23.11.2022 Aufrufe

Kinder- & Jugendgesundheit

Je gesünder unsere Kinder, desto gesünder sind die Erwachsenen der Zukunft! Im Rahmen dieser Ausgabe sprechen Expert:innen und junge Eltern über die aktuelle Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen in Österreich, den Mangel an pädiatrischen Kassenfachärzt:innen und den österreichischen Impfplan.

Je gesünder unsere Kinder, desto gesünder sind die Erwachsenen der Zukunft!

Im Rahmen dieser Ausgabe sprechen Expert:innen und junge Eltern über die aktuelle Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen in Österreich, den Mangel an pädiatrischen Kassenfachärzt:innen und den österreichischen Impfplan.

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EINE THEMENZEITUNG VON MEDIAPLANET

Lesen Sie mehr unter www.dergesundheitsratgeber.info/kindergesundheit

KINDER- & JUGEND-

GESUNDHEIT

FOTOS: SHUTTERSTOCK

Vorsorgemedizin

Warum diese so wichtig ist

& welche Rolle der Impfplan

dabei spielt

Je gesünder unsere

Kinder, desto

gesünder sind die

Erwachsenen der

Zukunft!


2 Lesen Sie mehr unter www.dergesundheitsratgeber.info/kindergesundheit/

Themenzeitung von Mediaplanet

IN DIESER AUSGABE

06

Kein Kinderspiel für das

Gesundheitssystem

Die Gesundheitsversorgung von Kindern

und Jugendlichen steht in Österreich

vor großen Herausforderungen. Die

Verantwortlichen sind daher gefordert,

zeitnah gesundheitspolitische Lösungen

zu finden.

07

Verena Maria Greillinger

Die Mama-Bloggerin spricht darüber,

wie sie mit dem Thema Impfen bei ihren

eigenen Kindern umgeht.

Die Erstellung dieser Sonderbeilage

wurde von GSK unterstützt.

Die redaktionelle Verantwortung für

alle Beiträge liegt bei Mediaplanet.

Verantwortlich für den Inhalt

dieser Ausgabe:

FOTO

: NIEV ES SI M O N

Sophia Rüscher-

Fussenegger, MBA

Industry Managerin

Mediaplanet GmbH

FOTO: SHUTTERSTOCK FOTO: SHUTTERSTOCK

Je gesünder

unsere Kinder,

desto gesünder

sind die Erwachsenen

der Zukunft

Kinder stellen die gesündeste Bevölkerungsgruppe

dar, was erfreulich ist. Dennoch darf dabei nicht

vergessen werden, was es alles braucht, um

langfristig gesund zu bleiben.

Mag.a Dr.in

Caroline Culen

Klinische und

Gesundheitspsychologin

Geschäftsführerin

Österreichische

Liga für Kinder- und

Jugendgesundheit

FOTO: LUIS HARMER

In den Gesundheitszielen Österreichs

ist unter Ziel 6, das da lautet „Gesundes

Aufwachsen für Kinder und

Jugendliche bestmöglich gestalten“,

folgendes nachzulesen: „In der ersten

Lebensphase wird die Grundlage für eine

gesunde Lebensweise und lebenslange

Gesundheit gelegt. Ungleichheiten in der

frühen Kindheit können sich im Erwachsenenalter

fortsetzen. Daher ist es wichtig,

dem Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen

besondere Beachtung zu schenken.

Bekommen alle Kinder und Jugendlichen

in Österreich gerechte Gesundheitschancen

und optimale Rahmenbedingungen,

so ist dies von langfristigem Nutzen für die

Einzelnen und die Gesellschaft insgesamt.“

Es liegt also in unser aller Verantwortung,

die Grundlagen für ein gesundes

Aufwachsen unserer Kinder zu schaffen.

Kinder und Jugendliche in Österreich

erhalten im akuten Erkrankungsfall

meist sehr gute und kostengünstige bzw.

FOKUS

IN DIESER AUSGABE:

FOTO: SHUTTERSTOCK

kostenfreie

Behandlung,

vor allem im

Spitalskontext.

Im niedergelassenen

Bereich sieht

das anders aus.

Der Mangel an

Kinderärzt:innen

ist dramatisch. Viele

Eltern verzweifeln an den

schier ewig langen Wartezeiten

der kinderärztlichen Praxen. Die Folge

der zu wenigen niedergelassenen Kinderfachärzt:innen

und deshalb auch eingeschränkten

Praxisöffnungszeiten war in

den vergangenen Jahren eine Überfüllung

der Spitalsambulanzen.

Die gleichzeitige Zunahme

der Wahlärztinnen und -ärzte erschwert

mittlerweile wichtige Vorsorgetermine wie

regelmäßige Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen

oder zeitgerechte Impfungen, da

diese für viele Eltern einfach nicht leistbar

sind. Die Volkshilfe wertete im Jänner

2022 Angaben von über 500 Familien aus,

die ein Jahr lang an dem Projekt „Existenzsicherung

für armutsbetroffene und

armutsgefährdete Kinder und Jugendliche

in der Pandemie“ teilgenommen hatten.

Geplante Ausgaben im Bereich Gesundheit

wurden von den wenigsten Familien (nur

10 %) genannt. Erwähnt wurden allerdings

sehr wohl Schwierigkeiten verbunden mit

den Kosten für die dennoch notwendigen

Behandlungen (Volkshilfe Österreich 2022).

Kinder brauchen erwachsene Bezugspersonen,

um überhaupt Zugang zu medizinischen

oder therapeutischen Leistungen

zu erhalten. Meistens sind das ihre Eltern,

weshalb diese die wichtigsten Partner für

das Gesundheitswesen darstellen, wenn es

um Kinder- und Jugendgesundheit geht.

Im eingangs genannten Ziel 6 der Gesundheitsziele

Österreich ist festgehalten, dass

Eltern von Anfang an, also ab der Schwangerschaft,

vielfältig unterstützt werden

müssen. Neben Hilfestellungen wie Betreuung

durch Hebammen, Frühe-Hilfen-Netzwerk

oder Erziehungsberatung bedeutet

dies auch die Förderung von elterlicher

Gesundheitskompetenz, also „dem Wissen,

der Motivation und der Fähigkeit, gesundheitsbezogene

Informationen zu finden, zu

verstehen, zu bewerten und anzuwenden,

um dadurch im gesamten Lebensverlauf

die Gesundheit und Lebensqualität zu

erhalten, sinnvolle präventive Maßnahmen

in Anspruch nehmen und mit Krankheiten

gut umgehen zu können“ (Definition

Sozialministerium). Gesundheitskompetenz

ist einer der wichtigsten Pfeiler, um

gesund zu bleiben, Gesundheitsvorsorge zu

leisten und die bestmögliche Gesundheit

von Kindern zu erhalten.

In diesem Sinn trägt die vorliegende

Mediaplanet-Ausgabe zur Gesundheitskompetenz

bei.

Viel Spaß bei der Lektüre!

Gesundheitsversorgung von

Kindern und Jugendlichen

in Österreich sowie das

Thema Impfplan.

Zahlen und Gründe der pädiatrischen

Mangelversorgung in Österreich

Industry Managerin: Sophia Rüscher-Fussenegger, MBA;

Sales Director: Florian Rohm, BA Lektorat: Sophie Müller,

MA; Grafik & Layout: Daniela Fruhwirth; Journalistin:

Magdalena Reiter-Reitbauer; Managing Director:

Bob Roemké

Medieninhaber: Mediaplanet GmbH · Bösendorferstraße

4/23 · 1010 Wien · ATU 64759844 · FN 322799f FG Wien

Impressum: mediaplanet.com/at/impressum/

Distribution: Der Standard Verlagsgesellschaft m.b.H.

Druck: Mediaprint Zeitungsdruckerei Ges.m.b.H. &

Co.KG

Kontakt bei Mediaplanet Tel: +43 1 236 34380

E-Mail: hello-austria@mediaplanet.com

ET: 23.11.2022

Bleiben Sie in Kontakt:

Mediaplanet Austria

@DerGesundheitsratgeber

@austriamediaplanet

Bundesland Kassenarztstellen davon nicht besetzt: % nicht besetzt

Burgenland 8 0 0

Niederösterreich 43 8 19

Wien 91 11 (16*) 12 (18)

Steiermark 36 3 8

Oberösterreich 40,5 7,5 19

Kärnten 17 0 0

Salzburg 19 2 11

Tirol 24 2 8

Vorarlberg 20 0 0

gesamt 298,5 33,5 (38,5) 11 (13)

Quelle: Unbesetzte §2-Kassenfacharztstellen für Kinder- und Jugendheilkunde in den einzelnen

Bundesländern Österreichs (Eigenerhebung ÖGKJ). * 5 Stellen werden ev. demnächst besetzt.

AT-LYN-00264 ERSTELLDATUM 03/2022


Eine Themenzeitung von Mediaplanet

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Ein Mangel,

der zur sozialen

Schwelle wird

Es ist ein Alarmsignal, das Kinderarzt

Dr. Peter Voitl absetzt. Vor welchen

großen Herausforderungen

Kinderärztinnen und -ärzte und

das gesamte Gesundheitssystem

stehen und welche Forderungen der

Bundesfachgruppenobmann für

Kinder- und Jugendheilkunde der

Österreichischen Ärztekammer daher

an die Politik hat, erklärt

er im Interview.

Prim. DDr.

Peter Voitl

Medizinalrat,

Gründer des Kindergesundheitszentrums

Donaustadt,

Bundesfachgruppenobmann

für Kinder-

& Jugendheilkunde

FOTO: ZVG

Wie bewerten Sie die aktuelle Situation der

medizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen

in Österreich?

Schlecht – und dafür gibt es mehrere Gründe. Es gibt

in Österreich einen Mangel an Kinderärzt:innen, der

in Wahrheit ein selektiver Mangel ist. Es gibt genügend

Wahlärztinnen und -ärzte, aber zu wenige Kinderärztinnen

und -ärzte im solidarischen und niederschwelligen

Kassensystem. Wir sehen auf allen Ebenen einen Rückgang

der klassischen Kassenmedizin und parallel dazu

eine Privatisierung in sämtlichen Bereichen.

Warum ist das problematisch?

Es wird dadurch eine soziale Schwelle eingebaut. Das

kann ich auch aus eigener Erfahrung berichten. Ich

war eine Zeit lang als Wahlarzt tätig. Es war für mich

unerträglich, den aufgeblähten Säugling einer wohlhabenden

Familie ausführlich zu untersuchen, während

ich das herzkranke Kind, dem ich mit meiner Expertise

hätte helfen können, nach seiner Herzoperation

wegschicken musste, weil es keine Zusatzversicherung

hatte. Das ist nicht die Medizin, die ich betreiben will.

Das ist keine Kritik an Wahlärzt:innen, denn sie leisten

hervorragende Arbeit; und ich bin auch nicht der

Meinung, dass man dieses System einschränken sollte –

doch die Kassenmedizin muss attraktiver werden.

Wie kann die Kassenmedizin attraktiver werden?

Es braucht Verbesserungen auf verschiedenen Ebenen.

Da ist zunächst die Honorarsituation. Für den Mutter-

Kind-Pass basieren die aktuellen Tarife auf jenen der

frühen 1990er Jahre. Wir brauchen außerdem pädiatrische

Primärversorgungseinheiten. Ich betreibe ein

Kindergesundheitszentrum, in dem wir als Team von

Ärzt:innen pro Tag rund 300 Patient:innen auf Kassa

betreuen können. Darüber hinaus ist es nach wie vor

unverständlich, warum Oberärztinnen und -ärzte in

Krankenhäusern nebenbei keine Kassenordinationen

führen dürfen. Diese Absurdität stammt noch aus

der Zeit des Überschusses an Ärzt:innen. Es würde

unserem System heute aber sehr helfen, wenn fünf bis

zehn Wochenstunden nicht etwa als Wahlärztin/-arzt,

sondern als Kassenkinderärztin/-arzt geleistet werden

dürften.

Wohin wird sich die Kinder- und Jugendmedizin in

Österreich in den nächsten zehn Jahren entwickeln?

Wir erleben den größten Umbruch im medizinischen

System seit dem Zweiten Weltkrieg. Durch den zunehmenden

Mangel an Ärzt:innen, der auch durch den Pillenknick

bedingt ist, erschöpft sich das aktuelle System.

Die Privatmedizin springt ein und die Kassenmedizin

wird zurückgefahren. Diesen Systemumbruch müssen

wir ernst nehmen und Schritte dagegen unternehmen.

Im Vorfeld dieses Gesprächs haben wir um Statements

des Gesundheitsministeriums und der

Österreichischen Gesundheitskassa angefragt.

Leider sind beide Stellen unserer Anfrage nicht

nachgekommen.

Die Hauptproblematik des österreichischen Gesundheitswesens

war und ist die Zersplitterung von Kompetenzen.

Jeder ist für einen Teilbereich zuständig und

versucht, in diesem Kosten zu sparen. Darüber gibt

man natürlich nur ungern Auskunft. Es geht bei vielen

Themen rein darum, wer welche Kosten übernimmt und

was man dafür bekommt. Ich war etwa bei einigen Verhandlungsrunden

zu den Primärversorgungseinheiten

dabei. Wir haben oft stundenlang über absurde Details

gesprochen, an denen es sich dann spießt.

Wenn Ihnen Vertreter:innen von Gesundheitsministerium

und Österreichischer Gesundheitskassa

gegenübersitzen würden, welche Forderungen

hätten Sie?

Erstens: Forcierung der Primärversorgungseinheiten für

Kinderheilkunde. Damit kann man kostengünstig eine

gute Versorgungswirklichkeit erzielen – sowohl quantitativ

als auch qualitativ. Zweitens: Die Situation um die

Mutter-Kind-Pass-Honorare empfinden wir mittlerweile

als mangelnde Wertschätzung. Die Untersuchungen

sind für uns ein Defizit.

Gibt es hier denn nicht Tendenzen zur

Lösung seitens der Politik?

Wir stoßen seit nun mehr zwanzig Jahren auf furchtbar

viel Verständnis. Jede:r Gesundheitsmininister:in

sagt, dass dringend etwas getan werden muss – bis zur

nächsten Wahl, dann geht das Spiel wieder von vorne

los. Es passiert schlicht nichts auf diesem Gebiet. Das

liegt sicherlich auch an der Konstellation des Familienlastenausgleichsfonds.

Daher werden wir Kassenärztinnen

und -ärzte mit Ende März nächsten Jahres diese

Leistungen kündigen, wenn bis dahin keine Lösung in

den Gesprächen absehbar ist.

Soziale Leistungen wie das Kinderbetreuungsgeld

sind an den Mutter-Kind-Pass geknüpft. Fördert

eine Privatisierung hier nicht zusätzlich noch das

soziale Ungleichgewicht?

Genau! Wenn der Mutter-Kind-Pass privatisiert wird,

wird das eine massive Verschlechterung mit sich

bringen. Die, die es sich nicht leisten können, fallen

damit auch um das Kinderbetreuungsgeld. Wir haben

hier lange genug zugesehen und können die aktuelle

Situation nicht mehr tragen, sollte es zu keiner Lösung

kommen. Eine weitere Forderung an die verantwortlichen

Stellen ist außerdem die Übernahme der Lehrpraxis.

Junge Kolleg:innen sollen so die zentralen Elemente

der Kinderheilkunde, nämlich die Untersuchungen des

Mutter-Kind-Passes und das Impfwesen, in der Praxis

kennenlernen. Das ist derzeit aufgrund der missglückten

Ausbildungsordnung sowie der fehlenden Finanzierung

nicht möglich.

Viele Eltern fühlen sich nun vielleicht verunsichert.

Gibt es etwas Positives, das sie zum Abschluss

mitgeben können?

Ich möchte das enorme Engagement meiner Kolleg:innen

hervorheben, die selbst unter den schwierigen

Bedingungen der letzten Jahre zwischen Coronapandemie

und Patient:innenansturm eine medizinische

Versorgung auf sehr gutem Niveau angeboten haben.

Das muss für meine Kolleg:innen sprechen, die trotz

widriger Umstände täglich Großartiges leisten.

Hauptgründe,

warum pädiatrische

§2-Kassenfachärztinnen

und - ärzte teilweise

keine Nachfolger:innen

finden:

• Work-Life Balance

• „Einzelkämpfer:innentum“

• Unternehmerisches Risiko

• Hoher administrativer

Aufwand

• Ärztliche Tätigkeit

„kommt zu kurz“

• Nichtberücksichtigung

von zeitlichem Aufwand

• Komplizierte und

unbefriedigende

Honorargestaltung

FOTO: SHUTTERSTOCK


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Themenzeitung von Mediaplanet

INSIGHT

Ohne Hürden zur solidarischen Grundversorgung

Für Dr.in Susanne Rabady, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinund

Familienmedizin, und ihre Kolleg:innen wird es im Bedarfsfall immer schwieriger,

Kinder an Kassenkinderärztinnen und -ärzte zu überweisen.

MR Dr.in Susanne

Rabady

Präsidentin der

österreichischen

Gesellschaft für Allgemein-

& Familienmedizin

FOTO: ZVG

Welche Erfahrungen haben Sie in den

letzten Jahren in der medizinischen

Versorgung von Kindern und Jugendlichen

in Österreich gemacht?

Wir versorgen in der Allgemein- und

Familienmedizin viele Kinder. Denn in

Österreich besteht ein duales System, in

dem Kinder und Jugendliche sowohl von

der Kinderheilkunde als auch von der Allgemeinmedizin

betreut werden. In ländlichen

Regionen versorgen wir wirklich viele

Kinder – gerade zu Tagesrandzeiten, in

den Nächten und am Wochenende. Daher

ist es gut, dass wir auch unter der Woche

Kinder sehen, damit wir unsere Kompetenz

und unsere Routine nicht verlieren.

Wir sind Teil der Versorgung von Kindern

und Jugendlichen unter dem Aspekt der

Familienmedizin. Mit Sorge erfüllt uns

allerdings die zunehmende Privatisierung

der Kinderheilkunde mit immer weniger

Ärzt:innen im Kassensystem.

Inwiefern wirkt sich das auf die Allgemeinmedizin

aus?

Die Arbeitslast in den Praxen ist insgesamt

sehr hoch und wird dadurch nicht weniger.

Doch für Eltern ist diese Entwicklung ein

viel größeres Problem als für uns Allgemeinmediziner:innen.

Wir sind es gewohnt, auch

Kinder zur versorgen, aber wenn wir eine

kinderfachärztliche Meinung brauchen,

wird uns die Zuweisung innerhalb des

öffentlichen Systems erschwert. Nicht alle

Menschen können sich Wahlärztinnen und

-ärzte leisten.

Sehen Sie einen Unterschied zwischen

städtischen und ländlichen Regionen?

In den Städten gehen vergleichsweise

wenige Eltern mit ihren Kindern zu Hausärzt:innen

– aus familienmedizinischer Sicht

muss ich ein „Leider“ hinzufügen. Denn die

Langzeitbeziehungen zu Kindern und später

Erwachsenen möchte ich nicht missen. Die

Reaktivierung des dualen Versorgungsprinzips

in den Städten finde ich daher keine

schlechte Konsequenz aus der Not heraus.

Es ist dennoch sehr wichtig, dass die

spezialistische Betreuung für Kinder auch

mithilfe von Kassenkinderärzt:innen

möglich ist. Es darf keine Schwellen in der

Grundversorgung von Kindern und Jugendlichen

geben. Das Problem wird auch durch

das Thema Teuerungen jeden Tag größer.

Wir schlittern gerade in eine Situation, die

wir so nicht haben wollen. Unsere Bitte an

die Kinderärztinnen und -ärzte ist daher:

Bitte haltet die solidarische Versorgung

aufrecht!

Mehr Wertschätzung für kinderärztliche Versorgung

Unbesetzte kinderärztliche Kassenstellen werden in Österreich zu einem zunehmenden

Problem, wie Univ.-Prof. Dr.in Daniela Karall ausführt. Welche Folgen dies mit sich bringt

und was die Gesundheitspolitik dagegen tun kann, lesen Sie im Interview.

Wie sehen Sie als Präsidentin der Österreichischen

Gesellschaft für Kinder- und

Jugendheilkunde das Thema Mangel an

Kinderärzt:innen?

Diese Herausforderung beschäftigt uns

schon seit mehreren Jahren. Wir sehen

einerseits die demographische Entwicklung

und andererseits beobachten wir,

dass junge Ärztinnen und Ärzte nach ihrer

pädiatrischen Ausbildung gerne in den

jeweiligen Spezialbereichen, beispielsweise

in Kinderkardiologie oder Kindernephrologie,

im Krankenhaus arbeiten möchten.

Viele können sich zwar vorstellen, auch in

einer Ordination zu arbeiten – jedoch nicht

im Einzelkämpfer:innentum und nur ohne

eigenes unternehmerisches Risiko. Wir

haben dazu auch Umfragen gemacht und

herausgefunden, dass viele junge Kinderärztinnen

und -ärzte gerne im Team und im

Zusammenhang mit stationären Einrichtungen

tätig sein wollen.

Welche Probleme sind Ihrer Meinung

nach durch unbesetzte Kassenstellen

entstanden?

Im Moment sind etwa 15 % der kinderärztlichen

Kassenstellen unbesetzt – manche

bereits seit vielen Jahren. Besetzte Kinderordinationen

in der Nähe sind dementsprechend

ausgelastet. Die Möglichkeit von

Kinder-Wahlärzt:innen ist allerdings mit

einem gewissen Einkommen verbunden. Für

Eltern kann es daher in manchen Regionen

zunehmend schwieriger werden, ihren

Kindern eine gute kinderärztliche Versorgung

zu ermöglichen. Das ist natürlich sehr

bedenklich, weil gerade im Kindesalter viel

Prävention betrieben wird. Alles, was man

im Kindesalter gut etabliert, von Ernährungsberatung

über Unfallprävention bis hin

zum Impfwesen, hält ein ganzes Leben lang.

Wenn Sie auf Ihren eigenen Berufsweg

zurückblicken: Was hätten Sie sich

gewünscht bzw. was wünschen Sie sich

jetzt von gesundheitspolitischer Seite?

Es braucht mehr Wertschätzung für die

verschiedenen Aufgaben, die wir in der

Kinder- und Jugendheilkunde im präventivmedizinischen

Bereich leisten. Wir haben im

Vergleich zu anderen Ländern ein sehr gutes

Gesundheitssystem, in dem aber sehr viel

Wert auf die Behandlung von Erkrankungen

– und weniger Wert auf die Prävention

- gelegt wird. Ich hätte mir in meiner

beruflichen Praxis auch eine Aufwertung

von Gesprächen und Beratungen gewünscht.

Das wünschen sich im Übrigen auch viele

junge Ärztinnen und Ärzte.

FOTO: HOFER

A.Univ.-Prof. Dr.in

Daniela Karall,

IBCLC

Präsidentin der

ÖGKJ, Stellv. Direktorin

Department für

Kinder- und Jugendheilkunde

Universitätsklinik

Innsbruck

für Pädiatrie

(K)ein Spagat zwischen Kassen- und Privatärzt:innen

Welche Erfahrungen Eltern bei der Suche nach Kinderärzt:innen unter anderem machen, erzählt Claudia Auer,

Mutter einer zweijährigen Tochter, im Interview – zwischen kurzem Glück und langen Wartezeiten.

FOTO: ZVG

Claudia Auer

Mutter einer Tochter

www.windelwecker.com

Das Thema Mangel an Kinderärzt:innen

ist in Österreich seit einiger Zeit präsent.

Wie nehmen Sie dies wahr?

Als meine kleine Tochter auf die Welt

gekommen ist, habe ich mir einen Kinderarzt

ausgesucht, dessen Ordination in der

Nähe meines Wohnortes gelegen ist. Ich war

von meinem Kinderarzt begeistert. Gerade

als Neu-Mami hat er mich hinsichtlich

aller Fragen beruhigt. Ich hatte also großes

Glück und bin mir dessen erst im Nachhinein

bewusst geworden. Denn nach einem

Jahr ging er in Pension und ich musste

mir jemand Neues suchen. Allerdings hat

sich das als sehr schwierig herausgestellt,

weil es in meiner Umgebung nur private

Ordinationen gibt. Ich musste dann also

notgedrungen zu einem weiter entfernten

Kassenkinderarzt wechseln, dessen Ordination

aufgrund von langen Wartezeiten

überfüllt war. Für Routineuntersuchungen

und Impfungen gehe ich also mit meiner

Tochter zum Kinderarzt, aber für akute

Erkrankungen nimmt meine Hausärztin uns

glücklicherweise beide auf.

Viele Eltern wechseln aufgrund dieser

Versorgungslage schlussendlich zu privaten

Kinderärzt:innen.

Wäre das für Sie eine Option?

Ich möchte nicht umsteigen, auch wenn ich

es mir leisten könnte. Österreich hat ein gut

funktionierendes Gesundheitssystem. Wenn

wir alle nur noch zu privaten Ärzt:innen

gehen, werden wir bald ein System haben,

das nicht mehr für alle zugänglich ist. Jede:r

gleiche Möglichkeit auf gute Versorgung

haben – egal, aus welcher Familie man

kommt. Für mich gilt dieses Prinzip sowohl

im Kindergarten als auch im medizinischen

Bereich. Aber es braucht sicherlich ein

Schaffen von Anreizen der Kassenstellen für

Kinderärztinnen und -ärzte.

Haben Sie mit Kinderärzt:innen über die

aktuelle Situation gesprochen?

Mein erster Kinderarzt hat mir zu seinem

Abschied eine Liste mit Kinderärzt:innen

gegeben. Ich habe alle durchtelefoniert,

doch niemand hat uns aufgenommen – bis

auf meinen jetzigen Kinderarzt, der aber

aufgrund der extrem hohen Auslastung auch

besser „Nein“ gesagt hätte. Er hat es jedoch

nicht getan, weil er sich der ohnehin

problematischen Situation bewusst ist. Er ist

ein sehr guter Arzt, doch das System

dahinter ist schlecht. Ein System, das dich

quasi dazu zwingt, in ein Privatsystem zu

wechseln, finde ich, ehrlich gesagt, einfach

frech. Ich erhoffe mir daher von gesundheitspolitischer

Seite folgendes: dass das

Berufsbild Kinderärztin/Kinderarzt wieder

attraktiver wird; dass die Situation ernst

genommen wird und dass Eltern nicht mehr

belächelt werden. Schließlich sind unsere

Kinder unser aller Zukunft.


Eine Themenzeitung von Mediaplanet

Lesen Sie mehr unter www.dergesundheitsratgeber.info/kindergesundheit/ 5

FOTO: SHUTTERSTOCK

Attraktivität für

Kassenstellen erhöhen

Univ.-Prof. Dr. Reinhold Kerbl, Generalsekretär der

Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde,

stellt im Interview Lösungsvorschläge zur Verbesserung der

pädiatrischen Mangelversorgung vor.

Seitens der ÖGKJ wurden

10 Vorschläge erarbeitet,

die zu einer Verbesserung

der Versorgungssituation

beitragen sollen.

Prim. Univ.-Prof. Dr.

Reinhold Kerbl

Facharzt für Kinder-

& Jugendheilkunde

am LKH Hochsteiermark

Leoben

Abteilung für Kinder

& Jugendliche, Leiter

des Referates für

Aus- & Weiterbildung

ÖGKJ

FOTO: CUGOWSKI

Worin sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen

im Bereich der kinderärztlichen

Versorgung?

Wir erleben in Österreich seit mehreren

Jahren einen Mangel an kinderärztlichen

Kassenstellen. Viele Positionen sind derzeit

nicht besetzt. Das ist auf Dauer nicht gut

für die Versorgung und wir müssen dem

entgegenwirken. Viele Kassenärztinnen

und -ärzte haben praktisch einen Aufnahmestopp.

Aber jede Familie soll auch

einen Platz bei Kassenärzt:innen finden

können und nicht auf Wahlärztinnen und

-ärzte ausweichen müssen. Denn wenn man

keine Kassenstelle findet und nicht über

die finanziellen Mittel für Wahlärztinnen

und -ärzte verfügt, dann ist das soziale

Diskriminierung.

Wie kann man dieser Entwicklung entgegenwirken?

Als Österreichische Gesellschaft für

Kinder- und Jugendheilkunde haben

wir ein 10-Punkte-Programm entwickelt,

das zur Verbesserung der Versorgungslage

beitragen soll. Honorarerhöhungen

allein können das Problem nicht lösen. Es

braucht unter anderem eine Attraktivitätssteigerung

durch die Erhöhung der Arbeitszufriedenheit

von Kinderärzt:innen mit

Kassenstellen.

Welche gezielten Maßnahmen schlagen

Sie daher vor?

Zum Beispiel die öffentlich geförderte Lehrpraxis

für pädiatrische Ordinationen. Junge

Kolleg:innen können so bereits während

ihrer Ausbildung in einer Praxis mitarbeiten,

um dort für sechs bis zwölf Monate

die Tätigkeit kennenzulernen und sich so

in weiterer Folge auch für diese Stellen zu

interessieren. In der Allgemeinmedizin gibt

es dieses Modell bereits. Einen weiteren

Punkt stellen die Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen

dar, die einen sehr wesentlichen

Bestandteil des pädiatrischen Alltags

ausmachen. Hier bestehen zwei Probleme:

Seit 2011 gibt es keine Kommission mehr,

wobei auch die Inhalte nicht mehr adaptiert

wurden. Außerdem wurden die Tarife für

die Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen seit

1994 nicht mehr angepasst. Hier braucht es

dringend Nachbesserungen.

Wie sieht es mit Lösungsansätzen zu

neuen Arbeitsmodellen aus?

Das ist ein Punkt, an dem die Verantwortlichen

und die Österreichische Gesundheitskasse

bereits zum Teil arbeiten. So gibt es

bereits neue Modelle, wie Gruppenpraxen

und Timesharing. Hier hat sich bereits

einiges getan. Was es allerdings noch immer

nicht gibt, sind pädiatrische Primärversorgungseinheiten,

also Zentren, in denen

mehrere Ärztinnen und Ärzte und Therapeut:innen

zusammenarbeiten. Bislang

sind für die Primärversorgungseinheiten

nur Allgemeinmediziner:innen als Leitende

vorgesehen. Gerade in Ballungszentren wie

Wien braucht es jedoch auch pädiatrische

Primärversorgungseinheiten, damit auch

hier eine multiprofessionelle Versorgung

für Kinder ermöglicht wird.

Können Allgemeinmediziner:innen die

pädiatrische Versorgung übernehmen?

Die pädiatrische Ausbildung in der Allgemeinmedizin

liegt bei drei Monaten, jene

von pädiatrischen Fachärzt:innen bei 63

Monaten. Gerade am Land übernehmen

Allgemeinmediziner:innen zwar wichtige

Aufgaben in der pädiatrischen Versorgung

– aber aufgrund der kürzeren Ausbildungszeiten

liegt die fachliche Kompetenz natürlich

bei den Kinderärzt:innen.

Welche Änderungen schlagen Sie zusätzlich

noch vor?

Junge Ärztinnen und Ärzte wollen heute

nicht mehr in der Peripherie alleinverantwortliche

Unternehmer:innen für ihre

Ordinationen sein. Statt des Einzelkämpfer:innentums

sind etwa Modelle als

Angestellte:r über Spitäler attraktiver.

Kassenärztinnen und -ärzte verbringen viel

Zeit mit der Abrechnung der einzelnen

Leistungen. Diese Administration nimmt

sehr viel Zeit in Anspruch. Über ein eben

genanntes Anstellungsverhältnis können

Ärztinnen und Ärzte von der Administration

entlastet werden und sich auf ihre

ärztliche Tätigkeit konzentrieren.

1. Enge Kooperation (Durchlässigkeit, Rotationsmöglichkeit)

zwischen niedergelassener und

Spitalspädiatrie

2. Öffentlich (ko)finanzierte Lehrpraxis im

Ausmaß von 6-12 Monaten

3. Strukturförderung („Starter:innenbonus“)

für Praxis(neu)eröffnungen bzw.

Versorgungsbonus für mangelversorgte

Gebiete

4. Möglichkeit auf Pädiatrische

Primärversorgungseinheiten

(PVE) – auch

in dislozierten/virtuellen

Verbünden

5. Förderung bereits

möglicher Kooperationsmodelle

durch Aufhebung von

Honorarlimitierungen

6. Unterstützung bei der Realisierung

von familienfreundlichen Teilzeitmodellen

insbesondere für Ärztinnen im

kassenärztlichen Bereich („Servicestelle“)

7. Aufwertung des Faktors „Zeit“ für ausgewählte

bzw. komplexe Erkrankungsfälle

8. Übertragungsmöglichkeit bestimmter Tätigkeiten

in der kinder- und jugendfachärztlichen Praxis an

qualifiziertes nichtärztliches medizinisches Personal

9. Valorisierung der seit 1994 nicht angepassten

Mutter-Kind-Pass-Honorare

10. Möglichkeit der präventivmedizinischen Tätigkeit

einschl. Erweiterung der Gesundheitsvorsorge bis

zum 18. Lebensjahr (siehe Regierungsprogramm) in

der kinder- und jugendfachärztlichen Praxis


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Themenzeitung von Mediaplanet

INSIGHT

Kein Kinderspiel

für das Gesundheitssystem

Die Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen steht in

Österreich vor großen Herausforderungen. Zwischen Schlüsselbegriffen wie

Zweiklassenmedizin, Mangel an Kinderärzt:innen und Impflücken sind die

Verantwortlichen gefordert, gesundheitspolitische Lösungen zu finden.

Es sind dramatische Zahlen, die die

aktuelle Situation der medizinischen

Versorgung von Kindern und

Jugendlichen in Österreich erkennen

lassen. Außer in Vorarlberg kommen in allen

anderen Bundesländern auf 1.000 Kinder

0,09 Kassenärztinnen und -ärzte in der

Kinder- und Jugendheilkunde. Das bedeutet,

dass eine Kassenordination zwischen Wien

und Tirol rund 10.000 Kinder betreuen muss.

Anstatt in übervollen Wartezimmern bei

Kassenkinderärzt:innen zu warten, wechseln

daher immer mehr Eltern zu Wahlärzt:innen

– wenn es denn die eigene finanzielle Situation

zulässt. Denn nicht für alle Familien ist

der Wechsel in die Privatmedizin finanzierbar.

Gerade für Familien mit mehreren Kindern,

Alleinerzieher:innen und Familien, die

am Existenzminium leben, bedeutet das eine

zusätzliche Hürde. In Wien haben nur noch

etwa 42 % der Kinderärztinnen und -ärzte

einen Kassenvertrag. Diese Entwicklung wird

sich in den nächsten Jahren zusätzlich noch

verschärfen, da von diesem Prozentsatz über

70 % bereits über 50 Jahre alt sind. Es besteht

hier also eine problematische Situation, die

nicht nur eine Reihe von gesundheitspolitischen,

sondern auch gesellschaftspolitische

Fragen aufwirft.

Kostenfaktor Impfungen

Wer es sich also leisten kann – und will –

wechselt in die Privatmedizin. Doch nicht nur

bei der pädiatrischen Basisversorgung geht

es um Fragen der Finanzierbarkeit, sondern

auch beim Thema Impfungen. Während die

meisten Impfungen des „Impfplan Österreich“

für Kinder und Jugendliche kostenfrei sind,

enthält er auch kostenpflichtige. Das sind

zusätzliche finanzielle Belastungen, die sich

nicht alle Eltern leisten können. Obwohl die

Empfehlung vom Nationalen Impfgremium

in Abstimmung mit Kinderärzt:innen für alle

im Impfplan enthaltenen Kinderimpfungen

dieselbe ist, müssen Eltern also mitunter

tief in die Tasche greifen, um ihren Kindern

den bestmöglichen, empfohlenen Schutz vor

Infektionskrankheiten zukommen zu lassen.

Eine Situation, die nicht nur individuelle,

sondern auch gesamtgesellschaftliche Auswirkungen

hat. Nur wenn ein Gemeinschaftsschutz

erreicht wird, schützt dieser auch

Menschen, die etwa aufgrund ihres Gesundheitszustandes

oder Alters keinen Schutz über

Impfungen erhalten können.

Angespannte Versorgungslage

Neben dem Mangel an besetzten kinderärztlichen

Kassenstellen und den kostenpflichtigen

Impfungen

beschäftigen

die Kinder- und

Jugendheilkunde

aber noch

weitere Themen.

So wurden etwa die Honorare

für Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen

seit den 1990er Jahren

nicht mehr angepasst. Eine Situation, die für

viele Kinderärztinnen und -ärzte mit Kassenstellen

mittlerweile untragbar geworden ist.

Die Drohung, die Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen

daher ab nächstem Jahr nicht mehr

als Kassenleistung anzubieten – sollte es mit

den Sozialversicherungsträgern und dem

Gesundheitsministerium zu keiner Einigung

kommen – verschärft die bereits schwierige

Versorgungslage zusätzlich. Schließlich ist der

bislang kostenlose Mutter-Kind-Pass zwar

nicht verpflichtend, jedoch eine notwendige

Voraussetzung für den Bezug von Sozialleistungen.

Von vielen Seiten werden daher

dringende gesundheitspolitische Maßnahmen

gefordert, um die kostenfreie und flächendeckende

Versorgung von Kindern und Jugendlichen

in Österreich für die kommenden

Monate und Jahre sicherzustellen.

Kostenfreie Impfungen

für Österreich

Der Leiter des Impfreferates der Österreichischen Gesellschaft

für Kinder- und Jugendheilkunde, Priv.-Doz. Dr. Hans-Jürgen

Dornbusch, hat mit Mediaplanet über den Österreichischen

Impfplan, Diskussionen um kostenfreie Impfungen und den

ungleichen Kampf gegen Fake News gesprochen.

Priv.-Doz. Dr. Hans

Jürgen Dornbusch

Facharzt für Kinder-

& Jugendheilkunde

in Graz-Andritz,

Leiter des Referates

Impfkommission der

ÖGKJ

FOTO: ZVG

Warum gibt es einen

Österreichischen Impfplan?

Impfpläne gibt es in fast jedem Land der

Welt. Die einzelnen nationalen Impfpläne

sind Abwandlungen des von der Weltgesundheitsorganisation

empfohlenen Impfschemas

und deshalb nicht in jedem Land gleich. So

wird die Schutzimpfung gegen FSME etwa

in Österreich empfohlen, die Gelbfieberimpfung

ist wiederum Einreisebedingung

für viele afrikanische und südamerikanische

Länder. Der Österreichische Impfplan wurde

also entwickelt, um bei uns möglichst viele

impfpräventable Erkrankungen zu verhindern

– mit dem Wissen, dass Impfen die

wahrscheinlich effizienteste Methode zur

Prävention von Erkrankungen ist, die uns die

Medizin zur Verfügung stellen kann.

Im Österreichischen Impfplan finden sich

neben kostenfreien Impfungen auch

kostenpflichtige. Warum ist das so?

Das hat historische Gründe. Im Jahr 1998

wurde durch die damalige Gesundheitsministerin,

Eleonore Hostasch, der Beschluss

gefasst, dass alle empfohlenen Impfungen

kostenfrei sein sollen. Danach hat sich die

politische Landschaft verändert und der Sparstift

wurde angesetzt. Daher entfacht

nach jeder Impfempfehlung des Nationalen

Impfgremiums eine Diskussion um die

Kostenübernahme. Wir müssen also die Politik

davon überzeugen, dass sie unser Geld dafür

ausgibt, damit Impfungen für die zu Impfenden

kostenfrei werden. In einem Wohlfahrtsstaat

wie Österreich sollten die Kosten für

Impfungen von der öffentlichen Hand getragen

werden. Das betrifft unter anderem die im

Impfplan empfohlenen, aber kostenpflichtigen

Impfungen gegen FSME, Meningokokken,

Windpocken und Gürtelrose.

Entsteht durch diese Unterteilung in

kostenfreie und kostenpflichtige

Impfungen ein Ungleichgewicht

innerhalb des Impfplans?

Ja, das ist ein großes und wichtiges Thema!

Das Empfinden vieler Menschen ist, dass

kostenfreie Impfungen, die durch die öffentliche

Hand bezahlt werden, auch wichtiger sind.

Durch die Coronapandemie ist das Thema

Impfen ein sehr polarisierendes geworden.

Gibt es immer mehr impfskeptische Eltern

– oder wirkt dies nur so?

Leider wurde diese Entwicklung durch

die Pandemie befeuert. Durch die Verbreitung

von Fake News über die sogenannten

„sozialen Medien“ ist es ein ungleicher Kampf

geworden. Auch bei medialen Diskussionen

sitzt häufig ein Impfgegner der Repräsentanz

des faktenbasierten Wissens in einem 1:1-Setting

gegenüber. Das erschwert die seriöse

Information im Ordinationsalltag sehr, denn

gegen Fake News und Impfskepsis können

wir nur im Einzelgespräch argumentieren.

In Österreich gibt es einen „harten Kern“ an

Impfgegnern, der bei 3–4 % liegt und keiner

Argumentation zugänglich ist. Allerdings

verunsichert dieser Kern einen großen Teil

der Bevölkerung.

Mit welchen Argumenten kann man

diesem Phänomen begegnen?

Impfen ist eine ungefährliche Art, eine

Erkrankung durchzumachen und den Körper

darauf zu trainieren, wie er im Ernstfall auf

sie zu antworten hat. Eine Impfung ist ein

Trockentraining ohne Gefahr für immungesunde

Menschen. Für immungeschwächte

Menschen ist lediglich bei Lebendimpfstoffen

Vorsicht geboten. Bei Totimpfstoffen

kann aber nichts passieren. Das Schlimmste

wäre, dass die Impfung nicht wirkt. Die

Impfreaktionen halten sich in Grenzen und

klingen nach wenigen Tagen wieder ab.

Leider ist das Bewusstsein für die Gefahr von

impfpräventablen Erkrankungen in den

letzten Jahren zurückgegangen. Die Impfungen

werden sich quasi selbst zum Feind, weil

durch ihre Wirkung Erkrankungen glücklicherweise

nicht mehr präsent sind. Wir

sollten keine Angst vor der Impfung, sondern

nur Angst vor der Erkrankung haben.


Eine Themenzeitung von Mediaplanet

Lesen Sie mehr unter www.dergesundheitsratgeber.info/kindergesundheit/ 7

GUT INFORMIERT ÜBER IMPFUNGEN

Ramona Sailer ist Mutter eines sieben Monate alten Sohnes, der – bis auf eine Impfung

– bislang alle kostenfreien Impfungen des Impfplans erhalten hat. Rund um das Thema

Impfungen wünscht sie sich mehr Information und Aufklärung.

Stefan

Fussenegger

Bald Vater zweier

Söhne & Rechtsanwaltsanwärter

FOTO: ZVG

Wann haben Sie sich mit dem Thema

Kinderimpfungen zum ersten Mal beschäftigt?

Ich habe mich mit dem Thema Impfungen

bei Kindern im Mutterschutz beschäftigt,

also ungefähr zwei Monate bevor mein Sohn

geboren wurde. Den empfohlenen Impfplan

habe ich bereits zusammen mit dem Mutter-

Kind-Pass erhalten. Ich habe mich dann

genauer damit beschäftigt, welche Impfungen

für meinen Sohn wann und warum nötig

sind. Allerdings war es nicht gerade leicht,

dazu Genaueres herauszufinden.

Wer hat Ihnen bei der

Entscheidungsfindung geholfen?

Ich habe Freundinnen gefragt, wie sie

das Thema Impfungen mit ihren Kindern

gehandhabt haben und dazu auch Bücher

gelesen. Ich wollte mich über die Wirkung

von Impfstoffen sowie über die jeweiligen

Erkrankungen informieren, um einfach

einen guten Überblick zu erhalten. Mit meiner

Kinderärztin habe ich über das Thema

ebenso sehr offen sprechen können.

Hatten Sie Ängste als Mutter?

Ja, ich hatte natürlich auch Ängste, weil

ich im Vorhinein nicht wusste, wie mein

Baby auf die Impfungen reagieren wird.

Mein Sohn hat jedoch bereits zweimal die

kostenfreie 6-fach-Impfung gegen Diphterie,

Wundstarrkrampf, Keuchhusten, Kinderlähmung,

Haemophilus B und Hepatitis B

erhalten und diese sehr gut vertragen. Für

mich ist die Impfentscheidung ein Abwägen

zwischen kurzzeitigen Nebenwirkungen

und dem, was passieren würde, wenn mein

Sohn eine dieser Erkrankungen bekommen

würde. Einen Tag zu fiebern ist besser als an

einer schlimmen Krankheit zu leiden.

Können Sie hier auch andere

Meinungen verstehen?

Ja, natürlich. Jeder muss für sich selbst die

richtige Entscheidung treffen. Ich finde

es nicht okay, wenn andere Menschen

aufgrund von anderen Entscheidungen verurteilt

werden.

Was wünschen Sie sich rund um das

Thema Impfen in Österreich?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass, wenn

man nicht nachfragt, man so gut wie gar

nicht über das Thema Impfungen informiert

wird. Ich würde mir daher mehr Informationen

und Offenheit wünschen. Ich möchte

nicht, dass ich alle für mich wichtigen

Informationen selbst zusammentragen

muss. Nach der Geburt im Krankenhaus

erhält man so viele verschiedene Broschüren

– zum Thema Impfen habe ich damals leider

keinen bekommen. Daher wünsche ich mir

mehr Aufklärung diesbezüglich.

SOLIDARITÄT UND BESTMÖGLICHER SCHUTZ

Für Stefan Fussenegger ist klar, dass er seinem Sohn alle empfohlenen

Impfungen des Österreichischen Impfplans verabreichen lassen möchte,

um ihm so den besten Impfschutz zu ermöglichen.

Wie sind Sie als Vater an das Thema Impfen

herangegangen?

Für mich als Vater und für uns als Eltern war

klar, dass wir der Empfehlung des Österreichischen

Impfplans und unseres Kinderarztes

folgen werden. Schließlich liegt die

Expertise bei den Ärztinnen und Ärzten.

Im Österreichischen Impfplan gibt es

kostenfreie und kostenpflichtige Impfungen.

Für welche Impfungen haben Sie

sich entschieden?

Wir haben sowohl alle empfohlenen kostenfreien

als auch kostenpflichtige Impfungen

durchführen lassen. Wir wollen für unseren

Sohn den besten Impfschutz. Das Thema

Impfen wird häufig kontrovers diskutiert –

ob fachlich basiert oder nicht. Impfen sollte

eine medizinische Entscheidung sein. Für

mich war klar, dass ich nur fachlich fundierte

Meinungen in die Entscheidungsfindung

miteinfließen lassen möchte.

Sie teilen auf Social Media Ihren Mama-

Alltag mit der Welt. Gehen Sie mit dem

Thema Impfen offen um?

Das kommt auf die Impfung an. Aber ja,

klar, Kinderimpfungen sind Teil meines

Lebens und das thematisiere ich auch

gerne! Ich finde es sehr wichtig, sich über

das Impfen Gedanken zu machen und

sich bei den richtigen Stellen darüber zu

informieren.

Wo und wie haben Sie sich über Impfungen

informiert?

Über unseren Kinderarzt. Außerdem war

ich auf einer Veranstaltung, die die Meningokokken-Impfung

thematisierte. Davor

hatte ich keine Ahnung, was die Erkrankung

bedeutet. Ich bin sehr froh, dass ich

rund um das Thema Impfen fachliche

Informationen erhalten bzw. eingeholt habe

– und nicht irgendwelche Meinungen über

Facebook und Co.

Gerade die Coronapandemie hat das

Thema Impfung stark emotional aufgeladen.

Hat es auch für Sie eine emotionale

Konnotation?

Nein, grundsätzlich nicht. Ich selbst habe

keine medizinische Expertise und verlasse

mich daher gerne auf die Empfehlungen

von medizinischen Expertinnen und

Experten. Wie bei jedem Medikament kann

es natürlich auch bei der Impfung Nebenwirkungen

geben. Aber der Nutzen steht für

mich klar über der Gefahr der Nebenwirkungen.

Ich möchte mein Kind impfen und

damit schützen lassen.

Hat Impfen für Sie einen gesellschaftlichen

Stellenwert?

Ja, gerade durch die Debatte rund um die

Coronaimpfung hat das Thema für mich

einen großen gesellschaftlichen Stellenwert

eingenommen. Für mich geht es beim Impfen

um gesellschaftliche Solidarität – und

Wenn man über das Thema Impfung

öffentlich postet: Welche Reaktionen

haben Sie erhalten?

Ich habe zu 99 % sehr positive Rückmeldungen

erhalten. Allerdings habe ich nie gesagt:

„Lasst eure Kinder unbedingt impfen!“,

sondern eher: „Informiert euch darüber!“

Vielleicht habe ich auch durch diesen vorsichtigen

Zugang keine bösen Nachrichten

erhalten.

Sie haben bereits zwei Kinder und sind

derzeit wieder schwanger. Hat sich Ihr

Zugang zum Thema Impfen im Verlauf

der letzten Jahre verändert?

Von kinderlos zu einem Kind, ja! Vor

meinem ersten Kind war ich eher zurückhaltend

bei dem Thema. Spätestens dann,

wenn man Kinder bekommt, steht man aber

in der Verantwortung, sich über wichtige

Impfungen zu informieren. Ich habe bei

allen Impfungen das Kosten-Nutzen-Risiko

abgewogen und mich dann bewusst dafür

natürlich auch darum, ob ich meinen Sohn

dem Risiko einer Erkrankung aussetzen

möchte.

Was sollte sich in Österreich rund um

das Thema Impfen ändern?

Das Thema Impfungen sollte sachlich und

fachlich fundiert diskutiert werden.

Außerdem wäre es gut, wenn der Sinn und

die Notwendigkeit für Impfungen klar

kommuniziert würden. Jede und jeder

sollte aufgrund von medizinischen und

evidenzbasierten Fakten eine eigene

Meinung bilden können. Menschen sollten

jedoch nicht auf Basis von Fehlinformationen

Entscheidungen treffen. Das Wichtigste

in diesem Zusammenhang ist, dass wir

diese Entscheidungen zum Wohle unserer

Kinder treffen.

VERANTWORTUNG FÜR KINDER ÜBERNEHMEN

Verena Maria Greillinger ist Mama-Bloggerin und gibt ihren Followerinnen und Followern

einen Einblick in ihren Familienalltag. Wie sie mit dem Thema Impfen umgeht, erzählt sie im Interview.

entschieden, alle Impfungen laut Impfplan

durchführen zu lassen – auch die kostenpflichtige

Meningokokken-Impfung.

Kostenpflichtige Impfungen sind für

viele Eltern aufgrund der finanziellen Belastung

ein Thema. Wie ist Ihre Einschätzung

dazu?

Ich musste mir für meine Kinder keine

Gedanken darüber machen. Das ist ein

Luxus und nicht selbstverständlich

– dessen bin ich mir bewusst. Ich finde es

traurig, dass nicht alle Kosten für Kinderimpfungen

übernommen werden. In

Österreich sollte man nicht des Geldes

wegen auf eine Impfung verzichten

müssen. Abgesehen davon finde ich es

wichtig, dass Aufklärung rund um das

Thema Impfungen nicht nur auf aktive

Nachfrage bei Ärzt:innen passiert, sondern

wissenschaftlich fundierte Informationen

auch über alltägliche Medien allen zugänglich

gemacht werden.

FOTO: ZVG FOTO: ZVG

Ramona Sailer

Mutter eines Sohnes

& Geschäftsführerin

der Ölmühle Sailer

Verena Maria

Greilinger

Bald Mama von drei

Kindern & Bloggerin

www.enamariab.com


IMPFPLAN ÖSTERREICH 2022

Alter

Impfung

Rotavirusa

1. Lebensjahr 2. Lebensjahr

in 7.

Lebens woche

im 3. im 4.– 5. im 6. im 7. –9. im 10.– 11. im 12. im 13 . im 14. im 15. im 16.– 19. im 20. –24.

2

4 Wochen

Lebensmonat

Diphtherie

Tetanus

Säuglinge und Kleinkinder

1 4 Wochen

Pertussis

1

Poliomyelitis

Haemophilus

influenzae B

Hepatitis B

Pneumokokken

1

Masern,

Mumps, Röteln

Meningokokken B g

1

Meningokokken C g

FSME g

Varizellen

Hepatitis A

Influenza i

2 Monate

2 Monate

2 Monate

2

2

2

6 Monate

6 Monate

6 Monate

1

3 Monate

jährlich

1

1

1

1

2 f 2

6 Wochen

6 Monate

vor Eintritt in Gemeinschaftseinrichtungen

1–3 Monate 5/9-12 Monate

2

vor Eintritt in Gemeinschaftseinrichtungen

2

vor Eintritt in Gemeinschaftseinrichtungen

Alter

Impfung

im 3.–5. im 6. im 7.–9. im 10. im 11.–12. im 13. im 14–15. im 16–18. im 19–30. im 31–50. im 51.–60. im 61.–65. ab den 66.

Lebensjahr

Diphtherie

Tetanus

B

alle 10 Jahre

B

alle 10 Jahre

B

Pertussis

b

Poliomyelitis

Kinder, Jugendliche und Erwachsene

3

Haemophilus

influenzae B

Hepatitis B

Pneumokokken

Masern,

Mumps, Röteln

e

vor Eintritt in Gemeinschaftseinrichtungen

B

oder Grundimmunisierung d

1

Meningokokken

ACWY

COVID-19 k

Meningokokken B g

j

Meningokokken C g

Humane

Papillomaviren

6 Monate 2

h

FSME g

3 Jahre B alle 10 Jahre

B alle 3 Jahre

Varizellen

Hepatitis A

Influenza i

vor Eintritt in Gemeinschaftseinrichtungen

vor Eintritt in Gemeinschaftseinrichtungen

jährlich

Herpes Zoster

1 2 Monate 2

13

1 Jahr

23

B

Impfung empfohlen, kostenfrei

Nachhol-Impfung empfohlen, kostenfrei

Impfung empfohlen, nicht kostenfrei

Nachhol-Impfung empfohlen, nicht kostenfrei

Nachhol-Impfung empfohlen zum vergünstigten Selbstkostenpreis

1 1. Dosis

2 2. Dosis

3 3. Dosis

B Boosterimpfung

13 13-valente Pneumokokkenimpfung

23 23-valente Pneumokokkenimpfung

HINWEIS: Individuelle Indikationen können zu abweichenden

Empfehlungen oder Impfschemata führen. Zeitangaben

innerhalb der Pfeile entsprechen empfohlenen Intervallen.

Empfehlungen zu Darstellungszwecken teils vereinfacht.

Details siehe Impfplan Österreich 2022 (verfügbar unter

www.sozialministerium.at/impfen bzw. entsprechende Fachinformation).

Prinzipiell sollte jede der empfohlenen Impfungen

bei Versäumnis ehestmöglich nachgeholt werden.

a Bis zur vollendeten 24. (Rotarix, 2 Dosen) bzw. vollendeten 32. Lebenswoche (Rotateq, 3 Dosen). b Wenn nicht zuvor erfolgt, Impfung gegen Pertussis spätestens bei Schulaustritt. c Nach Grundimmunisierung und mindestens zwei Auffrischungsimpfungen

im Erwachsenenalter weitere Impfungen nur bei Indikation. d Auffrischung ab dem vollendeten 7. Lebensjahr; erfolgt die Grundimmunisierung nach dem vollendeten 1. Lebensjahr, kann diese Auffrischungsimpfung auch entfallen. e Kinder

mit Risiken bis zum vollendeten 5. Lebensjahr kostenfrei. f Bei Erstimpfung ab dem 1. Geburtstag 2. Impfung frühestmöglich, mit Mindestabstand 4 Wochen. g Impfschema abhängig von Alter und Impfstoff. h HPV-Nachimpfungen zum Selbstkostenpreis

an öffentliche Impfstellen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr. Ab dem vollendeten 15. Lebensjahr 3 Dosen. i Bei Erstimpfung von Kindern bis zum vollendeten 8. Lebensjahr (tetravalente Lebendvakzine) bzw. bis zum vollendeten 9. Lebensjahr

(tetravalenter Totimpfstoff) 2 Impfungen im Abstand von mindestens 4 Wochen. Bei eingeschränkter Impfstoffverfügbarkeit bei Erstimpfung nur eine Dosis verabreichen (und auf die 2. Dosis nach 4 Wochen verzichten, off label). Danach 1 jährliche

Impfung ausreichend; kostenfreie Impfungen für Menschen ab 60 Jahren in Alten- und Pflegeheimen. j Nachholimpfungen bis zum vollendeten 25. Lebensjahr. k Mit Zulassungserweiterungen der COVID-19-Impfstoffe ist in absehbarer Zeit zu rechnen.

Aktuelle Empfehlungen des Nationalen Impfgremiums unter https://www.sozialministerium.at/Corona-Schutzimpfung/Corona-Schutzimpfung---Fachinformationen.html

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