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Leben mit Krebs

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www.leben<strong>mit</strong>.de<br />

<strong>Leben</strong> <strong>mit</strong> ...<br />

<strong>Krebs</strong><br />

Seite 3<br />

Multiples Myelom<br />

und Corona-positiv,<br />

was nun?<br />

Seite 4 + 8<br />

Kleine Kämpfer:<br />

Sofia und Emely.<br />

Seite 5<br />

Die Zukunft der<br />

<strong>Krebs</strong>therapie.<br />

Seite 17<br />

„Mama, ich brauche<br />

dich noch!“ Yvonnes<br />

bewegende Geschichte.<br />

Seite 18<br />

Letzte Wünsche<br />

wagen – Sabines<br />

Sehnsucht nach<br />

dem Meer.<br />

„Niemals aufgeben!“<br />

Als Linda erfährt, dass sie einen bösartigen Tumor in der<br />

Brust hat, ist sie im fünften Monat schwanger. Im Interview<br />

spricht sie über ihren Kampf um zwei <strong>Leben</strong> –<br />

ihr eigenes und das ihres ungeborenen Babys.


2<br />

Vorwort<br />

Dieser kleine, verletzliche, geläuterte Körper. Der glatte Kopf und die von der Strahlung gerötete<br />

Haut. Seine Mutter, müde, erschöpft, gebrochen und doch <strong>mit</strong> einem verzweifelten<br />

Lächeln auf den Lippen und aufmunternde Worte flüsternd. Ich hatte gerade mein drittes<br />

gesundes Kind zur Welt gebracht und konnte diesen Schmerz kaum aushalten. Das war<br />

wohl der Tag, an dem ich entschieden habe, dass ich mein <strong>Leben</strong> nutzen will, um diesen<br />

Familien zu helfen, <strong>mit</strong> allen Mitteln, die mir zur Verfügung stehen.<br />

Wie ist das <strong>mit</strong> dem <strong>Krebs</strong>?<br />

Dr. Sarah Roxana Herlofsen<br />

Stammzellforscherin,<br />

Buchautorin, Kuratorin der<br />

Stiftung Juno Kinderkrebshilfe<br />

BUCHTIPP<br />

Wie ist das <strong>mit</strong> dem <strong>Krebs</strong>?<br />

Ein Kindersachbuch über die<br />

Krankheit <strong>Krebs</strong> für Kinder ab<br />

6 Jahren und ihre Familien.<br />

In Kooperation <strong>mit</strong> der Stiftung<br />

Deutsche <strong>Krebs</strong>hilfe. Die<br />

aktualisierte Neuauflage ist ab<br />

27.04.2023 erhältlich.<br />

ISBN: 978-3-522-30630-0<br />

Man kann wohl sagen,<br />

dass ich drei große<br />

Leidenschaften habe:<br />

Kinder, Bücher und<br />

Biologie. Mein Interesse<br />

für die Biologie und<br />

Medizin entstand schon sehr früh und ich<br />

habe lange überlegt, Ärztin zu werden. Aber<br />

die Vorstellung, nicht allen helfen zu können<br />

und Menschen zu verlieren, hat mich abgeschreckt,<br />

weil mir solche Schicksale emotional<br />

zu nah gehen. Ich wählte<br />

also den Weg zur Biologie-<br />

und Philosophielehrerin,<br />

da<strong>mit</strong> ich Kindern<br />

die großen und kleinen<br />

Mysterien des <strong>Leben</strong>s erklären<br />

kann.<br />

Als meine Oma die Diagnose<br />

metastasierter<br />

Darmkrebs, <strong>mit</strong> sehr<br />

schlechter Prognose, bekam<br />

und ihr angeboten<br />

wurde, an einer klinischen<br />

Studie teilzunehmen, in<br />

der Forscher versuchten,<br />

Antikörper gegen die <strong>Krebs</strong>zellen auszubilden,<br />

sodass sie vom eigenen Körper gefunden und<br />

entsorgt werden können, war ich von dieser<br />

genialen Idee begeistert und wollte nun nicht<br />

nur Wissen ver<strong>mit</strong>teln, ich wollte lieber Wissen<br />

selbst schaffen und wechselte den Studiengang<br />

zur molekularen Biomedizin. Neue Medikamente<br />

entwickeln, Durchbrüche in der klinischen<br />

Forschung erzielen und da<strong>mit</strong> <strong>Leben</strong><br />

retten war mein Ziel. Es folgten viele Jahre im<br />

Labor, und meine Spezialität wurde die klinische<br />

Stammzellforschung.<br />

Ein weiterer <strong>Krebs</strong>fall in der Familie lenkte<br />

mein <strong>Leben</strong> erneut in eine andere Richtung.<br />

Mein Opa wurde <strong>mit</strong> unheilbarem Blasenkrebs<br />

diagnostiziert. Meine Kinder waren noch sehr<br />

klein und ich begann, Bilder für sie zu malen<br />

„Neue Medikamente<br />

entwickeln,<br />

Durchbrüche in der<br />

klinischen Forschung<br />

erzielen und da<strong>mit</strong><br />

<strong>Leben</strong> retten war<br />

mein Ziel.“<br />

und kleine Geschichten über <strong>Krebs</strong>zellen zu<br />

schreiben, um ihnen zu erklären, warum ich<br />

so traurig war. Diese offene Kommunikation<br />

war unendlich wertvoll. Nicht nur für meine<br />

Kinder, sondern auch für mich selbst. Da<br />

entstand die Idee für mein Kinderbuch.<br />

Ich wollte mein gesammeltes Wissen nutzen,<br />

um allen Kindern ihre Fragen zu beantworten,<br />

egal ob sie eine Mutter <strong>mit</strong> Brustkrebs oder<br />

einen Opa <strong>mit</strong> Darmkrebs haben oder vielleicht<br />

selbst an <strong>Krebs</strong> erkrankt<br />

sind. Hier begann<br />

also mein Engagement<br />

für Kinder und <strong>Krebs</strong>.<br />

Die nächsten Jahre reiste<br />

ich viel umher, besuchte<br />

Kinderkrebsstationen<br />

und Kinder als Angehörige,<br />

sammelte Fragen und<br />

Erfahrungsberichte, traf<br />

mich <strong>mit</strong> Psychologen<br />

und Ärzten, <strong>Krebs</strong>survivorn<br />

und Menschen, die<br />

ihre Liebsten an <strong>Krebs</strong><br />

verloren haben. Das Thema<br />

<strong>Krebs</strong> wurde zu meinem<br />

absoluten Herzensthema. 2019 erschien<br />

mein Buch „Wie ist das <strong>mit</strong> dem <strong>Krebs</strong>?“ in<br />

Deutschland. Mittlerweile wurde es in viele<br />

Sprachen übersetzt. Im April erscheint die<br />

Neuauflage des Buches, <strong>mit</strong> einigen Zusatzkapiteln.<br />

Wenn ich daran denke, wie viele Tausend<br />

Kinder das Buch bereits in der ganzen<br />

Welt gelesen haben, rührt mich das immer<br />

wieder erneut zu Tränen.<br />

Meine wichtigste Botschaft für alle ist: Redet<br />

offen über eure Gedanken und Gefühle und<br />

sucht euch Hilfe im Kampf gegen <strong>Krebs</strong>. Ihr<br />

seid nicht alleine und es gibt viele Menschen,<br />

die euch gerne helfen und unterstützen<br />

wollen. Nehmt die Hilfe <strong>mit</strong> gutem Gewissen<br />

an. Denn gemeinsam ist man stärker als<br />

allein..<br />

<strong>Leben</strong> <strong>mit</strong> ... Magazin Healthcare Mediapartner GmbH | Pariser Platz 6a | 10711 Berlin | www.healthcare-mediapartner.de<br />

Herausgeber Franziska Manske Redaktionsleitung Benjamin Pank Design Elias Karberg Coverbild privat<br />

Druck BNN Badendruck GmbH Kontakt redaktion@leben<strong>mit</strong>.de | www.leben<strong>mit</strong>.de<br />

Alle Artikel, die <strong>mit</strong> “Gastbeitrag” gekennzeichnet sind, sind keine neutralen Beiträge der <strong>Leben</strong>-<strong>mit</strong>-Redaktion.<br />

Die Texte der Ausgabe schließen alle Geschlechter <strong>mit</strong> ein. Zur besseren Lesbarkeit wird jedoch nur eine Geschlechtsform verwendet.


Patientengeschichte<br />

Mehr auf www.leben<strong>mit</strong>.de I 3<br />

Jürgen Martens und seine Frau Diane gehen die Herausforderungen der Corona-Pandemie als Team an. Foto: privat<br />

Multiples Myelom und Corona-positiv, was nun?<br />

Gute Aufklärung ist ein entscheidender<br />

Wissensvorteil für Patienten<br />

Schon seit 2008 lebt Jürgen Martens <strong>mit</strong> der<br />

Diagnose Multiples Myelom, einer Form von<br />

Knochenmarkkrebs. Obwohl die Krankheit<br />

derzeit nicht heilbar ist, haben sich die Behandlungsmöglichkeiten<br />

in den letzten 20<br />

Jahren deutlich verbessert, was sich auch in<br />

der gestiegenen <strong>Leben</strong>squalität der Betroffenen<br />

widerspiegelt. 1 Mit Beginn der Corona-<br />

Pandemie steht Jürgen jedoch vor einer ganz<br />

neuen Herausforderung: Aufgrund seiner<br />

<strong>Krebs</strong>erkrankung hat er ein geschwächtes Immunsystem,<br />

sodass er durch Impfung (nicht)<br />

ausreichend vor einem schweren Verlauf von<br />

COVID-19 geschützt werden kann. 2 Für den<br />

67-Jährigen ist es wichtig, gut über seine Erkrankung<br />

informiert zu sein, um auf dieser<br />

Basis gemeinsam <strong>mit</strong> dem Arzt wichtige Entscheidungen<br />

fällen zu können – und das trifft<br />

auch auf das Thema Corona zu. Zu wissen,<br />

welche Schritte im Fall einer Infektion wichtig<br />

sind, half ihm, ruhig zu bleiben und richtig zu<br />

handeln, als er sich im Sommer 2022 trotz aller<br />

Vorsicht <strong>mit</strong> COVID-19 infizierte.<br />

Als 2020 die Corona-Pandemie begann, hatte<br />

Jürgen bereits seit rund 12 Jahren die Diagnose<br />

Multiples Myelom. Schnell war ihm klar, dass<br />

die Pandemie seine <strong>Leben</strong>ssituation verändern<br />

würde.<br />

„Ich habe ein geschwächtes Immunsystem,<br />

und wenn ich COVID-19 bekomme, habe ich<br />

ein Risiko für einen schweren Verlauf.“<br />

Im aktiven Austausch <strong>mit</strong> Experten und anderen<br />

Betroffenen lernte Jürgen, wie er sich bestmöglich<br />

vor einer Infektion <strong>mit</strong> dem Virus schützen kann<br />

und wie er sich im Fall einer Infektion verhalten<br />

sollte. Neben den empfohlenen Schutzimpfungen<br />

wusch sich der 67-Jährige regelmäßig die<br />

Hände, trug eine Maske und hielt sich möglichst<br />

von großen Menschenansammlungen fern, da<br />

Abstandhalten hier nur schwer möglich ist.<br />

Jürgen beschreibt sich selbst als Experten in<br />

eigener Sache, da er seine Gesundheitskompetenz<br />

eigenverantwortlich <strong>mit</strong>gestaltet. Genau<br />

diese kam ihm, als er sich trotz aller Vorsicht im<br />

Sommer 2022 <strong>mit</strong> COVID-19 infizierte, zugute:<br />

Er wusste, dass ihm professionelle Hilfe und eine<br />

rasche Behandlung im Notfall helfen können.<br />

(Hinweis d. Red.: Frühes Handeln ist wichtig, da<br />

Therapien gegen COVID-19 in der frühen Phase<br />

der Infektion, d. h. 5 Tage nach Auftreten von<br />

Symptomen, eingesetzt werden müssen. 3 )<br />

„Als ich gemerkt habe, dass ich COVIDpositiv<br />

bin, stellte sich mir natürlich die<br />

Frage: Wie intensiv trifft mich das?“<br />

Daher hatten seine Frau Diane und er stets ein<br />

Auge auf die Entwicklung seiner Symptome.<br />

„Glücklicherweise war ich zu diesem Zeitpunkt<br />

nicht in Behandlung gegen das Multiple Myelom<br />

und konnte mich vergleichsweise unproblematisch<br />

in Quarantäne begeben. Zudem verlief bei<br />

mir die Infektion sehr moderat“, resümiert Jürgen<br />

und erzählt weiter: „Die COVID-Infektion habe<br />

ich innerhalb von 14 Tagen relativ gut überstanden.“<br />

Doch das ist keine Selbstverständlichkeit.<br />

Gerade <strong>Krebs</strong>patienten haben laut Deutschem<br />

<strong>Krebs</strong>forschungszentrum (DKFZ) tendenziell<br />

ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf. 4<br />

Anderen Betroffenen <strong>mit</strong> Multiplem Myelom<br />

rät Jürgen deshalb, stets gut informiert zu bleiben<br />

und sich wie empfohlen gegen COVID-19<br />

impfen zu lassen – aber vor allem selbstbewusst<br />

zu sein, wenn es darum geht, die eigenen Hygieneinteressen<br />

in den Vordergrund zu stellen.<br />

Denn „die Pandemie ist noch nicht vorbei“, erklärt<br />

Jürgen.<br />

„Der aktive Schutz vor einer weiteren<br />

Ansteckung steht für mich als Risikopatient<br />

im Vordergrund.“<br />

Seit wieder mehr Veranstaltungen stattfinden,<br />

müsse er sich daran erinnern, dass die anderen<br />

Leute nicht der Maßstab seien. „Man neigt<br />

schnell dazu, leichtsinnig zu werden“, merkt er<br />

an. Während für einen Großteil der (gesunden)<br />

Bevölkerung das öffentliche <strong>Leben</strong> <strong>mit</strong>tlerweile<br />

ohne größere Einschränkungen weitergeht, ist<br />

der Alltag für immungeschwächte Patienten wie<br />

Jürgen noch nicht wieder wie vor der Pandemie.<br />

So müsse man das eigene Verhalten immer wieder<br />

kritisch hinterfragen.<br />

„Die Pandemie hat dazu geführt, dass mir eine gewisse<br />

Leichtigkeit abhandengekommen ist“, sagt er<br />

heute. „Als Hochrisikopatient lernt man, <strong>mit</strong> seiner<br />

Krankheit zu leben, aber nun schwingt immer eine<br />

Unsicherheit <strong>mit</strong>. Das lässt einen auch ein Stück<br />

weit vereinsamen.“ Deshalb ist Jürgen und seiner<br />

Frau auch wichtig, sich <strong>mit</strong> anderen Betroffenen<br />

auszutauschen. „Manchmal ist geteiltes Leid halbes<br />

Leid“, sind sich die Beiden einig.<br />

Das Multiple Myelom: Jürgens Geschichte<br />

Im Rahmen einer Routineuntersuchung wurde<br />

bei Jürgen 2008 ein auffälliger Blutwert<br />

festgestellt. Nach einer ergänzenden Untersuchung<br />

bekam er die überraschende Diagnose<br />

Multiples Myelom. „Das haut einen natürlich<br />

vom Hocker“, erinnert er sich heute.<br />

„Wir haben schnell gemerkt: Multiples<br />

Myelom ist eine Teamgeschichte.“<br />

Gemeinsam <strong>mit</strong> seiner Frau Diane fasste er<br />

den Entschluss, weiterhin selbstbestimmt zu<br />

leben. Zuerst ließ er sich deshalb die Krankheit<br />

von seinem Hämatologen erklären. Nach kurzer<br />

Zeit schloss sich das Ehepaar zudem einer<br />

Selbsthilfegruppe für Betroffene <strong>mit</strong> Multiplem<br />

Myelom an, die Jürgen inzwischen leitet.<br />

Weitere persönliche Einblicke in das<br />

<strong>Leben</strong> <strong>mit</strong> Multiplem Myelom: bit.ly/3IkAFh6<br />

Referenzen:<br />

1 Baertsch MA, Goldschmidt H. Multiples Myelom -<br />

Was ist gesichert in der Therapie? Internist 2017;58:1250–1257<br />

2 Ständige Impfkommission: Beschluss der STIKO zur 21. Aktualisierung der<br />

COVID-19-Impfempfehlung Epid Bull 2022;33:3-19 | DOI 10.25646/10412.<br />

3 https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/Stakob/Stellungnahmen/<br />

Stellungnahme-Covid-19_Therapie_Diagnose.pdf?__blob=publicationFile%20<br />

(Webseite%20Stand%2022.02.2022)" RKI - Stellungnahmen - STAKOB: Hinweise<br />

zu Erkennung, Diagnostik und Therapie von Patienten <strong>mit</strong> COVID-19<br />

(6.4.2022, in Überarbeitung).<br />

4. Deutsches <strong>Krebs</strong>forschungszentrum: Corona, COVID-19 und <strong>Krebs</strong>: Antworten<br />

auf häufige Fragen. Stand 16.11.2022, online abrufbar unter: bit.ly/3FmT7SZ<br />

(letzter Zugriff 07.12.2022).<br />

NP-DE-COU-ADVR-220001 (12/2022)<br />

Gastbeitrag<br />

Mit freundlicher Unterstützung von GSK


4<br />

Patientengeschichte<br />

„Unsere kleine,<br />

heile Welt brach<br />

zusammen“<br />

Sofia ist ein fröhliches kleines Mädchen, <strong>mit</strong> einem ansteckenden<br />

Lachen und unbändiger <strong>Leben</strong>sfreude. Kurz vor<br />

ihrem zweiten Geburtstag wird Sofia sehr krank. Diagnose:<br />

Akute Lymphatische Leukämie (ALL). Im Interview spricht<br />

Sofias Mutter, Jessica Amann, über den Kampf gegen<br />

den <strong>Krebs</strong> und erklärt, warum es so schwer ist,<br />

zurück in die Normalität zu finden.<br />

Redaktion Leonie Zell<br />

Frau Amann, wie hat sich die Erkrankung<br />

bei Sofia bemerkbar gemacht?<br />

Am 5. August 2019 bekam Sofia plötzlich sehr<br />

hohes Fieber. Als es auch am nächsten Tag<br />

nicht besser wurde, gingen wir zum Kinderarzt.<br />

Der vermutete, dass es am Wachstum oder den<br />

Zähnen lag, und schickte uns <strong>mit</strong> Zäpfchen<br />

nach Hause. Drei Tage später war das Fieber so<br />

schnell weg, wie es gekommen war. Doch zwei<br />

Tage später fing es wieder an. Erneut gingen wir<br />

zum Kinderarzt. Da es Sofia bis auf das Fieber gut<br />

ging, schickte er uns <strong>mit</strong> anderen Zäpfchen nach<br />

Hause. Am 13. August, dem Tag der Einschulung<br />

meines <strong>mit</strong>tleren Sohnes, wachte Sofia morgens<br />

<strong>mit</strong> einem großflächigen Hautausschlag, der an<br />

Masern oder Windpocken erinnerte, auf. Mein<br />

Mann fuhr sofort <strong>mit</strong> ihr zum Kinderarzt, um abklären<br />

zu lassen, was das ist und ob wir bedenkenlos<br />

zur Einschulung könnten, ohne andere<br />

zu gefährden. Der Arzt gab Sofia ein Antibiotikum,<br />

machte einen Termin zur Blutabnahme<br />

am kommenden Mittwoch und wir gingen zur<br />

Einschulung. Am nächsten Tag verschlechterte<br />

sich Sofias Zustand rapide. Sie wollte nichts<br />

mehr essen und trinken und lag nur noch lethargisch<br />

im Bettchen. Mittwochs ging mein Mann<br />

<strong>mit</strong> Sofia zur Blutabnahme. Der Arzt schickte<br />

ihn dann direkt ins Krankenhaus. Dort wurden<br />

wir aufgenommen und Sofia wurde gründlich<br />

untersucht. Ein paar Stunden später kamen der<br />

Stationsarzt und der Oberarzt auf unser Zimmer<br />

und sagten uns, dass sie Sofia nicht weiter<br />

behandeln könnten, da sie für solche Fälle nicht<br />

ausgestattet seien. Wir fragten nach, was Sofia<br />

denn habe, und sie antworteten, dass nur zwei<br />

Diagnosen infrage kämen: das Parvovirus oder<br />

Leukämie. Was es wäre, könnten die Kinderonkologen<br />

in der Uniklinik Frankfurt feststellen.<br />

Die Ärzte wünschten uns alles<br />

Gute und verließen das Zimmer.<br />

Wie geht man <strong>mit</strong> so einer Nachricht<br />

um?<br />

Wir waren erstarrt, geschockt, am Boden zerstört<br />

– alles gleichzeitig. Doch viel Zeit zum<br />

Nachdenken blieb uns nicht, denn kurze Zeit<br />

später wurde Sofia bereits <strong>mit</strong> dem Rettungswagen<br />

nach Frankfurt gefahren.<br />

Wie ging es dort weiter?<br />

Die Ärzte stellten eine Sepsis sowie eine Blutarmut<br />

fest. Noch am gleichen Tag bekam Sofia<br />

eine Bluttransfusion und Breitbandantibiotika.<br />

Am folgenden Tag wurden eine Lumbalpunktion<br />

und eine Knochenmarkpunktion durchgeführt.<br />

Das musste ein paar Tage später noch<br />

einmal wiederholt werden. Es brach mir das<br />

Herz, als ich sie dort liegen sah, halb benommen,<br />

<strong>mit</strong> ihrem Schmusekissen „Diddi“ im<br />

Arm, und sie uns einfach nur ansah und wir ihr<br />

nicht helfen konnten. Wir waren machtlos und<br />

verzweifelt und klammerten uns an die Hoffnung,<br />

dass es keine Leukämie sei.<br />

Dann kam der 20. August 2019 …<br />

… und unsere kleine, heile Welt brach zusammen,<br />

als wir die Diagnose Leukämie bekamen.<br />

Warum unser Mädchen? Warum unser<br />

kleiner Schatz? Sie war nie krank, bis auf einen<br />

Schnupfen im Winter 2018. Sie war so lebensfroh,<br />

aktiv, glücklich – und jetzt so krank.<br />

Bitte erzählen Sie uns von Sofias Kampf<br />

gegen den <strong>Krebs</strong>.<br />

Sieben Tage nach der Diagnose begann die<br />

Chemotherapie. Mittlerweile wussten wir<br />

Fotos privat<br />

auch, dass Sofia die Akute<br />

Lymphatische Leukämie<br />

(ALL) hatte. Sie war während<br />

der gesamten Zeit unglaublich<br />

tapfer – unser kleines, starkes Mädchen.<br />

Auch heute dauert die Therapie noch an,<br />

in Tablettenform. Wenn alles gut geht, gilt Sofia<br />

<strong>mit</strong> sieben Jahren als krebsfrei. Bis dahin versuchen<br />

wir, nach vorn zu schauen und uns von<br />

der Angst nicht besiegen zu lassen.<br />

Was waren die größten Herausforderungen<br />

in den letzten Jahren?<br />

Neben der ständigen Angst um das <strong>Leben</strong> unseres<br />

Kindes ganz klar die finanziellen Probleme,<br />

die durch so eine Diagnose auf Familien<br />

zukommen. Ich war, ehrlich gesagt, geschockt,<br />

wie wenig Unterstützung es für solche Ausnahmesituationen<br />

gibt. Das Geld wurde bei uns<br />

sehr knapp. Mein Mann ließ sich damals beurlauben,<br />

um den Kampf <strong>mit</strong> Sofia gemeinsam<br />

zu kämpfen. Dadurch bekam er nur noch 67<br />

Prozent des Lohnes. Ich hatte eine Teilzeitstelle.<br />

Die Existenzängste waren immens. Hätten<br />

wir nicht Hilfe durch GoFundMe und verschiedene<br />

Stiftungen bekommen, wären wir finanziell<br />

am Ende gewesen. Dafür bin ich nach wie<br />

vor sehr dankbar.<br />

Wie haben Sie den Weg zurück in den Alltag<br />

geschafft?<br />

Ehrlich gesagt noch gar nicht – die Krankheit<br />

hat Spuren bei uns allen hinterlassen. Sofia<br />

musste viel zu schnell groß werden und hat viel<br />

von ihrer Kindheit verpasst. Auch ihren großen<br />

Brüdern fällt es schwer, das Erlebte zu verarbeiten.<br />

Zu tief sitzen die Sorgen und Ängste, die<br />

der <strong>Krebs</strong> ausgelöst hat. .


Erfahrungsbericht<br />

Mehr auf www.leben<strong>mit</strong>.de I 5<br />

„<strong>Krebs</strong>, du<br />

kannst<br />

mich mal!“<br />

Vanessa hat ihrem <strong>Krebs</strong><br />

den Kampf angesagt –<br />

wir unterstützen sie dabei.<br />

Foto Deutsche Kinderkrebsnachsorge<br />

Gastbeitrag DEUTSCHE KINDERKREBSNACHSORGE<br />

J<br />

edes Jahr erkranken in Deutschland<br />

rund 2.000 Kinder an <strong>Krebs</strong>. Da die<br />

Krankheit bei Kindern häufig aggressiv<br />

verläuft, müssen sie rasch behandelt<br />

werden. Die gute Nachricht: Die<br />

Chancen, den <strong>Krebs</strong> zu besiegen, sind<br />

recht hoch – 80 Prozent aller krebskranken<br />

Kinder können heute geheilt werden. Vanessa<br />

steht sinnbildlich für viele Kinder. Sie hat den<br />

Kampf gegen den <strong>Krebs</strong> gewonnen. Doch der<br />

Weg zurück in den Alltag war für sie und ihre<br />

Familie schwierig. Die Familie hat die Möglichkeit<br />

bekommen, eine vierwöchige Familiennachsorgereha<br />

in Tannheim zu machen.<br />

Dort arbeiteten die medizinischen, psychosozialen<br />

und pädagogischen Bereiche ganzheitlich<br />

eng zusammen. Vanessa besuchte vor<strong>mit</strong>tags<br />

die Klinikschule und hatte währenddessen<br />

Anwendungen. Sie ging beispielsweise<br />

in den Therapiestall reiten, während ihre Eltern<br />

an Gesprächsgruppen teilnahmen. Nach<strong>mit</strong>tags<br />

hat die Familie sich bei gemeinsamen<br />

sportlichen Aktivitäten wie Schwimmen,<br />

Wandern oder beim Fahrradfahren erholt.<br />

Gemeinsam Zeit zu verbringen und wieder<br />

unbeschwert lachen zu können, hat allen sehr<br />

dabei geholfen, zurück ins <strong>Leben</strong> zu finden.<br />

DEUTSCHE KINDERKREBSNACHSORGE –<br />

Stiftung für das chronisch kranke Kind<br />

Wenn Kinder von Geburt an krank sind oder<br />

in jungen Jahren bereits schwer erkranken,<br />

ist der Weg für sie und ihre Familien<br />

meist ein sehr schwerer. Die DEUTSCHE<br />

KINDERKREBSNACHSORGE – Stiftung für<br />

das chronisch kranke Kind setzt sich für<br />

krebs-, herz- und mukoviszidosekranke<br />

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene<br />

sowie verwaiste Familien ein und schenkt<br />

ihnen neuen <strong>Leben</strong>smut.<br />

Die Stiftung gilt als Hauptinitiator und Hauptgesellschafter<br />

der Nachsorgeklinik Tannheim.<br />

Nach wie vor unterstützt sie die Klinik <strong>mit</strong><br />

hohen Zuwendungen, um im Rahmen der<br />

intensiven familienorientierten Nachsorge<br />

das medizinisch-therapeutische Konzept abzusichern.<br />

Die DEUTSCHE KINDERKREBS-<br />

NACHSORGE hat den Bau der Klinik und die<br />

Förderung der familienorientierten Nachsorge<br />

bereits bei ihrer Gründung am 9. Dezember<br />

1990 als wichtigste Ziele formuliert und konsequent<br />

umgesetzt. Das Vorhaben wurde bis zum<br />

heutigen Tage <strong>mit</strong> über fünf Millionen Euro unterstützt<br />

– das Ergebnis unzähliger Spendenaktionen.<br />

Unterstützen auch Sie die DEUTSCHE<br />

KINDERKREBSNACHSORGE – Stiftung für das<br />

chronisch kranke Kind <strong>mit</strong> einer Spende. Nur<br />

<strong>mit</strong> Ihrer Hilfe können wir helfen..<br />

Spendenkonto<br />

Deutsche<br />

Kinderkrebsnachsorge<br />

Sparkasse Schwarzwald-Baar<br />

IBAN DE41694500650000005000<br />

BIC SOLADES1VSS<br />

Stichwort „<strong>Leben</strong>shelfer“<br />

www.kinderkrebsnachsorge.de<br />

ZEIT ZUM LEBEN<br />

GIB MIR NOCH EIN BISSCHEN ZEIT,<br />

ZEIT, UM WENIGSTENS EIN PAAR<br />

MEINER ZIELE ZU ERREICHEN.<br />

GIB MIR NOCH EIN BISSCHEN ZEIT,<br />

ZEIT, UM MEINE TRÄUME ZU LEBEN.<br />

GIB MIR NOCH EIN BISSCHEN ZEIT,<br />

ZEIT, UM ANDEREN ZU ZEIGEN,<br />

WORAUF ES IM LEBEN<br />

WIRKLICH ANKOMMT.<br />

GIB MIR NOCH EIN BISSCHEN ZEIT,<br />

ZEIT, UM ANDEREN KRANKEN<br />

MUT ZU MACHEN.<br />

GIB MIR NOCH EIN BISSCHEN ZEIT,<br />

ZEIT, UM DAS LACHEN MEINER<br />

KLEINEN SCHWESTER ZU HÖREN.<br />

GIB MIR NOCH EIN BISSCHEN ZEIT,<br />

ZEIT, UM DIE LIEBE NEU ZU<br />

ENTDECKEN.<br />

GIB MIR NOCH EIN BISSCHEN ZEIT,<br />

ZEIT, UM DIE NATUR ZU GENIESSEN.<br />

GIB MIR NOCH EIN BISSCHEN ZEIT,<br />

ZEIT, UM ANDEREN ETWAS VON<br />

MIR ZU GEBEN.<br />

GIB MIR NOCH EIN BISSCHEN ZEIT,<br />

ZEIT, UM ZU LEBEN, IMMER WIEDER<br />

UND JEDEN TAG NEU LEBEN!<br />

Dieses Gedicht hat Simone (17)<br />

geschrieben. Ein halbes Jahr<br />

später ist sie verstorben.


6<br />

Experteneinblicke<br />

Präzisionsstrahlentherapie: Der MR-Linac kombiniert einen Linearbeschleuniger<br />

<strong>mit</strong> einem Magnet-Resonanz-Tomographen (MRT). Foto: UKD/Kirsten Lassig<br />

Die Zukunft der<br />

<strong>Krebs</strong>behandlung<br />

<strong>Krebs</strong>forschung made in Germany. Lesen Sie hier, welche innovativen Wege Wissenschaftler<br />

und Ärzte am Top-<strong>Krebs</strong>forschungsstandort Dresden gemeinsam gehen, um Patienten die<br />

bestmögliche <strong>Krebs</strong>therapie oder bestenfalls ein <strong>Leben</strong> ohne <strong>Krebs</strong> zu ermöglichen.<br />

Prof. Dr. Stefanie Speidel<br />

Professorin für Translationale<br />

Chirurgische Onkologie<br />

Prof. Dr. med.<br />

Martin Bornhäuser<br />

Geschäftsführender Direktor,<br />

NCT/UCC Dresden<br />

Frau Prof. Speidel, Sie forschen am Nationalen<br />

Centrum für Tumorerkrankungen Dresden<br />

(NCT/UCC) an innovativen KI-gestützten<br />

Assistenzsystemen für die <strong>Krebs</strong>chirurgie und<br />

sind zugleich Gründungsdirektorin der neuen<br />

Außenstelle des Deutschen <strong>Krebs</strong>forschungszentrums<br />

(DKFZ) in Dresden. Zudem leiten Sie die<br />

Abteilung Translationale Chirurgische Onkologie.<br />

Was kann man sich darunter vorstellen?<br />

Translation bedeutet, die Lücke zwischen der<br />

Grundlagenforschung und der Anwendung am<br />

Patienten zu schließen. Meine Abteilung entwickelt<br />

computer- und robotergestützte Assistenzsysteme<br />

für die <strong>Krebs</strong>chirurgie. Der Operateur<br />

kann ja nicht ins Organ hineinschauen, sondern<br />

sieht nur die Oberfläche, muss aber wissen, wo<br />

genau sich Risikostrukturen oder Zielstrukturen<br />

befinden, also der Tumor, der entfernt werden<br />

soll. Die Erfahrung des Operateurs ist extrem bedeutend,<br />

um Komplikationen während und nach<br />

der Operation zu vermeiden. Unser Ziel ist es, die<br />

Lösungswege vieler sehr erfahrener Chirurgen<br />

zu erfassen und <strong>mit</strong>hilfe künstlicher Intelligenz<br />

weniger erfahrenen Kollegen auch an anderen<br />

Standorten zur Verfügung zu stellen.<br />

Das fängt ja bereits vor dem OP-Saal an.<br />

Sie entwickeln auch eine Datenbrille zur Operationsplanung.<br />

Wie genau läuft das ab?<br />

Es gibt eine Vielzahl von Daten, die bereits vor<br />

einem chirurgischen Eingriff anfallen: aus der<br />

Bildgebung (CT, MRT), Laborwerte und die<br />

Patientenhistorie. Auf Basis aller verfügbaren<br />

Daten des Patienten wird eine dreidimensionale<br />

Projektion erstellt, sodass der Operateur<br />

vorab die OP durchspielen kann. Mit der Datenbrille<br />

lassen sich unterschiedliche Operationswege<br />

simulieren. Am DKFZ-Standort Dresden<br />

werden künftig weitere Zukunftstechnologien<br />

gegen <strong>Krebs</strong> ent wickelt, beispielsweise Mikround<br />

Nanoroboter, die Medikamente gezielt zum<br />

Tumor transportieren, oder neue Sensoren zur<br />

frühzeitigen <strong>Krebs</strong>diagnose.<br />

Wird es künftig in der <strong>Krebs</strong>chirurgie mehr<br />

KI, Robotik und Technik und weniger Mensch<br />

geben?<br />

Nicht weniger Mensch, wir wollen den Chirurgen<br />

ja nicht ersetzen, sondern ihm Assistenzsysteme<br />

für eine noch präzisere <strong>Krebs</strong>chirurgie zur Seite<br />

stellen. Es gibt Sachen, die kann der Mensch<br />

besser, und Dinge, die kann die Maschine gut.<br />

Es geht darum, beides zu ergänzen, um letztlich<br />

dem Patienten eine bessere <strong>Leben</strong>ssituation zu<br />

verschaffen.<br />

Herr Prof. Bornhäuser, Ihr Fokus liegt auf der<br />

Forschung und Weiterentwicklung innovativer<br />

Zell- und Immuntherapien. Wie funktioniert die<br />

zelluläre Therapie bzw. Immuntherapie?<br />

Es gibt verschiedene Arten der Zelltherapie. Zum<br />

einen die autologe Zelltherapie, wobei die blutbildenden<br />

Zellen oder Immunzellen direkt vom<br />

Patienten entnommen und diesem nach einer<br />

entsprechenden Vorbehandlung zurückgegeben<br />

werden. Das neueste, innovative Verfahren, woran<br />

auch wir forschen, ist die CAR-T-Zell-Therapie.<br />

Dabei werden vom Patienten selbst Lym-


Mehr auf www.leben<strong>mit</strong>.de I 7<br />

Exzellent.<br />

Im Experimental-OP des NCT/UCC werden neu<br />

entwickelte roboter- und computergestützte<br />

Systeme für die <strong>Krebs</strong>chirurgie erprobt. Mithilfe<br />

einer Datenbrille werden der Chirurgin situationsbezogen<br />

wichtige Informationen eingeblendet –<br />

zur genauen Lage des Tumors oder zu Nerven<br />

und Gefäßen, die nicht verletzt werden dürfen.<br />

Foto: NCT/UCC/André Wirsig<br />

phozyten, die T-Zellen, entnommen, außerhalb<br />

des Körpers genetisch verändert und nach zwei<br />

bis drei Wochen in dieser veränderten Form an<br />

den Patienten zurückgegeben. Mit dem neuen<br />

künstlichen Immunrezeptor auf der Oberfläche<br />

können CAR-T-Zellen sehr effektiv <strong>Krebs</strong>zellen<br />

eliminieren.<br />

Für welche Patienten ist diese Immuntherapie<br />

vorgesehen?<br />

Dies funktioniert bisher v. a. bei Lymphknotenkrebs<br />

und bestimmten Leukämieformen. Zwar<br />

können dabei auch ungewollte Nebenwirkungen<br />

auftreten, jedoch sind diese inzwischen besser<br />

vorhersehbar und in Dresden entwickelte Formen<br />

der CAR-T-Zellen ermöglichen zusätzlich<br />

auch das An- und Ausschalten der übertragenen<br />

Immunzellen. Unser Anspruch ist es, die Zelltherapie<br />

universeller für mehr Patienten anbieten zu<br />

können. Wir wollen hin zur allogenen Therapie,<br />

bei der vom gesunden Menschen Zellen entnommen<br />

und verändert werden oder diese auch aus<br />

frühen Stammzellen entwickelt werden. Ziel ist<br />

es, für den individuellen Therapiebedarf veränderte<br />

Zellen zur sofortigen Verfügung bereitzuhaben,<br />

statt diese erst mühevoll in einem aufwendigen<br />

Prozess herzustellen.<br />

Wo sehen Sie das größte Potenzial künftiger erfolgreicher<br />

<strong>Krebs</strong>therapien?<br />

Die Immuntherapie ist bereits auf einem anhaltenden<br />

Siegeszug in der <strong>Krebs</strong>therapie. Gerade<br />

hier am Forschungsstandort Dresden arbeiten<br />

wir daran, die Zelltherapie zu optimieren. Wir<br />

wollen das Immunsystem dazu bringen, eine<br />

langfristige Heilung zu erreichen. Es gibt hier<br />

sicher noch viel zu tun. Im Idealfall sollte es in<br />

Zukunft natürlich gelingen, frühzeitig Präventionsstrategien<br />

zu entwickeln, um die Häufigkeit<br />

von <strong>Krebs</strong>erkrankungen zu reduzieren..<br />

Redaktion Nicole Kraß<br />

Weitere Informationen finden Sie<br />

unter: www.nct-dresden.de<br />

Wie mehr Patienten der Zugang zu<br />

klinischen Studien ermöglicht werden<br />

kann und worin die größten Potenziale<br />

der chirurgischen Onkologie liegen,<br />

lesen Sie auf: www.leben<strong>mit</strong>.de<br />

Sebastian Gemkow<br />

„In der Forschung<br />

verfolgt Sachsen bewusst<br />

einen fachgebietsübergreifenden<br />

Ansatz“<br />

Gastbeitrag des sächsischen Wissenschaftsministers Sebastian Gemkow<br />

K<br />

rebs ist eine Erkrankung <strong>mit</strong> höchst unterschiedlichen Ausprägungen<br />

und ebenso unterschiedlichen Krankheitsverläufen. Um die Chancen auf<br />

Heilung zu verbessern, braucht es immer wieder neue, innovative Ansätze,<br />

die in Sachsen permanent erdacht, erforscht und fast un<strong>mit</strong>telbar in die klinische<br />

Anwendung überführt werden.<br />

Schon heute gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Therapien, teils hochindividuell auf<br />

den einzelnen Patienten abgestimmt. Waren noch vor wenigen Jahren standardisierte<br />

Chemotherapien oder Bestrahlungsverfahren im Einsatz, hat sich die Art der Behandlung<br />

inzwischen deutlich gewandelt. Mithilfe der hoch spezialisierten Forschung an den Uniklinika<br />

in Dresden und Leipzig, aber auch <strong>mit</strong> außeruniversitären Partnerinstitutionen werden heute<br />

neueste Technologien <strong>mit</strong> weiterentwickelten Behandlungsmethoden kombiniert.<br />

Daran sind längt nicht mehr ausschließlich Mediziner beteiligt. In der Forschung verfolgt<br />

Sachsen bewusst einen fachgebietsübergreifenden Ansatz. IT-Spezialisten, Physiker,<br />

Ingenieure und andere Professionen arbeiten gemeinsam <strong>mit</strong> Ärzten. Das Ergebnis sind<br />

Therapien, die einerseits eine bessere Wirkung im Kampf gegen <strong>Krebs</strong> entfalten und<br />

gleichzeitig deutlich schonender und für Patienten während der Behandlung besser<br />

verträglich sind.<br />

Bei der Bestrahlung von Tumoren ist etwa die Präzision entscheidend, in der Chirurgie<br />

sind es z. B. die Assistenzsysteme, auf die sich die Operateure stützen müssen. Die dafür<br />

erforderlichen Geräte werden in Sachsen in der Forschung immer weiterentwickelt, sowohl<br />

in Software als auch in Hardware.<br />

Mikro- und Nanoelektronik, Robotik und künstliche Intelligenz werden die<br />

Anwendungsmöglichkeiten in der <strong>Krebs</strong>therapie in den nächsten Jahren noch einmal<br />

deutlich verbreitern und da<strong>mit</strong> die Chancen auf ein <strong>Leben</strong> ohne <strong>Krebs</strong> für noch mehr<br />

Menschen erhöhen. Das gilt ebenso für den Pharmabereich, also zur unterstützenden<br />

medikamentösen Behandlung von <strong>Krebs</strong>. Auch in der Biotechnologie hat sich Sachsen in<br />

den vergangenen Jahren <strong>mit</strong> seinen Forschungsaktivitäten zu einem führenden Standort<br />

entwickelt. Möglich war das unter anderem <strong>mit</strong> Millioneninvestitionen in diesen Bereichen,<br />

die der Freistaat gezielt für die Forschung zur <strong>Krebs</strong>bekämpfung eingesetzt hat.<br />

Und dennoch: Bei aller Hochtechnologie, die den medizinischen Fortschritt treibt, bleibt für<br />

uns der Mensch <strong>mit</strong> seinen Fähigkeiten das zentrale Element im Umgang <strong>mit</strong> Patienten. Es<br />

geht darum, diesen Menschen die besten Rahmenbedingungen zu bieten und Instrumente<br />

an die Hand zu geben, um den <strong>Krebs</strong> eines Tages zu besiegen..


8<br />

Patientengeschichte<br />

Emelys Kampf<br />

Emely ist ein glückliches Mädchen. Sie liebt es zu tanzen, zu reiten<br />

und zu lachen. Mit 10 Jahren erkrankt sie an <strong>Krebs</strong> – und plötzlich<br />

ist nichts mehr, wie es war. Im Interview sprechen Emely und ihre<br />

Mutter Kathrin über die schwerste Zeit in ihrem <strong>Leben</strong>.<br />

Emely, wann hast du zum ersten Mal<br />

gemerkt, dass etwas nicht stimmt?<br />

Nachdem meine Brüder und ich Corona<br />

hatten, ging es los, dass ich sehr schlecht<br />

Luft bekam. Ich kann mich noch erinnern,<br />

dass ich <strong>mit</strong> meiner Klasse einen Ausflug in<br />

den Tierpark gemacht habe, und da war es<br />

ganz schlimm. Ich konnte nicht mehr richtig<br />

weiterlaufen, alles war zu anstrengend.<br />

Nachts habe ich so viel geschwitzt, dass<br />

meine Matratze klitschnass war. Ich habe<br />

dann Antibiotikum bekommen, doch es<br />

wurde nicht besser. Nein, es wurde eigentlich<br />

jeden Tag schlimmer.<br />

Kathrin, wie haben Sie diese Zeit<br />

wahrgenommen?<br />

Als es trotz Antibiotika nicht besser wurde,<br />

begann ich mir große Sorgen zu machen, und<br />

die Ängste um Emelys Gesundheit wurden<br />

von Tag zu Tag größer. Ich habe mich sehr<br />

hilflos gefühlt, da ich nicht wusste, was sie<br />

hatte, und nichts tun konnte, da<strong>mit</strong> es ihr<br />

besser geht.<br />

Wann und wie kam es dann zur Diagnose?<br />

Da es Emely immer schlechter ging, sind<br />

wir zu einer Kinderklinik gefahren. Da<br />

ihr Allgemeinzustand sehr schlecht war<br />

und sie kaum Luft bekam, hat man sie<br />

stationär aufgenommen. Als ich sie am<br />

nächsten Tag besuchte, wurden bereits viele<br />

Untersuchungen gemacht. In der Lunge und<br />

in den Bronchien hat man etwas gefunden,<br />

was da nicht hingehört – mehr hat man<br />

mir aber zu dem Zeitpunkt nicht gesagt.<br />

Im Laufe des Tages wurde Emelys Zustand<br />

lebensbedrohlich und sie wurde <strong>mit</strong> einem<br />

Rettungswagen in ein Krankenhaus ins 40<br />

Kilometer entfernte Bielefeld gebracht, wo sie<br />

auf die Intensivstation kam. Dort klärte man<br />

mich dann über Emelys Gesundheitszustand<br />

auf: „Ihre Tochter hat Lymphknotenkrebs<br />

und es war kurz vor knapp.“<br />

Emely, was ging dir durch den Kopf, als du<br />

erfahren hast, dass du <strong>Krebs</strong> hast?<br />

Ich hatte Angst. Ich habe am Anfang nicht<br />

richtig verstanden, was das für mich bedeutet.<br />

Ich wusste nur, dass mein Gewicht sehr wenig<br />

war, und so fühlte ich mich auch – schwach<br />

und kraftlos. Meine Mutter war jeden Tag bei<br />

mir. Ich wusste da gar nicht richtig, wo ich<br />

bin, in welchem Ort – es war alles irgendwie<br />

fremd. Meine Mutter hat viel geweint, wenn<br />

die Ärzte bei ihr waren. Irgendwann habe ich<br />

realisiert, dass es nicht gut um mich steht.<br />

Kathrin, wie verkraftet man eine solche<br />

Diagnose?<br />

Gar nicht. Ich habe einfach funktioniert und<br />

nie die Hoffnung aufgegeben, dass es besser<br />

wird. Den größten Halt gaben mir mein Mann<br />

und meine Mutter. Sie wusste zum Beispiel in<br />

vielen Dingen Bescheid, da ihre Eltern auch<br />

verschiedene <strong>Krebs</strong>arten hatten. Ich musste<br />

einfach stark bleiben, für Emely.<br />

Wie sieht derzeit ein normaler Tag bei<br />

Ihnen aus?<br />

Normale Tage gab es bei uns schon lange<br />

nicht mehr, aber ich versuche mal, einen<br />

Tag in unserem derzeitigen <strong>Leben</strong> zu<br />

beschreiben: Morgens kümmere ich mich<br />

darum, dass die Geschwister zur Schule und<br />

in den Kindergarten gehen und Emely ihre<br />

Medikamente bekommt. Dann geht es zur<br />

Corona-Teststelle und den Rest des Tages sind<br />

wir in Kliniken. Egal ob Strahlenbehandlung<br />

oder Tagesklinik – irgendwas ist immer. Am<br />

frühen Abend kommen wir nach Hause und<br />

ich kümmere mich um die Kontrolle der<br />

Hausaufgaben und den Haushalt – waschen,<br />

kochen, putzen. Nach dem Abendessen geht<br />

es dann langsam für die Kinder ins Bett und<br />

ich beginne <strong>mit</strong> dem liegengebliebenen<br />

Papierkram.<br />

Das ist ein großes Pensum. Würden Sie sich<br />

mehr Unterstützung wünschen?<br />

Unterstützung ist das falsche Wort.<br />

Verständnis trifft es eher. Teilweise war und<br />

bin ich überfordert <strong>mit</strong> alldem. Ich finde,<br />

besonders Ämter, Sozialarbeiter, aber auch<br />

Ärzte sollten mehr auf die Familien eingehen<br />

und sie unterstützen – nicht nur fordern.<br />

Hätte ich meinen Mann nicht, der immer da<br />

ist, weiß ich nicht, ob ich das alles schaffen<br />

würde.<br />

Emely, bitte erzähle uns von deinem Kampf<br />

gegen die Krankheit.<br />

Mittlerweile geht es mir besser. Die letzten<br />

Monate waren sehr anstrengend und<br />

hart. Ich hatte viele Nebenwirkungen wie<br />

Fressattacken, Schleimhautentzündungen,<br />

Übelkeit. Ich kann mich immer noch nicht<br />

lange auf den Beinen halten. Das nervt.<br />

Ich möchte wieder tanzen, reiten, auf<br />

den Spielplatz gehen – einfach wieder ein<br />

Foto privat<br />

normales Kind sein. Aber aufgeben war<br />

nie eine Option. Aufstehen und weitermachen.<br />

Doch ich habe Angst, was auf mich<br />

zukommen wird, wenn ich wieder in die<br />

Schule kann. Meine Haare sind weg, ich habe<br />

durch die Medikamente zugenommen ... Das<br />

ist für mich <strong>mit</strong>tlerweile okay, aber für meine<br />

Klassenkameraden wird das vielleicht nicht<br />

okay sein. Vielleicht werde ich gemobbt oder<br />

geärgert. Zu Hause fühle ich mich sicher und<br />

meine Brüder stehen hinter mir, das weiß ich.<br />

Was hilft euch in dieser schweren Zeit<br />

besonders?<br />

Emely: Dass meine Familie immer für mich<br />

da ist. Viele meiner alten Freunde haben den<br />

Kontakt abgebrochen, aber meine Familie ist<br />

da – egal wann, egal wie.<br />

Kathrin: Gemeinsame Zeit, zum Beispiel bei<br />

Spieleabenden, hilft uns sehr – dabei fühlt<br />

sich alles an wie vorher und wir können<br />

die Krankheit für einen Moment vergessen.<br />

Auch unser Hund ist unser Anker und<br />

unser Ruhepol. Wenn wir zusammen eine<br />

Runde Gassi gehen und an nichts denken,<br />

tut das sehr gut und gibt uns das Gefühl von<br />

Normalität.<br />

Emely, was wünschst du dir am meisten für<br />

die Zukunft?<br />

Ich hoffe, dass der <strong>Krebs</strong> mich nicht mein<br />

<strong>Leben</strong> lang begleiten wird. Dass ich tanzen<br />

und reiten kann, einfach wieder ein normales<br />

<strong>Leben</strong> führe. Ich hoffe, dass ich akzeptiert<br />

und nicht geärgert werde – ja, das wünsche<br />

ich mir am meisten für die Zukunft. .<br />

Redaktion Emma Howe


Inspiration<br />

Mehr auf www.leben<strong>mit</strong>.de I 9<br />

look good feel better –<br />

das kostenlose Kosmetikseminar für <strong>Krebs</strong>patientinnen<br />

J<br />

ährlich erkranken in Deutschland<br />

rund 230.000 Mädchen und Frauen<br />

neu an <strong>Krebs</strong>. Infolge der Behandlung<br />

leiden die meisten Frauen an<br />

schwerwiegenden, wenn auch vorübergehenden<br />

äußerlichen Veränderungen.<br />

Durch Haarausfall, Wimpern- und<br />

Augenbrauenverlust oder starke Hautirritationen<br />

fühlen sich viele zusätzlich von der<br />

Krankheit gezeichnet.<br />

Gastbeitrag DKMS LIFE<br />

Die DKMS LIFE gemeinnützige GmbH macht<br />

es sich daher <strong>mit</strong> dem „look good feel better“-<br />

Patientenprogramm seit mehr als 25 Jahren<br />

zur Aufgabe, <strong>Krebs</strong>patientinnen während der<br />

Therapie Hilfe zur Selbsthilfe im Umgang <strong>mit</strong><br />

den äußeren Veränderungen anzubieten: In<br />

kostenfreien Kosmetikseminaren erhalten<br />

In den Kosmetikseminaren erhalten krebskranke<br />

Mädchen und Frauen professionelle Tipps<br />

zur Gesichtspflege und zum Schminken<br />

sowie zum Thema Kopfbedeckung.<br />

Foto DKMS LIFE<br />

krebskranke Mädchen und Frauen professionelle<br />

Tipps zur Gesichtspflege und zum<br />

Schminken sowie zum Thema Kopfbedeckung.<br />

Sie erlernen besondere Techniken, um<br />

Augenbrauen und Wimpern natürlich nachzuzeichnen<br />

oder beispielsweise Haut flecken,<br />

die aufgrund der Bestrahlung entstanden<br />

sind, unauffällig abzudecken. Darüber hinaus<br />

werden sie zum Thema Tücher und Kopfschmuck<br />

sowie zum Umgang <strong>mit</strong> Perücken<br />

beraten.<br />

Dabei geht es aber um viel mehr als Make-up.<br />

Die Kosmetikseminare für <strong>Krebs</strong>patientinnen<br />

ab 22 Jahren und die Beauty-Workshops für<br />

junge <strong>Krebs</strong>patientinnen zwischen zehn und<br />

21 Jahren schenken den Teilnehmerinnen ein<br />

paar unbeschwerte Stunden, sind interaktiv<br />

und schaffen einen Platz zum ungezwungenen<br />

Austausch unter Betroffenen. Sie zeigen<br />

den Patientinnen: „Ihr seid nicht allein!“<br />

Ziel ist es, den <strong>Krebs</strong>patientinnen <strong>Leben</strong>squalität,<br />

Selbstwertgefühl und da<strong>mit</strong> verbunden<br />

Hoffnung zu schenken, um sie während ihrer<br />

Therapie zu unterstützen und ihren Heilungsprozess<br />

positiv zu beeinflussen.<br />

Bundesweit organisiert die gemeinnützige<br />

Organisation DKMS LIFE jährlich bis zu<br />

1.600 kostenfreie „look good feel better“-<br />

Kosmetikseminare für <strong>Krebs</strong>patientinnen in<br />

über 320 Kliniken, <strong>Krebs</strong>beratungsstellen,<br />

sozialen und medizinischen Einrichtungen.<br />

Aufgrund der Einschränkungen der Corona-<br />

Pandemie pausieren diese Vor-Ort-Seminare<br />

aktuell. Seit Mitte 2020 bietet DKMS LIFE das<br />

„look good feel better“-Patientenprogramm<br />

für krebskranke Mädchen und Frauen virtuell<br />

in Form von Online-Kosmetikseminaren<br />

an. Die Teilnahme sowie eine Tasche <strong>mit</strong> den<br />

benötigten Kosmetikprodukten und Informationsmaterialien<br />

sind für die Patientinnen<br />

kostenlos.<br />

.<br />

DKMS LIFE bietet zudem weitere kosten lose<br />

Seminare zu den Themen Entspannung, Ernährung<br />

und Fotografie sowie einen Workshop<br />

speziell für männliche <strong>Krebs</strong>patienten.<br />

Hier können sich <strong>Krebs</strong>patientinnen<br />

für die kostenlosen<br />

Online-Kosmetikseminare<br />

anmelden:<br />

www.dkms-life.de/<br />

seminare


10<br />

CANCER<br />

SUPPORT<br />

BY LA ROCHE POSAY<br />

80 % DER KREBSPATIENT:INNEN<br />

LEIDEN AN THERAPIEBEDINGTEN<br />

HAUTNEBENWIRKUNGEN *<br />

FIGHT WITH CARE.<br />

LA ROCHE POSAY STEHT DIR BEI.<br />

Gemeinsam <strong>mit</strong> Dermatolog:innen und Onkolog:innen arbeiten<br />

wir daran, die <strong>Leben</strong>squalität von <strong>Krebs</strong>patient:innen <strong>mit</strong><br />

therapiebegleitender Pflege während und nach der<br />

Therapie zu verbessern.<br />

* CHARLES C. ET AL. MARCH 2013. IMPACT OF CUTANEOUS TOXICITY ASSOCIAT-<br />

ED WITH TARGETED THERAPIES ON QUALITY OF LIFE. RESULTS OF A LONG-<br />

ITUDINAL EXPLORATORY STUDY. BULLETIN DU CANCER. VOL 100 N 3<br />

ÜBER DIE HAUTPFLEGE<br />

HINAUS KANN JEDE:R VON<br />

UNS UNTERSTÜTZEN.<br />

Mehr Informationen dazu<br />

gibt es auf unserer Website.<br />

Jetzt QR-Code scannen!


Mehr auf www.leben<strong>mit</strong>.de Anzeige I 11<br />

VON KREBSPATIENTEN<br />

GETESTET<br />

FÜR EIN BESSERES<br />

WOHLBEFINDEN DER HAUT<br />

REINIGEN<br />

LIPIKAR SYNDET AP+<br />

Juckreizmildernde Duschcreme<br />

PFLEGEN<br />

LIPIKAR BAUME AP+M<br />

Beruhigende und juckreizmildernde<br />

Körperpflege<br />

TOLERIANE DERMALLERGO<br />

Feuchtigkeitsspendende und<br />

beruhigende Gesichtspflege<br />

REGENERIEREN<br />

CICAPLAST BAUME B5+<br />

Reparierende Creme<br />

SCHÜTZEN<br />

ANTHELIOS UVMUNE 400<br />

Sonnenschutz für empfindliche<br />

Gesichtshaut<br />

„Therapiebedingte Hautnebenwirkungen<br />

sind keine Seltenheit<br />

und erschweren, neben der<br />

seelischen Belastung, die<br />

<strong>Krebs</strong>therapie. Unser Ziel ist<br />

es, dass <strong>Krebs</strong>patient:innen die<br />

Therapie aufgrund von zu starken<br />

Hautnebenwirkungen nicht<br />

abbrechen müssen.“<br />

Dr. Katrin Kipper, Head of Medical<br />

Communication La Roche Posay<br />

DENN WENN MENSCHEN VON<br />

KREBS BETROFFEN SIND, IST<br />

ES IHRE HAUT AUCH.<br />

Bei Fragen bitte an das medizinische<br />

Fachpersonal der Apotheke oder an<br />

Dermatolog:innen wenden.


12<br />

Patientengeschichte<br />

„Ich wollte leben.<br />

Überleben!<br />

Für meine Kinder.<br />

Für meinen Mann.<br />

Für mich.“<br />

Mehr über Linda<br />

erfahren Sie auf:<br />

www.instagram.<br />

com/just_inked87<br />

Interview <strong>mit</strong> unserem Covergesicht Linda.<br />

Redaktion Leonie Zell<br />

Fotos privat<br />

Bitte erzähle uns von der Diagnose.<br />

Ich habe beim Stillen meines damals anderthalb<br />

Jahre alten Sohnes eine Verhärtung in der<br />

Brust gespürt und dachte, es sei ein Milchstau.<br />

Ich war zu der Zeit schwanger und zeigte den<br />

Knubbel meiner Frauenärztin bei einer Schwangerschaftskontrolluntersuchung.<br />

Die überwies<br />

mich zur Stanzbiopsie und ein paar Tage später<br />

bekam ich die Diagnose Brustkrebs.<br />

Was waren deine ersten Gedanken?<br />

Im Gespräch <strong>mit</strong> dem Arzt lief ab dem Wort<br />

„Brustkrebs“ alles wie im Rausch an mir vorbei.<br />

Ich wusste gar nicht, woran ich zuerst denken<br />

sollte. Ich hatte Angst. Angst zu sterben. Angst<br />

um mein Ungeborenes. Angst, meinen Kindern<br />

keine Mama sein zu können. Ich hatte die<br />

schlimmsten Bilder im Kopf.<br />

Hast du <strong>mit</strong> deinem kleinen Sohn über die<br />

Krankheit gesprochen?<br />

Nein, um <strong>Krebs</strong> und alles, was dazugehört, zu<br />

verstehen, war er noch zu jung. Doch wir haben<br />

nichts vor ihm versteckt. Er durfte meine Gefühle,<br />

egal ob fröhlich oder traurig, so erleben, wie sie<br />

eben gerade waren. Ich finde es wichtig, dass Kinder<br />

wissen, dass auch die Angst und das Traurigsein<br />

ihre absolute Daseinsberechtigung im <strong>Leben</strong><br />

haben dürfen und einfach dazugehören.<br />

Welche Therapieentscheidung wurde<br />

getroffen?<br />

Es war <strong>mit</strong> der Diagnose unumgänglich, dass<br />

ich eine Operation, Chemotherapie und Bestrahlung<br />

benötigen würde. Und das alles noch<br />

in der Schwangerschaft. Zu aggressiv und bösartig<br />

war mein Tumor, als dass man hätte abwarten<br />

können.<br />

Wie groß war deine Angst, dass die Chemotherapie<br />

deinem Baby schadet?<br />

Riesig! Doch der Arzt erklärte mir, dass in der Regel<br />

keine schweren<br />

Nebenwirkungen<br />

für das Kind zu erwarten<br />

sind. Das nahm<br />

mir ein wenig meine Sorgen. Es blieb mir nichts<br />

anderes übrig, als der Medizin zu vertrauen. Aktiv<br />

beschützen konnte ich mein ungeborenes Kind<br />

nicht – das machte mich oft sehr traurig. Doch es<br />

gab einfach keine andere Option. Ich wollte leben.<br />

Überleben! Für meine Kinder. Für meinen Mann.<br />

Für mich.<br />

Wie verlief die Geburt?<br />

Um keine zu lange Therapiepause entstehen<br />

zu lassen, musste die Geburt in der 38. Woche<br />

eingeleitet werden. Das Ganze dauerte mehrere<br />

Tage und brachte mich an den Rand meiner<br />

Kräfte. Es deprimierte mich so sehr. Mein Baby<br />

war einfach noch nicht bereit und trotzdem<br />

musste es auf die Welt kommen, da<strong>mit</strong> ich weiter<br />

<strong>mit</strong> der Therapie machen konnte. Weder<br />

mein Baby noch ich hatten eine Wahl. Doch als<br />

er dann geboren wurde und kerngesund war,<br />

waren all die Strapazen vergessen. Die Emotionen<br />

sprudelten nur so aus mir heraus. Endlich<br />

konnte ich ihn beschützen. Das war ein so<br />

wundervolles Gefühl, woran ich mich so gern<br />

zurückerinnere.<br />

Wie ging deine Therapie nach der Geburt<br />

weiter?<br />

Bereits zwei Wochen nach der Geburt ging es<br />

direkt weiter <strong>mit</strong> den nächsten, wöchentlichen<br />

Chemotherapien. Zwölf an der Zahl, also weitere<br />

drei Monate Chemotherapie. Ich hatte kein<br />

Wochenbett, keine Zeit der Ruhe, keine Wahl.<br />

Der Alltag <strong>mit</strong> zwei kleinen Kindern ist auch<br />

ohne <strong>Krebs</strong>behandlung oft sehr chaotisch.<br />

Wie hast du es geschafft, Familienleben und<br />

die Therapie unter einen Hut zu bekommen?<br />

Wie wir das alles geschafft haben, weiß ich bis<br />

heute nicht. Wir haben einfach funktioniert. Als<br />

Paar, als Team, als Eltern. Und nur so ging es.<br />

Du hast die Operation, die Chemo und die<br />

Bestrahlungen hinter dich gebracht – und<br />

wirst weiter behandelt …<br />

Ja, ich habe <strong>mit</strong> dem Ende der Bestrahlung <strong>mit</strong><br />

der Antihormontherapie begonnen. Dabei wird<br />

mein Körper künstlich in die Wechseljahre versetzt,<br />

um zu verhindern, dass eventuell noch<br />

vorhandene hormonsensitive <strong>Krebs</strong>zellen im<br />

Körper wachsen können. Diese Therapie begleitet<br />

mich nun die nächsten fünf bis zehn Jahre.<br />

Bei einer Kontrolluntersuchung im<br />

Dezember hast du erfahren, dass etwas in<br />

deiner Brust ist, was da nicht hingehört.<br />

Was ging in dir vor?<br />

All das bereits Erlebte lief in Sekunden wieder<br />

vor meinen Augen vor mir ab. Leuchtende vier<br />

Millimeter, die wieder all die Ängste und Sorgen<br />

<strong>mit</strong> einem Fingerschnippen hervorholten.<br />

Die Angst, alles noch mal erleben und durchmachen<br />

zu müssen.<br />

Wie gehst du jetzt da<strong>mit</strong> um?<br />

Mein Arzt sagte, dass es sich um nichts Bedenkliches<br />

handele und kein Agieren notwendig wäre.<br />

Doch eins weiß ich ganz sicher, ich werde keinerlei<br />

Zeit <strong>mit</strong> „Abwarten“ verschwenden und<br />

handeln. Was auch immer das in meiner Brust<br />

ist, es muss raus. <strong>Krebs</strong> ist unberechenbar und<br />

mir mein <strong>Leben</strong> <strong>mit</strong> meinen Kindern zu kostbar,<br />

als dass ich irgendeiner eventuellen Gefahr zu<br />

lange die Chance gebe, sich auszubreiten. .<br />

Warum Linda sich auf<br />

Instagram engagiert und<br />

welche Tipps sie allen Frauen<br />

<strong>mit</strong> auf den Weg geben<br />

möchte, lesen Sie online:<br />

www.leben<strong>mit</strong>.de


Inspiration<br />

Mehr auf www.leben<strong>mit</strong>.de I 13<br />

Prof. Dr. Pia Wülfing hat<br />

die Onkologie im größten<br />

deutschen Brustzentrum<br />

in Hamburg geleitet. Dann<br />

hat sie PINK! gegründet. Im<br />

Interview spricht sie über<br />

ihre Intention dahinter und<br />

erklärt, wie die App auf<br />

Rezept Patientinnen hilft.<br />

Digitale Hilfe<br />

für Brustkrebspatientinnen<br />

Prof. Dr. Pia Wülfing<br />

Ärztin und Gründerin von PINK!<br />

„Wir bei PINK!<br />

möchten Betroffenen<br />

dabei helfen, selbst<br />

aktiv gegen Brustkrebs<br />

zu werden. Und<br />

wir hoffen, so auch<br />

Krankheitsverläufe<br />

positiv beeinflussen zu<br />

können.“<br />

Scannen Sie den QR-Code<br />

und gelangen Sie zur PINK!<br />

Coach-Seite <strong>mit</strong> weiterführenden<br />

Informationen oder:<br />

www.pink-brustkrebs.de<br />

Wie ist die Idee zu PINK! entstanden? Woher<br />

kommt Ihr persönliches Engagement?<br />

Ich habe PINK! gegründet, um<br />

Brustkrebspatientinnen und ihre<br />

Angehörigen in der schweren Zeit während<br />

und nach der Therapie zu unterstützen. Die<br />

Idee ist aus meiner klinischen Erfahrung<br />

heraus entstanden. Ich habe als Gynäkologin<br />

und Brustkrebsspezialistin 20 Jahre lang<br />

in zwei großen Brustzentren Patientinnen<br />

onkologisch betreut und immer zu wenig<br />

Zeit gehabt, alle Fragen zu beantworten.<br />

Und die Not der Patientinnen erlebt, die<br />

in dieser kritischen Situation ausführliche<br />

und verständliche Informationen brauchen,<br />

um wieder „Boden unter den Füßen“<br />

zurückzuerlangen.<br />

Wir bei PINK! möchten Betroffenen dabei<br />

helfen, selbst aktiv gegen Brustkrebs zu<br />

werden. Wir wollen die Patientensouveränität<br />

stärken und die Patientinnen gezielt coachen,<br />

sich gesünder zu verhalten. So können<br />

Patientinnen auch besser <strong>mit</strong> ihren Therapien<br />

leben und besser <strong>mit</strong> ihren Nebenwirkungen<br />

umgehen. Und wir hoffen, so auch<br />

Krankheitsverläufe positiv beeinflussen zu<br />

können.<br />

Was genau hat es <strong>mit</strong> digitalen<br />

Gesundheitsanwendungen, kurz DiGAs,<br />

auf Kassenkosten auf sich?<br />

DiGAs sind Gesundheits-Apps auf Rezept,<br />

die dabei helfen, eine Krankheit zu erkennen,<br />

Patienten während der Behandlung zu<br />

begleiten und dadurch den Behandlungserfolg<br />

zu verbessern und die <strong>Leben</strong>squalität<br />

zu steigern. Darunter versteht man CEzertifizierte<br />

Medizinprodukte, die auf digitalen<br />

Technologien basieren und erfolgreich<br />

vom Bundesinstitut für Arznei<strong>mit</strong>tel und<br />

Medizinprodukte (BfArM) geprüft wurden.<br />

Der Zulassungsprozess ist dem bei einem<br />

neuen Medikament sehr ähnlich. Besonders<br />

wichtig ist, dass man den medizinischen<br />

Nutzen wissenschaftlich in Studien beweisen<br />

und höchste Datensicherheit und Schutz<br />

der sensiblen Patientendaten nachweisen<br />

muss. Wenn diese und viele weitere<br />

Kriterien erfüllt sind und man als DiGA<br />

gelistet wird, kann die App von allen Ärzten<br />

und Psychotherapeuten budgetneutral per<br />

Rezept verordnet werden. Und Patienten<br />

bekommen sie dann vollumfänglich von<br />

den gesetzlichen Krankenkassen erstattet.<br />

Die Benutzung einer DiGA ersetzt natürlich<br />

keinen Arztbesuch oder die Einnahme eines<br />

Arznei<strong>mit</strong>tels. Sie kann aber eine sinnvolle<br />

Ergänzung und Unterstützung darstellen.<br />

Was bietet der PINK! Coach den<br />

Patientinnen?<br />

Die App begleitet als „digitaler Coach“ die<br />

Patientinnen während der Therapie und in<br />

der Nachsorge und motiviert sie Tag für Tag<br />

<strong>mit</strong> personalisierten Zielen, gesund zu essen,<br />

sich zu bewegen und achtsam zu sein. Viele<br />

Patientinnen sind unsicher, ob sie selbst<br />

genug tun. Durch ein individuell tagtäglich<br />

zusammengestelltes Programm, das man<br />

„abarbeiten“ kann, wird vorgegeben, zum<br />

Beispiel welche Kombination aus Dehn- und<br />

Kraftübungen und Ausdauersport sinnvoll ist,<br />

welche <strong>Leben</strong>s<strong>mit</strong>tel wie verarbeitet gesund<br />

sind, was man selbst tun oder besser lassen<br />

sollte. Außerdem bietet die App eine große<br />

Infothek <strong>mit</strong> wissenschaftlich fundierten<br />

Texten und Videos von unseren Experten aus<br />

den Bereichen Ernährung, Bewegung und<br />

Meditation. Die App ist ein CE-zertifiziertes<br />

Medizinprodukt und DiGA. Ihre klinische<br />

Wirksamkeit wurde in einer Studie an der<br />

LMU München bestätigt.<br />

Wie kommen Patientinnen an die App auf<br />

Rezept?<br />

Über alle Ärzte und Psychotherapeuten,<br />

ob sie niedergelassen oder in einer Klinik<br />

oder Ambulanz tätig sind. In Kliniken<br />

muss die Verordnung über das sogenannte<br />

„Entlassmanagement“ erfolgen. Als Patientin<br />

erhält man also ein rosa Kassenrezept für<br />

PINK! Coach, auf dem drei Angaben stehen<br />

sollten: 1) DiGA, 2) PINK! Coach, 3) PZN<br />

18206191. Dann reicht die Patientin dieses<br />

Rezept bei der Krankenkasse ein und erhält<br />

innerhalb weniger Tage einen Freischaltcode<br />

von der Kasse. Nachdem man die App PINK!<br />

Coach im App Store oder Google Play Store<br />

auf sein Smartphone geladen hat, muss man<br />

diesen Freischaltcode in der App eingeben,<br />

um diese nutzen zu können. .<br />

Gastbeitrag PINK!


14<br />

Patientengeschichte<br />

„<strong>Leben</strong>squalität<br />

dank Cannabis“<br />

Brustkrebspatientin Uta Melle setzt sich für medizinisches<br />

Cannabis ein. Warum, erzählt sie im Interview.<br />

Bitte erzähle uns von deiner Erkrankung.<br />

Anfang April 2009, gerade 40 geworden, bekam<br />

ich die Diagnose Brustkrebs links. Zwei Tage<br />

später starb meine Mutter an der gleichen<br />

Krankheit. Ihre sehr ähnliche Erstdiagnose<br />

bekam sie im gleichen Alter wie ich. Leider<br />

hatte sie sich lediglich für eine einseitige<br />

Mastektomie ohne Chemo entschieden. So<br />

tauchte der <strong>Krebs</strong> einige Jahre später in der<br />

anderen Brust wieder auf und war dann nicht<br />

mehr aufzuhalten.<br />

Welche Therapie hast du bekommen?<br />

Ich entschied mich also für die beidseitige<br />

Mastektomie und eine Chemotherapie.<br />

Zusätzlich entschied ich mich aufgrund des<br />

bei mir nachgewiesenen BRCA-Gens zur<br />

Entfernung der Eierstöcke. Ich habe mich gegen<br />

einen Aufbau der Brüste entschieden. Eine<br />

Entscheidung, die ich bis heute nicht bereut<br />

habe.<br />

Während der Chemotherapie sind<br />

Nebenwirkungen aufgetreten und du hast<br />

dich für deine ganz eigene Behandlung<br />

entschieden.<br />

Eine Chemotherapie ist natürlich kein Spaß.<br />

Wenn sie wirkt, tut sie weh. Man hat ganz neue<br />

Schmerzerfahrungen. Zusätzlich konnte ich<br />

kaum schlafen, war nicht hungrig und hatte<br />

Depressionen – die Angst vor dem Tod und der<br />

Verlust meiner wunderbaren Mutter waren sehr<br />

vorherrschend.<br />

Natürlich gibt es gegen die Nebenwirkungen<br />

ausgezeichnete Medikamente, jedoch bin ich<br />

<strong>mit</strong> einer kaputten Niere und einer Epilepsie<br />

geboren. Das bedeutet, ich darf meine Nieren<br />

nicht zusätzlich belasten und viele Wirkstoffe<br />

haben Wechselwirkungen <strong>mit</strong> meinen<br />

Antiepileptika.<br />

Mein Mann erzählte mir, dass Cannabis<br />

eventuell gegen Schmerzen, Appetitlosigkeit<br />

und Angstzustände helfen könnte – so habe<br />

ich das probiert. Und tatsächlich: Ich konnte<br />

wieder essen, war definitiv lebendiger,<br />

interessierter am <strong>Leben</strong>; meine Ängste lösten<br />

sich in Wohlgefallen auf. Auch die Schmerzen<br />

wurden merklich besser. Ein „Joint“ wirkte da<br />

wie eine 800er Ibuprofen.<br />

Damals war das noch illegal. Was hat sich<br />

seitdem verändert?<br />

Seit 2017 kann man sich Cannabis über ein<br />

Betäubungs<strong>mit</strong>telrezept in Deutschland verschreiben<br />

lassen. Seitdem gibt es viel mehr<br />

Darreichungsformen, wie Öle, Tropfen, Cremes<br />

und Tabletten, die leichter zu dosieren sind.<br />

Natürlich gibt es jetzt aber auch die Blüten zum<br />

Verdampfen. Bekommt man diese, gibt es auch<br />

einen Verdampfer auf Rezept.<br />

Wofür kann Cannabis eingesetzt werden?<br />

Die Bandbreite ist weit. Ich habe <strong>mit</strong> über 60<br />

Patienten gesprochen, deren Behandlung<br />

von anderen Medikamenten auf Cannabis<br />

umgestellt wurde. Darunter waren viele<br />

Schmerzpatienten <strong>mit</strong> MS oder Fibromyalgie,<br />

die vorher Opioide oder Morphine nehmen<br />

mussten. Vor der Umstellung nahmen sie<br />

eigentlich nicht mehr am <strong>Leben</strong> teil. Sie<br />

vegetierten vor sich hin. Nach der Umstellung<br />

waren es wieder glückliche, lachende Leute;<br />

einige konnten dem alten Job wieder nachgehen.<br />

Bei einem Patienten ersetzte Cannabis bis zu<br />

16 andere tägliche Medikamente. Natürlich<br />

gibt es auch Patienten, bei denen der Einsatz<br />

von Cannabis nicht funktioniert, und es kann<br />

Wechselwirkungen <strong>mit</strong> anderen Präparaten wie<br />

z. B. Tamoxifen geben. Das gilt allerdings für<br />

jeden Wirkstoff, der in der Medizin eingesetzt<br />

wird.<br />

Trotzdem ist die Cannabistherapie <strong>mit</strong><br />

vielen Vorurteilen verbunden. Was ist, deiner<br />

Meinung nach, der Grund?<br />

In unserem Sprachgebrauch ist das Wort Droge<br />

sehr negativ behaftet, obwohl alle Wirkstoffe<br />

natürlich Drogen sind. Morphine und Opiate<br />

sind anerkannte Drogen, weil der medizinische<br />

Einsatz bekannt ist. Obwohl Cannabis viel<br />

breitere Einsatzmöglichkeiten bietet und<br />

sehr viel sanfter in der Behandlung als solche<br />

Wirkstoffe ist, muss die Seriosität erst noch<br />

von Ärzten und Patienten aufgebaut, müssen<br />

Vorurteile abgebaut werden.<br />

Wie kam es dazu, dass du dich so stark für<br />

medizinisches Cannabis einsetzt?<br />

Es ist einfach ein richtig gutes Zeug, das mir und<br />

vielen anderen Menschen geholfen hat.<br />

Was wünschst du dir für <strong>Krebs</strong>patienten bzgl.<br />

.<br />

der Therapie <strong>mit</strong> Cannabis?<br />

Ich wünsche mir, dass sich mehr Ärzte für<br />

Cannabis interessieren und sich schulen lassen.<br />

Hier sehe ich noch viel Nachholbedarf.<br />

Foto Peter Müller Photography<br />

„Mein Mann<br />

erzählte mir, dass<br />

Cannabis eventuell<br />

gegen Schmerzen,<br />

Appetitlosigkeit und<br />

Angstzustände helfen<br />

könnte – so habe<br />

ich das probiert.<br />

Und tatsächlich:<br />

Ich konnte wieder<br />

Essen, war definitiv<br />

lebendiger,<br />

interessierter<br />

am <strong>Leben</strong>; meine<br />

Ängste lösten sich<br />

in Wohlgefallen<br />

auf. Auch die<br />

Schmerzen wurden<br />

merklich besser. Ein<br />

‘Joint’wirkte da wie<br />

eine 800er Ibuprofen.“<br />

Redaktion Emma Howe


Anzeige<br />

Gemeinsam die Zukunft der<br />

Cannabinoid-Therapie gestalten<br />

Wir setzen uns dafür ein, die <strong>Leben</strong>squalität von Menschen zu verbessern.<br />

Dies ermöglichen wir <strong>mit</strong> unseren innovativen Produkten und Serviceleistungen.<br />

<strong>Leben</strong>squalität und Symptomlinderung<br />

Patient:innen stehen an erster Stelle. Unsere innovativen Produkte und<br />

Serviceleistungen dienen der Unterstützung der Therapie – vor allem bei<br />

Indikationen, in denen die Wirkung der Standardtherapie begrenzt ist oder<br />

große Nebenwirkungen zeigt.<br />

Evidenzbasierte Therapie im Fokus<br />

Gemäß unserer “Patient First” Philosophie wählen wir Geschäftspartner:innen nach<br />

Aspekten der Qualität, Nachhaltigkeit und Geschäftsethik aus. Unser Hauptanliegen<br />

ist das Erzeugen von Wissen anhand von medizinischen Daten, da<strong>mit</strong> Patient:innen,<br />

Ärzt:innen und Apotheker:innen uns und unseren Produkten vertrauen können.<br />

Allianzen für den Fortschritt<br />

Wir wollen Innovation im Cannabis-Sektor voranbringen. Dafür schaffen wir<br />

strategische Allianzen <strong>mit</strong> Vordenker:innen und führenden Einrichtungen im<br />

Gesundheitswesen und den Wissenschaften, um Fortschritt im Interesse der<br />

Patient:innen und medizinischen Fachkreise zu fördern.<br />

Wir fordern Fortschritt. Deshalb sind wir Mitglied in mehreren Verbänden:<br />

Vayamed ist eine Marke der Sanity Medical, die sich der medizinischen<br />

und gesundheitlichen Nutzung von Cannabinoiden verschrieben hat:<br />

vayamed.com<br />

MEHR ERFAHREN


16<br />

Inspiration<br />

Gastbeitrag Yoga und <strong>Krebs</strong><br />

Fotos<br />

Yoga und <strong>Krebs</strong><br />

Yoga in der <strong>Krebs</strong>- und Palliativtherapie<br />

Eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien belegt die Wirksamkeit von Yoga als begleitendem Verfahren<br />

in der <strong>Krebs</strong>therapie. Achtsamkeitsbasiertes, medizinisches Yoga mindert nachweislich<br />

Fatigue, Stress und Angst. Das gilt für alle Stufen der <strong>Krebs</strong>erkrankung, also während der Primärbehandlung<br />

genauso wie bei Rezidiven und in der palliativen Phase.<br />

Das medizinische Yoga kombiniert<br />

Entspannungsverfahren<br />

<strong>mit</strong> körperlicher Aktivität. Dabei<br />

werden die individuellen<br />

Gegebenheiten der Betroffenen<br />

beachtet und eine Überforderung<br />

vermieden. Aus diesem Grund können<br />

auch sehr geschwächte und fortgeschritten<br />

erkrankte <strong>Krebs</strong>patienten Yoga machen.<br />

Da nicht nur <strong>mit</strong> Körperübungen, sondern<br />

auch <strong>mit</strong> Atemtechniken, inneren Bildern<br />

und Meditationen gearbeitet wird, ist Yoga<br />

auch bei stationären Aufenthalten und auch<br />

in einer Palliativsituation gut geeignet.<br />

Nebenwirkungen von <strong>Krebs</strong>therapien können<br />

durch Yoga gelindert werden. Die Datenlage ist<br />

inzwischen so überzeugend, dass Yoga in internationalen<br />

Leitlinien für komplementäre Verfahren<br />

in der <strong>Krebs</strong>therapie fest verankert ist.<br />

Besonders hilfreich ist Yoga bei der Linderung<br />

von Fatiguesyndrom, Ängsten, Depressionssymptomen<br />

und Schmerzen. Außerdem<br />

vermindert Yoga das Stressempfinden, kann<br />

Entzündungsparameter senken und verhilft<br />

zu mehr Vitalität und einem besseren Schlaf.<br />

Onkologische Patienten sollten unbedingt auf<br />

eine onkologische Zusatzausbildung der Yogalehrer<br />

achten. Ein fundiertes medizinisches<br />

Wissen über <strong>Krebs</strong>erkrankungen ist notwendig,<br />

um Yogastunden anzuleiten, die in dieser Situation<br />

tatsächlich hilfreich sind. Die Kammler<br />

Akademie ist die Top-Adresse für Aus- und Weiterbildungen<br />

zu Yoga und <strong>Krebs</strong>. Hier finden<br />

Yogalehrer und medizinische Fachkreise alle<br />

wichtigen Informationen und Weiterbildungen.<br />

Interview <strong>mit</strong> der Gründerin der Akademie, Gaby Nele Kammler.<br />

Wie sind Sie zu Yoga für <strong>Krebs</strong>patienten gekommen?<br />

Als nach meiner Ausbildung zur Yogalehrerin<br />

die ersten <strong>Krebs</strong>patienten in meine Kurse kamen,<br />

habe ich angefangen zu recherchieren:<br />

Was kann man <strong>mit</strong> Yoga bei <strong>Krebs</strong> erreichen?<br />

Gibt es Studien und Erfahrungswerte dazu? Da<br />

es kaum etwas dazu gab, habe ich <strong>mit</strong> meinem<br />

Wissen aus 20 Jahren im wissenschaftlichen Außendienst<br />

in der Schulmedizin und dem, was<br />

ich über Yoga wusste, spezielle Yogastunden<br />

erstellt, die den <strong>Krebs</strong>patienten sehr geholfen<br />

haben. Im Laufe der Jahre ist durch viele Fortbildungen,<br />

eine intensive eigene Praxis und viel<br />

Erfahrung <strong>mit</strong> Yogastunden für <strong>Krebs</strong>patienten<br />

ein eigenes Konzept entstanden. Dies gebe ich<br />

in einer onkologischen Ausbildung nun an Yogalehrer<br />

weiter.<br />

Was zeichnet das Konzept Yoga und <strong>Krebs</strong> aus?<br />

Zunächst einmal wird jede Yogastunde an das<br />

jeweilige Therapiestadium angepasst. Während<br />

einer Chemo- und Bestrahlungsphase sind andere<br />

Übungen hilfreich als in der Rehaphase.<br />

Von uns ausgebildete „Yoga und <strong>Krebs</strong>“-Trainer<br />

Gaby Nele Kammler<br />

10 Jahre Unterrichtserfahrung<br />

Yoga bei <strong>Krebs</strong>, Referentin Stiftung<br />

Deutsche <strong>Krebs</strong>hilfe<br />

kennen sich <strong>mit</strong> modernen Therapien und ihren<br />

Nebenwirkungen aus und wissen, wie sie<br />

diese gezielt <strong>mit</strong> Yoga lindern können. Ängste,<br />

Fatiguesyndrom, Lymphödeme oder Schmerzen<br />

lassen sich wunderbar <strong>mit</strong> Yoga lindern.<br />

Zudem lösen einige Körperübungen (Asanas),<br />

die gesunde Menschen als angenehm empfinden,<br />

bei <strong>Krebs</strong>patienten eher unangenehme<br />

Gefühle aus oder sind gar nicht machbar.<br />

Auch neueste Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft<br />

sind <strong>mit</strong> eingeflossen und helfen bei<br />

der Anleitung hilfreicher Meditationen und der<br />

Entwicklung von positiven inneren Bildern.<br />

Was stärkt, Ihrer Meinung nach, Menschen<br />

<strong>mit</strong> oder nach einer <strong>Krebs</strong>erkrankung am<br />

meisten?<br />

Eine gute Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse<br />

und eine gute Selbstfürsorge. Yoga macht<br />

den Körper nach OPs auf sanfte Weise wieder<br />

beweglicher, kräftiger, schenkt neue Energie.<br />

Achtsamkeits- und Meditationsübungen lassen<br />

den Menschen spüren, was seine eigenen Kraftquellen<br />

sind und wie er seinen weiteren <strong>Leben</strong>sweg<br />

gestalten möchte. Häufig ist die Zeit einer<br />

<strong>Krebs</strong>erkrankung auch eine Zeit der Veränderung<br />

und Transformation, die das bisherige <strong>Leben</strong><br />

auf den Prüfstand stellt. Diesen Weg können<br />

wir <strong>mit</strong> Yoga wunderbar begleiten..<br />

Weitere Informationen und Yogalehrer<br />

in Ihrer Nähe finden Sie unter:<br />

www.yoga-und-krebs.de


Patientengeschichte<br />

Mehr auf www.leben<strong>mit</strong>.de I 17<br />

„Mama,<br />

ich brauche<br />

dich noch“<br />

Mehr über Yvonne<br />

erfahren Sie auf:<br />

www.instagram.<br />

com/lachen_<br />

gegen_krebs<br />

Yvonne war 32 Jahre alt, stand <strong>mit</strong>ten im <strong>Leben</strong> und plante ein<br />

zweites Kind, als sie die Diagnose Zervixkarzinom, verursacht<br />

durch HPV 16, bekam. Im Interview spricht<br />

sie über schwierige Operationsentscheidungen,<br />

Palliativtherapie und den Grund, warum sie nie<br />

aufhören wird, für das <strong>Leben</strong> zu kämpfen.<br />

Redaktion Leonie Zell<br />

Fotos privat<br />

<strong>Krebs</strong> ist eine stille Erkrankung, die häufig<br />

lange Zeit symptomfrei verläuft.<br />

Auch ich hatte keinerlei Symptome oder<br />

Beschwerden. Ich bin nur zur Frauenärztin<br />

gegangen, weil ich abklären lassen wollte, ob<br />

ich problemlos ein zweites Kind bekommen<br />

kann. Dabei wurde die <strong>Krebs</strong>vorsorge gleich<br />

<strong>mit</strong>gemacht und der Abstrich eingeschickt.<br />

Dieser war leider auffällig und es wurde<br />

sechs Wochen später ein zweiter Abstrich<br />

gemacht. Der war noch schlechter und<br />

ich bekam die Diagnose HPV-16-positiv,<br />

Gebärmutterhalskrebs.<br />

Und Sie mussten eine Entscheidung<br />

treffen …<br />

Ja, ich musste mich zwischen zwei Operationen<br />

entscheiden. Die erste Variante war die<br />

sicherste, dabei werden die Gebärmutter, der<br />

Eileiter und der Gebärmutterhals entfernt. Bei<br />

der zweiten Variante hätte ich möglicherweise<br />

noch Kinder bekommen können, denn das<br />

war ja mein Herzenswunsch. Doch als mein<br />

damals zwölfjähriger Sohn mein Dilemma<br />

<strong>mit</strong>bekam, sagte er: „Mama, entscheide dich<br />

bitte für die sichere Variante – ich brauche<br />

dich noch. Was will ich <strong>mit</strong> einem Geschwisterchen,<br />

wenn du nicht mehr da bist?“ Das<br />

hat mich dazu bewogen, auf Nummer sicher<br />

zu gehen und die radikale Variante zu wählen.<br />

<strong>Krebs</strong>frei zu sein, war das Ziel der Operation<br />

– doch es kam alles anders.<br />

Nach der überstandenen OP teilten mir die<br />

Ärzte <strong>mit</strong>, dass sie alles entfernen konnten<br />

und ich froh sein kann, denn es waren keine<br />

Lymphknoten befallen und ich sollte mich<br />

so<strong>mit</strong> auf das Gesundwerden konzentrieren<br />

und mein <strong>Leben</strong> weiterleben. Doch ein Jahr<br />

später, während einer Reha, bekam ich starke<br />

Schmerzen im Becken. Ich konnte nicht mehr<br />

richtig laufen und schaffte es nur <strong>mit</strong> starken<br />

Schmerz<strong>mit</strong>teln durch<br />

den Tag. Es begannen<br />

zahlreiche Untersuchungen,<br />

um die Ursache für<br />

die Schmerzen herauszufinden.<br />

Nachdem ich einmal auf den Kopf gestellt<br />

wurde, bekam ich die Diagnose Metastase im<br />

Knochen, ausgehend vom Zervixkarzinom.<br />

Wie haben Sie darauf reagiert?<br />

Ich bekam den Anruf aus der Klinik, als wir<br />

gerade Besuch hatten. Ich weiß noch, dass<br />

ich wie ein Roboter am Telefon war, und nach<br />

dem Gespräch habe ich nur noch geweint.<br />

Wie ging es dann weiter?<br />

Nach der Diagnose besprach sich das<br />

Tumorboard und beschloss eine palliative<br />

Therapie. Damals konnte ich <strong>mit</strong> dem Wort<br />

gar nichts anfangen. Doch es hieß, dass ich<br />

eine Kombination aus Chemotherapie und<br />

anschließend 25-mal Bestrahlung bekomme.<br />

Ich war voller Tatendrang und bereit, gegen<br />

den <strong>Krebs</strong> zu kämpfen. Doch dann kam die<br />

Ärztin und erklärte mir, dass es nicht mehr<br />

heilbar ist und ich nie wieder gesund werden<br />

würde, doch dass versucht wird, meinen<br />

Zustand so lange wie möglich stabil zu halten.<br />

Was ging in diesem Moment in Ihnen vor?<br />

Mit einem Schlag war die Angst übermächtig.<br />

Die Angst zu sterben, meinen Sohn und<br />

meine Familie allein lassen zu müssen. Es<br />

war für mich das Schlimmste, als ich die<br />

neue Diagnose meinem Sohn und meiner<br />

Familie <strong>mit</strong>teilen musste. Mein Sohn<br />

war und ist trotzdem immer derjenige,<br />

für den ich stark sein will! Und so kam es<br />

dann auch. Mit der Hilfe meiner Familie<br />

und meiner Freunde habe ich die Chemo<br />

und Bestrahlung überstehen können.<br />

Jedoch habe ich mich seitdem verändert,<br />

weshalb meine Beziehung in die<br />

Brüche ging und Freundschaften<br />

auseinandergebrochen sind.<br />

Wie werden Sie heute therapiert?<br />

Ich bekomme alle drei Wochen eine Antikörpertherapie<br />

und eine Knochenaufbauspritze.<br />

Woher nehmen Sie die Kraft, weiterzumachen<br />

und nicht aufzugeben?<br />

Mein Ziel war es immer, meinen Sohn<br />

aufwachsen zu sehen, ihm Halt zu geben<br />

und ein gutes Vorbild zu sein. Außerdem<br />

liebe ich das <strong>Leben</strong> und alles, was ich daraus<br />

machen kann. Seit fast vier Jahren habe ich<br />

außerdem meinen Seelenhund gefunden,<br />

der mir zusätzlich zu allen Menschen um<br />

mich herum Kraft gibt, um weiterzumachen.<br />

Was hilft Ihnen in schwierigen Momenten<br />

am meisten?<br />

Ich glaube, es kommt auf die Situation an.<br />

Mir hilft allerdings immer der Rückhalt<br />

meiner Familie und meiner Freunde, das<br />

Zusammensein <strong>mit</strong> meinem Hund oder<br />

einfach der Glaube daran, dass mein Weg<br />

noch nicht zu Ende ist. Ich habe mir aber auch<br />

schon Hilfe geholt durch Psychotherapie, und<br />

auch der Aufenthalt in der psychosomatischen<br />

Tagesklinik hat mir sehr geholfen, aus einem<br />

Tief wieder herauszukommen. Wichtig ist es,<br />

sich eingestehen zu können, dass es keine<br />

Schwäche ist, wenn man um Hilfe bittet. .<br />

Warum Yvonne angefangen hat,<br />

sich zu engagieren, und warum<br />

sie sich für die HPV-Impfung<br />

einsetzt, lesen Sie auf:<br />

www.leben<strong>mit</strong>.de


18<br />

Erfahrungsbericht<br />

Alle Sorgen<br />

fließen <strong>mit</strong><br />

den Wellen<br />

E<br />

ndlich! Endlich bin ich hier, das<br />

habe ich mir schon so lange gewünscht!“,<br />

ruft die 80-jährige Sabine,<br />

als sie das Meer sieht. Sie<br />

ist froh, am Strand zu sein, mal<br />

rauszukommen aus dem Seniorenzentrum<br />

und dem Alltag, der von ihren<br />

multiplen Erkrankungen geprägt ist. Eingemummelt<br />

in Mantel und Schal geht ihr Blick<br />

zum Horizont. Er bleibt irgendwo da draußen<br />

hängen, wo Himmel und Erde sich begegnen.<br />

Alle Sorgen fließen <strong>mit</strong> den Wellen weg. Und<br />

auch die Gewissheit, dass das <strong>Leben</strong> unweigerlich<br />

<strong>mit</strong> dem Sterben in den Tod übergeht.<br />

Mit dem Projekt „Der Wünschewagen –<br />

Letzte Wünsche wagen“ erfüllt der Arbeiter-<br />

Samariter-Bund Deutschland e. V. seit 2014<br />

an <strong>mit</strong>tlerweile 23 Standorten bundesweit<br />

Menschen am Ende ihres <strong>Leben</strong>s einen letzten<br />

Herzenswunsch.<br />

Dabei sind die Wünsche so individuell wie<br />

die Menschen: noch einmal das Meer sehen,<br />

noch einmal das eigene Zuhause besuchen,<br />

die Lieblingsband erleben oder <strong>mit</strong> dem Lieblingsfußballverein<br />

im Stadion fiebern. Das<br />

Besondere an diesem Projekt: Es wird rein ehrenamtlich<br />

getragen und ausschließlich durch<br />

Spenden finanziert. Für die Fahrgäste und<br />

Begleitpersonen sind die Fahrten kostenlos.<br />

Wunschfahrten werden grundsätzlich <strong>mit</strong> den<br />

speziell dafür entwickelten Wünschewagen<br />

durchgeführt, einem Krankentransportwagen,<br />

der neben dem üblichen medizinischen<br />

Equipment über eine besondere Ausstattung<br />

weg<br />

Gastbeitrag<br />

Arbeiter-Samariter-Bund<br />

Deutschland e. V.<br />

wie eine verspiegelte Rundumverglasung für<br />

einen Panoramablick in die Umgebung verfügt<br />

und auch Wunschfahrten über eine längere<br />

Distanz ermöglicht. Und im ASB-Wünschewagen<br />

gehen wirklich (fast) alle Wünsche<br />

in Erfüllung. So spielen die Wunscherfüller<br />

auf der Fahrt nach Scheveningen in Holland<br />

Mozarts „Kleine Nachtmusik“. Sabine dirigiert<br />

und singt aus vollem Herzen <strong>mit</strong>.<br />

Für die Fahrgäste des ASB-Wünschewagens<br />

ist eine Wunschfahrt eine Möglichkeit, für<br />

ein paar Stunden das Krankenhaus, die Pflegeeinrichtung<br />

oder das Hospiz zu verlassen<br />

und Krankheit und Leid zu vergessen. Und so<br />

genießt Sabine aus vollem Herzen – am Zielort<br />

angekommen – die Fahrt am Strand und<br />

das Essen in einem der vielen Restaurants<br />

entlang der Strandpromenade. Sie probiert<br />

„Kibbeling“, und der holländische Backfisch<br />

schmeckt ihr ausgezeichnet. Dass ihre Tochter<br />

<strong>mit</strong> Familie ebenfalls spontan nach Scheveningen<br />

gekommen ist, sorgt für einen zusätzlichen<br />

Höhepunkt.<br />

Die ASB-Wünschewagen<br />

erfüllen sterbenskranken<br />

Menschen jeden<br />

Alters einen letzten<br />

Herzenswunsch.<br />

Knapp 2.000 ehrenamtliche Wunscherfüller<br />

engagieren sich in ihrer Freizeit für das Herzensprojekt<br />

des ASB. Sie sind hauptberufliche<br />

Fachkräfte aus dem medizinischen, pflegerischen<br />

oder rettungsdienstlichen Bereich.<br />

Sie schenken den Wünschewagen-Fahrgästen<br />

und ihren Angehörigen ein wunderbares<br />

Erlebnis, sorgen für unbeschwerte Stunden<br />

und einzigartige Momente, die den Hinterbliebenen<br />

nach dem Unabwendbaren viel<br />

Kraft in ihrer Trauer geben. Ihre Begleitperson<br />

können Fahrgäste frei wählen. Weitere<br />

Familien<strong>mit</strong>glieder, Verwandte oder Freunde<br />

können außerdem selbst zum Zielort anreisen.<br />

Wir sind überzeugt: Die Erfüllung eines<br />

Wunsches ist auch die Würdigung eines<br />

<strong>Leben</strong>s. Der ASB trägt dazu bei, dass seine<br />

Wünschewagen-Fahrgäste in Frieden vom<br />

<strong>Leben</strong> Abschied nehmen können.<br />

Mehr als 3.000 Wünsche haben die ASB-Wünschewagen<br />

bereits deutschlandweit erfüllt.<br />

Die Fahrgäste suchen sich oftmals Orte <strong>mit</strong><br />

Bedeutung in ihrem <strong>Leben</strong>. Nicht selten geht<br />

die Reise noch einmal zum Geburtsort oder in<br />

die ehemalige Heimat, zu Familienfeiern oder<br />

Urlaubsorten. Erinnerungen aufleben lassen,<br />

sich Zeit füreinander nehmen, die Arbeit der<br />

Wünschewagen trägt dazu bei, die Einzigartigkeit<br />

und den unschätzbaren Wert des <strong>Leben</strong>s<br />

stets in Gedanken zu behalten. Das Beschwerliche<br />

des Alltags verliert an Bedeutung,<br />

einzig der schöne Moment, die Wunschfahrt<br />

zählt. Es ist nicht viel nötig, um in diesen Zeiten<br />

glücklich zu sein. Das weiß auch Sabine:<br />

ein herzliches, jederzeit zugewandtes, geduldiges<br />

und in allen Belangen geschultes Team,<br />

ein Wettergott, der unterwegs Schnee und<br />

Graupel schickt, aber am Zielort den Himmel<br />

blau strahlen lässt, ein Wunsch und der Mut,<br />

diesen Wunsch zu wagen. Und schließlich der<br />

ASB-Wünschewagen! Dann ist „Endlich!“ ein<br />

gutes und schönes Wort. Ein Sternenhimmel<br />

im Wünschewagen und „Der Mond ist aufgegangen“<br />

lassen auch die stilleren Momente<br />

der Rückfahrt zu einem besonderen Erlebnis<br />

werden. .


Mehr auf www.leben<strong>mit</strong>.de I 19<br />

ASB-Wünschewagen –<br />

Letzte Wünsche wagen<br />

Schwerstkranken Menschen jeden Alters<br />

einen innigen Wunsch zu erfüllen, dieser<br />

Aufgabe hat sich der Arbeiter-Samariter-<br />

Bund Deutschland e. V. <strong>mit</strong> seinem Projekt<br />

„Der Wünschewagen – Letzte Wünsche<br />

wagen“ verschrieben. 2014 in Essen gestartet,<br />

finden sich ASB-Wünschewagen an<br />

23 Standorten bundesweit. Das Projekt ist<br />

rein ehrenamtlich getragen und wird ausschließlich<br />

durch Spenden finanziert. Für<br />

die Fahrgäste und Begleitpersonen sind die<br />

Fahrten kostenlos. Sie haben selbst einen<br />

letzten Wunsch oder kennen jemanden, der<br />

in der letzten <strong>Leben</strong>sphase gerne etwas<br />

unternehmen würde? Zögern Sie nicht, unsere<br />

Wunscherfüller vor Ort zu kontaktieren:<br />

www.wuenschewagen.de<br />

Spenden helfen uns, die Reisekosten zu<br />

den Wunschorten, die Schulungen unserer<br />

ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer,<br />

Dienstkleidung sowie Anschaffung und<br />

Ausstattung der Fahrzeuge zu finanzieren.<br />

Jede Unterstützung ermöglicht es uns,<br />

letzte Wünsche wahr werden zu lassen.<br />

Werden auch Sie zum Wunscherfüller.<br />

Spendenkonto<br />

Arbeiter-Samariter-Bund<br />

Deutschland e. V.<br />

Bank für Sozialwirtschaft<br />

IBAN: DE84 3702 0500 0007 0607 05<br />

BIC: BFSWDE33XXX<br />

Stichwort: Wünschewagen<br />

Fotos ASB<br />

Der ASB trägt<br />

dazu bei, dass seine<br />

Wünschewagen-<br />

Fahrgäste in Frieden<br />

vom <strong>Leben</strong> Abschied<br />

nehmen können.


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INFONETZ<br />

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WISSEN SCHAFFT MUT<br />

Ihre persönliche<br />

Beratung<br />

Mo bis Fr 8 – 17 Uhr<br />

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