Zentrum aktuell 2013
Nachrichten aus der Stiftung ZENTRUM GEGEN VERTREIBUNGEN
Nachrichten aus der Stiftung ZENTRUM GEGEN VERTREIBUNGEN
Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!
Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.
ZENTRUM AKTUELL<br />
Informationen der Stiftung ZENTRUM GEGEN VERTREIBUNGEN<br />
Ausgabe 1/<strong>2013</strong><br />
www.z-g-v.de<br />
Franz-Werfel-Menschenrechts-Preis für Karl Schlögel<br />
Namen, die keiner mehr nannte, wurden Namen, die keiner mehr kannte<br />
Zwei glänzende Reden machten diese Preisverleihung<br />
zu etwas Besonderem: der Laudator<br />
Thomas Schmid, der sehr einfühlsam<br />
die Persönlichkeit Karl Schlögel umschreibt,<br />
umwirbt, sich ihr vorsichtig nähert. Thomas<br />
Schmid, selbst geübter Virtuose der<br />
Feder beschreibt Karl Schlögel als einen Poeten<br />
des neuen Europa nach unserem annus<br />
mirabilis 1989.<br />
Er zeichnet sein frühes Interesse für die in<br />
seine Heimat strömenden Flüchtlinge aus<br />
den Kulturlandschaften Zwischeneuropas<br />
– Breslau, Karlsbad, Znaim und Siebenbürgen<br />
werden genannt – ebenso wie sein<br />
wohl daraus erwachsendes, unermüdliches<br />
Interesse für den Osten. Widerborstig und<br />
auf seine Weise stur habe Karl Schlögel die<br />
Wirklichkeit hinter der Oberflächlichkeit<br />
geahnt, herausgearbeitet und herausgelöst.<br />
Die Aufstände der Völker gegen die totale<br />
Diktatur der Sowjets gehören zu diesem<br />
Blick auf den gequälten und geschundenen<br />
Osten.<br />
Der Betondeckel konnte die Selbstbestimmung<br />
und die Freiheit der Völker nicht dauerhaft beerdigen.<br />
Die Flamme ist überall in den europäischen<br />
Völkern unter der Knute Moskaus nie ganz erloschen.<br />
Vielleicht helfen auch die ehrlichen Worte von Thomas<br />
Schmid den Blick für jene Regionen zu öffnen<br />
und eine helfende Hand zu reichen, wo es heute Not<br />
tut, egal ob in Lettland, der Ukraine oder in Bulgarien.<br />
Karl Schlögel habe in der Vielfalt seiner Arbeit<br />
stets ein einigendes, verbindendes Band gehabt, denn<br />
immer sei es um die Rückkehr des Ostens gegangen.<br />
Genauer war es Karl Schlögel, der den lebenden Osten<br />
hinter dem Eisernen Vorhang sah, hinter den so viele<br />
nicht mehr blicken wollten. Karl Schlögel spürte den<br />
Atem der Freiheit und wies als klarsichtiger und aufmerksamer<br />
Zuhörer auf das „laut vernehmbare Knirschen<br />
im sowjetischen Gebälk“ hin. Er beschrieb das<br />
unendliche Leid der Völker, die es alle getroffen habe:<br />
Polen, Russen, Tschechen, Deutsche, Juden vor allem,<br />
Die Vorsitzende der Stiftung ZENTRUM GEGEN VERTREIBUNGEN<br />
Erika Steinbach MdB verliest die Urkunde für Prof. Dr. Karl Schlögel.<br />
Rechts im Bild Laudator Thomas Schmid.<br />
aber auch Christen und Muslime. Jede Gruppe habe<br />
ihr Leid im Herzen eingeschlossen. Obwohl das alle<br />
Verbindende eigentlich nicht zu übersehen ist, kam es<br />
zur Segmentierung der Erfahrung von Leid, zu parallelen<br />
Opfererzählungen, die sich nicht einmal in der<br />
Unendlichkeit trafen.<br />
Was Thomas Schmid als schwer zu Erklärendes beschreibt,<br />
hat vielleicht etwas mit dem Überleben von<br />
schwer verwundeten Völkern und Gruppen zu tun.<br />
Der Traumaforschung stehen wohl ganz neue Betrachtungsebenen<br />
in der Gruppenreaktion auf Terror offen.<br />
Thomas Schmid fordert mit Karl Schlögel den verschwundenen<br />
Osten Europas wahrzunehmen, dem<br />
Schmerz des Verlustes nicht auszuweichen. Auch der<br />
verlorene deutsche Osten habe, so Schmid, „ein Recht<br />
darauf, nicht in Vergessenheit zu geraten“.<br />
Leise, bescheiden und wortgewaltig bedankte sich<br />
Fortsetzung auf Seite 2<br />
Herausgegeben vom ZENTRUM GEGEN VERTREIBUNGEN<br />
<strong>Zentrum</strong> Aktuell<br />
1<br />
Organisationsbüro: Godesberger Allee 72-74, 53175 Bonn, Tel. 0228 / 81 007 30, Fax 81 007 52, info@z-g-v.de
Preisverleihung<br />
Karl Schlögel für die Ehrung mit dem Franz-Werfel-<br />
Menschenrechtspreis.<br />
Karl Schlögel blickt zurück auf ein ganzes Leben, angefüllt<br />
mit „Spurensuchen und Spurenlesen“ in „Kriegsgelände,<br />
Nachkriegsgelände, Vertreibungsgelände“.<br />
Beginnend in<br />
Eger, Marienbad, Budweis, Leitmeritz,<br />
Pilsen, Krumlau und Prag<br />
wurde er zum Weggefährten von<br />
Flüchtlingen, Vertriebenen, Umund<br />
Ausgesiedelten, Staaten- und<br />
Heimatlosen – nicht nur der Deutschen.<br />
Mit wachem Blick und unstillbarem<br />
Interesse für die Menschen<br />
zog er immer größere Kreise<br />
und immer begleitet den Sehenden<br />
der Schmerz, stockt ihm der<br />
Atem im Gefühl des „unermesslich<br />
großen Verlusts, von dem zu<br />
sprechen, sobald man zurückgekehrt<br />
war, sinnlos erschien“: im<br />
Westen wurde der Blick auf den<br />
Verlust im Osten als „rückwärtsgewandt,<br />
gestrig, ewiggestrig, wenn<br />
nicht reaktionär“ verurteilt. Namen,<br />
die keiner mehr nannte wurden so zu Namen,<br />
die keiner mehr kannte.“<br />
Karl Schlögel wundert sich wie unsere europäische<br />
Kultur den Verlust ganzer Landstriche, Städte, einer<br />
jahrhundertelangen Geschichte, der Arbeit von vielen<br />
Generationen verkraftete – aus dem Horizont verschwunden,<br />
gelöscht. Doch hat sie das? Wenn die, die<br />
nie dort gewesen sind, den Glanz des untergegangenen<br />
Königsberg nicht erahnen können, ohnehin<br />
nicht um Immanuel Kant oder Hannah Arendt wissen,<br />
weder den weiten Himmel und die Wolkenbildung<br />
Ostpreußens kennen, noch den Zauber Schlesiens,<br />
die Weite der Oderebene oder die Landschaft<br />
des Riesengebirges, dann sind diese Wunden so tief,<br />
dass der Schmerz nicht mehr gespürt werden kann.<br />
Der Preisträger: Prof. Dr. Karl Schlögel<br />
Verkraften ist etwas anderes. Karl Schlögel sieht auch,<br />
dass sich viel getan hat in den letzten beiden Jahrzehnten.<br />
Er gesteht, dass die Beharrlichkeit und die Initiativen<br />
des ZENTRUM GEGEN VERTREIBUNGEN<br />
großen Anteil daran haben. Was<br />
Schlögel wohl nicht wusste: Als<br />
Erika Steinbach 1998 Präsidentin<br />
des BdV wurde, quälte sie in schlaflosen<br />
Nächten die Frage, wie sie mit<br />
dieser Aufgabe umgehen sollte. Es<br />
waren wiederum die Veröffentlichungen<br />
Karl Schlögels, die ihr<br />
wegweisend die Richtung gaben<br />
und aus denen die Stiftung ZENT-<br />
RUM GEGEN VERTREIBUNGEN<br />
entstand.<br />
Karl Schlögel ruft dazu auf, sich<br />
die Geschichte der anderen anzuhören,<br />
sie zu ertragen und auszuhalten.<br />
Er ruft dazu auf, den Raum<br />
zu verteidigen, in dem dies möglich<br />
ist, die unterschiedlichen Perspektiven<br />
auf möglicherweise denselben<br />
Vorgang zur Kenntnis zu<br />
nehmen und zu fixieren. Die geschichtliche<br />
Betrachtung des östlichen Europa ist vielfältig,<br />
geht es doch um Modernisierung, Entwicklung<br />
und Verbundenheit der Völkerschaften. Sie kann nur<br />
in Zusammenarbeit gelingen. Karl Schlögel ruft dazu<br />
auf, diesen Schatz des gemeinsamen Europa und seiner<br />
gemeinsamen Geschichte zu heben und ihn neu<br />
zum Leuchten zu bringen. Er ruft ganze Generationen<br />
auf, die Bezüge und Beziehungen wieder sichtbar<br />
zu machen.<br />
Es ist ein Ruf von Donnerhall, der dem Zuhörer die<br />
Größe der Aufgabe vor Augen hält. Es ist Zeit. Manches<br />
wurde in den letzten Jahrzehnten geleistet von<br />
Menschen wie Karl Schlögel, Peter Glotz oder Erika<br />
Steinbach. Ein Berg an Arbeit liegt vor uns und wir<br />
sind aufgerufen.<br />
Gunnar Digutsch<br />
Die Katalog-Trilogie zu den Ausstellungen<br />
„Die Gerufenen“ • „Erzwungene Wege“ • „Angekommen“<br />
Drei Bände im praktischen Schuber für nur 35,- €<br />
Einzelkataloge je 12,95 €<br />
Zu beziehen über das Organisationsbüro:<br />
Godesberger Allee 72-74, 53175 Bonn<br />
Tel.: 0228 / 81 007 30<br />
Fax: 0228 / 81 007 52<br />
E-Mail: info@z-g-v.de<br />
2 <strong>Zentrum</strong> Aktuell
Unsere Ausstellungen<br />
Jeder kann mithelfen<br />
Das Schicksal der deutschen Heimatvertriebenen und ihr kulturelles Erbe im<br />
kollektiven Gedächtnis Deutschlands lebendig zu erhalten und Vertreibungen<br />
als Mittel der Politik zu ächten, das ist das Ziel der Stiftung ZENTRUM GEGEN<br />
VERTREIBUNGEN. Seitdem unsere Stiftung besteht helfen uns unzählige Menschen<br />
durch ihre Spenden, dass die Stiftung erfolgreich arbeiten kann. Mit dieser<br />
Hilfe haben wir schon viel erreicht. Dass das Schicksal der Vertriebenen in der<br />
Mitte der Gesellschaft angekommen ist, liegt nicht zuletzt an den Aktivitäten des<br />
ZENTRUM GEGEN VERTREIBUNGEN.<br />
Unsere Wanderausstellungen<br />
• „Erzwungene Wege. Flucht und Vertreibung im Europa des 20. Jahrhunderts“<br />
• „Die Gerufenen. Deutsches Leben in Mittel- und Osteuropa“ und<br />
• „Angekommen. Die Integration der Vertriebenen in Deutschland“<br />
sind in ganz Deutschland landauf, landab unterwegs. Einige Beispiele aus den letzten Monaten sehen Sie auf diesen<br />
Seiten. Alle zwei Jahre verleihen wir den Franz-Werfel-Menschenrechtspreis in der Frankfurter Paulskirche für Verdienste<br />
um die Menschenrechte. Prominente Preisträger sind: Nobelpreisträgerin Herta Müller, der tschechische Filmemacher<br />
David Vondráček, Prof. Dr. György Konrád und der Historiker und Essayist Prof. Dr. Karl Schlögel.<br />
Setzen auch Sie ein Zeichen und unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende! Damit wir auch <strong>2013</strong> ein bleibende Kraft in<br />
Deutschland sein können!<br />
Unser Spendenkonto lautet:<br />
ZENTRUM GEGEN VERTREIBUNGEN, Deutsche Bank AG, Konto-Nr.: 317 17 17, BLZ 380 700 24,<br />
IBAN DE76 380 700 240 3171717 00, BIC (SWIFT) DEUT DE DB380<br />
Wenn Sie unsere Stifung nachhaltig unterstützen wollen, können sie Förderer/in werden. Sie erhalten dann die Infobriefe<br />
der Stiftung. Förderer/in werden Sie, wenn sie monatlich, halbjährlich oder jährlich jeweils einen Betrag von 25 €,<br />
50 € oder 100 € per Bankeinzug spenden.<br />
„Erzwungene Wege“ in Kaufbeuren<br />
Blick in die Ausstellung „Erzwungene Wege“<br />
Die Wanderausstellung „Erzwungene Wege“ wurde<br />
erstmals 2006 im Kronprinzenpalais in Berlin der Öffentlichkeit<br />
vorgestellt.<br />
Zur Zeit befindet sie sich im Isergebirgs-Museum in Kaufbeuren-Neugablonz.<br />
Die Schau zeigt Schicksale von Flucht<br />
und Vertreibung und durchmisst zeitlich und räumlich<br />
das Europa des 20. Jahrhunderts. Eine chronologische Linie<br />
bietet einen Über blick über die unterschiedlichen Erscheinungsformen<br />
von Flucht, Vertreibung und Genozid<br />
in diesem Zeitraum. Dabei wurden die Ausstellungstafeln<br />
mit eigenen Exponaten des Museums sinnvoll ergänzt.<br />
Bei der Eröffnungsveranstaltung wurde ausführlich in<br />
die Ausstellung eingeführt und über die Entstehungsgeschichte<br />
der Schau und die bisherigen Ausstellungsstationen<br />
berichtet.<br />
Noch bis zum 9. Juni <strong>2013</strong> ist die Ausstellung im Isergebirgs-Museum<br />
Neugablonz zu sehen.<br />
<strong>Zentrum</strong> Aktuell<br />
3
Unsere Ausstellungen<br />
Angekommen –<br />
Die Integration der Vertriebenen in Deutschland<br />
Kulturzentrum Ostpreußen<br />
27. April bis 15. September <strong>2013</strong><br />
Schlossstr. 9, 91792 Ellingen<br />
Dienstag bis Sonntag 10 Uhr bis 12 Uhr und 13 Uhr bis 17 Uhr<br />
www.kulturzentrum-ostpreussen.de<br />
Die Gerufenen – Deutsches Leben in<br />
Mittel- und Osteuropa<br />
Städtische Galerie Waldkraiburg<br />
16. Juni bis 25. August <strong>2013</strong><br />
Braunauer Str. 10, 84478 Waldkraiburg<br />
Dienstag bis Freitag 12 Uhr bis 18 Uhr<br />
www.waldkraiburg.de<br />
„Angekommen“ in Düsseldorf<br />
Gut 150 Besucher waren der Einladung der Stiftung<br />
Gerhart-Hauptman-Haus und des Landesverbandes<br />
Nordrhein-Westfalen des BdV zur Präsentation<br />
der Ausstellung „Angekommen. Die Integration der<br />
Vertriebenen in Deutschland“ gefolgt. Eröffnet wurde<br />
die Schau, die noch bis zum 20. April im Düsseldorfer<br />
Gerhart-Hauptmann-Haus zu sehen ist, von BdV-Generalsekretärin<br />
Michaela Hriberski. Sie berichtete über<br />
die Entwicklung der Ausstellung und die Bedeutung<br />
der Schau, gerade für Nordrhein-Westfalen. „Diese<br />
Ausstellung gibt es seit November 2011. Ihre Premiere<br />
hatte sie im Reichstag, wo sie von Bundestagspräsident<br />
Dr. Norbert Lammert eröffnet wurde.“ Hriberski<br />
freute sich, dass Düsseldorf jetzt die erste Station der<br />
Ausstellung auf ihrer Wanderung durch Deutschland sei.<br />
„Die Gerufenen“ in Ulm und Wiesbaden<br />
Die „Ulmer Schachtel“ in der Ausstellung<br />
Einmal mehr stieß der Multimediatisch des ZENTRUM<br />
auf großes Interesse<br />
Die Ausstellung „Die Gerufenen“ erinnert noch bis<br />
zum 12. Mai im Donauschwäbischen Zentralmuseum<br />
(DZM) an die 800 Jahre währende Geschichte der langen<br />
Zeit des friedlichen Zusammenlebens von Deutschen und<br />
anderen Völkern. Die Text- und Bildtafeln und ein Multimediatisch<br />
erzählen eindrucksvoll vom Einfluss und dem<br />
Erbe der Deutschen in den Vielvölkerstaaten: die Kirchenburgen<br />
der Siebenbürger werden ebenso behandelt wie die<br />
Rolle der Deutschen in der Industrialisierung Polens oder<br />
die deutsch-jüdische Kultur in Galizien.<br />
Mehr als 50 Personen waren auch bei der Eröffnung der<br />
Ausstellung „Die Gerufenen. Deutsches Leben in Mittelund<br />
Osteuropa“ im Haus der Heimat in Wiesbaden dabei.<br />
Die Ausstellung ist noch bis zum 27. April <strong>2013</strong> im Haus<br />
der Heimat in Wiesbaden zu sehen.<br />
Weitere Stationen der Wanderausstellungen <strong>2013</strong><br />
Kreishaus Siegburg<br />
12. August bis 30. September <strong>2013</strong><br />
Kaiser-Wilhelm-Platz 1<br />
53721 Siegburg<br />
Öffnungszeiten:<br />
während der regelmäßigen Dienstzeiten<br />
Erzwungene Wege – Flucht und Vertreibung im<br />
Europa des 20. Jahrhunderts<br />
Isergebirgs-Museum Neugablonz<br />
07. März bis 09. Juni <strong>2013</strong><br />
Gablonzer Haus, Marktstr. 1<br />
87600 Kaufbeuren-Neugablonz<br />
Dienstag bis Sonntag 14 Uhr bis 17 Uhr<br />
www.isergebirgs-museum.de<br />
4 <strong>Zentrum</strong> Aktuell