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WOHNDESIGN 06/2022 LEBEN MIT KUNST

DIE SCHÖNEN DINGE DES LEBENS / INTERIOR. KUNST. GENUSS UND REISEN

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6|<strong>2022</strong> November/Dezember<br />

WOHN!DESIGN<br />

DIE SCHÖNEN DINGE DES <strong>LEBEN</strong>S<br />

INTERIOR. <strong>KUNST</strong>. GENUSS UND REISEN<br />

GUEST STAR: Dennis Rudolph<br />

Angesagte MUSEEN & GALERIEN<br />

Im ATELIER von Guillaume Féau<br />

D 9,50 €<br />

A 10,50 €<br />

CH 15,20 srf<br />

Lux/BE/NL 10,90 €<br />

I/E 12,80 €<br />

<strong>06</strong><br />

<strong>LEBEN</strong> <strong>MIT</strong> <strong>KUNST</strong>.<br />

4 194128 909508


RORO – THE ORIGINAL SINCE 1998<br />

DESIGN ROLAND MEYER-BRÜHL<br />

BRUEHL.COM<br />

Product Design Award<br />

P A S S I O N F O R D E S I G N · E C O - C E R T I F I E D · H A N D C R A F T E D F O R Y O U


EDITORIAL !<br />

Wie wir ticken<br />

Den Handy-Schnappschuss hat meine Stuttgarter Freundin Kati auf einer Finissage in einer Berliner<br />

Galerie gemacht. Wir waren durch Zufall zur selben Zeit in derselben Stadt. Da traf es sich. „Ooooh, das<br />

Bild hinter Dir macht mir Angst. Es erinnert mich an unterdrückte und vermummte Frauen im Iran“,<br />

gestand sie mir im Gspräch vor einer Fotoarbeit von Thorsten Brinkmann. Ich war über diese Assoziation<br />

etwas überrascht und erklärte ihr, dass der Künstler Porträts im Stil Alter Meister inszeniert, der<br />

dafür Fundstücke von der Straße verwendet und immer wieder neu arrangiert. Das sehr virtuos, subtil<br />

und mit viel Humor, auf den der Titel des Werks „D‘Ironesse“<br />

bereits schließen lässt. Das Unbehagen konnte ich Kati, Yoga-Expertin,<br />

auf diese Weise nehmen. Gefallen hat es ihr trotz allem<br />

nicht. Wir haben unsere Diskussion über Kunst im Anschluss in<br />

einem veganen Restaurant vertieft. Mein erstes Mal … Ich war<br />

angenehm überrascht, und auf dem anschließenden Spaziergang<br />

durch das nächtliche Prenzelberg hatten wir noch eine sehr<br />

schräge Begegnung mit @rosaliemops und Halterin.<br />

Tage wie dieser in Berlin und anderswo liefern jede Menge Stoff<br />

für künftige Hefte genauso wie für die aktuelle Ausgabe zum<br />

Thema Kunst. Zum einen, weil es uns in der Redaktion darum<br />

geht, Hemmschwellen abzubauen. Warum nicht einfach mal in<br />

einer Galerie auf Entdeckungsreise gehen? Auch wenn man keine<br />

Ahnung hat. Was dabei passieren kann, wenn man auf echten<br />

Sachverstand trifft, lesen Sie ab Seite 168. Es sind Glücksmomente<br />

wie dieser, die jede Seite in diesem Heft immer wieder neu und<br />

auf andere Weise füllen. Sie basieren auf persönlichen Erfahrungen,<br />

Recherchen und Beobachtungen des W!D-Teams.<br />

Leben mit Kunst – wir haben uns dem Thema aus ganz unterschiedlichen<br />

Perspektiven genähert, ohne unsere DNA – Wohnen,<br />

Design, Architektur – aus den Augen zu verlieren. So gibt<br />

es ab Seite 30 zunächst eine Geschichte über eine Innenarchitektin,<br />

die das Thema Einrichten zur Kunst erhebt. Im Anschluss<br />

besuchen wir einen Künstler in seinem Atelier, der ein lässiges<br />

Design-Objekt kreierte, gefolgt von der Home Story über einen<br />

Sammler sozialkritischer Kunst. Danach ein Abstecher in ein Museum,<br />

das sich gerade ein neues Entree leistet und dafür ein Designer-Paar engagierte. Wir sprechen<br />

mit einem Galeristen über sein Berufsethos, tauchen in die Bildwelten eines Künstlers ab, der häufig<br />

mit Alltagsgegenständen arbeitet – und beenden unseren Exkurs mit einem Entwicklungshilfeprojekt<br />

in Afrika, das Kunst und Handwerk fördert. Auch alle nachfolgenden Reportagen, Hotspots und<br />

sogar unsere Carte Blanche sind kunstaffin.<br />

Das gilt auf andere Weise für unser Küchen-Spezial, das aus gegebenem Anlass ein Upgrade<br />

erhal- ten musste. Die Schnittmenge aus Kunst und Kochen ist ganz klar das Thema Sterne-<br />

Küche. Hier schließt sich der Kreis zu unserem Abend in Berlin und dem Besuch eines veganen<br />

Restaurants. Einer unserer Auserwählten ab Seite 152 berichtet, dass dies besonders ein Berliner<br />

Thema ist. Ein anderer in Hamburg winkte gleich ab und fand, dass man „vegan“ nicht auf ein<br />

3-Sterne-Niveau kommen könne. Die weiteren Sternstunden gestalten übrigens Köchinnen,<br />

noch eine spannende Entwicklung. Wir würden uns freuen, wenn Sie dies alles mitverfolgen und<br />

sagen bis bald,<br />

© KATI RÜGHEIMER<br />

Hier noch unsere persönliche Playlist<br />

für Sie zu dieser Ausgabe: Musik, zum<br />

Arbeiten, Kochen und Relaxen.<br />

Dr. Stephan Demmrich, Chefredakteur & Team<br />

WD 6 I <strong>2022</strong><br />

3


INHALT !<br />

104<br />

20<br />

30<br />

58<br />

168<br />

6 WD 6 I <strong>2022</strong>


INHALT<br />

WOHN!DESIGN<br />

6 I <strong>2022</strong> <strong>LEBEN</strong> <strong>MIT</strong> <strong>KUNST</strong><br />

3<br />

EDITORIAL<br />

83<br />

UNSER FEUILLETON<br />

Fotogewichtig und kontrastreich: List trifft auf friesische<br />

8<br />

IMPRESSUM<br />

Vorgärten und die ostdeutsche Fotografin Evelyn Richter<br />

180<br />

BEZUGSQUELLEN<br />

102<br />

REPORTAGEN<br />

10<br />

CARTOON<br />

104<br />

MAILAND Alte Meister treffen auf ein Männerpaar<br />

114<br />

PARIS Ein neues altes Gewand für die Wand? Boiserien<br />

INTRO<br />

122<br />

BRÜSSEL Apartment-Tour bei Bea Mombaers<br />

12<br />

FASHION Mangas sind das Thema der Saison<br />

132<br />

YUCATÁN Der unglaubliche Kunstpalast Javier Maríns<br />

14<br />

BEAUTY Was trägt man jetzt auf der Haut?<br />

142<br />

CARACAS So lebte die High Society in den Fifties<br />

16<br />

<strong>KUNST</strong>MARKT Kenner investieren jetzt in ...<br />

18<br />

STYLE Schnittstellen zwischen Kunst und Design<br />

150<br />

MODERNES <strong>LEBEN</strong> Krypto-Kunst<br />

20<br />

HEAVY METAL<br />

152<br />

SPEZIAL STERNEKÜCHE<br />

Starfotograf inszeniert Luxusyachten<br />

HOTSPOTS<br />

168<br />

Kunst kaufen in Berlin. Relaxen am Lago Maggiore.<br />

30<br />

TITELTHEMA<br />

Leben mit Kunst<br />

182<br />

Austellungen in Bonn und Wien. Schlafen in Köln<br />

ZU BESUCH in der Pop-up-Galerie von Sebastian Vogel<br />

Konzentration auf das Wesentliche ...<br />

... bedeutet: Wir stellen Ihnen eine Innenarchitektin<br />

vor, haben ein Atelier besucht. Im Anschluss gibt<br />

es Gespräche mit einer Farbexpertin über<br />

die Hängung von Bildern, mit einem Galeristen<br />

über seine Arbeit und jede Menge Lesestoff,<br />

etwa über ein Kunstprojekt als Entwicklungshilfe<br />

und einen sozialkritischen Kunstsammler.<br />

CARTE BLANCHE<br />

74<br />

Dennis Rudolph grüßt von der anderen Seite<br />

Unsere <strong>KUNST</strong>EDITION No. 18<br />

102<br />

Artjom Chepovetskyy sollten Sie kennenlernen<br />

152 FINE<br />

DINING: STERNEKÜCHE<br />

WD 6 I <strong>2022</strong><br />

7


6 I <strong>2022</strong><br />

WOHN!DESIGN<br />

INTERIOR TRENDS ARCHITEKTUR UND<br />

DIE SCHÖNEN DINGE DES <strong>LEBEN</strong>S<br />

Redaktion und Anzeigenverwaltung<br />

Mörikestraße 67<br />

70199 Stuttgart<br />

www.wohndesign.de<br />

VERLEGER<br />

CHEFREDAKTION<br />

FEUILLETON LEITUNG<br />

COVER<br />

<strong>MIT</strong>ARBEITER DIESER AUSGABE<br />

Christian Peters<br />

christian.peters@wohndesign.de<br />

Dr. Stephan Demmrich (sd)<br />

Tel. +49 711 96666-412<br />

stephan.demmrich@wohndesign.de<br />

Prof. Rainer Groothuis<br />

MAISON KITSUNÉ © TREE13<br />

Ana Cardinale, Tami Christiansen, Francesco Dolfo<br />

Frank-Oliver Grün, Simona Heuberger, Markus Hieke, Alice Ida<br />

Nathalie Krag, Marzia Nicolini, Claudia Simone Hoff, Paul Raeside<br />

Benedetta Rossi, Francesca Sironi, Matthieu Salvaing, Nin Solis<br />

Monica Spezia, Jan Verlinde, Miriam Zimmermann (mz)<br />

GRAFISCHE GESTALTUNG<br />

REDAKTION<br />

TEXTREDAKTION<br />

ANZEIGENLEITUNG<br />

REPRÄSENTANZ ITALIEN<br />

REPRÄSENTANZ FRANKREICH<br />

SHOPPING GUIDE UND<br />

ANZEIGENDISPOSITION<br />

ABONNEMENTVERWALTUNG<br />

VERTRIEB<br />

HERSTELLUNG<br />

DRUCKEREI<br />

VERLAG<br />

Saskia Schweitzer<br />

Anke Gungl (ag)<br />

Tel. +49 711 96666-413<br />

anke.gungl@wohndesign.de<br />

Irmhild Tieck<br />

Ulrike Ehlers<br />

Tel. +49 711 96666-411<br />

ulrike.ehlers@wohndesign.de<br />

Studio Villa<br />

Tel. +39 02311622<br />

arch. Ilaria Prato, ilaria@studiovilla.com<br />

Francesco Ravanello, francesco@studiovilla.com<br />

Anke Blagogee-Krüger<br />

Tel. +33 607187417<br />

anke@AnkeBlagogee.de<br />

Martin Lindner<br />

Tel. +49 711 96666-410<br />

martin.lindner@wohndesign.de<br />

shopping@wohndesign.de<br />

E-Mail: abo@wohndesign.de<br />

MZV GmbH & Co. KG, Unterschleißheim<br />

Lösch GmbH & Co. KG, Stuttgart<br />

Evers-Druck GmbH, Meldorf<br />

GOOD LIFE Publishing GmbH<br />

Borselstraße 18<br />

22765 Hamburg<br />

Der Nachdruck, auch auszugsweise,<br />

ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung<br />

der Redaktion gestattet. Für<br />

eingesandtes Bild- und Textmaterial<br />

wird keine Haftung übernommen.<br />

Abonnementpreis: 6 Ausgaben<br />

p.A. frei Haus: 36,00 Euro<br />

Ausland zzgl. Porto<br />

E-Paper (Einzelausgabe) 6,00 Euro<br />

E-Paper (Jahresabo) 30,00 Euro<br />

© GOOD LIFE Publishing GmbH<br />

ISSN 1664-1760<br />

8<br />

WD 6 I <strong>2022</strong>


ORIGINAL<br />

FOR THE<br />

ORIGINALS<br />

Saliscendi - 1957<br />

Achille und Pier Giacomo Castiglioni<br />

www.stilnovo.com


CARTOON ! TIL METTE<br />

10 WD 6 I <strong>2022</strong>


Die Retter der Tafelrunde.<br />

In diesem Stuhlsessel von Jehs + Laub lässt es sich ewig am Tisch ausharren. Denn das kuschelige Polsterkissen, ein sanft<br />

federnder Rücken und seitliche Einschnitte sorgen für den perfekten Sitz. Eingebettet sind die weichen Polster in einer filigranen<br />

Kunststoffschale mit eleganten Kurven, die auf dem in vier Varianten erhältlichen Fußgestell fast zu schweben scheint.<br />

Wer steht da schon freiwillig auf?<br />

COR.DE/ALVO


INTRO ! FASHION<br />

TIME TO PLAY<br />

Dass Fashion eine Kunst für sich ist, verdeutlicht<br />

das französische Modehaus Maison Kitsuné mit dieser<br />

herausragenden Kampagne. Das „Paris-meets-<br />

Tokyo“-Brand ist seit 2002 für Garderobe bekannt,<br />

die ausgeprägte Streetwear-Einflüsse, Verspieltheit<br />

und tragbare Designs mit den kulturellen und ästhetischen<br />

Strömungen dieser beiden Städte vereint. Das<br />

ist nun auch den Trendsettern in Südkorea aufgefallen.<br />

Für die erste Etappe des Projektes „Paris-Seoul“<br />

lieferte der koreanische Künstler Tree13 die passenden<br />

Illustrationen im Manga-Style, und stellt damit<br />

seine tiefe Verbundenheit mit der kreativen Avantgarde<br />

Seouls unter Beweis. We love, eindeutig!<br />

12 WD 6 I <strong>2022</strong>


INTRO ! BEAUTY<br />

FOR<br />

PERFUME<br />

LOVERS<br />

UNSERE LIEBLINGE<br />

FÜR WINTERTAGE<br />

Die News? Frauen tragen jetzt auch Männerdüfte oder Unis, von links. Hölzer, Kaffee und Florales: „Moon Sigh“, Atelier Oblique. Schwarztee,<br />

Tabak, Eichenmoos: „Sellier“, Byredo. Bergamotte, Sandstrohblume, Labdanum: „1740 Marquis de Sade“, Histoires de Parfums. Zitronenschale,<br />

Weihrauch und Amber ergeben eine fruchtig-orientalische Note: „Silver Hombre“, Alexandre J. Mandarine, Zitrone, Geranium und Rose,<br />

Moschus: „Vetyverio“, Dyptique. Outstanding: „Sycomore“, Chanel. Schwarze Johannesbeere, Jasmin, Tolubalsam: „1885 Bains Sulfureux “,<br />

Les Bains Guerbois. Warm und göttlich: „Paprika Brasil“, Hermès. Elegant: „Theseus“, Lorenzo Villoresi. Cremig-blumig, unisex und sensationell<br />

sinnlich: „Aqva Meravigliosa“, Re Profumo Venezia. Krass: „St. Vetyver“, D.S. & Durga. Klerikal zickig: „Rêve d‘Ossian“, Oriza L. Legrand.<br />

Den Teetisch entwarf Gustav Partz für Villeroy & Boch in der Jugendstil-Ära, darauf eine Seventies-Glasleuchte vom Trödel. Die originale<br />

Bauhaus-Leuchte „Rondella“ ist eine Design-Ikone von Christian Dell um 1927/1928, entdeckt auf Ebay, hier in der raren Kupferversion.<br />

14 WD 6 I <strong>2022</strong>


INTRO ! <strong>KUNST</strong>MARKT<br />

2<br />

1<br />

4<br />

3<br />

VIER UNTER 16‘<br />

Kenner kaufen immer häufiger Talente, sozusagen nebenbei als Rente. Denn das Geld verfällt. Liegt es im Tresor und<br />

auf der Bank, macht es derzeit Sorgen und am Ende krank. Daher ab damit in die Welt – gern‘ für Kunst, die uns gefällt<br />

1 | Bertram Hasenauer. Wir lieben seine Arbeit „All instant things are fading“ von 2014 wegen ihrer melancholischen Note. Acryl auf<br />

Holz, 80 x 60 cm, ca. 7.000 Euro entdeckt im Portfolio der Galerie Fuchs in Stuttgart. 2 | Brett Charles Schneider geht gerade ab, wie<br />

Schmitz Katze. „Having a Coke with you“, Bitumen und Dachfarbe auf Leinwand, 82 x 51 cm, für ca. 1.665 Euro. Unser Liebling bei der<br />

Berliner Galerie Eigen + Art. 3 | Nick Dawes kreierte sein „Sign Painting“ 2004. Öl auf Leinwand in den Maßen 38 x 36,6 cm; 4.400 Euro<br />

im tollen Programm bei Kornfeld (Berlin). 4 | Brandon Lipchik geht weg wie warme Semmeln. Zumindest Werke wie „Makeup Brush“<br />

(Öl und Acryl auf Leinwand, 120 x 107 x 10 cm) von 2021 für 15.000 Euro in der coolen Kunstinstitution von Robert Grunenberg in Berlin.<br />

16 WD 6 I <strong>2022</strong>


OHLINDA BY BRETZ<br />

INTERIOR INNOVATION AWARD ARD WINNER<br />

ALEXANDER-BRETZ-STR. ANDER-BRETZ-STR.<br />

2 D-55457 D GENSINGEN TEL. <strong>06</strong>727-895-0 0<br />

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FLAGSHIPS: KANTSTR. 17 LIVING BERLIN HOHE STR. 1 DORTMUND WILSDRUFFER STR. 9<br />

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HALLPLATZ 37 NÜRNBERG WIEN<br />

KÖNIGSBAU PASSAGEN STUTTGART SALZGRIES 2


1<br />

GANZ UNTER UNS:<br />

<strong>KUNST</strong><br />

Knallbunt wie Street Art aus London, „War Rugs“ in<br />

afghanischer Tradition aus Bochum? Kunst kann und<br />

darf alles. Wir hätten da ein paar Vorschläge für Sie …<br />

1 | Kunstinstallation? Die Kork-Drops von Designer Bodo Sperlein<br />

für Preform werden an der Decke aufgehängt und dämpfen den<br />

Lärm im Raum. Ideal platziert sind sie über Tischen, in vollen Restaurants<br />

und bei lauten Familienfeiern, wenn der Geräschpegel<br />

nebenan mal wieder nur noch nervt.<br />

2 | Haare sind für die New Yorkerin Lorna Simpson „eine<br />

schwungvolle Quelle der Macht“. Ihre Fotoarbeiten stellen Fragen<br />

zu Identität, Ethnie, Gender und Fiktion. Darunter „Touching“ –<br />

ein Motiv der „Artist Scarves“ der Galerie Hauser & Wirth, feine<br />

Seiden-Carrés (130 x 130 cm), bedruckt mit guter Kunst.<br />

3 | Zugreifen! Die Editionen des britisch-nigerianischen Künst-<br />

2<br />

18 WD 6 I <strong>2022</strong>


INTRO ! STYLE<br />

4<br />

3<br />

5<br />

lers und Designers Yinka Ilori, der gerade mit einem farbenfrohen<br />

Kunst-Pavillon das Stadtbild von Berlin aufgemischt hat,<br />

sind schnell ausverkauft. Von dem pop-bunten Basketball „ORUN“<br />

gibt es genau 300 Stück, davon 30 Exemplare handsigniert.<br />

4 | Rug Bombs heißt eine Kollektion von Jan Kath, die Gewalt und<br />

kriegerische Konflikte der letzten Jahrzehnte thematisiert, und<br />

jetzt auch auf der Bangkok Art Biennale zu sehen ist. Der berühmteste<br />

Teppichdesigner der Welt ist damit offiziell auch Künstler.<br />

5 | Unwiderstehlich ist der Blick dieser Zwerg-Dackeldame (Öl auf<br />

Holz, 20 x 25 cm). Die Münchnerin Nina Lang porträtiert Menschen<br />

und Hunde und schaut ihren Modellen dabei tief in die Seele.<br />

6 | Kochen ist eine Kunst. Sowieso. Und wenn Künstler kochen,<br />

sehen die Gerichte aus wie Collagen. Bezaubernd! Der Bildband<br />

„Kitchen Studio“ von Phaidon zeigt Rezepte zubereitet u.a. von<br />

Olafur Eliasson, Carsten Höller oder Kiki Smith. |simona heuberger<br />

6<br />

WD 6 I <strong>2022</strong><br />

19


XXXXXXXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

20 WD 6 I <strong>2022</strong>


XXXXXXXXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

HEAVY METAL<br />

Starfotograf Silvano Pupella inszeniert<br />

Luxusyachten im italienischen La Spezia<br />

FOTOS: SILVANO PUPELLA TEXT: STEPHAN DEMMRICH<br />

WD 6 I <strong>2022</strong><br />

21


FOTOGESCHICHTE ! LA SEPZIA<br />

22 WD 6 I <strong>2022</strong>


Es ist diese Harmonie zwischen Handwerk und Technologie, die Silvano<br />

Pupella hier mit seinem Objektiv eingefangen hat. Ein Boot mit einer Länge<br />

von mehr als 40 Metern erwacht zum Leben: eine Superyacht. Sie ist das<br />

Ergebnis eines komplexen, transversalen und innovativen Prozesses in der<br />

Werft. Die Fotos erzählen von der Arbeit hochqualifizierter Handwerker,<br />

die das Thema Eleganz auf unvergleichliche Weise definieren – als ob die<br />

schwimmenden Schönheiten in einer Renaissance-Werkstatt entstünden.<br />

WD 6 I <strong>2022</strong><br />

23


FOTOGESCHICHTE ! LA SPEZIA<br />

Mit seinen krassen Schwarz-Weiß-Motiven vermag es Pupella, uns für die<br />

unfertigen Produkte zu sensibilisieren und für ihre Ausstrahlung zu<br />

begeistern. Angefangen beim Rumpf, der wie ein Kunstwerk aus Metall<br />

geschmiedet wird, bis hin zur Arbeit erfahrener Handwerker vor Ort, die<br />

sich mit größter Sorgfalt um noch so kleine Details kümmern, um jedes Boot<br />

einzigartig zu machen. Die Fotos dokumentieren verschiedene Vorbereitungsphasen<br />

der Metallhüllen und die Atmosphäre des Ortes, der nicht nur<br />

Technologie widerspiegelt, sondern auch unersetzliche Zweckmäßigkeit.<br />

24 WD 6 I <strong>2022</strong>


WD 6 I <strong>2022</strong><br />

25


FOTOGESCHICHTE ! LA SPEZIA<br />

26 WD 6 I <strong>2022</strong>


XXXXXXXXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

Massimo Perotti, CEO der Luxusmarke Sanlorenzo<br />

und Auftraggeber der Fotoserie möchte mit<br />

seinem Projekt neue Vokabeln für „eine kreativere<br />

Sprache deklinieren.“ Das Ziel? „Über sich selbst zu<br />

erzählen und neue Perspektiven für die Welt des<br />

Bootbaus und des »Made in Italy« zu bieten.“ Seit<br />

über 60 Jahren baut die Werft hochwertige Yachten,<br />

zu deren Innenausbau renommierte Designer<br />

wie Rodolfo Dordoni, Antonio Citterio und Patricia<br />

Urquiola die Interior-Konzepte liefern. Piero Lissoni<br />

ist seit vier Jahren Art Director und arbeitet für die<br />

Ausstattung der schwimmenden Hideaways mit<br />

bedeutenden Galerien weltweit zusammen.<br />

WD 6 I <strong>2022</strong><br />

27


Lust auf Möbel mit Charakter / Passion for furniture with character<br />

Basket® —<br />

Series №1


XXXXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

Basket® — Series Nº 1<br />

janua-moebel.com<br />

W!D 2 I 2018<br />

113


TITELTHEMA ! <strong>LEBEN</strong> <strong>MIT</strong> <strong>KUNST</strong><br />

Ein Fuchs, der das Entree bewacht. Handbemalte Leinenpaneele<br />

als Hommage an das Baujahr der Villa. Und wie extravagant wirkt<br />

dieser Treppenläufer dazu? Hier war ein Profi am Werk. Weiblich.<br />

Stilsicher. Und aus Zürich: Ina Rinderknecht, mehr ab Seite 32.<br />

30 WD 6 I <strong>2022</strong>


XXXXXXXXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

ALLES ÜBER ART<br />

Einmalige Storys: eine Innenarchitektin, eine Galerie, ein Projekt …<br />

Warum wir diese Wahl getroffen haben? Lesen Sie …<br />

32 I INTERIEUR Ina Rinderknecht erhebt das Thema Einrichtung zur Kunst<br />

36 I INSPIRATION Von der Bildenden Kunst auf den Teppich: Edoardo Piermattei<br />

42 I STYLE Andreas Weber über sein neues Bett und das passende Outfit dafür<br />

44 I SAMMLUNG Zu Hause bei Kunstliebhaber Florian Peters-Messer<br />

52 I NEUERSCHEINUNG Ein Buch über die Schönheit der Dinge<br />

54 I FARBE Welche passt zu den Bildern in Ihrem Zuhause? Welche ins Museum?<br />

58 I INSTITUTION Neuigkeiten aus dem Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg<br />

62 I PORTRÄT Paul Pretzer malt Bilder, die uns so einige Rätsel aufgeben<br />

66 I GALERIE Wie ticken Menschen, die mit Kunst handeln? Ziemlich umsichtig<br />

70 I PROJEKT Entwicklungshilfe auf hohem Niveau: Kunsthandwerk in Afrika<br />

© Reto Guntli & Agi SImoes<br />

WD 6 I <strong>2022</strong><br />

31


TITELTHEMA ! <strong>LEBEN</strong> <strong>MIT</strong> <strong>KUNST</strong><br />

SCHWEIZER PRÄZISION _<br />

INA RINDERKNECHT BEHERRSCHT SIE PERFEKT<br />

Möglicherweise stellen Sie sich als geneigte Leserin oder deren<br />

männliches Pendant gerade die Frage, was eine Story über die Sanierung<br />

und Neuausstattung eines Landguts im Kanton Zürich als<br />

Aufmachergeschichte mit unserem Titelthema Kunst zu tun hat?<br />

Die Antwort lautet: alles. Nicht allein aus dem Grund, dass die ausführende<br />

Innenarchitektin Ina Rinderknecht das Thema virtuos<br />

beherrscht, sondern weil das Gesamt-Ensemble, saniert von Neon<br />

Deiss Architekten, seinesgleichen sucht. Das äußere Erscheinungsbild<br />

der Villa mit Chauffeurhaus ist eine Freude fürs Auge – besonders<br />

für Menschen, die sonst eher wärmegedämmte, gesichtslose<br />

Fassaden zu sehen bekommen. Das Anwesen aus dem Jahr 1914<br />

erhielt ein neues Leben als Tagungsort für Unternehmen und private<br />

Vermietungen an Wochenenden. Insgesamt stehen 13 Zimmer,<br />

Fitnessraum und Wellnessbereich, eine Cocktailbar und gemütliche<br />

Wohnzimmer zur Verfügung. Eine reizvolle Aufgabe für die Innenarchitektin,<br />

die in Seoul aufwuchs, schon in jungen Jahren viel<br />

herumkam, das Istituto Europeo di Design absolvierte und einen<br />

Master an der Mailänder Domus Academy erwarb. Sie gilt als akribisch,<br />

präzise und verschmilzt klare Linien mit edlen Materialien<br />

zu einer unaufdringlichen Zeitlosigkeit. Raffinesse ist das treffendere<br />

Wort. „Dieses Projekt war komplett denkmalgeschützt, also<br />

auf ganz vielen Ebenen – der Landschaftsarchitektur, des Inventars,<br />

der Architektur natürlich, genauso wie der Innenarchitektur.“<br />

Rinderknecht fand opulente Räume vor, jeder auf seine Art anders,<br />

mit „buntesten und floralen“ Tapeten sowie diversen Holzvertäfelungen.<br />

Es ist verständlich, dass sich die Auftraggeber „ein wenig<br />

eine nüchternere Sprache in den Gästezimmern wünschten“,<br />

doch das lokale Amt war komplett involviert. „Für unsere Designpräsentation<br />

mussten die Materialien und Tapeten mit der Denkmalpflege<br />

abgestimmt und auch im Hinblick auf die Atmosphäre<br />

freigegeben werden.“ Das bedeutete vorangehende Farbanalysen<br />

32 WD 6 I <strong>2022</strong>


XXXXXXXXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

der Wände und Vertäfelungen. Welche Einschränkungen das mit<br />

sich brachte, zeigt die Eingangshalle (Seite 30 und 31), die sich an<br />

das Entree anschließt (links). Ein Fuchs empfängt dort die Besucher,<br />

Referenz an das Familienwappen der Bauherrschaft, wie eine<br />

Sonne, die auf Geschirr und Servietten auftaucht. Während die<br />

Fliesen im Entree original sind, entstand in der Eingangshalle ein<br />

neues Meisterwerk. Für die Wandbespannung gab Rinderknecht<br />

handbemalte Leinenstoffe bei de Gournay in Auftrag und ließ<br />

den Teppich für die Treppe bei Pierre Frey fertigen. Was so galant<br />

aussieht, kostete Nerven: „Unter den Wand-Paneelen musste die<br />

ursprüngliche Bespannung erhalten werden. Wir haben sie mit<br />

einem Spezialflies aus Naturprodukten geschützt. Darüber kam<br />

die neue Füllung, und wir durften die Nägel nur dort setzen, wo<br />

sie die Originalfassung nicht punktierten.“ Der Aufwand war groß,<br />

ist aber nur ein Beispiel von vielen. Das Gesamtergebnis können<br />

Dinner deluxe: Giorgetti-Sessel gruppieren sich um einen Tisch<br />

nach Maß von Girsberger. Deckenleuchte: Occhio. Dazu Wandbespannungen<br />

von Dedar und Vorhänge von Lelievre. Willkommen in<br />

der Welt von Ina Rinderknecht, die dieses Landgut einrichtete.<br />

WD 6 I <strong>2022</strong><br />

33


XXXXXXXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

© Alle Fotos Reto Guntli & Agi SImoes<br />

Sie sich via QR-Code anschauen. Wir bleiben bei den Details, beispielsweise<br />

denen in der Küche, einem Lieblingsraum der Innenarchitektin,<br />

die dafür historische Literatur studierte und danach die<br />

Essecke im Alkoven konzipierte. „Sie ist sehr gemütlich. Wir wollten<br />

wirklich alles im Landhausstil beibehalten. Das war besonders für<br />

die Küche wichtig, obwohl sie am Ende fast für die Gastro tauglich<br />

wäre.“ Die Geräte lieferten Miele und Gaggenau. Gleiche Sorgfalt<br />

ließ Rinderknecht den Bädern zuteilwerden, für die sie selbst gestaltete<br />

Mosaikfliesen im Stil der Zeit auflegen ließ, obwohl sie<br />

in diesem Punkt eigentlich nicht die Denkmalpflege im Nacken<br />

hatte. Im Kontext wirken sie einfach stimmiger und untermalen<br />

das Flair des Hauses, in dem die Gestalterin ganz besonders das<br />

Wohnzimmer liebt: „Zusammen mit dem geschwungenen Sofa<br />

ist dieser Raum unglaublich schön geworden.“ Und dieser Klang<br />

der Farben, die Sorgfalt bei der Wahl der Details wie den Teppichen<br />

und Vorhängen sowie die daraus entstehende Harmonie zeichnen<br />

jeden Raum in dieser Villa aus – auch wenn es sich eigentlich um<br />

ein privates Hotel handelt, das funktionieren muss. Neben Luxusimmobilien<br />

eine Domäne von Rinderknecht, die bereits in den<br />

USA, in der Karibik und in Europa eine Vielzahl hochkarätiger Hotels<br />

und Spitzenrestaurants ausstaffierte. Projekte, die funktionieren,<br />

wie dieses. „Das Haus lebt. Es ist durchgehend belegt.“ |sd<br />

Terrazzo trägt die Küche, die Ina Rinderknecht links persönlich<br />

konzipierte. Die Bank erhielt ein Outfit von Gaston y Daniela<br />

wie das Sofa im Wohnbereich – beides ausgeführt bei Girsberger.<br />

Sessel: Flexform. Rechte Polstermöhel von Girsberger im Spa.<br />

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EDOARDO PIERMATTEI _<br />

ÜBERTRÄGT ITALIENISCHE<br />

<strong>KUNST</strong>HISTORIE INS HEUTE<br />

Weder als klassische Bildhauerei noch als Malerei lässt sich sein<br />

Schaffen beschreiben und doch ist es beides. Als CC-Tapis den<br />

30-jährigen Italiener zur Gestaltung einer eigenen Teppichkollektion<br />

einlud, ließ ihn das kurzum zum Designer werden. Das<br />

aber dürfte die Ausnahme bleiben, denn Edoardo Piermattei<br />

verschreibt sich durch und durch der Kunst. Ich erreiche ihn in<br />

seinem Studio in Turin. Immer wieder während der nächsten<br />

eineinhalb Stunden wird sich unsere Videoverbindung als holprig<br />

erweisen. Dennoch dauert es keine drei Sekunden, bis das Eis<br />

gebrochen ist, ich meine Fragen beiseite lege und wir zu plaudern<br />

beginnen. Im Hintergrund dudelt die Musik aus der Pizzeria nebenan<br />

– die Nachbarn findet er furchtbar, stöhnt Piermattei. Sein<br />

Atelier aber, das liebt er. Hier verbringt der Künstler selten weniger<br />

als 12, 13, 14 Stunden am Tag. Jeder Urlaub ist für ihn eine Qual,<br />

weil er dann seine Ideen nicht umsetzen kann.<br />

Geboren 1992 in Ancona, wuchs Edoardo Piermattei in einer kleinen<br />

Gemeinde namens Offagna auf, welche sich malerisch in die Hügel<br />

über der Adriaküste legt. Die Gegend ist geprägt von mittelalterlichen<br />

Dörfern und war Italiens künstlerisches Zentrum während<br />

der Renaissance. Piermatteis Arbeiten sind heute nicht unerheblich<br />

davon beeinflusst. Vor zehn Jahren führte ihn das Kunststudium<br />

an der Accademia Albertina di Belle Arti nach Turin. Im Gepäck die<br />

Eindrücke seiner Kindheit und Jugend: von den innen wie außen<br />

reich verzierten Bauten seiner Heimat, ihren Farben. „Ich begann<br />

zu erkunden, wer die Väter der italienischen Kunst sind“, erzählt er.<br />

„Dabei ging es mir weniger um mich, als um die Sprache der Kunst.“<br />

Er nennt Giotto und Cimabue mit ihren Fresken in Assisi. Auch die<br />

anmutigen Wolken, die Giambattista Tiepolo gut vierhundert Jahre<br />

später in seinen Deckengemälden verewigte, gehören dazu. Bereits<br />

als Jugendlicher besuchte Piermattei etliche Kirchen. Nicht um zu<br />

beten, sondern der Malereien wegen. Irgendwann faszinierte ihn<br />

vor allem der Verfall, das Abblättern der Fresken. Blickt man nun<br />

auf sein Werk, so erkennt man darin eine Art Puzzle wieder, das aus<br />

ebenjenen Fragmenten besteht, die sich unterhalb der gemalten<br />

Schichten offenbaren. Im Idealfall hat Piermattei die Gelegenheit, in<br />

historischen Gewölben zu arbeiten, was diesen Eindruck verstärkt.<br />

Am liebsten, so sagt er, würde er einmal ein bestehendes Fresko<br />

in seinem Stil überdecken. Früher sei es gängige Praxis gewesen,<br />

dass alte Wand- und Deckenbilder durch neuere übermalt wurden.<br />

„So wie Michelangelo die Arbeiten anderer Künstler übermalte,<br />

möchte auch ich Werke übermalen und habe auch nichts dagegen,<br />

selbst einmal übermalt zu werden.“ Heute aber begreife man<br />

solche Fresken aus konservatorischen Gründen als unantastbar,<br />

dabei zeigen sie zuhauf moralistische Propaganda, wie Piermat-<br />

Edoardo Piermattei arbeitet ausschließlich ortsspezifisch,<br />

denn Kunst besitzen, um sie vor weißen Wänden zu drapieren,<br />

hält er für bourgeoises Zeug. Links: „Ecce Grotta!“ realisierte<br />

er 2019 in Ronchi San Bernardo, Cuorgnè.<br />

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TITELTHEMA ! <strong>LEBEN</strong> <strong>MIT</strong> <strong>KUNST</strong><br />

tei kommentiert. Mit der Zeit sei aus der Kunst bourgeoises Zeug<br />

geworden, das sich die Menschen an weiße Wände hängen. Dass<br />

das nichts für ihn ist, überrascht wenig, arbeiteten doch auch seine<br />

Vorbilder immer für einen vorbestimmten Ort. „Mit meiner Arbeit<br />

versuche ich, die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verbinden.<br />

Dabei beschäftige ich mich mit der Abwesenheit der Dinge, dem<br />

Spannungsfeld zwischen Objekt und Nicht-Objekt.“<br />

Und trotzdem arbeitet er keineswegs nur in leeren Räumen wie<br />

bei seiner Arbeit „Ecce Grotta!“ (Seite 36), die er 2019 in Ronchi<br />

San Bernardo nördlich von Turin realisierte. Edoardo Permattei<br />

schnappt sich seinen Laptop und führt zum virtuellen Rundgang<br />

durch sein Atelier. Jeder Winkel ist vollgestellt mit Leinwänden,<br />

Modellen, Skulpturen und jeder Menge Säcke, die gefüllt sind<br />

mit einer seiner wichtigsten Zutaten: Zement. Als ich ihn frage,<br />

Jeder Winkel seines Ateliers in Turin ist vollgestellt, hier verbringt<br />

Piermattei meist mehr als zwölf Stunden am Tag. Seine Werke<br />

bestehen zum Hauptteil aus einem Gemisch aus Zement, Leim,<br />

Puder und Pigment – abgemischt mit ordentlich Zigarettendunst.<br />

wie seine Arbeiten entstehen, holt Piermattei ein paar Aquarelle<br />

hervor. Alles beginnt auf dem Papier, als Zeichnung, anhand von<br />

Farbstudien. Diese überträgt der Künstler dann in Form eines Zement-Leim-Puder-Pigment-Gemischs<br />

mit einem Spachtel auf den<br />

jeweiligen Träger – eine Wand- beziehungsweise Deckenfläche,<br />

eine Platte oder die Unterkonstruktion einer Skulptur.<br />

Gerade werkelt Piermattei an einer Skulptur für einen Konditor<br />

auf Sizilien. Der Künstler nennt es Meringue-Architektur, denn<br />

die Arbeit wird einmal aus mehreren Teilen bestehen und erinnert<br />

an eine Mischung aus einer riesigen Baisertorte und einem<br />

Zuckerschlösschen. Statt des Spachtels nutzt Edoardo Piermattei<br />

hierfür eine Spritztülle. Es soll eben ganz danach aussehen,<br />

als sei die Skulptur selbst aus Baiser gebacken, dekoriert in den<br />

verschiedensten Farben. Zudem soll die Arbeit an die Zeit des<br />

Rokoko erinnern, auf Sizilien prägt diese Stilrichtung des 18. Jahrhunderts<br />

zahlreiche Palast-Interieurs.<br />

Schon einmal hat Edoardo Piermattei auf der Insel ein Projekt realisiert,<br />

in Sambuca di Sicilia, gefördert durch den Apartmentanbieter<br />

Airbnb. Neben einem Deckenbild, das vom großen Erdbeben 1968<br />

inspiriert ist, gestaltete er den Baldachin eines Himmelbetts. Inzwi-<br />

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schen gehört das Apartment zu einer Winzerei. Ob er nicht Gefahr<br />

laufe, dass seine Arbeiten zu dekorativ werden, frage ich ihn. Nichts<br />

anderes seien Wand- und Deckenbilder seit jeher gewesen, antwortet<br />

er. Dagegen gäbe es nichts einzuwenden, nur verzichte er auf<br />

ikonische oder mythologische Darstellungen, bleibt abstrakt.<br />

Wie kommt er an seine Projekte? Denn von einer Galerie repräsentiert<br />

wird er momentan nicht. „Ich arbeite viel mit Architekten<br />

zusammen“, antwortet er. Das Projekt mit Airbnb sei über eine Kuratorin<br />

zustande gekommen, Federica Sala. Die Mailänderin war es<br />

auch, die ihn mit CC-Tapis in Kontakt brachte. Für das italienische<br />

Teppichlabel gestaltete Piermattei die Kollektion „Dagallà“, welche<br />

im Herbst 2021 anlässlich des SuperSalone in Mailand präsentiert<br />

wurde. Mit den drei erhältlichen Mustern spielt Edoardo Piermattei<br />

auf ein Naturphänomen an, das sich rund um den Vulkan Ätna<br />

ereignet – wenn die Vegetation beginnt, sich das Land, das zuvor<br />

von der Lava vernichtet wurde, zurückzuerobern. Im Arabischen<br />

steht „Dag allah“ für „von Gott gerettet“. So begreift Piermattei die<br />

Kollektion zugleich auch als Verbindung zwischen Ost und West,<br />

zwischen den Artisanen, die die Teppiche von Hand knüpfen, und<br />

den Konsumenten. Und auch hier spielen wieder Vergangenheit<br />

und Gegenwart zusammen. In Bezug auf seine üblichen Arbeiten<br />

stellt er praktisch alles auf den Kopf, aus der Decke wird der Boden,<br />

aus dem der Teppich wie eine Insel wächst.<br />

Und schon ist der Künstler wieder beim nächsten Thema: In den<br />

kommenden Wochen wird er eine Arbeit in Rom realisieren, wo es<br />

um eine Geschichte zum Wasser gehen wird, Reflexionen auf der<br />

Oberfläche, ein 80 Quadratmeter großes Aquarell. Allmählich wird<br />

es schwer, dem Künstler weiter zu folgen. Weil zum einen unsere<br />

Verbindung immer wieder aussetzt, und weil er zum anderen von<br />

einem Gedanken zum nächsten springt. Es gibt keinen Endpunkt<br />

in dieser Story, doch es passt ganz gut, denke ich noch, dass er sich<br />

selbst als obsessiv beschreibt – „wahrscheinlich liegt es daran, dass<br />

ich Steinbock bin“, schlussfolgert er, rollt sich eine Zigarette und wir<br />

verabschieden uns.<br />

| Markus Hieke<br />

„Kunst ist für Sammler, Design für Konsumenten“, meint Piermattei.<br />

Inspiriert von einem Theatervorhang ist das Werk oben.<br />

Rechts posiert er auf einem seiner Teppiche für CC-Tapis.<br />

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© Alle Fotos Lea Anouchinsky<br />

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TITELTHEMA ! <strong>LEBEN</strong> <strong>MIT</strong> <strong>KUNST</strong><br />

© Dorothee Falke München<br />

DRESS TO IMPRESS _<br />

EIN PERFEKTES BETT HINZUBEKOMMEN IST EIN TOP JOB.<br />

DAS GILT FÜR DIE FORM, DOCH GENAUSO FÜRS OUTFIT.<br />

Das Thema Bett hat sich allgemein stark gewandelt, was auch mit<br />

dem Vormarsch von Boxspring-Systemen zu tun hat, die Normalo-Modellen<br />

mit Kaltschaummatratzen heftig Konkurrenz machen.<br />

„Immer mehr Menschen lassen sich von diesem besonderen Komfort<br />

verwöhnen“, weiß Andreas Weber. „Zwei übereinander liegende<br />

Komponenten (die Box und die Matratze) bieten eine Vielzahl<br />

von Einzelfedern, die den Auflagedruck des Körpers an jedem Punkt<br />

nach unten leiten. Zusätzlich ermöglichen die Spiralfedern mit ihren<br />

Hohlräumen auch eine optimale Durchlüftung.“ Doch dieses<br />

Prinzip geht häufig auf Kosten der Optik, denn die Betten wirken<br />

wesentlich klobiger als konventionelle Entwürfe. Für die französische<br />

Marke Treca, ein Spezialist dieses Zwei-Matratzen-Systems,<br />

hat der Münchner Designer gerade ein neues Modell kreiert.<br />

„Angèle“ bietet Bodenfreiheit, wirkt lässig mit zwei angedeuteten<br />

Kissen im XXL-Format als Rückenlösung und ist trotzdem „sophisticated“<br />

– eine Eigenschaft der meisten Weber-Entwürfe. Moderne<br />

Klassik ist sein Ding, und es macht Freude zu sehen, dass der<br />

Münchner sie souverän inszeniert. „Wir haben uns das Ziel gesetzt,<br />

den Komfort des Boxspringbetts mit optischer Leichtigkeit zu verbinden,<br />

um einen neuen Look zu erreichen und eine attraktive Lösung<br />

für bestimmte Anforderungen anbieten zu können.“ Der Hintergrund<br />

dafür ist, dass entsprechende Betten zunächst in Hotels<br />

standen, für ein luxuriöses Schlaferlebnis – das jedoch eher mit<br />

klobiger Formgebung. „Absolut. Dort signalisiert ein wuchtiges<br />

Bett: Ich bin angekommen, hier darf ich mich wohlfühlen. Im eigenen<br />

Schlafraum ist diese Wirkung eher beengend. Hier wünscht<br />

man sich, gerade wenn der Raum nicht so groß ist und vielleicht<br />

noch ein Kleiderschrank Platz benötigt, möglichst viel Raum zum<br />

Atmen, eine gewisse Luftigkeit. Und auch praktische Überlegungen<br />

sprechen für mehr Bodenabstand: Das Schlafzimmer kann so<br />

leichter staubfrei gehalten werden.“<br />

Für die optische Wirkung ist aber auch ein anderer Faktor maßgebend:<br />

die Bettwäsche, das Kleid des Betts. „Sie trägt stark zum<br />

Wohlgefühl bei, wenn das Material und die Optik richtig gewählt<br />

werden. Sie ist der Joker, mit dem sich spontan die Atmosphäre im<br />

Raum verändern lässt, um auf Stimmungen zu reagieren. Über eine<br />

kühlende oder wärmende Wäsche passt sich das Bett auch an die<br />

Jahreszeiten an.“ Natürlich bietet Treca verschiedene Möglichkeiten<br />

an, dem Korpus an sich ein cooles Outfit zu verpassen. Dafür stehen<br />

verschiedene Stoffe von Luxusfirmen wie Pierre Frey, doch genauso<br />

auch handschuhweiche Leder zur Verfügung, die den Look des<br />

Betts sehr urban wirken lassen. „Angèle“ hat in unserem Beispiel<br />

einen Samtbezug, für den ein passender Überwurf entstand, der<br />

mit einem Wollplaid und Bettwäsche in klassischem Baumwollsatin<br />

kombiniert wurde. Samtkissen in Braun nehmen die Tonalität<br />

der Umgebung wieder auf. Florale Muster bringen eine feminine<br />

Note ins Ensemble. Très chic. Und was mag Weber privat? „Ich bevorzuge<br />

reine Naturmaterialien, wertig, aber schlicht verarbeitet,<br />

damit man die Bettwäsche häufig waschen kann. Gibt es Schöneres,<br />

als sich in ein frisch bezogenes Bett fallen zu lassen?“ |sd<br />

Ein wesentliches Detail des neuen Treca-Modells „Angèle“ von<br />

Andreas Weber bleibt in dieser Ansicht im Verborgenen: Die<br />

Taschenfederkern-Matratze erhielt einen Topper für noch mehr<br />

Komfort, zu dem auch die Box darunter im Samtbezug beiträgt.<br />

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icona<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

Fratelli Fantini SpA<br />

<br />

28010 Pella (NO)<br />

<br />

fantini@fantini.it<br />

www.fantini.it


TITELTHEMA ! <strong>LEBEN</strong> <strong>MIT</strong> <strong>KUNST</strong><br />

MY HOME IS MY ART CASTLE _<br />

ZU HAUSE BEI <strong>KUNST</strong>SAMMLER FLORIAN PETERS-MESSER<br />

Viersen ist nicht unbedingt ein Ort, an dem man große Kunst<br />

erwarten würde – ganz im Unterschied zum nahegelegenen<br />

Düsseldorf. Und doch ist es die zwischen Mönchengladbach<br />

und Krefeld gelegene Kleinstadt, in der sich mit rund 450 Werken<br />

eine der wichtigen Sammlungen sozialkritischer und politischer<br />

Kunst im deutschsprachigen Raum befindet. Florian<br />

Peters-Messer hat sie in den letzten zwanzig Jahren zusammengetragen<br />

und zeigt Teile davon in seinen Privaträumen.<br />

Außerdem bestückt er regelmäßig Ausstellungen mit Arbeiten<br />

von Künstlern wie John Bock, Monica Bonvicini, Sophie Calle,<br />

Elmgreen & Dragset, Sophia Süßmilch und Sonja Yakovleva.<br />

Dennoch deutet von außen nichts darauf hin, dass sich in dem<br />

mehrstöckigen Bürogebäude mit den markanten roten Fassadenteilen<br />

ein echter Kunstschatz befindet.<br />

Es liegt an einer Durchgangsstraße und ist umgeben von Backsteingebäuden<br />

und Sheddach-Hallen, dahinter erahnt man einen<br />

Wald. War hier früher das Familienunternehmen „Farben<br />

Peters“ ansässig, so sind in dem schlichten Gebäude heute verschiedene<br />

Firmen untergebracht. Peters-Messer ist der einzige<br />

ständige Bewohner, der vor fünf Jahren das Penthouse im vierten<br />

Stock bezogen hat.<br />

Vom Unternehmer zum Kunstsammler<br />

Florian Peters-Messer stammt aus einer Viersener Unternehmerfamilie<br />

mit einem Großhandel für Farben, Bodenbeläge und<br />

Baustoffe. Zwar hatte er schon als Jugendlicher den Wunsch,<br />

Kunstgeschichte zu studieren, doch die Familientradition sah<br />

eine andere berufliche Zukunft für ihn vor. Und so studierte er<br />

Betriebswirtschaftslehre in Berlin, Paris und Oxford und arbeitete<br />

danach zwei Jahre als Unternehmensberater in Frankfurt am<br />

Main. In den frühen Neunzigerjahren zog Peters-Messer dann<br />

nach Berlin, wo er eine der Firmen des Familienunternehmens<br />

leitete. Doch in seiner Freizeit ging er seiner eigentlichen Berufung<br />

nach und erkundete die Museen und Galerien der Stadt.<br />

So tauchte er immer tiefer ein in die boomende Berliner Szene.<br />

„Damals bin ich in einer Berliner Galerie über den Schweizer<br />

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Künstler Thomas Hirschhorn gestolpert, was mein Leben sehr<br />

verändert hat“, erzählt Peters-Messer. „Zuerst habe ich seine Arbeiten<br />

überhaupt nicht verstanden, weil ich mich mit installativen<br />

Arbeiten und dieser spezifischen Materialhaftigkeit nicht<br />

auskannte und auch nicht mit politischer Kunst und ihrem philosophischen<br />

Hintergrund.“ Damals begann er ernsthaft Kunst<br />

zu sammeln, besuchte regelmäßig Galerien wie die von Stella<br />

Lohaus in Antwerpen und kaufte als erster deutscher Sammler<br />

überhaupt Arbeiten von Thomas Hirschhorn. Nach einigen Jahren<br />

in Berlin kehrte Peters-Messer zurück in seine Heimatstadt<br />

Viersen, weil er die Leitung des Familienunternehmens mit<br />

rund 40 Niederlassungen und 500 Mitarbeitern übernommen<br />

hatte. Seit die Firma im Jahr 2009 verkauft wurde, verwaltet Peters-Messer<br />

die verbliebenen Immobilien, die zum Teil in einen<br />

Gewerbepark umgewandelt wurden und noch immer in Familienbesitz<br />

sind. Einen Großteil seiner Zeit aber widmet er dem<br />

Erkunden, Sammeln und Ausstellen von Kunst. Dabei ist ihm<br />

nicht nur die Förderung junger Künstler wichtig, auch die öffentliche<br />

Präsentation seiner Sammlung liegt ihm am Herzen. So<br />

waren Werke aus der Sammlung Peters-Messer im Weserburg<br />

Museum für moderne Kunst in Bremen zu sehen und sind gerade<br />

in der Schau „And I trust you“ in der Miettinen Collection<br />

in Berlin zusammen mit Arbeiten aus der Sammlung des finnischen<br />

Kunstsammlers Timo Miettinen ausgestellt. Außerdem ist<br />

Peters-Messer in verschiedenen Gremien von Museen wie den<br />

Kunst-Werken Berlin und dem Kunstpalast Düsseldorf engagiert.<br />

Hauptweg und Nebenwege<br />

Sein Interesse für Kunst wurde bereits in der Schule geweckt.<br />

„Ich hatte auf dem Gymnasium in Viersen eine exzentrische<br />

Kunstlehrerin, die mit uns zur Documenta nach Kassel und zu<br />

Pina Bausch nach Wuppertal gefahren ist“, erzählt der 58-Jährige.<br />

„Damals begann mein Interesse für Gegenwartskunst.“ Seine<br />

Lehrerin habe ihm beigebracht, wie wichtig es sei, einen Bezug<br />

zur Gegenwart zu haben, beispielsweise durch zeitgenössische<br />

Kunst. Auch heute interessiert sich Peters-Messer vor allem dafür,<br />

wie soziokulturelle, politische und psychologische Themen in<br />

diesem Medium übersetzt werden. „Es geht mir darum, besser<br />

zu verstehen, was gerade passiert“, sagt der Sammler. „Ich lerne<br />

von der aktuellen Kunst, wie junge Menschen heute denken und<br />

Das Domizil von Florian Peters-Messer befindet sich im ehemaligen<br />

Bürogebäude der Familienfirma und ist Galerie und Wohnung<br />

zugleich. Auf dem Industriegelände ist auch das rund 1000<br />

Quadratmeter große Kunstlager des Sammlers untergebracht.<br />

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TITELTHEMA ! <strong>LEBEN</strong> <strong>MIT</strong> <strong>KUNST</strong><br />

erfahre Lösungsmöglichkeiten, auf die ich selber nicht gekommen<br />

wäre.“ Kunst nur um der Schönheit willen interessiert ihn<br />

weniger, auch wenn Teile seiner Sammlung durchaus als schön<br />

im klassischen Sinn zu bezeichnen sind, antike ägyptische Statuetten<br />

und Gefäße beispielsweise. Im Laufe der Jahre hat sich<br />

auch der Fokus seiner Sammlung verändert, sodass Peters-Messer<br />

immer wieder auch Werke verschenkte oder verkaufte, weil<br />

sie inhaltlich nicht mehr passten, darunter Arbeiten von Martin<br />

Assig, Gerhard Richter und Stephan Balkenhol. „Das kritische<br />

Sammeln fing erst mit Thomas Hirschhorn an und hat sich über<br />

einige Jahre hingezogen“, erzählt er. „Davor habe ich oft aus dem<br />

Affekt und der Emotion heraus gesammelt.“ Wie die Persönlichkeit,<br />

so verändere sich auch der Blick auf die Kunst und die eigene<br />

Sammlung im Laufe der Zeit, ergänzt er. Hauptweg und Nebenwege<br />

– so nennt der Sammler diese Entwicklung nach einem<br />

berühmten Gemälde von Paul Klee.<br />

Über den Dächern von Viersen<br />

Das viergeschossige Gebäude, in dem Florian Peters-Messer<br />

heute lebt und seine Sammlung zeigt, ist die ehemalige Firmenzentrale<br />

von Farben Peters, die aus den Achtzigerjahren<br />

stammt. Schon im Entree und im Treppenhaus deutet sich die<br />

Sammelleidenschaft des Hausherren an – Arbeiten von Sabrina<br />

Fritsch, Hiroshi Sugito und David Moses weisen den Weg<br />

in den obersten Stock. Die über 300 Quadratmeter große Penthouse-Wohnung,<br />

in der sich ehemals die Besprechungsräume<br />

des Familienunternehmens befanden, wurden von einem Architekten<br />

umgebaut und ganz auf die Bedürfnisse der Sammlung<br />

zugeschnitten – mit vielen Hängeflächen und nicht allzu<br />

hohen Wänden. Einige Fenster sind der besseren Ausleuchtung<br />

wegen mit Rigipswänden verdeckt. Dahinter befindet sich praktischer<br />

Stauraum, wo beispielsweise Verpackungsmaterial gelagert<br />

wird. Ein- bis zweimal im Jahr wechselt Peters-Messer die<br />

Kunstwerke und kuratiert eine neue Schau. Die Wohnung ist<br />

räumlich zweigeteilt: Während sich im vorderen Bereich galerieähnliche<br />

Räume mit weißen Wänden und einem dunklen Holzfußboden<br />

zur Präsentation der Sammlung befinden, ist der hintere<br />

Teil privat und kleinteiliger gehalten. „Ich mag es gern cosy<br />

und bin nicht so designmäßig unterwegs“, sagt Peters-Messer.<br />

Und so schließt sich an die behagliche Wohnküche eine reich<br />

bestückte Bibliothek an. Der Hausherr liebt es zu lesen und beschäftigt<br />

sich intensiv mit Themen aus Kunst, Soziologie und<br />

Psychologie. Flankiert wird die Bibliothek von einem lichtdurchfluteten<br />

Wohnzimmer mit Terrassenzugang und einem Schlafzimmer<br />

mit begehbarem, maßgefertigtem Kleiderschrank samt<br />

gepolsterter Sitzbank. „Ich liebe diesen Raum ganz besonders“,<br />

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XXXXXXXXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

sagt Peters-Messer. „Man liegt im Bett und kann auf die Bäume<br />

schauen.“ Auch der private Bereich des Penthouses ist mit<br />

Kunstwerken und allerlei Trouvaillen ausgestattet, darunter<br />

vereinzelte Antiken, am Strand gesammelte Muscheln und Gemälde<br />

von jungen Künstlern wie Alexander Basil und Brandon<br />

Lipchik. Besonders die ägyptischen Stücke wie die Kanopen aus<br />

Alabaster und ein Sargfragment aus Holz und Stuck mag Florian<br />

Peters-Messer sehr und nimmt sie gern in die Hand, wie er uns<br />

bei einem Besuch in Viersen erzählt. „Für mich ist die Bibliothek<br />

mein Bildungsraum“, sagt er. Vom großen Tisch im Esszimmer<br />

geht der Blick über die Sheddach-Hallen, die der 58-Jährige Geschäftsmann<br />

an verschiedene Unternehmen vermietet hat und<br />

wo sich auch sein 1.000 Quadratmeter großes Kunstlager befindet.<br />

Man wähnt sich hier eher in der Großstadt denn in der<br />

nordrhein-westfälischen Provinz. Die Einrichtung der Wohnung<br />

spiegelt den Charakter des Bewohners und ist sehr unprätentiös<br />

gehalten. Die klassischen Eames-Stühle im Esszimmer hat<br />

er beispielsweise von ehemaligen Mietern übernommen, die sie<br />

auf dem Sperrmüll entsorgen wollten. Designstücke besitzt Peters-Messer<br />

nur wenige, darunter Porzellanservice von Rosenthal<br />

und KPM sowie ein bequemes Loungesofa von Roche Bobois<br />

mit Bezügen aus Missoni-Stoffen. In der Küche indes stehen<br />

Stühle von einem Möbeldiscounter, die er zufällig entdeckte<br />

und die kombiniert werden mit kleinen Kunstschätzen. Gleich<br />

gegenüber vom Wohnzimmer, nur durch die Dachterrasse getrennt,<br />

arbeitet Peters-Messer in einem separaten Büro, das er<br />

ebenfalls mit Kunstwerken ausgestattet hat.<br />

Fokussiertes Sammeln<br />

Schaut man sich so um in den Räumen von Florian Peters-Messer<br />

und unterhält man sich mit ihm, dann wird schnell klar: Ihm geht<br />

es beim Sammeln von Kunst um konkrete Inhalte, weniger um<br />

Schönheit im klassischen Sinn oder gar um Repräsentation. „Je<br />

älter ich werde, desto fokussierter werde ich, was das Sammeln<br />

von Kunst betrifft.“ Kurzgefasst umkreisen die von ihm gesammelten<br />

Kunstwerke drei wesentliche Themenbereiche: Politik,<br />

Psychologie und Soziologie. Wie sie zusammenspielen, zeigt<br />

sich im Entree seiner Viersener Wohnung. Hier steht eine Arbeit<br />

von Cercle d’Art de Travailleurs de Plantation Congolese (CATPC).<br />

Die Skulptur „Forced Love“ von Irene Kanga, die seit 2014 für das<br />

Die Werke der Sammlung hinterfragen politische und gesellschaftliche<br />

Zustände wie die Arbeiten von CATPC links und<br />

Nicholas Warburg rechts zeigen. Die Farbbaum-Skulptur gab<br />

der Vater von Florian Peters-Messers für seine Firma in Auftrag.<br />

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TITELTHEMA ! <strong>LEBEN</strong> <strong>MIT</strong> <strong>KUNST</strong><br />

kongolesische Künstlerkollektiv arbeitet, zeigt erschreckend<br />

drastisch eine Vergewaltigung. Dabei verknüpft<br />

die Künstlerin die sexualisierte Gewalt gegen Frauen<br />

mit den eigenen Erfahrungen und einem historischen<br />

Ereignis, der Vergewaltigung einer Frau aus dem Volk<br />

der Pende durch einen belgischen Kolonialherren auf<br />

einer kongolesischen Plantage im Jahr 1931. Was die<br />

Skulptur als Kunstwerk so eindringlich und interessant<br />

macht, ist nicht nur die explizite Darstellung sexualisierter<br />

Gewalt, sondern auch das Material. Es steht<br />

in enger Beziehung zum Dargestellten: Während die<br />

Originalskulptur aus Ton gefertigt ist, wurde sie in<br />

3-D-Technik in Amsterdam reproduziert und mit durch<br />

Kunstharz haltbar gemachter Schokolade überzogen<br />

– ein Hinweis auf den Kongo als Land der Palmfettplantagen<br />

und ein ausbeuterisches Kolonialsystem.<br />

„Die Skulptur riecht nach Schokolade und verändert je<br />

nach Temperatur ihre Oberfläche“, sagt Peters-Messer.<br />

Das Glück eines Kunstbesessenen<br />

Je länger und intensiver sich Peters-Messer mit der<br />

Kunst beschäftigt hat, desto klarer wurde der Fokus<br />

seiner Sammlertätigkeit. Dabei sammelt er nicht in<br />

der Breite, sondern vielmehr in die Tiefe – das heißt,<br />

er besitzt oft bis zu 25 Werke eines einzelnen Künst-<br />

Im Wohnzimmer hat Florian Peters-Messer ein Sofa<br />

von Roche Bobois mit einem Gemälde des amerikanischen<br />

Künstlers Brandon Lipchik arrangiert oben.<br />

Außerdem sammelt er Werke von Thomas Hirschhorn.<br />

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the show<br />

3. – 7. 2. 2023<br />

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TITELTHEMA ! <strong>LEBEN</strong> <strong>MIT</strong> <strong>KUNST</strong><br />

Das zurückhaltend eingerichtete<br />

Penthouse dient auch<br />

als Bühne für Arbeiten von<br />

Bjarne Melgaard und Erik<br />

van Lieshout rechts. Unten<br />

Peters-Messer ist nicht nur<br />

passionierter Sammler, er liest<br />

und schreibt auch über Kunst<br />

und kuratiert regelmäßig<br />

Ausstellungen. Die klassischen<br />

Eames-Stühle im Ess- und<br />

Arbeitszimmer hat er auf dem<br />

Sperrmüll gefunden und neu<br />

beziehen lassen.<br />

© Alle Fotos Christoph Musiol<br />

lers aus möglichst unterschiedlichen Epochen. Als Peters-Messer<br />

vor ein paar Jahren sein Ferienhaus auf Mallorca verkaufte, investierte<br />

er nicht etwa in eine neue Immobilie, sondern stattdessen<br />

in Kunst. „Damals habe ich überlegt, wie ich das Profil meiner<br />

Sammlung schärfen könne“, erzählt er und ergänzt, dass es mitunter<br />

ein echter Kampf sei, das entsprechende Werk auch zu bekommen.<br />

Das Erkennen von relevanten Arbeiten eines Künstlers<br />

und bedeutenden künstlerischen Positionen hat er sich im Laufe<br />

der Zeit angeeignet, „denn Galerien bieten einem oft nur Leftovers<br />

oder Second Best an.“ Florian Peters-Messer als Kunstbesessenen<br />

zu bezeichnen, ist wohl nicht übertrieben. Er kuratiert Ausstellungen<br />

in Galerien und Museen, liest und schreibt über Kunst.<br />

Außerdem begleitet und fördert er junge Künstler wie beispielsweise<br />

den 28-jährigen Murat Önen, der noch ganz am Anfang<br />

seines künstlerischen Weges steht und gerade seine erste große<br />

Serie von Arbeiten vollendet hat. „Einen Künstler auch persönlich<br />

kennenzulernen, ist ein sehr schönes und glückbringendes Erlebnis“,<br />

sagt Peters-Messer. „Dadurch kommen einem die Arbeiten<br />

ganz anders näher, was besonders wichtig bei jungen Künstlern<br />

ist, die noch kein großes Œeuvre haben.“ |claudia simone hoff<br />

50 WD 6 I <strong>2022</strong>


MADE TO TOUCH.<br />

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JUNG.DE/LS1912<br />

Haus Bruno Lambart in Düsseldorf von Nidus Studio


TITELTHEMA ! <strong>LEBEN</strong> <strong>MIT</strong> <strong>KUNST</strong><br />

© Alle Fotos Jule Breiert<br />

© Schmidt Studio<br />

SEELENBALSAM _<br />

EIN BUCH VOLL SCHÖNHEIT<br />

„Wenn Kreative ohne Druck arbeiten dürfen, blühen sie auf.“ Darin<br />

sind sich die Künstlerin und Art Direktorin Rike Kaufmann<br />

und Wolfram Neugebauer, Stylist, Interior Designer und Inhaber<br />

des Hamburger Concept Stores „Die Remise“ einig. Bester Beweis:<br />

Ihr Herzensprojekt „Ästhet“. Ein Bildband voll Sinnlichkeit<br />

und stiller Poesie, für den sie frei zusammengetragen, inszeniert<br />

und fotografiert haben, was sie lieben: Mode, Natur, Kunst, Ballett<br />

oder Architektur. Es begann mit einem Foto von Wolfram, ein<br />

Treppenhaus von oben. Daneben ein gemaltes Bild von Rike. „Die<br />

runden Formen sprachen miteinander.“ Euphorisch spannen sie<br />

den Faden weiter: „Durch unsere Berufe kennen wir Schauspieler<br />

wie Nicole Heesters, Tänzer aus dem John Neumeier-Ensemble,<br />

Fotografen und Designer. Wir konnten sie begeistern, bei unserer<br />

Buch-Idee mitzumachen. Es entstand eine wunderbar aufgeladene,<br />

beglückende Stimmung!“ Während der Produktion war oft<br />

klar, welche Motive ein Paar sind. Andere haben Rike und Wolfram<br />

später zusammengestellt – intuitiv und fast ohne Worte, denn in<br />

ihrem Schönheitsempfinden schwingen sie perfekt miteinander.<br />

Dabei ist Schönheit für sie nicht die „klassische glatte, geschniegelte“,<br />

sondern eher „dass sich Formen wiederholen oder Farbtöne<br />

kommunizieren. Auch dass mal etwas kaputt ist oder scheinbar<br />

gar nicht passt, wie ein Schwamm, der in einem der Stillleben<br />

auftaucht. Oder das Klebeband, das nur fixieren und nicht ins Bild<br />

sollte, dann aber das Arrangement perfekt ergänzt.“ Das Farbspektrum<br />

der Kreationen reicht von Weiß über softe Naturtöne bis zu<br />

Schwarz. So sind auch die Wohnungen von Rike und Wolfram eingerichtet.<br />

„Mich ummantelt dieser Minimalismus“, sagt Wolfram.<br />

„Als Stylist tauche ich in viele Farbwelten ein. Das strengt manchmal<br />

an. Zu Hause kann ich zur Ruhe kommen.“ Rike, die lange im<br />

bunten, lauten New York gelebt hat, geht es ähnlich: „Mit dem Puren,<br />

Klaren habe ich mir einen Gegenpol geschaffen.“ Die beiden<br />

sind erfüllt von ihrem ersten gemeinsamen Projekt. „Als die Druckmaschine<br />

anlief, hatten wir Tränen in den Augen.“ Ebenso glücklich<br />

sind sie, wenn sie auch andere damit berühren und inspirieren, das<br />

Schöne zu entdecken – „um sich herum und in sich selbst.“ |uw<br />

„Ästhet“ berührt uns mit Aufnahmen von besonderen Orten,<br />

Künstlern und schönen Dingen. Uns gefällt besonders gut der<br />

Oberkörper eines Tänzers mit drappierter Blüte auf dem angespannten<br />

Body. 160 Seiten Sinnlichkeit, gebunden in schwarzem<br />

oder naturfarbenem Leinen, über: www.aesthet.hamburg<br />

52 WD 6 I <strong>2022</strong>


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TITELTHEMA ! <strong>LEBEN</strong> <strong>MIT</strong> <strong>KUNST</strong><br />

Welche Farbe zu welchem Kunstwerk? Bei diesem Thema<br />

ist Annika Murjahn links, CEO von Caparol Icons, in ihrem<br />

Element. Während ihrer Zeit in zwei großen Auktionshäusern<br />

gaben Klassiker wie Rot, Blau und Grün den Ton an, die besonders<br />

Alte Meister inszenierten und deren Farben zum Leuchten<br />

brachten. In der Galerie Herold unten Mitte kommt für die<br />

moderne Kunst ein eher sanfter Ton zum Einsatz: „Paninaro“<br />

– ein weiches Grau mit einem Hauch Jadegrün. Rechts der<br />

Farbton „Pillbox“ für eine Hängung in einer Frankfurter Villa.<br />

© Ramon Haindl<br />

QUEEN OF COLORS _ WIE INSZENIERT<br />

MAN <strong>KUNST</strong> <strong>MIT</strong> FARBEN? ANNIKA MURJAHN ANTWORTET<br />

Doch zunächst sitzen wir über der Bildauswahl für diesen Exkurs<br />

zum Thema farbige Wände und Kunst. Unzählige Fotos aus Museen<br />

sind zu sichten, Beispiele von Galerien, doch genauso auch private<br />

Szenarien, die alle eines zeigen: Werke auf unterschiedlichsten<br />

Hintergründen, außer Weiß. White Cube war gestern, zumindest<br />

zu Hause, und die neuen Räume strahlen und schimmern sublim<br />

oder in kräftigen Tonalitäten, um die Kunstwerke zur Geltung zu<br />

bringen. Annika Murjahn kennt diese Art der Inszenierung noch aus<br />

ihren Zeiten bei Christie‘s und Sotheby‘s, wo sie mehr als vier Jahre<br />

lang die Rubrik Alte Meister betreute. „Sehr spannend fand ich dort,<br />

dass man vor den Auktionen, wenn es um die Hängungen ging, immer<br />

mit Farbe gearbeitet hat. Zwar manchmal auch mit Weiß, doch<br />

selbst für Contemporary – also Zeitgenössische Kunst – und besonders<br />

bei Impressionisten und Alten Meistern mit Klassikern wie Bordeaux-Rot,<br />

Jagd-Grün und Lapislazuli-Blau. Diese Töne bringen die<br />

Bilder zum Leuchten“, erklärt die Kunstexpertin, die im Anschluss<br />

ins väterliche Unternehmen einstieg und dort für „Caparol Icons“<br />

verantwortlich ist. „Wir haben ja viele Sublines für die Marke entwickelt,<br />

weil wir so vielseitig unterwegs sind, aber es gibt einen sehr<br />

treffenden Satz: Eine elegante, farbige Wand ist die beste Bühne für<br />

54 WD 6 I <strong>2022</strong>


XXXXXXXXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

die Kunst. Natürlich sind das Licht und die Rahmung sehr wichtig,<br />

aber mit einer guten Farbe lässt sich unheimlich viel erreichen. Wenn<br />

man das wirklich ernst nimmt, spielt der Wert eines Kunstwerks<br />

eine untergeordnete Rolle. Es kommt auf den richtigen Hintergrund<br />

und so auf die Gesamtinszenierung an. Das habe ich in beiden Auktionshäusern<br />

immer wieder erlebt. Ich durfte mich um High Net-<br />

Worth Clients kümmern. Für ein schönes Bild – und da ging es meistens<br />

um wirklich wertvolle Kunst – wurde umgestrichen und die<br />

Farbe passend ausgewählt. Das war da ganz selbstverständlich, um<br />

ein Optimum an Wirkung herauszuholen.“ Allerdings fanden Murjahn<br />

zufolge dafür nicht die qualitativ besten Farben Verwendung ...<br />

Ganz anders in der Pariser Stiftung Louis Vuitton, wo Caparol Icons<br />

gleich großflächig im Einsatz war. „Das hat zwei Gründe. Zum einen<br />

haben wir eine Niederlassung in Frankreich und ein tolles Maler-Team<br />

vor Ort – die Architektur ist ja nicht so ganz einfach und riesige<br />

Flächen sind immer sehr anspruchsvoll. Zum anderen war ich<br />

mit dem Leihgeber der Exponate in dieser Schau befreundet, dem<br />

Fotografen Jean (Johnny) Pigozzi. Er hatte unsere Kollektion dem Architektenteam<br />

vorgeschlagen. Ich war natürlich begeistert. Sie verstehen<br />

dort eben, was Luxus wirklich bedeutet.“ Das Team brachte<br />

gleich vier Schichten Caparol-Icons-Farbe auf (Seite 56), weil sie „einfach<br />

den maximalen Effekt wollten. Das war wirklich unheimlich<br />

beeindruckend. Louis Vuitton hat einen sehr hohen Anspruch und<br />

in Frankreich haben Schönheit und Ästhetik einen großen Wert.“<br />

Ja, davon können wir uns als Nachbarn ein paar Scheiben abschneiden<br />

oder unseren Wänden und der Kunst darauf etwas Gutes tun.<br />

Aus dem Pariser Auftrag ergaben sich für Murjahn ambitionierte<br />

Projekte wie ein Haus für die Familie Agnelli. In einem anderen Anwesen<br />

erhielt das Wohnzimmer ein neues Outfit ganz in Gold. Die<br />

ausführenden Fachleute staunten nicht schlecht über die Expertise<br />

WD 6 I <strong>2022</strong><br />

55


TITELTHEMA ! <strong>LEBEN</strong> <strong>MIT</strong> <strong>KUNST</strong><br />

© LVMH Paris<br />

Caparol Icons zu Gast in der Pariser Fondation<br />

Louis Vuitton oben. Farben wie „Babyboom“<br />

und „Smile“ unterfüttern die Exponate, hier<br />

afrikanische Masken und naive Malerei – ein<br />

Wunsch des Sammlers Jean (Johnny) Pegozzi,<br />

der dort ausstellte. Rechts: Anderer<br />

Ausstellungsort, anderes Thema, andere Farbe.<br />

„Hysteria“, ein knalliger Rotton, kommt im<br />

Ikonenmusum Frankfurt zum Einsatz und sieht<br />

ziemlich frisch aus. Bezugsquellen auf Seite 180.<br />

des deutschen Traditionsherstellers. „Einfach andere, modernere<br />

Farbtöne. Sie fanden das Ergebnis super, und genauso die Qualität.“<br />

Auch wenn sich im Ikonenmuseum Frankfurt zeigt, dass leuchtendes<br />

Rot – in der Palette von Caparol Icons heißt es „Hysteria“ – der<br />

perfekte Plafond für die goldenen Schätze ist, gibt es für Murjahn<br />

zu Hause nicht wirklich Regeln. „Es kommt auf den Rahmen an. Zu<br />

Gold sieht Dunkelrot immer toll aus, es gibt Wärme. Das ist eben<br />

sehr klassisch. Wohnt man in einem modernen Gebäude oder in<br />

einem Altbau mit Stuck? Ist ein Bild monochrom? Soll es harmonisch<br />

mit dem Raum mitschwingen, dann wählt man Farben aus<br />

dem Bild. Wünscht man sich mehr Präsenz, dann würde ich den<br />

Hintergrund als Kontrast wählen. Auf diese Weise nimmt man<br />

mehr Elemente des Bildes wahr. Geht es um einen Uecker oder einen<br />

Caravaggio?“, fragt die Expertin. „Geht es um nur ein einzelnes<br />

Bild oder eine Petersburger Hängung?“ Also mehrere Bildreihen<br />

übereinander. „Ich bin ja ein riesengroßer Fan von Eklektik. Ich finde<br />

es irre spannend, einen Altmeister neben einen Gerhard Richter<br />

zu hängen, um zu schauen, wie die sich behaupten. Aber es müssen<br />

gar nicht große Namen sein. Gegensätze. Brüche. Das eine Bild<br />

hat eine tolle Materialität, das andere etwas Provokantes. Farbe<br />

kann helfen, zwischen beiden zu vermitteln oder einen Kontrast<br />

noch stärker zu machen. Es geht so vieles. Man kann einen Raum<br />

im Goldenen Schnitt einteilen oder mit Farbe spielen und die Volumina<br />

von Räumen und Kunst verändern.“ Farben sind pure Emotion<br />

und die gilt es, für sich selbst auszuloten und umzusetzen. Alles<br />

geht – das wissen wir jetzt – Hauptsache kein reines Weiß ... |sd<br />

56 WD 6 I <strong>2022</strong>


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TITELTHEMA ! <strong>LEBEN</strong> <strong>MIT</strong> <strong>KUNST</strong><br />

EIN NEUES WILLKOMMEN _<br />

IM „MKG“ IN HAMBURG<br />

Wer den Weg durch die trubelige Mönckebergstraße oder vom<br />

Hauptbahnhof zum Museum für Kunst und Gewerbe im Stadtteil<br />

St. Georg geschafft hat, ist erst mal gestresst und reizüberflutet.<br />

In dem imposanten vierflügeligen Bau von 1876 wartet<br />

dann neben sorgfältig kuratierten Sonderausstellungen die<br />

facettenreiche Sammlung mit Themen wie Antike, Design, Grafik,<br />

Jugendstil, Musik oder Mode. Dazu Juwelen wie die in den<br />

1960er-Jahren von Verner Panton gestaltete Kantine aus dem<br />

Spiegel-Verlag, Workshops und spannende Führungen. Die Brücke<br />

oder genauer die Schleuse ist das Foyer.<br />

Dort sollen die Besucher runterkommen, ausatmen und den<br />

Lärm des Draußen vergessen, um sich entspannt auf die Kunst<br />

einlassen zu können. Bisher war das nur begrenzt möglich.<br />

Durch den prächtigen historischen Windfang mit Säulen und<br />

farbiger Kassettendecke kam man in eine Art Verteilerkreuz, das<br />

zwar auch Stuck und Säulen hat, jedoch hallig und unübersichtlich<br />

war. Bis auf den Kronleuchter „Tide“, für den der britische<br />

Künstler Stuart Haygarth Plastikmüll aus dem Meer in dekorative<br />

Anhänger umgewandelt hat, war dieser Bereich fast monochrom<br />

weiß und bot wenige Möglichkeiten des Ankommens.<br />

Darum beauftragte Tulga Beyerle, die das „MKG“ seit Dezember<br />

2018 leitet, Studio Besau Marguerre mit der Verwandlung<br />

des Eingangsbereiches in einen einladenden, klar gestalteten<br />

Wohlfühlort, der die Menschen hineinzieht in Kunst und Diskurs.<br />

Eine bessere Wahl hätte sie kaum treffen können. Denn<br />

Eva Marguerre und Marcel Besau, die auch privat ein Paar sind,<br />

beweisen mit ihren Interieur- und Produktentwürfen für Label<br />

wie Vitra, Thonet oder Schönbuch immer wieder ihr besonders<br />

feines Gespür für Räume, Formen und Farben.<br />

Um ein Gefühl für die neue Aufgabe zu bekommen, mischten sie<br />

sich ein paar Tage unter die Besucher. Schnell war klar, die Kasse<br />

muss aus der hinteren Ecke als zentrales, gut sichtbares Element<br />

in die Mitte gezogen werden. Zwischen den ersten beiden Säulen<br />

nach dem Windfang, der bleibt, wie er ist, soll eine schlichte<br />

Polsterbank platziert werden. Dazu zwei Stehtische. Eine erste<br />

Verschnaufgelegenheit unter dem Kronleuchter und gleichzeitig<br />

ein guter Treffpunkt. Alle Besucher werden elegant rechts und<br />

links daran vorbei zu den Kassen geleitet. Das verhindert Stau und<br />

Durcheinander. Nach dem Ticketkauf kommen sie automatisch<br />

nach hinten zu den Garderoben. Dort gibt es auch schöne gelbe<br />

Schließfächer. Doch zu den Farben kommen wir später. Nach Abgabe<br />

von Jacke und Taschen kann man in drei Richtungen ins Museum<br />

starten oder vorher schon mal in eine der neuen Lounges<br />

in den vorderen beiden Flügeln gehen. „Auf der rechten Seite, wo<br />

auch der Buchladen ist, haben wir einen langen Tisch geplant, auf<br />

dem es vertiefende Literatur zu den aktuellen Ausstellungen ge-<br />

58 WD 6 I <strong>2022</strong>


en wird. Hier können auch mal Workshops oder Lesungen stattfinden“,<br />

beschreibt Eva Marguerre die Idee. Außerdem werden<br />

Videos zu wichtigen Themen wie „Looted art“, also Beutekunst<br />

gezeigt. Dann ist da noch die Wand mit den Ausstellungsplakaten.<br />

„Die sind ja Geschichte des Hauses und auch Kunstwerke.“<br />

Links hinter dem Eingang soll eine eher klassische Lounge mit gemütlichen<br />

Sofas des jungen Berliner Labels „Objekte unserer Tage“<br />

(kurz OUT) zum Ausruhen oder Warten entstehen. Hier hängen<br />

neun große Rahmen, die von Stipendiaten des „Fonds für Junges<br />

Design“ bespielt werden. „So holen wir die Kunst schon rein ins<br />

Foyer, aber auf eine leichte Weise. Das soll Spaß machen und die<br />

Vorfreude wecken“, sagt Eva. Während wir mit ihr sprechen, kümmert<br />

sich Marcel übrigens um den 7-jährigen Sohn Lio und die ein<br />

Jahr alte Tochter Ivy. Der Babysitter ist kurzfristig ausgefallen. Marcel,<br />

der zuvor noch per Laptop an einer Jurysitzung teilgenommen<br />

hatte, wurde von seiner Frau gerade abgeklatscht. Nicht nur beim<br />

Entwerfen sind die zwei ein perfekt eingespieltes Team.<br />

„Perfekt eingespieltes Pingpong“, beschreiben Eva Marguerre<br />

und Marcel Besau ihre Entwurfsarbeit. Bei der Neugestaltung<br />

des Foyers im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe ist<br />

Farbe Signal und Stimmungsmacher. Leuchtend blau sind die<br />

Kassen als zentrales Element oben. Abgestufte Rosétöne und<br />

warmes Gelb sorgen in den neuen Lounges für Gemütlichkeit.<br />

WD 6 I <strong>2022</strong><br />

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TITELTHEMA ! <strong>LEBEN</strong> <strong>MIT</strong> <strong>KUNST</strong><br />

Behaglichkeit bringen sie mit weichen, warmen Materialien in<br />

das Foyer des MKG. Holzoberflächen, Wollstoffe oder handgetuftete<br />

Teppiche. Letztere sind die Fortsetzung ihrer Serie „Rib“ für<br />

das Berliner Label Reuber Henning. Halbrund laufende Vorhänge<br />

verbessern die Akustik und erhöhen den Wohlfühlfaktor in den<br />

Lounges. „Sie sind wie eine Umarmung“, sagt Eva. Rundungen<br />

sind wichtiges Gestaltungselement des Entwurfes. Sie leiten sich<br />

aus den Rundbögen des historischen Gemäuers ab und sorgen<br />

dafür, dass sich alles harmonisch zusammenfügt. Auch in den<br />

„Elbe“ Bänken finden sie sich wieder. Die entwarf das kreative<br />

Tandem seinerzeit für die Elbphilharmonie. Jetzt werden sie von<br />

E 15 für das MKG in Gelb gefertigt. „Bei der »Elphi« war es uns<br />

wichtig, dass sich alles, was wir in diese großartige Architektur<br />

hineinsetzen, ein Stück weit zurücknimmt und ganz zart und<br />

feinfühlig in Materialität und Farbigkeit ist“, erklärt Eva. „Im MKG<br />

braucht es aber mehr Farbe. Es geht ja um bildende Kunst und<br />

um Design. Das soll man im Eingang sofort spüren. Darum kann<br />

man es dort auch ruhig ein bisschen auf die Spitze treiben.“ Das<br />

Farbkonzept haben Eva und Marcel von den drei historischen Tönen<br />

im Windfang – ein strahlendes Blau, ein güldenes Gelb und<br />

ein Terrakotta-Rosé – abgeleitet. „Wir haben sie aber zeitgemäß<br />

interpretiert.“ Der erste Raum mit dem Kronleuchter ist neutral<br />

beige-weiß gehalten. Von da fällt der Blick sofort auf den leuchtend<br />

blauen Kassenbereich. Klares Signal: Hier geht es lang. Farbe<br />

ist hier also nicht nur Stimmungsmacher, sondern auch Leitsystem.<br />

„Das rötliche Terrakotta haben wir etwas zarter definiert<br />

und uns damit für die anderen Räume einen Verlauf von vier<br />

Nuancen ausgedacht. Die dunkelste ist immer an der hintersten<br />

Wand und zieht so in die Wärme und das gemütliche Ankommen<br />

hinein. Das moderne Gelb ist leuchtender Akzent.“ Bis alles fertig<br />

ist, gelangt man von der anderen Seite ins Museum. Wir freuen<br />

uns auf das neue „warm welcome“ in 2023! |ulrike wilhelmi<br />

Am Tisch in der Medienlounge rechts vom Eingang gibt es Literatur<br />

zu den aktuellen Ausstellungen. Darüber hängen die Leuchten<br />

„North“ von E 15, ein Entwurf des Duos Besau Marguerre.<br />

Die Plakatkunst an der Wand gehört zum Schatz des Museums.<br />

60 WD 6 I <strong>2022</strong>


Training.<br />

Regeneration.<br />

Erfolg.<br />

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DISKURS _ ÜBER ABSTRAKTION,<br />

MELANCHOLIE, MERKWÜRDIGKEITEN UND HUMOR<br />

Das nennt man wohl blickdicht. Rätselhaft, dieses Arrangement<br />

mit Blumentopf (Foto oben). Das Wesen daneben? Vielleicht eine<br />

Orange mit Gesicht? Leicht arrogant. Und ein Kopf, aufgepfropft<br />

auf ein Meeresgetier. Latent leidend. Skurril. Surreal. Paul Pretzers<br />

Werke wie das hier mit dem Titel „Functional Family“ von <strong>2022</strong> beschwören<br />

in ihrer Exzentrik Hieronimus Bosch. Der malte am Übergang<br />

von der Spätgotik zur Renaissance. Andere, wie „Mediterranean<br />

Methods“ (rechte Seite unten) aus dem letzten Jahr, erinnern<br />

an die kühle Distanz und Einsamkeit in Gemälden von Magritte.<br />

Aber vielleicht ist alles ganz anders gedacht, wenn frische Erdbeeren<br />

in einer Sardinenbüchse landen und das Ensemble den Titel<br />

„Unterschlupf“ erhält – übrigens alle drei eher kleine Formate mit<br />

zirka 30 auf 40 und 50 auf 60 Zentimetern.<br />

„Mir geht es sehr stark um eine Mehrdeutigkeit“, erklärt Pretzer,<br />

der 1981 im estländischen Paide geboren wurde, mit seinen Eltern<br />

später nach Deutschland emigrierte und in Kiel sowie in Dresden<br />

Kunst studierte. Sein künstlerisches OEuvre ist bemerkenswert,<br />

sein Output groß – und bildgewaltig. „Irgendwas zwischen eklig,<br />

bemitleidenswert und ein wenig komisch“ – hat Pretzer einmal<br />

über seine Arbeiten gesagt, die für ihn alles andere sein sollen als<br />

eindeutig: „Je mehrdeutiger, desto besser. Und je nachdem, wie<br />

der Betrachter geartet ist, pendelt das eher in die eine Richtung<br />

aus oder eben in die andere. Ich versuche bewusst, einen Zustand<br />

zu erreichen, bei dem man nicht weiß, worum es geht. Das könnte<br />

dieses oder jenes sein. Davon leben am Ende die Bilder.“ Das hört<br />

sich sehr konkret und rätselhaft zugleich an. Möchte der Maler mit<br />

Wahlheimat Barcelona (natürlich wegen der Liebe) uns mit seinen<br />

Ausführungen noch weiter verwirren?<br />

„Hhm. Die Bilder werden ja auch so merkwürdig, weil ich sie formal<br />

und abstrakt denke. Manchmal merke ich beispielsweise, dass<br />

noch irgendetwas ins Bild muss, um die Komposition zu klären –<br />

in einer bestimmten Größe und einer bestimmten Farbe. Das ist<br />

sozusagen der erste Gedanke. Dann überlege ich, was das für ein<br />

Ding sein könnte. Und manchmal wird durch die Größe und die<br />

Farbe der Inhalt bestimmt. Dann denke ich mir irgendein Teil aus,<br />

das ins Format passt, aber inhaltlich irgendwie sehr seltsam ist.<br />

So entstehen »strange« Situationen – und die Leute fragen sich<br />

vielleicht: Wie kommt er denn jetzt dazu, das so zu kombinieren?<br />

Aber am Ende ist es eine formale und farbliche Entscheidung.<br />

Wenn es dann beispielsweise eine Apfelsine ist, dann kann die neben<br />

den anderen Dingen sehr befremdlich wirken. So entstehen<br />

62 WD 6 I <strong>2022</strong>


TITELTHEMA ! <strong>LEBEN</strong> <strong>MIT</strong> <strong>KUNST</strong><br />

rätselhafte Welten.“ Eigentlich erklärt Pretzer damit einen Ansatz<br />

aus der abstrakten Malerei. Trotzdem stellt sich die Frage, wie<br />

viele Gegenstände der Maler im Kopf mit sich herumschleppen<br />

muss und woher sie kommen? „Das frage ich mich manchmal<br />

auch. Das sind für mich die besten Momente. Ich mache was, stehe<br />

selbst da und schüttle den Kopf. Und frage mich: Wie? Woher<br />

kam das jetzt? Doch ich glaube einfach auch an den Musenkuss<br />

und göttliche Eingebung. Etwas, das wir nicht kontrollieren können.<br />

An manchen Tagen bin ich voller Ideen und an anderen fällt<br />

mir gar nichts ein. Aber wenn ich dann in ein Museum gehe, finde<br />

ich immer wieder Dinge, die mich inspirieren.“<br />

Das mag für Pretzers Farbenpracht und Kompositionen gelten,<br />

doch seine Bildwanderungen zwischen Humor und Melancholie<br />

sind etwas anderem geschuldet. „Das Leben ist sehr facettenreich.<br />

Es ist wahnsinnig schön und gleichzeitig wahnsinnig brutal und<br />

grausam. Ich finde, das spiegelt sich – und sollte sich auch in der<br />

„Meine Bilder leben von Figuren, die extremes Mitgefühl erzeugen<br />

– von emotionalen Momenten. Das ist ein guter Einstieg<br />

ins Bild“, erklärt sich Paul Pretzer, der es schätzt, wenn manche<br />

Dinge unausgesprochen bleiben. Der Künstler lebt und arbeitet<br />

inzwischen in Barcelona. Links: Ein Kalamar lässt grüßen. Titel<br />

der Arbeit von 2021: „Mediterranean Methods“. Schön schaurig.<br />

WD 6 I <strong>2022</strong><br />

63


TITELTHEMA ! <strong>LEBEN</strong> <strong>MIT</strong> <strong>KUNST</strong><br />

Paul Pretzer vor einer Ausstellungswand mit zwei<br />

charakteristischen Werken. Humorvoll, ironisch und<br />

immer vielschichtig. Für eine Ausstellungsinstallation<br />

entstand die Tapete im Hintergrund, die ein<br />

Sammler beim Kauf gleich dazu erwarb. Sie wurde<br />

dafür nochmals gedruckt. Unten: „The Best Day of<br />

My Life“ (<strong>2022</strong>) im Pretzerschen Kleinformat: 28 x<br />

19,6 cm. Rechts Pretzers Arbeit „Schwanenlied“ mit<br />

eindeutig politischer Aussage (2021), 44 x 38 cm, Öl<br />

auf Holz. Über die Berliner Galerie Feldbusch Wiesner<br />

Rudolph und Marc Straus Gallery in New York.<br />

© Michael Dressel<br />

Kunst widerspiegeln. In diesem Spannungsfeld befinden sich meine<br />

Bilder. Manchmal ganz humorvoll und dann sehr krass. Die Kompositionen<br />

sind sehr streng und durchkomponiert – und doch ist da<br />

immer dieser absurd lustige Inhalt. Dadurch ergibt sich aber auch<br />

Spannung, weil unterschiedliche Pole in einem Bild vereint sind.“<br />

Und so entsteht eine magische Ausstrahlung, die polarisiert.<br />

Vor lauter Begeisterung erwarb ein Käufer sogar die Tapete hinter<br />

einem Werk, die für eine Messe-Installation entstanden war. Ein<br />

Ausschnitt des Bildes war dafür horizontal gespiegelt und axial<br />

aneinandergereiht worden. Pretzer freute sich über diese weitere<br />

„Irritation“, die ganz nach seinem Geschmack ist. Die Tapete wurde<br />

extra nochmals reproduziertreproduziert – eine Analogie auch zu<br />

Pretzlers Werk, in dem bestimmte Motive ebenfalls wiederholt auftauchen.<br />

„Die Leute fragen: Was haben Sie denn zwischendurch gemacht?“<br />

Dieses Phänomen bleibt ungeklärt, schließlich soll sie das<br />

Publikum im Kopf behalten und gegebenenfalls in neuem Zusammenhang<br />

betrachten. Wie schön, dass viele Werke Pretzers kleinformatig<br />

sind und so zu Hause noch ein Plätzchen finden. „Mein<br />

Professor in Dresden hat immer gesagt: »Das kleine Format schaut<br />

man mit dem Herzen an, das große Format mit dem Kopf.« Da hatte<br />

er irgendwie recht. Beim Kleinformat gibt es eine andere Intimität.<br />

Wenn es um die Gefühlsebene in der Malerei geht, ist es stärker.<br />

Man kann die Sachen kompakter präsentieren, und die Leute haben<br />

einen besseren Bezug dazu.“ Es sind echte Kabinettstückchen. |sd<br />

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WD 6 I <strong>2022</strong><br />

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TITELTHEMA ! <strong>LEBEN</strong> <strong>MIT</strong> <strong>KUNST</strong><br />

GRUNDSÄTZLICHES _ WAS SIE<br />

SCHON IMMER ÜBER GALERISTEN WISSEN WOLLTEN<br />

Mal ehrlich, Kunstgalerien gibt es inzwischen wie Sand am Meer.<br />

Unsere Aufgabe als Magazin ist es, zu sieben und Ihnen Glücksfunde<br />

zu präsentieren wie die Züricher „Mai 36 Galerie“, die auf drei<br />

Etagen Erstaunliches auf die Beine stellt. Ihr Künstlerportfolio liest<br />

sich wie das Who‘s who der Szene: Ruff, Balkenhol, Mapplethorpe,<br />

Ackermann. Nach welchen Kriterien wählen die verantwortlichen<br />

Galeristen Victor Gisler (oben rechts im Bild) und sein Sohn, Galerie<br />

Manager Henri Gisler (links), ihr Programm aus? „Wir sind eine Programmgalerie,<br />

die seit über 35 Jahren tätig ist“, erzählt Henri Gisler.<br />

„Unsere künstlerischen Positionen sind langsam über die Jahre<br />

zustande gekommen und teilen spezifische Inhalte, Ansätze oder<br />

Kontexte. In den Anfängen der Galerie stand das Thema Text & Bild<br />

im Vordergrund, mit Künstlern wie John Baldessari oder Lawrence<br />

Weiner. Außerdem haben wir uns früh mit damals neuen Medien<br />

wie Fotografie und Video beschäftigt. Darauf aufbauend ist das<br />

Programm dann organisch gewachsen. Das bedeutet, wir arbeiten<br />

langjährig mit Künstlern zusammen und stellen diese wiederholt<br />

aus, um eine konstante Sammlerschaft aufzubauen und gemeinsame<br />

Publikationen und institutionelle Ausstellungen aufzugleisen.<br />

Dadurch sind wir sehr bedächtig bei der Aufnahme neuer<br />

66 WD 6 I <strong>2022</strong>


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Von außen ahnt man kaum, was Victor<br />

Gisler und sein Sohn Henri auf drei Etagen<br />

inszenieren. Ihre „Mai 36 Galerie“ – der<br />

Name resultiert aus der ursprünglichen<br />

Luzerner Adresse in der Maihofstraße<br />

36 – ist ein Mekka für Connaisseure. 1996<br />

folgte der Umzug nach Zürich. Mit ihren<br />

Künstlern und Künstlerinnen sind die Gislers<br />

unter anderem auf Messen wie der Art<br />

Basel, Art Basel Miami Beach und deren<br />

Format in Hongkong, Frieze London und<br />

Fiac Paris vertreten. Rechts eine Show mit<br />

Michel Pérez Pollo im 2. OG. , unten:<br />

Thomas Ruff im Erdgeschoss der Galerie.<br />

Künstler und Künstlerinnen. Um gerade diesen die Möglichkeit zu<br />

geben, bei uns auszustellen, und um ein jüngeres Publikum kennenzulernen,<br />

starteten wir »36.1 Projects«. Das Format funktioniert<br />

als Project Space, als Labor, unabhängig vom Galerieprogramm.<br />

Hier präsentieren wir Einzelausstellungen junger Persönlichkeiten,<br />

die uns auffallen und durch ihre Eigenständigkeit überzeugen“, so<br />

Gisler junior der alles kuratiert und organisiert.<br />

1987 gründete Victor Gisler die Galerie und legte damit den Grundstein<br />

für eine Erfolgsgeschichte, die inspirierende Ausstellungen<br />

und Publikationen dokumentieren. Wie definieren Kunsthändler<br />

dabei ihre Aufgabe? Mehr als Galerist oder mehr in Richtung Kurator?<br />

„Es sind drei Aspekte“, so Gisler: „Show. Tell & Sell. Wir bieten<br />

eine öffentlich zugängliche und für Besucher kostenlose Plattform,<br />

wo künstlerisches Schaffen überhaupt gesehen werden kann, wo<br />

Leute die Kunst für sich entdecken können. Wir funktionieren als<br />

verlängerter Arm unserer Protagonisten. Wir vermitteln künstlerische<br />

Ideen, sind Botschafter und arbeiten täglich daran, die<br />

Arbeiten den Besuchern und unserem kulturellen Umfeld näherzubringen.<br />

Es geht darum, Kontexte, Formen und Inhalte, soziale<br />

Fragen und theoretische Ansätze professionell und respektvoll zu<br />

vermitteln.“ Der „Sell“-Teil dürfte klar sein, bei dem es darum geht,<br />

ausgestellte Werke an Museen, Institutionen und Privatsammlungen<br />

zu verkaufen. „Als Plattform dienen unsere Ausstellungen,<br />

Kunstmessen und unser Online-Auftritt.“ Anstatt in einer virtuellen<br />

Show nur Werkabbildungen aneinanderzureihen wie in einem<br />

Online-Shop, entstehen für die Internetpräsenz von Mai 36 virtuelle<br />

Räume, in denen komplette Ausstellungen digitalisiert werden.


TITELTHEMA ! <strong>LEBEN</strong> <strong>MIT</strong> <strong>KUNST</strong><br />

Dafür arbeiten die Gislers mit Architekturstudenten<br />

der ETH-Zürich zusammen. Wohl<br />

wissend, dass „die Erfahrung einer virtuellen<br />

Ausstellung und die Betrachtung einer<br />

Abbildung eines Kunstwerks nicht annähernd<br />

vergleichbar sind mit der Erfahrung<br />

beim Betrachten des Originals. Selbst ein<br />

virtueller Besuch mit den fortgeschrittenen<br />

Virtual-Reality-Brillen macht einer direkten<br />

Erfahrung derzeit keine Konkurrenz. Virtuelle<br />

Ausstellungen geben uns aber Möglichkeiten,<br />

Kunst für Leute aus der ganzen Welt<br />

zugänglich zu machen“, so Henri Gisler und<br />

ergänzt etwas sehr Wesentliches: „Außerdem<br />

müssen wir keine Kunstwerke durch<br />

die Welt transportieren. Solche Gedanken<br />

motivieren uns, hier weiter zu experimentieren<br />

und ganz vorne dabei zu sein.“<br />

Kunst. Was machen wir mit ihr? Oder macht<br />

sie eher etwas mit uns? Welche Frage hat<br />

für den Galerie-Manager größere Relevanz?<br />

„Was macht die Kunst mit uns? Im Idealfall<br />

zeigt uns ein Kunstwerk einen Zusammenhang und einen neuen<br />

Blickwinkel auf und führt zu einem neuen Erkenntniswert über die<br />

Welt und sich. Die Voraussetzung dafür sind Neugier und die Bereitschaft,<br />

seine eigene Wahrnehmung zu hinterfragen. Selbstverständlich<br />

kann uns Kunst auch einfach über das Schöne und Erhabene<br />

erfüllen, das dem Werk inne ist.“ |stephan demmrich<br />

Oben ein Blick ins 1. OG der Galerie mit zwei Arbeiten von<br />

Stephan Balkenhol. Unten eine Einzelausstellung im Erdgeschoss<br />

mit Albrecht Schnider. „Der Kunstmarkt ist viel schneller und<br />

globaler geworden. Preise können in wenigen Jahren explodieren.<br />

Durch die exponentielle mediale Vernetzung der Gesellschaft“, so<br />

Henri Gisler, für den gerade figurativer Malerei angesagt ist.<br />

68 WD 6 I <strong>2022</strong>


TITELTHEMA ! <strong>LEBEN</strong> <strong>MIT</strong> <strong>KUNST</strong><br />

BRONZEZEIT _ <strong>KUNST</strong> UND<br />

KULT AUS WESTAFRIKA<br />

Sich als Europäerin in einem Land wie Burkina Faso niederzulassen,<br />

zeugt von echter Passion und dem Wunsch etwas bewegen<br />

zu wollen. So erging es der Französin Ambre Jarno. „In meiner<br />

Kindheit bin ich bereits mehrfach nach Afrika gereist und habe<br />

dieses Land lieben gelernt. Als ich 2012 das Angebot erhielt, für<br />

einen französischen TV-Sender in Burkina Faso zu arbeiten, ergriff<br />

ich die Gelegenheit. Das war eine der erfüllendsten und<br />

herausforderndsten Erfahrungen meines Lebens“, erzählt Jarno.<br />

Während dieser beiden Jahre tauchte sie tief in die westafrikanische<br />

Lebensweise ein und entdeckte ihre Leidenschaft für die<br />

traditionellen Kunsthandwerkstechniken sowie für die reiche<br />

Historie der ethnischen Gruppen. Von den Künsten der Senufo<br />

und Mossi bis hin zu den verschiedenen westafrikanischen Kulturen<br />

erschloss sich für Jarno eine neue Welt, deren Geschichten<br />

sie weiterverbreiten wollte. „Sie halfen mir, das kulturelle Wissen<br />

und die zwischenmenschlichen Fähigkeiten zu entwickeln,<br />

die mich dazu bewegten, mein eigenes Unternehmen zu gründen.“<br />

2017 war es soweit. Ihr Design-Atelier „Maison Intègre“ mit<br />

Sitz in Paris wurde aus dem Wunsch heraus geboren, das handwerkliche<br />

Erbe Westafrikas und insbesondere die Wachs-Bronzeguss-Technik,<br />

die in Burkina Faso eine starke Tradition besitzt,<br />

zu fördern und zu zelebrieren. Jarno betrachtet das Handwerk<br />

als eine universelle Sprache, die keine Grenzen kennt. „Wir fertigten<br />

die ersten Stücke mit nur wenigen Leuten, arbeiteten in den<br />

Höfen meiner Handwerker und deren Familien in der Nähe“, berichtet<br />

sie. In der Hoffnung, ihr Verständnis für Bronze zu vertiefen<br />

und den Handwerkern bessere Arbeitsbedingungen bieten<br />

zu können, richtete sie Anfang des Jahres eine Werkstatt in der<br />

Hauptstadt Ouagadougou ein, in der etwa 15 Kunsthandwerker<br />

beschäftigt werden. „Mit diesem Projekt wollen wir die Gemeinschaft<br />

unterstützen. Wir haben in einige neue Werkzeuge und<br />

Ausrüstung investiert, um mehr Sicherheit zu gewährleisten.<br />

Außerdem habe ich drei französische Bronzeschmiede dazu eingeladen,<br />

einen Monat in Ouagadougou zu verbringen und ihr<br />

Wissen mit uns zu teilen.“<br />

Burkina Faso gehört zu den Ländern mit der am schnellsten<br />

wachsenden Vertreibungskrise der Welt – mit über zwei Millionen<br />

Binnenflüchtlingen seit 2020. „Etwa 40 Prozent des Landes<br />

befinden sich außerhalb der staatlichen Kontrolle. Unser Projekt<br />

braucht dringend Unterstützung. Es gibt keine Touristen mehr<br />

und die wirtschaftlichen Möglichkeiten für Kunsthandwerker,<br />

ihre Arbeiten zu verkaufen, sind somit nicht mehr gegeben. Die<br />

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Linke Seite unten: Maison Intègre-Gründerin Ambre Jarno<br />

und Designer Noé Duchaufour-Lawrance auf dem Werkstattgelände<br />

in Burkina Faso. Die beiden Kreativen arbeiten vor<br />

Ort Hand in Hand mit den lokalen Bronzeschmieden zusammen.<br />

Diese Seite: Die Wandobjekte sind eine Hommage an die<br />

westafrikanischen Ritualmasken.<br />

Herausforderung für uns besteht darin, diesen Menschen ein<br />

regelmäßiges Einkommen und ein Minimum an Aufträgen zu<br />

sichern. Das ist nicht einfach, denn wir brauchen ein gewisses<br />

Umsatzvolumen, damit sich die Werkstatt trägt und täglich<br />

funktioniert. Deshalb arbeiten wir jetzt an der Gründung einer<br />

Stiftung, um die Familien unserer Bronzeschmiede zu unterstützen<br />

und den Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung<br />

für die gesamte Gemeinschaft zu gewährleisten.“<br />

Ein erheblicher Gegensatz zu Europa, wo das Kunsthandwerk<br />

als Teil des kulturellen Erbes betrachtet und staatlich gefördert<br />

wird. Jarno: „Was dieses Metier in Europa und Westafrika<br />

unterscheidet, ist der Zugang zu Bildung. Die Arbeit im Handwerk<br />

wird insbesondere in Europa hoch geschätzt und hat meist<br />

wirtschaftliche Perspektive. Es gibt viele Kunsthochschulen und<br />

Einrichtungen, in denen man einen Beruf oder technische Fertigkeiten<br />

erlernen kann. In Burkina Faso existieren diese Möglichkeiten<br />

nicht. Für ein Land, das mit extremer Armut und einer Sicherheitskrise<br />

konfrontiert ist, hat dieser Aspekt keine Priorität.<br />

Dieses Know-how ist in Gefahr und droht gänzlich zu verschwinden.<br />

Die Kunsthandwerker, mit denen ich zusammenarbeite, haben<br />

das Bronzegießen durch Freunde oder Familienangehörige<br />

oder durch Zufall erlernt, weil sie auf der Suche nach einer Arbeit<br />

waren und einen Platz in einer Werkstatt gefunden haben.“<br />

Maison Intègre geht es nicht nur um den Verkauf von Objekten,<br />

sondern vor allem um die Schaffung eines ethischen Umfeldes.<br />

„Handwerkliche Tätigkeiten sind in Burkina Faso ein unvermeidlicher<br />

Teil des täglichen Lebens. Die Menschen sind darauf angewiesen<br />

das zu nutzen, was ihnen zur Verfügung steht, um<br />

zu produzieren und zu schaffen. Alles wird wiederverwendet,<br />

repariert, umgestaltet, ohne dass dies die betreffenden Gegenstände<br />

und ihre Funktion schmälert. Bräuche und Traditionen<br />

sind nach wie vor im Leben verwurzelt, und das ist das Schöne<br />

am (manchmal) harten Alltag in einer Stadt wie Ouagadougou“,<br />

sagt die Französin. Für die neueste Kollektion der „Edition Maison<br />

Intègre“ holte sich Jarno mit dem französischen Designer<br />

Noé Duchaufour-Lawrance einen gleichgesinnten Landsmann<br />

WD 6 I <strong>2022</strong><br />

71


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ins Boot. „Nachdem wir uns 2018 in Paris zum ersten Mal getroffen<br />

hatten, entdeckten wir, dass Maison Intègre und sein<br />

Projekt »Made in Situ« vieles gemein haben und entschieden, zu<br />

kooperieren. Ein Jahr später lud ich ihn zu einer Reise nach Burkina<br />

Faso ein, da ich wusste, dass er für die Schönheit des lokalen<br />

Handwerks, das damit verbundene Know-how und die Kraft des<br />

Materials Bronze empfänglich sein würde. Ich zeigte ihm auch<br />

Bilder von den typischen Objekten und Formen in Tiébélé, einem<br />

traditionellen Kassena-Dorf im Süden – eine rote Zone, die<br />

heute nicht mehr zugänglich ist, die ich allerdings vor einigen<br />

Jahren noch bereisen durfte.“ Auch Duchaufour-Lawrance ist<br />

ein Fan der westafrikanischen Kultur und besichtigte bereits vor<br />

fünfzehn Jahren die Bandiagara-Felsen in Mali – ein Nachbarland<br />

Burkina Fasos – die heute aus Sicherheitsgründen nur noch<br />

schwer zugänglich sind. Dort entdeckte er aus einem einzigen<br />

Stück Holz gefertigte Leitern, die insbesondere in den Kulturen<br />

der Dogon und Lobi weit verbreitet sind (Bild rechte Seite oben).<br />

Die ikonische Y-Form inspirierte ihn zur gleichnamigen Leuchte,<br />

die er <strong>2022</strong> neben sechs weiteren skulpturalen Objekten für die<br />

„Edition Maison Intègre“ kreierte. „Die Idee, nur ein einziges Material<br />

zu verwenden, hat mich wirklich angesprochen. Ich war<br />

beeindruckt von der schlichten Y-Form und ihrer Zerbrechlichkeit:<br />

Sie steht auf nur einem Bein. Lediglich die beiden Arme, die<br />

nach oben zeigen und an die Oberfläche gelehnt sind, geben ihr<br />

Halt und Stabilität“, so der Designer.<br />

Mithilfe des Wachsschmelzverfahrens wird das Objekt zuerst<br />

in Wachs modelliert, bevor es in Bronze gegossen wird. „Ich liebe<br />

die Magie dieses natürlichen Bienenwachses, mit dem man<br />

neue Stücke erschaffen kann. Aber es ist wirklich kompliziert zu<br />

handhaben, besonders in einem Land, in dem die Außentemperatur<br />

über 45 Grad betragen kann. Die Locals Denis Kabre, Harouna<br />

Porgo oder Hamadou Aidara beherrschen diese Technik<br />

meisterhaft, und ich bin jedes Mal aufs Neue begeistert, mit ihnen<br />

zusammenzuarbeiten und von ihnen zu lernen.“ Was Jarno<br />

in Westafrika vor allem gelernt hat, ist geduldig zu sein, an ihre<br />

eigenen Ideen zu glauben. „Die Kunsthandwerker waren es nicht<br />

gewohnt, Möbel und Gegenstände für Innenräume zu gießen.<br />

Das war neu für sie, und wir mussten gemeinsam neue Ansätze<br />

und Techniken finden. Mit den Stücken der Edition Maison Intèg-<br />

72 WD 6 I <strong>2022</strong>


TITELTHEMA ! <strong>LEBEN</strong> <strong>MIT</strong> <strong>KUNST</strong><br />

re haben wir uns sozusagen auf unbekanntes Terrain begeben<br />

und neue Anwendungsmöglichkeiten für Bronze erkundet“, sagt<br />

sie und ergänzt: „Durch dieses Projekt habe ich erfahren, dass<br />

die Kulturindustrie ein Hebel für Wachstum und Entwicklung in<br />

diesem Teil der Welt sein kann. Ich habe auch den Umgang mit<br />

neuen Texturen, Farben und Formen zu schätzen gelernt und<br />

Perfektion mit anderen Augen zu betrachten.“ Momentan arbeitet<br />

die Französin mit Hochdruck an der Gründung ihrer Stiftung,<br />

um weitere Gelder zu beschaffen, „damit dieses Projekt auf Dauer<br />

Bestand hat. Ich habe eine Gemeinschaft, für die von dieser<br />

Arbeit sehr viel abhängt, und ich möchte ihr meine volle Unterstützung<br />

zusichern.“<br />

Wenn sie sich etwas wünschen dürfte, dann würde sie gerne<br />

mit dem burkinischen Architekten Francis Kéré für ein Projekt<br />

zusammenarbeiten. „Ich bewundere ihn sehr und hatte die Gelegenheit,<br />

»Operndorf Afrika« zu besuchen, ein internationales<br />

Kunstprojekt, das seit 2009 in Burkina Faso realisiert wird und<br />

auf der Idee des deutschen Künstlers Christoph Schlingensief<br />

und seinem Entwurf beruht.“<br />

|anke gungl<br />

Linke Seite: In der Werkstatt wird das uralte Know-how des<br />

Bronzegusses zu neuem Leben erweckt. Ein Highlight aus der<br />

neuesten Edition von Maison Intègre ist die „Y“-Leuchte linke<br />

Seite oben und diese Seite rechts. Der französische Designer<br />

Noé Duchaufour-Lawrance entwarf eine skulpturale Neuinterpretation<br />

in Anlehnung an die Lobi-Leiter Bild oben, ein traditionelles<br />

und weit verbreitetes Objekt in Westafrika.<br />

© Alle Fotos Sophie Garcia & Ambre Jarno<br />

WD 6 I <strong>2022</strong><br />

73


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82 WD 6 I <strong>2022</strong>


aus dem kosmos<br />

der kultur:<br />

das feuilleton<br />

zweiter jahrgang<br />

<strong>06</strong> / <strong>2022</strong><br />

esprit?libre<br />

Tania Kibermanis trifft an der SPEAKERS’ CORNER eine Trübtasse und schäumt<br />

Vom Tanz des Vertrauens des großen Herbert List erzählt Kathrin Baumstark<br />

und Kalin Aenstoots disputiert mit Goethe über die Räder des Weltganges<br />

Nahrhafte Glückskekse über die Welt als Wunder und überschätztes Lächeln<br />

Best Books und Kurzgebratenes von hier und dort<br />

Mit seiner LETZTEN KIPPEfroh und reich<br />

und Thomas Brasch spricht im Gedicht vom Lärm in jeder Zeile.


FOTOGRAFIE: EVELYN RICHTER -> <strong>KUNST</strong>PALAST.DE<br />

Evelyn Richter: Selbstinszenierung. TU Dresden, 1952,<br />

<br />

der .


KURZ GEBRATEN<br />

86 | Meldungen von hier und da und dort<br />

SPEAKERS’ CORNER<br />

87 | Verdammt gut gecastet – Tania Kibermanis macht einen Termin<br />

FOTOGRAFIE<br />

88 | Tanz des Vertrauens<br />

<br />

Kathrin Baumstark über wahre Abbilder<br />

NAHRHAFTE GLÜCKSKEKSE<br />

94 | Tiziano Terzani, Die Welt, ein Wunder!<br />

Annie Leibovitz, Lächeln? Nein danke<br />

<br />

BEST BOOK × 4<br />

<br />

LOVELY DESIGN<br />

96 | Klarheit in allen Verhältnissen?<br />

Kalin Aenstoots zeigt die Grenzen einer Goethe’schen Weisheit<br />

DIE LETZTE KIPPE<br />

100 | froh&reich<br />

<br />

DAS GEDICHT<br />

101 | Thomas Brasch, Die unruhige Wüste<br />

Ich mag keine Landschaften. Nur Menschen und Plastikblumen.<br />

<br />

Ich würde mein ganzes Leben retuschieren.


KURZ GEBRATEN<br />

Warme Bude, adé – und auch am Arbeits-<br />

<br />

russische Gashahn zu, dürfen Büros bald<br />

nur noch bis maximal neunzehn Grad<br />

<br />

alle, die erst bei höheren Gradzahlen<br />

auf Betriebstemperatur kommen:<br />

discher<br />

Ausfallschritt, dafür Berghüttenerprobt<br />

und <br />

<br />

und lassen Arbeitnehmerfüße förmlich<br />

glühen. Derart bekleidet, lassen sich hitzige<br />

Wohlfühltemperatur-Debatten cool aussitzen<br />

– gas- und stromfrei.<br />

fellhof.com<br />

Das Weihnachtsfest steht vor dem Tor –<br />

<br />

auf der entspannteren Seite. Kürzlich<br />

restauriert und neu aufgelegt: die legen-<br />

<br />

Weihnachtslieder«, aufgenommen 1975<br />

mit dem Thomanerchor und der Dresdner<br />

Staatskapelle. Als einer der meistverkauften<br />

Tonträger der DDR<br />

<br />

<br />

dem unverkennbaren Timbre eines der<br />

bedeutendsten Tenöre des 20. Jahrhunderts<br />

<br />

berlin-classics-music.com<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

präsidialen Touch.<br />

erzgebirge-palast.de<br />

<br />

liche Tannen, von Zuckerbäckern groß zügig<br />

bestäubt:<br />

<br />

In Zeiten siechender Wälder und Meere<br />

erfreut uns der Fototapeten-Anbieter mit<br />

<br />

schon sein. Motive gibt es reichlich, auch für<br />

die Kleinsten: Sie stromern durch insekten-<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

erhalten bleiben.<br />

rebelwalls.com/de/fototapeten<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

Jetzt noch campen?<br />

<br />

Karl lächelt milde,<br />

<br />

<br />

camping-losheimamsee.de<br />

86/87


SPEAKERS’ CORNER<br />

Verdammt gut gecastet –<br />

Tania Kibermanis macht einen Termin<br />

Snerinnen<br />

– vor allem um deren Behördenkram, denn das kann ich am besten. Ich<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

und kam nicht. Ich vereinbarte mit der zuständigen Sachbearbeiterin einen Termin,<br />

<br />

Doch vor dem Gesetz steht laut Kafka bekanntlich immer ein Türhüter – am Job-<br />

<br />

Ich: »Wir haben einen Termin mit Frau Schmidt.«<br />

Trübtasse: »Das kann gar nicht sein, die Sachbearbeiterin ist heute auf einer<br />

Konferenz.«<br />

In diesem Moment ruft Frau B.:<br />

Trübtasse:<br />

Ich (inzwischen etwas ungehalten): »Woran liegt es, dass das Geld noch nicht an-<br />

<br />

Trübtasse: »Das kann ich Ihnen leider nicht sagen, dafür müssen Sie einen Termin<br />

machen.«<br />

Ich (schwerer atmend):<br />

Trübtasse:mern<br />

…«<br />

Ich (unter Wahrung eines letzten Restes Contenance): »Ich habe einen Termin<br />

gemacht,<br />

<br />

Ich rufe also eine der Jobcenter-Nummern an, der Sachbearbeiter in der Leitung sagt<br />

mir, ich soll doch einen Termin machen. »Der Antrag ist in Bearbeitung.«<br />

Ich (jetzt laut): »Der Antrag ist bereits bearbeitet, ich habe doch den Bescheid vor-<br />

<br />

Sachbearbeiter:<br />

einen Termin …«<br />

Im Hintergrund läuft wieder die Sachbearbeiterin vorbei, die auf einer Konferenz ist.<br />

-<br />

<br />

<br />

<br />

Tania KibermanisFrankfurter Rundschau, die taz,<br />

<br />

Spleen Royale


FOTOGRAFIE<br />

Tanz des Vertrauens<br />

»<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

«<br />

<br />

.<br />

Inen:<br />

Künstler, Schriftstellerinnen und Schauspieler, die<br />

<br />

<br />

im Italien der 1950er Jahre und im geteilten Deutschland<br />

der 1960men<br />

von Menschen, die für ihn als Fotograf bedeutend<br />

<br />

<br />

1936 <br />

<br />

schreibt:<br />

»Voraussetzung für ein überzeugendes<br />

sönlichkeit<br />

des Darzustellenden. Von einem Men-<br />

<br />

-<br />

<br />

damals die ganz eigene, intime Darstellung, die List<br />

<br />

zeigen das: Die Ausgelassenheit an einem heißen<br />

<br />

Vertrautheit mit dem Fotografen machen sie zu zeitlosen<br />

Dokumenten von Freundschaft.<br />

88/89


FOTOGRAFIE<br />

<br />

List kann diese Vertrautheit auch mit seinen berühmten<br />

-<br />

<br />

<br />

seiner Skulptur Tête de mort <br />

<br />

schen<br />

Fotograf und Modell: Mit seiner Kamera scheint<br />

er den Augenblick einer Gesprächspause eingefangen<br />

<br />

<br />

in entgegengesetzte Richtungen blicken.<br />

-<br />

<br />

<br />

spielers<br />

Édouard Dermit, der nackt vor einer Tapisserie<br />

chischen<br />

Malers Yannis Tsarouchis, der einen vielsagenden<br />

Blick auf die Körpermitte seines männlichen<br />

-<br />

<br />

Tanz, der nur durch Vertrauen funktionieren kann.<br />

Werk und Autor<br />

<br />

vor: Bei der einen tritt das Werk, das Schaffen hinter<br />

den Menschen zurück, und Atelier oder Schreibstube<br />

sind nicht Ausstellungs-, sondern eher »Schutzraum«.<br />

1948<br />

<br />

mehr erkennbar, er blickt nachdenklich an der Kamera<br />

<br />

<br />

<br />

-<br />

<br />

französischen Literatur litt seit 1939ren<br />

<br />

noch verlassen, der vor ihr stehende Telefonapparat<br />

<br />

<br />

<br />

buceriuskunstforum.de, hirmerverlag.de<br />

90/91


FOTOGRAFIE<br />

Augenblicke<br />

1952<br />

Jahrzehnte zuvor begonnener Roman The Temple ihm posthum<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

In<br />

Körper zur Seite gedreht, den Blick über die<br />

<br />

<br />

<br />

Foto: Das freundschaftlich-liebende Verhält-<br />

<br />

spüren, die tiefe Verbundenheit zu Auden,<br />

-<br />

<br />

<br />

nierter<br />

Schnappschuss, erstaunlich in seiner<br />

<br />

selten gelingen, durch einen Schnappschuss<br />

mehr als einen einmaligen Ausdruck, und<br />

mag er noch so erregend sein, festzuhalten.<br />

<br />

in einer Zeitaufnahme<br />

<br />

<br />

Das magische Auge, der zur<br />

gleichnamigen Ausstellung im Bucerius Kunst Forum im Hirmer Verlag erschienen ist. Siehe auch herbert-list.com


FOTOGRAFIE<br />

60<br />

Schnappschüsse, und auch sie lassen tief blicken,<br />

-<br />

patournee<br />

machte sie auch in ihrer ehemaligen<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

noch als »Vaterlandsverräterin« beschimpft, auf-<br />

heit<br />

spiegeln sich in den Aufnahmen.<br />

Geteiltes Deutschland<br />

1965/66 führte List einer seiner letzten großen<br />

Aufträge in das geteilte Berlin.<br />

-<br />

<br />

<br />

und Werk. Der alte Maler sitzt, eingefallen und<br />

klein, sinnierend vor einem seiner Gemälde. Sein<br />

-<br />

<br />

rufen, nachdenken, den Kopf aufrichten, den<br />

<br />

<br />

herrschaft trotz Verbot geschaffen hatte, und sein Bild<br />

Lotte,1930 mit<br />

nur 14 Jahren das Leben nahm. List dringt tief in die Biogra-<br />

<br />

tierten<br />

zu erfassen«.<br />

<br />

<br />

92/93


Moroso<br />

Udine Milano London<br />

New York Gent<br />

moroso.it<br />

info@moroso.it<br />

@morosofficial<br />

Pacific, 2021<br />

Gogan, 2019<br />

by Patricia Urquiola<br />

Dew, 2009<br />

by Nendo<br />

photo Alessandro Paderni — set coordinator Marco Viola


NAHRHAFTE GLÜCKSKEKSE<br />

<br />

<br />

dieses Wunders zu fühlen – nicht das Du mit den<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

TIZIANO TERZANI<br />

Tiziano Terzani, 1938 in Florenz geboren, in Europa und den<br />

<br />

<br />

pondent des Spiegel <br />

<br />

<br />

<br />

<br />

BEST BOOK × 4<br />

QUARTETT FÜR GROSS UND KLEIN<br />

94/95<br />

Für unruhige Nächte<br />

»Die Welt ist nur ein vorübergehender<br />

Aufmarsch grausamer Momente und<br />

langer trostloser Strecken, wo nichts<br />

passiert, als dass man Zichorien kaffee<br />

und Whisky trinkt und Karten spielt.«<br />

1860<br />

sich, tun sich zusammen, verdingen<br />

sich zunächst als Mädchen in einem<br />

Saloon, gehen zur Armee, metzeln<br />

»Rothäute«, retten das Indianermädchen<br />

Winona, das ihrem Leben einen<br />

<br />

<br />

<br />

lakonischen Wucht.<br />

Wenn Sie nicht schlafen wollen, ist<br />

dies das richtige Buch.<br />

Sebastian Barry,<br />

Tage ohne Ende<br />

Roman.<br />

Aus dem Englischen von<br />

<br />

<br />

steidl.de<br />

Wie tötet man, ohne daran zu<br />

zerbrechen? <br />

ren erforscht die israelische Militär-<br />

<br />

Soldatinnen und Soldaten. Spezialgebiet:<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

disziplinierter und auch resistenter«<br />

macht. Als Abigals Sohn einberufen<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

und die irritierende Lust am Töten.<br />

Yishai Sarid,<br />

Siegerin<br />

Roman.<br />

Aus dem Hebräischen von Ruth Achlama<br />

<br />

keinundaber.ch


aber dann entschuldige ich mich immer. Fast kann<br />

<br />

<br />

lächeln.<br />

ANNIE LEIBOVITZ<br />

Annie Leibovitz<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

paar Tage den Alltag der Menschen, die sie porträtieren<br />

<br />

<br />

großzog.<br />

Italiens Kochbuchklassiker,<br />

<br />

Der Silberlöffel für Kinder eröffnet<br />

neue kulinarische Möglichkeiten.<br />

<br />

viel zugetraut: Arbeiten mit scharfen<br />

Messern und Küchenmixer oder der<br />

<br />

auch der kindliche Gaumen ist ge-<br />

<br />

Bohnen? Lammkeule mit Kräuterkruste?<br />

Wer bisher mit der Maus<br />

<br />

die Augen. Aber es funktioniert:<br />

<br />

Ausrüstung und Kochtechniken,<br />

Illustrationen erklären die Rezepte<br />

Schritt für Schritt. Für Köchinnen<br />

und Köche ab neun Jahren.<br />

Der Silberlöffel für Kinder<br />

Lieblingsrezepte aus Italien<br />

<br />

zsverlag.de<br />

Sprechen Sie »Eichelhäherisch«?<br />

<br />

sicher unseren Kindern – trotzdem<br />

<br />

<br />

Monolog gegen die Dummheit der<br />

<br />

<br />

<br />

er auch gefunden, um es ihnen zu<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

Standpauke, die beschämend ist,<br />

<br />

unbedingt, zuzuhören – und natürlich<br />

diese neue Sprache zu lernen.<br />

<br />

Piepmatz macht Wald aus euch<br />

Weltrettdings für Vorangeschrittene<br />

<br />

<br />

leykamverlag.at


LOVELY DESIGN<br />

Klarheit in allen Verhältnissen – ist dem Individuum sehr förderlich,<br />

wenn es sich auf sich selbst beschränken will; will es aber eingreifen<br />

in die bewegten Räder des Weltganges, glaubt es, als ein Teil des<br />

Ganzen selbsttätig nach eigenen Ideen wirken, schaffen oder hemmen<br />

zu müssen, so geht es umso leichter zu Grunde. Goethe<br />

<br />

<br />

<br />

Träumen und Ideen hin, suchen, nach eigenen Ideen<br />

wirken, schaffen oder hemmen zu müssen.<br />

<br />

heim ins Spiel, dessen Vorgarten ein Schaufenster, ein<br />

Blick in Seelen ist: Wir schauen hindurch und sehen auf<br />

hingebungs- und liebevolle Kreationen, pflegeleicht,<br />

aufgeräumt, geordnet. Wie man sich eine Seele idealiter<br />

vorstellt.<br />

Wir danken Kalin Aenstoots für diese Fotografien aus<br />

<br />

für ein »Anzeichen gefährlicher Feinnervigkeit« hält.<br />

-<br />

<br />

bitte).<br />

Sie sind im Weihnachtsstress? Entspannen Sie sich – in wenigen Wochen schon begehen wir das immer wiederkehrende Ostern – und die neue<br />

Vorgarten Saison beginnt.<br />

96/79


LOVELY DESIGN


Wir versuchen wohl Ordnung in uns zu schaffen, so gut es<br />

geht, aber diese Ordnung ist doch nur etwas Künstliches …<br />

Das Natürliche … ist das Chaos. Arthur Schnitzler


DIE LETZTE KIPPE (für heute)<br />

Froh&reich<br />

Liebe Leserin, lieber Leser,<br />

in<br />

<br />

Monat mit seinen zumeist grauen Wochen und nebelnden Tagen. Allerseelen,<br />

Martinstag, Volkstrauertag, Buß- und Bettag, Totensonntag …<br />

so viele Tage der »Besinnung und des Gedenkens« kennt kein anderer<br />

Monat im Jahr.<br />

Apropos: Wie ist es Ihnen ergangen in diesem Jahr <strong>2022</strong>, das es so in sich<br />

<br />

ropa,<br />

III<br />

<br />

<br />

<br />

solchen Zeiten helfen uns die schönen Dinge, im Lauf der Welt das Gute<br />

nicht zu vergessen. Der Besuch der Ausstellung Das magische Auge mit<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

haben und auf das in dem Moment für uns richtige Bild oder Möbel, die<br />

ein anderer<br />

Mensch. Wir sind froh und reicher.<br />

Sich ab und an auf diese Kraft der Kultur zu besinnen und in eine<br />

<br />

Träume zu sehen, tut einfach gut.<br />

reichen<br />

mir, dass Sie Ihrer W!D auch im aufziehenden Jahr 2023 treu bleiben –<br />

denn die Welt braucht schöne Dinge. Jetzt erst recht.<br />

Mit herzlichen Grüßen,<br />

Ihr<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

aktion-deutschland-hilft.de.<br />

esprit?libreWir danken<br />

<br />

/ Magnum Photos / <br />

<br />

100/101


Ihr lest keine Lyrik? Seid ihr wahnsinnig?<br />

maria gazzetti<br />

DAS GEDICHT<br />

thomas brasch<br />

Die unruhige Wüste<br />

<br />

<br />

in die Augen, ist es schlimm, aber still. Was sollte ich schreiben<br />

<br />

<br />

sagt sie und steigt aus seinem Bett, bei<br />

deiner Frau, in deiner Stadt, in deinem Versteck aus<br />

leeren lauten Wörtern.<br />

<br />

sagt sie, ist der Rückzug möglich in die eigene Lage.<br />

<br />

<br />

Sie nimmt ihren Mantel. Sie geht zur Tür.<br />

<br />

<br />

draußen in meinem Kopf die krachende Stille.<br />

Thomas Brasch, <br />

, sein Prosaband Vor den<br />

Vätern sterben die Söhne<br />

städtischen Friedhof begraben. © Suhrkamp Verlag, Berlin 1980.


XXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

WOHN!DESIGN<br />

<strong>KUNST</strong>EDITION NO. 18<br />

1 2<br />

<strong>KUNST</strong>EDITION FÜR W!D LESER:INNEN<br />

Jedes der beiden Werke ist ein Unikat.<br />

Zu erwerben über info@wohndesign.de,<br />

Telefon: +49 (0) 711 96666 410 oder unter<br />

www.wohndesign.de/Kunstedition<br />

1 | „14 (07) <strong>2022</strong>“, Mixed Media on Chiffon<br />

50 x 40 cm, <strong>2022</strong>, zum Vorzugspreis von 1.850 Euro<br />

2 | 11 (07) <strong>2022</strong>“, Mixed Media on Chiffon<br />

50 x 40 cm, <strong>2022</strong>, zum Vorzugspreis von 1.850 Euro<br />

102 WD 6 I <strong>2022</strong>


XXXXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

Artjom Chepovetskyy (*1984 in Odessa – lebt und<br />

arbeitet in Frankfurt a.M.). 2007-2016 Philosophie-<br />

Studium an der Johannes-Gutenberg-Universität und<br />

Bildende Künste an der Kunstakademie Mainz. Seit<br />

2016 Einzel- und Gruppenausstellungen. <strong>2022</strong> Preis für<br />

Malerei der Wolfgang-Blanke-Stiftung, Mainz.<br />

Sein künstlerischer Prozess ist durch eine medienübergreifende<br />

Auseinandersetzung grundlegender Fragen der<br />

Malerei gekennzeichnet. Dabei greift Chepovetskyy auf<br />

ungewöhnliche Materialien wie Chiffon und Organza zurück.<br />

Mit ihrer Transparenz lotet der Künstler die Grenzen<br />

der Malerei aus, indem er die Zweidimensionalität des<br />

Mediums infrage stellt und sie durch den experimentellen<br />

Einsatz von Farbe und Material erweitert. Er konzentriert<br />

sich in seinen Arbeiten auf die fragile Ästhetik<br />

der von Menschen geschaffenen Zeichen, Muster und<br />

Formen und führt sie in die Abstraktion. So entstehen<br />

objekthafte Bilder, die trotz komplexer Beziehungen<br />

spielerische Leichtigkeit und Raffinesse ausstrahlen.<br />

WD 6 I <strong>2022</strong><br />

103


REPORTAGEN !<br />

104 WD 6 I <strong>2022</strong>


<strong>KUNST</strong>VOLL <strong>LEBEN</strong><br />

Freuen Sie sich auf einen inspirierenden Exkurs durch Länder, Häuser<br />

und Wohnungen. So divers diese sind, die Freude am Thema verbindet.<br />

104 I MAILAND Hier residiert ein Männerpaar zwischen Moderne und Altmeistern<br />

114 I BRÜSSEL Bea Mombaers mag zeitgenössische Kunst und dazu Designklassiker<br />

122 I PARIS Wie wäre es mit einem Gewand für die Wand? Alte Boiserien sind chic<br />

132 I YUCATÁN In der Nähe von Mérida lädt uns der Künstler Javier Marín zu sich ein<br />

142 I CARACAS Wie sich Stararchitekt Gio Ponti zu einem Traumhaus verführen ließ<br />

Geile Glotze! In den Fifties richtete<br />

Gio Ponti dieses Office für seinen<br />

Auftraggeber Armando Planchart ein.<br />

Mehr ab Seite 142.<br />

WD 6 I <strong>2022</strong><br />

105


REPORTAGE ! XXXXXX<br />

1<strong>06</strong> WD 6 I <strong>2022</strong>


REPORTAGE ! MAILAND<br />

EKLEKTISCH?<br />

Klassisch? Oder doch ganz pragmatisch? Diese beiden<br />

Kunst-und Designliebhaber nutzen ihr Zuhause, um ihren Persönlichkeiten<br />

Raum zur freien Entfaltung zu geben.<br />

FOTOS: FRANCESCO DOLFO/ LIVING INSIDE TEXT: BENEDETTA ROSSI/ ANKE GUNGL<br />

WD 6 I <strong>2022</strong><br />

107


REPORTAGE ! MAILAND<br />

Diese Seite: Im Schlafzimmer entschieden<br />

sich Paolo Castellarin und sein Mann<br />

Didier (in maßgeschneiderten Bademänteln<br />

von Etro) für kakaofarbene Emaille<br />

an der Wand. Bett „Natalie“ mit Bezug<br />

in Orange von Loro Piana entwarf Vico<br />

Magistretti für Flou. Rechte Seite, im<br />

Uhrzeigersinn: Der hellblaue Samtteppich<br />

sticht trotz des farbenfrohen Mixes heraus.<br />

Die Vintage-Hängeleuchte aus den<br />

1960er-Jahren neben dem Bett stammt<br />

von Flos. Die in der Wand versteckte<br />

Badewanne ziert ein Mosaik von Bisazza.<br />

Devon & Devon lieferten die Armaturen.<br />

Zierkissen auf dem Bett von Seletti. Auf<br />

dem Nachttisch von Moooi platzierten die<br />

beiden eine Tischleuchte von Flos.<br />

108 WD 6 I <strong>2022</strong>


REPORTAGE ! XXXXXX<br />

WD 6 I <strong>2022</strong><br />

109


REPORTAGE ! XXXXXX<br />

110 WD 6 I <strong>2022</strong>


REPORTAGE ! XXXXXX<br />

WD 6 I <strong>2022</strong><br />

111


REPORTAGE ! XXXXXX<br />

„Ich habe mich schon immer zu schönen Dingen hingezogen gefühlt,<br />

seien es Designermöbel und -objekte oder historische Gebäude<br />

wie Wohnhäuser und Kirchen“, erzählt uns Paolo Castellarin.<br />

„Wenn ich meine Freunde besuchte, galt meine Aufmerksamkeit<br />

immer dem Interieur, den Okjekten und Räumlichkeiten. Für mich<br />

war das besser als jeder Süßwarenladen.“ Wir befinden uns im<br />

schicken Mailänder Viertel Arco della Pace, breite Alleen, der Blick<br />

auf den Parco Sempione, elegante Geschäfte, Clubs, Restaurants,<br />

kleine Bars. Der Kieferchirurg und sein Mann Didier Bonnin waren<br />

eigentlich nicht auf der Suche nach einer neuen Bleibe, bis sie dieses<br />

Apartment mit klaren mitteleuropäischen Charakteristika betraten.<br />

„Bevor wir diese Wohnung kauften, wohnten wir in einem Penthouse,<br />

ebenfalls in Mailand, aber wir sehnten uns insgeheim nach<br />

einer klassischeren und aristokratischeren Lage.“<br />

Die Immobilie aus dem frühen 20. Jahrhundert vereint alle Attribute,<br />

die den beiden Kunstliebhabern wichtig sind: fast vier Meter<br />

hohe Kassettendecken mit Stuckarbeiten aus der Entstehungszeit,<br />

altes venezianisches Parkett, das freigelegt und sorgfältig aufgearbeitet<br />

werden musste – und ausreichend Fläche, um sich kreativ<br />

auszuleben. „Die Fassade des Gebäudes wurde gerade von der<br />

»Akademie der Schönen Künste Brera« restauriert“, sagt Castellarin.<br />

Für den Umbau beauftragten die beiden den Architekten<br />

Fabio Greco, „der ein perfektes Gleichgewicht zwischen klassisch<br />

und ungewöhnlich schuf, mit großem Respekt vor der Qualität der<br />

Materialien. Als Didier und ich uns kennenlernten, war mein Stil<br />

sehr minimalistisch und Didiers Geschmack absolut klassisch. Fabio<br />

hat es geschafft unsere Vorstellungen zu übertreffen.“ Würde<br />

man Castellarin heute nach seinem Stil fragen, würde er ihn wohl<br />

eher als eklektisch und praktisch bezeichnen: „Ich glaube, ich habe<br />

mehr als einen Stil, und in diesem Apartment war es mir wichtig<br />

meine Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Die Wohnung ist<br />

die Frucht dessen, wer wir jetzt als Paar sind.“<br />

Geprägt hat ihn vor allem seine Kindheit in der Region Friaul-Julisch<br />

Venetien. „Im Vergleich zum Rest Italiens ist es eine kleine<br />

Region, aber man kann in 30 Minuten das Meer und die Berge erreichen<br />

oder wunderschöne historische Städte wie Venedig und<br />

Triest besuchen. Also Geschichte und Kunst, aber auch Natur, Wein<br />

und gutes Essen. Hier treffen die Einflüsse der venezianischen Welt<br />

auf jene des österreichisch-ungarischen Reiches.“ Besonders wichtig<br />

war es dem Paar ein Zuhause zu schaffen, „das einen umarmt,<br />

wenn man es betritt. Das einem Wärme und Geborgenheit gibt.<br />

Das gilt sowohl für uns als auch für unsere Gäste, wenn sie uns<br />

zum Abendessen oder zum Kaffee besuchen kommen. Wir wollten<br />

ein Haus mit viel Persönlichkeit, das mutig, fröhlich und lebenslustig<br />

ist. Dieser Wunsch entstand währends des Lockdowns“, so<br />

Castellarin. Und besonders die kühne Farbauswahl schafft dank<br />

der kontrastierenden Stile und Epochen eine warme Atmosphäre<br />

mit ultra-modernem Look, der teilweise an die Innenräume der<br />

70er- und 80er-Jahre erinnert. So auch in der Küche mit gebürstetem<br />

grünem Guatemala-Marmor, die zu Castellarins Lieblingsräumen<br />

zählt. „Meine Familie ist seit Generationen im Besitz eines<br />

Marmorunternehmens, Del Savio 1910, mit dem wir sowohl das<br />

Bad als auch die Küche gestaltet haben. Ein historisches Unternehmen,<br />

das von meinem Urgroßvater gegründet wurde, und auf das<br />

ich sehr stolz bin“, sagt Castellarin und fährt fort: „Mir gefällt sehr<br />

gut, was aus diesem Raum geworden ist, denn ich halte mich gerne<br />

darin auf. Meiner Meinung nach war die Küche schon immer<br />

einer der wichtigsten Räume in einem modernen Haus. Man kann<br />

112 WD 6 I <strong>2022</strong>


REPORTAGE ! MAILAND<br />

dort allein sein, mit der Familie, mit ein paar engen Freunden, aber<br />

man kann auch eine Buffetparty veranstalten, wenn man möchte.<br />

Sie ist gesellig, gemütlich und chic.“ Das Interieur ist besonders<br />

vielfältig. Es gibt Gemälde aus der Sammlung von Bonnins französischer<br />

Familie, Möbel von italienischen Kultdesignern, Objekte,<br />

die Lebensgeschichten erzählen, Kunstfotografien. Im Flur fällt ein<br />

wunderschönes Jugendstil-Glasfenster auf (Seite 104), eine dieser<br />

Geschichten vom „perfekten Zufall“. „Wir haben es in einem Antiquitätengeschäft<br />

gefunden. Wir hatten bereits die Farbpalette für<br />

die Wohnung ausgewählt, und es war unglaublich, dass es perfekt<br />

dazu passte. Es ist über drei Meter hoch und 2,50 Meter breit, und<br />

es ist fast so, als würde man eine Kirche betreten. Eine wunderbare<br />

Überraschung.“ Dahinter verbirgt sich das Arbeitszimmer, in dem<br />

sich die ikonische Chaise Longue „LC4 Le Corbusier“ von Cassina<br />

und ein Kronleuchter von Gio Ponti für Fontana Arte befinden. Der<br />

Eames-Schreibtisch stammt von Vitra, und der Sessel „LC7“ von Cassina.<br />

In einem der Wohnzimmer dominiert der Kronleuchter „Dear<br />

Ingo“ von Moooi, entworfen von Ron Gilad, bewusst im XL-Format.<br />

Pop und Barock mischt sich mit Gemälden aus dem 16. Jahrhundert,<br />

einem Altarbild aus dem 17. Jahrhundert, großen Reiterbildern<br />

aus dem 15. Jahrhundert und Luigi Bellis „Il Madrigal“: „Wir hatten<br />

es bereits in unserem vorherigen Penthouse. Ich habe es Didier geschenkt,<br />

um uns daran zu erinnern, zu »spielen«. Es sieht aus wie<br />

ein Abakus.“ Eine architektonische Spielerei sind auch die beiden<br />

Bullaugen, die in die Wand zwischen Wohn- und Esszimmer eingebaut<br />

wurden – als Hommage an den Architekten und Stadtplaner<br />

Piero Portaluppi. „Sie sind eine Anspielung auf den Modernismus,<br />

eine Illusion, die einen überrascht. Wenn man den Raum betritt,<br />

weiß man im Grunde nicht, ob es sich dabei um einen Spiegel handelt<br />

oder ob man tatsächlich den Rest der Wohnung sehen kann.“<br />

Sonstige Wünsche? „Leider habe ich mehr als einen Wunsch, aber<br />

wenn ich mich entscheiden müsste, dann denke ich, dass ich mich<br />

gut fühle und nichts als selbstverständlich ansehe.“<br />

☐<br />

Linke Seite: Über dem Esstisch von Knoll International mit Stühlen<br />

von Vitra schwebt Moooi-Leuchte „Dear Ingo“. Dahinter die<br />

in limitierter Stückzahl erschienene Installation „Il Madrigale“<br />

von Luigi Belli. Reiterporträts aus dem 16. Jahrhundert. Die<br />

Küche von Valcucine darunter und diese Seite ist in einen Block<br />

aus grünem guatemaltekischen Marmor eingelassen. In den<br />

Regalen sammeln sich Muranoglas, Erbstücke und Geschirr.<br />

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REPORTAGE ! XXXXXX<br />

IMMER IM WANDEL<br />

Die einzige Konstante im Leben von Bea Mombaers ist die<br />

Veränderung. Wie die belgische Interior-Stylistin, Designerin<br />

und notorische Sammlerin dennoch zu ihrer inneren Mitte<br />

findet, zeigt ihr Zuhause in Brüssel.<br />

FOTOS: JAN VERLINDE TEXT: MARKUS HIEKE<br />

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REPORTAGE ! XXXXXX<br />

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REPORTAGE ! XXXXXX<br />

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REPORTAGE ! BRÜSSEL<br />

Wenn Bea Mombaers Klienten zu sich nach Hause einlädt, ist nie<br />

gewiss, von welchen ihrer lieb gewonnenen Designobjekte sie<br />

sich schon im nächsten Augenblick wird verabschieden müssen.<br />

Denn fast alles in ihrer Wohnung darf man kaufen. Mal ist es nur<br />

eine Schale, mal ein paar Stühle. Manchmal bleibt alles wie es ist.<br />

Dann begibt sie sich quer durchs Land, durch Europa und die Welt<br />

auf die Suche nach Fundstücken für ihr nächstes Projekt, das es<br />

in ihrem Mombaers-typischen Stil auszustatten gilt. Die Belgierin<br />

ist eine viel gefragte Interior-Stylistin und Designerin. Zu ihren eigenen<br />

Designs zählen Taschen und Tableware für Serax und auch<br />

ein Sofa befindet sich in der Kollektion des Herstellers. Doch dazu<br />

später mehr. In der Küstenstadt Knokke, eine knappe halbe Autostunde<br />

nördlich von Brügge, betreibt sie den Designshop Items<br />

by Bea Mombaers. Als wäre sie nicht beschäftigt genug, führte<br />

sie hier bis vor Kurzem auch ein Bed & Breakfast. Bedauerlicherweise<br />

musste sie es aufgeben, weil der Vermieter ihren Vertrag<br />

nicht verlängern wollte. So viel sei immerhin verraten: Mombaers<br />

arbeitet bereits an einem neuen Urlaubsprojekt, diesmal in der<br />

Provence, wo sie ein altes Haus im Grünen erstanden hat.<br />

Dass Bea Mombaers nicht in Knokke, sondern höchst repräsentativ<br />

in Brüssel wohnt, liegt natürlich daran, dass sie ihre Auftraggeber<br />

eher hier in der Großstadt antrifft als im beschaulichen<br />

Urlaubsort am Meer. Wegen seiner charmanten Ähnlichkeit zum<br />

Haussmann-Stil der französischen Hauptstadt, vor allem aber<br />

wegen der vielen Franzosen, die hier leben, nennt man ihr Viertel<br />

auch „Le Petit Paris“. Hier lebt Mombaers, in bester Nachbarschaft<br />

zu Vintage-Möbel- und Antiquitätenläden, Boutiquen, Galerien,<br />

netten Restaurants und Cafés, auf fast 200 Quadratmetern im<br />

ersten Obergeschoss eines Altbaus. Gut erhaltenes Parkett, hohe<br />

Stuckdecken und facettierte Wände inklusive. Den größten Teil<br />

der Wohnfläche nehmen der zum Place Brugmann ausgerichtete<br />

Wohn- und der Essbereich ein. Bei Bedarf können beide Räume<br />

durch eine riesige, faltbare Glasflügeltür voneinander getrennt<br />

werden. Wer so ein Juwel findet, muss wissen, wie er es gekonnt<br />

bespielt – und darin ist diese Frau sichtlich Profi.<br />

Kein Wunder, denn seit ihrer Kindheit begeistert sich Mombaers für<br />

das Sammeln von Objekten. Später machte sie aus dieser Passion<br />

ihren Beruf und perfektionierte den Blick für das Besondere, das<br />

niemals abgehoben oder extravagant wirkt. „Die Dinge müssen Ge-<br />

Linke Seite: Bea Mombaers in ihrem Brüsseler Wohnzimmer –<br />

um die Hüfte eine Gürteltasche aus ihrer eigenen Lederwaren-<br />

Kollektion für Serax. Der Blick, rechte Seite, geht hinaus zum<br />

Place Brugmann, wenn er nicht auf ihren fabelhaften Design-<br />

Fundstücken im Raum haften bleibt.<br />

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REPORTAGE ! XXXXXX<br />

Will man den Stil von Bea Mombaers beschreiben, so lässt sich<br />

das am besten wie folgt ausdrücken: Sie ergänzt sorgsam. Ihre<br />

Interieurs wirken nie überladen, nie aufdringlich, sondern haben<br />

eher etwas sehr Beruhigendes an sich. Was am Verzicht auf kräftige<br />

Farben liegen mag, ihre bevorzugte Palette bewegt sich im<br />

Bereich Naturweiß, Hellgrau bis zum Braun der Holzmöbel und<br />

des Parketts. Oft gelingt ihr das in Gemeinschaftsprojekten mit<br />

dem Innenarchitekten Peter Ivens – beide haben ihre Handschriften<br />

gewissenhaft aufeinander abgestimmt. Über ihr eigenes<br />

Zuhause berichtet Bea Mombears: „Es gibt zwei Schlafzimmer,<br />

eines für mich und eines für Freunde, dann ein großes Wohnzimmer<br />

mit angrenzendem Essbereich und eine große Küche am Flur.<br />

Ich musste nichts ändern an meiner Wohnung, außer die Küche<br />

schwarz zu streichen. Was den Rest betrifft, hatte ich Glück: Sie<br />

war sofort bezugsfertig.“<br />

Auffällig beim Blick durch die Räume ist, dass die Vielreisende<br />

dem Hype um Zimmerpflanzen ganz und gar nichts abzugewinnen<br />

scheint. Ihre Interieurs wirken dadurch auf gewisse Weise<br />

Der Esstisch ist ein Sammlerstück, entworfen von dem Dänen<br />

Poul Kjærholm und umringt von wechselnden Design-<br />

Klassikern. Die Skulptur links von Richard van Bremen steht<br />

mittlerweile in Mombaers neuem alten Haus in der Provence.<br />

Die Silberschalen unten stammen von Annique Tapernoux, das<br />

Messer von der portugiesischen Künstlerin Bela Silva.<br />

schichte atmen“, sagt sie. Deshalb ist es ihr so wichtig, sie etwa auf Reisen<br />

zu entdecken und mitzubringen, ihre Vergangenheit im Wohnumfeld<br />

am Leben zu erhalten, ihre Geschichte fortzuschreiben. Klar,<br />

dass sie dafür praktisch immer auf der Suche nach Vintage-Objekten<br />

ist. So stieß sie zum Beispiel auch auf den runden Esstisch für<br />

ihr Zuhause, ein Sammlerstück aus der Feder des Dänen Poul Kjærholm.<br />

Als Gestell dient ein würfelförmiger Aluminiumrahmen. Die<br />

runde Marmortischplatte wird durch sechs eingesteckte Teile aus<br />

Holz erweitert, die bei Platzmangel wahlweise abgenommen werden<br />

können. Doch dieses Problem hat Mombaers zum Glück nicht.<br />

Inzwischen gibt es den Tisch als Re-Edition unter dem Namen PK54<br />

bei Fritz Hansen, allerdings ohne die Ansteckteile. Weil das einfach<br />

nicht dasselbe ist, ist es für Bea Mombaers umso entscheidender,<br />

Originale zu ergattern. Der Raum mit seinem prachtvollen Kaminsims<br />

bietet für diese einen geeigneten Rahmen. Ebenso wie für die<br />

Auswahl der Stühle, von denen man annehmen darf, dass sie zum<br />

Teil längst neue Besitzer gefunden haben: etwa der 1934 von Gerrit<br />

Rietveld entworfene „Zig Zag Chair“ (Van de Groenekan Edition)<br />

oder die beiden Formholzstühle von Charles und Ray Eames aus der<br />

Plywood Group (1945/46, Evans Edition) sowie ein Lederstuhl „3LC<br />

T“ der US-amerikanischen Gestalter und Architekten Douglas Kelley,<br />

Ross Littell und William Katavolos für Laverne International (1952).<br />

Erhellt wird das Esszimmer durch eine französische Vintage-Stehleuchte<br />

und ein Exemplar der Pendelleuchte „The Globe“ von Joe<br />

Colombo für Oluce (1964) über dem Tisch.<br />

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REPORTAGE ! BRÜSSEL<br />

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REPORTAGE ! XXXXXX<br />

wirkt wie ein Bindeglied zwischen so unterschiedlichen Möbeln<br />

wie dem „Swan Chair“, den Arne Jacobsen 1958 für das SAS Royal<br />

Hotel in Kopenhagen entworfen hat (Fritz Hansen), und dem 1935<br />

von Gerrit Rietveld für das Kaufhaus Metz & Co in Amsterdam<br />

gestalteten „Utrecht“-Sessel (Cassina).<br />

„Durch die vielen Fenster kommt die Sonne den ganzen Tag aus<br />

einem anderen Winkel herein, und wegen dieses Lichts und des<br />

Blicks auf den Platz ist das Wohnzimmer mein Lieblingsraum in<br />

dieser Wohnung“, schwärmt Mombaers. Andererseits ist es ihr<br />

hier oft zu transparent, weshalb sie unlängst beschloss, in eine<br />

frei gewordene Nachbarwohnung direkt nebenan zu ziehen, die<br />

weniger Einblicke bietet. Selbstverständlich begleiten sie ihre<br />

Möbel dorthin: die beiden Glasfaserobjekte des in Vicenza lebenden<br />

Designers Robi Renzi, der Marmor-Beistelltisch „Eros“ des<br />

Mailänders Angelo Mangiarotti (1971 für Skipper, heute erhältlich<br />

über Agapecasa) ebenso wie die „Atollo“-Tischleuchte von Vico<br />

Magistretti für Oluce (1977), die derzeit am Boden steht. Und auch<br />

die Leseleuchte „Daphine Terra“ von Tommaso Cimini (1975, Lumina),<br />

die etwas versteckt hinter dem Sofa hervorlugt.<br />

verlassen, nur um jeden Augenblick mit Menschenleben erfüllt<br />

zu werden. Hat Frau Mombaers häufig Gäste zu Besuch? „Eher<br />

sind es Klienten, die sich bei mir zu Hause beraten und inspirieren<br />

lassen.“ Gastgeberin wird sie lieber wieder in ihrem neuen<br />

Bed & Breakfast in der Provence – auch wenn sie da aufgrund<br />

der Entfernung wohl eher seltener sein wird als zuvor in Knokke.<br />

Anfangs hatte sie dort sogar noch persönlich das Frühstück<br />

zubereitet. Doch schon lange schafft sie das bei all ihrer Reisetätigkeit<br />

nicht mehr selbst.<br />

Was ihr dagegen immer wieder gelingt, ist, Menschen von ihren<br />

Ideen zu überzeugen. So erzählte sie irgendwann einer Bekannten,<br />

wie gerne sie einmal eine Taschenkollektion entwickeln<br />

würde. Prompt verknüpfte diese sie mit dem belgischen Lifestyle-Label<br />

Serax. Es war die Geburtsstunde einer ganzen Serie aus<br />

Ledertaschen, Tabletts, Accessoires für den Tisch und einer zeitgenössischen<br />

Interpretation des orientalischen Kelims.<br />

Irgendwann liebäugelte Serax mit einem Sofa, das Mombaers eigens<br />

für ihr Bed & Breakfast in Knokke entworfen hatte – zeitlos<br />

und so neutral, dass es sich mit dem wechselnden Mobiliar stets<br />

kombinieren ließ. Der Prototyp mit schwerem Stahlrahmen stand<br />

lange bei ihr im Wohnzimmer, mittlerweile macht Geschäftspartner<br />

Peter Ivens es sich in seinem Zuhause darauf gemütlich.<br />

Um das Möbelstück auch für den Outdoor-Bereich nutzen<br />

zu können, hatte sie es schließlich um ein wetterresistentes und<br />

wesentlich leichteres Aluminiumgestell sowie entsprechende<br />

Polster ergänzt. Serax gefiel das Resultat so gut, dass sie es zur<br />

Freude von Bea Mombaers in ihre Möbelkollektion aufnahmen.<br />

Die Qualitäten des Sofas offenbaren sich im Wohnzimmer. Es<br />

Welche Ihrer Trouvaillen würden Sie nicht hergeben, Frau Mombaers?<br />

„Oh …“, überlegt sie, „wahrscheinlich den Esstisch von<br />

Kjærholm, der mir sehr ans Herz gewachsen ist“, lautet die wenig<br />

überraschende Antwort. „Und die Skulptur im Eingangsbereich“,<br />

ergänzt sie schnell und meint ein aus einem Baumstamm herausgearbeitetes<br />

Objekt. „Ich habe sie schon lange, der Künstler<br />

ist bereits verstorben, leider fällt mir sein Name nicht ein. Wenn<br />

jemand sich dafür interessiert, sage ich immer, sie sei bereits reserviert.“<br />

Und alle anderen Kunstwerke in der Wohnung? Vieles<br />

stammt aus der Galerie ihres guten Freundes Stephane Simoens,<br />

der in Knokke eine Galerie für zeitgenössische Kunst führt.<br />

Mombaers Zuhause wird auf diese Weise zum Satelliten des<br />

Kunsthändlers, oft kaufen ihre Klienten die Kunst direkt mit, weil<br />

sie so gut zum gesamten Stil passt. Dass sie sich so auch oft wieder<br />

von Arbeiten trennen muss, scheint ihr ohnehin relativ leicht<br />

zu fallen. Zum Zeitpunkt der Fotoaufnahmen bereichert zum<br />

Beispiel eine kleine Schwarzweißarbeit des belgischen Künstlers<br />

Willem Cole auf dem Kamin im Wohnzimmer ihr Zuhause, links<br />

daneben an Wand und Boden zwei Werke des Briten Ross Hansen<br />

und zwischen zwei Fenstern ein Werk von Luc Vandervelde, der<br />

ebenfalls Belgier und bekannt für die Verwendung von scheinbar<br />

wertlosen, oft weggeworfenen Materialien ist. Auf dem Kaminsims<br />

im Esszimmer versammeln sich neben einer Arbeit von<br />

James William Murray gehämmerte Silberobjekte der belgischen<br />

Künstlerin Annique Tapernoux und eine Skulptur des Niederländers<br />

Richard van Bremen.<br />

Letztere darf Bea Mombaers ihr Eigen nennen und so hat sie sie<br />

gerade in ihr neues Herzensprojekt, ihr Haus in Frankreich, verbracht.<br />

Ob es da denn so aussehen wird wie bei ihr hier in Brüssel?<br />

Letztlich lasse sich das nicht eins zu eins übertragen. In der<br />

Provence werde sie ein altes Haus renovieren und einrichten,<br />

das einen völlig anderen Charme haben wird, wie sie erzählt.<br />

Doch wird man sie auch dort wieder erkennen – an ihrem<br />

geerdeten Stil, der Ikonen und Epochen der Designgeschichte vereint;<br />

kein Entweder-oder, sondern nur das Sowohl-als-auch“ kennt.<br />

Danke für diese Lehrstunde, Bea Mombaers!<br />

☐<br />

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REPORTAGE ! BRÜSSEL<br />

Wenn Mombaers nicht gerade unterwegs ist, schläft sie hier in ihrem dem Trubel des Platzes abgewandten Schlafzimmer. Auf dem<br />

Nachttisch steht eine Leuchte aus Beton von Patrick Paris für Serax, hinter dem Bett ein Vintage-Hocker von Pierre Paulin und ein alter<br />

Paravent aus Bambus. Die beiden „925“-Sessel im großzügigen Eingangsbereich, linke Seite, wurden 1966 von Afra und Tobia Scarpa<br />

für Cassina entworfen. Hergestellt werden sie nicht mehr, daher kosten Sammlerstücke als Duo gerne mal 20.000 Euro aufwärts.<br />

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REPORTAGE ! PARIS<br />

KOSTBARE WÄNDE<br />

In der Nähe des Triumphbogens vermittelt das Atelier von Guillaume Féau eine Ahnung davon,<br />

wie man Räumen früher einen besonderen Rahmen und Glanz verliehen hat – sei es für Madame Pompadour,<br />

Jeanne Lanvin oder Sao Schlumberger. Willkommen in der faszinierenden Welt der Paneele und Applikationen.<br />

FOTOS: MONICA SPEZIA TEXT: ALICE IDA/ STEPHAN DEMMRICH<br />

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REPORTAGE ! XXXXXX<br />

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REPORTAGE ! PARIS<br />

124 WD 6 I <strong>2022</strong>


„Féau Boiseries“ ist ein Familienbusiness,<br />

das 1875 von Charles Fournier<br />

gegründet wurde. Seitdem hat es in<br />

der Pariser Rue Laugier seinen Sitz.<br />

Die Werkstatt war immer auch ein<br />

Archiv für Kostbarkeiten wie die blau<br />

gefassten Wandpaneele oben rechts,<br />

die aus dem Boudoir der Tänzerin<br />

Marie-Madeleine Guimard stammen,<br />

das Fragonard im 18. Jahrhundert<br />

ausmalte. Die meisten der Paneele<br />

wurden aus Eiche gefertigt. Das Büro<br />

von Guillaume Féau rechts und oben<br />

gleicht einem Kuriositätenkabinett<br />

und beherbergt Architekturmodelle<br />

und weitere Kostbarkeiten wie die<br />

Inka-Stühle, die für Eugénie de Montijo,<br />

die Gemahlin von Napoleon III.,<br />

kommissioniert wurden. Linke Seite<br />

ein Rokoko-Paneel aus der ehemaligen<br />

Sammlung Karl Lagerfeld, auf<br />

das Féau besonders stolz ist.<br />

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REPORTAGE ! PARIS<br />

Den Sessel oben von Laura Gonzalez ließ Féau mit einem Dedar-Stoff<br />

beziehen, dahinter Wandpaneele nach Entwürfen von Claude Nicolas Ledoux,<br />

einem Architekturvisionär des späten 18. Jahrhunderts. Links oben:<br />

Fragmente und Modellstücke aus den Anfängen des Archivs nach 1875. Sie<br />

dienten als Dekoration großbürgerlicher Häuser und Appartements. Links<br />

Rahmen, Paneele und Maquetten (frz. für Modelle), von denen sich einige<br />

bis in die Renaissance datieren lassen. Andere stammen aus dem Art déco<br />

oder – wie ein Türflügel – aus der Zeit um 1800 (rechte Seite). Vieles davon<br />

inspiriert zeitgenössische Nobeleinrichter wie Jacques Grange.<br />

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REPORTAGE ! XXXXXX<br />

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REPORTAGE ! PARIS<br />

Ansichten des Etruskischen<br />

Raums, der einst von den<br />

Architekten Percier und Fontaine<br />

kreiert wurde und einen<br />

terrakottafarbenen Anstrich<br />

erhielt, dazu bronzierte<br />

Schmuckapplikationen. Einst<br />

gehörten sie einem General<br />

Napoleons, später Christian<br />

Dior und Loris Azzaro. Auch<br />

das Museum für dekorative<br />

Kunst Paris zeigt Teile davon.<br />

In Gold schimmert ein „Malraux-Vilmorin“-Tisch<br />

von Philippe<br />

Hiquily, den Féau in der<br />

Galerie Gastou entdeckte.<br />

Die Kette aus Murano-Glas<br />

ist ein Werk von Jean Michel<br />

Othoniel mit dem Titel „Collier<br />

Alessandrita“. Es ziert einen<br />

Raum mit Ledoux-Paneelen<br />

und einem Marmorboden<br />

aus der Haussmann-Zeit.<br />

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REPORTAGE ! PARIS<br />

Wie in einem unglaublichen Labyrinth bewegen wir uns von<br />

Raum zu Raum. Es geht durch Gänge voller antiker Gegenstände<br />

und in Licht getauchte Säle. Wie in einem Privatmuseum führt<br />

mich Guillaume Féau durch sein Atelier. Bei einer milchig weißen<br />

Tafel mit vergoldetem Fries bleibt er stehen und erzählt: „Sie<br />

stammt aus der persönlichen Sammlung von Karl Lagerfeld.“ Und<br />

weiter: „Das hier hingegen“, und er zeigt auf einen saphirblauen<br />

Rahmen mit Blumendekor (Seite 127), „stammt aus dem Haus<br />

von Marie-Madeleine Guimard, einer Tänzerin und Kurtisane, die<br />

das kostbarste Boudoir des 18. Jahrhunderts überhaupt in Auftrag<br />

gegeben hatte. Fragonard malte es aus. Die übrigen Paneele<br />

befinden sich im Louvre in Abu Dhabi“, erklärt Féau mit einer<br />

subtilen Freude in der Stimme. Und es scheint, als sei er mit der<br />

Ehrfurcht vertraut, die seine Worte hervorrufen.<br />

Wir sind in Paris, in der Rue Laugier 9, im 17. Arrondissement,<br />

nicht weit vom Arc de Triomphe entfernt. Die auf den ersten Blick<br />

schlichten, an eine Werkstatt erinnernden Holzfenster, setzen<br />

die 1.800 Quadratmeter eines wunderbaren Ateliers ins richtige<br />

Licht: Eine Fensterkuppel, zwölf Meter hohe Decken und endlose<br />

Räume, die mit antiken dekorativen Rahmenpaneelen ausgestattet<br />

sind – ein Ort, an dem sich die Geschichte der Dekoration und<br />

die faszinierende Geschichte von Féau Boiseries überschneiden.<br />

Dieses Juwel des französischen Kunsthandwerks wurde im Laufe<br />

von mehr als zwei Jahrhunderten von drei Familien weitergeführt,<br />

die das Archiv hüteten – und das 1875 von Charles Fournier begonnene<br />

Werk fortführen, einem der berühmtesten Innendekorateure<br />

seiner Zeit. Hier im Atelier in der Rue Laugier schuf Fournier<br />

Dekorationen wie die der wunderschönen Jugendstil-Villa Rothschild-Ephrussi<br />

in Saint-Jean-Cap-Ferrat, des Palais Rose von Boni<br />

de Castellane in der Avenue Foch und des prächtigen Herrenhauses<br />

des Stahlmagnaten und Kunstsammlers Henry Clay Frick in<br />

New York, das heute die Sammlung Frick beherbergt.<br />

Guy und Joel Féau, Vater und Sohn, traten Anfang der 1960er-Jahre<br />

in das Unternehmen ein und übernahmen es damals von dem<br />

Innenarchitekten Raymond Grellou, der es 1917 erworben hatte.<br />

Beide wurden in der Schule großer Dekorateure wie Jean Pascaud<br />

und Stéphane Boudin ausgebildet (Letzterer verantwortlich für<br />

die Renovierung im Weißen Haus zu Zeiten von Jackie Kennedy).<br />

In der Familie Féau herrscht eine große Leidenschaft für die dekorativen<br />

Künste, die Guillaume und Angelique, die Kinder von Joel,<br />

einatmeten und dann in die Fußstapfen der Familie traten. „Ich<br />

bin die dritte Generation einer dreifachen Familiensaga“, lächelt<br />

Guillaume und erinnert sich: „Als ich das Geschäft in den Neunzigerjahren<br />

übernommen habe, führte ich das Unternehmen von<br />

einem Einrichtungsgeschäft zurück auf seine Hauptaufgabe aus<br />

der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg: Heute sind wir darauf spezialisiert,<br />

Innenarchitekten mit wichtigen Dekorationselementen<br />

zu beliefern.“ Guillaume folgte damit seiner Intuition, dass dieses<br />

Know-how über Boiserie-Vertäfelungen und ihre aufwendige<br />

Tradition bei der Verkleidung subtiler Architekturen eine immer<br />

größere internationale Kundschaft verführen würde.<br />

Mit einem Archiv von Tausenden von Rahmen, Paneelen, Maquetten,<br />

Zeichnungen und Modellen ist Féau Boiseries ein einzigartiger<br />

Magnet auf diesem Gebiet. „Es ist wie ein Süßwarenladen<br />

für Innenarchitekten!“ Guillaume kichert mit unverhohlener<br />

Begeisterung. Er kennt die Herkunft jedes einzelnen Stücks und<br />

die Geschichte dahinter auswendig. Wir gehen durch das Archiv<br />

und er erzählt mir von einem Paneel aus der Sammlung Hubert<br />

de Givenchy, das er bei Christie‘s erworben hat, von der riesigen<br />

Bibliothek im Kuppelsaal (Seite 123), die Jacques Dousset, einem<br />

der größten Sammler des 20. Jahrhunderts, gehörte – und von<br />

der Miniaturensammlung in seinem Büro, die unter anderem das<br />

erste Schlafzimmer Napoleons darstellt.<br />

Im Laufe der Jahre hat Guillaume Féau eine enzyklopädische Kultur<br />

und ein enzyklopädisches Wissen im Bereich der Dekoration<br />

aufgebaut und eine unglaubliche Sammlung zusammengestellt,<br />

die von der Renaissance über das Art déco bis zu den 1970er-Jahren<br />

reicht, wobei er eine besondere Vorliebe für das 18. Jahrhundert<br />

kultiviert. Für das Thema Boiserie eine Kernzeit. „Ich habe<br />

80 Prozent unseres Archivs gekauft, nachdem ich in das Unternehmen<br />

eingetreten war. Wir hatten eine breite Basis, aber für<br />

mich ist es eine echte Leidenschaft. Auf Stücke wie diese stößt<br />

man nicht oft im Leben.“ Er fährt fort und gesteht: „Wir hatten<br />

Glück, denn sowohl das ursprüngliche Archiv als auch das Gebäude<br />

blieben mit den Grundstückspassagen in der Familie.“ In<br />

der Tat ist das historische Atelier, das in jüngster Zeit zurückerworben<br />

wurde, über die Jahrhunderte hinweg unverändert geblieben.<br />

Wie eine Zeitmaschine zieht es immer wieder zeitgenössische<br />

Designer wie Pierre Yovanovitch, Michael S. Smith oder<br />

Jacques Garcia an, treue Kunden des Ateliers, und inspiriert sie.<br />

„Unsere Stärke ist neben dem umfangreichen Archiv ein sehr reaktionsschnelles<br />

Designteam“, so Guillaume. „Wir haben 15 Leute,<br />

die zeichnen, und in einer Stunde kann ein Designer am Ende eines<br />

Besuchs den Ausstellungsraum mit einem Originalentwurf verlassen,<br />

der auf kostbarem Papier gedruckt ist, mit allen Details und<br />

perfekten Proportionen. Da machen wir keine Fehler.“<br />

In einer Welt, in der Schnelligkeit ein absoluter Wert ist, wird das<br />

Unternehmen mit diesem Ansatz sicherlich auf einem immer anspruchsvolleren<br />

globalen Markt für Luxusgüter präsent sein.<br />

„Europa ist nicht unser größter Markt, wir haben große Projekte in<br />

Italien, Frankreich und England, aber wir arbeiten hauptsächlich<br />

für die Vereinigten Staaten und Asien. Giullaume ergänzt: „Wir<br />

haben derzeit Projekte in New York, Palm Beach, Malibu und LA in<br />

Arbeit und haben gerade ein riesiges Stadthaus in Tokio realisiert.<br />

36.000 Quadratmeter, so groß wie der Palast von Versailles.“<br />

Fest in der Tradition verankert, aber mit Blick auf die Zukunft, hat<br />

Guillaume eine innovative Technik für Großprojekte eingeführt, bei<br />

der Harz verwendet wird: Durch die Herstellung von Gussformen<br />

nach den Originalmodellen gelingt es dem Atelier, die Produktionszeit<br />

und die Kosten für Friese und Dekorationen zu reduzieren. „Das<br />

Harz macht die Arbeit viel billiger, und das Endergebnis reproduziert<br />

genau die Stücke, die große Architekten bereits gemeistert haben,<br />

und könnte möglicherweise in Museen aufbewahrt werden.“ ☐<br />

Stillleben mit Rokoko-Interieur. Hinter den Rahmen mit Rocaille-<br />

Ornamentik stellte Féau die Ansicht eines zeitgleichen Interieurs.<br />

Hier wird deutlich, welche Bedeutung Boiserien im Barock und<br />

anschließenden Rokoko hatten. Davor eine Grafik aus der Zeit um<br />

1800 und eine Dose mit Perlmuttbesatz und Elfenbeinknauf.<br />

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REPORTAGE ! XXXXXX<br />

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REPORTAGE ! XXXXXX<br />

IN THE<br />

JUNGLE<br />

Mitten im grünen Urwald von Yucatán errichtete der Bildhauer Javier<br />

Marín ein auf seine Werke zugeschnittenes Gebäude und öffnet damit<br />

die Türen für eine Gemeinschaft lokaler Künstler.<br />

FOTOS: NIN SOLIS TEXT: TAMI CHRISTIANSEN/ ANKE GUNGL<br />

132 WD 6 I <strong>2022</strong>


REPORTAGE ! XXXXXX<br />

Als jahrhundertealte Enklave der indigenen Maya-Stämme ist<br />

die mexikanische Halbinsel Yucatán durch unzählige archäologische<br />

Gedenkstätten und ein tiefes Bewusstsein für ihr reiches<br />

kulturelles Erbe geprägt. Noch heute stammt ein beträchtlicher<br />

Anteil der Bevölkerung in der Region von dieser mächtigen<br />

Hochkultur ab, der die Traditionen im Hier und Jetzt weiterlebt.<br />

So auch in der Kunst, die früher eher selten um ihrer selbst willen<br />

entstand, sondern immer einem Zweck diente – beispielsweise<br />

der Verehrung und Besänftigung von Göttern.<br />

Bildhauer Javier Marín konnte sich keinen besseren Ort für sein<br />

Projekt „Plantel Matilde“, unweit der Hauptstadt Mérida, vorstellen.<br />

Das monumentale Bauwerk vereint Atelier, Galerie sowie<br />

Zuhause – außerhalb des Trubels von Mexiko-Stadt, wo der<br />

Bildhauer normalerweise lebt und arbeitet. Als Teil seiner 2013<br />

gegründeten Stiftung „La Fundación Javier Marín“ fungiert es<br />

zudem als Kunstzentrum und Ideenlabor mit mehreren Ateliers<br />

und Unterkünften für ansässige Künstler. „Ich wollte einen Zufluchtsort<br />

und einen Raum für Kreativität, Meditation, geistige<br />

Anregung und Introspektion schaffen – das war die Absicht“,<br />

so Marín. Das 400.000 Quadratmeter große Grundstück – eine<br />

ehemalige Agavenplantage – bildet den perfekten Rahmen. Der<br />

Bildhauer hatten von Beginn an klare Vorstellungen von der<br />

Gestaltung und dem Konzept, das er zusammen mit seinem<br />

Bruder, dem Architekten Arcadio Marín, entwarf. „Das Dach ist<br />

bei diesem monumentalen Gebäude von großer Bedeutung.<br />

Ich wollte einen erhöhten Raum, eine Art Observatorium, um<br />

von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang beobachten<br />

und betrachten zu können, wie sich das Licht verändert.<br />

Der Horizont von Yucatán ist einzigartig. Da es keine Berge gibt,<br />

kann man die gesamte Maya-Ebene überblicken. Nichts stört<br />

die Sicht“, erklärt Marín.<br />

Die brutalistische Architektur besteht aus Sichtbeton-Elementen<br />

und nimmt Einflüsse von Maríns bildhauerischen Arbeiten<br />

auf, die den kreativen Prozess sowie die Konstruktion und Dekonstruktion<br />

dreidimensionaler Formen erforschen. Anstatt<br />

den ästhetischen Aspekt in den Vordergrund zu stellen, wurde<br />

auf die Funktionalität der Umgebungen geachtet, indem Materialien<br />

und Oberflächen gewählt wurden, die keine besondere<br />

Wartung erfordern. Einer Klosteranlage gleich umschließen<br />

vier Flügel – zwei Hallen und zwei monolithische Kolonnaden<br />

– ein Wasserbecken. In dessen Mitte befindet sich eine kleine<br />

Insel, die ein Stück des ursprünglichen Landes bewahrt. „Neben<br />

seiner ästhetischen Funktion dient das Bassin auch dazu, Tiere<br />

aus dem Haus zu vertreiben und die Umgebung kühl zu halten.<br />

Ich mag dieses reine Stück Natur, das wir intakt gelassen haben<br />

und das auf die Jahreszeiten reagiert.“ Marins überdimensionale<br />

Skulpturen aus Bronzeguss wurden in den offenen Arkadengängen<br />

positioniert: abstrakte Darstellungen des menschlichen<br />

Körpers mit dem Betrachter zugewandten ausdrucksstarken<br />

Gesichtern. Ihre monumentale Größe stellt enorme Anforderungen<br />

an die Architektur. „Die Deckenhöhe beträgt ganze 10<br />

Meter. Die herrliche Umgebung und die weite Landschaft bil-<br />

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REPORTAGE ! XXXXXX<br />

Die zehn Meter hohe Eingangshalle diese Seite ist wie<br />

geschaffen für Javier Maríns Skulpturen im XXL-Format.<br />

Rechte Seite: Blick vom Wohnzimmer ins Esszimmer. Eine<br />

Kollektion handgefertigter Keramik aus schwarzem Ton,<br />

die der Hausherr gestaltete, steht im Raum verteilt.<br />

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REPORTAGE ! XXXXXX<br />

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REPORTAGE ! XXXXXX<br />

den den perfekten Hintergrund.“ Die beiden riesigen Hallen<br />

spiegeln die Symmetrie des Gebäudes wider. Der Eingang zu<br />

Maríns privatem Bereich in der Nähe des Beckens ist unauffällig<br />

und leicht zu übersehen. Die Betontreppe scheint in einen Bunker<br />

hinabzuführen, an ihrem Ende wird man jedoch von einer<br />

Reihe geräumiger, lichtdurchfluteter Räume überrascht. Deren<br />

Fenster befinden sich auf derselben Ebene wie das Bassin, wodurch<br />

das sich darin spiegelnde Sonnenlicht die Räume erhellt.<br />

Rotes Grundgestein und Felsblöcke bilden das Fundament der<br />

Architektur und sorgen gleichzeitig für eine natürliche Ästhetik,<br />

die sich vom sandfarbenen Chukum-Pflaster abhebt. Holzelemente,<br />

wie Trennwände, Regale und Türen, kontrastieren die<br />

brutalistische Struktur. „In völliger Harmonie mit den Prinzipien,<br />

die meiner künstlerischen Produktion zugrunde liegen – der<br />

Vorliebe für das Unvorhersehbare, das Unvollkommene und<br />

das Unfertige – ist dies ein Gebäude, das darauf wartet, dass<br />

die Umwelt ihm ihren Stempel aufdrückt.“ Das Design basiert<br />

auf prähispanischen Einflüssen sowie auf sakralen Elementen<br />

der klösterlichen Architektur und spiegelt die Charakteristika<br />

traditioneller Hacienda-Höfe wider. Diese Details werden mit<br />

einer zeitgenössischen und nicht-ornamentalen Ausstattung<br />

aufgegriffen. Die Handschrift des Künstlers ist überall im Haus<br />

zu sehen, von dekorativen handgemalten Wandbildern im Esszimmer<br />

und im Hauptschlafzimmer bis hin zu einer Sammlung<br />

großer schwarzer Keramikvasen, die auf Regalen im Wohnzimmer<br />

und im Flur stehen. Die Einrichtung ist rustikal und reduziert,<br />

dennoch raffiniert. Rohe Baumstämme und eine rostige<br />

Metallsäule im sparsam möblierten Hauptschlafzimmer rahmen<br />

die Bettstelle, und ein langes Holzregal, das sich über die<br />

gesamte Breite des Raumes erstreckt, präsentiert eine Sammlung<br />

kuratierter Holzobjekte. Die große Küche, wie aus einem<br />

Fels herausgemeißelt, ist ein Dreiklang aus Beton, Gestein und<br />

Chukum in Sandtönen von Grau über Braun bis Beige. Antike<br />

Krüge und Vasen verleihen dem Raum die Ästhetik einer archäologischen<br />

Grabungsstätte. Auch im Esszimmer (diese Seite)<br />

trifft alt auf neu, klassisch auf modern. Den großen minimalistischen<br />

Holztisch entwarf der Hausherr und kombiniert ihn<br />

mit antiken Stühlen. In einem großen Schrank ist das Emaillegeschirr<br />

untergebracht. Borde aus Holz und Stein sowie lokale<br />

Terrakotta-Gefäße verleihen dem Raum eine natürliche Aura.<br />

Die Gästezimmer, die in einem separaten Flügel gegenüber von<br />

Maríns Privatwohnung untergebracht sind, bieten Platz für Besucher<br />

und immer wieder auch für das Team von Handwerkern,<br />

die Marín bei der Herstellung seiner überdimensionalen Skulpturen<br />

unterstützen. Diese (Kloster-)Zellen sind bescheiden und<br />

funktional ausgestattet. Eingebaute Betten und Bänke, Naturtextilien,<br />

Bodenmatten aus gewebten Pflanzenfasern und Holzmöbel<br />

sorgen für ein dezentes, etwas düsteres Ambiente, das<br />

auf das ursprüngliche Konzept zurückzuführen ist: ein Atelier<br />

und ein Zuhause für Besinnung und Kontemplation zu schaffen.<br />

„Diese ganze Ästhetik macht das Gebäude zu einer bewohnbaren<br />

Skulptur, die sich ständig verändert.“<br />

□<br />

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REPORTAGE ! XXXXXX<br />

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REPORTAGE ! XXXXXX<br />

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REPORTAGE ! XXXXXX<br />

Wie im Rest des brutalistischen Gebäudes dominiert auch im Hauptschlafzimmer<br />

Sichtbeton neben natürlichen Materialien. Das Bett wird von drei Baumpfählen und<br />

einer rostigen Metallstütze eingerahmt. Auf dem Holzregal, das sich über die gesamte<br />

Länge des Raumes zieht, platzierte Marín eine Sammlung kuratierter Objekte.<br />

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REPORTAGE ! XXXXXX<br />

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Bildhauer Javier Marín links ist<br />

Künstler mit Leib und Seele.<br />

Das selbstgemalte Wandbild<br />

prangt an der Fassade seines<br />

Kunstzentrums „Plantel Matilde“<br />

im mexikanischen Yucatán.<br />

Diese Seite: Der zentrale<br />

Innenhof des quadratischen<br />

Anwesens mit Wasserbecken<br />

und einer begrünten Insel darin<br />

ist einer der Lieblingsplätze<br />

des Hausherren.<br />

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REPORTAGE ! CARACAS<br />

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WIE EIN SCHMETTERLING<br />

Das Caracas der 1950er Jahre florierte. Die riesigen Ölreserven des Landes lassen<br />

Venezuela wirtschaftlich prosperieren, die Hauptstadt gab ein Versprechen auf Moderne,<br />

von dem sich auch der italienische Architekt Gio Ponti verführen ließ.<br />

FOTOS: MATTHIEU SALVAING TEXT: ANA CARDINALE/ MIRIAM ZIMMERMANN<br />

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REPORTAGE ! CARACAS<br />

Für die Treppen, den Boden und das obere Stockwerk wurde venezolanisches Holz mit aus Italien<br />

importiertem Marmor kombiniert. Im Hintergrund hängt ein großes Mobile „Ceiba“ von Alexander Calder<br />

an der geometrisch bemalten Decke im Eingangsbereich. Das Mobile ist eines von zahlreichen modernen<br />

Kunstwerken, welche die Eheleute Planchart, in Zusammenarbeit mit Gio Ponti ausgesucht haben.<br />

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REPORTAGE ! XXXXXX<br />

Die Keramikwand von Fausto Melotti erstreckt sich bis in den offenen tropisch anmutenden Speisesaal.<br />

Eine achteckige Tischplatte aus Mahagoniholz wird von sechseckigen schwarzen und weißen Marmorfüßen<br />

getragen. Die Stühle sind von Luisa ? Ico Parisi. An der Decke wiederholt sich das Motiv der geometrischen<br />

Muster in Form von diagonal ausgerichteten weißen und gelben Streifen ... Sommerfeeling.<br />

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REPORTAGE ! CARACAS<br />

Den größten Teil des Mobiliars für die zweistöckige Empfangshalle gestaltete Ponti persönlich. Giordano<br />

Chiesa führte die Entwürfe aus. An der Decke emblematische Mond/Sonne-Motive, die in der Dekoration<br />

des gesamten Hauses sehr präsent sind. Der Mond steht symbolisch für Anala und die Sonne für Armando<br />

Planchart. Den Boden inszenieren große Marmorplatten in verschiedenen Dimmensionen und Farben.<br />

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REPORTAGE ! XXXXXX<br />

Das Ankleidezimmer von Anala Planchart kleiden Familien- und Erinnerungsfotos. Trotz der großen<br />

architektonischen Ambitionen des Projektes und der ausgeklügelten Gestaltung bis ins kleinste Detail,<br />

stand immer auch fest, dass die Plancharts das Haus bewohnen und persönlich gestalten wollten.<br />

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Das wohlhabende Ehepaar Anala und Armando Planchart war<br />

in den 1950er-Jahren auf der Suche nach einem neuen Domizil.<br />

Sie kauften ein Grundstück oberhalb von Caracas mit einem<br />

360-Grad-Blick auf die Berge, zwischen denen sich die Stadt erstreckt.<br />

Die Plancharts waren leidenschaftliche Kunstsammler<br />

und vor allem Anala begeisterte sich für moderne Architektur.<br />

Sie beschloss, Gio Ponti, einen damaligen Stararchitekten aus<br />

Italien und Herausgeber der renommierten Architekturzeitschrift<br />

„Domus“, mit dem Bau ihres Hauses zu beauftragen.<br />

Ponti bewegte sich als junger Baukünstler zunächst in den<br />

Kreisen der Mailänder Neoklassizisten, „Novecento Milanese“.<br />

1928 gründete er mit einem Freund die Zeitschrift „Domus“, die<br />

bereits in den ersten Jahren zum wichtigen Forum des „Razionalismo“<br />

wird und Pontis allmählichen Kurswechsel zwischen<br />

beiden Architekturrichtungen antizipierte. Eben diese Dualität<br />

resultierte in den faszinierenden und vielschichtigen Arbeiten<br />

des Italieners, der seinen Stil selbst trocken wie folgt beschrieb:<br />

„Man muss weder ein dogmatischer Anhänger des modernen<br />

Designs noch ein dogmatischer Anhänger des traditionellen Designs<br />

sein, um modern und traditionell zu sein, und man muss<br />

148<br />

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REPORTAGE ! CARACAS<br />

sich auch nicht mit all dem befassen. Es reicht aus, den Geist<br />

einer modernen Kultur zu kennen, und was das »Italienische«<br />

betrifft, so reicht es aus, Italiener zu sein.“ Basta.<br />

Im Jahr 1953 trafen sich die Plancharts auf einer ihrer zahlreichen<br />

Reisen durch Europa mit Ponti, um ihn persönlich von ihrem<br />

Bauvorhaben zu überzeugen. Sie wünschte sich „ein Haus<br />

ohne Wände“, so Anala zu dem italienischen Architekten, der die<br />

Herausforderung nach kurzem Staunen annahm und den beiden<br />

zusagte. Unkonventionell, leicht und modern sollte es sein.<br />

Zahlreiche Briefe mit Ideen, Skizzen und Plänen werden ausgetauscht,<br />

und schon in einem der ersten versprach Ponti seinen<br />

beiden Auftraggebern, dass das Haus „so sanft wie ein großer<br />

Schmetterling“ auf der Spitze des Hügels „El Cerro“ sitzen soll.<br />

Im Jahr 1954 kommt Ponti das erste Mal nach Caracas und ist<br />

entzückt. Die schnell wachsende, moderne Stadt scheint ihren<br />

Architekten schier unbegrenzte Freiheiten in der Gestaltung<br />

und Konstruktion ihrer Gebäude zu lassen. Besonders beeindruckt<br />

zeigt Ponti sich von der Ciudad Universitaria de Caracas,<br />

einem Werk des venezolanischen Architekten Carlos Raúl<br />

Villanueva, das Jahrzehnte später von der UNESCO zum Weltkulturerbe<br />

erklärt wurde. In den darauffolgenden Monaten und<br />

Jahren folgen noch zahlreiche weitere Besuche Pontis in Venezuela<br />

sowie der Austausch von über 700 Briefen. Die Plancharts<br />

und den italienischen Architekten verband mittlerweile eine<br />

Freundschaft, die auf ähnlichen Werten und gegenseitigem Respekt<br />

basiert. „Ich muss sagen, dass dies eine sehr angenehme<br />

Aufgabe war, denn die Anfragen waren immer intelligent, klar,<br />

diskret, und wurden mit vertrauensvoller Freundschaft von den<br />

unübertroffenen Personen gestellt, denen ich diese Arbeit widmete“,<br />

so Ponti über die besondere Zusammenarbeit. 1957 wurde<br />

das Haus später fertig gestelllt und bezogen. Armando starb<br />

im Jahr 1978 in Caracas, Anala lebte noch bis zu ihrem Tod im<br />

Jahr 2005 in „El Cerro“, wie das Haus auch genannt wird.<br />

Heute befindet sich das Gebäude im Besitz der Fundación Anala<br />

y Armando Planchart, einer Stiftung, die Armando Planchart<br />

1970 zur Förderung von Kunst und Kultur in Venezuela gegründet<br />

hat. Aufgrund der fatalen wirtschaftlichen sowie politischen<br />

Situation, unter der Venezuela seit Jahren leidet, ist die Stiftung<br />

für den Erhalt der Villa und des Inventars auf internationale Unterstützung<br />

angewiesen, die vor alllem aus Italien kommt. ☐<br />

Auch in der Küche links dominiert die Farbe Gelb auf den<br />

lackierten Schrankfronten aus Stahl – im Wechsel mit Weiß.<br />

Alle Möbel im Schlafzimmer oben sind von Gio Ponti. An der<br />

rechten Wand ein Ölgemälde von Marie Laurencin, das Anala<br />

bei einem Restaurantbesuch im New York entdeckte und<br />

mitbrachte. „Superleggera N° 699“-Stühle aus Eschenholz mit<br />

Sitz aus Raffiabast von Cassina. Bezugsquellen auf Seite 180.<br />

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KOLUMNE ! MODERNES <strong>LEBEN</strong><br />

IST DAS <strong>KUNST</strong><br />

ODER KANN DAS WEG?<br />

UNSER AUTOR FRANK-OLIVER GRÜN SCHREIBT ÜBER DAS <strong>LEBEN</strong><br />

<strong>MIT</strong> DER TECHNIK. DIESMAL: KRYPTO-<strong>KUNST</strong> <strong>MIT</strong> NFTS.<br />

So ziemlicher jeder, der sich für den Kunstmarkt interessiert, hat<br />

mittlerweile von NFTs gehört. Spätestens seit März 2021 sind<br />

„Non Fungible Tokens“ in aller Munde. Damals konnte Christie’s<br />

mit der Auktion eines NFT die stattliche Summe von 69 Millionen<br />

US-Dollar einstreichen. Objekt der Begierde: eine Collage<br />

des amerikanischen Digitalkünstlers Mike Winkelmann, alias<br />

„Beeple“. Der Grafikdesigner aus Wisconsin hatte die<br />

ersten 5000 Bilder seiner täglichen Posts auf sozialen<br />

Medien in einer gemeinsamen JPEG-Datei vereint<br />

und per NFT verbrieft. Soll heißen: Es gibt nun<br />

ein digitales Echtheitszertifikat, das auf die Datei<br />

verweist und als Eigentumsnachweis gilt.<br />

Diese „nicht ersetzbare“ (non fungible) Wertmarke<br />

(token) ist in einer sogenannten Blockchain gespeichert,<br />

wodurch der Eintrag fälschungssicher wird.<br />

Unter Umständen hilft er dabei, Künstlerinnen und<br />

Künstler an der Wertsteigerung ihrer Werke zu beteiligen,<br />

wenn diese weiterverkauft werden. Es können<br />

aber trotzdem Kopien der Originaldatei existieren,<br />

sogar beliebig viele. Dank Digitaltechnik sind alle<br />

mit der Vorlage identisch und somit besser als jede<br />

Reproduktion eines Ölgemäldes. Doch nur ein Exemplar<br />

darf sich Original nennen. Als Schutz vor Missbrauch<br />

und Betrug taugen diese NFTs also nicht. Jeder<br />

Nerd mit Blockchain-Grundkenntnissen kann auf<br />

das Duplikat selbst ein Zertifikat anmelden und es<br />

dann vermarkten, obwohl er gar nicht Urheber der<br />

jeweiligen Kunst ist. Manche NFT-Marktplätze im Internet<br />

lassen sich deshalb schriftlich bestätigen, dass die Werke<br />

von denen stammen, die sie anbieten – mit einem Zertifikat<br />

fürs Zertifikat gewissermaßen. Ohne vertrauenswürdige Quelle,<br />

sprich Galerie, geht es wohl auch im Digitalzeitalter nicht.<br />

Das hindert Sammlerinnen und Sammler wenig daran, immense<br />

Beträge auszugeben. Prominente wie Eminem, Gwyneth<br />

Paltrow, Madonna und Snoop Dogg mischen in der Szene mit,<br />

unterstützt von Krypto-Influencern, die ihren Followern das<br />

große Geld versprechen. Die verwendete Blockchain-Technologie<br />

stammt aus dem Finanzsektor – Krypto-Währungen wie<br />

der Bitcoin arbeiten damit – und scheint auch Investoren dahin<br />

gehend zu beflügeln. Affenbildchen des Bored Ape Yacht Club<br />

(BAYC) gehen für mehrere Zehntausende Dollar über den virtuellen<br />

Ladentisch – in der Hoffnung, der Wert möge steigen. Dass<br />

es auch in die entgegengesetzte Richtung laufen kann, zeigt das<br />

Beispiel von Sina Estavi. Der Krypto-Unternehmer iranischer<br />

Herkunft ersteigerte 2021 ein NFT des ersten Tweets von Twitter-Gründer<br />

Jack Dorsey für 2,9 Millionen Dollar. Ein Jahr später<br />

wollte er den Screenshot wieder verkaufen und legte das Mindestgebot<br />

auf 48 Millionen Dollar fest. Der Deal kam nie zustande.<br />

Zum Zeitpunkt dieser Kolumne, im September <strong>2022</strong>, steht<br />

das Höchstgebot auf 17 US-Dollar und 35 Cent.<br />

Kunst nur dann zu kaufen, wenn sie einem gefällt, war schon immer<br />

ein guter Tipp. Für NFTs, die häufig Spekulationsobjekte sind,<br />

gilt er besonders. So bleibt im Falle eines Totalverlusts immerhin ein<br />

digitales Bild oder ein Video, das sich anzuschauen lohnt. Es muss<br />

ja nicht auf einem NFT-Display wie dem Lago Genesis Frame sein,<br />

das alleine schon mit 4.500 US-Dollar zu Buche schlägt (Bild). Der<br />

Smart-TV an der Wand oder ein Computer-Monitor tun’s auch.<br />

Bleibt das Problem des ökologischen Fußabdrucks: Um die weltweite<br />

Ethereum-Blockchain der Krypto-Währung Ether am Laufen<br />

zu halten, auf der viele NFTs basieren, sind große Mengen Energie<br />

nötig. Der geschätzte Jahresverbrauch lag bislang bei fast 100 Terawattstunden,<br />

was rechnerisch einem CO2-Ausstoß von 52 Millionen<br />

Tonnen oder dem Äquivalent von Griechenland entspricht. Mit<br />

mehr erneuerbaren Energien wird dieser Wert sinken. Außerdem<br />

stellt Ethereum gerade auf eine effizientere Technologie um, die den<br />

Stromverbrauch um 99 Prozent senken soll. Damit würde die Spekulation<br />

mit NFTs dann nicht mehr auf Kosten des Klimas gehen. ☐<br />

© Lago: „Genesis Frame“<br />

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SPEZIAL ! FINE DINGING<br />

Ohne ein prima Team, funktioniert die beste Küche nicht.<br />

Für Anna Roš Grund genug, ihre Mitarbeiter zu verwöhnen.<br />

Hier bei einer Auszeit am Bach. Mehr ab Seite 154.<br />

152 WD 6 I <strong>2022</strong>


STERNSTUNDEN<br />

Beim Fine Dining isst auch das Auge mit. Sechs Spitzengastronomen<br />

waren in Plauderlaune und ließen uns „in ihre Töpfe schauen“.<br />

154 I ANA ROŠ Von der Spitzensportlerin zur Spitzenköchin mit zwei Sternen<br />

156 I JAN HARTWIG Was macht ein Sternekoch zum Zeitvertreib? Pop-up ...<br />

158 I DYLAN WATSON-BRAWN ist der neue Star der deutschen Gastro-Szene<br />

162 I TANJA GRANDITS und ihr Basler 2-Sterne-Restaurant „Stucki“<br />

164 I KEVIN FEHLING über 3-Sterne-Küche, Inspiration und kultivierte Gelassenheit<br />

153 I DALAD KAMBHU zeigt, wie thailändische Küche auf Sterne-Niveau geht<br />

© Suzan Gabrijan<br />

WD 6 I <strong>2022</strong><br />

153


SPEZIAL ! FINE DINING<br />

© Primož Lukežič<br />

LIEBHABEREI AUF DIE SPITZE GETRIEBEN<br />

Ana Roš (ganz rechts) ist Ehefrau und Mutter, Botschafterin des<br />

gastronomischen Tourismus der Welttourismusorganisation<br />

(UNWTO), wurde als Wunderkind des slowenischen Skisports<br />

gefeiert und betreibt heute als Spitzenköchin eines der besten<br />

Restaurants der Welt. Aber ihr Werdegang war ganz anders geplant:<br />

„Ich sollte eigentlich Diplomatin werden. Meine Eltern<br />

haben mich von klein auf gepusht und viel in meine Ausbildung<br />

investiert. Sie haben immer daran geglaubt, dass aus mir »jemand«<br />

werden würde“, erzählt die ehemalige Hochleistungssportlerin.<br />

Also absolvierte sie ein Studium der internationalen<br />

und diplomatischen Wissenschaften in Italien, wo sie ihrem<br />

heutigen Geschäftspartner und Lebensgefährten Valter Kramar<br />

begegnete. „Seine Eltern besaßen »Hiša Franko«, ein bereits<br />

etabliertes Restaurant im slowenischen Kobarid, nahe der<br />

italienischen Grenze. Wir beschlossen, es zu übernehmen. Wir<br />

reisten viel, besuchten Restaurants und Winzer, erkundeten die<br />

Welt. Diese Art von Leben hat mir sehr gut gefallen. Ich entdeckte<br />

neue Länder, neue Orte, und mir wurde klar, dass ein Leben<br />

nach Regeln sehr einschränkend sein kann. Es ist die Freiheit, die<br />

mich ausmacht.“ Als sich ihr Schwiegervater und Chefkoch in<br />

den Ruhestand zurückzog, übernahm sie die Küche. „Zu diesem<br />

Zeitpunkt erhielt ich ein Jobangebot aus Brüssel, um dort in der<br />

Diplomatie zu arbeiten. Aber ich habe es für Valter und für unsere<br />

Beziehung abgelehnt. Ich beschloss, alles zu riskieren und<br />

als Küchenchefin zu arbeiten, obwohl ich nie eine Kochschule<br />

besucht habe. Ich wusste, wie man Nudeln zubereitet, aber das<br />

bedeutete nicht, dass ich kochen konnte. Alles, was ich übers<br />

Kochen weiß, habe ich mir selbst beigebracht.“ Mithilfe eines<br />

Freundes der Familie und stundenlanger Lektüre von Kochbüchern<br />

experimentierte sie an der Auffrischung traditioneller Rezepte<br />

aus dem oberen Soča-Tal. „Die ersten Jahre waren wirklich<br />

hart, aber wir haben uns sehr angestrengt, gearbeitet und uns<br />

weiterentwickelt. Fünfzehn Jahre später (2017) habe ich eine<br />

Auszeichnung als beste Köchin der Welt erhalten, was offensichtlich<br />

bedeutet, dass wir alles richtig gemacht haben.“ Mittlerweile<br />

ist das Hiša Franko mit zwei Michelin-Sternen und unzähligen<br />

weiteren Auszeichnungen dekoriert, darunter Platz 21<br />

unter den 50 besten Restaurants weltweit (Stand 2021). Trotz des<br />

Erfolges bleibt Roš ehrfürchtig und bodenständig. „Ich kämpfe<br />

hart dafür, eine ganz normale Frau mit ihrem normalen Leben zu<br />

bleiben, die einen Drink mit Freundinnen nimmt und dabei über<br />

Männer tratscht“, sagt sie lachend. Von Rollenmustern und Ge-<br />

154 WD 6 I <strong>2022</strong>


© Alle Fotos Suzan Gabrijan<br />

schlechterkämpfen in ihrem Metier hält sie nichts. „Ich glaube<br />

nicht, dass es der Emanzipation der Frauen in der Küche viel hilft,<br />

wenn wir den Unterschied zwischen den Geschlechtern zu sehr<br />

betonen. Die Wahrheit ist, dass eine Frau beweisen muss, dass<br />

sie genauso gut und geschickt in der Küche ist wie ein Mann.<br />

Aber am Ende des Tages sind wir vor den Gästen alle gleich“, sagt<br />

sie und fährt fort: „Ich glaube, dass weibliche Chefs eher dazu<br />

neigen, eine familiäre Atmosphäre zu schaffen.“ In den Augen<br />

der Mutter zweier Teenager ist es genau dieses Heimelige, das<br />

ihr Restaurant ausmacht. „Hiša Franko ist unser Zuhause. Wir<br />

leben und arbeiten hier 24 Stunden am Tag – zusammen mit<br />

den Gästen, die auch bei uns übernachten können. Unsere Kinder<br />

sind immer um uns herum, manchmal sogar in der Küche.<br />

Das bedeutet, dass in allem, was wir tun,<br />

viel Herz und Liebe steckt. Der Ort hat<br />

eine besondere Ausstrahlung, ein sehr<br />

persönliches Ambiente. Ich hänge sehr an<br />

meiner Familie, und ich denke, dass die<br />

Gäste das in Hiša Franko spüren können.“<br />

Viel Zeit für zwischenmenschliche Beziehungen<br />

bleibt nicht. Aber die Tatsache,<br />

dass sie Seite an Seite mit ihrem Mann<br />

arbeitet, hilft ihr ebenfalls. „Wir haben<br />

gemeinsame Visionen und unterstützen<br />

uns gegenseitig. Wir haben ein bis zwei<br />

Monate im Jahr geschlossen, in denen<br />

wir als Familie viel Zeit miteinander verbringen.“<br />

An ihrer Heimat Slowenien liebt<br />

sie vor allem die Vielfalt. „Ich bin ständig<br />

auf der Suche nach neuen Möglichkeiten,<br />

das slowenische Terroir in meine Küche<br />

zu integrieren. Auf diese Weise kommuniziere<br />

ich mit der Welt. Und ich habe das<br />

Gefühl, dass auch mein Land so mit der Welt kommuniziert.<br />

Darum geht es in diesem Job!“ Kulinarisch gesehen wird die slowenische<br />

Küche von den großen Traditionen der angrenzenden<br />

Nachbarn Italien, Österreich und dem Balkan beeinflusst und ist<br />

doch ganz eigen. „Es ist eines jener wendigen Länder, die eine eigene<br />

kulinarische Identität haben.“ Was würde sie angehenden<br />

oder aufstrebenden (weiblichen) Köchen raten, wollten wir abschließend<br />

wissen: „Habt Mut und hinterfragt, was ihr tut. Lernt<br />

aus Gesprächen. Niemals einschlafen. Reisen. Es gibt eine vielfältige<br />

Welt da draußen zu entdecken, und alle Eindrücke die man<br />

auf Reisen sammelt, und sei es nur um die Ecke, lassen einen<br />

wachsen, anders denken und machen einen zu einem anderen,<br />

besseren Menschen (und Koch).“<br />

|ag<br />

WD 6 I <strong>2022</strong><br />

155


SPEZIAL ! FINE DINING<br />

POP-UP: NEUES DEUTSCHES ESSEN RELOADED<br />

In der Welt der Michelin-Sterne ist es Gesetz, dass ein Koch diese<br />

nicht mitnehmen kann, wenn er sein Etablissement ab- oder<br />

übergibt. Sie bleiben beim Restaurant. Jan Hartwig, vormaliger<br />

Chef des 3-Sterne-Restaurants „Atelier“ im Bayerischen Hof, das<br />

drei Hauben vom Gault & Millau trägt, ist derzeit also sternelos.<br />

Ab November kann er beweisen, was sein neuer Kulinarik-Tempel<br />

im Rhaetenhaus in der Münchner Luisenstraße 27 alles draufhat.<br />

In der Zwischenzeit verwöhnte Hartwig seine Gäste mit einer<br />

Pop-up-Cuisine in der ehemaligen Kantine der Porzellanmanufaktur<br />

Nymphenburg (Foto oben Mitte). Gerichte wie „Chawanmushi<br />

& N25 Kaviar (Selektion Jan), Rumrosinen, Haselnüsse und Lauchöl<br />

aus Kyoto“ oder „Glasiertes Kalbsbries, Daikon, Pistazie aus Bronte;<br />

Kronkant-Kapern und Agrumen“ lassen keinen Zweifel daran<br />

aufkommen, dass „die Geschmacks-DNA immer die gleiche ist –<br />

wenn auch hier schon ein bisschen rustikaler, aber im positiven<br />

Sinn“, findet Hartwig und betont: „Das Gesamtkonzept für mein<br />

Interims-Restaurant »Jan« sollte etwas sehr Persönliches, Wohnliches<br />

vermitteln.“ Umlaufende Bank mit Kissen, geschmackvolle<br />

Wandfarben (Caparol Icons) und Teller-Unikate von Ruth Gurvich<br />

statt üblicher Bilder – wie das Geschirr auf dem Tisch natürlich von<br />

Nymphenburg. Für das Dessert „Bienenstich“ (Rhabarber, Vanille,<br />

Marcona Mandeln & Champagner) dann das Service „Koralle“.<br />

Für die Gäste nur das Beste: „Mein Ansatz beim Kochen ist, dass es<br />

in erster Linie einfach hervorragend schmecken muss, das ist mein<br />

Primärziel – und darüber hinaus muss es auch visuell ansprechend<br />

sein.“ Hartwig hat einen ästhetischen Anspruch an seine Kompositionen,<br />

will sich aber auch „mit Themen wie Nachhaltigkeit,<br />

Tierwohl und Gesundheit auseinander setzen. Das sind die drei<br />

156 WD 6 I <strong>2022</strong>


Grundpfeiler, auf denen meine Gerichte basieren.“ Wohl wissend,<br />

dass immer mehr Menschen sich rein pflanzlich ernähren. „Hier<br />

gibt es einen großen Unterschied in Städten innerhalb Deutschlands.<br />

Ich bin gut mit Tim Raue befreundet. In Berlin ist vegetarisch<br />

überhaupt kein Thema. Entweder Fisch oder Fleisch – oder man<br />

isst gleich vegan. Der Prozentsatz von vegetarischen Gästen ist<br />

verschwindend gering.“ Eine Entwicklung, die der Wahlmünchner<br />

sehr ernst nimmt, ähnlich wie Saisonalität. „Ich komme nicht auf<br />

die Idee, jetzt noch Himbeeren auf den Teller zu legen, oder ein Spargelgericht<br />

zu entwerfen. Der einzige Diktator, sage ich mal, ist die<br />

Saison.“ Inspirationen kommen, wenn man Zeit zum Nachdenken<br />

hat, „beim Zähneputzen, auf einem Flug, im Zug oder im Auto. Oder<br />

bei einem Bummel über den Viktualienmarkt. Also überall dort, wo<br />

man die Seele baumeln lassen kann.“<br />

Doch nochmals zurück in die deutsche Hauptstadt, in der alle Küchen<br />

dieser Welt inzwischen zu Hause sind. „Ja, daraus ergibt sich<br />

eine Synergie, bei der man am Ende gar nicht mehr so genau weiß,<br />

ist das vielleicht deutsch oder türkisch? Ist das jetzt levantinisch<br />

oder asiatisch? Das finde ich extrem interessant. Was das Kulturelle<br />

angeht, kann es für mich gar nicht bunt genug sein. Auf dem<br />

Teller versuche ich allerdings, eine Allerweltsküche zu vermeiden.“<br />

Also keine chinesisch abgeschmeckte Vinaigrette in der Vorspeise<br />

und dann Kreuzkümmel zum Lamm-Hauptgang – „man sollte die<br />

Ressourcen, die man hier um die Ecke hat, nutzen. Aber warum<br />

sollte ich auf Soja-Sauce verzichten, die in München nicht gebraut<br />

wird? Man darf schon den Horizont erweitern, ich halte nichts von<br />

Dogmatismus.“ Daher gibt es am Abend nach unserem Gespräch<br />

keine Salzwasserfische im Menü, sondern „fantastische Süßwasserfische<br />

aus Bächen und Weihern der Region. Saibling, Lachsforelle<br />

und Renke, kombiniert mit Aal. Und das in Sushi-Qualität.“ ...<br />

Deutsche Küche wird gerade neu erdacht: regional, international<br />

inspiriert und viel freimütiger, will sagen vielfältiger. „Jeder hat einen<br />

anderen Ansatz, verwendet andere Materialien, und das ist<br />

dann eben das Runde an der Geschichte.“<br />

|sd<br />

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XXXXXXXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

GOURMET-REBELL IM BERLINER KIEZ<br />

Wer sich nach Berlin-Wedding verläuft, der erlebt die Hauptstadt<br />

noch von ihrer ursprünglichen Seite. Fine Dining war hier<br />

bislang ein Fremdwort – bis das Sterne-Restaurant „Ernst“ 2017<br />

in eines der typisch tristen, grauen Gebäude einzog. Chefkoch<br />

Dylan Watson-Brawn (Bild Seite 159) war damals gerade einmal<br />

Mitte 20 und stellte die Gastro-Szene mit seiner puristischen<br />

und doch raffinierten Küche auf den Kopf. Mit nur acht Plätzen<br />

entlang einer Theke ist das Ambiente sehr intim. Alles spielt sich<br />

direkt vor den Gästen ab, auf die bis zu 35 kleine Gänge warten.<br />

Jetzt zieht „Julius“, der kleine Bruder, in den multikulturellen<br />

Kiez ein. Das minimalistische Ecklokal versprüht den Charme<br />

der Sixties – es war seinerzeit ein Laden für Damenmode: Große<br />

(Schau-)Fenster, gerahmt von einer Fassade mit bröckelnden<br />

weißen Fliesen. „Als die Räumlichkeiten direkt gegenüber frei<br />

wurden, waren wir sofort von der Offenheit begeistert. Auf diese<br />

Weise konnten wir das Konzept und das Angebot erweitern“,<br />

erläutert Restaurantleiterin Inga Krieger (Bild Seite 159 und<br />

160). „Die Hälfte unseres Teams war bereits bei der Eröffnung<br />

des »Ernst« an Bord.“ Das „Julius“ arbeitet auch mit denselben<br />

Lieferanten wie das Sterne-Restaurant, aber mit einem Casual<br />

Fine Dining Konzept: Manche Gäste kommen eher tagsüber auf<br />

einen Kaffee, French Toast oder am Wochenende für ein klassisch<br />

französisches Omelette, andere regelmäßig zum Menü.<br />

„Abends haben wir ein wöchentlich wechselndes Menü mit<br />

158 WD 6 I <strong>2022</strong>


SPEZIAL ! FINE DINING<br />

acht bis zehn Gängen, das auf die Saison reagiert und nur die<br />

besten biologischen und biodynamischen Produkte verwendet“,<br />

erklärt Krieger. Auf der Karte trifft japanische Hausmannskost<br />

auf klassisch französische Technik. Dabei entstehen Gerichte<br />

wie Aubergine Agedashi mit Buttermilch und Kräutern oder<br />

Schwarzkehlseebarsch mit geräucherter Butter. „Ein Sashimi-<br />

Gang ist immer dabei. Für Walk-Ins haben wir ein tägliches<br />

»á la carte«-Menü.“<br />

Den passenden Wein liefern Winzer oder kleine Importeure,<br />

die ohne Zusätze arbeiten und dem Low-Intervention-Prinzip<br />

folgen, sprich: Die Weine werden mit minimalen Eingriffen des<br />

Winzers hergestellt. Das Publikum ist international, aber auch<br />

Menschen aus nächster Nachbarschaft schätzen die schlichte<br />

Atmosphäre und die hohe Qualität der Speisen. „Viele kreative<br />

und designaffine Menschen natürlich, aber auch wirklich bunt<br />

gemischt, von jung bis alt – genauso wie wir es uns gewünscht<br />

haben.“ Führt man sich allerdings vor Augen, dass es in Berlin<br />

bereits ein gastronomisches Überangebot gibt, wie sticht man<br />

am besten aus der Menge heraus? Krieger: „Wenn Gäste sich<br />

wohlfühlen und sich auf die Qualität der Küche verlassen können,<br />

dann kommen sie auch wieder. Die einzelnen Zutaten sind<br />

immer die Basis für alles, was wir tun. Wir hinterfragen viel, vor<br />

allem die Herkunft und Anbaumethoden unserer Produkte, um<br />

die beste Qualität anzubieten. Dazu kommt aber natürlich auch<br />

der Service. Wir wollen, dass es unseren Gästen gut geht und<br />

holen sie dort ab, wo sie sich gerade befinden. Manche sind sehr<br />

neugierig und möchten alles erfahren, andere wollen einfach<br />

nur gut essen und einen schönen Abend verbringen. Beides ist<br />

möglich.“ Anders als in vielen Fine Dining Restaurants, mit oft<br />

wochenlanger Warteliste, ist hier auch ein spontaner Besuch<br />

WD 6 I <strong>2022</strong><br />

159


SPEZIAL ! FINE DINING<br />

möglich. „Wir halten immer ein paar Plätze an der Bar frei. Im<br />

Sommer bietet die große Terrasse noch mehr Möglichkeiten. Ich<br />

freue mich zum Beispiel sehr darüber, dass wir oft Single Diners<br />

bei uns haben. Wenn man sich alleine bei uns wohlfühlt, dann<br />

spricht das für eine gewisse Atmosphäre.“<br />

Was die Restaurantleiterin besonders an der Gastronomie reizt,<br />

ist die Interaktion mit den unterschiedlichsten Charakteren.<br />

„Die Möglichkeit, Menschen an einem schönen Ort zusammen<br />

zubringen und Momente zu teilen oder Geschichten von unseren<br />

Produzenten oder auch den Keramikern, mit denen wir arbeiten<br />

– das mag ich sehr. Für mich persönlich ist es auch die<br />

Herausforderung, einen Ort mit Seele zu schaffen. Gute Gastfreundschaft,<br />

ein zuvorkommender, aber entspannter Service<br />

ist mir sehr wichtig.“ Und dazu gehört ein Team, das am selben<br />

Strang zieht und die Werte des Unternehmens verinnerlicht. In<br />

Kriegers Augen ist das keine Selbstverständlichkeit mehr: „Gerade<br />

die Gastronomie hat – auch Corona geschuldet – viele Angestellte<br />

verloren. Die Bereitschaft, viele Stunden und abends zu<br />

arbeiten, hat sicherlich nachgelassen. Dafür kristallisieren sich<br />

diejenigen heraus, die wirklich für etwas brennen. So schwer<br />

es gerade ist, gutes Personal zu finden: Die Menschen, die wir<br />

finden, sind großartig und hoch motiviert. Das spüren auch die<br />

Gäste. Am Ende ist es etwas sehr Persönliches, wenn Menschen<br />

zu uns kommen, uns vertrauen, um bei uns einen schönen<br />

Abend zu verbringen. Außerdem bietet mir ein eigenes Restaurant<br />

die Möglichkeit, jeden Tag etwas zu verändern. Damit einher<br />

geht auch die Notwendigkeit, sich selbst und seine Aufgabe<br />

ständig zu reflektieren.“<br />

Besonders die letzten beiden Jahre haben dazu geführt, dass<br />

Menschen bewusst hinterfragen, wie sie ihre Zeit verbringen<br />

und wofür sie ihr Geld ausgeben wollen. „Die Leute beschäftigen<br />

sich immer mehr mit der Herkunft ihres Essens und was<br />

alles dahintersteckt: von den Produzenten bis hin zu der Küchen-Crew,<br />

die es zubereitet. Stimmen die Bedingungen, dann<br />

greifen sie auch gerne tiefer in die Tasche. Ich würde mir wünschen,<br />

dass eben dieses Bewusstsein zunimmt. Hinter einem<br />

Restaurant steckt viel mehr als nur gute Küche und hervorragender<br />

Service. Wir sind ein kleines Team und verbringen jeden<br />

Tag viele Stunden miteinander, um für den Gast ein schönes Erlebnis<br />

zu schaffen. Das ist intensiv, aber es kommt so viel zurück.<br />

Das bedeutet für mich, es verändert sich etwas in der Wahrnehmung<br />

der Restaurants und ihrer Gewichtung und Rolle für den<br />

sozialen Austausch.“<br />

|ag<br />

160 WD 6 I <strong>2022</strong>


XXXXXXXXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

© Alle Fotos Maya Matsuura<br />

WD 6 I <strong>2022</strong><br />

161


SPEZIAL ! FINE DINING<br />

MIKROKOSMOS DES LÄCHELNS, DER<br />

AROMEN UND DER FREUDE AM ESSEN<br />

Spitzengastronomie ist ein Knochenjob und Frauen sind noch immer die Ausnahme. Davon<br />

lässt sich Tanja Grandits nicht aufhalten. „Ich bin nicht der Typ, der durchs Leben geht und<br />

sich denkt, ich habe ein Handicap, weil ich eine Frau oder klein bin“, äußerte sie einst. Seit<br />

14 Jahren betreibt sie das Zwei-Sterne-Restaurant „Stucki“ im Basler Stadtteil Bruderholz<br />

und trat damit in die Fußstapfen der Schweizer Kochlegende Hans Stucki. Heute besteht ihr<br />

kleines Reich neben dem Spitzenrestaurant aus einem Feinkostladen und Catering-Service,<br />

die sich dank ihres guten Gespürs für kulinarische Gaumenfreuden, kreativer Ideen, eines<br />

familiären Teams und einer gehörigen Portion Leidenschaft großer Beliebtheit erfreuen. „In<br />

der Schweiz wird extrem viel Wert auf Genuss gelegt. Deshalb bin ich froh, hier ein Restaurant<br />

zu haben“, sagt die Deutsch-Österreicherin. Ihre Küche basiert auf einem klassisch<br />

französischen Fundament, das sie mit Einflüssen und Gewürzen aus aller Herren Länder<br />

kombiniert. „Ich liebe starke Aromen, ich mag volle, runde<br />

Geschmäcker und ich mag Salz.“ Wenn man<br />

in der gehobenen Gastronomie überhaupt<br />

von Trends sprechen kann, so sieht die<br />

Köchin und Buchautorin eine Tendenz<br />

zu fleischloser Küche. „Die Nachfrage<br />

nach vegetarischen Gerichten ist<br />

während der Pandemie deutlich<br />

gestiegen. Die Menschen sind<br />

bewusster geworden, achten<br />

viel mehr auf gesunde Ernährung.“<br />

Mit besten Zutaten und<br />

kreativen authentischen Gerichten<br />

– gerne in monochromen<br />

Farben – zaubert sie sich<br />

selbst und ihren Gästen stets ein<br />

Lächeln ins Gesicht. |ag<br />

© Digitale Massarbeit<br />

162 WD 6 I <strong>2022</strong>


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© The Table Kevin Fehling<br />

DREI STERNE IN SNEAKER<br />

Wir überraschen Kevin Fehling etwas atemlos beim Unkrautjäten vor seinem Privathaus<br />

auf der Straße. Das weitere Tagesprogramm? „Ich habe mir vorgenommen, heute unserem<br />

Fotografen in Bargteheide zum Geburtstag zu gratulieren. Er hat mir schon öfter<br />

einen Gefallen getan. Da fahre ich hin, um anzustoßen. Und vorher koche ich für meine<br />

Kinder.“ Es gibt Hähnchenfilets, Blumenkohl und Kartoffelpüree. „Ganz klassisch, sehr lecker<br />

und frisch gekocht.“ Mit den Speisen in seinem Hamburger Restaurant „The Table“,<br />

in dem der 3-Sterne-Koch später seine Gäste begrüßen wird, hat das nur ganz entfernt<br />

etwas zu tun. Das aktuelle Menu heißt „Tor zur Welt“ und umfasst Gänge wie ungestopfte<br />

Gänseleber mit Brombeere, Shizu, Ponzu sowie Nori-Algen oder Rehrücken und geschmortes<br />

Ragout. In diesem Course trifft das Wild auf Apfel, Spitzkohl-Maki, Sherryessig-Hollandaise<br />

& Pfefferjus. Was hier auf geschmackvollem Porzellan und in Gläsern<br />

angerichtet wird, ist schlichtweg vollendet und hochgradig artifiziell im besten Sinn. Das<br />

Restaurant ein Gesamtkunstwerk. Das gilt für das bühnenreife Interior, den Auftritt des<br />

Personals sowie für Fehlings Handschrift und Stilistik – den Aufbau der Teller. „Zum einen<br />

sehr sauber, sehr stylish – das ist mir sehr wichtig, andererseits ist die Architektur des<br />

Tellers nicht das Wichtigste. Wir haben auch manchmal süffige Gänge voller Aromen und<br />

Schmelz. Aber dennoch, wenn man genau hinschaut und sich mit Kulinarik gut auskennt,<br />

selbst bei drei oder vier Komponenten, erkennt man trotzdem die Handschrift. Das macht<br />

die Sache dann aus. Da arbeitet man fast Jahrzehnte dran oder gar nicht.“<br />

Fehling wollte immer einen Stern erkochen, um sich zu beweisen, dass er es zu etwas<br />

gebracht hat. Vor dem Abitur geht er ab, hat eher Skateboardfahren im Kopf. Es ist seine<br />

Großmutter, die ihm Folgendes mitgibt: „Wenn du Koch wirst, hast du wenigstens<br />

immer etwas zu essen.“ Das Handwerk begeistert ihn, er macht es zur Kunst. Mit 27 ist<br />

Fehling bereits Küchenchef in Travemünde, mit 30 gibt es den ersten Stern. Innerhalb<br />

164 WD 6 I <strong>2022</strong>


SPEZIAL ! FINE DINING<br />

© Alle Fotos: René Riis<br />

von fünf Jahren dann 3 Sterne. „Das war in Deutschland Rekordzeit.<br />

Heute interessiert mich das gar nicht mehr. Man hat einfach<br />

Routine und ist reifer.“ Genau diese Lässigkeit macht „The Table“<br />

trotz höchster Ansprüche an die Küche aus. „Am Anfang steht das<br />

Grundprodukt. Bei unserem Level geht es immer nur um die Perfektion.<br />

Und die kann man nur erreichen, wenn man das beste<br />

Produkt hat. Es geht um die beste Gänseleber, die beste Blüte, es<br />

geht um den besten Wolfsbarsch. Ich bin grundsätzlich immer<br />

auf der Suche nach dem besten Produkt. Ohne die perfekte Frische<br />

und Konsistenz brauchen wir erst gar nicht versuchen, auf<br />

diesem Niveau zu kochen.“ Das ist das eine. „Als Zweites geht es<br />

um die Inspiration, die natürlich von überallher kommen kann.“<br />

Fehling ist vor über zwanzig Jahren zur See gefahren. Das prägt.<br />

„Unterschiedliche Düfte, Aromen, Menschen – egal von welchem<br />

Kontinent oder aus welchem Land – inspirieren mich.“ Zum Beispiel<br />

ein Aal Unagi, der Fehling in Japan begeisterte. „Ein glasierter<br />

frischer Aal. Er wird erst gegrillt, dann wird er in einem Sud aus<br />

Sojasauce, Zucker, Wasser und Mirin (Reiswein) gekocht und anschließend<br />

erneut gegrillt. Das ist eine wirklich aufwendige Methode,<br />

einen Aal herzustellen. Wir haben schon in Travemünde<br />

zwei Jahre daran gearbeitet, bis er perfekt war.“ Einige seiner Mitarbeiter<br />

begleiten den Sternekoch bereits seit dieser Zeit, ein weiteres<br />

Erfolgsgeheimnis des Restaurants: Nachhaltigkeit im Umgang<br />

mit Angestellten. Und natürlich freut es Fehling und Team,<br />

wenn Gäste aus Japan gestehen, dass sie noch nie einen so guten<br />

Unagi gegessen haben. Was sie wohl zu Fehlings Grünkohl-Komposition<br />

sagen, zu der ihn die Küche seiner Mutter inspirierte?<br />

Dafür entsteht aus einer Jungschweinhaxe eine Terrine mit kleinen,<br />

ganz akkurat geschnittenen Stücken, die mit einer pochierten<br />

Auster und gefrorenen Perlen vom groben Senf serviert wird.<br />

„Und dann gibt es ein bisschen Kartoffelpüree mit ganz leicht<br />

gepuffter Schweineschwarte als Garnitur und ein Grünkohl-Pinkel-Porridge<br />

mit einer Nocke dazu auf dem Sud der Jungschweinhaxe.<br />

Eines der kreativsten Grünkohlgerichte, die es – ohne Eigenlob<br />

– auf diesem Planeten gibt.“<br />

Fehlings „kleines Imperium“ umfasst außer dem unbestrittenen<br />

Mittelpunkt „The Table“, die Hamburger „Puzzle Bar“, sowie das<br />

Restaurant „The Globe“ by Kevin Fehling auf dem Kreuzfahrtschiff<br />

„MS Europa“ (Hapag Lloyd). „Wenn ich in Singapur bin und mit<br />

meinen Kollegen vom Schiff in einer Street-Food-Küche esse, ist<br />

der Tisch voll. Auch das ist sehr inspirierend.“ Doch zurück nach<br />

Hamburg in sein Restaurant, in dem abends ganz unterschiedliche<br />

Leute verkehren. Da kann es vorkommen, dass neben einer<br />

Dame im Abendkleid ein salopp gekleidetes Ehepaar Platz<br />

nimmt, das eher nach Wandertag aussieht. „Das entspricht genau<br />

unserer Philosophie. The Table ist für alle da. Alle Menschen<br />

sind gleich“, sagt Fehling, der es sich nicht nehmen lässt, an schönen<br />

Abenden seine Gäste vor der Tür zu begrüßen und ihnen viel<br />

Spaß zu wünschen. „Und den hat man vor allem dann, wenn man<br />

sich entspannt zurücklehnt, gute Gespräche genießt und nicht<br />

das Haar in der Suppe sucht.“ Auf Fehlings Willkommensgruß<br />

„Schön, dass Sie da sind“, antwortete gestern eine Frau: „Oh Gott,<br />

Sie sind es ja persönlich.“ Ja, er ist es: wunderbar bodenständig,<br />

präsent, menschlich, lebensfroh und einer der Besten. |sd<br />

WD 6 I <strong>2022</strong><br />

165


SPEZIAL ! FINE DINING<br />

© Alle Fotos Robert Rieger<br />

ERFINDERISCH: ESSEN<br />

WIE IN SÜDOST-ASIEN<br />

Wer das „Kin Dee“ im Berliner Stadtteil Tiergarten besucht, taucht<br />

in die Welt von Dalad Kambhu (Bild oben) ein. Die Thailänderin<br />

serviert ihren Gästen dort Gerichte und Aromen, die sie aus ihrer<br />

Heimat kennt, bislang jedoch an keinem anderen Ort vorfand. So<br />

entstand die Idee zu ihrem eigenen Restaurant. „Bevor es mich nach<br />

Berlin zog, habe ich einige Jahre in New York gelebt. Ich habe die<br />

authentische Thai-Küche vermisst, aber weder in den USA noch<br />

hier konnte ich Gerichte finden, die diese vertrauten Geschmacksrichtungen<br />

mit den lokalen, guten Zutaten im Westen verbindet.“<br />

Der Name „Kin Dee“ – auf deutsch „Gut essen“ – ist für die Spitzenköchin<br />

keine leere Floskel, sondern ein Versprechen. „Es bedeutet<br />

mehr als nur leckeres Essen, sondern Essen, das mit Bedacht hergestellt<br />

wird.“ In Kambhus Töpfen landen ausschließlich regionale<br />

und saisonale Produkte, wodurch sie die Kleinbauern unterstützt.<br />

Die Saucen und Pasten stellt sie nach Rezepten ihrer Mutter her.<br />

Das Besondere: Für die thailändische Küche typische Zutaten, die<br />

nicht vor Ort erhältlich sind, ersetzt sie durch waschechte brandenburgische.<br />

Dieses Alleinstellungsmerkmal brachte dem „Kin Dee“<br />

<strong>2022</strong> zum vierten Mal in Folge einen Michelin-Stern ein. „Ich denke,<br />

dass thailändisches Essen mit lokalen Produkten ziemlich einzigartig<br />

ist, was natürlich daran liegt, dass die westliche Welt Vorurteile<br />

gegenüber asiatischem Essen hat. Diese basieren jedoch meist auf<br />

Erfahrungen von Touristen in Thailand.“ Zur Wahl stehen zehn Gerichte,<br />

die nach dem „family style“ alle in der Mitte des Tisches serviert<br />

werden, zum Teilen. Willkommen ist jeder, der „authentische<br />

thailändische Küche erleben möchte, die mit Bedacht zubereitet<br />

wird. Es macht mir viel Freude, aus guten Zutaten etwas Leckeres zu<br />

kreieren, und ich bin dankbar, dass ich etwas Sinnvolles tun kann.“<br />

Wer bereits einmal in einer Restaurantküche gestanden hat, weiß,<br />

dass der Ton manchmal sehr rau sein kann. „Mir ist es wichtig, nicht<br />

diesem klischeehaften, patriarchalen System der Küchenführung<br />

zu folgen. Hier im Kin Dee behandeln wir die Mitarbeiter gut und<br />

bieten jenen eine Chance, die es am meisten brauchen.“ Auch in<br />

der Spitzengastronomie sind die vorherrschenden politischen Themen<br />

spürbar. „Die Menschen sind im Moment definitiv vorsichtiger,<br />

was zusätzliche Ausgaben betrifft, da die Energiekostenerhöhung<br />

bevorsteht und der Krieg in der Ukraine anhält. Wir müssen abwarten.“<br />

Für die Zukunft wünscht sie sich, dass „die Weltpolitik endlich<br />

anfängt, das zu reparieren, was wirklich wichtig ist – die Natur –<br />

und begreift, dass nur wir Menschen die Welt zerstören.“ |ag<br />

166 WD 6 I <strong>2022</strong>


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Sie sind demnächst in Berlin, Wien, Bonn, Krefeld, Brünn oder am Lago Maggiore?<br />

Dann haben wir einige Empfehlungen, die hoffentlich auch Ihnen wirklich Freude bereiten.<br />

Ein wunderbarer Ausstausch über Farbe<br />

Berlin. Stadtteil Charlottenburg. Fasanenstraße. Hier residiert die<br />

Kunst. Wie Perlen an einer Kette reihen sich die Art-Galerien, Auktionshäuser<br />

und deren Dependancen aneinander. Darunter befinden<br />

sich so bekannte Institutionen wie Villa Griesebach oder Günter<br />

Venzke, ein feiner, betagter Gentleman und der Experte für Asiatika<br />

mit einem exzeptionellen Angebot. Die Schaufenster sind ein Eldorado<br />

für Kunstfans, doch nicht alle trauen sich in die Räumlichkeiten<br />

dahinter. Museum? Ja. Aber, was passiert, wenn man in einer Galerie<br />

angesprochen wird und nicht so fundierte Kenntnisse über zeitgenössische<br />

Maler oder Fotografie hat? Tatsächlich ist das für viele<br />

Menschen eine Hemmschwelle, die es abzubauen gilt – etwa so:<br />

Ich betrete die „Artnow Gallery“ in der Fasanenstraße 42. Die ausgestellten<br />

Arbeiten sprechen mich an. Leuchtende Farben, ungewöhnliche<br />

Texturen, eigentlich alles abstrakt. Keiner zu sehen. Eine<br />

junge Frau biegt von hinten um die Ecke und begrüßt mich mit<br />

einem strahlenden Lächeln. „Ich möchte mich gerne ein bisschen<br />

umschauen“, entgegne ich, und sie antwortet: „Aber sehr gerne.“<br />

Ich betrachte einige Werke näher. Plötzlich steht sie neben mir, Ulrike<br />

Riemann, Galeristin aus Leidenschaft, und fängt einfach an zu<br />

erzählen: „Unsere aktuelle Ausstellung geht über Farbe. Wir zeigen<br />

Arbeiten von sechs Künstlerinnen und einem Mann.“ Ich erwidere:<br />

„Oh, das ist ja wirklich mal ausgewogen.“ Wir müssen beide lachen.<br />

Und ich vertiefe mich in eine Arbeit von Heidekine Günther, deren<br />

Namen und Werk ich bisher nicht kannte. Sie trägt den Titel „Core<br />

No. 72“ und zeigt zwei nebeneinander gesetzte Formen (vage auf<br />

dem Foto oben zu erkennen), die fast auf der Fläche zu schweben<br />

scheinen. Riemann erzählt, dass es in ihrem Werk immer um „den<br />

Kern“ geht. Ein Leitmotiv. Ein Kraftzentrum, Ursprung von allem<br />

Neuen und Sinnbild für das Potenzial an sich. Und ich bekomme<br />

gleichzeitig einen Einblick in die Maltechnik der in der Schweiz lebenden<br />

Künstlerin vermittelt, deren Gemälde in einem Prozess<br />

zahlreicher Übermalungen entstehen, die natürliche Formen mit<br />

einem hohen Maß an Abstraktion verbinden, und dabei oftmals<br />

polykulturelle Symbole aufgreifen. Doch auch ohne dieses Hintergrundwissen<br />

spricht mich die Arbeit an. „Das ist unsere teuerste<br />

Arbeit. 12 Scheine.“ Ich mag ihre Weise, sich auszudrücken.<br />

Im benachbarten Flur, der zu Riemanns Büro führt, habe ich sofort<br />

mein persönliches Highlight entdeckt. Eine Zeichnung von Luise von<br />

Rohden (rechte Seite oben rechts, für 1.200 Euro). Die Technik ist farbige<br />

Tusche auf Papier, das seine Struktur durch zahlreiche Faltungen<br />

erhält. Diese Arbeitsweise prägt auch den etwas sperrigen Titel der<br />

Grafik: „Faltung hv2d 1 (hv2d gb/ü 23/19)“. Das Blatt hat ein Maß von<br />

76 auf 63 Zentimeter, ist in diesem Jahr entstanden und fasziniert<br />

168 WD 6 I <strong>2022</strong>


HOTSPOTS ! BERLIN<br />

mich völlig. Was aussieht, wie schönes Geschenkpapier aus dem<br />

Drucker, ist in Wirklichkeit das Produkt eines ambitionierten manuellen<br />

Prozesses, der das Thema der Ausstellung „#colour“ fabelhaft<br />

vor Augen führt. Wirklich traumhaft – eine Möglichkeit, sich in Türkisblau<br />

zu vertiefen und sich davontreiben zu lassen. Riemann freut<br />

sich über meine Gedanken und erläutert, dass es von Rohden, die<br />

1990 in Gotha geboren wurde, hier um ein komplexes System geht,<br />

das auf eine einfache Grundbewegung zurückgeht. Diese entsteht<br />

durch eine Abfolge sich scheinbar wiederholender Linien, die in immer<br />

neuen Konstellationen aufeinandertreffen, sich überlagern und<br />

an diesen Stellen Aussparungen zulassen. Von Rohden gelingt es so,<br />

aus wenigen Tönen ein breites Farbspektrum zu schaffen. „Dabei<br />

arbeitet sie mit dem lasierenden Effekt von Tusche.“ Natürlich will<br />

ich jetzt die Arbeiten des einzigen Mannes – Tomislav Topic – sehen<br />

(oben im Flur links). Seine Skulpturen (oben links) gefallen mir allerdings<br />

noch besser. Der Hannoveraner arbeitet mit Glasfaser und<br />

Farbe. Bei jedem Werk erwartet mich eine spannende Geschichte<br />

oder ein Kommentar der Galeristin. Sie erzählt, ohne lehrmeisterlich<br />

zu wirken, schlicht aus dem Herzen heraus. Bodenständig. Man<br />

spürt echte Begeisterung. Natürlich bin ich hin und weg – und erfahre,<br />

dass Riemann mit ihrem Partner Dr. Felix Brosius gerade erst<br />

in die Fasanenstraße gewechselt ist. Zu Hause lese ich im Katalog<br />

der Galerie weiter und freue mich, dass die zwei auch Editionen machen.<br />

Schauen Sie mal in unseren Geschenke Guide auf Seite 39. |sd<br />

WD 6 I <strong>2022</strong><br />

169


XXXXXXXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

© Marcelo Villada Ortiz<br />

Auch Nonnen gehen irgendwann in Rente<br />

Die Mitglieder der Ordensgemeinschaft der Barmherzigen Schwestern<br />

vom Heiligen Kreuz von Ingenbohl werden mit einem architektonischen<br />

Bravourstück für ihren unermüdlichen Einsatz belohnt.<br />

Als Rückzugsort und Altersrefugium konzipierte Cristiana Guerra<br />

die „Casa Sant‘ Agnese“, eine klosterähnliche Anlage, die sich terrassenförmig<br />

an die Hänge über dem Lago Maggiore schmiegt.<br />

Die Tessiner Architektin gestaltete verschiedene Gebäudeteile, die<br />

einen Innenhof umschließen, in dem die Schwestern einen Kräutergarten<br />

kultivieren. Von außen ist Sichtbeton das prägende Material<br />

des schlichten, aber ausgesprochen eleganten Komplexes, dessen<br />

Privaträume einen spektakulären Panoramablick auf den See bieten.<br />

Wenn Bewohnerinnen und Besucher den kleinen Vorplatz mit<br />

einer Statue des Heiligen Franziskus passiert haben, empfängt sie<br />

aber keineswegs klösterliche Strenge oder gar Einöde, sondern die<br />

Wärme von Holz. Es bringt Behaglichkeit in die zwanzig eher einfach<br />

gehaltenen Zimmer der Nonnen und Wärme in die abwechslungsreicheren<br />

Gemeinschaftsräume. Allen voran die Kapelle mit ihrem<br />

spektakulären Spiel aus Licht und Schatten ist ein faszinierender Ort<br />

mit besonderer Ausstrahlung, die auf dem Farbspiel der verwendeten<br />

Hölzer beruht. Eine der Herausforderungen für die ausführenden<br />

Gewerke war es, einen durchgehenden Ton für die Vertäfelungen,<br />

die Einbauten und Möbel sowie den klassischen Schiffboden<br />

– Bauwerk Parkett lieferte dafür einen geölten Eichen-Kurzstab aus<br />

der Kollektion „Monopark“ – zu finden. Die Casa Sant‘ Agnese erfreut<br />

sich bei den Ordensschwestern großer Beliebtheit. Und auch<br />

der bekannte Schweizer Architekt Mario Botta dankte kürzlich in<br />

seinem Essay „luce e gravità“ Guerra für ihr Werk in Muralto. Sie<br />

habe mit ihrer Casa Sant‘ Agnese „mit Zurückhaltung einen raffinierten<br />

Raum der stillen Meditation geschaffen“. Auf den Punkt.<br />

170 WD 6 I <strong>2022</strong>


HOTSPOTS ! MURALTO UND WIEN<br />

© Alle Fotos We feel<br />

Der Himmel über der Bücherwelt<br />

Bis ins 14. Jahrhundert reichen die Wurzeln der Österreichischen<br />

Nationalbibliothek in Wien zurück. Heute ist sie die größte Barock-<br />

Bibliothek Europas und ein weltweit renommiertes Informationsund<br />

Forschungszentrum. Die Museen und Sammlungen – Gedächtnis<br />

einer Nation – sind mit Präsentationen und Sonderausstellungen<br />

auch der Öffentlichkeit zugänglich. Herz und architektonisches<br />

Juwel in diesem Ensemble ist der barocke Prunksaal in der 1723 von<br />

Kaiser Karl VI. beauftragten Bibliothek der Hofburg. Unter anderem<br />

werden hier 15.000 Werke aus der Bibliothek des Prinzen Eugen von<br />

Savoyen aufbewahrt, in Teilen auch ausgestellt. Die vollständig mit<br />

Holzregalen ausgestattete Bibliothek beherbergt auch Statuen von<br />

Persönlichkeiten der österreichischen Geschichte und Mitgliedern<br />

der Familie Habsburg. Darüber erhebt sich eine 20 Meter hohe<br />

Kuppel, die von Hofmaler Daniel Gran 1730 mit prächtigen Fresken<br />

verziert wurde. Sensationell und ein Grund mehr, das Ensemble in<br />

ein neues Licht zu setzen, denn die bisherige Beleuchtung war in<br />

die Jahre gekommen und ihre Leistung völlig unzureichend. Doch<br />

allein die architektonischen Gegebenheiten legen nahe, was für<br />

eine komplexe Aufgabe der ausführende Lichtdesigner Helmut<br />

Regvart bei der Gestaltung und Konzeption der Lichtführung zu<br />

leisten hatte, die in Kooperation mit der venezianischen Linea Light<br />

Group entwickelt wurde. „Meine Theatertätigkeiten waren mir hier<br />

sehr nützlich“, erklärt Regvart und ergänzt: „So wie auf der Bühne<br />

die Schauspieler in ständiger Bewegung sind, und das Licht ihren<br />

Handlungen folgen muss, so benötigt auch das Personal in den Korridoren<br />

der Bibliothek, das täglich mit der Verwaltung der unzähligen<br />

Bände beauftragt und auf unzähligen steilen Treppen unterwegs<br />

ist flexibles Licht. Es muss den Bewegungen der Angestellten<br />

folgen. Außerdem finden in der Bibliothek oft Veranstaltungen und<br />

Wechselausstellungen statt, die auch den Einbau von Stellwänden<br />

erfordern, und damit eine Anpassung der Lichtanlage.“ Gleichzeitig<br />

war es nötig, für die Fresken und andere Kunstwerke eine hervorragende<br />

Farbwiedergabe zu garantieren und die Wärme des Raumes<br />

hervorzuheben. Wer ihn jetzt betritt, sieht mehr als jemals zuvor:<br />

etwa die goldenen Details der Fresken, die bisher verborgen waren<br />

und nun das Licht von geschickt angebrachten Projektoren („Navata<br />

Optus“) reflektieren, während diese für die Augen der Besucher<br />

fast unsichtbar bleiben. Im Bereich der historischen Wendeltreppen<br />

(rechts) angebrachte „High-Protection“-Leuchten setzen<br />

Büsten und Statuen ins rechte Licht. Architektur, Bücher und Kunst<br />

haben nun einen bühnenreifen Auftritt.<br />

|sd<br />

WD 6 I <strong>2022</strong><br />

171


HOTSPOTS ! BONN<br />

© Galerie Thomas Vogel Foto: Simon Vogel<br />

One-Man-Show für ein Ausnahmetalent<br />

Den Flügel hat Benjamin Houlihan monatelang im Souterrain seines<br />

Ateliers bearbeitet, bis die Aussage für ihn stimmte: „Diese<br />

dünnen, abgeschliffenen Objekte, die ich mache, sind sozusagen<br />

an einer Schwelle, die mich interessiert. Sobald man noch etwas<br />

wegnehmen würde, wären sie nicht mehr existent. Es ist ein Minimum<br />

von Existenz in der Welt. Die Kanten mit ihren Linienführungen<br />

erinnern an Zeichnungen. Wie aus Tusche. So behandle ich die<br />

Objekte auch. Ich schaue, was es für einen Verlauf gibt und bewege<br />

mich in einer gewissen Linearität, die aber gleichzeitig auch eine<br />

Präsenz im Raum hat – weil es sich um ein Objekt oder eine Skulptur<br />

handelt – aber es geht genauso um die Idee einer Zeichnung im<br />

Raum.“ Den Wahldüsseldorfer beschäftigen grundsätzliche Fragen<br />

der Kunst. „Dabei ist es gar nicht so wichtig, in welcher Gattung es<br />

sich hinterher in der Welt zeigt.“ Sein „Skinny Grand Piano“ (oben)<br />

ist bis 8. Januar kommenden Jahres im Kunstmuseum Bonn zu se-<br />

172 WD 6 I <strong>2022</strong>


hen, das dem Stipendiaten der Stiftung Kunstfonds eine erste große<br />

Einzelausstellung widmet. Dort sind auch weitere Statements<br />

aus dieser Werksserie zu sehen: „Benjamin Houlihan – The Woods<br />

Have Names“. Doch im Werkstattatelier des gelernten Steinmetzes<br />

mit anschließendem Studium an der Düsseldorfer Akademie<br />

entstehen sehr unterschiedliche Arbeiten wie die Leinwand (linke<br />

Seite), die Houlihan mit der Zunge bemalte. Oder die Skulptur aus<br />

Plastillin (oben), ursprünglich als Zeichnung konzipiert und Teil einer<br />

früheren Ausstellungsinstallation. „Sie ist vielleicht nur zwanzig<br />

oder dreißig Zentimeter groß. Der Fotograf hat sie vom Boden aus<br />

aufgenommen. Dadurch entsteht diese Größenverschiebung.“ Die<br />

Message? „Es wirkt wie ein Blick durch ein umgedrehtes Fernglas.<br />

Sehr klein am Boden. Das hat beim Betrachter etwas ausgelöst, eine<br />

Distanz, die spürbar ist, als ob sich ein extra Feld auftut, auf dem die<br />

Figuren unter sich sind – wo ich nicht Teil der Ausstellung bin. Ich<br />

schaue wie ein Adler von oben darauf und habe diese Entfernung.“<br />

Und die Figur an sich? Gibt sie ein Stoppzeichen? „Nein. Sie schaut<br />

in die leere Hand. Sie scheint etwas zu halten, aber sie hält nichts.<br />

Sie hält sozusagen diese Leere in der Hand.“ Da ist es wieder, dieses<br />

Grundsätzliche, das von Houlihan immer wieder hinterfragt wird,<br />

und das der sehr sympathische Shooting Star auf meine Nachfrage<br />

ganz offen erläutert. Etwa bei seiner Skulptur „Noah“ (linke Seite<br />

ganz links): „Eine frühe Arbeit, die am Beginn des Studiums wie<br />

durch einen Zufall entstand. Mir war das Bügeleisen heruntergefallen<br />

und darauf gab es ein kleines Piktogramm, wie Johannes der Täufer<br />

mit einem kleinen Tropfen darauf. Also quasi ein Symbol“ – und<br />

Ausgang von einem weiteren Werkzyklus, zu dem Noah gehört. „Es<br />

gab eine ganze Serie von Vergrößerungen kleinerer Fundstücke, die<br />

zum Teil vier Meter Größe erreichen. Und bei Noah gibt es diese Bewegung,<br />

die fast schon eine Entkörperung ist. Dieser Körper scheint<br />

ja an allen Seiten zu wuchern und fast die Form zu verlieren – in<br />

seiner scheinbaren Formlosigkeit. Man weiß nicht, wohin das jetzt<br />

fließt. Was gibt es da für eine Bewegung innerhalb der Skulptur?“ Es<br />

werden also ganz substanzielle Fragen behandelt: „Wo passiert eine<br />

konkrete Form, wo löst sich der Körper wieder auf zu einer Formlosigkeit?“<br />

Vielleicht geht es am Ende sogar um Gefühle wie Verletzlichkeit,<br />

nun zu erfahren in den Bonner Museumsräumen. |sd<br />

© Alle Fotos Benjamin Houlihan<br />

WD 6 I <strong>2022</strong><br />

173


XXXXXXXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

Beide Fotos © Andrea Zittel, Foto: Dirk Rose, Kunstmuseen Krefeld<br />

Back to the Roots<br />

Zugegeben, das Krefelder Stadtzentrum gehört zu den bedauernswerten<br />

Tiefpunkten deutscher Innenstadtvitalität. Die fetten<br />

Jahre sind vorbei, als Seidenfabrikanten Prosperität in die am Niederrhein<br />

gelegene Stadt brachten. Von diesen Zeiten zeugen heute<br />

noch Boulevards und Parkanlagen. Und eine Institution, die Kunst-,<br />

Design- und Architekturliebhaber unbedingt auf dem Schirm haben<br />

sollten: die Kunstmuseen Krefeld. Ende des 19. Jahrhunderts<br />

aus der Bürgerschaft heraus geboren, versammelt das heutige<br />

Haupthaus, benannt nach Kaiser Wilhelm I., Werke und Objekte<br />

von Gemälden über Keramiken bis hin zu Möbeln. Zwischen 2012<br />

und 2016 wurde es umfangreich saniert und folgt seither wieder<br />

konsequent seinem ursprünglichen Ansatz: die angewandte und<br />

die bildende Kunst auf Augenhöhe zu betrachten, wie Katia Baudin<br />

betont, die die Museen seit der Wiedereröffnung leitet. Konzept<br />

ist es, die Besucher dabei weder chronologisch noch monothematisch<br />

durch die in Abständen wechselnde Sammlungsausstellung<br />

zu führen. Dies erlaubt zeitliche Vor- und Rücksprünge – Perspektiven<br />

auf bewusste und unbewusste Einflüsse früherer Epochen.<br />

Ganz offensichtlich wird das in den Arbeiten von Shannon Bool<br />

für das Ausstellungsformat „Sammlungssatellit #8“. Darin tritt<br />

die kanadische Künstlerin in einen Dialog mit dem Erbe des Grafikers,<br />

Malers und Typografen Otto Eckmann. Der Vertreter des<br />

Jugendstils und der Reformbewegung in Deutschland war gute<br />

einhundert Jahre vor Bool aktiv, zahlreiche seiner Arbeiten gelangten<br />

nach seinem Tod 1902 in die Sammlung. Shannon Bool<br />

überträgt nun Fragmente seiner Skizzen auf eine Marmorsitzbank<br />

oder auf einen großformatigen Jacquard-Teppich, in des-<br />

174 WD 6 I <strong>2022</strong>


HOTSPOTS ! KREFELD<br />

© Dirk Rose<br />

sen Zentrum die Umrisse eines männlichen Laufstegmodels zu<br />

erkennen sind. Direkt nebenan ist ein Neuankauf des Museums<br />

zu bestaunen: das „Blaue Zimmer“ von Helmuth Macke, eines<br />

von wenigen Beispielen erhalten gebliebener expressionistischer<br />

Möbelgestaltung. Unkonventionell – und das ist das Schöne daran<br />

– wirkt der dekonstruierte Biedermeier-Raum (Bild rechte<br />

Seite oben). Nicht unerwähnt bleiben darf die Installation „Barraque<br />

d’dull odde“ von Joseph Beuys, einem Sohn dieser Stadt.<br />

Erst dieses Jahr wurde das Museumscafé K+ eröffnet, für das der<br />

österreichische Designer Robert Stadler ein grafisch anmutendes<br />

Interieur entwickelt hat. Indem Stadler die Gründungsidee des<br />

Museums, aber auch die textile Tradition der Stadt aufgreift und<br />

Gestaltung, Handwerk und Industrie miteinander verwebt, wird<br />

dieser Raum ganz subtil selbst zum Teil der Ausstellung.<br />

Einen gänzlich anderen Rahmen bieten die beiden zwischen<br />

1927 und 1930 gebauten Backsteinvillen Haus Lange und Haus<br />

Esters. Architekt war kein Geringerer als Ludwig Mies van der<br />

Rohe. Die Aufträge gaben der Textilfabrikant Hermann Lange<br />

und sein guter Freund Josef Esters, die beide zum Vorstand des<br />

Vereins deutscher Seidenwebereien (Verseidag) gehörten. Lange<br />

war Mitglied im Deutschen Werkbund. In Krefeld förderte er die<br />

Entwicklung des Kaiser-Wilhelm-Museums. Später überließ sein<br />

Sohn Ulrich das Haus dem Museum zunächst für zehn Jahre als<br />

Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst und schenkte es der<br />

Stadt Krefeld schließlich ganz. Seit 1981 auch Haus Esters erworben<br />

werden konnte, ist das Ensemble für seine dialogischen, oft<br />

ortsspezifischen Ausstellungen bekannt. Fester Bestandteil des<br />

Haus Lange sind die beiden Räume „Le Vide“ (Raum der Leere, 1961)<br />

von Yves Klein und „Dark Room“ (2018) von Elmgreen & Dragset.<br />

Noch bis Ende Februar sind die zwei Ausstellungen „Maison Sonia:<br />

Sonia Delaunauy und das Atelier Simultané“ mit Skizzen<br />

und Textilentwürfen der russisch-französischen Künstlerin sowie<br />

„Andrea Zittel: Personal Patterns“ zu sehen. Letztere untersucht<br />

die psychologischen und sozialen Auswirkungen der abstrakten<br />

Gestaltung unserer Lebenswelt. Geometrische Formen, textile<br />

Oberflächen hinterfragen die Grenzen vom Kunst- zum Designbegriff.<br />

Daneben ist Zittel mit ihrer „Planar Panels“-Installation<br />

im Gartenhaus von Haus Esters vertreten, welches seinerseits<br />

– übrigens 1923 als eines der ersten vorfabrizierten Fertighäuser<br />

von den Deutschen Werkstätten Dresden-Hellerau geliefert<br />

und erbaut – ebenso sehenswert ist.<br />

|markus hieke<br />

© Volker Döhne<br />

WD 6 I <strong>2022</strong><br />

175


HOTSPOTS ! KÖLN<br />

Die besten Geschichten schreibt der Zufall<br />

In Köln ein cooles Hotel zu finden, gleicht der sprichwörtlichen Suche<br />

nach einer Nadel im Heuhaufen. Wir haben sie gefunden: das<br />

Hotel Legend. Eigentlich würden wir Ihnen diese Adresse gerne vorenthalten<br />

– denn die nächste Messe kommt bestimmt, und bei nur<br />

20 Zimmern stehen die Chancen auf eine Buchung in den Sternen.<br />

Aber dieses Hotel ist einfach zu sensationell, und so verraten wir Ihnen<br />

schweren Herzens unseren Geheimtipp. Sein Interior-Konzept<br />

könnte weiteren Hoteliers Mut machen, neue Wege zu gehen.<br />

Patrick Huber-Flotho hatte ihn, nachdem er Anna und Barbara Luiz<br />

um ihre Einschätzung eines ersten vorliegenden Angebots für eine<br />

„Standard“-Hotelausstattung befragte. „Wir kannten uns über die<br />

Schule unserer Kinder“, erzählt Anna (unten rechts im Bild), und<br />

ihre Schwester Barbara berichtet weiter: „Bereits nach fünf Minuten<br />

im persönlichen Gespräch stellten wir gemeinsam fest, dass<br />

dieser besondere Ort in Köln und dieses Hotel einer individuellen<br />

Ausstattung bedürfen.“ Das Legend liegt direkt über der U-Bahnstation<br />

„Rathaus“ gleich neben dessen historischen Turm, einem<br />

der raren erhalten Schätze aus Vorkriegszeiten. Schnell saßen die<br />

Unternehmerinnen, bekannt für einzigartige Bettwäsche und Frottierwaren,<br />

mit ihrem Designer Peter Fehrentz und der leitenden<br />

Architektin Ines Kapplinghaus zusammen. „So hat sich<br />

das stimmige Gesamtkonzept verdichtet.“ Es reicht<br />

von den komfortablen Zimmern, in denen man nichts<br />

vom unterirdischen Bahnhof mitbekommt, bis zum<br />

hauseigenen Restaurant „Puls“, das der Sterne-Koch<br />

Johannes Langenstück unter der Patronage von Daniel<br />

Gottschlich bespielt. Jeden Abend voll. Zweischichtbetrieb<br />

und köstliche Gerichte. Hinter der gläsernen Küchentür ziemlich<br />

viele Köche auf engem Raum in Action. Imposant.<br />

Aber auch davon bekommt man in den Räumen darüber gar nichts<br />

mit. Sie sind so besonders: manche wegen ihres Ausblicks in den<br />

Himmel, andere wegen ihres Dialogs mit dem Turm, dessen Skulpturen<br />

als Fotokunst auch in den Hotelzimmern gegenwärtig sind –<br />

wegen ihrer individuellen Bäder und geschmackvollen Möbel, aber<br />

ganz besonders wegen der Betten. „Eigentlich sind wir erst in die<br />

Planung eingestiegen, als der Rohbau schon stand“, erinnert sich<br />

Barbara Luiz, ihres Zeichens Architektin. „Zunächst ging es auch<br />

nur um Bettwäsche und Frottiertücher, dann um die Bettwaren.<br />

Für ein Hotel haben wir sehr gehobene Qualitäten ausgewählt<br />

und die Bettwäsche mit zurückhaltenden handwerklichen Details<br />

umgesetzt. Daraufhin durften wir Vorschläge für Vorhänge (Luiz<br />

hat auch da Unglaubliches in petto) und Möbelstoffe unterbreiten.<br />

Dafür haben wir das Flair des Ortes und des Gebäudes adaptiert<br />

und mit warmen Farbtönen und matten Oberflächen aufgenommen.“<br />

Und dann kam die Geschichte mit der Schlafstatt dazu, die<br />

„kein Standard-Bett mehr sein konnte“, so Anna. „Wir haben mit<br />

Peter ein modulares Kopfteil entwickelt, das in klarer Sprache auf<br />

die unterschiedlichen Gegebenheiten reagieren kann. Der entstan-<br />

176 WD 6 I <strong>2022</strong>


dene Entwurf konnte je nach Raum für die extrem zulaufenden<br />

Schrägen auch mit Klapp-Elementen umgesetzt werden. Auf dem<br />

Weg dorthin wurden Schreiner und Elektriker in die Detaillierung<br />

der Konstruktion eingebunden.“ Die daraus entstandenen Leuchten<br />

sind ein weiteres feines Detail dieser Herberge, in der es Freude<br />

macht zu nächtigen. Es versteht sich von selbst, dass die Luiz-Sisters<br />

happy sind: „Wir freuen uns, für unsere Gäste ein »Zuhause«<br />

in Köln zu haben und sind stolz darauf, wie schön alles geworden<br />

ist.“ Vor allem die Satin-Bettwäsche aus 100 Prozent Baumwolle,<br />

der siebte Himmel ... „Sehr feine Qualitäten, die wir bei Privatausstattungen<br />

einsetzen, kommen nur bei sehr kleinen Hotels infrage,<br />

wo eine eigene Wäscherei unabhängig macht von externen<br />

Dienstleistern.“ Ein Grund mehr, Bettenburgen zu meiden. |sd<br />

WD 6 I <strong>2022</strong><br />

177


XXXXXXXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

So inszenieren zwei Newcomer Eis mit Stil<br />

Dass der Studioname Holky Rády Architekturu (zu Deutsch: Mädchen,<br />

die Architketur mögen) bezeichnend ist für die Arbeit von<br />

Barbora Kudelová und Kristýna Sirová, stellen die beiden Frauen in<br />

ihrem jüngst fertiggestellten Projekt einmal mehr unter Beweis. Im<br />

Stadtzentrum von Brünn hat das frische Kreativduo, das sich während<br />

des Architekturstudiums kennengelernt und im Jahr 2020 das<br />

eigene Studio gegründet hat, die kleine Fläche eines historischen<br />

Hauses mit einer modernen, minimalistischen Eisdiele aufgewertet.<br />

„Referenz, Reflexion und Bögen!“ In diesen drei Worten fassen<br />

die Gestalterinnen ihr Projekt prägnant zusammen.<br />

Eine klare Formsprache und die reduzierte Materialität prägen das<br />

Erscheinungsbild. Durch den Erhalt der gewölbten Decke und das<br />

Wiederaufnehmen und Modernisieren klassischer italienischer<br />

Motive wie dem Springbrunnen – hier in Form eines Metallwaschbeckens<br />

– verbinden sie raffiniert die italienische Herkunft des Produktes<br />

mit den tschechischen Wurzeln des Bestandsgebäudes. Das<br />

Farbschema erinnert an verschiedene beerige Eissorten und macht<br />

schon auf den ersten Blick Appetit. Wer einen zweiten Blick hinter<br />

die Glasscheibe riskiert, die Produktionsfläche und Verkaufstheke<br />

voneinander trennt, kann beim Mischen und Zubereiten der gefrorenen<br />

Delikatessen zusehen. Doch was versteckt der bordeauxrote<br />

Vorhang, der dem Szenario ein wenig Theatralik vermittelt? Den<br />

können Sie im nächsten Sommer in Brünn persönlich lüften. |mz<br />

178 WD 6 I <strong>2022</strong>


XXXXXXXXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

WD 6 I <strong>2022</strong><br />

179


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DIPTYQUE PARIS www.diptyqueparis.eu E E15 DESIGN & DISTRIBUTION GMBH www.e15.com, EDOARDO PIERMATTEI<br />

www.edoardopiermattei.com, ETRO SPA www.etro.com F FELDBUSCH WIESNER RUDOLPH GALERIE www.feldbuschwiesnerrudolph.<br />

de, FLEXFORM SPA www.flexform.it, FLOS SPA www.flos.com, FLOU SPA www.flou.it G GALERIE KORNFELD www.galeriekornfeld.<br />

com, GALERIE THOMAS FUCHS GMBH & CO. KG www.galeriefuchs.de, GALERIE EIGEN + ART www.eigen-art.com, GASTON Y DANIELA<br />

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eine E-Mail an info@wohndesign.de. Weitere Infos zu Ihren Ansprechpartnern finden Sie im Internet unter www.wohndesign.de.<br />

Urheber- und Reproduktionsrechte (© VG Bild-Kunst, Bonn <strong>2022</strong>): Brinkmann, Thorsten: Fotoarbeit Seite 3.<br />

Warburg, Nicholas: Gemälde Seite 47, im Foto links. Hirschhorn, Thomas: Gemälde „The Price of Suspicion”, Seite 47, im Foto rechts, Seite 48,<br />

im Foto unten die drei Werke rechts. Miller, Johnny: Gemälde Seite 48, im Foto unten links vom Durchgang. Melgaard, Bjarne: ohne Titel,<br />

Seite 48 im Foto unten mittig, Seite 50 im Foto unten, ganz links. Balkenhol, Stephan: Porträts Seite 68. Rudolph, Dennis: Carte Blanche<br />

Seite 74/81. Morell, Lars: Gemälde Seite 116/117. Rietvelt, Gerrit: Sessel Seite 116/117, Stuhl violett Seite 119. Hiquily, Philippe: Tisch Seite 128.<br />

Othoniel, Jean-Michel: Murano-Glas-Kette Seite 129. Melotti, Fausto: Keramikwand Seite 145. Laurencin, Marie: Gemälde Seite 149. Von<br />

Rohden, Luise: Faltung Seite 169. Van der Rohe, Ludwig Mies: Architektur Seite 175.<br />

GECHENKE GUIDE<br />

A ADIDAS AG www.adidas-group.com, AEMIUM www.aemium.com, ALESSI SPA www.alessi.com, ARTNOW GALLERY<br />

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www.reitzner-porzellan.de C CASSINA SPA www.cassina.com D DOPPELBLICK www.doppelblick.org F FBB MAISON GMBH<br />

www.fbb-group.com, FERM LIVING APS www.fermliving.com, FLOYD GMBH www.floyd.one G GALERIE KORNFELD<br />

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180 W!D 6 I <strong>2022</strong>


ID-NEWS<br />

Titel<br />

Name<br />

1 2 3<br />

Somewhere<br />

Over the Rainbow<br />

Vorspann<br />

Fließtext<br />

Zwischenüberschrift<br />

Voluptatque pro qui con et pa doluptatio.<br />

Adresse<br />

website<br />

Aktuell als<br />

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Für seine diesjährige Weihnachts-Edition hat sich Caran d‘Ache von den Farben des<br />

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ZU BESUCH BEI ! VOGEL ART<br />

„Vogel Art“-Gründer und Kurator Sebastian Vogel links<br />

nutzte die leerstehende Fläche in der Stuttgarter City<br />

oben für seine Pop-up-Galerie. Ein Konzept mit Zukunft,<br />

da ist sich der in München ansässige (Online-)Galerist und<br />

Verleger seiner eigenen Kunsteditionen sicher. Auch für<br />

Kunstliebhaber, die ihre Sammelleidenschaft gerade erst<br />

entdeckt haben, ist Vogel der richtige Ansprechpartner.<br />

UNVERHOFFT KOMMT OFT<br />

Auch Außentemperaturen von 38 Grad<br />

Celsius (am Abend!) im August hielten<br />

Kunstbegeisterte nicht davon ab, die<br />

Pop-up-Galerie von Vogel Art in Stuttgart-Mitte<br />

zu besuchen. „Meist passiert<br />

bei diesen Events vieles parallel oder im<br />

Nachgang, was man so nicht erwartet“,<br />

erzählt Initiator Sebastian Vogel. Wie<br />

eben das Wetter. Oder, „dass eine der<br />

teuren großen Arbeiten direkt von einem<br />

Sammler gekauft und als Schenkung an<br />

ein namhaftes Museum gerichtet wurde,<br />

wunderbar! Aber die Details bleiben noch<br />

geheim.“ In loftartiger Atmosphäre, auf<br />

500 Quadratmetern, präsentierte Vogel<br />

unter anderem seine eigenen Editionen,<br />

darunter namhafte Künstler wie Michael<br />

Sailstorfer, Regine Schumann, Jan Albers,<br />

Felix Schramm sowie Isa Melsheimer. Sowohl<br />

Gäste als auch Künstler und Kuratoren<br />

wie Dr. Anne Vieth vom Kunstmuseum<br />

Stuttgart waren von diesem Konzept<br />

begeistert – so begeistert, dass Vogel<br />

gleich eine weitere Pop-up-Galerie im<br />

südfranzösischen Nizza organisierte, die<br />

Anfang Oktober stattfand. Die Auswahl<br />

der Werke trifft der Kunstliebhaber nach<br />

Bauchgefühl und jahrelanger Erfahrung<br />

in der Szene: „Was könnte ich mir persönlich<br />

vorstellen, was könnte für das Publi-<br />

kum vor Ort interessant ist? Denn nicht<br />

jede Art von Kunst passt in jede Region.“<br />

Vogel ist sich sicher, dass Pop-up-Galerien<br />

in Zukunft mehr Interesse finden.<br />

Vor allem Künstlerkollektive und Kuratoren<br />

profitieren von diesem Konzept.<br />

„Auch diese Szene unterliegt einem stetigen<br />

Wandel. Die nächste Generation<br />

kauft anders ein, denkt anders, und auf<br />

die stelle ich mich ein. Die wollen ein<br />

bisschen mehr Event-Charakter haben.<br />

Klassische Galerien werden nicht unbedingt<br />

auf dieses Pferd aufspringen. Dafür<br />

ist die Kunstszene zu konservativ und oft<br />

nicht offen genug.“<br />

|ag<br />

Die nächste Ausgabe von WOHN!DESIGN mit dem Titelthema „Trend 2023“ erscheint am 14. Dezember <strong>2022</strong>.<br />

182 WD 6 I <strong>2022</strong>


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04231 9567544 · 27721 RITTERHUDE, FREIRAUM, 04292 81440 · 27726 WORPSWEDE, CASA DI MOBILI, 04792 9445 · 30900 WEDEMARK, HÖPERSHOF, 05130 8412 · 32312 LÜBBECKE,<br />

SCHARRN 3 KONTOR DER SCHÖNEN DINGE, 05741 7303 · 33415 VERL, BECKHOFF, 05246 92600 · 33605 BIELEFELD, LOHMEIER, 0521 21015 · 35037 MARBURG, KETZERBACH12, <strong>06</strong>421<br />

66635 · 35745 DILLENBURG-MANDERBACH, HOLZ KRETZ, 02771 2671411 · 36433 BAD SALZUNGEN, WOHNBAR, 03695 6393666 · 39104 MAGDEBURG, KATHRIN THIES, 0391 5342426 ·<br />

40212 DÜSSELDORF, LAMBERT FLAGSHIPSTORE, 0211 8620420 · 40489 DÜSSELDORF, TAFELTRAUM, 0211 97178668 · 44229 DORTMUND-KIRCHHÖRDE, CORNER 378, 0231 94197871 ·<br />

45130 ESSEN, STADTHAUS, 0201 5458965 · 45481 MÜLHEIM, STILVOLL IN SAARN, 0208 46931833 · 45481 MÜLHEIM, ROHLOFF FERIENPARK, 0208 8286888 · 46244 BOTTROP, TIMMER-<br />

HAUS, 02045 82385 · 46535 DINSLAKEN, DECOBAR, 02<strong>06</strong>4 603072 · 47447 MOERS, DRIFTE WOHNFORM,02841 6030 · 48143 MÜNSTER, KÖSTERS, 0251 414230 · 5<strong>06</strong>72 KÖLN, LAMBERT<br />

FLAGSHIPSTORE, 0221 2921650 · 51375 LEVERKUSEN, HOME FASHION BY THORSTEN MACK, 0214 73468448 · 53117 BONN, DANIELS WOHNEN, 0228 677666 · 53340 MECKENHEIM,<br />

WILHELM LEY, 02225 99310 · 53604 BAD HONNEF, WALKEMBACH, 02224 2471 · 53881 KÖLN, AD 3000 MÖBELCONCEPT, 02251 9882415 · 55116 MAINZ, DELLEE EINRICHTUNGEN, <strong>06</strong>131<br />

224518 · 55116 MAINZ, TOSCANA, <strong>06</strong>131 224518 · 59759 ARNSBERG, M.WESTERMANN & CO., 02932 4767030 · 60313 FRANKFURT, LAMBERT FLAGSHIPSTORE, <strong>06</strong>9 21997514 · 60350<br />

FRANKFURT, GALERIA KAUFHOF · 61462 KÖNIGSTEIN, KLAUTKE WOHNKULTUR, <strong>06</strong>174 9980961 · 65388 SCHLANGENBAD, NEUMÜHLE ZAWOH, <strong>06</strong>129 5119040 · 67434 NEUSTADT A.D.<br />

WEINSTRASSE, H+H HANDRICH MODERNER, <strong>06</strong>321 49980 · 69120 HEIDELBERG, MC MODERN CLASSIC, <strong>06</strong>221 474737 · 70173 STUTTGART, LAMBERT FLAGSHIPSTORE, 0711 28411242 ·<br />

70173 STUTTGART, MERZ & BENZING, 0711 239840 · 70597 STUTTGART, BELLA CASA, 0711 6339794 · 71088 HOLZGERLINGEN, QUERPASS, 07031 741515 · 72459 ALBSTADT-PFEF-<br />

FINGEN, WOHNFORM WISSMANN, 07432 3951 · 73033 GÖPPINGEN, HÖPPEL, 07161 77291 · 73614 SCHORNDORF, <strong>KUNST</strong>STÜCK, 07181 68350 · 74653 KÜNZELSAU, FR. BREUNINGER,<br />

07940 91820 · 78050 VILLINGEN-SCHWENNINGEN, F.K. WIEBELT, 07721 980014 · 78333 STOCKACH, KÜCHENSTUDIO WURST, 07771 6349912 · 78628 ROTTWEIL, ROSENKAVALIER, 0741<br />

46939 · 79761 WALDSHUT-TIENGEN, SEIPP WOHNEN, 07741 60900 · 81477 MÜNCHEN, KARE KRAFTWERK, 089 8905403013 · 81479 MÜNCHEN, IDEE E COMPLEMENTI, 089 75984972 ·<br />

82493 KLAIS-ELMAU, SCHLOSS ELMAU, 08823 18835 · 84028 LANDSHUT, DOBLINGER, 0871 22237 · 86007 BAMBERG, MÜLLER 7, 0951 965120 · 86609 DONAUWÖRTH, MIO STILE<br />

MICELLO, 09<strong>06</strong> 9999128 · 88212 RAVENSBURG, TAFELBLATT, 0751 3525401 · 88499 RIEDLINGEN, MARK – RAUMSCHOEN, 07371 937013 · 88662 ÜBERLINGEN, WELTE-JOOS, 07551 5050 ·<br />

89312 GÜNZBURG, VANONI, 08221 6449 · 89584 EHINGEN, THIELEMANN EINRICHTEN,07391 770130 · 92318 NEUMARKT/OPF., DIE EINRICHTUNG, 09181 509980 · 97070 WÜRZBURG,<br />

SCHWARZWELLER, 0931 42304 · 97421 SCHWEINFURT, WOHNART IM RATHAUS, 09721 188013 · 97723 OBERTHULBA, FARBEN KESSLER, 09736 1071 · 99084 ERFURT, K2 WOHN-<br />

KONZEPTE, 0361 7463074 · A 1010 WIEN, JSE STEINWENDER INTERIORS, 0043 15333302 · 1080 WIEN, VICTORIA KAISER INTERIOR, 0043 6769336525 · 2700 WIENER NEUSTADT,<br />

WOHNDEKORATION & GESCHENKE, 0043 664 2521544 · 4221 STEYREGG, LORE LAGER, 0043 732641340 · 4775 TAUFKIRCHEN, AUINGER, 0043 77197503 · 5020 SALZBURG, SCHÖNER<br />

WOHNEN, 0043 662640474 · 6263 FÜGEN/TIROL, MÖBEL FREUDLING, 0043 528862215 · 6330 KUFSTEIN, RIEDEL TIROLER GLASHÜTTE, 0043 5372 6489603 · 6370 KITZBÜHEL, KITZ-<br />

BÜHELER WERKSTÄTTEN, 0043 535664757 · 6460 IMST, JAIS, 0043 541266492 · 6800 FELDKIRCH, PAOLINI HANDELS, 0043 55227<strong>06</strong>00 · 8010 GRAZ, EVA INTERIOR, 0043 6766530833 ·<br />

CH 8702 ZÜRICH, LAMBERT FLAGSHIPSTORE, 0041 443914000 · 1260 NYON, ADIRONDACK BOUTIQUE, 0041 223623188 · 3011 BERN, MARIO BURKHARD, 031 3111101 · 4144 ARLESHEIM,<br />

MAXIMAL, 0041 617022270 · 4500 SOLOTHURN, C A S A, 0041 326231952 · 6032 EMMEN, DAVINCI INTERIOR DESIGN, 0041 412605151 · 6204 SEMPACH, LAMBERT LUZERN WOHNBERATUNG,<br />

0041 412103747 · 6300 ZUG, VARIANTIKUM, 0041 417102238 · 6314 UNTERÄGERI, SZENARIO PFLANZEN & WOHNEN, 0041 417504004 · 6800 FELDKIRCH-ALTENSTADT, FAIR KÜCHEN-<br />

STUDIO, 0043 552371662 · 6830 RANKWEIL, ERNST SUMMER, 0043 6643767158 · 7000 CHUR, CASANOVAS WOHNEN & SCHENKEN, 0041 812521780 · 8001 ZÜRICH, JELMOLI, 0044<br />

2204411 · 8142 UITIKON-WALDEGG, IL SENSO, 0041 433219742 · 8280 KREUZLINGEN, WOHNGEFÜHL, 0041 716723852 · 8965 BERIKON, INSIDE, 0041 566330086 · LAMBERT GMBH ·<br />

<br />

WWW.LAMBERT- HOME.DE


Photography Max Rommel. Art Work Arthur Arbesser.<br />

MAK<br />

INGTHE<br />

DIFFER<br />

ENCE<br />

ANDES by Luca Nichetto.<br />

www.wittmann.at


HANDVERLESEN<br />

GESCHENKE GUIDE<br />

FÜR JEDE GELEGENHEIT<br />

BY<br />

WOHN!DESIGN


UNSERE FÜNFTE EDITION<br />

Bei der Auswahl für den Geschenke-Guide <strong>2022</strong> hatte<br />

jeder von uns einen Merkzettel auf dem Bildschirmrand<br />

kleben: „Verschenke nichts, über was Du Dich nicht selbst<br />

freuen HANDVERLESEN<br />

würdest.“ Auf unserem Wunschzettel standen<br />

demgegenüber bekannte Dinge: Große Überraschungsmomente,<br />

gute Storys, tolle Qualität, Langlebigkeit, bei<br />

einigen von GESCHENKE uns stand Einzigartigkeit GUIDE hoch im Kurs – bei<br />

allen FÜR aber die JEDE Idee, Geschenke GELEGENHEIT<br />

zu machen, an denen jeder<br />

lange Freude hat. Das war schon Leitfaden für unsere<br />

erste Ausgabe dieses kleinen Heftes, das viele von Ihnen<br />

liebgewonnen haben. Die Pandemie der vergangenen Jahre<br />

hat uns gelehrt, dass es um ganz andere Werte geht:<br />

BY<br />

Gemeinsam Zeit zu verbringen, mal wieder ausgelassen<br />

zu feiern, dabei selbst zubereitete Speisen zu genießen –<br />

Freunde zu sehen. WOHN!DESIGN<br />

Und unterwegs zu sein – und das bitte<br />

immer rücksichtsvoll –, um Neues zu entdecken. Auch wir<br />

sind wieder auf Achse, um für Sie als geneigte Leserin und<br />

motivierter Leser das Besondere zu suchen. So schlecht<br />

sind materielle Geschenke ja nun auch nicht ... Für uns ist<br />

dabei immer die Entstehungsgeschichte eines Produktes<br />

wichtig: Wo kommt etwas her, unter welchen Umständen<br />

wird es hergestellt und mit welcher Message? Das lesen<br />

Sie nachfolgend. Und hoffentlich mit Vergnügen.<br />

Viel Spaß beim Überraschen (lassen) wünschen<br />

Dr. D. und das W!D-Team.


LICHT TO GO: DIESER<br />

NEUAUFGELEGTE DESIGN-<br />

KLASSIKER MACHT MOBIL<br />

© CONSTANTIN MIRBACH<br />

Wer hätte gedacht, dass diese fancy Leuchte hier<br />

links inzwischen mehr als 50 Jahre auf dem Buckel<br />

hat? Ihr Schöpfer ist kein Geringerer als Lichtdesigner<br />

Ingo Maurer, und „b.bulb“ seine erste Kreation – das<br />

Sprungbrett in eine strahlende Karriere. „Mein Vater<br />

erzählte gerne von dem Moment der Inspiration: Nach<br />

einem fantastischen Essen und einer Flasche Rotwein<br />

lag er in seinem billigen Hotelzimmer auf dem Bett.<br />

Über ihm schwebte eine nackte 15-Watt Glühbirne,<br />

deren Schönheit ihn berührte. Er verliebte sich sofort<br />

in diese Mischung aus Poesie und Technik – eine Liebe,<br />

die ihn Zeit seines Lebens nicht mehr losließ,“ beschreibt<br />

Claude Maurer. Die erste Version entstand<br />

1966 und wurde 2020 mit mehr technischer Finesse<br />

neu aufgelegt: Ausgestattet mit Akku und effizienter<br />

LED-Technik, ist sie an keinen festen Standort gebunden<br />

und passt sich dank „Dimm to warm“-Technologie<br />

jeder Lichtsituation an. Wie das Original ist auch die<br />

Neuauflage aus Murano-Glas gefertigt und fast vollständig<br />

recycelbar. Ab 340 Euro. ingo-maurer.com


KALTE HÄNDE, HEISSE<br />

LIEBE – SO SAGT MAN<br />

Das kann schon sein, aber wir bevorzugen temperierte<br />

Finger. Sie sind einfach geschmeidiger<br />

und erzeugen beim Gegenüber keine ungewollte<br />

Gänsehaut. Garant für eine angenehme<br />

Betriebstemperatur sind die Handschuhe von<br />

Thomas Riemer aus Wien. Das liegt natürlich<br />

an ihrem hochwertigen Futter, beispielsweise<br />

aus Kaschmir – ein Material, das der besonderen<br />

Verarbeitungsqualität ebenbürtig ist und<br />

den verwendeten Ledersorten, von denen man<br />

gar nicht mehr die Finger lassen kann. Doch<br />

wo die Hände schwelgen, dürfen die Augen<br />

nicht darben. Die Farben ... sensationell – mal<br />

elegant und sophisticated, doch genauso auch<br />

Pop! Und das Beste? Es gibt sie auch für Ladys.<br />

tr-handschuhe.at


PERFEKT FÜR DEN HERBST:<br />

REGENJACKE, BUT MAKE IT<br />

FASHION PLEASE<br />

Schneller als es uns lieb ist, ist auch dieses Jahr<br />

der Herbst zurückgekehrt. Selbst wenn wir die<br />

vermeintlich kuschelige Jahreszeit an so manchen<br />

heißen Sommertagen noch romantisiert, ja vielleicht<br />

sogar manchmal herbeigesehnt haben, ist<br />

die Realität in den Herbstmonaten in Deutschland<br />

meist vor allem eines: grau. Umso wichtiger, dieser<br />

Tristesse mit dem passenden Outfit entgegenzuwirken.<br />

Für die Herbst/Winter-Kollektion <strong>2022</strong> kooperiert<br />

der deutsche Sportartikelhersteller Adidas<br />

mittlerweile schon zum vierten Mal mit dem finnischen<br />

Modelabel Marimekko. Die abstrakten Muster,<br />

die architektonischen Formen und die leuchtenden<br />

Farben, die so typisch für das finnische Label<br />

sind, ergänzt um den funktionalen Stil und die Performance-Expertise<br />

des deutschen Kooperationspartners,<br />

überzeugen. Die gesamte Kollektion gibts<br />

es online bei Adidas zu kaufen. Der Regenmantel<br />

kostet 160 Euro, über<br />

adidas.de


LI<strong>MIT</strong>ED EDITION, DIE<br />

WAS ZU ERZÄHLEN HAT<br />

Nachdem ihr geliebtes erstes Skizzenbuch<br />

bei einem nächtlichen Raubüberfall im Marrakesch-Express<br />

gestohlen wurde, stand für<br />

Bianca Tschaikner fest: jetzt erst recht! Die<br />

österreichische Illustratorin und Keramikkünstlerin<br />

besorgte sich fix ein neues, noch<br />

schöneres Exemplar, mit dem sie seither die<br />

Welt erkundet. Ihre Arbeiten leben von den<br />

Eindrücken und Geschichten, die ihr Länder<br />

und Menschen vermittelten. So auch das<br />

„Blue and White“-Porzellan, das auf 16 Teile<br />

limitiert ist und seinen Nutzer auf eine Reise<br />

in die mediterrane Mythologie entführt.<br />

Jeder Teller und jede Schale ist ein handgemachtes<br />

und -bemaltes Einzelstück (ab 195-<br />

400 Euro). „Blau bemalte Keramik hat eine<br />

über tausend Jahre alte Tradition, hinter<br />

deren zeitloser Schönheit eine lange Historie<br />

steckt, die ich mit dieser kleinen, aber feinen<br />

Kollektion weitererzählen und die Blaumalerei<br />

neu interpretieren möchte.“<br />

biancatschaikner.com


MUSEUMSREIFER STOFF<br />

KLEIDET KONTEMPORÄRE<br />

MÖBEL IM SCANDI-LOOK<br />

Skandinavier halten zusammen. Auch und besonders,<br />

wenn es um Kunst und Design geht. So entstehen<br />

gut und gerne Kooperationen wie zwischen<br />

dem dänischen Louisiana Museum of Modern Art<br />

und den Landsleuten der Design-Schmiede Ferm<br />

Living. Das Ergebnis ist der Webstoff „Louisiana x<br />

ferm LIVING“ mit kräftigen schwarzen und sandfarbenen<br />

Streifen, der speziell für den „Rico“-Lounge<br />

Chair (links im Bild) und den gleichnamigen Zweisitzer<br />

von Ferm Living kreiert wurde. „Zum ersten Mal<br />

waren wir intensiv an der Entwicklung eines Designs<br />

beteiligt, das einen klaren Ausgangspunkt in der Architektur<br />

dieser Institution hat“, sagt Peter Myrthu<br />

Elmegaard, Shop Manager des Museums. Er deutet<br />

auf das wesentliche Markenzeichen des Louisiana<br />

hin: das Spiel mit Farb- und Materialkontrasten.<br />

Genau das richtige Präsent für einen Menschen mit<br />

hoher Affinität für moderne Kunst und Design. Sessel<br />

um 2.100 Euro, zu bestellen über fermliving.de


„FÜR DEN KLEINEN SUFF<br />

ZWISCHENDURCH“<br />

Mit diesem Versprechen bewirbt<br />

der „Doppelblick“-Gründer Matthias<br />

Pfundt sein Produkt, und wir können<br />

aus erster Hand bestätigen, dass es<br />

funktioniert. Der Limettenshot mit<br />

dem ulkigen Namen ist mittlerweile<br />

nicht mehr wegzudenken aus dem<br />

Leipziger Nachtleben und hat sich als<br />

echte Marke etabliert.<br />

Seit 2019 widmet Matthias Pfundt sich<br />

in Zusammenarbeit mit Wegbegleitern<br />

aus der Leipziger Subkultur, wie zum<br />

Beispiel dem Kunst- und Kulturförderverein<br />

MOTTT e.V. oder dem Illustratoren-Duo<br />

„Superfreunde“, und Destillateuren<br />

dem perfekten Mischverhältnis<br />

aus erlesenen Zutaten. So entsteht mit<br />

viel Hingabe und zu 100 Prozent vegan<br />

der optimale Kurze. Einen griffigen Namen<br />

und eine coole, auffällige Graphik<br />

später konnte Pfundt das Getränk in<br />

verschiedenen Größen abfüllen und in<br />

den Vertrieb bringen. Der Schnaps ist in<br />

0,5-Liter-Flaschen für 12,50 Euro oder<br />

schon portioniert in 2cl-Fläschchen für<br />

je 1,50 Euro erhältlich. Im Laden gibt es<br />

„Gisela“ bis jetzt nur an verschiedenen<br />

Adressen in Leipzig und in einigen Getränkemärkten<br />

in Dresden zu kaufen.<br />

Für die bundesweite Versorgung gibt<br />

es einen gut sortierten Online-Shop, in<br />

dem auch das zum Getränk passende<br />

Merchandise sowie andere Spirituosen-<br />

Spezialitäten made in Leipzig angeboten<br />

werden. Cheers! doppelblick.org


ES WAR EINMAL IN JAPAN. DAS LIEST<br />

SICH WIE EIN MODERNES MÄRCHEN<br />

... doch diese Geschichte ist wahr und<br />

hat ihren Ursprung im japanischen<br />

Arimatsu, wo die Familie Murase seit<br />

mehr als 100 Jahren (also in fünfter<br />

Generation) Stoffe mit einer traditionellen<br />

Technik veredelt: Shibori. Dabei<br />

werden Teile von textilen Oberflächen<br />

durch Abbinden, Abnähen oder durch<br />

Falten ausgespart – eine durchdachte<br />

Manipulation der Textilien, die beim<br />

anschließenden Färben fließende Farbverläufe,<br />

Kontraste, doch genauso auch<br />

dreidimensional wirkende Muster und<br />

Strukturen erzeugt. Seit mehr als 400<br />

Jahren sind die Produktionsprozesse,<br />

die an Batik denken lassen, doch viel<br />

raffinierter sind, unverändert. „Diese<br />

Tradition nicht nur bewahren – sondern<br />

gestalten“, nach diesem Motto pflegt<br />

Hiroyuki Murase, Designer von Suzusan<br />

und ältester Sohn der Familie Murase,<br />

die Familientradition und das japanische<br />

Shibori-Handwerk.<br />

2008 startete er mit Leuchten, Schals<br />

und Kissen für sein Label Suzusan. Inzwischen<br />

umfasst das Portfolio auch<br />

Bettüberwürfe, die selbst als Tischdecke<br />

Furore machen (rechts), sowie zwei<br />

komplette Fashion-Linien für sie und<br />

ihn. Unser Schnappschuss aus der Kollektion<br />

„Family“ zeigt, dass darin nicht<br />

nur Youngsters cool aussehen. Natürlich<br />

nicht ganz günstig, aber seinen Preis<br />

wert. Sie wissen, wovon wir überzeugt<br />

sind. Lieber einmal weniger shoppen,<br />

dann aber dafür richtig. suzusan.com<br />

Suzusan stellt auf der Hamburger „MK&G messe“ vom 23. bis 27.11.<strong>2022</strong> aus.<br />

Weitere Infos zu Teilnehmern und dem Programm unter mkgmesse.de


ALESSI KANN TABLE-<br />

WARE – UND AUCH<br />

BLING BLING!<br />

Allein schon der Name „Venusia“ –<br />

eine Wortvariante und Referenz auf<br />

Venus, Göttin der Schönheit – lässt<br />

erahnen, dass bei dieser Schmuck-<br />

Kollektion höhere Mächte ihre Finger<br />

im Spiel haben. Designerin Elena Salmistraro<br />

schuf eine Serie aus Ringen,<br />

Armbändern, Halsketten und Ohrringen<br />

für das italienische Traditionshaus<br />

Alessi, wobei sie unterschiedliche<br />

Verfahren und Materialien aus<br />

der Metallverarbeitung erforschte,<br />

darunter hypoallergenen Edelstahl.<br />

Sinnlichkeit meets Kunsthandwerk.<br />

Ab 59 Euro.<br />

eu.alessi.com


© MARCO PIETRACUPA


KEINE TASCHE,<br />

SONDERN<br />

EIN STATEMENT<br />

Sie lieben emblematische Dessins<br />

mit Geschichte, die man<br />

nicht an jeder zweiten Straßenecke<br />

sieht? Dann kommen<br />

Sie an Au Départ nicht vorbei.<br />

Das geometrische Muster entstand<br />

um 1900, die Marke bereits<br />

1834. In den Twenties war<br />

es ein modisches Muss und seit<br />

dem Neustart des Labels vor<br />

zwei Jahren ist die Jeunesse<br />

dorée damit unterwegs. Die<br />

Kollektionen für sie und ihn<br />

wechseln zügig. Wer sich nicht<br />

schnell entscheidet, verpasst<br />

leicht sein Ziel, mit Stil unterwegs<br />

zu sein. Und zack ist sie<br />

ausverkauft, die „Géant Madeleine“<br />

in „Monogram Black“<br />

zum Preis von 3.500 Tacken.<br />

Luxus läuft. audepart.com


HOL DEN VORSCHLAG-<br />

HAMMER RAUS!<br />

Der Hocker „Fels“ des Berliner Designlabels<br />

OUT – Objekte unserer Tage – fällt auf. Das<br />

liegt zum einen sicherlich an seinen knalligen<br />

Farbausführungen, aber auch an der besonderen<br />

Formsprache und der aufwendigen<br />

Verarbeitung. Er ist aus massivem Edelholz<br />

gefertigt, wobei jede einzelne seiner vielen<br />

Kanten von Hand geschliffen wird. Man<br />

kann ihn auch als Beistelltisch benutzen.<br />

Der multifunktionale Hocker eröffnet eine<br />

neue Perspektive auf das Naturmaterial<br />

Holz. Was kommt dabei heraus, wenn man<br />

es behandelt wie Stein? Wenn man ein Objekt<br />

graduell aus dem Material erarbeitet,<br />

wie in der Bildhauerei? „Eine Begegnung von<br />

Natur, Handwerk und dem Berlin State of<br />

Mind“, sagt OUT. Ein beeindruckender Eyecatcher,<br />

der jeden Raum aufpeppt, sagen<br />

wir. Zu kaufen gibt es das Multitalent in verschiedenen<br />

Ausführungen ab 490 Euro.<br />

objekteunserertage.com


NOBLES DESIGN <strong>MIT</strong> DEM POTENZIAL,<br />

ZU ERBSTÜCKEN ZU AVANCIEREN<br />

Das dänische Silberunternehmen<br />

Georg Jensen kann dank seines fortschrittlichen<br />

Blickwinkels auf viele<br />

Erfolgsmomente und -geschichten<br />

zurückblicken. Fans royaler Anekdoten<br />

könnten besonders bei dieser<br />

Story schwach werden: Es war<br />

einmal ein schwedischer Graf mit<br />

Namen Sigvard Bernadotte (1907-<br />

2002), der seine Leidenschaft für<br />

Design und Illustration entdeckte.<br />

Als einer der ersten Mitarbeiter von<br />

Georg Jensen traute er sich 1930 mit<br />

den damaligen Design-Konventionen<br />

der Art-déco-Bewegung zu brechen<br />

und führte stattdessen eine architektonische<br />

Sprache ein, die klare,<br />

geometrische Formen und symmetrische<br />

Muster in die Kollektionen einbrachte.<br />

Die „Bernadotte“-Serie des


„Design-Prinzen“ mit den ikonischen<br />

Rillen wurde über die Jahrzehnte sukzessive<br />

durch neue Pieces ergänzt –<br />

von der Kaffeekanne über Besteck,<br />

Geschirr und Kerzenhalter bis zu Gläsern<br />

– die zusammen einen coolen,<br />

kontrastreichen Look ergeben, der<br />

frisch und ausgesprochen modern<br />

wirkt. Ab 20 Euro schlemmen auch<br />

Sie königlich. georgjensen.com


IM EINKLANG <strong>MIT</strong><br />

DER NATUR<br />

Die Bilder von Mario Sorrenti zeichnen<br />

sich sonst eher durch sehr viel<br />

nackte Haut aus. Für das italienische<br />

Luxusbrand Loro Piana machte der<br />

amerikanische Fotograf offensichtlich<br />

eine Ausnahme. Die Aufnahmen zur<br />

aktuellen Herbst-/Winterkampagne<br />

entstanden im Norden Frankreichs<br />

– eine perfekte Location, um die kuschelweichen<br />

und warmen Kleidungsstücke<br />

aus Naturmaterialien in Szene<br />

zu setzen. Die raue Natur hebt die gewandte<br />

Handwerkskunst der taktilen<br />

Kleidungsstücke hervor, etwa beim<br />

Mantel „Credence“ aus natürlichem<br />

Langflor-Shearling. Feine Details und<br />

moderne Highlights schaffen den<br />

Spagat zwischen zeitgenössischem<br />

Key Piece und klassischem Must-have.<br />

Beim Preis bitte tief durchatmen:<br />

11.000 Euro. de.loropiana.com


„OUT OF SPACE“ AN<br />

DIE KETTE GELEGT<br />

„Die Holzbildhauerei ist für mich das<br />

gestalterische Mittel, in welchem ich erzählen<br />

kann, was mich beschäftigt“, erzählt<br />

Katharina Andress. Im Falle ihrer<br />

Schmuckserie „Fashion for Astronauts“<br />

treffen aus Lindenholz geschnitzte<br />

futuristische Figuren auf eine jahrhundertealte<br />

Handwerkstechnik, die aus<br />

dem Rokoko stammt. Die detailreichen<br />

Holzanhänger sind Teil eines skulpturalen<br />

Schmuckprojektes, das die Bildhauerin<br />

mit eigenem Atelier am Ammersee<br />

bereits vor zwei Jahren startete. „Die<br />

farbenfrohen Anhänger wechseln je<br />

nach Bedarf vom Schmuckstück am<br />

Körper zum Kunstobjekt an der Wand<br />

und bewegen sich spielerisch zwischen<br />

den Grenzen der bildenden und angewandten<br />

Kunst.“ Ab 480 Euro ziert<br />

einer dieser spacig-bunten Blickfänge<br />

auch ihren Hals. katharinaandress.de


AUF FETTEN ROL-<br />

LEN UNTERWEGS<br />

Während im kalifornischen Venice<br />

Beach, Los Angeles in den Seventies<br />

Surfer, Airbrush-Künstler, Auto-Customizer<br />

und Rockmusiker den Bohemian<br />

Lifestyle lebten, verbrachten zwei bayerische<br />

Teenager ihre Tage damit, auf<br />

den Straßen ihres Dorfes Skateboard<br />

zu fahren, ihre Fahrräder aufzumotzen<br />

und vom coolen und lässigen California<br />

Way of Life zu träumen. Auch wenn es<br />

Bernd Georgi und Horst Kern nie nach<br />

Venice Beach geschafft haben, so ist<br />

es ihnen doch gelungen, sich diese unkonventionelle<br />

Lebenseinstellung zu bewahren.<br />

Bestes Bespiel dafür ist ihr Unternehmen<br />

„Floyd“, dessen hochwertige<br />

Gepäckstücke mit den ikonischen roten<br />

Rollen eine Gegenbewegung zu konformistischen<br />

schwarzen Businesskoffern<br />

bilden. „Wenn es in diesem langweiligen<br />

und ermüdenden Zirkus, der einst als<br />

Reisekultur bekannt war, noch einen<br />

schwachen Schimmer von Coolness<br />

gibt, dann ist es Floyds Mission, ihn in<br />

Geist und Stil wieder zum Leuchten zu<br />

bringen“, prangt es auf der Homepage.<br />

Cabin Case um 445 Euro. floyd.one


GANZ KLAR LIEBE AUF<br />

DEN ERSTEN BISS<br />

How wundervoll: Billa Reitzner stammt aus<br />

Dover (USA), absolvierte in den Eighties die<br />

Keramikfachschule in Landshut und gründete<br />

nach zehnjährigen Hospitanzen 1993 ihre eigene<br />

Werkstatt in München. Seitdem erfreut sie<br />

uns mit ausgesprochen aparten Objekten, für<br />

die sie bereits 2003 zwei nicht unbedeutende<br />

Preise sowie 2017 den Bayerischen Staatpreis<br />

für Gestaltung erhielt. Sie ist immer wieder<br />

in Galerien und auf Messen mit Exponaten<br />

vertreten, von denen schon einige Objekte in<br />

Museen wanderten. Wen wundert‘s? Diese<br />

Servierplatten hier sind aus Porzellan mit farbigem<br />

(Porzellan-)Schlicker überzogen, teils<br />

geritzt, und manchmal werden auch in einem<br />

dritten Brand farbige Glasperlen aufgebrannt.<br />

„Die sind für den Tisch gedacht als etwas Schönes,<br />

was da liegt. Man kann was Heißes drauf<br />

tun, man kann Speisen drauflegen.“ That‘s it.<br />

reitzner-porzellan.de


APHRODISIAKUM<br />

À LA FRANÇAISE<br />

Einem alten Familienrezept ist es zu verdanken, dass<br />

zwei Berliner mit einem neuen Apéro-Getränk durchstarten.<br />

„Als kleines Kind war ich öfter zu Gast bei meiner<br />

Künstlerfamilie in La Croix-Valmer. Dort gab es zur<br />

Begrüßung einen Haus-Apéritif, den auch wir Kinder<br />

trinken durften. Das war immer ein Highlight“, erzählt<br />

Jakob Karberg, der den Volée Apéritif Naturel auf der<br />

Grundlage dieser Rezeptur entwickelte. Der alkoholfreie,<br />

bittersüße Mix aus unfermentierten Chardonnay-Trauben,<br />

frischem Verjus, Grapefruit, Bergpfirsich,<br />

Holunderblüte und Pomeranze fängt den Geschmack<br />

des Mittelmeeres ein. „Als geheimes Extra ist Volée<br />

mit Damiana angereichert, einem natürlichen Aphrodisiakum,<br />

das die Stimmung hebt“, ergänzt Co-Gründer<br />

Benjamin Müller. „Wir empfehlen den Volée mit<br />

Tonic Water auf viel Eis und mit frischer Grapefruit<br />

garniert. Wer ihn doch etwas feucht-fröhlicher genießen<br />

möchte, füllt mit Cremant oder Sekt auf. Santé!“<br />

500 ml gibt`s für 15,95 Euro. voleevolee.com


MASSHÜTE FÜR<br />

GROSSSTADTNOMADEN<br />

Auf der Suche nach einem Hut für sich<br />

selbst entdeckte Nuriel Molcho (im Bild<br />

links) seine Passion als Hutmacher. Den<br />

ersten selbstgefertigten trägt er noch heute.<br />

Gemeinsam mit seiner Frau Audrey (im<br />

Bild rechts) betreibt der Blogger, Fotograf<br />

und Gastronom seit 2017 das Atelier „Nomade<br />

Moderne“ am Wiener Naschmarkt.<br />

Ihre Made-to-measure-Teile sind unkonventionelle<br />

Einzelstücke und strahlen den Spirit<br />

rastloser Weltenbummler aus, zu denen sich<br />

auch das kreative Duo zählt. Die außergewöhnlichen<br />

Textilien und Details wie Knöpfe,<br />

Bänder und Federn sammeln sie auf ihren<br />

ausgiebigen Reisen um die Welt. Für Kurzentschlossene<br />

bietet das Paar die stylishen<br />

Kopfbedeckungen auch Ready-to-wear an.<br />

Die Preise starten je nach Ausführung bei<br />

580 Euro. nomade-moderne.com


JUWELEN WÄHLEN!<br />

ETWA EIN COLLIER<br />

„Mein Ziel ist es, Schmuck in höchster<br />

Qualität anzubieten, aus Materialien, die<br />

in ökologisch und sozial verantwortbarer<br />

Form produziert sind“, sagt die Goldschmiedin<br />

Lilli Veers aus Lüneburg und<br />

schickt hier einen Halsschmuck aus Silber,<br />

Papier, Harz und Farbpigmenten ins Rennen.<br />

„Schmuck wird somit zum Ausdruck<br />

meiner eigenen Werte. Deshalb untersuche<br />

und erarbeite ich mir ökologische<br />

und soziale Zusammenhänge, versuche<br />

diese immer wieder in mein Handeln zu<br />

integrieren und nach außen zu kommunizieren.<br />

Dadurch eröffnen sich in meiner<br />

künstlerischen Arbeit neue Perspektiven<br />

und Wertigkeiten. Es entstehen skulpturale<br />

und systemimmanente Unikate<br />

aus Recyclingedelmetallen, ökofairen<br />

Edelmetallen und Fremd-Materialien im<br />

Spannungsfeld zwischen archaischer<br />

Ursprünglichkeit und morbider Zerbrechlichkeit.“<br />

Kürzer gesagt: einfach ganz<br />

großes Kino, Collier um 540 Euro über<br />

lilli-veers.de


© SOPHIEWOLTER_FOTOGRAFIE


ALLES EIN BISSCHEN<br />

BESSER MACHEN<br />

„Wie kann man ein Kaffeeunternehmen betreiben,<br />

ohne dass dabei irgendjemand oder<br />

irgendetwas zu Schaden kommt?“ Diese Frage<br />

stellten sich die Gründer der schwedischen<br />

Kaffeemarke „Lykke Kaffegårdar“ und begaben<br />

sich damit auf eine verantwortungsvolle<br />

Mission: die Kaffeeindustrie so umzukrempeln,<br />

dass wir auch in 50 Jahren noch eine<br />

richtig gute Tasse des frisch aufgebrühten<br />

Getränks genießen können. Ihr Netzwerk besteht<br />

aus Kaffeebauern in Südamerika und<br />

Südafrika, die die Führung behalten – ohne<br />

Zwischenhändler. Der Anbau erfolgt organisch,<br />

ohne Monokulturen in perfekter Harmonie<br />

mit Mensch und Natur. Ein schönes<br />

Mitbringsel, das Freude bereitet und gleichzeitig<br />

Gutes tut. Ein Pfund des „Bam Bam“-<br />

Espresso kostet 20 Euro. lykkegardar.se


DIE STILSICHEREN<br />

<strong>LEBEN</strong>SBEGLEITER<br />

Sie sind klassisch, robust und passen<br />

sich den unterschiedlichsten Lebenslagen<br />

an. Die Rede ist von den modularen<br />

Möbelsystemen von USM, die<br />

nicht nur am Arbeitsplatz eine gute<br />

Figur machen. Bei Designliebhabern<br />

ziehen sie direkt mit in die heimischen<br />

vier Wände ein. Vom Wickeltisch, über<br />

Barwagen oder Garderobe bis hin zum<br />

Sideboard mit Stauraumeffekt – die<br />

Möglichkeiten sind mannigfaltig. Damit<br />

sich das Möbel immer perfekt an<br />

neue räumliche Gegebenheiten oder<br />

veränderte Lebensumstände anpasst,<br />

bietet USM ein Interior-Update<br />

mit professioneller Beratung in Form<br />

eines Umbaus oder einer Erweiterung<br />

bestehender Möbel. Sollten Sie also<br />

noch nach einem exklusiven Geschenk<br />

für kreative Köpfe suchen, dann sind<br />

Sie soeben fündig geworden. Warum<br />

nicht auch eine Variante in „True<br />

Pink“, dem neuesten Colour-Clash, den<br />

USM im Juni auf der Mailänder Design<br />

Week vorstellte?<br />

usm.com


(WINTER-)DÜFTE AUS<br />

VEGANEN REZEPTUREN<br />

Sie duften nach zarter Vanille und Mandelblüten,<br />

nach einem üppigen Bouquet aus<br />

Iris-Butter, Bergamotte, Rose mit Mandel-Kopfnote<br />

oder bilden ein harmonisches<br />

Zusammenspiel aus elegantem Leder, Bergamotte,<br />

Sandelholz und Heliotrop – eingerahmt<br />

von floralen Noten. Et Voilà: die Eaux<br />

de Parfum aus dem Hause Aemium. Gründer<br />

Emmanuel Roche hatte „die Nase voll von<br />

synthetischen Duftstoffen, die wir uns eigentlich<br />

nicht mehr auf die Haut zu sprühen<br />

trauen, von schweren und nicht recycelbaren<br />

Verpackungen, die alle unter Marketing-Blabla<br />

versteckt werden, um den Kunden zum<br />

Träumen zu bringen und ihn glauben zu lassen,<br />

dass das Produkt sein Geld wert ist.“ Die<br />

Aemium-Rezepturen enthalten daher weder<br />

Farbstoffe noch umstrittene Inhaltsstoffe<br />

und räumen mit dem Thema auf, dass vegan<br />

und luxuriös sich grundlegend ausschließen.<br />

100 ml kosten um 130 Euro. aemium.com


EINE HOMMAGE AN DAS<br />

TRADITIONELLE HANDWERK<br />

Die in Oviedo geborene und seit ihrem Studium in Mailand<br />

lebende und arbeitende Designerin Patricia Urquiola<br />

hat eine neue Vasenkollektion für Cassina entworfen.<br />

Die „Sestiere“-Vasen verbinden die alten Handwerkstechniken<br />

der Murano-Glasherstellung mit zeitgenössischem<br />

Design. Es gibt sie in vier verschiedenen Ausführungen.<br />

Die „Kordeln“, die die zarten Glasblasen<br />

scheinbar zusammenhalten, werden in der Murano-Tradition<br />

„Morise“ genannt. Sie sind verziert mit „Rigadin“,<br />

dem typischen Rillenmuster der Lagune und werden von<br />

Hand an der Außenseite der Vase angebracht. So wird<br />

jedes Exemplar zum Unikat. Durch die mit Bedacht gewählten<br />

Farbkombinationen, die unbemühten und dennoch<br />

vollkommenen Formen und die Kombination verschiedener<br />

Glasmacherkünste entstehen traumhafte,<br />

fast gläserne Skulpturen, die auch ohne Inhalt faszinieren.<br />

Und als eben solche handgefertigten Kunstobjekte<br />

sollte man sie auch im Hinblick auf ihren Preis betrachten,<br />

ab 1.190 Euro.<br />

cassina.com


GUTE <strong>KUNST</strong> ZUM FAIREN PREIS?<br />

DAS HABEN WIR IN BERLIN GEFUNDEN<br />

Die Buntstiftzeichnungen der Berliner<br />

Künstlerin Levke Leiß (*1982) erfüllen<br />

die vornehmste Aufgabe der Kunst:<br />

Sie irritieren. In einer das Verfahren der<br />

Lasurmalerei adaptierenden Technik<br />

trägt Leiß in ihren Bildwelten Menschen,<br />

Landschaften, Objekte und Tiere<br />

zusammen, die in selten erreichter<br />

Perfektion nahezu hyperrealistisch präsentiert<br />

werden. Dass sich bei dem Betrachter<br />

der Arbeiten dennoch unvermittelt<br />

ein Störgefühl einstellt, erreicht<br />

Leiß durch eine den voreingenommenen<br />

Erwartungen widersprechende<br />

Zusammenstellung verschiedener<br />

Elemente zu Szenarien, die zwischen<br />

gestörter Wirklichkeit und surrealen<br />

Welten verortet sind. Diese gestörten<br />

Welten zwingen den Betrachter dazu,<br />

das Dargebotene zu hinterfragen und<br />

sich auf die Suche nach der Ursache der<br />

Störung zu begeben. Wie bei ihrem Mo-<br />

tiv „Suchender“. Wer verhüllt sich hier<br />

und warum? Das weiße Tuch erinnert<br />

an ein Gespenst, die Form aber auch<br />

an eine Burka. Beobachten wir hier ein<br />

Spiel, eine Demonstration oder einen<br />

Rollentausch? Wie würde dieses Bild<br />

auf uns wirken, wenn das Tuch schwarz<br />

wäre, und darunter kein Allerweltsoutfit<br />

sondern traditionelle Frauenkleidung<br />

zum Vorschein käme? Wer sich<br />

auf die Bilder von Levke Leiß einlässt,<br />

beginnt einen inneren Monolog, an dessen<br />

Ende er stets klüger ist als vorher.<br />

Dieses Vergnügen hält die Berliner Art<br />

Now Gallery als Edition im Offsetdruck<br />

in einer Auflage von 75 bereit.<br />

Ca. 60 x 42 cm, von der Künstlerin signiert<br />

und datiert, und das zum Preis<br />

von 175 Euro. Ein super Deal für junge<br />

Sammler. art-nowgallery.com


GESTRICKTER CHIC<br />

AUS FINNLAND<br />

Haben unsere nordischen Nachbarn<br />

einen am Kopp? Da strickt eine Armada<br />

finnischer Omis für uns kuschelige<br />

Begleiter für den Winter. Dieses ganze<br />

Designunternehmen nennt sich Myssyfarmi<br />

(Mützenfarm) und liegt in der<br />

Provinz Pöytyä Vistola, die 8.216 Menschen<br />

zählt. Einige von ihnen züchten<br />

Schafe auf einsamen Bio-Bauernhöfen,<br />

wo man die strickenden Großmütter<br />

liebevoll Myssy-Mumien oder Myssymummu<br />

nennt. Jeder dort kennt sie<br />

wegen ihrer Mützen.<br />

Terttu, Sallo, Soili, Outi, Eeva und Ritva<br />

und einige andere Omas verbringen auf<br />

der „Farm“ viel Zeit zusammen, während<br />

sie die Wolle in Form bringen – auf<br />

Finnisch: Myssymuumoude. Die fertigen<br />

Strickwaren schmiegen sich wunderbar<br />

um die Murmel, und manche<br />

von ihnen tragen hübsche kleine Holzanhänger<br />

auf der Frontseite. Uns hat<br />

diese Baskenmütze am besten gefallen,<br />

eine formschöne Alternative zu den<br />

eher klassischen Wollmützen. Mehr Informationen<br />

finden Hipsters, Look-alikes,<br />

Trendagenten und Stylomaten im<br />

Netz unter, um 90 Euro, zu ordern über<br />

koti-ahrensburg.com


WIE PORZELLAN ZU<br />

<strong>KUNST</strong> AVANCIERT<br />

Es ist nach wie vor gängige Praxis, dass Porzellanobjekte<br />

eher als „Kunstgewerbe“ abgetan und in Sammlerkreisen<br />

kaum als Wertanlage betrachtet werden. Andere<br />

Kunstsparten schon. Doch wenn ein hoffnungsvolles<br />

Talent, das gerade seine erste große Einzelausstellung<br />

in einer nicht ganz unbekannten Museumsinstitution hat<br />

(schauen Sie mal in unseren Hotspots im Hauptheft),<br />

eine Vase vorlegt, sieht das ganz anders aus.<br />

Der Künstler Benjamin Houlihan erinnert sich. „Das war<br />

ganz schön tricky. Über einen Sammler, der gern Projekte<br />

macht, hat Fürstenberg mich angesprochen. Porzellan?<br />

Damit hatte ich noch nie gearbeitet. Ich habe dann zwei<br />

Hälften modelliert, die zusammenfließen und diese Vase ergeben.<br />

Außen ist das Porzellan rau. Innen glasiert mit einem<br />

komplexen Innenleben. Eines meiner<br />

»licked paintings« wurde<br />

dafür verfilmt, auf Folie<br />

übertragen und diese<br />

wiederum innen aufgetragen.<br />

Rot ist die heikelste<br />

Farbe, die man<br />

überhaupt machen<br />

kann. Die Manufaktur<br />

hat meinen Ton<br />

ziemlich genau getroffen.<br />

Als Edition<br />

von 25 Exemplaren, je<br />

3.200 Euro.<br />

fuerstenberg-porzellan.com


UND WAS ZIEHT DEN MANN<br />

IN DIESER SAISON SO AN?<br />

Na gut, die ausgewaschene Jeans könnte bleiben,<br />

aber ausgelatschte Sneaker sind kein Statement für<br />

stilbewusste Männer. Violette Hosenträger zur karierten<br />

Hose „New Blackwatch“ von Rota aus reiner<br />

Wolle schon. Ein wenig Klassik schadet nicht. Zum<br />

zweireihigen Sakko „The Golden Blazer“ aus Wolle<br />

und Kaschmir von Drago – es entsteht in Handarbeit<br />

und macht eine schlanke Linie. Der Rollkragenpullover<br />

„Gentry Rollneck“ lockert den Look etwas auf und hält<br />

warm (6-Ply-Kaschmir aus Schottland). Denken Sie<br />

an Ihre Gasrechnung und an die Umwelt. Er begleitet<br />

Sie lang. Fehlen noch die Schuhe, die über ihren Träger<br />

so einiges verraten. Wer Edward Green Butterfly<br />

Loafers trägt, der weiß, was er für 1.600 Euro erhält:<br />

„Nur noch wenige Schuhmacher sind in der Lage,<br />

so etwas herzustellen. Das aus Italien stammende<br />

Mink-Suede Wildleder ist ein Edward Green Essential<br />

und verleiht den Schuhen durch seinen feinen Glanz,<br />

einen wunderbar subtilen Charakter. Ein Rauleder, das<br />

trotz seiner angenehmen Weichheit eine hohe Widerstandsfähigkeit<br />

besitzt“, verrät uns Michael Jondral,<br />

der Herrenausstatter unseres Vertrauens. Auch der<br />

Rest ist preiswert, soll heißen seinen Preis wert. Riskieren<br />

Sie ruhig mal einen Blick in den chic gemachten<br />

Online-Shop. Gucken kostet nix. michaeljondral.com


EIN GANZ KLARES<br />

JA ZUM „NEIN“<br />

Was für eine magische Farbigkeit zaubert<br />

Ivana de Vivanco hier auf die Leinwand.<br />

Das Kleinformat mit den Maßen<br />

40 auf 36 cm zeigt etwas, das sonst<br />

eher der Kamera vorbehalten bleibt: Bewegung.<br />

Und zwar vehement. Der Pinsel<br />

scheint über die Leinwand geflogen<br />

zu sein, verdichtet an manchen Stellen<br />

das Rouge, während er die Farbe auf<br />

den Lippen fast schon wieder abträgt<br />

und die Konturen verwischt. Gleichzeitig<br />

spiegelt sich in Teilen des Kinns das Blau<br />

des Plafonds wider. Ein Kopf in Action,<br />

der sich von links nach rechts zu drehen<br />

scheint – mit einer konkreten Ansage:<br />

„No!“ So lautet der Titel des Werkes der<br />

Künstlerin mit peruanischer Mutter und<br />

chilenischem Vater. De Vivanco kam<br />

in Lissabon zur Welt und studierte in<br />

Chile und Leipzig. Wir erwidern ihr Nein<br />

mit einem ganz klaren Yes! – auch weil<br />

sie 2014 zu den Empfehlungen in „100<br />

Painters of Tomorrow“ (Thames & Hudson)<br />

gehörte, und weil es ein großartiges<br />

Werk ist, gesehen für 3.300 Euro in der<br />

Berliner<br />

galeriekornfeld.com


ALADIN HEISST JETZT PHILIPPE UND<br />

AUCH DIE WUNDERLAMPE IST NEU<br />

Die französische Koryphäe des zeitgenössischen<br />

Designs, Philippe Starck,<br />

entwirft die neue Kollektion von Raumluftpflege<br />

für das französische Traditionsunternehmen<br />

Maison Berger<br />

Paris. Sie umfasst Lampe Berger Katalyselampen,<br />

Raumduft Diffuser und<br />

elektrischer Diffuser in Verbindung mit<br />

drei Düften, die von Philippe Starck ursprünglich<br />

als Parfum für den Körper<br />

entwickelt und von Maison Berger Paris<br />

als Raumdüfte umgesetzt wurden. In<br />

der Formsprache der Objekte bezieht<br />

sich der Designer mit einer modernen<br />

Interpretation von Laborgegenständen<br />

auf die Wurzeln des französischen<br />

Hauses, das von Maurice Berger, einem<br />

Apotheker und Erfinder der berühmten<br />

Lampe Berger, Ende des 19. Jahrhunderts<br />

gegründet worden war. Aber wie<br />

funktioniert das patentierte Katalyse-<br />

system eigentlich? Es ist ein einfaches<br />

Wunderwerk: Im Zentrum der Lampe<br />

befindet sich ein katalytischer Brenner.<br />

Er besteht aus zwei Temperaturbereichen<br />

(Wärmezonen): dem äußeren Bereich,<br />

der eine Temperatur von ungefähr<br />

500°C erreicht, und dem inneren Teil,<br />

der sich auf nur etwa 200°C erhitzt. Im<br />

äußeren Bereich zirkuliert die Luft durch<br />

die Hitze um den Brenner und spaltet so<br />

geruchstragende Moleküle in der Raumluft<br />

auf, es neutralisiert sie. Die niedrigere<br />

Temperatur im Inneren ermöglicht die<br />

Freisetzung der Duftstoffe und verteilt<br />

diese gleichmäßig im Raum.<br />

Das Ergebnis sind sowohl eine reinere<br />

Luft als auch eine angenehme Beduftung.<br />

Wer sich von diesem sensorischen<br />

savoir vivre inspiriert fühlt, kann die<br />

Lampen online bei Maison Berger Paris<br />

ab 119 € erwerben. maison-berger.de


ACHTEN SIE AUF DAS KLEINE<br />

KROKODIL. ES LOHNT SICH.<br />

Manchmal wird man morgens wach und möchte sich am<br />

liebsten die Decke über den Kopf ziehen. Dann mummelt<br />

man sich ein – vielleicht mit einem Tee oder Kaffee – und<br />

sinniert über den angebrochenen Tag oder die vergangene<br />

Nacht. Vielleicht. Denn es könnte auch genauso sein, dass<br />

die Bettwäsche so stylish aussieht, dass man sie am liebsten<br />

anziehen würde. Was für ein starkes Outfit wäre das<br />

– vielleicht als Jacke zum Snowboard. Da kommt Mann<br />

schon mal ins Träumen und Nachdenken ... Der Bettbezug<br />

„L Monogram Marine“ aus der Herbst-Winter-Linie von<br />

Lacoste sieht so schön aus. Und dann dieser atmungsaktive<br />

Biobaumwoll-Piqué und das emblematische Dessin.<br />

Ein Träumchen. Einfach zum Verlieben. Gut, dass es ein<br />

klassisches Polohemd in sattem Blau gibt, mit dem man<br />

sich über den Tag trösten kann. Die nächste Nacht kommt<br />

bestimmt, und damit die prägnanteste Bettwäsche aus<br />

der Lacoste-Kollektion zum Einsatz. Das kleine grüne Krokodil<br />

als ikonisches Markenzeichen entdeckt man darauf<br />

sofort. Den gedruckten Schriftzug „Lacoste“ im Rapport<br />

erst bei genauem Hinschauen. Wie chic. Es kommt immer<br />

auf die Details an. Kissen ab 55 Euro, Decke ab 170 Euro<br />

online im Shop von<br />

yvesdelorme.com


GESTATTEN: „GATSBY“,<br />

FORMFOLLENDET.<br />

So stehen sie da: Champagner-, Rotwein-, und<br />

Wasserglas, dann ein weiteres für Weißwein<br />

sowie die passende Karaffe für Wasser. Wer<br />

sie berührt und hochhebt, ist von der feinen<br />

Ausführung und dem soliden Gewicht der Serie<br />

„Gatsby“ überrascht. Alle Wandungen sind<br />

optisch geblasen. Dafür verwendet der Glaswerker<br />

Model – meist aus Holz –, in die jedes<br />

Kristallglas einzeln geblasen wird. Diesem Prozedere<br />

ist auch die elegante Rippung geschuldet,<br />

die nicht mit Schliff verwechselt werden<br />

sollte. Die Technik lässt subtile Teile entstehen,<br />

die zu einer der schönsten Lambert-Tableware-<br />

Linien avancieren. Man erhebt das Glas, schaut<br />

hindurch und vegisst die eher glanzlose Zeit; ab<br />

30 bis 140 Euro. lambert-home.de


DIE <strong>KUNST</strong> DER<br />

VERFÜHRUNG<br />

Allein die Tatsache, dass „Juniper“ – ein ausgesprochen<br />

sinnlicher und belebender Unisexduft<br />

– neuerdings im Sortiment bei Andreas Murkudis<br />

in Berlin Furore macht, spricht für sich. Der<br />

Mann hinter dem bekanntesten Concept Store<br />

Deutschlands ist begeistert von dem Eau de<br />

Parfum des Traditionshauses Retterspitz,<br />

sonst eher bekannt für heilende und pflegende<br />

Produkte. „Juniper“ ist so besonders: Über<br />

einer Herznote aus Jasmin und Freesie erheben<br />

sich Wacholder und Basilikum, untermalt<br />

von Baumharz und Moschus. Parfumeur Geza<br />

Schön zog dafür alle Register seiner Duftorgel.<br />

Nun legt der bekannte deutsche Parfumeur<br />

nach und komponierte einen neuen Raumduft<br />

namens „Jardin“: Ein feines Fluidum aus<br />

Freesie, Rose und Jasmin, darüber Bergamotte<br />

und Kardamom, abgerundet mit Sandelholz &<br />

Myrrhe. Schöns Komposition hat eine stresslösende,<br />

ausgleichende Wirkung und kann als<br />

Stimmungsaufheller interpretiert werden, der<br />

Wärme und Geborgenheit vermittelt.<br />

Der Winter kann kommen. Zu Hause verbreitet<br />

sich ein Wohlgeruch, der sie in einen Garten für<br />

ein Rendezvous der Sinne entführt. Beim realen<br />

Date vor der Haustür wirken Sie umso verführerischer,<br />

wenn sie „Juniper“ auflegen. Eau<br />

de Parfum 90 Euro, Raumduft 40 und 60 Euro.<br />

Alle Produkte online über retterspitz.de


WOHN!DESIGN 6I<strong>2022</strong><br />

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DIE SCHÖNEN DINGE DES <strong>LEBEN</strong>S<br />

INTERIOR. <strong>KUNST</strong>. GENUSS UND REISEN<br />

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