25.12.2022 Aufrufe

KulturFenster Nr. 06|Dezember 2022

KulturFenster Nr. 06|Dezember 2022

KulturFenster Nr. 06|Dezember 2022

MEHR ANZEIGEN
WENIGER ANZEIGEN

Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!

Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.

BLASMUSIK<br />

CHORWESEN<br />

HEIMATPFLEGE<br />

in Südtirol<br />

<strong>Nr</strong>.6<br />

DEZ.<br />

<strong>2022</strong><br />

Das ist die Heimatmappe für Kinder<br />

Heinrich Schütz – Vater der modernen Musik<br />

Methodische Ansätze im Blasorchester<br />

Poste Italiane SpA – Sped. in a.p. | -70% – NE BOLZANO – 74. Jahrgang – Zweimonatszeitschrift


vorausgeschickt<br />

„Neue Wege in eine gute Zukunft“<br />

Liebe Leserinnen und Leser,<br />

im Namen der Redaktion und der drei federführenden<br />

Verbände wünsche ich allen<br />

ein gesegnetes Weihnachten, ein Fest<br />

der Ruhe und Besinnlichkeit sowie alles<br />

Gute, Gesundheit und Glück für das neue<br />

Jahr 2023. Wir bedanken uns bei den<br />

Autor*innen für die tollen Beiträge, bei<br />

den Leser*innen für die Treue und bei den<br />

Verbandsvorsitzenden für das Vertrauen.<br />

In diesem Sinne wünsche wir eine unterhaltsame,<br />

aber auch informative Lektüre<br />

und einen aufschlussreichen Blick durch<br />

unser „<strong>KulturFenster</strong>“.<br />

Stephan Niederegger<br />

Wenn nichts mehr ist, wie es war, nichts<br />

mehr ist, wie du es dir wünschst, dann ist<br />

es Zeit, neue Wege in die Zukunft zu gehen.<br />

Krieg in Europa, die Klimakrise, Ressourcenknappheit,<br />

Auseinanderdriften der Gesellschaft<br />

usw.: Wie viele Hiobsbotschaften<br />

haben wir auch heuer wieder gehört!<br />

Wir dürfen aber trotz allem die Hoffnung<br />

auf eine bessere Welt nicht aufgeben,<br />

denn vieles liegt auch in unserer Hand.<br />

WIR sind die Veränderung, die wir oft von<br />

den anderen erwarten. Der gesellschaftliche<br />

Weg geht über Kooperation, Respekt, Verantwortung.<br />

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete<br />

Weihnachtszeit und dass Sie den<br />

Mut und die Energie finden, neue Wege<br />

zu gehen, die in eine gute Zukunft führen.<br />

Claudia Plaikner<br />

Heimatpflegeverband Südtirol<br />

„Die Zeit verrinnt schneller, als der Atem.<br />

Darum richte dein Bemühen auf das Wesentliche<br />

im Leben.“<br />

Gerade die Pandemie hat uns gezeigt, dass<br />

nichts im Leben selbstverständlich ist. Gott<br />

sei Dank konnten wir diese schlimme Zeit<br />

hinter uns lassen und uns wieder auf die<br />

wunderschöne Tätigkeit des Musizierens<br />

konzentrieren. Die Zeiten versprechen allerdings<br />

vor allem im Bereich des Ehrenamtes<br />

nichts Gutes. Gemeinsam mit der<br />

Politik sind wir diesbezüglich gefordert,<br />

eine gemeinsame Lösung zu finden, damit<br />

das Ehrenamt in Südtirol auch weiterhin<br />

aufblühen kann.<br />

Wir schauen mit Zufriedenheit, Geduld und<br />

Gelassenheit ins neue Jahr und freuen uns<br />

auf das 75-Jahr-Jubiläum unseres Verbandes,<br />

welches wir im kommenden Jahr<br />

2023 unter dem Motto „Blasmusik fasziniert“<br />

feiern werden.<br />

Abschließend bedanke ich mich bei allen<br />

für die wertvolle und unbezahlbare Arbeit<br />

zum Wohle der Allgemeinheit und der Musik<br />

in unserem Lande.<br />

Pepi Ploner<br />

Verband Südtiroler Musikkapellen<br />

Das Chorwesen in unserem Land wird von<br />

tausenden ehrenamtlich Tätigen getragen.<br />

Dieses uneigennützige Engagement<br />

für das Gemeinschaftsleben ist gerade in<br />

Zeiten wie diesen für unsere Gesellschaft<br />

unverzichtbar. Im Namen des Südtiroler<br />

Chorverbandes bedanke ich mich bei euch<br />

allen für die vielfältigen und wertvollen Aktivitäten<br />

im zu Ende gehenden Jahr und<br />

wünsche ein gesegnetes Weihnachtsfest,<br />

sowie alles Gute, Glück und Gottes<br />

Segen für das kommende Jahr. Möge es<br />

viel Freude und Erfolge bei eurem musikalischen<br />

Tun bringen.<br />

Erich Deltedesco<br />

Südtiroler Chorverband<br />

2<br />

<strong>KulturFenster</strong> 06/Dezember <strong>2022</strong>


Inhalt<br />

In dieser Ausgabe<br />

Heimatpflege<br />

Blasmusik<br />

Projekt „Heimatmappe für Kinder“ ...................................... 4<br />

Kinder für Schätze der Heimat sensibilisieren ...................... 7<br />

Das haben wir <strong>2022</strong> erreicht ............................................... 8<br />

Evi Brigl – Verstärkung für den Verband ............................. 10<br />

Letztes Treffen der Sachbearbeiter ..................................... 10<br />

Dinge des Alltags: Immergrünes zu Weihnachten ............. 11<br />

Manifest für mehr Respekt für den alpinen Raum .............. 12<br />

„Gelebtes und Erlebtes“ –<br />

Kultur- und Heimatpflegeverein Völs am Schlern ............... 13<br />

Heimatpflegeverein Branzoll – Bronzol gegründet .............. 14<br />

Heimatpflegeverein Naturns – Plaus blickt zurück ............. 15<br />

Mustergültige Sanierung des Pfarrwidums Naturns ............ 17<br />

Landeskathreintanz beendet Tanzjahr ................................ 18<br />

Im Gedenken an Maria Bertolini ........................................ 20<br />

Chorwesen<br />

Vor 350 Jahren starb Heinrich Schütz ............................... 22<br />

„Occasional Oratorio“ –<br />

Ein einmaliges musikalisches Erlebnis ............................... 25<br />

Methodische Ansätze im Blasorchester ............................. 36<br />

VSM beim Blasmusikverband Tirol zu Gast ........................ 40<br />

8. Südtiroler Dirigenten-Werkstatt mit Björn Bus ................ 41<br />

Pustertaler Bezirksseniorenkapelle zu Gast in Kaltern ........ 42<br />

Fachgruppe „Musik in Bewegung" (MIB)<br />

blickt in die Zukunft .......................................................... 43<br />

Zweite Auflage der Stabführer-Prüfung in Brixen ................ 44<br />

Jugendkapelle Vahrn im Porträt ......................................... 46<br />

Die Villnösser sind Bundessieger! ...................................... 49<br />

Bundeswettbewerb „Musik in kleinen Gruppen“ in Wels .... 50<br />

2. Juventus-Preis für die Bürgerkapelle Gries .................... 52<br />

ÖBV-Ehrung für Hans Finatzer .......................................... 52<br />

Altvordere treffen sich in Südtirol ....................................... 53<br />

Südtirol Filarmonica begeister und bewegt ......................... 54<br />

Kirchweihkonzert in der Wieskirche ................................... 55<br />

Ottmar Leimgruber im Porträt ............................................ 56<br />

Trauer um Jürgen K. Groh ................................................. 57<br />

Kirchenkonzert der Musikkapelle Steinegg ......................... 58<br />

„Orchestra“ – eine Oscar-reife Kino-Komödie ..................... 59<br />

„Franz-Josef-Strauß-Begrüßungsmarsch“ von Sepp Thaler ... 60<br />

kurz notiert – Neues von den Musikkapellen ...................... 61<br />

Fortbildung: Wie man Stimmen zum Klingen bringt! ........... 26<br />

Stellenwert der Sprache im Gesang ................................... 27<br />

Singtag 50+ fand wieder großen Anklang ........................... 27<br />

Sängerwanderung in Mölten .............................................. 28<br />

Aufführung des „Requiems“<br />

von Karl Jenkins im Pustertal ............................................ 29<br />

„Cantare et sonare“ –<br />

Neue Strukturen beim Herbst-Seminar 2023 ..................... 30<br />

Kirchenkonzert in Niederdorf als Dank an Josef Walder ..... 32<br />

Singen und Feiern mit den Ultner Bänkelsängern .............. 33<br />

Mosaic Singers & Players .................................................. 34<br />

Impressum<br />

Mitteilungsblatt<br />

- des Verbandes Südtiroler Musikkapellen<br />

Redaktion: Stephan Niederegger, kulturfenster@vsm.bz.it<br />

- des Südtiroler Chorverbandes<br />

Redaktion: Paul Bertagnolli, info@scv.bz.it<br />

- des Heimatpflegeverbandes Südtirol<br />

Redaktion: Florian Trojer, florian@hpv.bz.it<br />

Anschrift:<br />

Schlernstraße <strong>Nr</strong>. 1 (Waltherhaus), I-39100 Bozen<br />

Tel. +39 0471 976 387 – info@vsm.bz.it<br />

Raiffeisen-Landesbank Bozen<br />

IBAN = IT 60 S 03493 11600 000300011771<br />

SWIFT-BIC = RZSBIT2B<br />

Jahresabonnement = 20,00 Euro<br />

Ermächtigung Landesgericht Bozen <strong>Nr</strong>. 27/1948<br />

presserechtlich verantwortlich: Stephan Niederegger<br />

Druck: Ferrari-Auer, Bozen<br />

Das Blatt erscheint zweimonatlich am 15. Februar, April, Juni, August, Oktober und<br />

Dezember. Redaktionsschluss ist der 15. des jeweiligen Vormonats.<br />

Eingesandte Bilder und Texte verbleiben im Eigentum der Redaktion und werden nicht<br />

zurückerstattet. Die Rechte an Texten und Bildern müssen beim Absender liegen bzw.<br />

genau deklariert sein. Die Verantwortung für die Inhalte des Artikels liegt beim Verfasser.<br />

Die Wahrung der Menschenwürde und die wahrheitsgetreue Information der Öffentlichkeit<br />

sind oberstes Gebot. Der Inhalt der einzelnen Beiträge muss sich nicht mit<br />

der Meinung der Redaktion decken. Nachdruck oder Reproduktion, Vervielfältigung jeder<br />

Art, auch auszugsweise, sind nur mit vorheriger Genehmigung der Redaktion erlaubt.<br />

Sämtliche Formulierungen gelten völlig gleichrangig für Personen beiderlei Geschlechts.<br />

– gefördert von der Kulturabteilung<br />

der Südtiroler Landesregierung<br />

<strong>KulturFenster</strong> 3<br />

06/Dezember <strong>2022</strong>


Schritt für Schritt oder besser Strich für Strich entsteht<br />

die „Heimatmappe“ für die 1. Klassen der Grundschule.<br />

Kathrin Gschleier hat die Texte dazu verfasst, Evi Gasser<br />

fertigt passende Zeichnungen an.<br />

Foto: Evi Gasser<br />

<strong>KulturFenster</strong> 4<br />

06/Dezember <strong>2022</strong>


gestaltet<br />

Projekt „Heimatmappe“<br />

für Kinder<br />

Grundschüler*innen spielerisch für wichtige Themen gewinnen<br />

„Heimat und Jugend“ ist das Jahresthema<br />

<strong>2022</strong> des Heimatpflegeverbandes Südtirol.<br />

Das Gespräch mit jungen Menschen<br />

wurde in diesem Jahr vertieft, Ideen wurden<br />

geschmiedet, und das erste Projekt in<br />

Zusammenarbeit mit den Schulen wurde<br />

ausgearbeitet.<br />

Die Heimatpflege wird oft in eine Ecke gedrängt<br />

– in jene der Rückständigen, der<br />

Verhinderer, der Ewiggestrigen. Insbesondere<br />

junge Menschen wissen mit dem Begriff<br />

Heimat und deshalb auch mit dem<br />

Verband, der sich um die Heimatpflege<br />

kümmert, oft wenig anzufangen. Dabei<br />

verfolgen Heimatpfleger*innen<br />

im Grunde dieselben Ziele wie eine<br />

Fridays-for-Future-Bewegung –<br />

nur dass junge Menschen die Herausforderungen<br />

eher global betrachten,<br />

während sich die Arbeit der<br />

Heimatpfleger*innen weitgehend auf lokale<br />

Gegebenheiten konzentriert. Gerade<br />

in den vergangenen Monaten hat sich aber<br />

im Rahmen des Bündnisses Klimaaktion<br />

Südtirol (Climate Action) gezeigt, wie gut<br />

die verschiedenen Organisationen, so unterschiedlich<br />

sie zusammengesetzt sein<br />

mögen, einander ergänzen.<br />

Dennoch oder gerade deswegen ist es<br />

ein großer Wunsch des Heimatpflegeverbandes,<br />

vermehrt junge Südtiroler*innen<br />

für die eigenen Belange zu gewinnen, sie<br />

zu sensibilisieren – nicht nur für den globalen<br />

Klimaschutz, sondern auch für lokale<br />

Herausforderungen in den Bereichen Natur,<br />

Umwelt, Klima, Landschaft und darüber<br />

hinaus für kulturelle, gesellschaftliche<br />

und sprachliche Belange.<br />

<strong>2022</strong> hat der Heimatpflegeverband „Heimat<br />

und Jugend“ zum Jahresthema erklärt<br />

und sich über mögliche Projekte in diesem<br />

Zusammenhang Gedanken gemacht. Nun<br />

steht ein Projekt kurz vor seiner Fertigstellung:<br />

die Heimatmappe für Schulen.<br />

„Nur was man kennt, kann man<br />

schätzen und schützen.“<br />

HPV-Mitarbeiterin Daniela Donolato<br />

<strong>KulturFenster</strong> 5<br />

06/Dezember <strong>2022</strong>


gestaltet<br />

einige Südtiroler Schulklassen zur Verfügung<br />

gestellt haben. „Es ist wichtig, dass<br />

wir direkt von der Zielgruppe, also von den<br />

Lehrpersonen, eine Rückmeldung erhalten.<br />

Auf dieser Basis wird danach gegebenenfalls<br />

noch am Inhalt gefeilt, bevor<br />

wir die Mappe drucken lassen“, erklärt<br />

Daniela Donolato.<br />

Wie es weitergeht<br />

Die Heimatmappe für alle Grundschulstufen<br />

ist das erste große Ziel, das der Heimatpflegeverband<br />

anpeilt. Es steckt sehr<br />

viel Arbeit hinter dem Projekt, weshalb für<br />

den zweiten Schritt – die Heimatmappe<br />

für die Mittelschule – noch kein Termin<br />

festgelegt ist.<br />

Worum es geht<br />

Schulbücher enthalten zwar jede Menge<br />

Wissen, richten sich aber in der Regel an<br />

Schüler*innen in Deutschland oder anderen<br />

deutschsprachigen Ländern. Vor allem<br />

in den Bereichen, in denen der Heimatpflegeverband<br />

tätig ist, fehlt der Bezug zu Südtirol.<br />

„Diese Lücke wollen wir schließen“,<br />

sagt HPV-Mitarbeiterin Daniela Donolato,<br />

die das Projekt „Heimatmappe“ von Anfang<br />

an betreut und begleitet hat. In vielen Gesprächen<br />

mit Pädagog*innen, mit dem Katholischen<br />

Südtiroler Lehrerbund (KSL) und<br />

der Pädagogischen Abteilung des Landes<br />

wurden zunächst Themen und Methoden<br />

ausgearbeitet, um am Ende die Idee einer<br />

Heimatmappe für Schüler*innen aufzugreifen<br />

und konkret umzusetzen.<br />

Was es ist<br />

Die „Heimatmappe“ ist eine zunächst noch<br />

leere Ringmappe, die an die Erstklässler<br />

in den Grundschulen verteilt werden und<br />

die sich im Laufe der fünf Grundschuljahre<br />

mit Wissen füllen soll. Zahlreiche Arbeitsblätter,<br />

die die Lehrpersonen den Kindern<br />

aushändigen, enthalten jede Menge<br />

Bilder, Rätsel, Spiele, Anregungen und<br />

Übungen. Die Arbeitsblätter sind selbstverständlich<br />

nur eine schriftliche Grundlage.<br />

Den Großteil des Wissens und des<br />

Erfahrungsschatzes holen sich die Kinder<br />

im Rahmen eines möglichst lebendig<br />

gestalteten Unterrichtes. Dafür werden<br />

den Lehrpersonen entsprechende didaktische<br />

Materialien zur Verfügung gestellt.<br />

Für jede Schulstufe gibt es altersgerechte<br />

Themen bzw. Arbeitsblätter und Materialien.<br />

Gestaltet wurden diese von der Autorin<br />

Kathrin Gschleier und der Illustratorin<br />

Evi Gasser, die bereits mit „Mein Südtirol<br />

Buch“ bewiesen haben, dass man jungen<br />

Leser*innen Südtirol auf unterhaltsame<br />

Weise erklären kann.<br />

Was es bezweckt<br />

„Nur was man kennt, kann man schätzen<br />

und schützen.“ Mit diesem Satz beschreibt<br />

HPV-Mitarbeiterin Daniela Donolato<br />

ganz klar das Anliegen des Verbandes.<br />

Er möchte den Kindern und damit den<br />

Entscheidungsträger*innen von morgen<br />

Wissen mit auf den Weg geben, auf dass<br />

sie mit diesem Wissen und mit offenen Augen<br />

und Ohren durch ihre Heimat, durch<br />

Dörfer, Städte und durch die Natur gehen,<br />

diese schätzen und damit auch schützen<br />

lernen. „Kinder sind unheimlich aufnahmefähig“,<br />

weiß die Mutter von zwei Kindern<br />

aus eigener Erfahrung. Sie für wichtige Themen<br />

zu sensibilisieren und zum positiven<br />

Handeln zu motivieren, dazu soll auch das<br />

Projekt „Heimatmappe“ beitragen.<br />

Wann es startet<br />

Das Projekt „Heimatmappe“ ist derzeit im<br />

Aufbau. Die Unterlagen für die 1. Grundschulstufe<br />

sind fast fertiggestellt. Der nächste<br />

Schritt ist eine Probephase, für die sich<br />

Themenvielfalt in der<br />

Heimatmappe<br />

Den Leitfaden des Projektes „Heimatmappe“<br />

bilden Tiergeschichten mit jeweils<br />

einem Tier als Identifikationsfigur. Das Tier<br />

für die 1. Grundschulklasse ist der Bär,<br />

das Leitthema sind die Bräuche im Jahreskreis.<br />

Über die Geschichte der „kleinen<br />

Bärin Ursula“ werden die Kinder in den<br />

Jahreskreis mit den vier Jahreszeiten und<br />

den verschiedenen Bräuchen eingeführt.<br />

„Wir haben darauf geachtet, dass viel Gestaltungsspielraum<br />

für den Zugang zu den<br />

Leitthemen vorhanden ist“, erklärt Daniela<br />

Donolato. So stehen zwar die christlichen<br />

Bräuche von Lichtmess bis Dreikönig im<br />

Mittelpunkt. Doch haben die Kinder auch<br />

die Möglichkeit, andere Bräuche einzubringen,<br />

die sie kennen, beispielsweise jene<br />

aus ihren Herkunftsländern, wenn ihre Familie<br />

nicht aus Südtirol stammt.<br />

Mit jeder Grundschulstufe soll auch der<br />

thematische Anspruch steigen. Der rote<br />

Faden in allen 5 Stufen ist die Landschaft<br />

mit ihren verschiedenen Lebensräumen.<br />

„Naturmaterialien und Kulturtechnik“ lautet<br />

das Leitthema für die 2. Klasse, wobei<br />

u. a. das Handwerk von früher und heute<br />

kennengelernt werden soll. Die „Vielfalt des<br />

Lebens“ steht in der 3. Klasse im Mittelpunkt,<br />

wobei die Artenvielfalt genauso gemeint<br />

ist wie die Vielfalt der Dialekte und<br />

Sprachen. In der 4. Klasse geht es um<br />

„Kreisläufe in Natur und Kulturlandschaften“,<br />

während „Umwelt und Klima“, auch<br />

in Verbindung mit regionalen und saisonalen<br />

Kreisläufen, in der 5. Grundschulstufe<br />

zum Leitthema gewählt wurden.<br />

<strong>KulturFenster</strong> 6<br />

06/Dezember <strong>2022</strong>


Heimatpflege<br />

Kinder für Schätze<br />

der Heimat sensibilisieren<br />

Autorin Kathrin Gschleier im Gespräch<br />

Kathrin Gschleier ist die Autorin der „Heimatmappe“.<br />

Die Kommunikationswissenschaftlerin<br />

hat sich bereits im Zuge des<br />

Buchprojektes „Mein Südtirol Buch“ damit<br />

beschäftigt, das Land Südtirol mit seiner<br />

Geschichte, Kultur und Natur, Freizeit<br />

und Brauchtum kindgerecht zu erklären.<br />

Der Heimatpflegeverband ist deshalb mit<br />

seinem Projekt „Heimatmappe“ an sie herangetreten<br />

– und sie hat zugesagt.<br />

<strong>KulturFenster</strong>: Kindern ihre Heimat näherbringen,<br />

sie sensibel für deren Schätze<br />

machen – wie sind Sie an diese Aufgabe<br />

herangegangen?<br />

Kathrin Gschleier: Grundsätzlich geht<br />

es bei der Wissensvermittlung immer<br />

darum, in den Kindern Neugier<br />

zu wecken, Lust auf mehr zu<br />

machen. Das funktioniert am besten<br />

in Form von Geschichten.<br />

Deshalb erzählen wir zunächst<br />

eine Geschichte – im Fall der Heimatmappe<br />

jeweils mit einem Tier<br />

als Protagonisten. Anhand des Lebens<br />

und des Lebensraumes dieser Tiere<br />

tauchen die Kinder dann in die verschiedenen<br />

Themen ein – die auch die Themen<br />

des Heimatpflegeverbandes sind. Die Geschichte<br />

bleibt der rote Faden, an dem die<br />

Kinder ihr Wissen immer wieder anknüpfen<br />

und so auch Sensibilität für die Themen<br />

entwickeln.<br />

KF: Welche waren die größten Herausforderungen<br />

bei der Umsetzung des Projektes<br />

„Heimatmappe“?<br />

Gschleier: Themen, die eher in der Erwachsenenwelt<br />

angesiedelt sind, auf die<br />

Realität der Kinder herunterzubrechen, war<br />

eine der größten Herausforderungen. Der<br />

Heimatpflegeverband beschäftigt sich zudem<br />

mit einem sehr breiten Themenspektrum.<br />

Hier eine<br />

Auswahl zu treffen und zu beurteilen, auf<br />

welcher „Reise“ die Kinder am liebsten<br />

mitkommen, in welches Thema sie sich<br />

also am ehesten hineinknien könnten, war<br />

ebenfalls nicht einfach.<br />

KF: Was ist Heimat für Sie ganz persönlich?<br />

Gschleier: Ich habe als Kind am Ritten gewohnt,<br />

bin später nach Auer, dann nach<br />

Bozen, weiter nach Brixen gezogen und<br />

lebe seit einigen Jahren wieder am Ritten.<br />

Hier, am Ort meiner Kindheit, kenne<br />

ich Menschen, Wege, schöne Plätze – es<br />

ist eine gewisse Verbundenheit und Vertrautheit<br />

da. Ich glaube, das ist Heimat.<br />

Interview: Edith Runer<br />

„Themen, die eher in der Erwachsenenwelt<br />

angesiedelt sind, auf die Realität<br />

der Kinder herunterzubrechen, war eine<br />

der größten Herausforderungen.“<br />

Autorin Kathrin Gschleier<br />

Die Illustratorin<br />

Wissen zeichnerisch zu vermitteln, ist für Evi Gasser nicht nur eine Herausforderung, sondern macht<br />

ihr viel Spaß. Deshalb war die Illustratorin und Grafikerin aus Kastelruth sofort dabei, als es hieß, eine<br />

„Heimatmappe“ zu gestalten. In ständigem Austausch mit Autorin Kathrin Gschleier sorgt Evi Gasser<br />

für die bildliche Auflockerung der Texte, gestaltet aber auch Rätsel und Bastelanleitungen. „Was und wie<br />

ich zeichne, ist abhängig von der Zielgruppe“, erklärt sie. „Die Zeichnungen in der Mappe für die Grundschulstufe<br />

sind deshalb einfach und verständlich.“ Und wie beim Text, so steigt auch bei den Zeichnungen mit dem Alter<br />

der Anspruch.<br />

Evi Gasser hat viel Erfahrung mit der Illustration von Kinderbüchern. Ihre ehrlichsten Kritikerinnen sind ihre Töchter Emma<br />

und Rosa. Bei der Gestaltung der Heimatmappe für die Erstklässler*innen habe sie selbst viel über den Wald und die<br />

Bräuche in Südtirol gelernt, sagt Evi Gasser. Und was würde sie auf ein Blatt Papier zeichnen, wenn der Titel „Heimat“<br />

hieße? „Berge, Seen und Tiere – ich bin ein Naturmensch.“<br />

<strong>KulturFenster</strong> 7<br />

06/Dezember <strong>2022</strong>


informiert & reflektiert<br />

Das haben wir <strong>2022</strong> erreicht<br />

Die Arbeit des Heimatpflegeverbandes trägt kleine und größere Früchte<br />

Der Heimatpflegeverband schaut hin. Er<br />

kritisiert, prangert an, wenn es nötig ist.<br />

Er bringt auch Lösungsvorschläge, setzt<br />

sich für deren Umsetzung ein. Manchmal<br />

werden seine Rufe sogar gehört. In dieser<br />

letzten Ausgabe <strong>2022</strong> des „<strong>KulturFenster</strong>s“<br />

blickt der Verband auf einige Projekte<br />

zurück, die im ablaufenden Jahr als<br />

Erfolg oder zumindest Teilerfolg bewertet<br />

werden können.<br />

Waale als immaterielles<br />

Unesco-Weltkulturerbe<br />

Es ist noch nicht fix, aber die Zeichen stehen<br />

gut, dass die Waale im Obervinschgau<br />

Ende 2023 in die Liste des internationalen<br />

Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen<br />

werden. Der Heimatpflegeverband<br />

hat in Zusammenarbeit mit der Gemeinde<br />

Mals, dem Heimatpflegeverein Mals, der<br />

IDM Südtirol und den Bauern, die täglich<br />

die traditionelle Bewässerung über Waale<br />

betreiben, für die traditionelle Bewässerung<br />

auf der Malser Haide ein Ansuchen<br />

um Aufnahme in die Liste gestellt. Genau<br />

genommen war es eine multinationale Nominierung<br />

mit der Beschreibung „Traditionelle<br />

Bewässerung in Europa: Wissen,<br />

Technik und Organisation“, bei der Südtirol<br />

mit den Waalen dabei ist. Die Unesco<br />

evaluiert derzeit die Kandidatur.<br />

Das „Doktorhaus“ in Laas ist mustergültig saniert worden.<br />

Foto: Franz Fliri<br />

Hallerhof gerettet<br />

Der Hallerhof in Latsch bildet gemeinsam<br />

mit dem an ihn angebauten denkmalgeschützten<br />

Oberhof ein wunderbares<br />

Ensemble. Als die Gemeinde als<br />

Eigentümerin den Hof abbrechen wollte,<br />

um dort Wohnungen zu errichten, protestierte<br />

der Heimatpflegeverband scharf,<br />

zumal die Bausubstanz unter Ensembleschutz<br />

steht. Einige Monate später dann<br />

die gute Nachricht. Das Landesdenkmalamt<br />

und die Gemeinde Latsch haben eine<br />

Einigung zur teilweisen Erhaltung des Hallerhofs<br />

erzielt. Zwar können Wohnungen<br />

gebaut werden, die ortsbildprägende Fassade<br />

bleibt aber erhalten.<br />

Alte Schule unter<br />

Denkmalschutz<br />

Laut einem Beschluss des Gemeindeausschusses<br />

von Sand in Taufers hätte die<br />

alte Volksschule von Ahornach versteigert<br />

werden sollen. Der Heimatpflegeverband<br />

setzte sich gemeinsam mit Bürgern des<br />

Ortes sowie Ex-Senator Hans Berger für<br />

den Erhalt des Gebäudes ein, da es gemeinsam<br />

mit der Kirche, dem Friedhof<br />

und dem Widum samt Bannzone das historische<br />

„Fochina“ (Ahornacher) Dorfensemble<br />

bildet. Da die anderen Elemente<br />

des Ensembles bereits unter Denkmalschutz<br />

stehen, hat die Landesregierung<br />

dann auch die alte Schule unter Denkmalschutz<br />

gestellt.<br />

Doktorhaus saniert<br />

Auch das sogenannte Doktorhaus in Laas<br />

konnte gerettet werden. Das Gebäude aus<br />

der Zeit des Späthistorismus (Anfang 20.<br />

Jh.) hatte einst ein Arztambulatorium, eine<br />

Arztwohnung und zeitweise auch das Gemeindeamt<br />

beherbergt. Als die Gemeinde<br />

– sie ist Eigentümerin – vor einigen Jahren<br />

auszog, fiel die Villa in einen Dornröschenschlaf.<br />

Eine Sanierung wäre aber dringend<br />

notwendig gewesen. Und so setzten sich<br />

mehrere Bürger, aber auch der Heimatpflegeverband<br />

unter der Leitung von Bezirksobmann<br />

Franz Fliri für die Erhaltung<br />

des Doktorhauses ein. Mit Erfolg: Nach<br />

zweijähriger Sanierung erstrahlt der Jugendstilbau<br />

nun wieder in neuem Glanz.<br />

<strong>KulturFenster</strong> 8<br />

06/Dezember <strong>2022</strong>


Heimatpflege<br />

mit großer Lärm- und Staubbelästigung<br />

verbunden ist. Die Konzessionen werden<br />

außerdem für zu lange Zeiträume vergeben.<br />

Die Schottergrube St. Florian muss<br />

nun in zwei Jahren geschlossen und das<br />

Gebiet wieder in den ursprünglichen Zustand<br />

versetzt werden.<br />

Betten: Kein Stopp,<br />

aber Grenze<br />

Hallerhof und Oberhof in Latsch: Das Ensemble ist gerettet.<br />

Schotterabbau: Neuer Plan<br />

Foto: HPV<br />

Einen Teilerfolg gibt es in Sachen Schotterabbau<br />

zu vermelden. Der längst überholte<br />

Landesplan für Gruben, Steinbrüche<br />

und Torfstiche soll nun tatsächlich überarbeitet<br />

werden. Heimatpflegeverband und<br />

Dachverband für Natur und Umweltschutz<br />

hatten beim Land Druck gemacht, die Regelungen<br />

zu ändern. Anlass für die Interventionen<br />

war die Schottergrube St. Florian<br />

bei Laag, für die die Konzession <strong>2022</strong><br />

abgelaufen ist, aber verlängert wurde. Der<br />

HPV ist der Meinung, dass der Abbau von<br />

Schotter und Steinen zwar grundsätzlich<br />

notwendig ist, dennoch aber einen massiven<br />

Eingriff in die Natur- und Kulturlandschaft<br />

darstellt und für Anrainer vielfach<br />

Auch die nunmehr gesetzlich verankerte<br />

Einführung einer Bettenobergrenze im<br />

Rahmen des Landestourismusentwicklungskonzeptes<br />

(LTEK) kann als Teilerfolg<br />

gewertet werden. Die Bestimmungen, die<br />

mehrfach geändert wurden, sind zwar weit<br />

entfernt von einem Bettenstopp, und es<br />

wurden gar einige Ausnahmeregelungen<br />

in den Plan aufgenommen. Dennoch hat<br />

der Druck des Heimatpflegeverbandes,<br />

aber auch anderer Organisationen dazu<br />

geführt, dass es nun zumindest eine Regel<br />

und eben keine „grenzenlose“ Entwicklung<br />

nach oben geben wird.<br />

Klimaneutral bis 2040<br />

Die Waale haben gute Chancen, als immaterialles Unesco-Weltkulturerbe anerkannt zu<br />

werden.<br />

Foto: HPV<br />

Nicht erst bis 2050, wie ursprünglich von<br />

der Landesregierung geplant, sondern bereits<br />

bis 2040 soll Südtirol klimaneutral<br />

werden. Diese Änderung im Klimaplan ist<br />

vor allem den Umweltorganisationen, unter<br />

ihnen dem Heimatpflegeverband, zu<br />

verdanken. Weniger gut sieht es aber mit<br />

der Umsetzung des Planes aus, zumal die<br />

Maßnahmen noch nicht einmal festgelegt<br />

sind. Der HPV befürchtet deshalb, dass<br />

die Ziele nicht erreicht werden und fordert<br />

nach wie vor Pragmatismus, Vernunft,<br />

Wissen und Wollen in Sachen Klimaplan.<br />

Aus der Redaktion<br />

Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Seiten des<br />

Heimatpflegeverbandes senden Sie bitte an: florian@hpv.bz.it<br />

Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie uns unter<br />

folgender Nummer: +39 0471 973 693 (Heimatpflegeverband)<br />

Redaktionsschluss für<br />

die nächste Ausgabe des<br />

„<strong>KulturFenster</strong>s“ ist:<br />

Freitag, 13. Jänner 2023<br />

9<br />

<strong>KulturFenster</strong> 06/Dezember <strong>2022</strong>


informiert & reflektiert<br />

Verstärkung für den Verband<br />

Evi Brigl stellt sich vor<br />

Ich bin Evi Brigl aus Girlan und wohne mit<br />

meiner Familie in St. Pauls. Seit Mitte Oktober<br />

arbeite ich beim Heimatpflegeverband<br />

Südtirol. Ich bin seit bald 20 Jahren<br />

im Projektmanagement und in der Öffentlichkeitsarbeit<br />

tätig – zuletzt für zehn Jahre<br />

beim Alpenverein Südtirol und dann für<br />

den Südtiroler Beratungsring für Obst- und<br />

Weinbau. Zuvor habe ich für einige Zeit die<br />

Galerie im Lanserhaus für die Gemeinde<br />

Eppan geleitet und war in den Gärten von<br />

Schloss Trauttmansdorff beschäftigt.<br />

Die Heimatpflege liegt mir am Herzen: Ich<br />

bin Historikerin und habe mich bereits in<br />

meiner Abschlussarbeit an der Universität<br />

Wien, die auch als Buch erschienen ist,<br />

mit der Umweltbewegung in Südtirol befasst:<br />

Die „Continental-Affäre“ in Brixen entsprang<br />

dem Konflikt zwischen wirtschaftlichen<br />

Interessen und dem Heimat- und<br />

Landschaftsschutz.<br />

Den Heimatpflegeverband sehe ich als<br />

Bewahrer von Natur- und Kulturerbe in<br />

einer wichtigen und wachsenden Rolle.<br />

Durch meine Arbeit und auch privat<br />

möchte ich für den Erhalt unserer Heimat<br />

meinen Beitrag leisten.<br />

Evi Brigl<br />

Evi Brigl verstärkt das Team des Heimatpflegeverbandes<br />

Südtirol. Foto: Armin Huber<br />

Letztes Treffen der Sachbearbeiter<br />

Abschiedsfeier auf der Burg Hocheppan – Dank für Engagement<br />

Zum letzten Mal trafen sich im Herbst <strong>2022</strong><br />

die Sachbearbeiter des Heimatpflegeverbandes<br />

zu ihrer Tagung. Sie haben ihre<br />

Aufgabe nun beendet.<br />

Wie im „<strong>KulturFenster</strong>“ bereits berichtet,<br />

hat der Heimatpflegeverband Ende 2020<br />

die Abwicklung der Ansuchen um Beiträge<br />

für Landschaftspflege aufgrund von<br />

mangelnder Wertschätzung und zunehmender<br />

Bürokratisierung an das Landesamt<br />

für Landschaftsschutz abgegeben.<br />

<strong>2022</strong> sind die letzten Gesuche im Verband<br />

behandelt worden. Damit endet nun auch<br />

die Ära der Sachbearbeiter, die über viele<br />

Jahre als Ehrenamtliche wertvolle Arbeit im<br />

Sinne der Erhaltung von Kleindenkmälern<br />

geleistet haben.<br />

Die traditionelle Tagung der Sachbearbeiter<br />

wurde deshalb in diesem Jahr zu einer<br />

Abschiedsfeier, für die man sich einen sehr<br />

beeindruckenden Platz ausgesucht hatte.<br />

Nach einer Stärkung im Schloss Korb mit<br />

wunderbarem Blick über das Etschtal wanderte<br />

die Gruppe von Perdonig zur Burg<br />

Hocheppan. Im Rahmen einer Führung<br />

besichtigten die Heimatpfleger*innen die<br />

Burgkapelle, die sogenannte „sixtinische<br />

Kapelle der Alpen“, die sowohl mit ihrer<br />

Architektur als auch durch ihre Fresken<br />

besticht.<br />

Beim gemeinsamen Essen in der Burgschenke<br />

gab es dann noch einmal Gelegenheit,<br />

Erinnerungen auszutauschen,<br />

und Obfrau Claudia Plaikner dankte den<br />

Sachbearbeitern herzlich für ihre ehrenamtliche<br />

Arbeit, auf die der Heimatpflegeverband<br />

mit Genugtuung und Dankbarkeit<br />

zurückblickt.<br />

Mit dem Treffen auf der Burg Hocheppan endete die Ära der Sachbearbeiter im HPV.<br />

Foto: HPV<br />

<strong>KulturFenster</strong> 10<br />

06/Dezember <strong>2022</strong>


Heimatpflege<br />

Immergrünes<br />

zu Weihnachten<br />

Die blühende Christrose ist als Symbol eng mit Weihnachten verbunden.<br />

Immergrüne Zweige und Pflanzen, die wir<br />

mit der Advents- und Weihnachtszeit verbinden,<br />

schmücken im Winter unsere Wohnräume.<br />

So etwa der Weihnachtsstern oder<br />

der Weihnachtskaktus. Sie werden eigens<br />

für die Winterzeit gezüchtet.<br />

Ihre ursprüngliche Heimat liegt in Mexiko<br />

und Brasilien. Eine Blume aus dem Alpenraum,<br />

die eng mit dem Fest der Geburt Christi<br />

verbunden wird und auch in freier Natur<br />

wächst, ist die Christrose. Zu ihrem Entstehen<br />

gibt es eine weihnachtliche Sage, die<br />

Foto: Pixabay<br />

früher gerne erzählt wurde. So soll ein Hirte,<br />

der sich auf den Weg zum Kind nach Betlehem<br />

aufgemacht hatte, sehr traurig gewesen<br />

sein, weil er mit leeren Händen, ohne<br />

Geschenk, dastand. Er weinte, und aus seinen<br />

Tränen, die zu Boden fielen, erblühte<br />

eine kleine, weiße Rose, die er pflückte und<br />

dem Christkind mitbrachte.<br />

Im 19. Jahrhundert erreichte uns aus England<br />

der Brauch, Mistelzweige aufzuhängen.<br />

Grüne Zweige, die mitten im Geäst hoher<br />

Bäume wuchsen und dann noch im Winter<br />

Beeren hervorbrachten, übten eine besondere<br />

Faszination auf die Menschen aus. In<br />

nordischen Ländern wurde die Mistel zum<br />

Symbol für den Frieden.<br />

Nicht wegzudenken aus der Advents- und<br />

Weihnachtszeit sind die grünen Zweige von<br />

Tannen und Fichten. Sie bringen einen guten<br />

Duft ins Haus, werden für den Adventskranz<br />

gebraucht und schmücken in Form<br />

von Gestecken und Kränzen Haustüren,<br />

Gräber und Fensterbretter. Und das nicht<br />

erst, seit der Christbaum zum wichtigsten<br />

grünen Symbol für die Weihnacht geworden<br />

ist. Doch nicht nur grüne Zweige, auch<br />

Ruten sind Teil von Winterbräuchen. So<br />

gab es immer die Hoffnung, dass die Barbarazweige<br />

zu Weihnachten erblühen, und<br />

Ruten wurden nicht nur am Krampustag,<br />

sondern auch am Unschuldigen-Kinder-<br />

Tag, dem 28. Dezember, verwendet, weil<br />

die Kinder damit den Erwachsenen Glück<br />

und Gesundheit wünschten.<br />

Im Blickpunkt der Advents- und Weihnachtsbräuche<br />

standen Pflanzen, die entweder<br />

immergrün waren, im Winter Früchte<br />

trugen oder sogar blühten.<br />

Barbara M. Stocker<br />

Mit Zweigen das Haus schmücken: Kinderbuch aus den 1960er-Jahren.<br />

Glückwunschkarte zu Neujahr, 1920er-Jahre.<br />

11<br />

<strong>KulturFenster</strong> 06/Dezember <strong>2022</strong>


informiert & reflektiert<br />

MANIFEST<br />

für mehr Respekt für den alpinen Raum<br />

Der Heimatpflegeverband Südtirol hat gemeinsam<br />

mit dem Dachverband für Naturund<br />

Umweltschutz, dem Alpenverein Südtirol<br />

und dem Club Alpino Italiano (CAI) Alto<br />

Adige ein „Manifest für mehr Respekt für<br />

den alpinen Raum“ erstellt. Es wird auch<br />

vom Deutschen und vom Österreichischen<br />

Alpenverein unterstützt.<br />

» Der alpine Raum<br />

ist wertvoll.<br />

In den Berggebieten der Alpenländer leben<br />

und wirtschaften viele Menschen. Gleichzeitig<br />

besuchen jedes Jahr Millionen Erholungssuchende<br />

den alpinen Raum, um<br />

für den Alltag Kraft zu tanken. Die herausragende,<br />

durch die Arbeit des Menschen<br />

über Jahrhunderte geprägte kleinstrukturierte<br />

Kulturlandschaft bildet zusammen<br />

mit einigen der letzten unerschlossenen<br />

Naturräume des Kontinents ein zentrales<br />

Erbe der Menschheit in Europa und ist<br />

die Lebensgrundlage für die dort ansässige<br />

Bevölkerung. Ihr gebührt unser aller<br />

Respekt.<br />

» Die Erschließung des<br />

alpinen Raumes ist<br />

abgeschlossen.<br />

Die Alpen sind das am dichtesten mit Straßen,<br />

Aufstiegsanlagen, Wanderwegen,<br />

Schutzhütten, touristischer, landwirtschaftlicher<br />

und anderer Infrastruktur erschlossene<br />

Gebirge der Welt. Diese Erschließung<br />

hat den alpinen Raum in der Vergangenheit<br />

zu einem Lebensraum mit hoher Lebensqualität<br />

gemacht.<br />

Doch bereits seit einigen Jahren ist der kritische<br />

Höhepunkt erreicht: Erschließung<br />

wird zur Übererschließung. Gleichzeitig<br />

setzt der Ruf nach (Sport-)Großveranstaltungen<br />

den alpinen Raum wieder stärker<br />

unter Druck. Jeder neue Eingriff mindert<br />

nicht nur den Wert des alpinen Raumes<br />

als Kultur- und Naturlandschaft, sondern<br />

auch als Wirtschaftsressource. Neuerschließungen<br />

zerstören die Landschaft, gefährden<br />

die Biodiversität, machen den alpinen<br />

Raum für Besucher weniger attraktiv und<br />

reduzieren vor allem auch die Lebensqualität<br />

der Bewohner*innen.<br />

Das Ziel muss die Optimierung der bestehenden<br />

Infrastruktur in allen Bereichen<br />

sein. Dazu gehört die Verbesserung der<br />

wirtschaftlichen und ästhetischen Qualität<br />

ebenso wie die Optimierung im Hinblick<br />

auf Ressourcenschonung, Nachhaltigkeit<br />

und Klimaschutz.<br />

» Die erste Frage muss<br />

nicht lauten „Wie?“,<br />

sondern „Ob?“.<br />

Daraus ergibt sich die Grundsatzfrage, die<br />

bei der Erneuerung und Sanierung von alpiner<br />

Infrastruktur immer als erstes gestellt<br />

werden muss: Ist diese Infrastruktur noch<br />

notwendig und nachhaltig? Wenn diese<br />

Frage nicht eindeutig mit ja beantwortet<br />

werden kann, dann muss konsequenterweise<br />

ein Rückbau erfolgen.<br />

Gerade im Hinblick auf den Klimawandel<br />

und dem daraus resultierenden notwendigen<br />

Wandel der Mobilitätssysteme<br />

ist außerdem die massive Reduzierung<br />

des motorisierten Individualverkehrs dringend<br />

notwendig.<br />

» Der alpine Raum ist nicht<br />

nur Sehnsuchtsort,<br />

sondern auch Lebensgrundlage<br />

– und soll<br />

das auch bleiben.<br />

Die Alpen sind ein Sehnsuchtsort – sowohl<br />

als Lebensraum als auch als Erholungsraum.<br />

Die Natur- und Kulturlandschaft des<br />

alpinen Raumes hat für die Gesellschaft<br />

einen enormen Wert. Um diese Ressource<br />

langfristig zu sichern, ist ein grundlegendes<br />

Umdenken bei Infrastrukturen im alpinen<br />

Raum notwendig.<br />

Die genannten Organisationen fordern deshalb<br />

die konsequente Anwendung der gesetzlich<br />

vorhandenen Mittel zum Landschafts-<br />

und Umweltschutz sowie die<br />

Umsetzung konkreter Maßnahmen zum<br />

Erhalt und zur nachhaltigen Entwicklung<br />

der einzigartigen Landschaften.<br />

12<br />

<strong>KulturFenster</strong> 06/Dezember <strong>2022</strong>


hinausgeblickt<br />

„Gelebtes und Erlebtes“ vorgestellt<br />

Jahresversammlung des<br />

Kultur- und Heimatpflegevereines Völs am Schlern<br />

Der 13. November <strong>2022</strong> war ein Freudentag<br />

für den Kultur- und Heimatpflegeverein<br />

Völs am Schlern. Die Jahresversammlung<br />

konnte wieder in Präsenz abgehalten werden,<br />

und das Buch „Gelebtes und Erlebtes“<br />

wurde vorgestellt.<br />

Obwohl die Sonne vom Herbsthimmel<br />

strahlte, fanden sich zahlreiche<br />

Völser*innen im Kulturhaus ein. Obmann<br />

Paul Mitterstieler begrüßte die Mitglieder<br />

und Ehrengäste und gab einen Überblick<br />

über die Aktivitäten der vergangenen drei<br />

Jahre. Nach einem musikalischen Intermezzo<br />

durch die Böhmische verlas Marta<br />

Mulser den Tätigkeitsbericht, der anschließend<br />

durch eine von Elmar Perkmann gestaltete<br />

Power-Point-Präsentation veranschaulicht<br />

wurde. Trotz Coronakrise war<br />

vieles in die Hand genommen worden.<br />

34 Lebensgeschichten<br />

Ein Herzensanliegen, das bereits im Jahr<br />

2021 angedacht und schließlich im Frühjahr<br />

und Sommer <strong>2022</strong> umgesetzt wurde, war<br />

ein Buchprojekt mit 34 Lebensgeschichten<br />

von Völser Bürgern und Bürgerinnen.<br />

Eine Gruppe, bestehend aus Paul Mitterstieler,<br />

Marta Mulser, Elmar Perkmann und<br />

Benjamin Obkircher, arbeitete im Zeitraum<br />

von Februar <strong>2022</strong> bis September <strong>2022</strong> an<br />

diesem Projekt. Als Ergebnis von Interviews<br />

vor Ort und deren Verschriftlichung entstand<br />

das Buch „Gelebtes und Erlebtes“.<br />

Benjamin Obkircher steuerte einfühlsame<br />

Porträts der Interviewten und zeitbezogene<br />

Fotos bei. Unterstützt worden war die Arbeitsgruppe<br />

in einer ersten Phase durch<br />

den pensionierten Landeskonservator Josef<br />

Nössing und durch Philipp Perkmann, der<br />

die Interwies zu einer DVD zusammengeschnitten<br />

hat.<br />

Was ist nachhaltig?<br />

Landesobfrau Claudia Plaikner befasste sich<br />

in ihren Grußworten mit einer der großen<br />

„Baustellen“ unserer Zeit, der Klimakrise.<br />

In ihrer gleichermaßen realitätsbezogenen<br />

wie kritischen Ausführung mahnte sie Genügsamkeit<br />

in allen Lebensbereichen an.<br />

Dabei ging sie auf den Begriff der Nachhaltigkeit<br />

ein, der in aller Munde sei und oft<br />

missbräuchlich verwendet werde. Ironisch<br />

bemerkte sie: „Wenn ein Hotelier auf seinem<br />

Hoteldach eine Kunstschneeanlage<br />

errichtet, dann ist das nicht nachhaltig.“<br />

Die Landesobfrau stellte anschließend das<br />

Buch vor. Dabei ging sie auf Aussagen der<br />

34 Interviewten ein und lobte die gelungene<br />

Einbindung der Lebensgeschichten<br />

in den historischen Kontext. Auch diese<br />

Lebensgeschichten untermauern nachdrücklich<br />

und anschaulich Claudia Plaikners<br />

Postulat, wonach ein Weniger oft ein<br />

Dieses Buch enthält 34 spannende Lebensgeschichten<br />

von Bürger*innen aus Völs.<br />

Mehr bedeutet. Unsere Eltern und Vorfahren<br />

haben uns bereits vorgelebt, wie<br />

ein Leben trotz Verzicht reich und erfüllend<br />

sein kann.<br />

Nach einigen weiteren Musikstücken, vorgetragen<br />

durch die Böhmische und den<br />

Frauenchor, endete die Versammlung.<br />

Zahlreiche Teilnehmer*innen erwarben<br />

danach noch ein Buchexemplar.<br />

Paul Mitterstieler<br />

Der Vorstandstisch mit Obmann Paul Mitterstieler, der über die Aktivitäten des Vereines informierte<br />

<strong>KulturFenster</strong> 13<br />

06/Dezember <strong>2022</strong>


hinausgeblickt<br />

Verband hat ein neues Mitglied<br />

Heimatpflegeverein Branzoll – Bronzol gegründet<br />

Am 11. November wurde der Heimatpflegeverein<br />

Branzoll – Bronzol gegündet.<br />

Die Vereinsgründerin Bruna Corteletti<br />

hat viel vor.<br />

Es kommt nicht jedes Jahr vor, dass der<br />

Heimatpflegeverband „Zuwachs“ erhält.<br />

Dass der neue Heimatpflegeverein Branzoll<br />

– Bronzol in einer Gemeinde gegründet<br />

wurde, in der vorwiegend italienischsprachige<br />

Bürger*innen leben, ist umso<br />

erfreulicher. Auch ein Teil der Gründungsmitglieder<br />

ist italienischer Muttersprache,<br />

denn: Der Einsatz für Natur-, Landschaftsund<br />

Denkmalschutz sowie für den Schutz<br />

der natürlichen Ressourcen kennt keine<br />

(Sprach-)Grenzen.<br />

Der Vorstand des Heimatpflegevereines Branzoll – Bronzol mit Bruna Corteletti (2. V. r.)<br />

und der Obfrau des Heimatpflegeverbandes Claudia Plaikner (5. V. r.)<br />

Foto: HPV<br />

Obfrau gewählt<br />

Zur ersten Obfrau des neuen Vereines haben<br />

die Gründungsmitglieder Bruna Corteletti<br />

gewählt. Sie hat die Vereinsgründung<br />

auf den Weg gebracht.<br />

Dass der Dorfkern von Branzoll ein bauhistorisches<br />

Juwel ist, das wurde bei<br />

einem Dorfrundgang klar, an dem auch<br />

Vertreter*innen des Landesverbandes,<br />

darunter Obfrau Claudia Plaikner, sowie<br />

Vertreter*innen benachbarter Heimatpflegevereine<br />

teilnahmen. Als nördlichster<br />

schiffbarer Hafen der Etsch war Branzoll<br />

über Jahrhunderte ein wichtiges Zentrum<br />

für die Holzwirtschaft. Entsprechend entstanden<br />

im Ortskern als Firmensitze zahlreiche<br />

Palais.<br />

Vereinsgründerin Bruna Corteletti im Gespräch<br />

<strong>KulturFenster</strong>: Wie ist es zur Gründung<br />

des Vereines gekommen?<br />

Bruna Corteletti: Ich bin ein heimatbezogener<br />

Mensch, der sich für die Vereine<br />

und den Erhalt unserer Traditionen einsetzt.<br />

Früher war ich Gemeindereferentin,<br />

u. a. für Umwelt, aber die Politik liegt mir<br />

nicht so. Dennoch finde ich es wichtig, darauf<br />

zu achten, dass Schützenswertes im<br />

Ort auch geschützt wird. Deshalb war ich<br />

im Heimatpflegeverband bereits als Ortsvertreterin<br />

für Branzoll tätig und bin bei<br />

den jüngsten Wahlen auch zur stellvertretenden<br />

Bezirksobfrau gewählt worden.<br />

Da lag es nahe, einen nächsten Schritt zu<br />

tun und auch in Branzoll einen eigenen<br />

Verein zu gründen. Mein Mann hat mich<br />

dabei sofort unterstützt.<br />

Branzoll – Bronzol<br />

<strong>KulturFenster</strong> 14<br />

06/Dezember <strong>2022</strong>


Heimatpflege<br />

KF: Wer sind die Gründungsmitglieder<br />

des Vereines?<br />

Corteletti: Neben meinem Mann<br />

Giorgio Bertinazzo und mir sind<br />

es der Historiker Günther Pallaver,<br />

der ehemalige Politiker Oskar<br />

Peterlini, zudem Erwin Pfeifer,<br />

Doris Inama und Stefano Pisetta. Wir<br />

werden, sobald die bürokratischen Hürden<br />

genommen sind, die erste Vorstandssitzung<br />

einberufen, um Ideen zu besprechen<br />

und einige Themen festzulegen, um<br />

die wir uns kümmern möchten.<br />

KF: Welche Themen liegen Ihnen besonders<br />

am Herzen?<br />

Corteletti: Zum einen der Ensembleschutz,<br />

den wir zum Beispiel auch auf das historische<br />

Bahnhofsgebäude von 1859 erweitern<br />

möchten. Denn ab 1915 war der<br />

Bahnhof Branzoll das wichtigste und zentralste<br />

Logistikzentrum für die Südfront im<br />

Ersten Weltkrieg. Diese Wichtigkeit erlangte<br />

der Bahnhof durch die Erschließung eines<br />

großen Areals südlich von Branzoll. Allerdings<br />

sind gerade dort für die Zulaufstrecken<br />

des Brennerbasistunnels mehrere<br />

Eingriffe geplant.<br />

Ebenso möchte ich das Jahresthema des<br />

Verbandes „Heimat und Jugend“ aufgreifen,<br />

denn die Zusammenarbeit mit und die<br />

Mitarbeit von jungen Menschen ist sehr<br />

wichtig, insbesondere in den Bereichen<br />

Natur- und Umweltschutz.<br />

Es gibt in Branzoll viel schützenswerte historische<br />

Baustruktur, und auch auf die<br />

Ressource Boden muss man immer ein<br />

Auge werfen, denn plötzlich gibt es da<br />

wirtschaftliche Interessen, und schon ist<br />

wieder ein Stück Natur verloren gegangen.<br />

Ein ganz besonderes Projekt liegt mir<br />

noch am Herzen: ein Taschenwörterbuch<br />

„Deutsch – Italienisch – Bronzolot“.<br />

„Ich bin ein heimatbezogener Mensch,<br />

der sich für die Vereine und den Erhalt<br />

unserer Traditionen einsetzt.“<br />

Bruna Corteletti<br />

KF: Bronzolot …?<br />

Corteletti (lacht): Ja, in Branzoll sprechen<br />

die Leute nicht Italienisch, sondern „Bronzolot“,<br />

also den Branzoller Dialekt, der<br />

aus den früher regen Handelstätigkeiten<br />

im Ort entstanden ist. Dieses Wörterbuch<br />

soll also unsere Mundart verständlich machen<br />

und die Leute zudem ein bisschen<br />

unterhalten. Auch der Verein trägt nicht<br />

ohne Grund die Bezeichnung „Branzoll<br />

– Bronzol“. Bronzol ist das italienische<br />

Bronzolo in Branzoller Mundart.<br />

KF: Über 60 Prozent der rund 2700<br />

Einwohner*innen von Branzoll gehören<br />

der italienischen Sprachgruppe an. Möchten<br />

Sie diese bewusst auch einbeziehen?<br />

Corteletti: Natürlich. Zwei unserer Gründungsmitglieder<br />

sind ja Italiener. Und wenn<br />

wir es schaffen, weitere mit unseren Anliegen<br />

anzusprechen, dann freuen wir<br />

uns darüber.<br />

Interview: Edith Runer<br />

VOLKSKULTUR IM RUNDFUNK<br />

Jeden Donnerstag von 18.05 bis 19 Uhr<br />

und jeden Samstag von 11.05 bis 12 Uhr<br />

Unser Land – Kultur und Natur in Südtirol<br />

Gestaltung und Moderation: Heike Tschenett, Barbara Wiest<br />

22. / 24. Dezember: Franz Xaver Kofler wird 80<br />

Heike Tschenett im Gespräch mit Südtirols erstem Volksmusikpfleger<br />

Jeden letzten Donnerstag im Monat<br />

Unser Land – Alpin mit Judith Edler und Thomas Hainz<br />

Jeden Freitag von 18 bis 19 Uhr<br />

Dahoam in Tirol<br />

Dialekte, liebgewonnene oder<br />

längst vergessene Tiroler Bräuche,<br />

Plaudereien<br />

<strong>KulturFenster</strong> 15<br />

06/Dezember <strong>2022</strong>


hinausgeblickt<br />

Vielfältige Vereinstätigkeit<br />

Heimatpflegeverein Naturns –<br />

Plaus blickt auf Initiativen und Ausflüge zurück<br />

Besichtigung von Gufidaun mit dem Schloss Summersberg<br />

Nach der 25-Jahr-Feier im Mai gab es beim<br />

Heimatpflegeverein Naturns – Plaus bis in<br />

den Herbst hinein noch einige spannende<br />

Aktivitäten. Auch das Jahresthema des Verbandes<br />

„Heimat und Jugend“ wurde unterstützt.<br />

Fotos: HPV Naturns – Plaus<br />

Im Juli wurde im Lorenzi-Acker das Korn<br />

geschnitten. Etwa 20 Freiwillige waren dabei<br />

und stellten nach dem Schnitt etwa 200<br />

Hocken auf. Der Roggen war sehr reif, und<br />

tags darauf warf der leichte Wind ungefähr<br />

die Hälfte der Hocken um. So wurde bereits<br />

zwei Tage später gedroschen. Die Ernte<br />

war mit 620 Kilogramm im Vergleich zum<br />

vergangenen Jahr heuer etwas geringer.<br />

Wegen der Brandgefahr abgesagt wurde<br />

das Herz-Jesu-Feuer, das Schaumahlen<br />

in der Runstermühle konnte an mehreren<br />

Terminen wegen des fehlenden Restwassers<br />

nicht vorgeführt werden.<br />

Traditionsgemäß fand am 10. August bei<br />

den Lorenzi-Ruinen das St. Laurentius-Patrozinium<br />

statt, im September folgte eine<br />

kulturgeschichtliche Wanderung am Tablander<br />

Nördersberg mit Johannes Ortner.<br />

Zwölf Teilnehmer*innen machten sich auf<br />

zur Entdeckung des Hinzelweges. Sie wanderten<br />

zum Spölhof, zum restaurierten Tablander<br />

Schießstand mit der erst einige<br />

Tage vorher neu aufgerichteten Zielstandmauer,<br />

zum Spölboden mit dem Lorggenloch,<br />

zur Tablander „Hasel“ und über die<br />

von Trockenmauern gesäumte Höfergasse<br />

zurück nach Tabland.<br />

Mitte September wurden im Lorenzi-Acker<br />

380 Kilo Trauben gewimmt, und so dürfen<br />

wir uns wieder auf einen guten Tropfen<br />

„Bronner“ freuen. Ende September<br />

wurde dann der Buchweizen geschnitten.<br />

231 Kilo werden nun von Adolf Fliri<br />

zum begehrten Schwarzplentenmehl gemahlen.<br />

Auch die Kartoffelernte fiel zufriedenstellend<br />

aus.<br />

Der 23. September war für unseren Verein<br />

ein besonderer Tag: Wir freuten uns über<br />

das 200. Vereinsmitglied, Bürgermeister<br />

Zeno Christanell.<br />

Kinder begeistert<br />

Im Einklang mit den Zielsetzungen des<br />

Landesverbandes, Kinder und Jugendli-<br />

Kornschnitt auf dem Lorenzi-Acker<br />

Kulturgeschichtliche Wanderung mit Johannes Ortner über den Hinzelweg<br />

<strong>KulturFenster</strong> 16<br />

06/Dezember <strong>2022</strong>


Heimatpflege<br />

che für die Anliegen der Heimatpflege zu<br />

begeistern, unterstützten wir im Oktober<br />

einen Lehrausgang der 5. Grundschulklassen.<br />

Zunächst hatten sie den Film von<br />

Rudi Martin „Die Jahreszeiten im Lorenzi-<br />

Acker“ gesehen, um danach mit Hermann<br />

Wenter zum Acker zu spazieren und dort<br />

viel über die traditionelle Landwirtschaft<br />

zu erfahren. Auf dem Weg dorthin erzählte<br />

er ihnen von der ehemaligen Handwerkerzone<br />

Sand, vom Bildstock St. Isidor, dem<br />

„Neuräutl“ am Sonnenberg und von der<br />

Geschichte der Lorenzi-Raber. Wir hoffen,<br />

dass die Kinder ihre Begeisterung auch in<br />

ihre Familien brachten und diese dort gepflegt<br />

wird.<br />

Ende Oktober fand in der Egger-Platzer-<br />

Mühle/Melstal am Birchberg ein Schaumahlen<br />

statt. Trotz strömenden Regens<br />

waren zehn Personen dabei. Das Schaumahlen<br />

wurde am darauffolgenden Samstag<br />

wiederholt und von Florian Mair von der<br />

Tageszeitung „Dolomiten“ gefilmt.<br />

Gufidaun besichtigt<br />

Am Erntedank-Sonntag, 23. Oktober,<br />

führte der traditionelle Herbstausflug<br />

mit Kulturprogramm und Törggelen 39<br />

Vereinsmitglieder nach Gufidaun. Otto<br />

Schenk, Obmann des Dorfmuseums,<br />

führte durch den Ort mit Schloss Summersberg,<br />

der Pfarrkirche zum hl. Martin<br />

mit der Barbara-Kapelle sowie mit dem<br />

„Hohen Haus“, das Gufidauns Dorfbild<br />

prägt, von 1618 bis 1828 Gerichtssitz im<br />

Eisacktal war und heute die Dauerausstellung<br />

„Schatzkasten Erde“ zur Archäologie<br />

in Gufidaun beherbergt. Waldtraud Höller<br />

Schenk und Lisi Plunger führten anschließend<br />

durch das Dorfmuseum, das<br />

alte Geräte aus Landwirtschaft, Hauswirtschaft<br />

und Handwerk für die Nachwelt<br />

bewahrt.<br />

Beim Törggelen trug als besonderer Gast<br />

der Gufidauner Liedermacher Sepp Messner<br />

Windschnur einige seiner Lieder vor.<br />

Mustergültige Sanierung<br />

Pfarrwidum in Naturns außen und innen neu gestaltet<br />

Hier hatte der Zahn der Zeit genagt … Nun aber wurde das Widum in Naturns mustergültig saniert.<br />

Fotos: Franz Fliri<br />

Das aus dem Spätmittelalter stammende<br />

Pfarrwidum, ehemals Sedlhof genannt,<br />

wurde im heurigen Jahr einer Sanierung<br />

unterzogen.<br />

Die bislang letzte Generalsanierung des unter<br />

Denkmalschutz stehenden Gebäudes<br />

hatte der damalige Dekan, Georg Peer, im<br />

Jahr 1979 in Auftrag gegeben. Aber durch<br />

Witterungseinflüsse und Materialverschleiß<br />

über die Jahre herauf verlor das Gebäude<br />

an Energieeffizienz, und das Erscheinungsbild<br />

litt sehr darunter. Um zur Aufwertung<br />

des Ortsbildes beizutragen, sahen die Pfarrverwalter<br />

es deshalb erneut als ihre Pflicht<br />

an, das mitten im Ortszentrum gelegene<br />

Pfarrwidum zu sanieren.<br />

Einen großen Eingriff erfuhr die Fassade.<br />

Der Mauerputz wurde restauriert, indem<br />

schadhafte Fassadenflächen abgetragen,<br />

die Mauern mit natürlichem hydraulischen<br />

Kalk verputzt und ganzflächig mit Kalkanstrich<br />

in gebrochenem Weiß versehen<br />

wurden. Gut gelungen ist auch die Beruhigung<br />

der Fassade durch den Austausch<br />

der Außenabschlüsse mit den zweiflügeligen<br />

Holzfenstern. Mit der Reduzierung<br />

der willkürlich angeordneten Fenster und<br />

dem Weglassen der Jalousien gelang es, in<br />

Kombination mit den Zinnengiebeln ein harmonisches<br />

Erscheinungsbild zu schaffen.<br />

Ein weiteres Ziel war es, ein der heutigen<br />

Zeit angepasstes Ambiente in der Pfarrerwohnung<br />

zu schaffen und im Dachgeschoss<br />

zwei Mietwohnungen mit angemessener<br />

Wohnfläche zu errichten.<br />

Die Dorfbevölkerung ist über das sanierte<br />

Pfarrwidum sehr erfreut. Die gelungene Restaurierung<br />

soll auch Ansporn für andere<br />

sein, alte oder vernachlässigte Gebäude<br />

nicht einfach der Spitzhacke preiszugeben.<br />

Die gelungene Restaurierung soll<br />

auch Ansporn für andere sein, alte<br />

oder vernachlässigte Gebäude nicht<br />

einfach der Spitzhacke preiszugeben.<br />

Franz Fliri<br />

Mit Einsatz und Willenskraft kann es gelingen,<br />

historisch wertvolle Gebäude für die<br />

Nachwelt zu erhalten.<br />

Franz Fliri<br />

<strong>KulturFenster</strong> 17<br />

06/Dezember <strong>2022</strong>


getanzt<br />

Höhepunkt und Abschluss<br />

Landeskathreintanz im Kursaal von Meran beendet Tanzjahr<br />

Der Auftanz<br />

im Kursaal<br />

von Meran<br />

Endlich – nach drei Jahren Pause – fand<br />

am 12. November <strong>2022</strong> der 54. Landeskathreintanz<br />

im Kursaal von Meran statt.<br />

Zahlreiche Tänzer*innen sind der Einladung<br />

gefolgt und verbrachten gemeinsam<br />

einen schönen Tanzabend zu den Klängen<br />

der Musikgruppe „Tanzig“.<br />

Pünktlich um 20 Uhr wurde der Abend<br />

mit dem traditionellen Auftanz eröffnet.<br />

Zahlreiche Tänzer*innen nahmen daran<br />

teil. Monika Rottensteiner begrüßte in ihrer<br />

Eröffnungsrede auch zahlreiche Ehrengäste.<br />

Namentlich genannt wurden<br />

Helga Hetzenauer, Obfrau der Arge Volkstanz<br />

Tirol, Franz Hermeter und Ilse Unterlechner<br />

vom Südtiroler Volksmusikkreis,<br />

Agnes Andergassen, Vorsitzende der Arge<br />

Lebendige Tracht, sowie die Landesbäuerin<br />

Antonia Egger Mair. Die Tänzer*innen<br />

kamen heuer nicht nur aus Südtirol, sondern<br />

aus mehreren Alpenregionen, unter<br />

anderem aus Bayern und der Schweiz.<br />

Norbert Kofler vom Bezirk Vinschgau hatte<br />

passend zum Landeskathreintanz ein Gedicht<br />

geschrieben, das er vortrug.<br />

Der Kursaal von Meran war<br />

Tanzfläche für viele begeisterte<br />

Tanzpaare aus nah<br />

und fern.<br />

Fotos: Arge Volkstanz<br />

<strong>KulturFenster</strong> 18<br />

06/Dezember <strong>2022</strong>


Bad Ischler Schwerttanz<br />

Nach dem Lied „Tirol isch lei uans“ ging<br />

es mit einer abwechslungsreichen Tanzfolge<br />

weiter. Die Pausengestaltung übernahm<br />

die Garde der Stadt Bad Ischl. Sie<br />

führte den Bad Ischler Schwerttanz auf,<br />

begleitet von einer Geigenmusik. Laut Erklärung<br />

waren die Schwerttänze früher<br />

vor allem im Knappen- und Bergwerkgewerbe<br />

zu finden. Sie wurden oft getanzt,<br />

wenn junge Burschen zu waffenfähigen<br />

Männern wurden. Eine wichtige<br />

Rolle bei diesem Tanz spielt der Schalksnarr,<br />

der außerhalb des Tanzkreises sein<br />

Unwesen treibt, bis er schließlich geköpft<br />

wird und liegen bleibt. Allerdings wird er<br />

von den Schwertspitzen der Tänzer wieder<br />

zum Leben erweckt und kann weitertanzen.<br />

Der große Applaus der Zuschauer<br />

war ein Zeichen der Begeisterung für den<br />

Bad Ischler Schwerttanz.<br />

Tanzjahr endet<br />

Eine Neuerung beim diesjährigen Landeskathreintanz<br />

war die Verköstigung durch ein<br />

Catering aus dem Pustertal. Zu einem Fixpreis<br />

von 20 Euro konnte sich jeder selbst<br />

Essen holen, wieviel er wollte. Die Volkstanzgruppe<br />

Nals versorgte an der Sektbar<br />

alle Gäste mit verschiedenen Getränken.<br />

Nach dem Schlusstanz, der „Woaf“, wurde<br />

noch das Lied „Weil‘s nocher Zeit isch, so<br />

sog mr iatz Pfiat Gott“ gesungen. Anschließend<br />

bedankte sich Ulrich Gurschler bei<br />

allen, die zum Gelingen des Landeskathreintanzes<br />

beigetragen hatten.<br />

„Kathrein stellt den Tanz ein“ – nach diesem<br />

Motto endete auch <strong>2022</strong> das Tanzjahr<br />

mit einem festlichen Tanzabend im prachtvollen<br />

Ambiente des Kurhauses von Meran.<br />

Anna Julia Spitaler<br />

Kathreintanz<br />

Long hobn mir gwortet und ins drauf gfreit.<br />

Es gibt wieder an Kathreintonz heit.<br />

Uans von die wichtigschtn Feschter im Johr,<br />

do sein mir a drbei, isch woll klor.<br />

Drei Johr sein ins Lond gezogn,<br />

wia’s gongen isch, braucht’s nit zu frogn.<br />

Uanmol wor’s Wetter gegen ins grichtet,<br />

zwoamol hot’s der Virus derrichtet.<br />

Ober heit geaht’s wieder auf, im Sool.<br />

I hoff, eis fühlt’s enk olle wohl?<br />

A schneidige Musi hobn mir a drbei,<br />

drum losst lei lous giahn, die Tonzerei.<br />

Nochn Auftonz solln olle fescht mittian.<br />

A jeder soll zlescht sogn: „Es wor wieder schian“.<br />

Norbert Kofler<br />

Hereinspaziert<br />

➤ Winterlehrgang <strong>2022</strong> vom 26. Dezember <strong>2022</strong> bis zum 1. Jänner 2023<br />

im Haus der Familie in Lichtenstern<br />

➤ Ausbildung zum Tanzleiter (Modul 1) am Samstag, 14. Jänner 2023, 9–17 Uhr<br />

im Bildungshaus Lichtenburg/Nals<br />

Weitere Infos im Büro der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz, Tel.: 0471/970555 oder info@arge-volkstanz.org<br />

<strong>KulturFenster</strong> 19<br />

06/Dezember <strong>2022</strong>


gedenken<br />

Es waren die Südtiroler Bauernjugend,<br />

die Südtiroler Bäuerinnenorganisation<br />

(SBO) und zuletzt die Seniorenvereinigung<br />

im Südtiroler Bauernbund, für<br />

die sich Maria Bertolini mit Freude und<br />

vollem Engagement eingesetzt hat. Kraft<br />

ihres Berufes, und später als Politikerin,<br />

war ihr die Weiterbildung der bäuerlichen<br />

Bevölkerung ein Anliegen. Dem<br />

Zeitgeist der 1970er-Jahre folgend war<br />

es dann nur noch ein kleiner Schritt,<br />

sich für die Wiederbelebung des ursprünglichen<br />

bäuerlichen Gewandes,<br />

der Tracht, einzusetzen. Der Kreis wurde<br />

weiter, und schließlich erfasste diese<br />

Trachtenwelle alle Tracht tragenden Verbände<br />

in Südtirol.<br />

Hauswirtschaftliche<br />

Ausbildung<br />

Ich lernte Maria Bertolini zu meiner Zeit<br />

als Pfarrgemeinderätin der Dompfarre<br />

Bozen kennen. Sie war die Präsidentin<br />

Sie hat Spuren<br />

hinterlassen<br />

Maria Bertolini, die erste Vorsitzende der<br />

Arge Lebendige Tracht, ist verstorben<br />

Maria Bertolini<br />

des Pfarrgemeinderates. Einmal erzählte<br />

sie mir, dass sie die Landwirtschaftliche<br />

Landeslehranstalt in Rotholz im Zillertal<br />

besucht hatte. Dort war sie beim Nähunterricht<br />

auch mit Dirndl und Tracht in Verbindung<br />

gekommen. Zurück in Südtirol,<br />

arbeitete sie als Hauswirtschaftslehrerin,<br />

bis sie letztendlich zur Leiterin des damaligen<br />

ländlich-hauswirtschaftlichen Bildungszentrums<br />

„Frankenberg“ in Tisens<br />

ernannt wurde.<br />

Gründung der<br />

Arge Lebendige Tracht<br />

Im Jahr 1969 wurde die Südtiroler Bauernjugend<br />

gegründet. Maria Bertolini wurde,<br />

dank ihrer landwirtschaftlichen Ausbildung,<br />

ein gesuchtes Mitglied während<br />

der Aufbauphase. Besonders die weibliche<br />

Landjugend lag ihr am Herzen. Sie<br />

hielt zahlreiche Vorträge und wurde alsbald<br />

zu einer im ganzen Land bekannten Person.<br />

Als 1979 die Südtiroler Bäuerinnenorganisation<br />

gegründet wurde, ergriff sie<br />

die Gelegenheit, um kräftig für die Wiedereinführung<br />

der Tracht zu werben. Der<br />

Ruf nach einer Anlaufstelle, wo man Informationen<br />

zur Tracht bekommen konnte,<br />

wurde immer lauter. Das Wissen um die<br />

Tracht war nämlich schon vielfach verloren<br />

gegangen. Die Südtiroler Bauernjugend<br />

gab den Anstoß, und so wurde am<br />

28. April 1980 im Heimatpflegeverband<br />

Südtirol die Arbeitsgemeinschaft Lebendige<br />

Tracht gegründet. Maria Bertolini<br />

wurde zur ersten Vorsitzenden ernannt<br />

und blieb es bis 1985.<br />

Rege Trachtentätigkeit<br />

Maria Bertolini hat sich stark an Nordtirol<br />

angelehnt, wo es bereits eine gleichgesinnte<br />

Arbeitsgemeinschaft gab, holte<br />

Frauen aus Eggen in der selbstgenähten Tracht<br />

Abschluss des Trachtennähkurses in Atzwang mit Elfriede Piazzesi<br />

und Maria Bertolini (4. v. l.)<br />

<strong>KulturFenster</strong> 20<br />

06/Dezember <strong>2022</strong>


Heimatpflege<br />

sich fachlichen Rat beim Volkskunstmuseum<br />

in Innsbruck und arbeitete intensiv<br />

mit dem Tiroler Heimatwerk zusammen.<br />

Gar manche Zeichnung für eine<br />

wiederbelebte Südtiroler Tracht fand ihren<br />

Weg über den Brenner. Maria Bertolini<br />

organisierte Trachtennähkurse, bei<br />

denen die Frauen ihre Tracht selbst anfertigen<br />

konnten. Sie organisierte Trachtenschauen,<br />

um für die Tracht zu werben.<br />

Ihr Bekanntheitsgrad wuchs, was<br />

für ihre politische Karriere sicher von<br />

Vorteil war. Sie schaffte es bis zur Landtagsabgeordneten.<br />

Wichtige<br />

Öffentlichkeitsarbeit<br />

Anfang der 1980er-Jahre machten sogar<br />

Banken durch die Herausgabe von<br />

großformatigen Trachtenkalendern die<br />

Tracht zu ihrem Thema. Maria Bertolini<br />

hatte dabei ihre Finger im Spiel. Sie<br />

verfasste auch zwei Folder, und zwar<br />

„10 Gebote für das Tragen der Frauentracht“<br />

und einen zweiten für die<br />

Männertracht. Auf ihre Anregung hin<br />

verfasste Notburga Piccolruaz die Broschüre<br />

„Das Dirndl“, welche 1979 von<br />

der Mädchengruppe der Südtiroler Bauernjugend,<br />

Bezirk Bozen, herausgegeben<br />

wurde. Maria Bertolini hat Spuren<br />

in der Südtiroler Trachtenlandschaft<br />

hinterlassen. Sie verstarb am 14. Juni<br />

<strong>2022</strong> im Alter von 91 Jahren.<br />

Agnes Andergassen<br />

Arge Lebendige Tracht<br />

NUIJOHR<br />

Wia schnell die Zeit vrgeaht<br />

nit holtet und nit stille steaht,<br />

des Radl drahnt si umadum<br />

und gschwing isch sou a Jahrl um.<br />

Kindheit, Jugend schwindet,<br />

im schnelln Schritt dohin<br />

und eh du di hosch um derschaug,<br />

do bisch du schun im Ölter drin.<br />

Drum nutz die Zeit, nou gheart sie dein,<br />

schun morgn konns gonz ondersch sein.<br />

Leg dei Vertraudn in Gottes güetige Händ<br />

ER weards schun richtn, Unfong und End.<br />

Eggentaler Frauentracht, Entwurf Theres<br />

Eigentler – Innsbruck 1981<br />

Maria Sulzer<br />

<strong>KulturFenster</strong> 21<br />

06/Dezember <strong>2022</strong>


Schütz´ Musik ist ein klingendes Glaubensbekenntnis,<br />

thematisiert aber allgemein Menschliches und vermag<br />

so auch kirchenfernen Menschen etwas zu geben.<br />

Schütz-Expertin Christina Siegfried<br />

Bild: Heinrich Schütz (1585 bis 1672), anonymes Porträt,<br />

angeblich um 1670, vermutlich erst um 1930 gemalt.<br />

<strong>KulturFenster</strong> 22<br />

06/Dezember <strong>2022</strong>


komponiert<br />

Vater der modernen Musik<br />

Vor 350 Jahren starb Heinrich Schütz<br />

Er ist der Komponist der Zeitenwende und<br />

der Krise und vielleicht spricht er uns deshalb<br />

heute wieder an: Am 16. November<br />

vor 350 Jahren verstarb Heinrich Schütz.<br />

Lange vor Johann Sebastian Bach war<br />

Heinrich Schütz der erste deutsche Komponist<br />

von europäischem Rang. Wie wenige<br />

andere Komponisten hat er die Entwicklung<br />

der Musik und des Chorgesangs<br />

geprägt. Er wirkte in der Zeitenwende zwischen<br />

Renaissance und Barock und setzte<br />

mit seinem Werk einen wichtigen Schritt<br />

in die musikalische Neuzeit. 1585 in Ostthüringen<br />

geboren, verbrachte Schütz<br />

seine Kindheit und später auch seinen<br />

Lebensabend in Weißenfels, einer Stadt<br />

im heutigen Sachsen-Anhalt, wo sein Vater<br />

einen Gasthof führte. Doch sein Leben<br />

war geprägt von Ortswechseln und<br />

Auftragsarbeiten für barocke Fürsten, von<br />

den Gegensätzen und Unruhen der Barockzeit<br />

und des 30-jährigen Krieges, einer<br />

Zeit, die zwischen der Gier nach Lebensgenuss<br />

und dem Bewusstsein der<br />

Vergänglichkeit und einem starken Glauben<br />

schwankte.<br />

Im Mittelpunkt der Werke von Heinrich<br />

Schütz, der dieser Zeit ein zeitenüberdauerndes<br />

Denkmal gesetzt hat, steht<br />

das Wort, das durch die Musik an Bedeutung<br />

gewinnt: Heinrich Schütz war<br />

der erste deutsche Komponist, der die<br />

sogenannte italienische Mehrchörigkeit<br />

in sein Werk einfließen ließ. Bald galt er<br />

als Vater der modernen Musik. Doch<br />

sein Wirken und sein<br />

Werk gerieten nach<br />

seinem Tod lange in<br />

Vergessenheit. Seit<br />

Ende des 19. Jahrhunderts,<br />

als unter<br />

anderem Franz<br />

Liszt und Johannes<br />

Brahms auf ihn aufmerksam<br />

wurden, entdeckt man ihn und<br />

seine Kunst mehr und mehr wieder. Viele<br />

seiner Kompositionen, mehr als 300 Manuskripte,<br />

sind allerdings bei Schlossbränden<br />

während des 30-jährigen Krieges<br />

zerstört worden. Von ihm selbst gibt es<br />

nur ein Gemälde sowie ein paar Stiche.<br />

Er lebte in<br />

einer Zeit der Krise<br />

Sein Leben war geprägt von Ortswechseln<br />

und Auftragsarbeiten für<br />

barocke Fürsten, von den Gegensätzen<br />

und Unruhen der Barockzeit<br />

und des 30-jährigen Krieges…<br />

Lange bevor Bach und Händel überhaupt bekannt wurden, galt Heinrich Schütz bereits<br />

als »Vater der modernen Musik«. Seine bekannten geistlichen Werke werden heute noch<br />

regelmäßig von den Chören gesungen.<br />

Foto: Thaddäus Salcher<br />

1599 wurde sein musikalisches Talent von<br />

Landgraf Moritz von Hessen-Kassel entdeckt,<br />

mit dessen Förderung er zum Musiker<br />

ausgebildet wurde, unter anderem<br />

ermöglichte der Graf ihm ein dreijähriges<br />

Studium in Venedig bei dem Kirchenmusiker<br />

und Hauptorganisten am Markusdom<br />

Giovanni<br />

Gabrieli. Schütz’ erstes<br />

eigenes Werk,<br />

"Il primo libro de Madrigali"<br />

(SWV 1-19),<br />

entstand 1611 in Venedig.<br />

Er widmete es<br />

seinem Entdecker,<br />

Förderer und Fürsten.<br />

In Kassel wurde er dann von diesem<br />

zum zweiten Organisten berufen, war zwar<br />

Privatsekretär des Fürsten, aber wurde nie<br />

Oberkapellmeister. Wenige Jahre später<br />

trat er deshalb in den Dienst am Hof des<br />

sächsischen Kurfürsten Johann Georg I.<br />

in Dresden und übernahm die Leitung der<br />

dortigen Hofkapelle. Wie begehrt Heinrich<br />

Schütz als Musiker war, erkennt man daran,<br />

dass Landgraf Moritz überlegte, ob er<br />

gegen die deutlich mächtigere Verwandtschaft<br />

in Dresden zu Felde ziehen sollte,<br />

als Kurfürst Johann Georg den hoffnungsvollen<br />

Musiker und Komponisten nicht<br />

mehr zurück nach Kassel ließ.<br />

Das Amt in Dresden hatte Schütz bis zu<br />

seinem Lebensende inne. Als Kapellmeister<br />

hatte er die Oberaufsicht über die Mitglieder<br />

der Hofkapelle, die aus Sängern und<br />

Instrumentalisten bestand. Mit ihr war er<br />

für alle Musik am Hofe zuständig: geistliche<br />

wie weltliche, zur Unterhaltung und zum<br />

Gottesdienst ebenso wie zur politischen<br />

Repräsentation. Seine dramatischen weltlichen<br />

Werke, Singspiele und Ballette, von<br />

denen in der Regel nur die Texte gedruckt<br />

wurden, sind jedoch verlorengegangen.<br />

1618 brach der Dreißigjährige Krieg aus,<br />

dessen verheerende Auswirkungen nicht<br />

nur gut ein Drittel der deutschen Bevölkerung<br />

das Leben kostete, sondern auch<br />

den fast völligen Zusammenbruch des<br />

kulturellen Lebens verursachten. Hinzu<br />

23<br />

<strong>KulturFenster</strong> 06/Dezember <strong>2022</strong>


SCV-Intern<br />

kamen wiederholte Pestepidemien. Nach<br />

dem frühen Tod seiner Frau im Jahr 1625<br />

heiratete Schütz nicht wieder. Um den Anschluss<br />

an die neuesten Errungenschaften<br />

der Musik nicht zu verlieren, besuchte<br />

Schütz 1628 zum zweiten Mal Venedig, wo<br />

er über ein Jahr lang blieb. Dass er dabei<br />

Claudio Monteverdi begegnete, ist denkbar.<br />

Dort hörte er neue theatralische Musik<br />

und empfing so maßgebliche neue Impulse<br />

für sein Werk. Schütz wirkte zeitweise<br />

auch in Kopenhagen als Oberkapellmeister<br />

des Königs. Außerdem arbeitete Schütz als<br />

musikalischer Ratgeber vieler deutscher<br />

Fürstenhöfe wie etwa Hannover und Weimar.<br />

Anlässlich der Trauerfeier für seinen<br />

Landesfürsten Heinrich Posthumus Reuß<br />

komponierte er 1635/1636 die Musikalischen<br />

Exequien. Es folgten die Kleinen<br />

geistlichen Konzerte, der zweite Teil der<br />

Symphoniae sacrae, die Geistliche Chormusik<br />

und 1650 der dritte und letzte Teil<br />

der Symphoniae sacrae. 1656 ging Schütz<br />

in den Ruhestand.<br />

Vater der modernen Musik<br />

Titelseite der Psalmen Davids, einer Sammlung von geistlichen, überwiegend mehrchörigen<br />

Kompositionen von Heinrich Schütz.<br />

Heinrich Schütz gilt als der bedeutendste<br />

deutsche Komponist des Frühbarocks. Obwohl<br />

zunächst zum Organisten ausgebildet,<br />

komponierte er nach frühen Madrigalen in<br />

italienischer Sprache vor allem geistliche<br />

Vokalmusik, teils zu lateinischen, vor allem<br />

aber zu deutschen Texten.<br />

Bestimmt war seine Musik für die Hofgottesdienste,<br />

vor allem aber zur höfischen<br />

Unterhaltung und Repräsentation, wie es<br />

in der Barockzeit üblich war. Doch Schütz<br />

übertraf in seinem Schaffen seine Zeitgenossen.<br />

Schon zu Lebzeiten galt er als<br />

„Vater der modernen Musik“. Schon seine<br />

Zeitgenossen feierten ihn nicht ohne Grund<br />

als "hervorragendsten Musiker seines Jahrhunderts"<br />

(wie man ihm auf den Grabstein<br />

schrieb). Seine kompositorische Virtuosität<br />

im Umgang mit den unterschiedlichsten<br />

musikalischen Formen und Elementen,<br />

mit Sprache und Stimmen begeistert Musikliebhaber<br />

bis heute. Heinrich Schütz<br />

erreicht uns heute aber nicht nur durch<br />

die zeitlose Schönheit seiner Musik, sondern<br />

auch durch seine Themen, die er in<br />

seinem Werk verarbeitet. „Die Parallelität<br />

seiner Themen zum Heute ist geradezu<br />

erschreckend“, sagt etwa die Musikwissenschafterin<br />

und Schütz-Expertin Christina<br />

Siegfried, Intendantin des Heinrich<br />

Schütz Musikfests. Denn in den Werken<br />

des Komponisten geht es um Krieg, Hungersnot<br />

und Inflation, aber auch den Stillstand<br />

der Kultur selbst durch die Krisen.<br />

Die Krisenzeit des 17. Jahrhunderts mit<br />

dem alles bestimmenden Dreißigjährigen<br />

Krieg hat vieles mit unserer Zeit gemeinsam.<br />

„Schütz´ Musik ist ein klingendes<br />

Glaubensbekenntnis, thematisiert aber<br />

allgemein Menschliches und vermag so<br />

auch kirchenfernen Menschen etwas zu<br />

geben“, erklärt die Musikwissenschafterin<br />

in einem Interview mit „Chorzeit“. Heinrich<br />

Schütz – ist er aber nicht zu „schwie-<br />

rig“ für unsere Chöre? Die Musikexpertin<br />

betont, dass gerade auch Laienchöre es<br />

wagen sollen, Heinrich Schütz zu singen.<br />

„Seine Werke fordern zu einem genauen<br />

und kreativen Umgang heraus“, erklärt<br />

sie, „wobei die Kenntnis des Notentextes<br />

und der Quellen“ von besonderer Wichtigkeit<br />

sei. Mit seinem Motto, trotz Krieg und<br />

Krise weiterzuarbeiten und zu komponieren,<br />

kann Heinrich Schütz auch in unserer<br />

Zeit noch ein Vorbild sein über die Schönheit<br />

seiner Musik hinaus.<br />

<strong>KulturFenster</strong> 24<br />

06/Dezember <strong>2022</strong>


Chorwesen<br />

Ein einmaliges<br />

musikalisches Erlebnis<br />

Sänger*innen aus der ganzen Euregio singen gemeinsam Händel<br />

Verdienter Applaus zur Aufführung von Händels Chororatorium „Occasional Oratorio" in Bozen<br />

Ein Zeichen der Zusammengehörigkeit der<br />

Euregio Tirol setzten die drei Chorverbände<br />

des Trentino, von Südtirol und vom Bundesland<br />

Tirol Ende Oktober mit einem vielbesuchten<br />

Konzert und einem begeisterten<br />

Publikum in Innsbruck, Trient und Bozen.<br />

Aufgeführt wurde Händels Chororatorium<br />

„Occasional Oratorio“. Südtirol wurde vom<br />

Vokalensemble „VocalArt“ aus Brixen vertreten.<br />

Aus Tirol kam das Vokalensemble<br />

NovoCanto, der Coro Antares vertrat<br />

das Trentino.<br />

Die künstlerische Gesamtleitung hatte Dirigent<br />

Wolfgang Kostner inne, der beim<br />

Konzert mit den Tiroler Barockinstrumentalisten<br />

ein Originalklangorchester internationalen<br />

Formats dirigierte und mit<br />

herausragenden Solist*innen zusammenarbeiten<br />

durfte.<br />

Alle Beteiligten waren sich einig, dass es<br />

ein sehr gelungenes Großprojekt war. Sowohl<br />

bei den Sänger*innen als auch beim<br />

Publikum konnte man die Begeisterung<br />

förmlich hören und spüren..<br />

Paul Bertagnolli<br />

Partnerchor gesucht<br />

Der Männer- und Frauenchor Frastanz aus Vorarlberg<br />

besteht seit fast 150 Jahren.<br />

38 Sängerinnen und Sänger singen gerne Altes- und Neues Liedgut, Heimat-<br />

und Volkslieder, aber auch moderne Literatur.<br />

Unser Jubiläumsjahr 2023 soll ein ganz Besonderes werden – Jubiläumskonzert<br />

mit Partnerchor im Juni 2023 – Geselliges Miteinander – Singen und Feiern -<br />

Jubiläums- Chorreise nach Südtirol.<br />

Feiert ihr auch ein Jubiläum? Oder darf es ein neuer Abschnitt für<br />

euren Chor sein? Uns würde es freuen – gerne informieren wir persönlich:<br />

Obmann: Michael Tiefenthaler +43 650 6360838<br />

obmann.mfcfrastanz@gmail.com<br />

www.mfc-frastanz.at<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

25 06/Dezember <strong>2022</strong>


SCV-Intern<br />

Wie man Stimmen<br />

zum Klingen bringt!<br />

Fortbildung des Südtiroler Chorverbandes<br />

Die stellvertretende Obfrau des Chorverbandes,<br />

Margareth Greif, begrüßte als Referentin<br />

Vroni Bertsch, Dozentin im Bereich<br />

chorische Stimmbildung für Kinder- und Jugendchor.<br />

Frau Bertsch ist auch im Jazz-<br />

Rock-Popbereich sowie als Chorleiterin tätig<br />

und schon seit vielen Jahren Referentin<br />

bei Schulungen des Südtiroler Chorverbandes.<br />

Sie verstand es hervorragend, den<br />

TeilnehmerInnen zu vermitteln, wie durch<br />

Bewegung und rhythmische Übungen das<br />

Instrument Stimme in Schwung gebracht<br />

werden kann. Mit entsprechender Literatur<br />

konnten die Übungen auch praktisch<br />

umgesetzt werden.<br />

Vroni Bertsch begeisterte einmal mehr die Teilnehmer*innen bei beiden Fortbildungen<br />

in Naturns.<br />

Unter diesem Motto standvor kurze meine<br />

Fortbildung des Südtiroler Chorverbandes<br />

für Lehrer*innen und Chorleiter*innen in<br />

Naturns, bei der stimmbildnerische Aspekte<br />

der Arbeit vor allem mit Kinder- und Jugendstimmen<br />

im Mittelpunkt standen.<br />

Ein weiteres Seminar fand am darauffolgenden<br />

Tag mit Vroni Bertsch ebenfalls<br />

in Naturns statt. Dabei ging es um populäre<br />

Chormusik für Frauen und Männer.<br />

Über 30 Interessierte haben sich dabei<br />

eingefunden.<br />

Es wurden Arrangements aus unterschiedlichen<br />

Stilrichtungen wie Popsongs, Filmmusik<br />

und Schlager, erarbeitet und diese<br />

mit Rhythmik und Bewegung kombiniert.<br />

Die Begeisterung der Teilnehmer war sehr<br />

groß. Sie zeigten sich sehr erfreut darüber,<br />

dass solche Seminar auch im westlichen<br />

Landesteil angeboten werden.<br />

Margareth Greif<br />

Zur Person<br />

Vroni Bertsch studierte Lehramt Musik und Deutsch für Realschule an der Universität Regensburg<br />

sowie Gesangspädagogik an der Hochschule für katholische Kirchenmusik in Regensburg. Im Anschluss<br />

daran absolvierte sie den berufsbegleitenden Masterstudiengang „Leitung und Kommunikationsmanagement“,<br />

den sie als Master of Arts mit Auszeichnung abschloss. 2017 beendete sie erfolgreich<br />

die Zertifizierung des BDG für „Pädagogik des populären Gesangs“ und seit <strong>2022</strong> ist sie authorisierte „Complete<br />

Vocal Technique” Lehrerin (CVI Kopenhagen).<br />

Seit dem Wintersemester 2006/07 ist Vroni Bertsch am Lehrstuhl für Musikpädagogik der Universität Regensburg mit<br />

einem Lehrauftrag für Gesang beschäftigt. Nach beruflichen Stationen an der „Akademie für darstellende Kunst Bayern“<br />

sowie den “Regensburger Domspatzen” (Chorleitung/Stimmbildung/Kindergartenprojekt) leitet sie seit September 2021<br />

die Sing- und Musikschule der Stadt Neumarkt i.d.OPf..<br />

Als Vizepräsidentin des Bayerischen Sängerbundes ist sie außerdem als Dozentin im Bereich (chorische) Stimmbildung,<br />

„Singen mit Kindern“, sowie im Jazz-Rock-Popbereich tätig. Darüber hinaus war sie lange Zeit Mitglied bei Stefan Kalmers<br />

„VoicesInTime“ und „SoulFood Delight“.<br />

<strong>KulturFenster</strong> 26<br />

06/Dezember <strong>2022</strong>


Chorwesen<br />

Stellenwert der Sprache im Gesang<br />

Seminar des Südtiroler Chorverbandes<br />

Umgang mit Sprache und Stimme - Workshop mit Philipp M. Krenn-Stuppnig in Bozen<br />

Welchen Stellenwert die Aussprache im Gesang<br />

einnimmt, wurde den Teilnehmern des<br />

Seminars „Sprechtechnik im Chor – chorisches<br />

Sprechen“ voll bewusst.<br />

17 Teilnehmer*innen, größtenteils Chorleiter*innen,<br />

aber auch Chorsänger*innen<br />

und viele davon auch Kantor*innen, nahmen<br />

am eintägigen Seminar des Südtiroler<br />

Chorverbandes jüngst im Kolpinghaus teil.<br />

Die stellvertretende Obfrau des Chorverbandes<br />

Margareth Greif und die Verbandschorleiterin<br />

Renate Unterthiner konnten<br />

als Referenten Philipp M. Krenn-Stuppnig<br />

aus Wien begrüßen. Krenn bekam seine<br />

erste Ausbildung als Solist bei den Wiener<br />

Sängerknaben, erhielt Schauspielunterricht,<br />

war viele Jahre unter namhaften Regisseuren<br />

Regieassistent und ist seit 2014<br />

eigenständiger Opernregisseur an bedeutenden<br />

Opernhäusern in Europa.<br />

Im Mittelpunkt des Workshops stand<br />

der Umgang mit Sprache und Stimme.<br />

Schwerpunkte waren die verschiedenen<br />

Aussprachen der Vokale, der Doppellaute,<br />

der Endungen und Vorsilben sowie<br />

auch die Aussprache der Konsonanten,<br />

sowohl beim Singen als auch beim Sprechen.<br />

Es wurde an konkreten Beispielen<br />

gearbeitet, gesprochen und auch gesungen.<br />

Krenn vermochte es hervorragend,<br />

die Teilnehmer*innen zu motivieren, die<br />

alle mit viel Einsatz und Freude mitgearbeitet<br />

haben und dabei viele wertvolle Hilfen<br />

für ihre Arbeit als Chorleiter*innen und<br />

Sänger*innen in den Chören und auch als<br />

Kantor*innen mit nach Hause genommen<br />

haben. Es war der Wunsch aller, ein solches<br />

Seminar im kommenden Jahr zu wiederholen<br />

und auf ein ganzes Wochenende<br />

zu erweitern.<br />

Margareth Greif<br />

Freude an der Vielfalt der Chormusik<br />

Singtag 50+ fand wieder großen Anklang<br />

Am 15. Oktober fand im Kolpinghaus in<br />

Bozen der bereits traditionelle Singtag<br />

für Sänger*innen ab 50 statt, und zwar<br />

unter dem Motto „Heast as net, wia die<br />

Zeit vageht!“<br />

Der Song aus der Feder von Hubert von<br />

Goisern traf genau das Gefühl von vielen<br />

Sängerinnen und Sängern, denn die Pandemie<br />

hielt die Menschen zu lange von<br />

der Chorgemeinschaft und vom Chorsingen<br />

ab. 22 Teilnehmer*innen folgten der<br />

Einladung des Südtiroler Chorverbandes<br />

und lernten mit dem Referenten Edgar<br />

Wolf neue Literatur kennen und erfuhren<br />

wichtige Tipps, wie man die Stimme gesund<br />

erhält. Doch im Mittelpunkt stand einfach<br />

die Freude, einen Tag lang mit Gleichgesinnten<br />

zu singen. Edgar Wolf aus Niederösterreich<br />

hat langjährige Erfahrung als<br />

Chorleiter, Sänger, Stimmpädagoge, Lehrer<br />

und Animator für das Chorsingen. Sein<br />

Edgar Wolf: „Die Freude und der Spaß sind das Wichtigste beim Singen."<br />

Motto war, wie auch bei den vielen Seminaren<br />

der letzten Jahre, dass die Freude<br />

und der Spaß am Singen das Wichtigste<br />

ist. So herrschte auch heuer beim Work-<br />

shop eine gute Stimmung, was der Motivation<br />

der Teilnehmer*innen und auch<br />

dem Referenten selbst zu verdanken ist.<br />

Paul Bertagnolli<br />

<strong>KulturFenster</strong> 27<br />

06/Dezember <strong>2022</strong>


SCV-Intern<br />

Sängerwanderung<br />

des Bezirkes Bozen<br />

Das Team vom Bezirk Bozen im Südtiroler<br />

Chorverband hatte unlängst beschlossen,<br />

die alljährliche Sängerwanderung heuer<br />

im Gemeindegebiet von Mölten stattfinden<br />

zu lassen.<br />

Kirchenchor Mölten als Gastgeber<br />

Ein Abstecher zur römisch-katholischen Kirche St. Jakob auf Langfenn<br />

Sängerwanderung in Mölten – ein Herbsttag wie im Bilderbuch<br />

Zu diesem Zweck wurde die Obfrau des<br />

Kirchenchores Mölten, Evi Amhof, kontaktiert<br />

und zusammen mit Mitgliedern des<br />

Ausschusses traf man sich zu einem Gespräch<br />

in Mölten. Bei einem netten und<br />

konstruktiven Gedankenaustausch wurden<br />

der Tag geplant und die Einladung zum<br />

Wandertag schlussendlich an alle Chöre<br />

im Bezirk Bozen versendet.<br />

Als gastgebender Chor hatte der Kirchen-<br />

chor Mölten gleich schönes Wetter mitbestellt<br />

und so trafen sich am Samstag,<br />

8. Oktober <strong>2022</strong>, an die 32 Sängerinnen<br />

und Sänger verschiedener Chöre aus dem<br />

Großraum Bozen und Umgebung bei strahlendem<br />

Sonnenschein um 10 Uhr beim<br />

Parkplatz bei der Feuerwehrhalle in Mölten.<br />

Erste Station war die Sektkellerei Arunda,<br />

wo Seniorchef Josef Reiterer persönlich mit<br />

allerhand interessanten Fakten und einigen<br />

Anekdoten den aufmerksamen Zuhörern<br />

seinen Betrieb nahebringen konnte.<br />

Bei der anschließenden Verkostung einiger<br />

edler Tropfen im wunderschönen Garten<br />

durfte natürlich auch die Musik nicht zu<br />

kurz kommen. Nach einigen herzlichen<br />

Willkommensworten von Carmen Seidner<br />

und Simon Ebner vom Bezirksteam Bozen<br />

an die Sänger stimmte Verbandschorleiterin<br />

Sandra Giovanett ein paar gesellige<br />

Lieder an.<br />

Um die Mittagszeit fuhr die Gruppe nach<br />

Schermoos und spazierte nach Langfenn,<br />

wo sich auch einige Sängerinnen des Frauenchores<br />

von Mölten dazugesellten. Auf der<br />

Terrasse des Gasthauses wurde gemeinsam<br />

zu Mittag gegessen und das schon<br />

langsam herbstliche Panorama bewundert.<br />

Nach dem Kaffee konnten die Chorsängerinnen<br />

und Chorsänger noch die<br />

St.Jakobskirche besichtigen. In deren Inneren<br />

brachte Stephan Leitner vom Kirchenchor<br />

Mölten den Zuhörern die lange<br />

Geschichte dieses Kraftortes näher, und<br />

natürlich durfte hier auch ein Lied zum<br />

Lob unseres Herrn nicht fehlen.<br />

Nach all dem gemütlichen Teil sollte aber<br />

auch die Bewegung nicht zu kurz kommen.<br />

So machte sich die Gruppe auf zum Almgasthaus<br />

„Gschnofer Stall“, wo zur Belohnung<br />

eine kleine Stärkung in Form von<br />

Kaffee und Kuchen wartete. Nachdem die<br />

Bezirkschorleiterin auch hier wieder einige<br />

Lieder angestimmt hatte, trat die Sängerrunde<br />

den Rückweg nach Schermoos an,<br />

wo man sich herzlich verabschiedete und<br />

ein jeder wieder in seine Heimatgemeinde<br />

entlassen wurde, nicht aber ohne das Versprechen,<br />

sich bald bei einer weiteren Gelegenheit<br />

wiederzusehen.<br />

Es war ein rundum gelungener Tag voller<br />

Sonnenschein, herbstlicher Farben, netter<br />

Gespräche und Chorgesang in einer ungewohnten<br />

Zusammensetzung. Alle Teilnehmer<br />

der Sängerwanderung waren von<br />

Mölten und seinen wunderschönen Plätzen<br />

und Einkehrmöglichkeiten begeistert<br />

und nahmen viele gute Eindrücke mit<br />

nach Hause.<br />

Monika Mair<br />

<strong>KulturFenster</strong> 28<br />

06/Dezember <strong>2022</strong>


Chorwesen<br />

Zum Paradiese mögen<br />

Engel dich geleiten …<br />

Aufführung des „Requiems“ von Karl Jenkins im Pustertal<br />

Ein große Sängerschar aus verschiedenen<br />

Chören des Pustertals, Schülerinnen der<br />

Musikklassen des Sozialwissenschaftlichen<br />

Gymnasiums (Sowigym) Bruneck, Sopransolistin<br />

Stefanie Steger sowie ein Orchester mit<br />

Musiker*innen vorwiegend aus dem Pustertal<br />

brachten am letzten Oktoberwochenende<br />

die Stiftskirche Innichen und die Pfarrkirche<br />

Taufers zum Erklingen. Auf dem Programm<br />

stand das “Requiem” von Karl Jenkins.<br />

Das Requiem wurde auch zu Ehren des verstorbenen Bezirksobmanns Rudi Duregger aufgeführt.<br />

Nach zwei harten Jahren des Wartens,<br />

Bangens und Hoffens war es endlich möglich,<br />

das bereits im Jahr 2020 geplante<br />

Projekt umzusetzen. Die Pandemie erforderte<br />

von jedem Einzelnen große Opfer<br />

im Alltag und Verluste von liebgewonnenen<br />

Mitmenschen.<br />

Das Requiem des walisischen Komponisten<br />

Karl Jenkins erwies sich als passende Musikwahl,<br />

konnten mit der Aufführung dieses<br />

Werks nämlich gleich mehrere Ziele<br />

erfüllt werden: Es konnte in gebührender<br />

Weise an den verstorbenen Bezirksobmann<br />

Rudi Duregger gedacht werden.<br />

Als Würdigung seines jahrelangen, aufopferungsvollen<br />

Einsatzes für den Bezirk<br />

Pustertal fanden diese Konzerte auch ihm<br />

zu Ehren statt. Auf das unmittelbar bevorstehende<br />

Fest zu Allerheiligen und Allerseelen<br />

und dem Totengedenken konnte<br />

mit dem Requiem eingestimmt werden.<br />

Schließlich erlaubte die Charakteristik des<br />

Werks aber auch ein gemeinsames Auftreten<br />

verschiedener Generationen. Die<br />

“klassischen”, lateinischen Requiemteile<br />

wurden von 56 Sänger*innen aus verschiedenen<br />

Pustertaler Chören dargeboten, welche<br />

sich seit März <strong>2022</strong> einmal im Monat<br />

mit Bezirkschorleiter Markus Federer<br />

zu gemeinsamen Proben eingefunden<br />

haben. Die fünf japanischen Haiku-Gesänge<br />

hingegen wurden von den Schülerinnen<br />

der Musikklassen des Sowigyms<br />

Bruneck vorgetragen. Diese erarbeiteten<br />

sie mit ihren Lehrpersonen Adele Vikoler<br />

und Hannes Tschurtschenthaler während<br />

der Unterrichtszeit.<br />

Markus Federer setzt es sich als Bezirkschorleiter<br />

zum Ziel, den Sänger*innen im<br />

Bezirk in regelmäßigen Abständen ein besonderes<br />

musikalisches Projekt anzubieten.<br />

Dabei ist es ihm ein großes Anliegen,<br />

verschiedene Altersgruppen musikalisch<br />

zusammenzubringen. Dieses Ziel spiegelte<br />

sich nicht nur bei den Sänger*innen, sondern<br />

auch in der Besetzung des Orchesters<br />

wider: Neben professionellen Musikern<br />

wurden gezielt auch junge Musiker<br />

engagiert.<br />

Gestärkt durch die gemeinsame Zeit und<br />

das große musikalische Erlebnis, zudem<br />

berauscht durch das Feedback der unglaublichen<br />

Publikumschar freuen sich<br />

die Beteiligten heute schon auf die Ausschreibung<br />

eines neuen Projektes.<br />

Redaktionsschluss für<br />

Aus der Redaktion<br />

Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für das Chorwesen<br />

senden Sie bitte an: info@scv.bz.it (Südtiroler Chorverband)<br />

Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie uns unter<br />

folgender Nummer: +39 0471 971 833 (SCV)<br />

die nächste Ausgabe des<br />

„<strong>KulturFenster</strong>s“ ist:<br />

Freitag, 13. Jänner 2023<br />

29<br />

<strong>KulturFenster</strong> 06/Dezember <strong>2022</strong>


hinausgeblickt<br />

„Cantare et sonare“ -<br />

Vielfältiges Phänomen<br />

Neue Strukturen beim Herbst-Seminar 2023 in Südtirol<br />

Vielfalt im<br />

Referat<br />

„Historisches<br />

Instrumentarium“,<br />

Anras 2021<br />

Bilder: Verein<br />

„cantare et sonare“<br />

Reith bei Seefeld<br />

Die Corona-Vorgaben bremsten zwar auch unseren Verein etwas ein, boten andererseits<br />

Gelegenheit zur Rückbesinnung auf ursprüngliche Zielsetzungen. Unser Bereich, vornehmlich<br />

geistliche Musik zwischen 1500 und 1650 war lange Zeit ein „Renner“, vor allem bei<br />

den Jugendlichen. Inzwischen ist es um dieses Phänomen – außer in bereits gefestigten<br />

Festivals – ruhiger geworden. Aber kaum erleben Jugendliche diese Musik hautnah, hört<br />

man: „Grandios! Für mich die schönste Musik!“ Dieser Diskrepanz zu begegnen, ist einer<br />

der Beweggründe unserer Bemühungen.<br />

Was ist „cantare et sonare“?<br />

Sänger und Instrumentalisten realisieren<br />

nicht als separat angesehene Klangkörper<br />

mit jeweils eigenem Stimmenmaterial, sondern<br />

als Einheit auf gleicher Augenhöhe,<br />

aus dem gleichen Notenblatt musizierend,<br />

sich gegenseitig ergänzend und stützend,<br />

vier- bis 12-stimmige Werke, und zwar:<br />

- mit Einbeziehung des Kirchenraumes als<br />

wesentlichem Faktor<br />

- zur Ausweitung der Repertoire-Möglichkeiten<br />

- zur Bereicherung des Klangspektrums<br />

- mit stetem Bedacht auf genügend Raum<br />

für a-capella-Darstellung und reine Instrumentalwerke.<br />

Beobachtungen von Teilnehmer*innen am<br />

Ende eines Seminares in Innsbruck:<br />

„Dieses Wochenende zeigte völlig neue<br />

Aspekte jahrzehntelang geübter Musizierpraxis.<br />

Die Bläser standen mitten<br />

im Chor bei ihren jeweiligen Stimmen,<br />

oft ohne Notenpulte. Gespielt wurde<br />

aus dem Notenblatt der nächststehenden<br />

Sängerin. Da erübrigten sich Anweisungen,<br />

es gab kein ‘zu laut!‘ Die jungen<br />

Bläser, wissbegierig, nahmen das<br />

singende Spielen nonverbal wahr. Und:<br />

Kaum war das Instrument von den Lippen,<br />

wurde mitgesungen. Auffällig: Dieses<br />

singende Spielen wurde auch in den<br />

Canzonen umgesetzt.<br />

Wohltuend erfrischend-anders: Die Orgel<br />

oben, Positiv vorne, die Bläser fallweise oben<br />

und unten, der Chor vorne verteilt links und<br />

rechts vor oder neben dem Altar, der ganze<br />

Kirchenraum erfüllt von Klang. Das Konzerthafte<br />

‚Die-da-hinten-oben‘ fiel weg, die Gemeinde<br />

fühlte sich eins mit den Musikern.“<br />

Das trifft auch genau den Kern von Aufführungen<br />

mehrchöriger Werke der großen<br />

Meister. Mehrere 4- oder 5-stimmige Chöre<br />

vereinen sich zu großem Klang. Es liegt an<br />

uns, sich um diese Praxis zu bemühen, Interessierten<br />

die Möglichkeit zu bieten, zu<br />

erfahren, zu hören, dass es diese Musik<br />

gibt. Und dass diese wertvoll und hilfreich<br />

sein kann für Chorvereinigungen!<br />

Oben Beschriebenes steht im Herbst-Seminar<br />

2023 in Südtirol im Mittelpunkt. Die<br />

ChorsängerInnen lieben diese dialogisierende<br />

Art zu singen. Wir werden einen beachtlichen<br />

Zeitanteil einer Literatur zuwenden,<br />

wie sie in unseren Pfarrkirchen<br />

erklingen könnte. Zum anderen tauchen<br />

wir auch ein in Werke, die nicht ohne weiters<br />

hinausgetragen werden können, aus<br />

<strong>KulturFenster</strong> 30<br />

06/Dezember <strong>2022</strong>


Chorwesen<br />

Neugier auf Unbekanntes und zur eigenen<br />

Erbauung.<br />

Der Instrumentalbereich wird anders als<br />

gewohnt strukturiert, aufgeteilt in<br />

» ein Referat für moderne Trompeten<br />

und Posaunen<br />

» ein Referat für Zinken und historische<br />

Posaunen,<br />

» ein drittes für Streicher, Oboen und Fagotte/Dulzian<br />

Wir können uns glücklich schätzen, historisches<br />

und modernes Instrumentarium<br />

nebeneinander hören zu können. Mit diesem<br />

vielfältigen Instrumentarium wird, neben<br />

den Instrumentalwerken, experimentiert,<br />

in Vokalwerken die verschiedensten<br />

Besetzungsmöglichkeiten aufgezeigt.<br />

Vorbereitungskurse für Chorsänger*innen,<br />

Trompete, Posaune, Oboe und Fagott finden<br />

statt im Regionalbereich Pustertal (Bruneck<br />

bis Sillian) und Osttirol<br />

Freitag 17. und 18. März 2023 in Anras.<br />

Das zweite für historische Instrumente muss<br />

noch fixiert werden im Zeitraum vor Ostern.<br />

Bewerbungen und Details für beide Termine<br />

werden rechtzeitig bekanntgegeben.<br />

Für die Auswahl des Seminarortes folgen wir<br />

unserer seit Jahrzehnten gepflegten Intention,<br />

Möglichkeiten abseits der bestehenden<br />

Schulungshäuser zu finden, voll im Bewusstsein,<br />

wie viel mehr organisatorischer<br />

Mehraufwand für uns damit verbunden ist.<br />

Hauptchor in Regensburg 2013<br />

Chor I und Chor II, Stams 2014<br />

Chor II bei Missa von Andreas Hofer, Stams 2015<br />

Wir wissen nie, wo und wann das,<br />

was wir in Seminaren und Konzerten<br />

zeigen, Früchte trägt."<br />

Prof. Otto Ulf, Gründer<br />

des Vereins „cantare et sonare<br />

Die Ausschreibung fürs Herbst-Seminar<br />

vom 22. bis zum 24. September 2023<br />

mit allen Details erfolgt in einer der nächsten<br />

Ausgaben des <strong>KulturFenster</strong>s.<br />

Uns war und ist immer bewusst, dass wir<br />

nur eine Nische besetzen, einen begrenzten<br />

Musikerkreis ansprechen, dem allerdings<br />

diese Art sehr viel bedeutet. In den<br />

meisten Kapellen gibt es einige Bläser, welche<br />

diese Musizierart in kleinen Gruppen<br />

und mit Sänger*innen anzieht, für die Chöre<br />

durch das Hinzunehmen guter Instrumentalisten<br />

eine Aufwertung ihres Repertoires<br />

und ihrer Möglichkeiten bedeuten kann.<br />

Georg Schmid<br />

Obmann „cantare et sonare”<br />

Bläser als Chor III, Stams 2017<br />

Chor II, Evangelischer Gottesdienst, Christuskirche Innsbruck 2017<br />

<strong>KulturFenster</strong> 31<br />

06/Dezember <strong>2022</strong>


hinausgeblickt<br />

Ein Leben lang<br />

im Dienste der Musik<br />

Kirchenkonzert im Zeichen der Dankbarkeit<br />

Das Kirchenkonzert<br />

in Niederdorf<br />

war<br />

auch ein Dankeschön<br />

für<br />

das Wirken des<br />

langjährigen<br />

Chorleiters<br />

Josef Walder.<br />

Ganz im Zeichen der Dankbarkeit für das<br />

Wirken des langjährigen Chorleiters, Organisten<br />

und Kapellmeisters Josef Walder<br />

stand das Konzert der Kirchenchöre Niederdorf<br />

und St. Sigmund am 11. September<br />

in der Pfarrkirche Niederdorf.<br />

Die Chöre und die Instrumentalisten aus<br />

dem Pustertal und aus Osttirol führten<br />

die „Missa solemnis in D“ von Joseph<br />

Ohnewald unter der Leitung von Günther<br />

Walder auf.<br />

In einer Dankesrede erinnerte Robert<br />

Burger, der Kulturreferent der Gemeinde<br />

Niederdorf, an die großen Leistungen von<br />

Josef Walder und an sein Leben, das vom<br />

Einsatz für die Musik geprägt war. Walder,<br />

1944 in Winnebach geboren, besuchte die<br />

Kirchenmusikschule in Brixen bei Domkapellmeister<br />

Angelo Alverá und Domorganist<br />

Alfons Frontull. 1969 verstarb<br />

plötzlich Josef Hochkofler und Niederdorf<br />

stand ohne Kapellmeister und ohne<br />

Chorleiter da. „In Dir, Sepp, fand man einen<br />

jungen Mann, der voller Tatendrang,<br />

musikalisch begabt und mit viel Liebe zur<br />

Musik das nicht einfache Erbe antrat. Ich<br />

muss sagen, dein Mut war erstaunlich“,<br />

erinnerte Burger in seiner Rede an den<br />

außergewöhnlichen Charakter und den<br />

Einsatz von Josef Walder.<br />

In der heutigen Zeit sei es kaum mehr<br />

vorstellbar, soviel Aufwand<br />

für die Dorfgemeinschaft<br />

mit einer<br />

jungen, nicht kleinen<br />

Familie und neuen beruflichen<br />

Herausforderungen<br />

unter einen<br />

Hut zu bringen. Durch<br />

Neuanwerbung und<br />

eigene Ausbildung<br />

von Sänger*innen war<br />

herer Zeit auch bei allen Rorateämtern<br />

und vielen Maiandachten. Und mit dem<br />

Kirchenchor wurde jede Beerdigung musikalisch<br />

mitgestaltet. „Auch als Kapellmeister<br />

hast du bleibende Spuren hinterlassen“,<br />

betonte Burger.<br />

Walder hat selbst viele<br />

Jugendliche ausgebildet,<br />

das Repertoire erneuert<br />

und mit vielen<br />

Musikkapellen, auch<br />

aus Osttirol, ein gutes<br />

Verhältnis gepflegt. Er<br />

spielte moderne Literatur<br />

und führte die<br />

Jahreskonzerte ein.<br />

Walder stets bemüht,<br />

das Niveau des Chores<br />

zu steigern und zusätzlich<br />

Josef Walder (1944)<br />

Zum 125-jährigen Jubiläum<br />

seiner Musikkapelle<br />

komponierte<br />

neue Literatur einzuführen. Fei-<br />

erliche Messen an den Sonntagen waren<br />

ihm ein großes Anliegen, besonders die<br />

Orchestermessen am Patrozinium des Hl.<br />

Stephanus. Auch die „Bunten Abende“<br />

des Kirchenchors bleiben unvergessen.<br />

Viele Jahre lang spielte Walder bei allen<br />

Sonntagsgottesdiensten die Orgel, in frü-<br />

Josef Walder als Geburtstagsgeschenk<br />

den„Jubiläumsmarsch“, der heute noch<br />

oft gespielt wird. Burger richtete sich mit<br />

Glückwünschen und Worten des Dankes<br />

an den verdienten Chorleiter und Kapellmeister:<br />

„Möge Dich die Musik noch<br />

lange begleiten.“<br />

Paul Bertagnolli<br />

<strong>KulturFenster</strong> 32<br />

06/Dezember <strong>2022</strong>


Chorwesen<br />

„Theater, Musi und<br />

Gsång in Sea entlång“<br />

Singen und Feiern mit den Ultner Bänkelsängern<br />

Im Sommer luden die Ultner Bänkelsänger<br />

zu "Theater, Musi und Gsång in Sea entlång"<br />

ein. Bei traumhaftem Wetter gab es<br />

beim Zoggler Stausee fünf Musik- und Genussstände,<br />

die Ohr, Auge und Geschmack<br />

verwöhnten.<br />

Ein sehr gelungenes Projekt, das wie immer<br />

nicht ohne eine Vielzahl von freiwilligen<br />

Helfern über die Bühne gehen könnte,<br />

denen der Dank der Ultner Bänkelsänger<br />

gilt. Viele Musikanten, Sänger und Theaterspieler<br />

des Tales durften vor einer besonderen<br />

Kulisse ihr Können zur Schau<br />

stellen. Allein musikalisch ließ sich für jeden<br />

Geschmack etwas finden. So durfte<br />

sich der Gemischte Chor St. Walburg, der<br />

beim Fest ausschließlich aus Frauen bestand,<br />

zur Abwechslung einmal weltlichen<br />

Liedern widmen – oder die Vollblutmusikanten<br />

von der "Steirischen Blås", welche<br />

die Ultner noch die ganze Nacht mit ihrer<br />

hervorragenden Musik verwöhnten. Zudem<br />

boten die zwei Ultner Theatervereine mit<br />

ihren Darbietungen noch eine Portion Abwechslung<br />

vom Feinsten.<br />

Auch die Verpflegungsstände setzten mit<br />

allerlei verschiedenen Angeboten Anreize,<br />

so gab es von Fisch und Schnitzel<br />

bis Eis und Kuchen für jeden etwas. Dazwischen<br />

entwickelte sich der Seeweg mit<br />

seinen schattenspendenden Bäumen zu<br />

einem großartigen Weg der Begegnungen.<br />

Man sah den Menschen an, dass sie solche<br />

Veranstaltungen vermisst hatten, was<br />

Die Ultner Bänkelsänger veranstalteten am Zoggler Stausee in Ulten ein Fest des Gesangs<br />

und der Lebensfreude.<br />

Foto: Oswald Breitenberger<br />

sich auch an der großen Besucherzahl bemerkbar<br />

machte.<br />

Der Höhepunkt von diesem durch und<br />

durch gelungenen Projekt war am Ende<br />

das große Zusammentreffen aller Mitwirkenden.<br />

Diese trafen sich bei der ersten<br />

Station, wobei jede Gruppe sich noch einmal<br />

kurz präsentieren durfte. Und so bot<br />

das gemeinsam gesungene und gespielte<br />

"Dem Land Tirol die Treue" einen würde-<br />

vollen Abschluss dieser Veranstaltung.<br />

Es gilt nochmals, allen freiwilligen Helfern<br />

und Sponsoren aufrichtig und herzlichst zu<br />

danken, ebenso dem Bildungsausschuss<br />

und dem Tourismusverein, die durch ihre<br />

Unterstützung die Veranstaltung erst ermöglichten.<br />

Die Bänkelsänger hoffen, dass<br />

solche Projekte auch in Zukunft wieder so<br />

großen Zuspruch finden.<br />

Daniel Breitenberger<br />

Chorleiter*in gesucht!<br />

Der Kirchenchor Meransen sucht dringend eine*n Chorleiter*in für<br />

die Gestaltung kirchlicher Feste und Beerdigungen.<br />

Informationen unter: 340 6949434 (Herta Gschnitzer)<br />

33<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

06/Dezember <strong>2022</strong>


Jung+<br />

Stimmgewaltig<br />

Mosaic Singers & Players<br />

Wir sind…<br />

der Jugendchor „Mosaic Singers & Players“<br />

der Gemeinde Enneberg im Gadertal.<br />

In unserem Chor singen 20 Sänger*innen<br />

und in unserer Band musizieren vier Jungs.<br />

Jedes einzelnes Chormitglied ist verschieden<br />

und einzigartig. Doch alle zusammen<br />

bilden wir eine Einheit. Eine Einheit, die unseren<br />

Chor wie ein Mosaik aus verschiedenen<br />

Farben erstrahlen lässt. Mit unseren<br />

selbstkomponierten Liedern möchten wir<br />

den Zuhörer*innen eine Freude machen<br />

und sie mit unseren Stimmen, Texten und<br />

Melodien auch zum Nachdenken anregen.<br />

Unser Motto …<br />

Eine Vielzahl an Farben verbindet uns!<br />

Was uns motiviert…<br />

Uns ist es wichtig, den Menschen unsere<br />

Einfachheit und Menschlichkeit zu zeigen.<br />

Dies versuchen wir den Menschen<br />

mit unseren Liedern mitzugeben. Es freut<br />

uns, wenn die Menschen zu unseren Auftritten<br />

kommen und wir ihnen ein Lächeln<br />

ins Gesicht zaubern können.<br />

Uns gibt es seit…<br />

dem Jahr 1987. Unser Chor wurde von<br />

begeisterten und musikalischen Jugendlichen<br />

aus St. Vigil in Enneberg gegründet,<br />

damit sie miteinander singen und<br />

musizieren konnten. In den ersten Jahren<br />

wurden zahlreiche Lieder von den Chormitgliedern<br />

geschrieben und eine CD herausgegeben.<br />

Im Jahr 2011 bekam der<br />

Chor eine neue Leitung und es kamen<br />

neue Sänger*innen aus dem ganzen Gadertal<br />

dazu. In den letzten Jahren hat der<br />

Chor begonnen, sein Repertoire auszuweiten:<br />

Es werden viele moderne Lieder gesungen,<br />

es werden Konzerte mit anderen<br />

Chören und mehrere Auftritte im ganzen<br />

Tal gemacht.<br />

Unsere Höhepunkte waren…<br />

Wir durften in der Vergangenheit viele und<br />

auch besondere Momente erleben. Wir haben<br />

kirchliche Feiern musikalisch begleitet,<br />

bei Konzerten und Projekten mit anderen<br />

Jugendchören aus dem Gadertal mitgewirkt<br />

und auch auf einigen Weihnachtsmärkten<br />

gesungen.<br />

Besondere Höhepunkte waren jedoch unsere<br />

zwei Konzerte, die wir im September<br />

gegeben haben. Für diese Konzerte<br />

haben wir zahlreiche Lieder ausgewählt,<br />

die alle auf ein bestimmtes und besonderes<br />

Thema hinweisen, nämlich die Vielfalt.<br />

Dieses Thema hat uns Chormitglieder<br />

zum Nachdenken gebracht. Wir wollten an<br />

diesen Abenden auch an Menschen denken,<br />

die es nicht immer leicht im Leben<br />

und mit einer Krankheit zu kämpfen haben.<br />

Wir durften zwei Vereinigungen aus Südtirol<br />

mit einem finanziellen Beitrag unterstützten.<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

34 06 Dezember <strong>2022</strong>


Unsere Pläne für die Zukunft…<br />

Wir möchten den Menschen mit unseren<br />

Stimmen, Melodien und Liedern eine<br />

Freude bereiten und sie mit unseren selbstkomponierten<br />

Liedern bei unseren Auftritten<br />

begeistern.<br />

Herzlich willkommen sind bei uns…<br />

Jugendliche ab 15 Jahren, die gerne singen<br />

und musizieren.<br />

Wie man bei uns mitmachen kann…<br />

Immer wieder brauchen wir begeisterte<br />

Sänger*innen. Wir laden Dich zum Vorsingen<br />

und zur Chorprobe ein und wenn<br />

es Dir gefällt, heißen wir Dich herzlich in<br />

unserem Jugendchor willkommen.<br />

Die Proben finden bei uns hauptsächlich<br />

samstags – am Nachmittag oder Abend –<br />

im Chorprobelokal St. Vigil statt.<br />

Unsere Chorleiterin und unser Chorleiter<br />

Marion Palfrader<br />

Mein Alter: 23 Jahre<br />

Ich komme und wohne in: Enneberg<br />

Beim Jugendchor bin ich seit: 2015<br />

Mich gibt es im Doppelpack mit: Schokolade und meiner Geige<br />

Total toll finde ich: die lustigen Proben, die wir gemeinsam erleben und die<br />

Emotionen, die wir dem Publikum vermitteln können.<br />

Ich liebe es: Lieder für unseren Chor zu schreiben<br />

Meine Hobbys: mit anderen gemeinsam musizieren, Lieder schreiben<br />

Daniel Willeit<br />

Mein Alter: 28 Jahre<br />

Ich komme und wohne in: Enneberg<br />

Beim Jugendchor bin ich seit: 2011<br />

Mich gibt es im Doppelpack mit: meinem Rucksack<br />

Total toll finde ich: die Zeit, in der wir in der Gruppe gemeinsam Musik machen;<br />

die Zeit, in der wir zusammen mit den Bandmitgliedern unserer musikalischen Phantasie<br />

freien Lauf lassen und somit Lieder neu interpretieren<br />

Ich liebe es: im Wald spazieren zu gehen und singend zur Ruhe zu kommen, Lieder<br />

zu schreiben<br />

Meine Hobbys: Musik machen, die Natur beobachten<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

35 06 Dezember <strong>2022</strong>


Es gibt verschiedene Ansätze, die musikalische<br />

Arbeit zu optimieren, um neue, individuelle Wege<br />

offenzulegen und zu präsentieren. Diese können<br />

auf die musikalische und organisatorische Struktur<br />

einer Musikkapelle umgemünzt werden.<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

36 06/Dezember <strong>2022</strong>


analysiert<br />

Methodische Ansätze<br />

im Blasorchester<br />

Musikdidaktische Methodik und Organisationsmethodik<br />

in den Musikkapellen Südtirols<br />

Der junge Musiker, Kapellmeister und Komponist<br />

Jakob Augschöll (Jahrgang 1998)<br />

aus Luttach hat im vergangenen Mai in<br />

seiner Masterarbeit zu „Musikdidaktik –<br />

Musikerziehung“ die Organisation und pädagogische<br />

Arbeit in den Südtiroler Musikkapellen<br />

analysiert. Die Arbeit wird mit<br />

einer Umfrage ergänzt. Im Folgenden gibt<br />

er einen kurzen Überblick über seine Abschlussarbeit.<br />

Betrachtet man die pädagogische Arbeit<br />

in den Musikkapellen, so fallen eine sehr<br />

unterschiedliche, ausgeprägte und sich<br />

ständig wandelnde Form von Probenpädagogik,<br />

Organisation im außermusikalischen<br />

Sinne und unterschiedliche Strukturierung<br />

auf.<br />

Um die musikalische Arbeit zu optimieren,<br />

gibt es verschiedene Ansätze, die auf die<br />

musikalische und organisatorische Struktur<br />

einer Musikkapelle umgemünzt werden<br />

können, um neue, individuelle Wege<br />

offenzulegen und zu präsentieren. Natürlich<br />

müssen diese Wege ständig angepasst<br />

und auf ihre tatsächliche Wirksamkeit hin<br />

erforscht werden.<br />

In der Organisationsstruktur eines Vereines<br />

kann grundsätzlich zwischen drei Phasenmodellen<br />

unterschieden werden, die sich<br />

auf die Organisation eines Musikvereines<br />

anwenden lassen (dreiteiliges, siebenteiliges<br />

und achtteiliges Phasenmodell).<br />

3 Phasenmodelle<br />

und kleinere, aber notwendige Veränderungen<br />

erst von allen Organisierenden<br />

abgestimmt werden müssen, um Missverständnisse<br />

und Probleme in der Gesamtorganisation<br />

zu vermeiden.<br />

Das siebenteilige Phasenmodell dient<br />

zur konkreten Anwendung in klaren Situationen<br />

und Problembehandlungsmissionen,<br />

die unmittelbar oder auch indirekt<br />

den Verein betreffen oder belasten. Das<br />

Modell der Organisation kann als Notfallplan<br />

angesehen werden, oder auch auf<br />

sachliche Situationen umgemünzt und angewandt<br />

werden.<br />

Das Modell in acht Teilen dient zur Vereinsauslegung.<br />

Einige Grundsatzformen<br />

der Vereinsstrukturen sind im Modell enthalten,<br />

die konstruktiv auf den Verein angewandt<br />

werden müssen, damit ein optimaler<br />

Vereinsablauf überhaupt passieren<br />

kann. Zur idealen Organisation sind viele<br />

Schritte und ein klar definierter Plan notwendig,<br />

der sich an diesem Strukturmodell<br />

der Organisation orientieren kann.<br />

Strukturierungsmöglichkeiten<br />

Weiters gibt es verschiedene Strukturierungsmöglichkeiten<br />

des organisatorischen<br />

Vorstandes (Einliniensystem, Mehrliniensystem,<br />

die Matrixorganisation sowie die Projektorganisation).<br />

Diese befassen sich mit<br />

der Organisation im personellen Aufgabenbereich<br />

in der Struktur einer Musikkapelle.<br />

Der Großteil der Arbeit eines Vereines,<br />

besonders eines musikalischen und organisatorischen<br />

Vorstands, hängt in vielen<br />

Punkten mit pädagogischen Ansätzen<br />

zusammen. Insbesondere trifft das<br />

auf die Situation eines Orchesters zu, wie<br />

es eine Musikkapelle beziehungsweise<br />

ein Blasorchester ist. Dabei spielen aus<br />

pädagogischer Sicht drei Personen eine<br />

zentrale Rolle:<br />

» derVorstandsvorsitzende,Obmann,oder<br />

der organisatorisch Verantwortliche;<br />

» der Kapellmeister, oder auch musikalischer<br />

Leiter oder Dirigent;<br />

» sowie der Jugendleiter, also die Person,<br />

die für die Jugendarbeit und Ausbildung<br />

junger Musiker zuständig ist.<br />

Das dreiteilige Phasenmodell hat den<br />

Vorteil, dass der Vorstand als Gesamtes in<br />

alle Prozesse mit eingebunden wird. Diese<br />

Form der Organisation ist die am meisten<br />

angewandte, sie hat sich auch oftmals<br />

am besten bewährt. Allerdings bringt sie<br />

auch den Nachteil mit sich, dass es nur<br />

eine bedingte und geringe Möglichkeit<br />

gibt, kurzfristig viel zu verändern. Auch<br />

bringt sie das Problem mit sich, dass die<br />

Planungsarbeit nur zentral erfolgen kann<br />

Modell der „Matrixorganisation“<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

37 06/Dezember <strong>2022</strong>


analysiert<br />

Probenpädagogik und<br />

Probenmethodik –<br />

musikalische Leitung<br />

Den musikalischen Teil eines Blasorchesters<br />

übernimmt der Chefdirigent, Dirigent oder<br />

Kapellmeister. Er organisiert die musikalische<br />

Struktur und die Abläufe, die direkt<br />

oder indirekt mit den musikalischen Aufgaben<br />

eines Blasorchesters verbunden sind.<br />

Probenpädagogik beschreibt einerseits die<br />

Organisation verschiedener musikalischer,<br />

aber auch gemeinschaftlicher Abläufe, für<br />

die ein musikalischer Leiter alleine oder in<br />

einer klar strukturierten und definierten<br />

Gruppe zuständig ist. Die Rolle des Leiters<br />

kann durch einige Schwerpunkte definiert<br />

werden, die sich mehr auf die musisch-organisatorischen<br />

Aufgaben eines<br />

Dirigenten beziehen.<br />

Jugend musiziert über Grenzen hinweg – wie beim EUREGIO Jugendblasorchester<br />

Man darf hier allerdings die Aufgabe der<br />

anderen Vorstandsmitglieder nicht unterschätzen,<br />

die die drei Hauptverantwortlichen<br />

unterstützen, meist in Form von<br />

verschiedenen Aufgaben, die jeweils direkt<br />

oder indirekt, offiziell oder inoffiziell<br />

zugeordnet werden.<br />

Eine grundlegende, klare Strukturierung<br />

der Aufgaben eines Vorstandes ist gut und<br />

sinnvoll, wenn sich ein roter Faden durch<br />

die organisatorische Arbeit zieht. Planung<br />

und Zielsetzung – ob im Jahresrhythmus<br />

oder auch in Abschnitten von mehreren<br />

Monaten – ist bei der Abwicklung von Veranstaltungen<br />

und der finanziellen Organisation<br />

von zentraler Bedeutung.<br />

Es ist Aufgabe des Vorstandes, das lernfördernde<br />

und gesellschaftliche Klima eines<br />

Vereines per definitionem zu halten, da<br />

ansonsten die Konstruktivität der eigentlichen<br />

Sache abnimmt.<br />

Musikalische Organisation<br />

der Probenarbeit<br />

und Konzerttätigkeit<br />

Die musikalische Organisation der Probenarbeit<br />

hängt stark von der musikalischen<br />

Zielsetzung eines musikalischen Leiters<br />

oder Dirigenten ab. Dabei ist entscheidend,<br />

dass konkrete Jahrespläne ausgearbeitet<br />

werden, die dem musikalischen<br />

Ziel eine Richtung und eine Methode geben,<br />

die einen kurz- und längerfristigen<br />

Zeitraum erschließt.<br />

Die didaktische Organisation der Probenarbeit<br />

erfolgt in drei Schritten:<br />

» a) Vorbereitung des musikalischen Programms<br />

und Zielsetzung der Schwerpunkte<br />

» b)Umsetzung der Schwerpunkte<br />

» c)Nachbereitung und Analyse der geleisteten<br />

didaktischen Arbeit<br />

Die Umfrage<br />

Umsetzungsdiagramm bezüglich Organisation der Probenareit<br />

Die außermusikalischen Umgangsformen<br />

und die pädagogische Arbeit eines musikalischen<br />

Leiters nehmen einen Großteil der<br />

Arbeit in einem Verein in Anspruch. Eine<br />

eigens dafür angelegte Umfrage gibt Aufschluss<br />

über die Wichtigkeit einiger Fragen.<br />

Die Umfrage wurde an 642 Musikant*innen<br />

aus allen Landesteilen Südtirols mit einem<br />

Durchschnittsalter von 38,5 Jahren in der<br />

Zeit vom 30. März bis zum 30. April 2021<br />

durchgeführt. 99,22% der Befragten sind<br />

aktive Mitglieder in einer Südtiroler Musikkapelle.<br />

Ergründet wurden verschiedenste<br />

Fragen zu Ausbildung, musikalischer Um-<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

38 06/Dezember <strong>2022</strong>


Blasmusik<br />

Die bei der Umfrage Befragten,<br />

nach Instrumenten verteilt<br />

Bei der Umfrage wurde auch nach der Sinnhaftigkeit der<br />

Erlangung von Leistungsabzeichen gefragt.<br />

setzung, persönlichen Meinungen, Literatur,<br />

Mitgliederrekrutierung, Jugendarbeit und<br />

gemeinschaftlichen Aspekten des Vereines.<br />

Es ist sehr spannend, die unterschiedlichen<br />

Meinungen und Ansichten der Befragten<br />

zu betrachten und daraus neue Konzepte<br />

zur Vereinsführung und Vereinsentwicklung<br />

im musikalisch-didaktischen Bereich<br />

sowie in der Jugendarbeit zu entwickeln<br />

und in Projektplanungen mit einzubauen.<br />

Die vollständigen Umfrageergebnisse können mit dem<br />

QR-Code abgerufen werden.<br />

Zur Person:<br />

Jakob Augschöll ist 1998 geboren, stammt aus Luttach<br />

im Ahrntal und ist zurzeit Kapellmeister der Musikkapelle<br />

St. Lorenzen. Er studierte am Konservatorium<br />

„Claudio Monteverdi" Horn, Musikdidaktik und<br />

Musikerziehung und macht seit einigen Jahren auch<br />

als Komponist und Arrangeur auf sich aufmerksam.<br />

Zudem ist er als Dirigent und Chorleiter bei verschiedenen<br />

Projekten tätig.<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

39 06/Dezember <strong>2022</strong>


hinausgeblickt<br />

Süd/Osttiroler<br />

Blasorchester<br />

40+<br />

https://vsm.bz.it<br />

26.12.<strong>2022</strong><br />

06.01.2023<br />

VSM intern<br />

„Musik verbindet –<br />

über die Grenzen“<br />

VSM beim Blasmusikverband Tirol zu Gast<br />

Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit<br />

sei "gelebtes Europa in der Praxis",<br />

wurde bei der gemeinsamen Sitzung der<br />

beiden Verbandvorstände hervorgehoben.<br />

BVT-Obmann Elmar Juen (rechts) und Theresa Schapfl, die Tiroler Landeskapellmeister-<br />

Stellvertreterin, hießen VSM-Obmann Pepi Ploner (Bildmitte) und die Gäste aus Südtirol<br />

herzlich willkommen.<br />

Am Rande der offiziellen Tagung gab es<br />

auch einen regen Gedankenaustausch unter<br />

den ehemaligen Funktionären<br />

Nach 5-jähriger Auszeit haben sich die<br />

Vorstände der Blasmusikverbände von<br />

Nord- und Südtirol wieder einmal zum gemeinsamen<br />

Gedankenaustausch getroffen.<br />

Nach dem letzten Treffen 2017 in Sterzing<br />

waren diesmal die Südtiroler im Unterinntal<br />

zu Gast.<br />

Corona hat die bislang abwechselnd diesseits<br />

und jenseits des Brenners abgehaltenen<br />

Treffen nicht nur aus dem gewohnten<br />

Zweijahresrhythmus gebracht, sondern war<br />

zwangsläufig auch Thema in der heurigen<br />

Sitzung im Hotel „Rettenberg“ in Kolsass<br />

bei Wattens. Dort wurden die Gäste von<br />

der Original Rettenberger Musikkapelle<br />

Kolsass musikalisch begrüßt.<br />

Neustarts nach Stillstand<br />

Vor allem die Probleme des kulturellen<br />

Stillstands während der Pandemie, aber<br />

auch die Herausforderungen in der Wiederaufnahme<br />

der Tätigkeiten der Musikkapellen<br />

wurden besprochen. Mangelndes<br />

Interesse an den Fortbildungen, weniger<br />

Teilnehmer bei den Jungbläser- und Orchesterwochen,<br />

geringere Anmeldungen<br />

in den Musikschulen, Probleme in der<br />

Nachbesetzung von Führungspositionen<br />

– das seien die jetzt spürbaren Auswirkungen<br />

der Pandemie.<br />

Es gäbe aber kaum Unterschiede in den<br />

beiden Landesteilen, wurde festgestellt.<br />

Lediglich komme in Südtirol die Neuregelung<br />

der ehrenamtlich tätigen Vereine, des<br />

so genannten „Dritten Sektor“, erschwerend<br />

hinzu. Aber man wolle keineswegs<br />

den Kopf in den Sand stecken oder sich<br />

im gegenseitigen Mitleid verlieren, sondern<br />

aktiv an dem bisher Erreichten aufbauen<br />

und nach neuen Möglichkeiten suchen:<br />

„Sicher müssen wir auch Routinen<br />

hinterfragen und mit manchen Traditionen<br />

brechen“, zeigte man sich überzeugt. Gerade<br />

durch die grenzübergreifende Zusammenarbeit,<br />

die nicht nur leere Worthülsen<br />

auf inhaltslosem Papier, sondern<br />

vielmehr „gelebtes Europa in der Praxis“<br />

sei, könne man sich gegenseitig stärken<br />

und Kultur und Tradition an die nächste<br />

Generation weitergeben, hoben der Tiroler<br />

Verbandsobmann Elmar Juen und<br />

sein Südtiroler Amtskollege Pepi Ploner<br />

hervor. Dazu wolle man auch wieder einen<br />

regeren Austausch und Kontakt zwischen<br />

den Musikkapellen auf beiden Seiten<br />

des Brenners ankurbeln.<br />

Die Führung durch die benachbarte, geschichtsträchtige<br />

Bergwerkstadt Schwaz<br />

und die dortige Pfarrkirche, eine der bedeutendsten<br />

sakralen gotischen Bauten in<br />

Tirol und eine der wenigen vierschiffigen<br />

Kirchen in Europa, bildeten das kulturelle<br />

Rahmenprogramm des Treffens.<br />

Stephan Niederegger<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

40 06/Dezember <strong>2022</strong>


Blasmusik<br />

„Das Blasorchester,<br />

ein Chamäleon der Musik“<br />

8. Südtiroler Dirigenten-Werkstatt mit Björn Bus<br />

Die Teilnehmer*innen der 8. Südt. Dirigenten-Werkstatt waren begeistert vom Referenten Björn Bus (Zweiter von rechts).<br />

Anfang November hat der Verband Südtiroler<br />

Musikkapellen zum 8. Mal die Dirigentenwerkstatt<br />

für aktive Kapellmeister*innen<br />

organisiert.<br />

Ziel dieses zweitägigen Workshops ist<br />

es, den Frauen und Männern am Dirigentenpult<br />

Hilfestellungen und Inputs<br />

für die praktische musikalische Arbeit mit<br />

der Musikkapelle zu geben. Für die heurige<br />

Auflage ist es gelungen, den weltbekannten<br />

Dirigenten Björn Bus aus Holland<br />

zu verpflichten.<br />

Arnold Leimgruber (MK Auer), Andreas<br />

Messner (MK Kiens), Daniel Niederegger<br />

(MK Pater Haspinger St. Martin/Gsies &<br />

MK St. Jakob in Ahrn), Angela Palfrader<br />

(MK Vintl), Hans Peter Rinner (MK Mals)<br />

und Martin Wieser (MK Hafling) haben<br />

aktiv teilgenommen und in den Lehrproben<br />

die Musikkapelle Zwölfmalgreien dirigiert.<br />

Weitere 16 Kapellmeister*innen<br />

haben als passive Teilnehmer das Seminar<br />

aufmerksam verfolgt. Björn Bus ist<br />

es mit fachlicher Kompetenz, klaren Ansagen<br />

und feinfühliger Pädagogik gelungen,<br />

die Teilnehmer*innen einmal mehr<br />

zu begleiten und zu unterstützen. Neben<br />

den Lehrproben mit der Kapelle und den<br />

Dirigierübungen mit Klavier hat der Referent<br />

über den Dirigierprozess und die musikalische<br />

Führung im Vergleich zur „alten<br />

Schule“ das Blasorchester als „Chamäleon<br />

der Musik“ skizziert.<br />

Gerade diese Klangvielfalt mache den Reiz<br />

dieses Orchesters aus, hob er hervor. VSM-<br />

Verbandskapellmeister Meinhard Windisch<br />

bedankte sich bei den Teilnehmer*innen,<br />

bei der Musikkapelle Zwölfmalgreien mit<br />

Kapellmeister Stefan Aichner und bei<br />

Björn Bus für diese „unglaublich tollen<br />

und lehrreichen Tage“. Björn Bus seinerseits<br />

sprach allen Teilnehmer*innen<br />

ein großes Kompliment aus und freute<br />

sich, „hier zu sein und an der Entwicklung<br />

der Blasmusik in Norditalien mitarbeiten<br />

zu dürfen.“<br />

Stephan Niederegger<br />

Blasmusik verbindet (v.l.): Meinhard<br />

Windisch, Björn Bus und Stefan Aichner<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

41 06/Dezember <strong>2022</strong>


VSM intern<br />

Pustertaler Bezirksseniorenkapelle<br />

in 5. Auflage<br />

Ausflug bei Musik und Kastanien<br />

Die Pustertaler Bezirksseniorenkapelle spielte unter der Leitung von Bezirkskapellmeister Georg Kirchler am Hauptplatz von Kaltern.<br />

Am letzten Samstag im Oktober war die<br />

Pustertaler Bezirksseniorenkapelle unter<br />

der Leitung von Bezirkskapellmeister Georg<br />

Kirchler zu Gast in Kaltern.Nach dem<br />

Konzert am Hauptplatz ging es zum Törggelen<br />

am „Steffelehof“ von Hermann Luggin.<br />

„Mit dem Projekt der Bezirksseniorenkapelle<br />

sollen die Pioniere unserer Blasmusik<br />

kapellen- und generationsübergreifend<br />

wieder ins Rampenlicht gerückt werden“,<br />

erklärt Bezirksobmann Johann Hilber – so<br />

auch bei der heurigen 5. Auflage.<br />

Anlässlich des Bezirksmusikfestes in Sand<br />

in Taufers gestaltete die Bezirksseniorenkapelle<br />

den Festgottesdienst und spielte<br />

anschließend ein Kurzkonzert. 50 Musikanten<br />

und eine Musikantin aus 21 Kapellen<br />

des Pustertales – alle mindestens<br />

seit 40 Jahren bei der Kapelle – haben<br />

sich heuer zu diesem Projekt gemeldet.<br />

2600 Jahre geballter<br />

Blasmusikgeschichte<br />

In Summe sind damit 2600 Jahre geballter<br />

Blasmusikgeschichte auf der Bühne vereint.<br />

Giustina Dapunt spielt seit 45 Jahren<br />

Posaune bei der Musikkapelle St. Kassian<br />

und ist damit wohl auch eine, wenn nicht<br />

die dienstälteste Musikantin des Landes.<br />

Der dienstälteste Musikant ist der Posaunist<br />

Josef Pfeifhofer. Er spielt seit 64 Jahren<br />

bei der Musikkapelle Sexten. Der Hornist<br />

Hans Messner aus Antholz feierte<br />

im Februar seinen 84. Geburtstag und<br />

ist damit der Älteste in der Runde. Der<br />

Jüngste ist der Tenorhornist Siegmund<br />

Kofler (Jahrgang 1970) von der Musikkapelle<br />

Oberrasen.<br />

Als Abschluss des heurigen Projektes gab<br />

die Bezirksseniorenkapelle am Samstagnachmittag<br />

auf Einladung des örtlichen<br />

Tourismusvereins ein unterhaltsames Konzert<br />

am Hauptplatz in Kaltern. Anschließend<br />

waren alle Mitwirkenden zum Törggelen<br />

eingeladen. Bei gutem Essen und<br />

passenden Weinen sorgten Rudi Egarter<br />

und Klaus Tschurtschenthaler für die nötige<br />

Stimmung. Bezirksobmann Hans Hilber<br />

freute sich über den Erfolg und bedankte<br />

sich bei allen, die vor und hinter der<br />

Bühne zum Gelingen beigetragen haben.<br />

Stephan Niederegger<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

42 06/Dezember <strong>2022</strong>


ewegt<br />

Faszination<br />

„Musik in Bewegung"<br />

Fachgruppe „Musik in Bewegung“ (MIB) blickt in die Zukunft<br />

Am 5. November traf sich die Fachgruppe<br />

„Musik in Bewegung“ (MiB) zu einer ganztägigen<br />

Tagung im Probelokal der Bürgerkapelle<br />

St. Michael Eppan um in die Zukunft<br />

zu schauen.<br />

Zu Beginn einer neuen Amtsperiode hat<br />

es sich eingebürgert, dass sich die Fachgruppe<br />

MiB zu einer Klausur zusammenfindet.<br />

Ziel der Klausur ist es, das vergangene<br />

Jahr zu analysieren und auf<br />

dessen Basis in die Zukunft zu schauen<br />

und die Eckpunkte für die kommenden<br />

drei Jahre zu formulieren. Auch das gesellige<br />

Beisammensein unter Musikfreunden<br />

ist bei der diesjährigen Klausur nicht<br />

zu kurz gekommen.<br />

Zudem haben wir in unserer Tagung über<br />

bewährte und neue Probenkonzepte diskutiert.<br />

Ein Beispiel dafür ist die Ausführung<br />

und Probe der Schwenkung. Diese<br />

wurde neben dem grundsätzlichen Herangehen<br />

an die Probengestaltung gleich<br />

anhand grafischer Beispiele erarbeitet.<br />

Blick ins Jubiläumsjahr 2023<br />

Am 21. Mai 2023 steht für den VSM ein<br />

großes Fest an: das Jubiläum zur 75-Jahrfeier.<br />

In diesem Zuge spielt Musik in Bewegung<br />

eine wichtige Rolle, wobei unsere<br />

Kapellen im Land stark eingebunden werden<br />

und einen großen Beitrag zum Erfolg<br />

des Festes leisten. Über 100 Kapellen haben<br />

sich zum Sternmarsch und anschließenden<br />

Festakt gemeldet.<br />

Wie bereits bekannt, ist für 14.30 Uhr<br />

der Showteil geplant, welcher im Zeichen<br />

des Jubiläumsmottos „Faszination Blasmusik“<br />

steht.<br />

Der 28. August 1948, der Gründungstag<br />

des VSM, soll in den Dörfern und Städten<br />

gefeiert werden. Am 15. Oktober möchten<br />

wir in Meran beim Traubenfest mit über<br />

60 gemeldeten Kapellen den traditionellen<br />

Umzug mit kleinen Showelementen aufwerten<br />

und somit attraktiver und interessanter<br />

für die Zuschauer gestalten.<br />

Wir möchten durch attraktive Angebote<br />

Nach getaner Arbeit ließ die Fachgruppe MiB die Klausur in gemütlicher Runde ausklingen.<br />

auch die Jugend animieren, an der Veranstaltung<br />

teilzunehmen. Dafür nutzen wir<br />

die Initiative „Jugend in Bewegung“, ein<br />

weiteres Steckenpferd, welches wir ausbauen<br />

wollen, um Musik in Bewegung<br />

noch interessanter und jugendgerechter<br />

zu gestalten. In den vergangenen Jahren<br />

wurden Proben attraktiver gestaltet und<br />

vermehrt Auftrittsmöglichkeiten für die<br />

Jugendlichen geschaffen. Einen großen<br />

Beitrag hat dabei die FG-Jugend geleistet,<br />

die sehr viel Energie auch bei unserer<br />

Tagung eingebracht hat. Gemeinsam<br />

haben wir die Stoßrichtung für die<br />

kommenden Jahre definiert, um die Jugend<br />

weiterhin zu begeistern.<br />

Auch für die kommenden Jahre wollen<br />

wir die Fortbildung „Musik in Bewegung<br />

Klang verleihen“ fortführen, die von allen<br />

Teilnehmern sehr gut angenommen<br />

wurde. Diese Fortbildung wird in Zusammenarbeit<br />

mit der FG-Musik weitergeführt.<br />

Eine kleine Arbeitsgruppe wurde gebildet,<br />

welche in Zusammenarbeit Inhalte und<br />

Schwerpunkte festlegen wird.<br />

In Summe kommen wir aus der Tagung<br />

mit einem Rucksack voller neuer Ideen<br />

und Herausforderungen, welche wir in<br />

Zukunft gemeinsam angehen wollen. Dabei<br />

steht immer unser Jubiläums-Motto<br />

„Faszination Blasmusik“ im Mittelpunkt.<br />

Klaus Fischnaller, Verbandsstabführer<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

43 06/Dezember <strong>2022</strong>


ewegt hinausgeblickt<br />

75. VSM-Mitgliederversammlung<br />

in Bozen<br />

https://vsm.bz.it<br />

11.03.2023<br />

Stabführer-<br />

Abzeichen erlangt<br />

Zweite Auflage der Stabführer-Prüfung in Brixen<br />

Stabführer-Prüfung in Brixen: (v. l.) Klaus Fischnaller, Franz Plangger, Roland Stubenruss, Oliver Leitner, Florian Volgger,<br />

Martin Astner und Oskar Zingerle<br />

Die zweite Auflage der Stabführer-Prüfung<br />

in Südtirol ist im September über die Bühne<br />

gegangen. Fünf Kandidaten haben zunächst<br />

in der Berufsschule „Tschuggmall“ in Brixen<br />

den Abschlusskurs besucht, der eine gute<br />

Vorbereitung zur Prüfung ist.<br />

Die Bezirksstabführer Oskar Zingerle und<br />

Franz Plangger haben mit den Teilnehmern<br />

die verschiedenen Bereiche der Musik in<br />

Bewegung im Detail besprochen und die<br />

Praxis in der Turnhalle in vielen Durchläufen<br />

erprobt. Dabei standen neben den einzelnen<br />

Kommandi und Stabzeichen auch<br />

die Haltung der einzelnen Instrumente,<br />

die richtige Marschaufstellung, das richtige<br />

An- und Absetzen sowie theoretisches<br />

Wissen zu den rechtlichen Grundlagen auf<br />

dem Programm, genauso wie die Grundzüge<br />

des Dirigierens. Die verschiedenen<br />

Varianten der Schwenkung, des Abfallens<br />

und Aufmarschierens, der breiten und engen<br />

Formation sowie der Großen Wende<br />

mussten die Kandidaten zur Prüfung, abgenommen<br />

von Landesstabführer Klaus<br />

Fischnaller und Bezirksstabführer Oskar<br />

Zingerle, ebenfalls sehr gut beherrschen.<br />

Es galt einen schriftlichen, einen mündlichen<br />

und einen praktischen Teil zu absolvieren.<br />

Nur wer in jedem Teilbereich die<br />

erforderliche Mindestpunktezahl erreichte,<br />

Ich lege den Absolventen nahe,<br />

sich weiterhin immer auf dem Laufenden<br />

zu halten und ihr Wissen<br />

aufzufrischen.<br />

Klaus Fischnaller<br />

hat die Prüfung auch bestanden, das traf<br />

letztlich auf vier der fünf Kandidaten zu.<br />

Die Träger des Stabführerabzeichens können<br />

mit Fug und Recht von sich behaupten,<br />

alle lehrbuchmäßigen Details der Musik<br />

in Bewegung zu beherrschen, „aber“,<br />

fügt Klaus Fischnaller hinzu „das Wissen<br />

hat ein Ablaufdatum, denn man vergisst<br />

verschiedene Details wieder, oder einzelne<br />

Vorgaben ändern sich. Deshalb lege ich<br />

den Absolventen nahe, sich weiterhin immer<br />

auf dem Laufenden zu halten und ihr<br />

Wissen aufzufrischen. Sie haben mit der<br />

Prüfung das Handwerk des Stabführens<br />

erlernt, und sind nun eingeladen, Musik<br />

in Bewegung weiter zu denken, kreativ zu<br />

sein und Neues zu entwickeln.“<br />

Oskar Zingerle<br />

Bezirksstabführer Brixen<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

44 06/Dezember <strong>2022</strong>


Blasmusik<br />

Danke Franz!<br />

Stabführerabzeichen fast mit „Höchstnote“ erreicht<br />

Anlässlich der Klausurtagung der Fachgruppe<br />

„Musik in Bewegung“ (siehe eigener<br />

Bericht) haben wir die Gelegenheit<br />

genutzt, Bezirksstabführer Franz Plangger<br />

für seine hervorragende Leistung zur<br />

gratulieren. Franz hat die Prüfung zum<br />

Stabführerabzeichen mit 97,82 von 100<br />

Punkten bestanden. Danke Franz für deine<br />

Begeisterung, deinen Einsatz und Fleiß für<br />

die Musik in Bewegung! Wir wünschen dir<br />

weiterhin viel Freude damit.<br />

Die Fachgruppe MiB<br />

Die Fachgruppe MIB<br />

gratuliert zur bestandenen<br />

Stabführerprüfung:<br />

(v. l.) Matthias<br />

Targa, Stefan Ploner,<br />

Franz Plangger,<br />

Bernhard Mairhofer,<br />

Daniel Hofer, Erwin<br />

Rechenmacher<br />

Ausbildungsangebote 2023<br />

für Stabführer und die es werden wollen<br />

Grundkurs:<br />

Wo: Mitte & West<br />

Wann: 16.01.2023<br />

Beginn: 19Uhr<br />

Wo: Ost<br />

Wann: 11.02.2023<br />

Beginn: 14Uhr<br />

Aufbaukurs:<br />

Wo: Mitte & West<br />

Wann: 17.04.2023<br />

Beginn: 19Uhr<br />

Wo: Ost<br />

Wann: 15.04.2023<br />

Beginn: 14Uhr<br />

Die genauen Ausschreibungen<br />

werden laufend auf der VSM<br />

Homepage veröffentlicht.<br />

BLASMUSIK IM RUNDFUNK<br />

jeden Montag von 17 bis 18 Uhr<br />

„Dur und Schräg“ Traditionelle und neue<br />

Blasmusik mit Norbert Rabanser<br />

jeden Freitag von 18 bis 19 Uhr<br />

„Blasmusik“ mit Dieter Scoz<br />

jeden Samstag<br />

von 18 bis 19 Uhr<br />

„Faszination Blasmusik“<br />

mit Arnold Leimgruber<br />

(Wiederholung<br />

am Sonntag um 10 Uhr)<br />

jeden Freitag<br />

von 18 bis 19 Uhr<br />

„Das Platzkonzert"<br />

mit Wolfgang Kostner<br />

jeden Dienstag<br />

von 18 bis 19 Uhr<br />

„Tiroler Weis"<br />

mit Peter Kostner<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

45 06/Dezember <strong>2022</strong>


jung musiziert<br />

Die Jugendkapelle Vahrn mit Kapellmeister Toni Profanter<br />

Mit Musik durch das Jahr<br />

Die Jugendkapelle Vahrn ist aus dem Dorf nicht mehr wegzudenken<br />

Die Jugendkapelle Vahrn besteht<br />

aus 31 jungen und motivierten<br />

Kindern, sieben weitere Kinder<br />

stehen bereits in den Startlöchern<br />

und werden der Jugendkapelle<br />

Ende des Jahres beitreten.<br />

Die Gruppe zeigt das<br />

ganze Jahr über bei verschiedenen<br />

Auftritten ihr Können und<br />

wird von Toni Profanter, Kapellmeister<br />

der Musikkapelle Vahrn, geleitet.<br />

Romana Garbislander ist seit 2018 Jugendleiterin<br />

der Musikkapelle Vahrn. Im<br />

folgenden Interview stellt sie „ihre Jugendkapelle“<br />

vor:<br />

<strong>KulturFenster</strong>: Was zeichnet<br />

euch als Jugendkapelle<br />

aus?<br />

Romana Garbislander:<br />

Die Jugendkapelle<br />

Vahrn ist ein bunter<br />

Haufen von begeisterten<br />

Kindern. Dank<br />

unserem Kapellmeister<br />

Toni Profanter glänzt die Jugendkapelle<br />

nicht nur mit ihrem<br />

Instrumentalspiel, sondern hin und<br />

wieder auch mit ihrem Gesang. Immer<br />

wieder bekommen die Mitglieder der Jugendkapelle<br />

die Möglichkeit, diese beiden<br />

Elemente zu kombinieren - eine sehr beliebte<br />

Aufgabe unter den Jungmusikantinnen<br />

und Jungmusikanten. Zudem dürfen<br />

die Mitglieder ihr Können auch auf<br />

anderen Instrumenten zeigen, so brachte<br />

die „Ziachorgl“ unseres Mitglieds Simon<br />

Oberhuber bei einem Auftritt der Jugendkapelle<br />

auch schon das Tanzbein der Zuhörer<br />

zum Schwingen. Die Jugendkapelle<br />

Vahrn zeichnet sich also durch viele unterschiedlichen<br />

Talente aus, die in den Mitgliedern<br />

schlummern.<br />

KF: Welche Tätigkeiten dürfen in eurem<br />

Programm nicht fehlen?<br />

Garbislander: Die Jugendkapelle umrahmt<br />

jedes Jahr den Faschingsumzug in Vahrn.<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

46<br />

06 Dezember <strong>2022</strong>


Die Jugendkapelle Vahrn zeigt<br />

sich einmal sportlich motiviert …<br />

… einmal faschingsmäßig<br />

kostümiert<br />

Dazu muss man sagen, dass dieser Auftritt<br />

vor einigen Jahren noch ein Pflichttermin<br />

der Musikkapelle Vahrn war und<br />

die Mitglieder der Jugendkapelle lediglich<br />

mitspielen durften. Nun gehört die Bühne<br />

allein der Jugendkapelle. Außerdem spielen<br />

wir jedes Jahr beim „Vahrner Musigfescht“<br />

und bei sonstigen Sommerkonzerten<br />

oder kirchlichen Anlässen, wie der<br />

Martinsfeier oder der Christmette im Dorf.<br />

Immer öfter wird die Jugendkapelle für<br />

Veranstaltungen innerhalb der Gemeinde<br />

gebucht, wie beispielsweise beim Spielfest<br />

in Neustift oder bei der Seniorenfeier<br />

der Senioren der Gemeinde. Die Jugendkapelle<br />

dient somit der Unterhaltung für<br />

Jung und Alt. Der Spaß in der Jugendkapelle<br />

darf natürlich nicht fehlen. Die<br />

„Nacht im Probelokal“, der Rodelausflug,<br />

der Ausflug zur Sommerrodelbahn, der<br />

Sommerausflug mit der gesamten Musikkapelle<br />

sind nur einige Beispiele von Dingen,<br />

die organisiert wurden, um die Gemeinschaft<br />

zu fördern.<br />

KF: Auf welche Formen der Nachwuchsgewinnung<br />

setzt ihr?<br />

Garbislander: Früher verlief die Suche<br />

nach musikalischem Nachwuchs über<br />

persönliche Kontakte und Zeitungsinserate.<br />

Bald erkannte man jedoch, dass es<br />

damit nicht getan war und neue Ideen<br />

hermussten. Eine davon war der „Tag der<br />

offenen Tür“, der 1997 von der Jugendleiterin<br />

Jutta Pechlaner ins Leben gerufen<br />

wurde und sich bis heute jedes Jahr aufs<br />

Neue bewährt. Die Musikkapelle lädt die<br />

Klassen der Grundschule Vahrn ins Probelokal<br />

ein und stellt die verschiedenen<br />

Instrumente vor. Während der Coronapandemie<br />

versuchten wir das Interesse an<br />

Musik durch ein Video, auf welchem die<br />

Mitglieder der Jugendkapelle ihre Instrumente<br />

vorstellten, zu wecken. Außerdem<br />

kann man sagen, dass die Jugendkapelle<br />

bei Auftritten der Musikkapelle im Dorf bereits<br />

als „Vorband“ auftritt und somit stets<br />

präsent ist: beim Faschingsumzug, beim<br />

„Vahrner Musigfescht“, bei „Pasta/Knödel<br />

mit Musik“, beim Martinsumzug und<br />

bei weiteren kirchlichen und weltlichen<br />

Festtagen im Dorf. Der Erfolg der Initiativen<br />

lässt sich an der jährlich konstanten<br />

Zunahme an Jungbläserinnen und Jungbläsern<br />

erkennen.<br />

KF: Was kannst du sonst noch über eure<br />

Jugendarbeit berichten?<br />

Garbislander: Beliebt bei den Kindern<br />

und zugleich gewinnbringend für die<br />

Nachwuchsgewinnung sind Gemeinschaftsprojekte.<br />

Besondere Höhepunkte<br />

in der Ausbildung der Jungmusikantinnen<br />

und Jungmusikanten stellten die gemeinsamen<br />

Aufführungen mit den Schülerinnen<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

47<br />

06 Dezember <strong>2022</strong>


und Schülern der Grundschule Vahrn dar.<br />

Erst im Jahr 2020 führte die Jugendkapelle<br />

Vahrn gemeinsam mit der Grundschule<br />

Vahrn das Musical „Freude“ auf.<br />

KF:Welche Ziele verfolgt ihr mit der Jugendkapelle?<br />

Garbislander: Das Ziel ist es, den Jungmusikantinnen<br />

und Jungmusikanten die<br />

schönen Seiten des Vereinslebens aufzuzeigen.<br />

In der Musikkapelle Vahrn hat jeder<br />

seinen Platz, wird geschätzt und als<br />

neuer Jungmusikant herzlich von den Mitgliedern<br />

aufgenommen. Gemeinschaft<br />

und Geselligkeit wird bei uns im Verein<br />

großgeschrieben. Dies erkennt man immer<br />

wieder daran, dass nach den Proben<br />

Alt und Jung gemeinsam in der Bar des<br />

Probelokals sitzen, über Gott und die Welt<br />

sprechen, Speck essen, Nudeln kochen,<br />

a „Watterle mochn“ und einfach nur gemeinsam<br />

Spaß haben.<br />

KF: Wann seid ihr das nächste Mal zu hören?<br />

Garbislander: Die Jugendkapelle Vahrn<br />

spielt das nächste Mal am 24. Dezember<br />

bei der Kindermette in der Dorfkirche von<br />

Vahrn, was jedes Jahr der letzte gemeinsame<br />

Auftritt der Gruppe ist.<br />

Hannes Schrötter<br />

Zwei Musikantinnen der JuKa Vahrn<br />

stellen sich mit ihren Instrumenten vor:<br />

Emma Obergasser<br />

Wohnort: Vahrn<br />

Alter: 13<br />

Instrument: Flügelhorn<br />

Darum habe ich mich für mein Instrument entschieden: Ich habe mich<br />

für mein Instrument entschieden, weil es meiner Meinung nach einen<br />

sehr schönen Klang hat. Zudem spielt mein großer Bruder Pauli dieses<br />

Instrument.<br />

Das gefällt mir bei der Jugendkapelle am besten: Am besten gefällt mir,<br />

dass wir eine sehr tolle Truppe sind und gemeinsam viel Spaß beim Musizieren<br />

und bei den verschiedenen tollen Ausflügen haben.<br />

Darauf freue ich mich am meisten, wenn ich zur Musikkapelle komme:<br />

Nachdem ich schon mit sechs Jahren als Fahnenmädchen zur Musikkapelle<br />

gekommen und seit einem Jahr Marketenderin bin, freue ich mich<br />

jetzt umso mehr, mit meinem Instrument zur Musikkapelle zu kommen.<br />

Lena Mair<br />

Wohnort: Vahrn<br />

Alter: 11<br />

Instrument: Oboe<br />

Darum habe ich mich für mein Instrument entschieden: Ich war beim<br />

Tag der offenen Tür, bei dem jemand auf der Oboe gespielt hat. Daraufhin<br />

wollte ich dieses Instrument gleich lernen.<br />

Das gefällt mir bei der Jugendkapelle am besten: Am besten gefällt mir<br />

das Zusammenspiel und der Spaß, den man beim Lernen hat. Manchmal<br />

sind die Stücke schwierig, aber wenn man sie zusammen spielt, macht<br />

es trotzdem Spaß.<br />

Darauf freue ich mich am meisten, wenn ich zur Musikkapelle komme:<br />

Ich freue mich darauf, dass man längere und schwierigere Stücke bekommt<br />

und man das Instrument besser beherrscht.<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

48 06 Dezember <strong>2022</strong>


hinausgeblickt<br />

Die Villnösser sind<br />

Bundessieger!<br />

1. Platz beim Österreichischen Blasorchesterwettbewerb in Ossiach<br />

Die Musikkapelle Villnöß unter der Leitung von Kapellmeister Hans Pircher begeisterte in Ossiach die Fachjury und das Publikum<br />

gleichermaßen.<br />

Am 8. Oktober stellten sich 8 der besten<br />

Musikkapellen aus Österreich und Südtirol<br />

in der Carinthischen Musikakademie<br />

Ossiach der Wertungsjury beim Österreichischen<br />

Blasorchesterwettbewerb in der<br />

Stufe D. Die Musikkapelle Villnöß unter der<br />

Leitung von Kapellmeister Hans Pircher sicherte<br />

sich mit 93,75 von 100 Punkte den<br />

Bundessieg.<br />

Wenn man die besten Musikkapellen in<br />

Südtirol aufzählt, dann kommt man seit<br />

Jahrzehnten nicht an der Musikkapelle<br />

Villnöß vorbei. Seit 2014 wird die Kapelle<br />

vom Osttiroler Hans Pircher dirigiert. Trotz<br />

der kurzen und wegen der Corona-Nachwehen<br />

nicht ganz einfachen Vorbereitungszeit<br />

hat die Kapelle die Einladung<br />

des Verbandes Südtiroler Musikkapellen<br />

(VSM) und die Herausforderung der Stufe<br />

D (schwierige Literatur) angenommen, für<br />

Südtirol zum Blasorchesterwettbewerb an<br />

den Ossiacher See zu fahren.<br />

Nachdem sich am Vormittag die ersten 4<br />

Kapellen der Jury gestellt hatten, eröffneten<br />

die Südtiroler Gäste den Wettbewerb am<br />

Nachmittag mit dem Pflichtstück „Hounds<br />

of Spring“ von Alfred Reed und die kurze,<br />

2-sätzige Symphonie „Give Us This Day“<br />

von David Maslanka als Selbstwahlstück.<br />

Der Wettbewerb<br />

Den Vorsitz der internationalen Fachjury<br />

führte der Österreichische Bundeskapellmeister<br />

Helmut Schmid. Ihm zur Seite standen<br />

der Schweizer Dirigent Blaise Héritier,<br />

der italienische Dirigent<br />

und Komponist<br />

Marco Somadossi, der<br />

aus Argentinien stammende<br />

Dirigent Miguel<br />

Etchegoncelay sowie<br />

die bekannte österreichische<br />

Sängerin,<br />

Songwriterin und Vocalcoach<br />

Monika Ballwein.<br />

Es sei für die Villnösser eine Ehre gewesen,<br />

Südtirol bei diesem Wettbewerb zu vertreten,<br />

obwohl sie mit keinen großen Erwartungen<br />

nach Kärnten gefahren seien, erklärte<br />

Kapellmeister Pircher im Vorfeld.<br />

Umso mehr freute er sich mit Obmann<br />

Es ist für uns eine Ehre gewesen,<br />

Südtirol bei diesem Wettbewerb<br />

zu vertreten.<br />

Kapellmeister Hans Pircher<br />

Christof Petriffer und den Musikant*innen<br />

über den „Bundessieg“ vor der Stadtmusik<br />

Salzburg (91,88 Punkte) und der Musikkapelle<br />

Groß St. Florian aus der Steiermark<br />

(89,38 Punkte). Der 1. Preis beinhaltet eine<br />

vom Instrumentenbauer „Buffet Crampon“<br />

gesponserte Orchesterschulung.<br />

Als Neuerung wurde erstmals ein Sonderpreis<br />

für die beste Interpretation des<br />

Einspielstücks, der Polka mazur op. 416<br />

„Lachen, kosen, tanzen“<br />

von Carl Michael<br />

Ziehrer, vergeben.<br />

Diesen holte<br />

sich die Musikkapelle<br />

St. Georgen im Attergau<br />

aus Oberösterreich.<br />

Detail am Rande:<br />

Hans Pircher dirigiert<br />

seit 2011 auch<br />

die Bürgerkapelle Brixen und hat mit dieser<br />

Anfang Juni beim Blasorchesterwettbewerb<br />

„Polka, Walzer, Marsch“ in Wien<br />

den 2. Platz erspielt (siehe „<strong>KulturFenster</strong>“<br />

<strong>Nr</strong>.4/August <strong>2022</strong> – S.49).<br />

Stephan Niederegger


Das Holzbläserquartett „Young Quartett“<br />

(Altersstufe A) unter der Leitung von<br />

Werner Mayr erreichte mit 95,8 Punkten<br />

als jüngstes Ensemble die Runde der<br />

letzten 10.<br />

Ein weiteres Ticket für die Finalrunde am<br />

Sonntag erhielt das Trompetenensemble<br />

„M.E.Tr.E.2“ (Altersstufe B) unter der<br />

Leitung von Anton Ludwig Wilhalm, das<br />

für ihren Auftritt mit 97 Punkten belohnt<br />

wurde. Das Posaunenquartett „Tromb-<br />

4Bones“ (Altersstufe C) unter der Leitung<br />

von Johann Finatzer qualifizierte sich als<br />

Gruppensieger mit 97,3 Punkten fürs Finale.<br />

Dort schaffte das Ensemble sogar<br />

den Sprung aufs Podest und erspielte<br />

sich durch seine dargebotene Leistung<br />

den 2. Rang.<br />

Das vereinsinterne Quartett „Vilklavier“ der<br />

Musikkapelle Villnöß unter der Leitung von<br />

Meinhard Windisch und Manfred Messhinausgeblickt<br />

9. Südtiroler Jugendkapellentreffen<br />

mit Wettbewerb<br />

in Algund<br />

https://vsm.bz.it<br />

22.04.2023<br />

Sechs Südtiroler<br />

Ensembles in Wels<br />

Hervorragende Leistungen beim<br />

Bundeswettbewerb „Musik in kleinen Gruppen“<br />

Oktakis<br />

Young Quartett<br />

Am 22. und 23. Oktober fand im oberösterreichischen<br />

Wels der Bundeswettbewerb<br />

„Musik in kleinen Gruppen“ statt.<br />

Insgesamt 49 Ensembles aus Österreich,<br />

Liechtenstein und Südtirol stellten sich<br />

der Aufgabe „Wettbewerb“ und ließen sich<br />

von ausgewählten Juroren für ihre Darbietungen<br />

bewerten.<br />

Über die Landeswettbewerbe der 9 Bundesländer<br />

und der beiden Partnerverbände<br />

Liechtenstein und Südtirol qualifizierten<br />

sich die Ensembles für das Bundesfinale.<br />

Beim Südtiroler Landeswettbewerb im vergangenen<br />

Mai lösten sechs Ensembles<br />

das Ticket nach Wels.<br />

Drei dieser Ensembles erspielten sich<br />

mit ihren Leistungen am Samstag den<br />

Einzug ins große Finale, bei dem die<br />

10 besten Ensembles gegeneinander<br />

antraten.<br />

ner erreichte in der Altersstufe B ausgezeichnete<br />

91,9 Punkte. Auch das Holzbläseroktett<br />

„Oktakis“ (Altersstufe C) unter<br />

der Leitung von Ricarda Janissen überschritt<br />

die Marke der 90 Punkte und erhielt<br />

für ihre Darbietung am Samstag 95,3<br />

Punkte. Das Klarinettenensemble „La sixièm<br />

clarinette“ unter der Leitung von Roberto<br />

Gander trat in der Sondergruppe S<br />

an und wurde von der Jury mit hervorragenden<br />

89,5 Punkten bewertet. Ensembles<br />

der Sondergruppe S sind Gruppen,<br />

bei denen die Hälfte oder mehr der Mitglieder<br />

Studierende oder Absolventen einer<br />

Musikuniversität oder eines Konservatoriums<br />

sind.<br />

Sieger des diesjährigen Bundeswettbewerbes<br />

wurde das Schlagwerkduo „Drum<br />

X2“ aus Niederösterreich.<br />

Valeria Sullmann<br />

Verbandsjugendleiter-Stellvertreterin<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

50 06/Dezember <strong>2022</strong>


Blasmusik<br />

M.E.Tr.E.2<br />

Vilklavier<br />

Tromb4Bones<br />

La sixièm clarinette<br />

BLASMUSIK<br />

CHORWESEN<br />

HEIMATPFLEGE<br />

in Südtirol<br />

Aboaktion<br />

Seit Dezember 1948 berichten wir unter dem Titel „Die Volksmusik“, ab<br />

September 1953 als „Südtiroler Volkskultur“, ab März 1979 als „Tiroler<br />

Volkskultur“ und seit 2008 als „<strong>KulturFenster</strong>“ lebendig, bunt und vielfältig<br />

über die Musikkapellen, die Chöre, die Heimatpflege, den Volkstanz und das<br />

Trachtenwesen in Südtirol - derzeit in einer Gesamtauflage von rund 3.300<br />

Stück pro Ausgabe.<br />

Sie möchten keine<br />

Ausgabe verpassen?<br />

Dann rufen Sie uns an (Tel. 0471 976 387)<br />

oder schreiben uns eine Email an: info@vsm.bz.it<br />

Sie bekommen das "<strong>KulturFenster</strong>"<br />

sechs Mal im Jahr direkt nach Hause geschickt.<br />

Weitere Informationen finden Sie im<br />

Impressum auf Seite 3 dieser Ausgabe.<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

51<br />

06/Dezember <strong>2022</strong>


hinausgeblickt<br />

2. Juventus-Preis für die Bürgerkapelle Gries<br />

Das Opernprojekt „Blasmusikpop“ überzeugt die Jury<br />

Im Rahmen des Bundeswettbewerbes „Musik<br />

in kleinen Gruppen“ wurde am 22. Oktober im<br />

Stadttheater Greif der „Juventus Music Award<br />

<strong>2022</strong>“, der Innovationspreis der Österreichischen<br />

Blasmusik, vergeben. Mit dem Opernprojekt<br />

„Blasmusikpop“ holte sich die Bürgerkapelle<br />

Gries bereits zum 2. Mal den 1. Preis.<br />

Seit 2016 vergibt die Österreichische Blasmusikjugend<br />

diesen Würdigungspreis, um<br />

„besonders nachhaltige und musikalischgemeinschaftlich<br />

fördernde Projekte“ auszuzeichnen.<br />

Heuer wurden dafür 11 Projekte<br />

eingereicht. Die Bürgerkapelle Gries<br />

wurde für ihre Blasmusikoper „Blasmusikpop“<br />

mit dem 1. Preis und mit einem<br />

1.000-Euro-Gutschein für ein Yamaha-Instrument<br />

belohnt. Es ist dies bereits der<br />

2. „Juventus“ für die Grieser. 2019 wurde<br />

das generationsübergreifende Musik- und<br />

Zirkusprojekt „Manege frei“ ebenfalls mit<br />

dem 1. Preis ausgezeichnet. Den 2. Preis<br />

teilten sich heuer ex-aequo der Salzburger<br />

Blasmusikverband („Der Klang des weißen<br />

Goldes“) und der Musikverein Waldneukirchen<br />

aus Oberösterreich („Paula und Max<br />

entdecken die Blasmusik“).<br />

Stephan Niederegger<br />

Georg Thaler, der Kapellmeister der Bürgerkapelle Gries (Bildmitte), freute sich über<br />

den „Juventus Music Award <strong>2022</strong>“ – v.l. ÖBV-Bundeskapellmeister Helmut Schmid,<br />

ÖBV-Vizepräsident und BVT-Präsident Elmar Juen, VSM-Verbandskapellmeister Meinhard<br />

Windisch, Georg Thaler, ÖBV-Bundesjugendreferent Andreas Schaffer und sein Stellvertreter<br />

Gerhard Forman<br />

Hohe Auszeichnung für Hans Finatzer<br />

Ehrung durch den ÖBV für sein Engagement um die Blasmusikjugend<br />

Anfang Oktober ist Hans Finatzer als Verbandsjugendleiter<br />

des Verbandes Südtiroler<br />

Musikkapellen (VSM) zurückgetreten –<br />

aus persönlichen Gründen.<br />

Im Rahmen des Bundeswettbewerbes<br />

„Musik in kleinen Gruppen“ in Wels wurde<br />

ihm am 22. Oktober vom Österreichischen<br />

Blasmusikverband (ÖBV) die Verdienstmedaille<br />

in Gold verliehen. Es sei dies ein<br />

Dank für sein Engagement um die Blasmusikjugend<br />

im Allgemeinen und die enge<br />

Zusammenarbeit des VSM mit den Musikschulen<br />

im Besonderen, vor allem im Bereich<br />

der Leistungsabzeichen, hob ÖBV-<br />

Präsident Erich Riegler hervor.<br />

Stephan Niederegger<br />

Ehrung von Hans Finatzer: (v. l.) Gerhard Forman (ÖBV-Bundesjugendreferent-Stellvertreter),<br />

Andreas Schaffer (ÖBV-Bundesjugendreferent), Helmut Schmid (ÖBV-Bundeskapellmeister),<br />

Valeria Sullmann (VSM-Jugendleiter-Stellvertreterin), Hans Finatzer, Karin Vierbauch<br />

(ÖBJ) und Erich Riegler (ÖBV-Präsident)<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

52 06/Dezember <strong>2022</strong>


Blasmusik<br />

Altvordere treffen sich<br />

in Südtirol<br />

Die Ehrenmitglieder<br />

des ÖBV in Sterzing willkommen geheißen<br />

Jahrzehnte gelebter Blasmusikgeschichte auf einem Bild – einige der Altvorderen des Österreichischen Blasmusikverbandes beim Treffen<br />

in Sterzing<br />

Seit Jahren treffen sich die Ehrenmitglieder<br />

des ÖBV bei so genannten „Altvorderentreffen“.<br />

In geselliger Runde wird über gemeinsame<br />

Erlebnisse und aktuelle Themen diskutiert<br />

und die Entwicklung der Blasmusik<br />

im Alpenraum verfolgt. Vor Kurzem war die<br />

Fuggerstadt Sterzing Ausflugsziel der blasmusikalischen<br />

Zeitzeugen.<br />

Die Gäste wurden von einer Bläsergruppe<br />

der Bürgerkapelle Sterzing, vom Obmann<br />

des Verbandes Südtiroler Musikkapellen<br />

(VSM) Pepi Ploner und seinem Stellvertreter<br />

Meinhard Oberhauser sowie von<br />

VSM-Bezirksobmann Daniel Ungerank<br />

standesgemäß empfangen. „Wir wissen es<br />

sehr zu schätzen, dass Sie unsere kleine,<br />

aber feine Stadt für Ihr traditionelles Treffen<br />

ausgesucht haben“, freute sich auch<br />

der Sterzinger Bürgermeister Peter Volgger<br />

über den hohen Besuch. Bereits 1965<br />

war der ÖBV erstmals zu Gast in Sterzing,<br />

als Austragungsort des 1. ÖBV-Kongresses<br />

in Südtirol, damals noch „Delegiertentag“.<br />

Gleichzeitig fand auch das „1. Internationale<br />

Treffen Kleiner Spielgemeinschaften“<br />

mit Musiker*innen<br />

aus sieben Nationen<br />

(Österreich, Frankreich,<br />

Dänemark, die<br />

Schweiz, Norwegen,<br />

Luxemburg und Südtirol)<br />

statt.<br />

2002 – 37 Jahre später,<br />

wurde der offizielle<br />

Partnerschaftsvertrag<br />

zwischen dem ÖBV<br />

und dem Verband Südtiroler Musikkapellen<br />

(VSM) unterzeichnet. Ein Garant dieser<br />

engen freundschaftlichen Verbindung<br />

Mit dieser grenzüberschreitenden<br />

Zusammenarbeit werde<br />

der europäische Gedanke im<br />

musikalischen Alltag gelebt.<br />

ÖBV-Ehrenpräsident<br />

Friedrich Weyermüller<br />

war und ist ÖBV-Ehrenpräsident Friedrich<br />

Weyermüller. Er war auch Initiator der Altvorderen-Treffen<br />

und bedankte sich bei<br />

der Stadtverwaltung und der Bürgerkapelle<br />

für die Gastfreundschaft: „Mit dieser<br />

grenzüberschreitenden Zusammenarbeit<br />

werde der europäische<br />

Gedanke im musikalischen<br />

Alltag gelebt.“<br />

Die Führung in der<br />

Pfarrkirche zu „Unserer<br />

Lieben Frau in Moos“<br />

durch den Pastoralassistenten<br />

Simon Walter,<br />

die Besichtigung des<br />

Multscher- und Stadtmuseums<br />

sowie des<br />

Bergbaumuseums Ridnaun waren die Höhepunkte<br />

des dreitägigen Ausflugs.<br />

Stephan Niederegger<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

53 06/Dezember <strong>2022</strong>


hinausgeblickt<br />

Südtirol Filarmonica<br />

begeistert und bewegt<br />

Die Musikkapellen als Grundstein internationaler Karrieren<br />

Carolin Ralser vor der beeindruckenden Kulisse Singapurs<br />

Mit Standing Ovations im Kursaal von Meran<br />

feierte die diesjährige Konzerttrilogie<br />

der Südtirol Filarmonica ihren krönenden<br />

Abschluss. 65 Südtiroler Musiker*innen aus<br />

aller Welt haben sich unter der Leitung des<br />

Lüsner Dirigenten Michael Pichler mit dem<br />

Programm „Die Kraft der Liebe“ mit Werken<br />

von Petr Igor Tchaikovksy in die Herzen des<br />

Südtiroler Publikums gespielt.<br />

Im Dezember 2019 hatten die Initiatoren –<br />

Cornelia Goller, Isabel Goller, Michael Pichler<br />

und Zeno Kerschbaumer – gerade mal 24 E-<br />

Mail-Adressen von befreundeten Südtiroler<br />

Profi-Musiker*innen in der Hand. Mittlerweile<br />

ist dem damals erfolgten Aufruf die 300. Anmeldung<br />

eingegangen: Die ursprünglich aus<br />

Mauls stammende Flötistin Carolin Ralser<br />

lebt seit 2018 als Musikerin in Singapur und<br />

hat Lehraufträge an der School of the Arts<br />

Singapore und dem Centre for the Arts der<br />

National University of Singapore inne; weiters<br />

ist sie gern gesehene Gastdozentin und<br />

Musikerin am Yong Siew Toh Conservatory.<br />

Sie freut sich: „Südtirol Filarmonica ist ein<br />

unglaublich tolles Projekt, welches uns international<br />

tätigen Musiker*innen die Möglichkeit<br />

gibt, die Liebe zur Musik gemeinsam<br />

mit unserer Heimat teilen zu können.<br />

Ich bin stolz darauf, dass uns der Grundstein<br />

für die musikalische Karriere in unserer<br />

Heimat gelegt wurde.<br />

Logo der „Südtirol Filarmonica“<br />

Dank des Fleißes und der ehrenamtlichen<br />

Leistungen der Mitglieder unserer Musikkapellen,<br />

der Geduld und des Ehrgeizes unserer<br />

tollen und engagierten Musiklehrer*innen,<br />

der Förderprogramme des Landes Südtirols<br />

und vor allem dank des starken Gemeinschaftssinns<br />

unserer Kultur interessierten<br />

Gesellschaft wurde vielen von uns<br />

der Weg zur musikalischen Karriere geebnet.<br />

Ich freue mich sehr, dass durch die<br />

Südtirol Filarmonica nun ein Orchester<br />

entstanden ist, welches es uns ermöglicht,<br />

dieses Geschenk durch musikalische Projekte<br />

nun wieder an die Heimat zurückgeben<br />

zu können.”<br />

Wie Carolin Ralser haben auch die weiteren<br />

299 Südtiroler Musiker*innen ihre Leidenschaft<br />

zum Beruf gemacht und gehen diesem<br />

innerhalb und außerhalb der Landesgrenzen<br />

nach. Ihr Wirkungskreis erstreckt<br />

sich vornehmlich in Mitteleuropa, das historische<br />

Zentrum klassischer Musik, aber<br />

auch in Ländern wie Malaysia, USA, Australien<br />

und China. Einige Musiker*innen spielen<br />

in weltberühmten Orchestern wie dem<br />

Orchestra del Teatro alla Scala di Milano,<br />

dem Symphonieorchester des Bayerischen<br />

Rundfunks, den Wiener Philharmonikern<br />

und dem New York Philharmonic Orchestra.<br />

Noch am Abend nach dem Konzert in Meran<br />

sind der Dirigent und die Musiker*innen<br />

zurück an ihre Wirkungsstätten in der Welt<br />

gereist. Und der Blick der Gründer*innen<br />

Cornelia Goller, Isabel Goller, Michael Pichler<br />

und Zeno Kerschbaumer richtet sich<br />

schon nach vorne. Isabel Goller, Leiterin des<br />

Orchestermanagements, verspricht: „Südtirol<br />

kann sich auf das nächste Feuerwerk<br />

der Südtirol Filarmonica freuen – in einem<br />

Jahr sind wir wieder hier!“<br />

Mitmachen bei<br />

„Klingende Kilometer”<br />

Für die Auftritte im Oktober in Toblach, Bozen<br />

und Meran legten die Musiker*innen<br />

insgesamt 72.536 km zurück, mit unterschiedlichen<br />

Transportmitteln – vornehmlich<br />

im Zug. In Zeiten knapper öffentlicher Kassen<br />

ist es das Bestreben der Organisatoren,<br />

zum einen diese nicht übermäßig zu belasten<br />

und zum anderen den Musiker*innen<br />

die Reisekosten voll umfänglich zu erstatten.<br />

Bei dem Crowd-Funding “Klingende Kilometer”<br />

kann Jede und Jeder für 1 Euro<br />

einen Kilometer kaufen, und somit die MusikerInnen<br />

unterstützen – Teilnahme unter:<br />

www.suedtirol-filarmonica.it<br />

Stephan Niederegger<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

54 06/Dezember <strong>2022</strong>


Blasmusik<br />

Musik trifft Weltkulturerbe<br />

Kirchweihkonzert in der Wieskirche unter der Leitung von Gottfried Veit<br />

Die Wieskirche, ein Juwel des sakralen Rokokos im oberbayerischen Wies (Gemeinde Steingaden), bildete die Kulisse für das Kirchenkonzert<br />

von 50 Musiker*innen aus ganz Bayern unter der Leitung von Gottfried Veit.<br />

Foto: privat<br />

Der Musikbund von Ober- und Niederbayern<br />

bietet seit dem Jahre 2015 jährlich im Herbst<br />

den interessierten Musikanten des Musikbundes<br />

der Altersklasse „55+“ die Möglichkeit,<br />

ein Probenwochenende unter Gleichgesinnten<br />

zu verbringen.<br />

Bei der Veranstaltung wird musiziert, geprobt<br />

und meist steht am Ende ein Abschlusskonzert,<br />

bei dem die erlernten Musikstücke<br />

präsentiert werden. Aber auch<br />

ein Freizeitprogramm mit den jeweiligen<br />

örtlichen Besonderheiten sowie gesellige<br />

Abende werden geboten. Wie bereits im<br />

letzten Jahr waren die Musikanten wieder<br />

in Schongau bei der dortigen Blaskapelle<br />

eingeladen, um deren Probelokal für die<br />

Vorbereitungen nutzen zu können.<br />

Kirchenkonzert in der<br />

Wieskirche<br />

Der Höhepunkt sollte ein Kirchweihkonzert in<br />

der weltberühmten Wieskirche sein, welche<br />

seit dem Jahre 1983 zum UNESCO-Weltkulturerbe<br />

zählt. Die musikalische Leitung<br />

hatte von Anfang an der Südtiroler Komponist,<br />

Klarinettist, Kapellmeister, Chorleiter<br />

und Ehren-Landeskapellmeister Gottfried<br />

Veit inne, der mit seinem großen Fachwissen<br />

und in seiner ruhigen, freundlichen und<br />

empathisch-sympathischen Art den Musikern<br />

Fachwissen vermittelte und mit ihnen<br />

die jeweiligen Musikstücke einstudierte.<br />

Und so konnten die Blasmusikroutiniers<br />

am Kirchweihsonntag das erlernte Programm<br />

präsentieren und den Zuhörern<br />

eine schöne, angenehme Zeit zum Verweilen<br />

und Nachdenken in diesem ausgesprochen<br />

schönen Gotteshaus, welches bis auf<br />

den letzten Platz gefüllt war, vermitteln. Bei<br />

der heiligen Messe, welche vom Bischöflich<br />

Geistlichen Rat Florian Geis zelebriert<br />

wurde, kamen neben Liedern aus dem<br />

Gotteslob und der „St.-Georgs-Messe“ von<br />

Gottfried Veit das „Ave Maria“ von Bach/<br />

Gounod und „Panis Angelicus“ von Cesar<br />

Frank zur Aufführung.<br />

Im Anschluss an die heilige Messe folgte<br />

dann das Kirchenkonzert mit weiteren musikalischen<br />

Höhepunkten wie der „Festmusik<br />

<strong>Nr</strong>. 1“ von Karl Pilss, der „Kleinen Konzertouvertüre“<br />

von Gottfried Veit, dem sehr<br />

einfühlsamen Choral „Eventide Fall“ von<br />

Henry Monk, arrangiert von Alfred Bösendorfer<br />

und einem Solostück für Trompete<br />

und Blasorchester vom Starkomponisten<br />

vieler Filmmelodien, Ennio Morricone, mit<br />

dem Titel „Morricones Melody“, arrangiert<br />

von Roland Kerner. Den Schlusspunkt<br />

setzte dann der „Coburger Marsch“ von<br />

Michael Haydn.<br />

Durch das Programm führte der Trompeter<br />

Erhard Moldan. Die vielen begeisterten Zuhörer<br />

spendeten den Musikern einen frenetischen<br />

Applaus.<br />

Die Freude auf eine Fortsetzung der Routiniers<br />

der Blasmusik im nächsten Jahr ist<br />

jetzt schon wieder riesengroß, nicht nur aus<br />

musikalischer Sicht, sondern auch wegen<br />

der Freundschaften.<br />

Martin Hommer<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

55 06/Dezember <strong>2022</strong>


hinausgeblickt<br />

„75 Jahre VSM<br />

1948-2023“<br />

Vorstellung der Festschrift<br />

in Bozen<br />

https://vsm.bz.it<br />

04.05.2023<br />

komponiert<br />

Ottmar Leimgruber,<br />

Komponist,<br />

Musiklehrer und<br />

Chorleiter<br />

Vom Saarland zurück in die Südtiroler Heimat<br />

Ottmar Leimgruber wurde 1948 in Tramin<br />

geboren. Seine ersten Unterrichtsstunden<br />

am Klavier und im Orgelspiel erfuhr er im<br />

Johanneum in Dorf Tirol von Prof. Cyprian<br />

Czuchinsky. Dann erhielt er Klavierunterricht<br />

bei Prof. Montanari in Bozen. Nach<br />

der Zeit im Johanneum studierte er Orgel<br />

bei Prof. Hans Haselböck in Wien sowie<br />

Komposition bei Hermann Kronsteiner. Anschließend<br />

konnte er wertvolle Erfahrungen<br />

in der Orchesterarbeit beim Symphonieorchester<br />

des Saarländischen Rundfunks unter<br />

dem Dirigenten Hans Zender sammeln.<br />

Von der<br />

Blas- und Orchestermusik<br />

zur Chormusik<br />

Der Traminer<br />

Ottmar Leimgruber<br />

war u. a. in der<br />

Ausbildung von<br />

Blasorchesterleitern<br />

tätig und hat<br />

sich nun ganz der<br />

Chormusik verschrieben.<br />

Sein Diplom für Chorleitung machte er<br />

mit Auszeichnung in Mannheim. Im<br />

Saarland wirkte er zehn Jahre lang an<br />

der Ausbildung von Dirigenten für Blasorchester<br />

mit, dirigierte verschiedene<br />

Chöre, gründete drei private Musikschulen<br />

und war Organist in der katholischen<br />

und evangelischen Pfarrkirche von Güdingen.<br />

In den 20 Jahren seines Aufenthaltes<br />

in Deutschland war er außerdem<br />

Mitverantwortlicher für die Lehrerausbildung<br />

und die Erstellung von Lehrmaterialien<br />

einer weltweit agierenden japanischen<br />

Musikfondation. In dieser Zeit<br />

sammelte er wertvolle Erfahrungen in Didaktik<br />

und gruppendynamischen Prozessen.<br />

1996 trieb ihn das Heimweh zurück<br />

nach Südtirol. In Bozen und Neumarkt<br />

gründete er zwei private Musikschulen,<br />

wurde Pfarrorganist in Neumarkt und<br />

leitet seitdem den dortigen Pfarrchor.<br />

Bis zum Pensionsalter unterrichtete er<br />

Musik an der Mittelschule. Im „Ruhestand"<br />

hat er sich voll der Chormusik zugewandt<br />

und leitet seither<br />

verschiedene Chöre. Auf<br />

die Frage: „Was ist nach<br />

einem so wechselreichen<br />

Leben Ihr heutiges Ziel?",<br />

antwortet Ottmar Leimgruber:<br />

„Es gibt in Südtirol<br />

einige sehr gute Komponisten,<br />

gute Ensembles und große Aufführungen,<br />

an denen wir uns alle gerne<br />

Ich mag und liebe<br />

ehrliche Musik.<br />

Ottmar Leimgruber<br />

erbauen. Ich habe mich<br />

aber der Chormusik für die<br />

vielen kleineren, aber sehr<br />

engagierten geistlichen und<br />

weltlichen Chöre verschrieben.<br />

Ich möchte nach Bedarf<br />

Musik schreiben und arrangieren,<br />

die eben auch für<br />

die so wertvollen kleineren Chöre in unseren<br />

Dörfern und Pfarreien machbar ist.“<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

56 06/Dezember <strong>2022</strong>


Blasmusik<br />

Sopran/Alt A S j<br />

S 4 É<br />

.å å æ å å æ<br />

.å I<br />

å æ<br />

å æ<br />

å å æ K<br />

å å å å å å å æ<br />

å æ<br />

å<br />

I<br />

É<br />

ä å ê ê ê ê<br />

å å K<br />

Herr, er-<br />

bar-me<br />

dich un - - - ser, Herr, er - bar - me dich un - ê ser<br />

E S<br />

Tenor/Baß S 4 I I I I<br />

Orgel<br />

A S S 4 É<br />

ã<br />

ä å å .ä å å<br />

S å å K<br />

E S S 4 I I I I<br />

S/A<br />

Org<br />

A S S<br />

å<br />

å å å å å æ<br />

å æ<br />

Chri<br />

j<br />

å<br />

å<br />

å Z å<br />

K<br />

ê ê Q Q<br />

-<br />

Herr,<br />

er - bar - me dich un - - ser.<br />

E S T/B S<br />

.å .å<br />

å æ åê<br />

å å æ ê<br />

å æ å<br />

ê<br />

å<br />

ä<br />

å å å å K<br />

Q Q<br />

A S S<br />

å å å å å å å<br />

å å É å Q Q<br />

E S S ä å å å ä å K Q Q<br />

- stus<br />

S/A A Q Q å å æ<br />

å æ å å æ å æ Chri - - stus<br />

Zj<br />

ä å å å å æ<br />

K<br />

å æ å æ å<br />

å å æ<br />

ê ê ê ê<br />

ê ê<br />

Chri - stus er - bar - me dich un - ser,<br />

Chri - stus er - bar - me<br />

q<br />

E T/B Q Q<br />

å å æ å æ<br />

å å å æ å æ q<br />

ä å K å å æ å æ<br />

ä å å å å<br />

ê ê ê ê ê ê<br />

Org<br />

Herr, erbarme dich<br />

Deutsches Ordinarium<br />

für 4stimmig gemischten Chor<br />

( und Orgel ad libitum )<br />

A Q Q å å å ä å å å<br />

E Q Q å å å ä .ä K å å å å å<br />

å<br />

Musik und Satz: Ottmar Leimgruber<br />

å<br />

å<br />

å<br />

å<br />

Anbetung<br />

Gem. Chor<br />

Text und Musik: Ottmar Leimgruber<br />

¢ = 72<br />

A Q Q Q 4 å<br />

ä<br />

ä<br />

å<br />

å å<br />

ä å å<br />

å<br />

.ä .ä<br />

å<br />

q<br />

An - be - tend kni - e ich vor dir, du All-macht,<br />

die<br />

Durch dich, Herr, schöpf ich Zu - ver - sicht, kein Arg und kein<br />

q<br />

E Q Q 4 å<br />

Q ä ä å å å<br />

å å å .ä<br />

.ä å ä å å<br />

ä å å<br />

A Q Q cresc. . . . Q ä å<br />

å<br />

ä K å R<br />

K .å<br />

å æ . . . . . . . . . . . . . . .<br />

å å<br />

å<br />

å å<br />

å<br />

ê<br />

mich hat er - schaf-fen. Gna - de, die mich hat er - ho - ben,<br />

Weh' kann mir scha - den. Hal - te schü-tzend<br />

dei - ne Hän - de<br />

E Q Q ä å å ä å K .å å æ å å å å å å<br />

Q å K .å ê Rå<br />

å å å<br />

A Q Q Q å<br />

å å å .ä q<br />

.ä å<br />

ä<br />

å<br />

å<br />

å<br />

å<br />

å<br />

å<br />

Stim-meall<br />

- zeit ü - ber - mich. Ver - zeih, Herr, mir Schuld und Sün - den -<br />

E Q Q Rå<br />

å å å .ä å ä å å å å å Q<br />

å<br />

die mich ruft. Du Gü - te, die mich be - schenkt, mich<br />

å R å .ä å å q<br />

A Q Q cresc.<br />

f<br />

Q ä å å å å<br />

.ä .ä å<br />

å<br />

å<br />

ä<br />

å åå<br />

liebt, Barm - her - zig - keit, die mir stets ver - gibt. Du<br />

last, ver - lei - he mir dei - ne Kraft der Lie - be, dass<br />

E Q Q .ä<br />

.ä å ä å å å å å å ä å å å ä å å<br />

Q f<br />

A Q Q rit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .<br />

Q<br />

å å å<br />

å å å<br />

ä å<br />

p<br />

å<br />

å å å å .ä<br />

.ä<br />

Geist, der mich be - lebt, oh du Lie - be, die mich trägt.<br />

Glau - be, Lie - be, Hoff - nung mein gan - zes Le - ben prägt.<br />

E Q Q<br />

å å å å ä å å å å å å<br />

Q å å å å ä.<br />

.ä<br />

p<br />

ä.<br />

Hirtenterzett<br />

= 72<br />

Flöten<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

1. Hirte<br />

<br />

<br />

Tasteninstrument<br />

Ich<br />

(ad libitum)<br />

<br />

<br />

<br />

2. Hirte<br />

<br />

8 und ich<br />

<br />

das<br />

<br />

Brot<br />

<br />

für's <br />

und ich das Stroh für's<br />

<br />

<br />

Käs'<br />

für's Kind<br />

Fell<br />

für's Kind<br />

<br />

3. Hirte <br />

<br />

8<br />

<br />

<br />

<br />

schwind,<br />

Wind<br />

<br />

<br />

Rind<br />

Wind und<br />

<br />

Kind<br />

Kind<br />

<br />

<br />

und<br />

<br />

<br />

lasst<br />

ge -<br />

<br />

<br />

uns<br />

gen<br />

ich neh'm<br />

ich bring<br />

<br />

<br />

<br />

ei -<br />

Frost<br />

<br />

<br />

wir<br />

und<br />

<br />

<br />

len<br />

im<br />

<br />

und<br />

- 9 -<br />

<br />

<br />

die<br />

die<br />

<br />

<br />

geh'n<br />

ge -<br />

<br />

<br />

zu<br />

kal -<br />

<br />

lasst<br />

<br />

Kind<br />

Kind<br />

<br />

<br />

und<br />

ge -<br />

<br />

Milch<br />

Deck'<br />

<br />

<br />

ge -<br />

gen<br />

<br />

<br />

dem<br />

ten<br />

<br />

uns<br />

<br />

<br />

ein<br />

gen<br />

<br />

schwind<br />

Wind<br />

<br />

Stal -<br />

Win -<br />

<br />

<br />

<br />

Stück<br />

die<br />

<br />

le<br />

ter<br />

<br />

ei-len<br />

<br />

zu<br />

<br />

<br />

<br />

wir<br />

und<br />

<br />

Fleisch<br />

Kält'<br />

<br />

<br />

dem<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

nehm'<br />

<br />

<br />

geh'n<br />

ge -<br />

<br />

vom<br />

im<br />

<br />

für's<br />

dem<br />

<br />

da-<br />

<br />

<br />

hin,<br />

<br />

<br />

wo<br />

Stal -<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

den<br />

<br />

ge -<br />

gen<br />

<br />

<br />

wo<br />

<br />

<br />

hel - les<br />

<br />

<br />

le,<br />

wo<br />

Der Komponist zu<br />

drei seiner Werke:<br />

Das „Herr, erbarme dich unser“ aus<br />

„Deutsches Ordinarium“ sowie das<br />

ganze Ordinarium ist bewusst einfach<br />

mit einer sehr leichten Orgelbegleitung<br />

ad libitum gestaltet. Dieses Ordinarium<br />

sollte in zwei bis drei Proben leicht zu<br />

erarbeiten sein.<br />

Das Stück „Anbetung“ ist, gut interpretiert,<br />

ein eindrucksvolles Sakramentslied.<br />

Leicht und für die verschiedensten Gelegenheiten<br />

einsetzbar.<br />

Das Hirtenterzett ist aus dem Weihnachtsmusical<br />

„Und es begab sich im Jahre<br />

0 zu Bethlehem“, aufführbar mit gem.<br />

Chor, vier Solisten und einem Hirtenterzett<br />

sowie einem Sprecher, drei Flöten<br />

und einem Tasteninstrument. Dauer ca.<br />

25 Minuten. Schwierigkeitsgrad: leicht.<br />

Stephan Niederegger<br />

gedenken<br />

Trauer um Jürgen K. Groh<br />

Seine Mitarbeit an unseren Blasmusikseiten stand erst am Anfang<br />

Eigentlich wäre an dieser Stelle ein<br />

neuer Beitrag von Jürgen K. Groh geplant<br />

gewesen. Noch bevor wir mit ihm<br />

den Inhalt dazu besprechen konnten,<br />

ereilte uns die traurige Nachricht, dass<br />

Jürgen am 1. November überraschend<br />

im Alter von 64 Jahren gestorben ist.<br />

Er war Musiker, Dirigent, Autor, Moderator,<br />

Dozent und Vizepräsident der<br />

WASBE Sektion Deutschland. Die vielen<br />

Projekte und Termine auf seiner<br />

Homepage zeugen von seinen zahlreichen<br />

Tätigkeiten – viele, die geplant<br />

und nun nicht mehr verwirklicht werden<br />

können. Seine Zusammenarbeit mit<br />

unserer Redaktion stand erst am Anfang<br />

und hätte eine erfolgreiche sein sollen.<br />

Unsere Gedanken und Gebete sind bei seiner<br />

Frau Angela und seiner Familie: „Lieber<br />

Jürgen, ruhe in Frieden!“<br />

Stephan Niederegger<br />

Jürgen K. Groh war<br />

im Bereich Musik sehr vielseitig<br />

tätig; er verstarb am 1. November<br />

mit 64 Jahren.<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

57 06/Dezember <strong>2022</strong>


gehört & gesehen<br />

Kirchenkonzert der<br />

Musikkapelle Steinegg<br />

Zu einem Höhepunkt im Musikjahr <strong>2022</strong><br />

kam es am Abend des 4. und 5. November<br />

in der bis auf den letzten Platz besetzten<br />

Pfarrkirche von Steinegg.<br />

Musikobmann Ulfried Falser begrüßte<br />

das Publikum und dankte allen Mitwirkenden<br />

und Helfern, insbesondere den<br />

Besondere „Gänsehautmomente“<br />

mit Musik und Chorgesang<br />

Anfang November fand an zwei Abenden ein besonderes Kirchenkonzert in Steinegg statt.<br />

Am Konzert waren neben der MK Steinegg und dem Organisten auch drei Chöre beteiligt.<br />

teilnehmenden Chören mit ihren Leitern,<br />

wie auch den Musikantinnen und Musikanten<br />

und dem Kapellmeister Christoph<br />

Rieder für ihren Einsatz für das besondere<br />

Konzert.<br />

Eröffnet wurde das Konzert durch das<br />

Stück „Selections from The Danserye 1.<br />

La Morisque“ von Tielman Susato. Musikalisch<br />

ging es nun mit dem Solostück „Prelude<br />

& Fuge in C“ von J.S. Bach weiter,<br />

welches Arnold Lunger an der Orgel zum<br />

Besten gab. Anschließend begeisterte der<br />

Männerchor das Publikum mit den Stücken<br />

„Motette“ von H.G. Nägeli und dem<br />

siebenstimmigen „Ave Maria“ von Franz<br />

Biebl, wobei Gottfried Rieder und seine<br />

Söhnen Matthias und Christoph als Solisten<br />

auftraten. Dank des großen Einsatzes<br />

von Alexander Rieder nahmen die<br />

Gäste das Konzert nicht nur auditiv, sondern<br />

auch visuell wahr. Die Kirche wurde<br />

nämlich mit Hilfe von ca. 60 Lampen beleuchtet<br />

und die besondere Atmosphäre<br />

und die einzigartige Lichtershow begeisterten<br />

nicht nur die Besucher, sondern<br />

auch die Musikanten selbst.<br />

Weiter ging es mit dem Stück „Momentum“<br />

von Thomas Doss, worauf ein besonderer<br />

Höhepunkt des Konzertes folgte.<br />

Während im Hintergrund der Choral „Näher,<br />

mein Gott, zu dir“ erklang, erschienen<br />

auf einer Leinwand Bilder der verstorbenen<br />

Ehrenmitglieder der Kapelle.<br />

Um ihre langjährige Mitgliedschaft und<br />

ihren persönlichen Einsatz für die Musikkapelle<br />

zu ehren, wurde ihnen dieses<br />

Stück gewidmet. Anschließend zeichneten<br />

sich die Trompeter Michael Lantschner,<br />

Daniel Pfanzelter, Matthias Rieder<br />

und Felix Mahlknecht mit dem Solostück<br />

„Suite für 4 Trompeten“ von J.E. Altenburg,<br />

aus. Weiters erklang das Stück „A<br />

Choral for a solemn Occasion“ von Marc<br />

van Delft. Pfarrer Sepp Hollweck und Seelsorger<br />

Josef Psaier sorgten mit ihren zum<br />

Nachdenken einladenden Worten für einen<br />

kurzen Moment der Stille.<br />

Für eine einzigartige Atmosphäre sorgte<br />

abschließend die Musikkapelle zusammen<br />

mit dem Vocalis Chor und dem Kinder-<br />

und Jugendchor „Sliding Birds“. Das<br />

Stück „Adiemus“ von Karl Jenkins erklang<br />

mit den Solostimmen von Anja Schgaguler<br />

und Barbara Premstaller und versetzte<br />

das Publikum ins Staunen. Anschließend<br />

sorgte Florian Rubatscher als Solist mit<br />

dem Stück „Baba Yetu“ von Christopher<br />

Tin für weitere Gänsehautmomente.<br />

Der nicht enden wollende Applaus mit<br />

„Standing Ovation“ nach dem Konzert<br />

war Beweis dafür, dass die Arbeit und der<br />

Einsatz keinesfalls umsonst waren. Um<br />

den Abend ausklingen zu lassen, trafen<br />

sich noch alle Gäste und Musikanten zu<br />

einem Umtrunk auf dem Kirchplatz, bei<br />

dem alle die Gelegenheit hatten, über das<br />

einmalige Konzert zu plaudern.<br />

Kassandra Vieider<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

58 06/Dezember <strong>2022</strong>


Redaktionsschluss für<br />

entdeckt<br />

„orkester kandidat za oskarja“<br />

Ein Oscar-reifes Orchester<br />

Anfang September wurde die Kino-Komödie<br />

„Orchestra“ (Originaltitel „Orkester“) unter<br />

der Regie von Matevž Luzar (produziert von<br />

Gustav Film) als slowenischer Beitrag für den<br />

Auslands-Oscar 2023 nominiert.<br />

Dieses in schwarz-weiß gedrehte und bereits<br />

auf mehreren Filmfestivals erfolgreiche<br />

Roadmovie erzählt das Gastspiel<br />

eines slowenischen Blasorchesters in einer<br />

österreichischen Kleinstadt mit entsprechenden<br />

Problemen, Verwirrungen<br />

und Konsequenzen, die sich daraus ergeben.<br />

Der aus St. Georgen bei Bruneck<br />

stammende Schauspieler Alexander Mitterer,<br />

der im Film mitspielt, erinnert sich gerne<br />

an „diese tolle Arbeit“ mit Maria Hofstätter,<br />

Klaudia Reichenbacher und den slowenischen<br />

Kolleginnen und Kollegen und<br />

freut sich über den Erfolg.<br />

Der Regisseur:<br />

Nach „Good to Go“ (2012) ist „Orkestra“ der<br />

zweite Spielfilm von Matevž Luzar (1981).<br />

Neben seiner Arbeit als Regisseur und Drehbucharbeiter<br />

unterrichtet er auch Drehbuchschreiben<br />

in Ljubljana. Seit 2020 ist er Präsident<br />

der „Directors Guild of Slovenia“ und<br />

Mitglied der Europäischen Filmakademie.<br />

„Ich habe jahrelang ein Orchester auf Tournee<br />

begleitet, weil meine Großfamilie dazugehörte.<br />

Es hat mich immer fasziniert, wie<br />

alle es geschafft haben, ihre Sorgen beiseite<br />

zu schieben und einfach Spaß zu haben.<br />

Alles, was auf der Tournee passiert,<br />

bleibt ein Geheimnis und niemand spricht<br />

mehr darüber. Ich wollte diese kurzen, heiteren<br />

und lustigen Momente anhand verschiedener<br />

Figuren und eines echten Orchesters<br />

erzählen und verstehen, welche<br />

Auswirkungen das auf ihr Leben hatte. Ich<br />

war auch daran interessiert, die Gruppendynamik<br />

innerhalb eines Orchesters zu untersuchen<br />

und über die kulturellen Unterschiede<br />

zwischen zwei Ländern, Slowenien<br />

und Österreich, zu sprechen." (M. Luzar)<br />

Am 17. Dezember läuft der Film beim K3<br />

Film Festival in Villach. Ob des internationalen<br />

Erfolgs darf man gespannt sein, wann<br />

dieser Film auch in unseren Kino- und Vorführsälen<br />

gezeigt wird – wohl „ein Muss für<br />

jeden Musikanten“, wie es Alexander Mitterer<br />

im Gespräch formulierte.<br />

Stephan Niederegger<br />

Das Filmplakat zu „Orchestra“<br />

Der aus St. Georgen<br />

bei Bruneck stammende<br />

Schauspieler<br />

Alexander Mitterer<br />

(rechts im Bild) erinnert<br />

sich gern an die<br />

Dreharbeiten.<br />

Hier können zwei Trailer zum Film heruntergeladen<br />

werden.<br />

Aus der Redaktion<br />

Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Blasmusikseiten<br />

senden Sie bitte an: kulturfenster@vsm.bz.it<br />

die nächste Ausgabe des<br />

„<strong>KulturFenster</strong>s“ ist:<br />

Freitag, 13. Jänner 2023<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

59 06/Dezember <strong>2022</strong>


entdeckt<br />

Kleinod im Algunder Notenarchiv<br />

Der „Franz-Josef-Strauß-Begrüßungsmarsch“ von Sepp Thaler<br />

Mit dem „Franz-Josef-Strauß-Begrüßungsmarsch“<br />

ist die Algunder Musikkapelle<br />

beim Oktoberfestzug <strong>2022</strong><br />

durch München marschiert.<br />

Das Manuskript von Sepp<br />

Thaler zu seinem „Franz-Josef-<br />

Strauß-Begrüßungsmarsch“<br />

Im Jahr 2018 erhielt Christian Laimer, Kapellmeister<br />

der Algunder Musikkapelle, einen<br />

Anruf von Walter Haller. Dieser war ein<br />

bekannter Fotograf bei Konzerten in Meran<br />

und großzügiger Gönner der „Algunder“.<br />

Das Anliegen des Anrufs: Haller hatte ein<br />

Manuskript eines Marsches, den der ehemalige<br />

Südtiroler Landeskapellmeister<br />

Sepp Thaler in seinem Auftrag geschrieben<br />

hatte. Gewidmet war der Marsch dem damaligen<br />

bayerischen Ministerpräsidenten<br />

Franz Josef Strauß. Hallers Wunsch: Die<br />

Algunder Musikkapelle möge doch diesen<br />

Marsch, der zuvor noch nie öffentlich<br />

zu hören war, bei einem ihrer Konzerte<br />

aufführen. Christian Laimer kam diesem<br />

Wunsch umgehend nach. Er sichtete das<br />

handschriftliche Manuskript, setzte sich<br />

an seinen Computer und arrangierte den<br />

Marsch für großes Blasorchester.<br />

Beim Dreikönigskonzert am 6. Jänner 2019<br />

folgte dann der große Moment: Gleich am<br />

Beginn des Konzertes – außerhalb des<br />

Programmes – erklang der „Franz-Josef-<br />

Strauß-Begrüßungsmarsch“ von Sepp<br />

Thaler im Kursaal von Meran. Die Freude<br />

beim Auftraggeber Walter Haller war selbstverständlich<br />

sehr groß – und spontan sagte<br />

er zu, der Algunder Musikkapelle das Geld<br />

für ein wertvolles Instrument zur Verfügung<br />

zu stellen.<br />

Beim Münchner<br />

Oktoberfestzug<br />

Die Algunder Musikkapelle sollte den<br />

Marsch dann auch bei den folgenden Konzerten<br />

im Jahr 2019 spielen, sodass dieser<br />

schließlich zu den am häufigsten gespielten<br />

Stücken des Konzertjahres gehörte.<br />

Bei einem dieser Konzerte im Thalguterhaus<br />

war auch der Münchener Stadtrat<br />

Otto Seidl vor Ort. Weil der „Franz-Josef-<br />

Strauß-Begrüßungsmarsch“ dem ranghohen<br />

Politiker so gut gefiel, lud er die Algunder<br />

Musikkapelle zum Trachten- und<br />

Schützenzug beim Oktoberfest ein, damit<br />

sie auch dort diesen Marsch spielen möge.<br />

Umgesetzt wurde diese Einladung schließlich<br />

mit zwei Jahren Verspätung: 2020 und<br />

2021 fand das Oktoberfest aus bekannten<br />

Gründen nicht statt, am 18. September<br />

<strong>2022</strong> war es dann endlich soweit: Die Algunder<br />

Musikkapelle marschierte – unter<br />

anderem – mit dem „Franz-Josef-Strauß-<br />

Begrüßungsmarsch“ von Sepp Thaler<br />

durch die Straßen der Münchener Innenstadt.<br />

Walter Haller durfte dieses Ereignis<br />

leider nicht mehr miterleben: Er ist Ende<br />

des Jahres 2020 verstorben.<br />

Der Marsch hat mittlerweile einen festen<br />

Platz im Notenarchiv der „Algunder“ gefunden.<br />

Er wird sicherlich auch in Zukunft<br />

immer wieder Teil der Konzertprogramme<br />

sein.<br />

Bernhard Christanell<br />

Obmann der Algunder Musikkapelle<br />

Die Live-Aufnahme der<br />

Aufführung beim Dreikönigskonzert<br />

2019 ist auf<br />

dem YouTube-Kanal der<br />

Algunder Musikkapelle<br />

abrufgbar unter: https://<br />

bit.ly/franzjosefstrauß<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

60 06/Dezember <strong>2022</strong>


kurz notiert<br />

kurz notiert –<br />

das neue „Musikpanorama“<br />

… für Nachrichten aus den Musikkapellen<br />

Wir freuen uns, wenn Musikkapellen<br />

über ihre Proben, Auftritte und Veranstaltungen<br />

berichten.<br />

Im Zuge der Neugestaltung des „Kultur-<br />

Fensters“ ist die ehemalige Rubrik „Musikpanorama“<br />

in „kurz notiert“ unbenannt<br />

worden; sie soll aber weiterhin als Plattform<br />

für die Berichterstattung aus den<br />

Musikkapellen und damit zu einem regen<br />

Erfahrungsaustausch genutzt werden.<br />

Damit aber alle Artikel Platz finden können,<br />

ist es notwendig, dass die jeweiligen<br />

Texte nicht mehr als 1.500 Zeichen<br />

(inkl. Leerzeichen) umfassen. Die<br />

Berichterstatter*innen der Musikkapellen<br />

sind gebeten, diese Vorgabe einzuhalten. Ein<br />

aussagekräftiges und vor allem drucktaugliches<br />

Foto – in entsprechend guter Auflösung<br />

und mit Bildtext – ist ebenfalls immer<br />

sehr willkommen. Bitte auch immer den Redaktionsschluss<br />

beachten! Weitere Informationen<br />

sind im FAQ-Bereich „Presse“ der<br />

VSM-Homepage abrufbar. Wir freuen uns<br />

auf viele „kurz notierte“ Meldungen!<br />

Die Redaktion<br />

Sommerkonzert der Musikkapelle Waidbruck<br />

Paul Mayr zum Ehrenmitglied ernannt<br />

Nach zweijähriger Pause lud die Musikkapelle<br />

Waidbruck wieder zu einem Sommerkonzert<br />

auf dem Festplatz in Waidbruck.<br />

Kapellmeister Martin Rabensteiner hatte<br />

ein abwechslungsreiches Programm vorbereitet<br />

und eröffnete den Abend mit dem<br />

Konzertmarsch Start Frei von Leonhard<br />

Buhoslav. Zu hören waren auch Polkas,<br />

Walzer und andere Kompositionen. Den<br />

Höhepunkt des Abends bildete die Ehrung<br />

mehrerer verdienter Mitglieder.<br />

Bezirksobmann Bernhard Kasseroler<br />

zeichnete zunächst den Jungmusikanten<br />

Ivan Gruber mit der Urkunde für das Leistungsabzeichen<br />

in Silber aus. Anschließend<br />

erhielten mehrere Musikanten in<br />

Anerkennung ihrer geleisteten Dienste für<br />

das Musikleben unseres Landes als Zeichen<br />

des Dankes ein Ehrenzeichen. Karin<br />

Vonmetz, Melanie Rier und Patrick Rabensteiner<br />

erhielten in Anerkennung ihrer<br />

15-jährigen Tätigkeit das Ehrenzeichen in<br />

Bronze, Hildegard Vonmetz erhielt das Ehrenzeichen<br />

in Silber für 25 Jahre; Stephan<br />

Mayr, Markus Hvala und Klaus Vonmetz<br />

Ehrungen bei der MK Waidbruck: (vorne v. l.) Markus Hvala, Hildegard Vonmetz, Patrick<br />

Rabensteiner, Melanie Rier, Bezirksobmann Bernhard Kasseroler, Karin Vonmetz und Ivan<br />

Gruber; (hinten v. l.) Paul Mayr, Stephan Mayr, Klaus Vonmetz, Kapellmeister Martin Rabensteiner<br />

und Obmann Wolfgang Harrasser<br />

erhielten das Ehrenzeichen in Gold für 40<br />

Jahre ehrenamtliche Tätigkeit. Paul Mayr<br />

erhielt für sage und schreibe 60 Jahre das<br />

Große Ehrenzeichen in Gold am Bande.<br />

Ebenso wurde Paul Mayr für seinen unermüdlichen<br />

und selbstlosen Einsatz als<br />

Musikant zum Ehrenmitglied der Musikkapelle<br />

Waidbruck ernannt. Im Jahre 1962<br />

hat er als junger Bursch bei der Musikkapelle<br />

Lengmoos angefangen; im Jahr 1975<br />

ist er der Musikkapelle Waidbruck beigetreten<br />

und hat bis Ende 2021 kaum eine<br />

Probe oder einen Auftritt ausgelassen. Zu<br />

Recht wurde er auf die Bühne geholt und<br />

geehrt. Danke Paul!<br />

Waltraud Wörndle<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

61 06/Dezember <strong>2022</strong>


kurz notiert<br />

Musiksommer in der Hofburg Brixen<br />

Rückblick auf eine erfolgreiche Konzertreihe<br />

In der einzigartigen Kulisse der Hofburg von Brixen fanden im Sommer wieder herausragende<br />

Konzerte, u. a. mit der Bürgerkapelle Brixen (im Bild), statt.<br />

An zwei Wochenenden im August ging<br />

zum 15. Mal die in Südtirol einzigartige<br />

Konzertreihe im Innenhof der Brixner Hofburg<br />

über die Bühne.<br />

Die Bürgerkapelle Brixen hat sich in Zusammenarbeit<br />

mit dem „Kulturverein Brixen<br />

Musik“ zum Ziel gemacht, spannende, anspruchsvolle<br />

und schöne Musik in der Hofburg<br />

Brixen zu präsentieren. Dazu werden<br />

jährlich verschiedene Formationen eingeladen,<br />

ein Konzert zum Besten zu geben.<br />

Im vergangenen Sommer standen 5<br />

Konzerte von lokalen und internationalen<br />

Musikkapellen auf dem Programm. Diese<br />

waren die Bürgerkapelle Lana, die Musikkapelle<br />

Toblach, die Stadtmusikkapelle Liezen<br />

aus der Steiermark, die Musikkapelle<br />

Peter Mayr Pfeffersberg und natürlich die<br />

Bürgerkapelle Brixen. Neben Musikkapellen<br />

bietet der Musiksommer auch anderen<br />

Formationen die Möglichkeit, in dieser<br />

atemberaubenden Kulisse ein Konzert<br />

zu geben. So war im Sommer <strong>2022</strong> erneut<br />

das Haydn-Orchester von Bozen und Trient<br />

sowie die Südtiroler Jugend-Brass-Band zu<br />

Gast. Die Planungen für den Musiksommer<br />

2023 laufen bereits auf Hochtouren, um<br />

weitere Mehrwerte für die Veranstaltung<br />

zu generieren. Wir freuen uns bereits jetzt<br />

wieder, die wunderschöne und einzigartige<br />

Kulisse der Brixner Hofburg im kommenden<br />

Sommer mit Blasmusik zu erfüllen.<br />

Nathan Vikoler<br />

„Rapunzel, lass dein Haar herunter!“<br />

Grundschüler und Musikkapelle St. Lorenzen mit gemeinsamem Projekt<br />

Die Grundschule und die Musikkapelle<br />

haben zu einer kleinen Märchenstunde<br />

geladen: Am letzten September-Wochenende<br />

wurde die bekannte Geschichte der<br />

Gebrüder Grimm im zweimal vollbesetzten<br />

Vereinssaal „neu“ erzählt.<br />

Ein Musikfest auf einer Burg, Besuche im<br />

Dritt- und Fünftklässler<br />

der Grundschule St. Lorenzen<br />

haben zusammen<br />

mit der örtlichen<br />

Musikkapelle die Geschichte<br />

von Rapunzel<br />

neu erzählt.<br />

Probelokal, Kinderfasching oder Instrumentenvorstellungen<br />

– immer wieder arbeiten<br />

die Musikkapelle St. Lorenzen und<br />

die örtliche Grundschule erfolgreich zusammen.<br />

Corona hat diese Zusammenarbeit<br />

etwas eingebremst. Umso erfreulicher war<br />

es, dass heuer wieder ein gemeinsames<br />

Projekt möglich war. Das vierteilige Werk<br />

„Rapunzel“ von Bert Appermont und vier<br />

Tänze von Paul Creston bildeten dazu<br />

den musikalischen Rahmen. Den Auftakt<br />

machte die Erkennungsmelodie „SimsalaGrimm“<br />

aus der bekannten Märchenserie,<br />

eigens dazu vom Kapellmeister arrangiert.<br />

Schulleiterin Evi Kirchler und die<br />

Lehrerinnen Emma Mair, Margareth Kammerer<br />

und Petra Hofer haben mit ihren<br />

Schülerinnen und Schülern der beiden 3.<br />

und beiden 5. Klassen die Bilder dazu gemalt,<br />

die Texte gelesen und das Lied „Rapunzel“<br />

eingelernt.<br />

Ein begeistertes Publikum und vielleicht<br />

auch das eine oder andere Kind, das Lust<br />

bekommen hat, ein Blasinstrument zu erlernen<br />

und in der Musikkapelle mitzuspielen<br />

– das sind der Lohn und ein Gewinn<br />

für die Schule und die Kapelle.<br />

Stephan Niederegger<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

62 06/Dezember <strong>2022</strong>


Blasmusik<br />

„Der Fluch der Furiosa“<br />

Projekt der Jugendkapelle und des Familienverbandes Toblach<br />

Man nehme eine motivierte Jugendkapelle,<br />

den Fluch einer bösen Hexe und die Chronik<br />

der Musikkapelle Toblach – so, oder so<br />

ähnlich klingt das Rezept für einen musikalischen<br />

Leckerbissen der besonderen Art:<br />

Im Rahmen des 200-jährigen Jubiläums<br />

der Kapelle war auch für die JuKa Toblach<br />

ein außergewöhnliches Projekt geplant: Gemeinsam<br />

mit der Musikvermittlerin Veronika<br />

Prünster und in Zusammenarbeit mit<br />

dem Familienverband sollte ein Musiktheater<br />

für die ganze Familie aufgeführt werden.<br />

Zwar durch die Umstände etwas verspätet,<br />

doch umso begeisterter wurde das<br />

Projekt „Der Fluch der Furiosa – ist Toblach<br />

noch zu retten?” im Oktober <strong>2022</strong> durchgeführt.<br />

Detektivin AnnDante - gespielt von<br />

Veronika Prünster - machte sich mit den<br />

JuKa-Kindern und mit Hilfe des Publikums<br />

daran, den Fluch der Hexe zu lösen, um<br />

endlich wohlklingend zu musizieren. Ganz<br />

nebenbei wurden die Instrumente der Kapelle<br />

vorgestellt, die Aufstellung eines Orchesters<br />

und die Tracht kennengelernt,<br />

das Rhythmusgefühl der Zuschauer auf<br />

die Probe gestellt und schließlich sogar<br />

marschiert.<br />

Nach einer intensiven Probenphase wurde<br />

das Theater dann in zwei gut besuchten<br />

Schulaufführungen und zwei öffentlichen<br />

Aufführungen einem gespannten Publikum<br />

präsentiert. Kinder wie Eltern waren<br />

begeistert vom Ergebnis, und insbesondere<br />

die jungen Musiker*innen waren sich einig,<br />

dass so ein Projekt unbedingt wieder<br />

gemacht werden soll.<br />

MK Toblach<br />

Detektivin „AnnDante“ macht sich gemeinsam<br />

mit den JuKa-Kindern auf die Suche<br />

nach der Lösung des Fluchs.<br />

Die Jugendkapelle Toblach mit Musikvermittlerin Veronika Prünster<br />

Fotos: Werner Pitterle<br />

Cäcilienkonzert der Musikkapelle Auer<br />

Neuzugang im Klarinettenregister – Ehrungen<br />

Am 12. November fand das traditionelle Cäcilienkonzert<br />

der Musikkapelle Auer unter der<br />

Leitung von Kapellmeister Arnold Leimgruber<br />

statt. Obmann Thomas Rech konnte mehrere<br />

Ehrengäste aus der Gemeinde und dem<br />

Verband Südtiroler Musikkapellen (VSM) begrüßen.<br />

Tobias Simonini führte das Publikum<br />

ebenso professionell wie charmant durch den<br />

Abend. In Gedenken an den 40. Todestag<br />

von Sepp Thaler gelangten einige Werke aus<br />

seiner Feder zur Aufführung. So wurden die<br />

Zuhörer von den Klängen der romantischen<br />

Ouvertüre „Dolomitenzauber“ verzaubert.<br />

Darauf folgte „Alpenglüh’n“, ein eher unbekannter<br />

Marsch Sepp Thalers. Das darauf<br />

folgende Stück „Shenandoah“ erzählt mit<br />

seinen ruhigen Klängen und Melodien vom<br />

gleichnamigen Fluss in den USA. Zum Gedenken<br />

des Todestages von Prinzessin Diana<br />

spielte die Musikkapelle das Stück „Candle<br />

in the wind“ von Elton John. Wie üblich, wird<br />

der festliche Rahmen des Cäcilienkonzertes<br />

genutzt, um neue Mitglieder offiziell in den<br />

Verein aufzunehmen und um die Ehrenzeichen<br />

des VSM für langjährige Tätigkeit in der<br />

Kapelle zu verleihen. Dieses Jahr wurde Elisa<br />

Morisi an der Klarinette begrüßt. Sie ist 12<br />

Jahre alt und somit aktuell das jüngste Mitglied<br />

der Musikkapelle. Hans Simonini und<br />

Hermann Kaufmann erhielten das Große Ehrenzeichen<br />

in Gold für 50 Jahre Mitwirken in<br />

der Kapelle, Franz Kaufmann das goldene<br />

Ehrenzeichen für 40 Jahre, Erika Gschnell<br />

und Christine Greif – sie ist die erste Musikantin,<br />

die 25 Jahre Mitglied der MK Auer<br />

ist - das silberne für 25 Jahre. Manfred Micheletti<br />

wurde für 15 Jahre Mitwirken in der<br />

Kapelle geehrt.<br />

Franziska Kröss<br />

Ehrungen bei der MK Auer: (v.l.) Kapellmeister Arnold Leimgruber, Manfred Micheletti,<br />

Christine Greif, Erika Gschnell, Franz Kaufmann, Hermann Kaufmann, Hans Simonini, Obmann<br />

Thomas Rech<br />

<strong>KulturFenster</strong><br />

63 06/Dezember <strong>2022</strong>


www.hpv.bz.it<br />

Termine<br />

Kontakt: Tel. 0471 973693, E-Mail: info@hpv.bz.it<br />

Facebook: https://www.facebook.com/HPV.Suedtirol<br />

Veranstaltungen und andere Videos auf unserem youtube-Kanal:<br />

https://www.youtube.com/c/heimatpflegeverbandsudtirol<br />

http://hpv.bz.it<br />

4.–5.02.2023<br />

Wochenendseminar für Chorleiter*innen<br />

in Goldrain mit Florian Maierl<br />

Infos unter:<br />

https://scv.bz.it<br />

20.–21.05.2023<br />

„75 Jahre VSM 1948-2023“<br />

Großes Jubiläumsfest in Bozen<br />

Infos unter:<br />

https://vsm.bz.it

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!