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155_StadtBILD_Juni_2016

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Herr R. Schmidt


Vorwort<br />

Liebe Leserinnen, liebe Leser,<br />

Görlitz erwartet wieder seine Gäste. Hotels,<br />

Gaststätten und Geschäfte im Stadtzentrum<br />

und der Altstadt erhoffen sich gute Einnahmen.<br />

Bezaubernd gestaltete Blumenbeete auf<br />

dem Postplatz schaffen ein freundliches Umfeld<br />

für Touristengruppen. Schaufenster wurden<br />

blitzblank geputzt, Fassaden frisch gestrichen.<br />

Heruntergekommene Gründerzeithäuser sind<br />

eingerüstet; und man freut sich nun auf neue<br />

Glanzpunkte in den strahlenden Fassadenfluchten.<br />

Aber das ist eben nur die eine Seite.<br />

Längst wird nicht alles getan, die Stadt für ihre<br />

Bürger und Gäste sauber und ordentlich darzubieten.<br />

Sehen die Einheimischen aus Gewohnheit<br />

über manches hinweg, betrachten Auswärtige<br />

den Zustand der Innenstadt um so genauer<br />

und machen sich ihren Vers drauf. Viele kleine<br />

Ladengeschäfte, oft über Generationen hinweg<br />

in Familienbesitz, schließen für immer. Dafür<br />

beherrschen Niederlassungen großer Handelsketten<br />

das Bild, häufig langweilige Hallen mit<br />

öden Regalen und Kleiderständern und grässlichen<br />

Schaufensterpuppen. Eine Süßwarenkette<br />

ließ für eine „Modernisierung“ die historische<br />

Innenausstattung wegräumen, und aufmerksame<br />

Bürger verhinderten in letzter Minute<br />

deren Abtransport. Wird die Hauptstraße fast<br />

täglich gereinigt, sieht es in den Nebenstraßen<br />

oft schlimm aus. An den Bordsteinen lagern<br />

sich aus den geparkten Autos geworfene Zigarettenreste<br />

und Speisenbehälter ab, in den<br />

Blumenschalen stapelt sich Müll. Besonders<br />

ärgerlich ist der ideologische Schmutz, der oft<br />

schon seit Jahren das Stadtbild verschandelt,<br />

etwa an den Sudelschaufenstern Jakobstraße 2<br />

und 3 oder Hospitalstraße 1, wo man auf teils<br />

heruntergefetzten Plakaten unmißverständliche<br />

Aufforderungen zu politischer Gewalt in<br />

Texten und Bildern findet. Man fragt sich auch,<br />

wer das alles bezahlt - etwa der Staat für dubiose<br />

„Initiativen gegen Rechts“? Viele Häuser<br />

sind mit dem drohenden „A!“ beschmiert, aber<br />

Ordnungsbehörden, Polizei und Justiz scheinen<br />

es hinzunehmen. Sind doch die Straßenkampf-<br />

Sturmtrupps mit ihren Sitzblockaden und<br />

deutschfeindlichen Sprechchören und Spruchbändern<br />

Anhängsel der obrigkeitsfolgsamen<br />

„Zivilgesellschaft“. Anstatt die sanierten Häuser<br />

vor den kriminellen Schmieranten zu schützen,<br />

wurde unlängst an der Hauptstraße ein<br />

„Graffiti-Shop“ eröffnet, „vor allem für junge<br />

Kunden“, wie es hieß, die so noch zu Straftaten<br />

ermuntert werden könnten. Sogar Kirchen<br />

(Peterskirche, Jakobuskirche) sind nicht mehr<br />

vor Sprayerchaoten sicher, die ihren selbstgerechten<br />

Individualismus gegen die Interessen<br />

der Gemeinschaft „ausleben“ wollen. Der neue<br />

Bürgerrat Innenstadt-West will gar das frühere<br />

Waggonbaugebäude mit Planen verhängen<br />

und „durch ein Graffiti-Projekt aufwerten“, oh<br />

Graus! Es bleibt also noch viel zu tun, um den<br />

Ruf von Görlitz als „einer der schönsten Städte<br />

Deutschlands“ gegen manchen hausgemachten<br />

Irrsinn zu verteidigen. Das ist nicht nur<br />

Sache der Behörden und Stadtratsfraktionen.<br />

Verantwortung tragen auch Hauseigentümer,<br />

Geschäftsinhaber, Eltern und Lehrer. Jeder von<br />

uns ist mitverantwortlich und kann etwas tun,<br />

darunter selbstverständlich auch Ihr<br />

Ernst Kretzschmar<br />

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Einleitung<br />

3


Jakobuskirche<br />

Die äußere Instandsetzung und Sanierung –<br />

In Ausgaben vergangener Jahre wurde<br />

schon über die Bischofskirche berichtet.<br />

Der Bau der am 6. Oktober 1900 geweihten<br />

Kirche erfolgte in Ziegelbauweise<br />

unter Verwendung schöner Verblendformen<br />

und Glasursteinen im neugotischen<br />

Stil. Durch Artilleriebeschuss am 6./7.<br />

Mai 1945 wurde die Kirche als eines<br />

der wenigen Gebäude der Stadt Görlitz<br />

stark zerstört. Beschädigt wurden der<br />

Turm, die Nordseite war komplett aufgerissen,<br />

das Dach und die Fenster. Die<br />

einzige verbliebene Bronzeglocke war<br />

abgestürzt und lag auf der Orgelempore<br />

neben der ebenfalls zerstörten Kirchenorgel.<br />

Als in den Jahren 2003 / 2004 der Westgiebel<br />

saniert wurde, musste man feststellen,<br />

dass Dach und Fassade ebenfalls<br />

einer umfangreichen Sanierung<br />

unterzogen werden müssen.<br />

Neben den Schäden am Kirchturm,<br />

der Fassade und der Dachkonstruktion<br />

durch Kriegseinwirkung und notdürftigen<br />

Reparaturen mit zurückgebautem<br />

Material der Zwerchhäuser und von den<br />

vier Ecktürmen kamen noch Umwelt-<br />

St. Jakobus nach dem Beschuss im Mai 1945<br />

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4<br />

Geschichte


Jakobuskirche<br />

der Görlitzer Kathedrale St. Jakobus<br />

schäden aus DDR-Zeit hinzu. Salzbelastungen,<br />

schwefelsaure Luft und Rauch<br />

vom naheliegenden Bahnhof verursachten<br />

weitere Schäden am Gebäude und<br />

besonders am Klinkermauerwerk.<br />

Nach langer, intensiver Vorbereitungszeit<br />

und Ausschreibung von neun Gewerken<br />

konnte im März 2013 mit dem Bau begonnen<br />

werden. Die Dachkonstruktion<br />

wurde grundhaft saniert, und die konstruktiv<br />

erforderlichen Zwerchhäuser<br />

wurden wieder hergestellt. Das Dach<br />

erhielt wieder seine farbig gestaltete,<br />

ursprüngliche Eindeckung. Im Innenbereich<br />

des Dachstuhles sind auf drei<br />

Ebenen beleuchtete Wartungsgänge für<br />

spätere Kontroll- und Reparaturarbeiten<br />

geschaffen worden. Die vier Ecktürme<br />

des 68 Meter hohen Kirchturmes konnten<br />

an Hand von Fotomaterial rekonstruiert<br />

und erneut aufgebaut werden.<br />

Eine grundhafte Sanierung, besonders<br />

an den Pfeilervorlagen, wurde an den<br />

Klinkerfassaden vorgenommen. Pfeilervorlagen<br />

mussten abgetragen und neu<br />

aufgemauert werden. Die Abdeckungen<br />

sind durch farbige, glasierte Abdeckstei-<br />

St. Jakobus vor der Sanierung<br />

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Geschichte<br />

5


Jakobuskirche<br />

Die äußere Instandsetzung und Sanierung –<br />

Wiederherstellung der Dachlandschaft<br />

ne gestaltet. Über vierzig verschiedene<br />

Formsteine wurden verarbeitet. Dabei<br />

sind ca. 2 600 Quadratmeter Fassadenflächen<br />

in Mauerverbänden hergestellt<br />

worden. Der Materialeinsatz für Mauerziegel<br />

und Mörtel allein betrug 500.000<br />

€ netto.<br />

Die durch den Beschuss beschädigten<br />

und nach dem Krieg nur notdürftig reparierten<br />

Langhaus- und Chorfenster<br />

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6<br />

Geschichte


Jakobuskirche<br />

der Görlitzer Kathedrale St. Jakobus<br />

Wartungsgänge im Dachstuhl<br />

wurden denkmalgerecht instandgesetzt.<br />

Ein Fachgremium zeichnete dafür verantwortlich.<br />

Die gemauerten Rippen der<br />

Kirchenfenster mussten abgetragen und<br />

neu aufgebaut werden. Aussteifende<br />

Quereisen und Windeisen sind komplett<br />

erneuert.<br />

Entsprechend der exponierten Lage der<br />

Kathedrale machte sich eine Erneuerung<br />

des Blitzschutzes entsprechend<br />

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Geschichte<br />

7


Jakobuskirche<br />

Die äußere Instandsetzung und Sanierung –<br />

Aufzug der Dachkonstruktion Ecktürme<br />

den heute vorgegebenen Richtlinien<br />

erforderlich. Ebenso wurden die Dachentwässerung<br />

und Bekrönung der<br />

Zwerchhäuser, der vier Ecktürme sowie<br />

der Kapellen neu gestaltet.<br />

Eine neue Beleuchtung des Außenbereiches<br />

und auch der Treppenaufgänge<br />

lassen das Gotteshaus in den Abendstunden<br />

zu einem Blickfang der Stadt<br />

Görlitz werden.<br />

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8 Geschichte


Jakobuskirche<br />

der Görlitzer Kathedrale St. Jakobus<br />

Sanierte Pfeilervorlagen<br />

Der Bau eines barrierefreien Zuganges,<br />

eines Aufzuges, der sich in das das Gesamtbild<br />

denkmalgerecht einordnet,<br />

rundet das Bild dieser gelungenen Außensanierung<br />

ab.<br />

Wie schon in einer Ausgabe berichtet,<br />

wurde während der Außensanierung<br />

im Turm eine neue Stahlbetondecke<br />

eingezogen. In einem Eichenholz-Glockenstuhl,<br />

der nur von 178 Holznägeln<br />

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Geschichte<br />

9


Jakobuskirche<br />

Die äußere Instandsetzung und Sanierung –<br />

Langhausfenster (R. Schmidt)<br />

gehalten wird, konnte das vorhandene<br />

Vierergeläut um zwei Glocken ergänzt<br />

werden zu einem Geläut mit sechs Bronzeglocken.<br />

Ein wichtiger Faktor bei allen Baumaßnahmen<br />

war immer, dass alle Arbeiten<br />

bei laufendem Kirchenbetrieb ausgeführt<br />

wurden.<br />

Die veranschlagten Kosten konnten fast<br />

auf den Euro genau eingehalten werden,<br />

was in der heutigen Zeit nicht immer<br />

eine Selbstverständlichkeit ist. Getragen<br />

wurden die Baukosten aus Töpfen der<br />

Städtebauförderung, vom Bonifatiuswerk<br />

in Paderborn, vom Bistum Görlitz<br />

und zahlreichen Spenden. All diesen Institutionen,<br />

Firmen und Einzelpersonen<br />

gilt unser besonderer Dank für die Hilfe<br />

und finanzielle Unterstützung.<br />

Allen beteiligten Firmen ein Dankeschön<br />

für ihre qualitativ hervorragende Arbeit<br />

und gute Zusammenarbeit mit den baubetreuenden<br />

Personen. Auch die Unterstützung<br />

und wie immer gute Beratung<br />

der Denkmalpflege sind zu würdigen.<br />

Im Oktober 2015 konnte die Außensanierung<br />

der Kathedrale „St. Jakobus“<br />

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10<br />

Geschichte


Jakobuskirche<br />

der Görlitzer Kathedrale St. Jakobus<br />

Barrierefreier Zugang / Aufzug<br />

abgeschlossen werden.<br />

Am 8. Mai <strong>2016</strong> zelebrierte Bischof Ipolt<br />

einen Festgottesdienst unter Anwesenheit<br />

von Sachsens Ministerpräsident Tillich<br />

und vielen Ehrengästen und würdigte<br />

in seiner Festpredigt den gelungenen<br />

Abschluss der Baumaßnahme.<br />

Dipl.-Ing.(FH) Michael Gürlach<br />

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Geschichte<br />

11


Von Görlitz nach<br />

im<br />

Königgrätz<br />

Krieg<br />

und<br />

1866<br />

zurück –<br />

Hauptwache der Görlitzer Jäger-Garnison um 1865<br />

Vor genau 150 Jahren, im <strong>Juni</strong> 1866, gab<br />

es in Görlitz eine angespannte und besorgte<br />

Stimmung. Seit 1813 hatte die Stadt<br />

keinen Krieg mehr aus eigenem Erleben<br />

kennengelernt. Nur hochbetagte Greise<br />

erinnerten sich an Truppendurchzüge<br />

und Gefechte, an Lazarette und Massensterben,<br />

an Seuchen, an Plünderungen<br />

und an den schließlichen Sieg über die<br />

Armee des Eroberers Napoleon. Mehr als<br />

ein halbes Jahrhundert Frieden hatte den<br />

wirtschaftlichen und politischen Wiederaufstieg<br />

ermöglicht. Nun aber drohte ein<br />

Krieg zwischen Preußen und Österreich-<br />

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12<br />

Geschichte


Görlitzer Garnison<br />

im<br />

im Krieg 1866<br />

1866<br />

Jäger-Kaserne, Jüdenring / Grüner Graben um 1865<br />

Ungarn. Görlitz sah sich in einer mißlichen<br />

geographischen Lage – das habsburgische<br />

Kaiserreich im Süden und das mit ihm<br />

verbündete Königreich Sachsen im Westen<br />

hatten ihre Landesgrenzen nur wenige<br />

Kilometer von der Stadt entfernt. Da<br />

waren Angriffe auf Stadt und Kreis Görlitz<br />

und deren Besetzung nicht auszuschließen.<br />

Sachsen hoffte, nach einem Sieg die<br />

1815 an Preußen verlorene Niederlausitz<br />

und die östliche Oberlausitz zurückzugewinnen.<br />

Aber es stand weit mehr auf dem<br />

Spiel, nämlich das gesellschaftliche Profil<br />

eines geeinten Deutschlands. Österreich-<br />

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Geschichte<br />

13


Von Görlitz nach<br />

im<br />

Königgrätz<br />

Krieg<br />

und<br />

1866<br />

zurück –<br />

Uniform des Jäger-Bataillons Nr. 5 Görlitz<br />

Ungarn, bisher Führungsmacht im Deutschen<br />

Bund, war ein Vielvölkerstaat mit<br />

politischen Interessen vor allem in Südund<br />

Südosteuropa. Es war kaum in der<br />

Lage, einen starken deutschen Einheitsstaat<br />

in der Mitte Europas zu schaffen.<br />

Die mächtigen Nachbarstaaten, vor allem<br />

England, Frankreich und Rußland, sahen<br />

ihre geopolitischen Herrschaftsinteressen<br />

in Europa und der Kolonialpolitik durch ein<br />

starkes Deutschland bedroht und wünschten<br />

sich ein Fortbestehen der Kleinstaaterei<br />

und der Konkurrenz zwischen Bayern,<br />

Sachsen, Preußen und Österreich. Als Alternative<br />

zeichnete sich nun aber ein Deutsches<br />

Reich unter preußischer Führung<br />

ab, wirtschaftlich und militärisch stark, auf<br />

Ausgleich in Mitteleuropa bedacht, innenpolitisch<br />

auf ein parlamentarisches System<br />

und soziale Befriedung gestützt und dem<br />

wissenschaftlich-technischen Fortschritt in<br />

Volksbildung und Wirtschaftspraxis verpflichtet.<br />

Die später so genannten „Einigungskriege“<br />

(1864 deutsch-dänischer<br />

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14<br />

Geschichte


Görlitzer Garnison<br />

im<br />

im Krieg 1866<br />

1866<br />

Verleihungs-Urkunde für einen Jäger des Görlitzer Bataillons<br />

Krieg, 1866 preußisch-österreichischer<br />

Krieg und 1870/71 deutsch-französischer<br />

Krieg) schufen die Voraussetzungen und<br />

die Gelegenheit für einen einheitlichen<br />

Nationalstaat, was – unter Ausschluß<br />

Österreich-Ungarns – 1871 gelang. Damit<br />

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Geschichte<br />

15


Von Görlitz nach<br />

im<br />

Königgrätz<br />

Krieg<br />

und<br />

1866<br />

zurück –<br />

wurde eine mehr als vierzigjährige Friedensperiode<br />

mit einem atemberaubenden<br />

gesellschaftlichen Umwandlungsprozeß<br />

eingeleitet, der Deutschland zur mitteleuropäischen<br />

Großmacht umwandelte, aber<br />

auch die benachbarten Gegner auf den<br />

Plan rief und leider in zwei Weltkriege mündete.<br />

Diese Zusammenhänge und Aussichten<br />

waren 1866 noch nicht erkennbar.<br />

Auch in Görlitz gab es bei Kriegsausbruch<br />

keineswegs eine patriotische Begeisterung,<br />

wenn auch die Truppenkonzentration<br />

in Stadt und Umland einen feindlichen<br />

Angriff ausschloß. In den zeitgenössischen<br />

Berichten lesen wir vielmehr, daß<br />

es nach der Einberufung der Landwehr<br />

sogar Mißmut und Randale gab, so daß<br />

die Garnisontruppen (Erstes Schlesisches<br />

Jäger-Bataillon Nr. 5) „mit aufgepflanzten<br />

Hirschfängern“ anrücken und die Ordnung<br />

wiederherstellen mußten. Das schnelle<br />

Vorrücken der preußischen Armeen und<br />

die militärischen Erfolge bis zum Sieg bei<br />

Königgrätz am 3. Juli sorgten dafür, daß<br />

Görlitz nicht mehr von Kampfhandlungen<br />

betroffen wurde. Es gibt aufschlußreiche<br />

und ausführliche Berichte über das Geschehen<br />

in der Garnisonstadt und die Ereignisse<br />

an der Front. Man findet sie in<br />

den hiesigen Tageszeitungen und in zeitgenössischen<br />

Veröffentlichungen, etwa in<br />

der Bataillonsgeschichte von Otto (1903<br />

bei Mittler & Sohn in Berlin erschienen),<br />

in dem Erinnerungsbuch „Erlebnisse aus<br />

Kriegs- und Friedenszeiten“ von Bräuer<br />

(Görlitz 1880) und in dem seinerzeit verbreiteten<br />

Volksbuch „Das Wichtigste aus<br />

der Geschichte von Görlitz“ von Max Kwiecinski<br />

(Görlitz 1902). Erwähnenswert für<br />

den Gesamtablauf des Krieges ist die Anwesenheit<br />

des Prinzen Friedrich Karl von<br />

Preußen vom 13. bis 22. <strong>Juni</strong> in Görlitz. Er<br />

wohnte zunächst im Hotel „Zum braunen<br />

Hirsch“ und dann im Ständehaus. Die von<br />

ihm befehligte I. Armee, die über Zittau<br />

und Seidenberg die Grenze überschritt,<br />

und der Generalstab brachen von hier am<br />

22. <strong>Juni</strong> auf. Bereits vorher waren mehrere<br />

Lazarette eingerichtet worden, so am<br />

Bahnhof, an der Zittauer Straße, in der<br />

Jägerkaserne und im Zentralhospital Krölstraße.<br />

Am 30. <strong>Juni</strong> fuhr König Wilhelm I.<br />

durch Görlitz zum Kriegsschauplatz, begleitet<br />

von Prinz Karl, Moltke, Roon und<br />

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16 Geschichte


Görlitzer Garnison<br />

im<br />

im Krieg 1866<br />

1866<br />

Königgrätz-Erinnerungsmedaille 1866<br />

Bismarck. Die Rückfahrt erfolgte am 4.<br />

August nach dem siegreichen Ende des<br />

Krieges. König und Kronprinz besuchten<br />

Lazarette an der Chaussee nach Biesnitz.<br />

Ausführliche Berichte gibt es über den<br />

jubelnden Empfang der Garnisontruppen<br />

durch die Bevölkerung am 5. September.<br />

Zeitgenössische Berichte hatten den tapferen<br />

Einsatz des preußischen Jäger-Bataillons<br />

aus Görlitz gelobt. In den Gefechten<br />

bei Nachod, Skalitz und Schweinschädel<br />

unter dem Kommando von General von<br />

Steinmetz zeichnete sich das Bataillon besonders<br />

aus und hatte 7 Tote und 23 Verwundete<br />

zu beklagen. Weit mehr Tote gab<br />

es in den hiesigen Lazaretten, vor allem<br />

als Seuchenopfer. Auf dem städtischen<br />

Friedhof entstand 1867 für die dort beigesetzten<br />

Kriegsteilnehmer beider Seiten<br />

eine Gedenkstätte, die man heute noch<br />

dort vorfindet. Obwohl später die Erinnerung<br />

an den deutsch-französischen Krieg<br />

1870/71 mit dem „Sedan-Tag“ am 2. September<br />

und dem „Reichsgründungstag“<br />

am 18. Januar alljährlich festlich begangen<br />

wurde, blieben in Görlitz auch die Erinnerungen<br />

an 1866 lange lebendig. 1891<br />

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Geschichte<br />

17


Von Görlitz nach<br />

im<br />

Königgrätz<br />

Krieg<br />

und<br />

1866<br />

zurück –<br />

Prinz-Friedrich-Karl Denkmal am Blockhaus Görlitz, 1891<br />

wurde auf dem Blockhausplateau neben<br />

dem Viadukt ein Bronzestandbild des Prinzen<br />

Friedrich Karl eingeweiht. (Es gab nur<br />

noch ein weiteres Denkmal des Prinzen in<br />

Deutschland, nämlich in Frankfurt/Oder.)<br />

Das Görlitzer Denkmal zeigte den Prinzen,<br />

der Überlieferung folgend, an eben<br />

dieser Stelle vorwärtsschreitend und mit<br />

dem rechten Arm in Richtung Böhmen<br />

zeigend. Es folgten 1893 das Reiterstandbild<br />

von Kaiser Wilhelm I. mit den Begleitfiguren<br />

von Moltke und Bismarck auf dem<br />

Obermarkt und 1895 das Roon-Standbild<br />

auf dem Wilhelmsplatz. Feldmarschall<br />

Friedrich von Steinmetz nahm 1871 (bis<br />

zu seinem Tod 1877) seinen Wohnsitz<br />

in Görlitz. Ein Hotel am Postplatz bekam<br />

den Namen „Prinz Friedrich Karl“. Um den<br />

neuen Bündnispartner Österreich-Ungarn<br />

zu ehren, gab es gegenüber dem Bahnhof<br />

das Hotel „Habsburger Hof“. Die Erinnerung<br />

an Krieg und Sieg 1866, von unseren<br />

Vorfahren dankbar bewahrt, bleibt<br />

für die Heutigen zwiespältig. Dieser Krieg<br />

war ein Schritt zur historisch notwendigen<br />

und auch in Görlitz vielfach ergebnisreichen<br />

Einigung Deutschlands, zugleich<br />

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18 Geschichte


Görlitzer Garnison<br />

im<br />

im Krieg 1866<br />

1866<br />

Görlitzer Presseanzeigen, 1866<br />

aber auch ein frühes Vorspiel der Kriege<br />

um die Machtaufteilung in Europa und der<br />

Welt von 1914 bis in unsere Tage. Jeder<br />

mag selbst entscheiden, welcher Sicht er<br />

den Vorzug gibt. Ein unvoreingenommener:<br />

Rückblick auf den <strong>Juni</strong> 1866 bringt<br />

Erkenntnisgewinn, immerhin.<br />

Dr. Ernst Kretzschmar<br />

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Geschichte<br />

19


Oskar<br />

Geheimer Kommerzienrat<br />

Meissner<br />

–<br />

Benjamin Oskar Reinhold Meissner, Fabrikbesitzer,<br />

Stadtrat, Magistratsmitglied,<br />

Geheimer Kommerzienrat und Stadtältester,<br />

wurde am 9. Mai 1843 in Fraustadt<br />

(Wschowa) geboren.<br />

Die Familie entstammt einer alteingesessenen<br />

Ratsfamilie in Fraustadt, die<br />

dort seit dem 30. jährigen Krieg (1618-<br />

1648) als Tuchmacher wirkte. Fraustadt<br />

ist eine Kreisstadt im Westen der ehemaligen<br />

Provinz Posen. Im Jahre 1887<br />

kam die Stadt zum Kreis Lissa und 1941<br />

als eigener Kreis zur Provinz Niederschlesien.<br />

Wie aus der Firmenchronik<br />

der Görlitzer Tuchfabrik Krause & Söhne<br />

hervorgeht, kam Oskar Meissner von der<br />

Firma „Schlesische Tuchfabrik Jeremias<br />

Sigismund Foerster & Co Grünberg“. Sie<br />

war ein sehr angesehenes Unternehmen.<br />

In dieser Firma war Meissner als<br />

Technischer Leiter tätig. Nach 1860 entstanden<br />

die ersten Kontakte zwischen<br />

Oskar Meissner und der Firma Krause &<br />

Söhne in Görlitz. Zu jener Zeit wurden<br />

aus Fraustadt, dem Unternehmen seiner<br />

Eltern, Rohtuche zur Weiterverarbeitung<br />

in Görlitz bezogen.<br />

Kommerzienrat und Magistratsmitglied Oskar Meissner<br />

Emil Krause (*13.5.1828 + 17.2.1872),<br />

der Sohn des Firmengründers Karl Friedrich<br />

Krause (*17.5.1795 + 17.8.1866),<br />

vermählte sich 1870 mit Bertha Meiss-<br />

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20 Geschichte


Oskar Meissner<br />

Meissner<br />

zum 85 Todestag<br />

ner (*14.3.1838 Fraustadt + 11.2.1935<br />

Görlitz), der Schwester von Oskar Meissner.<br />

Diese Familienverhältnisse wurden<br />

noch enger, als wenig später Oskar<br />

Meissner die Anna Krause (16.9.1848<br />

+ 16.10.1934) ehelichte und somit in<br />

die Firma Krause & Söhne einheiratete.<br />

Durch den frühen Tod des Firmengründers<br />

Karl Friedrich Krause 1866 und<br />

dessen Sohn Emil Krause 1872 sowie die<br />

andauernde Krankheit des Firmenteilhabers<br />

Edmund Krause (verstorben 1880)<br />

war die Geschäftsführung der Fa. Krause<br />

& Söhne gefährdet. Daher wurde Oskar<br />

Meissner zu Beginn des Jahres 1872 in<br />

die Führung der Firma berufen. Eine wesentliche<br />

Voraussetzung dafür war seine<br />

solide fachliche Ausbildung und leitende<br />

Tätigkeit bei der oben beschriebenen Fa.<br />

F. Foerster in Grünberg. Nach dem Tod<br />

seines Schwagers Carl Emil Krause im<br />

Jahre 1872 übernahm Oskar Meissner<br />

1872 für seine Schwester Bertha (Gattin<br />

von Carl Emil) die Leitung der Firma<br />

Krause & Söhne. Berta war nach dem<br />

Tod ihres Gatten Carl Emil mit ihren 5<br />

minderjährigen Kindern Firmenerbin.<br />

Mit Beginn des Kaiserreiches hatte auch<br />

in der Firma ein deutlicher Aufschwung<br />

begonnen. Durch eine zielbewusste Modernisierung<br />

des Unternehmens durch<br />

Oskar Meissner wurde das Unternehmen<br />

zu neuer Blüte geführt. Unter seiner Leitung<br />

hatte er das Fabrikgebäude erweitert<br />

und neue Maschinen angeschafft.<br />

Besondere Verdienste erwarb sich Meissner<br />

für die Sicherstellung der besonders<br />

wichtigen Wasserversorgung für seine<br />

Firma. Durch mehrere Verträge mit der<br />

Stadt konnte dieses Vorhaben zwischen<br />

1885 bis 1892 in weitschauender Weise<br />

gesichert werden. Dabei wurde Wasser<br />

teilweise der Neiße entnommen und aus<br />

einem Brunnen, welcher in der Nähe des<br />

Krankenhauses an der Berliner Bahnstrecke<br />

angelegt wurde. Dessen Wasser<br />

wurde mittels Röhren in einen Teich<br />

(Ponteteich) geleitet, der sich gegenüber<br />

der Fabrik am Grünen Graben befand.<br />

Die Firma Krause & Söhne unter der Leitung<br />

von Oskar Meissner richtete eine<br />

Betriebs-Pflichtsparkasse ein. In dieser<br />

konnten die Belegschaftsangehörigen<br />

für Zeiten der Arbeitslosigkeit, der Not<br />

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Geschichte<br />

21


Oskar<br />

Geheimer Kommerzienrat<br />

Meissner<br />

–<br />

und des Alters bestimmte Beiträge des<br />

Lohns ansparen. Alle Beamten, Arbeiter<br />

und Arbeiterinnen, die in der Firma fest<br />

angestellt waren, wurden verpflichtet,<br />

dieser Betriebssparkasse beizutreten<br />

und allwöchentlich einen bestimmten<br />

Beitrag ihres Lohnes einzuzahlen. Die<br />

Einlagen wurden mit 4% verzinst.<br />

Am 25. März 1899 nahm die Firma Krause<br />

& Söhne die Form einer GmbH an.<br />

Als Geschäftsführer zeichneten Oskar<br />

Meissner und Rudolf Krause. An der<br />

Lunitz, vor dem Oktogon, stand ein Gasometer<br />

des Gaswerkes Görlitz. Dieser<br />

wurde nicht mehr benötigt und durch<br />

die Stadt abgebrochen. Im Jahre 1908<br />

erwarb Meissner das Areal von der Stadt<br />

für seine Firmenerweiterung. Lt. Kaufvertrag<br />

handelte es sich um eine Fläche<br />

von 1448 m². An dieser Stelle befindet<br />

sich jetzt, nach Abriss einiger Gebäudeteile,<br />

der Parkplatz der Arbeitsagentur.<br />

Im September 1912 rückte Rudolf Krause<br />

zum alleinigen Geschäftsführer auf,<br />

während O. Meissner als Teilhaber in der<br />

Firma tätig blieb. Meissner blieb bis zu<br />

seinem Tode ein treuer Ratgeber für die<br />

Geschäftsführer der Firma.<br />

Nach langjähriger, erfolgreicher Tätigkeit<br />

als Stadtverordneter wurde er im Jahre<br />

1898 ein unbesoldetes Mitglied des Magistrats<br />

der Stadt. Er gehörte dem Magistrat<br />

bis zum Jahre 1919 an, also 21<br />

Jahre. 1912 übernahm Meissner ehrenamtlich<br />

das Bergwerkdezernat „Grube<br />

Stadt Görlitz“ des Magistrats.<br />

Im Nachruf des Magistrats zu seinem<br />

Ableben am 1.6.1931 heißt es hierzu:<br />

„In dieser Tätigkeit hat Herr Meißner mit<br />

nie ermüdender Arbeitskraft und einem<br />

unbeugsamen Willen zur Pflichterfüllung<br />

in hervorragender Weise an der Umstellung<br />

des Bergwerkes Kohlfurt zu einem<br />

kaufmännischen Betriebe gearbeitet<br />

und aus diesem Werke ein Unternehmen<br />

geschaffen, dessen Segen für die<br />

Stadt sich besonders in der Kriegs- und<br />

Nachkriegszeit erwiesen hat. Auch in<br />

anderen Aemtern hat er bis ins hohe<br />

Alter seine Arbeitsfreudigkeit und seinen<br />

vorbildlichen Bürgersinn bewiesen.<br />

Meissner erwarb sich hohe Verdienste<br />

um das Wohl der Stadt. Seine aufrechte<br />

Persönlichkeit, sein verbindliches Wesen<br />

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22 Geschichte


Oskar Meissner<br />

Meissner<br />

zum 85 Todestag<br />

Villa Meissner Lindenweg 4<br />

und seine der Stadt geleistete Arbeit<br />

werden im Kreise des Magistrats unvergessen<br />

bleiben“.<br />

Im Jahre 1894 errichtete Meissner Lindenweg<br />

4 seine Familienvilla und erwarb<br />

das Grundstück Lindenweg 7, welches<br />

um 1860 erbaut worden ist. In diesem<br />

Grundstück wohnten lt. Adressbuch die<br />

Töchter von O. Meissner. Zu seinem 70.<br />

Geburtstag 1913 wurde dem Kommerzienrat<br />

Oskar Meissner im Auftrage des<br />

Ministers für Handel und Gewerbe der<br />

Charakter eines „Geheimen Kommerzienrates“<br />

verliehen. In Anerkennung für<br />

seine hohen Verdienste für die Stadt<br />

Görlitz wurde ihm aus diesem Anlass,<br />

von den städtischen Körperschaften,<br />

das Prädikat „Stadtältester“ zuerkannt.<br />

Am 1. <strong>Juni</strong> 1931 verstarb Oskar Meissner<br />

nach schwerem Leiden im Alter von<br />

88 Jahren in der chirurgischen Klinik von<br />

Dr. Boeters, Konsulplatz.<br />

Er wurde in der Familiengruft auf dem<br />

Friedhof unter großer Anteilnahme von<br />

Stadt und Belegschaft beigesetzt. Oskar<br />

Meissner war auch Mitglied der Freimaurerloge<br />

zu Görlitz „Zur gekrönten<br />

Schlange“. In dieser Loge hat Meissner<br />

eine Stiftung für hilfsbedürftige Kinder<br />

und Witwen von Freimaurern und<br />

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Geschichte<br />

23


Oskar<br />

Geheimer Kommerzienrat<br />

Meissner<br />

–<br />

Tuchfabrik Krause & Söhne, Ecke Lunitz/Grüner Graben, um 1900<br />

hilfsbedürftige Freimaurer gegründet.<br />

In diese Stiftung wurden jährlich mindestens<br />

150,- Mark gestiftet. In dieser<br />

hatte sich im Jahre 1920 ein Kapital von<br />

14.706,72 Mark angesammelt.<br />

Sein 85. Todestag im <strong>Juni</strong> <strong>2016</strong> sollte<br />

uns Anlass sein, einer in der Öffentlichkeit<br />

bislang weniger bekannten Persönlichkeit,<br />

die sich große Verdienste für<br />

das Aufblühen des Wirtschaftslebens<br />

und für die Sorge um das Gemeinwohl<br />

unserer Stadt erworben hat, zu gedenken.<br />

Die Töchter von Oskar Meissner<br />

Margarete und Elisabeth ehelich-<br />

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24<br />

Geschichte


Oskar Meissner<br />

Meissner<br />

zum 85 Todestag<br />

Familiengrabstätte Meissner – Pohl (alter Friedhof Feld D, Grabstelle 41)<br />

ten ebenfalls zwei Brüder: Margarete<br />

Meißner (*17.4.1873 + 17.8.1971) den<br />

Amtsgerichtsrat Otto Pohl (*9.2.1866<br />

+ 15.10.1947) und Elisabeth Meissner<br />

(8.2.1871 + 27.11.1960) den preuß. Generalleutnant<br />

Lorenz Pohl (*11.11.1855<br />

+ 7.3.1935) Die beiden Schwestern von<br />

Meissner lebten bis zu ihrem Tod weiterhin<br />

im Grundstück Lindenweg 7. Sie sind<br />

ebenfalls in der Familiengruft auf dem<br />

Friedhof bestattet.<br />

Wolfgang Stiller, Görlitz<br />

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Geschichte<br />

25


Leserbrief<br />

Jugendjahre in der Südstadt –<br />

Ein längerer Brief einer treuen Leserin<br />

erreichte uns aus Coswig. Darin heißt es:<br />

Ihre Meinung ist die der meisten Deutschen,<br />

nur viele trauen sich nicht, sich<br />

öffentlich dazu zu bekennen, schon aus<br />

Angst, als Rassist oder Nazi beschimpft<br />

zu werden, was ich so widerlich finde.<br />

Und wer gar ein Amt bekleidet, der darf<br />

schon gar nicht seine Meinung sagen,<br />

soweit sie von der vorgeschriebenen<br />

abweicht. Ich finde das so traurig. Und<br />

weicht eine Partei von dem ab, dann wird<br />

sie in der Presse nur herabgewürdigt....<br />

Gefreut habe ich mich, als mich im Märzheft<br />

die Kreuzkirche so anlachte. Sie war<br />

ja für uns Südstädter früher der Mittelpunkt<br />

für alle festlichen Lebensmittelpunkte.<br />

Hier wurde ich getauft, habe ich<br />

geheiratet, und das letzte Familienbild<br />

wurde zur Goldenen Hochzeit meiner Eltern<br />

hier aufgenommen. Nur die Konfirmation<br />

fand in der Lutherkirche statt bei<br />

dem „Deutsche-Christen-Pfarrer“ Wollstadt.<br />

Wir haben ihn verehrt, er sprach<br />

mit uns über sehr natürliche Sachen und<br />

war nicht so verbohrt wie einige Pastoren<br />

der „Bekennenden Kirche“. Politische<br />

Themen gab es nicht, auch wenn<br />

man das hinterher behauptete. Und der<br />

Sohn Hajo von Pfarrer Wollstadf war ja<br />

viele Jahre dann Bischof in der Lausitz.<br />

Er hatte eine Freundin von mir, die Jutta<br />

Weihrauch, geheiratet und störte sich<br />

nicht an ihrem leichten Gehfehler, den<br />

sie von der Kinderlähmung zurückbehalten<br />

hatte, das fand ich großartig. Mit ihr<br />

verbanden mich viele schöne Erlebnisse.<br />

Ich leitete bis zum November 1944 eine<br />

Singegemeinschaft, die jeden Monat sich<br />

einmal im Schönhof traf. Damals zahlte<br />

man ja keine Miete für die Räume, und<br />

ich glaube, der Raum war pauschal von<br />

der HJ gemietet. Aber wir sangen keine<br />

Marsch- und Kampflieder, nur Volksund<br />

Kunstlieder, und mit zwei Mädeln,<br />

eben dieser Jutta und der Tochter vom<br />

Reichsbankdirektor Hahn, bereiteten wir<br />

bei mir zu Hause am Klavier die Lieder<br />

dreistimmig vor. Wir sind nie öffentlich<br />

aufgetreten, wir sangen einfach nur, weil<br />

es uns Freude machte. Heute unvorstellbar.<br />

Sie wohnten in dem querstehenden<br />

Block am Ende der Elisabethstraße. Ich<br />

habe gestaunt, als ich das letzte Mal in<br />

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26<br />

Geschichte


Leserbrief<br />

Zwischen Sechsstädteplatz und Kreuzkirche<br />

Kunnerwitzer Straße am Sechstädteplatz zwischen den Weltkriegen<br />

Görlitz war und mein Elternhaus Kunnerwitzer<br />

Straße 14 am Sechsstädteplatz<br />

sah, daß es so viele schöne Ornamente<br />

hatte. Das ist mir nie aufgefallen früher,<br />

erst jetzt, als man es so schön hell gestrichen<br />

hat. Die ganze Kunnerwitzer<br />

Straße ist sehr schön saniert worden. Ja.<br />

aufs Äußere legt man heutzutage sehr<br />

Wert, dafür verkümmern innere Werte...<br />

Auf alten Ansichtskarten kann man mein<br />

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Geschichte<br />

27


Leserbrief<br />

Jugendjahre in der Südstadt<br />

Biesnitzer Straße am Sechstädteplatzspielplatz um 1914<br />

Elterhaus erkennen. Die beiden großen<br />

Torbögen und die zwei Balkone im 1.<br />

Stock gehören zu den Hausnummern<br />

13 und 14. Der zweite Balkon gehörte<br />

zu unserer Wohnung im 1. Stock. Durch<br />

die großen Haustore fuhren die Pferdewagen<br />

bis zur Aschengrube im Hof. Gegenüber<br />

unserem Haus war ein großer<br />

Spielplatz mit Sandkasten, ein gleicher<br />

noch an zwei anderen Seiten (Biesnitzer<br />

und Kamenzer Straße). Die Straßenbahn<br />

wurde erst später durch den Sechsstädteplatz<br />

gelegt. An der linken Ecke war<br />

der Süßwarenladen der Firma Kosa, daneben<br />

ein Frisörladen von Dautz, Oben<br />

an der Ecke Biesnitzer Straße war ein<br />

Gemüseladen, bei dem wir 1945 in langen<br />

Schlangen anstanden. Im Haus Nr.<br />

13 war die Bäckerei Vogel… Ich wünsche<br />

Ihnen von Herzen alles Gute, daß Sie<br />

noch lange mit Ihren Artikeln die Menschen<br />

erfreuen können.<br />

Ilse Grienig, Coswig<br />

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28<br />

Geschichte


Frühauf<br />

40 Jahre Fleischerei Frühauf<br />

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Geschäftsräume Fleischerei Rothe ca. 1940 und danach war es HO<br />

Seit 1976 gibt es<br />

bei Frühaufs leckere<br />

Fleisch- und Wurstspezialitäten<br />

aus der Lausitz.<br />

In der Wendezeit wurde<br />

das zeitweilige HO-<br />

Geschäft wieder zur<br />

Frühaufs Gaststube<br />

und Fleischerei. Die<br />

Räumlichkeiten wurden<br />

aufwendig saniert, viel<br />

Licht kam in die ehrwürdigen<br />

Räume. Direkt<br />

am Demianiplatz,<br />

liegt seit nun 40 Jahren<br />

die Traditionsfleischerei<br />

und Gaststube,<br />

inzwischen auch mit<br />

dazugehörender Pension.<br />

Täglich frische<br />

Fleisch-und Wurstwaren<br />

aus der hauseigenen<br />

Fleischerei sind<br />

die Garantie für eine<br />

abwechselungsreiche<br />

und deftige Küche.<br />

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Geschichte<br />

29


Frühauf<br />

40 Jahre Fleischerei Frühauf –<br />

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In der Gastube<br />

Hier gibt es Speisen für jedermanns<br />

Geschmack zu moderaten Preisen.<br />

Die darüber liegende Gastube ist liebevoll<br />

wie ein kleines, aber feines<br />

Wohnzimmer eingerichtet. Die Gerichte<br />

wechseln getreu dem Motto:<br />

Futtern wie bei Muttern. Und dies<br />

alles mit frischen Produkten aus der<br />

Fleischerei, teilweise auch mal ein<br />

deftiges Eisbein oder eine hausgemachte<br />

Sülze. Dazu laden nun in<br />

jüngerer Zeit gemütliche Wohnungen<br />

mit Bad und Dusche und allem, was<br />

zum Wohlfühlen dazugehört, ein. Die<br />

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30<br />

Geschichte


Frühauf<br />

Demianiplatz 18, mitten im Stadtzentrum<br />

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In der Fleischerei<br />

Pension, die zentral gelegen ist, vermittelt<br />

ein familiäres Ambiente. Hier<br />

erwartet den Görlitz- „Entdecker“ ein<br />

reichhaltiges Frühstück mit Produkten<br />

aus der hauseigenen Fleischerei.<br />

Trotz Rückschlägen wird auch weiterhin<br />

der Name „Frühauf“ für solides<br />

Fleischerhandwerk in Görlitz stehen.<br />

Auch <strong>StadtBILD</strong> wünscht der Familie<br />

Frühauf alles Gute in den nächsten<br />

Jahren.<br />

Andreas Ch. de Morales Roque<br />

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Geschichte<br />

31


Die<br />

Gelehrtenfamilie<br />

Bornkamms<br />

mit Wurzeln in Görlitz –<br />

<strong>2016</strong> begeht die Evangelische Kreuzkirchengemeinde<br />

zu Görlitz das 100. Jubiläum<br />

der Einweihung ihrer Kirche. Ein Festgottesdienst<br />

ist am Sonntag, dem 6. März<br />

<strong>2016</strong>, schon gefeiert worden; ebenfalls<br />

ist bereits eine Festschrift erschienen,<br />

und StadtBild, das kultur-geschichtliche<br />

Gedächtnis der Stadt Görlitz, hat in seiner<br />

Märzausgabe an dieses Ereignis erinnert.<br />

Sowohl Festschrift als auch Stadt-<br />

Bild verweisen auf den ersten Pfarrer der<br />

Kreuzkirche: (Wilhelm Gustav) Georg<br />

Bornkamm, geboren am 15. Juli 1873 in<br />

Rehmsdorf (Kreis Zeitz), gestorben am<br />

26. <strong>Juni</strong> 1950 in Görlitz. Im letzten in der<br />

DDR noch erschienenen „Görlitzer Adressbuch“<br />

von 1949/1950 ist ebenso die letzte<br />

Adresse des Superintendenten i.R. Georg<br />

Bornkamm mit Brückenstraße 3, Parterre,<br />

angegeben. Georg Bornkamm heiratete<br />

1900 Johanna Martha Rooseboom (1877-<br />

1968), Tochter des Kaufmanns Heinrich<br />

Rooseboom, und hatte mir ihr fünf Kinder,<br />

von denen eines, Gustav, bereits bei<br />

der Geburt verstarb. Die beiden anderen<br />

Söhne, Heinrich und Günther Bornkamm,<br />

sollten einmal bedeutende Theologen<br />

werden. Heinrich, am 26. <strong>Juni</strong> 1901 noch<br />

in Wuitz (Kreis Zeitz) geboren, wo der Vater<br />

1899 eine Pfarrei übernommen hatte,<br />

wächst in Görlitz auf und wird einmal ein<br />

bedeutender Kirchenhistoriker werden,<br />

mit Schwerpunkt in der Lutherforschung.<br />

Seine Karriere ist durchaus atemberaubend.<br />

Mit 23 Jahren in Berlin promoviert,<br />

wurde er das Jahr darauf in Tübingen<br />

habilitiert. Von 1935 bis 1945 war Heinrich<br />

Bornkamm ordentlicher Professor<br />

an der Universität zu Leipzig, nach 1945<br />

entlassen, und dann von 1948 bis 1969<br />

Professor für Kirchengeschichte in Heidelberg.<br />

Dort starb er am 21. Januar 1977.<br />

Inwiefern er sich während der NS-Zeit<br />

zu sehr mit den Zielen der sogenannten<br />

Deutschen Christen identifizierte, wäre an<br />

anderer Stelle zu diskutieren.<br />

Sein jüngerer Bruder, Günther Bornkamm,<br />

ist am 8. Oktober 1905 in Görlitz<br />

geboren. Damals war sein Vater Diakon<br />

am Evangelischen Gemeindesaal in Görlitz,<br />

bis er schließlich 1915 erster Pfarrer<br />

der Kreuzkirche wurde. Günther Bornkamm<br />

hat 1928 anscheinend bezüglich<br />

der Zulassung zum ersten theologischen<br />

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32<br />

Geschichte


Die Bornkamms<br />

Georg Bornkamm war erster Gemeindepfarrer der Görlitzer Kreuzkirche; seine Wohnung befand<br />

sich hinter der Kirche (im Bild rechts).<br />

Examen, das er dann im Frühjahr 1929<br />

in Breslau absolvierte, einen Lebenslauf<br />

geschrieben, der erstmals in Werner Zager<br />

(Hrsg.), Rudolf Bultmann / Günther<br />

Bornkamm. Briefwechsel 1926-1976, Tübingen<br />

2014, 411-423, publiziert worden<br />

ist. Darin schreibt er: „Ostern 1912 trat<br />

ich in die Vorschule des humanistischen<br />

Gymnasiums zu Görlitz (Gymnasium Augustum,<br />

ThRE) ein und besuchte dasselbe<br />

von 1915 an. Ostern 1924 bestand<br />

ich daselbst die Reifeprüfung.“ Besonders<br />

lobend äußerst sich Günther Bornkamm,<br />

dass er einen ausgezeichneten<br />

Geschichtsunterricht in der Prima erleben<br />

durfte. Auch Bibelkreis und offenes<br />

„Wandervogelleben mit grossen Fahrten<br />

und Wanderungen in die engere Heimat“<br />

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Geschichte<br />

33


Die<br />

Gelehrtenfamilie<br />

Bornkamms<br />

mit Wurzeln in Görlitz –<br />

finden rückblickend anerkennende Worte.<br />

„Dem Geist meines Elternhauses verdanke<br />

ich den bedeutsamsten Anstoss zur<br />

Wahl des theologischen Studiums“, bekennt<br />

Bornkamm in seinem Lebenslauf.<br />

Mit Beginn des Sommersemesters 1924<br />

studiert er Theologie in Marburg sowie<br />

später in Berlin und Breslau. In Marburg<br />

lernt er Rudolf Bultmann (1884-1976),<br />

einen der prägendsten evangelischen<br />

Theologen und Neutestamentler des 20.<br />

Jahrhunderts, kennen, woraus sich auch<br />

eine lebenslange familiäre Freundschaft<br />

entwickeln wird. Bei Rudolf Bultmann<br />

wird Günther Bornkamm 1930 mit der<br />

Arbeit „Mythos und Legende in den apokryphen<br />

Thomas-Akten“ zum Dr. theol.<br />

promoviert; 1934 kann er sich an der Universität<br />

zu Königsberg habilitieren. Während<br />

seiner Königberger Zeit verstirbt<br />

seine erste Frau, Anneliese Bornkamm,<br />

geb. Hellweg, am 1. <strong>Juni</strong> 1936 nach einer<br />

Operation. Eine enge Freundin seiner<br />

ersten Frau, die Theologin Elisabeth<br />

Zinn (1908-1995), heiratet Bornkamm<br />

zwei Jahre später am 13. August 1938 in<br />

Berlin-Dahlem. Ein reichliches halbes Jahr<br />

zuvor, Ende 1937, ist dem widerständigen<br />

Günther Bornkamm die Erlaubnis entzogen<br />

worden, an staatlichen Universitäten<br />

in Deutschland als Professor zu lehren.<br />

Daraufhin geht er an die Theologische<br />

Schule in Bethel, die in kirchlicher Trägerschaft<br />

geführt wird. Nach Absolvierung<br />

von mehreren Reserveoffizierslehrgängen<br />

wird Bornkamm 1944 an die Ostfront eingezogen.<br />

Nach dem Krieg geht er nach<br />

Bethel zurück, und nach einer Zwischenstation<br />

in Göttingen wird er 1949 Professor<br />

für neutestamentliche Wissenschaft<br />

an der Universität zu Heidelberg. Über<br />

seine Emeritierung 1971 bleibt er Heidelberg<br />

verbunden und stirbt dort am 18.<br />

Februar 1990.<br />

Es lässt sich an dieser Stelle nicht das wissenschaftliche<br />

Werk Günther Bornkamms<br />

würdigen. Erwähnt sei nur, dass sein 1956<br />

erschienenes Buch „Jesus von Nazareth“<br />

bis 1995 die 15. Auflagen erleben wird.<br />

Abschließend sei noch ein familiärer Blick<br />

gestattet. Aus der Ehe mit seiner zweiten<br />

Frau, Elisabeth Bornkamm, werden fünf<br />

Kinder hervorgehen. Mindestens zwei<br />

von ihnen werden den wissenschaftlichen<br />

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34<br />

Geschichte


Die Bornkamms<br />

Diskurs in der Bundesrepublik bis heute<br />

mitgestalten. Joachim Bornkamm (geb.<br />

27. 12. 1948) studiert Jura und wird 2006<br />

Vorsitzender Richter am Bundesgerichtshof.<br />

Aleida Assmann (geb. Bornkamm)<br />

studiert Anglistik sowie Ägyptologie und<br />

hat nach ihrer Habilitation den Lehrstuhl<br />

für Anglistik und Allgemeine Literaturwissenschaft<br />

an der Universität Konstanz<br />

seit 1993 inne. Die renommierte Literaturwissenschaftlerin<br />

ist verheiratet mit<br />

dem Ägyptologen und Religionswissenschaftler<br />

Jan Assmann, der über sein<br />

Fach hinaus wichtige Debatten bis in den<br />

theologischen Bereich hinein mit seinen<br />

vielbeachteten Büchern bis heute prägt<br />

(z.B. Die Mosaische Unterscheidung oder<br />

Der Preis des Monotheismus, München<br />

2003; Exodus. Die Revolution der Alten<br />

Welt, München 2015). Mit anderen Worten,<br />

die Bornkamms sind auch heute noch<br />

im geisteswissenschaftlichen Bereich präsent<br />

und prägend. So kann man schließlich<br />

mit Blick auch auf Günther Bornkamm<br />

sagen: Nicht wenige bedeutende<br />

Gelehrte kommen aus der sogenannten<br />

Provinz, zu der Görlitz heute durchaus gerechnet<br />

werden kann. Diese Bewertung<br />

spricht nicht gegen die Provinz als solche,<br />

ganz im Gegenteil. Denn der Gegensatz<br />

zu Provinz heißt provinzielle Geisteshaltung.<br />

Und eine solche ist der geschichtsträchtigen<br />

Stadt Görlitz noch nie dienlich<br />

gewesen. Kurzum. An die altehrwürdige<br />

und nach 1990 wieder auferstandene<br />

Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften<br />

sei der Wunsch herangetragen,<br />

sich auf einer ihrer Jahrestagungen<br />

auch einmal mit der Gelehrtenfamilie der<br />

Bornkamms zu befassen, die eine ihrer<br />

Wurzeln in Görlitz hat. Und der Bibliothek<br />

der Oberlausitzischen Gesellschaft der<br />

Wissenschaften sei wärmstens der vorzüglich<br />

von Werner Zager 2014 edierte<br />

Briefwechsel zwischen Rudolf Bultmann<br />

und Günther Bornkamm zur Anschaffung<br />

empfohlen. Die darin enthaltenen Anmerkungen<br />

lesen sich streckenweise wie das<br />

„Wer ist Wer“ des geistig-kulturellen deutschen<br />

Protestantismus aus der Mitte des<br />

20. Jahrhunderts. Der Autor dieser Zeilen<br />

verdankt diesem Buch viel.<br />

Prof. Dr. Thomas R. Elßner,<br />

Koblenz<br />

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Geschichte<br />

35


Görlitzer<br />

Geschichten vom Görlitzer Stadtverkehr –<br />

Das Hubgerät (um 1940) Als ATW Nr. 3 (1956)<br />

Beim Eingleisen (1949) Als 103 im Schleppdienst (1967)<br />

Vor fast exakt 45 Jahren erschien der heute<br />

sehr bekannte Oldtimer Nr. 29 erstmals im<br />

Görlitzer Alltagsbild. Das Fahrzeug ist zwischen<br />

1969 und 1971 aufgearbeitet wor-<br />

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36<br />

Geschichte


Görlitzer<br />

Vom Gerätewagen<br />

Stadtverkehr<br />

zum Oldtimer<br />

Als Nr. 103 (1968) Bereit zum Festumzug (1971)<br />

Am alten Verwaltungsbau (1969) Letzte Arbeiten (1971)<br />

den und konnte im <strong>Juni</strong> 1971 erstmals auf<br />

einem Tieflader beim Festumzug anläßlich<br />

der 900-Jahr-Feier von Görlitz bestaunt<br />

werden. Hergestellt wurde es im Jahre<br />

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Geschichte<br />

37


Görlitzer<br />

Geschichten vom Görlitzer Stadtverkehr<br />

Vor der Wagenhalle (1974) Der Nachfolger (1978)<br />

1897 in der Königsberger Waggonfabrik L.<br />

Steinfurt und kam zur Niederschlesischen<br />

Gewerbe- und Industrieausstellung 1905<br />

mit drei weiteren Triebwagen aus Bromberg<br />

in unsere Stadt. Seit 1936 diente es<br />

als Hilfs- und Bergefahrzeug (Gerätewagen)<br />

und war dafür mit entsprechender<br />

Ausstattung versehen, zu der auch ein<br />

Universalhubgerät gehörte. Bis 1956 trug<br />

es die Nummer 3, danach war die Nr. 103<br />

außen angeschrieben.<br />

Im Oktober 1968 ist es durch den WU-<br />

MAG – Triebwagen Nr. 29 ersetzt worden,<br />

der auch die Nummer 103 und das Universalhubgerät<br />

von seinem Vorgänger<br />

übernahm. Dafür bekam der spätere Oldtimer<br />

vom WUMAG- Wagen dessen Nummer<br />

29, denn ursprünglich war das im<br />

Originalzustand grün-beige lackierte Fahrzeug<br />

mit der Nr. 36 unterwegs. Nichtsdestotrotz<br />

entstand aus dem über 30 Jahre<br />

als Dienstfahrzeug genutzten Triebwagen<br />

ein schmuckes Fahrzeug. Übrigens schied<br />

vor genau 35 Jahren mit dem Nachfolger<br />

der letzte schienengebundene Hilfsgerätewagen<br />

aus dem Dienst bei der Görlitzer<br />

Straßenbahn aus. Der WUMAG- Triebwagen<br />

ist bis 1985 zerlegt worden.<br />

Andreas Riedel, Wiesbaden<br />

(wird fortgesetzt)<br />

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38<br />

Impressum:<br />

Herausgeber (V.i.S.d.P.):<br />

incaming media GmbH<br />

Geschäftsführer:<br />

Andreas Ch. de Morales Roque<br />

Carl-von-Ossietzky Str. 45<br />

02826 Görlitz<br />

Ruf: (03581) 87 87 87<br />

Fax: (03581) 40 13 41<br />

info@stadtbild-verlag.de<br />

www.stadtbild-verlag.de<br />

Geschäftszeiten:<br />

Mo. - Fr. von 9.00 bis 17.00 Uhr<br />

Druck:<br />

Graphische Werkstätten Zittau GmbH<br />

Verantw. Redakteur:<br />

Andreas Ch. de Morales Roque<br />

(Mitglied im Deutschen<br />

Fachjournalistenverband)<br />

Redaktion:<br />

Dr. Ernst Kretzschmar,<br />

Dipl. - Ing. Eberhard Oertel,<br />

Dr. Ingrid Oertel<br />

Anzeigen verantw.:<br />

Dipl. - Ing. Eberhard Oertel<br />

Mobil: 0174 - 31 93 525<br />

Teile der Auflage werden auch kostenlos<br />

verteilt, um eine größere Verbreitungsdichte<br />

zu gewährleisten. Für eingesandte<br />

Texte & Fotos übernimmt der Herausgeber<br />

keine Haftung. Artikel, die namentlich<br />

gekennzeichnet sind, spiegeln nicht die<br />

Auffassung des Herausgebers wider. Anzeigen<br />

und redaktionelle Texte können<br />

nur nach schriftlicher Genehmigung des<br />

Herausgebers verwendet werden<br />

Anzeigenschluss für die <strong>Juni</strong>-<br />

Ausgabe: 15. <strong>Juni</strong> <strong>2016</strong><br />

Redaktionsschluss: 20. <strong>Juni</strong> <strong>2016</strong><br />

Wir arbeiten mit<br />

Stadtwerke Görlitz AG<br />

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