EHRUNG Bundesverdienstkreuz für Dr.-Ing. Karl Heinrich Schwinn - Forum

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EHRUNG Bundesverdienstkreuz für Dr.-Ing. Karl Heinrich Schwinn - Forum

Zeitschrift des Bundes der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure e. V.

Erfolg messbar

machen

Flurbereinigung in

Rheinland-Pfalz

Wertermittlung

ist Chefsache

Frühe ÖbVI-Erkenntnis

Entschlossen

unentschlossen

Die Energieeinsparverordnung

wird novelliert

DPAG PVSt G 50591 »Entgelt bezahlt« BDVI Berlin

32. Jahrgang

2006

ISSN 0342-6165

H E F T 4


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Zwei Jahre nach dem Etappensieg der beharrenden Kräfte im Vermessungswesen

Bayerns luden IGVB und BDVI in München zu einem Parlamentarischen

Abend ein. Damals kippte eine politische Allianz von Vermessungsverwaltung,

Feldgeschworenen und Abgeordneten den Kabinettsbeschluss

der Bayerischen Staatsregierung zur Einführung des Öffentlich bestellten

Vermessungsingenieurs in Bayern. Ein im Vermessungswesen bis dahin nie

da gewesener Aufstand einer nicht verstehen wollenden Basis gegen die

Reformkräfte. Die Verbände der freiberuflich tätigen Vermessungsingenieure

antworten mit einer ebenfalls bis dahin nicht bekannten Stärke:

dem Zusammengehen zweier selbstständiger Berufsvertretungen. Das

gemeinsame Ziel ist nach wie vor der »ÖbVI in Bayern«.

MOSAIK

_ PARLAMENTARISCHER VERMESSUNGSABEND IN MÜNCHEN

Step by Step

Der von IGVB und BDVI gemeinsam durchgeführte Parlamentarische Abend

fand am 15. November 2006 im Münchner Hofbräukeller statt. Mit den Präsidenten/Vorsitzenden der Notarkammer

und des Notarvereins, des Landesverbandes Freier Berufe, des VBI und natürlich des BDVI sowie dem Chef der Vermessungsverwaltung

konnte IGVB-Präsident Thomas Fernkorn hochkarätige Gäste begrüßen, die interessante Diskussionsbeiträge

erwarten ließen. Die ebenfalls anwesenden Präsidiumsmitglieder von IGVB und BDVI brannten darauf,

den Politikern die mit der Einführung des ÖbVI möglichen und nötigen Synergieeffekte darzulegen und die

Glaubwürdigkeit der Politik in Fragen der Subsidiarität und des angekündigten Verwaltungsabbaus einzufordern.

Gert Karner, langjähriger Streiter für den Beruf in Bayern, hatte mit der Moderation wenig Mühe, da bei den hochengagierten

Beiträgen jederzeit das Gebot der Fairness gegenüber anderen Meinungen respektiert wurde.

Was bleibt von diesem Abend: Dieser Landtag wird das Thema »ÖbVI« und weitere Reformen in der Vermessungsverwaltung

definitiv nicht wieder angehen. Die Ziele sind daher neu zu stecken. Die inhaltsreiche Diskussion trug

dazu bei, die Argumentation für die Einführung des ÖbVI neu zu schärfen. Es muss z. B. stärker herausgestellt werden,

dass die Geodäsie-Universitätsabsolventen in Bayern nur unzureichende Zukunftsperspektiven finden; die Hälfte

muss in andere Bundesländer abwandern (Prof. Wunderlich, TUM) – für die Konjunkturlokomotive Bayern ein unhaltbarer

Zustand. Die Berufsverbände müssen ihre Kompetenz, aber auch ihre organisatorische und unternehmerische

Beweglichkeit noch mehr verdeutlichen. Der Aufbau eines Berufsstandes von ÖbVI, bei allmählichem Rückzug des

Landes aus dem Vermessungsgeschäft, ist keine kurzfristige, sondern eine über eine lange Zeitschiene zu lösende

gemeinschaftliche Aufgabe von Verwaltung und Freiem Beruf. Berufszuwanderer sind auf dem schwierigen Terrain

nicht zu erwarten. Und wer sagt eigentlich, dass ÖbVI und Feldgeschworene nicht ein Zukunftsteam sein können?

Der Abend hatte eine besondere Intensität. Dazu passte das am Rande der Veranstaltung gehörte Abgeordnetenwort:

Dann werden wir den ÖbVI wohl in der nächsten Legislaturperiode bekommen …

Volkmar Teetzmann

Münchener Erklärung – Schulterschluss von IGVB und BDVI

Das war schon ein starker Auftritt! BDVI und IGVB unterzeichneten

zum Abschluss des Parlamentarischen Abends am 15. November in

München eine Erklärung, die die Einführung des ÖbVI in Bayern

unter Wahrung des Vertrauensverhältnisses zur Vermessungsverwaltung

zum gemeinsamen berufspolitischen Ziel der Berufsverbände

erklärt; gleichzeitig tritt der BDVI dem IGVB und dieser dem

BDVI als förderndes Mitglied bei.

Damit wurde nach Jahren der persönlichen Annäherung eine programmatische

Allianz der Verbände besiegelt – Step by Step!

41

449


MOSAIK

_ 2. BIS 9. NOVEMBER 2006 IN PEKING

Kurzbericht von der

Fachexkursion des BDVI

450

Die Fachexkursion des BDVI verfolgte das Ziel, sich vor Ort über

die rasante ökonomische, städtebauliche und gesellschaftliche Entwicklung

des riesigen Landes zu informieren, mit Berufskollegen

und fachlichen Einrichtungen Erfahrungen auszutauschen und

Chancen und Wege einer Zusammenarbeit auszuloten.

Höhepunkt der Reise war der offizielle Besuch in der zentralen Verwaltung

der China Appraisal Society (www.cas.org.cn). Yue Gongxia,

Deputy Research Fellow und Deputy Secretary General (Generalsekretär),

begrüßte die etwa 120 Teilnehmer des BDVI gemeinsam mit

Jerry Zhang, Senior Accountant und Deputy Director International

Departments, sowie Shao Ronghua, Director International Departments,

sehr herzlich und stellte in einer einführenden Rede die China

Appraisal Society (CAS) vor. Die CAS stellt etwa vergleichbar mit einer

deutschen Kammer die Selbstverwaltung der derzeit etwa 23.000

selbstständigen chinesischen sachverständigen Bewerter, 7.000 angestellten

Bewerter mit insgesamt etwa 60.000 Mitarbeitern und einem

geschätzten Jahresumsatz von ca. drei Milliarden Yuan (ca. 300 Millionen

E) dar und untersteht direkt der staatlichen Aufsicht durch das

Finanzministerium. Hauptleistungsbereiche der Mitglieder sind die

Bewertung von staatlichem und privatem Vermögen im Rahmen der

Finanzwirtschaft der Volksrepublik China.

Yue Gongxia umriss die Aufgaben der CAS

und seiner Mitglieder im Zuge des derzeitigen

politischen Weges zur »chinesischen sozialistischen

Marktwirtschaft« mit Reformservice

für Unternehmen und Private, Optimierung

von Kapitalwirtschaft, -umschlag

und -effizienz sowie die objektive und nachhaltige

Bewertung von Sicherheiten im Kreditgeschäft.

Die geplante Eigentums- und

Vermögenssteuer in der VR China wird als

weitere Aufgabe die Tätigkeit der Mitglieder

der CAS gesehen. Obwohl das Eigentum an

Grund und Boden noch vollständig in Staatshand

ist, wird im boomenden Immobilienmarkt

besonders bei Wohnungseigentum

auf Grundlage zeitlich und räumlich befristeter

Nutzungsrechte an Grund und Boden

(vergleichbar mit dem deutschen Erbbaurecht

oder den Nutzungsrechten in der DDR)

die Aufgabe der Bewertung durch die Mitglieder

der CAS zunehmen. Zur Weiterentwicklung

des chinesischen Regelwerkes bei

der Bewertung von Immobilienvermögen

möchte der CAS auch in Zukunft auf die Erfahrungen

aus Deutschland setzen und bietet

hierfür eine fachliche Zusammenarbeit mit

dem BDVI an – vielleicht auch eine Chance für

unseren Berufsstand. In einem weiteren offiziellen Besuch wurde

die BDVI-Fachexkursion von Herrn Zhao Tonghai als Präsidenten des

Beijing Geomatics Center (www.smibj.com) im Kongresssaal des staatlichen

Instituts empfangen. Zusammenfassend ist hierzu festzustellen,

dass die Aufgaben des Instituts neben der Um- und Ausbildung besonders

aus produzierenden Tätigkeiten auf höchstem wissenschaftlichem

und technischem Niveau des Vermessungswesens bestehen.

Natürlich nutzten die Reiseteilnehmer neben den fachlichen Höhepunkten

die Angebote, außer den weltbekannten Sehenswürdigkeiten

auch Land und Leute kennen zu lernen (Ausflüge zu einem Teil

der Großen Mauer, Besuch der Verbotenen Stadt, des Sommerpalastes

der chinesischen Kaiser, des Sonnentempels und vieles mehr).

Ralf Bornkessel, Gera

(Anm. d. Red.: Beitrag gekürzt – Komplettversion bitte unter

info@bdvi.de anfordern)

_ FREIE BERUFE

Mehr Beschäftigung ist möglich

Mit rund 3,7 Millionen Erwerbstätigen

haben die Freien Berufe einen wesentlichen

Anteil daran, Menschen Beschäftigung

zu geben. Dennoch arbeitet der

Bundesverband der Freien Berufe (BFB)

daran, herauszufinden, wie und ob noch

mehr Menschen eine sozialversicherungspflichtige

Beschäftigung finden

könnten. Zu diesem Zweck hat der BFB

das Institut der Freien Berufe (IFB) in

Nürnberg mit einer Analyse verschiedener

Arbeitsmarktmodelle beauftragt

und sie im Hinblick auf ihre Potenziale

auf Einstellungsentscheidungen bei

Freiberuflern prüfen lassen.

Verschiedene Beschäftigungsmodelle

wurden von rund 6.000 Freiberuflern und

ausgewählten Experten bewertet. Ihre

Gemeinsamkeit: Alle Modelle setzen an

Änderungen des gesetzlichen Kündigungsschutzes

an. Die Untersuchung ergab,

dass diese Modelle für Freiberufler

wenig relevant sind, denn von den derzeitigen

Kündigungsschutzregelungen

sind Freiberufler kaum betroffen. Nach

der Neuregelung zum 1. Januar 2004 unterliegen

nur etwa 11 % der befragten

Freiberufler bei Neueinstellungen den

gesetzlichen Bestimmungen zum Kündigungsschutz,

da nur sie mehr als zehn

angestellte Mitarbeiter beschäftigen.

Der BFB unterstützt gleichwohl eine

Flexibilisierung des Arbeitsrechtes in Bezug

auf Kündigungen und Neueinstellungen.

Daneben sei zudem entscheidend,

dass sich die wirtschaftliche Lage

der Freien Berufe wieder nachhaltig verbesserte.

Auch von einem Abbau von

Bürokratie in allen Bereichen versprechen

sich die Freien Berufe positive Beschäftigungseffekte.

(Quelle: Pressemitteilung des BFB

vom 21. Januar 2006)

_ EHRUNG

Bundesverdienstkreuz für

Dr.-Ing. Karl Heinrich Schwinn

Der Präsident der Bundesingenieurkammer,

Dr.-Ing. Karl Heinrich Schwinn,

wurde am 23. Oktober 2006 in Hamburg

mit dem Bundesverdienstkreuz

am Bande ausgezeichnet.

Mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes

wird das herausragende Engagement

Schwinns für den Berufsstand der

Ingenieure in der Freien und Hansestadt

Hamburg, im Bund und in der Europäischen

Union gewürdigt. In seiner langen

beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeit

hat sich Schwinn uneigennützig für

das Gemeinwohl engagiert.

In zahlreichen ehrenamtlichen Gremien

von Kammern und Verbänden hat er sich

erfolgreich für die Qualitätssicherung

der Ingenieurleistungen, den Verbraucher-

Die Hochschule für Technik Stuttgart bietet zum Sommersemester

2007 erstmalig einen Masterstudiengang

Vermessung an. Dieses weiterführende Studium mit

den Schwerpunkten Landmanagement und Ingenieurvermessung

schließt mit dem Master of Engineering

ab. Das Studium richtet sich an überdurchschnittlich

qualifizierte Bachelor- und Diplomabsolventen. Bewerbungsschluss

ist der 15. Januar 2007.

Die Inhalte des dreisemestrigen Masterstudiums wurden

in Abstimmung mit Praxisvertretern und dem Wirtschaftsministerium

Baden-Württemberg festgelegt. Es

vermittelt vertiefte Kenntnisse in Bereichen, die vor allem

für den Freien Beruf, wie den Öffentlich bestellten Vermessungsingenieur,

wichtig sind.

Neben den Schwerpunkten Landmanagement und Ingenieurvermessung

werden auch Schlüsselqualifikationen

wie z. B. Marketing, Prozessmanagement und interdisziplinäre

Projektarbeit vermittelt. Der Studiengang ist bereits

akkreditiert und startet am 12. März 2007.

schutz und insbesondere die

Baukultur eingesetzt. Damit

hat er sich bleibende Verdienste

erworben.

Seit März 2000 ist Dr.-Ing.

Schwinn Präsident der Bundesingenieurkammer.

Er wurde

im Jahr 2004 mit 100 %

der Stimmen in diesem Amt

bestätigt. Unter seiner Präsidentschaft

hat sich die Bundesingenieurkammer

zu einer weithin anerkannten

und geschätzten berufspolitischen Dachorganisation

auf Bundesebene entwickelt.

Darüber hinaus engagiert sich Schwinn

im Rahmen der Europäischen Union als

Vizepräsident des European Council of

_ NEUER MASTERSTUDIENGANG

Vermessung an der HfT Stuttgart

Engineers Chambers (ECEC) für die Interessen

von insgesamt elf europäischen

Ingenieurkammern.

Herzliche Glückwünsche auch vom

BDVI!

(Quelle: Pressemitteilung der Bundesingenieurkammer

vom 23. Oktober 2006)

411

4

4 1

MOSAIK

Mit dem neuen Masterstudiengang Vermessung wird ein

weiteres Studienprogramm realisiert, das an die aktuellen

beruflichen Anforderungen im Vermessungsbereich optimal

angepasst ist.

(Quelle: Pressemitteilung der Hochschule für Technik

Stuttgart vom 28. November 2006)

451


452

EDITORIAL

Liebe Kollegen,

4

Haben Sie schon das Augenzwinkern bemerkt, mit dem man Ihnen auf beruflichen und privaten Veranstaltungen

seit neuestem wieder begegnet? Oder hat man Ihnen bereits vertraulich zugeflüstert,

dass man sich mit Ihnen gemeinsam über eine verbesserte wirtschaftliche Situation freue? Als ob die

Freiberufler Aktien an einem beginnenden Konjunkturaufschwung hätten. Abgesehen davon, dass sich im

Bauwesen bisher allenfalls die Wirtschaftserwartung verbessert hat, ist auch aus anderen Gründen gegenüber

oben genannten Vertraulichkeiten Zurückhaltung geboten.

Es sind nämlich dieselben Zeitgenossen, die vor kurzem noch den Freien Beruf als Hemmschuh einer prosperierenden

europäischen Wirtschaftsentwicklung ausgemacht haben, und diejenigen, die vor nicht allzu

langer Zeit einer notwendigen Umstrukturierung des Freien Berufs das Wort redeten.

Fakt ist, dass der Freie Beruf unzureichend, ja schlecht auf neue wirtschaftliche Herausforderungen vorbereitet

ist. Hinter ihm liegt eine lange Durststrecke, vor ihm stehen Investitionen größeren Ausmaßes,

die ein Büro allein kaum stemmen kann. Jeder ÖbVI hat sich für SAPOS auszurüsten. Nur mit einer neuen

Generation von Messgeräten kann man an einem Wettbewerb teilnehmen, der inzwischen von Einmanntrupps

dominiert wird. Schließlich diktiert der technische Fortschritt die Halbwertzeit der Informationssysteme,

ohne die sich ein Zugang zu GIS nicht realisieren lässt.

Viel schwerer wiegt aber der Niedergang der gesellschaftlichen Reputation. Wird der Freie Beruf als

gesellschaftliche Kraft noch benötigt? Der Abbau der Honorarordnungen, die Unterbietung von Kostenordnungen

durch staatliche Stellen sprechen eine deutliche Sprache. Es ist nicht zu feiern, wie der Verband

Freier Berufe meint, dass der EuGH die grundsätzliche Zulässigkeit von Gebührenordnungen anerkennt.

Der Abbau findet national statt. Wenn die HOAI zusammengestrichen wird und »schöpferisches

Handeln« im Bauwesen auf architektonische Planung reduziert wird, so ist das für den Berufsstand

alarmierend. Und ob die HOAI auf Dauer den Vertretern eines »open market« standhalten wird, darf mit

Recht bezweifelt werden.

Nein – diese Zeilen lassen sich nicht in das Regal mit den Klageliedern ewig stöhnender Unternehmer

stellen. Sie betreffen mehr und mehr den Nukleus freiberuflichen Handelns. Dieses Handeln wird durch

das gesellschaftliche Ansehen eines ganzen Berufsstandes bestimmt, durch die Anerkennung der Übernahme

von Verantwortung (z. B. gegenüber Staat und Verwaltung) und Verpflichtung (z. B. gegenüber

Beschäftigten und Berufsnachwuchs).

Und dieser Nukleus wird zunehmend aufgebrochen, ohne Rücksicht darauf, dass Qualität Zeit und Geld

kostet, ohne Rücksicht darauf, dass Qualität geschützt werden muss, und ohne Rücksicht darauf, dass ein

beschädigter Berufsstand nicht ohne weiteres rekonstruierbar ist.

Nach dem Geschriebenen stellt sich nun die Frage: War das ein Abgesang oder ein Aufruf? Glücklicherweise

gehört es zu den Tugenden der Freiberufler, Überzeugungen und Berufsideale zu verteidigen. Die

Hoffnung für den Fortbestand seiner Profession zieht der Freie Beruf dabei aus dem Umstand, dass unsere

Gesellschaft eigentlich genau diesen Berufstyp braucht: Nicht Staat, nicht unternehmerische Vervielfältigung,

sondern persönlich sichtbare Berufsverantwortung. 2007 mehr denn je.

Ihr

32. Jahrgang, 2006, Heft 4 32. Jahrgang, 2006, Heft 4

INHALT

MOSAIK 449

EDITORIAL 452

GRUND UND BODEN

■ Zur Objektivierung von Wertschöpfungen

Axel Lorig, Tanja Kasten, Thomas Mosiek, Thorsten Pieper 454

■ Bewertung ist Chefsache

FORUM-Interview 470

■ Die Energieeinsparverordnung wird novelliert

Agnar Boysen 492

INTERNATIONAL

■ Den größten Nutzen zieht die Gesellschaft

Hans Polly 476

MANAGEMENT

■ Weniger pessimistisch

A. Suffrian 482

TECHNIK

■ ÖbVI und GIS in Kommunen

Gerhard Kruse 497

FORUM IM FORUM

■ Fahrzeugausbauten

Andreas Bandow 500

FORUM GLOSSAR

■ Mit freundlichen Grüßen

Andreas Bandow 501

FORUM FACTUM 496

FORUM FUTURA 503

MOSAIK 510

IMPRESSUM 512

Erfolgsanalyse,

quantitativ

454

Die Bereitschaft zur Erfolgsanalyse durchgeführter

Flurbereinigungsverfahren darf im

Allgemeinen unterstellt werden. Die Fähigkeit,

betriebs- und volkswirtschaftlichen Nutzen

ländlicher Bodenordnungsverfahren auf Cent

und Euro nachzuweisen, muss aber noch weiterentwickelt

werden. Die Verfasser wagen

den Schritt von qualitativen zu quantitativen

Wertaussagen. Ein Modell auch für Stadtentwicklungsmaßnahmen?

Modell für

Deutschland?

Blick über die

Büroschulter

476

Hans Polly sieht sich und Österreichs Ziviltechniker

am Ziel. Das Berufsrechtsänderungsgesetz

eröffnet die Möglichkeit für die

Erstellung digitaler Urkunden durch Ziviltechniker

sowie deren Speicherung im eigenen

Urkundenarchiv.

482

Der Bürovergleich 2005 bietet auch dem

schnellen Leser (mindestens) vier bemerkenswerte

Aussagen an: 67 % des Umsatzes erwirtschaften

die ÖbVI immer noch mit ihrer

Kernkompetenz, der Mitwirkung im Liegenschaftskataster.

Das wirtschaftliche Stimmungsbarometer

ist bei 91 % der ÖbVI nicht

gut. Die Durchsetzbarkeit der Gebührenordnungen

hat sich nicht verbessert. Die Akzeptanz

der HOAI verringert sich weiter.

4

453


GRUND UND BODEN

454

Alle qualitativen Aussagen über Verfahrenseffizienz und Maßnahmewirksam-

keit von Entwicklungsmaßnahmen sind immer wieder der Kritik ausgesetzt,

letztlich subjektiver Natur und damit nur bedingt übertragbar und vergleichbar zu sein.

In Verfahren, die zum Ziel haben, Grundstücks- oder Betriebszustände nachhaltig zu

verbessern und bei denen dieses Ziel nur durch das Zusammenwirken vieler

Einzelmerkmale erreicht wird, ist die Quantifizierung der Verbesserungen und die

Beurteilung der Einzelmerkmale schwierig. Der Grundstücksmarkt – ob im ländlichen

oder städtischen Raum – fordert aber zunehmend diese Objektivierung. Der nach-

folgende Beitrag ist ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Nachvollziehbarkeit

und Prüfbarkeit ländlicher Bodenordnungsverfahren.

Kosten-Nutzen-Analyse, monetäre Wertschöpfung

und wirtschaftliche Impulse

durch ländliche Bodenordnungsverfahren

ZUR OBJEKTIVIERUNG

VON WERTSCHÖPFUNGEN

AXEL LORIG, TANJA KASTEN, THOMAS MOSIEK, THORSTEN PIEPER

4

ZUSAMMENFASSUNG

Es werden zunächst Bereiche identifiziert, in denen man wirtschaftliche

Impulse und monetäre Wertschöpfungen mit Hilfe

der ländlichen Bodenordnung erbringen kann. Es folgt die

Vorstellung eines verallgemeinerten Wertschöpfungssystems

für Bodenordnungsverfahren zur Bestimmung der unterschiedlichsten

Wirkungskomponenten der Flurbereinigung. Die

entwickelte Systematik wird an fünf exemplarisch ausgewählten

Bodenordnungsverfahren des Landes Rheinland-Pfalz

angewendet und auf ihre Belastbarkeit hin überprüft. Die zugrunde

liegenden Bewertungsansätze werden in ein integriertes

Modell zur Kosten- und Wirkungsprognose (Prognoseformel)

überführt.

WIRTSCHAFTLICHE IMPULSE MIT HILFE

DER LÄNDLICHEN BODENORDNUNG

Die ländliche Bodenordnung ist als ganzheitlicher Ansatz für

die nachhaltige Entwicklung der ländlichen Räume in Rheinland-Pfalz

wichtig. Seit 1995 sind die Leitlinien »Ländliche Bodenordnung«

die zentrale Zielvorgabe für die Landentwicklung

und ländliche Bodenordnung in den Förderperioden der Europäischen

Union. Für die neue Förderperiode 2007 bis 2013

waren aufgrund vielfältig geänderter Rahmenbedingungen

neue »Leitlinien Landentwicklung und ländliche Bodenordnung«

zu entwerfen. Ausgehend von vier landesweit besetzten

Workshops in den Jahren 2004 und 2005 wurden die Instrumente

der Integrierten Ländlichen Entwicklung, das so genannte

Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILEK), und das

ILE-Regionalmanagement sowie die aktuellen Herausforderungen

der ländlichen Bodenordnung erörtert und für eine zeitgemäße

Positionierung genutzt. Für die ländliche Bodenordnung

als ganzheitlicher Ansatz für die nachhaltige Entwicklung

ländlicher Räume wurden neun Komponenten vorgegeben.

Wichtig für die Entwicklung der ländlichen Räume und die

Sicherung ihrer vielfältigen Funktionen ist die Stärkung der

Wirtschaftskraft sowie die Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen.

Ausreichende Verdienst- und Einkommensmöglichkeiten

bilden die wirtschaftliche Basis der ländlichen Regionen

als eigenständige Lebens- und Arbeitsräume. Es ist daher

ein wichtiges Ziel, durch Landentwicklung und Bodenordnung

die Wirtschaftskraft und Beschäftigung zu beleben. Dies

kann durch die Unterstützung von Landwirtschaft und Forstwirtschaft,

Handwerk, Dienstleistungen und Freien Berufen

gelingen. In der Bodenordnung Morbach im Hunsrück war es

so z. B. möglich, im Verbund mit der ländlichen Bodenordnung

150 neue Arbeitsplätze zu schaffen.

GRUND UND BODEN

Das Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft in

Rheinland-Pfalz zu verbessern, ist ein traditionelles Ziel. Damit

die Landwirtschaft ihre ökonomischen und ökologischen Aufgaben

auch weiterhin erfüllen kann, sind weiter gehende Arrondierungen

und damit auch die Aufhebung eines Teils der

bestehenden Wege sowie die Vergrößerung der Schlaglängen

zu realisieren. Die Unterstützung der landwirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit

wird trotz GAP-Reform immer wichtiger. Die

kleinteiligen Flurstücksstrukturen und minimalen Schlaglängen

in Rheinland-Pfalz, die vielfach noch auf die Kuhanspannung

ausgelegt sind, zwingen dazu, beschleunigt zu handeln.

Um im globalen Wettbewerb bestehen zu können, müssen die

rheinland-pfälzischen Winzer bei ungünstigen strukturellen,

topographischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen

ihre Produktionsgrundlage durch Senkung der Arbeits- und

Produktionskosten verbessern, die Betriebseinheiten vergrößern

und hochwertige Weine erzeugen. Um den hier bestehenden

Hemmnissen entgegenzuwirken und innovative Rationalisierungen

zu ermöglichen, sind im Rahmen der ländlichen

Bodenordnung die weinbaulichen Grundstücke unter

Berücksichtigung der typischen Landschaftsstrukturen zu

größeren und besser geformten Wirtschaftseinheiten zusammenzufassen,

neue Erschließungswege wenn möglich in umweltschonender

Ausbauweise anzulegen. Gleichzeitig soll es

zu einer dauerhaften Erhaltung von Biotopen zur Sicherung

bedeutender Strukturelemente sowie zum Hochwasser- und

Erosionsschutz einen Beitrag leisten.

Die Beseitigung von Durchschneidungsschäden und die Neuordnung

der Grundstücke durch ein auf Baumaßnahmen abgestimmtes

Wege- und Biotopnetz sind wichtige Ziele. Damit

können der Landschaftsverbrauch minimiert und der Flächenankauf

kostengünstig gestaltet werden. Ein neues Produkt war

der Auftrag an die Dienstleistungszentren Ländlicher Raum (DLR),

die Verlegung des amerikanischen Militärflughafens Frankfurt

nach Ramstein zu unterstützen. Nur mit der Sicherung der Habitate

für den »Kammmolch« war dieser Umsetzungsprozess der

amerikanischen Streitkräfte nach Ramstein kurzfristig möglich.

Ein wichtiges Ziel, das sich bei den Erörterungen mit den Sozialpartnern

herausgestellt hat, ist es weiterhin, die Gemeindeentwicklung

wirksam zu unterstützen. Dazu sollen die Ideen

der Bürgerinnen und Bürger, Vereine und Kommunen aufgegriffen

werden. Zusammenfassend soll die ländliche Bodenordnung

im Dorf dazu beitragen, Ortskerne neu zu gestalten,

leer fallende Bausubstanzen umzunutzen, gemeindliche Ökokonten

aufzubauen und die Grundlagen für übergemeindliche

Projekte zu schaffen.

Auch in der kommenden Förderperiode bleibt es ein zentrales

Ziel, die natürlichen Lebensgrundlagen nachhaltig zu schützen

und zu entwickeln. Durch die Bodenordnung soll eine natur-

4

455


GRUND UND BODEN GRUND UND BODEN

456

verträgliche, landschafts- und standortgerechte Nutzung erreicht

werden, um die Kulturlandschaft zu erhalten und durch

extensive Nutzung offen zu halten. Ein wichtiges neues Produkt

in diesem Aufgabenspektrum heißt »Naturschutz durch

Nutzung«.

Aufbauend auf den Erfahrungen mit der Aktion Blau und dem

Naheprogramm sind die vielfältigen Funktionen, die naturnahe

Gewässer und ihre Auen besitzen, zu sichern, wiederherzustellen

und zu entwickeln. Die Unterstützung der Gewässerentwicklung

fließender Gewässer durch Flächenmanagement

ist nicht erst wichtig, seit es die europäische Wasserrahmenrichtlinie

gibt. Darüber hinaus gilt es, die Großbaumaßnahmen

am Oberrhein durch den Bau von Poldern in den vereinbarten

Projekten fortzusetzen. Diese komplizierten Prozesse

werden zunächst durch großräumige Planungen, z. B. ILEK, unterstützt.

In der zweiten Phase folgt für die Betriebe das von

ihnen zumeist eingeforderte Flächenmanagement durch Unternehmensflurbereinigungen.

Durch die Waldflurbereinigung soll die Landentwicklung in

Zukunft wirksam zur Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen

und zu wirtschaftlicheren Arbeitsweisen im Privatwald

und Körperschaftswald beitragen. Waldflurbereinigung wird

wieder zur neuen Dienstleistung, nachdem man sie jahrelang

nicht auf der Prioritätsliste hatte. Ohne Waldwege und ohne

Waldflurbereinigung können die Ressourcen aus dem Privatwald

– und das sind rund 25 % der Ressourcen im Wald in

Rheinland-Pfalz nicht aktiviert werden.

Auch der ländliche Tourismus und das Fördern von Kooperationen

sind wesentlich höher angesetzte Ziele in der kommenden

Förderperiode. Mit 130.000 Arbeitskräften ist der touristische

Sektor ein ganz entscheidender Lebensfaktor für Rheinland-Pfalz.

So ist es in Bodenordnungsverfahren möglich, für

die unterschiedlichsten touristischen Anlagen Flächen bereit

zustellen. Weiterhin sind Diversifizierungsmaßnahmen, die landwirtschaftlichen

und weinbaulichen Betrieben im Tourismussektor

neue Einkommensquellen ermöglichen, gezielt zu unterstützen.

Die Wirtschafts- und Sozialpartner haben sich eingehend mit

der Wirksamkeit der Landentwicklung und ländlichen Bodenordnung

auseinandergesetzt und die derzeitigen und angestrebten

Wirkungsanteile im Rahmen eines Workshops als

gutachterliche Einschätzung – bezogen auf 100 % – formuliert

(vgl. Abb. 1). Der weinbauliche, landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche

Wirkungsrahmen deckt etwa 52 % der Wirkungen

ab. Dem stehen insgesamt 48 % Wirkungen für Kommunalentwicklung,

Arbeitsplätze, Naturschutz, Wasserwirtschaft

und Tourismus gegenüber – Letztere zusammen mit eher steigendem

Trend prognostiziert.

4

WIRKSAMKEIT DER LÄNDLICHEN BODENORDNUNG

bezogen auf 100 % gesamt

Arbeitsplätze

Gemeinschaftliche

Anlagen

Betriebswirtschaft

Kommunalentwicklung

Naturschutz und

Landschaftspflege

Wasserwirtschaft

Wald

Tourismus

7 %

8 %

6 %

8 %

15 %

13 %

12 %

Abb.1: Wirksamkeit der ländlichen Bodenordnung

32 %

Die gutachterliche Einschätzung für die Wirkungsdauer in

diesen Arbeitsbereichen der Landentwicklung und ländlichen

Bodenordnung geht von 12 bis 52 Jahren »nachhaltige Wirkung«

aus. Für die Landwirtschaft und die Kommunalentwicklung

entspräche dies in etwa einer Generation, für den Wald

zwei Generationen und in Bezug auf die Arbeitsplätze handelt

es sich um eine mittelfristige Wirkungsdauer (vgl. Abb. 2).

WIRKUNGSDAUER DER LÄNDLICHEN BODENORDNUNG

in Jahren

Arbeitsplätze

Gemeinschaftliche

Anlagen

Betriebswirtschaft

Kommunalentwicklung

Naturschutz und

Landschaftspflege

Wasserwirtschaft

Wald

Tourismus

0 10 20 30 40 50 %

13 %

18 %

15 %

25 %

23 %

36 %

Abb. 2: Wirkungsdauer der ländlichen Bodenordnung

43 %

52 %

0 10 20 30 40 50 %

Um im globalen Wettbewerb bestehen zu können,

müssen die rheinland-pfälzischen Winzer ihre Produktions-

grundlage durch Senkung der Arbeits- und Produktions-

kosten verbessern, die Betriebseinheiten vergrößern und

hochwertige Weine erzeugen.

4

457


GRUND UND BODEN

458

MODERNISIERUNG DER

VERWALTUNGSPROZESSE

Die Verwaltung für Landentwicklung und ländliche Bodenordnung

in Rheinland-Pfalz betreibt seit mehreren Jahren eine

konsequente Modernisierung der Verwaltungsprozesse. Mit der

Einführung von Projektmanagement, Teamwork, einer teamorientierten

Geschäftsordnung, dem Fachcontrolling CoBeKo

und der Kosten- und Leistungsrechnung verfolgt die Landentwicklungsverwaltung

das Ziel, die Effizienz des Verwaltungshandelns

weiter zu erhöhen. Bei modernen Dienstleistungsbehörden

muss neben der Effizienz des Verwaltungshandelns

insbesondere aber auch die Effektivität staatlicher Leistungen

im Mittelpunkt stehen. Neben einem operativen Controlling-

Instrumentarium bedarf es daher strategischer Instrumente zur

Behördensteuerung, um für einzelne Verwaltungsmaßnahmen

gesamtwirtschaftliche Wirkungsbeiträge messen und steuern

zu können.

KOSTEN-NUTZEN-ANALYSE

Um für einzelne Verwaltungsmaßnahmen gesamtwirtschaftliche

Wirkungsbeiträge messen und steuern zu können, ist es

erforderlich, den Wertschöpfungsbeitrag einzelner Verwaltungsmaßnahmen

– im Sinne einer möglichst umfassenden

Kosten-Nutzen-Bilanz – detailliert zu untersuchen. Aufbauend

auf einer Basisstudie von BMS Consulting in Nordrhein-Westfalen

wurde der gesamtgesellschaftliche Wertschöpfungsbeitrag

von Bodenordnungsverfahren differenziert systematisch

aufbereitet und so weit wie möglich monetär bewertet. Die

wichtigsten Ergebnisse werden nachfolgend vorgestellt. Für die

Aufgabenstellung ließen sich im Wesentlichen drei Teilziele abgrenzen

(vgl. Abb. 3).

GRUNDLEGENDE ZIELSETZUNGEN DER WIRKUNGSANALYSE

ZIELSETZUNG I

ZIELSETZUNG II

ZIELSETZUNG III

Abb. 3: Grundlegende Zielsetzungen der Wirkungsanalyse

4

Herleitung einer umfassenden Wirkungssystematik

zur Beurteilung der Wirksamkeit

und Effizienz von Bodenordnungverfahren

Exemplarische Anwendung des Wirkungsmodells

zur Analyse verschiedener

Verfahrenstypen der Bodenordnung

Ableitung eines

standardisierten Prognosemodells

Zunächst ist die weitgehende und möglichst umfassende Systematisierung

und Operationalisierung der gesellschaftlichen

Wirkungen des Verwaltungshandelns im Rahmen von Raumordnungsmaßnahmen

durch Bodenordnung zu nennen. Dabei

ist insbesondere eine monetäre Bewertung der identifizierten

Wirkungen anzustreben. Eine weitere Zielsetzung dieses Projektes

war – auf Grundlage der erarbeiteten Inhalte für fünf

exemplarisch ausgewählte Bodenordnungsverfahren eine gesamtgesellschaftliche

Wertschöpfungsbilanz zu erstellen. Das

dritte Teilziel des Projektes war die Abbildung einer Wirkungsprognose.

Auf Basis der abgeleiteten Strukturen sollten die

einzelnen Wirkungskomponenten in Prognoseformeln überführt

werden. Diese Informationen lassen sich dann zukünftig

zur Priorisierung und Wirkungsoptimierung des Verwaltungshandelns

nutzen. In Verbindung mit der bereits bestehenden

Kostenprognoseformel der Landentwicklungsverwaltung

Rheinland-Pfalz war die Wirkungsprognose abschließend in

einer Softwareanwendung zu hinterlegen, damit die Wertschöpfungsberechnungen

(und Prognosen) zukünftig eigenständig

durchgeführt werden können.

GESAMTGESELLSCHAFTLICHE

WERTSCHÖPFUNGSBILANZ

Erste Zielsetzung der vorliegenden Untersuchung war die Bestimmung

einer gesamtgesellschaftlichen Wertschöpfungsbilanz

von Bodenordnungsverfahren. Dazu war es notwendig,

die gesamtgesellschaftlichen Effekte zu analysieren, die daraus

erwachsen, dass eine Bodenordnung durchgeführt wurde.

Im Fokus der Untersuchung standen also die Veränderungen

im gesamtgesellschaftlichen »Wirkungsgefüge«, die daraus resultieren,

dass ein Flurbereinigungsverfahren eingeleitet wurde.

Grundsätzlich wird in der weiteren Analyse damit (vom theoretischen

Ansatz her) unterstellt, dass sämtliche staatlichen

Vorhaben sowohl mit als auch ohne ein begleitendes

Flurbereinigungsverfahren (überhaupt)

realisiert werden könnten.

Zielsetzung der folgenden betriebswirtschaftlichen

und volkswirtschaftlichen Analyse

war daher, die aus der Bodenordnung

resultierenden Zusatzkosten und Zusatznutzen

für die Gesellschaft zu ermitteln.

Damit basiert der Vergleich, insbesondere im

volkswirtschaftlichen Analyseteil, zu einem

großen Teil auf hypothetischen Überlegungen.

Die untersuchungsleitende Fragestellung

lautet also: Welche gesamtgesellschaftlichen

Veränderungen (also Vorteile im

Sinne von Nutzen bzw. Nachteile im Sinne

von Kosten) haben sich dadurch ergeben,

dass eine Bodenordnung durchgeführt wurde? Darüber hinaus

wurde der Versuch unternommen, im Rahmen einer Integration

der Ergebnisse die wesentlichen Wirkungstreiber des

Verwaltungshandelns zu identifizieren und einer strategischen

Steuerung zugänglich zu machen.

BETRIEBSWIRTSCHAFTLICHE ANALYSE

Zur betriebswirtschaftlichen Betrachtung des Leistungserstellungsprozesses

war eine detaillierte Kostenbetrachtung der

gesamten Wertschöpfungskette des staatlichen Verwaltungshandelns

über sämtliche betroffenen Vollzugsebenen erforderlich.

Die durch Gesetz und Vollzug der Verwaltung induzierten

Wirkungen wurden im Rahmen der volkswirtschaftlichen Betrachtung

systematisiert und abgebildet. Dabei stand eine

möglichst weitgehende monetäre Quantifizierung der gemessenen

volkswirtschaftlichen Effekte im Vordergrund der

Analyse, um im Sinne einer Kosten-Nutzen-Analyse einen

quantifizierten Gesamtnutzen ausweisen zu können.

Für die Anwendung der Modelle und konkrete operationelle

Berechnungen waren fünf Flurbereinigungsverfahren auszuwählen,

die im Rahmen dieser Untersuchung einer detaillierten

Analyse unterzogen wurden (vgl. Abb. 4).

Abb. 4: Detailbeschreibung der ausgewählten Verfahren

Vor dem Hintergrund der Erkenntnisse des NRW-Projektes war

es das Ziel der Untersuchung in Rheinland-Pfalz, die Betrachtung

auch auf andere Verfahrensarten der Bodenordnung und

damit andere Nutzentreiber auszuweiten.

Die Auswertung der Verfahrens- und Ausführungskosten (einschließlich

verschiedener Zuschläge für Oberbehörden und andere

Stellen) liefert die Gesamtkosten der ausgewählten Bodenordnungsverfahren.

Die Spannbreite der Kosten bewegt

sich zwischen 230.000 E und 8,5 Millionen E für die ausgewählten

Verfahren (vgl. Abb. 5). Auf die Diskussion von Kennzahlen

wird an dieser Stelle verzichtet.

VOLKSWIRTSCHAFTLICHE ANALYSE

Ursprünglich zielten bodenordnerische Maßnahmen in erster

Linie auf Agrarstrukturverbesserungen in der Land- und Forstwirtschaft

ab. Wie eingangs aufgezeigt wurde, versteht sich

die zeitgemäße Flurbereinigung jedoch nicht mehr nur als Instrument

reiner ländlicher Bodenordnung für die Landwirtschaft.

Bei einer Wirkungsanalyse müssen möglichst alle relevanten

Bereiche einer Bewertung zugänglich gemacht werden.

Hierzu bedarf es zunächst einer Erläuterung der Klassifikation

der volkswirtschaftlichen Wirkungsdeterminanten in

»tangibel« und »intangibel« (vgl. Abb. 6).

DETAILANGABEN ZU DEN AUSGEWÄHLTEN BODENORDNUNGSVERFAHREN IN RHEINLAND-PFALZ

Daten

zum Verfahren

Zuständiges Amt

Hauptgrund

des Verfahrens

Nebenziele

des Verfahrens

Datum des Flurbereinigungbeschlusses

Größe der Flurbereinigung

in ha

Anzahl der legitimierten

Grundstückseigentümer

Anzahl der

betroffenen Flurstücke

Mörschbach-

Frankenthal

DLR Rheinpfalz

Renaturierung und

Hochwasserschutz

Agrarstrukturverbesserung

05.11.2002

75,4 ha

82

99

Vereinfachte Flurb. § 86

Rengen

DLR Eifel

Flächenmanagement

Autobahn A1

Agrarstrukturverbesserung

01.12.1998

574 ha

293

1.305

Ramstein-

Miesenbach

DLR Westpfalz

Ausgleich zum Ausbau

Airbase Ramstein

Agrarstrukturverbesserung

12.03.2003

47 ha

475

542

Rachtig-

Ürzig

GRUND UND BODEN

Flurb. § 1 Flurb. § 87

DLR Mosel

Erhalt des

Steillagenweinbaus

Flächenmanagement

B53 u. B50n

20.12.1995

144 ha

1.182

3.980

A63 – KL Ost-

Mehlingen

DLR Westpfalz

Flächenmanagement

Autobahn A63

Agrarstrukturverbesserung

19.11.1999

1.370 ha

1.020

1.685

4

459


GRUND UND BODEN GRUND UND BODEN

460

ENDERGEBNIS: KOSTENANALYSE AUF VERFAHRENSEBENE – GESAMTKOSTEN DER VERFAHREN

Gesamtkosten

der Verfahren

Personalkosten DLR

(Fachabteilungen)

Personalkosten

Technische Zentralstelle

Personalkosten

(Leitung und Verwaltung)

Sach- und

Dienstleistungskosten

Gesamte

Verfahrenskosten DLR

Umlage ADD

Umlage MWVLW

Gesamte

Verfahrenskosten

Kosten der gemeinschaftlichen

Anlagen

Sonstige Kosten

(insb. VTG, Vermessung)

Gesamte

Ausführungskosten

Gesamtkosten

Abb. 5: Gesamtkosten der ausgewählten Verfahren

TANGIBLE UND INTANGIBLE EFFEKTE

VON BODENORDNUNGSVERFAHREN

4

Mörschbach-

Frankenthal

80.802 E

4.000 E

10.261 E

19.013 E

114.075 E

5.111 E

3.000 E

122.186 E

82.000 E

26.800 E

108.800 E

230.986 E

Volkswirtschaftliche Effekte der Bodenordnung

TANGIBLE EFFEKTE

monetär

quantifizierbar

Quantifizierung

physisch

quantifizierbar

INTANGIBLE EFFEKTE

(keine monetäre

Quantifizierung möglich)

Qualitative (verbale)

Beschreibung der Effekte

Abb. 6: Tangible und intangible Effekte der Bodenordnung

Vereinfachte Flurb. § 86

Rengen

413.205 E

20.454 E

52.473 E

97.226 E

583.358 E

26.134 E

15.342 E

624.834 E

200.000 E

60.000 E

260.000 E

884.834 E

Ramstein-

Miesenbach

161.590 E

7.999 E

20.520 E

38.022 E

228.131 E

10.220 E

6.000 E

244.351 E

0 E

12.200 E

12.200 E

256.551 E

Flurb. § 1 Flurb. § 87

Rachtig-

Ürzig

921.298 E

45.604 E

116.995 E

216.780 E

1.300.677 E

58.270 E

34.208 E

1.393.155 E

6.220.000 E

830.000 E

7.050.000 E

8.443.155 E

A63 – KL Ost-

Mehlingen

Der Begriff »tangibel« umfasst alle Wirkungsdeterminanten,

die sich in irgendeiner Form, d. h. entweder monetär oder gegebenenfalls

in anderen physischen Einheiten, quantifizieren

lassen. Nutzenkomponenten, die sich weder monetär noch in

anderen physischen Einheiten messen lassen, werden als »intangibel«

bezeichnet. Diese intangiblen gesamtgesellschaftlichen

Auswirkungen können einen bedeutenden Wertschöpfungsbeitrag

leisten und dürfen daher im Rahmen einer differenzierten

Wirkungsanalyse nicht vernachlässigt werden. Daraus

ergibt sich regelmäßig die Notwendigkeit, die (monetäre)

Nutzenanalyse um eine qualitative Beurteilung zu ergänzen.

In Abb. 7 wird deutlich, dass die meisten Wirkungsbereiche

quantifiziert werden können – also tangibel sind –, was vor

dieser Studie nicht erwartet wurde.

611.875 E

30.288 E

77.702 E

143.973 E

863.837 E

38.700 E

22.719 E

925.256 E

1.500.000 E

490.000 E

1.990.000 E

2.915.256 E

Ungünstige strukturelle,

topographische und wirtschaftliche

Rahmenbedingungen

Einige der untersuchten Wirkungsdeterminanten werden nachfolgend

kurz vorgestellt:

a) Analyse der potenziellen Beschleunigung von

Verkehrsinfrastrukturprojekten

Hartwig u. a. (2005) haben die volkswirtschaftlichen Effekte

unterlassener Verkehrsinfrastrukturinvestitionen untersucht

und in diesem Zusammenhang auf Basis der Annahmen und Ergebnisse

des Bundesverkehrswegeplans verkehrsträgerspezifische

Nutzen-Kosten-Faktoren (NKF j mit j = Straße, Schiene,

Wasserweg) für den Straßen-, Schienenwege- und Wasserwegebau

ermittelt. Auf Grundlage dieser durchschnittlichen Nutzen-

Kosten-Relationen lassen sich in Abhängigkeit der jeweiligen Investitionssummen

(I j) die Barwerte des Nettonutzens wie folgt

berechnen: Barwert des Nettonutzens = I j x NKF j. (vgl. Abb. 8).

ALLGEMEINHEIT: VORTEILE DURCH

EINE BESCHLEUNIGTE REALISIERUNG

VON INFRASTRUKTURPROJEKTEN

PROJEKTARTEN

Straßenbau Schienenwegebau Wasserwege

Nutzen-Kosten-Faktoren

NKF j mit j = Straße, Schiene, Wasserweg

NKF Straße = 4,2 ; NKF Schiene = 2,1 ; NKF Wasserweg = 3,9

BERECHNUNGSMETHODE

Zinsertrag ZE j aus der beschleunigten Realisierung

von Projekt j :

ZE j = (I j x NKF j) x (1+ i) b - (I j x NKF j)

Abb. 8: Quantifizierung der Vorteile aus einer beschleunigten

Realisierung von Infrastrukturprojekten

Als Wertschöpfungsbeitrag des Bodenordnungsverfahrens

wird der Teil des Nutzens in Ansatz gebracht, der auf die flurbereinigungsbedingte

frühzeitige Inanspruchnahme des Infrastrukturprojektes

zurückzuführen ist (Diskontsatz = 3 %):

ZE j = (I j x NKF j) x (1+ i) b - (I j x NKF j). Im Rahmen der vorangegangenen

Untersuchung in NRW wurde eine durchschnittliche

flurbereinigungsbedingte Beschleunigung von Infrastrukturprojekten

in Höhe von 9,4 Monaten ermittelt. Dieser

4

461


GRUND UND BODEN GRUND UND BODEN

462

WIRKUNGSGEFÜGE VON BODENORDNUNGSMASSNAHMEN (FlurbG)

EMPFÄNGER

UMWELT STAAT

WIRTSCHAFT

BÜRGER

DIENSTLEISTUNG

DER BEHÖRDE

Grundstückseigentümer

Allgemeinheit

(Region)

Land- und

Forstwirtschaft

(Agrar, Weinbau, Wald)

Industrie und

Dienstleistungen

Projektträger und

öffentl. Verwaltung

(Bund, Land, Kommune)

4

Ökologische

Umwelt

Agrarstrukturverbesserung

Verringerung/Vermeidung von Eigentumsverlusten sowie daraus resultierenden Transaktionskosten

(insbesondere Gebühreneinsparungen)

Sicherung/Steigerung

des Bodenwertes

Allgemeine Beschäftigungsund

Einkommenseffekte

Bewirtschaftungsvorteile

durch Neuordnung

der Flächen

Optimierung der Flächenränder

(z. B. Waldrand)

Verringerung

der Bodenerosion

Abb. 7: Allgemeines Wirkungsgefüge von Bodenordnungsverfahren

DIENSTLEISTUNGEN IM BEREICH FLÄCHENMANAGEMENT

Infrastruktur und

Wasserwirtschaft

Erhöhung der Rechtssicherheit des Eigentums (Grundeigentum)

und Verringerung hieraus resultierender Rechtsstreitigkeiten

Realisierung/

Beschleunigung von

Infrastrukturproblemen

Verbesserung des

Hochwasserschutzes

Verbesserung der

Grundwassersituation

Vorteile für die regionale

Wirtschaft

(Flächenbereitstellung)

monetär tangibel

Naturschutz und

Landschaftspflege

Ermöglichung/

Unterstützung von

Naturschutzprojekten

Erhalt/Förderung der

Kulturlandschaft und des

Landschaftsbaus

Verbesserung der

Naherholung und des

Freizeitwertes

Vereinbarkeit verschiedener Projekte und Maßnahmen der öffentlichen Verwaltung

sowie Erhöhung der Realisierungschancen der Gesamtplanung

Baukostenersparnisse durch eine beschleunigte Projektrealisierung

Kostenersparnisse durch spezielle Maßnahmen im Rahmen der Bodenordnung

Förderung und Entwicklung naturnaher Lebensräume und ökologisch

sinnvoller Biotopverbundsysteme sowie der damit verbundenen Erhaltung/Steigerung der Artenvielfalt

Verbesserung der Gewässerstrukturgüte

und der allgemeinen Wasserqualität

Kommunalentwicklung

Ermöglichung/Beschleunigung/Unterstützung

kommunaler Planungen

Kostenersparnisse im Zuge der Flächenbereitstellung: Grunderwerbskosten,

Entschädigungen, Personal- und Sachkosten für den Grunderwerb, Kataster- und

Notargebühren, Kosten der Vermessung

tangibel (physisch messbar) intangibel

Herstellung/

Ausweisung gem. Anlagen

Vorteile durch Verbesserung

des regionalen Wegenetzes

Beschäftigungs- und

Einkommenseffekte durch

Infrastrukturinvestitionen

Bewirtschaftungsvorteile durch

verbessertes Wegenetz

Neubewirtschaftung durch

(erstmaligen) Flächenzugang

Positive Umsatzeffekte in der regionalen Tourismusbranche

Kostenersparnisse bei der

Unterhaltung gem. Anlagen

ZUSÄTZLICHE DIENSTLEISTUNGEN

Berichtigung

öffentl. Bücher

Aktualisierung der Kataster-

und Grundbuchunterlagen

Verringerung des Verwaltungsaufwandes

Kataster- und Grundbuch

Wert stützt sich dabei auf eine anonymisierte Befragung der

unterschiedlichen Projektträger in NRW, welche ausnahmslos

Beschleunigungen des Projektes zwischen 6 und 24 Monaten

bestätigen konnten. In Rheinland-Pfalz fehlen Vergleichswerte,

da im Regelfall alle Infrastrukturprojekte von Flurbereinigungen

begleitet werden. Daher wurde – in Anlehnung an NRW

und die Erörterungsergebnisse – eine Mindestbeschleunigungszeit

von 6 Monaten gutachterlich unterstellt.

Zur Bestimmung der Kosteneinsparung infolge des zeitnäheren

Baubeginns (K e

Bau) wurde die Differenz zwischen den tatsächlich

gezahlten (KBau) und den um die geschätzten 6 Monate

(b = 0,5) abgezinsten Baukosten gebildet:

K e

Bau = KBau - [KBau : (1 + w) 2 ], wobei als Diskontierungssatz

die durchschnittliche Wachstumsrate der (Straßen-)Baupreise

(w = 0,46 %) im Zeitraum von 1999 bis 2005 gewählt wurde.

b) Investitionen in wasserwirtschaftliche Planungen

Wasserwirtschaftliche Planungen können zum einen gezielt auf

die Verbesserung des Hochwasserschutzes bzw. der Grundwassersituation

in bestimmten Gemeinden, d. h. lokal, ausgerichtet

sein. Zum anderen können sie aber auch auf einen größeren

Wirkungsbereich angelegt sein und auf eine Förderung

und Stärkung des regionalen bzw. überregionalen (Hoch-)

Wasserschutzes abzielen.

Um das durchschnittliche verfahrensspezifische Einsparungspotenzial

an Hochwasserschäden pro Jahr kalkulieren zu können,

bedarf es der Festlegung der jährlichen Eintrittswahrscheinlichkeit

eines 100- oder 200-jährlichen Hochwassers. Dabei

gilt die Annahme, dass es sich bei dem Phänomen Hochwasser

um ein unbedingtes Ereignis handelt, d. h., die Eintrittswahrscheinlichkeit

ist für jedes Jahr identisch und unabhängig

davon, ob es im vorangegangenen Jahr Hochwasser gegeben

hat. Das jährliche Einsparungspotenzial ergibt sich dann aus

der Multiplikation der Schadenseintrittswahrscheinlichkeit

mit dem verfahrensspezifischen Erwartungswert für Hochwasserschäden:

S b = P HW x SP Verf.

Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass die Umsetzung

wasserrechtlicher Planungen mit Hilfe eines Bodenordnungsverfahrens

wesentlich beschleunigt wird. Im Extremfall

schafft die Flurbereinigung sogar erst die Voraussetzung

für eine Realisierung der Hochwasserschutzmaßnahmen. In der

vorliegenden Untersuchung wird vorsichtig eine durchschnittliche

flurbereinigungsbedingte Beschleunigung von drei Jahren

(b= 3) unterstellt. Als Nutzen der Bodenordnung werden somit

die frühzeitige Verbesserung des (über-)regionalen Hochwasserschutzes

und die damit verbundene vorzeitige Schadensvermeidung

gewertet.

4

463


GRUND UND BODEN

464

c) Investitionen in den Aus- und Neubau

des regionalen Wegenetzes

Analog zu größeren Infrastrukturprojekten haben auch Investitionen

in den Aus- und Neubau des regionalen Wegenetzes

positive volkswirtschaftliche Effekte zur Folge. Bei der Quantifizierung

dieser Effekte wird unterstellt, dass die Umsetzung

der Planungen ohne Unterstützung der Bodenordnung nicht

möglich gewesen wäre. Somit kann der gesamte volkswirtschaftliche

Nettonutzen aus der Verbesserung des Wegenetzes

in Ansatz gebracht werden. Unter der vorsichtigen Annahme

einer Nutzen-Kosten-Relation von 1 : 1 ergibt sich dann

ein Wertschöpfungsbeitrag, der der Höhe nach der jeweiligen

Investitionssumme (I Wege) bzw. alternativ dem Sachwert des

Wegenetzes (SW Wege) entspricht.

Da nach Abschätzung von Experten aus der Tourismusbranche

das regionale Wegenetz zu ca. 30 % für touristische Zwecke

genutzt wird, werden lediglich 70 % dieses Wertschöpfungsbeitrags

als allgemeiner Vorteil aus einem verbesserten Wegenetz

(VV Wege) in Ansatz gebracht. Die restlichen 30 % werden

annahmegemäß als positiver touristischer Effekt gewertet.

d) Flächenneuordnung und -zusammenlegung

in Acker-/Grünland

Der Bewirtschaftungsvorteil, der sich im Zuge der Flächenneuordnung

und -zusammenlegung im Bereich der Landwirtschaft

ergibt, lässt sich auf Basis von Faustzahlen für variable Bewirtschaftungskosten

ermitteln. Diese sind (zuletzt) im Rahmen

einer langfristig angelegten Untersuchung der Bundesforschungsanstalt

für Landwirtschaft (2005) unter anderem in

Abhängigkeit der Schlaglänge, der Schlaggröße und der durchschnittlichen

Hof-Feld-Entfernung für verschiedene Regionen

in Niedersachsen bestimmt worden. Daher wurde nach Prüfung

einer übertragbaren Vorgehensweise entschieden, auf

Grundlage der niedersächsischen Faustzahlen die jährlichen

Bewirtschaftungskosten pro ha vor (BK vor) und nach der Flurbereinigung

(BK nach) auch in Rheinland-Pfalz zu kalkulieren.

Die jährlichen flurbereinigungsbedingten Einsparungen ergeben

sich aus der Differenz der ermittelten Bewirtschaftungskosten.

Der positive Effekt hält jedoch nicht nur ein Jahr an,

sondern setzt sich im Allgemeinen im Zeitverlauf fort. Als

Diskontrate der in Zukunft liegenden Erträge wurde der in der

Landwirtschaft übliche Kalkulationszins von 4 % angesetzt. Daraus

ergibt sich ein Kapitalisierungsfaktor (KF) von 25.

Die regionale Beschaffenheit in Rheinland-Pfalz unterscheidet

sich jedoch deutlich von der niedersächsischen. Daher wurden

die Bewirtschaftungsvorteile zusätzlich auf Basis von

4

Einsparungsansatz für Rebflurbereinigungen:

420 Arbeitsstunden pro Jahr und ha

speziell für Rheinland-Pfalz hergeleiteten

Pauschalwerten für die flurbereinigungsbedingte

Verbesserung

des Deckungsbeitrags, die durchschnittliche

Einsparung an Arbeitszeit

sowie die Kostenvorteile bei

Lohnarbeit bestimmt und den Wertschöpfungsbeiträgen,

die sich bei

Anwendung der niedersächsischen

Faustzahlen ergeben haben, vergleichend

gegenübergestellt.

Im Ergebnis haben sich mindestens

doppelt so hohe Effekte ergeben wie

auf Grundlage der niedersächsischen

Methode. Vereinfachend wurde daher

der Formelansatz verdoppelt, zumal

derzeit eine weitere Untersuchung

läuft und vertiefende Untersuchungen

derzeit nicht angebracht

waren.

e) Bewirtschaftungsvorteile durch

Rebflurbereinigungen

Bei der Ermittlung der Bewirtschaftungsvorteile

(BV FL), die aus einer

Rebflurbereinigung resultieren, muss

zwischen Weinbau in der Ebene,

Steillagenweinbau in der Pfalz und

Steillagenweinbau in Flusstälern

unterschieden werden. Untersucht

wurde ein Beispiel aus einer Steil(st)lage

der Mosel, dennoch wurden

auch die Formelwerte für die Flachlagen

(z. B. der Pfalz) ermittelt.

Der Einsparungsansatz für den Gesamtvorteil

wurde mit 420 AK-Stunden

Arbeitszeiteinsparung pro Jahr

und ha und dem Lohnansatz für

Fremdarbeitskräfte (aus Ländern

ohne Sozialabgabe) äußerst vorsichtig

kalkuliert (vgl. Abb. 9).

WEINBAU: BEWIRTSCHAFTUNGSVORTEILE

DURCH NEUORDNUNG DER FLÄCHEN

KALKULATIONSGRUNDLAGE

Gutachten: Adams, Karl

(1995): Die Auswirkungen

der Bodenordnung im

Weinbau (Rebflurbereinigung)

[...], Mainz

BERECHNUNGSMETHODE

Weinbau in der Ebene:

BV Ebene

FL = 575 E/ha x RFL x 25

Steillagenweinbau

in der Pfalz:

BV Steil

FL = 633E/ha x RFL x 25

Gutachten: Bildungsseminar

[...] (Hrsg.) (1997):

Chancen im Steillagenweinbau

durch Rationalisierung,

Emmelshausen

Steillagenweinbau

in Flusstälern:

BV Steil

FL = 2.512E/ha x RFL x 25

Abb. 9: Bewirtschaftungsvorteil durch Neuordnung

der Flächen in Weinanbaugebieten

f) Bewirtschaftungsvorteile durch Waldflurbereinigungen

Die Bewirtschaftung eines Waldes rentiert sich erst bei einer

Mindestgröße von sechs Festmetern Holz pro Jahr und ha. Dies

entspricht einem Umsatz von 40 E pro Jahr und Festmeter bzw.

240 E pro Jahr und ha. Die Waldflurbereinigung macht das

betroffene Verfahrensgebiet in der Regel erstmals einer forstwirtschaftlichen

Nutzung zugänglich – in anderen Fällen werden

Waldflurbereinigungen nicht durchgeführt. Ohne eine ausreichende

Erschließung und gute Arrondierung stiftet der Wald

keinen betriebswirtschaftlichen Nutzen, so dass die ermittelten

volkswirtschaftlichen Effekte (U Wald) in voller Höhe der

Bodenordnung anzurechnen sind: U Wald = 40 E x Hz x KF

mit HZ als Anzahl der Festmeter Holz und KF als Kapitalisierungsfaktor,

der sich unter Gültigkeit des in der Landwirtschaft

üblichen Kalkulationszinssatzes von 4 % wiederum auf 25

beläuft.

Des Weiteren gehen Fachvertreter aus dem Bereich der Forstwirtschaft

davon aus, dass sich der Bodenwert des Waldes in-

Folge der Flurbereinigung mindestens verdoppelt. Der Preis für

einen m 2 Waldboden beträgt im Durchschnitt 30 Cent, so dass

pauschal eine flurbereinigungsbedingte Steigerung des Bodenwertes

um 30 Cent pro m 2 in Ansatz gebracht werden kann:

WBW = 30 Cent x WFL, wobei WBW die Bodenwertsteigerung

des Waldes und WFL die Waldfläche in m 2 bezeichnet.

g) Quantifizierung der Wirkungskomponenten

aus dem Bereich Tourismus

GRUND UND BODEN

Nach einheitlicher Aussage von Experten und Fachvertretern

aus den Bereichen Tourismus und Landentwicklung ist eine

monetäre Quantifizierung der allgemeinen touristischen Umsatzeffekte

ländlicher Bodenordnung auf Grundlage des derzeit

verfügbaren Datenmaterials noch nicht möglich. Hier wird die

Studie derzeit auf regionale Effekte erweitert. Zu bewerten sind

jedoch bereits zum einen die positiven Auswirkungen des verbesserten

Rad- und Wanderwegenetzes auf die regionale Tourismusbranche.

Zum anderen lässt sich der Nutzen aus unmittelbar

im Zuge der Flurbereinigung realisierten touristischen

Attraktionen ermitteln. Nach vorsichtiger Schätzung der Experten

werden in etwa 30 % der in einem Bodenordnungsverfahren

erschlossenen Wege für touristische Zwecke genutzt.

Unter der Annahme eines Nutzen-Kosten-Verhältnisses von

1 : 1 lassen sich demnach 30 % der Investitionssumme (I Wege)

bzw. alternativ des Sachwertes des Wegenetzes (SW Wege) als

touristischer Wertschöpfungsbeitrag (VV Wege) der Flurbereinigung

in Ansatz bringen:

VV Wege = 0,3 x I Wege bzw. VV Wege = 0,3 x SW Wege.

h) Quantifizierung der Effekte reiner Naturschutz- und

Landschaftspflegemaßnahmen

Bei der Quantifizierung der Effekte auf die reinen Naturschutzund

Landschaftspflegemaßnahmen wird zwischen Planungen

unterschieden, deren Umsetzung die Durchführung eines Bodenordnungsverfahrens

voraussetzen, und Projekten, die auch

ohne begleitende Flurbereinigung durchgeführt werden können.

Falls die Umsetzung der Planungen an die Einleitung und

Durchführung einer Bodenordnung gebunden ist, kann der gesamte

Nutzen des Naturschutzes und der Landschaftspflege

als Wertschöpfungsbeitrag des Verfahrens betrachtet werden.

Unter der Annahme einer Nutzen-Kosten-Relation von 1 : 1

entspricht der volkswirtschaftliche Vorteil (VV Natur) aus der

Realisierung der naturschutzrechtlichen und landschaftspflegerischen

Planungen in diesem Fall gerade den Kosten, die

bei ihrer Umsetzung entstehen. Bei der Ermittlung der Planungskosten

der DLR können unabhängig von der jeweiligen

Pflegeintensitätsstufe 19 E je ha Fläche in Ansatz gebracht

werden. Um die fiktiven Ausführungskosten der Planungsbüros

zu erhalten, sind die von den DLR ermittelten Planungskosten

um die in Abhängigkeit des jeweiligen Biotoptyps ermittelten

Prozentaufschläge (P s) zu ergänzen.

4

465


GRUND UND BODEN GRUND UND BODEN

Zusätzliche positive Auswirkungen auf den Erhalt der Kulturlandschaft, des allgemeinen Land-

schaftsbildes, der regionalen Naherholung und des Freizeitwertes werden nicht monetär erfasst.

466

4

i) Quantifizierung weiterer

Wirkungskomponenten

Eine Vielzahl weiterer Wirkungskomponenten

(Kataster, Grundbuch usw.)

wurde in der Studie ausgearbeitet,

kann in dieser Kurzdarstellung aber

nicht angesprochen werden.

ANWENDUNG DER BETRIEBS-

WIRTSCHAFTLICHEN UND

VOLKSWIRTSCHAFTLICHEN

BERECHNUNGEN AUF DIE

FÜNF AUSGESUCHTEN

BEISPIELE IN RHEINLAND-

PFALZ

a) Bodenordnungsverfahren

Mörschbach-Frankenthal

Für das Bodenordnungsverfahren

Mörschbach-Frankenthal addieren

sich die Nutzen der einzelnen Empfängerebenen

zu einem Gesamteffekt

von rund 4,97 Mi E auf.

Diesem Effekt werden Kosten in

Höhe von 230.986 E gegenübergestellt.

Daraus ergibt sich ein Nutzen-

Kosten-Faktor von 21,53 (vgl. Abb.

10 bis 12).

Zusätzlich werden im Rahmen des

Verfahrens der Erhalt der Kulturlandschaft

und des allgemeinen

Landschaftsbildes sowie die Verbesserung

der regionalen Naherholung

und des Freizeitwertes gefördert. Die

Neuordnung des Verfahrensgebietes

führt zudem zu einer Sicherung oder

sogar Steigerung des Bodenwertes.

Allgemein werden durch ein effizientes

Flächenmanagement die Realisierungschancen

der Gesamtplanung

erhöht.

b) Bodenordnungsverfahren Rengen

Im Bodenordnungsverfahren Rengen führen die monetär

bewertbaren Effekte zu einem Gesamtergebnis von ungefähr

2,21 Millionen E. Die Gesamtkosten belaufen sich auf

884.834 E. Der Nutzen-Kosten-Faktor entspricht somit 2,5.

Neben dem monetären Nutzen sind auch die intangiblen

Wertschöpfungsbeiträge, wie z. B. der allgemeine Beschäftigungs-

und Einkommenseffekt, die unterstützende Leistung

des Verfahrens beim Aufbau eines kommunalen Ökokontos

oder die positiven Auswirkungen der Flurbereinigung auf die

Bereiche Naherholung und Freizeit, zu berücksichtigen.

c) Flurbereinigung Ramstein-Miesenbach

Der monetäre Gesamtnutzen der Flurbereinigung Ramstein-

Miesenbach beträgt ca. 2,82 Millionen E. Die Gesamtkosten

liegen bei 256.551 E. Damit stehen Nutzen und Kosten in einem

Verhältnis von 11 : 1 zueinander.

Der positive Beitrag des Verfahrens zur Erhöhung der Rechtssicherheit

und der damit einhergehenden Verringerung von

Rechtsstreitigkeiten ist allerdings nicht in der ausgewiesenen

Nutzen-Kosten-Relation enthalten.

d) Bodenordnungsverfahren Rachtig-Ürzig

Im Fall Rachtig-Ürzig überwiegen die Gesamtkosten von

8.443.155 E den volkswirtschaftlichen Gesamteffekt in Höhe

von 8.187.546 E. Der Nutzen-Kosten-Faktor beträgt hier rund

0,97.

Dabei ist jedoch zu bedenken, dass die positiven Auswirkungen

der Bodenordnung auf den Erhalt der Kulturlandschaft

und des allgemeinen Landschaftsbildes sowie auf die Verbesserung

der Naherholung und des Freizeitwertes monetär nicht

erfasst werden konnten. Bei dem Verfahren Rachtig-Ürzig handelt

es sich um eine Rebflurbereinigung, die wesentlich zum

Erhalt des regional typischen Steillagenweinbaus beiträgt. Der

intangible Wertschöpfungsbeitrag des Bodenordnungsverfahrens

ist dementsprechend als sehr hoch einzuschätzen. Des

Weiteren ist davon auszugehen, dass sich die Rebflurbereinigung

auch positiv auf die regionale Tourismusbranche auswirkt,

da der Weinbau, insbesondere der Steillagenweinbau, ein bedeutender

Bestimmungsfaktor für den Tourismus in der Moselregion

ist.

EMPFÄNGEREBENEN – BÜRGER UND WIRTSCHAFT:

MONETÄR TANGIBLE EFFEKTE DES VERFAHRENS »MÖRSCHBACH-FRANKENTHAL«

BÜRGER

WIRTSCHAFT

Empfänger

Grundstückseigentümer

Allgemeinheit

Gesamteffekt

Land-/Forstwirtschaft

Industrie/DL

Gesamteffekt

Abb. 10: Verfahrensbewertung Mörschbach-Frankenthal – Teil I

VERFAHREN MÖRSCHBACH-FRANKENTHAL

Wirkungen

Gebühreneinsparungen – Hauptzweck

Gebühreneinsparungen – Nebenzweck

Beschleunigung – Leitungsstraße der BASF

Beschleunigung – Planungen der Gemeinde

Bobenheim-Roxheim

Aktualisierung – Kataster/Grundbuch

Hochwasserschutz/Grundwassersituation

Bewirtschaftungsvorteile – Flächenneuordnung

Bewirtschaftungsvorteile – Verbesserung des Wegenetzes

Flächenbereitstellung – Leitungsstraße der BASF

EMPFÄNGEREBENEN – STAAT UND UMWELT:

MONETÄR TANGIBLE EFFEKTE DES VERFAHRENS »MÖRSCHBACH-FRANKENTHAL«

STAAT

UMWELT

Empfänger

Projektträger

und öffentliche

Verwaltung

Gesamteffekt

Ökologische Umwelt

Gesamteffekt

Abb.11: Verfahrensbewertung Mörschbach-Frankenthal – Teil II

VERFAHREN MÖRSCHBACH-FRANKENTHAL

Wirkungen

Grunderwerbskosten

Personal- und Sachkosten

(Grunderwerbsabteilung)

Kataster- und Notargebühren

Kosten der Vermessung – Hauptzweck

Kosten der Vermessung – Nebenzweck

Verwaltungsaufwand – Grundbuchführung

Entwicklung naturnaher Lebensräume und

ökologisch sinnvoller Biotopverbundsysteme

Bewertung

1.863 E

162 E

4.466 E

49.521 E

2.722 E

4.528.500 E

4.587.234 E

255.300 E

34.500 E

2.555 E

292.355 E

Bewertung

18.630 E

6.188 E

1.683 E

2.770 E

3.242 E

2.367 E

34.880 E

58.675 E

58.675 E

4

467


GRUND UND BODEN

468

ERGEBNIS DER ANALYSE:

WERTSCHÖPFUNGSBILANZ DES VERFAHRENS »MÖRSCHBACH-FRANKENTHAL«

Verfahrenskosten

DLR

Verfahrenskosten

ADD

Verfahrenskosten

MWVLW

Ausführungskosten

e) Unternehmensflurbereinigung

A63-Kaiserslautern-Ost-Mehlingen

Aus der Untersuchung wird ersichtlich, dass die Unternehmensflurbereinigung

A63-Kaiserslautern-Ost-Mehlingen Kosten

von insgesamt gut 2,9 Millionen E verursacht hat. Dem gegenüber

steht ein verfahrensspezifischer Wertschöpfungsbeitrag

von rund 9,4 Millionen E. Daraus ergibt sich ein Nutzen-

Kosten-Faktor von 3,23.

ERGÄNZUNG DER UNTERSUCHUNG (QUANTIFI-

ZIERUNG WEITERER WIRKUNGSKOMPONENTEN)

Verschiedene flurbereinigungsbedingte Auswirkungen konnten

(noch) nicht monetär oder physisch gemessen werden. Zu

diesen Effekten gehören insbesondere:

der allgemeine Einkommens- und Beschäftigungseffekt

die Verbesserung der Grundwassersituation und der Gewässerstrukturgüte

die Verbesserung des Naherholungs- und Freizeitbereichs

die auf ein effizientes Flächenmanagement zurückzuführende

Erhöhung der Realisierungschancen der Gesamtplanung

In einer nachfolgenden Studie wird diesen Effekten noch einmal

nachgegangen.

4

Summe

KOSTEN NUTZEN

tangibel intangibel

114.075 E

5.111 E

3.000 E

108.800 E

230.986 E

4.587.234 E

284.955 E

34.880 E

58.675 E

4.973.144 E

Abb. 12: Monetär bewerteter Gesamtnutzen des Verfahrens Mörschbach-Frankenthal

Bürger

Wirtschaft

Staat

Umwelt

• Erhalt der Kulturlandschaft

und des Landschaftsbildes

• Verbesserung der Naherholung

und des Freizeitwertes

• Erhöhung der Realisierungschancen

der Gesamtplanung

• Sicherung bzw. Steigerung

des Bodenwertes

WIRKUNGSPROGNOSE

(PROGNOSEFORMELN UND PROGNOSETOOL)

Abgerundet wurde die Untersuchung durch die Ermittlung von

spezifischen Prognoseformeln für einzelne Wirkungsbestandteile.

In Abhängigkeit verfahrensspezifischer Parameter sollen

so zukünftig die wesentlichen Wirkungen von Bodenordnungsverfahren

sowie deren monetärer Wert abschätzbar werden.

In Kombination mit der in Rheinland-Pfalz entwickelten

Kostenprognoseformel für Bodenordnungsverfahren kann so

eine Priorisierung von Bodenordnungsverfahren nach Kapazitäts-

und Wirkungsgesichtspunkten erfolgen.

Durch die Umsetzung der Kosten- und Wirkungsprognose in

einer Softwarelösung werden die im Rahmen des Projektes

gewonnenen Erkenntnisse zukünftig durch die DLR eigenständig

anwendbar sein und so Eingang in den operativen Arbeitsalltag

finden. In einem gesamtgesellschaftlichen Gefüge kann

damit aufgezeigt werden, welche Leistungen mit welchem

finanziellen Vorteil einer Bodenordnung verbunden sind.

Auf dieser Grundlage kann man transparenter entscheiden,

besonders wirkungsvolle Verfahren beschleunigen und weniger

wirksame Maßnahmen zurückstellen, unterlassen oder zumindest

solche mit nicht so hoher Priorität wirkungsvolleren

vorziehen.

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Weinbau (Rebflurbereinigung) auf die Rebflächenstruktur, die

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der Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft ARGE Landentwicklung,

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Abschlussbericht zum Projekt Wirkungsorientiertes Controlling:

Gesamtwirtschaftliche Wertschöpfungsanalyse von Bodenordnungsverfahren

der Verwaltung für Agrarordnung am Beispiel der

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ländliche Bodenordnung: Kostensenkung durch moderne Bodenordnung

– Für eine zukunftsfähige Landwirtschaft, Bernkastel-Kues.

Ministerium für Landwirtschaft, Weinbau und Forsten Rheinland-

Pfalz (Hrsg.) (1991): Der Einfluss von Bodenordnungsverfahren

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Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau

Rheinland-Pfalz (2006): Leitlinien Landentwicklung und ländliche

Bodenordnung, Mainz.

Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau

Rheinland-Pfalz / BMS Consulting GmbH (2006): Abschlussbericht

zum Projekt Wirkungsorientiertes Controlling: Entwicklung und

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Weiß, Erich; Kremer, Sabina und Harald Strang (1996): Effizienz

der Flurbereinigung – Praxisreife Fortentwicklung der Erfolgskontrolle,

Schriftenreihe des Bundesministeriums für Ernährung,

Landwirtschaft und Forsten, Heft 82, Bonn.

Prof. Dipl.-Ing. Axel Lorig

Referat 8604 – Landentwicklung, Ländliche Bodenordnung,

Landeskulturverwaltung, Technik der Zahlstelle,

Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft

und Weinbau Rheinland-Pfalz

Kaiser-Friedrich-Straße 5a • 55116 Mainz

E-Mail axel.lorig@mwvlw.rlp.de

Dipl.-Vw. Tanja Kasten

Lehrstuhl für Finanzwissenschaften II

Wilmergasse 6-8 • 48143 Münster

E-Mail 13taka@wiwi.uni-muenster.de

Dr. Thomas Mosiek und Dipl.-Kfm. Thorsten Pieper

BMS Consulting GmbH

Neuer Zollhof 3 • 40221 Düsseldorf

E-Mail mosiek@bms-consulting.de

pieper@bms-consulting.de

GRUND UND BODEN

4

469


GRUND UND BODEN

470

BEWERTUNG

IST CHEFSACHE

FORUM-Interview mit den

Gründern der Wert SüdWest

EXPO REAL: Die Immobilienbranche feiert ihr internationales Rendite- und Wachstumsfest. Am Moskauer

Stand werden die Garantietickets für Expansion und zweistellige Zuwachsraten gedruckt, die Hamburger

Marketing Directors sortieren die Investoren für die Hafen-City Ost, und Dubai umwirbt den Jetset mit

einer Immobilienlandschaft ohne Problemquartiere.

Dazwischen, auf dem Messeareal von Rheinland-Pfalz, die Herren ÖbVI von der Wert SüdWest.

Bewertungsgutachten von Expertenhand. Wie geht das? Wo haben die ihre Gummistiefel? FORUM fragt

nach!

4

FORUM Erst einmal herzlichen Glückwunsch zu eurem selbstbewussten

Auftritt auf der EXPO REAL. Der Öffentlich

bestellte Vermessungsingenieur als Grundstückssachverständiger

– dieses Markenzeichen setzt sich

langsam durch. Der ÖbVI als vernetzter Bewertungsexperte

– dieser Zugewinn an Fachkompetenz ist

beachtlich. Wie kommt man dazu?

Esch Ich fange mal mit der

Entstehung des Ganzen

an. Wir – die ÖbVI von

Wert SüdWest – kennen

uns alle schon länger

von der BDVI-Arbeit. Ich

selbst habe schon relativ

frühzeitig den Kollegen

geraten, sich neben der

Katastervermessung auch

mit anderen Dingen zu

beschäftigen, also z. B. mit

echten technischen Vermessungen

und mit Planungen.

Aber da kommt

man unter Umstämden

mit den eigenen Auftraggebern

ins Gehege. Als weiteres Berufsfeld

bot sich die Wertermittlung an.

Wertermittlung setzt Grundstückswissen

voraus. Und darüber verfügt der ÖbVI in hohem

Maße. Etwa vor drei bis vier Jahren sind wir dann

zusammengekommen und haben beschlossen, uns

zusammenzutun. Die Form haben dann Peter und

Frank klargemacht.

Strokowsky Wir haben uns dann für eine Partnerschaftsgesellschaft

entschieden: Wert SüdWest. Es gibt keinen

Chef im klassischen Sinne. Aus rechtlichen Gründen

steht mein Name beim zuständigen Amtsgericht in

Koblenz, also Wert SüdWest-Partnerschaftsgesellschaft

Strokowsky und Partner. Die Voraussetzungen

fachlicher Art bezüglich der Bewertung

waren beim Zusammenschluss noch unterschiedlich,

haben sich aber im Laufe der Zeit immer mehr angeglichen.

Ein wesentlicher Grund für unseren

Zusammenschluss war, dass man in einem vertrauten

Kreis immer jemanden hat, an den man seine

mehr oder weniger klugen Fachfragen richten kann.

Esch In die Gründungsphase hinein kam dann ein größerer

Auftrag auf uns zu, der es notwendig machte,

»Man-Power« zusammenzuziehen. Über 100 ha Flächen

und über hundert Gebäude, und das in einem

GRUND UND BODEN

relativ kleinen Zeitraum für einen wichtigen Auftraggeber.

Damit war ein Einzelkämpfer überfordert.

So haben wir erstmalig die Zusammenarbeit erprobt.

Mittlerweile ist es so, dass die Aufträge deswegen

kommen, weil wir eine gewisse Größe haben. Das

ist eigentlich der Weg, den wir weiterverfolgen

wollen. Man muss sich natürlich darüber im Klaren

Ein Staatssekretär staunt: Prof. Englert begrüßt auf

der EXPO REAL rheinland-pfälzischen Wissensexport

sein, dass das nicht von heute auf morgen geht, sondern

dass man »ganz dicke Bretter bohren muss«.

Aber nur so geht es.

FORUM Viele Berufsordnungen lassen aus Haftungsgründen

nur BGB-Gesellschaften zu, also nur Bürogemeinschaften

oder Sozietäten.

Strokowsky Wir haben uns beraten lassen. Eine BGB-Gesellschaft

hat den Nachteil, dass jeder auch für den anderen

haftet. Daher sind wir nach mehreren Überlegungen

übereingekommen, dass wir eine Partnerschaftsgesellschaft

gründen, eine Gesellschaft,

in der jeder Partner für sein eigenes Tun allein verantwortlich

ist und auch entsprechend allein haftet.

Esch Dazu muss ich etwas klarstellen: Die Wert SüdWest

ist eine privatrechtliche Gesellschaft, die nach unserem

Berufsrecht nicht den ÖbVI-Status berührt.

Insofern unterlag unsere Gesellschaftsgründung

auch nicht der staatlichen Berufsaufsicht. Aber in

unserem neuen Berufsrecht gibt es nun eine wichtige

Neuerung. Nach dem neuen Berufsrecht sind

Partnerschaften möglich, die auch die ÖbVI-Tätig-

4

471


GRUND UND BODEN

472

4

keit mit einschließen können.

Einziges Kriterium, das gewährleistet

sein muss: Der

ÖbVI muss innerhalb der Partnerschaftsgesellschaft

seine

hoheitliche Tätigkeit nach

dem geltenden Berufsrecht

unabhängig ausüben können.

Das lässt sich aber vertraglich

leicht regeln. Ansonsten sind

Zusammenschlüsse zwischen

ÖbVI und anderen Freiberuflern

wie Rechtsanwälten oder

Bauingenieuren möglich. Rheinland-Pfalz hat zurzeit

die modernste Berufsordnung in Deutschland.

Sie wurde 2005 novelliert und in das Vermessungsgesetz

integriert.

FORUM Müssen wir jetzt die Rheinland-Pfalz-Fahne hissen?

Okay, kommen wir mal zur Qualifizierung in Sachen

Wertermittlung. Uli hat es schon angedeutet. Es

gibt eine Nachbarschaft zwischen Vermessung und

Bewertung.

Brütsch Es gibt viele Möglichkeiten, sich in der Bewertung

weiterzubilden. Ich habe meine Ausbildung an der

Technischen Akademie Südwest in

Kaiserslautern als Diplom-

Wirtschaftsingenieur, FachrichtungGrundstücksbewertung,

im Jahr 2000 begonnen.

Es ist ein Fern-, aber

auch ein Präsenzstudium.

Das Studium hat zwei Jahre

gedauert. Man schließt das

Studium als Sachverständiger

bzw. als Diplom-Wirtschaftsingenieur

(FH) ab.

Hans Ulrich Esch: Die Zusammenarbeit

muss erprobt werden.

FORUM Und wie bist du an

die ersten Aufträge herangekommen?

Brütsch Durch Zufall. Ein

Kunde, bei dem ich Vermessungsarbeiten

durchgeführt habe, brauchte für die

erworbenen Grundstücke auch Gutachten. Auf so

eine Gelegenheit hatte ich gewartet. Glücklicherweise

hatte ich mein Studium gerade beendet und

konnte so das Gutachten erstellen. Beim Anfertigen

Frank Brütsch: Fortbildung in der Wertermittlung

ist sehr zeitaufwendig.

von Gutachten wird in der Regel vom Auftraggeber

die Qualifikation der Gutachter abgefragt. Da reicht

es nicht, wenn man nur ein 2-Tage-Seminar nachweisen

kann. So einfach ist das nicht.

Strokowsky Ich habe 1991 angefangen, mich mit der Wertermittlung

zu beschäftigen. Zu dem damaligen

Zeitpunkt gab es derartige Ausbildungsgänge wie

eben beschrieben noch nicht. Man war gezwungen,

sich die einzelnen Ausbildungselemente bei verschiedenen

Anbietern herauszusuchen. Das fing mit

Wochenendseminaren an. Daran schlossen sich

Grundlagenseminare bei »Sprengnetter« an, später

dann verschiedene Seminare bei der Technischen

Akademie Südwest, mal etwas in München, mal

etwas in Hamburg, also zeitlich und räumlich ziemlich

verstreut. Ich habe von Anfang an eine öffentliche

Bestellung angestrebt. Dafür war eine

gewisse Anzahl von Gutachten, also Bewertungspraxis,

Voraussetzung. Um an Aufträge für Gutachten

heranzukommen, habe ich angefangen, im

Bekannten- und im Auftraggeberkreis von meinen

Absichten zu erzählen. Dabei musste ich lernen, dass

man in der Regel nur Aufträge bekommt, wenn man

öffentlich bestellt ist. Aber zur öffentlichen Bestellung

muss man Aufträge nachweisen. Um die nötige

Anzahl von Gutachten vorlegen zu können, gilt es,

diesen »Teufelskreis« in irgendeiner Form aufzubrechen.

Esch Bei mir war die Entwicklung folgendermaßen: Relativ

zufällig ist mir eine Seminaranzeige von »Sprengnetter«

aufgefallen; bei näherer Betrachtung habe

ich dann festgestellt, dass dort Themen behandelt

wurden, die mir noch aus dem Studium bekannt

waren, aber über die ich eigentlich nicht mehr viel

wusste. Daraufhin habe ich mich angemeldet – ohne

einen großen Hintergedanken. Ich absolvierte damals

die so genannte A-Serie, diese beinhaltet ca.

zehn zweitägige Seminare und schließt mit einer

Sachverständigenprüfung ab. Die Übungsgutachten

habe ich im Bekannten- und Freundeskreis und

die Prüfungsgutachten schon als echte Aufträge erstellt.

Nach Abschluss der Sachverständigenprüfung

habe

ich dies natürlich veröffentlicht

und in meinen

Briefkopf und mein »Türschild«

aufgenommen.

Seitdem erhalte ich Aufträge.

Wer aber meint, es

kamen die einfachen, die

so genannten Standardsachen,

weit gefehlt. Es

kamen sofort »Spezialimmobilien«,

um das mal

salopp auszudrücken. Es

war sofort der Druck zur

Weiterbildung da. Ich

habe dann schnell begriffen,

dass mein Ziel die

Zertifizierung oder eine

öffentliche Bestellung

sein muss, und im Laufe

der letzten drei bis vier

Jahre alle notwendigen

Z-Seminare absolviert,

aber auch Schulungen

der Ingenieurkammer und des BDVI-

Bildungsinstituts besucht. Im Sommer

dieses Jahres beantragte ich bei der Ingenieurkammer

in Rheinland-Pfalz die öffentliche

Bestellung.

Strokowsky Wer sich mit dem Thema »Wertermittlung« beschäftigen

möchte, der muss sich vor allem im Klaren

darüber sein, dass er erst einmal sehr viel Zeit, und

zwar echte Arbeitszeit, abzwacken muss. Da gibt es

dann zwei Möglichkeiten: Entweder man führt alle

Arbeitsschritte einer Bewertung allein aus oder man

nähert sich dem Ganzen mit Unterstützung eines

Mitarbeiters, der vor Ort die Grundstücksdaten registriert

und im Büro die Zustandsdaten aufbereitet,

so dass man sich nachher auf die Theorie und

auf die Ausbildung selbst konzentrieren kann. So viel

zum Ablauf. Dann braucht man natürlich Zeit für

die Ausbildung selbst, das sind meistens zwei Tage

am Wochenende, die man vor- und nachbereiten

GRUND UND BODEN

muss. Das ist also keine Stundensache, sondern eine

Tage- und Wocheninanspruchnahme. Von der

täglichen Arbeitszeit, die man als ÖbVI braucht, geht

ein gewisser Teil weg. Und die zeitliche Inanspruchnahme

wird nicht weniger, wenn man Gutachten

für Amtsgerichte oder für private Kunden macht,

über deren Ergebnisse es zu Streitigkeiten kommt,

Wert SüdWest:

Kein Mangel an Selbstbewusstsein.

und das Festgestellte in Frage gestellt wird. Dann

muss man natürlich erklären und begründen, warum

man diese oder jene Annahme getroffen hat. Man

muss also ein gewisses Verhandlungsgeschick mitbringen,

vor allem aber zu seiner Arbeit stehen. Ich

glaube, in der Bewertung muss man nicht nur fachlich,

sondern auch rhetorisch und strategisch fit sein.

Esch Ein wesentlicher Unterschied zur Vermessungstätigkeit

liegt darin: Die Bewertung ist eben nicht

nur Jonglieren mit Zahlen – also Input auf der einen,

Output auf der anderen Seite. In der Wertermittlung

wird man veranlasst, zu interpretieren und einzuschätzen.

Letztlich sind die Wertgutachten Wertschätzungen.

Die Schätzungsansätze müssen im

Prinzip griffig und nachvollziehbar sein. Diese Nach-

4

473


GRUND UND BODEN

474

vollziehbarkeit ist in einer gewissen Form zu dokumentieren

und man muss sicherstellen, dass man die

Ergebnisse im Zweifel, insbesondere vor Gericht,

vertreten kann.

Brütsch Wenn man mit Wertermittlung noch nichts zu tun

hatte, dann ist das natürlich schon sehr zeitaufwendig.

In meinem Fall waren es insgesamt zwei

Jahre, d. h. pro Semester zwei Wochen Präsenzpflicht.

Hinzu kommt die Zeit der Vor- und Nachbereitung.

Die Ausbildung hat übrigens auch eine

finanzielle Seite. Das Studium hat mich damals insgesamt

25.000 DM gekostet. Auch mir ist es zunächst

schwergefallen – wie Peter und Uli es beschrieben

haben –, aus der Fülle der möglichen Ansätze

den »richtigen« Wert abzuleiten. Wenn in der

Vermessung 3 + 3 = 6 ist, dann muss diese Lösung

in der Bewertung auch noch begründet werden.

FORUM Viele Bewertungen laufen über ertragsorientierte

Wertermittlungsverfahren ab, d. h., ihr müsst auch

noch wirtschaftlichen Sachverstand mitbringen.

Wie holt ihr euch den?

Strokowsky Bei mir ist es so, dass ich berufsbegleitend ein

Zusatzstudium als Wirtschaftsingenieur an der FH

in Mainz mit einem zusätzlichen Diplomabschluss

gemacht habe. Das war dann ein ganz ordentliches

Rüstzeug in dieser Hinsicht.

Esch Meine wirtschaftlichen Kenntnisse kommen aus näherem

Betrachten und Auswerten der Kennzahlen

4

Peter Strokowsky: Mehrgleisig fahren,

um manövrierfähig sein zu können.

meines Büros. Anfangs hielt ich das für überflüssig.

Mit der Zeit habe ich aber erkannt, dass eine gewisse

Kenntnis und Beachtung der Einflussfaktoren wichtig

ist. Was natürlich für den Bewerter wahnsinnig

wichtig ist, sind örtliche Vergleichspreise, Daten und

Marktkenntnisse. Nur dann kann man eine vernünftige

Annahme über eine mögliche Folgenutzung

treffen. Es gibt in den einzelnen Regionen Unterschiede,

die man betriebswirtschaftlich natürlich

kennen muss. Speziell hier an der Mosel gibt es die

verschiedensten Besonderheiten. Wie sieht die Entwicklung

im Weinbau aus? Welche Winzer, welche

Lagen oder sogar welche Orte haben Zukunftschancen?

Was kann man mit dem Leerstand anfangen,

was ist dauerhaft rentabel? Hier stütze ich mich auf

Informationen sowohl aus dem Bereich der Steuerberater,

Makler, Rechtsanwälte und Ingenieure als

auch aus der Gruppe der Landwirte und Winzer.

FORUM Jetzt habt ihr ja euer Berufsfeld um eine ganz

wichtige Komponente erweitert. Eine bekannte

Freiberuflersorge lautet: Wie sieht meine Berufstätigkeit

im Jahre 2012 aus? Habt ihr eine Vorstellung

davon, wie sich die Situation entwickeln wird?

Seid ihr jetzt bestens vorbereitet?

Brütsch Wenn man so weit in die Zukunft blicken könnte,

wäre das natürlich super. Andererseits sind fünf

Jahre keine lange Zeit. Ich sage mal, ich sehe mich

mit dem zweiten beruflichen Standbein auf einem

guten Weg. Und ich kann mir durchaus eine Zeit mit

weniger beruflichem Stress vorstellen. Vielleicht ist

das die Zeit, in der ich meine gutachterliche

Tätigkeit noch

ausweite.

Strokowsky Also, Prognosen

sind besonders dann

ein Problem, wenn sie die

Zukunft betreffen. (Dieser

Spruch ist nicht von mir,

sondern von Mark Twain,

glaube ich.) Ja, in den letzten

vier Jahren ist der Anteil

der Bewertung in meinem

Büro permanent gestiegen.

Ich sehe da noch

weitere Entwicklungsmöglichkeiten.

Allerdings muss

man beachten, dass in den

letzten konjunkturschwa-

chen Jahren nicht nur die ÖbVI, sonder auch Bauingenieure

und Architekten u. a. in die Wertermittlung

gestürmt sind, so dass da doch möglicherweise ein

gewisser Sättigungsgrad abzusehen ist. Insofern

denke ich, dass man weiterhin mindestens zwei-,

wenn nicht mehrgleisig mit seinem Büro »fahren«

muss, um manövrierfähig sein zu können. Sich jetzt

einseitig auf die Gutachten zu verlassen, hielte ich

für einen Fehler.

Esch Ich warte nicht darauf,

was passiert, sondern

versuche, die Zukunft

zu beeinflussen. Zugegeben,

das klingt etwas

pathetisch. Wir haben

uns im Kollegenkreis

schon öfter darüber

unterhalten, wie z. B.

ein Büro zu übergeben

ist. Ich werde im nächsten

Jahr 50, ich möchte

noch nicht aufhören.

Aber ich möchte

spätestens in fünf Jahren

wissen, wer mein

Büro übernimmt, ob es der Filius sein wird oder ob

ich das Büro jemand anderem übergeben werde. Der

Anteil der Wertermittlungen ist in den letzten zwei

Jahren deutlich angestiegen, ohne dass ich im

größeren Umfang akquiriert habe. Mein Ziel ist es,

mit der Wert SüdWest weitere größere Projekte anzugehen.

Sinn der Sache ist, dass mein Büro in fünf

Jahren mich und meinen potenziellen Kompagnon

ernähren kann. Ab 60 habe ich eigentlich vor, mich

nur noch mit der Wertermittlung zu beschäftigen.

FORUM Peter hat eben bemerkt, dass bei der Planung zur

Wert SüdWest auch noch eine andere Organisationsform

im Raum stand und bedacht werden musste.

Strokowsky Ja, und zwar wäre das die klassische GmbH gewesen.

Der Vorteil ist natürlich haftungsrechtlicher Art,

natürlich dass die Gesellschaft allein haftbar ist und

die Gesellschafter außerhalb der Haftung stehen, im

Prinzip nur das eingebrachte Kapital haftet. Und das

war der Punkt, an dem wir es uns dann anders überlegt

haben, denn 25.000 E hätten erst einmal aufgebracht

werden müssen. Zu dem damaligen Zeitpunkt

haben wir uns gesagt, dass wir das gern mit einem

etwas geringerem Kapitaleinsatz machen würden.

GRUND UND BODEN

Deswegen kamen wir als Nächstes auf die damals

frische Form der Ltd., deren Charakter wir zum damaligen

Zeitpunkt aber noch nicht richtig einschätzen

konnten. Letztlich scheint aber bei der Ltd.

die Haftungsfrage nicht eindeutig geklärt zu sein.

Meines Wissens gibt es mittlerweile Fälle, bei denen

auch bei der Ltd. auf das Privatvermögen der

Schlüssel zum Erfolg: Präsent sein

und sich weiterentwickeln.

Geschäftsführer durchgegriffen wurde. Damit entfiel

dieses Gesellschaftsmodell. Die GmbH war uns

schlicht und einfach zu teuer und deswegen sind

wir auf die Partnerschaftsgesellschaft gekommen.

Im Übrigen entspricht die Partnerschaftsgesellschaft

dem freiberuflichen Berufsverständnis am besten.

FORUM Woran liegt es, dass eure Gesellschaft immer noch

besteht?

Strokowsky Wahrscheinlich daran, dass die Bewertung für jeden

von uns Chefsache ist. Das ist ein ganz wichtiger

Punkt. Die Wert SüdWest ist eine Bewertungsgesellschaft,

die jetzt schon seit ungefähr drei Jahren

auf dem Markt ist und bereits eine gewisse »Marktfähigkeit«

bewiesen hat. Wir sind präsent und entwickeln

uns weiter. Natürlich sind wir darauf auch

ein wenig stolz. Zum Wohl!

FORUM-Interview mit den ÖbVI-Kollegen Uli Esch,

Peter Strokowsky und Frank Brütsch vom 27. Oktober 2006

4

475


INTERNATIONAL

476

Das Urkundenarchiv der Ziviltechniker in Österreich

»DEN GRÖSSTEN NUTZEN

ZIEHT DIE GESELLSCHAFT«

HANS POLLY, NEUNKIRCHEN

Das Berufsrechtsänderungsgesetz 2006 normiert den rechtlichen Rahmen für die Errichtung digitaler

öffentlicher Urkunden, den umfassenden elektronischen Rechtsverkehr mit der Justiz und den Gerichten

samt den dazu erforderlichen digitalen Signaturen sowie für die Einrichtung hoheitlich geführter elektroni-

scher Urkundenarchive. Alle diese Neuerungen betreffen in vollem Umfang auch die Ziviltechniker in Öster-

reich und sind Gegenstand dieses Aufsatzes.

Nach Darlegung der wichtigsten legistischen Änderungen werden die Grundzüge der künftigen Umsetzung bei

der Erstellung digitaler Urkunden durch Ziviltechniker sowie deren Speicherung im eigenen Urkundenarchiv

beschrieben. Ein abschließender Ausblick soll die Möglichkeiten, vor allem aber den Nutzen dieser technisch-

rechtlichen Innovation für alle Betroffenen beleuchten.

1 | AUSGANGSSITUATION

Die Erstellung der Operate von Ziviltechnikern (ZT), insbesondere

auch die der Ingenieurkonsulenten für Vermessungswesen

(IKV), erfolgt in Österreich seit nahezu zwei Jahrzehnten auf

digitaler Basis. Die Ergebnisse in Form von Plänen, Gutachten

u. Ä. werden sowohl in digital weiterverarbeitbaren Formaten

dokumentiert (rtf, doc, xls, dxf, dwg, shp etc.) wie auch als

Papierausdrucke dem Auftraggeber und den Behörden übergeben.

Seit Verbreitung digitaler Datenlieferungen harren jedoch

zwei Problembereiche einer nachhaltigen Lösung:

Mit der Möglichkeit der digitalen Weiterverarbeitung durch

Dritte – in aller Regel die Auftraggeber des Ziviltechnikers –

war die Authentizität des digitalen Operates sehr schlecht

abgesichert. Darüber hinaus gehen bei dieser Weiterverarbeitung

regelmäßig wichtige Informationen (Metadaten,

Bezugssysteme) – in Form von Anmerkungen und Legenden

– des zugrunde liegenden Datenbestandes verloren und

waren für Nachnutzer auch nicht mehr erkennbar. Dies

führt des Öfteren zu Problemen, wenn es zu unsachgemäßer,

weil in der beauftragten Form nicht vorgesehener

Nutzung des Datensatzes durch Dritte kommt. Zum Beweis

seiner eigenen fachgemäß erbrachten Leistung half dem

Ziviltechniker nur ein sicher hinterlegtes (weiteres) Original

seines digitalen Operates.

Unabhängig vom Problem einer späteren »logischen« Unlesbarkeit

der Daten wegen mangelnder Aufwärtskompatibilität

der Softwareprodukte verlieren Datenträger –

früher zumeist Disketten, Magnetkassetten bzw. Magnetbänder,

heute vor allem CDs und DVDs – mit zunehmendem

Alter auch ihre physische Lesbarkeit: Vor allem fehlt

die erforderliche Hardware mit der zugehörigen betriebssystemspezifischen

Software (»Driver«), um gesicherte Daten

wieder nutzbar machen zu können.

Auf rechtlicher Ebene blieb die Erstellung öffentlicher Urkunden

bisher der Papierwelt vorbehalten: Einerseits fehlte der

legistische Rahmen für die Erstellung digitaler Urkunden

(§§ 292 ff. ZPO), andererseits kann trotz Einführung sicherer

elektronischer Signaturen eine unbemerkte Änderung (= Fälschung)

der Daten über die Gültigkeit des Signaturzertifikates

hinaus langfristig nicht ausgeschlossen werden.

Anders als bei der händischen Unterschrift stellt sich bei

sicheren elektronischen Signaturen nämlich das Problem, dass

die dabei zum Einsatz kommenden Algorithmen und zugehörigen

Parameter – und damit die erstellten Signaturen – infolge

neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse oder des technischen

Fortschritts an Sicherheitswert verlieren. Aus diesem

Grund ist vor Ablauf der Eignung der eingesetzten Algorithmen

und der zugehörigen Parameter eine erneute elektronische

Signatur (Verschlüsselung mit neuen technischen Komponenten

und Verfahren) erforderlich, um deren Integrität (und

damit den Beweiswert der Urkunde) auch über die Ablaufzeit

hinaus zu wahren. Der Zeitraum der Eignung der eingesetzten

Algorithmen und zugehörigen Parameter ist nach § 12 Abs. 3

SigV daher auch für den Gültigkeitszeitraum der qualifizierten

Zertifikate maßgeblich [1].

Vor dem Hintergrund des Gebotes der Nichtdiskriminierung

elektronischer Signaturen im Geschäfts- und Rechtsverkehr [2]

erließ das österreichische Parlament mit dem Signaturgesetz

die wesentlichen Rahmenbedingungen zur vollwertigen Anerkennung

elektronischer Signaturen im Geschäftsverkehr

und im Verkehr mit den Behörden [3].

Die Problematik einer langfristig sicheren Signatur und vollen

Beweiskraft als öffentliche Urkunde im Sinne der §§ 292 ff.

ZPO war damit nicht gelöst, denn ohne ein »Nachsignieren«

(wie oben ausgeführt) kann das Sicherheitsniveau einer sicheren

elektronischen Signatur im Sinne des Signaturgesetzes

nicht durchgehend aufrechterhalten werden. Nur das Nachsignieren

gewährleistet, dass das Dokument zu jedem Zeitpunkt

mit einer sicheren elektronischen Signatur versehen war und

die umfassende Sicherheit der Signatur in modifizierter Form

weiter gilt.

Unterbleibt ein Nachsignieren, so handelt es sich zwar weiterhin

um eine sichere Signatur mit den besonderen Rechtswirkungen

nach § 4 SigG. Allerdings könnte diese Signatur

mangels Vorliegens einer Kette von sicheren Signaturen nach

dem fortgeschrittenen Stand der Technik fälschbar sein. Dies

würde daher auch unmittelbar auf den Beweiswert der

Urkunde durchschlagen.

Erst das Bundesministerium für Justiz (BMJ) schuf mit dem

Berufsrechtsänderungsgesetz (BRÄG) [4] die näheren Voraussetzungen

für eine uneingeschränkte und nachhaltige Förderung

des elektronischen Geschäfts- und Rechtsverkehrs. Mit

diesem Sammelgesetz wurde der gesetzliche Rahmen für

einen umfassenden elektronischen Rechtsverkehr (ERV), also

die papierlose Kommunikation mit den Gerichten (einschließlich

Grund- und Firmenbuch), eingerichtet.

Dazu gehörte neben Regelungen im eigenen Organisationsbereich

vor allem eine Adaptierung des Berufsrechts der Notare

und Rechtsanwälte als jenes Personenkreises, dem von der

Rechtsordnung ganz besondere Aufgaben zur Wahrung der

Rechtspflege und der rechtlichen Interessen ihrer Mandanten

übertragen worden sind. Gleichzeitig erfährt auch die Berufsordnung

der Ziviltechniker weitreichende Neuregelungen, die

INTERNATIONAL

411

4 1

477


INTERNATIONAL

478

es ihnen – in völliger Gleichstellung mit den Notaren – im hoheitlichen

Bereich ihrer Tätigkeit [5], [6] ermöglichen, ihre

Urkundstätigkeit auch elektronisch auszuüben. Als wesentliche

Voraussetzungen werden die Verwendung geeigneter Signaturen

sowie die Führung von Urkundenarchiven mit entscheidenden

Rechtsfolgen normiert.

Die nachfolgenden Ausführungen beschränken sich auf jene

Teile des Sammelgesetzes, die für Ziviltechniker von vorrangiger

Bedeutung sind.

2 | LEGISTISCHE UMSETZUNG

2.1. Die Novellierung der Zivilprozessordnung (ZPO) schafft

die grundsätzliche Möglichkeit, öffentliche und private Urkunden

auf Papier oder elektronisch zu errichten.

2.2. Im Gerichtsorganisationsgesetz (GOG) werden die gesetzlichen

Rahmenbedingungen zur Führung von elektronischen

Urkundenarchiven, die Modalitäten der Speicherung sowie die

Beweiskraft der gespeicherten Urkunden definiert:

Nach dem Vorbild des Beglaubigungsarchivs der Justiz (§ 91b)

erhalten Körperschaften öffentlichen Rechts (als Rechtsträger)

die Ermächtigung zur Einrichtung und Führung von Urkundenarchiven

(§ 91c); die darin gespeicherten Urkunden gelten

explizit als Original mit voller Beweiskraft (»Originalfiktion«).

Die elektronischen (öffentlichen) Urkunden müssen in einem

lesbaren, vom BMJ mit Verordnung festgelegten Format vorliegen

(voraussichtlich PDF, Version 1.x). Zu den gespeicherten

Urkunden ist ein dreistufiger Zugang gesetzlich vorgesehen,

nämlich die elektronische Einsichtnahme, die Herstellung von

Papierausdrucken und der Abruf einer verkehrsfähigen Version

der elektronischen Urkunde.

Darüber hinaus normiert das GOG in § 91d, dass die Führung

der Archive in Vollziehung der Gesetze, also hoheitlich, erfolgt,

die zur Einstellung der Urkunden berechtigten Personen als Organe

des Rechtsträgers mit Amtshaftung fungieren und alle

Transaktionen lückenlos zu protokollieren sind. Der Rechtsträger

hat dabei zwar für die ordnungsgemäße Einrichtung und

Führung »seines« Urkundenarchivs einzustehen; keine Haftung

trifft ihn aber für die materiellen Inhalte der Urkunden.

2.3. Im Ziviltechnikergesetz (ZTG) ist die konkrete Umsetzung

für Ziviltechniker (ZT) festgeschrieben. So ergänzt nunmehr

§ 4 Abs. 3, dass von öffentlichen Urkunden im Falle ihrer elektronischen

Errichtung auch Ausfertigungen auf Papier, im Falle

ihrer Errichtung auf Papier auch elektronische Ausfertigungen

hergestellt werden können.

411

Die elektronischen öffentlichen Urkunden der ZT müssen mit

der Beurkundungssignatur (als sichere Signatur gemäß § 2

Abs. 3 SigG) versehen im Urkundenarchiv der Bundeskammer

der Architekten und Ingenieurkonsulenten (BAIK) gespeichert

werden (Formerfordernis). Die Urkunden sind grundsätzlich 30

Jahre aufzubewahren, wobei es der BAIK nach § 16 Abs. 1 ZTG

im Verordnungsweg freisteht, für bestimmte Gruppen von

Urkunden auch längere Aufbewahrungsfristen festzulegen.

Die Verpflichtung zur Speicherung in das Urkundenarchiv als

Formerfordernis bietet dem Eigentümer der Urkunde die langfristige

Rechtssicherheit, dass er von »seiner« Urkunde jederzeit

eine weitere Ausfertigung erhält, der digitale Datensatz innerhalb

der Aufbewahrungsfrist elektronisch »lesbar« bleibt

und über die volle Beweiskraft nach § 292 ZPO verfügt.

Dass eine Urkunde aus einem solchen Urkundenarchiv stammt,

dokumentiert eine Archivsignatur, mit der jede Urkunde beim

»Verlassen« des Archivs (bei Abruf der gespeicherten Urkunde

durch eine berechtigte Person und Herstellung einer verkehrsfähigen

Version der elektronischen Urkunde) versehen wird. Bei

dieser Archivsignatur handelt es sich um die fortgeschrittene

elektronische Signatur, die von einer vom jeweiligen Rechtsträger

für diese Aufgabe bestimmten natürlichen Person (beispielsweise

dem Kammeramtsdirektor) stammt.

Das Versehen der verkehrsfähigen Version der gespeicherten

elektronischen Urkunde mit der Archivsignatur dient dabei

lediglich als Bestätigung der Herkunft und der gesicherten

Wahrung der Integrität der Urkunde bis zum Verlassen des

Archivs.

Neben der Beurkundungssignatur darf sich der ZT in Zukunft

auch einer elektronischen Ziviltechnikersignatur (entspricht

der herkömmlichen Stampiglie) bedienen; die entsprechenden

Signaturkarten gelten als amtliche Lichtbildausweise und

werden von den Länderkammern auf Antrag ausgestellt. Bei

Erlöschen oder Aberkennung der Befugnis sowie auch bei deren

Ruhen erlischt mit dem Zertifikat (nach § 9 SigG) zugleich auch

die technische Möglichkeit zur Verwendung der Signatur (§ 16

Abs. 3 ZTG).

Gemäß § 16 Abs. 8 ZTG steht es dem ZT bzw. seinem Auftraggeber

dabei grundsätzlich frei, ob öffentliche Urkunden auf

Papier oder elektronisch errichtet werden. Allerdings müssen

alle für das Grundbuch oder zur öffentlichen Einsicht bestimmten

Urkunden (wie etwa Umwandlungspläne für den Grenzkataster)

elektronisch errichtet werden, um den Intentionen

des Gesetzgebers zu entsprechen, den elektronischen Verkehr

mit den Gerichten zu realisieren bzw. auch die eGovernment-

Ziele der Bundesregierung zu unterstützen. Zusätzlich zu den

eigentlichen Urkunden können bzw. müssen (im obigen Sinne)

auch Beilagen zu den Urkunden oder damit im Zusammenhang

stehende Urkunden (Bescheide von Behörden, Parteienerklärungen

etc.) im Archiv der BAIK gespeichert werden.

Für alle diese gespeicherten Urkunden gilt stets die Originalfiktion,

egal ob sie bereits originär elektronisch erstellt wurden

oder es sich um eine elektronisch umgesetzte (gescannte)

Papierausfertigung (z. B. Bescheid einer Behörde) handelt.

Mit Zustimmung des Auftraggebers ist auch die Speicherung

sonstiger Privaturkunden der ZT (gegebenenfalls auch von Plänen

im Vektorformat oder Rasterdaten) im Urkundenarchiv der

BAIK gesetzlich möglich. Der Zugriff zu den Urkunden ist streng

ausgelegt und nur dem Eigentümer der Urkunde (ZT als Urkundenverfasser

und seinem Auftraggeber) vorbehalten. Zu allen

Urkunden, die als Teil öffentlicher Bücher allgemein zugänglich

sind (Grenzkataster, Grundbuch), ist der Zugang nicht eingeschränkt.

Im Hinblick auf die weitreichenden rechtlichen Konsequenzen

bei Missbrauch muss die Ausweiskarte mit der Beurkundungssignatur

vom ZT persönlich unter Sperre sicher verwahrt

werden (§19 Abs. 3 ZTG).

2.4. Das Ziviltechnikerkammergesetz (ZTKG) ermächtigt die

BAIK, ein hoheitliches Urkundenarchiv gemäß §§ 91c und 91d

GOG einzurichten und zu führen; sie erhält weiters die Ermächtigung,

technische und administrative Regelungen zur

Führung des Urkundenarchivs zu erlassen, die Höhe der Gebühren

für Speicherung und Einsichtnahme festzulegen und

sich für den operativen Betrieb eines IT-Dienstleisters zu bedienen.

Die Länderkammern sind für die Verwaltung der Ausweiskarten

umfassend zuständig.

Die Änderungen im ZTG und ZTKG treten mit 1. Jänner 2007

in Kraft; für Urkunden, die nach dem 1. Jänner 2005 errichtet

wurden und für das Grundbuch bestimmt sind, gelten Übergangsregelungen.

3 | OPERATIVE UMSETZUNG

Dem gesetzlichen Rahmen entsprechend, wird die BAIK als

Rechtsträger ein Urkundenarchiv gemäß § 91c GOG einrichten

und sich dabei eines IT-Dienstleisters bedienen. Das diesbezügliche

Vergabeverfahren sollte bis Ende März 2006 abgeschlossen

sein. Parallel dazu laufen Besprechungen mit dem

BMJ zur Festlegung der näheren technischen Regelungen nach

§ 91b Abs (5) GOG, die ihrerseits Voraussetzung zur Erlassung

der notwendigen Ausführungsbestimmungen durch die BAIK

sind.

ZIVILTECHNIKERKAMMERGESETZ (ZTKG)

Ermächtigung zur Einrichtung eines hoheitlich

geführten Urkundenarchivs an BAIK 1)

Rahmenbedingungen gemäß §§ 91c und 91d

GOG (Format, Zugang, Sicherheit, Haftung etc.)

Operativer Betrieb durch IT -Dienstleister

möglich

Verordnungsermächtigung an BAIK

Technische und administrative Festlegungen

Dauer der Aufbewahrungspflicht mind. 30 Jahre

Höhe der Gebühren für Speicherung und

Einsichtnahme

Ausweiskarten durch Länderkammern

Inkrafttreten: 1. Jänner 2007

1) BAIK = Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten

URKUNDENARCHIV DER ZIVILTECHNIKER

Richtungsweisender Schritt in digitales Zeitalter

Konsequente Weiterentwicklung bisheriger

digitaler Register

Alle Eintragungsgrundlagen digital abfragbar

Änderung von fünf Materiengesetzen

und drei Berufsordnungen

Legistische Positionierung der Tätigkeit

von Ziviltechnikern

Grundlage für hoheitliche Tätigkeit im

elektronischen Zeitalter

Datendrehscheibe für Urkunden und Bescheide

Verstärkte Servicefunktion

-> Ingenieurkonsulent

Hoher Nutzen für Bürger und Gesellschaft

Umfassende und rasche Information für

jedermann

Beschleunigung von Verfahrensabläufen

Weniger Staat – mehr privat

INTERNATIONAL

4

479


INTERNATIONAL INTERNATIONAL

480

LETZTE NEWS

16. Oktober 2006: Die Vergabekommission der BAIK

unter dem Vorsitz von Dipl.-Ing. Hans Polly bewertete

die eingelangten »last offers«, entschied sich

für den Bestbieter und verabschiedete einen Vergabevorschlag

an den BAIK-Vorstand.

17. Oktober 2006: Der BAIK-Vorstand nahm den

Vorschlag einstimmig an und ermächtigte den Präsidenten

zur Vertragsunterfertigung. Der Zuschlag

ging an »onlaw internet technologie GmbH«, eine

100%ige Tochter des Manz-Verlages, die seit vielen

Jahren im Rechtsbereich IT-mäßig tätig ist und sehr

erfolgreich die österreichische Rechtsdatenbank

führt. Ausschlaggebend für den Zuschlag war sowohl

ein überzeugendes technisches Konzept wie

auch die sehr attraktiven wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Da die Kosten je Urkunde noch mit

Verordnung festzulegen sind, ist es noch nicht

möglich, exakte Werte zu benennen. Die Speicherungsgebühren

für kleine Urkunden (bis etwa 10 A4-

Seiten färbige Vektorgrafik mit Beilagen in etwa

gleichem Umfang) werden aber unter 20 E liegen.

In diesen Kosten ist der gesamte Transaktionsaufwand

ebenso enthalten wie die Kosten der

Speicherung über einen Zeitraum von 30 Jahren.

30. Oktober 2006: Der Kammertag als »Parlament«

der Ziviltechniker beschloss einstimmig die Verordnung,

nach der die BAIK ein Urkundenarchiv einrichten

und ab 1. Oktober 2007 führen wird. Damit

sind alle formalen Voraussetzungen für Vergabe und

Betrieb in Österreich gegeben.

Grundsätzlich ist die Erstellung der digitalen Urkunde sowie

der Beilagen (Scans) als genormte PDF-Datei durch die jeweilige

Anwendersoftware des einzelnen Ziviltechnikers vorgesehen.

Eine smart-client-Applikation des Urkundenbetreibers prüft die

Urkundendateien auf Übereinstimmung mit dem verordneten

Format, steuert die Signierung und überwacht die Speicherung

in das Urkundenarchiv. Es muss dabei gewährleistet sein, dass

die signierte »Originalurkunde« im Urkundenarchiv – und nur

dort – abgelegt ist. Gemeinsam mit der ZT-Urkunde werden

auch Beilagen sowie auf die Urkunde Bezug habende Schriftstücke

und Dokumente (Niederschriften, Bescheide, Verordnungen

etc.) nach Signierung durch den ZT im Urkundenar-

4

chiv mit »Originalfiktion« gespeichert; damit stehen für eine

spätere Einsichtnahme alle relevanten technischen und rechtlichen

Urkunden des Geschäftsfalles zum (berechtigten) Abruf

mindestens 30 Jahre bereit.

Nach § 91b Abs. 7 GOG ersetzt die Berechtigung, verbunden

mit der technischen Möglichkeit zum Zugriff auf die Urkunde

im Urkundenarchiv, deren Vorlage im Behördenverfahren. Bei

jedem solchen Abruf einer verkehrsfähigen Version durch eine

Behörde oder einen sonstigen berechtigten Dritten wird die

Urkunde durch die Archivsoftware mit der »Archivsignatur« als

sichere Signatur versehen, die ihrerseits eine bestimmte Gültigkeitsdauer

aufweist – als Zeitraum, innerhalb dessen aus

technischer Sicht eine Veränderung des Urkundeninhaltes

durch Dritte ohne Zerstörung der Signatur auszuschließen ist.

Der Signaturalgorithmus der Archivsignatur sowie jener der

Berufs- und der Beurkundungssignatur wird ex lege immer der

aktuellen Gesetzeslage und damit dem Stand der Technik entsprechen.

Ebenso wie öffentliche Urkunden in genormtem Format wird

auch die Speicherung sonstiger Privaturkunden im Archiv

vorgesehen. Sollten diese im selben genormten Format vorliegen,

ist damit auch die logische Lesbarkeit stets gewährleistet,

da bei »Auslaufen« eines alten Formates die Konvertierung

aller Urkunden im Archiv in ein neu verordnetes, zeitgemäßes

Format gesetzlich vorgesehen ist. Liegen sie in anderen Formaten

(Vektor- oder Rasterdaten) vor, wird vom Rechtsträger

ausschließlich die physische Lesbarkeit und Übermittlung als

Datenpaket gesichert; für die Verwendbarkeit in (s)einer Anwendersoftware

hat der jeweilige Ziviltechniker allein vorzusorgen.

Ohne den kammerinternen Entscheidungen über das Businessmodell

vorzugreifen, wird der Aufwand des Archivbetreibers

vorrangig durch eine einmalige Gebühr beim Speichern der

Urkunde getragen; demgegenüber bleiben die Kosten der Einsichtnahme

vermutlich von untergeordneter Größenordnung.

4 | AUSBLICK

Mit dem BRÄG 2006 hat die österreichische Justiz einen weiteren

konsequenten und richtungsweisenden Schritt in das digitale

Zeitalter gesetzt. Nachdem unter anderem seit 1990 die

aktuellen Grundbucheintragungen (jederzeit) von jedermann

elektronisch abgefragt werden können, gilt dies ab Mitte 2007

auch für alle Eintragungsgrundlagen (Verträge, Pläne, Bescheide

etc.). Zur Realisierung dieses Vorhabens waren fünf

Materiengesetze und drei Berufsordnungen aufeinander ab-

gestimmt zu ändern. Aus dem Ergebnis der bisherigen zielorientierten

Verhandlungen mit allen Betroffenen lässt sich

Optimismus für die technische Umsetzung und Einhaltung des

zeitlichen Rahmens ableiten.

Uns Ziviltechnikern verleiht die Implementierung und hoheitliche

Führung eines eigenen Urkundenarchivs die gesetzliche

Grundlage, verstärkt als »verlängerter Arm« des Staates

zu agieren und bei den zu erwartenden nächsten Schritten der

Verwaltungsreform vermehrt hoheitliche Aufgaben zu übernehmen.

Allein die Tatsache, dass im Urkundenarchiv der BAIK

Bescheide von verschiedensten Gebietskörperschaften gemeinsam

mit den zugrunde liegenden Ziviltechnikerurkunden eines

Projektes als Originale gespeichert und abgerufen werden können,

stärkt unsere Position nachhaltig als »Datendrehscheibe«

und verantwortliche Ingenieure in hoheitlicher Funktion.

Den größten Nutzen zieht aber die Gesellschaft: Nicht nur, dass

der elektronische Verkehr mit Gerichten und Behörden verstärkt

realisiert wird und damit zu einer Beschleunigung von

Verfahrensabläufen führen sollte, geschieht dies ohne Einbußen

an Daten- und Rechtssicherheit. Der internationale

Spitzenplatz Österreichs in der digitalen Führung öffentlicher

Bücher ebenso wie im umfassenden digitalen Geschäfts- und

Rechtsverkehr bleibt uns erhalten.

[1] Brenn / Posch, Kommentar zur Signaturverordnung

[2] Richtlinie 99/93/EG des Europäischen Parlamentes und

des Rates vom 13. Dezember 1999

[3] SigG, BGBl I Nr. 190/1999, zuletzt geändert BGBl I Nr. 152/2001

[4] BRÄG 2006, BGBl I Nr 164/2005

[5] 1169 der Beilagen zu den Stenographischen Protokollen des

Nationalrates XXII. GP, Materialien (Erläuterungen der Regierungsvorlage),

S. 42 ff.

[6] Bericht des Justizausschusses, 1237 der Beilagen zu den

Stenographischen Protokollen des Nationalrates XXII. GP

Dipl.-Ing. Hans Polly

Ingenieurkonsulent für Vermessungswesen

A-2620 Neunkirchen • Holzplatz 1

E-Mail vermessung@neunkirchen.at

4

481


MANAGEMENT MANAGEMENT

482

Bürovergleich 2005 und

Betrachtung der Entwicklung

von ÖbVI-Büros

WENIGER PESSIMISTISCH

A. SUFFRIAN, BDVI-GESCHÄFTSSTELLE BERLIN

In Deutschland ist vieles im Wandel und fast alles im Fluss. Auch die ÖbVI-Büros bilden da keine Ausnahme.

Gerade im Hinblick auf die in den letzten Jahren recht schlechte Baukonjunktur waren und sind viele Büros

gezwungen, sich den sich verändernden Marktbedingungen anzupassen.

Wie haben sich die Büros nun aber im Detail in den letzten Jahren entwickelt? Wie sieht die Zukunft aus? Wie

steht mein Büro da? Diese und zahlreiche andere Fragen bewegen viele ÖbVI. Um diese Frage beantworten zu

können und um die Entwicklung der letzten Jahre aufzuzeigen, wurden nach der Umfrage im Juni 2003 in-

zwischen zwei weitere Umfragen zur wirtschaftlichen und strukturellen Situation der ÖbVI-Büros durchgeführt.

Abb. 1: Durchschnittliche Mitarbeiterzahl pro Büro

(Deutschland gesamt)

Mitarbeiter

Mitarbeiter

12,5

14

12,0

11,5

11,0

12

10

8

1,4

1,0

2,0

1,3

1,0

1,8

1,3

0,9

1,6

1,2

0,9

1,5

1,2

0,9

1,3

10,5

10,0

6

4

5,4 5,3

5,0 4,8 4,7

9,5

2 2,4 2,3 2,2 2,2 2,3

9,0

0

1,4 1,3 1,3 1,3 1,4

2001 2002 2003 2004 2005 2001 0 2002 0 2003 0 2004 0 2005 0

4

Nach der Umfrage im Juni 2003 mit einem Rücklauf von

190 Fragebögen (siehe FORUM 3/2003) kamen 2004 rund

220 Fragebögen und 2005 immerhin noch 119 Fragebögen

beantwortet in die Geschäftsstelle zurück. Inhaltlich befassten

sich die Fragen mit der Struktur und der Anzahl der

Mitarbeiter, mit den Umsatzzahlen der jeweils vorangegangenen

Jahre, mit der eingesetzten Technik, mit den Prognosen

zu zukünftigen Entwicklungen sowie mit Einschätzungen

zur Durchsetzbarkeit von Gebührenordnung und

HOAI.

Die Mitgliederbefragung aus 2003 umfasste zeitlich einen

Rahmen von rund zehn Jahren, wobei explizit die Jahre 1994,

1998, 2000 und 2002 sowie als Prognose 2004 abgefragt

wurden. Die folgende Umfrage aus 2004 behandelte den gleichen

Zeitraum mit denselben Stichjahren; lediglich das Jahr

2004 fußte nun auf reellen Zahlen. Die Umfrage aus 2005

hat dagegen den Zeitraum auf die letzten fünf Jahre (2001

bis 2005) verkürzt. Die Fragen waren in allen drei Umfragen

identisch, so dass eine gute Vergleichbarkeit gegeben ist.

Nachfolgend sollen vorrangig die Ergebnisse der Umfrage

aus 2005 ausgewertet und beurteilt werden. Um spezielle

Entwicklungen aufzuzeigen und Tendenzen beschreiben und

bestätigen zu können, werden dazu die Daten der vorangegangenen

beiden Befragungen herangezogen.

MITARBEITERENTWICKLUNG

UND PERSONALSTRUKTUR

Eine Darstellung der Mitarbeiterentwicklung bildet gleichzeitig

auch die Situation des Marktes als Ganzes ab. Ist viel zu tun

und die Auftragslage gut, wird verstärkt Personal benötigt und

eingestellt. Lassen die Aufträge dagegen nach, wird Personal

entlassen oder zumindest auf Kurzarbeit umgestellt.

31 %

3 %

66 %

Abbildung 1 zeigt die durchschnittliche Mitarbeiterzahl (exklusive

der ÖbVI) der Büros für den Zeitraum von 2001 bis 2005.

2001 waren danach in Deutschland im Schnitt 12,2 Mitarbeiter

in einem Büro beschäftigt. In den letzten fünf Jahren ist ein

steter Rückgang der Mitarbeiterzahlen zu verzeichnen, so dass

im Jahre 2005 nur noch 10,3 Personen pro Büro tätig waren.

Dieser deutliche Rückgang im Personalbestand bestätigt den

schon 2003 beobachteten Trend des Stellenabbaus in den

ÖbVI-Büros seit 1998 (13,7 Mitarbeiter pro Büro). Gründe für

den zunehmenden Personalrückgang kann man sicher in der

allgemeinen wirtschaftlichen Situation, der schwächelnden

Baukonjunktur und dem immer stärkeren Einsatz von Technik

sehen.

Wie sieht nun aber die genaue Personalstruktur in den Büros

aus? Abbildung 2 zeigt, dass über die untersuchten fünf Jahre

hinweg die Vermessungstechniker den größten Teil der Angestellten

stellen, danach kommen die Ingenieure, die Messgehilfen,

die Auszubildenden und zum Schluss die Verwaltungsangestellten.

Entgegen der Auswertung von 2003 sind dieses Mal bei den

Vermessungstechnikern und besonders bei den Messgehilfen

die meisten Entlassungen seit 2001 zu verzeichnen. Sowohl bei

den Vermessungstechnikern als auch bei den Messgehilfen liegt

der Stellenrückgang absolut betrachtet bei jeweils 0,7 Stellen

über die fünf untersuchten Jahre verteilt. Das entspricht bei

den Technikern einem Rückgang von etwa 13 %. Bei den Messgehilfen

ergibt sich dagegen ein Rückgang von immerhin rund

35 %!

In den anderen Mitarbeitergruppen ist der Stellenrückgang

eher sehr gering bzw. als fast nicht vorhanden zu bezeichnen.

Der Gesamtstellenabbau in den letzten Jahren erfolgte demnach

nahezu ausschließlich durch Entlassungen in den beiden

zuerst genannten Angestelltengruppen.

Abb. 2: Durchschnittliche Zahl der Mitarbeiter pro Büro Abb. 3: Bürostruktur Abb. 4: Mitarbeiterstruktur abhängig vom Bürostandort

ÖbVI

Ingenieure

Techniker

Messgehilfen

Verwaltungsangestellte

Auszubildende

Einzelbüro

Zweiersozietät

Dreiersozietät

Mitarbeiter

35

30

25

20

15

3,0

3,0

2,5

12,0

4,0

0,9

2,6

10

5

0

8,0

2,0

8,8

5,4

2,2

1,3

4,9

2,4

1,4

Metropole Großstadt II Großstadt I Mittelstadt Kleinstadt Durchschnitt

0,9 1,2

1,4

4,5

2,0

0,9

1,1

1,3

1,3

4,6

2,3

1,4

0,9

3,4

1,7

1,2

1,0

ÖbVI

Messgehilfen

Ingenieure

Techniker

Verwaltungsangestellte

Auszubildende

1,3

0,7

0,7

4

483


MANAGEMENT

484

Wie auch schon in den beiden vorangegangenen Auswertungen

ist festzustellen, dass die Qualifikation der Mitarbeiter unverändert

hoch ist, denn nach wie vor haben rund zwei von

drei Mitarbeitern eine vermessungsspezifische Ausbildung.

Außerdem setzen die ÖbVI auf Kontinuität in Bezug auf ihre

angestellten Ingenieure. Hier ist über die letzten Jahre eine fast

konstante Besetzung von rund 2,3 Ingenieuren pro Büro festzustellen.

Ebenso nahezu unverändert ist die Zahl der ÖbVI in

einem Durchschnittsbüro mit rund 1,4.

Nach einer Auswertung der Mitgliederdatenbank sind, wie aus

Abbildung 3 zu ersehen ist, gut 80 % der Büros Einzelbüros,

knapp 15 % Zweiersozietäten und nur etwa 3 % der befragten

Büros werden von drei oder mehr Kollegen geführt.

In Abbildung 4 ist für das Jahr 2005 die Anzahl der Mitarbeiter

in Abhängigkeit zum Standort des Büros dargestellt. Zu

erkennen ist, dass die Größe eines Büros direkt mit seiner Lage

korreliert ist. Je größer also der Ort bzw. die Gemeinde, desto

größer ist auch das Büro. Betrachtet man die Ergebnisse etwas

differenzierter, so stellt man fest, dass die Bürogrößen bis

zu einer Gemeinde-/Stadtgröße von 500.000 Einwohnern

(Großstadt I) größenmäßig relativ nah beieinander liegen. Vom

Bereich Großstadt I zum Bereich Großstadt II findet dagegen

fast eine Verdopplung der Mitarbeiter pro Büro statt. Betrachtet

man zudem noch die Anzahl der Mitarbeiter, die statistisch

auf einen einzelnen ÖbVI entfallen, dann kann man entsprechend

der nachfolgenden Tabelle 1 feststellen, dass nicht

nur die Gesamtzahl der Mitarbeiter mit der Größe der Stadt

bzw. Gemeinde steigt, sondern dass gleichermaßen die Anzahl

der Mitarbeiter pro ÖbVI ebenfalls deutlich ansteigt.

Abb. 5: Relation der Mitarbeiter pro Büro

Mitarbeiter

100 %

90 %

80 %

70 %

60 %

50 %

40 %

30 %

20 %

10 %

0 %

4

10 %

10 %

8 %

39 %

17 %

4 %

11 %

37 %

10 %

7 %

10 %

40 %

Zahl der ÖbVI Summe der Mitarbeiter

Büros Mitarbeiter pro ÖbVI

Metropole 2 2,0 28,5 14,3

über 1 Mio. EW

Großstadt II 5 2,2 21,7 9,9

500 T bis 1 Mio. EW

Großstadt I 27 1,4 10,7 7,6

100 bis 500 T EW

Mittelstadt 56 1,3 9,9 7,6

20 bis 100 T EW

Kleinstadt 29 1,3 7,5 5,8

bis 20 T EW

Durchschnitt 1,4 10,3 7,4

Tabelle 1: Durchschnittliche Anzahl der Mitarbeiter pro ÖbVI,

abhängig vom Bürostandort

So entfallen auf einen ÖbVI in einer Kleinstadt (vgl. Tabelle1)

»nur« 5,8 Mitarbeiter, wohingegen ein ÖbVI in einer Metropole

im Vergleich hierzu mit 14,3 Mitarbeitern fast 2,5-mal so

viel Personal beschäftigt. Hier bestätigt sich, dass die größeren

und in der Regel auch umsatzstärkeren Büros eher in den Ballungsgebieten

existieren. Es muss jedoch angemerkt werden,

10 %

8 %

12 %

26 %

23 %

20 %

18 %

20 %

20 %

7 %

9 %

12 %

12 %

15 %

12 %

Metropole Großstadt II Großstadt I Mittelstadt Kleinstadt Durchschnitt

40 %

8 %

8 %

12 %

39 %

10 %

7 %

11 %

40 %

ÖbVI

Ingenieure

Techniker

Messgehilfen

Verwaltungsangestellte

Auszubildende

dass sich das Ergebnis für die Metropole

aus nur zwei Büros und das der

Großstadt II aus nur fünf Büros ergeben

hat, weshalb diese Ergebnisse

vor dem Hintergrund der geringen

Stichprobenmenge entsprechend

vorsichtig zu werten sind.

Betrachtet man die Mitarbeiterzahlen

nun nicht mehr absolut, sondern,

wie in Abbildung 5 geschehen,

in einem relativen Verhältnis zueinander,

dann ist festzuhalten, dass

die Mitarbeiterstruktur innerhalb

der Büros unabhängig vom Standort

nahezu identisch ist. Ausreißer gibt

es nur im Bereich der Metropolen

und der Großstadt II. Hier lagen jedoch,

wie schon erwähnt, insgesamt

nur sieben auswertbare Datensätze

(vgl. Tabelle 1) vor. So ist beispielsweise

der Anteil der Ingenieure mit

rund 26 % an der Gesamtzahl der

Mitarbeiter in den Metropolen-Büros

überdurchschnittlich und der

Anteil der Messgehilfen mit rund

8 % dafür unterdurchschnittlich.

In den Büros im Bereich der Großstadt

II ergibt sich der Anteil der

Auszubildenden mit rund 17 % als

deutlich überdurchschnittlich und

der Anteil der Verwaltungsangestellten

dafür mit 4 % deutlich unterdurchschnittlich.

Die Ursachen für diese Abweichungen

können zum einen sicher in der

relativ geringen Stichprobe liegen,

zum anderen liegt die veränderte

Personalstruktur möglicherweise am

etwas breiteren Tätigkeitsspektrum

dieser Büros. In einem durchschnittlichen

Büro sind 20 % Ingenieure,

40 % Vermessungstechniker, 11 %

Messgehilfen, 7 % Verwaltungskräfte

und 10 % Auszubildende tätig, der

Anteil der ÖbVI liegt bei 12 %.

Abb. 6: Umsatz im Verhältnis zur Zahl der ÖbVI

Abb. 7: Mitarbeitereinsatz abhängig vom Umsatz

Umsatzkategorie

> 2 M E

1 – 2 M E

500 T – 1 M E

200 – 500 T E

50 – 200 T E

0 – 50 T E

Mittelwert

Umsatzkategorie

> 2 M E

1 – 2 M E

500 T – 1 M E

200 – 500 T E

50 – 200 T E

< 50 T E

0 10 20 30

40 % 40 %

Abb. 8: Umsatzverteilung

62 % 40 %

70 % 30 %

73 % 27 %

75 % 25 %

75 % 25 %

69 % 30 %

27 %

6 %

67 %

MANAGEMENT

Büroumsatz

Umsatz pro ÖbVI

Einzelbüro Zweiersozietät Dreiersozietät

Katasterleistungen

Ingenieurleistungen

Sonstige Leistungen

40 50 60 70 80 90 100 %

Mitarbeiterverteilung

Katasterleistungen

Ingenieurleistungen

Sonstige Leistungen

4

485


MANAGEMENT MANAGEMENT

486

Abb. 9: Mitarbeitereinsatz in den beiden (Haupt-)Tätigkeitsfeldern

Mitarbeiter

> 25

16 – 24

10 – 15

6 – 9

< 5

Durchschnitt

Abb. 10: Mitarbeiterverteilung in den Büros

Bürokategorie

Einzelbüro

Zweiersozietät

Dreiersozietät

Durchschnitt

Abb. 11: Umsatzanteile durch Katastervermessung

4

51 % 49 %

61 % 39 %

69 % 31 %

72 % 27 %

76 % 24 %

69 % 30 %

70 % 29 %

67 % 33 %

68 % 32 %

69 % 30 %

Katasterleistungen

Ingenieurleistungen

Sonstige Leistungen

0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 %

Mitarbeiterverteilung

Katasterleistungen

Ingenieurleistungen

Sonstige Leistungen

0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 %

Mitarbeiterverteilung

Umsatzanteil der Katastervermessung

100 %

90 %

80 %

70 %

60 %

50 %

40 %

30 %

20 %

10 %

0 %

0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 %

Anteil der Mitarbeiter im Bereich Katastervermessung

UMSATZ

Die Fragen, die in dieser Untersuchung besonders interessierten,

waren: In welchen Bereichen sind ÖbVI überwiegend tätig?

Haben die verschiedenen Arbeitsfelder einen signifikanten Einfluss

auf den Umsatz?

Bei der Betrachtung der Abbildung 6, in der die Umsätze im

Verhältnis zur Anzahl der ÖbVI einer Sozietät dargestellt sind,

fällt sofort auf, dass durchschnittlich jeder ÖbVI unabhängig

von einer Sozietät 2005 einen Umsatz von rund 510.000 E erwirtschaftet

hat.

Grundsätzlich sind die ÖbVI Generalisten und arbeiten in einem

breiten Arbeitsfeld. Nach wie vor ist jedoch der Bereich der

Liegenschafts- und Katastervermessung am stärksten belegt,

wenngleich sich die ÖbVI auch immer mehr im Bereich der Ingenieurvermessung,

der Grundstücksbewertung und als Geschäftsstelle

eines Umlegungsausschusses betätigen. Betrachtet

man Abbildung 7, so ist zu erkennen, dass sich bis zu einer

Umsatzhöhe von zwei Millionen E pro Jahr der Anteil des

Umsatzes aus Katastervermessungen in einem Bereich von rund

62 bis 75 % (Mittelwert: 70 %) bewegt, wobei der Katasteranteil

mit zunehmender Umsatzhöhe sinkt.

Erst wenn der Jahresumsatz oberhalb von zwei Millionen E liegt

(ca. 3 % der Büros), gibt es eine deutliche Verschiebung des

Umsatzes weg von der Katastervermessung, die dann nur noch

40 % des Umsatzes ausmacht. Die Mehrzahl der Büros (rund

40 %) erwirtschaftet Umsätze im Bereich zwischen 500.000

und 1.000.000 E, weitere etwa 35 % liegen mit ihren Umsätzen

zwischen 200.000 und 500.000 E. Lediglich knapp 10 % liegen

unterhalb von 200.000 E und etwa 15 % liegen oberhalb von

einer Million E Jahresumsatz.

Betrachtet man zusätzlich die absolute Verteilung des Umsatzes,

wie in Abbildung 8 geschehen, so wird sofort deutlich,

dass das Kataster immer noch das stärkste Standbein der

ÖbVI ist. Knapp ein Fünftel der befragten ÖbVI erwirtschaftet

sogar 90 % und mehr des Umsatzes im Bereich Kataster. Das

Verhältnis zwischen den Tätigkeitsfeldern und dem Büroumsatz

(vgl. Abbildung 7) deutet einen Trend an, denn je höher

der Umsatz, desto geringer ist der Anteil an der Katastervermessung.

Diesen Trend findet man auch in Abbildung 9 wieder.

Ähnlich wie schon in Abbildung 7 ist festzustellen, dass der

Anteil der Mitarbeiter, die im Bereich der Katastervermessung

tätig sind, mit zunehmender Bürogröße sinkt. Beträgt der Anteil

an der Katastervermessung bis zu einer Bürogröße von 15

Mitarbeitern noch rund 70 % und mehr, sinkt er danach deutlich

bis auf rund 50 % bei den Büros mit mehr als 25 Mitarbeitern.

Diese Entwicklung war zu erwarten, denn je größer

Abb. 12: Verhältnis zwischen Umsatz und Mitarbeiterzahl

Umsatzkategorie

> 2 M E

1 – 2 M E

500 T – 1 M E

200 – 500 T E

50 – 200 T E

< 50 T E

Abb. 13: Stimmungsbarometer

41 %

0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55

Mitarbeiter

3 %

0 % 8 %

1 %

Abb. 14: Einschätzung der Perspektive

abhängig vom Bürostandort

Bürostandort

Kleinstadt

Mittelstadt

Großstadt I

Großstadt II

Metropole

k. A.

- 0,4

- 0,5

- 0,3

k. A.

- 0,4

- 0,6

0,2

k. A.

0,0

47 %

- 0,6

- 0,2

- 0,5

- 0,5

k. A.

hoch mittel gering keine

Konkurrenzsituation

gut

tendenziell gut

gleich

tendenziell schlecht

schlecht

keine Angaben

- 0,3

- 0,6

k. A.

k. A.

k. A.

4

487


MANAGEMENT

Abb. 15: Technikeinsatz in den Büros Einzelbüro

Dreiersozietät

Zweiersozietät Durchschnitt

488

Nutzung

100 %

90 %

80 %

70 %

60 %

50 %

40 %

30 %

20 %

10 %

0 %

61 %

Abb. 16: Kombinierte Nutzung von GPS und GIS

Nutzung

100 %

90 %

80 %

70 %

60 %

50 %

40 %

30 %

20 %

10 %

0 %

ein Büro ist, desto breiter ist im Allgemeinen auch das vorhandene

Fachwissen der Mitarbeiter, was damit die mögliche Bandbreite

des Büros erhöht. Besonders bemerkenswert ist aber, dass

auch bei den kleinen Büros, mit maximal fünf Mitarbeitern,

immerhin noch etwa 25 % des Tätigkeitsfeldes außerhalb der

Katastervermessung liegt. Im Vergleich zu der Untersuchung

aus 2003 ist insgesamt eine deutliche Verschiebung hin zur

Katastervermessung zu beobachten.

4

89 %

18 %

50 %

70 %

49 %

38 %

51 %

75 %

50 %

44 %

86 %

92 %

29 %

100 %

GPS GIS Verw.-Prog.

Einzelbüro Zweiersozietät Dreiersozietät Durchschnitt

88 %

Betrachtet man Abbildung 10 genauer,

so wird klar, dass der Einsatz

der Mitarbeiter in den verschiedenen

Tätigkeitsfeldern der ÖbVI unabhängig

von einer Sozietät nahezu

identisch ist. Rund 70 % des Umsatzes

werden demnach im Durchschnitt

mit der Katastervermessung

erwirtschaftet.

Zieht man zum Vergleich die Ergebnisse

aus 2003 hinzu, so ergeben sich

für das Einzelbüro und die Zweiersozietät

nur geringfügig kleinere

Prozentsätze für die Katastervermessung,

in einer Dreiersozietät lag

der Anteil der Katasterleistungen

am Umsatz jedoch bei nur 50 %.

Im Durchschnitt arbeiten 69 % der

Mitarbeiter eines Büros im Katasterbereich.

Diese Verschiebung hat

ihren Ursprung sicher in der allgemein

schlechten Auftragslage der

letzten Jahre.

Die Büros haben sich in dieser Zeit

offensichtlich auf ihre Kernaufgabe

– die Katastervermessung – besonnen

und hier die Umsätze erwirtschaftet,

die in anderen Bereichen

(z. B. Ingenieurvermessung) verloren

gegangen sind.

In Abbildung 11 ist das Verhältnis

zwischen dem Umsatzanteil an der

Katastervermessung und dem Anteil

der in diesem Bereich beschäftigten

Mitarbeiter abgebildet. Der Umsatzanteil

der Katastervermessung liegt

danach in keinem Büro unter rund

17 % (erwirtschaftet mit 20 % der

Mitarbeiter).

Als besonderer Ausreißer ist wohl der Datenpunkt zu betrachten,

nach dem in einem Büro 90 % des Katasterumsatzes mit

nur 15 % des Personals erwirtschaftet werden. Generell erkennt

man in dieser Darstellung eine enorme Spannbreite. So erzielen

beispielsweise Büros, die 60 bis 70 % ihres Personals in der

Katastervermessung einsetzen, damit rund 40 bis 80 % ihres

Umsatzes.

Dem aus Abbildung 10 bekannten Durchschnittswert des im

Katasterbereich beschäftigten Anteils von Mitarbeitern von

69 % steht nach Abbildung 11 ein Umsatzanteil von 67 %

gegenüber.

Abbildung 12 verdeutlich sehr gut das Verhältnis zwischen

dem erwirtschafteten Umsatz und der Anzahl der Mitarbeiter.

Sie zeigt, dass beispielsweise ein Umsatz zwischen 200.000 und

500.000 E von 2 bis 15 Mitarbeitern erwirtschaftet wird. Im

Bereich der Umsätze über zwei Millionen E ist die Mitarbeiterspanne

mit 13 bis 48 Mitarbeitern mehr als doppelt so groß

wie in allen anderen Bereichen.

Abb. 17: Technikeinsatz abhängig vom Standort

Anteile der Büros

100 %

90 %

80 %

70 %

60 %

50 %

40 %

30 %

20 %

10 %

0 %

PERSPEKTIVE

Abb. 18: Mitarbeiterzahl (Bürogröße) abhängig vom Technikeinsatz

Viele ÖbVI beurteilen die Perspektive für die nächsten Jahre

als schlecht und fast die gleiche Anzahl geht von gleichbleibenden

Verhältnissen aus. In Abbildung 13 wird diese

Einschätzung verdeutlicht. So negativ diese Betrachtung auch

auf den ersten Blick wirken mag, im Vergleich zu der Auswertung

aus 2003 zeigt sich eine insgesamt deutlich positivere

Sichtweise.

Am deutlichsten ist der Unterschied in der Zahl der Pessimisten:

2003 erwarteten noch rund 60 % (2005: 41 %) der Befragten

eine Verschlechterung für die folgenden zwei Jahre.

Das entspricht immerhin einer Verbesserung der Stimmung um

ein Drittel!

Metropole Großstadt II Großstadt I Mittelstadt Kleinstadt Durchschnitt

mit GPS

ohne GPS

Zahl der Mitarbeiter

50

40

30

20

10

0

Metropole Großstadt II Großstadt I Mittelstadt Kleinstadt Durchschnitt

MANAGEMENT

GPS

GIS

Verw.-Prog.

mit GIS

ohne GIS

4

489


MANAGEMENT

490

Die Zahl derjenigen, die von gleichbleibenden Verhältnissen

ausgehen, ist dagegen 2005 auf 47 % (2003: 35 %) gestiegen.

Sehr positiv ist die Verdopplung der Optimisten von 4 % (2003)

auf immerhin 8 %.

Betrachtet man nun die Zukunftssicht etwas genauer unter

dem Gesichtspunkt der Bürolage und der Konkurrenzsituation

vor Ort, so erhält man die in Abbildung 14 dargestellte Einschätzung.

Die Spanne für die hier dargestellte Beurteilung der

Zukunftsperspektiven reicht von »schlecht« (-1) über »geht« (0)

bis »gut« (+1).

Auf den ersten Blick erscheint die Gesamteinschätzung der Situation

wegen der vielen negativen Werte sehr pessimistisch.

Bei einer differenzierten Betrachtung fällt jedoch auf, dass

speziell die ÖbVI aus den kleinstädtischen/ ländlichen Bereichen

(Gemeinden mit weniger als 20.000 Einwohnern) und im mittelstädtischen

Bereich (Gemeinden mit 20.000 bis 100.000 Einwohnern)

besonders pessimistisch in die Zukunft blicken.

Auffällig sind dabei die drei extremen Negativwerte von –0,6.

Sowohl im Klein- als auch im Mittelstadtbereich treten diese

Werte in Bereichen mit geringer bzw. nicht vorhandener Konkurrenz

auf. Diese schlechte Bewertung kann also nicht mit

einer angespannten Konkurrenzsituation erklärt werden. Möglicherweise

sind diese Werte durch Strukturschwächen begründet,

die in kleineren Gemeinden auftreten können. Im Vergleich

zu 2003 ist aber ein leicht positiver Trend zu erkennen,

da die Negativsicht »nur« bei –0,6 und nicht wie 2003 bei bis

zu –0,86 liegt.

TECHNIKEINSATZ IN DEN BÜROS

Neben der Betrachtung der Personalstrukturen und der Umsatzentwicklung

interessierte bei der Umfrage auch die in den

Büros eingesetzte Technik. Inwieweit nutzen die Büros GPS bei

ihrer Arbeit? Werden Geoinformationssysteme eingesetzt? Wer

nutzt für die Büroorganisation entsprechende Verwaltungsprogramme?

Durchschnittlich wird in 70 % der Büros GPS, in 44 % GIS und

in 88 % der Büros ein Verwaltungsprogramm eingesetzt. In Abbildung

15 wird deutlich, wie stark dieser Technikeinsatz von

der Anzahl der ÖbVI eines Büros abhängt. Man kann die allgemeine

Formel aufstellen: Je mehr ÖbVI, desto mehr Technik!

Abbildung 16 zeigt den größten Teil der »Kombinierer« bei den

Büros mit zwei oder drei ÖbVI als Sozietätspartnern. Der Grund

hierfür liegt sicher darin, dass in einem Büro mit mehreren ÖbVI

das Risiko und der Kostenaufwand einer Anschaffung der ent-

4

sprechenden Technik auf mehrere Schultern verteilt werden

können. Im Durchschnitt setzen rund 29 % der Büros GPS und

GIS nebeneinander ein.

Die weitere Auswertung der Daten hat gezeigt: Je größer eine

Gemeinde (Bürostandort) ist, desto höher ist auch der Anteil

an zusätzlicher technischer Ausstattung (Abbildung 17). Es

fällt weiterhin auf, dass der Anteil an Büros mit GPS-Ausstattung

nach wie vor (wie auch schon 2003) höher ist als der mit

GIS-Ausrüstungen. Entgegen der Feststellung von 2003, dass

GPS in den Ballungszentren weniger als in den kleineren Städten

und Gemeinden eingesetzt wird, ist bei dieser Auswertung

ein genau gegenteiliges Bild zu sehen.

Hier zeigt sich sicher zum einen die höhere Finanzstärke eines

größeren Büros, was Anschaffungen in diesem Bereich verstärkt

ermöglicht, und zum anderen können diese Büros GPS durch

ihr meist breiteres Aufgabenspektrum effektiver einsetzen, so

dass sich unter diesem Gesichtspunkt eine Anschaffung eher

rentiert (vgl. hierzu auch Abbildung 7 und 9).

Insgesamt kann festgehalten werden, dass im Vergleich zu den

Ergebnissen aus 2003 der durchschnittliche Anteil von GPS und

GIS zugenommen hat. Im Schnitt nutzen 70 % der Büros GPS

(2003: ca. 58 %) und 46 % setzen Geoinformationssysteme

(2003: ca. 40 %) ein.

Betrachtet man zu dem verstärkten Einsatz von GPS und GIS

die Bürostrukturen, in denen sie zum Einsatz kommen, so erkennt

man in Abbildung 18, dass in den kleineren Gemeinden

und Städten und sogar noch in den kleineren Großstädten

(Großstadt I) in den Büros mit GPS oder GIS etwa ein Drittel

mehr Personal beschäftigt wird als in den technisch weniger

aufgerüsteten Büros. Erst bei den Städten mit mehr als 500.000

Einwohnern (Großstadt II) verschiebt sich das Verhältnis auf

etwa 2:1 oder man findet sogar eine Komplettausstattung der

Büros mit GPS oder GIS vor.

DURCHSETZBARKEIT VON HOAI

UND GEBÜHRENORDNUNG

Sowohl die HOAI als auch die Gebührenordnungen werden immer

wieder heftig diskutiert. Sei es, weil eine Reform ansteht

oder weil es in irgendeiner Form zu Unregelmäßigkeiten gekommen

ist. Das Ergebnis der durchgeführten Umfrage kann

zu diesem Thema nur ein allgemeines Stimmungsbild wiedergeben.

Nach den in Abbildung 19 dargestellten Umfrageergebnissen

wird die Durchsetzbarkeit der Gebührenordnung insgesamt mit

»geht« (leichte Tendenz zum Guten) beurteilt, was im Vergleich

zur Befragung aus 2003 unverändert ist. Die Durchsetzbarkeit

der HOAI wird dagegen als »schlecht« bewertet, was ebenfalls

mit der Befragung aus 2003 korrespondiert.

Damals begründete man diese schlechte Bewertung mit dem zu

diesem Zeitpunkt aktuellen Statusbericht 2000plus und der daraufhin

sehr kritischen Beurteilung der HOAI. Inzwischen dürfte

dieser Einflussfaktor nicht mehr gültig sein und die Einschätzung,

dass die Durchsetzbarkeit der HOAI mit »schlecht« bewertet

wird, liegt an der tatsächlich subjektiv so empfundenen

Realität.

ANREGUNGEN DER ÖBVI

Wie schon in den vorangegangenen Umfragen bestand die

Möglichkeit, Lob und Kritik gegenüber dem Verband zu äußern.

Aus den hier gemachten Äußerungen lässt sich über die rein

statistische Erhebung hinaus ein allgemeines Stimmungsbild

ablesen. Im Grunde können drei große Themenbereiche unterschieden

werden, die die ÖbVI besonders bewegen.

Ein großes Thema war schon 2003 und ist auch jetzt wieder

die Einhaltung bzw. Nichteinhaltung der HOAI und der Gebührenordnung,

der nächste große Themenblock behandelt die

Außenwirkung des BDVI und der ÖbVI. Zu guter Letzt waren

der Beruf und das Berufsrecht ein wichtiger Themenbereich.

Die Aussagen zur HOAI und der Gebührenordnung

reichten von dem Ruf nach Vereinfachungen über

eine bessere Kontrolle der Umsetzung bis zu dem

Vorschlag, eine zentrale Abrechnungsstelle einzurichten

und so die neutrale und richtige Abrechnung

jedweder Vermessungsleistung zu gewährleisten.

In diesem Zusammenhang wurde auch das Problem

der umsatzsteuerfreien Abrechnung von Kataster-

oder Stadtvermessungsämtern unter dem

Deckmantel der Amtshilfe wiederholt angemahnt.

Zu diesem Punkt soll angemerkt werden, dass der

BDVI derzeit ein Petitionsverfahren vor der Europäischen

Kommission betreibt, um die Umsatzsteuergleichbehandlung

bei Katastervermessungen

zu erreichen. Der aktuelle Sachstand kann in

der Geschäftsstelle erfragt werden.

Ein weiteres wichtiges Anliegen der ÖbVI ist die

Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit. Auch hier ist seit

der ersten Umfrage viel geschehen. Wie schon aus dem letzen

FORUM bekannt, konnte Herr Jürgen Merschmeier für die Lobbyarbeit

des BDVI gewonnen werden.

Ein erster Erfolg dieser Arbeit war im September die Ladung von

Vizepräsident Dr. Brauer als Sachverständigem zu einer Anhörung

vor dem Rechtsausschuss des Deutschen Bundestages zur Novellierung

des Wohnungseigentumsgesetzes (WEG).

Im Bereich des Berufs und des Berufsrechtes gab es sehr vielfältige

Aussagen. Besondere Aspekte waren die Erschließung

neuer Arbeitsfelder, die Beschränkung der Neuzulassungen, der

Bürokratieabbau und die Fortbildung der Mitglieder.

Der BDVI bedankt sich bei allen Mitwirkenden der Benchmarkinganalyse,

die diese Auswertung ermöglicht haben.

Für Rückfragen steht die Geschäftsstelle zur Verfügung.

BDVI-Geschäftsstelle

Luisenstraße 46 • 10117 Berlin

E-Mail info@bdvi.de

www.bdvi.de

Abb. 19: Durchsetzbarkeit von HOAI und GebO

Bürostandort

Metropole

Großstadt II

Großstadt I

Mittelstadt

Kleinstadt

Durchschnitt

schlecht geht

GebO

HOAI

gut

MANAGEMENT

4

491


GRUND UND BODEN GRUND UND BODEN

492

Differenzierung zwischen Bedarfs- und Verbrauchsausweis

DIE ENERGIEEINSPARVERORDNUNG

WIRD NOVELLIERT

AGNAR BOYSEN, SCHWARZENBEK

EISBERGE VOR NEUSEELAND – DIESEL 1,15 E/L – NEBENKOSTEN = ZWEITE MIETE!

Am 16. Dezember 2002 hat die EU die europäische Gebäuderichtlinie zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden

(EGRL) verbindlich beschlossen. Darin werden die Mitgliedstaaten verpflichtet, bis 4. Januar 2006 die erforder-

lichen Rechtsvorschriften zur Durchsetzung der Ziele zu erlassen. Daraufhin wurde das Energieeinsparungsgesetz

(EnEG) vom 22. Juli 1976 im September 2005 geändert, um die gesetzliche Grundlage für die Novelle der Verord-

nung zu schaffen [1].

Kernelement ist die Einführung eines Energieausweises, der Mietern und Käufern möglichst viele Informationen

zur energetischen Effizienz und Qualität von Gebäuden liefert und damit die Folgekosten transparenter macht

[2]. Dies betrifft unter Berücksichtigung der lokalen äußeren Klimaverhältnisse und Anforderungen an ein Innen-

raumklima:

Heizungsanlagen

Klimaanlagen

Beleuchtungsanlagen

Sommerlichen Wärmeschutz

Wärme- bzw. Kältebrücken

Interner Vortrag für die BDVI-Kommission »Wertermittlung« am 27. November 2006 in Hannover.

4

Diese Umsetzung von europäischem in nationales Recht (Termin

bis 4. Januar 2006 ) ist Anlass zur derzeitigen Kontroverse,

in der den Interessen der Verkäufer an möglichst günstiger

Vermarktung das Verlangen des zukünftigen Nutzers nach

größtmöglicher Transparenz der Energiedaten entgegensteht.

Selbst bei Harz-IV-Empfängern ist die Heizkostenabrechnung

im öffentlichen Interesse. Diese Energieverbrauchsdaten müssen

auch von jedem Nutzer gelesen und verstanden werden

können. Vor dem Hintergrund der explodierenden Energiekosten

steigt die finanzielle Belastung der Vermieter (Vorfinanzierung)

und der Mieter (Nebenkostenabrechnung). Dies

kann an der Gebäudesubstanz bei Fehlverhalten und falscher

Sparsamkeit der Nutzer zu bautechnischen Schäden führen [3].

Bereits heute sind Energiebedarfsausweise für neu zu errichtende

oder umfangreich zu renovierende Gebäude nach der

EnEV 2002 § 13 zu erstellen [4].

In Zukunft sollen auch für Altbestände bei Neuvermietung oder

Verkauf Energieausweise mit einer Gültigkeit von zehn Jahren

verpflichtend aufgestellt werden und bei Bedarf zugänglich

gemacht werden. Diese Forderung betrifft einen Bestand von

17,75 Millionen Gebäuden [10]. Davon sind:

62 % EFH

20 % ZFH

12 % kleinere MFH

5 % mittlere MFH

1 % große MFH

ENERGIEAUSWEIS FÜR BESTANDSGEBÄUDE –

HER UND HIN

Ursprünglich gab es durch das Umweltministerium den Ansatz,

den Ausweis auf der Grundlage des nach physikalischen und

technischen Kennwerten berechneten Bedarfs zu berechnen,

ähnlich wie die Verbrauchswerte bei PKW. Nach heftigen Diskussionen

aus der Wohnungswirtschaft favorisierten Bundesbauminister

Tiefensee und Bundeswirtschaftsminister Glos in

einer Pressemitteilung am 7. April 2006, dass den Eigentümern

auch eine Optionsfreiheit des Nachweises auf der Grundlage

des tatsächlichen Verbrauchs zugestanden werden sollte [6],

[7].

In der Pressemitteilung vom 26. Oktober 2006 des Bundesministeriums

für Wirtschaft und Technologie wurde nun schließlich

die Einigung der Koalition auf den Energieausweis für

Bestandsgebäude bekannt gegeben. Im Wesentlichen steht folgendes

Ergebnis für Wohngebäude fest [8]:

Bis 31. Dezember 2007 gilt die uneingeschränkte

Wahlfreiheit zwischen Bedarfs- und Verbrauchsausweisen

für alle Wohngebäude. Alle Energieausweise,

die in der Übergangszeit und vor Ablauf 2007 nach

Anfang 2008 soll die neue Energieeinsparverordnung

(EnEV) in Kraft treten. Sie regelt die Einführung

von Energieausweisen für bestehende Gebäude in

Deutschland. Jetzt haben die federführenden Ministerien

für Bau und Wirtschaft mit dem Referentenentwurf

ihre Planung für die Umsetzung vorgelegt.

Noch im Dezember soll der Entwurf mit Ländern und

Verbänden diskutiert werden, bevor dann voraussichtlich

Anfang kommenden Jahres das Bundeskabinett

und danach im Jahresverlauf der Bundesrat

die Energieeinsparverordnung beschließt.

Damit sind die Rahmenbedingungen für die Einführung

des Energieausweises geschaffen, den die Verkäufer

oder Vermieter von Gebäuden künftig Kaufoder

Mietinteressenten vorlegen müssen. Die Bundesregierung

lässt bewusst mehrere Verfahren zur

Ausstellung von Energieausweisen zu, also den bedarfs-

und den verbrauchsorientierten Energieausweis.

Bei unsanierten Gebäuden bis zu vier Wohnungen

und einem Baujahr vor 1978 ist der bedarfsorientierte

Energieausweis vorgeschrieben, bei allen

anderen Gebäuden kann der Hausbesitzer zwischen

dem bedarfs- oder verbrauchsorientierten Energieausweis

wählen.

der EnEV ausgestellt wurden, haben eine Gültigkeit

von zehn Jahren.

Ab 1. Januar 2008 besteht die Pflicht zum Bedarfsausweis

für alle Gebäude mit weniger als fünf Wohnungen,

die vor 1978 (vor erster Wärmeschutzverordnung)

errichtet wurden. Ausnahme und Wahlfreiheit

besteht für zwischenzeitlich renovierte Gebäude,

die den energetischen Stand der ersten Wärmeschutzverordnung

erreicht haben.

Für alle nach 1978 errichteten Wohngebäude besteht

Wahlfreiheit zwischen beiden Ausweisarten.

Für Anträge auf staatliche Förderung ist der Bedarfsausweis

vorgeschrieben.

4

493


GRUND BERUFSRECHT UND BODEN

494

VERBRAUCHSAUSWEIS

Auf Betreiben der Wohnungsbaugesellschaften

und der Hauseigentümer (Haus und Grund) wurden

die Daten des Feldversuches der Deutschen

Energieagentur (dena) an ca. 4.100 Gebäuden mittels

zweier Referenzobjekte geprüft. In dem Test

wurden bei Wohngebäuden Streuungen um 60 %

beim Primärenergiebedarf festgestellt und ca. 50 %

Streuung beim Endenergiebedarf ermittelt. Diese

beruhten auf Differenzen der ermittelten Gebäudenutzfläche,

Gebäudehülle, pauschalierten

Transmissionsverlusten der Gebäudehülle und der

Anlagentechnik. Die Energieeffizienz sollte daher

aus den tatsächlichen Verbrauchsdaten ermittelt

werden mittels Abrechnung der Heizkosten.

Vorteile:

kostengünstig (ca. 50 bis 100 Euro) bei mindestens

fünf WE in MFH (siehe Haus und Grund),

Verbrauchsdaten liegen schon umfangreich vor

transparent, weil Wohnungswirtschaft ohne

Zusatzschulung auf bekannte Daten trifft

Standortklima trotz Bereinigung über Faktoren

berücksichtigt

Fehler in der Heizkostenabrechnung können

leichter erkannt werden

Altbestände können leichter bewertet werden,

Aussage über allgemeinen Zustand

geringe Streuung der Zielgenauigkeit

(Haus und Grund)

geringe Qualifikation nötig

Nachteile:

Nutzerverhalten kann die energetische

Qualität des Gebäudes massiv überlagern

Leerstand kann unberücksichtigt bleiben

kaum Vergleichbarkeit deutschlandweit,

da kein Standard

Datenaufnahme für Gebäudediagnose und

damit Energieberatung unzureichend

4

Die Bereitstellung von Gebäudedaten durch Eigentümer

ist möglich. Eine Begehung durch den Sachverständigen

ist nicht zwingend erforderlich.

Unterschiedliche Bezugsflächen sind möglich (Wohnfläche,

Nutzfläche, Nettogrundfläche) und können

über Faktoren normiert werden.

Der Energieverbrauch der letzten drei zusammenhängenden

Perioden ist verwendbar (Heizperiodenbilanzverfahren).

BEDARFSAUSWEIS

Die nach der EnEV 2002 § 13 für neu zu errichtende

oder umfangreich veränderte Gebäude mit normalen

Innentemperaturen vorgeschriebenen Bedarfsausweise

werden auf der Grundlage von physikalischen

Modellen und veröffentlichten baufachlich

gesicherten Erfahrungswerten zu den energetischen

Eigenschaften von Bauteilen und Anlagen berechnet:

unabhängig von regionalen Standorten

für ein einheitliches normiertes Klima

bei normativer Nutzung

Vorteile:

Vergleichbarkeit durch Normierung deutschlandweit

Schwachstellen und Bauschäden werden erkannt

Modernisierungsvorschläge umfassend

frei von individuellem Nutzerverhalten (Überund

Unterheizen, Lüftungsverhalten)

unabhängig von Leerstand

auch bei dezentraler Energieversorgung ist eine

Berechnung möglich

kann für Förderanträge und Planungsvorbereitung

benutzt werden

Nachteile:

Altbestand schwierig nach Material und Aufbau

zu katalogisieren

hohe Berechnungskosten (300 bis 500 Euro)

für EFH (laut dena)

hoher Ausbildungsbedarf bei Energieberatern

Vielzahl von qualifizierten Sachverständigen

notwendig

unabhängig von tatsächlichen Energiequellen

durch Typisierung

Abweichungen zwischen Energiebedarf und

tatsächlichem Energieverbrauch

NUTZERVERHALTEN –

VERSCHWENDER UND KNAUSER GESUCHT

Vogler hat in einer Studie 519 Wohnungen mit gleicher energetischer

Qualität untersucht. Aus den Verbrauchswerten hat sie

den Durchschnitt und die Abweichung vom Mittel gebildet.

Erst ab Mehrfamilienhäusern mit mindestens acht Wohnungen

beeinflussen Verschwender und Knauser den Durchschnittswert

nicht mehr. Ob bei vier Wohneinheiten oder weniger schon

ein Durchschnittswert errechnet werden kann, ist daher fraglich.

Derartige Quantitätskriterien sind schon bei vielen anderen

Mengenuntersuchungen untermauert worden [5].

ZUSAMMENFASSUNG –

DIE PROBLEME FANGEN ERST AN

Die Untersuchung der Verbraucherverbände und von Haus und

Grund [3] ergaben für den Verbrauchsausweis bei Mehrfamilienhäusern

mit mehr als sechs Wohneinheiten Kosten zwischen

50 E und 100 E . Dieser Preis war nur möglich bei Objekten,

für die schon die Verbrauchs- und Bezugswerte durch die Heizkostenberechnungen

vorlagen.

Weiterhin bemängelt der Praxistest die fehlende Zielgenauigkeit

der unterschiedlichen Fachleute bei den Erhebungen zum Bedarfsausweis.

Ursache hierfür waren jedoch die ungenauen

Raum- und Flächenangaben als Bezugsgröße für den Energiebedarf

des Gesamtobjekts. Es verwundert also nicht, dass die

Wohnungsunternehmen diesen Ausweis bevorzugen (hierzu

auch [9]).

Der Endbericht der Verbraucherverbände

[10] sieht jedoch gravierende Mängel im Verbrauchsausweis.

Er bezeichnet die Vorstellung,

von einem bekannten realen Verbrauch

auf einen nutzerunabhängigen Bedarf

rückschließen zu können oder umgekehrt,

als unrealistisch.

Insbesondere sei das Ziel des Umwelt- und

Ressourcenschutzes, die energetische Qualität

des Gesamtgebäudes bei einer Standardnutzung,

des objektiven Vergleichs und

die kostengünstige bautechnische Empfehlung

zur Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz

nur über einen Bedarfsausweis zu

erreichen. Aus Sicht der Nutzer muss zum

Primär- und Endenergieverbrauch zusätzlich

eine Beurteilung der Gebäudehülle und der

Anlagentechnik erfolgen.

GRUND UND BODEN

Bei in verschiedenen Kommunen aufgestellten Pässen nach

ENERPLAN wurden Differenzen zwischen den vorher berechneten

Bedarfswerten und dem tatsächlichen Verbrauch in

Einzelfällen von –70 % bis +90 % ermittelt. Die Bandbreite für

eine Abweichung bei EFH von +25 % liegt bei 61 % der Fälle.

AUSSTELLUNGSBEFUGNIS –

VERMESSUNGSWESEN FEHLT

Nach § 21 des Entwurfs zur EnEV sind die ÖbVI nicht als Fachleute

für die Ermittlung der Bezugsräume und -flächen vorgesehen.

Vielmehr sind es Ingenieure folgender Fachrichtungen:

Architektur

Hochbau

Bauingenieurwesen

Gebäudetechnik

Bauphysik

Maschinenbau

Elektrotechnik

Ferner sind auch Handwerksmeister und staatlich geprüfte

Techniker vorgesehen. Der Schwerpunkt wurde hier eindeutig

auf die Beurteilung der Bausubstanz gelegt. Dass die Ermittlung

von Flächen- und Raummaßen, die eine Vielzahl von

Fehlerquellen verursacht hat, zum originären Berufsbild der

Vermesser und Wertermittler gehört, blieb bisher unbeachtet.

Ebenso ist die Tatsache, dass bei der Wertermittlung stets die

Gebäudehülle, der Dämmungszustand und Bauschäden eine

tragende Rolle spielen, bisher verschwiegen worden.

– Anzeige –

4

495


GRUND UND BODEN

496

ERLÄUTERUNGEN DER FACHBEGRIFFE [10]

Primärenergiebedarf: Summe aus Endenergie und den Kosten

aus Erkundung, Gewinnung, Umwandlung und Transport der

Energieträger. Kennwert der Gesamtenergieeffizienz. Aus umweltpolitischer

Sicht wünschenswerte Information.

Endenergiebedarf: Jährliche, normierte und standardisierte

Energiemenge für Heizung, Warmwasser, Beleuchtung, Kühlung

und Lüftung. Er ist das Beurteilungsmaß für die Energieeffizienz

des Gebäudes und wichtiges Indiz für den Interessenten.

Energieverbrauchskennwert: Über Klimafaktoren bereinigter

Verbrauchswert des gesamten Gebäudes. Bei kleineren Wohnanlagen

nur über Sicherheitszuschlag verwertbare statistische

Aussage.

ÖbVI Dipl.-Ing. Agnar Boysen

Waldstraße 10 • 21493 Schwarzenbek

E-Mail info@verm-boysen.de

Nachruf

Der Bund der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure trauert um

HERRN DIPL.-ING.

HELMUT WIEMERSLAGE

ÖFFENTLICH BESTELLTER VERMESSUNGSINGENIEUR IN IBBENBÜHREN

* 23. MAI 1929 † 25. SEPTEMBER 2006

4

Quellenangaben

[1] EnEG Energieeinsparungsgesetz vom 22. Juli 1976 (BGBl. I

S. 1873), zuletzt geändert am 1. September 2005

www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/eneg/gesamt.pdf

[2] Deutsche Energieagentur (dena)

www.gebäudeenergiepass.de/page/index.php?id=3099

[3] Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen – Hintergrundbericht

zur Pressekonferenz vom 12. Januar 2006

www.ikbaunrw.de/wDeutsch/news/Referentenentwurf_EnEV.shtml?

navid=

[4] Dipl.-Ing. Kerstin Klein WFA 2/2006 – Der Energieausweis

[5] Vogler, Ingrid: Untersuchung zu Energieverbrauchswerten

[6] Tuschinski, Melitta: EnEV und Energiepass 2006. Interview mit

Baudirektor Hegner

www.enev-online.de/interviews/050512_bmvbw_hegner.pdf

[7] Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen

www.ikbaunrw.de/wDeutsch/news/Energieausweis2007.shtml?navu

rl=/wDeutsch

[8] Pressemitteilung des Bundesministeriums für Wirtschaft und

Technologie vom 26. Oktober 2006

www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Presse/pressemitteilungen

[9] ARD Ratgeber Bauen & Wohnen – Energiepass für Gebäude

www.wdr.de/tv/ardbauen/archiv/050910_1

[10] ifeu-Endbericht Energiepass 2005 im Auftrag der Verbraucherzentrale

Bundesverband e. V. in Kooperation mit dem

Deutschen Mieterbund e. V.

Energiesparhaus 60, Marienburger Straße 40-40 b,

Berlin-Prenzlauer Berg, www.arnoldundgladisch.de

Der BDVI verliert mit Herrn Dr. Wiemerslage einen hochgeschätzten Kollegen, der sich auf seine eigene,

ganz besondere Weise für die Belange des Berufsstandes eingesetzt hat.

Wir betrauern seinen Tod sehr und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Dr.-Ing. Hubertus Brauer, Vorsitzender der BDVI-Landesgruppe Nordrhein-Westfalen

Zur Mitwirkung von ÖbVI und

Beratenden Ingenieuren

beim Aufbau von Geoportalen

ÖBVI UND GIS IN KOMMUNEN

GERHARD KRUSE, PINNEBERG

Der Traum einer jeden Schriftleitung ist es, Themen anzusprechen und mit einer Reaktion der

Leser rechnen zu dürfen. Das FORUM hat in Heft 3/2006 ÖbVI zum Thema »GIS (Beteiligung)

in Kommunen« befragt und ein großes Echo erfahren. Nachfolgend ein besonders engagierter Beitrag

aus dem Norden.

1 | EINFÜHRUNG

Mit dem Memorandum über die Zusammenarbeit von AdV und

BDVI im amtlichen Vermessungswesen in Deutschland ist ein

richtungsweisendes Eckpunktepapier [1] erarbeitet worden, in

dem spezielle Ausführungen über die Rolle als amtlicher Geodienstleister

gemacht werden,- unter anderem: »haben die

nutzerorientierte GIS-Beratung und die Schnittstelle bei der

Zusammenführung von Fachinformationen mit Geobasisinformationen

(›Veredelung‹) eine besondere Bedeutung« [2].

Schon 2002 wurden in der Micus-Studie Hinweise zur Tätigkeit

als GIS-Dienstleister und damit zur Neupositionierung der

ÖbVI [3] und nachfolgend auf dem BDVI-Diskussionsforum anlässlich

der INTERGEO 2003 Impulse für ein Berufsfeld der

Zukunft gegeben [4]. Nach mehrjähriger Tätigkeit im GIS-Bereich

stelle ich nun fest, ähnlich wie meine Kollegen in der jüngst

durchgeführten Befragung der FORUM-Redaktion [5], dass zumindest

der geschäftliche Erfolg einiger abgewickelter GIS-

Projekte oft sehr mäßig ist und eher von Hoffnungen auf künftige

Entwicklungen getragen wird. Mit nachfolgenden Ausführungen

möchte ich Erklärungen dazu geben und Vorschläge

machen, wie aus der Sicht eines Datendienstleisters in Schleswig-Holstein

die erfolgreiche Zusammenarbeit der beteiligten

Geodienstleister zum Vorteil aller gestaltet werden könnte.

Schließlich geht es im Zeitalter von Google Earth [6] nicht mehr

nur darum, Geobasisdaten innerhalb einer Landes-GDI abzugeben,

sondern auch den sehr umfangreichen »Datenschatz

der Kommunen zu heben«, d. h. vielfältige, heterogene Geofachdaten

zu bearbeiten und vielen Anwendern nutzbar zu

machen [7]. Bei dem Prozess kann der im Bereich geoGovernment

tätige Berufskollege aufgrund seiner hervorragend ausgebildeten

Kompetenzen [8] maßgeblich mitarbeiten, d. h.

beim Aufbau von Geoportalen mitwirken und damit die Entwicklung

förderlich beeinflussen, was aufgrund der derzeitigen

Situation/Stagnation in vielen Bereichen sehr wünschenswert

wäre.

TECHNIK

4

497


TECHNIK

498

2 | DERZEITIGE SITUATION

Nach umfangreicher Grundlagenarbeit innerhalb der letzten

fünf Jahre, namlich

Studium einschlägiger Fachliteratur [9], [10], [11], [12],

Durchführung mehrerer GIS-Workshops u. Ä. im hiesigen

Kreis,

Besuch vieler GIS/GDI-Veranstaltungen (bundesweit),

Erarbeitung eigener Fachbeiträge [13], [14], [15],

stellt sich für mich die GIS-Akteure-Landschaft wie folgt dar:

Landesverwaltungen

Die Struktur der einzelnen Geodateninfrastrukturen (GDI) in

den verschiedenen Bundesländern ist ähnlich. Es werden oftmals

Möglichkeiten der Einbindung von privaten Stellen genannt,

wie z. B. in der gemeinsamen Broschüre der Länder Hamburg

und Schleswig-Holstein über das gemeinsame Geoserverprojekt.

Darin wird vor dem Government-Gateway das Produktions-

oder Auskunftssystem benannt, bei dem die Benutzer

zugleich Anbieter sein können, d. h., »die Benutzer finden alle

Daten an einer Stelle, dem Geodatenportal« [16].

Der Geoserver der o. g. Länder wird noch im Herbst dieses Jahres

freigegeben, d. h., in einer ersten Stufe wird die ALK an verschiedene

Stellen abgegeben – die ALKIS-Einführung in Schleswig-

Holstein ist für Anfang 2008 geplant. Damit wird erst in späteren

Ausbaustufen die Einbindung von privaten Geodatenservern

möglich sein. Diesbetreffend wird meinerseits gerade

ein Pilotprojekt vorbereitet, d. h., entsprechende Vorschläge

zur Durchführung eines Pilotprojektes sind an die verantwortlichen

Stellen gegeben worden; Antworten dazu stehen derzeit

noch aus.

Kommunalverwaltungen

Etwa die Hälfte aller Kommunalverwaltungen in Schleswig-

Holstein setzt im GIS-Bereich entsprechend ihrer Größe Desktop-Systeme

auf Client-Server-Basis ein, die andere Hälfte

besonders bei den kleineren Stadt-, Gemeinde- und Amtsverwaltungen

wartet auf die Zulieferung von Geodaten seitens

der zuständigen Kreisverwaltung (in der Funktion als Kopfstelle)

über aufzubauende Kreisnetze gemäß eGovernment-

Vereinbarung.

Viele Mitarbeiter in den Kommunalverwaltungen sind im Umgang

mit GIS nur mäßig geübt und nutzen nur einen kleinen

Teil der per Software angebotenen Möglichkeiten [17].

Kreisverwaltungen in Schleswig-Holstein

Wenige Kreisverwaltungen setzen im geoGovernment-Bereich

zeitgemäße Lösungen ein. Die überwiegende Anzahl ist

4

bemüht, entsprechende Projekte zu entwickeln, was ihnen aufgrund

mäßiger Finanz- und Fachkäfteausstattung sehr

schwerfällt; jedenfalls warten viele der o. g. Kommunalverwaltungen

seit Jahren noch immer auf entsprechende Ergebnisse

der Kreisverwaltung (Kopfstelle). Erschwerend kommt

hinzu, dass derzeit Kreisgebietsreformen und -fusionen im

Gespräch sind, so dass viele Verwaltungsstellen erst einmal abwarten.

GIS-Dienstleister

Es gibt wenige Fachfirmen, einige ÖbVI und Beratende Ingenieure

in Schleswig-Holstein, die mehr oder weniger GIS-

Dienstleistungen für Kommunen und/oder Leitungsbetreiber

erbringen. Dabei werden sowohl Geobasis- als auch Geofachdaten

gemanagt und in üblicher Form auf CD oder auch über

das Web an die Auftraggeber bereitgestellt. Eine im Zeitalter

von Interoperabilität abgestimmte Arbeitsweise zwischen Verwaltungen

und privaten Ingenieurbüros zur Datenabgabe aus

verschiedenen Geodatenservern zeitgleich über das Web an gemeinsame

Kunden konnte bisher noch nicht praktiziert werden.

3 | GDI-LÖSUNG IN DEN LÄNDERN

Eine klare Aussage über die tragenden Elemente der Geodateninfrastruktur

in Deutschland und den Ländern wird im Fachbeitrag

über »Das amtliche deutsche Vermessungswesen«

gegeben [18]. Im Kapitel über die »Zentralfunktion« sind sämtliche

Ausführungen über »Bereitstellung ... Geodatenportale ...

Geodatendienst« enthalten. Abschließend wird dort festgestellt:

»Hierzu werden die Geodatenportale, denen über Geodatenbusse

die jeweiligen Geodatenserver zugeordnet sind,

vernetzt.« Verdeutlicht wird die GDI-Vernetzung durch die entsprechende

(dortige) Abb. 7, wo außer anderen der »Geodatenserver

Wirtschaft« benannt ist.

Damit ist klargestellt, dass auch entsprechende privatwirtschaftlich

betriebene Geodatenserver mit Geofachdaten eingebunden

werden sollen. Alle Rahmenbedingungen und Details

sollten deshalb von den verantwortlichen Akteuren gemeinsam

erarbeitet werden.

4 | EMPFEHLUNGEN

Land Schleswig-Holstein und Hamburg: Ein Pilotprojekt

sollte durchgeführt werden, in dem die Datenzulieferung

von Geofachdaten einer Kommune (z. B. Kanalkatasterdaten)

im OGC- und ISO-Standard via Geodatenportal getätigt

wird, und dazu relevante Punkte erarbeitet werden

(technische Spezifikationen, Organisatorisches, Datenschutzfragen,

Kostennoten u. Ä.).

Kompetente Ingenieurbüros im Bereich Geoinformatik

(ÖbVI/Beratender Ing./GIS-Systemhaus) in Schleswig-Holstein

sollten in dem Pilotprojekt mitarbeiten.

Hochschulen: Hier könnten die technischen Standards

OGC (WMS, WFS, ...) und ISO (Metadaten, ...) geprüft und

abschließend zertifiziert werden

ULD (Unabhängiger Landesdatenschutzbeauftragter) prüft

ebenso und gibt Zertifikation.

ÖbVI/Beratender Ing. mit Kompetenzen im GIS-Bereich: Er

bietet seine Mitwirkung beim Aufbau des Landes-Geoportals

an und glaubt an sich und den »Geodatenserver Wirtschaft«

(Vision: »Du bist der Geodatenserver«).

BDVI-Präsidium bringt in der nächsten Sitzung der AdV-

BDVI-Kommission das Thema »Geodatenserver der Wirtschaft«

innerhalb der Länder-GDI mit dem Ziel zur Sprache,

dass die ÖbVI-Kollegenschaft als Teil des amtlichen Vermessungswesens

beim Geodatenfachmanagement für

Kommunen ihren Beitrag leisten kann und damit beim Aufbau

des jeweiligen Geodatenportals des Landes mitwirken

sollte.

5 | RESÜMEE

Bei einer Analyse des derzeitigen angebotsgesteuerten Marktes

innerhalb der Geoinformationswirtschaft spricht der Verfasser

[19] von einem allokativen Marktversagen. Und weiterhin:

»Denn bei den Geodaten sind staatliche Stellen nicht nur

die größten Anbieter, sondern zugleich auch die Hauptnachfrager

nach Geoinformationsprodukten.« Mit den Ergebnissen

in vorbezeichnetem Fachbeitrag werden Erklärungen gegeben,

warum sich der Teilmarkt für private Geodaten kaum entwickeln

kann. Abschließend wird dort ausgeführt: »Ich kann

mir vorstellen, dass Public-Private-Partnerships entstehen, die

sowohl amtliche wie private Geodaten in den Markt bringen

und sowohl private wie öffentliche Nachfrage nach Geoinformationsprodukten

befriedigen. Das Sollkonzept zur GDI

Berlin enthält erste Ansätze zu einem solchen Konzept, aber

es ist deutlich mehr zu tun.«

Packen wir es doch gemeinsam an

Es wäre unter anderem der »Geodatenserver der Wirtschaft«

aufzusetzen, mit Geofachdaten zu füllen (Content-Providing)

und mit den anderen Geodatenservern zu vernetzen. So würde

man dem Ziel »Verteilte Daten und Dienste aus Wirtschaft und

Verwaltung« [16] ein Stück näher kommen.

Danksagung

Ich danke Herrn Prof. Schilcher (TU München/Runder Tisch GIS

e. V.) und Herrn Prof. Schlemmer (TU Darmstadt/IKGIS e. V.)

für die in den letzten Jahren durchgeführten GIS-Veranstaltungen

sowie Herrn Prof. Greve (Uni Bonn/Editorial-Board der

GIS BUSINESS) für seinen Beitrag »Gefragt ist eine Regulationspolitik«

[19].

Dipl.-Ing. Gerhard Kruse

Elmshorner Straße 32a • 25421 Pinneberg

E-Mail buero@kruse-vermessung.de

Literaturangaben

[1] Klöppel, AdV Teetzmann, BDVI: »Gemeinsam für Staat,

Wirtschaft und Gesellschaft«, in: zfv 1/2006, S. 1

[2] Dito, in: FORUM 2/2006, S. 340, mit Anmerkungen von ÖbVI

Dipl.-Ing. W. Borchers

[3] Fornefeld / Oefinger: »Neupositionierung der ÖbVI«,

in: FORUM 3/2002, S. 402

[4] Fey: »INTERGEO 2003«, in: FORUM 3/2003, S. 126

[5] FORUM-Schriftleitung: »GIS in Kommunen« (Interview),

in: FORUM 3/2006, S. 420

[6] GeoBIT-Redaktion: »Google Earth«, in: GeoBIT 1/2006, S. 8

[7] Donaubauer / Schilcher: »Online-Leitungsauskunft bei

verteilten Systemen«, in: GeoBIT 8/2004, S. 28

[8] Kummer: »Herr der Zukunft ist, wer sich wandeln kann«,

in: FORUM 3/2004, S. 399

[9] Behr: »Strategisches GIS-Management«, Wichmann-Verlag

2000

[10] Bill / Seuß / Schilcher: »Kommunale Geo-Informationssysteme«,

Wichmann-Verlag 2002

[11] Strobl / Griesebner: »geoGovernment«, Wichmann-Verlag 2003

[12] Bernard / Fitzke / Wagner: »Geodateninfrastruktur«,

Wichmann-Verlag 2005

[13] Kruse: »Der Weg zum kommunalen GIS«,

in: GeoBIT 10/2003, S. 26

[14] Kruse / Knoechel: »Landkreisweite GIS-Lösungen

für Schleswig-Holstein«, in: AVN 2/2005, S. 48

[15] Gustafsson: »Kanalkataster – ›und jetzt‹?!«,

in: VDV 4/2005, S. 294

[16] Geoinformation Vermessung Hamburg Vermessungs- und

Katasterverwaltung Schleswig-Holstein: Gemeinsame Broschüre

zum Geoserver von LVA SH und LGV HH, 2005

[17] Wenzel: »Praktischer Einsatz von Geoinformationssystemen in

hessischen Kommunen«, in: AVN 11-12/2005, S. 380

[18] Kummer / Pischler / Zeddies: »Das amtliche deutsche Vermessungswesen«,

in: zfv 5/2006, S. 239

[19] Greve: »Gefragt ist eine Regulationspolitik« (Interview),

in: GIS BUSINESS 10/2006, S. 8

TECHNIK

4

499


FORUM IM FORUM

500

Alles ist möglich, alles ist machbar

Fahrzeugausbauten

Zahlreiche Faktoren müssen für eine erfolgreiche Arbeit in einem ÖbVI-Büro zusammenspielen. Das Betriebs-

klima, die Qualifikation der Mitarbeiter oder die Auftragslage. Doch auch kleine, scheinbar nebensächliche Details

können die Produktivität sowie die Qualität und das Tempo der Tätigkeiten spürbar erhöhen – oder auch senken.

Ein in jedem Büro auftretendes Problem ist die oft stiefmütterlich

behandelte Frage nach dem Innenausbau der Messkraftfahrzeuge.

Die Aufgabenstellung ist immer gleich, allein die

Lösungsansätze sind mannigfaltig. Betrachtet man zehn verschiedene

Messfahrzeuge, kann man in der Regel auch zehn

verschiedene Fahrzeugausbauten bestaunen.

Oft ist der Einbau nach eigenen Angaben von örtlichen Handwerksbetrieben

gefertigt. Problematisch ist hierbei, dass die

Konstrukte bei Fahrzeugwechsel vom alten in den neuen Wagen

übernommen werden. Zum einen leidet nicht selten die

Passgenauigkeit und die Verarbeitung (Dauertrauerspiel: die

ewig klemmende Schublade!), zum Zweiten kommen die Ausbauten

auf diese Art »in die Jahre«.

Jedoch: Die Anforderungen an ein »mobiles Außendienstbüro«

haben sich in den letzten zehn Jahren erheblich geändert. Stauraum

für GPS-Geräte – sperrig und sensibel – musste geschaffen

werden, Anschlüsse für Notebooks, Feldrechner und andere

strombetriebene Arbeitsmittel sind ein Muss in jedem

Bulli. Früher schon existierender Platzbedarf – etwa für Fluchtstangen,

Stative, Grabzeug oder Vermarkungsmaterial – ist

trotzdem noch immer vorhanden. Es empfiehlt sich daher, den

Innenausbau von Zeit zu Zeit den Gegebenheiten anzupassen.

Neben der Eigenbauvariante besteht die Möglichkeit, auf die

Angebote professioneller Fahrzeugausrüster zurückzugreifen.

4

Die Lösungen sind durchdacht, komplex, oft multifunktional

und durch die Kundenwünsche auf die Bedürfnisse der Fachwelt

ausgerichtet. Nachteilig ist der oft weite Weg zum

nächstgelegenen Anbieter, der damit verbundene Zeit- und

Kostenaufwand bei Garantieleistungen oder Wartung bzw. der

in einigen Fällen als zu hoch empfundene Anschaffungspreis.

Als dritte Lösung gibt es die schon vorhandenen Einbauten in

Gebraucht-Kfz. Im Bild sieht man einen ehemaligen Transporter

eines großen Telekommunikationsanbieters im Einsatz als

Messfahrzeug. Reflektorstäbe und anderes Langmaterial kann

man problemlos links und rechts am Einbau vorbei unterbringen

und mit Gummizügen fixieren. Kleinteile, Dreifüße usw.

kommen sicher in den offenen Schubladen (Mitte) unter. Ein

Vorteil: Der schon vorhandene Batterieblock bietet Energie

für bis zu zehn Steckdosen. Leere Akkus (Tachymeter, Bohrmaschine,

Handy etc.) gehören so der Vergangenheit an. Ein

Nachteil: auch der Batterieblock! Durch dessen Platzintensität

können Stative nur nebeneinanderliegend transportiert werden,

was sich an der Abnutzung und der Bruchanfälligkeit der

Fußschrauben stark bemerkbar macht.

FAZIT: Es gibt noch keines. In Sachen Fahrzeuginnenausbau

ist alles möglich, alles machbar und noch mehr zu tun. Um Ihnen

ein gefächertes Bild über die Problematik vermitteln zu

können, um Ihnen Lösungsvorschläge zu unterbreiten oder zu

zeigen, wie man es nicht machen sollte, bitten wir Sie, liebe

FORUM-Leser, um Ihre Mithilfe. Fotografieren Sie Ihren Fahrzeugausbau

und senden Sie das Bild mit zwei, drei Stichworten

zu Vor- und Nachteilen per E-Mail oder per Post an die Geschäftsstelle

des BDVI, Luisenstraße 46, 10117 Berlin

(info@bdvi.de). Einsendeschluss ist der 28. Februar 2007. Eine

Zusammenfassung der aus Redaktionssicht vorteilhaftesten

Ausbauten wird Ihnen im FORUM 1/2007 vorgestellt.

Achtung: Unter allen Einsendungen, unabhängig von der Veröffentlichung

des Fotos, verlost FORUM einen freundlicherweise

von der Firma Leica Geosystems zur Verfügung gestellten

nagelneuen Leica Disto classic5A . Viel Glück!

Andreas Bandow, FORUM-Redaktion

Mit freundlichen Grüßen

»Es weihnachtet sehr, es weihnachtet sehr.

Schneeflocken fliegen wie wild hin und her …«

Nun ja. Streng kalendarisch betrachtet weihnachtet

es zwar, aber zum Redaktionsschluss dieses Heftes

herrschen draußen Temperaturen wie im April und hie

und da blühen die ersten Krokusse. Der fleißige Landmesser

hat die lange Unterhose schon seit drei Wochen

griffbereit ganz vorne in der Schublade deponiert, ohne

bisher auch nur einmal davon Gebrauch gemacht zu

haben. Und auch Handschuhe und Schal kommen nicht

so richtig zum Zuge. Alle Wintersachen sind wie neu.

Und damit schafft sich der Außendienstler ein

neuerliches Problem an den Hals: Was soll er sich wohl

in diesem Jahr zu Weihnachten wünschen? Ein Paar

dicke Socken? Neue lange Hinnis oder eine warme Bommelmütze?

Braucht man ja nicht, das alte Zeug ist ja

noch nicht kaputt! Phantasie ist gefragt. Nach kurzem

Studieren der Bedürfnisse kommt man recht schnell auf

den Gedanken, dass ein Buch das richtige Geschenk sei.

»Vermessung der Welt« war ja auch eines, und das

gefiel. Doch welches Buch würde man als Geodät wohl

ebenso gerne lesen? In seiner Not wendet man sich an

seine FORUM-Redaktion. Dort, so vermutet man, kenne

man sich mit Büchern – zumindest aber mit Buchstaben

– wohl aus. Man wird einfach mal fragen, was

man, geschlagen mit geodätischer Profession, so lese

in heutiger Zeit. Um dem Ganzen einen gewissen vorweihnachtlich-romantischen

Schliff zu verpassen,

greift man zu Feder und Papier und beginnt, einen handgeschriebenen

Brief zu verfassen. »Liebes FORUM, wie

geht es Dir? Mir geht es gut …« und so weiter. Grüße,

Namensschnörkel, fertig. So. Hinein mit dem Werk in

einen Umschlag.

Man greift zum Kuvert, schlägt es auf und … Was

ist denn das? Ist das nicht eine Karte, dort in der Innenseite

der Versandtasche? Kann das sein? Eine Landkarte?

Oder hatten die Azubis Langeweile? Vergessen

sind der Brief und das Buch. Erregten Gemütes zerlegt

man nun waidgerecht den Briefumschlag, um auf des

Rätsels Lösung zu stoßen. Doch nichts erschließt sich.

Eine Landkarte des Schaumburger Waldes, Maßstab

1:50.000, TK 50 bei näherer Betrachtung. Doch wie

kommt diese Karte in den Umschlag, bzw. wie wurde

diese Karte ein Umschlag? Man ist sprachlos. Und dann

auf einmal voll Tatendrang und Wissensdurst – eine

manchmal recht gefährliche Mischung. Mit dem blanken

Stahl des Brieföffners werden alle verbliebenen ein

108 Briefumschläge des Formates DIN lang tranchiert,

um an des Rätsels Lösung zu kommen. Und siehe da:

Alle Umschläge

bestehen

aus TK 50.

Man beginnt

nun

zu puzzeln,

merkt aber

schon bald,

dass nichts

passt. Hier

ein bisschen

Schaumburger

Wald, dort der

Deister und die

Lüneburger Heide, und ein kleiner Teil von Bamberg ist

auch dabei. Das Werk liegt zerstückelt und ausgebreitet

auf dem Wohnzimmerfußboden.

Große Fragezeichen kreisen einem über dem Kopf.

Was soll das? Ergeben alle Briefumschläge aneinandergelegt

die Bundesrepublik Deutschland im Maßstab

1:50.000? Wenn ein A4-Umschlag 0,00000006237 km 2

groß ist – das ist schnell gerechnet –, dann braucht

man, um ganz Deutschland mit seinen 357.031 km 2

abzudecken, genau 5.724.402.758.000 Briefumschläge.

Also etwa 5,72 Billionen Stück. Wenn keine Karte doppelt

vorkommt.

Bei 80 Millionen Deutschen kommen so auf jeden

Menschen 71.555,03 Briefumschläge. Geht man

davon aus, dass die Umschläge in einer Auflage pro Jahr

gedruckt werden, muss demzufolge jeder Deutsche

196,04 Briefe am Tag schreiben. Was das heißt, weiß

jeder: Spam in analoger Form! Und wer soll die ganzen

Briefmarken bezahlen? Die Menschen würden

kilometerlang an den Briefkästen anstehen, nur um

ihre tägliche Post loszuwerden. Ein Desaster. Man

müsste klagen. Aber gegen wen? Und plötzlich geht

einem ein Licht auf. TK 50? Herausgegeben von der Landesvermessung?

Das ist … WERBUNG!!! In höchster

Potenz!! An jeden Deutschen 196,04-mal verteilt!

Unglaublich! Und bei den ÖbVI gilt selbst der eigene

Vorname als unzulässige Reklame. Skandal! Man

möchte …, man muss doch …, man will am liebsten …,

… und dann klingelt der Wecker.

Puh! Glück gehabt! Nur ein Traum, ein böser. Man

fasst sich kurz und greift nach der bereitliegenden Post

von heute. Zuerst mal diesen Umschlag hier, den in DIN

lang …

Andreas Bandow, FORUM-Redaktion

FORUM GLOSSAR

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Praxiswissen und Insidertipps –

2. Münchner Immobilienforum zur Wertermittlung 2007

Wer rastet, der rostet – dies gilt in besonderem Maße auch für die Experten rund um die Immobilienwirtschaft

und die Bewertung von Immobilien. Hervorragend Abhilfe schafft das vom Olzog Verlag (München) ins Leben

gerufene Münchner Immobilienforum zur Wertermittlung.

Unter dem Motto »Informieren – diskutieren – profitieren« lädt der Olzog Verlag am 19. und 20. April 2007 zum 2. Münchner

Immobilienforum zur Wertermittlung ein. Wie beim erfolgreichen ersten Immobilienforum (siehe Infokasten) im Frühjahr

dieses Jahres wird das Forum wieder einen Blick auf den aktuellen Stand der Wertermittlung werfen und über Veränderungen

und Neuerungen informieren. Namhafte Experten und Vordenker aus Wissenschaft und Praxis werden im Rahmen von Vorträgen

und Diskussionsforen Antworten geben und Handlungsstrategien für Immobilienunternehmen und Bewertungssachverständige

aufzeigen. Das Forum verspricht eine anschaulich fachübergreifende Vermittlung von Kenntnissen – speziell

ausgerichtet auf die Immobilienbewertung – und erlaubt durch die praxisbezogene Ausrichtung eine tiefe und konkrete Wissensbildung.

Zudem bestehen für persönliche Kontakte, Gespräche und einen intensiven Erfahrungsaustausch mit den Referenten

und Teilnehmern wieder zahlreiche Gelegenheiten.

Persönlichkeiten mit höchster Glaubwürdigkeit und Kompetenz haben als Referenten für 2007 zugesagt: Dipl.-Ing. Helmut

Schmalgemeier, Dipl.-Ing. Dieter Kertscher, Dipl.-Ing. Herbert Troff, Dr. Martin Leinemann, Günter Wattig, Dr. Sven Bienert und

Dipl.-Ing. Bernhard Bischoff.

Machen Sie sich vertraut mit den neuesten Erkenntnissen und Fakten zur Immobilienwirtschaft sowie der Bewertung von

Grundstücken und Immobilien. Die folgenden Themen versprechen zwei hochinteressante und informative Tage:

Zertifizierung und / oder öffentliche Bestellung von Sachverständigen in der Immobilienbewertung:

Wie steht es mit der Qualität der Sachverständigen?

Zur Situation des Grundstücksmarktes in Deutschland:

Benötigen wir für mehr Transparenz einen Bundesgrundstücksmarktbericht?

Wertermittlungsrichtlinien 2006 –

Bewertung von Rechten nach WertR 2006 mit Softwarelösungen

Beleihungsbewertung: Die neue BelWertVO 2006 –

Richtiger Einsatz im Tagesgeschäft

Stand und Entwicklung des Gewerbeimmobilienmarktes in Deutschland:

Was bringt die Zukunft?

Bewertungspraxis von Hotelgrundstücken im deutschsprachigen Raum:

Aktuelle Marktdaten und Verfahren

Neue Normalherstellungskosten NHK 200X?:

Sind die NHK 2000 schon zu alt?

Das Immobilienforum 2007 richtet sich an die Sachverständigen der Freien Berufe sowie die Sachverständigen (Wertermittlung

/ Bewertung) von Immobilien aller Tätigkeitsbereiche in den Kommunen, den Banken, den Gutachterausschüssen für

Grundstückswerte und an Experten im Immobilienmanagement. Aufgrund des Themenspektrums auch interessant für Experten

aus Österreich und der Schweiz.

Der hohe Praxisbezug, direkt umsetzbare Insidertipps, exzellente Referenten und insgesamt sieben Diskussionsrunden sprechen

für das 2. Münchner Immobillienforum zur Wertermittlung. Der BDVI meint: »Diese Veranstaltung sollten Sie nicht verpassen!«

Informationen und Anmeldung unter www.olzog.de. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

4

JOBBÖRSE

ANZEIGENAUFTRAG

Rückfragen richten Sie bitte an: Frau Wolkowa 030/240 83 83

Absender

Name

Straße

PLZ / Ort

Telefon / Fax

E-Mail

ANGEBOTE

PLZ-Bereich 1

• 5751 A Vermessungsassessor für ÖbVI-Büro im Umland von Berlin gesucht. Sie

sollten sich neben der klassischen Vermessung für Bodenordnung und Geoinformationssysteme

interessieren und überaus kommunikativ sein. Eine spätere

Sozietät / Büroübernahme wird angestrebt.

• 5752 A ÖbVI sucht aus Altersgründen eine(n) Vermessungsassessor(in) mit Anerkennungsjahr

als Nachfolger für sein Büro im Raum M-V.

• 5754 A Verkaufe renommiertes Vermessungsbüro im englischsprachigen Ausland.

Seit 15 Jahren mit 20 Mitarbeitern vor Ort, sehr gute Auftragslage, ca.

400 T E Gewinn nach Steuern.

PLZ-Bereich 3

• 5750 A Suche ab Mitte 2007 ÖbVI-Büro in Niedersachsen zur Übernahme.

Die Praxiszeit nach dem 2. Staatsexamen wird bis dahin abgeleistet sein.

PLZ-Bereich 5

• 5755 A ÖbVI sucht aus Altersgründen eine(n) Vermessungsassessor(in) mit Anerkennungsjahr

als Nachfolger für sein Büro im Raum Köln.

Weitere Jobangebote und -gesuche finden Sie auf der BDVI-Homepage unter www.bdvi.de im Bereich »Service«.

Datum / Unterschrift

Zahlungsform

[ ] VERRECHNUNGSSCHECK LIEGT BEI.

[ ] BETRAG LIEGT BAR BEI.

* Bewerbungsunterlagen nur ausreichend frankiert mitsenden!

GESUCHE

PLZ-Bereich 4

• 5563 Vermessungsassessor sucht zum 01.01.2007 in den Regierungsbezirken

Münster, Detmold, Arnsberg ein ÖbVI-Büro zur Gründung einer Sozietät / Büroübernahme.

Die Anerkennungszeit für das Land NRW wurde abgeleistet.

PLZ-Bereich 5

• 5560 VT (36), flexibel, zuverlässig und leistungsbereit, sucht ab sofort Tätigkeit

bei ÖbVI. 15 Jahre Berufserfahrung, Vermessungsbefugnis für RLP. Umfangreiche

Erfahrung in Liegenschafts- und Ingenieurvermessungen (Innen- und

Außendienst). Sehr gute Kenntnisse in der Anwendung von Kivid, Geograf, Georg,

MS Office, Trimble Tachymeter und GPS.

• 5561 Vermessungsassessor, 39, zuverlässig, belastbar, ungekündigt, sucht neue

Herausforderung im Raum Stuttgart ab 12/06. Berufserfahrung im Innen-/

Außendienst in Kataster- und Ing.-Vermessung. Intensive Kenntnisse in Auto-

Cad, VPR-Riemer, MS-Office, Trimble-Sapos R8, TGOffice; Tel. 0175/6966154.

[ ] ICH INTERESSIERE MICH FÜR CHIFFRE-NR.

[ ] BITTE VERÖFFENTLICHEN SIE MEIN STELLENANGEBOT:

[ ] BITTE VERÖFFENTLICHEN SIE MEIN STELLENGESUCH:

Textanzeigen in der Jobbörse

[ ] Anzeigen je angefangene 300 Zeichen 20,00 E

Zusätzliche Optionen:

[ ] FETTDRUCK MIT EINER ZUSATZFARBE: + 13,00 E

[ ] FARBIGER RAHMEN: + 13,00 E

FORUM FUTURA

ZUSCHRIFTEN* erbeten an:

BDVI, »FORUM-Jobbörse«, Luisenstraße 46, 10117 Berlin

4

503


FORUM FUTURA

504

■ BI-BILDUNGSINSTITUT – Seminarkalender 2007

Januar / Februar 2007

Köln

Dauer:

3,5 Zeitstunden

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DAS NEUE ABSTANDSFLÄCHENRECHT

Novellierung der Landesbaubehörde

Januar / Februar 2007 »DURCHFÜHRUNGSVERORDUNG«

Köln, Düsseldorf, zum Vermessungs- und Katastergesetz des Landes NRW

Münster, Dortmund,

Bielefeld

Dauer: 3,5 Zeitstunden

Frühjahr 2007

Köln

Dauer:

5,5 Zeitstunden

Frühjahr 2007

Köln

Dauer:

5,5 Zeitstunden

Frühjahr 2007

Köln

Dauer:

5,5 Zeitstunden

Frühjahr 2007

Köln

Dauer:

5,5 Zeitstunden

Frühjahr 2007

Köln

Dauer:

5,5 Zeitstunden

Frühjahr 2007

Köln

Dauer:

5,5 Zeitstunden

DER BETRIEBLICHE UND DER BEHÖRDLICHE

DATENSCHUTZBEAUFTRAGTE

Grundlegende Begriffe des Datenschutzes und der Datensicherheit,

die Differenzierung zwischen behördlichem Datenschutzbeauftragtem

und betrieblichem Datenschutzbeauftragtem,

die gesetzlichen Grundlagen und die Anforderungen an den

Datenschutzbeauftragten

DIE SOZIETÄT DER ÖFFENTLICH BESTELLTEN

VERMESSUNGSINGENIEURE

Berufs- und gesellschaftsrechtliche Überlegungen der Vertragsschließenden,

die gesetzlichen Regelungen zur Sozietät

sowie davon abweichende vertragliche Regelungen

DER ÜBERGABEVERTRAG

Übergabe des ÖbVI-Büros an einen Nachfolger in zivilrechtlicher,

berufsrechtlicher und steuerrechtlicher Hinsicht.

Die steuerlichen Belange werden von einer Steuerberaterin

erläutert.

ALLGEMEINES GLEICHBEHANDLUNGSGESETZ

Einführung in das arbeitsrechtliche

Diskriminierungsverbot

DAS GERICHTLICHE MAHNVERFAHREN

Der Weg zum Vollstreckungstitel

DER BEFRISTETE ARBEITSVERTRAG

Abschluss und Inhalt

Referent:

Dr. Holthausen

Referent:

Dr. Holthausen

Referent:

Dr. Holthausen

Referent:

Dr. Holthausen

Referent:

Dr. Holthausen

Referent:

Dr. Holthausen

■ BI-BILDUNGSINSTITUT

Frühjahr 2007

Köln

Dauer:

5,5 Zeitstunden

Frühjahr 2007

Hannover

Dauer:

5,5 Zeitstunden

Frühjahr 2007

Hannover

Dauer:

5,5 Zeitstunden

Frühjahr / Sommer

2007, Köln

Dauer:

3,5 Zeitstunden

Frühjahr / Sommer

2007, Köln

Dauer:

3,5 Zeitstunden

Frühjahr / Sommer

2007, Köln

Dauer:

5,5 Zeitstunden

Frühjahr / Sommer

2007, Hamburg

Dauer:

5,5 Zeitstunden

DIE HAFTUNG DES ÖBVI

Grundzüge der gesetzlichen und vertraglichen

Haftungstatbestände

PRAXISWORKSHOP

Nach Ihrer erfolgreichen Teilnahme am BI-Grundlagenseminar

zur Verkehrswertermittlung möchten wir Ihnen einen Praxisworkshop

vorschlagen, in dem unter fachkompetenter Moderation

real erstellte Gutachten unter die Lupe genommen werden

und auf Verbesserungsfähigkeit hin untersucht werden.

Workshop

»EFFEKTIVE DURCHFÜHRUNG VON VERMESSUNGEN«

Veranstaltung aus der Praxis für die Praxis!

Die Referenten aus den teilnehmenden ÖbVI-Büros stellen

den Ablauf einer Teilungsvermessung von der häuslichen Vorbereitung

über den Außendienst bis zur häuslichen Nachbearbeitung

in einer Zeit von 5 bis 10 Minuten vor. Der Workshop

wird von der Ing.-Kammer als Pflichtfortbildung anerkannt!

AKQUISITION UND KOMMUNIKATION

IM VERMESSUNGSBÜRO

Crashkurs Marketing: Sie müssen etwas verkaufen, das es noch

nicht gibt, denn beim Abschluss des Vertrages ist die geschuldete

Leistung (für den Auftraggeber) nur ein Versprechen.

NACHFOLGEPLANUNG IM VERMESSUNGSBÜRO

Was ist ein Vermessungsbüro wert? Welche immateriellen

Faktoren sind außerdem zu bewerten? Wie wird der kalkulatorische

Unternehmerlohn ermittelt? Welche Bedeutung hat die

betriebswirtschaftliche Performance? Wie findet man einen

Nachfolger? Welche (finanziellen) Hilfen gibt es für den Übernehmer?

Welche Perspektiven hat der Junior?

MARKETING FÜR VERMESSUNGSBÜROS

Darstellung und Workshop: Kundenportfolio, Kundenerwartungen,

Kundennutzen, Kundenpflege, kundenorientiertes Verhalten,

Kundenbewertung, Kundeninformationssystem, »Kundengeflüster«,

Kundengewinnung, Kundenbindung und Kundenentwicklung

KALKULATION UND STEUERUNG DER WIRTSCHAFTLICHKEIT

IM VERMESSUNGSBÜRO

Informationen zu den »weichen« Erfolgsfaktoren in der Führung

eines Vermessungsbüros, Fragen u. a. zum Controlling,

Benchmarking und zur Bewertung eines Vermessungsbüros

Referent:

Dr. Holthausen

Referent:

Dipl.-Ing. W. Glunz

Referent:

Dr. Goldammer

Referent:

Dr. Goldammer

Referent:

Dr. Goldammer

Referent:

Herr Seidel

FORUM FUTURA

4

505


FORUM FUTURA

VORAB-

ANKÜNDIGUNG

506

■ BI-BILDUNGSINSTITUT

Frühjahr / Sommer

2007, Köln

Dauer:

5,5 Zeitstunden

Sommer / Herbst 2007

Mellendorf

Dauer:

65 Zeitstunden

FACHBEZOGENE SEMINARE / MESSEN / TAGUNGEN

GEOINFORMATION

18. Januar 2007

Karlsruhe

31. Januar 2007

Duisburg

1. Februar 2007

Potsdam

BAUMÄNGEL UND -SCHÄDEN

IN DER WERTERMITTLUNG

Darstellung üblicher Schadensfälle und deren Einfluss auf

den Verkehrswert

Das Seminar gliedert sich in drei Schwerpunkte: Baumängel

oder -schäden an Außenbauteilen, Baumängel oder -schäden

an/in Innenräumen, Bewertung des Einflusses ausgewählter

Baumängel/-schäden auf den Verkehrswert anhand praktischer

Beispiele.

IMMOBILIENWERTERMITTLUNG

Grundseminar: Die Wertermittlung von bebauten

und unbebauten Grundstücken

Das Seminar richtet sich an Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure,

die die öffentliche Bestellung bei der Ingenieurkammer

anstreben.

Universität Karlsruhe (TH)

3D-VISUALISIERUNG VON GEODATEN:

PSEUDO UND ECHT, HART UND WEICH

Dr.-Ing. Johannes Prenting, DESY, Hamburg

FESTPUNKTE – STANDPUNKTE: FREIE GEODATEN FÜR JEDERMANN

CEGI GmbH, Talkshow

Moderation von Timo Thalmann

Geodätisches Kolloquium

KOMMERZIELLE WERTSCHÖPFUNG MIT AMTLICHER

GEOINFORMATION – EINE QUADRATUR DES KREISES?

Dr.-Ing. Gerd Buziek, ESRI Geoinformatik GmbH

Referent:

Dr. Silke

Plumanns

Die genauen Termine für diese Seminare werden noch rechtzeitig bekannt gegeben.

Um die weitere Planung zu vereinfachen, bitten wir um eine kurze Rückmeldung,

ob grundsätzlich Interesse an den Seminaren (evtl. auch in anderen Orten) besteht.

Unsere Kontaktdaten: BDVI Bildungsinstitut, ddp, Gabriele Grundner

Herderstraße 62 • 40882 Ratingen • Fon 02102/588693 • Fax 02102/588694 • E-Mail gabriele.grundner@arcor.de

Diese Seminare werden bei der Ingenieurkammer-Bau zur Anerkennung von

Fortbildungsmaßnahmen gemäß § 3 Abs. 2 Fort- und Weiterbildungsordnung eingereicht.

7. Februar 2007

Dresden

4

Fon 0721/608 23 05

www.gik.uni-karlsruhe.

de/geodaetischeskolloquium.html

Fon 0231/72 54 92 0

Fax 0231/72 54 92 99

E-Mail info@cegi.de

www.cegi.de

www.dvw-lv1.de

4. SÄCHSISCHES GIS-FORUM Fon 0351/214 99 50

E-Mail info@

gdi-sachsen.de

www.gdi-sachsen.de

FACHBEZOGENE SEMINARE / MESSEN / TAGUNGEN

GEOINFORMATION

9. Februar 2007

Stuttgart

15. Februar 2007

Karlsruhe

28. Februar bis

1. März 2007

Duisburg

1. März 2007

Berlin

13. bis 14. März

2007

Lindau

28. bis 29. März

2007

Hannover

24. bis 26. April 2007

Messe

Frankfurt/Main

8.01.2007 Kiel

9.01.2007 Hannover

11.01.2007 Köln

15.01.2007 Frankfurt/M.

17.01.2007 Stuttgart

23.01.2007 Leipzig

25.01.2007 Rostock

Universität Stuttgart

Geodätisches Kolloquium

SATELLITENMISSIONEN ZUR BEOBACHTUNG DES SYSTEMS ERDE

Dr. Michael Kern, ESA/ESTEC, Noordwijk – Niederlande

Universität Karlsruhe (TH)

EIN NEUES BILD DER ERDE –

DIE SHUTTLE RADAR TOPOGRAPHY MISSION (SRTM)

Dr. rer. nat. Gerhard Thiele, ESA-Astronautenzentrum Köln

Fon 0721/608 23 05

www.gik.uni-karlsruhe.

de/geodaetischeskolloquium.html

2. DEUTSCHES GEOFORUM Fon 0231/797 84 04

www.ddgi.de

E-Mail info@ddgi.de

GI-TAGE-NORD Fon 0541/969 45 91

E-Mail info@ginonline.de

www.gin-online.de/

gi_tage_nord

Messe Frankfurt/Main

FACILITY MANAGEMENT

Deutschlands wichtigster Branchentreff zum Thema FM

BODENORDNUNG / STADTUMBAU / WERTERMITTLUNG

Institut für Städtebau Berlin

KURS 538/x: GESETZ ZUR ERLEICHTERUNG VON PLANUNGSVORHABEN

FÜR DIE INNENENTWICKLUNG DER STÄDTE

(Bebauungspläne der Innenentwicklung, Änderung V+E-Plan,

Sanierungsrecht, Planerhaltung)

www.uni-stuttgart.de/

gi/kolloquium

10. INTERNATIONALES GIS-ANWENDERFORUM www.aed-sicad.de

www.uni-duisburg.de/

AWT

Geoinformation und Geodatenmanagement

3D-FORUM LINDAU

Stadtbauamt Lindau, DVW Bayern

Organisation: Dipl.-Ing. Claus Bihl

Fon 08382/91 86 16

www.3d-geodaten.de

E-Mail stadtplanung@

lindau.de

Fon 0711/61 94 60

www.mesago.de/de/

FM/main.htm

Fon 030/23 08 22 0

Fax 030/23 08 22 22

www.staedtebauberlin.de

FORUM FUTURA

4

507


FORUM FUTURA FORUM FUTURA

508

FACHBEZOGENE SEMINARE / MESSEN / TAGUNGEN

BODENORDNUNG / STADTUMBAU / WERTERMITTLUNG

Januar bis September

2007 in Stuttgart

Juni bis November

2007 in Düsseldorf

24. Februar 2007

Dresden

7. bis 9. März 2007

Berlin

15. bis 16.

März 2007

Berlin

31. Mai 2007

Potsdam

WEITERE FACHVERANSTALTUNGEN

12. Januar 2007

Stuttgart

17. Januar 2007

Hamburg

24. Januar 2007

Dresden

4

Institut für Sachverständigenwesen e. V.

SEMINARREIHE SACHVERSTÄNDIGE FÜR IMMOBILIENBEWERTUNG

Modul A: Praxis der Immobilienbewertung

Modul B: Spezialgebiete der Immobilienbewertung

Modul C: Immobilienökonomie und Beleihungswertermittlung

Modul D: Bautechnik für Immobilienbewerter

Modul E: Praxis der Gutachtenerstattung

12. BVS-WERTERMITTLUNGSWERKSTATT

Vorankündigung

Institut für Städtebau Berlin

Kurs 539: WERTERMITTLUNG NACH DEM BAUGESETZBUCH

STADTUMBAU, WERTR 2006

Beleihungswertermittlung, Verkehrswertermittlung

(mit speziellen Nutzungen oder Besonderheiten)

14. DEUTSCHER SACHVERSTÄNDIGENTAG

Der Sachverständige in Europa – die Zukunft oder das Chaos

Geodätisches Kolloquium

GEDANKEN ZUR WERTERMITTLUNG VON IMMOBILIENFONDS

Ministerialrat a. D. Dipl.-Ing. Prof. Wolfgang Kleiber

Universität Stuttgart

Geodätisches Kolloquium

HOCHGENAUE GNSS-HÖHENBESTIMMUNG

Prof. Dr.-Ing. Lambert Wanninger, Geodätisches Institut, TU Dreden

Hohenzollernring 85-87

50672 Köln

Fon 0221/91 27 71 12

E-Mail

info@ifsforum.de

www.ifsforum.de

Fon 030/25 59 38 0

E-Mail info@bvs-ev.de

www.bvs-ev.de

Fon 030/23 08 22 0

Fax 030/23 08 22 22

www.staedtebauberlin.de

E-Mail info@bvs-ev.de

www.bvs-ev.de

www.dvw-lv1.de

www.uni-stuttgart.de/

gi/kolloquium

Geodätisches Kolloquium

www.dvw-hamburg-

ENTWICKLUNG UND ANWENDUNG DER

schleswig-holstein.de/

LASERSCANNER-TECHNOLOGIE FÜR DIE BEWEISSICHERUNG,

fkolloq.htm

BAUWERKSAUFNAHME UND LICHTRAUMANALYSE

Dipl.-Ing. Heiko Barthold, Amberg Technologies AG, Regensdorf-Watt, Schweiz

Technische Universität Dresden

http://tu-dresden.de/

GEOMETRIE, KINEMATIK UND SCHWEREPOTENTIAL

gi/bub

DES MEERESSPIEGELS

Dr.-Ing. Wolfgang Bosch, Deutsches Geodätisches Forschungsinstitut München

FACHBEZOGENE SEMINARE / MESSEN / TAGUNGEN

WEITERE FACHVERANSTALTUNGEN

25. Januar 2007

Weimar

1. Februar 2007

Darmstadt

11. bis 17.

Februar 2007

Obergurgl / Österreich

SONSTIGE SEMINARE / MESSEN / TAGUNGEN

27. bis 28.

Februar 2007

HCC Hannover

15. bis 21. März 2007

Hannover

8. bis 9. Mai 2007

Karlsruhe

9. bis 11. Mai 2007

Berlin

Bauhaus-Universität Weimar

Geodätisches Kolloquium

LANGZEIT-MONITORING-SYSTEM AM LEHRTER BAHNHOF, BERLIN

Konzeption, Sensoren, Aufbau und Erfahrungen, Auswerteverfahren

Dr.-Ing. Klaus Brandes,

Institut für angewandte Forschung im Bauwesen (IaFB), Berlin

14. INTERNATIONALE GEODÄTISCHE WOCHE

HCC Hannover

KOMCOM NORD 2007

Fachmesse für Informationstechnologie im öffentlichen Dienst

Themen: Public-Private-Partnership, Dokumentenmanagement,

Geographische Informationssysteme, Content-Management, eVergabe,

Facility Management

CeBIT

Join the vision

KOMCOM SÜD 2007

Fachmesse für Informationstechnologie im öffentlichen Dienst

Themen: Public-Private-Partnership, Dokumentenmanagement,

Geographische Informationssysteme, Content-Management, eVergabe,

Facility Management

Messe Berlin

IMMOBILIA-BERLIN

Internationale Fachmesse und Kongress

www.dvw.de/thueringen

www.uni-weimar.de/

Bauing/Vermess

TU Darmstadt

Fon 0611/815 24 49

MERKMALE DES ENTWURFS FÜR EIN NEUES HESSISCHES

E-Mail martin.hinderer

VERMESSUNGS- UND GEOINFORMATIONSGESETZ IM KONTEXT DER @hmwvl.hessen.de

EINSCHLÄGIGEN FACHGESETZE IN DEN ANDEREN BUNDESLÄNDERN

Ministerialrat Dipl.-Ing. Reinhard Klöppel,

Hess. Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung, Wiesbaden

www.dvwhessen.de

www.uibk.ac.at/

geodaesie/obergurgl.

html

www.komcom.de

www.cebit.de

www.komcom.de

Fon 030/30 38 0

www.messe-berlin.de

E-Mail central@

messe-berlin.de

4

509


MOSAIK MOSAIK

_ MESSEAUFTRITT

EXPO REAL 2006

510

Zahlen + Fakten: 1.638 Aussteller aus

40 Ländern repräsentierten die gesamte

Bandbreite der Immobilienbranche auf der 9. Internationalen

Fachmesse für Gewerbeimmobilien. 21.000 Fachbesucher aus 65

Ländern haben die EXPO REAL 2006 in München besucht. Im Vergleich

zu 2005 also eine Steigerung der Beteiligung um 15 % und

ein Besucherwachstum um 20 %. Noch stärker war der Anstieg

der teilnehmenden Unternehmen aus dem Ausland – sie belegten

mehr als ein Drittel der Ausstellungsfläche, was ein Wachstum um

35 % bedeutet. Die EXPO REAL 2006 nahm erstmals fünf Hallen

(52.000 m 2) der Neuen Messe München ein. Die EXPO REAL hat es

in wenigen Jahren geschafft, sich einen festen Platz im Terminkalender

der deutschen und internationalen Entscheider in der Immobilienwirtschaft

zu erobern. www.expo-real.de

BDVI-Teilnahme: Bereits zum sechsten Mal – diesmal unter dem Motto

»Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure – Manager in der Geodatenwelt«

– war der BDVI mit einem separaten Messestand auf der

EXPO REAL vertreten. Die auf dem Messestand in Halle C2 anwesenden

Kollegen bestätigten erneut: Die Wahrnehmung des BDVI-Messestandes

wächst von Jahr zu Jahr. Eine Teilnahme an dieser Fachmesse

für Gewerbeimmobilien seitens des BDVI ist auch in Zukunft wichtig,

da der ÖbVI dort seine direkten Kunden erreicht. Es ist eine Plattform,

um den ÖbVI, seine Leistungen im Bereich Wertermittlung, Facility

_ EUROPÄISCHES PARLAMENT

Klare Mehrheit im EP für Dienstleistungsrichtlinie

Das Europäische Parlament (EP) hat am

15. November 2006 mit klarer Mehrheit die

so genannte Dienstleistungsrichtlinie in

zweiter Lesung angenommen. Wie erwartet

wurden dabei keine wesentlichen Änderungen

am Gemeinsamen Standpunkt des

Rates vom 25. Juli 2006 beschlossen. Damit

wird die Richtlinie aller Voraussicht nach

noch im Dezember endgültig von Rat und

EP auf der Basis des Gemeinsamen Standpunktes

unterschrieben.

Die Berichterstatterin hatte am 7. September

2006 im federführenden Ausschuss einige

Änderungsvorschläge vorgelegt. Diese sollten

Unklarheiten des Gemeinsamen Standpunktes

beseitigen (Anwendungsbereich, Behandlung

des Verbraucherschutzes als Rechtfertigungsgrund

sowie Auslegung einiger Be-

411

griffe). Diese wurden im Ausschuss jedoch

ebenso abgelehnt wie 32 weitere Änderungsanträge

anderer Abgeordneter.

Einzig drei Änderungsanträge wurden auf der

Basis einer interfraktionellen Übereinkunft im

Plenum angenommen, die technische Anpassungen

in Bezug auf den neuen Komitologie-

Beschluss vom 17. Juli 2006 vorsehen. Im Verlaufe

der Diskussionen im federführenden

Binnenmarkt- und Verbraucherausschuss

(IMCO) hatten neben konservativen und liberalen

Abgeordneten vor allem auch die finnische

Ratspräsidentschaft und die Europäische

Kommission die Meinung vertreten, dass Änderungen

ein Scheitern der gesamten Richtlinie

nach sich ziehen würden. Grund hierfür

waren entsprechende Ankündigungen einiger

Mitgliedstaaten.

Management, Stadtplanung, Stadtumbau, Geodatenmanagement

und vieles mehr als der Fachmann bekannt zu machen und zu sagen:

Er ist der, welcher die Details erledigt.

Die Wahrnehmung des BDVI und ÖbVI durch Messeteilnehmer und

Besucher wurde nicht zuletzt durch die 2006 auf der EXPO REAL erstmals

organisierte Podiumsdiskussion des BDVI gesteigert.

Die Gesprächsrunde zum Thema »Initiierung positiver Entwicklungsprozesse

im Stadtumbau« wurde von Herrn Friedemann (Frankfurter

Allgemeine Zeitung) moderiert. Frau Gruber (Verantwortliche für Produktökologie

bei der Bank Austria Creditanstalt), Herr Dressler (Stadtentwicklungsdezernent

der Stadt Duisburg), Herr Homa (Geschäftsführer

des Instituts für Baulandconsulting und Stadtumbau, ibs), Herr

Mörsdorf, Herr Dr. Müller (Geschäftsführer der Hessischen Landgesellschaft

mbH, HLG) und Herr Dr. Schwenk (Öffentlich bestellter

Vermessungsingenieur) beleuchteten aus unterschiedlichen wissenswerten

Blickwinkeln die Entwicklungsprozesse in der Immobilienwirtschaft.

Im nächsten Jahr findet die EXPO REAL vom 8. bis 10. Oktober 2007

in der Neuen Messe München statt.

Vor dem Hintergrund der Einheitlichkeit des

Berufsrechts war aus der Sicht der Freien

Berufe insbesondere ein Änderungsantrag

von Interesse, der die Aufnahme des Begriffes

»Verbraucherschutz« in den Katalog der anzuerkennenden

Rechtfertigungsgründe in Artikel

16 der Richtlinie vorsah. Die dort jetzt

vorgesehene Formulierung gibt Anlass zu der

Sorge, dass dasjenige Berufsrecht, das auf den

Verbraucherschutz als Rechtfertigung gestützt

ist, zukünftig keine Anwendung mehr

auf grenzüberschreitende Sachverhalte findet.

Damit wäre die Einheit des Berufsrechts

gefährdet. Zudem würde eine Diskriminierung

einheimischer Freiberufler drohen.

Weitere Informationen erhältlich beim Brüsseler

Büro des BFB, Herrn RA Florian Lemor

(E-Mail Florian.Lemor@Freie-Berufe.de).

_ BILANZ

INTERGEO 2006

INTERGEO und FIG-Kongress in einem, das war das Großereignis

der geodätischen Welt im Oktober 2006. Austragungsort der

Fachmesse für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement

sowie für den XXIII. Internationale FIG-Kongress war die

bayerische Landeshauptstadt München. Das Publikum der bis

auf den letzten Platz gefüllten Eröffnungsveranstaltung war

dann auch international bunt gemischt – die Einflüsse des FIG-

Kongresses unverkennbar. Hochkarätige Redner – so der bayerische

Ministerpräsident Edmund Stoiber, FIG-Präsident Prof.

Holger Magel oder Prof. Klaus Töpfer – begrüßten das Publikum

aus aller Welt, führten teils hochgradig fachlich, teils politisch

allgemein und teils ausgesprochen unterhaltsam in die

drei bevorstehenden Tage.

Eröffnet wurde die Intergeo 2006 vom Präsidenten des DVW

Hagen Graeff. Graeff zeigte in seiner Begrüßungsrede demonstrativ

Solidarität mit der in Bayern nicht präsenten Spezies

ÖbVI und begrüßte den BDVI-Präsidenten Volkmar Teetzmann als

Vertreter des Berufsverbandes in seiner Ansprache persönlich –

eine schöne Geste.

Und auch in München war der BDVI mit einem Stand auf der Messe

vertreten. Den Standdienst – traditionell durch die jeweilige BDVI-

Landesgruppe abgeleistet – übernahmen die Mitglieder des IGVB:

»›Wir sind sehr zufrieden mit der Resonanz auf unseren Messeauftritt‹,

resümierten die Organisatoren des INTERGEO-Auftrittes,

Oliver Schmechtig und Rainer Seidl. ›Sie beweist, dass die Entscheidung,

auf unserer größten und wichtigsten Messe, noch dazu

vor unserer Haustüre, präsent zu sein, richtig war.‹ ... Die kompetente

und offensichtlich freundschaftliche Zusammenarbeit der

Standbesetzung von BDVI und IGVB bewirkte eine angenehme

Atmosphäre mit besonderer Auswirkung auf Besucher und Gespräche.

Mehr als die Hälfte aller IGVB-Mitglieder besuchte im

Rahmen ihres Messebesuchs ›Ihren‹ Stand!«, so der IGVB in einer

abschließenden Veröffentlichung.

Die Daten: »Die weltweit größte Kongressmesse für Geodäsie, Geoinformation

und Landmanagement füllte mit rund 550

nationalen und internationalen Ausstellern 30.000 m 2

der Neuen Messe München. Von den 19.000 Fachbesuchern

kam nahezu jeder vierte aus dem Ausland.

15 % der internationalen Gäste kam aus Überseestaaten.

Der gemeinsame Kongress von INTERGEO und FIG

übertraf alle Prognosen. Bis zum Veranstaltungsende

hatten sich rund 2.750 Teilnehmer aus über

100 Nationen im ICM registrieren lassen. (...)

Die ausstellende Wirtschaft resümiert positiv

zu der Messe und gibt der Veranstaltung

gute bis sehr gute Noten. Führende

Unternehmen wie ESRI oder

MOSAIK

Bentley bestätigen vor allem die hohe Qualität der Fachbesucher,

von denen über 20 % dem Topmanagement zuzuordnen sind.«

(Quelle: Hinte-Messe)

Das Kongressprogramm mit dem BDVI-Forum und den vielen anderen

Fachvorträgen kam beim Publikum ebenfalls sehr gut an

und animierte zu zahlreichen fachlichen Diskussionen.

Das Rahmenprogramm traf dann vermutlich genau den Nerv der

internationalen Gäste. Denn glaubt man der »Sun« oder anderen

Gazetten ähnlicher Qualität, läuft der Deutsche tags wie nachts

in Lederhosen bzw. Dirndl zu Humpa-Humpa-Musik durch bergige

Geographie. Die vom Ministerpräsidenten Stoiber morgens angekündigte

1.500 Jahre alte Kulturnation Bayern präsentierte sich

beim INTERGEO-Treff abends im Löwenbräukeller von ihrer krachledernen

Seite. Der Ochs´ vorm Tor – hier vom Spieß – lieferte

für die schätzungsweise 2.000 Gäste 2.000 exakt gleich große

Scheiben Ochsbrätl und drinnen bestaunten die Gäste aus Fernost

oder Südafrika die scheinbar ganz geläufige deutsche Sitte,

zu Akkordeonmusik laut

johlend und landesträchtig

auf die Tische zu springen

und mit Peitschen

nach den Kellnern zu

schlagen. Dem protestantischen,

womöglich mit

Elbwasser getauften Gast

blieb bei der Betrachtung

des Bühnentreibens nur

ein Schluss: So etwas gibt

es also wirklich!

Aber man lernt ja bekanntlich

nie aus und deshalb freut man sich schon heute auf die

INTERGEO 2007 in Leipzig – fachlich ohne Zweifel wieder ein Höhepunkt.

Und auch wenn 2007 die Lederhosen zum Glück im Schrank

bleiben, so hat bestimmt auch Leipzig allerlei zu bieten.

ANGELIKA KRETZSCHMANN

Rechtsanwältin

Forderungsbeitreibung / Zwangsvollstreckung

Arbeitsrecht / Sozialrecht

Mietvertrags- / Gewerberaummietrecht

Allgemeines Zivilrecht

Köpenicker Straße 325 • 12555 Berlin

im Innovationspark Wuhlheide

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511


MOSAIK MOSAIK

_ VERSÄUMNIS

Keine Wahl

Ein in der Praxis eines Rechtsanwaltes

vorgefallenes Versäumnis

plus entsprechender

BGH-Entscheidung kann

auch in einem ÖbVI-Büro

akut sein: »Bei mündlich

erteilten Anweisungen an

Bürokräfte hinsichtlich fristwahrender

Anträge müssen

Anwälte (oder ÖbVI, d. Red.) auch in zeitlicher Hinsicht präzise Vorgaben bezüglich der Erledigung der

Anweisung treffen.« (Leitsatz des Bearbeiters)

Hintergrund dieser Entscheidung ist das Versäumen einer Berufungsbegründungsfrist durch eine Büroangestellte.

Der Rechtsanwalt hatte vor der Abreise in den Urlaub verfügt, dass in betreffender Sache eine

Verlängerung der Berufungsbegründungsfrist um einen Monat beantragt werden solle.

Der Antrag wurde aber weder vor seiner Abreise bearbeitet noch seinem Vertreter in der Kanzlei vorgelegt,

sondern wegen eines unrichtig im Kalender eingetragenen Fristablaufes erst zu spät bearbeitet. Der vom

Anwalt daraufhin gestellte Antrag auf Wiedereinsetzung hatte keinen Erfolg.

Begründung: Bei einer nur mündlich erteilten Anweisung habe der Anwalt zusätzliche organisatorische

Maßnahmen zu treffen, dass die Anweisung sofort erledigt und nicht vergessen werde. Ungeachtet dieser

Erfordernisse habe der Anwalt aber auch bei den Anweisungen selbst präzise Vorgaben zu machen. Nach

Angaben des BGH dürfe der Anwalt seinen Angestellten praktisch keine Wahlmöglichkeiten bei der Ausführung

seiner Anweisungen lassen.

(Quelle: Berliner Anwaltsblatt 9/2006, S. 342-343, »Büroangestellte dürfen keine Wahl haben«, Eike Böttcher)

_ AUFWENDUNGSAUSGLEICHSGESETZ

Standpunkt der Freien Berufe

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In einer Umfrage unter den BDVI-Mitgliedern zum

AAG sprach sich die Mehrheit der Antwortenden

für die Abschaffung der Umlage 1 und Umlage 2

aus – vor allem wegen des hohen Verwaltungsaufwandes

in den Büros. Falls eine Abschaffung

derzeit nicht in Frage käme, sollte auf jeden Fall

eine Reformierung in Betracht gezogen werden –

so die befragten BDVI-Mitglieder.

Die Standpunkte der verschiedenen Kammern und

Verbände wurden vom BFB in einer Stellungnahme

zusammengetragen und in der Sitzung des AK »Soziale

Sicherung« am 29. November nochmals eingehend

diskutiert. Man kam überein, dass die Freien

Berufe in Deutschland, vertreten durch den BFB, eine

Abschaffung der Umlageverfahren bzw. des AAG

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zum derzeitigen Zeitpunkt ablehnen. In der AK-Sitzung

wurde deutlich, dass der Bürokratieaufwand

durch das AAG bei weitem nicht so groß ist, wie behauptet

wird.

Allein die Lohnfortzahlungskosten können jedoch

ohne einen Ausgleich über das U1-Verfahren für

einen Kleinbetrieb existenzbedrohend werden. Der

BFB lehnt daher auch eine Umstellung des U1-Umlageverfahrens

auf Freiwilligkeit ab, da dies de facto

zu dessen Abschaffung führen würde. Weiterhin wird

für den Erhalt des AAG bei gleichzeitigen inhaltlichen

Korrekturen plädiert, um den Organisationsaufwand

zu reduzieren. Ferner sollte die U2-Umlage (Mutterschutz)

als gesamtgesellschaftliche Aufgabe aus

Steuermitteln finanziert werden.

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Trimble und das Globus- & Dreieck-Logo sind beim United States Patent and Trademark Office eingetragene Warenzeichen der Trimble Navigation Limited. SUR-116

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