Das Ende des ewigen Eises

greenpeace

Das Ende des ewigen Eises

act

4 | DEZEMBER 08 – FEBRUAR 09

Hoffnung

für Neuguinea

Schokolade

Der Kapitän der

„Rainbow Warrior“

Verlagspostamt 1100 Wien • P.b.b.

DVR. Nr. 0462276 • Zulassungsnr. 02Z033302M

Das Ende des ewigen Eises


Internationale Greenpeace Aktionen

Weltweit gegen den Klimakollaps

Iskenderun, Türkei, 14. 9. 2008

Im Rahmen einer „Rainbow Warrior“-

Tour gegen die CO2-intensive Verbrennung

von Kohle erklimmen AktivistInnen den

Schwimmkran einer der größten

Kohleplattformen der Welt. Ziel dieser

Aktion ist es, für einige Zeit den Import

von Kohle zum Kraftwerk Sugozu

(Isken) zu unterbrechen.

02

Foto: Pierre Gleizes / GP

Madrid, Spanien, 17. 9. 2008

Greenpeace versieht den Osborne-Stier –

das spanische Wahrzeichen vor Madrid– mit

einer Gasmaske und einem Stopp-CO2-

Schild. Greenpeace tut damit seinen Unmut

über die spanische Regierung und die

Autoindustrie kund. Der CO2-Ausstoß durch

den Straßenverkehr hat sich hier in Spanien

seit 1990 um 50 Prozent erhöht.

Foto: GP/ Pedro Armestre

Sardinien, Italien, 18. 10. 2008

AktivistInnen blockieren das Förderband des

Kraftwerks „Fiumesanto“ bei Sessari, um

gegen die sardischen Behörden und den

deutschen E.ON-Konzern zu protestieren.

Anstatt auf erneuerbare Energien zu setzen

und zum Beispiel die enormen Potentiale der

Windkraft zu nutzen, soll das Kraftwerk von

Öl- auf Kohlever brennung umgestellt werden.

Foto: GP/ Jiri Rezac

Litvinov, Tschechien, 13. 11. 2008

13 AktivistInnen stoppen die Arbeiten

eines 50 Meter hohen Löffelbaggers in

einer der größten Braunkohleminen der

Tschechischen Republik.

Die Banner weisen darauf hin, dass wir den

Klimakollaps nicht in den Griff bekommen

werden, solange wir auf CO2-intensive

Energieträger wie Kohle setzen.

Foto: Foto: GP/ Vaclav Vasku

Konin, Polen, ab 14. 11. 2008

Im Vorfeld der UN-Klimagespräche

im Dezember errichtet Greenpeace eine

Klima-Rettungsstation nahe einer offenen

Kohlemine bei Konin. Das Gastgeberland

Polen gewinnt 93 Prozent seiner Energie

aus Kohle, weltweit ist dieser veraltete

Energieträger für ein Drittel des CO2-

Ausstoßes verantwortlich.

Foto: GP/ Steve Morgan

actintro

Foto: GP / Nick Cobbing

� Editorial

Und morgen?

Plötzlich ist sehr viel Geld da – die Finanzbranche

rutscht in die Krise und die Staaten stellen Hunderte

Milliarden zur Verfügung. Weitere Branchen folgen.

Schon fordert die Automobilindustrie staatliche Unterstützung.

Ausgerechnet die Automobilindustrie!

Das Ganze würde einen ja nicht gar so ärgern, wenn

es weniger absehbar gewesen wäre. Hätte die

deutsche Autoindustrie nicht so stur auf ihre spritfressenden

Panzer bestanden, wie von Greenpeace

immer gefordert, hätte sie heute die richtigen Produkte

anzubieten. Und hätte man dem globalisierten

Spekulantentum einen Riegel vorgeschoben, wie das

etwa „Attac“ seit Jahren einmahnt, wären wir überhaupt

nie in diese Misere geschlittert.

Wie wäre es, wenn wir die Krise als Chance verstünden

und ab sofort die Warnungen ernster nehmen?

Zum Beispiel jene, dass die weltweiten Fischbestände

unmittelbar vor dem Kollaps stehen. Wenn

jetzt nicht SOFORT die Fangquoten reduziert,

Schutzgebiete ausgewiesen und illegale Fischer gestoppt

werden, haben wir in ein paar Jahren keinen

Fisch mehr, dafür eine Armee von Arbeitslosen aus

der Fischerei-Industrie.

Oder: Das Eis der Arktis

schmilzt schneller als es

selbst die schlimmsten

Prognosen vorhergesagt

haben. Wer heute mit aller

Kraft auf erneuerbare

Energien setzt, wird morgen

zu den Gewinnern

gehören. Wer jetzt nicht

radikal seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen

reduziert, wird das morgen teuer bezahlen. Wir

reden von Maßnahmen, die in den nächsten fünf

Jahren passieren müssen.

No-Na-Prognosen? Selbstverständlichkeiten? Na,

dann müssten sie doch auch sofort umgesetzt

werden. Fünf Jahre sind eine Legislaturperiode.

Roman Kellner

Chefredakteur des „act“

Foto: GP/Teresa Novotny

� Inhalt

actintro

02 INTERNATIONALE AKTIONEN

03 EDITORIAL

action

04 EIN STEINIGER WEG

Greenpeace versenkt tonnenschwere Steine in der Nordsee.

Warum? Lesen Sie den Artikel.

05 ERFOLGE

actreport

06 HOFFNUNG FÜR NEUGUINEA

Die südostasiatische Insel droht Opfer der Palmölindustrie

zu werden. Greenpeace tut etwas dagegen.

10 EISIGE ERKENNTNISSE

Am Nordpol schmilzt das Eis in ungeahntem Tempo.

Der Klimawandel scheint sich selbstständig zu machen.

12 FOLLOW UP

facts

13 ALLES IM FLUSS

Und immer wieder die Raab:

neuer Verschmutzer – derselbe Fluss.

14 GEGEN-AKTION

Ein Großteil der EuropäerInnen lehnt Gentechnik ab.

Greenpeace setzt ein weithin sichtbares Zeichen.

16 SÜNDIGE VERSUCHUNG

Bei Schokolade gibt es nur zwei Wege: Die Hintergründe

der Produktion ausblenden oder beim Kauf ein paar

Dinge beachten. Der zweite Weg ist besser.

acteure

18 „VOLLE KRAFT VORAUS“

Elf Fragen an Mike Fincken, 41,

Kapitän der „Rainbow Warrior“

actkommentar

20 BILLIG UND RECHT

Mehr Gerechtigkeit führt zu besserer Umweltverträglichkeit.

Ökologische Kostenwahrheit führt zu mehr Gerechtigkeit.

interaction

22 FILMTIPP: LET’S MAKE MONEY

23 BUCHTIPP: IM FADENKREUZ DER WALFÄNGER

GREENPEACE IM BILD

24 CARTOON VON GERHARD HADERER

03


Ein steiniger Weg

action

04

Nicht nur, dass zu wenig neue

Meeresschutzgebiete entstehen,

es werden nicht einmal die

existierenden ausreichend

geschützt. Greenpeace macht

auf diesen Misstand durch eine

ungewöhnliche Aktion aufmerksam.

von Roman Kellner

� Wie ein riesiges Gebiss umfassen

die Baggerschaufeln den zwei Tonnen

schweren Stein. Der Kranarm fährt seine

Last über den Rand des Schiffes, und die

Schaufeln öffnen sich. Mit einem lauten

Platschen trifft das Naturmonument auf die

Wasseroberfläche und verschwindet sofort

in der Tiefe. Weitere folgen.

Es ist eine untypische Aktion: Die beiden

Greenpeace-Schiffe „Beluga“ und „Argus“

sowie ein gechartertes Arbeitsschiff ankern

in der Nordsee einige Kilometer westlich

von Sylt. AktivistInnen werfen tonnenschwere

Natursteine ins Wasser. Niemand

kettet sich an, nichts wird blockiert. Und

dennoch sorgen die Aktivitäten für Unruhe

an höchster Stelle. Denn wofür Greenpeace

da vergangenen August kämpft, ist, dass

bestehendes Recht eingehalten wird.

Das Sylter Außenriff ist seit immerhin vier

Jahren ein „Natura 2000“-Schutzgebiet.

Damit müsste das etwa 5.500 Quadratkilometer

große Areal vor negativen Einflüssen

bewahrt werden. Als eines der wenigen

Steinriffe der Nordsee hat es einiges zu

bieten. Auf den Felsen setzen sich vielerlei

Tiere und Pflanzen fest. In 30 bis 40 Metern

Tiefe wachsen Seenelken. Fische wie die

bedrohten Finten oder Flussneunaugen

schwänzeln zwischen den Steinen hindurch,

weil es hier Nahrung und Schutz gibt.

Schweinswale, die am stärksten bedrohte

Walart Europas, kommen hierher zur

Paarung und um ihre Jungen zu gebären.

Es gibt also ausreichend Gründe, das Gebiet

in seiner Ursprünglichkeit zu erhalten.

Das passiert aber nicht. Vielmehr wird die

Gegend einerseits durch die schweren

Saugbagger für den Abbau von Sand und

Kies und andererseits durch Schleppnetze

von Fischern bedroht. Ein bisschen viel für

ein Naturschutzgebiet. Die Schleppnetze

sind besonders schlimm: Wo sie einmal

den Boden durchpflügt haben, wächst

sobald nichts mehr. Sie hinterlassen eine

Unterwasserwüste.

Atempause für die Meere

Greenpeace fordert ein weltweites Netz

von Schutzgebieten, um den Meeren

Atempausen zu gönnen. In solchen

Oasen könnten sich die Fischbestände

erholen, was wiederum die Anzahl von

Fischen rund um die Gebiete erhöht. Iris

Menn, Meeresexpertin bei Greenpeace

Deutschland, erinnert, dass das auch im

Interesse der Fischer sein müsste: „Wer

heute alles wegfängt, wird morgen leere

Netze haben.“ In der Adria gibt es ein

schönes Beispiel, wo zehn Jahren nach

Errichtung eines Schutzgebietes an

dessen Grenzen viermal so viel Fisch

gefangen wird wie zuvor.

Wie die meisten Länder hat sich auch

Deutschland im Rahmen der Konvention

zur Biologischen Vielfalt (CBD) verpflichtet,

den Verlust an Biodiversität

aufzuhalten und ein weltweites Netzwerk

von Schutzgebieten zu errichten.

Außerdem verpflichtet die Anfang 2008

verabschiedete „Europäische Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie“Deutschland

ein wenig schwammig, bis zum

Jahr 2020 einen „guten Umweltzustand“

der Europäischen Meere zu

erreichen. Wie soll das funktionieren,

wenn nicht einmal die bestehenden

Schutzgebiete bewahrt werden?

Die von Greenpeace eingebrachten

Steine helfen, beschädigte Riffe wieder

aufzubauen. Die dänische Regierung

kann das bestätigen: Sie finanziert seit

Jahren mit Erfolg ein ähnliches Projekt

rund um die Insel Laeso. Die 1.000

Naturfelsen, die Greenpeace zu setzen

beabsichtigte, sind ein Zeichen, aber

auch eine ganz konkrete Hilfe. Klar,

dass das nicht allen gefällt. Schon nach

your acts

MEHR INFORMATIONEN ZUM

THEMA MEERESSCHUTZGEBIETE:

www.greenpeace.at/meeresschutz

UNTERSCHREIBEN SIE

FÜR MEERESSCHUTZGEBIETE:

www.greenpeace.at/meerespetition

wenigen Tagen erstattet der Fischereiverband

Anzeige gegen Greenpeace.

Der Vorwurf: Es würden Menschenleben

gefährdet. Die Anschuldigung ist

absurd. Greenpeace hat die exakten

Koordinaten bekanntgegeben, den

Behörden, der Küstenwache und auch

den Fischereiverbänden. Außerdem

hat die Umweltschutzorganisation

mehrfach einen so genannten Sicherheitsruf

über Funk abgegeben. Das

hatte eine Warn meldung über den

Seewarndienst zur Folge, ist also

offenbar angekommen.

Das Imperium schlägt zurück

Und dennoch: Anfang September

stoppt die Wasser- und Schifffahrtsdirektion

Nord in Kiel mit einer Untersagungsverfügung

die Aktion. Die

Reederei, von der Greenpeace die

Steine bezieht, darf keine mehr liefern.

Immerhin: 322 solche Felsen wurden

bereits versenkt. Die liegen jetzt am

Meeresgrund und werden langsam

besiedelt. Garantiert rüsseln gerade

während Sie das hier lesen irgendwo

ein paar Fische etwas Nahrung von

einem Stein, andere suchen nahe der

Naturmonumente Schutz. Wer es nicht

glaubt, der lässt sich vielleicht durch

Bilder und Videos überzeugen, die

Greenpeace ab sofort jedes Jahr zur

Dokumentation anfertigen wird.

Und wie geht es weiter? Iris Menn:

„Wir werden unser Ziel, das Sylter

Außenriff wirksam zu schützen, nicht

aus den Augen verlieren. Dazu gehören

weitere politische Gespräche mit dem

Umweltministerium. Aber wir werden

auch mit dem Fischerei- und Wirtschaftsministerium

und den Fischern

diskutieren.“ Greenpeace fordert

wirksame Schutzgebiete, sowohl um

die Artenvielfalt der Meere zu erhalten

als auch als Teil eines nachhaltigen

Fischereimanagements.

Wie dringend notwendig das ist, zeigt

die Ankündigung von Joe Borg, dem

EU-Fischereikommissar, die gemeinsame

Fischereipolitik ab 2009 komplett zu

überarbeiten, weil diese seit Jahren

versage. Er spricht von einem Teufelskreis

aus kurzsichtigen Entscheidungen

und verantwortungslosem Handeln der

Industrie.

Das sagt Greenpeace seit Jahren.

Die Aktion in der Nordsee hat jedenfalls

wieder ein paar Politiker

wachgerüttelt. �

Fotos: Seite 4: Bente Stachowske /GP

Seite 5: (links) GP/Gavin Parsons

� Erfolge

� Biosprit

Der Industrieausschuss

des EU-

Parlaments korrigiert

das Ziel für

die Beimischung

von Agrotreibstoffen

nach unten.

Statt zehn werden

es nun nur noch

sechs Prozent sein,

die restlichen vier

Prozent Einsparung

sollen unter

anderem durch

Elektroautos erreicht

werden.

Denn was zunächst „öko“ klang, hat

sich als Bumerang erwiesen: Zunehmender

Druck auf Urwälder, Vertreibung

von Kleinbauern und steigende

Lebensmittelpreise sind nur ein paar

der negativen Folgen des Agrosprit-

Booms. Greenpeace hält das für einen

Schritt in die richtige Richtung und fordert

Minister Pröll oder seine/n Nachfolger/in

in der neuen österreichischen

Regierung auf, auch für Österreich vom

Zehn-Prozent-Ziel bis 2010 Abstand zu

nehmen. �

� Russischer Wald

Greenpeace Russland

hat mit einem

der größten russischenPapierproduzenten,Solikamskbumprom

in

der Region Perm

(Ural), eine Vereinbarungunterzeichnet.

Der Vertrag

sieht vor, dass

der Konzern die

noch intakten

Wälder in seinem

Konzessionsgebiet

unter Schutz stellt.

Es geht immerhin um rund 100.000

Hektar, also mehr als zweimal die

Fläche Wiens. �

Fotos: (von oben) GP/ Barbara Tschann • GP/ Vadim Kantor

05


HOFFNUNG FÜR NEUGUINEA

Neuguinea, die zweitgrößte Insel der Welt,

ist noch zu 80 Prozent mit Urwald bedeckt.

Doch immer mehr Palmölplantagen verdrängen die

ursprünglichen Bestände. Greenpeace versucht,

die fatale Entwicklung zu stoppen.

von Roman Kellner

� Indonesien hält einen Weltrekord.

Einen, bei dem es nichts zu bejubeln, zu

gratulieren oder gar nachzueifern gibt:

Obwohl die Konkurrenz mit Staaten wie

Brasilien oder dem Kongo groß ist, ist Indonesien

jenes Land, das seinen Urwald

am schnellsten vernichtet. Laut Weltwaldbericht

2007 der FAO verliert der

Inselstaat unglaubliche 4.900 Hektar

Urwald – täglich!

Greenpeace zeigt Lösungen auf

Greenpeace tourte deshalb vergangenen

Herbst einige Monate mit seinem Schiff

„Esperanza“ (auf Deutsch: Hoffnung) in

südostasiatischen Gewässern, um unter

dem Banner „Forest for Climate“ („Wald

für das Klima“) für den Erhalt der

Urwälder zu werben und Lösungsvorschläge

anzubieten. Die Umweltorganisation

kann ein fertig ausgearbeitetes

Modell vorlegen, einen internationalen

Mechanismus, um den Schutz des

Regenwaldes voranzutreiben.

Zuallererst braucht es kurzfristige

Lösungen, vor allem einen sofortigen

Einschlagstopp. Dieses Moratorium muss

genutzt werden, um Rettungspläne zu

actreport

erarbeiten und langfristige Lösungen zu

finden, wie der Wald nachhaltig genutzt

werden kann. Davon versuchen die

AktivistInnen der „Esperanza“ die

Menschen vor Ort zu überzeugen, mit

Diavorträgen und Präsentationen, in

Gesprächen mit lokalen PolitikerInnen,

MedienvertreterInnen und interessierten

BesucherInnen.

Der Schwerpunkt der Tour liegt auf

Neuguinea, der zweitgrößten Insel der

Erde. Auf ihren beiden Teilen – dem zu

Indonesien gehörigen West-Papua �

06 07


HOFFNUNG FÜR NEUGUINEA

und dem seit 1975 unabhängigen

Papua-Neuguinea – steht einer der

größten Regenwälder der Erde.

Noch – denn er wird jeden Tag kleiner.

Mit dem Wald stehen ein enormer

Artenreichtum von Pflanzen und Tieren

Die weltweite Abholzung von Wäldern

ist für ein Fünftel der Treibhausgase

verantwortlich.

auf dem Spiel und eine unglaubliche

Vielfalt von Kulturen: Neuguinea ist

bekannt für seine zerklüfteten Täler,

eine Landschaft, in der sich Kulturen,

Stämme, Clans und mit ihnen hunderte

Sprachen isoliert voneinander

entwickelt haben.

� Greenpeace-Kampagne gegen die Urwaldabholzung. Für ein notwendiges Einschlagmoratorium braucht es aber auch die Unterstützung der Palmölindustrie. � Neuguinea besitzt noch einen der größten Regenwälder der Erde mit einer enormen Vielfalt von Pflanzen, Tieren und Kulturen.

08

Der Wald als Klimaretter

In den vergangenen Jahren haben die

Wälder Südostasiens an Bedeutung

gewonnen: im Kampf gegen den

Klimawandel. Ach, lassen wir doch das

verharmlosende Wort „Klimawandel“!

Es geht um einen drohenden Klimakollaps,

nur dieses Wort wird der

Dramatik, dem Tempo der Veränderung

und der Unmöglichkei für Mensch und

Natur, sich an die neuen Gegebenheiten

anzupassen, gerecht.

Wald spielt im Zusammenhang mit dem

Klimakollaps eine doppelte Rolle: einerseits,

weil mit seinem Verlust eine

wichtige so genannte Senke verloren

geht, also ein Ort, an dem CO 2 gebunden

wird. Zum anderen verursacht die

Abholzung selbst einen enormen Anstieg

an Kohlendioxid-Emissionen. Indonesien

ist durch den kurzsichtigen Umgang mit

seinen Urwäldern bereits der drittgrößte

CO2-Emittent der Erde. Die weltweite

Abholzung von Wäldern ist für ein Fünftel

der Treibhausgase verantwortlich und

übertrifft damit sogar den Ausstoß des

globalen Transportsektors.

Zerstörerisches Palmöl

Den notwendigsten Schritt, ein Einschlagmoratorium,

kann nur die indonesische

Regierung selbst aussprechen.

Doch hierfür braucht es auch die Unterstützung

der Palmölindustrie. Die Gewinnung

von Boden für Palmölplantagen ist

derzeit die wichtigste Ursache für

Abholzungen und bereits für vier Prozent

des Treibhausgas-Aufkommens auf

unserem Planeten verantwortlich.

Palmöl ist das mit 39 Millionen Tonnen

Jahresproduktion weltweit meistverwendete

Pflanzenöl. Die Lebensmittelindustrie

greift darauf zurück, es wird in der

Kosmetik und für Seife verwendet. Und

natürlich in Kraftwerken zur Strom- und

Wärmeproduktion. 72 Prozent der indonesischen

Produktion wurden 2006 exportiert.

Auch zu uns: Die Europäische Union

importiert elf Prozent der indonesischen

Gesamtproduktion und ist damit einer der

größten Palmöl-Importeure überhaupt.

Vom Holzkonzern

zum Ölkonsumenten

Greenpeace versucht mit seiner Kampagne

auf zwei Seiten anzusetzen: dort,

wo der Urwald abgeholzt wird, um Platz

für Palmölplantagen zu schaffen,

aber auch da, wo die Endprodukte

konsumiert werden.

Kleine Erfolge gibt es hier wie dort: Im

April 2008 war zum Beispiel eine Kampagne

gegen Dove (Konzern Unilever)

erfolgreich. Unilever ist der größte

einzelne Käufer von Palmöl. Nach

mehreren Treffen, tausenden Protestmails

und vielen anderen Aktionen unterstützt

Unilever nun die Idee eines Abholzungsstopps

und führt damit eine Koalition von

willigen Konzernen an. Die können

wiederum Druck auf ihre Lieferanten

machen, und so setzt sich die Kette der

Nachfrage nach Umweltauflagen fort bis

zum Ort des Geschehens.

Auch in Indonesien gibt es Beispiele,

dass noch nicht alles verloren ist:

So kündigte der Gouverneur der indonesischen

Provinz Riau auf Sumatra, Wan

Abu Bakar, Mitte August ein Einschlagsmoratorium

an. Riau beherbergt immerhin

ein Viertel aller indonesischen

Palmölplantagen. �

Fotos: Seite 6-7: GP / Jeremy Sutton-Hibbert

Seite 8-9: (oben von links) 1-2: GP / Daniel Beltra

(unten von links) 1: GP / Jeremy Sutton-Hibbert • 2-5: GP / Daniel Beltra

your acts

MEHR ZUM THEMA und die Broschüre über die

Palmölindustrie „Cooking the Climate“ finden Sie hier:

www.greenpeace.at/indonesien.html

09


Am Nordpol schmilzt das Eis in

ungeahntem Tempo. Alles deutet

darauf hin, dass sich der Klimawandel

selbstständig macht.

von Jurrien Westerhof

� Es war nur eine kleine Meldung.

Vielleicht haben Sie es gar nicht mitbekommen.

Aber die Nachricht hatte

historische Dimension. Am 29. August,

dem Tag, an dem Sturm Graz sich nicht

für die UEFA-Pokal-Endrunde qualifizieren

konnte, die SPÖ in den Umfragen die

ÖVP überholte und in Tirol ein leichtes

Erdbeben stattfand, ist zum ersten Mal

seit mindestens 125.000 Jahren das

Nordpoleis so weit abgeschmolzen, dass

es nirgendwo mehr das Festland berührt.

Zum ersten Mal in der Geschichte der

Menschheit ist es am letzten Augustfreitag

2008 möglich, eine Runde um den

Nordpol zu fahren.

facts

Eine Woche später dann eine noch

kleinere Meldung – für Klimawissenschaftler

freilich wie ein Kübel eiskaltes

Wasser ins Gesicht: Forscher einer

schwedisch-russischen Nordpolexpedition

haben festgestellt, dass aus dem

arktischen Meeresboden Methangas

entweicht. Das hätte frühestens in einigen

Jahrzehnten passieren dürfen. Oder

besser noch, es hätte überhaupt nicht

passieren dürfen. Denn das bedeutet,

dass der Klimawandel sich beschleunigt.

Dass er außer Kontrolle geraten könnte.

Hitziger Nordpol

Was passiert da gerade am Nordpol?

Nirgendwo auf der Erdkugel sind die

Temperaturen in den vergangenen

Jahrzehnten so stark gestiegen wie in der

Arktis. Sie liegen derzeit ganze fünf Grad

über dem langjährigen Schnitt. Die

sichtbare Folge ist, dass das Eis im

Sommer immer weiter abschmilzt und der

Nordpol voraussichtlich im Jahr 2013 zum

ersten Mal komplett frei von Eis sein

wird. Keine gute Nachricht für Eisbären.

Aber es folgt etwas weitaus Schlimmeres,

versteckt hinter dem harmlos klingenden

Begriff „positive Rückkopplung“: Im

tiefgefrorenen Terrain der Polarregion,

den so genannten Permafrostböden, sind

gewaltige Mengen des Treibhausgases

Methan gebunden. Methan (CH4) ist

Sumpfgas, das bei der Verrottung von

Pflanzenmaterial entsteht. Bisher konnte

es kaum in die Atmosphäre entweichen,

weil es im gefrorenen Boden gefangen

war. Jetzt aber tauen die Böden auf und

setzen immer mehr Methan frei.

Methan ist als Treibhausgas rund 25 Mal

wirksamer als Kohlendioxid (CO2). Für

die Erdatmosphäre wirkt sich die zunehmende

Freisetzung ungefähr so aus, wie

wenn man nach einigen Gläsern Radler

beginnt, zu jedem Radler zusätzlich ein

Stamperl Schnaps zu trinken. Bald ist

man nicht mehr angeschwippst, sondern

stark betrunken.

Das Methan aus den Tundraböden wirkt

wie ein Turbobeschleuniger auf den

Klimawandel. Es verstärkt die Erderwärmung,

dadurch tauen die arktischen

Böden noch schneller auf, was wiederum

mehr Methan freisetzt – der Klimawandel

beschleunigt sich. Beim Schnaps geht der

Kater irgendwann wieder vorbei; bei der

Atmosphäre wird das nicht so sein.

Eiszeit in Europa

Auch der Prozess vom abschmelzenden

Eis verstärkt sich selbst, denn dunkles

Meerwasser absorbiert mehr Sonnenenergie

als weißes Eis. Dadurch friert das

Nordpolarmeer von Jahr zu Jahr weniger

weit zu. Detail am Rande: Das absinkende

kalte Wasser vom Nordpol fungiert als

Hauptantriebsmotor des Golfstroms.

Diese Meeresströmung führt tropisches

Wasser nach Europa und sorgt so dafür,

dass es hier einige Grad wärmer ist, als es

in unseren Breiten eigentlich sein müsste.

Gerät diese überdimensionale Heizungspumpe

ins Stottern, hätten wir bald die

Situation, dass die Temperaturen weltweit

in die Höhe schießen, es bei uns aber

kälter wird.

All die genannten „positiven Rückkopplungseffekte“

hätte es noch gar nicht

geben dürfen, glaubten Klimawissenschaftler

bis vor kurzem. Erst wenn die

Temperaturen weltweit um mehr als zwei

Grad Celsius ansteigen, würde es zu

einem sich selbst verstärkenden Klimawandel

kommen, hatte man angenommen.

In der Klimawissenschaft galt der

Konsens, dass wir das Ansteigen der

Temperaturen um diese zwei Grad

verhindern müssen. Jetzt werden wir

Zeugen davon, dass das Klima auch bei

einem Temperaturanstieg von „nur“

0,8°C bereits außer Kontrolle zu

geraten droht.

Wenn das Klima kippt

Das sollte uns wirklich Angst machen.

Kommt es tatsächlich zu einem „Kippeffekt“,

also zu einem unkontrollierbaren

Umschlagen der globalen Temperaturen,

könnte es innerhalb weniger Generationen

weltweit sechs bis sieben Grad

wärmer werden. Die Folgen wären

katastrophal. Die Frage, die sich dann

stellt, ist nicht mehr, ob man in den Alpen

noch Schi fahren kann (das kann man

nicht mehr). Es wird eher darum gehen,

ob es unsere Zivilisation oder das,

was wir für Zivilisation gehalten

haben, dann noch geben wird. �

� Nirgendwo auf der Erdkugel sind die

Temperaturen in den vergangenen Jahrzehnten

so stark gestiegen wie in der Arktis –

der Nordpol wird voraussichtlich im Jahr 2013

zum ersten Mal komplett frei von Eis sein!

� Durch das Auftauen der Böden wird

jetzt immer mehr Methan freigesetzt.

Das Treibhausgas Methan wirkt wie ein

Turbobeschleuniger auf den Klimawandel.

10 11


EISIGE ERKENNTNISSE

Was sollen wir also tun? Noch ist es nicht zu spät, den Klimakollaps

zu verhindern, darüber sind sich die meisten Klimawissenschaftler

einig. Aber die Zeit wird knapp, sehr knapp. Und es

rächt sich, dass in den letzten Jahren so wenig passiert ist. Wenn

wir es schaffen, bis zum Jahr 2015 eine Wende bei den weltweiten

CO2-Emissionen zu erreichen, haben wir noch eine Chance,

ein Kippen des Klimas zu verhindern. Diese Chance sollten wir

nicht verpassen. Denn, wie der deutsche Klimaexperte und

Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK),

Joachim Schellnhuber, formuliert: „Es ist ein Wettrennen

zwischen Klima und Klimapolitik.“

So viel ist sicher: Wer uns glauben machen will, es reiche, ein

Hybridauto zu fahren und Sparlampen zu kaufen, hat den Ernst

der Lage nicht erfasst. Wir müssen mehr tun, viel mehr. Wir

brauchen eine politische Kraftanstrengung, wie sie die Welt

noch nie gesehen hat. In Dezember 2009 hat die Politik beim

Klimagipfel in Kopenhagen die vielleicht letzte Gelegenheit,

eine Wende einzuleiten.

Auch hier gibt es Grund zur Hoffnung: In den vergangenen

Monaten haben wir nicht nur gesehen wie das weltweite Finanzsystem

ins Wanken geraten ist, sondern auch, wie schnell Staaten

reagieren können und gewaltige Summen Geld bewegen, um

eine globale Krise zu vermeiden – ob nun mit Erfolg, oder nicht.

Vielleicht war das eine gute Übung für die wirkliche Herausforderung,

die uns erst noch erwartet. Denn in Vergleich zu einem

kippenden Klima ist jede Finanzkrise ein Kinderspiel. �

Fotos: Seite 10-11: GP / Nick Cobbing • Seite 11: (rechts von oben)

1-3: GP / Nick Cobbing • 4: GP / Steve Morgan • Seite 12: GP / Steve Morgan

your acts

KLIMASCHUTZ könnte in der jetzigen Krise als Konjunkturmotor dienen.

Zu diesem Ergebnis kommt ein Weltenergieszenario von Greenpeace und dem

Europäischen Dachverband der Erneuerbare Energien Industrie (EREC).

DIE STUDIE „ENERGY (R)EVOLUTION“

zeigt, dass der komplette Umstieg auf Erneuerbare Energieträger möglich ist.

Wir brauchen nur den politischen Willen dazu.

Die über 200 Seiten lange Vollversion gibt es hier:

www.greenpeace.org/energyrevolution

Eine Kurzversion in Deutsch: www.greenpeace.at/news_energie_081027.html

12

� Follow up

� Tipps für den Fischeinkauf

Was haben Tunfisch, Scholle und

Atlantischer Lachs gemeinsam?

Alle drei sind in Österreich beliebte

Speisefisch, die eigentlich nicht

mehr gegessen werden dürften.

Der kleine, aktualisierte Fisch-Ratgeber

von Greenpeace zeigt, welche

Arten noch als absolut „rot“,

also problematisch, einzustufen

sind. „Obwohl die dramatische

Situa tion der weltweiten Fischbestände

hinlänglich bekannt ist,

werden nach wie vor bedrohte

Fischarten angeboten“, kritisiert

Antje Helms, Meeresexpertin bei

Greenpeace. Wer selbst die Verantwortung übernehmen will,

kann das mit dem Heftchen „Rote Fische“ tun. Mehr Infos

unter marktcheck.greenpeace.at/fischratgeberinfo.html �

� Tipps für den Einkauf von Elektronik

Bereits zum neunten Mal gab

Greenpeace seinen Ratgeber

„Grüne Elektronik“ heraus. Das

Ranking gewinnt auch in der Elektronikbranche

zunehmend an Relevanz

und hat schon bei einigen

Unternehmen ein Um denken herbeigeführt.

Bewertet werden Kriterien

wie der Einsatz von Risikochemikalien,

der Umgang mit Elektroschrott und zum

zweiten Mal auch der Energieverbrauch der Geräte. Diesmal

hat es mit Nokia erstmals ein Unternehmen in den „grünen

Bereich“ geschafft. Andere Firmen haben Aufholbedarf.

Mehr Informationen gibt es hier:

marktcheck.greenpeace.at/elektronik.html �

� Greenpeace in Afrika

Seit bald 20 Jahren kämpft Greenpeace

in Afrika gegen den Klimawandel,

die Abholzung der Wälder

und die Überfischung – alles Themen,

die auch die Lebensbedingungen

der Bevölkerung betreffen. Seit

Ende dieses Jahres ist Greenpeace

aber tatsächlich mit Büros auf dem

afrikanischen Kontinent vertreten

und damit erstmals auf allen fünf Kontinenten präsent. Die

drei Standorte liegen in Johannesburg/Südafrika, Kinshasa/

Demokratische Republik Kongo und Dakar/Senegal. Im Bild:

Gerd Leipold, Geschäftsführer von Greenpeace International,

Amadou Kanoute, Geschäftsführer von Greenpeace Afrika,

und Ayesha Imam, Menschenrechtsaktivistin und Vorstandsmitglied

von Greenpeace International (von links nach rechts). �

Fotos: (von oben) Greenpeace • GP/ Rizman • Greenpeace

ALLES IM FLUSS

Und immer wieder die Raab:

Diesmal steht Wollsdorf-Leder am

Pranger, weil die Fabrik gefährliche

Abwässer in den österreichischungarischen

Fluss leitet.

� Seit fast zwei Jahren schafft es ein

beschaulicher Fluss immer wieder in die

Medien: die Raab. Sie entspringt auf der

steirischen Teichalm sauber und klar,

muss aber auf ihrem 250 Kilometer langen

Weg ins ungarische Győr immer mehr

Abwässer schlucken. Das sichtbarste

Zeichen des Missbrauchs – Schaum –

führte zu Unstimmigkeiten zwischen

Österreich und Ungarn. Die wichtigsten

Umweltsünder, zwei Ledererzeuger,

sitzen auf unserer Seite der Grenze.

Greenpeace hat bereits mit einigen

Aktionen Stellung bezogen. Und immerhin:

Die Firma Boxmark, anfangs noch

unwillig und abweisend, kooperiert

inzwischen und hat bei ihren beiden

Lederfabriken in Feldbach und Jennersdorf

die Menge der Risikochemikalie

Naphtalil-1,5-Disulphonat um 90 Prozent

reduziert.

Nun bleibt noch der Lokalkonkurrent

Wollsdorf-Leder in St. Ruprecht. Im

vergangenen September 2008 wurde

Greenpeace dort vorstellig. 25 AktivistInnen

aus Österreich und Ungarn nahmen

in Schutzanzügen Abwasserproben und

übergaben der Betriebsleitung ein

Forderungspaket.

Denn die Kontrollergebnisse der Abwässer

dieser Fabrik sind alles andere als

zufrieden stellend: Am dramatischsten

sind die Werte beim biologischen Sauerstoffbedarf

(BSB5), der teilweise um 50

Prozent erhöht war. Aber auch Phosphor

und AOX (halogen-organische Substanzen)

kommen in unzulässigen Mengen

vor. Vom bereits erwähnten Naphtalil-

1,5-Disulphonat, einer Chemikalie,

die im Wasser nicht abgebaut werden

kann, landen über sechs Tonnen pro

Jahr im Fluss.

Joachim Haidacher, der Geschäftsführer

von Wollsdorf-Leder, beschwichtigt und

verweist auf das, was schon passiert sei.

Außerdem, so Haidacher, seien sie doch

nur ein „kleiner, oststeirischer Lederhersteller“,

also eher arm und in Ruhe zu

lassen. Alles relativ: Auf der firmeneigenen

Homepage preist sich das Unternehmen

als „einer der führenden Ledererzeuger

Europas“.

Ob groß oder klein, die Raab ist zu

schützen. Vielleicht schafft das ein

angekündigter Zwei-Stufen-Plan, den

Herr Haidacher eine Woche nach der

Aktion vorgelegt hat. Anfang nächsten

Jahres wissen wir mehr. Greenpeace wird

das weitere Geschehen genau beobachten

und erst Ruhe geben, wenn die Messergebnisse

passen und die Raab nicht

länger als Ärgernis nach Ungarn fließt.

(rok)

Foto: GP / Kurt Prinz

facts

Flussläufer

Die beschriebene Aktion war Teil einer

mehrtägigen Tour entlang der Raab.

Die österreichischen Aktivistinnen

Ina Vallant und Valerie Kleinschmid

nahmen daran teil.

„An einem Spätsommermorgen im

September trafen wir die AktivistInnen

aus Ungarn und wanderten gemeinsam

nach Wollsdorf. Am nächsten Tag entnahmen

wir in Anwesenheit der Medien eine

Abwasserprobe der Firma Wollsdorf-

Leder. Anschließend platzierten wir fünf

Kanister des verseuchten Wassers direkt

vor dem Haupteingang. Wir wollten damit

unseren Unmut ausdrücken und die

Forderung, dass Grenzwerte einzuhalten

sind, bekräftigen. Der Geschäftsführer,

Joachim Haidacher, versprach, Verbesserungsmaßnahmen

in die Wege zu leiten.

Mit einem Infotisch in Feldbach schlossen

wir die erfolgreichen Aktivitäten ab. Wir

informierten Passanten und sammelten

Unterschriften für eine saubere Raab.

Nach den Zeiten des Wanderns, der

Zusammenarbeit und des Gelingens

verbrachten wir einen gemütlichen Abend

vor unseren Zelten in der Natur.

Mit einer gewissen Vorfreude ging es

dann am nächsten Tag entlang der Raab

weiter nach Ungarn – eine Kanutour stand

bevor. Nach einer Einschulung wagten

wir uns aufs Wasser, kurz darauf kenterten

auch schon die ersten AktivistInnen.

Diese Tage offenbarten uns die atemberaubende

Schönheit und die Artenvielfalt

der Raab-Auen in all ihren Facetten.“ �

13


„NO GMO“ (keine gentechnisch

manipulierten Organismen) war

im Herbst in 80 mal 40 Meter

großen Buchstaben in ein burgenländisches

Feld geschrieben.

Die weithin sichtbare Botschaft

gibt wieder, was ein Großteil der

ÖsterreicherInnen und Europäer-

Innen über Gentechnik denkt.

Der Pressesprecher von

Greenpeace in Österreich erzählt,

wie es dazu kam und wie

so eine Aktion abläuft.

von Steffen Nichtenberger

� Wien, Juni 2008. Die Augen des

Greenpeace-Aktionskoordinators Tom

Trenker funkeln. Erst wenige Tage zuvor

hatte ich meinen Kollegen mit dem

Auftrag konfrontiert: „Wir müssen ein

Zeichen gegen Gentechnik setzen, das

man selbst in Brüssel sieht.“ Der Anlass:

Auf Initiative des französischen EU-

Vorsitzes sollen im Herbst 2008 Grundsatzfragen

zum Einsatz der Gentechnik in

Landwirtschaft und Lebensmitteln

geklärt werden.

Schon länger wollte Tom dem Beispiel der

Greenpeace-Kollegen aus Mexiko und

Frankreich folgen und eine Feldaktion

durchführen. Jetzt weiß er, der richtige

Zeitpunkt ist gekommen. Doch der

Aktivist nimmt die Sache zu ernst, um sich

mit einer Kopie der Arbeit anderer

zufrieden zu geben. „Make it first or make

it better“, lautete ein Leitspruch der

Greenpeace-Legende David McTaggart. In

diesem Geiste fand die erste Planungssitzung

zur Aktion vor Sommerbeginn statt.

Schnell war beschlossen, die Aktivität im

Vorfeld des Ratstreffens der EU-Umweltminister

am 20. Oktober anzusetzen.

Im Kopf

Bis dato wurden Kornkreis-Aktionen

immer als unmittelbarer Protest gegen

den stattfindenden Anbau von Gentech-

Pflanzen eingesetzt. Doch zum Glück

haben wir in Österreich keine Felder mit

GMO-Anbau. Anstatt wie anderswo Teile

Neben dem politischen Appell an Brüssel

beschreibt „NO GMO“ auch den Zu stand

eines Biofeldes: nämlich gentechnikfrei.

eines solchen Feldes in Symbolform

abzuroden und so ein Zeichen zu setzen,

sah unser Plan vor, eine gentechnikfreie

Pflanze und mit ihr den Slogan selbst

anzubauen. Wachsen lassen, statt zu

zerstören – alles bio natürlich.

So war es nur logisch, den größten

heimischen Biobauernverband BIO

AUSTRIA als Kooperationspartner zu

gewinnen. Nach dessen Zusage war auch

schnell ein Biobauer im Nordburgenland

gefunden, der uns bereitwillig eines

seiner Felder zur Verfügung stellte. Nach

Konsultierung diverser Pflanzenbauex-

perten fiel die Wahl auf Buchweizen als

jene Pflanze, die den Schriftzug bilden

sollte. Neben dem politischen Appell an

Brüssel beschreibt „NO GMO“ somit

auch den Zustand eines Biofeldes:

nämlich gentechnikfrei.

Am Boden

Nach zahlreichen Besprechungen und

Recherchen wurde Ende September das

Feld unserer Wahl vermessen und das

Buchweizen-Saatgut händisch ausgesät.

Was den vegetativen Teil unseres Projekts

betrifft, galt es jetzt noch, auf das richtige

Verhältnis von Sonne und Regen zu

hoffen, damit die Pflanzen auch entsprechend

gedeihen.

Nun war noch die letzte große Frage zu

lösen: Wie fotografiert man eine 80 mal

40 Meter große Botschaft aus Buchweizen?

„Am besten aus der Luft“, lautete

die halb scherzhaft gemeinte Antwort der

Greenpeace-Fotografin Barbara Tschann.

Gesagt, getan.

Als ideale Variante stellte sich der Einsatz

so genannter Gyrokopter, einer Art

Leichthubschrauber, heraus. Diese bieten

zwar nur Platz für eine Fotografin bzw.

einen Kameramann, sind jedoch wendiger

und entscheidend günstiger sowie

Sprit-sparender als normale Hubschrauber.

Bei einem Probeflug Ende September

konnten wir uns davon überzeugen, dass

unsere Botschaft – knapp nördlich des

Neusiedlersees gelegen – schon fast ihre

endgültige Form angenommen hatte.

In der Luft

In den über sieben Jahren, die ich für

Greenpeace arbeite, waren Aktionen

immer ein Wechselspiel mitunter langweiligen

Wartens und heller Aufregung.

Auch am 9. Oktober 2008 sollte es so sein.

Die ersten Fotografen österreichischer

Medien waren für 9.30 Uhr auf den nahe

der österreichischen Grenze gelegenen

Flugplatz bei Sopron (HU) bestellt. Schon

eine Stunde vorher hätten die Greenpeace-Fotografin

und der eigens angeheuerte

Kameramann aus der Luft ihre

Bilder aufnehmen sollen. Doch leider

machte dichter Nebel den Start der

Gyrokopter unmöglich. So hieß es warten

auf bessere Sichtverhältnisse. Ab 10.30

Uhr lichtete sich die Nebelsuppe. Dank

Toms Improvisationsgeschick schafften

wir es trotz des entstandenen Zeitdrucks,

dass bis halb drei Uhr die zahlreich

erschienenen Journalistenteams –

österreichische, ungarische sowie internationale

– ihre Bilder im Kasten hatten.

Zurück in Wien, ging es an die Evaluierung

der gesamten Aktion. Vom –

durchwegs guten – Medienecho bis hin

zur Qualität des Kaffees vor Ort wurde

alles analysiert. Unterm Strich kann man

von einer gelungenen Aktion reden. Für

Diskussionen im Greenpeace-Büro sorgte

aber das Bild selbst. Wie Sie selbst

erkennen können, befindet sich über dem

Schriftzug im Feld ein Fleck, der wesentlich

dunkler ist als der Rest des Ackers.

Die Meinungen darüber gehen weit

auseinander. Von heller Begeisterung

(„Great picture – good job“) über kühle

Analyse („Irritationen erhöhen die

Aufmerksamkeit“) bis hin zu striktem

Missfallen („Dieser dunkle Fleck kommt

sicher nicht in den Greenpeace-Kalender“)

war unter der Greenpeace-Belegschaft

so ziemlich jede Meinung vertreten.

Nebenerwerbstiroler Tom Trenker

meinte dazu lapidar: „Wenn man in und

mit der Natur ein solches Bild produziert,

muss man eben mit naturgegebenen

Unexaktheiten rechnen.“ �

NUN, WERTE LESERSCHAFT, WÜRDE

MICH IHRE MEINUNG INTERESSIEREN:

Hat Ihnen das Bild gefallen? Soll Greenpeace in

Zukunft öfter solche Aktionen machen?

Wenn Sie zu diesem Thema eine Meinung haben,

dann lassen Sie es mich wissen unter:

steffen.nichtenberger@greenpeace.at

MEIN DANK GILT dem Greenpeace-

Aktionsteam und den Kollegen von BIO AUSTRIA.

Ein spezielles Dankeschön auch dem unerschrockenen

Anti-Gentechnik-Kämpfer und

Breitenbrunner Biobauern Herrmann Köstner.

14 15

facts

Fotos: Seite 14: GP / Barbara Tschann • Seite 15: GP / Tom Trenker


facts

Ob als Praline, als Tafel oder in

flüssiger Form: Schokolade bereitet

sinnliches Vergnügen. Der Blick

hinter die Produktionskulissen

verdirbt freilich rasch den Appetit.

Es zahlt sich aus, beim Kauf ein

paar Dinge zu beachten.

von Claudia Sprinz

� Schokolade liegt im Trend.

Über 90 Prozent der weltweit konsumierten

Schokolade wird in den Industrieländern

verzehrt. In Österreich ist die süße

Köstlichkeit besonders beliebt: So wurden

in den letzten Jahren mehrere auf Schokolade

spezialisierte Geschäfte eröffnet, und

in Wien findet seit zwei Jahren sogar eine

eigene Schokoladenmesse statt. Pro

Person und Woche werden bei uns mehr

als 200 Gramm Schokolade gegessen –

rund elf Kilogramm im Jahr. Die Weltspitze

unter den Naschkatzen machen uns

nur die SchweizerInnen streitig.

Die Hauptbestandteile von Schokolade

sind Kakaobutter, Zucker und Milch.

Kakao wächst am besten in feucht-heißem

Klima bei Temperaturen von 25 bis 28

Grad Celsius. Die Ansprüche an Sonnenschein

sind gering, deshalb wird der

Kakaobaum häufig unter Schattenbäumen

gezogen oder in Mischkultur angebaut.

Kindersklaven,

Gentechnik und Tierquälerei

Der überwiegende Anteil von Kakao auf

dem Weltmarkt stammt aus wirtschaftlich

benachteiligten Ländern. Zwei Drittel der

für die Schokoladeproduktion eingesetzten

Kakaobohnen werden in Westafrika

gezogen, in Ländern mit katastrophalen

Produktionsbedingungen: Rund 300.000

Kinder arbeiten auf Kakaoplantagen unter

allerschlimmsten Bedingungen. Bis zu

zwölf Stunden am Tag hantieren sie mit

hochgiftigen Pestiziden, gefährlichen

Macheten, ohne Schutzkleidung, ohne

ausreichend Wasser und Nahrung und sehr

oft auch ohne Lohn. Viele dieser Kinder

geraten durch Menschenhandel in sklavenähnliche

Abhängigkeitsverhältnisse,

wie die UNICEF bereits 1998 in einem

Bericht kritisiert hat.

Ein anderer heikler Punkt ist die Gentechnik:

90 Prozent aller ÖsterreicherInnen

lehnen sie in Lebensmitteln ab. Die

Molkereien sind dem Wunsch der VerbraucherInnen

gefolgt und stellen den überwiegenden

Teil der österreichischen Trinkmilch

gentechnikfrei her. Bei der

Produktion von Schokolade wird jedoch

hauptsächlich Trockenmilchpulver eingesetzt,

und dieses stammt häufig von Kühen,

die Gentech-Pflanzen gefressen haben.

Damit ignorieren viele Schokoladenhersteller

die Wünsche von Millionen

KonsumentInnen.

Auch bei der Haltung der Milchkühe zur

Produktion der Trockenmilch sieht es oft

traurig aus. Grüne Almen, wie in der

Werbung gerne suggeriert, haben diese

Kühe nie gesehen. Noch immer ist Anbindehaltung

weit verbreitet. Dabei werden

die Kühe mit einer Kette an ihrem Standplatz

fixiert. Die einzig möglichen Bewegungen

sind Aufstehen und Niederlegen –

oft ein Kuhleben lang.

Auch die überzüchteten Euter sind ein

gravierendes Problem der Hochleistungsmilchwirtschaft.

Die Größe der Euter

behindert die Tiere bei der Bewegung.

Oft entstehen Entzündungen vom ständigen

Reiben des Euters an den Schenkelinnenseiten,

und es bilden sich schmerzhafte

Geschwüre.

Das größte Problem ist aber sicherlich die

Über„produktion“ von Kälbern. Damit eine

Kuh ein hohes Milchleistungsniveau hält,

muss sie alle ein bis zwei Jahre ein Junges

zur Welt bringen. Milchkühe werden in der

Regel aber nicht für die Fleischproduktion

genutzt, da sie im Gegensatz zu den

Fleischrassen nicht genug Fleisch ansetzen.

Die „überschüssigen“ Kälber werden

deshalb oft quer durch Europa, teilweise

sogar bis in den Nahen Osten transportiert,

um geschlachtet zu werden. Durch das

Preisgefälle zwischen den Ländern ist trotz

der absurden Strecken noch immer ein

„gutes“ Geschäft zu machen.

Genuss mit reinem Gewissen

Kakaobauern und Kakaobäuerin in Afrika

wissen selten, dass ihr Produkt zu Schokolade

weiterverarbeitet wird. Die Bauernfamilien

sind den Launen des Weltmarktes

ausgeliefert und erhalten immer weniger

Ertrag für ihre Ernten. Auch das Los

kleiner Zuckerbauern in südlichen

Ländern ist nicht anders. Nur Schokolade

mit dem FAIRTRADE-Gütesiegel garantiert,

dass Menschen in den Entwicklungsländern

fair bezahlt und keine Kinder

ausgebeutet werden.

Werden für die Schokolade Rohstoffe aus

biologischer Landwirtschaft verwendet, ist

auf dem Produkt ein Biosiegel abgedruckt

(siehe act 3/2008). Damit haben Sie die

Sicherheit, dass die Trockenmilch von

Kühen stammt, die artgerecht gehalten

wurden, und dass garantiert kein Gentech-Futter

zum Einsatz kam.

Mündige Schokolade-

KonsumentInnen

Der Greenpeace Einkaufsratgeber

www.marktcheck.at überprüft seit 2005

regelmäßig Schokoladeprodukte auf

Ökologie, Tierschutz und soziale Aspekte.

Die Ergebnisse sind wenig erfreulich:

Die überwiegende Mehrheit der am Markt

erhältlichen Produkte schneidet in allen

drei Aspekten mit „kritisch“ oder

„ungenügend“ ab.

Das Greenpeace-marktcheck.at-Team

fordert deshalb seit Jahren von den

Schoko konzernen die Verwendung fairer,

sowie gentechnikfrei und artgerecht

produzierte Rohstoffe. Die meisten

Großkonzerne haben diesen Appell

bislang ignoriert.

Gerade in der Weihnachtszeit wird sehr

viel Schokolade gekauft. Setzen Sie ein

Zeichen und entscheiden Sie sich beim

Kauf für fair gehandelte Bioschokolade.

Sie erkennen sie am Fairtrade- und am

Biogütesiegel. Die Tabelle gibt Ihnen

einen ersten Überblick der bekanntesten

Marken. Wer es genau wissen will, schaut

auf www.marktcheck.at vorbei. Dort sind

zahlreiche Schokoladeprodukte nach

Ökologie, Tierschutz und sozialen

Aspekten bewertet. �

Fotos: Seite 16-17: (oben) GP / Ingrid Fankhauser

Seite 17: (unten) GP / Roman Kellner

your acts

KAUFEN SIE NUR

FAIRE BIO-SCHOKOLADE.

Sie trägt das Fairtrade- und ein Biogütesiegel.

Diese Produkte sind in Bioläden, Weltläden

und mittlerweile auch schon in vielen Supermärkten

erhältlich.

INFORMIEREN SIE Ihre Familie und Ihre

Bekannten und regen Sie sie an, künftig

ebenfalls zu fairer Bio-Schokolade zu greifen.

IHRE LIEBLINGSSCHOKOLADE ist weder

bio noch fair? Schreiben Sie der Herstellerfirma!

Die Post- und E-Mail-Adressen der Firmen

finden Sie in der Firmendatenbank auf

marktcheck.at.

WEITERE INFORMATIONEN finden Sie auf

http://marktcheck.greenpeace.at/act

SCHOKOLADEN/FIRMEN:

Firma Firmensitz Marke(n)

KONVENTIONELL:

Kraft Foods Österreich GmbH Ö Milka/Milkinis, Suchard, Finessa, Bensdorp, Mirabell, Toblerone

Nestlé Austria Holding GmbH Ö Nestle, After Eight, KitKat, Lion, Nuts, Smarties, ...

Lindt & Sprüngli (Austria) GmbH Ö Lindt, Hofbauer, Küfferle

Storck GmbH Ö Storck, Merci, Toffifee, Super Dickmann’s, Riesen, Knoppers

Ritter Sport Schokoladen GmbH Ö Ritter Sport

Ferrero Österreich Handelsgesellschaft mbH Ö Ferrero, Kinder Schokolade, Raffaelo, Duplo, Mon Chéri, ...

Josef Manner & Comp. AG, Wien Ö Manner, Napoli, Casali, Ildefonso, Heller, Viktor Schmidt & Söhne

Mars Austria OG (vormals Masterfoods Austria OHG) Ö Mars, Milky Way, Bounty, ...

Chocolaterie Guylian Handelsgesellschaft mbH Ö Guylian

Franz Hauswirth GmbH Ö Hauswirth

Walter Heindl GmbH Ö Heindl, Morzart Kugeln, Sissi Taler, Pischinger (Vertrieb)

Walter Niemetz GmbH & Co KG Ö Niemetz, Schwedenbomben

Continental Bakeries Austria GmbH (vormals Auer Blaschke) Ö Auer, Blaschke

Ludwig Schokolade Vertriebsges.m.b.H. Ö Trumpf, Schogetten,

Chocolat Frey AG CH Frey

Bremer HACHEZ Chocolade GmbH & Co. KG D Chocolatier Hachez

Hans Riegelein & Sohn GmbH & Co. KG D Riegelein

(NUR) BIO:

Alnatura GmbH. D Alnatura

Mühle Hubmann GbR/Minderleinsmühle D Rosengarten

EcoFinia GmbH D Vivani

NaturataSpielberger AG D Naturata

Ritter Sport Schokoladen GmbH D Ritter Sport Bio: Vier Sorten

Candyport Handels GmbH Ö Meybona (Marke im Vertrieb)

(NUR) FAIR:

EZA Fairer Handel GmbH Ö Companera

BIO & FAIR:

EZA Fairer Handel GmbH Ö EZA, Bio Mascao, Fairetta, Sonrisa

Zotter Schokoladen Manufaktur GmbH Ö Zotter

BioArt AG Ö BioArt

Bonvita BV D Bonvita

Rapunzel Naturkost AG D Rapunzel

Schweizer Schokoladen AG CH Maestrani

EZA Fairer Handel Ö EZA, Bio Mascao, Fairetta, Sonrisa

Die Aufstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Reihenfolge ist willkürlich. Marktrecherche: Oktober 2008

16 17


Elf Fragen an

MIKE FINCKEN, 41,

Kapitän der „Rainbow Warrior“

Fotos: Seite 18-19: (oben von links)

GP / Vinai Dithajohn • GP / Teresa Novotny • GP / Kasja Sjölander

Seite 18: (unten) GP / Vinai Dithajohn

„Volle Kraft voraus“

Wann und wo wurdest du geboren?

1967 in Südafrika. Als weißer Bub, der im

Schatten der Apartheid von einem Zulustämmigen

Kindermädchen aufgezogen

wurde.

Was wolltest du als Kind werden?

Enthüllungsjournalist und irgendwann

mal auch Priester.

Gab es einen besonderen Moment, der

deinem heutigen Leben seine Richtung

gegeben hat?

Als ich lernte, wie Regenwürmer die Nährstoffe

in der Erde für die Aufnahme durch

die Pflanzen aufbereiten. Das war bei einer

Abendschule für Erwachsene – „Natürliches

Gärtnern“ – im Jahr 1992. Da

wurde mir plötzlich klar, dass wir einen

chemischen Krieg gegen die Natur führen.

Gleich am nächsten Tag habe ich mich an

lokale Umweltgruppen gewandt, um mehr

darüber herauszufinden. Ich hatte eine

Mission.

Wann hast du das erste Mal von Greenpeace

gehört, und wie bist du mit der Organisation

in Kontakt gekommen?

Im Alter von 18 floh ich vor dem Militärdienst

und heuerte auf einem Schiff an.

Als ich mein Aha-Erlebnis mit den Wür-

mern hatte, fuhr ich bereits sieben Jahre

zur See. Ich war auf dem Weg dazu, Kapitän

zu werden, aber jetzt wollte ich auch

Umweltschützer sein. In jedem Hafen

habe ich lokale Umweltschutzgruppen

aufgesucht und mir angesehen, an welchen

Themen die arbeiten und wie. So traf

ich 1994 auf Leute einer Gruppe namens

„Forest Action Network“, die mich Greenpeace

vorstellte, als sie hörten, dass ich

Segler wäre. Greenpeace hatte Boote, ich

hatte das Know-how. Zwei Jahre später

betrat ich in Vancouver in Kanada das

Deck meines ersten Greenpeace-Schiffes

„Moby Dick“.

Welche Greenpeace-Kampagne ist dir am

wichtigsten?

Ich denke, dass alle Umweltkampagnen,

die es bisher gegeben hat, von der Bedeutung

her nur Probeläufe waren für die gegen

den Klimawandel.

Ein erinnerungswürdiger Moment in deiner

Greenpeace-Geschichte?

Als wir vergangenen Juli unangemeldet

im thailändischen Hafen Map Ta Phut ankamen.

Wir wollten im Rahmen unserer

„Quit Coal“-Tour gegen die Erweiterung

eines von Belgiern betriebenen Kohlekraftwerkes

protestieren. Verschiedene

Schiffe versuchten, Greenpeace den Weg

in den Eingangskanal abzuschneiden.

Mein erstes Problem war ein kleinerer

Schlepper und ein Baggerschiff. Der

Schlepper ankerte in der Mitte des Kanals,

aber wir konnten nicht erkennen, ob eine

Ich denke, dass alle Umweltkampagnen,

die es bisher gegeben hat, von der

Bedeutung her nur Probeläufe waren

für die gegen den Klimawandel.

Leine zwischen den Schiffen über den Kanal

gespannt war. Deshalb fuhren wir im

Zickzack-Kurs an den Schiffen vorbei.

Meine nächste Sorge stellte die „Küstenwache

99“ dar: ganz in Grau und Schwarz,

am Bug eine beachtliche Kanone, genau

auf uns gerichtet. Ich brachte den Motor

auf „halbe Kraft voraus“ und steuerte auf

ihr Mittelschiff zu. Dann riss ich das Steuer

im letzten Moment hart steuerbord herum,

Maschinen auf Vollgas. Wir schwangen

um ihr Achterschiff herum und waren wieder

auf unserem Kurs.

Als Problem Nummer drei entpuppte sich

ein riesiges Hafen-Schleppboot, so eines,

mit dem Supertanker gezogen werden. Es

setzte zurück, um uns den Weg abzu-

schneiden. Der Skipper hat wohl gedacht,

wir würden entweder stoppen oder umkehren.

Doch sobald wir knapp vor dem

Schiff waren, rissen wir das Steuer herum,

gaben dem Motor alles und umschifften

es. Dann ging es volle Kraft voraus zum

Kohlekraftwerk GLOW energy.

Der emotionalste Moment während deiner

Greenpeace-Zeit?

Ich habe das Bild noch vor mir: meine Frau

Christine, wie sie in der Offizierskabine

der „MV Greenpeace“ sitzt, neben sich

eine Flasche, aus der durch einen Schlauch

Flüssigkeit in die Nadel in ihrem Arm

fließt. Ihr Oberkörper war einbandagiert,

da wo ihr eine Brust abgenommen worden

war. Sie weinte, während sie ihre Chemotherapie

nahm. Es war ihr Geburtstag –

ihr letzter.

Dein schwierigster Job bei Greenpeace?

Als ich vor zwei Jahren Kapitän der „Rainbow

Warrior“ wurde. In meiner ersten

Nacht erhielten wir einen Notruf und änderten

unseren Kurs, um drei Segler zu

retten, deren Boot an den Felsen vor Korsika

zerschellt war. Und gleich in der dritten

Nacht musste ich selbst einen Notruf

rauschicken: Die „Rainbow Warrior“ wurde

von zornigen französischen Tun-Fi-

acteure

schern geentert. 24 Fischerboote kreisten

uns ein, die Männer sprangen über die

Reling. Sie hatten Messer. Wir waren von

der Welt abgeschnitten und lagen drei

Tage vor dem Hafen von Marseille. Um

die Situation zu beruhigen, akzeptierten

wir schließlich, uns von einem französischen

Militärschiff aus dem Territorium

schleppen zu lassen. Das alles für die Rettung

des Roten Tunfisches.

Deine Idee eines perfekten Abends?

Mit jemandem, den ich liebe, ein Essen für

gemeinsame Freunde zubereiten.

Welches Buch kannst du nicht weglegen?

Stephen Kings aktuelles Buch: „Lisey’s

Story“.

Welche ist deine bemerkenswerteste

Gewohnheit?

Tägliche Meditation. Bis zu einem Punkt,

wo ich die tägliche Stundenanzahl begrenzen

muss. �

Interview: Steve Erwood

MIKE FINCKEN

FÜHRT EIN LESENSWERTES WEBLOG.

Zu finden unter: http://mikemate.wordpress.com

18 19


Billig und recht

Mehr Gerechtigkeit führt zu

besserer Umweltverträglichkeit.

Ökologische Kostenwahrheit führt

zu mehr Gerechtigkeit.

von Wolfgang Pekny

� Gerechtigkeit muss her!

Wie kommen die Besitzer großvolumiger,

pneulastiger Autos dazu, bald ganz

alleine den Luxus der Ölmagnaten zu

finanzieren? Gebt ihnen eine Stützung!

Die trickreichen Elektroauto-Fahrer und

die subversiven BahnbenutzerInnen, die

sich systematisch dem Kartell der Energielobby

entziehen wollen, dürfen nicht

ungeschoren davonkommen! Zur Kasse,

ihr Energiesparer! Eine Unterstützung

der redlichen CO2-Emittenten ist

soziale Pflicht!

So ähnlich tönt es aus den Mündern

von Stahlkochern, Zementbaronen und

Staatschefs, wenn es darum geht, die

Belastungen der Umsetzung des Abkommens

zum Schutz der Erdatmosphäre nun

tatsächlich in Angriff zu nehmen.

Man müsse auf „soziale Verträglichkeit“

achten, so das Argument, das wäre nur

billig und recht.

Als ob das Wirtschaftssystem in letzter

Zeit irgendwann auf soziale Verträglichkeit

geachtet hätte. Solange es darum

ging, blindes Wachstum zu fördern –

wobei die Profite privatisiert und die

entstehenden Kosten der Allgemeinheit

angelastet wurden –, war wenig vom

sozialen Gewissen zu merken. Jetzt, wo

die wahren Kosten endlich den Verursachern

umgehängt werden sollen, wird die

soziale Seite ins Spiel gebracht. Plötzlich

verbünden sich Vertreter von ArbeitnehmerInnen-Interessen

mit den Wirtschaftslobbys,

um ein wirklich greifendes

Ökostromgesetz zu verhindern oder um

„Arbeitsplätze“ zu sichern in Branchen,

die seit Jahren die Zeichen der Zeit

ignoriert und, nur als Beispiel, völlig

unbrauchbare Autos produziert haben.

Die Welt als

Selbstbedienungsladen

Die sozialen Motive dabei sind vorgeschoben

und grundsätzlich falsch,

entschuldbar nur mit einem prinzipiell

falschen Bild der Welt. Noch immer wird

unsere Erde als unerschöpflicher Selbstbedienungsladen

gesehen, den es gilt,

sich untertan zu machen. Doch heute ist

sich eigentlich bereits „verspeist“. Im

Jahr 2008 war es der 23. September, an

dem die Menschheit die Biokapazität des

Planeten für dieses Jahr bereits ausgeschöpft

hatte. In Europa war dieser Punkt

bereits um Pfingsten herum erreicht.

Illustration: Eva Kellner

Würden alle Menschen so leben wollen

wie wir in Europa, dann bräuchte es fast

drei Planeten von der Qualität der Erde –

die es nicht gibt und auch nicht geben

kann.

Der Ökologische Fußabdruck macht uns

deutlich: Wir leben auf zu großem Fuß.

Wenn wir uns auch noch vergegenwärtigen,

dass diese Übernutzung des Planeten

von nur einem knappen Viertel der

Weltbevölkerung verursacht wird, wird

die ökologische Alarmstufe zur sozialen

Obszönität: Hier Fettleibigkeit als

Volksseuche, dort milliardenfacher

Hunger. Hier Acker- und Wasser-ver-

schlingende Agrotreibstoffe, dort Wassermangel

und durstende Kinder. Seit zwei

Jahren steigt die Zahl der kritisch

unterernährten Menschen, die heuer

womöglich eine Milliarde erreichen wird.

Das ist wahrlich unsozial!

Trotzdem werden gerade global faire und

ökologisch sinnvolle Maßnahmen in der

Tagespolitik als vermeintlich „unsozial“

dargestellt. Aber Kostenwahrheit kann

nie ungerecht sein! Hohe Energiepreise

führen zu geringerem Energieverbrauch,

fördern regenerative Energien, alternative

Transportsysteme und langfristig auch

eine bessere Raumplanung. Damit

reduzieren sie Importkosten und die

Abhängigkeit von instabilen Regionen

und helfen – wie nebenbei – die Klimabelastung

zu mildern.

Die soziale Keule – „dann können sich

nur noch Reiche das Autofahren leisten“

– greift viel zu kurz. Kurzfristig wird es

tatsächlich dazu kommen, dass Fliegen

und das Fahren großer, schneller Autos

zu einem Privileg der Reichen wird. Gut

so! Denn das geht sicher nicht lange so!

In einer funktionierenden Demokratie

lassen sich Privilegien einer Minderheit

vergleichsweise leichter einschränken als

die unvernünftigen Erwartungen großer

Mehrheiten. Wenn wir, die vielen Zahler

und Zahlerinnen, solche Privilegien

zuließen, wären wir selbst schuld. Eine

striktes Tempolimit, 30-Kilowatt-Höchstgrenzen

für Individualfahrzeuge, Rückbau

der Straßen, dramatische Verbilligung

des öffentlichen Verkehrs,

Förderungen zur thermischen Sanierung

von Wohnraum sind nur einige der

Beispiele, wie sich rasch Fairness herstellen

lässt.

Pervertierung der Kostenwahrheit

Denn in Wahrheit sind nicht Bahn oder

Biolebensmittel zu teuer. Es sind Industrie-Food,

Autos und Flugzeuge, die viel

zu billig sind. Eine Reise nach London mit

der Bahn hinterlässt weniger als zehn

Prozent des Ökologischen Fußabdrucks

eines Fluges, kostet aber das Zwei- bis

Dreifache! Eine Pervertierung der

Kostenwahrheit von eins zu dreißig!

Dieses Verhältnis umzudrehen, wäre für

den größten Teil der Menschheit nützlich

und fair. Und nur billig und recht, denn

93 Prozent der Menschheit haben niemals

ein Flugzeug von innen gesehen, leiden

aber unter den Folgen mehr als die

Vielflieger.

Der größte Fehler der neoliberalen Politik

besteht darin, den fehlenden Mut zur

sozialen Umverteilung durch eine falsche

Energiepolitik und rückständige Umweltpolitik

ersetzen zu wollen. Das Gegenteil

ist notwendig: Eine zielstrebige Klimapolitik

erfordert eine mutige, globale

Sozialpolitik, die genau dafür sorgt, dass

die unvermeidbaren Kosten nicht auf die

Falschen abgewälzt werden. Eine

Unterstützung für die Benachteiligten, ob

Menschen in bitterarmen Ländern oder

MindestrentnerInnen und AlleinerzieherInnen,

ist keinesfalls ein „Geschenk“,

sondern nur der überfällige Beginn,

Ungerechtigkeiten auszugleichen.

Es müssen vor allem die bisherigen

Profiteure zur Kasse gebeten werden. Die

richtige Frage dabei ist nicht, „Wem wird

wie viel weggenommen?“, sondern „Wem

wurde schon bisher die Chance auf ein

menschenwürdiges Leben verwehrt?“.

Genau betrachtet, erfordert also gerade

das „soziale Anliegen“, so gern als

Bremse für Veränderung missbraucht,

einen fairen Ausgleich beim Ressourcenverbrauch.

Für alle Länder mit zu großem

Footprint kann dies nur SCHRUMPFUNG

und UMVERTEILUNG bedeuten. Dabei

können Lebensqualität, Zufriedenheit,

Zeit-Souveränität, Bildung, Gesundheit

gern weiter wachsen. Schrumpfen

müssen nur Ressourcenaneignung und

Treibhausgasemissionen.

Der Weg zu

einem besseren Leben

Ein bedingungsloses Grundeinkommen,

allgemeine Reduktion der Normarbeitszeit,

strikte Kostenwahrheit und globale

Ressourcen-Zertifikate auf Per-Capita-

Basis sind die Mittel für ein gutes Leben

in global verträglichem Maß. Doch was

geschieht? Die Politik verspricht nur mehr

vom Gleichen: die Konjunktur ankurbeln,

das Geldsystem stützen und dabei die

Übernutzung des Planeten weiterhin

actkommentar

vorantreiben. Wir alle lassen uns von den

Finanzministern blenden, die mit vergleichsweise

lächerlichen Defiziten in

ihren willkürlichen Rechengebilden

begründen wollen, dass wir weiter

wachsen müssen, um die wachsenden

Schulden bei den finanziellen Gläubigern

zu bedienen! Dabei wird das wirkliche

Defizit, das Aufzehren des Natur-Kapitals,

ignoriert und unser größter Gläubiger, der

Die Politik verspricht nur mehr vom

Gleichen: die Konjunktur ankurbeln, das

Geldsystem stützen und dabei die Übernutzung

des Planeten weiterhin vorantreiben.

Planet Erde, als unendlich liquid betrachtet.

Diese Strategie ist so clever, wie die

Post mit Bankauszügen nicht mehr zu

öffnen, in der Hoffnung, das Minus am

Konto würde von selbst verschwinden.

Das ist nicht nur unökonomisch, das ist

einfach dumm. Genau genommen

kriminell! Ein Kaufmann, der so agiert,

würde wegen fahrlässiger Krida eingesperrt.

Und das wäre recht und billig!

Aber Staatschefs von Polen bis Italien und

mächtige Bosse energieintensiver Konzerne

erpressen die Gesellschaft nun mit

Vetos gegen Klimamaßnahmen oder der

Drohung, mit ihren Betrieben abzuwandern.

Sie geben sich dabei total unwissend:

Dabei sind die ernüchternden

Erkenntnisse über die Klimaveränderung

nicht gerade neu. Wo waren die Damen

und Herren Wirtschafts- und

Staaten„lenker“ in den letzten zwanzig

Jahren? Genau zwanzig Jahre ist es her,

dass die OECD-Länder nach einem

flammenden Appell von Klimaforschern

auf einer Konferenz in Toronto versprochen

haben, bis ins Jahr 2005 zwanzig

Prozent CO2 einzusparen. Passiert ist –

fast nichts.

Kurzsichtige Politik

Im September 1990 hatte ich selbst die

Gelegenheit, mit dem damaligen Wirtschaftsminister

Dr. Wolfgang S. über

notwendige und zugleich sinnvolle

Maßnahmen zum Klimaschutz zu diskutieren.

Eine ökologische Steuerreform �

20 21


Billig und recht

– die steuerliche Entlastung der Arbeit

bei gleichzeitiger Belastung von Energie

und knappen Ressourcen – war darunter,

genauso wie ein Stopp der Förderung des

automobilen Verkehrs und ein Masterplan

für die Reduktion des Gesamtenergieverbrauchs.

Alles Maßnahmen, die bis

heute nicht ernsthaft in Angriff genommen

wurden. Wundern darf das nicht,

war doch die Meinung des zuständigen

Ministers damals geradezu kontervisionär:

Erstens sei der anthropogene

Treibhauseffekt nur eine Erfindung der

Umweltschützer, und zweitens sei

weiteres Wachstum das beste Rezept, sich

� Rund ums Geld

FILMTIPP: Let’s make money

� Gewissenhaft lesen

LESETIPP: Greenpeace Magazin

Dieser Auflage des „act“ liegt eine Postkarte bei, mit der Sie das

„Greenpeace Magazin“ bestellen können. Sechsmal im Jahr

rund 90 Seiten zu allen Themen, die auch Greenpeace beschäftigen.

Und das Ganze journalistisch und grafisch brillant.

� MEHR INFORMATIONEN: www.greenpeace-magazin.de

Impressum

Medieninhaber, Verleger und Herausgeber: Greenpeace in Zentral- und Osteuropa,

Fernkorngasse 10, 1100 Wien, Tel.: 01 / 54 54 580 - 0,

net: www.greenpeace.at/, e-mail: office@greenpeace.at

Spendenkonto: P.S.K. 7.707.100 • www.greenpeace.at/spenden

Chefredaktion: Roman Kellner

Mitarbeit: Steffen Nichtenberger, Wolfgang Pekny, Claudia Sprinz, Jurrien Westerhof

Korrektur: Verena Ahne

22

Umweltschutz – wenn

überhaupt – leisten zu

können.

Eine Geisteshaltung,

die sich bis heute in vielen wirtschafts-

und staatstragenden Gremien gehalten

hat und gerne „sozialverantwortlich“

genannt wird. Das ist genauso dumm wie

zur Frühzeit der Ökobewegung, als

Flussverschmutzungen gegen Arbeitsplätze

aufgewogen wurden. Tatsächlich

haben genau jene Werke zugesperrt, die

die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben.

Die Rechnung für die Versäumnisse der

Wirtschafts- und Sozialpolitik zahlen

längst die anderen, im eigenen Land und

auf der ganzen Welt. Menschen verlieren

Arbeitsplätze, weil ihre Bosse viel zu

lange Autos mit Heckflügeln statt Flügel

Der österreichische Regisseur Erwin Wagenhofer hat schon mit seiner Dokumentation

über die Nahrungsmittelindustrie „We feed the world“ bewiesen, dass er

ein komplexes Thema mit einfachen stilistischen Mitteln aufarbeiten kann. Nach

drei Jahren Arbeit kommt nun sein neuester Film in die Kinos. Hier geht es um

ein noch viel abstrakteres Thema: Geld. Was passiert mit unseren Spareinlagen?

Wie agieren Banker? Kann Geld wirklich arbeiten? Wagenhofer fährt zu ungewöhnlichen

Drehplätzen und lässt betroffene Menschen und Experten einfach

reden. Entstanden ist eine spannende Dokumentation über das weltweite Finanzsystem,

die sich keinen besseren Erscheindungstermin hätte wünschen können.

Seit Ende Oktober in den heimischen Kinos zu sehen.

� ERWIN WAGENHOFER: „Let’s make money“. Mehr Infos: www.letsmakemoney.at

für Windkraftwerke bauen wollten. Die

Bosse kassieren Abfertigungen, ihre

MitarbeiterInnen Arbeitslosengeld. Billig

und recht?

Und die Politiker, die bis heute vorgeben,

nur das Beste für uns zu wollen, lassen

sich weiter mit edelmetallhaltigen

Anstecknadeln auszeichnen: Ehre, wem

Ehre gebührt! Aber auch Schuld, wem

Schuld gebührt.

Um wie viel besser wäre die Welt, wenn

all jene tatsächlich zur Rechenschaft

gezogen würden, die all die machbaren

Maßnahmen für eine sozial verantwortungsvolle

Politik und für eine ökologisch

zukunftsfähige Wirtschaft seit Jahrzehnten

verzögern? Wir kennen sie. Nehmen

wir sie in die Verantwortung! Zumindest

das wäre billig und recht. �

Bildredaktion: Ingrid Fankhauser, Barbara Tschann

Grafische Gestaltung: www.hundundkatz.at

Cartoon: Gerhard Haderer • Coversujet: Greenpeace / Nick Cobbing

Druck: Niederösterreichisches Pressehaus

„act“ erscheint viermal jährlich auf 100 % Recyclingpapier.

Ab einer Jahresspende von • 40,- wird das „act“ gratis zugesandt.

Das nächste „act“ erhalten Sie im März 2009.

� Bordtagebuch einer Greenpeace-Aktivistin

BUCHTIPP: „Im Fadenkreuz der Walfänger“ von Regine Frerichs


„Es ist, als sei ich persönlich mit diesem Wal verbunden und seine Rettung das

einzige, was es für mich zu tun gibt“, beschreibt Regine Frerichs ihre Gedanken.

Die Aktivistin sitzt gerade in einem Schlauchboot irgendwo im Südpolarmeer,

hinter ihr der haushohe Walfänger, vor ihr ein Minkewal auf der Flucht vor seinen

Verfolgern. Die Situation ist brenzlig und ohne einen so starken Glauben an die

Bedeutsamkeit der eigenen Handlung kaum durchzuhalten.

Regien Frerichs, eine deutsche Geologin und Paläontologin, gehört seit 2003 zum

internationalen Bootsfahrer-Trainerteam von Greenpeace und war vergangenen

Winter in der Antarktis, um die Pläne von Walfängern zu durchkreuzen.

Das Buch „Im Fadenkreuz der Walfänger“ ist ihr Bordtagebuch und beschreibt

drei Monate auf See. Da haben die stillen Momente eisiger Schönheit ebenso

Platz wie die schrecklichen Bilder harpunierter Wale. Wer das Buch liest,

fährt in Gedanken ein Stück mit – ohne sich dabei nass zu machen.

� REGINE FRERICHS: „Im Fadenkreuz der Walfänger.

Bordtagebuch einer Greenpeace-Aktivistin.“ Stuttgart: Kosmos 2008

� Greenpeace im Bild

Washington, USA, 10. 9. 2008

Der Installationskünstler Mark Jenkins lässt

gemeinsam mit Greenpeace Eisbären die Straßen

Washingtons besiedeln. Durch den Klimawandel

heimatlos geworden, machen sie nun in der

US-Hauptstadt auf ihr Schicksal aufmerksam.

Ihre Kollegen im hohen Norden kämpfen derweil

mit rapide schrumpfendem Eis und wachsenden

Schwierigkeiten, ausreichend Futter zu fi nden.

Foto: Robert Meyers / Greenpeace

Fernkorngasse 10 • A -1100 Wien • Tel.: 01 / 54 54 580 • Fax: 01 / 54 54 588

Wenn Sie Fragen haben, senden Sie ein E-Mail an: spenden@greenpeace.at

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interacttion

23


� Cartoon Haderer

Experten diskutieren: Hat der Klimawandel Auswirkungen auf den Wintersport?


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