ScHAuSPIEL - Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin

theaterschwerin

ScHAuSPIEL - Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin

S C H A U S P I E L · M U S I K T H E A T E R · B A L L E T T · K O N Z E R T · F R I T Z - R E U T E R - B Ü H N E · P U P P E N T H E A T E R

SEPTEMBER BIS NOvEMBER 2012

impuls 92

MAgAZIN dES MECKLENBURgISCHEN STAATSTHEATERS SCHwERIN

Foto von Silke Winkler aus der Serie GESICHTER DES THEATERS. DIE PUPPENSPIELERIN ANTJE BINDER AB SEPTEMBER NEU

ZU ERLEBEN IN FRAU ANTJE UND HERR KLAUS SPIELEN UND AB NOVEMBER IN DAS TAPFERE SCHNEIDERLEIN


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HOcHvEREHRTES PuBLIKuM,

der Schauspieldirektor geht fremd. gleich zweimal in einer Spielzeit betrügt er

seine treue, vertraute gefährtin „Schauspiel“ mit der geheimnisvoll, seriösen geliebten

„Musiktheater“.

Sie kam in gestalt einer fliegenden Maus und eines Haardesigners, der Hochzeit

machen wird, angeschwebt und hat so lustvoll gelächelt. Ich konnte nicht widerstehen

und hoffe und bange, dass sie mich nicht verstößt, und dass sie hält, was

sie verspricht.

Sie, hochverehrtes Publikum, und auch ich, werden ein stark verändertes Musiktheaterensemble

erleben. dr. Ute Lemm als neue Operndirektorin, daniel Huppert

als neuer generalmusikdirektor, Katharina Riedeberger als neue Chefdramaturgin

Musiktheater und viele wunderbare neue Sängerinnen und Sänger werden den

Zauber, der ja bekanntlich jedem Anfang innewohnt, auf unserer Bühne entfalten.

Mozarts Oper Die Hochzeit des Figaro geht zurück auf ein Schauspiel, und mein

Anspruch und mein glück wären es, viel von der Tragik und Komik des Schauspiels

außergewöhnlich spielerisch in der Oper sichtbar werden zu lassen.

während ich diese gedanken in den Computer tippe, sitze ich im Zug. Ich bin

viele Stunden in Richtung Süden gefahren, um einen Schauspieler zu treffen, den

sie wahrscheinlich alle kennen. Ich hoffe ihn für die Rolle des Frosches in der Fledermaus

im Rahmen der SCHLOSSFESTSPIELE SCHwERIN im nächsten Sommer

zu gewinnen.

die gespräche waren sehr gut und hoffnungsvoll, aber erst wenn die verträge

unter dach und Fach sind dürfen wir Ihnen den Namen verraten.

Ich bin sicher, bis der nächste Impuls erscheint werden wir das geheimnis gelüftet

haben.

Bis dahin

Ihr

Peter dehler

Schauspieldirektor

iNHAlT

EDITORIAL

Editorial

Schauspiel

der ideale Mann 2

Illusionen 4

zu jung zu alt zu deutsch 5

Frau Müller muss weg 6

Spielstätte Stadt 8

Bis ans Limit 10

Am Anfang war es Liebe 12

werk3

Ballett

13

Coppélia 14

Ballettdirektor Sergej gordienko 16

Abschied Milena Ballhaus

Musiktheater

18

die Hochzeit des Figaro 20

Musikfeind/Opernprobe 22

Konzertkalender 24

Einmalig

Fritz-Reuter-Bühne

26

geld verdarwt denn‘ Charakter 28

Theaterpädagogik 30

Puppentheater 32

Theaterfreunde 34

Kulturschutz+Kunst 36

AUTOREN

RR: Ralph Reichel; KH: Karoline Hoefer; KR: Katharina

Riedeberger; Sg: Sergej gordienko; KL: Katja Lorenz; AR:

Anke Rauthmann; KvdH: Katharina von der Heide; MB:

Manfred Brümmer; AH: Antonia Holle, KF: Katja Frick; HB:

Hela Baudis u.a.

t

Impressum

HERAUSgEBER:

Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin ggmbH

gENERALINTENdANT UNd gESCHäFTSFÜHRER:

Joachim Kümmritz

REdAKTIONSAdRESSE:

Marketing · Mecklenburgisches Staatstheater

Schwerin ggmbH, Alter garten 2, 19055 Schwerin

www.theater-schwerin.de

FOTOS: Silke winkler, Archiv u.a.

gESTALTUNg: adani werbeagentur, www.adani.de

ANZEIgEN: Agentur Reiner Prinzler (0172/3114842)

druck: digital design

Spielzeit 2012/2013

Heft 92 (September–November 2012)

Änderungen und Druckfehler vorbehalten


2 ScHAuSPIEL

PREMIERE

t

Regie: Christian Weise

Bühne: Marc Bausback

Kostüme: Andy Besuch

Musik: Falk Effenberger

Mit: Katrin Heller, Sonja Isemer, Brigitte

Peters, Anja Werner; Dirk Audehm,

Klaus Bieligk, Christoph Bornmüller,

Jochen Fahr

Premiere: 31. August 2012,

Großes Haus

DER iDEAlE

mANN

OSCAR wILdE

dEUTSCHE FASSUNg vON ELFRIEdE JELINEK

Sir Robert Chiltern hat eine Blitzkarriere aufs politische Parkett gezaubert. Er steht

kurz davor, ins Kabinett berufen zu werden. Bei all dem ist es ihm außerdem

gelungen, einen tadellosen Ruf für seine blendend weiße weste zu genießen. Er

wird dafür von seiner Frau und seinen Kollegen gleichermaßen bewundert und

verehrt.

Seine schöne und junge Frau ist eine der führenden damen auf den Charity-veranstaltungen

der High Society und ständig um die Rettung der welt durch Spendengalas

und Politikergattinnentreffen bemüht. dieses edle Paar ist dabei, sich schon

in relativ jungen Jahren für ein Spitzenamt in der politischen Elite zu empfehlen.

doch es gibt da leider eine vergangenheit. die Erinnerungen daran hatte Robert

Chiltern lange unter seiner weißen weste verborgen. Jetzt taucht eine gefährliche

Spekulantin auf, die weiß, wie man wissen in Kapital verwandelt. diese Frau besitzt

den Beweis für Chilterns kapitale Jugendsünde.

der Politiker steht vor der wahl, seine Karriere oder sein grundsätze aufzugeben.

wenn er ein dubioses Kanalprojekt unterstützt, gelangt er in den Besitz des Beweises

und muss keine öffentliche Schande riskieren. Allerdings handelt er dann gegen

die Interessen des Staates, den er vertritt.

Oscar wilde war ein intimer Kenner der Londoner gesellschaft und hat authentisches

geschehen seiner Zeit in dem Stück verarbeitet. den Besuchern der

Uraufführung 1895 in London war dies sehr bewusst. die Besucher der ersten

Aufführung der Fassung von Elfriede Jelinek in wien 2011 spendeten spontan

Szenenapplaus, als der darsteller des Robert Chiltern die Bühne betrat. dank der

Kunst der Maskenbildner glich er Ernst Strasser, dem ehemaligen Innenminister der

ÖvP, welchem massiv Bestechlichkeit im Amt vorgeworfen wurde.

Jelinek musste das Stück für wien nicht tiefgreifend verändern, um es auf die Höhe

der Zeit zu bringen. die Regeln des politischen geschäfts verlangen damals wie

heute eine blütenweise weste, in welcher die Politiker moralstärkende Sonntagsreden

halten, während allen Beteiligten die Härte der Bandagen bewusst ist, mit

denen hinter den Kulissen um die durchsetzung inhaltlicher und anderer Interessen

gekämpft wird.

Und wenn ein Politiker dann an einem Fleck auf der weste scheitert, dann wissen

eigentlich alle, die sich mit Freude darauf stürzen, dass es nicht um diesen Fleck

geht, sondern dieser nur benutzt wird.

Für Schwerin haben wir keine eindeutigen regionalen oder nationalen Parallelen

gezeichnet, obwohl und weil sie oft genug auf der Hand liegen. die Fragen, die

das Stück sehr vergnüglich stellt, bleiben in der Inszenierung allgemeingültig und

sollen sich nicht auf die Perspektive eines Politikers reduzieren. Es geht darum,

mit wissendem Lachen die Personen vor dem Hintergrund der verschiedenen

Jahrhunderte in ihren persönlichen und politischen Niederlagen und Siegen zu

begreifen. RR


ScHAuSPIEL 3

Oscar Wilde

geboren 1854 in dublin. Studium am Trinity College, später klassische Philologie in Oxford, wo er für sein gedicht Ravenna

1878 mit dem Newdigate-Preis ausgezeichnet wurde. wilde lernte dort walter Pater und John Ruskin, die vertreter des

literarischen ästhetizismus, kennen. Nach dem Studium ging wilde nach London und heiratete 1884 Constance Lloyd.

Sein einziger Roman Das Bildnis des Dorian Gray wird 1890 veröffentlicht. durch den Erfolg seiner werke, aber mehr noch

durch seine persönlichen Qualitäten, wurde wilde zu einer zentralen Figur des Londoner gesellschaftslebens. Auf dem

Höhepunkt seiner Karriere 1895 geriet er durch einen Prozess ins soziale Abseits. die Beziehung zu Lord Alfred douglas

wurde durch dessen vater öffentlich gemacht und wilde erhob eine verleumdungsklage gegen John Sholto douglas und

verlor den Prozess. Im gegenzug wurde wildes Privatleben von John Sholto douglas enthüllt und wilde wurde wegen

homosexuellem Kontakt zu Strichjungen zu zwei Jahren Zuchthaus mit Zwangsarbeit verklagt. Nach seiner Entlassung war

er finanziell und gesellschaftlich ruiniert. Er emigrierte gemeinsam mit Alfred douglas nach Paris, wo er kurz darauf an einer

Hirnhautentzündung starb.

Elfriede Jelinek

geboren 1946 in Mürzzuschlag in der Steiermark. Jelinek ist die wohl bekannteste österreichische gegenwartsautorin.

Sie studierte Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte in wien, anschließend Orgel am Konservatorium und veröffentlichte

parallel erste gedichte. der literarische durchbruch gelang ihr zunächst mit ihren Romanen Die Liebhaberinnen (1975), Die

Klavierspielerin (1983), Lust (1989). 2001 wurde Die Klavierspielerin von Michael Haneke verfilmt und unter anderem bei

den Internationalen Filmfestspielen von Cannes ausgezeichnet.

Es waren vor allem Jelineks dramatischen werke, die in Österreich Skandale und Kontroversen auslösten: Burgtheater

(1985) thematisiert die unbewältigte Nazi-vergangenheit Österreichs. Jelinek wurde infolge dieses und anderer Stücke als

„Nestbeschmutzerin“ beschimpft und ihre literarische Rezeption wurde auf biografische und politsche Blickwinkel reduziert.

Infolge dessen verkündete sie 1995 den Rückzug aus der Öffentlichkeit und erteilte ein Aufführungsverbot für ihre Stücke in

Österreich, welches 1998 mit Einar Schleefs Inszenierung von Ein Sportstück am wiener Burgtheater aufgehoben wurde.

weltweite Berühmtheit erlangte sie spätestens 2004, als ihr werk mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde. In

ihren Texten nimmt sie konkret Position zur österreichischen wirklichkeit und deckt politische und gesellschaftliche Missstände

auf ironische weise auf. wichtige Bühnenstücke sind u.a. Bambiland (2003), Ulrike Maria Stuart (2006) und Die Kontrakte

des Kaufmanns (2009). Nach Ernst ist das Leben (2004) ist Der ideale Mann (2011) Jelineks zweite Bearbeitung einer

Komödie von Oscar wilde.

christian Weise

geboren 1973 in Lutherstadt Eisleben und aufgewachsen in Erfurt. Puppenspielstudium an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst

„Ernst Busch“ danach Arbeiten als Schauspieler und Puppenspieler am Schauspiel Frankfurt und am TaT Frankfurt.

dort eine ständige Zusammenarbeit mit dem Regisseur Tom Kühnel, dem Bühnenbildner Jan Pappelbaum, dem Autor und

Schauspieler Christian Tschirner (alias Sören voima) und der Puppenspielerin Suse wächter. Seit 2002 eigene Inszenierungen

u.a. am Nationaltheater Mannheim, Schauspiel Köln, Neuen Theater Halle, deutschen Theater Berlin, Staatstheater Stuttgart

und Schauspielhaus Zürich. Neben seinen Inszenierungen arbeitet er seit 2004 regelmäßig als dozent an der Hochschule für

Schauspielkunst „Ernst Busch“. Seit 2008 regelmäßige Arbeiten am Berliner Ballhaus Ost, wo er im Herbst 2011 Madame

Bovary inszenierte und gemeinsam mit daniela dröscher die Fassung geschrieben hatte. Zuletzt inszenierte er Maß für Maß

von william Shakespeare am Staatstheater Stuttgart. Der ideale Mann von Oscar wilde in einer Bearbeitung von Elfriede

Jelinek ist weises erste Arbeit in Schwerin.


4 ScHAuSPIEL

PREMIERE

Autor Iwan Wyrypajew

Iwan Wyrypajew, 1974 im sibirischen

Irkutsk geboren, ist einer

der wichtigsten dramatiker seiner

generation. Er studierte Regie an der

Moskauer Theaterhochschule Schukin

und gründete 1998 das Theaterstudio

Spielraum. Mit seiner zehnköpfigen

Theatertruppe arbeitet wyrypajew seit

fast zwölf Jahren in Moskau als Autor,

Regisseur und Schauspieler am Zentrum

Neues Drama: Theater.doc und wurde

zu verschiedenen internationalen Festivals

eingeladen, u.a. nach Frankreich,

England und zu den wiener Festwochen.

Seine Stücke wurden mehrfach

ausgezeichnet, u. a. erhielt Dehli, ein

Tanz den renommierten Cyprian Kamil

Norwid Kunstpreis. Lech Slowonik

nannte wyrypajew in seiner Laudatio

treffend „einen Schöpfer, der an das

Theater und an den Text glaubt“.

illusioNEN

vON IwAN wyRyPAJEw

vier Schauspieler lassen in diesem zeitgenössischen Stück die Erinnerungen alter

Menschen lebendig werden. Sie tauchen ein in die Lebensgeschichten zweier

Paare, die miteinander verstrickt sind: danny und Sandra, Margret und Albert, alle

um die achtzig, blicken auf lange Ehen und tiefe Freundschaften zurück. Auf dem

Sterbebett dankt danny rührend Sandra für ihre Liebe und Aufrichtigkeit. Sandra

gesteht kurz vor ihrem Tod hingegen Albert, im grunde nur ihn geliebt zu haben,

woraufhin Albert in Liebe zu Sandra entflammt, was er seiner Frau auch gleich

in aller Ehrlichkeit erzählt. wie reagiert Margret? Und was hat das alles mit der

fliegenden Untertasse zu tun?

die Spieler offenbaren, korrigieren und isolieren Splitter aus Biographien. die

virtuose verschachtelung von Erzähl- und darstellungsebenen ist dabei so lustvoll

spielerisch wie klug konstruiert. denn das Leben lässt sich nicht als einheitliche

geschichte erzählen. Jede wahrheit ist auch stets eine Entscheidung, Erinnerung

vielleicht Erfindung. Nicht Lebensdaten formen Identität, sondern gefühle. Und

mit gefühlen kennt sich das Theater aus, ebenso wie mit Lügen. Bei aller Spielerei

glimmt immer wieder die konkrete Sehnsucht nach einer absoluten wahrheit von

Liebe auf. KH

Anlässlich der Schweizer Erstaufführung von Illusionen 2011 sagte der Autor zu

seinem Stück in einem Interview:

„wir sprechen ständig von »Liebe«, aber lieben wir wirklich? das ist es, was hinter

dem ganzen steht. Überhaupt hinter allem auf dieser welt. Ich wollte Fragen stellen

– und eine dieser Fragen ist die, ob glück möglich ist, wenn es nichts Beständiges

in der welt gibt. […]

weise Menschen behaupten, unsere Erinnerung schaffe die Illusion, unser Leben

sei ein permanenter Fluss, während es in wahrheit nur aus Splittern und Teilen

bestehe. Ich verstehe das anders, für mich ist die welt kein Chaos, für mich sind

all diese Splitter und Teile miteinander verbunden.“

Zeitung #4, Schauspielhaus Zürich AG, Januar 2012

t

Inszenierung, Bühne und Kostüme:

david Czesinski und Robert Hartmann (Prinzip Gonzo)

Mit: Brit Claudia dehler, Lucie Teisingerova; Bernhard Meindl, Sebastian Reusse

Premiere: 1. September 2012 · E-Werk


PREMIERE

Dirk Laucke, geboren 1982 im

sächsischen Schkeuditz, aufgewachsen

in Halle (Saale), studierte von 2004

bis 2008 Szenisches Schreiben an

der Berliner Universität der Künste.

2006 wurde der Autor mit dem Kleist-

Förderpreis für sein Stück alter ford

escort dunkelblau ausgezeichnet, das

anschließend zu den Mülheimer Theatertagen

eingeladen war. 2010 erhielt

er den dramatikerpreis des Kulturkreises

der deutschen wirtschaft. Längst gehört

Laucke, der ein Faible für gebrochene

Biografien, den Osten und viel Humor

hat, zu den festen größen der deutschen

Theaterlandschaft.

Regisseurin Hanna Müller, geboren

in Ostfriesland, studierte Regie an der

Theaterakademie Hamburg bei Peter

Zadek u.a. und inszenierte bisher am

Schauspiel Hannover und dem Staatstheater

Bielefeld.

Zu JuNG

Zu AlT

Zu DEuTsCH

vON dIRK LAUCKE

Foto: Katrin Ribbe

Micha ist linker Skin, selbsternannter Nazi-Jäger, deutschland-Hasser. Frisch aus

der Haft entlassen, ist er stockbetrunken und seine erste devise lautet: Frauen

abschleppen. Beim Feiern trifft er ausgerechnet Lydia, seine Exfreundin. Sie ist mit

ihrem neuen Freund Jens unterwegs, für den Spießer nichts Schlimmes sind. Jens

mag auch deutschlandflaggen im Namen des Fußball-glücks. dabei hat er mehr

Reflexionsvermögen, als sein Hang zu fröhlichem Nationalstolz vermuten lässt. Er

wisse von den „Zwangis“, die bei Bayer, Thyssen, Bahlsen und vw einst so fleißig

arbeiteten. Soll er deswegen heute auf Kekse, Autos und Aspirin verzichten, fragt

er. Im Rausch geraten Micha und Jens aneinander und finden sich im Krankenhaus

wieder. von hier starten alle drei schließlich einen Bus-Ausflug: Man will Lydias

Opa besuchen und ihm vielleicht etwas geld abnehmen...

gitte liebt laute Musik, arbeitet viel und nimmt gerne einen guten Schluck. Ihre

Stelle als Putzkraft in einer „Blutplasmabank“ teilt sie mit der Ukrainerin Sascha,

die keine Arbeitserlaubnis hat. Als die Frauen aus den abendlichen Putzsessions

kleine Partys machen kostet gittes Hang zum Alkohol beide den Job. Bleibt noch

gittes zweite Anstellung: Hier geht‘s allerdings um Reinigen in Reizwäsche bei

einem alten Herren, der sich zu diesem Anlass in SS-Uniform wirft…

das Stück verwebt die dreiecksgeschichte mit der des Putzfrauenduos und reflektiert

dabei vielschichtig deutsche gegenwart und vergangenheit.

Nach der Uraufführung von zu jung zu alt zu deutsch schrieb die Osnabrücker

Zeitung, Lauckes Stück sei nicht nur „stark“, sondern „einmalig wichtig“. Besonders

macht diesen Text, dass er ohne moralischen Zeigefinger individuell verschiedene

verhältnisse zu deutschland zeigt und en passant Themen wie Extremismus und

unsere verantwortung für Andere reflektiert, während man den lebensnahen Figuren

und ihren geschichten folgt. KH

t

Inszenierung: Hanna Müller

Bühne/Kostüme: Holger Syrbe

Mit: Brigitte Peters, Lucie Teisingerova, Caroline wybranietz;

Christoph Bornmüller, Christoph götz

Premiere: 10. Oktober 2012, 19.30 uhr · E-Werk

ScHAuSPIEL 5


6 ScHAuSPIEL

PREMIERE

Lutz Hübner wurde 1964 in Heilbronn

geboren. Nach einem Studium

der germanistik, Philosophie und Soziologie

in Münster begann er 1986 seine

Ausbildung zum Schauspieler an der

Hochschule des Saarlandes für Musik

und Theater in Saarbrücken. Es folgten

Engagements u.a. am Saarländischen

Staatstheater Saarbrücken und dem

Badischen Staatstheater Karlsruhe.

von 1990 bis 1996 arbeitete Hübner

als Schauspieler und Regisseur am Rheinischen

Landestheater Neuss und dem

Theater der Landeshauptstadt Magdeburg.

Seit 1996 ist er freiberuflicher

Schriftsteller und Regisseur.

Lutz Hübner wurde 1998 für Herz eines

Boxers mit dem deutschen Jugendtheaterpreis

ausgezeichnet. 2005 wurde

sein Stück Hotel Paraiso zum Berliner

Theatertreffen eingeladen. Stücke

wie Gretchen 89 ff., Ehrensache, Blütenträume

oder Frau Müller muss weg

machen Lutz Hübner seit Ende der

Neunziger Jahre zu einem der meistgespielten

gegenwartsdramatiker auf

deutschen Bühnen. 2008 erhielt Hübner

die Honorable Mention der ASSITEJ

International. Im Jahre 2009 wurde

die Inszenierung seines Stückes Geisterfahrer

durch das Schauspiel Hannover,

im Jahre 2011 die Inszenierung

seines Stückes Die Firma dankt durch

das Staatsschauspiel dresden zu den

Mülheimer Theatertagen eingeladen.

der Autorenpreis der ASSITEJ wurde

Lutz Hübner in 2011 verliehen. Seine

Stücke sind in über ein dutzend Sprachen

übersetzt worden und werden auf

der ganzen welt gespielt. die meisten

Stücke entstehen in Zusammenarbeit mit

Sarah Nemitz.

FRAu

müllER

muss

wEG

KOMÖdIE vON LUTZ HÜBNER, MITARBEIT: SARAH NEMITZ

der Countdown läuft. wer schafft es ins gymnasium? diese Frage beschäftigt die

besorgten Eltern der Klasse 4b. Längst sind die Prinzipien der Leistungsgesellschaft

auch in den Schul- und Familienalltag gesickert. das wort „Hauptschule“ klingt in

den Ohren der Eltern wie eine drohung. Für sie bedeutet das anstehende Übergangszeugnis

mehr als eine weichenstellung in der Schulkarriere der Kleinen, es

steht für Zukunft, glück, Erfolg. Und für einige Kinder sieht es nicht rosig aus. Also

hat man die Klassenlehrerin um einen Termin gebeten. Nun sitzen fünf entschlossene

Erwachsene auf Kinderstühlen zwischen Kastanienmännchen und Laubgirlanden,

bereit, dem Feind ins Auge zu sehen. Für sie ist klar, wer Schuld an der Misere

trägt. dass das Problem nicht bei den Schülern zu suchen ist, davon ist jeder der

Anwesenden überzeugt. Ihre Kinder sind besondere kleine Persönlichkeiten, die ab

und an spezieller Förderung bedürfen, nicht etwa Spätzünder, faul, unkonzentriert

oder schlicht mathematisch unbegabt. die Front steht. Frau Müller muss weg!

genau beobachtete und recherchierte wirklichkeit, Konflikte und Figuren so zugespitzt,

dass beides durchschaubar wird bis zum Klischee, eine geschichte mit

so überraschenden wendungen, dass die Klischees sich selbst auflösen und das

Individuelle dahinter sichtbar wird. das ganze verpackt in eine Komödie, und alles

abgearbeitet an einem aktuellen Thema. Lutz Hübner ist mit dieser Arbeitsweise

eines der erfolgreichsten Stücke der letzten Jahre gelungen, für welches sich Theaterkritik

und Theaterpublikum gleichermaßen begeistern. KH/RR

t

Inszenierung: Beate Rothmann

Bühne/Kostüme: Holger Syrbe

Mit: Brit Claudia dehler, Katrin Heller, Sonja Isemer, Anja werner;

Özgür Platte, Kai windhövel

Premiere: 27. Oktober 2012 · E-WERK


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8 ScHAuSPIEL

Eine Kooperation des Mecklenburgischen

Staatstheaters Schwerin und der freien Gruppe

Kulturfiliale

2006 gründete sich die gruppe Kulturfiliale,

deren künstlerisches Leitungsteam

seit 2011 aus Philippe goos, Ramona

Rauchbach, Marco Štorman und Nils

Zapfe besteht. Neben ihrer Arbeit als

Regisseur, Schauspieler, Bühnenbildnerin

an staatlichen und städtischen

Theatern machen sie sich seither den

Schlachtruf „Unser Theater ist die

Stadt“ zum Motto, erweitern gängigere

darstellungsformen und kreieren so ein

reichhaltiges Theater-Erleben. Es ist im

besten Sinne ein echtes Kollektiv, in

dem das Zusammen bei der Arbeit im

Mittelpunkt steht. das bedeutet zum

Beispiel, dass alle das gleiche Honorar

bekommen, der Regisseur auch eine

Bühne mit aufbaut und der Schauspieler

das Konzept mitentwickelt. Um den

festen Kern gibt es einige unregelmäßig

an Projekten beteiligte Künstler: „Teilzeitutopisten“.

Alle eint Hingabe und

Idealismus.

spiElsTäTTE

sTADT

Im September 2012 beginnen das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin

und die gruppe Kulturfiliale das gemeinsame Projekt „Spielstätte Stadt“, das mit

Fördergeldern der Kulturstiftung des Bundes realisiert werden kann. „Spielstätte

Stadt“ begibt sich zwei Jahre lang auf die Suche nach versteckten und gelebten

Utopien, nach aktuellen und vergangenen Zukunftsvisionen der Bürger. Sie erforscht

spielerisch den Alltag der Schweriner und dokumentiert das Leben der Stadt im

„Archiv der Utopisten“.

Aus der Mitte Schwerins heraus macht sie sich mit den Menschen auf die Suche

nach ihren Sehnsüchten, Überzeugungen und Erinnerungen, dem Stoff, aus dem

die Zukunft sein kann. In zwei Spielzeiten entstehen vier große theatrale Projekte:

vier Utopieversuche sowie mehrere kleine Projekte.

DEN uTOPIEN AuF DER SPuR – WIE 2012, IM JAHR DES ANGEBLIcHEN

uNTERGANGS, ALLES BEGINNT

die „Spielstätte Stadt“ eröffnet am Samstag, den 15. September mit

dem ersten großen Projekt Bugarach: Nach uns das Paradies.

„Bugarach“ heißt jenes französische dorf, das angeblich gerettet wird, wenn laut

Maya-Kalender diesen winter die welt untergeht. Einer geheimnisvollen Theorie

nach befindet sich im Berg „Pic de Bugarach“ ein Ufo und einzig jene Menschen,

die sich am 21.12.12 dort aufhalten, sollen die Apokalypse überleben... Eine absurde

geschichte, die uns zu diesem Projekt und der Frage inspirierte: In welches

Raumschiff oder auf welche Arche würde man gerne steigen? In welcher welt

landen? was würde man retten, was neu schaffen, angesichts der Krise und des

Untergangs, der unserem neokapitalistischen System bevorzustehen scheint?

„Spielstätte Stadt“ baut in Schwerins Innenstadt ein begehbares Kunstwerk auf:

von außen Krisencamp wartet im Inneren dieser Installation eine metaphorische

„Arche“. Hier kann man „Antrag auf Rettung aus der Krise“ stellen. Niemand soll

jedoch dort am goldenen Kassenhäuschen geld bezahlen: Jeder der bzw. nur

wer eine Utopie hat, eine vision, eine Idee für eine bessere gesellschaft, erhält

Eintritt und wird gerettet.

„Eine mögliche welt ist anders“, lautet ein Leitspruch der gruppe Kulturfiliale.

das könnte auch ein gedanke sein, den die Besucher mitnehmen, wenn sie nach

20minütiger Reise auf der Arche hoffentlich mit verändertem Blick durch ihre

Umwelt gehen.

das Krisencamp mit seiner Informationsflut-Bühne, auf der Spieler täglich auf

das Stadtleben und das weltgeschehen mit Lesungen oder kleineren spontanen

Konzerten reagieren sowie die Arche sind vom 15.9. bis 22.9. täglich von 11

bis 18 Uhr geöffnet. Sonntag, den 23.9. wird ab 14 Uhr abgebaut.

Im Anschluss an die performative Installation Bugarach: Nach uns das Paradies

eröffnet am 28.9. das „Archiv der utopisten“. Auf der Suche nach einem


geeigneten Platz dafür stießen wir schnell auf das Südufer des

Pfaffenteiches: An diesem kommunikativen Ort, früher Zentrum

des „Stadtklatsches“, an dem beim wäsche waschen die neusten

geschichten austauscht wurden und der auch heute ein zentraler

Treffpunkt der Begegnung ist, sollen Schweriner mit ihren eigenen

Sehnsüchten und Utopien konfrontiert werden.

Auf den Stufen des Südufers entsteht eine wohnzimmer- bzw.

(wasch-)küchenähnliche Atmosphäre. Schauspieler und Künstler

laden alle ein, mit ihnen am Ufer zu verweilen. die Uhr des Alltags

bleibt für Momente stehen... Kaffee oder Arbeitsleistungen werden

gegen Erinnerungen und Träume getauscht. Im zentralen Archiv

werden erste Utopien oder geschichten zu hören und zu sehen

sein: eine Ausstellung, die im Laufe der zwei Jahre stetig wachsen

wird. Und eine Überraschung, die sich gewaschen hat wartet

vom 28. September 2012 bis zum 6. Oktober 2012 am

Pfaffenteich, jeweils von 11 bis 18 Uhr..

WAS KOMMT NOcH AuF ScHWERIN Zu?

Ein Strang des zweijährigen Projektes ist das mobile „Utopie-Archiv“,

das sich wie eine große Zeitung über Schwerin füllen und

entwickeln wird. Nach seinem Start am Pfaffenteich und taucht es

in regelmäßigen Abständen immer wieder in neuen Stadtteilen

auf und will Spuren hinterlassen, im Stadtbild und in den Menschen.

Ein Archiv der Stadt als Summe ihrer details: Biographien,

gesprächsfetzen, Fotos. denn geschichten liegen auf der Straße!

Sie finden sich an der Kasse im Supermarkt, in der Straßenbahn,

beim Spaziergang im Park, am Küchentisch.

Ein zweiter Strang sind einzelne großprojekte, die in leerstehenden

Häusern oder auf Brachflächen spielen und für die man, anders

als für die „Archive“ meist Karten kaufen kann. In Schwerin gibt

und gilt es viele faszinierende und geschichtsträchtige Orte zu

erforschen. die interessantesten möchte „Spielstätte Stadt“ zeitweise

beleben, mit theatralen Parcours, um auf den Pfaden der

geschichte(n) zu wandern.

Im Frühjahr 2013 können Schweriner und gäste einen ganz

besonderen T.R.I.P. („the reality in pieces“) erleben. Hierbei wird

die Stadt zur virtuellen Realität. der Besucher folgt einer Figur von

der Straßenbahn bis in eine Kirche...

Im Herbst 2013 wird es ein „Zeitschleusen-Projekt“ in einem

fast vergessenen gebäude geben. – Und nach zwei Jahren, in

denen das Theater zu den Menschen gekommen ist und im urbanen

Raum gewesen sein wird, werden die Schweriner den Theaterraum

erobern: Bürgerinnen und Bürger werden innerhalb einer

Inszenierung erzählen, von Utopien und visionen. die Zukunft

auf die Bühne! KH

Spielstätte Stadt wird gefördert im Fonds doppelpass der:

DIE GRuPPE

STELLT SIcH vOR:

ScHAuSPIEL 9

Marco Štorman, geboren in

Hamburg, ist gründungsmitglied

der Kulturfiliale. 2005 schloss er

sein Regiestudium an der Otto-

Falckenberg-Schule in München

ab und arbeitete u.a. bei Andreas

Kriegenburg, Stephan Kimmig und Jossi wieler. während

des Studiums inszenierte er am Nationaltheater

weimar und am Theater Konstanz. von 2005-2007 war

er Regieassistent am Schauspiel Hannover. 2003 war er

Stipendiat der Meisterklasse Schauspiel bei den Salzburger

Festspielen, 2009 beim Internationalen Forum der

Berliner Festspiele, 2011 beim Enparts Open Campus

in Stockholm. Seit 2007 arbeitet er als freier Regisseur

u.a. am Hamburger Thalia Theater, am düsseldorfer

Schauspielhaus, Theater Oberhausen, Schauspiel Hannover,

Theater Lübeck und an der Staatsoper Stuttgart.

Ramona Rauchbach, geboren

in Naumburg a.d. Saale, studierte

Szenenbild an der FH Medien &

design in Hannover und war nach

einigen freien Assistenzen als

Bühnenbildassistentin am Staatstheater

Hannover engagiert. Seit

August 2008 ist sie freischaffend

als Bühnenbildnerin tätig und arbeitet unter anderem

in Hannover, dresden, Berlin und düsseldorf. Zuletzt

war sie für die Ausstattung des Familienprojekts Meine

Mutter Karl-Marx-Straße... und der Rest der Familie im

Heimathafen Neukölln zuständig.

Nils Zapfe ist Schauspieler und

freier Regisseur und gehört ebenfalls

zum Leitungsteam der Kulturfiliale.

des weiteren ist er festes

Mitglied der gruppe Lovefuckers.

Nach seiner Ausbildung an der

westfälischen Schauspielschule

Bochum arbeitete er u.a. am

Schauspielhaus Bochum, dem Staatstheater Bielefeld,

dem Theater Magdeburg, dem bat Berlin und den wuppertaler

Bühnen als gast und festes Ensemblemitglied.

Im Juni 2012 zeigte er mit Fixen – Die Ballade von der

medialen Abhängigkeit an den Sophiensälen in Berlin

seine erste umfangreiche Regiearbeit.


10 ScHAuSPIEL

PREMIERE

dIE AUTORINNEN dER

ROMANvORLAgE

Bevor sich Elisabeth Zöller 1989

ganz dem Schreiben für Kinder und

Jugendliche widmete, war sie siebzehn

Jahre als gymnasiallehrerin tätig. Ihre

Bücher basieren auf fundierten Recherchen

in Schulen, Kliniken, mit und bei

Fachleuten, vor allem aber auf gesprächen

mit Kindern und Jugendlichen.

2007 wurden mit der verleihung des

Bundesverdienstkreuzes an die Autorin

insbesondere Elisabeth Zöllers Bücher

gegen gewalt gewürdigt. Neben

zahlreichen Preisen der Kinder- und

Jugendliteratur erhielt sie 2005 den

gustav-Heinemann-Friedenspreis für

den Roman Anton oder die Zeit des

unwerten Lebens. Zusammen mit der

1975 geborenen Autorin Brigitte

Kolloch schreibt sie eine Buchreihe für

Kinder und eine für Jugendliche, in der

es in heiterer, aber auch nachdenklicher

weise um Essstörungen, Alkohol und

um den Umgang mit Trotz, Streit und

Traurigsein, aber auch um Lachen und

Zusammenhalten geht. der gemeinsame

Roman Bis ans Limit erschien 2009.

Bernhard Meindl

THEATER FÜRS KLASSENZIMMER

Bis ANs

limiT

BRIgITTE KOLLOCH / ELISABETH ZÖLLER

FÜR dIE BÜHNE BEARBEITET vON RAINER HERTwIg

FÜR JUgENdLICHE AB 13 JAHREN

Auch wenn im vergleich zu den 1970er Jahren insgesamt weniger Jugendliche

regelmäßig Alkohol zu sich nehmen – der Alkoholkonsum derjenigen, die trinken,

hat Suchtexperten zufolge zugenommen und ist ungleich extremer geworden. die

Zahl derer, die nach exzessivem Alkoholkonsum mit einer Alkoholvergiftung im

Krankenhaus landen, ist hoch.

das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin hat mit Bis ans Limit ein Jugendstück

auf den Spielplan gesetzt, das einfühlsam den Abstieg eines Jugendlichen in die

Sucht nachzeichnet und deren verlauf bis hin zum Neubeginn nach dem Aufenthalt

in der Entzugsklinik ungemein glaubwürdig darstellt.

gegen die Leere in seinem Inneren lässt sich der 16-jährige Florian volllaufen, bis

nichts mehr geht. So zugedröhnt tut es gedämpfter weh, dass er sich allein und

fremd fühlt in der welt, seit Opa nicht mehr da ist, der mit seinen geschichten früher

allem Sinn verlieh. Und dass eine wie Hanna sich für einen hässlichen vogel wie ihn

garantiert nicht interessieren kann. Also zieht Florian regelmäßig mit seinen Jungs

um die Häuser, macht Party und genießt das warme gefühl, das ihn durchströmt,

wenn ihn endlich nichts mehr etwas angeht.

Ist er nüchtern, erschrickt Florian über das fremde, leichenblasse gesicht im Spiegel.

Fassungslos und angewidert sieht er die Kippen und die Brandlöcher im Teppich

seines versifften, zugemüllten Zimmers. Also trinkt er weiter, um das Trinken zu

ertragen. Erst nachdem Florian nicht nur sein eigenes, sondern auch das Leben

seiner großen Liebe Hanna aufs Spiel gesetzt hat, zieht er die entscheidende

Konsequenz…

Auf Anfrage beim gruppenservice des Mecklenburgischen Staatstheaters kommen

wir mit dieser mobilen Produktion direkt zu Ihnen in die Klassenzimmer der

Schweriner Schulen und ermöglichen für Schulen aus dem Umland außerdem eine

Aufführung im werk3. AH

t

Regie: dirk Audehm

Mit: Bernhard Meindl

Premiere: 16. Oktober 2012 · Klassenzimmer


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12 ScHAuSPIEL

PREMIERE

Am ANFANG wAR Es liEBE

Klaus

Bieligk

claudia Ring ist die zuständige Referatsleiterin

im Ministerium für Arbeit,

Soziales und gesundheit.

Sie arbeitet in der Leitstelle für Frauen

und gleichstellung und ist mit ihrem

Referat zuständig für Frauen in Krisensituationen.

In dieser Funktion fällt die

Förderung von Projekten, aber auch

der Hilfseinrichtungen in ihr Ressort und

somit auch die anteilige Förderung des

AwO Frauenhauses Schwerin.

Liane Dommer leitet das Frauenhaus

in Schwerin und ist gleichzeitig Koordinatorin

für das Haus „AwO Frauen im

Zentrum“, in dem sich mehrere Beratungsstellen

zum Thema häusliche und

sexualisierte gewalt, sowie das Kontaktbüro

des Frauenhauses befinden.

t

Leitung: Klaus Bieligk

Premiere: 20.11.2012, E-Werk

SZENEN ZUM THEMA HäUSLICHE gEwALT vON KATHARINA dE vETTE

NACH EINER IdEE vON FRAUEN HELFEN FRAUEN E.v. ROSTOCK

die Öffentlichkeit für das Thema Häusliche gewalt sensibilisieren, die Zwänge der

Opfer begreifbar machen und zum Hinsehen ermutigen – diese Möglichkeiten

hat Theater. das Stück, das auf Erfahrungsberichten von Frauen helfen Frauen

e.v. Rostock sowie von „Frauen im Zentrum“ des AwO-Kreisverbandes Schwerin-

Parchim e. v. basiert und nun im Rahmen der Antigewaltwoche 2012 im E-werk

des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin zur Aufführung kommt, gewährt

Einblicke in ein Problemfeld aus der Mitte unserer gesellschaft, dass sonst zumeist

unsichtbar bleibt. Anhand des exemplarischen Falles einer jungen Betroffenen

werden mögliche voraussetzungen und Ausprägungen häuslicher gewalt sowie

die Möglichkeiten des Hilfesystems für die Betroffenen dargestellt. die Aufführung

von Am Anfang war es Liebe findet im Auftrag des Ministeriums für Arbeit, Soziales

und gesundheit und des AwO-Kreisverbandes Schwerin-Parchim e.v. statt. das

Stück erarbeitet Klaus Bieligk, Schauspieler am Mecklenburgischen Staatstheater,

mit Kolleginnen und Kollegen.

Zur vorbereitung des Projekts trafen sich Theaterpädagogin Antonia

Holle und chefdramaturg Ralph Reichel mit claudia Ring und

Liane Dommer.

AH: Ist häusliche Gewalt ein Randgruppenproblem oder zieht sich

das Ihrer Erfahrung nach durch alle Gesellschaftsschichten?

Ld: Häusliche gewalt kommt in allen gesellschaftsschichten vor. Es wird in der

Öffentlichkeit gern argumentiert, dass nur Frauen betroffen seien, die Hartz Iv

empfangen. das ist nicht so. Es kann genauso ärzte/-innen treffen, Rechtsanwälte/innen.

Natürlich sind die sozialen Kontakte häufig bei einer ärztin anders, so dass

sie verschiedene Möglichkeiten nutzen kann und nicht immer in ein Frauenhaus

ziehen muss. Aber auch das ist möglich und ist auch schon passiert.

Wie verhalten sich Freunde, verwandte, Nachbarn, wenn sie Zeugen

häuslicher Gewalt werden?

CR: Man muss sagen, dass wir es durch den ersten und zweiten Landesaktionsplan

der Landesregierung zur Bekämpfung von gewalt gegen Frauen und ihre Kinder

geschafft haben, zusammen mit den Beratungsstellen, die ja sehr stark präventiv

tätig werden, die Öffentlichkeit für das Thema so zu sensibilisieren, dass grundsätzlich

ein Bewusstsein für die Problematik besteht. Im Jahr 2006 fragten etwa 4.000

Menschen um Rat in den Einrichtungen des Beratungs- und Hilfenetzes für Opfer

häuslicher und sexualisierter gewalt, im Jahr 2011 waren es bereits 5.533. Man

redet über dieses Thema und das hat dabei geholfen, das dunkelfeld ein wenig

in das Hellfeld zu ziehen.

Ld: dazu soll ja auch die Aufführung des Stücks Am Anfang war es Liebe beitragen wir

wollen noch mehr Menschen erreichen, um auf das Thema aufmerksam zu machen.

CR: Auch um verständnis dafür zu schaffen, wie schwer es für eine Betroffene ist,

sich aus der Situation zu befreien. das kommt in dem Stück sehr gut heraus. In der

Öffentlichkeit ist oftmals Unverständnis vorhanden, weil viele sich fragen, warum

eine Frau sich das über so einen langen Zeitraum antut. viele Menschen sagen sich:

die hat doch selber schuld, die kann doch ihren Koffer nehmen und gehen. Aber

so einfach ist es in der Realität eben nicht. Es ist wichtig, dass wir die Öffentlichkeit

immer wieder darauf aufmerksam machen, dass man diese Frauen nicht auch noch

dafür verurteilen darf, dass sie so lange bei ihrem Peiniger bleiben.

RR: das ist genau der Punkt, der für uns als Theater relevant ist. wir können nicht

zielgruppenorientiert einladen, aber wir haben die Chance, das Thema allgemein

ins gespräch zu bringen, Nachbarn, Kollegen, Freunde dafür zu sensibilisieren,

auf die Mitmenschen zu schauen und verständnis zu entwickeln.


christian: das war´s für uns! wir verlassen

die Produktionsstätte No.3!

Robert: dafür werkeln hier neue Arbeiter

ab der nächsten Spielzeit – hinter

dem Tresen und an der Technik.

christian: Und was du nicht vergessen

darfst: Mit der Wiederinbetriebnahme

des werk3 am 27.

September wird es auch möglich

sein, den idyllischen kleinen

Hinterhof für die werk-Pausen

zu nutzen.

Robert: welche neuen Produkte

kann das Publikum auf der werkbühne

erwarten?

christian: Oh, da gibt´s viel! die

Produktion im werk3 läuft in der nächsten

Spielzeit wieder auf Hochtouren.

Im Oktober läuft ein neues Stück vom

Stapel: Bis ans Limit. Es handelt sich

hierbei um ein Jugendstück, das den

Alkoholkonsum von Jugendlichen und

dessen Auswirkungen zeigt – allerdings

weniger moralisch als wirklich

spannend und lebensnah. Spielen wird

Publikumsliebling Bernhard Meindl und

das Coole ist, dass nicht nur im werk3

gespielt wird, sondern auf Anfrage auch

in Klassenzimmern. Auch die Premiere

wird in einer Schule stattfinden. Mehr

Infos zu dieser Produktion gibt es auf

Seite 10.

Robert: Aus der ehemaligen Lesebühne

Schmalz und Marmelade haben

ScHAuSPIEL 13

NEuE WERKE,

NEuE TATEN,

NEuE WERKTÄTIGE

sich Lesende zusammengefunden und

kommen als gastarbeiter ab Oktober

monatlich ins werk3 um selbstverfasste

Texte zu lesen.

christian: Ich habe gehört, dass

im November Klaus Bieligk mit zwei

Schauspielern ein Projekt im werk3

verwirklichen wird: Am Anfang war es

Liebe. die Premiere wird mit Unterstützung

vom Sozial- und vom Justizministerium

im E-werk stattfinden. Aber mehr

kannst du ja selber auf der vorherigen

Seite lesen!

Robert: Außerdem feiert die Staatskapelle

450-jähriges Bestehen. Und

passend dazu wird es ab Januar Instrumentenkunde

für alle Interessierten im

werk3 geben, bei der Musiker aus der

Staatskapelle anschaulich und unterhaltsam

so einige interessante Instrumente

vorstellen…

Robert und christian, Karoline

und Ralph (zugleich): das ist ne super

Sache.

Robert: Aber natürlich werden auch

bereits bestehende Abende weitergeführt.

wie zum Beispiel die Lesereihe

Aufgelesen, die einmal im Monat

stattfindet. Karoline, du erarbeitest zusammen

mit Schauspielern vom Haus

diese Abende. was macht Aufgelesen

so besonders?

Karoline: Es ist immer eine Premiere

und mit besonders viel Liebe zusam-

mengestellt. Zum Teil suchen wir den

Lesestoff ergänzend und rahmend zu

Stücken, die im großen Haus oder

E-werks laufen. die nächste Spielzeit

eröffnet Oscar wildes Der ideale Mann

in der deutschen Fassung von Elfriede

Jelinek; das liefert beispielsweise eine

Steilvorlage für eine wunderbare

Auftakt-veranstaltung mit grandios witzigen,

wilden Texten wildes, gespickt

mit Ausgrabungen aus dem Textflächen-

Steinbruch der Nobelpreisträgerin.

darüber hinaus gibt es viele Herzenstexte

der Schauspieler. diese Spielzeit

werden wir ein Science-Fiction-Live-

Hörspiel mit Musik machen, uns sicher

Kafka und Tschechow widmen, vielleicht

einen politischen Text à la Empört euch!

vornehmen. Auch Abende mit Überthemen

wie „Reise“, „Crime“, „Bibel“,

„Inzest“, „garten“ oder „Antike“ (ganz

werktroy) sind in der Ideenschmiede…

christian: Und natürlich wird der laufende

Betrieb nicht stillgelegt! Es wird

fleißig weitergewerkelt: die Spätschicht,

die jeden Monat neu in Produktion

geht! Improvisationstheater, bei dem

die werkbesucher bei der Fertigung

hautnah dabei sein können….

Und jede Menge anderer werkstätten:

LiederWerk, MundWerk,

KüchenWerk, SelfmadeWerk,

GesamtkunstWerk…


14 BALLETT

PREMIERE

CoppéliA

„Neulich steige ich die Treppe herauf und nehme wahr, dass die sonst einer glastüre

dicht vorgezogene gardine zur Seite einen kleinen Spalt lässt. Selbst weiß

ich nicht, wie ich dazu kam, neugierig durchzublicken. Ein hohes, sehr schlank im

reinsten Ebenmaß gewachsenes, herrlich gekleidetes Frauenzimmer saß im Zimmer

vor einem kleinen Tisch, auf den sie beide Arme, die Hände zusammengefaltet,

gelegt hatte. Sie saß der Türe gegenüber, so, dass ich ihr engelschönes gesicht

ganz erblickte. Sie schien mich nicht zu bemerken, und überhaupt hatten ihre

Augen etwas Starres, beinah möcht´ ich sagen, keine Sehkraft, es war mir so, als

schliefe sie mit offenen Augen. Mir wurde ganz unheimlich ...“

E.T.A. Hoffmann: Der Sandmann

ZUR gESCHICHTE dES

BALLETTKLASSIKERS CoPPéLIA

Seit über 140 Jahren gehört Coppélia seinem Publikum. Unzähligen Choreographen,

unter ihnen größen wie Marius Petipa (1884), george Balanchine (1974)

oder Uwe Scholz (1989) bot die geschichte Stoff für neue Interpretationen und

gibt bis heute Raum zum Träumen.

Als Höhepunkt des französisch-klassischen Balletts steht Coppélia neben La sylphide

und Giselle par excellence für das goldene Zeitalter der großen romantischen

Ballette, die im 19. Jahrhundert mit der Erfindung des Spitzenschuhs ihre Blütezeit

erlebten.

die Uraufführung von Coppélia in der Choreographie von Arthur Saint-Léon war

ein triumphaler Erfolg und sollte es auch bleiben: Seit der Premiere von 1870 ist

das Ballett pausenlos fester Bestandteil im Repertoire der Pariser grand Opéra

de Comique, ein dauerbrenner, der seinesgleichen sucht. Ein grund für diese

Erfolgsgeschichte war sicherlich die dazu geschriebene Musik. der damals erst

34-jährige Komponist Léo delibes vertonte das Libretto von Arthur Saint-Léon und

schuf Coppélia ou La fille aux yeux d‘émail (Coppélia oder Das Mädchen mit den

Emailaugen). Über Nacht war delibes Musik in aller Munde – mit ihr begründete

der Komponist seinen weltruhm. Aber er erreichte noch mehr: „In dem Kunstgebiete

des Balletts war er ein wahrhafter Neuschöpfer. vor ihm ist die Tanz-Musik fast

immer die dienerin geschickter Choreographen gewesen. delibes hat das verdienst,

die Kunst in eine Kunstgattung eingeführt zu haben, wo sie unentbehrlich ist und

wo sie bislang ausgeschlossen war.“ (Alfred Bruneau) delibes legte damit den

grundstein einer längst überfälligen Aufwertung von Ballett und dessen Musik als

autarke, ernstzunehmende Kunstform. Nur wenige Jahre später machte sich in St.

Petersburg ein kongeniales Künstlerduo diese vorarbeit delibes zu Nutzen: Marius

Petipa und Peter Tschaikowski schufen mit ihrem hochmodernen ‚work in progress’

Schätze der Menschheit: Dornröschen, Nussknacker und Schwanensee.

Als Anregung für das Libretto wählte Saint-Léon, der Erfinder der ersten Coppélia,

die 1816 erschienene Erzählung Der Sandmann von E.T.A. Hoffmann. In deren Zen-


Foto: © Matthias Creutziger: Klara. Hutkopf, Gerardhalskopf

1930er Jahre. Abdruck mit freundlicher Genehmigung

des Fotografen. Hutkopf aus der Sammlung: Wolfgang

Knapp, Mannheim Speyer

trum steht die hysterisch-wahnsinnige

und am Ende todbringende Liebe des

Studenten Franz zu einer Puppe. vom

schaurig-teuflischen grusel, wie E.T.A.

Hoffmann ihn in seinem schwarzromantischen

Nachtstück Der Sandmann

entwarf, ist im Ballett Coppélia allerdings

nur wenig übrig. geblieben ist

nur die geschichte einer menschlichen

Liebe zu einem unbelebten ding, einer

Puppe, einer Maschine, einem Roboter.

damals wie heute beflügelt dieses Sujet

die Fantasie der Künste, auch wenn die

„Automate“ von damals heute Frankenstein,

R2-d2 und data heißen oder, wie

in Steven Spielbergs A.I., mittlerweile

selbst menschlich fühlen.

das Unheimliche und dunkle wandelt

sich im Ballett Coppélia jedoch zu

einem wahrhaft schönen Happy End:

Franz´ verlobte entlarvt den Trug und

Spuk um die schöne Coppélia und

Franz kehrt glücklich und befreit zu

seiner Liebsten heim.

KR

t

Musik: Léo delibes

Choreographie und Inszenierung:

Sergej gordienko

Musikalische Leitung:

Martin Schelhaas

Bühnenbild: Ronald winter

Kostüme: giselher Pilz

Matinee: 16. September 2012,

11.00 uhr, Konzertfoyer

Mit Ballettdirektor Sergej gordienko und

Tänzerinnen und Tänzern des Ballett

Schwerin.

Moderation: Katharina Riedeberger

Premiere: 21. September 2012,

Großes Haus

NEu! Künstlergespräch im

Anschluss an die vorstellung am

27. September 2012

BALLETT 15


16 BALLETT

„SOLANGE DIE MENScHEN

TRÄuMEN, LEBT DAS BALLETT“

BALLETTdIREKTOR SERgEJ gORdIENKO ÜBER SEINE INTERPRETATION

dES BALLETTKLASSIKERS CoPPéLIA UNd SEINE PLäNE IN SCHwERIN

Coppélia ist seit über 140 Jahren

von den Bühnen der Welt nicht

wegzudenken. Was war der Motor,

über eine Neuinterpretation

von Coppélia nachzudenken?

Ich wollte schon lange eine vorstellung

für die ganze Familie inszenieren, ein

Ballett, das jung und alt anspricht.

Als ich anfing, mich mit dem Thema

Coppélia auseinanderzusetzen, hatte

ich in meiner Fantasie immer ganz

starke Assoziationen zum gegenstand

„Buch“. Buch des Lebens, Buch der Liebe

oder einfach nur ein Buch mit tollen

geschichten. All das wollte ich auf der

Bühne dargestellt wissen, ich wollte eine

geschichte auf die Bühne bringen, die

„buchstäblich“ aus einem Buch ist.

dieses Buch hat mir dann Ronald

winter, mein Bühnenbildner, erfunden.

Und dann ging eigentlich alles wie

von selbst. Er hat es geschafft, ein über

sechs Meter hohes Buch auf die Bühne

zu bringen, das nicht nur statisch im

Raum steht, sondern unheimlich viele

spielerische details bietet. Man könnte

fast meinen, das Bühnenbild wäre

lebendig.

Im Zentrum der Handlung steht

die Liebe des Studenten Franz

zu einer Puppe, coppélia, die

er allerdings für ein Wesen aus

Fleisch und Blut hält. Am Ende

entlarvt Franz´ verlobte den

Trug und Franz kehrt reumütig

zurück. Ist Coppélia wirklich

eine Komödie, so wie der choreograph

George Balanchine

es beschreibt : „Just as ‚Giselle’

is ballet´s great tragedy, so

Sergej Gordienko

‚coppélia’ is its great comedy.“

// „So, wie ‚Giselle’ die große

Tragödie des Balletts ist, so ist

‚coppélia’ dessen große Komödie.“?

Man kann die geschichte von Coppélia

zweifach sehen; als Liebesgeschichte

und als Komödie. Ich gebe Balanchine

aber in diesem Punkt absolut Recht. Für

mich bietet diese geschichte viele Ansatzpunkte,

eine richtige Komödie auf

die Bühne zu bringen. Ich möchte, dass

das Publikum sich über die irren verstrickungen

und natürlich über die lustige

Choreographie amüsiert und nach der

vorstellung mit einem Lächeln nach

Hause geht. Aber: Jede gute Komödie

birgt immer auch ein Fünkchen Ernst,

ein Hauch von Melancholie. Ich habe

versucht, beides zu erreichen.

Handlungsballette gelten in

meiner Generation immer als

ein bisschen antiquiert und verstaubt,

ein bisschen langweilig.

Woran liegt das?

das sehe ich aber komplett anders!

Meine langjährige Erfahrung hat mir

gezeigt, dass ein Ballett, das eine Handlung

besitzt, für den Zuschauer oftmals

viel interessanter ist, als Abstraktion.

der Zuschauer kann sehr intensiv eine

geschichte verfolgen, sich einfühlen,

mit den darstellern lachen, mit ihnen

weinen. das Identifikationspotential

kann im Handlungs- oder Erzählballett

ungemein hoch sein.

Das Handlungsballett stirbt also

nicht aus?

Solange Bücher geschrieben werden

und solange die Menschen träumen,


lebt auch das Ballett. Allein unser Leben

bietet schon so viele Möglichkeiten, um

daraus eine interessante geschichte zu

machen, die Themen liegen förmlich vor

uns, egal ob traurig, dramatisch oder

heiter. das Kino macht es vor, es werden

unzählige Filme über unzählige Themen

gedreht. die Menschen wollen einfach

geschichten sehen. Ich würde sogar

sagen: Sie brauchen geschichten! das

ist natürlich auf der Bühne nicht anders,

das kann man alles auch auf der Bühne

schaffen.

Was möchten Sie in den nächsten

Jahren in Schwerin erreichen,

beim Publikum, künstlerisch?

ganz klar: Ich setze auf einen engen

Kontakt zum Publikum. die Zuschauer

sollen einen authentischen Eindruck

von unserer harten Arbeit, aber auch

unserer Leidenschaft zum Tanz und zur

Kunst bekommen. Ich möchte dem Publikum

zeigen, wie aus einem einzelnen

Schritt eine Choreographie wird, wie

vorstellungen entstehen, wie geprobt

wird und was zum Schluss auf der Bühne

daraus wird. die Zuschauer sollen

erfahren, wie vielseitig Tanz ist. denn

Tänzer müssen nicht nur tanzen, sondern

auch mimische und darstellerische

Fähigkeiten beherrschen und zudem

hochmusikalisch sein. Ich strebe einen

direkten dialog mit den Zuschauern an.

Ich möchte mit ihnen ins gespräch über

Tanz kommen, ihnen Raum für Fragen

geben. Und natürlich würde ich das Publikum

ab und zu gern zum Mitmachen

animieren!

Das sind die Erwachsenen. Wie

sieht es mit dem jüngeren Publikum

aus?

Ein ganz besonderer Fokus soll auf Kinder-

und Jugendprojekten liegen. Hierzu

sind wir schon mit Theaterpädagogik

und dramaturgie im gespräch. das

Tolle an Tanz ist ja, dass jeder diese

Kunstform versteht – auch ohne ein

vorwissen. Tanz und Ballett muss man

einfach erleben und damit kann man

nicht früh genug anfangen.

Wie soll sich Ihr Amtsantritt auf

die company auswirken?

durch verbesserung von Qualitäten

möchte ich der Company ein eigenes

Profil geben, so dass auch überregional

vom Ballett Schwerin gesprochen wird.

das möchte ich zum einen durch ein

vielseitiges Ballettrepertoire (klassisch,

neoklassisch, modern) erreichen und

mit renommierten gastchoreographen

untermauern. Zum anderen setze ich

auf das Ausbilden von Persönlichkeit.

Nur wenn beides zusammengeht, kann

eine Company ein eigenes gesicht entwickeln

und sich von gesichtslosigkeit

abheben.

Sg/KR

BALLETT 17

der gebürtige Ukrainer Sergej Gordienko absolvierte seine klassische Ballettausbildung an der Ballettakademie seiner

geburtsstadt Kiew. Nach einem ersten Engagement am Akademischen Staatstheater Kiew führte ihn sein weg als Solist u.a.

an die Slowenische Staatsoper Ljubljana, das Stadttheater Rijeka am Staatstheater Zagreb/Kroatien und als ersten Solisten

an das Niedersächsische Staatstheater Hannover. 1997 wurde er zum stellvertretenden Ballettdirektor der Bühnen der Stadt

Bielefeld berufen. Seit 1992 wird Sergej gordienko als Ballettmeister und Trainingsleiter engagiert und war über seine festen

Engagements hinaus als gastballettmeister an deutschen und internationalen Bühnen tätig. Zu seinen wichtigsten Stationen

gehören u.a. das Leipziger Ballett unter Uwe Scholz, das National Theatre Belgrad, Serbia and Montenegro, das National

Ballet of Portugal sowie das Aalto-Musiktheater Essen. Seit 1996 choreographiert er regelmäßig an deutschen Bühnen. Zu

seinen Arbeiten zählen neben anderen: Carmen (1996), Der Nussknacker (1997), Bernardas Haus (1998), Bolero (1998),

Romeo und Julia (1998), Don Quixote (1998), So (2001) und Coppélia (2005). Mit Beginn der Spielzeit 2012/13 ist

Sergej gordienko Ballettdirektor am Mecklenburgischen Staatstheater.


18 BALLETT

milENA BAllHAus NimmT

ABsCHiED voN DER BüHNE

Seit sie denken kann, wollte Milena

Ballhaus Tänzerin werden. doch im

gegensatz zu vielen anderen kleinen

Mädchen, die von einer Karriere als

Ballerina träumen, wusste sie von Anfang

an schon um die Härte des Berufs.

Schließlich waren ihre Eltern Tänzer an

der Komischen Oper Berlin. daher war

ihr immer schon bewusst, dass sich der

Bühnenzauber nur herstellt, indem die

Company körperliche Schwerstarbeit

leistet.

wenn Milena Ballhaus sich heute im

gespräch darüber wundert, wie schnell

die letzten zwanzig Jahre doch vorüber

gegangen sind, staunt man mit ihr.

Aber aus einem anderen grund: denn

augenscheinlich haben diese zwei

Jahrzehnte bei der ungemein jugendlich

wirkenden Tänzerin keine Spuren

hinterlassen. doch dieser Eindruck darf

nicht darüber hinwegtäuschen, dass

manche schmerzhafte verletzung hinter

ihr liegt, die sie sich im Laufe der Zeit

zugezogen hat - sei es beim täglichen

Training, bei der Probenarbeit oder

auch während einer vorstellung. Hat

darüber nicht die Begeisterung, der

Enthusiasmus für den Beruf gelitten? da

ist Milena Ballhaus ganz entschieden:

Nein – antwortet sie – tanzen sei wie

eine droge! von der komme man so

schnell nicht wieder los!

Unterhält man sich mit Milena Ballhaus

über ihre Arbeit am Mecklenburgischen

Staatstheater, dann ist das auch wie

eine kleine Zeitreise. Besonders lebendig

in Erinnerung ist ihr noch der erste

Kammertanzabend mit dem Titel: Lieber

im Regen als in der Traufe. das war in

der Spielzeit 1992/93 und hierfür hatte

der damalige Ballettchef Joachim Ahne

junge Choreographen aus dem 3. Studienjahr

der Ernst-Busch-Schule Berlin

eingeladen: darunter Silvana Schröder,

die nunmehr Ballettchefin in gera ist,

und ihr Bruder Mario Schröder, jetzt

Ballettdirektor und Chefchoreograph

in Leipzig.

Insgesamt hat Milena Ballhaus in

Schwerin vier Ballettdirektionen erlebt:

Nach Joachim Ahne kamen verina g.

Hayes, Stefan Haufe und Jens-Peter

Urbich. Einmal jedoch hat die Tänzerin

Schwerin für zwei Jahre verlassen: 1997

lockte ein Engagement bei Birgit Scherzer,

damals Ballettdirektorin am Staatstheater

Saarbrücken. dort tanzte sie

u.a. in Requiem!, Schwanensee, Ende.

Aus.Faust. Auch im Musicalbereich,

der ihr sehr am Herzen liegt, machte

sie dort interessante Erfahrungen: Sie

erinnert sich mit Begeisterung an die

Zusammenarbeit mit Choreographin

Melissa King im Rahmen der Produktion

Hair. doch 1999 verließ Birgit Scherzer

Saarbrücken, um wieder freischaffend

zu arbeiten und so kehrte Milena Ballhaus

zurück nach Schwerin.

2000 wurde das von Carlos Matos für

das Schweriner Ensemble choreographierte

Stück Dalì Publikumsliebling

beim Internationalen Choreographenwettbewerb

in groningen. Und auch

die Zypern-gastspiele mit auf antiken

Mythen basierenden Stücken der von

Milena Ballhaus sehr geschätzten Choreographin

dominique Efstratiou waren

sehr prägend für sie. die Klytaimnestra

in orestie gehört sogar zu den liebsten

Rollen der Tänzerin.

Milena Ballhaus versichert, dass sie nie

erpicht darauf war, mit aller gewalt

die großen Rollen zu ergattern. Und

sie hat die wahl von Choreographen

in Besetzungsfragen immer respektiert.

Lediglich zwei Mal war sie nicht ganz

so glücklich mit einer Entscheidung, hat

sich aber nichts anmerken lassen. das

war ganz am Anfang, wo sie als junge

Tänzerin mit Mutterrollen betraut worden

war. dass sie selbst schon früh ihr

erstes Kind bekommen hat, wird doch

nicht etwa der grund für die Besetzung

links: Mit Stefan Haufe in „Tango“ von Gabriel

Sala (2003), rechts: Mit Bernd Lanzke bei

einer Gala des Landessportbunds in Teschow

(2006).

Mit Jens-Peter Urbich in „orestie“ (2005).

Choreographie: Dominique Efstratiou.

gewesen sein? Inzwischen hat sie nicht

nur eine erwachsene Tochter, sondern

auch einen 8jährigen Sohn sowie eine

10 Monate alte Tochter. Tänzerin sein

und zugleich Mutter – eine logistische

Meisterleistung.

Für Milena Ballhaus liegt bei aller

wehmut, die für sie der Abschied von

der Bühne mit sich bringt, ein gewisser

Trost darin, dass sie in Zukunft wohl

ein wenig mehr Zeit mit ihrer Familie

verbringen kann. doch das bedeutet

natürlich nicht, dass sie nicht weiterhin

berufstätig bleibt. denn das Leben

„nach dem Theater“ ist für sie zugleich

ein Neuanfang. Alles gute dafür!

KL


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20 MuSIKTHEATER

PREMIERE

DiE

HoCHZEiT

DEs

FiGARo

SCHAUSPIELdIREKTOR PETER dEHLER INSZENIERT

MOZARTS MEISTERKOMÖdIE

Anfang 1783 begegnete Mozart dem Librettisten Lorenzo da Ponte. Auf Mozarts

wunsch verfasst er eine Bearbeitung der französischen Komödie La folle journée

ou Le mariage de Figaro (Der verrückte Tag oder: Die Hochzeit des Figaro) des

französischen dichters Beaumarchais. Mozart witterte in der wahl des Stoffes

einen Riesenerfolg. die Komödie hatte einen großen Leserkreis, war ein verkaufsschlager

und hatte vor allem eines: einen sehr unsittlichen Ruf. Kein wunder also,

dass Mozart sofort deren Opernpotential erkannte und die Zusammenarbeit mit

dem genialen Texter da Ponte forcierte.

Als 1781 Ludwig der XvI. Beaumarchais´ bissige Komödie zu lesen bekam, rang

er um Fassung. „Man müsste die Bastille niederreißen, um sicher zu gehen, dass

ein solch infames Stück die Öffentlichkeit nicht gefährdet“, soll er gesagt haben.

das Risiko einer Aufführung war hoch, die Stimmung längst revolutionär aufgeladen.

Konsequenterweise verbot der Imperator das Stück nach dessen Erscheinen

solang es ging und belegte es mit einem dreijährigen Aufführungsverbot, bevor der

druck der Pariser Öffentlichkeit dessen Freigabe unausweichlich machte und es

endlich 1784 aufgeführt werden konnte. Auch in wien, kurz bevor Mozart und da

Ponte ihren Figaro 1785 bis 1786 schufen, war die „harmloseste aller Komödien“,

wie Beaumarchais seine Komödie den wachsamen Moralaposteln zu verkaufen

suchte, als nicht ganz anständig für ein gesittetes Theaterpublikum empfunden und

kurzerhand verboten worden. Nur: warum eigentlich? Ein Blick auf die Handlung

gibt Erleuchtung: der nicht mehr ganz junge graf Almaviva ist der Liebe zu seiner

Frau überdrüssig und stellt deren dienerin Susanna nach. von Lust getrieben will

er sie am Tage ihrer Hochzeit mit Figaro verführen und jenes feudale Recht der

ersten Nacht (jus primae nocte), dass er selbst erst durch Reformen abgeschafft

hat, äußerst gern noch einmal in Anspruch nehmen. Sein diener Figaro, Ehemann

in spe, wahrt äußerliche gelassenheit und plant eine moralische Abreibung. die


gräfin ist indes ihr Leiden über ihr Leid

leid und ergreift Initiative zur Rettung

ihrer Ehe, indem sie sich mit Figaro und

Susanna im Namen von Liebe und gerechtigkeit

solidarisiert. Am Ende steht

graf Almaviva entblößt vor Frau und

Untertanen: Männlichkeit und gesellschaftliche

Überlegenheit sind zu einer

peinlichen Armseligkeit geschrumpft. So

steht es im Schauspiel bei Beaumarchais

und auch in da Ponte und Mozarts

Oper. das Provokative lag also sowohl

in der gesellschaftspolitischen als auch

der moralischen Tragweite des Stücks,

das auch in einer Politiker- und Managerwelt

von heute nichts an Brisanz

verloren hat. Schauspieldirektor Peter

dehler inszeniert mit Figaros Hochzeit

nach Don Giovanni (2007 – Regie:

Axel Köhler) und Così fan tutte (2011

– Regie: Arturo gama) die dritte Mozart/da

Ponte-Oper am Mecklenburgischen

Staatstheater Schwerin.

KR

t

Musik: w. A. Mozart

Inszenierung: Peter dehler

Musikalische Leitung: daniel Huppert

Bühne und Kostüme: Susanne goder

Choreinstudierung: Ulrich Barthel

Matinee:

21. Oktober 2012, 11.00 uhr,

Konzertfoyer

Mit Regisseur Peter dehler, Bühnenbildnerin

Susanne Richter, generalmusikdirektor

daniel Huppert und Solisten

des Mecklenburgischen Staatstheaters

Schwerin.

Moderation: Katharina Riedeberger

Premiere: 26. Oktober 2012,

Großes Haus

NEu! Künstlergespräch im

Anschluss an die vorstellung

am 1. November 2012

MuSIKTHEATER 21


22 MuSIKTHEATER

PREMIERE

musiKFEiND/

opERNpRoBE

t

Musik: Richard genée/Albert Lortzing

Inszenierung: Anke Rauthmann

Musikalische Leitung: Ewald donhoffer

Bühne und Kostüme: Robert Pflanz

Matinee: 11. November 2012,

11.00 uhr, Konzertfoyer

Mit Regisseurin Anke Rauthmann, Bühnen-

und Kostümbildner Robert Pflanz

und Solisten des Mecklenburgischen

Staatstheaters Schwerin.

Moderation: Katharina Riedeberger

Premiere: 16. November 2012,

Großes Haus

Richard genée ist vielen als Textdichter der Fledermaus bekannt, als Komponist

kennen ihn nur wenige. 1862 machte er in Schwerin Station und brachte hier am

Hoftheater seine Oper Der Musikfeind zur Uraufführung. wie auch Albert Lortzings

1851 uraufgeführte und nahezu in vergessenheit geratene komische Oper Die

opernprobe (die im übrigen den Untertitel Die vornehmen Dilettanten trägt), ist

sie ein ironisch-komödiantischer diskurs auf die welt der Musik. vier Fragen zum

Operndoppelabend an die Regisseurin Anke Rauthmann.

Zwei Geschichten an einem Abend – geht das zusammen?

das geht sogar hervorragend zusammen!

Wer begegnet uns an diesem Doppelabend auf der Bühne?

Im Mittelpunkt steht der Musikfeind Hammer, ein Mann, der Musik zutiefst hasst.

Hinter dieser Maske aus Hass verbirgt sich allerdings eine echte, tiefe Liebe zur

Musik. diese Liebe wird in genées Musikfeind neu entdeckt und wiederbelebt.

Auch in meiner Inszenierung von Lortzings opernprobe, bleibt Hammer die zentrale

gestalt, nur begegnen wir ihm hier in einer anderen welt.

Was für eine Welt ist das?

Eine erträumte welt voll Theatralität und Surrealem. Aber auch eine welt, in der

es ziemlichen druck gibt, nämlich, den druck zu singen und Musik zu machen.

Die verbindung, die Sie als Regisseurin zwischen den beiden Stücken

schaffen, entwickeln Sie also über eine Person?

Ja. Zentrum der Handlung und gleichzeitig zentrales dramaturgisches Element für

beide Inszenierungen ist die Figur des Musikfeindes Hammer. Er wird gezeigt als

Mensch, der radikal denkt, radikal hasst, radikal liebt ... der in jedem Fall nie so

ganz wirklich normal-menschlich ist. Mit Hilfe anderer Personen findet er im ersten

Teil seine Liebe zur Musik wieder und erträumt dann im zweiten gleich eine ganze

Operninszenierung. In meiner Inszenierung lasse ich Hammer gewissermaßen

zwei Extreme durchleben. das erste Stück ist sehr realistisch angelegt und spielt

in einem Tonstudio. Hammer ist dort Radio-Redakteur, der alles Musikalische aus

seinen Sendungen verbannt hat. Im zweiten Teil gibt es die totale Kehrtwende: fast

fanatisch wird hier nichts anderes mehr gemacht und überhaupt nichts anderes

akzeptiert, außer Musik.

Wie wird das Bühnenbild gelöst?

Als starke visuelle Komponente bestimmt im ersten Teil ein Tonstudio das Bühnenbild

und kehrt im zweiten dann abstrahiert und surrealistisch wieder. Eine leere, freie

Bühne versinnbildlicht dort auch Raum für Fantasie und Illusion. vielleicht bleibt

am Ende auch die Frage: was war Traum? was Realität?

AR/KR


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24 KONZERTKALENDER

DIE MEcKLENBuRGIScHE STAATSKAPELLE

ScHWERIN STARTET IN EINE NEuE SPIELZEIT uNTER DEM

AMTIERENDEN GENERALMuSIKDIREKTOR DANIEL HuPPERT

n 1. SINFONIEKONZERT

Richard Strauss

Don Juan

Sinfonische dichtung für großes

Orchester op. 20

dmitri Schostakowitsch

Cellokonzert Nr. 1 Es-dur op. 107

Ludwig van Beethoven

7. Sinfonie A-dur op. 92

violoncello: Claudius Popp

Musikalische Leitung: daniel Huppert

1. Oktober 2012, 18.00 uhr,

Großes Haus

2. Oktober 2012, 19.30 uhr,

Großes Haus

3. Oktober 2012, 19.30 uhr,

Großes Haus

Konzerteinführung jeweils 45 Minuten

vor Konzertbeginn im Konzertfoyer

n 2. SINFONIEKONZERT

Johann Sebastian Bach

Instrumentierung von Anton webern

Fuga-Ricercata a 6 voci aus

Musikalisches opfer Bwv 1097

Olivier Messiaen

L`Ascension (Die Himmelfahrt).

vier sinfonische Meditationen.

Felix Mendelssohn Bartholdy

Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 107,

Reformationssinfonie

Musikalische Leitung: Adrian Prabava

5. November 2012, 18.00 uhr,

Großes Haus

6. November 2012, 19.30 uhr,

Großes Haus

7. November 2012, 19.30 uhr,

Großes Haus

Konzerteinführung jeweils 45 Minuten

vor Konzertbeginn im Konzertfoyer

n 1. JuGENDKONZERT

Musikalische Meditationen

Ausschnitte aus

Felix Mendelssohn Bartholdy

Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 107,

Reformationssinfonie

Johann Sebastian Bach

Instrumentierung von Anton webern

Fuga-Ricercata a 6 voci aus

Musikalisches opfer Bwv 1097

Olivier Messiaen

L`Ascension (Die Himmelfahrt).

vier sinfonische Meditationen

Musikalische Leitung: Adrian Prabava

gast: Pastor volker Mischok, domprediger

am dom zu Schwerin

Moderation: Katharina Riedeberger

Mittwoch, 7. November 2012,

10.00 uhr, Großes Haus

n STuNDE DER MuSIK IM

ScHLESWIG-HOLSTEIN-HAuS

Kammermusik mit der Mecklenburgischen

Staatskapelle

Schwerin

1. Kammerkonzert

Johann Sebastian Bach

Suite g-dur

Paul Hindemith

Konzert für Trompete, Fagott und

Streichorchester, arr. für Klavier u.a.

dörte viandt (Fagott), Bassam Mussad

(Trompete), Paolo Bressan (Klavier)

4. November 2012, 16.00 uhr,

Schleswig-Holstein-Haus

n MOZART uM vIER

WIENER KLASSIK AM

SONNTAGNAcHMITTAG

1. KONZERT

wolfgang Amadeus Mozart

Serenade Es-dur Kv 375

Richard Strauss

Sonatine in F-dur Aus der Werkstatt

eines Invaliden

Musikalische Leitung: walter Hilgers

18. November 2012, 16.00 uhr,

Konzertfoyer


Hans Gál

GASTSPIELE IM

RAHMEN DES

INTERNATIONALEN

FESTIvALS vERFEMTE

MuSIK

n ERöFFNuNGSKONZERT

werke von gál, Hartmann und

Brahms, junge norddeutsche philharmonie

und Solocellist Raphael

wallfisch, Leitung: Kiril Stankow

Dienstag, 25. September,

20.00 uhr · Großes Haus

n „cONTINENTAL BRITAINS“

– KLAvIERABEND uND GE-

SPRÄcH

Auftakt des internationalen Symposiums,

werke von gál, Toch, Hindemith,

Schönberg und Smit, Klavierduo:

Friederike Haufe und volker Ahmels

gespräch: Prof. dr. gerold gruber

und Eva Fox-gál

Donnerstag, 27. September,

20.00 uhr · Konzertfoyer

n MATINéE – 25 JAHRE STÄDTE-

PARTNERScHAFT

werke von gál, Zeisl, Brahms und

Toch, Cappella vokale der Bergischen

Musikschule wuppertal und die

Schweriner Singakademie e.v.

Konzerteinführung 10.00 Uhr im

Flotow-Zimmer

Sonntag, 30. September,

11.00 uhr · Konzertfoyer

KONZERT 25

n INTERNATIONALES FESTIvAL vERFEMTE MuSIK

vOM 25. SEPTEMBER BIS 2. OKTOBER

das internationale Festival verfemte Musik findet vom 25. September bis 2. Oktober

2012 zum siebten Mal statt. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet der Landesverband

Jeunesses Musicales Mv zum Themenkomplex „verfemte Musik“ mit dem Ziel, Musik

von Komponist/innen, die während des Nationalsozialismus verfemt wurden,

ins Konzertrepertoire junger Musiker/innen zu integrieren und sie einer breiten

Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Im Mittelpunkt des Festivals verfemte Musik 2012 steht der österreichische Komponist

und Musikwissenschaftler Hans gál. Am 25. September um 20.00 Uhr wird

im großen Haus das Eröffnungskonzert stattfinden. die junge norddeutsche philharmonie

und der Cellist Raphael wallfisch, der Sohn von Anita Lasker-wallfisch,

werden werke von den Komponisten Hans gál, Karl Amadeus Hartmann und

Johannes Brahms unter der Leitung von Kiril Stankow interpretieren. Zum Auftakt

des internationalen Symposiums „Continental Britains“ wird am 27. September

um 20.00 Uhr der Projektleiter volker Ahmels und seine Frau Friederike Haufe im

Klavierduo mit den serbischen weisen und den drei Marionetten von Hans gál

und werken von Hindemith, Schönberg und Smit zu hören sein. Prof. dr. gerold

gruber von exil.arte und die Tochter des nach England ausgewanderten Hans

gál, Eva Fox-gál werden das gespräch im Konzertfoyer führen. die Schweriner

Singakademie e.v. und die Cappella vokale der Bergischen Musikschule wuppertal

treffen sich anlässlich der 25 jährigen Partnerschaft am 30. September zu

einer Matinée um 11.00 Uhr im Konzertfoyer, um dort werke von Hans gál, Erich

Zeisl, Johannes Brahms und Ernst Toch zu singen. Ein vielfältiges musikalisches

Programm u.a. mit einem Klavierabend mit david goldberger, einem Studenten

Artur Schnabels, dem Preisträgerkonzert des internationalen Interpretationswettbewerbs

oder einem Konzert des Royal College of Music London mit Teilen der

im Lager „Isle of Man“ uraufgeführten Revue what a life, wird in dieser woche

in Schwerin zu erleben sein.

Inhaltlich erweitert wird das Festival in diesem Jahr durch ein themenbezogenes

Filmforum mit dokumentar- und Spielfilmen aus deutschland und Israel u.a. zu den

Lebenswegen von Zeitzeugen des Holocaust im Capitol Schwerin.

Eine erste gesamtaufführung des europaweiten Schultheaterprojektes „ESTHER

– Europäische Strategien zur Holocaust Erinnerung“ wird im Rahmen des Festivals

mit den europäischen Kooperationspartnern stattfinden. Zudem wird das Leben von

Anita Lasker-wallfisch mit Schüler/innen aus verschiedenen deutschen Schulen im

Schleswig-Holstein-Haus szenisch erarbeitet und vorgeführt.

KvdH

t

Kontakt: Festival verfemte Musik

Landesverband Jeunesses Musicales Mecklenburg-vorpommern e.v.

c/o Konservatorium Schwerin, Puschkinstr. 13, 19055 Schwerin

Tel: 0173 6 123 372 oder 0385-555 89 26

e-mail: k.v.d.heide@gmx.de, jemumv@aol.com

Internet: www.verfemtemusik.de


26 EINMALIG

WESPE steckt voller Überraschungen: Der

Rostocker Lukas Grunert präsentierte bei

WESPE sein eigenes Werk „Need no snare,

have a chair“ und wurde mit einen Sonderpreis

ausgezeichnet. Foto: Marc Dorazillo

EiNmAliG

n WESPE SuMMT IN ScHWERIN:

WETTBEWERB FüR DIE BESTEN DER BESTEN BEI „JuGEND MuSIZIERT“

In diesem Jahr ist Schwerin, die Landeshauptstadt von Mecklenburg-vorpommern,

gastgeberin, wenn wESPE zur „Besten Interpretation“ aufruft. Zum Suchen,

Forschen oder (wieder-)Entdecken von Musikwerken waren ausschließlich Preisträgerinnen

und Preisträger des aktuellen Bundeswettbewerbs „Jugend musiziert“

aufgerufen.

Mehr als im Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ geht es bei wESPE darum,

das instrumentale Können in den dienst der Musik zu stellen und sich noch nicht

aufgeführten, weniger bekannten oder besonders schwierig zu interpretierenden

werken zu widmen.

130 von ihnen haben die Einladung angenommen und stellen nun am 7. und 8.

September in Schwerin in sechs Kategorien ihre jeweilige Interpretation selbst

gewählter oder gar selbst komponierter werke vor. Beste Interpretation eines

werks der klassischen Moderne“, „Beste Interpretation eines werks einer Komponistin“,

„Beste Interpretation eines eigenen werks“, „Beste Interpretation eines

für “Jugend musiziert“ komponierten werks“, „Beste Interpretation eines eigenen

werks“ und „Beste Interpretation eines werks der „verfemten Musik“, lauten die

Kategorien. Am 9. September stellen sich die wESPE-Preisträger im Mecklenburgischen

Staatstheater im Rahmen eines Abschlusskonzertes vor. Repräsentanten

der preisstiftenden Institutionen werden dort „ihre“ Preisträger bekannt geben.

Konzertkarten und Infos unter www.jugend-musiziert.org.

Sonntag, 9.September 2012, 11.30 uhr · Großes Haus

n JuSTuS FRANTZ · KLAvIERABEND MIT WERKEN vON MOZART

Justus Frantz gehört zu den bekanntesten Pianisten und dirigenten unserer Zeit.

Bereits 1967, im Alter von 23 Jahren, wurde er bei dem renommierten Internationalen

Musikwettbewerb der ARd mit einem 2. Preis ausgezeichnet. der Schritt in

die internationale Spitzenklasse gelang ihm 1970 mit den Berliner Philharmonikern

unter der Leitung von Herbert von Karajan, sowie wenig später in Amerika mit dem

New york Philharmonic Orchestra unter Leonard Bernstein. den Klavierabend in

Schwerin wird der Pianist gänzlich dem werk wolfgang Amadeus Mozarts widmen.

Mit drei Klaviersonaten – Kv 310 in A-Moll, Kv 331 in A-dur und Kv 332

in F-dur – wird Justus Frantz Mozarts Reise von 1778 nach Paris erläutern. die

drei Sonaten symbolisieren, so Frantz, den Aufbruch des Komponisten zu neuen

Ufern, seinen weg in die Unabhängigkeit, frei von dem diktat des strengen vaters

Leopold Mozart. die kompetente Führung des Pianisten durch das Programm

verspricht dem Publikum ein außergewöhnliches Konzerterlebnis.

Mittwoch, den 12. September 2012, 19.30 uhr · Konzertfoyer


Hanne Luhdo nahm für den Verein Die Platte

lebt e.V. 2010 den ersten Annette-Köppinger-

Preis von Stadtpräsident Stephan Nolte

entgegen. © Rainer Cordes

Ballettschule Tschapek „Schneewittchen“

EINMALIG 27

n FESTAKT ZuR vERLEIHuNG DES KöPPINGER-PREISES AM TAG DER

DEuTScHEN EINHEIT

die Landeshauptstadt lädt die Bürgerinnen und Bürger Schwerins anlässlich des

Tages der deutschen Einheit am 3. Oktober zu einer Festveranstaltung in das

große Haus ein. Beim Festakt wird zum zweiten Mal der Annette-Köppinger-Preis

der Landeshauptstadt verliehen. Mit dem Annette-Köppinger-Preis, benannt nach

der ersten Integrationsbeauftragten der Landeshauptstadt, werden Einzelpersonen

gewürdigt, die sich ehrenamtlich, mit hohem bürgerschaftlichen Engagement und

Zivilcourage für Integration und Menschlichkeit einsetzen. Ausgezeichnet werden

können auch vereine und andere gesellschaftliche Institutionen oder Initiativen

für besondere Leistungen. Musikalisch umrahmt wird die Festveranstaltung vom

Schweriner gospelchor.

Mittwoch, 3. Oktober 2012, 11 uhr · Großes Haus

n TALK IM THEATER

Souffler qc. à qn.[frz.] - jmdm. etw. einflüstern, vorsagen – dies ist die Aufgabe

einer Souffleuse. Am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin ist die gebürtige

Schwerinerin und ausgebildete Schauspielerin Barbara wachholtz dafür verantwortlich.

Nach Engagements an verschiedenen Theatern hat sie sich seit 2003

wieder gut im Norden eingelebt. den geist immer wach zu halten ohne selbst

schöpferisch zu sein und die Kunstpause vom Texthänger zu differenzieren, seien

große Herausforderungen. die Entwicklung in den Probenprozessen zu begleiten

und die Arbeit mit den unterschiedlichsten Charakteren sind eine besondere Freude

für Barbara wachholtz, die ihre Arbeit respektiert, schätzt und mit ihr mit großer

Freude begegnet. Im gespräch mit Karin gustmann erfahren Interessierte mehr

über die Arbeit der Souffleuse am Schweriner Theater.

Sonntag, 7. Oktober 2012, 11.00 uhr · Konzertfoyer

n HERBSTLuNcH DER THEATERFREuNDE

Am 14.10.2012 findet der diesjährige Herbstlunch der Theaterfreunde statt. wir

wollen wieder neu engagierte Künstler/innen oder bekannte gesichter mit neuen

Aufgaben vorstellen und befragen und den einen oder anderen künstlerischen

Leckerbissen genießen dürfen bevor bei Speis und Trank das gespräch fortgeführt

wird. Lassen Sie sich überraschen.

Sonntag, 14. Oktober 2012, 11 uhr · Konzertfoyer

n GASTSPIEL BALLETTScHuLE TScHAPEK

Jedes Jahr vor weihnachten findet im Mecklenburgischen Staatstheater das größte

Event der Ballettschule Tschapek statt. In diesem Jahr wird auf grund der großen

Nachfrage, nach der Premiere im November letzten Jahres, das Märchenballett

„Schneewittchen und die Sieben Zwerge“, am 11.11. 2012, um 11.00 Uhr, wiederholt.

140 kleine und große Tänzer und Tänzerinnen werden wieder in kunterbunten

Kostümen und aufwendigen Bühnenbildern ihr Können zeigen. Karten können, ab

dem 01.Oktober 2012, unter der Telefonnummer 0385/716212 bestellt bzw. am

Tag der veranstaltung käuflich erworben werden.

11. November 2012, 11 uhr · Großes Haus


28 FRITZ-REuTER-BüHNE

PREMIERE

GElD

vERDARwT

DENN‘

CHARAKTER

EIN HERZ AUS gELd

LUSTSPIEL vON RAy COONEy · PLATTdEUTSCH vON MANFREd HINRICHS

geldscheine falten muss nicht besonders

schwer sein. Für ein Herz benötigt man nur

eine entsprechende Anzahl von geldscheinen

nach wahl.

Ausgerechnet an seinem geburtstag verwechselt Henry Pehmöller in der Bahn

seine Aktentasche mit der eines Fremden und ist plötzlich Besitzer von einer Million

Euro! Ein Fund, der in dem sonst so braven Bürger kriminelle Energien weckt: Henry

eilt nach Hause, um sich schnurstracks mit geld und Ehefrau Anne ins Ausland

abzusetzen! die allerdings ist von der Idee absolut nicht begeistert. Aber Henry

lässt nicht locker, und das Taxi ist schnell bestellt. doch die Flucht gestaltet sich

schwieriger als gedacht: Henrys geburtstagsgäste erscheinen und werden nun

von den Ereignissen überrollt, zwei Polizisten sorgen für erstaunliche wendungen,

und nicht nur der Taxifahrer verliert allmählich den Überblick. Als dann noch der

ursprüngliche Besitzer des geldes tot aus dem wasser gezogen und anhand der

Papiere in seinem Aktenkoffer als Henry Pehmöller identifiziert wird, liegen die

Nerven endgültig blank. Ein turbulentes Lustspiel mit ungeahntem Ausgang. MB

t

Regie: Rolf Petersen, Bühnenbild: Malte Marks, Kostüme: giselher Pilz

Mit: Beate Prahl, Elfie Schrodt, Arja Sharma; Andreas Auer, Jonathan Prösler,

Christoph Reiche, Jens Tramsen, Bernhard A. wessels

Premiere: Dienstag, 30.10.2012, 19.30 uhr · Großes Haus

die linke untere Ecke zur gegenüberliegenden falten, so dass eine diagonale Faltlinie entsteht. Als nächstes den geldschein so knicken, dass die

untere senkrechte Faltlinie auf der oberen diagonalen liegt.

die äußere linke Ecke zur rechten äußeren umlegen, so dass die mittleren Ecken automatisch übereinander liegen. dann werden

die oberen Ecken nach hinten geknickt, genau wie die beiden seitlichen, damit das Herz runder wird. Fertig!


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30 THEATERPÄDAGOGIK

DER sCHAuspiElER

BERNHARD mEiNDl im GEspRäCH

Ab Herbst 2012 tourt Bernhard Meindl mit dem Stück Bis ans Limit durch die Schweriner Schulen.

Darin spielt er den 16-jährigen, alkoholabhängigen Florian, dem durch die Sucht beinahe sein Leben

entgleitet.

Bernhard, ich weiß, dass du der

Produktion entgegenfieberst.

Worauf freust du dich denn ganz

besonders?

da ist zum einen die Herausforderung,

alleine zu spielen, weil man da jeden

Moment selbst in der Hand hat. Und

je mehr Zeit und Text du dafür hast,

desto genauer kannst du so eine Figur

zeichnen und zeigen: was ist das für

ein Mensch, dieser Florian.

wie man sich als Jugendlicher gefühlt

hat, das ist für mich tatsächlich alles noch

sehr abrufbar, noch relativ nah. Ich bin

auch in einem Alter, in dem man noch

gut einen 16-jährigen spielen kann. Mit

meinen 28 Jahren falle ich ja quasi noch

in den „Rest-jugendlich-Bereich“; da ist

es für die Schüler nicht völlig abwegig,

dass der Typ, der da vorne spielt, vor

kurzem noch ähnlich empfunden hat,

wie sie selbst. Ich denke, es ist möglich,

dass etwas von dem, was sie bewegt,

durch meine Person erfahrbar wird.

Findest du, dass das Stück Ge-

fühlswelten junger Menschen

lebensnah beschreibt?

Zum einen wird deutlich, wie man gewissen

dingen ausgesetzt ist, denen man

sich nur schwer entziehen kann. das

betrifft die körperliche veränderung,

aber auch Zwänge von außen, die

jeder unterschiedlich wahrnimmt. was

heißt es, cool zu sein, wie verhalte ich

mich gegenüber den anderen, was sind

werte, die mir persönlich wichtig sind?

gleichzeitig wird aber auch klar, dass

man trotzdem eine verantwortung sich

selbst gegenüber hat, die es wahrzunehmen

gilt. das gefällt mir besonders.

Bisher hast du im Scheinwerferlicht

auf der Bühne gestanden,

in Kostüm und Maske und räumlicher

Distanz zum Publikum.

Im Klassenzimmer erleben dich

die Schüler hautnah und ungeschminkt.

Was bedeutet das für

dich?

darauf freue ich mich und bin schon

sehr gespannt! die sogenannte vierte

Bernhard Meindl als „Matratzenmann“ im Weihnachtsmärchen 2011: „Die einzig wirklich wahre,

wenn auch beinahe unglaubliche Geschichte der Prinzessin auf der Erbse“

wand, die gibt es ja im Klassenzimmer

nicht. Man erzählt denjenigen, die da

vor einem sitzen, etwas ganz direkt.

da sitzt kein Publikum unten und schaut

zwei Schauspielern auf der Bühne zu,

die sich unterhalten, sondern der dialog

findet ganz unmittelbar zwischen dem

Schauspieler und seinen Zuschauern

statt. da muss man sicher sehr konzentriert

sein, sehr wach.

Im Anschluss an jede vorstellung

soll es eine Nachbereitung mit

den Schülern geben. Wie wichtig

ist dir persönlich ein solches

Gespräch?

das ist für mich essentiell wichtig! Es

geht ja darum, dass das Stück in eine

diskussion führt, dass man den Leuten

nicht etwa sagt: „Ihr habt das gesehen

und nun seid ihr andere Menschen“,

sondern das man ihnen zeigt: Ich hab

euch etwas mitgebracht - wie geht es

euch damit? Kennt ihr so jemanden wie

Florian? gibt es gewisse dinge, die ihr

von euch selbst kennt, oder von Freunden?

was kommt euch bekannt vor, was

erscheint euch völlig fremd? Ich will den

Schülern zeigen: Ich bin hier, damit ihr

das auch loswerden könnt.

Ich weiß, dass du sehr gern vor

jugendlichem Publikum spielst.

Was ist daran besonders?

Man merkt, dass da Leute sitzen, die

reagieren, die auch einfach mal Sachen

reingeben. Jugendliche leben eine

Aufführung häufig extremer mit. Bei den

Jugendabo-vorstellungen von Frühlings

Erwachen habe ich eine besonders

konzentrierte, interessierte Atmosphäre

wahrgenommen – das waren tolle

vorstellungen!

Antonia Holle im gespräch

mit Berhard Meindl


ScHüLERSTAMMTIScH N° 3 IM WERK3

In gemütlicher Runde, mit Kerzenschein und Knabberzeug, fand im April der

Schülerstammtisch N° 3 statt. Stefan Hauffe, Regisseur des Musicals Anatevka,

Frauke willimcik, gesangssolistin dieser Produktion sowie Schauspieler Bernhard

Meindl, der in Anatevka als junger Russe das Herz der Jüdin Chava gewinnt, kamen

mit den Jugendlichen ins gespräch über ihre künstlerische Arbeit, die Entstehung

der Produktion Anatevka und andere spannende Theaterthemen. wen es selbst

unwiderstehlich auf die Bühne zieht, der konnte bei der Leiterin des Jugendtheaterclubs

Lucie Teisingerova alles über die Probenarbeit und die aktuelle Produktion

des JTC erfahren.

Aktuelle Termininformationen zum nächsten Schülerstammtisch erhaltet ihr über

Facebook und unseren Jugendnewsletter, der unter service@theater-schwerin.de

mit Angabe des Betreffs „Jugendnewsletter“ bestellt werden kann.

RAuBKATZEN, LIEBESScHWüRE uND BLuMEN IM HAAR –

DAS JuGEND-ABO DER NEuEN SPIELZEIT BIETET EIN TOLLES PRO-

GRAMM, ScHON AB 6 EuRO PRO ABEND!

430 Jugend-Abonnenten, so viele wie noch nie, haben in der vergangenen Spielzeit

mit stimmgewaltigen Bravorufen und tosendem Beifall unser Theater regelrecht zum

Kochen gebracht. Auch in der nächsten Spielzeit können sich alle Inhaber eines

Jugend-Abos auf eine aufregende Kombination aus Oper, Schauspiel, Ballett und

Musical freuen! Im Oktober erlebt ihr, wie Friedrich dürrenmatts welterfolg Der

Besuch der alten Dame seine faszinierende und gespenstische dynamik entfaltet.

Um große gefühle geht es dann in Puccinins Oper Madama Butterfly – ein zu

Herzen gehendes Musikdrama mit hinreißend schönem gesang: gänsehaut garantiert!

Brandaktuelle neue dramatik erwartet euch im E-werk, wenn bei Iwan

wyrypajews Schauspiel Illusionen der Frage nachgespürt wird, ob das, was wir

für die große Liebe halten, womöglich nur eine einzige, große Selbsttäuschung

sein könnte. wie komisch, herrlich schräg und berührend das Märchen Schneewittchen

erzählt werden kann, vermittelt der Ballettabend blutrot.schneeweiß.

rabenschwarz. den Abschluss der Saison bildet das Love-Rock-Musical Hair, mit

dem ihr euch schon mal in Ferienlaune bringen könnt: „wirf den Stress ab, du bist

reif / für dein eignes Hippie-Life.“ Unser Jugendabonnement ist eine echte Alternative

zum Kino: Fünf Mal Theater gibt es schon ab 30 Euro, und für nur 38 Euro

sitzt ihr sogar auf den besten Plätzen! das Jugend-Abo muss nicht zwingend über

den deutschlehrer in der Schule gebucht werden – ihr könnt das Angebot auch

alleine nutzen oder mit euren Freunden gemeinsam im Kulturgenuss schwelgen.

Anmeldeschluss ist der 1. Oktober 2012. Weitere Informationen erhaltet

ihr telefonisch unter 0385 5300 125 oder per E-Mail unter angelika.

fritsch@theater-schwerin.de. AH

THEATERPÄDAGOGIK 31

1. JuGENDKONZERT

Musikalische Meditationen

Ausschnitte aus

Felix Mendelssohn Bartholdy

Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 107,

Reformationssinfonie

Johann Sebastian Bach

Instrumentierung von Anton webern

Fuga-Ricercata a 6 voci aus

Musikalisches opfer Bwv 1097

Olivier Messiaen

L`Ascension (Die Himmelfahrt).

vier sinfonische Meditationen

Musikalische Leitung: Adrian Prabava

gast: Pastor volker Mischok,

domprediger am dom zu Schwerin

Moderation: Katharina Riedeberger

Chill-out vom Feinsten! Im 1. Jugendkonzert,

das dieses Mal den Namen

Musikalische Meditationen trägt,

werden spirituelle Musiken aus drei

Jahrhunderten vorgestellt. die Mecklenburgische

Staatskapelle Schwerin

interpretiert unter der Leitung des in

Jakarta/Indonesien geborenen Adrian

Prabava Ausschnitte aus der Reformationssinfonie

von Felix Mendelssohn-

Bartholdy, dem Musikalischen

Opfer von Johann Sebastian Bach

(instrumentiert von Anton webern) und

den Vier sinfonischen Meditationen

von Olivier Messiaen. Pastor volker

Mischok, domprediger des Schweriner

doms und dramaturgin Katharina Riedeberger

freuen sich auf Ihre gäste und

eine musikalische Erlebnistour, mal zum

Chillen, mal zum Schweben.

Mittwoch, 7. November 2012,

10.00 uhr, Großes Haus

Pastor Volker Mischok


32 PuPPENTHEATER

PREMIERE

t

Das tapfere Schneiderlein

Frei nach dem Märchen

der Brüder grimm

Text, Inszenierung, Puppen, Ausstattung

und Spiel: Antje Binder

Für Kinder von 4 bis 10 Jahren

Premiere: 4. November 2012

Puppentheater im E-Werk

NEuEs spiEl,

NEuEs GlüCK

In diesem Herbst will die Landesregierung über die zukünftige Theater- und Orchesterstruktur

in Mv und damit auch über die Zukunft des Schweriner Puppentheaters

entscheiden. In seinem Antwortschreiben an eine Unterstützerin des Puppentheaters

aus dem Süden deutschlands schrieb Kulturminister Mathias Brodkorb, dass es

auch ihm ein großes Anliegen sei, weiterhin ein kreatives und qualifiziertes Angebot

für Kinder und Jugendliche anzubieten, weil damit einerseits das kreative Potential

der jüngsten generation geweckt und andererseits möglicherweise das zukünftige

Publikum für die Theater und Orchester gewonnen wird. (Brief liegt der Redaktion

vor). doch das ist es nicht allein. Theater und Puppentheater fördern nicht nur die

Kreativität, sondern auch Sprache und Bildung, im besten Falle die kulturelle und

politische. dass Puppentheater dies auch wirklich leistet, wollen wir in der kommenden

Spielzeit erneut beweisen. das Märchen Das tapfere Schneiderlein,

welches am 4. November Premiere haben wird, ist ein gutes Beispiel dafür.

wer kennt es nicht, das schlaue Kerlchen, das durch Klugheit und List Riesen, Einhorn

und wildschwein bezwingt und am Ende sogar die Prinzessin heiraten darf?

Heutzutage nicht mehr jedes Kind. Zu Martin Luthers und Hans Sachs’ Zeiten waren

die später von den Brüdern grimm gesammelten volksmärchen 250 Jahre vor ihrer

Niederschrift noch Bestandteil einer lebendigen mündlichen Erzähltradition. Märchen

gehören jedoch zum Bildungskanon unserer abendländischen Kultur, weil wir

Abendländer uns bewusst und unbewusst immer wieder darauf beziehen. deshalb

sind Märchen ein wichtiger Bestandteil unseres Spielplans, sie an die nächsten

generationen weiterzugeben ist ein Anliegen, das uns sehr am Herzen liegt.

Auch wenn dies nicht sofort offensichtlich ist – Das tapfere Schneiderlein ist

ein schönes Beispiel dafür, wie ganz nebenbei Theater und Puppentheater auch

eine politische dimension haben können.

die Nazis in ihrem germanischen Mythenwahn liebten zwar die grimm‘schen

Märchen im Allgemeinen, aber gerade das vom tapferen Schneiderlein ganz

und gar nicht. So fand der wehrmachtsoffizier und Ideologe georg Schott: „der

Knirps ist ein ganz abgefeimter Bursche“ und habe „etwas von einem Juden an

sich“. die Riesen, die der gerissene Handwerker gegeneinander aufhetzt, seien

in wirklichkeit „deutsche Riesen“, „Prachtkerle, mit ihren unheimlichen Kräften“,

und er klagte: „Aber alles umsonst, ein elender wicht, der seinen Schabernack

mit ihnen treibt, wird ihrer Herr… das alles ist echt jüdisch ... Man denke nur an

die aufdringliche Reklame ‚Siebene auf einen Streich‘.“ (Quelle: „der Spiegel“

47/1967). Uns ist es daher eine große Freude, gerade dieses Märchen auf die

Bühne zu bringen.

Puppentheater fördert wie jedes gute sprachliche vorbild schon durch die Aufführungen

an sich die sprachliche Entwicklung der Heranwachsenden. durch

seine Eigenart, die Kinder zum Mitmachen und Mitsprechen zu animieren, tut

das in einem besonderen Maße. Puppentheater fördert die Phantasie, wie jede

Theatervorstellung. Bei uns wird besonders die Phantasie der Kinder gefördert,

mit kindgerechten Mitteln bringen wir ihre welt auf die Bühne. Im Puppentheater

dürfen sich die Kinder – selbstverständlich die Erwachsenen ebenso – aber auch

einfach mal in nie gesehene welten voller wunder entführen lassen. wo aus einem

Schneider ein König werden kann, weil er geschickt die Fliegenklatsche auf ein

Pflaumenmusbrot sausen lässt. Auch das ist wichtig. KF


PREMIERE

Klaus Bieligk

t

Leitung: Peter dehler

Mitarbeit Text, Inszenierung:

Antje Binder, Klaus Bieligk

Ausstattung, Puppen: Antje Binder

Spiel: Antje Binder, Klaus Bieligk

Für Kinder ab 8 Jahren und

Erwachsene

Premiere: Sonntag,

23. September 2012

Puppentheater im E-Werk

Die Rote Klasse der Montessori-Schule

Schwerin belegte den 1. Platz

Über den 2. Platz konnten sich die

12 Schüler der Nils-Stensen-Schule freuen

PuPPENTHEATER 33

FRAu ANTJE uND

HERR KLAuS SPIELEN:

SherLoCk hoLmeS

uND Dr. WatSoN

In dieser gemeinschaftsproduktion des Puppentheaters mit dem Schauspiel arbeiten

unter der Leitung von Schauspieldirektor Peter dehler die Puppenspielerin Antje

Binder und Klaus Bieligk zusammen. der erfahrene Schauspieler ging noch einmal

in die Lehre und hat sich von Frau Binder in die grundlagen des Puppenspiels

einweisen lassen. denn Sherlock Holmes und dr. watson, der Hund von Baskerville

und James Moriarty, Sherlock Holmes‘ Erzfeind, werden diesmal als Puppen ihr

Publikum in Atem halten. Schattenspiel, Handpuppen, Flachfiguren – Antje Binder

und Klaus Bieligk nutzen die gesamte vielfalt des genres Figurentheater für diese

nicht alltägliche Inszenierung. die humorvolle Parodie auf die spannendsten

Kriminalfälle des berühmten detektivpaares nähert sich ihren Protagonisten mit

einer liebevollen Perspektive und verspricht beste Unterhaltung für Erwachsene

und Kinder ab 8 Jahren.

NAcHLESE PuPPENTHEATERWETTBEWERB

uND FERIENPROGRAMM

Beim diesjährigen Puppentheaterwettbewerb belegte die Rote Klasse der

Montessori-Schule Schwerin den ersten Platz mit ihrer beeindruckenden Puppentheaterversion

des Romans Die Konferenz der Tiere von Erich Kästner. die Kinder

überzeugten das Publikum im ausverkauften Puppentheater durch die liebevoll und

vielfältig gestalteten Puppen, ihre Konzentration und Spielfreude sowie ihr sehr

gutes Sprechen. Über den 2. Platz freuten sich die Schüler des Puppentheaterprojektes

von Franziska Just-wünsch an der Nils-Stensen-Schule Schwerin. Mit ihrem

selbst erdachten Episodenstück Wo, zur Hexe, ist die Sonne?, ihren phantasievollen

Puppen und dem originellen Bühnenbild trafen sie den geschmack und die Lachmuskeln

der gleichaltrigen Zuschauer. den 3. Platz errang das Marionettenteam

mit einem ebenfalls selbst ausgedachten Stück, zu dem sogar Livemusik geboten

wurde. Bei der von Eltern, großeltern und Freunden bejubelten Aufführung der drei

gewinnerstücke am 10. Juni waren insgesamt 40 Kinder beteiligt. wir möchten

uns noch einmal ausdrücklich bei den drei grundschülerinnen des Pädagogiums

Schwerin bedanken, die engagiert ihre Funktion als Jurymitglieder wahrnahmen,

außerdem bei der direktion und Lehrerschaft, die diese Teilnahme ermöglichten.

Zur Jury gehörten außerdem die Schauspielpraktikantin Johanna sowie Puppenspielerin

Antje Binder und dramaturgin Katja Frick.

Auch das Ferienprogramm Puppensommer in der Schelfstadt, das vom 7. bis

31. Juli im gartenhof des Konservatoriums Schwerin stattfand, war ein großer

Erfolg. die zahlreichen positiven, oft sogar begeisterten Reaktionen seitens der

großen und kleinen Zuschauer bestätigen dieses Konzept. durch die über 1200

Besucher und dank des Sponsors Nawrockialpin konnte sogar ein kleines Plus

erwirtschaftet werden. der Puppensommer in der Schelfstadt wird auch 2013

stattfinden, dann wird es zum Auftakt auch wieder das beliebte Puppenspielfest

Puppen im Park geben.


34 THEATERFREuNDE

CoNRAD-EKHoF-pREis

Liebe Brit claudia Dehler,

meine sehr verehrten Damen

und Herren,

es gibt ihn wirklich, den vielzitierten und

auch oft glossierten drang zur Bühne,

zur Kunst.

Und es gibt Menschen, bei denen es

unendlich schade wäre, wenn sie ihm

nicht nachgeben würden, so schade,

dass es gewissermaßen dem Plan der

Schöpfung widerspräche.

Brit Claudia dehler gehört zu diesen

Menschen, und sie hat diesen drang

schon früh verspürt, und sie hat ihm

nicht nur nachgegeben, sondern ihn

zum Lebensinhalt gemacht und in die ihr

gemäßen Bahnen gebracht - in musikalische,

darstellerische, tänzerische.

daraus ist eine Bereicherung, ein glück

für viele geworden, und wir wollen sie,

im Sinne dieser vielen, heute dafür ehren

und auszeichnen.

Schon früh hat man ihr großes Talent

erkannt, schon während ihres Studiums

in Köln spielte sie prägnante Rollen,

ebenso während ihres ersten Engagements

in Münster.

Als Straßengöre im Kleinen Horrorladen

begann sie in Schwerin.

Es erscheint einem jetzt fast wie ein

schneller Anlauf für die zahlreichen

großen Rollen, die folgten:

• die Emma Pinneberg in Kleiner Mann,

was nun?,

• Ophelia im „Hamlet“,

• die Titelrolle in Die heilige Johanna

der Schlachthöfe,

• das gretchen in Peter dehlers Faust-

Bearbeitung.

Und natürlich die Rolle, über die noch

näher zu reden sein wird.

wenn man Brit Claudia dehler auf der

Bühne sieht, denkt man nicht nur über

die Figur nach, die sie verkörpert, man

sieht auch eine junge Frau, deren jugendlicher

Habitus, deren unversteckte

Emotionalität allein schon eine Reihe

von Reflektionen und Assoziationen

wachrufen, auch persönliche.

Man ist verblüfft, erstaunt, dann begeistert.

Man horcht in sich hinein, kommt ins

Nachdenken und stellt für sich fest, dass

es wohl so ist, dass mit zunehmendem

Alter, mit gewonnener Menschenkenntnis

sich auch immer wieder Pessimismus

nach vorn drängen will – fast hoffnungsloses

Erstaunen über dumpfheit,

Oberflächlichkeit, Kaltherzigkeit und

Egoismus.

wenn sich dieser Pessimismus sogar

auf junge Menschen bezieht, ist das

besonders schlimm, und ich muss zugeben,

dass ich nicht immer frei davon

bin. Aber dann sieht man diese Frau auf

der Bühne, der man Leidenschaft und

Kraft anmerkt, die sich selbst bei der

darstellung des Abgründigen mit ihrer

Persönlichkeit in widerspruch dazu

bringt. Und schon beginnen ein paar

Bilder zu bröckeln.

Und wenn man diese Frau dann kennenlernt

- so lebendig, so begeisterungsfähig,

so offen für die welt mit all

ihren Sinnen, fröhlich und traurig, laut

und leise, sanft und temperamentvoll,

spontan und bedächtig, dann wiegt das

hunderte schlechte Erfahrungen auf,

macht Hoffnung und macht froh.

Sie kennenzulernen ist ein besonderes

Erlebnis, denn sie bietet diese Unverwechselbarkeit,

diese ganz eigene Ausstrahlung,

sowohl persönlich wie auf der

Bühne, die sie weit heraushebt aus der

großen Schar der darstellungsbeschäftigten,

die, heute ganz schnell schon

als „Star“ bezeichnet, sich bestenfalls

mit Mittelmaß besonders vor Kameras

präsentieren.

Brit Claudia dehlers wesen, ihre wirkung,

ihre Arbeit lassen sich am besten

mit den vier Begriffen beschreiben, die

Brecht an den Anfang seiner „Kinderhymne“

stellte:

• Anmut und Mühe,

• Leidenschaft und verstand.

das erste wort des Liedtitels stimmt zum

nächsten Eindruck: Man sieht, man spürt

das Kind in ihr – es tobt und springt, es

strahlt einem entgegen, wenn man mit

ihr spricht, und es schaut auch mit den

großen Augen, die noch so viel von

der welt aufnehmen wollen, um immer


wieder Neues zu entdecken.

das ist etwas gutes, etwas Seltenes.

Ein weiser Mann hat mal gesagt: „vermeidet

es, kindisch zu sein, aber strebt

danach, kindlich zu sein bis zu eurem

Tod.“ Und auch bei Schiller heißt es ja:

„wohl dem, der frei und ohne Fehle /

bewahrt die kindlich reine Seele.“

diese zu bewahren, war immer schwer

und ist es heute vielleicht besonders.

Aber wer es schafft, stellt andere Fragen

an‘s Leben als diejenigen, die glauben

erwachsen geworden zu sein und durch

den verlust der Kindheitsgefühle doch

nur älter geworden sind.

Brit Claudia dehler ist eine kluge Frau,

eine wache und sensible Schauspielerin,

die ihre Rollen immer mit Handwerk,

Intelligenz und Seele gleichermaßen

gestalten will.

Sie kann einem alten Theaterratschlag

nicht folgen, der besagt, man solle beim

Betreten des Theaters private gefühle

wie einen nassen Regenschirm beim

Bühnenpförtner abgeben. Eine Rolle,

die sie nicht auch mit ihrem ureigensten

persönlichen Empfinden reflektieren

kann, mag es positiv sein oder negativ,

ist ihre Sache nicht. Nur nüchternen

professionellen Umgang mit einer Figur

mag sie nicht.

Sie mag klare Konzepte für Stück und

Figur, aber sie liebt auch den künstlerischen

Konflikt, die widersprüche und

Brüche in der Arbeit, aus denen dann

ihre eigene Position erwachsen und

produktiv werden kann.

Eine Figur, eine Rolle ist für sie kein eng

umschränkter Kreis, sondern Komprimat

von weite, und sie will immer die weite

kennen, um das Komprimat zu gestalten.

das Sekundäre ist ihr wichtig, ob aus

der Literatur, der geschichte oder den

Lebenserfahrungen anderer.

wenn man sie das erste Mal sieht, macht

sie einen zarten, fast zerbrechlichen Eindruck.

das erweckt Beschützerinstinkte.

Aber spätestens, wenn sie einen richtig

anblitzt, merkt man, wie viel Energie

in ihr steckt, und dass sie es zu Recht

nicht mag, wenn man „Kleine“ zu ihr

sagt. Und im weiteren Kennenlernen

entdeckt man eine Menge Praktisches

und Patentes in ihr und klammert auch

die Möglichkeit des gemeinsamen Pferdestehlens

nicht mehr aus.

Sie ist schon früh musisch interessiert,

geprägt und ausgebildet worden. Musik

hat seit der Kindheit ihr Leben bestimmt,

später hat sich das Schauspiel dann

durchgesetzt.

das Musikinstrument, das sie spielt, zu

erraten, ist nicht ganz einfach. Es ist

das Horn, das waldhorn, und wenn

man nachdenkt, wundert es einen

nicht. Es passt einfach zu ihr. Nicht nur

wegen der großen Herausforderung

bei Spieltechnik und Intonation, sondern

auch wegen seines Klangs - von der

weberschen waldromantik bis zum

Prokofjewschen wolf.

Und ganz viel dazwischen.

Manfred Zelt schrieb über die gestaltung

der Rolle, die bestimmend war für

die heutige Preisverleihung:

„Überlebensgroß offenbart sie jede

Regung der jungen Frau. ... Bedrängnis

- Brit Claudia dehler macht sie unausweichlich

mit intensivem Mienen-Spiel.

Fast ohne gesten spielt sie Terror der

Selbstüberwachung in starren Augen,

Hoffnung auf Liebe in strahlenden. der

Zweifel am Selbstwert zuckt um den

Mund, weinkrampf naht beim Anblick

einer schlanken Frau, Enttäuschung

presst die Lippen, der Ekel nach der

Fressattacke deformiert die Züge.

Und Stimmungswechsel in der Stimme:

sachlich, vibrierend, würgend, ermüdet.

die Namenlose steht völlig nackt, körperlich

wie geistig. Es ist, unterbrochen

THEATERFREuNDE 35

von fiebrigen Ausbrüchen, der leise

Schrei einer Seele.“

wie geht man nach Hause nach so

einer Rolle, so einer darstellung? wie

entspannt man sich, gewinnt wieder

Kraft für das nächste Mal, das die Zuschauer

ebenso berühren, erschüttern,

verstören soll?

Brit Claudia dehler ist die Natur dafür

nötig und wichtig, und sie hat mit

unserer Landschaft ein schönes Stück

Zuhause in ihr gefunden. Hier ist für

sie Ruhe zu finden und Inspiration,

gelegenheit zum Träumen mit offenen

Augen und zum Krafttanken, hier kann

sie körperlich beim Paddeln oder Laufen

aktiv werden.

Sie hat Freude daran, Körper und Seele

etwas zu geben, damit sie beiden auch

wieder etwas abverlangen kann. denn

das tut sie in hohem Maße.

Sie gehört zu den Schauspielern, die

„in dem engen Bretterhaus den ganzen

Kreis der Schöpfung ausschreiten wollen“

– und können!

dafür erhält sie heute den Conrad-Ekhof-Preis!

Herzlichen glückwunsch!

Und für alle, die es immer noch nicht

wissen, sie ist mit Peter dehler weder

verheiratet, noch verschwägert, noch

verwandt!!

Termine Theaterfreunde

• Herbstlunch · 14. Oktober 2012,

Konzertfoyer

• TheaterFreundeTreff,

13. November 2012 · werk3

• Herbstsoiree · 17. November 2012

Crown Plaza


36 KuLTuRScHuTZ + KuNST

In der Sommerpause war ein kurzes verschnaufen

für die vielen Kulturschützer

möglich. Auch wenn es beunruhigend

ist, dass die Münchner Metrum Managementberatung

gmbH in dieser Zeit

am Konzept für die Theaterlandschaft

in Mecklenburg-vorpommern arbeitet.

dazu gab es gespräche u.a. mit den

geschäftsführern und den gewerkschaften.

Allerdings waren einige der

Theatermitarbeiter in den Ferien und

deshalb nicht beteiligt. Hoffen wir,

dass nach den Ferien noch die Zeit

ist, dass die Konzeptentwickler sich

bei den Theaterleuten noch intensiver

informieren und einarbeiten können.

Jetzt ist es aber Zeit dANKE zu sagen.

danke an all die Menschen, die mit uns

mit hoffnungsvollem Herzen, mit viel

Humor und Engagement auf Straßen

und Plätzen, im Landtag und im Inter-

net für den Schutz von gewachsener

kultureller Potenz gekämpft haben. Es ist

uns miteinander gelungen, in einer nur

von Finanzen bestimmten debatte, auch

wieder den wert der kulturellen Arbeit

für die gesellschaft zum Thema zu machen.

deshalb danke auch für all die

Kulturschutzkreuze, die als Plakat oder

Aufkleber, als Aufnäher oder Anstecker

oder gar in einer selbstgebastelten variante

überall in Stadt und Umland als

Zeichen der Unterstützung angebracht

waren. Neu sind kleine edle Pins in der

größe kleiner Münzen, die man am

Jackettrevers anbringen kann, an Blusen

und Hemden, Jacken und Taschen, oder

wo auch immer man möchte. diese Pins

gibt es ab Spielzeitbeginn für einen Euro

im Theaterladen zu kaufen. die ersten

Exemplare gingen schon während der

SCHLOSSFESTSPIELE über den La-

DANKE! [x]

dentisch. danke auch an all die festen

und freien Mitarbeiter des Theaters,

die musiziert und getanzt, gelesen und

gesungen haben, um die kulturellen Leistungen

sichtbar zu machen. Und auch,

damit alle begreifen, was Orchester und

Theater bedeutet, sind auf den Plakaten

und den anderen druckerzeugnissen

des Theaters die Solisten abgebildet,

aber auch die Handwerker in den

werkstätten. So sieht man die darsteller

der Reuterbühne in der Tischlerei, die

Schauspieler im Malsaal, die Sänger

in der Kostümabteilung, die Tänzer

in der Schlosserei. Und überall wird

dafür gearbeitet, dass unser Publikum

gelungene, entspannende und herausfordernde

Abende auf hohem Niveau

erleben kann. Hoffen wir, dass dies

weiter blüht, besser noch: immer wieder

neu erblühen kann. RR

GAlERiE im THEATER

EIN PLATZ FÜR dIE BILdENdE KUNST IM HAUS

vor nunmehr fünf Jahren unterbreitete der generalintendant Joachim Kümmritz dem Schweriner Kunst- und Museumsverein e.v.

seine Idee, künftig im Theater Ausstellungen mit werken von bildenden Künstlern zu zeigen, das stieß im engeren vereinsvorstand

sofort auf begeisterte Zustimmung. Natürlich gab es damals auch Skeptiker, die darin eine unnötige visuelle Ablenkung

vom Theaterbesuch sahen. doch nach nunmehr über zehn erfolgreich präsentierten Ausstellungen sind erste Zweifel beseitigt,

die galerie im Theater ist etabliert und das überraschende Zusammenspiel der Künste stellt für viele Theaterbesucher längst

ein willkommenes zusätzliches Erlebnis dar. die Tatsache, dass bei nahezu allabendlich ausverkauften vorstellungen vielen

Besuchern die Möglichkeit geboten wird, unerwartet gemälden, Zeichnungen, grafiken, Fotografien oder Skulpturen zu begegnen,

ist ein höchst attraktiver kultureller Nebeneffekt. Schon oft haben die Ausstellungen dazu beigetragen, erste Kenntnis

von herausragenden bildkünstlerischen Leistungen der Region und weit darüber hinaus zu vermitteln. das Theater mit seinem

besonderen Ambiente bietet vor allem, was keine galerie und kaum ein Museum vermag, unkompliziert ein großes Publikum

direkt zu erreichen und anzuregen, die vielfalt der Künste neu zu erfahren und zu genießen. Seit Anbeginn ist die galerie im

Theater ein gemeinschaftsunternehmen, es wird konzeptionell betreut vom Schweriner Kunst- und Museumsverein unter der

Leitung von dr. Klaus gollert und der Kunstwissenschaftlerin dr. Hela Baudis, als Kuratorin. Finanzielle Unterstützung leistet die

engagierte gesellschaft der Theaterfreunde unter dem vorsitz von dr. Michael Jungrichter. die Abt. Marketing des Staatstheaters

übernimmt organisatorische Aufgaben und ist aktiv am Ausstellungsaufbau beteiligt, während die Musiker der Mecklenburgischen

Staatskapelle die Eröffnungsveranstaltungen exzellent begleiten. Rückblickend sei an die Künstler der galerie im Theater erinnert.

den Auftakt machte Christine Stäps mit eindrucksvoll gezeichneten Porträtköpfen, es folgten die feinnervigen Aquarelle

von Hartwig Hamer, danach zeigte wolfgang Friedrich seine Bronze- und Terrakotta- Skulpturen und Sabine wentzel ihre

monumentalen Fotografien zum „deutschen wald“. Mit großen magischen Zeichnungen faszinierte Kerstin grimm und betont

sachliche Papiercollagen-Köpfe lieferte Martin Hoffmann. Andreas Homberg stellte Malereien zu Franz Schuberts „winterreise“

vor. Zum besonderen Erlebnis wurde die erneute Präsentation von Joachim Johns Panoramabild zur Französischen Revolution,

das der Kunst- und Museumsverein angekauft und dem Staatlichen Museum Schwerin übereignet hat. Begeisterte Aufnahme

und etliche Käufer fanden gemälde und Lithografien des Berliner Malers Robert Metzkes. gisela Neumanns phantasievolle

Malereien waren in der Spielzeit 2011 zu sehen. Otto Sander-Tischbeins originelle, episodenhafte Kompositionen begleiteten

die 1. Hälfte der neuen Spielzeit. Harald Beckers expressive Landschaftsgemälde werden schon bald zu sehen sein, daher

herzlich willkommen zur nächsten Ausstellungseröffnung am 06. Oktober 2012 um 11 Uhr in der galerie im Theater. HB


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