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Aurum 999,9 MagBook – Winter 2022

The Coffee Table MagBook

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GRABEN 13 . 1010 WIEN


SEITZERGASSE 1-3 . 1010 WIEN


NIGHTS OF RAIN AND STARS

»Without rain and stars nothing grows,

learn to embrace the storms of your life.«

jean-poivre.com


TIMELESS FRAGRANCES. FOR THE ICONS OF TODAY.




BREGUET.COM

CLASSIQUE 5367


EDITORIAL

Liebe AURUM 999,9-Community!

„Jeder von uns

hat seine eigene

Schatzkiste und

sein ganzes Leben

lang Zeit, sie zu

befüllen“

In der Früh, wenn ich das Haus verlasse, um

mit meinem Hund Clouseau eine Morgenrunde

zu drehen, ist es noch finster. Auch

abends, wenn ich endlich die Bürotür hinter mir schließen kann, ist

von strahlendem Sonnenschein schon lange nichts mehr zu sehen.

Für mich, und wahrscheinlich auch für Sie, ein eindeutiger Indikator

dafür, dass sich das Jahr zu Ende neigt. In einigen Gesprächen der

letzten Wochen mit geschätzten Geschäftspartnern, treuen Weggefährten

und guten Freunden fiel unvermeidbar der Satz: „Ich bin

schon froh, wenn das Jahr 2022 vorüber ist.“ Ich gebe zu, mich haben

diese Worte beschäftigt, denn im Grunde meines Herzens bin ich

eine Frohnatur. Also habe ich mich bewusst hingesetzt, das Mobiltelefon

auf stumm geschaltet, den Laptop zugeklappt und Notizen

auf meinem Schreibtisch beiseitegeschoben. Keine Dunkelheit am

Morgen, keine trübsinnigen Floskeln Dritter. Nur ich und meine

positiven Gedanken, die sich auf eine Reise durch das letzte Jahr

begeben. Als wäre ich in meinem Kopf einer imaginären Schatzkarte

gefolgt, die mich wieder an besondere Orte, neue Bekanntschaften,

interessante Möglichkeiten und spannende Erfolgsmomente erinnert.

Sozusagen die Schätze des Alltags, die das Leben so ungemein

wertvoll machen und so individuell sind wie der Mensch selbst.

Sie erzählen die Geschichte unseres Lebens.

Davon haben wir uns für die aktuelle Ausgabe inspirieren lassen.

Beim ersten Brainstorming über „Schätze des Alltags“ kamen uns

unisono die Piraten in den Sinn und die Frage, ob sie nun Halsabschneider

oder doch Gentlemen-Seehelden vergangener Tage sind.

Deshalb sind wir dem spannenden Mythos auf den Grund gegangen.

Aber wenn man von Schätzen spricht, sind natürlich auch funkelnde

Edelsteine, exklusive Preziosen und Meisterwerke aus der Uhrenschatulle

nicht weit. Einer der berühmtesten Namen dieser Zunft ist

zweifellos Louis-François Cartier. In unserem Porträt wird der 175

Jahre andauernde kreative Pioniergeist des Traditionshauses zelebriert.

Aber unsere Schatztruhe offenbart noch viele weitere Perlen:

prächtige Schmuckstücke für einen Hauch maritimer Freiheit in der

kalten Jahreszeit, elegante Design-Yachten, die vor kurzem aus den

Werften glitten und ihren Eignern grenzenlose Freiheit auf den Sieben

Weltmeeren versprechen, oder auch traumhafte Inselparadiese,

um spontan aus dem Alltag abzutauchen. Außerdem verraten unsere

Experten, welchen Schatz man sammeln sollte und wie dieser seinen

Wert behält oder sogar steigern kann. Unterm Strich hat jeder von

uns seine eigene Schatzkiste und sein ganzes Leben lang Zeit, sie zu

befüllen. Vielleicht ist es ein feines Abendessen mit guten Freunden,

ein unvergesslicher Sonnenuntergang am Traumstrand, das Originalgemälde

vom Lieblingskünstler in den eigenen vier Wänden oder das

tickende Meisterwerk am Handgelenk.

Machen Sie es wie ich, nehmen Sie sich ein paar Augenblicke

Zeit und bewundern Sie die Schätze in Ihrer persönlichen Truhe.

Sie werden sehen, sie ist ein Fass ohne Boden, und es ist endlos Platz

für Kostbarkeiten. Eventuell steht auch schon die eine oder andere

für das neue Jahr auf der Wunschliste, wenn nicht, würde ich mich

freuen, wenn Sie in unserer aktuellen AURUM 999,9-Ausgabe Ihr

persönliches Glanzstück aufstöbern.

Ihr Reinhard Neussner

Foto: Jürgen Hammerschmid

WINTER 2022

7


136

18

FASHION & ACCESSOIRES

18 PORTRAIT

Der kreative Pioniergeist von Cartier

38 LUXURY PIECE for Women

40 KUNST IN DER TASCHE

Textile Kunstwerke als treue Begleiter

48 SEIN & SCHEIN

Preziosen aus Perlen

52 PORTRAIT

Auf dem Laufsteg von St. Gallen nach Paris: Akris

60 LUXURY PIECE for Men

ART & EVENTS

62 NEW IN TOWN

64 PROGRESSIVE DINNER

Nights out im Goldenen Quartier

68 DIE CHEMIE STIMMT

Simon Quendler

COFFEE TABLE BOOK

76 IHRE EIGENE MUSE

Frida Kahlo, eine Meisterin der Selbstdarstellung

HISTORY

90 FLUCH DER SIEBEN WELTMEERE

Die Geschichte der Piraten

ARCHITEKTUR

102 RAUM ALS LUXUS

Und es kommt doch auf die Größe an

114 THE BIG 9

Großzügig-charmante Residenzen

124 PORTRAIT

Immobilien-Pionier Daniel Jelitzka

130 HIGHLIGHT

Im Auge der Zukunft

LIVING

144 SHOWROOM NATIONAL

Mit Maß und Stil: Der Mayrhofer

148 GRÖSSE ZEIGEN

Wohnzimmer, Küche, Esszimmer, Schlafzimmer, Bad

156 PORTRAIT

Ganz schön aufgeweckt: Hästens

162 EIN SCHLOSS VON WELT

Eine Transformation vom Einst ins Jetzt

BEAUTY

168 MILLI VANILLI

Extravagant bis zur letzten Duftnote

170 GLOW UP YOUR LIFE

Aktivieren wir den Glamour-Modus

172 POWER SHAVE

Praktische Helfer für eine sanfte Rasur

Fotos: Helmut Newton © Helmut Newton Foundation, Cartier, Baoase, The Museum of the Future, Akris, Ferretti Group

8 WINTER 2022


INHALT

WINTER 2 0 2 2

130

52

182

178

204

MOBILITY

182 JUWELE DER MEERE

Yachten sind mehr als ein luxuriöses Hobby

KULINARIK

196 ZU BESUCH BEI

Schwarzes Gold

199 MENU À LA CHEF

Aufgeblüht im Zweiten

KOLUMNEN

46 COSTÁN EGHIAZARIAN

Schmuck als Investment

98 WOLFGANG HUTTER

Digitalisierung in der Kunstszene

TRAVEL

204 REIF FÜR DIE INSEL

Elisabeth Muth taucht ab

207 GESTRANDET IM PARADIES

Inseln sind magische Sehnsuchtsorte

222 TRAVEL WITH THE STARS

Like a Virgin

224 NEW PLACES

PHOTOGRAPHY

82 PORTRAIT

Victor Luque

136 PORTRAIT

Helmut Newton

174 PORTRAIT

Christina Hasenauer

IMPRESSUM

Medieninhaber: Reinhard Neussner Management und Beteiligungs GmbH, Kaasgrabengasse 86/4/40A, 1190 Wien, office@aurum-magbook.com

Verlags- und Redaktionsadresse: Kaasgrabengasse 86/4/40A, 1190 Wien

Herausgeber, Chefredakteur, Geschäftsführer: Reinhard Neussner. Redaktionsteam: Bernhard Musil, Brigitte R. Winkler, Christoph Kulmer,

Elisabeth Habitzl, Elisabeth Muth, Percival Pachta-Rayhofen, Reinhard Neussner, Rosemarie Pescheck. Redaktionsassistentin: Marily Elmezoglou.

Chef vom Dienst: Christoph Kulmer. Head of Design: Florian Reichel. Art Direction: Anton-Georg Kiener.

Grafik: Doris Wegener, Stefan Stockinger. Lektorat: Hildegard Atzinger, Julia Friehs.

Autoren dieser Ausgabe: Alice Mandel, Barbara Jahn, Costán Eghiazarian, Wolfgang Hutter. Herstellungsort: Wien. Druck: Holzhausen/Gerin Druck GmbH.

Blattlinie: AURUM 999,9 MagBook ist eine Verschmelzung der Genres Coffee Table Book & Magazin. Das Redaktionsteam berichtet 4-mal jährlich

für seine exklusive Member-Community über Wissenswertes, Exklusives und Aufregendes. Die Luxus-Lifestyle-Themen reichen von Architektur,

Design, Fotografie, Kunst, Mode, Genuss, Reisen und Mobilität bis hin zu Business und History.

Für unverlangt eingesandtes Text- und Bildmaterial wird keine Haftung übernommen. Alle angegebenen Preise sind Richtpreise,

redaktionelle Sonderwerbeformen sind mit dem Wort Advertorial gekennzeichnet.

Offenlegung: www.aurum-magbook.com/impressum

9



brand



the poetry of design

An almost impossible challenge:

taking the core aesthetic of one

of the most powerful symbols for

the human race - the infinity -

and transforming it into a curvy

sculpture. We went even one

step further and turned it into an

object with a strong symbolic

value to Natuzzi - the sofa.






PORTRAIT

PIONIERGEIST

Ob Schmuck, Uhren, Parfums, Lederwaren oder

Accessoires: Wenn der Name Cartier fällt, denkt man

an hochwertige Luxuskreationen, zeitlose Ästhetik,

Weltoffenheit und Pioniergeist. Begonnen hat Louis-

François Cartier 1847 mit einem Schmuckatelier in

Paris. Heute, 175 Jahre später, ist Cartier mit

270 Boutiquen weltweit präsent

Von Brigitte R. Winkler

18


Von Beginn an am

Erfolg von Cartier

beteiligt: der Panther

und ein Flugpionier

Fotos: Cartier

WINTER 2022

19


Ph

Voll im Einsatz:

Simone Menezes,

ihre Solisten

und das Wiener

Kammerorchester

er denkt an Musik, wenn

der Name Cartier fällt?

Wohl die wenigsten. Ein

Fehler! Seit fast 40 Jahren

nimmt das französische

Luxushaus eine

Vorreiterrolle bei der Förderung kreativer

und künstlerischer Ausdrucksformen ein und

macht sie einem breiten Publikum auf der

ganzen Welt zugänglich. Dazu gehört auch

die Musik, was am 25. September in Wien

zu hören war. Unter der Leitung der renommierten

italienisch-brasilianischen Dirigentin

Simone Menezes ertönten im Wiener Konzerthaus

Werke von Beethoven, Villa-Lobos

und Louise Farrenc, einer wiederentdeckten

französischen Komponistin, Pianistin und

Musikwissenschaftlerin des 19. Jahrhunderts.

Es spielte das Wiener Kammerorchester,

dazu zwei Solistinnen und ein Solist des von

Menezes gegründeten Ensembles „K“ (von K

wie Klassic – Kosmopolitan – Kontemporary –

Kreative – Konnected), die französische Violinistin

Manon Galy, die französisch-rumänische

Pianistin Mara Dobrescu und der

polnische Cellist Kacper Nowak.

Cartier arbeitet seit 2019 mit Simone

Menezes zusammen. Sie gilt als visionäre

Musikerin und Dirigentin, die klassisches

und zeitgenössisches Repertoire meisterhaft

kombiniert. Zu den gemeinsamen Projekten

gehört auch das 2021 ins Leben gerufene

multidisziplinäre Musikprojekt „METANOIA“

des Ensembles „K“. Es erforscht entlang von

Musikaufnahmen, Filmen und Livekonzerten

Themen wie Transzendenz, Transformation

und Schönheit über Kunstformen und historische

Epochen hinweg. Menezes, die bei

dem ebenfalls von Cartier unterstützten

Dirigentinnen-Wettbewerb „MAWOMA“

2019 in Wien den zweiten Preis bekam,

nähert sich mit dem Kammermusikensemble

„K“ der klassischen Musik mit Respekt vor der

Tradition, aber nicht mit Traditionalismus.

Dazu Cyrille Vigneron, Präsident und CEO

von Cartier: „Cartier unterstrich mit dem

Konzert einmal mehr seine Unterstützung

der wachsenden Gemeinschaft von Musikerinnen

und Musikern, die für Freiheit, Kreativität

und Weltoffenheit stehen, stets bestrebt,

die Grenzen des Möglichen zu überschreiten.

Über Kontinente und Zeiten, Kulturen und

Generationen hinweg ist Musik das, was

uns verbindet.“ Und vor dem Konzert sprach

Alexis de Laporte, Managing Director Cartier

Northern Europe, zum Publikum: „Kreativität,

Exzellenz, Schönheit und Neugier – all

das sind zentrale Werte der Maison Cartier.

Aber sie beschreiben auch perfekt das Talent

und die Philosophie der renommierten Dirigentin

Simone Menezes.“ Und: „Genießen

Sie die universelle Sprache der Musik, die in

der Lage ist, unsere Herzen und Seelen tief

zu berühren.“

20


PORTRAIT

Genau das gelang Simone Menezes mit dem

großartigen Konzert. Am nächsten Tag konnte

AURUM 999,9 sie zu einem exklusiven

Interview treffen.

Wann ist Musik in Ihr Leben gekommen?

Musik war ein wichtiger Bestandteil unserer

Familie. Mein Vater war ein Amateurmusiker,

der Chöre dirigiert hat. Ich bin inmitten von

Chören aufgewachsen. Daher war es etwas

sehr Natürliches für mich, etwas mit Musik

und schließlich mit Dirigieren zu tun haben

zu wollen.

Sie haben also schon sehr früh gewusst, dass

Sie Dirigentin werden wollen?

Mit 15 habe ich bereits Klavier gespielt und

in einem Chor gesungen. Dort habe ich dem

Dirigenten assistiert, daher war es wie gesagt

etwas sehr Natürliches, Dirigentin werden zu

wollen.

Obwohl das in Brasilien, in São Paulo, wo

Sie aufgewachsen sind, sicher nicht selbstverständlich

war. Es sind ja heute erst vier

Prozent aller Dirigenten weiblich.

Ja, aber die Welt ändert sich gerade Schritt

für Schritt. Ich hoffe, dass das bald schneller

geht. Aber ich kann nichts anderes tun, ich

habe keine Wahl. Ich musste und muss einfach

versuchen, meine Kunst zu machen,

meinen Weg zu gehen. Und das Leben bringt

in entscheidenden Momenten immer wieder

Hilfe, wenn man genau weiß, welchen Weg

man gehen will.

Hatten Sie und haben Sie Vorbilder unter den

Dirigenten?

Oh ja, da habe ich ein paar wichtige Einflüsse

und Künstler, die mich inspiriert haben und

inspirieren. Für mich war erst einmal Claudio

Abbado sehr wichtig. Seit geraumer Zeit

habe ich einen Draht zu Paavo Järvi, der auch

mein Professor war, oder auch zu Antonio

Pappano.

2019 haben Sie am ersten Nachwuchswettbewerb

für Dirigentinnen, dem „Music and

Women Maestra“-Wettbewerb, kurz „MAWO­

MA“ genannt, in Wien teilgenommen und

auch einen Preis erhalten. Wie haben Sie

davon erfahren?

Gegründet wurde der Preis ja von der Pianistin

Cleménce Guerrand in Paris. Dort habe

ich davon gehört. Es war mein erstes Mal in

Wien, hier zu dirigieren war großartig. Hier

habe ich auch Cartier kennengelernt, die den

Wettbewerb ja unterstützen. Auch das war

ein gutes Erlebnis. Seither werde ich von

Cartier in meinen Projekten unterstützt, und

das ist auch großartig.

Lieben Sie auch Schmuck und Uhren?

Meine künstlerische Verbindung zu Cartier

ist sehr wichtig für mich. Aber natürlich

gefällt mir auch einiges vom Schmuck sehr

gut (lacht).

Und was gefällt Ihnen an Wien?

Ich habe schon in vielen Ländern dirigiert,

aber in Österreich ein Konzert zu leiten, ist

schon etwas sehr Spezielles. Wien ist für die

Musik, was Paris für die Mode ist (lacht). Hier

passieren die Dinge.

Was bedeutet Ihnen Musik?

Musik ist ein Weg, sich auszudrücken.

Manchmal können wir uns nicht mit Worten

ausdrücken – außer man ist ein Dichter. Aber

für mich geht die Musik über Worte hinaus.

Als Musikerin brauche ich die Musik, um

mich auszudrücken.

Nur vier Prozent aller

dirigierenden Menschen

sind weiblich:

Simone Menezes

Sie sind verheiratet und haben eine Tochter,

die Ihnen sehr ähnlich im Aussehen und im

Temperament zu sein scheint. Wie bringen Sie

das alles zusammen?

Als ich Dirigentin werden wollte, hat man

mir gesagt, dass ich weder einen Mann noch

Kinder in meinem Leben unterbringen können

werde. Da habe ich mir gedacht, wenn

ich mich entscheiden muss, ob ich eine Frau

oder eine Künstlerin sein will, ist das für

mich nicht okay. Man muss beides unter

einen Hut bringen. Der Ehemann muss halt

verstehen, dass man die Arbeit zu Hause

teilen muss.

WINTER 2022

21


PORTRAIT

EIN DEBÜT

MIT STRAHL-

KRAFT

Verfolgt man die Geschichte des Hauses

Cartier, kommt man aus dem Staunen nicht

heraus. 1847 übernahm Louis-François Cartier

die Goldschmiedewerkstatt seines Lehrmeisters

Adolphe Picard in der Pariser Rue

Montorgueil. Es dauerte keine zehn Jahre, bis

sich sogar der höchste Adel auf seine Kreationen

stürzte, die sich nicht nur durch spezielle

Schönheit, sondern immer wieder auch durch

Innovationen auszeichneten. Louis-François

setzte von Beginn an auf die Verbindung von

Schmuck und Mode, verwendete 1853 erstmals

Platin für seine aufwendigen, mondänen,

handgefertigten Prunkstücke. Im gleichen Jahr

eröffnet er das erste Cartier-Geschäft, einen

„salon de vente“, in der Rue Neuve-des-Petits-

Champs. Bereits 1856 kaufte dort Prinzessin

Mathilde, die Cousine von Kaiser Napoléon III,

ihren ersten Schmuck von Cartier und öffnete

so dem Haus den Zugang zur Pariser High

Society. Es spricht für die Qualität von Cartier,

dass drei Jahre später auch die Gemahlin des

Kaisers, Eugénie, Kundin von Cartier wurde.

Der Verkaufserfolg machte es notwendig, in

ein größeres Geschäft am Boulevard des

Italiens umzuziehen.

Einen weiteren Schritt in

Richtung Erfolg bedeutete die

Idee, Uhren in das Angebot

aufzunehmen und sie weiterzuentwickeln.

Vor allem der

Sohn von Louis-François,

Alfred, der sich ab 1872 vorerst

als Designer einer eigenen

Schmucklinie betätigt hatte,

widmete sich speziell diesem

Genre. Bereits 1888 entstanden

die ersten juwelenbesetzten

Uhren für das

Handgelenk, sie verkauften

sich zunächst aber nur zögerlich.

Alfreds Söhne stiegen

bald und mit eigenen Ideen in

das florierende Unternehmen

ein, das Hauptgeschäft wurde

in die prestigeträchtige Rue de

la Paix verlagert, noch heute

das Hauptquartier der Maison.

Den Enkeln des Gründers, Louis, Jacques

und Pierre, war das aber noch immer zu

wenig, so eröffneten sie 1902 die erste Filiale

in London. Wen überrascht es da noch, dass

Cartier kurze Zeit darauf zum Hoflieferanten

der britischen Königsfamilie wurde. Und

auch damit nicht genug: 1904 feierte man mit

der Entwicklung der ersten Fliegeruhr, der

„Cartier Santos“ (davon später mehr), einer

Uhr für das Handgelenk mit Lederarmband,

und nach wenigen Jahren auch mit Armbanduhren

riesige Erfolge – weltweit.

h Die Hände der Kreativdirektorin des Hauses Cartier, fotografiert 1938: Jeanne Toussaint bei der Arbeit

h Grace Kelly mit einem Cartier-Klassiker, dem „Trinity“-Ring, am Finger

Jacques Cartier spezialisierte sich dann auf den Perlenhandel und

knüpfte Kontakte am Persischen Golf. 1907 gelang dazu der Sprung

nach Russland, wo man bald zum „offiziellen Lieferanten des Kaiserhofs“

ernannt wurde (von 1721 bis 1917 existierte das Kaiserreich Russland).

1909 eröffnete man das erste Geschäft in New York, an der Fifth

Avenue natürlich und seit vielen Jahren zu Weihnachten unübersehbar,

wenn das Unternehmen das gesamte Gebäude mit einer roten Masche

als „Geschenk“ verziert.

1914 kam erstmal eine Damen-Armbanduhr im Panther-Muster mit

Diamanten und Onyx in den Handel. 1924 der ikonische Dreiband-

Ring, genannt „Trinity“, aus Gelb-, Rot- und Weißgold. 1930 wurde

eine Frau, Jeanne Toussaint,

Creative Director von Cartier

und übte diese Funktion bis

1970 aus. 1938 erhielt Prinzessin

Elizabeth von England die

zarteste Armbanduhr der Welt.

Während das Geschäft

durch weitere Innovationen

und einflussreiche kreative

Persönlichkeiten im Haus

immer erfolgreicher wurde,

zeichnete sich in den 1960er-

Jahren das Ende von Cartier

als Familienunternehmen ab.

Der Gründer, Louis-François

Cartier, starb 1904 mit 85 Jahren.

In den 1940er-Jahren

star ben zwei seiner Enkel, die

Söhne Alfreds, Jacques und

Louis, 1964 dann auch Pierre.

Nun zerfiel das Unternehmen

in drei Teile, und die Familie

gab einige Geschäftsfelder auf. 1972 verkaufte man Cartier Paris

an eine Investorengruppe. 1974 wurde aus den drei Teilen Cartier

Monde. Man kaufte andere Luxuswarenhersteller zu, und aus Cartier

Monde wurde die Vendôme Luxury Group. Seit 1997 gehört die

Marke Cartier zur Schweizer Richemont-Gruppe. Dadurch wurde sie

zum inzwischen größten Luxusgüterkonzern der Welt mit Milliardenumsatz

und -gewinn.

O Schlangen-Halskette: ein Schmuckstück von 1968 aus Platin

und Gold mit Diamanten, Smaragden und buntem Email

22


LICHT-

GESTALT

Spricht man von Cartier, muss der Name

einer Frau erwähnt werden, die den Auftritt

des Hauses entscheidend mitgeprägt hat.

Ohne ihren Spitznamen wäre Cartier beinahe

nicht Cartier. Bereits 1910 trafen sich

Jeanne Toussaint, 1887 in Belgien geboren,

und Louis Cartier. Kein Wunder, dass

die beiden voneinander begeistert waren,

liebten sie doch beide Kreativität, kraftvolle

Entscheidungen, Humor – und den Jaguar/

Leoparden/Panther. Sein auffallend geflecktes

Fellmuster zierte die Wohnung von

Jeanne und ebenso eines ihrer Zigarettenetuis,

ein Geschenk von Louis aus dem Jahr

1917. Aufgrund ihrer geradewegs bissigen

Entschlusskraft bekam sie den Spitznamen

„La Panthère“. Vermutlich 1920 offerierte

ihr Louis, im Hause Cartier mitzuarbeiten.

Zuerst begann sie bei den Taschen. Kein

Wunder, dass sowohl Kosmetikkoffer, Zigarettenetuis

als auch andere Accessoires außer

mit Diamanten, Smaragden und Rubinen mit

einem Panther – so nennt Cartier seither die

gefleckte Wildkatze – geschmückt waren.

1933 wurde sie zur Kreativdirektorin des

Hauses ernannt und war fortan, bis fast 1970,

Chefin im Studio in der Rue de la Paix, wo

sonst ausschließlich Männer als Designer,

Schmuckhandwerker und Edelsteinfasser für

Cartier arbeiteten. Vermutlich weltweit die

erste Frau in solch einer Position.

h

Ein Ring von 1964

aus Gold und Platin

mit Diamanten und

unzähligen kugelig

geschliffenen

Rubinen

Und dieser Pionierin der Emanzipation ging es auch beim Schmuck

um eine neue Freiheit, die sie mit ihren Entwürfen zum Ausdruck

bringen wollte. Für sie war Schmuck ein Zeichen von Unabhängigkeit.

Sie schreckte auch nicht davor zurück, sich damit politisch zu

äußern. Bis heute beliebt und gewünscht ist jedoch vor allem die

markante Wildtier-Ikone. Gemeinsam mit dem Designer Pierre

Lemarchand, ein ständiger Besucher des Pariser Zoos, entwarf sie

eine neue skulpturale Silhouette: den stolzen und mächtigen Panther.

1948 bekam Cartier vom Duke of Windsor den Auftrag, eine Panther-Brosche

für seine Frau zu entwerfen. Das Schmuckstück kam so

gut an, dass ein Jahr später ein Panther, platziert auf einem riesigen

Saphir, ebenfalls von den Windsors erworben wurde. Auch durch

diese Kunden wurde der Panther zur Stilikone nicht nur von Cartier,

sondern geradewegs des 20. Jahrhunderts. Mit ihrem Feingefühl

für Materialien und Farbkombinationen, ihrer Vorliebe für Kurven,

Geschmeidigkeit, Entspanntheit und Motive aus der Tier- und

Pflanzenwelt, genannt „Toussaint taste“, nahm Jeanne Toussaint nicht

nur einen wichtigen Platz in der Geschichte von Cartier ein, sondern

auch in der Geschichte der Juwelen an sich.

k

Sie brachte den Durchbruch: „Panthère“-

Brosche mit einem 116-Karat-Saphir

k

Zigarettenetui mit

Panther: Louis Cartier

schenkte es 1917

Jeanne Toussaint

x

Armband von 1939:

aus Gold, Amethysten

und Citrinen

h Wunderbar geschmückt: Jeanne Toussaint

1950 bei einem Interview

O Ein ganz spezielles Uhren-Schmuckstück

mit Jeannes Lieblingstier: „Panthère

Astrale“-Manschettenuhr

WINTER 2022

23


PORTRAIT

UNVERGÄNGLICHE

PREZIOSEN

Kein Wunder, dass auch Adel und Promis bis

heute Schmuck von Cartier lieben. Es sind

einfach exklusive und individuelle Stücke für

die Ewigkeit, die man sich sogar personalisieren

lassen kann. Ob Halsband, Diadem, Brosche

oder Ring – was vor 175 Jahren begann

und sich mit bewundernswerter Handwerkskunst

und zahlreichen Innovationen, wie

Art déco oder erstmal Platin statt Silber einzusetzen,

fortsetzte, fußte immer wieder und

bis heute in der Tier- und Pflanzenwelt. Und

das vom Kleinsten bis zum Größten, vom

Gewöhnlichsten bis zum Fantastischsten:

Cartier ist von allen Tieren gleichermaßen

fasziniert. Auf diese Weise entstehen spannende

Begegnungen zwischen Drachen,

Libellen, Zikaden, Elefanten, Flamingos

oder Quetzals – so schillernd und lebendig,

dass sie das ganze Savoir-faire der Maison

erfordern. Denn Cartier fängt das Leben ein

und gibt es in Form von Design, Geometrie

und Abstraktion in seiner reinsten Form wieder.

Auch in der neuen Kollektion lässt das

Zusammenspiel der Steine die Elemente der

Natur erstrahlen, von denen sie inspiriert ist.

Um diese Wunder an Schönheit zu pflegen

und zu bewahren, dokumentiert Cartier die

Herkunft der Steine sorgfältig. Die meisten

davon sind bei keinem anderen Juwelier zu

bekommen. Ein Stück von Cartier zu besitzen,

bereitet einfach Freude. Wer sich die

Top-Meisterwerke nicht leisten kann, hat in

Form von zarten Schmuckstücken trotzdem

die Möglichkeit, sich auszustatten.

hU

Dafür stehen Fans

weltweit Schlange:

„Clash de

Cartier“-

Schmuckstücke

mit Kügelchen und

den zugespitzten

Picots sind

begehrt

Dazu gehören vor allem die Kreationen der klassischen und extravaganten

„Clash de Cartier“-Kollektion. Sie sind schlicht und einfach

und täglich tragbar. Ein zentrales Merkmal ist die Punk-Ästhetik.

„Clash de Cartier“ ist ein Balanceakt zwischen Vergangenheit und

Zukunft. An diesen neuesten Kreationen der Maison führt derzeit

kein Weg vorbei. Der Hype, den es aktuell um Cartier gibt, der die

Menschen immer wieder Schlange stehen lässt – ja, auch in Wien –,

ist vermutlich „Clash“ geschuldet. Ob klassisch oder extravagant,

markant oder subtil – „Clash de Cartier“ steht für Kontraste. Das

Wechselspiel aus klarer Linienführung und überdimensionierten

Proportionen bei den neuesten „Clash de Cartier“-Schmuckkreationen

intensiviert die unverwechselbaren Codes der Maison: Kugeln

und die spitz geformten Picots als unverkennbare Signatures sind auf

Ring, Ohrring, Kette und Armreif präsent. „Clash de Cartier“ kombiniert

Roségold mit Onyx und Weißgold sowie dem schimmernden

Schwarz edler Tahiti-Perlen. Die Perlen, die Glanzstücke vom Meeresgrund,

stehen bei Ringen, Ohrringen und Armreifen in limitierter

Auflage im Mittelpunkt und ziehen alle Blicke auf sich. Graue, grüne

und auberginefarbene Nuancen reihen sich in großzügigen Volumen

aneinander, harmonisch abgerundet durch die Fassungen aus Weißgold

und die seitlichen Picots aus Onyx. Dazu kommt das klare und

tiefe Schwarz der runden und beweglichen Onyx-Kugeln, die auf den

Rückseiten der Schmuckstücke platziert sind. Die markanten Formen

unterstreichen die Innenseite von Ringen, Armreifen, Anhängern

und Kreolen aus Roségold. Wenn die Onyx-Kugeln die Haut berühren,

entstehen einzigartige Sinneseindrücke. Es sind Schmuckkreationen,

die auf unterschiedliche Arten getragen werden können, allein oder

als Mix and Match: Die Kreolen aus Onyx oder die Manschetten-Ohrringe

mit Tahiti-Perlen lassen sich am Ohrläppchen oder direkt am

Ohr tragen. Zwei Gegensätze – ein Clash. Als Botschafterin dieser

Kollektion konnte Phil Collins Tochter Lily gewonnen werden.

Als globale Marke verpflichtet sich Cartier zu einer nachhaltigen

und verantwortungsbewussten Beschaffung der Materialien. Dieses

Engagement zeigt sich vor allem bei der Nutzung von recyceltem

Gold, um die Umweltbelastung zu reduzieren. Beim Abbau von

Edelsteinen arbeitet Cartier ausschließlich mit kleinen, handwerklich

betriebenen Minen zusammen, die vom Responsible Jewellery

Council zertifiziert sind. Diese Organisation setzt Standards für

verantwortungsbewusstes Verhalten in Bezug auf den Einsatz von

Chemikalien und die Achtung der Menschenrechte.

24


„Die Hauptinspiration

für die neue High-

Jewelry-Kollektion

,Beautés du Monde‘

ist, wie der Name

schon sagt, die

Schönheit der Welt.

Sie spiegelt die Pracht

und die Kuriosität

der Natur“

An der Spitze des Schmuckangebots von

Cartier stehen wunderbare Kreationen, die

von Juwelierkunst, meisterhaftem Können

und einmaligem Wiedererkennungswert

geprägt sind. Man kann sie einfach Werke der

Königsdisziplin nennen. Schon die Gebrüder

Cartier ließen sich auf ihren zahlreichen Reisen

von der Schönheit der Welt inspirieren.

Diese Philosophie der Inspiration und des

Bewahrens prägt die Maison bis heute. Ausdruck

dessen ist die neueste Haute-Joaillerie-

Kollektion „Beautés du Monde“. In ihr manifestiert

sich die Vielfalt des Schönen, die

Cartier immer wieder aufs Neue fasziniert.

Bezaubernd schon einmal das Ensemble von

Broschen: zum Beispiel ein wunderbarer Flamingo,

der Federn aus Rubelliten schwingt,

die einzeln gerippt und in Abhängigkeit

von der Größe der einzelnen Edelsteine mit

einer geschwungenen Linie aus weißen oder

farbigen Diamanten umrandet sind. Dazu

schuf Cartier eine Libelle mit Flügeln aus

Opal, die von Bergkristallen mit gravierten

Rippen konturiert sind und rückseitig von

einem nahezu unsichtbaren metallischen

Netz gehalten werden. Und als Meisterwerk

der Glyptik kreierte die Maison eine Brosche

in Form eines Elefanten – aus versteinertem

Magnolienholz, das mit einem rosa Saphir

und einem strahlenden Diamanten im Brioletteschliff

bestückt ist. Der Quetzal wird

zum Schulterschmuck, und sein Gefieder

aus Paraiba-Turmalinen, Saphiren, gravierten

h

„Antisia“-

Brosche,

inspiriert vom

Quetzal-Vogel:

aus Platin mit

unzähligen

Edelsteinen

E

Typischer geht es

nicht: „Panthère de

Cartier“-Ring

k

„Love“-Armreif aus

Gold: hier getragen

von Filmstar

Monica Bellucci

O Seit 1847

Weltmeister in der

Bearbeitung von

Edelsteinen

Tsavoriten und Diamanten schwingt bei der kleinsten Bewegung mit.

Die Interpretation bleibt zwar der ursprünglichen Idee treu, allerdings

verklärt die stilisierte Darstellung die Realität und lässt den

Blick weiter schweifen: In unserer Wahrnehmung erwachen diese

Kreationen wie von Zauberhand zum Leben. Dies ist der Virtuosität

und Handwerkskunst von Cartier zuzuschreiben, die die Sinne mit

facettenreicher Schönheit, raffiniertem Design und einem einzigartigen

Spiel der Edelsteine verzaubern.

Wunderschön und unverkennbar Cartier ist auch das „Cymbale

Collier“. Auch dafür war die Natur und deren Tierwelt, die Anatomie

von Insekten, eine Quelle der Inspiration: Es ist die Zikade, deren

zierliche Anmut Cartier in Form eines Colliers aus Diamanten, Bergkristall,

Rubin und Onyx hervorhebt. Die schimmernde Transparenz

ihrer Flügel greift die Maison durch die Verwendung von Bergkristall

auf. Er eignet sich dafür nicht nur, weil er besonders lichtdurchlässig

ist, sondern auch, weil er im Facettenschliff faszinierende Lichteffekte

erzeugt, deren Schwingungen an das Zirpen der Zikaden erinnern

k

„Phenico“-Brosche, dem

Flamingo nachempfunden:

mit weißen und rosa

Diamanten

WINTER 2022

25


PORTRAIT

„Die Anatomie von

Insekten ist für Cartier

unglaublich anregend.

Zum Beispiel die

Zikade, deren zierliche

Anmut in Form

eines Colliers aus

Diamanten, Rubinen,

Bergkristall und Onyx

hervorgehoben wird“

O

Zauberhaftes Schmuckstück, inspiriert

von der Zikade: Weißgold mit unzähligen

Edelsteinen

sollen. Um diese voll zur Geltung zu bringen,

verwendet Cartier eine unsichtbare Struktur

zur Platzierung der Steine. So wechseln

sich Stege aus facettierten Bergkristallen

und mit Diamanten ausgefasste Motive ab.

Abgerundet wird das Design durch Spitzen

aus auf Maß geschliffenem Onyx. Im Kontrast

dazu steht die ovale Form der Rubine,

die das Ensemble harmonisch ergänzen. Im

Mittelpunkt dieser streng symmetrischen

Komposition steht ein zentrales Motiv aus

drei Rubinen und zwei Diamanten, darunter

ein D VS1 mit einem Gewicht von 6,10 Karat.

Die Farben des Ensembles spielen mit dem

für die Maison typischen Kontrast von Weiß,

Schwarz und Rot. Eine besonders geschmeidige

Beweglichkeit und Flexibilität verleihen

dem Design zahlreiche winzige Glieder. Sie

erzeugen dank ihrer fließenden Bewegungen

ein angenehmes Tragegefühl. Möglich wird

dies nur durch das Savoir-faire von Cartier,

denn es ist eine äußerst anspruchsvolle Aufgabe,

die Positionierung jedes einzelnen Elements

präzise festzulegen.

Und wer ist da aller an der Herstellung

beteiligt? Man kann sagen: unzählige Handwerkskünstler.

In der Zwischenzeit sind es

nicht mehr nur Männer, die Cartiers Unikate

herstellen, sondern auch viele Frauen:

Designerinnen und Designer, Edelsteinexpertinnen

und -experten, Steinschleiferinnen

und -schleifer, Juwelierinnen und

Juweliere, Edelsteinfasserinnen und -fasser,

Polierinnen und Poliere. Sie alle investieren

circa 1.800 Arbeitsstunden in ein Collier. Die

meisten Stunden sind für die Juwelierarbeit

notwendig. Allein für den Edelstein-Schliff

rund 300 Stunden.

h

Einzigartige Elefanten-

Brosche aus versteinertem

Magnolienholz mit

Diamanten und rosa Saphir

k

Zikade als Collier: Die

Herstellung des „Cymbale

Collier“ erfordert unzählige

Arbeitsstunden

U

Einblicke in die Herstellung

der „Antisia"-Brosche mit

tropfenförmigem Turmalin

„Cordulia“-Brosche: Libelle

mit Flügeln aus Opal, gehalten

von einem Metallnetz

x

26 WINTER 2022


„La Panthère“ (zur Hälfte

bevor das Schmuckstück

mit Diamanten, Onyx und

Saphiren versehen

wird und zur Hälfte fertig):

Aufgrund ihres Spitznamens

und der Vorliebe von

Jeanne Toussaint wurde

das gefleckte Tier zur

symbolträchtigen Ikone

der Maison Cartier. Es

prägt nicht nur Schmuckund

Uhren-Kreationen,

sondern auch Lederwaren

27


PORTRAIT

Der brasilianische

Flugpionier Alberto

Santos Dumont

bat seinen Freund

Louis Cartier, für

ihn eine Armbanduhr

zu entwickeln

Er wünschte sich von Cartier daher eine

Arm banduhr. Cartier entwarf eine qua dratische

Lünette mit abgerundeten Ecken und

inte grierten Ösen. Das Uhrenglas – bis heute

aus Saphirglas, woran die echte Car tier-Uhr

zu erkennen ist – wurde mit acht Schrauben

gesichert, was an die Beine des Eiffelturms

erinnern sollte. Louis wollte, dass sie einfach,

klar und praktisch ist. Alber to Santos

Dumont war begeistert und trug die erste

Herren-Armbanduhr der Welt auch außerhalb

seiner Flieger und machte sie so be kannt.

1911 begann Louis Cartier mit der Serienproduktion

und dem Vertrieb der „Santos-

Dumont“. Modische Franzosen verzichteten

ziemlich bald auf ihre Taschenuhr und wechselten

zu dieser zeitgemäßen Alternative.

ZEITLOS

SCHÖN

Was gab es gegen Ende des 19. Jahrhunderts bereits an Uhren? Blickt

man in der Geschichte weit zurück, muss man mit den Sonnenuhren

3000 vor Christus beginnen. Daraus entwickelten sich im Lauf der

Zeit unzählige Varianten, von der Kerzenuhr und der Sanduhr bis zur

ersten mechanischen Uhr, der im 17. Jahrhundert die erste Pendeluhr

folgte und auch die erste Taschenuhr. Die erste Armbanduhr für

Frauen soll 1868 auf den Markt gekommen sein. Zunächst war es wie

gesagt Alfred Cartier, der für Cartier zusätzlich zum Schmuck auch

Taschen-, Pendel- und ab 1888 Armbanduhren herstellen ließ und

ins Angebot von Cartier aufnahm. Er besetzte seine Armbanduhren

natürlich mit Juwelen. Der weltweite Erfolg sollte sich aber erst durch

eine Freundschaft entwickeln. Danach ging es mit zahlreichen Innovationen

weiter, die zu Legenden und Statussymbolen geworden

und bis heute im Angebot sind – und immer wieder ergänzt werden.

Auch durch neuartige Materialien und skelettierte Uhrwerke, um

zeitgemäße Versionen der Klassiker zu schaffen. Was macht Cartier-

Uhren so unverwechselbar und daher so begehrt? Die Gehäuseformen,

die cremefarbenen Zifferblätter und die römischen Ziffern in

Schwarz ergeben einen großartigen Wiedererkennungswert.

h

Die erste

Herrenarmbanduhr

der Welt: Ab 1911

ging Louis

Cartier mit der

„Santos-Dumont“-

Armbanduhr in

Serienproduktion

Der Erfolg der „Santos“ spornte Louis Cartier

an, weitere Versionen der Armbanduhr zu

ent wickeln. Aus dem bis heute in aller Welt

begehrten Angebot stechen ein paar Exemplare

unübersehbar hervor. Darunter die „Tank“.

Die Inspirationsquelle gehört nicht zu den

schönsten Dingen der Welt. Es war der

Doch der tatsächliche Beginn des Verkaufserfolgs von Cartier-Armbanduhren

startete wie gesagt mit einem sehr speziellen Ereignis.

Als sich der brasilianische Flugpionier Alberto Santos Dumont 1904

mit einem Wunsch an seinen Freund Louis Cartier wandte, war dieser

sofort bereit, ihm zu helfen. Santos Dumonts Problem: Beim Fliegen

kommt es immer wieder auf rasche, zeitabhängige Reaktionen an.

Wenn man dazu erst die Uhr aus der Tasche nehmen muss, vergeht

zu viel Zeit, in der man beide Hände für wichtige Reaktionen braucht.

k

Uhrmacherkunst vom

Feinsten: Die „Santos de

Cartier“ gibt es immer

wieder auch in neuen

Varianten. Hier mit

vielen Diamanten im

Brillantschliff besetzt

28 WINTER 2022


k

„Tank Asymétrique“:

Das extragroße Modell

der berühmten

Armbanduhr „Tank“

gibt es nur in

limitierter und

nummerierter Auflage

von 100 Stück

Renault-Panzer, genannt „Tank“, den Louis während des Zweiten

Weltkriegs auch in Paris zu sehen bekam. Daher stammt auch der

Name der Kollektion, und wenn man die Uhr von oben anblickt, ist

angeblich das Format eines Panzers zu erkennen. Die „Cartier Tank“

ist in quadratischer und rechteckiger Form und mit integriertem

Armband erhältlich. Auch die neuen Varianten – die „Cintrée“, die

„Basculante“, die „Solo“ oder die „Française“ und „Anglaise“ – verfügen

nach wie vor über das legendäre, unveränderte „Tank“-Design. Vorgestellt

wurde die „Cartier Tank“ 1917. Sie bildet bis heute die umfangreichste

Kollektion.

Sehr speziell, weil kurviger und sinnlicher, ist die „Tortue Monopoussoir“.

Bei dieser Armbanduhr war es wieder die Natur, ein Tier,

nämlich die Schildkröte – auf Französisch „Tortue“ –, die Cartier

inspirierte. Für das Innenleben seiner Uhren hatte Louis Cartier

schon bald das Recht erworben, die Uhrwerke von Jaeger-LeCoultre

einbauen zu dürfen. 1960 begann man an einer neuen Version, der

„Cartier Crash“, zu arbeiten. Die Armbanduhr wurde in London entwickelt

und erinnert in ihrer originell verzerrten Fasson sehr an das

Gemälde „Die Beständigkeit der Erinnerung“ von Salvador Dalí, das

drei Uhren zeigt, die sich verschiedenen Dingen anpassen. Ähnlich

„gecrasht“ ist die wellige, manchmal auch mit Diamanten umrahmte

Armbanduhr von Cartier. Louis soll allerdings von einer zerquetschten

Cartier-Uhr, die ein Kunde zur Reparatur brachte, dazu inspiriert

worden sein. 1985 wurde die „Cartier Pasha“ dem Angebot hinzugefügt.

Auch diese wunderschöne runde Uhr sollte – mit vielen neuen

Versionen bis heute – bald ein Welterfolg werden.

h

Natürlich gibt es immer wieder

neue Ausgaben der gefragten

Uhrenmodelle, egal ob „Tank“,

„Clé de Cartier“ oder andere

E

Ein ganz spezielles Exemplar

ist die „Crash Skeleton“-Uhr:

mit römischen Ziffern

und Mineralglas

R

Seit 2020 das Gesicht

der „Pasha de Cartier“:

Sängerin und Schauspielerin

Willow Smith, die Tochter

von Will Smith und Jada

Pinkett

29


PORTRAIT

„Panthère de Cartier“:

Die aufgrund der Schließe

unverwechselbare Tasche

aus Kalbsleder hat eine

Kette, deren Glieder wie

Edelsteine facettiert sind

„Sie hat keine Kanten,

keine sichtbaren

Nähte und eine

fließende Form –

die sanft ge schwungene

Silhouette der Tasche

erinnert an die

geschmeidigen

Bewegungen

des Panthers“

30 WINTER 2022


LEDERTASCHEN

UND RAUBKATZEN

Taschen haben die Geschichte von Cartier seit jeher begleitet. Was das

Haus damit erreichen wollte und will: die Silhouette verfeinern, jede

Bewegung abrunden, Femininität und Eleganz verleihen. Der Juwelier

hat sich ihrer Kreation verschrieben, so als würde er mit ihnen ein

Schmuckstück erschaffen. Die verwendeten Materialien sind ungeschliffenen

Diamanten gleich, sophisticated und komplex. Auch ihre

Verarbeitung zeugt von einzigartiger Handwerkskunst. 1906 entstand

eine Abendtasche, die einem Juwel gleicht, die Minaudière: mit goldenem

Garn, gefalzten Ketten und einem Verschluss, den ein Eulenkopf

ziert. Bei den Entwürfen gab es ägyptische oder auch chinesische und

indische Elemente. Ab 1920 wurden dann essenziellere Handtaschen

für die emanzipierte Frau kreiert.

Als symbolträchtiges Tier der Maison prägt der Panther natürlich

nicht nur die Schmuck- und Uhrenkreationen, sondern auch die

Lederwaren von Cartier. 1914 trat der Panther erstmals in Form einer

Damenuhr mit Fleckenmotiv in Erscheinung. Danach hielt sein Motiv

auch Einzug in die Welt der Lederwaren und veredelte deren Look

und Design in ganz besonderem Maß. 1925 zierte das Fleckenmuster

des Panthers erstmals den Verschluss eines Etuis. Ein Modell aus dem

Jahr 1960 aus goldfarbenem Lamé-Gewebe bringt die Raubkatze

gleich doppelt zur Geltung: in Form zweier Pantherköpfe aus einem

Saphir und einem Diamanten, die jeweils an den Enden einer Schließe

aus Gold und Platin angeordnet sind. Diese edle Kreation und ihr faszinierendes

Design unterstreichen die traditionelle Begeisterung der

Maison für wilde Tiere. In den 1970er-Jahren wurde Schwarz durch

Bordeauxrot ersetzt. Diese Farbe zwischen Himbeere und Weinrot

ist jetzt die Farbe des Hauses Cartier. Natürlich wurden und werden

alle charakteristischen Symbole des Hauses in das Design der Taschen

integriert. Neben dem Panther unter anderem die Orchidee, der

Cabochon, die drei Ringe oder die typischen Glieder von „La Dona de

Cartier“. Man will den Taschen den Reiz von Juwelen verleihen und sie

damit zeitlos machen.

Dass das Lieblingstier des Hauses bald auch bei den Taschen eine

wichtige Rolle spielen sollte, ist nicht verwunderlich. Die „Panthère

de Cartier“-Tasche nützt den Kopf des gefleckten Tieres in allen Versionen

als Schließe, was sie damit unverkennbar zum Cartier-Erzeugnis

macht. Sie ist ein Lebensgefühl, ein stilvolles Statement in jedem

Umfeld. Perfekt vereint sie Lederhandwerk und Juwelierkunst zu

einem atemberaubenden Gesamtkunstwerk. Anmutig wie der Panther

selbst. Keine Kanten, keine sichtbaren Nähte und eine fließende

Form: Die sanft geschwungene Silhouette der Tasche erinnert an die

geschmeidigen Bewegungen des Panthers. Zu diesem edlen Design

bildet die Schließe der Tasche mit ihrem dramatisch gestalteten

Pantherkopf einen spürbaren Kontrapunkt. Auf diese Weise verleiht

das für die Maison so symbolträchtige Tier auch dieser Kreation Persönlichkeit

und Charakter, mit facettenreichen Metallelementen im

vergoldeten oder palladierten

Finish, einem schlichten, minimalistischen

Aufbau und gerader

Linienführung. Der Pantherkopf

wurde in Zusammenarbeit mit

k

Kleines Modell der „Panthère

de Cartier“: marineblaues

Kalbsleder, zwei Tragemöglichkeiten,

die Schließe

in Palladium-Finish

j

„Must de Cartier“

wurde 1973 gestartet.

Die durch das Logo

unverkennbaren

Taschen, die

„Must leather goods“,

kamen weltweit ab

1974 in die Geschäfte

h

„Panthère de

Cartier“-Clutch:

eine Luxusausgabe

der Tasche von

Cartier aus

schillerndem grünem

Krokodilleder mit

Pantherkopf-Motiv,

gefüttert mit

ebenfalls grünem

Lammfell

j

„Carnassière“-

Taschen

in bordeauxrotem

Leder: Sie gehörten

ab 1974 zu den

„Must de Cartier“-

Objekten

einem Bildhauer der

Haute Joaillerie entworfen,

dazu wurde

er mit elf Ledereinsätzen

veredelt. Diese

Kombination macht die plastische und

dynamische Optik der Schließe aus. Auf

der Innenseite befindet sich ein Gegenstück

zur Schließe in Form eines stilisierten Pantherkopfs.

Wird der Überschlag nach unten

gezogen, löst sich die Schließe, und der

Blick fällt auf das Interieur inklusive eines

Signaturfachs mit Spiegel.

Auch bei der Kette ist die hohe Juwelierkunst

der Maison zu erkennen. Ihre Glieder

sind wie Edelsteine facettiert, und der

besondere Klang der Glieder verleiht der

Tasche einen außergewöhnlichen Charme.

Die Kette im goldenen oder palladierten

Finish ist mit einem passenden Schulterstück

aus Leder ausgestattet, das die Eleganz der

Tasche unterstreicht und zugleich höchsten

Tragekomfort bietet. Dank der großzügigen

Länge der Kette lässt sich die Tasche sowohl

diagonal über den Körper als auch über die

Schulter tragen. Für das genarbte Leder der

„Panthère de Cartier“-Tasche werden nur die

feinsten Tierhäute verarbeitet, sorgfältig ausgewählt

von Marlin Yuson, Creative Director

für Accessoires und Lederwaren. Ob Kleinformat

oder Miniversion, die Tasche ist in

verschiedenen Farben wie Schwarz, Marineblau,

Rot, Blassgelb, Cremeweiß, Beige oder

Petrolblau erhältlich. Dazu Marlin Yuson:

„Die Schmuckschließe bildet ein kunstvolles

Gleichgewicht zwischen wild und edel. Sie

bündelt die Expertise der Juwelierkunst

und des Lederhandwerks und bietet durch

den Dialog der Kunsthandwerkerinnen und

Kunsthandwerker die Chance, unsere Vision

von Lederwaren voranzubringen, ganz im

Sinne einer anspruchsvollen und raffinierten

Ergänzung der femininen Seite.“

31


PORTRAIT

O

Neuer Produktname,

neue Boutique 1973:

„Les Must de Cartier“

muss man haben

DUFT-

POESIE

Wie riecht eine Uhr? Ein Panther? 1981 startete

Cartier damit, Parfums zu entwickeln.

Das erste wurde nach dem kurz davor entwickelten

neuen Produktnamen des Hauses

„Les Must de Cartier“ benannt. Bei einer

Präsentation im Schloss von Versailles wurde

der Duft „Santos de Cartier“ vorgestellt, mit

einer tollen Show, einem Ballett. Die Cartier-

Parfümeurin seit 2005, Mathilde Laurent,

deren Wirkungsstätte bisher in der Fondation

Cartier untergebracht war, hat jetzt ihr

Labor in die Rue du Faubourg Saint-Honoré

verlegt. Dort ist das berühmte „goldenen

Dreieck“ von Paris, das als luxuriösestes

Viertel der französischen Hauptstadt gilt. Mit

diesem Schritt arbeitet sie nun ganz in der

Nähe der Place Vendôme, des Inbegriffs der

Haute Joaillerie und einer Welt, in der Düfte

wie Schmuckkreationen konzipiert werden.

In der Parfumkunst gilt Mathilde Laurent

als Vertreterin der Avantgarde. Sie kreiert

innovative Düfte, beflügelt von einer Tiefe,

Poesie und Fantasie, die sich von jenen Duftkompositionen

unterscheidet, die oftmals

nur gewissen Standards folgen. In olfaktorischer

Vollendung lässt sie die Sinne auf ihre

ganz eigene Weise aufleben. Für Cartier hat

Mathilde Laurent Düfte komponiert, die sich

über die üblichen Konventionen hinwegsetzen

und einen ganz besonderen Platz in der

Geschichte und in der hohen Kunst der Parfümerie

einnehmen. Ihre einzigartigen und

zeitlosen Kompositionen spiegeln den Stil

der Maison und ihrer luxuriösen Schmuckstücke

wider. Es ist eine neue Art, sich

der Welt der Parfumkunst zu nähern und

Grenzen zu überwinden. Auf der Terrasse

mit Blick auf das Dach der Madeleine gibt es

eine „Meditationstreppe“ und Pflanzen, die

frühmorgens abgeerntet und anschließend

als warmer, duftender Aufguss genossen

werden. Sie werden vermischt, mit warmem

Wasser übergossen – so, als wolle man sie

destillieren – und in einem schlichten Gefäß

A

„Pasha de Cartier“

in limitierter

Edition: Das

olfaktorische

Meisterwerk riecht

nach warmem

Sandelholz

k

Ein blumiger und

zugleich wilder

Duft: Auch das

Eau de Parfum

„La Panthère“ gibt

es in limitierter

Ausgabe

h

Mathilde Laurent:

die Parfümeurin von

Cartier seit 2005 in

ihrem neuen Parfumlabor

in der Nähe der

Place Vendôme und des

„goldenen Dreiecks“

von Paris

h

Wo Natur und Chemie im Einklang

sind: Natürlich gibt es im neuen

Parfumlabor von Cartier in

allen Räumen auch duftende Blumen

im Labor, der Labor-Bar, einer experimentellen Begegnungsstätte

von Natur und Kunst, serviert. Dieses olfaktorische Erlebnis führt

uns vor Augen, dass die hohe Kunst der Parfümerie auch im Kleinen

stattfinden kann, im eigenen Garten, wie es ursprünglich Tradition

war – „Haute Nature“ eben.

Das Labor liegt wie eine Wohnung unter den Dächern von Paris –

ein Arbeits- und Lebensraum, der nach den Vorstellungen von

Mathilde Laurent eingerichtet wurde. Für das Interieur wählte sie

Möbel, die an die Form menschlicher Körper erinnern: einen Tisch

und ein Sofa, dazu einen Schreibtisch und rosafarbene Stühle sowie

Kissen. Schon beim Eintreten lässt sich ihre Fantasie und Kreativität

erahnen – etwa durch eine Gipsnase, die scheinbar aus der Wand

heraustritt. Die Gipsnase ist der Abguss eines Exponats aus der hellenistischen

Sammlung des Pariser Musée des Arts décoratifs. Ob aufgrund

der Zitate, die mit Filzstift auf die Fensterrahmen geschrieben

wurden (wie „Un beau parfum est celui qui vous procure un choc“

von Edmond Roudnitska), oder der vielen Pflanzen in Laborgefäßen –

hier verschmelzen Natur und Chemie.

32 WINTER 2022


„Les Nécessaires à Parfum

Cartier“: Für die verschiedenen

Düfte gibt es auch

abwechslungsreiche Etuis

in Silber und Gold

„Cartiers Düfte

setzen sich über

die üblichen

Konventionen

hinweg und

nehmen einen ganz

besonderen Platz

in der Geschichte

und in der hohen

Kunst der Parfum -

herstellung ein.

Die einzigartigen

und zeitlosen

Kompositionen

spiegeln den Stil

der Maison und

ihrer luxuriösen

Schmuckstücke

wider“

33


PORTRAIT

CARTIER UND

SEINE PROMIS

Die Kundenliste des Edeljuweliers ist gigantisch.

Sich in wenigen Jahren zum Hoflieferanten

des weltweiten Hochadels hochzuarbeiten,

muss man erst einmal schaffen. Doch

auch Größen wie Schauspielerinnen und

Künst ler griffen gern zu den markanten

Kunst werken des Hauses. Bereits 1924 war

der französische Poet und Universalkünstler

Jean Cocteau vom „Trinity“-Ring in den

drei Goldtönen begeistert. Dazu hatte sich

Louis Cartier von dem Dichter inspirieren

lassen. Der weißgoldene Ring-Teil steht für

Freundschaft, das Gelbgold für Treue und das

Rotgold für Liebe. Ein Vers, der Cocteau dazu

einfiel, steht im „Cocteau-Salon“ des neu

renovierten Hauses in der Rue de la Paix an

der Wand: „Cartier, der subtile Zauberer, lässt

Splitter des Mondes an einem Sonnenfaden

baumeln.“ Wenig überraschend also, dass sich

Cocteau, als er in die berühmte Académie

française aufgenommen wurde, das dafür

notwendige Schwert der Unsterblichkeit von

Louis Cartier anfertigen ließ. Der brachte auf

dem fantasievoll gestalteten Objekt einen

Smaragd von drei Karat zum Leuchten, der

eigentlich Coco Chanel gehört hatte. Doch sie

gab ihn als Zeichen ihrer tiefen Verbundenheit

mit Cocteau gern dafür her.

Winston Churchill schenkte seinem

Sohn ein Zigarettenetui aus Massivgold, das

Cartier mit dessen Adresse wie auf einem

Brief verzierte. Natürlich „klebte“ auch eine

Marke da rauf – aus Email. Der Vater wollte

nicht, dass sein chronisch zerstreuter Sohn

das Etui verlegte, ohne dass es wieder zu ihm

zurückkäme.

Im Jahr 1961 bestellte die US-amerikanische

Kaufhauserbin Barbara Hutton bei

Jeanne Toussaint eine Tasche mit einer dreidimensionalen

Tiger-Schließe und einem N

aus Diamanten, der Initiale von Prinzessin

Nina Mdivani, Huttons Schwägerin, für die

diese Tasche bestimmt war.

h

Jake Gyllenhaal,

seit 2018 das

Testimonial der

„Santos“-

Armbanduhr: hier mit

Regisseur Seb

Edwards beim Dreh

eines Werbefilms

Grace Kelly,

fotografiert im Jahr

1955 auf Jamaika:

Natürlich trägt sie

wie fast immer

den „Trinity“-Ring

U

Andy Warhol trug seine „Tank“ nicht, um die Zeit darauf abzulesen,

wie er selbst in einem Interview erklärte: „Ich trage meine Armbanduhr

nicht, damit sie mir die Uhrzeit anzeigt.“ Er zog sie daher auch

gar nicht auf, sondern erfreute sich ausschließlich an ihrer Optik.

Weitere, nicht minder bekannte „Tank“-Fans: Catherine Deneuve,

Prinzessin Diana oder Alain Delon.

Einer der neuesten und noch sehr jungen Fans ist Elvis Presley.

Nein, nicht der echte – obwohl der ja gerüchteweise noch leben

soll –, sondern sein Darsteller im Film „Elvis“, Austin Butler. Und der

attraktive Schauspieler bekommt dafür auch noch eine Menge Geld.

Wurde er doch kurz bevor der Film heuer im Mai bei den Filmfestspielen

in Cannes vorgestellt wurde zum Cartier-Botschafter ernannt.

Dazu Arnaud Carrez, Senior Vice President und Chief Marketing

Officer von Cartier: „Wir freuen uns, Austin als Botschafter in der

Maison willkommen zu heißen. Als talentierter Schauspieler sind

Austins mutige Lebenseinstellung und sein einzigartiger Sinn für Stil

von Natur aus mit unseren Grundwerten hier bei Cartier verbunden.“

Butler betrat den roten Teppich von Cannes in einem maßgeschneiderten

Céline-Smoking, getragen mit dem „Cartier Juste un Clou“-

Armband in Weißgold, der „Cartier Tank Must“-Uhr und einem

„Cartier Love“-Ring in Weißgold. Damit posierte er neben Priscilla

Presley für Fotografen. Butlers Aufgaben: die Teilnahme an wichtigen

Cartier-Sonderveranstaltungen und das Tragen von Cartier-Stücken

auf dem roten Teppich. Dass Cartier via Butler vermutlich eine

genauso schöne und erfolgreiche junge Frau als Fan gewinnen könnte,

liegt an dessen Freundin, Spitzenmodel Kaia Gerber. Als die beiden

Schönheiten kurz vor dem Cannes-Auftritt die Met Gala in New

York besuchten und sich als Paar outeten, trug Butler bereits Cartier.

Seinen Prada-Look kombinierte er damals nach eigener Auswahl mit

einer Saphir- und Platinhalskette von Cartier High Jewelry, einer Vintage-„Cartier

Cliquet“-Diamantnadel in Platin, einem Cartier-Weißgold-„Love“-Ring,

einem „Panthère de Cartier“-Diamantring und

einem Ehering von „Cartier Love“. Sein Kommentar zur Ernennung

zum Cartier-Botschafter: „Ich bin

begeistert und fühle mich geehrt,

diese aufregende Beziehung mit

Cartier zu beginnen. Ich bin seit

Langem ein Bewunderer der

Kreativität und Innovation des

Hauses und freue mich sehr auf

die zukünftige Zusammenarbeit.

h

Weltklasseboxer

Muhammad Ali

im Jahr 1976:

Er trägt seine

„Tank“-Armbanduhr

O

Andy Warhol mit

seiner „Tank“: Er

zog die Armbanduhr

nie auf, trug sie

nur wegen ihrer

Schönheit

34 WINTER 2022



PORTRAIT

TRADITION

TRIFFT

MODERNE

Gerade wurde die Renovierung des Stammsitzes des Hauses Cartier

in der Rue de la Paix, der historischen Pariser Heimat von Cartier,

beendet. Dazu der Direktor des Architektur-Department von Cartier,

Nicolas Vérine: „Wir haben das Erbe geprüft, um eine zeitgemäße

Ausdrucksform für die klassische Architektur zu finden, um auch

mit den Erkennungszeichen der ikonischen Symbole richtig umzugehen.

Die Architekten mussten sich da hineinvertiefen, damit das

Gebäude genauso unverwechselbar wie der Spirit von Cartier wird.“

Das Haus zu besuchen, ist ein tolles Erlebnis. Beinahe alle Stockwerke

kann man besichtigen, um die verschiedenen Cartier-Welten

kennenzulernen und sich damit zu beschäftigen. Überall im Gebäude

sollte Tageslicht und nicht künstliche Beleuchtung diesen Genuss

ermöglichen und verstärken. Holzverkleidete Wände strahlen in historischen

Salons eine Wärme aus, diese sind mit ikonischem Interieur

ausgestattet. Wie zum Beispiel einem Schwert, das für Jean Cocteau

angefertigt wurde, oder einem riesigen Smaragd von Coco Chanel.

Im „Louis Cartier Salon“ kann man eine rare Kollektion von Büchern

und weiteren Erinnerungsstücken des Schöpfers des Stils der Maison

bewundern. Natürlich gibt es auch einen „Jeanne Toussaint Salon“, in

den man über das wunderschöne Stiegenhaus gelangt. Daneben liegen

zwei Räume, „Emerald“ und „Ruby“, in denen exklusive Erzeugnisse

des Hauses interessierten Kundinnen und Kunden präsentiert

werden. Ansonsten ist der erste Stock der Welt der Verlobung und

Hochzeit gewidmet, der zweite Stock zur Gänze der High Jewelry.

Man erreicht ihn über das Stiegenhaus oder, wenn gewünscht, über

einen Lift. Hier im Art-déco-Salon, von dem aus man die Rue de la

Paix überblickt, sind private Aufträge vorgesehen. So hat jedes Stockwerk,

jeder Raum etwas Besonderes an sich. Allein die Verzierungen

mit Email oder Alabaster begeistern. Im dritten Stock werden spezielle

Services angeboten: Reparaturen, Personifizierung von Schmuck,

Uhren usw. Im vierten Stock arbeiten die Künstler. Aber es gibt auch

Räume für Workshops, auch für Kinder. Natürlich ist alles unglaublich

abgesichert.

In Wien hat man die Möglichkeit, im Geschäft an der noblen

Adresse Kohlmarkt 1, die Handwerkskunst von Cartier kennenzulernen.

Es gibt auch wunderschöne Bücher, die darüber informieren,

wie zum Beispiel das Buch „Cartier Panthère“. Es erschien zum

100-Jahr-Jubiläum der Maison 2015 im Verlag Assouline.

h

Im Stammsitz in

der Rue de la Paix

in Paris: Jeanne

Toussaints Salon

(links) im ersten,

„Faune et Flora“-

Salon im zweiten

Stock, zugänglich

für spezielle

Kundinnen

2006 gründete

Cartier die „Women’s

Initiative“ als Teil

des „Women’s Forum

for the Economy

and Society“ und

fördert Frauen auf

der ganzen Welt

U

DIE INITIATIVE

ERGREIFEN

Für seinen Schmuck, seine Uhren ist Cartier

weltweit bekannt. Noch viel zu wenig weiß

man von den großartigen Initiativen des

Hauses. Seit bereits fast 40 Jahren werden

wie bereits beschrieben kreative und künstlerische

Ausdrucksformen gefördert. Das ist

aber bei weitem nicht das einzige Engagement

Cartiers. 2006 hat Cartier die „Women’s

Initiative“ als Teil des „Women’s Forum for

the Economy and Society“ ins Leben gerufen.

16 Jahre später hat die „Cartier Women’s Initiative“

an die 300 Frauen auf der ganzen

Welt ausgeforscht und unterstützt, die sich

einer außergewöhnlichen Bandbreite von

Herausforderungen stellen. Die Community

erstreckt sich über 62 Länder und ist in so

unterschiedlichen Sektoren wie Pharma,

E-Learning und Landwirtschaft tätig. Im

Februar beging die Cartier Philanthropy

ihr Zehn-Jahr-Jubiläum. Diese hat sich der

Unterstützung schwacher und verletzlicher

Communitys rund um die Welt verschrieben.

Durch kollektiven Einfluss will man stärkere

Gesellschaften erreichen. Dabei geht es

um so wichtige Dinge wie den Zugang zu

Trinkwasser sicherzustellen oder, wie in

Bangladesch, mehr als 50.000 Familien nach

den schrecklichen Überflutungen im Jahr

2020 wieder ein angemessenes Leben zu

ermöglichen.

36 WINTER 2022


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mit einer Knöchelmanschette im

futuristischen Look kontrastiert.

Redaktion: Christoph Kulmer, Foto: Hersteller

38 WINTER 2022


THE CONCEPT STUDIO

FINE JEWELLERY – CONTEMPORARY ART – GOLD & GEMSTONES – BAR- & SILVERWARE

LITERATURE – GIFTING – GAMES – ACCESSORIES – FINE SPIRITS.

SELECT the concept studio | Seitzergasse 1-3 | 1010 Vienna

Follow us on Instagram: www.instagram.com/select.xyz


KUNST

IN DER TASCHE

Kunst und Mode sind eine Einheit,

sie inspirieren einander und

ergänzen sich makellos. Bereits

zum vierten Mal zelebrierten

Kreative aus aller Welt exakt

diese magische Verbindung und

schufen textile Kunstwerke als

treue Wegbegleiter

Von Christoph Kulmer

Nach drei erfolgreichen „Artycapucines“-Kollektionen

schlagen die Künstler Daniel Buren,

Kennedy Yanko, Park Seo-bo, Amélie Bertrand,

Peter Marino und Ugo Rondinone 2022 ein

neues Kapitel auf. Wieder wird der Taschenklassiker,

der nach der Rue Neuve-des-Capucines

benannt ist, in der Louis Vuitton 1854 sein

erstes Geschäft eröffnete, auf progressive Art

und Weise in ein Kunstwerk verwandelt. Jede

dieser Kreationen ist somit auch eine Hommage

an den Innovationsgeist und das gelebte Handwerk

des Gründers der weltberühmten Maison.

Dabei versprechen die individuellen Zugänge

eine wunderbare Entdeckungsreise, bei der

Gegensätzliches zu einem Gebilde verschmilzt –

etwas, das Mode und Kunst seit jeher eint. So

wechselt Struktur sich mit Wild und Bunt ab,

perlenbestickte Oberflächen kontrastieren mit

3-D-bedrucktem Leder, und sogar persönliche

Markenzeichen werden komplett neu inszeniert.

Warten sollte man aber nicht zu lange,

denn jedes Meisterwerk ist auf nur 200 Stück

streng limitiert und wird stilgerecht in einer

eigens entworfenen Geschenkbox überreicht.

Fotos: Louis Vuitton

40


ACCESSOIRES

v

AMÉLIE BERTRAND

Die 1985 in Cannes geborene

Amélie Bertrand ließ sich bei ihrer

Kreation von der Atmosphäre

des sommerlichen Nachtlebens

inspirieren. Das schillernde Stück

ist die allererste „Capucines“, die

im Dunkeln zu leuchten beginnt.

Einer innovativen Pigmentbehandlung

ist es zu verdanken,

dass der Harzgriff, die inneren und

äußeren Kachellinien, die Nieten

am Boden und die Nähte am

Schulterriemen in einem warmen

Phosphoreszenzlicht erstrahlen

k

DANIEL BUREN

Daniel Buren ist mit über

3.000 Ausstellungen ein bekannter Name

in der internationalen Kunstszene. Sein

Markenzeichen, schwarz-weiße Streifen,

findet sich im Entwurf seiner

„Artycapucines“ wider. Die Kombinationen

aus Weiß-Orange, Weiß-Grün, Schwarz-

Weiß und Rot-Schwarz erinnern an

Burens Observatorium des Lichts,

ein spektakuläres, großformatiges

Kunstwerk, das 2016 an der Außenfassade

der Fondation Louis Vuitton in Paris

installiert wurde

WINTER 2022

41


ACCESSOIRES

v

PETER MARINO

Peter Marino ist der Leiter

des 1978 gegründeten New

Yorker Architekturbüros

Peter Marino Architect

und eröffnete als

Kunstliebhaber 2021 die

Peter Marino Art Foundation

in einer restaurierten

Bibliothek in Southampton,

New York. Seine ganz in

Schwarz gehaltene Tasche

basiert auf einem

gefundenen antiken

Nietenkoffer und ist aus

hochwertigem Louis-

Vuitton-Kalbsleder, auf

dem 315 leichte Nieten

angebracht sind, gefertigt

k

UGO RONDINONE

Der 1964 in Brunnen in der Schweiz geborene Ugo Rondinone gilt als eine der

wichtigsten Stimmen seiner Generation. Das für seine Kreation ins Zentrum

gerückte Harlekin-Muster ist eine Anspielung auf seine langjährige ästhetische

Auseinandersetzung mit Clowns und entsteht, indem in etwa einhundert Stunden

fast 15.000 kleine Perlen in mühevoller Handarbeit auf den Lederkörper jeder

einzelnen Tasche gestickt werden

42 WINTER 2022


Renaissance BY WEMPE CLASSICS

Für einen besonderen Menschen. Für große Momente. Für immer.

1010 Wien, Kärntner Straße 41, T 01 512 33 22

und An den besten Adressen Deutschlands und in New York, Paris, London, Madrid – WEMPE.COM


ACCESSOIRES

k

PARK SEO-BO

Der 2021 mit dem Orden für

kulturelle Verdienste der

Republik Korea ausgezeichnet

Park Seo-bo

wurde 1931 in Yecheon

geboren und gilt als

Begründer der in den frühen

1970er-Jahren entstandenen

Dansaekhwa-Bewegung. Sein

Entwurf basiert auf einem

Werk aus seiner berühmten

„Ecriture“-Serie aus dem

Jahr 2016, das mithilfe

seines Enkels, des Designers

Park Jifan, akribisch in

Taschenform umgesetzt

wurde

v

KENNEDY YANKO

Die 1988 in St. Louis,

Missouri, geborene

Künstlerin wurde 2021

als erste Bildhauerin im

Rubell Museum in Miami

ausgestellt. Kennedy

Yankos skulpturale

„Artycapucines“ ist

eine eindrucksvolle

Übersetzung ihrer

charakteristischen

Metall- und „Paint

Skin“-Kunstwerke auf

Louis-Vuitton-Leder.

Der Trageriemen mit

Monogramm-Anhänger

und „Yanko“-Schriftzug

ist abnehmbar

44 WINTER 2022



Schmuck als

Investment

Fünf wahre Klassiker, die man

für eine erfolgreiche

Veranlagung in petto haben

sollte

Von Costán Eghiazarian

GIA-Absolvent und CEO von AENEA Jewellery

J

ede Frau hat ihre Klassiker – das kleine Schwarze, das

perfekte Paar hohe Schuhe und den „einen“ Lippenstift.

Zusammen verbreiten sie Selbstvertrauen, und

das Wichtigste: Sie kommen nie aus der Mode. Aber

was ist mit zeitlosem Schmuck? Von den Perlen Coco Chanels bis zu

den funkelnden Diamanten von Tiffany gibt es viele Schmuckstücke,

in die wir nicht nur investieren, um unseren persönlichen Stil zu

unterstreichen, sondern auch, weil sie uns hoffentlich ein Leben lang

begleiten. Mit dem Ziel einer guten Investition finden Sie hier meine

kleine Auswahl fünf ikonischer, wunderschöner Stücke, die zeitlos

sind und es auch bleiben. Gleich zu Beginn möchte ich seltene und

schöne Farbdiamanten ins Rampenlicht rücken. Schon Laurence Graff

und zum Beispiel das belgische Unternehmen Langerman Diamonds

sind den farbigen Diamanten früh verfallen. Berichten zufolge kommt

auf 100.000 geförderte weiße Diamanten nur ein pinkfarbener

Diamant. Während rosa, blaue und die seltensten von allen – rote –

mittlerweile nicht jedem Budget entsprechen, werden wir auch vom

Reiz gelber und natürlicher Champagner- und Cognac-Diamanten in

den Bann gezogen. Mit der richtigen Wahl – passend zu Persönlichkeit

und Stil – wird ein farbiger Diamant so selten und einzigartig wie

die Person, die ihn trägt. Leuchtende Diamant-Ohrstecker, ob täglich

getragen oder doch nur für besondere Anlässe aufbewahrt, sind klassisch

aus Weißgold und weißen Diamanten. Mit farbigen Diamanten

wirken sie moderner und noch etwas glamouröser. Diamanten sind

und bleiben begehrt und sollten immer auf Farbe und Reinheit

geprüft werden. Im Optimalfall weisen sie eine Farbe über G und eine

Reinheit über SI auf.

Ein farbenfroher Cocktailring sollte sich ebenfalls in einer gut sortierten

Investment-Schatulle befinden. Der berühmte Juwelier Harry

Winston sagte: „Die Leute werden starren, sorgen Sie dafür, dass es

sich lohnt.“ Was gibt es also Besseres als einen auffälligen Cocktailring?

Ein Cocktailring, bei dem farbenfrohe Edelsteine mit Edelmetallen

kombiniert werden, ist nicht nur ein Ausdruck von Glamour,

sondern auch ein Schmuckstück, das viele Erinnerungen weckt.

Von den Partys und Festen, die er miterlebt hat, bis hin zu den

Foto: Hilde van Mas

46


KOLUMNE

„Schmuck ist seit jeher der

Inbegriff höchster Handwerkskunst.

Meisterstücke

sind jene Schmuckstücke, die

sich durch ihre Einzigartigkeit

und ihre Qualität nochmals

hervorheben“

Geschichten, die hinter den Edelsteinen stehen. So wird jeder Cocktailring

zu einem besonderen Stück – und zu etwas Schönem, das

man an die Familie weitergeben kann. Goldarmbänder werden seit

Tausenden von Jahren getragen. Indien ist die Heimat traditioneller

Armreifen, die zu Hochzeiten und Geburten getragen wurden, und

die Griechen trugen sie hoch, um den Arm gewickelt. Heute sind

Armreifen sammel- und stapelbar. Die traditionellsten und wertvollsten

sind aus Gold gefertigt und werden oft als Geschenk zu

besonderen Anlässen überreicht. Die runde Form eines klassischen

Armreifs steht für die Ewigkeit des Lebens, und sie sind die perfekten

Schmuckstücke, die Sie jeden Tag um Ihr Handgelenk legen können.

Man darf raffinierte Chandelier-Ohrringe

nicht unerwähnt lassen!

Rote Teppiche auf der ganzen Welt glänzen mit schulterlangen, auffälligen

Chandelier-Ohrringen, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Mit der richtigen Wahl bleiben diese Schmuckstücke über Jahrzehnte

hinweg zeitlos und verleihen ihrer Trägerin den perfekten letzten

Schliff für jeden Anlass. Mit farbigen Edelsteinen oder Diamanten

besetzt, sind Chandelier-Ohrringe die Lieblingsstücke von Jennifer

Lopez, die einmal gesagt haben soll: „Frauen sollten nie ohne

Ohrringe aus dem Haus gehen. Auf sie zu verzichten ist eine verpasste

Gelegenheit.“ Ich denke, dem kann man nur beipflichten.

Wichtig jedoch bei all den Investment-Gedanken ist, ein Statement

zu setzen, indem man die Art, wie ein Schmuckstück getragen

wird, für sich manchmal neu erfindet. Zum Beispiel eine Brosche, die

als Haarschmuck neu interpretiert wird, oder ein Linienarmband, das

entlang des Haarscheitels als fulminanter Blickfang dient. Viele

Juweliere der 20er-Jahre des letzten Jahrhunderts haben gezeigt, dass

sich ein Collier in eine Brosche oder eine Reversnadel verwandeln

kann. Die Art und Weise, wie ein Schmuckstück getragen werden

sollte, aufzubrechen ist definitiv ein Statement und verdient es, ausprobiert

zu werden. Der Kauf von Schmuck als Investition ist also

sowohl eine Kunst als auch eine Wissenschaft. Mein Rat ist einfach:

Finden Sie zuerst Stücke, die Ihnen gefallen, und wenn sie dann im

Wert steigen, ist das ein Bonus.

WINTER 2022

47


1

1 | Chopard

Strahlend schön: Bei diesem

Collier wurden unzählige der

famosen Akoya-Perlen, bekannt

für ihre perfekte runde Form,

aneinandergereiht. Als krönender

Abschluss funkeln Diamanten

und ein prächtiger roter Spinell

um die Wette. Collier aus der

„Red Carpet“-Kollektion 2022

Fotos: Hersteller, Aufmacherbild: Shutterstock

48


ACCESSOIRES

SEIN & SCHEIN

Preziosen aus Perlen sind der Inbegriff von Eleganz und purer Weiblichkeit.

Egal ob nun Akoya-, Südsee-, Tahiti- oder Süßwasserperlen, schon seit der

Antike werden sie aufwendig und kunstvoll in Szene gesetzt.

Ein Hauch maritimer Freiheit für die kalte Jahreszeit

Von Christoph Kulmer

2

4

3

2 | Aenea

True colours: Die geschwungenen

weißen Blüten der Calla gelten

bereits seit langer Zeit als

Symbol für das ewige Leben.

Deshalb muss man sich in dieses

farbenfrohe Meisterwerk, gefertigt

aus Platin mit Diamanten

und einer Muschelperle, unsterblich

verlieben. Brosche „Calla“

3 | Bucherer

Federleichte Eleganz: Wie vom

Winde verweht, thront die Südsee-Kulturperle

erhaben auf zwei

aus 18 Karat Weißgold gefertigten

Federn. Kreiert mit einer hingebungsvollen

Zurückhaltung.

340 Diamanten im Brillantschliff

lassen die Kreation in Perfektion

glänzen. Ring „Soirée Feather“

4 | Tiffany & Co.

Fragile Kunst: Dezent, aber trotzdem

mit dem berühmten Wow-

Faktor präsentiert sich diese

einzigartig feminine Kreation.

Aus Platin designt und besetzt

mit Süßwasserzucht perlen sowie

Diamanten im Marquiseschliff.

Armband aus der „Tiffany Victoria“-Kollektion

WINTER 2022

49


ACCESSOIRES

5

7

6

2

5 | Ole Lynggaard

Märchenhaft: Konzipiert aus

18 Karat Gold und Roségold,

besetzt mit zwölf Diamanten im

Brillantschliff sowie 276 in Pavé-

Fassung. Ein nobler Eyecatcher

sind die sechs Süßwasserperlen

und die Tropfen aus Rosenquarz

und grünem Turmalin. Ohrringe

„Gipsy“

8

6 | Tamara Comolli

Purer Freudentanz: 36 natürliche

Tahiti-Perlen in verschiedenen

Grautönen, getragen von

einem Band aus 18-karätigem

Roségold, tanzen ums Handgelenk.

Ein schillernder Akzent

wird mit dem Verschluss aus

Diamanten gesetzt. Armband

„Tahitian Grapes“

7 | Rozet &

Fischmeister

Schlicht is beautiful: Auch ohne

viel Chichi ist eine Kette aus

Tahiti-Perlen stets ein makelloser

Begleiter. Die Schließe aus

noblem Weißgold ist zweifellos

ein überraschendes Detail, das

nicht übersehen werden darf.

Damit wird garantiert jede Robe

zum absoluten Hingucker.

8 | Atelier Heldwein

Naturwunder: Hingebungsvoll

und mit viel Liebe zum Detail

haben die Designer sieben bunte

Süßwasserperlen entlang eines

Palmzweigs angebracht. Die

schillernden Kostbarkeiten wurden

mit 18-karätigem Gold und

insgesamt 14 Diamanten veredelt.

Brosche „Palmkatzerl“

50 WINTER 2022



Exquisites Modell

mit Tasche aus

der aktuellen Herbst/

Winter-Kollektion

von Akris: Für das

einprägsame Muster

ließ sich Modeschöpfer

Albert Kriemler vom

deutschen Maler

Reinhard Voigt

inspirieren

AUF AM

DEM

LAUFSTEG

VON

ST. GALLEN

NACH

PARIS

52

WINTER 2022


FASHION | PORTRAIT

Unfassbar schöne Stoffe,

klare Schnitte, viel

Handarbeit und topmodische

Zeitlosigkeit – das macht

die Mode von Akris aus. Für

die entspannte Eleganz sorgt

der Designer Albert Kriemler.

Gerade feierte das Schweizer

Modehaus sein 100-Jahr-

Jubiläum in Paris

Von Brigitte R.Winkler

Foto: Akris

Der Regengott hielt sich

zurück. Alle Models mussten

zwar das riesige Wasserbecken

in der Mitte

des Palais de Tokyo umschreiten,

vom Himmel

kam jedoch kein Wasser, obwohl es in Paris

während der Modewoche Ende September immer

wieder geregnet hatte. Was für ein Glück

für Albert Kriemler, der entschieden hatte, seine

Show anlässlich von 100 Jahren Akris am Abend

des 1. Oktober im Freien stattfinden zu lassen!

Noch bevor man auf einer der zahlreichen

Bänke rund um das Becken Platz genommen

hatte – auf jedem der nummerierten Plätze lag

als Geschenk das übliche Pralinen-Schachterl

und diesmal auch ein mit bunten Herzen

bedruckter kleiner Regenschirm mit der Aufschrift

„A-K-R-I-S- 100 years“ –, fiel der Blick auf

ein metallenes Kunstwerk von Ugo Rondi none.

„WE ARE POEMS“ stand da in regenbogenfarbenen

Buchstaben über dem Wasser. Der

Schweizer Künstler setzt in seinen Werken

den Regenbogen immer wieder als Symbol für

Frieden, Gleichheit, Toleranz und für die Verbindung

von Himmel und Erde ein. Für Albert

Kriemler, wie er AURUM 999,9 im Interview

erklärte, der Grund, den Regenbogen als Symbol

für die selbstverständliche Sinnlichkeit der

Akris-Mode und als perfekte Repräsentation

für den Jubiläumsmoment auszuwählen. Dass

er einige seiner Jubiläumsmodelle ebenfalls in

diesem Farb spektrum erstrahlen ließ, ergab ein

wunderbares Bild und weckte in uns Zuschauern

immer wieder starke Gefühle.

53


FASHION | PORTRAIT

v

Bezaubernde Spitzen-Modelle aus der Frühjahr/

Sommer-Kollektion 2023: blau wie der Enzian

Stargast bei der Jubiläumsmodeschau in Paris:

Akris-Fan Fürstin Charlène von Monaco in Akris

x

k

Leuchtendes Lila

beim Gang um das

Wasserbecken des

Palais de Tokyo

Begeisterte

das Publikum

ebenfalls:

sensibel

gestreiftes

Modell aus der

Frühjahrskollektion

U

Dazu hatte sich Albert Kriemler von vergangenen

Modellen inspirieren lassen:

„Als wir Modelle von 1978 bis 1992 für das

Fotoshooting für unser 100-Jahr-Buch vorbereiteten,

fühlte ich sofort, dass wir mit

ihnen arbeiten sollten. Sie wirkten neu, überraschend

und so passend für heute. Sie haben

mich auf die Idee gebracht, die 100 Jahre ganz

anders zu feiern. Nennen wir es einen Neubeginn,

einen Anreiz zum Innehalten, einen

Punkt, an dem alles wieder erscheinen, sich

selbst erneuern kann. Eine Kollektion, in der

die Vergangenheit, die Gegenwart und die

Zukunft nebeneinander bestehen. Ein Blick

zurück, um sich nach vorwärts in ein neues

Jahrhundert zu bewegen.“ Nein, man muss

nichts mehr beweisen, neu erfinden – Akris

ist in dieser Zeit selbstverständlich geworden.

Und so heißt das Buch anlässlich der

100 Jahre „selbstverständlich“, auch die englische

Version. Die Kollektion begeisterte das

Publikum ganz offensichtlich und unüberhörbar

anhand des Applauses.

Dass die Vermischung von Kunst und

Mode immer schon ein Anliegen und eine

große Stärke von Albert Kriemler war und

ist, spielte den ganzen weiteren Abend eine

große Rolle. Nach dem After-Show-Cocktail

noch im Freien mit Blick auf „WE ARE

54


h

Im Akris-Hauptquartier

in St. Gallen: Alle

Arbeiten von 2013 bis

2021 sind hier

archiviert

O

Er führte Akris modisch

von St. Gallen nach

Paris: Albert Kriemler,

der Creative Director

OO

Dieses Material zählt

zur unverkennbaren

Handschrift

des Hauses:

Double-Face-Kaschmir

Fotos: Iwan Baan/Lawrence Weiner/Courtesy of Akris; Akris (6)

POEMS“, auf den Eiffelturm und das weltberühmte

Palais-Museum von außen, ging es

dann ins Innere. Dort wurde man zunächst

eingeladen, die aktuelle Ausstellung des

Musée d’Art Moderne de Paris im linken

Flügel des Palais de Tokyo zu besuchen. Dass

hier ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt ein

Österreicher zu sehen war, erfreute zusätzlich:

„Oskar Kokoschka. Un Fauve à Vienne“.

(Das „wilde Tier aus Wien“ ist noch bis

12. Februar 2023 zu sehen.) Anschließend

ging es zum Jubiläumsdinner in genau jene

Räume, in denen man schon im März 2020

bei der Akris-Modeschau die farbenfrohe,

geome trische Kunst von Sonia Delaunay als

Hintergrund auf den Wänden und als Inspiration

für die Herbst/Winter-Kollektion 2020

bewundern konnte. Und wer saß jetzt neben

Albert Kriemler, um nach der bejubelten

Jubiläumsmodeschau ein außer ordentliches

Abendessen samt Festan sprachen zu genie -

ßen? Eine seiner begeistertsten und lang jäh -

rigen Kundinnen: Fürstin Charlène von Monaco,

die am nächsten Tag ihre 450.000 Follower

via Instagram-Account @ hsh princesscharlene

wissen ließ, wie es ihr gefallen hatte: „Thank

you Albert for a wonderful evening and congratulations

on 100 years of perfection“ samt

blauem Herzerl am Schluss.

Kunst und Mode

unter dem Eiffelturm

Es war eine Frau, mit der alles begann: 1922

startete Alice Kriemler-Schoch mit einer ein -

zigen Nähmaschine eine Schürzenproduktion

in ihrem Wohnort, dem schweizerischen

St. Gallen, das nicht gerade für Mode bekannt

ist, aber für die besten Stickereien der Welt. Mit

den dort entstandenen Spitzen und sonsti gen

Applikationen stattete Albert Kriemlers Großmutter

ihre Schürzen aus. Ihre Nähmaschine

ist heute im Textilmuseum in St. Gallen zu

sehen. Sohn Max übernahm 1944 die Firma

und machte mit modischen Ideen und seinem

Credo „Qualität und Klasse“ aus Akris eine

bald bekannte Prêt-à-porter-Marke.

Im jugendlichen Alter von 20 Jahren

trat Max’ Sohn Albert in die Firma ein, weil

der wichtigste Assistent seines Vaters überraschend

verstorben war. Eigentlich hätte er

in Paris studieren wollen. Bald übernahm er

stattdessen die kreative Verantwortung in

der Firma und prägte die Mode mit seiner

unverkennbaren Handschrift. Dadurch

wurde Akris zu einer unverwechselbaren

couturigen Designer-Collection, die bald

die Welt eroberte. Nach wie vor wird die

gesamte Akris-Kollektion ausschließlich in

Europa produziert. Vieles davon in eigenen

Ateliers in St. Gallen. Dazu Albert Kriemler:

„Unsere Kollektion kann nur mit einem sehr

motivierten Team feinfühliger und fähiger

Mitarbeiter erarbeitet werden.“ 1987 trat

auch Peter Kriemler, Alberts Bruder, nach

einem abgeschlossenen Jus- und Betriebswirtschaftsstudium

in die Familienfirma ein.

Er ist dort bis heute für das Management und

die gesamte Produk tions planung verantwortlich.

Mit ihm hielten modernste Technologien

Einzug. Denn, so Peter Kriemler: „Ohne technischen

Fortschritt kann auch ein auf Handwerk

spezialisiertes Traditionsunternehmen

nicht mehr auskommen.“

Und wofür steht Akris? Für einfach, zeitlos

und unvergleichbar. Für raffinierten, sinnlichen

und eleganten Minimalismus. Akris, das

ist hochspezialisiertes Handwerk, Eleganz

und Understatement. Das ist Mode, die nicht

schreit, sondern sich der Persönlichkeit der

Trä gerin unterordnet. Und genau das will

Al bert Kriemler mit seiner Arbeit erreichen:

„Nicht das Kleid definiert die Frau, die es

trägt, sondern die Frau definiert sich durch

das Kleid, das sie trägt.“ Denn: „Stil ist, was

eine Frau verkörpert, er ist Ausdruck ihrer

Persönlichkeit. Zuerst sollte man immer

WINTER 2022

55


FASHION | PORTRAIT

h

Die Gründerin

des Hauses, Alice

Kriemler-Schoch:

Ihr Name steckt

verkürzt im

Marken namen Akris

j

Für die

Frühjahrskollektion

2021 ließ sich

Albert Kriemler

von der abstrakten

Kunst Imi Knoebels

inspirieren

die Frau wahrnehmen und erst dann, was

sie trägt.“ Dazu kommt die Auswahl kostbarer

Materialien wie Kaschmir in Double-

Face-Qualität, feinste Honan-Seide, doppelt

gezwirnte Baumwollfasern, rohes Leinen

und natürlich aufwendige Stickereien aus

St. Gallen, alles in kunstvollen Interpretationen.

Um Akris zu verstehen, muss man es

anziehen. Erst dann kann man das wunderbare

Tragegefühl der luxuriösen Materialien

erleben und begreifen. Der Stoff ist auch der

Ausgangspunkt für Albert Kriemlers Kreativität:

„Ich brauche den Stoff in der Hand. Erst

wenn ich das Gefühl für den Stoff habe, weiß

ich, was ich daraus machen kann.“ Unzählige

Stoffballen reihen sich im extra dafür etwas

außerhalb von St. Gallen errichteten Lager

aneinander. In der riesigen Halle herrscht

eine fixe Temperatur. Ankommende Stoffe

aus der Schweiz, aus Italien, Frankreich oder

O

Baumwoll-Double-

Face: Das spezielle

Material spielt auch

bei Hüten und

Jacken eine Rolle

Kaschmir-Double-

Face: eine Jacke

aus der Herbst/

Winter-Kollektion

2010 mit speziellem

Kragen

U

Deutschland werden zunächst auf Fehler

kontrolliert, dann mit Dampf gegen späteres

Einlaufen bearbeitet, registriert und per

Com puter katalogisiert. Das ist Schweizer

Gründlichkeit und Genauigkeit, die dazu

beiträgt, dass Modelle von Akris nicht wenig

kosten. Für eine breitere Kundschaft gedacht

ist Akris punto, eine 1995 lancierte Designer-

Sportswear-Kollektion. Damit will man die

aktive, berufstätige Frau ansprechen, die eine

sportliche Linie wünscht und trotzdem hohe

Ansprüche an ihre Garderobe stellt.

Von St. Gallen aus eroberten die Kriemlers

Europa, Asien und Amerika. Trotzdem war

ihnen das noch zu wenig. Albert wollte sich

mit den besten Modeschöpfern der Welt

messen. Also bemühte man sich um Paris.

1999 war es so weit, und Akris wurde in

das erlauchte Gremium aufgenommen. Seit

damals ist Akris Mitglied der Fédération

Française de la Couture, du Prêt-à-porter

des Couturiers et des Créateurs de Mode.

Man eröffnete auch einen Showroom in der

Avenue Pierre 1 er de Serbie und kämpfte um

einen Showtermin in Paris. Im Herbst 2004

zeigte Albert Kriemler schließlich seine

Früh jahrskollektion 2005 nach der Show von

Karl Lagerfeld für Chanel. Mit großem Erfolg.

Seither steht Akris jede Saison im offiziellen

Programm der Fédération und zeigt seine

Kollektionen in Paris.

Fotos: Vera Bohm/Courtesy of Akris; Akris (3)

56 WINTER 2022



FASHION | PORTRAIT

Mit Künstlern aus

Österreich

Beschäftigt man sich mit den Kollektionen

von Akris, kommt man meistens nicht darum

herum, sich mit einer Künstlerin, einem

Künstler auseinanderzusetzen. Deren Kunstwerke

– das können Bauten, Gemälde oder

Fotos sein – inspirieren Albert Kriemler bei

der Farb- und Musterwahl. Schön, dass dabei

auch immer wieder große Namen aus Österreich

auftauchen, kommt der Modeschöpfer

doch immer wieder gern nach Wien, um in

diversen Museen und Galerien seiner Leidenschaft

zu frönen. Unübersehbar zum Beispiel

in seiner Herbst/Winter-Kollektion 2005/06,

als Adolf Loos, Klimt, die Wiener Werkstätte

und Dagobert Peche ihn wieder einmal in

ihren Bann gezogen hatten. Albert Kriemler:

„Die Jahrhundertwende, bezogen auf Kunst,

Architektur und die Emanzipation der Frau,

waren die Inspiration für meine Kollektion.“

Sechs Jahre später, für die Herbst/Winter-

Kollektion 2011/12, war das Thema Art déco.

Es spannte sich von Wien bis Darmstadt,

wo „unser“ Joseph Maria Olbrich, der Mitbegründer

der Wiener Secession, einen Turm

gebaut hat, der Albert Kriemler als Vorlage

für Drucke auf diversen Modellen diente.

Dazwischen gab es allerdings noch einen

weltweit sichtbaren Auftritt in Wien: 2006

stattete Albert Kriemler das Ballettensemble

des Neujahrskonzerts mit Kleidern aus. Für

ihn entschieden hatte sich Choreograf John

Neumeier, mit dem Kriemler davor schon

zusammengearbeitet hatte und auch danach

wieder. „Ich wollte keine Ballettkostüme

entwerfen, sondern moderne Kleider, in

h Akris-Boutique in Tokyo: gestaltet

von Architekt David Chipperfield

h

Vom mexikanischen

Künstler Luis Barragán

inspirierter Schal:

Er gehört zu den

Sammlerobjekten

denen sich die Tänzerinnen und Tänzer

wohlfühlen. Kleider, die zu der Leichtigkeit,

Eleganz und Sinnlichkeit der Choreografie

von John Neumeier passen. Keine schweren

und dekorierten Kostüme“, analysiert

Kriemler diese Arbeit. Für die ließ er sich

unter anderem vom Marlene-Dietrich-Anzug

und auch vom Smoking Yves Saint Laurents

inspirieren.

Im März 2018 schmückte ein gezeichneter

Egon Schiele sogar die Mappe mit den Informationen

zur Kollektion, die jede Saison

auf jedem Zuschauerplatz der Modeschau

liegt. Darin auch noch Fotos von Elsie Altmann-Loos

und Berta Zuckerkandl, beide

fotogra fiert von Madam d’Ora. Es ging um

Wien von 1900 bis 1918. Albert Kriemler

begann seinen ausführlichen Text über diese

Zeit mit „Es war eine bahnbrechende Zeit für

Frauen“. Weiter ging es mit Sigmund Freud,

Klimt, Schiele, den Salondamen von Wien,

mit Adele Bloch-Bauer, dem Kampf für das

Frauenwahlrecht und schließlich der Öffnung

der Universitäten auch für Frauen. Kriemler

machte eine tolle Kollektion daraus. Fast am

Ende der Show gab es den „Klimt tulle gown“

zu sehen.

Bevor Akris seine eigenen Boutiquen

in Österreich öffnete, gab es die Mode in

Salzburg bei Resmann Couture, damals noch

im Besitz von Helga Rabl-Stadler und ihrer

Mutter, zu kaufen. Unvergesslich der wunderschöne

Festspielempfang im August 1994

mit der Akris-Modeschau im Rittersaal der

Salzburger Residenz. Im März 2003 eröffnete

Akris dann seine eigene Boutique am Wiener

Kohlmarkt, die erste in Österreich, die fünfte

weltweit. Inzwischen ist das Geschäft auf der

Tuchlauben gelandet und wird – nach Gerti

Hutterer und Isabella Drozda – jetzt von

Andrea Unterberger geleitet. Die gelernte

Modedesignerin arbeitete davor einige Jahre

mit Albert Kriemler in St. Gallen und kennt

Akris also von Grund auf.

Taschen aus

Rosshaar, Halstücher

aus Seide

Zunächst gab es nur Mode von Akris. Im

Oktober 2009 brachte man die ersten

eigenen Taschen in Paris auf den Laufsteg.

Natürlich aus einem Material, das es in

dieser Form gar nicht mehr gibt: gewebtes

Rosshaar. Albert Kriemler und sein Team

haben eine kleine, superfeine Kollektion entstehen

lassen, die dem Trapez im A wie Akris

huldigt. Schöner und perfekter kann man

seinen Namen nicht vermarkten. „Ai“ heißt

diese Urtasche, die wegen der typischen

Form komplett logofrei ist. Die Taschen sind

bis ins Detail handgefertigt und zeigen in

der Verarbeitung ein hoch spezialisiertes und

einmaliges Know-how. Die „Ai“ wird in vier

Größen in unterschiedlichen Farben gefertigt,

von klein bis extragroß, in Rosshaar- oder

Double-Face-Stoff, kombiniert mit feinem

Kalbsleder. Und wie gewinnt man das Material?

Rosshaar, vom Schweif der Pferde, ist ein

Naturprodukt, das nur limitiert verfügbar ist.

Es verbindet Natürlichkeit und Robustheit

mit feinem Glanz und einer angenehm

haptischen Oberfläche. Der Stoff zählt zu den

strapazierfähigsten Geweben, garantiert Halt

und Langlebigkeit und überzeugt mit seiner

wertvollen Ausstrahlung. Das auffallend

leichte Gewicht, die Konstruktion kombiniert

mit dem Akris-Design und die Verwendung

von Rosshaarstoff, Leder und Double-Face-

Stoff als Innen- und Außenmaterial verleihen

den Taschen eine moderne Nonchalance in

höchster Qualität.

Im April 2010 war die „Ai“-Tasche während

eines Venedig-Aufenthalts von Angelina

Jolie an deren Arm zu sehen. Sie hatte sich die

Tasche selbst ausgewählt, ließ aber bei Akris

anfragen, ob man wohl darauf achte, dass es

den Pferden gut gehe. Als ihr bestätigt wurde,

dass das Tierwohl eine entscheidende Rolle

spiele, wurde Jolie öfter mit der „Ai“ gesehen.

Wer will, kann sich dazu auch ein zartes,

schmales Seiden- oder Baumwolltuch oder

im Winter einen Kaschmirschal um den Hals

wickeln.

p

h „Ai“-Tasche aus gewebtem Rosshaar: Die

Fasson ist dem A von Akris nachempfunden

Fotos: Akris

58 WINTER 2022


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DIE ERSTE PREMIUM-LINIE VON MASTER LIN

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AUSTRIA

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LUXURY PIECE | MEN

GOLDEN

PLAYOFF

Das Leben ist ein Spiel! Und was für eines, denn hier ist definitiv alles Gold, was glänzt. Wenn es nach dem Kreativduo

Adriano Design geht, das für dieses Kunstwerk verantwortlich zeichnet, dann spielen wahre Champions mit Stil, Eleganz,

Emotionen und Leidenschaft. Eine Erfolgsformel, die bei diesem elitären Tischkicker aus reinem Kristall nicht nur Effekthascherei

ist. Der „Cristallino Gold“ der italienischen Designschmiede Teckell ist 142 Kilogramm schwer, glänzt mit Spielfiguren

aus Aluminiumguss, die teilweise mit 24-karätigem Gold überzogen sind, und ist auf 30 Stück limitiert. Tischfußball aus dem

verstaubten Keller in den luxuriösen Wohnbereich zu befördern, das war die Intention von Davide und Gabriele Adriano:

„Gestalte ohne Grenzen und stürze dich auf neue Herausforderungen: Alles kann anders und besser gestaltet werden.“

Redaktion: Christoph Kulmer, Fotos: Hersteller

60 WINTER 2022


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NEW IN TOWN

New

in town

AURUM 999,9 präsentiert spannende Neueröffnungen,

die man mit allen Sinnen erleben sollte

Ikonischer Schmuck aus Italien

Bulgari Wien

Die neue Boutique im Herzen Wiens, am Kohlmarkt, ist eine Hommage

an die Tradition des internationalen Luxushauses Bulgari. Das Portal

erinnert an das Stammhaus in der Via Condotti 10 in Rom, die dominierenden

Farben des Designs und die Marmor-Elemente spiegeln die

mediterranen Wurzeln der Marke wider. „The Master of Colored

Gemstones“ lässt sich bei seinen Kreationen von der reichen Geschichte

seines Heimatlandes inspirieren. Das von Peter Marino entwickelte

Designkonzept führt einen direkt nach Rom, im Zentrum des Geschehens

beherrschen eine ovale Vitrine aus Glas und Marmor und ein

handgefertigter Kronleuchter aus Muranoglas den Raum. Überragend

ist die Handwerkskunst von Bulgari, prachtvoll sind die Schmuckkreationen.

Wien ist um einen Hotspot der Haute Joaillerie reicher!

bulgari.com

Pop-up mit Werkstatt-Flair

Schraubenkobel/Taubenkobel

Man muss nicht zwangsläufig einen Mercedes besitzen, um in einer

Mercedes-Werkstatt zu landen. Denn jetzt haben Interessierte die

Möglichkeit, eine solche von innen zu sehen und sich dabei herausragend

kulinarisch verwöhnen zu lassen. Das diesjährige Wien-

Gastspiel von Barbara Eselböck und Alain Weissgerber wird in einer

Mercedes-Werkstätte im vierten Bezirk in Wien inszeniert. Für zwei

Monate wird diese zum „Schraubenkobel“ umgerüstet und lädt zum

ausgiebigen Dinner in einzigartiger Atmosphäre ein. Highlights des

vergangenen Jahres werden vom Ausnahmekoch Alain Weissgerber in

einem außergewöhnlichen Menü zusammengestellt, gute Weine

sorgen dabei für die passende Begleitung. Bis 22. Dezember, auch an

den Wochenenden, haben Gäste die Möglichkeit, im Stanley-Kubrickartigen

Setting zu speisen. Rechtzeitige Reservierung wird empfohlen!

taubenkobel.com

Wiege der Musik

Steinway & Sons

Seit über 165 Jahren schätzen Musikliebhaber die Handwerkskunst

und Leidenschaft von Steinway & Sons, wenn es um den perfekten

Klang geht. Nun hat das renommierte Unternehmen in Wien seinen

Flagship-Store am Opernring mit modernster Technologie

ausgestattet und feierte sein Re-Opening. Beim Gestaltungskonzept

des Architekten Sören Gross wurde besonderer Wert darauf gelegt,

die Instrumente in ihrer passenden Sphäre zu präsentieren und

dadurch die Akustik der Räume zu optimieren. Kunden finden nun

die besten Bedingungen vor, um ihr Wunschinstrument anzuspielen

und dessen individuelle Klangqualität perfekt zu genießen. In der

eigens eingerichteten Spirio Lounge erleben Menschen, die wenig

oder gar nicht Klavier spielen, aber eine große Begeisterung für das

Instrument hegen, ihr persönliches musikalisches Highlight.

eu.steinway.com

Redaktion: Elisabeth Muth, Fotos: Bulgari, Irina Gavrich, Steinway and Sons

62 WINTER 2022


Italian Masterpieces

Coupé De Luxe bed designed by GamFratesi

Grant ottoman designed by Tristan Auer

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POLTRONA FRAU WIEN by Faulmann und Zeilinger GmbH

Salztorgasse 6 Wien

T. 01 890 69 64

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AURUM 999,9 lud im Frühling, Sommer und Herbst 2022 zu exklusiven

Dinnerpartys in das Goldene Quartier. Ein mehrgängiges Entertainment-

Menü aus Fashion-Performances, Fotoshootings, Duftpräsentationen,

elektrisierenden Zukunftsvisionen und natürlich jede Menge Köstlichkeiten

aus Küche und Keller sorgten für goldene Zeiten

Progressive

Dinner

Fotos: Jürgen Hammerschmid, Luca Celine

Bereits in den 1950er-Jahren und

danach wieder in den wilden

Sieb zigern waren Progressive

Din ner Parties elitäre Höhepunkte

der Eventszene. Inspi rierende

Abende, an denen Inter essierte

durch Ateliers und Ga le rien

schlenderten, um in die Welt verschiedenster

Künstler und deren

virtuoser Werke einzutauchen.

Gereicht wurden Cock tails und

kleine Snacks. Auch im privaten

Rahmen zelebrierte man das

Progressive Dinner, jeder Gang

des abendlichen Menüs wurde in

den unterschiedlichen Häusern

oder Woh nungen der Teilnehmer

serviert. Diese kulinarische

Reise hat AURUM 999,9 ab dem

Frühjahr 2022 neu interpretiert

und mit seinen Partnern im Goldenen

Quartier luxuriös zum

Leben erweckt.

An einem lauen Abend im

Mai wurde mit dem obligatorischen

Champagner-Cocktail feierlich

gestartet, bevor sich die

Besucher in vier Stores persönlich

von den aktuellen Kollektions-

Highlights überzeugen und

jeweils einen Gang des mehrteiligen

Menüs genießen konnten.

Den krönenden Abschluss bildeten

die Vorstellung des neuen

Rolls-Royce Ghost und köstliche

Kaffeekreationen von DeLonghi

in der bequemen Outdoor-Lounge

von Living Divani. Bei der

Summer-Edition unserer Dinnerparty

im Juni sorgten glänzende

Preziosen von Ole Lynggaard

und Pomellato sowie die Fashion-

Performance bei Kiton für Furore.

Als Ausklang wurde ins Park

Hyatt Vienna geladen, hier präsentierte

der Künstler Andreas

Reimann die Originale der eigens

für das AURUM 999,9- Cover

gestalteten Werke mit dem Konterfei

von Queen Elizabeth II. Im

Herbst entführten wir die Gäste

auf eine duftende Expe dition

durch das aktuelle Ac qua-di-Parma-Sortiment

in den Räumen

des Collection Business Center,

und feinste italienische Mode gab

es bei Em porio Armani zu bestau

nen. Nur einen Steinwurf

ent fernt, im neu inszenierten

Pole star Space in der Wallner straße,

fand das elektrisierende Finale

statt. Designer Max Missoni

enthüllte dort seine neueste

Krea tion, das Concept-Car „Polestar

Precept“. Nach so vielen

unvergesslichen Momenten freuen

wir uns auf die Fortführung

unserer Progressive-Dinner-

Eventserie 2023.

Die Duftwelt von Acqua

di Parma ist ein

magisches Potpourri

64 WINTER 2022


EVENTS

Der kreative Visionär hinter

dem Concept-Car „Polestar

Precept“: Designer Max Missoni

b

Zu bestaunen gab es bei Ole

Lynggaard limitierte Stücke, die

eigens für diesen Abend aus dem

Stammhaus in Kopenhagen nach Wien

überstellt wurden

vc

AURUM 999,9-Herausgeber Reinhard

Neussner präsentiert das Cover der

Sommerausgabe, exklusiv von

Künstler Andreas Reimann gestaltet,

den anwesenden Gästen im Park

Hyatt Vienna

l

Bei Rimowa wurden die Besucher

in die hohe Schule des perfekten

Kofferpackens eingeführt.

Die Models für das Shooting

im Goldenen Quartier wurden

eingekleidet von Hermès

Nights

out with

Aurum 999,9

Zum Abschluss

wurden als Digestif die

limitierten Whiskeys aus dem

Hause Glenfiddich gereicht

Das Goldene Quartier in der Wiener

Innenstadt beherbergt Boutiquen

großer Namen wie Louis Vuitton,

Prada, Miu Miu, Hermès, Balenciaga,

Bottega Veneta, Emporio Armani,

Pomellato, Church’s, Alexander

McQueen, Ole Lynggaard und Etro

65


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DIE CHEMIE

STIMMT

Simon Quendler, ein Pionier der europäischen Reaktionskunst,

lässt mit chemischen Reaktionen faszinierende Gemälde

entstehen. Weltweit werden Kunstkenner in Museen, Galerien

und Auktionshäusern davon in den Bann gezogen

Von Elisabeth Muth

68

WINTER 2022


ART | PORTRAIT

Simon Quendler schafft

„lebendige“ Werke. Sein

Atelier ist gleichzeitig sein

Labor, in dem er Gemälde

durch chemische und

biologische Prozesse

entstehen lässt

Fotos: Simon Quendler

69


ART | PORTRAIT

„Biologische Reaktion – der

Jäger“, 2020, 100 x 140 cm,

aus der Ausstellung „Simon

Quendler – Reaktionen“,

Wiener Städtische

kk

Close-up von

schwimmendem Metall auf

Emulsion, Reduktion mit

Marmormehl, granulierter

Alligatorenhaut und Teilen

von blauer Lapis-Reaktion

k

l

„Man sieht jedes kleinste Pünktchen,

bis in den Nanometerbereich.

Aus der Nähe und der Distanz ergeben sich so ganz andere Wahrnehmungen.

Wie ein Spiel mit innerer und äußerer Perspektive“

70

WINTER 2022


71


h

„Biologische Reaktion –

Weltenschwingung“,

2021, 100 x 140 cm,

Zürcher Kantonalbank

Wien

v

Detailansicht einer

Reaktion von Marmor-

Gesso und

eingeblasenem Metall

auf 65 Prozent

Fettemulsion

Komplexe chemische und biologische Prozesse

entstehen, wenn Simon Quendler an einem

Gemälde arbeitet. Der gebürtige Kärntner ist

konzeptioneller Maler und Skulpturist und

hat eine ganz besondere Maltechnik für sich

entdeckt, bei der alles andere als lediglich

„abstrakte Kunst“ entsteht. Der Autodidakt

hat sein Atelier in ein Labor verwandelt, er

setzt für die Komposition seiner Werke unter

anderem Kaliumsorbat, Vulkanasche oder

Alligatorenhaut ein und lässt die Bilder durch

chemische und biologische Prozesse entstehen,

die er von außen dirigiert und in die er

nur partiell eingreift. Sie bauen sich von selbst

auf, wie auch die Natur von selbst wächst. Das

alchemistische Mischverfahren bewirkt, dass

sich Malmittel am Bildkörper vermengen und

so ihre Formensprache freisetzen. Wie Pigmente

zu Farben gemischt wurden, hat ihn

schon immer fasziniert, begonnen hat der

Maler zunächst mit figuralen Darstellungen,

dann folgten abstrakte Bildkonzeptionen, um

danach „lebendige“ Werke zu schaffen. In

seinem Atelier hat Simon Quendler ein aufwendiges,

fotografisches Aufnahmeverfahren

installiert, das es ihm erlaubt, rund um die

Uhr zu beobachten, wie sich das Bild über

einen bestimmten Zeitraum verändert, wie

neue Sehmuster entstehen, wie das Werk seine

ganz eigene Formensprache entwickelt.

Mit seinem alchemistischen Mischverfahren

trifft der Künstler perfekt den Zeitgeist und

thematisiert auch unseren Umgang mit Ressourcen.

Zu finden sind seine kreativen

Ergüsse nicht nur in vielen Museen, sondern

auch in Privatsammlungen.

Der Umgang mit chemischen Substanzen ist

nicht ganz ungefährlich, manchmal entstehen

Reaktionen, die nicht vorhersehbar sind. Der

Künstler arbeitet mit Handschuhen und Mundschutz

und verfügt über ein umfassendes Wissen

über Material, das Verhalten von Farben

und das Zusammenspiel. Im letzten Zustand

wird das Bild luftdicht versiegelt, wodurch

weitere Reaktionen verhindert werden.

72 WINTER 2022


Schnell. Effizient. Wertorientiert.

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ie Börsen sind in diesen Zeiten so

unruhig, wie das Meer bei hohem

Seegang. Doch unsere Kunden vertrauen

seit Jahren darauf, dass wir ihre

Veranlagungen und Investments auch

in stürmischen Zeiten erhalten und

entwickeln. Deshalb konzentrieren wir

uns auf Vermögensverwaltung und

Asset Management am Kapitalmarkt

sowie attraktive Immobilien.

Das bietet unseren Kunden klare

Vorteile: Wenn die Aktienmärkte

nachlassen, haben wir krisensichere

Immobilien im Programm, die steuerliche

Vorteile und stabile Erträge

bringen. Ziehen die Kurse wieder an,

setzen wir auf innovative und ausgewogene

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ART | PORTRAIT

h

„Biologische Reaktion

- globale Perspektive“,

2021, 100 x 140 cm

k

Gelbes Kadmium mit Emulsion

auf schwimmendem Fett-Layer,

Reaktion ausgelöst durch

Vergrößerung der

Oberflächenspannung

„Das Material malt das Bild,

ich lenke es in gewisse Bahnen“

h

Hier gelangen Sie zum

sehenswerten Video

„Simon Quendler

– Weltenreaktionen“

Die Konzeption eines Werkes beginnt, bevor

die neue Leinwand aufgespannt wird. Die

Überlegungen, was sich verändern soll und

auch wie, werden durchdacht, wie die einzelnen

Materialien miteinander reagieren, wird

getestet, um danach, kniend auf dem Boden,

die Stoffe direkt auf der Leinwand zu mischen,

mit kleinen Bewegungen wird vermengt,

gedreht und genau beobachtet. Manchmal

arbeitet Simon Quendler die Haut von Alligatoren

ein, die als Granulat oder auch als Hautstücke

in das Kunstwerk integriert werden.

Die bereits gebleichte Haut stammt von

Zuchtalligatoren aus Louisiana. Für Simon

Quendler beinhaltet sie eine der ältesten

DNAs der Welt und umfasst eine große Spanne

der Evolution. Es ist Ware, die weggeworfen

wird, Drop-out-Ware, die für nichts mehr

verwendet wird, die Haut enthält Einschlüsse

von Bakterien, kaum sichtbare Löcher, womit

sie für die Modeindustrie wertlos wird. Doch

dieses granulierte Material entwickelt sich im

Bildkörper weiter, nimmt Stoffe auf, gibt sie

auch wieder ab und baut und strukturiert, so

wie Vulkanasche, das Gemälde. Alle zwei

Monate lädt Simon Quendler einen kleinen

Kreis von Sammlern zu seinen Ateliershows.

Hier kann man die Prozesse selbst beobachten

und erhält Einblicke in sein Schaffen. Dem

Kunstmarkt selbst steht er eher skeptisch

gegenüber und setzt daher auf den Einfluss

und das Netz von Privatsammlern. Die sich

national und international von seinen Arbeiten

begeistert zeigen.

simonquendler.com

74 WINTER 2022


Zeit vergeht.

Qualität besteht.

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„Ixcuhintli Dog with

Me“, ca. 1938, Öl auf

Canvas, 71 × 52 cm, USA,

private Sammlung

IHRE

EIGENE

MUSE

76


COFFEE TABLE BOOK

Das wunderbare Coffee Table

Book des Taschen Verlags über

das Leben und das Werk von

Frida Kahlo gibt einen tiefen

Einblick in ihre Seele und zeigt

viel unveröffentlichtes

Material, Bilder aus

Privatsammlungen und

Fotografien

Sie war eine Meisterin der Selbstdarstellung.

Ihr Ganzkörper-Selbstbildnis „Raíces“

erzielte 2006 einen Versteigerungserlös

von über fünf Millionen US-Dollar.

Der Prachtband „Frida Kahlo. Sämtliche

Gemälde“ zeigt Leben und Werk dieser

großartigen Künstlerin

Von Elisabeth Muth

Fotos: akg-Images, LML Archives

„Selbstporträt (Time flies)“,

ca. 1929, Öl auf Masonit,

77,5 × 61 cm, Kalifornien,

Privatsammlung

Die Künstlerin Frida Kahlo ist wohl die berühmteste Malerin Mexikos.

Ihr bewegtes Leben, ihre Krankheiten, ihre Ehe mit Diego Rivera und

ihre Kunst, die sich in farbenprächtigen Bildern ausdrückt, sind weltbekannt.

„Sie hielten mich für einen Surrealisten, aber das war ich

nicht. Ich habe nie Träume gemalt. Ich habe meine eigene Realität

gemalt“, soll sie einmal gesagt haben. Durch ihre zahlreichen Selbstporträts

hat sie quasi „das Selfie“ erfunden, ein Tool, das heutzutage

unsere Gesellschaft prägt und das aus den sozialen Medien nicht

mehr wegzudenken ist. Doch bei Frida Kahlo war die Selbstdarstellung

nicht nur eine Präsentation von Schönheit oder Gefallsucht,

sondern eine von Liebe, Schmerz und Verzweiflung.

Der großformatige XXL-Band von Taschen zeigt das komplette

Werk Frida Kahlos und erzählt anhand ihrer Bilder das Leben der

Künstlerin. Er bietet Gelegenheit, ihren Gemälden so nah wie nie

zuvor zu kommen. Das Buch präsentiert Werke aus Privatsammlungen,

die für die breite Öffentlichkeit nur schwer zugänglich sind, und zeigt

Arbeiten, die bislang als verschollen galten oder seit mehr als 80 Jahren

nicht mehr ausgestellt waren. Der Prachtband ist biografisch aufgebaut,

er widmet sich ganz der Person, beginnt in ihrer Jugend, zeigt

frühe Zeichnungen. Die Faszination für diese großartige Frau wird in

ihren Bildern, flankiert von Fotografien, nachvollziehbar, und man

taucht ganz und gar in Fridas Welt ein. Zeichnungen, Tagebuchseiten

und eine umfangreich illustrierte Biografie mit Fotos von Frida,

Diego, ihrem Zuhause, der Casa Azul, erlauben einen intimen Einblick

in deren Welt und das künstlerische Universum.

Herausgeber und Autor Luis-Martín Lozano ist Kunsthistoriker

und Kurator für moderne und zeitgenössische Kunst Mexikos und

Lateinamerikas, er erhielt ein Fulbright-Stipendium, um über das

Werk von Rivera und Kahlo zu arbeiten. Gemeinsam mit den Co-

Autorinnen, den Kunsthistorikerinnen Andrea Kettenmann, die

bereits umfassend über Frida Kahlo publiziert hat, und Marina

Vázquez Ramos, ist ein umfassendes Werk gelungen, das tiefe Einblicke

in das Leben von Frida Kahlo gewährt.

taschen.com

WINTER 2022

77


COFFEE TABLE BOOK

j

„Portrait of Luther Burbank“, 1931, Öl

auf Masonit, 86,5 × 61,7 cm, Mexiko-

City, Xochimilco, Museo Dolores

Olmedo, mit Skizze des Bildes

k

Selbstporträt „Time Flies“,

ca. 1929, Öl auf Masonit,

77,5 × 61 cm, Kalifornien,

Privatsammlung

l

„What Water Gave Me“,

1938/39, Öl auf Canvas,

69 × 88 cm, Paris,

Privatsammlung

x

Selbstporträt (für Samuel

Festlicht), 1948, Öl auf

Masonit, 50 × 39,5 cm,

Mexiko-City,

Privatsammlung

„Without hope“, 1945,

Öl auf Canvas,

28 × 36 cm, Mexiko-City,

Xochimilco, Museo

Dolores Olmedo

Fotos: akg-Images

78 WINTER 2022

78


„Self Portrait with

small monkey“, 1945,

Öl auf Masonit,

56 × 41,5 cm, Mexiko-

City, Xochimilco, Museo

Dolores Olmedo

„Die Malerei

vervollständigte

mein Leben“

Frida Kahlo

79


COFFEE TABLE BOOK

hh

„The little deer“, April– Mai 1946, Öl auf Masonit, 22,4 × 30 cm,

Chicago, Privatsammlung

h

Frida neben einer prähistorischen Skulptur in ihrem Garten

in der Casa Azul, 1951

j

Diego und Frida mit einem Stück aus ihrer mexikanischen Kunstsammlung,

einer großen Pappmaché-Judas-Figur, ca. 1940

k

„Self-portrait (with Dr. Farill)“, 1951, Öl auf Masonit, 41,5 × 50 cm,

Privatsammlung, Courtesy Hauser & Wirth Collection Services

Fotos: Fine Art Images/Bridgeman Images, bpk/IMEC, Fonds MCC/Gisèle Freund, Rafael Doniz, Spencer Throckmorton

80

Winter 2022



„Pluma“

Kaulsdorfer See, 2021

82


PHOTOGRAPHY | PORTRAIT

Victor Luque

Redaktion: Bernhard Musil, Fotos: Victor Luque, Porträtfoto: Photoautomat Kotti

Berliner Clubnächte haben den Ruf, ekstatisch, düster

und hart zu sein. Einen ähnlichen Eindruck mögen

anfangs auch die Bilder von Victor Luque erwecken.

Härte bietet aber auch Raum für Zartheit – und auf den zweiten Blick

zeigt sich in Luques Momentaufnahmen ebendiese. Sie bestechen

durch fesselnde Intimität. Respekt für sein Gegenüber ist ein unumstößliches

Axiom für diesen visuellen Virtuosen, egal ob er tragisch

oder humorvoll geprägte Situationen einfängt.

Victor Luque wurde 1984 in Córdoba/Spanien geboren. In seinen

Zwanzigern lebte er sechs Jahre lang in London, bis er 2012 Berlin zu

seinem Lebensmittelpunkt machte. Anfänglich fotografierte er im

privaten Umfeld. Seine Sichtweise fand schnell Anklang, und er

wurde von den Veranstaltern von „Cocktail d’Amore“ – einer

berühmt-berüchtigten Berliner Clubnacht – damit beauftragt, das

wilde Geschehen zu dokumentieren. „Meine Arbeiten sollen eher

Fragen aufwerfen als Antworten geben“, sagt Luque. Wie Souvenirs

sammelt er flüchtige Eindrücke. Sei es ein von harten Bässen durchdrungener

Nachtclub oder der krisengeschüttelte Libanon – Luques

Fotografien bestechen dadurch, dass sie Nähe und Distanz zugleich

vermitteln.

Luque arbeitet autobiografisch und dokumentarisch. Als Inspirationsquelle

dienen ihm Filme und Malereien. Sogar in der dunkelsten

Ecke findet er Objekte, die er von innen heraus schillern lässt. Egal

wie turbulent die Umgebung auch sein mag, Luques Ausschnitt der

Wirklichkeit wohnt stets ein Moment der Ruhe inne. Seine Bildsprache

zeichnet sich dadurch aus, dass es ihm gelingt, seinen Fotografien

stets eine cineastische und bizarre Note zu verleihen – mit ein Grund,

warum sie mitunter an David Lynch erinnern.

victor-luque.com

WINTER 2022

83


84


PHOTOGRAPHY | PORTRAIT

v

von links oben

nach rechts unten:

„Standby“

California, 2017

„Whole“

Ferropolis, 2018

„Bigfoot Poet“

Berlin, 2016

„Jane vs. Venus“

Berlin, 2020

„Ivan’s Hand“

Berlin, 2019

„Mermaid“

Berlin, 2019

„To build

another home“

Beirut, 2020

„Juliette“

Krumme Lanke, 2018

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„Kewin Bo“

Berlin, 2018

86

WINTER 2022


PHOTOGRAPHY | PORTRAIT

k

„Braulio at

Cocktail d’Amore“

Berlin, 2017

x

„Small Hands“

Beirut, 2020

h

„Alba“

Liepnitzsee, 2016

87


PHOTOGRAPHY | PORTRAIT

„Manuel. Magic Hour“

Berlin, 2020

88 WINTER 2022


Obere Donaustraße 19, 1020 Wien

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HISTORY

FLUCH DER SIEBEN

WELTMEERE

Piraten! Dieser Ruf ließ so manchem Seefahrer das Blut in den

Adern gefrieren, denn sie waren blutrünstige, goldgierige Halsabschneider

– aber auch gefeierte Gentleman-Seehelden.

Sie wurden reich und waren geachtet, brachten es zu Admiralen,

Gouverneuren und sogar zu Adelstiteln – oder wurden gehängt,

vertrockneten in zur Schau gestellten Käfigen beziehungsweise

starben einfach verarmt und vergessen

Von Percival Pachta-Rayhofen

Frederick Judd Waugh:

„The Buccaneers“, 1914

Fotos: Xxx Blind Xxxx

90


Fotos: Xxx Frederick Blind Judd Xxxx Waugh, Superstock

WINTER 2022

91


HISTORY

Man nannte sie Seeräuber,

Freibeuter, Korsaren oder

Bukanier, jedenfalls waren

sie gefürchtet und gehasst,

beeinflussten die Weltpolitik

und inspirieren

Literatur, Malerei und Medien bis heute. Seit

die Menschheit vor etwa 5.000 Jahren die

Seefahrt für den Handel betrieb, gab es auch

Seeräuberei, vorzugsweise in Küstennähe

und bei Meerengen, durch die schon die

Handelsrouten der Antike verliefen, sowohl im

Mittelmeer als auch in Ostasien. Das Piratenunwesen

beispielsweise der Kilikier, an der

kleinasiatischen Küste ansässig, nahm derartige

Ausmaße an, dass die mächtige Römische

Republik sich genötigt sah, einen regelrechten

Kriegszug zu unternehmen. Kein Geringerer

als Julius Cäsar selbst wurde von den Piraten

gefangen genommen. Gegen hohes Lösegeld

freigelassen, rüstete er auf eigene Faust Schiffe

und Soldaten aus, besiegte seine Peiniger und

ließ sie kreuzigen. Feldherr Gnaeus Pompeius

wurde nun vom Senat mit weitreichenden

Vollmachten ausgestattet und bekämpfte mit

hunderten Schiffen und 120.000 Mann die

kilikischen Piraten zu Wasser und zu Lande.

Für die erfolgreiche Vernichtung der Piratennester

erhielt er den ehrenvollen Beinamen

„Magnus“. Insofern haben Piraten schon damals

Geschichte geschrieben, da die Vollmachten

des Pompeius und der folgende Bürgerkrieg

gegen Cäsar letztlich zum Ende der Republik

und zur beginnenden Kaiserzeit führten.

Die Wölfe des Nordens, die Wikinger, versetzten

ganz Europa durch ihre Raubzüge in

Angst und Schrecken. Mit ihren äußerst seetüchtigen

Drachenbooten befuhren sie die

Küsten und Flüsse und unternahmen zahllose

Überfälle. In Russland „Rus Wikinger“

genannt, erreichten sie das Schwarze Meer,

betrieben neben Raubzügen auch Handel,

wurden sogar sesshaft und gaben als Oberschicht

dem Land seinen heutigen Namen.

Auch im Mittelmeer blühte die Piratenplage,

von ihren Basen in den sogenannten

Barbareskenstaaten Nordafrikas aus plünderten

die muslimischen Sarazenen regelmäßig

Handelsschiffe und Küstenorte in Südeuropa.

Noch heute sind die Wachtürme an der süditalienischen

Küste zu sehen, die mit ihren

Leuchtfeuern vor herannahender Bedrohung

zur See warnen sollten. Sogar der Malteser

Ritterorden widmete sich mit seinen äußerst

kampfkräftigen Galeeren der Piraterie, jedoch

hauptsächlich gegen muslimische beziehungsweise

türkische Schiffe gerichtet. Allerdings

konnte schon immer wieder mal ein

christlicher Kauffahrer „irrtümlich“ zur Beute

werden, was die Ordensbrüder mit Wiedergutmachungszahlungen

aus der Welt schafften.

In der Nord- und Ostsee wiederum trieben die

sogenannten Vitalienbrüder ihr Unwesen, bis

die mächtige Hanse dem ein Ende bereitete.

Einer der bekanntesten von ihnen war Klaus

Störtebeker, der der Ostseeschifffahrt stark

zusetzte, bis er gefangen genommen und enthauptet

wurde. Der Legende nach soll er die

Zusage erreicht haben, dass alle Mitverurteilten

begnadigt werden, die er noch, wenn auch

schon enthauptet, die Reihe entlanglaufend

noch erreichen konnte. Dies gelang ihm bei

einigen, bis der erboste Henker ihm ein Bein

stellte. Der wurde nämlich buchstäblich „nach

Köpfen“ bezahlt.

Mit der Entdeckung der Neuen Welt

beginnt schließlich die schillerndste Ära der

Piraterie. Der aufkommende Seehandel zwischen

Europa und dem amerikanischen Kontinent,

die spanischen Silberflotten, die Gold

und Silber nach Spanien brachten, der Sklavenhandel,

aber auch die aufblühenden Städte

in den spanischen Kolonien stellten bald ein

unwiderstehliches Ziel dar. Begünstigt durch

die zahllosen Kriege zwischen den Seemächten

Spanien, England, Frankreich und den

Niederlanden brach das „Goldene Zeitalter der

Seeräuberei“ an. Denn für die kriegführenden

Kolonialmächte war es ein günstiges Mittel,

die eigene Seemacht durch Freibeuter und

deren Schiffe zu vergrößern und den Gegner

militärisch wie auch wirtschaftlich zu schwächen.

So wurde das Piratentum teilweise

legalisiert, indem die einzelnen Staaten sogenannte

Kaperbriefe ausstellten, die es Piraten

erlaubten, Schiffe und Häfen feindlicher

Mächte anzugreifen und auszurauben. Nicht

selten floss dabei ein Teil der Einkünfte in die

Taschen der Kolonialgouverneure oder sogar

der kriegführenden Staaten selbst. Die jeweiligen

Friedensschlüsse nach den ständigen

Kriegen führten wiederum zur Verkleinerung

der teuren Flotten, was zahllose nunmehr

entlassene Seeleute in die Seeräuberei als

alternativen Lebensunterhalt trieb.

Fotos: Alamy

92 WINTER 2022


h

John Harris Valda, 1914,

Wikinger-

Langschiffflotte

O

19. Jahrhundert,

Galeeren im Kampf,

kolorierter Stich

k

Willem van de Velde,

um 1675, englisches

Kriegsschiff im Kampf

mit Piratengaleeren

93


HISTORY

h

19. Jahrhundert, Königin Elisabeth I.

schlägt Francis Drake an Bord seiner

„Golden Hind“ zum Ritter, kolorierter

Stich

x

Sir Francis Drake, Bronzestatue in

Plymouth

Das Piratenunwesen nahm somit sprunghaft

zu, und es entstanden regelrechte

Piratenhochburgen, wie etwa Tortuga, New

Providence, Madagaskar oder das besonders

berüchtigte Port Royal auf Jamaika. Dort

konnten sich Piraten mit allem Notwendigen

für ihre Unternehmungen versorgen und

andererseits die Beute wieder in Spelunken

und Bordellen verprassen. Kein Wunder also,

dass Port Royal zeitweise als die sündigste

Stadt der Neuen Welt galt und dass es, wie

manche meinen, zur Strafe dafür durch ein

Erdbeben 1692 vollständig unterging.

So trat eine ganze Reihe von schillernden

Persönlichkeiten in das Glanzlicht der

Geschichte, deren Karrieren äußerst unterschiedlich

verliefen. Einige davon sollen hier

beispielhaft vorgestellt werden: Wer kennt

nicht Sir Francis Drake, Pirat der Königin?

Seine spektakuläre Karriere begann, aus einfachen

Verhältnissen stammend, nach zwei

Fehlschlägen mit dem erfolgreichen Überfall

der spanischen Silberkarawane am Isthmus

von Panama. Er kehrte als reicher und gefeierter

Held nach England zurück. Weiteren

Ruhm erlangte er durch seine Weltumsegelung

1577, von Plymouth aus in die Karibik,

durch die Magellanstraße an die Küste von

Peru, wo er zahlreiche völlig überraschte spanische

Schiffe aufbrachte, die in diesen

Gewässern nicht mit feindlichen Schiffen

gerechnet hatten. Zurück ging es durch den

Pazifik, den Indischen Ozean um Afrika

herum nach England. Königin Elisabeth I.

selbst bedankte sich bei ihm für die nicht

unbeträchtlichen Einnahmen für die englische

Krone mit dem Ritterschlag und nannte

ihn „mein Pirat“. Die Überfälle auf Santo

Domingo und Cartagena mit über 20 Schiffen

und mehr als 2.000 Mann stellten bereits

weltpolitisch bedeutsame Militäraktionen im

Ringen zwischen Spanien und England dar.

Schließlich war Sir Francis Drake als Vizeadmiral

auch am Sieg der englischen Flotte

über die Spanische Armada 1588 beteiligt.

Damit stieg England zur bedeutenden Seemacht

auf.

Der Schotte William Kidd war eigentlich

kein besonders erfolgreicher Piratenkapitän,

doch verdankt er seine Bekanntheit der

Tatsache, dass er die Beute eines Raubzuges

auf der Insel Rhode Island vergraben haben

soll. Obwohl Derartiges selten vorkam, weil

Piraten ihre Beute meist sehr bald aufteilten

und anschließend verprassten, inspirierte

er damit zahlreiche Legenden und Erzählungen

über vergrabene Piratenschätze. Er

endete ziemlich elend als Verurteilter, für

mehrere Jahre aufgehängt in einem Käfig an

den Londoner Docks. Der gebürtige Waliser

Fotos: Alamy

94 WINTER 2022


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HISTORY

Henry Morgan tat sich durch Raubzüge um

Yucatán hervor, plünderte Schiffe und Städte

und unternahm einen aufsehenerregenden

Überfall auf Neugranada quer durch Lateinamerika.

Wohlhabend geworden, erwarb

er eine Plantage auf Jamaika und freundete

sich mit dem dortigen Gouverneur an. Dieser

stattete ihn mit einem Kaperbrief aus,und

Morgan griff mit einer kleinen Flotte den

wichtigen spanischen Hafen Portobello an. Er

scheute sich hierbei nicht davor, einheimische

Gefangene, darunter Frauen, Kinder, Priester

und Nonnen, als menschlichen Schutzschild

gegen die Kanonen der Verteidiger einzusetzen.

Sein Angriff auf Panama erfolgte jedoch

zu einem Zeitpunkt, da England und Spanien

bereits Frieden geschlossen hatten. Er wurde

daher verhaftet und nach England gebracht.

Er war jedoch bereits so einflussreich, dass

er nicht nur die Absetzung des Gouverneurs

erwirkte, sondern zum Ritter geschlagen und

zum Vizegouverneur ernannt wurde. Er starb

als angesehener Plantagenbesitzer an den Folgen

seiner Ausschweifungen und Trunksucht.

Der wohl berüchtigtste von allen Piraten

aber war wohl Edward Teach, genannt „Blackbeard“.

Dazu trug vor allem bei, dass er großen

Wert auf seine furchteinflößende Erscheinung

legte. So ließ er seinen schwarzen Bart besonders

lang und struppig wachsen und pflegte

brennende Lunten um die Ohren zu wickeln.

Blackbeard stieg rasch zum Kapitän eines

Piratenschiffs auf, sammelte mehrere Hundert

Mann und eine kleine Flotte um sich, kaperte

zahlreiche Handelsschiffe, soll sogar ein britisches

Kriegsschiff in die Flucht geschlagen

haben und plünderte in der Karibik und an

der amerikanischen Westküste, bis er schließlich

in einem dramatischen Nahkampf mit der

Mannschaft eines britischen Marineschiffs fiel.

h

Howard Pyle: aus „Book of

Pirates“, 1921, Käpt'n

William Kidd beim

Vergraben seines Schatzes

„Blackbeards“ letzter

Kampf

x

Die geopolitische Situation im beginnenden

18. Jahrhundert, die eine Aufteilung der

Interessensphären der seefahrenden Nationen

und eine deutliche Dominanz Großbritanniens

zur See brachte, läutete auch das Ende

des Goldenen Zeitalters der Piraterie ein.

Es wurden keine Piraten mehr gebraucht,

um Überfälle auf gegnerische Nationen

durchzuführen, vielmehr bedeuteten diese

eine Gefahr für den wichtigen, stets zunehmenden

Seehandel. Daher wurden Piraten

nirgendwo mehr gefördert, sondern konsequent

verfolgt und hingerichtet. Technologisch

bedeutete auch das Aufkommen der

Dampfschiffe einen taktischen Vorteil, den

Piraten nicht mehr wettmachen konnten.

Dennoch ist die Seeräuberei auch heutzutage

nicht ganz verschwunden. Sowohl in

Südamerika und der Karibik als auch an der

Westküste Afrikas, im Indischen Ozean und

im Chinesischen Meer bedrohen einzelne

Gruppen, teils auch organisierte Banden, die

Schifffahrt. Professionelle Kriegsmarinen

und Küstenwachtschiffe machen Jagd auf

gleichermaßen mit modernen Waffen ausgerüstete

Piraten. Wenn auch die „Goldenen

Zeiten“ der Piraten so wie ihre Schiffe längst

versunken sind, so leben ihre Geschichten

über ihre Abenteuer auf allen Meeren, ihre

Schätze und ihre Schicksale in uns weiter. p

Fotos: Alamy, Howard Pyle

96 WINTER 2022


The Dream Valley

Wo Wohnträume wahr werden!

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Digitalisierung

in der Kunstszene

Von Dr. Wolfgang Hutter

Information-Governance-Forscher

N

FTs sind der neue Trend – Non-Fungible Tokens.

Aber was bedeuten sie? Was ist ihr Wert, und

worin liegt der Mehrwert? Wozu braucht man sie

überhaupt? Es handelt sich dabei um eine neue

digitale Revolution, die vor allem den Kunstsektor 2021 stark beeinflusst

hat. Digitale Kunst hatte bei Sammlern bisher keinen hohen

Stellenwert. Jeder kann digitale Werke durch „copy – paste“ vervielfältigen

und verteilen. Die Möglichkeit, digitale Objekte einzigartig zu

machen, war bisher in der digitalen Welt unmöglich.

Nun ist alles anders. Denn ein Non-Fungible Token kann nicht

durch einen anderen Gegenstand seiner Art ersetzt oder kopiert

werden. NFT-Unikate ergeben eindeutige Besitzverhältnisse für

digitale Objekte, wie zum Beispiel Fotos, Videos, Musikstücke, Dokumente,

Tweets oder SMS. Die Technologie Blockchain ist nun seit elf

Jahren zugänglich. Sie wurde vom MIT (Massachusetts Institute of

Technology) in die Realität umgesetzt. Sie ist eine dezentral verteilte

Datenbanklösung, welche über das Internet verwaltet und regelmäßig

abgeglichen wird. Besonders bekannt sind die Blockchain-

Anwendungen in Form von Kryptowährungen, wie zum Beispiel

Ethereum oder Bitcoin. Mehrere Blöcke, verbunden als Kette, in

welche Buchungen/Transaktionen über einen bestimmten Zeitraum

hinweg abgespeichert werden, bezeichnet man als Blockchain. Diese

Transaktionen sind verifizierte digitale Aufzeichnungen von Finanztransaktionen,

Prozessen, Aufgaben und Verträgen.

Nun ist es möglich, digitale Kunst zu sammeln und einen damit verbundenen

virtuellen Handel zu realisieren. Führende Auktionshäuser

wie etwa Sotheby’s oder Christie’s sind in den Handel mit NFTs eingestiegen.

2021 hat Sotheby’s NFTs im Wert von fast 65 Millionen US-

Dollar verkauft, Christie’s von mehr als 100 Millionen US-Dollar. Auch

Museen machen bereits erste Schritte und digitalisieren analoge

Meisterwerke, um sie als NFTs anzubieten: Die Uffizien in Florenz

offerieren ein Werk Michelangelos, das British Museum ein Turner-

Gemälde und das Belvedere in Wien Klimts „Kuss“. Das Magazin

„ArtReview“ bezeichnete NFTs als stärkste Kraft in der Kunstwelt 2021.

Die Highlights bisher waren „Everydays: The First 5000 Days“ (69 Mio.

$) und „Human One“ (28,9 Mio. $) von Mike „Beeple“ Winkelmann, die

NFT-Sammlung Bored Ape Yacht Club mit 10.000 Affen-Avataren

(24,4 Mio. $) und „CryptoPunk 5822“ von Larva Labs (23,7 Mio. $).

NFTs können jedes digitale Format sein: Bilder, Grafiken, Videos,

Audios, Textdateien. Auch für Onlinespiele sind NFTs sehr attraktiv.

Das erste auf NFT basierende Spiel war „CryptoKitties“ im Jahr 2017.

Die NFT-Spiele zeigen, dass NFTs nicht nur fälschungssichere Eigentumszertifikate

sind, sondern auch programmierbar und damit zahlreiche

zusätzliche Funktionen bieten können.

Auf diesem Weg werden NFTs zu Smart Contracts, in welchen

Bedingungen und weitere Informationen an das Objekt gebunden

werden können. Dadurch erweitern sich auch die Anwendungsmöglichkeiten

in den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, im

Foto: Robert Becksteiner

98


KOLUMNE

„Das Magazin ‚ArtReview‘

bezeichnete NFTs als

stärkste Kraft in der

Kunstwelt 2021“

Marketing, im Gaming, in der Mode und im Sport. Im Kunstbereich

kann der Künstler seine Werke somit selbst anbieten, ohne auf klassische

Galerien oder sonstige Vermittler angewiesen zu sein.

Was macht den Wert eines bestimmen NFTs aus? Bewertungskriterien,

also Key Performance Indicators (KPIs), für NFTs können

Geschichte, Seltenheit, Nützlichkeit und Greifbarkeit/Realitätsbezug

sein. Der Seltenheitsfaktor spielt eine große Rolle. Er verleiht NFTs

einen gewissen Wert. Wie selten und „schwer zu bekommen“ ein

bestimmtes NFT ist, ist ausschlaggebend für dessen Preis. Auch von

wem, wann und warum ein NFT erstellt wurde, beeinflusst den Wert:

wie zum Beispiel ob es von angesehenen Personen oder Unternehmen

erstellt wurde. Oder das NFT profitiert von einem hohen Besitzhistorie-Wert.

Welche Idee, Memes oder welche Hintergrundinformationen

zu einem Werk gehören, kann das Interesse daran enorm

steigern. Soziale Netzwerke können bei diesen „Stories“ helfen.

NFTs können auch direkt an wirkliche physische Objekte gebunden

sein und werden damit greifbar. Dadurch können beispielsweise

Eigentumsrechte an realen Objekten verwaltet werden. Der Wert

eines solchen Objekts wird durch dessen Praktikabilität, Knappheit

und die persönliche Zufriedenheit bestimmt, die es den Benutzern

bietet. Letztendlich können Sammler mit NFTs wie mit allen klassischen

Sammelobjekten ihre Leidenschaft und Begeisterung ausleben.

Die Zukunft von NFTs

NFTs sind vielfältig und entwickeln sich funktional rasant weiter. Ein

Trend ist die kombinierte Wertschöpfung bei NFTs: Man kauft am

Marktplatz ein NFT und erhält dazu ein physisches Pendant – ein

weiteres Kunstobjekt und einen Gebrauchsgegenstand.

Leben bedeutet Veränderung – dynamische NFTs können sich

auch verändern. Die eigenständige Entwicklung von NFTs ist die

nächste Evolutionsstufe. Bei dynamischen NFTs können sich die

Inhalte verändern. Virtuelle Räume, wie das Metaverse, sind voll von

möglichen Anwendungen für digitale Unikate. Eine Anwendung, die

sich in Entwicklung befindet, ist das Projekt „Emovatar“, welches in

einer App einen persönlichen emotionalen Avatar erstellt. Über die

App können Gefühle und passende Aktivitäten tagebuchartig in einem

personalisierten NFT höchster technischer Sicherheit aufgezeichnet

und für die Ewigkeit erhalten werden. Der Emovatar verändert sein

Äußeres, seine Erscheinung entsprechend der persönlichen Verfassung

und hilft bei der bewussteren Selbstbeobachtung und Selbstregulation.

NFTs sind die Zukunft der digitalen Kunstwelt und eine neue

Wertanlage für Sammler von Unikaten. Wir stehen erst am Beginn.

Allerdings sind NFTs sowohl mit Chancen als auch mit Risiken verbunden.

Daher sollte man nur Geld investieren, das man auch bereit

ist zu verlieren. NFTs werden noch weitere Kreise ziehen und irgendwann

in jeder Form als Kunstwerk oder auch Gebrauchsgegenstand

zu finden sein.

WINTER 2022

99


Mag. Alexander Tischler

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Cloud P, Faaker See

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The Lakes, Faaker See


ARCHITEKTUR

Ein Zuhause, in dem man sich wohlfühlt,

schafft Identität. Doch seit Jahren steigen die

Immobilienpreise und die damit verbundenen

Servicekosten stetig – privater Raum ist zum

Luxusgut avanciert

Von Christoph Kulmer

Foto: Cody Boone, SERHANT Studios

102


Das Penthouse im

„Central Park Tower“ in

New York ist die höchste

Privatwohnung der Welt,

sie befindet sich in

430 Meter Höhe

WINTER 2022

103


Die offene Treppe dient nicht nur als Blickfang, sondern

verbindet die drei Etagen des höchsten Penthouse

der Welt im „Central Park Tower“ in New York.

Der Ausblick ist einfach phänomenal

x

Allen Unkenrufen zum Trotz kommt es doch auf die

Größe an. Zumindest wenn es um die eigenen vier

Wände geht. Sind sie doch viel mehr als nur der Ort

an dem man übernachtet. Hier erlebt man Familienzeit,

sie bieten Zuflucht und sind unsere Komfortzone, kurz gesagt

eine Wohlfühloase für Körper, Geist und Seele. Exakt aus diesem

Grund sollte nicht unterschätzt werden, wie essenziell die Möglichkeit

der persönlichen Entfaltung im Zuhause ist, weiß die Architektin und

wohnpsychologische Expertin Elke Reitmayer: „Großzügig geschnittene

Wohnungen bieten ausreichend Platz für Rückzugsmöglichkeiten,

um sich zu entfalten, zu regenerieren und für sich zu sein. Das

hilft ganz ungemein, um Konflikten innerhalb der Wohngemeinschaft

vorzubeugen oder diese zu reduzieren. Das

Zusammenleben wird harmonischer und

sozial interaktiver.“ Einmal im Jahr erfasst

die Statistik Austria die Wohnsituation der

Privathaushalte in Österreich, und diese

Daten zeigen explizit, dass die durchschnittliche

Wohnfläche pro Wohnung in

den letzten 25 Jahren deutlich gestiegen ist.

Hat man 1995 noch auf 87,6 Quadratmetern gewohnt, macht man es

sich 2021 bereits auf 101,5 Quadratmetern gemütlich. Signifikant ist,

dass Bewohnern in der Stadt wesentlich weniger Wohnfläche zur Verfügung

steht als jenen auf dem Land. Ein Spezifikum, das sich so gut

wie in jedem Land beobachten lässt. Denn je weniger Platz, desto

teurer wird der Wohnraum, und der Trend zeigt so ziemlich überall

nach oben. Als 2020 die Corona-Pandemie Fahrt aufnahm, hatte es

den Anschein, als würden die Menschen aus den Städten in die Peripherie

flüchten. Das deutsche Zukunftsinstitut erklärt das so: „Tatsächlich

gewann das Land als Lebensraum in Zeiten der Lockdowns

enorm an Attraktivität. Nicht ohne Grund werden Städte häufig als

Erstes zu Krisengebieten erklärt: Die hohe physische und soziale

Fotos: Evan Joseph, Maxwell-Baynes Real Estate, affiliate of Christie’s International Real Estate

104


ARCHITEKTUR

h

Ein 35 Meter langer und zehn Meter breiter Außenpool

liegt dem Schloss im Südwesten Frankreichs zu Füßen

k

Das Château wird mit Kronleuchtern aus Baccarat- und

Muranokristall elegant beleuchtet

Wellness für Genießer: mit Innenpool, Massageraum,

Sauna, Hamam und einem Jacuzzi

x

WINTER 2022

105


ARCHITEKTUR

h

Die „Villa Otto“ in Los Flamingos befindet sich auf einem

großen, erhöhten Frontline-Golf-Grundstück und besticht

mit einem atemberaubenden Blick auf das Mittelmeer

Dichte macht Städte vulnerabel und krisenanfällig.“ Aber laut den

Spezialisten sind urbane Zentren weiterhin Magneten für kreative

Köpfe, sie nennen Pull-Faktoren wie einen differenzierten Arbeitsmarkt,

das individuelle Freiheitsversprechen, aber auch den Reiz kultureller

und sozialer Diversität. Also, keine Entwarnung in Sicht,

Wohnen ist und bleibt in Städten ein Luxusgut.

Deshalb überrascht es kaum, dass das dicht besiedelte Hongkong

mit astronomischen Preisen von durchschnittlich über 30.000 Dollar

pro Quadratmeter an der Spitze liegt, gefolgt von Singapur, Seoul und

New York. Die Stadt an der Ostküste der USA ist ohnehin berühmt für

kuriose Superlative. So ist das Stammhaus der Warenhauskette

„Macy’s“ am Herald Square mit etwa 198.000 Quadratmetern das

größte seiner Zunft, das Musical „Phantom der Oper“ wird seit Jänner

1988 am Broadway durchgehend ohne Pause aufgeführt, die U-Bahn

zählt nicht nur zu den ältesten, sondern mit über 337 Streckenkilometern

auch zu den längsten der Welt – um nur einige zu nennen.

Aber am berühmtesten ist der Big Apple wahrscheinlich für die beeindruckende

Skyline, wo sich ein Wolkenkratzer an den nächsten reiht

und sich in den unzähligen Glasfassaden Himmel und Trubel der

Großstadt widerspiegeln. Inmitten all dieser Extreme ragt der höchste

Wohnturm der Welt 472,4 Meter empor und beherbergt nicht nur das

höchste, sondern auch das teuerste Apartment New Yorks. 250 Millionen

Dollar sollte man auf der hohen Kante haben, wenn man in

430 Meter Höhe, auf 1.600 Quadratmetern, die sich über drei Ebenen

erstrecken, residieren möchte. On top kann dieses Penthouse noch

mit der höchsten privaten Terrasse der Welt, sieben Schlafzimmern,

acht Bädern, zwei Küchen und sogar einem eigenen Ballsaal prahlen.

Zweifellos, bei Eigenheimen dieser Größe handelt es sich um keine

Stangenware, sondern um handverlesene Raritäten.

Auch in Dubai wird definitiv nicht gekleckert, sondern geklotzt.

Dabei scheint es nicht mehr zu genügen, nur einen Tower nach dem

anderen aus dem Boden zu stampfen. 2001 wurde begonnen, eine

von ursprünglich drei geplanten künstlichen Inseln in Form einer

Palme anzulegen. Damit hat man global nicht nur für staunende

Blicke, sondern auch für Kopfschütteln gesorgt. Fertiggestellt wurde

bislang nur „The Palm, Jumeirah“, für die schätzungsweise 200 Millionen

Kubikmeter Sand und Steine zum Einsatz kamen. Sie ist 560

Hektar groß und besteht aus einem etwa vier Kilometer langen und

Fotos: Marschall Immobilien

106 WINTER 2022


EXKLUSIVE

EIGENTUMSWOHNUNGEN

im repräsentativen Ambiente eines

historischen Schlossparks in 1190 Wien.

www.schlossparkfreihof.at

Ein Projekt von

Exklusivvermarktung


108


ARCHITEKTUR

600 Meter breiten „Stamm“ sowie insgesamt 16 „Palmwedeln“ und ist

umgeben von einem Wellenbrecher, der vor Sturmfluten schützen

soll. Auf diesem futuristischen Eiland entsteht im Moment ein neues

Hideaway der Gruppe „Six Senses“. Geschickt kombiniert es ein

Luxushotel mit privaten Residenzen. Besonders beeindruckend und

an Komfort nur schwer zu überbieten, präsentieren sich die neun

„Signature Villas“ mit direktem Strandzugang und einer Wohnfläche

von jeweils 2.370 Quadratmetern.

Mit architektonischen Glanzstücken punkten kann auch Tel Aviv,

eine der weltoffensten Metropolen überhaupt. Das 1.500 Quadratmeter

große Penthouse in den „The Jaffa Residences“ wurde vom

berühmten Architekten Pitsou Kedem entworfen und zieht nicht nur

mit einem malerischen Blick auf das Mittelmeer in den Bann, sondern

auch mit einem 1.000 Quadratmeter großen Landschaftsgarten

auf dem Dach. Im Inneren wurde mit intimen Räumen ein besonders

harmonisches Wohnambiente kreiert. Um die Verbindung von Tradition

und Moderne zu betonen, wofür Tel Aviv bekannt ist, haben die

Designer mediterrane Steine und Marmor ausgewählt und mit hellen

Holzböden kombiniert. So exquisit wie die Ausstattung ist auch der

Preis. Zu haben ist dieses noble Penthouse für 65 Millionen Dollar.

Über ausreichend Platz verfügt auch ein atemberaubendes

Schloss in der Dordogne im Südwesten Frankreichs. Das Château

bietet majestätische Eleganz und puren Luxus mit seiner beeindruckenden

klassisch-neugotischen, hochdekorativen Architektur. Man

betritt das Anwesen durch ein schmiedeeisernes Tor mit einem goldenen

Wappen und gelangt über eine von Bäumen gesäumte Allee

im Park zum Ehrenhof. Den neuen Schlossbesitzern stehen auf insgesamt

1.760 Quadratmeter Wohnfläche etliche elegante und helle

Empfangsräume zur Verfügung. Darunter zwei Speisesäle, ein

Hauptsalon mit Blick auf den Pool, ein Musikzimmer sowie eine

h

Vom hellen Wohnzimmer im Penthouse der „The

Jaffa Residences“ hat man einen gigantischen

Blick auf die Skyline von Tel Aviv

Fotos: Photo by Amit Giron | Israel Sotheby’s International Realty

k

Über die stilvolle Wendeltreppe erreicht

man den über 1.000 Quadratmeter großen

Landschaftsgarten auf dem Dach

v

Die Architektur ist eine gelungene Symbiose

aus Tradition und zeitgemäßer Moderne

WINTER 2022

109


ARCHITEKTUR

h

Die neun „Signature Villas“ der „Six Senses

Residences“ in Dubai bieten entspannte

Privatsphäre mit dem Luxus eines direkten

Strandzugangs

x

Auf 2.370 Quadratmetern residiert man großzügig.

Bodentiefe Fensterfronten sorgen für ein helles

und modernes Ambiente

großzügige Master-Suite. Repräsentativ, wie es sich für eine Immobilie

der Königsklasse gehört, funkeln Kronleuchter von Baccarat und

Muranokristall um die Wette, und Designermobiliar von Fendi und

Jean Paul Gaultier sorgt für ein bequemes Wohlfühlambiente. Ein

beleuchteter Tennisplatz, ein Hubschrauberlandeplatz und ein 1,5

Hektar großer See runden das Ensemble ab.

Wesentlich moderner, aber ähnlich prächtig zeigt sich die „Villa

Otto“ im paradiesischen Ort Los Flamingos in Marbella. Entworfen

wurde die Luxusvilla mit der stattlichen Wohnfläche von 2.470 Quadratmetern

vom renommierten Architekturbüro Tobal Arquitectos.

Auf spektakuläre Art und Weise haben die kreativen Genies eine

klassische spanische Finca im futuristisch-modernen Stil realisiert.

Rückzugsmöglichkeiten gibt es bei zwölf Schlafzimmern und ebenso

vielen Bädern mehr als genug.

Wenn man sich am internationalen Immobilienmarkt umschaut,

erkennt man schnell, ein Quäntchen luxuriöser und pompöser geht

immer. Dem menschlichen Größenwahn sind, so scheint es, keinerlei

Grenzen gesetzt. Aber die Expertin Elke Reitmayer warnt, dies seinicht

immer zuträglich für unser Wohlbefinden, und präzisiert,

warum: „ Nicht nur im Sinne der Nachhaltigkeit wäre eine Reduktion

der Wohnfläche empfehlenswert, auch aus psychologischer Sicht ist

eine unbelebte Fläche, die sich präsentiert wie ein Stillleben, zu vermeiden.

Problematisch werden große Räume, wenn man sich in

ihnen verliert. Eine Wohnung wird erst dann zu einem Zuhause,

wenn man sich die Räume zu eigen macht. Kann das nicht geschehen,

ist die übrig gebliebene Fläche wie eine leere Leinwand, die darauf

wartet, dass ihr Leben eingehaucht wird.“

p

Fotos: Christie’s International Real Estate Dubai

110 WINTER 2022


ADVERTORIAL

BELEUCHTETE

Emotionen

Im brandneuen WienLicht Flagship Store erwarten

Sie auf 500 m 2 strahlende Meisterwerke von

Artemide, Bocci, Bomma, Davide Groppi, Flos, Kreon,

Lasvit, Occhio, Qlocktwo, Vibia und viele mehr

Der neue WienLicht Flagship Store

bringt das Herz der Wiener

Innenstadt zum Strahlen

Mitten im ersten Bezirk hat die Zukunft der Beleuchtung begonnen.

Durch die Occhio Gallery by WienLicht betritt man ein neues Zeitalter

des Lichts. Eine sinnliche Erlebniswelt, die zeigt, wie man Licht

in Emotionen verwandelt. Erleben Sie unter anderem die modernste

Occhio Gallery Österreichs. Ein einzigartiger Ort, der zum Verweilen

einlädt und innovative Beleuchtungskonzepte und außergewöhnliche

Ideen aus Technik und Design in einem beeindruckenden

Ambiente präsentiert. Der neue WienLicht Flagship Store in der

Vorlaufstraße 1 ist alles – nur kein klassisches Beleuchtungsgeschäft.

GEPLANTES LICHT IN PERFEKTION

Wir alle schalten Licht ein. Täglich. Selbstverständlich. Licht schafft

Behaglichkeit. Licht gibt Sicherheit. Aber ist Licht ästhetisch? Diese

Frage lässt sich nunmehr ganz neu beantworten. Die WienLicht

Lichtexperten erschaffen aus Ihren Räumlichkeiten Inseln des Lichts.

Einbau. Aufbau. Abhängung. Ganz neue Möglichkeiten, ganz neue

Konzepte, perfekte Lichtstimmungen und Lichtstärken für jeden

Anlass. Diese ästhetische Harmonie mit Ihrer Raumumgebung macht

das von WienLicht geplante Licht in Perfektion zu mehr als einfach

nur Beleuchtung. WienLicht lässt Licht mit Ihren Räumlichkeiten

verschmelzen. Egal ob zu Hause, Büros, Gastronomie oder Hotellerie.

Licht als Teil Ihres Raumkonzepts und Interior Designs. Licht schafft

Funktion und Ästhetik. Licht neu gedacht. Licht neu verwendet.

Geplantes Licht in Perfektion.


112 WINTER 2022


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LICHT ALS ETWAS GANZ BESONDERES

WienLicht MANUFAKTUR

Emotionen entstehen nicht einfach. Sie kommen ans Licht: Daher

bietet WienLicht für design- und lichtverliebte Kunden Speziallösungen

im Rahmen der WienLicht Manufaktur, ein Konzept für besonders

anspruchsvolle und nach Individualität suchende Persönlichkeiten.

Das Know-how dafür liefern die Lichtexperten vor Ort, in

ständiger Zusammenarbeit und in ständigem Austausch mit den

besten Beleuchtungsmanufakturen Europas. Somit ist es möglich, für

kreative Wohnsituationen, Büros, Shops, Lokale und Hotelbetriebe

einzigartige Lichtlösungen zu schaffen. Entdecken Sie bei WienLicht

die schönsten Lichter der Stadt. Mundgeblasene Gläser und Lichtlösungen

kreativer Handwerkskunst finden sich im Rahmen der

Manufaktur.

Das WienLicht Konzept impliziert auch eine neue Art der Darstellung

im Schauraum. Die Kunden sollen die einzigartige Möglichkeit

haben, mit den Produkten vor Ort auf Tuchfühlung zu gehen

und durch die Optik und Haptik von Leuchten bereits vorab ein

Gespür für Material und Wertigkeit zu bekommen. Oberflächenstruktur

und -farbe oder Größe der Leuchte sind nach Wunsch individuell

anpassbar und fertigbar. Lichtplanung als Erlebnis für die

Sinne. Licht schafft Emotion und Ambiente. Licht als etwas ganz

Besonderes. Die WienLicht Manufaktur.

Das WienLicht Team freut sich, mit Ihnen diese Reise durch die

neugestalteten Lichtwelten auf 500 m² antreten zu dürfen. Besuchen

Sie den Schauraum und erleben Sie die langjährige Erfahrung der

sympathischen und charmanten Lichtplanungsprofis. Denn Wien-

Licht kann Glück in Lumen messen.

WienLicht

Emotionen. Beleuchten.

1010 Wien I Vorlaufstraße 1

wienlicht.at

WINTER 2022

113


TheBig9

Redaktion: Christoph Kulmer, Fotos: © Huger

114

WINTER 2022


ARCHITEKTUR

Ob nun Chalet in den

Bergen, Prachtvilla

am Stadtrand oder

futuristisches Penthouse

in der City – in den eigenen

vier Wänden soll jeder

Bewohner den Luxus leben

können, er selbst zu sein.

AURUM 999,9 hat sich nach

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Wohnnutzfläche: 1.540 m2

Baujahr: 19. Jahrhundert, restauriert in

den 1990er-Jahren

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Hamam, Sauna und Fitnesscenter,

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115


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PENTHOUSE-TRAUM

Nähe Stadtpark | 1010 Wien

Wohnfläche: 329 m2

Baujahr: 2018

Highlights: Aufzug direkt in die Wohnung,

Decken- und Wandheizung, wunderschöne

Terrasse mit eigenem Outdoor-Pool,

Weinkeller mit Degustationsraum

marschall.at

vx

TELEGRAPH YARDS

Zollergasse | 1070 Wien

Wohnfläche: 475 m2

Baujahr: 1909, kernsaniert 2021

Highlights: Prächtige Räume mit bis zu fünf

Meter hohen Fenstern, Galerie, um die Wohnfläche

zu vergrößern und eine offene Atmosphäre

zu schaffen, Concierge-Service

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Fotos: Sangreal Properties, FINDMYHOME.MEDIA

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Steyr | 4407 Oberösterreich

Wohnfläche: 426 m2

Baujahr: 2016

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Gestaltung mit Salzwasserpool,

Photovoltaikanlage,

drei offene Kamine,

bestückt mit etwa 35.000

vitalisierenden Berg kristallen

aus Brasilien, Weinkeller,

Heimkino, Wellnessoase

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HIDEAWAY IN MITTERSILL

Mittersill | 5730 Salzburg

Wohnfläche: 450 m2

Baujahr: 2013

Highlights: Repräsentativer, 115 Quadratmeter

großer Wohn- und Essbereich,

Tiefgarage mit Platz für bis zu acht

Fahrzeugen, Schwimmteich, Pergola

mit Jacuzzi, Outdoor-Küche

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Fotos: KITZIMMO – Real Estate – OG, Ferstl Immobilien GmbH

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CHALET TRAVERTIN

Reith bei Kitzbühel | 6370 Tirol

Wohnfläche: 418 m2

Baujahr: 2022

Highlights: Bodentiefe Glasfronten sorgen für ein

helles und gemütliches Ambiente, Panoramablick

auf den Wilden Kaiser, Home-Cinema, Weinkeller,

privates Fitnessstudio und ein moderner Wellnessbereich

laden zum Entspannen ein

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IMPERIAL GARDEN &

GOLDEN DAHLIA

Parkring | 1010 Wien

Wohnfläche: 1.132 m2

Baujahr: 19. Jahrhundert, restauriert 2022

Highlights: Die gesamte Beletage

des Palais, Raumhöhen von

bis zu 5,40 Metern, Zugang zu den

Services des Fünf-Sterne-Luxushotels

„Almanac Vienna“, großzügige

Freiflächen, Concierge-Service

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Fotos: Jamie McGregor Smith & Anna Fichtner, Staterooms: © WSF Group

120 WINTER 2022


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CHALET INFINITY

Reith bei Kitzbühel | 6370 Tirol

Wohnfläche: 480 m2

Baujahr: 2018

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Klagenfurt | 9201 Kärnten

Wohnfläche: 240 m2

Baujahr: 1903, renoviert 2012

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Purtscher (Vorstand der

Österreichisch-Ungarischen

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Fotos: Gerhard Groger Photography, ATV Immobilien GmbH

122 WINTER 2022


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ARCHITEKTUR | PORTRAIT

„ICH BIN CHRONISCH

NEUGIERIG“

Seit mehr als 25 Jahren prägen die architektonischen Glanzstücke der JP Immobilien

Gruppe mit hohem Designanspruch und Funktionalität das Wiener Stadtbild.

Ein Porträt über Gründungspartner und Geschäftsführer Daniel Jelitzka

Von Reinhard Neussner

v

Die spektakuläre Fassade des Projekts „No10“ in der

Renngasse fügt sich harmonisch in das Altbau-

Ensemble der Wiener Innenstadt

Daniel Jelitzka gründete 1996 zusammen mit

seinem Geschäftspartner Reza Akhavan die

JP Immobilien Gruppe

x

„Nach der Matura hatte ich die Möglichkeit, in

New York bei einer Handelsfirma zu arbeiten.

Wie in New York üblich, war die Wohnung,

die ich bezogen habe, extrem teuer. Sie kostete

1.400 Dollar im Monat, wobei ich als

Volontär nur ungefähr 900 verdiente. Kurze

Zeit später hat mich zufällig ein Freund angerufen

und mir erzählt, dass ein Bekannter

seiner Schwester einen Monat Urlaub in

Amerika machen möchte, eine Wohnung

suchen und dafür natürlich auch bezahlen

würde. Als dieser schlussendlich ankam,

sagte er zu mir, er wüsste, New York sei sehr

teuer, und ob ich mit 1.500 Dollar einverstanden

wäre. Da dachte ich mir, das ist ein

super Geschäftsmodell.“ Überraschenderweise

handelt es sich hierbei nicht um die

Anekdote von einem der Airbnb-Gründer

Brian Chesky, Joe Gebbia oder Nathan

Blecharczyk aus dem Silicon Valley, sondern

um das Schlüsselerlebnis der bemerkenswerten

Karriere des Immobilien-Pioniers

Daniel Jelitzka. Wieder in Österreich, hat der

gebürtige Steirer Anfang der 90er-Jahre

Rechtswissenschaften studiert und nach dem

Abschluss die Zusatzausbildung Immobilien-

ökonomie in Frankfurt an der European

Business School absolviert. Schon nach dem

zweiten Tag war er sich sicher, das ist das

Richtige, und bezeichnet diese Entscheidung

bis heute als eine seiner besten überhaupt.

Betrachtet man seinen weiteren Werdegang,

war es definitiv nicht der einzige kluge

Schachzug in seinem Leben. Denn heute

beschäftigt er mit der JP Immobilien Gruppe

etwa 60 Mitarbeiter, sie entwickeln mindestens

20 Wohnobjekte parallel, kaufen jährlich

20 bis 25 neue Zinshäuser und sind mittlerweile

auch ein Big Player bei der Realisierung

von Hotelprojekten. Grundsätzlich basiert

das Unternehmen auf fünf Kernsäulen, wie

der Firmengründer erläutert: „Wir besitzen

ein umfangreiches Zinshausportfolio, zudem

verwirklichen wir als Bauträger 300 bis 400

neue Wohnungen im Jahr, haben eine der

größten Maklerabteilungen des Landes, entwickeln

Hotels in ganz Europa und sind

beteiligt an einer Hausverwaltung, die über

eine Million Quadratmeter betreut.“ Für den

Unternehmer haben alle Bereiche denselben

Stellenwert, aber je nachdem, wie sich der

Markt entwickelt, kann das eine oder das

andere stärker forciert werden. So geschehen

im Bereich Hospitality. Aufgrund von Reisebeschränkungen

und anderen Covid-19-Maßnahmen

war der Hotelsektor stark in Mitleidenschaft

gezogen, viele Objekte waren

dadurch günstig zu haben. Eine Tatsache, die

genutzt wurde. Im Moment entstehen zu

den 13 Hotels, die das Unternehmen besitzt

– zwei davon führt es selbst –, neue Häuser in

Rotterdam, Triest, Madonna di Campiglio,

Kitzbühel, aber auch auf Mallorca und Paros.

Zahlen und Fakten, die eine wirklich

beeindruckende Erfolgsgeschichte belegen.

Ihren Ursprung hat sie vor mehr als 25 Jahren

in einer Freundschaft. Zusammen mit

Reza Akhavan hat Daniel Jelitzka im Herbst

1996 die JP Immobilien Gruppe gegründet,

gemeinsam haben sie, als erstes Projekt, ein

Fotos: JP Immobilien Gruppe

124 WINTER 2022


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ARCHITEKTUR | PORTRAIT

v

Wohlfühlambiente mit

einem gigantischen

360-Grad-Blick

über die Wiener City.

Damit beeindruckt das

Penthouse im Palais

Principe

c

Ein Penthouse, das keine

Wünsche offenlässt:

große Fensterfronten,

520 Quadratmeter

Nutzfläche und ein

privates Spa veredeln

das Innere

Zinshaus gekauft. Und dieses Objekt hatte

für die zwei Senkrechtstarter einige Überraschungen

parat, wie Jelitzka sich erinnert:

„Eigentlich wollten wir nur das Dachgeschoß

ausbauen. Wir sind mit den Plänen der

Immobilie zum Architekten, waren aber von

einer Idee, was entstehen soll, weit weg. Wir

sagten ihm, er sollte es so planen wie für sich

selbst. Nach einer Woche hat er uns angerufen

und gefragt, was wir mit der Fläche im

Hof machen wollen, die man ebenfalls bebauen

kann. Jung und unerfahren wie wir waren,

hatten wir das überhaupt nicht am Radar. Wir

hatten Glück bei diesem Kauf, er war dann

auch die Basis für unsere Folgegeschäfte.“

Seitdem hat sich der Markt in vielerlei Hinsicht

verändert. Er ist nicht nur um einiges

professioneller geworden, wie der Immobilien-Insider

weiß, sondern auch das Umweltbewusstsein

ist gestiegen. „Green Shift ist

auch für die Konsumenten wichtig geworden.

Sie betrachten es als relevant, dass die Immobilie,

die sie erwerben, einen möglichst geringen

CO2-Abdruck hat. Auch viele Investoren

kaufen nur mehr, wenn es diesen Reglements

entspricht.“ So überrascht es nicht, dass gerade

in Zeiten der Klimakrise und steigenden

Energiekosten Technologien wie Geothermie,

also Erdwärme, oder Photovoltaik, aber auch

Luftwärmepumpen immer mehr an Bedeutung

gewinnen. Weitere wichtige Faktoren

beim Kauf einer Immobilie sind separat

begehbare Zimmer, Freiflächen, helle Räume

und eine zentrale Lage. Erfreulicherweise

wächst auch der architektonische Anspruch.

Daniel Jelitzka ist froh darüber, dass „Schuhschachtelprojekte“,

wie er sie selbst nennt,

immer weniger Absatz finden, und merkt an,

dass man bereits mit nur drei Prozent Mehrkosten

überproportional bessere Qualität

schaffen kann. Diese Prämisse hält er natürlich

auch bei den eigenen Projekten hoch.

Strahlende Glanzstücke, die mit der historischen

Architektur der Wiener Innenstadt

eine wunderbare Symbiose ergeben, sind

Highlights wie das „No10“ in der Renngasse

oder das „Kayser“ am Franz-Josefs-Kai. Beide

begeistern ihre aktuellen und künftigen

Bewohner mit zeitlosem Design und praktischen

Amenities wie einem Doorman.

Annehmlichkeiten wie diese werden von der

Käuferklientel im ersten Bezirk sehr

geschätzt, weiß Jelitzka: „Das ist einfach ein

großes Thema. Die Menschen wollen eine

direkte Ansprache, zusätzliche Services, und

natürlich bietet es auch mehr Sicherheit.“

Aber sein aktuelles Lieblingsprojekt ist das

„The Hoxton“ am Rudolf-Sallinger-Platz 1 im

dritten Wiener Gemeindebezirk. Dort soll bis

Herbst 2023, nach eigener Aussage, eines der

„lässigsten Hotels in Wien“ entstehen. 220

Zimmer werden kombiniert mit einem Club

im Keller, einer Sandwichbar im Erdgeschoß,

Meetingräumen, die den gemütlichen

Namen „Apartment“ tragen, und einem

Auditorium mit Galerie für Partys, Konzerte

und diverse Kunst- und Kulturveranstaltungen.

Eingebettet wird das geschickt in die

vorhandene denkmalgeschützte Struktur:

„Wir haben das bei den Umbauten, insbesondere

innen, implementiert. Zum Beispiel

greifen wir mit original Haerdtl-Stühlen oder

Stücken von Carl Auböck das Thema der

1930er-Jahre voll auf.“ Auch privat schätzt er

die Verbindung aus Tradition und Moderne.

So wohnt er in einem Penthouse, realisiert

auf einem wunderschönen Altbau.

126 WINTER 2022



ARCHITEKTUR | PORTRAIT

schen, der beruflich so viel gesehen hat, noch

begeistern kann, antwortet er schmunzelnd:

„Ich bin chronisch neugierig. Mich interessieren

einfach Dinge.“ So steht er jeden Morgen

mit der freudigen Erwartung auf: „Was passiert

heute wieder – aber im positiven Sinn.“

Meistens beginnen die Tage mit Sport. Dreimal

in der Woche spielt er um sieben Uhr

morgens Tennis, und mindestens einmal in

der Woche steht Joggen oder Radfahren auf

dem Trainingsplan, spätestens um 8.45 Uhr

sitzt er im Büro. Zweifellos ein straffer Zeitplan.

Energie dafür geben ihm seine Familie,

allen voran seine Frau und die drei Söhne,

Freunde und auch die Kunst. Seit vielen Jahren

ist er ein begeisterter Sammler zeitgenössischer

Fotografie, mit Schwerpunkt Wiener

Aktionismus und amerikanische Klassiker

nach 1945. „Ich sage immer, eine gute Fotografie

ist wie ein Film. Man sieht sie sich an

und beginnt nachzudenken, was könnte vorv

Eine neue Landmark

am Franz-Josefs-Kai.

Die Residenzen

„Kayser“ überzeugen

als Rückzugsort mit

urbanem Flair

vv

Ab Herbst 2023 wird

dieses Stiegenhaus im

Stil der 1930er-Jahre

wiederbelebt. Dann

eröffnet am Rudolf-

Sallinger-Platz 1 das

erste „The Hoxton“-

Hotel in Wien

Aber wo Licht ist, ist auch Schatten, und wie

fast überall, kämpft auch die Immobilienbranche

aktuell mit einigen Herausforderungen.

Laut Daniel Jelitzka musste man früher

eine Gleichung mit zwei Variablen lösen:

„Wie hoch sind die Baukosten, und bekomme

ich den nötigen Preis.“ Heute sieht die Situation

wahrlich anders aus, und man ist mit

vielen Unbekannten gleichzeitig konfrontiert:

„Veränderung der Rendite-Erwartungen von

Investoren, Zins- und Inflationsentwicklung,

höhere Baukosten, natürlich auch die steigenden

Lebenserhaltungskosten und nicht zu

vergessen der bestehende Ukraine-Konflikt

mit der damit einhergehenden Ressourcenverknappung.

Alles recht komplex momentan,

aber das macht es auch spannend.“ Und das

ist nicht nur eine lapidar formulierte Floskel,

denn der Selfmademan ist in seinem engsten

Umfeld für seine positive Einstellung

bekannt. Auf die Frage, wie man einen Menher

passiert sein und was kommt danach? Sie

haben so viel Leben und auch Verborgenes in

sich, immer wieder entdeckt man neue Handlungsstränge.“

Dabei sieht Daniel Jelitzka

durchaus Gemeinsamkeiten zwischen dem

Kunst- und dem Immobiliensektor: „Der

Immobilienmarkt ist wesentlich transparenter

als der Kunstmarkt, aber beide emotionalisieren.

Und wenn man das Richtige kauft,

stellt es bei beiden eine hohe Beständigkeit

und einen guten Wert dar.“ Auch sein

Geschäftspartner Reza Akhavan ist ein großer

Kunstfan, in die Quere kommen sie sich aber

nicht, denn dieser bevorzugt eher zeitgenössische

darstellende Kunst. 2022 mündete die

gemeinsame Passion schlussendlich in die

Beteiligung an der Kunstmesse „Vienna

Contemporary“. Ein wunderbar kreativer

Melting-Pot, wo man Werke zu Gesicht

bekommt, die man unter Umständen sonst

nicht finden würde. Es werden Künstler in

den Fokus gerückt, die vielleicht keine Bühne

hätten, um sich zu präsentieren. Und genau

das findet Daniel Jelitzka ungemein elektrisierend:

„Kunst polarisiert und regt an,

Gespräche darüber zu führen. Menschen

brauchen Kunst, ist sie doch auch ein Gradmesser

für gesellschaftliche Entwicklung.“

Und wie sollte es anders sein, auch bei unserer

letzten Frage, bei der unsere Gesprächspartner

frei und ohne Barrieren denken sollen,

rückt Daniel Jelitzka den Kunstaspekt in den

Fokus. Mit der passenden Immobilie würde er

gerne einen Ort der Begegnung schaffen,

irgendwo rund um die Schleifmühlgasse, das

Horten-Museum oder das Museumsquartier.

Einen Platz, wo sich Kunstsammler, Kunstsachverständige,

Kunstschaffende und Kunstinteressierte

zum Austausch treffen, mit Ausstellungsflächen,

Storagemöglichkeiten und

Wohnungen für Künstler. Daniel Jelitzka fügt

noch hinzu: „Das wäre mein Traum, der

perfekte Spagat zwischen unserem Geschäft

und unserer privaten Leidenschaft.“ p

128 WINTER 2022


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Handwerkskunst

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Im Gegensatz zu einem traditionellen Museum,

das Fragmente aus der Vergangenheit zeigt, ist das

Museum of the Future in Dubai ein Portal in die

Zukunft. So speziell wie die Exponate, präsentiert

sich auch das ikonische Bauwerk selbst

Von Christoph Kulmer

Fotos: The Museum of the Future

130 WINTER 2022


Auf einem grünen Plateau mit

Ghaf-, Sidr- und Akazienbäumen

sowie Palmen thront das Museum

of the Future in Dubai

ARCHITEKTUR | HIGHLIGHT

v

Die weiße Wendeltreppe ist ein

unübersehbares Designelement

mitten in der Lobby und prägt

somit den gesamten

Eingangsbereich

131


hh

Auf kunstvolle Art und Weise

dringt Licht durch die mit

arabischen Kalligrafien

verzierte Fassade in das Innere

hj

In einem modernen Auditorium

können Wissenschaftler aus aller

Welt ihre neuesten Erkenntnisse

präsentieren

h

Nichts soll von den Exponaten

aus der Zukunft ablenken:

Zurückhaltendes Weiß dominiert

in den Innenräumen

Neugierde auf die Welt von

morgen scheint tief in uns

Menschen verankert zu

sein. Bereits vor Jahrtausenden

hat man versucht, durch ein Orakel in

die Zukunft zu blicken, bis heute hat uns

diese Faszination nicht losgelassen. Ganz

ohne Hokuspokus kann man im Museum of

the Future in Dubai seit 22. Februar 2022 in

ebenjene eintauchen. Geht es nach den

Kuratoren, beherrschen unseren Alltag 2071

virtuelle und erweiterte Realität, Big-Data-

Analysen, künstliche Intelligenz und die

Interaktion zwischen Mensch und Maschine.

Zugegeben, das mag anfangs einschüchtern,

aber umso wichtiger ist es, sich mit diesen

Themen zu beschäftigen. Denn eines sei

gesagt, es ist unmöglich, den Fortschritt aufzuhalten,

aber wir können die Chance ergreifen

und die Zukunft mitgestalten. Raum für

Raum werden die neuesten wissenschaftlichen

Entdeckungen vorgestellt, spannende

Exponate, die Antworten auf Fragen zur

Zukunft der Menschen, Städte, Gesellschaften

und des Lebens auf der Erde geben sollen.

Ebenso futuristisch, in Form eines menschlichen

Auges, präsentiert sich das Gebäude

selbst. Die elliptische Leere in der Mitte steht

für das Unbekannte und somit für die vielen

großen und kleinen Geheimnisse, die es noch

zu entdecken gibt. Entworfen wurde das

77 Meter hohe Wahrzeichen vom Südafrikaner

Shaun Killa und seinem Team von

„Killa Design“. Besonders die mit arabischen

Kalligrafien verzierte Fassade ist ein unübersehbarer

Ausdruck der Leidenschaft für

Kunst, Kultur und das endlose Streben nach

Wissen, Innovation und Fortschritt in Dubai.

Dafür verantwortlich zeichnet der weltweit

bekannte Künstler Mattar bin Lahej: „Die arabische

Kalligrafie ist eine Kunstform, die

unsere Geschichte mit der Zukunft, die vor

uns liegt, verbindet. Die inspirierenden Worte

sind eine Botschaft der Hoffnung, des

Optimismus und der Positivität für eine bessere

Zukunft der Menschheit.“ Drei Auszüge

aus Zitaten Seiner Hoheit Scheich Muhammad

bin Rashid Al Maktum, seines Zeichens

Vizepräsident und Premierminister der Vereinigten

Arabischen Emirate und Herrscher

von Dubai, veredeln die avantgardistische

Gebäudehülle aus Glas und Metall, wobei

eines im Kontext besonders treffend

erscheint: „Die Zukunft gehört denen, die sie

sich vorstellen, sie entwerfen und ausführen

können. Sie ist nicht etwas, das man erwartet,

sondern etwas, das man schafft.“ In 18-monatiger

Detailarbeit wurden schlussendlich die

1.024 Paneele zu einem architektonischen

Meisterwerk zusammengefügt. Seitdem

thront dieses majestätisch auf einem Plateau

und bereichert die Skyline der Metropole. Für

die Landschaftsgärtner war exakt dieser

Hügel eine wahre Herausforderung, ist doch

das Klima der Wüstenstadt, mit Temperaturen

von bis zu 50 Grad im Sommer, nicht

gerade als pflanzenfreundlich bekannt. Aber

mit widerstandsfähigen Gewächsen wie

Ghaf-, Sidr- und Akazienbäumen sowie

einem intelligenten Bewässerungssystem mit

unterirdischen Matten, die das Wasser gezielt

und effizient direkt an die Wurzeln abgeben,

wurde ein prächtiger Garten geschaffen. Ein

wachsendes und blühendes Podest für ein

virtuoses Bauwerk, das uns Einblicke in eine

spannende Zukunft gewährt.

p

132 WINTER 2022


ARCHITEKTUR | HIGHLIGHT

Nach nur wenigen Monaten

avancierte das futuristische

Bauwerk zu einem Wahrzeichen

133




Monica Bellucci, Blumarine, Nice, 1993

136


PHOTOGRAPHY | PORTRAIT

Redaktion: Bernhard Musil, Fotos: Helmut Newton © Helmut Newton Foundation

Hollywood 1996, Copyright Alice Springs

Courtesy Helmut Newton Foundation

Helmut Newton

Welche Schlagworte kommen einem in den Sinn, wenn der

Name Helmut Newton fällt? High Heels? Topmodels?

Hollywoodgrößen? Sexuelle Befreiung? Welche Assoziation

auch immer aufkommt, eines ist gewiss: Newton ist eine Ikone der

Fotografie, seine Inszenierung von Weiblichkeit unverwechselbar.

„Newton-Frauen“ wirken stark und provokativ, sie scheinen den Ton

anzugeben. Augenzwinkernd sagte Grace Jones über ihre Zusammenarbeit

mit dem Fotografen: „He was a little bit pervert, but so

am I, so it is okay.“

Helmut Newton, 1920 in Berlin geboren, begann schon in seiner

Jugend zu fotografieren, erlebte seinen künstlerischen Durchbruch

jedoch erst Mitte der 1950er-Jahre. Da er jüdischer Abstammung war,

sah er sich 1938 – kurz nach seinem 18. Geburtstag – gezwungen, aus

Deutschland zu fliehen. Über Singapur kam er nach Australien, wo er

in den Kriegsjahren seinen Unterhalt als Lkw-Fahrer bei der Armee

und beim Eisenbahnbau verdiente. 1945 eröffnete er ein Fotostudio

in Melbourne. In den folgenden Jahren wurde er australischer Staatsbürger

und heiratete. Seine Frau June war nicht nur Muse und treibende

Kraft, sie fotografierte auch selbst unter dem Pseudonym Alice

Springs. Das Paar blieb bis zu Newtons Tod 2004 unzertrennlich.

Seine Arbeiten für die „Vogue Australia“ generierten das Interesse

anderer Ausgaben des renommierten Magazins – der Startschuss

seiner internationalen Karriere. Newton zog nach Paris und avancierte

in wenigen Jahren zu einem der gefragtesten Fotografen der Welt.

Als „A Gun for Hire“ bezeichnete er sich selbst – so auch der Titel

der überarbeiteten Neuauflage des Bildbands, den die Berliner Helmut

Newton Stiftung anlässlich ihrer neuesten Ausstellung im Taschen-

Verlag publiziert. „Helmut Newton. Brands“ wird am 2. Dezember

2022 eröffnet und läuft bis zum 14. Mai 2023. Gezeigt werden nicht

nur Newtons publizierte Visualisierungen kommerzieller Güter, sondern

auch sein Schaffensprozess. Anhand von über 200 Fotografien

wird veranschaulicht, dass Newton stets seiner Liebe zur menschlichen

Form treu blieb – egal, ob er Produkte wie Abendkleider, Rotwein

und Sägeblätter in den Vordergrund stellte oder sie lediglich zum

Beiwerk machte. In Wien besteht ebenfalls die Möglichkeit, in Newtons

Kosmos einzutauchen. Die Retrospektive „Helmut Newton Legacy“ ist

noch bis zum 15. Januar 2023 im Kunstforum Wien zu bewundern.

helmutnewton.com

WINTER 2022

137


Paul Picot Watches, Monte Carlo, 1992

138 WINTER 2022


PHOTOGRAPHY | PORTRAIT

Advertisement for Jimmy Choo, Polaroid, Monte Carlo, 1992

139


PHOTOGRAPHY | PORTRAIT

Nadja Auermann, Blumarine, Monte Carlo, 1993

140


Advertisement for Ca’ del Bosco, Erbusco, Italy, 1989

WINTER 2022

141


PHOTOGRAPHY | PORTRAIT

Advertisement for Givenchy Parfum, Monte Carlo, 1996

142 WINTER 2022


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Jahrhundertwendehaus nahe dem Standesamt,

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ausbaubarer Dachboden. Obj. Nr. 960/61882,

HWB 167 kWh/m², fGEE 2,83, Kaufpreis auf Anfrage.

Karin Bosch, MBA

Leitung Wien Süd & NÖ Süd,

Leitung Exklusivimmobilien W/NÖ/Bgld/Sbg

T +43 5 0100 - 26231

karin.bosch@sreal.at


Wohnraum und Küche verschmelzen zum Herzstück

des Hauses. Gemäß dem Firmenmotto „Der Mayrhofer.

Denkt. Plant. Tischlert.“ findet man eine Fülle

von Ideen und Beispielen wie Esszimmerensembles

von Bielefelder Werkstätten und Rolf Benz

O

Im Programm sind internationale Designermöbel,

etwa Sitzgruppen und Couchtische

von Bielefelder Werkstätten

U

Reine Maßarbeit: ein Traumbad made by

Der Mayrhofer

Text: Alice Mandel, Fotos: Mark Sengstbratl / Der Mayrhofer

144


LIVING | SHOWROOM NATIONAL

Mit Maß

und Stil

Was zählt, ist Qualität. Mit diesem Credo

verbindet Der Mayrhofer im Mühlviertel

traditionelles Tischlerhandwerk und

modernes Design in seinem Showroom

h

Ein Mittelpunkt im Showroom sind die Premiumküchen

der italienischen Marke Valcucine

Ein neues Heim einrichten, umbauen oder Räume renovieren – für

viele Menschen eine Herkulesaufgabe. Die die meisten alleine wohl

gar nicht bewältigen wollen. Denn dafür gibt es Profis mit jahrzehntelanger

Erfahrung, die praktisch helfen, bei technischen wie bei Stilfragen

informieren und die persönlich beste aller Wohnwelten

schaffen. Hierin ist Der Mayrhofer ein hochgeschätzter Experte.

Seit 1987 existiert der bekannte Familienbetrieb, der eine Tischlerei

in St. Veit im Mühlkreis und einen Showroom in Pasching führt, der

im Vorjahr erweitert wurde. Der Erfolg verdankt sich, verrät

Geschäftsführer Florian Mayrhofer, einem eisernen Grundsatz, den

sein Vater prägte: „Wir wollen für jede Kundin und jeden Kunden das

Optimum herausholen – und zwar für jedes Budget, ob größer oder

kleiner spielt keine Rolle.“ Was aber die Hauptrolle spielt, ist das

Bekenntnis zu höchster Qualität. „Der Antrieb für unser Geschäft war

und ist, dass Qualität die absolute Leitlinie ist und den Preis rechtfertigen

muss.“

Bewusst bewegt sich Der Mayrhofer im gehobenen Segment, was

die Preise wie den Standard der angebotenen Leistungen und exklusiven

Premiummöbel betrifft. Diese werden angemessen im neu gestalteten

Showroom präsentiert, nach dem Umbau „noch hochwertiger, stilvoller

und eleganter“. Interessenten finden ausgewählte Modelle, mit

denen sie ihr Zuhause perfekt upgraden können, etwa mit Brands wie

Rolf Benz, Draenert und Bielefelder Werkstätten, neben Spectral, Trapa

und mehr. Als spezielles Highlight zeigt man die erstklassigen Küchen

von Valcucine, der italienische Hersteller ist ein enger Partner. Und hier

berät geschultes Personal fundiert.

Dass ebenso Heimtextilien, Böden, Türen und vielfältige

Accessoires zu sehen sind, gehört zum Konzept und ist gelebte Unternehmensphilosophie.

Als Komplettanbieter kombiniert man Innengestaltung,

Raumausstattung und Handwerk und erstellt professionelle

Gesamtlösungen vom Holzboden bis zum Vorhang. Das reicht von der

Hardware (Elektrik, Montage etc.) bis zur Software, also perfekt abgestimmtem

Mobiliar. Kunden können zwischen Designerprodukten,

Eigenentwürfen, Unikaten, Sonderanfertigungen oder einem Mix aus

allem wählen. In der eigenen – laut Inhaber – „Tischlerei 4.0“ werden

dann Extrawünsche oder Maßmöbel gefertigt: „Uns geht es um die

ganzheitliche und nachhaltige Verbindung von traditionellem Handwerk

mit moderner Technologie und Planung. Wir beschäftigen mehrere

Tischlermeister, damit garantieren wir einen exzellenten Service".

Und natürlich Qualität, sei es ein internationales Designer- oder ein

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1

3

2

4

5

6

7

1 Farbfantasie: In Serie wirken die Wandleuchten „Jud“ aus Messing und Glas, die es in mehreren Farben gibt, wie Lichtkunst. Von Draga & Aurel

über Artemest, draga-aurel.com, artemest.com 2 Organisch: Stardesigner Jean-Marie Massaud zitiert mit dem Hocker „Ube“ aus schwarzem

Massivholz die Seychellennuss. Von Poliform, poliform.it 3 Schicke Wärme: Der zylindrische Kaminofen „Lux“ aus Stahl heizt ein und

begeistert mit modernem Design und behaglichem Feuerschein. Von Austroflamm, austroflamm.com 4 Platz für alle: Als Komfortzone in

großen Räumen ist das weiche Sofa „Standalto“ mit innovativen Kissen ideal. Von Francesco Binfaré für Edra, edra.com 5 Ombre-Effekt:

samtiger Teppich „Linus“ aus changierendem Glanzvelours mit Farbverlauf aus der „Forum“-Kollektion von Object Carpet, object-carpet.com

6 Neue Ikone: Eine Hommage an die 1950er-Jahre und Hängematten ist der Sessel „Yoell“ von Vincent Van Duysen für Molteni & C, molteni.it

Fotos: Luca Merli, Hersteller, Artemest

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LIVING

8

9

10

GRÖSSE

ZEIGEN

Wohnzimmer

11

12

13

7 Duftes Design: Der „Smart Home Diffuser“ kombiniert Raumdüfte von Acqua di Parma und Luxusleder von Poltrona Frau, Entwurf von

GamFratesi, acquadiparma.com 8 Lichtwolke: Spektakulär schweben die Leuchten „Nuvola“ aus weißem Fiberglas von Draga & Aurel in

verschiedenen Formen in der Höhe. Von Baxter, baxter.it 9 Anschmiegsam: fashionabler Hochlehner mit Stoff und Lederrücken vom Designer-

Duo Front für Frigerio, frigeriosalotti.it 10 Cool: Virgil Abloh entwickelte die Möbelblöcke „Modular Imagination“ aus recyceltem Holz, die als

Hocker, Bank oder Tisch dienen. Von Cassina, cassina.com 11 Hoher Schauwert: Das elegante TV-Board „Soul“ von Giuseppe Viganò mixt Holz,

Marmor und Metall. Von Turri, turri. it 12 Glanzpunkt: Beistelltisch „Louver“ von Rodolfo Dordoni mit schimmernden Lackplatten von Minotti,

minotti.com 13 Statement-Piece: So groß (230 x 240 cm) wie ein echtes Pferd ist die bekannte „Horse Lamp“ von Front für Moooi, moooi.com

WINTER 2022

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1

3

2

GRANDE

CUISINE

Küche & Esszimmer

4

5

6

1 Multifunktional: innovative Wärmeschublade aus der „Serie 400“ zum Sanftgaren, Erhitzen und Trocknen von Speisen. Von Gaggenau,

gaggenau.com 2 Doppelter Einsatz: Schneide- und Servierbrett „Stone“ aus Marmor mit abnehmbaren Messingschälchen. Von Tom Dixon,

tomdixon.net 3 Bestechend: versilbertes Besteck „Aria“ mit 24-karätigem Goldring von Bernard Yot für Christofle über Artedona, christofle.com,

artedona.com 4 Sweet: Kuchen und süße Köstlichkeiten präsentiert der Kuchenständer „Victoria“ von Designerin Bethan Gray, handgeschnitzt

aus Arabescato-Marmor und mit gebürstetem Messinggestell. Von Editions Milano, editionsmilano.com 5 Klarsichtig: Moderne Formen

und rhythmische Linien prägen die Kristallgläser mit Goldrand aus Pierre Charpins Kollektion „Cadence“ für Saint-Louis, saint-louis.com

6 High Class: Ultraweiches braunes Leder veredelt den Barhocker „Nobile Soft“ aus der Feder von Gino Carollo. Von Draenert, draenert.de

Fotos: Hersteller, Artedona

150 WINTER 2022


LIVING

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11

10

8

9

8

7

7 Dinner im Wintergarten: Karaffe und Dessertteller „Smoky Jardin d’Hiver Large Night Bird“ aus Porzellan sind inspiriert von Maria Grazia

Chiuris aktueller Kollektion. Von Dior Maison, dior.com 8 Geschmackvoll: Mehr Schrein als Schrank ist „Shibusa“, den Mauro Lipparini mit

Rauchglastüren, Eschenholz und viel Stil ausstattete. Von Giorgetti, giorgettimeda.com 9 Tafelrunde: Antike Refektoriumstische sind das Vorbild

für Giuseppe Bavusos Esstisch „Francis“ mit achteckigem Metallgestell und schwarzem Marmor Nero Marquina. Von Rimadesio, rimadesio.it

10 Cozy: Sanfte Rundungen, edler Stoff und Holzbeine machen den Esszimmersessel „Sendai“ elegant. Von Inoda + Sveje für Minotti,

minotti.com 11 Bewahrt Gutes: Lorenza Bozzolis handgefertigte Vorratsdose „Miss Marble“ aus grünem Guatemala-Marmor. Von Editions Milano,

editionsmilano.com 12 Küchenmagie: Zwei Küchenblöcke mit hell und anthrazitfarben geäderten Keramikoberflächen, ein Eichenfurnier-Board

und eine Quarzsteinkomposit-Arbeitsplatte formen auf sechs Meter Länge „The Treasure of Arthur“ von Poggenpohl, poggenpohl.com

151


3

2

1

4

6

5

1 Königin der Nacht: Die handgefertigte Stehleuchte „Reine“ von Chape & Mache erstrahlt in weißem 3D-Stoff mit zentralem Leuchtelement.

Von Roche Bobois, roche-bobois.com 2 Winterwarm: elegante Zierkissen aus reiner Wolle aus der Kooperation von Loro Piana und Poltrona

Frau, poltronafrau.com 3 Soft: Tagesdecke „Contemporary“ aus zertifizierter, gekämmter Baumwolle mit grafischem Muster von Kristina Dam

Studio, kristinadam.dk 4 In Luxus schlafen: Das opulente Bett „The Rocco No. 1“ besitzt ein handgepolstertes Kopfteil, samtbezogene Seitenteile

sowie Zierelemente aus gebürstetem Gold und ist mit Carrara-Marmor eingefasst. Von Savoir, savoirbeds.com 5 Juwel: Brad Ascalons schmucker

Paravent „Gemstone“ aus Eschenholz und Rattangeflecht in Edelsteinform. Von Ligne Roset, ligne-roset.com 6 Ménage-à-trois: Bei den drei

Poufs „Soft Corners“ mit Stoff- oder Lederbezug spielt Designerin Linde Freya Tangelder mit geometrischen Formen. Von Cassina, cassina.com

Fotos: Hersteller, Luca Merli, Artemest

152 WINTER 2022


LIVING

8

7

GROSSE

TRÄUME

Schlafzimmer

9

10

12

13

11

7 High Art: Ein Kunstwerk ist der fantasievolle „Paradise Chandelier“ mit Elementen aus Messing, Glas und Kettendetails. Von Lindsey Adelman,

lindseyadelman.com 8 Impressionen: sanft gerundetes Sofa „Renoir“ mit elegantem Muster von Armani Casa, armani.com 9 Round Midnight:

mehrfarbiger Beistelltisch „Agatha 3 Tops“ aus Bronzeharz von Draga & Aurel über Artemest, draga-aurel.com, artemest.com 10 Exquisit: Den

Louis-seize-Stil zitiert Stardesigner Philippe Starck beim Sessel „Miss Dior“ für Dior Maison, dior.com 11 Guter Ton: Sitz- und Bettbank „Pan

Flute“ von Paolo Grasselli für Saba, sabaitalia.com 12 Farbenspiel: handgefertigte Glasvase „Cloudy Butterflies“ von Ex-Model Claudia Schiffer für

Vista Alegre, vistaalegre.com 13 Zugeknöpft: edle Kommode „Smart“ aus Canaletto-Nussbaumholz und Messing von Armani Casa, armani.com

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LIVING

10

8

9

1

A BIGGER

SPLASH

Badezimmer

7

9

2

6

4

3

5

1 Purer Stil: Mikal Harrsen gestaltete die modulare Badkollektion „R.I.G.“ aus Metall, Marmor oder Stein. Von Boffi, boffi.com 2 Steinreich: Den

Beistelltisch „Plinth“ aus italienischem Calacatta-Viola-Marmor kreierten Norm Architects. Von Menu, menuspace.com 3 Kuschelig: Kimono-

Bademantel „K Léopard“ aus Baumwolljacquard von Kenzo über Yves Delorme, yvesdelorme.com 4 Blumig: Raumduft „Peau d’Ailleurs“ von

Philippe Starck aus der „Maison Berger Paris × Starck“-Kooperation, gefertigt aus Glas mit Metallring, maison-berger.de 5 Exakte Kunst: Die eckige

Badewanne „Face à face“ aus weißem Marmor schuf Stararchitekt Jean Nouvel. Von Agape, agapedesign.it 6 Geometrisch: Mit Linien spielen die

„Tramato“-Metallschränke von Gumdesign für Antoniolupi, antoniolupi.it 7 Lichtgestalt: Kerzenständer „Compono“ aus Aluminium mit flexiblen

Elementen von AYTM, aytmdesign.com 8 Im Flow: Reflexionen auf dem Wasser inspirierten Nicolas Terzani zur Leuchte „Mizu“ aus goldschimmerndem

Kristallglas. Von Terzani, terzani.com 9 Zen-Style: Japanische Sitzkultur ehren Norm Architects mit dem Loungesessel „Rest“ aus

Samt. Von Ex.t, ex-t.com 10 Selfie: Jeder „Floreo“-Spiegel ist ein vom Künstler Signe Kejlbo handbemaltes Unikat für AYTM, aytmdesign.com

Fotos: Hersteller

154 WINTER 2022


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LIVING | PORTRAIT

GANZ SCHÖN

AUFGEWECKT

Eine Stunde von Stockholm entfernt, im

idyllischen und so gar nicht verschlafenen

Köping, werden bei Hästens seit 170 Jahren

Betten gebaut, die es zu Weltruhm gebracht

haben. AURUM 999,9 hat die schwedische

Manufaktur besucht und CEO Jan Ryde zum

persönlichen Interview getroffen

Von Barbara Jahn

Als Pehr Adolf Janson, ein gelernter Sattelmacher, 1852 die Idee hatte,

Matratzen mit Rosshaar zu füllen, konnte er noch nicht ahnen, dass

dies der Grundstein für das teuerste Bett der Welt sein würde, das

rund 170 Jahre später entworfen werden sollte. Es war eine mit ebendiesem

Rosshaar gefütterte Satteldecke für Pferde, die ihn auf den

besonderen Komfort aufmerksam machte. Warum das Material also

nicht auch für ein Bett einsetzen? Und tatsächlich: Schon bald stellten

sich die ersten Erfolge bei der Matratzenproduktion ein. Während

seine Söhne Per Thure und Adolf Fredrik beide Geschäftszweige

gleichermaßen weiterverfolgten, fokussierte sein Enkelsohn David

Janson – der Großvater des heutigen Hästens-Chefs Jan Ryde – ab

1917 nur noch auf die Matratzen und zog mit der Produktion aufs

Land ins beschauliche Köping.

Heute wie damals springt einem gleich das charakteristische Pferd

des Logos ins Auge, das weithin sichtbar auf dem sanft gewellten Tonnendach

des 1950 von Architekt Ralph Erskine entworfenen Gebäudes

mit angeschlossener Produktionshalle angebracht ist. Kein Wunder:

Der Name Hästens bedeutet aus dem Schwedischen übersetzt „Pferd“

und ist deshalb mit den edlen Tieren eng verwoben. Er beschreibt

mit diesem einen Wort exakt die Herkunft des nun schon in fünfter

Generation geführten Familienunternehmens. Aber nicht nur die

Architektur des Firmensitzes, der rund 50 Jahre später vom gleichen

Architekten erweitert wurde, spiegelt die Tradition der renommierten

Bettenmanufaktur wider, die seit den frühen 1950er-Jahren sogar den

schwedischen Königshof beliefert. Ebenso wie das Pferd ist das von

Jan Rydes Vater 1978 entworfene „Blue Check“-Design das Markenzeichen

von Hästens schlechthin und Ausdruck von Werten, die den

heutigen Unternehmenschef immer noch begleiten.

156 WINTER 2022


„Wir bieten das beste

Produkt für den

Schlaf, damit die

Menschen die beste

Version ihrer selbst

sein können. Auf

diese Weise machen

wir die Welt mit

jedem Kunden, den

wir erreichen, ein

bisschen besser“

Jan Ryde, CEO und Eigentümer, Hästens

h

Erst der Rücken der Pferde,

dann ihr besonderes Haar:

Hästens schenkt mit seinen

handgefertigten Matratzen

den bestmöglichen Schlaf

Fotos: Hästens, Hästens | Simon Procter

k

König Gustav VI. Adolf

ernannte Hästens zum

königlichen Hoflieferanten

und besuchte 1953

persönlich die Fabrik

157


LIVING | PORTRAIT

O

Die Produktion von Hästens

ist heute zweifelsohne

moderner, hält sich aber

streng an die Tradition

k

Alle Betten von Hästens bestehen aus zwei oder

mehreren zusammenwirkenden Federsystemen für die

beste Unterstützung und Entspannung des Körpers

Doch wie war das 1988, als Jan Ryde von seinem Vater das Ruder bei

Hästens übernahm? Wollte er eigentlich in die Fußstapfen seiner Vorfahren

treten? „Seit ich ein kleines Kind war, war ich schon immer in

das Familienunternehmen eingebunden. Meine ersten Erinnerungen

sind die, als mich mein Vater in die Hästens-Fabrik mitnahm.

Als ich erwachsen war, hatte ich allerdings das

Gefühl, dass ich außerhalb des Familienunternehmens

etwas anderes machen sollte, und begann als Herausforderung

für mich selbst eine akademische Laufbahn

einzuschlagen“, erinnert sich Jan Ryde an die Anfänge.

Doch es war die Liebe, die ihn schließlich wieder nach

Köping zurückführte. „Nach meinem Studienabschluss

blieb ich als Doktorand an der Universität Linköping,

wo ich gerade meinen Master of Science gemacht hatte.

Mein Plan war es, im Lehrerberuf zu bleiben, bis ich

mich in eine schöne Frau verliebte, die bei Hästens in

Köping arbeitete, und beschloss, zurückzugehen, um das

Unternehmen gemeinsam mit ihr zu führen.“

Das friedliche Landleben von Köping ist ein Teil von

Jan Rydes Firmenphilosophie. Das Handwerk wird hier

hochgehalten und ist die Essenz jedes einzelnen Hästens-

Bettes. Auch die tiefe Zufriedenheit, die ganz offensichtlich

alle Mitglieder dieser großen Unternehmensfamilie,

zu der sich auch alle Mitarbeiter zählen dürfen, empfinden,

schwingt hier bei jedem Handgriff mit. Das hätte

auch etwas mit der Architektur zu tun, sagt Ryde. „Unsere

Fabrik wurde von meinem Großvater David Janson zusammen mit

dem damals jungen Ralph Erskine erbaut. Wir nennen sie die ,Traumfabrik‘,

die jedem, der in der Produktion arbeitet, den bestmöglichen

Arbeitsplatz bietet. Sie ist geräumig, hat viel natürliches Licht und

Luft und stellt die Menschen, die hier arbeiten, in den Mittelpunkt.“

Ganz gleich, wer welche Aufgabe erfüllt – vom Befüllen mit Rosshaar

über das Nähen der Matratzen und Zuschneiden des Leders

bis hin zum Anbringen der Beschläge: Es wird mit Freude gemacht.

„Wir sind sehr dankbar, dass wir in der Fabrik Handwerker haben, die

ebenfalls seit Generationen hier arbeiten. Die Handwerkskunst wird

von Müttern und Vätern an ihre Kinder weitergegeben, die ihrerseits

sehr stolz darauf sind, für Hästens zu arbeiten.“

O

Designer Ferris Rafauli legt

den Luxus in die Wiege. Er hat

mit Hästens das teuerste Bett

der Welt geschaffen

Empathie und

Fußstapfen

Auch Jan Rydes Nachwuchs,

Lukas und David, zwei seiner

Söhne, arbeitet bereits bei

Hästens. Sie lernen gerade das Handwerk und das Unternehmen

kennen und werden in Zukunft mit ihrem Vater und dem übrigen

Hästens-Team zusammenarbeiten. Es bedeutet ihm viel, dass auch

er selbst sein Know-how wie seine Mitarbeiter an die nächste Generation

weitergeben kann. „Wenn man in einem Hästens-Bett schläft,

ruht man sich auf 170 Jahren Erfahrung aus. Wir folgen keinen Trends,

denn wir wissen, dass die Menschen heute noch genauso schlafen

wie damals vor 170 Jahren. Unsere Produkte werden ständig weiterentwickelt,

aber die Veränderungen sind sehr gering. Wenn unser

Gründer heute in die Fabrik käme, würde er die von uns verwendete

Technik wiedererkennen. Wir wissen, dass die Menschen die richtige

Temperatur, Unterstützung und Ruhe brauchen, um gut zu schlafen.

158


h

Hier stimmt alles bis

ins kleinste Detail: die

Basis von „Grand

Vividus“, in vielen

einzelnen Handgriffen

gefertigt

E

Der charakteristische

„Blue Check“ von

Hästens hat weitere,

farbenfrohe „Karo-

Verstärkung“ bekommen

k

Wer einmal in einem

„Grand Vividus“ gelegen

ist, möchte nie wieder

aufstehen – die ganze

Handwerkskunst von

Hästens vereint in

einem Produkt

Das ist etwas, das wir in unsere Betten einbauen“, sagt Jan Ryde, dem

vor allem eines viel bedeutet: „Bescheidenheit und Offenheit für das

Lernen sind für mich sehr wichtig. Wir sind nie fertig, entwickeln uns

immer weiter und wachsen als Menschen. Wenn man authentisch ist,

ehrlich und offen mit seinen Unzulänglichkeiten umgeht, zeigt das,

dass man bereit ist, zu lernen. Deshalb ist es wichtig, einfach man

selbst zu sein und darauf zu vertrauen, dass das ausreicht.“

Heute setzt Hästens neue Maßstäbe in der Bettenbranche. Der beste

Beweis dafür ist die Entwicklung des teuersten Bettes der Welt, das

zusammen mit dem kanadischen Interior-Designer Ferris Rafauli entwickelt

wurde. Jan Ryde sah ganz klar eine Marktlücke und das unternehmerische

Potenzial, es umzusetzen. „Es war ein großes Projekt,

an dem wir wachsen und uns selbst herausfordern konnten. Ich war

davon überzeugt, dass es dafür eine Nachfrage gibt. Und heute gibt

es sogar eine Warteliste.“ Das „Grand Vividus“, das vor allem bei vielen

Berühmtheiten aus Hollywood und aus dem Showbusiness zu Hause

steht und immer noch stark nachgefragt ist, wird in nicht weniger

als 600 Arbeitsstunden hergestellt. Zahlreiche außergewöhnliche

und edle Details wie Schnallen und Riemen oder Stoffe und Leder

erinnern an die Sattlerei, die der Idee zum Bett voranging. All das

rechtfertigt auch den stolzen Preis, der im sechsstelligen Bereich

angesiedelt ist. „Zunächst habe ich mich eingehend mit der Marke

Hästens befasst, mich mit ihren Wurzeln in der Sattelherstellung und

der meisterlichen Handwerkskunst auseinandergesetzt“, beschreibt

Ferris Rafauli seinen gestalterischen Zugang. „Ich empfand es als meine

Pflicht angesichts der reichen Geschichte, die 1852 begann, dies

zu tun. Bei der Entwicklung von Designs für die Gegenwart und für

die Zukunft lasse ich mich oft von der Vergangenheit inspirieren.“ Der

Anspruch war jedoch nicht der rekordverdächtige Kaufpreis, stellt Jan

Ryde klar: „Wir haben uns verpflichtet, das beste Bett zu schaffen, das

man herstellen kann. Die besten Materialien, die beste Handwerkskunst

und die höchste Dichte an Energie fließen in jedes Bett. Wir

haben eine Leidenschaft für Spitzenleistungen, und unsere Betten

werden ohne Kompromisse in Bezug auf die Materialien oder die Zeit,

die für die Herstellung benötigt wird, hergestellt.“

WINTER 2022

159


LIVING | PORTRAIT

k

Zwei Geschichten, die eng verbunden sind: Jan Ryde

vor dem Hästens-Gebäude aus den 1950ern

x

Die Architektur der Produktionshalle

spielte immer eine wichtige Rolle für das

Wohlbefinden der Mitarbeiter

x

Bett „drēm r“ stammt

ebenfalls aus der Feder

von Designer Ferris

Rafauli und wurde zum

Jubiläum kreiert

„Wir sind sehr

stolz auf unser

Produkt, und wir

haben alle die

gleiche Mission.

Das schafft ein

Gefühl von Stolz

und Engagement“

Jan Ryde, CEO und Eigentümer, Hästens

Ein Bett ist dann ein gutes Bett, wenn es von Menschen gemacht

wird, die lieben, was sie tun. An dieser Stelle kommt bei Hästens das

schwedische Wort „avsikt“ ins Spiel, was bedeutet, jedem Detail mit

der Absicht zu begegnen, dass die Menschen schnell einschlafen und

durchschlafen können. Von Millionen von Federn bis hin zum besten

natürlichen Belüftungssystem wurde jede Einzelheit in Betten von

Hästens über Generationen hinweg durchdacht und verbessert. Nun

sind es 170 Jahre gesammelte Erfahrung. Aber es sei auch wichtig,

daran zu denken, dass das Bett nicht die Lösung für alles ist, meint

der erfolgreiche Unternehmer, der mit Stolz und großem Respekt

das Unternehmen mit der gleichen „avsikt“ wie sein Ururgroßvater

Pehr Adolf führt, nämlich das bestmögliche Produkt herzustellen.

„Man muss sich um sich selbst kümmern und darf seinen Körper

und Geist nicht missbrauchen, wenn man den bestmöglichen Schlaf

bekommen will. Ich sage den Menschen oft, dass sie ihr Leben entschleunigen

sollen, denn das bringt mehr Klarheit, Ruhe und Frieden,

und es macht die Arbeit wie auch das Leben besser. Wir stellen

Produkte her, auf die wir stolz sind und die wir mit Stolz an unsere

Nachbarn liefern können.“ Trotz seiner Energie zeigt Jan Ryde auch

seine nachdenkliche Seite, was ihn unglaublich sympathisch macht.

„Ich habe eine Phase durchgemacht, die ich als ,dunkle Zeit‘ bezeich-

ne, als meine Ehe endete und meine Mutter starb. Ich zweifelte an

meinen eigenen Fähigkeiten als CEO von Hästens und zog mich in

den 2000er- bis frühen 2010er-Jahren aus dieser Position zurück.

Dies brachte Hästens an den Rand des Bankrotts, da in dieser Zeit

viele unserer Kernwerte verloren gingen“, erinnert er sich. „Doch

dieser Prozess hat mich viel über Bescheidenheit, Offenheit und

die Bedeutung der Entschleunigung gelehrt. Das ist etwas, was ich

mitgenommen habe, als ich wieder als CEO zurückkam. Ich vertraue

jetzt meinem eigenen Bauchgefühl und weiche nicht von unserer

Mission ab, indem ich Trends folge oder Kompromisse bei der Qualität

eingehe. Es ist möglich, sich zu verändern und zu verbessern. Das

ist etwas, das ich mit meinen Kollegen und der ganzen Welt teilen

möchte.“ Seitdem ist Jan Ryde voller Tatendrang und hat Hästens

zu einem Unternehmen von Weltrang gemacht, das in 48 Ländern

aktiv ist und mit rund 300 internationalen Partnern zusammenarbeitet,

darunter vier österreichischen in Wien, Salzburg, Lienz

und Dornbirn. Doch er denkt die Zukunft weiter. „Ich bin immer auf

der Suche nach Verbesserungen, sowohl bei mir selbst als auch bei

unseren Produkten. Bei Hästens gibt es immer wieder erstaunliche

und aufregende Dinge zu erleben. Aber ich freue mich besonders,

dass ich in naher Zukunft auch ein Buch veröffentlichen werde.“ p

160 WINTER 2022


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Für viele der ultimative Luxus: das eigene Schloss. Dafür braucht es keinen

Adelstitel, sondern Zeit, Geduld und echte Passion für das Schöne.

Nach jahrelanger intensiver Restauration ist dieses Architekturjuwel

entstanden, das eine stolze Vergangenheit mit modernem Komfort und

Design verbindet. Eine Transformation vom Einst ins Jetzt

Von Alice Mandel

Fotos: Roland Unger, Gebhard Sengmüller

162

WINTER 2022


LIVING

x

Englische Gartenarchitektur verwandelt

den Schlosspark in ein weitläufiges grünes

Paradies, zu dem auch ein Outdoorpool

und Schwimmteich gehören (Foto oben).

Die privaten Refugien sind mit den Sofas

„Island“ von Paola Lenti (Foto oben) und

Loungemöbeln aus der „Alura Lounge“-Serie

von Royal Botania ausgestattet sowie mit der

Hängeliege „Wave“ (Foto unten Mitte)

P

Noblesse oblige: Royalen Luxus verströmen

majestätische, sieben Meter hohe Wände,

herrschaftlicher Stuck und ein italienischer

Kalksteinboden von Breitwieser.

Die gesamte Welt zu Füßen legt die

Globensammlung

k

Ein Kronleuchter und ein italienischer

Gussterrazzoboden von Breitwieser prägen den

Raum. Adäquate Begleiter: Sofas, Armsessel,

Hocker und Beistelltische von Flexform.

Teppich „Flex ArtSilk“ von Living Carpets

163


Die Kronleuchter wurden bei Auktionen

ersteigert, das Sofa „Groundpiece“ mit

passenden Ottomanen stammt von Flexform,

die Tischleuchte von Santa & Cole (l. o.).

Im luxuriösen Bad dominieren warme Farbtöne

und edle Natursteinelemente wie die Wand aus

„Quarz Lumix Wow“ (r. o.), ein Blickfang ist der

gespachtelte und geschliffene Travertin-

Kalkstein (Fotos untere Reihe), alles von

Breitwieser

Der Traum vom eigenen Schloss ist vermutlich

so alt wie die Einrichtungsgeschichte. Seit

jeher steht es für adeligen Luxus und ein weitläufiges

Wohnreich. Dieser Traum ging mit

einem herrschaftlichen Anwesen für seine

Besitzer in Erfüllung, nahe Wien liegt das

stolze Bauwerk in einer ebenbürtig schönen

parkähnlichen Anlage mit englischer Gartenarchitektur.

Der fast märchenhafte Ort atmet,

wie könnte es anders sein, Historie pur. Erstmals

im 16. Jahrhundert urkundlich erwähnt,

stammt das aktuelle Gebäude aus dem

17. Jahrhundert und ist heute ein Privatwohnsitz,

der Eindruck macht. Mit enormem Aufwand,

Akribie und großer Leidenschaft wurde

dieses ambitionierte Projekt über mehrere

Jahre mit Hingabe, Know-how und Respekt

vor dem Kulturgut restauriert. Unter der Prämisse,

den Altbestand bestmöglich zu erhalten,

förderte das engagierte Architektenteam

wahre Schätze zutage. So wurden originale

Böden freigelegt und mithilfe des Natursteinspezialisten

Breitwieser wieder instand gesetzt,

stilvolle Stuckdecken aus dem 17. Jahrhundert

und einstige Raumhöhen von sieben Metern

kamen zum Vorschein. Parallel entfernte man

spätere, nicht authentische Einbauten.

Die 2013 begonnene Renovierung ist von

Erfolg gekrönt – das luxuriöse Objekt mit

etwa 2.000 Quadratmeter Wohnfläche wirkt

feudal und modern zugleich. Das geschmackvolle,

komfortable Domizil zum Leben,

164


LIVING

h Elegantes

Weindepot mit

Degustationstisch

„Onyx Fantastico“

von Breitwieser,

Tafelparkett und

Stofftapeten

Das Wohnzimmer

brilliert mit feinen

Farben, weichen

Materialien und

einer üppigen

Sofalandschaft, den

Leuchten „Melt“ von

Tom Dixon und dem

Beistelltisch „Bell“

von Classicon

h

Der Eichenholzboden findet sich auch im Ankleidebereich wieder

b

Angewandte Ästhetik: Im Flur und TV-Zimmer werden die Pinienholztüren

mit brünierten Metallgriffen zum gestalterischen Element

v

Feinsinnig: Vor der dunkel gebeizten Pinienholzvertäfelung hebt sich der

Raumteiler aus brüniertem Metall stilvoll ab

165

SPRING WINTER 2022 165


LIVING

In sieben Meter

hohen

Prachträumen

treffen originale

Steinböden

und stilvolle

Stuckdecken

aus dem

17. Jahrhundert

auf modernes

Interiordesign

Kleidsam: das offene Schrankraumsystem

„Dress Bold“ in einer Maßanfertigung

(l. o.). Beflügelter Sitzplatz mit dem

Sofa „Noa“ und Fauteuils „Saki“

von Longhi, Beistelltisch „Planet“

von Rimadesio (r. o.). Traumreich

Schlafzimmer: Eine Sonderanfertigung

ist das Bett „Platinum“

von Treca, ergänzt von den

Beistelltischen „Jiff“ von

Flexform und dem Sofakla ssiker

„Chester Moon“ von Baxter.

Die Stehleuchte „Eva“ stammt

von Barovier & Toso

Arbeiten und Repräsentieren ist reich an

architektonischen Finessen und Facetten,

Kunstwerken, Kleinoden und erlesenen

Details. Es unterteilt sich in einen Mittelflügel

mit imposanter Haupttreppe sowie zwei Seitenflügel

und erstreckt sich über drei Stockwerke,

die unteren sind öffentlich und die

oberen privat. Alle Räumlichkeiten sind großzügig

angelegt – vom Wohnsalon bis zum

Bad, die eingesetzte Haustechnik ist State of

the Art. In den Auszeiten zieht man sich in

einen High-Class-Wellnessbereich mit Fitnessraum,

Sauna, Dampfbad und Ruhe-Oase

zurück oder taucht im Outdoorpool und

lauschigen Schwimmteich ab.

Der Fokus lag nicht nur auf der Rekonstruktion

vergangener Pracht, sondern vielmehr

darauf, sie in die Gegenwart zu transferieren.

Dies macht die eklektische Innenausstattung

deutlich. Maßgeblich dafür

verantwortlich ist Johannes Winkler von Smart

Living, der „von Anfang an in das Projekt

involviert war“, wie er sagt: „Die Interiorgestaltung

erfolgte schrittweise, von Raum zu Raum.

Und das Stilkonzept lautete, eine Harmonie

zwischen den Oberflächen und Materialien zu

schaffen.“ Mobiliar und Accessoires wurden

gemeinsam mit der designaffinen Hausherrin

ausgewählt, und „das Leitmotiv jedes Raumes

bildeten bereits vorhandene Materialien“. Parkett-

und Steinböden korrespondieren nun

mit Stuck und Stofftapeten, Premiummöbeln

und exklusiven Maßanfertigungen. Am besten

kommt die elegante Stilsprache im Wohnzimmer

zur Geltung, dem Lieblingsraum

Winklers und der Bewohner. Ein, so der Profi,

„genialer Raum“ – so genial wie die Verbindung

von großer Vergangenheit und Moderne.

166 WINTER 2022


Showroom

Bäckerstr. 3/6A, 1010 wien

Köllnerhofgasse 2, 1010 wien

Gumpendorferstraße 124 + 137, 1060 wien

www.köse.at

Komplettanbieter für Exklusivbäder

01 - 595 29 06


Milli

Vanilli

Extravagant bis zur letzten Duftnote! Essenzen aus der Vanille können

gleichzeitig beruhigend sowie anregend wirken und verleihen Parfumkreationen

somit das gewisse Etwas für aufregende Stunden

Von Christoph Kulmer

Ein Hauch von Vanille verleiht Parfum-Kreationen die nötige

Sinn lichkeit und Extravaganz. Schon die Aztekinnen wussten

um das besondere Aroma und nutzten es geschickt als

aphrodisierenden Duft, indem sie sich Haut und Haar mit

den Samen der Vanilleschoten einrieben. Bis heute gelten die leicht

süßlichen, warmen und reichhaltigen Noten als Inbegriff femininer

Eleganz. Deshalb bedienen sich daran seit jeher die besten Parfümeure

der Welt und kreieren unwiderstehliche olfaktorische Kunstwerke.

Byredo durchbricht mit „Vanille Antique“ die zu erwartende Süße mit

erdigen und dunklen Akkorden aus Kaschmirholz. Ganz anders setzt

Julie Massé das Gewürz für Giorgio Armani mit „Sì Passione Éclat De

Parfum“ in Szene. Das Ergebnis ist eine überaus frische Interpretation

mit Bergamotte und spritzigen Zitrusnoten. Eine ikonische Hommage

an Pionierinnen der Weiblichkeit, wie Jane Fonda, Audrey

Hepburn und Brigitte Bardot, präsentiert Paco Rabanne mit „Fame“

und kombiniert zur Vanille Jasmin, Mandelholz und Mangoakkorde.

Als Wiege der Vanille gilt die Region Veracruz am Golf von Mexiko,

die Heimat der Totonaken. Auf sie geht auch die Legende zurück, der

zufolge die lianenartige Kletterpflanze aus dem Boden entspross, der

mit dem Blut einer totonakischen Prinzessin getränkt gewesen sein

soll, die ihrem Geliebten in den Tod gefolgt war. Anfang des 16. Jahrhunderts,

des Zeitalters der Schönheitsideale, brachten spanische

Eroberer sie schlussendlich nach Europa, und erste Parfumhersteller

lechzten bald nach dem schwarzen Gold. Heute wird die Königin der

Gewürze in tropischen Gebieten, allen voran Madagaskar, angebaut

und verteilt ihren betörenden Duft auf der ganzen Welt.

Fotos: Hersteller

168

WINTER 2022


BEAUTY | DUFT

1

4

2

3

5

5 7

6

8

9

10

9

1 / Eine Ode an den Indischen Ozean mit Vanille, Jasmin und Rosen:

„Spiritueuse Double Vanille“ von Guerlain

2 / Vereint Essenzen im perfekten Verhältnis wie bei einem Cognac.

Vanille in Symbiose mit Zimtnoten: „Angels’ Share“ von Kilian

3 / Eine sonnengeküsste Interpretation von Vanille, Bergamotte

und Mandarine: „Vaniglia“ von Acqua di Parma

4 / Florale und holzige Noten aus Neroli, Angelikasamen und

Vanille: „Infusion de Vanille“ von Prada

5 / Aphrodisierende Vanille trifft auf Pflaume und Kaschmirholz:

„Vanille Antique“ von Byredo

6 / Vetiver und Vanille gepaart mit Kardamom und Grapefruit-Tee:

„Vetiver & Golden Vanilla“ von Jo Malone

7 / Mango, Weihrauch und Vanille hüllt sich in futuristische

Designperfektion: „Fame“ von Paco Rabanne

8 / Süchtig machende Kreation mit Bergamotte, Rosen und Vanille:

„Sì Passione Éclat De Parfum“ von Giorgio Armani

9 / Seidige Mischung aus Kastanie und sinnlicher Vanille:

„Soie Malaquais“ von Dries van Noten

10 / Ein Rosenbouquet mit Weihrauch, Vanille und Moschus:

„Delina Exclusif“ von Parfums de Marly

169


Glow Up

Your Life

Es sind die kleinen Dinge, die uns strahlen lassen – warum sollte das nicht

auch auf unsere Haut zutreffen? Drücken wir also die Off-Taste für dunkle

Wintertage und aktivieren den Glamour-Modus

Von Christoph Kulmer

Die Haut ist unser größtes Organ und kann gelesen werden

wie ein offenes Buch. Arbeitsreiche Tage, Jetlag oder andere

grö ßere und kleinere Alltagsproblemchen nagen am Wohlbefinden

und bereiten im Worst Case Sorgenfalten, die

wirklich niemand gebrauchen kann. Dabei ist das Rezept für gesunde

Haut laut Experten relativ simpel: ausreichend Schlaf, viel Wasser

trinken, gesunde Er näh rung und Sport. Mit einem intensiven Workout

zaubert man einen rosigen Teint, beseitigt Unreinheiten und strafft

das Bindegewebe. In Kombination mit einigen Beauty-Lieblingen

ergibt das den maximalen Glow-Effekt – und zwar von innen und

außen! Bereits 1985 hat Shiseido eine biotechnologisch hergestellte

Hyaluron säure zur kosmetischen Anwendung produziert. Mit dem

Duo „Skin Filler Bio-Performance-Seren“ beweist die Marke erneut

ihre Think-forward-Philosophie, denn die neue, innovative Molecu-

Shift-Technologie basiert auf einer Strategie in zwei Schritten: Im „Infill

Serum Night“ wurde die Hyaluronsäure komprimiert, damit sie möglichst

tief in die Haut eindringen kann. Durch das „Full Expan sion

Serum Day“ werden die Moleküle wieder ausgedehnt und sorgen für

eine sichtbare Aufpolsterung. In der Tiefe setzt auch der „Hyaluron-

Drink“ von Proceanis an. Schon zehn Milliliter pro Tag reichen, um mit

wertvollen Nährstoffen und vitaminreichem Granatapfel extrakt den

Erhalt schöner Haut, Haare und Nägel zu fördern. Ein elegantes

Glamour-Finish garantieren „Poudre de Rose Parfumée“ von Miss Dior,

„Soleil Blanc Shimmering Body Oil“ von Tom Ford oder „Éclat De

Beauté Effet Lumière Face Gloss“ von Gucci mit einem Hauch von

Schimmer. Ein magischer Winter voller Strahlkraft steht uns also bevor!

Fotos: Hersteller

170


BEAUTY | PFLEGE

4

1

2

3

5

8

6

9

10

7

6

1 / Flüssiger Lidschatten für ganz besondere Augenblicke:

„Ombre Eclat Liquide“ von Sisley

2 / Eine sinnliche Mischung aus ägyptischem Jasmin und Tuberose:

„Soleil Blanc Shimmering Body Oil“ von Tom Ford

3 / Ein unzertrennliches Duo mit sofortigem und unverkennbarem

Filler-Effekt: „Bio Performance Skin Filler Duo“ von Shiseido

4 / Trockenöl mit einem eleganten Goldschimmer: „Les Beiges

Huile Illuminatrice“ von Chanel

5 / Zarter Schleier lässt die Haut unwiderstehlich strahlen:

„Poudre de Rose Parfumée“ von Miss Dior

6 / Versorgt die Haut mit viel Feuchtigkeit: „Universal Radiance

Drops in Sunrise“ von Dolce & Gabbana

7 / Setzt in der Tiefe an und fördert die Strahlkraft von Haut,

Haar und Nägeln von innen: „Hyaluron-Drink“ von Proceanis

8 / Schimmerndes Feuerwerk für die Lippen: „Global Beat –

Sensual Lipstick“ von La Biosthétique

9 / Verhilft zu einem ebenmäßigen Hautbild: „Pure Gold Radiance

Concentrate“ von La Prairie

10 / Universeller Farbton für natürlichen Glanz: „Éclat De

Beauté Effet Lumière Face Gloss“ von Gucci

WINTER 2022

171


BEAUTY | MEN

Power

Shave

1

2

3

4

5

Eine klassische Gesichtsrasur dauert in etwa zehn Minuten. Für dieses Ritual

verbringen viele Männer also mehr als 3.500 Stunden ihres Lebens vor dem Spiegel,

und jedes Mal wird die Haut dabei beansprucht – egal, wie vorsichtig man nun ist.

Praktische Helfer schaffen easy Abhilfe

1 | Acca Kappa

„1869 – Shaving Soap“

Eine Rasierseife, die man jeden Tag benutzen und nicht mehr missen

möchte! Sie wirkt sanft und garantiert mit natürlichen Inhaltsstoffen

wie Sheabutter eine schonende Rasur. Die edle Schale aus Wengé-

Holz ist handgefertigt und robust gegen Wasser.

2 | Babor

„Calming Face & Eye Cream“

Permanenter Stress! Bei jeder Rasur wird die Haut beansprucht und

gereizt. Diese leichte Creme pflegt und beruhigt sie mit einem Extrakt

aus der Rinde der Magnolie und unterstützt dabei, dass sie auch langfristig

weniger sensibel reagiert.

3 | Anthony

„Pre-Shave Oil“

Wer vorsorgt, hat nicht das Nachsehen! Das trifft auch auf die tägliche

Beauty-Routine zu, denn dieses Öl mit Rosmarin- und Basilikum-

Extrakten macht die Barthaare weich und schützt die Haut vor der

Rasierklinge. Einfach vor der Rasur in den Bart einmassieren.

4 | Master Lin

„Face Serum“

Feuchtigkeit, Feuchtigkeit und noch einmal Feuchtigkeit braucht die

Männerhaut nach einer Rasur über den lieben langen Tag. Dafür

sorgt dieses erfrischende Serum, indem es den Zellverband stärkt,

Austrocknung vorbeugt und Feuchtigkeitsfältchen ausgleicht.

5 | Acqua di Parma

„Barbiere – Schwarzer Deluxe-Ständer“

Heutzutage ist ein Badezimmer viel mehr als ein Waschraum, es ist

eine wahre Wellness-Oase, und unsere Beauty-Lieblinge müssen

diesem Anspruch gerecht werden. Dieses Set aus Edelstahl mit Pinsel

und Rasierer überzeugt durch sein Design und seine Funktionalität.

Redaktion: Christoph Kulmer, Fotos: Hersteller, niche-beauty.com

172 WINTER 2022



„bar-hopping“ – freie Produktion

Creative Direction & Styling: Sophie Koch

Haare & Make-up: Joanna Bacas

Model: Muriel @ M4Models

174


PHOTOGRAPHY | PORTRAIT

Christina Hasenauer

Redaktion: Bernhard Musil, Fotos: Christina Hasenauer

Gibt es einen Paradigmenwechsel bezüglich der Achselbehaarung

bei Frauen, oder sind wir noch in einem

Konzept verhaftet, das uns Werbung und Hollywood

spätestens seit dem Rasurwahn der 80er-Jahre eingetrichtert haben?

Eine der Fragen, mit denen sich Christina Hasenauer auseinandersetzt.

Sich solchen Themen zu stellen, ist der feministischen, queeren

Fotografin wichtig. Vor allem in freien Strecken, in denen sie ihre

Passion ungefiltert ausleben kann, hinterfragt sie gesellschaftliche

Normen und macht sich daran, sie mit kritischem sowie spielerischem

Blick visuell umzusetzen.

1992 in Linz geboren, beschloss Hasenauer nach einem Aufenthalt

in den USA, dass ihr ein wenig Abstand zur konservativ geprägten

Alpenrepublik nicht schaden könnte. Obwohl sie sich anfangs vor

einer „brotlosen“ Künstlerkarriere fürchtete, warf die ausgebildete

Garten- und Landschaftsgestalterin ihre Bedenken dennoch über

Bord und studierte Fotografie an einer Berliner Kunsthochschule.

Auch wenn sie es als Privileg ansieht, Fotografie zu studieren, betont

sie, dass sie die Beherrschung fotografischer Techniken eher durch

ihre Assistenztätigkeiten denn durch trockene Theorie erlernt hat.

Technische Umsetzung an sich spielt für sie eine untergeordnete

Rolle. Die Vermittlung ihrer Botschaft erachtet die Fotografin, die

sich intersektionalem Feminismus, Nachhaltigkeit und Diversität verschrieben

hat, als weitaus bedeutungsvoller.

Hasenauer liebt natürliches Licht, Haut und die menschliche

Form. Auch ihre Ästhetik besticht durch Natürlichkeit – ein Credo,

dem sie auch in Sachen Retusche folgt. Nicht verwunderlich daher,

dass ihre goldene Regel lautet: „An meinem Set muss es allen gut

gehen, sonst gibt es nicht den richtigen Vibe. Mein Model ist Königin

bzw. König. Nur so kann ein gutes Foto entstehen.“

christinahasenauer.de

WINTER 2022

175


PHOTOGRAPHY | PORTRAIT

k

Sephora Content Produktion

Haare & Make-up: Joanna Bacas

Model: Caitlin @ IceModels

„Limone“ – freie Produktion

Model: Cecilia Susant

x

h

Sephora Content Produktion

Haare & Make-up: Joanna Bacas

Model: Angie Tutlewski @ VivaModels

176 WINTER 2022


„Limone“ – freie Produktion

Model: Chanel Fu

177


178

Gling-Gló für „Factice Magazine“

Haare & Make-up: Latisha Nicholson

Model: Jona @ Mirrrs


PHOTOGRAPHY | PORTRAIT

O

Gling-Gló für „Factice Magazine“

Haare & Make-up: Latisha Nicholson

Model: Jona @ Mirrrs

h

Sephora Content Produktion

Haare & Make-up: Joanna Bacas

Model: Caitlin @ Ice Models

k

Gling-Gló für „Factice Magazine“

Haare & Make-up: Latisha Nicholson

Model: Jona @ Mirrrs

WINTER 2022

179


PHOTOGRAPHY | PORTRAIT

Sephora Content Produktion

Haare & Make-up: Joanna Bacas

Model: Angie Tutlewski @ VivaModels

x

h

Sephora Content Produktion

Haare & Make-up: Joanna Bacas

Model: Fran @ FanjamModels

k

„All Colors in the Sky“ – freie Produktion

Bodypainting: Joanna Bacas

Model: Priyanka

180 WINTER 2022


www.largilla.at

GRAZ . WIEN . KLAGENFURT . SALZBURG


182


MOBILITY

O

Futuristisch und elegant

gleitet die „AHPO“

von Lürssen mit ihren

beeindruckenden

115 Meter Länge

durch die Weltmeere

k

Auf der „AHPO“ kann man

in gediegener Privatsphäre

und luxuriösem

Ambiente den Drang nach

Freiheit voll auskosten.

Ein Sprung ins Wasser ist

doch einfach paradiesisch

DER MEERE

Fotos: © Guillaume Plisson

Sich drehen wie das Segel im Wind – oder das Ruder fest in der Hand?

Eine Yacht ist viel mehr als eine luxuriöse Freizeitbeschäftigung. Man

folgt damit bedingungslos dem Ruf der Freiheit nach unendlichen

Weiten und nichts außer dem tiefblauen Ozean

Von Reinhard Neussner

WINTER 2022

183


MOBILITY

AHPO

Die Architekten von Nuvolari Lenard hatten bei

diesem schwimmenden Palast ein ganz einfaches

Ziel: Perfektion. Der beste Beweis dafür ist der

zeitlos elegante Bug, der das Design zweifellos

dominiert, wobei im Innenbereich Elemente der

Natur harmonisch miteinander verschmelzen. So

lässt es sich im Unterdeck, im 205 Quadratmeter

großen Wellnessbereich, wunderbar relaxen,

bevor man im Kino mit zwölf komfortablen

Plätzen einen Blockbuster genießt. Der Owner-

Bereich erstreckt sich über die letzten zwei Etagen

und umfasst eine überaus geräumige Kabine

sowie den Panoramasalon mit seinem spektakulären

180-Grad-Blick über den Bug. Von hier

aus hat man auch einen direkten Zugang zum

Hubschrauberlandeplatz. Wahrlich ein Paradies

auf hoher See, das auch für Charter exklusiv auf

moranyachts.com gebucht werden kann.

luerssen.com

LÄNGE

115 METER

MARKE

LÜRSSEN

FERTIGSTELLUNG 2021

KABINEN 8

PASSAGIERE 16

CREW 37

E

Die Glaselemente im

Wintergarten können

je nach Belieben

komplett geöffnet oder

geschlossen werden

h

Denkbar unkompliziert

ist die An- und Abreise

mit dem Helikopter.

Egal ob die Besitzer

schnell zu einem Termin

fliegen müssen oder ob

man Freunde erwartet

k

Von hier aus kann man

die Sonne und das

Wasser genießen.

Oder man unternimmt

mit einem der Tender

einen Landausflug

184


hh

Auf der halbrunden

Sofalandschaft

genießt man von

jedem Platz aus

einen wunderbar

inspirierenden Blick

auf das Meer

Fotos: © Guillaume Plisson

h

Der Wellnessbereich

im Unterdeck

begeistert mit

Whirlpool, Hammam

und Tauchbecken

sowie einem stilvollen

Loungebereich mit

kleinem Balkon

h

Diese Yacht ist ein beeindruckendes

Wunderwerk der Technik, bei dem jede

Kleinigkeit bis ins Detail perfekt

inszeniert wurde

O

Der Wohnbereich der Eigentümer

erstreckt sich auf luxuriösen

245 Quadratmetern

WINTER 2022

185


MOBILITY

h

Wenn man vor der

„Soaring“ steht, kann

man sich ihrer Pracht

nicht entziehen

R

Ein großer ovaler Tisch

mit zwölf Stühlen und

ein extravaganter

handgetufteter Teppich

adeln das Speisezimmer

U

Im Wohnbereich haben

die erfahrenen Designer

auf eine elegante

Mischung aus dunklen

Braun- und hellen

Beigetönen gesetzt

SOARING

Ein Schmuckstück, das mit einer noblen

Eigner-Suite im Heck, möglichst großen Tendern

und einem Fitnessstudio samt Spa mit

direktem Zugang zum Wasser glänzt. Das

Bremer Studio Focus Yacht Design kreierte

ein harmonisches Exterior mit vielen bodentiefen

Fensterflächen, die moderne grau-weiße

Farbgebung begeistert auf den ersten Blick.

Im Innenbereich wurde das Augenmerk auf

die Verarbeitung von exquisiten Materialien

gelegt. Insgesamt beträgt die Wohnfläche 471

Quadratmeter und umfasst die Wellnessarea,

einen Lounge- und Diningbereich auf dem

Hauptdeck sowie ein privates Wohlfühldeck

mit Schlaf-, Ankleide- und Badezimmer. Für

all jene, die es selbst erleben möchten, dieses

Highlight kann auch gechartert werden.

abeking.com

LÄNGE

68 METER

MARKE

ABEKING & RASMUSSEN

FERTIGSTELLUNG 2020

KABINEN 6

PASSAGIERE 12

CREW 18

Fotos: Olga Dromas/Bluei Prod.

186 WINTER 2022


THEi 7

#bornelectric

bmw.at/i7

BMW i7 xDrive60: 400 kW (544 PS), Kraftstoffverbrauch 0,0 l/100 km,

CO2-Emission 0,0 g CO2/km, Stromverbrauch von 18,4 kWh bis 19,6 kWh/100 km.

Angegebene Verbrauchs- und CO2-Emissionswerte ermittelt nach WLTP.

Symbolfoto


MOBILITY

NOVETTA 50

Hier wird Nachhaltigkeit großgeschrieben.

Aufgrund der Verwendung von Aluminium

anstatt Stahl kann der Verbrauch in Zukunft

um mehr als zehn Prozent gesenkt werden.

Aber diese Superyacht überzeugt definitiv

auch in puncto Design. Die Master-Suite im

Oberdeck, umrahmt von raumhohen Fensterflächen,

verspricht einen atemberaubenden

Ausblick und vermittelt einem das Gefühl,

auf einer Insel zu sein, umgeben von nichts

als dem Ozean. Wunderbar entspannen und

sich von der Sonne küssen lassen kann man

im Beach Club auf dem Hauptdeck, der Pool

im Heck sorgt gegebenenfalls für Erfrischung.

O

Work-Life-Balance:

Ein heller Arbeitsbereich

wurde geschickt

in das Gesamtkonzept

der Yacht integriert

x

Auch von der Master-

Suite hat man einen

direkten Zugang zu

einer Sonnenterrasse

xx

Von oben kann man die

volle Pracht der 50

Meter Yacht bestaunen

customline-yacht.com

LÄNGE

50 METER

MARKE

CUSTOM LINE

FERTIGSTELLUNG 2024

KABINEN 5

PASSAGIERE 10

CREW 9

188


k

Auf dem Hauptdeck

laden eine American

Bar und ein bequemer

Loungebereich im

Inneren und der direkte

Zugang auf die Terrasse

zum Träumen ein

x

Von Antonio Citterio

entworfene Armaturen

der Linie „Hansgrohe

Axor Citterio“ veredeln

die Nassräume

h

Nachhaltige Materialien wie

Naturleder werden sowohl

bei den Oberflächen als

auch bei raffinierten

Details verwendet

Fotos: Ferretti Group

O

Die Arbeiten an der

„Navetta 50“ werden Ende

des Jahres 2022 beginnen,

die Yacht wird wahrscheinlich

2024

präsentiert

WINTER 2022

189


MOBILITY

k

Bill Tripp hat das

leichte und sportliche

Außendesign und die

Schiffsarchitektur

entworfen

h

Für das Interior

zeichnen zwei

Designstudios

gemeinsam verantwortlich:

Norm Architects

und Design Unlimited

E

Kreiert wurde ein

skandinavischeleganter

Look, der

dem Prinzip „weicher

Minimalismus“ folgt

k

Das erste Modell der

„Y9“ konnte bereits

ausgeliefert und

2022 auf dem Cannes

Yachting Festival in

Port Canto ausgestellt

werden

190


Y9

Um die Leistung zu optimieren, wurde diese

Segelyacht komplett aus Kohlefaser konzipiert.

Ein faszinierendes Leichtgewicht,

das Komfort, Eleganz und zeitgemäße

Architektur geschickt vereint. Das separate

Eigner-Apartment, das aus einem Schlafzimmer,

Salon, Ankleidezimmer und Badezimmer

besteht, garantiert Privatsphäre par

excellence, auch wenn man Freunde an Bord

willkommen heißt. Das Design folgt seinem

Vorgänger, der Y7, ist jedoch noch komplexer

und luxuriöser und bietet vor allem auch

der Crew noch mehr Raum. Ganz nach dem

Motto: „Happy crew, happy owner“.

yyachts.de

Fotos: YYachts

LÄNGE

27 METER

MARKE

YYACHTS

FERTIGSTELLUNG 2022

KABINEN 4

PASSAGIERE 12

CREW 4

P

Durchdacht bis auf den letzten Zentimeter, präsentiert sich diese

luxuriöse Segelyacht von ihrer besten Seite

h

Geölte Eiche, graue Stoffe und Paneele bestimmen auf dem

gesamten Schiff die Farbpalette

WINTER 2022

191


MOBILITY

140

Superyacht-Flair trifft auf Innovation. Ein

erhöhtes Cockpit wurde direkt auf dem

angrenzenden Sonnendeck positioniert, die

privaten Räume der Eigner befinden sich

zentral auf dem Hauptdeck, und der moderne

Beach Club ist sozusagen der Mittelpunkt

aller Bereiche und an drei Seiten ausklappbar.

Hat man etwas zu feiern, eignet sich die

großzügige Panoramaterrasse mit Bar- und

Grillbereich, Jacuzzi, Sonnenliegen, Beamer,

Leinwand und Lautsprechern perfekt. Hier

kann man gleichzeitig tanzen, entspannen

und die Sonne genießen. Dieses Yacht-Juwel

kann auch gebucht werden.

O

Ausreichend Platz für

die ganze Familie oder

liebe Freunde bietet der

Essbereich im Freien

pershing-yacht.com

h

Das Know-how aus

30 Jahren Yachtbau

ist unübersehbar:

Innovatives Design

kombiniert zeitgemäße

Technik und Ästhetik

P

Einfach die Seele

baumeln lassen, dafür

sorgen helle Farben und

natürliche Materialien

wie Holz

O

Der Beach Club

überzeugt mit bequemen

Liegen sowie einem

Lounge- und Essbereich

Fotos: Ferretti Group

192 WINTER 2022


PENTHOUSE

INFINITY

VIENNA

HIGH

QUALITY

OF LIFE

CONCIERGE*

CATERING STATION*

FITNESS CENTER**

HOME CINEMA

GUEST LOUNGE*

PENTHOUSES.MARINATOWER.AT

HWB 22-27 kWH/m²a | fGEE 0,75-0,77 | @ ZOOMVP

Disclaimer: Non-binding visualisations for projects being built or planned. Subjects to change without notice.

No legal claim derivable. * partly chargeable ** planned with external partners


MOBILITY

O

Ab aufs Wasser mit

einem Williams-565-

Tender oder vielleicht

doch dem Jetski?

Die Garage bietet Platz

für beides

x

Ein nobles offenes

Raumdesign mit

modernen Akzenten

ist das Nonplusultra

auf jedem Deck

x

Inspirierende Gespräche oder einfach nur entspannen –

das Sonnendeck schafft einen kreativen Raum

LÄNGE

43 METER

MARKE

PERSHING

FERTIGSTELLUNG 2020

KABINEN 5

PASSAGIERE 18

CREW 8

Fotos: Ferretti Group

194 WINTER 2022


HIPPIEMENTS VILLAGE – 9 EXKLUSIVE VILLEN DIREKT AM STRAND

DREAMS COME TRUE

IBIZA‘S EXKLUSIVSTES VILLEN-PROJEKT

Neun strahlend weiße Villen in der Tradition der

ibizenkischen Baukunst errichtet in höchster deutscher

Qualität. Direkt am Strand von S’Argamassa

auf Ibiza gelegen mit eigenem Bootsanleger.

WWW.HIPPIEMENTS-VILLAGE.COM

INFO@DV-GROUP.AT

WWW.DV-GROUP.AT


196


KULINARIK | ZU BESUCH BEI

SCHWARZES

„To’ak“-Schokolade wird wie ein Jahrgangswein hergestellt,

wie ein Whisky gereift, wie ein Kunstwerk verpackt und aus der

seltensten und wertvollsten Kakaosorte der Welt gewonnen.

AURUM 999,9 wirft einen Blick hinter die Kulissen

Redaktion: Elisabeth Muth, Fotos: Mark Fox, Michael Masdag, To’ak

Einzigartig, aromatisch, legendär und begehrt, das sind nur ein paar

Attribute, mit denen die dunkle Luxusschokolade „To’ak“ in Verbindung

gebracht wird. Eigentlich aus einem Regenwaldschutzprojekt in

Ecuador hervorgegangen, hat sie sich in den letzten Jahren zum weltweiten

Pionier für dunkle Schokolade entwickelt. Der Name bedeutet

Erde und Baum, ihr unverwechselbares Aroma erhält sie aus der seltensten

und wertvollsten Kakaosorte der Welt, der „Nacional“. Penibel

wird auf bestimmte Erntezeiten Wert gelegt, in Fässern gereifte

Editionen und eine äußerst elegante Verpackung mit innovativem

Design krönen „To’ak“ zur besten Schokolade der Welt.

Die vier Gründungsmitglieder, Jerry Toth, Dennise Valencia,

Servio Pachard und der Österreicher Carl Schweizer, haben ihre Leidenschaft

zur Mission gemacht und die Art und Weise, wie die Welt

nun dunkle Schokolade genießt, völlig verändert. Bereits vor etwa

5.300 Jahren wurde die Kakaosorte „Ancient Nacional“ entdeckt, im

19. Jahrhundert erlangte sie Weltruhm, galt jedoch zu Beginn des

21. Jahrhunderts als fast ausgestorben. Im Tal von Piedra de Plata fand

das Team von „To’ak“ einen der letzten überlebenden Haine, bestehend

aus neun reinen Nacional-Bäumen. Seitdem wird gesammelt

und gepflanzt, aus dem Erlös der exklusiven Schokolade konnten

bereits an die 500 Bäume neu gepflanzt werden. Der Grund für die

Berühmtheit ist einfach, denn die Früchte sind ungleich aromatischer

als herkömmlicher Kakao. „To’ak“ stellt die ecuadorianische Zartbitterschokolade

nur aus dieser einzigen Sorte her, so wie ein französischer

Winzer seinen Jahrgangswein aus einer Rebsorte produziert.

Außerdem sind die Schoko-Profis Vorreiter in Sachen Vintage-

Schokolade, die in Cognac- oder Whisky-Fässern reift und dadurch

ihr volles Potenzial entfalten kann. Auch die Verpackung ist ein

Kunstwerk, die Flaggschiff-Edition von „To’ak“ – die „Origin“-Bars –

wird in einer handgefertigten Holzkiste wie ein Schatz verschlossen,

auf der eine individuelle Nummer eingraviert wird. Dazu erhält man

ein stilvolles Verkostungsutensil, ein illustriertes Booklet, das die

Geschichte hinter jeder Edition erzählt, sowie einen Leitfaden für die

richtige Degustation und Kombination von dunkler Schokolade. Die

„Signature“-Edition beinhaltet die gleiche außergewöhnliche Schokolade,

wird aber mit einer umweltfreundlichen, eleganten und minimalistischen

Verpackung in Szene gesetzt. Alle preisgekrönten Boxen

sind Werke lokaler Kunsthandwerker in Ecuador. Das nachhaltige

Ziel des Gründungsteams ist, die gefährdete und legendäre Kakaosorte

„Ancient Nacional“ zu erhalten und mit ihrem Regenwaldschutz-Partner

Third Millennium Allicance vor dem Aussterben zu

bewahren. Gemeinsam haben sie eine Mikroplantage in einem

geschützten Waldgebiet in Ecuador angelegt und geben somit dieses

Kulturgut an die Kakaobauern zurück, die damit einen hohen und

fairen Preis für die Ernte erhalten.

Durch das globale Medienecho auf sechs Kontinenten hat die exklusive

Schokolade mit ihrer unglaublichen Aromavielfalt die Welt erobert.

Wie zum Beispiel die „Vintage 2014 Cognac-Cask Matured 18 months“,

die in Europa neben Harrods in London nur bei Lingenhel in Wien

angeboten wird. 365 Euro für eine 50-Gramm-Tafel sind gut investiertes

Geld in ein großartiges, nachhaltiges Vorzeigeprojekt!

WINTER 2022

197



KULINARIK | MENU À LA CHEF

Aufgeblüht

im Zweiten

Mitten im Wiener Stuwerviertel in einem denkmalgeschützten ehemaligen

Offizierscasino, das liebevoll restauriert wurde, erleben Gäste im „Zazatam“

avantgardistische, raffinierte Kulinarik aus der ganzen Welt

Intim und zauberhaft

ist auch das

Bar-Ambiente

k

Im Winter wird der

Garten kurzerhand

nach innen verlegt

x

h

Küchenchef Felix Müller versteht „casual fine

dining“ als Reise um die ganze Welt und begeistert

mit seinem Sharing-Konzept

Redaktion: Elisabeth Muth, Fotos: Colin Cyruz, Zazatam

Unverwechselbar präsentiert sich das kürzlich eröffnete

entzückende Boutiquehotel „Zola – Palais de Bohème“,

das mit entspanntem Luxus für Aufmerksamkeit sorgt.

Für die kreative Gestaltung und Inszenierung der vier

Master-Suiten sowie das Konzept der patinierten Wände

mit „Marmorino“-Putz zeichnet niemand Geringerer als Künstler

Alexander Queisser verantwortlich. So wurde der Charme eines alten

Palazzos, in dem früher ein Offizierscasino untergebracht war,

gekonnt ins Hier und Jetzt transportiert. Und trotzdem findet sich

der Gast auf einer Reise durch die Geschichte wieder. In dem wunderbaren

Stadtpalais wird einem aber nicht nur ein faszinierender

Blick auf die Wiener Historie geboten, sondern auch eine kulinarische

Expedition rund um die Welt. Dafür sorgt das hauseigene

Restaurant „Zazatam“, in dem Küchenchef Felix Müller und sein

Team gekonnt auf „casual fine dining“ mit internationaler Avantgarde

-Küche setzen. Im Sommer, wenn die Sonne vom Himmel lacht

und alles grünt und blüht, nehmen die Gäste in einer Gartenidylle

Platz, die im Winter über eine breite Treppe ins Souterrain verlagert

wird und trotzdem nichts von ihrem Flair verliert. Bunte Kunst und

Fauna-Flora-Malerei verleihen den Räumlichkeiten ein gemütliches

Ambiente, empfangen wird man mit cooler Musik in schicker Club-

atmosphäre. Der junge Küchenchef Felix Müller kochte bereits im

„Arlberg Hospiz Hotel St. Christoph“ sowie in der großartigen „Vila

Joya“ an der Algarve, nun kredenzt er im „Zazatam“ mit seinem Team

Gerichte aus aller Herren Länder auf. Bei seinem Küchenkonzept hat

er freie Hand und trachtet danach, so viel wie möglich selbst zu

machen. Saisonal und regional sind die frischen Zutaten, die Karte

wechselt viermal jährlich und bietet ein breites Spektrum an überraschenden

Gaumenfreuden. Angefangen von veganen Kreationen

über liebevoll handgemachte Pasta bis hin zu Speisen mit asiatischen

Einflüssen und sogar dem Einsatz von Holzkohle. Ganz nach dem

Motto „Sharing is Caring“ ist das moderne Konzept des Food-Sharings

ein wichtiger Bestandteil der Karte. Serviert werden „Little

Bites of everything“, einer der Signature-Dishes, in fünf Gängen zum

Durchprobieren. Wer danach noch Zeit und Lust hat, lässt sich an der

stylishen Bar mit ausgefallenen Cocktailkreationen und Drinks verwöhnen

und genießt die inspirierende Kombination von Musik und

Ambiente. Eines ist unbestritten – mit dem „Zazatam“ ist Wien um

einen Hotspot reicher. Lassen Sie sich im nachfolgenden „Menu à la

Chef“ von Felix Müller auf eine aromatische Weltreise entführen.

zazatam.com

WINTER 2022

199


Tuna Tataki

Rice Crisp / Mangomayo / Chili

200 WINTER 2022


KULINARIK | MENU À LA CHEF

Glazed Pulpo

Purple Haze / Tamarind /

Peanut / Ajo

Cod

Forbidden Rice / Dashi Nage / Mangold

201


KULINARIK | MENU À LA CHEF

Safran Chicken

Tahdig / Barberries Creme /

Safran Nage

202


Persimmon Sorbet

Tonkabohne / Kakaobutter

WINTER 2022

203


TRAVEL

Reif für

DIE INSEL

äglicher Stress, ständige Erreichbarkeit, Termine, Events – und

plötzlich erscheint, inmitten von all diesem Trubel, ein Gedanke

immer dringlicher: Ich bin reif für die Insel! Und ich sage absichtlich

nicht Urlaub, sondern explizit Insel. Denn wenn ich so nachdenke, ist

für mich die erholsame Flucht auf ein paradiesisches Eiland ein noch

intensiveres Erlebnis. Mit der Vision einer Insel vor Augen tue ich mir

wahrscheinlich leichter, auf ein Boot zu steigen, das Handy abzudrehen

und den Alltag hinter dem Horizont langsam verschwinden

zu lassen. Hektik und Probleme lasse ich ganz egoistisch auf dem

Festland zurück. Zu wissen, dass ich irgendwo – „in the middle of

nowhere“ – lande, wo mich niemand findet und mir keiner, den ich

kenne, begegnet, erleichtert mir, den Weg für eine kleine Auszeit

vom Leben zu finden. Bin ich erst einmal am Sehnsuchtsort gelandet,

brauche ich zwei bis drei Tage, bis das Nichtstun auch im Kopf akzeptiert

wurde und ich mich voll und ganz auf den Rhythmus der Insel

einlassen kann. Dann bin ich zu hundert Prozent angekommen und

kann meine Gedanken endlich wieder fließen lassen.

Ich möchte auch noch mit einem Vorurteil aufräumen: Ein Insel-

Trip ist keinesfalls langweilig, und zwar keinen einzigen kurzen

Moment. Es ist pure Inspiration, in andere Mentalitäten einzutauchen

und wunderbare neue Freunde zu finden. Menschen, die Spuren

hinterlassen und mit denen ich noch immer regelmäßig in Kontakt

bin. Außerdem hatte ich das Privileg, traumhafte Landschaften, teilweise

bedeckt mit unberührter Natur, zu entdecken, das Meer zu

erkunden und die Zeit zwischen den Wellen völlig zu vergessen. Um

es auf den Punkt zu bringen, für mich sind es perfekte Hideaways,

um die Energie-Akkus wieder aufzuladen. Um auch Ihnen dieses

Wohlfühlgefühl näherzubringen, entführe ich Sie in dieser Ausgabe

auf Inseln, die mir schon lange am Herzen liegen. Sehnsuchtsdestinationen,

die mir allein schon beim Gedanken daran ein Lächeln ins

Gesicht zaubern. Zweifellos magische Orte, wo man den Kopf freibekommt,

damit das Denken auch einmal die Richtung ändern darf!

Ihre Elisabeth Muth

Fotos: Jürgen Hammerschid

204 WINTER 2022


Looking forward to welcoming you

to the everlasting, eternally changing, forever

elusive.

Your horizon awaits you.

S E A Y O U R O N L Y V I E W • A M A R A H O T E L . C O M

L I M A S S O L , C Y P R U S



TRAVEL

Gestrandet im

PARADIES

Foto: Miavana by Time + Tide

Inseln sind seit jeher magische Sehnsuchtsorte, jede auf ihre ganz eigene

Art und Weise zauberhaft. Sie wecken das tiefe Bedürfnis, einzutauchen

in ein Eldorado der Abgeschiedenheit, Ruhe und Natur

Von Elisabeth Muth


208

Fotos: Miavana by Time + Tide


TRAVEL

Madagaskar,

Nosy Ankao

Private Island:

Luxus trifft

Privacy

MIAVANA BY TIME + TIDE

Madagaskar, der größte Inselstaat Afrikas und die flächenmäßig viertgrößte

Insel der Welt, war ehemals eine französische Kolonie und

blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Als Kreuzungspunkt zwischen

den Handels wegen von Indien nach Afrika und Europa lag sie

direkt an der legendären „Piratenroute“. Sogar die berühmt-berüchtigten

Seefahrer William Kidd und Henry Every unternahmen hier ihre

Beute züge. Als Inselstaat verfügt Madagaskar über zahlreiche Nebeninseln.

Auf einer davon, der Nosy Ankao, befindet sich das brandneue,

luxuriöse „Miavana by Time + Tide“-Resort. Einst wurde dieses Eiland

von Piraten belagert, die dort ihre Schmugglerware versteckten, heute

erleben Gäste dieses traumhafte Fleckchen Erde mit einer ultraluxuriösen

Lodge als perfekten Rückzugsort und Ruheoase. Dabei ist

man umgeben von einem unberührten Riff, weißen, pulverfeinen

Sandstränden und fantastischen Tauchrevieren. Gekonnt vereint das

„Miavana“ exklusive Gästeansprüche, Abenteuer und Naturschutz.

Die 14 abgeschiedenen Villen zählen zu den geräumigsten weit und

breit, wobei die „Miavana“-Villa mit ihren drei Schlafzimmern und

1.020 Quadratmeter Wohnfläche als exquisites Vorzeigeobjekt gilt.

Gärten und große Terrassen, private Pools und ein direkter Zugang

zum über zwei Kilometer langen Strand machen den Aufenthalt zu

einem unvergesslichen Erlebnis. Das Küchenteam steht rund um die

Uhr zur Verfügung, um individuelle Menüs zu kreieren, und der persönliche

Butler liest einem jeden Wunsch von den Augen ab. Diese

intime Oase ist der richtige Ort, um dem Alltag zu entfliehen!

miavana.com

h

Im Infinitypool schwimmt man dem

Sonnenuntergang entspannt entgegen

k

Auf Du und Du mit dem Ozean.

Der Blick aus der Villa ist

einfach atemberaubend

v

Süße Träume sind im luxuriösen

Kingsize-Bett garantiert

WINTER 2022

209


TRAVEL

Malediven: Schnorcheln

mit Schildkröten

FOUR SEASONS KUDA HURAA

Fotos: Four Seasons

210


k

Der Übergang vom Schlafzimmer zum

Privatpool ist fließend

l

Der Blick von oben zeigt das

luxuriöse Resort aus einer ganz

besonderen Perspektive

x

Die Gartenvilla ist ein exquisites

Refugium für Ruhesuchende

Alleine schon die Lage der Malediven lädt zum Träumen ein! Die

Inselkette erstreckt sich im Indischen Ozean südwestlich der Südspitze

Indiens und besteht aus 26 Atollen, die als Spitzen eines Unterwassergebirges

nur ganz gering über den Meeresspiegel hinausragen.

Die Besiedlungsgeschichte liegt im Dunkeln, Legenden erzählen von

paradiesischen Zuständen, von Zuwanderern aus Sri Lanka, von Seefahrern,

Händlern und Schiffbrüchigen arabischer, afrikanischer oder

malaysischer Herkunft. Nun, das mit dem Paradies lässt sich nur

bestätigen! Am südöstlichen Rand des Nord-Male-Atols liegt die Insel

Kuda Huraa mit dem Sechs-Sterne-Resort „Four Seasons Kuda Huraa“

inmitten einer türkisblauen Lagune und begeistert durch die traditionelle

maledivische Architektur gepaart mit Komfort und modernem,

luxuriösem Ambiente. Nur 25 Minuten mit dem Speedboot von Male

entfernt, trifft man auf das Resort im Gartenstil mit leuchtenden, tropischen

Blumen, das wie ein traditionelles maledivisches Dorf angelegt

wurde. In 96 Strand- und Überwasser-Villen finden Gäste aus aller

Welt die Entspannung und Abgeschiedenheit, die sie suchen. Vier

Restaurants bieten neben indischen, asiatischen und italienischen

Köstlichkeiten auch edle Tropfen aus dem hauseigenen Weinkeller. Im

weitläufigen Spa-Bereich wird Erholung großgeschrieben. Abenteurer

werden bei Tauchgängen an über 30 Tauchspots sowie Delfin-, Schildkröten-

und Hai-Safaris, organisiert vom Team des Marine Discovery

Center, voll auf ihre Kosten kommen. Der ganz besondere Charme

und die großartige Hospitality werden den Urlaub im „Four Seasons

Kuda Huraa“ zu einer bleibenden Erinnerung machen!

fourseasons.com

WINTER 2022

211


TRAVEL

Portugal, Madeira:

Wo Berge auf Blumen treffen

REID’S PALACE, A BELMOND HOTEL

Keine Insel ist wohl so vielfältig wie Madeira, das bereits im sechsten

Jahrhundert vor Christus durch die Phönizier entdeckt wurde. Üppige

Vegetation und fruchtbare Böden lockten schon seit jeher Seefahrer und

Siedler aus allen Regionen der Erde an. Die gesamte Insel hat Mittel- bis

Hochgebirgscharakter und besticht dadurch nicht nur mit ihrem Pflanzenreichtum,

sondern auch mit beeindruckenden Steilküsten. Am besten

lässt sich die Insel vom traditionsreichen Luxushotel „Reid’s Palace“

aus erkunden. Umgeben von einem zehn Hektar großen subtropischen

botanischen Garten, besticht der luxuriöse Hotspot mit direktem Meerzugang,

einem ganz wunderbaren Spa, drei Swimmingpools, die hoch

über dem Ozean auf einem Felsvorsprung liegen, und zwei Tennisplätzen.

Das Sechs-Sterne-Haus gehört zu den Leading Hotels of the World

und hat schon berühmte Persönlichkeiten wie Winston Churchill,

Charlie Chaplin, Gregory Peck, Margaret Thatcher und auch Kaiserin

Elisabeth von Österreich beherbergt. 158 elegant ausgestattete Zimmer

und Suiten, alle mit Balkon und Terrasse und einem herrlichen Weitblick

auf die Gärten oder das Meer, garantieren pure Erholung. Selbstverständlich

speisen Gäste im Sterne-Restaurant „William“ oder im

„Villa Cipriani“ und genießen dabei den spektakulären Panoramablick.

Im „Reid’s Palace“ wird einem auch bestimmt nicht langweilig. Dafür

sorgen viele Aktivitäten, wie etwa eine Gartentour mit Experten oder

diverse Ausflüge. Very British ist der berühmte „Afternoon Tea“, der

zwischen 15 und 17.30 Uhr in der Lounge oder auf der „Tee-Terrasse“

eingenommen wird. Eine Tradition, die das Haus seit jeher pflegt!

belmond.com

h

Den spektakulären Weitblick

bewundern Gäste beim

luxuriösen Dinner

„Very British“ ist der Stil der

Suiten und Zimmer

x

Fotos: Belmond

212 WINTER 2022


Sie wollen wissen, warum

so viele Handabdrücke auf

den Flaschen sind?

Unsere Art Sekt zu machen, ist kompromissloses

Handwerk. Jede einzelne Flasche haben wir

43 mal in unseren Händen, bevor wir sie in

Ihre übergeben.

Österreichs erster Winzersekt – seit 1976

traditionell in der Flasche vergoren und

handgerüttelt. Für Ihre prickelnden

Momente.

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Brut Nature Reserve

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Österreichs bis 24.12.2022

thiesdesign.com


TRAVEL

Kambodscha,

Krabey Island:

Jungle-Feeling

mitten im Ozean

SIX SENSES KRABEY ISLAND

Klein und anmutig, tropisch und doch dicht bewaldet, so speziell präsentiert

sich die kleine kambodschanische Privatinsel Krabey Island.

Nur fünf Kilometer vom Ream-Nationalpark auf dem Festland entfernt

und umgeben von 21 Inseln, liegt sie im Südchinesischen Meer. Sie ist

voll anmutiger Schönheit und unberührter Natur. Und genau diesen

Platz hat sich Six Senses ausgesucht, um ein Refugium zu kreieren, in

dem man mehr als nur die Seele baumeln lassen kann. Hier werden

Gäste im „Six Senses Krabey Island“ zum ultimativen Wohlfühlerlebnis

empfangen. Die 40 Pool-Villen liegen idyllisch verstreut auf der 30

Hektar großen Insel der Ruhe, eingebettet in eine einmalige Naturkulisse.

So weit das Auge reicht, begeistern felsige Küsten, Regenwälder

voller Leben, eine bemerkenswerte Artenvielfalt, verwunschene Mangrovenwälder

und tosende Wasserfälle. Aber natürlich bietet das

Resort Komfort auf höchstem Niveau, moderne Technologie und viele

weitere Annehmlichkeiten. Die Gewürze und Kräuter der Khmer-

Küche in den beiden Restaurants versprechen neue kulinarische

Genussmomente, selbstredend wird hier explizit auf Nachhaltigkeit

geachtet, und in der Sunset-Bar begeistert der Weitblick nach Westen

auf den Golf von Thailand. Ein Highlight ist das weitläufige „Six Senses

Spa“, das neben den unterschiedlichsten Treatments auch mit kambodschanischen

Heilbehandlungen aufwartet. Eigene Wellness-Workshops

vereinen, wenn man möchte, Entspannung mit einem sportlichen

Workout. Das „Six Senses Kraby Island“ ist zweifellos eine

Entdeckungsreise wert!

sixsenses.com

Fotos: Six Senses

214

WINTER 2022


v

Relaxen am Hauptpool, umgeben von

Natur, wird zum eindrücklichen

Erlebnis

k

In der Sunset-Bar lassen sich

Sonnenuntergänge magisch genießen

x

Der private Pool garantiert Erholung

pur in diesem schönen Hideaway

215


TRAVEL

Indonesien, Java:

Wilde Schönheit entdecken

AMANJIWO

216

WINTER 2022


k

Wahres Tempel-Feeling spürt man

in der Indonesia Suite

x

Die Dalem Jiwo Suite verzaubert und

entführt in eine faszinierende Welt

l

Das Umland lässt sich im hauseigenen

Zug stilvoll erkunden

Vulkanisch, grün und fast unzähmbar präsentiert sich Java, das schon

sehr früh, etwa 200 vor Christus, besiedelt war. Die Insel mit ihren

knapp 126.700 Quadratkilometern entspricht in etwa der Größe Englands

und gehört geografisch zum Inselstaat Indonesien, sie beherbergt

auch die Hauptstadt Jakarta. Einzigartig ist nicht nur die wilde

Natur Javas, als kultureller Schmelztiegel ist sie auch berühmt für die

außergewöhnliche Architektur der antiken Heiligtümer und Palastanlagen,

die hohe Kunst des Tanzes, der Malerei und des Silber- und

Weberhandwerks. Das „Amanjiwo“, was so viel wie „friedvolle Seele“

bedeutet, befindet sich im Herzen Zentraljavas. Es thront inmitten

eines natürlichen Amphitheaters aus Kalkstein des Menoreh-Gebirges

und bietet einen unvergleichlichen Blick auf die Tempelanlage Borobudur,

eines der größten buddhistischen Heiligtümer der Welt und

Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Insgesamt verteilen sich 36 Suiten

auf dem weitläufigen Areal. Absolute Freiheit vermitteln in den Suiten

schöne hohe Decken und die gewölbten Kuppeldächer, Glasschiebetüren

öffnen sich zur Gartenterrasse, die mit einem reetgedeckten

Gartenpavillon für private Dinner ausgestattet ist. Imposant ist auch

der Dining-Room, der von einer Doppelreihe aus Steinsäulen dominiert

wird. In diesem Open-Air-Setting werden Leckerbissen der

indonesischen und westlichen Küche kredenzt. Der hauseigene Spa-

Bereich mit javanischen Beauty-Treatments und der 40 Meter lange

Infinity pool, umgeben von Feigenbäumen, laden zum Verweilen und

Träumen ein. Atemberaubende Tempeltouren und Exkursionen entführen

in eine ferne Welt, aus der man nicht mehr weg möchte!

aman.com

Fotos: Aman Hotels

217


h

Die Villa „Les Jolies Eaux“ gehörte Prinzessin

Margaret. An diesem persönlichen Rückzugsort

hat sie viel Zeit verbracht

k

In der Villa „Mandalay“ war David Bowie zu

Hause, er hat sie selbst mitgestaltet

h

Der Zauber liegt in den Details, wie

hier im wunderschönen Steinmosaik

k

Der Private-Pool in der „Palm Beach

Villa“ lockt den Besitzer, Tommy

Hilfiger, oft hierher

218


TRAVEL

Mustique: Insel

der Stars und

Prominenten

PRIVATES INSELPARADIES

DER SUPERLATIVE

Exotisch anmutend liegt die in Privatbesitz befindliche Insel

Mustique, zu den Grenadinen gehörend, im Karibischen Meer. 1958

kam Lord Glenconner, Colin Tennant, auf Mustique an und kaufte die

Insel für nur 45.000 Pfund, obwohl sie keine Straßen, Stege oder fließendes

Wasser hatte. Hier sollte eine Baumwollfarm florieren, doch

diese Pläne waren wirtschaftlich nicht tragfähig. So suchte Lord

Glenconner nach anderen Möglichkeiten, um diesen Sehnsuchtsort zu

entwickeln, und schenkte 1960 ein Insel-Grundstück seiner guten

Freundin, Ihrer Königlichen Hoheit Prinzessin Margaret von York. Die

Schwester der Queen schuf sich in diesem Paradies die prächtige Villa

„Les Jolies Eaux“, und von da an war das Interesse an Mustique ungebrochen.

1968 wurde die Mustique Company ins Leben gerufen, um

ein grandioses, privates Eldorado für den internationalen Jetset zu

kreieren. Neben der Villa „Les Jolies Eaux“, in der auch Prinz William

und seine Frau Kate schon öfter Ruhe gesucht haben, gibt es noch

weitere 88 Privatvillen und nur zwei Hotels. Rockstars, Royals und

andere berühmte Persönlichkeiten schätzen die Privatsphäre und den

Luxus auf Mustique, denn Butlerservice, Hausmädchen, Gärtner und

Koch sind bei allen Refugien inklusive. Zusätzlich begeistert zum Beispiel

das ehemalige Anwesen von Prinzessin Margaret mit einem

360-Grad-Rundumblick auf das Karibische Meer und erlebt man in

fünf Schlafzimmern und einem zwölf Meter langem Pool samt Pavillon

die Welt aus einer völlig neuen Perspektive. Die wohl exklusivste

und luxuriöseste Insel der Welt ist das perfekte Hideaway für all jene,

die den Alltag ungestört hinter sich lassen möchten.

mustique-island.com

Fotos: Mustique Island

WINTER 2022

219


TRAVEL

Curaçao:

When dreams

come true

BAOASE LUXURY RESORT

h

Privatsphäre wird

großgeschrieben, am

eigenen Pool genießt

man sie entspannt und

ungestört

k

Balinesischen Stil

findet man auch in den

Schlafgemächern

x

Die Mastervilla vereint

Design, Luxus und

Gemütlichkeit

1499 entdeckte Alonso de Ojeda, ein Offizier unter Christoph Kolumbus,

die Sehnsuchtsdestination Curaçao. Aufgrund der beeindruckenden

Körpergröße der dort lebenden Arawak wurde sie anfangs „Isla de

los Gigantes“ getauft, später wurde der Name geändert. Ihre lange

Geschichte ist ebenso beeindruckend, denn 1572/73 wurde sie sogar

vom wohl bekanntesten Piraten, Sir Francis Drake, überfallen. Die

Insel gehört heute mit ihren rund 444 Quadratkilometern zum Königreich

der Niederlande und liegt in der Karibik. Inmitten von kristallklarem

Wasser befindet sich das „Baoase Luxury Resort“ nur unweit

der Hauptstadt Willemstad. Das wunderschöne Hideaway verfügt

über 23 Villen im balinesischen Stil, in zwölf davon genießen Erholungssuchende

den Komfort eines eigenen Pools. Luxuriös erlebt man

am Privatstrand Tage ultimativer Entspannung. So kann man sich

vom Strandbutler mit kulinarischen Köstlichkeiten verwöhnen lassen,

oder man erkundet das umliegende Meer mit der hauseigenen Yacht

des Resorts und erlebt ausgedehnte Schnorchelausflüge. Kulinarisch

sorgt das Team rund um Küchenchef René Klop für eine spannende

Crossover-Küche und kreiert raffinierte Gerichte mit französischasiatischem

Touch. Gespeist wird entweder im „Culinary Beach

Restaurant“ oder im „Sunset Deck Restaurant“, inklusive unvergesslicher

karibischer Sonnenuntergänge, wofür auch immer man sich

entscheidet. Die herrliche Lage und der perfekte Service machen den

Aufenthalt auf dieser faszinierenden Insel so besonders!

baoase.com

Fotos: Baoase

220

WINTER 2022


Erschaffen Sie Ihr

eigenes kleines Paradies.

Jetzt scannen

und entdecken:

Für die meisten von uns sind die warmen Tage gleichbedeutend mit Grillen, kleinen

Gerichten und Aperitifs auf der Terrasse. Die Outdoor-Küche wird immer beliebter und

ersetzt die Grillecke. Mit FLAM.E hat der Wohnraum im Freien Gestalt angenommen.

Hier wird Ihr Garten neu definiert: www.flam-e.at


h

Necker Island ist ein Ruhepol

mit angenehmer Privatsphäre

in einem atemberaubenden

Ambiente

j

Ein Bett wie im Märchen,

mit einem Ausblick wie im

Paradies: So lässt es sich

doch leben

v

Im Haupthaus dominiert

balinesisches Ambiente,

das den perfekten Wohlfühlmoment

schafft

Redaktion: Elisabeth Muth, Fotos: Vladi Private Islands

222


TRAVEL | WITH THE STARS

LIKE A

Sir Richard Branson, Unternehmer und

Gründer der Virgin Group, lebt

abwechselnd auf seinem Landsitz im

britischen Oxfordshire und auf seiner

privaten Karibikinsel Necker Island,

die er auch für Gäste öffnet

Necker Island, ein elitäres Luxusparadies, liegt inmitten der traumhaften

British Virgin Islands und besticht durch die Abgeschiedenheit

sowie vollkommene Ruhe. Die 30 Hektar große Insel ist das private

Hideaway von Sir Richard Branson, aber auch Erholungsort zahl reicher

berühmter Persönlichkeiten. Haben doch schon viele Größen des

internationalen Film- und Musikbusiness hier ihre Spuren im Sand

hinterlassen. Necker Island wird den Großteil des Jahres exklusiv vermietet,

lediglich in den sogenannten „Celebration Weeks“ gibt es die

Möglichkeit, einzelne Suiten oder Zimmer zu buchen. Auf dem majestätischen

Devils Hill findet sich das beeindruckende Haupthaus „The

Great House“, dazu sind sechs individuelle „Bali Houses“ sowie zwei

weitere „Temple Houses“ über die ganze Insel verstreut. Den bis zu 40

Gästen stehen dabei insgesamt 17 exklusive Suiten und Zimmer für

einen traumhaften Aufenthalt zur Verfügung, um völlige Entspannung

kümmert sich im „Bali Leha Spa“ ein erfahrenes Team mit zahlreichen

wohltuenden Treatments. Das Spa wurde auf einer Klippe

erbaut und begeistert mit einem großartigen Blick über das Meer.

Neben dem breiten Wellness-Angebot steht dem Besucher auch eine

Vielzahl an Wassersportmöglichkeiten zur Ertüchtigung zur Verfügung,

egal ob nun Kitesurfing, Segeln, Windsurfen, Wasserski oder

Kajak. Perfekt abgerundet wird das Sportangebot durch das private

Fitnessstudio und die beiden Tennisplätze. Für Abenteuerlustige steht

das welterste Unterwasserflugzeug „Necker Nymph“ bereit, in dem

man bis in eine Tiefe von 30 Metern die Unterwasserwelt hautnah

erleben kann.

Auch kulinarisch hat das Anwesen natürlich einiges zu bieten.

Der Gast entscheidet, wo und wie er sich kulinarisch verwöhnen lassen

möchte, und der persönliche Küchenchef mit seinem Team erfüllt

jeden nur denkbaren Wunsch. Hoch im Kurs stehen die sogenannten

Überraschungsmenüs für eine kulinarische Reise um die Welt. Gäste

erreichen dieses Paradies am besten per Flug nach Tortola oder

Virgin Gorda und mit anschließendem Transfer per Boot oder Helikopter.

Vor Ort angekommen, wird man von türkisfarbenem Meer,

einmaligen Sandstränden, intakten Korallenbänken und natürlich

einer unvergesslichen Gastfreundschaft erwartet.

vladi-private-islands.de

WINTER 2022

223


TRAVEL

New

Places

AURUM 999,9 ist immer auf der Suche nach brandneuen

Top-Destinationen. Auch in dieser Ausgabe präsentieren wir wieder

einige internationale Highlights und Hideaways

Aethos Ericeira, Portugal

Next-Gen-Luxus mit Weitblick

Design und Luxus, gepaart mit Tradition und Gemütlichkeit, darauf

setzt die Hotelgruppe Aethos, die kürzlich das „Aethos Ericeira“ in

Portugals Surf-Mekka eröffnet hat. Die neue Lifestyle- Destination

liegt auf einer 40 Meter hohen Klippe, mit unvergleich lichem Blick auf

den Atlantik. Hier kann Wellness auf vielerlei Art und Weise erlebt

werden. Das Anwesen verfügt über 50 Zimmer und Suiten, einen

Holzsteg entlang der Klippe, ein Meditations- und Yogadeck sowie

eine Feuerstelle. Das Spa umfasst einen beheizten Salzwasserpool,

Sauna und diverse Behandlungsräume, im „ONDA“, dem Sea-to-Table-

Restaurant, genießt man indoor wie outdoor bewusste und nachhaltige

Küche. Nomaden, die das Surfen und den mühelosen Luxus lieben,

werden sich hier wie zu Hause fühlen!

aethoshotels.com

Six Senses Crans-Montana, Schweiz

Chalet-Architektur trifft auf Moderne

Diesen Dezember ist es so weit, das „Six Senses Crans-Montana“ öffnet

seine Pforten und beeindruckt unter anderem durch seine erstklassige

Lage oberhalb der Hauptgondel in Crans mit einem direkten

Ski-in- und Ski-out-Zugang. Die 45 Terrassenzimmer sowie die Suiten

mit einem oder drei Schlafzimmern sind an drei Seiten von einer

wunderbaren Naturkulisse umgeben. Im „Byakko“ serviert das

Küchenteam japanische Cuisine mit Pfiff und wird damit für ein großartiges

Geschmackserlebnis sorgen. In der ganztägig geöffneten

Brasserie „Wild Cabin“ sollen als kulinarischer Kontrast klassische

Schweizer Gerichte überzeugen. Nach dem Skitag entspannen die

Gäste im „Six Senses Spa“, das mit seiner exquisiten Ausstattung ein

weiteres Highlight des Hauses darstellt. Denn nichts ist angenehmer,

als sich nach einem intensiven Sporttag vom Spa-Team rundum verwöhnen

zu lassen.

sixsenses.com

Avani Chaweng Samui

Hotel & Beach Club, Thailand

Let the party begin

Chaweng war schon immer Thailands Insel-Hotspot und ist nun um

das frisch eröffnete „Avani Chaweng Samui Hotel & Beach Club“ reicher.

Das Retro-Glamour-Hotel liegt nur wenige Schritte vom Meer

entfernt und besticht mit seinem kühnen und frischen Design, das

sich an den goldenen Zeiten der 1950er-Jahre orientiert und sich auf

die ikonischen Reiseziele wie Palm Beach und Miami bezieht. Um den

Mittelpunkt, einen großen und einladenden Swimmingpool, reihen

sich auf nur drei Stockwerken 80 glamouröse Zimmer und Suiten. Die

Cabanas rund um den Pool machen Lust auf geselliges Beisammensein

bei guter Musik. Eine Kooperation mit dem berühmten SEEN

Beach Club Samui erlaubt den Gästen exklusiven Zutritt zur wohl

begehrtesten Location auf Samui. Good Vibes, perfect Nights und DJ-

Line-up inklusive!

avanihotels.com

Redaktion: Elisabeth Muth, Fotos: Francisco Nogueira, Avani Hotels & Resorts, Six Senses

224 WINTER 2022


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unserer Makler ist

Spezialität des Hauses.

Wer beim Investment auf stabile Werte baut, hat mit Sicherheit mehr

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