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Militaer_3_2022_NEU

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WELTGESCHEHEN

Aktuelle Konflikte,

Krisen und

Analysen — S. 8

TRUPPENBESUCH

Beim Hochgebirgs-

Jägerbataillon 23

zu Gast — S. 20

militär

LUFTAUFKLÄRUNG

Das Bundesheer

plant den Kauf neuer

Drohnen — S. 33

DAS NEUE

ÖSTERREICHISCHE

MILITÄRMAGAZIN

AUSGABE 3|22

EURO 5,80

AKTUELL

Das Blatt hat sich gewendet:

Die Ukraine drängt die

russische Armee immer

stärker in die Defensive. Wir

haben ukrainische Kämpfer

bei der Rückeroberung

eines Dorfes im Südosten

des Landes begleitet.

FRONTBERICHT AUS DEM DONBASS

Die Ukraine

im Vormarsch


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E D I T O R I A L

0 0 3

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER

er wie Präsident Wladimir Putin dachte,

W

die Ukraine würde dem Ansturm der

russischen Armee bereits nach wenigen

Tagen erliegen, sieht sich längst eines

Besseren belehrt. Interaktive Karten der

Lageentwicklung zeigen zwar anfängliche

russische Vorstöße und Geländegewinne im Norden,

Osten und Südosten. Sie veranschaulichen aber auch, dass

die Ukrainer die Russen im Raum Kiew schon im April zurück

in ihre Ausgangsstellungen drängen konnten. Anschließend

gelang es den Ukrainern, auch an den übrigen Fronten

vermehrt Nadelstiche zu setzen. Unterstützt von Kämpfern

aus anderen Ländern gelangen dabei immer öfter auch Teilerfolge

wie die Rückeroberung eines Dorfes durch die Internationale

Legion im Südosten des Landes. Autor Till Mayer

hat den Angriff für Militär Aktuell begleitet, seine Reportage

lesen Sie ab Seite 14.

Ende August gingen die Ukrainer dann noch einen Schritt

weiter: Sie starteten eine groß angelegte Gegenoffensive, die

nun das ganze Dilemma der russischen Streitkräfte in diesem

Krieg augenscheinlich macht. Angesichts mangelnder Versorgung,

schlecht ausgebildeter Kämpfer, desaströser Aufklärung,

eklatanter Kommunikations- und Führungsfehler sowie

der schwindenden Kampfmoral der eingesetzten Truppen

scheint sich das deutlich überlegene Russland an der Ukraine

nicht nur die Zähne auszubeißen – der vermeintliche Goliath

Russland droht den Krieg gegen David Ukraine sogar zu

verlieren. Mit einer umstrittenen Teilmobilmachung und

frischen Kräften versucht Putin zu retten, was kaum mehr

zu retten ist. Laut unserem Experten Brigadier a. D. Walter

Feichtinger (Kommentar auf Seite 50) hat er sein Land damit

aber in eine strategische Sackgasse geführt. „Putin risikiert

damit, den Rückhalt in der Bevölkerung zu verlieren“, so

Feichtinger. Und weiter: „Das erweckt den Eindruck von

politischem Hasardieren.“

Ganz sicher keine Hasardeure gibt es beim Hochgebirgs-Jägerbataillon

23. Im Gegenteil, präsentierten sich die Soldaten

des Verbands bei unserem Truppenbesuch (ab Seite 20) doch

als topmotivierte Alpinspezialisten. Und mit ihren Kameraden

vom Jägerbataillon 25 behandeln wir auch in dieser

Ausgabe wieder ein interessantes Survival-Thema (Seite 36).

Außerdem haben wir mit Brigadier Jörg Freistätter über neue

Bundesheer-Drohnen gesprochen (Seite 33), und Redakteur

Georg Mader befragte Rafael-Vice-President Gideon Weiss

zu einem weiteren für das Bundesheer interessanten Produkt:

Der Zielbeleuchtungs- und Darstellungsbehälter Litening V

der israelischen Firma könnte unserer Eurofighter-Flotte

nämlich schon bald zu mehr Durchblick verhelfen (Seite 48).

IMPRESSUM

COVERFOTO: ARIS MESSINIS / AFP / PICTUREDESK.COM

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0 0 4 I N H A L T

INHALT

020

In

der Direttissima: Soldaten des Hochgebirgs-Jägerbataillons 23

müssen unter widrigen Bedingungen dort aufsteigen können, wo

es ein Gegner am wenigsten erwartet – auch wenn das bedeutet,

dass dafür ein Klettersteig errichtet und schweres Gepäck am

Rücken nach oben geschleppt werden muss.

028

Neu im Kino: Vizeleutnant Eismayer war einst der härteste Ausbilder

beim Bundesheer. Jahrelang hütete er aber ein Geheimnis, das mit seinem

Kasernenalltag nur schwer vereinbar schien: Er ist schwul. Ein Gespräch

mit Charles Eismayer über die Verfilmung seiner Lebensgeschichte.

003 EDITORIAL, IMPRESSUM

006 MOMENTUM

„Eisenerz 2022“: Bundesheer-

Großübung in der Steiermark.

008 WELTGESCHEHEN

Aktuelle Kurzmeldungen

aus aller Welt.

010 IN DER DAUERKRISE

Zwischen Wagner-Söldnern und

Militärputschen: Mali droht sich

in einem endlosen Kreislauf der

Instabilität zu verlieren.

014 BERICHT VON DER FRONT

Ukrainische Truppen erobern ein

Dorf im Südosten des Landes.

018 NEUES AUS DEM HEER

Aktuelle Kurzmeldungen aus

dem Bundesheer.

020 LOKALAUGENSCHEIN

Militär Aktuell zu Besuch beim

Hochgebirgs-Jägerbataillon 23.

026 MILIZ-PORTRÄTS

Drei Milizsoldaten erzählen, warum

sie weiter beim Heer bleiben.

028 INTERVIEW

Vizeleutnant Charles Eismayer

im Militär Aktuell-Talk.

033 BLICK IN DIE ZUKUNFT

Das Bundesheer plant den Kauf

neuer Drohnensysteme.

036 SURVIVAL GUIDE

Damit unterwegs nichts schiefgeht:

Überlebensserie mit dem

Jägerbataillon 25.

040 RÜSTUNGSNEWS

Neuheiten aus der Welt der

Rüstungs- und Sicherheitstechnik.

044 MILITÄR-DIGITALISIERUNG

Battle-Management-Systeme

ermöglichen eine vernetzte

Einsatzführung auf allen Ebenen.

046 AIRPOWER 2022

Militär Aktuell beim Flugshow-

Highlight in der Steiermark.

048 INTERVIEW

Im Gespräch mit Rafael-Vice-

President Gideon Weiss.

050 SCHLUSSPUNKT

Wladimir Putin in der Sackgasse:

Ein Kommentar von Experte

Brigadier a. D. Walter Feichtinger.

FOTOS: SEBASTIAN FREILER, OLEKSANDR GIMANOV / AFP / PICTUREDESK.COM, GOLDEN GIRLS FILMPRODUKTION

M I L I T Ä R A K T U E L L


IN DIESEM HEFT

Wladimir Putins imperialer Irrweg: Der

russische Präsident droht nicht nur

den Krieg in der Ukraine zu verlieren,

sondern auch das Vertrauen seiner

Bevölkerung. Eine Analyse von

Brigadier a. D. Walter Feichtinger.

050

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0 0 6 P A N O R A M A

Den Ernstfall proben

FOTO: BUNDESHEER/KULEC

Unter dem Kommando der Theresianischen

Militärakademie übten von 11.

bis 22. Juli im Großraum Eisenerz

1.000 Soldatinnen und Soldaten der

Militärakademie, des Jägerbataillons

18, der Garde, Milizsoldaten, Heereslogistiker

und Militärpolizisten unter

anderem die Themen „Angriff“ und

„Schutz“ sowie Scharfschießen im

freien Gelände. Dabei kamen auch

zehn Luftfahrzeuge wie Hubschrauber,

Flächenflugzeuge und Drohnen sowie

150 Räderfahrzeuge zum Einsatz.

M I L I T Ä R A K T U E L L


MOMENTUM

M I L I T Ä R A K T U E L L


0 0 8 W E L T & S T R A T E G I E

ÄTHIOPIEN: KEIN ENDE

DES KRIEGES IN SICHT

Von der Weltöffentlichkeit weitgehend unbemerkt führen im

Norden Äthiopiens Truppen von Premierminister Abiy Ahmed

auf der einen und Kämpfer der Volksbefreiungsfront Tigray auf

der anderen Seite seit zwei Jahren einen fürchterlichen Krieg.

Beobachter gehen bislang von bis zu 500.000 Todesopfern

aus – allem Anschein nach wird diese Zahl aber bald nach oben

korrigiert werden müssen. Kürzlich griff nämlich auch Eritreas

Diktator Isaias Afewerki an der Seite von Ahmed

in den Konflikt ein. Gemeinsam wollen sie

die separatistischen Aufständischen von

Nachschubwegen abschneiden und

vernichten. Damit dürfte aber auch

die ohnehin dürftige Versorgung der

Zivilbevölkerung weiter eingeschränkt

werden. Schon seit Kriegsbeginn

wird neben Hinrichtungen

und Vergewaltigungen auch das

gezielte Aushungern der Bevöl -

kerung als Kriegswaffe eingesetzt.

DEUTSCHLANDS HEIMATSCHUTZ

DIE

NATO

STELLT

SICH

NEU

AUF

FOTOS: GETTY IMAGES, 123RF, BEIGESTELLT

Die Bundeswehr bekommt ein neues territoriales Führungskommando

für Aufgaben innerhalb Deutschlands. Als Pendant zum

Einsatzführungskommando werden in dem neuen Kommando

mit Sitz in der Berliner Julius-Leber-Kaserne der Heimatschutz,

die Katastrophenhilfe und die logistische Unterstützung bei

Truppenverlegungen gebündelt. Damit soll laut den Vorstellungen

des Verteidigungsministeriums „die Resilienz Deutschlands

bei Krisen, Katastrophen und anderen sicherheitsrelevanten

Ereignissen sowie im Verteidigungsfall gestärkt“ werden. Den

Befehl über das Kommando hat Generalleutnant Carsten Breuer,

ihm unterstehen rund 800 Soldaten und zivile Mitarbeiter.

„Wir müssen diese widerliche und

rachsüchtige politische

Klasse zerschlagen.“

Ex-US-Präsident Donald Trump lässt

nach seiner Wahlniederlage gegen Joe

Biden vor knapp zwei Jahren keine Gelegenheit

ungenützt, um gegen seinen

Rivalen und das System zu wettern. Der

mit einem Bein im Gefängnis stehende

Milliardär (es wurde Zivilklage wegen Betrugs

gegen ihn eingereicht) schreckt dabei

auch vor wüsten Tiraden und hetzerischen Anschuldigungen

nicht zurück. Das FBI und das Justizministerium bezeichnete er

jüngst als „brutale Monster“, Joe Biden als „geistig behindert“. Und

seinen Anhängern rief er vielsagend zu: „Patrioten wie ihr werden

unser Land retten. Wir werden uns erheben gegen die linksradikalen

Verrückten und die Pseudo-Republikaner, wir werden

für Amerika kämpfen, wie niemand zuvor gekämpft hat.“

Die NATO Response Force (NRF)

ist aktuell die Allzweckwaffe des

transatlantischen Militärbündnisses,

wenn es darum geht, weltweit

auf Ereignisse und mögliche Bedrohungen

zu reagieren. Allerdings ist die

Truppe zu klein und zu unflexibel, um sie

rasch auch gegen potente Gegner und in

entlegenen Gebieten in Stellung zu bringen.

Dazu kommt, dass die NRF rotiert. Das

heißt, immer andere Länder stellen die entsprechenden

Kräfte, was eine Koordination

innerhalb der Streitkräfte der Mitgliedsländer

erschwert und teils enormen logistischen

Aufwand mit sich bringt. Angesichts von

Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine

und der dadurch ausgelösten Unsicherheiten

in der Region hat sich die NATO daher

für ihre Eingreiftruppe ein neues Konzept

überlegt. In Zukunft will das Bündnis im

dreistufigen New Force Model bis zu

800.000 Soldaten in Einsätze schicken

können. Zudem soll es nun regionale

Verantwortlichkeiten geben und es soll

insbesondere die Präsenz an der Nordostund

Südostflanke gestärkt werden.

M I L I T Ä R A K T U E L L


WELTGESCHEHEN

Um den wachsenden Bedrohungen insbesondere durch Russland gerecht

zu werden, organisiert sich die NATO neu. Das New Force Model sieht

mehr Soldaten, kürzere Reaktionszeiten, regionale Zuständigkeiten und

die Vorausstationierung von schwerem Gerät und Munition vor.

New Force Model

der NATO

Das neue Bereitschaftssystem im Überblick

Nordatlantik

Arktis

Nordflanke

Die

neuen

Fokusgebiete

Tier 1

bis zu

10 Tage

100.000

Mann

Allied

Reaction

Force

Baltikum

Osteuropa

Tier 2

bis zu

30 Tage

200.000

Mann

Schwarzes

Meer

Mittelmeer & Nordafrika

Tier 3

bis zu

180 Tage

500.000

Mann

Dauer bis zum Einsatz am Krisenort

Truppenstärke

entspricht 10.000 Soldaten

Quelle: NATO

Die Basis des New

Force Models bildet ein

Bereitschaftssystem, das in drei Stufen

(„Tier 1“ bis „Tier 3“ – siehe Grafik

oben) mit unterschiedlichen Truppenstärken

und Reaktionsbereitschaften

organisiert ist. Dabei sollen in Stufe eins

innerhalb von zehn Tagen bis zu 100.000

Soldaten weltweit in Einsätze gebracht

werden können. Als Teil von „Tier 1“ gehen

die bisher existierende NRF und die

NATO-Speerspitze Very High Readiness

Joint Task Force (VJTF) in der neu geschaffenen

Allied Reaction Force (ARF) auf. Diese

40.000 Soldaten starke Truppe wird

nun auch direkt und ständig – also ganz

unabhängig von einer potenziellen Krise –

dem NATO-Befehlshaber unterstellt. So

soll im Fall der Fälle eine möglichst schnelle

Reaktion erfolgen können. „Tier 2“

sieht dann den Einsatz von weiteren

200.000 Soldaten innerhalb von 30 Tagen

vor und die „Tier 3“-Truppen (insgesamt

500.000 Soldaten) sollen in bis zu

180 Tagen in Krisengebieten vor Ort sein.

Zur Erhöhung der Einsatzbereitschaft

sieht das New Force Model (dessen Umsetzung

ist übrigens ab dem kommenden

Jahr geplant) außerdem einen stärkeren

regionalen Fokus vor. Die Streitkräfte und

Fähigkeiten werden dabei potenziellen

Konfliktregionen im euroatlantischen

Raum zugeordnet. In diesen Fokusgebieten

sollen in Zukunft im Rahmen sogenannter

Vorausstationierungen größere

Kontingente als bisher vorgehalten und

umfangreiche Munitions- sowie Materialbestände

gelagert werden. Die im Rahmen

der sogenannten enhanced Forward

Presence (eFP) bisher sehr überschaubaren

multinationalen Kontingente in Staaten

wie Polen, Estland, Lettland und Litauen

(jeweils rund 1.000 Mann) werden

dabei bis 2025 zu multidomänfähigen

Verbänden auf Brigadeebene aufgestockt.

Darüber hinaus plant die NATO auch eine

Verbesserung ihrer Luftraumverteidigung

sowie eine Intensivierung der Cyberabwehr

und der Übungstätigkeit.

M I L I T Ä R A K T U E L L


0 1 0 W E L T & S T R A T E G I E

AUF DEM WEG IN

EINE UNSICHERE

ZUKUNFT

Malis Militärjunta blockiert eine rasche Rückkehr zu demokratischen

Strukturen und erschwert die Arbeit internationaler Missionen. Im Kampf

um die Macht im Land setzt Oberst Assimi Goïta vor allem auf russische

Wagner-Söldner. Warum das für die Zukunft Malis nichts Gutes verheißt –

eine Analyse von IFK-Experte Gerald Hainzl.

MALI:

FOTO: FLORENT VERGNES / AFP / PICTUREDESK.COM

AU REVOIR, FRANCE Malische Soldaten warten

vor der feierlichen Übergabe der Militärbasis Barkhane

von der französischen an die malische Armee

auf dem Rollfeld auf die Ankunft ihres Stabschefs.

M I L I T Ä R A K T U E L L


IFK-ANALYSE

D

er Putsch in Mali

im Mai 2021 hat

Oberst Assimi

Goïta endgültig an

die Staatsspitze geführt.

Unter dem

Druck der Regionalorganisation Economic

Community of West African

States (ECOWAS) stimmte sein Regime

anfangs zwar noch einem raschen

Übergang zu demokratisch gewählten

Strukturen zu. Anfang 2022 hat Goïta

diesen Plan dann aber revidiert. Angesichts

zunehmender „Unsicherheiten

im Norden“ verkündete seine Regierung

eine maximal fünfjährige Übergangsperiode

bis zu freien Wahlen.

Proteste von Oppositionsgruppen

blieben dabei ebenso ungehört wie der

Druck externer Akteure. Erst Sanktionen

der ECOWAS gegen das Binnenland

waren schließlich erfolgreich und

so stimmten die malischen Machthaber

Anfang Juli zu, im Jahr 2024 demokratische

Wahlen abzuhalten. Ob es zu

diesem Votum aber tatsächlich kommen

wird oder die Militärjunta mit

dem Kompromiss nur Zeit gewinnen

wollte, wird sich weisen. Fix ist jedenfalls,

dass die neue Staatsspitze einstweilen

mit immer mehr internationalen

Akteuren in Konflikt kommt. Die

ehemalige Kolonialmacht Frankreich

und Nachbar Côte d’Ivoire waren und

sind vom neuen Kurs der Regierung

besonders betroffen. Aber auch andere

Staaten sehen sich durch die malische

Führung zunehmend herausgefordert.

Einer ihrer Hauptkritikpunkte: Der

Einsatz russischer Wagner-Söldner im

Land.

Während im Fokus des internationalen

europäischen und afrikanischen Engagements

vor allem der Kampf gegen

terroristische Bedrohungen von Al-

Kaida und Islamischem Staat (IS) sowie

mit ihnen verbundenen Gruppen

steht, ist für das Regime in Mali der

Machterhalt die zentrale Herausforderung.

Und dabei sind die Wagner-

Gruppe und Russland derzeit hilfreicher

als andere Akteure. Moskau baut

seine Beziehungen in Mali bereits seit

Jahren durch ein System aus, das

freundlich „elite co-option“, weniger

freundlich „elite capture“ genannt wird

und auch in anderen afrikanischen

Staaten wie dem Sudan, Libyen oder

der Zentralafrikanischen Republik zur

Anwendung kommt. Dabei werden die

Eliten durch Vorteile und durch Unterstützung

zum Machterhalt gebunden.

Geändert hat sich seit der Ankunft der

rusischen Söldner allerdings wenig.

Weder hat sich die Sicherheitslage im

Land verbessert noch die Beziehungen

zu internationalen Akteuren. Im Gegenteil:

In den vergangenen Wochen

sollen Sicherheitskräfte und mutmaßliche

Angehörige der Wagner-Gruppe

sogar ihrerseits für eine Eskalation

gesorgt haben. In einem Dorf in Zentralmali

haben sie Berichten zufolge

mehr als 30 Zivilisten getötet. Malische

Soldaten und Wagner-Söldner

werden zudem mit Vergewaltigungen

und Plünderungen in Verbindung

gebracht.

Je sicherer sich die malischen Machthaber

der russischen Unterstützung

waren, desto selbstbewusster traten sie

gegenüber anderen Akteuren auf. So

mussten bereits im Jänner dänische

Spezialeinsatzkräfte, die im Rahmen

der Operation Takuba eingesetzt waren,

das Land verlassen. Auch Frankreich

musste seine Truppen nach fast

einem Jahrzehnt aus Mali abziehen und

in die Nachbarstaaten verlegen. Die

Konflikte zwischen Mali und Frank-

M I L I T Ä R A K T U E L L


0 1 2 W E L T & S T R A T E G I E

reich stehen allerdings weniger mit den

verschobenen Wahlen in Verbindung.

Frankreich lehnt jedoch Verhandlungen

mit islamistischen Gruppierungen

ab, während Mali versuchen möchte, in

Friedensgesprächen mit diesen politische

Möglichkeiten auszuloten. Und

Frankreich akzeptiert nicht, dass die

malische Regierung im Kampf gegen

die Dschihadisten auch die russische

Wagner-Gruppe engagiert hat.

Konsequenzen hat das Verhalten auch

auf die internationalen Missionen. Es

deutet sich an, dass einige Staaten ihr

Engagement in Mali reduzieren oder

beenden könnten. Als Konsequenz daraus

wird eine weitere Destabilisierung

der Region befürchtet. Der Präsident

des südlichen Nachbarstaates Côte

d’Ivoire warnte bereits vor einem

politischen Vakuum und dokumentiert

damit auch die Ängste und Befürch-

tungen der anderen westafrikanischen

Staaten, dass sich der Terrorismus in

noch stabile Staaten in der Region ausbreiten

und die regionale Sicherheit

gefährden könnte. Bereits seit Juli werden

Soldaten aus Côte d’Ivoire in Mali

festgehalten. Ihnen wird vorgeworfen,

dass sie als Söldner in das Land gekommen

seien, während es sich aus

ivorischer Sicht lediglich um eine

VOLATILE SICHERHEITSLAGE In Mali kommt es

seit Jahren immer wieder zu terroristisch motivierten

Anschlägen und Konflikten. Im Kampf um die

Macht im Land setzt Staatschef Oberst Assimi Goïta

vor allem auf Söldner der russischen Wagner

Gruppe.

Truppenrotation im Rahmen der

UNO handelt.

Österreich beteiligt sich mit Stand

August noch mit zehn Personen an der

Trainingsmission der EU (EUTM

Mali) sowie mit zwei Personen an

MINUSMA, der Stabilisierungsmission

der UNO, und hat in der Vergangenheit

nicht nur mit größeren Kontingenten

zur Stabilisierung des Landes

beigetragen, sondern bereits zwei

Mal den Kommandanten von EUTM

Mali gestellt.

Die derzeitige Lage in Mali ist aus

mehreren Perspektiven beunruhigend.

Scheitern die internationalen Missio-

FOTOS: STRINGER & OUSMANE MAKAVELI & MARCO LONGARI / AFP / PICTUREDESK.COM

M I L I T Ä R A K T U E L L


IFK-ANALYSE

nen, würde dies terroristischen

Gruppen erleichtern, Mali als Basis

für Operationen in Westafrika zu

verwenden. Eine weitere Ausbreitung

des Terrors und damit Destabilisierung

auch auf südliche Nachbarstaaten wäre

eine der möglichen Konsequenzen.

Da die Situation in Mali ein wenig an

die 1970er- und 1980er-Jahre erinnert,

als Stellvertreterkonflikte zwischen

Ost und West in Afrika ausgetragen

wurden, könnte Russland im Fall des

Scheiterns der internationalen Missionen

zumindest einen Punktesieg gegen

europäische Interessen verbuchen.

Da westafrikanische Staaten künftig

als Energie- und Ressourcenlieferanten

die Ausfälle aus Russland zumindest

teilweise kompensieren könnten, bedeutet

diese eine zusätzliche Herausforderung.

Leidtragende der aktuellen

Entwicklungen sind die Bewohner

Malis. Weder eine gravierende Verbesserung

der Sicherheitslage noch eine

rasche wirtschaftliche Erholung und

WEITREICHENDE AUSWIRKUNGEN

Die politische Situation im Land erschwert auch die Einsätze internationaler Missionen. Die Anrainerstaaten

befürchten als Folge davon eine Ausbreitung der Konflikte auch auf ihr Territorium.

eine Verbesserung der Lebensbedingungen

sind in den kommenden

Monaten zu erwarten.

Eine langfristige Entwicklung ist unter

den zuvor angeführten Parametern

schwierig zu prognostizieren. Die

Interessenlagen der unterschiedlichen

Gruppen in Mali müssten zumindest

in Teilbereichen eine Übereinstimmung

ergeben, um eine friedlichere

Zukunft gestalten zu können. Vieles

wird aber nicht nur von Entwicklungen

in Mali abhängen, sondern auch

davon, wie die geopolitischen Ver -

änderungen des Jahres 2022 ihren

weiteren Nachhall in der Region

finden werden.

Der Autor ist wissenschaftlicher

Mitarbeiter am IFK mit Forschungsschwerpunkt

Afrika.

The Mortar Company.

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AM ENDE KER

0 1 4 W E L T & S T R A T E G I E

IN GEDANKEN

Sabyrzhan vor dem

Porträt des ukrainischen

Nationaldichters Taras

Schewtschenko. Die

Kerze erinnert an einen

Freund, der kurz zuvor

gefallen ist.

M I L I T Ä R A K T U E L L


REPORTAGE

ZENSCHEIN

Im Krieg gegen Russland wird die Ukraine von vielen Kämpfern aus aller Welt

unterstützt. Im Südosten des Landes erobert die Internationale Legion ein Dorf

zurück. Es geht nicht ohne Verluste. Warum Ausländer ihr Leben für die Ukraine

riskieren. Ein Bericht von der Front.

Text & Bilder: TILL MAYER

T

aras Schewtschenko

blickt grimmig mit

Pelzmütze und dichtem

Schnurrbart aus

dem Bilderrahmen.

Er steht auf staubigem

Boden in einer großen Halle. Beton

unter ihm, Beton links, Beton rechts.

1.100 Denkmäler ehren den Schriftsteller

(1814–1861) in der Ukraine. Das ist

ein Rekord. Es gibt kaum ein Städtchen,

in dem er nicht an markanter Stelle zu

sehen ist. Der Künstler ist ein Nationalheld.

Vermutlich wäre er als ukrainischer

Patriot besonders stolz darüber,

dass er hier zwischen Munitionskisten,

Maschinengewehren und tragbaren

Panzerabwehrraketen einen würdigen

Platz gefunden hat. Sabyrzhan stellt

eine Kerze vor dem wuchtigen Ölporträt

ab. Sie brennt für einen Freund,

der kurz zuvor gefallen ist. Der Schein

flackert auf dem Gesicht des Dichters.

In der im Südosten der Ukraine gelegenen

Lagerhalle warten auch Soldaten

auf ihren Einsatz. Ziel ist es, ein wenige

Kilometer entferntes Dorf zurückzuerobern

und russische Stellungen Richtung

Osten zu drücken. Es ist nicht

mehr lang hin, dann beginnt die Mission.

In der Ferne ist Artilleriefeuer zu

hören. Dumpfes Grummeln. Vorboten,

auf das, was kommt. Die Männer versuchen

noch ein wenig Schlaf zu finden.

Oder wenigstens zur Ruhe zu kommen.

Sie haben ihre Isomatten ausgerollt.

Bald wird es so schnell keinen Schlaf

mehr geben. Dessen ist sich hier jeder

bewusst. Auch der junge Portugiese,

der mit nacktem Oberkörper unruhig

mitten in der Halle steht. Bauch, Brust

und Rücken mit Tätowierungen übersät.

„Ich finde keine Ruhe. Schon zu viel

Adrenalin im Körper“, sagt er heiser

lachend. Aus Kolumbien, den USA,

Portugal, Spanien, Australien, Neuseeland,

Polen und Belarus kommen die

Soldaten dieser Einheit der Internationalen

Legion der ukrainischen Territorialstreitkräfte.

Laut einem Sprecher

sollen Staatsangehörige aus 55 Nationen

in der Legion dienen.

Sabyrzhan versucht noch einmal, seine

Gedanken zu ordnen. Er ist ein nachdenklicher

junger Mann. Der 23-Jährige

stammt aus Kasachstan. Vor 15 Jahren

heiratete seine Mutter einen Ukrainer.

Sabyrzhan wuchs in Kiew auf. Studierte

Internationale Beziehungen an der Jagiellonen-Universität

in Polen und im

belgischen Löwen. „Ich glaube an Weltoffenheit.

Das gefällt mir an der Ukraine.

Die Menschen lieben ihr Land, und

sie teilen diese Liebe gerne mit anderen.

Auch mit einem kleinen Jungen, der zu

ihnen aus Kasachstan kam. Ich habe die

Ukraine und ihre Menschen schätzen

gelernt“, erklärt er. Putins Russland

steht für Sabyrzhan genau für das Gegenteil.

Für einen aggressiven, engstirnigen

Nationalismus, der neben sich

nichts duldet. „Putin muss jetzt aufgehalten

werden. Sonst ist es vorbei mit

der Freiheit für ganz Europa. Ich hoffe,

das verstehen auch die Menschen dort.

Wir brauchen dringend mehr schwere

Waffen“, erklärt er.

Zuletzt hatte die Einheit in der früher

mehr als 100.000 Einwohner zählenden

Stadt Sjewjerodonezk gekämpft. Nun

stehen sie an der Front im Südosten.

„Gute Männer sind gefallen“, sagt der

Kasache, als er aus der Kniebeuge aufsteht.

„Übrigens, die Amerikaner hatten

die Idee, Schewtschenko mitzunehmen.

Sie bekamen das Gemälde im Donbass

geschenkt. Jetzt begleitet uns der Dichter“,

sagt Sabyrzhan und deutet auf drei

Männer, die ihr Lager direkt an der

kahlen Wand aufgeschlagen haben. Die

Amerikaner sind durchtrainierte Kolosse.

Schnell stellt sich im Gespräch heraus,

dass sie Profis im Kriegshandwerk

sind, schon im Irak und Afghanistan

kämpften. „Jetzt verteidigen wir hier die

Freiheit“, erklärt einer von ihnen. Ihr

Sold entspricht offiziell dem der ukrainischen

Soldaten. Der ist nach Gefährlichkeit

gestaffelt. Bis zu 2.500 Euro gibt

es für Mannschaftsgrade, die direkt

an der Front kämpfen. Das ist deutlich

weniger als der Sold bei internationalen

Sicherheits- und Militärunternehmen,

die weltweit ihre Söldner in Einsätze

schicken. Dort liegen der Verdienst je

nach Erfahrung und Spezialisierung

oft um ein Vielfaches höher.

In der Internationalen Legion müssen

sich Ausländer bei der ukrainischen Armee

vertraglich verpflichten. Von russischer

Seite wurde den Angehörigen der

Legion der Kombattanten-Status nach

dem humanitären Völkerrecht trotzdem

immer wieder abgesprochen. Obwohl

gerade für Russland die berüchtigten

Wagner-Söldner kämpfen: Sie wurden

in der Ukraine gesichtet, sind in Syrien

und in Afrika im Einsatz. Im Gegensatz

zur Legion sind sie offiziell nicht Teil

der Streitkräfte.

Rechtlich ist die Sache klar, sind Angehörige

der Internationalen Legion

Kombattanten. Dies bestätigt auch der

renommierte Völkerrechtler Prof. Daniel-Erasmus

Khan von der Universität

der Bundeswehr München: „Die Angehörigen

der Internationalen Legion sind

M I L I T Ä R A K T U E L L


0 1 6 W E L T & S T R A T E G I E

durch das humanitäre Völkerrecht als

Kombattanten geschützt. Sie sind Teil

der ukrainischen Streitkräfte.“ Die Legionäre

müssen jedoch „eine für ihre

Untergebenen verantwortliche Person

an ihrer Spitze haben, ein bleibendes

und von Weitem erkennbares Unterscheidungszeichen

führen, ihre Waffen

offen tragen und bei ihren Kampfhandlungen

das humanitäre Völkerrecht

achten“. So fordern es die „Haager

Landkriegsordnung“ von 1918 und

das „Genfer Abkommen über Kriegsgefangene“

aus dem Jahr 1949.

Gerade aus Staaten der ehemaligen

Sowjetunion und Nachbarländern melden

sich Freiwillige aus Überzeugung,

um der Ukraine beizustehen. Die russische

Invasion sehen sie als direkte Gefahr

für ihre eigene Heimat. Wie viele

Kämpfer derzeit die Legion zählt, gibt

das ukrainische Verteidigungsministerium

nicht preis. Verschiedenen Berichten

nach dürften es aber schon einmal

mehr gewesen sein, veranlassten die

heftigen Kämpfe viele Legionäre, die

Ukraine wieder zu verlassen. Das Risiko

ist nicht nur im Gefecht hoch. In der

selbsternannten Volksrepublik Donezk

wurden gefangen genommene Legionäre

jüngst als „Terroristen“ zu Tode verurteilt.

Zuletzt kursierte auch im Westen

ein Video, in dem zu sehen war, wie

russische Soldaten einem ukrainischen

Gefangenen die Genitalien abschneiden.

All dessen ist sich Sabyrzhan nur

zu gut bewusst. Davon erzählt auch

seine Frisur. Ein Blick durch die Halle

zeigt, egal ob die Männer aus Georgien

oder Kolumbien stammen, fast jeder

trägt Kurzhaarschnitt. Nur der 23-Jährige

nicht. „Manchmal weiß ich nicht,

ob ich am nächsten Tag noch lebe. Jetzt

will ich einfach überleben, hier in einem

Stück herauskommen und dabei ein

Mensch bleiben. Deswegen trage ich

meine Haare weiterhin lang. Weil ich

nicht vergessen will, dass es vor dem

Krieg ein anderes Leben gab.“ Dann

entschuldigt sich der Soldat. Er will

noch ein wenig Zeit für sich.

Wenig später verlassen die ersten

Soldaten die Halle. Sie werden in vier

Gruppen aufgeteilt. „Eine soll in das

Dorf einrücken, zwei weitere gegen russische

Stellungen außerhalb vorrücken.

Die vierte koordiniert von einer strategisch

günstigen Stellung den Vormarsch.

Unterstützt werden wir von

Artillerie und ukrainischen Einheiten“,

erklärt George. Der 26-Jährige ist stellvertretender

Kommandeur der Einheit.

Wie alle Offiziere der Legion ist er

Ukrainer. Auf Soldaten wie Sabyrzhan

ist er sichtlich stolz. „Das ist ein feiner

junger Mann“, sagt der junge Anführer,

der Männer befehligt, die vom Alter her

seine Väter sein könnten. „Es ist nicht

leicht, so viel Verantwortung zu tragen.

Gerade weil die Aufgabe, die man erfüllen

muss, Menschenleben fordert. Es ist

ein harter Kampf“, erklärt er. „Vor geraumer

Zeit hatten wir einige ehemalige

Bundeswehrsoldaten, die auch in Afghanistan

im Einsatz waren. Stolz erzählten

sie anfangs von ihren Erfahrungen.

Doch sie mussten schnell lernen,

dass sie eben keine echte Kampferfahrung

hatten. Zumindest im Vergleich zu

dem, was sie hier durchstehen müssen.

Sie blieben nicht lange bei uns und

kehrten nach Deutschland zurück.“ Mit

seiner Truppe ist er jetzt zufrieden. Die

Männer sind erfahren, haben harte Einsätze

hinter sich. Mit kriegslüsternen

Möchtegerns kann der Offizier nichts

anfangen.

George verabschiedet sich. Soldaten

verschwinden mit Kalaschnikows und

tragbaren Maschinengewehren in

betagten, grün lackierten VW-Bussen.

Es geht zum Sammelpunkt für den Angriff.

Auf den Weg dorthin bieten die

Wagen wenig Schutz, es fehlt jede Panzerung.

Die Seitenwände durchschlägt

jede Kalaschnikowkugel. Durch die

WENIGE STUNDEN VOR DEM KAMPF

Die Soldaten sammeln sich in einer Halle.

Kein Licht darf ihre Position verraten.

Die Stimmung ist angespannt.

Frontscheibe eines der Transporter ist

bereits ein Geschoss gepfiffen. Die Wagen

verschwinden in einer Staubwolke

vom Gelände der Lagerhalle.

Sabyrzhan ist für die Kommandotruppe

eingeteilt. Sie wartet bis zum Einbruch

der Nacht. In der Halle ist es stockdunkel.

Kein Licht darf den Standort verraten,

die russische Artillerie würde die

Halle in Grund und Boden schießen. So

haben die Soldaten ihre Lichter auf den

Helmen meist in rot-leuchtenden Modus

gestellt. Lichtfetzen flackern über

den Boden. Eine letzte kurze Besprechung.

Dann geht es auch für die Männer

mit drei Wagen in die Nacht. An

einem Steuer sitzt Andrii aus Belarus.

Er ist von Beruf Arzt. Seit Jahren praktiziert

er in Kiew. „Ich bin hier, weil ich

in der Ukraine gesehen habe, wie wertvoll

die Freiheit ist. So anders als in

meiner alten Heimat, in der eine Diktatur

herrscht“, erklärt er, als die Wagen

für einige Minuten stoppen, bis eine

weitere Freigabe für das nächste Streckenstück

erfolgt. Die Scheinwerfer

sind gelöscht, wo immer der Mond

auch nur annähernd genug Licht gibt

zum Fahren. Ansonsten muss es mit

Parklicht gehen. Die Armaturen im

Auto sind als Lichtquellen abgeklebt.

Die Wagen holpern durch leere Siedlungen,

über von Schlaglöchern über -

säten Asphalt. Dann geht es von der

Straße herunter und auf Wiesengrund

weiter. Der Fahrer holt aus dem Wagen,

was er nur kann. An einem Waldstück

steigen die Soldaten eilig aus. Mit

schnellem Schritt geht es gleich weiter,

20, 30 Minuten durch die Dunkelheit.

M I L I T Ä R A K T U E L L


WARTEN AUF DEN EINSATZ

Ein Kämpfer versucht noch ein

wenig Ruhe zu finden.

REPORTAGE

Bis zu einer Stellung der ukrainischen Armee, die als

Kommandopunkt dienen wird.

Zwei, drei Stunden sind es noch bis zum Sturm auf das

Dorf. Im Wald herrscht Stille. Dann zerreißen die ersten

Geschosse die Ruhe. In einem Erdloch bedient Sabyrzhan

mit seinem Kommandanten das Funkgerät. In einem

Graben am Waldrand beobachten zwei Soldaten mit

Ferngläsern das Geschehen. Ein weiterer lässt eine Drohne

steigen. Aus nahen Stellungen bellen Maschinengewehre

der Ukrainer zur Feuerunterstützung. Grad-Raketen

rauschen durch die Luft, das Zischen von Granaten

ist zu hören. Die Russen antworten mit gleichen Kalibern.

Doch sie können den Kommandopunkt nicht lokalisieren,

ebenso nicht die Positionen der Maschinengewehre.

So pfeifen Granaten über den Kopf des 23-Jährigen

hinweg.

WÄHREND DES GEFECHTS Ein Drohnenpilot verfolgt konzentriert

die Bilder, die der Aufklärungsflug einfängt „Sicherheit” gibt es nur im

Splittergraben. Immer wieder pfeifen russische Granaten über Sabyrzhan

hinweg. Sein Gesicht erzählt von der Anspannung.

„Pfiuuuh. Pfiiuuhhh.“ Die Soldaten ziehen die Köpfe ein.

Irgendwo im Wald kracht ein Einschlag. Ein ukrainischer

Soldat liegt im Splittergraben und hält sich die Ohren zu.

Sabyrzhan steht am Funkgerät. Er ist nervös, eine Zigarette

nach der anderen zieht er durch. Die Nachrichten,

die aus dem Funkgerät knarzen, sind zumindest teilweise

wenig ermutigend. Das Dorf ist bis auf ein Gebäude, in

dem sich eine Handvoll russischer Soldaten verschanzt

hat, eingenommen. Das ist die Erfolgsmeldung. Aber die

beiden russischen Stellungen konnten nicht wie erhofft

überrannt werden. Es gibt heftige Kämpfe. Ein belarussischer

Legionär kommt dabei ums Leben. George wird

schwer verletzt, ebenso zwei weitere Kameraden.

Die Männer im Beobachtungsstand verfolgen mit dem

Fernglas, wie die Soldaten evakuiert werden. Die VW-

Transporter rattern mit vollem Tempo durch das Grün.

„Immerhin, das Dorf ist befreit“, freut sich der 23-Jährige.

Doch am nächsten Tag droht ein Konterangriff der russischen

Armee. Schon jetzt weiß Sabyrzhan, dass er mindestens

eine weitere Kerze vor dem Schewtschenko-

Porträt anzünden wird müssen. Vorausgesetzt alles geht

gut und er kommt heil aus der Stellung. Ansonsten werden

seine überlebenden Kameraden auch für ihn eine

Kerze anzünden.

M I L I T Ä R A K T U E L L


0 1 8 H E E R & M E H R

FEUER FREI!

Der Name war in den vergangenen Wochen am Truppenübungsplatz Allentsteig

Programm: Bei der Großübung „Handwerk 22“ der 4. Panzergrenadierbrigade

übten rund 1.100 Soldatinnen und Soldaten gemeinsam mit Kampf- und Schützenpanzern

sowie Artilleriehaubitzen in unterschiedlichsten Szenarien das „Handwerk“

der militärischen Landesverteidigung im scharfen Schuss. Dabei kamen

insgesamt 80 Panzer und gepanzerte Gefechtsfahrzeuge zum Einsatz.

JAGDKOMMANDO ÜBTE

EINSATZVERFAHREN

Wer rastet, der rostet. Um einer derartigen Entwicklung

schon im Ansatz vorzubeugen, trainierten

Soldaten des Jagdkommandos Ende

September in Zusammenarbeit mit österreichischen

und deutschen Fliegerkräften in Niederösterreich

spezielle Absetz- und Aufnahmeverfahren.

Dabei standen vor allem Schnellanlandungen

und einsatzrelevante Seiltechniken

am Luftfahrzeug im Fokus. Insgesamt nahmen

rund 120 Soldaten mit acht Hubschraubern –

zwei OH-58 Kiowa, ein S-70 Black Hawk aus

Österreich und fünf H145M aus Deutschland –

an der binationalen Übung teil.

FOTOS: BUNDESHEER/ZISSER, BUNDESHEER/GORUP,

BUNDESHEER/KARLOVITS

M I L I T Ä R A K T U E L L


PANDUR-JUBILÄUM

Der Zulauf der vom Bundesheer bestellten

neuen Pandur Evolution schreitet zügig voran.

Kürzlich durfte Verteidigungsministerin Klaudia

Tanner in den Fertigungshallen von Hersteller

General Dynamics European Land Systems-

Steyr in Wien-Simmering bereits den 50. gepanzerten

Mannschaftstransporter des Typs

übernehmen. Im kommenden Jahr soll der

Zulauf der ersten beiden Tranchen mit dann

insgesamt 64 Fahrzeugen abgeschlossen

werden. Bis 2025 ist anschließend in einer

dritten Tranche die Lieferung von 36 weiteren

Fahrzeugen geplant.


0 2 0 H E E R &

M

E H R

NACH OBEN GIBT ES KEINE

GRENZEN

Die Soldatinnen und Soldaten des Hochgebirgs-Jägerbataillons 23 sind

für den Kampf und Einsätze im Gebirge spezialisiert. Dabei gehen sie über Steine –

aber auch über ganze Felswände. Ein Truppenbesuch im Westen Österreichs.

Text: JÜRGEN ZACHARIAS

Bilder: SEBASTIAN FREILER

eter für Meter

M

klettern die Soldaten

nach oben.

Am Rücken

schweres Gepäck,

ein Maschinengewehr,

ein Panzerabwehrrohr. Vor sich

ein Seilgeländer und nasser Fels, der an

vielen Stellen von schmalen Rinnsalen

mit Regenwasser überspült wird. Es

schüttet in Strömen, einige Hundert

Höhenmeter weiter oben schneit es

sogar, der Wind pfeift, Nebel hängt in

den Baumkronen. „Ein Sauwetter“, sagt

Stabswachtmeister Marco Schmid und

untertreibt damit sogar noch. Der 36-

jährige Tiroler lächelt trotzdem durch

seinen dichten Bart und blickt dann

hoch zu einem Kameraden, der einige

Meter abseits der aufsteigenden Soldaten

gerade Löcher für Expansionshaken

in den Fels bohrt. Der Auftrag: Eine Seilbahn

errichten. Die Soldaten machen

damit – und mit dem zuvor errichteten

Seilgeländer – eine für Laien unüberwindbar

aussehende Wand begehbar. Sie

verwandeln die Hürde Fels in eine funktionierende

Nachschub- und Rückzugslinie.

Marco Schmid ist Kommandant eines

Erkundungstrupps beim Hochgebirgs-

Jägerbataillon 23 und in der Funktion

M I L I T Ä R A K T U E L L


TRUPPENBESUCH

HOCHGEBIRGS-

JÄGERBATAILLON 23

GANZER STOLZ Mit dem Universalgeländefahrzeug

BvS10 Hägglunds verfügt das Hochgebirgs-Jägerbataillon

23 erstmals über gepanzerte

und bewaffnete Überschnee-Fahrzeuge.

Im Bild unten bekommt ein Hägglunds eine

Front-Seilwinde verpasst. Im Bild ganz oben

sind Stabswachtmeister Marco Schmid und

Kameraden beim Training in der neuen Kraft -

kammer in der Walgau-Kaserne zu sehen.

Das Hochgebirgs-Jägerbataillon 23 ist

das westlichste der drei

Hochgebirgs-Infanteriebataillone

der 6.

Gebirgsbrigade und

erstreckt sich über

zwei Bundesländer

am Arlberg. In der

Walgau-Kaserne in

Bludesch befinden

sich das Kammando

und die Stabskompanie,

die 1. Jägerkompanie

und die Kampfunterstützungskompanie.

Die 2. Jägerkompanie (KPEstrukturiert)

ist in der Pontlatz-Kaserne

in Landeck beheimatet. Das Bataillon

beherrscht alle Einsatzarten der

Landstreitkräfte auch im schwierigen

und extrem schwierigen Gelände sowie

unter allen Witterungseinflüssen.

Damit erhöht das Hochgebirgs-Jägerbataillon

23 die Einsatzbereitschaft

sowie die Einsatzführung als Erstund

nach Mobilmachung als Zweit -

reaktionskraft des Bundesheeres.

FOTO HÄGGLUND RECHTS OBEN:

BUNDESHEER/LINDNER

gewöhnt, scheinbar unlösbare Aufgaben

vor sich zu haben. „Über den Wanderweg

schafft es jeder nach oben“, sagt sein

Bataillonskommandant, Oberstleutnant

Michael Köck (siehe auch Interview

auf Seite 24). Geht es aber hart auf hart,

wird ein potenzieller Gegner seine Kräfte

vor allem rund um die wahrscheinlichsten

Zufahrten und Zustiege massieren

und sich annähernde Soldaten frühzeitig

unter Feuer nehmen. „Wir wollen

das verhindern und möglichst dort auftauchen,

wo es das Gegenüber am wenigsten

erwartet“, so Köck. Das bedeutet:

Seine auf hochalpine Einsätze

spezialisierten Soldaten

müssen auch den Aufstieg abseits

ausgetretener Pfade und

Wanderrouten beherrschen und

Wege dort finden, anlegen und errichten,

wo zuvor keine waren. Durch Wälder

und Latschen. Über Schneefelder,

Walgau- und

Pontlatz-Kaserne

M I L I T Ä R A K T U E L L


0 2 2 H E E R & M E H R

Gletschergebiete, schwieriges sowie

extrem schwieriges Gelände und eben

auch Felswände. Das verlangt von den

Soldaten größere konditionelle Durchhaltefähigkeiten

als in anderen Verbänden,

vor allem aber Erfahrung und

hochalpines Know-how. Zum Kader gehören

daher mehrere Heeresbergführer,

viele Soldaten verfügen über Alpinqualifikationen.

Zur Flankensicherung und

um auch die für den Gebirgskampf besonders

wichtige Steilfeuer- und Flachfeuerunterstützung

sicherzustellen, verfügt

die Kampfunterstützungs-Kompanie

außerdem über einen schweren Granatwerferzug

in Doppelbewaffnung mit

mittleren und schweren Granatwerfern

sowie über eine schwere Scharfschützengruppe.

Mit dem Zulauf von insgesamt

acht BvS10 Hägglunds stehen dem

Bataillon erstmals auch gepanzerte und

bewaffnete Überschnee-Fahrzeuge zur

Verfügung. Ihre WS-4 Panther Remote

Controlled Weapon Station der Firma

ESLAIT mit dem überschweren Maschinengewehr

M2 kennt man auch vom

Husar und dem Pandur.

Kommandant Köck sieht seine Hochgebirgsjäger

damit für die meisten Einsatzrealitäten

gut gerüstet. Nachholbedarf

FEUERUNTERSTÜTZUNG Das Hochgebirgs-Jägerbataillon 23 verfügt über eine schwere

Scharfschützengruppe und einen schweren Granatwerferzug mit mittleren und schweren

Granatwerfern.

gäbe es nur bei der Luftverteidigung und

dem Drohnenschutz, sowie nach wie vor

bei der Mobilität. „Da wären beispielsweise

zusätzliche ungepanzerte Hägglunds

ein enormer Gewinn“, so der Tiroler

beim Besuch von Militär Aktuell.

Damit ließen sich „vielfältige Transportaufgaben

abdecken“, die von den wenigen

verbliebenen Pinzgauern kaum

mehr bewerkstelligt werden könnten.

Unbescheiden möchte Köck aber nicht

sein. „Es tut sich bei uns aktuell vor

allem bei der Infrastruktur etwas“, sagt

er. „Wir haben vor Kurzem einen neuen

Fitnessraum bekommen. Jetzt erhalten

wir eine Mehrzwecklagerhalle, in der

bei Einsätzen oder Übungen im Westen

bis zu zwei Hubschrauber untergestellt

werden können. Die Mannschaftsräume

sollen demnächst aufgestockt und generalsaniert

werden und schon im kommenden

Jahr realisieren wir in Zusam-

„Ich habe es am Anfang gar nicht glauben können“

OBERSTABSWACHTMEISTER

MICHAEL GRITSCH ist beim Hochgebirgs-Jägerbataillon

23 für die

Wartung der Hägglunds-Universalgeländefahrzeuge

zuständig.

Herr Gritsch, was ist Ihnen durch den

Kopf gegangen, als Sie zum ersten Mal

gehört haben, dass das Heer BvS10-Universalgeländefahrzeuge

beschafft?

Ich habe es gar nicht glauben können und

kann es jetzt immer noch nicht wirklich glauben.

Die Arbeit hat auch davor Spaß gemacht,

aber der Hägglunds trägt schon

enorm zu unserer Motivation bei. Das ist ein

Spitzenfahrzeug und ein Quantensprung

nicht nur für die Soldaten draußen, sondern

auch für uns hier in der Werkstatt.

Was zeichnet den Hägglunds aus?

Praktisch alles. Er ist zugleich Transportmittel

und Schutz für Soldaten, gewährt Feuerkraft

und seine Geländegängigkeit im Sommer

und Winter ist beachtlich. Dazu kommt seine

Schwimm- und Watfähigkeit – es gibt kein

besseres Fahrzeug für Gebirgstruppen.

Ein Teil Ihrer Tätigkeit am Hägglunds sind

die Jahresinspektionen und -wartungen,

die pro Fahrzeug bis zu sechs Wochen

dauern können. Was dauert da so lange?

Der Hägglunds hat viele Besonderheiten

und verfügt über insgesamt 25 Steuergeräte,

60 Kilometer Kabelstränge, Brand- und

ABC-Schutz, eine fernsteuerbare Waffenstation,

Rundum-Kamera, Klimaanlage und

Standheizung. Dementsprechend viel gibt

es einzustellen und zu kontrollieren. Ohne

Laptop ginge dabei überhaupt nichts.

Welche Besonderheiten meinen Sie?

Ein Beispiel: Der Hägglunds baut auf einer

dichten Wanne auf, um seine Schwimm- und

Watfähigkeit sicherzustellen. Dadurch kann

ich aber nicht einfach Öl ablassen, um es zu

wechseln. Ich muss es stattdessen abpumpen

und das dauert eben ungleich länger.

FOTOS OBEN (2X): BUNDESHEER/LINDNER

M I L I T Ä R A K T U E L L


TRUPPENBESUCH

menarbeit mit unserem Partner Illwerke

VKW AG ein innovatives Pilotprojekt

zur Steigerung der Autarkie der Walgau-

Kaserne.“ Dabei errichtet das Vorarlberger

Energieversorgungsunternehmen

eine Direktleitung von einem ihrer in

unmittelbarer Nähe befindlichen Wasserkraftwerke

in die Kaserne. Auf dem

Dach mehrerer Gebäude sollen zudem

großflächig Photovoltaikanlagen installiert

und die erzeugte Energie mit Speichern

vorgehalten werden. „Wir können

damit im Bedarf die Kaserne vollkommen

autark weiterbetreiben und unserer

Rolle als Sicherheitsinsel gerecht werden“,

sagt Köck.

Zurück zum Fels, wo den aufsteigenden

und vorrückenden Truppen mittlerweile

über die Seilbahn Material nachgeführt

wird. Marco Schmid und seine Kameraden

vom Erkundungstrupp haben dafür

gleich mehrere Flaschenzüge am Fels

verankert. Mit einem kräftigen Hauruck

ziehen sie die mit Waffen und Munition

voll beladene Transportbox einige Meter

nach oben. Weiter. Und immer weiter.

Die unwirtlichen Bedingungen tun

dem Tatendrang der Soldaten keinen

Abbruch. Im Gegenteil: Gemeinsam

nehmen sie das Hindernis Felswand.

Der Umgang ist dabei auch mit Vorgesetzten

mehr kameradschaftlich und

freundschaftlich, als Dienstrang-getrieben.

Die Hierarchien sind hier bei den

Hochgebirgsjägern definitiv flacher als

anderswo. Steil hoch geht es nur beim

Aufstieg. Wenn die „23er“ frei nach ihrem

Motto „In Treue fest“ über Fels und

Stein nach oben streben. Damit dabei

alle sicher ans Ziel kommen, übergeben

Marco Schmid und seine Kameraden

vom Erkundungstrupp das Seilgeländer

und die Seilbahn an die nachrückenden

Soldaten. Sie müssen weiter nach oben

und für den weiteren Aufstieg der Kompanie

Wege erkunden, gefährliche Stellen

sichern und schwer überwindbare

Passagen gangbar machen. Damit die

Truppe möglichst dort auftauchen kann,

wo es Gegner am wenigsten erwarten.

Marco Schmid lächelt wieder. „Es macht

schon Spaß“. Oder wie es Bataillonskommandant

Köck zuvor fomuliert hat:

„Über den Wanderweg schafft es jeder

nach oben.“

Österreich

braucht

Strom.

www.apg.at


0 2 4 H E E R & M E H R

„Wir halten jedem internationalen Vergleich stand“

Das Hochgebirgs-Jägerbataillon 23

verfügt mit dem Gebirgsjägerbataillon

233 der Bundeswehr und der Infanterie-Rekrutenschule

11 der Schweizer

Armee auch über internationale Partner.

Halten die erwähnten Stärken

auch einem internationalen Vergleich

stand?

Absolut. Die Qualität österreichischer

Gebirgstruppen wird hoch geschätzt,

wir halten jedem internationalen Vergleich

stand. Nicht ohne Grund nimmt

Österreich eine Führungsrolle in der

„European Union Pooling and Sharing

Mountain Training Initiative“ ein. Trotzdem

können auch wir im Austausch mit

unseren Partnern viel lernen. Wir konnten

beispielsweise die Erfahrungen, die

das Gebirgsjägerbataillon 233 bei seinem

Einsatz in Afghanistan gemacht hat,

direkt in unsere Ausbildung einfließen

lassen.

OBERSTLEUTNANT MICHAEL KÖCK ist Kommandant des Hochgebirgs-Jägerbataillons

23. Wir sprachen mit ihm über die Stärken und Schwächen seines Bataillons und die Qualität

der rot-weiß-roten Gebirgstruppe im internationalen Vergleich.

Herr Oberstleutnant, provokant

gefragt: Warum braucht das Bundesheer

überhaupt Hochgebirgstruppen?

Wäre es nicht besser, den Fokus

ganz auf die Infrastruktur im Tal zu

legen?

Erst Einsätze im Umland, etwa zum

Schutz von Wasserquellen und anderer

relevanter Infrastruktur, versetzen eine

Armee überhaupt in die Lage, Städte und

Bewegungslinien im Tal zu schützen. Das

Gebirge könnte zudem gegnerischen

Gruppierungen als Rückzugsraum dienen

und wir müssen dort bei Bedarf auch

illegale Versorgungslinien unterbrechen

können. Das ist aufgrund der vielfältigen

Anforderungen entsprechender Einsätze

nur mit spezialisierten Truppen möglich.

In einem Land wie Österreich, das zu

zwei Dritteln aus Gebirge besteht, ist

es undenkbar, auf Gebirgstruppen zu

verzichten.

Was zeichnet ihr Bataillon aus?

Welche Stärken sehen Sie?

Da gibt es viele (lacht). Im Ernst: Wir verfügen

über ein mit 31,7 Jahren Altersdurchschnitt

sehr junges und daher

auch äußerst flexibles Bataillon, das

viele Qualifikationen vereint und auf Einsätze

auch bei extrem schwierigen Bedingungen

spezialisiert ist. Eine Vielzahl

unserer Kadersoldaten verfügt über Auslandserfahrung

aus Afghanistan, Bosnien

und dem Kosovo. Zudem sind wir

ein interessanter Arbeitgeber: Mechaniker

bekommen es bei uns mit modernem

Gerät wie dem BvS10 Hägglunds,

Quads und neuen Tiefladern zu tun. Wir

beschäftigen Köche, Fahrlehrer und IKT-

Spezialisten und wir punkten mit vielen

Zusatzausbildungen wie Heeresbergführer,

Nahkampfausbilder und Schießausbilder.

Und wie sieht es mit Schwächen aus?

Die gibt es natürlich auch. Es fehlt vor

allem an moderner Ausrüstung. Bei der

Mobilität hat sich mit dem Zulauf von

BvS10 und Co zwar einiges zum Besseren

entwickelt. Da würden wir uns aber

noch mehr Quantität wünschen. Mit zusätzlichen

ungepanzerten Hägglunds

könnten wir beispielsweise viele Transportaufgaben

abdecken, die von unseren

wenigen verbliebenen Pinzgauern

kaum mehr bewerkstelligt werden

können.

Sehen Sie auch in anderen Bereichen

Nachholbedarf?

Wir müssen uns in Zukunft auch wieder

weg von den vielen Assistenzeinsätzen

verstärkt der militärischen Landesverteidigung

zuwenden. Im Moment ist es so,

dass wir Rekruten nur die Basisausbildung

Kern und in Teilen die Basisausbildung

1 angedeihen lassen können.

Dabei geht es um die grundlegenden

militärischen Fertigkeiten, um die Körperausbildung

und um das Bewegen

und Überleben im Gebirge.

Und anschließend gehen die Soldaten

dann in den Assistenzeinsatz?

Richtig. Für die Grundwehrdiener entfällt

dadurch aber die interessante und

authentische Basisausbildung 2 und 3

mit Schwerpunkt Kampf im Mittelgebirge

und im Hochgebirge. Viele junge

Männer sind aber eigentlich genau

wegen dieser Inhalte zu uns gekommen

und rüsten dann nach dem Grundwehrdienst

enttäuscht ab. Sie erwägen dadurch

gar nicht erst eine Karriere beim

Heer einzuschlagen. Damit berauben

wir uns selbst um viel Aufwuchspotenzial.

Langfristig brechen uns die sicherheitspolizeilichen

Assistenzeinsätze das

militärische Rückgrat.

M I L I T Ä R A K T U E L L


WAHRUNG

DER LUFT-

HOHEIT

Die Wahrung und Verteidigung der Lufthoheit sind zentrale Wesensmerkmale einer Luftwaffe.

Um ein souveränes Land wie Österreich zu schützen, braucht es bewaffnete einsatzfähige Kampfflugzeuge,

die ihren Auftrag in jeder Wetterlage und mit Überschallgeschwindigkeit erfüllen

können. Insbesondere im Krisen- oder Konfliktfall sind einsatzfähige Systeme für einen Staat

unerlässlich. Aber auch in der normalen Lage setzen moderne Kampfflugzeuge im Rahmen des

alltäglichen Luftpolizeidiensts die staatlichen Luftverkehrsregeln durch.

ANZEIGE FOTO: SAAB

Befindet sich ein ziviles oder militärisches

Flugzeug in einem Luftraum, muss

es sich via Funk identifizieren können.

Ist dies nicht der Fall, wird ein Alarmstart

(Quick Reaction Alert, QRA) von bewaffneten

Kampfflugzeugen ausgelöst. Im

Nachbarland Schweiz stehen für dieses

Szenario seit Anfang 2021 zwei Flugzeuge

rund um die Uhr bereit. Unterschieden

wird weltweit zwischen «Live Missions»

und «Hot Missions». Erstere sind Stichprobe-Kontrollen

von ausländischen zivilen

oder militärischen Staatsflugzeugen,

die einen Luftraum nur mit diplomatischer

Freigabe überfliegen dürfen. «Hot

Missions» hingegen sind Einsätze, die

aufgrund einer Verletzung der Lufthoheit

oder schwerwiegende Missachtung von

Luftverkehrsregeln ausgelöst werden.

In Österreich zählt man pro Jahr regelmäßig

rund 30 – 50 solche «Hot Missions».

Blind ohne Selbstschutz

Um den Schutz der Bevölkerung rund um

die Uhr gewährleisten zu können, braucht

es eine moderne Luftwaffe mit allwettertauglichen

und einsatzfähigen Systemen.

Aber auch der Pilot muss mit seinem

Kampfflugzeug jederzeit situationsgerecht

reagieren und agieren können.

So zählt das Selbstschutzsystem an Bord

eines modernen Kampfflugzeuges zu den

zentralen Elementen. Das Selbstschutzsystem

liefert dem Piloten wichtige Informationen

über den Betriebszustand

gegnerischer Waffensysteme, was essentiell

zur Bestimmung der eigenen Bedrohungslage

und damit eigenen lagegerechten

Handlungsoptionen ist. Des Weiteren

kann ein modernes Selbstschutzsystem

im Falle eines Angriffes den erfolgreichen

Waffeneinsatz des Gegners verhindern.

Ein solches Selbstschutzsystem ist aktuell

bei der österreichischen Luftwaffe

nicht vorhanden.

Ein Electronic Warfare System (EW) umfasst

einen Radarwarnempfänger (RWR),

interne Störsender zur Unterstützung der

aktiven elektronischen Gegenmaßnahmen

sowie Chaff- und Flare Dispenser. In

diesem Bereich bietet das Gripen-System

maximale Flexibilität und Souveränität

und ermöglicht eine eigenhändige Programmierung

des EW-Systems.

Allwettertaugliche Waffensysteme

Eine Luftwaffe muss rund um die Uhr

und bei allen Wetterbedingungen einsatzbereit

sein. Hinzu kommen allwettertaug-

liche Waffensysteme. Im Luftpolizeidienst

kann eine Situation unter Umständen

unerwartet und plötzlich eskalieren

und zur ernsthaften Bedrohung für Pilot

und Bevölkerung werden. Dann nämlich,

wenn ein Flugzeug nicht gemäß Weisungen

der Flugverkehrskontrollstelle bzw.

Luftpolizei-Patrouille kooperiert. Für Einsätze

innerhalb des Sichtbereichs kommen

bei Gripen IRIS-T und Sidewinder

zum Einsatz - integriert im weiterentwickelten

nachtsichtfähigen HMD (Helmet

Mounted Display). Für große Reichweiten

verfügt das Mehrzweckkampfflugzeug

aus Schweden über integrierte Luft/

Luft-Lenkwaffen des Typs AMRAAM und

Meteor.

Um den wirksamen Schutz der Bevölkerung

und Gesellschaft heute und auch

morgen durch eine moderne Luftwaffe

gewährleisten zu können, braucht es zeitgemäße

Systeme. Systeme, die langfristig

und nachhaltig kosteneffizient, aber

auch im Ernstfall effektiv und rund um

die Uhr operiert werden können.

Mehr Informationen: saab.com/austria

MILITÄR AKTUELL


0 2 6 H E E R & M E H R

DREI GESICHTER DER

MILIZ

Sie sind längst nicht mehr die bärtigen Männer, die unbeholfen in zu engen

Uniformjacken stecken. Milizsoldaten von heute stehen sowohl in Zivil wie

auch im Tarnanzug ihren Mann, wie diese drei „Milizler“ des Hochgebirgs-

Jägerbataillons 23 beweisen.

Text: THOMAS ARBEITER

Bilder: THOMAS WINKLER

Sturmgewehr statt

Akkuschrauber

Korporal Michael

Greuter (24)

Den Tarnanzug und die Waffe

trägt Michael Greuter aus Obtarrenz

in Tirol alle zwei Jahre, ansonsten

stellt er Holzhäuser auf

und macht das Onlinemarketing

für Gastronomieunternehmen.

Nach dem Grundwehrdienst hat

Greuter drei Jahre lang als Kaderpräsenzsoldat

gedient und in

verschiedenen Assistenzeinsätzen

viel von Österreich gesehen.

Er war beim Erkundungstrupp

eingeteilt und hat den Heeresführerschein

gemacht. Jetzt ist er

Zimmermann, Onlinemarketer –

und Milizsoldat.

Es ist die Kameradschaft, die ihm

als erstes einfällt, wenn er gefragt

wird, was am Milizsoldatendasein

so besonders ist. Die Zeit

beim Heer hat ihn geprägt, sagt

er: „Man lernt kameradschaftliches

Arbeiten, Teamwork. Man

lernt, dass es immer einen Weg

gibt, auch wenn die Situation

noch so hart ist.“ Diese Erfahrungen

helfen ihm auch in seinem

Zivilberuf.

Nach Pfingsten war er mit 400

anderen Soldaten im Hochgebirge

unterwegs. Auf über

2.000 Metern Seehöhe wurde

der Zugriff auf eine Terrorgruppe

geübt, die Anschläge auf Staukraftwerke

oder Bergbahnen

verüben wollte.

M I L I T Ä R A K T U E L L


TRUPPENBESUCH

Lagekarte anstatt Laptop

Oberleutnant Joachim Moosbrugger (37)

„Beim Heer gibt man Befehle,

im Zivilberuf verteilt man Aufträge.

Und das, nachdem

man die Lage beurteilt hat“,

sagt Oberleutnant Joachim

Moosbrugger aus Au im Bregenzerwald.

Der gebürtige

Tiroler arbeitet als Produktmanager

bei einem Fahrradhersteller,

und betreut dort unter

anderem die Lieferanten aus

Fernost. „Die Beurteilungskriterien,

die ich beim Bundesheer

erlernt habe, helfen mir,

vorausschauend zu planen

und die Abläufe besser zu

koordinieren.“

Was er durch den Dienst

beim Bundesheer ebenfalls

gelernt hat: Keine Berührungsängste

vor Menschen

zu haben. „In der Kaserne

spricht man mit allen. Vorurteile

erweisen sich sehr oft

als solche.“ Das habe ihm

zum Beispiel im Umgang mit

den Handwerkern in seinem

Betrieb sehr geholfen. „Für

mich sind das alles ebenbürtige

Mitarbeiter, die mit mir

an einem Strang ziehen.“

Seine Karriere beim Bundesheer

hat Moosbrugger als

Einjährig Freiwilliger begonnen.

Er wollte etwas Anderes

machen als den normalen

Grundwehrdienst, erzählt

er. Nach freiwilligen Waffenübungen

und Milizübungen

ist er beim Hochgebirgs-

Jägerbataillon 23 zur Zeit

als Zugskommandant und

Kompaniekommandant-

Stellvertreter eingeteilt.

Befehlsausgabe anstatt Vorlesung

Wachtmeister Alexander Kittinger (27)

Er kommt aus einer Offiziersfamilie – für Alexander Kittinger aus

Linz war es daher ganz logisch, dass er sich bei der Musterung

für das Einjährig-Freiwilligenjahr (EF) gemeldet hat. Er wollte

„etwas G’scheites“ machen. Heute ist er Milizsoldat, arbeitet

im Zivilberuf bei Siemens und macht den Master in Computer -

science an der Johannes Kepler Universität in Linz.

dabei sein Führungsverhalten und die Herangehensweise an

Probleme. „Man wird als Kommandant auch immer wieder vor

Aufgaben gestellt, die man angehen muss, im Zivilen ist das

nichts anderes“, sagt der IT-Spezialist, der beim Hochgebirgs-

Jägerbataillon 23 zur Zeit als Gruppenkommandant im Bataillonsrahmen

führt.

Wenn er an großen Projekten arbeitet, wie zum Beispiel an

Datenbanken für eine Wasseraufbereitungsanlage in Saudi-

Arabien, kommen ihm immer wieder die Erfahrungen aus seiner

Militärausbildung zugute. „Ich habe beim Heer Eigendisziplin

entwickelt, weil es doch oft sehr anstrengend war in Situationen,

wo man sich hat durchbeißen müssen.“ Die Ausbildung sei eine

tolle Zeit für ihn gewesen, auch sportlich gesehen. Er hat dabei

Österreich von seiner unbekannten Seite erlebt. „Man kommt

in sehr entlegene Gegenden. Vor allem bei der Gebirgsausbildung,

bei Schießverlegungen – das ist etwas, das man als Zivilist

so nicht erlebt.“ Wachtmeister Kittinger bezeichnet das EF-Jahr

deshalb auch als „bezahlten Abenteuerurlaub“.

Als Milizsoldat hat er den Weg zur Unteroffiziersausbildung eingeschlagen.

Der Gefechtsdienst mit seinem Zug ist ein Ausgleich

zur Arbeit vor dem Bildschirm. Außerdem trainiert er

M I L I T Ä R A K T U E L L


0 2 8 H E E R & M E H R

„VIELE HABEN ES GEAHNT“

Vizeleutnant Charles Eismayer von der

Garde galt lange als harter Ausbilder.

Später outete er sich und heiratete

seinen ehemaligen Grundwehrdiener.

Sein Leben ist nun als Film „Eismayer“

im Kino zu sehen. Militär Aktuell hat

mit dem pensionierten Soldaten

gesprochen.

Interview: STEFAN TESCH

Herr Vizeleutnant, wie

fühlt es sich an, wenn

sein Leben verfilmt

wird?

Scheiße! (lacht) Normalerweise

wird nur die

Geschichte von bekannten oder verstorbenen

Persönlichkeiten verfilmt – und

beides trifft bei mir nicht zu. Aber es

freut mich trotzdem, denn der Film enthält

die Kernbotschaft, das Bundesheer

müsse sich beim Thema Homosexualität

öffnen. Jungen Soldaten muss es heute

möglich sein, sich in jedem Verband und

jeder Kompanie problemlos zu outen.

Sie haben den Ruf, ein extrem strenger

Ausbilder gewesen zu sein. Woran liegt

das?

Ich war lange beim Jagdkommando,

habe den Grundkurs absolviert sowie als

Ausbilder gearbeitet. Dort genießt man

trotz niedrigen Dienstgrades unter den

Auszubildenden – unter denen ja sogar

Offiziere sind – extrem viel Autorität.

Ich habe die Einstellung „nur Leistung

zählt“ dann auch in meiner Zeit beim

Landwehrstammregiment 21 sowie bei

der Garde beibehalten. Mir war dabei

immer egal, was die Väter der Rekruten

waren, auch wenn darunter vielleicht ein

General war.

Wie schwer ist Ihnen das Outing in

der Kaserne gefallen?

Ich habe mich innerlich lange davor

gewunden. Aber nachdem Mario (Anmerkung:

Ehemann Major Falak) sich

an der Militärakademie geoutet hat,

bin ich natürlich nachgezogen.

Was haben Ihre Kameraden dazu

gesagt und darauf reagiert?

Was soll einem als Vizeleutnant schon

passieren? Mir konnte niemand mehr

ans Bein pinkeln. Das Outing war ein

positiver Erfolg! Einige haben es ja bereits

geahnt, aber niemand hat es ausgesprochen.

Meinen Alltag und Dienst hat

es jedenfalls enorm erleichtert, da ich

etwa nicht mehr verstecken musste,

wenn mich Mario abgeholt hat. Und ich

musste daheim nichts wegräumen, wenn

ich Besuch bekommen habe. Ich hätte

mich viel früher outen sollen, denn man

verschenkt mit dem ewigen Zuwarten

viel zu viel Zeit.

Wie gefällt Ihnen der Film über Sie?

Beim ersten Mal war ich schockiert

wegen der vielen Kraftausdrücke. Aber

meine Kameraden haben gesagt: „Das

bist schon du!“

Wie viel an der Handlung entspricht

der Realität und wie viel ist erfunden?

Ich habe den Regisseur davor oft getroffen

und wir haben viele Stunden geplaudert.

Er meinte, 1:1 könne man die Geschichte

nicht verfilmen, da die Zuschauer

auch unterhalten werden wollen. Aber

rund 80 Prozent des Films sind echt.

Welche Szenen machen die restlichen

20 Prozent aus?

Den Heiratsantrag im Wiener Riesenrad

gab es nie, denn wir haben uns in Dubai

verlobt. Aber das war im Film aus Budgetgründen

nicht möglich. Auch den

Sturz in den Bach auf der Seetaler Alpe

gab es nicht. Mario hätte so nicht reagiert,

denn er ist mutig. Und ich habe

nie in der Kaserne onaniert.

„Eismayer“ von Regisseur

David Wagner, mit Gerhard Liebmann

(als Charles Eismayer), Luka Dimić

(Mario Falak) und Julia Koschitz

(Christina Eismayer).

Österreich 2022, 87 Minuten.

LANGE DAVOR GEDRÜCKT Charles Eismayer wollte

sich lange nicht outen – aus heutiger Perspektive hätte

er den Schritt aber „viel früher setzen“ sollen.

FOTOS: GOLDEN GIRLS FILMPRODUKTION, KARIM RAHOMA

M I L I T Ä R A K T U E L L


UNSERHEER

EINE INFORMATION DES BMLV

Entgeltliche Einschaltung

„Mein Dienst für Österreich“

ist ein echtes Erfolgsmodell

Eine gute Ausbildung und eine interessante Zeit beim Bundesheer für junge

Österreicher. Das ist das Ziel von „Mein Dienst für Österreich“. Im sicherheitspolizeilichen

Assistenzeinsatz sammeln sie dann bei überdurchschnittlicher

Bezahlung auch praktische Erfahrung und auch einer Karriere im

Bundesheer als Berufs- oder Milizsoldat stehen damit alle Türen offen!

Im Assistenzeinsatz

Grundwehrdiener können

sich bei „Mein

Dienst für Österreich“

direkt nach ihrem

Grundwehrdienst

für drei Monate

Assistenzeinsatz

(beispielsweise

zur Grenzraumüberwachung)

melden.

Foto: Bundesheer

Im steten Bemühen um eine attraktivere

Gestaltung des Grundwehrdienstes

präsentierte das Bundesheer

vor rund eineinhalb Jahren das neue

Angebot „Mein Dienst für Österreich“.

Seitdem können Grundwehrdiener

damit einerseits ihre sechsmonatige

Ausbildung freiwillig um bis zu drei

Monate verlängern und in dieser Zeit

ihr militärisches Können in einem

sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatz

anwenden. Andererseits können

sich Rekruten dabei aber auch schon

während ihres Grundwehrdienstes

freiwillig zu Milizübungen melden

und frühzeitig in die vorbereitende

Kaderausbildung einsteigen (siehe

Infokasten auf der nächsten Seite).

Hauptanreiz für die neuen Angebote

ist eine gute Bezahlung, wie auch

UNSERHEER


Brigadier Stefan Thaller, Leiter Abteilung

Militärstrategische Einsatzkoordination

im Verteidigungsministerium,

im Gespräch mit „Unser Heer“

betont (siehe Interview ab der

nächsten Seite). Die Verlängerung

des Grundwehrdienstes (Modell 6 +

3) wird mit rund 3.000 Euro netto

für Mannschaftsdienstgrade überdurchschnittlich

gut bezahlt. Als

Anreiz für die Meldung zu freiwilligen

Milizübungen gibt es bereits ab dem

dritten Monat Grundwehrdienst rund

420 Euro Freiwilligenprämie pro

Monat zusätzlich zum Sold als

Grundwehrdiener. Der ebenfalls ab

dem dritten Monat des Grundwehrdienstes

mögliche Einstieg in die

Führungsausbildung im Rahmen der

vorbereitenden Kaderausbildung

Bedarf bei der

Miliz Im Milizbereich

fehlt es momentan

vor allem

an Unteroffizieren

und Offizieren.

Mein Dienst für Österreich – die Angebote

Modell 6 + 3 für die Sicherheit Österreichs:

3 Monate sicherheitspolizeilicher Assistenzeinsatz

Grundwehrdiener können sich direkt nach ihrem

sechsmonatigen Grundwehrdienst für drei Monate

Assistenzeinsatz melden. Dieser Einsatz schließt

nahtlos an den Grundwehrdienst an. Dabei werden

wichtige Assistenzleistungen für die Grenzraumüberwachung

oder (bei Bedarf) die Bekämpfung der Corona-Pandemie

erbracht. Die Bezahlung beginnt bei

rund 3.000 Euro netto pro Monat.

Vorbereitende Kaderausbildung:

Optimaler Start für junge Führungskräfte

Für alle Grundwehrdiener steht die vorbereitende

Kaderausbildung (vbK) als erste Führungsausbildung

offen. Die Teilnahme wird bereits ab dem dritten

Monat im Grundwehrdienst angeboten und aktuell

mit rund 210 Euro Kaderausbildungsprämie und

rund 210 Euro Anerkennungsprämie pro Monat zusätzlich

zum Sold als Grundwehrdiener (Monatsgeld

und Grundvergütung) belohnt.

Freiwillige Meldung zu Milizübungen:

Die Miliz – eine starke Gemeinschaft

Grundwehrdiener können sich jederzeit zur Miliz

melden. Für ihre freiwillige Meldung zu Milizübungen

erhalten sie bereits ab dem dritten Monat im Grundwehrdienst

aktuell rund 420 Euro Freiwilligenprämie

pro Monat zusätzlich zum Sold als Grundwehrdiener

(Monatsgeld und Grundvergütung). Nach dem Grundwehrdienst

werden sie Teil einer großen Gemeinschaft

mit aktuell rund 35.000 beorderten Milizsoldaten.

Eine Beorderung – sprich eine Einteilung

in der Einsatzorganisation – ermöglicht ihnen Einsätze

im In- und Ausland, eine berufsfreundliche

Ausbildung zum Offizier oder Unteroffizier und

sie können einen aktiven Beitrag für die Sicherheit

Österreichs leisten.

Modulare Miliz-Unteroffiziersausbildung:

Berufsfreundliche Karriere in der Miliz

Unteroffiziere sind das Rückgrat des Bundesheeres.

Um dieses Rückgrat zu stärken, steht allen Interessenten

seit 2021 eine berufsfreundliche Ausbildung

zum Milizunteroffizier offen. In – nach eventueller

Absolvierung eines jeweils zwei Wochen dauernden

Kompensations- und Führungsmoduls – vier Ausbildungsmodulen,

die jeweils auf maximal zwei Wochen

begrenzt sind, werden sie zum Milizunteroffizier

mit Dienstgrad Wachtmeister ausgebildet. Dieser

Einsatz wird mit Prämien belohnt: 603 Euro für

den Abschluss des Moduls Führung. 1.111 Euro

für den Abschluss der gesamten Ausbildung innerhalb

von 18 Monaten oder 555 Euro bei einem

Abschluss innerhalb von 24 Monaten.

Fotos: Bundesheer

UNSERHEER


wird aktuell noch einmal mit rund

210 Euro Kaderausbildungsprämie

und rund 210 Euro Anerkennungsprämie

extra pro Monat belohnt.

Dieses Angebot kann außerdem der

erste Schritt in die völlig neu gestaltete

modulare Ausbildung zum Miliz -

unteroffizier sein. Dabei werden die

notwendigen Ausbildungsabschnitte

in Modulen von ein bis zwei Wochen

angeboten, was die Planung für Interessenten

und deren Abwesenheit

beispielsweise von Studium oder

Beruf deutlich erleichtern und vereinfachen

soll.

Eine interessante Möglichkeit, um

Teil der Miliz zu werden, sind auch

die sogenannten Expertenstäbe.

Mit diesen bei Kommanden, Dienststellen

und anderen Organisationselementen

in ganz Österreich ein -

gerichteten Arbeitsplätzen können

Angehörige des Miliz- und Reservestandes

ihr ziviles und/oder militärisches

Experten- und Spezialwissen

einbringen. Das Heer profitiert von

diesem Know-how in den unterschiedlichsten

Situationen und

Bereichen. Die Experten wiederum

können sich untereinander austauschen

und damit ihre beruflichen

Qualifikationen und Netzwerke

weiter ausbauen. Gesucht und bereits

beschäftigt werden Experten

in mehr als 100 verschiedenen

Bereichen – vom Alpinwesen bis

zum Zollwesen. Während meist auf

erfahrene Kräfte gesetzt werde,

gehe es vor allem im IKT-Umfeld

auch darum, möglichst junge und

bereits bestens ausgebildete Spezialisten

zu gewinnen, wie Brigadier

Thaller abschließend betont.

„Gerade in diesem Bereich ist es

notwendig, dass die Experten die

neuesten Entwicklungen im Blick

haben.“ Nachsatz: „Unter dem

Strich holen wir mit den Experten

ein gewaltiges Know-how ins Haus,

auf das wir andernfalls verzichten

müssten. Schon alleine deshalb

handelt es sich bei den Experten -

stäben um ein Erfolgsmodell.“

„Wir wollen unsere

Angebote noch

besser machen“

Brigadier Stefan Thaller ist Leiter der Abteilung

Militärstrategische Einsatzkoordination im BMLV. Ein

Gespräch über den Erfolg und Nachbesserungsbedarf

bei „Mein Dienst für Österreich“, Aufwuchspotenzial

bei der Miliz und die Bedeutung der mehr als

260 Milizexperten für die rot-weiß-roten Streitkräfte.

Herr Brigadier, vor eineinhalb

Jahren wurden

unter dem Titel „Mein

Dienst für Österreich“ interessante

Angebote für Grundwehrdiener

ins Leben gerufen.

Wie gut wurden diese bislang

angenommen? Wie zufrieden

sind Sie mit dem Zuspruch?

Grundsätzlich sind wir damit

sehr zufrieden, wenngleich es

da und dort natürlich noch Nachbesserungsbedarf

gibt. Wir

verzeichnen beispielsweise zahlreiche

freiwillige Meldungen zu

Milizübungen und auch das 6+3-

Angebot kommt im Großen und

Ganzen gut an. Da haben wir

lediglich während der Sommermonate

einen verstärkten Bedarf.

Wir hätten uns allerdings

mehr Meldungen zur vorbereitenden

Kaderausbildung und zur

neu gestalteten modularen Miliz-

Unteroffiziersausbildung erhofft.

Dort sehen wir aber durchaus

noch Potenzial, das wir in

Zukunft abrufen wollen.

Wie soll das gelingen?

Indem wir das Angebot nachschärfen.

Wir sind gerade dabei,

das im Detail zu evaluieren und

zu erfassen. Parallel dazu arbeiten

wir aber auch in anderen

Bereichen daran, die Attraktivität

des Grundwehrdienstes und der

Miliz insgesamt zu heben. Da ist

es momentan noch zu früh, um

Details zu nennen – aber es wird

definitiv schon bald Verbesserungen

geben.

Was macht „Mein Dienst für

Österreich“ für Grundwehrdiener

so interessant?

Ein wichtiger Punkt ist sicherlich,

dass die Grundwehrdiener

UNSERHEER

Entgeltliche Einschaltung


damit die Möglichkeit bekommen,

etwas für Österreich zu

tun – und zwar deutlich mehr als

die Masse. Ganz wichtig ist auch

das damit verbundene Erlebnis

Bundesheer und die Möglichkeit,

sich in einem qualitativ hochwertigen

Umfeld weiterzubilden und

wichtige Erfahrungen für das

spätere Leben mitzunehmen.

Die vermutlich wohl größte

Motivation ist aber die überaus

attraktive Bezahlung (siehe Infokasten

auf der Vorderseite).

Beim Modell 6 + 3 beispielsweise

bekommen die Soldaten

für jeden der drei zusätzlichen

Monate mehr als 3.000 Euro

netto. Es gibt wohl kaum einen

anderen Bereich in Österreich,

in dem Menschen in diesem

Alter ähnlich gut verdienen

können.

Dafür wird von ihnen aber

auch einiges verlangt, oder?

Natürlich – und das darf man

auch nicht verschweigen. Die

jungen Menschen befinden

sich während der drei Monate

in einem Einsatz, der durchaus

auch mit Risiken verbunden ist.

Der Dienst ist zudem sehr zeitintensiv

sowie psychisch und physisch

fordernd – und das bei Tag

und Nacht, allen Jahreszeiten

und jedem Wetter.

Inwieweit gelingt es, mithilfe

von „Mein Dienst für Österreich“

auch Personal für Kader

und Miliz zu gewinnen?

Zum Teil bereits ganz gut. Unser

Ziel muss es aber sein, mittelbis

langfristig noch mehr Personal

zu gewinnen. Da befinden wir

uns in Konkurrenz zu anderen

Behörden im Sicherheitsbereich,

aber natürlich auch zur Privatwirtschaft,

in der momentan auch

händeringend Fachkräfte gesucht

werden. Mit den zuvor bereits angesprochenen

geplanten Verbesserungen

bei Grundwehrdienst

und Miliz werden wir für potenzielle

Interessenten aber sicherlich

noch attraktiver werden.

„Mein Dienst

für Österreich

funktioniert

bereits sehr gut –

wir wollen

es aber noch

besser machen.“

Brigadier Stefan Thaller

Blicken wir auf den Milizbereich:

Wo gibt es dort aktuell

den größten Personalbedarf?

Ganz eindeutig bei den Unteroffizieren

und Offizieren. Bei den

Mannschaften sind wir aktuell

gut aufgestellt, wenngleich auch

dort noch mehr gehen würde.

Experten gesucht Mit den Expertenstäben gewinnt das

Bundesheer an Fachwissen, Know-how und Expertise.

Ein Spezialbereich der Miliz

sind die sogenannten Expertenstäbe.

Gibt es auch dort

Bedarf?

Jein, wir sind dort aktuell mit

insgesamt 117 verschiedenen

Expertenbereichen und 260 Experten

grundsätzlich sehr gut

aufgestellt, haben aber vor allem

im Cyber- und IKT-Bereich Bedarf.

Zudem kommt es auch in

den anderen Bereichen immer

wieder zu Wechseln und Veränderungen,

daher suchen wir auch

immer neue ausgezeichnete Mitarbeiter.

Wobei es schon wichtig

ist, zu betonen, dass wir mit den

Expertenstäben ein absolutes

Elitedenken verfolgen. Wir wollen

damit echte Experten gewinnen

und mit ihnen Know-how ins

Heer holen, über das wir sonst

nicht verfügen würden. Es geht

dabei also eindeutig um Qualität

vor Quantität. Mit dieser Strategie

sind wir auch in der Vergangenheit

gut gefahren und konnten

teilweise echte Koryphäen

für uns gewinnen. Für das Heer

insgesamt ist das ein enormer

Benefit. Die Expertenstäbe sind

ein echtes Erfolgsmodell.

Entgeltliche Einschaltung

Bild: Bundesheer

Impressum: Amtliche Publikation der Republik Österreich / Bundesministerium für Landesverteidigung. Medieninhaber, Herausgeber und

Hersteller: Republik Österreich / Bundesministerin für Landesverteidigung, BMLV, Roßauer Lände 1, 1090 Wien. Erscheinungsjahr: 2022.

Druck: Heeresdruckzentrum 18-101010100.

UNSERHEER


INTERVIEW

WAS KOMMT NACH

DEM TRACKER?

Das Bundesheer hat mit dem Tracker seit 2015

erste Erfahrungen im Drohnenbereich gesammelt.

In den kommenden Jahren sollen nun weitere

autonom fliegende Geräte zulaufen.

Ein Blick in die Zukunft mit Brigadier

Jörg Freistätter, Leiter der Luftzeugabteilung

in der Direktion Beschaffung.

INTERVIEW: JÜRGEN ZACHARIAS

FOTOS: BUNDESHEER/ROLAND LACKINGER, HBF/DANIEL TRIPPOLT

err Brigadier, das

H

Bundesheer hat mit

der Einführung des

UAV-Systems Tracker

des französischen

Herstellers Survey

Copter Anfang 2015 Neuland betreten.

Richtig. Anfang bis Mitte der 2010er-

Jahre führten immer mehr Streitkräfte

unbemannte Militärluftfahrzeuge ein,

also das, was gemeinhin als Drohnen

bezeichnet wird. Das Ressort hat sich damals

entschlossen, ebenfalls ein System

zu beschaffen, um damit entsprechende

Erfahrungen sammeln zu können. Dabei

ging es um den Umgang mit derartigen

Systemen im militärischen Bereich.

Ganz wesentlich aber auch um die

Auswirkungen auf das Luftfahrtrecht.

Es stand also die Grundlagenarbeit

rund um den Einsatz von

Drohnen-Systemen im Fokus?

Die Militärluftfahrzeug- und Militärluftfahrtgerätverordnung

aus 2008 (MLFGV

2008) kannte bis dahin noch gar keine

unbemannten Militärluftfahrzeuge. Wir

mussten daher erst eine Richtlinie zur

Ergänzung der MFLGV 2008 für die

Feststellung und Aufrechterhaltung der

Lufttüchtigkeit von unbemannten Militärluftfahrzeugen

erarbeiten. Darin wurden

unterschiedliche Kategorien etwa

abhängig von der Masse, vom Einsatzgebiet

mit Umgebungsprofil, Bebauungsgrad

und Bevölkerungsdichte definiert,

Ableitungen getroffen und Regularien,

die sich daraus für Einsätze, den Flugbetrieb

und viele andere Bereiche ergeben,

festgelegt. Ganz wichtig war und ist in

diesem Zusammenhang auch das Frequenzmanagement,

es gibt schließlich

auch andere Systeme und Infrastrukturen,

die im selben Frequenzbereich wie

Drohnen arbeiten. Das ist alles viel komplizierter

und schwieriger, als man sich

das als Außenstehender vorstellt und

auch längst noch nicht abgeschlossen. Es

gilt immer noch weitere Erfahrungen zu

sammeln und Erkenntnisse zu gewinnen.

Geht es nach den aktuellen Planungen,

dann sollen weitere Erfahrungen

bald auch mit neuen Drohnen-Systemen

gemacht werden können, oder?

Wir haben jedenfalls zwei konkrete Vorhaben

in der Pipeline. Da geht es einerseits

um gefechtstechnische Drohnen,

also Systeme mit einem maximalen Abfluggewicht

von fünf Kilogramm, einer

M I L I T Ä R A K T U E L L


0 3 4 H E E R & M E H R

ALLES IM BLICK Drohnen lassen sich – abhängig vom

Modell und dessen Leistungsvermögen – mit unterschiedlichen

Sensoren von optischen Kameras bis hin

zu Infrarotkameras und ABC-Messgeräten bestücken.

Damit lassen sich völlig neue Perspektiven auf Einsatz -

gebiete und drohende Gefahren gewinnen.

Flugdauer von rund 45 Minuten und

einer Reichweite von bis zu fünf Kilometern.

Und andererseits um unbemannte

Militärluftfahrzeuge „großer Verband“.

Das sind dann größere Systeme?

Ja. Da reden wir von Reichweiten bis zu

70 Kilometer und einem Abfluggewicht

von – abhängig vom dann gewählten

Modell – 25 bis 60 Kilogramm. Beide

Systeme werden uns einen neuerlichen

massiven Erfahrungsgewinn bringen.

Eine konkrete Typenentscheidung

gibt es in beiden Fällen aber noch

nicht, oder?

Nein, aktuell haben wir in beiden Fällen

„nur“ eine Vorhabenabsicht. Das heißt,

es gibt einen – allerdings schon mit einem

Budget hinterlegten – Plan zur Realisierung

einer gewissen Fähigkeit. Daraus

leiten wir gerade eine Leistungsbeschreibung

ab, wir übersetzen also die Forderungen

der Planer in produktneutrale

technische Beschreibungen. Zudem sind

wir im Rahmen eines „Request for information“

gerade dabei, aktuelle Informationen

zu infrage kommenden Systemen,

Modellen und Beschaffungswegen bei

Herstellern und anderen Nationen einzuholen.

Für wann ist die Beschaffung dann

konkret geplant?

Die erste Tranche der gefechtstechnischen

Drohnen soll bereits ab 2024 zulaufen,

eine zweite Tranche 2027 bis 2028

und bis 2031 wollen wir dann den Ziel -

bedarf inklusive Miliz realisiert haben.

Unter dem Strich geht es dabei um die

Beschaffung mehrerer Hundert Systeme.

Über welche Eigenschaften muss eine

„gefechtstechnische Drohne“ unbedingt

verfügen, um für das Heer interessant

zu sein?

Nachdem es dabei vor allem um Aufklärung

und eine rasche Einsetzbarkeit

geht, muss die Drohne einfach aufgebaut

und in einem Rucksack oder in einer

Tasche mannverlastbar sein. Wichtig ist

auch eine möglichst simple Bedienung,

ROT-WEISS-ROTE GEGEN-

WART Aktuell stützt sich die

Drohnenexpertise beim Heer zu

großen Teilen auf das ab Jänner

2015 zugelaufenen Aufklärungs-

System Tracker des französischen

Herstellers Survey Copter.

um sich vor allem auf die Sensordaten

konzentrieren zu können.

Apropos: Werden für die Systeme unterschiedliche

Sensoren beschafft?

Denkbar wären ja beispielsweise optische

Kameras, aber auch Infrarotkameras

oder andere Sensoren, die je

nach Situation und Einsatzziel gewechselt

werden können.

Das ist prinzipiell natürlich denkbar,

wobei der Fokus bei der Infanterie ganz

sicher auf der optischen Nahaufklärung

liegen wird, die dem Zugs- oder Kompaniekommandanten

einen besseren Lageüberblick

erlaubt. Bei den größeren Systemen,

die wir beschaffen wollen, ist aber

eine ganze Phalanx an Sensoren denkbar.

Ganz entscheidend, um die gesammelten

Informationen dann aber verwerten

zu können, wird die Einbindung der

Drohnen in ein modernes Battle-

Management-System sein …

… das es beim Heer aktuell aber noch

nicht gibt.

Das aber ebenfalls beschafft werden

soll.

Wann sollen die unbemannten Militärluftfahrzeuge

„großer Verband“

zulaufen und welche Kriterien werden

bei der Beschaffung dieser Systeme

entscheidend sein?

Die Zeiträume sind sehr ähnlich denen

bei den gefechtstechnischen Drohnen,

die Stückzahlen natürlich deutlich geringer,

wobei ein System in diesem Bereich

im Regelfall aus mehreren Flugkörpern

besteht. Beim Tracker beispielsweise

besteht ein System aus drei Flugkörpern.

Entscheidende Eigenschaften werden die

Sensorik, die Intelligenz der Sensorik

und wie schon erwähnt die Einbindung

der Daten in das Battle-Management-

System sein.

Man hört, dass unabhängig von den

beiden Vorhaben auch noch weitere

Drohnen beschafft werden könnten?

Es sind auch noch weitere Systeme in

Überlegung, auf der Ebene operativer

kleiner Verband und auf der operativen

Ebene über den Aufklärungs- und Artilleriebataillonen.

Da sprechen wir dann

aber von richtig großen Systemen, die

mit ihrer Reichweite ganz Österreich

abdecken könnten.

FOTOS: GETTY IMAGES, GUILLAUME HERBAUT / AGENCE VU / PICTUREDESK.COM, BUNDESHEER/KLAUS FRANK, BUNDESHEER

M I L I T Ä R A K T U E L L


INTERVIEW

GESPRÄCHSPARTNER Brigadier Jörg Freistätter ist Leiter

der Luftzeugabteilung in der Direktion Beschaffung.

Der Krieg in der Ukraine zeigt, dass es

nicht immer große Systeme braucht,

sondern sich auch mit vergleichsweise

günstigen und modifizierten handelsüblichen

Drohnen eine große Wirkung

erzielen lässt.

Das ist dort aus der Not heraus entstanden

und hat ganz sicher auch seine Berechtigung

– sonst würden sie es nicht

machen. Für uns ist das aktuell aber kein

Thema. Was wir allerdings schon machen,

ist, dass wir uns vor dem Hintergrund

der aktuellen Entwicklungen im

Ukraine-Krieg und davor schon bei den

Kämpfen um Bergkarabach natürlich

viele Gedanken rund um Drohnen und

deren Einsatzspektrum machen. Deshalb

haben wir zuletzt im Bereich der

Mikrodrohnen unter anderem auch bei

den Spezialeinsatzkräften drei unterschiedliche

Systeme vom zivilen Markt

getestet und mit Blick etwa auf deren

Handling, die Akkulaufzeiten und die

Einsetzbarkeit auch bei schlechten Witterungsbedingungen

wichtige Erfahrungen

gesammelt. Zudem verfügen wir

auch über einen bei der Luftaufklärung

in Langenlebarn stationierten Octocopter

des österreichischen Herstellers Riegl,

der mit verschiedenen Sensoren bestückt

ist und von den unterschiedlichsten

Dienststellen angefordert werden kann.

Abschließend: Das Bundesheer verfügt

mit ELDRO seit einigen Jahren auch

über ein gut aufgestelltes Drohnendetektions-

und Abwehrelement. Inwiefern

fließen Erfahrungen von dort in

die aktuellen Beschaffungen ein?

Die dort gemachten Erfahrungen sind

für uns ganz entscheidend, wir tauschen

uns daher regelmäßig aus. Das Letzte,

was wir wollen, sind Systeme, die sich

einfach abfangen oder lahmlegen lassen.

Daher werden wir die bei den aktuellen

Beschaffungen für uns infrage kommenden

Systeme auch gemeinsam analysieren

und testen.

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0 3 6 H E E R &

M

E H R

MISSION POSSIBLE

OUTDOOR ÜBERLEBEN MIT DEM

JÄGERBATAILLON

Von der Nahrungssuche und dem Bau einer Unterkunft in der Wildnis bis zur

Orientierung im Gelände und der Überquerung von Gewässern: Gemeinsam

mit dem Jägerbataillon 25 beschreiben wir in jeder Ausgabe Outdoor-

Überlebenstechniken. Dieses Mal: die Versorgung von Wunden mit Baumharz.

Text: JÜRGEN ZACHARIAS

Fotos: SEBASTIAN FREILER

M

it Hilfe von Baumharz

verschließen

Bäume ihre Wunden.

Sie schützen

sich damit vor Krankheitserregern

wie Pilzen oder Bakterien. Baumharz

kann in Notsituationen aber auch

uns Menschen eine große Hilfe sein.

Durch seine klebrige Konsistenz eignet

sich das natürliche Material beispielsweise

ideal dazu, kleine Löcher

in einem Zelt oder Tarp zu stopfen.

Harz ist zudem ein idealer Zunder

und lässt sich auch nutzen, um ein

Boot, ein Kanu oder ein Floß wasserdicht

zu machen. Da besonders das

Harz von Kiefern antiseptisch, entzündungshemmend,

antibakteriell

und adstringierend (austrocknend

und blutstillend) wirkt, ist das Pflanzenprodukt

weiters für die Selbstund

Kameradenhilfe gut geeignet.

Damit lassen sich etwa Blutungen

stoppen und Wunden versorgen.

Bevor wir Harz verwenden können,

müssen wir es zunächst sammeln

(1). Fündig werden wir bei gefällten

Bäumen, frischen Baumstümpfen

sowie an verletzten Stellen von Bäumen.

Dabei das Material mit den

Händen oder mit einem Messer nur

oberflächlich abtragen und keinesfalls

Bäumen absichtlich Wunden

zufügen! Anschließend muss das

Harz in einem hitzebeständigen

1

Harz sammeln

Harz erwärmen

2

M I L I T Ä R A K T U E L L


Expertentipp

„Das Harz von einer Tanne

oder einer Fichte kann als

,Kaupech‘ auch zur Mundhygiene

verwendet werden.

Es tötet Keime ab, sorgt für

einen besonders frischen

Atem und stärkt die

Abwehrkräfte.“

Behälter über Feuer erwärmt werden

(2), damit es flüssiger und somit

leichter formbar ist. Dabei die Substanz

mit einem Messer oder einem

Stock gut verrühren (3) und anschließend

30 bis 60 Sekunden abkühlen

lassen.

Das Harz wird dadurch zähflüssiger

und kann nun einerseits direkt auf

SURVIVAL GUIDE

eine kleine blutende Wunde aufgetragen

werden, um die Blutung zu stoppen

und einer späteren Entzündung

entgegenzuwirken. Andererseits lassen

sich mit dem Harz auch bereits

desinfizierte und gereinigte Wunden

behandeln. Dabei wirkt das Material

wie ein Superkleber – es verschließt

die Wunde, hemmt Entzündungen

und wirkt antibakteriell.

3

MIT

BAUMHARZ

WUNDEN

VERSORGEN

Substanz gut

verrühren

Harz auf der

Wunde auftragen

4

M I L I T Ä R A K T U E L L


0 3 8 L U F T V

E

R T E I D I

DER

EUROFIGHTER

IN DER NÄCHSTEN

ENTWICKLUNGSSTUFE

Der Eurofighter wird noch lange das Rückgrat der europäischen Luftverteidigung

bleiben, sagt der CEO der Eurofighter Jagdflugzeug GmbH, Carlo Mancusi.

G

U N G

arlo Mancusi erklärt,

C

dass der Eurofighter

mit dem kürzlich auf

der ILA in Berlin

unterzeichneten

neuen Halcón-Vertrag

mit Spanien über weitere 20 neue

Eurofighter und dem in der Entwicklung

befindlichen weiterentwickelten

Eurofighter Typhoon auf Jahrzehnte

hinaus ein Eckpfeiler der europäischen

Verteidigung sein wird.

„Wir haben ein starkes Programm mit

einer glänzenden Zukunft und wir

haben bereits eine Reihe von Entwicklungen

auf den Weg gebracht, die das

Waffensystem an der Spitze der europäischen

Verteidigung halten werden“,

sagt Mancusi.

CARLO MANCUSI

CEO Eurofighter Jagdflugzeug GmbH

„Die Unterzeichnung des Halcón-Auftrags

ist in vielerlei Hinsicht eine gute

Nachricht, vor allem weil sie das anhaltende

Engagement eines der vier wichtigsten

Partnerländer für die Zukunft

des Eurofighter Typhoon signalisiert.“

Der Auftrag unterstreicht auch die derzeitige

und künftige Stärke des Programms,

die sicherstellt, dass der Eurofighter

noch viele Jahre lang das Rückgrat

der europäischen Luftverteidigung

bilden wird, und stellt eine willkommene

Unterstützung für die europäische

Luft- und Raumfahrtindustrie dar.

10-JAHRES-VISION

Zur gleichen Zeit, als Halcón vereinbart

wurde, wurden auch unter den

wichtigsten Eurofighter Partnern die

strategischen Schlüsselelemente eines

10-Jahres-Plans für die Eurofighter-

Entwicklung erörtert, wobei die ersten

fünf Jahre des Programms vereinbart

wurden und bereits unter Vertrag sind.

Carlo Mancusi sagt, dass sich mit diesem

Plan einerseits auch zwei wichtige

Arbeitsprogramme herauskristallisieren

werden. Erstens wird der nächste

Vertrag zur Verbesserung des Waffensystems,

bekannt als P4E, neben vielen

anderen zusätzlichen Fähigkeiten

auch voll integrierte und einsatzfähige

E-Scan-Radare umfassen. Das zweite

wichtige Arbeitsprogramm beinhaltet

die Eurofighter Long Term Evolution

(LTE)-Studie, welche die zukünftige

Entwicklung des Waffensystems stützt.

„Unser 10-Jahres-Plan sichert die Entwicklungsaktivitäten

– die ersten fünf

Jahre sind bereits vertraglich

geregelt, und wir arbeiten

hart daran, diese für die nächsten

fünf Jahre zu verlängern. Das ist

wichtig, denn das Flugzeug wird in der

Lage sein, die sich ständig weiterentwickelnden

operationellen Anforderungen

für viele Jahrzehnte zu erfüllen.“

Er fügt hinzu, dass die LTE-Reifungsphase

zwischen 2023 und 2025 stattfinden

soll und praktisch demonstrieren

wird, welche Technologien in einem

„LTE-Eurofighter“ eingesetzt werden

können.

Carlo Mancusi, der im Jänner

dieses Jahres zum CEO

der Eurofighter Jagdflugzeug

GmbH ernannt wurde,

sagt: „Es geht darum, die bestehende

Plattform Schritt für Schritt

zu verbessern und dadurch den Weg

für die Zukunft zu ebnen und zur

Reifung der Technologien beizutragen.

Wie radikal und ehrgeizig die Nationen

hierbei sind und was praktisch möglich

ist, muss noch ausgearbeitet werden.“

STARKE LEISTUNG

Nach der Meinung von Mancusi

hat das Programm in den letzten

zwei Jahren gute Resultate erzielt, weil

eine Reihe von wichtigen Verträgen,

darunter Quadriga und Halcón,

abgeschlossen werden konnten.

Im Rahmen des Halcón-Vertrags erhält

Spanien 16 einsitzige und vier zweisitzige

Kampfflugzeuge, die mit elektronischem

Radar (E-Scan) ausgestattet sind

und einen Teil der alten F-18-Flotte

Fotos: Eurofighter Jagdflugzeug GmbH

M I L I T Ä R A K T U E L L


ADVERTORIAL

ersetzen werden. Damit wird die

spanische Eurofighter-Flotte auf

90 Flugzeuge anwachsen.

Mit der Aussicht auf weitere Aufträge

sagt Mancusi: „Ungeachtet des Erfolgs,

den wir mit den Verträgen mit Katar,

Kuwait und der deutschen Quadriga

haben, sind wir auf der Suche nach

weiteren Kontrakten, um unsere

Produktionslinien auszulasten. Wir

bemühen uns sowohl bei unseren

Stammkunden als auch auf dem

Exportmarkt um zusätzliche Aufträge

und es gibt positive Signale auf dem

Markt. Es gibt ein wachsendes Interesse

an ausgereiften und leistungsstarken

Flugzeugen, die mit anderen Plattformen

betrieben werden können, um den

Nationen die bestmöglichen Synergien

zu bieten. Wir müssen diese Chancen

nun in Verträge umwandeln.“

STRAHLENDE ZUKUNFT

Carlo Mancusi, der von Anfang an

am Eurofighter-Programm mitgewirkt

hat, sagt, er sei stolz auf das Erreichte

und sehe optimistisch in die Zukunft.

„Das Programm bringt unterschiedliche

Fähigkeiten, Kulturen und

Anforderungen zusammen“, sagt er.

Zuwachs. Die Eurofighter-Flotte wächst.

Dafür sorgt der kürzlich abgeschlossene

Halcón-Vertrag mit Spanien.

„Wir haben eine wirklich kooperative

Arbeitsweise entwickelt und ein

wertvolles Erbe aufgebaut. Wir haben

uns daran gewöhnt, in einem innova -

tiven Umfeld zusammenzuarbeiten,

mit Teams und Unternehmen, die

gemeinsam herausragende Ergebnisse

erzielen.

Der Eurofighter Typhoon ist einer der

Eckpfeiler und das Programm ist das

Rückgrat der europäischen Verteidigung.

Was wir tun, ist komplex, sowohl

was das Waffensystem als auch

das Programm angeht, aber wir haben

das Know-how.“

M I L I T Ä R A K T U E L L


0 4 0

S I C H E R H E I T & W I R T S C H A F T

FÜR UNSERE NACHBARN

Tschechien und die Slowakei haben sich auf ein gemeinsames Verfahren zum Kauf von Vollketten-Kampffahrzeugen des Typs

CV90 von BAE Systems geeinigt. Bratislava will ab 2025 seine russischen Schützenpanzer BVP-1 und BVP-2 um 1,7 Milliarden Euro

durch zunächst 152 CV-90 MK.IV in sieben Varianten ersetzen, darunter 110 Schützenpanzer CV9035 mit automatischer 35-mm-

Kanone. In einer zweiten Phase sollen ab 2028 weitere 71 Fahrzeuge in sieben Varianten zulaufen, darunter 20 Stück mit 120-mm-

Mörserträger. Prag hat erst im Juli zugunsten der nunmehrigen Beschaffung seine Ausschreibung über 210 Nachfolger für seine

BMP-2 im Volumen von rund zwei Milliarden Euro storniert. Ein wichtiger Kauftreiber beider Länder ist die gemeinsam gegenüber

der NATO eingegangene Verpflichtung zur Aufstellung einer schweren mechanisierten Brigade bis 2026. Der CV90 ist neben den

Niederlanden auch in Schweden, in Dänemark, Estland, Finnland und der Schweiz im Einsatz. Der erste Kampfeinsatz erfolgte im

November 2007 durch die Norweger in Afghanistan.

UK: NATIONALE SCHIFFSBAUSTRATEGIE 2.0

Die britische Regierung hat „angesichts der zunehmenden russischen

Aggression“ ihre nationale Schiffsbaustrategie aus 2017 aktualisiert.

Die neue Strategie sieht Direktinvestitionen von mehr als vier Milliarden

Pfund (4,55 Milliarden Euro) in heimische Werften vor. Darüber

hinaus aber auch einen schnelleren Zugang zu Finanzmitteln für die

Betriebe, den Aufbau künftiger Technologiekompetenzen und die

Finanzierung relevanter Forschung und Entwicklung für umweltfreundlichere

Schiffe und Infrastruktur. Unter Führung von BAE-Systems

Maritime sollen die Werften in England und Schottland bis 2030

die 19 Zerstörer und Fregatten der Royal Navy mit fünf Mehrzweck-

Fregatten Typ-31e und acht Typ-26 Global Combat Ships für U-Boot-

Abwehr und Luftverteidigung verjüngen, wovon HMS Glasgow (Bild)

fast fertig ist. In den nächsten 30 Jahren sollen weitere rund 150 Marine-

und Zivilschiffe für das Königreich und für Exporte folgen.

FOTOS: GEORG MADER, ROYAL NAVY NEWS

M I L I T Ä R A K T U E L L


NEWS AUS DER SICHERHEITSBRANCHE

„WIR RECHNEN NOCH IMMER MIT ÖSTERREICH“

JAROMÍR LANG

ist Chefdesigner des

tschechischen Jet-

Trainers Aero L-39NG.

Der tschechische Flugzeughersteller Aero-Vodochody

steckt mitten in der Produktion der ersten Exemplare

seines Jet-Trainers L-39NG. Wir haben mit Chefdesigner

Jaromír Lang über die beiden Erstkunden und weitere

Absatz-Perspektiven gesprochen – auch in Österreich.

Herr Lang, wir haben vor rund einem Jahr zuletzt miteinander

gesprochen. Seitdem ist bei Aero-Vodochody viel

geschehen.

Wir haben eine neue Eignerstruktur und neue Köpfe im

Spitzenmanagement sowie im Marketing und in der Kommunikation.

Für uns im Engineering und in der Entwicklung

hat sich aber kaum etwas geändert. Wir arbeiten ungestört

an der Produktion und an den vertraglichen Anpassungen

der neuen L-39NG-Maschinen für zwei Kunden.

Vietnam und Ungarn?

Genau, wir sind mitten in der Fertigung von je zwölf Maschinen

für die beiden Länder. In Vietnam soll das erste

Exemplar im Juli 2023 übergeben werden, im Juli 2024

sollen dann auch die ersten beiden ungarischen Maschinen

fertig sein. Damit ist das NG-Programm finanziell

abgesichert. Das ist auch ein wichtiges Signal für potenzielle

weitere Kunden, mit denen wir laufend sprechen …

… wie beispielsweise Österreich?

Ja. Wir glauben noch immer, dass es in Österreich Bedarf

an einem unterstützenden zweiten Typ neben dem Eurofighter

und als Alternative zum teuren und angeblich wenig

zufriedenstellenden Auslandstraining gibt. Ob wir dann tatsächlich

zu Gesprächen eingeladen werden, ist wie auch bei den anderen

Ländern, mit denen wir sprechen, letztlich eine Sache des

Wollens, aber auch der verfügbaren Budgets.

Mit welchen Ländern spricht Aero-Vodochody aktuell?

Meist bisherige L-39-Nutzer in Afrika, Südostasien oder frühere

Sowjet-Nachfolgestaaten. Mit vielen davon verbinden uns jahrzehntelange

Geschäftsbeziehungen und gerade in letzter Zeit

haben wir verstärkt Augenmerk auf die MRO-Überholungen

(Maintenance/Repair/Overhaul) von Hunderten in diesen

Ländern noch immer fliegenden L-39 gemacht. Da haben wir

beispielsweise gut mit Kasachstan, Usbekistan, Nigeria oder

Äthiopien zusammengearbeitet. Davor auch schon mit Algerien,

Tunesien, Thailand und anderen.

Der L-39NG kann sowohl als Trainer als auch als leichter Kampfjet

ausgeführt werden. Inwiefern lässt sich die Trainerversion

nachträglich aufrüsten?

Das ist relativ einfach, da wir alle Vorkehrungen getroffen haben,

um eine spätere Bewaffnung möglichst einfach zu realisieren.

Es braucht dafür nur das Waffenkontroll- beziehungsweise

Außenlasten-Managementsystem sowie eine Verkabelung zu

den Pylonen. Das ist designinhärent, aber alles bereits vorbereitet,

das stellt keine große Herausforderung dar.

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0 4 4 S I C H E R H E I T & W I R T S C H A F T

ALLES IM BLICK HABEN

Integrierte Battle-Management-Systeme tragen weltweit in immer mehr Streitkräften

zur Informationsüberlegenheit bei und ermöglichen eine reibungslose Zusammenarbeit

in nationalen sowie multinationalen Operationen.

Text: MORITZ KOLAR

D

ie Digitalisierung der

Streitkräfte schreitet

weltweit voran. Trotzdem

ist insbesondere

die Führungsfähigkeit

der Landstreitkräfte

nach wie vor eine große Herausforderung:

Zum einen wird das von den

Streitkräften geforderte Fähigkeitsprofil

stetig breiter und komplexer – zum anderen

haben sich jedoch die Führungsverfahren

und -mittel in den vergangenen

Jahrzehnten nur wenig verändert.

Während die Fortschritte der Digitalisierung

im stationären Bereich bereits

deutlich sichtbar sind, so findet man diese

bislang nur selten auf der mobilen

taktischen Ebene. Die Gründe hierfür

liegen oftmals in den widrigen Bedingungen

für den Einsatz von IT-Systemen

sowie der nur begrenzt verfügbaren

Bandbreite für die Datenkommunikation.

Breitbandige Kommunikationsmittel

sind auf kommerziellen Märkten zwar

generell verfügbar, für militärische Anwendungen

fehlt jedoch häufig noch die

Einsatzreife und die benötigte Resilienz.

Battle-Management-Systeme stellen

einen wesentlichen Beitrag der Digitalisierung

des Gefechtsfelds dar. Sie unterstützen

die Kommandanten auf der

unteren taktischen Ebene im mobilen

und abgesessenen Einsatz in ihren Entscheidungsprozessen

– auch unter

schwierigen Bedingungen. Dabei haben

sie nicht den Anspruch, den kompletten

Führungsprozess abzudecken, sondern

beschränken sich auf die wesentlichen

Funktionalitäten, die im Gefecht und im

Einsatz benötigt werden: Die Darstellung

der Eigenposition mit Orientierungshilfen

auf digitalen Karten, Friendly

Force Tracking, Lageführung und -darstellung,

Operations- und Marschplanung,

Befehlsgebung, Meldungsaustausch

und Chat sowie Unterstützung

bei logistischen Aufgaben. Spezifische

NÜTZLICHE HILFE Battle-Management-Systeme unterstützen Kommandanten auf der taktischen

Ebene und stellen auch im abgesessenen Einsatz ein gemeinsames Lagebild bereit.

Funktionalitäten wie zum Beispiel der

digitale Feuerkampf der Artillerietruppe

sind entweder als Module oder als

Functional Area Service abgebildet.

Battle-Management-Systeme existieren

bereits seit rund 20 Jahren und Projekte,

welche die Entwicklung und Einführung

solcher Systeme zum Ziel haben, werden

aktuell weltweit vorangetrieben. Nicht

immer verlaufen diese erfolgreich und

viele Nationen scheitern an der technischen

Komplexität. Die größten Hürden

stellen sich dabei laut dem internationalen

Softwareunternehmen Systematic

im Bereich der taktischen Datenkommunikation

sowie bei der Intraoperabilität

mit nationalen IT-Systemen und im

multinationalen Einsatz. Die damit verbundenen

zeit- und kostenintensiven

Entwicklungen können kaum durch

eine einzelne Nation allein umgesetzt

werden.

Als Reaktion darauf hat Systematic

marktverfügbare Applikationen entwickelt,

welche seine C4I (Command,

Control, Communication, Computer

and Intelligence) Führungssoftware-

Suite SitaWare um Applikationen für

den mobilen und abgesessenen Einsatz

ergänzen. Die Entwicklung orientierte

sich dabei nicht an den Anforderungen

einer einzelnen Nation, sondern hatte

stets eine modulare und mit wenig Aufwand

und Risiko skalierbare Integration

in unterschiedlichen Streitkräften zum

Ziel. Mit Erfolg: Mittlerweile nutzen

mehr als 40 Nationen die Produkte der

SitaWare-Suite, darunter viele europäische

Länder und NATO-Mitglieder. Die

wachsende User-Community garantiere

laut Systematic „eine hohe Produktreife

bei einer unerreichbaren Kosteneffizienz“.

Neue Standards der NATO werden

im Rahmen der kontinuierlichen

Weiterentwicklung implementiert.

FOTO: SYSTEMATIC

M I L I T Ä R A K T U E L L


Held under the prestigious patronage of

His Majesty King Hamad bin Isa Al Khalifa

supported by the Royal Bahraini Air Force and Air Defense

and Ministry of Transportation and Telecommunications

Supported by

Official Conference of

4 th

MANAMA

2022

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SYMPOSIUM

November 8, 2022 - Manama, Bahrain

The 4th Manama Air Power Symposium (MAPS 2022) has

established itself as the most elite business-to-business event on

the global airshows calendar with approximately 30,000 trade

visitors in and billions of dollars’ worth of agreements signed.

MAPS 2022 will bring together a select high-caliber audience of

over 300 air force commanders and operators, policymakers,

and industry leaders from over 25 countries for the most

important regional air power conference in 2022. Strategically

timed to pre-curser BIAS, the theme for MAPS 2022 is “Air Power

and Air Defense in the Era of Transformation, Automation and

Integration,” where the one-day international conference will

discuss the most pressing issues in air power and air defense

considering the most recent experiences and lessons learned

in-theater from operations.

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0 4 6 S I C H E R H E I T & W I R T S C H A F T

MILITÄR AKTUELL AUF DER

AIRPOWER 2022

Bei der Airpower 2022 sorgten zahlreiche nationale und internationale Highlights

für Nackenstarre und staunende Augen bei den knapp 300.000 Besuchern.

Militär Aktuell war beim Mega-Flugevent mit einem eigenen Foto-, Video- und

Redaktionsteam mittendrin statt nur dabei. Text: JÜRGEN ZACHARIAS

as macht

W

Mann und

Frau, wenn

nur wenige

Hundert Meter

über uns Eurofighter,

Gripen, Frecce Tricolori und

Patrouille Suisse spektakuläre Manöver

fliegen? Zuschauen und staunen. In

unserem Fall: auf eine Pause warten!

Wer eine Flugshow wie die Airpower

noch nie aus nächster Nähe gesehen

(und vor allem gehört!) hat, kann sich

nicht vorstellen, wie laut die Triebwerke

von Kampf- und Trainingsjets tatsächlich

sind. Neben dem Gedonner

ein Gespräch oder gar Video-Interviews

zu führen, ist eine Herausforde-

rung, die sich aber – das wissen wir

jetzt – mit Geduld der Gesprächspartner

und vielen kurzen Pausen meistern

lässt. Viel wichtiger als das Wie sind

aber sowieso gute Inhalte und davon

produzierten wir auf der Airpower jede

Menge (siehe Übersicht auf der rechten

Seite).

Unser Militär Aktuell-Team konnte auf

der Airpower mit Verteidigungsministerin

Klaudia Tanner ebenso sprechen

wie mit den beiden Leonardo-Managern

Mauro Delle Donne und Cesare

Caccia. GD-Steyr-Geschäftsführer

Martin Reischer, MBDA-Vertreter Thomas

Schweyckart und Saab-Vertreter

Christer Mehrabi Nord erklärten uns

die mit Blickrichtung Drohnenabwehr

und Short Range Air Defence konzipierten

und auf der Airpower präsentierten

neuen Pandur Evo-Modellvarianten.

ARGE Sicherheit & Wirtschaft-

Geschäftsführer Reinhard Marak führte

uns mit Stationen bei den rot-weißroten

Firmen Frequentis, Diamond

Aircraft, Pankl Aerospace und Antemo

durch die Technologieausstellung.

Außerdem sprachen wir mit Florian

Taitsch, Kommunikationschef der

Eurofighter Jagdflugzeug GmbH sowie

Aero-Vodochody-Verkaufsleiter Zdenek

Hlacik. Last, but not least, holten

wir auch OH-58 Kiowa-Pilotin Eva

Berginc, Eurofighter-Pilot Patrick

„Beauty“ Wöss und den schwedischen

Gripen-Einsatzpiloten Henrik „Sunshine“

Björling vor die Kamera.

FOTOS: BUNDESHEER/TRIPPOLT, BUNDESHEER, MILITÄR AKTUELL, JÜRGEN ZACHARIAS

M I L I T Ä R A K T U E L L


AIRPOWER 2022

Unsere Videos von der Airpower findet ihr

auf www.militaeraktuell.at und in unserem

Youtube-Kanal. Mit den QR-Codes auf

dieser Seite geht es aber auch direkt zu

den Beiträgen.

Die Highlights

der Airpower

Im Gespräch mit …

… Verteidigungsministerin

Klaudia Tanner über ...

... die Bedeutung der Airpower für das

Bundesheer und die neuen AW169-Hubschrauber

der rot-weiß-roten Streitkräfte.

… Florian Taitsch, Kommunikationschef

der Eurofighter

Jagdflugzeug GmbH, über ...

... das „Volksfest“ Airpower und laufende

Modernisierungen beim Eurofigter.

Die bereits zehnte Auflage der Airpower am

Fliegerhorst Hinterstoisser in Zeltweg bot

den knapp 300.000 Besuchern zahlreiche

Highlights. Dazu zählten spektakuläre Vorführungen

in der Luft ebenso wie Militärflugzeug-Raritäten

im Static Display.

GDELS-Steyr:

Die neuen

Pandur-

Versionen

… den beiden Leonardo-

Managern Mauro Delle Donne

und Cesare Caccia über ...

... den AW169-Hubschrauber des Heeres

und den M-346 Advanced Jet Trainer.

… Aero Vodochody-Verkaufsleiter

Zdenek Hlacik über ...

... den neuen L-39NG und warum der Jet

Trainer eine gute Lösung für das österreichische

Bundesheer wäre.

… Gripen-Pilot Henrik

„Sunshine“ Björling über ...

... das „unbeschreibliche“ Fluggefühl im

Saab Gripen und wie man Einsatzpilot bei

der schwedischen Luftwaffe wird.

Mit Blickrichtung Drohnenabwehr und Short

Range Air Defence präsentierten GD-Steyr-

Geschäftsführer Martin Reischer sowie Vertreter

von Saab und MBDA zwei neue Varianten

des Pandur Evo mit dem Radarsystem

Giraffe und dem Luftabwehrsystem Mistral.

Rundgang

durch die

Technologieausstellung

... Eurofighter-Pilot

Patrick „Beauty“ Wöss über ...

... seine Faszination für den Beruf des Kampfjet-Piloten,

die Vorzüge seines Fluggeräts

und warum sein Rufname „Beauty“ lautet.

... OH-58 Kiowa-Pilotin

Eva Berginc über ...

... ihre Begeisterung für die militärische Fliegerei,

Nachtflüge in Norwegen und warum sie

weiterhin eine Karriere beim Heer anstrebt.

Wir haben mit Reinhard Marak, Geschäftsführer

der ARGE Sicherheit & Wirtschaft in

der WKÖ, der Technologieausstellung einen

Besuch abgestattet. Dabei haben wir bei

Airborne Technologies, Pankl Aerospace,

Antemo und Frequentis Station gemacht.

M I L I T Ä R A K T U E L L


FOTOS:RAFAEL, GEORG MADER

0 4 8 S I C H E R H E I T & W I R T S C H A F T

NEUE AUGEN FÜR

UNSERE EUROFIGHTER?

Das Heer hat eine Grundsatzentscheidung getroffen: Der Eurofighter soll weiterhin

das Rückgrat der rot-weiß-roten Luftstreitkräfte bilden und dafür mit neuen

Komponenten aufgerüstet werden. Dazu dürfte auch der Zielbeleuchtungs- und

Darstellungsbehälter Litening V von Rafael aus Israel gehören. Ein Gespräch mit

Rafael-Vice-President Gideon Weiss.

Interview: GEORG MADER

err Weiss, was genau

kann der Lite-

H

ning V und worin

unterscheidet sich

das System von seinen

Vorgängern?

Wir haben mit dem Litening V eine

neue Version unserer bewährten Zielbeleuchtungs-

und Darstellungsbehälter-

Familie vorgestellt, die neue Fähigkeiten

wie beispielsweise ein Synthetic Aperture

Radar bietet. Damit machen wir den

Litening V zu einem Allwetter-Ziel-Pod,

der Kampfflugzeugen die Zielerfassung

sowie -erkennung deutlich erleichtert

und beides über größere Gebiete hin

ermöglicht. Die Piloten können damit

Bedrohungen durch bodengebundene

Luftabwehr deutlich reduzieren.

Was ist sonst noch neu?

Das System verfügt nun auch über

einen verbesserten Mittelwellen- und

Kurzwellen-FLIR mit großer Apertur

von 1,2 K × 1,2 K und HD-Farbbilder

bei Tag. Es stützt sich auf visuell-optische

und verschiedene Infrarotsensoren,

bietet echte Multispektralfähigkeit

und fortschrittliche Bildverarbeitung.

Dadurch verbessert sich die Leistung

bei eingeschränkten Sichtverhältnissen

und es wird die Arbeitsbelastung des

Bedieners oder Piloten durch Prozessautomatisierung

bei der Zielerkennung

und -verfolgung verringert. Zusätzlich

zu seiner neuen Stand-off-Leistung

verbessert der Litening V auch die sogenannte

„Stand-in-Fähigkeit“, insbe-

sondere gegen komplexe gegnerische

Ausrüstung mit geringer Signatur.

Der „5er“ erweitert unter dem Strich

also die Einsatzflexibilität?

Und das beträchtlich. Der Litening V

ist nicht mehr nur ein Zielbehälter,

sondern ein echtes Intelligence,

Surveillance, Target-Acquisition and

Reconnaissance (ISTAR)-System. Das

macht ihn auch für neue potenzielle

Nutzer interessant.

Ein möglicher neuer Nutzer ist auch

das Bundesheer. Hierzulande wäre

aber die Integration in ältere Tranche-

1-Eurofighter notwendig. Wie ließe

sich das technisch realisieren?

Im Moment ist die Kompatibilität ab

Tranche 2 gegeben, aber die Fähigkeit

WEITBLICK Von den Möglichkeiten des

Litening V würden nicht nur die Luftstreitkräfte

profitieren, sondern auch die Bodentruppen.

auch zur Einrüstung auf Tranche 1

existiert definitiv. Die offene Architektur

des Belälters erlaubt eine derartige

Integration, die notwendigen Änderungen

am Flugzeug bleiben dabei auf

ein Minimum beschränkt.

Sie sprechen von einer Integration

beispielsweise über Databus 1553?

Ja genau, das entsprechende Interface

ist im Flugzeug ja bereits vorhanden.

Vereinfacht gesagt ist deshalb zur Integration

vom Flugzeughersteller nur

eine Kabel-Signalübertragung zu den

Bildschirmen im Cockpit herzustellen.

Was leistet der Behälter alleine ohne

ergänzende Flugzeugsysteme, speziell

auch mit Fokus auf die Zielerkennung

bei Dunkelheit?

M I L I T Ä R A K T U E L L


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INTERVIEW

Die verwendeten Sensoren ermöglichen

ein Erfassen, Verfolgen und

Verifizieren von Zielen bei Tag und bei

Nacht über sehr große Distanzen hinweg

– auch ohne ergänzende Hardware

am Fluggerät.

Was sind „große Distanzen“ konkret?

Definitiv mehr als 100 Kilometer. Das

System baut auf einem 16-Inch-Sensor

(40 Zentimeter) mit guter Auflösung

und hoher Sensitivität auf. Durch diese

große Apertur ergibt sich die angesprochene

Langstreckenfähigkeit, übrigens

für Boden- ebenso wie für Luftziele.

Das bedeutet: Wenn man Luft -

polizeiaufgaben erfüllen will, muss

man nicht mehr nahe an ein Ziel heranfliegen,

um es identifizieren und

verfolgen zu können. Zudem können

niedrig und sehr niedrig fliegende

Kontakte erfasst werden, also beispielsweise

kleine Flugzeuge oder

Drohnen. Dazu kommen ergänzend

ein Kurz-, Mittel- und Langwellen-Infrarotsensor,

sowie ein Lasermarkierer

zur Zielmarkierung und ein Laser-Beleuchter

zur Unterstützung der eigenen

Bodentruppen.

Besteht für alle diese Fähigkeiten die

Möglichkeit des Abgleichs mit oder

der Speicherung in einer Art Signalbibliothek?

Dank der hohen Auflösung sieht der

Pilot das Ziel und wie es sich verhält

und natürlich ist auch der Abgleich

mit Datenbanken möglich. Allerdings

liegt es nicht an uns, solche Datenbanken

bereitzustellen – wobei

wir natürlich bei der Einrichtung

gerne behilflich

sind. Unabhängig davon ist

der Behälter auch für den

Einsatz künstlicher Intelligenz

zur Speicherung von

Luft- oder Bodenzielen sowie

weiteren Funktionen

und Aufgaben eingerichtet.

IM GESPRÄCH

Rafael Vice

President Gideon

Weiss (rechts)

mit Militär Aktuell-

Redakteur Georg

Mader.

Können die vom Behälter

gesammelten Signale auch

in andere Systeme integriert

oder beispielsweise via

Datalink übertragen werden?

Es gibt insgesamt drei Wege zur

Connectivity moderner Kampfflugzeuge.

Erstens können – ganz unabhängig

vom Behälter – Sensordaten

zwischen Flugzeugen übertragen und

ausgetauscht werden. Zweitens gibt es

die Möglichkeit, beispielsweise den

Datalink ROVER (Remotely Operated

Video Enhanced Receiver) für die

Übertragung zu Bodenstationen und

Bodeneinheiten zu nutzen. Und drittens

bietet auch der Behälter selbst

enorme Potenziale.

Inwiefern?

Dank der Miniaturisierung der Sensoren

wurde intern viel Volumen frei,

statt vier Elektronik-Baueinheiten benötigen

wir jetzt nur zwei. Der gewonnene

Platz kann – abhängig von Kundenwünschen

– für zusätzliche Fähigkeiten

genutzt werden, etwa für EloKa,

für ELINT, SIGINT oder für ein Radar

mit synthetischer Apertur. Für Letzteres

haben wir die Zugangsklappe in

eine Antenne umgewandelt. Der Kunde

erhält damit unter dem Strich ein

beträchtliches Erweiterungspotenzial

– auch im Hinblick auf künftige Erfordernisse.

Und all das, ohne in die

Systeme des Flugzeuges eingreifen

zu müssen.

Abschließend: Kann der Litening V

auch für Fähigkeiten zur klassischen

abbildenden Aufklärung genutzt werden,

also ähnlich wie beim Recce Lite-

Behälter ihres Unternehmens?

Das ist bis zu einem gewissen Grad

möglich. Während mit Recce Lite aber

eine sehr hochauflösende Digitalfotografie

bei Tag und Nacht möglich ist,

ginge Ähnliches beim Litening V nur

mit geringerer Auflösung. Das genügt

sicherlich für die heimische Luftüberwachung,

klassische Kartierungen sind

damit aber nicht möglich.

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PUTIN:MEHR

HASARDEUR

ALS STRATEGE

Moskaus Krieg gegen die Ukraine verläuft ganz und gar nicht nach den Vorstellungen von

Wladimir Putin. Noch gibt sich Russlands Präsident äußerlich zwar souverän und gelassen. Doch

es mehren sich die Zeichen, dass er sein Land mit seinem Vorgehen in eine strategische Sackgasse

führt. Eine aktuelle Analyse von Sicherheitspolitik-Experte Brigadier a. D. Walter Feichtinger.

Mit der kürzlich erfolgten Teilmobilmachung

möchte Wladimir

Putin Stärke und Entschlossenheit

demonstrieren. Es geht ihm darum,

ein militärisches Desaster in der Ukraine

zu vermeiden. Dafür ist die Behauptung

der eroberten Gebiete von größter Bedeutung.

Mit Fortdauer des Kriegs verschlechtert

sich allerdings die geostrategische

Lage Russlands. Die täglichen

Kriegskosten steigen rasant, während

die „Melkkuh Europa“ als wichtigster

Gas- und Ölabnehmer seine Abhängigkeit

radikal reduziert. Alternative Käufer

wie China und Indien übernehmen zwar

einen geringen Teil der Lieferungen,

allerdings mit starken Rabatten – auf

Dauer kein gutes Geschäft für Moskau.

Zudem schaden die westlichen Sanktionen

Russland bereits enorm, die Automobilindustrie

stöhnt, der Flugverkehr

kommt immer mehr zum Erliegen. Auch

der Exodus von Zigtausenden IT-Experten

wird die Wirtschaft empfindlich treffen.

Der Krieg könnte Russland in seiner

ökonomischen und technologischen Entwicklung

um Jahrzehnte zurückwerfen.

Selbst Putins Hoffnung, geopolitisch

punkten zu können, erweist sich zunehmend

als Irrtum. China und Indien verhängen

zwar keine Sanktionen gegen

Russland. Sie lassen aber den Kreml, wie

zuletzt beim ostasiatischen Wirtschaftsgipfel

oder beim Treffen der Schanghaier

Organisation für Zusammenarbeit

(SCO), wissen, dass sie den Krieg ablehnen.

China übernimmt dabei immer

stärker die Führungsrolle im zentralasiatischen

Raum und degradiert Moskau

zum abhängigen Juniorpartner. Dazu

fügt sich das Imagedesaster der russischen

Armee. Ihr bisheriger Nimbus von

Überlegenheit schwindet zusehends.

Damit verliert Russland jedoch an

Abschreckungswirkung, der Einfluss als

Ordnungsmacht im Raum der ehemaligen

Sowjetunion nimmt ab. Dass

Europa nun im NATO-Rahmen verstärkt

gegen ein feindliches Russland aufrüstet,

sei nur der Vollständigkeit halber

angeführt.

„Mit der Teilmobilmachung

riskiert Putin,

den Rückhalt in der

Bevölkerung zu

verlieren.“

Noch nicht absehbar sind die innenpolitischen

Auswirkungen des militärischen

Misserfolgs und der holprigen Teilmobilmachung.

Putin kann rasch in Bedrängnis

geraten, wenn herzeigbare politische

und militärische Erfolge ausbleiben,

aber immer mehr Särge mit gefallenen

Soldaten nach Hause kommen.

Warum also riskiert Russlands Präsident,

sein Land zum internationalen Paria zu

machen und wirtschaftlich massiv zu

schaden? Selbst wenn er Teile der

Ukraine annektiert – das bringt keinen

Frieden. Die Ukraine wird dagegen

ankämpfen und Russland zwingen, auf

lange Zeit erhebliche wirtschaftliche

und militärische Ressourcen aufzuwenden,

um sich zu halten.

Russlands Präsident forciert also einen

Krieg, der einen sehr hohen Preis abverlangt.

Er beraubt sich der vitalen Einnahmen

aus den Energielieferungen nach

Europa sowie westlicher Technologie,

während die Abhängigkeit vom übermächtigen

Partner China steigt. Mit der

Teilmobilmachung riskiert er nun auch,

den Rückhalt in der eigenen Bevölkerung

zu verlieren. Das ist weniger Staatskunst

oder strategische Brillanz, vielmehr erweckt

es den Eindruck von politischem

Hasardieren.

Brigadier a. D. Walter Feichtinger ist

Präsident des Center for Strategic

Analysis (CSA).

FOTOS: BUNDESHEER/MINICH, GETTY IMAGES

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