KulturFenster Nr. 06|Dezember 2022
KulturFenster Nr. 06|Dezember 2022
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BLASMUSIK<br />
CHORWESEN<br />
HEIMATPFLEGE<br />
in Südtirol<br />
<strong>Nr</strong>.6<br />
DEZ.<br />
<strong>2022</strong><br />
Das ist die Heimatmappe für Kinder<br />
Heinrich Schütz – Vater der modernen Musik<br />
Methodische Ansätze im Blasorchester<br />
Poste Italiane SpA – Sped. in a.p. | -70% – NE BOLZANO – 74. Jahrgang – Zweimonatszeitschrift
vorausgeschickt<br />
„Neue Wege in eine gute Zukunft“<br />
Liebe Leserinnen und Leser,<br />
im Namen der Redaktion und der drei federführenden<br />
Verbände wünsche ich allen<br />
ein gesegnetes Weihnachten, ein Fest<br />
der Ruhe und Besinnlichkeit sowie alles<br />
Gute, Gesundheit und Glück für das neue<br />
Jahr 2023. Wir bedanken uns bei den<br />
Autor*innen für die tollen Beiträge, bei<br />
den Leser*innen für die Treue und bei den<br />
Verbandsvorsitzenden für das Vertrauen.<br />
In diesem Sinne wünsche wir eine unterhaltsame,<br />
aber auch informative Lektüre<br />
und einen aufschlussreichen Blick durch<br />
unser „<strong>KulturFenster</strong>“.<br />
Stephan Niederegger<br />
Wenn nichts mehr ist, wie es war, nichts<br />
mehr ist, wie du es dir wünschst, dann ist<br />
es Zeit, neue Wege in die Zukunft zu gehen.<br />
Krieg in Europa, die Klimakrise, Ressourcenknappheit,<br />
Auseinanderdriften der Gesellschaft<br />
usw.: Wie viele Hiobsbotschaften<br />
haben wir auch heuer wieder gehört!<br />
Wir dürfen aber trotz allem die Hoffnung<br />
auf eine bessere Welt nicht aufgeben,<br />
denn vieles liegt auch in unserer Hand.<br />
WIR sind die Veränderung, die wir oft von<br />
den anderen erwarten. Der gesellschaftliche<br />
Weg geht über Kooperation, Respekt, Verantwortung.<br />
Ich wünsche Ihnen eine gesegnete<br />
Weihnachtszeit und dass Sie den<br />
Mut und die Energie finden, neue Wege<br />
zu gehen, die in eine gute Zukunft führen.<br />
Claudia Plaikner<br />
Heimatpflegeverband Südtirol<br />
„Die Zeit verrinnt schneller, als der Atem.<br />
Darum richte dein Bemühen auf das Wesentliche<br />
im Leben.“<br />
Gerade die Pandemie hat uns gezeigt, dass<br />
nichts im Leben selbstverständlich ist. Gott<br />
sei Dank konnten wir diese schlimme Zeit<br />
hinter uns lassen und uns wieder auf die<br />
wunderschöne Tätigkeit des Musizierens<br />
konzentrieren. Die Zeiten versprechen allerdings<br />
vor allem im Bereich des Ehrenamtes<br />
nichts Gutes. Gemeinsam mit der<br />
Politik sind wir diesbezüglich gefordert,<br />
eine gemeinsame Lösung zu finden, damit<br />
das Ehrenamt in Südtirol auch weiterhin<br />
aufblühen kann.<br />
Wir schauen mit Zufriedenheit, Geduld und<br />
Gelassenheit ins neue Jahr und freuen uns<br />
auf das 75-Jahr-Jubiläum unseres Verbandes,<br />
welches wir im kommenden Jahr<br />
2023 unter dem Motto „Blasmusik fasziniert“<br />
feiern werden.<br />
Abschließend bedanke ich mich bei allen<br />
für die wertvolle und unbezahlbare Arbeit<br />
zum Wohle der Allgemeinheit und der Musik<br />
in unserem Lande.<br />
Pepi Ploner<br />
Verband Südtiroler Musikkapellen<br />
Das Chorwesen in unserem Land wird von<br />
tausenden ehrenamtlich Tätigen getragen.<br />
Dieses uneigennützige Engagement<br />
für das Gemeinschaftsleben ist gerade in<br />
Zeiten wie diesen für unsere Gesellschaft<br />
unverzichtbar. Im Namen des Südtiroler<br />
Chorverbandes bedanke ich mich bei euch<br />
allen für die vielfältigen und wertvollen Aktivitäten<br />
im zu Ende gehenden Jahr und<br />
wünsche ein gesegnetes Weihnachtsfest,<br />
sowie alles Gute, Glück und Gottes<br />
Segen für das kommende Jahr. Möge es<br />
viel Freude und Erfolge bei eurem musikalischen<br />
Tun bringen.<br />
Erich Deltedesco<br />
Südtiroler Chorverband<br />
2<br />
<strong>KulturFenster</strong> 06/Dezember <strong>2022</strong>
Inhalt<br />
In dieser Ausgabe<br />
Heimatpflege<br />
Blasmusik<br />
Projekt „Heimatmappe für Kinder“ ...................................... 4<br />
Kinder für Schätze der Heimat sensibilisieren ...................... 7<br />
Das haben wir <strong>2022</strong> erreicht ............................................... 8<br />
Evi Brigl – Verstärkung für den Verband ............................. 10<br />
Letztes Treffen der Sachbearbeiter ..................................... 10<br />
Dinge des Alltags: Immergrünes zu Weihnachten ............. 11<br />
Manifest für mehr Respekt für den alpinen Raum .............. 12<br />
„Gelebtes und Erlebtes“ –<br />
Kultur- und Heimatpflegeverein Völs am Schlern ............... 13<br />
Heimatpflegeverein Branzoll – Bronzol gegründet .............. 14<br />
Heimatpflegeverein Naturns – Plaus blickt zurück ............. 15<br />
Mustergültige Sanierung des Pfarrwidums Naturns ............ 17<br />
Landeskathreintanz beendet Tanzjahr ................................ 18<br />
Im Gedenken an Maria Bertolini ........................................ 20<br />
Chorwesen<br />
Vor 350 Jahren starb Heinrich Schütz ............................... 22<br />
„Occasional Oratorio“ –<br />
Ein einmaliges musikalisches Erlebnis ............................... 25<br />
Methodische Ansätze im Blasorchester ............................. 36<br />
VSM beim Blasmusikverband Tirol zu Gast ........................ 40<br />
8. Südtiroler Dirigenten-Werkstatt mit Björn Bus ................ 41<br />
Pustertaler Bezirksseniorenkapelle zu Gast in Kaltern ........ 42<br />
Fachgruppe „Musik in Bewegung" (MIB)<br />
blickt in die Zukunft .......................................................... 43<br />
Zweite Auflage der Stabführer-Prüfung in Brixen ................ 44<br />
Jugendkapelle Vahrn im Porträt ......................................... 46<br />
Die Villnösser sind Bundessieger! ...................................... 49<br />
Bundeswettbewerb „Musik in kleinen Gruppen“ in Wels .... 50<br />
2. Juventus-Preis für die Bürgerkapelle Gries .................... 52<br />
ÖBV-Ehrung für Hans Finatzer .......................................... 52<br />
Altvordere treffen sich in Südtirol ....................................... 53<br />
Südtirol Filarmonica begeister und bewegt ......................... 54<br />
Kirchweihkonzert in der Wieskirche ................................... 55<br />
Ottmar Leimgruber im Porträt ............................................ 56<br />
Trauer um Jürgen K. Groh ................................................. 57<br />
Kirchenkonzert der Musikkapelle Steinegg ......................... 58<br />
„Orchestra“ – eine Oscar-reife Kino-Komödie ..................... 59<br />
„Franz-Josef-Strauß-Begrüßungsmarsch“ von Sepp Thaler ... 60<br />
kurz notiert – Neues von den Musikkapellen ...................... 61<br />
Fortbildung: Wie man Stimmen zum Klingen bringt! ........... 26<br />
Stellenwert der Sprache im Gesang ................................... 27<br />
Singtag 50+ fand wieder großen Anklang ........................... 27<br />
Sängerwanderung in Mölten .............................................. 28<br />
Aufführung des „Requiems“<br />
von Karl Jenkins im Pustertal ............................................ 29<br />
„Cantare et sonare“ –<br />
Neue Strukturen beim Herbst-Seminar 2023 ..................... 30<br />
Kirchenkonzert in Niederdorf als Dank an Josef Walder ..... 32<br />
Singen und Feiern mit den Ultner Bänkelsängern .............. 33<br />
Mosaic Singers & Players .................................................. 34<br />
Impressum<br />
Mitteilungsblatt<br />
- des Verbandes Südtiroler Musikkapellen<br />
Redaktion: Stephan Niederegger, kulturfenster@vsm.bz.it<br />
- des Südtiroler Chorverbandes<br />
Redaktion: Paul Bertagnolli, info@scv.bz.it<br />
- des Heimatpflegeverbandes Südtirol<br />
Redaktion: Florian Trojer, florian@hpv.bz.it<br />
Anschrift:<br />
Schlernstraße <strong>Nr</strong>. 1 (Waltherhaus), I-39100 Bozen<br />
Tel. +39 0471 976 387 – info@vsm.bz.it<br />
Raiffeisen-Landesbank Bozen<br />
IBAN = IT 60 S 03493 11600 000300011771<br />
SWIFT-BIC = RZSBIT2B<br />
Jahresabonnement = 20,00 Euro<br />
Ermächtigung Landesgericht Bozen <strong>Nr</strong>. 27/1948<br />
presserechtlich verantwortlich: Stephan Niederegger<br />
Druck: Ferrari-Auer, Bozen<br />
Das Blatt erscheint zweimonatlich am 15. Februar, April, Juni, August, Oktober und<br />
Dezember. Redaktionsschluss ist der 15. des jeweiligen Vormonats.<br />
Eingesandte Bilder und Texte verbleiben im Eigentum der Redaktion und werden nicht<br />
zurückerstattet. Die Rechte an Texten und Bildern müssen beim Absender liegen bzw.<br />
genau deklariert sein. Die Verantwortung für die Inhalte des Artikels liegt beim Verfasser.<br />
Die Wahrung der Menschenwürde und die wahrheitsgetreue Information der Öffentlichkeit<br />
sind oberstes Gebot. Der Inhalt der einzelnen Beiträge muss sich nicht mit<br />
der Meinung der Redaktion decken. Nachdruck oder Reproduktion, Vervielfältigung jeder<br />
Art, auch auszugsweise, sind nur mit vorheriger Genehmigung der Redaktion erlaubt.<br />
Sämtliche Formulierungen gelten völlig gleichrangig für Personen beiderlei Geschlechts.<br />
– gefördert von der Kulturabteilung<br />
der Südtiroler Landesregierung<br />
<strong>KulturFenster</strong> 3<br />
06/Dezember <strong>2022</strong>
Schritt für Schritt oder besser Strich für Strich entsteht<br />
die „Heimatmappe“ für die 1. Klassen der Grundschule.<br />
Kathrin Gschleier hat die Texte dazu verfasst, Evi Gasser<br />
fertigt passende Zeichnungen an.<br />
Foto: Evi Gasser<br />
<strong>KulturFenster</strong> 4<br />
06/Dezember <strong>2022</strong>
gestaltet<br />
Projekt „Heimatmappe“<br />
für Kinder<br />
Grundschüler*innen spielerisch für wichtige Themen gewinnen<br />
„Heimat und Jugend“ ist das Jahresthema<br />
<strong>2022</strong> des Heimatpflegeverbandes Südtirol.<br />
Das Gespräch mit jungen Menschen<br />
wurde in diesem Jahr vertieft, Ideen wurden<br />
geschmiedet, und das erste Projekt in<br />
Zusammenarbeit mit den Schulen wurde<br />
ausgearbeitet.<br />
Die Heimatpflege wird oft in eine Ecke gedrängt<br />
– in jene der Rückständigen, der<br />
Verhinderer, der Ewiggestrigen. Insbesondere<br />
junge Menschen wissen mit dem Begriff<br />
Heimat und deshalb auch mit dem<br />
Verband, der sich um die Heimatpflege<br />
kümmert, oft wenig anzufangen. Dabei<br />
verfolgen Heimatpfleger*innen<br />
im Grunde dieselben Ziele wie eine<br />
Fridays-for-Future-Bewegung –<br />
nur dass junge Menschen die Herausforderungen<br />
eher global betrachten,<br />
während sich die Arbeit der<br />
Heimatpfleger*innen weitgehend auf lokale<br />
Gegebenheiten konzentriert. Gerade<br />
in den vergangenen Monaten hat sich aber<br />
im Rahmen des Bündnisses Klimaaktion<br />
Südtirol (Climate Action) gezeigt, wie gut<br />
die verschiedenen Organisationen, so unterschiedlich<br />
sie zusammengesetzt sein<br />
mögen, einander ergänzen.<br />
Dennoch oder gerade deswegen ist es<br />
ein großer Wunsch des Heimatpflegeverbandes,<br />
vermehrt junge Südtiroler*innen<br />
für die eigenen Belange zu gewinnen, sie<br />
zu sensibilisieren – nicht nur für den globalen<br />
Klimaschutz, sondern auch für lokale<br />
Herausforderungen in den Bereichen Natur,<br />
Umwelt, Klima, Landschaft und darüber<br />
hinaus für kulturelle, gesellschaftliche<br />
und sprachliche Belange.<br />
<strong>2022</strong> hat der Heimatpflegeverband „Heimat<br />
und Jugend“ zum Jahresthema erklärt<br />
und sich über mögliche Projekte in diesem<br />
Zusammenhang Gedanken gemacht. Nun<br />
steht ein Projekt kurz vor seiner Fertigstellung:<br />
die Heimatmappe für Schulen.<br />
„Nur was man kennt, kann man<br />
schätzen und schützen.“<br />
HPV-Mitarbeiterin Daniela Donolato<br />
<strong>KulturFenster</strong> 5<br />
06/Dezember <strong>2022</strong>
gestaltet<br />
einige Südtiroler Schulklassen zur Verfügung<br />
gestellt haben. „Es ist wichtig, dass<br />
wir direkt von der Zielgruppe, also von den<br />
Lehrpersonen, eine Rückmeldung erhalten.<br />
Auf dieser Basis wird danach gegebenenfalls<br />
noch am Inhalt gefeilt, bevor<br />
wir die Mappe drucken lassen“, erklärt<br />
Daniela Donolato.<br />
Wie es weitergeht<br />
Die Heimatmappe für alle Grundschulstufen<br />
ist das erste große Ziel, das der Heimatpflegeverband<br />
anpeilt. Es steckt sehr<br />
viel Arbeit hinter dem Projekt, weshalb für<br />
den zweiten Schritt – die Heimatmappe<br />
für die Mittelschule – noch kein Termin<br />
festgelegt ist.<br />
Worum es geht<br />
Schulbücher enthalten zwar jede Menge<br />
Wissen, richten sich aber in der Regel an<br />
Schüler*innen in Deutschland oder anderen<br />
deutschsprachigen Ländern. Vor allem<br />
in den Bereichen, in denen der Heimatpflegeverband<br />
tätig ist, fehlt der Bezug zu Südtirol.<br />
„Diese Lücke wollen wir schließen“,<br />
sagt HPV-Mitarbeiterin Daniela Donolato,<br />
die das Projekt „Heimatmappe“ von Anfang<br />
an betreut und begleitet hat. In vielen Gesprächen<br />
mit Pädagog*innen, mit dem Katholischen<br />
Südtiroler Lehrerbund (KSL) und<br />
der Pädagogischen Abteilung des Landes<br />
wurden zunächst Themen und Methoden<br />
ausgearbeitet, um am Ende die Idee einer<br />
Heimatmappe für Schüler*innen aufzugreifen<br />
und konkret umzusetzen.<br />
Was es ist<br />
Die „Heimatmappe“ ist eine zunächst noch<br />
leere Ringmappe, die an die Erstklässler<br />
in den Grundschulen verteilt werden und<br />
die sich im Laufe der fünf Grundschuljahre<br />
mit Wissen füllen soll. Zahlreiche Arbeitsblätter,<br />
die die Lehrpersonen den Kindern<br />
aushändigen, enthalten jede Menge<br />
Bilder, Rätsel, Spiele, Anregungen und<br />
Übungen. Die Arbeitsblätter sind selbstverständlich<br />
nur eine schriftliche Grundlage.<br />
Den Großteil des Wissens und des<br />
Erfahrungsschatzes holen sich die Kinder<br />
im Rahmen eines möglichst lebendig<br />
gestalteten Unterrichtes. Dafür werden<br />
den Lehrpersonen entsprechende didaktische<br />
Materialien zur Verfügung gestellt.<br />
Für jede Schulstufe gibt es altersgerechte<br />
Themen bzw. Arbeitsblätter und Materialien.<br />
Gestaltet wurden diese von der Autorin<br />
Kathrin Gschleier und der Illustratorin<br />
Evi Gasser, die bereits mit „Mein Südtirol<br />
Buch“ bewiesen haben, dass man jungen<br />
Leser*innen Südtirol auf unterhaltsame<br />
Weise erklären kann.<br />
Was es bezweckt<br />
„Nur was man kennt, kann man schätzen<br />
und schützen.“ Mit diesem Satz beschreibt<br />
HPV-Mitarbeiterin Daniela Donolato<br />
ganz klar das Anliegen des Verbandes.<br />
Er möchte den Kindern und damit den<br />
Entscheidungsträger*innen von morgen<br />
Wissen mit auf den Weg geben, auf dass<br />
sie mit diesem Wissen und mit offenen Augen<br />
und Ohren durch ihre Heimat, durch<br />
Dörfer, Städte und durch die Natur gehen,<br />
diese schätzen und damit auch schützen<br />
lernen. „Kinder sind unheimlich aufnahmefähig“,<br />
weiß die Mutter von zwei Kindern<br />
aus eigener Erfahrung. Sie für wichtige Themen<br />
zu sensibilisieren und zum positiven<br />
Handeln zu motivieren, dazu soll auch das<br />
Projekt „Heimatmappe“ beitragen.<br />
Wann es startet<br />
Das Projekt „Heimatmappe“ ist derzeit im<br />
Aufbau. Die Unterlagen für die 1. Grundschulstufe<br />
sind fast fertiggestellt. Der nächste<br />
Schritt ist eine Probephase, für die sich<br />
Themenvielfalt in der<br />
Heimatmappe<br />
Den Leitfaden des Projektes „Heimatmappe“<br />
bilden Tiergeschichten mit jeweils<br />
einem Tier als Identifikationsfigur. Das Tier<br />
für die 1. Grundschulklasse ist der Bär,<br />
das Leitthema sind die Bräuche im Jahreskreis.<br />
Über die Geschichte der „kleinen<br />
Bärin Ursula“ werden die Kinder in den<br />
Jahreskreis mit den vier Jahreszeiten und<br />
den verschiedenen Bräuchen eingeführt.<br />
„Wir haben darauf geachtet, dass viel Gestaltungsspielraum<br />
für den Zugang zu den<br />
Leitthemen vorhanden ist“, erklärt Daniela<br />
Donolato. So stehen zwar die christlichen<br />
Bräuche von Lichtmess bis Dreikönig im<br />
Mittelpunkt. Doch haben die Kinder auch<br />
die Möglichkeit, andere Bräuche einzubringen,<br />
die sie kennen, beispielsweise jene<br />
aus ihren Herkunftsländern, wenn ihre Familie<br />
nicht aus Südtirol stammt.<br />
Mit jeder Grundschulstufe soll auch der<br />
thematische Anspruch steigen. Der rote<br />
Faden in allen 5 Stufen ist die Landschaft<br />
mit ihren verschiedenen Lebensräumen.<br />
„Naturmaterialien und Kulturtechnik“ lautet<br />
das Leitthema für die 2. Klasse, wobei<br />
u. a. das Handwerk von früher und heute<br />
kennengelernt werden soll. Die „Vielfalt des<br />
Lebens“ steht in der 3. Klasse im Mittelpunkt,<br />
wobei die Artenvielfalt genauso gemeint<br />
ist wie die Vielfalt der Dialekte und<br />
Sprachen. In der 4. Klasse geht es um<br />
„Kreisläufe in Natur und Kulturlandschaften“,<br />
während „Umwelt und Klima“, auch<br />
in Verbindung mit regionalen und saisonalen<br />
Kreisläufen, in der 5. Grundschulstufe<br />
zum Leitthema gewählt wurden.<br />
<strong>KulturFenster</strong> 6<br />
06/Dezember <strong>2022</strong>
Heimatpflege<br />
Kinder für Schätze<br />
der Heimat sensibilisieren<br />
Autorin Kathrin Gschleier im Gespräch<br />
Kathrin Gschleier ist die Autorin der „Heimatmappe“.<br />
Die Kommunikationswissenschaftlerin<br />
hat sich bereits im Zuge des<br />
Buchprojektes „Mein Südtirol Buch“ damit<br />
beschäftigt, das Land Südtirol mit seiner<br />
Geschichte, Kultur und Natur, Freizeit<br />
und Brauchtum kindgerecht zu erklären.<br />
Der Heimatpflegeverband ist deshalb mit<br />
seinem Projekt „Heimatmappe“ an sie herangetreten<br />
– und sie hat zugesagt.<br />
<strong>KulturFenster</strong>: Kindern ihre Heimat näherbringen,<br />
sie sensibel für deren Schätze<br />
machen – wie sind Sie an diese Aufgabe<br />
herangegangen?<br />
Kathrin Gschleier: Grundsätzlich geht<br />
es bei der Wissensvermittlung immer<br />
darum, in den Kindern Neugier<br />
zu wecken, Lust auf mehr zu<br />
machen. Das funktioniert am besten<br />
in Form von Geschichten.<br />
Deshalb erzählen wir zunächst<br />
eine Geschichte – im Fall der Heimatmappe<br />
jeweils mit einem Tier<br />
als Protagonisten. Anhand des Lebens<br />
und des Lebensraumes dieser Tiere<br />
tauchen die Kinder dann in die verschiedenen<br />
Themen ein – die auch die Themen<br />
des Heimatpflegeverbandes sind. Die Geschichte<br />
bleibt der rote Faden, an dem die<br />
Kinder ihr Wissen immer wieder anknüpfen<br />
und so auch Sensibilität für die Themen<br />
entwickeln.<br />
KF: Welche waren die größten Herausforderungen<br />
bei der Umsetzung des Projektes<br />
„Heimatmappe“?<br />
Gschleier: Themen, die eher in der Erwachsenenwelt<br />
angesiedelt sind, auf die<br />
Realität der Kinder herunterzubrechen, war<br />
eine der größten Herausforderungen. Der<br />
Heimatpflegeverband beschäftigt sich zudem<br />
mit einem sehr breiten Themenspektrum.<br />
Hier eine<br />
Auswahl zu treffen und zu beurteilen, auf<br />
welcher „Reise“ die Kinder am liebsten<br />
mitkommen, in welches Thema sie sich<br />
also am ehesten hineinknien könnten, war<br />
ebenfalls nicht einfach.<br />
KF: Was ist Heimat für Sie ganz persönlich?<br />
Gschleier: Ich habe als Kind am Ritten gewohnt,<br />
bin später nach Auer, dann nach<br />
Bozen, weiter nach Brixen gezogen und<br />
lebe seit einigen Jahren wieder am Ritten.<br />
Hier, am Ort meiner Kindheit, kenne<br />
ich Menschen, Wege, schöne Plätze – es<br />
ist eine gewisse Verbundenheit und Vertrautheit<br />
da. Ich glaube, das ist Heimat.<br />
Interview: Edith Runer<br />
„Themen, die eher in der Erwachsenenwelt<br />
angesiedelt sind, auf die Realität<br />
der Kinder herunterzubrechen, war eine<br />
der größten Herausforderungen.“<br />
Autorin Kathrin Gschleier<br />
Die Illustratorin<br />
Wissen zeichnerisch zu vermitteln, ist für Evi Gasser nicht nur eine Herausforderung, sondern macht<br />
ihr viel Spaß. Deshalb war die Illustratorin und Grafikerin aus Kastelruth sofort dabei, als es hieß, eine<br />
„Heimatmappe“ zu gestalten. In ständigem Austausch mit Autorin Kathrin Gschleier sorgt Evi Gasser<br />
für die bildliche Auflockerung der Texte, gestaltet aber auch Rätsel und Bastelanleitungen. „Was und wie<br />
ich zeichne, ist abhängig von der Zielgruppe“, erklärt sie. „Die Zeichnungen in der Mappe für die Grundschulstufe<br />
sind deshalb einfach und verständlich.“ Und wie beim Text, so steigt auch bei den Zeichnungen mit dem Alter<br />
der Anspruch.<br />
Evi Gasser hat viel Erfahrung mit der Illustration von Kinderbüchern. Ihre ehrlichsten Kritikerinnen sind ihre Töchter Emma<br />
und Rosa. Bei der Gestaltung der Heimatmappe für die Erstklässler*innen habe sie selbst viel über den Wald und die<br />
Bräuche in Südtirol gelernt, sagt Evi Gasser. Und was würde sie auf ein Blatt Papier zeichnen, wenn der Titel „Heimat“<br />
hieße? „Berge, Seen und Tiere – ich bin ein Naturmensch.“<br />
<strong>KulturFenster</strong> 7<br />
06/Dezember <strong>2022</strong>
informiert & reflektiert<br />
Das haben wir <strong>2022</strong> erreicht<br />
Die Arbeit des Heimatpflegeverbandes trägt kleine und größere Früchte<br />
Der Heimatpflegeverband schaut hin. Er<br />
kritisiert, prangert an, wenn es nötig ist.<br />
Er bringt auch Lösungsvorschläge, setzt<br />
sich für deren Umsetzung ein. Manchmal<br />
werden seine Rufe sogar gehört. In dieser<br />
letzten Ausgabe <strong>2022</strong> des „<strong>KulturFenster</strong>s“<br />
blickt der Verband auf einige Projekte<br />
zurück, die im ablaufenden Jahr als<br />
Erfolg oder zumindest Teilerfolg bewertet<br />
werden können.<br />
Waale als immaterielles<br />
Unesco-Weltkulturerbe<br />
Es ist noch nicht fix, aber die Zeichen stehen<br />
gut, dass die Waale im Obervinschgau<br />
Ende 2023 in die Liste des internationalen<br />
Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen<br />
werden. Der Heimatpflegeverband<br />
hat in Zusammenarbeit mit der Gemeinde<br />
Mals, dem Heimatpflegeverein Mals, der<br />
IDM Südtirol und den Bauern, die täglich<br />
die traditionelle Bewässerung über Waale<br />
betreiben, für die traditionelle Bewässerung<br />
auf der Malser Haide ein Ansuchen<br />
um Aufnahme in die Liste gestellt. Genau<br />
genommen war es eine multinationale Nominierung<br />
mit der Beschreibung „Traditionelle<br />
Bewässerung in Europa: Wissen,<br />
Technik und Organisation“, bei der Südtirol<br />
mit den Waalen dabei ist. Die Unesco<br />
evaluiert derzeit die Kandidatur.<br />
Das „Doktorhaus“ in Laas ist mustergültig saniert worden.<br />
Foto: Franz Fliri<br />
Hallerhof gerettet<br />
Der Hallerhof in Latsch bildet gemeinsam<br />
mit dem an ihn angebauten denkmalgeschützten<br />
Oberhof ein wunderbares<br />
Ensemble. Als die Gemeinde als<br />
Eigentümerin den Hof abbrechen wollte,<br />
um dort Wohnungen zu errichten, protestierte<br />
der Heimatpflegeverband scharf,<br />
zumal die Bausubstanz unter Ensembleschutz<br />
steht. Einige Monate später dann<br />
die gute Nachricht. Das Landesdenkmalamt<br />
und die Gemeinde Latsch haben eine<br />
Einigung zur teilweisen Erhaltung des Hallerhofs<br />
erzielt. Zwar können Wohnungen<br />
gebaut werden, die ortsbildprägende Fassade<br />
bleibt aber erhalten.<br />
Alte Schule unter<br />
Denkmalschutz<br />
Laut einem Beschluss des Gemeindeausschusses<br />
von Sand in Taufers hätte die<br />
alte Volksschule von Ahornach versteigert<br />
werden sollen. Der Heimatpflegeverband<br />
setzte sich gemeinsam mit Bürgern des<br />
Ortes sowie Ex-Senator Hans Berger für<br />
den Erhalt des Gebäudes ein, da es gemeinsam<br />
mit der Kirche, dem Friedhof<br />
und dem Widum samt Bannzone das historische<br />
„Fochina“ (Ahornacher) Dorfensemble<br />
bildet. Da die anderen Elemente<br />
des Ensembles bereits unter Denkmalschutz<br />
stehen, hat die Landesregierung<br />
dann auch die alte Schule unter Denkmalschutz<br />
gestellt.<br />
Doktorhaus saniert<br />
Auch das sogenannte Doktorhaus in Laas<br />
konnte gerettet werden. Das Gebäude aus<br />
der Zeit des Späthistorismus (Anfang 20.<br />
Jh.) hatte einst ein Arztambulatorium, eine<br />
Arztwohnung und zeitweise auch das Gemeindeamt<br />
beherbergt. Als die Gemeinde<br />
– sie ist Eigentümerin – vor einigen Jahren<br />
auszog, fiel die Villa in einen Dornröschenschlaf.<br />
Eine Sanierung wäre aber dringend<br />
notwendig gewesen. Und so setzten sich<br />
mehrere Bürger, aber auch der Heimatpflegeverband<br />
unter der Leitung von Bezirksobmann<br />
Franz Fliri für die Erhaltung<br />
des Doktorhauses ein. Mit Erfolg: Nach<br />
zweijähriger Sanierung erstrahlt der Jugendstilbau<br />
nun wieder in neuem Glanz.<br />
<strong>KulturFenster</strong> 8<br />
06/Dezember <strong>2022</strong>
Heimatpflege<br />
mit großer Lärm- und Staubbelästigung<br />
verbunden ist. Die Konzessionen werden<br />
außerdem für zu lange Zeiträume vergeben.<br />
Die Schottergrube St. Florian muss<br />
nun in zwei Jahren geschlossen und das<br />
Gebiet wieder in den ursprünglichen Zustand<br />
versetzt werden.<br />
Betten: Kein Stopp,<br />
aber Grenze<br />
Hallerhof und Oberhof in Latsch: Das Ensemble ist gerettet.<br />
Schotterabbau: Neuer Plan<br />
Foto: HPV<br />
Einen Teilerfolg gibt es in Sachen Schotterabbau<br />
zu vermelden. Der längst überholte<br />
Landesplan für Gruben, Steinbrüche<br />
und Torfstiche soll nun tatsächlich überarbeitet<br />
werden. Heimatpflegeverband und<br />
Dachverband für Natur und Umweltschutz<br />
hatten beim Land Druck gemacht, die Regelungen<br />
zu ändern. Anlass für die Interventionen<br />
war die Schottergrube St. Florian<br />
bei Laag, für die die Konzession <strong>2022</strong><br />
abgelaufen ist, aber verlängert wurde. Der<br />
HPV ist der Meinung, dass der Abbau von<br />
Schotter und Steinen zwar grundsätzlich<br />
notwendig ist, dennoch aber einen massiven<br />
Eingriff in die Natur- und Kulturlandschaft<br />
darstellt und für Anrainer vielfach<br />
Auch die nunmehr gesetzlich verankerte<br />
Einführung einer Bettenobergrenze im<br />
Rahmen des Landestourismusentwicklungskonzeptes<br />
(LTEK) kann als Teilerfolg<br />
gewertet werden. Die Bestimmungen, die<br />
mehrfach geändert wurden, sind zwar weit<br />
entfernt von einem Bettenstopp, und es<br />
wurden gar einige Ausnahmeregelungen<br />
in den Plan aufgenommen. Dennoch hat<br />
der Druck des Heimatpflegeverbandes,<br />
aber auch anderer Organisationen dazu<br />
geführt, dass es nun zumindest eine Regel<br />
und eben keine „grenzenlose“ Entwicklung<br />
nach oben geben wird.<br />
Klimaneutral bis 2040<br />
Die Waale haben gute Chancen, als immaterialles Unesco-Weltkulturerbe anerkannt zu<br />
werden.<br />
Foto: HPV<br />
Nicht erst bis 2050, wie ursprünglich von<br />
der Landesregierung geplant, sondern bereits<br />
bis 2040 soll Südtirol klimaneutral<br />
werden. Diese Änderung im Klimaplan ist<br />
vor allem den Umweltorganisationen, unter<br />
ihnen dem Heimatpflegeverband, zu<br />
verdanken. Weniger gut sieht es aber mit<br />
der Umsetzung des Planes aus, zumal die<br />
Maßnahmen noch nicht einmal festgelegt<br />
sind. Der HPV befürchtet deshalb, dass<br />
die Ziele nicht erreicht werden und fordert<br />
nach wie vor Pragmatismus, Vernunft,<br />
Wissen und Wollen in Sachen Klimaplan.<br />
Aus der Redaktion<br />
Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Seiten des<br />
Heimatpflegeverbandes senden Sie bitte an: florian@hpv.bz.it<br />
Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie uns unter<br />
folgender Nummer: +39 0471 973 693 (Heimatpflegeverband)<br />
Redaktionsschluss für<br />
die nächste Ausgabe des<br />
„<strong>KulturFenster</strong>s“ ist:<br />
Freitag, 13. Jänner 2023<br />
9<br />
<strong>KulturFenster</strong> 06/Dezember <strong>2022</strong>
informiert & reflektiert<br />
Verstärkung für den Verband<br />
Evi Brigl stellt sich vor<br />
Ich bin Evi Brigl aus Girlan und wohne mit<br />
meiner Familie in St. Pauls. Seit Mitte Oktober<br />
arbeite ich beim Heimatpflegeverband<br />
Südtirol. Ich bin seit bald 20 Jahren<br />
im Projektmanagement und in der Öffentlichkeitsarbeit<br />
tätig – zuletzt für zehn Jahre<br />
beim Alpenverein Südtirol und dann für<br />
den Südtiroler Beratungsring für Obst- und<br />
Weinbau. Zuvor habe ich für einige Zeit die<br />
Galerie im Lanserhaus für die Gemeinde<br />
Eppan geleitet und war in den Gärten von<br />
Schloss Trauttmansdorff beschäftigt.<br />
Die Heimatpflege liegt mir am Herzen: Ich<br />
bin Historikerin und habe mich bereits in<br />
meiner Abschlussarbeit an der Universität<br />
Wien, die auch als Buch erschienen ist,<br />
mit der Umweltbewegung in Südtirol befasst:<br />
Die „Continental-Affäre“ in Brixen entsprang<br />
dem Konflikt zwischen wirtschaftlichen<br />
Interessen und dem Heimat- und<br />
Landschaftsschutz.<br />
Den Heimatpflegeverband sehe ich als<br />
Bewahrer von Natur- und Kulturerbe in<br />
einer wichtigen und wachsenden Rolle.<br />
Durch meine Arbeit und auch privat<br />
möchte ich für den Erhalt unserer Heimat<br />
meinen Beitrag leisten.<br />
Evi Brigl<br />
Evi Brigl verstärkt das Team des Heimatpflegeverbandes<br />
Südtirol. Foto: Armin Huber<br />
Letztes Treffen der Sachbearbeiter<br />
Abschiedsfeier auf der Burg Hocheppan – Dank für Engagement<br />
Zum letzten Mal trafen sich im Herbst <strong>2022</strong><br />
die Sachbearbeiter des Heimatpflegeverbandes<br />
zu ihrer Tagung. Sie haben ihre<br />
Aufgabe nun beendet.<br />
Wie im „<strong>KulturFenster</strong>“ bereits berichtet,<br />
hat der Heimatpflegeverband Ende 2020<br />
die Abwicklung der Ansuchen um Beiträge<br />
für Landschaftspflege aufgrund von<br />
mangelnder Wertschätzung und zunehmender<br />
Bürokratisierung an das Landesamt<br />
für Landschaftsschutz abgegeben.<br />
<strong>2022</strong> sind die letzten Gesuche im Verband<br />
behandelt worden. Damit endet nun auch<br />
die Ära der Sachbearbeiter, die über viele<br />
Jahre als Ehrenamtliche wertvolle Arbeit im<br />
Sinne der Erhaltung von Kleindenkmälern<br />
geleistet haben.<br />
Die traditionelle Tagung der Sachbearbeiter<br />
wurde deshalb in diesem Jahr zu einer<br />
Abschiedsfeier, für die man sich einen sehr<br />
beeindruckenden Platz ausgesucht hatte.<br />
Nach einer Stärkung im Schloss Korb mit<br />
wunderbarem Blick über das Etschtal wanderte<br />
die Gruppe von Perdonig zur Burg<br />
Hocheppan. Im Rahmen einer Führung<br />
besichtigten die Heimatpfleger*innen die<br />
Burgkapelle, die sogenannte „sixtinische<br />
Kapelle der Alpen“, die sowohl mit ihrer<br />
Architektur als auch durch ihre Fresken<br />
besticht.<br />
Beim gemeinsamen Essen in der Burgschenke<br />
gab es dann noch einmal Gelegenheit,<br />
Erinnerungen auszutauschen,<br />
und Obfrau Claudia Plaikner dankte den<br />
Sachbearbeitern herzlich für ihre ehrenamtliche<br />
Arbeit, auf die der Heimatpflegeverband<br />
mit Genugtuung und Dankbarkeit<br />
zurückblickt.<br />
Mit dem Treffen auf der Burg Hocheppan endete die Ära der Sachbearbeiter im HPV.<br />
Foto: HPV<br />
<strong>KulturFenster</strong> 10<br />
06/Dezember <strong>2022</strong>
Heimatpflege<br />
Immergrünes<br />
zu Weihnachten<br />
Die blühende Christrose ist als Symbol eng mit Weihnachten verbunden.<br />
Immergrüne Zweige und Pflanzen, die wir<br />
mit der Advents- und Weihnachtszeit verbinden,<br />
schmücken im Winter unsere Wohnräume.<br />
So etwa der Weihnachtsstern oder<br />
der Weihnachtskaktus. Sie werden eigens<br />
für die Winterzeit gezüchtet.<br />
Ihre ursprüngliche Heimat liegt in Mexiko<br />
und Brasilien. Eine Blume aus dem Alpenraum,<br />
die eng mit dem Fest der Geburt Christi<br />
verbunden wird und auch in freier Natur<br />
wächst, ist die Christrose. Zu ihrem Entstehen<br />
gibt es eine weihnachtliche Sage, die<br />
Foto: Pixabay<br />
früher gerne erzählt wurde. So soll ein Hirte,<br />
der sich auf den Weg zum Kind nach Betlehem<br />
aufgemacht hatte, sehr traurig gewesen<br />
sein, weil er mit leeren Händen, ohne<br />
Geschenk, dastand. Er weinte, und aus seinen<br />
Tränen, die zu Boden fielen, erblühte<br />
eine kleine, weiße Rose, die er pflückte und<br />
dem Christkind mitbrachte.<br />
Im 19. Jahrhundert erreichte uns aus England<br />
der Brauch, Mistelzweige aufzuhängen.<br />
Grüne Zweige, die mitten im Geäst hoher<br />
Bäume wuchsen und dann noch im Winter<br />
Beeren hervorbrachten, übten eine besondere<br />
Faszination auf die Menschen aus. In<br />
nordischen Ländern wurde die Mistel zum<br />
Symbol für den Frieden.<br />
Nicht wegzudenken aus der Advents- und<br />
Weihnachtszeit sind die grünen Zweige von<br />
Tannen und Fichten. Sie bringen einen guten<br />
Duft ins Haus, werden für den Adventskranz<br />
gebraucht und schmücken in Form<br />
von Gestecken und Kränzen Haustüren,<br />
Gräber und Fensterbretter. Und das nicht<br />
erst, seit der Christbaum zum wichtigsten<br />
grünen Symbol für die Weihnacht geworden<br />
ist. Doch nicht nur grüne Zweige, auch<br />
Ruten sind Teil von Winterbräuchen. So<br />
gab es immer die Hoffnung, dass die Barbarazweige<br />
zu Weihnachten erblühen, und<br />
Ruten wurden nicht nur am Krampustag,<br />
sondern auch am Unschuldigen-Kinder-<br />
Tag, dem 28. Dezember, verwendet, weil<br />
die Kinder damit den Erwachsenen Glück<br />
und Gesundheit wünschten.<br />
Im Blickpunkt der Advents- und Weihnachtsbräuche<br />
standen Pflanzen, die entweder<br />
immergrün waren, im Winter Früchte<br />
trugen oder sogar blühten.<br />
Barbara M. Stocker<br />
Mit Zweigen das Haus schmücken: Kinderbuch aus den 1960er-Jahren.<br />
Glückwunschkarte zu Neujahr, 1920er-Jahre.<br />
11<br />
<strong>KulturFenster</strong> 06/Dezember <strong>2022</strong>
informiert & reflektiert<br />
MANIFEST<br />
für mehr Respekt für den alpinen Raum<br />
Der Heimatpflegeverband Südtirol hat gemeinsam<br />
mit dem Dachverband für Naturund<br />
Umweltschutz, dem Alpenverein Südtirol<br />
und dem Club Alpino Italiano (CAI) Alto<br />
Adige ein „Manifest für mehr Respekt für<br />
den alpinen Raum“ erstellt. Es wird auch<br />
vom Deutschen und vom Österreichischen<br />
Alpenverein unterstützt.<br />
» Der alpine Raum<br />
ist wertvoll.<br />
In den Berggebieten der Alpenländer leben<br />
und wirtschaften viele Menschen. Gleichzeitig<br />
besuchen jedes Jahr Millionen Erholungssuchende<br />
den alpinen Raum, um<br />
für den Alltag Kraft zu tanken. Die herausragende,<br />
durch die Arbeit des Menschen<br />
über Jahrhunderte geprägte kleinstrukturierte<br />
Kulturlandschaft bildet zusammen<br />
mit einigen der letzten unerschlossenen<br />
Naturräume des Kontinents ein zentrales<br />
Erbe der Menschheit in Europa und ist<br />
die Lebensgrundlage für die dort ansässige<br />
Bevölkerung. Ihr gebührt unser aller<br />
Respekt.<br />
» Die Erschließung des<br />
alpinen Raumes ist<br />
abgeschlossen.<br />
Die Alpen sind das am dichtesten mit Straßen,<br />
Aufstiegsanlagen, Wanderwegen,<br />
Schutzhütten, touristischer, landwirtschaftlicher<br />
und anderer Infrastruktur erschlossene<br />
Gebirge der Welt. Diese Erschließung<br />
hat den alpinen Raum in der Vergangenheit<br />
zu einem Lebensraum mit hoher Lebensqualität<br />
gemacht.<br />
Doch bereits seit einigen Jahren ist der kritische<br />
Höhepunkt erreicht: Erschließung<br />
wird zur Übererschließung. Gleichzeitig<br />
setzt der Ruf nach (Sport-)Großveranstaltungen<br />
den alpinen Raum wieder stärker<br />
unter Druck. Jeder neue Eingriff mindert<br />
nicht nur den Wert des alpinen Raumes<br />
als Kultur- und Naturlandschaft, sondern<br />
auch als Wirtschaftsressource. Neuerschließungen<br />
zerstören die Landschaft, gefährden<br />
die Biodiversität, machen den alpinen<br />
Raum für Besucher weniger attraktiv und<br />
reduzieren vor allem auch die Lebensqualität<br />
der Bewohner*innen.<br />
Das Ziel muss die Optimierung der bestehenden<br />
Infrastruktur in allen Bereichen<br />
sein. Dazu gehört die Verbesserung der<br />
wirtschaftlichen und ästhetischen Qualität<br />
ebenso wie die Optimierung im Hinblick<br />
auf Ressourcenschonung, Nachhaltigkeit<br />
und Klimaschutz.<br />
» Die erste Frage muss<br />
nicht lauten „Wie?“,<br />
sondern „Ob?“.<br />
Daraus ergibt sich die Grundsatzfrage, die<br />
bei der Erneuerung und Sanierung von alpiner<br />
Infrastruktur immer als erstes gestellt<br />
werden muss: Ist diese Infrastruktur noch<br />
notwendig und nachhaltig? Wenn diese<br />
Frage nicht eindeutig mit ja beantwortet<br />
werden kann, dann muss konsequenterweise<br />
ein Rückbau erfolgen.<br />
Gerade im Hinblick auf den Klimawandel<br />
und dem daraus resultierenden notwendigen<br />
Wandel der Mobilitätssysteme<br />
ist außerdem die massive Reduzierung<br />
des motorisierten Individualverkehrs dringend<br />
notwendig.<br />
» Der alpine Raum ist nicht<br />
nur Sehnsuchtsort,<br />
sondern auch Lebensgrundlage<br />
– und soll<br />
das auch bleiben.<br />
Die Alpen sind ein Sehnsuchtsort – sowohl<br />
als Lebensraum als auch als Erholungsraum.<br />
Die Natur- und Kulturlandschaft des<br />
alpinen Raumes hat für die Gesellschaft<br />
einen enormen Wert. Um diese Ressource<br />
langfristig zu sichern, ist ein grundlegendes<br />
Umdenken bei Infrastrukturen im alpinen<br />
Raum notwendig.<br />
Die genannten Organisationen fordern deshalb<br />
die konsequente Anwendung der gesetzlich<br />
vorhandenen Mittel zum Landschafts-<br />
und Umweltschutz sowie die<br />
Umsetzung konkreter Maßnahmen zum<br />
Erhalt und zur nachhaltigen Entwicklung<br />
der einzigartigen Landschaften.<br />
12<br />
<strong>KulturFenster</strong> 06/Dezember <strong>2022</strong>
hinausgeblickt<br />
„Gelebtes und Erlebtes“ vorgestellt<br />
Jahresversammlung des<br />
Kultur- und Heimatpflegevereines Völs am Schlern<br />
Der 13. November <strong>2022</strong> war ein Freudentag<br />
für den Kultur- und Heimatpflegeverein<br />
Völs am Schlern. Die Jahresversammlung<br />
konnte wieder in Präsenz abgehalten werden,<br />
und das Buch „Gelebtes und Erlebtes“<br />
wurde vorgestellt.<br />
Obwohl die Sonne vom Herbsthimmel<br />
strahlte, fanden sich zahlreiche<br />
Völser*innen im Kulturhaus ein. Obmann<br />
Paul Mitterstieler begrüßte die Mitglieder<br />
und Ehrengäste und gab einen Überblick<br />
über die Aktivitäten der vergangenen drei<br />
Jahre. Nach einem musikalischen Intermezzo<br />
durch die Böhmische verlas Marta<br />
Mulser den Tätigkeitsbericht, der anschließend<br />
durch eine von Elmar Perkmann gestaltete<br />
Power-Point-Präsentation veranschaulicht<br />
wurde. Trotz Coronakrise war<br />
vieles in die Hand genommen worden.<br />
34 Lebensgeschichten<br />
Ein Herzensanliegen, das bereits im Jahr<br />
2021 angedacht und schließlich im Frühjahr<br />
und Sommer <strong>2022</strong> umgesetzt wurde, war<br />
ein Buchprojekt mit 34 Lebensgeschichten<br />
von Völser Bürgern und Bürgerinnen.<br />
Eine Gruppe, bestehend aus Paul Mitterstieler,<br />
Marta Mulser, Elmar Perkmann und<br />
Benjamin Obkircher, arbeitete im Zeitraum<br />
von Februar <strong>2022</strong> bis September <strong>2022</strong> an<br />
diesem Projekt. Als Ergebnis von Interviews<br />
vor Ort und deren Verschriftlichung entstand<br />
das Buch „Gelebtes und Erlebtes“.<br />
Benjamin Obkircher steuerte einfühlsame<br />
Porträts der Interviewten und zeitbezogene<br />
Fotos bei. Unterstützt worden war die Arbeitsgruppe<br />
in einer ersten Phase durch<br />
den pensionierten Landeskonservator Josef<br />
Nössing und durch Philipp Perkmann, der<br />
die Interwies zu einer DVD zusammengeschnitten<br />
hat.<br />
Was ist nachhaltig?<br />
Landesobfrau Claudia Plaikner befasste sich<br />
in ihren Grußworten mit einer der großen<br />
„Baustellen“ unserer Zeit, der Klimakrise.<br />
In ihrer gleichermaßen realitätsbezogenen<br />
wie kritischen Ausführung mahnte sie Genügsamkeit<br />
in allen Lebensbereichen an.<br />
Dabei ging sie auf den Begriff der Nachhaltigkeit<br />
ein, der in aller Munde sei und oft<br />
missbräuchlich verwendet werde. Ironisch<br />
bemerkte sie: „Wenn ein Hotelier auf seinem<br />
Hoteldach eine Kunstschneeanlage<br />
errichtet, dann ist das nicht nachhaltig.“<br />
Die Landesobfrau stellte anschließend das<br />
Buch vor. Dabei ging sie auf Aussagen der<br />
34 Interviewten ein und lobte die gelungene<br />
Einbindung der Lebensgeschichten<br />
in den historischen Kontext. Auch diese<br />
Lebensgeschichten untermauern nachdrücklich<br />
und anschaulich Claudia Plaikners<br />
Postulat, wonach ein Weniger oft ein<br />
Dieses Buch enthält 34 spannende Lebensgeschichten<br />
von Bürger*innen aus Völs.<br />
Mehr bedeutet. Unsere Eltern und Vorfahren<br />
haben uns bereits vorgelebt, wie<br />
ein Leben trotz Verzicht reich und erfüllend<br />
sein kann.<br />
Nach einigen weiteren Musikstücken, vorgetragen<br />
durch die Böhmische und den<br />
Frauenchor, endete die Versammlung.<br />
Zahlreiche Teilnehmer*innen erwarben<br />
danach noch ein Buchexemplar.<br />
Paul Mitterstieler<br />
Der Vorstandstisch mit Obmann Paul Mitterstieler, der über die Aktivitäten des Vereines informierte<br />
<strong>KulturFenster</strong> 13<br />
06/Dezember <strong>2022</strong>
hinausgeblickt<br />
Verband hat ein neues Mitglied<br />
Heimatpflegeverein Branzoll – Bronzol gegründet<br />
Am 11. November wurde der Heimatpflegeverein<br />
Branzoll – Bronzol gegündet.<br />
Die Vereinsgründerin Bruna Corteletti<br />
hat viel vor.<br />
Es kommt nicht jedes Jahr vor, dass der<br />
Heimatpflegeverband „Zuwachs“ erhält.<br />
Dass der neue Heimatpflegeverein Branzoll<br />
– Bronzol in einer Gemeinde gegründet<br />
wurde, in der vorwiegend italienischsprachige<br />
Bürger*innen leben, ist umso<br />
erfreulicher. Auch ein Teil der Gründungsmitglieder<br />
ist italienischer Muttersprache,<br />
denn: Der Einsatz für Natur-, Landschaftsund<br />
Denkmalschutz sowie für den Schutz<br />
der natürlichen Ressourcen kennt keine<br />
(Sprach-)Grenzen.<br />
Der Vorstand des Heimatpflegevereines Branzoll – Bronzol mit Bruna Corteletti (2. V. r.)<br />
und der Obfrau des Heimatpflegeverbandes Claudia Plaikner (5. V. r.)<br />
Foto: HPV<br />
Obfrau gewählt<br />
Zur ersten Obfrau des neuen Vereines haben<br />
die Gründungsmitglieder Bruna Corteletti<br />
gewählt. Sie hat die Vereinsgründung<br />
auf den Weg gebracht.<br />
Dass der Dorfkern von Branzoll ein bauhistorisches<br />
Juwel ist, das wurde bei<br />
einem Dorfrundgang klar, an dem auch<br />
Vertreter*innen des Landesverbandes,<br />
darunter Obfrau Claudia Plaikner, sowie<br />
Vertreter*innen benachbarter Heimatpflegevereine<br />
teilnahmen. Als nördlichster<br />
schiffbarer Hafen der Etsch war Branzoll<br />
über Jahrhunderte ein wichtiges Zentrum<br />
für die Holzwirtschaft. Entsprechend entstanden<br />
im Ortskern als Firmensitze zahlreiche<br />
Palais.<br />
Vereinsgründerin Bruna Corteletti im Gespräch<br />
<strong>KulturFenster</strong>: Wie ist es zur Gründung<br />
des Vereines gekommen?<br />
Bruna Corteletti: Ich bin ein heimatbezogener<br />
Mensch, der sich für die Vereine<br />
und den Erhalt unserer Traditionen einsetzt.<br />
Früher war ich Gemeindereferentin,<br />
u. a. für Umwelt, aber die Politik liegt mir<br />
nicht so. Dennoch finde ich es wichtig, darauf<br />
zu achten, dass Schützenswertes im<br />
Ort auch geschützt wird. Deshalb war ich<br />
im Heimatpflegeverband bereits als Ortsvertreterin<br />
für Branzoll tätig und bin bei<br />
den jüngsten Wahlen auch zur stellvertretenden<br />
Bezirksobfrau gewählt worden.<br />
Da lag es nahe, einen nächsten Schritt zu<br />
tun und auch in Branzoll einen eigenen<br />
Verein zu gründen. Mein Mann hat mich<br />
dabei sofort unterstützt.<br />
Branzoll – Bronzol<br />
<strong>KulturFenster</strong> 14<br />
06/Dezember <strong>2022</strong>
Heimatpflege<br />
KF: Wer sind die Gründungsmitglieder<br />
des Vereines?<br />
Corteletti: Neben meinem Mann<br />
Giorgio Bertinazzo und mir sind<br />
es der Historiker Günther Pallaver,<br />
der ehemalige Politiker Oskar<br />
Peterlini, zudem Erwin Pfeifer,<br />
Doris Inama und Stefano Pisetta. Wir<br />
werden, sobald die bürokratischen Hürden<br />
genommen sind, die erste Vorstandssitzung<br />
einberufen, um Ideen zu besprechen<br />
und einige Themen festzulegen, um<br />
die wir uns kümmern möchten.<br />
KF: Welche Themen liegen Ihnen besonders<br />
am Herzen?<br />
Corteletti: Zum einen der Ensembleschutz,<br />
den wir zum Beispiel auch auf das historische<br />
Bahnhofsgebäude von 1859 erweitern<br />
möchten. Denn ab 1915 war der<br />
Bahnhof Branzoll das wichtigste und zentralste<br />
Logistikzentrum für die Südfront im<br />
Ersten Weltkrieg. Diese Wichtigkeit erlangte<br />
der Bahnhof durch die Erschließung eines<br />
großen Areals südlich von Branzoll. Allerdings<br />
sind gerade dort für die Zulaufstrecken<br />
des Brennerbasistunnels mehrere<br />
Eingriffe geplant.<br />
Ebenso möchte ich das Jahresthema des<br />
Verbandes „Heimat und Jugend“ aufgreifen,<br />
denn die Zusammenarbeit mit und die<br />
Mitarbeit von jungen Menschen ist sehr<br />
wichtig, insbesondere in den Bereichen<br />
Natur- und Umweltschutz.<br />
Es gibt in Branzoll viel schützenswerte historische<br />
Baustruktur, und auch auf die<br />
Ressource Boden muss man immer ein<br />
Auge werfen, denn plötzlich gibt es da<br />
wirtschaftliche Interessen, und schon ist<br />
wieder ein Stück Natur verloren gegangen.<br />
Ein ganz besonderes Projekt liegt mir<br />
noch am Herzen: ein Taschenwörterbuch<br />
„Deutsch – Italienisch – Bronzolot“.<br />
„Ich bin ein heimatbezogener Mensch,<br />
der sich für die Vereine und den Erhalt<br />
unserer Traditionen einsetzt.“<br />
Bruna Corteletti<br />
KF: Bronzolot …?<br />
Corteletti (lacht): Ja, in Branzoll sprechen<br />
die Leute nicht Italienisch, sondern „Bronzolot“,<br />
also den Branzoller Dialekt, der<br />
aus den früher regen Handelstätigkeiten<br />
im Ort entstanden ist. Dieses Wörterbuch<br />
soll also unsere Mundart verständlich machen<br />
und die Leute zudem ein bisschen<br />
unterhalten. Auch der Verein trägt nicht<br />
ohne Grund die Bezeichnung „Branzoll<br />
– Bronzol“. Bronzol ist das italienische<br />
Bronzolo in Branzoller Mundart.<br />
KF: Über 60 Prozent der rund 2700<br />
Einwohner*innen von Branzoll gehören<br />
der italienischen Sprachgruppe an. Möchten<br />
Sie diese bewusst auch einbeziehen?<br />
Corteletti: Natürlich. Zwei unserer Gründungsmitglieder<br />
sind ja Italiener. Und wenn<br />
wir es schaffen, weitere mit unseren Anliegen<br />
anzusprechen, dann freuen wir<br />
uns darüber.<br />
Interview: Edith Runer<br />
VOLKSKULTUR IM RUNDFUNK<br />
Jeden Donnerstag von 18.05 bis 19 Uhr<br />
und jeden Samstag von 11.05 bis 12 Uhr<br />
Unser Land – Kultur und Natur in Südtirol<br />
Gestaltung und Moderation: Heike Tschenett, Barbara Wiest<br />
22. / 24. Dezember: Franz Xaver Kofler wird 80<br />
Heike Tschenett im Gespräch mit Südtirols erstem Volksmusikpfleger<br />
Jeden letzten Donnerstag im Monat<br />
Unser Land – Alpin mit Judith Edler und Thomas Hainz<br />
Jeden Freitag von 18 bis 19 Uhr<br />
Dahoam in Tirol<br />
Dialekte, liebgewonnene oder<br />
längst vergessene Tiroler Bräuche,<br />
Plaudereien<br />
<strong>KulturFenster</strong> 15<br />
06/Dezember <strong>2022</strong>
hinausgeblickt<br />
Vielfältige Vereinstätigkeit<br />
Heimatpflegeverein Naturns –<br />
Plaus blickt auf Initiativen und Ausflüge zurück<br />
Besichtigung von Gufidaun mit dem Schloss Summersberg<br />
Nach der 25-Jahr-Feier im Mai gab es beim<br />
Heimatpflegeverein Naturns – Plaus bis in<br />
den Herbst hinein noch einige spannende<br />
Aktivitäten. Auch das Jahresthema des Verbandes<br />
„Heimat und Jugend“ wurde unterstützt.<br />
Fotos: HPV Naturns – Plaus<br />
Im Juli wurde im Lorenzi-Acker das Korn<br />
geschnitten. Etwa 20 Freiwillige waren dabei<br />
und stellten nach dem Schnitt etwa 200<br />
Hocken auf. Der Roggen war sehr reif, und<br />
tags darauf warf der leichte Wind ungefähr<br />
die Hälfte der Hocken um. So wurde bereits<br />
zwei Tage später gedroschen. Die Ernte<br />
war mit 620 Kilogramm im Vergleich zum<br />
vergangenen Jahr heuer etwas geringer.<br />
Wegen der Brandgefahr abgesagt wurde<br />
das Herz-Jesu-Feuer, das Schaumahlen<br />
in der Runstermühle konnte an mehreren<br />
Terminen wegen des fehlenden Restwassers<br />
nicht vorgeführt werden.<br />
Traditionsgemäß fand am 10. August bei<br />
den Lorenzi-Ruinen das St. Laurentius-Patrozinium<br />
statt, im September folgte eine<br />
kulturgeschichtliche Wanderung am Tablander<br />
Nördersberg mit Johannes Ortner.<br />
Zwölf Teilnehmer*innen machten sich auf<br />
zur Entdeckung des Hinzelweges. Sie wanderten<br />
zum Spölhof, zum restaurierten Tablander<br />
Schießstand mit der erst einige<br />
Tage vorher neu aufgerichteten Zielstandmauer,<br />
zum Spölboden mit dem Lorggenloch,<br />
zur Tablander „Hasel“ und über die<br />
von Trockenmauern gesäumte Höfergasse<br />
zurück nach Tabland.<br />
Mitte September wurden im Lorenzi-Acker<br />
380 Kilo Trauben gewimmt, und so dürfen<br />
wir uns wieder auf einen guten Tropfen<br />
„Bronner“ freuen. Ende September<br />
wurde dann der Buchweizen geschnitten.<br />
231 Kilo werden nun von Adolf Fliri<br />
zum begehrten Schwarzplentenmehl gemahlen.<br />
Auch die Kartoffelernte fiel zufriedenstellend<br />
aus.<br />
Der 23. September war für unseren Verein<br />
ein besonderer Tag: Wir freuten uns über<br />
das 200. Vereinsmitglied, Bürgermeister<br />
Zeno Christanell.<br />
Kinder begeistert<br />
Im Einklang mit den Zielsetzungen des<br />
Landesverbandes, Kinder und Jugendli-<br />
Kornschnitt auf dem Lorenzi-Acker<br />
Kulturgeschichtliche Wanderung mit Johannes Ortner über den Hinzelweg<br />
<strong>KulturFenster</strong> 16<br />
06/Dezember <strong>2022</strong>
Heimatpflege<br />
che für die Anliegen der Heimatpflege zu<br />
begeistern, unterstützten wir im Oktober<br />
einen Lehrausgang der 5. Grundschulklassen.<br />
Zunächst hatten sie den Film von<br />
Rudi Martin „Die Jahreszeiten im Lorenzi-<br />
Acker“ gesehen, um danach mit Hermann<br />
Wenter zum Acker zu spazieren und dort<br />
viel über die traditionelle Landwirtschaft<br />
zu erfahren. Auf dem Weg dorthin erzählte<br />
er ihnen von der ehemaligen Handwerkerzone<br />
Sand, vom Bildstock St. Isidor, dem<br />
„Neuräutl“ am Sonnenberg und von der<br />
Geschichte der Lorenzi-Raber. Wir hoffen,<br />
dass die Kinder ihre Begeisterung auch in<br />
ihre Familien brachten und diese dort gepflegt<br />
wird.<br />
Ende Oktober fand in der Egger-Platzer-<br />
Mühle/Melstal am Birchberg ein Schaumahlen<br />
statt. Trotz strömenden Regens<br />
waren zehn Personen dabei. Das Schaumahlen<br />
wurde am darauffolgenden Samstag<br />
wiederholt und von Florian Mair von der<br />
Tageszeitung „Dolomiten“ gefilmt.<br />
Gufidaun besichtigt<br />
Am Erntedank-Sonntag, 23. Oktober,<br />
führte der traditionelle Herbstausflug<br />
mit Kulturprogramm und Törggelen 39<br />
Vereinsmitglieder nach Gufidaun. Otto<br />
Schenk, Obmann des Dorfmuseums,<br />
führte durch den Ort mit Schloss Summersberg,<br />
der Pfarrkirche zum hl. Martin<br />
mit der Barbara-Kapelle sowie mit dem<br />
„Hohen Haus“, das Gufidauns Dorfbild<br />
prägt, von 1618 bis 1828 Gerichtssitz im<br />
Eisacktal war und heute die Dauerausstellung<br />
„Schatzkasten Erde“ zur Archäologie<br />
in Gufidaun beherbergt. Waldtraud Höller<br />
Schenk und Lisi Plunger führten anschließend<br />
durch das Dorfmuseum, das<br />
alte Geräte aus Landwirtschaft, Hauswirtschaft<br />
und Handwerk für die Nachwelt<br />
bewahrt.<br />
Beim Törggelen trug als besonderer Gast<br />
der Gufidauner Liedermacher Sepp Messner<br />
Windschnur einige seiner Lieder vor.<br />
Mustergültige Sanierung<br />
Pfarrwidum in Naturns außen und innen neu gestaltet<br />
Hier hatte der Zahn der Zeit genagt … Nun aber wurde das Widum in Naturns mustergültig saniert.<br />
Fotos: Franz Fliri<br />
Das aus dem Spätmittelalter stammende<br />
Pfarrwidum, ehemals Sedlhof genannt,<br />
wurde im heurigen Jahr einer Sanierung<br />
unterzogen.<br />
Die bislang letzte Generalsanierung des unter<br />
Denkmalschutz stehenden Gebäudes<br />
hatte der damalige Dekan, Georg Peer, im<br />
Jahr 1979 in Auftrag gegeben. Aber durch<br />
Witterungseinflüsse und Materialverschleiß<br />
über die Jahre herauf verlor das Gebäude<br />
an Energieeffizienz, und das Erscheinungsbild<br />
litt sehr darunter. Um zur Aufwertung<br />
des Ortsbildes beizutragen, sahen die Pfarrverwalter<br />
es deshalb erneut als ihre Pflicht<br />
an, das mitten im Ortszentrum gelegene<br />
Pfarrwidum zu sanieren.<br />
Einen großen Eingriff erfuhr die Fassade.<br />
Der Mauerputz wurde restauriert, indem<br />
schadhafte Fassadenflächen abgetragen,<br />
die Mauern mit natürlichem hydraulischen<br />
Kalk verputzt und ganzflächig mit Kalkanstrich<br />
in gebrochenem Weiß versehen<br />
wurden. Gut gelungen ist auch die Beruhigung<br />
der Fassade durch den Austausch<br />
der Außenabschlüsse mit den zweiflügeligen<br />
Holzfenstern. Mit der Reduzierung<br />
der willkürlich angeordneten Fenster und<br />
dem Weglassen der Jalousien gelang es, in<br />
Kombination mit den Zinnengiebeln ein harmonisches<br />
Erscheinungsbild zu schaffen.<br />
Ein weiteres Ziel war es, ein der heutigen<br />
Zeit angepasstes Ambiente in der Pfarrerwohnung<br />
zu schaffen und im Dachgeschoss<br />
zwei Mietwohnungen mit angemessener<br />
Wohnfläche zu errichten.<br />
Die Dorfbevölkerung ist über das sanierte<br />
Pfarrwidum sehr erfreut. Die gelungene Restaurierung<br />
soll auch Ansporn für andere<br />
sein, alte oder vernachlässigte Gebäude<br />
nicht einfach der Spitzhacke preiszugeben.<br />
Die gelungene Restaurierung soll<br />
auch Ansporn für andere sein, alte<br />
oder vernachlässigte Gebäude nicht<br />
einfach der Spitzhacke preiszugeben.<br />
Franz Fliri<br />
Mit Einsatz und Willenskraft kann es gelingen,<br />
historisch wertvolle Gebäude für die<br />
Nachwelt zu erhalten.<br />
Franz Fliri<br />
<strong>KulturFenster</strong> 17<br />
06/Dezember <strong>2022</strong>
getanzt<br />
Höhepunkt und Abschluss<br />
Landeskathreintanz im Kursaal von Meran beendet Tanzjahr<br />
Der Auftanz<br />
im Kursaal<br />
von Meran<br />
Endlich – nach drei Jahren Pause – fand<br />
am 12. November <strong>2022</strong> der 54. Landeskathreintanz<br />
im Kursaal von Meran statt.<br />
Zahlreiche Tänzer*innen sind der Einladung<br />
gefolgt und verbrachten gemeinsam<br />
einen schönen Tanzabend zu den Klängen<br />
der Musikgruppe „Tanzig“.<br />
Pünktlich um 20 Uhr wurde der Abend<br />
mit dem traditionellen Auftanz eröffnet.<br />
Zahlreiche Tänzer*innen nahmen daran<br />
teil. Monika Rottensteiner begrüßte in ihrer<br />
Eröffnungsrede auch zahlreiche Ehrengäste.<br />
Namentlich genannt wurden<br />
Helga Hetzenauer, Obfrau der Arge Volkstanz<br />
Tirol, Franz Hermeter und Ilse Unterlechner<br />
vom Südtiroler Volksmusikkreis,<br />
Agnes Andergassen, Vorsitzende der Arge<br />
Lebendige Tracht, sowie die Landesbäuerin<br />
Antonia Egger Mair. Die Tänzer*innen<br />
kamen heuer nicht nur aus Südtirol, sondern<br />
aus mehreren Alpenregionen, unter<br />
anderem aus Bayern und der Schweiz.<br />
Norbert Kofler vom Bezirk Vinschgau hatte<br />
passend zum Landeskathreintanz ein Gedicht<br />
geschrieben, das er vortrug.<br />
Der Kursaal von Meran war<br />
Tanzfläche für viele begeisterte<br />
Tanzpaare aus nah<br />
und fern.<br />
Fotos: Arge Volkstanz<br />
<strong>KulturFenster</strong> 18<br />
06/Dezember <strong>2022</strong>
Bad Ischler Schwerttanz<br />
Nach dem Lied „Tirol isch lei uans“ ging<br />
es mit einer abwechslungsreichen Tanzfolge<br />
weiter. Die Pausengestaltung übernahm<br />
die Garde der Stadt Bad Ischl. Sie<br />
führte den Bad Ischler Schwerttanz auf,<br />
begleitet von einer Geigenmusik. Laut Erklärung<br />
waren die Schwerttänze früher<br />
vor allem im Knappen- und Bergwerkgewerbe<br />
zu finden. Sie wurden oft getanzt,<br />
wenn junge Burschen zu waffenfähigen<br />
Männern wurden. Eine wichtige<br />
Rolle bei diesem Tanz spielt der Schalksnarr,<br />
der außerhalb des Tanzkreises sein<br />
Unwesen treibt, bis er schließlich geköpft<br />
wird und liegen bleibt. Allerdings wird er<br />
von den Schwertspitzen der Tänzer wieder<br />
zum Leben erweckt und kann weitertanzen.<br />
Der große Applaus der Zuschauer<br />
war ein Zeichen der Begeisterung für den<br />
Bad Ischler Schwerttanz.<br />
Tanzjahr endet<br />
Eine Neuerung beim diesjährigen Landeskathreintanz<br />
war die Verköstigung durch ein<br />
Catering aus dem Pustertal. Zu einem Fixpreis<br />
von 20 Euro konnte sich jeder selbst<br />
Essen holen, wieviel er wollte. Die Volkstanzgruppe<br />
Nals versorgte an der Sektbar<br />
alle Gäste mit verschiedenen Getränken.<br />
Nach dem Schlusstanz, der „Woaf“, wurde<br />
noch das Lied „Weil‘s nocher Zeit isch, so<br />
sog mr iatz Pfiat Gott“ gesungen. Anschließend<br />
bedankte sich Ulrich Gurschler bei<br />
allen, die zum Gelingen des Landeskathreintanzes<br />
beigetragen hatten.<br />
„Kathrein stellt den Tanz ein“ – nach diesem<br />
Motto endete auch <strong>2022</strong> das Tanzjahr<br />
mit einem festlichen Tanzabend im prachtvollen<br />
Ambiente des Kurhauses von Meran.<br />
Anna Julia Spitaler<br />
Kathreintanz<br />
Long hobn mir gwortet und ins drauf gfreit.<br />
Es gibt wieder an Kathreintonz heit.<br />
Uans von die wichtigschtn Feschter im Johr,<br />
do sein mir a drbei, isch woll klor.<br />
Drei Johr sein ins Lond gezogn,<br />
wia’s gongen isch, braucht’s nit zu frogn.<br />
Uanmol wor’s Wetter gegen ins grichtet,<br />
zwoamol hot’s der Virus derrichtet.<br />
Ober heit geaht’s wieder auf, im Sool.<br />
I hoff, eis fühlt’s enk olle wohl?<br />
A schneidige Musi hobn mir a drbei,<br />
drum losst lei lous giahn, die Tonzerei.<br />
Nochn Auftonz solln olle fescht mittian.<br />
A jeder soll zlescht sogn: „Es wor wieder schian“.<br />
Norbert Kofler<br />
Hereinspaziert<br />
➤ Winterlehrgang <strong>2022</strong> vom 26. Dezember <strong>2022</strong> bis zum 1. Jänner 2023<br />
im Haus der Familie in Lichtenstern<br />
➤ Ausbildung zum Tanzleiter (Modul 1) am Samstag, 14. Jänner 2023, 9–17 Uhr<br />
im Bildungshaus Lichtenburg/Nals<br />
Weitere Infos im Büro der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz, Tel.: 0471/970555 oder info@arge-volkstanz.org<br />
<strong>KulturFenster</strong> 19<br />
06/Dezember <strong>2022</strong>
gedenken<br />
Es waren die Südtiroler Bauernjugend,<br />
die Südtiroler Bäuerinnenorganisation<br />
(SBO) und zuletzt die Seniorenvereinigung<br />
im Südtiroler Bauernbund, für<br />
die sich Maria Bertolini mit Freude und<br />
vollem Engagement eingesetzt hat. Kraft<br />
ihres Berufes, und später als Politikerin,<br />
war ihr die Weiterbildung der bäuerlichen<br />
Bevölkerung ein Anliegen. Dem<br />
Zeitgeist der 1970er-Jahre folgend war<br />
es dann nur noch ein kleiner Schritt,<br />
sich für die Wiederbelebung des ursprünglichen<br />
bäuerlichen Gewandes,<br />
der Tracht, einzusetzen. Der Kreis wurde<br />
weiter, und schließlich erfasste diese<br />
Trachtenwelle alle Tracht tragenden Verbände<br />
in Südtirol.<br />
Hauswirtschaftliche<br />
Ausbildung<br />
Ich lernte Maria Bertolini zu meiner Zeit<br />
als Pfarrgemeinderätin der Dompfarre<br />
Bozen kennen. Sie war die Präsidentin<br />
Sie hat Spuren<br />
hinterlassen<br />
Maria Bertolini, die erste Vorsitzende der<br />
Arge Lebendige Tracht, ist verstorben<br />
Maria Bertolini<br />
des Pfarrgemeinderates. Einmal erzählte<br />
sie mir, dass sie die Landwirtschaftliche<br />
Landeslehranstalt in Rotholz im Zillertal<br />
besucht hatte. Dort war sie beim Nähunterricht<br />
auch mit Dirndl und Tracht in Verbindung<br />
gekommen. Zurück in Südtirol,<br />
arbeitete sie als Hauswirtschaftslehrerin,<br />
bis sie letztendlich zur Leiterin des damaligen<br />
ländlich-hauswirtschaftlichen Bildungszentrums<br />
„Frankenberg“ in Tisens<br />
ernannt wurde.<br />
Gründung der<br />
Arge Lebendige Tracht<br />
Im Jahr 1969 wurde die Südtiroler Bauernjugend<br />
gegründet. Maria Bertolini wurde,<br />
dank ihrer landwirtschaftlichen Ausbildung,<br />
ein gesuchtes Mitglied während<br />
der Aufbauphase. Besonders die weibliche<br />
Landjugend lag ihr am Herzen. Sie<br />
hielt zahlreiche Vorträge und wurde alsbald<br />
zu einer im ganzen Land bekannten Person.<br />
Als 1979 die Südtiroler Bäuerinnenorganisation<br />
gegründet wurde, ergriff sie<br />
die Gelegenheit, um kräftig für die Wiedereinführung<br />
der Tracht zu werben. Der<br />
Ruf nach einer Anlaufstelle, wo man Informationen<br />
zur Tracht bekommen konnte,<br />
wurde immer lauter. Das Wissen um die<br />
Tracht war nämlich schon vielfach verloren<br />
gegangen. Die Südtiroler Bauernjugend<br />
gab den Anstoß, und so wurde am<br />
28. April 1980 im Heimatpflegeverband<br />
Südtirol die Arbeitsgemeinschaft Lebendige<br />
Tracht gegründet. Maria Bertolini<br />
wurde zur ersten Vorsitzenden ernannt<br />
und blieb es bis 1985.<br />
Rege Trachtentätigkeit<br />
Maria Bertolini hat sich stark an Nordtirol<br />
angelehnt, wo es bereits eine gleichgesinnte<br />
Arbeitsgemeinschaft gab, holte<br />
Frauen aus Eggen in der selbstgenähten Tracht<br />
Abschluss des Trachtennähkurses in Atzwang mit Elfriede Piazzesi<br />
und Maria Bertolini (4. v. l.)<br />
<strong>KulturFenster</strong> 20<br />
06/Dezember <strong>2022</strong>
Heimatpflege<br />
sich fachlichen Rat beim Volkskunstmuseum<br />
in Innsbruck und arbeitete intensiv<br />
mit dem Tiroler Heimatwerk zusammen.<br />
Gar manche Zeichnung für eine<br />
wiederbelebte Südtiroler Tracht fand ihren<br />
Weg über den Brenner. Maria Bertolini<br />
organisierte Trachtennähkurse, bei<br />
denen die Frauen ihre Tracht selbst anfertigen<br />
konnten. Sie organisierte Trachtenschauen,<br />
um für die Tracht zu werben.<br />
Ihr Bekanntheitsgrad wuchs, was<br />
für ihre politische Karriere sicher von<br />
Vorteil war. Sie schaffte es bis zur Landtagsabgeordneten.<br />
Wichtige<br />
Öffentlichkeitsarbeit<br />
Anfang der 1980er-Jahre machten sogar<br />
Banken durch die Herausgabe von<br />
großformatigen Trachtenkalendern die<br />
Tracht zu ihrem Thema. Maria Bertolini<br />
hatte dabei ihre Finger im Spiel. Sie<br />
verfasste auch zwei Folder, und zwar<br />
„10 Gebote für das Tragen der Frauentracht“<br />
und einen zweiten für die<br />
Männertracht. Auf ihre Anregung hin<br />
verfasste Notburga Piccolruaz die Broschüre<br />
„Das Dirndl“, welche 1979 von<br />
der Mädchengruppe der Südtiroler Bauernjugend,<br />
Bezirk Bozen, herausgegeben<br />
wurde. Maria Bertolini hat Spuren<br />
in der Südtiroler Trachtenlandschaft<br />
hinterlassen. Sie verstarb am 14. Juni<br />
<strong>2022</strong> im Alter von 91 Jahren.<br />
Agnes Andergassen<br />
Arge Lebendige Tracht<br />
NUIJOHR<br />
Wia schnell die Zeit vrgeaht<br />
nit holtet und nit stille steaht,<br />
des Radl drahnt si umadum<br />
und gschwing isch sou a Jahrl um.<br />
Kindheit, Jugend schwindet,<br />
im schnelln Schritt dohin<br />
und eh du di hosch um derschaug,<br />
do bisch du schun im Ölter drin.<br />
Drum nutz die Zeit, nou gheart sie dein,<br />
schun morgn konns gonz ondersch sein.<br />
Leg dei Vertraudn in Gottes güetige Händ<br />
ER weards schun richtn, Unfong und End.<br />
Eggentaler Frauentracht, Entwurf Theres<br />
Eigentler – Innsbruck 1981<br />
Maria Sulzer<br />
<strong>KulturFenster</strong> 21<br />
06/Dezember <strong>2022</strong>
Schütz´ Musik ist ein klingendes Glaubensbekenntnis,<br />
thematisiert aber allgemein Menschliches und vermag<br />
so auch kirchenfernen Menschen etwas zu geben.<br />
Schütz-Expertin Christina Siegfried<br />
Bild: Heinrich Schütz (1585 bis 1672), anonymes Porträt,<br />
angeblich um 1670, vermutlich erst um 1930 gemalt.<br />
<strong>KulturFenster</strong> 22<br />
06/Dezember <strong>2022</strong>
komponiert<br />
Vater der modernen Musik<br />
Vor 350 Jahren starb Heinrich Schütz<br />
Er ist der Komponist der Zeitenwende und<br />
der Krise und vielleicht spricht er uns deshalb<br />
heute wieder an: Am 16. November<br />
vor 350 Jahren verstarb Heinrich Schütz.<br />
Lange vor Johann Sebastian Bach war<br />
Heinrich Schütz der erste deutsche Komponist<br />
von europäischem Rang. Wie wenige<br />
andere Komponisten hat er die Entwicklung<br />
der Musik und des Chorgesangs<br />
geprägt. Er wirkte in der Zeitenwende zwischen<br />
Renaissance und Barock und setzte<br />
mit seinem Werk einen wichtigen Schritt<br />
in die musikalische Neuzeit. 1585 in Ostthüringen<br />
geboren, verbrachte Schütz<br />
seine Kindheit und später auch seinen<br />
Lebensabend in Weißenfels, einer Stadt<br />
im heutigen Sachsen-Anhalt, wo sein Vater<br />
einen Gasthof führte. Doch sein Leben<br />
war geprägt von Ortswechseln und<br />
Auftragsarbeiten für barocke Fürsten, von<br />
den Gegensätzen und Unruhen der Barockzeit<br />
und des 30-jährigen Krieges, einer<br />
Zeit, die zwischen der Gier nach Lebensgenuss<br />
und dem Bewusstsein der<br />
Vergänglichkeit und einem starken Glauben<br />
schwankte.<br />
Im Mittelpunkt der Werke von Heinrich<br />
Schütz, der dieser Zeit ein zeitenüberdauerndes<br />
Denkmal gesetzt hat, steht<br />
das Wort, das durch die Musik an Bedeutung<br />
gewinnt: Heinrich Schütz war<br />
der erste deutsche Komponist, der die<br />
sogenannte italienische Mehrchörigkeit<br />
in sein Werk einfließen ließ. Bald galt er<br />
als Vater der modernen Musik. Doch<br />
sein Wirken und sein<br />
Werk gerieten nach<br />
seinem Tod lange in<br />
Vergessenheit. Seit<br />
Ende des 19. Jahrhunderts,<br />
als unter<br />
anderem Franz<br />
Liszt und Johannes<br />
Brahms auf ihn aufmerksam<br />
wurden, entdeckt man ihn und<br />
seine Kunst mehr und mehr wieder. Viele<br />
seiner Kompositionen, mehr als 300 Manuskripte,<br />
sind allerdings bei Schlossbränden<br />
während des 30-jährigen Krieges<br />
zerstört worden. Von ihm selbst gibt es<br />
nur ein Gemälde sowie ein paar Stiche.<br />
Er lebte in<br />
einer Zeit der Krise<br />
Sein Leben war geprägt von Ortswechseln<br />
und Auftragsarbeiten für<br />
barocke Fürsten, von den Gegensätzen<br />
und Unruhen der Barockzeit<br />
und des 30-jährigen Krieges…<br />
Lange bevor Bach und Händel überhaupt bekannt wurden, galt Heinrich Schütz bereits<br />
als »Vater der modernen Musik«. Seine bekannten geistlichen Werke werden heute noch<br />
regelmäßig von den Chören gesungen.<br />
Foto: Thaddäus Salcher<br />
1599 wurde sein musikalisches Talent von<br />
Landgraf Moritz von Hessen-Kassel entdeckt,<br />
mit dessen Förderung er zum Musiker<br />
ausgebildet wurde, unter anderem<br />
ermöglichte der Graf ihm ein dreijähriges<br />
Studium in Venedig bei dem Kirchenmusiker<br />
und Hauptorganisten am Markusdom<br />
Giovanni<br />
Gabrieli. Schütz’ erstes<br />
eigenes Werk,<br />
"Il primo libro de Madrigali"<br />
(SWV 1-19),<br />
entstand 1611 in Venedig.<br />
Er widmete es<br />
seinem Entdecker,<br />
Förderer und Fürsten.<br />
In Kassel wurde er dann von diesem<br />
zum zweiten Organisten berufen, war zwar<br />
Privatsekretär des Fürsten, aber wurde nie<br />
Oberkapellmeister. Wenige Jahre später<br />
trat er deshalb in den Dienst am Hof des<br />
sächsischen Kurfürsten Johann Georg I.<br />
in Dresden und übernahm die Leitung der<br />
dortigen Hofkapelle. Wie begehrt Heinrich<br />
Schütz als Musiker war, erkennt man daran,<br />
dass Landgraf Moritz überlegte, ob er<br />
gegen die deutlich mächtigere Verwandtschaft<br />
in Dresden zu Felde ziehen sollte,<br />
als Kurfürst Johann Georg den hoffnungsvollen<br />
Musiker und Komponisten nicht<br />
mehr zurück nach Kassel ließ.<br />
Das Amt in Dresden hatte Schütz bis zu<br />
seinem Lebensende inne. Als Kapellmeister<br />
hatte er die Oberaufsicht über die Mitglieder<br />
der Hofkapelle, die aus Sängern und<br />
Instrumentalisten bestand. Mit ihr war er<br />
für alle Musik am Hofe zuständig: geistliche<br />
wie weltliche, zur Unterhaltung und zum<br />
Gottesdienst ebenso wie zur politischen<br />
Repräsentation. Seine dramatischen weltlichen<br />
Werke, Singspiele und Ballette, von<br />
denen in der Regel nur die Texte gedruckt<br />
wurden, sind jedoch verlorengegangen.<br />
1618 brach der Dreißigjährige Krieg aus,<br />
dessen verheerende Auswirkungen nicht<br />
nur gut ein Drittel der deutschen Bevölkerung<br />
das Leben kostete, sondern auch<br />
den fast völligen Zusammenbruch des<br />
kulturellen Lebens verursachten. Hinzu<br />
23<br />
<strong>KulturFenster</strong> 06/Dezember <strong>2022</strong>
SCV-Intern<br />
kamen wiederholte Pestepidemien. Nach<br />
dem frühen Tod seiner Frau im Jahr 1625<br />
heiratete Schütz nicht wieder. Um den Anschluss<br />
an die neuesten Errungenschaften<br />
der Musik nicht zu verlieren, besuchte<br />
Schütz 1628 zum zweiten Mal Venedig, wo<br />
er über ein Jahr lang blieb. Dass er dabei<br />
Claudio Monteverdi begegnete, ist denkbar.<br />
Dort hörte er neue theatralische Musik<br />
und empfing so maßgebliche neue Impulse<br />
für sein Werk. Schütz wirkte zeitweise<br />
auch in Kopenhagen als Oberkapellmeister<br />
des Königs. Außerdem arbeitete Schütz als<br />
musikalischer Ratgeber vieler deutscher<br />
Fürstenhöfe wie etwa Hannover und Weimar.<br />
Anlässlich der Trauerfeier für seinen<br />
Landesfürsten Heinrich Posthumus Reuß<br />
komponierte er 1635/1636 die Musikalischen<br />
Exequien. Es folgten die Kleinen<br />
geistlichen Konzerte, der zweite Teil der<br />
Symphoniae sacrae, die Geistliche Chormusik<br />
und 1650 der dritte und letzte Teil<br />
der Symphoniae sacrae. 1656 ging Schütz<br />
in den Ruhestand.<br />
Vater der modernen Musik<br />
Titelseite der Psalmen Davids, einer Sammlung von geistlichen, überwiegend mehrchörigen<br />
Kompositionen von Heinrich Schütz.<br />
Heinrich Schütz gilt als der bedeutendste<br />
deutsche Komponist des Frühbarocks. Obwohl<br />
zunächst zum Organisten ausgebildet,<br />
komponierte er nach frühen Madrigalen in<br />
italienischer Sprache vor allem geistliche<br />
Vokalmusik, teils zu lateinischen, vor allem<br />
aber zu deutschen Texten.<br />
Bestimmt war seine Musik für die Hofgottesdienste,<br />
vor allem aber zur höfischen<br />
Unterhaltung und Repräsentation, wie es<br />
in der Barockzeit üblich war. Doch Schütz<br />
übertraf in seinem Schaffen seine Zeitgenossen.<br />
Schon zu Lebzeiten galt er als<br />
„Vater der modernen Musik“. Schon seine<br />
Zeitgenossen feierten ihn nicht ohne Grund<br />
als "hervorragendsten Musiker seines Jahrhunderts"<br />
(wie man ihm auf den Grabstein<br />
schrieb). Seine kompositorische Virtuosität<br />
im Umgang mit den unterschiedlichsten<br />
musikalischen Formen und Elementen,<br />
mit Sprache und Stimmen begeistert Musikliebhaber<br />
bis heute. Heinrich Schütz<br />
erreicht uns heute aber nicht nur durch<br />
die zeitlose Schönheit seiner Musik, sondern<br />
auch durch seine Themen, die er in<br />
seinem Werk verarbeitet. „Die Parallelität<br />
seiner Themen zum Heute ist geradezu<br />
erschreckend“, sagt etwa die Musikwissenschafterin<br />
und Schütz-Expertin Christina<br />
Siegfried, Intendantin des Heinrich<br />
Schütz Musikfests. Denn in den Werken<br />
des Komponisten geht es um Krieg, Hungersnot<br />
und Inflation, aber auch den Stillstand<br />
der Kultur selbst durch die Krisen.<br />
Die Krisenzeit des 17. Jahrhunderts mit<br />
dem alles bestimmenden Dreißigjährigen<br />
Krieg hat vieles mit unserer Zeit gemeinsam.<br />
„Schütz´ Musik ist ein klingendes<br />
Glaubensbekenntnis, thematisiert aber<br />
allgemein Menschliches und vermag so<br />
auch kirchenfernen Menschen etwas zu<br />
geben“, erklärt die Musikwissenschafterin<br />
in einem Interview mit „Chorzeit“. Heinrich<br />
Schütz – ist er aber nicht zu „schwie-<br />
rig“ für unsere Chöre? Die Musikexpertin<br />
betont, dass gerade auch Laienchöre es<br />
wagen sollen, Heinrich Schütz zu singen.<br />
„Seine Werke fordern zu einem genauen<br />
und kreativen Umgang heraus“, erklärt<br />
sie, „wobei die Kenntnis des Notentextes<br />
und der Quellen“ von besonderer Wichtigkeit<br />
sei. Mit seinem Motto, trotz Krieg und<br />
Krise weiterzuarbeiten und zu komponieren,<br />
kann Heinrich Schütz auch in unserer<br />
Zeit noch ein Vorbild sein über die Schönheit<br />
seiner Musik hinaus.<br />
<strong>KulturFenster</strong> 24<br />
06/Dezember <strong>2022</strong>
Chorwesen<br />
Ein einmaliges<br />
musikalisches Erlebnis<br />
Sänger*innen aus der ganzen Euregio singen gemeinsam Händel<br />
Verdienter Applaus zur Aufführung von Händels Chororatorium „Occasional Oratorio" in Bozen<br />
Ein Zeichen der Zusammengehörigkeit der<br />
Euregio Tirol setzten die drei Chorverbände<br />
des Trentino, von Südtirol und vom Bundesland<br />
Tirol Ende Oktober mit einem vielbesuchten<br />
Konzert und einem begeisterten<br />
Publikum in Innsbruck, Trient und Bozen.<br />
Aufgeführt wurde Händels Chororatorium<br />
„Occasional Oratorio“. Südtirol wurde vom<br />
Vokalensemble „VocalArt“ aus Brixen vertreten.<br />
Aus Tirol kam das Vokalensemble<br />
NovoCanto, der Coro Antares vertrat<br />
das Trentino.<br />
Die künstlerische Gesamtleitung hatte Dirigent<br />
Wolfgang Kostner inne, der beim<br />
Konzert mit den Tiroler Barockinstrumentalisten<br />
ein Originalklangorchester internationalen<br />
Formats dirigierte und mit<br />
herausragenden Solist*innen zusammenarbeiten<br />
durfte.<br />
Alle Beteiligten waren sich einig, dass es<br />
ein sehr gelungenes Großprojekt war. Sowohl<br />
bei den Sänger*innen als auch beim<br />
Publikum konnte man die Begeisterung<br />
förmlich hören und spüren..<br />
Paul Bertagnolli<br />
Partnerchor gesucht<br />
Der Männer- und Frauenchor Frastanz aus Vorarlberg<br />
besteht seit fast 150 Jahren.<br />
38 Sängerinnen und Sänger singen gerne Altes- und Neues Liedgut, Heimat-<br />
und Volkslieder, aber auch moderne Literatur.<br />
Unser Jubiläumsjahr 2023 soll ein ganz Besonderes werden – Jubiläumskonzert<br />
mit Partnerchor im Juni 2023 – Geselliges Miteinander – Singen und Feiern -<br />
Jubiläums- Chorreise nach Südtirol.<br />
Feiert ihr auch ein Jubiläum? Oder darf es ein neuer Abschnitt für<br />
euren Chor sein? Uns würde es freuen – gerne informieren wir persönlich:<br />
Obmann: Michael Tiefenthaler +43 650 6360838<br />
obmann.mfcfrastanz@gmail.com<br />
www.mfc-frastanz.at<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
25 06/Dezember <strong>2022</strong>
SCV-Intern<br />
Wie man Stimmen<br />
zum Klingen bringt!<br />
Fortbildung des Südtiroler Chorverbandes<br />
Die stellvertretende Obfrau des Chorverbandes,<br />
Margareth Greif, begrüßte als Referentin<br />
Vroni Bertsch, Dozentin im Bereich<br />
chorische Stimmbildung für Kinder- und Jugendchor.<br />
Frau Bertsch ist auch im Jazz-<br />
Rock-Popbereich sowie als Chorleiterin tätig<br />
und schon seit vielen Jahren Referentin<br />
bei Schulungen des Südtiroler Chorverbandes.<br />
Sie verstand es hervorragend, den<br />
TeilnehmerInnen zu vermitteln, wie durch<br />
Bewegung und rhythmische Übungen das<br />
Instrument Stimme in Schwung gebracht<br />
werden kann. Mit entsprechender Literatur<br />
konnten die Übungen auch praktisch<br />
umgesetzt werden.<br />
Vroni Bertsch begeisterte einmal mehr die Teilnehmer*innen bei beiden Fortbildungen<br />
in Naturns.<br />
Unter diesem Motto standvor kurze meine<br />
Fortbildung des Südtiroler Chorverbandes<br />
für Lehrer*innen und Chorleiter*innen in<br />
Naturns, bei der stimmbildnerische Aspekte<br />
der Arbeit vor allem mit Kinder- und Jugendstimmen<br />
im Mittelpunkt standen.<br />
Ein weiteres Seminar fand am darauffolgenden<br />
Tag mit Vroni Bertsch ebenfalls<br />
in Naturns statt. Dabei ging es um populäre<br />
Chormusik für Frauen und Männer.<br />
Über 30 Interessierte haben sich dabei<br />
eingefunden.<br />
Es wurden Arrangements aus unterschiedlichen<br />
Stilrichtungen wie Popsongs, Filmmusik<br />
und Schlager, erarbeitet und diese<br />
mit Rhythmik und Bewegung kombiniert.<br />
Die Begeisterung der Teilnehmer war sehr<br />
groß. Sie zeigten sich sehr erfreut darüber,<br />
dass solche Seminar auch im westlichen<br />
Landesteil angeboten werden.<br />
Margareth Greif<br />
Zur Person<br />
Vroni Bertsch studierte Lehramt Musik und Deutsch für Realschule an der Universität Regensburg<br />
sowie Gesangspädagogik an der Hochschule für katholische Kirchenmusik in Regensburg. Im Anschluss<br />
daran absolvierte sie den berufsbegleitenden Masterstudiengang „Leitung und Kommunikationsmanagement“,<br />
den sie als Master of Arts mit Auszeichnung abschloss. 2017 beendete sie erfolgreich<br />
die Zertifizierung des BDG für „Pädagogik des populären Gesangs“ und seit <strong>2022</strong> ist sie authorisierte „Complete<br />
Vocal Technique” Lehrerin (CVI Kopenhagen).<br />
Seit dem Wintersemester 2006/07 ist Vroni Bertsch am Lehrstuhl für Musikpädagogik der Universität Regensburg mit<br />
einem Lehrauftrag für Gesang beschäftigt. Nach beruflichen Stationen an der „Akademie für darstellende Kunst Bayern“<br />
sowie den “Regensburger Domspatzen” (Chorleitung/Stimmbildung/Kindergartenprojekt) leitet sie seit September 2021<br />
die Sing- und Musikschule der Stadt Neumarkt i.d.OPf..<br />
Als Vizepräsidentin des Bayerischen Sängerbundes ist sie außerdem als Dozentin im Bereich (chorische) Stimmbildung,<br />
„Singen mit Kindern“, sowie im Jazz-Rock-Popbereich tätig. Darüber hinaus war sie lange Zeit Mitglied bei Stefan Kalmers<br />
„VoicesInTime“ und „SoulFood Delight“.<br />
<strong>KulturFenster</strong> 26<br />
06/Dezember <strong>2022</strong>
Chorwesen<br />
Stellenwert der Sprache im Gesang<br />
Seminar des Südtiroler Chorverbandes<br />
Umgang mit Sprache und Stimme - Workshop mit Philipp M. Krenn-Stuppnig in Bozen<br />
Welchen Stellenwert die Aussprache im Gesang<br />
einnimmt, wurde den Teilnehmern des<br />
Seminars „Sprechtechnik im Chor – chorisches<br />
Sprechen“ voll bewusst.<br />
17 Teilnehmer*innen, größtenteils Chorleiter*innen,<br />
aber auch Chorsänger*innen<br />
und viele davon auch Kantor*innen, nahmen<br />
am eintägigen Seminar des Südtiroler<br />
Chorverbandes jüngst im Kolpinghaus teil.<br />
Die stellvertretende Obfrau des Chorverbandes<br />
Margareth Greif und die Verbandschorleiterin<br />
Renate Unterthiner konnten<br />
als Referenten Philipp M. Krenn-Stuppnig<br />
aus Wien begrüßen. Krenn bekam seine<br />
erste Ausbildung als Solist bei den Wiener<br />
Sängerknaben, erhielt Schauspielunterricht,<br />
war viele Jahre unter namhaften Regisseuren<br />
Regieassistent und ist seit 2014<br />
eigenständiger Opernregisseur an bedeutenden<br />
Opernhäusern in Europa.<br />
Im Mittelpunkt des Workshops stand<br />
der Umgang mit Sprache und Stimme.<br />
Schwerpunkte waren die verschiedenen<br />
Aussprachen der Vokale, der Doppellaute,<br />
der Endungen und Vorsilben sowie<br />
auch die Aussprache der Konsonanten,<br />
sowohl beim Singen als auch beim Sprechen.<br />
Es wurde an konkreten Beispielen<br />
gearbeitet, gesprochen und auch gesungen.<br />
Krenn vermochte es hervorragend,<br />
die Teilnehmer*innen zu motivieren, die<br />
alle mit viel Einsatz und Freude mitgearbeitet<br />
haben und dabei viele wertvolle Hilfen<br />
für ihre Arbeit als Chorleiter*innen und<br />
Sänger*innen in den Chören und auch als<br />
Kantor*innen mit nach Hause genommen<br />
haben. Es war der Wunsch aller, ein solches<br />
Seminar im kommenden Jahr zu wiederholen<br />
und auf ein ganzes Wochenende<br />
zu erweitern.<br />
Margareth Greif<br />
Freude an der Vielfalt der Chormusik<br />
Singtag 50+ fand wieder großen Anklang<br />
Am 15. Oktober fand im Kolpinghaus in<br />
Bozen der bereits traditionelle Singtag<br />
für Sänger*innen ab 50 statt, und zwar<br />
unter dem Motto „Heast as net, wia die<br />
Zeit vageht!“<br />
Der Song aus der Feder von Hubert von<br />
Goisern traf genau das Gefühl von vielen<br />
Sängerinnen und Sängern, denn die Pandemie<br />
hielt die Menschen zu lange von<br />
der Chorgemeinschaft und vom Chorsingen<br />
ab. 22 Teilnehmer*innen folgten der<br />
Einladung des Südtiroler Chorverbandes<br />
und lernten mit dem Referenten Edgar<br />
Wolf neue Literatur kennen und erfuhren<br />
wichtige Tipps, wie man die Stimme gesund<br />
erhält. Doch im Mittelpunkt stand einfach<br />
die Freude, einen Tag lang mit Gleichgesinnten<br />
zu singen. Edgar Wolf aus Niederösterreich<br />
hat langjährige Erfahrung als<br />
Chorleiter, Sänger, Stimmpädagoge, Lehrer<br />
und Animator für das Chorsingen. Sein<br />
Edgar Wolf: „Die Freude und der Spaß sind das Wichtigste beim Singen."<br />
Motto war, wie auch bei den vielen Seminaren<br />
der letzten Jahre, dass die Freude<br />
und der Spaß am Singen das Wichtigste<br />
ist. So herrschte auch heuer beim Work-<br />
shop eine gute Stimmung, was der Motivation<br />
der Teilnehmer*innen und auch<br />
dem Referenten selbst zu verdanken ist.<br />
Paul Bertagnolli<br />
<strong>KulturFenster</strong> 27<br />
06/Dezember <strong>2022</strong>
SCV-Intern<br />
Sängerwanderung<br />
des Bezirkes Bozen<br />
Das Team vom Bezirk Bozen im Südtiroler<br />
Chorverband hatte unlängst beschlossen,<br />
die alljährliche Sängerwanderung heuer<br />
im Gemeindegebiet von Mölten stattfinden<br />
zu lassen.<br />
Kirchenchor Mölten als Gastgeber<br />
Ein Abstecher zur römisch-katholischen Kirche St. Jakob auf Langfenn<br />
Sängerwanderung in Mölten – ein Herbsttag wie im Bilderbuch<br />
Zu diesem Zweck wurde die Obfrau des<br />
Kirchenchores Mölten, Evi Amhof, kontaktiert<br />
und zusammen mit Mitgliedern des<br />
Ausschusses traf man sich zu einem Gespräch<br />
in Mölten. Bei einem netten und<br />
konstruktiven Gedankenaustausch wurden<br />
der Tag geplant und die Einladung zum<br />
Wandertag schlussendlich an alle Chöre<br />
im Bezirk Bozen versendet.<br />
Als gastgebender Chor hatte der Kirchen-<br />
chor Mölten gleich schönes Wetter mitbestellt<br />
und so trafen sich am Samstag,<br />
8. Oktober <strong>2022</strong>, an die 32 Sängerinnen<br />
und Sänger verschiedener Chöre aus dem<br />
Großraum Bozen und Umgebung bei strahlendem<br />
Sonnenschein um 10 Uhr beim<br />
Parkplatz bei der Feuerwehrhalle in Mölten.<br />
Erste Station war die Sektkellerei Arunda,<br />
wo Seniorchef Josef Reiterer persönlich mit<br />
allerhand interessanten Fakten und einigen<br />
Anekdoten den aufmerksamen Zuhörern<br />
seinen Betrieb nahebringen konnte.<br />
Bei der anschließenden Verkostung einiger<br />
edler Tropfen im wunderschönen Garten<br />
durfte natürlich auch die Musik nicht zu<br />
kurz kommen. Nach einigen herzlichen<br />
Willkommensworten von Carmen Seidner<br />
und Simon Ebner vom Bezirksteam Bozen<br />
an die Sänger stimmte Verbandschorleiterin<br />
Sandra Giovanett ein paar gesellige<br />
Lieder an.<br />
Um die Mittagszeit fuhr die Gruppe nach<br />
Schermoos und spazierte nach Langfenn,<br />
wo sich auch einige Sängerinnen des Frauenchores<br />
von Mölten dazugesellten. Auf der<br />
Terrasse des Gasthauses wurde gemeinsam<br />
zu Mittag gegessen und das schon<br />
langsam herbstliche Panorama bewundert.<br />
Nach dem Kaffee konnten die Chorsängerinnen<br />
und Chorsänger noch die<br />
St.Jakobskirche besichtigen. In deren Inneren<br />
brachte Stephan Leitner vom Kirchenchor<br />
Mölten den Zuhörern die lange<br />
Geschichte dieses Kraftortes näher, und<br />
natürlich durfte hier auch ein Lied zum<br />
Lob unseres Herrn nicht fehlen.<br />
Nach all dem gemütlichen Teil sollte aber<br />
auch die Bewegung nicht zu kurz kommen.<br />
So machte sich die Gruppe auf zum Almgasthaus<br />
„Gschnofer Stall“, wo zur Belohnung<br />
eine kleine Stärkung in Form von<br />
Kaffee und Kuchen wartete. Nachdem die<br />
Bezirkschorleiterin auch hier wieder einige<br />
Lieder angestimmt hatte, trat die Sängerrunde<br />
den Rückweg nach Schermoos an,<br />
wo man sich herzlich verabschiedete und<br />
ein jeder wieder in seine Heimatgemeinde<br />
entlassen wurde, nicht aber ohne das Versprechen,<br />
sich bald bei einer weiteren Gelegenheit<br />
wiederzusehen.<br />
Es war ein rundum gelungener Tag voller<br />
Sonnenschein, herbstlicher Farben, netter<br />
Gespräche und Chorgesang in einer ungewohnten<br />
Zusammensetzung. Alle Teilnehmer<br />
der Sängerwanderung waren von<br />
Mölten und seinen wunderschönen Plätzen<br />
und Einkehrmöglichkeiten begeistert<br />
und nahmen viele gute Eindrücke mit<br />
nach Hause.<br />
Monika Mair<br />
<strong>KulturFenster</strong> 28<br />
06/Dezember <strong>2022</strong>
Chorwesen<br />
Zum Paradiese mögen<br />
Engel dich geleiten …<br />
Aufführung des „Requiems“ von Karl Jenkins im Pustertal<br />
Ein große Sängerschar aus verschiedenen<br />
Chören des Pustertals, Schülerinnen der<br />
Musikklassen des Sozialwissenschaftlichen<br />
Gymnasiums (Sowigym) Bruneck, Sopransolistin<br />
Stefanie Steger sowie ein Orchester mit<br />
Musiker*innen vorwiegend aus dem Pustertal<br />
brachten am letzten Oktoberwochenende<br />
die Stiftskirche Innichen und die Pfarrkirche<br />
Taufers zum Erklingen. Auf dem Programm<br />
stand das “Requiem” von Karl Jenkins.<br />
Das Requiem wurde auch zu Ehren des verstorbenen Bezirksobmanns Rudi Duregger aufgeführt.<br />
Nach zwei harten Jahren des Wartens,<br />
Bangens und Hoffens war es endlich möglich,<br />
das bereits im Jahr 2020 geplante<br />
Projekt umzusetzen. Die Pandemie erforderte<br />
von jedem Einzelnen große Opfer<br />
im Alltag und Verluste von liebgewonnenen<br />
Mitmenschen.<br />
Das Requiem des walisischen Komponisten<br />
Karl Jenkins erwies sich als passende Musikwahl,<br />
konnten mit der Aufführung dieses<br />
Werks nämlich gleich mehrere Ziele<br />
erfüllt werden: Es konnte in gebührender<br />
Weise an den verstorbenen Bezirksobmann<br />
Rudi Duregger gedacht werden.<br />
Als Würdigung seines jahrelangen, aufopferungsvollen<br />
Einsatzes für den Bezirk<br />
Pustertal fanden diese Konzerte auch ihm<br />
zu Ehren statt. Auf das unmittelbar bevorstehende<br />
Fest zu Allerheiligen und Allerseelen<br />
und dem Totengedenken konnte<br />
mit dem Requiem eingestimmt werden.<br />
Schließlich erlaubte die Charakteristik des<br />
Werks aber auch ein gemeinsames Auftreten<br />
verschiedener Generationen. Die<br />
“klassischen”, lateinischen Requiemteile<br />
wurden von 56 Sänger*innen aus verschiedenen<br />
Pustertaler Chören dargeboten, welche<br />
sich seit März <strong>2022</strong> einmal im Monat<br />
mit Bezirkschorleiter Markus Federer<br />
zu gemeinsamen Proben eingefunden<br />
haben. Die fünf japanischen Haiku-Gesänge<br />
hingegen wurden von den Schülerinnen<br />
der Musikklassen des Sowigyms<br />
Bruneck vorgetragen. Diese erarbeiteten<br />
sie mit ihren Lehrpersonen Adele Vikoler<br />
und Hannes Tschurtschenthaler während<br />
der Unterrichtszeit.<br />
Markus Federer setzt es sich als Bezirkschorleiter<br />
zum Ziel, den Sänger*innen im<br />
Bezirk in regelmäßigen Abständen ein besonderes<br />
musikalisches Projekt anzubieten.<br />
Dabei ist es ihm ein großes Anliegen,<br />
verschiedene Altersgruppen musikalisch<br />
zusammenzubringen. Dieses Ziel spiegelte<br />
sich nicht nur bei den Sänger*innen, sondern<br />
auch in der Besetzung des Orchesters<br />
wider: Neben professionellen Musikern<br />
wurden gezielt auch junge Musiker<br />
engagiert.<br />
Gestärkt durch die gemeinsame Zeit und<br />
das große musikalische Erlebnis, zudem<br />
berauscht durch das Feedback der unglaublichen<br />
Publikumschar freuen sich<br />
die Beteiligten heute schon auf die Ausschreibung<br />
eines neuen Projektes.<br />
Redaktionsschluss für<br />
Aus der Redaktion<br />
Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für das Chorwesen<br />
senden Sie bitte an: info@scv.bz.it (Südtiroler Chorverband)<br />
Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie uns unter<br />
folgender Nummer: +39 0471 971 833 (SCV)<br />
die nächste Ausgabe des<br />
„<strong>KulturFenster</strong>s“ ist:<br />
Freitag, 13. Jänner 2023<br />
29<br />
<strong>KulturFenster</strong> 06/Dezember <strong>2022</strong>
hinausgeblickt<br />
„Cantare et sonare“ -<br />
Vielfältiges Phänomen<br />
Neue Strukturen beim Herbst-Seminar 2023 in Südtirol<br />
Vielfalt im<br />
Referat<br />
„Historisches<br />
Instrumentarium“,<br />
Anras 2021<br />
Bilder: Verein<br />
„cantare et sonare“<br />
Reith bei Seefeld<br />
Die Corona-Vorgaben bremsten zwar auch unseren Verein etwas ein, boten andererseits<br />
Gelegenheit zur Rückbesinnung auf ursprüngliche Zielsetzungen. Unser Bereich, vornehmlich<br />
geistliche Musik zwischen 1500 und 1650 war lange Zeit ein „Renner“, vor allem bei<br />
den Jugendlichen. Inzwischen ist es um dieses Phänomen – außer in bereits gefestigten<br />
Festivals – ruhiger geworden. Aber kaum erleben Jugendliche diese Musik hautnah, hört<br />
man: „Grandios! Für mich die schönste Musik!“ Dieser Diskrepanz zu begegnen, ist einer<br />
der Beweggründe unserer Bemühungen.<br />
Was ist „cantare et sonare“?<br />
Sänger und Instrumentalisten realisieren<br />
nicht als separat angesehene Klangkörper<br />
mit jeweils eigenem Stimmenmaterial, sondern<br />
als Einheit auf gleicher Augenhöhe,<br />
aus dem gleichen Notenblatt musizierend,<br />
sich gegenseitig ergänzend und stützend,<br />
vier- bis 12-stimmige Werke, und zwar:<br />
- mit Einbeziehung des Kirchenraumes als<br />
wesentlichem Faktor<br />
- zur Ausweitung der Repertoire-Möglichkeiten<br />
- zur Bereicherung des Klangspektrums<br />
- mit stetem Bedacht auf genügend Raum<br />
für a-capella-Darstellung und reine Instrumentalwerke.<br />
Beobachtungen von Teilnehmer*innen am<br />
Ende eines Seminares in Innsbruck:<br />
„Dieses Wochenende zeigte völlig neue<br />
Aspekte jahrzehntelang geübter Musizierpraxis.<br />
Die Bläser standen mitten<br />
im Chor bei ihren jeweiligen Stimmen,<br />
oft ohne Notenpulte. Gespielt wurde<br />
aus dem Notenblatt der nächststehenden<br />
Sängerin. Da erübrigten sich Anweisungen,<br />
es gab kein ‘zu laut!‘ Die jungen<br />
Bläser, wissbegierig, nahmen das<br />
singende Spielen nonverbal wahr. Und:<br />
Kaum war das Instrument von den Lippen,<br />
wurde mitgesungen. Auffällig: Dieses<br />
singende Spielen wurde auch in den<br />
Canzonen umgesetzt.<br />
Wohltuend erfrischend-anders: Die Orgel<br />
oben, Positiv vorne, die Bläser fallweise oben<br />
und unten, der Chor vorne verteilt links und<br />
rechts vor oder neben dem Altar, der ganze<br />
Kirchenraum erfüllt von Klang. Das Konzerthafte<br />
‚Die-da-hinten-oben‘ fiel weg, die Gemeinde<br />
fühlte sich eins mit den Musikern.“<br />
Das trifft auch genau den Kern von Aufführungen<br />
mehrchöriger Werke der großen<br />
Meister. Mehrere 4- oder 5-stimmige Chöre<br />
vereinen sich zu großem Klang. Es liegt an<br />
uns, sich um diese Praxis zu bemühen, Interessierten<br />
die Möglichkeit zu bieten, zu<br />
erfahren, zu hören, dass es diese Musik<br />
gibt. Und dass diese wertvoll und hilfreich<br />
sein kann für Chorvereinigungen!<br />
Oben Beschriebenes steht im Herbst-Seminar<br />
2023 in Südtirol im Mittelpunkt. Die<br />
ChorsängerInnen lieben diese dialogisierende<br />
Art zu singen. Wir werden einen beachtlichen<br />
Zeitanteil einer Literatur zuwenden,<br />
wie sie in unseren Pfarrkirchen<br />
erklingen könnte. Zum anderen tauchen<br />
wir auch ein in Werke, die nicht ohne weiters<br />
hinausgetragen werden können, aus<br />
<strong>KulturFenster</strong> 30<br />
06/Dezember <strong>2022</strong>
Chorwesen<br />
Neugier auf Unbekanntes und zur eigenen<br />
Erbauung.<br />
Der Instrumentalbereich wird anders als<br />
gewohnt strukturiert, aufgeteilt in<br />
» ein Referat für moderne Trompeten<br />
und Posaunen<br />
» ein Referat für Zinken und historische<br />
Posaunen,<br />
» ein drittes für Streicher, Oboen und Fagotte/Dulzian<br />
Wir können uns glücklich schätzen, historisches<br />
und modernes Instrumentarium<br />
nebeneinander hören zu können. Mit diesem<br />
vielfältigen Instrumentarium wird, neben<br />
den Instrumentalwerken, experimentiert,<br />
in Vokalwerken die verschiedensten<br />
Besetzungsmöglichkeiten aufgezeigt.<br />
Vorbereitungskurse für Chorsänger*innen,<br />
Trompete, Posaune, Oboe und Fagott finden<br />
statt im Regionalbereich Pustertal (Bruneck<br />
bis Sillian) und Osttirol<br />
Freitag 17. und 18. März 2023 in Anras.<br />
Das zweite für historische Instrumente muss<br />
noch fixiert werden im Zeitraum vor Ostern.<br />
Bewerbungen und Details für beide Termine<br />
werden rechtzeitig bekanntgegeben.<br />
Für die Auswahl des Seminarortes folgen wir<br />
unserer seit Jahrzehnten gepflegten Intention,<br />
Möglichkeiten abseits der bestehenden<br />
Schulungshäuser zu finden, voll im Bewusstsein,<br />
wie viel mehr organisatorischer<br />
Mehraufwand für uns damit verbunden ist.<br />
Hauptchor in Regensburg 2013<br />
Chor I und Chor II, Stams 2014<br />
Chor II bei Missa von Andreas Hofer, Stams 2015<br />
Wir wissen nie, wo und wann das,<br />
was wir in Seminaren und Konzerten<br />
zeigen, Früchte trägt."<br />
Prof. Otto Ulf, Gründer<br />
des Vereins „cantare et sonare<br />
Die Ausschreibung fürs Herbst-Seminar<br />
vom 22. bis zum 24. September 2023<br />
mit allen Details erfolgt in einer der nächsten<br />
Ausgaben des <strong>KulturFenster</strong>s.<br />
Uns war und ist immer bewusst, dass wir<br />
nur eine Nische besetzen, einen begrenzten<br />
Musikerkreis ansprechen, dem allerdings<br />
diese Art sehr viel bedeutet. In den<br />
meisten Kapellen gibt es einige Bläser, welche<br />
diese Musizierart in kleinen Gruppen<br />
und mit Sänger*innen anzieht, für die Chöre<br />
durch das Hinzunehmen guter Instrumentalisten<br />
eine Aufwertung ihres Repertoires<br />
und ihrer Möglichkeiten bedeuten kann.<br />
Georg Schmid<br />
Obmann „cantare et sonare”<br />
Bläser als Chor III, Stams 2017<br />
Chor II, Evangelischer Gottesdienst, Christuskirche Innsbruck 2017<br />
<strong>KulturFenster</strong> 31<br />
06/Dezember <strong>2022</strong>
hinausgeblickt<br />
Ein Leben lang<br />
im Dienste der Musik<br />
Kirchenkonzert im Zeichen der Dankbarkeit<br />
Das Kirchenkonzert<br />
in Niederdorf<br />
war<br />
auch ein Dankeschön<br />
für<br />
das Wirken des<br />
langjährigen<br />
Chorleiters<br />
Josef Walder.<br />
Ganz im Zeichen der Dankbarkeit für das<br />
Wirken des langjährigen Chorleiters, Organisten<br />
und Kapellmeisters Josef Walder<br />
stand das Konzert der Kirchenchöre Niederdorf<br />
und St. Sigmund am 11. September<br />
in der Pfarrkirche Niederdorf.<br />
Die Chöre und die Instrumentalisten aus<br />
dem Pustertal und aus Osttirol führten<br />
die „Missa solemnis in D“ von Joseph<br />
Ohnewald unter der Leitung von Günther<br />
Walder auf.<br />
In einer Dankesrede erinnerte Robert<br />
Burger, der Kulturreferent der Gemeinde<br />
Niederdorf, an die großen Leistungen von<br />
Josef Walder und an sein Leben, das vom<br />
Einsatz für die Musik geprägt war. Walder,<br />
1944 in Winnebach geboren, besuchte die<br />
Kirchenmusikschule in Brixen bei Domkapellmeister<br />
Angelo Alverá und Domorganist<br />
Alfons Frontull. 1969 verstarb<br />
plötzlich Josef Hochkofler und Niederdorf<br />
stand ohne Kapellmeister und ohne<br />
Chorleiter da. „In Dir, Sepp, fand man einen<br />
jungen Mann, der voller Tatendrang,<br />
musikalisch begabt und mit viel Liebe zur<br />
Musik das nicht einfache Erbe antrat. Ich<br />
muss sagen, dein Mut war erstaunlich“,<br />
erinnerte Burger in seiner Rede an den<br />
außergewöhnlichen Charakter und den<br />
Einsatz von Josef Walder.<br />
In der heutigen Zeit sei es kaum mehr<br />
vorstellbar, soviel Aufwand<br />
für die Dorfgemeinschaft<br />
mit einer<br />
jungen, nicht kleinen<br />
Familie und neuen beruflichen<br />
Herausforderungen<br />
unter einen<br />
Hut zu bringen. Durch<br />
Neuanwerbung und<br />
eigene Ausbildung<br />
von Sänger*innen war<br />
herer Zeit auch bei allen Rorateämtern<br />
und vielen Maiandachten. Und mit dem<br />
Kirchenchor wurde jede Beerdigung musikalisch<br />
mitgestaltet. „Auch als Kapellmeister<br />
hast du bleibende Spuren hinterlassen“,<br />
betonte Burger.<br />
Walder hat selbst viele<br />
Jugendliche ausgebildet,<br />
das Repertoire erneuert<br />
und mit vielen<br />
Musikkapellen, auch<br />
aus Osttirol, ein gutes<br />
Verhältnis gepflegt. Er<br />
spielte moderne Literatur<br />
und führte die<br />
Jahreskonzerte ein.<br />
Walder stets bemüht,<br />
das Niveau des Chores<br />
zu steigern und zusätzlich<br />
Josef Walder (1944)<br />
Zum 125-jährigen Jubiläum<br />
seiner Musikkapelle<br />
komponierte<br />
neue Literatur einzuführen. Fei-<br />
erliche Messen an den Sonntagen waren<br />
ihm ein großes Anliegen, besonders die<br />
Orchestermessen am Patrozinium des Hl.<br />
Stephanus. Auch die „Bunten Abende“<br />
des Kirchenchors bleiben unvergessen.<br />
Viele Jahre lang spielte Walder bei allen<br />
Sonntagsgottesdiensten die Orgel, in frü-<br />
Josef Walder als Geburtstagsgeschenk<br />
den„Jubiläumsmarsch“, der heute noch<br />
oft gespielt wird. Burger richtete sich mit<br />
Glückwünschen und Worten des Dankes<br />
an den verdienten Chorleiter und Kapellmeister:<br />
„Möge Dich die Musik noch<br />
lange begleiten.“<br />
Paul Bertagnolli<br />
<strong>KulturFenster</strong> 32<br />
06/Dezember <strong>2022</strong>
Chorwesen<br />
„Theater, Musi und<br />
Gsång in Sea entlång“<br />
Singen und Feiern mit den Ultner Bänkelsängern<br />
Im Sommer luden die Ultner Bänkelsänger<br />
zu "Theater, Musi und Gsång in Sea entlång"<br />
ein. Bei traumhaftem Wetter gab es<br />
beim Zoggler Stausee fünf Musik- und Genussstände,<br />
die Ohr, Auge und Geschmack<br />
verwöhnten.<br />
Ein sehr gelungenes Projekt, das wie immer<br />
nicht ohne eine Vielzahl von freiwilligen<br />
Helfern über die Bühne gehen könnte,<br />
denen der Dank der Ultner Bänkelsänger<br />
gilt. Viele Musikanten, Sänger und Theaterspieler<br />
des Tales durften vor einer besonderen<br />
Kulisse ihr Können zur Schau<br />
stellen. Allein musikalisch ließ sich für jeden<br />
Geschmack etwas finden. So durfte<br />
sich der Gemischte Chor St. Walburg, der<br />
beim Fest ausschließlich aus Frauen bestand,<br />
zur Abwechslung einmal weltlichen<br />
Liedern widmen – oder die Vollblutmusikanten<br />
von der "Steirischen Blås", welche<br />
die Ultner noch die ganze Nacht mit ihrer<br />
hervorragenden Musik verwöhnten. Zudem<br />
boten die zwei Ultner Theatervereine mit<br />
ihren Darbietungen noch eine Portion Abwechslung<br />
vom Feinsten.<br />
Auch die Verpflegungsstände setzten mit<br />
allerlei verschiedenen Angeboten Anreize,<br />
so gab es von Fisch und Schnitzel<br />
bis Eis und Kuchen für jeden etwas. Dazwischen<br />
entwickelte sich der Seeweg mit<br />
seinen schattenspendenden Bäumen zu<br />
einem großartigen Weg der Begegnungen.<br />
Man sah den Menschen an, dass sie solche<br />
Veranstaltungen vermisst hatten, was<br />
Die Ultner Bänkelsänger veranstalteten am Zoggler Stausee in Ulten ein Fest des Gesangs<br />
und der Lebensfreude.<br />
Foto: Oswald Breitenberger<br />
sich auch an der großen Besucherzahl bemerkbar<br />
machte.<br />
Der Höhepunkt von diesem durch und<br />
durch gelungenen Projekt war am Ende<br />
das große Zusammentreffen aller Mitwirkenden.<br />
Diese trafen sich bei der ersten<br />
Station, wobei jede Gruppe sich noch einmal<br />
kurz präsentieren durfte. Und so bot<br />
das gemeinsam gesungene und gespielte<br />
"Dem Land Tirol die Treue" einen würde-<br />
vollen Abschluss dieser Veranstaltung.<br />
Es gilt nochmals, allen freiwilligen Helfern<br />
und Sponsoren aufrichtig und herzlichst zu<br />
danken, ebenso dem Bildungsausschuss<br />
und dem Tourismusverein, die durch ihre<br />
Unterstützung die Veranstaltung erst ermöglichten.<br />
Die Bänkelsänger hoffen, dass<br />
solche Projekte auch in Zukunft wieder so<br />
großen Zuspruch finden.<br />
Daniel Breitenberger<br />
Chorleiter*in gesucht!<br />
Der Kirchenchor Meransen sucht dringend eine*n Chorleiter*in für<br />
die Gestaltung kirchlicher Feste und Beerdigungen.<br />
Informationen unter: 340 6949434 (Herta Gschnitzer)<br />
33<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
06/Dezember <strong>2022</strong>
Jung+<br />
Stimmgewaltig<br />
Mosaic Singers & Players<br />
Wir sind…<br />
der Jugendchor „Mosaic Singers & Players“<br />
der Gemeinde Enneberg im Gadertal.<br />
In unserem Chor singen 20 Sänger*innen<br />
und in unserer Band musizieren vier Jungs.<br />
Jedes einzelnes Chormitglied ist verschieden<br />
und einzigartig. Doch alle zusammen<br />
bilden wir eine Einheit. Eine Einheit, die unseren<br />
Chor wie ein Mosaik aus verschiedenen<br />
Farben erstrahlen lässt. Mit unseren<br />
selbstkomponierten Liedern möchten wir<br />
den Zuhörer*innen eine Freude machen<br />
und sie mit unseren Stimmen, Texten und<br />
Melodien auch zum Nachdenken anregen.<br />
Unser Motto …<br />
Eine Vielzahl an Farben verbindet uns!<br />
Was uns motiviert…<br />
Uns ist es wichtig, den Menschen unsere<br />
Einfachheit und Menschlichkeit zu zeigen.<br />
Dies versuchen wir den Menschen<br />
mit unseren Liedern mitzugeben. Es freut<br />
uns, wenn die Menschen zu unseren Auftritten<br />
kommen und wir ihnen ein Lächeln<br />
ins Gesicht zaubern können.<br />
Uns gibt es seit…<br />
dem Jahr 1987. Unser Chor wurde von<br />
begeisterten und musikalischen Jugendlichen<br />
aus St. Vigil in Enneberg gegründet,<br />
damit sie miteinander singen und<br />
musizieren konnten. In den ersten Jahren<br />
wurden zahlreiche Lieder von den Chormitgliedern<br />
geschrieben und eine CD herausgegeben.<br />
Im Jahr 2011 bekam der<br />
Chor eine neue Leitung und es kamen<br />
neue Sänger*innen aus dem ganzen Gadertal<br />
dazu. In den letzten Jahren hat der<br />
Chor begonnen, sein Repertoire auszuweiten:<br />
Es werden viele moderne Lieder gesungen,<br />
es werden Konzerte mit anderen<br />
Chören und mehrere Auftritte im ganzen<br />
Tal gemacht.<br />
Unsere Höhepunkte waren…<br />
Wir durften in der Vergangenheit viele und<br />
auch besondere Momente erleben. Wir haben<br />
kirchliche Feiern musikalisch begleitet,<br />
bei Konzerten und Projekten mit anderen<br />
Jugendchören aus dem Gadertal mitgewirkt<br />
und auch auf einigen Weihnachtsmärkten<br />
gesungen.<br />
Besondere Höhepunkte waren jedoch unsere<br />
zwei Konzerte, die wir im September<br />
gegeben haben. Für diese Konzerte<br />
haben wir zahlreiche Lieder ausgewählt,<br />
die alle auf ein bestimmtes und besonderes<br />
Thema hinweisen, nämlich die Vielfalt.<br />
Dieses Thema hat uns Chormitglieder<br />
zum Nachdenken gebracht. Wir wollten an<br />
diesen Abenden auch an Menschen denken,<br />
die es nicht immer leicht im Leben<br />
und mit einer Krankheit zu kämpfen haben.<br />
Wir durften zwei Vereinigungen aus Südtirol<br />
mit einem finanziellen Beitrag unterstützten.<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
34 06 Dezember <strong>2022</strong>
Unsere Pläne für die Zukunft…<br />
Wir möchten den Menschen mit unseren<br />
Stimmen, Melodien und Liedern eine<br />
Freude bereiten und sie mit unseren selbstkomponierten<br />
Liedern bei unseren Auftritten<br />
begeistern.<br />
Herzlich willkommen sind bei uns…<br />
Jugendliche ab 15 Jahren, die gerne singen<br />
und musizieren.<br />
Wie man bei uns mitmachen kann…<br />
Immer wieder brauchen wir begeisterte<br />
Sänger*innen. Wir laden Dich zum Vorsingen<br />
und zur Chorprobe ein und wenn<br />
es Dir gefällt, heißen wir Dich herzlich in<br />
unserem Jugendchor willkommen.<br />
Die Proben finden bei uns hauptsächlich<br />
samstags – am Nachmittag oder Abend –<br />
im Chorprobelokal St. Vigil statt.<br />
Unsere Chorleiterin und unser Chorleiter<br />
Marion Palfrader<br />
Mein Alter: 23 Jahre<br />
Ich komme und wohne in: Enneberg<br />
Beim Jugendchor bin ich seit: 2015<br />
Mich gibt es im Doppelpack mit: Schokolade und meiner Geige<br />
Total toll finde ich: die lustigen Proben, die wir gemeinsam erleben und die<br />
Emotionen, die wir dem Publikum vermitteln können.<br />
Ich liebe es: Lieder für unseren Chor zu schreiben<br />
Meine Hobbys: mit anderen gemeinsam musizieren, Lieder schreiben<br />
Daniel Willeit<br />
Mein Alter: 28 Jahre<br />
Ich komme und wohne in: Enneberg<br />
Beim Jugendchor bin ich seit: 2011<br />
Mich gibt es im Doppelpack mit: meinem Rucksack<br />
Total toll finde ich: die Zeit, in der wir in der Gruppe gemeinsam Musik machen;<br />
die Zeit, in der wir zusammen mit den Bandmitgliedern unserer musikalischen Phantasie<br />
freien Lauf lassen und somit Lieder neu interpretieren<br />
Ich liebe es: im Wald spazieren zu gehen und singend zur Ruhe zu kommen, Lieder<br />
zu schreiben<br />
Meine Hobbys: Musik machen, die Natur beobachten<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
35 06 Dezember <strong>2022</strong>
Es gibt verschiedene Ansätze, die musikalische<br />
Arbeit zu optimieren, um neue, individuelle Wege<br />
offenzulegen und zu präsentieren. Diese können<br />
auf die musikalische und organisatorische Struktur<br />
einer Musikkapelle umgemünzt werden.<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
36 06/Dezember <strong>2022</strong>
analysiert<br />
Methodische Ansätze<br />
im Blasorchester<br />
Musikdidaktische Methodik und Organisationsmethodik<br />
in den Musikkapellen Südtirols<br />
Der junge Musiker, Kapellmeister und Komponist<br />
Jakob Augschöll (Jahrgang 1998)<br />
aus Luttach hat im vergangenen Mai in<br />
seiner Masterarbeit zu „Musikdidaktik –<br />
Musikerziehung“ die Organisation und pädagogische<br />
Arbeit in den Südtiroler Musikkapellen<br />
analysiert. Die Arbeit wird mit<br />
einer Umfrage ergänzt. Im Folgenden gibt<br />
er einen kurzen Überblick über seine Abschlussarbeit.<br />
Betrachtet man die pädagogische Arbeit<br />
in den Musikkapellen, so fallen eine sehr<br />
unterschiedliche, ausgeprägte und sich<br />
ständig wandelnde Form von Probenpädagogik,<br />
Organisation im außermusikalischen<br />
Sinne und unterschiedliche Strukturierung<br />
auf.<br />
Um die musikalische Arbeit zu optimieren,<br />
gibt es verschiedene Ansätze, die auf die<br />
musikalische und organisatorische Struktur<br />
einer Musikkapelle umgemünzt werden<br />
können, um neue, individuelle Wege<br />
offenzulegen und zu präsentieren. Natürlich<br />
müssen diese Wege ständig angepasst<br />
und auf ihre tatsächliche Wirksamkeit hin<br />
erforscht werden.<br />
In der Organisationsstruktur eines Vereines<br />
kann grundsätzlich zwischen drei Phasenmodellen<br />
unterschieden werden, die sich<br />
auf die Organisation eines Musikvereines<br />
anwenden lassen (dreiteiliges, siebenteiliges<br />
und achtteiliges Phasenmodell).<br />
3 Phasenmodelle<br />
und kleinere, aber notwendige Veränderungen<br />
erst von allen Organisierenden<br />
abgestimmt werden müssen, um Missverständnisse<br />
und Probleme in der Gesamtorganisation<br />
zu vermeiden.<br />
Das siebenteilige Phasenmodell dient<br />
zur konkreten Anwendung in klaren Situationen<br />
und Problembehandlungsmissionen,<br />
die unmittelbar oder auch indirekt<br />
den Verein betreffen oder belasten. Das<br />
Modell der Organisation kann als Notfallplan<br />
angesehen werden, oder auch auf<br />
sachliche Situationen umgemünzt und angewandt<br />
werden.<br />
Das Modell in acht Teilen dient zur Vereinsauslegung.<br />
Einige Grundsatzformen<br />
der Vereinsstrukturen sind im Modell enthalten,<br />
die konstruktiv auf den Verein angewandt<br />
werden müssen, damit ein optimaler<br />
Vereinsablauf überhaupt passieren<br />
kann. Zur idealen Organisation sind viele<br />
Schritte und ein klar definierter Plan notwendig,<br />
der sich an diesem Strukturmodell<br />
der Organisation orientieren kann.<br />
Strukturierungsmöglichkeiten<br />
Weiters gibt es verschiedene Strukturierungsmöglichkeiten<br />
des organisatorischen<br />
Vorstandes (Einliniensystem, Mehrliniensystem,<br />
die Matrixorganisation sowie die Projektorganisation).<br />
Diese befassen sich mit<br />
der Organisation im personellen Aufgabenbereich<br />
in der Struktur einer Musikkapelle.<br />
Der Großteil der Arbeit eines Vereines,<br />
besonders eines musikalischen und organisatorischen<br />
Vorstands, hängt in vielen<br />
Punkten mit pädagogischen Ansätzen<br />
zusammen. Insbesondere trifft das<br />
auf die Situation eines Orchesters zu, wie<br />
es eine Musikkapelle beziehungsweise<br />
ein Blasorchester ist. Dabei spielen aus<br />
pädagogischer Sicht drei Personen eine<br />
zentrale Rolle:<br />
» derVorstandsvorsitzende,Obmann,oder<br />
der organisatorisch Verantwortliche;<br />
» der Kapellmeister, oder auch musikalischer<br />
Leiter oder Dirigent;<br />
» sowie der Jugendleiter, also die Person,<br />
die für die Jugendarbeit und Ausbildung<br />
junger Musiker zuständig ist.<br />
Das dreiteilige Phasenmodell hat den<br />
Vorteil, dass der Vorstand als Gesamtes in<br />
alle Prozesse mit eingebunden wird. Diese<br />
Form der Organisation ist die am meisten<br />
angewandte, sie hat sich auch oftmals<br />
am besten bewährt. Allerdings bringt sie<br />
auch den Nachteil mit sich, dass es nur<br />
eine bedingte und geringe Möglichkeit<br />
gibt, kurzfristig viel zu verändern. Auch<br />
bringt sie das Problem mit sich, dass die<br />
Planungsarbeit nur zentral erfolgen kann<br />
Modell der „Matrixorganisation“<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
37 06/Dezember <strong>2022</strong>
analysiert<br />
Probenpädagogik und<br />
Probenmethodik –<br />
musikalische Leitung<br />
Den musikalischen Teil eines Blasorchesters<br />
übernimmt der Chefdirigent, Dirigent oder<br />
Kapellmeister. Er organisiert die musikalische<br />
Struktur und die Abläufe, die direkt<br />
oder indirekt mit den musikalischen Aufgaben<br />
eines Blasorchesters verbunden sind.<br />
Probenpädagogik beschreibt einerseits die<br />
Organisation verschiedener musikalischer,<br />
aber auch gemeinschaftlicher Abläufe, für<br />
die ein musikalischer Leiter alleine oder in<br />
einer klar strukturierten und definierten<br />
Gruppe zuständig ist. Die Rolle des Leiters<br />
kann durch einige Schwerpunkte definiert<br />
werden, die sich mehr auf die musisch-organisatorischen<br />
Aufgaben eines<br />
Dirigenten beziehen.<br />
Jugend musiziert über Grenzen hinweg – wie beim EUREGIO Jugendblasorchester<br />
Man darf hier allerdings die Aufgabe der<br />
anderen Vorstandsmitglieder nicht unterschätzen,<br />
die die drei Hauptverantwortlichen<br />
unterstützen, meist in Form von<br />
verschiedenen Aufgaben, die jeweils direkt<br />
oder indirekt, offiziell oder inoffiziell<br />
zugeordnet werden.<br />
Eine grundlegende, klare Strukturierung<br />
der Aufgaben eines Vorstandes ist gut und<br />
sinnvoll, wenn sich ein roter Faden durch<br />
die organisatorische Arbeit zieht. Planung<br />
und Zielsetzung – ob im Jahresrhythmus<br />
oder auch in Abschnitten von mehreren<br />
Monaten – ist bei der Abwicklung von Veranstaltungen<br />
und der finanziellen Organisation<br />
von zentraler Bedeutung.<br />
Es ist Aufgabe des Vorstandes, das lernfördernde<br />
und gesellschaftliche Klima eines<br />
Vereines per definitionem zu halten, da<br />
ansonsten die Konstruktivität der eigentlichen<br />
Sache abnimmt.<br />
Musikalische Organisation<br />
der Probenarbeit<br />
und Konzerttätigkeit<br />
Die musikalische Organisation der Probenarbeit<br />
hängt stark von der musikalischen<br />
Zielsetzung eines musikalischen Leiters<br />
oder Dirigenten ab. Dabei ist entscheidend,<br />
dass konkrete Jahrespläne ausgearbeitet<br />
werden, die dem musikalischen<br />
Ziel eine Richtung und eine Methode geben,<br />
die einen kurz- und längerfristigen<br />
Zeitraum erschließt.<br />
Die didaktische Organisation der Probenarbeit<br />
erfolgt in drei Schritten:<br />
» a) Vorbereitung des musikalischen Programms<br />
und Zielsetzung der Schwerpunkte<br />
» b)Umsetzung der Schwerpunkte<br />
» c)Nachbereitung und Analyse der geleisteten<br />
didaktischen Arbeit<br />
Die Umfrage<br />
Umsetzungsdiagramm bezüglich Organisation der Probenareit<br />
Die außermusikalischen Umgangsformen<br />
und die pädagogische Arbeit eines musikalischen<br />
Leiters nehmen einen Großteil der<br />
Arbeit in einem Verein in Anspruch. Eine<br />
eigens dafür angelegte Umfrage gibt Aufschluss<br />
über die Wichtigkeit einiger Fragen.<br />
Die Umfrage wurde an 642 Musikant*innen<br />
aus allen Landesteilen Südtirols mit einem<br />
Durchschnittsalter von 38,5 Jahren in der<br />
Zeit vom 30. März bis zum 30. April 2021<br />
durchgeführt. 99,22% der Befragten sind<br />
aktive Mitglieder in einer Südtiroler Musikkapelle.<br />
Ergründet wurden verschiedenste<br />
Fragen zu Ausbildung, musikalischer Um-<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
38 06/Dezember <strong>2022</strong>
Blasmusik<br />
Die bei der Umfrage Befragten,<br />
nach Instrumenten verteilt<br />
Bei der Umfrage wurde auch nach der Sinnhaftigkeit der<br />
Erlangung von Leistungsabzeichen gefragt.<br />
setzung, persönlichen Meinungen, Literatur,<br />
Mitgliederrekrutierung, Jugendarbeit und<br />
gemeinschaftlichen Aspekten des Vereines.<br />
Es ist sehr spannend, die unterschiedlichen<br />
Meinungen und Ansichten der Befragten<br />
zu betrachten und daraus neue Konzepte<br />
zur Vereinsführung und Vereinsentwicklung<br />
im musikalisch-didaktischen Bereich<br />
sowie in der Jugendarbeit zu entwickeln<br />
und in Projektplanungen mit einzubauen.<br />
Die vollständigen Umfrageergebnisse können mit dem<br />
QR-Code abgerufen werden.<br />
Zur Person:<br />
Jakob Augschöll ist 1998 geboren, stammt aus Luttach<br />
im Ahrntal und ist zurzeit Kapellmeister der Musikkapelle<br />
St. Lorenzen. Er studierte am Konservatorium<br />
„Claudio Monteverdi" Horn, Musikdidaktik und<br />
Musikerziehung und macht seit einigen Jahren auch<br />
als Komponist und Arrangeur auf sich aufmerksam.<br />
Zudem ist er als Dirigent und Chorleiter bei verschiedenen<br />
Projekten tätig.<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
39 06/Dezember <strong>2022</strong>
hinausgeblickt<br />
Süd/Osttiroler<br />
Blasorchester<br />
40+<br />
https://vsm.bz.it<br />
26.12.<strong>2022</strong><br />
06.01.2023<br />
VSM intern<br />
„Musik verbindet –<br />
über die Grenzen“<br />
VSM beim Blasmusikverband Tirol zu Gast<br />
Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit<br />
sei "gelebtes Europa in der Praxis",<br />
wurde bei der gemeinsamen Sitzung der<br />
beiden Verbandvorstände hervorgehoben.<br />
BVT-Obmann Elmar Juen (rechts) und Theresa Schapfl, die Tiroler Landeskapellmeister-<br />
Stellvertreterin, hießen VSM-Obmann Pepi Ploner (Bildmitte) und die Gäste aus Südtirol<br />
herzlich willkommen.<br />
Am Rande der offiziellen Tagung gab es<br />
auch einen regen Gedankenaustausch unter<br />
den ehemaligen Funktionären<br />
Nach 5-jähriger Auszeit haben sich die<br />
Vorstände der Blasmusikverbände von<br />
Nord- und Südtirol wieder einmal zum gemeinsamen<br />
Gedankenaustausch getroffen.<br />
Nach dem letzten Treffen 2017 in Sterzing<br />
waren diesmal die Südtiroler im Unterinntal<br />
zu Gast.<br />
Corona hat die bislang abwechselnd diesseits<br />
und jenseits des Brenners abgehaltenen<br />
Treffen nicht nur aus dem gewohnten<br />
Zweijahresrhythmus gebracht, sondern war<br />
zwangsläufig auch Thema in der heurigen<br />
Sitzung im Hotel „Rettenberg“ in Kolsass<br />
bei Wattens. Dort wurden die Gäste von<br />
der Original Rettenberger Musikkapelle<br />
Kolsass musikalisch begrüßt.<br />
Neustarts nach Stillstand<br />
Vor allem die Probleme des kulturellen<br />
Stillstands während der Pandemie, aber<br />
auch die Herausforderungen in der Wiederaufnahme<br />
der Tätigkeiten der Musikkapellen<br />
wurden besprochen. Mangelndes<br />
Interesse an den Fortbildungen, weniger<br />
Teilnehmer bei den Jungbläser- und Orchesterwochen,<br />
geringere Anmeldungen<br />
in den Musikschulen, Probleme in der<br />
Nachbesetzung von Führungspositionen<br />
– das seien die jetzt spürbaren Auswirkungen<br />
der Pandemie.<br />
Es gäbe aber kaum Unterschiede in den<br />
beiden Landesteilen, wurde festgestellt.<br />
Lediglich komme in Südtirol die Neuregelung<br />
der ehrenamtlich tätigen Vereine, des<br />
so genannten „Dritten Sektor“, erschwerend<br />
hinzu. Aber man wolle keineswegs<br />
den Kopf in den Sand stecken oder sich<br />
im gegenseitigen Mitleid verlieren, sondern<br />
aktiv an dem bisher Erreichten aufbauen<br />
und nach neuen Möglichkeiten suchen:<br />
„Sicher müssen wir auch Routinen<br />
hinterfragen und mit manchen Traditionen<br />
brechen“, zeigte man sich überzeugt. Gerade<br />
durch die grenzübergreifende Zusammenarbeit,<br />
die nicht nur leere Worthülsen<br />
auf inhaltslosem Papier, sondern<br />
vielmehr „gelebtes Europa in der Praxis“<br />
sei, könne man sich gegenseitig stärken<br />
und Kultur und Tradition an die nächste<br />
Generation weitergeben, hoben der Tiroler<br />
Verbandsobmann Elmar Juen und<br />
sein Südtiroler Amtskollege Pepi Ploner<br />
hervor. Dazu wolle man auch wieder einen<br />
regeren Austausch und Kontakt zwischen<br />
den Musikkapellen auf beiden Seiten<br />
des Brenners ankurbeln.<br />
Die Führung durch die benachbarte, geschichtsträchtige<br />
Bergwerkstadt Schwaz<br />
und die dortige Pfarrkirche, eine der bedeutendsten<br />
sakralen gotischen Bauten in<br />
Tirol und eine der wenigen vierschiffigen<br />
Kirchen in Europa, bildeten das kulturelle<br />
Rahmenprogramm des Treffens.<br />
Stephan Niederegger<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
40 06/Dezember <strong>2022</strong>
Blasmusik<br />
„Das Blasorchester,<br />
ein Chamäleon der Musik“<br />
8. Südtiroler Dirigenten-Werkstatt mit Björn Bus<br />
Die Teilnehmer*innen der 8. Südt. Dirigenten-Werkstatt waren begeistert vom Referenten Björn Bus (Zweiter von rechts).<br />
Anfang November hat der Verband Südtiroler<br />
Musikkapellen zum 8. Mal die Dirigentenwerkstatt<br />
für aktive Kapellmeister*innen<br />
organisiert.<br />
Ziel dieses zweitägigen Workshops ist<br />
es, den Frauen und Männern am Dirigentenpult<br />
Hilfestellungen und Inputs<br />
für die praktische musikalische Arbeit mit<br />
der Musikkapelle zu geben. Für die heurige<br />
Auflage ist es gelungen, den weltbekannten<br />
Dirigenten Björn Bus aus Holland<br />
zu verpflichten.<br />
Arnold Leimgruber (MK Auer), Andreas<br />
Messner (MK Kiens), Daniel Niederegger<br />
(MK Pater Haspinger St. Martin/Gsies &<br />
MK St. Jakob in Ahrn), Angela Palfrader<br />
(MK Vintl), Hans Peter Rinner (MK Mals)<br />
und Martin Wieser (MK Hafling) haben<br />
aktiv teilgenommen und in den Lehrproben<br />
die Musikkapelle Zwölfmalgreien dirigiert.<br />
Weitere 16 Kapellmeister*innen<br />
haben als passive Teilnehmer das Seminar<br />
aufmerksam verfolgt. Björn Bus ist<br />
es mit fachlicher Kompetenz, klaren Ansagen<br />
und feinfühliger Pädagogik gelungen,<br />
die Teilnehmer*innen einmal mehr<br />
zu begleiten und zu unterstützen. Neben<br />
den Lehrproben mit der Kapelle und den<br />
Dirigierübungen mit Klavier hat der Referent<br />
über den Dirigierprozess und die musikalische<br />
Führung im Vergleich zur „alten<br />
Schule“ das Blasorchester als „Chamäleon<br />
der Musik“ skizziert.<br />
Gerade diese Klangvielfalt mache den Reiz<br />
dieses Orchesters aus, hob er hervor. VSM-<br />
Verbandskapellmeister Meinhard Windisch<br />
bedankte sich bei den Teilnehmer*innen,<br />
bei der Musikkapelle Zwölfmalgreien mit<br />
Kapellmeister Stefan Aichner und bei<br />
Björn Bus für diese „unglaublich tollen<br />
und lehrreichen Tage“. Björn Bus seinerseits<br />
sprach allen Teilnehmer*innen<br />
ein großes Kompliment aus und freute<br />
sich, „hier zu sein und an der Entwicklung<br />
der Blasmusik in Norditalien mitarbeiten<br />
zu dürfen.“<br />
Stephan Niederegger<br />
Blasmusik verbindet (v.l.): Meinhard<br />
Windisch, Björn Bus und Stefan Aichner<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
41 06/Dezember <strong>2022</strong>
VSM intern<br />
Pustertaler Bezirksseniorenkapelle<br />
in 5. Auflage<br />
Ausflug bei Musik und Kastanien<br />
Die Pustertaler Bezirksseniorenkapelle spielte unter der Leitung von Bezirkskapellmeister Georg Kirchler am Hauptplatz von Kaltern.<br />
Am letzten Samstag im Oktober war die<br />
Pustertaler Bezirksseniorenkapelle unter<br />
der Leitung von Bezirkskapellmeister Georg<br />
Kirchler zu Gast in Kaltern.Nach dem<br />
Konzert am Hauptplatz ging es zum Törggelen<br />
am „Steffelehof“ von Hermann Luggin.<br />
„Mit dem Projekt der Bezirksseniorenkapelle<br />
sollen die Pioniere unserer Blasmusik<br />
kapellen- und generationsübergreifend<br />
wieder ins Rampenlicht gerückt werden“,<br />
erklärt Bezirksobmann Johann Hilber – so<br />
auch bei der heurigen 5. Auflage.<br />
Anlässlich des Bezirksmusikfestes in Sand<br />
in Taufers gestaltete die Bezirksseniorenkapelle<br />
den Festgottesdienst und spielte<br />
anschließend ein Kurzkonzert. 50 Musikanten<br />
und eine Musikantin aus 21 Kapellen<br />
des Pustertales – alle mindestens<br />
seit 40 Jahren bei der Kapelle – haben<br />
sich heuer zu diesem Projekt gemeldet.<br />
2600 Jahre geballter<br />
Blasmusikgeschichte<br />
In Summe sind damit 2600 Jahre geballter<br />
Blasmusikgeschichte auf der Bühne vereint.<br />
Giustina Dapunt spielt seit 45 Jahren<br />
Posaune bei der Musikkapelle St. Kassian<br />
und ist damit wohl auch eine, wenn nicht<br />
die dienstälteste Musikantin des Landes.<br />
Der dienstälteste Musikant ist der Posaunist<br />
Josef Pfeifhofer. Er spielt seit 64 Jahren<br />
bei der Musikkapelle Sexten. Der Hornist<br />
Hans Messner aus Antholz feierte<br />
im Februar seinen 84. Geburtstag und<br />
ist damit der Älteste in der Runde. Der<br />
Jüngste ist der Tenorhornist Siegmund<br />
Kofler (Jahrgang 1970) von der Musikkapelle<br />
Oberrasen.<br />
Als Abschluss des heurigen Projektes gab<br />
die Bezirksseniorenkapelle am Samstagnachmittag<br />
auf Einladung des örtlichen<br />
Tourismusvereins ein unterhaltsames Konzert<br />
am Hauptplatz in Kaltern. Anschließend<br />
waren alle Mitwirkenden zum Törggelen<br />
eingeladen. Bei gutem Essen und<br />
passenden Weinen sorgten Rudi Egarter<br />
und Klaus Tschurtschenthaler für die nötige<br />
Stimmung. Bezirksobmann Hans Hilber<br />
freute sich über den Erfolg und bedankte<br />
sich bei allen, die vor und hinter der<br />
Bühne zum Gelingen beigetragen haben.<br />
Stephan Niederegger<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
42 06/Dezember <strong>2022</strong>
ewegt<br />
Faszination<br />
„Musik in Bewegung"<br />
Fachgruppe „Musik in Bewegung“ (MIB) blickt in die Zukunft<br />
Am 5. November traf sich die Fachgruppe<br />
„Musik in Bewegung“ (MiB) zu einer ganztägigen<br />
Tagung im Probelokal der Bürgerkapelle<br />
St. Michael Eppan um in die Zukunft<br />
zu schauen.<br />
Zu Beginn einer neuen Amtsperiode hat<br />
es sich eingebürgert, dass sich die Fachgruppe<br />
MiB zu einer Klausur zusammenfindet.<br />
Ziel der Klausur ist es, das vergangene<br />
Jahr zu analysieren und auf<br />
dessen Basis in die Zukunft zu schauen<br />
und die Eckpunkte für die kommenden<br />
drei Jahre zu formulieren. Auch das gesellige<br />
Beisammensein unter Musikfreunden<br />
ist bei der diesjährigen Klausur nicht<br />
zu kurz gekommen.<br />
Zudem haben wir in unserer Tagung über<br />
bewährte und neue Probenkonzepte diskutiert.<br />
Ein Beispiel dafür ist die Ausführung<br />
und Probe der Schwenkung. Diese<br />
wurde neben dem grundsätzlichen Herangehen<br />
an die Probengestaltung gleich<br />
anhand grafischer Beispiele erarbeitet.<br />
Blick ins Jubiläumsjahr 2023<br />
Am 21. Mai 2023 steht für den VSM ein<br />
großes Fest an: das Jubiläum zur 75-Jahrfeier.<br />
In diesem Zuge spielt Musik in Bewegung<br />
eine wichtige Rolle, wobei unsere<br />
Kapellen im Land stark eingebunden werden<br />
und einen großen Beitrag zum Erfolg<br />
des Festes leisten. Über 100 Kapellen haben<br />
sich zum Sternmarsch und anschließenden<br />
Festakt gemeldet.<br />
Wie bereits bekannt, ist für 14.30 Uhr<br />
der Showteil geplant, welcher im Zeichen<br />
des Jubiläumsmottos „Faszination Blasmusik“<br />
steht.<br />
Der 28. August 1948, der Gründungstag<br />
des VSM, soll in den Dörfern und Städten<br />
gefeiert werden. Am 15. Oktober möchten<br />
wir in Meran beim Traubenfest mit über<br />
60 gemeldeten Kapellen den traditionellen<br />
Umzug mit kleinen Showelementen aufwerten<br />
und somit attraktiver und interessanter<br />
für die Zuschauer gestalten.<br />
Wir möchten durch attraktive Angebote<br />
Nach getaner Arbeit ließ die Fachgruppe MiB die Klausur in gemütlicher Runde ausklingen.<br />
auch die Jugend animieren, an der Veranstaltung<br />
teilzunehmen. Dafür nutzen wir<br />
die Initiative „Jugend in Bewegung“, ein<br />
weiteres Steckenpferd, welches wir ausbauen<br />
wollen, um Musik in Bewegung<br />
noch interessanter und jugendgerechter<br />
zu gestalten. In den vergangenen Jahren<br />
wurden Proben attraktiver gestaltet und<br />
vermehrt Auftrittsmöglichkeiten für die<br />
Jugendlichen geschaffen. Einen großen<br />
Beitrag hat dabei die FG-Jugend geleistet,<br />
die sehr viel Energie auch bei unserer<br />
Tagung eingebracht hat. Gemeinsam<br />
haben wir die Stoßrichtung für die<br />
kommenden Jahre definiert, um die Jugend<br />
weiterhin zu begeistern.<br />
Auch für die kommenden Jahre wollen<br />
wir die Fortbildung „Musik in Bewegung<br />
Klang verleihen“ fortführen, die von allen<br />
Teilnehmern sehr gut angenommen<br />
wurde. Diese Fortbildung wird in Zusammenarbeit<br />
mit der FG-Musik weitergeführt.<br />
Eine kleine Arbeitsgruppe wurde gebildet,<br />
welche in Zusammenarbeit Inhalte und<br />
Schwerpunkte festlegen wird.<br />
In Summe kommen wir aus der Tagung<br />
mit einem Rucksack voller neuer Ideen<br />
und Herausforderungen, welche wir in<br />
Zukunft gemeinsam angehen wollen. Dabei<br />
steht immer unser Jubiläums-Motto<br />
„Faszination Blasmusik“ im Mittelpunkt.<br />
Klaus Fischnaller, Verbandsstabführer<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
43 06/Dezember <strong>2022</strong>
ewegt hinausgeblickt<br />
75. VSM-Mitgliederversammlung<br />
in Bozen<br />
https://vsm.bz.it<br />
11.03.2023<br />
Stabführer-<br />
Abzeichen erlangt<br />
Zweite Auflage der Stabführer-Prüfung in Brixen<br />
Stabführer-Prüfung in Brixen: (v. l.) Klaus Fischnaller, Franz Plangger, Roland Stubenruss, Oliver Leitner, Florian Volgger,<br />
Martin Astner und Oskar Zingerle<br />
Die zweite Auflage der Stabführer-Prüfung<br />
in Südtirol ist im September über die Bühne<br />
gegangen. Fünf Kandidaten haben zunächst<br />
in der Berufsschule „Tschuggmall“ in Brixen<br />
den Abschlusskurs besucht, der eine gute<br />
Vorbereitung zur Prüfung ist.<br />
Die Bezirksstabführer Oskar Zingerle und<br />
Franz Plangger haben mit den Teilnehmern<br />
die verschiedenen Bereiche der Musik in<br />
Bewegung im Detail besprochen und die<br />
Praxis in der Turnhalle in vielen Durchläufen<br />
erprobt. Dabei standen neben den einzelnen<br />
Kommandi und Stabzeichen auch<br />
die Haltung der einzelnen Instrumente,<br />
die richtige Marschaufstellung, das richtige<br />
An- und Absetzen sowie theoretisches<br />
Wissen zu den rechtlichen Grundlagen auf<br />
dem Programm, genauso wie die Grundzüge<br />
des Dirigierens. Die verschiedenen<br />
Varianten der Schwenkung, des Abfallens<br />
und Aufmarschierens, der breiten und engen<br />
Formation sowie der Großen Wende<br />
mussten die Kandidaten zur Prüfung, abgenommen<br />
von Landesstabführer Klaus<br />
Fischnaller und Bezirksstabführer Oskar<br />
Zingerle, ebenfalls sehr gut beherrschen.<br />
Es galt einen schriftlichen, einen mündlichen<br />
und einen praktischen Teil zu absolvieren.<br />
Nur wer in jedem Teilbereich die<br />
erforderliche Mindestpunktezahl erreichte,<br />
Ich lege den Absolventen nahe,<br />
sich weiterhin immer auf dem Laufenden<br />
zu halten und ihr Wissen<br />
aufzufrischen.<br />
Klaus Fischnaller<br />
hat die Prüfung auch bestanden, das traf<br />
letztlich auf vier der fünf Kandidaten zu.<br />
Die Träger des Stabführerabzeichens können<br />
mit Fug und Recht von sich behaupten,<br />
alle lehrbuchmäßigen Details der Musik<br />
in Bewegung zu beherrschen, „aber“,<br />
fügt Klaus Fischnaller hinzu „das Wissen<br />
hat ein Ablaufdatum, denn man vergisst<br />
verschiedene Details wieder, oder einzelne<br />
Vorgaben ändern sich. Deshalb lege ich<br />
den Absolventen nahe, sich weiterhin immer<br />
auf dem Laufenden zu halten und ihr<br />
Wissen aufzufrischen. Sie haben mit der<br />
Prüfung das Handwerk des Stabführens<br />
erlernt, und sind nun eingeladen, Musik<br />
in Bewegung weiter zu denken, kreativ zu<br />
sein und Neues zu entwickeln.“<br />
Oskar Zingerle<br />
Bezirksstabführer Brixen<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
44 06/Dezember <strong>2022</strong>
Blasmusik<br />
Danke Franz!<br />
Stabführerabzeichen fast mit „Höchstnote“ erreicht<br />
Anlässlich der Klausurtagung der Fachgruppe<br />
„Musik in Bewegung“ (siehe eigener<br />
Bericht) haben wir die Gelegenheit<br />
genutzt, Bezirksstabführer Franz Plangger<br />
für seine hervorragende Leistung zur<br />
gratulieren. Franz hat die Prüfung zum<br />
Stabführerabzeichen mit 97,82 von 100<br />
Punkten bestanden. Danke Franz für deine<br />
Begeisterung, deinen Einsatz und Fleiß für<br />
die Musik in Bewegung! Wir wünschen dir<br />
weiterhin viel Freude damit.<br />
Die Fachgruppe MiB<br />
Die Fachgruppe MIB<br />
gratuliert zur bestandenen<br />
Stabführerprüfung:<br />
(v. l.) Matthias<br />
Targa, Stefan Ploner,<br />
Franz Plangger,<br />
Bernhard Mairhofer,<br />
Daniel Hofer, Erwin<br />
Rechenmacher<br />
Ausbildungsangebote 2023<br />
für Stabführer und die es werden wollen<br />
Grundkurs:<br />
Wo: Mitte & West<br />
Wann: 16.01.2023<br />
Beginn: 19Uhr<br />
Wo: Ost<br />
Wann: 11.02.2023<br />
Beginn: 14Uhr<br />
Aufbaukurs:<br />
Wo: Mitte & West<br />
Wann: 17.04.2023<br />
Beginn: 19Uhr<br />
Wo: Ost<br />
Wann: 15.04.2023<br />
Beginn: 14Uhr<br />
Die genauen Ausschreibungen<br />
werden laufend auf der VSM<br />
Homepage veröffentlicht.<br />
BLASMUSIK IM RUNDFUNK<br />
jeden Montag von 17 bis 18 Uhr<br />
„Dur und Schräg“ Traditionelle und neue<br />
Blasmusik mit Norbert Rabanser<br />
jeden Freitag von 18 bis 19 Uhr<br />
„Blasmusik“ mit Dieter Scoz<br />
jeden Samstag<br />
von 18 bis 19 Uhr<br />
„Faszination Blasmusik“<br />
mit Arnold Leimgruber<br />
(Wiederholung<br />
am Sonntag um 10 Uhr)<br />
jeden Freitag<br />
von 18 bis 19 Uhr<br />
„Das Platzkonzert"<br />
mit Wolfgang Kostner<br />
jeden Dienstag<br />
von 18 bis 19 Uhr<br />
„Tiroler Weis"<br />
mit Peter Kostner<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
45 06/Dezember <strong>2022</strong>
jung musiziert<br />
Die Jugendkapelle Vahrn mit Kapellmeister Toni Profanter<br />
Mit Musik durch das Jahr<br />
Die Jugendkapelle Vahrn ist aus dem Dorf nicht mehr wegzudenken<br />
Die Jugendkapelle Vahrn besteht<br />
aus 31 jungen und motivierten<br />
Kindern, sieben weitere Kinder<br />
stehen bereits in den Startlöchern<br />
und werden der Jugendkapelle<br />
Ende des Jahres beitreten.<br />
Die Gruppe zeigt das<br />
ganze Jahr über bei verschiedenen<br />
Auftritten ihr Können und<br />
wird von Toni Profanter, Kapellmeister<br />
der Musikkapelle Vahrn, geleitet.<br />
Romana Garbislander ist seit 2018 Jugendleiterin<br />
der Musikkapelle Vahrn. Im<br />
folgenden Interview stellt sie „ihre Jugendkapelle“<br />
vor:<br />
<strong>KulturFenster</strong>: Was zeichnet<br />
euch als Jugendkapelle<br />
aus?<br />
Romana Garbislander:<br />
Die Jugendkapelle<br />
Vahrn ist ein bunter<br />
Haufen von begeisterten<br />
Kindern. Dank<br />
unserem Kapellmeister<br />
Toni Profanter glänzt die Jugendkapelle<br />
nicht nur mit ihrem<br />
Instrumentalspiel, sondern hin und<br />
wieder auch mit ihrem Gesang. Immer<br />
wieder bekommen die Mitglieder der Jugendkapelle<br />
die Möglichkeit, diese beiden<br />
Elemente zu kombinieren - eine sehr beliebte<br />
Aufgabe unter den Jungmusikantinnen<br />
und Jungmusikanten. Zudem dürfen<br />
die Mitglieder ihr Können auch auf<br />
anderen Instrumenten zeigen, so brachte<br />
die „Ziachorgl“ unseres Mitglieds Simon<br />
Oberhuber bei einem Auftritt der Jugendkapelle<br />
auch schon das Tanzbein der Zuhörer<br />
zum Schwingen. Die Jugendkapelle<br />
Vahrn zeichnet sich also durch viele unterschiedlichen<br />
Talente aus, die in den Mitgliedern<br />
schlummern.<br />
KF: Welche Tätigkeiten dürfen in eurem<br />
Programm nicht fehlen?<br />
Garbislander: Die Jugendkapelle umrahmt<br />
jedes Jahr den Faschingsumzug in Vahrn.<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
46<br />
06 Dezember <strong>2022</strong>
Die Jugendkapelle Vahrn zeigt<br />
sich einmal sportlich motiviert …<br />
… einmal faschingsmäßig<br />
kostümiert<br />
Dazu muss man sagen, dass dieser Auftritt<br />
vor einigen Jahren noch ein Pflichttermin<br />
der Musikkapelle Vahrn war und<br />
die Mitglieder der Jugendkapelle lediglich<br />
mitspielen durften. Nun gehört die Bühne<br />
allein der Jugendkapelle. Außerdem spielen<br />
wir jedes Jahr beim „Vahrner Musigfescht“<br />
und bei sonstigen Sommerkonzerten<br />
oder kirchlichen Anlässen, wie der<br />
Martinsfeier oder der Christmette im Dorf.<br />
Immer öfter wird die Jugendkapelle für<br />
Veranstaltungen innerhalb der Gemeinde<br />
gebucht, wie beispielsweise beim Spielfest<br />
in Neustift oder bei der Seniorenfeier<br />
der Senioren der Gemeinde. Die Jugendkapelle<br />
dient somit der Unterhaltung für<br />
Jung und Alt. Der Spaß in der Jugendkapelle<br />
darf natürlich nicht fehlen. Die<br />
„Nacht im Probelokal“, der Rodelausflug,<br />
der Ausflug zur Sommerrodelbahn, der<br />
Sommerausflug mit der gesamten Musikkapelle<br />
sind nur einige Beispiele von Dingen,<br />
die organisiert wurden, um die Gemeinschaft<br />
zu fördern.<br />
KF: Auf welche Formen der Nachwuchsgewinnung<br />
setzt ihr?<br />
Garbislander: Früher verlief die Suche<br />
nach musikalischem Nachwuchs über<br />
persönliche Kontakte und Zeitungsinserate.<br />
Bald erkannte man jedoch, dass es<br />
damit nicht getan war und neue Ideen<br />
hermussten. Eine davon war der „Tag der<br />
offenen Tür“, der 1997 von der Jugendleiterin<br />
Jutta Pechlaner ins Leben gerufen<br />
wurde und sich bis heute jedes Jahr aufs<br />
Neue bewährt. Die Musikkapelle lädt die<br />
Klassen der Grundschule Vahrn ins Probelokal<br />
ein und stellt die verschiedenen<br />
Instrumente vor. Während der Coronapandemie<br />
versuchten wir das Interesse an<br />
Musik durch ein Video, auf welchem die<br />
Mitglieder der Jugendkapelle ihre Instrumente<br />
vorstellten, zu wecken. Außerdem<br />
kann man sagen, dass die Jugendkapelle<br />
bei Auftritten der Musikkapelle im Dorf bereits<br />
als „Vorband“ auftritt und somit stets<br />
präsent ist: beim Faschingsumzug, beim<br />
„Vahrner Musigfescht“, bei „Pasta/Knödel<br />
mit Musik“, beim Martinsumzug und<br />
bei weiteren kirchlichen und weltlichen<br />
Festtagen im Dorf. Der Erfolg der Initiativen<br />
lässt sich an der jährlich konstanten<br />
Zunahme an Jungbläserinnen und Jungbläsern<br />
erkennen.<br />
KF: Was kannst du sonst noch über eure<br />
Jugendarbeit berichten?<br />
Garbislander: Beliebt bei den Kindern<br />
und zugleich gewinnbringend für die<br />
Nachwuchsgewinnung sind Gemeinschaftsprojekte.<br />
Besondere Höhepunkte<br />
in der Ausbildung der Jungmusikantinnen<br />
und Jungmusikanten stellten die gemeinsamen<br />
Aufführungen mit den Schülerinnen<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
47<br />
06 Dezember <strong>2022</strong>
und Schülern der Grundschule Vahrn dar.<br />
Erst im Jahr 2020 führte die Jugendkapelle<br />
Vahrn gemeinsam mit der Grundschule<br />
Vahrn das Musical „Freude“ auf.<br />
KF:Welche Ziele verfolgt ihr mit der Jugendkapelle?<br />
Garbislander: Das Ziel ist es, den Jungmusikantinnen<br />
und Jungmusikanten die<br />
schönen Seiten des Vereinslebens aufzuzeigen.<br />
In der Musikkapelle Vahrn hat jeder<br />
seinen Platz, wird geschätzt und als<br />
neuer Jungmusikant herzlich von den Mitgliedern<br />
aufgenommen. Gemeinschaft<br />
und Geselligkeit wird bei uns im Verein<br />
großgeschrieben. Dies erkennt man immer<br />
wieder daran, dass nach den Proben<br />
Alt und Jung gemeinsam in der Bar des<br />
Probelokals sitzen, über Gott und die Welt<br />
sprechen, Speck essen, Nudeln kochen,<br />
a „Watterle mochn“ und einfach nur gemeinsam<br />
Spaß haben.<br />
KF: Wann seid ihr das nächste Mal zu hören?<br />
Garbislander: Die Jugendkapelle Vahrn<br />
spielt das nächste Mal am 24. Dezember<br />
bei der Kindermette in der Dorfkirche von<br />
Vahrn, was jedes Jahr der letzte gemeinsame<br />
Auftritt der Gruppe ist.<br />
Hannes Schrötter<br />
Zwei Musikantinnen der JuKa Vahrn<br />
stellen sich mit ihren Instrumenten vor:<br />
Emma Obergasser<br />
Wohnort: Vahrn<br />
Alter: 13<br />
Instrument: Flügelhorn<br />
Darum habe ich mich für mein Instrument entschieden: Ich habe mich<br />
für mein Instrument entschieden, weil es meiner Meinung nach einen<br />
sehr schönen Klang hat. Zudem spielt mein großer Bruder Pauli dieses<br />
Instrument.<br />
Das gefällt mir bei der Jugendkapelle am besten: Am besten gefällt mir,<br />
dass wir eine sehr tolle Truppe sind und gemeinsam viel Spaß beim Musizieren<br />
und bei den verschiedenen tollen Ausflügen haben.<br />
Darauf freue ich mich am meisten, wenn ich zur Musikkapelle komme:<br />
Nachdem ich schon mit sechs Jahren als Fahnenmädchen zur Musikkapelle<br />
gekommen und seit einem Jahr Marketenderin bin, freue ich mich<br />
jetzt umso mehr, mit meinem Instrument zur Musikkapelle zu kommen.<br />
Lena Mair<br />
Wohnort: Vahrn<br />
Alter: 11<br />
Instrument: Oboe<br />
Darum habe ich mich für mein Instrument entschieden: Ich war beim<br />
Tag der offenen Tür, bei dem jemand auf der Oboe gespielt hat. Daraufhin<br />
wollte ich dieses Instrument gleich lernen.<br />
Das gefällt mir bei der Jugendkapelle am besten: Am besten gefällt mir<br />
das Zusammenspiel und der Spaß, den man beim Lernen hat. Manchmal<br />
sind die Stücke schwierig, aber wenn man sie zusammen spielt, macht<br />
es trotzdem Spaß.<br />
Darauf freue ich mich am meisten, wenn ich zur Musikkapelle komme:<br />
Ich freue mich darauf, dass man längere und schwierigere Stücke bekommt<br />
und man das Instrument besser beherrscht.<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
48 06 Dezember <strong>2022</strong>
hinausgeblickt<br />
Die Villnösser sind<br />
Bundessieger!<br />
1. Platz beim Österreichischen Blasorchesterwettbewerb in Ossiach<br />
Die Musikkapelle Villnöß unter der Leitung von Kapellmeister Hans Pircher begeisterte in Ossiach die Fachjury und das Publikum<br />
gleichermaßen.<br />
Am 8. Oktober stellten sich 8 der besten<br />
Musikkapellen aus Österreich und Südtirol<br />
in der Carinthischen Musikakademie<br />
Ossiach der Wertungsjury beim Österreichischen<br />
Blasorchesterwettbewerb in der<br />
Stufe D. Die Musikkapelle Villnöß unter der<br />
Leitung von Kapellmeister Hans Pircher sicherte<br />
sich mit 93,75 von 100 Punkte den<br />
Bundessieg.<br />
Wenn man die besten Musikkapellen in<br />
Südtirol aufzählt, dann kommt man seit<br />
Jahrzehnten nicht an der Musikkapelle<br />
Villnöß vorbei. Seit 2014 wird die Kapelle<br />
vom Osttiroler Hans Pircher dirigiert. Trotz<br />
der kurzen und wegen der Corona-Nachwehen<br />
nicht ganz einfachen Vorbereitungszeit<br />
hat die Kapelle die Einladung<br />
des Verbandes Südtiroler Musikkapellen<br />
(VSM) und die Herausforderung der Stufe<br />
D (schwierige Literatur) angenommen, für<br />
Südtirol zum Blasorchesterwettbewerb an<br />
den Ossiacher See zu fahren.<br />
Nachdem sich am Vormittag die ersten 4<br />
Kapellen der Jury gestellt hatten, eröffneten<br />
die Südtiroler Gäste den Wettbewerb am<br />
Nachmittag mit dem Pflichtstück „Hounds<br />
of Spring“ von Alfred Reed und die kurze,<br />
2-sätzige Symphonie „Give Us This Day“<br />
von David Maslanka als Selbstwahlstück.<br />
Der Wettbewerb<br />
Den Vorsitz der internationalen Fachjury<br />
führte der Österreichische Bundeskapellmeister<br />
Helmut Schmid. Ihm zur Seite standen<br />
der Schweizer Dirigent Blaise Héritier,<br />
der italienische Dirigent<br />
und Komponist<br />
Marco Somadossi, der<br />
aus Argentinien stammende<br />
Dirigent Miguel<br />
Etchegoncelay sowie<br />
die bekannte österreichische<br />
Sängerin,<br />
Songwriterin und Vocalcoach<br />
Monika Ballwein.<br />
Es sei für die Villnösser eine Ehre gewesen,<br />
Südtirol bei diesem Wettbewerb zu vertreten,<br />
obwohl sie mit keinen großen Erwartungen<br />
nach Kärnten gefahren seien, erklärte<br />
Kapellmeister Pircher im Vorfeld.<br />
Umso mehr freute er sich mit Obmann<br />
Es ist für uns eine Ehre gewesen,<br />
Südtirol bei diesem Wettbewerb<br />
zu vertreten.<br />
Kapellmeister Hans Pircher<br />
Christof Petriffer und den Musikant*innen<br />
über den „Bundessieg“ vor der Stadtmusik<br />
Salzburg (91,88 Punkte) und der Musikkapelle<br />
Groß St. Florian aus der Steiermark<br />
(89,38 Punkte). Der 1. Preis beinhaltet eine<br />
vom Instrumentenbauer „Buffet Crampon“<br />
gesponserte Orchesterschulung.<br />
Als Neuerung wurde erstmals ein Sonderpreis<br />
für die beste Interpretation des<br />
Einspielstücks, der Polka mazur op. 416<br />
„Lachen, kosen, tanzen“<br />
von Carl Michael<br />
Ziehrer, vergeben.<br />
Diesen holte<br />
sich die Musikkapelle<br />
St. Georgen im Attergau<br />
aus Oberösterreich.<br />
Detail am Rande:<br />
Hans Pircher dirigiert<br />
seit 2011 auch<br />
die Bürgerkapelle Brixen und hat mit dieser<br />
Anfang Juni beim Blasorchesterwettbewerb<br />
„Polka, Walzer, Marsch“ in Wien<br />
den 2. Platz erspielt (siehe „<strong>KulturFenster</strong>“<br />
<strong>Nr</strong>.4/August <strong>2022</strong> – S.49).<br />
Stephan Niederegger
Das Holzbläserquartett „Young Quartett“<br />
(Altersstufe A) unter der Leitung von<br />
Werner Mayr erreichte mit 95,8 Punkten<br />
als jüngstes Ensemble die Runde der<br />
letzten 10.<br />
Ein weiteres Ticket für die Finalrunde am<br />
Sonntag erhielt das Trompetenensemble<br />
„M.E.Tr.E.2“ (Altersstufe B) unter der<br />
Leitung von Anton Ludwig Wilhalm, das<br />
für ihren Auftritt mit 97 Punkten belohnt<br />
wurde. Das Posaunenquartett „Tromb-<br />
4Bones“ (Altersstufe C) unter der Leitung<br />
von Johann Finatzer qualifizierte sich als<br />
Gruppensieger mit 97,3 Punkten fürs Finale.<br />
Dort schaffte das Ensemble sogar<br />
den Sprung aufs Podest und erspielte<br />
sich durch seine dargebotene Leistung<br />
den 2. Rang.<br />
Das vereinsinterne Quartett „Vilklavier“ der<br />
Musikkapelle Villnöß unter der Leitung von<br />
Meinhard Windisch und Manfred Messhinausgeblickt<br />
9. Südtiroler Jugendkapellentreffen<br />
mit Wettbewerb<br />
in Algund<br />
https://vsm.bz.it<br />
22.04.2023<br />
Sechs Südtiroler<br />
Ensembles in Wels<br />
Hervorragende Leistungen beim<br />
Bundeswettbewerb „Musik in kleinen Gruppen“<br />
Oktakis<br />
Young Quartett<br />
Am 22. und 23. Oktober fand im oberösterreichischen<br />
Wels der Bundeswettbewerb<br />
„Musik in kleinen Gruppen“ statt.<br />
Insgesamt 49 Ensembles aus Österreich,<br />
Liechtenstein und Südtirol stellten sich<br />
der Aufgabe „Wettbewerb“ und ließen sich<br />
von ausgewählten Juroren für ihre Darbietungen<br />
bewerten.<br />
Über die Landeswettbewerbe der 9 Bundesländer<br />
und der beiden Partnerverbände<br />
Liechtenstein und Südtirol qualifizierten<br />
sich die Ensembles für das Bundesfinale.<br />
Beim Südtiroler Landeswettbewerb im vergangenen<br />
Mai lösten sechs Ensembles<br />
das Ticket nach Wels.<br />
Drei dieser Ensembles erspielten sich<br />
mit ihren Leistungen am Samstag den<br />
Einzug ins große Finale, bei dem die<br />
10 besten Ensembles gegeneinander<br />
antraten.<br />
ner erreichte in der Altersstufe B ausgezeichnete<br />
91,9 Punkte. Auch das Holzbläseroktett<br />
„Oktakis“ (Altersstufe C) unter<br />
der Leitung von Ricarda Janissen überschritt<br />
die Marke der 90 Punkte und erhielt<br />
für ihre Darbietung am Samstag 95,3<br />
Punkte. Das Klarinettenensemble „La sixièm<br />
clarinette“ unter der Leitung von Roberto<br />
Gander trat in der Sondergruppe S<br />
an und wurde von der Jury mit hervorragenden<br />
89,5 Punkten bewertet. Ensembles<br />
der Sondergruppe S sind Gruppen,<br />
bei denen die Hälfte oder mehr der Mitglieder<br />
Studierende oder Absolventen einer<br />
Musikuniversität oder eines Konservatoriums<br />
sind.<br />
Sieger des diesjährigen Bundeswettbewerbes<br />
wurde das Schlagwerkduo „Drum<br />
X2“ aus Niederösterreich.<br />
Valeria Sullmann<br />
Verbandsjugendleiter-Stellvertreterin<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
50 06/Dezember <strong>2022</strong>
Blasmusik<br />
M.E.Tr.E.2<br />
Vilklavier<br />
Tromb4Bones<br />
La sixièm clarinette<br />
BLASMUSIK<br />
CHORWESEN<br />
HEIMATPFLEGE<br />
in Südtirol<br />
Aboaktion<br />
Seit Dezember 1948 berichten wir unter dem Titel „Die Volksmusik“, ab<br />
September 1953 als „Südtiroler Volkskultur“, ab März 1979 als „Tiroler<br />
Volkskultur“ und seit 2008 als „<strong>KulturFenster</strong>“ lebendig, bunt und vielfältig<br />
über die Musikkapellen, die Chöre, die Heimatpflege, den Volkstanz und das<br />
Trachtenwesen in Südtirol - derzeit in einer Gesamtauflage von rund 3.300<br />
Stück pro Ausgabe.<br />
Sie möchten keine<br />
Ausgabe verpassen?<br />
Dann rufen Sie uns an (Tel. 0471 976 387)<br />
oder schreiben uns eine Email an: info@vsm.bz.it<br />
Sie bekommen das "<strong>KulturFenster</strong>"<br />
sechs Mal im Jahr direkt nach Hause geschickt.<br />
Weitere Informationen finden Sie im<br />
Impressum auf Seite 3 dieser Ausgabe.<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
51<br />
06/Dezember <strong>2022</strong>
hinausgeblickt<br />
2. Juventus-Preis für die Bürgerkapelle Gries<br />
Das Opernprojekt „Blasmusikpop“ überzeugt die Jury<br />
Im Rahmen des Bundeswettbewerbes „Musik<br />
in kleinen Gruppen“ wurde am 22. Oktober im<br />
Stadttheater Greif der „Juventus Music Award<br />
<strong>2022</strong>“, der Innovationspreis der Österreichischen<br />
Blasmusik, vergeben. Mit dem Opernprojekt<br />
„Blasmusikpop“ holte sich die Bürgerkapelle<br />
Gries bereits zum 2. Mal den 1. Preis.<br />
Seit 2016 vergibt die Österreichische Blasmusikjugend<br />
diesen Würdigungspreis, um<br />
„besonders nachhaltige und musikalischgemeinschaftlich<br />
fördernde Projekte“ auszuzeichnen.<br />
Heuer wurden dafür 11 Projekte<br />
eingereicht. Die Bürgerkapelle Gries<br />
wurde für ihre Blasmusikoper „Blasmusikpop“<br />
mit dem 1. Preis und mit einem<br />
1.000-Euro-Gutschein für ein Yamaha-Instrument<br />
belohnt. Es ist dies bereits der<br />
2. „Juventus“ für die Grieser. 2019 wurde<br />
das generationsübergreifende Musik- und<br />
Zirkusprojekt „Manege frei“ ebenfalls mit<br />
dem 1. Preis ausgezeichnet. Den 2. Preis<br />
teilten sich heuer ex-aequo der Salzburger<br />
Blasmusikverband („Der Klang des weißen<br />
Goldes“) und der Musikverein Waldneukirchen<br />
aus Oberösterreich („Paula und Max<br />
entdecken die Blasmusik“).<br />
Stephan Niederegger<br />
Georg Thaler, der Kapellmeister der Bürgerkapelle Gries (Bildmitte), freute sich über<br />
den „Juventus Music Award <strong>2022</strong>“ – v.l. ÖBV-Bundeskapellmeister Helmut Schmid,<br />
ÖBV-Vizepräsident und BVT-Präsident Elmar Juen, VSM-Verbandskapellmeister Meinhard<br />
Windisch, Georg Thaler, ÖBV-Bundesjugendreferent Andreas Schaffer und sein Stellvertreter<br />
Gerhard Forman<br />
Hohe Auszeichnung für Hans Finatzer<br />
Ehrung durch den ÖBV für sein Engagement um die Blasmusikjugend<br />
Anfang Oktober ist Hans Finatzer als Verbandsjugendleiter<br />
des Verbandes Südtiroler<br />
Musikkapellen (VSM) zurückgetreten –<br />
aus persönlichen Gründen.<br />
Im Rahmen des Bundeswettbewerbes<br />
„Musik in kleinen Gruppen“ in Wels wurde<br />
ihm am 22. Oktober vom Österreichischen<br />
Blasmusikverband (ÖBV) die Verdienstmedaille<br />
in Gold verliehen. Es sei dies ein<br />
Dank für sein Engagement um die Blasmusikjugend<br />
im Allgemeinen und die enge<br />
Zusammenarbeit des VSM mit den Musikschulen<br />
im Besonderen, vor allem im Bereich<br />
der Leistungsabzeichen, hob ÖBV-<br />
Präsident Erich Riegler hervor.<br />
Stephan Niederegger<br />
Ehrung von Hans Finatzer: (v. l.) Gerhard Forman (ÖBV-Bundesjugendreferent-Stellvertreter),<br />
Andreas Schaffer (ÖBV-Bundesjugendreferent), Helmut Schmid (ÖBV-Bundeskapellmeister),<br />
Valeria Sullmann (VSM-Jugendleiter-Stellvertreterin), Hans Finatzer, Karin Vierbauch<br />
(ÖBJ) und Erich Riegler (ÖBV-Präsident)<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
52 06/Dezember <strong>2022</strong>
Blasmusik<br />
Altvordere treffen sich<br />
in Südtirol<br />
Die Ehrenmitglieder<br />
des ÖBV in Sterzing willkommen geheißen<br />
Jahrzehnte gelebter Blasmusikgeschichte auf einem Bild – einige der Altvorderen des Österreichischen Blasmusikverbandes beim Treffen<br />
in Sterzing<br />
Seit Jahren treffen sich die Ehrenmitglieder<br />
des ÖBV bei so genannten „Altvorderentreffen“.<br />
In geselliger Runde wird über gemeinsame<br />
Erlebnisse und aktuelle Themen diskutiert<br />
und die Entwicklung der Blasmusik<br />
im Alpenraum verfolgt. Vor Kurzem war die<br />
Fuggerstadt Sterzing Ausflugsziel der blasmusikalischen<br />
Zeitzeugen.<br />
Die Gäste wurden von einer Bläsergruppe<br />
der Bürgerkapelle Sterzing, vom Obmann<br />
des Verbandes Südtiroler Musikkapellen<br />
(VSM) Pepi Ploner und seinem Stellvertreter<br />
Meinhard Oberhauser sowie von<br />
VSM-Bezirksobmann Daniel Ungerank<br />
standesgemäß empfangen. „Wir wissen es<br />
sehr zu schätzen, dass Sie unsere kleine,<br />
aber feine Stadt für Ihr traditionelles Treffen<br />
ausgesucht haben“, freute sich auch<br />
der Sterzinger Bürgermeister Peter Volgger<br />
über den hohen Besuch. Bereits 1965<br />
war der ÖBV erstmals zu Gast in Sterzing,<br />
als Austragungsort des 1. ÖBV-Kongresses<br />
in Südtirol, damals noch „Delegiertentag“.<br />
Gleichzeitig fand auch das „1. Internationale<br />
Treffen Kleiner Spielgemeinschaften“<br />
mit Musiker*innen<br />
aus sieben Nationen<br />
(Österreich, Frankreich,<br />
Dänemark, die<br />
Schweiz, Norwegen,<br />
Luxemburg und Südtirol)<br />
statt.<br />
2002 – 37 Jahre später,<br />
wurde der offizielle<br />
Partnerschaftsvertrag<br />
zwischen dem ÖBV<br />
und dem Verband Südtiroler Musikkapellen<br />
(VSM) unterzeichnet. Ein Garant dieser<br />
engen freundschaftlichen Verbindung<br />
Mit dieser grenzüberschreitenden<br />
Zusammenarbeit werde<br />
der europäische Gedanke im<br />
musikalischen Alltag gelebt.<br />
ÖBV-Ehrenpräsident<br />
Friedrich Weyermüller<br />
war und ist ÖBV-Ehrenpräsident Friedrich<br />
Weyermüller. Er war auch Initiator der Altvorderen-Treffen<br />
und bedankte sich bei<br />
der Stadtverwaltung und der Bürgerkapelle<br />
für die Gastfreundschaft: „Mit dieser<br />
grenzüberschreitenden Zusammenarbeit<br />
werde der europäische<br />
Gedanke im musikalischen<br />
Alltag gelebt.“<br />
Die Führung in der<br />
Pfarrkirche zu „Unserer<br />
Lieben Frau in Moos“<br />
durch den Pastoralassistenten<br />
Simon Walter,<br />
die Besichtigung des<br />
Multscher- und Stadtmuseums<br />
sowie des<br />
Bergbaumuseums Ridnaun waren die Höhepunkte<br />
des dreitägigen Ausflugs.<br />
Stephan Niederegger<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
53 06/Dezember <strong>2022</strong>
hinausgeblickt<br />
Südtirol Filarmonica<br />
begeistert und bewegt<br />
Die Musikkapellen als Grundstein internationaler Karrieren<br />
Carolin Ralser vor der beeindruckenden Kulisse Singapurs<br />
Mit Standing Ovations im Kursaal von Meran<br />
feierte die diesjährige Konzerttrilogie<br />
der Südtirol Filarmonica ihren krönenden<br />
Abschluss. 65 Südtiroler Musiker*innen aus<br />
aller Welt haben sich unter der Leitung des<br />
Lüsner Dirigenten Michael Pichler mit dem<br />
Programm „Die Kraft der Liebe“ mit Werken<br />
von Petr Igor Tchaikovksy in die Herzen des<br />
Südtiroler Publikums gespielt.<br />
Im Dezember 2019 hatten die Initiatoren –<br />
Cornelia Goller, Isabel Goller, Michael Pichler<br />
und Zeno Kerschbaumer – gerade mal 24 E-<br />
Mail-Adressen von befreundeten Südtiroler<br />
Profi-Musiker*innen in der Hand. Mittlerweile<br />
ist dem damals erfolgten Aufruf die 300. Anmeldung<br />
eingegangen: Die ursprünglich aus<br />
Mauls stammende Flötistin Carolin Ralser<br />
lebt seit 2018 als Musikerin in Singapur und<br />
hat Lehraufträge an der School of the Arts<br />
Singapore und dem Centre for the Arts der<br />
National University of Singapore inne; weiters<br />
ist sie gern gesehene Gastdozentin und<br />
Musikerin am Yong Siew Toh Conservatory.<br />
Sie freut sich: „Südtirol Filarmonica ist ein<br />
unglaublich tolles Projekt, welches uns international<br />
tätigen Musiker*innen die Möglichkeit<br />
gibt, die Liebe zur Musik gemeinsam<br />
mit unserer Heimat teilen zu können.<br />
Ich bin stolz darauf, dass uns der Grundstein<br />
für die musikalische Karriere in unserer<br />
Heimat gelegt wurde.<br />
Logo der „Südtirol Filarmonica“<br />
Dank des Fleißes und der ehrenamtlichen<br />
Leistungen der Mitglieder unserer Musikkapellen,<br />
der Geduld und des Ehrgeizes unserer<br />
tollen und engagierten Musiklehrer*innen,<br />
der Förderprogramme des Landes Südtirols<br />
und vor allem dank des starken Gemeinschaftssinns<br />
unserer Kultur interessierten<br />
Gesellschaft wurde vielen von uns<br />
der Weg zur musikalischen Karriere geebnet.<br />
Ich freue mich sehr, dass durch die<br />
Südtirol Filarmonica nun ein Orchester<br />
entstanden ist, welches es uns ermöglicht,<br />
dieses Geschenk durch musikalische Projekte<br />
nun wieder an die Heimat zurückgeben<br />
zu können.”<br />
Wie Carolin Ralser haben auch die weiteren<br />
299 Südtiroler Musiker*innen ihre Leidenschaft<br />
zum Beruf gemacht und gehen diesem<br />
innerhalb und außerhalb der Landesgrenzen<br />
nach. Ihr Wirkungskreis erstreckt<br />
sich vornehmlich in Mitteleuropa, das historische<br />
Zentrum klassischer Musik, aber<br />
auch in Ländern wie Malaysia, USA, Australien<br />
und China. Einige Musiker*innen spielen<br />
in weltberühmten Orchestern wie dem<br />
Orchestra del Teatro alla Scala di Milano,<br />
dem Symphonieorchester des Bayerischen<br />
Rundfunks, den Wiener Philharmonikern<br />
und dem New York Philharmonic Orchestra.<br />
Noch am Abend nach dem Konzert in Meran<br />
sind der Dirigent und die Musiker*innen<br />
zurück an ihre Wirkungsstätten in der Welt<br />
gereist. Und der Blick der Gründer*innen<br />
Cornelia Goller, Isabel Goller, Michael Pichler<br />
und Zeno Kerschbaumer richtet sich<br />
schon nach vorne. Isabel Goller, Leiterin des<br />
Orchestermanagements, verspricht: „Südtirol<br />
kann sich auf das nächste Feuerwerk<br />
der Südtirol Filarmonica freuen – in einem<br />
Jahr sind wir wieder hier!“<br />
Mitmachen bei<br />
„Klingende Kilometer”<br />
Für die Auftritte im Oktober in Toblach, Bozen<br />
und Meran legten die Musiker*innen<br />
insgesamt 72.536 km zurück, mit unterschiedlichen<br />
Transportmitteln – vornehmlich<br />
im Zug. In Zeiten knapper öffentlicher Kassen<br />
ist es das Bestreben der Organisatoren,<br />
zum einen diese nicht übermäßig zu belasten<br />
und zum anderen den Musiker*innen<br />
die Reisekosten voll umfänglich zu erstatten.<br />
Bei dem Crowd-Funding “Klingende Kilometer”<br />
kann Jede und Jeder für 1 Euro<br />
einen Kilometer kaufen, und somit die MusikerInnen<br />
unterstützen – Teilnahme unter:<br />
www.suedtirol-filarmonica.it<br />
Stephan Niederegger<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
54 06/Dezember <strong>2022</strong>
Blasmusik<br />
Musik trifft Weltkulturerbe<br />
Kirchweihkonzert in der Wieskirche unter der Leitung von Gottfried Veit<br />
Die Wieskirche, ein Juwel des sakralen Rokokos im oberbayerischen Wies (Gemeinde Steingaden), bildete die Kulisse für das Kirchenkonzert<br />
von 50 Musiker*innen aus ganz Bayern unter der Leitung von Gottfried Veit.<br />
Foto: privat<br />
Der Musikbund von Ober- und Niederbayern<br />
bietet seit dem Jahre 2015 jährlich im Herbst<br />
den interessierten Musikanten des Musikbundes<br />
der Altersklasse „55+“ die Möglichkeit,<br />
ein Probenwochenende unter Gleichgesinnten<br />
zu verbringen.<br />
Bei der Veranstaltung wird musiziert, geprobt<br />
und meist steht am Ende ein Abschlusskonzert,<br />
bei dem die erlernten Musikstücke<br />
präsentiert werden. Aber auch<br />
ein Freizeitprogramm mit den jeweiligen<br />
örtlichen Besonderheiten sowie gesellige<br />
Abende werden geboten. Wie bereits im<br />
letzten Jahr waren die Musikanten wieder<br />
in Schongau bei der dortigen Blaskapelle<br />
eingeladen, um deren Probelokal für die<br />
Vorbereitungen nutzen zu können.<br />
Kirchenkonzert in der<br />
Wieskirche<br />
Der Höhepunkt sollte ein Kirchweihkonzert in<br />
der weltberühmten Wieskirche sein, welche<br />
seit dem Jahre 1983 zum UNESCO-Weltkulturerbe<br />
zählt. Die musikalische Leitung<br />
hatte von Anfang an der Südtiroler Komponist,<br />
Klarinettist, Kapellmeister, Chorleiter<br />
und Ehren-Landeskapellmeister Gottfried<br />
Veit inne, der mit seinem großen Fachwissen<br />
und in seiner ruhigen, freundlichen und<br />
empathisch-sympathischen Art den Musikern<br />
Fachwissen vermittelte und mit ihnen<br />
die jeweiligen Musikstücke einstudierte.<br />
Und so konnten die Blasmusikroutiniers<br />
am Kirchweihsonntag das erlernte Programm<br />
präsentieren und den Zuhörern<br />
eine schöne, angenehme Zeit zum Verweilen<br />
und Nachdenken in diesem ausgesprochen<br />
schönen Gotteshaus, welches bis auf<br />
den letzten Platz gefüllt war, vermitteln. Bei<br />
der heiligen Messe, welche vom Bischöflich<br />
Geistlichen Rat Florian Geis zelebriert<br />
wurde, kamen neben Liedern aus dem<br />
Gotteslob und der „St.-Georgs-Messe“ von<br />
Gottfried Veit das „Ave Maria“ von Bach/<br />
Gounod und „Panis Angelicus“ von Cesar<br />
Frank zur Aufführung.<br />
Im Anschluss an die heilige Messe folgte<br />
dann das Kirchenkonzert mit weiteren musikalischen<br />
Höhepunkten wie der „Festmusik<br />
<strong>Nr</strong>. 1“ von Karl Pilss, der „Kleinen Konzertouvertüre“<br />
von Gottfried Veit, dem sehr<br />
einfühlsamen Choral „Eventide Fall“ von<br />
Henry Monk, arrangiert von Alfred Bösendorfer<br />
und einem Solostück für Trompete<br />
und Blasorchester vom Starkomponisten<br />
vieler Filmmelodien, Ennio Morricone, mit<br />
dem Titel „Morricones Melody“, arrangiert<br />
von Roland Kerner. Den Schlusspunkt<br />
setzte dann der „Coburger Marsch“ von<br />
Michael Haydn.<br />
Durch das Programm führte der Trompeter<br />
Erhard Moldan. Die vielen begeisterten Zuhörer<br />
spendeten den Musikern einen frenetischen<br />
Applaus.<br />
Die Freude auf eine Fortsetzung der Routiniers<br />
der Blasmusik im nächsten Jahr ist<br />
jetzt schon wieder riesengroß, nicht nur aus<br />
musikalischer Sicht, sondern auch wegen<br />
der Freundschaften.<br />
Martin Hommer<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
55 06/Dezember <strong>2022</strong>
hinausgeblickt<br />
„75 Jahre VSM<br />
1948-2023“<br />
Vorstellung der Festschrift<br />
in Bozen<br />
https://vsm.bz.it<br />
04.05.2023<br />
komponiert<br />
Ottmar Leimgruber,<br />
Komponist,<br />
Musiklehrer und<br />
Chorleiter<br />
Vom Saarland zurück in die Südtiroler Heimat<br />
Ottmar Leimgruber wurde 1948 in Tramin<br />
geboren. Seine ersten Unterrichtsstunden<br />
am Klavier und im Orgelspiel erfuhr er im<br />
Johanneum in Dorf Tirol von Prof. Cyprian<br />
Czuchinsky. Dann erhielt er Klavierunterricht<br />
bei Prof. Montanari in Bozen. Nach<br />
der Zeit im Johanneum studierte er Orgel<br />
bei Prof. Hans Haselböck in Wien sowie<br />
Komposition bei Hermann Kronsteiner. Anschließend<br />
konnte er wertvolle Erfahrungen<br />
in der Orchesterarbeit beim Symphonieorchester<br />
des Saarländischen Rundfunks unter<br />
dem Dirigenten Hans Zender sammeln.<br />
Von der<br />
Blas- und Orchestermusik<br />
zur Chormusik<br />
Der Traminer<br />
Ottmar Leimgruber<br />
war u. a. in der<br />
Ausbildung von<br />
Blasorchesterleitern<br />
tätig und hat<br />
sich nun ganz der<br />
Chormusik verschrieben.<br />
Sein Diplom für Chorleitung machte er<br />
mit Auszeichnung in Mannheim. Im<br />
Saarland wirkte er zehn Jahre lang an<br />
der Ausbildung von Dirigenten für Blasorchester<br />
mit, dirigierte verschiedene<br />
Chöre, gründete drei private Musikschulen<br />
und war Organist in der katholischen<br />
und evangelischen Pfarrkirche von Güdingen.<br />
In den 20 Jahren seines Aufenthaltes<br />
in Deutschland war er außerdem<br />
Mitverantwortlicher für die Lehrerausbildung<br />
und die Erstellung von Lehrmaterialien<br />
einer weltweit agierenden japanischen<br />
Musikfondation. In dieser Zeit<br />
sammelte er wertvolle Erfahrungen in Didaktik<br />
und gruppendynamischen Prozessen.<br />
1996 trieb ihn das Heimweh zurück<br />
nach Südtirol. In Bozen und Neumarkt<br />
gründete er zwei private Musikschulen,<br />
wurde Pfarrorganist in Neumarkt und<br />
leitet seitdem den dortigen Pfarrchor.<br />
Bis zum Pensionsalter unterrichtete er<br />
Musik an der Mittelschule. Im „Ruhestand"<br />
hat er sich voll der Chormusik zugewandt<br />
und leitet seither<br />
verschiedene Chöre. Auf<br />
die Frage: „Was ist nach<br />
einem so wechselreichen<br />
Leben Ihr heutiges Ziel?",<br />
antwortet Ottmar Leimgruber:<br />
„Es gibt in Südtirol<br />
einige sehr gute Komponisten,<br />
gute Ensembles und große Aufführungen,<br />
an denen wir uns alle gerne<br />
Ich mag und liebe<br />
ehrliche Musik.<br />
Ottmar Leimgruber<br />
erbauen. Ich habe mich<br />
aber der Chormusik für die<br />
vielen kleineren, aber sehr<br />
engagierten geistlichen und<br />
weltlichen Chöre verschrieben.<br />
Ich möchte nach Bedarf<br />
Musik schreiben und arrangieren,<br />
die eben auch für<br />
die so wertvollen kleineren Chöre in unseren<br />
Dörfern und Pfarreien machbar ist.“<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
56 06/Dezember <strong>2022</strong>
Blasmusik<br />
Sopran/Alt A S j<br />
S 4 É<br />
.å å æ å å æ<br />
.å I<br />
å æ<br />
å æ<br />
å å æ K<br />
å å å å å å å æ<br />
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å<br />
I<br />
É<br />
ä å ê ê ê ê<br />
å å K<br />
Herr, er-<br />
bar-me<br />
dich un - - - ser, Herr, er - bar - me dich un - ê ser<br />
E S<br />
Tenor/Baß S 4 I I I I<br />
Orgel<br />
A S S 4 É<br />
ã<br />
ä å å .ä å å<br />
S å å K<br />
E S S 4 I I I I<br />
S/A<br />
Org<br />
A S S<br />
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å å å å å æ<br />
å æ<br />
Chri<br />
j<br />
å<br />
å<br />
å Z å<br />
K<br />
ê ê Q Q<br />
-<br />
Herr,<br />
er - bar - me dich un - - ser.<br />
E S T/B S<br />
.å .å<br />
å æ åê<br />
å å æ ê<br />
å æ å<br />
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å<br />
ä<br />
å å å å K<br />
Q Q<br />
A S S<br />
å å å å å å å<br />
å å É å Q Q<br />
E S S ä å å å ä å K Q Q<br />
- stus<br />
S/A A Q Q å å æ<br />
å æ å å æ å æ Chri - - stus<br />
Zj<br />
ä å å å å æ<br />
K<br />
å æ å æ å<br />
å å æ<br />
ê ê ê ê<br />
ê ê<br />
Chri - stus er - bar - me dich un - ser,<br />
Chri - stus er - bar - me<br />
q<br />
E T/B Q Q<br />
å å æ å æ<br />
å å å æ å æ q<br />
ä å K å å æ å æ<br />
ä å å å å<br />
ê ê ê ê ê ê<br />
Org<br />
Herr, erbarme dich<br />
Deutsches Ordinarium<br />
für 4stimmig gemischten Chor<br />
( und Orgel ad libitum )<br />
A Q Q å å å ä å å å<br />
E Q Q å å å ä .ä K å å å å å<br />
å<br />
Musik und Satz: Ottmar Leimgruber<br />
å<br />
å<br />
å<br />
å<br />
Anbetung<br />
Gem. Chor<br />
Text und Musik: Ottmar Leimgruber<br />
¢ = 72<br />
A Q Q Q 4 å<br />
ä<br />
ä<br />
å<br />
å å<br />
ä å å<br />
å<br />
.ä .ä<br />
å<br />
q<br />
An - be - tend kni - e ich vor dir, du All-macht,<br />
die<br />
Durch dich, Herr, schöpf ich Zu - ver - sicht, kein Arg und kein<br />
q<br />
E Q Q 4 å<br />
Q ä ä å å å<br />
å å å .ä<br />
.ä å ä å å<br />
ä å å<br />
A Q Q cresc. . . . Q ä å<br />
å<br />
ä K å R<br />
K .å<br />
å æ . . . . . . . . . . . . . . .<br />
å å<br />
å<br />
å å<br />
å<br />
ê<br />
mich hat er - schaf-fen. Gna - de, die mich hat er - ho - ben,<br />
Weh' kann mir scha - den. Hal - te schü-tzend<br />
dei - ne Hän - de<br />
E Q Q ä å å ä å K .å å æ å å å å å å<br />
Q å K .å ê Rå<br />
å å å<br />
A Q Q Q å<br />
å å å .ä q<br />
.ä å<br />
ä<br />
å<br />
å<br />
å<br />
å<br />
å<br />
å<br />
Stim-meall<br />
- zeit ü - ber - mich. Ver - zeih, Herr, mir Schuld und Sün - den -<br />
E Q Q Rå<br />
å å å .ä å ä å å å å å Q<br />
å<br />
die mich ruft. Du Gü - te, die mich be - schenkt, mich<br />
å R å .ä å å q<br />
A Q Q cresc.<br />
f<br />
Q ä å å å å<br />
.ä .ä å<br />
å<br />
å<br />
ä<br />
å åå<br />
liebt, Barm - her - zig - keit, die mir stets ver - gibt. Du<br />
last, ver - lei - he mir dei - ne Kraft der Lie - be, dass<br />
E Q Q .ä<br />
.ä å ä å å å å å å ä å å å ä å å<br />
Q f<br />
A Q Q rit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .<br />
Q<br />
å å å<br />
å å å<br />
ä å<br />
p<br />
å<br />
å å å å .ä<br />
.ä<br />
Geist, der mich be - lebt, oh du Lie - be, die mich trägt.<br />
Glau - be, Lie - be, Hoff - nung mein gan - zes Le - ben prägt.<br />
E Q Q<br />
å å å å ä å å å å å å<br />
Q å å å å ä.<br />
.ä<br />
p<br />
ä.<br />
Hirtenterzett<br />
= 72<br />
Flöten<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
1. Hirte<br />
<br />
<br />
Tasteninstrument<br />
Ich<br />
(ad libitum)<br />
<br />
<br />
<br />
2. Hirte<br />
<br />
8 und ich<br />
<br />
das<br />
<br />
Brot<br />
<br />
für's <br />
und ich das Stroh für's<br />
<br />
<br />
Käs'<br />
für's Kind<br />
Fell<br />
für's Kind<br />
<br />
3. Hirte <br />
<br />
8<br />
<br />
<br />
<br />
schwind,<br />
Wind<br />
<br />
<br />
Rind<br />
Wind und<br />
<br />
Kind<br />
Kind<br />
<br />
<br />
und<br />
<br />
<br />
lasst<br />
ge -<br />
<br />
<br />
uns<br />
gen<br />
ich neh'm<br />
ich bring<br />
<br />
<br />
<br />
ei -<br />
Frost<br />
<br />
<br />
wir<br />
und<br />
<br />
<br />
len<br />
im<br />
<br />
und<br />
- 9 -<br />
<br />
<br />
die<br />
die<br />
<br />
<br />
geh'n<br />
ge -<br />
<br />
<br />
zu<br />
kal -<br />
<br />
lasst<br />
<br />
Kind<br />
Kind<br />
<br />
<br />
und<br />
ge -<br />
<br />
Milch<br />
Deck'<br />
<br />
<br />
ge -<br />
gen<br />
<br />
<br />
dem<br />
ten<br />
<br />
uns<br />
<br />
<br />
ein<br />
gen<br />
<br />
schwind<br />
Wind<br />
<br />
Stal -<br />
Win -<br />
<br />
<br />
<br />
Stück<br />
die<br />
<br />
le<br />
ter<br />
<br />
ei-len<br />
<br />
zu<br />
<br />
<br />
<br />
wir<br />
und<br />
<br />
Fleisch<br />
Kält'<br />
<br />
<br />
dem<br />
<br />
<br />
<br />
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nehm'<br />
<br />
<br />
geh'n<br />
ge -<br />
<br />
vom<br />
im<br />
<br />
für's<br />
dem<br />
<br />
da-<br />
<br />
<br />
hin,<br />
<br />
<br />
wo<br />
Stal -<br />
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<br />
den<br />
<br />
ge -<br />
gen<br />
<br />
<br />
wo<br />
<br />
<br />
hel - les<br />
<br />
<br />
le,<br />
wo<br />
Der Komponist zu<br />
drei seiner Werke:<br />
Das „Herr, erbarme dich unser“ aus<br />
„Deutsches Ordinarium“ sowie das<br />
ganze Ordinarium ist bewusst einfach<br />
mit einer sehr leichten Orgelbegleitung<br />
ad libitum gestaltet. Dieses Ordinarium<br />
sollte in zwei bis drei Proben leicht zu<br />
erarbeiten sein.<br />
Das Stück „Anbetung“ ist, gut interpretiert,<br />
ein eindrucksvolles Sakramentslied.<br />
Leicht und für die verschiedensten Gelegenheiten<br />
einsetzbar.<br />
Das Hirtenterzett ist aus dem Weihnachtsmusical<br />
„Und es begab sich im Jahre<br />
0 zu Bethlehem“, aufführbar mit gem.<br />
Chor, vier Solisten und einem Hirtenterzett<br />
sowie einem Sprecher, drei Flöten<br />
und einem Tasteninstrument. Dauer ca.<br />
25 Minuten. Schwierigkeitsgrad: leicht.<br />
Stephan Niederegger<br />
gedenken<br />
Trauer um Jürgen K. Groh<br />
Seine Mitarbeit an unseren Blasmusikseiten stand erst am Anfang<br />
Eigentlich wäre an dieser Stelle ein<br />
neuer Beitrag von Jürgen K. Groh geplant<br />
gewesen. Noch bevor wir mit ihm<br />
den Inhalt dazu besprechen konnten,<br />
ereilte uns die traurige Nachricht, dass<br />
Jürgen am 1. November überraschend<br />
im Alter von 64 Jahren gestorben ist.<br />
Er war Musiker, Dirigent, Autor, Moderator,<br />
Dozent und Vizepräsident der<br />
WASBE Sektion Deutschland. Die vielen<br />
Projekte und Termine auf seiner<br />
Homepage zeugen von seinen zahlreichen<br />
Tätigkeiten – viele, die geplant<br />
und nun nicht mehr verwirklicht werden<br />
können. Seine Zusammenarbeit mit<br />
unserer Redaktion stand erst am Anfang<br />
und hätte eine erfolgreiche sein sollen.<br />
Unsere Gedanken und Gebete sind bei seiner<br />
Frau Angela und seiner Familie: „Lieber<br />
Jürgen, ruhe in Frieden!“<br />
Stephan Niederegger<br />
Jürgen K. Groh war<br />
im Bereich Musik sehr vielseitig<br />
tätig; er verstarb am 1. November<br />
mit 64 Jahren.<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
57 06/Dezember <strong>2022</strong>
gehört & gesehen<br />
Kirchenkonzert der<br />
Musikkapelle Steinegg<br />
Zu einem Höhepunkt im Musikjahr <strong>2022</strong><br />
kam es am Abend des 4. und 5. November<br />
in der bis auf den letzten Platz besetzten<br />
Pfarrkirche von Steinegg.<br />
Musikobmann Ulfried Falser begrüßte<br />
das Publikum und dankte allen Mitwirkenden<br />
und Helfern, insbesondere den<br />
Besondere „Gänsehautmomente“<br />
mit Musik und Chorgesang<br />
Anfang November fand an zwei Abenden ein besonderes Kirchenkonzert in Steinegg statt.<br />
Am Konzert waren neben der MK Steinegg und dem Organisten auch drei Chöre beteiligt.<br />
teilnehmenden Chören mit ihren Leitern,<br />
wie auch den Musikantinnen und Musikanten<br />
und dem Kapellmeister Christoph<br />
Rieder für ihren Einsatz für das besondere<br />
Konzert.<br />
Eröffnet wurde das Konzert durch das<br />
Stück „Selections from The Danserye 1.<br />
La Morisque“ von Tielman Susato. Musikalisch<br />
ging es nun mit dem Solostück „Prelude<br />
& Fuge in C“ von J.S. Bach weiter,<br />
welches Arnold Lunger an der Orgel zum<br />
Besten gab. Anschließend begeisterte der<br />
Männerchor das Publikum mit den Stücken<br />
„Motette“ von H.G. Nägeli und dem<br />
siebenstimmigen „Ave Maria“ von Franz<br />
Biebl, wobei Gottfried Rieder und seine<br />
Söhnen Matthias und Christoph als Solisten<br />
auftraten. Dank des großen Einsatzes<br />
von Alexander Rieder nahmen die<br />
Gäste das Konzert nicht nur auditiv, sondern<br />
auch visuell wahr. Die Kirche wurde<br />
nämlich mit Hilfe von ca. 60 Lampen beleuchtet<br />
und die besondere Atmosphäre<br />
und die einzigartige Lichtershow begeisterten<br />
nicht nur die Besucher, sondern<br />
auch die Musikanten selbst.<br />
Weiter ging es mit dem Stück „Momentum“<br />
von Thomas Doss, worauf ein besonderer<br />
Höhepunkt des Konzertes folgte.<br />
Während im Hintergrund der Choral „Näher,<br />
mein Gott, zu dir“ erklang, erschienen<br />
auf einer Leinwand Bilder der verstorbenen<br />
Ehrenmitglieder der Kapelle.<br />
Um ihre langjährige Mitgliedschaft und<br />
ihren persönlichen Einsatz für die Musikkapelle<br />
zu ehren, wurde ihnen dieses<br />
Stück gewidmet. Anschließend zeichneten<br />
sich die Trompeter Michael Lantschner,<br />
Daniel Pfanzelter, Matthias Rieder<br />
und Felix Mahlknecht mit dem Solostück<br />
„Suite für 4 Trompeten“ von J.E. Altenburg,<br />
aus. Weiters erklang das Stück „A<br />
Choral for a solemn Occasion“ von Marc<br />
van Delft. Pfarrer Sepp Hollweck und Seelsorger<br />
Josef Psaier sorgten mit ihren zum<br />
Nachdenken einladenden Worten für einen<br />
kurzen Moment der Stille.<br />
Für eine einzigartige Atmosphäre sorgte<br />
abschließend die Musikkapelle zusammen<br />
mit dem Vocalis Chor und dem Kinder-<br />
und Jugendchor „Sliding Birds“. Das<br />
Stück „Adiemus“ von Karl Jenkins erklang<br />
mit den Solostimmen von Anja Schgaguler<br />
und Barbara Premstaller und versetzte<br />
das Publikum ins Staunen. Anschließend<br />
sorgte Florian Rubatscher als Solist mit<br />
dem Stück „Baba Yetu“ von Christopher<br />
Tin für weitere Gänsehautmomente.<br />
Der nicht enden wollende Applaus mit<br />
„Standing Ovation“ nach dem Konzert<br />
war Beweis dafür, dass die Arbeit und der<br />
Einsatz keinesfalls umsonst waren. Um<br />
den Abend ausklingen zu lassen, trafen<br />
sich noch alle Gäste und Musikanten zu<br />
einem Umtrunk auf dem Kirchplatz, bei<br />
dem alle die Gelegenheit hatten, über das<br />
einmalige Konzert zu plaudern.<br />
Kassandra Vieider<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
58 06/Dezember <strong>2022</strong>
Redaktionsschluss für<br />
entdeckt<br />
„orkester kandidat za oskarja“<br />
Ein Oscar-reifes Orchester<br />
Anfang September wurde die Kino-Komödie<br />
„Orchestra“ (Originaltitel „Orkester“) unter<br />
der Regie von Matevž Luzar (produziert von<br />
Gustav Film) als slowenischer Beitrag für den<br />
Auslands-Oscar 2023 nominiert.<br />
Dieses in schwarz-weiß gedrehte und bereits<br />
auf mehreren Filmfestivals erfolgreiche<br />
Roadmovie erzählt das Gastspiel<br />
eines slowenischen Blasorchesters in einer<br />
österreichischen Kleinstadt mit entsprechenden<br />
Problemen, Verwirrungen<br />
und Konsequenzen, die sich daraus ergeben.<br />
Der aus St. Georgen bei Bruneck<br />
stammende Schauspieler Alexander Mitterer,<br />
der im Film mitspielt, erinnert sich gerne<br />
an „diese tolle Arbeit“ mit Maria Hofstätter,<br />
Klaudia Reichenbacher und den slowenischen<br />
Kolleginnen und Kollegen und<br />
freut sich über den Erfolg.<br />
Der Regisseur:<br />
Nach „Good to Go“ (2012) ist „Orkestra“ der<br />
zweite Spielfilm von Matevž Luzar (1981).<br />
Neben seiner Arbeit als Regisseur und Drehbucharbeiter<br />
unterrichtet er auch Drehbuchschreiben<br />
in Ljubljana. Seit 2020 ist er Präsident<br />
der „Directors Guild of Slovenia“ und<br />
Mitglied der Europäischen Filmakademie.<br />
„Ich habe jahrelang ein Orchester auf Tournee<br />
begleitet, weil meine Großfamilie dazugehörte.<br />
Es hat mich immer fasziniert, wie<br />
alle es geschafft haben, ihre Sorgen beiseite<br />
zu schieben und einfach Spaß zu haben.<br />
Alles, was auf der Tournee passiert,<br />
bleibt ein Geheimnis und niemand spricht<br />
mehr darüber. Ich wollte diese kurzen, heiteren<br />
und lustigen Momente anhand verschiedener<br />
Figuren und eines echten Orchesters<br />
erzählen und verstehen, welche<br />
Auswirkungen das auf ihr Leben hatte. Ich<br />
war auch daran interessiert, die Gruppendynamik<br />
innerhalb eines Orchesters zu untersuchen<br />
und über die kulturellen Unterschiede<br />
zwischen zwei Ländern, Slowenien<br />
und Österreich, zu sprechen." (M. Luzar)<br />
Am 17. Dezember läuft der Film beim K3<br />
Film Festival in Villach. Ob des internationalen<br />
Erfolgs darf man gespannt sein, wann<br />
dieser Film auch in unseren Kino- und Vorführsälen<br />
gezeigt wird – wohl „ein Muss für<br />
jeden Musikanten“, wie es Alexander Mitterer<br />
im Gespräch formulierte.<br />
Stephan Niederegger<br />
Das Filmplakat zu „Orchestra“<br />
Der aus St. Georgen<br />
bei Bruneck stammende<br />
Schauspieler<br />
Alexander Mitterer<br />
(rechts im Bild) erinnert<br />
sich gern an die<br />
Dreharbeiten.<br />
Hier können zwei Trailer zum Film heruntergeladen<br />
werden.<br />
Aus der Redaktion<br />
Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Blasmusikseiten<br />
senden Sie bitte an: kulturfenster@vsm.bz.it<br />
die nächste Ausgabe des<br />
„<strong>KulturFenster</strong>s“ ist:<br />
Freitag, 13. Jänner 2023<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
59 06/Dezember <strong>2022</strong>
entdeckt<br />
Kleinod im Algunder Notenarchiv<br />
Der „Franz-Josef-Strauß-Begrüßungsmarsch“ von Sepp Thaler<br />
Mit dem „Franz-Josef-Strauß-Begrüßungsmarsch“<br />
ist die Algunder Musikkapelle<br />
beim Oktoberfestzug <strong>2022</strong><br />
durch München marschiert.<br />
Das Manuskript von Sepp<br />
Thaler zu seinem „Franz-Josef-<br />
Strauß-Begrüßungsmarsch“<br />
Im Jahr 2018 erhielt Christian Laimer, Kapellmeister<br />
der Algunder Musikkapelle, einen<br />
Anruf von Walter Haller. Dieser war ein<br />
bekannter Fotograf bei Konzerten in Meran<br />
und großzügiger Gönner der „Algunder“.<br />
Das Anliegen des Anrufs: Haller hatte ein<br />
Manuskript eines Marsches, den der ehemalige<br />
Südtiroler Landeskapellmeister<br />
Sepp Thaler in seinem Auftrag geschrieben<br />
hatte. Gewidmet war der Marsch dem damaligen<br />
bayerischen Ministerpräsidenten<br />
Franz Josef Strauß. Hallers Wunsch: Die<br />
Algunder Musikkapelle möge doch diesen<br />
Marsch, der zuvor noch nie öffentlich<br />
zu hören war, bei einem ihrer Konzerte<br />
aufführen. Christian Laimer kam diesem<br />
Wunsch umgehend nach. Er sichtete das<br />
handschriftliche Manuskript, setzte sich<br />
an seinen Computer und arrangierte den<br />
Marsch für großes Blasorchester.<br />
Beim Dreikönigskonzert am 6. Jänner 2019<br />
folgte dann der große Moment: Gleich am<br />
Beginn des Konzertes – außerhalb des<br />
Programmes – erklang der „Franz-Josef-<br />
Strauß-Begrüßungsmarsch“ von Sepp<br />
Thaler im Kursaal von Meran. Die Freude<br />
beim Auftraggeber Walter Haller war selbstverständlich<br />
sehr groß – und spontan sagte<br />
er zu, der Algunder Musikkapelle das Geld<br />
für ein wertvolles Instrument zur Verfügung<br />
zu stellen.<br />
Beim Münchner<br />
Oktoberfestzug<br />
Die Algunder Musikkapelle sollte den<br />
Marsch dann auch bei den folgenden Konzerten<br />
im Jahr 2019 spielen, sodass dieser<br />
schließlich zu den am häufigsten gespielten<br />
Stücken des Konzertjahres gehörte.<br />
Bei einem dieser Konzerte im Thalguterhaus<br />
war auch der Münchener Stadtrat<br />
Otto Seidl vor Ort. Weil der „Franz-Josef-<br />
Strauß-Begrüßungsmarsch“ dem ranghohen<br />
Politiker so gut gefiel, lud er die Algunder<br />
Musikkapelle zum Trachten- und<br />
Schützenzug beim Oktoberfest ein, damit<br />
sie auch dort diesen Marsch spielen möge.<br />
Umgesetzt wurde diese Einladung schließlich<br />
mit zwei Jahren Verspätung: 2020 und<br />
2021 fand das Oktoberfest aus bekannten<br />
Gründen nicht statt, am 18. September<br />
<strong>2022</strong> war es dann endlich soweit: Die Algunder<br />
Musikkapelle marschierte – unter<br />
anderem – mit dem „Franz-Josef-Strauß-<br />
Begrüßungsmarsch“ von Sepp Thaler<br />
durch die Straßen der Münchener Innenstadt.<br />
Walter Haller durfte dieses Ereignis<br />
leider nicht mehr miterleben: Er ist Ende<br />
des Jahres 2020 verstorben.<br />
Der Marsch hat mittlerweile einen festen<br />
Platz im Notenarchiv der „Algunder“ gefunden.<br />
Er wird sicherlich auch in Zukunft<br />
immer wieder Teil der Konzertprogramme<br />
sein.<br />
Bernhard Christanell<br />
Obmann der Algunder Musikkapelle<br />
Die Live-Aufnahme der<br />
Aufführung beim Dreikönigskonzert<br />
2019 ist auf<br />
dem YouTube-Kanal der<br />
Algunder Musikkapelle<br />
abrufgbar unter: https://<br />
bit.ly/franzjosefstrauß<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
60 06/Dezember <strong>2022</strong>
kurz notiert<br />
kurz notiert –<br />
das neue „Musikpanorama“<br />
… für Nachrichten aus den Musikkapellen<br />
Wir freuen uns, wenn Musikkapellen<br />
über ihre Proben, Auftritte und Veranstaltungen<br />
berichten.<br />
Im Zuge der Neugestaltung des „Kultur-<br />
Fensters“ ist die ehemalige Rubrik „Musikpanorama“<br />
in „kurz notiert“ unbenannt<br />
worden; sie soll aber weiterhin als Plattform<br />
für die Berichterstattung aus den<br />
Musikkapellen und damit zu einem regen<br />
Erfahrungsaustausch genutzt werden.<br />
Damit aber alle Artikel Platz finden können,<br />
ist es notwendig, dass die jeweiligen<br />
Texte nicht mehr als 1.500 Zeichen<br />
(inkl. Leerzeichen) umfassen. Die<br />
Berichterstatter*innen der Musikkapellen<br />
sind gebeten, diese Vorgabe einzuhalten. Ein<br />
aussagekräftiges und vor allem drucktaugliches<br />
Foto – in entsprechend guter Auflösung<br />
und mit Bildtext – ist ebenfalls immer<br />
sehr willkommen. Bitte auch immer den Redaktionsschluss<br />
beachten! Weitere Informationen<br />
sind im FAQ-Bereich „Presse“ der<br />
VSM-Homepage abrufbar. Wir freuen uns<br />
auf viele „kurz notierte“ Meldungen!<br />
Die Redaktion<br />
Sommerkonzert der Musikkapelle Waidbruck<br />
Paul Mayr zum Ehrenmitglied ernannt<br />
Nach zweijähriger Pause lud die Musikkapelle<br />
Waidbruck wieder zu einem Sommerkonzert<br />
auf dem Festplatz in Waidbruck.<br />
Kapellmeister Martin Rabensteiner hatte<br />
ein abwechslungsreiches Programm vorbereitet<br />
und eröffnete den Abend mit dem<br />
Konzertmarsch Start Frei von Leonhard<br />
Buhoslav. Zu hören waren auch Polkas,<br />
Walzer und andere Kompositionen. Den<br />
Höhepunkt des Abends bildete die Ehrung<br />
mehrerer verdienter Mitglieder.<br />
Bezirksobmann Bernhard Kasseroler<br />
zeichnete zunächst den Jungmusikanten<br />
Ivan Gruber mit der Urkunde für das Leistungsabzeichen<br />
in Silber aus. Anschließend<br />
erhielten mehrere Musikanten in<br />
Anerkennung ihrer geleisteten Dienste für<br />
das Musikleben unseres Landes als Zeichen<br />
des Dankes ein Ehrenzeichen. Karin<br />
Vonmetz, Melanie Rier und Patrick Rabensteiner<br />
erhielten in Anerkennung ihrer<br />
15-jährigen Tätigkeit das Ehrenzeichen in<br />
Bronze, Hildegard Vonmetz erhielt das Ehrenzeichen<br />
in Silber für 25 Jahre; Stephan<br />
Mayr, Markus Hvala und Klaus Vonmetz<br />
Ehrungen bei der MK Waidbruck: (vorne v. l.) Markus Hvala, Hildegard Vonmetz, Patrick<br />
Rabensteiner, Melanie Rier, Bezirksobmann Bernhard Kasseroler, Karin Vonmetz und Ivan<br />
Gruber; (hinten v. l.) Paul Mayr, Stephan Mayr, Klaus Vonmetz, Kapellmeister Martin Rabensteiner<br />
und Obmann Wolfgang Harrasser<br />
erhielten das Ehrenzeichen in Gold für 40<br />
Jahre ehrenamtliche Tätigkeit. Paul Mayr<br />
erhielt für sage und schreibe 60 Jahre das<br />
Große Ehrenzeichen in Gold am Bande.<br />
Ebenso wurde Paul Mayr für seinen unermüdlichen<br />
und selbstlosen Einsatz als<br />
Musikant zum Ehrenmitglied der Musikkapelle<br />
Waidbruck ernannt. Im Jahre 1962<br />
hat er als junger Bursch bei der Musikkapelle<br />
Lengmoos angefangen; im Jahr 1975<br />
ist er der Musikkapelle Waidbruck beigetreten<br />
und hat bis Ende 2021 kaum eine<br />
Probe oder einen Auftritt ausgelassen. Zu<br />
Recht wurde er auf die Bühne geholt und<br />
geehrt. Danke Paul!<br />
Waltraud Wörndle<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
61 06/Dezember <strong>2022</strong>
kurz notiert<br />
Musiksommer in der Hofburg Brixen<br />
Rückblick auf eine erfolgreiche Konzertreihe<br />
In der einzigartigen Kulisse der Hofburg von Brixen fanden im Sommer wieder herausragende<br />
Konzerte, u. a. mit der Bürgerkapelle Brixen (im Bild), statt.<br />
An zwei Wochenenden im August ging<br />
zum 15. Mal die in Südtirol einzigartige<br />
Konzertreihe im Innenhof der Brixner Hofburg<br />
über die Bühne.<br />
Die Bürgerkapelle Brixen hat sich in Zusammenarbeit<br />
mit dem „Kulturverein Brixen<br />
Musik“ zum Ziel gemacht, spannende, anspruchsvolle<br />
und schöne Musik in der Hofburg<br />
Brixen zu präsentieren. Dazu werden<br />
jährlich verschiedene Formationen eingeladen,<br />
ein Konzert zum Besten zu geben.<br />
Im vergangenen Sommer standen 5<br />
Konzerte von lokalen und internationalen<br />
Musikkapellen auf dem Programm. Diese<br />
waren die Bürgerkapelle Lana, die Musikkapelle<br />
Toblach, die Stadtmusikkapelle Liezen<br />
aus der Steiermark, die Musikkapelle<br />
Peter Mayr Pfeffersberg und natürlich die<br />
Bürgerkapelle Brixen. Neben Musikkapellen<br />
bietet der Musiksommer auch anderen<br />
Formationen die Möglichkeit, in dieser<br />
atemberaubenden Kulisse ein Konzert<br />
zu geben. So war im Sommer <strong>2022</strong> erneut<br />
das Haydn-Orchester von Bozen und Trient<br />
sowie die Südtiroler Jugend-Brass-Band zu<br />
Gast. Die Planungen für den Musiksommer<br />
2023 laufen bereits auf Hochtouren, um<br />
weitere Mehrwerte für die Veranstaltung<br />
zu generieren. Wir freuen uns bereits jetzt<br />
wieder, die wunderschöne und einzigartige<br />
Kulisse der Brixner Hofburg im kommenden<br />
Sommer mit Blasmusik zu erfüllen.<br />
Nathan Vikoler<br />
„Rapunzel, lass dein Haar herunter!“<br />
Grundschüler und Musikkapelle St. Lorenzen mit gemeinsamem Projekt<br />
Die Grundschule und die Musikkapelle<br />
haben zu einer kleinen Märchenstunde<br />
geladen: Am letzten September-Wochenende<br />
wurde die bekannte Geschichte der<br />
Gebrüder Grimm im zweimal vollbesetzten<br />
Vereinssaal „neu“ erzählt.<br />
Ein Musikfest auf einer Burg, Besuche im<br />
Dritt- und Fünftklässler<br />
der Grundschule St. Lorenzen<br />
haben zusammen<br />
mit der örtlichen<br />
Musikkapelle die Geschichte<br />
von Rapunzel<br />
neu erzählt.<br />
Probelokal, Kinderfasching oder Instrumentenvorstellungen<br />
– immer wieder arbeiten<br />
die Musikkapelle St. Lorenzen und<br />
die örtliche Grundschule erfolgreich zusammen.<br />
Corona hat diese Zusammenarbeit<br />
etwas eingebremst. Umso erfreulicher war<br />
es, dass heuer wieder ein gemeinsames<br />
Projekt möglich war. Das vierteilige Werk<br />
„Rapunzel“ von Bert Appermont und vier<br />
Tänze von Paul Creston bildeten dazu<br />
den musikalischen Rahmen. Den Auftakt<br />
machte die Erkennungsmelodie „SimsalaGrimm“<br />
aus der bekannten Märchenserie,<br />
eigens dazu vom Kapellmeister arrangiert.<br />
Schulleiterin Evi Kirchler und die<br />
Lehrerinnen Emma Mair, Margareth Kammerer<br />
und Petra Hofer haben mit ihren<br />
Schülerinnen und Schülern der beiden 3.<br />
und beiden 5. Klassen die Bilder dazu gemalt,<br />
die Texte gelesen und das Lied „Rapunzel“<br />
eingelernt.<br />
Ein begeistertes Publikum und vielleicht<br />
auch das eine oder andere Kind, das Lust<br />
bekommen hat, ein Blasinstrument zu erlernen<br />
und in der Musikkapelle mitzuspielen<br />
– das sind der Lohn und ein Gewinn<br />
für die Schule und die Kapelle.<br />
Stephan Niederegger<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
62 06/Dezember <strong>2022</strong>
Blasmusik<br />
„Der Fluch der Furiosa“<br />
Projekt der Jugendkapelle und des Familienverbandes Toblach<br />
Man nehme eine motivierte Jugendkapelle,<br />
den Fluch einer bösen Hexe und die Chronik<br />
der Musikkapelle Toblach – so, oder so<br />
ähnlich klingt das Rezept für einen musikalischen<br />
Leckerbissen der besonderen Art:<br />
Im Rahmen des 200-jährigen Jubiläums<br />
der Kapelle war auch für die JuKa Toblach<br />
ein außergewöhnliches Projekt geplant: Gemeinsam<br />
mit der Musikvermittlerin Veronika<br />
Prünster und in Zusammenarbeit mit<br />
dem Familienverband sollte ein Musiktheater<br />
für die ganze Familie aufgeführt werden.<br />
Zwar durch die Umstände etwas verspätet,<br />
doch umso begeisterter wurde das<br />
Projekt „Der Fluch der Furiosa – ist Toblach<br />
noch zu retten?” im Oktober <strong>2022</strong> durchgeführt.<br />
Detektivin AnnDante - gespielt von<br />
Veronika Prünster - machte sich mit den<br />
JuKa-Kindern und mit Hilfe des Publikums<br />
daran, den Fluch der Hexe zu lösen, um<br />
endlich wohlklingend zu musizieren. Ganz<br />
nebenbei wurden die Instrumente der Kapelle<br />
vorgestellt, die Aufstellung eines Orchesters<br />
und die Tracht kennengelernt,<br />
das Rhythmusgefühl der Zuschauer auf<br />
die Probe gestellt und schließlich sogar<br />
marschiert.<br />
Nach einer intensiven Probenphase wurde<br />
das Theater dann in zwei gut besuchten<br />
Schulaufführungen und zwei öffentlichen<br />
Aufführungen einem gespannten Publikum<br />
präsentiert. Kinder wie Eltern waren<br />
begeistert vom Ergebnis, und insbesondere<br />
die jungen Musiker*innen waren sich einig,<br />
dass so ein Projekt unbedingt wieder<br />
gemacht werden soll.<br />
MK Toblach<br />
Detektivin „AnnDante“ macht sich gemeinsam<br />
mit den JuKa-Kindern auf die Suche<br />
nach der Lösung des Fluchs.<br />
Die Jugendkapelle Toblach mit Musikvermittlerin Veronika Prünster<br />
Fotos: Werner Pitterle<br />
Cäcilienkonzert der Musikkapelle Auer<br />
Neuzugang im Klarinettenregister – Ehrungen<br />
Am 12. November fand das traditionelle Cäcilienkonzert<br />
der Musikkapelle Auer unter der<br />
Leitung von Kapellmeister Arnold Leimgruber<br />
statt. Obmann Thomas Rech konnte mehrere<br />
Ehrengäste aus der Gemeinde und dem<br />
Verband Südtiroler Musikkapellen (VSM) begrüßen.<br />
Tobias Simonini führte das Publikum<br />
ebenso professionell wie charmant durch den<br />
Abend. In Gedenken an den 40. Todestag<br />
von Sepp Thaler gelangten einige Werke aus<br />
seiner Feder zur Aufführung. So wurden die<br />
Zuhörer von den Klängen der romantischen<br />
Ouvertüre „Dolomitenzauber“ verzaubert.<br />
Darauf folgte „Alpenglüh’n“, ein eher unbekannter<br />
Marsch Sepp Thalers. Das darauf<br />
folgende Stück „Shenandoah“ erzählt mit<br />
seinen ruhigen Klängen und Melodien vom<br />
gleichnamigen Fluss in den USA. Zum Gedenken<br />
des Todestages von Prinzessin Diana<br />
spielte die Musikkapelle das Stück „Candle<br />
in the wind“ von Elton John. Wie üblich, wird<br />
der festliche Rahmen des Cäcilienkonzertes<br />
genutzt, um neue Mitglieder offiziell in den<br />
Verein aufzunehmen und um die Ehrenzeichen<br />
des VSM für langjährige Tätigkeit in der<br />
Kapelle zu verleihen. Dieses Jahr wurde Elisa<br />
Morisi an der Klarinette begrüßt. Sie ist 12<br />
Jahre alt und somit aktuell das jüngste Mitglied<br />
der Musikkapelle. Hans Simonini und<br />
Hermann Kaufmann erhielten das Große Ehrenzeichen<br />
in Gold für 50 Jahre Mitwirken in<br />
der Kapelle, Franz Kaufmann das goldene<br />
Ehrenzeichen für 40 Jahre, Erika Gschnell<br />
und Christine Greif – sie ist die erste Musikantin,<br />
die 25 Jahre Mitglied der MK Auer<br />
ist - das silberne für 25 Jahre. Manfred Micheletti<br />
wurde für 15 Jahre Mitwirken in der<br />
Kapelle geehrt.<br />
Franziska Kröss<br />
Ehrungen bei der MK Auer: (v.l.) Kapellmeister Arnold Leimgruber, Manfred Micheletti,<br />
Christine Greif, Erika Gschnell, Franz Kaufmann, Hermann Kaufmann, Hans Simonini, Obmann<br />
Thomas Rech<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
63 06/Dezember <strong>2022</strong>
www.hpv.bz.it<br />
Termine<br />
Kontakt: Tel. 0471 973693, E-Mail: info@hpv.bz.it<br />
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Veranstaltungen und andere Videos auf unserem youtube-Kanal:<br />
https://www.youtube.com/c/heimatpflegeverbandsudtirol<br />
http://hpv.bz.it<br />
4.–5.02.2023<br />
Wochenendseminar für Chorleiter*innen<br />
in Goldrain mit Florian Maierl<br />
Infos unter:<br />
https://scv.bz.it<br />
20.–21.05.2023<br />
„75 Jahre VSM 1948-2023“<br />
Großes Jubiläumsfest in Bozen<br />
Infos unter:<br />
https://vsm.bz.it