoten, wird im Rahmen der Gründung der

Europäischen Union mit Deutschland als einem

von zunächst 11 Mitgliedsländern der Euro als

europäische Verrechnungswährung eingeführt. Die

Kunden der Volksbank haben die Möglichkeit, ihr

Konto bereits in Euro führen und den bargeldlosen

Zahlungsverkehr in der neuen Währung abwickeln

zu lassen.

DIE HAUPTSTELLE WIRD ZU KLEIN

Für die Stralsunder Volksbank bringt das erste Jahr

des neuen Jahrtausends weitere Veränderungen.

Am 7. April erfolgt neben dem Bankgebäude in der

Mönchstraße 24 der symbolische erste Spatenstich

für einen neuen Geschäftshausanbau.

Am 2. Juli 2000 wird das langjährige Vorstandsmitglied

Jürgen Küster aus dem aktiven Dienst verabschiedet.

Er hatte seine Tätigkeit in der Bank im

Oktober 1964 als Stellvertreter des Vorstandsvorsitzenden

Johannes Heinrich begonnen und war seit

Mai 1987 dessen Nachfolger.


FUSION MIT DER RAIFFEISENBANK EG GRIMMEN

Die Stralsunder Volksbank eG fusioniert mit der

Raiffeisenbank eG Grimmen, ohne den Namen zu

ändern.

Erste Gespräche der Vorstände beider Banken gibt

es bereits 1998. Im November 1999 werden den

Mitgliedern die Fusionspläne vorgestellt, auf der

Generalversammlung am 23. Mai 2000 kommt

es zum einstimmigen Votum für den Zusammenschluss.

Damit folgen die Kreditinstitute ein weiteres

Mal einem bundesweiten Trend mit dem Ziel

der Verbesserung der Leistungsfähigkeit und des

Service sowie einer langfristigen Existenzsicherung

bei Beibehaltung eines überschaubaren Geschäftsbereiches.

Nach der Fusion verfügt die Stralsunder Volksbank

über 12 Filialen und eine mobile Bus-Zweigstelle.

Die Bilanzsumme liegt bei rund 500 Millionen DM.

Die Zahl der Konten addiert sich auf 43.300, von

denen die Stralsunder 29.300 einbringen.

83

Langjährige

Weggefährten

verabschieden

Jürgen Küster

Jürgen Küster

(rechts) mit

Vorstand

Kurt W. Frey

Langjährige

Weggefährten

verabschieden

Jürgen Küster

Jürgen Küster,

Ehefrau Ilse,

Vorsitzender des

Aufsichtsrates

Klaus-Peter Haar

(v.r.n.l.)


Das Volksbank-

Gebäude in

Grimmen

2001 Eröffnung

der Zweigstelle

in Stralsund im

Strelapark

GESCHICHTE DER RAIFFEISENBANK GRIMMEN

Die Grimmer ländliche Spar- und Darlehenskasse

eGmbH mit Sitz in Grimmen, Vorläufer der Raiffeisenbank

eG Grimmen, wurde am 25. Mai 1895

gegründet. Die Eintragungen im Genossenschaftsregister

des Amtsgerichtes Grimmen beginnen 1904

und enden 1951. Aus ihnen geht hervor, dass die

Generalversammlung am 17. November 1924 die

Umfirmierung in Grimmer Bank eGmbH mit Sitz in

Grimmen beschlossen hatte. Nach dem Ende des

Zweiten Weltkrieges ließ die Sowjetische Militäradministration

die Raiffeisengenossenschaften

wieder zu. Die Grimmer Kreditgenossenschaft

nannte sich ab dem 9. Februar 1946 Raiffeisenkasse

Grimmen eGmbH und ab dem 24. November

1947 Raiffeisenbank Grimmen eGmbH. Im Zuge

der Zusammenlegung der Raiffeisenbanken mit

den Vereinigungen der gegenseitigen Bauernhil-

84

fe (VdgB) im Jahr 1950 wurde die Raiffeisenbank

Grimmen am 24. März 1950 in Landwirtschaftliche

Genossenschaft Grimmen und Umgebung eGmbH

mit Sitz in Grimmen umgewandelt. Entsprechend

dem Verschmelzungsvertrag vom 19. Dezember

1950 sowie dem Beschluss der Generalversammlung

vom 10. Februar 1951 fusionierte sie mit der

Raiffeisen Pferdezuchtgenossenschaft mbH für

den Kreis Grimmen. Ebenfalls 1951 entstand durch

die Verschmelzung mit der Ortsvereinigung der

gegenseitigen Bauernhilfe Grimmen die VdgB BHG

Grimmen.

Aus dieser VdgB ging die Raiffeisenbank Grimmen

hervor. Das erste Statut der anfangs als Raiffeisenbank

und Handelsgenossenschaft Grimmen eG

eingetragenen Genossenschaft wurde am 14. Juli

1990 unterzeichnet. 1993 wurde die Umfirmierung

in Raiffeisenbank eG Grimmen in das Genossenschaftsregister

des Amtsgerichts Stralsund eingetragen.

Die Generalversammlung beschloss am 4. Mai 2000

die Verschmelzung mit der Volksbank Stralsund

durch übertragung.


VERSCHMELZUNG MIT DER

VOLKSBANK EG RIBNITZ-DAMGARTEN

Die Stralsunder Volksbank eG schließt sich ohne

Namensänderung mit der Volksbank eG Ribnitz-

Damgarten zusammen. Der so nochmals erweiterte

Bankenverbund zählt rund 5500 Anteilseigner und

weist eine Bilanzsumme von 649 Millionen DM auf.

Etwa 10 Millionen der nunmehr 35 Millionen Mark

Eigenkapital bringt die Volksbank Ribnitz-Damgarten

in die Verbindung ein.

GESCHICHTE DER

VOLKSBANK RIBNITZ-DAMGARTEN

Es existieren kaum noch Unterlagen. Sie wurde wie

sämtliche VdgB BHG 1990 in eine Raiffeisenbank,

die Raiffeisenbank und Handelsgenossenschaft eG

Ribnitz-Damgarten umgewandelt. 1991 entfiel das

„und Handelsgenossenschaft“ im Namen und am

29. Oktober 1992 beschloss die Generalversammlung

die Umfirmierung in Volksbank eG mit Sitz in

Ribnitz-Damgarten.

Am 31. Mai 2001 stimmte die Generalversammlung

dem Verschmelzungsvertrag mit der Stralsunder

Volksbank eG zu.

85

DER EURO ALS BARGELD

Ab dem 1. Januar dieses Jahres ist der Euro neues

gesetzliches Zahlungsmittel. Bereits am 17. Dezember

2001 erhalten auch Kunden der Volksbank

auf Wunsch für 20 DM ein Starterpaket mit Euromünzen

in Höhe von umgerechnet 10,23 Euro. Die

Umstellung auf die neue Währung in den Filialen

der Bank erfolgt reibungslos.

Der schwierigen wirtschaftlichen Lage 2002 in Mecklenburg-Vorpommern

mit einer steigenden Zahl

von Insolvenzen und der dadurch bedingten hohen

Arbeitslosigkeit ist der leichte Rückgang der Bilanzsumme

auf 331.646.000 Euro geschuldet. Die Nachfrage

der Bankkunden nach Krediten sinkt deutlich,

bei den Kundeneinlagen ist mit 117.933.000 Euro

jedoch ein Zuwachs zu verzeichnen. Die Eigenmittelausstattung

verbessert sich und entspricht den

gesetzlichen Anforderungen der Bundesanstalt für

Finanzdienstleistungsaufsicht. Der Jahresüberschuss

beträgt 806.000 Euro.

Die Volksbank hat durchschnittlich 99 Vollzeit- und 9

Teilzeitbeschäftigte.

Volksbank

Ribnitz-

Damgarten

Am Markt 1


Das neue

Bankgebäude

Architekt Reiner

Niemesch (links)

und Vorstand

Kurt W. Frey

während des

Festaktes

DER ERWEITERUNGSBAU FüR DIE HAUPTSTELLE

WIRD IN BETRIEB GENOMMEN

Am 25. Januar 2002 wird mit einem Festakt der Erweiterungsbau

für die Hauptgeschäftsstelle Mönchstraße

24 auf den Grundstücken Bielkenhagen 1 - 4

eingeweiht. Der Neubau erfüllt die Ansprüche an

ein funktionelles Bankgebäude und trägt trotz der

modernen architektonischen Formensprache, für die

Architekt Reiner Niemesch verantwortlich zeichnet,

dem Standort in der historischen Altstadt Rechung.

Durch die direkte Verbindung mit der Mönchstraße

86

24 bestehen beste Bedingungen für Kundenservice

und störungsfreie Beratung sowie erweiterte

Möglichkeiten zur Selbstbedienung rund um die Uhr,

unabhängig von den öffnungszeiten der Bank. Dabei

entscheidet immer der Kunde, ob er der persönlichen

Betreuung durch einen Mitarbeiter oder der

Selbstbedienung den Vorzug gibt.


87

Programmfolge

für den Festakt

zur Einweihung

(li.)

Werbematerial

zum Tag der

offenen Tür

anlässlich der

Eröffnung (re.)

Grundriss der

neuen Gesamt-

Geschäftsstelle

Neubau am Tag

der Eröffnung

(re.)

Mitarbeiter im

neuen Treppenhaus

(li.)


Grafik zu

„GABI“

VEREINIGUNG MIT DER

VOLKS- UND RAIFFEISENBANK RüGEN EG ZUR

POMMERSCHEN VOLKSBANK EG

Die durch die Fusionen der vergangenen Jahre

stetig weiter gewachsene Stralsunder Volksbank

tritt erneut als übernehmende Genossenschaft auf.

Sie vereinigt sich mit der Volks- und Raiffeisenbank

Rügen eG zur Pommerschen Volksbank eG.

DIE VOLKS- UND

RAIFFEISENBANK RüGEN EG

Der früheste Vorläufer der Volks- und Raiffeisenbank

Rügen eG war die 1901 gegründete Ländliche

Spar- und Darlehenskasse eGmbH zu Zirkow, die

1922 in Spar- und Darlehenskasse Bergen-Zirkow

eGmbH und 1929 in Bergener Bank eGmbH umfirmierte.

1934 verschmolz sie mit der 1858 gegründeten

Rügenschen Bank und nannte sich Bergener Bank

für Gewerbe und Landwirtschaft eGmbH. 1934/35

übernahm sie die seit 1904 bestehende Binzer Bank

und nannte sich ab 1938 Volksbank Bergen eGmbH

Bank und Sparkasse.

Die 1946 wieder eröffnete Bergener Volksbank

wurde 1947 zur Bergener Bank eGmbH, Bank für

Handwerk, Gewerbe und Landwirtschaft und im

selben Jahr zur Bank für Handwerk und Gewerbe

eGmbH in Bergen auf Rügen umbenannt. 1951

verschmolz sie mit der Göhrener Bank eGmbH, der

Raiffeisenkasse Sellin eGmbH und der Lauterbacher

Bank eGmbH und 1968 schließlich mit der Bank für

Handwerk und Gewerbe eGmbH Saßnitz/Rügen. Sie

nannte sich nun Bank für Handwerk und Gewerbe

Rügen.

Ab 1970 hieß sie Genossenschaftsbank für Handwerk

und Gewerbe Rügen mit Sitz in Bergen, ab

1974 Genossenschaftskasse für Handwerk und

Gewerbe Rügen.

88

1990 erfolgte die Umwandlung zur Volksbank

Rügen eG, 1998 die Verschmelzung mit der Raiffeisenbank

Rügen eG und die Umbenennung in Volks-

und Raiffeisenbank Rügen eG.

DER VERSCHMELZUNGSVERTRAG

Die jüngste Fusion zur Pommerschen Volksbank hat

sich im Bankalltag erfolgreich bewährt. Eine der

letzten Veränderungen in diesem Zusammenhang

bringt die Wahl zum Aufsichtsrat durch die Vertreterversammlung

am 26.11.2003. Der Aufsichtsrat

besteht seit der Fusion aus 17 Mitgliedern, deren

Zahl sich laut Verschmelzungsvertrag nach einem

übergangszeitraum von drei Jahren auf 9 Personen

reduzieren soll. Am 16. September 2004 beschließt

der Aufsichtsrat die vorzeitige Umsetzung dieser

Festlegung. Zur Gewährleistung einer angemessenen

Vertretung der einzelnen Regionen des

Geschäftsgebietes erhält Stralsund 3 Mandate, je 2

verteilen sich auf Grimmen, Ribnitz-Damgarten und

Rügen. Die Vertreterversammlung wählt für den

Bereich Stralsund die Herren Brauch, Hoth und Dr.

Stobinsky, für Grimmen Herrn Dr. Steyer und Herrn

Witt, für Rügen Herrn Noack und Herrn Ratzke und

für Ribnitz-Damgarten die Herren Paul und Schrader.

Herr Schrader bleibt Aufsichtsratsvorsitzender.

Die Bank verwaltet im Einlagengeschäft 425 Mio.

Euro in Form von Spareinlagen, Festgeldern und

Kontokorrentguthaben sowie weitere 95 Mio. Euro

Kundeneinlagen in renditestärkeren Produkten bei

den Finanz-Verbundpartnern der Bank.

GABI

Um Einlagenverlusten durch die wachsende

Konkurrenz der Direktbanken entgegenzuwirken,

bietet die Volksbank ihren Kunden ab 2004

als neues Produkt das Tagesgeldkonto „GABI“ an,

dessen Ertrag an die Entwicklung des Deutschen


Aktienindex gekoppelt ist. GABI ermöglicht einen

maximalen Wochenzins von 5 % bei täglicher

Verfügbarkeit des angelegten Geldes und absoluter

Kapitalgarantie.

Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation

in Deutschland ist die Geschäftsentwicklung 2004

wiederum zufriedenstellend. Die Bilanzsumme

liegt mit 515.834.000 Euro um 1,5 % höher als im

Vorjahr. Auch das bilanzielle Eigenkapital sowie

die Eigenmittelausstattung, wesentliche Grundlage

einer soliden Geschäftspolitik, entwickeln sich

positiv. Das Eigenkapital laut Bilanz erhöht sich um

0,2 % auf 30.268.000 Euro. Auf Grund der positiven

Ertragslage der Bank - der Bilanzgewinn liegt bei

862.744,03 DM - wird an die Bankteilhaber wiederum

eine Dividende von 6,0 % ausgezahlt.

FöRDERER IN DER REGION

Zeit ihres Bestehens ist die Volksbank auf besondere

Weise mit ihrer Region und den dort lebenden

Menschen verbunden. Daher ist sie in ihrem

Geschäftsgebiet nicht nur durch ihre Zweigstellen

vertreten, sondern fördert Kultur und Sport aktiv

durch die Ausrichtung und Unterstützung kultureller

und sportlicher Veranstaltungen, die einen

breiten Personenkreis erreichen.

Einige dieser Veranstaltungen haben mittlerweile

eine lange Tradition. So findet am 15. Oktober 2006

der Volkswandertag, den die Volksbank gemeinsam

mit dem Sportbund der Hansestadt Stralsund und

des Kreises Nordvorpommern ausrichtet, bereits

89

zum 20. Mal statt. Jung und Alt trifft sich hier, um

per Rad oder zu Fuß die nähere Umgebung zu

erkunden. Von Jahr zu Jahr steigen die Teilnehmerzahlen.

An vier Wochenenden im Jahr treffen sich zahlreiche

Schaulustige zu den populären Stock-Car-

Rennen im Hexenkessel zu Appelshof bei Grimmen,

das die Volksbank ebenfalls seit langem unterstützt.

Mehrere tausend interessierte Menschen finden

sich dann dort bei Wind und Wetter ein, um ihren

Favoriten zuzujubeln.

An ihrer sportlichen Leistung orientierte Förderung

erfährt auch die junge, aufstrebende Fußballmannschaft

des TSV 1860 Stralsund e.V.

Ein wichtiges Ziel verfolgt die im Jahr 2002 gegründete

Stiftung „Jung für Alt und Alt für Jung“ der

Walker und

Radler kurz vor

dem Start


Hanno Löber

vom Immenhof

Daskow führt

die Kinder in die

Geheimnisse der

Imkerei ein

Junge Imker bei

der Arbeit (li.)

Logo des

Jugendwettbewerbs

(re.)

Pommerschen Volksbank, die

seit 2004 mit unterschiedlichsten

Veranstaltungen der Vereinsamung

der älteren Generation

und der Kluft zwischen Jugend

und Alter entgegenwirkt und

Veranstaltungen und Projekte

fördert, die dazu beitragen, dass

sich die Generationen näher

kommen und voneinander lernen

können. Eins dieser Projekte

für 2006 führt Kinder unter dem

Motto „Flotte Biene - blühende

Umwelt“ in die Imkerei ein. Die

Kinder erfahren, wie wichtig die

Biene im Kreislauf der Natur ist,

staunen darüber, dass ein Volk

von 50.000 Bienen pro Tag rund

3 Millionen Blüten bestäuben

kann und können sich selbst als

Nachwuchsimker versuchen.

„Jugend creativ“, so lautet seit 36

Jahren das Motto eines internationalen

Mal- und Zeichenwettbewerbs

der Genossenschaftsbanken

in Frankreich, Finnland,

Luxemburg, österreich, Italien,

der Schweiz und Deutschland,

den die Pommersche Volksbank

für den Raum Stralsund und

Umgebung ausrichtet. Hier sind

Schüler aufgerufen, sich mit

Mal- und Zeichenarbeiten zu

Themen wie Naturschutz oder

soziales Engagement zu äußern.

Auf diese Weise wird ihre

Auseinandersetzung mit Fragen

ihrer Umwelt und ihr kreatives

Denken gefördert.

90

Die Volksbank ist Förderer

zahlreicher weiterer Projekte. So

ist sie seit Jahren Partner und

mit der historischen Münzpräge

Aussteller der Wallensteintage,

unterstützt die Aktion „Sterne

des Sports“, Museen, Musikschulen

oder Theater- und Tanzgruppen

der Region.


2007 setzt sich der Vorstand aus den hauptamtlichen

Geschäftsleitern Holger Scheew und Thomas Auerswald

zusammen.

Zum Aufsichtsrat gehören Manfred Schrader als Vorsitzender,

die Geschäftsführer Dr. Wolfgang Steyer,

Karl-Heinz Ratzke, Dr. Harald Stobinsky und Joachim

Witt, der Rechtsanwalt Hans-Joachim Brauch und die

Unternehmer Siegfried Paul und Dietmar Noack.

Die Mitarbeiterzahl hat sich zu diesem Zeitpunkt auf

106 Vollzeit- und 25 Teilzeitmitarbeiter eingependelt.

Zudem beschäftigt die Pommersche Volksbank 8

Auszubildende.

Am Ende des Geschäftsjahres steht eine Bilanzsumme

von 495 Millionen Euro zu Buche. Einschließlich

der Werte genossenschaftlicher Finanzverbundpartner

betreut die Volksbank für ihre 53.369 Kunden

530 Millionen Euro Geldanlagen und 317 Millionen

Euro Kredite.

Bernhard Feldmann, der von 1994 bis 1999 die

Volksbank Demmin leitete und anschließend im

Vorstand einer Genossenschaftsbank im Raum

Bielefeld tätig war, löst 2008 Thomas Auersbach ab,

der zur Volksbank Leipzig wechselt.

91

Die Filialen am Heinrich-Heine-Ring und im Strelapark

erhalten 2009 ein neues Gesicht. Kunden und

Mitarbeitern stehen damit Bankautomaten und

Terminals auf dem neuesten Stand der Technik und

komfortable Beratungsräume mit barrierefreiem

Zugang zur Verfügung. ähnliche Modernisierungen

zur Sicherung eines einheitlich hohen Standards

sind in der Folgezeit in neun weiteren Geschäftsstellen,

darunter in Grimmen und Bad Sülze, geplant.

Nachwuchsimkerin

Maike-

Julia malte

Bienen bei der

Honigsuche

Die Juri bei der

Auswahl der

Preisträger


2010 – DAS JUBILäUMSJAHR

150 Jahre nach ihrer Gründung als Stralsunder

Credit-Verein hat sich die Pommersche Volksbank

zu einem modernen, leistungsfähigen Unternehmen

entwickelt, das sich nach wie vor dem Gründungsgedanken

verpflichtet fühlt, durch Hilfe

zur Selbsthilfe die Wettbewerbsfähigkeit v. a. von

Handwerkern und Kleinunternehmen zu stärken.

Heute ist sie die größte selbständige und rein privat

organisierte Genossenschaftsbank Mecklenburg-

Vorpommerns mit einer Bilanzsumme von mehr als

einer halben Milliarde Euro und einer Geschäftsgebietsausdehnung,

die größer ist als die des Saarlandes.

Der langjährige Vorstand Kurt W. Frey formulierte

das Erfolgsrezept der Volksbank einmal folgendermaßen:

„Ziel der Pommerschen Volksbank war

nicht die Angleichung an Mitbewerber, sondern

im Gegenteil die zunehmende Unterscheidung von

ihnen durch Ausprägung unserer speziellen Stärken

bzw. der speziellen Stärken unserer Mitarbeiter

und Mitarbeiterinnen.“

Anders als Groß- oder Direktbanken ist die Volksbank

in der Region verwurzelt. 25 Geschäftsstellen

ermöglichen besondere Nähe zu den rund 51.000

Kunden, von denen derzeit 6.742 Genossenschafter

und damit auch Teilhaber der Bank sind. Sie vor

allem machen die Stärke des Kreditinstitutes aus.

Die umfassende Berücksichtigung der Bedürfnisse

der Kunden hat oberste Priorität. Individuelle

Beratung und Betreuung ist Hauptaufgabe der

derzeit 128 Mitarbeiter und 10 Auszubildenden,

deren engagierte Arbeit wesentlichen Anteil an der

erfolgreichen Entwicklung der Bank hat.

Mitglieder und Kunden können alle Dienstleistungen

einer Universalbank vom Kreditgeschäft bis

zum Zahlungsverkehr im In- und Ausland, von verschiedensten

Anlagemöglichkeiten bis hin zu Versicherungen

in Anspruch nehmen. Hierzu kann die

Pommersche Volksbank auf das Leistungsspektrum

des gesamten genossenschaftlichen FinanzVerbund

zurückgreifen, der mit wichtigen Spezialinstituten

wie der Bausparkasse Schwäbisch Hall AG oder der

R+V- Versicherung AG die Möglichkeiten der Bank

erweitert.

Die vergangenen 150 Jahre waren ebenso reich an

Veränderungen und Turbulenzen wie an Erfolgen.

Die Zukunft wird neue Herausforderungen mit sich

bringen. Die Verwirklichung des Genossenschaftsgedankens

der Selbsthilfe, Selbstverwaltung und

Selbstverantwortung, die Besinnung auf die Kräfte

und Möglichkeiten von Menschen, die ein gemeinsames

Ziel verbindet, wird dazu beitragen, dass die

erfolgreiche Geschichte der Pommerschen Volksbank

auch künftig weitergeschrieben wird.

92


93

Der Finanz-

Verbund der

Volksbanken

und Raiffeisenbanken


95

HERAUSGEBER

Pommersche Volksbank eG

Mönchstraße 24 | D-18439 Stralsund

Telefon: 0 38 31 / 26 91 - 0

Tefefax: 0 38 31 / 26 91 - 90

E-Mail: Posteingang@pommerscheVB.de

Web: www.pommerscheVB.de

TEXT + BILD:

Stadtarchiv der Hansestadt Stralsund

am Johanniskloster 35 | D-18439 Stralsund

Telefon 0 38 31 / 29 33 20

Telefax: 0 38 31 / 29 33 20

Dr. Regina Nehmzow

Dr. Andreas Neumerkel

Andrea Hanisch

+

Pommersche Volksbank eG Stralsund

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DRUCK + VERARBEITUNG:

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Inhalt gedruckt auf

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Auflage 7.000 Exemplare

Forest Stewardship Council

FSC Arbeitskreis Druck und Papier

IMPRESSUM

150 JAHRE

POMMERSCHE VOLKSBANK eG

CHRONIK EINER ERFOLGSGESCHICHTE


Aktivseite 1. Jahresbilanz zum 31.12.2009

Geschäftsjahr Vorjahr

EUR EUR EUR EUR TEUR

1. Barreserve

a) Kassenbestand 9.814.290,55 10.990

b) Guthaben bei Zentralnotenbanken

darunter: bei der Deutschen

8.273.330,97 8.288

Bundesbank 8.273.330,97 ( 8.289)

c) Guthaben bei Postgiroämtern 0,00 18.087.621,52 0

2. Schuldtitel öffentlicher Stellen und Wechsel, die zur Refinanzierung

bei Zentralnotenbanken zugelassen sind

a) Schatzwechsel und unverzinsliche Schatzanweisungen

sowie ähnliche Schuldtitel öffentlicher Stellen

darunter: bei der Deutschen Bundesbank

0,00 0

refinanzierbar 0,00 ( 0)

b) Wechsel

darunter: bei der Deutschen Bundesbank

0,00 0,00 0

refinanzierbar

3. Forderungen an Kreditinstitute

0,00 ( 0)

a) täglich fällig 23.285.406,26 27.424

b) andere Forderungen 45.572.924,94 68.858.331,20 58.146

4. Forderungen an Kunden

darunter:

durch Grundpfandrechte

125.614.099,02 125.331

gesichert 173.839,00 ( 608)

Kommunalkredite 9.192.649,29 ( 10.816)

5. Schuldverschreibungen und andere festverzinsliche Wertpapiere

a) Geldmarktpapiere

aa) von öffentlichen Emittenten

darunter: beleihbar bei der Deutschen

0,00 0

Bundesbank 0,00 ( 0)

ab) von anderen Emittenten

darunter: beleihbar bei der Deutschen

29.963.054,79 29.963.054,79 70.465

Bundesbank 29.963.054,79 ( 70.465)

b) Anleihen und Schuldverschreibungen

ba) von öffentlichen Emittenten

darunter: beleihbar bei der Deutschen

0,00 0

Bundesbank 0,00 ( 0)

bb) von anderen Emittenten

darunter: beleihbar bei der Deutschen

255.409.665,80 255.409.665,80 247.503

Bundesbank 255.149.822,03 ( 247.503)

c) eigene Schuldverschreibungen 0,00 285.372.720,59 0

Nennbetrag 0,00 ( 0)

6. Aktien und andere nicht festverzinsliche Wertpapiere

7. Beteiligungen und Geschäftsguthaben bei Genossenschaften

45.536.400,19 1.165

a) Beteiligungen

darunter:

4.805.714,45 583

an Kreditinstituten

an Finanzdienst-

190.172,50 ( 190)

leistungsinstituten 0,00 ( 0)

b) Geschäftsguthaben bei Genossenschaften

darunter:

bei Kreditgenossen-

440.615,00 5.246.329,45 438

schaften

bei Finanzdienst-

0,00 ( 0)

leistungsinstituten 0,00 ( 0)

8. Anteile an verbundenen Unternehmen

darunter:

0,00 0

an Kreditinstituten

an Finanzdienst-

0,00 ( 0)

leistungsinstituten 0,00 ( 0)

9. Treuhandvermögen 0,00 0

darunter: Treuhandkredite 0,00 ( 0)

10. Ausgleichsforderungen gegen die öffentliche Hand

einschließlich Schuldverschreibungen aus deren Umtausch 0,00 0

11. Immaterielle Anlagewerte 2.459,57 11

12. Sachanlagen 13.484.550,29 13.199

13. Sonstige Vermögensgegenstände 2.758.658,24 6.904

14. Rechnungsabgrenzungsposten 1.916.056,58 2.406

Summe der Aktiva 566.877.226,65 572.853

1

96

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