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125_Ausgabe Dezember 2013

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Vorwort<br />

Liebe Leserinnen, liebe Leser,<br />

Weihnachten steht vor der Tür, wie immer<br />

schneller als gedacht und doch dankbar erwartet.<br />

Mancher vertraute Weggefährte kann<br />

es nun nicht mehr miterleben, etwa Malermeister<br />

Friedrich Linke, der über etliche Jahre<br />

hinweg im Aktionskreis für Görlitz dafür<br />

sorgte, daß immer zum Advent ein schmucker<br />

Weihnachtsbaum aus einem Görlitzer<br />

Garten vor dem Postamt stand und für uns<br />

vorweihnachtliche Stimmung erzeugte. Wegen<br />

der Bauarbeiten auf dem Postplatz werden<br />

wir diesmal auf das vertraute Bild verzichten<br />

müssen. Der ersatzweise empfohlene<br />

vorläufige Standort an der Gabelung Berliner<br />

Straße/Salomonstraße erwies sich wegen der<br />

Oberleitungen als unpassierbar für den Kran.<br />

Bis zur Rückkehr an die Post werden wir nun<br />

ein Jahr warten müssen, sofern die Straße<br />

dort nicht wieder für den Autoverkehr geöffnet<br />

wird. Und auch Dr. Reimar Altenkirch, der<br />

so gut Bescheid wußte über die Geschichte<br />

der einst weithin bekannten Kahlbaumschen<br />

Anstalt in Görlitz und deren berühmte Patienten,<br />

ist kurz vor dem Totensonntag von uns<br />

gegangen, für die Forschung zur regionalen<br />

Geschichte ein herber Verlust. Es sind ja gerade<br />

die Älteren, die uns aus eigenem Erleben<br />

so viel zu erzählen wissen über den Zauber<br />

und die Zuversicht der Weihnacht, zumal in<br />

Notzeiten, wie wir sie in Kriegs- und Nachkriegsjahren<br />

so bitter durchstehen mußten.<br />

Auch diesmal finden Sie in unserer <strong>Dezember</strong>-<br />

<strong>Ausgabe</strong> einige Berichte über Görlitzer Weihnachtserlebnisse.<br />

Allen gemeinsam ist die<br />

Dankbarkeit für Eltern und Verwandte, Lehrer<br />

und Freunde, die uns einst das schönste Fest<br />

des Jahres zu einem Kraftquell für das ganze<br />

Leben machten. Die Erinnerung ist bekanntlich<br />

das einzige Paradies, aus dem wir nicht<br />

vertrieben werden können. Der Alltag rund<br />

um das Fest hat sich gewandelt. Aufdringliche<br />

Werbung in Fernsehen und Presse will es zu<br />

einem Kaufrausch verfälschen, Fremdländisches<br />

Christmas-Gedudel in Kaufhäusern und<br />

auf einigen Weihnachtsmärkten will die Stille<br />

und Gefühlstiefe unserer heimatlichen Bräuche<br />

überdröhnen. Einige Jugendliche verbinden<br />

den Heiligen Abend mit der neuen Wortprägung<br />

vom „Geschenke-Abfassen“. Aber<br />

die meisten Eltern und Großeltern und auch<br />

die Kinder lassen sich nicht davon abbringen,<br />

das Weihnachtserlebnis nach unserem traditionellen<br />

Verständnis zu gestalten und dabei<br />

die Generationen mit ihren Erinnerungen und<br />

Erwartungen zusammenzuführen – gestern,<br />

heute und in Zukunft. Unser StadtBILD-Verlag<br />

aber übergibt seinen Lesern diesmal die<br />

<strong>125</strong>. <strong>Ausgabe</strong> als Festgruß und dankt allen<br />

Text- und Bildautoren, allen Lesern und Sympathisanten<br />

für ihr freudiges Mittun, für ihre<br />

Treue und manche Ermutigung. Neue Beiträge<br />

liegen bereit. Auf Ihre Vorschläge und Zuschriften<br />

freut sich mit der Redaktion<br />

Ihr Ernst Kretzschmar<br />

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Einleitung<br />

3


Weihnachten in Görlitz früher<br />

in<br />

–<br />

Görlitz<br />

Werner Jungnitsch, Köln,<br />

geboren 1922 in Görlitz,<br />

damals Weberstraße 13<br />

Wer kennt sie noch, die Sitten und Gebräuche<br />

zur Weihnachtszeit? Notizen<br />

meines Vaters bieten die Möglichkeit,<br />

etwas näher darauf einzugehen.<br />

„Oh du fröhliche, o du selige, gnadenbringende<br />

Weihnachtszeit.“ Fröhlich?<br />

Selig? Gnadenbringend? Pustekuchen!<br />

Anno 1921 wütete die Inflation. Das Geschäft<br />

meines Vaters ging in Konkurs,<br />

und ich war „im Anmarsch“. Mutter<br />

schuftete von früh bis spät mit Nähen,<br />

Stricken, Putzen, nur um Miete und<br />

Grundnahrungsmittel erwirtschaften<br />

zu können. Ich kam ein Jahr nach der<br />

Inflation in Görlitz zur Welt und erlebte<br />

ganz bewußt meine erste Weihnachtszeit.<br />

Ich war drei Jahre alt.<br />

Einige Tage vor Heilig-Abend war es<br />

Usus, mit der Weihnachtsbäckerei zu<br />

beginnen. Die Zutaten allerdings suchte<br />

man vergeblich. Die Mutter hatte zwei<br />

Schwestern, die, unabhängig voneinander,<br />

eine kleine Landwirtschaft betrieben.<br />

Sie waren die „rettenden Engel“.<br />

Vom Himmel herab purzelten zwei<br />

große Pakete, direkt in die Arme meiner<br />

glücklichen Mutter. (Das waren die<br />

Gedanken eines dreijährigen Bengels)<br />

In einem Paket befanden sich alle Zutaten,<br />

in dem anderen „schlummerte“<br />

eine dicke, fette Gans. Sofort ging es<br />

ans Werk mit dem fulminanten Ergebnis:<br />

Ein Streusel-, ein Zuckerkuchen<br />

und zwei wohlgeformte Striezel. Mutter<br />

konnte zaubern!<br />

Heilig-Abend. Vater nahm mich an der<br />

Hand, und ich trippelte mit ihm, unter<br />

Glockengeläut, in die nahegelegene<br />

Peterskirche zum Gottesdienst. Der gewaltige<br />

Orgelklang ergriff mich derart,<br />

daß mir etliche Tränen die Wangen herunter<br />

tröpfelten. Die Predigten zelebrierten,<br />

jährlich alternierend, die Pfarrer<br />

HORST, TREU und ÜBERSCHAER. Zwischenzeitlich<br />

hatte Mutter das Abendessen<br />

bereitet: Schlesische Bratwurst<br />

mit Kartoffelbrei und Sauerkraut. Andere<br />

Familien bevorzugten gebackenen<br />

Karpfen mit Kartoffelsalat. Jetzt begann<br />

der sich jährlich fortsetzende Ritus. Als<br />

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4<br />

Weihnachtliches


Leserbriefe<br />

erinnern sich<br />

Am Wegekreuz auf dem Postplatz, Winter 1926<br />

ich das Nebenzimmer betrat, faszinierte<br />

mich der mit Lametta geschmückte<br />

Tannenbaum, der eine Fichte war. Das<br />

warme Licht der Kerzen schuf eine ganz<br />

besondere Atmosphäre. Ein Terzett, wie<br />

Vater den aus drei Gestalten bestehenden<br />

„Chor“ nannte, intonierte nun den<br />

„Ros, der aus einer zarten Wurzel ent-<br />

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Weihnachtliches<br />

5


Weihnachten in Görlitz früher<br />

in<br />

–<br />

Görlitz<br />

Schulanfang 1928<br />

sprungen“ war. Mit sonorer<br />

Stimme las Vater andächtig<br />

die Weihnachtsgeschichte,<br />

worauf die „Stille Nacht, in<br />

der niemand schläft und<br />

keiner wacht“, diesen Teil<br />

abschloss. Ein für mich<br />

bestimmtes Geschenk<br />

verlieh dem Zimmer eine<br />

besondere Note: Ein gebrauchtes<br />

Schaukelpferd –<br />

das nicht schaukeln wollte.<br />

Stolz saß ich auf dem edlen<br />

Roß und grüßte majestätisch<br />

meine Eltern. Ein<br />

Gläschen Glühwein für die<br />

Eltern, eine Tasse Kakao<br />

für mich beschlossen diesen<br />

herrlichen Abend, und<br />

wir sanken ermüdet „in die<br />

Falle“. Nach dem Festgottesdienst<br />

am 1. Feiertag in<br />

der Peterskirche erwartete<br />

uns ein köstliches Mahl:<br />

Gänsebraten mit Klößen<br />

und Rotkohl. Der 13. Heilig-Abend<br />

sollte der letzte<br />

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6<br />

Weihnachtliches


Leserbriefe<br />

erinnern sich<br />

mit meinem Vater sein<br />

– er verstarb. Ich war 14<br />

Jahre alt.<br />

Es war der Beginn ständiger<br />

Veränderungen – ein<br />

Wandel. Um den darauf<br />

folgenden Heilig-Abend<br />

nicht mit mir allein zu sein,<br />

hatte Mutter eine Freundin<br />

eingeladen. Sie war ein<br />

Mitglied der „Kirche Jesu<br />

Christi“ – eine Mormonin.<br />

Heftige Zwiste in Glaubensfragen<br />

überschatteten<br />

den sonst immer friedlichen<br />

Abend.<br />

Anno 1941 verließ ich<br />

meine Heimatstadt, um<br />

die in Görlitz begonnene<br />

Gesangsausbildung an der<br />

„Academie für Musik“ in<br />

Berlin fortzusetzen. Meine<br />

Vermieterin gab mir den<br />

Tipp, eine Andacht in der<br />

St. Hedwigs-Kathedrale<br />

zu besuchen, in der Prälat<br />

Lichtenberg täglich eine Schoppenstedt 1948<br />

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Weihnachtliches<br />

7


Weihnachten in Görlitz früher<br />

in<br />

–<br />

Görlitz<br />

Predigt hielt. Es war gespenstisch! Er<br />

betete für die armen, verfolgten Juden,<br />

obwohl ihm bewußt war, daß der<br />

„Staatssicherheitsdienst“ an den Türen<br />

lauschte. Auf dem Transport 3 Jahre<br />

später nach Auschwitz verstarb er. Am<br />

Heilig-Abend war ich allein.<br />

Am Anfang des Jahres 1942 rief mich<br />

Hitler „zu den Waffen“. Nach der Grundausbildung<br />

versetzte man mich in ein<br />

Lazarett zur Ausbildung als Abtl.-Arztschreiber.<br />

Der Heilig-Abend mit Kranken<br />

und Verwundeten fand in einer Aula<br />

statt und wurde „entchristianisiert“.<br />

Anstelle schöner Weihnachtslieder<br />

sang man das Deutschland- und Horst-<br />

Wessel-Lied. Gast 1943 war der Propagandaminister<br />

Josef Goebbels, der mit<br />

Stentorstimme dreist verkündete, daß<br />

der Endsieg unmittelbar bevorstehe.<br />

Ein eisiges Schweigen erfaßte die mit<br />

schweren Erfrierungen aus Stalingrad<br />

heimgekehrten Soldaten.<br />

Kurz vor „Toresschluß“ heiratete ich eine<br />

Breslauerin, geriet in amerikanische<br />

Gefangenschaft und wurde im Herbst<br />

nach Schöppenstedt bei Wolfenbüttel<br />

entlassen. Den ersten Nachkriegs-Heilig-Abend<br />

erlebte ich mit meiner Frau<br />

in einem pompös möblierten Zimmer:<br />

1 Bett, 2 Stühlen mit Tisch, einer großen<br />

Holzkiste und einem Kanonenofen,<br />

dem jegliche „Nahrung“ fehlte. Dick<br />

verpackt, bei minus 15 Grad, saßen wir<br />

neben dem auf der Holzkiste stehenden<br />

Tannenbaum. Die wohlig leuchtenden<br />

Kerzen erwärmten unsere Seelen, und<br />

wir waren glücklich, dem Inferno entwischt<br />

zu sein. Ein Berufs- Salonorchester<br />

verpflichtete mich als Sänger. Wir<br />

gründeten mit zwei Solisten des Staatstheaters<br />

Braunschweig ein „Musikalischliterarisches<br />

Kabarett“ und tuckelten mit<br />

einem eigenen Autobus fünf Jahre lang<br />

durch das schöne Niedersachsen.<br />

Die Sitten und Gebräuche wandelten<br />

sich abermals. Die Kirchen veranstalteten<br />

oft Konzerte am Heilig-Abend für<br />

Solisten, Chor und Orchester, in denen<br />

ich den Tenorpart übernahm. Daheim<br />

musizierte ich mit meiner Frau gemeinsam<br />

und hörte das Weihnachtsoratorium<br />

von J.S. Bach.<br />

Nach 56 Jahren glücklichem Zusam-<br />

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8<br />

Weihnachtliches


Leserbriefe<br />

erinnern sich<br />

Weihnachten 1942 im Lazarett, Goebbels beim Durchhalteappell<br />

menseins verstarb meine liebe Frau. Es<br />

wurde dunkel... Jetzt bin ich schwerbehindert,<br />

werde „gerollert“ und täglich<br />

von einer lieben Freundin rührend und<br />

fürsorglich betreut. 91 Jahre Weihnacht!<br />

Welche Gnade, welche Demut, welche<br />

Freude und auch Leid. Vor allem aber -<br />

DANKBARKEIT.<br />

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Weihnachtliches<br />

9


Weihnachten in Görlitz früher<br />

in<br />

–<br />

Görlitz<br />

Elfriede Terp, geborene Huckauf,<br />

geboren 1931,<br />

Melanchthonstraße 52, Görlitz<br />

Unter dem Weihnachtsbaum, 1936<br />

Noch respektable Temperaturen und<br />

viele Stunden Sonnenschein täuschen<br />

bei einem Blick auf den Kalender nicht<br />

darüber hinweg, daß es mit Riesenschritten<br />

auf die Adventszeit und damit<br />

auf Weihnachten zugeht. Vielleicht,<br />

besonders für die älteren Bürger, ein<br />

Anlaß, sich zu erinnern, wie war das eigentlich<br />

zu unseren durch Kriegs- und<br />

Nachkriegszeiten geprägten Kinder- und<br />

Jugendzeiten?<br />

Auf jeden Fall war die Vorweihnachtszeit<br />

immer eine Zeit, in der wir viel gesungen<br />

haben sowie Gedichte gelernt<br />

wurden für bevorstehende Weihnachtsfeiern,<br />

aber auch für das Fest ganz in<br />

Familie. Angesichts knapper Möglichkeiten<br />

– kriegsbedingt – und eines nach<br />

heutigem Urteil völlig undiskutablen<br />

Taschengeldes stand das Basteln hoch<br />

im Kurs. Je nach Alter dominierten dabei<br />

Arbeiten für Geschenke aus Buntpapier,<br />

Pappe und Holz. Wem es gelang, im Bastelhaus<br />

von Frau Heidrich, Görlitz, Bismarckstr.<br />

11, eine Platte Laubsägeholz<br />

sowie eine Packung (12 St.) Lausägeblätter<br />

zu erwischen, der konnte mit ei-<br />

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10<br />

Weihnachtliches


Leserbriefe<br />

erinnern sich<br />

niger Geschicklichkeit, sofern noch keine<br />

Abbildung vorgezeichnet war, mit Hilfe<br />

von Pauspapier oder je nach Talent mit<br />

dem Bleistift selbst ein Motiv aufbringen<br />

und aussägen. So entstanden mit oder<br />

ohne nachfolgende Bemalung Wandbilder,<br />

Brief- und Serviettenständer und<br />

Anderes. Jedoch auch das Nähen neuer<br />

Puppenbekleidung aus Stoffresten oder<br />

ausrangierten, aber unversehrten Kleidungsstücken<br />

war üblich. Ebenso genähte,<br />

gestrickte oder gehäkelte Behältnisse<br />

für Taschentücher. Zwar enthielt<br />

die jeweils gültige Reichskleiderkarte<br />

sowohl für Kinder, als auch für Frauen<br />

und Männer die Position „Strick- und<br />

Handarbeitsgarne“, dafür waren aber für<br />

je 100 g 4 bis 6 Punkte fällig. Eine <strong>Ausgabe</strong>,<br />

die man sich bei den insgesamt<br />

zur Verfügung stehenden Punkten meist<br />

nicht leisten konnte. Daher wurde bereits<br />

im Sommer geplant, welche Textilie<br />

für das einzelne Familienmitglied vonnöten<br />

und als Geschenk zu Weihnachten<br />

geeignet sei. Ebenso war es beizeiten<br />

erforderlich, wegen der für den Einkauf<br />

gültigen und weitgehend bestimmenden<br />

Lebensmittelkarten. Dabei ging es<br />

um Kleingebäck, diverse Plätzchen und<br />

natürlich um Stollen. Inwieweit der Stollenteig,<br />

der am Abend vorher zu Hause<br />

zubereitet und als Knetteig die Nacht im<br />

Warmen verbrachte, den traditionellen<br />

Rezepten entsprach, zeigte sich bereits<br />

am nächsten Morgen am Glanz der äußeren<br />

Schicht. Die Hausfrauen übergaben<br />

ihr Werk samt den familieneigenen<br />

Stollenzeichen dann dem Bäcker, um am<br />

Nachmittag das fertige Gebäck mit den<br />

unterschiedlichsten Transportmitteln<br />

möglichst heil nach Hause zu bringen.<br />

Dort folgte üblicherweise das Buttern<br />

und Zuckern der Stollen, beschränkte<br />

sich aber oft wegen Mangels an Fettigkeit<br />

oder Puderzucker nur auf einen Artikel<br />

bzw. entfiel vollkommen. Trotzdem,<br />

es gab Stollen, der traditionsgemäß erst<br />

am 1. Advent angeschnitten und, um<br />

Geschmack zu gewinnen, ca. 4 Wochen<br />

vorher gebacken wurde.<br />

Eine spannende Angelegenheit war<br />

auch in jedem Jahr das Schreiben des<br />

Wunschzettels an das Christkind oder<br />

den Weihnachtsmann. Mit wieviel Liebe<br />

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Weihnachtliches<br />

11


Weihnachten in Görlitz früher<br />

in<br />

–<br />

Görlitz<br />

wurden diese Wunschzettel meist gestaltet<br />

und wieviel Sehnsüchte und Träume<br />

enthielten sie bereits vor 70 oder 80 und<br />

noch mehr Jahren! Bei den Mädchen<br />

dominierte die Welt der Puppen und<br />

bei den Jungen die der Eisenbahnen<br />

und der Baukästen. Je wahrnehmbarer<br />

die Geschehnisse des 2. Weltkrieges in<br />

der Heimat wurden, änderten sich auch<br />

die Inhalte der Wunschzettel und beschränkten<br />

sich, so der Vater oder andere<br />

männliche Familienangehörige im<br />

Fronteinsatz waren, nur noch auf die<br />

Bitte und Hoffnung, daß sie Weihnachten<br />

zu Hause sein könnten oder gesund<br />

bleiben. Die Häufigkeit der sogenannten<br />

„Dunkelstunden“ nahm jahreszeitlich<br />

bedingt in den Vorweihnachtswochen<br />

ebenfalls stark zu. Im Übergang von<br />

Dämmerung zu absoluter Dunkelheit<br />

versammelte Oma oder Opa oder ein Elternteil<br />

die Enkel bzw. Kinder am kuschligen<br />

Kachelofen und erzählte Märchen,<br />

aber auch Geschichten und Erlebnisse<br />

aus ihrer Kinder- und Jugendzeit.<br />

Im Stadtbild selbst war, beginnend nach<br />

dem Totensonntag, die Weihnachtszeit<br />

nicht nur in den weihnachtlich<br />

geschmückten Schaufenstern und Geschäften<br />

sowie den aufgestellten Weihnachtsbäumen<br />

sichtbar. Dabei unvergessen<br />

der alljährlich im Karstadt-Kaufhaus<br />

aufgestellte, über alle Etagen reichende,<br />

prächtig dekorierte Christbaum.<br />

Aller weihnachtlicher Schmuck in der<br />

Öffentlichkeit war, was die Beleuchtung<br />

betrifft, sehr stark beeinträchtigt durch<br />

die im Krieg gültige Verdunkelung. Die<br />

Hausfrauen hatten zunehmend Sorge,<br />

wie es ihnen gelingen wird, immer angesichts<br />

der Lebensmittelmarken, aber<br />

auch des stark landwirtschaftlich geprägten<br />

damaligen Kreises Görlitz, Gans<br />

oder Ente oder auch Pute als Braten für<br />

den 1. Weihnachtsfeiertag zu besorgen.<br />

Die für den Weihnachtsabend traditionelle<br />

ungebrühte Bratwurst mit leichtem<br />

Zitronengeschmack war bei sparsamem<br />

Umgang mit den Marken nicht das Problem.<br />

Ebenfalls ziemlich einfach war der Kauf<br />

eines Weihnachtsbaumes. Damals eigentlich<br />

nur Fichte, der dann durch falsche<br />

Aufbewahrung – meist außen am<br />

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12<br />

Weihnachtliches


Leserbriefe<br />

erinnern sich<br />

Elfriede mit Mutter, 1937<br />

Fenster hängend oder auf dem Balkon<br />

bzw. im Keller stehend – schon beim<br />

Schmücken, sehr zur Freude der Hausfrau,<br />

mit dem Nadeln begann.<br />

Voller Spannung, aber auch traditionell,<br />

verlief der „Heilige Abend“. Als Mittagessen<br />

gab es in den meisten Familien<br />

das „Gänseklein“ mit Bandnudeln oder<br />

Reis. Die Weihnachtsstube war oft schon<br />

ab morgens „Tabuzone“. Dort bemühte<br />

sich der Haushaltungsvorstand um den<br />

Christbaum. Es mußte vom Anblick her<br />

die Schokoladenseite gefunden werden.<br />

Unterdessen war es dann bereits Zeit für<br />

die Christnacht. Sie fand in den meisten<br />

Gemeinden um 16.00 Uhr oder 18.00<br />

Uhr statt und wurde in der Mehrzahl<br />

von der gesamten Familie besucht. Bei<br />

der Rückkehr gab es noch eine kleine<br />

Pause, bis die Kartoffeln gar und die geliebte<br />

Bratwurst braun und knusprig sowie<br />

das Sauerkraut aufgewärmt wurden<br />

und das festliche Mahl in ebensolcher<br />

Kleidung eingenommen werden konnte.<br />

Danach konzentrierte sich die Spannung<br />

auf das Ertönen der Glocke oder Bimmel<br />

als Zeichen für die Öffnung der Weihnachtsräumlichkeit<br />

und den Sturm auf<br />

die liebevoll dekorierten bzw. verpackten<br />

Geschenke. Das Öffnen derselben<br />

erfolgte jedoch nicht wie heute meist<br />

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Weihnachtliches<br />

13


Weihnachten in Görlitz früher<br />

in<br />

–<br />

Görlitz<br />

Weihnachten 1939, Elfriede mit den Eltern<br />

üblich durch respektloses Aufreißen und<br />

Zusammenknüllen des gesamten Verpackungsmaterials<br />

sowie anschließendes<br />

Entsorgen, sondern die damals üblichen<br />

Stoffbänder in rot oder grün, teilweise<br />

mit Goldeffekten, wurden sorgfältig aufgeknotet<br />

und aufgewickelt, um ähnlich<br />

wie das gefaltete Geschenkpapier nach<br />

vorsichtiger Behandlung mit einem Bügeleisen<br />

für eine erneute Verwendung<br />

zur Verfügung zu stehen.<br />

Zum Ritual am Weihnachtsabend gehörte<br />

in einigen Familien auch das Fotografieren<br />

der Anwesenden. Die Bilder der<br />

jeweiligen Kriegsweihnacht lassen bei<br />

näherer Betrachtung der Gesichter der<br />

Erwachsenen das Zeitgeschehen erkennen.<br />

Besonders ausgeprägt ist dies 1944<br />

und 1945. Waren es doch Weihnachten,<br />

wo fast nirgends mehr die Familie komplett<br />

vorhanden war und trotz Beendigung<br />

des 2. Weltkrieges die primitivsten<br />

Fragen des täglichen Lebens im Vordergrund<br />

standen. Dabei ging es nicht<br />

nur um die tägliche Ernährung oder das<br />

Dach über dem Kopf, sondern z.B. auch<br />

darum, kann es sich die Familie angesichts<br />

des monatlichen zur Verfügung<br />

stehenden Strom- und Gaskontingents<br />

und des bevorstehenden Weihnachtsfestes<br />

leisten, mal zu baden?<br />

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14<br />

Weihnachtliches


Leserbriefe<br />

erinnern sich<br />

Fast hören sich solche Dinge an wie<br />

ziemlich unwahrscheinliche Märchen aus<br />

längst vergangenen Zeiten. Gerade weil<br />

das nicht zutrifft, sollte die ältere Generation<br />

die jüngeren Generationen immer<br />

wieder daran erinnern, wie gut es uns<br />

doch geht und wie selbstverständlich<br />

die vielen Dinge, die unser Leben heute<br />

ausmachen, hingenommen werden.<br />

Gerade angesichts des bevorstehenden<br />

Festes des Friedens und der Familie<br />

sind solche Erinnerungen auch Anlaß,<br />

die Frage der eigenen Zufriedenheit<br />

zu überdenken mit Blick auf das große<br />

Elend, das es noch auf der Welt gibt.<br />

Die Familie Weihnachten 1945<br />

Hannelore Klar, geborene Ulbrich,<br />

geboren 1944, damals<br />

Biesnitzer Straße 72, Görlitz<br />

Weihnachten in meiner Kindheit – ja wie<br />

war das eigentlich? Es ist lange her, und<br />

damals war der Krieg erst seit kurzem<br />

vorüber. Wir feierten das Fest aller Feste<br />

zu dritt – meine Mutter, mein Bruder und<br />

ich. Damals hatten wir ein Klavier, auf<br />

dem meine Mutter die üblichen Weihnachtslieder<br />

spielte, die wir gemeinsam<br />

sangen. Danach gab es die Geschenke<br />

– sicher in anderen Dimensionen, als<br />

das heute allgemein der Fall sein dürfte.<br />

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Weihnachtliches<br />

15


Weihnachten in Görlitz früher<br />

in Görlitz<br />

Hannelore mit Mutter und Bruder 1950<br />

Aber meine Mutter setzte alles daran,<br />

uns so viele Freuden wie möglich zu bereiten.<br />

Und das ist ihr mehr als gelungen.<br />

Soweit meine Erinnerungen zurück<br />

reichen, gab es am Nachmittag Stollen<br />

und am Abend Bratwurst mit Sauerkraut<br />

und Rührkartoffeln – eine Tradition, die<br />

ich auch selbst bis heute beibehalten<br />

habe.<br />

Bei uns war das Fest nicht vorrangig<br />

christlich geprägt. Meine Mutter hat es<br />

dem lieben Gott wohl übelgenommen,<br />

dass er meinen Vater am letzten Kriegstag<br />

im fernen Dänemark an seiner Verwundung<br />

hatte sterben lassen. Unser<br />

Weihnachten war immer harmonisch<br />

und wunderschön – vor allem auch, weil<br />

wir drei uns hatten.<br />

(In Kürze erscheint<br />

eine<br />

weitere Neuauflage<br />

ihres Buches<br />

„Auf den<br />

Spuren meines<br />

Vaters“.)<br />

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16<br />

Weihnachtliches


Weihnachtsgedicht<br />

Dichters Weihnachtliches Turmblasen<br />

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Weihnachtliches<br />

17


Mein<br />

<strong>125</strong>. <strong>Ausgabe</strong><br />

Heilig-Abend<br />

StadtBILD –<br />

Es ist schon eine kleine unglaubliche<br />

Erfolgsgeschichte des StadtBILDes, die<br />

vorerst mit der vorliegenden Jubiläumsausgabe<br />

ihren derzeitigen Höhepunkt<br />

erfährt, und in Anbetracht dessen, dass<br />

dieses Stadtjournal im Januar in den 15.<br />

Jahrgang geht, ist eine Ende nicht in<br />

Sicht.<br />

Mitte und Ende der 1990er Jahre sprossen<br />

Görlitzer Stadtillustrierte förmlich aus<br />

dem Boden. Neben dem alteingessenen<br />

und damals vom Fremdverkehrsverein finanzierten<br />

„Görlitz Mosaik“ betraten aber<br />

auch Titel wie „Der Türmer“ und im Anschluss<br />

„Der Flüsterbogen“ das Terrain.<br />

Nicht zu vergessen der „Regio-Live-Report“<br />

und das „Heimat-Echo“.<br />

Heute ist es kaum noch zu glauben, mit<br />

wieviel technischem Aufwand diese Journale<br />

produziert wurden. Die damaligen<br />

Datenmengen waren für die Rechnergeneration<br />

dieser Zeit überhaupt nicht händelbar.<br />

Nächtelang wurden die Daten auf<br />

„zip-Disketten“ in qualmenden Büros gebannt,<br />

um sie den Druckereien zu liefern.<br />

Was aber alle diese kleinen Stadtjournale<br />

ausmachte, dass sie mit Ausnahme des<br />

„Görlitz-Mosaiks“ im klassischen Format<br />

Din A4 erschienen, wobei der Inhalt<br />

schwarz und weiß und der Umschlag farbig<br />

waren.<br />

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18<br />

Rückblick


im<br />

eine Erfolgsgeschichte<br />

Wandel der Zeit<br />

Als mein Bruder und ich uns im <strong>Dezember</strong><br />

1999 für eine neue Form von Stadtmagazin,<br />

ein Heimatjournal mit dem Arbeitstitel<br />

„StadtBILD“, entschieden, war noch<br />

nicht daran zu denken, dass wir 14 Jahre<br />

später die <strong>125</strong>. <strong>Ausgabe</strong> in den Händen<br />

halten können. Wir entschieden uns damals<br />

für das handlichere A5-Format und<br />

ließen in der Druckerei Dünnbier in Großschönau<br />

eine spezielle gemischte HKS-<br />

Farbe entwickeln, die einem Dunkelbraun<br />

statt dem klassischen Schwarz entsprach.<br />

Außerdem ließen wir bereits die erste<br />

<strong>Ausgabe</strong> auf glänzendem Bilderdruckpapier<br />

statt dem normalen Offsetpapier<br />

drucken.<br />

Die erste <strong>Ausgabe</strong>, die Ende Januar 2000<br />

erschien, umfaßte 28 Seiten und ist bis<br />

heute bei den Sammlern legendär. Aber<br />

stilistisch ist sie unter den heutigen Aspekten<br />

ein Graus. Fast jede Überschrift<br />

beinhaltete eine andere Schriftart, es gab<br />

kein richtiges Satzmuster, und die Insertionen<br />

wurden ein wenig willkürlich platziert.<br />

Dies änderte sich vorerst auch nicht<br />

bei den folgenden <strong>Ausgabe</strong>n, die alle zwei<br />

Monate erschienen.<br />

Ich erinnere mich noch, dass dieser<br />

wirklich bis heute einzigartige Sammlerhype<br />

erst so nach der 6. <strong>Ausgabe</strong>, der<br />

Weihnachtsausgabe 2000, begann. Danach<br />

waren die alten <strong>Ausgabe</strong>n ständig<br />

begehrt und noch viel später bei den<br />

Sammlerbörsen hochdotiert, sei es nicht<br />

unbedingt wegen des Inhaltes gewesen<br />

und des stylistischen Satzes, sondern<br />

doch eher weil sie durch die anfängliche<br />

Nichtbeachtung einfach Raritäten wurden.<br />

Daraus resultierte dann auch unsere<br />

Idee, eine Zusammenfassung der ersten<br />

12 <strong>Ausgabe</strong>n als StadtBILD-Jahrbuch<br />

2003 zu produzieren, ein weiteres folgte<br />

dann jeweils für 2004 und 2005.<br />

In dieser Zeit zwischen 2001 und 2005<br />

entstanden kurzzeitig das StadtBILD für<br />

Zittau und auch für Bautzen mit 16 bzw.<br />

12 <strong>Ausgabe</strong>n. Ein Zittauer Jahrbuch erschien<br />

zum Tag der Sachsen in Zittau.<br />

Markenzeichen der StadtBILD-Hefte und<br />

Jahrbücher zu dieser Zeit war weiterhin<br />

die von der Druckerei Dünnbier entwickelte<br />

Sonderfarbe auf den Innenseiten.<br />

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Rückblick<br />

19


im<br />

eine Erfolgsgeschichte<br />

Wandel der Zeit<br />

Mitte der 2000er Jahre entwickelte sich<br />

der Druckmarkt rasant, die Preise für<br />

Druckprodukte gingen auf Grund des<br />

hohen Angebotes nahezu in den Keller.<br />

Online-Druckreien wuchsen wie Pilze aus<br />

dem Boden, und es wurde ein regelrechter<br />

Preiskrieg im Bereich der Flyer entfacht,<br />

die in gigantischen Stückzahlen<br />

überall verteilt und ausgelegt wurden.<br />

Um dieser wahren Übersättigung mit den<br />

Wurfzetteln entgegenzuwirken, entstanden<br />

Magazine wie der Nightliner oder das<br />

Port 1 im Pocketformat, die die zahlreichen<br />

Inhalte der umherliegenden Flyer<br />

mit redaktionellen Texten, Terminen und<br />

wichtigen Fakten einbanden.<br />

Diese Entwicklung hatte auch für das<br />

StadtBILD ihr Gutes. Durch die sinkenden<br />

Druck-Preise gegenüber den Anfangsjahren<br />

wurde es nun möglich, das gesamte<br />

Heft komplett vollfarbig zu drucken, ohne<br />

die Anzeigenpreise für die Inserenten zu<br />

erhöhen. Aber es mußten natürlich auch<br />

das Layout an die neuen Möglichkeiten<br />

angepasst, die zahlreichen Anzeigenvorlagen<br />

von einfarbig auf vierfarbig geändert,<br />

und der Rhythmus mußte wegen<br />

des Druckvolumens, das die günstigen<br />

Preise sicherte, von zweimonatlich auf<br />

monatlich umgestellt werden.<br />

Mit der <strong>Ausgabe</strong> 40 war es soweit. Es<br />

wurde ein völlig neues, zeitgemäßes Lay-<br />

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Rückblick<br />

21


Mein<br />

<strong>125</strong>. <strong>Ausgabe</strong><br />

Heilig-Abend<br />

StadtBILD –<br />

out etabliert und der Übergang von der<br />

Wort-Bild-Marke zur Marke „StadtBILD“<br />

vollzogen. Gleichzeitig konnte der Görlitzer<br />

Künstler Andreas Neumann-Nochten<br />

für die Editoriale der folgenden <strong>Ausgabe</strong>n<br />

gewonnen werden. Er steuerte dann in<br />

den nächsten <strong>Ausgabe</strong>n beim herausnehmbaren<br />

Kulturfalter seine originellen<br />

Karikaturen mit bei. Allerdings war der<br />

Kulturfalter eher eine Übergangslösung,<br />

da es vielen Leuten in der Stadt wichtig<br />

war, die kulturellen Höhepunkte der Europastadt<br />

monatlich in einem Druckprodukt<br />

zu wissen, was eigentlich mit der Grundausrichtung<br />

des StadtBILDes als Heimatmagazin<br />

auf Dauer nicht vereinbar war.<br />

Darum fiel dann auch folgerichtig die Entscheidung,<br />

ein separates Kulturmagazin<br />

für die Oberlausitz, das „kulturrosso“, zu<br />

entwickeln.<br />

In dieser Zeit wurde die Zusammenarbeit<br />

mit Dr. Ernst Kretzschmar, der bereits<br />

langjährig für das StadtBILD sporadisch<br />

geschrieben hatte, intensiviert.<br />

Das erste Projekt war das Buch: „Görlitz<br />

als preußische Garnisonstadt“, das jahrelang<br />

in einer Schublade eines Verlages<br />

aus den alten Bundesländern abgetaucht<br />

war.<br />

Die Schriftenreihe über Görlitzer Plätze<br />

und Straßen mit Band 1, dem Postplatz,<br />

Band 2, dem Obermarkt, und Band 3, der<br />

Berliner Straße, folgten.<br />

Seit der <strong>Ausgabe</strong> 78 schreibt Dr. Ernst<br />

Kretzschmar monatlich das Vorwort für<br />

jede StadtBILD-<strong>Ausgabe</strong>. Aber nicht nur<br />

das, er steuerte seitdem monatlich unzählige<br />

redaktionelle Beiträge jeder <strong>Ausgabe</strong><br />

bei, ließ wichtige Jubiläen der Stadtgeschichte<br />

dabei genauso wenig außer<br />

Acht wie auch Geburtstage und Todestage<br />

namhafter Görlitzer Persönlichkeiten,<br />

um an diese zu erinnern.<br />

Seit dieser Zeit redigiert Herr Dr. Kretzschmar<br />

jede <strong>Ausgabe</strong> und hat immer<br />

schon Ideen für das neue Magazin und<br />

die Titelgestaltung.<br />

An dieser Stelle sei ein besonderer Dank<br />

von der gesamten Redaktion an Dr. Ernst,<br />

wie wir ihn liebevoll nennen, gerichtet, der<br />

tatkräftig zum inhaltlichen Aufschwung<br />

des Magazins beitrug.<br />

Ebenfalls richten wir unseren Dank an<br />

die vielen ehrenamtlichen Autoren, die<br />

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22<br />

Rückblick


im<br />

eine Erfolgsgeschichte<br />

Wandel der Zeit<br />

dem StadtBILD in<br />

den vergangen Jahren<br />

sein Kolorit gaben<br />

und es nie langweilig<br />

werden ließen. Vielen<br />

Dank an Andreas Riedel,<br />

Wolfgang Besser,<br />

Wolfgang Stiller, Uwe<br />

Kahl, Frau Matthieu,<br />

Aline Förster (Tourist-<br />

Information Großschönau).<br />

Leider können wir an<br />

dieser Stelle nicht alle<br />

nennen, auch nicht<br />

die zahlreichen Leser mit ihren interessanten<br />

Jugendberichten, Leserbriefen<br />

und geschichtlichen Informationen.<br />

Unser Dank gilt aber auch unseren langjährigen<br />

Inserenten und Ihnen als treuen<br />

Lesern. Ohne Sie wäre diese Erfolgsgeschichte<br />

nicht möglich gewesen. Als<br />

kleines Dankeschön haben wir in diesem<br />

Jahr unsere erste Sonderedition anläßlich<br />

der <strong>125</strong>. Jubiläumsausgabe „Flüsternde<br />

Heimlichkeiten“ herausgegeben. Diese<br />

hochwertige Broschüre im handlichen<br />

A5- Querformat wird Sie durch die besinnliche<br />

Adventszeit mit 24 kleinen und<br />

großen Überraschungen von Handel,<br />

Freizeit und Gastronomie begleiten.<br />

Und soviel sei schon verraten, es wird<br />

nicht die letzte Sonderedition bleiben.<br />

Im Namen der Redaktion wünsche ich Ihnen<br />

eine besinnliche Weihnachtszeit, ein<br />

erfolgreiches Jahr 2014 und hoffe weiterhin<br />

auf Ihre Treue.<br />

Andreas Ch. de Morales Roque<br />

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Rückblick<br />

23


Das Friedensgebet –<br />

Das Friedensgebet am 6. Oktober 1989<br />

gehört ohne Zweifel zu den wichtigen<br />

Ereignissen der jüngeren Görlitzer Geschichte.<br />

Während des lokalen Gedenktages<br />

am 6. Oktober 2011 hatte der Autor<br />

die Gelegenheit, einen Vortrag über<br />

dieses Ereignis im kleinen Ratssaal des<br />

Görlitzer Rathauses zu halten. Im Folgenden<br />

sollen wesentliche Inhalte dieses<br />

Vortrages wiedergegeben werden.<br />

Größere Lücken ergaben und ergeben<br />

sich aus dem engen Rahmen und aus<br />

dem anhaltenden Schweigen der ehemaligen<br />

Angehörigen der bewaffneten<br />

Organe.<br />

Am Abend des 5. Oktober 1989 versammelte<br />

sich in der Wohnung des damaligen<br />

Superintendenten Pfarrer Peter<br />

Lobers ein Vorbereitungskreis, der erst<br />

wenige Stunden vorher gebildet wurde.<br />

Teilnehmer des Vorbereitungskreises<br />

waren folgende Personen: Herr Bandmann,<br />

Herr Gahmann, Frau Geisler,<br />

Herr Hepprich, Herr Pf. Königer, Herr<br />

Pf. Lobers, Herr Pf. Naumann, Herr Dr.<br />

Rentsch und Herr Dr. Stichel. Der Anlass<br />

dieses Treffens war die Vorbereitung eines<br />

Friedensgebetes für den nächsten<br />

Tag - Freitag, den 6. Oktober. Dieses<br />

Friedensgebet sollte eine Äußerung der<br />

evangelischen Kirche zu der sich zuspitzenden<br />

Lage nach der Grenzschließung<br />

sein und überhaupt Äußerungen ermöglichen.<br />

Am 3. Oktober 1989 hatte<br />

die DDR-Führung die (Zitat) „zeitweilige<br />

Aussetzung des pass- und visafreien<br />

Reiseverkehrs zwischen der DDR und<br />

der CSSR für Bürger der DDR“ angeordnet.<br />

Damit wurde die Schließung der<br />

letzten noch offenen Grenze verfügt.<br />

Gleichzeitig wurde die Sicherung der<br />

Grenze zur Volksrepublik Polen massiv<br />

verstärkt. Beide Maßnahmen sollten die<br />

seit dem Sommer anhaltende Flucht<br />

aus der DDR beenden. Tatsächlich führten<br />

sie aber zu einer dramatischen Verschärfung<br />

der politischen und gesellschaftlichen<br />

Krise in der DDR vor ihrem<br />

40. Jahrestag am 7. Oktober 1989.<br />

Ausschlaggebend für das erste Friedensgebet<br />

waren die Erlebnisse Volker<br />

Bandmanns. Auf einer Rückfahrt von<br />

Berlin konnte er die erste Befestigung<br />

der Grenze zur Volksrepublik Polen un-<br />

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24<br />

Geschichte


Das<br />

am 6. Oktober<br />

Friedensgebet<br />

1989<br />

Friedensgebet in der Frauenkirche (Foto: Hartmuth Reichstein)<br />

mittelbar beobachten. Nach Gesprächen<br />

mit seinem Arbeitskollegen Dietmar<br />

Hepprich kontaktierte er am 5. Oktober<br />

Pf. Martin Königer und den Superintendenten<br />

Pf. Peter Lobers und schlug ein<br />

Friedensgebet vor. Nach Kontakt zu Pf.<br />

Albrecht Naumann wurde schließlich gemeinsam<br />

die Frauenkirche wegen ihrer<br />

zentralen Lage ausgewählt. Am Abend<br />

traf sich dann der Vorbereitungskreis,<br />

um den Ablauf des Friedensgebetes zu<br />

besprechen. Zeugnis dieses Treffens<br />

geben die Vorbereitungszettel von Pf.<br />

Lobers, die für die Rekonstruktion des<br />

ersten Friedensgebetes unverzichtbar<br />

sind:<br />

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Geschichte<br />

25


Das Friedensgebet –<br />

Friedensgebet (Foto: Hartmuth Reichstein)<br />

Der Beginn des<br />

Friedensgebetes<br />

war auf 18:30 Uhr<br />

in der Frauenkirche<br />

Görlitz festgelegt.<br />

Nach Angaben eines<br />

staatlichen<br />

Berichtes haben<br />

ca. 800 Personen,<br />

darunter mehrheitlich<br />

Jugendliche<br />

und Jungerwachsene,<br />

teilgenommen.<br />

Die Begrüßung<br />

erfolgte zunächst<br />

durch den Frauenkirchenpfarrer<br />

Albrecht<br />

Naumann.<br />

Anschließend trug<br />

Frau Geißler den<br />

Psalm 111 vor. Danach<br />

wurde der<br />

erste Vers des Liedes<br />

„Aus tiefer Not<br />

schrei ich zu Dir“<br />

aus dem evangelischen<br />

Kirchenge-<br />

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26<br />

Geschichte


Das<br />

am 6. Oktober<br />

Friedensgebet<br />

1989<br />

sangbuch angestimmt. In den ersten<br />

Worten von Pf. Lobers wurde Gott als<br />

Lenker und Richter angesprochen, vor<br />

dessen Autorität sich alle zu verantworten<br />

haben und der alle Leiden und<br />

Not hört, auch von denen, die keiner<br />

hören will. Weiter sagte Peter Lobers:<br />

„Wir sind hier zusammen, weil wir Frieden<br />

– Schalom suchen, den wir nicht<br />

haben und auch noch nicht entdecken<br />

können.“ Nach der Eröffnung und den<br />

Worten Lobers´ „Unser Ansprechpartner<br />

heute Abend hier ist Gott“, folgte<br />

der erste von drei offenen Teilen: Die<br />

Leiden. Dabei wurde den Anwesenden<br />

die Möglichkeit gegeben, auszusprechen,<br />

worunter sie leiden. Zu den vorher<br />

vereinbarten Themen gehörten:<br />

„1. Zerbrechen von Freundschaften,<br />

2. Medienpolitik, 3. daß so viele nötig<br />

Gebrauchte weggehen, 4. die Aufgeregtheit<br />

der Kinder“. Für sich selbst hat<br />

Peter Lobers folgendes notiert: „politischer<br />

Unverstand und weltfremde<br />

Forderungen; daß wir so schnell bereit<br />

sind, Negatives aufzunehmen und zu<br />

verbreiten, statt es umgekehrt zu machen;<br />

daß so manch gute Ansätze zu<br />

konstruktivem Denken schon in der<br />

Schule erschwert oder abgebrochen<br />

werden; daß die materiellen Werte die<br />

menschlichen, kulturellen und geistigen<br />

völlig zu überwuchern drohen“. In einem<br />

Bericht der Kreisdienststelle Görlitz<br />

des Ministeriums für Staatssicherheit<br />

wurden folgende Punkte stichwortartig<br />

genannt, die man diesem Teil zuordnen<br />

kann: „Unmündigkeit des DDR-Bürgers;<br />

Aktionen auf dem Dresdner Hauptbahnhof;<br />

ökonomischer Zerfall; Angriffe<br />

auf die Partei; Zerfall der Stadt Görlitz;<br />

beschränkte Reisemöglichkeiten nach<br />

der CSSR; illegales Verlassen der DDR“.<br />

Nach jedem Beitrag wurde eine brennende<br />

Kerze ausgelöscht und ein Kyrie<br />

Eleison gesungen, das durch lauten Applaus<br />

abgelöst wurde.<br />

Zu Beginn des sich direkt anschließenden<br />

zweiten Teils wurde durch Pf. Lobers<br />

festgestellt, dass es dunkler geworden<br />

ist „durch die Verhältnisse, durch die<br />

anderen“, aber auch durch den eigenen<br />

Anteil. Dieser eigene Anteil sollte nun<br />

ausgesprochen werden. Zu den vorher<br />

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Geschichte<br />

27


Das Friedensgebet –<br />

vereinbarten Themen gehörte, dass Pf.<br />

Königer über Misstrauen spricht. Ebenfalls<br />

sollten Herr Hepprich und Herr<br />

Bandmann sprechen. Peter Lobers hat<br />

für sich aufgeschrieben: „Ich sehe bei<br />

mir Schuld, weil ich auch heute noch<br />

immer wieder urteile nach schlimmen<br />

Erfahrungen vor 25 und 30 Jahren. Was<br />

früher richtig gewesen sein mag, wird<br />

heute zum Vorurteil - und verhindert so<br />

Offenheit und Zukunft, angesichts der<br />

Verflochtenheit in die Verhältnisse.“<br />

Nach diesen beiden Teilen folgte die<br />

Verkündigung. In seiner Predigt begrüßte<br />

Pf. Lobers zunächst das Beisammensein<br />

und Sprechen von der Wirklichkeit<br />

unseres Lebens vor Gott. Gott ist aber<br />

nicht nur Zuhörer, sondern er redet<br />

auch, wenn auch anders als erwartet.<br />

Konkret führte er das am Beispiel der<br />

dritten Seligpreisung der Bergpredigt<br />

aus: „Selig sind die Sanftmütigen, denn<br />

sie werden das Erdreich besitzen.“ Diese<br />

Seligpreisung wurde in den Kontext<br />

von Worten aus dem 37. Psalm gesetzt:<br />

„Die Elenden werden das Land erben<br />

und ihre Freude haben an großem Frieden.“<br />

Nach Peter Lobers´ Auslegung ist<br />

in diesen Bibelworten von Menschen<br />

die Rede, die keine Mittel haben, um<br />

sich Land und Lebensraum zu erstreiten,<br />

die aber auch nicht zu jedem Mittel<br />

greifen wollen, „nicht zu Hinterlist oder<br />

Betrug, nicht zu Druck und Gewalt“. Es<br />

sind Menschen, die sich nicht selbst ungehemmt<br />

durchsetzen, sondern andere<br />

zur Entfaltung kommen lassen wollen,<br />

solche, die sich Menschlichkeit und Ehrlichkeit<br />

etwas kosten lassen: „Es sind<br />

Menschen, die nicht mit der Lüge leben<br />

wollen, auch wenn es sich damit besser<br />

zu leben scheint.“ Die Seligpreisung<br />

gibt kein Erfolgskonzept, sondern Gott<br />

gibt diesen Elenden oder Sanftmütigen<br />

Lebensraum, Perspektive, Lebens- und<br />

Entfaltungsmöglichkeiten, „ohne daß sie<br />

ihr Rückgrat weich machen müssen, […]<br />

ohne daß sie gegen ihr Gewissen und<br />

ihre Überzeugung handeln müssen“.<br />

Am Ende der Predigt wünschte sich Peter<br />

Lobers, dass sich alle Anwesenden<br />

in der Zuversicht auf Gott gegenseitig<br />

bestärken und dadurch wirklich Lebensraum<br />

entdecken. Anschließend wurde<br />

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28<br />

Geschichte


Das<br />

am 6. Oktober<br />

Friedensgebet<br />

1989<br />

der Kanon „Herr, gib uns Deinen Frieden<br />

…“ angestimmt.<br />

Nach der Verkündigung folgte der dritte<br />

offene Teil - Die Hoffnungszeichen. Bei<br />

jeder genannten Hoffnung wurde eine<br />

Kerze wieder angezündet, wobei am<br />

Ende deutlich weniger Kerzen brannten<br />

als zu Beginn. Zu den vorher vereinbarten<br />

Themen gehörten, dass Pf. Königer<br />

über das Neue Forum und Herr Bandmann<br />

über Künstleräußerungen sprechen<br />

sollten. Peter Lobers hat für sich<br />

notiert: „Abrüstungsprozeß ist deutlich<br />

sichtbar in Gang gekommen […] nicht<br />

mit der Lüge leben: Jeder Schüler, der<br />

fragt … und sich nicht abspeisen lässt<br />

… “ Zu der am stärksten in Erinnerung<br />

gebliebenen Äußerung gehörte der<br />

Satz von Dr. Peter Stosiek: „Nicht alle<br />

Kommunisten sind Lumpen.“ Aus dem<br />

erwähnten Bericht der Kreisdienststelle<br />

des MfS kann man folgende Punkte diesem<br />

Teil zuordnen: „Zulassung des Neuen<br />

Forums“ und „Eintritt für Reformen“.<br />

Zusammenfassend stellte der Bericht<br />

fest: „Der Grundtenor des gesamten<br />

Gottesdienstes belief sich auf Reformen,<br />

Veränderungen und die Öffnung der<br />

Grenzen.“ Den Schluss des Friedensgebetes<br />

leitete Pf. Lobers mit den Worten<br />

ein: „Und nun lasst uns ruhig hinausgehen.<br />

Es erwartet uns der Friede Gottes.<br />

Es erwartet uns sein Lebensraum. Geht<br />

im Frieden: Widerstrebt dem Finstern<br />

in den eigenen Herzen, Regungen und<br />

Gedanken. Geht in Frieden: Werdet den<br />

Menschen, mit denen ihr zusammenlebt<br />

oder mit denen Ihr zu tun habt, zu Hoffnungsbringern.“<br />

Nach dem Segen und<br />

vor dem Hinausgehen wurde zuletzt der<br />

Kanon „Dona nobis pacem“ - „gib uns<br />

Frieden“ angestimmt.<br />

Damit war das Friedensgebet aber<br />

nicht zu Ende. Was würde nach dem<br />

Friedensgebet passieren? Das war nicht<br />

nur aus der Sicht vieler Teilnehmer die<br />

entscheidende Frage - einige hatten vor<br />

dem Friedensgebet ihre Kinder zu den<br />

Großeltern gegeben, andere den Zugriff<br />

auf ihr Konto auf Ehepartner überschrieben<br />

- sondern auch aus der Sicht<br />

der bewaffneten Organe. Im Umfeld der<br />

Frauenkirche, konkret hinter dem Kaufhaus,<br />

standen mehrere Lkw mit Ein-<br />

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Geschichte<br />

29


Das Friedensgebet –<br />

Kerzen-Demonstration, Berliner Straße 10.11.1989 (Foto: Hartmuth Reichstein)<br />

heiten der Deutschen Volkspolizei. Vor<br />

den Ausgängen der Frauenkirche hielten<br />

sich mehrere Personen in Zivil auf.<br />

Da sie von einigen Teilnehmern erkannt<br />

wurden, kann man heute sagen, dass es<br />

sich um hauptamtliche Mitarbeiter des<br />

MfS gehandelt hat. Gleichzeitig war das<br />

gegenüber dem Haupteingang liegende<br />

Reisebüro mit in die Überwachung einbezogen.<br />

Fasst man diesen Befund zusammen,<br />

so kann man feststellen, dass<br />

es zwischen der Deutschen Volkspolizei<br />

und dem Ministerium für Staatssicherheit<br />

eine „Arbeitsteilung“ oder – je nach<br />

Sichtweise – eine „Zusammenarbeit“<br />

gegeben hat. Das ist freilich keine neue<br />

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30<br />

Geschichte


Das<br />

am 6. Oktober<br />

Friedensgebet<br />

1989<br />

Erkenntnis. Im Rahmen des politischoperativen<br />

Zusammenwirkens (POZW)<br />

war solch eine Vorgehensweise zwischen<br />

den bewaffneten Organen und<br />

staatlichen Institutionen in der DDR<br />

vorgesehen und üblich – und zwar seit<br />

Jahrzehnten.<br />

Wichtig für den Ausgang des ersten<br />

Friedensgebetes war der Kontakt zwischen<br />

Pf. Peter Lobers und dem damaligen<br />

Stellvertreter des Oberbürgermeisters<br />

für Inneres, Genossen Jürgen<br />

Werner. Bei einem Gespräch im Rathaus<br />

am Freitagmittag informierte Pf. Lobers<br />

Jürgen Werner über das geplante Friedensgebet,<br />

das bereits zu diesem Zeitpunkt<br />

durch einige wenige Aushänge<br />

in der Stadt bekannt war. Außerdem<br />

sicherte Pf. Lobers einen friedlichen<br />

Verlauf einschließlich des friedlichen<br />

Verlassens der Frauenkirche zu. Vonseiten<br />

Jürgen Werners gab es vor allem<br />

Bedenken wegen möglicher Aktivitäten<br />

von Ausreisewilligen. Auf Vorschlag von<br />

Jürgen Werner vereinbarte man, dass<br />

Pf. Lobers nach Ende des Friedensgebetes<br />

als Erster aus der Frauenkirche heraustritt.<br />

Außerdem wollte sich Jürgen<br />

Werner in der Nähe der Frauenkirche<br />

aufhalten, um für mögliche Gespräche<br />

nach dem Friedensgebet in der Frauenkirche<br />

bereit zu sein.<br />

Tatsächlich kam es nach dem Friedensgebet<br />

zu keinen Protesten, Demonstrationen<br />

oder sonstigen Vorfällen. Wäre<br />

es dazu gekommen, wären mit höchster<br />

Wahrscheinlichkeit die bereitstehenden<br />

bewaffneten Organe zum Einsatz gekommen.<br />

Erst nach dem 8. Oktober in<br />

Dresden und vor allem nach der großen<br />

Demonstration am 9. Oktober in Leipzig<br />

kam es zu einer Änderung der Strategie<br />

des Staates gegenüber der protestierenden<br />

Bevölkerung.<br />

Peter W. Baumann M.A.<br />

Dresden<br />

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Geschichte<br />

31


Weihnachtsbäckerei<br />

Flüsternde Heimlichkeiten<br />

Original Dresdner Stollen<br />

Oh du fröhliche, sinnliche, Gaben bringende<br />

Weihnachtszeit! Gans im Ofen,<br />

Baum geschmückt – fehlt nur noch eines<br />

zum perfekten Weihnachtsfest: die<br />

leckeren Weihnachtsnaschereien. Weihnachten<br />

ohne Leckereien wie Lebkuchen<br />

oder Mandelpfefferkuchen ist unvorstellbar.<br />

Bereits im frühen Mittelalter wurden<br />

diese Spezialitäten der Weihnachtsbäckerei<br />

hoch geschätzt. Die ersten Lebkuchen<br />

wurden im Kloster von Nonnen<br />

und Mönchen gebacken. Zu damaligen<br />

Zeiten gab es diverse Gewürze aus dem<br />

Orient, um dem Weihnachtsgebäck das<br />

richtige Aroma und den passenden Geschmack<br />

zu verleihen.<br />

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32<br />

Weihnachtliches


Weihnachtsbäckerei<br />

Flüsternde Heimlichkeiten –<br />

Günter Hain, 1947<br />

Um die Lebkuchen mit Süße abzurunden,<br />

stand zu dieser Zeit nur Honig zur<br />

Verfügung. Lebkuchen wurden im Laufe<br />

der Zeit mit Marzipan, Konfekt oder<br />

Früchten reichlich verziert. Es gab Sorten,<br />

die sogar von den ganz Reichen und<br />

Adligen vergoldet wurden. Diese maßlose<br />

Übertreibung führte damals dazu,<br />

dass weltliche und kirchliche Vertreter<br />

der Obrigkeit die Lebkuchen als „sündhaftes“<br />

Teufelzeug verboten. Das tat der<br />

Nachfrage und der Verwendung jedoch<br />

keinen Abbruch.<br />

Durch die Verfeinerung der Zutaten und<br />

neue Backverfahren gelang es im 19.<br />

Jahrhundert, dass Lebkuchen in Plattenform<br />

gebacken werden konnten. So<br />

ließen sich einfach aus den Lebkuchenplattenformen<br />

Pfefferkuchenhäuschen<br />

herstellen, von denen heute vor allem<br />

die Kinder fasziniert sind. Angelehnt ist<br />

das leckere Pfefferkuchenhaus an das<br />

Märchen von Hänsel und Gretel und die<br />

gleichnamige Oper von Engelbert Humperdinck,<br />

die auch heute noch als sehr<br />

beliebtes Weihnachtsstück gilt.<br />

Was für die Schlesier die feinen und saftigen<br />

Mohnkreationen wie Mohnstollen,<br />

Mohnstriezel, die gefüllte Mohnkugel<br />

und das Mohnmarzipan-Konfekt für die<br />

Weihnachtszeit sind, ist für die Dresdner<br />

der Original Dresdner Christstollen. In<br />

Dresden und Umgebung ist die Weihnachtszeit<br />

Christstollenzeit!<br />

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34<br />

Weihnachtliches


der traditionellen Weihnachtsbäckerei<br />

Die Geschichte des Original Dresdner<br />

Christstollens reicht bis zum 15. Jahrhundert<br />

zurück. Erstmals urkundlich erwähnt<br />

wurde er im Jahr 1474. Der Stollen war<br />

einst nur ein Striezel oder Strutzel, der<br />

in der vorweihnachtlichen Fastenzeit des<br />

Mittelalters als Speise erlaubt wurde.<br />

Bis ins 15. Jahrhundert hinein erlaubten<br />

die religiösen Dogmen der römisch-katholischen<br />

Kirche für das Striezelrezept<br />

kaum mehr als Mehl, Hefe und Wasser.<br />

Erst durch die Intervention von Kurfürst<br />

Ernst von Sachsen und dessen Bruder Albrecht<br />

an Papst Nikolaus V. mit der Bitte<br />

der Aufhebung des Butterverbots wurde<br />

es möglich, dass Butter ab 1491 als Rohstoff<br />

für die Stollen verwendet werden<br />

durfte. Mit der Zeit wurde der Stollen zu<br />

einer Köstlichkeit, die ständig mit erlesenen<br />

Zutaten verfeinert wurde.<br />

So steht der Original Dresdner Christstollen<br />

heute für allerhöchste Qualität<br />

und eine alte Backtradition. Nur erlesene<br />

Rohstoffe – geröstete Mandelstifte, echte<br />

Bourbon-Vanille, beste Markenbutter<br />

und Rosinen feinster Qualität – werden<br />

zu einem aromatischen Teig verarbeitet.<br />

Dieser Teig wird von Hand zu den<br />

traditionellen Stollen geformt und ist<br />

besonders saftig durch mehrfaches Tauchen<br />

in Butter. Nach dem Backen veredeln<br />

eine Butterglasur und Puderzucker<br />

dieses Backwerk. Der Dresdner Original<br />

Stollen gehört zu Weihnachten genauso<br />

dazu wie die Schwibbögen und Räuchermännchen.<br />

Seit 1994 wird in Dresden jedes Jahr<br />

das Stollenfest am Sonnabend vor dem<br />

2. Advent gefeiert. Den Dresdnern wird<br />

in diesem Rahmen ein 3000 kg schwerer<br />

Riesenstollen, der schon eine Woche vor<br />

dem Stollenfest gefertigt wird, präsentiert.<br />

Nach einem malerischen Umzug<br />

durch die Dresdner Altstadt schneidet<br />

dann ein Bäckermeister den Stollen mit<br />

einem 1,60 m langen und 12 kg schweren<br />

Stollenmesser an. Dabei assistiert<br />

ihm das Dresdener Stollenmädchen – sie<br />

kommt im übrigen aus den Kreisen der<br />

134 Dresdner Bäcker und Konditoren<br />

und wird jedes Jahr vom Stollenschutzverband<br />

neu gewählt.<br />

Laurél Goldberg-Sayngobein<br />

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Weihnachtliches<br />

35


Steinmetzbetrieb Rudolf Reichel –<br />

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Helmut Reichel<br />

Die Probleme der Nachkriegszeit werden<br />

gemeistert, und bereits 1948 kann die alte<br />

Holzbaracke durch den Neubau eines Garagen-,<br />

Büro- und Werkstattgebäudes ersetzt<br />

werden. In dieser Zeit gründen die Brüder<br />

auch Familien. 1950 erfolgt im Handwerksbetrieb<br />

die Einführung der Druckluft – die wohl<br />

gravierendste technologische Veränderung<br />

in der Natursteinbranche. Der Schwerpunkt<br />

Manfred Reichel<br />

des Unternehmens liegt im Bereich der Grabmalfertigung,<br />

und bedingt durch die nur kontingentierte<br />

Materialverfügbarkeit muss die<br />

Bevölkerung erhebliche Wartezeiten in Kauf<br />

nehmen. Um die Leistungskapazitäten zu erweitern,<br />

wird 1968 der Anbau eines großen<br />

Werkstattraumes in kompletter Eigenleistung<br />

realisiert. Gleichzeitig wird intensiv an der<br />

Mechanisierung und Automatisierung des<br />

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36<br />

Jubiläum


Steinmetz<br />

Qualitätsbegriff Görlitz<br />

Reichel<br />

(Fortsetzung)<br />

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Fertigungsprozesses gearbeitet, und es werden<br />

eine Steinsäge sowie ein Schleifautomat<br />

gebaut. Damit werden das Leistungsspektrum<br />

erweitert und die Arbeitsbedingungen<br />

für die Beschäftigten verbessert.<br />

Vor dem Hintergrund des erzwungenen<br />

Anschlusses vieler Handwerksbetriebe an<br />

vorhandene volkseigene Betriebe und Kombinate<br />

1976/77 scheint die Zukunft für den<br />

Privatbetrieb unsicher. Trotzdem muss 1980<br />

in das gesamte Firmengebäude eine Heizungsanlage<br />

eingebaut werden, da der bis<br />

dahin geltende Fernwärmevertrag vom VEB<br />

Nordstern gekündigt wird.<br />

Im Jahr 1985 leiten die Brüder Helmut und<br />

Manfred Reichel die Firma 40 Jahre, und es<br />

wird der Wunsch nach einem Generationenwechsel<br />

laut.<br />

Darauf hat sich Manfreds Sohn Rudolf Reichel<br />

jun. mit seiner Ausbildung zum Steinmetz<br />

und Dipl.-Ing. (FH) der Natursteintechnologie<br />

vorbereitet. Er arbeitet zu dieser Zeit<br />

im VEB Lausitzer Granit Demitz-Thumitz.<br />

Zusammen mit Ehefrau Bärbel, die als Dipl.-<br />

Wirtschafts-Ing. die passende kaufmännische<br />

Ausbildung vorweisen kann, und den<br />

Kindern Roland und Ralf wird nach Görlitz<br />

umgesiedelt. Die Brüder Helmut und Manfred<br />

Reichel verkaufen die Firma an Rudolf<br />

und Bärbel Reichel, die ab dem 1.7.1985 die<br />

Verantwortung für den Handwerksbetrieb<br />

tragen. Helmut Reichel reist nach dem Tod<br />

seiner Frau in die BRD aus und stirbt im<br />

Jahr 2008. Manfred Reichel steht dem Betrieb<br />

noch viele Jahre mit Rat und Tat zur<br />

Seite. Rudolf Reichel jun. beendet 1986 die<br />

Qualifikation zum Steinmetzmeister, und es<br />

beginnt im Betrieb die Lehrlingsausbildung.<br />

Inzwischen plant die Stadt Görlitz den Flächenab-riss<br />

der Heiligen-Grab-Str. – einschl.<br />

Firma Reichel. – und nur die Wende 1989<br />

verhindert dies. Der Anschluss an die BRD<br />

bringt aber viele gravierende Veränderungen<br />

für den kleinen Handwerksbetrieb. Um<br />

den neuen Herausforderungen gewachsen<br />

zu sein, bilden sich Rudolf Reichel zum Restaurator<br />

im Natursteinhandwerk und Bärbel<br />

Reichel zum Betriebswirt des Handwerks<br />

weiter.<br />

Problematisch zu dieser Zeit – der Betrieb<br />

befindet sich nach wie vor auf Pachtgelände.<br />

Vordringlichste Aufgabe muss jetzt der Kauf<br />

des Grundstückes von der Treuhand sein.<br />

Es gelingt – nach unendlichen nervenauf-<br />

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Jubiläum 37


Steinmetzbetrieb Rudolf Reichel –<br />

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Neubau am Flugplatz<br />

reibenden Terminen – und zu einem Preis,<br />

der das finanzielle Leistungsvermögen des<br />

Handwerksbetriebes sehr belastet. Trotzdem<br />

kann jetzt die Zukunft mit Standortsicherheit<br />

geplant werden. Eine teilautomatische Brückensäge<br />

ersetzt die verbrauchte alte Steinsäge,<br />

und der Fahrzeugpark wird durch einen<br />

Kleintransporter mit Ladekran erweitert.<br />

Bauliche Erweiterungen werden geplant und<br />

können nicht realisiert werden, weil ein erneut<br />

geplanter Flächenabriss sowie danach<br />

die Lage des Betriebes in einem Sanierungsgebiet<br />

es verbieten. Es beginnen jahrelange<br />

Verhandlungen, um einen Kompromiss zu finden,<br />

der die Belange der Stadt Görlitz ebenso<br />

berücksichtigt wie die Existenz der Firma<br />

Reichel sichert. Der Kampf um die Erhaltung<br />

des seit nunmehr 100 Jahren bestehenden<br />

Traditionsstandortes am Grünen Graben/<br />

Ecke Pontestraße für die Kundenberatung im<br />

Grabmalsektor ist letztlich erfolgreich.<br />

Der gesamte Produktionssektor muss umgelagert<br />

werden. Rudolf und Bärbel Reichel<br />

erwerben das Grundstück im Gewerbegebiet<br />

am Flugplatz. Am 16.8.1996 erfolgt der 1.<br />

Spatenstich, und Produktionsbeginn ist Mitte<br />

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38<br />

Jubiläum


Steinmetz<br />

Qualitätsbegriff Görlitz<br />

Reichel<br />

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(von Links nach Rechts) Roland Reichel, Ralf Reichel, Michael Müller, Uta Möller, Bärbel Reichel,<br />

Jens Röhrer, Rudolf Reichel, Jaroslaw Hartel<br />

1997. Neueste Maschinen und Anlagen wie<br />

eine programmierbare Brückensäge, eine<br />

Universalschleifmaschine, eine Wasseraufbereitungs-<br />

und Entstaubungsanlage sowie<br />

Gabelstapler und ein moderner Sozialtrakt<br />

stehen nun zur Nutzung bereit. Damit ist die<br />

Arbeit an großen und komplizierten Werkstücken<br />

möglich, und die Arbeitsbedingungen<br />

für die Mitarbeiter haben sich wesentlich<br />

verbessert.<br />

Über die Jahre verlassen die älteren Kollegen<br />

den Betrieb, und die Belegschaft verjüngt<br />

sich.<br />

Auch die Söhne von Rudolf und Bärbel Reichel<br />

sind bereits seit mehreren Jahren in der<br />

Firma tätig. Ralf Reichel hat die Ausbildung<br />

zum Steinmetz und Steinmetzmeister erfolgreich<br />

abgeschlossen, und inzwischen haben<br />

die Brüder Ralf und Roland bereits unternehmerische<br />

Verantwortung übernommen.<br />

Damit ist der Wechsel zur vierten Steinmetzgeneration<br />

in Firma und Familie Reichel vollzogen.<br />

Fünf Enkelkinder berechtigen zu der<br />

Hoffnung, dass die Firmen- und Familientradition<br />

nicht ausstirbt.<br />

Bärbel Reichel, Görlitz<br />

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Jubiläum<br />

39


Firmengeschichte<br />

Friedrich August Förster –<br />

Friedrich August Förster<br />

Geboren am 30. Juli 1829 in Oberseifersdorf,<br />

erlernte Friedrich August Förster<br />

zunächst den Beruf eines Tischlers.<br />

Neben seiner Arbeit als Tischlergeselle<br />

erbaute und reparierte er in seinen<br />

Mußestunden Musikinstrumente und<br />

erhielt Musikunterricht.<br />

Bei den Klavierbauern Hieke und Karl<br />

August Eule in Löbau erlernte er die<br />

Grundlagen des Klavierbaus und wurde<br />

1854 als Instrumentenmacher „los- und<br />

freigesprochen“.<br />

Nach Arbeitsjahren in verschiedenen<br />

Städten Deutschlands kehrte er reich<br />

an Erfahrung in seine Oberlausitzer Heimat<br />

zurück.<br />

Am 1. April 1859 ließ sich Friedrich August<br />

Förster in Löbau nieder, richtete im<br />

zweiten Stock eines Hinterhauses eine<br />

bescheidene Werkstatt ein und baute<br />

hier allein sein erstes Klavier.<br />

1862 errichtete er abseits der Stadt, an<br />

der heutigen Jahnstraße, sein erstes<br />

Fabrikationsgebäude. Diese Fabrikationsstätte<br />

wurde in den vergangenen<br />

Jahrzehnten zum modernen Betrieb erweitert<br />

Nach dem Tode August Försters<br />

-1897- übernahm sein Sohn Cäsar Förster<br />

die Leitung der Firma.<br />

Er gründete 1900 in Georgswalde/ Böhmen<br />

ein Zweigwerk. Das Kaiser- und<br />

Königreich Österreich/Ungarn war ein<br />

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40<br />

Geschichte


AUGUST<br />

Kunsthandwerklicher<br />

FÖRSTER<br />

Flügel- und Pianobau<br />

Rangiertransportwagen, um 1900<br />

wichtiger Absatzmarkt, auf dem aber<br />

wegen der hohen Einfuhrzölle seit 1886<br />

kaum noch Verkäufe möglich waren.<br />

Durch die Errichtung dieser Produktionsstätte<br />

unmittelbar jenseits der nur<br />

wenige Kilometer von Löbau entfernten<br />

Grenze konnten diese Zölle vermieden<br />

werden. Es ließ sich so ein großes Absatzgebiet<br />

erschließen.<br />

1945 wurde dieser Zweigbetrieb durch<br />

die tschechische Regierung enteignet.<br />

Bis zum Jahr 2000 wurden noch Pianos<br />

mit dem Namen August Förster in der<br />

tschechischen Firma Petrof hergestellt,<br />

welche sich jedoch in Konstruktion und<br />

Qualität in keiner Weise an die in Löbau<br />

traditionell hergestellten original AU-<br />

GUST FÖRSTER Instrumente anlehnen.<br />

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Geschichte<br />

41


Firmengeschichte<br />

Friedrich August Förster –<br />

Firmengebäude, Aussenansicht um 1914<br />

Nach dem frühen Tod von Cäsar Förster<br />

-1915- führten seine beiden Söhne, der<br />

geniale Klavierbauer Gerhard Förster<br />

und der Kaufmann Manfred Förster, das<br />

vom Urgroßvater gegründete Unternehmen<br />

weiter. So entstanden in den<br />

zwanziger und dreißiger Jahren gelungene<br />

Konstruktionen wie der Viertelton-<br />

Flügel und das Elektrochord.<br />

1966 brachte der Tod von Gerhard Förs-<br />

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42<br />

Geschichte


AUGUST<br />

Kunsthandwerklicher<br />

FÖRSTER<br />

Flügel- und Pianobau<br />

Klavierbauer beim Regulieren der Mechanik, um 1900<br />

ter erste Veränderungen in den Besitzverhältnissen<br />

mit sich. Die Übernahme<br />

des Betriebes durch Wolfgang Förster,<br />

dessen Vater Manfred bereits 1952 verstorben<br />

war, bereitete große Schwierigkeiten.<br />

Die enorm hohe Erbschaftssteuerforderung<br />

war nur dadurch zu<br />

erfüllen, dass der Staat mit entsprechendem<br />

Teil in die Firma aufgenommen<br />

wurde. 1972 erfolgte im Rahmen der<br />

letzten Verstaatlichungswelle die Umwandlung<br />

in den volkseigenen Betrieb<br />

VEB Flügel- und Pianobau Löbau. Weiterhin<br />

unter der Leitung von Wolfgang<br />

Förster, wurde der Betrieb 1984 an die<br />

Deutsche Piano-Union Leipzig angegliedert.<br />

Obwohl der Name Förster von der<br />

damals herrschenden Ideologie in den<br />

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Geschichte<br />

43


Firmengeschichte<br />

Friedrich August Förster –<br />

Rokoko-Flügel<br />

Hintergrund gedrängt<br />

werden sollte, gelang es<br />

auf Grund der erwünschten<br />

Exporterfolge, den<br />

Charakter und die Marke<br />

Förster zu erhalten. 1976<br />

wurde der Familienname<br />

wieder in die Firmierung<br />

aufgenommen und nannte<br />

sich VEB Förster Pianos<br />

Löbau.<br />

Trotz zahlreicher Auszeichnungen<br />

und Verleihungen<br />

von Medaillen<br />

für verschiedene Flügel-<br />

Modelle auf den damals<br />

wichtigsten Internationalen<br />

Messen hatte Förster,<br />

wie alle anderen Betriebe<br />

in der DDR-Wirtschaft,<br />

um die Beschaffung von<br />

Zulieferteilen zu kämpfen.<br />

Die Bedeutung als<br />

Devisenbeschaffer ermöglichte<br />

es, teilweise<br />

auf westliche Anbieter<br />

auszuweichen. So wur-<br />

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44<br />

Geschichte


AUGUST<br />

Kunsthandwerklicher<br />

FÖRSTER<br />

Flügel- und Pianobau<br />

den bereits ab 1987 Renner-Pianomechaniken<br />

eingesetzt. Nach der Wende<br />

1991 erreichte Wolfgang Förster die Reprivatisierung<br />

des Familienbesitzes.<br />

Die allgemeine Wirtschaftsrezession<br />

Anfang der 90er Jahre führte zur Umstrukturierung<br />

des produktiven sowie<br />

personellen Bereiches.<br />

In den Folgejahren wurden zahlreiche<br />

Investitionen zu Unterhaltung und Entwicklung<br />

der traditionsreichen Produktionsstätte<br />

getätigt.<br />

Von 1966 bis 2008 leitete Wolfgang<br />

Förster die Firma, ehe er das Erbe an<br />

seine Tochter Annekatrin Förster übergab,<br />

welche nun die Familientradition in<br />

5. Generation fortsetzt.<br />

Nach bewährten traditionellen Methoden<br />

und dem Einsatz hochwertiger Materialien<br />

werden derzeit in der Firma<br />

mit 40 Mitarbeitern ca. 110 Flügel und<br />

150 Pianos hergestellt. Viele tausend<br />

Handgriffe, darunter überlieferte Tricks<br />

und Kniffe, mit denen mehr als 12.000<br />

Einzelteile in einem monatelangen Herstellungsprozess<br />

zusammengesetzt<br />

werden, ergeben Meisterinstrumente<br />

Modell <strong>125</strong>G, Innenansicht<br />

Sonderausführung vom Modell <strong>125</strong>G, Rubin Rot<br />

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Geschichte<br />

45


Firmengeschichte<br />

Friedrich August Förster –<br />

Abteilung Bodenbau<br />

der absoluten Spitzenklasse - harmonisch<br />

in Form und Klang.<br />

Qualität und Individualität sind die Markenzeichen.<br />

Jedes Instrument wird in<br />

liebevoller Handarbeit hergestellt, jedes<br />

einzelne Teil genau angepasst und<br />

zu einem Kunstwerk zusammengefügt,<br />

welches unter den Händen der Intoneure<br />

seine Vollendung findet. Sowohl<br />

Klang als auch Form heben sich wohltuend<br />

von der Serienproduktion ab.<br />

Die kunsthandwerkliche Fertigung ermöglicht<br />

es, bei Möbelstil, Furnier und<br />

Lackoberflächen eine große Auswahl<br />

anzubieten und nahezu jeden Kundenwunsch<br />

individuell zu erfüllen.<br />

Der charakteristische warme, harmonische<br />

Försterklang und die voluminöse<br />

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46<br />

Geschichte


AUGUST<br />

Kunsthandwerklicher<br />

FÖRSTER<br />

Flügel- und Pianobau<br />

Abteilung Umleimerei<br />

Tonentfaltung der Pianos und Flügel der<br />

August Förster GmbH sind ein Ergebnis<br />

profunder Erfahrung, die in einem über<br />

150-jährigen kontinuierlichen Verbesserungsprozess<br />

erworben wurde.<br />

Fachinteressierten und Kunden wird die<br />

Möglichkeit geboten, sich bei einer Führung<br />

durch die Produktion mit eigenen<br />

Augen von der kunsthandwerklichen<br />

Fertigung zu überzeugen. Diese Art,<br />

sich mit der Entstehung „seines Instrumentes“<br />

vertraut zu machen, gewinnt<br />

immer mehr an Interesse und Bedeutung.<br />

Annekatrin Förster<br />

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Geschichte<br />

47


Naturpark<br />

Weihnacht- und Winterliches –<br />

Im Naturpark Zittauer Gebirge gibt es auf<br />

kleinem Raum viel zu entdecken. Von der<br />

bizarren winterlichen Felslandschaft über<br />

das gepflegte Netz an Skiwanderwegen<br />

bis zu Rodelhängen und Liftanlagen finden<br />

Winterurlauber alles, was ihr Herz<br />

begehrt: vor allem der Erholungsort Waltersdorf<br />

in der Gemeinde Großschönau<br />

bietet umfangreiche Wintersportmöglichkeiten.<br />

Die verschneiten Landschaften<br />

um die Lausche eignen sich hervorragend<br />

zum Skiwandern, Rodeln, Abfahrtsski (mit<br />

insgesamt 3 Liften) und Skilanglauf. In<br />

den Kammlagen des kleinsten deutschen<br />

Mittelgebirges erstrecken sich auf 40 Kilometern<br />

gut beschilderte und gespurte<br />

Skilanglaufstrecken. Zahlreiche Ski- und<br />

Wanderwege werden länderübergreifend<br />

präpariert. Der Wald um den TRIXI-<br />

Ferienpark ist besonders für Langlauf-<br />

Einsteiger geeignet, da er kaum Gefälle<br />

aufweist. Und für die Skater unter den<br />

Skilangläufern wird bei entsprechender<br />

Schneelage auf der großen Wiese vor<br />

dem Waldstrandbad eine Skatingstrecke<br />

angelegt.<br />

Winterliche Bergwälder und die kristallklare<br />

Luft machen es leicht, die kalte<br />

Jahreszeit von ihrer schönsten Seite zu<br />

entdecken. Eine Einkehr in den umliegenden<br />

Bauden und Gaststätten ist immer zu<br />

empfehlen.<br />

An der Lausche, mit 793 m der höchste<br />

Berg der Oberlausitz, betreibt der Alpine<br />

Skiverein Lausche e.V. ein Skigebiet mit<br />

2 Schleppliften und mehreren Abfahrten.<br />

Die beliebteste Piste ist mit einer modernen<br />

Flutlichtanlage ausgerüstet. Für einen<br />

Kurzurlaub mit der Familie bietet der Wintersport-<br />

und Erholungsort Waltersdorf<br />

beste Bedingungen. In der Skischule im<br />

Erholungsort Waltersdorf erhalten Skiund<br />

Snowboardneulinge jeder Altersklasse<br />

das Rüstzeug, um sich auch in höheren<br />

Gebirgen zu bewähren. Der Weg auf die<br />

Bretter ist kurz, und schon beginnt der<br />

Spaß im Schnee.<br />

Für die Bevölkerung aus der Umgebung<br />

bietet sich Skivergnügen quasi vor der<br />

Haustür. Durch den Flutlichtbetrieb ist<br />

auch für Berufstätige eine spontane Abfahrt<br />

nach Feierabend möglich.<br />

Aufgrund der natürlichen Bedingungen<br />

liegen Abfahrts- und Rodelhänge sowie<br />

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48<br />

Ausblick


Zittauer<br />

aus dem Naturpark<br />

Gebirge<br />

Zittauer Gebirge<br />

die Skiloipen dicht beieinander, und es<br />

können ohne große Distanz unterschiedliche<br />

Sportarten betrieben werden, z.B.<br />

wenn die Interessen innerhalb der Familie<br />

voneinander abweichen oder einfach mal<br />

etwas anders ausprobiert werden möchte.<br />

Denn vor allem für Familien mit kleineren<br />

Kindern ist Waltersdorf der ideale Wintersportort.<br />

Die Pisten sind überschaubar,<br />

von leicht bis anspruchsvoll eingestuft,<br />

die Fahrzeiten mit dem Lift sind kurz, und<br />

man ist schnell wieder oben am Hang.<br />

Die Pisten werden mit einer modernen<br />

Pistenraupe optimal gepflegt, und mit der<br />

Beschneiungsanlage können ungünstige<br />

Witterungseinflüsse kompensiert werden.<br />

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Ausblick<br />

49


Naturpark<br />

Weihnacht- und Winterliches –<br />

Für Erwachsene und Kinder gibt es Skikurse<br />

am Lehrhang an der Rübezahlbaude.<br />

Nicht alle Kinder möchten jedoch den<br />

ganzen Tag auf den Brettern stehen, Ski<br />

fahren lernen strengt schließlich an. Da<br />

heißt es für die Eltern: Was tun am Nachmittag?<br />

Das Naturparkhaus Zittauer Gebirge<br />

in Waltersdorf hat sich dafür etwas<br />

besonders ausgedacht: Den ganzen Februar<br />

2014 gibt es im großen Saal des Hauses<br />

ein Kinderland. Auf fast 300m² kann<br />

in einer dekorativen Winterlandschaft gespielt,<br />

getollt, auf Hüpfburgen getobt, mit<br />

kleinen Rennautos gefahren, Riesenbausteinen<br />

gebaut werden und vieles mehr.<br />

Sogar für Babys wird ein Spieleparadies<br />

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50<br />

Ausblick


Zittauer<br />

aus dem Naturpark<br />

Gebirge<br />

Zittauer Gebirge<br />

eingerichtet. 2 Betreuer stehen täglich<br />

von 9 bis 18 Uhr zur Verfügung und sorgen<br />

dafür, dass den Kleinen nichts passiert.<br />

Kinderschminken und eine leckere<br />

Kretschamlimo des Hauses sind im Eintrittspreis<br />

sogar inbegriffen. So können<br />

sich Eltern und Großeltern in der im Haus<br />

befindlichen Kaffee-Rösterei in Ruhe eine<br />

Pause gönnen. Jeden Wochentag gibt es<br />

zudem – im Preis inbegriffen – ein Erlebnisangebot.<br />

Ob Puppentheater, Umgebindehaus,<br />

Basteln, Märchenstunde oder<br />

in die Haut eines Mineralogen schlüpfen<br />

– all das ist am Nachmittag möglich. Wer<br />

seinen Kindergeburtstag im Kinderland<br />

feiern möchte, ist ebenfalls herzlich will-<br />

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Ausblick 51


Naturpark<br />

Weihnacht- und Winterliches –<br />

kommen. Selbstverständlich können die<br />

Kinder mit ihren Familien auch die spannende<br />

Erlebnisausstellung mit Filmvorführung<br />

im Erdgeschoss besuchen.<br />

Noch zwei Tipps für die Adventszeit:<br />

Am 1. <strong>Dezember</strong> <strong>2013</strong>, der dieses Jahr<br />

passender Weise auch auf den 1. Advent<br />

fällt, erklingen ab 15 Uhr im liebevoll dafür<br />

hergerichteten und weihnachtlich dekorierten<br />

Saal die Instrumente der Nachwuchsmusiker<br />

der Big Band Klangfarben<br />

unter der Leitung von Frank Hepper. Das<br />

Repertoire des jungen Orchesters für dieses<br />

Konzert umfasst traditionelle Weihnachtsliedern<br />

und viele jazzige Melodien.<br />

Durch verschiedene Solos bekommen vor<br />

allem die jüngsten Mitglieder die Chance<br />

ihr Können und Talent unter Beweis zu<br />

stellen, mit dem Publikum auf Tuchfühlung<br />

zu gehen und die bevorstehende<br />

Weihnachtszeit einzustimmen.<br />

Am 6. <strong>Dezember</strong> ist Nikolaustag! Dieses<br />

Jahr schaut er am Vormittag auch im Naturparkhaus<br />

vorbei. Um 9.15 Uhr lädt er<br />

zum Puppentheater ein. Gespielt wird das<br />

Stück „Fritze Fröhlich im Reich der Quer-<br />

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52<br />

Ausblick


Zittauer<br />

aus dem Naturpark<br />

Gebirge<br />

Zittauer Gebirge<br />

xe“. Ob er auch kleine Geschenke und<br />

Süßigkeiten mitbringen wird, erfahren nur<br />

die Kinder, die – ganz nach alter Tradition<br />

– in geputzten Schuhen oder Stiefeln<br />

kommen!<br />

In der hauseigenen Kaffeerösterei Zittauer<br />

Gebirge können sowohl leckere Kuchen-<br />

und Eisspezialitäten, Weihnachtsgebäck<br />

sowie Stollen, aber auch heiße<br />

Genüsse wie hauseigener schonend gerösteter<br />

Kaffee, ausgewählte Teesorten,<br />

selbst gemachter Holunderglühwein und<br />

verführerische heiße Schokoladen verschiedenster<br />

Geschmacksrichtungen verkostet<br />

werden. Der Präsentverkauf bietet<br />

wunderbare Ideen für den Gabentisch:<br />

Geschenke rund um den Kaffee wie die<br />

neu erscheinende nostalgische Kaffeedose<br />

vom „Niederkretscham“ (Naturparkhaus),<br />

hauseigene Pralinen und Nougat<br />

oder Gutscheine für einen gemütlichen<br />

Nachmittagsbesuch in der Rösterei.<br />

Weihnachten kann kommen – wir freuen<br />

uns auf Ihren Besuch!<br />

Tourist-Information<br />

im Naturparkhaus Zittauer Gebirge<br />

im Erholungsort Waltersdorf<br />

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Ausblick<br />

53


Oberlausitzer Christnachtsagen –<br />

Die heilige Christnacht naht! Von einem<br />

Pol zum andern, soweit das Christentum<br />

seine Gläubigen zählt, wird wieder<br />

der buntgeschmückte Weihnachtsbaum<br />

erstrahlen, hier eine Fülle von Reichtum<br />

von kostbaren Geschenken beschattend,<br />

dort nur das alleinige Zeichen bildend<br />

des hohen, herrlichen Festes der<br />

Wintersonnenwende, der Geburt unseres<br />

Herrn und Heilandes Jesu Christi.<br />

Während aber hier überall der lichterstrahlende<br />

Weihnachtsbaum Zeuge ist<br />

von Jubel und Freude, von wonnigstem<br />

Glücke, während hier sein Geäst buntem<br />

und süßem Schmucke Raum bietet,<br />

stehen seine Gefährten draußen<br />

im stillen Walde einsam, schneebeladen,<br />

und nur, wenn die Windsbraut ihr<br />

Revier durchrauscht, aufächzend und<br />

stöhnend.<br />

Doch auch dem Waldbaume erschließt<br />

die Christnacht seltsame Wunder, und<br />

unsere „treuen Alten“ wissen von dem<br />

und jenem Winkel unserer so lieben<br />

Berge zu berichten, daß die Christnacht<br />

daselbst merkwürdige Dinge geschehen<br />

läßt, die wir aufhorchend vernehmen,<br />

um entweder mit dem Kopfe dazu<br />

zu schütteln oder sie gläubig in uns einzuprägen.<br />

Die duftige Sage verklärt so<br />

manche im Dickdicht unserer Wälder<br />

versteckte Felsgrotte mit ihrem eigenartig<br />

anheimelnden Zauber, daß aber<br />

eine Nacht wie die Christnacht mehr<br />

denn jede andere geeignet erscheint<br />

zu wunderbaren Vorkommnissen, „die<br />

über unser Verständnis hinausgehen“,<br />

wird kaum jemand bezweifeln können.<br />

Wie verlockend klingt beispielsweise<br />

die Mär vom Feensberge bei Ostritz –<br />

er birgt in sich einen großen Schatz,<br />

bewacht von einer Schar ehrwürdiger<br />

Greise mit langen, weißen Bärten. Nur<br />

einmal des Jahres, in der Christnacht,<br />

kann man zu diesem Schatze Zutritt erlangen!<br />

Wenn während der Christmesse<br />

in der Kirche zu Ostritz die Wandlung<br />

vor sich geht, öffnet sich der Berg,<br />

und ein jeder darf eintreten und sich<br />

die leeren Taschen füllen. „Greif ein’n<br />

Griff und streich ein’n Strich und packe<br />

dich“ – unter diesem Zuruf der wachhaltenden<br />

Greise kann man siegen und<br />

zum reichen Manne werden.<br />

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54<br />

Weihnachtliches


Christnachtsagen<br />

von Schätzen und Findern<br />

Die Schatzhöhle auf der Landeskrone<br />

Doch nicht nur der Ostritzer Feensberg,<br />

auch die Landeskrone bei Görlitz<br />

präsentiert ihre Schätze in der Christnacht.<br />

Während der Mitternachtsstunde<br />

wird dort ein Keller sichtbar, dessen<br />

Eingangspforte mit jedem beliebigen<br />

Kanzelschlüssel zu öffnen ist. Gefahrlos<br />

gelangt man an eine große Kupferbütte<br />

voll glänzender Goldstücke und darf<br />

einfach nur zugreifen und die Taschen<br />

füllen. Aber – wehe dem, der die Zeit<br />

verpaßt, neben Sorge und Verzweiflung<br />

hat er ein volles Jahr das Joch unfreiwilliger,<br />

einsamer Haft in dunklem Schoße<br />

des Berges zu tragen.<br />

Solch einen Fall erzählt man sich vom<br />

Czornebog bei Bautzen, wo es auch<br />

eine schatzgefüllte Höhle gibt, die in<br />

der Christnacht Auserwählten sich<br />

öffnet und wo kleine Kobolde als Hüter<br />

der aufgehäuften Reichtümer fungieren.<br />

Eine arme Frau aus Hochkirch<br />

hatte davon gehört und sich mit ihrem<br />

Kinde am Arme zur bestimmten Zeit<br />

aufgemacht. Geblendet von dem vielen<br />

aufgehäuften Golde, setzte sie ihr Kind<br />

auf den Boden der Höhle, schaffte eine<br />

Schürze voll nach der andern ins Freie<br />

– da schlägt’s 12 Uhr in ihrem Heimatsdorfe,<br />

die Höhle schließt sich, die Mutter<br />

mit ihrem Golde steht allein im dunklen<br />

Walde, aber ihr Kindlein ist gefangen<br />

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Weihnachtliches<br />

55


Oberlausitzer Christnachtsagen –<br />

und gebannt. Was galt ihr nunmehr all<br />

ihr Reichtum? Zwölf Monate mußte sie<br />

in bangem Kummer harren, dann aber<br />

holte sie ihr Kind, einzig ihr Kind, nicht<br />

beachtend die abermals verführerisch<br />

glänzenden Goldhaufen.<br />

Doch meinen wir, konnten die Kobolde<br />

der armen Frau das erste Mal einen<br />

Wink geben, damit ihr solch schweres<br />

Weh erspart geblieben wäre. Sind diese<br />

kleinen Wesen doch für gewöhnlich<br />

stets gutmütig. Es scheinen daher die<br />

vom Czornebog einer anderen Sippe<br />

anzugehören als die Kobolde im Krischaer<br />

Walde bei Weißenberg, von denen<br />

hier ein recht menschenfreundlicher<br />

Zug noch Raum finden möge.<br />

Zu Ende des 15. Jahrhunderts lebte in<br />

Löbau ein blutarmer Schuster. Derselbe<br />

hatte am Heiligen Abend nach Görlitz<br />

fertige Waren abgeliefert, aber keinen<br />

Pfennig Lohn dafür erhalten. Betrübten<br />

Herzens wanderte er heimwärts. Was<br />

hatte er den Seinen alles versprochen<br />

zum Christabend! Nun war es aus, und<br />

kein Trost vermochte seine Betrübnis zu<br />

verscheuchen. So kam er auch in das<br />

Das weiße Männlein im Krischaer Forst<br />

Krischaer Wäldchen. Aber wie staunte<br />

er, als der ganze Tannenforst rings in<br />

einem Lichtermeere erstrahlte und ein<br />

kleines Männchen mit einem riesigen<br />

weißen Barte auf ihn zutrat und zum<br />

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56<br />

Weihnachtliches


Christnachtsagen<br />

von Schätzen und Findern<br />

Mitkommen nötigte. Andächtig betete<br />

unser Schuster erst ein Vaterunser,<br />

folgte aber dann getrost dem kleinen<br />

putzigen Männlein tiefer in den Wald,<br />

wo die herrlichste Musik ertönte und<br />

eine wahrhaft fürstliche Christbescherung<br />

vorbereitet war. Noch mehr verwundert<br />

aber ward unser Schuster, als<br />

das Männlein in freundlichster Weise<br />

ihm kündete, Zeuge seines Kummers<br />

gewesen zu sein, und daß er ihm nun<br />

zu reichlicher Entschädigung erlaube,<br />

von den ausgelegten Herrlichkeiten<br />

nach eigener Wahl zu nehmen, was<br />

ihm gefalle und soviel er möge. Das<br />

ließ sich nun der überglückliche Schuster<br />

nicht zweimal sagen, bald war der<br />

Sack gefüllt, und unter lauten Dankesbezeugungen<br />

verabschiedete er sich<br />

von dem edelmütigen Kobolde. Und<br />

so vermochte denn der arme Schuster<br />

seiner Familie einen Christabend zu bereiten<br />

wie kaum jemand anderes, und<br />

auch für sich fand er im Sacke noch<br />

Gold die schwere Menge.<br />

So wissen sich also die Tannenbäume<br />

draußen im Walde von der Christnacht<br />

mancherlei Merkwürdigkeiten zu erzählen,<br />

und wenn auch nicht so lauter Jubel<br />

um ihre Wipfel ertönt wie bei ihren<br />

geputzten Gefährten in Schloss oder<br />

Hütte, so bleibt ihnen doch der Trost,<br />

daß jenes Glück nur von kurzer Dauer,<br />

sie aber im Lenz die Schneelast abzuschütteln<br />

und neu verjüngt Zeuge zu<br />

sein vermögen von Lenzeseinzug und<br />

des Sommers Pracht. So beut aber<br />

auch die Christnacht allüberall ihre unermeßlichen<br />

Schätze dar, nur mit dem<br />

Unterschiede, daß sie im Walde draußen<br />

einzig dem fließen, dem „holde<br />

Sage“ sie zugedacht – während in der<br />

weiten, weiten Welt, an jedem Herde<br />

sie allen, Reich und Arm, zuteil werden,<br />

eingedenk der wahren Christnachtslosung:<br />

„Friede auf Erden, allen Menschen<br />

ein Wohlgefallen!“<br />

Dr. Alfred Moschkau, Oybin,<br />

in: Zittauer Nachrichten und Anzeiger,<br />

23.12.1891<br />

Zeichnungen von Günter Hain, Görlitz,<br />

1984 und 1988<br />

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Weihnachtliches<br />

57


Krippenausstellung<br />

Weihnachtskrippen in Schirgiswalde –<br />

Figurengruppe von verschiedenen nordböhmischen Schnitzern<br />

Ende des 19. Jahrhunderts, unter dem Einfluss<br />

der Bibelillustratoren Ritter von Führich<br />

und Julius Schnorr von Carolsfeld, entstanden<br />

die ersten Weihnachtskrippen im<br />

nazarenischen Stil. Die Schnitzer, wie zum<br />

Beispiel Rosche, Thiele, Müller, Mai, Wendler,<br />

Schütz, Krebs und Herbrich, schufen<br />

Krippenfiguren und Krippen, so dass man<br />

in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts<br />

von einem wahren Krippenbauboom<br />

in Nordböhmen sprechen kann. Die Schönheit<br />

dieser kleinen Kunstwerke sprach sich<br />

Wie kam die Krippe nach Schirgiswalde:<br />

Laut historischen Berichten wurde bereits<br />

im Jahre 1583 in Rumburg die erste Weihnachtskrippe<br />

aufgebaut. Bedeutend für<br />

den weiteren Weg zur typischen nordböhmischen<br />

Weihnachtskrippe war Anfang des<br />

19. Jahrhunderts die Ankunft von Südtiroler<br />

Schnitzern in Schluckenau und Umgebung.<br />

Von diesen eigneten sich die „Einheimischen“<br />

das Schnitzen an. Somit war der<br />

Grundstein für eine sich selbstständig entwickelnde<br />

Krippenkulturlandschaft gelegt.<br />

Sollte auf keiner Nordböhmischen fehlen – der Bethlemitische Zug<br />

nach Josef Ritter von Führich.<br />

Geschnitzt und staffiert von Franz Rosche.<br />

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58<br />

Weihnachtliches


Krippenausstellung<br />

ein Besuch lohnt sich!<br />

Figurengruppe – geschnitzt und staffiert von Wolfgang Waurisch<br />

die Grenze „gepascht“, also geschmuggelt.<br />

Dabei konnten einige Pfennige Zoll gespart<br />

werden, die in der nächsten Krippensaison<br />

wieder in Figuren angelegt wurden. Durch<br />

die Ausweisung der deutschen Bevölkerung<br />

nach dem zweiten Weltkrieg kam die<br />

langjährige Krippentradition abrupt zum<br />

Erliegen, und die Krippenkulturlandschaft<br />

Nordböhmens existierte einfach nicht mehr.<br />

Durch die bereits erwähnten Verbindungen<br />

nach Nordböhmen ist Schirgiswalde der<br />

einzige Ort, in dem sich die Entwicklung<br />

der Krippentradition anhand von Krippen<br />

auch schnell in der Oberlausitz herum. Viele<br />

Leute, besonders auch aus Schirgiswalde,<br />

gingen in der Weihnachtszeit nach Schluckenau<br />

zum Krippenschauen. Es ist deshalb<br />

nicht verwunderlich, dass einige „Krippenverrückte“<br />

in Schirgiswalde anfingen,<br />

sich ihre eigene Weihnachtskrippe zu bauen.<br />

Geschnitzt wurde aber vornehmlich im<br />

böhmischen Niederland, da es in der Stadt<br />

Schirgiswalde kaum eigene Schnitzer gab.<br />

Viele Figuren traten nun ihre Reise aus dem<br />

nordböhmischen Niederland in die Oberlausitz<br />

an. Ein Großteil von ihnen wurde über<br />

Figurengruppe auf der Großkrippe zur Krippenausstellung 2005<br />

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Weihnachtliches<br />

59


Krippenausstellung<br />

Weihnachtskrippen in Schirgiswalde –<br />

belegen lässt. In unserer Stadt gibt es Krippen,<br />

welche bereits die Südtiroler Schnitzer<br />

fertigten, die sogenannten „Welschen“ oder<br />

„Hosenmann`l“ bis hin zu den großen nazarenischen<br />

Landschaftskrippen aus der Mitte<br />

des zwanzigsten Jahrhundert. Vor allem<br />

während der Weihnachtszeit und teilweise<br />

darüber hinaus können in Schirgiswalde alle<br />

Arten der Krippen, ob mechanische, Kasten-<br />

oder Papierkrippen, besichtigt werden.<br />

Schirgiswalde wird deshalb nicht umsonst<br />

als „Krippenstadt“ bezeichnet.<br />

Die Heiligen drei Könige auf dem Weg zur Krippe.<br />

Könige von Franz Rosche, Kamele von Raymund Strohbach.<br />

Familienkrippe mit Gruhlicher Figuren.<br />

Krippenverein und Krippenausstellung<br />

Schirgiswalde:<br />

Obwohl es in der DDR mitunter verpönt<br />

war, sich mit Krippen zu beschäftigen, gab<br />

es in Schirgiswalde und Umgebung immer<br />

einige „Krippennarren“, die es nicht lassen<br />

konnten, sich mit ihrem Steckenpferd zu<br />

beschäftigen. Gegenseitige Krippenbesuche,<br />

gemeinsame Ausfahrten nach Nordböhmen<br />

und Krippenforschung waren die<br />

Voraussetzungen, dass die Tradition um<br />

die Weihnachtskrippe nicht ganz in Vergessenheit<br />

geriet. Als im Jahr 1985 Herr<br />

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Wälzlager-Vertrieb Görlitz GmbH<br />

60<br />

Wir möchten dies zum Anlass nehmen, Ihnen für das Vertrauen zu danken, das Sie uns<br />

und unseren Mitarbeitern in diesem Jahr entgegengebracht haben.<br />

Reichenbacher Straße: 3 | 02827 Görlitz | Tel.: 0358140 51 09 | Fax: 0358 41 22 61<br />

Weihnachtliches


Krippenausstellung<br />

ein Besuch lohnt sich!<br />

Pfarrer Paul die erste Krippenausstellung<br />

organisierte, schweißte das die Krippenfreunde<br />

noch enger zusammen. Nach der<br />

politischen Wende konnten die Krippenfreunde<br />

endlich am 14. Februar 1991, anfänglich<br />

mit 19 Mitgliedern, den „Krippenverein<br />

Schirgiswalde und Umgebung e.V.“<br />

gründen. Momentan hat unser Verein 80<br />

Mitglieder sowie 4 Ehrenmitglieder. Zu den<br />

wichtigsten Zielen unseres Vereines gehören<br />

hauptsächlich die Bewahrung und die<br />

Fortführung der langjährigen Krippentradition.<br />

Des Weiteren wird Krippenforschung<br />

Heilige Familie<br />

Nordböhmische Hauskrippe<br />

betrieben und versucht, alte Krippenbautechniken<br />

wiederzubeleben. Erfahrene<br />

Vereinsmitglieder geben noch bekannte<br />

Techniken an jüngere Interessenten weiter.<br />

So eigneten sich unter anderem Vereinsmitglieder<br />

die Technik des Färbens von<br />

Sägespänen neu an. Wichtigste Eckpunkte<br />

des jährlichen Vereinslebens sind unsere<br />

monatlichen thematischen Treffen, die aller<br />

zwei Jahre stattfindende Krippenausstellung<br />

und die Ausfahrten. Bei unseren<br />

Fahrten in viele Länder Europas besuchen<br />

wir die dortigen Krippenfreunde, Krippen-<br />

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Weihnachtliches<br />

61


Krippenausstellung<br />

Weihnachtskrippen in Schirgiswalde –<br />

Neu erstandene Weihnachtskrippe mit Figuren aus Nordböhmen.<br />

wege, Krippenausstellungen, Haus- und<br />

Kirchenkrippen. Dadurch entstanden die<br />

vielfältigsten Kontakte zu Vereinen in ganz<br />

Europa. Seit der Gründung des Krippenvereines<br />

ist dieser für die Organisation<br />

und Durchführung der aller zwei Jahre<br />

stattfindenden Krippenausstellung verantwortlich.<br />

Diese besuchen in den 3 Tagen<br />

ihrer Öffnung zwischen 1500 - 3000 Personen.<br />

Meist werden fast 200 Krippen,<br />

darunter viele alte böhmische, ausgestellt.<br />

Eine schöne Tradition ist es, anlässlich der<br />

Ausstellung eine besondere Krippe den<br />

Besuchern zu präsentieren. Dazu hat sich<br />

eine bereits seit vielen Jahren bestehende<br />

Gruppe von Krippenfreundinnen und Krippenfreunden<br />

zusammengefunden. In den<br />

Ausstellungen der Jahre 2003 und 2005<br />

konnte so den Besuchern eine zirka 8 Quadratmeter<br />

große neugebaute Landschaftskrippe<br />

im nordböhmischen / nazarenischen<br />

Stil präsentiert werden. Auf dieser, standen<br />

über 110 geschnitzte Menschen- und 200<br />

Tierfiguren. Durch die vielfältigen Aktivitäten<br />

unseres Vereines wurde auch ein anderer<br />

Effekt erzielt. Viele Familien begannen<br />

nun wieder ihre Krippe vom Dachboden zu<br />

holen und aufzubauen. Dabei zeigte sich<br />

erfreulicherweise, dass vieles längst verschollen<br />

geglaubte Krippengut erhalten geblieben<br />

war. War keine Krippe im Haushalt<br />

vorhanden, wurden neue Krippen gekauft.<br />

Viele erkannten nicht nur den materiellen<br />

Wert einer Weihnachtskrippe, sondern entdeckten<br />

wohl auch deren religiösen Inhalt<br />

neu.<br />

In der Krippenausstellung <strong>2013</strong> werden<br />

seit langem wieder einmal die ältesten<br />

Krippenfiguren aus unserer Stadt präsentiert.<br />

Um diese entsprechend in Szene zu<br />

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Wir wünschen allen ein<br />

schönes Weihnachtsfest!<br />

Lackierungen<br />

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Unfallreparaturen<br />

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SF Lackiererei • Reichenbacher Str. 3 • 02827 Görlitz<br />

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Weihnachtliches


Krippenausstellung<br />

ein Besuch lohnt sich!<br />

stellen, wird dafür, und nur für diese Ausstellung,<br />

eine neue Krippe geschaffen. Die<br />

verwendeten Figuren befinden sich im<br />

Besitz des Krippenvereins Schirgiswalde<br />

und Umgebung e.V. und entstanden durch<br />

Schnitzer, welche aus Südtirol stammten.<br />

In die Bodenplatte eines zirka 18 cm großen<br />

Leierspielers ist, neben nicht mehr zu<br />

deutenden Initialen des Schöpfers, auch<br />

die Jahreszahl 1832 eingeschnitzt.<br />

Matthias Jung<br />

Die Krippenausstellung ist vom 6. bis 8.12.<strong>2013</strong>,<br />

täglich in der Zeit von 9.00 bis 18.00 Uhr, im Elisabethsaal<br />

an der Pfarrkirche zu besichtigen. An<br />

den Nachmittagen des Samstags und Sonntags<br />

können, zusätzlich zu der Ausstellung, Schnitzer<br />

bei der Arbeit bewundert werden.<br />

Beim Besuch der Krippenausstellung im<br />

Elisabethsaal an der Pfarrkirche empfiehlt sich<br />

gleichzeitig auch ein Besuch im Schirgiswalder<br />

Heimatmuseum „Carl Swoboda“, Hauptstraße<br />

11 a, wo ebenfalls mehrere sehr interessante<br />

historische böhmische und Schirgiswalder Krippen<br />

neben weiteren Zeugnissen der Volkskunst<br />

aufgebaut sind. In der historischen Weberstube<br />

zeigen am Wochenende Schirgiswalder Frauen<br />

ihr handwerkliches Können auch beim Klöppeln.<br />

Hierbei können Sie nach alten historischen<br />

Rezepten hergestellte Pfefferkuchen probieren<br />

und erwerben.<br />

Heimatliche Krippe mit unstaffierten Figuren,<br />

geschnitzt vom Schirgiswalder Christian Thomas<br />

Die Öffnungszeiten des Heimatmuseums sind:<br />

Dienstag 14.00 bis 16.00 Uhr und Donnerstag<br />

10.00 bis 12.00 Uhr sowie 14.00 bis 16.00 Uhr<br />

sowie während der Krippenausstellung am Samstag,<br />

dem 7. und Sonntag, dem 8. <strong>Dezember</strong><br />

von 13.00 bis 18.00 Uhr. Für Interessenten und<br />

Gruppen sind auch Besichtigungen außerhalb der<br />

Öffnungszeiten möglich. Bei der Museumsleiterin<br />

Frau Christine Liebsch unter 03582-34299 bitte<br />

anmelden!<br />

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Weihnachtliches<br />

63


Stadtverkehr<br />

Geschichten vom Görlitzer Stadtverkehr –<br />

nur noch der Ersatzteilgewinnung. Der<br />

Triebwagen 001 ist allerdings mit der<br />

Nummer 301 bis heute unermüdlich im<br />

Einsatz, wurde aber bereits mehrmals<br />

umgebaut. Ein recht großer Gebäudekomplex<br />

an der heute nicht mehr vorhandenen<br />

Wendeschleife Virchowstraße<br />

befand sich im November 1983 noch<br />

in der Entstehung.<br />

Der erste KT4D in Görlitz<br />

Erneut soll ein Rückblick mit Bildern<br />

das Thema bilden. Diesmal gleitet die<br />

Erinnerung 30 Jahre zurück in den November<br />

1983. Wieder einmal weilte<br />

ich für einige Tage in Görlitz und hatte<br />

Gelegenheit, einige Alltagsszenen<br />

bildlich zu dokumentieren. Wenige Wochen<br />

erst war der erste KT4D unserer<br />

Straßenbahn im Linieneinsatz. Erst vier<br />

Jahre später kamen sechs weitere und<br />

später noch vier fabrikneue und acht<br />

gebrauchte Wagen gleicher Bauart in<br />

den Bestand. Inzwischen fehlen bereits<br />

drei Wagen, und ein weiterer dient<br />

Linie 1 an der Goethestraße<br />

Die Straßenbahnlinie 1 befuhr die erst<br />

reichlich ein Jahr zuvor fertiggestellte<br />

Wendeschleife an der Goethestraße,<br />

während die Weinhübler Strecke ihrer<br />

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64<br />

Geschichte


Stadtverkehr<br />

November 1983<br />

in den kommenden Jahren gebraucht<br />

aus Berlin hinzu. Dagegen begannen<br />

die kurzen Ikarus 260 die letzten Ikarus<br />

66 von den Regionalbuslinien und<br />

im Berufsverkehr zu verdrängen. Immerhin<br />

hielten hier seinerzeit noch 14<br />

dieser urigen Gefährte tapfer die Stellung<br />

beim Görlitzer Kraftverkehr. Einer<br />

von ihnen fuhr als Kinderwagenlinie mit<br />

Ikarus 280 als Linie A<br />

Neuerrichtung mit veränderter Trassenführung<br />

entgegensah. Von der Goethestraße<br />

ging es damals noch quer durch<br />

die Stadt nach Rauschwalde. Noch war<br />

an die heute wichtige und inzwischen<br />

aus zwei Teilästen bestehende Gleistrasse<br />

nach Königshufen kaum zu denken.<br />

Den Stadtbusverkehr prägten viertürige<br />

Gelenkzüge des Typs Ikarus 280 für<br />

über 100 Fahrgäste, welche im Berufsverkehr<br />

dennoch häufig überfüllt waren.<br />

Insgesamt sechzehn Busse dieses Typs<br />

waren vorhanden, und weitere kamen<br />

Ikarus 66 des Kraftverkehr<br />

dem Namen „Bummibus“.<br />

Zwei der wenige Jahre zuvor aus dem<br />

Linienverkehr ausgeschiedenen LOWA-<br />

Wagen dienten noch als Dienstfahr-<br />

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Geschichte<br />

65


Stadtverkehr<br />

Geschichten vom Görlitzer Stadtverkehr<br />

LOWA als Dienstwagen<br />

zeuge innerbetrieblichen Zwecken der<br />

Görlitzer Straßenbahn. Man sah den<br />

(1986 noch einmal lackierten und mit<br />

neuer Nummer 101 versehenen) Triebwagen<br />

Nr. 1 häufig an Gleisbaustellen<br />

und im Winter als Zugfahrzeug für den<br />

baugleichen Salzanhänger 112, der<br />

einst die Nummer 50 getragen hat.<br />

Die Gotha Ein- und Zweirichtungszüge<br />

hingegen bildeten unverändert das<br />

Rückgrat des schienengebundenen<br />

Stadtlinienverkehrs in Görlitz. In den<br />

Vormittagsstunden waren an Werktagen<br />

im Gleisdreieck am Telegrafenamt<br />

Gothawagen am Postplatz<br />

nicht selten zwei aus ihnen gebildete<br />

Garnituren abgestellt. Der November<br />

1983 zeigte sich an einigen Tagen bereits<br />

winterlich mit Eis und Schnee, wie<br />

einige der Bilder erkennen lassen. Unübersehbar<br />

ist aber auch der verbreitet<br />

bereits erschreckend schlechte Zustand<br />

der Hochbauten im Stadtgebiet – in<br />

der heutigen Zeit in dieser Ausprägung<br />

kaum noch vorstellbar.<br />

(wird fortgesetzt)<br />

Andreas Riedel, Wiesbaden<br />

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Impressum:<br />

Herausgeber (V.i.S.d.P.):<br />

incaming media GmbH<br />

Geschäftsführer:<br />

Andreas Ch. de Morales Roque<br />

Carl-von-Ossietzky Str. 45<br />

02826 Görlitz<br />

Ruf: (03581) 87 87 87<br />

Fax: (03581) 40 13 41<br />

info@stadtbild-verlag.de<br />

www.stadtbild-verlag.de<br />

Geschäftszeiten:<br />

Mo. - Fr. von 9.00 bis 17.00 Uhr<br />

Druck: incaming print<br />

Verantw. Redakteur:<br />

Andreas Ch. de Morales Roque<br />

(Mitglied im Deutschen<br />

Fachjournalistenverband)<br />

Redaktion:<br />

Dr. Ernst Kretzschmar,<br />

Dipl. - Ing. Eberhard Oertel,<br />

Dr. Ingrid Oertel<br />

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Dipl. - Ing. Eberhard Oertel<br />

Mobil: 0174 - 31 93 525<br />

Teile der Auflage werden auch kostenlos<br />

verteilt, um eine größere Verbreitungsdichte<br />

zu gewährleisten. Für eingesandte<br />

Texte & Fotos übernimmt der Herausgeber<br />

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die Auffassung des Herausgebers wider.<br />

Anzeigen und redaktionelle Texte können<br />

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des Herausgebers verwendet werden<br />

Anzeigenschluss für die Januar-<br />

<strong>Ausgabe</strong>: 12. <strong>Dezember</strong> <strong>2013</strong><br />

Redaktionsschluss: 10. Dez. <strong>2013</strong><br />

Wir arbeiten mit<br />

Stadtwerke Görlitz AG<br />

Immer.Näher.Dran<br />

66<br />

Geschichte

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