Die Transall – das Arbeitspferd der Transportflieger - Luftwaffe

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Die Transall – das Arbeitspferd der Transportflieger - Luftwaffe

Inhalt

Vorwort des Kommodore ................................................................................................................................... 2

Der Standort Hohn .............................................................................................................................................. 3

Aufbaujahre in Celle und Verlegung nach Hohn ............................................................................................... 6

Die Transall das Arbeitspferd der Transportflieger....................................................................................... 12

Weltweit im Einsatz ......................................................................................................................................... 16

Geschichten und Anekdoten ............................................................................................................................. 75

Deutschlands Beteiligung an der internationalen Luftbrücke für Sarajevo. Erstflug am 4. Juli 1992 ........ 75

Bomben auf Sanaa verhindern Transall Start ............................................................................................ 78

LTP 4 Tirana ................................................................................................................................................. 79

Einmal rund um Afrika ................................................................................................................................. 81

Die Kommodore des Lufttransportgeschwaders 63 ......................................................................................... 84

Impressum ........................................................................................................................................................ 86

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Liebe Leserinnen und Leser!

Vorwort des Kommodore

Fünfzig Jahre Lufttransportgeschwader 63, ein goldenes Jubiläum. Das

Geschwader erlebte seit dem Aufstellungsjahr 1961 abwechslungsreiche

Zeiten. Im Mittelpunkt stand dabei immer der Lufttransport im Einsatz.

Vor Jahrzehnten prägten insbesondere Flüge nach Afrika zur Unterstützung

von humanitären Hilfsaktionen, beispielsweise im Rahmen der

Hungerhilfe, die Auftragslage. Dieses Einsatzverständnis hat sich seit

der Wiedervereinigung Deutschlands, spätestens jedoch nach der Jahrtausendwende

mit den unvergessenen Terroranschlägen und den daraus

resultierenden Mandaten, grundlegend gewandelt. Im Rahmen von

Bündnisverpflichtungen stehen nun militärische Lufttransportaufgaben

unter Bedrohung im Mittelpunkt. So werden deutsche Lufttransportflieger

seit dem Jahr 2002 durchgehend in Afghanistan eingesetzt und leisten

dort unter schwierigen Bedingungen einen hervorragenden Beitrag

für die Bundeswehr.

Unzählige Wehrpflichtige, Zeit- und Berufssoldaten sowie Reservisten haben über fünf Jahrzehnte hinweg

ihren ganz persönlichen Beitrag dazu geleistet. Insbesondere Ausdauer, Fleiß, Kreativität und Mut benötigten

alle Beteiligten, als sie sich den teilweise kurzfristigen Aufträgen annahmen. Deshalb zeugt diese Chronik

auch vom hohen Selbstverständnis der Frauen und Männer, die sich manchmal in sehr schwierigen Situationen

befanden.

Gedenken müssen wir dabei auch den Opfern, die in engagierter Erfüllung des Dienstes für Staat und Gesellschaft

auf tragische Weise ihr Leben verloren haben. Ihr Schicksal verdeutlicht die unterschiedlichen Gefahren,

denen sich die Geschwaderangehörigen täglich stellen ohne viele Worte und Aufsehen darüber zu verlieren.

Ihnen gebührt deshalb Achtung und Respekt, damit wir ihr Andenken würdig in Ehren halten.

Seit nunmehr 44 Jahren hat das Lufttransportgeschwader 63 in der Region um Hohn, Alt Duvenstedt und

Rendsburg im Herzen Schleswig-Holsteins seine Heimat gefunden. Die Einwohner haben den Verband

fest und freundschaftlich in das öffentliche Leben integriert, weshalb das gegenseitige Verhältnis von Vertrauen

und Freundschaft geprägt wird. Mein besonderer Dank gilt daher den Bürgerrinnen und Bürgern sowie

deren Repräsentanten für ihre umfangreiche Unterstützung, großes Interesse und viel Herzblut.

Mit dieser Chronik erfahren Sie zahlreiche Details über Entwicklung, Struktur und Aufgaben des Lufttransportgeschwaders

63. Ich wünsche Ihnen nun viel Spaß beim Lesen tauchen Sie ein in ein Stück Geschichte.

Neumann

Oberst

2


Am Freitag, den 8. September 1939, kamen

drei Kompanien eines Bau-Bataillons (233) in der

Stärke von insgesamt 1.200 Mann zu Fuß von

Rendsburg. Sie begannen sofort mit den Arbeiten

zum Flugplatzbau auf der Loher Heide. Der Flugplatzbau

schreitet zügig voran. Gewaltige

Dampfmaschinen, Bulldozer und Pioniergerätschaften

rollen an, planieren das Gelände, walzen

den Boden glatt, schieben Erdmassen ab. Der

Loher Weg wird von den Pionieren mit Hölzern

für die vielen Fahrzeuge gefestigt, ein Bohlenweg

entsteht. Von Fockbek wird ein

Lorenschienenweg zum Flugplatzgelände verlegt,

auf dem unentwegt Kies angefahren wird, um das

Unterbett für die Start- und Landebahnen zu

schaffen. Zu den 1.200 Bausoldaten kommen weitere

1.000 Zivilarbeiter hinzu.

Bausoldaten auf dem Marsch zur Flugplatzbaustelle

Das gesamte Baugebiet um den Flugplatz wird

zum Sperrbereich, alles läuft jetzt unter „Streng

Geheim“. Verbotsschilder werden aufgestellt. Betreten,

Abzeichnen und Fotografieren des Platzes

werden durch die Bauleitung untersagt. Der

Kriegswinter 1939/1940 führt ein „strenges Regiment“,

unerbittliche Kälte und tiefer Schnee zwingen

auch die Soldaten beim Flugplatzbau „fast bis

Der Standort Hohn

3

zur Untätigkeit“. Am 13. Februar 1940 werden

vom Schiffer H. Carstens auf der Wetterbeobachtungsstation

Hohn am Erdboden minus 32,9 Grad

Celsius gemessen. Wegen extremer „Kohlenverknappung“

fährt alles auf Notbetrieb. Ein eisiger

Ostwind fegt über Hohn und tiefer Schnee liegt

überall. Trotz großer Kälte geht der Flugplatzbau

aber weiter. Im März 1940 werden im Schnitt

noch minus fünf Grad gemessen.

Schwere Dampfwalzen werden beim Flugplatzbau 1939 eingesetzt

Der Krieg eskaliert 1940 und bereits am 8. April

1940 wurde bekannt, dass gewaltige Heeresverbände

über Rendsburg Richtung Flensburg

verlegt wurden. Weitere Großverbände verlegten

im Westen der Provinz über Itzehoe, Heide nach

Norden. Um einer drohenden Landung der Engländer

zuvor zu kommen, waren im blitzschnellen

Zufassen Dänemark und auch Norwegen besetzt

worden. Als Folge der Besetzung wurde der Weiterbau

des hiesigen Flugplatzes Ende Mai 1940

plötzlich eingestellt. Die gewaltigen Maschinen

wurden abtransportiert, Material wurde in großen

Mengen fortgeschafft, angefangene Arbeiten wurden

rückgängig gemacht, Wehrmacht und Tausende

von Arbeitern verließen den Ort. Der große

Platz, an dem sich viele tausend Hände unermüdlich

regten, liegt wieder still und verlassen, die


vielen Baracken stehen leer. Was werden soll, ist

nicht bekannt.

Nachdem die englischen Aufklärungsflugzeuge

den Flugplatzbau bei Hohn entdeckt hatten, warfen

sie bereits am 27. Oktober 1940 Bomben ab,

richteten damit aber keinen Schaden an. Es sollen

bis Kriegsende nicht die letzten Bomben vom

Himmel gefallen sein.

Im Frühjahr 1944 sind die Arbeiten auf dem

Flugplatz wieder in vollem Gange. Der Platz wird

in Richtung Lohe noch vergrößert. Erneut rollen

täglich gewaltige Maschinen an, um die Arbeiten

am neuen Flugplatz in Hohn zu vollenden.

Auch die englische Luftaufklärung hat die

Wiederaufnahme der

Bauarbeiten entdeckt.

Es kommt zu verstärkten

Bombereinsätzen

rund um den entstehenden

Flugplatz Hohn.

Am 29. Mai 1944 fallen

in wenigen Augenblicken

ca. 100 Bomben

auf das Baugelände.

Schwere Schäden

entstehen jedoch nicht.

Der Flugplatz Hohn

wird Not- und Ausweichflugplatz

für die

Luftwaffe. Zeitweise

liegen hier Me 109 und

Me 262. Richtig fertiggestellt

wurde der

Flugplatz jedoch nie…

Über Hohn wurden

mehrere alliierte Maschinen abgeschossen. So

liegen noch eine „Spitfire“ im Hohner See und ein

„Lancaster Bomber“ im Moor bei Hohn. Im Februar

1945 wollte die Luftwaffe noch eine

Fernaufklärereinheit in Hohn stationieren. Aber

dazu kam es nicht mehr.

Nach der Kapitulation Deutschlands besetzten

die Engländer den fast fertiggestellten Fliegerhorst

und sprengten alle Anlagen. Nahezu alle 30 Meter

wurden große Trichter in die betonierte Startbahnfläche

gesprengt. Die Zementbrocken der

Rollwege und Startbahn wurden für 10 Pfennig

pro qm an die umliegenden Bauern verkauft, und

dienten so zur Befestigung von Wegen und Dämmen.

Ein Teil der Startbahn wurde auch per Schiff

Der Standort Hohn

Englisches Aufklärungsfoto vom ehemaligen Flugplatz Hohn im April 1945. Zu erkennen sind die zwei Landebahnen, die

Rollwege und die Flugzeugabstellplätze. Nach dem zweiten Weltkrieg sprengten die Siegermächte die Anlagen, der Flugplatz

wurde vollständig zerstört

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in der Ostsee verklappt. Noch heute findet man

Betonbrocken der Landebahn auf dem ehemaligen

Flugplatzgelände.

Die Bundesrepublik Deutschland wurde 1955

wieder unter Waffen gestellt, die Bundeswehr

aufgebaut. Aus dem alten Flugplatz wurde ein

Truppenübungsplatz. 1956/1957 schossen die ersten

Rendsburger Bundeswehrsoldaten mit der

Panzerfaust (Bazooka) auf noch nicht richtig abgesichertem

Gelände. Der alte Fliegerhorst wurde

als Standortübungsplatz genutzt.

Dann machte ein neues Gerücht die Runde:

„Hohn soll wieder Flugplatz werden.“ Es sollte

kein Gerücht bleiben!

Hohn wird NATO-Flugplatz

Im Zusammenhang mit dem Aufbau der Bundeswehr

und seiner Ausrichtung im Verteidigungspakt

der NATO (North Atlantic Treaty Organisation),

wurde neben Jagel, Leck, Husum und

Eggebeck, ein weiterer Flugplatz bei Hohn in der

Planung vorgesehen. Eine Verlegung des Celler

Transportgeschwaders aus Niedersachsen nach

Hohn in Schleswig-Holstein, erstmals für das Jahr

1960 terminiert, wurde dann immer weiter verschoben.

Im Rahmen der „MIF“ (Militärischen Infrastruktur

Forderung) konzipierte in den Jahren


1959/1960 ein beauftragter Stab den NATO-

Flugplatz Hohn und eine dazugehörige Kasernenanlage

in der Krummenorter Heide nach „NATO-

Standard“. Die Landebahn fand ca. 500 m südlich

des alten Hohner Flugfeldes ihre neue Position.

Richtfest im Mai 1967

1961 begannen die Bauleistungen für den

Flugplatz, in Teilen durch die NATO finanziert.

So beteiligte sich die NATO mit über 50 % am

Hohner Flugplatzbau und finanzierte ca. 15 % des

Kasernenkomplexes in der Krummenorter Heide.

Forderungen der NATO beeinflussten den Flugplatz

und seine Einrichtung. Zum einen wurden

Flugplatz und Kasernenanlage örtlich voneinander

getrennt, zum anderen wurde der Flugplatz wie

ein typischer „Jet-Platz“ errichtet und unterschied

sich gravierend in der Infrastruktur von denen

eines Transportfliegerplatzes.

Die Landebahn hatte eine Länge von 2.400m

(8.000 Fuß) mit einem „Anti-Skid-Belag“ (rutschfest)

und einer Hakenfanganlage für den Jet-

Flugbetrieb. Alles deutete darauf hin, dass Hohn

ein Flugplatz für einen Jetverband der NATO

werden sollte. Auch „Shelter“ (Betonunterstände

für Jetflugzeuge) wurden für später vorgesehen,

aber ihr Bau nicht verwirklicht. Die Abstellflächen

(Spinnen) und Taxiwege (Rollwege) wurden ebenfalls

auf den Jet-Flugbetrieb ausgerichtet. An den

Enden der Start- und Landebahn entstanden Ge-

Der Standort Hohn

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bäude und Bunkeranlagen für zwei unabhängige

„Fliegende Staffeln“ eines Jetgeschwaders. Auch

die Rollwege und Abstellflächen waren für Transportflugzeuge

zu eng und zu klein. Nach der Entscheidung

zum Ausbau als Transportflugplatz

wurde in 1966 mit dem Bau der großen Flugzeughallen

begonnen.

Bauarbeiten an der Start- und Landebahn

Zuerst gab es beim Ausbau der Landebahn

Bauschwierigkeiten. Ein Teil der Piste sackte im

moorigen Untergrund ab und musste erneuert

werden. Eine Verlegung der Transportflieger

LTG 63 vom Flugplatz Celle-Wietzenbruch nach

Hohn wurde immer wieder verschoben. 1962 begannen

die Arbeiten am Kasernenbereich

Krummenort. Kurz vor der endgültigen Fertigstellung

des Kasernenbereichs zogen dort 1966 Soldaten

der Heeresflugabwehrschule ein (ehemalige

Heeres- Flugabwehrschule Rendsburg Rüdel

Kaserne, später Feldwebel Schmid Kaserne).

Dann sollte es Mitte der 60er Jahre endlich soweit

sein. Viele Familien des Lufttransportgeschwaders

63 aus Celle bezogen bereits erwartungsvoll

neue Wohnungen in Rendsburg. Aber die endgültige

Fertigstellung und Aufnahme des Flugbetriebs

sollte noch dauern. Erst 1967 war es dann wirklich

soweit. Im Mai 1967 wurde auf dem Flugplatz

Hohn Richtfest gefeiert. Gespannt und zuversichtlich

in die Zukunft blickend erwarteten die „Hohner“

die Neuankömmlinge.


Aufbaujahre in Celle und Verlegung nach Hohn

Seinen eigentlichen Ursprung findet der Lufttransport

der Bundeswehr mit der Indienststellung

des ersten Transportgeschwaders der Luftwaffe

nach dem zweiten Weltkrieg im September 1957

in Erding/Bayern durch den damaligen Verteidigungsminister

Franz-Josef Strauß. Aus diesem

Geschwader resultiert das LTG 61 in Landsberg

und später das LTG 62 für den norddeutschen

Raum in Celle-Wietzenbruch ende 1959. Hier

begann nun die ereignisreiche Geschichte mit der

Geburtsstunde des dritten Lufttransportgeschwaders,

dem LTG 63.

Indienststellung des LTG 63

Am 30. November 1961 wurde die in Celle stationierte

2. Staffel des LTG 62 umbenannt in die

1. Staffel Lufttransportgeschwader 63. Am 15.

Dezember 1961 übertrug Oberst Kaiser, der stellvertretende

Chef des Stabes der damaligen Fliegerdivision

Nord, das Kommando an Oberstleutnant

Wilhelm Batz und stellte so das LTG 63 als

neues Lufttransportgeschwader in Dienst.

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Am 1. Januar 1963 war das Geschwader personell

aufgefüllt und wurde am 31. Januar 1963 mit

43 französischen Transportflugzeugen Noratlas

ND 2501 ausgerüstet. Die von vier bis fünf Besatzungsmitgliedern

(Flugzeugführer, Copilot, Navigator,

Funker, Bordtechniker) geflogene Noratlas

hatte eine Nutzlast von 7,5 Tonnen, konnte 45

Passagiere bzw. 36 komplett ausgerüstete Fallschirmjäger

befördern, oder auch als Sanitätsflugzeug

mit 18 Tragen mit medizinischer Betreuung

fungieren. Die Flugzeuge waren in Afrika, Asien

und fast ganz Europa (außer dem ehemaligen Ostblock)

im Einsatz.

Oberstleutnant Wilhelm Batz führte

das Geschwader bis 1964. Batz kam aus

Bamberg und war bereits im 2. Weltkrieg

Offizier der Luftwaffe. Bis 1942

hatte er junge Piloten ausgebildet und

war dann Jagdflieger geworden. 1956

war er, wiederum als Fluglehrer, in die

Bundeswehr eingetreten. Zunächst hatte

er eine Ausbildungsstaffel geführt, später

die Flugzeugführerschule „S“ in Memmingen,

bis ihm 1961 das Kommando

über das LTG 63 übergeben wurde.

Die technischen Einheiten des Ge-

schwaders sind älter als das Geschwader

selbst. Schon 1959 gab es bei der damaligen Fliegerhorstgruppe

E in Celle eine bodenständige

Instandsetzungsstaffel. Mit der Indienststellung

des LTG 63 wurde auch der technische Bereich in

das Geschwader integriert. Anfänglich wurden die

Wartungsarbeiten bei den „Fliegenden Staffeln“

und die Instandsetzungsarbeiten bei der „Fliegerhorstgruppe“

durchgeführt. Im August 1962 wurde

dann die Technische Gruppe/LTG 63 gegründet

und damit die „zentralisierte Technik“ eingeführt.

Aus einem Ein-Mann-Betrieb in der Einsatzsteuerung

wurde eine Vier-Mann-Crew im


Schichtbetrieb. Neben der Noratlas zählten bis

1972 auch fünf leichte Kurierflugzeuge des Typs

Dornier Do 27 zum Bestand des Verbandes.

Anfang 1962 unterstützte das Geschwader die

Hilfe während der Sturmflut in Hamburg. Trotz

Vereisung, hoher Windgeschwindigkeiten und

Turbulenzen warfen die Noras mehr als 260.000

Sandsäcke ab, mit denen die Hilfskräfte am Boden

stark belastete Deiche verstärkten und Durchbrüche

verstopften.

Am 17. Oktober 1962 wurde das Geschwader

von zwei auf drei Gruppen umgegliedert. Es bestand

nun aus der Fliegenden Gruppe, der Technischen

Gruppe und der Fliegerhorstgruppe, denen

ihrerseits jeweils drei Staffeln unterstellt waren.

Im Januar 1963 erreichte das LTG 63 dann seine

Sollstärke mit 82 Offizieren, 405 Unteroffizieren

und 560 Mannschaften und verfügte über 43

Noratlas.

Ein Sondereinsatz von zwei ND 2501 Noratlas

gemeinsam mit drei Flugzeugen der Schwestergeschwader

LTG 61 und LTG 62 flog vom LTG 63

nach Aden/Südjemen, um 12 Tonnen Medikamente

und Sanitätsmaterial zu überbringen. Auf dieser

„Traumreise“, so berichtete die „Hannoversche

Presse“, badeten die „Celler-Flieger“ zum ersten

Mal im Indischen Ozean.

Am 1. April 1963 wurde das Lufttransportgeschwader

63 der 3. Luftwaffendivision in Münster

unterstellt.

Noch im gleichen Jahr, am 12. Oktober 1963

beteiligte sich das LTG 63 anlässlich der Verabschiedung

des Bundeskanzlers Dr. Konrad Adenauer

mit vier Flugzeugen an der Feldparade.

Das Geschwader machte bundesweit Schlagzeilen,

als eine Noratlas-Besatzung den lebensgefährlich

erkrankten Berliner Postlehrling Gerd

Panknin von Rimini aus zurück nach Deutschland

brachte. Der Achtzehnjährige hatte sich eine Lähmung

der Wirbelsäule zugezogen und aß aus

Heimweh kaum noch. Um in einem Berliner

Krankenhaus behandelt werden zu können, flog

ihn eine „Nora“ zunächst nach Hannover, und von

dort brachte ihn eine Maschine der britischen

Fluggesellschaft BEA nach West-Berlin. Flugzeuge

der Bundeswehr durften damals nicht über die

alliierten Luftkorridore den Westteil der geteilten

Stadt anfliegen.

Aufbaujahre in Celle und Verlegung nach Hohn

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Oberst Horst Rudat war vom 1. Februar 1964

bis zum 31. März 1971 der zweite Kommodore

des LTG 63.

Unter seiner Leitung stand auch der erste „Tag

der offenen Tür“ des Geschwaders am 21. Juni

1964 mit 40.000 Zuschauern. Stolz präsentierte

sich der Verband mit seinem neuen

Geschwaderwappen, einer stilisierten Hummel,

die gut zu den sonor brummend und nicht selten

schwer beladenen Transportern passt. Bis weit in

die 70er Jahre wurden die Namen wie „Hummelgeschwader

oder „Brummelbiene“ von diesem

Wappentier abgeleitet.

Die Kette der Hilfseinsätze riss nicht ab. Als im

gleichen Jahr eine Überschwemmung die algerische

Oase Touggourt verwüstete, flogen zwei

„Noras“ des LTG 63 Zelte, Versorgungsgüter und

darüber hinaus zwei Tonnen Kleidung und Medikamente,

eine Notspende Lübecker Bürger, in das

Krisengebiet.

Gerade die Fliegerei in die afrikanische Wüste

hatte ihre Tücken: „Ich musste die Steuersäule mit

Wasser abkühlen, bevor ich sie anfassen konnte“,

beschrieb Oberleutnant Helmut Lassen, Copilot

der Noratlas GC+240 in der Celler Presse vom 16.

Juni 1964 seinen Afrikaflug.

Die heiße Luft über der Wüste war so dünn,

dass sein Flugzeug trotz voller Leistung nur sehr

mühsam stieg. Fallböen schüttelten die Nora

durch, und den Fliegern „lief der Schweiß aus

allen Knopflöchern“, so Lassen weiter. Als die

GC+240 auch noch in ein Gewitter geriet, brach

der Kommandant den Flug ab. Die Besatzung

kehrte zu ihrem Startplatz zurück. Erst am nächsten

Tag erreichte sie ihr Ziel, die Oase Djanet.


Zum 1. Januar 1965 wurde die SAR (Search

and Rescue / Suchen und Retten) Leitstelle Nord

in Hannover dem LTG 63 unterstellt. Grundlage

zur Einrichtung dieses Such- und Rettungsdienstes

war der Beitritt der Bundesrepublik Deutschland

zur Internationalen Zivilen Luftfahrtorganisation

(ICAO/ International Civil Aviation Organisation)

im Jahre 1956. Gemäß der Auflage der ICAO

wurde 1959 ein nationaler SAR-Dienst eingerichtet.

ND 2501 Noratlas, das erste „Arbeitspferd“ des LTG 63

Hilfsflüge im In- und Ausland prägten auch

1965 und 1966 die Aufgaben des Geschwaders.

Flugzeuge flogen Versorgungsgüter in ein Überschwemmungsgebiet

bei Passau. Als das Gebiet

um Florenz von einer Hochwasserkatastrophe

heimgesucht wurde, brachten „Noras“ eine Aufbereitungsanlage

für Trinkwasser in die norditalienische

Stadt. Weitere Hilfsflüge gingen in die Türkei

und in das dortige Erdbebengebiet bei

Erzerum, sowie nach Nigeria und Guinea in Afrika.

Am 16. November 1965 waren aufgrund der

ersten Haushaltskrise der jungen Bundesrepublik

die Haushaltsgelder erschöpft. Der Kommandierende

General ließ daraufhin sämtliche fliegerischen

Einsätze einstellen. Erst am 23. Januar 1966

kam das erlösende Fernschreiben. Die erforderlichen

Geldmittel konnten wieder bereitgestellt und

resultierend der Flugdienst wieder aufgenommen

werden.

Aufbaujahre in Celle und Verlegung nach Hohn

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1967 begann das Geschwader, die Verlegung

nach Hohn bei Rendsburg vorzubereiten.

Unter Führung von Major Walter Holinka, dem

späteren Kommodore des LTG 62, zogen zum 13.

Juni 1967 das Vorkommando aus Celle mit 172

Soldaten in die Kaserne Krummenort ein, um die

Geschwaderverlegung vorzubereiten. Es fehlte

damals noch ein Kasernenzaun in Krummenort

und auf dem Flugplatz Hohn gab es noch keine

Löschfahrzeuge. Rollwege- und Startbahnbeleuch-

tungskörper (mit Unterflurbeleuchtung) waren

noch mit Asphalt überdeckt und mussten freigelegt

werden. Der Kontrollturm hatte noch keine

vollständige Funkanlage und bei der „Fliegenden

Staffel Ost“ war die Hauptverkabelung zerrissen.

Auf dem gesamten Gelände hatten die Elektriker,

Maler und Maurer ihre Arbeiten noch nicht abgeschlossen.

An den riesigen Flugzeughallen, es

waren bis dahin die größten, die bisher in

Deutschland für die Luftwaffe gebaut wurden,

wurde noch kräftig gearbeitet. Die Vorbereitungen

für die Verlegung liefen auf Hochtouren. Viele

Mängel waren noch zu beseitigen für den großen

Transportfliegerplatz, denn die Flieger vom

LTG 63 sollten als erste mit dem neuen Transportflugzeug,

Transall C-160, einer deutschfranzösischen

Gemeinschaftsproduktion, umgerüstet

werden. Im September 1967 verabschiedete

sich der Verband mit einer Parade aus Celle.


Abschlussparade des Geschwaders in der Altstadt von Celle

Am 1. Juni 1967 wurde das Geschwader der

7. Luftwaffendivision in Schleswig unterstellt. Bis

dahin waren die Flugzeuge des LTG 63 mehr als

53.000 Stunden und 17,2 Millionen Flugkilometer

in der Luft und transportierten dabei etwa 6.700

Personen sowie ca. 9.500 Tonnen Fracht.

Aufbaujahre in Celle und Verlegung nach Hohn

Die letzte „Nora“ beim Start zum Überführungsflug von Celle nach Hohn

Im August 1967 wurden die Zivilwache und,

unabdingbare Voraussetzung für den Flugbetrieb,

die Fliegerhorstfeuerwehr des LTG 63 aufgestellt.

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Die erste „Nora“ landete am 1. September 1967,

einem Freitag, um 09:12 Uhr, bei strahlendem

Sonnenschein, auf dem gerade fertiggestellten

Flugplatz in Hohn. Der Geschwaderkommodore

Oberst Horst Rudat persönlich saß am Steuerhorn

der „Nora“ mit dem Rufzeichen „Golf Charlie

115“. Ein roter Teppich ist ausgerollt und der

Transportflieger, eine ND 2501, Noratlas, stoppt

zielgenau davor.

Oberst Rudat nach der Landung der ersten „Nora“ in Hohn

Als der erste Hohner Geschwaderkommodore

ausstieg, wurden statt Böllerschüsse durch den

Kontrollturm mit der Leuchtpistole mehrfach

„Grün“ geschossen und der „Wetterfrosch“ - Peter

„Mekki“ Olthafer, zündete als Salut ein paar Ne-

beltöpfe. Die Hohner Feuerwehrkapelle spielte zur

Begrüßung einen zackigen Marsch. Es war der

erste feierliche Moment in der Geschichte des


neuen Hohner Flugplatzes. Angetreten war das

gesamte Vorkommando, ein Ehrenzug salutierte

und Major Holinka übergab den Platz an Oberst

Horst Rudat. Der Flugplatz Hohn war somit offiziell

eröffnet.

Anwesende Gäste waren Vertreter aus den umliegenden

Gemeinden von Stadt und Land. Robert

Meier, stellvertretender Bürgermeister aus Hohn

überbrachte die Willkommensgrüße von Bürgermeister

Werner Kuhrt und der Gemeinde. Eine

eigens angefertigte „Bulle“ wurde verlesen.

Oberst Horst Rudat begrüßte die Ehrengäste und

Soldaten und wünschte eine Zukunft in enger Gemeinsamkeit.

Die endgültige Verlegung von Celle nach Hohn

begann ab dem 1. Oktober 1967, und endete mit

der Landung der letzten Celler Nora am 18. Oktober

1967. Das LTG 63 war komplett auf dem

Flugplatz Hohn und in der Kaserne Krummenort

angekommen. Schon bald hatten sich die Hohner

an die schwerfällig erscheinenden Transportflugzeuge

mit ihrem tiefen Brummton gewöhnt. Die

Gemeinde wuchs mit dem Geschwader und viele

Hohner fanden auf dem Flugplatz eine neue Arbeitsstelle.

Der normale Flugbetrieb lief weiter. Noch in

1967 versorgten die „Noras“ Bundeswehrverbände

im Ausland, etwa in Beja/ Portugal oder

Decimomannu/ Italien oder trainierten das Absetzen

von Fallschirmjägern. Ebenso brachten sie

Hilfsgüter in das von einem Erdbeben erschütterte

Teheran im Iran.

Im März 1968 wurde das Geschwader dem neu

aufgestellten Lufttransportkommando in Porz-

Wahn unterstellt, welches später von 1972 bis

2010, in Münster beheimatet war.

Der Prototyp A 03 des zukünftige Flugzeugmuster Transall C-160

Aufbaujahre in Celle und Verlegung nach Hohn

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Am 13. Juni 1968 landete die erste Transall C

160, eine gemeinsame deutsch französische Produktion,

in Hohn. Es war der Prototyp A-03 von

der Truppenversuchsstaffel in Mont de Marsan/

Frankreich, der an das LTG 63 übergeben wurde.

Damit begann die Umrüstung auf das neue Flugzeugmuster.

Die Umschulung des Personals fand zum Teil

in Hohn selbst, aber auch in Wunstorf bei der

Flugzeugführerschule „S“ und bei der Truppenversuchsstaffel

im französischen Mont-de-Marsan

statt.

Am 18. März 1970 wurde die letzte „Nora“

ausgemustert. Am Kasernentor der Hugo-Junkers-

Kaserne in der Krummenorter Heide steht noch

heute ein Exemplar und erinnert an die Anfänge

der Transportfliegergeschichte des Hohner Geschwaders.

Der letzte Flug mit der „Nora“ in Hohn im März 1970


Die Nora auf dem Weg in die Hugo Junkers Kaserne

Stolz kann das Geschwader auf seine langjährige

Geschichte zurückblicken. Bis 1969 flog das

Geschwader allein mit der Noratlas 70.000 Flugstunden.

In unzähligen Rettungseinsätzen und

Hilfsflügen wurde mit der Nora in Europa, Afrika

und Asien das LTG 63 im Auftrag der Bundesrepublik

Deutschland repräsentiert und hat große

Anerkennung gefunden.

Mit der Einführung des neuen Flugzeugmusters

Transall haben die „Hohner Flieger“ bis heute in

aller Welt ihre Aufträge erfüllt. Fleißig wie die

„Brummelbienen“ haben sie in unzähligen, routinemäßigen

Versorgungsflügen, Hilfs-, Katastro-

Aufbaujahre in Celle und Verlegung nach Hohn

11

phen-, UNO- und NATO-Einsätzen einen Aktionsradius

geschaffen und sich mit dem Namen

„Engel der Lüfte“ als Transportflieger einen Namen

gemacht. Atlantiküberquerungen nach Kanada

oder in die USA sind schon „Standard“, UNO-

Einsätze in Kriegs- und Krisengebiete inzwischen

Normalität.

Positionierung der Nora neben dem Kasernentor

Bei vielen öffentlichen Veranstaltungen gehört

das Hohner LTG 63 einfach dazu. Mit Flugtagen,

verschiedenen Ausstellungen und Benefizveranstaltungen

hat sich das Geschwader einen festen

Platz im gemeinsamen Miteinander geschaffen.


Die Transall das Arbeitspferd der Transportflieger

Der Startschuss für die Entwicklung der Transall

C-160 fiel im Dezember 1958. Die Verteidigungsminister

der Bundesrepublik Deutschland

und Frankreichs beschlossen den Bau eines mittleren,

taktischen Transportflugzeuges. Es sollte in

der Bundesluftwaffe und in der Armée de l’air die

Noratlas ablösen, die damals im heutigen EADS-

Werk in Hamburg-Finkenwerder in Lizenz gebaut

wurde.

Der Name „Transall“ steht für Transporter-

Allianz, die Arbeitsgemeinschaft aus den Vereinigten

Flugtechnischen Werken (VFW) in Bremen,

Hamburger Flugzeugbau (HFB) und Nord-

Aviation im französischen Chatillon-sous-

Bogneux. Federführend war VFW. Alle drei Fir-

Transall C-160 im Einsatz in Somalia

12

men gehören heute zum EADS-Konzern und bauen

neben Komponenten für die Airbus-Familie

auch Teile für den neuen Großtransporter A400M.

Aus dieser Transporter Allianz entstand der Name

des Luftfahrzeuges: Transall. Das „C“ steht für

Cargo oder Fracht, die Zahl „160“ für die 160

Quadratmeter Flügelfläche der Transall. Bei der

Truppe wurde aus dem Namen Transall schnell

die liebevolle Bezeichnung „Trall“.

Frankreich hatte eine große Reichweite gefordert,

Deutschland kurze Start- und Landestrecken,

Absetzfähigkeit von großen Lasten auch im Tiefflug

und einen Laderaumquerschnitt, der für Container

und Fahrzeuge ausreichte. Außerdem sollte

das neue Flugzeug Behelfsflugplätze wie Straßen


oder notdürftig befestigte Grasnarben nutzen können.

Das erste Modell war 1961 gefertigt worden.

Zwei Jahre später, am 25. Februar 1963, startete

der erste Prototyp im französischen Melun zu seinem

Jungfernflug. Am 23 September 1964 unterschrieben

die damaligen Verteidigungsminister

der Bundesrepublik und Frankreichs den Vertrag

über den Serienbau. Neben den drei Prototypen

wurden sechs Vorserienmaschinen produziert. Die

Luftwaffe erhielt 110 Flugzeuge, gab aber später

20 Maschinen an die Türkei ab. Frankreich kaufte

zunächst fünfzig Flugzeuge, legte aber in den

achtziger Jahren eine Serie Transall NG (Nouvelle

Generation) auf. Südafrika beschaffte neun Maschinen.

Zwischendurch flogen diese Transall

NGs auch bei der indonesischen Luftwaffe.

Das erste Serienflugzeug wurde der Luftwaffe

am 26. April 1968 auf dem Fliegerhorst Ahlhorn

in Niedersachsen übergeben. Die erste Transall

des LTG 63, der auf den Serienstandard gebrachte

Prototyp A-03, landete am 13. Juni 1968 in Hohn.

Damals trug sie die Registrierung YA+053. Eine

neue Ära im Lufttransport hatte begonnen. Ab

August 1968 folgten dann Flugzeuge aus der Serienproduktion.

Die Transall C-160 ist ein zweimotoriges taktischesTransportflugzeug

mit

Druckkabine. Angetrieben

von

zwei Rolls Royce

Tyne Mk. 22-

Propellerturbinen,

erreicht der Hochdecker

mit Heckladerampe

eine

Höchstgeschwindigkeit

von über

500 km/h. Die

Dienstgipfelhöhe

beträgt 8.500 Meter.

Die Reichweite

ist abhängig

von der Beladung

bis zu 4.550 Kilometer.

Die Transall das Arbeitspferd der Transportflieger

Landung einer Transall auf einer Geröllpiste

13

Die Transall transportiert vielfältige Ladung oder

aber bis zu 93 Personen. Verschiedene Rüstsätze

erlauben seit einigen Jahren auch den Einsatz als

MEDEVAC-Luftfahrzeug (Medical Evacuation).

Mitte der neunziger Jahre erhielt das Flugzeug ein

neues autonomes Navigationssystem. Bis zu 24

Luftfahrzeuge können mit einer elektronischen

Selbstschutzanlage gegen Bedrohung ausgestattet

werden, die durch einen taktischen Systemoffizier

zu bedienen ist.

Zu Beginn ihrer Einsatzzeit flogen die Transall

mit einer Besatzung bestehend aus zwei Flugzeugführern

(Kommandant, Copilot) und je einem Navigator,

Bordtechniker und Flugzeug-

Ladungsmeister. Mit dem Einbau des neuen Navigationssystems

wurde die Standardbesatzung auf

vier Mann reduziert. Der taktische Systemoffizier

ist nur an Bord, wenn es der Einsatzauftrag (z.B.

im ISAF-Einsatz in Afghanistan) notwendig

macht.

Die Transall wurde als Kampfzonen-

Transporter entwickelt und kann auf kurzen, behelfsmäßigen

Pisten starten und landen. Gerade

während der Einsätze in Afrika hat das Flugzeug

diese Fähigkeit immer wieder unter Beweis gestellt.

Bis in die achtziger Jahre fand die Ausbildung

der Transport-

Flugzeugführer nur

an Schulen in

Deutschland statt.

Nach einer fliegerischen

Vorauswahl,

dem so genannten

‚Screening‘ auf der

Piaggio Pi-149D

beim Jagdbombergeschwader

49 in

Fürstenfeldbruck,

wurde eine Ausbildung

an der Verkehrsfliegerschule

der Deutschen Lufthansa

in Bremen

absolviert. Nach der

Ausbildung auf verschiedenen

Luftfahrzeugmustern, Schulung im

Simulator und etwa 1.200 Stunden theoretischer

Unterrichtung in Flugsicherung, Funksprechverkehr,

Navigation, Meteorologie und Technik. Der


Lehrgang schloss mit dem Militär- Luftfahrzeugführerschein

ab.

Als nächste Stufe folgte die Musterschulung,

damals entweder auf der Transall oder auf der

Do 28, bei der Flugzeugführerschule „S“ in Wunstorf

bei Hannover. Angehende Flugzeugführer

erwarben hier ihre Verbandsreife und wurden

dann als 2. Luftfahrzeugführer oder Co-Pilot in

einen Einsatzverband versetzt. Dort durchliefen

sie ihre taktische Ausbildung.

Transall beim „Africadrop“, Lastenabwurf aus niedriger Höhe

Heute beginnt die fliegerische Ausbildung der

Transport-Flugzeugführer der Luftwaffe in den

USA. Alle angehenden Flugzeugführer von Flächenflugzeugen

der Bundeswehr durchlaufen die

ersten Stufen der Ausbildung gemeinsam. Einfache

Simulatoren gehören bereits zum Auswahlverfahren

für die Bewerber. Das ICA 90 (Instrument

Coordination Analyzer) bietet bereits ein rudimen-

Die Transall das Arbeitspferd der Transportflieger

14

täres Cockpit, während das FPS 80 (Fliegerpsychologisches

Selektionssystem) hingegen ein richtiger

Flugsimulator ist. Auf dem FPS 80 absolvieren

Bewerber einfache Flugprofile. Beide Geräte

erlauben Psychologen und Fluglehrern, Reaktionsvermögen,

Lerngeschwindigkeit und Auffassungsgabe

gerade bei Mehrfachbelastung zu beurteilen.

Nach erfolgreicher flugmedizinischer Untersuchung

beginnt die eigentliche fliegerische Ausbildung.

Der fliegerische Teil findet bei der

3. Deutschen Luftwaffenausbildungsstaffel in der

USA statt. Flugplatz, Infrastruktur und Flugzeuge

stellt die Lufthansa. Alle Teilnehmer fliegen zunächst

auf der Grob 120A, einem viersitzigen und

kunstflugtauglichen Turboprop-Flugzeug.

Als Resultat entscheidet sich, ob die Anwärter

Transport-Flugzeugführer, Strahlflugzeugführer


oder Waffensystem-Offiziere werden. Angehende

Transportflieger bleiben insgesamt sechs Wochen

in Goodyear, um dann ihre Ausbildung an der

Verkehrsfliegerschule der Lufthansa in Bremen

fortzusetzen. Die Inhalte dort entsprechen den

Richtlinien der zivilen Verkehrsflugzeugführer-

Lizenz.

Die Ausbildungsdauer ist nahezu unverändert.

Allerdings setzt die Lufthansa in Bremen im

Unterschied zu den früheren Jahren moderne

Luftfahrzeuge ein, um den gestiegenen

Anforderungen der Luftfahrt gerecht zu werden.

Zukünftige Transall-Flugzeugführer erhalten dann

ihre Musterberechtigung beim LTG 62 in

Wunstorf, um anschließend in einem der drei

Lufttransportverbände verwendet zu werden.

Bordmechaniker

und Flugzeugladungsmeister

werden ebenfalls

in Wunstorf beim

LTG 62 ausgebildet.

Die Bordmechaniker-

Ausbildung (in der

Regel sind die Bewerber

gestandene Techniker-Meister

aus

Instandsetzungs- bzw.

Wartungsstaffeln) besteht

aus einem theoretischen

und praktischen

Teil und dauert

ca. ein halbes Jahr.

Ladungsmeister durchlaufen

zwei Lehrgänge

von je zwei Monaten

Dauer. Im ersten erwerben

sie die Muster-

berechtigung für die C-

160; der zweite Lehrgang

konzentriert sich auf Umgang mit Passagieren,

Ladung und den verschiedenen Lastenabwurfverfahren.

Die Transall das Arbeitspferd der Transportflieger

Das „Africadrop“-Verfahren aus Sicht des Ladungsmeisters

Die Abwurfverfahren gehören zum ständigen

Einsatztraining der Transall-Besatzungen. Es gibt

spezielle Verfahren für den Einsatz von Fallschirmjägern,

oder den Abwurf von Lasten. Allerdings

werden sie je nach Bedarf neu konzipiert.

Einsätze in Afrika oder über dem ehemaligen Jugoslawien

erforderten beispielsweise spezielle

Lösungen.

15

Obwohl schon ein Kilometer bzw. 3000 ft Pistenlänge

für eine sichere Kurzlandung ausreichen,

waren und sind diese Voraussetzungen nicht überall

gegeben. So entwickelte man für die Einsätze

in Äthiopien und im Sudan 1984/85 ein spezielles

Abwurfverfahren, um die Hilfe direkt dorthin zu

bringen, wo sie unmittelbar benötigt wurde. „Absetzen

von Lasten aus extrem niedriger Höhe“ ist

die offizielle Bezeichnung für einen Absetzvorgang

mit auf Holzpaletten verzurrten Jutesäcken

aus nur 10 m Höhe, der dann viel besser unter dem

Begriff „Afrikaverfahren“ bekannt wurde. Vielen

Hungernden wurde somit das Überleben geschenkt.

Als 1992 die internationale Luftbrücke

vom kroatischen Zagreb, später vom italienischen

Falconara aus in das eingekesselte Sarajevo anlief,

waren auch wir mit unserer Transall dabei. Ein

gefährliches Unterfangen für ein ungeschütztes,

recht langsam fliegendes Transportflugzeug. Die

einzige Chance, sich möglichst lange der vom

Boden ausgehenden Bedrohung durch Infanterie-

und Flugabwehrwaffen zu entziehen, bestand darin,

die Flughöhe möglichst lange zu halten und

die Landung aus einem extrem steilen Sinkflug

heraus durchzuführen, dem sogenannten „Sarajevo

Approach“.


Am 7. September 1968 startete die erste Hohner

Transall (A-03) zu einem Hilfseinsatz. Zusammen

mit weiteren Bundeswehr-Transportern

beteiligte sich das Flugzeug unter dem Befehl von

Hauptmann Gunther „Jonny“ Schlüter an Versorgungsflügen

in den Iran.

Damals hatte ein Erdbeben die iranische Provinz

Khurasan heimgesucht. Aus Hohn kommend,

landete die Trall zunächst in Celle, um eine Aufbereitungsanlage

für Trinkwasser aufzunehmen. In

Köln-Wahn kamen Hilfsgüter wie Decken und

Kleidung hinzu und nach einem elfstündigen Flug

landete die Transall in Teheran.

Im gleichen Monat (September 1968) startete

eine Transall zu einem Flug nach Australien, um

die dritte Stufe der Europa-Rakete zum Testgelände

im australischen Woomera zu bringen. Im folgenden

Jahr brachte eine Trall-Crew unter Major

Manfred Goldap eine zweite dieser sieben Tonnen

schweren Raketenstufen zum Testgelände in die

australische Wüste.

Anfang Oktober 1968 nahm das LTG 63 mit

einer Transall an der internationalen Luftfahrtausstellung

in Tokio teil. Am 16. Oktober 1968 um

15:30 Uhr schwebte sie mit der 21 köpfigen „Japan

Expedition“ auf dem Hohner Flugplatz wieder

ein. Damit ging ein 14 tägiger Flugauftrag zur

Luftfahrtausstellung in Tokio zu Ende. Es war die

weiteste und längste Flugstrecke, die aus dem

LTG 63 bis zu diesem Tage durchgeführt wurde.

Leiter des Kommandos war der Kommodore

Oberst Horst Rudat mit zwei kompletten Flugzeugbesatzungen,

einem Industrievertreter, Warten

und Technikern. 35.000 Kilometer ohne Beanstandungen

mit dem neuen „Arbeitspferdder

Transportflieger, der Transall, wurden zurückgelegt.

Mit über 80 Flugstunden wurde der Kreis

geschlossen, der die Besatzung von Hohn nach

Iruma/Tokio über Manila Singapur Kalkutta

Weltweit im Einsatz

16

Karachi Teheran und Paris zurück nach Schleswig-

Holstein führte. Die Transall hatte ihre erste

große „Bewährungsprobe“ im Geschwader erfolgreich

bestanden. In Japan hatte die Transall große

Anerkennung gefunden.

Am 17. Oktober 1968 stellte das LTG 63 die

Transall A-03 dem Internationalen Roten Kreuz

(IRK) zur Verfügung. Das IRK setzte die weiß

lackierte Maschine für Hilfsflüge im nigerianischen

Bürgerkrieg in der Erdölprovinz Biafra ein.

1969 erhielt das Geschwader den Flugsicherheitspokal.

Bis dahin hatte der Verband 73.378 Stunden

auf der Noratlas erflogen, sowie seit 1968 379

Stunden auf der Transall C-160.

Verleihung des Flugsicherheitspokals 1969

Ein unvergessener Höhepunkt des Jahres 1969

war ein Flug in die afghanische Hauptstadt Kabul.

Einige Monate vorher waren auf einem Militärgelände

Reste einer Junkers F-13 entdeckt worden.

Die F-13 war das erste in Serie gebaute Verkehrsflugzeug

aus Ganzmetall zudem der erste rein

zivile Eindecker. Obwohl bereits 1919 der Jungfernflug

stattfand, konnte das Flugzeug aufgrund

der Einschränkungen durch den Versailler Vertrag

erst ab 1926 in Serie gebaut werden, um in aller

Welt begeisterte Abnehmer zu finden. 1921 kaufte


der Emir von Kabul zwei dieser Flugzeuge, von

denen eines 1969 von einem englischen Journalisten

auf einem Kabuler Schrottplatz entdeckt wurde.

Nach Verhandlungen erklärte sich die afghanische

Regierung bereit, die F-13 dem Deutschen

Museum in München zu übergeben. Also startete

am 16. Juni 1969 eine Transall von Hohn, um die

F-13 von Kabul zur Restaurierung nach München

zu bringen. Die C-160 aus Hohn war das erste

deutsche Militärflugzeug, das auf afghanischem

Boden landete.

Es folgte im Juli 1969 die erste Atlantiküberquerung

mit einer Transall. Die Hohner Besatzung

um die Luftfahrzeugführer Oberst Rudat und

Hauptmann Schlüter, Navigator Feldwebel Amann

und Hauptfeldwebel Teichert flogen über Keflavik

(Island), Sondreström (Grönland), Gander (Neufundland/Kanada)

bis Dulles- International nach

Washington DC. Hauptnavigationsinstrument war

damals noch der Sextant, ein Winkelmessgerät mit

dem über den Stand der Gestirne die Position bestimmt

wurde.

Eine Nora bei einer Inspektion in der Werfthalle

Heute ist diese wichtige Arbeit des Navigators

durch den Einsatz von Computern und Satellitennavigation

fast vollständig ersetzt worden. Damals

ein Novum, sind derartige Flüge heute Alltag,

denn die Transall sind in die Versorgung der deutschen

Ausbildungseinrichtungen in den USA fest

eingebunden.

Das Jahr 1970 begann mit einem großen Hilfseinsatz.

Im Januar kapitulierten die Aufständischen

in der nigerianischen Provinz Biafra, die

längere Zeit für die Unabhängigkeit von Nigeria

gekämpft hatten. Dem Krieg folgte eine humanitä-

Weltweit im Einsatz

17

re Katastrophe. Sechs Transall aus Hohn wurden

eingesetzt, um Hilfsgüter in die nigerianische

Hauptstadt Lagos zu fliegen.

Im gleichen Monat verlegte die 2. Staffel des

LTG 63, die noch die Noratlas flog, ins

portugiesische Beja, um dort auf die Transall

umzuschulen. Die Wetterverhältnisse in

Norddeutschland ließen ein kontinuierliches

Training nicht zu. Bis Frühjahr 1970 blieben die

betagten „Noras“ noch im Einsatz, doch im

September 1970 schloss das Geschwader seine

Transall-Umschulung ab. Damit war das LTG 63

der erste Lufttransportverband, der vollständig mit

dem neuen Turbopropflugzeug Transall C-160

ausgerüstet war.

C-160 im Formationsflug

Notlandung im März 1970. Bei einem Flug unter

Instrumentenbedingungen setzten bei der Transall

mit dem Kennzeichen „50+33“ über Hohn

unter Vereisungsbedingungen nacheinander beide

Triebwerke aus. Sofort wurden die Propeller vom

Bordtechniker in Segelstellung notgefahren. Die

Besatzung reagierte wie gelernt, doch konnte das

Verfahren des Wiederanlassens nicht erfolgreich

umgesetzt werden. Es herrschte plötzlich eine

sonderbare Stille an Bord, man hörte nur das starke

Rauschen der Windströmung am Flugzeugrumpf.

Auf Grund der sehr guten Segeleigenschaften

der C-160 „durchschwebte“ sie die Wolken im

ständigen Sinkflug. Als die Besatzung schließlich

den Erdboden sah, lag vor ihnen eine Moorkoppel

bei Pahlhude an der Eider, bedeckt mit einer leichten

Schneedecke. Der Kommandant, Hauptmann

Magiera, suchte sich diese Parzelle für eine

Bauchlandung mit eingezogenem Fahrwerk aus,

denn diese konnten nicht ausgefahren werden.

Nach der Notlandung rutschte die Transall auf

dem Rumpf über das Moor hinweg. Dann stand

alles still, auch die Besatzung verharrte regungslos.

Alles schien heilgeblieben zu sein! Dann zerschnitt

die Stimme von Navigator Oberleutnant


„Antek“ Baumgärtel die unendliche Stille im

Cockpit: „Wisst ihr was Jungs, ich steig schon mal

aus, ich muss dringend erst mal eine rauchen!“

Fast alle Hohner waren unterwegs, um sich den

Riesenvogel auf dem „Flugplatz Pahlhude“ einmal

richtig anzusehen.

Was passierte mit der „50+33“? Man schleppte

sie vor einen Bauernhof, baute die Tragflächen ab,

setzte ihr ein hölzernes Notfahrgestell unter und

schleppte sie bis an den Kanal. Anschließend verschiffte

man die Transall zur Flugzeugwerft nach

Finkenwerder. Hier wurde sie neu vermessen und

die Blechschäden wurden repariert. Anschließend

wurde sie wieder für den Flugverkehr freigegeben

und fliegt noch heute.

Die 50+33 nach der Bauchlandung in Pahlhude

Ostern 1970 bebte unweit der türkischen Stadt

Gediz in West-Anatolien die Erde. Es gab Tausende

Tote und nahezu neunzig Ortschaften wurden

verwüstet. Zwei Transall aus Hohn beteiligten

sich bei den Hilfsleistungen, flogen zunächst

Hilfsgüter ein und blieben dann zwei Wochen im

Einsatz, um im Pendelverkehr weitere Versorgungsgüter

heran zu bringen.

Im März 1970 stellte sich das LTG 63 mit seinem

ersten Flugtag in Hohn der Öffentlichkeit

vor. Flugzeugausstellungen und Flugprogramme

lockten über 40.000 begeisterte Besucher auf ihren

Hohner Flugplatz.

Noch im gleichen Jahr wurde dem Geschwader

erneut der Flugsicherheitspreis für Transport- und

Sonderflugzeuge verliehen.

Eine Transall-Besatzung brachte eine Stufe der

Europa-Rakete Ariane dieses Mal nach Franzö-

Weltweit im Einsatz

18

sisch-Guayana, wo 1971 der erste und einzige

Test einer vierstufigen Europa 4-Rakete stattfinden

sollte und trug maßgeblich dazu bei, dass das

Geschwader am 8. Oktober 1970 die 10.000ste

Transall- Flugstunde erreichte.

Im Rahmen eines „Langstreckenerprobungsfluges“

flog am 25. November 1970 Hauptmann Puhl

mit seiner Besatzung von Hohn nach Jan Mayen,

einer norwegischen Insel zwischen Island und

Ostgrönland im Nördlichen Eismeer und kehrte

„fast leergeflogen“ nach 12 Stunden und 25 Minuten

ununterbrochener Flugzeit auf den Flugplatz

Hohn zurück.

In den letzten Monaten des Jahres leisteten die

Hohner, wie sie inzwischen genannt wurden, erneutKatastrophenhilfe.

Im November

suchte eine

Sturmflut West-

Pakistan, das heutige

Bangladesh,

heim. Im Ganges-

Delta, das in hunderte

von Flussarmen

und Inseln

zerfällt, wurden

unzählige Menschen

getötet oder

obdachlos. Die

Transporter brachten

zunächst Hubschrauber

und Ersatzteile,

Decken, Zelte, Feldbetten, Lebensmittel

und Wasseraufbereitungsanlagen ins Land insgesamt

etwa 82 Tonnen Ladung. Boeing 707-

Transporter der Flugbereitschaft flogen weitere

Versorgungsgüter nach Dacca, dem einzigen für

Flugzeuge dieser Größe geeigneten Flughafen in

der Region. Die Transall pendelten zwischen

Dacca und Chittagong, um die Hilfsgüter im Land

zu verteilen. Mit einer Bodenfunkstelle in Chittagong

konnte ständiger Kontakt mit dem

Geschwadergefechtsstand in Hohn gehalten werden,

um die Hilfsflüge zu koordinieren. Bis zu 15

C-160 waren im Einsatz. Mit ihnen wurde neben

Lebensmitteln und Zelten ein vollständiges Lazarett

nach Chittagong gebracht.

Am 1. April 1971 übernahm Oberst Dr. Ulrich

Beuther, als dritter Kommodore das Geschwader

und führte es bis zum 31. März 1979.


Ziel der nächsten Hilfsflüge war die Türkei, als

Ende Mai und Anfang Juni 1971 drei Transall

Versorgungsgüter in ein Erbebengebiet in der Osttürkei

brachten.

Im Juli 1971 erreichte das Geschwader auf einem

Rückflug von

Rom nach Hohn seine

100.000ste Flugstunde.

Außerdem erneuerte

sich die Verbindung

des Verbandes zur

Raumfahrt. Das LTG

63 wurde ausgewählt,

sich an der Erprobung

eines maßstäblich verkleinerten

aber flugfähigen

Modells eines

Raumgleiters zu betei-

ligen. Dieser „Bumerang“

getaufte Gleiter

war ein Produkt des

Weltweit im Einsatz

Bereits seit 1971 stehen in Hohn regelmäßig Transall Maschinen für kurzfristige SAR Einsätze bereit. Hier ein Bild der 50+54

im Einsatz in Darwin, Australien

damaligen Bremer Entwicklungsrings Nord (ER-

NO), der heute zu EADS Space Systems gehört.

Der „Bumerang“-Entwurf nahm heutige Konzepte

vorweg. Seine Auslegung als Hochauftriebskörper,

quasi eine Speerspitze mit senkrechten Steuerflossen,

gilt noch heute als die Idealform für ein

Raumflugzeug.

Am 10. August 1971 nahm eine Transall den

„Bumerang“ an Bord und setzte ihn über einem

abgesperrten Seegebiet nahe Helgoland über die

Laderampe ab. Er segelte dann aus 3.000 Metern

Höhe zu einer sicheren Wasserung

herab.

Im September und Oktober 1971

nahm das Geschwader an der

NATO-Verlegeübung „Hellenic

Express“ teil. Teil des Manövers

war die Errichtung eines improvisierten

Stützpunktes in Saloniki,

Griechenland, und die Versorgung

von Teilen des in Oldenburg stationierten

Leichten Kampfgeschwaders

43, das auf den Flugplatz Nea

Ankhialos verlegt hatte.

Am 10. November 1971 übernahm

das LTG 63 eine neue Aufgabe:

Es wurde eine SAR-Bereitschaft

Feierlicher Appell zum 10 jährigen Bestehen des LTG 63

19

eingesetzt, die binnen einer kurzen Frist start- und

einsatzbereit sein musste.

Anfang Dezember 1971 flogen drei Transall

unter dem Kommando von Major Mörsdorf, dem

späteren Kommodore des Verbandes, nach

Townsville in Australien um Ersatzteile für die

nach Australien zur Erprobung gelieferten „Leopard“-

Panzer zu bringen.

Im Dezember 1971 standen Einsätze in Pakistan

auf der Tagesordnung. Der Krieg zwischen

Pakistan und Indien, der um die Unabhängigkeit

Ost-Pakistans ausgefochten wurde, erreichte seinen

Höhepunkt. Indische Kampfflugzeuge und

Kriegsschiffe hatten pakistanische Städte angegriffen,

u.a. die Hafenstadt Karachi. Auf Bitten

des Deutschen Botschafters ließ das Auswärtige


Amt rund 350 Bundesbürger ausfliegen. Zwei

Transall des LTG 63 brachten sie von Karachi aus

nach Teheran, wo sie in zwei Boeing 707 der

Flugbereitschaft umstiegen.

Weltweit im Einsatz

Der „Bauernadler“ Dornier Do 28 wurde im Juli 1972 beim LTG 63 in Dienst gestellt

Zum Jahresabschluss wurde am 16. Dezember

1971 das 10-jährige Bestehen des LTG 63 gefeiert.

Im Juli 1972 stellte der Verband ein neues

Flugzeugmuster in Dienst: den zweimotorigen

Mehrzwecktransporter Do 28 D-2 „Skyservant“

(Himmelsdiener). Es trat die Nachfolge der wesentlich

kleineren Do 27 an und übernahm leichte

Transportaufgaben sowie Kurier- und Verbindungsflüge.

Die mit zwei Kolbentriebwerken mit jeweils

272 kW ausgestattete Do 28 D-2 war eine Weiterentwicklung

der einmotorigen Do-27. Sie war

ursprünglich für den afrikanischen Markt konzipiert

und wurde zur Unterstützung der deutschen

Luftfahrtindustrie national als Verbindungsflugzeug

eingesetzt.

Dieses behäbige STOL (Short Take Off and

Landing) Flugzeug benötigte hochverbleiten

Kraftstoff und schien beim Starten und Überflug

in geringen Höhen nicht von der Stelle zu kommen,

dafür aber vom Geräuschpegel her die

Schallmauer durchbrechen zu wollen. Die Do 28

konnte eine Nutzlast von ca. 1500 kg aufnehmen

und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 250

km/h.

Der „Himmelsdiener“ war zum einen verhasst,

weil er Flugfehler nur selten verzieh und mit allen

„Mucken eines Kolbentriebwerks belastet“ war.

Andererseits war die Do 28 beliebt, weil sie sehr

anspruchsvoll war und hohe Anforderungen an

20

das fliegerische Können stellte. Das LTG 63 erhielt

insgesamt acht dieser liebevoll „Bauernadler“

genannten Flugzeuge.

Am 10. Dezember 1973

wurde Oberst Dr. Heinz-Ulrich

Beuther als Kommodore des

LTG 63 für den unermüdlichen

Einsatz seiner Transportflieger

im Kampf gegen die Hungersnot

in Äthiopien im Kaiserpalast

von Addis Abeba die seltene

und hohe Auszeichnung,

der Orden „THE ORDER OF

STAR OF HONOR OF

ETHIOPIA

COMMANDERCLASS“ per-

sönlich durch die Hand des

damaligen Kaisers von Äthiopien,

seiner Majestät Haile Selassi I, verliehen.

Gleichzeitig überreichte der Kaiser allen Hohner

Transallfliegern des Einsatzkommandos

„Hungerhilfe Äthiopien“ das Tätigkeitsabzeichen

der Äthiopischen Luftstreitkräfte in Gold. Zum

Jahresabschlussfest des Geschwaders im Dezember

1973, mit vielen geladenen Gästen aus dem

Hohner Umland, kam das Kommando aus Äthiopien

zurück. Die Genehmigung zum Tragen der

verliehenen äthiopischen Fliegerspange in Gold

wurde durch das Verteidigungsministerium in

Bonn erteilt und durch die deutsche Botschaft in

Addis Abeba überreicht. Es war die letzte Amtshandlung

des Kaisers von Äthiopien. Kurze Zeit

später kam der Kaiser (Anfang 1974) in seinem

Palast durch die kommunistische Revolution, einer

marxistisch orientierten Bewegung seiner

Streitkräfte, zu Tode. Russland, Kuba und die


„DDR“ gewährten militärische Hilfe und wurden

Garant einer radikalen Militärregierung. Noch bis

1974 verteilten die Transallflieger aus Hohn Lebensmittel

im ehemaligen Abessinien, dem Land

mit „13 Monaten Sonnenschein“, das alsbald im

Bürgerkrieg versank. Der anhaltenden Dürre wurde

auch die marxistische Militärregierung nicht

Herr. Zehn Jahre später

berichteten die Medien

erneut über den Ausbruch

einer Hungerkatastrophe

in Äthiopien und

dem Sudan. Eine weltweite

Hungerhilfe wird

ins Leben gerufen. Wieder

waren die Transallflieger

aus Hohn in den

Jahren 1984 und 1985

bei den Hilfsflügen im

Einsatz.

1974 war das LTG 63

zum ersten Mal an einer

offiziellen UN-Mission

beteiligt. Sie stand im

Zusammenhang mit dem

Abschluss der kriegerischenAuseinandersetzungen

zwischen Ägypten

und Israel.

Zwölf Transall und

120 Soldaten standen

vom 15. bis zum 27. Januar

1974 in Afrika im

UNO-Einsatz bereit. Das

LTG 63 richtete einen

Lufttransport-Stützpunkt

in N’Djamena/Tschad

ein. Von diesem Stütz-

punkt aus führten Transporteinsätze von Accra/Ghana

über den Tschad nach Kairo/Ägypten,

um 120 Tonnen militärisches Material und Soldaten

der UNO (Blauhelme) abzusetzen.

In der Zeit vom 20. März 1974 bis zum 25. April

1974 wurden mit zwei Transall 1.000 Tonnen

Hilfsgüter für das Internationale Rote Kreuz von

Lagos nach Niger und in den Tschad transportiert.

Nur fünf von zehn angeflogenen Plätzen verfügten

über asphaltierte Landebahnen, die übrigen waren

plattgewalzte Sand- oder Geröllpisten, die die

Weltweit im Einsatz

Ein Propellerblatt der Unglücksmaschine 50+63 erinnert heute im Eingangsbereich

der 1. Staffel an die Soldaten, die bei dem Absturz auf Kreta ihr Leben

ließen

21

Tauglichkeit der Transall auch in schwierigem

Terrain einmal mehr bewiesen.

1974 war auch der Beginn der Versorgungsflüge

zur Unterstützung der Kräfte des deutschen

Heeres zur Ausbildungseinrichtung Shiloh Range

nach Kanada.

Am Sonntag, dem 9.

Februar 1975 überschattete

ein schweres

Unglück die Geschichte

der deutschen Transportfliegerei

und insbesondere

des Lufttransportgeschwaders

63.

Eine Hohner Transall

mit der Kennzeichnung

50+63 stürzte in

den „Weißen Bergen“

des Lefka Ori - Gebirges

auf Kreta ab. Auf

einem Routineflug zum

NATO-Schießplatz auf

Kreta kamen dabei alle

sieben Besatzungsmitglieder

des LTG 63 und

35 Soldaten der 1. Batterie

des Flugabwehrraketenbataillons

39 aus

derbrarup ums Leben.

Heute erinnert ein

Propellerblatt der Un-

glücksmaschine im

Eingangsbereich der 1.

Staffel an dieses Unglück

mit seinen 42 Opfern. Die Inschrift lautet:

„Den Kameraden des LTG 63 zum Gedenken:

Oberst i.G. Elmar Schlottmann, Hauptmann Karl-

Heinz Schacht, Leutnant Peter Schriver, Oberstabsfeldwebel

Helmut Hornig, Hauptfeldwebel

Klaus Hallbauer, Stabsunteroffizier Werner Wiesner,

Oberbrandmeister Willy Körner sowie 35

Kameraden des FlaRakBtl 39“.


In jedem Jahr fliegt eine Abordnung aus Hohn

und Süderbrarup zum Gedenken zur Kranzniederlegung

nach Kreta.

Ein wohl noch bekannteres Transportflugzeug

als die Transall ist die weltberühmte Junkers Ju-

52, liebevoll auch „Tante Ju“ genannt. Ein

Exemplar dieses Luftfahrzeugs steht auch in der

Kaserne des LTG 63. Es war bis 1945 im Kriegseinsatz

und wurde von den Spaniern und Portugiesen

noch bis in die frühen siebziger Jahre geflogen.

In Alverca/Portugal, einem Vorort von Lissabon,

standen einige Maschinen dieses Typs. Die

portugiesische Luftwaffe kam einem Wunsch des

LTG 63 nach und schenkte dem Verband eines

dieser Luftfahrzeuge.

Anlieferung der JU 52 mit der Transall

Weltweit im Einsatz

22

Nach der Demontage durch deutsche und portugiesische

Techniker, wurde eine Ju mit einer

Transall nach Hohn transportiert. Nach erfolgter

Renovierung wurde sie am 15. Dezember 1975

durch den Kommodore Oberst Dr. Heinz - U.

Beuther feierlich vorgestellt und fand dann ihren

Standplatz vor dem am 12. Juni 1975 neu eröffneten

Offizierheim. Dort ist sie, inzwischen zum

Namensgeber der Kaserne Krummenort geworden,

noch bis heute zu bewundern.

Die renovierte JU 52 vor dem Offiziersheim im Jahr 1975

Mit ihren unzähligen UNO-, Hilfs- und Katastropheneinsätzen

fast überall in der Welt, hat sich

die Transall einen Namen als „Engel der Lüfte“

gemacht. Das leise und beruhigende Brummen der

Transporter über Hohn gehört zum gewohnten und

für die Region liebgewonnenen Ton. Der Flugplatz

mit seinen Soldaten und Angestellten ist zum

wichtigsten Wirtschaftszweig für Hohn und Umgebung

geworden. Viele Geschwaderangehörige

haben inzwischen in der Region um Hohn gebaut

und sind aktiv im Gemeindeleben tätig. Unzählige

Dorffeste und Jubiläen hat es gemeinsam mit dem

Geschwader gegeben, und man ist zu einer großen

Gemeinschaft zusammengewachsen.

Als dann aber im August 1976 die Firma Condor

- Flugdienst GmbH auf den Flugplatz Hohn

mit zwölf FIAT G-91 Düsenjägern einzog, brodelte

es an allen Ecken in und um Hohn. Eine Bürgerinitiative

wurde gegründet und über 400 Unterschriften

gegen die „Krachmacher“ gesammelt.

Nach einer Einladung in das Geschwader und vielen

langen Gesprächen trat wieder Ruhe ein.


Der Auftrag der Firma Condor, jetzt GfD Gesellschaft

für Flugzieldarstellung, ist bis zum heutigen

Tag die Zieldarstellung für die Flugabwehr-

und ELOKA- Ausbildung (Elektronische Kampfausbildung)

der Bundeswehr, vor allem über der

Ostsee, zu fliegen. Allerdings hat man inzwischen

auf die wesentlich leiseren Lear- Jets umgestellt

und ist aus Hohn ebenso wenig wegzudenken wie

das LTG 63

Weltweit im Einsatz

Eine FIAT G-91 der Condor-Flugdienst GmbH beim Schleppen aus der Halle. 12 dieser Maschinen wurden im August 1976 auf dem Flugplatz Hohn stationiert

Anfangs teilten sich die Flugzeuge der neuen

Firma den Hangarplatz mit den Transall des Geschwaders,

aber die so entstandene Raumnot führte

1977 zum Bau einer eigenen Halle mit Werkstätten,

Büros, Lager- und Aufenthaltsräumen.

Im Januar 1978 meldete sich die

Geschwaderzeitung „Brummel“ zum ersten Mal

bei Soldaten und zivilen Mitarbeitern des LTG 63.

Eine zweite Premiere in diesem Jahr war der

erste Flug einer Transall in den Luftraum des damaligen

Warschauer Paktes. Eine C-160 brachte

Hilfsgüter nach Rumänien.

Bei der taktischen Überprüfung (Tac Eval -

Tactical Evaluation) durch die NATO erzielte das

LTG 63 1978 das bis dahin beste Ergebnis im Bereich

des Lufttransportkommandos, der Flugsicherheitspokal

wurde erneut an das LTG 63 verliehen.

23

Bis zum 1. Oktober 1978 entsprach die Gliederung

des Geschwaders der generellen Dreiteilung

der fliegenden Verbände der Luftwaffe, die nach

dem Prinzip der „Zentralen Technik“ arbeiten. Der

Geschwaderkommodore stand mit seinem

Geschwaderstab über den drei Gruppen des Verbandes

der Fliegenden Gruppe, der Technischen

Gruppe und der Fliegerhorstgruppe.

Der 1. Oktober 1978 bedeutete für das Geschwader

einen Wendepunkt und zugleich eine

Zäsur in seiner Geschichte.

Der Auftrag für die Luftwaffe, im Rahmen des

Haushaltstrukturgesetzes, rund 1.000 Planstellen

für Soldaten im Bereich Lufttransport einzusparen,

konnte entweder durch Auflösung eines Geschwaders

oder durch die Neugliederung der Verbände

des Lufttransportkommandos gelöst werden.

Das LTG 63 war das erste der Verbände im Bereich

Lufttransportkommando, das die neue Gliederungsform

einnahm. Hierzu wurden:

- Stab LTG 63 und Stab Fliegende Gruppe

zusammengefasst

- die 1. und 2 fliegende Staffel wurden zu

einer Staffel zusammengefasst und dem

Stab LTG 63 zusammen mit der Geophy-


sikalischen Beratungsstelle unmittelbar unterstellt

- Stab Technische Gruppe und Stab Fliegerhorstgruppe

wurden zum Stab Einsatzunterstützungsgruppe

zusammengefasst

- eine Nachschub- und Transportstaffel

wurde gebildet und die Elektronikstaffel

mit der Instandsetzungsstaffel vereinigt.

Damit war zumindest vorübergehend das Ende

der Drei-Gruppen-Gliederung für das Geschwader

gekommen.

Besatzungen und Flugzeuge aus Hohn beteiligten

sich im Dezember 1978 an der international

organisierten Suche nach dem im Atlantik vermissten

Hapag Llyod-Containerfrachter „München“.

Vom US-Luftstützpunkt Lajes auf den

Azoren aus stiegen sie zu neun- bis zehnstündigen

Suchflügen auf. Aber die Suche musste schließlich

eingestellt werden. Die „München“ war mit der

gesamten Besatzung in einem Orkan gesunken.

Sie wurde bis heute nicht gefunden.

Ebenfalls im Dezember 1978 wurde vom LTG

63 mit den Hohner Transall Flugzeugen die

100.000ste Flugstunde erreicht. Der Kommodore,

Oberst Dr. Beuther lud am 15.12.1978 zu diesem

Flugstundenjubiläum die Vertreter von Presse,

Funk und Fernsehen sowie Angehörige der

Industrieunternehmen, die an der Planung und

dem Bau der Transall beteiligt waren, ein.

Weltweit im Einsatz

Der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt mit seiner Frau Loki Schmidt nach der Landung in Hohn

24

Nicht vorhersehbar war für die Meteorologen die

Schneekatastrophe 1978/1979, die ganz Schleswig-Holstein

in ein Chaos stürzte. Nichts ging

mehr.

Flugbetrieb und Straßenverkehr kamen zum Erliegen.

Katastrophenalarm wurde ausgelöst. Schneefräsen,

die sonst die Landebahn Hohn von Eis und

Schnee befreien sollten, wurden eingesetzt, um

eingeschneite Dörfer und Bauernhöfe zu befreien.

Bis Februar 1979 dauerte die angespannte Lage.

Oberst Hubert Marquitan war vom 01. April

1979 bis zum 30. September 1980 der vierte

Kommodore des LTG 63.

Im März 1979 wurde der 55.555ste Anflug mit

Radarhilfe durch die Hohner

GCA (Ground Controlled Approach)-Controllerdurchgeführt.

Auch bei „dickem“ Wetter

können die Flugzeuge bis

kurz vor dem Aufsetzen an die

Landebahn herangeführt werden.

Im Mai 1979 flog eine

Transall C-160 des LTG 63 zu

einem zweiwöchigen Flug von

Hohn aus nach Kanada und in

die USA. An Bord war die

„Big Band der Bundeswehr“,

die eine Tournee durch die

USA und Kanada antrat.

Unerwartet und für die

Geschwaderführung etwas

überraschend durfte das


LTG 63 am 14. August 1979 nicht gerade alltägliche

Gäste begrüßen. Das französische Kunstflugteam

machte eine Zwischenlandung in Hohn, um

am nächsten Tag nach Schweden weiterzufliegen.

Mit einer „Bravour Formationslandung“ setzten

die jungen Piloten der „Patrouille de France“ ihre

zwölf „Fouga Magister“ auf der Landebahn in

Hohn auf.

Am 29. August 1979 wurde der damalige Bundeskanzler

Helmut Schmidt und seine Frau Loki

Schmidt auf dem Hohner Flugplatz von Oberst

Marquitan begrüßt. Gut gelaunt und offensichtlich

gut erholt traten sie nach Beendigung ihres Urlaubs

den Rückflug vom Flugplatz Hohn in die

Bundeshauptstadt an.

1980

Ein gutes Jahr später, am 19. September 1980,

beehrte der damalige bayrische Ministerpräsident

Franz Josef Strauß während einer Zwischenlandung

das LTG 63. Er war auf dem

Weg zu einer Wahlveranstaltung auf dem

Rendsburger Paradeplatz.

Franz Josef Strauß bei einer Zwischenlandung in Hohn

Weltweit im Einsatz

25

1981

Am 1. Oktober 1980 wurde Oberst Rudi Gutzeit

der fünfte Kommodore des LTG 63. Er

führte das Geschwader bis zum 30. September

1986.

Während seiner Amtsperiode unterstützte das

LTG 63 mehrere Maßnahmen der Völkergemeinschaft

zur Bewältigung von Hungerkatastrophen.

Mit großem personellen und materiellen

Aufwand betrieben die Soldaten mehrere

Lufttransportstützpunkte in der Sahel Zone,

von wo sie die Bevölkerung in Äthiopien und

Sudan über mehrere Monate unter schwierigsten

fliegerischen Bedingungen mit Nahrung,

Kleidung und Gebrauchsgütern versorgten.

Der allgemeine Kostendruck der frühen „Achtziger“

zwang zur Einführung eines neuen Materialerhaltungskonzeptes,

welches nicht nur

die Inspektionsintervalle der Transall veränderte,

sondern auch lebensdauerverlängernde

Maßnahmen im Hinblick auf den Einsatz der

Transall bis zum Jahr 2010 vorsah.

Im November 1980 führten die Hilfsflüge

Hohner Besatzungen in das Erdbebengebiet

nach Algerien und bereits im Dezember 1980

wurde eine Luftbrücke zur Unterstützung in

dem italienischen Erdbebengebiet eingerichtet.

Erneut wurde dem LTG 63 der Flugsicherheitspokal

verliehen.

Am 11. Juni 1981 wurde im Rahmen eines

feierlichen Appells im Plöner Schlossstadion

dem LTG 63 ein „Fahnenband“ für

hervorragenden Einsatz bei Naturkatastrophen

zum Schutz und zur Hilfe für Bürger des

Landes Schleswig-Holstein durch den


1982

1983

Ministerpräsidenten Dr. Gerhard Stoltenberg

verliehen.

Im Oktober 1981 operierten im Rahmen einer

Verlegeübung ca. 300 Angehörige der 175th

Tactical Fighter Group der US-National-Guard

aus Maryland auf dem Flugplatz Hohn, um von

hier Übungsflüge mit der A-10

„Thunderbold II“ zu planen und durchzuführen.

Die 175th Jagdbombereinheit war eine Reserveeinheit

der US Luftwaffe.

Am 15. Dezember 1981 feierte das Lufttransportgeschwader

63 seinen 20. Geburtstag.

Im Juni 1982 schickte das LTG 63 die Transall

50+42 mit Besatzung, Techniker und Verladegruppe

auf die Pope AFB im US-Bundesstaat

North Carolina. Sie nahmen dort am „Volant

Rodeo“ teil, dem wichtigsten Wettbewerb der

amerikanischen Transportflieger. An dem vom

13. bis 19. Juni 1982 ausgetragenen Wettbewerb

beteiligten sich 34 Mannschaften mit 30

Flugzeugen. Den Löwenanteil bildeten US-

Mannschaften mit der C-141 oder der C-130.

Hinzu kam je ein C-130 Team aus Kanada,

England und Italien. Die Disziplinen umfassten

das Absetzen von Lasten und Fallschirmspringern,

technische Wartung, Vorbereitung und

Übernahme von Lasten, Be- und Entladen bei

laufenden Triebwerken.

Die deutsche Mannschaft siegte im Wettkampfteil

Technische Wartung („maintenance“),

nachdem sie sich ein „Kopf-an-Kopf-Rennen“

mit der Wartungscrew einer britischen C-130

„Hercules“ geliefert hatte. Sie nahm zwei Pokale,

einen für den besten Vorflugcheck und einen

für den Gesamtsieger Flugzeugtechnik mit

nach Hause in das LTG 63.

Anfang des Jahres wurde das Lufttransportgeschwader

63 erneut umgegliedert. Es kehrte

teilweise zur alten Gruppenstruktur mit der

Technischen Gruppe und der Fliegerhorstgruppe

zurück. Die fliegende Komponente blieb allerdings

als 1. Lufttransportstaffel weiter dem

Geschwaderstab direkt unterstellt.

Im Rahmen eines AMF-Manövers (Allied Mobile

Forces) nahmen Transall-Besatzungen aus

Hohn in der Zeit vom 28. Mai bis 26. Juni 1983

an dem NATO-Manöver "Adventure Express"

Weltweit im Einsatz

26

1984

in der Osttürkei teil. Das LTG 63 hatte zudem

den Auftrag, in Brindisi (Italien) einen Stützpunkt

zu bilden, um den Transall-Maschinen

eine Zwischenlandung zu ermöglichen. Bei

diesen Zwischenlandungen wurden Besatzungen

gewechselt und Betriebsstoff getankt.

Im August 1983 sorgte eine Demonstration vor

der Hauptwache der Kaserne Krummenort für

Aufsehen. Die Tore blieben geschlossen. Zu

Ausschreitungen kam es glücklicherweise

nicht.

In der Zeit vom 3. Oktober bis zum 7. Oktober

1983 führte das Lufttransportkommando erstmalig

für die deutschen Lufttransportverbände

einen "TCTP-Leistungsvergleich Transall C-

160" (fliegerischer Leistungsvergleich für Lufttransportverbände)

nach dem Muster des amerikanischen

„Volant Rodeo" durch. Austragungsort

dieses „Jumbo-Derby“ genannten

Vergleichs war das LTG 61 in Penzing bei

Landsberg. Teilnehmende Verbände waren die

drei Lufttransportgeschwader 61-63 mit jeweils

einer Transall und zwei Besatzungen.

Ein weiterer „TCTP-Leistungsvergleich Transall

C-160“ des Lufttransportkommandos wurde

vom 21. Mai bis zum 25. Mai 1984 beim

LTG 63 in Hohn durchgeführt. Sieben Mannschaften,

darunter eine amerikanische C-130

Hercules-Besatzung der 435. ATW, beheimatet

in Frankfurt/Main, waren jeweils mit fliegendem

und technischen Personal beteiligt. Erstmalig

war dieser Wettbewerb international besetzt.

Die zweite Mannschaft des LTG 63 ging

aus diesem „Jumbo Derby“ als Sieger hervor.

Die herausragende Arbeit im Bereich der Sicherheit

wurde mit der erneuten Verleihung des

Flugsicherheitspokals belohnt.

Am 2. September 1984 fand in Hohn beim

LTG 63 ein „Tag der offenen Tür“ statt. 50.000

Besucher bestaunten u.a. den „Super Guppy“,

der von der Firma Airbus eingesetzt wurde, um

Flugzeugteile zwischen den europäischen Fertigungsstätten

zu transportieren. Darüber hinaus

waren Transport- und Kampfflugzeuge, Hubschrauber,

Verkehrsflugzeuge sowie Vorführungen

aller Art zu bestaunen. Ein Orchester

der NATO-Verbündeten aus Amerika begleitete

diese Veranstaltung mit schwungvollen

Klängen. Rundflüge rundeten den Tag ab und

zählten zu den Attraktionen der Veranstaltung.


Am 25. Oktober 1984 konnte die Condor Flugdienst

GmbH zahlreiche Gäste aus dem militärischen

und kommunalen

Bereich sowie der Industrie

auf dem Flugplatz

Hohn begrüßen. Anlass

war das Jubiläum „10

Jahre Einsatz der Fiat G-

91“. Mit diesem Flugzeugmuster

konnten in

den vergangenen 10 Jahren

ca. 16.500 Einsätze

geflogen werden. Die

Condor-

Flugzieldarstellung flog

bereits seit 18 Jahren im

Auftrag der Bundeswehr

Zieldarstellung für die

Flugabwehreinheiten des

Heeres, der Marine, der

Luftwaffe und Vermessungseinsätze

für die In-

dustrie.

Vom 4. November 1984 bis 20. Dezember

1985 waren Transall C-160 des LTG 63 für

humanitäre Hilfe in Äthiopien und im Sudan im

Einsatz. Am 31. Oktober 1984 erhielt das Lufttransportkommando

(LTKdo)

den Auftrag, mit

Transall C-160

in Äthiopien die

Versorgung der

Bevölkerung

durch Getreidetransporte

von

den Seehäfen

(u.a. Assab am

Roten Meer) in

das Inland zu

übernehmen und

den Einsatz

schnellstmöglich

zu beginnen. Be-

Weltweit im Einsatz

Unterlagen zur Flugplanung in Äthiopien

reits am 4. November

1984

verlegte das Lufttransportgeschwader 63 zwei

Transall mit Personal und Material nach Äthiopien.

Das Kommando landete am 5. November

1984 in Äthiopien und richtete in Dire Dawa,

auf dem Flugplatz Aba Tenna, einen Lufttransportstützpunkt

ein. Von hier wurden bereits ei-

Verteilung von Hilfsgütern in Almata (Äthiopien)

27

nen Tag später die Versorgungsflüge aufgenommen.

Bis zum 27. November

1984 hatten die beiden

Transall C-160 in 305

Flugstunden rund 850

Tonnen Hilfsgüter in das

äthiopische Bergland

transportiert.

Der Luftwaffenstützpunkt

Dire Dawa (Äthiopien)

war die Einsatzleitzentrale

der Transportflieger von

1984 bis 1985. Mit jeweils

drei Flugzeugen,

drei Besatzungen, Technikern,

Prüfern, Funkwagen,

Arzt und Hilfspersonal

verblieb ein 50köpfiges

Kommando für

jeweils drei bis vier Wochen

in Äthiopien im Einsatz.

Der Verladestützpunkt des Lufttransportkommandos

der Bundeswehr wurde auf dem Flugplatz

"Bole

International",

in Addis Abeba,

der HauptstadtÄthiopiens,

aufgebaut.

Von hier wurden

die Einsätzedurchgeführt,

um die

Menschen in

den Hungergebieten

zu versorgen.

In Almata oder

Lalibella wurden

Hilfsgüter

auf Behelfsflugplätzen,

oft

nur mit 900 m Länge angelandet. Als Landehilfen

dienten oft nur handschriftliche Zeichnungen,

da es keine anderen Unterlagen gab. Oft

durfte Almata nicht angeflogen werden, da

Freiheitskämpfer das Gebiet kontrollierten. Mit

einem speziell entwickelten Absetzverfahren


1985

warfen die Besatzungen in Lemi, Chisa und

Rabel (alle Äthiopien) Lebensmittel im Tiefflug

(fünf bis sechs Meter Flughöhe) auf den

Hochplateaus ab.

Bis Ende 1985 wurden bei 1.874 Einsätzen in

4.934 Flugstunden 16.000 t Hilfsgüter transportiert.

Weitere 3.675 t Hilfsgüter wurden in den

Sudan geflogen.

Am 9. Februar 1985 jährte sich zum 10. Mal

der Tag, an dem eine Transall auf Kreta abgestürzt

war. Der Kommandeur des Lufttransportkommandos,

Generalmajor Marquitan, legte

einen Kranz an der Gedenkstätte nieder. Begleitet

wurde er vom Kommodore Oberst Gutzeit

und einer Geschwaderabordnung des

LTG 63 sowie dem Kommandeur des Fla-

RakRgt 3.

Vom 1. Juni bis 15. Juni 1985 verlegten erneut

zwölf A 10 „Thunderbold II“ und 250 Mann

Personal der 175. Jagdbombergruppe der „Air

National Guard“ des Staates Maryland (USA)

vom Glenn L. Martin Flugplatz bei Baltimore

nach Hohn. Die amerikanische Luftwaffe gab

den unterstellten Staffeln damit die Gelegenheit,

auf Basen außerhalb der Vereinigten Staaten

zu verlegen

und in einem

möglichen Einsatzgebiet

zu

üben.

In der Zeit vom

18. Juni bis 26.

Juli 1985 musste

der fliegerische

Betrieb in

Hohn eingestellt

werden. Die

Startbahn wurde

erneuert. Eine

Spezialfirma

brachte auf

67.000 qm

Startbahn den

neuen Anti-

Rutschbelag auf

und verarbeitete

dabei 820 Tonnen

Split und

200 Tonnen Bin-

Weltweit im Einsatz

Humanitärer Hilfseinsatz für die hungerleidende Bevölkerung im Sudan

28

demittel. „Die Hohner“ verlegten für diese Zeit

nach Jagel zum Marinefliegergeschwader 1.

Hilfsflüge in das Hungergebiet Sudan. Im Frühjahr

1985, brachten Transall C-160 der Lufttransportgeschwader

tausenden von Menschen

lebensrettende Hilfe. Bis zu drei Transall des

LTG 63 waren im Einsatz. In den Lagern litten

Sudanesen und Flüchtlinge aus Somalia und

Äthiopien unter großem Nahrungsmangel, Folgen

der Dürre in der Sahelzone. Als am 31.

August 1985 der Einsatz in Äthiopien unterbrochen

wurde, verlegte die logistische Komponente

von Dire Dawa/ Äthiopien nach

Khartoum und verblieb im Sudan bis zur Beendigung

des Einsatzes.

Khartoum bildete somit den neuen Luftwaffentransportstützpunkt.

Hier wurde ein ähnliches

Lager aufgebaut wie in Dire-Dawa oder später

in Addis-Abeba/ Äthiopien. Dazu gehörte neben

dem fliegerischen Personal und der Einsatzzentrale

auch die technische Komponente

mit Technikern und Prüfern, das Wartungspersonal

und das Ersatzteillager.


Die Flüge führten vom Verladeplatz Karthoum

zu den Wüstenpisten in Geneina, Al Fashir,

Nyala und El Obeid. Die Lebensmittel wurden

ausschließlich durch Anlanden der Transall C-

160 verteilt. Der weitere Transport der Hilfsgüter

erfolgte mit Kamelkarawanen. Mit den 385

Einsätzen, und 1.769 Flugstunden über diesem

Wüstengebiet wurden insgesamt 3.452 Tonnen

Ladung und 1.343 Personen transportiert.

Karte der Einsatzgebiete beim Hilfseinsatz im Sudan

Am 27. September 1985 kam der Bundespräsident

Richard von Weizsäcker zu einem inoffiziellen

Besuch nach Khartoum/Sudan, um sich

im Rahmen eines Mitfluges, zusammen mit

Vertretern der sudanesischen Regierung, vor

Ort über die Hilfseinsätze der deutschen Flieger

und die Situation des Landes Sudan zu informieren.

Mit einer Transall vom Kommando des LTG

63 im Sudan flog der Bundespräsident nach El

Geneina im Westen des Sudan. Dies war der

erste Flug eines Bundespräsidenten mit einer

Transall. Der Bundespräsident, als Schirmherr

der Organisation „Deutsche Welthungerhilfe“,

reiste mit geländegängigen Fahrzeugen 24

Stunden in das Flüchtlingslager Arsanei weiter.

Während des großen Programms, dass er zu absolvieren

hatte, sah er viel Elend, Armut und

eine Unzahl kranker und hungernder Menschen.

Tief beeindruckt vom Geschehen flog er

am nächsten Tag wieder mit einer Transall C-

160 aus Hohn zurück nach Khartoum.

Weltweit im Einsatz

29

Bundespräsident Richard von Weizsäcker auf dem Flug nach El Geneina

mit einer Transall C-160

Etwas mehr als 17 Jahre hat es gedauert, um

die stolze Zahl von 100.000 Radaranflügen zu

erreichen. Diese Zahl setzte sich zusammen aus

Anflügen mittels Rundsicht- und Präzisionsanflugradar.

1968 nahm die Landekontrollstelle

Hohn ihren Betrieb auf. Zuerst geschah dies

aus einem Feldhaus im Süden des Platzes bevor

Anfang 1976 dann in das fertiggestellte Anflugkontrollgebäude

umgezogen werden konnte.

Am 28. November 1985 besuchte Karl-Heinz

Böhm das LTG 63. Im Offizierheim antwortete

er auf Fragen der Rendsburger Spender über

den Stand des Projekts im Erer Tal (Äthiopien).

Böhm nahm die Gelegenheit war, um sich bei

den Bürgern und Soldaten für ihren aktiven

Einsatz gegen den Hunger in Afrika zu bedanken.

Beeindruckt durch Not und Elend in Afrika

hatten sich auch zwei Angehörige des

LTG 63, die Arbeitnehmer Sigurd Wolf und

Ernst-Günter Rottenberg aus der Technischen

Gruppe, vorübergehend beurlauben lassen, um

das Projekt „Menschen für Menschen“ durch

ihre Mithilfe beim Bohren von Brunnen zu unterstützen.


1986

Das LTG 63 bekam den Auftrag im Rahmen

einer AMF-Übung (Allied Mobile Forces) in

Venedig/Tessera auf dem Flugplatz „Marco Polo“

einen Lufttransportstützpunkt mit zu betreiben.

Am 27. Juni 1986 wurde das Mannschaftsheim

in der Kaserne Krummenort nach erfolgter

Modernisierung neu eröffnet.

„Ein neues Geräusch am Rendsburger Himmel“

es landete zum ersten Mal die Traditionsmaschine

der Lufthansa - die Junkers Ju 52 D-

AQUI in Hohn. Im Rahmen ihrer Erprobungsflüge,

die Maschine brauchte

nach ihrer Restaurierung eine

neue Musterzulassung durch das

Luftfahrtbundesamt in Braunschweig,

wurden Anflüge, Starts

und Landungen in Hohn geübt.

Darüber hinaus hatte der Verband

den Wiederaufbau dieser

Maschine mit Ersatzteilen aus

der portugiesischen Ju unterstützt

und wurde als Dank auf

die Sponsorenplakette im Eingangsbereich

der „AQUI“ aufgenommen.

Auf dem Flugplatz Hohn, der

als Endpunkt einer Luftbrücke

der Royal Air Force Übung

(Bold Guard) diente, wurde ein

britischer Lufttransportstützpunkt

errichtet.

Als sechster Kommodore des Geschwaders

führte Oberst Jürgen Reiss vom 1. Oktober

1986 bis zum 31. März 1991 das LTG 63.

Weltweit im Einsatz

30

1987

Seinem Bemühen ist es zu verdanken, dass die

ehemalige „Kaserne Krummenort“ am 9.Mai

1989 in die „Hugo-Junkers-Kaserne“ umgetauft

wurde. Der Wandel in Europa, die Vereinigung

unseres Volkes und der gleichzeitig verlaufende

Golfkrieg prägten Anfang der 90er Jahre

weitestgehend das Auftragsgeschehen des Lufttransportgeschwaders.

Persönliches Engagement

und erfolgreiche Bemühungen von Oberst

Reiss, bereits im Vorfeld des „Mauerfalls“,

freundschaftliche Begegnungen mit Angehörigen

von Transportverbänden der ehemaligen

NVA einzuleiten, machen sein Wirken in jener

Zeit unvergessen.

51+02 mit Jubiläumsanstrich zum 25 jährigen Bestehen des LTG 63

Am 15. Dezember 1986 feierte das LTG 63

seinen 25. Geburtstag. Grund genug, eine

Transall (51+02) mit einem Jubiläumsanstrich

zu versehen.

Am 17. Februar 1987 wurde dem LTG 63

durch den Amtschef Luftwaffenamt, Generalleutnant

Sommerhoff, der „Flugsicherheitspokal

des Inspekteurs der Luftwaffe“ in Silber für

über neun Jahre unfallfreien Flugbetrieb übergeben.

Im Lufttransportkommando wurden die Organisatoren

des fliegerischen Wettbewerbs

„TCTP-Leistungsvergleich Transall C-160“ mit

einem Problem konfrontiert. Der Wettbewerb

brauchte einen neuen Namen. Man einigte sich

auf die Bezeichnung „Jumbo Derby“. Der Namensteil

„Jumbo“ war in den Vorschlägen


1988

mehrfach enthalten. „Derby“ wurde von den

Transporthubschrauberfliegern, die 1986 das

„Copter Derby“ beim HTG 64 durchgeführt

hatten, übernommen. Der unter dem neuen

Namen laufende Wettbewerb fand im LTG 63

in Hohn statt.

Am 23. September 1987 setzte der Kommodore

Oberst Reiss den ersten Spatenstich zum Neubau

einer Luftumschlaghalle auf dem NATO-

Flugplatz Hohn. Die feierliche Übergabe der

Luftumschlaghalle fand drei Jahre später am

22. November 1990 statt.

Am 14. März 1988 nahm das LTG 63 aus der

Hand des Kommandierenden Generals des

Luftwaffenunterstützungskommandos, Generalleutnant

Hertel, den Flugsicherheitspokal in

Gold, für zehn Jahre unfallfreies Fliegen entgegen.

Ein Zeichen für den hohen Sicherheitsstandard,

den der Verband auch bei schwierigen

Einsätzen in Afrika halten konnte.

Zum dritten Mal wurden

im Mai 1988 im

Rahmen der Übung

„Coronet Moat“

ca. 300 amerikanische

Soldaten der 175th

Tactical Fighter

Group mit zwölf

Flugzeugen A-10

„Thunderbold II“ auf

dem Flugplatz Hohn

eingesetzt. Auftrag

dieser Kräfte, die der

„Air National Guard“

von Maryland/USA

angehörten, war es,

das westliche Bündnis

an seiner vordersten

Linie zu stärken. Zwei

Wochen waren sie zu

Gast in Hohn.

Am 27. Juni 1988 landete ein „Airbus“ in

Hohn. Entsprechend groß war natürlich das Interesse

bei den Medien als bekannt wurde, dass

der bis dahin größte „Airbus“, der

„A 300-600 R“, erstmalig in Schleswig-

Holstein, beim LTG 63 landen würde. Die Idee

zu diesem einmaligen Ereignis hatten Dietmar

Plath, PR-Abteilung der Firma MBB in Hamburg-Finkenwerder

und Oberleutnant Jochen

Weltweit im Einsatz

Am 9.Mai 1989 bekam die Krummenorter Kaserne ihren heutigen Namen

31

1989

Leistner, Navigator auf Transall. Beide wussten,

dass ein ehemaliges Mitglied des LTG 63

als Testpilot bei Airbus Industrie in Toulouse

beschäftigt war. Es handelte sich um Karl Nagel,

der als Feldwebel und Luftfahrzeugführer

auf der Noratlas bis 1967 in der 2. Staffel des

LTG 63 flog. Dieser war von der Idee sofort

begeistert und landete den Airbus im Rahmen

einer Überführung von Toulouse nach Finkenwerder

nach einer Flugzeit von zwei Stunden

und zehn Minuten in Hohn.

Am 7. November 1988 war die 47th Squadron

aus Lyneham/Südengland zu Gast beim LTG

63, um mit den „Hohnern“ die Übung „Saxon

Knot“ durchzuführen. Solche gegenseitigen

Besuche im Rahmen von gemeinsamen Übungen

belebten auch die Kontakte innerhalb der

NATO auf persönlicher Ebene. Zu einem Gegenbesuch

der Hohner in Lyneham mit zwei

Transall C-160 und 17 Soldaten kam es am 23.

April 1990.

Ab dem 24. Februar 1989 fand die in zweijährigem

Rhythmus durchgeführte Stabsrahmenübung

„Wintex“ der NATO in Hohn statt, bei

der es keine Truppenbewegungen gab. Rund 70

Soldaten des LTG 63 übten 14 Tage lang im

unterirdischen Geschwader-Gefechtsstand den

Umgang mit der Befehls- und Kommandostruktur

der NATO.


Am 9. Mai 1989 wurde die ehemalige „Kaserne

Krummenort“ in „Hugo-Junkers-Kaserne“ umbenannt.

Hiermit wurde nicht nur dem Bemühen

des Geschwaderkommodores, Oberst

Reiss, Rechnung getragen, sondern auch dem

Flugzeugkonstrukteur und Wegbereiter des

Flugzeugbaus, Hugo Junkers, ein ehrenvolles

Andenken gesetzt. Der Kommandeur des Lufttransportkommandos,

Generalmajor Marquitan,

nahm die Umbenennung in militärisch knapper

feierlicher Form vor.

Hugo Junkers als Professor an der Technischen Hochschule in Aachen von

1897 bis 1912

Zur Feier des Tages überflog am 9. Mai 1989

die „Tante Ju“, der Lufthansa, den Antreteplatz

und bot zudem zahlreichen Gästen eine

Mitfluggelegenheit.

Ebenfalls in 1989 wurden

Hilfsgüter in das Hungergebiet

im Sudan mit

Stützpunkt in

Entebbe/Uganda

geflogen. Die

Soldaten des

LTG 63 hatten

in Afrika

mit Schwierigkeiten

zu

kämpfen,

wie sie bisher

noch nicht

aufgetreten waren.

Dies war

dem Umstand geschuldet,

dass im Sudan

praktisch Krieg

herrschte, der durch einen brü-

Weltweit im Einsatz

32

chigen Waffenstillstand überdeckt wurde. Deshalb

wurden die eingesetzten Transall C-160

weiß gestrichen, zum Teil per Hand vor Ort. In

Uganda oder im Süd-Sudan musste man mit

Beschränkungen der Freizügigkeit rechnen die

unter anderem dadurch zum Ausdruck kamen,

dass die Besatzungen nicht in gewohnten Fliegerkombis

sondern in Zivil ihren Dienst versahen.

Ein wohl einmaliger Fall, dass bei diesen

Einsätzen für das „Rote Kreuz“ und die „Welthungerhilfe“

auf Kosten der Bundeswehr Jeans

und T-Shirts beschafft wurden.

Oberst Reiss konnte am 7. Juni 1989 die für

einen Kommodore ungewöhnliche hohe Zahl

von 10.000 Flugstunden erreichen. Als die Maschine

des Kommodores landete, hatten sich

viele Soldaten und zivile Mitarbeiter des LTG

63 am Rande des Flugfeldes eingefunden, um

ihn zu begrüßen.

Gruppenfoto vom „Airlift Rodeo“ 1989

Vom 5. Juni bis 9. Juni 1989 stand eine Crew

des LTG 63 zusammen mit 38 Mannschaften

aus NATO und anderen Ländern zum dritten

Mal im Wettbewerb um den begehrten

Pokal des „Airlift-

Rodeo“ auf der Pope Air

Force Base in North

Carolina/USA.

Auch dieses Mal

blieb der Erfolg

für das LTG

63 nicht aus,

denn der

Pokal für die

perfekteste

Vorfluginspektion

war

der Lohn aller

Mühen. In der

Gesamtwertung

belegte das LTG 63

einen guten Mittelplatz.


Am 14. Juni 1989 landete

der aus Köln kommende

Ministerpräsident von

Schleswig-Holstein, Björn

Engholm auf dem Flugplatz

in Hohn. Er informierte

sich u.a. über die

Afrika-Einsätze und trug

sich in das Gästebuch des

Geschwaders ein.

„Operieren von Lufttransportstützpunkten

(LTP)“

blieb ein ständiges Thema

für fliegende Verbände und

so auch für das LTG 63. Im

Rahmen der Generalstagung

im September 1989

besaß das LTG 63 erstmals

die Gelegenheit, der Luftwaffenführung

eine Konzeption

zur Bildung eines

LTP vorzulegen. Dieses bereits mehrfach erprobte

Konzept, auch "Iglu-Dorf" genannt, sollte

den Verbandsführern die Voraussetzungen

zum Herstellen einer schnellstmöglichen Führungsfähigkeit

schaffen und gleichsam einen

geordneten Aufwuchs des vorgesehenen Stützpunktes

ermöglichen.

Aufgebautes LTP Konzept

Das "Iglu-Dorf-Konzept“ erlaubte die Bildung

eines Stützpunktes weit ab vom Heimatflugplatz,

mit allen logistischen Komponenten wie

Werkstätten, Führungszellen, Sanitär- und Sanitätseinrichtungen,

sowie Betreuungseinrichtungen.

Hierzu würdigte Generalleutnant Jungkurth,

Inspekteur der Luftwaffe die Tatsache,

dass sich das Lufttransportkommando und im

speziellen das LTG 63 mit diesem LTP-

Konzept ein kostengünstiges, praktikables und

zur Durchführung spezifischer Lufttransportaufträge

ideales Führungsmittel geschaffen habe.

Dieses Iglu-Dorf wurde bereits mit Erfolg in

Entebbe (Uganda) umgesetzt. Eine Anwendung

dieses LTP-Konzepts in anderen Bereichen war

Weltweit im Einsatz

Für die Hilfsflüge im Sudan wurden die „Tralls“ aufgrund der Kriegssituation teilweise in eigenhändiger Arbeit

vor Ort weiß gestrichen. Die Einsätze wurden für das Rote Kreuz und die Welthungerhilfe geflogen.

33

denkbar. Entsprechend der Größenordnung eines

Kommandos wurden die erforderlichen Iglus

in der Transall C-160 mitgeführt und an

dem LTP wie "Bausteine" aneinander gestellt.

LEDA: Diese Abkürzung bedeutete "Lebensdauerverlängerungsmaßnahmen",

die im MBB-

Werk in Lemwerder durchgeführt wurden.

LEDA wurde gemeinsam mit "PUNIB" (Projekt

zur Untersuchung bisher nicht inspizierter

Bereiche) und der Modernisierung der Avionik

unter dem Begriff "Kampfwerterhaltung" zusammengefasst.

Damit sollte die Luftwaffe ihre

Transall-Maschinen, zumindest theoretisch, bis

in das Jahr 2010 einsetzen. Das entsprach dem

Doppelten der anfangs vorausberechneten Einsatzzeit.

Bis Mitte 1988 durchliefen 67 deutsche

Transall das "LEDA"-Programm, welches

die Verstärkung des Tragflächenmittelstücks

zwischen den Triebwerken und dem Flugzeugrumpf

beschrieb. Gemäß Planung sollten die

LEDA-Maßnahmen für die deutschen Transall

C-160 im Jahre 1989 abgeschlossen sein. Der

neu definierte Nutzungszeitraum der Transall

veranlasste bereits während der Vorlaufphase

des Beschlusses zur Sicherstellung der Lebensdauer

und Einsatzfähigkeit der Transall einige

Techniker, mit Humor kritisch in die Zukunft

zu sehen.


1990

Anfang des Jahres mischten sich zwei weiße

„Learjets“ unter die getarnte Fiat G-91 Flotte

der Condor Flugzieldarstellung, mit dem Ziel,

die überalterten Fiat G-91 bis 1993 abzulösen.

Diese Business-Jets, die von der GFD (Gesellschaft

für Flugzieldarstellung, ein Zusammenschluss

der Condor mit dem Aero-Dienst aus

Nürnberg) betrieben wurden, hatten weiterhin

den Auftrag Zieldarstellungsflüge für die Bundeswehr

durchzuführen. Um dieser Aufgabe

gerecht zu werden, wurden die Flugzeuge mit

der entsprechenden Ausrüstung, je zwei

Schleppzielwinden unter den Tragflächen, so-

Die Iglu Dorf Container können innerhalb kürzester Zeit verladen werden

wie einer verstärkten Cockpitscheibe, versehen.

Am 7. März 1990 wurde der Flugsicherheitspokal

in Silber an das LTG 63 durch Generalmajor

Marquitan, Kommandeur des Lufttransportkommandos,

im Auftrag des Inspekteurs

der Luftwaffe bei einem Appell auf dem Flugplatz

Hohn übergeben.

Am 30. April 1990 kamen Besucher aus der

DDR nach Hohn, um sich über Auftrag und

Organisation des Verbandes, im Hinblick auf

eine spätere Kooperation, zu informieren.

Wiederum einem brisanten Unternehmen mit

ähnlichen Vorzeichen wie 1989 im Sudan stand

das LTG 63 in Liberia gegenüber. In diesem afrikanischen

Land herrschte Bürgerkrieg und

versetzte das Land in Angst und Schrecken.

Weltweit im Einsatz

34

Vom Nachbarstaat Sierra Leone aus sollte die

Evakuierung deutscher Staatbürger und Mitarbeiter

einer Minengesellschaft auf diplomatischer

Ebene organisiert und zu einem guten

Verlauf geführt werden. Nach drei Tagen Absprachen

und Verhandlungen lag die Flugfreigabe

vor. Am 12. Juni 1990 setzte die Transall

C-160 des LTG 63 auf dem provisorisch vorbereiteten

und von schweren Waffen gesicherten

Flugfeld der „Bong-Mine“ auf. Bevor das

Flugzeug seine Passagiere an Bord nehmen

durfte, wurde es gründlich nach Waffen durchsucht.

Noch heute bietet dieses Unternehmen

immer noch Gesprächsstoff, wurde die Landung

doch auf einer Piste durchgeführt, die als

bananenförmig nicht dem

gewohnten Standard entsprach.

Ein großes Erdbeben

im Iran mit Epizentrum

Rasht am Kaspischen Meer

erschütterte das Land am 21.

Juni 1990. Laufend gab es

mehrere Nachbeben, insgesamt

wurden über 360 registriert.

50.000 Menschen starben

unter den Trümmern

zusammenstürzender Gebäude,

über 100.000 Menschen

wurden obdachlos. In den

Laderäumen der Maschinen

des LTG 63, die für diese

Hilfsflüge eingesetzt wurden,

befanden sich Hilfsgüter wie

z.B. Lastkraftwagen, ein

komplettes Feldlazarett und

zwei als „OP“ einsetzbare Unimogs, sowie verschiedene

medizinische Geräte. Diese Güter

konnten jedoch nicht auf direktem Wege in das

Erdbebengebiet transportiert werden. Zwar gab

es Landemöglichkeiten, diese wurden aber den

ausländischen Flugzeugen verwehrt. Somit flogen

die Maschinen des LTG 63 den Flughafen

der Hauptstadt Teheran an, für den eine Landeerlaubnis

vorlag und die weitere Hilfe koordiniert

wurde.

Am 10. Juli 1990 landete Juan Carlos, der König

von Spanien, auf dem NATO Flugplatz

Hohn. Ein Ehrenspalier wurde durch die Luftwaffensicherungsstaffel

Hohn gestellt. Der

Kommodore, Oberst Jürgen Reiss, begrüßte

den Monarchen auf dem Flugfeld und nach ein

paar Begrüßungsworten bestieg der König eine


ereitgestellte Limousine. Mit ihr fuhr er nach

Glücksburg, wo er als aktiver Segler an der

Weltmeisterschaft der „¾ Tonner“ teilnahm.

Vom 10. Juli bis 12. Juli 1990 (noch vor der

Weltweit im Einsatz

Erneut sind die weißen „Tralls“ im Juni 1990 bei der Evakuierung von deutschen Staatsbürgern aus Liberien im Einsatz

Einheit Deutschlands) kam es zu einem ersten

Besuch einer Delegation Transportflieger der

Nationalen Volksarmee. Sie gehörte der Transportstaffel

24 in Dresden-Klotsche an. Für die

Anreise von Dresden nach Hohn mit einer Antonow

26, einem Muster sowjetischer Bauart,

konnte noch keine Genehmigung erteilt werden.

So schafften die Transportflieger die Entfernung

mit einem aus der Trabbi-Fabrikation

in Zwickau stammenden 42 PS starken Barkas

1000 Mannschaftsbus in einer Fahrzeit von 9

Stunden. Dieser Besuch war ein bedeutender

Schritt in die Zukunft. Die ersten Kontakte

wurden geknüpft und am 12. Juli 1990 starteten

Soldaten des LTG 63 gemeinsam mit den Fliegeroffizieren

der NVA in einer Transall zu einem

Rundflug über Schleswig-Holstein. Zu

ersten Kontakten zwischen Flugzeugbesatzungen

aus Hohn und Dresden kam es bereits im

Herbst 1984. Sowohl die Luftwaffe als auch die

NVA flogen damals Hilfsgüter in das vom

Hunger geplagte Äthiopien, die LTG-

35

Besatzungen mit einer Transall, die Soldaten

der NVA mit einer zweimotorigen Antonow 26

Turboprop-Maschine.

Für Minister Rainer Eppelmann war der Flugplatz

in Hohn nur eine

Umsteigestation auf seinem

Weg zum Verteidigungsminister

Dr. Gerhard

Stoltenberg, der

seinen „Ministerkollegen“

für Verteidigung und Abrüstung

aus der DDR Anfang

August 1990 zu

wichtigen Sondierungsgesprächen

erwartete. Geschwaderkommodore

Oberst Reiss empfing den

Gast auf dem Abstellplatz

der TU-134 A und

wünschte ihm neben einem

angenehmen Aufenthalt

in Schleswig-

Holstein einen guten Ver-

lauf der Gespräche im

Hinblick auf die bevorstehende

Wiedervereinigung und der sich daraus

ergebenen Berührungspunkte zwischen der

NVA und der Bundeswehr.

Am 15. Oktober 1990 erfolgte die erste Landung

einer Bundeswehr Antonow 26 auf dem

NATO Flugplatz Hohn. Es war der zweite Besuch

einer Delegation der Transportstaffel 24

aus Dresden beim LTG 63. Erstmals kamen sie

mit eigener Transportmaschine geflogen, mit

Balkenkreuz und der für die Bundeswehr üblichen

Kennung am ehemaligen Flugzeug der

DDR. Die „Flieger“ aus Dresden trugen jetzt

Rangabzeichen der Bundesluftwaffe und wurden

mit „ihren“ Flugzeugen in das Lufttransportgeschwader

65 in Neubrandenburg integriert,

dass bis 1992 bestand.

Seit dem 1. November 1990 flogen Transall C-

160 im Routinedienst Transporteinsätze für die

U.S. Air Force innerhalb Europas, die mit ihren

logistischen Kräften in der Versorgung eigener

Truppen im ersten Golf-Krieg gebunden waren.


Weltweit im Einsatz

Die Delegation aus Dresden mit einer Abordnung des LTG 63 vor dem Rathaus Rendsburg mit Bürgermeister

Rolf Teucher

Von Oktober 1990 bis März 1991 fanden weitere

Unterstützungsflüge im Zuge des Golf-

Krieges statt. Die Kriegshandlungen am Golf

wurden weiterhin fortgeführt und für eine vielfach

gewünschte Waffenruhe zwischen den alliierten

Truppen und der Irakischen Führung

gab es noch keine Anzeichen. Das Lufttransportkommando

mit seinen Geschwadern war

zwar an diesem Konflikt nicht unmittelbar beteiligt,

wurde aber im Rahmen der Versorgung

der Jagdbombergeschwader im türkischen Erhac

mit erheblichem personellem und materiellem

Aufwand belastet. Die Geschwader wurden

fest in die logistische Versorgung der „Außenposten“

an der südöstlichen Flanke der NATO

Die erste AN-26 landete am 15. Oktober 1990 in Hohn

36

eingebunden. Auch das Lufttransportgeschwader

63 konnte

sich in diesen Tagen nicht über

mangelnde Einsatzaufträge beklagen.

Am 22. November 1990

fand die Übergabe der Luftumschlaghalle

statt. Dem LTG 63

stand somit eine der modernsten

Anlagen zur Abfertigung von

Luftfracht in Deutschland zur

Verfügung. Damit endete ein

Kapitel langjähriger Improvisation

bei der Vorbereitung von Gütern

zum Weitertransport mit Transportflugzeugen

der Luftwaffe. Durch Einbeziehung

modernster Techniken aus den Bereichen der

Lagerhausverwaltung, dort verwendeter

Elevatorsysteme und Gebäudeleittechniken,

entstand eine für den Gütertransport der Luftwaffe

völlig neu entwickelte Anlage. Mit ihr

konnte die vorgesehene Luftfracht nicht nur

gewogen und deren Schwerpunkt bestimmt

werden, sondern auch durch die Anordnung des

Regalsystems sortiert, gelagert und vollautomatisch

entnommen werden. Entworfen hat die

Anlage Hauptmann Wilfried Kurth, der für die

Anlage verantwortliche Bauingenieur war Karl-

Heinz Kletke vom Landesbauamt Schleswig.


1991

Am 18. Dezember 1990 flogen

Besatzungen aus Hohn

im Rahmen der „Hungerhilfe

für Russland“ in die UdSSR.

Der Flug führte nach einer

Zwischenlandung in Moskau,

wo das Flugzeug betankt

wurde und man den Zollformalitäten

nachkam, weiter

nach Ivanovo. An Bord dieser

Flüge waren auch Besatzungsmitglieder

der Transportstaffel

24 Dresden-

Klotsche, die als Navigations-

und Begleitoffiziere eingesetzt

wurden. Ihre Kenntnisse

der russischen Sprache

waren von großer Bedeutung.

Auf der Flugstrecke Moskau

Ivanovo Moskau wurde

die Besatzung zusätzlich von

einem Navigator der Aeroflot verstärkt, da auf

diesem Teilstück nur russisch gesprochen wurde.

In den folgenden Jahren, mit dem Zusammenbruch

der UdSSR, hatten sich die Russlandflüge

verstärkt. Omsk und Ivanovo waren

Ziele, um der notleidenden Bevölkerung Hilfe

zu leisten. In Omsk wurde eine komplette Bäckereieinrichtung

angelandet, während in Ivanovo

medizinische Geräte und Medikamente

für ein Kinderkrankenhaus zu den Ladegütern

der Russlandhilfe gehörten.

Oberst Joachim Mörsdorf wurde am 1. April

1991 der siebte Geschwaderkommodore des

LTG 63 und blieb dies bis zum 1. Oktober

1993.

Weltweit im Einsatz

Im Luftumschlagzug wird die Fracht transportsicher auf Paletten verzurrt

37

Die „Kurdenhilfe“, eine Luftbrücke quer durch

Europa in den Osten der Türkei, bei der tausenden

Menschen schnell und wirkungsvoll geholfen

wurde, fällt in die Amtsperiode von Oberst

Joachim Mörsdorf. Mit Abschluss dieser bislang

größten Hilfsaktion der Bundeswehr,

beging das LTG 63 am 14. September 1991

sein 30ähriges Jubiläum mit einem „Tag der offenen

Tür“. Bereits während dieser Feierlichkeiten

wurde vom Balkan, dem nächsten Einsatzgebiet,

gesprochen. Seit dem 4. Juli 1992

beteiligen sich deutsche Transportflieger an der

Versorgungsbrücke von Zagreb nach Sarajevo,

die erst Anfang 1996 enden wird. Über Weihnachten

und zum Jahreswechsel 1992/1993

wurden von einem Lufttransportstützpunkt in

Mombasa/Kenia wiederum Hilfsflüge in den

Süden des Sudan unternommen.


Kaum waren die Einsätze in der Golf-Region

im April 1991 beendet, begannen die Hilfsflüge

zu den kurdischen Flüchtlingen in der Türkei

und im Iran. In Batman,

im Osten der

Türkei, entwickelte

sich im Zuge der Kurdenhilfe

binnen kurzer

Zeit eine Kleinstadt

aus Containern und

Zelten, das „Iglu-

Dorf“. Im Rahmen einer

Luftbrücke zur

Versorgung der

Flüchtlinge wurden in

einem Zeitraum von

über zwei Monaten

Hilfsgüter wie Kleidung,

Zelte und Lebensmittel

mit der

Transall C-160 in

Batman angelandet.

Hier wurden die Güter

auf die CH-53 Hubschrauber

und Lastkraftwagen

umgeladen

und in die ostwärts gelegenen Flüchtlingslager

verteilt. Nach Aktivierung der Luftbrücke nach

Batman mussten die Routineflüge innerhalb der

Bundesrepublik Deutschland und zu den europäischen

Dienststellen reduziert und teilweise

völlig eingestellt werden. Mit diesem an Personal-

und Materialaufwand bis dahin unübertroffenen

Einsatzunternehmen stießen die Lufttransportgeschwader

an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit.

Die Flugroute führte von

Deutschland aus über Österreich, Jugoslawien,

Griechenland in die Türkei nach Batman,

Weltweit im Einsatz

Eines von insgesamt 8 Canberra Flugzeugen des 360th Squadron der Royal Air Force bei ihrem Aufenthalt in Hohn

im April 1991

Anlässlich des 30 jährigen Geschwaderjubiläums bekamen einige Tralls eine Sonderbemalung

38

Diyarbakir oder in den Iran nach Bakhtaran.

Im Zeitraum 19. April 1991 bis 26. April 1991

war der NATO Flugplatz Hohn für die 360th

Squadron der Royal Air Force aus Wytondas

neue zu Hause. Sie nahm an der NATO Übung

„Elder Joust 1991“, über der Nordsee, mit acht

Canberra-Flugzeugen und 100 Soldaten teil.

Am 1. Mai 1991 verlegte das Verteidigungskreiskommando

(VKK) 112 zum LTG 63 in die

Hugo Junkers Kaserne. Das VKK war eine

Dienststelle des Territorialheeres, die nationale

militärische Aufgaben übernahm. Es unterstand

unmittelbar dem Territorialkommando Schleswig-Holstein.

Zum „Tag der offenen Tür, 30 Jahre LTG 63",

pilgerten 20.000 Besucher am

14. September 1991 auf den

NATO Flugplatz Hohn. Schirmherr

dieser Geburtstagsfeier war

Dr. Gerhard Stoltenberg

UNO-Einsätze Golf (Bahrain/Irak)

Nach der Beendigung

der kriegerischen Auseinandersetzungen

zwischen dem Irak

und Truppen der Vereinten Nationen

im Golf-Konflikt traten ab

Mitte 1991 Maßnahmen zur Erfüllung

der Waffenstillstandsbedingungen

in Kraft. Durch die

UN-Resolution 687 wurde u.a.


die Offenlegung und Zerstörung irakischer

Massenvernichtungsmittel erwirkt. Die zur

Überwachung dieser Resolution gebildete Sonderkommission

United Nations Special

Commission hatte den Auftrag, irakische

Massenvernichtungswaffen sowie die dafür

vorhandenen Produktionsstätten

aufzufinden und deren Zerstörung

einzuleiten und

zu kontrollieren. Um

den UN-

Inspektoren bei

der Erfüllung

ihres Auftrages

im Irak

die notwendigeBewegungsfreiheit

zu geben,

forderte die

UN Lufttransportunterstützung

an, wobei diese Unterstützung

durch Länder

erfolgen sollte, die nicht aktiv

am Golfkrieg beteiligt waren. Diesem

Auftrag entsprach die Bundesrepublik

Deutschland und stellte neben drei Hubschraubern

(CH-53) zwei Transportflugzeuge Transall

C-160 mit Besatzungen und Technikern zur

Verfügung. Für die Besatzungen

des Lufttransportkommandos

war dies

nicht der erste

Einsatz unter

Federführung

der UN.

Doch im

Gegensatz

zu früheren,hauptsächlich

humanitären

UN-Einsätzen

erhielten die

deutschen Besatzungen

für diesen Einsatz offiziellen

UN-Status. Die Flugzeuge

wurden weiß lackiert und mit blauer

UN-Kennzeichnung versehen. Damit begannen

erstmals in der Geschichte der Bundeswehr

großangelegte Unterstützungseinsätze für die

Vereinten Nationen in Fremdländern. Zuvor

Weltweit im Einsatz

39

noch mit gewohntem Tarnanstrich im Rahmen

der Kurdenhilfe in der Türkei eingesetzt, verließ

die erste Transall C-160 mit dieser neuen

UN-Lackierung am 29. Oktober 1991 Hohn,

um den Einsatz in Bahrain mit dieser Maschine

anzutreten. Dort wurde das Transall-

Kommando in der Hauptstadt Manama

stationiert, um von

dort aus den Flugbetrieb

aufzunehmen. Der

Auftrag stellte sich

im Einzelnen wie

folgt dar: auf

Weisung der

UNO unterstützten

die

deutschen

Transportflieger

das

international

besetzte UN-

Inspektorenteam,

das die UN-

Resolutionen zwischen

den Alliierten und dem Irak

auf Einhaltung überprüfte, durch kurzfristige

Personal- und Materialtransporte von

Manama, Sitz der UNO-Zentrale, nach Habbaniyah

und zurück. D.h. Transport von UN-

Beauftragten, Transport des von der Bundesrepublik

und anderen Staaten

zur Verfügung gestellten

Materials zur

Waffenvernichtung,Transport

von

Proben

chemischerKampfmittel

zur

weiteren

Untersuchung,RücktransportkuwaitischenEigentums

im Rahmen der

UN-Resolution 687 nach Kuwait-City,

Transport der im Irak stationierten

„Blauhelme“ im Rahmen des Personalaustausches,

Transport der in Bagdad stationierten

deutschen Heerestransportflieger (CH-


1992

53G) sowie deren Versorgung mit Material und

Personal.

Am 29. Januar 1992 startete eine Besatzung des

LTG 63, um die Familienministerin Hannelore

Rönsch und ca. fünf Tonnen Hilfsgüter von

Köln aus nach Moskau und St. Petersburg zu

fliegen. Im Auftrag der Bundesregierung wollte

sich die Ministerin ein Bild über die Verteilung

und den Verbleib der deutschen und EG-

Hilfslieferungen machen. Besonderes Interesse

zeigte Ministerin Rönsch für die Versorgungslage

von Kindern und alten Menschen in der

ehemaligen Sowjetunion. Es war die erste Landung

einer Transall C-160 im ehemaligen Leningrad.

Am 18. Februar 1992 starteten zwei Transall C-

160 des LTG 63 mit 20 Tonnen Hilfsgüter an

Bord von

Hohn nach

Königsberg.

Im Laderaumbefanden

sich chirurgisches

Gerät, Sanitätsmaterial

und Nahrungsmittel,

die ausschließlich

für Kinderkrankenhäuser

der Stadt

vorgesehen

waren. Der

Flugplatz

Kaliningrad/

Krabrovo

wurde erstmalsange-

flogen. Um

Verständigungsproblemen

vorzubeugen, befanden sich

bereits ab Hohn russisch sprechende Navigatoren

der ehemaligen NVA mit an Bord der

Transall C-160.

Nahezu zeitgleich, am 19. Februar 1992, flog

eine Transall des LTG 63 von Hohn nach Madras/Indien.

Sie brachte chirurgisches und medizinisches

Behandlungsgerät aus den ehemali-

Weltweit im Einsatz

Transall C-160 offen auf der Platte beim Hilfseinsatz im Schutz der UNO Hilfe für die notleidende Bevölkerung

40

gen NVA-Beständen für ein Krankenhaus in

Trichur, an der Ostküste Indiens, nahe der Stadt

Madras.

Im Juni 1992 begann ein neues Kapitel der

deutschen Transportfliegerei: das Fliegen unter

direkter Bedrohung. Anfang der 90er Jahre hatte

der lange, blutige Zerfall Jugoslawiens begonnen.

Die ersten Hilfsflüge in die von bosnisch-serbischen

Truppen eingeschlossene bosnische

Hauptstadt Sarajevo hatten gezeigt, dass

das Risiko beschossen zu werden, hoch war.

Deswegen rüstete man im Cockpit und im Bereich

des Ladungsmeisters „Kevlar-Matten“

nach und versuchte so die Besatzung vor direktem

Beschuss zu schützen. Radarwarnempfänger

in Verbindung mit einer Selbstschutzanlage

sollten für weitere Sicherheit sorgen. Dazu

musste die Besatzung beim Einflug in den

ehemaligen jugoslawischen Luftraum Splitterschutzwesten

tragen. Die erste umgerüstete

Maschine stand erst am 5. Oktober 1992 für

den Einsatz bereit. Die erste deutsche Transall

C-160 war bereits am 5. Juni 1992 in Sarajevo

gelandet. Am 4. Juli 1992 startete die erste

Transall des LTG 63 von Hohn aus, um von

Zagreb/Kroatien Nahrungsmittel und Medikamente

in die eingeschlossene Stadt zu fliegen.

An dieser internationalen Luftbrücke unter


Führung der UNO beteiligten sich auch die

Luftwaffen Großbritanniens, Italiens, Kanadas

und Norwegens. Der UN-Hilfseinsatz bestand

aus mehreren sich überlappenden Flugabschnitten.

Im ersten Teil führte die Route um die

Sicherheit der Flugzeugbesatzungen optimal zu

gewährleisten von Zagreb über Rijeka die

Adriaküste entlang über Split zur Grenze des

kroatischen Hoheitsgebietes. Dieser Abschnitt

wurde unter „friedensmäßigen Bedingungen“

durchgeführt. Der zweite Teil des Fluges begann

etwa über Split mit dem Anziehen der

Splitterschutzwesten. Nach dem Überflug der

kroatischen Grenze war die Route „Flugsicherungsseitig“

nicht mehr zu kontrollieren. Von

Split aus flog man auf dem kürzesten Wege

durch das bosnische Gebiet bis Sarajevo. Um

den Bodenwaffen zu entgehen, wurde

erst kurz vor dem Platz Sarajevo

die Flughöhe verlassen,

um im steilen Sinkflug

zu landen („Sarajevo

Approach“). Trotz-

Trotzdem geriet

am 25. August

1992 eine

Transall aus

Hohn beim

Start unter Beschuss.

Eine italienischeTransportmaschine

wurde bei der Landung

abgeschossen.

Daraufhin ruhten die

Transportflüge bis zum 9. Oktober

1992. Der Generalinspekteur

der Bundeswehr, General Klaus Naumann, erteilte

an diesem Tag die Genehmigung zur

Wiederaufnahme der Hilfsflüge in die bosnische

Hauptstadt Sarajevo.

Am 29. Juli 1992 besuchte der Generalinspekteur

der Bundeswehr, General Klaus Naumann,

das LTG 63, um sich über die Lageentwicklung

des UN-Hilfseinsatzes nach Sarajevo zu informieren.

Trotz dieser hohen Einsatzdichte gab es auch

erfreuliche Momente im LTG. Am 29. Juli

1992 gastierte Genesis in Kiel und die Band um

Phil Collins landete in Hohn und trug sich in

das Gästebuch des Geschwaders ein.

Am 21. August 1992 wurden aufgrund einer

Entscheidung der Bundesregierung Hilfs- und

Weltweit im Einsatz

41

Versorgungsflüge für Somalia gestartet. Von

einem, durch das LTG 61 aus Landsberg, eingerichteten

Lufttransportstützpunkt in Mombasa/Kenia

wurden im Rahmen von UN-

Einsätzen Hilfsgüter zur Lebensmittel- und

Medikamentenversorgung in das vom Bürgerkrieg

heimgesuchte Somalia geflogen. Am 5.

Oktober 1992 flog der Geschwaderkommodore

des LTG 63, Oberst Joachim Mörsdorf, selbst

nach Mombasa, um sich vor Ort über die Bedingungen

und die Zusammenarbeit mit den

eingesetzten Hilfsorganisationen zu informieren.

Drei Tage später, am 8. Oktober 1992 folgte

das Hauptkommando mit Flugzeugbesatzungen

und Technikern des LTG 63 zur Übernahme

des Lufttransportstützpunktes.

Von Mombasa aus

wurden Flugplätze

und

Abwurfzonen

in Somalia

direkt angeflogen.

Die Einsätze führten

u.a. nach Bardera, Baidoa und Kismayu, wo die

Besatzungen zum Teil auf Sandpisten, die direkt

an den sogenannten „Food Stations“ lagen,

landeten. Sie flogen aber auch Mogadischu direkt

an. Wo keine Möglichkeit bestand, mit der

Transall zu landen, wurde im „Afrikaverfahren“

gedropt. Die Lebensmittel wurden in

Mombasa/Kenia auf Holzpaletten verpackt und

im Tiefsflug (fünf bis sechs Meter) abgeworfen.

Der Einsatz dauerte sieben Monate und

endete am 21. März 1993, als der übereilte

Rückzug der USA diesen UN-Einsatz in Somalia

beendete. In diesen sieben Monaten hatten

die Transall 655 Flüge durchgeführt und dabei

5.987 Tonnen Hilfsgüter befördert.


Am 24. August 1992 wurde der Generalleutnant

Jörg-Hans Kuebart, Inspekteur der Luftwaffe,

im LTG 63 begrüßt. Er informierte sich

vor dem Hintergrund der risikoreichen Hilfsflüge

in Sarajevo über die Einsatzbedingungen

und deren Begleitumstände.

Am 25. August 1992 wurde erneut eine

Transall C-160 des LTG 63 bei einem Start in

Sarajevo mit Handfeuerwaffen beschossen.

Unter dem Motto

„Lufttransport 2000“

stellten sich am 5.

September 1992 die

Geschwader des Lufttransportkommandos

der Öffentlichkeit in

Hohn vor. Zu dieser

Veranstaltung kamen

30.000 Besucher. Das

Abwerfen von Lasten

aus niedriger Höhe

nach dem Vorbild afrikanischerHilfseinsätze

oder das Absetzen

von Gütern mit

großen Lastenfallschirmen

waren einige

Programmpunkte der

fliegerischen Vorführungen.Beladevorführungen

und technische

Funktionsprüfungen an

der Transall C-160 sowie Ausstellungen von

Sonderfahrzeugen und Rettungsgeräten sollten

die Arbeiten des Bodenpersonals veranschaulichen.

Bei seinem ersten Besuch beim LTG 63, am

7. Dezember 1992, überzeugte sich der Bundesverteidigungsminister

Volker Rühe von der

Einsatzbereitschaft des Geschwaders und gewann

wertvolle Eindrücke über die Aufgaben

bei den Hilfsflügen in Sarajevo und Somalia.

1993

Vom 13. Januar auf den 14. Januar 1993 tobte

auf dem NATO Flugplatz Hohn der Orkan

„Verena“, der bisher stärkste gemessene Sturm.

Gegen 23:50 Uhr wurden Windgeschwindigkeiten

von bis zu 77 Knoten, das entspricht ca.

140 km/h, vom Windmessgerät angezeigt. Auf

dem Flugplatzgelände wurden Gebäude und

Anlagen in Mitleidenschaft gezogen. Abgeris-

Weltweit im Einsatz

Bei Sturm werden die Maschinen in Hauptwindrichtung gedreht und verzurrt um größere Schäden zu vermeiden

42

sene und aufgeklappte Dächer an Hallen und

Wachgebäuden, sowie abgebrochene Zäune um

die Funkanlagen ließen die Schadenshöhe auf,

von der Bauleitung geschätzte, 300.000 DM

ansteigen. Der Sturm, der auf die großen Angriffsflächen

der Transall wirkte, spannte die

Verzurrketten und verrückte die Flugzeuge,

ohne jedoch größere Schäden an den „Tralls“

zu hinterlassen.

Am 28. Januar 1993 endete, nach 26 Jahren,

mit einem Überführungsflug vom NATO Flugplatz

Hohn nach Uetersen/Appen, in das dortige

Luftwaffenmuseum, das letzte Kapitel der

aktiven Nutzung des italienischen Erdkampfflugzeuges

Fiat G-91 durch die Bundeswehr.

Am 1. März 1993 landete eine KSZE-

Delegation (Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit

in Europa) unter polnischer Leitung

in Hohn, um militärische Einrichtungen

der Bundeswehr auf Einhaltung des KSZE-

Vertrages zu überprüfen.

Am 19. März 1993 wurde die 4. Kompanie des

Fernmelderegimentes 11 aufgelöst. Sie war

zwölf Jahre und fünf Monate als selbstständige

Einheit in der Kaserne des LTG 63 beheimatet.

Mit der Fortsetzung des Bürgerkrieges im ehemaligen

Jugoslawien wurde die Eigenversorgung

der Bevölkerung zunehmend schwieriger.

Ortschaften und Regionen Ost-Bosniens befanden

sich im Belagerungszustand und waren für


die Hilfslieferungen der UN-Bodentruppen

nicht erreichbar. Es herrschte unbeschreibliche

Not, ein Überleben der eingeschlossenen Menschen

war nur noch mit Hilfe flugzeugunterstützter

Versorgung möglich. Anfänglich flog

nur die amerikanische Luftwaffe in diese Gebiete,

um Lebensmittel und Medikamente aus

größeren Höhen mit dem Fallschirm abzusetzen.

Seit dem 29. März 1993 beteiligte sich

auch die deutsche Luftwaffe mit ihren Transportgeschwadern

an diesen „High-Level-Drop“

Einsätzen, im Verbund mit der amerikanischen

und französischen Luftwaffe. Um diesen

Auftrag erfüllen zu können, befand sich jeweils

ein Kommando des LTG 63 auf der Rhein-

Main Air Base, dem militärischen Teil des

Frankfurter Flughafens. Von dort aus wurden

die Einsätze nach Ost-Bosnien geflogen, wo in

Die Eingliederung von 24 Bell UH-1D ins LTG 63 startete im Juni 1993

einer Höhe von ca. 16.000 Fuß aus abgedunkelten

Transall C-160 Versorgungsgüter im Lastendrop

abgesetzt wurden.

Die Verleihung des „Flugsicherheitspokals in

Gold“ an das LTG 63 für unfallfreies Fliegen

ist das Produkt eines erfolgreichen

Zusammenwirkens aller Mitarbeiter des

Fliegenden Verbandes in Bezug auf

Flugsicherheit. Diese Auszeichnung wurde

durch den Kommandierenden General,

Generalleutnant Gerhard John vorgenommen.

Weltweit im Einsatz

43

Seit dem 1. April 1993 existierte das LTG 63

wieder in der klassischen Gliederungsform eines

fliegenden Verbandes mit der Dreiteilung

in eine Fliegende Gruppe, eine Technischen

Gruppe und eine Fliegerhorstgruppe. Diese

Gliederungsform war aus den Jahren bis 1978

bekannt. Erster Kommandeur war Oberstleutnant

Daniel, der spätere Kommodore des LTG

61 und Kommandeur der Flugbereitschaft

BMVg.

Im Zuge der strukturellen Veränderungen wurde

ab Herbst 1992 Schritt für Schritt die Seefliegerstaffel

des Hubschraubertransportgeschwaders

64 aus Ahlhorn mit dem dazugehörigen

Personal und Material, sowie die zum Betrieb

der Hubschrauber erforderliche technische

Komponente in das Lufttransportgeschwader

63 eingegliedert. Im Juni 1993 wurde die Wartungshalle

West

für den technischen

Betrieb

der Hubschrauber-komponente

umgerüstet. Mit

Abschluss der

Eingliederung

im Jahre 1994

standen dem

Geschwader 24

Hubschrauber

vom Typ BELL

UH-1D zur Erfüllung

der Aufgaben

des allgemeinen

und

militärischen

Lufttransportes

sowie für besondere

Einsätze im

Rahmen von Hilfsmissionen bei Natur- oder

Umweltkatastrophen und des SAR-Dienstes

(Search And Rescue) der Bundeswehr zur Verfügung.

Die Hubschrauber und ihre Besatzungen

wurden über mehrere Tage zu SAR-

Kommandos oder SAR-Rettungszentren abgestellt,

um von dort aus über die Leitstellen ihre

Einsatzbefehle zu erhalten. Am 10. Mai 1993

übernahm das LTG 63 den Flugdienst für das

Rettungszentrum Hamburg. Die dadurch anstehenden

Aufgaben wurden durch die neue Hubschrauberkomponente

wahrgenommen. Am 17.

Mai 1993 folgte dann die Übernahme des Ret-


tungszentrums Schwerin/Mecklenburg-

Vorpommern durch das LTG 63. Für den Einsatz

bei einem Rettungszentrum wurde der örtlichen

zivilen Rettungsleitstelle (häufig betrieben

durch die Feuerwehr oder dem „Roten

Kreuz“) ein Hubschrauber

mit Besatzung

zur Verfügung

gestellt. Einsatzort

war ein Krankenhaus,

um den diensthabenden

Notarzt jederzeit

verzugslos

mit den von ihm zur

Lebensrettung benötigten

Geräten aufzunehmen

und zu einer

Unfallstelle bringen

zu können. Durch die

Übernahme der

SAR-Kommandos in

Ahlhorn und Faßberg

im Mai und November

1993 konnte die

Aufnahme des Flugbetriebes

der Hubschraubertransportstaffel

des LTG 63

als vollzogen bezeichnet

werden. In 1994 erfolgte

die Übernahme des SAR-Kommandos in

Laage. Der Betrieb des SAR-Kommandos ist

begründet in einer Forderung der internationalen

Luftfahrtorganisation ICAO (International

Civil Aviation Organization) an alle ihre Mitgliedstaaten,

für verunfallte und/oder vermisste

Luftfahrzeugbesatzungen zivil und militärisch

in ihrem Hoheitsgebiet einen Such- und Rettungsdienst

einzurichten. In Absprache mit dem

Bundesminister für Verkehr wurde diese Aufgabe

der Bundeswehr überlassen. Gesteuert

wurde der Einsatz über die gesamte Bundesrepublik

von den drei SAR-Leitstellen in Glücksburg,

Goch und Fürstenwalde. Neben dem Primärauftrag,

Such- und Rettungsdienst, standen

die an diesen Standorten ebenfalls ständig stationierten

Hubschrauber mit ihren Besatzungen

noch für Aufgaben im Rahmen der Unterstützungen

des Seenotrettungsdienstes vor der

deutschen Nord- und Ostseeküste und der Hilfeleistung

für den zivilen Rettungsdienst zur

Verfügung, sofern militärische oder Erforder-

Weltweit im Einsatz

Bell UH-1D im Einsatz SAR Rettungshubschrauber

44

nisse des SAR-Dienstes für die Luftfahrt dem

nicht entgegenstanden.

Am 22. Juni 1993 war das LTG 63 Schauplatz

für die Fernsehproduktion „Spurlos“ im Auftrage

des Privatsenders RTL. Das 17-köpfige

Drehteam fand die vom Studio Hamburg im

Drehbuch vorgesehenen militärischen Anlagen

beim LTG 63.

Mitte 1993 wurde die vor dem Offizierheim

aufgestellte Ju 52 restauriert. Durch Witterungseinflüsse

und Farbabblätterungen wurden

an den äußeren Bauteilen des Traditionsflugzeuges

Schutzschichten gelöst, die eine dringende

Reparatur verlangten. Ein deutsches

Luftfahrtunternehmen benötigte zeitgleich Originalersatzteile

zur Restaurierung einer Ju 52,

der „Ju-Air“ in der Schweiz. Das LTG 63 stellte

die vorhandenen Originalteile wie Triebwerksaufhängung,

Anbauteile und Verkleidung

zur Verfügung. Als Gegenleistung erhielt die Ju

52 des LTG 63 eine komplette Reinigung mittels

Sandstrahl. Damit war die dringend erforderliche

Korrosionsbehandlung erfolgt und ein

neuer Farbanstrich möglich. Die entnommenen

Originalteile wurden durch Nachbildungen, die

in den Werkstätten der Lufthansa gefertigt

wurden, ersetzt.


Am 1. Oktober 1993 wurde Oberst Hans-Otto

Elger der achte Kommodore des LTG 63. Er

führte den Verband bis zum 31. März 1995.

In der Amtszeit von Oberst Hans-Otto Elger,

zuvor Kommodore des Hubschraubertransportgeschwaders

HTG 64 in Ahlhorn, flog das LTG

im Schwerpunkt die über drei Jahre andauernden

Luftbrückenflügen nach Sarajevo. In seine

Amtsperiode als Kommodore des LTG 63 fiel

eine erhebliche Strukturveränderung innerhalb

der Bundeswehr. Auch das Lufttransportkommando

mit seinen Verbänden war von einschneidenden

Konsequenzen dieser „Luftwaffenstruktur

4“ betroffen. So war der Abschluss

der Verlegung von Teilen des HTG 64 von

Ahlhorn nach Hohn mit UH1D Hubschraubern,

die sozialverträgliche Integration von 350

Soldaten und zivilen Mitarbeitern und die infrastrukturelle

Erweiterung des Flugplatzes

Hohn ein Arbeitsschwerpunkt. Neben den Routinetransporten

innerhalb Europas, erfolgten

Evakuierungsflüge für Westeuropäer aus dem

sich im Bürgerkrieg befindlichen Jemen nach

Djibouti und Hilfsflüge für ruandische Flüchtlinge

in Zentralafrika.

Anfang März 1993 empfing Verteidigungsminister

Volker Rühe eine Transall-

Besatzung des LTG 63 bei deren Rückkehr von

einem mehrwöchigen UN Einsatz in Bahrain

und dem Irak.

Am 21. Oktober 1993 wurden alle Geschwaderangehörige

und Mitarbeiter der auf dem

NATO Flugplatz Hohn und der Hugo-Junkers-

Kaserne wirkenden Institutionen durch die

Weltweit im Einsatz

45

1994

Hubschraubertransportstaffel des LTG 63 zu

einer „Welcome-Party“ eingeladen.

Mit einer Gegenstimme entsprach die Ratsversammlung

von Rendsburg am 11. November

1993 dem Antrag, für eine Transall C-160 des

LTG 63 in Hohn, die Patenschaft zu übernehmen.

Am 28. März 1994, mehr als zehn Monate nach

Beginn der UN-Hilfsaktion für Somalia, kam

die letzte Transall mit dem Restkommando des

LTG 63 vom Lufttransportstützpunkt in Djibouti

zurück. Medienvertreter der Region waren

bei der Ankunft anwesend. In 477 Einsätzen

wurden bei 2.573 Flugstunden 3.464 Tonnen

Fracht vom LTG 63 transportiert. Mit deutscher

Hilfe entstanden Brunnen, Dämme, Schulen

und Krankenhäuser. Noch am 7. März 1994

landete eine Transall des LTG 63 auf dem LTP

am Golf von Aden mit medizinischem Material

und einer „Arztpraxis“. Die Praxis gehörte einem

ehemaligen Landarzt aus Hohn, der diese

Einrichtung für eine Klinik in Djibouti spendete.

Eine vom 19. bis 21. April 1994 durch das

Luftwaffenführungskommando erfolgte Überprüfung

des LTG 63 auf Einhaltung fliegerischer

Verfahren und Vorschriften (StandEval

Standardisierung/Evaluation) wurde in einem

Bericht der Prüfungskommission mit der Gesamtnote

„gut“ bewertet.

Ein anhaltender Streit an den Regierungsspitzen

im Jemen führte zu Machtkämpfen, die Anfang

Mai 1994 in kriegerischen Auseinandersetzungen

mündeten. Eine notwendige Evakuierung

im Jemen lebender Ausländer wurde für

den Flughafen Sanaa organisiert. An vier Tagen

wurden mit drei Flugzeugen in sieben Einsätzen

insgesamt 588 Menschen von Sanaa nach

Djibouti evakuiert. Von dort setzten sie ihre

Reise in die Heimatländer fort, unter ihnen waren

220 aus Deutschland. Für das LTG 63 endete

der Einsatz am 13. Mai 1994.

Am 3. Juni 1994 fand von Falconara/Italien der

1.000 Hilfsflug nach Sarajevo statt. Vertreter

von ARD und ZDF flogen diesen Einsatz in die

bosnische Hauptstadt mit, interviewten die Besatzung,

um dieser einmaligen Leistung auch in

der Presse gerecht zu werden.


Trall beim Evakuierungseinsatz in Sanaa 1994

Am 6. Juni 1994 wurde die Hohner Transall C-

160 mit dem Luftfahrzeugkennzeichen 50+06

durch den Bürgermeister von Rendsburg, Rolf

Teucher und dem Kommodore des LTG 63,

Oberst Hans-Otto Elger auf den Namen

„Rendsburg“ getauft. Bei einem „Glas Sekt“

wurde der Namenszug auf der Transall C-160

enthüllt und die Patenschaftsurkunde überreicht.

Mit dieser ersten Patenschaft einer Stadt

für ein Flugzeug der Bundeswehr wurde der

Beschluss der Ratsversammlung vom 11. November

1993 besiegelt. Sie bildete einen weiteren

Schritt der Integration des Geschwaders in

das Rendsburger Umland.

Vom 19. Juli 1994 bis zum 2. Januar 1995 waren

in Nairobi, der Hauptstadt Kenias, eine

Boeing 707 der Flugbereitschaft des Bundesministeriums

der Verteidigung aus Köln und

Transportflugzeuge Transall C-160 der Lufttransportgeschwader

61, 62 und 63 stationiert.

Die Luftwaffe unterstützte die tägliche Versorgung

verschiedener Flüchtlingslager in und um

das vom Bürgerkrieg belastete Ruanda. Technisches

Gerät, Zelte, Decken, Milchpulver, hochproteinhaltige

Kekse, Medikamente, Chemikalien

für die Wasseraufbereitung und auch Seife

wurden in die Lager transportiert. Orte wie Kigali

/ Ruanda, Goma/Zaire, wo sich in den Lagern

zeitweise 850.000 Flüchtlinge befanden,

Bukavu und Bujumbura wurden im Rahmen

dieser „Shuttle-Einsätze“ angeflogen. Erstmals

wurde ein Kommando der Luftwaffe über einen

Weltweit im Einsatz

46

solch langen Zeitraum zusammengestellt.

Bei insgesamt

250 Einsätzen wurden

3.700 Tonnen Versorgungsgüter

und 1.600 Personen

befördert.

In Anwesenheit geladener

Gäste, Angehörigen

der „Traditionsgemeinschaft

Lufttransport LTG 63“ und

Leitern militärischer Dienststellen

übergab der Geschwaderkommodore,

Oberst Hans-Otto Elger, den

Traditionsraum am 5. August

1994 seiner Bestimmung.

Dieser Raum bietet

seitdem eine ständige Aus-

stellung zur Dokumentation

der Zeitgeschichte des Geschwaders.

Kernstücke der historischen Sammlung

sind Bilddokumente mit Namen, Fakten

und Hintergründen. Zu verdanken ist diese

Ausstellung Hauptmann a.D. Winfred Fischera,

einem ehemaligen Navigator auf der Transall

C-160, der unter anderem sämtliche Exponate

seiner privaten Ausstellung als Schenkung an

die „Traditionsgemeinschaft“ übergab.

Oberst Elger und Rendsburgs Bürgermeister Rolf Teucher bei der Taufe

der 50+06 auf den Namen „Rendsburg“


1995

Mit einer Transall C-160 des LTG 63 aus Hohn

präsentierte sich der „Bundeswehr-

Lufttransport“ vom 28. Juli bis zum 1. August

1994 auf der größten Militär-Show der Welt,

dem „Royal International Air-Tatoo“ in Fairford/England.

Vom 18. März 1986 bis zum 5. September

1994 befand sich die Radarführungsabteilung

13 in der Hugo-Junkers-Kaserne. Ab dem 5.

September 1994 wurde sie in der „Preußen-

Kaserne“ in Eckernförde stationiert und hatte

damit zum ersten Mal in ihrer Verbandsgeschichte

eine eigene Kaserne. Die Hauptaufgabe

war weiterhin das Betreiben der Radarführungszentrale

Brekendorf.

Am 15. Dezember 1994 empfing der Bundespräsident,

Dr. Roman Herzog, in der Villa

Hammerschmidt Angehörige der Bundeswehr

und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, die im

Auftrag der Bundesrepublik Deutschland an

weltweiten Hilfseinsätzen in Krisengebieten

beteiligt waren. Hauptmann Gerd Kieker van

Lindt repräsentierte die Crew und das logistische

Personal des LTG 63. In seiner Begrüßungsrede

hob der Bundespräsident die Bedeutung

humanitärer Hilfeleistungen auf internationaler

Ebene hervor und verwies auf internationale

Erfolge, die in Geldwert nicht zu messen

seien.

Das LTG 63 war weiterhin an den UNO-

Einsätzen am persischen Golf beteiligt.

Weltweit im Einsatz

47

Am 9. Februar 1995

jährte sich der Flugunfall

einer Transall C-160 des

LTG 63 auf Kreta zum 20.

Mal. Eine Delegation des

LTG 63 unter der Führung

von Kommodore Oberst

Hans-Otto Elger und einer

Abordnung des FlaRakRgt

3 flogen nach Kreta um der

Opfer zu gedenken.

Anfang des Jahres

1995 wurde das Lufttransportgeschwader

63 offiziell

als KRK - Verband (Krisenreaktionskräfte)eingeordnet.

Damit übernahm

das Geschwader bereits im

Frieden Verantwortung für

Präsenz und Einsatzbereitschaft, um schnell,

geordnet und wirksam für Krisenbewältigungs-

und Friedenserhaltungsoperationen eingesetzt

werden zu können.

Mit Oberst Hans-Jürgen Ochs wurde am

1. April 1995 wiederholt ein Hubschrauberführer

Kommodore, der neunte des LTG 63. Er

führte den Verband bis zum 30. September

1998

In den Jahren 1995 bis 1998 war die Arbeit

überwiegend durch die Aufnahme der taktischen

Hochwertausbildung der Transall C- 160

Besatzungen in Goose Bay (Kanada), durch eine

zeit- und kostenintensive Umrüstung auf ein

modernes Cockpit, durch Rationalisierung im

technischen Bereich mit einer bedingten

Schichtbefähigung, gekennzeichnet. Daneben


konnten die vorzüglichen freundschaftlichen

Kontakte mit den Nachbargemeinden durch

mehrere Veranstaltungen gepflegt und vertieft

werden. Aber auch landesweit wurde nunmehr

die Hubschrauberstaffel durch die erfolgreiche

Fernsehserie „Die Rettungsflieger“, der zentrale

Flugplatz Schleswig-Holsteins durch den

Medienauftrieb anlässlich der Landungen europäischer

Würdenträger während der Feierlichkeiten

zum 100. Bestehen des Nord-Ostsee-

Kanals, die vorbildlichen Leistungen im Lufttransport

mit der Verleihung des Fahnenbandes

IFOR bekannter und gewürdigt. Norddeutsche

Gastfreundschaft und militärisches Organisati-

1995 war das LTG 63 weiterhin am UNO Einsatz in Bahrein beteiligt

onsvermögen konnten die Hohner Transporter

zudem beim ersten gemischten „Copter Ranger

Derby“, beim traditionellen „Jumbo

Derby“ sowie beim vielbesuchten „Tag der offen

Tür“ zum 35. Geburtstag der „Brummelbienen“

erneut beweisen.

Am 24. Juni 1995 beendete das LTG 63 den

Routineflugdienst nach Beja in Portugal. Bereits

1970 verlegte die ehemalige 2. Staffel des

Weltweit im Einsatz

48

LTG 63 wegen schlechter Wetterbedingungen

in Deutschland nach Beja, um dort die Umschulung

auf die Transall C-160 durchführen

zu können. Es endete ein Kapitel in der Geschichte

des Geschwaders, welches für zahlreiche

aktive und ehemalige Soldaten mit unvergesslichen

Erlebnissen verbunden war. Erinnerungen

an die Luftwaffenwerft OGMA, zu der

von 1970 bis 1976 regelmäßig Transall - Maschinen

zur Durchführung periodischer Inspektionen

überführt wurden, an Ausbildungs- und

Versorgungsflüge zu den Kommandos in Alverca

/ Beja / Lissabon wurden wachgerufen.

Die LTG 63 Crew verabschiedete sich mit der

Transall 50+06

„Rendsburg“ aus

dieser Region.

Vom 20.

Februar bis zum

10. März 1995

nahm das LTG 63

an der NATO-

Übung „Strong

Resolve“ in Nord-

Norwegen teil.

Ziel dieser AMF-

Übung (Allied

Mobile Force) war

nicht nur der

Transport von Personal

und Material

alliierter Streitkräfte

an einen Stützpunkt

innerhalb

des Bündnisgebietes,

sondern auch

die Verlegefähigkeit

einer neuen

Zeltstadt zu erproben.

Soldaten des

LTG 63 wurden

zudem am Hauptstützpunkt

in

Vaernes und am Lufttransportstützpunkt in Örland

eingesetzt.

Nach 20 Jahren endete am 17. April 1995 für

das LTG 63 das SAR Kommando in Faßberg,

welches es seit dem 28. November 1974 betrieben

hatte.

Das LTG 63 beteiligte sich vom 12. Mai bis

zum 15. Mai 1995 an einem Flugtag in

Lappeenranta/Finnland, einer Ortschaft ca. 100

km nordöstlich der Hauptstadt Helsinki.


Ausrichter dieser Veranstaltung, bei der viele

der 15.000 Besucher zum ersten Mal Kontakt

mit einer Transall C-160 hatten, war der dort

ortsansässige Aero-Club. Für die auf den

Namen der Stadt „Rendsburg“ getauften

Transall war es eine von vielen repräsentativen

Einsätzen, die nun durch die Widmung im

flugzeugeigenen Gästebuch des Bürgermeisters

und Vorsitzenden des Aero- Club Lappeenranta

ergänzt wurde.

Hochgestellte Persönlichkeiten und internationale

Ehrengäste landeten anlässlich des 100.

„Geburtstages“ des Nord-Ostsee-Kanals, der

am 20. Juni 1995 mit einem 25 km langen

Schiffskorso zwischen Brunsbüttel und Kiel

seinen Höhepunkt erreichte, auf dem

NATO Flugplatz Hohn, um dann

weiter nach Rendsburg zu reisen.

Bereits einen Tag vor den

Feierlichkeiten wurden Herzogin

Alexandra und der

Herzog von Kent, die

sich auf die im

Rendsburger Hafen anankernde

königliche

Yacht „Britannia“

begaben, vom Kommodore

des LTG 63,

Oberst Hans-Jürgen

Ochs, in Empfang

genommen. In den

Vormittagsstunden

des 20. Juni 1995

trafen BundesverkehrsministerMathias

Wissmann,

Bundespräsident Roman

Herzog mit seiner

Gattin und Prinz Willem

von Oranien auf dem

Hohner Flugplatz ein, um

an der Veranstaltung teilzunehmen.

Im Zuge einer Presse- und Informationsreise

zu den für das

„Bosnien-Unternehmen“ vorgesehenen

Verbände der Bundeswehr besuchte der

Verteidigungsminister Volker Rühe am 6. Juli

1995 das LTG 63, um sich über den Stand der

Vorbereitungen zu informieren. Mit dem Beschluss

durch den Bundestag vom 30. Juni

1995 war der Weg geebnet, deutsche Truppen

zum Schutz von UN-Soldaten nach Bosnien zu

Weltweit im Einsatz

49

entsenden. Danach waren sechs Transall C-160

des LTG 63 im Rahmen des Bosnien-Einsatzes

u.a. für die Verlegung, den Aufbau und die

Versorgung des Stützpunktes in

Piaczenza/Italien, wo auch die Tornados des

Aufklärungsgeschwaders 51 „Immelmann“ aus

Jagel stationiert werden sollten, vorgesehen.

Vom 2. bis 13. Oktober 1995 fand in Dänemark

die Übung „Cooperative Jaguar Air 95“

unter dem Motto „Partnership for Peace“ statt.

Deutschland war mit einer Transall C-160 und

zwei Bell UH-1D des LTG 63 vertreten. Verbunden

mit den Luftfahrzeugen hatte das LTG

63 auf der „Air Base Karup“ einen Lufttransportstützpunkt

zur Versorgung der Übungskomponenten

einzurichten. Neben den

fliegenden Besatzungen war ebenfalls

ein Technisches Kommando

vor Ort. An dieser Übung

nahmen 15 NATO- und

NICHT- NATO Staaten

teil.

Der Deutsche

Bundestag stimmte am

6. Dezember 1995

dem Einsatz bewaffneter

Streitkräfte

dem von der Bundesregierung

am 28.

November 1995

beschlossenen Beitrag

zur Absicherung

des Friedensvertrages

für Bosnien-Herzegowina

entsprechend zu. Der

Bundesminister der

Verteidigung, Volker

Rühe, hat diesen Beschluss

in seiner Eigenschaft

als Inhaber der

Befehls- und Kommandogewalt

mit Weisung vom

16. Dezember 1995 umgesetzt

und für die Luftwaffe die Entsendung

eines Kontingentes (Lw-Anteil

IFOR), unter Einbeziehung der bereits zur

Unterstützung des schnellen Eingreifverbandes

entsandten Kräfte, angeordnet. Die Lufttransportkräfte

der Luftwaffe unterstützten gemäß

Führungsbefehl sowohl das deutsche Kontingent

IFOR (Implemention Force), als auch die

Kräfte der NATO.


Der Beschluss des Bundestages, deutsche Soldaten

als Bestandteil der UN-Friedenstruppen

nach Bosnien und Kroatien zu entsenden, hatte

für das LTG 63 weitere Konsequenzen. Im Dezember

1995 wurde vom LTG 63 eine Personalkomponente

von vier Führungskräften dem

NATO-Stab beim 2. Luftwaffeneinsatzgeschwader

in Vicenza/Italien unterstellt. Sie

sollte für sechs bis acht Wochen die Einsätze

der in Süddeutschland (LTG 61) bereitstehenden

Transall für die NATO koordinieren, als

Bindeglied zu maßgeblichen Kommandobehörden

der Bundeswehr fungieren und dem

NATO-Stab als fachkundige Beratergruppe im

Bereich des Lufttransportes zur Verfügung stehen.

Im Januar 1996 sollte auf Anforderung der

Einsatz von bis zu zwölf Transall C-160, davon

zwei für MEDEVAC (Medical Evacuation) und

bis zu vier mit EloKa-Selbstschutzausrüstung,

personell und materiell gesichert werden.

Nicht zu vergessen ist der Einsatz von Soldaten

des Lufttransportgeschwaders 63 bei der

NATO- Dienststelle RAMCC (Regional Air

Movement Coordination Center) in Vicenza/

Italien in Form von einem Oberstleutnant als

Deputy Director und Offizieren und Unteroffizieren

m.P. in der Operationszentrale. Bei dieser

zentralen Dienststelle liefen alle zivilen und

militärischen Anforderungen hinsichtlich Flügen

zu den teilweise massiv zerstörten Flugplätzen

des ehemaligen Jugoslawien zusammen,

um dort zeitlich und örtlich koordiniert zu

werden.

Das Rettungszentrum Hamburg, das SAR-Kdo

Laage und das SAR-Kdo Ahlhorn beteiligen

Weltweit im Einsatz

50

1996

sich bei den Rettungsarbeiten beim Eisenbahnunglück

in Schneverdingen vom 15. Juni 1995.

Zwei Regionalzüge waren im Bahnhof Schneverdingen

kollidiert. Mehr als 60 Personen

wurden zum Teil schwer verletzt.

Seit Beginn der 1990ziger Jahre wurde immer

deutlicher, dass die Transall auf ein neues Navigationssystem

(ANA/FRA) umgerüstet werden

sollte. Die Transall erhielt eine neue Flugregelanlage

(FRA) sowie eine "Autonome Navigationsanlage"(ANA).

Im Verlaufe der Umrüstung

wurden dem LTG 63 immer mehr

Transall-Maschinen entzogen. Das LTG 63 war

das letzte der drei deutschen Lufttransportverbände,

das die neu umgerüsteten Maschinen

bekam

Durch den

erfolgreichen Abschluss

der Friedensgesprächezwischen

den Bürgerkriegsparteien

in

Rest- Jugoslawien,

konnte die unter UN-

Mandat eingerichtete

„Luftbrücke Sarajevo“

nach 42 Monaten

am 9. Januar

1996 eingestellt

werden.

Damit endete die

bisher am längsten

andauernde Versorgungsbrücke,

an der

sich Transportgeschwader der Luftwaffe beteiligt

hatten. Bei 1.411 Einsätzen wurden in

3.424 Flugstunden 10.774 Tonnen Hilfsgüter

sowie 3.881 Passagiere transportiert. Als weitere

Versorgungsschiene für die Zivilbevölkerung

des bosnischen Hinterlandes dienten die

Einsätze in Ost-Bosnien (High Level Drop), die

zusammen mit alliierten Verbänden von der

Rhein-Main Air Base durchgeführt wurden.

Diese seit März 1993 eingerichtete Operation

erforderte zusätzlich 400 Einsätze, bei denen in

2.346 Flugstunden insgesamt 2.194 Tonnen

Hilfsgüter abgesetzt und 178 Passagiere (militärisches

Begleitpersonal und Medienvertreter)

transportiert wurden. Die Einsätze endeten am

17. Januar 1996.


Geschwaderkommodore Oberst Hans-Jürgen

Ochs durfte 1996 „VIPs“ aus den Kreisen der

Politik auf dem NATO Flugplatz Hohn begrüßen.

Am 18. Januar 1996 landete der Bundespräsident

Dr. Roman Herzog um von dort in die

Landeshauptstadt Kiel weiterzureisen, wo er an

einem Kongress der Industrie- und Handelskammer

teilnahm. Am 24. Januar 1996 landete

der Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung

Norbert Blühm in Hohn. Nicht in der Eigenschaft

als Bundeskanzler, sondern als Vorsitzender

der CDU, landete Dr. Helmut Kohl in

den Abendstunden des 15. Februar 1996 auf

dem NATO Flugplatz Hohn, um anlässlich des

50 jährigen Bestehens des CDU Landesverbandes

Schleswig-Holstein eine Festrede in der

Nordmarkhalle in Rendsburg zu halten.

Bei dem sogenannten „Copter Derby“, das vom

21. bis 23. Mai 1996 vom Lufttransportgeschwader

63 durchgeführt wurde, traten sechs

Hubschrauberbesatzungen von Heer, Luftwaffe

und Bundesgrenzschutz in vier Disziplinen ge-

Weltweit im Einsatz

Flughafen Sarajevo, 1996 konnte die „Luftbrücke Sarajevo“ nach 42 Monaten Dauer eingestellt werden

geneinander an: Präzisionsflug, Nachtflug, Krisenreaktionseinsatz

sowie Search-And-Rescue-

Einsatz (SAR). Während beim Präzisionsflug

vor allem Fingerspitzengefühl gefragt war, kam

es beim Krisenreaktionseinsatz auf das Zusammenspiel

von Boden- und Luftpersonal an.

Der SAR-Einsatz beinhaltet nicht nur das Auf-

51

finden eines Fallschirmes im Gelände, sondern

unter anderem auch Erste-Hilfe-Maßnahmen.

Das LTG 63 nahm beim „Copter Derby“ 1994

erstmals an dem Wettbewerb teil und erzielte

auf Anhieb den ersten Platz im SAR-Einsatz.

„Rendezvous der Transporter“ LTG 63

feierte am 14. September 1996 seinen 35.

Geburtstag mit einem „Tag der offenen Tür“

und ca. 40.000 Gästen. „Wir wollen zeigen was

den Soldaten im Alltag abverlangt wird“, war

die Devise und so konnten sich die Gäste bei

Ausstellungen, Bodenvorführungen und

fliegerischen Leistungsdemonstrationen

Einblicke in das Arbeitsspektrum des

Lufttransportes der Bundeswehr verschaffen.

Neben den in verschiedenen Konfigurationen

vorgestellten und zugänglichen

Transportmaschinen Transall C-160, Airbus

A310, C-130 Hercules und Breguet Atlantic,

galt der Airbus A300-600ST „Beluga“, der zum

Transport von Airbus-Teilen zwischen

Hamburg und Toulouse eingesetzt wurde, als

besondere

Attraktion. Oberst

i.G. Joachim

Mörsdorf,

Kommodore im

LTG 63 von 1991

bis 1993, verglich

diesen Geburtstag

mit dem

Lebensalter eines

Mannes im besten

Alter, in dem er

sagte: “Mit 35

Jahren steht man

in der Blüte

seines Lebens.

Man hat schon

einiges hinter sich

gebracht. Man hat

aber auch noch

einiges vor sich.“

Treffender konnte

die Situation des

LTG 63 bezogen

auf seine Vergangenheit und Zukunft kaum

charakterisiert werden, denn unvermindert

waren Soldaten und zivile Mitarbeiter

gefordert, den vielfältigen militärischen

Aufträgen und Herausforderungen gerecht zu

werden. Bei einem anschließenden

Pressegespräch bezog Oberst i.G. Mörsdorf


Stellung zu Fragen der Journalisten über das

Nachfolgemuster der Transall C-160. Er

verwies darauf, dass die im Einsatz befindliche

Transallflotte permanent durch

lebensverlängernde Maßnahmen und

Modernisierungen spezifischer Baugruppen für

eine Nutzungsdauer

von 15.000

Flugstunden

verbessert wurde

und so bis in das

Jahr 2008 fliegen

könne. Zum

Abschluss des

Pressegesprächs

stellte

Oberstleutnant

Horst Göbel,

Personalstabs-

offizier des LTG 63,

den Stand der am

10. September 1996

begonnenen

Dreharbeiten zur

ZDF-Serie „Die

Rettungsflieger“ am

BW-Krankenhaus

in Hamburg vor.

Drehbuchautor Dr.

Rainer Berg und

Produzent Peter

Otto vom TV-

Studio Hamburg

gaben nähere

Auskünfte zur

Besatzung und Dramaturgie des Pilotfilms.

Am 9. Oktober 1996 wurde die modernste

Kontroll- und Flugabfertigungsausstattung für

militärische Flugsicherung (KOFA milFS) seiner

Bestimmung übergeben und beim Lufttransportgeschwader

63 per Knopfdruck in Betrieb

genommen. KOFA ist ein digital gesteuertes

System zur effektiven Kommunikation zwischen

Flugsicherungseinrichtungen am Flugplatz,

wie auch zu zivilen und militärischen

Flugsicherungen im In- und Ausland. Für den

Anwender bedeutet dieses eine verbesserte

mündliche Kommunikation mit der Möglichkeit

zur Datenfernübertragung im Rahmen der

Flugüberwachung. Problemlos konnten nun

den eingebundenen Dienststellen Flugpläne,

dringende Meldungen oder zeitliche Korrektu-

Weltweit im Einsatz

Aufnahmen vom Dorffest im Anschluss an die „Brummelwanderung“ anlässlich

des 30 jährigen Bestehens des LTG 63 in Hohn. Auf dem Hohner Dorfplatz

„Wöhrden“ wurde der Gedenkstein „30 Jahre LTG 63 in Hohn“ feierlich

enthüll. (Bild oben) Für musikalische Unterhaltung bei den Feierlichkeiten

sorgte das Heeresmusikkorps aus Neubrandenburg (Bild unten)

52

ren des Flugverlaufs mitgeteilt werden. Geschwaderkommodore

Oberst Ochs hob die Bedeutung

der Flugsicherheit für fliegende Verbände

hervor und bezeichnete die nun dynamisch

vollzogene Aufrüstung von militärischen

Flugsicherungseinrichtungen als ein Stück

mehr Sicherheit für

den Flugverkehr.

1997

„Ein Interview

war von Anfang an

nicht geplant; das Management

des „King

of Pop“, Michael

Jackson, bat darum,

auf eine offizielle Begrüßung

zu verzich-

ten“, so Oberstleutnant

Hugo Otterpohl, Kommandeur

Stab Technische

Gruppe, der die Ankunft,

wie auch den

Abflug um Mitternacht

als Kommodore

vom Dienst interessiert

verfolgen durfte.

Jackson landete mit

seinem Privatjet in

Hohn, um von hier zu

einem Konzertauftritt

weiter zu reisen.

Überwältigend war die Teilnehmerzahl am 6.

September 1997 bei der „Brummelwanderung“

zum Dorffest „30 Jahre LTG 63 in Hohn“.

Am 8. November 1997 fand im LTG 63 das

Herbstsymposium der Landesfeuerwehrschule

Hamburg statt. Themenschwerpunkte waren:

Notfallmedizin Präklinisches Trauermanagement,

Zusammenwirken von medizinischer und

technischer Rettung an der Einsatzstelle und

Luftrettung/Lufttransport. Kommodore Oberst

Jürgen Ochs begrüßte die 250 Teilnehmer und

Gäste im großen Saal der Offizierheimgesellschaft

zu der in dieser Form bisher einmaligen

Veranstaltung.


1998

Letzter Transall Flug von Oberst i.G. Mörsdorf

am 9. und 10. Januar 1998. Der älteste aktive

Transall Pilot der Luftwaffe, Oberst i.G. Joachim

Mörsdorf, Chef des Stabes Lufttransportkommando,

führte in Begleitung

einer verstärkten Crew

des LTG 63 - darunter

Kommodore

Oberst Jürgen

Ochs und

der Staffelkapitän

der 1.

Staffel,

Oberstleutnant

Peter Orda

seinen letzten

Transall-

Flug von Hohn

nach Souda/Kreta

durch. Oberst i.G. Joachim

Mörsdorf war Kommodore des LTG 63

von 1991 1993 und er hat während seiner aktiven

Zeit die bewährten Standardtransporter

NORA, Transall und Boeing 707 der deutschen

Luftwaffe als Pilot geführt.

Das Unglück von Eschede. Die Bereitschaftswoche

war gelaufen, es war Mittwoch, der 3.

Juni 1998. Entspannt wartet die Besatzung vom

SAR 71 Hamburg auf

die Ablösung, als um

11:30 Uhr der Pieper

erneut einen Alarm

auslöst. Der Blick auf

den „Kleinbildschirm“

des Piepers

zeigte: „Schweres

Zugunglück, sofort

Kontakt aufnehmen

mit der SAR Leitstelle

in Münster“.

Der Anruf aus Münster

verheißt nichts Gutes,

Details und Koordinaten

werden

durchgegeben alle

an Bord hören das

Wort „ICE Un-

glück“. Am späten

Weltweit im Einsatz

Beim schweren Zugunglück in Eschede war auch SAR 71 aus Hamburg im Einsatz

53

Nachmittag wurde ein großer Teil der Rettungs-Hubschrauber

wieder entlassen; auch die

SAR 71 Hamburg. Einer der schwersten Eisätze

der Rettungsflieger des LTG 63 war beendet.

16. Juli 1998 war das Jubiläumsdatum

für „25 Jahre

Rettungshubschrauber

Bell UH 1D am

Rettungszentrum

des BundeswehrkrankenhausesHamburg


Wandsbek“.

Am 16. Juli

1973 startete

er zu seinem

ersten Einsatz

als „SAR Hamburg

71“. In Anwesenheit

vieler Pressevertreter

setzte die Bell UH 1D

am 16. Juli 1998, um genau 12:40 Uhr

Ortszeit ihr Kufenlandegestell auf die Betonplatte

des Stützpunktes im Bundeswehrkrankenhaus

Hamburg Wandsbek auf, um in einer

kleinen Feier das Jubiläum zu begehen.

Vom 1. Oktober 1998 bis 27. März 2003 war

Oberst Hans-Jürgen Miunske, der zehnte

Kommodore des LTG 63.


In die Amtszeit von Oberst Miunske von Oktober

1998 bis März 2003 fielen bedeutende

sicherheitspolitische Ereignisse. Die daraus resultierenden

militärischen Einsätze forderten

den Verband weltweit:

Umfangreiche Transportflüge für den NATO-

Einsatz auf dem Balkan, die MedEvac-

Unterstützungsflüge für die Vereinten Nationen

für Ost-Timor (INTERFET) sowie die auf den

11. September 2001 folgenden Antiterroreinsätze,

vor allem in Afghanistan und am Horn

von Afrika. Ab Februar 2002 wurde unter der

Leitung von Oberst Miunske in Termez/ Usbekistan

ein Lufttransportstützpunkt aufgebaut,

der den ISAF-

Einsatz der Bundeswehr

bis heute unterstützend

begleitet.

Rettungs- und

Versorgungsflüge

mit

Transall C-

160 und

Bell UH-1D

während der

Flutkatastrophe

in Mosambik

stehen

für eine weitere

umfangreiche humanitäre

Hilfsleistung an der

das LTG 63 beteiligt war.

Darüber hinaus feierte im September 2001 der

Verband mit einem Hallenfest unter großer Be-

Weltweit im Einsatz

54

1999

teiligung der Bevölkerung sein 40-jähriges Bestehen.

Leider blieben ihm als Verbandsführer die

schwersten Stunden nicht erspart:

Bei einem Flugunfall des SAR-Hubschraubers

in Hamburg im März 2002 wurden fünf Besatzungsmitglieder

getötet.

Am 13. September 1998 startete eine Transall

vom LTG 63 im Rahmen des Kommandos

„Operation Life Line Sudan“, um noch fehlende

Module für den sich im Aufbau befindlichen

Lufttransportstützpunkt nach Khartoum,

Hauptstadt des Sudan, zu bringen. Die anschließenden

Hilfsflüge im Sudan endeten nach

acht Wochen. Dabei wurden rund 600 t Hilfsgüter

in die vom Hochwasser des Nils eingeschlossenen

Hungerregionen geflogen.

Am 10. Juni 1999 verabschiedete der Sicherheitsrat

der Vereinten Nationen die Resolution

1244 und regelte den Einsatz der NATO -

Sicherheitstruppe "Kosovo Force (KFOR)".

Die KFOR sollte als erste Aufgabe den Abzug

der jugoslawischen Truppen und die Entmilitarisierung

des Kosovo überwachen. Vor allem

aber galt es wieder einmal

humanitäre Hilfe zu

leisten. Die Bundeswehr

war

seit dem 12.

Juni 1999

im Kosovo

präsent

und

hatte

dabei

erstmals

bei

einem

Einsatz zur

FriedenssicherungVerantwortung

für einen eigenen

Sektor übernommen. Bei den

Hilfsflügen in den Kosovo durch das LTG 63

wurden in 998 Flugstunden 713.000 kg Hilfsgüter

nach Skopje, Tirana und Thessaloniki geflogen.

Hauptsächlich Zelte, Krankenbetten,


Wolldecken, Kleidung, Lebensmittel, Babynahrung,

Hygieneartikel und Medikamente, aber

auch eine Feldküche und Wasseraufbereitungsgeräte.

Das LTG 63 führte über 100 Hilfsflüge

durch.

Zum 1. Deutschen Luftwaffenkontingent in

Ohrid (Mazedonien) gehörten auch drei Bell

UH-1D inklusive der fliegenden Besatzungen

vom LTG 63. Ihre Einsätze umfassten CIMICmissions

(civil military cooperation) zur Unterstützung

der zivilen Hilfsorganisationen, Personal-

und Materialtransporte, Aufklärungsflüge

(Aufklärung von Schmugglerwegen) sowie

Rettungseinsätze.

Ab dem 9. Oktober 1999

verlegten zwei C160

MEDEVAC - Transall und

72 Ärzte, Sanitäter, Techniker

und Piloten nach

Darwin/Australien um von

dort Rettungseinsätze im

Rahmen INTERFET (International

Force East Timor)

von Ost-Timor nach

Australien zu fliegen.

Nach Zustimmung des

Bundestages hatte Verteidigungsminister

Rudolf

Scharping die Entsendung

deutscher Soldaten zur

medizinischen Unterstützung

angeordnet. Der Auftrag:

Eine medizinische

Luftbrücke zum Krisenge-

Weltweit im Einsatz

UH-1D im Afrika Einsatz bei der Rettung von Flutopfern in Beira (Mosambik) im März 2000

55

2000

biet Ost-Timor, um verletzte Angehörige der

internationalen Friedenstruppe INTERFET

oder zivile UN-Mitarbeiter auszufliegen. Die

Flugroute der beiden Transall (50+54 und

50+77) verlief mit Zwischenstopps über Zypern,

Oman, Indien und Bali auf den fünften

Kontinent.

Nach 47 Einsatzflügen und dem Transport von

230 Verwundeten wurde der INTERFET-

Einsatz in Ost-Timor am 29. Februar 2000 beendet.

Dank und Anerkennung erhielt das

LTG 63 in Form eines Tagesbefehls durch den

Befehlshaber INTERFET Generalmajor

P.J. Cosgrove. Darüber hinaus erhielt das

LTG 63 am 25. März 2000 eine Urkunde der

„Australien Defence Force“ sowie den Dank

für das Engagement der Hohner Soldaten durch

den australischen Botschafter bei seinem Besuch

am 17. September 2000.

Vom 4. März bis 31. März 2000 beteiligte sich

die 2. Staffel LTG 63 mit ihrem ersten Afrika-

Einsatz an der Rettung und Versorgung der

Flutopfer in Beira (Mosambik) mit vier Hubschraubern

und zwölf LFF und BT als Besatzung.

Sie waren für diesen Zeitraum dem

LTG 62, als Leitverband, unterstellt. Kontingentführer

war der Kommodore LTG 62,

Oberst Hans-Joachim Wundrak. Mit 480 Flügen

wurden 1.400 Menschen gerettet und über


2.200 medizinisch durch die Luftwaffe versorgt.

Vom 22. bis 24. Mai 2000 richtete das Lufttransportgeschwader

63 das „Ranger Derby“

aus. Es handelte sich hierbei um einen Vergleichswettkampf

der Sicherungskräfte im Bereich

Lufttransportkommando und wurde jährlich

durchgeführt. Sechs teilnehmende Mannschaften

(LTG 61, 62, 63, RadarFü Abt 25,

II.LwAusbRgt 3 und LTGrp LTG 62) maßen

ihr Können.

Am 21. Oktober

2000 organisierte

die Wartungsstaffel

das erste Oktoberfest

im LTG 63 mit

600 Gästen.

Das SAR-Kdo Neustrelitz

wurde am

25. Oktober 2000 an

das LTG 61 übergeben

und das SAR-

Kdo Diepholz übernommen.

Besuch des Bundes-

präsidentenJohannes Rau am 22. No-

Weltweit im Einsatz

UH-1D im Afrika Einsatz bei der Rettung von Flutopfern in Beira (Mosambik)

im März 2000

vember 2000.

Am 15. Dezember

2000 wurde das

„Gütesiegel der

Stadt Rendsburg für

Kinderfreundlichkeit“

an

die 2. Staffel LTG

63 verliehen. Seit

1974 engagierte sich

die Staffel in der

Öffentlichkeitsarbeit

und repräsentierte

die Bundeswehr

nach außen durch Unterstützung von Vereinen

und Organisationen, die sich um das Wohl von

Kindern bemüht machten. Während dieser Zeit

wurden 143.000 DM durch aktive

Öffentlichkeitsarbeit an Krankenhäuser und

Vereine im Kreisgebiet Cloppenburg sowie

Brasilien und seit 1994 (nach der Verlegung

von Ahlhorn nach Hohn) im Kreis Rendsburg-

Eckernförde gespendet. Ein beachtlicher Anteil

der Gelder half auch einem

Kinderkrankenhaus in Olinda/Brasilien,

Notleidende mit dem Notwendigsten zu

56

versorgen und medizinische Geräte

anzuschaffen. Der große Zuspruch des

„Rendsburger Herbstes“ und die Ausweitungen

der Aktivitäten der 2. Staffel führten dazu, dass

sich das ganze Geschwader in den folgenden

Jahren mit dieser Aufgabe identifizierte und sie

bis heute unterstützt. Mit der Übergabe der

Urkunde würdigte die Stadt Rendsburg die

Arbeit und das Engagement. Den Scheck von

500 DM, der mit der Urkunde verbunden war,

wurde gleich der Kinderstation des

Kreiskrankenhauses in

Rendsburg zur Betreuung

von Kindern übergeben.

2001

Das LTG 63 bekam

am 27. April 2001 aus der

Hand des Kommandeurs

Lufttransportkommando,

Generalmajor Reinhart Hoppe,

den Flugsicherheitspokal

des Inspekteurs der Luftwaffe

für 23 Jahre und 215.000

Stunden unfallfreies Fliegen.

Eine stolze Leistung, an der

alle Bereiche des Geschwaders

ihren Anteil hatten,

zumal das LTG 63 damit an

der Spitze aller fliegenden

Verbände der Bundeswehr

lag. Zugleich war dies aber

auch die beste Motivation,

der Flugsicherheit auch in

Zukunft die höchste Priorität

einzuräumen.

Am 7. September

2001 feierte das LTG 63

sein 40-jähriges Bestehen

unter großer Beteiligung der

umliegenden Gemeinden.

Viele Besucher mit Rang und Namen aus nah

und fern darunter auch das N3-Fernsehen mit

Carlo von Tiedemann und der „Aktuellen

Schaubude“ gaben sich die Ehre, unserem

Geschwader zu gratulieren. Am abendlichen

Hallenfest nahmen trotz des schlechten Wetters

ca. 2.500 Besucher teil, darunter viele Ehemalige.

Eine gelungene Veranstaltung und wieder

einmal der Beweis, wie fest das LTG 63 in die

Umgebung und alle Bereiche des gesellschaftlichen

Lebens integriert ist.


Prominenter Besuch anlässlich des 40. Geschwaderjubiläums

Am 1. Oktober 2001 feierte die GFD 35 Jahre

Flugzieldarstellung und zugleich 25 Jahre Hohn

als Heimatflughafen. Am 1. Oktober 1966 erhielt

die Lufthansa-Tochter CONDOR den

Auftrag, Flugzieldarstellung mit Jets für die

Flugabwehr der Bundeswehr zu fliegen. Zunächst

wurden sechs Luftfahrzeuge vom Typ

Sabre F-86 zur Verfügung gestellt. Im Rahmen

eines Jahresvertrages sollte untersucht werden,

ob der Betrieb von militärischen Flugzeugen

durch ein ziviles Unternehmen praktikabel und

wirtschaftlich sinnvoll ist. Stationiert wurden

diese Flugzeuge auf dem Flugplatz Westerland,

Sylt. Einsatzgebiete waren in erster Linie die

Weltweit im Einsatz

57

Heeres-Flugabwehr-Schießplätze Todendorf

und Putlos. Nach erfolgreicher Probephase

wurde der Vertrag verlängert und der Zieldarstellungsbetrieb

aufgenommen. Die von der F-

86 geschleppten Ziele waren zunächst aus Pappe,

später aus Kunststoff.

Nach Ausmusterung der F-86 wurde die CON-

DOR-Zieldarstellungsflotte 1974 auf Fiat G-91

umgerüstet. Im Jahr 1976 erfolgte der Umzug

von Westerland nach Hohn. Zunächst wurden

die Flugzeuge in der Halle-West abgestellt.

Technik wurde in Feldhäuser und Zelten untergebracht.

1978 konnte dann die neue CONDOR

- Halle bezogen werden. Bis zur Ausmusterung

der Fiat G-91, Ende 1992, wurde dann Zieldarstellung

sowohl mit Schleppkörpern, als auch

ohne, das heißt als reine Zieldemonstration geflogen.

Im Jahr 1989 begann die GFD (Gesellschaft

für Flugzieldarstellung), als Tochter der

CONDOR und des Aero-Dienstes Nürnberg,

parallel zum G-91 Flugbetrieb mit vier Flugzeugen

vom Typ Learjet die Zieldarstellungsaufgaben

teilweise zu übernehmen.

Aus wirtschaftlichen Gründen sollte der Flugbetrieb

langfristig auf ein ziviles Muster umgestellt

werden.


2002

Ab Ende November 2001 flogen Besatzungen

des LTG 63 im Rahmen „Enduring Freedom“

zur Unterstützung unserer amerikanischen Verbündeten

zusammen mit den Kameraden des

LTG 62 (Leitverband für den Einsatz) zwischen

Ramstein, Istanbul und Incirlik. Das Luftumschlagpersonal

des LTG 63 war für die Beladung

in Ramstein verantwortlich.

Mitte Januar 2002 erhielt der Kommodore

LTG 63, Oberst Hans

Jürgen Miunske, den

Auftrag, mit einem Erkundungsteam

den

Flugplatz Termez in

Usbekistan für die Einrichtung

eines Lufttransportstützpunktes

(LTStp) zu erkunden.

Trotz der bescheidenen

Rahmenbedingungen

vor Ort konnte der

Standort Termez als geeignet

gemeldet werden.

Daraufhin erhielt

das LTG 63 als Leitverband

den Auftrag,

einen LTStp in Termez

einzurichten und zu betreiben.

Ab dem 29. Ja-

Weltweit im Einsatz

58

nuar 2002 befand sich das Vorkommando

mit 70 Soldatinnen

und Soldaten und drei Transall

vor Ort. Mitte Februar 2002 folgte

das Hauptkommando mit weiteren

drei Transall (davon eine

MEDEVAC-Transall) und 60

Soldatinnen und Soldaten. Von

Termez aus wurden zunächst die

im Rahmen „ISAF“ (International

Security Assistens Force) in Kabul

eingesetzten deutschen Soldaten

versorgt und im Bedarfsfall

die medizinische Evakuierung

sichergestellt. Eine, insbesondere

aufgrund der schwierigen Verhältnisse

im Einsatzgebiet, sehr

fordernde und verantwortungsvolle

Aufgabe. Für den reibungslosen

Einsatz der sechs Transall sorgten

200 Soldaten, die bereits Ende

2003 auf über 1.500 erfolgreich

durchgeführte Einsatzflüge zurückblicken

konnten.

Am 15. Februar 2002 endeten die Unterstützungsflüge

(Ramstein-Istanbul) im Rahmen der

Operation ENDURING FREEDOM


Impressionen aus den Anfängen des LTStp in Termez, Uzbekistan

Am 14. März 2002 ereignete sich ein Flugunfall

mit der Bell UH1D (SAR-71) bei einem

SAR- Einsatz in Hamburg. Fünf Insassen, darunter

zwei Angehörige des LTG 63, wurden

dabei getötet.

Beginnend am 26. April 2002 wurde unsere

alte “Tante Ju“ (Ju 52), die dem LTG 63 von

der portugiesischen Luftwaffe geschenkt

worden war, in der Technischen

Gruppe von Soldaten und zivilen

Angestellten des Verbandes „in

Nebenfunktion“ restauriert. Die Zeitdauer

dieser Erhaltungsmaßnahme

betrug drei Jahre.

Seit Montag, dem 12. August 2002

unterstützten die SAR-Kräfte (Search

And Rescue) der Luftwaffe den

Hilfseinsatz in den Hochwasser-

Katastrophengebieten in Sachsen.

Hierzu wurden sechs SAR-

Hubschrauber vom Typ Bell UH-1D

aus den Standorten Laage, Wunstorf,

Holzdorf, Erfurt und Ingolstadt zu

Hilfseinsätzen in das Hochwasserge-

Weltweit im Einsatz

IL-76 auf dem Flughafen Termez

59

biet der Oder geschickt. Auch Soldaten des

Lufttransportgeschwaders 63 aus Hohn waren

seit dem 13. August 2002 mit den leichten

Transporthubschraubern Bell UH-1D im Krisengebiet

in Sachsen eingetroffen und unterstützten

die Rettung der vom Hochwasser eingeschlossenen

Menschen.


Weltweit im Einsatz

Bell UH-1D des LTG 63 beim Hilfseinsatz in den Hochwasser-Katastrophengebieten in Sachsen

Bereits am ersten Tag der Rettungsmaßnahmen

wurden dabei über 200 Windenbergungseinsätze

durchgeführt. Bis zum 15. August 2002

wurden durch diese Hubschraubereinsätze rund

730 Menschen aus den Fluten gerettet. Im Verlauf

des 14. August 2002 wurden weitere Kräfte

des Lufttransportes angefordert. Transall C-

160 und ein Airbus A 310 verlegten mit 90

Ärzten und Sanitätern nach Dresden zur Evakuierung

der Menschen. Hierzu trug das Lufttransportgeschwader

63 mit der Bereitstellung

einer Transall in der MEDEVAC - Version

(Medical Evacuation) zur Evakuierung von Intensivpatienten

bei.

Innenraum der Transall mit MEDEVAC Rüstsatz

60

2003

Oberst Helmut Frietzsche war vom 28.03.2003

bis 27.03.2006 der elfte Kommodore des LTG

63.

Im Rahmen eines feierlichen Appells fand die

Kommandoübergabe von Oberst Hans-Jürgen

Miunske an Oberstleutnant Helmut Frietzsche

durch Generalmajor Reinhart Hoppe statt. Im

Rahmen seiner Rede ging Generalmajor Reinhart

Hoppe auch auf die großen Reformen innerhalb

der Bundeswehr, ihre Neuausrichtung

für die Zukunft und somit auch auf die der

Luftwaffe ein. Dabei wies er auf den hohen

Stellenwert des militärischen Lufttransportes,


der immer wieder und vorrangig bei allen

Überlegungen, Planungen und Entscheidungen

hinzugezogen wird. „We have a dream“ waren

die ersten Worte des neuen Kommodores.

Für Oberst-leutnant Helmut Frietzsche ist durch

die Übertragung

des

Kommandos

über das LTG

63 ein Traum

in Erfüllung

gegangen.

Oberstleutnant

Helmut

Frietzsche

dankte in seinerAntrittsrede

dem Generalmajor

Reinhart

Hoppe für das

Vertrauen,

ihm diese

herausforderndeAufgabe

und Verantwortung

übertragen zu

haben. Den

Angehörigen

des Geschwaders

rief er zu:

„Lassen Sie

uns gemeinsam

die Zukunft

dieses

traditionsreichenLufttransportgeschwadersgestalten.

LTG

63 packen

wir’s an.“

Zehn Jahre

Hubschrauber

im LTG 63

Die Luftwaffenstruktur

4

war der Grund für die Auflösung des damaligen

Hubschraubertransportgeschwader 64 und die

Verlegung der 2. Staffel (Seeflugstaffel) von

Ahlhorn nach Hohn. Die Zukunft sah vor, die

Bell UH1D auszumustern und durch den NH-

Weltweit im Einsatz

Die Bell UH-1D „Huey“, seit April 1993 beim LTG 63 im Einsatz

61

90 zu ersetzen. Vorgesehen war eine Verlegung

nach Holzdorf. Ein zu erwartender Abschied

vom LTG 63 und auch aus der Region fiel vielen

schon damals sehr schwer.

10 Jahre Fliegende Gruppe 1978 wurde die

damalige Fliegende

Gruppe

Opfer drastischerHaushaltsmaßnahmen.

Aus zwei fliegendenStaffeln

wurde die

heutige erste

Staffel, die

restlichen Aufgaben

der

Gruppe gingen

an die neue

Einsatzunterstützungsgruppe.

Im Rahmen

der Luftwaffenstruktur

4

wurde dann 15

Jahre später die

Fliegende

Gruppe wiedergeboren

und die

neu zuverlegte

Hubschrauberstaffel

in das

Geschwader

integriert. Am

15. April 1993

wurde im Rahmen

eines feierlichen

Appells

die Führung

dieser neuen

Gruppe durch

den damaligen

Kommodore

Oberst Joachim

Mörsdorf an

Oberstleutnant

Norbert Daniel

übertragen.


Mit Ablauf des 31. März 2003 wurde der Stab

Fliegerhorstgruppe LTG 63 aufgelöst. Damit

fand eine für viele bedauerliche aber dennoch

notwendige Entwicklung, deren Ziel die Einnahme

der Luftwaffenstruktur 5 war, ihren Abschluss.

Die Fliegerhorstgruppe wurde aufgelöst,

aber die Aufgaben bleiben weiterhin bestehen

und so wurde ab dem 1. April 2003 die

größte Teileinheit mit über 50 Mitarbeitern im

Stab LTG 63 etabliert. Unter dem neuen Namen

S 3 SKO (Standort-

Kasernenangelegenheiten-Objektschutz) werden

bis heute Aufträge bewältigt, die den

Standort Hohn Krummenort betreffen. Der

Leiter des Sachgebietes S 3 SKO ist

gleichzeitig Kasernenkommandant.

In der Zeit vom 22. Juni

bis 27. Juni 2003

nahm eine C-160

Besatzung am European

Tactical

Airlift Meet

(ETAM) auf der

Erkilet Air Base

(LTAU) in Kayseri/Türkei

teil.

Sie belegte bei

dieser „Europameisterschaft

für

Transportflieger“ als

beste mitteleuropäische

Crew einen hervorragenden

dritten Platz.

Teilnahme an der NATO-

Großübung „CLEAN HUNTER 03“, vom

23. Juni bis 3. Juli 2003 mit einer C-160.

Gleichzeitig waren wir in diesem Zeitraum

Gastgeber für zwei kanadische C-130 Tanker

aus Winnipeg.

Am 19. Juni 2003 bekam das Lufttransportgeschwader

63 als bislang einziger Verband der

Bundeswehr einen der begehrten Oscars verliehen.

Der Verband unterstützte die Filmaufnahmen

zum Film „Die Rote Jacke“ von Florian

Baxmeyer, der bereits am 12. Mai des Jahres in

Hollywood den Studentenoscar in der Kategorie

„Bester Ausländischer Film“ gewonnen hatte.

Die Luftwaffe unterstützte vom 2. Juli bis

7. September 2003 mit Transportflügen die EU-

Operation ARTEMIS. Dabei wird notwendiges

Material auf Anforderung des EU-

Weltweit im Einsatz

62

2004

Hauptquartiers in Paris von Frankreich aus zur

logistischen Einsatz-Basis nach

Entebbe/Uganda geflogen. Die von den französischen

Streitkräften geführte EU-Operation

ARTEMIS unterstützt die UN-Operation

MONUC in der demokratischen Republik

Kongo.

Am 18. Juli 2003 wird mit dem Bundeswehrkrankenhaus

Hamburg das 30-jährige Bestehen

des Rettungszentrums (SAR 71) in Hamburg -

Wandsbek gefeiert. Für alle, die auf diesem

Kommando ihren Dienst versahen, war es eine

besondere Herausforderung in der Hansestadt

Hamburg zu fliegen.

Zehn Jahre Patenschaft der Stadt

Rendsburg mit einer Transall C-

160. Aus Anlass des Jubiläums

der Patenschaft verabredeten

der Bürgermeister

der Stadt

Rendsburg, Andreas

Breitner und

der Kommodore

des LTG 63,

Oberst Helmut

Frietzsche die

Zusammenarbeit

zwischen der

Stadt und dem

Verband zu vertiefen.

Nach theoretischer„Informationsarbeit“

begleiteten auf Einladung

der Bundeswehr Bürgermeister

Andreas Breitner und

Bürgervorsteher Eberhard Goll am 9. und

10. Dezember 2003 einen Versorgungsflug von

Hohn über Köln und Landsberg/Lech nach

Decimomannu und zurück.

Am 13. Februar 2004 begann der Unterstützungsflug

nach Libreville in Gabun an der

Westküste Afrikas ca. 30 Kilometer nördlich

des Äquators. Der Auftrag bestand in der Unterstützung

der Franzosen mit dem Transport

eines Hubschraubers Typ Super Puma von

Metz nach Libreville.

Bundesverdienstkreuz für Frau Edeltraut Kiefer.

Am 17. März 2004 wurde Frau Edeltraut

Kiefer von der Gesundheitsministerin Ulla

Schmidt in Berlin mit dem Bundesverdienst-


kreuz am Bande des Verdienstordens ausgezeichnet.

Damit wird ihr Engagement im Bund

für Rehabilitation und Interessenvertretung Behinderter

(BDH) anerkannt, der insbesondere

Hirngeschädigte und Querschnittsgelähmte betreut.

Frau Edeltraut Kiefer ist im Lufttransportgeschwader

63 in der Verwaltung und im

Freizeitbüro eingesetzt

Edeltraud Kiefer erhält am 17.März 2004 das Bundesverdienstkreutz von

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt

.

Am 18. März 2004 wurde die Modulare Körperschutz-

und Rettungsweste SECUMAR 20

MB von der Herstellerfirma an die Vertreter

von Luftwaffe, Heer und Marine übergeben.

Gastgeber für die Präsentation war das Lufttransportgeschwader

63. Durch dieses System

erhöht sich die Sicherheit in Notsituationen.

Seit zwanzig Jahren besteht im Mai 2004 die

Traditionsgemeinschaft des Lufttransportgeschwaders

63. Der Gemeinschaft gehören ca.

340 aktive und ehemalige Soldaten oder zivile

Mitarbeiter an.

Am 19. Juni 2004 wurde aus dem Lufttransportstützpunkt

(LTStp) 3 das Einsatzgeschwader

Termez. Das Einsatzgeschwader Termez,

das seit Juni 2004 unter der Führung von

Oberst Helmut Frietzsche steht, kann auf eine

recht beachtliche Leistungsbilanz verweisen.

Ende Juni 2004 wurde der 2.000ste ISAF-

Einsatz und die 5.000ste Flugstunde C-160

(davon der 1.000ste Einsatzflug mit einer

Besatzung des LTG 63) gefeiert. Die drei

Heereshubschrauber CH-53 GS aus Kabul, die

in das Einsatzgeschwader Termez eingegliedert

wurden, absolvierten bereits ihren 1.000sten

ISAF-Einsatzflug.

Weltweit im Einsatz

63

Apell zur Aufstellung des Einsatzgeschwaders Termez

2005

Der Kronprinz der Niederlande, Willem-

Alexander, Prinz von Oranien, war am 22. Juni

2004 für wenige Stunden, auf dem Weg zum

Besuch der niederländischen Soldatinnen und

Soldaten in Kabul, in Termez zu Gast. An Bord

einer deutschen Transall C-160 flog der zukünftige

König der Niederlande weiter nach

Kabul.

Für den Rettungshubschrauber SAR 71 der

Bundeswehr war es ein unspektakulärer Einsatz

am 11. Mai 2004. Doch für das Bundeswehr-

Rettungszentrum in Hamburg, war es der

100.000ste Einsatz von Notarztwagen (NAW)

und Rettungshubschrauber (RTH). Der Einsatz

wurde von der Besatzung OLt Götz, StFw

Storost, OSA Samek und OFw Rogge geflogen.

Zum dreißigsten Mal jährt sich das Datum des

9. Februar 1975, an dem durch das schwere

Flugzeugunglück der Transall C-160, 42 Soldaten

den Tod fanden.


2006

Vom 12. Mai bis zum 30.

September 2005 war eine

Verlegung des Lufttransportgeschwaders

63 zum Aufklärungsgeschwader

51 „I“ nach

Jagel notwendig geworden.

Die Erneuerung der gesamten

Flugplatzbefeuerung, ein

neues Instrumentenlandesystem

und die Erneuerung der

Hauptstromversorgung dienten

wesentlich dazu die weitere

Einsatzbereitschaft des

LTG 63 zu sichern.

Am 25. Juli und 26. Juli 2005

fand der Antrittsbesuch des

neuen Kommandeurs Lufttransportkommando,Generalmajor

Hans-Werner Ahrens

im Lufttransportge-

schwader 63 statt.

Am 19. Januar 2006, nach

über 32 Jahren erfolgreichen

Wirkens und fast 50.000 Rettungseinsätzen,

wurde das

Rettungszentrum Hamburg

an die Bundespolizei übergeben.

Die besondere Würdigung

dieses Anlasses erfolgte

am 28. April 2006 im Rahmen

einer Feierstunde im

Bundeswehrkrankenhaus

Hamburg unter der Beteiligung

einer breiten Öffentlichkeit.

Udo Nagel, Innensenator

der Freien und Hansestadt

Hamburge, bedankte

sich bei den Besatzungen von

„SAR 71“ für die geleistete Arbeit und ein

Sprecher des Innenministeriums begrüßte

gleichzeitig die neuen Besatzungen der Bundespolizei.

Ab dem 27. Februar 2006 war für zwei Wochen

das Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“

mit sechs BR 1150 Atlantic zu Gast beim

LTG 63. Zwingende Instandsetzungsarbeiten

an der Start- und Landebahn in Nordholz hatten

Weltweit im Einsatz

64

Gruppenfoto auf der Flight: Einsatzgeschwaders Termez im Juni 2004

die kurzfristige Verlegung nach Hohn notwendig

gemacht.

Ein Spitzengespräch zwischen Wirtschaft und

Bundeswehr fand am 15. März 2006 beim Lufttransportgeschwader

63 statt. Eingeladen hatten

der Befehlshaber im Wehrbereich I Küste, Generalmajor

Heinz-Georg Keerl und Professor

Dr. Hans-Heinrich Nord. Gastredner war der

Minister für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr

des Landes Schleswig-Holstein, Dietrich

Austermann.


Vom 27. März 2006 bis 25. Februar 2010 ist

Oberst Manfred Merten der zwölfte Kommodore

des LTG 63. Oberst war bereits als Kommandeur

der Fliegenden Gruppe im LTG 63 in

Führungsposition eingesetzt.

Seit Juli 2006 befinden sich Angehörige des

Lufttransportgeschwaders 63 im Kongo. Die

EU war von der UN um Hilfe gebeten worden,

um die ersten freien Wahlen nach 41 Jahren im

Kongo zu gewährleisten. In EUFOR RD Congo

sind insgesamt 780 Bundeswehrsoldaten eingebunden,

der Lufttransport stellt zwei Transall,

davon eine in der MEDEVAC-Konfiguration.

Am 13. Juli 2006 wurde das Lufttransportgeschwader

63 durch eine Delegation der Verei-

Weltweit im Einsatz

Transall im EUFOR Einsatz im Kongo bzw. in Gabun.

65

nigten Arabischen Emirate besucht. Hintergrund

des Besuches war das Ersuchen der

Streitkräfte der Vereinigten Arabischen Emirate

um Beratung und Zusammenarbeit im Aufgabengebiet

Umweltschutz durch die Bundeswehr.

Im Rahmen des späteren Libanon Einsatzes

landete am 18. August 2006 die erste Transall

C-160 mit einer Besatzung des Lufttransportgeschwaders

63 in Amman/Jordanien, um von

dort Hilfsflüge nach Beirut zu starten. Die vom

Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am 11.

August 2006 einstimmig angenommene Resolution

1701 hatte in einem ersten Schritt derartige

militärische Fähigkeiten zur Unterstützung

vorgesehen. Die Luftwaffe stationierte daher

zwei Transportflugzeuge Transall C-160 auf

dem internationalen Flugplatz von

Paphos/Zypern. Bis zum Abschluss der Hilfslieferungen

Ende September, wurden mit insgesamt

34 Einsatzflügen 246 Tonnen Hilfsgüter

nach Beirut gebracht.

Die Bergeübung „Elephant Recovery“ fand am

25. September 2006 statt. Ziel der Übung war

es, die Fähigkeiten der beteiligten Lufttransportverbände

zur Bergung von Großluftfahrzeugen

im Einsatz sowie die materielle Ausstattung

und den Ausbildungsstand des Fachpersonals

zu überprüfen.


Bergeübung Elephant Recovery, hier werden verschiedene Bergemöglichkeiten

für die Transall geübt. Dazu gehört das Anheben mittels

pneumatischen Hebekissen und die Bergung mit einer eingerüsteten

Traverse

2007

Am 14. Februar 2007 landete die erste Transall

C-160 auf der Insel Jan Mayen im Rahmen der

Unterstützung der Königlichen Norwegischen

Luftwaffe (RNoAF). Auf der Insel, die 373

qkm groß ist und nordöstlich von Island im

Nordatlantik liegt, befinden sich eine Wetterstation

und eine für nautische Navigationszwecke

in Betrieb befindliche Loran C Station.

108 abgedrehte Folgen „Die Rettungsflieger“.

Auf diese Bilanz blicken die Crews der 2. Staffel

des Lufttransportgeschwaders 63 und die

verantwortliche Set Crew des Studio Hamburg

im Februar 2007 zurück. Die erfolgreiche Vorabendserie

des ZDF wurde im zehnten Jahr

ausgestrahlt.

Weltweit im Einsatz

66

Im Februar 2007 wurden die Dreharbeiten zur 11. Staffel der Serie „Die

Rettungsflieger“ beendet. Seit nunmehr 10 Jahren sind die SAR Hubschrauber

im Vorabendprogramm des ZDF zu sehen

Um allen Anforderungen des Krisenmanagements

gerecht zu werden, nahm das LTG 63

vom 26. Februar 2007 bis zum 15. März 2007

am NATO-Manöver „Cold Response“ in Norwegen

neben weiteren 16 Nationen teil. Das

LTG 63 hatte mit je einer Transall C-160 und

UH-1D nach Bodoe/Evenes/Norwegen verlegt.

Dazu gehörten die fliegende Besatzung, Warte,

Techniker, Feuerwerker und der Planungsstab.

Die Hauptaufgabe des deutschen Kommandos

bestand im Transport von Personal und Gerät

im Operationsgebiet, sowie der Transport und

das Absetzen von Fallschirmjägern. Hintergrund

der Übung war ein fiktives Szenario in

Ländern nördlich des Polarkreises.

„Quantensprung für die Sicherheit“ auf dem

Flugfeld. Nach 30 Jahren erhält die

Fliegerhorstfeuerwehr zwei neue Tanklöschfahrzeuge;

die Ziegler Z8 sind die zur Zeit

größten und leistungsstärksten Löschfahrzeuge

der Bundesfeuerwehren in Schleswig-Holstein.


Das Einsatzgeschwader in Termez/Usbekistan

erbrachte am 21. April 2007 die 19.000ste

Flugstunde. Diese Bilanz wurde zum größten

Teil durch Lufttransport- und MEDEVAC-

Einsätze im Rahmen von ISAF, sowohl in

NATO als auch in nationaler Verantwortung

erflogen. Insgesamt wurden seit der Aufnahme

des Flugbetriebes in Afghanistan mit

den Waffensystemen

Transall C-160 und

Sikorsky CH-53

GS gemeinsam

mehr als 6.900

Einsätze

durchgeführt.

Dabei

wurden rund

16.000

Tonnen Ladung,

sowie mehr als

184.000 Passagiere

transportiert, dazu

kommen rund 600

Patienten aus

unterschiedlichen

Nationen, die mit unseren

MEDEVAC-

Luftfahrzeugen verlegt

wurden. Nahezu täglich

flog der „Joint-

Verband“,

welcher aus

Luftwaffen-

und Heeresanteilen

besteht,

nach

Afghanistan.

Das LTG 63

wurde durch

den Inspekteur

der Luftwaffe für

seine erfolgreiche

Flugsicherheitsarbeit im

Jahr 2006 für 9.425 Flugstunden

im Bereich der Bundeswehr zum vierten

Mal in Folge mit der Flugsicherheitsurkunde

ausgezeichnet. Am 1. Juni übergab der Kommandeur

des Lufttransportkommandos, Herr

Generalmajor Hans- Werner Ahrens, dem Lufttransportgeschwader

63 die Flugsicherheitsur-

Weltweit im Einsatz

Im Einsatzgeschader Termez sind seit Juni 2004 die Lfz Muster

Transall C-160 und CH-53 GS im Einsatz. Transportkapazitäten der

Luftwaffe und des Heeres werden in diesem „joint-Verband“ vereint

67

kunde für 4 Jahre unfallfreien Flugdienst. In

seiner Ansprache würdigte General Ahrens die

stetige Leistung auf dem Gebiet der Flugsicherheit.

Dabei betonte er unter anderem, dass

die langjährige Flugunfallfreiheit kein Geschenk

ist, sondern täglich hart und wiederholt

erarbeitet werden muss

Am 19. Juni 2007

erfliegt das Einsatzgeschwader

unter

Kommodore

Oberst Manfred

Merten

die

20.000ste

Flugstunde

im teilstreitkraftübergreifendem

Flugbetrieb

mit der CH-53 und

der Transall C-160.

Im Juli nahm eine

Transall C-160 vom LTG

63 an der Übung „Cooperative

Archer 2007“

teil. Die Übung fand

im Rahmen des

NATO-

Programms

„Partnerschaft

für

den Frieden“

in

Tif-

lis/Georgien

statt.

40 Jahre

Lufttransportgeschwader

63 in Hohn!

Vor 40 Jahren landete die

erste Noratlas des LTG 63 auf

dem Fliegerhorst Hohn. Ein besonderer Grund

dieses Jubiläum gebührend zu feiern. So geschah

es am Wochenende des 8. und 9. September

2007 mit einem Familientag und anschließend

zünftigem Hallenfest.


2008

Am 18. Februar 2008 jährte sich zum sechsten

Mal der Tag,

an dem durch

den damaligen

Kommandoführer

des

Lufttransportstützpunktes,

der Vorläufer

des heutigen

EinsatzgeschwaderTermez,

die volle

Einsatzbereitschaft

des

Stützpunktes

für den Einsatz

im Rahmen der

International

Security Assistance

Force

(ISAF) an die

Weltweit im Einsatz

Den benötigten Lufttransport für den ISAF Einsatz müssen zu einem großen Teil auch strategische

Transportflugzeuge wie die Antonow AN-124, im oberen Bild zu sehen beim Entladen auf dem

Flughafen Kabul, sicherstellen

Führung der Bundeswehr gemeldet wurde. Seit

19. Juni 2004 bestand das Einsatzgeschwader

Termez als „Joint-Geschwader“. Damit wurden

die Transportkapazitäten der Luftwaffe und des

Heeres unter eine gemeinsame Führung gestellt.

Zum ersten Mal in der Geschichte der

Bundeswehr wurde somit ein teilstreitkräfteübergreifendes

Geschwader mit Großgerät von

Heer und Luftwaffe aufgestellt.

Am Nachmittag des

25. Juni 2008 besuchte

Bundespräsident

Horst Köhler das

Lufttransportgeschwader.

Gegen

13:45 Uhr landete die

Maschine vom Typ

Challenger mit der

Kennung 12+07 auf

dem NATO-Flugplatz

Hohn. Auf dem Flugfeld

wurde er begrüßt

durch den Inspekteur

der Luftwaffe Generalleutnant

Klaus- Peter

Stieglitz und dem

Kommodore LTG 63,

Oberst Manfred Mer-

Der Bundespräsident Horst Köhler zu Besuch im LTG 63 im Juni 2008

68

ten. Der Bundespräsident begrüßte die Bürgermeister

Peter Eichen (Alt Duvenstedt), Pierre

Gilgenast (Fockbek), Andreas Breitner

(Rendsburg) und

Bürgervorsteher

Eberhard Goll.

Sehr beeindruckt

zeigte sich das

Staatsoberhaupt

bei einem Rundgang

durch die

Instandsetzungshalle

der C-160

Transall, ebenso

wie bei der Besichtigung

einer

MEDEVAC- Maschine.

Der Fliegerarzt

OSA Sven

Koopmann und

sein Team erläu-

terteneindrucksvoll die Abläufe

und Funktionsweisen

einer solchen „fliegenden Intensivstation“.

Das Lufttransportgeschwader 63 konnte am

Ende des Jahres 2007 auf einen fünfjährigen

unfallfreien Flugbetrieb zurückblicken. Aus

diesem Grund wurde der Verband erneut mit

dem Flugsicherheitspokal ausgezeichnet. Die

Übergabe des Pokals an den Verband fand am

3. Juli 2008 in Form eines Appells durch den

Kommandeur des Lufttransportkommandos,


Herrn Generalmajor Hans-Werner Ahrens, an

den Stv. Kommodore Oberstleutnant Helmut

Henk statt. Im Rahmen dieses Appells waren

Soldatinnen, Soldaten, Beamte und Zivilangestellte

des LTG 63 angetreten.

Generalmajor Hans-Werner Ahrens überreicht den Flugsicherheitspokal an

den Stv Kommodore Oberstleutnant Helmut Henk

Mit dem Bundestagsbeschluss vom 9. März

2007 und der militärischen Entscheidung, sich

mit sechs Aufklärungs-Tornados (RECCE) an

ISAF zu beteiligen und diese in Mazar-e Sharif

zu stationieren, wurden die ursprünglichen

Verlegeplanungen für die in Termez stationierten

Luftfahrzeuge in den Norden Afghanistans

vorläufig aufgeschoben. Mit der Fertigstellung

der benötigten Infrastruktur in Mazar-e Sharif

wurden die Hubschrauber CH-53 GS vom Einsatzgeschwader

Termez (EG TMZ) abgezogen

und am 1. November 2007 in das Einsatzgeschwader

Mazar-e

Sharif (EG MES)

integriert. Nachdem

die Erweiterung

der Flugbetriebsflächen

in

MES abgeschlossen

war, begann

im August 2008

die Verlegung und

Integration der

Transall C-160 in

das EG MES. Mit

Ablauf des 31.

August 2008 wurde

das EG Termez

dann außer Dienst

gestellt und zum Arbeitseinsatz in der Slowakei

„Strategischen

Lufttransportstütz-

Weltweit im Einsatz

69

punkt Termez“ mit unveränderten Kernaufgaben

im Bereich des Luftfrachtumschlages sowie

der Passagierabfertigung umbenannt und

als dislozierte Einheit dem EG MES zugeordnet.

Das Wappen des Einsatzgeschwaders Mazar-e-Sharif. Mit dem Ablauf des

31.8.2008 wurde das EG Termez aufgelöst und die Luftfahrzeuge ins EG

MeS verlegt und integriert

Nach dem vierten Arbeitseinsatz des Lufttransportgeschwader

63 wurde pünktlich zum 90.

Jahrestag seit Ende des I. Weltkrieges der Soldatenfriedhof

im Ost- Slowakischen Vysny

Mirosov feierlich eingeweiht und der Öffentlichkeit

übergeben.

Die Soldaten um Hauptmann Joachim Fedde

wurden für Ihre langjährige Zusammenarbeit

mit Orden des Innenministeriums der Slowakischen

Republik und des Militärs ausgezeichnet.


2009

Nachdem das Lufttransportgeschwader 63 im

letzten Jahr den Flugsicherheitspokal für fünfjährigen

unfallfreien Flugbetrieb erhalten hat,

wurde am 6. März 2009 die Flugsicherheitsurkunde

für unfallfreien Flugbetrieb im Jahr 2008

in Form eines Appells durch den Kommandeur

des Lufttransportkommandos,

Herrn

Generalmajor Hans-

Werner Ahrens, an

den Kommodore

Oberst Manfred Merten

überreicht. Im

Rahmen dieses Appells

waren Soldatinnen,

Soldaten, Beamte

und Zivilangestellte

des LTG 63 angetreten.

General Ahrens

würdigte in seiner

Ansprache die

Leistung des Verbandes

auf dem Gebiet

der Flugsicherheit

und unterstrich, dass

Auftragserfüllung

und Flugsicherheit

nicht miteinander

konkurrieren, wenn

alle am Flugbetrieb

Beteiligten verantwortungsbewusst,

professionell und mit

steter Disziplin handeln.

Er stellte heraus,

dass Teamarbeit

ein wesentlicher

Schlüssel dieser erfolgreichenAuftragserfüllung

ist.

Das Motto der diesjährigen

NATO-

Übung „Cold Response“

hätte besser heißen sollen: „Getting

there is half the challenge“. Zahlreiche Nationen

hatten anfänglich mit den schlechten Wet-

Weltweit im Einsatz

Die NATO Übung „Cold Response“ in Norwegen

70

terbedingungen südlich Norwegens zu kämpfen

und reisten mitunter verspätet an. Die Verlegung

der an der Übung beteiligten Hubschrauber

erfolgte von Nordholz wo eine Antonov

124 drei UH1D aufnahm um sie in das

Übungsgebiet zu verlegen. Ziel dieser Übung

sollte es sein, die Kommandostrukturen innerhalb

eines multinationalen Führungsstabes auf

Brigadeebene zu standardisieren und seine Führungsfähigkeit

zu testen.


Rodeo 2009 auf der Mc Chord Air

Force Base bei Seattle. Ein Vorkommando,

bestehend aus Technikern,

dem Luftumschlagzug (LuZg),

Fallschirmjägern aus Altenstadt, sowie

Objektschützern aus Jever, wurden

mit einem Airbus eingeflogen.

Bis zum offiziellen Beginn des Rodeo

am Sonntag 19. Juli 2009, waren

zwei Transall C-160 gefolgt. Neben

Deutschland, nahmen auch Malaysia,

Türkei, Spanien, Korea, Belgien, Israel

in Mc Chord teil. Am Ende ging

die Ehrung an Korea, das LTG 63

sammelte bei diesem internationalen

Vergleichskampf neue Erfahrungen.

Für einen kurzen Zwischenstopp war

am 20. August 2009 die im Jahr

1964 gegründete Jet-Kunstflugstaffel

Patrouille Suisse, auf dem Weg nach

Skandinavien, Gast beim LTG 63.

Am 17. Dezember 2009 konnte der

Kommodore des LTG 63, Oberst

Manfred Merten, im Beisein des

Kommandeurs Lufttransportkommando,

Generalmajor Hans-Werner

Ahrens, den Befehlshaber Luftwaffenführungskommando,Generalleutnant

Peter Schelzig auf dem NATO-

Flugplatz Hohn zu einem Truppenbesuch

begrüßen.

Weltweit im Einsatz

Rodeo 2009, Gruppenfoto mit “Else” und der Crew. (oben) Ein amerikanischer Wart winkt die

Transall C-160 in ihre Parkposition ein (unten)

Die Schweizer Kunstflugstaffel zu Gast beim LTG 63

71


2010

Am 25. Februar 2010 übernimmt Oberst Stefan

W. Neumann, als 13. Kommodore, die Führung

des LTG 63.

Verteidigungsminister Karl-Theodor Freiherr

zu Guttenberg wurde nach seiner Ankunft am

9. März 2010 auf dem NATO-Flugplatz Hohn

durch den stellvertretenden Kommodore,

Oberstleutnant Helmut Henk auf der Weiterreise

nach Eckernförde begrüßt, wo er seinen Antrittsbesuch

bei der Marine absolvierte.

Oberstleutnant Helmut Henk nimmt Verteidigungsminister Karl Theodor

Freiherr zu Guttenberg in Empfang

Weltweit im Einsatz

72

Am 3. Juni 2010 besuchte der Kommandeur

des Lufttransportkommandos in Münster, Generalmajor

Hans-Werner Ahrens, letztmalig offiziell

das Lufttransportgeschwader 63. General

Ahrens, der Ende Juni 2010 in den Ruhestand

versetzt wird, nutzte die Gelegenheit, sich auch

bei den Bürgermeistern der Stadt Rendsburg,

Andreas Breitner und der Gemeinde Hohn,

Bernd Müller für die langjährige und gute Zusammenarbeit

zu bedanken.

Aufgrund der geänderten Unterstellungsverhältnisse

zum 1. Juli 2010 fand vom 14. bis 15.

Juni 2010 ein Informationsbesuch des Chefs

des Stabes Kommando 4. Luftwaffendivision,

Oberst i.G. Harms, mit seinen Abteilungsleitern

im LTG 63 statt.

Am 30. Juni 2010 kam es zur Außerdienststellung

des Lufttransportkommandos in Münster.

Die Aufgaben wurden dem European Air

Transport Command (EATC) in Eindhoven

übertragen. Dem LTG 63 ist jetzt die 4. Luftwaffendivision

mit ihrem Kommandeur Generalmajor

Volker Zimmer, als Dienststelle auf

Divisionsebene vorgesetzt.

Am 1. Juli 2010 besuchte der Stellvertreter des

Befehlshabers Luftwaffenführungskommando,

Generalmajor Hans-Joachim Wundrak das Geschwader.

Generalmajor Wundrak, ehemaliger

Staffelkapitän der 1. Staffel des LTG 63, hielt

in dem Offizierheim vor

Geschwaderangehörigen ein Briefing zur Zukunft

der Bundeswehr. Speziell ging er dabei

auf die Auflösung der 2. Fliegenden Staffel des

LTG 63 zum Jahresende ein.

Seit dem 1. Juli 2010 ist das LTG 63 der 4.

Luftwaffendivision in Aurich unterstellt. Nachdem

am 14. und 15. Juni 2010 bereits der Chef

des Stabes mit den Abteilungsleitern das Geschwaders

besucht hatte, kündigte sich für den

7. und 8. Juli Brigadegeneral Dieter

Dammjacob, der Stellvertreter des Kommandeurs

4. Luftwaffendivision an, um in persönlichen

Gesprächen einen ersten Einblick in das

Lufttransportgeschwader und sein Aufgabenspektrum

zu erhalten. Das LTG 63 nimmt als

einziger Lufttransportverband in der 4. Luftwaffendivision

eine Sonderstellung ein.


Am 22. Juli 2010 führte eine Delegation der

SPD einen Informationsbesuch beim

LTG 63 durch. Ein hohes Interesse

an der Neuausrichtung der

Bundeswehr sowie an den

regionalen Verbänden, u.a.

das Lufttransportgeschwader

63, das als

letzter Verband in der

Umgebung der Garnisonsstadt

Rendsburg

verblieben ist, führten

dazu, dass der Bundestagsabgeordnete

Rix sowie

die Landtagsabgeordneten Dr.

Stegner und Dr. Dolgner aus

Schleswig-Holstein neben den aktuellen

Aufgaben des

Verbandes

auch

Eindrücke

zur Stimmungslage

der

Soldatinnen und Soldaten unseres Geschwaders

sammeln wollten.

Am 8. September 2010 kam das

Mitglied des Deutschen Bundestages,

Dr. Bartels zu einem

Informationsbesuch

in unser Geschwader. Sein

hohes Interesse am LTG

63 führte den Parlamentarier

zu uns, um neben den

aktuellen Aufgaben des

Verbandes auch Eindrücke

zur Stimmungslage der Soldatinnen

und Soldaten unseres Geschwaders

sammeln zu können.

Am 27. Oktober 2010 wurde mit der

Veranstaltung „Final Coasting Out-Borkum“

Weltweit im Einsatz

73

und einem „Fly Out-

Hohn“, der

Flugbetrieb

mit

UH-1D

auf Borkum

eingestellt.

Am 15. Dezember

2010, unter der Beteiligung zahlreicher

Ehrengäste aus Politik und

Gesellschaft sowie Abordnungen

der Bundeswehr-

und Schwesterverbände

beendete der stellvertretende

Befehlshaber

Luftwaffenführungskommando,Generalmajor

Hans-Joachim

Wundrak, in Begleitung

des stellvertretenden

Kommandeur 4. Luftwaffendivision,

Brigadegeneral

Dammjacob, mit einem feierlichen

Appell den Flugbetrieb

UH-1D im

LTG 63.

Mit

einem

Fly Out

verabschiedete


Weltweit im Einsatz

Gruppenfoto der Technischen Gruppe beim Dockausgang der Maschine nach Abschluss

der periodischen Inspektion. Diese Inspektion wurde bis dato hauptsächlich bei der

Industrie oder der Werft in Penzing durchgeführt

2011

sich die Staffel in gewohnter und ausgezeichneter

Weise im Rahmen einer „Five Ship Formation“

mit dem Banner der Landesfarben

Schleswig-Holstein aus Hohn.

Eine PeriodischeInspektion

an der

Transall C-

160 wird im

LTG 63

durchgeführt.

Seit 1998

wurden diese

Inspektionen

durch das

SystemzentrumLuftfahrzeugtechnik,ab-

Anlässlich des 50 jährigen Jubiläums des LTG 63 bekam diese Transall eine Sonderlackierung

74

gesetzter Bereich Penzing bzw. die Industrie

durchgeführt. Aus Kostengründen sollen

diese auch wieder ab 2012 in den Lufttransportgeschwadern

durchgeführt werden. Als

Nachweis, dass diese Fähigkeit in den Verbänden

vorhanden ist, wurde ab dem 4. Februar

2011 in der Werfthalle des LTG 63 die

erste Inspektion in der Truppe seit acht Jahren

mit großem Erfolg durchgeführt.

Am 26. Februar 2011, erwarteten die

fliegenden Besatzungen des Lufttransportgeschwaders

63 voller Spannung auf den Einsatzbefehl

für die Operation „Pegasus“. Bei

dieser durch das Einsatzführungskommando

der Bundeswehr in Potsdam geführten Operation

ging es um die Rettung deutscher und

ausländischer Staatsbürger aus dem im Bürgerkrieg

befindlichen Libyen. Am Donnerstag,

den 3. März 2011 wurde die Operation

für beendet erklärt.

Mit der Rückkehr der letzten in

Toplicane (Kosovo) noch stationierten Bell

UH 1-D im Februar 2011 in den Leitverband

am Standort Penzing beendete die

Luftwaffe ihren mit LTG 61/62/63 und HSG

64 gemeinsamen Auftrag, innerhalb der gemischten

Heeresfliegerabteilung KFOR,

ihren zwölfjährigen Einsatz auf dem Balkan.

Zur Erfüllung des Auftrages standen bis zu

15 Hubschrauber der Luftwaffe und des Heeres

zur Verfügung.

Vom 15. bis 17. September 2011 feiert das

Lufttransportgeschwader 63 sein 50 - jähriges

Bestehen mit einer Serenade und einem Familien-

und Freundestag.


Geschichten und Anekdoten

Deutschlands Beteiligung an der internationalen Luftbrücke für Sarajevo. Erstflug am 4. Juli 1992

Überraschend kam der Einsatzbefehl für den Hilfsflug zur Teilnahme an der aktiven Versorgung der notleidenden

Bevölkerung von Sarajevo nicht. Andere Nationen hatten bereits die Versorgungsflüge aufgenommen,

und so war die Teilnahme Deutschlands nur eine Frage der Zeit. Da als Transportmittel nur die Transall

C- 160 in Frage kam, hatten sich die Verbände (LTG 61, LTG 62, LTG 63) bereits im Vorfeld mit diesem

Problem beschäftigt.

Die Standardisierungsgruppen der Verbände setzten sich mit den zuständigen Stellen in Verbindung und

erarbeiteten einheitliche Verfahren, um eine sichere und den geltenden Vorschriften entsprechende Flugdurchführung

zu gewährleisten. In bestimmten Fällen, Grenzbereiche der Leistungsfähigkeit der C- 160 betreffend,

wurden Sondergenehmigungen eingeholt. Federführend für diese Vorbereitungen war die Standardisierungsgruppe

des LTG 63.

Ausgangspunkt für die Versorgungsflüge war der Flugplatz von Zagreb (Kroatien), wo alle Hilfsgüter angeliefert,

sortiert und lufttransportfähig gepackt wurden. Die Strecke von Zagreb nach Sarajevo und zurück

sowie die Flughöhen waren zwingend für alle an der Luftbrücke beteiligten Nationen vorgegeben. Sie waren

so gewählt, dass keine oder aber nur geringe Bedrohung vom Boden aus zu erwarten war. Die schwierigsten

Teile waren An- und Abflug des Flugplatzes von Sarajevo. Anflughilfen waren nicht vorhanden und der

Funkverkehr entsprach auch nicht den gewohnten Verhältnissen. Da der Flugplatz von Sarajevo in einem

einseitig geöffneten Talkessel liegt, ist er ohne Anflughilfen nur unter Sichtflugbedingungen anfliegbar.

Die relativ niedrige Geschwindigkeit der Transall C-160 beim Anflug und die dadurch eingeschränkte Manövrierfähigkeit

hält das Flugzeug längere Zeit im Einwirkungsbereich der Infanteriewaffen und der Flak.

Um diese Zeitspanne der Bedrohung zu verkürzen, wurde ein Verfahren erarbeitet, welches später als „Sarajevo

- Approach“ bekannt wurde. Hierbei ging es darum, beim Anflug die Flughöhe so spät wie möglich,

aber so früh wie nötig, zu verlassen. Beim Abflug, nach dem Einfahren von Fahrwerk und Flügelklappen,

erst Geschwindigkeit aufzubauen und dann möglichst steil nach oben zu ziehen, um aus dem Wirkungsbereich

der Infanteriewaffen zu kommen.

Alle diese Fakten waren durch die Standardisierungsgruppe dem fliegenden Personal in Briefings vermittelt

worden. Musterkarten für die Strecke, An- und Abflugverfahren standen den Besatzungen als Kopien zur

Verfügung. Durch diese hervorragenden Vorleistungen waren die Verbände jederzeit in der Lage, verzugslos

aktiv an der Luftbrücke teilzunehmen.

Nach Eingang des Einsatzbefehls im LTG 63 am 3. Juli 1992 wurde die Besatzung durch den EO der Lufttransportstaffel

zusammengestellt und in den Einsatzauftrag eingewiesen. Er lautete: Transport von Personal

und Material für den Stützpunkt Zagreb sowie Transport von Hilfsgütern für Sarajevo. Ein zusätzlicher

Punkt war die Mitfluggenehmigung von Vertretern der verschiedenen Mediengruppen um die Teilnahme der

BRD an den Hilfsflügen auch der Öffentlichkeit mitzuteilen.

75


Die Besatzung bestand aus:

Geschichten und Anekdoten

- dem Kommando-Führer und Navigator: OTL Pleiner

- Kommandant Hptm Vollmann

- Co-Pilot Hptm Dien

- FE StFw Palisa

- FLM: StFw Saal

76

Hptm Klehr, OTL Pleiner

Im anschließenden Besatzungsbriefing werden dann zuerst die Routinepunkte abgearbeitet:

- Aufgabenverteilung für Flugvorbereitung (Strecke, Zielplätze, Wetter, S2-Lage)

- Ladung, Betankung und Ausrüstung des Flugzeuges

- Verpflegung (Der Dienstherr ist hier zwar gefordert, aber reagiert nur selten. Die Besatzung

ist Selbstverpfleger bei diesem langen Einsatz.)

- Dienstantritt am Abflugtag

Danach speziell die Strecke Zagreb Sarajevo Zagreb

- allgemeine Sicherheitslage und spezielle Informationen (soweit vorhanden)

- Verhalten bei Bedrohung im Flug

- Verhalten in Sarajevo am Boden

Somit ist sichergestellt, dass alle Besatzungsmitglieder mit den gleichen Informationen für den Einsatz versorgt

sind.

Flugzeugführer und Navigator legen dann anhand ihrer Vorausberechnungen den letztmöglichen Punkt für

ein Durchstarten im Notfall und das daraus folgende Streckenprofil fest. Diese Berechnungen werden dann

am Flugtag aktualisiert.

Am 4. Juli 1992 waren die Besatzungsmitglieder zu den vorgesehenen Zeiten auf ihren jeweiligen Arbeitsplätzen

und überprüften ihre Bereiche. Unser Flugzeug war die GAF 51+09. Flugzeugführer und Navigator

erstellten die Flugpläne für den gesamten Flug und holten eine entsprechende Wetterberatung ein. Nach den

Voraussagen erwartete uns ein problemloser Flug. Zurück an Bord der 51+09 kamen die Klarmeldungen der

verantwortlichen Besatzungsmitglieder und der Start erfolgte um 0645Z.

Der Hilfseinsatz führte zunächst über Wunstorf und Köln / Bonn. Hier wurden Personal und Gerät (z. B.

Gabelstapler) für die Beladung von Hilfsgütern in Zagreb aufgenommen sowie Hilfsgüter für Sarajevo. Die

Medienvertreter waren auch bereits vor Ort um bei der Beladung dabei zu sein und um erste Interviews mit

den Besatzungsangehörigen zu führen.

Hierbei kristallisiert sich seit Jahren immer wieder ein gleich bleibendes Frage- und Antwortritual heraus.

Fragen: - Wie ist das allgemeine Gefühl bei diesem Einsatz, was bewegt sie besonders?

- Ist Angst bei dem Einsatz dabei?

- Was sagen Familie, Angehörige und Freunde?


Antworten

Geschichten und Anekdoten

Kriseneinsätze sind Teil des Einsatzkonzeptes und werden von uns bereits seit längerem in den verschiedensten

Regionen durchgeführt

Die Einsätze sind immer wieder eine Herausforderung die mit der nötigen Sorgfalt und gewissenhafter

Vorbereitung unter Einplanung evtl. Risiken angegangen werden

Keine Angst, aber jeder ist sich über ein nicht kalkulierbares Restrisiko im Klaren

Familien stehen voll hinter den Einsätzen, sonst wären wochenlange Abwesenheiten nicht ohne Probleme

möglich

Nach dem Abschluss der Arbeiten am Boden erfolgt um 0915Z der Start in Köln/ Bonn. Nach gut zwei

Stunden landete die Transall um 1120Z in Zagreb. Es folgte die Entladung des für Zagreb bestimmten Personals

und Materials. Aufgenommen werden Lebensmittel und Medikamente mit einem Gesamtgewicht von

ca. 9 Tonnen. Während das Flugzeug beladen wurde, holten sich Flugzeugführer und Navigator die neuesten

Informationen für den bevorstehenden Flug nach Sarajevo und zurück (Wetter, Strecken-und Zielflugplatz,

Sicherheitslage, Funkfrequenzen für den internen Verkehr mit anderen Hilfsflugzeugen usw.). Aufgrund der

vorgegebenen Landezeit in Sarajevo wurde der Start in Zagreb auf 1350Z festgelegt und erfolgte pünktlich.

Bei schönstem Wetter flogen wir zunächst Richtung Westen bis Rijeka, dann nach Süden an der Adriaküste

entlang. Im Osten zeichnete sich klar die Bergfront Dalmatiens ab.

Über Split ging es dann ostwärts in das Landesinnere Richtung Sarajevo. An Bord erfolgte jetzt ein letztes

Briefing für die Besatzung, in dem alle wichtigen Punkte für Anflug, evtl. Durchstarten und Landung noch

einmal angesprochen wurden. Nach der Kontaktaufnahme mit „Sarajevo Tower“ wurden wir für Anflug und

Landung freigegeben. Die Sicherheitslage war in Ordnung. Im steilen Sinkflug flogen wir auf die Landebahn

zu. Aus den Augenwinkeln erkannten wir das zerstörte Sarajevo, zerbombte Dörfer, leere Straßen und Autowracks.

Die Landung um 1520Z bereitete keine Probleme. Am Rand der Landebahn und auf dem gesamten

Flugplatz sah man die blauen Helme der UN-Soldaten, die hier den Flugplatz sicherten. Auf dem Abstellplatz

wurden Ladetor und Laderampe geöffnet und die Triebwerke abgestellt. Kanadische und französische

Soldaten entluden die Transall C- 160 in kürzester Zeit und beluden sie wieder mit Leergut und

Verzurrmaterial das in Zagreb wieder benötigt wurde. Normal ist eine Bodenzeit von ca. 20 Minuten. Da

unsere Medienvertreter aber noch weitere Informationen durch die UN-Mitarbeiter erbaten und auch erhielten,

starteten wir um 1615Z. Nach dem Start hieß es dann, so schnell wie möglich wieder Höhe gewinnen

um aus dem Bereich der Infanteriewaffen zum kommen.

Der weitere Rückflug erfolgte ohne Störungen, die Landung in Zagreb um 1740Z. Das Flugzeug wurde entladen

und für den Rückflug betankt. Start in Zagreb um 1830Z, Landung in Köln / Bonn um 2040Z. Nach

kurzer Berichterstattung durch den Kommandoführer OTL Pleiner an den an-wesenden Kommandeur des

LTKdo erfolgte der Weiterflug nach Hohn um 2205Z. Nach einem rund 16-stündigen Flugeinsatz freuten

wir uns nun auf ein gemütliches Bier im Kreise der Besatzung, doch der Wunsch war hier der Vater der Gedanken.

Der Kommodore, Oberst Mörsdorf, empfing uns, zusammen mit den Medienvertretern aus dem lokalen

Bereich Rendsburg und aus Schleswig-Holstein.

Nach den schon allgemein bekannten Fragen konnte aus Sicht der Besatzung folgendes Fazit dieses 1. Hilfseinsatzes

gezogen werden: Es war ein erfolgreicher Einsatz. Die erarbeiteten Unterlagen stimmten mit den

örtlichen Gegebenheiten überein und die Funkverbindungen der Hilfsflugzeuge untereinander waren gut

koordiniert gewesen. Die Bodenorganisation in Sarajevo war optimal. Eine Gefährdung der Besatzung habe

bei diesem Einsatz nicht bestanden.

Nun endlich gab es in der Staffelbar das verdiente Bier und nach Gesprächen im kleinen Kreis fuhren wir zu

unseren Familien nach Hause.

Im Grunde genommen war es: „Ein fast alltäglicher Einsatz“.

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Geschichten und Anekdoten

Bomben auf Sanaa verhindern Transall Start

Evakuierungsflüge durch Verhandlungsgeschick erfolgreich verlaufen

Der Bürgerkrieg im arabischen Jemen ließ Anfang Mai 1994 erneut die Weltöffentlichkeit aufhorchen. Erst

vor vier Jahren hatte sich der sozialistische Süden mit dem kapitalistischen Norden zu einem gemeinsamen

Staat wiedervereint; doch ein dauerhafter Streit zwischen Präsident All Saleh ( Norden ) und seinem Stellvertreter

All el Baid führte zu Machtkämpfen, die nun in kriegerische Auseinandersetzungen mündeten. Die

Luftwaffe aus dem Süden bombardierte strategisch bedeutsame Einrichtungen, wobei den Verteidigern der

Abschuss eines Bombers gelang. Zahlreiche Menschen fielen den Kämpfen zum Opfer, die öffentliche Sicherheit

geriet außer Kontrolle und Staatsbürger fremder Nationen sahen sich akuten Gefährdungen ausgesetzt.

Eine schnellstmögliche Evakuierung ausländischer Bürger wurde eingeleitet, hier der Fortgang:

Am 5. Mai 1994 befindet sich eine Transall des LTG 62 aus Wunstorf auf dem Flugplatz von Sanaa mit

Versorgungsgütern für die Deutsche Botschaft im Jemen. Die Besatzung kann den für diesen Tag geplanten

Rückflug nicht antreten, im Ort herrscht Rebellion und Luftangriffe auf den Flugplatz von Sanaa verhindern

einen Start. Die Besatzung liegt fest. Überdies erleidet ihre Maschine während der Nachtstunden erhebliche

Schäden durch Granatsplitter, sie werden vor dem späteren Rückflug mit 50 Passagieren an Bord notdürftig

repariert. In Anbetracht bevorstehender Evakuierungsflüge befiehlt das Lufttransportkommando am 6. Mai

1994 eine auf dem Flug von Ankara nach Hohn befindliche Transall des LTG 63 über Souda / Kreta nach

Djibouti, um sich dort in Bereitschaft zu begeben. Zwischenzeitlich auf diplomatischer Ebene geführte Gespräche,

den Flugplatz Sanaa für Evakuierungen freizugeben und einen sicheren Flugbetrieb zu gewährleisten,

verlaufen mit Erfolg, das BMVg gibt noch am gleichen Tag den Befehl für diese Operation.

Zur Erweiterung der Transportkapazität entsendet das Lufttransportkommando am 7. Mai 1994 eine dritte

Transall, die von Bahrain aus über mehrere Wochen UN Einsätze in den Irak flog, in das Bürgerkriegsgebiet

des Jemen. Eine während des Anfluges auf Sanaa unter Gewehrbeschuss geratene Transall wird nur

leicht beschädigt. Menschen kamen nicht zu Schaden. Die Maschine kann weiterhin wie geplant an den Flügen

teilnehmen. Am 10. Mai 1994 melden die Besatzungen den Abschluss ihres Auftrages.

An vier Tagen wurden mit drei Flugzeugen in sieben Einsätzen insgesamt 588 Menschen aus Sanaa nach

Djibouti evakuiert. Von dort setzten die 220 Deutschen und 368 weiteren Europäer ihre Reise in die Heimatländer

fort. Für die Crew des LTG 63 endete der Einsatz mit ihrer Landung am 13. Mai 1994 auf dem Flugplatz

Hohn. Oberstleutnant Udo Ottmüller, stellvertretender Kommodore des LTG 63, begrüßte Flugzeugkommandant

Thomas Alfermann und seine Besatzung mit den Worten: „Das habt Ihr prima gemacht“. Abschließend

standen auch Copilot Oberleutnant Alexander Buchert, Navigator Hauptmann d. R. Manfred

Bechstein, Bordtechniker Stabsfeldwebel Bernd Wilhelm und Ladungsmeister Hauptfeldwebel August

Schmidt den Medienvertretern für Pressegespräche zur Verfügung. Obwohl von den Rückkehrern nachhaltig

betont wurde, dass es sich hierbei um einen ganz „normalen Lufttransporteinsatz“ gehandelt habe, drückten

Familienangehörige ihre Angst und Besorgnis um eine glückliche Heimkehr unumwunden aus.

Hauke Haedicke

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Geschichten und Anekdoten

LTP 4 Tirana

Am 11.05.99 um 05:45 starteten 4 Soldaten des LTG 63 und 3 Soldaten des LVR 5 zum Aufbau des LTP 4

nach Tirana. Nach 5 Stunden Flugzeit landeten wir auf dem Flugplatz Tirana (Rinas International Airport).

Die baulichen Einrichtungen von Rinas International sind sehr schnell beschrieben, weil es nur ein (1) Gebäude

auf diesem Flugplatz gibt, das Abfertigungsterminal.

Der erste Eindruck, wir befinden uns

auf einem kleinen Provinzflugplatz, der

hoffnungslos überlastet ist. Die Anzahl

der startenden und landenden Lfz übersteigen

das maximal mögliche um ein

Vielfaches.

Um einen geeigneten Platz für ein

Camp (das Brummelcamp) zu finden

gibt es nur sehr wenig Auswahlmöglichkeit,

weil der meiste Platz auf

Rinas International von Amerikanern

und Franzosen belegt ist. Nach dem der

Platz für das Brummelcamp festgelegt

ist, beginnt der Aufbau und erste aufräum

Arbeiten um das Chaos auf dem

Lagerplatz der Hilfsgüter zu beseitigen.

Eine Gruppe baut das Iglu-Dorf mit einer Terrasse auf und die zweite Gruppe sichert Lufttransporthilfsmittel

und Hilfsgüter um diese der Verteilung durch Hilfsorganisationen zu zuführen. Die Soldaten sortieren Paletten

und beladen Lkws der humanitären Organisationen.

Zum Einsammeln von Paletten und

Gurtzeug wird die erste Fahrt nach

Tirana notwendig. Die Strecke beträgt

ca. 12 km, ich habe den Eindruck

durch die größte Müllkippe

Europas zufahren. Autowracks,

Müll, brennende Müllberge, 15-20

Schrottplätze und unvorstellbare

Armut entlang des Weges. Die Verkehrsteilnehmer

muten teilweise

mittelalterlich an. Vom Eselkarren,

Pferdewagen LKWs aus dem Museum

bis zu neuesten Modellen von

Audi, Mercedes und BMW findet

man alles auf den Straßen. Ein Kontrast

der nachdenklich macht und die

Vermögensverhältnisse in Albanien

deutlich aufzeigt. Eine sehr dünne Schicht sehr reicher Leute und die große Masse des in Armut versinkenden

Volkes. Besonders bedrückend sind die Kinder, die an der Straße stehend und betteln.

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Geschichten und Anekdoten

Nach den gesammelten Eindrücken kann ich nur eine Aussage treffen:

„Man kann es nicht beschreiben, man muss es gesehen oder erlebt haben“.

In Tirana setzt sich das Bild fort, eine Stadt die in Müll, Schutt und Gestank lebt. Chaotische Verkehrsverhältnisse,

Devisenhandel auf offener Straße (bevorzugt DM und Dollar), an jeder Ecke Verkaufsstände, große

Basare. Tirana erweckt den Eindruck eine orientalische Stadt zu sein, die abendländische Züge angenommen

hat.

Besonders auffällig ist die Deutschfreundlichkeit, sowie das Verhalten der Albaner gegenüber uns, den deutschen

Soldaten.

Am Ende bleibt festzustellen, es war ein harter Job, der sehr viel Spaß gemacht hat. Maßgeblich für den Erfolg

waren die Motivation und fachliche Qualität der eingesetzten Soldaten.

Bedanken möchte ich mich auf diesem Wege für die tolle Unterstützung durch viele Bereiche des LTG 63,

insbesondere bei Hptm Marten und Maj Zvonar für ihr außergewöhnliches Engagement.

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Geschichten und Anekdoten

Einmal rund um Afrika

Im Rahmen einer Ausrüstungshilfe hatten wir den Auftrag medizinische Hilfsgüter in den Jemen nach Sanaa

zu transportieren. Wir, das waren der Stabshauptmann Reimann die Copiloten Oberleutnant Männel und

Oberleutnant Miedtke, der Bordmechaniker Hauptfeldwebel Hagge, der Ladungsmeister, Stabsfeldwebel

Wolloscheck sowie der Wart Feldwebel Bernardi und der Stabsarzt Lamprecht.

Die Flugroute führte als Weiterbildungsflug über Kenia, Rèunion und Südafrika nach Namibia sowie über

Gabun, den kapverdischen Inseln und Portugal zurück nach Hohn.

Für den unbedarften Leser hört sich die Strecke wie ein Urlaub der besonderen Art an, träumt man doch als

Tourist von Sommerstränden im Indischen Ozean oder von Safaris durch Kenia und Namibia. Bei einem

Auftrag wie wir ihn durchzuführen hatten, ist die Realität aber weit von einer Urlaubserholung entfernt.

Wir, die fliegenden Besatzungen in den Lufttransportgeschwadern müssen uns um die Vorbereitung der Flüge

selbst kümmern. Die Vorbereitung erstreckt sich nicht nur auf die Flugroutenplanung, nein, wir müssen

uns auch um unser leibliches Wohl selbst kümmern, was bedeutet, dass man sich in der Besatzung schon

mindestens eine Woche vor dem Abflug zusammensetzt und festlegt, was an Verpflegung und Marketenderware

mitgenommen werden muss, da wir uns an Bord selbst verpflegen müssen. Bei Flügen in die heißen

Gegenden der Erde ist dabei zu berücksichtigen, dass die Speisen nicht verderben können. Bei einer geplanten

Zeitdauer von 12 Tagen kommt da schon einiges zusammen.

Bei der fliegerischen Planung wurde schnell klar, dass es ein wahrhaftig langer Flug wird, da insgesamt 65

Flugstunden in 9 Tagen geplant waren. Auch wurden uns die Entfernungen zwischen den Flugplätzen klar,

als wird die Strecken Mombasa nach Rèunion und weiter nach Johannesburg vorbereiteten. Diese Strecken

entsprechen nämlich etwa der Entfernung Hohn-Island-Goose Bay mit dem einen Unterschied, dass wir

nicht über den Nordatlantik, sondern im Bereich des Indischen Ozeans flogen.

Am Montag, den 28. Januar starteten wir dann von Hohn und flogen nach der Beladung in Köln bis nach

Kreta. Am folgenden Tag sollte es dann nach Sanaa mit einer Zwischenlandung zum Tanken in Jiddah-Saudi

Arabien weitergehen. Bei der Flugvorbereitung stellten wir dann fest, dass wir zu starke Seitenwinde zum

Start hatten. Den Start erst am Nachmittag bei schwächer vorausgesagten Winden durchzuführen war nicht

sinnvoll, da wir dann unsere maximal erlaubte Flugdienstzeit überschreiten würden. Angemerkt sei dabei,

dass zum Ende des letzten Jahres die Flugdienst- und Ruhezeitenregelung der zivilen Luftfahrt aus rechtli-

81


Geschichten und Anekdoten

chen Gründen eingeführt werden musste. Dadurch sind Flugdienste von 18 Stunden, wie sie früher üblich

waren, passè.

Am 31. Januar hatte sich das Wetter gebessert, sodass der Flug dann weiter bis nach Sanaa im Jemen ging.

Die Entladung nahm viel Zeit in Anspruch, sodass wir erst gegen 21:00 Ortszeit im Hotel waren. Nach hervorragender

Bewirtung durch das jemenitische Militär setzten wir unseren Flug am folgenden Vormittag

nach Mombasa fort. Auf diesem Teilstück verließen wir beim 40. östlichen Längengrad die Nordhalbkugel.

Da die Copiloten, der Wart und der Arzt das erste Mal in einem Bundeswehrflugzeug den Äquator überflogen,

war eine Äquatortaufe notwendig. Der Ladungsmeister verwandelte sich in Neptun und reinigte die

Probanden von außen und innen vom Dreck der Nordhalbkugel. Ab diesem Zeitpunkt mochte zumindest ein

Copilot keine Sahne mehr sehen. In Mombasa angekommen, wurden wir im Hotel Severin Sea Lodge herzlich

empfangen, da mich der einstige Barkeeper, der sich bis zur Rezeption hochgearbeitet hatte, wiedererkannte.

Einige deutsche Urlauber sprachen uns gleich in Bezug auf die Hilfsflüge von 1992/93 nach Somalia

an, andere waren verwundert, deutsche Bundeswehrflieger in Kenia zu sehen.

Doch auch hier hatten wir wenig Zeit. Am nächsten Morgen ging es weiter zur Nachbarinsel von Mauritius.

Die Insel Rèunion ist französisch und alle Preise sind neben französischer Währung schon in Euro ausgewiesen.

Auf Rèunion wurden wir vom französischen Militär betreut. Auf der Insel sind ständig zwei Transall

stationiert. Wir mußten von den Franzosen technische Unterstützung in Anspruch nehmen, da uns auf dem

letzten Teilstück ein Generator ausgefallen war. Die Insel Rèunion ist sehr idyllisch. Sie ist etwa 80 km lang,

50 km breit und hat einen Berg von über 3000 m Höhe. Hier kommt der passionierte Wanderer voll auf seine

Kosten. Aber dafür hatten wir keine Zeit.

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Geschichten und Anekdoten

Am folgenden Vormittag starteten wir wegen der technischen Störung mit

4 Stunden Verspätung. Als wir das südafrikanische Festland erreichten, war es bereits dunkel und um uns

herum standen überall Gewitter. Obwohl der Himmel und die Wolken gespenstig von den ständig zuckenden

Blitzen erhellt waren, konnten wir ungefährdet den Flug nach Johannesburg fortsetzen. Im Hotel angekommen

machten wir gerade nach einen kurzen „After-Landing-Check“ (für nicht Eingeweihte: geselliges Beisammensein

auf dem Hotelzimmer eines Crewmitgliedes) und fielen dann todmüde ins Bett.

Der Flug nach Windhoek in Namibia war dann nur noch ein Katzensprung von

2 Stunden und 55 Minuten gefolgt von einem freien Tag in Windhoek. Am Nachmittag dieses Tages wurden

wir von der dortigen Beratergruppe zu einer Lodge gefahren und haben eine kleine Safari mitgemacht.

Relativ erholt flogen wir dann über Walfis-Bay nach Libreville in Gabun. Das nächste Teilstück führte über

Cottonou zum Auftanken auf die Kap Verden. In Cottonou waren wir auf uns selbst gestellt, da kein Angehöriger

der Botschaft zum Flugplatz gekommen war. Wir ließen wie üblich das Luftfahrzeug betanken und

gaben den folgenden Flugplan auf. Der Flughafenhalter forderte die Landegebühren in bar von uns. Um das

Geld zu holen begab ich mich in Richtung Flugzeug. Der Bordmechaniker kam mir aufgeregt entgegen und

informierte mich, dass hier eine Barzahlung von über 4.000 Dollar für den Kraftstoff gefordert, da Kreditkarten

nicht akzeptiert wurden. Glücklicherweise hatten wir noch genügend Bargeld an Bord, sodass wir

nach Begleichung der Rechnung auch sofort weiterfliegen konnten. Normalerweise bleiben uns solche Probleme

erspart, wenn wir durch Beratergruppen oder durch Angehörige der Deutschen Botschaft betreut werden.

Am Abend erreichten wir den Flugplatz Franzisco-Mendes auf der Kapverden-Insel Praia. Hier kümmerten

sich das Militär und die Ehefrau des Botschafters um uns. Dadurch erfuhren wir noch etwas über

Land und Leute. Die Kapverden sind vornehmlich vulkanischen Ursprungs. Das Land ist karg und die Einwohner

sind ziemlich arm.

Die nächste Übernachtung hatten wir in Playa de Inglis auf Las Palmas. Hierüber brauche ich sicherlich

nicht viel berichten, da die meisten Leser über die Insel besser Bescheid wissen als wir berichten können.

Der Rückflug ging dann über Porto in Portugal zurück nach Hohn.

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Die Kommodore des Lufttransportgeschwaders 63

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Impressum

Herausgeber: Lufttransportgeschwader 63

Verantwortlich: Kommodore LTG 63, Oberst Stefan Neumann

Idee, Konzept und Gestaltung: Oberstabsfeldwebel d.R. Klaus-Dieter Michna

Bildauswahl und Design: Oberleutnant Sebastian Rühmer

Besonderer Dank gilt Hauptmann a.D. Winfred Fischera, der Bildstelle LTG 63, der

Geschwaderzeitschrift „Brummel“ und den Soldaten und Mitarbeitern, die darin Textbeiträge

verfasst und zur Verfügung gestellt haben.

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