August_September_2022
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25. Jahrgang<br />
Aug./Sept. <strong>2022</strong><br />
2,10 €, davon 1,- €<br />
für die VerkäuferInnen<br />
UNABHÄNGIGE STRASSENZEITUNG FÜR FREIBURG UND DAS UMLAND<br />
ZUR UNTERSTÜTZUNG VON MENSCHEN IN SOZIALEN NOTLAGEN<br />
MIT OBJEKTEN DAS THEMA<br />
WOHNEN BETRACHTEN<br />
Das Studienprojekt Dietenbachsammlung<br />
stellt Wohnfragen an den neuen Stadtteil<br />
NAH AM ZIEL UND DOCH SO FERN<br />
Die Waffen der Frau sind manchmal Waffeln<br />
IM GESPRÄCH MIT...<br />
Irene Hübner, einem Freiburger Original
INHALT<br />
3<br />
VORWORT<br />
22<br />
VERKÄUFERVORSTELLUNG<br />
4<br />
RECHT AUF STADT<br />
23<br />
DIE MITMACHSEITE<br />
6<br />
STUDIENPROJEKT DIETENBACH<br />
24<br />
BUCHBESPRECHUNG<br />
8<br />
IM GESPRÄCH MIT...<br />
25<br />
KOCHEN<br />
10<br />
900 JAHRE ARMUT IN FREIBURG<br />
26<br />
SPORT<br />
14<br />
DIE WAFFEN DER FRAU<br />
28<br />
KRIMI 27. FOLGE<br />
18<br />
EIN TEIL DES GANZEN<br />
30<br />
RÄTSEL<br />
20<br />
DER SILBERSEE<br />
31<br />
ÜBER UNS<br />
OHNE IHRE UNTERSTÜTZUNG<br />
GEHT ES NICHT<br />
Liebe LeserInnen,<br />
um weiterhin eine<br />
interessante Straßenzeitung<br />
produzieren und Menschen<br />
durch ihren Verkauf einen<br />
Zuverdienst ermöglichen<br />
zu können, benötigen<br />
wir Ihre Hilfe.<br />
Vielen Dank!<br />
Spendenkonto:<br />
DER FREIeBÜRGER e. V.<br />
IBAN: DE80 6809 0000 0002 4773 27<br />
BIC: GENODE61FR1<br />
Denken Sie bitte daran, bei einer Überweisung Ihren Namen<br />
und Ihre Anschrift für eine Spendenbescheinigung anzugeben.<br />
2<br />
FREIeBÜRGER 08/09 | <strong>2022</strong>
Liebe LeserInnen,<br />
wie Sie als langjährige KundInnen wissen, haben Sie gerade<br />
unsere Urlaubsdoppelausgabe gekauft. Das bedeutet,<br />
wir lassen jetzt für ein paar Wochen die Seele baumeln<br />
und melden uns mit der Oktober-Ausgabe wieder.<br />
Aber jetzt ist es erst mal Sommer und somit Urlaubszeit.<br />
Und obwohl es kaum noch Coronabeschränkungen gibt,<br />
werden eine Menge Menschen daheimbleiben und nicht<br />
in den Urlaub fahren oder fliegen können. Es sei denn, sie<br />
kennen einen Ort, an dem die Preise niedrig geblieben<br />
sind. Denn das ist das zentrale Problem, das uns wohl<br />
auch im Urlaub beschäftigen wird. Bis auf die ganz<br />
Reichen wird die Teuerung wohl uns alle treffen bzw. hat<br />
sie schon. Zwar versucht die Regierung verzweifelt, den<br />
Schaden abzumildern, doch auf Dauer wird sie das nicht<br />
können. Benzin, Heizung, Lebensmittelpreise oder Strom,<br />
es ist viel, was da auf einen Schlag zusammenkommt.<br />
Da schon die „normal“ verdienenden Menschen nicht<br />
mehr wissen, wie sie ihre Rechnungen oder die täglichen<br />
Einkäufe bezahlen sollen, muss ich wohl nicht extra<br />
erwähnen, dass es für EmpfängerInnen von ALG 2 oder<br />
Grundsicherung um ein Vielfaches schlimmer aussieht.<br />
Das Kuriose daran ist, dass ich davon nicht einmal das<br />
ganze Geld für Essen und Trinken ausgeben soll oder<br />
darf. Die monatlichen 449 € sind genau aufgeteilt. Den<br />
Hauptanteil machen natürlich Lebensmittel aus, aber<br />
es ist auch Geld für Bekleidung, Hygieneartikel, für den<br />
Haushalt und sogar 2 € und ein bisschen für Kultur (!)<br />
vorgesehen. Doch nun haben erst Corona und jetzt der<br />
Krieg in der Ukraine diesen ausgefeilten Monatsplan über<br />
den Haufen geworfen. Ich z. B. kann mir momentan keine<br />
Haushaltsgeräte oder neue Kleidung kaufen, Hygienesachen<br />
hole ich billig im Supermarkt und für Kultur ist gerade<br />
gar kein Geld übrig, mal abgesehen davon, dass ich<br />
bei den täglichen Hiobsbotschaften überhaupt keine Lust<br />
auf Kultur habe. Jedenfalls will ich damit aufzeigen, dass<br />
momentan das gesamte Geld für Lebensmittel draufgeht,<br />
und es reicht auch nur deshalb, weil ich Woche für Woche<br />
die Angebotsheftchen der verschiedenen Geschäfte<br />
durchsuche! Und ich denke, es geht der Mehrheit hier in<br />
Deutschland so...<br />
Doch da in dieser Krise noch lange kein Ende absehbar ist,<br />
muss die Regierung jetzt ernsthafte Hilfsmaßnahmen ergreifen.<br />
Bislang gab es für jede Problemgruppe finanzielle<br />
Unterstützung, sei es die Tankpauschale, das Strom- und<br />
Heizgeld und für uns Arme gab es eine Einmalzahlung<br />
von 200 €. Das alles ist schön und gut und mir ist klar,<br />
dass die Regierung von vielen der Katastrophen genauso<br />
überrollt wurde wie wir. Doch das hilft nicht weiter, jetzt<br />
müssen konkrete Hilfen her. Hilfen, die auf lange Sicht<br />
etwas bewirken können! Die 200 €, die ich jetzt bekommen<br />
habe, waren toll, ich konnte sie wirklich dringend<br />
gebrauchen. Doch ich kann jetzt nicht alle Krisen der Welt<br />
damit aussitzen! Gut, jetzt hat die Regierung angesagt,<br />
dass im Januar des nächsten Jahres das Bürgergeld<br />
kommen soll und die Hartz-Gesetze endlich in die Tonne<br />
kommen. Doch was bedeutet das Bürgergeld? Konkrete<br />
Zahlen gibt es wohl noch nicht, aber ich habe gelesen,<br />
dass Hubertus Heil einen monatlichen Zuschuss von 40<br />
oder 50 € plant. Das hört sich erstmal viel an, bedenkt<br />
man aber, dass bis Januar noch ein halbes Jahr Zeit ist,<br />
macht mir das Sorgen. Wenn ich mir die Preissteigerungen<br />
der letzten Monate ansehe, dann sehe ich keinen<br />
Grund, warum das in den nächsten Monaten nicht mehr<br />
so sein soll. Und dann haben bis Januar die Preise den<br />
Zuschlag längst wieder aufgefressen.<br />
Und das sind „nur“ die Lebensmittel. Was mache ich, oder<br />
was macht das Amt, wenn auch die Briketts teurer werden?<br />
In zwei Monaten muss ich die holen. Wie viel kann<br />
ich mir leisten und wie oft lasse ich den Ofen aus? Oder<br />
wenn mein Kühlschrank den Geist aufgibt, was ist dann?<br />
Oder wenn meine einzige Hose reißt und es keine neuen<br />
Hosen mehr unter 100 € gibt? Ich glaube, da sollten sich<br />
Minister Heil und die zuständigen KollegInnen noch<br />
einmal zusammensetzen, um einen Plan zu entwickeln,<br />
der es jedem Menschen ermöglicht, einigermaßen würdevoll<br />
zu leben!<br />
Aber es ist beruhigend, wenn man sieht, wie die PolitikerInnen<br />
alle zusammenhalten und um unser Wohl bemüht<br />
sind. Vor allem Friedrich Merz und die CDU überschlagen<br />
sich förmlich dabei, vernünftige Lösungen zu finden,<br />
die die Menschen wirklich entlasten. Die sitzen einfach<br />
da und warten, bis irgendein Vorschlag der Regierung<br />
kommt und dann meckert man einfach dagegen. Mit täglicher<br />
Routine geht Merz ans Rednerpult im Bundestag,<br />
lässt sich mit seiner üblichen Arroganz über die gemachten<br />
Lösungsvorschläge aus und versucht, die Regierung<br />
damit lächerlich zu machen. Konkrete Vorschläge, die<br />
funktionieren könnten, liefert Merz aber nicht. Statt die<br />
Krise zu bewältigen ist Merz schon jetzt im Wahlkampfmodus<br />
und versucht, sich durch die Not der Menschen<br />
zu profilieren! Warum können die nicht ihre Eitelkeiten<br />
beiseiteschieben und zusammen nach Lösungen suchen?<br />
Zur nächsten Wahl können sie ja wieder hervorheben,<br />
was sie getan haben. Hauptsache, sie tun erst mal was!<br />
Das erinnert mich schwer an die AfD, wohl deshalb, weil<br />
die beiden Parteien im Bundestag nebeneinander sitzen.<br />
Ihnen wünschen wir einen schönen Urlaub und hoffen,<br />
dass Sie für eine Weile abschalten und entspannen<br />
können!<br />
Carsten<br />
FREIeBÜRGER 08/09 | <strong>2022</strong> 3
FREIBURG – STADT FÜR ALLE?!<br />
ARMUT DARF NICHT BESTRAFT WERDEN!<br />
Der Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit (aks) kritisiert<br />
die Verfolgung vom „Fahren ohne Fahrschein“ als Teil der<br />
Armutsbestrafung. Mit dem Auslaufen des 9-Euro-Tickets<br />
Ende <strong>August</strong> endet der Versuch, Mobilität ein klein<br />
bisschen gerechter zu gestalten. Nach über zwei Jahren<br />
Corona und Preissteigerungen, die besonders arme<br />
Menschen treffen, sowie Regelsätzen, die seit Jahren viel<br />
zu niedrig sind, ist das Recht auf Mobilität ein brisantes<br />
Thema. Bei der Freiburger Verkehrs AG hatte sich infolge<br />
des 9-Euro-Tickets im Juni mit ca. 240 Beanstandungen<br />
beim Fahren ohne Fahrerlaubnis diese Zahl im Vergleich<br />
zum Durchschnitt der Vormonate fast halbiert. Nach<br />
kurzzeitigem Aussetzen werden wieder Ersatzfreiheitsstrafen<br />
vollstreckt. Die Knäste füllen sich wieder. In der<br />
Justizvollzugsanstalt Freiburg saßen Anfang Juli 16 Personen<br />
wegen solcher Strafen, die meist Folge des Fahrens<br />
ohne Fahrschein sind. Die Möglichkeit, die verschiedenen<br />
Mobilitätsformen in Anspruch zu nehmen, ist äußerst<br />
ungerecht verteilt. Auch die Nutzung des Öffentlichen<br />
Personennahverkehrs (ÖPNV) kostet Geld – und das nicht<br />
zu wenig. Von Armut betroffene Menschen können sich<br />
oftmals keine Fahrkarte leisten. Da der Mensch jedoch<br />
auf Mobilität angewiesen ist, z. B. für tägliche Bedarfe<br />
wie Einkauf oder Arztbesuche, sind arme Menschen in<br />
einer Zwangslage, aus der sie wenige Auswege haben. So<br />
kommt es häufig dazu, dass Menschen ohne Fahrschein<br />
fahren (müssen).<br />
FAHREN OHNE FAHRSCHEIN BRINGT LEUTE IN DEN<br />
KNAST<br />
Werden Personen beim „Fahren ohne Fahrschein“ erwischt,<br />
steht nicht nur ein „erhöhtes Entgelt“ (meist um<br />
die 60 €) an, sie müssen zusätzlich mit einer Anzeige<br />
rechnen, da das „Fahren ohne gültigen Fahrschein“<br />
gemäß § 265a StGB als „Erschleichen von Leistungen“ gilt.<br />
Übrigens ein Gesetz, das im Nationalsozialismus 1935 erlassen<br />
wurde. Es gilt als Straftat und wird in den meisten<br />
Fällen mit einer Geldstrafe bestraft. Kann die Geldstrafe<br />
nicht bezahlt und auch die Strafe nicht durch gemeinnützige<br />
Arbeit abgeleistet werden (die jene zeitlichen und<br />
gesundheitlichen Ressourcen voraussetzt, deren Fehlen<br />
meistens Grund für die Armut ist), wird eine Ersatzfreiheitsstrafe<br />
angeordnet. Konkret gesagt: Kannst du nicht<br />
zahlen oder arbeiten, gehst du in den Knast.<br />
RECHT-AUF-STADT-NEWSLETTER<br />
Mit unserem RaS-Newsletter<br />
informieren wir einmal im Monat<br />
über „Recht auf Stadt“-Themen:<br />
info@rechtaufstadt-freiburg.de<br />
Wie sich jeder denken kann, sind reiche Menschen eher<br />
selten von „Erschleichen von Leistungen“ und einer<br />
Ersatzfreiheitsstrafe betroffen (sie haben ja Geld). Dieser<br />
Straftatbestand ist eine reine Bestrafung von Armut!<br />
Die dadurch einhergehenden Folgen und Belastungen<br />
treffen bedürftige Menschen hart. Auch eine kurze Zeit im<br />
Gefängnis kann traumatisierend sein. Die Strafe ist nicht<br />
zielführend, da sie keine wirksame Prävention darstellt.<br />
Sie ist kontraproduktiv, da sie bedürftige Menschen noch<br />
bedürftiger macht und sie durch den Gefängnisaufenthalt<br />
gesellschaftlich noch stärker stigmatisiert werden.<br />
Anstelle der zusätzlichen Bestrafung könnten die Gelder,<br />
die der Staat hier verbraucht (Knäste sind teuer, Folgekosten<br />
durch Verlust der Wohnung, gesundheitliche Folgen<br />
von Knastaufenthalten...), in die Vergabe von kostenlosen<br />
Sozialtickets oder einen kostenlosen ÖPNV investiert<br />
werden, oder auch Hartz IV durch ein bedingungsloses<br />
Grundeinkommen in ausreichender Höhe ersetzt werden.<br />
Es gibt viele Ideen, die das „Fahren ohne Fahrschein“<br />
verhindern, dem Staat Kosten ersparen und am wichtigsten:<br />
es den Menschen, die sich in einer schwierigen Lage<br />
befinden, nicht noch schwieriger machen. Seit rund 30<br />
Jahren steigt die Zahl der Ersatzfreiheitsstrafen deutlich.<br />
Das hat auch mit einer durch die Arbeitsmarkt- und<br />
Bildungspolitik verschärften Spaltung der Gesellschaft zu<br />
tun, an deren Rand die Gering- und Garnichtsverdiener-<br />
Innen stehen. Inzwischen ist die Ersatzfreiheitsstrafe die<br />
häufigste Form der Freiheitsstrafe in Deutschland. Der aks<br />
fordert: Die Kriminalisierung armer Menschen stoppen!<br />
Der Straftatbestand des „Fahrens ohne Fahrschein“ muss<br />
ersatzlos gestrichen werden! Wir wünschen uns von<br />
Seiten der Deutschen Bahn AG und der Freiburger Verkehrs<br />
AG ein soziales Verhalten und Mitwirken. Solange<br />
die Regelungen sind wie sie sind, bitten wir darum:<br />
Bringt das Fahren ohne Ticket nicht zur Anzeige, ihr müsst<br />
das nicht tun! Gnadenerlasse für bereits erteilte Strafen<br />
forcieren! Alternativ, dem www.freiheitsfonds.de folgend,<br />
Menschen aus dem Knast freikaufen!<br />
4<br />
FREIeBÜRGER 08/09 | <strong>2022</strong>
STADT-FÜR-ALLE-NACHRICHTEN (RÜCKBLICK VOM 15. JUNI BIS 15. JULI)<br />
[FR] FSB BAUT EIGENTUMSWOHNUNGEN IN<br />
WEINGARTEN<br />
Offenbar als Reaktion auf die verhinderte Privatisierung<br />
der Sulzburger Straße 15-19 in Weingarten hat die Freiburger<br />
Stadtbau GmbH (FSB) angekündigt, in der Sulzburger<br />
Straße und im Auggener Weg neu zu bauen. Es fehlt akut<br />
an bezahlbarem Wohnraum, aber die FSB will dort jeweils<br />
ausschließlich Eigentumswohnungen bauen und damit<br />
auch die Regelung, dass bei Neubauprojekten immer 50 %<br />
Sozialmietwohnungen gebaut werden müssen, ignorieren.<br />
Bauen für Reiche, die über ein jährliches Haushaltseinkommen<br />
(Dreipersonenhaushalt) von über 61.700<br />
€ verfügen – denn alle, die darunter sind, haben Anrecht<br />
auf einen Wohnberechtigungsschein. In der sanierten<br />
Sulzburger Straße 15-19 wird die Miete stark in die Höhe<br />
gehen. Von durchschnittlich 5,71 €/m² aktuell auf 7,38 € in<br />
den ersten drei Jahren nach der Sanierung, dann im Jahr<br />
vier bis sechs auf 7,80 € und in den Jahren sieben bis zehn<br />
auf 8,11 €/m². In der Sanierungsbeiratssitzung, in der der<br />
Bau der Eigentumswohnungen verkündet wurde, wurde<br />
zudem bekannt, dass die Stadt wieder einmal die Richtlinien<br />
des Programms Sozialer Zusammenhalt (vormals<br />
Soziale Stadt) verletzt. Gelder fließen laut Stadt u. a. in ein<br />
Medienprojekt, ohne dass, wie vorgesehen, die Mitglieder<br />
des Sanierungsbeirats darüber informiert wurden.<br />
[FR] FSB WILL AM BREISACHER HOF ABREISSEN<br />
Ebenfalls im Rahmen des Bundesprogramms Sozialer<br />
Zusammenhalt will die Stadtbautochter FSI am Breisacher<br />
Hof im Stadtteil Mooswald nahe der Uniklinik Häuser<br />
sanieren. Auch hier werden die Mieten anschließend stark<br />
steigen. Die soziale Bindung soll hier lediglich 15 Jahre<br />
andauern, sodass Mieten danach noch mal stark steigen<br />
könnten. Zudem will die FSB auch Eigentumswohnungen<br />
bauen und die Häuser Elsässerstraße 2 i und 2 k abreißen<br />
und anschließend neu bauen. Die Meinung der BewohnerInnen<br />
dazu scheint geteilt zu sein.<br />
[FR] GEMEINDERAT STELLT SICH HINTER VERDRÄN-<br />
GUNG IM METZGERGRÜN<br />
Der Freiburger Gemeinderat hat mit nur vier Gegenstimmen<br />
den Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan<br />
Metzgergrün verabschiedet. Neben der schon laufenden<br />
Bebauung des ehemaligen Caravanplatzes, die abgesehen<br />
von den Eigentumswohnungen sinnvoll erscheint,<br />
ist damit auch der Weg für Abriss und Neubau der alten<br />
Arbeitersiedlung frei. Ein Antrag der Fraktion Eine Stadt<br />
für Alle für ein einjähriges Abrissmoratorium wurde abgelehnt.<br />
Die Zustimmung zur Verdrängung der ärmeren<br />
Bevölkerung wurde teilweise kontrafaktisch begründet.<br />
So erklärte SPD-Stadtrat Walter Krögner die Zustimmung<br />
damit, dass es mehr Fläche für bezahlbaren Wohnraum<br />
brauche, obwohl im alten Metzgergrün gerade einmal ca.<br />
150 Sozialwohnungen gebaut werden sollen, es aktuell<br />
aber an dieser Stelle 250 Wohnungen mit Mieten oft unter<br />
dem Preisniveau des sozialen Wohnungsbaus gibt. Die<br />
Grünen und die JUPI-Fraktion klammern bei der positiven<br />
Beurteilung der energieeffizienten Neubauten die anfallende<br />
Energie bei Abriss und Neubau bewusst aus.<br />
[FR] MILIEUSCHUTZ FÜR HASLACH<br />
Der Freiburger Gemeinderat hat für das Gebiet östlich der<br />
Güterbahnlinie in Haslach eine soziale Erhaltungssatzung<br />
beschlossen. Es sei zunehmend durch eine jüngere und<br />
einkommensstärkere Wohnbevölkerung geprägt, was als<br />
Folge eines einsetzenden bzw. schon laufenden Aufwertungsprozesses<br />
interpretiert werden könne. Gleichwohl<br />
gebe es einen erheblichen Anteil an Haushalten, die auf<br />
den Erhalt preiswerten Wohnraums angewiesen seien.<br />
Die der erlassenen Milieuschutzsatzung zugrunde liegende<br />
Untersuchung erwartet Umwandlungen von Miet- in<br />
Eigentumswohnungen. Das hohe Verdrängungspotenzial,<br />
das deutliche Aufwertungspotenzial und die bereits hohe<br />
Wohnkostenbelastung für einen Großteil der MieterInnen<br />
treffe auch auf die Gebiete mit überwiegend genossenschaftlichem<br />
Wohnungsbestand zu. Sowohl MieterInnenhaushalte<br />
der FSB (hier 46 %) und des Bauvereins<br />
Breisgau eG (hier 24 %) als auch privater VermieterInnen<br />
(hier 25 %) geben mehr als 40 % des Einkommens für das<br />
Wohnen aus. Der Mietpreisunterschied zwischen den Altverträgen<br />
(10 Jahre und länger = 7,44 €/m²) und den neu<br />
abgeschlossenen Mietverträgen (die in den letzten beiden<br />
Jahren abgeschlossen wurden = 12,10 €/m²) liegt bei<br />
durchschnittlich 4,66 €, also um 63 % höher. Die Untersuchung<br />
des ALP Instituts für Wohnen und Stadtentwicklung<br />
GmbH enthält eigentlich auch eine klare Botschaft<br />
gegen die ständigen Mieterhöhungen bei der FSB: „Selbst<br />
moderate modernisierungsbedingte Mietpreissteigerungen<br />
können zu einer kritischen und nicht mehr dauerhaft<br />
tragbaren Kostenbelastung führen, weshalb auch für die<br />
BewohnerInnen von städtischen und genossenschaftlichen<br />
Wohnungen eine latente Verdrängungsgefahr<br />
besteht.“<br />
[FR] UNMÜSSIG KRIEGT GELD HINTERHERGEWORFEN<br />
Das Freiburger Stadtarchiv kann nicht umziehen, weil<br />
Bauträger Unmüssig die Terminzusage und Zusagen für<br />
Brandschutz und Klimastabilität für das Fotoarchiv nicht<br />
eingehalten hat. Für die Nachbesserung erhält Unmüssig<br />
als Generalunternehmer noch mal 1 Mio. € Nachschlag.<br />
Mehrheitsaktionär der Betreibergesellschaft des Kopfbaus<br />
an der Neuen Messe, in die das Archiv ziehen soll, ist die<br />
Sparkasse. Im Gegensatz zur Stadt muss diese aber keine<br />
Nachzahlungen an Unmüssig leisten.<br />
Weiterführende Links zu den Meldungen<br />
findet ihr wie immer auf unserer Homepage:<br />
www. rechtaufstadt-freiburg.de<br />
FREIeBÜRGER 08/09 | <strong>2022</strong> 5
Foto: Matthias Möller<br />
MIT OBJEKTEN DAS THEMA<br />
WOHNEN BETRACHTEN<br />
Das Studienprojekt Dietenbachsammlung<br />
stellt Wohnfragen an den neuen Stadtteil<br />
In Kooperation mit dem Badischen Landesmuseum hat<br />
das Institut für Kulturanthropologie und Europäische<br />
Ethnologie der Universität Freiburg ein Studienprojekt<br />
auf die Beine gestellt, das sich mit der Entstehung und<br />
der Entwicklung des Stadtteils Dietenbach in Freiburg<br />
auseinandersetzt. Das Ziel ist es, mit Menschen zusammen<br />
Objekte zu sammeln, mit denen der Aushandlungsprozess<br />
rund um den neuen Stadtteil nacherzählt werden<br />
kann. Dabei soll auch das problematische Thema – Wohnen<br />
in Freiburg – in den Fokus gerückt werden. Wohnungsknappheit,<br />
steigende Mieten und daraus resultierende<br />
Wohnungslosigkeit und Verdrängungen sind leider<br />
Alltag in Freiburg. Kann Dietenbach diesen Dynamiken<br />
entgegenwirken?<br />
Im Westen Freiburgs entsteht bis 2040 der neue Stadtteil<br />
Dietenbach. Er soll nach Fertigstellung auf ca. 110 ha<br />
Fläche knapp 7.000 Wohnungen für ca. 16.000 BewohnerInnen<br />
umfassen. Damit ist Freiburg-Dietenbach eines<br />
der größten Neubauquartiere, die zur Zeit in Deutschland<br />
realisiert werden. Zurzeit wird der Baugrund zwischen<br />
Mundenhof (Naherholung mit Tiergehege und landwirtschaftlichem<br />
Musterbetrieb) und Weingarten (geprägt<br />
durch Hochhäuser und urbane Dichte) noch überwiegend<br />
landwirtschaftlich genutzt. Ein kleines Waldstück verläuft<br />
entlang der Grenze zum Stadtteil Rieselfeld.<br />
An den neuen Stadtteil sind viele Hoffnungen und<br />
Erwartungen geknüpft. Dietenbach soll „ein klimaneutraler<br />
und bunter Stadtteil werden mit kurzen Wegen,<br />
Freiflächen, Schulen, Sportangeboten, Kitas und Einkaufsmöglichkeiten“,<br />
sagt die Projektgruppe Dietenbach.<br />
Die politischen Rahmenbedingungen sehen darüber<br />
hinaus die Realisierung von mindestens 50 % geförderten<br />
Mietwohnungen vor. Stadteigene Grundstücke sollen in<br />
Freiburg zudem seit 2018 nur noch in Erbpacht abgegeben<br />
werden. Ein Verkauf ist nur „in begründeten Ausnahmefällen“<br />
möglich, so der Freiburger Gemeinderat. Diese<br />
und andere Maßnahmen sollen den explodierenden Mietund<br />
Immobilienpreisen und der Verdrängung einkommensschwächerer<br />
Bevölkerungsteile entgegensteuern.<br />
Die Frage, ob diese Menschen nach der Bebauung Dietenbachs<br />
dann tatsächlich dort Wohnraum finden, bleibt<br />
vorerst offen.<br />
Das Studienprojekt möchte mit einem partizipativen Ansatz<br />
Objekte sammeln, welche die verschiedenen Perspektiven<br />
auf das Thema Wohnen in Freiburg verdeutlichen<br />
6<br />
FREIeBÜRGER 08/09 | <strong>2022</strong>
– vor allem diejenigen, die in öffentlichen Debatten nur<br />
wenig Aufmerksamkeit bekommen. Objekte werden hier<br />
im Sinne des Philosophen Krzysztof Pomian als Bedeutungsträger<br />
verstanden, die durch das Sammeln, Aufbewahren<br />
und Ausstellen dem Vergessen entrissen und der<br />
Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Dinge werden<br />
so aus ihrem alltäglichen Kontext herausgehoben,<br />
wodurch sie in einem anderen Licht erscheinen und neue<br />
Fragen aufwerfen. Was für Objekte könnten das in diesem<br />
Fall sein?<br />
Vor dem Hintergrund einer hohen Konkurrenz auf dem<br />
Freiburger Wohnungsmarkt verschiebt sich die Wohnungssuche<br />
schon seit langem in den öffentlichen Raum:<br />
An sämtlichen Laternen, Stromkästen, Schwarzen Brettern<br />
und anderen freien Flächen hängen Wohnungsgesuche.<br />
Für das Projekt sind dies aussagekräftige Objekte. Es<br />
wird deutlich, welchen Stellenwert eine professionelle Gestaltung,<br />
prestigeträchtige Berufe und Bilder von harmonischen<br />
Kleinfamilien haben. Sie suggerieren Sicherheit<br />
und Stabilität – wichtige Kriterien für VermieterInnen, die<br />
jedoch viele Menschen nicht erfüllen können. Wie gestaltet<br />
sich Ihre Wohnungssuche?<br />
Eine Engagierte der Interessensgemeinschaft Metzgergrün,<br />
die sich vergeblich für den Erhalt der Wohnhäuser<br />
des Quartiers im Stühlinger eingesetzt hat, spricht von<br />
Verdrängung. Sie fragt sich, warum die Stadt mit dem<br />
Argument der „Vermischung“ hier neue Privat- und Sozialwohnungen<br />
bauen lassen will, die einkommensstarke<br />
Menschen anlocken und sie so mit den „kleinen Bürgern“<br />
zusammenzubringen soll. In wohlhabenden Gegenden<br />
sei dies umgekehrt nie der Fall. Sie versteht, dass die Stadt<br />
angesichts des knappen Wohnraums handeln muss,<br />
aber für sie bedeutet die Maßnahme die Suche nach<br />
einer neuen bezahlbaren Wohnung – wahrscheinlich<br />
außerhalb Freiburgs. Als Objekte, welche die Situation<br />
der jetzigen AnwohnerInnen widerspiegeln, werden ein<br />
Gartenzwerg einer älteren Anwohnerin und ein Stück<br />
einer gefällten Esche vorgeschlagen. Der Gartenzwerg,<br />
der vorher neben vielen anderen Gartenzwergen der<br />
Anwohnerin täglich im Garten Gesellschaft geleistet<br />
hat, wird durch den bevorstehenden Abriss zu einer Art<br />
Abfallprodukt. Es ist unwahrscheinlich, dass es an dem<br />
neuen Wohnort genug Platz für ihn und seine Kollegen<br />
geben wird. Verbunden mit diesen Befürchtungen<br />
stehen sie symbolhaft für Verlustängste, die Trennung<br />
vom Gewohnten und eine ungewissen Wohnzukunft. Der<br />
Eschenanschnitt trage ähnliche Bedeutungen. Die Eschen<br />
hatten einen großen Erholungswert für die Anwohner-<br />
Innen. Wissend, dass weder die Gärten noch der kleine<br />
Eschenbestand Teil ihres Mietvertrags waren, war die<br />
Enttäuschung trotzdem groß, als die Rodung stattfand.<br />
Sie wurden nicht direkt über die Fällung informiert und<br />
fühlten sich und ihre Bedürfnisse wenig berücksichtigt.<br />
Werden sie nochmals in den Genuss kommen dürfen, mit<br />
so viel Grün um sich herum zu wohnen?<br />
Die Objekte des Metzgergrüns oder die vielen Gesuche,<br />
die in der Stadt verteilt sind, zeigen einige und sehr<br />
verschiedene Perspektiven auf das Thema Wohnen auf.<br />
Es gibt jedoch weitaus mehr. Die Redaktion des FREIeBÜR-<br />
GER bot uns ein Bild (unten links) als ein Objekt an, das<br />
ihre Perspektive und ihre Arbeit in Bezug auf das Thema<br />
Wohnen zeigt: einen Verkäufer der Straßenzeitschrift mit<br />
seinem Rucksack, der gefüllt ist mit (überlebens-)notwendigen<br />
Dingen. Er ist auf der Suche nach einem Ort in der<br />
Stadt, um auf der Straße Platte zu machen. Das Foto wirft<br />
in Hinblick auf Dietenbach Fragen auf: Wer wird dort<br />
letzten Endes wohnen dürfen? Gibt es Platz und sichere<br />
Räume für wohnungs- und obdachlose Menschen oder<br />
wird es eine sogenannte „defensive Architektur“ geben,<br />
um ein „sauberes“ Stadtbild zu inszenieren und Menschen<br />
das Verweilen im öffentlichen Raum zu erschweren,<br />
die jedoch auf ihn angewiesen sind, weil sie nicht woanders<br />
hinkönnen?<br />
Liebe LeserInnen, falls Sie sich an dem Sammel-Projekt zu<br />
Dietenbach beteiligen wollen und Sie ein Objekt abzugeben<br />
haben, was Ihrer Meinung nach das Thema Wohnungssuche<br />
oder die Problematik von Verdrängung in<br />
Freiburg repräsentiert, melden Sie sich gerne bei:<br />
enno.moritz.link@merkur.uni-freiburg.de.<br />
Für die Art des Objekts gibt es keine Vorgaben.<br />
Foto: Rolf Jahn<br />
Weitere Infos unter:<br />
https://www.alltagskultur.info/<br />
projekte/dietenbach-dinge/<br />
FREIeBÜRGER 08/09 | <strong>2022</strong> 7
Deine Erscheinung: ein buntes Gesamtkunstwerk! Warst<br />
Du schon immer so schrill?<br />
Schon immer! Auch damals schon in Viersen, nähe Mönchengladbach,<br />
bei uns im Dorf. Ich bin immer aufgefallen...<br />
Mein Ex-Mann lief wie Elvis rum und ich hatte lange<br />
blonde Haare – da haben wir halt zusammengepasst. Wir<br />
waren die einzigen, die in Viersen aufgefallen sind, der<br />
Hübner und ich.<br />
Welches Deiner Accessoires darf niemals fehlen?<br />
Ketten, Schmuck, Nagellack, Ringe – das war's!<br />
Gibt es Dich auch ungeschminkt und ohne Klunker?<br />
Man kann mich auch ungeschminkt sehen, wenn man<br />
mich ganz früh besuchen kommt... Wenn ich morgens<br />
aufstehe, ist das erste, was ich mache, mich zu schminken.<br />
Ich habe mich schon immer geschminkt, auch schon<br />
als junge Frau mit Siebzehn habe ich mich immer schick<br />
gemacht.<br />
Foto: E. Peters<br />
IM GESPRÄCH MIT...<br />
Irene Hübner<br />
Irene Hübner ist jahrelanger FREIeBÜRGER-Fan und<br />
Stammkundin unseres Verkäufersprechers Karsten. Sie<br />
ist Rentnerin, putzt jedoch regelmäßig als „Dipl.-Putzfrau<br />
aus der Klapse“ (wie sie sich selbst scherzhaft nennt) für<br />
die Freiburger Erzdiözese. Einige von Ihnen kennen sie<br />
bestimmt vom Sehen, denn wenn sie durch Freiburgs<br />
Innenstadt läuft, fällt sie auf. Sie trägt einen schwarzen<br />
FC St. Pauli- oder Wacken Open Air-Hoodie, ist immer<br />
perfekt geschminkt, die Fingernägel schrill bunt gefärbt<br />
in Neonfarben, mit viel Klunker um die Handgelenke. Wir<br />
stehen für „einfach anders“, daher ist es doch klar, dass<br />
wir Ihnen Irene vorstellen – eine interessante, engagierte,<br />
tolle Frau, die in ihrem Leben wilde Zeiten hatte, fast<br />
nichts ausgelassen hat und, viel wichtiger, nichts bereut!<br />
Hallo Irene, schön, dass Du bei uns bist. Wie geht es Dir?<br />
Danke, sehr gut.<br />
Irene, Du sitzt hier bei uns und hast ein Oberteil an, hinten<br />
steht Wacken und vorne FC St. Pauli. Wieso?<br />
Weil ich Totenköpfe total cool finde und Wacken halt<br />
auch, wegen der Heavy Metal-Musik. Darum trage ich<br />
dieses Shirt und stehe dazu. Auf einem Fußballspiel des<br />
FC St. Pauli war ich aber leider noch nicht, nur vor dem<br />
Stadion. Ich würde schon gerne mal da rein. Ich treibe<br />
mich in Hamburg viel im Schanzenviertel rum. Ich war<br />
beim Wacken Open Air, aber nur im Städtle, nicht direkt<br />
auf dem Open Air-Gelände bei Konzerten. Ich fahre immer<br />
mit meinem Sohn bis Itzehoe, da steigen wir in den Shuttlebus<br />
und halten uns dann den ganzen Tag im Städtle auf.<br />
Ich find's sooo cool, die Tätowierten und die Rocker...<br />
Ich liebe Rocker! Das ist mein Milieu. Mein Sohn macht<br />
das mir zuliebe mit. Mein Schwiegersohn war auch<br />
Rocker, aber er ist leider verstorben. Bei ihm durfte ich<br />
immer mit in den Club in Mönchengladbach. Ich habe<br />
schon immer Tätowierte geliebt. Ich habe zu meiner Tochter<br />
gesagt: „Jetzt hast Du 'nen Rocker geheiratet und ich<br />
wollte schon immer einen Rocker haben...“ Ich mein', der<br />
Hübner war Elvis und das war eine andere Zeit... Ich liebe<br />
Rocker, auch wenn viele auf die schimpfen. Da kann ich<br />
nix für, so bin ich.<br />
Wo bist Du aufgewachsen?<br />
Ich bin in Oberschlesien, in Zabrze in Polen, aufgewachsen.<br />
Meine Mutter war mit einem Polen verheiratet. Und<br />
das war schlimm in Polen, Deutsche und Polen haben<br />
sich damals nicht gut verstanden. 1946 haben sie in Polen<br />
geheiratet, 1947 bin ich geboren und 1949 ist mein Vater<br />
verstorben an Tuberkulose. Und dann hat sie einen Deutschen<br />
geheiratet und da war ich halt das Stiefkind und<br />
das „Pollacken-Kind“. Ich wurde beleidigt und misshandelt,<br />
nur weil mein Vater ein Pole war.<br />
Wo lebst Du in Freiburg?<br />
Seit 13 Jahren im Evangelischen Stift Freiburg im Betreuten<br />
Wohnen.<br />
8<br />
FREIeBÜRGER 08/09 | <strong>2022</strong>
Seit wann kennst Du den FREIeBÜRGER und was gefällt<br />
Dir an uns?<br />
Seit Anfang an, seit der ersten Ausgabe kaufe ich die Straßenzeitung,<br />
zu Beginn immer bei Uli. Seitdem kenne ich<br />
euch. Besonders begeistern mich die Artikel von Carsten,<br />
der über 900 Jahre Armut in Freiburg schreibt. Ich liebe<br />
das! Ich finde es faszinierend, was hier in Freiburg früher<br />
los war. Mir gefällt, dass hier so viele Leute drin sind, die<br />
etwas erzählen, wie es ist, wer was macht usw. Eine sehr<br />
interessante Zeitung! Es ist wichtig, dass es eine Straßenzeitung<br />
in Freiburg gibt. In ihr kann man sehr viele Sachen<br />
lesen, über die man sonst eigentlich nichts erfahren<br />
würde.<br />
Du kanntest unseren verstorbenen Chefredakteur Uli<br />
Hermann sehr gut. Wo habt ihr euch kennengelernt?<br />
Kennengelernt habe ich Uli an seinem Verkaufsplatz. Wir<br />
waren ziemlich eng. Wir haben uns wirklich alles erzählt.<br />
Er wusste alles von mir und ich alles von ihm. Uli war ein<br />
ganz toller und ein so liebenswürdiger Mensch.<br />
Wie wichtig ist Dir ehrenamtliches Engagement?<br />
Das ist mir sehr wichtig. Bei uns im Evangelischen Stift<br />
Freiburg in der Hermannstraße am Schlossberg arbeite<br />
ich schon seit ca. 12 Jahren ehrenamtlich. Unsere Pfarrerin<br />
hat mich damals gefragt, ob ich Lust darauf hätte. Ich<br />
bin jeden Tag im Stift, helfe dort in der Cafeteria, gebe<br />
dann oben im Wohnbereich den Leuten Essen aus und<br />
unterhalte mich sehr viel mit den Menschen. Ich bin die<br />
einzige, die das ehrenamtlich macht bei uns.<br />
Wie ist der Kontakt zu den anderen in Deinem Ehrenamt?<br />
Ich habe ganz engen Kontakt mit allen dort. Wenn ich<br />
ins Foyer reinkomme, dann begrüßen wir uns lieb und<br />
drücken uns erstmal. Oh, und das tut so gut... Durch die<br />
langen Jahre, seit denen ich da bin, kennt mich jeder. Die<br />
Angehörigen kommen und freuen sich und bedanken<br />
sich bei mir. Und am Abend, wenn ich dann um 16:30 Uhr<br />
hochkomme in den Wohnbereich, sagen die schon: „Ach,<br />
die Frau Hübner ist wieder da, ist das schön." Ich gehe<br />
dann zu jedem persönlich und drück' die, und sie sagen,<br />
das tut so gut, das ist so schön, dass sie da sind. Und das<br />
Pflegepersonal, die sind alle so dankbar. Wenn ich dann<br />
nach Hause gehe, sagen die Bewohner: „Frau Hübner,<br />
vielen Dank, dass Sie da waren, wir freuen uns schon auf<br />
morgen." Genau das macht mich froh, darum bin ich so,<br />
wie ich bin. Wenn ich jetzt nur geben würde, dann wäre<br />
ich auch frustriert vielleicht. Ich gebe was und ich krieg'<br />
auch was zurück.<br />
Was machst Du, um so fit zu sein und zu bleiben?<br />
Mein Sohn hat mir Übungen aufgegeben. Ich gehe viel<br />
spazieren. Ich mache jeden Tag zwanzig Kniebeugen. Und<br />
das war's.<br />
Das Alter ist nur eine Zahl. Ist das auch Dein Motto?<br />
Ja, auf jeden Fall. Definitiv. Ich denke eigentlich gar nicht<br />
an das Alter. Ich lebe das Leben, so wie es ist, und denke<br />
positiv. Darum bin ich so, wie ich bin.<br />
Was machst Du in Deiner Freizeit?<br />
Ich höre CDs, die Stones, Coldplay und so was alles, und<br />
lese. Morgens gehe ich spazieren und mache meine Tour<br />
durch die Stadt. Dann komme ich nach Hause und hole<br />
für eine Stunde Luft. Um 14 Uhr gehe ich rüber zu uns ins<br />
Pflegeheim, um 14:30 Uhr macht die Cafeteria auf und<br />
dann helfe ich und rede mit den Leuten. So um 18:30 Uhr<br />
gehe ich nach Hause, schlüpfe in mein Nachthemd, lese<br />
noch ein wenig Zeitung oder gucke Fernsehen.<br />
Du hast mal zu uns gesagt, dass Du nie „frei“ hast. Was<br />
genau meinst Du damit?<br />
Ich habe keine Langeweile, muss ich sagen, die kenne ich<br />
nicht. Auch nicht am Sonntag, wie viele andere. Ich höre<br />
meine Musik und bin dann in einer anderen Welt.<br />
Wenn Du drei Wünsche frei hättest, welche wären es?<br />
Einer würde mir reichen! Dass ich so bleibe, wie ich bin.<br />
Ich bin sehr glücklich. Ne, einen zweiten habe ich doch<br />
noch und zwar: Ich liebe alte Autos. Oldtimer. Ich habe<br />
zu meinem Sohn gesagt: Wenn ich 80 Jahre alt werde,<br />
wünsche ich mir, in einer pinkfarbigen Corvette mit ihm<br />
spazieren zu fahren. Ob in Hamburg oder hier in Freiburg<br />
oder irgendwo.<br />
Was ist für Dich der schönste Ort in Freiburg?<br />
Und welcher der hässlichste?<br />
Ich liebe den Hauptfriedhof, den Alten Friedhof und den<br />
Stadtgarten. Ein hässlicher Ort fällt mir nicht ein, obwohl<br />
ich schon seit vierzig Jahren hier in Freiburg lebe.<br />
Was wünschst Du Freiburg?<br />
Dass es nicht noch mehr bergab geht, alles zumacht. Die<br />
schönen kleinen Geschäfte, die früher hier waren, die<br />
gibt es kaum mehr. Seinerzeit war ich viel im Club „Roter<br />
Punkt“ in der Schusterstraße. Ich bin von Denzligen jeden<br />
Abend da hingefahren. Solche Clubs gibt es in Freiburg<br />
kaum oder gar nicht mehr. Das finde ich sehr traurig. Seit<br />
sieben Jahren gehe ich immer im Januar zu einer AC/DC-<br />
Coverband ins Jazzhaus. Das Jazzhaus ist cool, das ist bei<br />
uns Kult. Viele von uns aus dem Stift gehen hin, auch die<br />
Handwerker. Das ist dort so schön.<br />
Liebe Irene, vielen herzlichen Dank für das Interview. Wir<br />
wünschen Dir, dass sich Deine Träume erfüllen und Du<br />
demnächst am Millerntor mit Deiner pinkfarbigen Corvette<br />
vorfährst und zu einem Spiel ins Stadion gehst!<br />
Oliver, Conny & Ekki<br />
FREIeBÜRGER 08/09 | <strong>2022</strong> 9
Abb.: Szene aus dem Dreißigjährigen Krieg / Joseph Heintz der Ältere – Kunsthistorisches Museum Wien<br />
Foto: Wikimedia Commons<br />
900 JAHRE ARMUT IN FREIBURG<br />
Armenwesen und Pflege in Freiburg (Teil 19)<br />
In der letzten Ausgabe berichtete ich über den Dreißigjährigen<br />
Krieg, wie er nach Freiburg kam und sich<br />
schließlich auch innerhalb der Stadtmauern austobte.<br />
In dieser Folge erzähle ich über den Fortgang des Krieges<br />
und die Auswirkungen für die Stadt Freiburg und ihre<br />
BewohnerInnen.<br />
FREIBURG WIRD AUFGERÜSTET<br />
Wie bereits erwähnt, blieb die Stadt Freiburg selbst in<br />
den ersten Jahren des Krieges noch verschont. Aber auch<br />
so kam es zu allerlei Streit und Hänseleien und auch von<br />
Übergriffen der Soldaten auf die Zivilbevölkerung wurde<br />
oft berichtet. Zwar waren noch keine Soldaten in Freiburg<br />
einquartiert, doch da die Stadttore tagsüber meist offen<br />
waren, kamen auch Soldaten in die Stadt. Dadurch kam es<br />
nun häufiger zu Auseinandersetzungen, obwohl die Truppen<br />
anfangs ja zum Schutz von Stadt und Bürgerschaft da<br />
waren. Als ein paar Jahre später die ersten Truppeneinheiten<br />
in Freiburg stationiert wurden, erreichten die Übergriffe<br />
einen ersten Höhepunkt. Der Rat stellte auch bald<br />
fest, dass die Soldaten sich immer mehr Tätlichkeiten erlaubten,<br />
„sie plünderten, trieben Mutwillen und Händel,<br />
verhielten sich ganz unnitz und nahmen den Leuthen das<br />
Irige.“ Da der Rat keinen Einfluss auf die Truppen hatte,<br />
versuchte er, seine BürgerInnen zu beruhigen. Er versuchte,<br />
die EinwohnerInnen zu „Ruch, Friden, Einigkheit, Gedult,<br />
Freundschafft, und guotter Vertraulichkeit“ anzuhalten.<br />
Doch bald war die Geduld der Menschen am Ende.<br />
Als erstes warf ein Freiburger Rebmann den bei ihm einlogierten<br />
Soldaten aus dem Haus, andere folgten diesem<br />
Beispiel. Trotz Androhung von hohen Strafen von einer<br />
Mark Silber weigerten sich immer mehr BürgerInnen, Soldaten<br />
bei sich aufzunehmen. Die Konflikte zwischen Militär<br />
und Zivilbevölkerung nahmen mit der Zeit zu und sollten<br />
fast bis zum Kriegsende anhalten.<br />
Das ist aber auch nicht verwunderlich bei der räumlichen<br />
Enge, die in der Stadt herrschte. Denn neben Freiburgs<br />
Einwohnerschaft lebten die geflohenen Bauern aus den<br />
umliegenden Dörfern sowie die einquartierten Söldner<br />
inzwischen in der Stadt. Vor allem durch die Aufnahme<br />
von Soldaten schränkte sich das Leben der BürgerInnen<br />
ein, und das im räumlichen wie auch im materiellen Sinn.<br />
Die Menschen mussten den Truppen ja nicht nur Wohnraum<br />
zur Verfügung stellen, obwohl die einfachen BürgerInnen<br />
meist selbst nur eine Stube hatten, sie mussten<br />
auch für den Lebensunterhalt der „Quartiergäste“ sorgen.<br />
Das bedeutete die Bereitstellung von Bettstatt, Ofen,<br />
10<br />
FREIeBÜRGER 08/09 | <strong>2022</strong>
Feuer, Licht, Wein und Brot. Besonders schlimm wurde<br />
es, wenn es sich bei den Soldaten um käufliche Söldner<br />
handelte. Die zogen nicht selten mit Frau und Kindern<br />
ins Feld und fuhren mit den Material- und Verpflegungswägen<br />
den Schlachten hinterher. Und so mussten die<br />
„Quartiergeber“ in solchen Fällen ganze Familien ernähren<br />
und das, obwohl sie ja eine eigene zu versorgen<br />
hatten. Vom eigentlichen Kriegsgeschehen blieb Freiburg<br />
allerdings immer noch verschont. Doch in den 1620er Jahren<br />
machten desertierte Söldnergruppen die Freiburger<br />
Umgebung unsicher und zogen plündernd und mordend<br />
durch den Breisgau. Daher flüchteten immer mehr Bauern<br />
mitsamt ihrer Habe und ihrem Vieh schutzsuchend in<br />
die Stadt. Ausflüge in die Umgebung waren so gefährlich,<br />
dass sich nicht einmal der städtische Viehhirte auf die<br />
Weiden vor der Stadt traute.<br />
Da alle Freiburger Untertanen, die auf dem Gebiet der<br />
Stadt lebten, Anrecht auf Schutz und Obhut der Stadt<br />
hatten, war der Rat gezwungen, sie aufzunehmen. Dazu<br />
zählten nicht nur die BewohnerInnen der Vorstädte, sondern<br />
auch die Menschen aus Herdern, der Wiehre oder<br />
Adelhausen sowie die Angehörigen der in der Gegend<br />
ansässigen Klöster. Dennoch waren die Schutzsuchenden<br />
eine große und vor allem zusätzliche Belastung. Und je<br />
länger die Geflohenen in der Stadt bleiben mussten, um<br />
so härter wurde die Belastung. Lebensmittel und Geld<br />
wurden immer weniger, das Leben bzw. Überleben wurde<br />
schwieriger.<br />
1622 hatte Erzherzog Leopold wieder Truppen in und um<br />
Freiburg stationiert und die Stadt sollte sie verköstigen.<br />
Im Juni 1622 wurden alle Bäcker aus Freiburg und Umgebung<br />
im Kaufhaus zusammengerufen. Sie erfuhren, dass<br />
sie von nun an 10.000 Laib Brote täglich backen sollten,<br />
aber nur für die Truppen Leopolds. Das war natürlich eine<br />
unerhörte Menge, vor allem wenn man bedenkt, dass bei<br />
diesen Broten noch kein einziges für die FreiburgerInnen<br />
selbst war. Da sämtliche Argumente der Bäcker abgewiesen<br />
wurden, versuchten sie sich mit Tricks und Mogeleien<br />
aus der Affäre zu ziehen. So wurde mal das Mehl gestreckt,<br />
ein anderes Mal wurden zu kleine Brote gebacken.<br />
Viel geholfen hat es wohl nicht, zumal die Bäcker hart<br />
bestraft wurden, falls man sie erwischt hätte.<br />
DIE SUPERINFLATION<br />
Im selben Jahr kam ein weiteres Problem auf die Stadt zu:<br />
eine hohe Inflation! Zwar stiegen die Lebensmittelpreise<br />
schon seit ein paar Jahren stetig an, aber jetzt verlor das<br />
Geld in rasantem Tempo an Wert. Der Finanzbeauftragte<br />
des Freiburger Franziskanerkonvents Bernhard Schubert<br />
notierte zur Inflation: „Diß Jahr ist von wegen der<br />
erbärmlichen Kriegßtrowung in dießen Landen das Gelt in<br />
ain solchen hochen Werth komen, daß der Thaler, so zuvor<br />
Abb.: Erzherzog Leopold V. (1586-1632) im geistlichen<br />
Gewand<br />
anderhalb Gulden golten, gestigen ist bis auf 7 Gulden, der<br />
Ducaten aber, so sonst nur eidthalb Gulden golten, komen<br />
ist biß auf 12 Gulden…, ist alles sehr teur wordten. Und große<br />
Confusiones under den Leuten darauß erfolgt.“<br />
Und der Kaplan des Basler Domkapitels Thomas Mallinger<br />
schrieb in seinem Tagebuch zum selben Thema: „…das im<br />
<strong>August</strong> ein Viertel Frucht 12 Gulden kostete, im November<br />
24 und zu Weihnachten über 30 Gulden. Der Saure Wein<br />
stieg in der selben Zeit von 24 auf fast 70 Gulden!“<br />
Doch diese „Superinflation“ von 1622/23 kam diesmal<br />
nicht von schlechtem Wetter oder irgendwelchen Katastrophen,<br />
auch der Krieg selbst trug nur bedingt dazu bei.<br />
Hauptursache der Inflation war eine eklatante Münzverschlechterung.<br />
Verantwortlich waren dafür in erster<br />
Linie die „Münzherren“, also die Fürsten oder die Städte,<br />
welche Münzen prägen durften. Sie ließen ihre Münzen<br />
einfach mit einem geringeren Edelmetallgehalt prägen<br />
und brachten dieses Geld in Umlauf. Mit diesem „leichten<br />
Foto: Joseph Heintz der Ältere - Kunsthistorisches Museum Wien, Bilddatenbank<br />
FREIeBÜRGER 08/09 | <strong>2022</strong> 11
Abb.: Pesthof in Hamburg. Kolorierter Kupferstich von Philipp Andreas Kilian (1714-1759)<br />
Foto: Wikimedia Commons<br />
Geld“ konnten die Fürsten die immensen Rüstungsausgaben,<br />
vor allem in der ersten Hälfte des Krieges, decken,<br />
ohne sich weiter zu verschulden. Allerdings wurden durch<br />
den schnell ansteigenden Umlauf dieser falschen Münzen<br />
auch Betrüger und Spekulanten in die Städte gelockt.<br />
Auch in Freiburg dauerte es nicht lange, bis die Fälscher,<br />
Wechsler und Spekulanten auftauchten. Der Rat griff erst<br />
einmal zu bewährten Mitteln. Er beauftragte die Freiburger<br />
Wirte, jeden Fremden oder Verdächtigen unverzüglich<br />
dem Rat namhaft zu machen. Bei Nichtbefolgung drohten<br />
Geldstrafen. So erging es im April 1621 dem Bärenwirt<br />
Georg Pfeiffer, der zwei fremde Geldwechsler beherbergte<br />
und nicht meldete. Die Höhe der Strafe ist nicht bekannt.<br />
Doch die allermeisten Wirte hielten sich an die Weisung<br />
des Rates. So kam man z. B. den Brüdern Burkhard und<br />
Georg Kueffer auf die Spur, die eines Tages in Freiburg<br />
auftauchten und die „allerhand fremde leichte unbekandte<br />
geringhaltige Müntzsorten in das Landt und alhiesige<br />
Statt gebracht, so eine grosse Ungelegenheit verursacht.“<br />
Die Brüder wurden daraufhin inhaftiert, zu hohen Geldbußen<br />
verurteilt und aus Stadt und Land verwiesen.<br />
In einem anderen Fall gelang es, vier Männer aus dem<br />
Herzogtum Württemberg dingfest zu machen, die mit<br />
schlechtem Geld in Freiburg Vieh einkauften und aus der<br />
Stadt führen wollten, um es anderswo gewinnbringend<br />
zu verkaufen. Sie waren so dreist, auch den Zoll am Stadttor<br />
mit minderwertigen Münzen zu bezahlen und wurden<br />
dabei ertappt.<br />
Nach einer Weile haben sich aber auch Freiburger selbst<br />
am Handel mit der minderwertigen Währung beteiligt.<br />
Der Rat vermutete, dass einige der Freiburger Kaufleute<br />
„ganze Vässer voll“ in die Stadt gebracht haben. Sogar<br />
Ratsmitglieder standen wegen solcher Vorwürfe unter<br />
Verdacht. Durch die Überschwemmung der Stadt mit<br />
dem „schlechten Geld“ und dem damit verbundenen Verschwinden<br />
der „guten Währung“ stieg die Inflation drastisch<br />
an. Die Landesregierung hatte den Plan, großflächig<br />
Hausdurchsuchungen durchzuführen, um die falschen<br />
Münzen zu beschlagnahmen. Doch der Gemeinderat<br />
in Freiburg widersprach diesem Ansinnen, hauptsächlich<br />
deswegen, weil diese Maßnahme nur die einfachen<br />
BürgerInnen treffen würde. Da der „gemeine Mann“ oft<br />
nur mit kleinen, minderwertigen Münzen bezahlt wurde,<br />
könnte er bei Beschlagnahme des Geldes „das Brodt und<br />
sein tägliche Nahrung nicht mehr finden.“<br />
Im Laufe der Jahre stiegen Inflation und Teuerung so<br />
hoch, dass ein normaler Handwerkerhaushalt mehr als<br />
70 % des Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben<br />
musste. In vielen Städten gab es Tumulte, die Bäckerläden<br />
wurden vielerorts gestürmt, weil sich der einfache Mann<br />
das Brot nicht mehr leisten konnte.<br />
Ende 1623 konnte die vorderösterreichische Landesregierung<br />
erste Erfolge im Kampf gegen Teuerung und Inflation<br />
verbuchen, doch der Aufwand dafür war enorm.<br />
Der Münzwert musste neu eingeschätzt werden und es<br />
12<br />
FREIeBÜRGER 08/09 | <strong>2022</strong>
mussten neue Münzen geprägt werden. Diesmal achtete<br />
man darauf, dass nicht zu viele große Münzen geprägt<br />
wurden, sondern auch genügend kleine, hauptsächlich<br />
„fürd die Bedürfnisse des armen Mannes!“ Auch die Lebensmittelpreise<br />
sowie die Arbeitslöhne wurden neu festgelegt.<br />
Handel und Einfuhr von „schlechtem Geld“ wurden<br />
unter Androhung harter Strafen verboten und das wurde<br />
auch konsequent verfolgt. Da im gesamten Reich ähnliche<br />
Maßnahmen ergriffen wurden, führten sie allmählich<br />
auch zum Erfolg.<br />
Foto: Wikimedia Commons<br />
PEST UND BELAGERUNGEN<br />
Im Jahr 1626 konnten die FreiburgerInnen etwas zur Ruhe<br />
kommen und sogar Erfolge der verbündeten Armeen<br />
bejubeln. Die Truppen der Katholischen Liga unter Wallenstein<br />
und Tilly schlugen erst die Armeen von Ernst von<br />
Mansfeld und dann die Dänen unter König Christian IV.<br />
Doch lange dauerte die Freude nicht, denn kurz nach der<br />
Siegesmeldung traf die Nachricht ein, dass im Elsass die<br />
Pest ausgebrochen war. Nun wurden die Stadttore wieder<br />
verriegelt, diesmal wegen der Pest. Menschen aus dem<br />
Elsass wurden nicht mehr in die Stadt eingelassen, auch<br />
sonstige Fremde hatten es schwer. Ein Jahr später schien<br />
die Gefahr behoben und einzelne Maßnahmen wurden<br />
wieder gelockert, doch es dauerte kaum zwei Monate, bis<br />
die Pest wieder vor den Toren der Stadt stand.<br />
Diesmal griff die Stadt hart durch. Nachdem im Gasthaus<br />
Tanne sieben Menschen an der Pest gestorben waren,<br />
wurde das Gasthaus sofort geschlossen und der Wirt<br />
wurde samt Familie im eigenen Haus unter Quarantäne<br />
gestellt. EinwohnerInnen, die in der letzten Zeit in der<br />
Tanne zu Gast waren, mussten sofort und samt Familien<br />
die Stadt für ein Jahr verlassen. Die meisten von ihnen<br />
siedelten sich nun in den umliegenden Dörfern an, wo<br />
dann auch bald die Seuche ausbrach. Als das bekannt<br />
wurde, ließ die Stadt keinen Fremden mehr ein, außer<br />
den einquartierten Truppen, denn schließlich herrschte<br />
immer noch Krieg.<br />
Der Rat engagierte die beiden „Doctores“ Johann Jakob<br />
Federer und Dieterich Meyt als Pestärzte, für arm und<br />
reich gleichermaßen. Den viel bekannteren Mediziner in<br />
der Stadt, Dr. Michael Schütz, überging man dabei bewusst,<br />
weil man aus seinen hohen Honorarforderungen<br />
schloss, „das er schlechte Lust hatte, sich gebrauchen zu<br />
lassen.“ Die Stadt musste wieder mehr Totengräber einstellen,<br />
doch Freiwillige fand man dafür kaum. Daher bestellte<br />
der Rat den Barbier Konrad Klötzlin zum Seel- und<br />
Findelhausschaffner, denn dieser war für die Totenträger<br />
zuständig und musste auch die Durchführung der Pestmaßnahmen<br />
der Stadt überwachen. BewohnerInnen von<br />
Häusern, aus denen ein Pestfall gemeldet wurde, durften<br />
das Haus nicht mehr verlassen. Wer dennoch das Haus<br />
Abb.: Das Schlachtenkreuz auf dem Bohl bei Ebringen.<br />
Die Inschrift lautet: Zur Erinnerung an die hier in der<br />
Schlacht am Bohl am 3. <strong>August</strong> 1644 gefallenen Bayern<br />
und Franzosen.<br />
verließ und in der Öffentlichkeit gesehen wurde, verlor<br />
seine Bürgerrechte. Interessant ist dabei noch, dass der<br />
Rat sämtliche Bäder der Stadt schon vorsorglich geschlossen<br />
hatte, die Wirtshäuser aber geöffnet ließ. Bis 1628<br />
tobte die Pest noch in der Stadt, bevor Freiburg wieder<br />
pestfrei war.<br />
In der nächsten Ausgabe geht es um das Spital, das Ende<br />
des Krieges und warum eine Münsterglocke noch heute<br />
zum Gedenken läutet.<br />
Ich bedanke mich beim Stadtarchiv Freiburg und Herrn<br />
Thalheimer, der Waisenhausstiftung, Gerlinde Kurzbach,<br />
Peter Kalchtaler und Dr. Hans-Peter Widmann.<br />
Carsten<br />
FREIeBÜRGER 08/09 | <strong>2022</strong> 13
Foto: Kenneth C. Zirkel / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)<br />
NAH AM ZIEL UND DOCH SO FERN<br />
„Die Waffen der Frau sind manchmal Waffeln“<br />
Wir befinden uns im Jahr 1848 in dem kleinen amerikanischen<br />
Ort Seneca Falls im äußersten Westen des<br />
Bundesstaates New York. Es treffen sich über 300 Frauen<br />
und Männer (wohlgemerkt!), um gemeinsam über<br />
Frauenrechte zu diskutieren...<br />
Die beiden Organisatorinnen, Elisabeth Cady Stanton<br />
und Lucretia Mott, hatten bereits im Vorfeld eine Liste<br />
von Resolutionen und eine „Declaration of Sentiments“<br />
nach dem Vorbild der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung<br />
entworfen. Zwei Tage lang diskutieren die<br />
TeilnehmerInnen ausgiebig über deren Punkte. Im Fokus<br />
steht besonders das Frauenwahlrecht, neben Zugang zur<br />
Bildung und rechtlicher Besserstellung in der Ehe. Am<br />
Ende setzen in Seneca Falls einhundert Teilnehmer und<br />
Teilnehmerinnen ihre Unterschrift unter die Deklaration.<br />
Ein Drittel davon sind Männer.<br />
72 JAHRE SPÄTER<br />
Die Damenwelt trägt jetzt mit Pailletten besetzte Fransen-Kleider,<br />
exotische Federboas, Synthetikstrümpfe,<br />
verzierte Stirnbänder und dunkle Lippen. Die Haare sind<br />
erfrischend kurz als Bubikopf geschnitten. Greta Garbo<br />
und Josephine Baker sind angesagt. Dank der einflussreichsten<br />
Designerin der 1920er Jahre, Coco Chanel,<br />
verschwinden bunte Rüschenkleider und Frauen tragen<br />
minimal geschnittene Kleider in Schwarz, Weiß, Blau<br />
oder Grau. „Das kleine Schwarze“ ist uns aus dieser Zeit<br />
bis heute stilsicher erhalten geblieben. Modisch als auch<br />
politisch ändert sich für uns Ladys nun eine arg wichtige<br />
Angelegenheit zum Guten:„Das Wahlrecht der Bürger<br />
der Vereinigten Staaten darf von den Vereinigten Staaten<br />
oder dem Einzelstaat nicht aufgrund des Geschlechts<br />
versagt oder beschränkt werden“.<br />
Am 2. November 1920 sind alle Frauen erstmals in allen<br />
US-Bundesstaaten zu den Präsidentschaftswahlen<br />
zugelassen. Eine große Ausnahme ist der Bundesstaat<br />
Wyoming gewesen. Hier können Frauen bereits ab 1869<br />
wählen gehen. Der Süden und die Ostküste hingegen,<br />
außer New York, blieben bis zum Schluss Gegner des<br />
Frauenwahlrechts.<br />
Im Grundsatzurteil „Roe versus Wade“ entscheidet der<br />
oberste Gerichtshof der USA, der Supreme Court, überraschend<br />
am 22. Januar 1973, dass staatliche Gesetze,<br />
14<br />
FREIeBÜRGER 08/09 | <strong>2022</strong>
die Abtreibungen verbieten, gegen die Verfassung der<br />
Vereinigten Staaten verstoßen. Die Bezeichnung geht auf<br />
den zum Schutz gewählten Alias-Namen der Klägerin<br />
„Jane Roe“ zurück. Beklagter für den Staat Texas war der<br />
damalige Bezirksstaatsanwalt des Dallas County, Henry<br />
Wade. „Roe versus Wade“ zählt zu den wohl umstrittensten<br />
Entscheidungen des Supreme Court, damals noch<br />
mehrheitlich liberal geprägt. Fast fünfzig Jahre später<br />
wird das Urteil nichtsahnend wieder gekippt werden...<br />
1992 wird das Urteil von 1973 in einem anderen Fall,<br />
„Planned Parenthood vs. Casey“, erneut bekräftigt.<br />
DEUTSCHLAND, ZWEI JAHRE VOR „ROE VERSUS WADE“<br />
374 mutige Frauen bekennen sich in der Zeitschrift Stern:<br />
„Wir haben abgetrieben!“ Darunter befinden sich neben<br />
Arbeiterinnen und Hausfrauen Stars wie Senta Berger,<br />
Romy Schneider und die Publizistin Carola Stern. Die<br />
Frauen fordern das Recht auf eine legale Abtreibung.<br />
„Gegen den Paragrafen 218 und für Wunschkinder“.<br />
Der Stern-Bericht löst einen Skandal aus, da das Thema<br />
endlich aus der verstaubten Tabuzone dieser Zeit geholt<br />
wird. Bis heute jedoch gibt es immer noch keine liberale<br />
Regelung. Eine Abtreibung ist dann nicht strafbar, wenn<br />
sich die betroffene Frau an die enge Gesetzeslage hält.<br />
Ausnahmen sind medizinische oder kriminologische Indikationen.<br />
Mit diesen Regelungen ist unser Land eines der<br />
rückständigsten in Europa. „Wir sind weiter, aber nicht<br />
am Ziel.“ Der Satz „Ob Kinder oder keine, entscheiden wir<br />
alleine“ gilt heute – unter Wahrung unterschiedlicher<br />
Fristen – in Frankreich, Irland, Großbritannien, Spanien,<br />
Schweden, Italien, Schweiz und den Niederlanden. Dort<br />
sind Schwangerschaftsabbrüche legal und ohne juristische<br />
Schuldzuweisung möglich.<br />
RÜCKWÄRTS STATT VORWÄRTS – ZURÜCK INS<br />
VIKTORIANISCHE ZEITALTER?<br />
Am 25. Juni <strong>2022</strong>, also nach fast 50 Jahren, kippt der Supreme<br />
Court das Recht auf Abtreibung in den Vereinigten<br />
Staaten von Amerika. Gloria Steinem, Frauenrechtlerin,<br />
hätte dazu folgendes gesagt: „Wenn Männer schwanger<br />
werden könnten, wäre Abtreibung ein Sakrament.“ Seit<br />
dem Urteil mussten zahlreiche Kliniken schließen, die<br />
Nachfrage nach Vasektomien (Sterilisation des Mannes)<br />
ist groß und es gibt unzählige Proteste. US-Präsident Joe<br />
Biden nannte den Supreme Court rechtsextremistisch. Ob<br />
sich die Männer und Frauen, die da sitzen, Gedanken über<br />
ihre Töchter, Nichten, Enkelinnen oder gar Urenkelinnen<br />
gemacht haben? Oder über sich selber?<br />
Bei dem Wort „Belästigung“ denken manche nur an<br />
körperliche Belästigung. Doch diese fängt bereits verbal<br />
an. Das eher verniedlichende Wort „Catcalling“ bezeichnet<br />
verbale Belästigung. Catcalling ist in Deutschland<br />
noch nicht strafbar. Eine entsprechende Petition blieb<br />
Abb.: Elizabeth Cady Stanton (1815-1902)<br />
Foto: Wikipedia<br />
bislang erfolglos. Es gehören, neben anzüglichen Sprüchen<br />
oder Wörtern, lautes Pfeifen, Klatschen, Johlen oder<br />
Kussgeräusche dazu. Catcalling bezieht sich nicht nur auf<br />
das weibliche Geschlecht. Es kann jede Person treffen.<br />
Zweierlei Ängste werden von Betroffenen nach einer<br />
Belästigung immer wieder genannt: Die Angst davor, die<br />
Privatsphäre nicht mehr schützen zu können und Angst<br />
vor einer Vergewaltigung. Folgen von Catcalling können<br />
übermäßige Körperscham und Selbstobjektivierung sein.<br />
WIE SOLLTEN SIE SICH BEI CATCALLING VERHALTEN?<br />
Die Person, die Sie belästigt, ignorieren. Auf keinen Fall direkt<br />
konfrontieren, denn das könnte im schlimmsten Fall<br />
zu einem körperlichen Übergriff führen. Rufen Sie laut<br />
um Hilfe oder rufen Sie umgehend die Polizei an, wenn<br />
die Angst sehr stark ist. Eigenschutz geht immer vor!<br />
Jeder Mensch hat seine eigene Grenze und diese gilt es zu<br />
respektieren. Männliche Leser finden im Internet Tipps,<br />
was sie konkret tun können, damit sich eine Frau sicherer<br />
fühlt. Selbstverständlich gelten auch für uns Damen<br />
gewisse Anstandsregeln. Einen Mann mit „Hey, Süßer!“<br />
anzusprechen ist ein absolutes No-Go.<br />
Vieles hat sich somit seit Beginn unserer Zeitreise zum<br />
Erfreulichen entwickelt. Doch es gibt immer noch genug<br />
Handlungs- und Veränderungsbedarf. „Die Waffen der<br />
Frau sind manchmal Waffeln“, formulierte die Publizistin<br />
Ruth W. Lingenfelser nüchtern und amüsant zugleich.<br />
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FREIeBÜRGER 08/09 | <strong>2022</strong> 15
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FREIeBÜRGER 08/09 | <strong>2022</strong> 17
Manchmal erscheint einem das Leben komplizierter, als<br />
es eigentlich sein müsste. Da gibt es Kollegen, über die<br />
man sich ärgert, Freunde, die auf einmal total verrückt<br />
spielen und Probleme, wo immer man hinsieht. Und<br />
man selbst steht da und versucht einen guten Grund zu<br />
finden, womit man das eigentlich verdient hat.<br />
Eine Antwort darauf lässt sich meist schwer finden, es sei<br />
denn, man beachtet den Grundsatz, dass man an allem<br />
Übel selbst eine Mitschuld trägt. Ja, Sie haben richtig<br />
gelesen! Egal, wie schwerwiegend und unnahbar Ihr<br />
Problem auch sein mag, irgendwo haben Sie ganz sicher<br />
wesentlich etwas dazu beigetragen, dass es überhaupt<br />
erst entstanden ist. Dies mag eine Kleinigkeit gewesen<br />
sein oder sogar ein massiver Einschnitt. Ich selbst weiß<br />
sehr gut, dass man diese Tatsache gerne von sich weist<br />
oder gar nicht erst in Betracht zieht. Denn warum in aller<br />
Welt sollte man schuldig an dem Blödsinn sein, den andere<br />
verursachen? Man kann doch schließlich nichts dafür,<br />
wenn andere einem das Leben schwer machen. Oder was<br />
meinen Sie?<br />
Nehmen wir einmal an, diese letzte Aussage ist korrekt<br />
und in der Tat hat man absolut nichts damit zu tun. Ein<br />
Schuldiger ist ja auch schnell gefunden. Und noch einer<br />
und noch einer. Das Dumme ist nur, man kann an dieser<br />
Situation rein gar nichts ändern. Denn, was andere tun,<br />
EIN TEIL DES GANZEN<br />
lässt sich meist nur sehr schwer berechnen. In diesem Fall<br />
ist man seinem Schicksal absolut ausgeliefert. Das wäre<br />
wirklich zu bedauern. Man wäre jeder Situation schutzlos<br />
gegenübergestellt und müsste diese hinnehmen, ohne zu<br />
wissen, warum sie überhaupt entstanden ist. Könnten Sie<br />
sich das vorstellen? Für mich selbst ist das eher unwahrscheinlich,<br />
obwohl es auch für mich einmal eine solche<br />
Zeit gab, in der ich mich fragte, warum sich die ganze<br />
Welt gegen mich verschworen hatte.<br />
Eine wirkliche und hilfreiche Antwort auf diese Frage<br />
erhielt ich erst, als ich zu akzeptieren begann, dass ich<br />
in irgendeiner Art und Weise mitverantwortlich an dem<br />
Chaos war, welches mir begegnete. Eine zuvor getätigte<br />
Geste, eine nicht beachtete Aussage oder mein Verhalten<br />
im Allgemeinen. Wenn ich manchmal die verschiedensten<br />
Ereignisse rückwirkend betrachte, zumindest dann, wenn<br />
sie nicht bereits so komplex sind, dass dies nicht mehr<br />
möglich erscheint, dann kann ich meinen Beitrag dazu<br />
deutlich erörtern.<br />
Mir mag das zum jeweiligen Zeitpunkt gar nicht aufgefallen<br />
sein; wie auch, denn sonst wäre diese unangenehme<br />
Begebenheit auch gar nicht erst entstanden. Doch rückwirkend<br />
betrachtet, kann sich das deutlich bemerkbar<br />
machen. Ein sehr guter Freund von mir gab einmal einen<br />
sehr weisen Spruch von sich: „Mit allem, was du denkst,<br />
Foto: Pavlofox / Pixabay<br />
18 FREIeBÜRGER 08/09 | <strong>2022</strong>
sagst und auch tust, säst du ständig einen Samen für<br />
deine Zukunft!“ Zugegeben, dieser Spruch wirkt ein<br />
wenig spirituell. Leider enthält er in der Tat sehr viel mehr<br />
Wahrheit, als man zunächst denken mag.<br />
Stellen Sie sich bitte einmal folgende Situation vor: Sie<br />
wollen sich in einem größeren Unternehmen für eine<br />
ausgeschriebene Stelle bewerben und haben bereits<br />
einen Termin zu einem Vorstellungsgespräch erhalten. Sie<br />
bereiten sich bestmöglich auf dieses Gespräch vor, sind<br />
überpünktlich und perfekt gekleidet. Um zu Ihrem Termin<br />
zu gelangen, müssen Sie den dortigen Aufzug benutzen.<br />
Es ist Sommer und dementsprechend warm. Als Sie im<br />
Aufzug sind, schafft es ein anderer Mann gerade noch<br />
so zu Ihnen hinein. Er ist etwas altmodisch gekleidet,<br />
schwitzt durch die draußen vorherrschende Hitze sehr<br />
deutlich und hat jede Menge Akten in seiner Hand. Er<br />
erscheint Ihnen etwas tollpatschig und tatsächlich lässt<br />
er einen Teil seiner Akten auf den Boden fallen. Das Ganze<br />
wirkt auf Sie etwas peinlich und da Sie selbst sehr mit<br />
dem anstehenden Vorstellungsgespräch beschäftigt sind<br />
und dadurch natürlich auch unter Stress stehen, belächeln<br />
Sie das Unglück dieses Mannes. Ebenso helfen Sie<br />
ihm auch nicht dabei, seine Akten wieder einzufangen, da<br />
Sie Ihren perfekt sitzenden Look nicht gefährden wollen.<br />
Was soll es, das sind Dinge, die einem ja immer wieder<br />
passieren können.<br />
Sie erscheinen also pünktlich im angegebenen Büro und<br />
setzen sich auf den Ihnen zugewiesenen Platz. Vielleicht<br />
plagt Sie Ihr Gewissen etwas und Sie denken sich, dass Sie<br />
dem armen Kerl vielleicht doch besser geholfen hätten,<br />
anstatt über sein Missgeschick zu lächeln. Es öffnet sich<br />
die Türe und der Personalchef tritt zum Gespräch herein.<br />
Zu Ihrer eigenen Überraschung stellen Sie fest, dass Sie<br />
diesen Menschen bereits kennen; der Mann aus dem<br />
Aufzug.<br />
Was meinen Sie, hat sich Ihre Situation, die ausgeschriebene<br />
Stelle zu bekommen, nun verbessert? Wohl eher<br />
nicht. Hätten Sie zuvor dem Mann geholfen, anstatt ihn<br />
zu belächeln, dann würden Sie zum jetzigen Zeitpunkt<br />
zumindest nicht in einem, sagen wir, negativen Licht<br />
stehen.<br />
Natürlich ist dies ein sehr einfaches und direktes Beispiel.<br />
Allerdings zeigt es sehr deutlich auf, wie sich unser<br />
allgemeines Verhalten auf eine später entstehende<br />
Situation auswirken kann. Eine Geste, eine Tat oder sogar<br />
ein einziger Gedanke kann beeinflussen, was einmal geschieht.<br />
Bereits unsere allgemeine Einstellung hat einen<br />
massiven Einfluss. Das können Sie übrigens ganz einfach<br />
an sich selbst testen, indem Sie sehr achtsam durch den<br />
Tag gehen. Stehen Sie morgens auf und entwickeln Sie ein<br />
Gefühl der Verärgerung oder besser gesagt, der Übellaunigkeit.<br />
Sie werden feststellen, dass der Tag im Allgemeinen<br />
sehr anstrengend sein wird. Dinge werden nicht<br />
so funktionieren wie gewohnt und es werden Ihnen mit<br />
hoher Wahrscheinlichkeit viel mehr verärgerte Menschen<br />
begegnen als gewöhnlich. Und nun machen Sie das Ganze<br />
umgekehrt. Sie stehen morgens auf, mit einem ehrlichen<br />
Lächeln im Gesicht. Zu Ihrer Überraschung werden<br />
Sie feststellen, dass Ihr Lächeln viele Menschen anstecken<br />
wird und dieser Tag wird harmonischer verlaufen als der<br />
Tag zuvor.<br />
Sie glauben das nicht? Dann empfinden Sie keinen<br />
Zwang; probieren Sie es einfach aus und Sie werden<br />
feststellen, wie einflussreich eine solche kleine Veränderung<br />
erscheinen mag. Wenn man es auf den Punkt<br />
bringen möchte, dann birgt das Bewusstsein darüber, mit<br />
schuld an dem soeben Geschehenen zu sein, einen ganz<br />
besonderen Vorteil in sich. Während Sie, sofern Sie die<br />
Schuld nur bei anderen Menschen suchen, den Dingen<br />
komplett ausgeliefert sind, so können Sie hier, zumindest<br />
im Nachhinein, etwas verändern.<br />
Eventuell lässt sich die bereits entstandene Situation<br />
nicht mehr bereinigen, jedoch können Sie dafür Sorge<br />
tragen, dass andere Ereignisse positiver verlaufen. Das ist<br />
natürlich gerade bei komplexeren Geschichten äußerst<br />
schwierig, denn Sie können ja zuvor auch nicht in die<br />
Zukunft blicken, um zu entscheiden, welches Verhalten<br />
gerade dann ein positives Ausmaß haben wird. Aber<br />
vielleicht hilft Ihnen diese Erkenntnis dabei, in manchen<br />
Begebenheiten deutlich bedachter zu agieren, und zwar<br />
mit dem Bewusstsein, dass alle Ihre Handlungen, Taten<br />
und Gedanken eine Auswirkung auf alles haben werden,<br />
was kommen mag.<br />
Zumindest haben Sie den Vorteil einer gewissen situationsbedingten<br />
Entspannung. Denn Sie müssen sich selbst<br />
jetzt nicht mehr fragen, warum nur die ganze Welt gegen<br />
Sie ist. Wenn man sich bewusst darüber wird, dass man<br />
eine Eigenschuld an den Geschehnissen hat, dann ist man<br />
auch deutlich bereit dazu, diese Schuld zu akzeptieren.<br />
Und indem Sie Ihr eigenes Zutun akzeptieren, akzeptieren<br />
Sie auch automatisch die gerade eingetretene Situation.<br />
Das alleine schafft bereits eine deutliche Entspannung für<br />
Sie selbst und auch für das entstandene Ereignis. Darüber<br />
hinaus auch für alle Mitbeteiligten. Diese werden es Ihnen<br />
übrigens danken, wenn Sie sich eher an den eigenen<br />
Kopf langen als diese verbal anzugehen. In diesem Sinne<br />
wünsche ich Ihnen entspannte und entspannende Tage.<br />
Harry<br />
FREIeBÜRGER 08/09 | <strong>2022</strong><br />
19
DER SILBERSEE<br />
Kennen Sie Egon? Wohl eher nicht. Aber das ist auch<br />
überhaupt nicht schlimm. Ich kenne Egon und mit dem<br />
unterhalte ich mich ab und an. Egon ist schon etwas<br />
älter und hat in seinem Leben bisher einiges auf die<br />
Beine gestellt und somit auch erlebt. Als wir uns letztens<br />
unterhielten, da fragte er mich, ob ich den Silbersee bei<br />
Freiburg-Hochdorf, früher auch Breisgauer See genannt,<br />
kenne. Nun, um ehrlich zu sein, gehört hatte ich bereits<br />
davon. Wirklich kennen tue ich jedoch nur den praktischen<br />
See am Breisach-Campingplatz. Vom Silbersee<br />
hatte ich bisher lediglich gehört, und das, obwohl dieser<br />
quasi direkt neben dem Campingplatz liegt. Als ich später<br />
einigen meiner Bekannten dieselbe Frage stellte, und darunter<br />
sind ein paar echte Bobbele, so wurde mir klar, dass<br />
viele FreiburgerInnen zwar wissen, dass es den Silbersee<br />
gibt, jedoch mehr auch nicht. Diesen Umstand möchte ich<br />
mit meinem Artikel sehr gerne ändern.<br />
Doch erst einmal zurück zu Egon. Der erzählte mir nämlich,<br />
dass er, zusammen mit einem Freund, vor ca. 40<br />
Jahren sowohl den Silbersee als auch den Breisgau-Campingplatz<br />
gekauft und die beiden Anlagen in einer Art<br />
Gemeinschaft geführt hatte. Als Egon dann in Rente ging,<br />
hat er seinen Anteil wieder verkauft und die Anlagen wurden<br />
von da an getrennt betrieben. Heute sind sie wieder<br />
vereint, und zwar durch die Strandbad Silbersee GmbH.<br />
Denn die ist der aktuelle Inhaber der beiden Anlagen,<br />
woraus resultiert, dass diese auch wieder unter einem<br />
einzigen Betreiber geführt werden.<br />
Doch zunächst erst einmal wieder zurück zu Egon, der<br />
mir erzählt, dass der Silbersee damals die einzige als öffentlich<br />
geltende Badeanstalt war, in der das Nacktbaden<br />
regulär erlaubt war. Ich habe das mal recherchiert und<br />
bin dabei nicht wirklich auf ein bedeutendes Ergebnis gestoßen.<br />
Doch allem Anschein nach hatte Egon mit seiner<br />
Aussage recht. Auch heute sind dort das Nacktbaden als<br />
auch der FKK-Bereich offen zur restlichen Anlage integriert,<br />
was ich so auch noch nicht gesehen habe.<br />
Was mich allerdings wirklich beeindruckt hat, ist die<br />
Zuchtanlage auf dem Seegrundstück. Egon ist nämlich<br />
auch noch Taubenzüchter und am Silbersee steht eine seiner<br />
Zuchtanlagen, in der sich nicht nur Tauben befinden,<br />
sondern auch eine ganz besondere Art von Pfauen. Die<br />
haben übrigens gerade Jungtiere und bieten einen sehr<br />
schönen und abwechslungsreichen Anblick. Die Anlage<br />
ist auf dem Seegrundstück frei zugänglich und, wenn ich<br />
das so sagen darf, eine schöne bildliche Ergänzung. Dass<br />
Pfauen jedoch auch gefährlich werden können, sehe ich<br />
an Egons Daumen. Der musste nämlich erst kürzlich wieder<br />
angenäht werden, da der Pfau wohl ein wenig übellaunig<br />
war und mit seinen Krallen extrem stark zupacken<br />
kann. Berufsrisiko, wie Egon es nennt.<br />
20<br />
FREIeBÜRGER 08/09 | <strong>2022</strong>
Nun aber wieder zurück zum eigentlichen Thema; dem<br />
Silbersee. Dieser wurde in den Jahren 1964-1966 künstlich<br />
angelegt, und zwar im Rahmen des Baus der umliegenden<br />
Autobahn. Im Grunde ist dies nicht unbedingt eine<br />
Besonderheit, denn die meisten Baggerseen entstanden<br />
aufgrund eines gewissen Rohstoffbedarfs. Besonders ist<br />
jedoch die Tatsache, dass der Silbersee nicht einfach nur<br />
durch das sogenannte Ausbaggern entstanden ist, sondern<br />
dieser von vornherein als Badesee angelegt wurde.<br />
Tatsächlich gibt es Entwürfe und Pläne für die Anlage<br />
und den See, der insgesamt ca. vier Hektar an Fläche<br />
besitzt und eine maximale Tiefe von 14 Metern innehat.<br />
Man kann das sogar selbst sehen, und zwar aufgrund<br />
seiner gleichmäßig flach angelegten und treppenartigen<br />
Struktur. Es hätte mich sehr interessiert, welcher Architekt<br />
die Planung gemacht hatte. Doch leider konnte ich<br />
das ohne eine offizielle Anfrage beim Amt für Städte- und<br />
Umgebungsbau nicht herausfinden. Nun ja und, was soll<br />
ich sagen, die Anfrage ist zum jetzigen Zeitpunkt noch<br />
nicht beantwortet gewesen. Aber das ist ja jetzt auch kein<br />
Weltuntergang.<br />
Als ein zumindest beinaher Weltuntergang gestaltete<br />
sich die drei Jahre später vorgenommene Schließung<br />
der 1966 eingeweihten Anlage, die die damaligen Hygienebedingungen<br />
nicht erfüllen konnte. Erst 1981, nach<br />
einem Besitzerwechsel, konnte der Breisgau See wieder<br />
ordentlich eröffnet und betrieben werden. Und jetzt<br />
raten Sie mal, wer der damalige Besitzer war. Ja genau,<br />
dieser sitzt gerade in Leib und Seele vor mir. Übrigens darf<br />
heute im See auch offiziell geangelt werden. Ein Zustand,<br />
den es damals laut Egon so nicht gab. Was jedoch schon<br />
damals zu Problemen führte, war die auch heute noch<br />
bestehende Mülldeponie, die sich lediglich in einem<br />
Kilometer Entfernung zur Seeanlage befindet. Es bestand<br />
die Befürchtung, dass die im Grundwasseroberstrom<br />
des Sees liegende Deponie negative Auswirkungen auf<br />
die allgemeine Wasserqualität haben könnte. Und diese<br />
Befürchtung war nicht ganz unsinnig.<br />
Durch die regelmäßigen Untersuchungen der Wasserqualität<br />
konnte man das Abnehmen selbiger stetig nachweisen,<br />
was dazu führte, dass der Betreiber eine zusätzliche<br />
Zirkulierungsanlage errichten musste, die eine Sauerstoffzufuhr<br />
auch für die tiefer gelegenen Wasserschichten<br />
gewährleisten sollte. Dass dies funktioniert, zeigt der<br />
aktuelle Bericht der Untersuchung, der eine gute Qualität<br />
des Wassers ausweist. So ungefähr konnte mir dies auch<br />
ein Angler bestätigen, der darauf schwört, dass es im<br />
Silbersee die besten Fische zum Angeln gibt. Nun denn, er<br />
wird es ja wissen.<br />
Dass es nicht immer ganz so idyllisch auf der Anlage<br />
zugeht, zeigen die vergangenen Polizeiberichte von<br />
Wohnwagenbränden. Und da gab es in den letzten Jahren<br />
eine Menge davon. Es ist noch gar nicht so lange her,<br />
um genau zu sein am 30. Januar <strong>2022</strong>, da standen gleich<br />
sieben Wohnwagen in Flammen. Das Feuer hatte ganze<br />
Arbeit geleistet, denn von den einst großen Karren blieb<br />
nicht mehr viel übrig. 70 Feuerwehrleute mussten den<br />
Brand in Schach halten und die eigentliche Ursache des<br />
Feuers ist bis heute ungeklärt geblieben.<br />
Mein ganz persönlicher Schnupperbesuch des Silbersees<br />
gestaltete sich jedoch äußerst idyllisch. Bereits<br />
am Eingang wurde ich sehr freundlich vom hiesigen<br />
Platzwächter empfangen und wir hatten einen tollen<br />
kleinen Plausch über die Besucher und die Anlage. Das<br />
Seegrundstück selbst ist extrem sauber. Es liegt kein Müll<br />
herum, das Ufergras ist geschnitten und man hat das<br />
unaufdringliche Gefühl, dass alles seine Ordnung hat.<br />
Die Gebäude und Anlagen sind in einem hervorragenden<br />
Zustand. Ich empfand das alles als sehr angenehm.<br />
Und natürlich habe ich mir auch Egons Zuchtanlage<br />
etwas genauer angesehen. Die ist in der Tat gar nicht mal<br />
so klein und darin befinden sich jede Menge besonderer<br />
Taubenarten. Insgesamt kann ich den Silbersee nur<br />
empfehlen. Es ist eine tolle Anlage, in der man sich sehr<br />
gut entspannen kann. Und, so habe ich mir zumindest<br />
sagen lassen, wer gerne angelt, der kann hier wohl wahre<br />
Schätze aus dem Wasser fischen.<br />
Wenn Sie also, wie ich es tat, den Silbersee lediglich vom<br />
Hörensagen her kennen, dann besuchen Sie diesen doch<br />
einmal. Es könnte sich lohnen.<br />
Text & Fotos: Harry<br />
FREIeBÜRGER 08/09 | <strong>2022</strong> 21
Engagiert für<br />
wohnungslose Menschen<br />
Sonntagstreffs im<br />
<strong>August</strong> und <strong>September</strong> <strong>2022</strong><br />
28.08.<strong>2022</strong><br />
13 Uhr<br />
18.09.<strong>2022</strong><br />
13 Uhr<br />
PICKNICK der Freunde von der Straße<br />
an der St.-Georgs-Hütte<br />
Mooswald, am Eugen-Keidel-Thermalbad<br />
Straßenbahnlinie 3 Richtung Haid<br />
bis Endstation Munzinger Straße,<br />
dann Buslinie 34 bis Keidel-Bad<br />
Adventgemeinde Freiburg<br />
Turnseestraße 59, Straßenbahnlinie 2 Richtung<br />
Günterstal, Halt Lorettostraße<br />
Foto: E. Peters<br />
VERKÄUFER HANNES<br />
Schön, dass ich wieder an der Reihe bin, mich Ihnen vorzustellen.<br />
Einige kennen mich bestimmt noch nicht. Ich<br />
heiße Hannes und verkaufe jetzt schon seit über 22 Jahren<br />
den FREIeBÜRGER – wie die Zeit doch so schnell vergeht...<br />
Ich lebe nach wie vor in Freiburg und arbeite zur Zeit wieder<br />
mal im Bereich Garten-und Landschaftsbau auf dem<br />
Mundenhof.<br />
Mein Verkaufsplatz ist direkt in der Innenstadt am Bertoldsbrunnen,<br />
Ecke Kajo/Salzstrasse, vor dem Telekom-<br />
Geschäft. Da verkaufe ich von Montag bis Samstag von<br />
14 bis 16 Uhr. Ich freue mich immer sehr, wenn ich meine<br />
StammkundInnen sehe, die mich größtenteils seit vielen<br />
Jahren unterstützen. Beim Verkauf habe ich fast nur<br />
positive Erfahrungen gemacht und es tut mir zusätzlich<br />
gut, an der frischen Luft zu sein. Wenn ich nicht arbeite<br />
oder die Straßenzeitung verkaufe, halte ich mich gerne in<br />
der Natur auf. Ich wandere sehr gerne, aber nicht zu früh,<br />
denn ein Frühaufsteher bin ich nicht. Aber ich will durch<br />
Bewegung fit und gesund bleiben.<br />
In der Zukunft würde ich gerne mal selbst ein Buch schreiben.<br />
Wer weiß, vielleicht klappt es ja mal!<br />
Ihnen wünsche ich einen tollen Sommer, sage Danke für<br />
Ihre Unterstützung und bis bald...<br />
Ihr Hannes<br />
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FREIeBÜRGER 08/09 | <strong>2022</strong>
MITMACHSEITE<br />
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Machen Sie mit!<br />
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Wir freuen uns auf Sie...<br />
Ihr FREIeBÜRGER-Team<br />
Engelbergerstraße 3 – 0761/3196525 – info@frei-e-buerger.de<br />
FREIeBÜRGER 08/09 | <strong>2022</strong> 23
unaufhaltsamen Lauf und führt schließlich zum Tod der<br />
Mutter. Curro wird von Hilflosigkeit, Überforderung und<br />
Schuldgefühlen zermartert. Sein Leben ist ruiniert.<br />
Viele Jahre später lebt Curro schon lange in der psychiatrischen<br />
Anstalt, in die er nach einer von ihm verübten<br />
Messerattacke eingeliefert wurde. Er leidet unter paranoider<br />
Schizophrenie und einer Borderline-Störung. Mit<br />
seinem treuen Freund, dem „Butler“ Placido, führt er<br />
scharfsinnige Dialoge über das Leben in der Psychiatrie,<br />
seine Vergangenheit und die menschliche Existenz. Placido<br />
ist ein kluger Kamerad, der zwar nur in Curros Phantasie<br />
existiert, aber unerlässlich für dessen mentale Stabilität<br />
ist. Curro träumt von einer Flucht aus der Anstalt, in<br />
der schon sein Großvater starb. Er versucht zu verstehen,<br />
welchen Einfluss der verrückte Großvater, der unter seinen<br />
Erlebnissen während des spanischen Bürgerkrieges<br />
litt, auf seine eigene Erkrankung hat. Oder war es der<br />
Wahn der Mutter, die vor ihrem Tod den Bezug zur Realität<br />
gänzlich verloren hatte, der auch Curro in den Irrsinn<br />
trieb? Curro schafft es schließlich, seine Schuldgefühle zu<br />
verarbeiten und sich mit seinem verpfuschten Lebensweg<br />
abzufinden.<br />
Kiko Amat<br />
„Träume aus Beton“<br />
Heyne Hardcore<br />
ISBN 978-3-453-27327-6<br />
560 Seiten | 24 €<br />
TRÄUME AUS BETON<br />
Buchbesprechung von utasch<br />
In dem Roman „Träume aus Beton“ erzählt der spanische<br />
Autor Kiko Amat die tragische Geschichte des Antihelden<br />
Curro. Ort der Handlung ist eine trostlose, ärmliche<br />
Vorstadt von Barcelona, in der Curro aufwächst und sein<br />
späteres Leben in der dortigen psychiatrischen Anstalt<br />
verbringt.<br />
Curro ist ein Außenseiter mit Symptomen von Zwangsstörungen<br />
und Tourette-Syndrom. Auch sein Freund Priu<br />
wird durch einen Sprachfehler und sichtbare Armut zum<br />
Sonderling abgestempelt. Gemeinsam versuchen die<br />
beiden als „Meister Hinkebein und der Lumpensammler“<br />
beschimpften zwölfjährigen Jungen, das Mobbing auf<br />
dem Schulhof zu überstehen. Beide leben in dysfunktionalen<br />
Familien, in denen es wenig Unterstützung gibt.<br />
Sogar Clochard, der Hund der Familie, ist verhaltensgestört.<br />
Als Curro entdeckt, dass sein Vater eine Affäre mit<br />
einer Nachbarin hat, nimmt das Familiendrama seinen<br />
„Ging dir das als Kind auch mal so, dass du total durchgedrehte<br />
Leute auf der Straße gesehen hast oder Menschen,<br />
die in Hauseingängen wohnen, und dich gefragt hast,<br />
was denen wohl passiert ist, um so zu enden? Nun, ich<br />
weiß es jetzt. Die Leute denken, sie wären immun dagegen,<br />
aber manchmal zerbrichst du einfach. Irgendetwas<br />
in deinem Inneren geht krachen, die Sicherungen brennen<br />
durch. Dann fliegen die Einzelteile in deinem Oberstübchen<br />
hin und her, und es gibt keine Möglichkeit mehr, das zu<br />
reparieren.“<br />
Im Roman wird das, was Menschen verrückt machen<br />
kann, gnadenlos seziert. Die Erbärmlichkeit der Vorstadt,<br />
die zahlreichen Ängste und kleinen Freuden von Curro<br />
und Priu, die zerstörerische Familiendynamik und Curros<br />
leidvolle Entwicklung werden mit perfekter Beobachtungsgabe<br />
geschildert. Bei aller Tragik gibt es auch zahlreiche<br />
komische Situationen, die zwar zum Schmunzeln<br />
anregen, aber nie die Verzweiflung vergessen lassen, die<br />
die Figuren des Romans beherrscht. Von Kapitel zu Kapitel<br />
springt der Roman zwischen den Geschehnissen in Curros<br />
Jugend und der späteren Zeit in der psychiatrischen<br />
Anstalt hin und her. Das sorgt für ein Leseerlebnis voller<br />
Spannung und Abwechslung. Der Roman zeichnet sich<br />
durch einen knallharten Realismus mit zärtlichem Blick<br />
auf seine ProtagonistInnen aus. Kiko Amat gilt in seiner<br />
Heimat als Kultautor, der bereits sechs Romane veröffentlicht<br />
hat, in denen er gesellschaftliche Randfiguren in<br />
den Mittelpunkt stellt. Nach der Lektüre von „Träume aus<br />
Beton“ würde ich gerne weitere Übersetzungen seiner<br />
Werke lesen.<br />
24<br />
FREIeBÜRGER 08/09 | <strong>2022</strong>
WASSERMELONEN-PIZZA<br />
Foto: E. Peters<br />
Herzlich willkommen auf unserer Kochseite!<br />
Eine gesunde, erfrischende Pizza für heiße Sommertage<br />
gibt es nicht? Gibt es doch, aber sowas von! Eine Wassermelonen-Pizza<br />
mit einem leichten Belag aus griechischem<br />
Joghurt, belegt mit Beerenfrüchten der Saison...<br />
Denn wer sagt, dass eine Pizza nur herzhaft sein muss?<br />
Endlich mal eine Pizza mit wenig Kalorien und genau das<br />
Richtige bei dieser Sommerhitze! Hauptbestandteil ist<br />
eine etwas dickere Scheibe einer Wassermelone. Apropos<br />
Wassermelone: Bis zu 20 Kilo kann sie wiegen und ist<br />
ein Geheimtipp für alle, die schlank bleiben wollen. Das<br />
Geheimnis ist der mit rund 90 % hohe Wassergehalt, der<br />
die Wassermelone zu einer super gesunden und kalorienarmen<br />
Nascherei macht. Und obwohl sie angenehm<br />
süß schmeckt, ist die Wassermelone auch zuckerarm. Also<br />
auch ein supertoller Snack für den Kindergeburtstag oder<br />
als leichte Nachspeise nach dem Grillen. Total erfrischend,<br />
schnell gemacht und richtig lecker!<br />
Zutaten für 4 Pizzas:<br />
1 kleine Wassermelone, 200 g griechischer Joghurt, 200 g<br />
Früchte der Saison (z. B. Himbeeren, Heidelbeeren, Brombeeren,<br />
Erdbeeren, rote Johannisbeeren), 4 EL Ahornsirup,<br />
4 EL grob gehackte Walnüsse, 4 EL Knuspermüsli, etwas<br />
Kokos-Splitter, frische Minze oder Zitronenmelisse.<br />
Zubereitung:<br />
Die Wassermelone in 1-2 cm dicke Scheiben schneiden.<br />
Die vier größten Scheiben zur Seite legen und jede Scheibe<br />
jeweils einzeln auf einen großen flachen Teller legen.<br />
Auf jeder Wassermelonenscheibe zwei bis drei Esslöffel<br />
von dem griechischen Joghurt gleichmäßig verteilen.<br />
Je nachdem, welche saisonalen und regionalen Beeren-Früchte<br />
Sie auf dem Markt bekommen haben, diese<br />
vorsichtig waschen, auf keinen Fall aber unter fließendem<br />
Wasser. Am besten in einem Wasserbad die Früchte in einem<br />
Sieb ein paar Mal eintauchen und im Sieb abtropfen<br />
lassen.<br />
Jetzt schön gleichmäßig die Beeren auf den Wassermelonenscheiben<br />
verteilen. Etwas von den gehackten Walnüssen,<br />
von dem Knuspermüsli und von den Kokos-Splittern<br />
über die Pizza streuen und zum Schluss spiralförmig einen<br />
Esslöffel Ahornsirup auf der ganzen Pizza verteilen.<br />
Die frischen Minz- oder Zitronenmelisseblätter in dünne<br />
Streifen schneiden oder fein hacken und über die Pizza<br />
streuen.<br />
Zum Schluss die Pizza mit dem Pizzamesser vierteln oder<br />
achteln und kalt servieren.<br />
Guten Appetit!<br />
Oliver & Ekki<br />
FREIeBÜRGER 08/09 | <strong>2022</strong> 25
Sorge abgenommen. Ich hatte nämlich gar nicht die<br />
Chance mich zu ärgern, die Übertragungen im TV begannen<br />
erst um 2 Uhr in der Nacht und ab 4 Uhr kamen<br />
die Entscheidungen. Also hab ich die Ergebnisse erst aus<br />
der Zeitung erfahren und da macht das Ärgern dann keinen<br />
Spaß mehr. Auf jeden Fall war es das schlechteste Abschneiden<br />
einer deutschen Mannschaft seit Beginn der<br />
Wetteraufzeichnung und der Deutsche Leichtathletik-<br />
Verband hat schonungslose Aufarbeitung der Pleite angedroht!<br />
In drei Wochen ist dann die EM, mal sehen, ob es<br />
hilft...<br />
Hallöchen, liebe Sportfreunde,<br />
schon wieder ist ein Monat herum und wir bewegen uns<br />
mit großen Schritten auf die Fußball-Weltmeisterschaft<br />
zu – der verrücktesten aller Zeiten! Und obwohl man bei<br />
dieser Hitze und bei Rekordtemperaturen eigentlich gar<br />
keinen Sport treiben darf (jedenfalls sagt das mein Arzt),<br />
fanden in den vergangenen Wochen doch einige sportliche<br />
Hochkaräter statt: Die Radprofis waren bei der Tour<br />
de France unterwegs, was für mich allerdings mehr als<br />
nur grenzwertig war. Das berühmteste Tennisturnier in<br />
Wimbledon war auch dabei, die Weltmeisterschaft der<br />
LeichtathletInnen ist vorbei und die Europameisterschaft<br />
der Fußballerinnen steht kurz vor dem Finale.<br />
Bei der Radtour durch Alpen und Pyrenäen sprang nicht<br />
viel heraus für die deutschen Radler, der beste ist gleich<br />
daheimgeblieben und der nächstbeste musste aussteigen.<br />
Lichtblick war allerdings der Freiburger Simon Geschke,<br />
der bis kurz vor Tourschluss das Trikot für den<br />
besten Bergfahrer trug und sich dann dem Sieger der<br />
diesjährigen Frankreich-Rundfahrt beugen musste. Aber<br />
es war schon beeindruckend zu sehen, wie der Schwarzwälder<br />
mit seinem Rad durch die Berge gekraxelt ist!<br />
Bei der Leichtathletik-WM war für Team Deutschland<br />
überraschend fast gar nichts zu holen. Lediglich am letzten<br />
Tag gab es eine Gold- und eine Bronzemedaille zu feiern.<br />
Bei den letzten großen Meisterschaften war es auch<br />
nicht viel besser, doch da sind einige AthletInnen knapp<br />
an einer Medaille vorbeigeschrammt, sind 4. oder 5. geworden<br />
und haben sich dann geärgert über ein paar Zentimeter.<br />
Na ja, diese Sorge haben sie diesmal nicht, die<br />
meisten sind schon in den Vorläufen oder in der Quali<br />
gescheitert, sodass fast alle Finale ohne deutsche Beteiligung<br />
stattfanden. Da habe ich mich früher eigentlich<br />
immer vor dem Fernseher geärgert, wenn das deutsche<br />
Team schlecht abschnitt, doch auch mir wurde diese<br />
Lustig war die inoffizielle Tennis-Weltmeisterschaft in<br />
England. Da sind sogar zwei deutsche Tennisdamen bis<br />
ins Viertel- und eine ins Halbfinale gekommen. Doch die<br />
Ergebnisse waren nicht einmal das Spannende. Die SpielerInnen<br />
haben sich bei der Gluthitze abgerackert, um<br />
so weit wie möglich im Turnier zu kommen und dann<br />
auch so viele Weltcuppunkte wie möglich mitzunehmen.<br />
So weit, so gut, doch ein paar Tage vor dem Turnier gab<br />
der Internationale Tennisverband bekannt, dass es diesmal<br />
keine Weltcuppunkte geben wird. Grund ist der Ausschluss<br />
der russischen und weißrussischen SpielerInnen.<br />
In sämtlichen anderen Sportarten wurde diesen AthletInnen<br />
ein Startverbot ausgesprochen wegen des Ukraine-Kriegs<br />
und das hält auch jeder für normal. Ich finde<br />
das auch völlig richtig, warum soll sich Putin an russischen<br />
Erfolgen ergötzen?! Aber wieder einmal ist es der<br />
Tennisverband, der strikt jedes politische Statement aus<br />
dem Sport heraushalten will. Dann sollen sie doch im<br />
nächsten Jahr die Russen wieder starten lassen und alle<br />
anderen bleiben daheim! Mal sehen, ob das den FunktionärInnen<br />
recht ist. Ich würde es drauf ankommen lassen!<br />
Doch die wichtigste und zugleich auch traurigste Nachricht<br />
kam aus Hamburg, vom Fußball: Uwe Seeler ist mit<br />
85 Jahren verstorben. Er war eines der letzten ganz großen<br />
Fußballidole in Deutschland und in jeder Hinsicht ein<br />
Vorbild. Alle, die auf und neben dem Fußballplatz mit ihm<br />
zu tun hatten, sahen in ihm einen grundehrlichen Menschen,<br />
der trotz seiner großen Erfolge bescheiden geblieben<br />
ist und keinerlei Starallüren hatte. Sein ganzes Fußballer-Leben<br />
blieb er seinem HSV treu, von 1946 in der<br />
Jugend bis 1972 war er das Aushängeschild seines Vereins.<br />
Er wurde mit dem HSV Deutscher Meister und Pokalsieger<br />
und stand sogar im Europapokalfinale. Dreimal wurde<br />
er Fußballer des Jahres in Deutschland und unzählige<br />
Male Torschützenkönig. Selbst als 1961 Inter Mailand die<br />
damals ungehörige Summe von 1 Mio. Mark für ihn bezahlen<br />
wollte, lehnte er ab und blieb in Hamburg! Eine<br />
solche Vereinstreue findet man heute kaum noch und<br />
vor allem gibt es keine Spieler mehr, die ein Millionenangebot<br />
sausen lassen, um bei ihrem Verein zu bleiben.<br />
Für die deutsche Nationalmannschaft absolvierte „Uns<br />
26<br />
FREIeBÜRGER 08/09 | <strong>2022</strong>
Foto: REUTERS/Ina Fassbender/Pool<br />
Abb.: Der Sport verliert eines seiner größten Fußballidole. Uwe Seeler verstarb am 21. Juli <strong>2022</strong> im Alter von 85 Jahren.<br />
Uwe“ 72 Länderspiele und erzielte dabei 43 Tore. Viermal<br />
spielte Uwe Seeler bei einer Weltmeisterschaft und stand<br />
1966 im legendären WM-Finale gegen England. Nun ist<br />
der Ehrenspielführer der Nationalmannschaft endgültig<br />
vom Platz gegangen. Ganz Hamburg trauert um eine Ikone<br />
und ich bin sicher, wenn man ihn zu Grabe trägt, wird<br />
auch der eine oder andere St. Pauli-Fan um „Euch Uwe“<br />
trauern!<br />
Aber die Welt dreht sich weiter und der Ball eben auch. Im<br />
Mutterland des Fußballs, in England, finden zur Zeit die<br />
Europameisterschaften der Frauen statt und es ist angenehm<br />
überraschend, wie viel Aufmerksamkeit dieses Ereignis<br />
diesmal findet – endlich findet, sollte man sagen!<br />
30.000 bis 50.000 ZuschauerInnen waren bisher in den<br />
Stadien, um sich die Spiele anzusehen, und die TV-Anstalten<br />
aus der ganzen Welt haben das Spektakel übertragen.<br />
Auch im deutschen Fernsehen kann man die Spiele sehen<br />
und diesmal auch mehr als die Begegnungen des deutschen<br />
Teams. Doch natürlich liegt der Fokus auf ihnen,<br />
auf den deutschen Mädels. Sie sind als einer der Favoriten<br />
bei diesem Turnier angetreten, auch wenn sie seit Olympia<br />
2016 in keinem Finale mehr standen. Doch das soll<br />
sich ändern, Deutschland will zurück in die Erfolgsspur<br />
und den bisher acht Europameistertiteln einen weiteren<br />
hinzufügen. Bisher läuft es super, die deutschen Damen<br />
haben all ihre Spiele gewonnen und nur ein (unglückliches)<br />
Gegentor im Halbfinale gegen Frankreich kassiert.<br />
Diesen Sonntag treffen sie im Endspiel auf Gastgeber<br />
England, die ihr Halbfinale gegen Schweden sehr überzeugend<br />
gewonnen haben. Wir drücken die Daumen!<br />
Auch die Männer beginnen so langsam mit dem Ballspielen.<br />
Während die Teams aus der ersten Liga noch irgendwo<br />
im Trainingslager schwitzen und Testspiele bestreiten,<br />
haben die Mannschaften der zweiten und dritten<br />
Liga den Spielbetrieb schon wieder aufgenommen. In der<br />
zweiten Bundesliga sind sogar schon zwei Spieltage absolviert<br />
und wie in jedem Jahr ist die halbe Liga als Aufstiegskandidat<br />
verdächtig. Seit fünf Jahren gehört der<br />
HSV dazu, doch die haben erstmal einen Fehlstart hingelegt,<br />
indem sie das Spiel eins nach Uwe Seeler daheim gegen<br />
Rostock verloren. Doch nach den paar Spielen kann<br />
man noch keine Aussage treffen.<br />
Dieses Wochenende findet die erste Pokalrunde statt und<br />
das wird die erste Standortbestimmung. Und danach<br />
spielen alle drei Ligen wieder!<br />
Einen schönen Urlaub und bis bald...<br />
Carsten<br />
FREIeBÜRGER 08/09 | <strong>2022</strong> 27
Kontakt: www.schemske.com<br />
FOLGE 27<br />
Die Online-Konferenz wollte nicht so recht in Gang<br />
kommen. Die mit halbhohen Raumteilern voneinander<br />
abgetrennten Computer-Arbeitsplätze in dem Großraumbüro<br />
warfen geisterhafte Lichtschimmer an die Decke des<br />
hohen Raumes. Die Ansicht auf dem wandgroßen Main-<br />
Screen bestand aus einem völlig schwarzen Vollbild.<br />
„Babsie“, rief Miriam, „hörst du mich?“, aber sie bekam<br />
keine Antwort. Miriam holte ihr Handy aus der Handtasche<br />
und wählte Babsies Nummer. „Schalte mal deine<br />
Kamera ein und vielleicht auch das Mikro!“, rief sie ungeduldig.<br />
Die nächste Teilnehmerin, die sie anrief, war die<br />
kaugummikauende Angel, die tonlos ihre Kieferknochen<br />
bewegte. „Dein Mikro!“, rief Miriam, und schaltete hektisch<br />
zur Gesamtansicht aller Teilnehmer des Meetings.<br />
„Man sollte nicht glauben, dass fünf ausgewachsene<br />
IT-Spezialistinnen sich so anstellen“, sagte Hiroko, die<br />
gerade mit einem Süßen Stückle vom Buffet zurückgekommen<br />
war. Auch Angie und Miriam waren in echt in<br />
Miriams Großraumbüro präsent. Ihre Köpfe wurden über<br />
die Trennwände hinweg sichtbar, wenn sie aufstanden.<br />
„Ich stelle euch jetzt alle auf Stumm und gebe nur der<br />
Angesprochenen das Mikro frei. Sonst haben wir hier Tonsalat“,<br />
sagte Miriam und rückte ihr Mikro zurecht.<br />
Ein schlanker junger Mann mit einem Lockenkopf ging<br />
zum Buffet und verdeckte wegen seiner Größe den unteren<br />
Teil des großen Bildschirmes. „Ravi, schön dass du da<br />
bist. Kannst du dich mit deinem Laugenbrötchen einfach<br />
irgendwo hinsetzen? Wenn du Lust hast, kannst du mir<br />
auch einen Cappuccino mitbringen“, sagte Miriam.<br />
Angel aus England meldete sich. „Haben wir nicht alle<br />
schon diese Daten bekommen?“, fragte sie und schob<br />
ihren ausgelutschten Kaugummi geistesabwesend unter<br />
ihren Laptop.<br />
„Ich möchte, dass ihr das nochmal überfliegt, um wieder<br />
auf den neuesten Stand zu kommen.“ Die vielen Köpfe<br />
auf dem großen Bildschirm an der Wand nickten im<br />
Gleichtakt. Miriam zeichnete die Konferenz auf, sie würde<br />
sie später noch analysieren. Man sah, wie die Fotos und<br />
der Text von Miriams Memorandum über die Bildschirme<br />
flogen. Vorbei waren die Zeiten, als man noch Zettel und<br />
Fotos an Pinnwände heftete. Miriam hatte die Geldbewegungen<br />
des Sektenführers Alois Rubac recherchiert. Sie<br />
vergrößerte den Kontoauszug seiner Schweizer Bank, der<br />
mehrere Millionen US-Dollar auswies.<br />
Ravi war hinter den Handydaten des Sektenführers her<br />
gewesen. Er hob die Hand und Miriam schaltete ihn auf<br />
Senden. „Zusatzinformation: Andy und Herbie telefonierten<br />
mit dem Sektenführer. Der gab aber keine direkten Befehle<br />
an die beiden Handlanger, die Annabel in Baden-Baden<br />
belästigt und Miriam und Angie angegriffen haben.“<br />
„Ich schicke euch mal die Infos der Bank-Manipulationen<br />
auf den Cayman Islands rüber“, sagte Miriam. „Ich habe<br />
dabei geholfen, den Mann bankrott gehen zu lassen. Er<br />
hat sich aber sehr schnell wieder erholt. Mehrere Millionen<br />
US-Dollar kamen rein, als er schon pleite war. Woher<br />
hat er das Geld?“<br />
Ihre IT-Schamaninnen wühlten sich durch die Daten. Miriam<br />
schaltete sämtliche Konferenzteilnehmer auf Senden.<br />
Es summte wie ein Bienenschwarm, als sie alle gleichzeitig<br />
sprachen. Angie rieb sich ihren noch immer schmerzenden<br />
Rücken an der Stuhllehne, Hiroko trommelte auf<br />
28<br />
FREIeBÜRGER 08/09 | <strong>2022</strong>
ihrem Schreibtisch und Sylvie pfiff durch die Zähne, es<br />
klang wie das Alphornblasen einer Fledermaus. Angel<br />
zerbiss krachend ein Shortbread nach dem anderen und<br />
Babsie rollte quietschend auf einem großen Medizinball<br />
herum, den sie als Sessel benutzte.<br />
Die vielen kleinen Bild-in-Bild-Fenster zeigten alle diese<br />
Aktivitäten gleichzeitig. Die IT-Schamaninnen bewegten<br />
sich individuell, dadurch gab es Interferenzen, die auf<br />
dem wandgroßen Bildschirm wie die Bewegungen von<br />
Sonnenblumen im Wind aussahen. Dazu passte das Bienengesumme<br />
ganz gut.<br />
Plötzlich ertönte ein Jauchzen. Miriam schaltete erst<br />
alle Mikros ab und dann Sylvie, die Schweizer Jodlerin,<br />
wieder ein. „Ich hab‘ was“, sagte sie. „Wir sind ja sowas<br />
gewöhnt, Geldströme und deren Ziel wie Herkunft zu<br />
verschleiern.“ Miriam nickte. Sylvie fuhr fort: „Die Kontobewegungen<br />
sind alle mit kurzen, stets wechselnden<br />
Beschreibungen versehen. Das, und die vielen Länder und<br />
Banken, über die das gesuchte Geld geschickt wird, macht<br />
es fast unmöglich, es zu verfolgen oder gar die Herkunft<br />
herauszufinden.“<br />
Miriam sah, wie ihre neuen Mitarbeiterinnen ihre Suche<br />
unterbrachen und aufmerksam zuhörten. „Aber da ist ein<br />
Hinweis. Mehrmals wird ein Datum, eigentlich nur eine<br />
Jahresangabe, mitgeteilt. Obwohl, jede Überweisung hat<br />
ja eine Datums- und Zeitangabe, sogar mit Minuten und<br />
Sekunden.“<br />
Angie unterbrach, man hörte sie leise sagen: „Wozu dann<br />
das Jahr nochmal extra?“ Sylvie hatte den Einwand auch<br />
gehört und sagte: „Das Jahr steht in Ziffern, gefolgt von<br />
dem Wort ‚Jahr‘.“ Ravi schaltete sich ein, aufgeregt wedelte<br />
er mit dem Arm, bis Miriam ihn auf Senden schaltete.<br />
„Hilft uns das weiter? Wirklich?“, sagte er und schüttelte<br />
missbilligend seine Locken.<br />
„Ja“, sagte Hiroko, „denn es gibt nur ein Land, das dies so<br />
macht: Russland.“ Ravi senkte seinen Kopf, er fühlte sich<br />
schlecht, weil er vorgeprescht war. Aber Sylvie hatte noch<br />
mehr Informationen: „Dieser Alois ist geschickt, er zahlt<br />
nichts aus, weder von seinem Schweizer Nummernkonto<br />
noch vom Kirchenkonto. Also gibt es von da aus gesehen<br />
keine Verbindung zu den beiden Verdächtigen Andy und<br />
Herbie.“<br />
Miriam sieht, wie sich auf dem wandgroßen Bildschirm<br />
Muster auftun, wabernde, stets wechselnde Muster.<br />
‚Interferenzen‘, schießt es durch ihr Gehirn. Auf den vielen<br />
kleinen ‚Bild in Bild‘-Abbildungen haben die IT-Schamaninnen<br />
ihre Daten ausgebreitet. „Das sind nur Sinnestäuschungen“,<br />
sagt Miriam und stellt sicher, dass ihr Mikro<br />
auf Stumm geschaltet ist. „Aber das ist ja fast so wie ein<br />
QR-Code“, murmelt sie, als die wechselnden Muster sich zu<br />
vielen kleinen Quadraten ordnen. „Eigentlich ist es nicht<br />
verwunderlich. Man sagt, die Elektronen bewegen sich gar<br />
nicht durch den Draht, sondern es sind ‚Stehende Wellen‘<br />
um ihn herum, welche die Signale, also den Strom oder die<br />
Information, mit Lichtgeschwindigkeit weitergeben.“<br />
Sie schaut wie gebannt auf ihren Laptop, der das gleiche<br />
Bild wie der große Monitor zeigt. „Man bräuchte auch<br />
keinen Computer, man bräuchte nicht einmal Sprache. Das<br />
ist es, was die Babylonische Sprachverwirrung eigentlich<br />
meint. Vorher war keine Sprache, sondern Verständigung,<br />
danach waren es Hunderte von Sprachen, und keiner versteht<br />
mehr den anderen.“<br />
„Die Verständigungsmöglichkeit der Alten ist verschüttet.<br />
Sie funktioniert aber nach wie vor. So wie eine Schamanin<br />
eine Trommel benutzt, um Kontakt mit der Geisterwelt zu<br />
bekommen, braucht mein Team sich nur vor den Computer<br />
zu setzen. Über Kontinente hinweg bringen sie sich in einen<br />
Flow, dann ist der Kreis geschlossen.“<br />
Miriam schaltete die Teilnehmer nacheinander auf<br />
Vollbild. Als erste meldete sich Angie. Sie wirkte unrastig.<br />
„Die Bemerkungen über Russland geht mir nicht aus<br />
dem Sinn,“ sagte sie. „Ob sie was mit Russland direkt zu<br />
tun haben oder mit der Russen-Mafia in Deutschland?<br />
Es könnte auch ein Trick sein, der die wahren Urheber<br />
verdecken soll.“<br />
- Fortsetzung folgt -<br />
Wieder versenkten sich die IT-Spezialistinnen in ihre<br />
Recherchen. Ravi ging ans Buffett und holte sich noch ein<br />
Laugenbrötchen. Wieder ertönte das alles überlagernde<br />
Geräusch, Gebrumm, Gezischel, Gequietsche und Gesumme,<br />
als die Schamaninnen versuchten, einen Sinn in der<br />
Datenmenge zu erkennen.<br />
NEU!<br />
www.schemske.de<br />
Wolf-Hammer-Krimi<br />
als Audiobook<br />
FREIeBÜRGER 08/09 | <strong>2022</strong> 29
WIR WERDEN DIE NUSS SCHON KNACKEN!<br />
WORTSPIELRÄTSEL<br />
von Carina<br />
Fett umrandete Kästchen stellen den jeweiligen Lösungsbuchstaben des endgültigen<br />
Lösungswortes dar und zwar von oben nach unten gelesen. Sind pro Einzellösung mehrere<br />
Kästchen fett umrandet, sind diese Buchstaben identisch! Alles klar? Na dann viel Spaß!<br />
Zur Beachtung: Ä/Ö/Ü = AE/OE/UE und ß = SS<br />
Ahoi Touris!<br />
Es ist die Zeit, nach der sich die meisten das ganze Jahr über sehnen. Corona machte es<br />
lange schwierig bis unmöglich und viele sind regelrecht ausgehungert. Deshalb heißt es<br />
derzeit bei vielen: Nix wie weg, um endlich etwas Schönes abseits vom Alltag zu erleben.<br />
Nahezu jedes Beförderungsmittel ist dafür geeignet, wobei es dieses Jahr sehr viel Chaos<br />
zu geben scheint. Ich hoffe, Ihr macht's Euch trotzdem schön, ob Balkonien oder Balearen.<br />
Diesmal dreht sich hier alles irgendwie um das Thema Urlaub. Gute Erholung & viel Spaß!<br />
1. Übernachtungsstätte mit Schmuckstück<br />
2. Kleiner Ort für die schulfreie Zeit<br />
3. Drogenreise durch große Orte<br />
4. Reise mit christlichem Symbol<br />
5. Osteuropäer mit Pariser U-Bahn<br />
6. Küstenstreifen mit Baustoff<br />
7. Schrei nach einer Tour<br />
8. Grenzstelle mit Knüppel<br />
9. Sehr alte Blätter<br />
10. Ein Staat für den Folgetag<br />
Lösungswort:<br />
Zu gewinnen für das korrekte Lösungswort:<br />
1.- 3. Preis je ein Gutschein unserer Wahl<br />
UND:<br />
Im Dezember <strong>2022</strong> wird von ALLEN korrekten<br />
Einsendungen ein zusätzlicher Gewinner gezogen,<br />
der eine besondere Überraschung erhält!<br />
Einsendeschluss<br />
ist der 28. <strong>September</strong> <strong>2022</strong><br />
(es gilt das Datum des Poststempels bzw. der E-Mail)<br />
E-Mails NUR mit Adressen-Angabe. Unsere Postanschrift findet Ihr<br />
im Impressum auf Seite 31. Teilnahmeberechtigt sind alle, außer die<br />
Mitglieder des Redaktionsteams. Wenn es mehr richtige Einsendungen als<br />
Gewinne gibt, entscheidet das Los. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.<br />
Lösungswort der letzten Ausgabe: GARTENFEST<br />
bestehend aus den folgenden Einzellösungen:<br />
1. GASTHAUS 2. SINGLEPARTY<br />
3. RUMMELPLATZ 4. RAETSELRATEN 5. HAENGEMATTE<br />
6. DAMENWAHL 7. KAFFEEKLATSCH<br />
8. FREUDENHAUS 9. FESSELBALLON 10. TISCHTENNIS<br />
Gewonnen haben (aus 56 korrekten Einsendungen):<br />
S. Schultz, Ehrenkirchen<br />
H. Keimer, Malschenberg<br />
C. Riplinger, Breisach<br />
HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH !<br />
Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt.<br />
30<br />
FREIeBÜRGER 08/09 | <strong>2022</strong>
ÜBER UNS<br />
Seit Jahren geht in unserer Gesellschaft die Schere zwischen<br />
Arm und Reich weiter auseinander. Besonders durch die<br />
Agenda 2010 und die damit verbundenen Hartz IV-Gesetze<br />
wurden Sozialleistungen abgesenkt. Die Lebenshaltungskosten<br />
steigen jedoch von Jahr zu Jahr. Viele Menschen kommen<br />
mit den Sozialleistungen nicht mehr aus oder fallen schon<br />
längst durch das ziemlich löchrig gewordene soziale Netz.<br />
Und heute kann jeder von Arbeitslosigkeit bedroht sein.<br />
Vereine und private Initiativen versuchen die Not, in welche<br />
immer mehr Menschen kommen, zu lindern und die Lücken<br />
im System zu schließen. Es gibt unterschiedliche nichtstaatliche<br />
Einrichtungen wie z. B. die Tafeln, welche sich um diese<br />
ständig wachsende Bevölkerungsgruppe kümmern. Oder<br />
eben die Straßenzeitungen wie der FREIeBÜRGER.<br />
In unserer Straßenzeitung möchten wir Themen aufgreifen,<br />
welche in den meisten Presseerzeugnissen oft zu kurz oder<br />
gar nicht auftauchen. Wir wollen mit dem Finger auf Missstände<br />
zeigen, interessante Initiativen vorstellen und kritisch<br />
die Entwicklung unserer Stadt begleiten. Wir schauen aus<br />
einer Perspektive von unten auf Sachverhalte und Probleme<br />
und kommen so zu ungewöhnlichen Einblicken und<br />
Ansichten. Damit tragen wir auch zur Vielfalt in der lokalen<br />
Presselandschaft bei.<br />
Gegründet wurde der Verein im Jahr 1998 von ehemaligen<br />
Wohnungslosen und deren Umfeld, deshalb kennen die<br />
MitarbeiterInnen die Probleme und Schwierigkeiten der<br />
VerkäuferInnen aus erster Hand. Ziel des Vereins ist es, dass<br />
Menschen durch den Verkauf der Straßenzeitung sich etwas<br />
hinzuverdienen können, sie durch den Verkauf ihren Tag<br />
strukturieren und beim Verkaufen neue Kontakte finden<br />
können. Wir sind eine klassische Straßenzeitung und geben<br />
unseren VerkäuferInnen die Möglichkeit, ihre knappen finanziellen<br />
Mittel durch den Verkauf unserer Straßenzeitung<br />
aufzubessern. 1 Euro (Verkaufspreis 2,10 Euro) pro Ausgabe<br />
und das Trinkgeld dürfen unsere VerkäuferInnen behalten.<br />
Es freut uns zum Beispiel sehr, dass sich einige wohnungslose<br />
Menschen über den Verkauf der Straßenzeitung eine neue<br />
Existenz aufbauen konnten. Heute haben diese Menschen<br />
einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz und eine<br />
Wohnung. Der FREIeBÜRGER unterstützt also Menschen<br />
in sozialen Notlagen. Zu unseren VerkäuferInnen gehören<br />
(ehemalige) Obdachlose, Arbeitslose, GeringverdienerInnen,<br />
RentnerInnen mit kleiner Rente, Menschen mit gesundheitlichen<br />
Problemen, BürgerInnen mit Handicap u. a. Unser Team<br />
besteht derzeit aus fünf MitarbeiterInnen. Die Entlohnung<br />
unserer MitarbeiterInnen ist äußerst knapp bemessen und<br />
unterscheidet sich aufgrund der geleisteten Arbeitszeit und<br />
Tätigkeit. Dazu kommt die Unterstützung durch ehrenamtliche<br />
HelferInnen. Leider können wir durch unsere Einnahmen<br />
die Kosten für unseren Verein, die Straßenzeitung und Löhne<br />
unserer MitarbeiterInnen nicht stemmen. Daher sind wir<br />
auch in Zukunft auf Unterstützung angewiesen.<br />
SIE KÖNNEN UNS UNTERSTÜTZEN:<br />
• durch den Kauf einer Straßenzeitung oder<br />
die Schaltung einer Werbeanzeige<br />
• durch eine Spende oder eine Fördermitgliedschaft<br />
• durch (langfristige) Förderung eines Arbeitsplatzes<br />
• durch Schreiben eines Artikels<br />
• indem Sie die Werbetrommel für unser<br />
Sozialprojekt rühren<br />
Helfen Sie mit, unser Sozialprojekt zu erhalten und weiter<br />
auszubauen. Helfen Sie uns, damit wir auch in Zukunft<br />
anderen Menschen helfen können.<br />
Impressum<br />
Herausgeber: DER FREIeBÜRGER e. V.<br />
V.i.S.d.P: Oliver Matthes<br />
Chefredakteur: Uli Herrmann († 08.03.2013)<br />
Titelbild: Thiébaud Faix<br />
Layout: Ekkehard Peters<br />
An dieser Ausgabe haben mitgearbeitet:<br />
Carsten, Carina, Conny, Ekki, H. M. Schemske, Harry,<br />
Karsten, Oliver, Recht auf Stadt, Rose Blue, utasch<br />
und Gastschreiber<br />
Druck: Freiburger Druck GmbH & Co. KG<br />
Auflage: 6.000 | Erscheinung: monatlich<br />
Vereinsregister: Amtsgericht Freiburg | VR 3146<br />
Kontakt:<br />
DER FREIeBÜRGER e. V.<br />
Engelbergerstraße 3<br />
79106 Freiburg<br />
Tel.: 0761 / 319 65 25<br />
E-Mail: info@frei-e-buerger.de<br />
Website: www.frei-e-buerger.de<br />
Öffnungszeiten: Mo - Fr: 12 - 16 Uhr<br />
Mitglied im Internationalen Netzwerk<br />
der Straßenzeitungen<br />
Der Nachdruck von Text und Bild (auch nur in Auszügen) sowie<br />
die Veröffentlichung im Internet sind nur nach Rücksprache<br />
und mit der Genehmigung der Redaktion erlaubt. Namentlich<br />
gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung<br />
der Redaktion wieder.<br />
Die nächste Ausgabe des FREIeBÜRGER erscheint am:<br />
30. <strong>September</strong> <strong>2022</strong><br />
1. und 2. Mittwoch im Monat um 14 Uhr:<br />
Öffentliche Redaktionssitzung<br />
FREIeBÜRGER 08/09 | <strong>2022</strong> 31
Radio Dreyeckland<br />
entlarvt die Worthülsen einer doch nicht so sozialen<br />
Freiburger Wohnungspolitik, bietet die größte<br />
Musikvielfalt, jenseits des Mainstreams, eröffnet<br />
einen hintergründigeren Blickwinkel auf<br />
gesellschaftspolitische Themen, jenseits medialer<br />
Filterblasen, verleiht Menschen eine Stimme, die<br />
ohne uns deutlich weniger Gehör finden würden.<br />
Den Sommer gut nutzen!<br />
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Unabhängige Medien brauchen Dich!<br />
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Hört, macht, unterstützt Radio Dreyeckland: 102,3 MHz - Stream: rdl.de/live<br />
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Mein Beitrag beträgt ab dem ............................ (Datum) € ..................... im Monat.<br />
Monatlicher Mitgliedsbeitrag: normal 7,00 €,<br />
für SchülerInnen, Studierende, Nichtverdienende mind. 3,50 €, Gruppen 8,50 €.<br />
Solidaritätsmitgliedschaft mind. 10,00 €.<br />
(Bitte meldet Euch bei uns, solltet Ihr aufgrund des Beitrags in finanzielle Schwierigkeiten kommen!)<br />
Ich erkenne die Vereinssatzung an und will die satzungsgemäßen Zwecke unterstützen.<br />
Meine Adresse: Vor-/Nachname: ................................................................................................................<br />
Straße/Nr.: ............................................................... PLZ/Ort ............................................................................<br />
Telefon: ..................................................................... E-Mail: ..............................................................................<br />
Unterschrift: ...........................................................<br />
O Einzugsermächtigung: Ich erkläre mich damit einverstanden, dass der Mitgliedsbeitrag<br />
von meinem Konto abgebucht wird. Die Einzugsermächtigung wird ungültig, wenn ich sie<br />
schriftlich widerrufe.<br />
O vierteljährlich (mind. 10,50 €, normal 21,00 €, Soli mind. 30,00 €)<br />
O halbjährlich (mind. 21,00 €, normal 42,00 €, Soli mind. 60,00 €)<br />
O Jahresbeitrag (mind. 42,00 €, normal 84,00 €, Soli mind. 120,00 €)<br />
KontoinhaberIn: ..................................................................................................................................................<br />
Geldinstitut: .........................................................................................................................................................<br />
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Oder als Dauerauftrag:<br />
Ich richte einen Dauerauftrag ein und überweise den Betrag auf untenstehendes Konto:<br />
O vierteljährlich (mind. 10,50 €, normal 21,00 €, Soli mind. 30,00 €)<br />
O halbjährlich (mind. 21,00 €, normal 42,00 €, Soli mind. 60,00 €)<br />
O Jahresbeitrag (mind. 42,00 €, normal 84,00 €, Soli mind. 120,00 €)<br />
Freundeskreis RDL / IBAN: DE04680900000009320202 / BIC: GENODE61FR1<br />
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