28.03.2023 Aufrufe

WOHN!DESIGN Sonderausgabe SOMMER EDITION 2023

Momentaufname Auf dem Tisch warten frisches Obst und Salate für einen sommerlichen Lunch. Im Garten verbreitet sich Kinderlachen und Geschnatter. Gleich kommen alle zusammen. Mama strahlt unter ihrem großen Strohhut. Was für ein relaxter Ferientag. Unser Cover fängt diesen seltenen Moment ein. Im Supplement zu dieser Ausgabe haben wir viele coole Möbel, neue Leuchten und aktuelle Stoffe zusammengestellt, mit denen Sie in der kommenden Outdoor- Saison jeden Moment genießen können. Den richtigen Moment passte Jean-Pierre Galeyn ab, als er bei einem Familienessen verkündete, seine Manufaktur für Gartengeräte verkaufen zu wollen und in Rente zu gehen. Eine Woche später stand seine Tochter Laure in der Tür, mit dem Wunsch „zu übernehmen“. Wie es mit diesem feinen, kleinen Unternehmen aus Belgien unter neuer Führung weitergeht, lesen Sie ab Seite 30. Kollegin Anke Gungl erlebte einen amüsanten Moment mit Guide und Hund auf Trüffelsuche, weil der kapriziöse Vierbeiner zunächst keine Ambitionen hatte, sich auf Pilzpirsch zu begeben. Am Ende klappte es doch, wie Sie ab Seite 54 erfahren. Für den perfekten Moment ist Ole Dross zuständig, der Individualisten auf Reisen in ferne Länder schickt. Wir haben mit ihm über Destinationen wie Komodo oder Galapagos gesprochen und welche Voraussetzungen für entsprechende Trips wichtig sind, ab Seite 62. Unsere Sommer Edition fängt ganz unterschiedliche Situationen und Momente ein. Spannende, wie das Leben in einem Haus in Südspanien, dessen Konzeption der Versteppung von Landschaft entgegenwirken soll, ab Seite 34. Schöne, wie der Besuch bei der australischen Interior-Designerin Mardi Ola (Seite 112) oder ein Spaziergang durch den besten Garten Deutschlands, ab Seite 40. Auf eines haben wir jedoch verzichtet: Krisen und kritische Momente. Davon gibt es derzeit definitiv zu viele. Manchmal ist es auch wichtig und mehr als wohltuend, sich genau davon freizumachen und bei sich zu bleiben. Einfach unbeschwert genießen, ohne schlechte Nachrichten, dafür mit Menschen, die einem guttun. Am Ende des Sommers sind es genau diese Begegnungen, die gemeinsame Zeit und Erlebnisse, an die wir uns noch lange erinnern werden. Wir wünschen Ihnen einen tiefenentspannten Sommer mit vielen glücklichen Momenten und allem, was dazugehört – ich sage jetzt nicht WOHN!DESIGN – aber freuen würden wir uns schon …

Momentaufname

Auf dem Tisch warten frisches Obst und Salate für einen sommerlichen
Lunch. Im Garten verbreitet sich Kinderlachen und
Geschnatter. Gleich kommen alle zusammen. Mama strahlt unter
ihrem großen Strohhut. Was für ein relaxter Ferientag. Unser Cover
fängt diesen seltenen Moment ein. Im Supplement zu dieser
Ausgabe haben wir viele coole Möbel, neue Leuchten und aktuelle
Stoffe zusammengestellt, mit denen Sie in der kommenden Outdoor-
Saison jeden Moment genießen können.
Den richtigen Moment passte Jean-Pierre Galeyn ab, als er bei einem
Familienessen verkündete, seine Manufaktur für Gartengeräte
verkaufen zu wollen und in Rente zu gehen. Eine Woche später
stand seine Tochter Laure in der Tür, mit dem Wunsch „zu übernehmen“.
Wie es mit diesem feinen, kleinen Unternehmen aus
Belgien unter neuer Führung weitergeht, lesen Sie ab Seite 30.
Kollegin Anke Gungl erlebte einen amüsanten Moment mit Guide
und Hund auf Trüffelsuche, weil der kapriziöse Vierbeiner zunächst
keine Ambitionen hatte, sich auf Pilzpirsch zu begeben. Am
Ende klappte es doch, wie Sie ab Seite 54 erfahren.
Für den perfekten Moment ist Ole Dross zuständig, der Individualisten
auf Reisen in ferne Länder schickt. Wir haben mit ihm über
Destinationen wie Komodo oder Galapagos gesprochen und welche
Voraussetzungen für entsprechende Trips wichtig sind, ab Seite 62.
Unsere Sommer Edition fängt ganz unterschiedliche Situationen und Momente ein. Spannende, wie
das Leben in einem Haus in Südspanien, dessen Konzeption der Versteppung von Landschaft entgegenwirken
soll, ab Seite 34. Schöne, wie der Besuch bei der australischen Interior-Designerin Mardi Ola
(Seite 112) oder ein Spaziergang durch den besten Garten Deutschlands, ab Seite 40.
Auf eines haben wir jedoch verzichtet: Krisen und kritische Momente. Davon gibt es derzeit definitiv
zu viele. Manchmal ist es auch wichtig und mehr als wohltuend, sich genau davon freizumachen und
bei sich zu bleiben. Einfach unbeschwert genießen, ohne schlechte Nachrichten, dafür mit Menschen,
die einem guttun. Am Ende des Sommers sind es genau diese Begegnungen, die gemeinsame Zeit und
Erlebnisse, an die wir uns noch lange erinnern werden.
Wir wünschen Ihnen einen tiefenentspannten Sommer mit vielen glücklichen Momenten und allem,
was dazugehört – ich sage jetzt nicht WOHN!DESIGN – aber freuen würden wir uns schon …

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APRIL BIS SEPTEMBER<br />

<strong>WOHN</strong>!<strong>DESIGN</strong><br />

SONDERAUSGABE<br />

So inspirierend:<br />

Kochen mit Kiwis<br />

Pariser Rooftop Bars<br />

Auf Trüffelsuche<br />

D 8,50 €<br />

A 9,40 €<br />

CH 13,60 srf<br />

Lux 9,80 €<br />

I/E 11,50 €<br />

<strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

DEUTSCHLAND, deine Gärten. Mega: 45 Seiten Traumhäuser & Hideaways<br />

Auf Kultur-Tour: Abruzzen. IM SUPPLEMENT: die schönsten Outdoormöbel<br />

01<br />

4 192905 408503


EDITORIAL !<br />

Momentaufnahmen<br />

Auf dem Tisch warten frisches Obst und Salate für einen sommerlichen<br />

Lunch. Im Garten verbreitet sich Kinderlachen und<br />

Geschnatter. Gleich kommen alle zusammen. Mama strahlt unter<br />

ihrem großen Strohhut. Was für ein relaxter Ferientag. Unser Cover<br />

fängt diesen seltenen Moment ein. Im Supplement zu dieser<br />

Ausgabe haben wir viele coole Möbel, neue Leuchten und aktuelle<br />

Stoffe zusammengestellt, mit denen Sie in der kommenden Outdoor-Saison<br />

jeden Moment genießen können.<br />

Den richtigen Moment passte Jean-Pierre Galeyn ab, als er bei einem<br />

Familienessen verkündete, seine Manufaktur für Gartengeräte<br />

verkaufen zu wollen und in Rente zu gehen. Eine Woche später<br />

stand seine Tochter Laure in der Tür, mit dem Wunsch „zu übernehmen“.<br />

Wie es mit diesem feinen, kleinen Unternehmen aus<br />

Belgien unter neuer Führung weitergeht, lesen Sie ab Seite 30.<br />

Kollegin Anke Gungl erlebte einen amüsanten Moment mit Guide<br />

und Hund auf Trüffelsuche, weil der kapriziöse Vierbeiner zunächst<br />

keine Ambitionen hatte, sich auf Pilzpirsch zu begeben. Am<br />

Ende klappte es doch, wie Sie ab Seite 54 erfahren.<br />

Für den perfekten Moment ist Ole Dross zuständig, der Individualisten<br />

auf Reisen in ferne Länder schickt. Wir haben mit ihm über<br />

Destinationen wie Komodo oder Galapagos gesprochen und welche<br />

Voraussetzungen für entsprechende Trips wichtig sind, ab Seite 62.<br />

© FRANK-OLIVER GRÜN<br />

Unsere Sommer Edition fängt ganz unterschiedliche Situationen und Momente ein. Spannende, wie<br />

das Leben in einem Haus in Südspanien, dessen Konzeption der Versteppung von Landschaft entgegenwirken<br />

soll, ab Seite 34. Schöne, wie der Besuch bei der australischen Interior-Designerin Mardi Ola<br />

(Seite 112) oder ein Spaziergang durch den besten Garten Deutschlands, ab Seite 40.<br />

Auf eines haben wir jedoch verzichtet: Krisen und kritische Momente. Davon gibt es derzeit definitiv<br />

zu viele. Manchmal ist es auch wichtig und mehr als wohltuend, sich genau davon freizumachen und<br />

bei sich zu bleiben. Einfach unbeschwert genießen, ohne schlechte Nachrichten, dafür mit Menschen,<br />

die einem guttun. Am Ende des Sommers sind es genau diese Begegnungen, die gemeinsame Zeit und<br />

Erlebnisse, an die wir uns noch lange erinnern werden.<br />

Wir wünschen Ihnen einen tiefenentspannten Sommer mit vielen glücklichen Momenten und allem,<br />

was dazugehört – ich sage jetzt nicht <strong>WOHN</strong>!<strong>DESIGN</strong> – aber freuen würden wir uns schon …<br />

Hier noch unsere Playlist<br />

für Sie zu dieser Ausgabe<br />

Dr. Stephan Demmrich, Chefredakteur & Team<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

3


Lust auf Möbel mit Charakter / Passion for furniture with character<br />

Basket® —<br />

Outdoor Series


janua-moebel.com<br />

BC 07 Basket® Outdoor Tisch rund mit Weinkühler<br />

Stein – Verde Salvan / Edelstahl V2A – RAL 9005 Tiefschwarz pulverbeschichtet<br />

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Sandua . collection<br />

designed by Robin Hapelt


outdoor luxury<br />

@manutti_official<br />

manutti.com


“Blue Pole” artwork by: Guido Weggenman


FORMA<br />

Design by: Federica Capitani


INHALT !<br />

122<br />

72<br />

88<br />

20<br />

10 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


INHALT<br />

<strong>WOHN</strong>!<strong>DESIGN</strong><br />

<strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

3<br />

EDITORIAL<br />

76<br />

REPORTAGEN<br />

78<br />

MEXICO CITY Luxuriöses Wohnen im Untergrund<br />

12<br />

IMPRESSUM<br />

88<br />

IRIGNY Das perfekte Hideaway für die Sommerfrische<br />

144<br />

BEZUGSQUELLEN<br />

96<br />

SAO PAULO Architektur von der Natur geküsst<br />

106<br />

MÉRIDA Wenn Amerikaner in Mexiko austeigen<br />

14<br />

CARTOON<br />

112<br />

MELBOURNE Wenn die Wohnung als Garten dient<br />

INTRO<br />

HOTSPOTS<br />

16<br />

TREND Harte Zeiten, wilde Gestaltung<br />

122<br />

Cool am Pool in London, mystisches Hideaway in<br />

18<br />

STATEMENTS Reisen mit 3D-Aktien am Handgelenk<br />

Costa Rica, Dächer-Hopping in Paris, hello L.A.<br />

20<br />

22<br />

LOOK Requisiten für Strand und Promenade<br />

STYLE Manche mögen‘s heiß, um cool zu wirken<br />

128<br />

AUF TOUR<br />

24<br />

BÜCHER Urlaubslektüre über Kunst und Design<br />

Ab in die Abruzzen! Kunst, Kulinarik, Kontext<br />

146<br />

ZU BESUCH BEI Sonnenglas in Südafrika<br />

28<br />

TITELTHEMA<br />

<strong>SOMMER</strong>GESCHICHTEN<br />

Länder, Leute und Abenteuer ...<br />

... stehen im Fokus. BELGIEN: Gartengeräte, die man nicht<br />

übersieht. SPANIEN: Architektur versus Versteppung.<br />

DEUTSCHLAND: Der schönste Garten der Nation und das<br />

drittschönste Grün. FRANKREICH: Glamping oder wie eine<br />

Hommage an die Seventies das Leben von morgen skizziert.<br />

DEUTSCHLAND: Wir können auch Blumen ...<br />

ITALIEN: Auf Trüffelsuche in der Toskana, wir fanden auch<br />

gleich das passende Hotel. DEUTSCHLAND: Die Rückkehr<br />

der Gartenskulpturen. INDONESIEN und GALAPAGOS:<br />

Natürlich reisen via Luxus-Yacht. DEUTSCHLAND: Irgendwo<br />

im Nirgendwo: Altersrefugium NEUSEELAND: Alles über<br />

Kiwis und was man daraus alles zaubern kann.<br />

Lesen Sie, lesen Sie!<br />

+ 45 SEITEN<br />

SUPPLEMENT<br />

Outdoor-Möbel,<br />

Leuchten,<br />

Stoffe und<br />

Persönlichkeiten<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

11


<strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

<strong>WOHN</strong>!<strong>DESIGN</strong><br />

INTERIOR TRENDS ARCHITEKTUR UND<br />

DIE SCHÖNEN DINGE DES LEBENS<br />

SILVER AWARD<br />

SILVER AWARD<br />

Redaktion und Anzeigenverwaltung<br />

Mörikestraße 67<br />

70199 Stuttgart<br />

www.wohndesign.de<br />

VERLEGER<br />

Christian Peters<br />

christian.peters@wohndesign.de<br />

CHEFREDAKTION<br />

COVER<br />

MITARBEITER DIESER AUSGABE<br />

Dr. Stephan Demmrich (sd)<br />

ACHTUNG NEU: Tel. +49 711 998826-63<br />

stephan.demmrich@wohndesign.de<br />

© Andrea Ferrari für Roda<br />

Ausziehtisch „Spinnaker“ und „Plein Air“-Stühle<br />

Filippo Bamberghi, Helenio Barbetta,<br />

Lisa Cohen, Guillaume Grasset, Barbara Gallucci,<br />

Frank-Oliver Grün (fog), Simona Heuberger (sh)<br />

Markus Hieke (mh), Claudia Simone Hoff (csh),<br />

Nin Solis, Sara dal Zotto<br />

GRAFISCHE GESTALTUNG<br />

REDAKTION<br />

TEXTREDAKTION<br />

ANZEIGENLEITUNG<br />

REPRÄSENTANZ ITALIEN<br />

REPRÄSENTANZ FRANKREICH<br />

SHOPPING GUIDE UND<br />

ANZEIGENDISPOSITION<br />

ABONNEMENTVERWALTUNG<br />

VERTRIEB<br />

HERSTELLUNG<br />

DRUCKEREI<br />

VERLAG<br />

Saskia Schweitzer<br />

Anke Gungl (ag)<br />

ACHTUNG NEU: Tel. +49 711 998826-64<br />

anke.gungl@wohndesign.de<br />

Irmhild Tieck<br />

Ulrike Ehlers<br />

ACHTUNG NEU: Tel. +49 711 998826-62<br />

ulrike.ehlers@wohndesign.de<br />

Studio Villa<br />

Tel. +39 02311622<br />

arch. Ilaria Prato, ilaria@studiovilla.com<br />

Francesco Ravanello, francesco@studiovilla.com<br />

Anke Blagogee-Krüger<br />

Tel. +33 607187417<br />

anke@AnkeBlagogee.de<br />

Martin Lindner<br />

ACHTUNG NEU: Tel. +49 711 998826-61<br />

martin.lindner@wohndesign.de<br />

shopping@wohndesign.de<br />

E-Mail: abo@wohndesign.de<br />

MZV GmbH & Co. KG, Unterschleißheim<br />

Lösch GmbH & Co. KG, Stuttgart<br />

Evers-Druck GmbH, Meldorf<br />

GOOD LIFE Publishing GmbH<br />

Borselstraße 18<br />

22765 Hamburg<br />

Der Nachdruck, auch auszugsweise,<br />

ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung<br />

der Redaktion gestattet. Für<br />

eingesandtes Bild- und Textmaterial<br />

wird keine Haftung übernommen.<br />

© GOOD LIFE Publishing GmbH<br />

ISSN 1664-1760<br />

12<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


CARTOON ! TIL METTE<br />

14 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


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WECKESSER <strong>WOHN</strong>EN<br />

69168 WIESLOCH, 06222/92300<br />

PAVILLA<br />

97877 WERTHEIM, 0931/321490<br />

VILLA SCHMIDT<br />

20459 HAMBURG-ZENTRUM, 040/72733333<br />

DOBLINGER<br />

84028 LANDSHUT, 0871/22237<br />

BOLZ LICHT UND <strong>WOHN</strong>EN 1946<br />

66121 SAARBRÜCKEN, 0681/35555<br />

SEGMÜLLER GARTENMÖBELFACHZENTRUM<br />

85599 PARSDORF, 089/900533931<br />

FREIZEITCENTER HEINZ U. JÜRGEN DIETZ OHG<br />

96106 EBERN, 09531/62712


XXXXXXXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

2<br />

1<br />

3<br />

4<br />

WILDLIFE<br />

Die Welt ist streng genug. Deshalb holen wir uns mit diesen verzierten Stücken einen Hauch Exotik<br />

nach Hause – von gefiedert bis hin zu Flower Power der Neuzeit ist alles erlaubt.<br />

1 | Federleicht Wer ein weiches Daunenbett einer Nacht unter freiem Himmel vorzieht, findet sich dank der Bettwäsche „Good Nightingale“<br />

zwischen paradisischen Vogelarten wieder. Aus 100 Prozent Perkal-Baumwolle. Pip Studio. 2 | Surrealistisches Meisterwerk Psychedelische<br />

Blüten, elegante Palmen und verspielte Ornamente zieren das handbemalte Geschirr von La Double J. Passende Tafeltextilien<br />

verstehen sich für Gründerin J.J. Martin von selbst. 3 | Zauberwelt Designerin Maria Grazia Chiuri kreierte die „Dior Birds“ in Anlehnung an<br />

die Prêt-à-porter-Kollektion Frühjahr/Sommer <strong>2023</strong> und als Ode an die Eleganz und Perfektion des Hauses Dior. 4 | Shiny Die wie ein Blütenblatt<br />

gefaltete „Paseo“-Bag von Loewe besteht aus glänzendem Kalbsnappaleder, wahlweise mit Kettengriff oder Lederriemen erhältlich.<br />

16 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


ETHIMO.COM<br />

VENEXIA BY LUCA NICHETTO<br />

PH BERNARD TOUILLON<br />

SHOWROOM MILAN / PARIS<br />

ROME / LONDON / CANNES / COLOGNE<br />

SALONE DEL MOBILE.MILAN 18-23 APRIL / HALL 2 STAND L22


INTRO ! STATEMENTS<br />

1<br />

2<br />

3<br />

4<br />

5<br />

TALISMANE<br />

Zugegeben, dafür sind sie fast ein wenig groß … aber diese Weekender haben glückbringende Eigenschaften:<br />

Sie sind treue Begleiter, eine gute Wertanlage, und erweisen sich als Hingucker für unterwegs<br />

1 | Für Solide Hergestellt aus Leder. In Italien. Kontrastdetails, Umschlagklappe, zwei Henkel, Hauptfach, Innentasche mit Reißverschluss.<br />

um 3.600 Euro; Brunello Cucinelli. 2 | Für Fashionistas Das französische Luxuslabel Goyard war lange ein Geheimtipp, bis es Rapper und<br />

Whisper-Miezen bekannt machten. Die einstige Farbpalette für die Taschen ist dank des aktuellen Runs leider rasant geschrumpft. Doch<br />

das Modell „Crosière 50“ gibt es noch in allen einst erhältlichen Tönen: komplett in Schwarz, in Schwarz mit braunen Lederapplikationen,<br />

in Rot, Orange (unser Favorit), Gelb, Grün, Himmelblau, Marine, Weinrot, Weiß und Grau; je ca. 3.300 Euro. 3 | Für Feingeister sind ihre handgefertigten<br />

Kleinode aus Deutschland gedacht, die nach Kundenwunsch entstehen und nicht online bestellt werden können. Christina<br />

Rosenberg ist unsere Empfehlung der Saison. Ihre Taschen ein absoluter Traum. Weekender um 3.400 Euro. 4 | Für Hipsters ist die handbemalte<br />

„929“ von Lotuff, einer Manufaktur aus New York. Sehr, sehr cool, um 3.500 Dollar + Steuer. 5 | Für Spontys zum Sporteln oder für einen<br />

schicken Wochenendtripp. Reisetasche mit Logo-Patch aus perforiertem Kalbsleder. Italienische Fertigung ... ; um 2.290 Euro. Casablanca.<br />

18 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


MEDITERRANEO<br />

RECYCLABLE INDOOR/OUTDOOR CARPET COLLECTION<br />

THAT FEELS SURPRISINGLY SOFT TO THE TOUCH.<br />

<strong>DESIGN</strong>ED BY MATTEO THUN & ANTONIO RODRIGUEZ


INTRO ! LOOK<br />

2<br />

1<br />

REQUISIT<br />

Der Sommer lockt! Da wird es schleunigst<br />

Zeit, sich mit den richtigen Accessoires einzudecken.<br />

1 / Kühle Brise to go? Mit den schicken<br />

„Flow“-Ventilatoren von Remember<br />

sind Sie modisch gerüstet. 2 / Das Fashionbrand<br />

Romualda fertigt handbemalte, reversible<br />

Hüte, die mit viel Liebe in Spanien gestaltet<br />

und hergestellt werden. Olé!<br />

3 / Die „Ripstop“- Camping- und Outdoordecke<br />

ist aus recycelten Materialien hergestellt<br />

und das Must-have unter freiem Himmel.<br />

Von Voited. 4 / Drinks in ansprechenden<br />

Gläsern munden einfach doppelt gut. Dieses<br />

stammt aus der „K6“-Serie von KnIndustrie.<br />

3<br />

4<br />

20 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


SICH TAG FÜR TAG<br />

ENTSPANNEN


INTRO ! STYLE<br />

1<br />

ES WIRD<br />

<strong>SOMMER</strong><br />

3<br />

2<br />

Farbverläufe von Koralle bis Umbra spielen<br />

mit dem Licht – Mode und Accessoires sind in<br />

dieser Saison sinnlich und fragil zugleich.<br />

1 | Orange ist das neue Rot. Prada übersetzt unsere Gegenwart in<br />

zerbrechliche Couture-Kunst. Der Bleistiftrock aus Seiden-Satin<br />

besticht durch unfertige Rohheit: Sein orange lodernder Print ist<br />

ungleichmäßig gefärbt und auf der Vorderseite bildet ein seitlich<br />

versetzter Schlitz einen Riss nach. 2 | Sultan‘s Bay! Das handbemalte<br />

Lacktablett von Les Ottomans ist die ideale Bühne für Sommer-Cocktails<br />

– und weckt Sehnsucht nach der türkischen Riviera.<br />

3 | Ein Strandhandtuch von Hermès tröstet, wenn die Birkin-Bag<br />

noch ein wenig warten muss. Wir empfehlen „Yachting Tatoo<br />

Thalassa“ (175cm x 175cm) mit fein konturierten Bootszeichnungen<br />

in Geranienrot. 4 | Rolling, rolling, rolling ... Der ikonische Koffer<br />

von Rimova rollt jetzt in einer limitierten Sommer-Edition an.<br />

22 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


5<br />

4<br />

6<br />

7<br />

Das Londoner Skater-Label Palace gestaltete die Oberfläche des<br />

„Cabin Desert“ mit einer fantastischen Wüstenlandschaft.<br />

5 | Dynamisch! Der Kreativdirektor von Dior, der Brite Kim Jones,<br />

feiert den Futurismus. Seine RunInDior S1U Sonnenbrille zeigt ein<br />

rasantes Gestell mit rechteckigem Schild und gezackten Bügeln<br />

aus ultraleichtem, matt-orangem Aluminium mit weißen Enden.<br />

6 | Jan Vermeer malte das Mädchen mit dem Perlenohring 1665.<br />

Die Ausstellung des niederländischen Barockmalers in Amsterdam<br />

bricht gerade alle Rekorde und macht Perlen zum Schmuck-<br />

Accessoire des Sommers. Studio Vermeer aus Australien kombiniert<br />

Süßwasser-Perlen mit zarten Kristallkugeln.<br />

7 | Frank Gehry kann auch klein. Für das Parfum „Les Extraits“ von<br />

Louis Vuitton hat er einen Flakon mit extravaganter Verschlusskappe<br />

entworfen. Die „Les Extraits Murano Art Edition“ feiert das einjährige<br />

Jubiläum des Sommerdurftes farbenfroh und flamboyant.<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

23


XXXXXXXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

1<br />

2 3<br />

24 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


INTRO ! BÜCHER<br />

4<br />

5<br />

LESEN BILDE(R)T<br />

Auch an heißen Sommertagen findet sich ein kühles Plätzchen im Schatten, um die Nase in ein gutes Buch zu<br />

versenken. Nur so erfahren Sie etwa, warum die Goldschmiedin Paula Straus für deutsches Design so wichtig ist.<br />

1 | Humorvolle Hommage an Matteo Thun, einen der wichtigsten<br />

Designer und Architekten Italiens, aus dem Blickwinkel von<br />

Foto-Künstler Walter Pfeiffer: Im Sommer 2009 unternahm er gemeinsam<br />

mit den damals noch jungen Söhnen Thuns eine Reise<br />

nach Capri und fotografierte 50 Designobjekte des Italieners. So<br />

entstanden höchst lebhafte „Tableaux vivants“, die mit einer Einführung<br />

von Thuns Frau Susanne ins Bücherregal kommen: „In<br />

the Summer of 2009“, bei Scheidegger & Spiess. 2 | Mini. Alternative<br />

Wohnkonzepte setzen inzwischen überall neue Maßstäbe,<br />

besonders in urbanen Ballungsräumen. Wie hier im Tokioter „Bay<br />

Window Tower House“ von Takaaki und Yuko Fuji. Japanische Architektur<br />

ist bis heute Inspiration für Bauten im XS-Format weltweit.<br />

Einige der prägnantesten Beispiele präsentiert diese neue<br />

Publikation: „Small Houses“ bei Taschen. 3 | Patentrezepte für<br />

die heiße Jahreszeit stellt Stevan Paul für Menschen zusammen,<br />

die den Sommer mit schnellen Gerichten genießen möchten,<br />

die auch bei Hitze schmecken. Zum Abkühlen gibt‘s Drinks wie „Melonen-Agua-Freska“<br />

und „Watermelon-Smothie – The Greek“: entdeckt<br />

in „Einfach Urlaub“ vom Brandstätter Verlag. 4 | Paula Straus<br />

ist eine der besten Goldschmiedinnen der 20er-Jahre und Pionierin<br />

industrieller Formfindung. „Ihr beruflicher Erfolg, ihre Bedeutung<br />

als Kunsthandwerkerin und Designerin ist durch die nationalsozialistische<br />

Verfolgung der Juden ab 1933 und die Ermordung von Paula<br />

Straus in Auschwitz völlig in Vergessenheit geraten. Es wird Zeit,<br />

ihr Werk wiederzuentdecken“: Im Programm der Arnoldsche Verlagsanstalt.<br />

5 | Apropos Visionär. Der Fotograf Horst H. Baumann.<br />

– Diese Retrospektive in den Mannheimer Reiss-Engelhorn Museen<br />

läuft noch bis Ende Juni und beleuchtet das Lebenswerk eines<br />

Shooting-Stars seiner Generation, der in den Sixties in den Printmedien<br />

omnipräsent war. Vor allem seine Fotografien von Autorennen<br />

am Nürburgring, in Spa und Le Mans machten ihn berühmt. Jetzt<br />

erneut die Expo mit Katalog: im Steidl Verlag.<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

25


INTRO ! BUCHEMPFEHLUNGEN<br />

6<br />

7<br />

8<br />

6 | Das Königreich Bayern. Todesursache: schlechte Gene und<br />

Bis-marck. „Staaten sterben. Manchmal ist es Mord. Manchmal<br />

ein Unfall. Manchmal liegt es daran, dass sie von Anfang an zu<br />

lachhaft waren, um überhaupt zu existieren.“ Herrlich amüsant,<br />

zusammengetragen von Gideon Defoe im „Atlas der ausgestorbenen<br />

Länder“, bei Knesebeck. 7 | Es sind die kleinen Tücken, die<br />

uns auf Reisen oft verstimmen. Und Stoff liefern für ein skurril-heiteres<br />

Potpourri an Themen, etwa „warum der Koffer bestimmt<br />

verloren gegangen ist, schon ein anderes Handtuch auf der Liege<br />

liegt und wohin man sich auch wendet, das Tiefdruckgebiet mitkommt<br />

und für beständiges Schauerwetter sorgt.“ Gefolgt von<br />

einer Abhandlung „Warum Ruinen die glücklichsten Häuser sind“,<br />

Knesebeck. 8 | Der allererste Kunst-Vergnügungspark eröffnete<br />

1987 in Hamburg. Zuvor hatten 30 der angesagtesten Künstler<br />

jener Zeit, darunter Basquiat, Hockney, Lichtenstein, Dalì und Haring,<br />

speziell für diesen Ort besondere und funktionsfähige Jahrmarktattraktionen<br />

gestaltet: Fahrgeschäfte, interaktive Skulpturen,<br />

Spiele, Performances und Musik. Der neue Band dokumentiert<br />

den Beitrag aller Kreativen in Fotos und zeigt die Künstler bei der<br />

Arbeit, Details zu ihren Kunstwerken und die Darstellung ihrer<br />

Kunst im Kontext des Parks. Einige seltene Werke waren seit 35<br />

Jahren nirgends mehr zu sehen. Jetzt in „Luna Luna“, bei Phaidon.<br />

9 | Ausser Gebrauch, eine vergnügliche Ausstellung über Alltagskultur<br />

aus drei Jahrhunderten, bei der es bis Mitte September im<br />

Historischen Museum Basel um Gebrauchsgegenstände und ihr<br />

Verschwinden geht. Das reicht vom Messerbänkchen über Vatermörderkragen<br />

bis zu Geldstrümpfen. „Gewandelte Hygienevorstellungen<br />

lassen sich an Zimmertoiletten und Haarbildern ablesen, gestickte<br />

Küchensprüche belegen veränderte Rollenbilder und die Tassen<br />

für Schildkrötensuppe oder der Muff aus Affenpelz ein unvorstellbar<br />

gewordenes Verhältnis zum Tier.“ Im Christoph Merian Verlag.<br />

26 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


ADLER OUTDOOR - ESSTISCH MIT NATURSTEINPLATTE RIVER GOLD<br />

www.draenert.de<br />

Manufaktur am Bodensee – since 1968


Wo bleibt der „Wein“? Ist im Anmarsch! Auf der Sackkarre<br />

„J.ack“, ein Objekt aus dem Programm des belgischen Atelier<br />

Tradewinds, das wir Ihnen auf den kommenen Seiten vorstellen.<br />

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TITELTHEMA ! <strong>SOMMER</strong>GESCHICHTEN<br />

SUMMER TIME ...<br />

… and the living is easy. Folgen Sie uns durch Länder und Kontinente,<br />

streifen Sie mit uns durch Gärten und treffen Sie neue Leute<br />

30 I BELGIEN Gartengeräte mit Charmefaktor 20. 34 I SPANIEN Architektur<br />

gegen Versteppung. 40 I DEUTSCHLAND, deine Gärten. 46 I FRANKREICH<br />

Glamping als Zukunftsszenario. 50 I DEUTSCHLAND Wir können auch Blumen ...<br />

54 I ITALIEN Auf Trüffelsuche in der Toskana. 58 I DEUTSCHLAND Die Rückkehr<br />

der Gartenskulpturen. 62 I INDONESIEN UND GALAPAGOS Luxus-Yacht ahoi!<br />

68 I DEUTSCHLAND Wohnen am Waldrand. 72 I NEUSEELAND Kochen mit Kiwis.<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

29<br />

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TITELTHEMA ! <strong>SOMMER</strong>GESCHICHTEN<br />

ZURÜCK ZU DEN WURZELN _<br />

ALTMODISCH ZU SEIN, IST GERADE AKTUELLER DENN JE<br />

Die Objekte von Atelier Tradewinds aus Belgien haben Charmefaktor<br />

20. Beispielsweise „Bordurette“, eine Beetumrandung aus<br />

oxidiertem Gusseisen, die es in sieben verschiedenen Mustern<br />

gibt, oder „Propel‘r“, ein elegant rotierender Sprinkler. Sie könnten<br />

aus einem französischen Bauerngarten oder einem englischen<br />

Gartenidyll stammen – andererseits finden wir hier aber auch<br />

„knallhartes“ Design: etwa „J.ack“, einen sehr modern gestalteten<br />

Trolley. Doch auch seine Inszenierung – Seite 28-29 – zaubert<br />

Garten-Fans ein Schmunzeln ins Gesicht. Welche Liebe fürs<br />

Detail! Ein schöner Moment, eingefangen von der Kamera. „Ich<br />

persönlich glaube, dass unser Charme in der Tatsache begründet<br />

ist, dass wir in einer kleinen Werkstatt produzieren, mit der Überzeugung,<br />

dass wir klein bleiben wollen“, sagt Laure Galeyn, die<br />

das Atelier Tradewinds im letzten Jahr von ihrem Vater Jean-Pierre<br />

übernommen hat. „Unser Ziel ist es, das belgische Handwerk<br />

zu ehren und ausländische Produktionen sowie den Einzelhandel<br />

außen vor zu lassen. Wir richten uns direkt an Endkonsumenten.“<br />

Angefangen hatte alles vor mehr als einem Vierteljahrhundert.<br />

„Bei der Gartenarbeit habe ich alte Werkzeuge meiner Großeltern<br />

benutzt. Auf der Suche nach Ersatz fand ich nichts als Schrott.<br />

Warum eigentlich“, fragte sich Jean-Pierre Galeyn und liefert die<br />

Erklärung: „In den Sechzigerjahren verschwanden die klassischen<br />

Eisenwarenläden und machten Baumärkten Platz. Gartengeräte<br />

gab es jetzt überall, aber zu niedrigeren Preisen. Und Qualität war<br />

kein Thema mehr.“ Galeyn beschloss, Produkte aus Eisen zu entwerfen,<br />

die auf „Funktion und Spaß basieren“.<br />

1998 entwarf er einen Schlauchaufroller namens „Waterette“.<br />

Die ersten Bestellungen gingen ein. „Ich wählte den Namen<br />

Tradewinds für meine Werkstatt, da er zwei meiner Leidenschaften<br />

verbindet. Business und Natur. »Trade« steht für Austausch,<br />

Kreativität und Strategie, während sich »Wind« auf Sport und<br />

Outdoor bezieht.“ Von da an machte sich die Marke einen Namen<br />

mit formschönem Outdoor-Equipment wie Duschen, Containern<br />

30 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


Qualität statt Quantität: Jean-Pierre Galeyn und Tochter<br />

Laure ist Substanz viel wichtiger als Kommerz. „Wachsen?<br />

Warum? Wir wollen klein bleiben“, so die neue Besitzerin des<br />

belgischen Atelier Tradewinds. Die Spezialität der Marke ist<br />

Gartenbedarf der besonderen Art. Oben eine gusseiserne<br />

Beetumrandung, rechts das Bewässerungssystem „Propel‘r“.<br />

Auch die Sackkarre auf Seite 29 entsteht in ihrer Manufaktur.<br />

in diversen Größen, Bewässerung und Leiterwagen, um nur einiges<br />

zu nennen – eines jedoch noch nie: Möbel. „Es gibt doch<br />

schon genug schöne Kollektionen auf dem Markt“, amüsiert sich<br />

Laure. „Stattdessen konzentrieren wir uns auf die Herstellung von<br />

Gebrauchsgegenständen. Wenn wir uns mit Möbeln befassen<br />

würden, wäre das wahrscheinlich nur ein eigenständiges Objekt<br />

und keine ganze Serie.“ Einzigartig und exklusiv soll es den Vorstellungen<br />

der neuen Inhaberin zufolge auch weitergehen – ein<br />

Credo ihres Vaters. Als dieser bei einem sonntäglichen Familienessen<br />

sie und ihre Schwester darüber informierte, dass er sich<br />

zurückziehen und seine Nachfolge angehen möchte, fällte Laure<br />

eine schnelle Entscheidung. „Es folgte eine sechsmonatige Probezeit“,<br />

erzählt Jean-Pierre, der über den Lauf der Dinge mehr als<br />

happy ist – und dann die Übergabe. Man spürt, dass hier zwei auf<br />

gleichem Weg sind. Die Tochter: „Mir geht es um schöne Produkte,<br />

um Freude am Leben im Freien. Unser Ansatz beginnt immer<br />

mit Funktionalität und dem Anspruch, dass jedes Produkt langlebig,<br />

robust und benutzerfreundlich ist. Erst dann fokussieren wir<br />

uns auf Ästhetik und Proportionen, um Designs zu schaffen, die<br />

sowohl praktisch als auch optisch ansprechend sind.“ Der Vater:<br />

„All unsere Produkte sind von der ursprünglichen Natur inspiriert.<br />

Das bedeutet, dass wir Rohmaterialien verwenden, die korrosions-,<br />

verrottungs- und sonnenbeständig sind. Langlebig, aber<br />

teuer. Und die Fertigung in Belgien mit belgischen Arbeitern ist<br />

kostspieliger als in Niedriglohnländern. Diese Kalkulation bringt<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

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TITELTHEMA ! <strong>SOMMER</strong>GESCHICHTEN<br />

unsere Preise in ein höheres Segment und einen Nischenmarkt mit<br />

kleiner Produktionsmenge. Handarbeit ist das einzige System, das<br />

diesem Nischenmarkt gerecht wird und eine feine, hochwertige<br />

Verarbeitung gewährleistet.“ Daran wird sich zukünftig nichts ändern.<br />

Das bedeutet auch: keine Designer, sondern viele Prototypen,<br />

von denen es nur wenige in die Produktion schaffen. „Zusammen<br />

mit vier Werkstattmitarbeitern sind wir eine eng zusammengeschweißte<br />

Truppe“, so Laure, die nach Abschluss der Kunsthochschule<br />

bereits erfolgreich als Beraterin in der Natursteinbranche<br />

und als Innenarchitektin gearbeitet hatte. „Bei Tradewinds ist<br />

jeder mit all unseren Produkten vertraut, und wir denken jeden<br />

Tag über Lösungen, Möglichkeiten und Verbesserungen nach. Die<br />

Mitarbeiter sind ein wesentlicher Bestandteil des Unternehmens<br />

und werden in verschiedenen Bereichen eingesetzt. Alle vier haben<br />

unterschiedliche Hintergründe in den Bereichen Bildhauerei,<br />

Produktentwicklung, Musik und Tanz und bilden so eine abgerundete<br />

Mischung von Persönlichkeiten.“ Ein Glückskleeblatt. |sd<br />

Neben Gerätschaften fürs Gärtnern bietet Tradewinds auch<br />

Leuchten an, ganz oben „Moon Soon“. Fest im Programm<br />

verankert sind Aufbewahrungscontainer für Speisen und<br />

Utensilien, oben links der „Fresh*r“ – so frisch wie eine Abkühlung<br />

unter der „Fieldshowe‘r“. Alles wird in Belgien hergestellt.<br />

32 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


g.d. stefano citti a.d. emiliana martinelli<br />

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34 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


TITELTHEMA ! <strong>SOMMER</strong>GESCHICHTEN<br />

SUBVERSION _ DIESES HAUS KÄMPFT GEGEN<br />

DIE SPUREN AN, DIE URBANISIERUNG HINTERLÄSST<br />

Es ist anders, es steht für den Wandel, es sticht ins Auge: Das<br />

„Rambla Climate House“ in der südspanischen Region Murcia<br />

ist ein herausragendes Beispiel dafür, dass sich Nachhaltigkeit<br />

und politisches Engagement in einer aufsehenerregenden Architektur<br />

vereinen lassen. „Es belebt ein reichhaltiges Ökosystem<br />

wieder, das durch die Verstädterung zerstört wurde“, steigt der<br />

Architekt und einer der Ideengeber Andés Jaque ins Gespräch<br />

ein. 2013 gründete er das „Office for Political Innovation“, ein<br />

mehrfach preisgekröntes Architekturbüro mit Sitz in New York<br />

und Madrid. „Wir wollten mit unserem Studio beweisen, dass Architektur<br />

einen direkten Einfluss auf die politische Struktur eines<br />

Landes wie Spanien haben kann“, sagt Jaque, der in Madrid geboren<br />

wurde und mittlerweile seinen Wohnsitz nach New York<br />

verlegt hat. „Die Nische, in der wir uns heute bewegen, ist eine<br />

Art Widerstandsbewegung.“<br />

Genau die Art von Ansatz, die der Architekt Miguel Mesa del<br />

Castillo für das Projekt in Murcia gesucht hatte: „Mein Bruder<br />

und seine Frau hatten mich darum gebeten, ihnen ein Einfamilienhaus<br />

zu bauen“, erzählt Mesa. „Es sollte ein Manifest des<br />

Wandels in der Region werden.“ So machte sich das Team Jaque/<br />

Mesa an die Arbeit. „Das Gebäude dient gleichzeitig als Wohnhaus<br />

und als Vorrichtung zur ökologischen Regeneration. Die<br />

massive Verstädterung und die Abflachung des Landes in den<br />

1970er-Jahren haben die sogenannten »ramblas« der Landschaft<br />

zerstört. Es handelt sich dabei um ein Geflecht trockener Flussbetten,<br />

die in dieser Steppenlandschaft lediglich bei Starkregen<br />

Wasser führen. Sie spielen eine entscheidende Rolle für die klimatische<br />

und geogeschichtliche Stabilität der Ökosysteme in<br />

der südlichen Provinz Murcia, da sich in ihnen von Zeit zu Zeit<br />

Feuchtigkeit sammelt und die Artenvielfalt gedeihen kann“, erklärt<br />

Jaque. „Wie immer häufiger in Spanien wurde auch hier,<br />

außerhalb der Kleinstadt Molina de Segura, eine Wohnsiedlung<br />

willkürlich in die trockene Hügellandschaft hineingepflanzt.<br />

Mit einem Raster, das wenig oder gar keine Rücksicht auf die<br />

Topografie nimmt. Die Grundstücke sind gleichförmig, ebenso<br />

die Gebäude: neo-mediterrane Villen aus dem Baukasten oder<br />

modernistische Nachbauten aus dem Katalog, inklusive importierter<br />

Palmen, Swimmingpools und Plastikrasen“, beschreibt<br />

Jaque, der im September 2022 zum Dekan der Columbia University<br />

Graduate School of Architecture, Planning, and Preservation<br />

(GSAPP) ernannt wurde. Dort lehrte er bereits seit 2013 als Pro-<br />

Das „Rambla Climate House“ bietet einen 360-Grad-Rundumblick<br />

über die Landschaft Murcias. Den oval angelegten Außenbereich,<br />

der über einen aus rosafarbenem Marmor gefertigten<br />

Steg begehbar ist, zieren einheimischen Pflanzenarten.<br />

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35


TITELTHEMA ! <strong>SOMMER</strong>GESCHICHTEN<br />

fessor und leitet seit 2018 das Master of Science-Programm in<br />

Advanced Architectural Design. Genau die Art von Lehre, die sich<br />

mit der Entwicklung von Baukörpern, Technologien und Ökosystemen<br />

beschäftigt, die beim „Rambla Climate House“ zum Tragen<br />

kamen. „Das Haus verfügt über ein System von Sensoren,<br />

die die Luftfeuchtigkeit und die Leitfähigkeit in der Atmosphäre<br />

messen. Diese Sensoren optimieren automatisch das Mikroklima<br />

des Ortes auf eine Art und Weise, wie es der Mensch nie<br />

könnte“, so Mesa. Zudem dient das gesammelte Regenwasser<br />

und das Grauwasser aus den Bädern und der Küche zur Bewässerung<br />

des Gartens. Auch in thermischer Hinsicht geht die Konstruktion<br />

des Hauses unorthodoxe Wege, um die Energieeffizienz<br />

zu maximieren: Ein Marmorsteg, der den elliptischen Innenhof<br />

umgibt, ermöglicht den Bewohnern eine Abkühlung durch direkten<br />

Kontakt mit der thermischen Trägheit des Hauses.<br />

Das Gebäude selbst besteht aus einer leichten Stahlkonstruktion,<br />

die sich von der Betonbodenplatte erhebt und entweder mit<br />

verzinktem Stahl oder mit raumhohem Glas umschlossen ist.<br />

„Sparsamkeit war die Devise“, sagt Mesa und ergänzt: „Die Räume<br />

gehen fließend ineinander über und reichen bis zur gefalteten<br />

Traufe, was einem sehr einfachen Haus ein Gefühl von Luxus<br />

verleiht, das durch Licht, Volumen und Luft erreicht wird. Wo es<br />

nötig ist, sind die Verglasungen mit preiswerten reflektierenden<br />

Silbervorhängen versehen, wie sie in landwirtschaftlichen Gewächshäusern<br />

verwendet werden.“ Entgegen der üblichen Praxis<br />

haben die Architekten das hügelartige Gelände nicht abgeflacht,<br />

sondern mithilfe des Erdaushubs ein künstliches Fragment der<br />

Rambla modelliert. „Um diesen »natürlichen« Garten herum<br />

Das Gebäude wurde auf einem 6.500 Quadratmeter<br />

großen Grundstück errichtet, das an eine „Rambla“<br />

grenzt, ein trockenes Flussbett. Stahlstützen<br />

heben das polygonale Haus über das zerklüftete<br />

Terrain, um das Gelände darunter zu schützen.<br />

Abgesehen von einem betonierten Unterstand für<br />

das Wohnmobil der Eigentümer berührt es nicht<br />

den Boden. „Dieses architektonische Projekt ist<br />

eine kollaborative Fortsetzung anderer Formen des<br />

Klimaaktivismus in Molina de Segura und ein Teil<br />

einer größeren Bewegung zur Wiederherstellung<br />

des Ökosystems in der Region“, erklärt der lokale<br />

Architekt Miguel Mesa del Castillo, der dieses Bauvorhaben<br />

für seinen Bruder realisierte.<br />

36 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


TITELTHEMA ! <strong>SOMMER</strong>GESCHICHTEN<br />

gruppieren sich Räume als eine Art Observatorium“, so Jaque.<br />

Viel Farbe, ungewöhnliche Materialien und verspielte Details<br />

mit einem Augenzwinkern heben das Vorzeige-Projekt von den<br />

anderen Immobilien in der Gegend ab. Mesa: „So sehr uns die<br />

anderen Häuser hier auch missfallen mögen, die Stilfrage ist für<br />

uns nicht das Wichtigste. Wir wollen mit diesem Projekt die Menschen<br />

davon überzeugen, ihre Terrassen nicht mehr mit Plastik zu<br />

bedecken, sondern dem Boden die Möglichkeit zu geben, Feuchtigkeit<br />

zu speichern, damit die einheimische Artenvielfalt sich von<br />

Neuem entwickeln kann. Dazu zählen Feigen- und Mastixbäume,<br />

Lorbeer, Myrte, mediterrane Zwergpalmen, die wir auf dem Gelände<br />

angepflanzt haben. Unsere Idee war es, diese Bedingungen<br />

in häuslichem Maßstab nachzubilden, sodass man die natürliche<br />

Landschaft vom Wohnzimmer aus genießen kann.“ Das Konzept<br />

des „Rambla Climate House“ hat sich unter Klima-Experten und<br />

Architekten bereits herumgesprochen und prompt Anfang <strong>2023</strong><br />

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XXXXXXXXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

© Alle Fotos José Hevia<br />

seinen ersten Preis eingeheimst. Der „The Living Places – Simon<br />

Architecture Prize <strong>2023</strong>“ ist eine Initiative von Simon – spanischer<br />

Marktführer für Beleuchtungssysteme – mit Unterstützung der<br />

Fundació Mies van der Rohe. Er würdigt herausragende Leistungen<br />

einer Architektur, die sich auf besondere Weise um den Komfort<br />

und die Lebensqualität der Menschen, die dort wohnen, verdient<br />

gemacht hat. Sicherlich nicht die letzte Würdigung, über die<br />

die beiden Architekten sich freuen dürfen.<br />

|ag<br />

Verspielte Details, wie der mintgrüne Anstrich mit roten Farbtupfern,<br />

ein Ring aus rosafarbenem portugiesischem Marmor<br />

als Bodenbelag der „Terrasse“ und goldfarbene Fensterrahmen<br />

mit Glas in Rosé machen gute Laune in der sonst eher<br />

kargen Umgebung. Die Bepflanzung um das Anwesen und in<br />

der künstlich angelegten Rambla entspricht der natürlichen<br />

Vegetation der südspanischen Region Murcia. Die Materialien<br />

sind günstig, wirken aber dennoch hochwertig.<br />

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TITELTHEMA ! <strong>SOMMER</strong>GESCHICHTEN<br />

DEUTSCHLAND, DEINE GÄRTEN.<br />

DER HIER IN HESSEN IST NICHT NUR UNSERE NUMMER EINS<br />

„Die Kunst, große Bäume umzupflanzen und sehr geschickt in<br />

Bestehendes einzufügen, praktizierte erstmals Hermann Fürst<br />

von Pückler-Muskau. Dass so etwas auch 200 Jahre später perfekt<br />

gelingen kann, zeigt uns Gartenarchitekt Christoph Feldmann mit<br />

seinem Team“, schreibt Thomas Banzhaf, Vizepräsident des Bundesverbandes<br />

für Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau in seiner<br />

Laudatio für das schönste Grün Deutschlands – publiziert in<br />

„Gärten des Jahres“ bei Callwey (dazu auch Seite 144). „In höchster<br />

Ausführungsqualität ist hier ein Landschaftsgarten entstanden,<br />

der einen wirklichen Gegenpol zum Leben in Metropolen darstellt,<br />

fernab von einer durch Beton, Straßen und Autos geprägten<br />

digitalen Welt.“ Er gehört zu einer Jugendstil-Villa nach einem Entwurf<br />

von Heinrich Metzendorf (1866-1923), selbst Architekt und<br />

Steinmetz. So inspirierte Feldmann Metzendorfs Hausjuwel unter<br />

anderem zu den Trockenmauern, die das 4.000 Quadratmeter<br />

große Gartenareal in verschiedene Bereiche zonieren. „Es war klar,<br />

dass wir handwerkliche Steinarbeiten sichtbar machen wollten“,<br />

so der Gartenarchitekt, der zusammen mit seiner Schwester, einer<br />

Innenarchitektin, auch ein Ladengeschäft für Gartenmöbel führt<br />

und dort in jedem Frühjahr eine große Ausstellung veranstaltet.<br />

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XXXXXXXXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

Gerade frisch prämiert und bei Callwey publiziert:<br />

Diese Jugendstilvilla und ihr Laubengang in Bensheim<br />

an der Bergstraße stehen unter Denkmalschutz.<br />

Feldmann Gartenarchitektur bettete beides in einen<br />

vierstufigen Park. Am Pool lässt es sich auf Outdoor-Liegen<br />

von Patricia Urquiola für Gan relaxen.<br />

„So kam der Kontakt zu den Bauherren zustande.“<br />

Für jede Planung gibt es Feldmann zufolge drei Eckpfeiler:<br />

„Einerseits die Architektur des Hauses. Das<br />

Baujahr. Dann der natürliche Ort: Wo liegt der Garten?<br />

Wie sehen die umliegenden Flächen und die<br />

Geländetopographie aus? Und final das, was sich die<br />

Auftraggeber vorstellen. Das Paar mit kleinen Kindern<br />

wünschte sich explizit ein Refugium, einen Ausgleich<br />

zum hektischen Alltag. Das Kreativteam von Feldmann<br />

Gartenarchitektur setzte diese Vorstellung auf<br />

vier Ebenen um. Leitmotiv sind einerseits englische<br />

Landschaftsgärten. Zum anderen liegt der Garten an<br />

der Hessischen Bergstraße, einem kleinen Weinbaugebiet. „Da<br />

war die Terrassierung auch aus diesem Grund naheliegend sowie<br />

der Gedanke, das Haus in die Natur einzubetten. „Wir wollten das<br />

Gefühl zu vermitteln, dass es sich um ein Landhaus handelt.“ Ein<br />

repräsentativer Garten kam schon aus diesem Grund nicht infrage.<br />

Das Ensemble zieht Besucher trotzdem sofort in seinen Bann.<br />

Da gibt es die Ebene mit dem Pool und einem Wiesengarten rund<br />

um einen mittig gesetzten großen Baum, „unter den man einfach<br />

mal ein Handtuch legen kann. Eine Ebene tiefer ist so eine Art »Naschgarten«<br />

entstanden. Dafür haben wir alte Obstspaliere aus einer<br />

Plantage bekommen“, freut sich Feldmann und ergänzt: „Der<br />

Weg schlängelt sich und lädt zum Schlendern und Mundraub ein<br />

– okay, hier kann man sich einfach mal eine Birne abmachen.“ Und<br />

dann die große Holzbank, einfach herrlich.<br />

Über dem Pool liegt ein zweites Plateau mit einer weiteren Wiese.<br />

„Wir haben es hier ganz schlicht gehalten. Dort gibt es noch ein altes<br />

Teehaus, ein meditativer Raum, ein Rückzugsort, falls jemand<br />

mal für sich sein möchte.“ Und über allem thront ein Gewächshaus<br />

im viktorianischen Stil. „Hier kann sich die Familie gut aufhal-<br />

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TITELTHEMA ! <strong>SOMMER</strong>GESCHICHTEN<br />

Was Christoph Feldmann gestaltet, liegt im grünen Bereich.<br />

Stilistisch genauso wie ästhetisch. Ein Gewächshaus oben im<br />

viktorianischen Stil befindet sich auf der obersten Ebene. Hier<br />

kann sich die Familie um einen Holzofen versammeln. Links:<br />

Wiese und Wald trennt ein Biotop, das sich die Auftraggeber<br />

ausdrücklich wünschten. Ein Highlight auch für deren Kids.<br />

ten. Wir haben einen Holzofen in die Trockenmauer eingelassen.<br />

Es gibt einen Feuerring sowie Hochbeete für saisonales Gemüse,<br />

Kräuter und Salat. In das Gewächshaus kann man sich auch hineinsetzen.<br />

Ich habe mir einen Ort vorgestellt, an dem alle zusammenkommen,<br />

wie in einer Wohnküche.“<br />

Auf diese Weise entstehen klar definierte Räume mit immer neuen<br />

Atmosphären. Der Spaziergang durch den Garten wird zu einem<br />

Erlebnis. „Unterschiedliche Gartensituationen bieten Raum<br />

und Zeit für Individualität, sodass man Momente eigenständig<br />

gestalten kann“, erläutert Feldmann sein Konzept im Buch, das<br />

die interessantesten Gärten aus Deutschland für <strong>2023</strong> zusammenträgt.<br />

Was so heiter und unkompliziert wirkt wie ein Sommersonnenferientag<br />

war harte Arbeit – basierend auf einem<br />

siebenstelligen Budget. Jedes Detail sitzt, bis zu der Auskleidung<br />

des Pools mit einem Quarzit aus Südtirol. „Natürlich sieht man,<br />

dass es ein Schwimmbad ist, aber die Bauherren wollten keinen<br />

Protz. Auch aus diesem Grund haben wir den Pool an die beiden<br />

anderen Wasserbecken herangeschoben. So wirkt er fast wie eine<br />

Verlängerung der darüberliegenden Seerosenbecken.“<br />

Feldmanns Sensibilität für Materialien und Arrangements macht<br />

sich auch in der Wahl einer Bergischen Grauwacke für die Trockenmauern<br />

bemerkbar. Ausschließlich roten Sandstein wie für<br />

die Villa und erhaltene Außenflächen zu verwenden, war einfach<br />

zu viel: „Das wäre zu bunt geworden. Der Stein aus dem Bergischen<br />

geht ins Braun und Grau.“ Ein perfekter Hintergrund für die<br />

raffinierte Bepflanzung. So wählte Feldmann beim Einsatz der alten<br />

Bäume die gleiche Größe wie die vorhandener Gehölze, damit<br />

sie sich „unsichtbar“ einfügen.<br />

Die Beete auf der Pooletage sind als „Matrix-Bepflanzung“ gestaltet:<br />

„duftendes Tautropfengras im sonnigen Bereich und<br />

Herbst-Kopfgras in absonnigen Lagen. Dort eingestreut sind<br />

zarte Blütenstauden wie Purpur-Witwenblume und patagonisches<br />

Eisenkraut. Raumbildner und Strukturgeber für die<br />

einzelnen Gartenbereiche sind der vorhandene Baumbestand<br />

und neu gesetzte Solitäre, Großbäume mit Charakter – nicht zu<br />

perfekt in ihrem Aufbau, damit sie sich nicht zu sehr vom alten<br />

Baumbestand unterscheiden.<br />

Über Trittplatten geht es schließlich von der Garten- in die Waldwelt<br />

– ein kleines Biotop, ausdrücklich entstanden auf Wunsch<br />

der Auftraggeber: „Die Planung war ein gemeinsamer, dynamischer<br />

Prozess, was zu einer besonderen Beziehung zwischen den<br />

Gartenbesitzern und ihrem Garten geführt hat“, resümiert Feldmann<br />

in der Callwey-Publikation, die zu jedem Beispiel die Pläne<br />

und kreativen Köpfe präsentiert. Bleiben Sie dran, denn es folgt ⇨<br />

42 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


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Foto: Martin Bäuml<br />

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TITELTHEMA ! <strong>SOMMER</strong>GESCHICHTEN<br />

der dritte Preis: „Niederrheinisches Arkadien“, ein Beitrag von WKM<br />

Landschaftsarchitekten auf 23.000 Quadratmetern. Doch es ist<br />

nicht die Größe, sondern die Stimmung, die Planung und Pflanzen<br />

transportieren: „Am besten versteht man den Garten in den frühen<br />

Morgen- und Abendstunden. Dann wird der Ort in ein besonderes<br />

Licht getaucht, man spürt die große Ruhe und den Zauber, der<br />

über allem liegt. Durch den Waldsaum dringt abends das weiche<br />

Licht über den Teich, fängt sich in einem Meer aus Federgras und<br />

Welch tolle Kombination: architektonische Elemente und dazwischen<br />

das Violett des Zierlauchs inmitten von Gräsern. WKM<br />

Landschaftsarchitekten unter der Feder von Klaus Klein kamen<br />

mit diesem Projekt auf den dritten Platz. Wer die Publikation<br />

„Gärten des Jahres“ von Callwey durchstöbert, merkt sehr<br />

schnell, dass es nicht um Platzierungen geht. Das Buch präsentiert<br />

die 50 schönsten Gärten Deutschlands und zeigt, dass wir<br />

im europäischen Vergleich ganz schön frisch rüberkommen.<br />

44 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


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Neuseeland-Windgras. Es lässt die violetten Blüten des Zierlauchs<br />

darin aufleuchten“, beschreibt Klaus Klein diesen Moment. Der<br />

Düsseldorfer Landschaftsarchitekt gestaltete diesen Privatgarten<br />

um ein restauriertes Gehöft auf einer leichten Anhöhe über einem<br />

Tal. Es ging vor allem darum, wieder Sichtbezüge zu schaffen, denn<br />

die Architektur war ziemlich zugewachsen. Dafür wurde zunächst<br />

alles Störende entfernt: „Ich folgte dem Prinzip des Wegnehmens<br />

und Hinzufügens. Durch den Abbau einer Reithalle und das Auslichten<br />

der alten Baumreihe konnte die optische Verbindung zum<br />

äußeren, landschaftlichen Teil des Grundstücks hergestellt werden.<br />

Einen besonderen Kontrast bietet der Innenhof mit seinem<br />

Heckenparterre aus gestaffelten „Hexwürfeln“. Eine Herausforderung,<br />

diesen Teil mit dem unteren Landschaftsteil zu verbinden.<br />

Klein gelingt das mit großen Ziergrasfeldern, in die Stauden und<br />

Zwiebelblüher eingestreut sind. Architektonischer Clou ist die Rasentreppe<br />

aus Cortenstahl, die in unregelmäßigen Stufen nach<br />

unten auf die Wiese führt. „Wir haben versucht zu vermeiden,<br />

dass es wie gewollt aussieht, es sollte alles natürlich wirken.“ |sd<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

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TITELTEHMA ! <strong>SOMMER</strong>GESCHICHTEN<br />

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GLAMPING? _<br />

EHER EIN ENTWURF FÜR DIE<br />

<strong>WOHN</strong>UNG VON MORGEN<br />

„Camping ist universell, ein neuerer Begriff für einen nomadischen<br />

Lebensstil. Eine uralte Idee, die die Zeit überdauert hat“, findet<br />

die Designerin Madeleine Oltra. Mit dem Architekten Angelo<br />

de Taisne stellte sie ein kurioses Projekt auf die Beine: „Sardine<br />

Sardine“, ein voll ausgestattetes Camping-Zelt als Hommage an<br />

die Sommer der Siebzigerjahre. Dafür gab es sowohl den „Grand<br />

Prix Design Parade Toulon Van Cleef & Arpels“ als auch den „Visual<br />

Merchandising Prize“ von Chanel, eine weitere Auszeichnung der<br />

Stiftung Carmignac und außerdem den Pitchoun-Kinder-Preis.<br />

„Was uns an Camping fasziniert, ist die Tatsache, dass es für die<br />

meisten Menschen leicht zugänglich ist. Es ist eine sehr unkomplizierte<br />

Art, mit seiner Umgebung in Kontakt zu treten. Man kann mit<br />

sehr wenig Ausrüstung campen gehen“, so de Taisne und überlegt:<br />

„Es ist eine Möglichkeit, unsere täglichen Rituale in Bezug auf materielle<br />

Objekte und den Grad von Komfort bewusst zu machen, den<br />

wir in jedes dieser Objekte projizieren und dabei zu hinterfragen.“<br />

Für ihre Installation griffen die beiden auf eigene Urlaubserfahrungen<br />

aus Teenagerzeiten zurück und verbanden die Retro-Optik der<br />

Seventies mit Elementen des zeitgenössischen Biwaks, einem temporären<br />

Lager, das von Bergsteigern genutzt wird.<br />

Oltra: „Nach den beiden Weltkriegen erlangte die Bevölkerung in<br />

Frankreich ihre Freiheit zurück und das Camping boomte. Im folgenden<br />

Jahrzehnt gab es eine noch nie dagewesene Anzahl von<br />

Erfindungen, die speziell fürs Campen entstanden. Das hat uns<br />

sehr inspiriert, weil man sich eine ganz neue Semantik von Objekten<br />

vorstellen musste, was zu sehr kreativen Vorschlägen führte<br />

– wie Klapptischen, die man wie einen Koffer tragen kann – in<br />

einer eher industriellen Ära. Wir wollten der warmen Farbpalette,<br />

den geschwungenen Linien und dieser aerodynamischen Formge-<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

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TITELTHEMA ! <strong>SOMMER</strong>GESCHICHTEN<br />

bung Tribut zollen. Die Inspiration aus dieser Zeit wurde<br />

dadurch verstärkt, dass wir recycelte Materialien und<br />

Gegenstände einbeziehen wollten. Auf der Suche nach<br />

entsprechenden Elementen stießen wir auf eine Menge<br />

Bilder aus den 1970er-Jahren, die wir in Zeitschriften<br />

und auf dem Flohmarkt fanden. An diesem Punkt heben<br />

wir uns von jener Zeit ab, weil es bei der Materialwahl<br />

darum ging, recycelte, umweltfreundliche und<br />

langlebige Objekte zu schaffen.“<br />

„Sardine Sardine“ heißt ein Interior-Konzept, für das sich die Designerin<br />

Madeleine Oltra und der Architekt Angelo de Taisne (Seite 46) von<br />

Camping-Ausrüstungen der Siebziger inspirieren ließen. Ihr preisgekrönter<br />

Beitrag hat nur bedingt etwas mit „Glamping“ gemein, der luxuriösen<br />

Form von Reisen mit dem Zelt. Es geht eher um Wohnen in der Zukunft.<br />

Bei ihren Recherchen stießen die beiden auf eine Ausgabe<br />

von „A Pied Autour du Monde“ aus dem Jahr 1947 von<br />

Jo und Roger Tourte, die in ihren späten Dreißigern drei<br />

Jahre lang um die Welt reisten. „Wir stöberten in den<br />

Kindheitserinnerungen von Leuten, die in den Seventies<br />

mit ihren Freunden campen gingen und ihre Urlaubsbilder<br />

in Foren veröffentlichten. Und wir sahen uns großartige<br />

Filme an, beispielsweise den brillanten Movie<br />

»A l‘Abordahe von Guillaume Brac« (2020)“, ergänzt der<br />

Architekt. „Wir haben französische Kataloge gefunden,<br />

in denen eine Vielzahl sehr genialer und farbenfroher<br />

Ausrüstungen abgebildet ist. Während dieser Studienzeit<br />

gingen wir auch campen, um unsere eigenen Bilder<br />

zu entwickeln. Wir haben uns so reingehängt, als<br />

würden wir eine Doktorarbeit darüber schreiben.“ Der<br />

Titel des Projekts „Sardine Sardine“ ist eine Hommage<br />

an den Zelthering, der in Frankreich umgangssprachlich<br />

48 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


„Sardine“ genannt wird. „Er wird beim Camping verwendet,<br />

um das Zelt im Boden zu verankern. Er ähnelt<br />

in seiner Form und Funktion einer Kreuzung aus Nagel<br />

und Haken, erfordert beim Einsatz nicht viel Geschick<br />

und macht deutlich, auf welchem Untergrund man<br />

schlafen wird.“ Oltre fährt fort: „Er ist nicht nur nützlich,<br />

wir finden ihn auch schön simpel. Außerdem wollten<br />

wir unserem Projekt einen fröhlichen Namen geben.<br />

Die Wiederholung des Wortes »Sardine« amüsierte uns<br />

und setzte sich in unseren Köpfen fest wie ein Lied.“<br />

Doch wer sich jetzt vorstellt, demnächst mit diesem<br />

Equipment noch luxuriöser unterwegs sein zu können<br />

und Zeltnachbarn auf Campingplätzen in den Schatten<br />

zu stellen, irrt sich gewaltig. Denn das Zeltinnere<br />

ist wie das Interior-Design einer Wohnung oder eines<br />

Hauses gedacht. „Wir haben also einen campingähnlichen<br />

Raum kreiert, der in einem innenarchitektonischen<br />

Kontext Sinn ergibt. Hier kann man einer<br />

Reihe von täglichen Ritualen nachgehen, wie man<br />

sie auch in einem Zelt erleben würde“, erklärt die Designerin<br />

und erläutert das Einrichtungskonzept: „Ein<br />

hölzernes Podest zoniert diesen Raum. Wenn man<br />

ihn betritt, befindet man sich auf der unteren Ebene.<br />

Sie heißt die Menschen willkommen und lädt Besuchern<br />

ein, Platz zu nehmen, zu essen und sich auszuruhen.<br />

Der Boden hier ist eine weiche blaue Matte,<br />

auf der man überall sitzen und liegen kann. In einem<br />

Hängeschrank aus Fallschirmseide kann man seine<br />

Ausrüstung aufbewahren. Man kann sich auch ganz<br />

entspannt auf dem »Veyre«-Stuhl niederlassen, den<br />

wir speziell für dieses Projekt entworfen haben, und<br />

der von der Rückenverstärkung der Trekking-Rucksäcke<br />

inspiriert ist. An dem Tisch aus Intarsienholz und<br />

Aluminium kann man sich zusammensetzen, und<br />

wenn wir viele sind, wird das Podest zu einer Bank.<br />

Sie ist gleichzeitig der Übergang zu einem intimeren<br />

Raum zum Schlafen und wo man sich wäscht.“<br />

Für ein „Biwak“ eher stylisch und luxuriös ... „Vielleicht<br />

entsteht das Gefühl von Luxus durch die Größe des<br />

Zelts, die Liebe zum Detail und die Vielfalt der Objekte,<br />

die wir dank der vielen unglaublichen Kooperationen<br />

geschaffen haben. Wir hatten das Glück, mit talentierten<br />

Handwerkern, Künstlern und Kreativen zusammenzuarbeiten.“<br />

Am Ende ist es ein Einrichtungsvorschlag,<br />

inspiriert von Camping, „bei dem wir mit sehr<br />

starken Codes gespielt haben, die jeder versteht und<br />

sich zu eigen machen kann. Wir haben uns von der Einfachheit<br />

dieser Art zu reisen inspirieren lassen und von<br />

dem, was es bedeutet, erschwinglich zu sein, mit seiner<br />

Umgebung in Kontakt zu treten, seine Umgebung<br />

zu entdecken, sich auszuruhen, zu wandern und schöne<br />

Momente zu teilen.“ Aber wie sieht dann der Urlaub<br />

der Zukunft aus in Zeiten sozialer Divergenz? Camping?<br />

Was ist mit Billigreisen in Niedriglohnländer?<br />

„Um Ihre Frage auf eine sehr naive und doch ernsthafte<br />

Weise zu beantworten: Vielleicht sollten wir ein Leben<br />

entwerfen, für das wir keinen Urlaub brauchen.“ |sd<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

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TITELTHEMA ! <strong>SOMMER</strong>GESCHICHTEN<br />

BOTANICAL SET <strong>DESIGN</strong> _ ES IST NIE ZU SPÄT,<br />

UM (NOCHMAL) DURCHZUSTARTEN<br />

„Ich habe angefangen darauf zu hören, was in mir lodert,<br />

ohne die Kerze doch wieder auszupusten.“ Mir sitzt eine<br />

junge, kreative Frau gegenüber, die nach einigen Umwegen<br />

den Mut gefasst hat, ihre Berufung als Floral Artist zu<br />

leben. Obwohl sich Valentina de Pasquale schon immer<br />

für Blumen interessierte, hat sie dieser Passion nur wenig<br />

Raum gegeben. „Mach lieber was Gescheites“, dachte sie<br />

sich, studierte stattdessen Kommunikationsmanagement<br />

in Passau und Stuttgart und arbeitete in der Industrie, zuletzt<br />

für Daimler. „Meine Freunde haben es schon lange<br />

gesehen, aber ich habe gar nicht registriert, dass Blumen<br />

mich ausgleichen und mir Lebensfreude schenken.“ Dann<br />

kam Corona – und der Umbruch. Kurzarbeit war angesagt,<br />

und sie hatte Zeit, sich kreativ auszuleben. „Ich verschaffte<br />

mir Zugang zum Großmarkt und hab angefangen für<br />

Freunde Blumensträuße zu binden, die ich auf Instagram<br />

postete.“ Binnen kürzester Zeit stieg die Nachfrage auf bis<br />

zu 50 Sträuße pro Woche. Durch ihre Erfahrungen im ⇨<br />

In der Mode fühlt sich Valentina de Pasquale (Seite 52)<br />

vom gleichnamigen Studio in Stuttgart zu Hause. Kein<br />

Wunder, dass sie sich über Aufträge wie das Fashion Editorial<br />

für das „Schön! Magazine“ oben besonders freut.<br />

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TITELTHEMA ! <strong>SOMMER</strong>GESCHICHTEN<br />

„Ich bezeichne mich als Floral<br />

Artist, weil meine Arbeit mehr<br />

mit skulpturalen Objekten und<br />

einer kunstvollen Ausdrucksform<br />

zu tun hat als mit einem reinen<br />

Floristen-Job“, sagt Valentina de<br />

Pasquale oben. Rechts eine Kampagne<br />

für Leicht-Küchen.<br />

Bereich Branding, Set Design und Creative Direction fing sie<br />

parallel an, eigene Konzepte zu erarbeiten und Kampagnen<br />

mit Kreativen aus ihrem Netzwerk umzusetzen, um sich<br />

ein Portfolio aufzubauen. Am Ende der Kurzarbeitsphase<br />

stand fest: „Ich gehe nicht zurück.“ Und Studio de Pasquale<br />

war geboren. Sie belegte einen Kurs an der London Flower<br />

School, „das Harvard der Blumen“, wie sie die renommierte<br />

Schule nennt, um ihr Wissen und ihre Fähigkeiten zu vertiefen.<br />

„Ich arbeitete bislang rein intuitiv oder über Learning<br />

by Doing. Blumen haben eine eigene Sprache. Man kann<br />

durch sie kommunizieren und Emotionen auslösen.“ Der<br />

erste Job ließ nicht lange auf sich warten, ein Werbefilm<br />

für Monkey 47, daraufhin kam BMW auf sie zu. Heute, nur<br />

knapp drei Jahre später, zählen Vogue, Porsche, Edra und<br />

die Mailänder Fashion Week zu ihren Kunden. „Ich habe<br />

viel Kaltakquise betrieben und mich durchgeboxt. Eigenpromotion<br />

und -initiative sind das A und O. Man merkt<br />

allerdings auch, dass der Fokus nicht mehr so sehr darauf<br />

liegt, wie viele Follower ich auf Instagram habe, sondern<br />

dass die Qualität und das Können im Vordergrund stehen.“<br />

Sie lässt sich von den unterschiedlichsten Menschen inspirieren,<br />

von der Kunst, Mode und dem Interior Design.<br />

„Ich versuche mich nicht zu vergleichen oder andere nachzuahmen.“<br />

Erst kürzlich wurde sie zum zweiten Mal für<br />

zwei Jobs auf der Mailänder Fashion Week gebucht, unter<br />

anderem als Assistentin für Ruby Barber von Studio Mary<br />

Lennox. „Ein Traum hat sich erfüllt, aber mit Tücken“, gibt<br />

de Pasquale zu. „Der Umgang hinter den Kulissen ist rau,<br />

die Arbeitsstunden kennen kein Ende, sehr viel Zeitdruck,<br />

alle unter Strom. Und letztendlich dankt dir keiner etwas.“<br />

Dennoch möchte sie diese Erfahrung nicht missen. Das<br />

nächste Projekt steht schon in der Pipeline: ein Botanical<br />

Set Design für einen deutschen Möbelhersteller auf dem<br />

Salone del Mobile in Mailand. „Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen,<br />

wo die Anfragen von allein reinflattern.“ Eine<br />

Kampagne für Prada wäre die Krönung.<br />

|ag<br />

52 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


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SOULFUL _ DIESES REFUGIUM<br />

BETÖRT ALLE SINNE GLEICHZEITIG<br />

„Leben wie Gott in Frankreich“ ist eine Redewendung, die eine<br />

sorgenfreie Existenz im Überfluss impliziert. Nach meinem kulinarischen<br />

und kulturellen Gusto lebt Gott allerdings in Italien.<br />

Ein Abstecher in die Toskana und ein Aufenthalt im „Rosewood<br />

Castiglion del Bosco“ letzten Herbst hat mich dahingehend abermals<br />

bestätigt. Der Grundstein für das Hideaway im Herzen des<br />

UNESCO-Weltkulturerbes Val d‘Orcia, das untrennbar mit der Landschaft<br />

Montalcinos und seinen Weinbergen verbunden ist, wurde<br />

bereits im Mittelalter gelegt. „Im Grunde ist es ein ganzes Dorf mit<br />

über 2.000 Hektar Fläche. Sicherlich hätte sich damals niemand<br />

vorstellen können, dass Castiglion del Bosco heute eines der führenden<br />

Weingüter für Brunello di Montalcino, ein 5-Sterne-Hotel<br />

und Italiens einzigen privaten Golfplatz umfassen würde – das ist<br />

außergewöhnlich“, erklärt mir Guia Sciortino, die für die Kommunikation<br />

des Hotels verantwortlich zeichnet. Bis April 2022 gehörte<br />

das gesamte Anwesen Massimo Ferragamo, Sohn einer der großen<br />

italienischen Modedynastien, und seiner Frau Chiara, deren geschmackvoller<br />

Fingerabdruck in Sachen Interior und Design auch<br />

heute noch sichtbar ist. Den Gästen stehen 42 Suiten, elf Villen mit<br />

privatem Swimmingpool, ein Spa und zwei Restaurants zur Auswahl.<br />

„Seit Covid ist die Nachfrage nach unseren Villen abermals<br />

gestiegen. Es handelt sich dabei um restaurierte Landhäuser aus<br />

dem 17. und 18. Jahrhundert, die in bezaubernde toskanische Luxusunterkünfte<br />

mit drei bis sechs Schlafzimmern verwandelt wurden<br />

– mit privatem Garten, Infinity-Pool und eigener, von Riccardo<br />

Barthel entworfener Küche.“ Keine Sorge, kochen müssen Sie nicht<br />

selbst. „Die Villen bieten denselben Hotelservice und dieselben<br />

Annehmlichkeiten wie die Suiten, aber die Exklusivität und Privatsphäre<br />

eines eigenen Hauses. Das ist sicherlich ein Bonus“, ergänzt<br />

Sciortino. Dazu zählen auf Wunsch ein privater Koch, Spa-Behandlungen<br />

und ein ganzes Housekeeping-Team, das regelmäßig nach<br />

dem Rechten sieht. „Man muss keinen Fuß vor die Tür setzen, wenn<br />

man nicht möchte.“ Jedes Möbel ist handverlesen, persönlich ausgewählt<br />

oder wurde von lokalen Kunsthandwerkern und Designern<br />

für das Resort maßgefertigt – alle im Stil historischer toskanischer<br />

Häuser, die innen Eleganz und Modernität ausstrahlen. Auch in<br />

der Küche des mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten Restaurants<br />

„Campo del Drago“ und der Osteria „La Canonica“ verwendet<br />

Chef Matteo Temperini ausschließlich toskanische Produkte – mit<br />

Ausnahme jener Zutaten, die nicht vor Ort angebaut werden kön-<br />

54 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


TITELTHEMA ! <strong>SOMMER</strong>GESCHICHTEN<br />

nen. Gerade im Herbst kommen Trüffelliebhaber auf ihre Kosten.<br />

Das Erlebnis, selbst auf die Suche nach den edlen Pilzen zu gehen,<br />

sollte man sich nicht entgehen lassen. Valentino Berni, dessen Vater<br />

Gianfranco in den Eighties die „Loghi Farm“ ins Leben rief und<br />

in den Trüffelanbau investierte, ist unser heutiger Tourguide. Sally<br />

begleitet uns. Sie ist eine der 14 Trüffelsuchhündinnen der Farm, die<br />

etwa 20 Autominuten vom Hotel entfernt liegt. „Die Hunde werden<br />

von klein auf trainiert, indem man ihnen Trüffel ins Futter mischt.<br />

Wenn sie sie nicht fressen, dann sind sie nicht zur Suche geeignet“,<br />

sagt Berni. Sally hat an diesem Tag allerdings keine wirkliche Lust<br />

Linke Seite: Die malerische Kulisse des Hotels „Rosewood<br />

Castiglion del Bosco“ in den Hügeln von Montalcino.<br />

„Die Toskana hat für die unterschiedlichsten Ansprüche<br />

viel zu bieten. Ich empfehle, das zu tun, was<br />

die Einheimischen tun“, sagt Guia Sciortino, Communication<br />

Manager des Resorts. Dazu gehört auf jeden<br />

Fall eine Trüffelsuche mit Valentino Berni oben im Bild<br />

von der „Loghi Farm“. Auf der Terrasse der Osteria<br />

„La Canonica“ genießt man die edlen Fundstücke am<br />

besten mit einem der exzellenten hauseigenen Weine.<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

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TITELTHEMA ! <strong>SOMMER</strong>GESCHICHTEN<br />

und spaziert lieber abseits der Gruppe. Wir finden an diesem Tag<br />

dennoch weißen Trüffel, „den Ferrari“, wie Berni betont. Er landet an<br />

Ort und Stelle direkt auf unserer Pasta, andere werden 24 Stunden<br />

später per Luftfracht an Restaurants in New York und London geliefert<br />

– oder nur wenige Kilometer weiter ins Rosewood Castiglion<br />

del Bosco. Der nächste Stop führt uns zurück zum Anwesen und<br />

direkt ins Weingut, wo uns Gemma Grieco empfängt. „Brunello di<br />

Montalcino ist eine der wichtigsten Weinbezeichnungen in Italien.<br />

Die Rebsorte »Sangiovese«, die als einzige für die Herstellung dieses<br />

exklusiven Weins zugelassen ist, erzielt ihre besten Ergebnisse im<br />

Gebiet von Montalcino“, erklärt die passionierte Weinexpertin, die<br />

sich auf dem Weingut von Castiglion del Bosco um das Marketing<br />

kümmert. Die edle Traube wird auf einer Fläche von nur 62 Hektar<br />

angebaut, was zudem für die Exklusivität dieses Rotweins spricht,<br />

der Weinliebhaber aus der ganzen Welt an dieses schöne Fleckchen<br />

Erde zieht. „Die beste Zeit für einen Besuch in der Toskana ist Mai/<br />

Juni oder September/Oktober. Es ist nicht so heiß und die Gäste<br />

haben die Möglichkeit, die Weinberge während zwei der wichtigsten<br />

Jahreszeiten zu erkunden.“ Für die gelernte Sommelière gibt es<br />

nichts Schöneres, als ihr Wissen über Wein und Käse weiterzugeben,<br />

eine Kombination, „die den Gästen einen Einstieg in die unglaubliche<br />

kulinarische Vielfalt dieser Region bietet. Beides sind natürliche<br />

Produkte, die je nach Typologie reifen und altern.“ Das Wine<br />

Tasting mit anschließendem Dinner sind der krönende Abschluss<br />

einer sinnlichen Reise, die nichts als Glück hinterlässt. |ag<br />

Die Mitgliedschaft im exklusiven „Millecento Wine<br />

Club“ ermöglicht es Weinsammlern aus der ganzen<br />

Welt, ihr Portfolio aufzubauen und auf dem Weingut<br />

in einer der limitierten Boxen zu lagern oben.<br />

56 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


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NACH NYMPHENBURG UND DIE HISTORIE SEINER MAJOLIKA<br />

Jugendstil. Art déco. Beide Epochen gelten als Hochzeit der dekorativen<br />

Künste und des Porzellans. Jede der großen Manufakturen<br />

hatte ihre Spezialität: Die KPM Berlin avancierte zum Wegbereiter<br />

der Moderne. Rosenthal stand für zeitgeistigen Lifestyle, Meissen<br />

eher für Klassik und die Porzellanmanufaktur Nymphenburg war<br />

berühmt für ihre Tierfiguren. Ihre Beliebtheit basiert bis heute auf<br />

den sehr lebendigen Darstellungen, der raffinierten Bemalung und<br />

der Zusammenarbeit mit angesagten Künstlern wie Josef Wackerle,<br />

ein Star in Avantgarde-Zeitschriften wie „Simplicissimus“<br />

und „Jugend“, für die er illustrierte. 1905 arbeitete er erstmals mit<br />

58 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


Natürlich märchenhaft! Froschkönig<br />

und Brunnen sind ein zeitgenössischer<br />

Entwurf. Den „Kakadu mit Früchtekorb“<br />

gestaltete Josef Wackerle um 1910. Die<br />

Majolika-Figuren der Porzellanmanufaktur<br />

Nymphenburg erfreuen sich wachsender<br />

Beliebtheit. Das macht auch<br />

Anders Thomas ganz links happy. „Sie<br />

ziehen unwillkürlich alle Blicke auf sich“,<br />

so der CEO der Traditionsmarke.<br />

Nymphenburg zusammen. Fünf Jahre später, auf der Brüsseler<br />

Weltausstellung, erregte die Manufaktur mit seinen bemalten<br />

Majolika-Figuren großes Aufsehen. Darunter befanden sich Papageien,<br />

ein Kakadu sowie ein Affe, alle zwischen 90 und 114 cm hoch.<br />

Jahrzehntelang wurden sie danach erfolgreich angeboten.<br />

„Gerade die Papageien mit ihren schillernd bunten Farben sind<br />

echte Persönlichkeiten“, findet Anders Thomas, CEO der Traditionsmarke,<br />

und freut sich, dass sie und anderes Getier seit einigen<br />

Jahren Haus und Garten zurückerobern. Corona hat die Nachfrage<br />

nochmals befeuert. „Das Bedürfnis nach illustrer Gesellschaft<br />

scheint groß zu sein. Auch der Wunsch nach Brunnen und Wasserspielen<br />

hat merklich zugenommen. Und da bei uns alles handgefertigt<br />

wird, kann natürlich die Farbigkeit eines Brunnens auf die<br />

Tierfigur abgestimmt werden – oder auf die Farbe des Hauses oder<br />

der Bepflanzung, die den Brunnen umgibt. Das ist der Vorteil einer<br />

Manufaktur.“ Welche magische Ausstrahlung Produktion und Ausstellungen<br />

in München haben, lässt sich vom 12. bis 14. Mai dieses<br />

Jahres live erleben. Dann lädt Nymphenburg zu „A Walk in the Park“<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

59


TITELTHEMA ! <strong>SOMMER</strong>GESCHICHTEN<br />

und öffnet die Türen seiner Ofenhalle sowie Teile des wunderschönen<br />

Gartens, in dem die Majolika-Objekte zu bestaunen sind. In<br />

Nymphenburg beschreibt der Begriff Majolika zinnglasierte, frostfeste<br />

Baukeramik, die in Steinguttechnik hergestellt und bei 1.160<br />

Grad gebrannt wird, gefolgt von einem Farb- und Glasurbrand bei<br />

1.040 Grad. Eine Besonderheit, die sie dem normalerweise härteren<br />

Porzellan ebenbürtig macht. „Der Unterschied besteht in der Dimension.<br />

Aus Majolika lassen sich Figuren, Vasen und Brunnen in<br />

großem Maßstab fertigen. Das geht bei Hartporzellan aus technischen<br />

Gründen leider nicht“, erklärt Thomas, der besonders für Wackerles<br />

Figuren schwärmt: „Die Farbigkeit! Deshalb würde ich mich<br />

immer für einen bunten Vogel entscheiden.“ Etwa einen Ara mit<br />

Girlande und türkisfarbenem Gefieder. „Die historische Farbpalette<br />

darf übrigens nicht verändert werden. Dennoch gleicht kein<br />

Papagei dem anderen.“ Jeder in der Malerei-Abteilung hat einen<br />

anderen Pinselschlag. „Der lockere Duktus schenkt den Tieren eine<br />

sehr lebendige Farbigkeit. Sie sind überdimensionale Fantasiewesen.“<br />

Und sie beleben ihre Umgebung.<br />

„Immer dann und dort, wo ein Highlight gesetzt werden soll. Am<br />

Ende eines Wegs, unter Bäumen, vor einer Hecke, aber auch im<br />

Zentrum eines Staudenbeets – gerade die großen Vögel sind dort<br />

ein Blickfang.“ Das Getier ist übrigens sehr viel zäher als Form und<br />

Ausführung erwarten lassen. Aufgrund der Witterungsbeständigkeit<br />

des Materials ist ein Winterschutz überflüssig, und für<br />

Langfinger mal eben zum Mitnehmen viel zu schwer. |sd<br />

Neben den farbigen Majoliken bietet Nymphenburg auch<br />

kleinere Modelle in dunklem Mangan-Ton an. „Hier stehen die<br />

Figur an sich und der gestalterische Entwurf im Vordergrund“,<br />

so Thomas. „Das dunkle, schokoladenfarbige Kolorit passt<br />

gut zu moderner Architektur, zu Bungalows, aber auch auf<br />

Veranden und Loggien. Das Material ist leider etwas diffiziler<br />

in der Verarbeitung, deshalb bieten wir in dieser Ausführung<br />

momentan nur die kleinen Papageien oben links an.“<br />

60 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


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NÖTIGE KLEINGELD UND EINEN FITTEN TRAVEL <strong>DESIGN</strong>ER<br />

Urlaub nach Maß – das hört sich irgendwie immer platt an. Jeder<br />

Reiseveranstalter würde das von sich auf entsprechende Nachfrage<br />

behaupten. Doch wir haben tatsächlich das gute Gefühl, perfekt<br />

zugeschnittene Auszeitmöglichkeiten für Individualisten entdeckt<br />

zu haben: kleine Schiffe, eine Handvoll Passagiere und so exotische<br />

Ziele wie Raja Ampath und Komodo in Indonesien oder Galapagos,<br />

um nur einige zu nennen. „Destinationen, die touristisch kaum erschlossen<br />

sind und eine einzigartige Natur bieten“, begeistert sich<br />

Ole Dross, Travel Designer bei One Fine Moment. „Nehmen wir mal<br />

Indonesien: Bali ist eines der beliebtesten und am meisten bereisten<br />

Länder der Welt. Nur ein kleines Stück weiter liegt mit Komodo<br />

eine Gegend, in der man glauben könnte, auf Zeitreise zu sein. Die<br />

riesigen Warane gleichen Dinosauriern und die Unterwasserwelt ist<br />

spektakulär.“ Eben einzigartig wie auf Galapagos, wo die Tierwelt<br />

eine ganz andere Evolution durchlaufen hat. „Beide Reiseziele passen<br />

perfekt zur Philosophie unseres Partners »Aqua Expeditions«.<br />

Ob dort, auf dem Mekong oder dem Amazonas – »Aqua« setzt auf<br />

einzigartige Erlebnisse und darauf, Leute an Orte zu bringen, die anders<br />

kaum oder gar nicht zu erreichen sind.“<br />

One Fine Moment und das Team um Inhaberin Susanne Singer-<br />

Kunz ist auf Ultraindividual-Reisen wie diese Luxuskreuzfahrten<br />

mit einer Langstrecken-Entdeckeryacht spezialisiert. Bildungsreisen<br />

durch so spezielle Länder wie Japan, Luxusvillen und Trips im<br />

Private Jet runden das Portfolio der Agentur ab. „All unsere Reisen<br />

sind vollkommen separat zusammengestellt“, so Dross, der einige<br />

Jahre in Vietnam gelebt habt und das Thema Auslandserfahrung<br />

mit seinen Kolleginnen teilt. „Unsere Kunden sagen uns, was<br />

sie erleben und welche Regionen sie bereisen möchten, wo die<br />

Schwerpunkte liegen sollen, und wir stellen die Reise zusammen.<br />

Keine gleicht einer anderen.“ Nahezu jedes Hotel hat sich das<br />

62 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


TITELTHEMA ! <strong>SOMMER</strong>GESCHICHTEN<br />

Das Foto von einem „Private Dinner“ unten auf der „Aqua Blu“ lässt keine Zweifel daran aufkommen, warum<br />

sich die Agentur für den Trip durch das ostindonesische Meer links One Fine Moment nennt. Programm<br />

und Route bestimmen die Passagiere. Landausflüge finden nur in kleinen Gruppen statt. Das schafft ein<br />

Optimum an Freiraum, um sich auf Land und Menschen einzulassen sowie Flora und Fauna zu erkunden.<br />

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TITELTHEMA ! <strong>SOMMER</strong>GESCHICHTEN<br />

64 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


Kein Rummel im Dschungel. Keine Touri-Ströme.<br />

Kein Auftrieb. Stattdessen Chillen und Entdecken.<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

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TITELTHEMA ! <strong>SOMMER</strong>GESCHICHTEN<br />

Abtauchen vor den Galapagos-Inseln ist eine von zahlreichen und immer faszinierenden Möglichkeiten, die eine der Kreuzfahrten mit<br />

der „Aqua Mare“ bietet. Ole Dross, oben auf einer Schiffsreise auf dem Mekong, ist Travel Designer bei One Fine Moment und konzipiert<br />

Reisen, für die es nicht wirklich Limits gibt: „Wenn man eine Reise plant, sollte man sich damit wirklich auseinandersetzen. Nicht<br />

einfach irgendetwas buchen, sondern sich die Zeit nehmen, mit uns an der Reise zu arbeiten, damit es am Ende für einen selbst passt.“<br />

66 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


Team vorher angeschaut, manche Schiffsreise begleitet. Initiatorin<br />

Singer-Kunz war über 15 Jahre im Luxussegment tätig bevor sie<br />

sich 2019 mit ihrer eigenen Firma einen Traum erfüllte – seitdem<br />

begleitet von vielen Stammkunden, die ihren Service mehr als zu<br />

schätzen wissen. Dazu gehört auch die Sensibilität, im Vorfeld<br />

auszuloten und zu schauen, was wirklich passt.<br />

„Gerade Kreuzfahrten sind ganz speziell und nicht für jedermann<br />

geeignet“, weiß der Travel Designer Dross. Auf kleinen Schiffen<br />

können sich Passagiere nur schwer aus dem Weg gehen, wenn<br />

es mal zu emotionaler Schräglage kommt. „Wir versuchen daher<br />

schon bei der Reiseplanung sehr genau und feinfühlig zu filtern,<br />

ob es das Richtige ist – vor allem bei Kunden, die zum ersten Mal<br />

eine Schiffsreise planen. Wer das noch nie gemacht hat, sollte auf<br />

jeden Fall mit einer kürzeren Route starten und sich nicht gleich<br />

für zwei bis drei Wochen auf ein Schiff begeben. Ist dieser erste<br />

Schritt gemacht, muss das richtige Schiff gewählt werden – da<br />

gibt es gravierende Unterschiede.“ Ein Trip mit der „Ritz Carlton<br />

Yacht Collection“ oder auf der „MS Europa“ ist eben etwas anderes<br />

als mit der „Aqua Blu“: Die Yacht verfügt über 15 Suiten, die<br />

sich auf vier Etagen verteilen. Schnell, weiter Radius, sicher und<br />

komfortabel – das perfekte Schiff, um die weiten Meere Ostindonesiens<br />

zu befahren. „Tagesausflüge finden hier in Kleingruppen<br />

von nie mehr als acht bis zehn Personen statt.“ Die perfekte Größe<br />

also, um viele persönliche Eindrücke zu sammeln.<br />

Die hat Ole – wir sind längst per Du – für sich selbst genauso gemacht:<br />

„Was ich gelernt habe, ist, dass es vor allem die Menschen<br />

sind, die eine Reise besonders machen. Ein Hotel oder eine Destination<br />

kann noch so schön sein – wenn man keine netten Leute<br />

um sich herum hat, fehlt etwas.“ Für ihn sind es am Ende die<br />

„kleinen Dinge“, die einen Urlaub perfekt machen. „Wenn ich beim<br />

Frühstück mit Namen begrüßt werde, und sich der Kellner meinen<br />

Getränkewunsch für den nächsten Morgen merkt. Wenn mich der<br />

Ladenbesitzer in einem zypriotischen Bergdorf zu seiner Familie<br />

mitnimmt und der Großvater mir bei einem Kaffee im Wohnzimmer<br />

Geschichten von früher erzählt. Wenn der Schnorchel-Guide<br />

in Kambodscha meine Frau, die im Wasser etwas unsicher ist, an<br />

die Hand nimmt und sie beruhigt und dafür sorgt, dass wir beide<br />

die magische Unterwasserwelt ohne Angst und in vollen Zügen<br />

genießen können. Das sind Kleinigkeiten, die perfekt von gut unterscheiden<br />

und nachhaltig in Erinnerung bleiben.“<br />

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WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

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TITELTHEMA ! <strong>SOMMER</strong>GESCHICHTEN<br />

INSIDE OUT _ SO FORMVOLLENDET KANN<br />

ES AUSSEHEN, WENN AUFTRAGGEBER AUF ZACK SIND<br />

„Als sich dieses Einfamilienhaus noch im Bau befand, rätselten<br />

die Nachbarn über dessen zukünftige Funktion. Wird das ein<br />

Kindergarten? Ein neues Gemeindezentrum? Oder vielleicht ein<br />

Altenheim?“ Meine Gesprächspartnerin ist darüber noch heute<br />

amüsiert. Auf den ersten Blick wirkt die Architektur ihres Hauses<br />

außergewöhnlich. Für eine Lage in der Provinz – wie sie es nennt<br />

– cool. Doch das Anwesen, gedacht als Ruhesitz, um dort Zeit<br />

mit den Enkeln zu verbringen, ist auch das Ergebnis eines klugen<br />

Teamworks mit ihrem Mann. So kontaktierte das Paar gleich drei<br />

Architekten, bevor es sich für Karsten Schlattmeier entschied,<br />

wie dieser berichtet. „Schon im ersten Gespräch äußerten die<br />

beiden sehr konkrete Vorstellungen, wie sie in ihrem Gebäude leben<br />

möchten. Bei dem sehr schön gelegenen Grundstück waren<br />

wir uns über eine Verbindung von innen und außen schnell einig.<br />

Das entsprach sowohl der Auffassung von Wohnen seitens der<br />

Auftraggeber als auch unserer architektonischen Philosophie.“<br />

68 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


Für ein Ehepaar konzipierte Karsten Schlattmeier<br />

dieses Ensemble. Privater und öffentlicher Bereich<br />

liegen in zwei separaten Bauten linke Seite, verbunden<br />

durch einen Mitteltrakt. Große Solarlux-Fenster<br />

(„Cero“) mit Sonnenrollos öffnen die Architektur<br />

zur Landschaft. Vom Essbereich mit einem Tisch<br />

von Emmemobili und Walter-Knoll-Stühlen, darüber<br />

Bocci-Leuchten, blickt man in den Garten. „Er sollte<br />

zum Haus passen“, so die Bauleute, die Wert auf<br />

Regionalität legten: „Natürlich heimische Pflanzen.<br />

Keine Exoten.“ Die Outdoor-Sofas unter der Holzpergola<br />

lieferte Tribù. Das Hochbeet gestaltete<br />

GaLa Architekten – ein Rendezvous für alle Sinne.<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

69


TITELTHEMA ! <strong>SOMMER</strong>GESCHICHTEN<br />

„Durch diese Inside-Out-Gestaltung des Hauses leben wir intensiver<br />

mit der Natur, den Tages- und Jahreszeiten“, freut sich<br />

das Ehepaar. „Licht, Sonne, Himmel, Wolken, Garten, Wald und<br />

die Baumvielfalt. Das Farbspiel der Bäume. Die Tiere. Außerdem<br />

gibt die offene, deckenlose Gestaltung der Räume ein Gefühl<br />

von Freiheit und Entfaltung.“ Mit seinem Konzept war Schlattmeier,<br />

dessen Büro in Herford sehr breit aufgestellt ist – das<br />

Portfolio reicht von Gewerbe- über Schulbauten bis zu Studentenwohnheimen<br />

und Brücken – an „restriktive Begrenzungen<br />

bezüglich Baumasse und Gebäudehöhe gebunden. Letztere hatte<br />

sich an der Bestandshöhe zu orientieren. Das erforderte ein<br />

Austarieren der Höhenlage, um das Parken im Untergeschoss<br />

zu ermöglichen. Wohnen und Schlafen finden demgegenüber<br />

auf einer Ebene statt“, erklärt der Architekt und erinnert sich:<br />

„Bei der Auswahl des Bauplatzes hatte die Bauherrschaft bewusst<br />

auf ein sonniges Grundstück Wert gelegt. Zwischen<br />

den beiden Baukörpern, einem öffentlichen und einem privaten<br />

Bereich, spannt sich eine windgeschützte Zone, die sich<br />

auch schon während der Wintermonate angenehm erwärmt.<br />

Um das Konzept »Inside Out« umzusetzen, kam der Bauherr<br />

selbst auf die Fassadenelemente von Solarlux.“ Und ergänzt:<br />

„Die bodentiefen, großflächigen Glaselemente mit schmalen<br />

Rahmen und motorunterstützter Schiebefunktion lassen sich<br />

im Sommer weit öffnen.“ Die Grenzen zwischen Innen- und<br />

Außenraum werden aufgelöst, eine Idee der Architektenszene<br />

im Bauhaus-Umfeld. Es ist erstaunlich, wie viel ausgetüftelter<br />

70 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


XXXXXXXXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

und hochwertiger die Technik heute ist. Die Beschattung<br />

übernehmen Textilrollos. „Dezent und funktionell. Doch wir<br />

profitieren natürlich auch vom großen Dachüberstand.“<br />

Bei soviel Sachverstand würden viele davon ausgehen,<br />

dass es sich die Eheleute nicht würden nehmen lassen, ihr<br />

neues Refugium selbst einzurichten. Doch das Paar war<br />

schlau genug, Profis damit zu beauftragen. Man sieht es<br />

auf den ersten Blick. „Wir wollten mit Innenarchitekten<br />

aus der Region zusammenzuarbeiten, die Verständnis haben<br />

für ortsspezifische Besonderheiten, und unsere individuellen<br />

Vorstellungen mit einbringen. Das hat prima geklappt.<br />

Die Vorschläge von »IA-Team« entsprachen wirklich<br />

unseren Vorstellungen“, freut sich die Bewohnerin. Auch<br />

für den Innenausbau fand das Paar mit der Firma Günter<br />

Speckemeyer einen hervorragenden Partner. „Ein echter<br />

Glücksgriff. Beeindruckende handwerkliche Fähigkeiten<br />

und Mut für ausgefallene Lösungen, die Ideen von IA<br />

technisch, funktionell und designorientiert umzusetzen.“<br />

Auch hier gab es ein konkretes Briefing seitens der Hausinhaber.<br />

„Es ging um Funktionalität. Jeder Quadratmeter, jedes Zimmer<br />

wird funktionell, sogar multifunktionell genutzt. Es gibt keine<br />

toten Räume, nichts Überflüssiges, keine Gästezimmer, keine<br />

repräsentative, nicht nutzbare Galerie. Alles hat einen Sinn und<br />

eine Bedeutung, wird täglich mit Leben und Aktivität gefüllt.“<br />

Für die Materialien und Farbgebung war der nahe Wald eine<br />

wichtige Inspirationsquelle. „Wir haben grün-grauen Naturschiefer<br />

für das Dach und die Fassade gewählt. Und an den Außenwänden<br />

mit Holz kombiniert. Das setzt sich bei der Innengestaltung<br />

fort. Drinnen gibt es genauso Schiefer- und Holzwände.<br />

Alles perfekt, wie der Garten, der mit „GaLa-Architekten“ realisiert<br />

wurde. „Natürlich aus der Region. Er sollte zur Architektur<br />

des Hauses passen und alle Sinne anregen: Riechen (Kräuter,<br />

Klassische Moderne, neu interpretiert. Als ausführender<br />

Architekt konzipierte Schlattmeier zwei Pavillons mit einem<br />

Verbindungstrakt, linke Seite. Der linke Teil beherbergt eine<br />

Bulthaup-Küche, der rechte das Schlafzimmer mit Fitnessbereich.<br />

Die Cocktailsessel am Kamin oben fertigte Flexform.<br />

Duftblumen), Sehen (Pflanzen, Tiere), Fühlen (unterschiedliche<br />

Haptik), Schmecken (Kräuter), Hören (Vögel, Insekten). So gibt es<br />

für unsere Enkelkinder viel zu entdecken und zu erleben. Und es<br />

ist ein Garten, der die Jahreszeiten widerspiegelt. Eigentlich haben<br />

wir vier davon: einen Frühlingsgarten, einen Sommergarten,<br />

einen Herbstgarten und einen Wintergarten.“ Und noch etwas<br />

ist besonders. Die beiden haben kein Lieblingszimmer. „Jeder<br />

Raum hat seine Bedeutung und ist der richtige.“<br />

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WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

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XXXXXXXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

Am 24. Mai ist Tag der Kiwi. Neuseeland gilt als ein Heimatland der Früchte. Für Bauer Anaru aus dem Stamm der Maori ist es<br />

ein Privileg, Produkte wie die Sorte „SunGold“ aus dem Boden zu gewinnen. Viele kennen die gelben oder „goldenen“ Kiwis mit<br />

ihrem honigsüßen Geschmack bisher noch nicht. Im Sommer sind die Früchte am saftigsten. Anaru ist einer von 2.800 Erzeugern<br />

in Neuseeland, der sein Obst für Zespri TM anbaut – ein neuseeländisches Unternehmen, das Kiwis weltweit vertreibt und vermarktet.<br />

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TITELTHEMA ! <strong>SOMMER</strong>GESCHICHTEN<br />

KOCHEN MIT KIWIS _ ABER<br />

WELCHE? GRÜN ODER GOLD?<br />

Wenn Anaru (Foto links) mit seinem Erntekorb bewaffnet ans<br />

Werk geht, wird aus dem etwas raubauzigen Kiwi-Bauern des<br />

Maori-Stamms eine „Samtpfote“, auch wenn seine Handschuhe<br />

aus Wolle sind. Vor allem die süßen „SunGold“-Kiwis haben es ihm<br />

angetan. Seine Kollegin Helen im neuseeländischen Whakatane<br />

bevorzugt die erfrischend-fruchtige „Green“-Kiwi. Beide bauen<br />

für „Zespri TM “ an, ein Unternehmen, das zu 100 Prozent im Besitz<br />

von aktuellen und ehemaligen Kiwi-Bauern ist und sich um die<br />

weltweite Vermarktung kümmert. Allein in Neuseeland für 2.800<br />

Erzeuger und für 1.500 weitere aus Ländern wie Frankreich und<br />

Italien. Ursprünglich stammt die Frucht aus China, wo sie jahrtausendelang<br />

kultiviert wurde. 1904 brachte die Lehrerin Mary Isabel<br />

Fraser von dort einige Setzlinge nach Neuseeland mit. Der Gärtner<br />

Alexander Allison pflanzte diese auf seinem Besitz südlich von<br />

Wanganui, und sechs Jahre später konnten die ersten Früchte geerntet<br />

werden. Zunächst als „chinesische Stachelbeere“ bekannt,<br />

erhielt sie erst 1959 mit Beginn des Exports die Bezeichnung Kiwi,<br />

Namenspate war der neuseeländische Nationalvogel.<br />

Bei den Kiwi-Gehölzen sitzen männliche und weibliche Blüten<br />

übrigens auf zwei verschiedenen Pflanzen – botanisch wird die<br />

Kiwi daher „zweihäusig“ genannt. Aus diesem Grund werden<br />

stets eine männliche und eine weibliche Pflanze nebeneinander<br />

gesetzt, um die Befruchtung zu sichern. Optimale Bedingungen<br />

hat die Kiwi auf fruchtbaren, feuchten und leicht sauren, wenig<br />

lehmhaltigen Böden und bei sonnigem Klima mit nicht zu viel<br />

Wind. In Neuseeland sind die Bedingungen wegen der Vulkanböden<br />

und des Wettermixes ganz prima.<br />

Bis heute genießt das Obst einen sehr hohen Stellenwert. Kein<br />

Wunder also, dass für das Handelsunternehmen und die Erzeuger<br />

Umweltschutz und Themen wie Nachhaltigkeit im Fokus stehen:<br />

„Ich glaube nicht, dass wir das Land besitzen. Wir sind eher die<br />

Wächter des Landes und werden es in Zukunft an jemand anderen<br />

weitergeben“, so Helen. Ihr Credo entspricht dem Maori-Konzept<br />

„Kaitiakitanga“ und bestimmt ihre Arbeit. Dazu gehören die Lehre<br />

und Weitergabe nachhaltiger Anbaupraktiken. Final resultieren<br />

daraus auch Ziele, beispielsweise bis in zwei Jahren ausschließlich<br />

recycelbare Verpackungen einzusetzen. Was von dort in deutsche<br />

Läden geliefert wird, erfreut verwöhnte Gaumen mit perfekter Reife<br />

genauso wie Gesundheitsbewusste (hoher Vitamin-C-Gehalt). Zu<br />

was die saftigen Früchte alles taugen, entdecken Sie nachfolgend ...<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

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XXXXXXXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

LACHSTATAR MIT GRÜNEN KIWIS UND AVOCADO<br />

ZUTATEN:<br />

1 Avocado<br />

2 Lachsfilets, je 125 g<br />

2 grüne Kiwis<br />

1/4 rote Zwiebel<br />

Saft einer halben Zitrone<br />

Salz<br />

3 EL natives Olivenöl Extra<br />

Frische Petersilie oder Koriander<br />

1 EL körniger Senf<br />

ZUBEREITUNG:<br />

Lachs in kleine Würfel schneiden und in eine Schüssel<br />

geben. Zwiebel, Avocado und Kiwi schälen und<br />

würfeln. Petersilie oder Koriander fein hacken. 3 EL<br />

Olivenöl, Senf, eine Prise Salz und den Saft einer halben<br />

Zitrone in einer anderen Schüssel gut vermischen.<br />

Das Dressing auf die Lachs-, Kiwi- und Avocadowürfel<br />

gießen. Vorsichtig verrühren, damit das Tatar nicht<br />

matschig wird, appetitlich aussieht und schön auf dem<br />

Teller angerichtet werden kann. Dafür einen Speisering<br />

verwenden und bis zur Hälfte füllen. Mit Petersilie oder<br />

Koriander garnieren und servieren.<br />

GOLDEN MILK SMOOTHIE MIT GELBEN KIWIS<br />

ZUTATEN:<br />

1 Banane (ca. 120 g)<br />

2 goldene Kiwis<br />

1 TL Kurkuma (ca. 5 g)<br />

1/2 TL Zimt (ca. 4 g)<br />

120 ml fettarme Milch<br />

1 EL Nüsse (ca. 10 g)<br />

Frische Minze als Topping (optional)<br />

ZUBEREITUNG:<br />

Kiwis schälen, eine Kiwi würfeln.<br />

Die andere Kiwi halbieren und zusammen mit den<br />

weiteren Zutaten in einen Blender geben und pürieren,<br />

Mit Kiwiwürfeln und Nüssen garnieren.<br />

74 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


TITELTHEMA ! <strong>SOMMER</strong>GESCHICHTEN<br />

SMOOTHIE AUS KIWI, BANANE UND SPINAT<br />

ZUTATEN:<br />

3 grüne Kiwis, geschält und in Scheiben geschnitten<br />

1 reife Banane, in Scheiben geschnitten<br />

1 Handvoll Babyblattspinat (40 g)<br />

500 ml Kokosnusswasser oder Ananassaft<br />

eine Handvoll Eis<br />

ZUBEREITUNG:<br />

Alle Zutaten zusammen in einen Mixer geben und<br />

pürieren, bis die Mischung homogen ist. In zwei große<br />

Gläser gießen und genießen.<br />

HÄHNCHEN-BURGER MIT GRÜNEN KIWIS<br />

ZUTATEN:<br />

500 g gehacktes Hähnchenbrustfleisch ohne Knochen<br />

1 Frühlingszwiebel, 1 Knoblauchzehe, 1 x 1 cm große<br />

Ingwer-Scheibe (gerieben), 2 EL Semmelbrösel, 1 kleines<br />

Ei, 2 EL Mehl, 4 Hamburger-Brötchen<br />

Für den Belag: 2 grüne Kiwis<br />

100 g Rotkohl, 100 g Zucchini, 100 g Möhren,<br />

4 Korianderzweige, 2 Minzzweige, 1 halbe Limette,<br />

4 EL Olivenöl, 30 g geschälte Erdnüsse, Salz, Pfeffer<br />

Thai-Erdnusssauce: 2 EL Erdnussbutter, 2 EL brauner<br />

Zucker, 2 EL Olivenöl, 1 EL Reisessig oder Weißwein, 2<br />

EL Sojasauce, 1 TL Fischsauce, 1 TL geriebener Ingwer<br />

ZUBEREITUNG:<br />

Zutaten für die Frikadellen zu einer glatten Masse<br />

kneten, 4 Stück formen, leicht bemehlen und zur Seite<br />

stellen. Gemüse putzen, in sehr dünne Streifen schneiden<br />

und in eine Schüssel geben. Kiwis schälen und<br />

in kleine Würfel schneiden. Zusammen mit den fein<br />

gehackten Kräutern, Limettensaft, abgeriebener Schale<br />

der Limette, der Hälfte des Öls sowie Salz und Pfeffer in<br />

der Schüssel vermengen. Schüssel zur Seite stellen. Für<br />

die Zubereitung der Thai-Sauce alle Zutaten in einer<br />

Schüssel vermischen. Frikadellen in einer Pfanne mit<br />

dem restlichen Öl anbraten. Die Hamburger-Brötchen<br />

belegen und etwas Sauce darübergeben.<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

75


REPORTAGEN !<br />

Von außen gleicht das Haus einem Hai, der über Naucalpan,<br />

einem zersiedelten Wohn- und Industriegebiet in Mexico City,<br />

auftaucht. Die Architektur des Exzentrikers Javier Senosiain –<br />

lange nicht ernst genommen – wird gerade neu entdeckt.<br />

76 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


REPORTAGE ! XXXXXX<br />

SO <strong>SOMMER</strong>LICH<br />

Cool am Pool? Auch. Aber in dieser Saison haben uns andere Themen<br />

mehr getriggert: Bio-Architektur, Umnutzung, Reduktion und Style.<br />

78 I MEXICO CITY Wie man 1985 ein Haus für das Jahr 2045 konzipierte<br />

88 I IRIGNY Französisch verspielt, und doch schon ganz schön straight<br />

96 I SAO PAULO Architektur zwischen Midcentury-Moderne und Zeitgeist<br />

106 I MÉRIDA Entschleunigen jetzt! Ein Weltenbummler zeigt, wie es läuft<br />

112 I MELBOURNE So entsteht aus einem Warenlager ein toller Wohnraum<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

77


REPORTAGE ! MEXICO CITY<br />

SPIELWIESE<br />

So sah in den Achtzigerjahren eine Revolte gegen das Establishment aus.<br />

Doch die „Casa Organica“ des mexikanischen Architekten Javier Senosiain wirkt<br />

heute aktueller denn je. Ihre „Naturverbundenheit“ ist richtungsweisend.<br />

FOTOS: NIN SOLIS TEXT: STEPHAN DEMMRICH<br />

78 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


REPORTAGE ! XXXXXX<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

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REPORTAGE ! XXXXXX<br />

Ein Visionär in seinem Haus: Javier Senosiain<br />

realisierte die „Casa Organica“ 1985 für sich und<br />

seine Frau als Familiennest. Die Architektur entstand<br />

aus Ferrozement und ist von Erdnussschalen<br />

inspiriert. Ihre biomorphen Formen beeinflussen<br />

selbst die Gestaltung von Einbauten und Möbeln<br />

wie in der Küchenzeile. Der Geschirrspüler von<br />

Bosch funktioniert bis heute. Darüber die Zitruspresse<br />

von Philippe Starck für Alessi, die 1990<br />

entstand. Vielleicht ist es gerade die Reduktion<br />

der Einrichtung auf ein Minimum, die das Haus bis<br />

heute so spacig wirken lässt.<br />

80 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


REPORTAGE ! MEXICO CITY<br />

„Integration, Mensch, Natur“, antwortet der mexikanische Architekt<br />

Javier Senosiain auf meine Bitte, seine Philosophie kurz zusammenzufassen.<br />

„Dieses Bio-Haus, die »Casa Organica«, ist das<br />

Resultat einer fünfjährigen Studie über die Suche des Menschen<br />

nach dem natürlichen Raum.“ Hhm. Das möchten wir schon etwas<br />

genauer wissen ... Also: „Dieses Haus entstand aus der Idee,<br />

einen für Menschen geeigneten Lebensort zu schaffen, der an<br />

ihre ökologischen, physischen und psychologischen Bedürfnisse<br />

angepasst ist und sowohl seine natürliche Herkunft als auch unsere<br />

Entwicklungsgeschichte berücksichtigt.“<br />

Senosiain kreierte übrigens diese außergewöhnliche Architektur<br />

für sich und seine Frau – „noch bevor wir geheiratet haben. Die<br />

Bauzeit betrug vier Jahre. Nach unserer Hochzeitsreise zogen<br />

wir hier ein.“ Das war 1985 und Ausgangspunkt einer Reihe von<br />

organisch geformten Bauten, die der 1948 in Mexico City geborene<br />

Architekt bis heute realisierte. Er gilt als einer der ersten Verfechter<br />

von organischer Architektur und findet Gleichgesinnte<br />

in Bruce Goff, Friedensreich Hundertwasser, Antoni Gaudi und<br />

Frank Lloyd Wright. Besonders der spanische Jugendstil-Künstler<br />

Gaudi setzte für ihn Maßstäbe, wenn es um Qualität geht: „Gaudi<br />

sagte einmal, dass der Begriff Original von dem Wort Ursprung<br />

kommt. Für ihn bedeutete, originell zu sein, zum Ursprung der<br />

Dinge zu gehen.“ Für Senosiain ist es „die Suche nach der Befriedigung<br />

elementarer Bedürfnisse wie Kochen, Essen, Schlafen,<br />

Waschen, die uns die Vorstellung primitiver und gleichzeitig<br />

futuristischer Räume wie in einem Star-Wars-Film vermittelt.“<br />

Wie in einem unterirdischen Labyrinth schlängelt sich ein<br />

weiß gefasster Gang durch seine Casa Organica und führt zu<br />

verschiedenen großzügig gehaltenen Räumen. Sie liegen ausschließlich<br />

unter der Erdoberfläche. Virtuos geschwungene<br />

Fenster verbinden Garten- und Wohnraum. Zusätzliche Luken<br />

in den Decken illuminieren und akzentuieren bewusst ausgewählte<br />

Bereiche. „Eine grüne Düne ist die Hülle dieses Innenraums,<br />

der fast unsichtbar ist. Von oben sehen wir nur Gras,<br />

Sträucher, Bäume und Blumen. Wir können also auf dem Dach<br />

dieser Architektur wie durch einen Garten spazieren.“ Damit<br />

realisiert der Mexikaner seine Idee, Architekturen zu schaffen,<br />

die Zufluchtsorten von Tieren oder den Aufenthaltsorten früher<br />

Höhlenmenschen entsprechen: „Ein schützender Raum wie der<br />

Mutterleib – oder wie ein Nest bei Lufttieren, der Chitin-Panzer<br />

von Mollusken im Wasser.“ Prägend ist dabei für Senosiain<br />

der Grundgedanke, „Räume zu schaffen, die an den humanen<br />

Körper angepasst sind. Ähnlich wie bei Troglodyten, die sich<br />

unter die Erde gegraben haben. Oder wie ein Iglu ... keine Rückkehr,<br />

sondern eine meditative Versöhnung.“ Sie polarisiert. ⇨<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

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REPORTAGE ! XXXXXX<br />

Alle Räume liegen unter einer hügeligen Wiese. Von oben ist die<br />

Casa Organica unsichtbar. Man sieht einen Garten. Die Vegetation<br />

übernimmt auch eine wichtige Rolle für das Raumklima. Im Fokus<br />

der „Goldgold“-Handstuhl von Pedro Friedeberg.<br />

82 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


REPORTAGE ! XXXXXX<br />

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REPORTAGE ! MEXICO CITY<br />

84 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


REPORTAGE ! XXXXXX<br />

„Es sind Räume, deren wechselndes Licht und Formen sich dem<br />

Rhythmus der Bewohner anpassen, deren Einrichtung sich in<br />

die Umgebung einfügt, die die Zirkulation erleichtert und den<br />

verfügbaren Raum optimal nutzt.“ Wie in allen seinen Projekten<br />

sind auch in der Casa Organica die meisten Einrichtungsgegenstände<br />

wie Stühle, Schränke und Tische fest mit dem Gebäude<br />

verbunden und sollen dem Bewohner „maximalen Kontakt mit<br />

dem Boden vermitteln.“ Das gilt selbst für Möbel wie Sofa und<br />

Bett, die wie in den Stein gemeißelt wirken. Dabei nutzen sie den<br />

verfügbaren Platz innerhalb der Räume optimal aus.<br />

Von außen erinnert die Casa Organica an einen Haifisch, der<br />

mit weit aufgerissenem Maul aus dem Wasser schießt (Seite<br />

76). Der Architekt nutzt auch diese imposante Öffnung für eine<br />

geschwungene Verglasung und installiert dahinter sein Arbeitszimmer<br />

mit Blick auf das zersiedelte Wohn- und Industriegebiet<br />

Naucalpan am Stadtrand von Mexico City. Beim Grundriss des<br />

Hauses stand dagegen eher die Form einer Erdnussschale Pate,<br />

die zwei ovale Räume bildet. Um stabile Wände und Decken in<br />

dieser Form zu schaffen, verwendet Senosiain Ferrozement, „einen<br />

Verbundwerkstoff aus Mörtel, der mit einem leichten Stahlgewebe<br />

verstärkt ist.“ Das Material ist bekannt für seine Flexibilität<br />

und Festigkeit und formiert sich hier zu Kuppeln, Waben und<br />

Gängen. Als Abschluss erhielt die Architektur eine Polyurethanbeschichtung,<br />

die sie abdichtet und isoliert.<br />

Achtung! Architekt auf Socken ... Nur so spürt man den Komfort,<br />

der von der flauschigen Auslegeware ausgeht. Die Wände sind<br />

durchgehend in Creme gehalten, es sei denn sie werden wie<br />

hier mit Farblicht akzentuiert. Links das Entree mit Vitrine.<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

85


REPORTAGE ! MEXICO CITY<br />

Schlechte Luft? Kein Grund zur Sorge in Senosiains Wohnhöhlen.<br />

Ihre aerodynamischen Formen erleichtern sogar die Belüftung<br />

und ermöglichen eine freiere Luftzirkulation. Auch unter diesem<br />

Aspekt ist die Architektur von „grundlegender Bedeutung“, wie<br />

Senosiain ausführt: „Das Gras, die Bäume und Sträucher (thermische<br />

Masse) produzieren Sauerstoff und leiten durch Evapotranspiration<br />

Schadstoffe ab, wodurch ein Mikroklima entsteht,<br />

in dem die Vegetation Staub und Abgase filtert und im Inneren<br />

des Hauses Temperaturen zwischen 19 und 21 Grad erzeugt. Die<br />

Farbpalette beschränkt sich auf Beige- und Sandtöne. „Sie sollen<br />

das Gefühl verstärken, unter der Erde zu sein. Wenn es unter<br />

Wasser wäre, würde ich ein Blau wählen“, so der 75-Jährige, der<br />

sich dem konventionellen Bauen stets verweigerte: „Die gerade<br />

Linie ist in der Natur so gut wie nicht vorhanden, angefangen<br />

vom Mikroorganismus bis zum Makrokosmos, von DNA-Strängen<br />

bis zu Galaxien, alles bewegt sich in Spiralen.“ Senosiains<br />

Formverständnis ist komplett in der Natur verwurzelt, wie diese<br />

Wohnhöhle eindrucksvoll verbildlicht. Auch ein Plädoyer für<br />

Freigeist. „Bevor wir auf die Welt kommen, schwimmen wir im<br />

Bauch unserer Mutter, wie Astronauten im All oder in einem<br />

endlosen Whirlpool. Aber dann werden wir in eine Kastenform<br />

gesteckt, ein Gitterbett, und wir ziehen fortan von einem Kasten<br />

zum nächsten – Laufstall, Kinderzimmer, eckige Häuser – bis wir<br />

sterben und in einen weiteren Kasten gesteckt werden.“ ☐<br />

Die Natur als Inspirationsquelle. Wer die Badewanne oben<br />

rechts abends testet, kann in die Sterne schauen. Originell sind<br />

die Halter für die Zahnbürsten in einem weiteren Bad links. Das<br />

Haus bietet zahlreiche Rückzugsorte wie rechts die Lese-Ecke.<br />

86 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


REPORTAGE ! XXXXXX<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

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REPORTAGE ! XXXXXX<br />

88 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


REPORTAGE ! IRIGNY<br />

IS THIS EDEN?<br />

Knallfarben, geometrische Formen und ein klar durchstrukturiertes<br />

Interiorkonzept verwandeln ein klassisch-französisches Landgut in ein<br />

hippes Hideaway mit Zen-Charakter.<br />

FOTOS: GUILLAUME GRASSET<br />

TEXT: SARA DAL ZOTTO/ ANKE GUNGL<br />

Mehr als 40 Jahre ist es her, dass Claude Cartier ihren ersten<br />

Showroom für hochwertige zeitgenössische Möbel in Lyon eröffnete.<br />

Seitdem ist viel passiert. Ihrem luxuriösen Designstil,<br />

bei dem Strenge, Wagemut und außergewöhnliche Kreativität<br />

die Hauptakteure verkörpern, ist sie treu geblieben. Es ist vor<br />

allem ihr Sinn für Atmosphäre und moderne Ästhetik, den die<br />

Interior- und Möbeldesignerin auslebt. In ihrem Innenarchitekturbüro,<br />

dem Claude Cartier Studio, ebenso wie mit der 2018 ins<br />

Leben gerufenen Inside Gallery – ihrem neuesten Hotspot in<br />

Lyon. „Anstelle eines zweiten Showrooms habe ich einen Ort geschaffen,<br />

an dem ich mir alle acht Monate ein neues Pop-up-Szenario<br />

mit einem Möbel- und einem Textilhersteller sowie einem<br />

Gastkünstler ausdenke. Das ist eine Möglichkeit, unsere Handschrift<br />

zu zeigen, indem wir jedes Mal die Geschichte komplett<br />

ändern.“ Eine klare Handschrift ist ihr dennoch wichtig. „Ich<br />

habe immer darauf geachtet, dem treu zu bleiben, was wir von<br />

Anfang an waren“, erklärt sie, „ein Ausstellungsraum, ein Ideenlabor,<br />

ein Schaufenster, und das parallel zur Arbeit des Studios.<br />

Die Leute kommen vor allem zu uns, weil sie sich nach einem<br />

dekorativen Szenario sehnen, und um eine Auswahl an Materialien,<br />

Farben und Möbeln zu treffen. Wir nehmen nie ein Projekt<br />

an, ohne auch das Mobiliar dafür zu liefern. Aus diesem Grund<br />

positionieren wir uns eher als Innenausstatter.“<br />

So geschehen auch bei einer ihrer jüngsten Arbeiten, der Neugestaltung<br />

eines Anwesens, das sie für eine XXL-Familie vor den<br />

Toren Lyons projektierte. „Die Eigentümer, zu denen wir eine<br />

treue und vertrauensvolle Beziehung aufgebaut haben, arbeiten<br />

im künstlerischen Bereich und lieben es, Gäste zu empfangen.<br />

Deshalb haben sie sich für dieses Haus in Irigny, abseits der<br />

Stadt entschieden – in einer unvergleichlichen Umgebung mit<br />

viel Vegetation. Eine echte Zen-Blase“, erzählt Cartier, die sich<br />

dank einer Carte Blanche der Bauherren frei ausleben konnte.<br />

Die Umbauarbeiten dauerten etwa zwei Jahre und ermöglichten<br />

es Cartier, genau das Szenario aus Farben, Materialien,<br />

Wandverkleidungen, Textilien und der Auswahl an Möbeln zu<br />

entwerfen, das den Bauherren und dem Ort gerecht wurde.<br />

Das Konzept für das in den Eighties entstandene Landhaus mit<br />

weitläufigem Garten war schnell erstellt. „Der Architekt Denis<br />

Vélon, der mit uns an der Umgestaltung des Grundrisses arbeitete,<br />

hat große Fenster eingebaut. Sie sollten dem Haus ein<br />

moderneres Aussehen verleihen. Dabei konnte er sich auf die<br />

vorhandenen Elemente stützen und hat Öffnungen geschaffen,<br />

die eine großartige Verbindung nach draußen, in den Garten,<br />

herstellen und wie gerahmte Gemälde wirken. Es ist uns<br />

dadurch gelungen, einen perfekten Dialog zwischen dem Alten<br />

und dem Zeitgenössischen, zwischen Innen und Außen herzustellen.“<br />

Die Inspiration für die Gartengestaltung holten wir uns<br />

von echten Landschaftsmalereien mit Ansichten von Parks und<br />

Gärten. Wir haben dafür sogar auf Flohmärkten gestöbert. Und<br />

wir haben versucht, die Energie aus der Natur auch in Form und<br />

Material unserer Skulpturen auszudrücken“, verrät Cartier. ⇨<br />

Linke Seite: Interieur-Expertin Claude Cartier auf einem<br />

Daybed von Maison de Vacances. Daneben Coffee Table<br />

„Gipsy“ von Laurence Du Tilly. Diese Seite: Auf dem handgewebten<br />

Teppich „Cultivate Chevron“ von CC-Tapis platziert<br />

Cartier das Sofa „Gogan“ samt Couchtisch „Pluto“, Moroso.<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

89


REPORTAGE ! IRIGNY<br />

90 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


Im Wohnzimmer linke Seite dominieren<br />

satte Grün- und warme Rottöne die<br />

Szenerie. Den gestreiften Läufer entwarf<br />

Claude Cartier für CC-Tapis. Diese Seite<br />

links: Im Esszimmer entschied sich Cartier<br />

für eine Kombination von Gubi samt<br />

Leuchte „Multi-Lite“. Die braun gemusterte<br />

Tapete ist eine Arbeit des französischen<br />

Künstlers Mathias Kiss. Darüber:<br />

Die mit Samt von Élitis bezogenen Wände<br />

geben dem Raum eine zeitlos-moderne<br />

Note, ebenso wie die „Pastilles“-Sessel<br />

von Tacchini. Oben rechts: Das Spiel<br />

zwischen organischen und klassischen<br />

Formen beherrscht Claude Cartier aus<br />

dem Effeff. Das Regalsystem „Boutique<br />

Mast“ im Wohnzimmer stammt aus der<br />

Feder von Piero Lissoni für Porro.<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

91


REPORTAGE ! XXXXXX<br />

Fantasievoll, bunt und geordnet lautet<br />

der Dress-Code der drei Schlafzimmer<br />

diese Seite. Dafür sorgen unterschiedlich<br />

texturierte Oberflächen und Gewebe, die<br />

das kontemporäre Design von Leuchten<br />

und Möbeln unterstreichen. Trotz der<br />

einheitlichen Handschrift der Creatrice<br />

wirkt jeder Raum einzigartig. Rechte<br />

Seite: Auch außerhalb der Villa überließ<br />

Claude Cartier nichts dem Zufall.<br />

92 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


REPORTAGE ! IRIGNY<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

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REPORTAGE ! XXXXXX<br />

94 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


REPORTAGE ! IRIGNY<br />

Grün dominiert eindeutig auch im Interior-Bereich. Nicht zuletzt<br />

deshalb, weil es Cartiers Lieblingsfarbe ist. „Während der<br />

ersten 20 Jahre meines Schaffens waren Schwarz, Weiß, Grau<br />

und Beige die Farben, die ich in meiner Arbeit am häufigsten<br />

verwendete. Im Allgemeinen sind das die klassischen Tonalitäten,<br />

die eine natürliche Atmosphäre schaffen. Irgendwann sagte<br />

mir jemand, dass es sehr restriktiv sei, in einer solch bunten<br />

Welt nur vier bis fünf Farben zu verwenden“, erläutert sie. „Der<br />

Umgang mit Farben ist nicht intuitiv, das muss man lernen. Einen<br />

einzelnen Farbton zu verwenden ist einfacher als viele. Ich<br />

frage meine Kunden immer nach ihren Lieblingsfarben und in<br />

welcher Farbwelt sie gerne leben würden.“<br />

Cartier ließ sich deshalb auch von persönlichen Vorlieben ihrer<br />

Kunden und deren Affinität zur Kunst mit einem ausgeprägten<br />

Stilempfinden für Inneneinrichtung inspirieren. Sie wählte dafür<br />

Möbelstücke mit geschwungenen Linien wie die Komposition<br />

aus Sofa „Gogan“ und Sessel „Ruff“, beides von Moroso,<br />

oder den Esstisch „YBU“ des französischen Designers Christophe<br />

Delcourt, dessen Gestell die Form von Ästen nachbildet, in<br />

Anlehnung an die Bäume im Park. Der Hängesessel „Cage“ im<br />

Schlafzimmer ist eine originelle Kreation der Metallkünstlerin<br />

Anouchka Potdevin, die in perfektem Dialog mit dem Park und<br />

den Vögeln steht. „Es ist die Wiedergeburt eines alten, verschla-<br />

Linke Seite: Vase „Pablo“ von Tacchini, Keramik von Künstlerin<br />

Nelly Bonnand sowie Wandspiegel „Talisman“ von CC-Tapis<br />

bringen Galerie-Flair in das ansonsten klassische Bad. Den<br />

Pouf ließ die Interior Designerin mit Stoff von Dedar beziehen.<br />

Diese Seite: Der kunstvoll gestaltete Garten der Villa.<br />

fenen Hauses, das so sanft erwacht wie die Blumen im Park“,<br />

bringt Cartier dieses Projekt auf den Punkt. „Und ich habe eine<br />

Vorliebe für Teppiche, die ja nicht selten schon das Szenario eines<br />

Raumes vorgeben. Ich habe sogar selbst eine Teppichkollektion<br />

für CC-Tapis mit dem Titel »So Much Fun« entworfen“, erzählt<br />

Cartier stolz. Eines dieser speziellen Stücke findet sich im Wohnzimmer<br />

wieder. Die Vielfalt der Marken, die sie auch in ihrem<br />

Showroom präsentiert, dominiert die weitläufigen Räumlichkeiten<br />

dieses Anwesens. „Ich mag Brands mit einer bewusst vielfältigen<br />

stilistischen DNA wie Moroso, Baxter, Porro, Gubi und La<br />

Chance. Das sind Marken mit einer teilweise ultra-modernen<br />

Attitüde. In diesem perfekten Projekt bestand die größte Herausforderung<br />

darin, etwas zu wagen, ohne zu modisch zu sein,<br />

damit es den Bedürfnissen der Kunden entspricht. Gleichzeitig<br />

sollte eine erholsame Wohnumgebung geschaffen werden, die<br />

auch für Festlichkeiten geeignet ist.“ Mono-Marken-Implementierungen<br />

und eintönige Räume sucht man hier vergebens.<br />

Und das ist auch gut so, findet die Interieur-Expertin: „Es gibt<br />

bestimmte Codes, nach denen ich mich richte: mutig, fantasievoll,<br />

bunt, aber sehr konstruiert und geordnet. Wie die Gärten<br />

des Hauses“, sagt sie. „Den Ort respektieren, aber dennoch mit<br />

den Codes spielen. Jedes Projekt muss sich von den anderen unterscheiden,<br />

aber am Ende entsteht doch ein roter Faden.“ ☐<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

95


REPORTAGE ! XXXXXX<br />

WALDBAD<br />

Auf der Suche nach einem passenden Grundstück in einer der<br />

beliebtesten Wohngegenden São Paulos hat sich ein junges Paar<br />

in einen Mangobaum verliebt. Raten Sie mal, wo der jetzt steht?<br />

FOTOS: FILIPPO BAMBERGHI TEXT: JACOBSEN ARQUITETURA/ ANKE GUNGL<br />

96 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


REPORTAGE ! XXXXXX<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

97


REPORTAGE ! XXXXXX<br />

Seite 96/97: Der ausladende, üppig belaubte Mangobaum am hinteren Ende des Gartens gab den Ausschlag für den Kauf des<br />

Grundstücks und dient heute als natürlicher Schattenspender für die Terrasse. Diese Seite: Die Lamellen-Fassade in Weiß und<br />

Natur ist Sichtschutz und dekoratives Element zugleich. Rechte Seite: Dank raumhoher Schiebemodule, die aus demselben Holz<br />

wie die auf Maß gefertigte Küche bestehen, verschmelzen Innen- und Außenbereich spielerisch.<br />

98 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


REPORTAGE ! SÃO PAULO<br />

Manche Menschen kommen eines Tages zu einem Hund, andere<br />

zu einem Baum samt Baugrund für ein ansprechendes Heim. So<br />

geschehen in Residencial Ubá, einem sehr waldreichen Stadtteil<br />

im brasilianischen São Paulo. Dort erfüllte sich ein junges Paar den<br />

Traum von einem schmucken Eigenheim, den die Experten vom<br />

lokalen Studio „Jacobsen Arquitectura“ in die Realität umsetzten.<br />

„Es ist immer wieder aufs Neue spannend zu erfahren, welche Geschichten<br />

sich hinter einem Haus verbergen und welche Gründe die<br />

Bauherren dazu bewegen, sich an einem bestimmten Ort niederzulassen“,<br />

erzählt Bernardo Jacobsen, der das international agierende<br />

Büro gemeinsam mit seinem Vater Paulo führt. „Wir gehen nicht<br />

von vorgefertigten Lösungen aus, sondern entwickeln Gebäude, die<br />

sich aus dem Dialog zwischen Architektur und Natur ergeben, und<br />

Hauses eine noch geselligere Note“, erklärt Jacobsen. Den Außenbereich<br />

gestaltete Landschaftsgärtner Rodrigo Oliveira, der ein landwirtschaftliches<br />

Studium absolvierte, aber bereits vor seinem Abschluss<br />

wusste, dass es ihn mehr in die Gärten zog. „Ich absolvierte<br />

einen Kurs für Baumpfleger in Florida, da die Amerikaner uns in dieser<br />

Hinsicht weit voraus waren“, erinnert sich Oliveira. Heute, mehr<br />

als 20 Jahre später, ist er sein eigener Herr und bringt Referenzen<br />

verschiedener Schulen mit, von der japanischen Asymmetrie bis zu<br />

den italienischen Klassikern. Dieses Projekt zieren tropische Arten,<br />

die nur teilweise Schatten spenden müssen. „Der Innengarten verfügt<br />

über ein einziehbares Dach. Auf der Terrasse vor dem Wohnzimmer<br />

wurden die Arten so gewählt, dass sie den Mangobaum<br />

betonen. Im Obergeschoss wird der Balkon des Schlafzimmers von<br />

berücksichtigen dabei die Wünsche unserer Kunden.“ Also ein Projekt<br />

wie geschaffen für die Architekten, die neben São Paulo weitere<br />

Studios in Rio de Janeiro und Lissabon unterhalten. Der Grundriss<br />

war eine direkte Antwort auf die topografischen Eigenschaften: die<br />

Ausrichtung zur Sonne, der Blick auf den Mangobaum am hinteren<br />

Ende des Gartens, ausreichend Privatsphäre gegenüber den Nachbarn<br />

sowie zwischen den Schlaf- und Sozialräumen. „Die Blickachsen<br />

im Erdgeschoss sind alle auf den Außenbereich ausgerichtet,<br />

mit einem Patio in der Mitte des Hauses, der für mehr Licht und<br />

Belüftung sorgt. Auch die Räume darüber sind um ihn angeordnet.“<br />

Rahmenlose Fenster und Schiebeelemente aus Holz, die in der<br />

Wand verschwinden, schaffen fließende Übergänge von drinnen<br />

nach draußen. „Die Küche, direkt neben dem Eingang, ist zwar<br />

vollständig zum Esszimmer hin geöffnet, sie lässt sich aber dank<br />

flexibler Holzpaneele separieren. Aus demselben Holz sind auch<br />

die Verkleidungen der Küchenfronten, des Kühlschranks und der<br />

Dunstabzugshaube gefertigt. Dadurch erhält dieser Bereich des<br />

der Traufe beschattet. Die hohen Pflanzen davor dienen lediglich<br />

der Privatsphäre der Bewohner“, erklärt der Gartenspezialist sein<br />

Konzept. Auf dem Dach des Hauses befindet sich eine weitere Terrasse<br />

mit einem Solarium und einem Whirlpool aus indonesischem<br />

Stein. In diesem Bereich pflanzte Oliveira Obstbäume wie Jabuticabeira,<br />

Pitangueira sowie Zitronenbäume und legte einen kleinen<br />

Gemüsegarten an.<br />

Auch bei den verbauten Materialien dreht sich alles um die Natur.<br />

Angefangen von Holz, das im Erdgeschoss für die Decken, die Treppe<br />

und die Lamellen verwendet wird, bis zu Granit: für die Fußböden<br />

im Innen- und Außenbereich – auch dem Balkon – sowie für<br />

Möbel wie den massiven Couchtisch im Wohnzimmer. „Um einen<br />

Gegenpol zu schaffen, haben wir die Böden und Decken in den drei<br />

Schlafbereichen aus Cumaru-Holz gefertigt, während die Maßeinbauten<br />

aus amerikanischer Eiche bestehen“, berichtet Jacobsen. „Im<br />

Korridor zwischen dem Ess- und dem Wohnzimmer haben wir ⇨<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

99


REPORTAGE ! XXXXXX<br />

100 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


REPORTAGE ! XXXXXX<br />

Das Haus zeichnet sich durch weitläufige Räume aus, die<br />

durch die Verwendung unterschiedlicher Bodenbeläge und die<br />

interne Bepflanzung geschickt in Zonen geteilt werden – ohne<br />

jedoch den offenen Charakter zu verlieren. Einzelne Kunstwerke<br />

an den Wänden, Textilien und dekorative Spielereien setzen<br />

hier und da bunte Akzente in die sonst gedeckte Farbpalette.<br />

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REPORTAGE ! SÃO PAULO<br />

102 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


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103


REPORTAGE ! SÃO PAULO<br />

Seite 102/103: Auch im großzügigen Esszimmer<br />

und im Treppenhaus mit Patio Seite 105 greifen<br />

die Architekten das Thema „Lamellen“ wieder auf.<br />

Diese Seite: Die Inneneinrichtung im Schlafzimmer<br />

kombiniert zeitgenössische Funktionalität mit<br />

geometrischen Formen. Der Boden und die Decke<br />

sind aus Cumaru-Holz gefertigt, das Kopfteil des<br />

Bettes aus amerikanischer Eiche. Helle und weiche<br />

Texturen verbinden sich mit massiven Holzmöbeln<br />

und -verkleidungen, die eine warme und einladende<br />

Atmosphäre schaffen. Die beinahe raumhohe<br />

Bepflanzung auf dem schmalen Balkon sorgt für<br />

mehr Privatsphäre. Die hellgrünen Fliesen im Bad<br />

nehmen die Farbe des umlaufenden Waldes auf.<br />

Auch hier trifft rund auf quadratisch.<br />

den Boden mit Kieselsteinen gepflastert. Das soll zum einen den<br />

Gartencharakter dort betonen, zum anderen die einzelnen Bereiche<br />

zonieren.“ Das Interior sollte leicht und jugendlich wirken mit kleinen<br />

Farbakzenten hier und da. Auch das Thema Licht wurde spielerisch<br />

inszeniert, wie der an Blütenblätter erinnernde Leuchter über<br />

dem Esstisch zeigt, oder der von Spots akzentuierte Handlauf der<br />

Treppe. Jacobsen: „Das meiste Licht kommt von den großen Öffnungen<br />

und natürlichen Lichtquellen, aber auch das Spiel von Schatten<br />

und Licht, das von den Lamellen ausgeht, unterstreicht die Architektur.“<br />

Audio- und Videogeräte sowie Geschirr verschwinden unter<br />

der Treppe und werden mit Lamellen kaschiert. Das Badezimmer im<br />

Obergeschoss ist vollständig mit grünen Fliesen ausgekleidet, mit<br />

einem Farbverlauf vom Boden bis zur Decke. „Sogar die Tür wurde<br />

von innen beschichtet, um den monochromen Effekt zu verstärken<br />

und die Farben des Gartens nach drinnen zu holen.“ Architektur im<br />

Einklang mit der Natur, so wie es sein soll.<br />

□<br />

104 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


REPORTAGE ! XXXXXX<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

105


REPORTAGE ! MÉRIDA<br />

106 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


MEIN MÉRIDA<br />

Im Herzen der Hauptstadt von Yucatán liegt dieses Anwesen aus dem<br />

18. Jahrhundert, das ganz vom Stil und der Persönlichkeit seines Hausherren<br />

durchströmt ist. Für Feriengäste öffnet er auch mal die Türen.<br />

FOTOS: NIN SOLIS TEXT: FRANK-OLIVER GRÜN<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

107


REPORTAGE ! MÉRIDA<br />

Der spanische Kolonialstil ist allgegenwärtig auf der Halbinsel<br />

Yucatán. Auch Mérida, die bunte Hauptstadt des mexikanischen<br />

Bundesstaats, prunkt mit Architektur der Konquistadoren. Allerdings<br />

gibt es nicht viele Bauten, die ihren ursprünglichen Charakter<br />

bewahrt haben. „Ich hatte das Glück, ein Haus zu finden, das so<br />

erhalten geblieben ist, wie es geplant war“, erklärt Josué Hernesto<br />

Ramos Espinoza. „Im 19. Jahrhundert, als europäische Einflüsse<br />

immer beliebter wurden, kamen dekorative Details aus Frankreich<br />

und Italien in Mode“, weiß der Textildesigner und Hausherr. „Diese<br />

späteren Elemente verwechseln viele Leute mit dem spanischen<br />

Kolonialstil.“ Der älteste Teil des Gebäudes stammt jedoch aus<br />

dem 18. Jahrhundert. Hier liegen heute das Wohnzimmer, ein Gästezimmer<br />

sowie der Portikus im Innenhof. Der idyllische Laubengang<br />

und die benachbarte Kapelle La Candelaria waren es auch, die<br />

dem Anwesen seinen Namen gaben: El Portico de la Candelaria.<br />

„Mein erster Eindruck, als ich das Gebäude betrat, war erschütternd“,<br />

erinnert sich Ramos. „Das Ausmaß des Verfalls war schockierend<br />

und die Räume wurden von einem Reifengeschäft auf der<br />

anderen Straßenseite als Lager benutzt.“ Doch der imposante Eingangsbereich<br />

mit seinen fünf Meter hohen Decken und die originalen<br />

Holzbalken hatten es ihm sofort angetan. Genauso wie die große<br />

zylindrische Zisterne im Innenhof, die vom Dach mit Regenwasser<br />

gespeist wurde. Heute ist sie Teil eines Badezimmers. „Der Anblick<br />

so vieler ursprünglicher und unverfälschter Architekturmerkmale<br />

war magisch für mich, und ich fühlte mich sofort zu Hause.“<br />

Dabei hatte Josué Ramos nie geplant, sich in Mérida niederzulassen.<br />

Bis 2001 führten er und sein Kompagnon John Powell ein<br />

Einrichtungsgeschäft im New Yorker Stadtteil Soho. „Die Idee war<br />

eher, einen Zweitwohnsitz in einer ländlichen Gegend zu finden.<br />

Ein rustikales Anwesen mit Charme oder ein historisches Gebäude<br />

mit Lagerräumen, das renoviert werden sollte, um weiterhin Antiquitäten<br />

zu kaufen und zu sammeln. Darin bestand der Schwerpunkt<br />

des Geschäfts in New York.“ Mérida als drittgrößte Kolonialstadt<br />

Mexikos mit seinen Haciendas und großen Kolonialbauten<br />

begeisterte ihn. „Da ich mexikanischer Abstammung bin, kannte<br />

ich andere Gegenden des Landes bereits, doch Yucatán war ein<br />

ganz neues Maya-Abenteuer für mich.“ Als Absolvent des Art Institute<br />

of Chicago hatte er Bildende Kunst mit dem Schwerpunkt<br />

Malerei studiert, aber auch Performance, Bildhauerei und Innenarchitektur.<br />

Der Bauhaus-Ansatz seiner Ausbildung half bei dem Projekt:<br />

„Über ein Jahr lang arbeitete ich an den Grundrissen und kam<br />

nach vielen Überlegungen zu dem Schluss, dass eine Aufstockung<br />

die beste Option war, weil sie die originale Bausubstanz weitgehend<br />

unangetastet ließ.“ So entstanden zwei zusätzliche Schlafzimmer<br />

im Obergeschoss, die über eine Außenbrücke verbunden<br />

Josué Ramos Espinoza Seite 106 hat viele Kunst- und Einrichtungsgegenstände<br />

selbst entworfen – wie die Metallskulptur im<br />

Eingangsbereich Seite 107. Den Korridor rechts nennt er seine<br />

„Ode an die Vergangenheit“ – mit mexikanischen Fundstücken<br />

und einem Zebrafell vom Flohmarkt. Ganz rechts der Blick über<br />

den Pool auf die Küche im Nebenhaus mit darüberliegendem<br />

Gästezimmer. Die Outdoor-Liege ist ebenfalls ein Eigenentwurf.<br />

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WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

109


REPORTAGE ! MÉRIDA<br />

sind. Die erhaltenen Freiflächen boten Platz für einen Innenhof mit<br />

Wasserspielen und einen Pool im Hinterhof. Dort, vom Kernbereich<br />

getrennt, liegt auch die moderne Küche – im alten Tejaban-Haus<br />

mit seiner freitragenden Dachkonstruktion, wie sie für die Nebengebäude<br />

vieler Haciendas auf der Halbinsel typisch ist.<br />

Doch nicht nur die äußere Form, auch das Interieur ist Ramos‘<br />

Kreativität entsprungen: „Mérida inspiriert mich zu Kunst und Objekten<br />

sowie zu meinen eigenen Einrichtungsgegenständen.“ An<br />

der Wand im Eingangsbereich empfängt eine Skulptur aus zwei<br />

Metallreifen die Besucher. „Sie stammen von einem alten Wagen<br />

und mir gefiel die Idee, den Fundstücken ein neues Leben zu geben.“<br />

Im anschließenden Korridor mischen sich selbst entworfene<br />

Stücke wie der weiße Kronleuchter und Gipswandtafeln mit einer<br />

Sammlung von Altären und mexikanischen Artefakten auf einem<br />

antiken Tisch. Im Wohnzimmer lädt ein Daybed von Josué Ramos<br />

zum Verweilen ein, am Pool seine metallene Liege. Sie ist Teil einer<br />

Kollektion von Outdoor-Möbeln, für die der Designer perforierten<br />

Stahl verwendet hat. „Ich dachte bei der Einrichtung an Romane<br />

von Gabriel Garcia Marquez mit ihren sonnenüberfluteten Veranden<br />

und üppig bepflanzten Innenhöfen. An eine andere Welt hinter<br />

geschlossenen Türen.“ Verschlossen bleibt dieses verwunschene<br />

Hideaway allerdings nicht: „El Portico ist mein Privathaus, aber<br />

es kann auch gemietet werden“, erklärt Ramos. Er und sein Partner<br />

John Powell haben im Lauf der Jahre mehr als 15 Anwesen in Mérida<br />

restauriert. „Wenn Gäste das Haus genießen wollen, ziehe ich<br />

mich so lange auf ein anderes Grundstück zurück“.<br />

☐<br />

Die Stahlschränke in der Küche oben sind mit Spirituosenflaschen<br />

vom Antiquitätenhändler gefüllt. Die Zisterne im Innenhof Mitte<br />

beherbergt ein WC. An der Wand im Schlafzimmer der ortstypische<br />

Kalksteinputz. Die Bank ist das Überbleibsel einer alten<br />

Batea Yucateca, die zum Mahlen von Mais verwendet wurde.<br />

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WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

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REPORTAGE ! XXXXXX<br />

<strong>SOMMER</strong>RAUM<br />

So frisch. So lässig und voll guter Ideen. Willkommen im „Haus“ von Mardi Ola. Die australische<br />

Inneneinrichterin lebt mit ihren Töchtern auf dieser Etage eines alten Lagerhauses.<br />

Bis alles so aussah wie heute, gab es einiges zu tun. Wir haben uns davon berichten lassen.<br />

FOTOS: LISA COHEN TEXT: SARA DAL ZOTTO/ SD<br />

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REPORTAGE ! MELBOURNE<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

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REPORTAGE ! MELBOURNE<br />

114 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


REPORTAGE ! XXXXXX<br />

Zur Lage: South Yarra, ein wohlhabender Stadtbezirk von Melbourne,<br />

südlich des Yarra River, nahe der attraktivsten Grünzonen.<br />

Nur einen Steinwurf entfernt von den weitläufigen Royal<br />

Botanic Gardens und dem von englischen Landschaftsgärten<br />

inspirierten Fawkner Park. Zur Wohnung: Sie liegt in einem<br />

vierstöckigen Lagerhaus, das um 1900 erbaut wurde und heute<br />

die Handschrift von Mardi Ola trägt. Zur Person: Die Innenarchitektin<br />

nimmt es, wie es kommt: „I go with the flow.“ Statt<br />

Ehrgeiz prägen Gelassenheit und lässiger Chic ihren Stil, der sich<br />

wie ihre Karriere organisch entwickelt hat – mit einer Reihe von<br />

Einrichtungsprojekten, an denen Ola immer parallel arbeitet. Ihr<br />

guter Geschmack kommt wie selbstverständlich rüber, besonders<br />

in ihrem eigenen Apartment mit viel Farbe und Pflanzen.<br />

„Ursprünglich handelte es sich um ein großes Geschäftsgebäude<br />

im Vorort South Yarra, in dem Möbel gelagert und zusammengebaut<br />

wurden. Anfang der 1980er-Jahre kaufte es eine Gruppe<br />

von Architekten, teilte es auf und wandelte es in Wohnungen<br />

um“, erzählt die Designerin. Es war eines der ersten Lagerhäuser<br />

in Australien, die umgebaut wurden. „Ich entdeckte die Gegend<br />

erstmals, als ich 1990 in die Stadt zog und war sofort begeistert.<br />

Im Laufe der Jahre bin ich oft an diesem Gebäude vorbeigekommen,<br />

weil ich in der Nachbarschaft lebte und war immer fasziniert<br />

davon“, erzählt sie bei unserem Besuch.<br />

„Als ich diese Wohnung 2016 kaufte, hatte sie noch die Einrichtung<br />

von 1980 und glich einem Meer aus grauem Laminex, passenden<br />

Teppichen und vielen, seltsam proportionierten Räumen.<br />

Die ursprünglichen Stahlrahmen der Fenster waren komplett<br />

durch klobiges Holz ersetzt worden und zogen alle Aufmerksamkeit<br />

eher auf sich als auf die Aussicht nach draußen.“ Ola<br />

überlegt kurz und ergänzt: „Aber die Größe passte perfekt zu ⇨<br />

Alles nach Maß in der<br />

Küche, diese Seite: etwa die<br />

Eichenschränke und sogar<br />

der Dunstabzug aus Messing.<br />

Selbst die Fliesen sind<br />

handgefertigt. Ausnahme:<br />

Jasper Morrisons Barhocker<br />

„High Pad“ für Cappellini.<br />

Linke Seite: Glaswände<br />

schaffen Durchblicke. Das<br />

Sideboard aus geschwärztem<br />

Glas brachte die Designerin<br />

Mardi Ola aus ihrem früheren<br />

Haus mit, ein Entwurf von<br />

Don McQualter. Ganz hinten<br />

vor der Bibliothek platzierte<br />

Ola den Sessel „Elda“ von<br />

Joe Colombo. Seite 112:<br />

Entree mit Kunst von Belem<br />

Lett und einem italienischen<br />

Sideboard aus den Fifties.<br />

Ola ergänzte den Teppich,<br />

ausgeführt bei Behruz Studio.<br />

Seite 113: Das Gartenzimmer<br />

mit Olas vertikalem Garten<br />

und einer japanischen Bank<br />

im Vintage-Stil. Die Fliesen<br />

produzierte Popham Design<br />

nach ihren Vorgaben.<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

115


REPORTAGE ! MELBOURNE<br />

116 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


Der Essbereich mit einer<br />

Vintage-Leuchte aus New York.<br />

Das Tischgestell ist ein industriell<br />

hergestelltes Fundstück von der<br />

Staße. Ola ergänzte die Tischplatte<br />

kombinierte beides mit gebrauchten<br />

Lederstühlen von Cassina nach<br />

einem Entwurf von Mario Bellini.<br />

Pflanzen schaffen Behaglichkeit.<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

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REPORTAGE ! MELBOURNE<br />

mir, und vor meinem geistigen Auge sah ich, was für ein fabelhaftes<br />

Zuhause es für mich und meine beiden jüngsten Töchter<br />

Olivia und Ava sein könnte ... Wer träumt nicht davon, eines Tages<br />

in einem Lagerhaus zu leben? Die Renovierung und Bauarbeiten<br />

erfolgten nach meinen Vorgaben. Vom »Go« bis zu einem<br />

»Whoa« dauerte es neun Monate.“ Nicht nur die Fenster waren<br />

damals total renovierungsbedürftig. Die Innenarchitektin ließ<br />

sie entfernen und organisierte neue Rahmen, für die vier Reihen<br />

Ziegel entfernt werden mussten. Die meisten Fensterbänke ließ<br />

sie um fast einen Meter absenken, da beim Bau des Hauses weder<br />

an Licht noch an Ausblicke gedacht worden war.<br />

Olas Modifikationen der Architektur und die Einrichtung an sich<br />

offenbaren viel von ihrer Persönlichkeit und ihrem Stil, der ausgesprochen<br />

eklektisch daherkommt: „Ich habe mir viele französische<br />

Industriebauten angesehen, aber ihre Architektursprache nicht<br />

wirklich imitiert. Es ging mir mehr um das Raumgefühl und darum,<br />

zu akzeptieren, dass man Räume genießen kann, ohne sich<br />

in ihnen ständig aufzuhalten. Damit wir uns richtig verstehen:<br />

Es ging darum, die passenden Proportionen zu finden – auf einer<br />

500 Quadratmeter großen Fläche mit vier Meter hohen Decken.<br />

Das war nicht ganz einfach. Die Räume sollten ineinanderfließen,<br />

funktionell sein und natürlich jede Menge Stauraum bieten.“<br />

Die Stahlstreben und Träger geben dabei die Struktur vor, innerhalb<br />

derer der Raum nach Belieben veränderbar ist. So kann er<br />

sich mit den Bedürfnissen einer Familie weiterentwickeln, aus<br />

einem einstigen Spielzimmer ein Gästezimmer werden. Ein<br />

Plan musste her, der alles neu aufteilte. „Ich reduzierte die Anzahl<br />

der Schlafzimmer von fünf auf drei und gab ihnen großzügigere<br />

Proportionen – durch unterschiedliche Deckenhöhe, das<br />

118 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


Einziehen verschiedener Ebenen, etwa für Sanitäranlagen. Auch<br />

neue Blickachsen entstanden: Die Vorderseite des Hauses wurde<br />

geöffnet, um im Innenraum Nord- und Südlicht zu vereinen<br />

und den Kern der Wohnung mit Licht zu fluten. Dort habe ich<br />

die Küche neu installiert, damit sie zentral liegt, denn sie ist der<br />

Mittelpunkt unseres Lebens“, erläutert Ola.<br />

All diese Maßnahmen erhöhen die Attraktivität der Etage, die<br />

jetzt so hell, voller Licht und mehr „Natur“ ist: „Die fein gerahmten<br />

Stahlfenster, die wir eingebaut haben, lassen den Blick nach<br />

draußen auf die Baumkronen schweifen, und wir haben deren<br />

Grün nach innen geholt.“ Die Innenarchitektin konzipierte dafür<br />

einen vertikalen Innengarten am Ende des Raumes, obwohl sie<br />

zugibt, „nicht den grünsten Daumen zu haben.“ Überall stehen<br />

kleine und größere Pflanztöpfe herum. „Sie füllen den Raum mit<br />

Leben, aber ich neige dazu, mich an unzerstörbare Pflanzen wie<br />

etwa Kakteen und Feigen zu halten.“ Stahlgerahmte Glastrennwände<br />

zonieren die Fläche. „Sie rahmen einen Raum und sind<br />

dennoch lichtdurchlässig. Der Raum lässt sich als Ganzes betrachten<br />

und wirkt auf diese Weise luftiger.“<br />

Die Designerin möchte ihren Einrichtungsstil nicht mit einem<br />

Etikett versehen, da sie der Meinung ist, dass jeder Raum auf<br />

seine Art und Weise behandelt werden sollte: „Man füllt ihn mit<br />

Dingen, die man liebt.“ In ihrem Fall sind das Vintage-Teile und<br />

Maßanfertigungen. „Ich hatte das Glück, dass viele unserer Objekte,<br />

Möbel und Kunstwerke aus unserem letzten Haus, einem<br />

gotisch-viktorianischen Herrenhaus, in den Maßstab dieses Lagergebäudes<br />

passten, wo wir ähnlich hohe Decken und große offene<br />

Räume haben. Da es sich um einen Industriebau handelt, wollte<br />

ich bei der Verwendung von Stahl mit vielen Details ein Gefühl<br />

Diese Seite: Die „Soriana“-Loungesessel<br />

und die passende Ottomane entwarfen<br />

einst Afra und Tobia Scarpa für Cassina.<br />

Ola entdeckte sie auf 1st Dibs. Dahinter<br />

eine Arbeit von Gemma Smith aus<br />

der Sarah Cottier Gallery. Die Vitrine<br />

fand die Inneneinrichterin in Sydney.<br />

Der Teppich entstand auf Maß im Behruz<br />

Studio. Die Industrieträger erhielten<br />

einen Anstrich in zartem Blau, eine der<br />

Lieblingsfarben von Ola. Links: Den<br />

„Lounge Chair“ von Warren Platner für<br />

Knoll International ließ Ola mit einem<br />

Kvadrat-Stoff beziehen. Dazu ein auf<br />

Maß gefertigtes Sideboard und Werke<br />

der Fotografin Marian Drew.<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

119


REPORTAGE ! MELBOURNE<br />

von Wärme und Intimität vermitteln, indem ich das Material mit<br />

Leder und farbigen Betonfliesen und -texturen kombinierte“, betont<br />

sie. So hat Ola ihr Haus mit Dingen eingerichtet, die sie schon<br />

länger besitzt und die ihren Geschmack und Stil widerspiegeln. Zu<br />

ihren Lieblingsstücken gehören zwei fabelhafte Sideboards von<br />

Paul Evans, Vintage-Leuchten, insbesondere aus den 60er-und<br />

70er-Jahren, große Sessel wie die „Elda“-Stühle von Joe Colombo<br />

und Warren-Platner-Sessel. „Ich glaube, dass es funktioniert,<br />

wenn man es liebt. Weil man die Umgebung so gestaltet, dass sie<br />

zu dem passt, was man am meisten schätzt“, lautet ihr Credo.<br />

Auch den Kunstwerken widmet sie große Aufmerksamkeit,<br />

da sie die Wände füllen und schmücken: „Ich habe die Angewohnheit,<br />

jeden einzelnen Raum als eigenes ‚Projekt‘ farblich<br />

abzugrenzen. Ich versuche, Kunstwerke einzubringen, die mit<br />

der Sprache des Raums harmonieren und die auch mit anderen<br />

Werken eine Verbindung haben.“ Oft nimmt sie ein Kunstwerk<br />

oder einen Farbton als Ausgangspunkt für einen Raum. „Ich neige<br />

dazu, Farbblöcke zu verwenden, aber auf subtile Weise. Ich<br />

liebe helle Blau- und Grautöne, weil sie so entspannend wirken<br />

– akzentuiert von Besonderheiten wie der grünen Vertäfelung<br />

oder dem Zottelteppich in meinem Schlafzimmer.“<br />

Das Ergebnis ist ein Zuhause, das dynamisch und voller Leben<br />

ist: „Wir haben Spaß daran und genießen die Möglichkeit, Veränderungen<br />

vorzunehmen, indem wir einfach Dinge im Raum<br />

verschieben“, erzählt Mardi Ola, die hier den Traum eines jeden<br />

Designers lebt. Die harte Arbeit ist getan. „Jetzt geht es darum,<br />

manchen Stuhl neu polstern zu lassen oder die Bettwäsche auszutauschen.<br />

Das beschwingt.“ Und für eine Extraportion Happiness<br />

öffnet sie alle Türen, um frischen Wind hereinzulassen. ☐<br />

Ein Blick in das Hauptbadezimmer,<br />

ausgestattet mit<br />

„Sea-Pearl“-Marmor. Der<br />

Waschtisch und die Spiegel<br />

erhielten eine Ummantelung<br />

aus bronziertem Stahl, die<br />

Decke eine Verkleidung aus<br />

Vintage-Talgholz. Rechte<br />

Seite: Den Teppich entwarf<br />

Ola für ihr Schlafzimmer.<br />

Dazu Bettwäsche von Society<br />

Limonta und ein Gemälde<br />

von Gregory Hodge, entdeckt<br />

bei Sullivan & Strumpf in<br />

Sydney. Die Wandleuchte<br />

von Angelucci ist vintage,<br />

der verspiegelte Nachttisch<br />

eine Sonderanfertigung von<br />

Studio McQualter.<br />

120 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


REPORTAGE ! XXXXXX<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

121


XXXXXXXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

HÖHENLUFT<br />

Rooftop-Hopping in Paris, Wildlife in Costa Rica oder australische Café-Kultur<br />

in L.A.: The sky is the limit! Abheben müssen Sie allerdings selbst.<br />

Luxus in der Schwebe<br />

Schwindelfrei sollte man schon sein, wenn man sich für ein kühles<br />

Bad im transparenten „Sky Pool“ entscheidet. Der erste schwebende<br />

Swimmingpool der Welt verbindet die „Embassy Gardens“,<br />

zwei Luxus-Wohnkomplexe samt Dachterrassen in der Londoner<br />

City. „Jede Generation hat eine eigene (architektonische) Vision ihrer<br />

Stadt. Und so wie sich Regisseur Stanley Kubrick in seinem Film<br />

»2001: Odyssee im Weltraum« die Zukunft ausmalte, haben wir<br />

in einer kühnen Vision einen Swimmingpool geschaffen, der die<br />

Gesetze der Schwerkraft aufzuheben scheint“, erzählen die Architekten<br />

vom renommierten Studio Arup Associates, die unter anderem<br />

für den Entwurf des Opernhauses in Sydney bekannt wurden.<br />

Allein aus statischer Sicht eine knifflige Aufgabe. Schließlich muss<br />

die 25 Meter lange und drei Meter breite Konstruktion 375 Tonnen<br />

Wasser standhalten. „Es ist die größte selbsttragende Schwimmbeckenstruktur<br />

der Welt mit einem Rahmen aus 20 Zentimeter dicken<br />

Acrylplatten, die fast filigran wirken.“ Mit der Orangerie und dem<br />

Sky Deck die Krönung der luxuriösesten Dachterrasse der Stadt.<br />

122 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


HOTSPOTS ! LONDON & COSTA RICA<br />

Mystische Architektur<br />

Für die tschechische Architektin Dagmar Stepanova<br />

war „Achiote“ nicht das erste Projekt, das<br />

sie in Costa Rica umsetzte – und dennoch war<br />

es eine Premiere. In der Nähe von Uvita, einer<br />

kleinen Stadt an der Südpazifikküste, errichtete<br />

sie zwei kleine Villen, deren tragende Wände aus<br />

Stampflehm bestehen, der beim Bau ausgehoben<br />

wurde. „Es ist das erste Projekt dieser Art in<br />

Costa Rica“, erklärt Stepanova, deren Prager Studio<br />

Formafatal sich auf Architektur, Innenarchitektur,<br />

Ausstellungsinstallationen und Produktdesign<br />

konzentriert. „Für die Realisierung der<br />

Stampflehmwände habe ich einen erfahrenen<br />

Spezialisten aus Brasilien, Daniel Mantovani von<br />

Terra Compact, ins Boot geholt, da in Costa Rica<br />

niemand Erfahrung mit dieser Bauweise hatte.“<br />

Die beiden 90 Quadratmeter großen Villen<br />

scheinen teilweise über dem Südhang zu schweben.<br />

„Das Design dieser Objekte basiert auf dem<br />

genius loci – der Ausrichtung auf die Morphologie<br />

des Geländes und des Baugrundstücks in<br />

Richtung Pazifik.“ Was die Wahl der Materialien,<br />

die Grundrissgestaltung und die Ausrichtung<br />

nach den Himmelsrichtungen angeht, sind<br />

beide Häuser identisch. Sie unterscheiden sich<br />

jedoch im Inneren, insbesondere durch ihr Farbkonzept,<br />

das auf die Energien reagiert, die vor<br />

Baubeginn am Standort wahrgenommen wurden.<br />

„Die Villa »Jaspis« (so heißt die helle Villa)<br />

spiegelt die Yin-Energie wider,“ erklärt Stepanova<br />

und ergänzt: „Sie ist mit dem Meer und dem<br />

Himmel verbunden, mit einem Farbkonzept<br />

in Sandtönen. Die Villa »Nefrit« (der Name der<br />

dunklen Villa, im Bild) steht für die Yang-Energie.<br />

Hier spürt man die Verbindung mit dem Boden<br />

und dem Dschungel ganz besonders. Der terracottafarbene<br />

Boden verkörpert dabei die rote<br />

Erde in dieser Region.“ Die Betonbodenplatte<br />

ist mit einem rutschfesten, strukturierten Zement-Estrich<br />

belegt, ebenso wie die Innenwände<br />

und die maßgefertigten Massivmöbel aus Beton,<br />

die ebenfalls mit Zement-Estrich verkleidet<br />

sind – hier jedoch in glatter, matter Ausführung.<br />

„In Anbetracht des costa-ricanischen Klimas und<br />

der hohen Luftfeuchtigkeit war es wichtig, die<br />

Materialien so widerstandsfähig wie möglich<br />

zu wählen. Die biophilen Innenräume sind minimalistisch<br />

und durchdacht, ohne unnötigen<br />

Schnickschnack.“ Beide Villen stehen Reisenden<br />

zur Kurzzeitmiete zur Verfügung.<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

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HOTSPOTS ! PARIS<br />

L`esprit parisienne<br />

Unternehmer Laurent Taïeb hatte einen Traum. Er wollte einen<br />

symbolträchtigen Ort schaffen, der Lebensfreude und Emotionen<br />

weckt. Und das ist ihm mit seinem Hotel „Madame Rêve“<br />

im 1. Arrondissement von Paris gelungen. „Es ist ein sehr persönliches<br />

Projekt, eine Geschichte, die ich für mich selbst erdacht<br />

und für andere geschrieben habe“, sagt Taïeb, der in Tunesien<br />

geboren und in Paris aufgewachsen ist. Das Gebäude<br />

der ehemaligen „Poste du Louvre“ bildet den Rahmen für das<br />

5-Sterne-Etablissement, in dem sich unterschiedliche Epochen<br />

zu einem architektonischen Juwel formen – angefangen vom<br />

„Grand Café“ (oben rechts) mit seinen acht Meter hohen Decken<br />

bis hin zum „Roof“ (oben links), der Dachterrasse mit hängenden<br />

Gärten und Panoramablick über die City: mitten im Treiben<br />

und dennoch ganz relaxt. Bei Drinks und Fingerfood schnuppern<br />

Hotelgäste und Einheimische urbanes Flair. „In einer Zeit,<br />

in der die sozialen Netzwerke die Menschen einsamer denn je<br />

machen, bringen wir sie an diesem Ort zusammen.“<br />

124 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


XXXXXXXXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

Kulinarik mit Weitsicht<br />

Hat man den 9. Stock des Hotels Rochechouart erst einmal<br />

erklommen, zeigt sich Paris von seiner schönsten Seite. Der<br />

360-Grad-Ausblick über Montmartre und die abwechslungsreichen<br />

Köstlichkeiten tragen dazu bei, dass man sich nicht mehr<br />

vom Fleck bewegen möchte. Der aromatische Duft von Rosmarin,<br />

Zitronenthymian, Hibiskus und Lavendel sorgt gleichzeitig für<br />

ein mediterranes Flair. Wer die frische Luft lieber gegen Pariser<br />

Bistro-Ambiente tauschen möchte, findet im Erdgeschoss das<br />

hoteleigene À-la-carte-Restaurant, „das Sie in eine andere Zeit<br />

versetzt, in das Paris der 1930er-Jahre, als der Champagner auf<br />

dem Boulevard in Strömen floss“, heißt es auf der Homepage. Ja,<br />

Pigalle und Moulin Rouge lassen grüßen. Eine Hommage an die<br />

Geschichte des Viertels sind auch die gemütlichen Zimmer.<br />

Bonsoir, Glamour und Stilgefühl<br />

Wer sich bereits tagsüber vom Charme der französischen<br />

Hauptstadt in den Bann gezogen fühlt, wird nachts von<br />

einem wahren Lichtermeer betört. Warum nicht bei einem<br />

Apéritif samt (privatem) Dinner auf dem Dach des<br />

Hotels The Peninsula? Das 5-Sterne-Haus liegt im 16. Arrondissement,<br />

unweit weltberühmter Sehenswürdigkeiten<br />

wie dem Triumphbogen und den Champs-Élysées und<br />

vereint Tradition mit Moderne. Als eines der berühmtesten<br />

Grand Hotels von Paris öffnete es 1908 seine Pforten.<br />

Während des Zweiten Weltkrieges diente es der UNESCO<br />

als Hauptquartier, in den Fifties als Konferenzzentrale<br />

des französischen Außenministeriums. Nach einer aufwendigen<br />

Renovierung konnte das Hotel 2014 wieder<br />

eröffnen. Die Gäste haben die Wahl zwischen mehreren<br />

Restaurants auf unterschiedlichen Etagen, darunter<br />

der 2-Sterne-Gourmettempel „L‘Oiseau Blanc“ sowie „Le<br />

Rooftop“ – eine Bar samt romantischem Dachgarten mit<br />

rosengesäumten Nischen und einem ikonischen Blick auf<br />

den Eiffelturm. „Es gibt nichts, was den Pariser Lifestyle<br />

mehr verkörpert, als einen Cocktail zu schlürfen und den<br />

Blick auf die funkelnden Lichter des Eiffelturms zu richten,<br />

während die Sonne über den umliegenden Dächern<br />

untergeht“, schwärmt Lea Blaize, Communication and<br />

Partnerships Director des Hotels. Während Chef-Barkeeper<br />

Ivo Correia Rocha raffinierte Cocktails zaubert,<br />

sorgen Küchenchef David Bizet und sein Team für ein<br />

Sommermenü in Form kleiner Gerichte, die vor den Augen<br />

der Gäste zubereitet werden. Wem das nicht privat<br />

genug ist, der mietet sich einfach in die „Rooftop Garden<br />

Suite“ ein (Bild links), eine elegante Zweifamilien-Suite,<br />

die Großstadtnomaden und Weltenbummlern auf der<br />

Suche nach einer Oase der Ruhe im Herzen der Stadt alle<br />

Annehmlichkeiten bietet. Ab 4.300 Euro pro Nacht.<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

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HOTSPOTS ! LOS ANGELES<br />

Australischer Lifestyle in West Hollywood<br />

Mit dem „Great White Melrose“ holte sich Gründer und Creative<br />

Director Sam Cooper (im Bild links) ein Stück seiner australischen<br />

Heimat nach Los Angeles – vor allem, was den pinken Anstrich des<br />

Restaurants anbelangt, das er gemeinsam mit seinem Landsmann<br />

Sam Trude (rechts) betreibt. „Ich habe die Location in Anlehung an<br />

mein Elternhaus gestaltet“, erzählt Cooper etwas nostalgisch. Neben<br />

den „Great White“ in Venice Beach und Larchmont Village ist<br />

es das dritte und größte Restaurant der beiden Australier, die ihre<br />

Kindheit an den Stränden von Sydney verbrachten<br />

und stark von der einheimischen<br />

Café-Kultur und Gastronomie geprägt<br />

wurden. Das Konzept Great White basiert<br />

auf einem ganztägig geöffneten Fast-Casual-Café<br />

– wie in Down Under üblich. „Wir<br />

haben uns für die Melrose Avenue in West<br />

Hollywood entschieden, da sie alle notwendigen<br />

Elemente für ein unvergessliches<br />

Essenserlebnis vereint: Kunst, Design, Architektur,<br />

Musik und eine vielfältige Auswahl<br />

an Speisen und Getränken, die mit besten<br />

Zutaten und von talentierten Menschen<br />

hergestellt werden“, sagt Trude, der wie sein<br />

Geschäftspartner einen Background im Kreativbereich<br />

vorweisen kann, insbesondere<br />

in Design und Architektur. „Ich habe diesen<br />

Stadtteil schon immer genossen, der all die<br />

verschiedenen Welten wie Unterhaltung,<br />

Nachtleben, Tourismus nahtlos zu verbinden<br />

scheint“, ergänzt Cooper.<br />

Das 465 Quadratmeter große Raumkonzept<br />

mit Terrasse wurde bewusst offen und zur<br />

Straße hin einsehbar entwickelt, „um eine Beziehung zur Nachbarschaft<br />

herzustellen – das Gegenteil dessen, was so viele Gaststätten<br />

in Los Angeles und insbesondere in West Hollywood gewöhnlich<br />

tun“, so das Duo. Die Speisekarte ist eine Mischung aus Evergreens<br />

und Neuheiten und umfasst klassische Angebote wie Frühstück,<br />

Säfte und Smoothies, Bowls, Salate, Holzofenpizzen sowie Gerichte<br />

wie „Charred Broccolini“ (Bild), geschmorter Broccoli mit Chilisauce,<br />

Frühlingszwiebeln, Koriander. Die dazu passenden biodynamischen<br />

Weine beziehen die beiden aus der ganzen Welt.<br />

|ag<br />

126 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


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WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

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XXXXXXXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

AUF TOUR<br />

Lieber durch die Berge oder ans Meer? Zu schwer zu<br />

entscheiden? Dann ab in die Abruzzen! Sie bieten alles:<br />

Felsen, Wasser, kulinarische Highlights und viel Kunst.<br />

FOTOS HELENIO BARBETTA PRODUKTION BARBARA GALLUCCI<br />

TEXT BARBARA GALLUCCI BEARBEITUNG STEPHAN DEMMRICH<br />

128 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


XXXXXXXXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

Die Pferde warten hinter dem Felsen. Was wie der Wilde Westen<br />

anmutet, ist in Wirklichkeit der „Campo Imperatore“, ein imposantes<br />

Hochplateau in den Abruzzen. Im Winter liegt hier Schnee.<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

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AUF TOUR ! ABRUZZEN<br />

1<br />

Es gab eine Zeit, da waren die Abruzzen<br />

der perfekte Drehort für Westernfilme.<br />

Niemand konnte diese Landschaften als<br />

italienisch erkennen. Niemand kannte den<br />

Campo Imperatore und seine Canyons. Es<br />

hätte auch Arizona, Utah oder New Mexico<br />

sein können, und niemand hätte das<br />

Gegenteil behauptet. Die Abruzzen waren<br />

zu weit von allem entfernt und nur wenige<br />

kannten sie, selbst in Italien. Viele fuhren<br />

in den Sommerferien ans Meer, aber die<br />

Berge waren zu weit weg, sie zu besuchen<br />

viel zu umständlich. So blieb der 1923<br />

gegründete Nationalpark der Abruzzen<br />

Bären, Wölfen und einigen mutigen Wanderern<br />

überlassen. Doch abseits der Pfade<br />

bewegte sich etwas in eine andere Richtung.<br />

Ein paar Leute arbeiteten hart daran,<br />

die Region auf ganz unterschiedliche Weise<br />

ins Blickfeld von Reisenden zu rücken:<br />

Poesie, Literatur, Kunst, Design und Essen.<br />

Sie machten die Abruzzen im Laufe der<br />

Zeit zu einem beliebten Reiseziel. „Francesco<br />

Paolo Michetti kaufte um 1884 das Franziskaner-Kloster<br />

von Francavilla al Mare. Er war Maler und Fotograf und beschloss,<br />

das Kloster für die italienischen Intellektuellen jener Zeit zu öffnen.<br />

Es war ein Ort der Diskussion, der Auseinandersetzung und<br />

des gemeinsamen Nachdenkens über die Zukunft Italiens und<br />

seiner Kultur. Ein junger Gabriele D‘Annunzio kam hierher, um<br />

1 | Die vormals eher unbekannten Abruzzen sind heute nicht nur<br />

für ihre landschaftliche Vielfalt berühmt. Im ehemaligen<br />

Franziskaner-Kloster von Francavilla al Mare schaffte der Maler<br />

Francesco Paolo Michetti Ende des 19. Jahrhunderts den Ausgangspunkt<br />

für einen kulturellen Hotspot. Alessandra Ligi Marsicola<br />

oben führt dieses Erbe ihres Vorfahren noch heute fort.<br />

130 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


2<br />

3<br />

zuzuhören, zu lernen und sogar seinen Bestseller »Il piacere«<br />

zu schreiben“, erzählt Alessandra Ligi Marsicola. Sie ist eine der<br />

Erbinnen von Michetti und leitet das Haus noch immer, das auf<br />

Vorbestellung für Besichtigungen, private Veranstaltungen und<br />

Versammlungen geöffnet ist. Sein Kultursalon hat bis heute Spuren<br />

in den Abruzzen hinterlassen. Aber das war erst der Anfang.<br />

2 | Ein Ort der Kontemplation ist die Kapelle „Spalletti“ in der<br />

Villa Serena in Città Sant‘Angelo, einer Gemeinde in der Provinz<br />

Pescara. „In meiner Arbeit geht es immer darum, einen Raum zu<br />

schaffen, in dem man sich wohlfühlt, in dem man sich umhüllt und<br />

irgendwie geschützt fühlt“, so Ettore Spalletti über sein Werk.<br />

3 | Aielli ist ein Ort voller Kunst. Das hat Tradition in der Region.<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

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XXXXXXXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

4<br />

5<br />

6<br />

Gesichter von Pescara: 4 | Eine Arbeit des italienischen Street<br />

Art Künstlers Millo im Viertel „Fontanelle“ möchte als Antwort<br />

auf dortige Banden-Kriminalität verstanden werden.<br />

5 | Elisabetta Di Bucchianico und Dario Oggiano, oben in ihrem<br />

Shop, stehen hinter der Marke Arago-Design. 6 | Giovanna<br />

Pizzella, Mario Michetti und Mirko Giardino (mit Sonnenbrille)<br />

sind das „Studiozero85“ und beschäftigen sich unter anderem<br />

mit dem „Trabocco“ – dem klassischen Fischerhaus der Adria.<br />

132 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


AUF TOUR ! ABRUZZEN<br />

7<br />

Wer durch die Gassen des kleinen Dorfes Bolognano schlendert,<br />

entdeckt auf den ersten Blick dessen Besonderheit. Mit nur eintausend<br />

Einwohnern könnte es eines dieser fast toten Dörfer sein,<br />

die man im Landesinneren findet. Aber dank der Baronin Lucrezia<br />

De Domizio Durini avancierte es zu einem wichtigen Kunstzentrum.<br />

Der Wendepunkt kam in den Siebzigerjahren, als sie den<br />

deutschen Konzeptkünstler Joseph Beuys kennenlernte. Sie beschloss,<br />

ihn zu beherbergen und zu fördern. Er blieb mehr als ein<br />

Jahrzehnt lang. Seit seinem Tod im Jahr 1985 hat Bolognano sein<br />

Erbe gepflegt, mit Unterstützung der Baronin weiterhin Künstler<br />

aus aller Welt aufgenommen und sie gebeten, dem Dorf bei ihrer<br />

Abreise eines ihrer Werke zu schenken. Bis heute ein produktiver<br />

kultureller Austausch. Diese Affinität zu künstlerischem Schaffen<br />

ist in den Abruzzen omnipräsent. Auch in der Kapelle der Villa<br />

Serena in Città Sant‘Angelo. Schon beim Eintreten stellt sich ein<br />

Gefühl von Ruhe und Frieden ein. Hellblaue Decken, ein verspiegelter<br />

kleiner Altar, minimalistische Bänke – alles entworfen von<br />

Ettore Spalletti, einem „Artista abruzzese“, der seine Heimat nie<br />

verlassen hat. „Er wollte eine Verbindung mit dem Unendlichen<br />

herstellen, eine Art spirituelle Konfrontation und Konzentration.<br />

Ettore sagte immer, dieser Ort sei perfekt, um Gedichte zu lesen“,<br />

so die Galeristin Benedetta Spalletti, Nichte des Künstlers und Designers.<br />

Ihre Kunsthandlung „Galleria Vistamare“ in Pescara konzentriert<br />

sich auf zeitgenössische Positionen und stellt sowohl<br />

bekannte internationale Protagonisten als auch neue Talente aus.<br />

8<br />

7 | Die Möbelkreationen von Sara und Ilaria Patriarca sind weit<br />

über Pescara hinaus bekannt. Ihr Label heißt Macmamau.<br />

8 | Eine Art Galerie-Raum für künstlerische Experimente und<br />

modische Eskapaden ist „Emerge“ in der Via Tiburtina Valeria 75.<br />

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9<br />

10<br />

Nicht weit von Pescara gibt es einen weiteren Ort, an dem internationale<br />

und italienische zeitgenössische Kunst gefördert<br />

wird: die „Fondazione Zimei“, gegründet von der gleichnamigen<br />

Sammlerfamilie. In der Familienvilla Zimei, die heute in eine Galerie<br />

und ein Atelier umgewandelt wurde, sind junge Künstler<br />

untergebracht. „Es klingt unglaublich, aber die Abruzzen, so weit<br />

entfernt von großen Städten wie Rom oder Mailand, haben eine<br />

lange Tradition in der zeitgenössischen Kunst. Viele Künstler haben<br />

beschlossen, eine Zeit lang in Pescara zu leben, wie Jannis<br />

Kounellis. In den Neunzigerjahren gab es ein Festival namens »Fuori<br />

Uso«, das in Bezug auf Anzahl und Qualität der eingeladenen<br />

Künstler nach der Biennale von Venedig an zweiter Stelle stand.<br />

Jetzt versuchen wir, die Region wieder ins rechte Licht zu rücken“,<br />

erzählt uns Massimiliano Scuderi, der künstlerische Leiter der<br />

Fondazione Zimei. Aber Galerien und Stiftungen sind hier nicht<br />

die einzige Möglichkeit, Kunst zu fördern. Wenn man in Pescara<br />

spazieren geht, stößt man schnell auf die Skulpturen des lokalen<br />

Künstlers Franco Summa. Sie bringen Farbe in die Stadt und ver-<br />

9 | Kunst, wohin man in Pescara blickt – ob in der Galerie „Vistamare“<br />

von Benedetta Spalletti, links mit einer Arbeit von Eileen<br />

Quinlan – oder in der 10 | Galerie „A Sud“. Die Installation von<br />

Favio Favelli war Teil einer Ausstellung, die 11 | Sabrina Zimei und<br />

134 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


AUF TOUR ! ABRUZZEN<br />

11<br />

13<br />

wandeln Plätze und Straßen in eine Open-Air-Galerie.<br />

Seine „Fanciulle“ auf der Piazza Sacro Cuore sind ein<br />

neues Wahrzeichen der Stadt. Um seinen Stil besser<br />

zu verstehen und zu erforschen, ist die nahe gelegene<br />

„Fondazione Summa“ der richtige Ort. Dort offenbaren<br />

mehrere Skulpturen die Bestrebungen des kürzlich<br />

verstorbenen Künstlers, Farben und ihre Nuancen<br />

zu kodifizieren. Bei einem Spaziergang durch Pescara<br />

kann man auch Wandmalereien (die Werke von Millo<br />

im Viertel Fontanelle) und Installationen am Strand<br />

(von Pietro Cascella) entdecken. Sie machen die Stadt<br />

zu einem idealen Ort, um ein paar Tage zu bleiben<br />

und bei sonnigem Wetter die hervorragende lokale<br />

Küche zu genießen.<br />

Apropos Essen: Hier gibt es noch viel zu entdecken.<br />

Neben den klassischen Gerichten wie den Arrosticini<br />

und Bocconotti hat die lokale Gastronomie in den<br />

letzten Jahren dank junger und mutiger Köche neue<br />

Höhen erreicht. Der Star unter ihnen ist Niko Romito,<br />

dessen Restaurant „Reale“ in Castel di Sangro<br />

mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet wurde. ⇨<br />

12<br />

Massimiliano Scuderi kuratierten. Sie sind die Köpfe hinter der Fondazione Zimei – 2014 mit dem<br />

Ziel gegründet, „eine Begegnungsstätte für Künstler, Kuratoren und Kritiker zu sein.“ 12 | Zeit, bei<br />

einem köstlichen Snack zu entspannen: „Ceci“ in der Viale Regina Elena 19. 13 | Zurück zur Kunst –<br />

und dieses Mal als „Giardino Incantato“ von Franco Summa vor einem Gebäude von Mario Botta.<br />

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WD SE <strong>2023</strong> I<br />

Der See von San Domenico befindet sich im oberen Tal des Sagittario im<br />

Gebiet der Gemeinde Villalago von Prato Cardoso. Eine magische<br />

Umgebung, die sich ideal zum Entspannen, Picknicken und Angeln eignet.<br />

136 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


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TRO<br />

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14<br />

138 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


AUF TOUR ! ABRUZZEN<br />

15<br />

Klare Linien zeichnen die 14 | Betonarchitektur von Mario Botta<br />

aus, hier ein Blick ins Dach seiner brachialen Kirche in Sambuceto.<br />

15 | Asketisch übernachten, aber göttlich schlemmen lässt es sich<br />

bei Niko Romito, der mitten im Wirtschaftsstudium die Trattoria<br />

seiner Familie übernahm und inzwischen drei Michelin-Sterne<br />

erkocht hat. Der Herd von seinem „Reale“ steht in einem ehemaligen<br />

Kloster in Castel di Sangro. Dort wird Gastlichkeit auf einem<br />

ganz besonderen Niveau zelebriert – das jedoch sehr spartanisch.<br />

„Alles begann mit der Trattoria der Familie. Ich studierte Wirtschaft<br />

in Rom, als sich mein Leben änderte“, erzählt uns Romito.<br />

„Ich musste mich zwischen ‚Business‘ und Familienbetrieb<br />

entscheiden. Ich bin sehr froh, dass ich die richtige Wahl getroffen<br />

habe“. Das „Reale“ ist nicht nur ein Restaurant, sondern<br />

mit dem „Casadonna“ auch ein exklusives Resort. Es befindet<br />

sich in einem ehemaligen Kloster inmitten des Nationalparks<br />

der Abruzzen. Romito hält sich strikt an die kulinarischen Traditionen<br />

und Produkte der Region, wobei er den Gerichten stets<br />

einen modernen Touch verleiht: „Ich betrachte mich als Botschafter<br />

der Abruzzen und bin sehr stolz darauf.“ Deshalb hat er<br />

beschlossen, eine Accademia zu eröffnen, in der er die nächste<br />

Generation von Köchen ausbildet. Sie werden die Abruzzen in<br />

der ganzen Welt bekannt machen. Der Chefkoch des Restaurants<br />

„Aprudia“, Enzo Di Pasquale, schlug einen anderen Weg ein. Er<br />

arbeitete zunächst im Ausland, bevor er 2020 nach Giulianova<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

139


16<br />

zurückkehrte und dort sein Restaurant eröffnete. „Ich habe 2019 in Peru gearbeitet, als ich spürte, dass es Zeit war, zurückzukommen<br />

und meinen Weg zu finden. Hier in den Abruzzen sind die lokalen Produkte von exzellenter Qualität, und ich<br />

wähle aus diesem Grund jede einzelne Zutat selbst aus, um mein Menü zu kreieren“, sagt Di Pasquale.<br />

Die Vergangenheit aufzuwerten und sie in eine Ressource für das Hier und Heute zu verwandeln, ist der Schlüssel für<br />

alle lokalen Unternehmer. Sie erzählen gerne davon, was sie von ihren Eltern oder Großeltern gelernt haben. So wie Francesco<br />

Cirelli, der die Sommerferien mit seinen Großeltern Giovina und Attilio auf dem Land verbrachte. Als er erwachsen<br />

wurde, entschied er, aus diesem Wissen zu schöpfen. Seit 2003 bewirtschaftet er seinen Bauernhof mit Weingut in der<br />

Nähe von Atri. „Ich sehe meinen Wein als Zaubertrank. Ich habe beschlossen, ihn in Amphoren aufzubewahren, wie es<br />

140 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


AUF TOUR ! ABRUZZEN<br />

17<br />

16 | Noch mehr Street Art. Hier von PixelPancho in der Via Rimini<br />

im Küstenort Montesilvano. Was Sie nicht sehen können, sind<br />

die Sonnenschirm-Kaskaden am Strand. Ruhiger geht es da bei<br />

17 | Francesco Cirelli zu. Sein Hof in Atri ist eine wunderbare<br />

Schlafstätte, doch nicht bevor man einen, oder am besten gleich<br />

jeden seiner hervorragenden Weine degustiert hat. Wie schon die<br />

Griechen und Römer keltert sie der Winzer in klassischen Tonamphoren.<br />

Quasi um die Ecke liegt der Naturpark „Calanchi di Atri“.<br />

die alten Griechen und Römer taten. Pecorino, Montepulciano,<br />

Cerasuolo und Trebbiano sind unsere Weine, und ich bin<br />

stolz darauf, dass man die Abruzzen schmecken kann“, sagt<br />

Cirelli. Gäste sind willkommen: Zwei komfortable, luxuriös<br />

ausgestattete Lodges unter jahrhundertealten Olivenbäumen<br />

stehen bereit, in seine Welt einzutauchen. Das Adriatische<br />

Meer, nur acht Kilometer entfernt, der Gran Sasso noch näher.<br />

Die familiäre Gastfreundschaft ist eine herzliche Umarmung,<br />

wie er sie schon als Kind von seinen Großeltern erhielt. Für Geschichte<br />

und Tradition der Abruzzen steht auch die Kommune<br />

Santo Stefano di Sessiano. Dort beschloss Daniele Kihlgren vor<br />

einigen Jahren, ein fast leerstehendes Dorf in ein Resort umzuwandeln,<br />

das den heutigen Ansprüchen gerecht wird, ohne seine<br />

Identität zu verlieren. Wichtig war ihm vor allem, den Charakter<br />

der traditionellen Steinhäuser zu erhalten, dieses Erbe zu bewahren.<br />

Kihlgrens „Sextantio Albergo Diffuso“ gilt als revolutionär.<br />

Das Projekt trägt dazu bei, eine Gemeinde zu retten und die Abruzzen<br />

endlich ins Rampenlicht zu rücken. Ein Happy End ohne<br />

Cowboys, aber mit viel Liebe zu den lokalen Wurzeln. ☐<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

141


AUF TOUR ! ABRUZZEN<br />

18<br />

Zum Schluss noch ein Abstecher an die Adriaküste und<br />

in den Ort Giulianova. 18 | Hier überraschte uns der Brillenladen<br />

„Mafalda 86“ von Vittorio Sebastiani, der einen<br />

zweiten Shop in der Mailänder Zona Tortona führt. In<br />

Giulianova beherbergt ein frisch saniertes Haus die<br />

gläsernen Schönheiten: innen Industrieputz und Stahlbeton,<br />

außen ein Sonnenschutz aus Terrakotta, dessen<br />

Struktur an Brillen denken lässt – realisiert von Coccia<br />

Costruzioni. 19 | Das kleine Restaurant „Aprudia“ verwöhnt<br />

seine Gäste auf optische und kulinarische Weise:<br />

„ein attraktiver Rahmen für eine saisonale Küche, die<br />

manchmal sehr einfache Zutaten verwendet, aber immer<br />

absolut köstlich ist“, so der Eintrag im Guide Michelin.<br />

Und dann 20 | ein langer Spaziergang am Strand ...<br />

19<br />

142 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


XXXXXXXXXXXXXXX ! XXXXXX<br />

20<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

143


BEZUGSQUELLEN !<br />

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DEUTSCHLAND GMBH www.louisvuitton.com M MADAME REVE www.madamereve.com, MAISON DE VACANCES www.maisondevacances.com,<br />

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DEL BOSCO www.rosewoodhotels.com S SARAH COTTIER GALLERY www.sarahcottiergallery.com, SOCIETY LIMONTA www.societylimonta.com, SO-<br />

LARLUX GMBH www.solarlux.de, STEIDL GMBH & CO. OHG www.steidl.de, STUDIO MCQUALTER www.studiomcqualter.com, STUDIO DE PASQUALE<br />

www.studiodepasquale.de, SULLIVAN & STRUMPF www.sullivanstrumpf.com T TACCHINI ITALIA FORNITURE SRL www.tacchini.it, TASCHEN GMBH www.taschen.com,<br />

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www.scheidegger-spiess.com, VERMEER STUDIO www.vermeerstudio.com, VOITED ADVENTURE GMBH www.voited.com W Walter Knoll GmbH<br />

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Sollten Sie noch auf der Suche nach einer speziellen Adresse für eines der vorgestellten Produkte sein, schreiben Sie uns einfach eine E-Mail an<br />

info@wohndesign.de. Weitere Infos zu Ihren Ansprechpartnern finden Sie im Internet unter www.wohndesign.de.<br />

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LANO www.cec-milano.com, CANE-LINE A/S www.cane-line.com, CARL HANSEN & SON A/S www.carlhansen.com, CASTALDI www.castaldilighting.it,<br />

CONTARDI LIGHTING SRL www.contardi-italia.it, COOLS CONTEMPORARY OBJECTS OF LOVE www.coolscollection.com E EDRA SPA wwweedra.com,<br />

EFFEGIBI SRL www.effe.it, EGO PARIS www.egoparis.com, EMU GROUP SPA www.emu.it, ENAMOURA www.enamoura.com ETHIMO www.ethimo.com F<br />

FAST SPA www.fastspa.com, FATBOY THE ORIGINAL BV www.fatboy.com, FERMOB www.fermob.com, FLORIM CERAMICHE SPA www.florim.com, FLOS SPA<br />

www.flos.com, FORNASETTI www.fornasetti.com, FREIFRAU MANUFAKTUR GMBH www.frei-frau.com G G.T.<strong>DESIGN</strong> www.gtdesign.it, GANDIA BLASCO SA<br />

www.gandiablasco.com, GERVASONI SPA www.gervasoni1882.it, GUBI A/S www.gubi.dk H HALL.HAUS www.hall.haus I INDIGENUS www.indigenus.<br />

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www.kennethcobonpue.com L LAFUMA MOBILIER SAS www.lafuma-mobilier.fr, LINEA LIGHT SRL www.linealight.com M MANUTTI BV www.manutti.com,<br />

MARTINELLI LUCE SPA www.martinelliluce.it, MINOTTI SPA www.minotti.com, MOLTENI SPA www.molteni.it N NANIMARQUINA www.nanimarquina.com,<br />

NARDI SPA www.nardioutdoor.com P PAOLA LENTI SRL www.paolalenti.it, PARACHILNA S.A. www.parachilna.eu, PERENNIALS www.perennialsfabrics.com<br />

R RODA SRL www.rodaonline.com, ROYAL BOTANIA NV www.royalbotania.com S SCAB GIARDINO SPA www.scabdesign.com, SUTHERLAND LLC<br />

www.sutherlandfurniture.com T TALENTI SRL www.talentisrl.com, TUUCI EMEA www.tuuci.com V VINCENT SHEPPARD NV www.vincentsheppard.com<br />

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Unsere Urlaubslektüre für Sie:<br />

„Gärten des Jahres“ bei Callwey, ab<br />

Seite 40 im Heft. „Small Houses“,<br />

erschienen bei Taschen, auf Seite 24.<br />

„Einfach Urlaub“ von Brandstätter,<br />

Seite 24 und 25.<br />

144 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


Frisch auf den Tisch<br />

Der neue Becher aus der Kollektion «Mandorla«, produziert von der Königlichen Porzellan-Manufaktur<br />

Berlin (kurz KPM), ist ein echter Handschmeichler. Mattes Biskuitporzellan schafft ein<br />

haptisches Erlebnis und betont die Besonderheit seines Reliefs. Der Stuttgarter Künstler Reiner<br />

Xaver Sedelmeier ließ sich dabei von industriellen Schutzblechen inspirieren. Im Team mit KPM-<br />

Chefdesigner Thomas Wenzel entstand ein innovatives und kunstvolles Alltagsobjekt, das schon<br />

jetzt als neuer Klassiker gehandelt wird. Exklusiv bei uns als Einzelstück für ein Jahresabo.<br />

Exklusiv für<br />

ein Abo von<br />

<strong>WOHN</strong>!<strong>DESIGN</strong><br />

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Tel.: +49 40 39 86 33 98


ZU BESUCH BEI ! SONNENGLAS<br />

LICHT FÜR DIE WELT<br />

„Wir möchten die Erde besser hinterlassen<br />

als wir sie vorgefunden haben“, sagt<br />

Stefan Neubig, der mit seinem Fairtrade-Unternehmen<br />

„Sonnenglas“ 2013 ein<br />

Produkt auf den Markt brachte, das ein<br />

ansprechendes Äußeres mit Nachhaltigkeit<br />

und sozialem Engagement verbindet.<br />

Alles begann mit einer Reise nach Südafrika,<br />

wo Neubig auf einen Glashersteller<br />

traf, der Akkus in Einmachgläser verbaute.<br />

„Ich war fasziniert vom Erfindergeist der<br />

Menschen. In Südafrika gab es oft stundenlange<br />

Stromausfälle. Diese Solar-Laterne<br />

war eine geniale Abhilfe.“ Mittlerweile<br />

beschäftigt Sonnenglas über 65 zuvor<br />

arbeitslose Menschen aus den Johannesburger<br />

Townships Alexandra und Soweto,<br />

davon 80 Prozent Frauen. „Die Menschen<br />

machen mit ihrer unbeugsamen Lebensfreude<br />

das Beste aus dem, was sie haben.<br />

Die Produktion in Südafrika ist unser Rückgrat.<br />

Sie orientiert sich nicht am Profit,<br />

sondern am positiven Effekt für alle Beteiligten.<br />

Das ist unsere Identität“, erzählt<br />

der Social Entrepreneur. Heute ist das<br />

Licht-Unternehmen Marktführer auf seinem<br />

Gebiet, nicht zuletzt dank des hartnäckigen<br />

Einsatzes und einer überzeugen-<br />

den Vermarktungsstrategie. „Der gesamte<br />

Lebenszyklus inklusive der Nutzung eines<br />

Sonnenglases produziert sechs Kilogramm<br />

CO2. Das entspricht etwa dem Ausstoß bei<br />

der Herstellung von 250 Gramm Butter. Ein<br />

Sonnenglas erzeugt während seiner Nutzungszeit<br />

null Emissionen“, erklärt Neubig.<br />

Gutes zu tun, kann so schön sein. |ag<br />

Die Leuchte „Sonnenglas“ spendet dank<br />

eingebauter Solarzellen zu jeder Jahreszeit<br />

sauberes Licht und unterstützt<br />

gleichzeitig jene, die es brauchen.<br />

Nächste Ausgaben: „Die Entdeckung der Langsamkeit“ (3. Mai <strong>2023</strong>) und. „Design-Duos“ (28. Juni <strong>2023</strong>)<br />

146 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


MÜNCHNER<br />

STOFF<br />

FRÜHLING<br />

11.–14. MAI <strong>2023</strong><br />

Alle Informationen und Anmeldung:<br />

www.stoff-fruehling.de<br />

Fotomotiv: AdobeStock - Noel Cook<br />

Internationale Textil- und Tapetenverlage laden nach München ein!<br />

Arte • C&C Milano • Caparol Icons • Casamance • Christian Fischbacher • Colefax and Fowler • Création Baumann •<br />

Dedar • Designers Guild • Élitis • Ferreira de Sá • Fine Textilverlag • Fortuny • Fritz Hansen • Gebrüder Weishäupl •<br />

Hohenberger Manufaktur für Tapeten • Houlès • Hästens Beds • Interstil • JAB Anstoetz • Jim Thompson •<br />

Kobe Interior Fabrics • KT Exclusive • Kvadrat • Kymo • Lelièvre • Little Greene • Luiz • Mariaflora by Filippo Uecher •<br />

Nobilis Fontan • nya nordiska • Object Carpet • Perennials & Sutherland • Phillip Jeffries • Pierre Frey • Rohleder •<br />

Salzburger Handdrucke Jordis • Sanderson Design Group • Saum & Viebahn • Sørensen • The Romo Group •<br />

The Rug Company • Wall&decò • Werther - Die Möbelmanufaktur • Zimmer + Rohde • Zollanvari


Studiopiù International<br />

Studiopiù International<br />

OUTDOOR <strong>DESIGN</strong><br />

TWINS BY SEBASTIAN HERKNER<br />

ALU/TEAK & TEAK VERSIONS emu.it CATALOGUE <strong>2023</strong>


Symbiose<br />

Zweiklang im Einklang.<br />

peter e. schumacher


Modell Cronenbourg:<br />

Leben und Arbeiten XXL<br />

Vom Haustraum zum Traumhaus – schnell,<br />

unkompliziert und planungssicher. Mehr als<br />

18.000 Baufamilien konnten sich bereits von<br />

den Vorteilen des ganzheitlichen Fertighausbaus<br />

im Rahmen des GUSSEK-Prinzips „Alles<br />

aus einer Hand“ überzeugen: Kurze Wege<br />

von der Planung bis zur Fertigstellung, alle<br />

Gewerke aus eigener Produktion – perfekt<br />

aufeinander abgestimmt.<br />

Von Anfang an werden unsere Baufamilien<br />

durch einen festen Ansprech partner unterstützt,<br />

der ihr Projekt von der ersten Idee<br />

bis zur Schlüsselübergabe begleitet.


Das Modell Cronenbourg ist nicht nur Paradebeispiel für<br />

die Effizienz der kurzen Wege, es überträgt sie im Wortsinn<br />

auf ein Hybridhaus, in dem Wohnen und Arbeiten<br />

auf spektakuläre Weise eine Symbiose eingehen.<br />

Wohnen/Essen/Kochen<br />

51,72 qm<br />

WC<br />

6,80 qm<br />

Flur<br />

4,35 qm<br />

Garage<br />

45,35 qm<br />

Drei ineinander verschachtelte Kuben beherbergen<br />

nicht nur Werbeagentur und Privaträume des<br />

Bauherrn, sondern kombinieren beide Bereiche, trotz<br />

klarer Trennung, intelligent und effizient miteinander.<br />

Nebentüren verbinden den Wohnbereich sowohl mit<br />

zwei lichtdurchfluteten Ateliers als auch mit einer<br />

großzügigen Doppelgarage, deren Fassade sich nahtlos<br />

in die Optik aus weißer Edelputzfassade und metallisch<br />

schimmernden Trespaplatten einfügt. Hinter dem<br />

gleichermaßen exklusiven, wie funktionalen Design<br />

verbirgt sich ein Fertighaus der Extraklasse mit beinahe<br />

370 qm Wohnfläche.<br />

Büro<br />

49,06 qm<br />

Dusche<br />

7,73 qm<br />

Eingang<br />

11,73 qm<br />

Diele<br />

4,35 qm<br />

Technik<br />

5,88 qm<br />

Cronenbourg<br />

in Stichpunkten:<br />

Außenmaße<br />

8,00 x 2,94 m +<br />

13,78 x 10,52 m +<br />

8,245 x 9,29 m<br />

Wohnfläche 368,61 m 2<br />

Die Treppe, welche das offene Agentur-Foyer mit den<br />

privaten Wohnräumen verbindet, wurde selbstverständlich<br />

in der GUSSEK-eigenen Manufaktur gefertigt –<br />

„Alles aus einer Hand“ eben!<br />

Schlafen<br />

23,17 qm<br />

Bad<br />

14,24 qm<br />

Flur<br />

7,25 qm<br />

Abst./Schneider.<br />

61,14 qm<br />

Abst. 2<br />

14,27 qm<br />

Büro<br />

45,45 qm<br />

Fotoatelier<br />

22,12 qm<br />

Holzständerwerk<br />

in Großtafelbauweise<br />

GUSSEK-Hybrid-<br />

Außenwand ®<br />

3 verschachtelte<br />

Baukörper


Deutschlandweit in über 30 Vertriebsbüros<br />

und Musterhäusern begleiten Sie unsere<br />

Fachberater mit großer Erfahrung,<br />

Empathie und Expertise.<br />

Gussek-Haus Franz Gussek GmbH & Co. KG<br />

Euregiostraße 7 · 48527 Nordhorn<br />

hausinfo@gussek.de · www.gussek-haus.de


TUSCANY collection


„Wir sorgen dafür,<br />

dass sich die Menschen zu<br />

Hause und auf Reisen wohl<br />

und geborgen fühlen.<br />

Unsere Stoffe bereichern<br />

und verschönern jeden<br />

Lebensraum. Drinnen, aber<br />

ganz besonders draußen,<br />

mit leuchtenden Farben und<br />

besonderen Mustern.“<br />

Thomas Michael Fenn,<br />

Designer der Collection TUSCANY Indoor | Outdoor<br />

Die Welt der JAB ANSTOETZ Group:<br />

Wohnstoffe und Teppiche, In- und Outdoor,<br />

Sonnenschutz, Bodenbeläge, Polstermöbel,<br />

Polsterbetten und Wohnaccessoires.


Einrichtungsfachhändler und Showrooms finden Sie unter:<br />

www.jab.de


OUTDOOR ! XXXXXX<br />

OUTDOOR<br />

INSPIRATIONEN<br />

kuratiert<br />

von<br />

<strong>WOHN</strong>!<strong>DESIGN</strong><br />

<strong>2023</strong><br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

5


Feiern mit Fermob: Um den Tisch „Ribambelle“<br />

gesellen sich Stühle aus der Kollektion „Studie“.<br />

COVER: Sommer auf Malle mit dem tollen Tisch<br />

„Cantina“ und gleichnamigen Bänken von Janua.<br />

2 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


CHIN-CHIN<br />

Eine Einladung, uns zu den schönsten Settings zu begleiten,<br />

die unsere Lieblings-Outdoor-Möbel für <strong>2023</strong> inszenieren.<br />

Der Toast Chin Chin stammt übrigens nicht aus Frankreich, sondern aus<br />

dem alten China. Damals sorgten sich vor allem Herrscher, dass ihr Tischpartner<br />

sie mit Gift im Getränk um die Ecke bringen könnte. Das kräftige<br />

Anstoßen sollte dafür sorgen, dass ein Schluck in den Becher des Anderen<br />

überschwappte. An unseren Tafeln herrscht dagegen pure Lebensfreude,<br />

die sich auf Sessel, Liegen und Sofas ausbreitet. In diesem Sinn wünschen<br />

wir Ihnen einen grandiosen Sommer und viele tolle Momente im Garten.<br />

Dr. D. & Die Fabelhaften Vier:<br />

Frank-Oliver Grün, Anke Gungl, Markus Hieke und Claudia Simone Hoff<br />

© Tom Watson<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

3


OUTDOOR ! XXXXXX<br />

MADE IN KAPSTADT<br />

Die Pflanzgefäße von Indigenus werden von Designern wie Sebastian Herkner<br />

und Yabu Pushelberg entworfen und in einer Manufaktur handgefertigt.<br />

Peter van der Post ist ein Quereinsteiger im Designbusiness.<br />

Vor neun Jahren gründete der Südafrikaner in Kapstadt<br />

das Label Indigenus. Zuvor hatte er Betriebswirtschaft<br />

studiert und Rotationsformen für Plastikprodukte<br />

hergestellt. Der 54-jährige schließt mit Indigenus eine Lücke<br />

im Markt der hochwertigen Pflanztöpfe, denn er arbeitet<br />

mit namhaften Designern wie Yabu Pushelberg und<br />

Sebastian Herkner zusammen. Als wir ihn in seinem Büro<br />

in Kapstadt erreichen, erzählt er uns, dass es gar nicht so<br />

einfach gewesen sei, in der internationalen Designszene<br />

Fuß zu fassen. Doch eines sei ihm von Anfang an klar gewesen:<br />

„Ich wollte mit den besten Designern zusammenarbeiten.“<br />

Seitdem er Investoren an Bord holte und Kooperationen<br />

mit gut vernetzten Multiplikatoren wie Sebastian<br />

Herkner und Yabu Pushelberg einging, ist es einfacher<br />

geworden. So konnte van der Post vier Jahre nach der Firmengründung<br />

seinen Brot-und-Butter-Job aufgeben und<br />

sich ganz dem eigenen Unternehmen widmen.<br />

Herkner lernte er durch einen Freund kennen. Jan te Lintelo<br />

vom niederländischen Möbelhersteller Linteloo, der<br />

mit dem deutschen Designer zusammenarbeitet und<br />

außerdem ein Haus in Kapstadt besitzt, hatte ihn als Türöffner<br />

für den europäischen Markt vorgeschlagen. „Jan<br />

wusste, wie schwer es ist, sich im europäischen Markt<br />

zu etablieren und hat mir geholfen“, erzählt van der Post.<br />

Er nahm während der Pandemie Kontakt zu Herkner auf<br />

– sie waren sich gleich sympathisch und vereinbarten<br />

eine Zusammenarbeit. Es stellte sich zudem heraus,<br />

dass beide mit Stephan Weishaupt befreundet sind, der<br />

in Nordamerika mit Avenue Road Designobjekte von<br />

Herstellern wie Wittmann, Lasvit und Classicon verkauft<br />

– und auch die Pflanztöpfe von Indigenus.<br />

Inzwischen gehören Nordamerika und Europa zu den<br />

wichtigsten Absatzmärkten des südafrikanischen Labels.<br />

Doch die Erfolgsgeschichte des Unternehmens begann<br />

in Dubai, wo Indigenus einige Hotels mit seinen Objekten<br />

ausstattete. Peter van der Post ist es wichtig, gut<br />

gestaltete und vor allem haltbare Pflanztöpfe anzubie-<br />

Die Pflanzgefäße von Indigenus werden in der eigenen<br />

Fabrik in Kapstadt gefertigt, wobei die verwendeten<br />

Materialien aus nachhaltigen Quellen stammen. Die kurvige<br />

Serie „Pebble“ rechts stammt von Yabu Pushelberg.<br />

4 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


OUTDOOR ! INSPIRATIONEN<br />

ten. Sie werden inzwischen in der eigenen Manufaktur<br />

in Kapstadt hergestellt. Ursprünglich hatte van der Post<br />

die Produktion ausgelagert, war aber mit der Qualität<br />

der Produkte nicht zufrieden. Inzwischen beschäftigt er<br />

in der Manufaktur rund zwanzig Mitarbeiter, die vor Ort<br />

und in Kalifornien ausgebildet werden. „Wir mussten sehr<br />

schnell lernen“, sagt van der Post. So sind auch sämtliche<br />

Werkzeuge selbst hergestellte Maßanfertigungen und<br />

ganz auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten.<br />

„Wir haben eine neue Kategorie geschaffen“, erzählt er.<br />

Der in Durban geborene Unternehmer bedient mit Indigenus<br />

einen Nischenmarkt und produziert jährlich rund<br />

1.800 Stücke – vorrangig für den Export, denn die südafrikanische<br />

Wirtschaft kränkelt seit Jahren. Seine Idee:<br />

Pflanztöpfe als „funktionale Kunstwerke“ für den Innenraum<br />

herzustellen, die im ästhetischen Einklang stehen<br />

mit den Möbeln und Leuchten designaffiner Unternehmen,<br />

und gleichzeitig für den Outdoor-Bereich geeignet<br />

sind. Die Pflanzgefäße von Indigenus sind gestalterische<br />

Eyecatcher, gerade wenn sie in den größten Versionen<br />

zum Einsatz kommen und beispielsweise riesige Hotellobbys<br />

zieren. „Wir versuchen, die Pflanzgefäße architektonisch<br />

zu skalieren“, sagt van der Post. Dabei nehmen<br />

sich die Objekte in ihrer Gesamtheit gestalterisch zurück,<br />

doch die Details fallen auf. Der Reiz von Herkners<br />

Kollektion „Aarde“ besteht beispielsweise darin, dass der<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

5


OUTDOOR ! INSPIRATIONEN<br />

Hinter Indigenus steckt Peter<br />

van der Post, der die Firma 2014<br />

gründete unten mit dem Entwerfer<br />

Andile Dyalvane. Design war bis<br />

dahin nur sein privates Steckenpferd.<br />

Heute ist der 54-jährige<br />

Südafrikaner gut vernetzt in der<br />

internationalen Designbranche und<br />

arbeitet mit Gestaltern wie Laurie<br />

Wiid van Heerden und Yabu Pushelberg<br />

zusammen. Die Pflanzgefäße<br />

der Kollektion „Aarde“ rechte Seite<br />

stammen von Sebastian Herkner<br />

und zeichnen sich gestalterisch<br />

durch Überlappungen aus. Das<br />

größte Exemplar aus Glasfaserbeton<br />

ist über einen Meter hoch und<br />

rund 100 Kilogramm schwer. Die<br />

Pflanztöpfe von Indigenus kommen<br />

im Innen- und Außenbereich zum<br />

Einsatz.<br />

6 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


OUTDOOR ! XXXXXX<br />

Pflanztopf aus Glasfaserbeton rechteckig gehalten ist und<br />

deshalb sehr architektonisch wirkt – unterstützt durch<br />

feine geometrische Überlappungen des Materials. Durch<br />

die scharfen Kanten entstehen Schatten, sodass sich außerdem<br />

interessante Farbspiele ergeben. Er habe sich bei<br />

der Gestaltung von südafrikanischen Sedimentgesteinen<br />

inspirieren lassen, die er auf einer Reise entdeckte, sagt<br />

Herkner. Er hat auch eine Farbrange für sämtliche Produkte<br />

des Unternehmens entwickelt, die sich aus den<br />

Farbtönen der afrikanischen Natur herleitet. Auch die Kollektion<br />

„Bhaca“ von Andile Dyalvane ist tief in der Kultur<br />

Südafrikas verankert. Der einheimische Keramikkünstler<br />

hat die Pflanztöpfe aus Ton mit einem feinen Relief versehen,<br />

das in der Kultur der Xhosa verankert ist – einem Volk,<br />

dem er selbst angehört. Um eine Initiation oder Heilung<br />

zu markieren, wird die (Gesichts-)Haut der Xhosa eingeschnitten,<br />

um später Narben in einem speziellen Muster<br />

zu bilden. Und auf genau diese Narben bezieht sich<br />

Dyalvane mit seinem Entwurf. Die meisten Materialien,<br />

aus denen die Pflanzgefäße gefertigt werden, kommen<br />

aus nachhaltigen Quellen – beispielsweise das FSC-zertifizierte<br />

Iroko-Holz – auch afrikanisches Teak genannt –,<br />

das resistent gegen Frost und Regen ist. Van der Post geht<br />

es neben guter Gestaltung vor allem darum, langlebige<br />

Produkte zu schaffen. Glasfaserbeton ist 20 Mal so robust<br />

und haltbarer als normaler Beton. „Es ist wichtig, dass die<br />

Gefäße nicht zu schwer sind, damit man sie hin- und her<br />

bewegen kann“, ergänzt er. Sämtliche Pflanztöpfe sind mit<br />

einem Pflanzeinsatz versehen, an dessen Basis sich ein<br />

Wasserreservoir befindet, in das die Wurzeln hineinwachsen.<br />

Nachdem sie angewachsen sind, muss das Reservoir<br />

nur etwa alle ein bis zwei Wochen aufgefüllt werden.<br />

Der Einsatz hat außerdem den Vorteil, dass die Pflanzen<br />

kurzerhand ausgetauscht werden können. Nachdem die<br />

Pandemie das Unternehmen in den letzten drei Jahren<br />

ausbremste, hat der Südafrikaner nun wieder große Pläne.<br />

Nächstes Jahr möchte er mit Indigenus an der Milan Design<br />

Week teilnehmen. Und wahrscheinlich gibt es dann<br />

dort die eine oder andere Überraschung zu sehen. „Ich<br />

würde gern einmal mit einer Designerin zusammenarbeiten“,<br />

sagt Peter van der Post, und man merkt ihm an, dass<br />

er es kaum erwarten kann.<br />

|claudia simone hoff<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

7


OUTDOOR ! INSPIRATIONEN<br />

BESCHWINGT DURCH DEN <strong>SOMMER</strong><br />

MIT ITALIENISCHEM KNOW-HOW<br />

Wer wie Emu mehr als ein halbes Jahrhundert Erfahrung<br />

bei der Herstellung von Outdoor-Mobiliar besitzt,<br />

weiß um die sinnlichen Details, die den Sommer unter<br />

freiem Himmel perfekt machen. Warum immer nur auf<br />

starren Sonnenliegen Platz nehmen? Mit „Reel“ bringt<br />

das Unternehmen die gute alte Hollywoodschaukel zurück<br />

auf die Terrasse – jedoch ohne jeden spießbürgerlichen<br />

Touch. Mehr noch: Das von Pio und Tito Toso gestaltete<br />

Schaukelsofa lässt sich im Handumdrehen in<br />

ein großzügiges Bett verwandeln, auf dem man allein<br />

oder zu zweit stundenlang dem Zirpen der Grillen lauschen<br />

kann. Ein Rahmen aus Stahlrohr schafft sicheren<br />

Stand, während elegante Seile das Sofa tragen, welches<br />

mit gesteppten Sitzpolstern ausgestattet ist. Vor direktem<br />

Sonnenlicht schützt ein neigbares Segel. Ergänzt<br />

um einen Zeitschriftenhalter und einen kleinen Teakholztisch<br />

wird „Reel“ zur beschwingten Insel, auf der<br />

man den Alltag hervorragend hinter sich lassen kann.<br />

Passend zur Charakteristik des Schaukelsofas bietet<br />

sich auch die ganz aktuelle Möbelkollektion „Twins“<br />

von Sebastian Herkner für Emu an.<br />

Beide Serien verbindet ein gewisser Hang zu harmonischen<br />

Rundungen, welcher sich im Entwurf des Offenbacher<br />

Designers besonders in den Rückenlehnen<br />

der Esstischstühle ausdrückt. Neben den Stühlen,<br />

erhältlich ohne und mit Armlehne, gehören ein Lounge-Sessel,<br />

ein gepolsterter Einsitzer, ein Zwei- und ein<br />

Dreisitzer-Sofa sowie verschiedene Tischgrößen zum<br />

Programm. Der Name „Twins“ verweist auf zwei Varianten,<br />

die es für jedes der Sitzmöbel gibt: nämlich in<br />

Teak-Vollholz-Ausführung oder in einem Materialmix<br />

aus Aluminiumrahmen mit Sitzfläche und Rücklehne<br />

aus Teak. Diverse Polsteroptionen geben den Zwillingspaaren<br />

Individualität.<br />

emu.it<br />

8 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


OUTDOOR ! XXXXXX<br />

© Angel Segura<br />

FALTMUSTER KANTIG-KOMFORTABLE<br />

OUTDOOR-LANDSCHAFT<br />

Man sieht es sofort! Von einem Kinderspiel lieh sich<br />

das Duo MUT Design die Idee zu dieser modularen<br />

Sitzmöbelkollektion namens „Coco“ für Ames. In lateinamerikanischen<br />

Ländern wird jenes nach dem Origami-Prinzip<br />

gefaltete Papierspiel „comecocos“ genannt.<br />

Auf seinen verborgenen Innenseiten befinden sich<br />

geheime Botschaften. Alberto Sánchez und Eduardo<br />

Villalón interpretierten es in Form von geometrischen<br />

Schaumstoffmodulen mit bunten Textilüberzügen und<br />

innenliegenden Nähten. Zu der sowohl für drinnen als<br />

auch den Außenbereich geeigneten Serie gehören Sesselmodule,<br />

Fußhocker und Tische. Natürlich wäre es<br />

kein echtes Ames-Produkt, gäbe es nicht auch hier wieder<br />

eine Zusammenarbeit mit kolumbianischen Handwerkern:<br />

Der Bezug wird in der nordkolumbianischen<br />

Region Bolívar aus gefärbten Acrylgarnen auf einem<br />

horizontalen Handwebstuhl gewebt. Dabei entstehen<br />

aufregend changierende Farbtöne. amesliving.de<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

9


OUTDOOR ! XXXXXX<br />

PREISGEKRÖNTES <strong>DESIGN</strong>, DAS<br />

DRINNEN WIE DRAUSSEN GLÄNZT<br />

Dass Fashion und Interior Design mittlerweile Hand in<br />

Hand gehen, beweist der neueste Entwurf „Dress Code“<br />

von Scab, der auch die international besetzte Jury des<br />

Archiproducts Design Awards (ADA) beeindruckte – und<br />

in der Kategorie „Furniture“ prompt belohnt wurde. Scab<br />

steht seit 1957 für moderne und funktionale Designmöbel<br />

Made in Italy. Der von der Haute Couture inspirierte<br />

Sessel spielt mit Farbe, mit Struktur und den Mustern<br />

der In- und Outdoor-Textilien, von casual bis formell.<br />

„Neben glatten, flachen Geweben gibt es eine in großen<br />

Quadraten gesteppte Version und eine gepolsterte, wellenförmige<br />

Variante. Die Steppung und die Polsterung<br />

sind sowohl eine ästhetische Spielerei als auch eine<br />

Quelle für mehr Komfort“, erzählen Laura Fiaschi und<br />

Gabriele Pardi von Gumdesign, die „Dress Code“ für das<br />

italienische Familienunternehmen ins Rennen warfen.<br />

Ergänzt werden die modischen Sessel um ein Coffee-Table-Set<br />

mit drei unterschiedlichen Formen und Höhen<br />

(eine Variante im Bild).<br />

scabdesign.com<br />

© L. Melone<br />

FAIRES <strong>DESIGN</strong> AUS FRANKREICH,<br />

DAS DURCH EMOTIONEN BESTICHT<br />

Bei Bibelo laufen ethisches Handeln und fantasievolles<br />

Design zusammen – wie in der Outdoor-Serie „Swim“,<br />

bestehend aus unterschiedlichen Stuhlmodellen sowie<br />

einem Coffee Table. Die Werkstätten der französischen<br />

Marke befinden sich in Kambodscha, wo sie Hand in<br />

Hand mit dem Institut „PSE – Pour un sourire d’enfant“<br />

zusammenarbeiten. Dabei handelt es sich um eine<br />

NGO, die sich für Menschenrechte einsetzt. „Bibelo<br />

beschäftigt nur lokale Mitarbeiter, denen ein angenehmes<br />

Arbeitsumfeld garantiert wird, und die von gerechter<br />

Bezahlung sowie sozialer Absicherung profitieren<br />

können“, so ein Unternehmenssprecher. bibelo.com<br />

10 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


© Tom Watson<br />

OUTDOOR ! INSPIRATIONEN<br />

FARBPARADE ÖKOLOGISCH WERT-<br />

VOLL KANN SO HINREISSEND SEIN<br />

„Weil Kreativität von Austausch und Diskussionen<br />

lebt, arbeitet Fermob regelmäßig, sei es einmalig oder<br />

wiederholt, mit berühmten oder aufstrebenden Designern<br />

aller Fachrichtungen zusammen. Aus diesen<br />

Zusammentreffen sind raffinierte Möbel entstanden,<br />

die immer Ästhetik und Funktionalität, Klarheit und<br />

Ausstrahlung, Komfort und Ergonomie in sich vereinen“,<br />

lässt das französische Unternehmen verlauten.<br />

Ein Statement, das auch auf die Bank aus der modularen<br />

Lounge-Kollektion „Bellevie“ zutrifft. Das nette<br />

ältere Paar genießt hier seine Zweisamkeit, könnte<br />

die Bank mit ihren großzügigen Ausmaßen aber locker<br />

mit zwei weiteren Personen teilen. Dank einer Schutzbehandlung<br />

mit UV-beständigen Pulverlacken ist sie<br />

außerdem bestens für den ganzjährigen Aufenthalt<br />

im Freien gerüstet. Die Farbpalette aus insgesamt 22<br />

verschiedenen Nuancen passt sich perfekt jedem Gusto<br />

an. Bei allen Fermob-Produkten schwingt die Devise<br />

„die Natur lieben und schützen, darin leben und<br />

sie achten“ mit, die fest in der Unternehmenskultur<br />

des französischen Spezialisten für Outdoormöbel verankert<br />

ist. Eine nachhaltige Entwicklung und Herstellungsmethode<br />

ist Bestandteil eines jeden Stücks. Seit<br />

der Gründung in den Fifties befindet sich der Hauptsitz<br />

im französischen Thoissey im Département Ain (Region<br />

Auvergne-Rhône-Alpes), wobei sich die hochwertigen<br />

Produkte in alle Welt verkaufen. Die charakteristischen<br />

und farbenfrohen Entwürfe aus Stahl oder Aluminium,<br />

die für Haltbarkeit, Stabilität und Leichtigkeit sorgen,<br />

setzen stimmungsvolle Akzente im Freien – im privaten<br />

wie auch öffentlichen Sektor, zum Beispiel im Jardin du<br />

Luxembourg in Paris.<br />

fermob.com<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

11


KLASSIKER FÜR IHR <strong>WOHN</strong>ZIMMER<br />

ODER IHRE TERRASSE<br />

Mit mehr als 40 Outdoor-Kollektionen über die vergangenen<br />

15 Jahre kann B&B Italia auf einen reichen Fundus<br />

an Freiluft-Möbeln verweisen. Dass diese gar nicht<br />

wetterfest aussehen müssen, bewies Patricia Urquiola<br />

schon 2015 mit ihrem Sofa „Butterfly“ (Bild): Es macht<br />

drinnen wie draußen eine gute Figur und bringt mit<br />

seiner Vollpolsterung einen Sitzkomfort auf die Terrasse,<br />

den manche Wohnzimmergarnitur vermissen lässt.<br />

Aber auch andere Design-Größen, von Antonio Citterio<br />

bis Vincent Van Duysen, trugen ihren Teil zum Gesamtwerk<br />

bei. <strong>2023</strong> wird es ergänzt von Monica Armani, Foster<br />

+ Partners sowie Piero Lissoni, dessen „Nooch“-Sessel<br />

auf Rahmen aus recyceltem Aluminium ruhen und komplett<br />

wiederverwertbar sind.<br />

bebitalia.com<br />

90 METER KORDEL UND<br />

KEINE EINZIGE SCHRAUBE<br />

Der Lounge-Sessel „MR01“ hatte von Anfang an das<br />

Zeug zum Klassiker – und mit einer neuen Outdoor-Version<br />

des Massivholz-Möbels (Bild) dürfte der Hersteller<br />

Gubi nun weiter an dieser Legende schnitzen. Wie das<br />

Original von 2021 kommt auch der „MR01 Initial Outdoor<br />

Lounge Chair“ ohne jede Schraube aus. Die Konstruktion<br />

des dänischen Design-Handwerkers Mathias Rasmussen<br />

wird von Schlitz- und Zapfenverbindungen sowie<br />

einer maritimen Seilbespannung zusammengehalten.<br />

Für das Outdoor-Gestell verwendet Gubi witterungsbeständiges<br />

afrikanisches Iroko-Holz aus FSC-zertifizierten<br />

Forstbetrieben. Außerdem wurde das 90 Meter lange<br />

Leinen-Tau, das normalerweise Sitz- und Rückenfläche<br />

bildet, durch ein Polyester-Seil ersetzt, dem Nässe und<br />

UV-Licht nichts anhaben können. Als ebenso zweckdienliche<br />

wie dekorative Ergänzung präsentiert Gubi in<br />

diesem Sommer die Coffee-Table-Kollektion „Carmel“<br />

von OEO Studio in Kopenhagen. Benannt nach dem kalifornischen<br />

Künstlerdorf Carmel-by-the-Sea kombiniert<br />

sie hochglänzende Keramikplatten mit einem pulverbeschichteten<br />

Stahlgestell. Erhältlich in zwei Höhen, drei<br />

Breiten und vier Farben. Und wenn es dämmert, setzen<br />

LED-Leuchten der neuen „Satellite“-Serie – im Bild links<br />

die 128 Zentimeter hohe Standversion – das ganze Ensemble<br />

ins rechte Licht.<br />

gubi.com<br />

12 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


OUTDOOR ! INSPIRATIONEN<br />

PREMIERE GROSSE ENTWÜRFE<br />

JETZT WETTERFEST<br />

Mit Molteni & C zieht es einen weiteren Einrichter<br />

aus der Möbelregion Brianza ins Freie:<br />

Der traditionsreiche Familienbetrieb präsentiert<br />

seine erste Outdoor-Kollektion, und<br />

Kreativdirektor Vincent Van Duysen hat dafür<br />

alle Register gezogen. Er kombiniert Originalentwürfe<br />

von Foster + Partners sowie Ron<br />

Gilad mit wiederentdeckten Archivstücken<br />

von Gio Ponti und Luca Meda – ergänzt um<br />

eigene Stücke wie die Outdoor-Küche „Helios“.<br />

Das Outdoor-Angebot umfasst drei Kollektionen:<br />

„Landmark“,, aus der uns das ikonische<br />

Teaksofa „Palinfrasca“ (Bild) von Luco<br />

Meda am besten gefällt. Dann „Timeout“ mit<br />

schmiedeeisernen Gestellen von Van Duysen<br />

und die Kollektion „Heritage“, die zwei Sitzmöbel<br />

von Gio Ponti aus dem 20. Jahrhundert<br />

wieder aufnimmt.<br />

molteni.it<br />

GRÜNSPAN UND WEITERE<br />

TRENDFARBEN DER SAISON<br />

Der „Manila“-Stuhl von Paola Navone aus dem Jahr 2017<br />

ist zurück. Nur dass er diesmal nicht aus gebogenem<br />

Rattan und Kupferrohr besteht, sondern aus rostfreiem<br />

Stahl, dem Baxter ein interessantes Grünspan-Finish<br />

verliehen hat (Bild rechts). Dieser patinierte Look<br />

findet sich an vielen Stücken der neuen Baxter-Kollektion<br />

wieder – Sofas, hochlehnigen Sesseln und flachen<br />

Lounge-Liegen. Teppiche und Kissen, zum Teil in Camouflage-Optik,<br />

nehmen den Farbton ebenso auf wie<br />

der monumentale Terrazzo-Tisch „Matera“ aus Marmor-Kunstharz-Guss,<br />

ein weiterer Entwurf von Navone.<br />

In der aktuellen Ausführung namens Palladiumgrün<br />

gesellt sich die Farbe zu erdigen Naturtönen – Beige,<br />

Sand und Terrakotta –, die der italienische Hersteller<br />

auch für seine wetterfesten Beistelltische aus Ton und<br />

Zement verwendet. Gestelle aus braunschimmerndem,<br />

säuregeätztem Kupfer sind aber trotzdem wieder dabei,<br />

damit das Freiluft-Mobiliar von ganz allein Patina ansetzen<br />

kann. Der warme Kupferton harmoniert perfekt<br />

mit der dritten Farbpalette des Sommers – einer Variation<br />

von Blau-, Grau- und Violetttönen. Laut Baxter sei<br />

der Charakter dieser Outdoor-Kollektion <strong>2023</strong> irgendwo<br />

„zwischen Himmel und Erde angesiedelt“. Dem ist<br />

nichts hinzuzufügen. Man kann sich damit wegträumen<br />

und trotzdem auf dem Boden bleiben. baxter.it<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

13


OUTDOOR ! INSPIRATIONEN<br />

MADE IN GERMANY UND DAS<br />

GANZ IM EINKLANG MIT DER NATUR<br />

Grillen zirpen, erste Sterne funkeln – und am Tisch im<br />

Garten oder auf der Terrasse genießt man den lauen<br />

Abend mit Familie und Freunden. Es ist etwas Besonderes,<br />

die Natur im eigenen Zuhause hautnah zu erleben.<br />

Seit jeher hat Draenert eine enge Beziehung<br />

zur Natur, denn fast alle der von dem Familienunternehmen<br />

verarbeiteten Materialien sind ganz bewusst<br />

natürlicher Art – allen voran die in Millionen von Jahren<br />

gewachsenen Natursteine, die von der Manufaktur am<br />

Bodensee in Tische verwandelt werden. Dazu gehören<br />

auch die Coffee Table „Manolo“, die es in verschiedenen<br />

Steinsorten gibt – farblich passend zu Ihrem Sofa.<br />

draenert.de<br />

DAS ROCKT: SCHAUKELSTÜHLE,<br />

MAL ANDERS INTERPRETIERT<br />

Sich sanft im Wind wiegen wie Blätter in einer Sommerbrise<br />

– mit diesem Schaukelstuhl kein Problem. Er<br />

gehört zur aktuellen Kollektion des italienischen Outdoor-Spezialisten<br />

Fast und besteht wie alle Modelle der<br />

Stuhlserie „Forest“ aus druckgegossenem und stranggepresstem<br />

Aluminium. Nur die Kufen sind aus wetterfestem<br />

Iroko-Holz – der Optik und Geräuschdämpfung<br />

wegen. Sämtliche Sitzschalen mit ihrem fein verzweigten<br />

„Geäst“, das an einen Wald – eben „Forest“ erinnert,<br />

sind lackiert in mehr als einem Dutzend Farbtönen<br />

erhältlich. Abnehmbare Polsterauflagen in über 60<br />

Farben komplettieren das Sitzvergnügen. Die passenden<br />

Tische hat Fast natürlich auch im Angebot – zum<br />

Dinieren, Kaffeesieren oder einfach nur mit Freunden<br />

Philosophieren.<br />

fastspa.com<br />

14 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


OUTDOOR ! XXXXXX<br />

CAPRI IST JETZT ÜBERALL MIT<br />

DIESEN MÖBELN AUS METALL<br />

Interior-Designerin Stefania Andorlini und ihre Tochter<br />

Maria Francesca Staehle lieben die Ferieninsel Capri.<br />

Der malerische Felsen im Golf von Neapel mit seinen<br />

historischen Villen und einem unverkennbaren 50er-<br />

Jahre-Charme lieferte ihnen die Vorlage für ihre erste<br />

Outdoor-Kollektion. Der „Capri“-Stuhl des Berliner<br />

Duos – auch als flacher Lounge-Sessel (Bild) mit separatem<br />

Fußhocker erhältlich – hat jedoch nichts vom<br />

zuckrigen Hollywoodschaukel-Flair, das Vintage-Gartenmöbeln<br />

aus jener Zeit anhaftet. Er ist ein Musterbeispiel<br />

an Eleganz, Geradlinigkeit und hochwertiger<br />

Verarbeitung. Seine Stäbe aus korrosionsbeständigem,<br />

weiß oder schwarz beschichtetem Stahl sind nicht einfach<br />

nur zusammengeschweißt, sondern passgenau<br />

abgekantet und aneinandergefügt. Dazu gibt es zwei<br />

Tische. Der niedrigere „N’Ice Table“ erfindet den Coffee<br />

Table noch einmal neu – als praktischen Cocktail-Tisch<br />

mit integriertem Eiskübel (Bild). Damit die Zutaten<br />

für einen Sprizz oder den capresischen Zitronenlikör<br />

Limoncello stets die richtige Temperatur haben. Apropos<br />

Limonen: Sitzauflagen in Zitronengelb dürfen bei<br />

diesem Thema natürlich nicht fehlen. Alternativ lassen<br />

sich die Gestelle auch mit opalgrünen, beigefarbenen<br />

oder schwarzen Kissen kombinieren. Capri ist eben<br />

überall.<br />

coolscollection.com<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

15


OUTDOOR ! XXXXXX<br />

1<br />

BEST OF OUTDOOR LICHT<br />

Solar, Glamour & Natürlichkeit: Wie man Garten, Terrasse und Balkon am schönsten zum<br />

Leuchten bringt, zeigen die neuen Outdoor-Leuchten.<br />

1 | Hier will ich sein! An einen Sommer in der Provence erinnert die unprätentiöse Hängeleuchte „Lisette“ von Enamoura.<br />

Unweit des südfranzösischen Insel Porquerolles von Hand gefertigt, hat sie ihr Vorbild in der traditionellen Korbflechterei.<br />

Im Zusammenspiel mit Materialien wie Holz und Naturstein sorgt das Geflecht für einen natürlichen, leicht rustikalen<br />

Look – draußen und auch drinnen. 2 | Ganz schön groß ... Martinelli Luce hat die Outdoor-Kollektion „Cyborg“<br />

von Karim Rashid um eine Variante erweitert, die mit einer Höhe von 1,60 Meter auf sich aufmerksam macht. Die<br />

16 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


OUTDOOR ! INSPIRATIONEN<br />

2<br />

3<br />

4<br />

5<br />

Bodenleuchte ist in zwei Versionen erhältlich: mit diffusem Licht und einem Körper aus Polyethylen (Bild) sowie<br />

mit indirektem Licht und einem Körper aus dem recyceltem Kunststoff. 3 | Alles wird eins: Von einem Rosenstamm<br />

inspiriert, wird die modulare Pollerleuchte des italienischen Outdoor-Leuchtenherstellers Castaldi eins mit dem<br />

Gartengrün. „Rosebud“ kommt in drei verschiedenen Größen und vier Finishes daher und dient auch als Wegelicht.<br />

4 | Netzstruktur Die Bodenleuchte „Illusion“ taucht Terrasse und Balkon in ein warmes Ambiente-Licht. Das<br />

für den Leuchtenkörper verwendete textile Material Cane-line Soft Rope ist strapazierfähig und UV-beständig. Besonders<br />

schön im Zusammenspiel mehrerer Leuchten. 5 | Solares Leuchten Wiederverwendete Teakholzplatten,<br />

schwarzes Aluminium und ein LED-Solarmodul – mehr braucht der belgische Hersteller Vincent Sheppard nicht,<br />

um mit „Maya“ den Außenbereich behaglich zum Leuchten zu bringen. Bezugsquellen im Hauptheft, Seite 144.<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

17


OUTDOOR ! XXXXXX<br />

6<br />

7<br />

8<br />

© Tommaso Sartori<br />

6 | 3D-Print Massimiliano Raggis Entwurf „Barbu“ für Contardi überrascht, denn der italienische Designer kombiniert<br />

eine kreisrunde Form mit Textilbezügen, die outdoor-tauglich sind. Mit 3D-Prints versehen, erhalten die geometrischen<br />

Muster Tiefe und Lebendigkeit. 7 | Eyecatcher Die kabellose Tischleuchte „Petra Portable LED“, die Jordi Veciana für<br />

das katalanische Label Parachilna entworfen hat, gibt es jetzt auch für draußen. Schön: Der Sockel aus Alabaster<br />

leuchtet ebenfalls. 8 | Freie Form Dass die Erfindung der LED die Form vom Leuchtmittel unabhängig gemacht<br />

hat, zeigt die Serie „In Vitro“ von Flos. Der französische Designer Philippe Starck hat Laternen aus Borosilikat-<br />

18 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


OUTDOOR ! INSPIRATIONEN<br />

9<br />

10<br />

glas entworfen, die wie Architekturen en miniature leuchten. 9 | Italianità! Linea Light Group hat mit „Skin“ ein<br />

LED-Lichtsystem herausgebracht, das die Formen von Architektur nachzeichnet und außerdem Wege markieren<br />

kann (links). „Oh!“ ist eine kugelförmige Leuchte aus Polyethylen, die vom selben Hersteller stammt (rechts). Sie<br />

ist widerstandsfähig gegen Staub und Strahlwasser. 10 | Glamour im Garten Matteo Ugolini hat für Karman<br />

den klassischen Kronleuchter neu interpretiert. „Lady D“ ist eine opulente Hängeleuchte mit einem organisch<br />

geformten Glasfaserkörper und funkelnden Kristallen. Bezugsquellen im Hauptheft <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong>, Seite 144.<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

19


OUTDOOR ! XXXXXX<br />

KREATIVE FREIHEIT IST DER ANTRIEB<br />

DIESES <strong>DESIGN</strong>-KOLLEKTIVS<br />

Ein junges Design-Quartett aus Frankreich mit dem Namen<br />

Hall Haus ist uns auf der diesjährigen „Maison et<br />

Objet“ in Paris ins Auge gestochen. Vier junge Kreative,<br />

die es nicht in die große weite Welt hinauszieht, sondern<br />

die danach streben, ihr eigenes Banlieu mit ihren vom<br />

Bauhaus inspirierten Produkten in eine kreative Plattform<br />

zu verwandeln. „Unsere Generation wartet nicht<br />

darauf, dass etwas vom Himmel fällt“, betont Abdoulaye<br />

Niang, der das Label 2020 gemeinsam mit Sammy<br />

Bernoussi, Teddy Sanches und Zakari Boukhari ins Leben<br />

rief. „Aufgrund unseres Werdegangs konnten wir uns<br />

nicht unbedingt vorstellen, als Angestellte in einem Unternehmen<br />

zu arbeiten. Also haben wir uns für diesen<br />

Weg entschieden, um frei zu sein. Schließlich geht es<br />

bei Hall Haus auch darum, Gleichgesinnte und Leute,<br />

die nicht unbedingt Zugang zu Design haben, zu motivieren.“<br />

Etwa mit dem Outdoor-Stuhl „Olympic Palabre“<br />

aus Metall, der in Anlehnung an einen traditionellen<br />

afrikanischen Palaver-Stuhl entstand ein Symbol für die<br />

mündliche Überlieferung.<br />

hall.haus<br />

© Henry Diagne<br />

20 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


OUTDOOR ! INSPRIATIONEN<br />

SPASSFAKTOR NEUER KLASSIKER<br />

MIT EIGENER HANDSCHRIFT<br />

Wer kennt ihn nicht, den kultigen Sitzsack von Fatboy,<br />

der sich als wichtiger Akteur im Bereich der Innen- und<br />

Außenmöbel etabliert hat. Mittlerweile umfasst das Sortiment<br />

jegliche Art von Relax-Möbeln, angefangen vom<br />

Sofa bis hin zur Hängematte, die in Zusammenarbeit<br />

mit Top-Designern wie Street Art Frankey entstehen (Bild<br />

links), einem in Amsterdam ansässigen Visual Artist. „Seit<br />

mehr als zwanzig Jahren verändert Fatboy die Regeln des<br />

Designs, und verpasst alten Lieblingsstücken neuen Twist.<br />

Wir entwickeln neue Klassiker mit eigenem Stil, die jedoch<br />

sofort als Fatboy erkennbar sind: schrullig, originell und<br />

hochwertig“, teilt Gründer Alex Bergmann mit. Im Bild zu<br />

sehen sind: Lounge-Möbel „Paletti Set“ mit Basis aus pulverbeschichtetem<br />

Stahl und Polstern im Farbton „Sahara“.<br />

Dazu liefert Fatboy den passenden, flachen Side Table sowie<br />

Beistelltisch „Brick“. Für ausreichend Schatten sorgt<br />

Parasol „Sunshady“ mit einer Spannweite von drei Metern,<br />

der in vier Farben erhältlich ist. Am Gartentisch „Toni Tavolo“<br />

samt passenden Stühlen und Bank finden bis zu sechs<br />

Personen Platz. Die als Hund getarnte Gartenbank „Attackle!“<br />

in Weiß verkörpert den Humor des niederländischen<br />

Brands: Design mit einem Augenzwinkern. fatboy.com<br />

PREMIERE FORNASETTI WAGT<br />

DEN SPRUNG NACH DRAUSSEN<br />

Mit der Präsentation seiner ersten Outdoor-Kollektion<br />

„The Garden of Possible Natures“<br />

auf der Mailänder Designweek 2022<br />

legte Fornasetti den Grundstein für ein neues<br />

Design-Kapitel. „Der Garten ist einer der Orte,<br />

an dem ich nicht nur Pflanzen und Blumen,<br />

sondern auch Ideen und Kreativität kultivieren<br />

und pflegen möchte“, erzählt der künstlerische<br />

Leiter Barnaba Fornasetti. Neben Polstermöbeln<br />

und Accessoires, die auf der bestehenden<br />

Indoor-Serie „Insoliti Salotti“ basieren, steuerte<br />

das italienische Kulthaus mit Stuhl „Capitellum“<br />

und Tisch „Ara Solis“ zwei komplett neue<br />

Stücke bei. Sie bestehen aus einer leichten<br />

Edelstahlstruktur mit einfachen Linien. Die geschwungenen<br />

Details greifen thematisch die<br />

Antike auf, die sich wie ein roter Faden durch<br />

das Design von Fornasetti zieht. In klassischen<br />

Schwarz- und Weißtönen sowie leuchtendem<br />

Gelb erhältlich.<br />

fornasetti.com<br />

© Fantacuzzi Galati<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

21


OUTDOOR ! XXXXXX<br />

INTERAKTION SPONTANES MÖBEL-<br />

RÜCKEN ERWÜNSCHT<br />

„»Mass« macht sich die Dynamik des Lebens im Freien<br />

zu eigen. Das Konzept entstand aus der Suche nach Flexibilität<br />

für einen 360-Grad-Lebensstil“, berichtet Designer<br />

Todd Bracher, der die modular aufgebaute Serie<br />

für das spanische Familienunternehmen Gandia Blasco<br />

umsetzte. Sprich: Die einzelnen Stücke lassen sich nach<br />

Lust und Laune kombinieren und passen sich schnell<br />

und unkompliziert den aktuellen Gegebenheiten und<br />

Bedürfnissen an. „Meine Entwürfe basieren auf der Idee<br />

der irreduziblen Komplexität: Ein guter Entwurf muss<br />

alle Einzelteile an der richtigen Stelle haben, um zu funktionieren.<br />

Der Rest ist Überschuss.“ gandiablasco.com<br />

ORIENT MEETS OKZIDENT <strong>DESIGN</strong><br />

IM EINKLANG MIT DER NATUR<br />

Wenn es ein Land gibt, das für Minimalismus at its best<br />

steht, dann ist das Japan. Für Designerin Federica Biasi<br />

bildet diese reduzierte Designsprache die Grundlage<br />

ihrer Kollektion „Hashi“, die sie für das italienische<br />

Brand Gervasoni kreierte. „Hashi bedeutet wörtlich<br />

»Essstäbchen« auf Japanisch und geht von einem<br />

System mit einer minimalen und starren Struktur aus<br />

– ebenso wie das asiatische Instrument“, erklärt die<br />

Italienerin, die ihr Designstudio 2015 in Mailand gründete.<br />

Ihre Philosophie basiert auf einem klaren ästhetischen<br />

Ansatz: nichts wird dem Zufall überlassen, jedes<br />

Detail hat ein präzises Ziel, ob es sich nun um ein Produkt<br />

oder eine künstlerische Ausrichtung handelt. Das<br />

Gestell aus afrikanischem Iroko-Holz ist mit dem Jaquard-Outdoor-Funktionsstoff<br />

Accardi bespannt – ein<br />

nachhaltiges, leichtes und undurchlässiges Gewebe,<br />

das von Kunsthandwerkern hergestellt wird und eine<br />

strukturierte Oberfläche erzeugt. gervasoni1882.com<br />

22 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


OUTDOOR ! INSPIRATIONEN<br />

DRAHTIGE AUSSICHTEN STÜCKE MIT<br />

DURCHBLICK UND WEITSICHT<br />

Pünktlich zur diesjährigen „Maison et Objet“ in Paris<br />

debütierte Kartell mit der neue „Hiray“-Kollektion von<br />

Ludovica Serafini und Roberto Palomba. „Das Ergebnis<br />

ist ein essenzielles und funktionalistisches Gebilde aus<br />

Metalldrähten, die Formen mit klar definierter, aber<br />

leichter Struktur bilden“, erklärt das Design-Duo aus<br />

Mailand. Stuhl, Lehnstuhl, Bistrotisch, Sessel, Sofa und<br />

Beistelltisch in vier unterschiedlichen Farben machen<br />

sowohl im urbanen Dschungel als auch im heimischen<br />

Garten eine schlanke Figur.<br />

kartell.com<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

23


OUTDOOR ! XXXXXX<br />

JUWEL VOR POSITANO<br />

Wie ein Paar den Archipel „Li Galli“ als exklusiven<br />

Treffpunkt der Kunst- und Designszene wiederbelebte.<br />

Es gibt Orte, die können nur einem fabelhaften Traum<br />

entsprungen sein. Einer davon heißt Gallo Lungo und ist<br />

die größte von drei Inseln, die zum Archipel Li Galli vor<br />

der Küste von Positano gehören. Ihre natürliche Schönheit<br />

verleiht ihr eine Anziehungskraft, der man sich mit<br />

entsprechendem Kleingeld oder den richtigen Kontakten<br />

genießerisch hingeben kann. Derzeitiger Eigentümer<br />

von Li Galli ist der Unternehmer Giovanni Russo, der<br />

einige der besten Hotels an der Amalfiküste betreibt.<br />

Gemeinsam mit seiner Frau Nicoletta Fiorucci Russo,<br />

einer leidenschaftlichen Sammlerin und Kunstmäzenin,<br />

verwandelte er den Archipel in einen exklusiven Ort, an<br />

dem Natur, Kunst und Design in Eintracht existieren.<br />

Er selbst verstehe sich als Gast der Insel, meint Giovanni<br />

Russo, und habe die Ehre, sich um sie zu kümmern.<br />

Genau wie seine Vorgänger, die begriffen hatten, dass es<br />

diesen besonderen Flecken Erde in seiner Ursprünglichkeit<br />

zu bewahren galt – den felsigen, steil aus dem Mittelmeer<br />

herausragenden Hügel, auf dem sich Seekiefern,<br />

Blumen und Kakteen festkrallen und die schroffe Landschaft<br />

in Farben und Düfte tauchen. Beeindruckend ist<br />

auch die Geschichte der Insel. Das heutige Haupthaus<br />

entstand auf alten römischen Mauerresten. Es wurde in<br />

den 1920er-Jahren erbaut, als der russische Balletttänzer<br />

und Choreograf Leonid Fjodorowitsch Mjasin (Léonide<br />

Massine) die Insel kaufte und dort hinzog. Vorgefun-<br />

24 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


OUTDOOR ! INSPIRATIONEN<br />

Die Liegen, Sessel und Bänke sind Teil der Polykarbonat-<br />

Serie „A’mare“ von Jacopo Foggini für Edra. Francesco<br />

Binfaré entwarf für die Nobelmarke das Sofa „On the<br />

Rocks“, das mit dem Fliesenspiegel tonal korrespondiert.<br />

den hatte er die Überreste eines im Zentrum der Insel<br />

thronenden Sarazenenturms, weitere mittelalterliche<br />

Strukturen, eine Zisterne, einen Bootsanleger und einen<br />

Unterschlupf an einer der kleinen Buchten. 1924 veranlasste<br />

Mjasin eine Reihe von landschaftlichen und architektonischen<br />

Renovierungsarbeiten. Den Wachtturm<br />

machte er zu seinem Wohnsitz, an dem er im ersten<br />

Stock einen großen Ballsaal einrichtete. Denn sein Ziel<br />

war es, ein künstlerisches Zentrum für Musik, Tanz und<br />

Kultur zu schaffen. Für den Entwurf der besagten Villa<br />

wandte er sich an seinen Freund und Architekten Le Corbusier.<br />

Auch ein Freilichttheater ließ Mjasin bauen, das<br />

jedoch durch einen heftigen Sturm zerstört wurde.<br />

Nach seinem Tod ging die Inselgruppe in den Achtzigern<br />

in den Besitz des russischen Balletttänzers Rudolf<br />

Nurejew über, der seine Spuren vor allem in der Villa<br />

hinterließ, die er üppig mit osmanischen Majolika-Fliesen<br />

schmückte. Nachdem 1993 auch er verstarb, blieb Li<br />

Galli kurze Zeit unbewohnt, bis Giovanni Russo sie erst<br />

mit seinem Unternehmen erwarb und später als privater<br />

Eigentümer begann, ihren alten Glanz wiederherzustellen.<br />

Behutsam belebten Giovanni Russo und seine Frau<br />

die Insel. Neben der Villa steht heute ihr privates Haus.<br />

Unweit der Gebäude wurden kleine Meerwasserbecken<br />

geschaffen, neuerdings bestückt mit türkisfarbene Liegen<br />

aus der „A’mare“-Serie von Jacopo Foggini für Edra.<br />

Zur selben Kollektion gehören auch die Lounge-Sessel in<br />

den weißen Säulengängen der Villa sowie die Stühle um<br />

einen großen Esstisch herum. Ebenfalls von Edra stammt<br />

die Sofalandschaft „On the Rocks“ des Designers Francesco<br />

Binfaré. Auf einer der Terrassen wurde vor Kurzem<br />

ein Bronzebrunnen des Designers Michael Anastassiades<br />

installiert. Und in einem der Zimmer findet sich ein Keramik-Totem<br />

von Ettore Sottsass. „Wir lieben es, von Kunst<br />

und Design umgeben zu sein. Wir lieben es, Objekte und<br />

Werke großer Meister mit denen junger Künstler oder<br />

hoher Handwerkskunst zu kombinieren“, so Nicoletta<br />

Fiorucci Russo. Ettore Sottsass, Joe Colombo, Francesco<br />

Binfaré, Massimo Vignelli, Konstantin Grcic, Formafantasma,<br />

… Die Liste ist lang!<br />

|markus hieke<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

25


OUTDOOR ! XXXXXX<br />

MANUTTI DREI <strong>DESIGN</strong>ER, VIELE<br />

FRAGEN UND GUTE STATEMENTS<br />

Robin Hapelt lebt und arbeitet die meiste Zeit in Indonesien.<br />

„Seit meinem ersten Aufenthalt faszinieren mich<br />

Rattan und die Möglichkeiten, die dieses Material bietet,<br />

genauso wie die Handwerkskunst, die mir als Europäer in<br />

dieser Form unbekannt war“, erzählt der Deutsch-Schwei-<br />

zer. Beide Länder prägen ihn: „Urbanes Leben<br />

mit vielen modernen Einflüssen in Deutschland<br />

und Handwerk und Tradition in der Schweiz.“<br />

All das verbindet sich in seiner Kollektion<br />

„Sandua“, für die er einen indonesischen „Papasan“-Stuhl<br />

modernisierte. „Als ich in mein<br />

Haus zog, stand er im Wohnzimmer.“ Seine<br />

Interpretation des indonesischen Klassikers<br />

kommt auf Teakbeinen mit Sitzschale daher. „Ein Lounge-Sessel<br />

mit hoher Rückenlehne, etwas Besonderes.“ Was<br />

ist heute beim Entwerfen die Herausforderung? „Wir haben<br />

begriffen, dass es wichtig ist, alles im Einklang mit der<br />

Natur zu entwickeln. Stichwort »cradle to cradle«, etwa Materialien<br />

zu verwenden, die weder die Ressourcen unserer<br />

Erde ausbeuten, noch ihre Verschmutzung vorantreiben.“<br />

Matthew Townsend gestaltete „Sunrise“ für die belgische<br />

Nobelmarke Manutti. „Das warme Teakholz bringt<br />

Natürlichkeit in jede Umgebung. Mein Ziel war es, eine<br />

große Kollektion zu schaffen, die den Raum prägt, aber<br />

dennoch zart wirkt.“ Ein Ansatz, der Menschen anspricht,<br />

die einen großzügigen Außenbereich einrichten möchten.<br />

Dabei ist die Herangehensweise des Designers anders als<br />

bei Möbelentwürfen für den Indoor-Bereich. „Es sind zwei<br />

unterschiedliche Sphären mit eigenen Anforderungen,<br />

beispielsweise die einfache Pflege der Möbel für den Outdoor-Bereich<br />

zu gewährleisten. Aufgrund der anspruchsvollen<br />

klimatischen Bedingungen – Sonne, Regen, extreme<br />

Temperaturen – müssen Kollektionen wie Sunrise viel<br />

höhere technische Anforderungen erfüllen.“<br />

Die wachsende Zahl an Outdoor-Linien, selbst von traditionellen<br />

Einrichtungsmarken, ist Townsend zufolge auf<br />

eine fortschreitende Verschmelzung der Lebensräume<br />

drinnen und draußen zurückzuführen. Der Designer beobachtet<br />

diese Entwicklung genau und antwortet mit<br />

einer breiten Palette an Oberflächen und Materialien.<br />

26 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


OUTDOOR ! INSPIRATIONEN<br />

Lionel Doyen (oben) diente japanische Kunst als Inspirationsquelle,<br />

als er dieses sehr klassisch anmutende Design-Piece<br />

namens „San“ für die Belgier entwickelte. Manutti<br />

lancierte es erstmals 2017. Stephane De Winter, CEO<br />

der Marke, ließ in diesem Jahr den Entwurf modifizieren<br />

und mit einer optionalen Auflage versehen. Die Funktion<br />

von San als Sonnenliege liegt damit sofort nahe.<br />

Doch die Bank könnte genauso im Innenraum vor einer<br />

Betonwand stehen oder als Coffee Table für Bücher dienen.<br />

In dunklem Teak kommt ihre elegante Komposition<br />

besonders schön zur Geltung. Im Garten wirkt sie<br />

ungewöhnlich sophisticated und spricht Leute an, die<br />

keine Lust auf „typische“ Outdoor-Kreationen haben:<br />

„Als Gewinner des Interior Design Best of Year Awards<br />

in der Kategorie »Furniture – Outdoor Seating« passt<br />

die San-Kollektion in jedes Setting, im Innen- wie im<br />

Außenbereich“, so die Belgier nicht ohne Stolz. De Winter<br />

ist dabei der Garant für diese besondere Spannbreite<br />

hochwertiger Outdoor-Möbel, „die so unverwechselbar<br />

und einzigartig sind wie unsere Kunden. All unsere charakteristischen<br />

Tische, Stühle, Fußhocker, Sonnenliegen<br />

und Sofas spiegeln die Farben der Natur wider und laden<br />

dazu ein, gemeinsam mit Familie und Freunden in luxuriösem<br />

Ambiente den Moment zu genießen.“ manutti.com<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

27


OUTDOOR ! XXXXXX<br />

1<br />

2<br />

BEST OF OUTDOOR TEXTILIEN<br />

Die neuesten Outdoor-Stoffe bringen Wohnzimmer-Feeling nach draußen, schmeicheln<br />

Haut und Auge und haben obendrein jede Menge Geschichten zu erzählen.<br />

1 | „Tuscany Indoor-Outdoor“ Schon der Kollektionsname lässt keinen Zweifel daran, wohin uns das deutsche Textillabel<br />

Jab Anstoetz in diesem Sommer entführen möchte. Sechs Farbwelten in Kombination mit grafischen und<br />

floralen Mustern sorgen für Urlaubsfeeling pur! 2 | Texas meets Mexico Hotelierin und Designerin Liz Lambert vom<br />

Designkollektiv Far West entwarf für das texanische Luxuslabel Perennials eine neue High Performance Stoffserie,<br />

inspiriert von ihren Häusern in Marfa und Baja California. „Serape Stripe“ im Bild besteht aus lebhaften, mehrfarbigen<br />

Streifen und wird in den Farbvarianten „Agua Fresca“, „Palo Verde“ und „Sol“ angeboten. 3 | Stilprägend ist<br />

28 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


OUTDOOR ! INSPIRATIONEN<br />

3<br />

4 5<br />

nicht nur das Mobiliar des italienischen Generationsunternehmens Minotti, sondern auch die aktuelle Textil- und<br />

Lederkollektion für den Innen-und Außenbereich. „Sie ist ein stilistisches Erbe, das den unterschiedlichsten Geschmacksansprüchen<br />

gerecht wird“, sagt Alessio Minotti. 4 + 5 | Splish, splash ... Wenn ein Spezialist für Outdoormöbel<br />

mit gleich zwei der führenden Textilgrößen Europas kooperiert, können Sie sich auf ein Design-Feuerwerk<br />

gefasst machen. So geschehen beim französischen Brand EGO Paris, das sich für ein Make-over der Serien „Hive“ (4)<br />

und „Kama“ (5) das italienische Traditionshaus Rubelli und die Landsleute von Lelièvre ins Boot holte.<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

29


OUTDOOR ! XXXXXX<br />

6<br />

7<br />

6 | Ein Teppich am Pool? Aber unbedingt! Besonders, wenn er den schwungvollen Namen „Hula-Hoop“ trägt und<br />

uns eine Geschichte von unbeschwerten und verspielten Tagen im Freien erzählt. Seit über 40 Jahren definiert<br />

G.T.<strong>DESIGN</strong>-Gründerin und Kreativdirektorin Deanna Comellini ihre Marke stetig neu. Hochwertige Naturmaterialien,<br />

technische Hochleistungsgarne und italienische Handwerkskunst sind die Erfolgsgaranten für die luxuriösen<br />

Produkte. 7 | Family Business Die Teppichserie „Balcones“ des deutsch-kolumbianischen Designunternehmens<br />

30 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


OUTDOOR ! INSPIRATIONEN<br />

8<br />

Ames stammt aus der Feder von Sebastián Jaureguí,<br />

der als zeitgenössischer Künstler sonst eher abstrakte<br />

Porträtbilder fertigt. Für seine Mutter und Ames-Gründerin<br />

Ana María Calderón Kayser machte er aber eine<br />

Ausnahme. 8 | Mailänder Geschichte Klassische Motive<br />

auf neuartige Weise interpretiert sind das Steckenpferd<br />

von C&C Milano. „Die »Iconica«-Kollektion ist<br />

eine Entwicklungsreise. Sie unterstreicht die zeitlose<br />

Eleganz unserer wichtigsten Designs und verdeutlicht<br />

unsere Sensibilität für die Textilien selbst sowie das Experimentieren<br />

mit kostbaren Fasern“, hebt Piero Castellini,<br />

Gründer und Kreativ-Direktor des familiengeführten<br />

Luxusmarke hervor. 9 | PET-Fasern machen‘s möglich: Der ikoniche Teppich der Serie „Silhouette“ von Jaime<br />

Hayon für das spanische Designhaus Nanimarquina ist jetzt auch outdoortauglich. „Unser erster Teppich für den<br />

Außenbereich aus 100 Prozent recyceltem PET. Dieses Material ist sehr widerstandsfähig, bietet gute thermische<br />

Eigenschaften, und wir minimieren damit die Auswirkungen, die die Verbrennung der Plastikflaschen in Indien<br />

verursachen würde“, erklärt Nani Marquina. Alle Kaufinfos im Hauptheft auf Seite 144.<br />

9<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

31


OUTDOOR ! XXXXXX<br />

© Alle Fotos Sergio Chimenti<br />

BERÜHRUNGSPUNKTE<br />

Wie heißt es in Insta-Videos immer so schön? – „She‘s an Icon. She‘s a Legend.<br />

She‘s the Moment.“ Willkommen in Meda, Norditalien, im Garten von Paola Lenti<br />

Alles begann mit einem Faden, aus dem Teppiche entstanden.<br />

Das war 1994 und schon damals zählte vor allem<br />

eines: Qualität. „Wir waren klein, aber wir hatten große<br />

Träume“, erzählt Paola Lenti. Sie gingen in Erfüllung mit<br />

der Expansion in den Outdoor-Bereich. Gartenmöbel vom<br />

Feinsten. Kaum ein anderes Unternehmen gibt so ein<br />

stimmiges Gesamtbild ab. Dabei bleiben Paola und ihre<br />

Schwester Anna Lenti stets im Hintergrund. Die Möbel<br />

sind die Hauptakteure. Interviews? „Ohhhh. Eher ungerne.<br />

Mal sehen.“ Wir haben es geschafft ... Ein paar Worte<br />

zu ihrem wunderschönen Garten rund um die Manufaktur,<br />

in der ihre Kreationen wie überdimensionale Blüten<br />

in einem grünen Dickicht wirken. „Die Szenarien, die die<br />

Natur bietet, sind äußerst vielfältig und eine ständige Inspirationsquelle<br />

für mich und für unsere Kollektionen, die<br />

Farben und Materialien aus der Natur übernehmen. Tatsächlich<br />

hat die Natur bereits an alles gedacht. Man muss<br />

nur wissen, wie man zuhören muss, um den unerschöpflichen<br />

Reichtum an Informationen wahrzunehmen, den<br />

sie uns geben kann“, antwortet die Produzentin auf unsere<br />

Frage, was sie antreibt. „Dieser Garten gefällt mir sehr<br />

gut, weil er den Geist unserer Kollektionen widerspiegelt<br />

und somit ein idealer Rahmen ist.“ Persönliche Favoriten<br />

herauszuziehen, ist eine Herausforderung. Doch für uns<br />

sind es tatsächlich die Sonnenschirme – so elegant, mit<br />

wundervollen Stoffen zur Auswahl, die herkömmliche<br />

Modelle sofort in den Schatten stellen. Es sind die Farben,<br />

dieser Mix aus Tradition und Innovation, beispielsweise<br />

bei den hochmodernen technischen Garnen für unverwüstliche<br />

Bezüge. Und die Liebe zur Natur. „Bei der Suche<br />

nach dem Standort für unseren Flagshipstore in der Via<br />

Bovio in Mailand, den Sie während der Mailänder Designwoche<br />

erstmals sehen werden, war ein großer, blühender<br />

Garten ein wichtiges Auswahlkriterium.“ paolalenti.it<br />

Im Lenti-Labyrinth: Oben „Kabà“-Sofas unter<br />

„Bistrò“-Schirmen. Rechte Seite oben: Um einen<br />

„Altopiano“-Tisch gruppieren sich „Telar“-Stühle,<br />

illuminiert von „Lanterna“. Unten: „Orlando“-Sofas.<br />

32 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


OUTDOOR ! INSPIRATIONEN<br />

© Maurizio Natta<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

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OUTDOOR ! INSPIRATIONEN<br />

ZUM DAHINSCHMELZEN<br />

TEAKMÖBEL FÜR TAGTRÄUMER<br />

Wie lange noch, bis man sich endlich wieder den warmen<br />

Sommerwind um die Nase wehen lassen kann?<br />

Ein Glas hausgemachten Eistee in der einen, die aktuelle<br />

Lieblingslektüre in der anderen Hand. Beim Anblick<br />

dieser beiden Lounge-Sessel, die zur neuen Serie „AH<br />

Outdoor“ von Carl Hansen & SØn gehören, spürt man<br />

sie förmlich schon, die langen heißen Tage. Entworfen<br />

hat die Kollektion aus unbehandeltem Teakholz der im<br />

vergangenen Jahr verstorbene dänische Architekt und<br />

Designer Alfred Homann. Er vereinte darin, was ihm<br />

in gestalterischer Hinsicht stets wichtig gewesen ist:<br />

sachliche Reduktion und Funktionalität, strenge Ästhetik<br />

gepaart mit weichen Formen. Man achte nur auf die<br />

runden Verbindungen zwischen dem Rahmen und jenen<br />

Latten, die Sitzfläche und Rückenlehne bilden. Oder auf<br />

die sanft ausgeformten Armstützen. Diese wenigen Details<br />

prägen die gesamte Kollektion, zu der neben dem<br />

Lounge-Sessel stapelbare Stühle mit oder ohne Armlehnen,<br />

ein etwas breiterer Lounge-Stuhl, ein Lounge-Sofa,<br />

eine Bank, zwei Esstische, ein Lounge-Tisch und eine<br />

Liege mit dazugehöriger Fußbank gehören. Wetterfeste<br />

Kissen komplettieren das Programm. carlhansen.com<br />

STEINFORMATION TRIFFT<br />

OUTDOOR-ESSTISCH<br />

Inspiriert von vorchristlichen Formationen aus riesigen<br />

unbehauenen Steinblöcken, der sogenannten<br />

Megalith-Kultur, präsentiert Ethimo mit „Bold“ eine<br />

Outdoor-Tischserie aus elfenbeinfarbenem Naturstein<br />

und Beton. Monumental und mit ihren Proportionen<br />

durchaus ungewöhnlich, wirkt sie dennoch keineswegs<br />

so massiv wie ihr Vorbild. Denn Ethimo hat ihr weiche<br />

Konturen und eine zart abgeflachte Tischkante verpasst.<br />

Stämmige, sich nach oben hin leicht verjüngende<br />

Beine aus sandgestrahltem Beton tragen eine seidig<br />

geschliffene Steinplatte, die es als abgerundetes Dreieck<br />

oder als rechteckige Variante gibt. Der italienische<br />

Hersteller setzt mit seiner „Bold“-Serie auf einen zeitlosen<br />

Look mit moderner Raffinesse, welcher sowohl in<br />

einem mediterranen Strandhaus als auch im sattgrünen<br />

Garten weit im Landesinneren zu beeindrucken<br />

weiß. Kombinieren lässt sich die Tischserie mit etlichen<br />

Sitzmöbeln: ob aus Holz, Kunststoff oder Stahlrohr, mit<br />

Geflecht oder Polster, monochrom darauf abgestimmt<br />

oder farbig akzentuiert. In praktisch jeder Konstellation<br />

wird das Ensemble zum informellen Blick- und Begegnungspunkt<br />

für gesellige Sommertage – und Abende!<br />

ethimo.com<br />

34 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


EINHEIZEN IM FREIEN GARTENSAUNA<br />

FÜR <strong>SOMMER</strong> UND WINTER<br />

Mit „Cabanon“ bietet der italienische Wellness-Spezialist<br />

Effe seine erste Sauna für Gärten und Terrassen an.<br />

Gestaltet von Rodolfo Dordoni und Michele Angelini,<br />

verweist der Name nicht ganz zufällig auf Le Corbusiers<br />

Sommerhütte an der französischen Riviera: Wie diese<br />

besteht auch die Sauna aus vorgefertigten Teilen, damit<br />

sie sich überall leicht montieren lässt. Ihr eigentliches<br />

Beispiel aber nimmt sie sich (woran sonst?) an der finnischen<br />

Sauna, bekannt als kleines separates Häuschen<br />

inmitten der Natur. Zur Auswahl steht der wellblechumhüllte<br />

Raum in zwei Größen und den drei Farbtönen<br />

Moos, Ziegel und Zement – jeweils mit einer Terrasse, an<br />

der leichte Vorhänge für mehr Intimität sorgen. effe.it<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

35


OUTDOOR ! INSPIRATIONEN<br />

ROYALES <strong>DESIGN</strong> FÜR ALLE, DIE ES<br />

SCHLICHT UND GERADLINIG MÖGEN<br />

Ganz subtil und doch so aussagekräftig: Das ist die<br />

Handschrift von Royal Botania. Das belgische Unternehmen<br />

kann mittlerweile auf fast 30 Jahre Expertise<br />

im Bereich Outdoormöbel zurückblicken. Ein Fakt,<br />

der Vertrauen schafft und Produkte auf den reichlich<br />

bestückten Markt schwemmt, die dennoch herausstechen.<br />

Wie auch die brandneue „Styletto“-Lounge-Gruppe,<br />

bestehend aus unterschiedlichen Sitz- und<br />

Coffee-Table-Elementen, die nach Lust und Laune und<br />

je nach Platz gemixt, gematcht oder umgenutzt werden<br />

können. So wird die Bank für den Kaffee am Morgen<br />

mit wenigen Kniffen zur Sonnenliege am Nachmittag.<br />

Die Rahmen mit den verjüngten, stilettoförmigen<br />

Beinen sind in drei Größen erhältlich. royalbotania.com<br />

36 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


OUTDOOR ! XXXXXX<br />

ALLROUNDER EIN STUHL, DER<br />

ÜBERALL ZUR GELTUNG KOMMT<br />

Ihre Erscheinung ist frisch, leicht und ergonomisch, sie<br />

sind stapelbar und Anwendung findet sie obendrein an<br />

den unterschiedlichsten Plätzen. Die Rede ist von „Doga“,<br />

der Sitzmöbel-Serie von Nardi, die Stühle mit und ohne<br />

Armlehne, einen Lounge-Sessel und ein kompaktes<br />

Tischchen aus glasfaserverstärktem Kunststoff umfasst.<br />

Ihre Volumina sind von der klassischen Fassherstellung<br />

inspiriert. Die Farbpalette basiert auf einer umfangreichen<br />

Studie: „Für entspanntere und romantischere Bereiche<br />

eignet sich elegantes Weiß, Anthrazit und Tabak<br />

für einen Look in Richtung Industrial und Urban Style.<br />

Warmes Cappuccinobraun verschmilzt mit klassischen<br />

Umgebungen und Marsala ist für diejenigen, die einen<br />

Touch origineller Exzentrik bevorzugen“, erklärt Nardis<br />

Haus-Designer Raffaello Galiotto. Selbstverständlich<br />

dürfen grüne Nuancen wie Minze, Birne und Agave für<br />

natürlicher gehaltene Umgebungen nicht fehlen. Dass<br />

die Produkte in vollem Umfang recycelbar und zu 100<br />

Prozent Made in Italy sind, spricht für den Zeitgeist von<br />

Nardi.<br />

nardioutdoor.com<br />

GELUNGENE ADAPTION KLASSI-<br />

SCHES <strong>DESIGN</strong> NEU ERFUNDEN<br />

Für Designerin Birgit Hoffmann gestaltet sich ein perfekter<br />

Sommerabend mit der Kollektion „Leyasol“ für<br />

Freifrau wie folgt: „Ich stelle mir eine Situation auf einer<br />

Terrasse am Wasser vor. Der Grill duftet und wir genießen<br />

mit Freunden und Familie einen lauen Abend. Nach<br />

dem Essen wechseln wir auf Schaukel, Wingback Chair<br />

und Sofa, um dort mit einem Glas Wein in der Hand den<br />

Sonnenuntergang zu genießen.“ Die gemeinsam mit ih-<br />

rem Kollegen Christoph Kahleyss entstandene Neuinterpretation<br />

des bereits seit mehr als zehn Jahren bestehenden<br />

Indoor-Programms besticht durch ihre luftige<br />

Schalenform. Kahleyss: „Wir hatten uns zunächst an der<br />

Idee aufgehängt, das Design beizubehalten und es lediglich<br />

outdoortauglich zu machen. Das war aber technisch<br />

nicht möglich, weil sich in der gepolsterten Sitzschale<br />

Wasser und Schmutz gesammelt hätten. Also haben wir<br />

die Schale als einen Drahtkorb gestaltet, mit einem lose<br />

eingelegten Polster.“<br />

freifrau.com<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

37


OUTDOOR ! XXXXXX<br />

KULTUR-CLASH ÄSTHETIK UND<br />

HANDWERKSKUNST IM FOKUS<br />

„In diesem Design vereinen sich die Kraft und Schönheit Afrikas“, so Roberto<br />

Palomba, der gemeinsam mit seiner Partnerin Ludovica Serafini und<br />

ihrem Designstudio Palomba Serafini Associati zu den Urgesteinen der<br />

internationalen Designszene zählt. Für Talenti und ihren Entwurf „Karen“<br />

tauchten sie tief in die Geschichte „Out of Africa“ der dänischen Schriftstellerin<br />

Karen Blixen (1885-1962) ein. „Es handelt sich nicht um ein ethnisches<br />

Objekt, sondern um den Ausdruck des Handwerks und der Ästhetik, den<br />

wir in diesem Projekt hervorheben wollten, eine persönliche und poetische<br />

Interpretation Afrikas, ein Mix zahlreicher Inspirationen“, ergänzt Serafini.<br />

Auffallendstes Merkmal von Sofa, Sessel und Stühlen ist die geschwungene<br />

Armlehne, die an einen Thron erinnert. Die Kollektion wird durch einen<br />

Coffee Table und einen Esstisch komplettiert.<br />

talentispa.com<br />

38 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


OUTDOOR ! INSPIRATIONEN<br />

PLATZWECHSEL GUTE ARCHITEKTUR<br />

BEZIEHT DEN AUSSENRAUM EIN<br />

„So anpassungsfähig wie der Mensch selbst ist sein<br />

Wohnstil geworden. Räume sind variabel, Wände öffnen<br />

sich, das Drinnen wird zum Draußen, das Draußen<br />

wird zum Wohnraum“, lautet die Erkenntnis beim österreichischen<br />

Möbelbrand Wittmann. Chefdesigner<br />

Luca Nichetto fackelt nicht lange und verpasst dem<br />

Sessel „Paradise Bird“ ein wetterfestes Make-over. „Wir<br />

haben die Metallstruktur gegen ein hochwertiges und<br />

belastbares Geflecht getauscht. Die Polster bleiben<br />

gewohnt komfortabel, wodurch »Paradise Bird« ganzjährig<br />

zum ästhetischen wie entspannten Platz an der<br />

Sonne wird“, so Nichetto.<br />

wittmann.at<br />

MINIMALIST KLEINE GESTEN,<br />

GROSSES GLÜCK<br />

Man muss das Rad nicht immer neu erfinden,<br />

sondern kann sich auf Formen und Materialien<br />

konzentrieren, die funktionieren.<br />

Die Tisch-Serie „Gamma“ aus dem Hause<br />

Roda liefert jedenfalls überzeugende Argumente<br />

dafür. Einfach, klar und elegant, auf<br />

das Essenziellste reduziert: vier schlanke<br />

Beine aus Stahl, die durch eine Kreuzstruktur<br />

miteinander verbunden sind und eine runde<br />

Tischplatte tragen, die wahlweise in weißem<br />

Carrara-Marmor, Farsena- oder Luna Stein,<br />

grauem Steingut oder aus Teakholzlamellen<br />

gefertigt ist. Punkt. „Mit der neuen Kollektion<br />

wollen wir an die Freude und das Wohlbefinden<br />

erinnern, die aus der Beziehung<br />

zwischen Menschen, Lebensräumen und<br />

der Natur entstehen können“, heißt es von<br />

Unternehmensseite. „Outdoor Happiness“<br />

ist dabei nicht nur eine Floskel, sondern ein<br />

Versprechen.<br />

rodaonline.com<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

39


OUTDOOR ! INSPIRATIONEN<br />

SCHATTENSPENDER EIN STÜCK<br />

ASIATISCHE GESCHICHTE<br />

Fernöstliches Design, gepaart mit modernster<br />

Technik und Funktionalität, vereint Tuuci in seinem<br />

Parasol „Ocean Master M1 Pagoda“. „Mit<br />

seiner markant zulaufenden Spitze und sechseckigen<br />

Form ist dieser Sonnenschirm ein Hingucker<br />

der besonderen Art und fester Bestandteil des<br />

hochwertigen Produktsortiments“, bringt es Chefdesigner<br />

Dougan Clarke auf den Punkt, der das<br />

Unternehmen 1997 in einer Bootswerft im Süden<br />

Floridas gründete. „Die Besonderheit unserer Produkte<br />

liegt in ihrer einzigartigen funktionalen, bis<br />

ins kleinste Detail individualisierbaren und gleichzeitig<br />

ästhetischen Form.“<br />

tuuci.com<br />

40 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


BODENSTÄNDIGE HALTUNG MIT<br />

ZUKUNFTSWEISENDEM KNOW-HOW<br />

Nach all den Neuheiten, Adaptionen und Make-overs<br />

in Sachen Outdoor-Möbel widmen wir uns hier einem<br />

Thema, das in puncto Außengestaltung ebenfalls zur<br />

Wohlfühlatmosphäre beitragen kann: dem Bodenbelag.<br />

Die Experten von Florim bieten eine umfangreiche<br />

Produktpalette, die Design, Nachhaltigkeit und erstklassige<br />

Qualität vereint. Durch den Mix unterschiedli-<br />

cher, natürlicher Materialien, so wie bei „Onyx & More“,<br />

entstehen spannende Oberflächen, die ein harmonisches<br />

Gleichgewicht zwischen Eleganz und Kreativität<br />

bilden. „Die Kollektion besteht zu über 90 Prozent aus<br />

natürlichen Rohstoffen und fast zur Hälfte aus recycelten<br />

Materialien. Unser Produktionsprozess ist zu 100<br />

Prozent nachhaltig, sowohl in Bezug auf den Wasserverbrauch<br />

als auch auf den selbst erzeugten Strom“,<br />

erklärt das italienische Unternehmen. florim.com<br />

BRUTZLER DE LUXE DIE NÄCHSTE<br />

GARTENPARTY KANN STEIGEN<br />

Nicht nur Sofa und Essgruppe werden von drinnen<br />

nach draußen verlegt. Beim spanischen Outdoor-Spezialisten<br />

Kettal zieht auch die Kochstelle mit, die nicht<br />

minder funktionsfähig und ästhetisch daherkommt als<br />

das Pendant in der Wohnung. Neben den grundlegenden<br />

Küchenfunktionen verfügt die „Base Kitchen“ über<br />

einen Gasgrill mit mehreren Brennern samt Halterung<br />

für einen Wok. Der modulare Aufbau bietet dabei eine<br />

Vielzahl an möglichen Lösungen. Als Oberfläche stehen<br />

zwei Feinsteinzeugsorten zur Wahl, die dank ihrer glatten<br />

Oberflächen gut zu reinigen sind. Optional auch<br />

mit Bar erhältlich.<br />

kettal.com<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

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OUTDOOR ! INSPIRATIONEN<br />

ENDLESS SUMMER DIESEN SESSELN SIND<br />

WIR SOFORT INS NETZ GEGANGEN<br />

Die Sitz-Skulpturen „Dragnet“ (oben) aus Polycotton, Stahl und<br />

Edelstahl sind ein wirklicher Blickfang, und wie die Fiberglastische<br />

„Bouquet“ (unten) ein Entwurf von Kenneth Cobonpue (rechts). Die<br />

Objekte des Designers und Produzenten für sein gleichnamiges<br />

Label gehören zu den schillerndsten Kreationen der Outdoor-Welt.<br />

Begonnen hatte der preisgekrönte Industriedesigner von den Philippinen<br />

mit einem Studium am Pratt Institute in New York. Er absolvierte<br />

darüber hinaus eine Lehre in einer Leder- und Holzwerkstatt<br />

in der Nähe von Florenz. Anschließend studierte Cobonpue<br />

an der Export-Akademie Baden Württemberg in Reutlingen und<br />

arbeitete in Bielefeld und München. Diese multikulturelle Prägung<br />

zeichnet seine Kreationen aus. Moderne Gestaltung trifft auf traditionelle<br />

Fertigungstechniken und hat mal eben die Grenzen des<br />

Designs auf den Philippinen verschoben. Seine Vision von Modernität<br />

begeistert ein globales Publikum. kennethcobonpue.com<br />

42 WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong>


OUTDOOR ! XXXXXX<br />

ACHTEN SIE AUF DIE DETAILS SIE MACHEN<br />

AM ENDE DEN FEINEN UNTERSCHIED<br />

Partnerschaften gehören in dieser Saison zum guten Ton der<br />

Outdoor-Society. Für die Neuauflage des „Tucroma 316“, einer<br />

Stuhl-Ikone, fanden sich die amerikanische Marke Sutherland Furniture<br />

und das italienische Familienunternehmen 4Mariani zusammen.<br />

Das von dem Architekten Guido Faleschini Anfang der<br />

70er-Jahre entworfene Sitzmöbel ist auch noch ein halbes Jahrhundert<br />

später ein überraschend modernes Produkt. Die schlichte<br />

und essenzielle Linearität der verchromten Stahlrohrstruktur,<br />

die gekonnte Verarbeitung von Leder und Sattelleder und der<br />

exquisite Vintage-Stil haben den Tucroma-Stuhl zu einer Inkunabel<br />

italienischen Designs gemacht, zu einem wahren Objekt der<br />

Begierde für Sammler und Liebhaber.“ sutherlandfurniture.com<br />

WD <strong>SOMMER</strong> <strong>EDITION</strong> <strong>2023</strong><br />

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