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Stahlreport 2022.12

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77. Jahrgang | Dezember 2022<br />

STAHLREPORT<br />

Nachrichten aus Handel, Produktion und Verarbeitung<br />

12<br />

22<br />

Grüne Leitmärkte | S. 18<br />

Stahlindustrie schlägt eigenes Label-System vor<br />

Hightech-Bandverzinkung vorgestellt | S. 20<br />

Salzgitter Flachstahl investiert in Premium-Produktion<br />

Schönerer Lernort | S. 14<br />

Bepro fördert Kunstprojekt „Europa-Flur“


Bereit für größere Aufgaben?<br />

Fernstudium – in drei Jahren berufsbegleitend zum „Betriebswirt Stahlhandel (BDS)“<br />

Argumente<br />

z Staatlich zugelassener Studiengang<br />

z Markenrechtlich geschützter Abschluss<br />

z Registriert auf Stufe 7 im Fernstudien-<br />

DQR (Deutscher Qualifikationsrahmen)<br />

z Zertifizierter Anbieter<br />

Inhalte<br />

z Technik (Werkstoffe, Produkte,<br />

Anarbeitung)<br />

z Wirtschaft (Kaufmännische Kompetenz,<br />

Führungskompetenz)<br />

z Methoden (Selbst- und Sozialkompetenz)<br />

Formen<br />

z 50 Module<br />

z 5 Präsenzphasen<br />

z 3 Prüfungen<br />

z 1 Studienarbeit<br />

Wiesenstraße 21 · 40549 Düsseldorf<br />

Telefon: 0211 86497-0 · Telefax: 0211 86497-22<br />

www.stahlhandel.com<br />

fernstudium<br />

Betriebswirt<br />

Stahlhandel (BDS)


EDITORIAL<br />

Liebe Leserinnen und Leser,<br />

Reporterpreis 2015 –<br />

Buslinie M29 zeigt<br />

Berliner Unterschiede<br />

https://interaktiv.<br />

morgenpost.de/m29<br />

vor einigen Tagen habe ich ein Video-Interview mit einem Rechercheur des Spiegel gesehen –<br />

genauer gesagt mit einem Datenjournalisten –, das mich gefesselt hat. Es ging darum, wie sich mit<br />

Daten Geschichten erzählen lassen. Eines der Beispiele war die Buslinie M29, die von den Villen<br />

in Grunewald bis nach Neukölln führt, und anhand derer die Berliner Morgenpost in einfachen<br />

Liniengrafiken gravierende Unterschiede der Berliner Bezirke sichtbar gemacht hat – etwa bei<br />

Mieten, Einbrüchen oder in welchem Bezirk die meisten Airbnb-Ferienwohnungen angeboten<br />

werden. Das hat viele begeistert und die Berliner Morgenpost hat damit den Reporterpreis 2015<br />

gewonnen. Mit der einfachen Idee, den Streckenverlauf einer Buslinie zu verfolgen, wurden<br />

hier spannende Themen transportiert. Einfach war die Idee aber nur scheinbar, denn die<br />

Rechercheleistung des Teams hinter den grafisch eher altbackenen Liniendiagrammen, war enorm.<br />

Warum erzähle ich Ihnen das? Weil in dieser Ausgabe des <strong>Stahlreport</strong> von einem ähnlich<br />

aufwendigen „Projekt“ berichtet wird, das die Stahlindustrie aktuell vorantreibt. Darin schlägt<br />

die Wirtschaftsvereinigung Stahl als Sprecherin der gesamten Stahlproduktion in Deutschland<br />

ein fünfstufiges Klassifikationssystem für Grünen Stahl vor: von A bis E. Was auch hier auf<br />

den ersten Blick einfach erscheint, ist beim Blick unter die Haube ebenfalls sehr komplex und<br />

arbeitsaufwändig (siehe S. 18). Doch das Ergebnis zählt: Sollte sich das System etablieren, ist es mit<br />

der vorgeschlagenen Einteilung der Referenz-Stähle von A bis E überaus griffig.<br />

Überhaupt sind Ideen als Idee oft „einfach“ – ein Umstand, der ihren Erfolg vermutlich<br />

begünstigt, denn Ideen, die nicht einfach sind, finden eher nur wenige Anhänger. Doch der Weg<br />

von der „einfachen“ Idee bis zur erfolgreichen Umsetzung ist ja die eigentliche Schwierigkeit<br />

und Herausforderung. Ein Beispiel dafür ist die Idee der Richard Köstner AG, das eigene<br />

Unternehmensleitbild aktiver im Unternehmen zu verankern. Wie der bayerische Stahl- und<br />

Technikgroßhandel dabei vorgegangen ist, erzählt der geschäftsführende Gesellschafter Dr. Norbert<br />

Teltschik im Interview mit dem <strong>Stahlreport</strong> (S. 8).<br />

Wer übrigens zu dem komplexen Thema Green Steel Informationen aus erster Hand schätzt, ist zum<br />

Green Day im Januar in Düsseldorf herzlich eingeladen. Exklusiv für seine Mitgliedsunternehmen<br />

veranstaltet der BDS dort im Van der Valk Airport-Hotel eine eintägige Fachkonferenz mit<br />

hochkarätiger Besetzung (S. 31).<br />

Ich wünsche Ihnen eine frohe und gesegnete Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr!<br />

Markus Huneke<br />

Chefredakteur <strong>Stahlreport</strong><br />

<strong>Stahlreport</strong> 12|22<br />

3


Inhalt <strong>Stahlreport</strong> 12 2022<br />

Grüne Leitmärkte<br />

Stahlindustrie stellt Label-System vor<br />

18<br />

Green Steel ist in aller Munde, grüne Leitmärkte sind dabei, sich zu entwickeln.<br />

Bislang fehlt es aber aber an einer wichtigen Voraussetzung für<br />

funktionierende Marktmechanismen: nämlich wie „grüne“ Stähle künftig<br />

einheitlich zu klassifizieren sind. Dafür hat die Stahlindustrie in Deutschland<br />

nun einen Vorschlag vorgelegt.<br />

20<br />

Hightech-Feuerverzinkung vorgestellt<br />

Großinvestition bei Salzgitter Flachstahl<br />

Es ist die größte Einzelinvestition des Stahlkonzerns<br />

der vergangenen zehn Jahre: die neue Feuerverzinkungsanlage<br />

3 der Salzgitter Flachstahl GmbH. Auf der<br />

Hightech-Anlage werden hoch- und höchstfeste Stähle<br />

verzinkt, damit positioniert sich der Stahlhersteller<br />

vor allem mit Blick auf die Automobilindustrie und die<br />

Haushaltswarenbranche als Premium-Anbieter.<br />

Schönerer Lernort<br />

Bepro fördert Kunstprojekt<br />

„Europa-Flur“<br />

14<br />

Die Qualität des Lernens hängt nicht nur von der<br />

Qualität der Lehre ab - auch die Umgebung trägt<br />

zur Motivation und zum Wohlbefinden an einer<br />

Schule bei. Wie sehr - das zeigt der „Europa-Flur“<br />

am Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium in Gelsenkirchen.<br />

Das Projekt wurde von der Peter-Schorr-<br />

Stiftung gefördert, der größten Gesellschafterin<br />

der Bepro Blech und Profilstahl GmbH & Co. KG.<br />

4 <strong>Stahlreport</strong> 12|22


Persönliches<br />

6 Kurznachrichten<br />

Stahlhandel<br />

8 Richard Köstner AG – „Wir halten Unternehmen am Laufen“<br />

12 Klöckner & Co – Starkes 9-Monats-Ergebnis<br />

14 Bepro – Ein Europa-Flur in Gelsenkirchen<br />

Stahlproduktion<br />

18 Label-System für grüne Leitmärkte<br />

20 Salzgitter AG stellt neue Feuerverzinkungsanlage vor<br />

22 ArcelorMittal – Millionen-Investitionen in Eisenhüttenstadt<br />

10<br />

Wertgebunden<br />

Richard Köstner AG<br />

entwickelt Leitbild<br />

weiter<br />

Werte und wertgebundenes<br />

Handeln waren und sind vor<br />

allem für mittelständische, oft<br />

familiengeführte Unternehmen<br />

seit jeher zentral. Ein größeres<br />

Gewicht als früher hat heute<br />

jedoch die aktive Formulierung<br />

und Kommunikation dieser<br />

Werte - etwa um sich als<br />

attraktiver Arbeitgeber zu positionieren.<br />

Wie Richard Köstner<br />

AG hat ihr Unternehmensleitbild<br />

kontinuierlich weiterentwickelt<br />

hat, erläutert Dr. Norbert<br />

Teltschik.<br />

Stahlverarbeitung<br />

26 Schwarze Robitec – Präzises Druckbiegen für den Kesselbau<br />

27 Schäfer Lochbleche – Frischluft für Traktoren<br />

28 Edscha – Aus alt mach neues Werkzeug<br />

BDS-Kommunikation<br />

31 Save the Date – Green Day 2023<br />

BDS-Research<br />

32 Schwache Nachfrage im Herbst<br />

Anarbeitung & Logistik<br />

34 Behringer – Energieeffizient Bohren und Fräsen<br />

36 Mikrozerspanung – Präzision auf kleinstem Raum<br />

Messen und Märkte<br />

38 ifo-Branchendialog – Globale Lieferketten bleiben Herausforderung<br />

40 KfW – Rezession nur aufgeschoben<br />

42 Erfolgreiche Euroblech<br />

43 Hüttentag 2022 – Herausforderungen im Fokus<br />

44 Termine<br />

45 Messekalender<br />

Wissenswertes<br />

46 Logistik – Der smarte Weg des Asset-Trackings<br />

48 Effiziente Datenverwaltung – So öffnen Sie die Daten-Schatztruhe<br />

Lifesteel<br />

50 Fahrradparken unter der Brücke<br />

50 Impressum<br />

<strong>Stahlreport</strong> 12|22<br />

5


Persönliches<br />

Kurznachrichten<br />

Bild: Erdwich<br />

Erdwich Zerkleinerungs-Systeme<br />

Maximilian Gutmayr<br />

hat die Verkaufsleitung bei der Erdwich Zerkleinerungs-Systeme<br />

GmbH übernommen.<br />

Seit Juli dieses Jahres führt er das Vertriebsteam<br />

des Recyclingspezialisten. Der 29-Jährige<br />

war bereits seit 2017 im Unternehmen als<br />

Sales Manager tätig. Von Beginn an verantwortete<br />

er das internationale Kerngeschäft<br />

sowie die Implementierung von Business<br />

Development-Strategien für die Erdwich<br />

Zerkleinerungs-Systeme GmbH mit Fokus<br />

auf die Fachbereiche<br />

Zerspanung und der<br />

allgemeinen Zerkleinerung<br />

von neuartigen<br />

Stoffströmen<br />

aller Art. Das Hauptaufgabengebiet<br />

des<br />

neuen Vertriebsleiters<br />

ist neben dem Ausbau<br />

des vorhandenen<br />

Vertriebsnetzwerkes<br />

auch die internationale Kunden- und Händlerbetreuung.<br />

Zudem ist Gutmayr Experte für<br />

Recyclinganlagen von Lithium-Ionen-Batterien<br />

sowie E-Schrottanlagen und wird sich hier der<br />

stetig wachsenden Nachfrage widmen.<br />

Fraunhofer-Institut LBF<br />

Dr. Christoph Bleicher<br />

hat am 1. Oktober 2022 die Leitung des<br />

Forschungsbereichs Betriebsfestigkeit am<br />

Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit<br />

und Systemzuverlässigkeit LBF in Darmstadt<br />

übernommen. Er verfügt über viele Jahre<br />

Erfahrung in der Betriebsfestigkeitsforschung<br />

und ist in der Community gut vernetzt. Als<br />

Ingenieurbüro Adams<br />

Jochen Adams<br />

ist am 7. November nach kurzer schwerer Krankheit gestorben.<br />

Dipl.-Ing. Jochen Adams, Jahrgang 1942, war Metallkundler durch<br />

und durch. Er begann seinen beruflichen Werdegang 1967 bei<br />

Thyssen Röhrenwerke, 1970 wechselte er zum Grobblechwalzwerk<br />

nach Duisburg-Süd in den Bereich Qualitätswesen. Bis 2009 war<br />

er Leiter Technischer Verkauf und Qualitätsmanagement sowie<br />

Technikbeauftragter des Segments Services bei ThyssenKrupp<br />

Kenner der Branche<br />

und ihrer Belange ist<br />

eines seiner Ziele,<br />

die Beziehungen<br />

zu Kundschaft und<br />

Forschungspartnern<br />

zu intensivieren und<br />

strategische Themen<br />

für die Betriebsfestigkeit<br />

voranbringen.<br />

Christoph Bleicher ist bisher als Forscher<br />

und anerkannter Fachmann in der Gussbranche<br />

bekannt. Er arbeitet und forscht seit 12<br />

Jahren am Fraunhofer LBF an der Lebensdauerbewertung<br />

zyklisch beanspruchter<br />

Bauteile unterschiedlichster Gusswerkstoffe<br />

und leitete die von ihm aufgebaute Gruppe<br />

»Qualifizierung gegossener Komponenten«.<br />

Zahlreiche Industrie- und Forschungsprojekte<br />

zur Bemessung und Optimierung von zyklisch<br />

beanspruchten Gussbauteilen standen unter<br />

seiner Verantwortung. Christoph Bleicher<br />

(Jahrgang 1984) studierte Maschinenbau an<br />

der Technischen Universität (TU) Darmstadt<br />

und promovierte 2016 zur »Beurteilung der<br />

Schwingfestigkeit von Großgussbauteilen aus<br />

Gusseisen mit Kugelgraphit mit besonderer<br />

Berücksichtigung der Auswirkungen von Lunkern<br />

auf die Bauteillebensdauer«. Er ist Gießerei-Fachingenieur<br />

(VDG). 2020 schloss er<br />

ein Masterstudium Wirtschaftsingenieurwesen<br />

an der Hochschule Darmstadt (M.Sc.) ab.<br />

Procast-Gruppe<br />

Graziano Sammati<br />

hat zum 1. November 2022 die Geschäftsführung<br />

der Procast Guss übernommen. Sammati<br />

ist bereits seit 2019 Mitglied der Procast<br />

Materials International GmbH in Essen. Er gilt als Erfinder eines Werkstoff-Auswahlprogramms<br />

– eine umfassende und kontinuierlich weiterentwickelte Datenbank für Kunden,<br />

um in kürzester Zeit das richtige Material zu finden. Ab 2010 war Jochen Adams<br />

schwerpunktmäßig als Consultant im Bereich Werkstoffberatung, Schulungen und<br />

Schadensanalyse für den gesamten metallischen Werkstoffbereich tätig –unter anderem<br />

als Dozent für den BDS. Jochen Adams war zudem kenntnisreicher Autor und Co-Autor<br />

mehrerer Fachbücher, etwa zu Edelstahl Rostfrei und zu Flacherzeugnissen.<br />

Bild: Fraunhofer<br />

Bild: BDS<br />

Bilder: Procast<br />

Guss-Geschäftsleitung. Er wird zukünftig<br />

unterstützt vom Betriebsleiter des Werkes in<br />

Gütersloh, Felix Schöne (30), der in die Procast<br />

Guss-Geschäftsleitung aufrückt. Zudem<br />

wurde Sammati als weiterer Geschäftsführer<br />

der Procast Handform<br />

GmbH bestellt.<br />

Die Procast Handform<br />

GmbH war am<br />

1. September 2022<br />

in die Gruppe eingegliedert<br />

worden.<br />

Florian Feddeck (32),<br />

der seit September<br />

die Procast Guss<br />

GmbH und die Handform<br />

GmbH geleitet hat,<br />

Graziano Sammati<br />

ist zum 1. November 2022 als Geschäftsführer<br />

der Procast Guss ausgeschieden. Er hatte<br />

im Jahr 2019 die Geschäftsführung der Eisengießerei<br />

übernommen<br />

und diese in nur drei<br />

Jahren und gegen<br />

den Branchentrend<br />

zurück in die Gewinnzone<br />

geführt. „Meine<br />

Arbeit bei der Procast<br />

Guss ist beendet“,<br />

erklärte Feddeck.<br />

„Die Transformation<br />

Florian Feddeck ist gelungen und Procast<br />

Guss steht auf<br />

Wachstumskurs. Mein nächstes Ziel ist es,<br />

dass uns dasselbe bei Procast Handform in<br />

Kiel gelingt. Die Handform GmbH hat hervorragende<br />

Entwicklungsperspektiven“, betonte<br />

Feddeck.<br />

Hy2gen<br />

Matthias von der Malsburg<br />

ist neuer Leiter Vertrieb und Projektentwicklung<br />

D-A-CH für den weltweit agierenden<br />

Projektierer von Anlagen zur Produktion von<br />

grünem Wasserstoff und wasserstoffbasierten<br />

E-Fuels. Von der Malsburg, der auf eine<br />

25-jährige Karriere im Energieanlagenbau<br />

in verschiedenen Managementpositionen<br />

zurückblickt, soll Hy2gen dabei unterstützen<br />

Marktführer in der<br />

Produktion von grünem<br />

Wasserstoff und<br />

wasserstoffbasierten<br />

E-Fuels zu werden.<br />

Nach langer Tätigkeit<br />

bei der ABB Kraftwerke<br />

Service GmbH<br />

war Matthias von der<br />

Malsburg von 2003<br />

Bild: Bilder: Procast<br />

Bild: Hy2gen<br />

6 <strong>Stahlreport</strong> 12|22


DRÖSSER.STAHL<br />

bis 2015 beim französischen börsennotierten<br />

Konzern Alstom S.A. beschäftigt, wo er<br />

zuletzt die Aufgabe des Sales Representative<br />

im Geschäftsbereich Renewable Energy<br />

wahrnahm. Nach einer knapp dreijährigen<br />

Station bei der GE Wind Energy GmbH als<br />

Head of Sales Onshore Wind Services Germany<br />

begleitete der Frankfurter von 2019<br />

bis zuletzt als Themenfeldleiter Energie bei<br />

der LandesEnergieAgentur Hessen GmbH<br />

(LEA) die Energiewende in Hessen. Ein<br />

Schwerpunkt von Von der Malsburgs Arbeit<br />

lag dort vor allem im Aufbau der Landesstelle<br />

Wasserstoff, der zentralen Anlaufstelle des<br />

Landes Hessen zum Thema Wasserstoff und<br />

Brennstoffzellen.<br />

Kion Group<br />

Marcus A. Wassenberg<br />

wird neuer Chief Financial Officer (CFO)<br />

der Kion-Gruppe, zugleich wird Valeria Gargiulo<br />

zum Chief People and Sustainability<br />

Officer (CPSO) berufen. Die Erweiterung des<br />

Vorstands wird im ersten Halbjahr 2023 in<br />

Kraft treten, die Position des CPSO wird neu<br />

geschaffen. Marcus Wassenberg (55) wechselt<br />

als CFO von der Heidelberger Druckmaschinen<br />

AG zur Kion Group AG. Er wird im<br />

Konzernvorstand die<br />

Bereiche Accounting,<br />

Controlling, Finanzen,<br />

IT sowie die<br />

M&A- und Investor<br />

Relations-Aktivitäten<br />

verantworten.<br />

Seine neue Aufgabe<br />

werde Wassenberg<br />

spätestens zum 1.<br />

April 2023 antreten.<br />

Seit September 2019 verantwortet er als CFO<br />

der Heidelberger Druckmaschinen AG die<br />

erfolgreiche Umsetzung eines umfassenden<br />

Transformationsprogramms zur Verbesserung<br />

der finanziellen Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit<br />

des Unternehmens. Zuvor war er als<br />

CFO bei der Rolls-Royce Power Systems AG<br />

und der Senvion AG tätig.<br />

Bild: Kion<br />

Valeria Gargiulo<br />

(50) kommt von der Daimler Truck AG zu Kion<br />

und tritt spätestens ab dem 1. Mai 2023 ihre<br />

Position als Chief People and Sustainability<br />

Officer in Frankfurt/Main an. Sie wird zudem<br />

die Rolle der Arbeitsdirektorin übernehmen.<br />

Gargiulos Aufgaben bei Kion umfassen die<br />

konzernweiten Bereiche HR, Gesundheit<br />

und Sicherheit sowie Nachhaltigkeit. . Bei<br />

Daimler Trucks ist sie als Vice President People<br />

& Organisational<br />

Development tätig.<br />

Mit rund 30 Jahren<br />

Erfahrung in den<br />

Bereichen Personal,<br />

Vertrieb, Recht<br />

sowie M&A bringt sie<br />

umfangreiche internationale<br />

Erfahrung<br />

sowie eine hervorragende<br />

Erfolgsbilanz in der Organisationsentwicklung<br />

mit.<br />

Bild: Kion<br />

Walter AG<br />

Christoph Geigges<br />

ist seit dem 23. November neuer Präsident<br />

der Walter AG. Er hatte diese Rolle bereits<br />

vorübergehend übernommen. Christoph Geigges<br />

ist seit August 2020 bei Walter tätig, seit<br />

Mai 2021 Vice President Finance. Zuvor war<br />

er in verschiedenen Managementpositionen<br />

vor allem in der Pharma-Diagnostik-Industrie<br />

tätig; u.a. in der Schweiz und im Nahen<br />

Osten. „Ich fühle mich durch meine Ernennung<br />

und das in mich gesetzte Vertrauen<br />

sehr geehrt. Ich<br />

sehe Walter für die<br />

Zukunft in den internationalen<br />

Märkten<br />

gut aufgestellt und<br />

freue mich darauf,<br />

mit dem gesamten<br />

Walter Team unsere<br />

Bild: Walter AG<br />

Position als Premiumanbieter<br />

weltweit<br />

weiter zu stärken“,<br />

sagte Christoph Geigges. Sein Vorgänger<br />

Richard Harris hatte am 1. Oktober 2022 eine<br />

neue Herausforderung innerhalb des Sandvik-Konzerns<br />

angenommen.<br />

Jenoptik<br />

Dr. Prisca Havranek-Kosicek<br />

ist zum neuen Finanzvorstand der Jenoptik<br />

AG bestellt worden. Dr. Havranek-Kosicek<br />

wird mit Wirkung vom 1. April 2023 die<br />

Position von Hans-Dieter Schumacher übernehmen,<br />

der seinen zum 31. März 2023<br />

auslaufenden Vertrag nicht verlängert hat.<br />

Dr. Prisca Havranek-Kosicek (47) ist promovierte<br />

Betriebswirtschaftlerin und verfügt<br />

über langjährige Erfahrung als Finanzvorstand<br />

in mehreren börsennotierten Unternehmen.<br />

Sie war zuletzt bei der Nilfisk A/S und zuvor<br />

der Novozymes A/S in dieser Position tätig<br />

und verantwortete dabei unter anderem die<br />

Bereiche Finanzen, IT und Investor Relations.<br />

Stahl<br />

Tränenblech<br />

Edelstahl<br />

Tränenblech<br />

Stahl Riffel-/<br />

Waffelblech<br />

Verzinktes Riffel-/<br />

Waffelblech<br />

STÄRKE:<br />

Verzinktes<br />

Tränenblech<br />

Aluminium<br />

Duett<br />

Tränen- / Riffel- & Waffelbleche<br />

3,0 bis 10,0 mm + Träne<br />

Duett- / Quintettbleche<br />

1,5 / 2,5 / 3,5 / 5 / 8 mm + Träne<br />

FORMATE:<br />

1.000 mm x 2.000 mm<br />

1.250 mm x 2.500 mm<br />

1.335 mm x 3.000 mm*<br />

1.500 mm x 3.000 mm<br />

LOGISTIK:<br />

von der einzelnen Tafel<br />

über Pakete bis hin zur<br />

kompletten Ladung<br />

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KONTAKT<br />

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<strong>Stahlreport</strong> 12|22<br />

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Peter Drösser GmbH<br />

Im Auel 67–69 // 51766 Engelskirchen<br />

www.droesser.de


XXXXXXXXXX<br />

Stahlhandel<br />

XXXXX Bericht A XXXXX<br />

Das Köstner Stahlzentrum in Diespeck<br />

Wie die Richard Köstner AG wertorientiertes Handeln verankert<br />

„Wir halten Unternehmen am Laufen“<br />

Mittelständische Unternehmen müssen sich gleich in mehreren Bereichen hartem Wettbewerb stellen. Wie die<br />

Geschäfte laufen, aber auch, wie gut man neue Mitarbeiter gewinnen kann, ist heute stärker als früher auch von<br />

einer positiven Unternehmenskultur abhängig. Wie es die Richard Köstner AG geschafft hat, wertorientiertes<br />

Handeln als Basis des Erfolgs zu verankern, erläutern der Geschäftsführende Gesellschafter Dr. Norbert Teltschik,<br />

Einkaufsleiter Theodor Wendler und der Niederlassungsleiter des Köstner Stahlzentrums in Diespeck<br />

Martin Trautner im Gespräch mit dem <strong>Stahlreport</strong>.<br />

[Kontakt]<br />

Kontakt<br />

Richard Köstner AG<br />

Karl-Eibl-Straße 44 + 48<br />

91413 Neustadt/Aisch<br />

Tel. +49 9161 668-0<br />

www.koestner.de<br />

Mit ihren zehn Standorten ist<br />

die Richard Köstner AG eine große<br />

regionale Unternehmensgruppe im<br />

Herzen Bayerns. Mit aktuell rund<br />

560 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern<br />

versorgt der inhabergeführte<br />

Fachhandel und Stahlgroßhändler<br />

vor allem regionale Kunden aus<br />

Handwerk, Bauwirtschaft, Stahlbau<br />

sowie aus der Metallbearbeitung.<br />

Seit der Geschäftsführende Gesellschafter<br />

Dr. Norbert Teltschik Ende<br />

der 1990er-Jahre die Leitung der<br />

Gruppe übernommen hat, ist sie –<br />

unter anderem durch gezielte strategische<br />

Zukäufe – deutlich gewachsen.<br />

Als Folge verbuchte die Richard<br />

Köstner AG nicht nur ein überproportionales<br />

Umsatzwachstum, sondern<br />

stand zugleich vor der großen<br />

Aufgabe, die neu hinzugekommenen<br />

Standorte inklusive deutlich<br />

steigender Mitarbeiterzahlen in die<br />

Unternehmensgruppe zu integrieren.<br />

Mit Erfolg: Immer wieder wird<br />

die Richard Köstner AG in Unternehmens-Rankings<br />

unter den Besten<br />

gelistet – in diesem Jahr zum vierten<br />

Mal etwa als „Bayerns Best 50“. „Das<br />

war nur möglich, weil unsere Mitarbeiter<br />

trotz mancher Widrigkeiten<br />

ihr Bestes gegeben und alle an<br />

einem Strang gezogen haben“,<br />

„Die<br />

junge Generation<br />

hat heute<br />

andere Werte, die wir<br />

beachten müssen, wenn<br />

wir als Arbeitgeber attraktiv<br />

bleiben wollen.“<br />

Dr. Norbert Teltschik, Geschäftsführender<br />

Gesellschafter Richard<br />

Köstner AG<br />

betont der Geschäftsführende<br />

Gesellschafter Dr. Norbert Teltschik.<br />

<strong>Stahlreport</strong>: Herr Dr. Teltschik,<br />

wie sieht der Arbeitsmarkt für die<br />

Richard Köstner AG aus? Können<br />

Sie derzeit alle offenen Positionen<br />

besetzen?<br />

Dr. Norbert Teltschik: Die Richard<br />

Köstner AG ist ein bekannter und<br />

auch beliebter regionaler Arbeitgeber.<br />

Aber auch für uns ist es nicht<br />

immer einfach, alle offenen Stellen<br />

neu zu besetzen. Stolz sind wir aber<br />

darauf, dass wir auch dieses Jahr<br />

wieder alle Ausbildungsstellen<br />

besetzen konnten.<br />

Der Arbeitsmarkt wandelt sich –<br />

zumindest gefühlt – derzeit rasant.<br />

Unter dem Stichwort „New Work“<br />

haben moderne und flexible Formen<br />

der Arbeitsorganisation Auftrieb.<br />

8 <strong>Stahlreport</strong> 12|22


Bild: Richard Köstner AG<br />

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Was tut die Richard Köstner AG, um<br />

als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben?<br />

Norbert Teltschik: Der demografische<br />

Wandel geht natürlich auch an<br />

uns nicht vorbei. Die junge Generation<br />

hat heute andere Werte, die wir<br />

beachten müssen, wenn wir als<br />

Arbeitgeber attraktiv bleiben wollen.<br />

Heute spielen individuelle Entwicklungsmöglichkeiten,<br />

der<br />

Anspruch an die Sinnhaftigkeit der<br />

eigenen Arbeit sowie Teil einer wertschätzenden<br />

Gemeinschaft zu sein<br />

eine viel größere Rolle als früher.<br />

Diese Entwicklung verändert<br />

auch die Rolle heutiger Führungskräfte,<br />

die heute ganz anders führen<br />

müssen als in früheren Zeiten. Insgesamt<br />

organisieren sich Unternehmen<br />

heute weniger hierarchisch, sie<br />

bewegen sich eher zu einem flexibleren,<br />

mehr projektbezogenem Aufbau.<br />

Zugleich stellen wir fest, dass Unternehmensleitbilder<br />

stark an Bedeutung<br />

gewinnen, also die bewusste<br />

Formulierung, an welchen Werten<br />

ein Unternehmen sich orientiert. Ein<br />

Unternehmensleitbild hat es in der<br />

Richard Köstner AG schon seit Langem<br />

gegeben, nun haben wir es im<br />

Zuge des Wachstums in den letzten<br />

Jahren weiterentwickelt.<br />

Das Unternehmensleitbild ist die<br />

Basis für wertorientiertes Handeln.<br />

Doch wie entwickelt man ein solches<br />

Leitbild? Wie sind Sie vorgegangen?<br />

Dr. Norbert Teltschik: Wir haben<br />

uns bei der Aktualisierung entschieden,<br />

einen größeren Personenkreis<br />

als früher zu beteiligen. An<br />

der Entwicklung haben etwa 30<br />

Führungskräfte teilgenommen.<br />

Damit haben wir die Unternehmenswerte<br />

von Anfang an auf ein breiteres<br />

Fundament gestellt. Die beteiligten<br />

Führungskräfte konnten das<br />

dann sehr gut weiter in ihr Team<br />

kommunizieren.<br />

q<br />

„Es reicht<br />

nicht, die zentralen<br />

Werte des Unternehmens<br />

nur in<br />

einer Broschüre niederzuschreiben.“<br />

Dr. Norbert Teltschik<br />

Bild: Andreas Riedel<br />

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Stahlhandel<br />

Bericht<br />

WERT-<br />

SCHÄT-<br />

ZEND<br />

Fachzentrum für Handwerk und Industrie<br />

„Wir nehmen<br />

die Wünsche<br />

unserer Mitarbeiter<br />

und Kunden<br />

persönlich“<br />

INFO Leitbild der Richard Köstner AG<br />

MARKENBEWUSST<br />

PARTNER-<br />

SCHAFT-<br />

LICH<br />

UMWELT-<br />

BEWUSST<br />

ZUVER-<br />

LÄSSIG<br />

WERT-<br />

SCHÄTZEND<br />

KOMPE-<br />

TENT<br />

LANGFRISTIG<br />

Wir halten<br />

Unternehmen<br />

am Laufen<br />

gemeinsam mit Mitarbeitern und Partnern wachsen<br />

enkeltauglich<br />

FAIR<br />

Servicezentrum<br />

Die Serviceexperten<br />

„Wir wachsen<br />

zusammen“<br />

SICHERHEITS-<br />

ORIENTIERT<br />

INNOVATIV<br />

q Unternehmensleitbilder, so gut sie<br />

sicherlich gemeint sind, entfalten<br />

häufig nur eine geringe Wirkung,<br />

weil sie nicht wirklich gelebt werden.<br />

Wie gehen Sie vor, um die<br />

Werte, die sich die Richard Köstner<br />

AG gegeben hat, mit echtem Leben<br />

zu füllen?<br />

Dr. Norbert Teltschik: Unsere<br />

Unternehmensleitsätze fassen die<br />

zentralen Werte zusammen, die die<br />

Gruppe und die Mitarbeiter insgesamt<br />

miteinander verbinden. Es<br />

reicht nicht, das nur in einer Broschüre<br />

niederzuschreiben. Sie nachhaltig<br />

im gesamten Unternehmen<br />

und bei den Mitarbeitern zu verankern<br />

erfordert eine stetige, kontinuierliche<br />

Arbeit. Das dauert Jahre.<br />

Wir nutzen dazu eine ganze<br />

Reihe von Maßnahmen und Kanälen.<br />

Großen Wert legen wir auf eine<br />

breite interne Kommunikation. Wir<br />

informieren regelmäßig alle Mitarbeiter<br />

über Ziele und Pläne im<br />

Unternehmen, etwa auf dem<br />

Betriebsfest oder im Mitarbeitermagazin.<br />

FLEXIBEL<br />

VERANT-<br />

WORT-<br />

LICH<br />

SERVICE-<br />

ORIENTIERT<br />

DYNA-<br />

MISCH<br />

PERSÖN-<br />

LICH<br />

Stahlzentrum<br />

„Unsere Kompetenz<br />

für den gemeinsamen<br />

Erfolg“<br />

VERTRAUENSVOLL<br />

LÖSUNGS-<br />

ORIEN-<br />

TIERT<br />

Theodor Wendler: Wir haben dazu<br />

auch eine eigene Projektgruppe mit<br />

dem Namen „zusammenWachsen“<br />

initiiert, die Ideen und Aktionen<br />

entwickelt, die dann umgesetzt<br />

werden. Besonders wichtig ist es für<br />

ein gemeinschaftliches Miteinander<br />

im Unternehmen, Gelegenheiten<br />

zu schaffen, sich zu treffen und<br />

auszutauschen, zum Beispiel bei<br />

Ausflügen und Feiern. Wir ehren<br />

auch regelmäßig lang verdiente Mitarbeiter<br />

– das wird sehr geschätzt.<br />

Martin Trautner: In unserem<br />

Mitarbeitermagazin küren wir<br />

einen „Wert des Monats“ – kürzlich<br />

war zum Beispiel der Wert „Fair“.<br />

So bekommen die Leitsätze eine<br />

größere Sichtbarkeit. Häufig verknüpfen<br />

wir auch mehrere Aktionen<br />

miteinander. So gab es zu „Fair“<br />

auch ein Spieleevent, bei dem der<br />

Spaß im Team und sich im fairen<br />

Wettbewerb mit anderen zu messen<br />

im Vordergrund stand.<br />

Dr. Norbert Teltschik: Diese<br />

Aktion hat mich sehr beeindruckt.<br />

Dieses Event haben wir an einem<br />

Samstag in den Ferien veranstaltet<br />

– und ich war überrascht, dass so<br />

viele dabei mitgemacht haben,<br />

schließlich ging es um eine freiwillige<br />

Beteiligung in der Freizeit. An<br />

dem Erfolg dieser Aktion kann man<br />

sehen, dass Werte und Leitsätze ein<br />

Riesenthema für Unternehmen<br />

sind. Die Mitarbeiter beschäftigen<br />

sich damit, es spielt für sie eine<br />

Rolle, ob –und wenn ja welche –<br />

Werte ein Unternehmen vertritt.<br />

Nehmen wir zum Beispiel einen<br />

der drei zentralen Werte: „Enkeltauglichkeit“.<br />

Das Schlagwort steht<br />

im weiteren Sinn dafür, dass wir in<br />

der Richard Köstner AG so handeln,<br />

dass wir der Enkel-Generation eine<br />

intakte Welt hinterlassen. Es bedeutet<br />

aber auch, dass unsere Enkel<br />

noch ein intaktes, gut da stehendes<br />

Unternehmen vorfinden. Das sehen<br />

wir hier im Unternehmen auch konkret:<br />

Es gibt Mitarbeiter, die bereits<br />

über drei Generationen bei uns<br />

arbeiten.<br />

Theodor Wendler: Gerade in<br />

der Pandemie ist deutlich geworden,<br />

was der zentrale Leitsatz „Wir<br />

halten Unternehmen am Laufen“<br />

ganz real bedeutet. Wir haben unse-<br />

10 <strong>Stahlreport</strong> 12|22


e Lieferfähigkeit speziell für gute Kunden sichergestellt<br />

und für sie Material vorgehalten – nicht nur projektbezogen,<br />

sondern für den kontinuierlichen Bedarf.<br />

Damit waren wir ein Leuchtturm in dieser Zeit und<br />

haben mitgeholfen, sie durch eine schwere Zeit zu bringen.<br />

Damit haben wir gepunktet.<br />

Zu den Unternehmenleitsätzen gehören auch Begriffe<br />

wie „persönlich“, „zuverlässig“, „lösungsorientiert“ und<br />

„flexibel“. Was bedeuten diese Werte speziell für das<br />

Köstner-Stahlzentrum?<br />

Martin Trautner: Sie stehen für eine Gesamtheit der<br />

Qualität. Es geht nicht nur darum, dass der richtige<br />

Stahl ausgeliefert wird und die Lkws pünktlich bei den<br />

Kunden ankommen, sondern auch, dass der Service<br />

bei der Lieferung passt, dass der Lkw-Fahrer freundlich<br />

ist und er, wenn nötig, noch die Zeit hat, beim Ausladen<br />

zu helfen. Der persönliche Kontakt ist sehr wichtig,<br />

auch zum Beispiel für unsere Verkäufer am Telefon.<br />

Im Zuge der Digitalisierung war oft zu hören, dass der<br />

persönliche Kontakt durch automatisierte Systeme<br />

auch im Stahlhandel mehr und mehr abnehmen wird.<br />

Sehen Sie das auch so?<br />

Martin Trautner: Wir sind im Köstner Stahlzentrum<br />

mit großen Schritten auf dem Weg zur durchgängigen<br />

Digitalisierung. Wir sind bereits heute beinahe die<br />

gesamte Prozesskette im Unternehmen digital. Auch<br />

die Kommissionierung erfolgt im Stahl-Lager papierlos<br />

mit Scannern. In einigen Bereichen ist es noch schwierig,<br />

etwa bei Trägern, die auf gewünschte Abmessungen<br />

gesägt werden. In der Biegerei sind wir jedoch jetzt<br />

soweit und scannen selbst die Beladung. Seitdem ist<br />

die Fehlerquote dort schlagartig um 95% gesunken –<br />

was auch die Mitarbeiter in der Verladung überzeugt<br />

hat. Diese Systeme helfen uns, besser zu werden.<br />

Andererseits sehen wir, dass es nicht die Ultima<br />

Ratio ist, den Kundenkontakt zum Beispiel per Webshop<br />

komplett zu digitalisieren. Wir bieten ebenfalls<br />

einen Webshop im Unternehmen, aber noch nicht für<br />

Stahlprodukte. Für Abnehmer aus Handwerk, Bauwirtschaft<br />

und Metallbau ist es häufig einfach zu aufwendig,<br />

auf diesem Weg Bestellungen aufzugeben – wobei<br />

auch hier die Entwicklung natürlich weiter geht. Doch<br />

der persönliche Kontakt zu den Kunden ist immer noch<br />

zentral –und wird es aus unserer Perspektive noch<br />

lange bleiben.<br />

Sehr geehrte Herren, vielen Dank für das Gespräch! 2<br />

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STEELHANDLING<br />

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Alle Prozesse Ihres Stahlhandels sind digitalisiert abgebildet<br />

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<strong>Stahlreport</strong> 12|22<br />

11<br />

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Stahlhandel<br />

Bericht/Nachricht<br />

Klöckner & Co SE trotzt herausfordernden Rahmenbedingungen<br />

Starkes 9-Monats-Ergebnis<br />

In den ersten neun Monaten 2022 ist der Umsatz von Klöckner & Co im Wesentlichen aufgrund höherer Stahl- und<br />

Metallpreise sehr deutlich um 36,5 % auf 7,4 Mrd. € gestiegen (9M 2021: 5,4 Mrd. €). Das um wesentliche Sondereffekte<br />

bereinigte operative Ergebnis (EBITDA) betrug 439 Mio. € (9M 2021: 678 Mio. €). Einschließlich wesentlicher<br />

Sondereffekte betrug das EBITDA in den ersten neun Monaten des Jahres sogar 493 Mio. € (9M 2021: 691 Mio. €).<br />

„Trotz des herausfordernden<br />

wirtschaftlichen Umfelds haben wir<br />

unsere Strategie weiter konsequent<br />

verfolgt und wichtige Meilensteine<br />

erreicht. Mit dem Start von Nexigen<br />

® , unserer neuen Marke für<br />

CO 2 -reduzierte Produkte und<br />

Dienstleistungen, unterstreichen<br />

wir unsere Ambition als Pionier<br />

einer nachhaltigen Stahlindustrie.<br />

Nachdem wir als digitaler Vorreiter<br />

bereits ein wichtiges Zukunftsfeld<br />

unserer Branche besetzt haben, festigen<br />

wir so weiter unsere Position<br />

als verlässlicher Partner an der Seite<br />

unserer Kunden“, sagte Guido Kerkhoff,<br />

Vorsitzender des Vorstands der<br />

Klöckner & Co SE.<br />

Nexigen bündelt Angebot<br />

nachhaltiger Lösungen<br />

Der Aufbau nachhaltiger Geschäftsmodelle<br />

ist zentraler Bestandteil der<br />

Strategie, so das Unternehmen. Um<br />

das ganzheitliche Angebot nachhaltiger<br />

Kundenlösungen zu bündeln,<br />

hat Klöckner & Co die Dachmarke<br />

Nexigen eingeführt. Mit Nexigen<br />

konzentriert das Unternehmen<br />

gruppenweit sein Angebot an nachhaltigen<br />

Produkten und Dienstleistungen<br />

und bietet transparente,<br />

CO 2 -reduzierte Lösungen in den<br />

Bereichen Werkstoffe, Anarbeitung<br />

und Logistik an. Zusätzlich zum<br />

wachsenden Angebot an CO 2 -reduzierten<br />

Stahl- und Metallprodukten<br />

sowie Logistik und Zirkularitätslösungen<br />

bietet Klöckner & Co umfassende<br />

Beratungsleistungen im<br />

Bereich nachhaltige Produkte und<br />

Dienstleistungen an. Damit unterstütze<br />

man seine Kunden beim Aufbau<br />

nachhaltiger Lieferketten und<br />

ermögliche ihnen vollständige<br />

Ausblick 2022<br />

Europa<br />

+1 bis 2 %<br />

Tatsächliche<br />

Stahlnachfrage<br />

Bauindustrie<br />

Maschinen- und<br />

Anlagenbau<br />

Energiesektor<br />

Automobilindustrie<br />

Schiffbau<br />

[Kontakt]<br />

Klöckner & Co SE<br />

Am Silberpalais 1<br />

47057 Duisburg<br />

Tel. +49 203 307-0<br />

www.kloeckner.com<br />

USA<br />

+1 bis 2 %<br />

Quelle: Klöckner & Co SE<br />

12 <strong>Stahlreport</strong> 12|22


Transparenz über ihren CO 2 -Fußabdruck,<br />

so das Unternehmen weiter.<br />

Dafür investiert Klöckner & Co in<br />

die Weiterbildung seiner Mitarbeiterinnen<br />

und Mitarbeiter und hat<br />

bereits 700 Vertriebsmitarbeitende<br />

für die Beratung zu und den Verkauf<br />

von nachhaltigen Produkten und<br />

Dienstleistungen qualifiziert.<br />

Zum Start von Nexigen hat die<br />

deutsche Tochtergesellschaft Becker<br />

Stahl-Service bereits erste Mengen<br />

CO 2 -reduzierten Stahl an die langjährige<br />

Kundin Mercedes-Benz AG<br />

geliefert. Hierbei handelte es sich<br />

um Stahl, der in der Klöckner &<br />

Co-eigenen Kategorisierung für<br />

transparente CO 2 -Emissionen der<br />

Kategorie „Pro“ entspricht. Die Einführung<br />

von Nexigen ist für Klöckner<br />

& Co ein weiterer wichtiger Meilenstein<br />

auf dem Weg zum Vorreiter<br />

einer nachhaltigen Stahlindustrie.<br />

Das Unternehmen etabliere sich so<br />

weiter als führende digitale One-<br />

Stop-Shop-Plattform für Stahl, andere<br />

Werkstoffe, Ausrüstung und<br />

Anarbeitungsdienstleistungen in<br />

Europa und Amerika.<br />

KI-Tool mit neuen Funktionen<br />

Klöckner & Co hat zudem die Transformation<br />

im Hinblick auf Digitalisierung<br />

und Automatisierung im<br />

Konzern in Richtung „Zero Touch“<br />

weiter vorangetrieben. Die KI-basierte<br />

Applikation Kloeckner<br />

Assistant wurde um eine weitere<br />

Kernfunktion erweitert und sei nun<br />

in der Lage, neben PDF-Dateien<br />

auch Text-E-Mails automatisiert auszulesen<br />

und zu verarbeiten. Das<br />

neue Feature wurde bereits in der<br />

deutschen Landesorganisation<br />

erfolgreich eingeführt und werde<br />

nun sukzessive in weiteren Ländern<br />

ausgerollt. Die über den Kloeckner<br />

Assistant automatisiert abgewickelten<br />

Umsätze betrugen im Berichtszeitraum<br />

über 1 Mrd. €. Insgesamt<br />

war der Anteil des über digitale<br />

Kanäle erzielten Konzernumsatzes<br />

im dritten Quartal mit 43 % (Q3<br />

2021: 46 %) zwar leicht rückläufig,<br />

jedoch weiterhin auf einem hohen<br />

Niveau.<br />

Ausblick<br />

Im vierten Quartal rechnet Klöckner<br />

& Co im Vergleich zum Vorquartal<br />

bei Absatz und Umsatz mit einem<br />

saisonal sowie preisbedingten deutlichen<br />

Rückgang. Aufgrund der signifikanten<br />

Stahlpreis-Rückgänge, der<br />

aktiven Bestandsreduktion vor dem<br />

Hintergrund des makroökonomischen<br />

Umfelds sowie der Bestandsabschreibungen<br />

erwartet das Unternehmen<br />

für 2022 ein EBITDA vor<br />

wesentlichen Sondereffekten von<br />

rund 400 Mio. €. Ferner prognostiziert<br />

Klöckner & Co für 2022 einen<br />

positiven Cashflow aus betrieblicher<br />

Tätigkeit in außergewöhnlicher Höhe.<br />

Darüber hinaus wurden in den ersten<br />

neun Monaten bereits positive<br />

wesentliche Sondereffekte in Höhe<br />

von 54 Mio. € realisiert. 2<br />

Namensänderung<br />

Klöckner & Co jetzt<br />

Kloeckner Metals Germany<br />

Mitte November hat die Klöckner<br />

& Co Deutschland GmbH ihre offizielle<br />

Umfirmierung in die Kloeckner<br />

Metals Germany GmbH bekannt gegeben.<br />

Mit dem Namenswechsel wolle<br />

man verdeutlichen, dass man als<br />

Kloeckner Metals Germany gemeinsam<br />

mit anderen Klöckner-Landesgesellschaften<br />

wachsen, für die gleichen<br />

Ziele agieren und gemeinsam nach der<br />

Zufriedenheit der Kunden und Lieferanten<br />

streben wolle. Neben dem neuen<br />

Namen hat das Unternehmen auch ein<br />

neues Logo, das moderner gestaltet ist<br />

und die Zugehörigkeit zu einem international<br />

agierenden Konzern in der<br />

Stahl- und Metalldistribution unterstreichen<br />

soll.<br />

Zur Verstärkung unseres Teams in Engelskirchen suchen wir<br />

ab sofort einen motivierten, engagierten<br />

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Stahlhandel<br />

Bericht<br />

Bilder: BDS/mh<br />

Bepro fördert Kunst- und Bildungsprojekt an Gymnasium<br />

Ein Europa-Flur in Gelsenkirchen<br />

Zeus, Cäsar, Beethoven: Wer den Europa-Flur des Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasiums in Gelsenkirchen betritt,<br />

bekommt was zu sehen. Über mehrere Flurwände hinweg erzählt dort ein riesiges Graffiti die europäische<br />

Geschichte nach – in detaillreichen, bunten Bildern, von den griechischen Anfängen bis zur Gegenwart. Gefördert<br />

wurde das Wandbild des Gelsenkirchener Künstlers Beni Veltum von der Peter-Schorr-Stiftung, der größten<br />

Gesellschafterin der Bepro Blech und Profilstahl GmbH & Co. KG.<br />

Das Carl-Friedrich-Gauß-<br />

Gym n asium ist ein dreizügiges<br />

Gymnasium mitten in Gelsenkirchen,<br />

etwa 640 Schülerinnen und<br />

Schüler besuchen die Lehranstalt<br />

im Herzen der Stadt. „Wir sind ein<br />

eher kleines Gymnasium, was<br />

sicherlich gleichzeitig unsere Stärke<br />

ist. Das nahezu familiäre Miteinander<br />

ermöglicht es uns, die Begabungen<br />

und Stärken unserer<br />

Schülerschaft zu erkennen und entsprechend<br />

zu fördern“, erzählt<br />

Schulleiter Frank Kaupert.<br />

Die Schule legt auch außerhalb<br />

des normalen Lehrplans Wert auf<br />

ein breites Bildungsangebot. So hat<br />

Kaupert mit seinem Team beispiels-<br />

14 <strong>Stahlreport</strong> 12|22


Bilder: Tata Steel<br />

weise den einzigen gymnasialen<br />

Sport-Leistungskurs in Gelsenkirchen<br />

auf die Beine gestellt und unter<br />

anderem die Möglichkeit geschaffen,<br />

ein bilinguales Abitur in Englisch<br />

zu absolvieren.<br />

Europa steht im Mittelpunkt<br />

Einen besonderen Schwerpunkt<br />

legt das Gymnasium auch auf das<br />

Thema Europa. Was Europa ausmacht,<br />

welche Vielfalt und welche<br />

Möglichkeiten das „Haus Europa“<br />

bietet, wird den Schülerinnen und<br />

Schülern in vielen Projekten, Wettbewerben<br />

und Veranstaltungen<br />

näher gebracht. Seit 2018 ist das<br />

Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium<br />

zudem offiziell eine „Europaschule“<br />

– ein Titel, den das Bundesnetzwerk<br />

Europaschulen verleiht. Der Verein,<br />

dessen Ehrenvorsitzender einst der<br />

ehemalige Außenminister Hans-<br />

Dietrich Genscher war, hat sich die<br />

europäische Bildung in Schulen auf<br />

die Fahnen geschrieben.<br />

Mit dem Europa-Flur des Gelsenkirchener<br />

Künstlers Beni Veltum hat<br />

die Europa-Ausrichtung des Gymnasiums<br />

nun einen starken optischen<br />

Ausdruck gefunden. Auf den<br />

Wänden des Flurs ist ein buntes<br />

Graffiti enstanden, das mit seiner<br />

sprühenden Farbigkeit und Motivvielfalt<br />

– von Karl dem Großen bis<br />

zu Einstein – zum Ansehen, Stöbern<br />

und Verweilen einlädt. „Das Graffiti<br />

stößt auf eine durchweg positive<br />

Resonanz, vor allem deshalb weil<br />

die Vielschichtigkeit der Darstellungen,<br />

je nach Blickwinkel, immer<br />

wieder zu Diskussionen und Gesprächen<br />

anregt“, so Kaupert.<br />

Der aufwändig gestaltete Flur ist<br />

jedoch nicht nur eine optische Verschönerung,<br />

sondern Bestandteil<br />

eines größeren Raumkonzepts, das<br />

ein weitreichendes, digitalisiertes<br />

Bildungsangebot vorsieht. So können<br />

mit Hilfe eines virtuellen Rundgangs<br />

einzelne Motive des Wandgraffitis q<br />

<strong>Stahlreport</strong> 12|22<br />

15


Stahlhandel<br />

Bericht/Nachricht<br />

[Kontakt]<br />

Bepro Blech und Profilstahl<br />

Handelsgesellschaft mbH<br />

& Co. KG<br />

Consolstraße 11<br />

45889 Gelsenkirchen-<br />

Bismarck<br />

+49 209 98251-10<br />

https://bepro.de<br />

Carl-Friedrich-Gauß-<br />

Gymnasium<br />

Hammerschmidtstraße 13<br />

45888 Gelsenkirchen<br />

+49 209 3894870<br />

https://gaussge.de<br />

Beni Veltum<br />

https://beniveltum.com<br />

info@beniveltum.com<br />

+49 160 7797309<br />

q angeklickt und mit Unterrichtsinhalten<br />

hinterlegt werden – eine digitale<br />

Europa-Bibliothek „hinter“ dem Graffiti<br />

(siehe QR-Code).<br />

Bepro mitten in Europa<br />

Unweit der Schule hat die Bepro<br />

Blech und Profilstahl GmbH &<br />

Co. KG. ihren Sitz. Das Unternehmen,<br />

Spezialist für besondere<br />

Abmessungen und Güten, hat eine<br />

enge Beziehung zum Heimatstandort<br />

Gelsenkirchen – und zu Europa.<br />

Über die Peter Schorr-Stiftung, die<br />

nach dem Tod des Bepro-Firmengründers<br />

Peter Schorr errichtet worden<br />

ist und als Hauptgesellschafterin<br />

des Unternehmens fungiert,<br />

fördert Bepro soziale Projekte – vor<br />

allem Jugendarbeit, Bildung und<br />

Opferhilfe. „Auf der Landkarte<br />

betrachtet befindet sich Gelsenkir-<br />

chen nahezu mitten im geografischen<br />

Europa, eine gute Voraussetzung,<br />

um als europäischer und<br />

weltweiter Stahldistributeur auch<br />

Jugendliche hier vor Ort zu fördern“,<br />

so Geschäftsführer Sören Filipczak.<br />

„Die Stiftung stellt ein wichtiges<br />

Fundament in der Gesellschafterstruktur<br />

von Bepro dar und partizipiert<br />

gleichzeitig von den Ergebnissen<br />

des Unternehmens – die dann<br />

in unsere diversen Projekte gespendet<br />

werden. Wer bei Bepro Stahl<br />

kauft, handelt also im doppelten<br />

Sinne gut“, sagt Geschäftsführer<br />

Sören Filipczak.<br />

Die Zusammenarbeit von Bepro<br />

mit dem Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium<br />

besteht seit längerer Zeit.<br />

„Nachdem das Gymnasium offiziell<br />

zur Europaschule ernannt wurde,<br />

haben wir nach Wegen gesucht, wie<br />

wir das Thema Europa fördern können.<br />

Dabei ist gemeinsam mit Herrn<br />

Kaupert die Idee eines Graffitis entstanden,<br />

das sich schließlich dank<br />

der Arbeit von Hrn. Veltum zu<br />

einem einmaligen Kunstwerk entwickelt<br />

hat“, berichtet Filipczak. 2<br />

https://bepro.de/<br />

peter-schorr-stiftung<br />

https://gaussge.de<br />

https://beniveltum.com<br />

https://beniveltum.com<br />

Virtueller Rundgang im Europaflur<br />

(per QR-Code oder Link):<br />

https://visit.museum-virtuell.com/tour/<br />

veltum-europa<br />

Wie der Europa-Flur<br />

enstand<br />

Idee sucht Künstler: Der Gedanke, einen<br />

Flur des Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasiums<br />

in ein Wandgemälde mit Motiven<br />

der europäischen Kultur zu verwandeln,<br />

war Schulleiter Frank Kauppert und<br />

Sören Filipczak im gemeinsamen<br />

Gespräch gekommen. Doch wie weiter<br />

vorgehen? Aus vergangener, guter<br />

Zusammenarbeit kannte der Bepro-Geschäftsführer<br />

genau den Richtigen dafür:<br />

Den freiberuflichen Gelsenkirchener<br />

Künstler Beni Veltum. Mitgebracht hat<br />

Veltum schließlich nicht nur seine künstlerische<br />

Fähigkeit, sondern auch eine<br />

persönliche Verbundenheit – denn er war<br />

selbst einst Schüler auf dem Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium.<br />

<strong>Stahlreport</strong>: Der Europa-Flur ist nicht<br />

nur ein, sondern ganz viele Bilder über<br />

mehrere Wände in einem. Wie geht man<br />

an ein solches Projekt heran?<br />

Beni Veltum: Da ich als Schüler im<br />

Geschichtsunterricht meist nicht so interessiert<br />

zugehört habe, musste ich mich<br />

vorab erst einmal ausgiebig weiterbilden.<br />

Ergänzend gab es ein Treffen mit der<br />

Schülervertretung und ein Treffen mit der<br />

Lehrervertetung, so dass ich auch die<br />

Gemeinsames Kunst- und Bildungsprojekt (v.l.): Sören Filipczak (Geschäftsführer Bepro), Künstler<br />

Beni Veltum und Schulleiter Frank Kaupert.<br />

Unterrichtsinhalte berücksichtigen konnte.<br />

Bei der Auswahl der Motive habe ich<br />

den Fokus auf die positiven Errungenschaften<br />

Europas gelegt. Sie sollen neugierig<br />

machen, Fragen aufwerfen und eine<br />

positive Grundstimmung vermitteln. Als<br />

Vorlage diente dann eine riesige digitale<br />

Collage aus hunderten Elementen, die<br />

anschließend frei interpretiert an die<br />

Wand gemalt wurde.<br />

Wie lange haben Sie an dem Projekt gearbeitet?<br />

Ich habe die Motive zunächste skizzenhaft<br />

mit einem Beamer auf die Wand übertragen,<br />

damit alles ganz grob erstmal an<br />

seinem richtigen Platz war. Für die Vorarbeiten<br />

konnte ich die Malerfirma „Heinrich<br />

Schmid“ gewinnen, die ich bereits<br />

aus anderen Projekte kannte. So hatte ich<br />

für die regenbogenfarbenen Grundierungsarbeiten<br />

drei fleißige Helfer der<br />

Ausbildungswerkstatt des Unternehmens.<br />

Der Rest der Gestaltung ist dann<br />

ausschließlich mit der Sprühdose erfolgt,<br />

bei der Ausführung hatte ich Hilfe von<br />

zwei befreundeten Graffiti-Künstler*innen.<br />

Insgesamt haben an der Umsetzung<br />

in den Sommerferien sechs Menschen vier<br />

Wochen gearbeitet.<br />

16 <strong>Stahlreport</strong> 12|22


Neue Impulse und Lösungen für Handelspartner<br />

Nordwest Roadshow 2022<br />

Bild: Nordwest<br />

Das Referententeam von Nordwest begrüßte die Fachhandels partner<br />

bei der deutschlandweiten Roadshow in Lüneburg, Landsberg,<br />

Dortmund, Neu-Ulm und Walldorf.<br />

Quer durch Deutschland hat Nordwest an fünf Standorten<br />

die diesjährige Roadshow veranstaltet, zu der sich insgesamt<br />

222 Teilnehmer anmeldeten. Zu den Roadshow Stationen<br />

zählten im Oktober Lüneburg, Landsberg, Dortmund,<br />

Neu-Ulm und Walldorf. Auf der Agenda standen die Top-Themen<br />

der Branche: Thematisiert wurde der Fachkräftemangel,<br />

die Weiterqualifizierung von Mitarbeitern, die digitale Transformation<br />

in der Beschaffung und im Vertrieb, Logistikneuheiten<br />

und maßgeschneiderte Lösungen für die Handelspartner.<br />

Sie finden uns beim<br />

Green Day 2023<br />

in Düsseldorf am<br />

19.01.2023<br />

www.progress-m.com<br />

Die Roadshow unter dem Motto „Nordwest hautnah“ führte<br />

die Dortmunder Verbundgruppe auch in diesem Jahr mit großem<br />

Zuspruch durch und verzeichnete dabei erneut deutlich<br />

steigende Teilnehmeranmeldungen. Im Impulsvortrag vermittelte<br />

Vorstand Michael Rolf tiefere Einblicke in die Händlerstruktur<br />

und präsentierte die aktuelle Geschäftsentwicklung<br />

von Nordwest. Vorstand Jörg Simon befasste sich in seinem<br />

Anschlussvortrag mit den zukünftigen Herausforderungen<br />

und lieferte harte Fakten zur prognostizierten Konjunkturentwicklung<br />

und einen lösungsorientierten Ausblick auf das Jahr<br />

2023.<br />

Ein Schwerpunktthema bildete die digitale Transformation<br />

der Geschäftsprozesse, zu der Martin Reinke, Geschäftsbereichsleiter<br />

IT & E-Business, in zwei Fachvorträgen referierte,<br />

um den Fachhandelspartnern die digitale Beschaffung inklusive<br />

Prozessoptimierung und den digitalen Vertrieb näherzubringen.<br />

Virtuell erlebbar war zum ersten Mal der Logistikneubau<br />

in Alsfeld, von dessen Größe und Performance sich<br />

die Teilnehmer via VR-Brille selbst überzeugen können. Mit<br />

dem neu geplanten Logistikzentrum legt Nordwest die Basis<br />

für weiteren Wachstum der Fachhandelspartner und bietet<br />

einen noch höheren Servicegrad. Auch das virtuelle Lagerkonzept<br />

wird weiter vorangetrieben, um den Handelspartnern<br />

die Möglichkeit zu geben, bei Bestandskunden noch<br />

bessere Umsätze mit weiteren Sortimenten zu realisieren.<br />

Sägen. Lager. Mehr.<br />

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des BDS am 19.01.2023 in Düsseldorf.<br />

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<strong>Stahlreport</strong> 12|22<br />

17<br />

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Stahlproduktion<br />

Bericht<br />

Vorschlag der Stahlindustrie für die Definition von grünem Stahl<br />

Label-System für grüne Leitmärkte<br />

Grüne Leitmärkte für Grundstoffe wie Stahl sind ein zentraler Politikbaustein auf dem Weg zu einer klimaneutralen<br />

Industrie. Ihre Grundidee ist, auch auf der Nachfrageseite gezielte Anreize zum Einsatz von grünem Stahl zu setzen, um<br />

die schrittweise Umstellung auf klimafreundliche Verfahren zu ermöglichen, die mit hohen Investitions- und anfänglich<br />

noch höheren operativen Kosten verbunden sind. Einen Vorschlag, wie „grüne“ Stähle künftig einheitlich zu klassifizieren<br />

wären, hat nun die Wirtschaftsvereinigung (WV) Stahl für die Stahlindustrie in Deutschland vorgelegt.<br />

INFO Wofür grüne Leitmärkte?<br />

Um grüne Leitmärkte für<br />

Stahl zu ermöglichen, muss<br />

zunächst die definitorische Frage<br />

geklärt werden, wann Stahl überhaupt<br />

als grün bzw. klimaneutral<br />

einzustufen ist. Im Zentrum steht<br />

dabei die Herausforderung, gemeinsame<br />

Regeln für die Klassifizierung<br />

grüner Stähle aufzustellen. Denn<br />

nur ein gemeinsames Regelwerk<br />

stellt sicher, dass alle Akteure nach<br />

denselben Methoden rechnen und<br />

bilanzieren, um die verschiedenen<br />

Transformationspfade vergleichund<br />

damit auch bewertbar zu<br />

machen.<br />

Investitionen der<br />

Industrie einbeziehen<br />

Hinzu kommen vor allem aus Sicht<br />

der Produzenten weitere Fragen –<br />

inwieweit beispielsweise auch<br />

Investitionen anrechenbar gemacht<br />

werden können, die erst später zu<br />

klimaneutralem Stahl führen, etwa<br />

wenn ausreichend grüne Energie<br />

Grüne Leitmärkte sind ein wesentlicher Baustein bei der Transformation der Stahlbranche<br />

hin zu einer CO 2 -reduzierten oder -freien Produktion. Die Grundidee dabei ist, in bestimmten<br />

Marktsegmenten, wie etwa dem öffentlichen Beschaffungswesen oder in gewissen<br />

Industriesektoren, die Nachfrage nach grünem Stahl gezielt regulatorisch anzureizen. Damit<br />

könne sich ein „grünes Premium“ herausbilden, um die Umstellung auf klimafreundliche<br />

Verfahren mit hohen Investitionskosten und anfänglich noch höheren operativen Kosten<br />

wirtschaftlich zu ermöglichen. Staatliche Anschubfinanzierungen könnten so entlastet und<br />

perspektivisch vollständig über eine privatwirtschaftliche Finanzierung am Markt abgelöst<br />

werden. Voraussetzung für die Umsetzung des Konzepts ist eine Definition von grünem Stahl.<br />

Die dafür vorgeschlagene Klassifizierung teilt den hergestellten Stahl in verschiedene<br />

Kategorien von „Prozessambitionen“ und Klimafreundlichkeit. Dafür schlägt die<br />

Stahlindustrie ein fünfstufiges Klassifizierungssystem vor: Die erste Ambitionsstufe D<br />

übertrifft den State-of-the-Art der heutigen Produktionsverfahren, die höchste Stufe A<br />

definiert den nahezu missionsfreien oder klimaneutralen Stahl. Für die Zwischenstufen<br />

sind die Schwellenwerte/Grenzwerte technologieoffen festgelegt und so ambitioniert, dass<br />

es erheblicher Anstrengungen zur CO 2 -Reduktion bedarf, um die nächsthöhere Stufe zu<br />

erreichen. Das prozesstechnische Ambitionsniveau soll für die Stahlkunden um den Product<br />

Carbon Footprint des jeweiligen Endprodukts als zweiten zentralen Baustein einer Label-<br />

Definition von grünem Stahl ergänzt werden.<br />

(Strom, Wasserstoff) zur Verfügung<br />

steht? „Die Klärung dieser Fragen<br />

ist dringlich und wichtig, um die<br />

politischen Weichen stellen zu können<br />

und den Unternehmen Planungssicherheit<br />

für ihre Investitionsentscheidungen<br />

zu geben“,<br />

unterstreicht die WV Stahl.<br />

Erste Eckpunkte für eine Definition<br />

von grünem Stahl hatte die<br />

WV Stahl bereits im Mai 2022 formuliert.<br />

Auf dieser Basis haben die<br />

Stahlunternehmen in Deutschland<br />

jetzt einen Vorschlag für ein<br />

Label-System für klimafreundlichen<br />

Stahl vorgelegt, der über den<br />

CO 2 -Fußabdruck eines spezifischen<br />

Produkts hinaus auch transformative<br />

Schritte der Unternehmen hin<br />

zu Emissionssenkungen berücksichtigt<br />

und in einem Klassifizierungssystem<br />

bewertbar macht. So<br />

könnten weitere notwendige Investitionen<br />

zur Klimaneutralität und<br />

zum Hochlauf von grünem Stahl<br />

gezielt angereizt und flankiert werden,<br />

so die WV Stahl weiter.<br />

Alle Produzenten an Label-<br />

Entwicklung beteiligt<br />

Die Stahlindustrie in Deutschland<br />

möchte mit ihrem Vorschlag den<br />

politisch gewünschten Aufbau von<br />

(Leit-)Märkten für klima freundliche<br />

Produkte in Deutschland und der<br />

18 <strong>Stahlreport</strong> 12|22


INFO Der Vorschlag der Stahlindustrie für ein Label System Grüner Stahl<br />

Embodied<br />

Carbon Total CO 2 e<br />

Emissions :<br />

Method: ISO XXX etc.<br />

Scrap<br />

content<br />

(%)<br />

Klassifizierungssystem Grüne Stahlproduktion<br />

CO 2<br />

Product Carbon Footprint<br />

A<br />

B<br />

C<br />

D<br />

Klassifizierungssystem<br />

Grüne Stahlproduktion<br />

E<br />

Emissionen in kg CO 2 e/ tWalzstahl<br />

(Scope 1, 2, 3.1, 3.3 und 3.4)<br />

E<br />

D<br />

C<br />

B<br />

A<br />

AnteilSchrotteinsatz<br />

INFO Dynamische Steuerung von Leitmärkten mit Hilfe des Klassifizierungssystems Grüne Stahlproduktion<br />

Phase 1: Einstieg (z. B. 2025–2030)<br />

z Freiwillige Kennzeichnungen auf nationaler/EU Ebene, angelehnt<br />

an internationale Initiativen<br />

z Gezielte Anreize für Ambitionslevel C in ausgewählten Leitmarktbranchen<br />

z Selbstverpflichtungen in der öffentlichen Beschaffung<br />

z Industriepolitische Zwischenziele setzen, z. B. 30 % Kategorie C<br />

Stahl am deutschen Stahlmarkt 2030<br />

Phase 2: Ausweitung (z. B. ab 2030)<br />

z Verpflichtende Kennzeichnungssysteme für Leitmärkte<br />

z Mindeststandards für Produkte im Zuge von Ökodesign (z. B. Kategorie<br />

D)<br />

z Gezielte Förderung/Leitmarktinitiativen für z. B. Kategorie B Stahl<br />

z Ambitionierte Vorgaben in der öffentlichen Beschaffung<br />

z (Reziproker) Zugang zu grünen Leitmärkten in Klimaclubs/Handelsabkommen<br />

geregelt<br />

Phase 3: vollständige Diffusion (z. B. 2035–2045)<br />

z Verpflichtende Kennzeichnungssysteme für alle Produkte<br />

z Wachsende Mindeststandards für alle Produkte<br />

z Gezielte Leitmarktinitiativen nur noch für klimaneutralen Stahl<br />

(Kategorie A)<br />

Europäischen Union unterstützen.<br />

Darüber hinaus wolle die Industrie<br />

aber auch zu der internationalen<br />

Diskussion zur Dekarbonisierung<br />

der Grundstoffindustrie beitragen.<br />

Denn Klimaclubs und Klima-Allianzen<br />

können nur dann grüne<br />

Märkte weltweit entwickeln, wenn<br />

diese auf klaren Definitionen aufbauen.<br />

Der Vorschlag der Stahlindustrie<br />

trage dem Rechnung, indem<br />

er an ein von der G-7 anerkanntes<br />

Konzept der Internationalen Energie<br />

Agentur anschließt und dieses<br />

weiterentwickelt. Überdies ist das<br />

Label-System das weltweit erste<br />

Konzept, das von einer Industrie<br />

unter Beteiligung aller Hersteller<br />

entwickelt wurde.<br />

„Die Stahlindustrie in Deutschland<br />

setzt mit ihrem Vorschlag für<br />

ein Label-System für grünen Stahl<br />

ein starkes Signal für die industrielle<br />

Transformation. Damit legen<br />

wir ein Konzept vor, auf dessen<br />

Grundlage konkret diskutiert werden<br />

kann, wie grüne Leitmärkte<br />

geschaffen werden können, die<br />

bereits im Handlungskonzept Stahl<br />

aus dem Jahre 2020 und auch im<br />

Koalitionsvertrag vorgesehen<br />

waren. Wir hoffen, dass die Bundesregierung<br />

diesen Impuls nun<br />

schnell aufgreift, mit allen relevanten<br />

Stakeholdern diskutiert und ihn<br />

auch in die laufenden internationalen<br />

Diskussionen bei der G-7 und<br />

im Rahmen von Klimaclubs einbringt“,<br />

sagte Hans Jürgen Kerkhoff,<br />

Präsident der Wirtschaftsvereinigung<br />

Stahl. 2<br />

Wer sich genauer zum Label-System<br />

für Grüne Stähle interessiert,<br />

findet auf der Seite der WV Stahl www.<br />

stahl-online.de weitere Informationen:<br />

bit.ly/gruener-stahl-praesentation<br />

bit.ly/definition-gruener-stahl<br />

bit.ly/gruener-stahl-hintergrund<br />

[Kontakt]<br />

Wirtschaftsvereinigung<br />

Stahl<br />

Französische Straße 8<br />

10117 Berlin<br />

+49 30 2325546-0<br />

info@stahl-online.de<br />

www.stahl-online.de<br />

<strong>Stahlreport</strong> 12|22<br />

19


Stahlproduktion<br />

Bericht/Nachrichten<br />

Größte Einzelinvestition in den vergangenen 10 Jahren<br />

Neue Feuerverzinkungsanlage vorgestellt<br />

Der Salzgitter-Konzern hat mit dem Projekt „Feuerverzinkung 3“ (FV3) die größte Einzelinvestition der vergangenen<br />

zehn Jahre getätigt. Rund 200 Mio. € sind für die komplexe Großanlage investiert worden, damit baue die<br />

Konzerntochter Salzgitter Flachstahl GmbH (SZFG) ihre Position als führender Anbieter im Premiumsegment aus,<br />

so der Konzern. Projektpartner als Anlagenbauer ist die SMS group aus Düsseldorf.<br />

[Kontakt]<br />

Salzgitter AG<br />

Eisenhüttenstraße 99<br />

38239 Salzgitter<br />

+49 5341 21-01<br />

www.salzgitter-ag.com<br />

Die neue Produktionsanlage<br />

mit 500.000 t Jahreskapazität<br />

ergänzt die beiden bereits vorhandenen<br />

Feuerverzinkungen. Sie ist<br />

ein wesentlicher Baustein der Strategie<br />

des Salzgitter-Konzerns, die<br />

für den Bereich Flachstahl auf qualitatives<br />

Wachstum setzt. „Die neue<br />

Feuerverzinkung ist ein wesentlicher<br />

Baustein für die Zukunftsfähigkeit<br />

des Stahlstandorts Salzgitter<br />

und der dortigen Arbeitsplätze,<br />

weil wir mit dieser Investition<br />

unser schon heute hochwertiges<br />

Produktportfolio weiter ausbauen.<br />

Wir begleiten und unterstützen die<br />

Weiterentwicklung unserer Kunden,<br />

denen wir die nötigen Werkstoffkonzepte<br />

mit dem dazugehörigen<br />

Service anbieten“, sagte Ulrich<br />

Grethe, Mitglied der Konzerngeschäftsleitung<br />

und Vorsitzender der<br />

SZFG-Geschäftsführung.<br />

Die neue Anlage wird feuerverzinkte<br />

Bleche mit Dicken zwischen<br />

0,7 und 2,5 mm bei Breiten zwischen<br />

900 und 1.700 mm erzeugen.<br />

Die zu Coils aufgewickelten Bänder<br />

haben ein Maximalgewicht von<br />

32 t. Feuerverzinkte Bleche liefert<br />

die Salzgitter AG an nationale wie<br />

internationale Kunden vor allem<br />

aus der Automobilindustrie und der<br />

Haushaltswarenbranche. Mit dem<br />

Betrieb der Anlage entstehen 70<br />

neue Arbeitsplätze.<br />

Hochlauf im vollem Gang<br />

Die Betriebsbereitschaft der neuen<br />

Anlage wurde bereits im Oktober<br />

2022 erreicht. Es sollen bald hochund<br />

höchstfeste Stahlgüten für<br />

Anwendungen in Karosserie und<br />

Fahrwerk produziert werden, die<br />

eine wichtige Rolle für den automobilen<br />

Leichtbau und bei der Fahrzeugsicherheit<br />

spielen. Für die<br />

Hausgeräteindustrie finden die<br />

Stahlprodukte Anwendungen unter<br />

Vorstellung der neuen Feuerverzinkung 3: Ulrich Grethe, Vorsitzender der<br />

Geschäftsführung der Salzgitter Flachstahl GmbH, im Gespräch mit den Medien.<br />

anderem in anspruchsvollen Oberflächenbauteilen.<br />

„Schon in der Planungs-<br />

und Bauphase haben wir<br />

uns mit den Kunden eng über die<br />

Werkstoffkonzepte ausgetauscht.<br />

Die Hochlaufphase ist in vollen<br />

Gang und wir sind überzeugt,<br />

schnell die gewünschten Qualitäten<br />

zu liefern“, erläuterte Dr.-Ing.<br />

Michael Brühl, Betriebsdirektor<br />

Kaltflach Salzgitter Flachstahl.<br />

Das Herzstück der neuen Anlage<br />

ist der Glühofen. Im Vergleich zu<br />

den bisherigen Feuerverzinkungen<br />

wird das Material im Glühofen nun<br />

deutlich schneller aufgeheizt und<br />

abgekühlt und es wird eine höhere<br />

Glühtemperatur erreicht. Das sind<br />

genau die Eigenschaften, die die<br />

Produktion von hoch- und höchstfesten<br />

Stahlsorten ermöglichen. Die<br />

Konfiguration der Gesamtanlage<br />

biete zugleich die baulichen und<br />

technischen Voraussetzungen, weitere<br />

innovative Werkstoffkonzepte<br />

zu realisieren, so der Stahlhersteller<br />

weiter.<br />

„Mein Dank geht an die vielen<br />

am Projekt beteiligten Unternehmen<br />

und Mitarbeitenden: Trotz widriger<br />

Umstände aufgrund der Covid<br />

19-Pandemie haben wir unseren<br />

Zeitplan eingehalten“, unterstrich<br />

Dr.-Ing. Michael Brühl. 2<br />

Bild: Salzgitter AG<br />

20 <strong>Stahlreport</strong> 12|22


Vorschlag der Stahlindustrie für Definition von grünem Stahl<br />

Swiss Steel Group begrüßt Label-System<br />

Die Swiss Steel Group begrüßt den<br />

Vorschlag für ein Label-System zur Definition<br />

und Klassifizierung von grünem Stahl,<br />

den die Wirtschaftsvereinigung Stahl als<br />

gemeinsames Arbeitsergebnis der Deutschen<br />

Stahlindustrie vorgelegt hat. Der<br />

Elektrostahlhersteller, der in ganz Europa<br />

wie in Nordamerika vertreten ist, sieht<br />

Potenzial, die vorgeschlagene Definition<br />

von grünem Stahl wie auch das Label-System<br />

international zu übernehmen.<br />

Der jetzt vorgelegte Vorschlag für ein<br />

Label-System für grünen Stahl berücksichtigt<br />

per Definition neben dem reinen<br />

CO 2 -Fußabdruck eines spezifischen Produkts<br />

auch transformative Schritte der<br />

Unternehmen hin zu Emissionssenkungen.<br />

Einer der Vorteile dieses Label-Systems<br />

gegenüber anderen Systemen, wie beispielsweise<br />

dem der Internationalen Energieagentur<br />

(IEA), ist, so Swiss Steel, dass<br />

der Bilanzraum neben dem Stahlwerk auch<br />

das Walzwerk beinhaltet und somit näher<br />

NLMK Europe: EU genehmigt Übernahme<br />

DanSteel-Integration offiziell abgeschlossen<br />

NLMK Belgium Holdings („NBH“) hat<br />

seine Grobblechsparte durch die Integration<br />

der dänischen NLMK Dansteel („Dansteel“)<br />

erweitert. Durch die Übernahme<br />

werde NBH zu einem führenden Anbieter<br />

von hochwertigen Stahlblechprodukten für<br />

das Windenergiesegment in Europa. Das<br />

Unternehmen trage so zu den weltweiten<br />

Bemühungen um eine weniger kohlenstoffintensive<br />

Gesellschaft bei. Nach der Fusionsgenehmigung<br />

der EU im Oktober ist die<br />

Integration von NLMK DanSteel nun formell<br />

abgeschlossen.<br />

NBH betreibt Grobblechwerke in Belgien<br />

und Italien. Durch die Konsolidierung von<br />

DanSteel erweitert sich die Präsenz des<br />

NBH-Geschäftsbereichs Grobblech auf drei<br />

europäische Produktionsstätten. DanSteel<br />

verfügt über einen strategisch günstigen<br />

Hafenstandort in Dänemark und hat sich<br />

durch kontinuierliche Investitionen einen<br />

Namen als Hauptlieferant von Grobblechen<br />

in XXL-Abmessungen gemacht.<br />

NBH ist ein in Belgien ansässiges Joint Venture<br />

zwischen SOGEPA (einem belgischen<br />

am Fertigprodukt ist, was Abnehmern entgegenkommt<br />

ihre aus Stahl eingekauften<br />

Emissionen besser zu verfolgen. Zudem<br />

werden ganzheitlich neben Scope 1 und<br />

2-Emissionen auch Emissionen aus eingekauften<br />

Materialien (Scope 3.1), Upstream-Emissionen<br />

von eingesetzten Energien<br />

(Scope 3.3) und Emissionen von eingehendem<br />

Transport (Scope 3.4) berücksichtigt.<br />

Entscheidend ist, dass der jetzige Vorschlag<br />

im Gegensatz zu anderen Systemen<br />

klar definiert, für welche zwei Stahlgüten er<br />

gilt: C22 für die Hochofenroute und C45 für<br />

die Elektrostahlroute, so Swiss Steel weiter.<br />

„Die Swiss Steel Group, als europäischer<br />

Marktführer für Grünen Stahl, schließt sich<br />

dem Gedanken des Regelwerks an und<br />

sieht darin ein starkes Signal für die weitere<br />

Dekarbonisierung der Industrie“, sagte<br />

Frank Koch, CEO der Swiss Steel Group.<br />

https://swisssteel-group.com<br />

Investmentfonds im Besitz der Region<br />

Wallonien) und der NLMK-Gruppe, das<br />

Unternehmen mit Produktions-, Vertriebsund<br />

Servicezentren für Stahl in ganz Europa<br />

umfasst. Mit der Übernahme von DanSteel<br />

bietet NBH ein umfangreiches Produktportfolio<br />

an Grobblechen in Europa und weltweit<br />

für Kunden aus den Bereichen Schiffbau,<br />

Bauwesen, gelbe Waren, Bergbau,<br />

Hebezeuge, Transport und Windenergie.<br />

https://eu.nlmk.com<br />

Bild: NLMK DanSteel<br />

Tata Steel Nederland wird Ford of Europe mit<br />

grünem Stahl der Marke Zeremis beliefern.<br />

Tata Steel und Ford unterzeichnen<br />

Absichtserklärung<br />

Ford will grünen Stahl<br />

Tata Steel Nederland hat im Oktober<br />

eine Absichtserklärung mit Ford of<br />

Europe unterzeichnet, um den Automobilhersteller<br />

mit grünem Stahl der Marke<br />

Zeremis zu beliefern. Dies soll geschehen,<br />

sobald das Stahlwerk im niederländischen<br />

IJmuiden auf grüne, wasserstoffbasierte<br />

Stahlerzeugung umgestellt wurde.<br />

Für Ford ist die zukünftige Versorgung<br />

mit umweltfreundlich hergestelltem Stahl<br />

von entscheidender Bedeutung, um sein<br />

Ziel zu erreichen bis 2035 CO 2 -neutral zu<br />

sein. Mit der Absichtserklärung wird Ford<br />

zum ersten Kunden von Tata Steel, der<br />

sich dazu verpflichtet grünen Stahl zu<br />

kaufen, den das Unternehmen in den Niederlanden<br />

mit Hilfe der Wasserstoffroute<br />

produzieren will. Diese Methode ist deutlich<br />

nachhaltiger und sauberer als die<br />

derzeitige Hochofenroute.<br />

Ford strebt an, bereits in seinem neuen,<br />

vollelektrischen, mittelgroßen Crossover-Modell<br />

CO 2 -armen Stahl zu verwenden.<br />

Die Produktion des Autos in Europa<br />

läuft im Jahr 2023 an, unter anderem<br />

in Köln. Aus diesem Grund beabsichtigt<br />

das Unternehmen, ab nächstem Jahr<br />

die Möglichkeit zu prüfen, weitere grüne<br />

Stahlprodukte zu verwenden. Dazu<br />

gehört zum Beispiel der kürzlich von Tata<br />

Steel eingeführte Zeremis Carbon Lite,<br />

der eine Reduzierung der Kohlendioxidbilanz<br />

um bis zu 100 % verspricht. Die<br />

geringere CO 2 -Belastung basiert auf den<br />

CO 2 -Einsparungen, die Tata Steel Nederland<br />

erzielt und die von der unabhängigen<br />

Zertifizierungsstelle DNV bescheinigt<br />

werden.<br />

www.tatasteeleurope.com<br />

Bild: Tata Steel Europe<br />

<strong>Stahlreport</strong> 12|22<br />

21


Stahlproduktion<br />

XXXXX Bericht A XXXXX<br />

Die neue Entladeanlage bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt<br />

ArcelorMittal und DB Cargo: klimaneutrale Werksversorgung in Betrieb genommen<br />

Millionen-Investitionen<br />

am Standort Eisenhüttenstadt<br />

Auf dem Weg zur CO 2 -freien Stahlherstellung hat die DB Cargo AG mit dem weltweit größten Stahl- und Bergbaukonzern<br />

ArcelorMittal einen deutlichen Schritt hin zu grüner Logistik gemacht. Dank hochmoderner teilautomatisierter<br />

Entladeanlagen im Stahlwerk Eisenhüttenstadt (Brandenburg) wird damit die Umwelt noch besser vor Feinstaub und<br />

Emissionen geschützt. Zugleich sorgen leichtere Wagen und Spezialcontainer für eine effizientere Auslastung der<br />

Güterzüge.<br />

Gemeinsam mit dem Bundesverkehrsminister<br />

Dr. Volker Wissing<br />

und Staatssekretär Hendrik Fischer<br />

von der Landesregierung Brandenburg<br />

haben Dr. Sigrid Nikutta,<br />

DB-Vorstand Güterverkehr und Reiner<br />

Blaschek, CEO ArcelorMittal<br />

Germany, das neue Logistiksystem<br />

im Oktober vorgestellt.<br />

„Um unsere Emissionsziele zu<br />

erreichen, muss die Industrie ihre<br />

gesamten Abläufe klimaneutral<br />

organisieren. Dabei ist klar: ohne<br />

umweltfreundliche Transporte und<br />

eine starke Schiene keine klimaneutrale<br />

Industrie. Gerade den Produzenten<br />

von so energieintensiven<br />

Grundstoffen wie Stahl kommt dabei<br />

eine besondere Rolle zu, denn diese<br />

werden für sehr viele Alltagsprodukte<br />

benötigt. Es ist absolut notwendig,<br />

dass Unternehmen trotz der<br />

INFO Über DB Cargo<br />

Energiekrise ihre Umbaupläne für<br />

saubere Produktionsprozesse weiter<br />

vorantreiben. Wir tun von politischer<br />

Seite alles, um diesen Weg zu<br />

unterstützen“, sagte Dr. Volker Wis-<br />

Die DB Cargo AG ist die Konzernsparte für den Güterverkehr der<br />

Deutschen Bahn und die führende Güterbahn Europas. Mehr als<br />

30.000 Mitarbeitende bringen rund 20.000 Züge pro Woche durch<br />

18 Länder in Europa. Die jährliche Betriebsleistung ersetzt damit bis<br />

zu 22 Mio. Lkw-Fahrten. So spart DB Cargo mit seinen Güterzügen<br />

der Umwelt 7 Mio. t CO 2 . DB Cargo verfügt europaweit über 4.200<br />

Kundenanschlüsse. Mit etwa 78.000 Güterwagen und 2.700 Loks<br />

besitzt DB Cargo eigenen Angaben zufolge den größten Fuhrpark auf<br />

der Schiene in Europa.<br />

22 <strong>Stahlreport</strong> 12|22


Bilder: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben<br />

Sie geben das Signal für die Entladung (v.l.n.r.): Vorstand Dr. Sigrid Nikutta von<br />

DB Cargo, Bundesverkehrsminister Volker Wissing, Brandenburgs Staatssekretär<br />

Hendrik Fischer, CEO Reiner Blaschek von ArcelorMittal Germany<br />

sing, Bundesminister für Verkehr<br />

und digitale Infrastruktur.<br />

Rohstoffe werden nahezu ohne<br />

Staubentwicklung transportiert<br />

Innovative Güterwagen, leichte,<br />

abnehmbare Behälter sowie große<br />

Entladeterminals mit Absaugeinrichtungen<br />

–sie verändern das<br />

Betriebsklima in Eisenhüttenstadt<br />

buchstäblich. Die Einsatzstoffe der<br />

Stahlproduktion wie Erz, Koks und<br />

Kalkstein können dank der neuen<br />

Technik und des neuen Konzepts<br />

nun nahezu ohne Staubentwicklung<br />

umgeschlagen werden. In Zukunft<br />

soll auch „grüner Eisenschwamm“,<br />

Vorprodukt für klimaneutrale Stahlherstellung,<br />

auf diesem Weg transportiert<br />

werden. Doch schon heute<br />

können mehr als 90 % der im ArcelorMittal-Werk<br />

Eisenhüttenstadt<br />

benötigten Rohstoffe auf solche klimafreundliche<br />

Weise angeliefert<br />

werden. Für den größten ostdeutschen<br />

Hochofen-Standort bedeutet<br />

das mehr Effizienz und Umweltverträglichkeit.<br />

Durch die Automatisierung des<br />

Entladevorgangs werden Emissionen<br />

bereits heute reduziert. Für die<br />

moderne Bahnlogistik hat DB Cargo<br />

in multifunktionale Doppelwagen<br />

und Spezialcontainer des österreichischen<br />

Herstellers Innofreight<br />

investiert, der auch die Entladeanlage<br />

konzipiert hat. Das neue Equipment<br />

optimiert das Ladevolumen<br />

und steigert die Zuladung pro Zug<br />

um bis zu 20 %. Bei gleicher Transportmenge<br />

müssen weniger Güterzüge<br />

fahren. Nebeneffekt: Die Rohstoffversorgung<br />

funktioniert<br />

schneller, der Rangieraufwand vor<br />

Ort sinkt.<br />

Weitere Investitionen geplant<br />

Die Versorgung der Werke und die<br />

Lieferkette sind gerade bei Stahl ein<br />

wesentlicher Bestandteil der Klimabilanz.<br />

ArcelorMittal plant daher<br />

weitere Investitionen in Eisenhüttenstadt:<br />

So sollen zwei Elektrolichtbogenöfen<br />

entstehen, die Rohstahl<br />

auf Basis von Recyclingschrott und<br />

Eisenschwamm erzeugen, der mit<br />

grünem Wasserstoff hergestellt<br />

wurde. Der Eisenschwamm soll<br />

zunächst von einer bei ArcelorMittal<br />

in Bremen geplanten Anlage per<br />

Bahn nach Eisenhüttenstadt zu den<br />

Entladeanlagen transportiert werden.<br />

Die Investition in die neue Entladestation<br />

lobte Hendrik Fischer,<br />

Staatssekretär Ministerium für<br />

Wirtschaft, Arbeit und Energie des<br />

Landes Brandenburg, als einen<br />

wichtigen Schritt in Richtung einer<br />

grünen Stahlproduktion am Standort<br />

in Eisenhüttenstadt. Dafür schaffe<br />

der nachhaltige Rohstofftransport<br />

die Basis. Die Stahlproduktion in<br />

Eisenhüttenstadt sichert derzeit<br />

2.700 qualifizierte Arbeitsplätze,<br />

der Stahlstandort Eisenhüttenstadt<br />

will bis 2045 klimaneutral werden.<br />

„Die neuen Entladeanlagen sind<br />

ein handfester Beweis dafür, dass<br />

diese Investitionen gut angelegtes<br />

Geld für die Zukunft sind. Sie<br />

beschleunigen den Umbau unserer<br />

Stahlherstellung zur klimaneutralen<br />

Produktion und machen uns auf<br />

Dauer unabhängig von fossilen<br />

Energieträgern. Mit unserem Transformationsplan<br />

können wir bis 2030<br />

mehr als 3,5 Mio. t CO 2 pro Jahr in<br />

Eisenhüttenstadt einsparen“, so Reiner<br />

Blaschek, CEO ArcelorMittal<br />

Germany . 2<br />

INFO Zahlen, Daten, Fakten<br />

[Kontakt]<br />

ArcelorMittal<br />

Eisenhüttenstadt GmbH<br />

Werkstraße 1<br />

15890 Eisenhüttenstadt<br />

+49 3364 37-0<br />

info@arcelormittalehst.com<br />

http://eisenhuettenstadt.<br />

arcelormittal.com<br />

Bahnlogistik-Konzept zur Rohstoff-Versorgung<br />

durch DB Cargo<br />

z 18 Rundläufe ab Hamburg<br />

z 3 Rundläufe aus Polen pro Woche<br />

z Ladegut: Erz, Koks, Kalkstein<br />

Versand von Fertigprodukten aus dem Werk<br />

Eisenhüttenstadt<br />

z rund 700.000 t Flachstahlerzeugnisse/Coils pro<br />

Jahr<br />

z rund 80 % CO 2 -Ersparnis gegenüber vergleichbarem<br />

Straßentransport<br />

z bei Empfängern in D, NL (Seehäfen) und AT:<br />

Lieferkette 100 % klimaneutral, da Einsatz von<br />

Grünstrom für Traktionsleistung möglich<br />

<strong>Stahlreport</strong> 12|22<br />

23


Stahlproduktion<br />

Nachrichten<br />

Saarstahl prämiert<br />

Iron Ore Company of Canada<br />

Eisenerz-Lieferant<br />

ausgezeichnet<br />

Bild: SMS group<br />

KI-basiertes X-Pact Vision Integrated Operating Center bei Daye Special Steel,<br />

China<br />

SMS group entwickelt zentrale Bedienerüberwachung<br />

Erste KI-basierte Steuerung für Rohrwalzwerk<br />

SMS group hat das erste X-Pact ® IOC<br />

(Integrated Operating Center) fertiggestellt<br />

–ein zentraler Überwachungsraum für das<br />

gesamte 460-mm-Rohrwalzwerk bei Daye<br />

Special Steel, Provinz Hubei, China. Mit<br />

dem Projekt sei der SMS group ein Durchbruch<br />

gelungen, so das Unternehmen mit<br />

Hauptsitz in Düsseldorf. Dabei bilden Kameras<br />

entlang der Produktionslinie die Grundlage<br />

für eine zentrale Bedienerüberwachung,<br />

sodass keinerlei Bedienereingriffe<br />

direkt an der Anlage unter den rauen Umgebungsbedingungen<br />

der Hüttenindustrie<br />

erforderlich sind.<br />

Mit Hilfe einer KI-Videoanalyse reagiert das<br />

Automationssystem auf ungewöhnliche Produktionssituationen.<br />

Der Automatisierungsgrad<br />

der Produktionslinie wurde verbessert<br />

und mit Hilfe von KI-Technologie ein bahnbrechender<br />

Erfolg in der intelligenten Fertigung<br />

mit zentraler Fernsteuerung erzielt, so<br />

die SMS group. Daye ist somit in der Lage,<br />

die Produktion des Rohrwalzwerks von<br />

einem Steuerstand aus zu optimieren.<br />

Weltweit steige die Nachfrage nach intelligenten<br />

Fabriken, das Integrated Operating<br />

Center sei ein Schlüsselelement dazu. Von<br />

der Eisenerzeugung bis hin zum Fertigprodukt<br />

kann ein ganzer Werkskomplex, ob<br />

Greenfield-Projekt oder Bestandsanlage, in<br />

einem zentralen Bedienzentrum integriert<br />

werden. Das IOC stellt die gesamte operative<br />

Exzellenz des Produktionskomplexes<br />

dar und erleichtert das Anlagen- und Logistikmanagement,<br />

indem es Informationen<br />

bündelt und dadurch den erforderlichen<br />

Personalaufwand erheblich reduziert.<br />

Nach der Implementierung des Integrated<br />

Operating Center kann das 460-mm-Rohrwalzwerk<br />

bei Daye Special Steel mit dem<br />

höchstmöglichen Automatisierungsgrad<br />

betrieben werden. In der gesamten Walzstraße<br />

wurden diskrete Steuerungselemente von<br />

insgesamt 550 auf nur 50 reduziert. Heute<br />

genügen sechs statt früher 15 Bediener für<br />

den Betrieb der gesamten Walzstraße.<br />

www.sms-group.com<br />

Rostfrei-Hersteller Outokumpu<br />

Erster CO 2 -Footprint auf Basis kontinuierlicher Produktionsdaten<br />

Kunden des finnischen Stahlproduzenten Outokumpu können die Kohlenstoff-<br />

Emissionen der georderten Erzeugnisse anhand des CO 2 -Footprints nachvollziehen, den<br />

der Stahlhersteller mitgibt. Mit diesem Angebot sei man bislang der einzige Rostfrei-<br />

Produzent, der ein solches CO 2 -Profil auf Grundlage kontinuierlicher Produktionsdaten<br />

basiert. Dies werde sowohl Kunden bei ihren Zielen zur Emissionsreduzierung helfen als<br />

auch die langfristigen Klimaziele und die Nachhaltigkeitsstrategie von Outokumpu<br />

unterstützen, so der Konzern.<br />

Für den Bereich Eisenerz haben<br />

die Rogesa Roheisengesellschaft Saar<br />

mbH und die Zentralkokerei Saar GmbH<br />

(ZKS) die IOC Iron Ore Company of Canada<br />

als Top-Lieferanten des Jahres 2021<br />

ausgezeichnet. Das kanadische Unternehmen<br />

erhält damit bereits zum zweiten<br />

Mal in Folge die Auszeichnung Top-Lieferant.<br />

Die Rogesa und die Zentralkokerei hatten<br />

2019 im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsstrategie<br />

ein Lieferantenmanagementsystem<br />

eingeführt. Seither werden anhand<br />

festgelegter Nachhaltigkeits- und Qualitätskriterien<br />

Top-Lieferanten ausgezeichnet,<br />

die Bedingungen wie Produktqualität,<br />

Mengen- und Termintreue, Flexibilität in<br />

Bezug auf sich ändernde Rahmenbedingungen,<br />

gewährte technische Unterstützung<br />

und Nachhaltigkeit erfüllen müssen.<br />

www.saarstahl.com<br />

Dillinger<br />

Neue Organisation stärkt<br />

Vertrieb<br />

Seit September setzt Dillinger auf<br />

eine geänderte Vertriebsorganisation. Mit<br />

einem Fokus auf einfachere Strukturen<br />

wurde der Vertrieb gestrafft, so der Konzern.<br />

Oberste r Priorität bleibe dabei die<br />

Orientierung an Kundenbedürfnissen und<br />

Marktentwicklungen. Im Bereich Sales –<br />

der seit September 2021 gesamtheitlich<br />

von Danny van der Hout als General<br />

Manager verantwortet wird – gibt es nun<br />

vier Sales Departments, die zusammen<br />

mit den lokalen Vertriebskollegen weltweit<br />

die Vertriebsaufgaben für ihre Kundenbranchen<br />

steuern.<br />

Parallel dazu wurde im Bereich Marketing<br />

& Technical Support eine vergleichbare<br />

Struktur gebildet. So wird die gemeinsame<br />

Kundenbetreuung im Team aus Sales<br />

und Marketing fortgeführt. Der Bereich<br />

Marketing & Technical Support wird seit<br />

dem 1. September 2022 von Dr. Wolfram<br />

Hölbling geleitet, nachdem er das Team<br />

bereits seit dem 1. Januar kommissarisch<br />

verantwortete.<br />

24 <strong>Stahlreport</strong> 12|22


SMS group und Tata Steel<br />

Absichtserklärung zur Dekarbonisierung integrierter Stahlwerke<br />

Tata Steel, einer der weltweit führenden Stahlhersteller, hat<br />

gemeinsam mit der SMS group eine Absichtserklärung zur Reduzierung<br />

der CO 2 -Emissionen seiner integrierten Hüttenwerke in ganz<br />

Indien unterzeichnet. Die SMS group wird hierbei ihr technologisches<br />

Know-how bei der Planung, Lieferung und Inbetriebnahme von<br />

Anlagen mit deutlich reduzierten CO 2 -Emissionen einbringen.<br />

„Unsere Unternehmen haben das gemeinsame Ziel, die CO 2 -Emissionen<br />

aus der Eisen- und Stahlherstellung zu reduzieren, da die Branche<br />

aktuell nicht nur der Schlüssel zum wirtschaftlichen Wohlstand<br />

ist, sondern gleichzeitig auch einer der größten CO 2 -Emittenten.<br />

Wir sind daher sehr stolz auf unsere Zusammenarbeit mit Tata Steel<br />

und unser Commitment, das Unternehmen in der Umsetzung seiner<br />

Dekarbonisierungsstrategie zu unterstützen. Dies ist ein wichtiger<br />

Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels und kommt gleichzeitig<br />

der indischen Wirtschaft insgesamt sowie insbesondere den Menschen<br />

im Umfeld der Stahlwerke zugute“, sagte Burkhard Dahmen,<br />

CEO und Vorstandsvorsitzender der SMS group.<br />

www.sms-group.com<br />

Rohstahlproduktion<br />

weltweit<br />

Die weltweite Rohstahlproduktion der 64<br />

Länder, die dem Weltstahlverband (worldsteel)<br />

Bericht erstatten, lag im Oktober 2022<br />

bei 147,3 Mio. t, was einer Veränderung von<br />

0,0 % gegenüber Oktober 2021 entspricht.<br />

Aufgrund der anhaltenden Schwierigkeiten,<br />

die die COVID-19-Pandemie mit sich bringt,<br />

sind viele dieser Zahlen des Monats Schätzungen,<br />

die mit der Produktionsaktualisierung<br />

des nächsten Monats revidiert werden<br />

können.<br />

Rohstahlproduktion weltweit Oktober 2022<br />

China 79,8 t 11,0 %<br />

Indien 10,5 t 2,7 %<br />

Japan 7,3 t -10,6 %<br />

USA 6,7 t -8,9 %<br />

Russland 5,8 t -11,5 %<br />

Südkorea 5,1 t -12,1 %<br />

Deutschland 3,1 t -14,4 %<br />

Türkei 2,9 t -17,8 %<br />

Brasilien 2,8 t -14,5 %<br />

Iran 2,9 t 3,5 %<br />

Quelle: worldsteel<br />

Oktober 2022 in Mio. t<br />

Veränderung zum Vorjahresmonat in Prozent<br />

Rohstahlproduktion<br />

in Deutschland<br />

Die Rohstahlerzeugung in Deutschland ist<br />

im Oktober 2022, wie bereits im Vormonat,<br />

mit zweistelliger Rate gesunken. Im<br />

Berichtsmonat wurden mit rund 3,1 Mio. t<br />

14,4 % weniger Rohstahl hergestellt als im<br />

Vorjahresmonat. Im bisherigen Jahresverlauf<br />

ergibt sich ein Rückgang der gesamten<br />

Rohstahlerzeugung von knapp 7 %. Deutliche<br />

Bremsspuren zeigen sich sowohl bei<br />

der Primär-, als auch bei der Sekundärstahlproduktion.<br />

Rohstahlproduktion in Oktober Oktober 2022<br />

Rohstahl gesamt 3.142 -14,4 %<br />

Oxygenstahl 2.123 -16,3 %<br />

Elektrostahl 1.019 -10,1 %<br />

Roheisen 1.826 -20,4 %<br />

Warmgewalzte Stahlerzeugnisse 2.646 -13,2 %<br />

Oktober 2022 in Mio. t Veränderung zum Vorjahresmonat in Prozent<br />

Quelle: WV Stahl<br />

Produktion nichtrostender<br />

Stähle gefallen<br />

Die World Stainless Association hat die<br />

Zahlen für das erste Halbjahr 2022 veröffentlicht,<br />

aus denen hervorgeht, dass die<br />

Schmelzbetriebsproduktion von Edelstahl<br />

um 3,5 % gegenüber dem Vorjahr auf 29,0<br />

Mio. t gesunken ist.<br />

Produktion von Edelstahl in 1.000 t im 1. Halbjahr 2022<br />

Europa 3.627 -5,2<br />

USA 1.089 -14,7<br />

China 17.262 -5,3<br />

Asien ohne China und Korea 3.725 3,1<br />

Andere 4.083 3,3<br />

Gesamt 28.995 -3,5<br />

1. Halbjahr 2022 in Tsd. t Veränderung zum Vorjahreszeitraum in Prozent<br />

Quelle: worldstainless<br />

<strong>Stahlreport</strong> 12|22<br />

25


Stahlverarbeitung<br />

Bericht/Nachricht<br />

Die Sonderwerkzeuge von Müller Präzisionswerkzeuge<br />

haben eine besonders<br />

hohe Standzeit. Dies liegt vor allem<br />

daran, dass sie optimal auf die Bedingungen<br />

vor Ort angepasst werden.<br />

Bild: Müller Präzisionswerkzeuge<br />

Die Experten bei Müller machen aus alten Werkzeugen neue Werkzeuge und reduzieren so den Materialbedarf.<br />

Edscha spart durch Werkzeugrecycling Emissionen ein<br />

Aus alt wird neues Werkzeug<br />

Der Automobilzulieferer Edscha mit Sitz in Remscheid ist Weltmarktführer bei Türscharnieren und Türfeststellern. Für die<br />

Produktion der Teile ist höchste Präzision gefragt. Dabei setzt Edscha seit Längerem auf die bewährten Sonderwerkzeuge<br />

der K.-H. Müller Präzisionswerkzeuge GmbH aus dem rheinland-pfälzischen Sien. Müller liefert Edscha dabei nicht<br />

nur Neuwerkzeuge, sondern verlängert auch die Lebenszeit der Werkzeuge durch Aufbereitung und anschließendes<br />

Recycling. Aus Werkzeugen, die sich nicht mehr aufbereiten lassen, entstehen gänzlich neue. Dadurch spart Edscha<br />

jährlich bis zu 14 t CO 2 ein.<br />

Die Edscha GmbH aus Remscheid ist ein echtes<br />

Traditionsunternehmen in der deutschen Industrie.<br />

Seit 1870 unterstützt Edscha die Mobilität durch hochwertige<br />

Scharniere: anfangs für Pferdekutschen, von<br />

1913 bis heute für die Automobilindustrie. Mittlerweile<br />

ist das Unternehmen Weltmarktführer bei Türscharnieren<br />

und Türfeststellern. Edscha produziert europaweit<br />

an neun Standorten, drei davon in Deutschland.<br />

Um aus Baustahl-Rohlingen mit höchster Präzision<br />

Scharniere zu fertigen, setzt Edscha, unter anderem<br />

im Werk im bayerischen Hengersberg, seit Längerem<br />

auf die Sonderwerkzeuge der K.-H. Müller Präzisionswerkzeuge<br />

GmbH aus dem rheinland-pfälzischen Sien.<br />

Präzision und Effizienz in der Produktion<br />

Die Sonderwerkzeuge von Müller Präzisionswerkzeuge<br />

weisen eine besonders hohe Standzeit auf – ein<br />

wichtiger Faktor für alle Branchen, in denen eine Zerspanung<br />

stattfindet. Denn ein häufiger Austausch<br />

wegen Verschleiß schmälert die Effizienz der Bearbeitungsprozesse.<br />

Um eine exzellente Standzeit zu erreichen,<br />

passt Müller seine Werkzeuge an die individuellen<br />

Anforderungen und Bedingungen bei seinen<br />

Kunden an. Der Werkzeugspezialist analysiert genau,<br />

welches Material wie bearbeitet werden soll und entwickelt<br />

zusammen mit dem Kunden die beste Lösung.<br />

Auch durch spezielle Beschichtungen, die Müller<br />

zusammen mit Partnern entwickelt, lassen sich die<br />

Standzeiten im Vergleich zu Standardbeschichtungen<br />

sogar verdoppeln. Doch auch das beständigste Werkzeug<br />

erreicht irgendwann das Ende der Standzeit. Ist<br />

es so weit, werden die Müller-Werkzeuge nachgeschliffen<br />

und können weiter eingesetzt werden. Dies geht<br />

allerdings nicht endlos, irgendwann lässt sich das<br />

Werkzeug aufgrund der Geometrie nicht mehr aufbereiten.<br />

Normalerweise ist damit das Ende des Werkzeuglebens<br />

erreicht und es muss ein neues angeschafft werden.<br />

Da die Werkzeuge meist aus Vollhartmetall bestehen,<br />

entstehen bei ihrer Herstellung CO 2 -Emissionen.<br />

Besonders in der Automobilindustrie ist die Reduktion<br />

von CO 2 -Emissionen entlang der gesamten Lieferkette<br />

eine wichtige und große Herausforderung. Deshalb hat<br />

Müller gemeinsam mit Edscha ein neues Verfahren<br />

entwickelt, um Werkzeuge zu recyceln und dadurch<br />

die CO 2 -Emissionen durch den Wegfall von neuem Hart-<br />

26 <strong>Stahlreport</strong> 12|22


metall um bis zu 14 t pro Jahr zu<br />

reduzieren.<br />

Neues Werkzeug aus<br />

altem Hartmetall<br />

„Wir bei Müller verstehen uns nicht<br />

nur als Werkzeughersteller, sondern<br />

vor allem auch als Partner für<br />

unsere Kunden“, erklärt Matthias<br />

Klinke, Außendienstmitarbeiter für<br />

Bayern bei Müller. „Wir unterstützen<br />

unsere Kunden regelmäßig<br />

dabei, Prozesse zu optimieren.<br />

Dabei entstand die Idee, Werkzeuge,<br />

die nicht mehr nachgeschliffen<br />

werden können, zu recyceln“. So<br />

entsteht ein völlig neuer<br />

Lebens-Kreislauf und das Hartmetall<br />

wird deutlich nachhaltiger eingesetzt<br />

als zuvor. „Alleine durch<br />

das Wiederaufbereiten der Werkzeuge<br />

wird einiges an Material und<br />

Ressourcen gespart“, berichtet<br />

Klinke.<br />

Der Ablauf unterscheidet sich<br />

dabei nur in einem entscheidenden<br />

Punkt von der Neuproduktion: Das<br />

neue Werkzeug entsteht aus einem<br />

alten. Wenn ein Werkzeug nicht<br />

mehr nachgeschliffen werden kann,<br />

schickt es Edscha an Müller und<br />

bestellt eine Alternative. Die Experten<br />

bei Müller kappen den verschlissenen<br />

Schneidenteil ab,<br />

schleifen den unverbrauchten Teil<br />

rund und arbeiten die neue Geometrie<br />

ein.<br />

Anschließend wird beschichtet<br />

– und fertig ist das neue Werkzeug<br />

aus altem Hartmetall! „Unsere recycelten<br />

Werkzeuge haben die gleiche<br />

hohe Standzeit wie die Neuwerkzeuge.<br />

Sie können auch genauso<br />

nachgeschliffen werden. Dem<br />

Anwender entsteht dadurch also<br />

kein Nachteil, sondern er hat die<br />

exakt selbe Qualität wie bei einem<br />

Neuwerkzeug“, bestätigt Klinke.<br />

Laut Berechnung basierend auf<br />

Durchschnittswerten, die die<br />

CO 2 -Emissionen bei der Produktion<br />

von Hartmetall angeben, können so<br />

14 t CO 2 jährlich eingespart werden.<br />

„Dieser Wert variiert natürlich je<br />

nach Werkzeugvolumen: Je mehr<br />

Werkzeuge, umso mehr kann der<br />

Wert gesteigert werden“, erklärt<br />

Klinke.<br />

Wider die Metallverschwendung<br />

Durch das Verfahren wird die Materialverschwendung<br />

an Hartmetall<br />

stark reduziert. Je nach Größe des<br />

Ausgangswerkzeugs können so mit<br />

der Zeit mehrere neue Werkzeuge<br />

entstehen. „Durch das Abkappen<br />

des Schneidenteils schwindet die<br />

Gesamtlänge. Irgendwann ist es zu<br />

klein, um daraus ein neues Werkzeug<br />

zu schaffen.<br />

Erst dann ist das Ende des<br />

Lebenszyklus erreicht“, berichtet<br />

Klinke. Auf dem Weg dahin wird<br />

das Maximum aus dem Material<br />

herausgeholt, ohne Qualitäts- oder<br />

Standzeitverlust. „Prinzipiell können<br />

wir Werkzeuge aller Hersteller<br />

recyceln. Bei unseren eigenen<br />

haben wir den Vorteil, dass wir das<br />

Substrat genau kennen, das ist bei<br />

Dritt-Werkzeugen nicht immer der<br />

Fall. Allerdings finden wir immer<br />

eine gute Lösung für den Kunden“,<br />

erklärt Klinke. 2<br />

[Kontakt]<br />

K.-H. Müller<br />

Präzisionswerkzeuge<br />

GmbH<br />

Fürst-Dominik Straße 44<br />

55758 Sien<br />

+49 6788 9798-0<br />

www.mueller-sien.de<br />

Fritz Stepper GmbH & Co. KG<br />

Exzellenter Werkzeugbau<br />

Schon im Jahr 2019 überzeugte Fritz<br />

Stepper die Jury des Wettbewerbs „Excellence<br />

in Production“ mit exzellenten Kennzahlen<br />

und Technologieführerschaft bei hochpräzisen<br />

Folgeverbundwerkzeugen. Nun konnte<br />

das Werkzeugbau-Unternehmen aus Pforzheim<br />

bei dem jährlich vom Werkzeugmaschinenlabor<br />

WZL der RWTH Aachen sowie dem<br />

Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie<br />

IPT veranstalteten Wettbewerb: Fritz<br />

Stepper setzte sich unter 262 Unternehmen<br />

durch, aus denen in vier Kategorien insgesamt<br />

elf Finalisten hervorgingen.<br />

Der Werkzeugbau der Fritz Stepper GmbH<br />

& Co. KG verfügt über einen Maschinenpark<br />

höchster Qualität und nutzt innovative Technologien,<br />

die das Unternehmen proaktiv<br />

in Kooperation mit führenden Werkzeugmaschinen-<br />

und Anlagenherstellern weiterentwickelt.<br />

Die verwendeten Maschinen<br />

und Anlagen verfügen über einen hohen<br />

Automatisierungsgrad in sämtlichen Fertigungstechnologien<br />

und ein sehr geringes<br />

Durchschnittsalter. Zudem entwickelt der<br />

Die Fritz Stepper GmbH & Co. KG ist der Gesamtsieger des Wettbewerbs „Excellence in Production“<br />

und damit „Werkzeugbau des Jahres 2022“ (v.l.n.r. Raimund Ochs, Michael Stepper, Bernd Rexroth,<br />

Daniel Ast (alle Fritz Stepper GmbH & Co. KG)).<br />

Werkzeugbau konsequent Industrie-4.0-Anwendungen.<br />

Auch auf organisatorischer<br />

Ebene hat das Unternehmen die Jury überzeugt:<br />

Die effiziente Planung durch den Einsatz<br />

standardisierter Arbeitspläne im eigens<br />

entwickelten ERP-System gewährleistet die<br />

automatisierte Einplanung von Aufträgen.<br />

Das Unternehmen Fritz Stepper fokussiert<br />

sich auf hochpräzise Folgeverbundwerkzeuge<br />

für Elektronikkomponenten für die<br />

Automobil- und Elektroindustrie. Mit 103<br />

Mitarbeitenden und 35 Auszubildenden verfügt<br />

das Unternehmen über eine sehr hohe<br />

Auzubildendenquote.<br />

https://www.ipt.fraunhofer.de<br />

Bild: Vincent Sima © WBA Aachener Werkzeugbau Akademie GmbH<br />

<strong>Stahlreport</strong> 12|22<br />

27


Stahlverarbeitung<br />

Bericht<br />

Bild: Lochbleche Schäfer/Fendt<br />

Charakteristischer Kühlergrill der Baureihe der Spezialtraktoren Fendt 200 V/F/P Vario einbaufertig geliefert von Schäfer Lochbleche.<br />

Schäfer Lochbleche liefert charakteristische Kühlergrills<br />

Frischluft für Traktoren<br />

Zusammen mit dem Landtechnikhersteller Fendt konstruiert Schäfer Lochbleche seit 2017 die charakteristischen<br />

Lüftungsgitter der Motorhauben für Modelle der Fendt Vario Traktoren, zuletzt für die Baureihe der Spezialtraktoren<br />

Fendt 200 V/F/P Vario.<br />

[Kontakt]<br />

Schäfer Lochbleche<br />

GmbH & Co. KG<br />

Pfannenbergstraße 1<br />

57290 Neunkirchen<br />

+49 2735 787-05<br />

info@schaeferlochbleche.de<br />

www.schaeferlochbleche.de<br />

Die aus Lochblech gefertigten<br />

Kühlergrills bilden den Blickfang<br />

an der Frontpartie der Motorhauben,<br />

versorgen den Motor mit<br />

Luft und schützen diesen sowie<br />

dessen Anbauteile vor unerwünschten<br />

Einwirkungen von<br />

außen. Die Lüftungsgitter werden<br />

im nordrhein-westfälischen Neunkirchen<br />

gefertigt und einbaufertig<br />

Just-In-Time in das Fendt Kabinenwerk<br />

nach Asbach-Bäumenheim<br />

geliefert.<br />

Ganz allgemein gehört die<br />

Frontpartie zu den primären Sichtflächen<br />

von Fahrzeugen. Das gilt<br />

auch für Traktoren. Durch sogenannte<br />

Sicken, den versteifenden<br />

und formgebenden Streifen einer<br />

Motorhaube, wird die in den Motorraum<br />

eindringende Luft geführt.<br />

Beim Fendt 200 Vario sind Funktion<br />

und Design in besonderer Weise<br />

kombiniert. Der für die Belüftung<br />

entscheidende Verlauf der Prägungen<br />

spiegelt das Corporate Design<br />

des Landmaschinenherstellers<br />

wider und verleiht dem Kühlergitter<br />

zusätzliche Stabilität.<br />

Vormaterial sind DC06-Bleche<br />

Um die notwendigen Funktionen<br />

und gleichzeitig das markenspezifische<br />

Design zu realisieren, sind<br />

die Kühlergrills aus vier geprägten<br />

Lochblechen gefertigt. Vor der Blechumformung,<br />

dem Tiefziehen,<br />

wird aus 1,0 mm dickem Tiefziehstahl<br />

der Güteklasse DC06 Lochblech<br />

mit kantenverrundeter Hexagonallochung<br />

gefertigt.<br />

Neben der mechanischen Veredelung<br />

ist die Kombi-Lackierung<br />

der Lüftungsgitter speziell. Sie<br />

durchlaufen eine Tauchlackierung<br />

sowie eine abschließende Pulverbeschichtung.<br />

So halten die gefertigten<br />

Lochbleche bzw. die daraus<br />

gefertigten Kühlergrills den extremen<br />

Bedingungen des Salzsprühnebeltests<br />

nach DIN EN ISO 9227<br />

stand.<br />

„Schäfer Lochbleche war von<br />

Anfang an mit dabei, als der erste<br />

Prototyp der neuen Generation<br />

des Fendt 200 V/F/P Vario entwickelt<br />

wurde. Seitdem haben wir<br />

uns zusammen mit Fendt weiterentwickelt,<br />

die gemachten Erfahrungen<br />

ausgewertet und diese<br />

sowohl in die Konstruktion als<br />

auch in die Fertigung einfließen<br />

lassen“, sagt Torsten Schoew,<br />

Automotiv-Experte im Bereich<br />

Motorschutz und Kühlung bei<br />

Schäfer Lochbleche. 2<br />

28 <strong>Stahlreport</strong> 12|22


Stahlverarbeitung<br />

Bericht<br />

Bild: Schwarze-Robitec<br />

Effiziente Prozesse<br />

im Kraftwerksbau<br />

werden maßgeblich<br />

durch die Materialauslegung<br />

und den<br />

Platzbedarf der verbauten<br />

Rohrleitungen<br />

beeinflusst.<br />

Schwarze-Robitec liefert CNC 100 DB an Est Industries<br />

Präzises Druckbiegen für den Kesselbau<br />

Das Druckbiegeverfahren von Schwarze-Robitec ist das Mittel der Wahl, sollen hochfeste Materialien für Rohrschlangen<br />

im Kesselbau präzise gebogen werden. So lassen sich selbst kleinste Biegeradien mit minimaler Wanddickennreduzierung<br />

und optimaler Ovalität erreichen. Mit der Serie CNC DB erzielt Schwarze-Robitec Bestwerte und übertrifft sogar<br />

die Toleranzvorgaben internationaler Normen. Das weiß Est Industries seit über 20 Jahren zu schätzen. Der<br />

französische Spezialist für industriellen Kesselbau orderte vor Kurzem mit der CNC 100 DB die mittlerweile vierte<br />

Rohrkaltbiegemaschine der Boiler-&-Power-Serie von Schwarze-Robitec.<br />

[Kontakt]<br />

Schwarze-Robitec GmbH<br />

Heike Ahlers<br />

Olpener Straße 460–474<br />

51109 Köln<br />

+49 221 89008-0<br />

sales@schwarzerobitec.com<br />

www.schwarzerobitec.com<br />

Est Industries ist auf industriellen<br />

Kessel- und Rohrbau spezialisiert.<br />

Das Unternehmen beschäftigt<br />

an seinen beiden Standorten in<br />

Frankreich rund 140 Mitarbeiter<br />

und gehört zu den Marktführern in<br />

Europa. Bereits seit 1996 setzt Est<br />

Industries beim Biegen von hochfesten<br />

und warmfesten Stählen auf<br />

Rohrkaltbiegemaschinen von<br />

Schwarze-Robitec.<br />

Möglichst kleine Biegeradien<br />

präzise einstellen<br />

Effiziente Prozesse im Kraftwerksbau<br />

werden maßgeblich durch die<br />

Materialauslegung und den Platzbedarf<br />

der verbauten Rohrleitungen<br />

beeinflusst. Die Lösung sind hochfeste<br />

und damit verschleißresistente<br />

Materialien und eine effiziente Bauraumnutzung<br />

durch möglichst kleine<br />

Biegeradien. Die dazugehörigen<br />

Anforderungen für den Rohrbiegeprozess<br />

löst das französischen<br />

Unternehmen mit einer Druckbiegemaschine<br />

von Schwarze-Robitec.<br />

Der Maschinentyp der Serie CNC<br />

100 DB biegt Rohre bis zu einem<br />

Außendurchmesser von 114,3 mm<br />

bei einer maximalen Wanddicke von<br />

7,1 mm. Für den Biegeprozess bringe<br />

diese Maschine ideale Voraussetzungen<br />

mit, so das Unternehmen.<br />

Zum einen erzeugt sie ausreichende<br />

Biegekräfte, um die hochfesten<br />

Materialien zu biegen, zum anderen<br />

bietet das spezielle Druckbiegeverfahren<br />

die Möglichkeit, den Umformprozess<br />

präzise zu steuern. Dabei<br />

können sowohl die Vorgaben hinsichtlich<br />

Wandstärkenverjüngung<br />

als auch Unrundheit selbst bei<br />

kleinsten Biegeradien von 1 x Durchmesser<br />

(1 x D) entsprechend den<br />

geltenden Kesselbauvorschriften<br />

erreicht werden.<br />

Toleranzen müssen genauestens<br />

eingehalten werden<br />

Moderne Hochleistungskessel sind<br />

Prozesstemperaturen von über<br />

600 °C ausgesetzt. Daher unterliegen<br />

Rohrleitungssysteme sehr strengen<br />

Sicherheitsstandards und Toleranzvorgaben.<br />

Durch die Kombination<br />

aus Drucksteuerung und Werkzeugkonstruktion<br />

übertreffen Anlagen<br />

der Boiler-&-Power-Maschinenserie<br />

sogar die Toleranzvorgaben der Normen<br />

EN 12952, ASME B31.1 und weiterer<br />

internationaler Standards, so<br />

der Hersteller. Die maximale Wanddickenverjüngung<br />

bei einem Biegeradius<br />

von 1 x D kann demnach auf<br />

etwa 12 % begrenzt werden. Die<br />

geringere Wanddickenverjüngung<br />

bringe durch den reduzierten Materialeinsatz<br />

deutliche wirtschaftliche<br />

Vorteile mit sich. Zudem bleibe die<br />

Ovalität unter 10 %, womit die Durchflusseigenschaften<br />

im Kesselbau<br />

gewährleistet und Strömungsabbrüche<br />

ausgeschlossen seien.<br />

Um zudem Rohrmäander mit<br />

besonders engen Biegeradien mit der<br />

CNC 100 DB realisieren zu können,<br />

installiert Schwarze-Robitec zusätzlich<br />

einen Wendetisch vor der Druckbiegemaschine.<br />

Dieser ermöglicht<br />

ein effektives und sicheres Wenden<br />

der Rohrschlangen um 180 °. Mehrere<br />

Armpaare können Rohrschlangen<br />

mit Schenkellängen bis 9.000<br />

mm wenden. Die Wendebewegung<br />

erfolgt synchron zur Bewegung des<br />

Wendekopfes der Biegemaschine.2<br />

30 <strong>Stahlreport</strong> 12|22


BDS<br />

Kommunikation<br />

Save the date: GREEN DAY 2023<br />

Grüner Stahl, Nachhaltigkeit und Stahlhandel<br />

Der GREEN DAY 2023 des Bundesverbands Deutscher Stahlhandel findet am 19.01.2023 im Van der Valk Airporthotel in<br />

Düsseldorf statt. Am Vorabend ist ein Get-together geplant. Diese Veranstaltung ist exklusiv und kostenlos für BDS-Mitglieder,<br />

für jedes Unternehmen steht ein begrenztes Ticket-Kontingent zur Verfügung.<br />

INFO GREEN DAY 2023 – Programm<br />

8:30 Empfang/Check-In zur Tagung<br />

9:30 Stand und Entwicklungstendenzen zum grünen<br />

Stahl aus Sicht der Stahlhersteller<br />

Dr. Karl-Ulrich Köhler, Dillinger und Saarstahl<br />

Sebastian Luther, Salzgitter<br />

Arne Langner, ArcelorMittal<br />

11:00 Kaffee- und Teepause<br />

11:30 Transformation aus der Supply-Chain-Perspektive:<br />

Was sagen Kunden und Lieferanten dazu?<br />

Dr. Christian Priemer, Hamburger Hochbahn<br />

Armin Stolzer, Kasto<br />

Tim Kleier, SMS Group<br />

13:00 Mittagspause<br />

14:00 Die grüne Herausforderung für die Distribution:<br />

Wie begegnet der Stahlhandel den Anforderungen<br />

der Nachhaltigkeit?<br />

Tim Milde, Kloeckner Metals Germany<br />

Prof. Dr. Rainer Lindner, Heine + Beisswenger<br />

Thorsten Maier, Gabo Stahl<br />

16:00 Ende der Veranstaltung<br />

Agenda<br />

z aktueller Stand und Entwicklungstendenzen bei<br />

grünem Stahl<br />

z Bedeutung und Anforderungen der Nachhaltigkeit<br />

rund um den Stahlhandel<br />

z Rahmenbedingungen und Richtlinien im nationalen<br />

und internationalen Zusammenhang<br />

Aussteller/Sponsoren (Stand November 2022)<br />

z KASTO Maschinenbau, Achern<br />

z Nissen & Velten, Stockach<br />

z Progress, Brixen<br />

z Scheffer Krantechnik, Sassenberg<br />

z SE PADERSOFT, Paderborn<br />

Anmeldungen sind auf www.stahlhandel.com möglich.


BDS<br />

Research<br />

Neueste Zahlen aus dem Bereich Research<br />

Schwache Nachfrage im Herbst<br />

Nach einem durch die Corona-Pandemie samt Lieferengpässen sowie kräftigen Rohstoff- und Materialverteuerungen<br />

geprägten Jahr 2021 rechneten die meisten Marktteilnehmer für 2022 mit etwas berechenbareren Marktverhältnissen.<br />

Dies war ein Trugschluss. Der Krieg in der Ukraine führte im Frühjahr zu großer Besorgnis hinsichtlich zukünftiger<br />

Verfügbarkeiten und Preisentwicklungen. Diese Sorge ist spätestens im Sommer großer Verunsicherung über die zukünftige<br />

wirtschaftliche Entwicklung gewichen. Das Bestellverhalten der Stahlverarbeiter ist entsprechend zurückhaltend.<br />

Jörg Feger, Bereichsleiter<br />

Research im<br />

Bundesverband<br />

Deutscher Stahlhandel<br />

(BDS), berichtet<br />

zusammenfassend<br />

angesichts der ihm<br />

bis einschließlich<br />

September 2022 vorliegenden<br />

Zahlen.<br />

Fragen zur<br />

Statistik<br />

beantwortet im<br />

Bundesverband<br />

Deutscher Stahlhandel<br />

(BDS) Jörg<br />

Feger, Prokurist<br />

und Bereichsleiter<br />

Research:<br />

Feger-BDS@<br />

stahlhandel.com<br />

Bild: privat<br />

Lagerabsatz<br />

Im Jahr 2021 wurden 10,62 Mio. t<br />

Walzstahlfertigerzeugnisse abgesetzt.<br />

Das ist ein Plus von 2,7 % gegenüber<br />

dem Vorjahr. Im Vergleich zu 2019<br />

und den Jahren zuvor fiel der Lagerabsatz<br />

jedoch geringer aus. Quartoblech,<br />

das in den Vorjahren recht deutliche<br />

Mengenverluste verzeichnet<br />

hatte, konnte 2021 zweistellig zulegen.<br />

Betonstahl hingegen verpasste<br />

das zwölfte Plus in Folge und verfehlte<br />

den Lagerabsatz des überaus starken<br />

Vorjahres um knapp 6 %.<br />

Der Start ins Jahr 2022 verlief<br />

noch ohne besondere Vorkommnisse.<br />

Den Kunden der deutschen Stahldistribution<br />

wurden im Januar knapp<br />

858.000 t Walzstahlfertigerzeugnisse<br />

geliefert. Das sind knapp 6 % weniger<br />

als im Januar des Vorjahres. Der Februar<br />

lag mit 899.000 t 1 % unter der<br />

Tonnage des Vergleichsmonats. Der<br />

Ausbruch des Krieges führte zu großen<br />

Unsicherheiten, auf welchem<br />

Wege und zu welchen Kosten zukünftig<br />

die Materialversorgung gewährleistet<br />

werden könne. Dies führte zu<br />

hohen, teilweise auch über den aktuellen<br />

Bedarf hinausgehenden Bestellungen<br />

der Kunden.<br />

Der Lagerabsatz lag im März bei<br />

1,05 Mio. t. Zuwächse gab es im Vergleich<br />

zum starken Vorjahresmonat<br />

bei fast allen Produkten. Lediglich<br />

bei kaltgewalzten und oberflächenveredelten<br />

Blechen fiel der Absatz<br />

aufgrund der Schwäche im Automobilsektor<br />

geringer aus. Im April und<br />

Mai beruhigte sich das Marktgeschehen<br />

etwas. Sehr schwach verliefen<br />

die Geschäfte im Juni und Juli. Der<br />

August und September zeigten sich<br />

etwas robuster. Mit 837.000 t und<br />

856.000 t lagen die Tonnagen nicht<br />

weit von denen der Vorjahresmonate<br />

entfernt.<br />

Lagerbestand<br />

Nach sehr geringen Lagerbeständen<br />

zum Jahreswechsel 2020/2021 konnten<br />

die Lagermengen in den meisten<br />

Monaten des Jahres 2021 zulegen, so<br />

dass im Spätsommer erstmals wieder<br />

von relativ normalen Bestandsgrößen<br />

gesprochen werden konnte. Im<br />

November und Dezember 2021 kam<br />

es zum saisonal üblichen Bestandsabbau.<br />

Mit 2,07 Mio. t lag der Bestand<br />

im Dezember 2021 um 8,1 % über dem<br />

sehr niedrigen Vorjahresniveau.<br />

Zu Jahresbeginn legten die<br />

Bestände bei allen Produkten zu. Der<br />

Zuwachs war in den meisten Produktgruppen<br />

signifikant. Im März<br />

und April nahmen die Bestände dann<br />

etwas ab. Im Mai und Juni schwankten<br />

sie. Dafür legten sie bei schwachen<br />

Absätzen im Juli wieder zu. Im August<br />

und September fand ein leichter<br />

Bestandsabbau auf 2,15 Mio. t statt.<br />

Das sind 0,5 % weniger als im Vorjahresmonat<br />

bevorratet wurden.<br />

Lagerreichweite<br />

Aufgrund der sehr niedrigen Lagerbestände<br />

und ordentlichen Absätze<br />

war die Reichweite im gesamten ersten<br />

Halbjahr 2021 sehr niedrig. Ab<br />

dem Spätsommer normalisierte sie<br />

sich und schwankte, mit Ausnahme<br />

des Dezembers, zwischen 2,2 und 2,5<br />

Monaten. Im Jahresdurchschnitt lag<br />

sie bei niedrigen 2,3 Monaten bzw. 69<br />

Tagen. Anfang 2022 legte die Lagerreichweite<br />

aufgrund des Bestandsaufbaus<br />

und des eher unterdurchschnittlichen<br />

Lagerabsatzes zu. Sie lag im<br />

Januar und Februar bei 2,5 Monaten.<br />

Im März sank sie aufgrund hoher<br />

Lagerabsätze und leichtem Bestandsabbau<br />

auf 2,1 Monate.<br />

Im April und Mai normalisierte<br />

sich die Reichweite vor allem aufgrund<br />

der weniger starken Lagerabsätze<br />

und stieg im Juni und Juli weiter<br />

an. Im August ging sie auf 2,7 und im<br />

September auf 2,5 Monate zurück.<br />

Letzteres entspricht 75 Tagen (vgl.<br />

Abbildung 1).<br />

Lagerverkaufspreise<br />

Den Angaben des BDS-Marktinformationsverfahrens<br />

für durchschnittliche<br />

Verkaufspreise im kleinlosigen<br />

Bereich zufolge stiegen die Preise in<br />

den ersten sieben Monaten des Jahres<br />

2021 wie es zuvor selbst im Jahr 2008<br />

nicht erlebt wurde. Dabei fiel der<br />

Anstieg bei Flachprodukten noch viel<br />

deutlicher als bei Langprodukten aus.<br />

Im August kam dieser Preisaufbau bei<br />

den meisten Produkten zum Stillstand.<br />

In den letzten Monaten des Jahres<br />

wurden vor allem bei Flachprodukten<br />

Preisreduzierungen festgestellt. Langprodukte<br />

zeigten sich vergleichsweise<br />

stabiler und konnten teilweise sogar<br />

zulegen. In den ersten Wochen des<br />

Jahres 2022 wurden verstärkt wieder<br />

Preisanstiege wahrgenommen.<br />

Nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs<br />

Ende Februar kannten die<br />

Preise nur eine Richtung. Steil nach<br />

oben! Ab Mai änderte sich die Lage.<br />

Preise gaben bei allen Produktgruppen<br />

wieder spürbar nach. Bei Flachprodukten<br />

verlief diese Entwicklung<br />

noch deutlicher als bei Langprodukten<br />

und Rohren. (vgl. Abbildungen 2<br />

und 3) 2<br />

32 <strong>Stahlreport</strong> 12|22


Lagerabsatz und Lagerreichweite der Stahldistribution<br />

n Absatzindex (2007 = 100) n Lagerreichweite in Tagen<br />

Abb.1<br />

140<br />

200<br />

120<br />

100<br />

80<br />

60<br />

97<br />

94<br />

90 89 94<br />

105<br />

89 89<br />

87 91<br />

86<br />

87<br />

64<br />

84<br />

84<br />

78<br />

84<br />

86<br />

180<br />

160<br />

140<br />

120<br />

100<br />

80<br />

40<br />

20<br />

0<br />

81 81 72 69 78<br />

Ø<br />

2018<br />

Ø<br />

2019<br />

Ø<br />

2020<br />

Ø<br />

2021<br />

Ø<br />

2022<br />

72 75 72 99 75 75 63 81 78 84 87 81 75<br />

Sep.<br />

2021<br />

Okt.<br />

2021<br />

Nov.<br />

2021<br />

Dez.<br />

2021<br />

Jan.<br />

2022<br />

Feb.<br />

2022<br />

März<br />

2022<br />

April<br />

2022<br />

Mai<br />

2022<br />

Juni<br />

2022<br />

Juli<br />

2022<br />

Aug.<br />

2022<br />

Sep.<br />

2022<br />

60<br />

40<br />

20<br />

0<br />

350<br />

Preisentwicklung bei Langprodukten Abb. 2<br />

Index (Januar 2010 = 100)<br />

Formstahl Breitflanschträger Stabstahl Betonstahl in Stäben Betonstahlmatten<br />

350<br />

300<br />

300<br />

250<br />

250<br />

200<br />

200<br />

150<br />

150<br />

100<br />

100<br />

|<br />

2010<br />

|<br />

2011<br />

|<br />

2012<br />

|<br />

2013<br />

|<br />

2014<br />

|<br />

2015<br />

|<br />

2016<br />

|<br />

2017<br />

|<br />

2018<br />

|<br />

2019<br />

|<br />

2020<br />

|<br />

2021<br />

|<br />

2022<br />

500<br />

Preisentwicklung bei Flachprodukten und Rohren Abb. 3<br />

Index (Januar 2010 = 100)<br />

500<br />

400<br />

400<br />

300<br />

300<br />

200<br />

200<br />

100<br />

100<br />

Quartoblech Bandblech Kaltgewalztes Blech OV Blech Quad. & RE-Rohr Nahtloses Rohr<br />

Quellen: BDS<br />

0<br />

0|<br />

2010<br />

|<br />

2011<br />

|<br />

2012<br />

|<br />

2013<br />

|<br />

2014<br />

|<br />

2015<br />

|<br />

2016<br />

|<br />

2017<br />

|<br />

2018<br />

|<br />

2019<br />

|<br />

2020<br />

|<br />

2021<br />

|<br />

2022<br />

<strong>Stahlreport</strong> 12|22<br />

33


Anarbeitung<br />

und Logistik<br />

Bericht/Nachrichten<br />

Die Hochgeschwindigkeits-Bohrund<br />

Fräsmaschine HDX von Vernet<br />

Behringer bietet umfangreiche<br />

Features für eine energieeffiziente<br />

Produktion.<br />

Portalbohrmaschinen HDX von Vernet Behringer<br />

Energieeffizient Bohren und Fräsen<br />

Seit ihrer Markteinführung steht die Portalbohrmaschine HDX von Vernet Behringer für höchste Bearbeitungsleistung in<br />

Verbindung mit ausgezeichneter Energieeffizienz. Vor dem Hintergrund der aktuell stark steigenden Strompreise rückt<br />

dieser Aspekt verstärkt in den Fokus. Beim aktuellen Modell der HDX verbaut Vernet Behringer leistungsstarke Siemens-<br />

Servomotoren –mit denen eine gesteigerte Bohrleistung bei gleichzeitig bis zu 50 % geringerer Antriebsleistung im<br />

Verhältnis zu anderen Systemen möglich ist, so der Hersteller.<br />

[Kontakt]<br />

Vernet Behringer<br />

ZAE Capnord –BP<br />

37423<br />

13 rue de la Brot<br />

21074 Dijon Cedex<br />

Frankreich<br />

+33 380 732163<br />

contact.us@vernetbehringer.com<br />

www.vernet-behringer.<br />

com<br />

Ein durchdachtes Energiemanagement<br />

wird für den Maschinenund<br />

Anlagenbau ein immer wichtigeres<br />

Feature ihrer Produkte. Mit<br />

Blick auf den Anspruch, die Maschinen<br />

zugleich mit mindestens gleicher,<br />

besser aber noch gesteigerter<br />

Leistungsfähigkeit auszustatten,<br />

steht die Branche damit vor einer<br />

anspruchsvollen Aufgabe.<br />

Viele Energiespar-Momente<br />

Bei der Portalbohrmaschine HDX<br />

sind gleich viele Energiespar-Features<br />

auf einmal eingebaut. So ist<br />

die neueste HDX-Generation mit<br />

einem frequenzgeregelten Hydraulikaggregat<br />

ausgestattet. Dank aktiver<br />

Regelung wird die maximale<br />

Hydraulikleistung der Aggregate<br />

aber nur dann abgerufen, wenn sie<br />

auch benötigt wird – beispielsweise<br />

zum Spannen von Trägern. In<br />

Stand-by Situationen schaltet sie<br />

komplett ab.<br />

Die neue „Smart Motion<br />

Management“-Technologie ermöglicht<br />

weitere erhebliche Energieeinsparungen,<br />

indem sie die Stromzufuhr<br />

zu nicht genutzten Achsen und<br />

Motoren (z.B. zur Bohrachse während<br />

des Sägevorgangs) unterbricht.<br />

Die Achsen werden dann<br />

durch eine mechanische Bremse<br />

sicher in Position gehalten. Darüber<br />

hinaus reduziert ein „Eco“-Modus<br />

auf Wunsch die Achsbewegungen<br />

und Bearbeitungsgeschwindigkeiten<br />

in Situationen, an denen nicht<br />

die maximale Bearbeitungsleistung<br />

benötigt wird. Dies reduziert<br />

zusätzlich den Energiebedarf und<br />

auch den Werkzeugverschleiß. Wer<br />

in Anlagen von Vernet Behringer<br />

investiert, hat potenziell eine<br />

Anschaffung für die Ewigkeit getätigt:<br />

Über 80 % der über 30 Jahre<br />

Bearbeitungsbeispiel der HDX<br />

34 <strong>Stahlreport</strong> 12|22


alten Maschinen sind dem Hersteller<br />

zufolge noch immer in Betrieb.<br />

Allerdings entwickelt sich die Technologie,<br />

die in den Anlagen steckt,<br />

schnell weiter –was zu einer<br />

beschleunigten Alterung der elektrischen<br />

und automatisierten Teile<br />

der Maschinen führt. Doch das<br />

bedeutet nicht, dass die Anlagen<br />

nur noch altes Eisen sind. Denn um<br />

die Lebensdauer der Maschinen zu<br />

verlängern und eine optimale Wartung<br />

zu gewährleisten, bietet Vernet<br />

Behringer Retrofits ab Werk an,<br />

bei dem veraltete Komponenten<br />

durch die neueste Technologie<br />

ersetzt werden.<br />

Neuer Name, neue Funktionen<br />

Die erstmals 2011 vorgestellte<br />

HD-X, die mit drei unabhängigen<br />

Bohreinheiten arbeitet, hat durch<br />

die simultane Bearbeitung von<br />

Flansch und Steg den Anlagendurchsatz<br />

enorm gesteigert. Neben<br />

Bohren und Markieren konnten<br />

zugleich auch Fräsarbeiten in einer<br />

Aufspannung durchgeführt werden<br />

–wobei durch verschiedene Automatisierungsvarianten<br />

auch ein<br />

komplett mannloser Betrieb einer<br />

solchen Linie möglich ist.<br />

Im Laufe der Jahre wurde die<br />

Maschinenbaureihe durch die<br />

HD-XEVO und später die HD-XE-<br />

VO2 erweitert und leistungstechnisch<br />

verbessert. Mit der neusten<br />

Erweiterung der Baureihe besinnt<br />

sich Vernet Behringer nun beim<br />

Namen auf die Wurzeln der Baureihe.<br />

Bei den Bearbeitungsfunktionen<br />

legt die neue HDX aber noch<br />

einiges drauf: So ermöglicht sie<br />

neue optimierte Fräszyklen für das<br />

Ausklinken mit oder ohne Mikrosteg.<br />

Zudem reduzieren optimierte<br />

Unabhängige Bohrachsen bieten die<br />

dem Unternehmen nach schnellste Bohr-,<br />

Fräs- und Markierbearbeitung auf dem<br />

Markt.<br />

Parameter für die neuen Hochleistungsfräser<br />

VBmill-Hartmetall,<br />

Durchmesser 16 mm, die Bearbeitungszeiten<br />

um bis zu 70 %, wie<br />

der Hersteller unterstreicht. 2<br />

Bilder: Vernet Behringer<br />

Hergarten-Gruppe übernimmt Hellmich Transport<br />

Stahl-Logistik im Ruhrgebiet konsolidiert sich<br />

Die Hergarten-Gruppe übernimmt<br />

zum 1. Januar 2023 die Hellmich<br />

Transport GmbH. Damit setzt<br />

der bundesweit führende Full-Service-Logistikdienstleister<br />

für die<br />

Stahlbranche seinen Expansionskurs<br />

fort. Mit den zusätzlichen,<br />

hochqualifizierten 46 Mitarbeitern<br />

und den 40 modernen Flottenfahrzeugen<br />

der Hellmich Transport<br />

GmbH stärkt die Hergarten-Gruppe<br />

zukünftig ihre Präsenz insbesondere<br />

im Ruhrgebiet mitsamt dem<br />

Stahlstandort Duisburg. „Die Übernahme<br />

des Unternehmens ist Teil<br />

unseres zukunftsorientierten Krisenmanagements,<br />

denn der gravierende<br />

Personalmangel, die Energieund<br />

Klimakrise und der<br />

Ukraine-Krieg setzen der Transportbranche<br />

ordentlich zu. Weltweit<br />

sind Lieferketten in Gefahr. Wir<br />

haben gar keine andere Wahl als in<br />

die Offensive zu gehen und mutig<br />

zu investieren“, erklärte Marcel<br />

Hergarten, Geschäftsführer der<br />

Hergarten-Gruppe.<br />

Die Hellmich Transport GmbH<br />

profitiere künftig von den etablierten<br />

Managementbereichen der<br />

Hergarten-Gruppe, zu denen z.B.<br />

Digitalisierung im Transportsektor,<br />

Recruiting, Lagerlogistik auf über<br />

40.0000 m 2 , Vertrieb und Einkauf<br />

gehören. Mittel- und langfristig<br />

soll die Integration zu einer signifikanten<br />

Effizienzsteigerung bei der<br />

Abwicklung der Hellmich-Transporte<br />

führen. Die Hergarten-Gruppe<br />

wiederum sichert sich mit der<br />

Übernahme zusätzliche Laderaumkapazitäten,<br />

Know-how sowie<br />

erfahrene und loyale Mitarbeiter,<br />

die es gewohnt sind, mit einem<br />

hohen Qualitätsanspruch und<br />

einem komplexen Ladegut wie<br />

Stahl zu arbeiten.<br />

Für Kunden der Hellmich Transport<br />

GmbH ändere sich im operativen<br />

Geschäft nichts, das Hellmich-Personal<br />

verbleibe komplett im Unternehmen.<br />

Der bisherige Inhaber und<br />

Geschäftsführer Georg Hellmich<br />

wird der Gruppe auch nach dem<br />

Übergang beratend zur Verfügung<br />

stehen.<br />

www.stahlspedition.de<br />

Foba ergänzt Portfolio um grünen Laser<br />

Lasermarkierung für empfindliche<br />

Materialien<br />

Foba hat ein grünes Lasermarkiersystem entwickelt,<br />

das neue Möglichkeiten für die industrielle Direktmarkierung<br />

von Bauteilen bietet. Der Laser mit geringer Wärmeeinwirkung<br />

kennzeichnet Materialien mit speziellen Absorptionseigenschaften.<br />

Dazu gehören hochreflektierende Metalle<br />

ebenso wie weiße, transparente oder rote Kunststoffe. Eine<br />

Kombination mit Fobas vollumfänglichem Markier-Workflow<br />

erhöhe die Effizienz und Wirtschaftlichkeit der Lasermarkierung<br />

mit dem grünen Laser, so das Unternehmen.<br />

Eine deutliche Steigerung der Markiergeschwindigkeit<br />

sowie der Markierqualität auf bisher unzureichend<br />

beschriftbaren Materialien sind die Hauptvorteile des grünen<br />

Lasers von Foba. Er ermöglicht Kunststoffe ohne den<br />

Einsatz von Additiven zu markieren. Auch auf Glas oder<br />

glänzenden Metallen zeige der grüne Laser im Vergleich<br />

zu anderen Lasertypen wie UV- oder Faserlaser bessere<br />

Beschriftungsergebnisse bei höheren Beschriftungsgeschwindigkeiten.<br />

Die Lasermarkiersysteme Foba V.0071-gr und Foba<br />

V.0141-gr schließen die Lücke zwischen UV (355 nm)- und<br />

Faser (1.064 nm)-Lasermarkierern. Der neue Beschriftungslaser<br />

ist wahlweise mit 7 oder 14 Watt Laserleistung<br />

erhältlich. Die Lebensdauer der Vanadat-Laserquelle ist<br />

doppelt so lang wie die einer UV-Laserquelle, was die<br />

Gesamtbetriebskosten minimiert.<br />

www.fobalaser.com<br />

<strong>Stahlreport</strong> 12|22<br />

35


Anarbeitung<br />

und Logistik<br />

Bericht/Nachrichten<br />

Die Welt der Mikrozerspanung: Präzision, die nur mit speziellen Werkzeugen erreichbar ist.<br />

Bilder: Horn/Sauermann<br />

Das Horn-System S274 mit feinstgeschliffenen<br />

Schneiden ermöglicht die präzise Bearbeitung von<br />

Kleinstdrehteilen.<br />

Lösungen für die Mikrozerspanung<br />

Präzision auf kleinstem Raum<br />

Außendurchmesser von 0,1 mm, Einstiche von 0,5 mm und Vorschübe von 5 µm – willkommen in der Welt der<br />

Mikrozerspanung! Schrauben für Hörgeräte, Wuchtgewichte für die automatische Armbanduhr oder Kleinstdrehteile für<br />

medizinische Baugruppen –für die Herstellung solcher Teile benötigt man Knowhow, präzise Maschinen und spezielle<br />

Werkzeuge. Bei Spantiefen von bis zu 0,01 mm stellen die Anwender sehr hohe Anforderungen an die eingesetzten<br />

Werkzeuge. Dazu zählen glänzende Oberflächen und eine hohe Maßhaltigkeit der Bauteile durch geringen Schnittdruck.<br />

[Kontakt]<br />

Hartmetall-Werkzeugfabrik<br />

Paul Horn GmbH<br />

Horn-Straße 1<br />

72072 Tübingen<br />

+49 7071 7004-0<br />

info@de.horn-group.com<br />

www.horn-group.com<br />

Die Anforderungen an die<br />

Werkzeuge zur Mikrozerspanung<br />

mit Langdrehmaschinen sind hoch.<br />

Durch die zum Teil sehr geringen<br />

Spantiefen müssen die Schneiden<br />

sehr scharf sein, um den Schnittdruck<br />

so niedrig wie möglich zu<br />

halten. Durch die schleifscharfen<br />

Schneidkanten steigt jedoch die<br />

Gefahr von Mikroausbrüchen.<br />

Schon ein kleiner Ausbruch im<br />

Bereich von wenigen µm an der<br />

Schneidkante wirkt sich negativ auf<br />

die bearbeitete Oberfläche des<br />

Werkstücks aus. Des Weiteren spielt<br />

die Oberflächengüte der Spanfläche<br />

eine entscheidende Rolle. Um Aufbauschneiden<br />

entgegenzuwirken,<br />

muss die Spanfläche gute Gleiteigenschaften<br />

vorweisen.<br />

Aus diesem Grund ist sie feinstgeschliffen<br />

oder poliert. Für diese<br />

Anforderungen hat das Tübinger<br />

Maschinenbauunternehmen Hartmetall-Werkzeugfabrik<br />

Paul Horn<br />

GmbH mit dem μ-Finish-System für<br />

die Mikrozerspanung sowie mit<br />

weiteren Werkzeugsystemen und<br />

Fertigungsprozessen für Langdrehmaschinen<br />

passende Lösungen entwickelt.<br />

Wechselgenauigkeit von 2,5 µm<br />

Das Klemmen der Schneidplatten<br />

ist ein weiterer wichtiger Punkt bei<br />

der Werkzeugauslegung. Bei der<br />

Bearbeitung von Drehteilen mit kleinen<br />

Durchmessern muss die Spitzenhöhe<br />

des Werkzeugs exakt vermessen<br />

sein. Schon kleinste<br />

Abweichungen in der Spitzenhöhe<br />

wirken sich beim Bearbeiten von<br />

kleinsten Durchmessern negativ auf<br />

die Qualität des Werkstücks aus. Im<br />

besten Fall sollte der Maschinenbediener<br />

die Wendeschneidplatte drehen<br />

können, ohne die Spitzenhöhe<br />

neu einstellen zu müssen.<br />

Horn bietet mit dem μ-Finish-<br />

System Wechselgenauigkeiten von<br />

+/- 0,0025 mm beim Drehen der<br />

zweischneidigen Platte. Dies ermöglicht<br />

der präzise Umfangsschliff der<br />

Schneidplatte in Verbindung mit<br />

dem stabilen Plattensitz. Darüber<br />

hinaus sind die Anlageflächen des<br />

Quadratschaft-Werkzeughalters<br />

ebenfalls geschliffen, was sich auf<br />

die ganzheitliche Präzision des<br />

Horn-Systems auswirkt.<br />

Der Schliff einer scharfen und<br />

makellosen Werkzeugschneide<br />

erfordert viel Knowhow. Schleifscheiben<br />

mit feinsten Körnungen,<br />

spezielle neue Schleiftechniken und<br />

ein Mikroskop mit 400-facher Vergrößerung<br />

sind nötig, damit das<br />

Werkzeug im späteren Einsatz die<br />

geforderte Leistung bringt. Dabei<br />

unterliegt jede gefertigte Charge des<br />

μ-Finish-Systems einer 100-%-Kontrolle.<br />

Wichtige Kriterien der Qualitätssicherung<br />

sind die eng tolerierte<br />

hohe Oberflächengüte der<br />

Span- und Freiflächen, die Spitzenhöhe<br />

und insbesondere die Schartigkeit<br />

der Schneidkante. Optisch<br />

erkennbare Unregelmäßigkeiten an<br />

der Schneidkante sind bei dem µ-Finish-System<br />

dabei schon außerhalb<br />

der Toleranz. 2<br />

36 <strong>Stahlreport</strong> 12|22


Kaltenbach.Solutions stellt „Order Manager“ bereit<br />

Produktionsaufträge digital planen, steuern und umsetzen<br />

Die Kaltenbach.Solutions GmbH hat<br />

eine umfassende browserbasierte Branchenlösung<br />

für die produzierende Industrie<br />

entwickelt. Das Modul „Order Manager“<br />

gehört zur Plattform „Steelsuite“, die vor<br />

allem Unternehmen aus der Stahlbearbeitung,<br />

dem Stahlhandel und dem Maschinenbau<br />

den Einstieg in die digitale Transformation<br />

ermöglicht. Die Hardware inklusive der<br />

Software-Module kann sowohl an neuen<br />

Anlagen als auch an vorhandenen Bestandsmaschinen<br />

aller Hersteller ohne Aufwand<br />

implementiert werden, so das Unternehmen.<br />

Der „Order Manager“ zeigt dann den<br />

aktuellen Bearbeitungsstand aller Aufträge<br />

in Echtzeit an und erleichtert damit eine<br />

transparente und effiziente Auftragssteuerung.<br />

Mit der Branchenplattform „Steelsuite“<br />

hat man alle Auftragsinformationen im<br />

Blick. Alle Kundenaufträge werden über<br />

eine ERP-Schnittstelle eingespielt und im<br />

Fall von Änderungsvorgaben automatisch<br />

Neue Kunstharzsscheiben für das Walzenschleifen<br />

Je härter, desto besser<br />

Mit Blick auf den zunehmend wettbewerbsintensiven<br />

Stahlmarkt hat 3M eine<br />

neue Walzenschleiflösung vorgestellt: Eine<br />

Schleifscheibe mit längerer Lebensdauer,<br />

die schneller schneidet, kühler läuft und<br />

erhebliche Kosteneinsparungen und Produktivitätssteigerungen<br />

erzielt, wirbt das<br />

Unternehmen. Die neue Scheibe wurde entwickelt,<br />

um die extremen Herausforderungen<br />

engerer Profiltoleranzen zusammen mit<br />

den Erwartungen an eine feinere Oberflächenrauhigkeit<br />

zu erfüllen. Im Vergleich zu<br />

herkömmlichen Scheiben sollen mit 3M<br />

Cubitron II Kunstharz-Schleifscheiben 92BC<br />

bis zu 30 % mehr Walzen geschliffen werden<br />

können.<br />

3M hat bei der Entwicklung seiner neuen<br />

Schleifscheibe wichtige Markttrends<br />

berücksichtigt, unter anderem den Einsatz<br />

härterer zu schleifender Stahlgüten sowie<br />

die zunehmend anspruchsvolleren Qualitätsstandards.<br />

Rainer Trettenhahn, Prozessingenieur<br />

Walzenbearbeitung bei voestalpine<br />

Stahl GmbH: „Unsere Zusammenarbeit<br />

angepasst. Ist ein Auftrag bereits in Bearbeitung,<br />

erscheint eine Warnmeldung und<br />

die Deaktivierung erfolgt automatisch. Die<br />

Bearbeitung selbst findet in drei Schritten<br />

statt: Planen, Freigeben und Umsetzen.<br />

BedienerInnen der Maschinen sehen nur<br />

bereits freigegebene Aufträge auf ihren<br />

Handhelds. Erst wenn ein Schritt abgeschlossen<br />

ist, erscheint der Auftrag am<br />

Folgearbeitsplatz. Auf Shopfloor-Ebene ist<br />

für das Auslösen einer Funktion jeweils nur<br />

ein Click auf den Bildschirm erforderlich.<br />

Damit könne das System bereits nach<br />

einer kurzen Einweisung in der Werkshalle<br />

vollumfänglich bedient werden, so Kaltenbach.Solutions.<br />

Auch der Vertrieb sieht<br />

auf Knopfdruck, wo sich aktuelle Aufträge<br />

befinden. Da online ein digitales Abbild<br />

realer Prozesse zur Verfügung gestellt wird,<br />

entfielen zeitaufwändige Rückfragen und<br />

Recherchen.<br />

www.kaltenbach-solutions.com<br />

Die 3M Cubitron II Kunstharz-Schleifscheiben<br />

92BC wurden für die extremen Herausforderungen<br />

enger Profiltoleranzen und feinerer Oberflächen<br />

entwickelt.<br />

war sehr erfolgreich. Mit den neu eingesetzten<br />

3M Cubitron II Kunstharz-Schleifscheiben<br />

konnten wir die Standzeit im Vergleich<br />

zum Mitbewerber deutlich erhöhen – und<br />

dass bei gleicher Abtragsleistung. Durch<br />

diese neuen Schleiflösungen von 3M ergibt<br />

sich ein deutlicher wirtschaftlicher Vorteil,<br />

von dem voestalpine profitiert.“<br />

www.3m.com<br />

Bild: 3M<br />

Der ergonomische Exento-Absaugschweißbrenner<br />

liegt gut in<br />

der Hand und erlaubt dank des<br />

Bypass-Ventils eine Regelung der<br />

Absaugleistung an der Griffschale.<br />

Leistungsstarke Absauganlagen<br />

Schweißrauch effektiv<br />

absaugen<br />

Mit dem größtmöglichen Schutz<br />

vor Schweißrauch zeigen Unternehmen<br />

Verantwortung für ihre Schweißfachkräfte<br />

und alle übrigen Personen, die in deren<br />

unmittelbarem Umfeld arbeiten. Als wirkungsvollen<br />

Schweißrauchschutz bringt<br />

Fronius daher den neuen benutzerfreundlichen<br />

Exento-Absaugschweißbrenner<br />

und zwei mobile, leistungsstarke Exento-Absauganlagen<br />

auf den Markt.<br />

Das Duo aus Exento-Absaugschweißbrenner<br />

und der kompakten, mobilen<br />

Hochvakuum-Absauganlage Exento-High-<br />

Vac zeigt seine Stärken beim MIG/<br />

MAG-Schweißen und saugt den Rauch<br />

unmittelbar dort ab, wo er entsteht. Dank<br />

der besonders hohen Filterqualität eliminiert<br />

die mobile Hochvakuum-Absauganlage<br />

Exento-HighVac mehr als 99,9 % der<br />

erfassten Schweißrauchpartikel, so der<br />

Hersteller.<br />

Die Exento LowVac Niedrigvakuum-Absauganlage<br />

andererseits eignet sich für<br />

sämtliche Schweißverfahren wie MIG/<br />

MAG, WIG und E-Hand und sticht durch<br />

das strömungsoptimierte Design ihrer<br />

Absaughaube hervor. Dadurch muss der<br />

Absaugarm deutlich weniger nachgeführt<br />

werden als bei herkömmlichen Anlagen.<br />

Der Schweißspezialist Fronius rundet<br />

mit den Exento-Neuheiten sein umfangreiches<br />

Gesundheitsschutz- und Sicherheitsangebot<br />

ab.<br />

bit.ly/fronius-details<br />

Bild: Fronius International GmbH<br />

<strong>Stahlreport</strong> 12|22<br />

37


Messen<br />

und Märkte<br />

Berichte<br />

„Die<br />

Besucher<br />

meinten es dieses<br />

Jahr sehr ernst. Fast<br />

jeder Zweite ist mit Investitionsplänen<br />

zur Euroblech<br />

2022 gekommen.“<br />

Evelyn Warwick,<br />

Messedirektorin der Euroblech,<br />

Mack-Brooks Exhibitions<br />

Bild: Mackbrooks<br />

Viele Aussteller der diesjährigen Euroblech haben ihre Teilnahme an der nächsten Euroblech in 2024 bereits angekündigt.<br />

Diese wird vom 22.–25. Oktober 2024 auf dem Messegelände in Hannover stattfinden.<br />

Ein Blick in Zukunft der Blechbearbeitung<br />

Erfolgreiche Euroblech<br />

Die 26. Internationale Technologiemesse für Blechbearbeitung, die Euroblech 2022, ist im Oktober nach vier<br />

erfolgreichen Messetagen zu Ende gegangen. Insgesamt 38.076 Fachbesucherinnen und Fachbesucher aus aller Welt<br />

waren nach Hannover gereist, um einen Blick in die Zukunft der Blechbearbeitung zu werfen. Die diesjährige Fachmesse<br />

umfasste 1.300 Aussteller aus 39 Ländern. Eine euphorische Stimmung sowie gefüllte Auftragsbücher waren das<br />

Ergebnis eines erfolgreichen Comebacks der Messe, so der Veranstalter.<br />

[Kontakt]<br />

Mack-Brooks<br />

Exhibitions<br />

Romeland House,<br />

Romeland Hill<br />

St Albans, AL3 4ET<br />

Vereinigtes Königreich<br />

+44 1727 814400<br />

www.mackbrooks.com<br />

„Es ist schwer in Worte zu fassen,<br />

wie wir uns fühlen, nachdem wir<br />

die letzten vier Jahre alles gegeben<br />

haben, um die Messe zu ermöglichen.<br />

Wir sind von dem fantastischen Ausgang<br />

überwältigt und sind stolz, dass<br />

die Messe ihrer kritischen Rolle als<br />

zentraler Treffpunkt für die Blechbearbeitungsbranche<br />

wieder nachkommen<br />

kann“, erklärte Evelyn Warwick,<br />

Messedirektorin der Euroblech, im<br />

Namen des Veranstalters Mack-<br />

Brooks Exhibitions. „Die diesjährige<br />

Veranstaltung war für die gesamte<br />

blechbearbeitende Industrie besonders<br />

wichtig. Das kann man schon<br />

alleine an der Ausstellungsfläche<br />

sehen, die sehr nah an die Rekordwerte<br />

in 2018 heran kam“, sagt<br />

Evelyn Warwick abschließend.<br />

Internationale Top-Messe<br />

Auf der Ausstellerseite konnte die<br />

Euroblech in diesem Jahr einen<br />

Anteil von 62 % bei den ausländischen<br />

Ausstellern erzielen, was einer<br />

Steigerung der Internationalität von<br />

4 % entspricht. Dieser Trend setzt<br />

sich ebenfalls auf der Besucherseite<br />

fort: Einer ersten Auswertung der<br />

Messeanalyse zufolge kamen rund<br />

die Hälfte der Fachbesucher (56 %)<br />

aus dem Ausland, was die Euroblech<br />

zu einem noch internationaleren<br />

Event macht. Darüber hinaus gehen<br />

37 % aller Besucher zu keiner anderen<br />

Fachmesse, was ein Anstieg von<br />

10 % im Vergleich zu 2018 darstellt<br />

und die Bedeutung der Veranstaltung<br />

unterstreiche.<br />

Die wichtigsten Themen der Messer<br />

waren Digitalisierung, Nachhaltigkeit<br />

und Industrie 4.0. Viele der<br />

Produkte und Innovationen, die auf<br />

der Euroblech gezeigt wurden, sind<br />

mit einem starken Fokus auf Kostenund<br />

Ressourceneffizienz entwickelt<br />

worden.<br />

Sowohl Aussteller als auch Besucher<br />

zeigten sich äußerst zufrieden<br />

mit der Messe und ihren neu geknüpften<br />

Geschäftsbeziehungen. Besucher<br />

lobten vor allem die Vollständigkeit<br />

und die Internationalität des Messeangebots<br />

sowie die Qualität der Stände<br />

mit vielen Live-Demonstrationen<br />

zur Digitalisierung. Die Ausstellerfirmen<br />

gaben an, ein top qualifiziertes,<br />

internationales Fachpublikum mit<br />

hoher Entscheidungsbefugnis (80 %)<br />

angetroffen zu haben.<br />

Die Besucher kamen größtenteils<br />

aus der Industrie (72 %); weitere<br />

wichtige Bereiche waren Handel, das<br />

Handwerk und Dienstleistungen.<br />

Wichtigste Sektoren, aus denen die<br />

Besucher kamen, waren der Maschinenbau,<br />

Stahl- und Leichtmetallbau,<br />

Eisen-, Blech- und Blechprodukte, die<br />

Automobilindustrie sowie deren<br />

Zulieferer, Eisen- und Stahlerzeugung<br />

und die Elektrotechnik. 2<br />

www.euroblech.com<br />

38 <strong>Stahlreport</strong> 12|22


Bild: DVS Media GmbH/Christian Thieme<br />

Wie sich die Stahlindustrie zukunftsfähig transformieren kann –das diskutierte die Abschlussrunde des Hüttentags 2022, unter anderem mit<br />

Prof. Dr. Rainer Lindner, Vorsitzender des Vorstands der Heine + Beisswenger-Gruppe (Mitte).<br />

Hüttentag 2022<br />

Herausforderungen im Fokus<br />

Energie- und Klimawende stellen die Stahlbranche in ihrer gesamten Wertschöpfungskette vor enorme<br />

Herausforderungen. CO 2 -freie Thermoprozesse, nicht-fossile Energien für die Industrie oder auch die<br />

Dekarbonisierung des Schmelzbetriebes sind nur einige der konkreten Themen, die derzeit diskutiert werden.<br />

Konkrete Lösungen dafür standen im Mittelpunkt des Hüttentags 2022 für den die DVS Media GmbH und die<br />

Messe Essen als gemeinsame Veranstalter eine mehr als positive Bilanz zogen.<br />

340 Teilnehmer sowie 26 Aussteller und Sponsoren<br />

diskutierten am 17. und 18. November in Networking-Gesprächen,<br />

vor allem aber in Fachvorträgen,<br />

Keynotes und einer Podiumsdiskussion in der<br />

Messe Essen über die Stahlbranche in der Energieund<br />

Klimawende. Angesichts der vielen drängenden<br />

Fragen und Herausforderungen hatten die Veranstalter<br />

erstmals zwei Tage für den jährlichen Branchentreff<br />

der Stahlindustrie angesetzt. Unter der Schirmherrschaft<br />

von Essens Oberbürgermeister Thomas<br />

Kufen bot der Hüttentag 2022 insgesamt 40 Vorträge<br />

und Keynotes zu praxisgerechten Lösungen für die<br />

Stahlindustrie.<br />

„Der<br />

positive Zuspruch<br />

zeigt uns,<br />

dass wir mit dem<br />

Hüttentag den Nerv<br />

der Zeit voll und ganz<br />

getroffen haben.“<br />

Dirk Sieben, Geschäftsführer<br />

DVS Media<br />

Stahlindustrie auf dem Weg zur<br />

Klimaneutralität<br />

Den Auftakt bildete der Eröffnungsvortrag<br />

von Hans Jürgen Kerkhoff,<br />

Präsident der Wirtschaftsvereinigung<br />

Stahl, zum Thema „Perspektive<br />

klimaneutrale Stahlindustrie“.<br />

Im Anschluss fanden<br />

dreizügig insgesamt zehn verschiedene<br />

Vortragssessions statt,<br />

die konkrete Aspekte der Energieund<br />

Klimawende für die Stahlindustrie thematisierten.<br />

So widmeten sich die verschiedenen Fachvorträge<br />

im ersten Zug „CO 2 -freien Thermoprozessen“,<br />

„Nicht-fossilen Energien für die Industrie, der „Performancesteigerung<br />

mit KI und IIoT“ und Industrie<br />

4.0Lösungen in der Stahlindustrie“.<br />

Der zweite Vortragszug stellte die „Dekarbonisierung<br />

des Schmelzbetriebs“, die „Metallurgie“, „Feuerfest<br />

und Instandhaltung“ und die „Logistik in der<br />

Energiewende“ in den Fokus der einzelnen Fachvorträge.<br />

Der dritte Zug beschäftigte sich mit „Digitalisierungslösungen<br />

für die Stahlbranche“ und „Energieeinsparpotentiale<br />

angesichts angespannter<br />

Versorgungssituation“.<br />

Viele der im Laufe des Tages aufgezeigten<br />

Lösungen wurden später beim<br />

geselligen Hüttenabend weiter diskutiert,<br />

der mit einem Grußwort<br />

von Rudolf Jelinek, Bürgermeister<br />

der Stadt Essen, eingeläutet<br />

wurde. Besucher, Aussteller und<br />

Sponsoren nutzen den lockeren<br />

Rahmen des gut besuchten Hüttenabends<br />

natürlich auch zum<br />

Knüpfen neuer Kontakte. q<br />

<strong>Stahlreport</strong> 12|22<br />

39


Messen<br />

und Märkte<br />

XXXXX Berichte/Nachricht<br />

A XXXXX<br />

q Neue Wertschöpfungskette<br />

für Grünen Stahl<br />

Wie die neue Wertschöpfungskette<br />

für Grünen Stahl aussehen<br />

kann, war das zentrale Thema<br />

des zweiten Veranstaltungstages,<br />

der von hochkarätigen Keynotes<br />

und einer abschließenden<br />

Podiumsdiskussion mit allen<br />

Keynote-Speakern geprägt war.<br />

Nachdem der „Führungsanspruch<br />

auf dem Weg der Transformation“,<br />

der „Stahlhandel als<br />

Partner der Stahlindustrie: Mit<br />

Innovationen und Kundenfokus<br />

durch die Krise“, die „CO 2 -neutrale<br />

Veredelung von Flachstahl“<br />

erläutert und gezeigt worden<br />

war, wie Strukturwandel<br />

und Innovationen gestaltet sein<br />

müssen, um die „Stahlindustrie<br />

zukunftsfähig transformieren“<br />

zu können, ging Moderatorin<br />

Nadine Pungs in der abschließenden<br />

Podiumsdiskussion auf<br />

einzelne der genannten Aspekte<br />

weiter ein. Mit einem zusammenfassenden<br />

Ausblick wurden<br />

Gäste und Austeller dann gegen<br />

Mittag verabschiedet.<br />

„Wir freuen uns sehr, dass<br />

der diesjährige Hüttentag so viel<br />

positiven Zuspruch bekommen<br />

hat. Das zeigt uns, dass wir mit<br />

den ausgewählten Themen und<br />

Vorträgen den Nerv der Zeit voll<br />

und ganz getroffen haben. Die<br />

Stahlbranche hat mit enormen<br />

Herausforderungen zu kämpfen.<br />

Dass der Hüttentag dazu<br />

beitragen konnte, praxisorientierte<br />

Lösungen aufzuzeigen, ist<br />

ein gutes Gefühl“, sagte Dirk<br />

Sieben, Geschäftsführer der<br />

DVS Media GmbH. Der nächste<br />

Hüttentag ist für den November<br />

2023 geplant. 2<br />

[Kontakt]<br />

DVS Media GmbH<br />

Aachener Straße 172<br />

40223 Düsseldorf<br />

+ 49 211 1591-0<br />

media@dvs-media.info<br />

www.home-of-steel.de<br />

KfW-Konjunkturkompass Herbst 2022<br />

Rezession nur aufgeschoben<br />

Der Kaufkraftschwund, die enorme Unsicherheit infolge von<br />

Ukraine-Krieg, Energiekrise und Covid-Pandemie, der Zinsanstieg<br />

und die schwache Weltwirtschaft belasten die Konjunktur in<br />

Deutschland. Nach dem von überraschend starken Nachholeffekten<br />

beim privaten Konsum getriebenen Zuwachs im Sommer werde<br />

Deutschland im Schlussquartal 2022 in die Rezession rutschen.<br />

KfW Research rechnet für<br />

das Winterhalbjahr 2022/2023 mit<br />

spürbar negativen Quartalswachstumsraten<br />

von mindestens einem<br />

halben Prozent und erst ab dem<br />

Sommer 2023 wieder mit der Rückkehr<br />

auf einen moderaten Wachstumspfad.<br />

Insgesamt werde das<br />

deutsche Bruttoinlandsprodukt<br />

2022 um 1,7 % wachsen, 2023 aber<br />

um 1,0 % schrumpfen (Vorprognose:<br />

+1,4 % und -0,3 %).<br />

„Der kurzlebige Wachstumssprint<br />

im Sommer hat die Rezession<br />

in Deutschland aufgeschoben –aber<br />

sie kommt“, sagte Dr. Fritzi Köhler-Geib,<br />

Chefvolkswirtin der KfW.<br />

„Die Schrumpfung im kommenden<br />

Jahr wird mit -1,0 % allerdings recht<br />

moderat sein, insbesondere gemessen<br />

an den Einbrüchen der Wirtschaftsleistung<br />

in vorangegangenen<br />

Krisenjahren. Während der<br />

Finanzkrise 2009 war das Bruttoinlandsprodukt<br />

um 5,7 %, während<br />

des ersten Corona-Jahrs 2020 um<br />

3,7 % geschrumpft.“ Für die Einordnung<br />

der beginnenden Rezession<br />

als moderat spreche zudem, dass<br />

die Unternehmen angesichts wachsender<br />

Fachkräfteknappheiten<br />

bestrebt sein dürften, ihr Personal<br />

möglichst zu halten, weshalb trotz<br />

rückläufiger Wirtschaftsleistung<br />

von einem nahezu stabilen Arbeitsmarkt<br />

auszugehen sei.<br />

Wirtschaft bei Investitionen<br />

zurückhaltend<br />

Die multiplen Krisen sorgen für<br />

anhaltenden Pessimismus in der<br />

Wirtschaft. Dieser wird –zusammen<br />

mit der enormen Unsicherheit,<br />

den inflationsbedingten Kaufkraftverlusten,<br />

den höheren Zinsen und<br />

der Verschärfung der Finanzierungsbedingungen<br />

–die private<br />

Investitionstätigkeit belasten. Trotz<br />

„Die stärkere<br />

Investitionszurückhaltung<br />

ist der wesentliche<br />

Grund, weswegen wir nun<br />

für 2023 von einer etwas ausgeprägteren<br />

Schrumpfung ausgehen<br />

als in unserer Vorprognose<br />

aus dem August.“<br />

Dr. Fritzi Köhler-Geib,<br />

Chefvolkswirtin der KfW<br />

40 <strong>Stahlreport</strong> 12|22


stützender Impulse aus Energiewendeprojekten<br />

wird es im kommenden<br />

Jahr zu einer erheblichen<br />

Zurückhaltung bei den Unternehmensinvestitionen<br />

wie auch im<br />

Wohnbau kommen.<br />

Ungeachtet der Energiepreisbremsen<br />

für Gas, Fernwärme und<br />

Strom müssen sich die privaten<br />

Haushalte wie auch die Unternehmen<br />

im Vergleich zu den Jahren<br />

zuvor auf spürbar höhere Energieund<br />

Lebenshaltungskosten einstellen.<br />

Im Verlauf von 2023 dürfte die<br />

monatlich gemeldete Inflationsrate<br />

zwar wieder sinken, zunächst<br />

jedoch nur graduell. Die Preisschübe<br />

bei Gütern am Anfang der Wertschöpfungskette<br />

wie insbesondere<br />

Energie und Lebensmittel werden<br />

noch deutlicher auf die nachgelagerten<br />

Produktionsstufen übergreifen<br />

und wenigstens teilweise die<br />

kommenden Lohnabschlüsse prägen.<br />

Die angesichts der vielfachen<br />

Fachkräfteengpässe dann wohl<br />

stärker anziehenden Löhne und<br />

Dienstleistungspreise werden den<br />

Bild: Kfw<br />

Druck auf die Kerninflationsrate –<br />

also die Inflationsrate ohne Energieund<br />

Lebensmittelpreise –hochhalten.<br />

Mittelfristig dürften die<br />

Rezession und die geldpolitische<br />

Straffung der Europäischen Zentralbank<br />

aber auch dämpfend auf die<br />

Kerninflation wirken. Für den<br />

Durchschnitt des Jahres 2022 ist<br />

ein Anstieg der Verbraucherpreise<br />

um 8,8 % und für 2023 um noch<br />

immer hohe 6,2 % zu erwarten. Die<br />

geldpolitische Zielmarke von 2 %<br />

wird weiterhin verfehlt.<br />

Wachstum vom Ressourcenverbrauch<br />

entkoppeln<br />

Das Wirtschaftswachstum hat vielfältige<br />

soziale und ökologische Folgen;<br />

es ist eine notwendige, aber<br />

keine hinreichende Bedingung für<br />

nachhaltigen Wohlstand. Nach<br />

einem neuen Indikator von KfW<br />

Research, der den mit der vorhergesagten<br />

Wirtschaftsleistung einhergehenden<br />

Ausstoß von Treibhausgasen<br />

abschätzt und diese so<br />

mit einem ökologischen Preisschild<br />

versieht, wird der deutsche Ausstoß<br />

von Treibhausgasen zwar sinken,<br />

jedoch um schätzungsweise 6 %<br />

(2022) beziehungsweise 5 % (2023)<br />

weniger als politisch angestrebt.<br />

„Mit unserem neuen Indikator wollen<br />

wir das Bewusstsein für den<br />

kurzfristigen Trade-off zwischen<br />

mehr Gütern und Einkommen<br />

einerseits und der Beanspruchung<br />

zentraler Naturressourcen andererseits<br />

noch weiter schärfen“, erläutert<br />

Köhler-Geib. „Sein aktuelles<br />

Signal ist mehr als deutlich: Der<br />

klimapolitische Handlungsdruck<br />

bleibt trotz Rezession unverändert<br />

hoch und wir müssen das Wachstum<br />

noch deutlich stärker vom Ressourcenverbrauch<br />

entkoppeln“. 2<br />

Der aktuelle KfW-<br />

Konjunkturkompass ist<br />

abrufbar unter www.kfw.de/<br />

konjunkturkompass.<br />

[Kontakt]<br />

KfW<br />

Palmengartenstraße 5–9<br />

60325 Frankfurt<br />

+49 69 7431-0<br />

info@kfw.de<br />

www.kfw.de<br />

Einkaufsmanager-Index Oktober<br />

Deutsche Industrie hat ihren<br />

Abschwung beschleunigt<br />

Der saisonbereinigte S&P Global/<br />

BME Einkaufsmanager-Index (EMI) ist im<br />

Oktober noch weiter unter die Wachstumsschwelle<br />

von 50,0 Punkten gesunken. Mit<br />

45,1 nach 47,8 im Vormonat wurde zudem<br />

der niedrigste Wert seit der ersten Corona-Welle<br />

im Frühjahr 2020 erreicht, teilte<br />

S&P Global mit.<br />

Das erneute Absacken des EMI lag vor<br />

allem an den kräftigeren Einbußen sowohl<br />

bei der Produktion als auch bei den Auftragseingängen.<br />

Letztere schrumpften<br />

mit einer der markantesten Raten in der<br />

Umfragegeschichte. Lediglich während der<br />

globalen Finanzkrise und zu Beginn der<br />

Corona-Pandemie fielen die Rückgänge<br />

noch heftiger aus. Zahlreiche Befragte<br />

berichteten, dass in erster Linie die hohe<br />

Inflation, die steigenden Energiekosten<br />

sowie die zunehmende Zurückhaltung der<br />

Kunden angesichts der unsicheren Aussichten<br />

die Nachfrage drückten, was wiederum<br />

zur Drosselung der Fertigung bei vielen<br />

Unternehmen führte.<br />

„Ein Ende des Negativtrends ist nicht in<br />

Sicht. Im Gegenteil. Die finalen Oktober-Daten<br />

des EMI bestätigen den seit Juli anhaltenden<br />

Abschwung, denn auch im Berichtsmonat<br />

notierte der deutsche PMI mit 45,1<br />

deutlich unter der 50-Punkte-Referenzlinie“,<br />

betonte Dr. Helena Melnikov, Hauptgeschäftsführerin<br />

des Bundesverbandes<br />

Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V.<br />

(BME), am Freitag in Eschborn. Schrumpfende<br />

Auftragseingänge und ein sich weiter<br />

verdüsternder Geschäftsausblick seien<br />

deutliche Warnzeichen für eine drohende<br />

Rezession.<br />

www.bme.de/emi<br />

<strong>Stahlreport</strong> 12|22<br />

41


Messen<br />

und Märkte<br />

Bericht/Nachrichten<br />

Bilder: ifo Institut<br />

Leicht sinkendes BIP für 2023 prognostiziert: Prof. Clemens Fuest,<br />

Präsident des ifo-Instituts, beim Branchendialog<br />

Forum Bauwirtschaft auf dem ifo-Branchendialog<br />

(v.l.n.r. Heinrich Weitz, Hartmut Möller, Jörg Feger)<br />

ifo-Branchendialog 2022<br />

Globale Lieferketten bleiben eine Herausforderung<br />

Im November kamen rund einhundert Experten aus Industrie, Handel, Verbänden und wissenschaftlichen Instituten zum<br />

ifo-Branchentreff in München zusammen, um über die konjunkturellen Aussichten und vor allem die Herausforderungen<br />

von globalen Lieferketten zu diskutieren. Eingangs stellte der Präsident des ifo-Instituts, Prof. Clemens Fuest, die<br />

aktuellen BIP-Prognosen für das fast schon abgelaufene und das kommende Jahr 2023 vor, für das mittlerweile von<br />

einem leichten Rückgang des BIP ausgegangen wird.<br />

[Kontakt]<br />

ifo Institut – Leibniz-<br />

Institut für Wirtschaftsforschung<br />

an der<br />

Universität München e.V.<br />

Poschingerstraße 5<br />

81679 München<br />

+49 89 9224-0<br />

ifo@ifo.de<br />

www.ifo.de<br />

Waren für 2022 Anfang des<br />

Jahres alle führenden Wirtschaftsforschungsinstitute<br />

noch optimistisch<br />

und hatten ein Wachstum von<br />

um die 3 % prognostiziert, geht man<br />

mittlerweile von einem leichten<br />

Rückgang des Bruttoinlandsprodukts<br />

(BIP) aus. Ähnlich sieht es<br />

für 2023 aus. Hier wird nunmehr<br />

mit einem leichten Wachstum<br />

knapp unter 1 % gerechnet.<br />

Energie bleibt kritisches Thema<br />

Auch einer der wichtigsten Gradmesser<br />

für die Stimmung in der<br />

Wirtschaft, der ifo-Konjunkturklimaindex,<br />

zeigt eine deutliche Verunsicherung<br />

bei den Unternehmen.<br />

Dabei wird die aktuelle wirtschaftliche<br />

Lage noch als ganz passabel<br />

beurteilt, die Geschäftserwartungen<br />

werden jedoch zurzeit so<br />

schwach wie selten gesehen. Besonders<br />

kritisch werden die Themen<br />

Energiepreise und die damit einhergehenden<br />

Inflationsraten gesehen.<br />

Forderungen nach verstärkter<br />

Abschottung gegen autokratisch<br />

geführte Länder und Tendenzen zu<br />

De-Globalisierung im Handel aufgrund<br />

politischer Differenzen sah<br />

Fuest aus wirtschaftlicher Sicht kritisch.<br />

Der Rückbau von Wertschöpfungsketten<br />

habe immer auch nachteilige<br />

ökonomische Konsequenzen<br />

für die eigene Volkswirtschaft.<br />

Auf das Thema Lieferketten<br />

wurde anschließend intensiv in<br />

vier Foren eingegangen, die sich<br />

mit den Schwerpunktthemen<br />

Industrie, Handel, Bauwirtschaft<br />

und Dienstleistungen beschäftigten.<br />

Hierzu waren Experten aus<br />

Unternehmen, vor allem aber von<br />

Verbänden und anderen Institutionen<br />

eingeladen.<br />

Versorgungsituation bei Stahl<br />

Im Forum Bauwirtschaft schilderte<br />

Jörg Feger, Bereichsleiter Research<br />

im Bundesverband Deutscher<br />

Stahlhandel, die Versorgungssituation<br />

mit Stahlerzeugnissen in der<br />

EU besonders nach dem russischen<br />

Angriff auf die Ukraine und den<br />

danach verhängten Sanktionen der<br />

EU. Für andere Baustoffe zeichnete<br />

Hartmut Möller, Geschäftsführer<br />

für den Einkauf bei Eurobaustoff,<br />

ein Bild der Lage. Über alle Baustoffe<br />

hinweg wurde deutlich, dass<br />

es in den letzten beiden Jahren zu<br />

bisher nicht gekannten Schwierigkeiten<br />

entlang der Wertschöpfungsketten<br />

gekommen war. Diese<br />

wurden begleitet von Befürchtungen<br />

über Verknappungen und<br />

unzureichender Materialverfügbarkeit.<br />

Produktübergreifend konnte<br />

jedoch festgestellt werden, dass<br />

Bauprodukte nicht in großem Stil<br />

und nur sehr temporär knapp<br />

waren –und der Handel trotz aller<br />

Schwierigkeiten seiner Aufgabe<br />

gerecht werden und seine Kunden<br />

versorgen konnte. Dies war zum<br />

Teil mit Erzeugnissen aus Lieferländern<br />

der Fall, die bisher auf dem<br />

europäischen Markt keine große<br />

Rolle gespielt hatten. Das Preisniveau<br />

lag dabei jedoch meist signifikant<br />

höher als es bislang der Fall<br />

war. 2<br />

42 <strong>Stahlreport</strong> 12|22


Antrieb kommt aus dem Ausland<br />

Bestellungen in der Umformtechnik bleiben im Plus<br />

Im dritten Quartal 2022 stieg der<br />

Auftragseingang der deutschen Umformtechnik<br />

im Vergleich zum Vorjahreszeitraum<br />

um 7 %. Dabei sanken die Bestellungen aus<br />

dem Inland um 1 %, die Auslandsnachfrage<br />

stieg um 10 % zu. In den ersten neun Monaten<br />

2022 stieg die Nachfrage insgesamt um<br />

15 %. Dazu steuerten das Inland 2 % Plus<br />

und das Ausland 21 % Plus hinzu.<br />

„Die Aufträge in unserer Branche haben<br />

sich trotz aller Widrigkeiten bis jetzt gut<br />

gehalten. Zwar ist eine klare Wachstumsabschwächung<br />

zu erkennen, aber sowohl der<br />

September als auch das dritte Quartal sind<br />

positiv“, kommentiert Dr. Wilfried Schäfer,<br />

Geschäftsführer des VDW, das Ergebnis.<br />

Umformung und Zerspanung haben sich<br />

zuletzt auseinanderentwickelt. Die Zerspanung<br />

legte in den ersten drei Quartalen des<br />

Jahres doppelt so stark zu wie die Umformtechnik.<br />

Auch investieren inländische<br />

Abnehmer noch mit einem zweitstelligen<br />

WSM mahnt erweiterte Härtefall-Regelung an<br />

Stahl- und Metallverarbeiter rufen nach Schutzschirm<br />

„Der Konjunkturhimmel der Stahl<br />

und Metall verarbeitenden Industrie ist<br />

grauer als 2021“ –so bewertet der Wirtschaftsverband<br />

Stahl- und Metallverarbeitung<br />

e.V. (WSM) den aktuellen Jahresverlauf<br />

ihrer Branche. Trotz kleinem Plus im dritten<br />

Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum<br />

sind die Zahlen für 2022 dem Verband<br />

zufolge zurückgegangen: Die diesjährige<br />

Produktion sank bis Ende September um<br />

0,7 %, der Auftragseingang um 7 %. Da<br />

bereits 2021 rückläufig war, fürchtet der<br />

WSM eine Verfestigung des Negativtrends.<br />

Als Schutzschirm fordert er daher u. a. eine<br />

Härtefallregelung, „die die Industrie mitnimmt“,<br />

so der Verband.<br />

Der Stahl und Metall verarbeitende Mittelstand<br />

verliert zudem nicht nur im Vergleich<br />

zu 2021, auch das laufende Geschäftsjahr<br />

entwickelt sich unerfreulich: Gegenüber dem<br />

zweiten Quartal sank die Produktion im dritten<br />

um 0,5 %, der Auftragseingang um 5 %.<br />

„Diese Zahlen lassen keinen positiven Ausklang<br />

des Jahres erwarten. Die Politik muss<br />

Anstieg in Zerspanungstechnologie, während<br />

die Umformung mit ihrem dominanten<br />

Projektgeschäft nominal nur noch 2 % Plus<br />

verbucht.<br />

Gleichzeitig ist die Kapazitätsauslastung in<br />

der Umformtechnik im Oktober dieses Jahres<br />

auf 94,3 % gewachsen. „Allerdings steht<br />

der Umsatz nach einem dreiviertel Jahr mit<br />

6 % im Minus. Dies erklärt sich mit den Lieferengpässen,<br />

aber auch mit einer starken<br />

Vorjahresbasis. 2021 war der Umsatz deutlich<br />

um ein Fünftel gewachsen“, erläutert<br />

Schäfer.<br />

Für das vierte Quartal erwartet die Werkzeugmaschinenbranche<br />

insgesamt eine<br />

spürbare Abkühlung der Aufträge. Insbesondere<br />

Deutschland und Europa hinken<br />

hinterher, während Asien und Amerika, die<br />

von der Energiekrise wenig betroffen sind,<br />

eher stützen sollen.<br />

www.vdw.de<br />

jetzt dafür sorgen, dass die angespannten<br />

Wertschöpfungsstrukturen des deutschen<br />

Wohlstandsfundamentes nicht weiter einreißen.<br />

Der geplante Schutzschirm ist für viele<br />

Unternehmen noch nicht wasserdicht – ihre<br />

Liquidität ist angegriffen, sie brauchen mehr<br />

Unterstützung“, so Holger Ade, Leiter Industrie-<br />

und Energiepolitik beim WSM.<br />

Sorgen machen demnach u. a. die bisher<br />

bekannten Rahmenbedingungen der<br />

Härtefallregelung bei Gaspreisdeckel und<br />

Strompreisbremse. „In der jetzigen Form<br />

gilt die Härtefallregelung nur für private<br />

Haushalte und Kleingewerbe. Es gibt aber<br />

Unternehmen, die selbst mit gedeckelten<br />

Energiepreisen nicht mehr wettbewerbsfähig<br />

produzieren können. Auch das sind Härtefälle“,<br />

betont WSM-Hauptgeschäftsführer<br />

Christian Vietmeyer. Der Bezugszeitraum<br />

muss laut WSM ebenfalls auf den Prüfstand<br />

– u. a. fordert der Verband eine passende<br />

Lösung für die Flutopfer 2021.<br />

www.wsm-net.de<br />

Vorläufiges Ausstellerverzeichnis<br />

veröffentlicht<br />

Hoher Anmeldestand bei<br />

EMO 2023<br />

Bereits bis Ende November hatten<br />

sich mehr als 1.000 Aussteller zur EMO<br />

Hannover 2023 angemeldet. „Wir freuen<br />

uns sehr über diesen großen Zuspruch<br />

internationaler Firmen nach vier Jahren<br />

Pause in Hannover“, sagte Martin Göbel,<br />

Leiter Messen beim EMO-Veranstalter<br />

VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken.<br />

Mit dabei sind namhafte Firmen<br />

aus 36 Ländern. 64 % der angemeldeten<br />

Unternehmen kommen aus dem<br />

Ausland. Die größten Kontingente stellen<br />

neben Deutschland Italien, Taiwan und<br />

die Schweiz.<br />

„Nach den Erfahrungen der Corona-Pandemie<br />

freuen sich die Hersteller von Produktionstechnologie<br />

sehr, sich ihren Kunden<br />

wieder persönlich präsentieren zu<br />

können, ihnen neue Produkte und Dienstleistungen<br />

vorzustellen, mit ihnen zu diskutieren,<br />

zu verhandeln und letztendlich<br />

auch Geschäfte zu machen“, weiß Göbel<br />

vom VDW. Diese Aufgeschlossenheit und<br />

gute Stimmung hätten große Messen in<br />

anderen Branchen bereits gezeigt.<br />

Seit dem 1. Dezember ist die offizielle<br />

Anmeldefrist ausgelaufen. Auf der Internetseite<br />

der EMO Hannover finden Interessierte<br />

alle Informationen rund um die<br />

Messe und die Online-Anmeldung, auch<br />

das vorläufige Ausstellerverzeichnis ist ab<br />

sofort einzusehen.<br />

www.emo-hannover.de/anmeldung<br />

www.emo-hannover.de/<br />

ausstellerverzeichnis<br />

<strong>Stahlreport</strong> 12|22<br />

43


Im Teilnahmepreis enthalten sind umfangreiche Unterlagen, Pausengetränke, Mittagessen und ein Abendessen.<br />

*) Persönliches DGM-Mitglied | Mitarbeiter/-in eines DGM-Mitgliedsunternehmens /-institutes. Bitte geben Sie bei der<br />

Anmeldung Ihre persönliche Mitgliedsnummer bzw. die Firmenmitgliedsnummer an.<br />

Titel . Vorname . Name<br />

Weitere Teilnehmer<br />

Firma . Universität<br />

Abteilung . Institut<br />

Straße<br />

PLZ . Ort . Land<br />

DGM-Mitgliedsnummer (wenn vorhanden)<br />

Geburtsdatum<br />

Telefon . Telefax<br />

E-Mail<br />

Datum, Unterschrift<br />

Nach Ihrer Anmeldung erhalten Sie eine Anmeldebestätigung. Wir legen großen Wert auf die Sicherheit aller Teilnehmenden<br />

und Mitarbeitenden. Hierfür bitten wir Sie, unsere Sicherheitsmaßnahmen (dgm.de/sicherheit) bei der Buchung Ihrer<br />

Anmeldung zu beachten. Es gelten ausschließlich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der DGM-Inventum GmbH sowie<br />

die Teilnahmebedingungen für Fortbildungen, zu finden auf www.inventum.de/agb. Durch die Anmeldung erklären Sie sich<br />

mit der Speicherung personenbezogener Daten für die Zwecke der Veranstaltungsabwicklung sowie künftiger Informationszusendung<br />

durch die DGM einverstanden. Die Datenspeicherung unterliegt den datenschutzrechtlichen Bestimmungen.<br />

Ausführliche Informationen zu unseren Datenschutzrichtlinien finden Sie unter: www.inventum.de/datenschutz.<br />

Veranstalter:<br />

Im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Materialkunde e. V. (DGM):<br />

DGM-INVENTUM GmbH | Marie-Curie-Straße 11-17 | 53757 Sankt Augustin | GERMANY<br />

Messen<br />

und Märkte<br />

Termine<br />

bvik<br />

Ihre Anmeldung<br />

Termin:<br />

Teilnahmepreise (inkl. 19% MwSt.)<br />

Tag der<br />

Industriekommunikation 2023<br />

Am 22. Juni 2023 geht es auf dem<br />

Tag der Industriekommunikation (TIK) des<br />

Bundesverbands Industrie Kommunikation<br />

e.V. (bvik) um die Trends des B2B-Marketings<br />

der Zukunft. Unter dem Motto „Building<br />

Bridges into the B2B-Future“ wirft das<br />

B2B-Marketing-Event des bvik in Fürstenfeldbrück<br />

auch 2023 mit hochkarätigen<br />

Speakern aus Industrie und Wissenschaft<br />

einen Blick auf die Trends der B2B-Branche:<br />

Change Management, New Work, Diversity,<br />

Account Based Marketing & Co. Keynote-Vorträge<br />

und Best Cases aus der Industrie<br />

bieten wertvolle Impulse für.<br />

Wann: 22.06.2023<br />

Wo: Fürstenfeldbrück<br />

https://bvik.org/tik-2023<br />

DGM-Mitglieder* | Regulär 1.225 € | 1.300 €<br />

DGM-Nachwuchs* | Nachwuchsteilnehmer (


Messekalender<br />

Datum Messe Ort Info<br />

Immer aktuell<br />

auch auf<br />

www.stahlreport.com<br />

19.01.2023 Green Day 2023 Düsseldorf www.stahlhandel.com<br />

31.01.–01.02.2023 BDS-Seminar: Stahleinkauf kompakt Duisburg www.stahlhandel.com<br />

7./14./21.02.2023 BDS-Seminar: Kreative Arbeitsansätze zur Steigerung der Umsatzrentabilität – onlie www.stahlhandel.com<br />

dies vor dem Hintergrund der Kleinlosproblematik<br />

21.–23.02.2023 BDS-Seminar: Stahlkunde Dortmund www.stahlhandel.com<br />

26.02.–02.03.2023 EuroCIS, The Leading Trader Fair for Retail Technology Düsseldorf www.eurocis.com<br />

06.–08.03.2023 BDS-Seminar: Rohre und Rohrzubehör Paderborn www.stahlhandel.com<br />

07.–10.03.2023 Intec, Internationale Fachmesse für Werkzeugmaschinen, Leipzig www.messe-intec.de<br />

Fertigungs- und Automatisierungstechnik<br />

07.–10.03.2023 Z, Internationale Zuliefermesse für Teile, Komponenten, Module und Technologien Leipzig www.zuliefermesse.de<br />

21.–23.03.2023 Fastener Fair, Internationale Fachmesse der Verbindungs- und Befestigungsbranche Stuttgart www.fastenerfair.com<br />

17.–21.04.2023 Hannover Messe Hannover www.hannovermesse.de<br />

17.–22.04.2023 BAU, Weltleitmesse für Architektur, Materialien, Systeme München www.bau-muenchen.com<br />

18.–19.04.2023 BDS-Seminar: Stahleinkauf kompakt Duisburg www.stahlhandel.com<br />

25.–27.04.2023 LogiMAT, Fachmesse für Intralogistik-Lösungen und Prozessmanagement Stuttgart www.logimat-messe.de<br />

25.–27.04.2023 Cutting World, Fachmesse für professionelle Schneidtechnik Essen www.cuttingworld.de<br />

02.–06.05.2023 METPACK, Weltleitmesse für Metallverpackungen Essen www.metpack.de<br />

03.–04.05.2023 BDS-Seminar: Blankstahl Ludwigsburg www.stahlhandel.com<br />

04.–10.05.2023 Interpack –Processing & Packaging Düsseldorf www.interpack.de<br />

09.–11.05.2023 SENSOR + TEST, Messtechnik-Messe Nürnberg www.sensor-test.de<br />

09.–12.05.2023 Control, Internationale Fachmesse für Qualitätssicherung Stuttgart www.control-messe.de<br />

10.–11.05.2023 BDS-Seminar: Mehr Umsatz, Ertrag und Kunden II Hamburg www.stahlhandel.com<br />

10.–13.05.2023 Lamiera Mailand www.lamiera.net<br />

23.–25.05.2023 Learntec, Internationale Fachmesse und Kongress für Bildung Karlsruhe www.learntec.de<br />

12.–16.06.2023 GIFA, METEC, THERMPROCESS und NEWCAST Düsseldorf www.gifa.de, www.metec.de<br />

13.–16.06.2023 Moulding Expo, Internationale Fachmesse Werkzeug-, Modell- und Formenbau Stuttgart www.messe-stuttgart.d<br />

13.–16.06.2023 SawExpo, Messe für Trenn- und Zerspanungstechnik Friedrichshafen www.sawexpo.de<br />

27.–30.06.2023 automatica, Weltleitmesse für intelligente Automation und Robotik München www.automatica-munich.com<br />

04.–06.07.2023 digitalBAU, Fachmesse für digitale Lösungen in der Baubranche Köln www.digital-bau.com<br />

11.–15.09.2023 SCHWEISSEN & SCHNEIDEN, Weltleitmesse Fügen, Trennen, Beschichten Essen www.schweissen-schneiden.com<br />

18.–23.09.2023 EMO Hannover, Weltleitmesse der Produktionstechnologie Hannover www.emo-hannover.de<br />

19.–20.09.2023 BDS-Seminar: Stahleinkauf kompakt Duisburg www.stahlhandel.com<br />

26.–28.09.2023 parts2clean Stuttgart www.parts2clean.de<br />

28.–29.09.2023 BDS –29. Stahlhandelstag 2023 Magdeburg www.stahlhandel.com<br />

10.–11.10.2023 BDS-Seminar: Grobbleche Wernigerode www.stahlhandel.com<br />

10.–12.10.2023 DeburringEXPO Karlsruhe www.deburring-expo.de<br />

10.–13.10.2023 Motek, Internationale Fachmesse für Produktions- und Montageautomatisierung Stuttgart www.motek-messe.de<br />

10.–13.10.2023 Bondexpo, Internationale Fachmesse für Klebtechnologie Stuttgart www.bondexpo-messe.de<br />

24.–25.10.2023 BDS-Seminar: Auszubildende im Fokus Kassel www.stahlhandel.com<br />

24.–27.10.2023 A+A, 2023, Weltleitmesse für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit Düsseldorf www.aplusa.de<br />

07.–10.11.2023 Blechexpo, Internationale Fachmesse für Blechbearbeitung Stuttgart www.blechexpo-messe.de<br />

Treffpunkt Stahlhandel, BDS-Gemeinschaftsstand auf der Blechexpo, Halle 10<br />

07.–10.11.2023 Schweistec, Internationale Fachmesse für Fügetechnologie Stuttgart www.schweisstec-messe.de<br />

12.–13.12.2023 BDS-Seminar: Stahleinkauf kompakt Duisburg www.stahlhandel.com<br />

16.–18.01.2024 EUROGUSS, Internationale Fachmesse für Gruckguss, Technik, Prozesse, Produkte Nürnberg www.euroguss.de<br />

16.–19.01.2024 Swissbau, Fachmesse der Bau- und Immobilienwirtschaft in der Schweiz Basel www.swissbau.ch<br />

23.–26.01.2024 Nortec, Fachmesse für Produktion Hamburg www.nortec-hamburg.de<br />

20.–23.02.2024 METAV, 23. Internationale Messe für Technologien der Metallbearbeitung Düsseldorf www.metav.de<br />

03.–06.03.2024 Internationale Eisenwarenmesse Köln www.eisenwarenmesse.de<br />

09.–12.04.2024 PaintExpo, Weltleitmesse für industrielle Lackiertechnik Karlsruhe www.paintexpo.de<br />

15.–19.04.2024 wire und Tube, Internationale Fachmesse für Rohr, Röhren, Herstellung und Düsseldorf www.tube.de<br />

Verarbeitung sowie internationale Messe der Draht- und Kabelindustrie<br />

www.wire.de<br />

Treffpunkt Stahlhandel, BDS-Gemeinschaftsstand auf der Tube, Halle 1<br />

15.–19.04.2024 MACH, Internationale Fachmesse für Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnologie Birmingham www.machexhibition.com<br />

23.–26.04.2024 IFH Intherm Nürnberg www.ifh-intherm.de<br />

14.–.17.05.2024 GrindingHub –von der Branche für die Branche Stuttgart www.grindinghub.de<br />

04.–06.06.2024 LASYS Fachmesse für Systemlösungen für die Laser-Materialbearbeitung Stuttgart www.messe-stuttgart.de/lasys<br />

04.–06.06.2024 CastForge, Fachmesse für Guss- und Schmiedeteile mit Bearbeitung Stuttgart www.messe-stuttgart.de/castforge<br />

04.–06.06.2024 Surface Technology Germany 2022,<br />

Sie möchten Ihre Veranstaltung bei uns im Kalender sehen?<br />

Kommen Sie gern auf uns zu unter +49 211 86497-0 oder jung-bds@stahlhandel.com<br />

<strong>Stahlreport</strong> 12|22<br />

45


Wissenswertes<br />

Bericht<br />

Schnell installiert, mobil abgefragt: Asset<br />

Tracker von Sensolus.<br />

Sensolus_Asset Tracking ermöglicht, unternehmensinterne Prozesse wie gesamte<br />

Lieferketten durchgehend transparent zu machen –und so erhebliche Effizienzpotenziale<br />

zu heben.<br />

Bilder: Sensolus<br />

IoT-Experte Sensolus digitalisiert die Lieferkette<br />

Der smarte Weg des Asset-Trackings<br />

Der Blick auf ein klassisches Industrieunternehmen zeigt hunderte wertvolle Assets, darunter Container, Anlagen und<br />

Erzeugnisse, die täglich in Gebrauch sind. Oft liegen dazu jedoch nur wenige Daten vor –etwa wo sie sich aktuell befinden,<br />

wie sie genutzt werden und wie sich die Abläufe mit ihnen und um sie herum verbessern lassen. Die Lösung: Durch die<br />

Verbindung der Assets mit dem Internet können Unternehmen Prozessprobleme unterschiedlichster Art rechtzeitig<br />

erkennen und effizient lösen. Sensolus, ein belgisches Internet of Things-Industrieunternehmen sorgt für vollständige<br />

Transparenz sogenannter nicht angetriebener Assets und liefert wichtige Erkenntnisse zur Verbesserung logistischer<br />

Abläufe<br />

INFO Über Sensolus<br />

Sensolus ist ein Internet of Things (IoT)-Industrieunternehmen,<br />

das nicht angetriebene Assets wie Anhänger<br />

und Container mit einer End-to-End-Lösung ortet und<br />

Betrieben dabei hilft, bessere datengestützte Geschäftsentscheidungen<br />

zu treffen. Das in Gent ansässige Scale-up<br />

wurde 2013 von vier IoT-Enthusiasten gegründet<br />

und beschäftigt aktuell 35 Mitarbeiter. Um den individuellen<br />

Kundenanforderungen gerecht zu werden, verfügt<br />

Sensolus auch im wichtigen Markt Deutschland über<br />

technische Experten und einen deutschen Kundenservice.<br />

Das Unternehmen ist in verschiedenen Branchen<br />

tätig, von der Luft- und Raumfahrt über die Automobilindustrie<br />

und Logistik bis hin zur industriellen Fertigung<br />

und der Abfallwirtschaft. Kunden wie Airbus, Atlas<br />

Copco und AB InBev greifen täglich auf die IoT-Lösung<br />

von Sensolus zurück. Mehr als 150.000 Objekte können<br />

auf der Plattform in Echtzeit verfolgt werden.<br />

Keine „Bauchentscheidungen“<br />

mehr<br />

Einzigartig in der Branche: Die Plug<br />

and Play-Lösung von Sensolus beinhaltet<br />

sowohl die Soft- als auch die<br />

Hardware aus einer Hand. Die drahtlosen<br />

Tracker sind dabei mit einer<br />

offenen IoT-Plattform verbunden.<br />

Und diese liefert Erkenntnisse für<br />

die Bereiche Bestandsmanagement,<br />

Diebstahlschutz, Zustandssowie<br />

Auslastungsüberwachung, Prozessablaufanalyse<br />

und Wartung. Unternehmen<br />

müssen Entscheidungen so<br />

nicht mehr aufgrund eines Bauchgefühls<br />

treffen –denn verlässliche<br />

und detailgetreue Daten geben<br />

ihnen den Weg vor. Die Technologie<br />

von Sensolus ist mit bestehenden<br />

ERP-Systemen und Datenvisualisiesolus<br />

zufolge hohe Effizienzgewinne<br />

möglich, die zu einer Gesamtkostensenkung<br />

von bis zu 30 % führen<br />

können. Darüber hinaus sorgt die<br />

Optimierung der Lieferkette für<br />

weniger Emissionen und Abfälle.<br />

Auch während der Corona-Pandemie,<br />

in der Lieferketten besonders<br />

instabil waren und teils noch sind,<br />

bieten Tracker und Sensoren einen<br />

erhöhten Mehrwert.<br />

„Unsere Technologie wird weltweit<br />

bereits erfolgreich eingesetzt.<br />

Nun möchten wir uns noch stärker<br />

auf die DACH-Region und besonders<br />

auf den deutschen Markt konzentrieren.<br />

Hier sehen wir großes Potenzial.<br />

Faktoren wie die deutsche Wirtschaftskraft,<br />

aber auch die Anzahl<br />

von Unternehmen aus unseren Zielsegmenten<br />

spielen dabei eine wichtige<br />

Rolle“, so Kristoff Van Rattinghe,<br />

CEO bei Sensolus. „Wir sind<br />

uns sicher, dass unsere Lösung vie-<br />

Dank Asset-Tracking können<br />

Betriebe bessere datengestützte<br />

Geschäftsentscheidungen treffen.<br />

Bei der Verwaltung der Assets sind<br />

dem belgischen IoT-Experten Senlen<br />

Unternehmen in den DACH-Ländern<br />

helfen kann, ihre Prozesse<br />

langfristig zu verbessern.“<br />

46 <strong>Stahlreport</strong> 12|22


ungstools kompatibel, so das Unternehmen.<br />

Und das funktioniert in<br />

beide Richtungen: Die Sensolus-Plattform<br />

kann entweder mit<br />

zusätzlichen Daten, beispielsweise<br />

Versandinformationen, erweitert<br />

werden oder Unternehmen integrieren<br />

die Daten von Sensolus in ihr<br />

eigenes ERP-System.<br />

Sensolus bietet sowohl verschiedene<br />

Tracker als auch Sensoren an.<br />

Der passende Tracker wird dabei auf<br />

Basis unterschiedlicher Parameter<br />

wie dem Anwendungsfall, dem<br />

Asset-Typ und dem Standort ausgewählt.<br />

Bei Bedarf werden spezielle<br />

Sensoren mit den Trackern verbunden,<br />

um zusätzliche Informationen<br />

über den Zustand und die Umgebung<br />

des Objekts zu erhalten, darunter<br />

beispielsweise Hinweise zu<br />

Temperatur, Feuchtigkeit oder Füllstand.<br />

Die Hardware wird im persönlichen<br />

Kontrollzentrum verwaltet.<br />

Der Plug-and-Play-Ansatz von<br />

Sensolus ermöglicht eine schnelle<br />

und einfache Installation der Hardware.<br />

Geortet werden kann das<br />

Asset anschließend sowohl in Innenräumen,<br />

beispielsweise in Produktionshallen,<br />

als auch im Freien auf<br />

dem Firmengelände oder auf Transportwegen.<br />

Eine zusätzliche Infrastruktur<br />

ist nicht erforderlich, da<br />

das Asset direkt mit der Cloud kommuniziert.<br />

In ihr werden alle Daten<br />

gespeichert, verarbeitet und analysiert.<br />

Die Lebensdauer der Tracker-Batterie<br />

beträgt je nach Anwendungsfall<br />

rund fünf Jahre. Neigt sich<br />

diese dem Ende zu, wird der Nutzer<br />

automatisch über die IoT-Plattform<br />

informiert und kann die Batterie<br />

rechtzeitig austauschen.<br />

Sensolus verfügt über einen<br />

sehr vielseitigen Kundenstamm<br />

weltweit, darunter mehr als 20 börsennotierte<br />

Unternehmen. Mittlerweile<br />

befinden sich daher über<br />

150.000 Tracker aktiv im Einsatz.<br />

Besonders interessant ist die ganzheitliche<br />

Lösung für Unternehmen<br />

aus der Automobilindustrie, Transport<br />

und Logistik, Abfallwirtschaft,<br />

Luftfahrt sowie für große Fuhrparks.<br />

2<br />

[Kontakt]<br />

Sensolus<br />

Rijsenbergstraat 148D<br />

9000 Gent<br />

Belgien<br />

+32 9 298 13 93<br />

info@sensolus.com<br />

www.sensolus.com<br />

Interview: Tracking bei Stahl<br />

Kristoff Van Rattinghe,<br />

CEO, Sensolus<br />

Bild: Isabel Pousset<br />

<strong>Stahlreport</strong>: Herr van Ratthinge, wird Ihre<br />

Tracking-Lösung auch im Handling von Stahl<br />

eingesetzt?<br />

Für uns ist der Stahlsektor ein äußerst wichtiges<br />

Marktsegment, in dem wir in Zukunft<br />

weiter wachsen wollen. Schauen wir uns die<br />

steigenden Preise für den Rohstoff Stahl aufgrund<br />

von Verknappung und Lieferproblemen<br />

an, dann wird relativ schnell klar: Die Lieferkette<br />

muss digitalisiert werden, um die Transparenz<br />

zu verbessern und die Logistikkosten<br />

zu senken. Wir unterstützen unsere Kunden<br />

daher sowohl bei der Intralogistik, also beim<br />

Transport des Rohstahls zwischen den Bergwerken<br />

und Fabriken, als auch bei der Extralogistik.<br />

Hier werden die fertigen Stahlerzeugnisse, beispielsweise<br />

Coils und Bleche, dann zum Endkunden gebracht.<br />

Wir hatten zum Beispiel eine interessante Anfrage, bei der<br />

es sich um Lieferungen aus der EU in die USA handelte. Konkret<br />

sollten die Versandbedingungen der Coils, wie Temperatur<br />

und Luftfeuchtigkeit, während der Verschiffung überwacht<br />

werden. Denn ohne diese Kontrolle herrscht immer eine gewisse<br />

Unsicherheit: Ist der Transport in der „kontrollierten Umgebung“,<br />

beispielsweise durch spezielle Verpackungen oder Trockenmittel,<br />

ausreichend? Oder könnte der Versand eventuell<br />

auch deutlich kostengünstiger, dann aber in weniger kontrollierter<br />

Umgebung umgesetzt werden?<br />

Und eben hier kommt Sensolus ins Spiel: Wir protokollieren<br />

die Werte während der Überfahrt. Sobald das Schiff dann<br />

nach ca. vier Wochen in Houston eintrifft, werden diese übertragen<br />

und in die Cloud geladen. Potenzielle Korrosion kann<br />

also direkt bei Ankunft am Hafen erkannt werden. Ohne diese<br />

Lösung lassen sich Mängel erst zwei Wochen später bei der<br />

Ankunft in der Fertigungsanlage und nach einem langen Zugtransport<br />

feststellen. Die Idee dahinter ist also,<br />

zwei Wochen Zeit zu gewinnen und genau zu<br />

wissen, wann ein potenzieller Mangel entstanden<br />

ist. Ist die Ware tatsächlich beschädigt,<br />

kann sich Ersatz sofort auf den Weg machen.<br />

Welche Daten können von Trackern überhaupt<br />

übermittelt werden?<br />

In vielen Branchen, darunter auch in der Stahlindustrie,<br />

ist es absolut notwendig, neben den<br />

reinen Standortdaten zusätzliche Informationen<br />

zu den Assets bereitzustellen. Wir haben<br />

daher eine mobile App mit umfangreichen<br />

Funktionen entwickelt. So können beispielsweise<br />

Kommentare zu einzelnen Assets hinzugefügt<br />

oder Fotos und Dokumente zugeordnet werden.<br />

Außerdem wird unsere API (Anwendungsprogrammierschnittstelle)<br />

oft genutzt, um zusätzliche Daten zum Asset aus<br />

dem eigenen ERP-System des Kunden abzurufen. Das hat den<br />

Vorteil, dass alle Daten auf derselben Plattform verfügbar<br />

sind. Aber auch umgekehrt ist das möglich: In diesem Fall<br />

werden Informationen aus unserer eigenen Plattform in das<br />

bestehende ERP-System des Kunden eingespeist. Je nach spezifischem<br />

Anwendungsfall kann das also auch Zertifizierungsdaten<br />

umfassen.<br />

Generell können wir zusätzlich zur GPS-Position beispielsweise<br />

auch Informationen über Temperatur und Luftfeuchtigkeit<br />

bereitstellen. Das ist besonders für den Transport kritischer<br />

Stahlgüter beispielsweise für die Automobil- oder<br />

Luftfahrtindustrie von Bedeutung, bei denen die Vermeidung<br />

von Korrosion ein wichtiger Faktor ist. Mithilfe von bewegungsbasierten<br />

Informationen können wir auch feststellen, welche<br />

Ladungsträger zu lange stehen und nicht genutzt werden – und<br />

so die Nutzung dieser Assets optimieren. 2<br />

<strong>Stahlreport</strong> 12|22<br />

47


Wissenswertes<br />

Bericht<br />

Effiziente Datenverwaltung im Unternehmen<br />

So öffnen Sie die Daten-Schatztruhe<br />

Daten sind eine der wichtigsten Ressourcen eines Unternehmens. Sie dienen als Grundlage für strategische<br />

Entscheidungen und bieten immense Potenziale für Umsatz- und Gewinnsteigerungen. Dieser Goldschatz wird jedoch<br />

nicht selten stiefmütterlich behandelt und fristet ein Dasein im Verborgenen. Nur durch eine effiziente Datenverwaltung<br />

im Unternehmen kann er erfolgreich geborgen und sinnvoll genutzt werden. Ein gekürzter Fachbeitrag der Trovarit<br />

AG, ein Spin-Off des Forschungsinstituts für Rationalisierung (FIR) e.V. an der RWTH und anbieterneutrales<br />

Beratungsunternehmen für Business Software.<br />

Im Zuge der Digitalisierung sehen sich Unternehmen<br />

zunehmend mit komplexeren und umfangreicheren<br />

IT-Systemen zur Unterstützung ihrer<br />

Geschäftsprozesse konfrontiert. Daten und Informationen<br />

sind zum kritischen Faktor für den erfolgreichen<br />

Geschäftsbetrieb geworden und bilden die Basis<br />

von technologischen Trends wie Industrie 4.0. Das<br />

steigende Datenwachstum bietet für Unternehmen<br />

neue Potenziale zur Realisierung von Geschäftsmodellen<br />

und zum systematischen Lernen aus den Daten<br />

für schnellere sowie bessere Entscheidungs- und<br />

Anpassungsprozesse. Hierfür dürfen Daten jedoch<br />

nicht nur gesammelt, sondern müssen zu höherwertigen<br />

Informationen aufbereitet und in Entscheidungen<br />

überführt werden.<br />

Viele Hürden in der Praxis<br />

Der gewinnbringenden Nutzung des vorhandenen<br />

Datenbestandes im betrieblichen Kontext stehen in<br />

vielen Unternehmen jedoch nicht selten schwer zu<br />

überwindende Hürden im Wege. Gewachsene heterogene<br />

Systemlandschaften, die die Unternehmensdaten<br />

auf zahlreiche Software-Applikationen in verschiedenen<br />

Formaten und Strukturen und auf unterschiedliche<br />

Speicherorte verteilen, sind in der Praxis eher die Regel<br />

als die Ausnahme. Das Management der Daten<br />

beschränkt sich hier häufig auf das Management von<br />

Problemen, die im Zusammenhang mit fehlerhaft<br />

erfassten und veralteten Informationen sowie doppelter<br />

Datenhaltung entstehen. Unternehmensentscheidungen<br />

stützen sich dann auf manuell erstellte Berichte,<br />

die Informationen aus den verschiedenen<br />

Datenquellen und Systemen zusammenfassen.<br />

Eine datenorientierte Neuausrichtung des Unternehmens<br />

erfordert Basiswissen in der Kategorisierung,<br />

Modellierung und Integration von Daten sowie Kenntnisse<br />

über verschiedene Praktiken und Werkzeuge zu<br />

deren Verwaltung und Analyse. Die Beschaffung und<br />

Akkumulation dieses Wissens im Unternehmen stellt<br />

eine Grundvoraussetzung dar, um die Datenlandschaft<br />

des eigenen Unternehmens bewerten und analysieren<br />

zu können. Ziel muss es dabei sein, aus dem so erschlos-<br />

48 <strong>Stahlreport</strong> 12|22


senen Datenbestand unmittelbaren Nutzen für bestehende<br />

und neue Geschäftsmodelle zu ziehen.<br />

Welches Datenbank-System haben Sie?<br />

Der überwiegende Großteil aller (strukturierten) Daten<br />

in Unternehmen findet sich heute in relationalen Datenbanken,<br />

die von entsprechenden relationalen Datenbank-Managementsystemen<br />

verwaltet werden. Doch<br />

immer noch finden sich auch alte Systeme, bei denen<br />

Daten in einfachen Dateien verwaltet und z. B. über<br />

antiquierte Programmiersprachen abgefragt werden.<br />

Häufig werden Datenbanken darüberhinaus z. B.<br />

über ein ERP- oder CRM-System verwaltet, das von<br />

einer bestimmten Datenstruktur ausgeht. Wenn sich<br />

Geschäftsprozesse in einem Unternehmen ändern,<br />

müssen die verwendeten Systeme an die neuen Abläufe<br />

angepasst werden. Bei alten Systemen lassen sich<br />

die benötigten Funktionen oft nicht mehr umsetzen,<br />

da diese nicht im zugrundeliegenden Datenbankschema<br />

berücksichtigt wurden. Die Mitarbeiter müssen<br />

dann ineffizient „neben“ dem System (z. B. in Office-Dokumenten)<br />

arbeiten, um die benötigten Daten festzuhalten.<br />

Hier bleibt als Ausweg in der Regel nur der<br />

Umstieg auf ein neues System. Ebenfalls zentral ist<br />

das Datenlebenszyklus-Management. Darunter versteht<br />

man (sehr grob) das Management von Prozessen,<br />

innerhalb derer Daten angelegt, verarbeitet oder archiviert/gelöscht<br />

werden.<br />

Um Missständen aufgrund mangeldner Datenhaltung<br />

zu umgehen, sind Maßnahmen erforderlich, die<br />

üblicherweise unter dem Begriff Data Governance<br />

zusammengefasst werden. Dazu gehören z. B. die<br />

Benennung von Rollen bzw. Personen, die für die Aufrechterhaltung<br />

der Datenqualität zuständig sind, die<br />

Etablierung fester Prozesse für die Datenpflege im<br />

Unternehmen, die die Datenqualität, den Datenschutz<br />

und die Datensicherheit adressieren sowie die Anschaffung<br />

entsprechender Data-Governance-Software , die<br />

bei der Umsetzung der Maßnahmen unterstützt.<br />

Insbesondere für komplexe Auswertungen, die strategische<br />

Entscheidungen unterstützen sollen, werden<br />

Daten aus verschiedenen Quellen häufig in einem sog.<br />

Data Warehouse zusammengefasst. In regelmäßigen<br />

Abständen werden hierbei Daten aus den Produktivdatenbanken<br />

in das Data Warehouse migriert, wo dann<br />

„offline“ Datenanalysen (zur Bestimmung bestimmter<br />

Kennzahlen) und Data Mining (zum Finden „versteckter“<br />

Zusammenhänge) betrieben werden.<br />

Einsatz von künstlicher Intelligenz<br />

Sehr häufig lassen Methoden der künstlichen Intelligenz<br />

eine Optimierung der Geschäftsprozesse zu, die<br />

auf konventionellem Wege nicht zu erreichen wären.<br />

Dahinter stecken in der Regel komplexe Algorithmen<br />

und Verfahren, die alle verfügbaren Unternehmensdaten<br />

betrachten und nach verschiedenen Kriterien in<br />

Beziehung miteinander setzen. Eine Untersuchung, ob<br />

Methoden der künstlichen Intelligenz für ein Unternehmen<br />

gewinnbringend eingesetzt werden können,<br />

kann in der Regel nur von speziellen KI-Experten<br />

durchgeführt werden. Werden entsprechende Potentiale<br />

entdeckt, kann innerhalb eines gesonderten Implementierungsprojektes<br />

eine KI-Lösung im Unternehmen<br />

etabliert werden. 2<br />

Den gesamten Fachbeitrag gibt es als kostenloses PDF<br />

unter bit.ly/trovarit-datenverwaltung<br />

Literatur: Schröer, T.; Wenger, L.; Schäffer, T.; Beckmann, H.;<br />

Treutlein, P.; Ron, A.: Stammdatenqualität im Zuge der<br />

Digitalisierung –Strategie, Methode und Werkzeuge für die<br />

Praxis. White Paper 2018 DataQualityCenter.<br />

[Kontakt]<br />

Trovarit AG<br />

Campus-Boulevard 57<br />

52074 Aachen<br />

+49 241 40009-0<br />

info@trovarit.com<br />

www.trovarit.com<br />

<strong>Stahlreport</strong> 12|22<br />

49


Lifesteel<br />

Nachricht<br />

Das 135 m lange Fahrradparkhaus<br />

bietet Stellplätze für 1.000 Fahrräder.<br />

Eine offene Bauweise aus feuerverzinkten Stahlstützen und feuerverzinkten<br />

Streckmetall-Bekleidungen sichert eine ständige Querlüftung.<br />

Feuerverzinktes Fahrradparkhaus am Mainzer Hauptbahnhof<br />

Fahrradparken unter der Brücke<br />

Das Fahrradparkhaus am Mainzer<br />

Hauptbahnhof wurde auf einer Brachfläche<br />

unter einer Brücke erbaut.<br />

Wer mehr Fahrrad und weniger Auto fährt, tut etwas für den<br />

Klimaschutz und auch für die eigene Gesundheit. Eine zunehmende<br />

Fahrradnutzung schafft jedoch auch eine wachsende Nachfrage<br />

nach Fahrradstellplätzen, beispielsweise im Umfeld von ÖPNV-Knotenpunkten.<br />

Oft stellt sich hierbei die Frage nach geeigneten Flächen<br />

für den Bau von Fahrradparkanlagen. Im Gegensatz dazu, stellt<br />

sich zumeist nicht die Frage, welcher Werkstoff verwendet werden<br />

soll, da feuerverzinkter Stahl hier der Standard ist.<br />

Bilder: Oliver Götz Fotografie<br />

Ein gutes Beispiel für eine kreative Flächennutzung ist das Fahrradparkhaus<br />

am Mainzer Hauptbahnhof, dass unter einer Brücke entstand.<br />

Es geht auf eine Projektidee von Schoyerer Architekten SYRA<br />

aus dem Jahre 2004 zurück. Das Fahrradparkhaus mit insgesamt<br />

1000 Fahrradstellplätzen beherbergt einen Zahlbereich für ca. 400<br />

Fahrräder mit Spinden und Ladestationen für E-Bikes und einen kostenlos<br />

nutzbaren Bereich für etwa 600 Fahrräder sowie einen räumlich<br />

abgeschlossenen Bereich zur Unterbringung von Fundrädern.<br />

Aus konstruktiver Sicht zeichnet sich das Parkhaus durch eine<br />

offene Bauweise aus feuerverzinkten Stahlstützen aus, deren<br />

feuer verzinkte Streckmetall-Bekleidung eine ständige Querlüftung<br />

sichert. Die feuerverzinkte Streckmetall-Bekleidung hat eine Materialdicke<br />

von 2 mm mit einem freien Querschnitt von mindestens<br />

37 %. Dieser Querschnitt wird aus brandschutztechnischer Sicht<br />

benötigt, um für das als offene Konstruktion ausgeführte Parkhaus<br />

eine ausreichende Querlüftung sicherzustellen. Zum Abstellen der<br />

Fahrräder wurden feuerverzinkte Doppelstockparker und feuerverzinkte<br />

Fahrradbügel für Sonder- und Lastenräder vorgesehen.<br />

www.feuerverzinken.com/fahrradparken<br />

Impressum<br />

STAHLREPORT<br />

Nachrichten aus Handel,<br />

Produktion und Verarbeitung<br />

Offizielles Organ des<br />

BDS-Fernstudiums<br />

Herausgeber:<br />

Bundesverband<br />

Deutscher Stahlhandel<br />

Wiesenstraße 21<br />

40549 Düsseldorf<br />

Redaktion:<br />

Markus Huneke (Chefredakteur)<br />

Telefon +49 211 86497-24<br />

Huneke-BDS@stahlhandel.com<br />

Anzeigen:<br />

Ksenija Sandek<br />

Telefon +49 211 86497-21<br />

Sandek-BDS@stahlhandel.com<br />

Verlag:<br />

BDS AG<br />

Wiesenstraße 21<br />

40549 Düsseldorf<br />

Telefon +49 211 86497-0<br />

Telefax +49 211 86497-22<br />

Layout und Herstellung:<br />

auhage|schwarz, Leichlingen<br />

Erscheinungsweise:<br />

monatlich (10 Hefte/Jahr)<br />

Anzeigenpreis:<br />

Zur Zeit gilt die Preisliste Nr. 39<br />

Bezugspreis:<br />

Jährlich 65 € im Inland und 70 € im<br />

Ausland zuzüglich Versandspesen und<br />

Mehrwertsteuer. Abbestellungen sind<br />

lediglich unter Einhaltung einer dreimonatigen<br />

Kündigungsfrist zum Jahresende<br />

möglich. Für die Mitglieder des<br />

BDS und die Teilnehmer im BDS-Fernstudium<br />

ist der Bezug eines Exemplars<br />

der Fachzeitschrift „<strong>Stahlreport</strong>“ im<br />

Mitgliedsbeitrag bzw. in der Studiengebühr<br />

enthalten. Ein Nachdruck ist<br />

nur mit ausdrücklicher Genehmigung<br />

der Redaktion gestattet.<br />

Für unverlangt eingesandte Manuskripte<br />

oder Fotos übernehmen Herausgeber,<br />

Redaktion und Verlag keine<br />

Gewähr. Namentlich oder mit Initialen<br />

gekennzeichnete Beiträge vertreten<br />

eine vom Herausgeber unabhängige<br />

Meinung der Autoren.<br />

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit<br />

wird mitunter auf die gleichzeitige Verwendung<br />

männlicher und weiblicher<br />

Sprachformen verzichtet. Sämtliche<br />

Personenbezeichnungen gelten gleichwohl<br />

für beiderlei Geschlechter.<br />

Außerdem bittet die Redaktion um<br />

Verständnis, dass insbesondere Firmennamen<br />

je Artikel in der Regel nur<br />

einmal in ihrer werbeorientierten Form<br />

verwendet und entsprechende Begriffe<br />

häufig eingedeutscht werden.<br />

International Standard<br />

Serial Number:<br />

ISSN 0942-9336<br />

Diese Zeitschrift wurde aus umweltschonendem<br />

Papier hergestellt.<br />

50 <strong>Stahlreport</strong> 12|22


BERUFSBILDUNG 2023<br />

SEMINARE BEIM BDS<br />

SEMINARTHEMA TERMIN ORT<br />

STAHLEINKAUF KOMPAKT 31.01.–01.02.2023 DUISBURG<br />

KREATIVE ARBEITSANSÄTZE ZUR STEIGERUNG 7./14/21.02.2023 ONLINE<br />

DER UMSATZRENTABILITÄT –DIES VOR DEM<br />

HINTERGRUND DER KLEINLOSPROBLEMATIK<br />

STAHLKUNDE 21.–23.02.2023 DORTMUND<br />

ROHRE UND ROHRZUBEHÖR 06.–08.03.2023 PADERBORN<br />

STAHLEINKAUF KOMPAKT 18.–19.04.2023 DUISBURG<br />

BLANKSTAHL 03.–04.05.2023 LUDWIGSBURG<br />

MEHR UMSATZ, ERTRAG UND KUNDEN II 10.–11.05.2023 HAMBURG<br />

STAHLEINKAUF KOMPAKT 19.–20.09.2023 DUISBURG<br />

GROBBLECHE 10.–11.10.2023 WERNIGERODE<br />

AUSZUBILDENDE IM FOKUS 24.–25.10.2023 KASSEL<br />

STAHLEINKAUF KOMPAKT 12.–13.12.2023 DUISBURG<br />

Diese Übersicht gibt den aktuellen Stand der Seminarplanungen wieder. Änderungen sind vorbehalten. Über weitere Details<br />

sowie zu den Anmeldemöglichkeiten informieren Sie sich bitte unter www.stahlhandel.com.<br />

»<br />

INFOS<br />

& ANMELDUNG<br />

www.stahlhandel.com/seminare<br />

Bundesverband Deutscher Stahlhandel BDS AG · Wiesenstraße 21 · 40549 Düsseldorf · info-bds@stahlhandel.com


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