155_StadtBILD_Juni_2016
Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!
Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.
Herr R. Schmidt
Vorwort<br />
Liebe Leserinnen, liebe Leser,<br />
Görlitz erwartet wieder seine Gäste. Hotels,<br />
Gaststätten und Geschäfte im Stadtzentrum<br />
und der Altstadt erhoffen sich gute Einnahmen.<br />
Bezaubernd gestaltete Blumenbeete auf<br />
dem Postplatz schaffen ein freundliches Umfeld<br />
für Touristengruppen. Schaufenster wurden<br />
blitzblank geputzt, Fassaden frisch gestrichen.<br />
Heruntergekommene Gründerzeithäuser sind<br />
eingerüstet; und man freut sich nun auf neue<br />
Glanzpunkte in den strahlenden Fassadenfluchten.<br />
Aber das ist eben nur die eine Seite.<br />
Längst wird nicht alles getan, die Stadt für ihre<br />
Bürger und Gäste sauber und ordentlich darzubieten.<br />
Sehen die Einheimischen aus Gewohnheit<br />
über manches hinweg, betrachten Auswärtige<br />
den Zustand der Innenstadt um so genauer<br />
und machen sich ihren Vers drauf. Viele kleine<br />
Ladengeschäfte, oft über Generationen hinweg<br />
in Familienbesitz, schließen für immer. Dafür<br />
beherrschen Niederlassungen großer Handelsketten<br />
das Bild, häufig langweilige Hallen mit<br />
öden Regalen und Kleiderständern und grässlichen<br />
Schaufensterpuppen. Eine Süßwarenkette<br />
ließ für eine „Modernisierung“ die historische<br />
Innenausstattung wegräumen, und aufmerksame<br />
Bürger verhinderten in letzter Minute<br />
deren Abtransport. Wird die Hauptstraße fast<br />
täglich gereinigt, sieht es in den Nebenstraßen<br />
oft schlimm aus. An den Bordsteinen lagern<br />
sich aus den geparkten Autos geworfene Zigarettenreste<br />
und Speisenbehälter ab, in den<br />
Blumenschalen stapelt sich Müll. Besonders<br />
ärgerlich ist der ideologische Schmutz, der oft<br />
schon seit Jahren das Stadtbild verschandelt,<br />
etwa an den Sudelschaufenstern Jakobstraße 2<br />
und 3 oder Hospitalstraße 1, wo man auf teils<br />
heruntergefetzten Plakaten unmißverständliche<br />
Aufforderungen zu politischer Gewalt in<br />
Texten und Bildern findet. Man fragt sich auch,<br />
wer das alles bezahlt - etwa der Staat für dubiose<br />
„Initiativen gegen Rechts“? Viele Häuser<br />
sind mit dem drohenden „A!“ beschmiert, aber<br />
Ordnungsbehörden, Polizei und Justiz scheinen<br />
es hinzunehmen. Sind doch die Straßenkampf-<br />
Sturmtrupps mit ihren Sitzblockaden und<br />
deutschfeindlichen Sprechchören und Spruchbändern<br />
Anhängsel der obrigkeitsfolgsamen<br />
„Zivilgesellschaft“. Anstatt die sanierten Häuser<br />
vor den kriminellen Schmieranten zu schützen,<br />
wurde unlängst an der Hauptstraße ein<br />
„Graffiti-Shop“ eröffnet, „vor allem für junge<br />
Kunden“, wie es hieß, die so noch zu Straftaten<br />
ermuntert werden könnten. Sogar Kirchen<br />
(Peterskirche, Jakobuskirche) sind nicht mehr<br />
vor Sprayerchaoten sicher, die ihren selbstgerechten<br />
Individualismus gegen die Interessen<br />
der Gemeinschaft „ausleben“ wollen. Der neue<br />
Bürgerrat Innenstadt-West will gar das frühere<br />
Waggonbaugebäude mit Planen verhängen<br />
und „durch ein Graffiti-Projekt aufwerten“, oh<br />
Graus! Es bleibt also noch viel zu tun, um den<br />
Ruf von Görlitz als „einer der schönsten Städte<br />
Deutschlands“ gegen manchen hausgemachten<br />
Irrsinn zu verteidigen. Das ist nicht nur<br />
Sache der Behörden und Stadtratsfraktionen.<br />
Verantwortung tragen auch Hauseigentümer,<br />
Geschäftsinhaber, Eltern und Lehrer. Jeder von<br />
uns ist mitverantwortlich und kann etwas tun,<br />
darunter selbstverständlich auch Ihr<br />
Ernst Kretzschmar<br />
anzeige<br />
Einleitung<br />
3
Jakobuskirche<br />
Die äußere Instandsetzung und Sanierung –<br />
In Ausgaben vergangener Jahre wurde<br />
schon über die Bischofskirche berichtet.<br />
Der Bau der am 6. Oktober 1900 geweihten<br />
Kirche erfolgte in Ziegelbauweise<br />
unter Verwendung schöner Verblendformen<br />
und Glasursteinen im neugotischen<br />
Stil. Durch Artilleriebeschuss am 6./7.<br />
Mai 1945 wurde die Kirche als eines<br />
der wenigen Gebäude der Stadt Görlitz<br />
stark zerstört. Beschädigt wurden der<br />
Turm, die Nordseite war komplett aufgerissen,<br />
das Dach und die Fenster. Die<br />
einzige verbliebene Bronzeglocke war<br />
abgestürzt und lag auf der Orgelempore<br />
neben der ebenfalls zerstörten Kirchenorgel.<br />
Als in den Jahren 2003 / 2004 der Westgiebel<br />
saniert wurde, musste man feststellen,<br />
dass Dach und Fassade ebenfalls<br />
einer umfangreichen Sanierung<br />
unterzogen werden müssen.<br />
Neben den Schäden am Kirchturm,<br />
der Fassade und der Dachkonstruktion<br />
durch Kriegseinwirkung und notdürftigen<br />
Reparaturen mit zurückgebautem<br />
Material der Zwerchhäuser und von den<br />
vier Ecktürmen kamen noch Umwelt-<br />
St. Jakobus nach dem Beschuss im Mai 1945<br />
anzeige<br />
4<br />
Geschichte
Jakobuskirche<br />
der Görlitzer Kathedrale St. Jakobus<br />
schäden aus DDR-Zeit hinzu. Salzbelastungen,<br />
schwefelsaure Luft und Rauch<br />
vom naheliegenden Bahnhof verursachten<br />
weitere Schäden am Gebäude und<br />
besonders am Klinkermauerwerk.<br />
Nach langer, intensiver Vorbereitungszeit<br />
und Ausschreibung von neun Gewerken<br />
konnte im März 2013 mit dem Bau begonnen<br />
werden. Die Dachkonstruktion<br />
wurde grundhaft saniert, und die konstruktiv<br />
erforderlichen Zwerchhäuser<br />
wurden wieder hergestellt. Das Dach<br />
erhielt wieder seine farbig gestaltete,<br />
ursprüngliche Eindeckung. Im Innenbereich<br />
des Dachstuhles sind auf drei<br />
Ebenen beleuchtete Wartungsgänge für<br />
spätere Kontroll- und Reparaturarbeiten<br />
geschaffen worden. Die vier Ecktürme<br />
des 68 Meter hohen Kirchturmes konnten<br />
an Hand von Fotomaterial rekonstruiert<br />
und erneut aufgebaut werden.<br />
Eine grundhafte Sanierung, besonders<br />
an den Pfeilervorlagen, wurde an den<br />
Klinkerfassaden vorgenommen. Pfeilervorlagen<br />
mussten abgetragen und neu<br />
aufgemauert werden. Die Abdeckungen<br />
sind durch farbige, glasierte Abdeckstei-<br />
St. Jakobus vor der Sanierung<br />
anzeige<br />
Geschichte<br />
5
Jakobuskirche<br />
Die äußere Instandsetzung und Sanierung –<br />
Wiederherstellung der Dachlandschaft<br />
ne gestaltet. Über vierzig verschiedene<br />
Formsteine wurden verarbeitet. Dabei<br />
sind ca. 2 600 Quadratmeter Fassadenflächen<br />
in Mauerverbänden hergestellt<br />
worden. Der Materialeinsatz für Mauerziegel<br />
und Mörtel allein betrug 500.000<br />
€ netto.<br />
Die durch den Beschuss beschädigten<br />
und nach dem Krieg nur notdürftig reparierten<br />
Langhaus- und Chorfenster<br />
anzeige<br />
6<br />
Geschichte
Jakobuskirche<br />
der Görlitzer Kathedrale St. Jakobus<br />
Wartungsgänge im Dachstuhl<br />
wurden denkmalgerecht instandgesetzt.<br />
Ein Fachgremium zeichnete dafür verantwortlich.<br />
Die gemauerten Rippen der<br />
Kirchenfenster mussten abgetragen und<br />
neu aufgebaut werden. Aussteifende<br />
Quereisen und Windeisen sind komplett<br />
erneuert.<br />
Entsprechend der exponierten Lage der<br />
Kathedrale machte sich eine Erneuerung<br />
des Blitzschutzes entsprechend<br />
anzeige<br />
Geschichte<br />
7
Jakobuskirche<br />
Die äußere Instandsetzung und Sanierung –<br />
Aufzug der Dachkonstruktion Ecktürme<br />
den heute vorgegebenen Richtlinien<br />
erforderlich. Ebenso wurden die Dachentwässerung<br />
und Bekrönung der<br />
Zwerchhäuser, der vier Ecktürme sowie<br />
der Kapellen neu gestaltet.<br />
Eine neue Beleuchtung des Außenbereiches<br />
und auch der Treppenaufgänge<br />
lassen das Gotteshaus in den Abendstunden<br />
zu einem Blickfang der Stadt<br />
Görlitz werden.<br />
anzeige<br />
8 Geschichte
Jakobuskirche<br />
der Görlitzer Kathedrale St. Jakobus<br />
Sanierte Pfeilervorlagen<br />
Der Bau eines barrierefreien Zuganges,<br />
eines Aufzuges, der sich in das das Gesamtbild<br />
denkmalgerecht einordnet,<br />
rundet das Bild dieser gelungenen Außensanierung<br />
ab.<br />
Wie schon in einer Ausgabe berichtet,<br />
wurde während der Außensanierung<br />
im Turm eine neue Stahlbetondecke<br />
eingezogen. In einem Eichenholz-Glockenstuhl,<br />
der nur von 178 Holznägeln<br />
anzeige<br />
Geschichte<br />
9
Jakobuskirche<br />
Die äußere Instandsetzung und Sanierung –<br />
Langhausfenster (R. Schmidt)<br />
gehalten wird, konnte das vorhandene<br />
Vierergeläut um zwei Glocken ergänzt<br />
werden zu einem Geläut mit sechs Bronzeglocken.<br />
Ein wichtiger Faktor bei allen Baumaßnahmen<br />
war immer, dass alle Arbeiten<br />
bei laufendem Kirchenbetrieb ausgeführt<br />
wurden.<br />
Die veranschlagten Kosten konnten fast<br />
auf den Euro genau eingehalten werden,<br />
was in der heutigen Zeit nicht immer<br />
eine Selbstverständlichkeit ist. Getragen<br />
wurden die Baukosten aus Töpfen der<br />
Städtebauförderung, vom Bonifatiuswerk<br />
in Paderborn, vom Bistum Görlitz<br />
und zahlreichen Spenden. All diesen Institutionen,<br />
Firmen und Einzelpersonen<br />
gilt unser besonderer Dank für die Hilfe<br />
und finanzielle Unterstützung.<br />
Allen beteiligten Firmen ein Dankeschön<br />
für ihre qualitativ hervorragende Arbeit<br />
und gute Zusammenarbeit mit den baubetreuenden<br />
Personen. Auch die Unterstützung<br />
und wie immer gute Beratung<br />
der Denkmalpflege sind zu würdigen.<br />
Im Oktober 2015 konnte die Außensanierung<br />
der Kathedrale „St. Jakobus“<br />
anzeige<br />
10<br />
Geschichte
Jakobuskirche<br />
der Görlitzer Kathedrale St. Jakobus<br />
Barrierefreier Zugang / Aufzug<br />
abgeschlossen werden.<br />
Am 8. Mai <strong>2016</strong> zelebrierte Bischof Ipolt<br />
einen Festgottesdienst unter Anwesenheit<br />
von Sachsens Ministerpräsident Tillich<br />
und vielen Ehrengästen und würdigte<br />
in seiner Festpredigt den gelungenen<br />
Abschluss der Baumaßnahme.<br />
Dipl.-Ing.(FH) Michael Gürlach<br />
anzeige<br />
Geschichte<br />
11
Von Görlitz nach<br />
im<br />
Königgrätz<br />
Krieg<br />
und<br />
1866<br />
zurück –<br />
Hauptwache der Görlitzer Jäger-Garnison um 1865<br />
Vor genau 150 Jahren, im <strong>Juni</strong> 1866, gab<br />
es in Görlitz eine angespannte und besorgte<br />
Stimmung. Seit 1813 hatte die Stadt<br />
keinen Krieg mehr aus eigenem Erleben<br />
kennengelernt. Nur hochbetagte Greise<br />
erinnerten sich an Truppendurchzüge<br />
und Gefechte, an Lazarette und Massensterben,<br />
an Seuchen, an Plünderungen<br />
und an den schließlichen Sieg über die<br />
Armee des Eroberers Napoleon. Mehr als<br />
ein halbes Jahrhundert Frieden hatte den<br />
wirtschaftlichen und politischen Wiederaufstieg<br />
ermöglicht. Nun aber drohte ein<br />
Krieg zwischen Preußen und Österreich-<br />
anzeige<br />
12<br />
Geschichte
Görlitzer Garnison<br />
im<br />
im Krieg 1866<br />
1866<br />
Jäger-Kaserne, Jüdenring / Grüner Graben um 1865<br />
Ungarn. Görlitz sah sich in einer mißlichen<br />
geographischen Lage – das habsburgische<br />
Kaiserreich im Süden und das mit ihm<br />
verbündete Königreich Sachsen im Westen<br />
hatten ihre Landesgrenzen nur wenige<br />
Kilometer von der Stadt entfernt. Da<br />
waren Angriffe auf Stadt und Kreis Görlitz<br />
und deren Besetzung nicht auszuschließen.<br />
Sachsen hoffte, nach einem Sieg die<br />
1815 an Preußen verlorene Niederlausitz<br />
und die östliche Oberlausitz zurückzugewinnen.<br />
Aber es stand weit mehr auf dem<br />
Spiel, nämlich das gesellschaftliche Profil<br />
eines geeinten Deutschlands. Österreich-<br />
anzeige<br />
Geschichte<br />
13
Von Görlitz nach<br />
im<br />
Königgrätz<br />
Krieg<br />
und<br />
1866<br />
zurück –<br />
Uniform des Jäger-Bataillons Nr. 5 Görlitz<br />
Ungarn, bisher Führungsmacht im Deutschen<br />
Bund, war ein Vielvölkerstaat mit<br />
politischen Interessen vor allem in Südund<br />
Südosteuropa. Es war kaum in der<br />
Lage, einen starken deutschen Einheitsstaat<br />
in der Mitte Europas zu schaffen.<br />
Die mächtigen Nachbarstaaten, vor allem<br />
England, Frankreich und Rußland, sahen<br />
ihre geopolitischen Herrschaftsinteressen<br />
in Europa und der Kolonialpolitik durch ein<br />
starkes Deutschland bedroht und wünschten<br />
sich ein Fortbestehen der Kleinstaaterei<br />
und der Konkurrenz zwischen Bayern,<br />
Sachsen, Preußen und Österreich. Als Alternative<br />
zeichnete sich nun aber ein Deutsches<br />
Reich unter preußischer Führung<br />
ab, wirtschaftlich und militärisch stark, auf<br />
Ausgleich in Mitteleuropa bedacht, innenpolitisch<br />
auf ein parlamentarisches System<br />
und soziale Befriedung gestützt und dem<br />
wissenschaftlich-technischen Fortschritt in<br />
Volksbildung und Wirtschaftspraxis verpflichtet.<br />
Die später so genannten „Einigungskriege“<br />
(1864 deutsch-dänischer<br />
anzeige<br />
14<br />
Geschichte
Görlitzer Garnison<br />
im<br />
im Krieg 1866<br />
1866<br />
Verleihungs-Urkunde für einen Jäger des Görlitzer Bataillons<br />
Krieg, 1866 preußisch-österreichischer<br />
Krieg und 1870/71 deutsch-französischer<br />
Krieg) schufen die Voraussetzungen und<br />
die Gelegenheit für einen einheitlichen<br />
Nationalstaat, was – unter Ausschluß<br />
Österreich-Ungarns – 1871 gelang. Damit<br />
anzeige<br />
Geschichte<br />
15
Von Görlitz nach<br />
im<br />
Königgrätz<br />
Krieg<br />
und<br />
1866<br />
zurück –<br />
wurde eine mehr als vierzigjährige Friedensperiode<br />
mit einem atemberaubenden<br />
gesellschaftlichen Umwandlungsprozeß<br />
eingeleitet, der Deutschland zur mitteleuropäischen<br />
Großmacht umwandelte, aber<br />
auch die benachbarten Gegner auf den<br />
Plan rief und leider in zwei Weltkriege mündete.<br />
Diese Zusammenhänge und Aussichten<br />
waren 1866 noch nicht erkennbar.<br />
Auch in Görlitz gab es bei Kriegsausbruch<br />
keineswegs eine patriotische Begeisterung,<br />
wenn auch die Truppenkonzentration<br />
in Stadt und Umland einen feindlichen<br />
Angriff ausschloß. In den zeitgenössischen<br />
Berichten lesen wir vielmehr, daß<br />
es nach der Einberufung der Landwehr<br />
sogar Mißmut und Randale gab, so daß<br />
die Garnisontruppen (Erstes Schlesisches<br />
Jäger-Bataillon Nr. 5) „mit aufgepflanzten<br />
Hirschfängern“ anrücken und die Ordnung<br />
wiederherstellen mußten. Das schnelle<br />
Vorrücken der preußischen Armeen und<br />
die militärischen Erfolge bis zum Sieg bei<br />
Königgrätz am 3. Juli sorgten dafür, daß<br />
Görlitz nicht mehr von Kampfhandlungen<br />
betroffen wurde. Es gibt aufschlußreiche<br />
und ausführliche Berichte über das Geschehen<br />
in der Garnisonstadt und die Ereignisse<br />
an der Front. Man findet sie in<br />
den hiesigen Tageszeitungen und in zeitgenössischen<br />
Veröffentlichungen, etwa in<br />
der Bataillonsgeschichte von Otto (1903<br />
bei Mittler & Sohn in Berlin erschienen),<br />
in dem Erinnerungsbuch „Erlebnisse aus<br />
Kriegs- und Friedenszeiten“ von Bräuer<br />
(Görlitz 1880) und in dem seinerzeit verbreiteten<br />
Volksbuch „Das Wichtigste aus<br />
der Geschichte von Görlitz“ von Max Kwiecinski<br />
(Görlitz 1902). Erwähnenswert für<br />
den Gesamtablauf des Krieges ist die Anwesenheit<br />
des Prinzen Friedrich Karl von<br />
Preußen vom 13. bis 22. <strong>Juni</strong> in Görlitz. Er<br />
wohnte zunächst im Hotel „Zum braunen<br />
Hirsch“ und dann im Ständehaus. Die von<br />
ihm befehligte I. Armee, die über Zittau<br />
und Seidenberg die Grenze überschritt,<br />
und der Generalstab brachen von hier am<br />
22. <strong>Juni</strong> auf. Bereits vorher waren mehrere<br />
Lazarette eingerichtet worden, so am<br />
Bahnhof, an der Zittauer Straße, in der<br />
Jägerkaserne und im Zentralhospital Krölstraße.<br />
Am 30. <strong>Juni</strong> fuhr König Wilhelm I.<br />
durch Görlitz zum Kriegsschauplatz, begleitet<br />
von Prinz Karl, Moltke, Roon und<br />
anzeige<br />
16 Geschichte
Görlitzer Garnison<br />
im<br />
im Krieg 1866<br />
1866<br />
Königgrätz-Erinnerungsmedaille 1866<br />
Bismarck. Die Rückfahrt erfolgte am 4.<br />
August nach dem siegreichen Ende des<br />
Krieges. König und Kronprinz besuchten<br />
Lazarette an der Chaussee nach Biesnitz.<br />
Ausführliche Berichte gibt es über den<br />
jubelnden Empfang der Garnisontruppen<br />
durch die Bevölkerung am 5. September.<br />
Zeitgenössische Berichte hatten den tapferen<br />
Einsatz des preußischen Jäger-Bataillons<br />
aus Görlitz gelobt. In den Gefechten<br />
bei Nachod, Skalitz und Schweinschädel<br />
unter dem Kommando von General von<br />
Steinmetz zeichnete sich das Bataillon besonders<br />
aus und hatte 7 Tote und 23 Verwundete<br />
zu beklagen. Weit mehr Tote gab<br />
es in den hiesigen Lazaretten, vor allem<br />
als Seuchenopfer. Auf dem städtischen<br />
Friedhof entstand 1867 für die dort beigesetzten<br />
Kriegsteilnehmer beider Seiten<br />
eine Gedenkstätte, die man heute noch<br />
dort vorfindet. Obwohl später die Erinnerung<br />
an den deutsch-französischen Krieg<br />
1870/71 mit dem „Sedan-Tag“ am 2. September<br />
und dem „Reichsgründungstag“<br />
am 18. Januar alljährlich festlich begangen<br />
wurde, blieben in Görlitz auch die Erinnerungen<br />
an 1866 lange lebendig. 1891<br />
anzeige<br />
Geschichte<br />
17
Von Görlitz nach<br />
im<br />
Königgrätz<br />
Krieg<br />
und<br />
1866<br />
zurück –<br />
Prinz-Friedrich-Karl Denkmal am Blockhaus Görlitz, 1891<br />
wurde auf dem Blockhausplateau neben<br />
dem Viadukt ein Bronzestandbild des Prinzen<br />
Friedrich Karl eingeweiht. (Es gab nur<br />
noch ein weiteres Denkmal des Prinzen in<br />
Deutschland, nämlich in Frankfurt/Oder.)<br />
Das Görlitzer Denkmal zeigte den Prinzen,<br />
der Überlieferung folgend, an eben<br />
dieser Stelle vorwärtsschreitend und mit<br />
dem rechten Arm in Richtung Böhmen<br />
zeigend. Es folgten 1893 das Reiterstandbild<br />
von Kaiser Wilhelm I. mit den Begleitfiguren<br />
von Moltke und Bismarck auf dem<br />
Obermarkt und 1895 das Roon-Standbild<br />
auf dem Wilhelmsplatz. Feldmarschall<br />
Friedrich von Steinmetz nahm 1871 (bis<br />
zu seinem Tod 1877) seinen Wohnsitz<br />
in Görlitz. Ein Hotel am Postplatz bekam<br />
den Namen „Prinz Friedrich Karl“. Um den<br />
neuen Bündnispartner Österreich-Ungarn<br />
zu ehren, gab es gegenüber dem Bahnhof<br />
das Hotel „Habsburger Hof“. Die Erinnerung<br />
an Krieg und Sieg 1866, von unseren<br />
Vorfahren dankbar bewahrt, bleibt<br />
für die Heutigen zwiespältig. Dieser Krieg<br />
war ein Schritt zur historisch notwendigen<br />
und auch in Görlitz vielfach ergebnisreichen<br />
Einigung Deutschlands, zugleich<br />
anzeige<br />
18 Geschichte
Görlitzer Garnison<br />
im<br />
im Krieg 1866<br />
1866<br />
Görlitzer Presseanzeigen, 1866<br />
aber auch ein frühes Vorspiel der Kriege<br />
um die Machtaufteilung in Europa und der<br />
Welt von 1914 bis in unsere Tage. Jeder<br />
mag selbst entscheiden, welcher Sicht er<br />
den Vorzug gibt. Ein unvoreingenommener:<br />
Rückblick auf den <strong>Juni</strong> 1866 bringt<br />
Erkenntnisgewinn, immerhin.<br />
Dr. Ernst Kretzschmar<br />
anzeige<br />
Geschichte<br />
19
Oskar<br />
Geheimer Kommerzienrat<br />
Meissner<br />
–<br />
Benjamin Oskar Reinhold Meissner, Fabrikbesitzer,<br />
Stadtrat, Magistratsmitglied,<br />
Geheimer Kommerzienrat und Stadtältester,<br />
wurde am 9. Mai 1843 in Fraustadt<br />
(Wschowa) geboren.<br />
Die Familie entstammt einer alteingesessenen<br />
Ratsfamilie in Fraustadt, die<br />
dort seit dem 30. jährigen Krieg (1618-<br />
1648) als Tuchmacher wirkte. Fraustadt<br />
ist eine Kreisstadt im Westen der ehemaligen<br />
Provinz Posen. Im Jahre 1887<br />
kam die Stadt zum Kreis Lissa und 1941<br />
als eigener Kreis zur Provinz Niederschlesien.<br />
Wie aus der Firmenchronik<br />
der Görlitzer Tuchfabrik Krause & Söhne<br />
hervorgeht, kam Oskar Meissner von der<br />
Firma „Schlesische Tuchfabrik Jeremias<br />
Sigismund Foerster & Co Grünberg“. Sie<br />
war ein sehr angesehenes Unternehmen.<br />
In dieser Firma war Meissner als<br />
Technischer Leiter tätig. Nach 1860 entstanden<br />
die ersten Kontakte zwischen<br />
Oskar Meissner und der Firma Krause &<br />
Söhne in Görlitz. Zu jener Zeit wurden<br />
aus Fraustadt, dem Unternehmen seiner<br />
Eltern, Rohtuche zur Weiterverarbeitung<br />
in Görlitz bezogen.<br />
Kommerzienrat und Magistratsmitglied Oskar Meissner<br />
Emil Krause (*13.5.1828 + 17.2.1872),<br />
der Sohn des Firmengründers Karl Friedrich<br />
Krause (*17.5.1795 + 17.8.1866),<br />
vermählte sich 1870 mit Bertha Meiss-<br />
anzeige<br />
20 Geschichte
Oskar Meissner<br />
Meissner<br />
zum 85 Todestag<br />
ner (*14.3.1838 Fraustadt + 11.2.1935<br />
Görlitz), der Schwester von Oskar Meissner.<br />
Diese Familienverhältnisse wurden<br />
noch enger, als wenig später Oskar<br />
Meissner die Anna Krause (16.9.1848<br />
+ 16.10.1934) ehelichte und somit in<br />
die Firma Krause & Söhne einheiratete.<br />
Durch den frühen Tod des Firmengründers<br />
Karl Friedrich Krause 1866 und<br />
dessen Sohn Emil Krause 1872 sowie die<br />
andauernde Krankheit des Firmenteilhabers<br />
Edmund Krause (verstorben 1880)<br />
war die Geschäftsführung der Fa. Krause<br />
& Söhne gefährdet. Daher wurde Oskar<br />
Meissner zu Beginn des Jahres 1872 in<br />
die Führung der Firma berufen. Eine wesentliche<br />
Voraussetzung dafür war seine<br />
solide fachliche Ausbildung und leitende<br />
Tätigkeit bei der oben beschriebenen Fa.<br />
F. Foerster in Grünberg. Nach dem Tod<br />
seines Schwagers Carl Emil Krause im<br />
Jahre 1872 übernahm Oskar Meissner<br />
1872 für seine Schwester Bertha (Gattin<br />
von Carl Emil) die Leitung der Firma<br />
Krause & Söhne. Berta war nach dem<br />
Tod ihres Gatten Carl Emil mit ihren 5<br />
minderjährigen Kindern Firmenerbin.<br />
Mit Beginn des Kaiserreiches hatte auch<br />
in der Firma ein deutlicher Aufschwung<br />
begonnen. Durch eine zielbewusste Modernisierung<br />
des Unternehmens durch<br />
Oskar Meissner wurde das Unternehmen<br />
zu neuer Blüte geführt. Unter seiner Leitung<br />
hatte er das Fabrikgebäude erweitert<br />
und neue Maschinen angeschafft.<br />
Besondere Verdienste erwarb sich Meissner<br />
für die Sicherstellung der besonders<br />
wichtigen Wasserversorgung für seine<br />
Firma. Durch mehrere Verträge mit der<br />
Stadt konnte dieses Vorhaben zwischen<br />
1885 bis 1892 in weitschauender Weise<br />
gesichert werden. Dabei wurde Wasser<br />
teilweise der Neiße entnommen und aus<br />
einem Brunnen, welcher in der Nähe des<br />
Krankenhauses an der Berliner Bahnstrecke<br />
angelegt wurde. Dessen Wasser<br />
wurde mittels Röhren in einen Teich<br />
(Ponteteich) geleitet, der sich gegenüber<br />
der Fabrik am Grünen Graben befand.<br />
Die Firma Krause & Söhne unter der Leitung<br />
von Oskar Meissner richtete eine<br />
Betriebs-Pflichtsparkasse ein. In dieser<br />
konnten die Belegschaftsangehörigen<br />
für Zeiten der Arbeitslosigkeit, der Not<br />
anzeige<br />
Geschichte<br />
21
Oskar<br />
Geheimer Kommerzienrat<br />
Meissner<br />
–<br />
und des Alters bestimmte Beiträge des<br />
Lohns ansparen. Alle Beamten, Arbeiter<br />
und Arbeiterinnen, die in der Firma fest<br />
angestellt waren, wurden verpflichtet,<br />
dieser Betriebssparkasse beizutreten<br />
und allwöchentlich einen bestimmten<br />
Beitrag ihres Lohnes einzuzahlen. Die<br />
Einlagen wurden mit 4% verzinst.<br />
Am 25. März 1899 nahm die Firma Krause<br />
& Söhne die Form einer GmbH an.<br />
Als Geschäftsführer zeichneten Oskar<br />
Meissner und Rudolf Krause. An der<br />
Lunitz, vor dem Oktogon, stand ein Gasometer<br />
des Gaswerkes Görlitz. Dieser<br />
wurde nicht mehr benötigt und durch<br />
die Stadt abgebrochen. Im Jahre 1908<br />
erwarb Meissner das Areal von der Stadt<br />
für seine Firmenerweiterung. Lt. Kaufvertrag<br />
handelte es sich um eine Fläche<br />
von 1448 m². An dieser Stelle befindet<br />
sich jetzt, nach Abriss einiger Gebäudeteile,<br />
der Parkplatz der Arbeitsagentur.<br />
Im September 1912 rückte Rudolf Krause<br />
zum alleinigen Geschäftsführer auf,<br />
während O. Meissner als Teilhaber in der<br />
Firma tätig blieb. Meissner blieb bis zu<br />
seinem Tode ein treuer Ratgeber für die<br />
Geschäftsführer der Firma.<br />
Nach langjähriger, erfolgreicher Tätigkeit<br />
als Stadtverordneter wurde er im Jahre<br />
1898 ein unbesoldetes Mitglied des Magistrats<br />
der Stadt. Er gehörte dem Magistrat<br />
bis zum Jahre 1919 an, also 21<br />
Jahre. 1912 übernahm Meissner ehrenamtlich<br />
das Bergwerkdezernat „Grube<br />
Stadt Görlitz“ des Magistrats.<br />
Im Nachruf des Magistrats zu seinem<br />
Ableben am 1.6.1931 heißt es hierzu:<br />
„In dieser Tätigkeit hat Herr Meißner mit<br />
nie ermüdender Arbeitskraft und einem<br />
unbeugsamen Willen zur Pflichterfüllung<br />
in hervorragender Weise an der Umstellung<br />
des Bergwerkes Kohlfurt zu einem<br />
kaufmännischen Betriebe gearbeitet<br />
und aus diesem Werke ein Unternehmen<br />
geschaffen, dessen Segen für die<br />
Stadt sich besonders in der Kriegs- und<br />
Nachkriegszeit erwiesen hat. Auch in<br />
anderen Aemtern hat er bis ins hohe<br />
Alter seine Arbeitsfreudigkeit und seinen<br />
vorbildlichen Bürgersinn bewiesen.<br />
Meissner erwarb sich hohe Verdienste<br />
um das Wohl der Stadt. Seine aufrechte<br />
Persönlichkeit, sein verbindliches Wesen<br />
anzeige<br />
22 Geschichte
Oskar Meissner<br />
Meissner<br />
zum 85 Todestag<br />
Villa Meissner Lindenweg 4<br />
und seine der Stadt geleistete Arbeit<br />
werden im Kreise des Magistrats unvergessen<br />
bleiben“.<br />
Im Jahre 1894 errichtete Meissner Lindenweg<br />
4 seine Familienvilla und erwarb<br />
das Grundstück Lindenweg 7, welches<br />
um 1860 erbaut worden ist. In diesem<br />
Grundstück wohnten lt. Adressbuch die<br />
Töchter von O. Meissner. Zu seinem 70.<br />
Geburtstag 1913 wurde dem Kommerzienrat<br />
Oskar Meissner im Auftrage des<br />
Ministers für Handel und Gewerbe der<br />
Charakter eines „Geheimen Kommerzienrates“<br />
verliehen. In Anerkennung für<br />
seine hohen Verdienste für die Stadt<br />
Görlitz wurde ihm aus diesem Anlass,<br />
von den städtischen Körperschaften,<br />
das Prädikat „Stadtältester“ zuerkannt.<br />
Am 1. <strong>Juni</strong> 1931 verstarb Oskar Meissner<br />
nach schwerem Leiden im Alter von<br />
88 Jahren in der chirurgischen Klinik von<br />
Dr. Boeters, Konsulplatz.<br />
Er wurde in der Familiengruft auf dem<br />
Friedhof unter großer Anteilnahme von<br />
Stadt und Belegschaft beigesetzt. Oskar<br />
Meissner war auch Mitglied der Freimaurerloge<br />
zu Görlitz „Zur gekrönten<br />
Schlange“. In dieser Loge hat Meissner<br />
eine Stiftung für hilfsbedürftige Kinder<br />
und Witwen von Freimaurern und<br />
anzeige<br />
Geschichte<br />
23
Oskar<br />
Geheimer Kommerzienrat<br />
Meissner<br />
–<br />
Tuchfabrik Krause & Söhne, Ecke Lunitz/Grüner Graben, um 1900<br />
hilfsbedürftige Freimaurer gegründet.<br />
In diese Stiftung wurden jährlich mindestens<br />
150,- Mark gestiftet. In dieser<br />
hatte sich im Jahre 1920 ein Kapital von<br />
14.706,72 Mark angesammelt.<br />
Sein 85. Todestag im <strong>Juni</strong> <strong>2016</strong> sollte<br />
uns Anlass sein, einer in der Öffentlichkeit<br />
bislang weniger bekannten Persönlichkeit,<br />
die sich große Verdienste für<br />
das Aufblühen des Wirtschaftslebens<br />
und für die Sorge um das Gemeinwohl<br />
unserer Stadt erworben hat, zu gedenken.<br />
Die Töchter von Oskar Meissner<br />
Margarete und Elisabeth ehelich-<br />
anzeige<br />
24<br />
Geschichte
Oskar Meissner<br />
Meissner<br />
zum 85 Todestag<br />
Familiengrabstätte Meissner – Pohl (alter Friedhof Feld D, Grabstelle 41)<br />
ten ebenfalls zwei Brüder: Margarete<br />
Meißner (*17.4.1873 + 17.8.1971) den<br />
Amtsgerichtsrat Otto Pohl (*9.2.1866<br />
+ 15.10.1947) und Elisabeth Meissner<br />
(8.2.1871 + 27.11.1960) den preuß. Generalleutnant<br />
Lorenz Pohl (*11.11.1855<br />
+ 7.3.1935) Die beiden Schwestern von<br />
Meissner lebten bis zu ihrem Tod weiterhin<br />
im Grundstück Lindenweg 7. Sie sind<br />
ebenfalls in der Familiengruft auf dem<br />
Friedhof bestattet.<br />
Wolfgang Stiller, Görlitz<br />
anzeige<br />
Geschichte<br />
25
Leserbrief<br />
Jugendjahre in der Südstadt –<br />
Ein längerer Brief einer treuen Leserin<br />
erreichte uns aus Coswig. Darin heißt es:<br />
Ihre Meinung ist die der meisten Deutschen,<br />
nur viele trauen sich nicht, sich<br />
öffentlich dazu zu bekennen, schon aus<br />
Angst, als Rassist oder Nazi beschimpft<br />
zu werden, was ich so widerlich finde.<br />
Und wer gar ein Amt bekleidet, der darf<br />
schon gar nicht seine Meinung sagen,<br />
soweit sie von der vorgeschriebenen<br />
abweicht. Ich finde das so traurig. Und<br />
weicht eine Partei von dem ab, dann wird<br />
sie in der Presse nur herabgewürdigt....<br />
Gefreut habe ich mich, als mich im Märzheft<br />
die Kreuzkirche so anlachte. Sie war<br />
ja für uns Südstädter früher der Mittelpunkt<br />
für alle festlichen Lebensmittelpunkte.<br />
Hier wurde ich getauft, habe ich<br />
geheiratet, und das letzte Familienbild<br />
wurde zur Goldenen Hochzeit meiner Eltern<br />
hier aufgenommen. Nur die Konfirmation<br />
fand in der Lutherkirche statt bei<br />
dem „Deutsche-Christen-Pfarrer“ Wollstadt.<br />
Wir haben ihn verehrt, er sprach<br />
mit uns über sehr natürliche Sachen und<br />
war nicht so verbohrt wie einige Pastoren<br />
der „Bekennenden Kirche“. Politische<br />
Themen gab es nicht, auch wenn<br />
man das hinterher behauptete. Und der<br />
Sohn Hajo von Pfarrer Wollstadf war ja<br />
viele Jahre dann Bischof in der Lausitz.<br />
Er hatte eine Freundin von mir, die Jutta<br />
Weihrauch, geheiratet und störte sich<br />
nicht an ihrem leichten Gehfehler, den<br />
sie von der Kinderlähmung zurückbehalten<br />
hatte, das fand ich großartig. Mit ihr<br />
verbanden mich viele schöne Erlebnisse.<br />
Ich leitete bis zum November 1944 eine<br />
Singegemeinschaft, die jeden Monat sich<br />
einmal im Schönhof traf. Damals zahlte<br />
man ja keine Miete für die Räume, und<br />
ich glaube, der Raum war pauschal von<br />
der HJ gemietet. Aber wir sangen keine<br />
Marsch- und Kampflieder, nur Volksund<br />
Kunstlieder, und mit zwei Mädeln,<br />
eben dieser Jutta und der Tochter vom<br />
Reichsbankdirektor Hahn, bereiteten wir<br />
bei mir zu Hause am Klavier die Lieder<br />
dreistimmig vor. Wir sind nie öffentlich<br />
aufgetreten, wir sangen einfach nur, weil<br />
es uns Freude machte. Heute unvorstellbar.<br />
Sie wohnten in dem querstehenden<br />
Block am Ende der Elisabethstraße. Ich<br />
habe gestaunt, als ich das letzte Mal in<br />
anzeige<br />
26<br />
Geschichte
Leserbrief<br />
Zwischen Sechsstädteplatz und Kreuzkirche<br />
Kunnerwitzer Straße am Sechstädteplatz zwischen den Weltkriegen<br />
Görlitz war und mein Elternhaus Kunnerwitzer<br />
Straße 14 am Sechsstädteplatz<br />
sah, daß es so viele schöne Ornamente<br />
hatte. Das ist mir nie aufgefallen früher,<br />
erst jetzt, als man es so schön hell gestrichen<br />
hat. Die ganze Kunnerwitzer<br />
Straße ist sehr schön saniert worden. Ja.<br />
aufs Äußere legt man heutzutage sehr<br />
Wert, dafür verkümmern innere Werte...<br />
Auf alten Ansichtskarten kann man mein<br />
anzeige<br />
Geschichte<br />
27
Leserbrief<br />
Jugendjahre in der Südstadt<br />
Biesnitzer Straße am Sechstädteplatzspielplatz um 1914<br />
Elterhaus erkennen. Die beiden großen<br />
Torbögen und die zwei Balkone im 1.<br />
Stock gehören zu den Hausnummern<br />
13 und 14. Der zweite Balkon gehörte<br />
zu unserer Wohnung im 1. Stock. Durch<br />
die großen Haustore fuhren die Pferdewagen<br />
bis zur Aschengrube im Hof. Gegenüber<br />
unserem Haus war ein großer<br />
Spielplatz mit Sandkasten, ein gleicher<br />
noch an zwei anderen Seiten (Biesnitzer<br />
und Kamenzer Straße). Die Straßenbahn<br />
wurde erst später durch den Sechsstädteplatz<br />
gelegt. An der linken Ecke war<br />
der Süßwarenladen der Firma Kosa, daneben<br />
ein Frisörladen von Dautz, Oben<br />
an der Ecke Biesnitzer Straße war ein<br />
Gemüseladen, bei dem wir 1945 in langen<br />
Schlangen anstanden. Im Haus Nr.<br />
13 war die Bäckerei Vogel… Ich wünsche<br />
Ihnen von Herzen alles Gute, daß Sie<br />
noch lange mit Ihren Artikeln die Menschen<br />
erfreuen können.<br />
Ilse Grienig, Coswig<br />
anzeige<br />
28<br />
Geschichte
Frühauf<br />
40 Jahre Fleischerei Frühauf<br />
Anzeige<br />
Geschäftsräume Fleischerei Rothe ca. 1940 und danach war es HO<br />
Seit 1976 gibt es<br />
bei Frühaufs leckere<br />
Fleisch- und Wurstspezialitäten<br />
aus der Lausitz.<br />
In der Wendezeit wurde<br />
das zeitweilige HO-<br />
Geschäft wieder zur<br />
Frühaufs Gaststube<br />
und Fleischerei. Die<br />
Räumlichkeiten wurden<br />
aufwendig saniert, viel<br />
Licht kam in die ehrwürdigen<br />
Räume. Direkt<br />
am Demianiplatz,<br />
liegt seit nun 40 Jahren<br />
die Traditionsfleischerei<br />
und Gaststube,<br />
inzwischen auch mit<br />
dazugehörender Pension.<br />
Täglich frische<br />
Fleisch-und Wurstwaren<br />
aus der hauseigenen<br />
Fleischerei sind<br />
die Garantie für eine<br />
abwechselungsreiche<br />
und deftige Küche.<br />
anzeige<br />
Geschichte<br />
29
Frühauf<br />
40 Jahre Fleischerei Frühauf –<br />
Anzeige<br />
In der Gastube<br />
Hier gibt es Speisen für jedermanns<br />
Geschmack zu moderaten Preisen.<br />
Die darüber liegende Gastube ist liebevoll<br />
wie ein kleines, aber feines<br />
Wohnzimmer eingerichtet. Die Gerichte<br />
wechseln getreu dem Motto:<br />
Futtern wie bei Muttern. Und dies<br />
alles mit frischen Produkten aus der<br />
Fleischerei, teilweise auch mal ein<br />
deftiges Eisbein oder eine hausgemachte<br />
Sülze. Dazu laden nun in<br />
jüngerer Zeit gemütliche Wohnungen<br />
mit Bad und Dusche und allem, was<br />
zum Wohlfühlen dazugehört, ein. Die<br />
anzeige<br />
30<br />
Geschichte
Frühauf<br />
Demianiplatz 18, mitten im Stadtzentrum<br />
Anzeige<br />
In der Fleischerei<br />
Pension, die zentral gelegen ist, vermittelt<br />
ein familiäres Ambiente. Hier<br />
erwartet den Görlitz- „Entdecker“ ein<br />
reichhaltiges Frühstück mit Produkten<br />
aus der hauseigenen Fleischerei.<br />
Trotz Rückschlägen wird auch weiterhin<br />
der Name „Frühauf“ für solides<br />
Fleischerhandwerk in Görlitz stehen.<br />
Auch <strong>StadtBILD</strong> wünscht der Familie<br />
Frühauf alles Gute in den nächsten<br />
Jahren.<br />
Andreas Ch. de Morales Roque<br />
anzeige<br />
Geschichte<br />
31
Die<br />
Gelehrtenfamilie<br />
Bornkamms<br />
mit Wurzeln in Görlitz –<br />
<strong>2016</strong> begeht die Evangelische Kreuzkirchengemeinde<br />
zu Görlitz das 100. Jubiläum<br />
der Einweihung ihrer Kirche. Ein Festgottesdienst<br />
ist am Sonntag, dem 6. März<br />
<strong>2016</strong>, schon gefeiert worden; ebenfalls<br />
ist bereits eine Festschrift erschienen,<br />
und StadtBild, das kultur-geschichtliche<br />
Gedächtnis der Stadt Görlitz, hat in seiner<br />
Märzausgabe an dieses Ereignis erinnert.<br />
Sowohl Festschrift als auch Stadt-<br />
Bild verweisen auf den ersten Pfarrer der<br />
Kreuzkirche: (Wilhelm Gustav) Georg<br />
Bornkamm, geboren am 15. Juli 1873 in<br />
Rehmsdorf (Kreis Zeitz), gestorben am<br />
26. <strong>Juni</strong> 1950 in Görlitz. Im letzten in der<br />
DDR noch erschienenen „Görlitzer Adressbuch“<br />
von 1949/1950 ist ebenso die letzte<br />
Adresse des Superintendenten i.R. Georg<br />
Bornkamm mit Brückenstraße 3, Parterre,<br />
angegeben. Georg Bornkamm heiratete<br />
1900 Johanna Martha Rooseboom (1877-<br />
1968), Tochter des Kaufmanns Heinrich<br />
Rooseboom, und hatte mir ihr fünf Kinder,<br />
von denen eines, Gustav, bereits bei<br />
der Geburt verstarb. Die beiden anderen<br />
Söhne, Heinrich und Günther Bornkamm,<br />
sollten einmal bedeutende Theologen<br />
werden. Heinrich, am 26. <strong>Juni</strong> 1901 noch<br />
in Wuitz (Kreis Zeitz) geboren, wo der Vater<br />
1899 eine Pfarrei übernommen hatte,<br />
wächst in Görlitz auf und wird einmal ein<br />
bedeutender Kirchenhistoriker werden,<br />
mit Schwerpunkt in der Lutherforschung.<br />
Seine Karriere ist durchaus atemberaubend.<br />
Mit 23 Jahren in Berlin promoviert,<br />
wurde er das Jahr darauf in Tübingen<br />
habilitiert. Von 1935 bis 1945 war Heinrich<br />
Bornkamm ordentlicher Professor<br />
an der Universität zu Leipzig, nach 1945<br />
entlassen, und dann von 1948 bis 1969<br />
Professor für Kirchengeschichte in Heidelberg.<br />
Dort starb er am 21. Januar 1977.<br />
Inwiefern er sich während der NS-Zeit<br />
zu sehr mit den Zielen der sogenannten<br />
Deutschen Christen identifizierte, wäre an<br />
anderer Stelle zu diskutieren.<br />
Sein jüngerer Bruder, Günther Bornkamm,<br />
ist am 8. Oktober 1905 in Görlitz<br />
geboren. Damals war sein Vater Diakon<br />
am Evangelischen Gemeindesaal in Görlitz,<br />
bis er schließlich 1915 erster Pfarrer<br />
der Kreuzkirche wurde. Günther Bornkamm<br />
hat 1928 anscheinend bezüglich<br />
der Zulassung zum ersten theologischen<br />
anzeige<br />
32<br />
Geschichte
Die Bornkamms<br />
Georg Bornkamm war erster Gemeindepfarrer der Görlitzer Kreuzkirche; seine Wohnung befand<br />
sich hinter der Kirche (im Bild rechts).<br />
Examen, das er dann im Frühjahr 1929<br />
in Breslau absolvierte, einen Lebenslauf<br />
geschrieben, der erstmals in Werner Zager<br />
(Hrsg.), Rudolf Bultmann / Günther<br />
Bornkamm. Briefwechsel 1926-1976, Tübingen<br />
2014, 411-423, publiziert worden<br />
ist. Darin schreibt er: „Ostern 1912 trat<br />
ich in die Vorschule des humanistischen<br />
Gymnasiums zu Görlitz (Gymnasium Augustum,<br />
ThRE) ein und besuchte dasselbe<br />
von 1915 an. Ostern 1924 bestand<br />
ich daselbst die Reifeprüfung.“ Besonders<br />
lobend äußerst sich Günther Bornkamm,<br />
dass er einen ausgezeichneten<br />
Geschichtsunterricht in der Prima erleben<br />
durfte. Auch Bibelkreis und offenes<br />
„Wandervogelleben mit grossen Fahrten<br />
und Wanderungen in die engere Heimat“<br />
anzeige<br />
Geschichte<br />
33
Die<br />
Gelehrtenfamilie<br />
Bornkamms<br />
mit Wurzeln in Görlitz –<br />
finden rückblickend anerkennende Worte.<br />
„Dem Geist meines Elternhauses verdanke<br />
ich den bedeutsamsten Anstoss zur<br />
Wahl des theologischen Studiums“, bekennt<br />
Bornkamm in seinem Lebenslauf.<br />
Mit Beginn des Sommersemesters 1924<br />
studiert er Theologie in Marburg sowie<br />
später in Berlin und Breslau. In Marburg<br />
lernt er Rudolf Bultmann (1884-1976),<br />
einen der prägendsten evangelischen<br />
Theologen und Neutestamentler des 20.<br />
Jahrhunderts, kennen, woraus sich auch<br />
eine lebenslange familiäre Freundschaft<br />
entwickeln wird. Bei Rudolf Bultmann<br />
wird Günther Bornkamm 1930 mit der<br />
Arbeit „Mythos und Legende in den apokryphen<br />
Thomas-Akten“ zum Dr. theol.<br />
promoviert; 1934 kann er sich an der Universität<br />
zu Königsberg habilitieren. Während<br />
seiner Königberger Zeit verstirbt<br />
seine erste Frau, Anneliese Bornkamm,<br />
geb. Hellweg, am 1. <strong>Juni</strong> 1936 nach einer<br />
Operation. Eine enge Freundin seiner<br />
ersten Frau, die Theologin Elisabeth<br />
Zinn (1908-1995), heiratet Bornkamm<br />
zwei Jahre später am 13. August 1938 in<br />
Berlin-Dahlem. Ein reichliches halbes Jahr<br />
zuvor, Ende 1937, ist dem widerständigen<br />
Günther Bornkamm die Erlaubnis entzogen<br />
worden, an staatlichen Universitäten<br />
in Deutschland als Professor zu lehren.<br />
Daraufhin geht er an die Theologische<br />
Schule in Bethel, die in kirchlicher Trägerschaft<br />
geführt wird. Nach Absolvierung<br />
von mehreren Reserveoffizierslehrgängen<br />
wird Bornkamm 1944 an die Ostfront eingezogen.<br />
Nach dem Krieg geht er nach<br />
Bethel zurück, und nach einer Zwischenstation<br />
in Göttingen wird er 1949 Professor<br />
für neutestamentliche Wissenschaft<br />
an der Universität zu Heidelberg. Über<br />
seine Emeritierung 1971 bleibt er Heidelberg<br />
verbunden und stirbt dort am 18.<br />
Februar 1990.<br />
Es lässt sich an dieser Stelle nicht das wissenschaftliche<br />
Werk Günther Bornkamms<br />
würdigen. Erwähnt sei nur, dass sein 1956<br />
erschienenes Buch „Jesus von Nazareth“<br />
bis 1995 die 15. Auflagen erleben wird.<br />
Abschließend sei noch ein familiärer Blick<br />
gestattet. Aus der Ehe mit seiner zweiten<br />
Frau, Elisabeth Bornkamm, werden fünf<br />
Kinder hervorgehen. Mindestens zwei<br />
von ihnen werden den wissenschaftlichen<br />
anzeige<br />
34<br />
Geschichte
Die Bornkamms<br />
Diskurs in der Bundesrepublik bis heute<br />
mitgestalten. Joachim Bornkamm (geb.<br />
27. 12. 1948) studiert Jura und wird 2006<br />
Vorsitzender Richter am Bundesgerichtshof.<br />
Aleida Assmann (geb. Bornkamm)<br />
studiert Anglistik sowie Ägyptologie und<br />
hat nach ihrer Habilitation den Lehrstuhl<br />
für Anglistik und Allgemeine Literaturwissenschaft<br />
an der Universität Konstanz<br />
seit 1993 inne. Die renommierte Literaturwissenschaftlerin<br />
ist verheiratet mit<br />
dem Ägyptologen und Religionswissenschaftler<br />
Jan Assmann, der über sein<br />
Fach hinaus wichtige Debatten bis in den<br />
theologischen Bereich hinein mit seinen<br />
vielbeachteten Büchern bis heute prägt<br />
(z.B. Die Mosaische Unterscheidung oder<br />
Der Preis des Monotheismus, München<br />
2003; Exodus. Die Revolution der Alten<br />
Welt, München 2015). Mit anderen Worten,<br />
die Bornkamms sind auch heute noch<br />
im geisteswissenschaftlichen Bereich präsent<br />
und prägend. So kann man schließlich<br />
mit Blick auch auf Günther Bornkamm<br />
sagen: Nicht wenige bedeutende<br />
Gelehrte kommen aus der sogenannten<br />
Provinz, zu der Görlitz heute durchaus gerechnet<br />
werden kann. Diese Bewertung<br />
spricht nicht gegen die Provinz als solche,<br />
ganz im Gegenteil. Denn der Gegensatz<br />
zu Provinz heißt provinzielle Geisteshaltung.<br />
Und eine solche ist der geschichtsträchtigen<br />
Stadt Görlitz noch nie dienlich<br />
gewesen. Kurzum. An die altehrwürdige<br />
und nach 1990 wieder auferstandene<br />
Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften<br />
sei der Wunsch herangetragen,<br />
sich auf einer ihrer Jahrestagungen<br />
auch einmal mit der Gelehrtenfamilie der<br />
Bornkamms zu befassen, die eine ihrer<br />
Wurzeln in Görlitz hat. Und der Bibliothek<br />
der Oberlausitzischen Gesellschaft der<br />
Wissenschaften sei wärmstens der vorzüglich<br />
von Werner Zager 2014 edierte<br />
Briefwechsel zwischen Rudolf Bultmann<br />
und Günther Bornkamm zur Anschaffung<br />
empfohlen. Die darin enthaltenen Anmerkungen<br />
lesen sich streckenweise wie das<br />
„Wer ist Wer“ des geistig-kulturellen deutschen<br />
Protestantismus aus der Mitte des<br />
20. Jahrhunderts. Der Autor dieser Zeilen<br />
verdankt diesem Buch viel.<br />
Prof. Dr. Thomas R. Elßner,<br />
Koblenz<br />
anzeige<br />
Geschichte<br />
35
Görlitzer<br />
Geschichten vom Görlitzer Stadtverkehr –<br />
Das Hubgerät (um 1940) Als ATW Nr. 3 (1956)<br />
Beim Eingleisen (1949) Als 103 im Schleppdienst (1967)<br />
Vor fast exakt 45 Jahren erschien der heute<br />
sehr bekannte Oldtimer Nr. 29 erstmals im<br />
Görlitzer Alltagsbild. Das Fahrzeug ist zwischen<br />
1969 und 1971 aufgearbeitet wor-<br />
anzeige<br />
36<br />
Geschichte
Görlitzer<br />
Vom Gerätewagen<br />
Stadtverkehr<br />
zum Oldtimer<br />
Als Nr. 103 (1968) Bereit zum Festumzug (1971)<br />
Am alten Verwaltungsbau (1969) Letzte Arbeiten (1971)<br />
den und konnte im <strong>Juni</strong> 1971 erstmals auf<br />
einem Tieflader beim Festumzug anläßlich<br />
der 900-Jahr-Feier von Görlitz bestaunt<br />
werden. Hergestellt wurde es im Jahre<br />
anzeige<br />
Geschichte<br />
37
Görlitzer<br />
Geschichten vom Görlitzer Stadtverkehr<br />
Vor der Wagenhalle (1974) Der Nachfolger (1978)<br />
1897 in der Königsberger Waggonfabrik L.<br />
Steinfurt und kam zur Niederschlesischen<br />
Gewerbe- und Industrieausstellung 1905<br />
mit drei weiteren Triebwagen aus Bromberg<br />
in unsere Stadt. Seit 1936 diente es<br />
als Hilfs- und Bergefahrzeug (Gerätewagen)<br />
und war dafür mit entsprechender<br />
Ausstattung versehen, zu der auch ein<br />
Universalhubgerät gehörte. Bis 1956 trug<br />
es die Nummer 3, danach war die Nr. 103<br />
außen angeschrieben.<br />
Im Oktober 1968 ist es durch den WU-<br />
MAG – Triebwagen Nr. 29 ersetzt worden,<br />
der auch die Nummer 103 und das Universalhubgerät<br />
von seinem Vorgänger<br />
übernahm. Dafür bekam der spätere Oldtimer<br />
vom WUMAG- Wagen dessen Nummer<br />
29, denn ursprünglich war das im<br />
Originalzustand grün-beige lackierte Fahrzeug<br />
mit der Nr. 36 unterwegs. Nichtsdestotrotz<br />
entstand aus dem über 30 Jahre<br />
als Dienstfahrzeug genutzten Triebwagen<br />
ein schmuckes Fahrzeug. Übrigens schied<br />
vor genau 35 Jahren mit dem Nachfolger<br />
der letzte schienengebundene Hilfsgerätewagen<br />
aus dem Dienst bei der Görlitzer<br />
Straßenbahn aus. Der WUMAG- Triebwagen<br />
ist bis 1985 zerlegt worden.<br />
Andreas Riedel, Wiesbaden<br />
(wird fortgesetzt)<br />
anzeige<br />
38<br />
Impressum:<br />
Herausgeber (V.i.S.d.P.):<br />
incaming media GmbH<br />
Geschäftsführer:<br />
Andreas Ch. de Morales Roque<br />
Carl-von-Ossietzky Str. 45<br />
02826 Görlitz<br />
Ruf: (03581) 87 87 87<br />
Fax: (03581) 40 13 41<br />
info@stadtbild-verlag.de<br />
www.stadtbild-verlag.de<br />
Geschäftszeiten:<br />
Mo. - Fr. von 9.00 bis 17.00 Uhr<br />
Druck:<br />
Graphische Werkstätten Zittau GmbH<br />
Verantw. Redakteur:<br />
Andreas Ch. de Morales Roque<br />
(Mitglied im Deutschen<br />
Fachjournalistenverband)<br />
Redaktion:<br />
Dr. Ernst Kretzschmar,<br />
Dipl. - Ing. Eberhard Oertel,<br />
Dr. Ingrid Oertel<br />
Anzeigen verantw.:<br />
Dipl. - Ing. Eberhard Oertel<br />
Mobil: 0174 - 31 93 525<br />
Teile der Auflage werden auch kostenlos<br />
verteilt, um eine größere Verbreitungsdichte<br />
zu gewährleisten. Für eingesandte<br />
Texte & Fotos übernimmt der Herausgeber<br />
keine Haftung. Artikel, die namentlich<br />
gekennzeichnet sind, spiegeln nicht die<br />
Auffassung des Herausgebers wider. Anzeigen<br />
und redaktionelle Texte können<br />
nur nach schriftlicher Genehmigung des<br />
Herausgebers verwendet werden<br />
Anzeigenschluss für die <strong>Juni</strong>-<br />
Ausgabe: 15. <strong>Juni</strong> <strong>2016</strong><br />
Redaktionsschluss: 20. <strong>Juni</strong> <strong>2016</strong><br />
Wir arbeiten mit<br />
Stadtwerke Görlitz AG<br />
Immer.Näher.Dran<br />
Geschichte