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Die Malteser Zeitung 1/2023

Berichterstattung über nationale und internationale Tätigkeiten des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens und seiner Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

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<strong>Die</strong><br />

MALTESER<br />

Der Souveräne <strong>Malteser</strong>-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich<br />

Ausgabe 1/<strong>2023</strong><br />

Generalkapitel<br />

Ein Jahr Krieg in der Ukraine<br />

Erdbeben Türkei und Syrien


INHALT<br />

04<br />

13<br />

IMFOKUS<br />

04 „Außerordentliches Generalkapitel“<br />

RELIGIONAKTUELL<br />

08 Der erste Kulturschock<br />

12 Den Glauben standhaft bezeugen<br />

22<br />

23<br />

PERSÖNLICHKEITEN<br />

13 In memoriam Papst Benedikt XVI.<br />

KULTURGUT<br />

18 Kardinal Kollonitz und das Heilige Grab<br />

in Unterlaa<br />

28<br />

46<br />

LEBENSWERT<br />

20 Naturschutz – eine Christenpflicht?<br />

22 Ohne Barrierefreiheit keine Nachhaltigkeit<br />

RUNDSCHAU<br />

23 Hilde Umdasch: Eine großzügige Gönnerin<br />

24 30 Jahre Nachbar in Not<br />

27 Stärkender Perspektivenwechsel<br />

59 62<br />

MALTESERÖSTERREICH<br />

28 Berichte aus den Bereichen:<br />

Vielfältige Initiativen und <strong>Die</strong>nste<br />

2<br />

<strong>Die</strong><br />

Generalkapitel<br />

MALTESER<br />

Der Souveräne <strong>Malteser</strong>-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich<br />

Ein Jahr Krieg in der Ukraine<br />

Erdbeben Türkei und Syrien<br />

Ausgabe 1/<strong>2023</strong><br />

<strong>Malteser</strong>_1_<strong>2023</strong>_aktue l_.in d 1 02.03.<strong>2023</strong> 19:54:12<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong><br />

MALTESERWELTWEIT<br />

59 Erdbeben in der Türkei und Syrien<br />

60 <strong>Malteser</strong> unterstützen den Aufbau des<br />

Rettungswesens in Ostafrika<br />

62 Ausweitung der Hilfe in Kenia und Äthiopien<br />

63 Hilfe für Kriegsverletzte<br />

64 Ukraine: Ein Jahr nach Kriegsbeginn<br />

TAGEBUCH<br />

66 Auszeichnungen<br />

NEKROLOG<br />

67 Wir trauern um<br />

Sie können die <strong>Zeitung</strong> auch online lesen<br />

www.malteserorden.at/presse/malteserzeitung/<br />

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EDITORIAL<br />

Liebe Leserinnen, liebe Leser!<br />

Auf dem Generalkapitel in Ariccia, am Albaner See bei Rom,<br />

wurden Ende Jänner wichtige Entscheidungen für die Implementierung<br />

der Verfassungsreform gefällt. <strong>Die</strong>se sieht ja einerseits die<br />

Stärkung des Charakters des <strong>Malteser</strong>ordens als ein Orden<br />

im Sinne des Kirchenrechts, andererseits die Wahrung der<br />

einzigartigen Stellung als Völkerrechtssubjekt sui generis vor.<br />

Mit großer Zustimmung der Kapitulare wurde der Souveräne Rat<br />

für die nächsten sechs Jahre gewählt. Waren die letzten Jahre<br />

teilweise eher von „muss ich auch wandern in finsterer Schlucht“<br />

geprägt, haben wir nun das Stadium „Dein Stock und Dein Stab<br />

geben mir Zuversicht“ (Ps 23, 4) erreicht.<br />

Hoffnung und Zuversicht, dass brauchen alle Menschen, besonders<br />

aber jene, die von Krieg und Katastrophen heimgesucht werden.<br />

Seit einem Jahr erlebt die Bevölkerung der Ukraine einen wahren<br />

Albtraum. Innerhalb von 110 Jahren wird dieses Land das dritte<br />

Mal von einem Krieg heimgesucht, dazu kommt noch die von<br />

Menschen mutwillig verursachte Hungersnot vor 90 Jahren.<br />

Wer konnte, ist vor dem Krieg geflohen und ist nun mit ungewisser<br />

Zukunft auf fremde Hilfe in einem fremden Land angewiesen. Viele<br />

konnten aber nicht weg oder wollten ihre Heimat nicht verlassen.<br />

Ist uns eigentlich bewusst, in welcher privilegierten Situation wir<br />

leben dürfen? Der Krieg ist von Wien nur so weit entfernt wie<br />

Bregenz. Wie oft beklagen wir uns über Regelungen aus „Brüssel“<br />

und übersehen dabei, dass die Europäische Union ein Friedens-<br />

projekt ist, das die Völker Europas nach zwei grauenvollen<br />

Kriegen im letzten Jahrhundert zusammenführen soll.<br />

<strong>Die</strong> Menschen in der Ukraine müssen genauso wie die vom<br />

verheerenden Erdbeben im syrisch-türkischen Grenzgebiet<br />

Betroffenen immenses Elend, Leid und Zerstörung ertragen.<br />

Sie müssen ausharren, im Bombenhagel, in ständiger Gefahr,<br />

ohne Dach über dem Kopf, ohne Wasser, ohne Strom, ohne<br />

Heizung, trotz Hunger und Kälte. Sie sind auf Hilfe angewiesen,<br />

und wir alle sind aufgerufen zu helfen!<br />

Dank Ihnen können wir dies tun. Wir sorgen einerseits durch<br />

die Mitarbeiter unserer ukrainischen <strong>Malteser</strong> Hilfsorganisation<br />

und andererseits durch „<strong>Malteser</strong> International“ an Ort und<br />

Stelle dafür, dass Ihre großzügige Spende, Ihre Hilfe, ankommt,<br />

dort wo Not ist. Wir <strong>Malteser</strong> können zwar nur die körperlichen<br />

und seelischen Wunden behandeln, sei es bei den Menschen,<br />

die zu uns geflohen sind, sei es bei denen, die im Land selbst<br />

durchhalten, aber dank Ihnen können wir Hoffnung und<br />

Zuversicht schenken.<br />

Fra’ Gottfried Kühnelt-Leddihn<br />

IMPRESSUM<br />

Medieninhaber: Souveräner <strong>Malteser</strong>-Ritter-Orden (<strong>Malteser</strong>orden),<br />

Großpriorat von Österreich, 1010 Wien, Johannesgasse 2<br />

T: +43 1 512 72 44, E: presse@malteser.at<br />

Chefredaktion: Katharina Stögner, Gerald Gugerel<br />

Text und Lektorat: Edith Holzer Communications, Christian Taufer<br />

Autoren: Bernhard Bachna, Wolfgang J. Bandion, Elena Becker,<br />

Gerhard Ernst, Anton F. Gatnar, Roland Hansen, Altabt Gregor<br />

Henckel-Donnersmarck, Hans Andreas Jordis, Thomas Kissich,<br />

Katrin König, Fra’ Gottfried Kühnelt-Leddihn, Olivier Loudon,<br />

Victoria Przybilla, Georg Reichlin-Meldegg, Gabrielle Scarimbolo,<br />

Verena Scharka, Lisa Schönmeier, Isabel Steeb, Richard Steeb, Peter<br />

Stellnberger, Udo Thianich-Schwamberger, Gabriel N. Toggenburg,<br />

Manuel Weinberger, Susanne Wick<br />

Bildrechte: Michaela Friedrich, HIHFAD – Hand in Hand for Aid and<br />

Development, IDA – Independent Doctors Association, Nyokabi Kahura/<br />

<strong>Malteser</strong> International, Klangei/Eicher Music, KH der Elisabethinen<br />

Graz, Christian Lendl, <strong>Malteser</strong> Austria, <strong>Malteser</strong> Care, <strong>Malteser</strong> Care/<br />

Steinberger, <strong>Malteser</strong> International, <strong>Malteser</strong> Kinderhilfe, <strong>Malteser</strong><br />

Ordenshaus, Simu Radu Matei/<strong>Malteser</strong> Romania, <strong>Malteser</strong> Ukraine,<br />

Order of Malta, Ottobock, PACIDA/<strong>Malteser</strong> International, Georg<br />

Reichlin-Meldegg, Shutterstock/s_oleg, Isabel Steeb, Stift Heiligenkreuz,<br />

Udo Thianich-Schwamberger, Gabriel N. Toggenburg<br />

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige<br />

Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet.<br />

Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für<br />

beiderlei Geschlecht.<br />

Gestaltung: Karin Mayer-Fischer, werbeproduktion.at<br />

Druck: Druckerei Robitschek, Schlossgasse 10–12, 1050 Wien<br />

Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz: Berichterstattung über<br />

nationale und internationale Tätigkeiten des SMRO und seiner Werke<br />

sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art. Namentlich<br />

gekennzeichnete Beiträge müssen nicht der Meinung der Redaktion<br />

entsprechen.<br />

Redaktionsschluss: März <strong>2023</strong><br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 3


IMFOKUS<br />

AUSSERORDENTLICHES<br />

GENERALKAPITEL<br />

Beim Außerordentlichen Generalkapitel in Ariccia bei Rom wurde eine neue Ordensregierung gewählt.<br />

Das Generalkapitel ist die oberste Ordensversammlung<br />

und besteht aus den Vertretern der verschiedenen<br />

Ordensstände der Gliederungen. Es tritt zusammen,<br />

um das Charisma des Ordens zu bewahren, sich über<br />

die wichtigsten Probleme des Ordens insbesondere betreffend<br />

seiner geistlichen und materiellen Lage, seiner<br />

Werke und seiner internationalen Beziehungen zu<br />

informieren und um eine Neuwahl der Mitglieder des<br />

Souveränen Rates und der Rechnungskammer durchzuführen.<br />

Am 3. September 2022 hat der Heilige Vater unserem<br />

Orden per Dekret eine neue Verfassung und einen<br />

neuen Codex gegeben. Gleichzeitig hat er die Aufhebung<br />

der hohen Ämter bestimmt, den bestehenden<br />

Souveränen Rat aufgelöst, einen erweiterten, provisorischen<br />

Souveränen Rat eingesetzt und für den<br />

25. Jänner <strong>2023</strong> ein Außerordentliches Generalkapitel<br />

einberufen.<br />

Von Richard Steeb<br />

Das Kapitel der Professen<br />

Dem Außerordentlichen Generalkapitel selbst ging, wie<br />

in der Verfassung vorgesehen, vom 19. bis zum 21. Jänner<br />

<strong>2023</strong> das Kapitel der Professen voraus.<br />

<strong>Die</strong>se Zusammenkunft aller Professritter und Professkapläne<br />

des Ordens erstellte für die Teilnehmer am Außerordentlichen<br />

Generalkapitel verbindliche Dreiervorschläge<br />

(Ternae) für die Wahl der vier Hohen Räte (Großkomtur,<br />

Großkanzler, Großhospitalier und Rezeptor des gemeinsamen<br />

Schatzes) in die Ordensregierung (den Souveränen<br />

Rat) und bestimmte jene fünf Professen, die als Ratsmitglieder<br />

dem Rat der Professen angehören.<br />

Der Rat der Professen unterstützt den Großmeister<br />

bzw. Großmeister-Statthalter bei der geistlichen Betreuung<br />

des Ordens und bei der Leitung der Mitglieder<br />

des Ersten und Zweiten Standes. <strong>Die</strong> Gewählten sind<br />

gleichzeitig auch Mitglieder im Souveränen Rat.<br />

4<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


IMFOKUS<br />

Vorbereitung in Gebet und Stille<br />

Als integrierter Bestandteil des Generalkapitels, für<br />

dessen Vorbereitungen und als Tage der geistlichen Reflexion,<br />

fanden für alle Teilnehmer dreitägige Schweigeexerzitien<br />

statt. Exerzitien (von lateinisch exercere<br />

‚üben‘) sind geistliche Übungen, die abseits des alltäglichen<br />

Lebens zu einer intensiven Besinnung und Begegnung<br />

mit Gott führen sollen. Wesentliche Elemente<br />

sind dabei durchgehendes Schweigen, mehrere feste<br />

Gebetszeiten am Tag und die Teilnahme an der Eucharistiefeier.<br />

Sie helfen zur Ruhe zu kommen, mit Gottes<br />

Hilfe das Wesentliche zu erkennen und bewusster die<br />

richtigen Entscheidungen zu treffen.<br />

Für dieses Außerordentliche Generalkapitel waren eigene<br />

Regeln erlassen worden, sodass alle Professritter<br />

und alle Professkapläne des Ordens teilnahmeberechtigt<br />

waren und Sitz und Stimme hatten. Das Außerordentliche<br />

Generalkapitel begann am Morgen des<br />

25. Jänner mit einer Hl. Messe. Den Vorsitz führten<br />

gemeinsam S. Exz. der Statthalter des Großmeisters<br />

Fra’ John T. Dunlap und der Sonderdelegierte des Heiligen<br />

Vaters, S. Emz. Kardinal Silvano Maria Tomasi. Insgesamt<br />

waren 111 Kapitulare aus allen Gliederungen<br />

des Ordens, darunter zehn Damen, anwesend.<br />

Das Großpriorat von Österreich war durch den Fürstgroßprior<br />

Fra’ Gottfried Kühnelt-Leddihn, Professritter<br />

Fra’ Duncan Gallie und Professkaplan Fra’ Leon Sireisky<br />

vertreten. Auf besondere Einladung nahm auch Ihre Exzellenz<br />

die außerordentliche und bevollmächtigte Botschafterin<br />

und ständige Beobachterin des Ordens bei<br />

den Vereinten Nationen und internationalen Organisationen<br />

in Genf, Marie-Thérèse Pictet-Althann, teil.<br />

Lob und Anerkennung vom Heiligen Vater<br />

Zu Beginn wurde eine Botschaft Seiner Heiligkeit Papst<br />

Franziskus verlesen, in der dieser seine Verbundenheit<br />

mit dem <strong>Malteser</strong>orden zum Ausdruck brachte: „<strong>Die</strong><br />

weltliche, egoistische und konsumorientierte Mentalität<br />

von heute ist eine Herausforderung, der Sie sich mit Ihrem<br />

vorbildlichen Leben und Ihren Werken der Barmherzigkeit<br />

stellen müssen … Sie tun es zum Beispiel, indem Sie sich um<br />

Kranke kümmern und Häftlinge besuchen. Ich weiß, dass<br />

Sie und Ihre Freiwilligen sich in vielen Teilen der Welt dieser<br />

Arbeit verschrieben haben. Ihr begleitet auch diejenigen,<br />

die sich dem so zarten Moment des Todes nähern, beim<br />

Übergang von dieser Erde zum ewigen Leben“.<br />

Der Heilige Vater verwies weiters darauf, dass die Ordensmitglieder<br />

Vorbilder für das Engagement zuguns-<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 5


IMFOKUS<br />

ten der Herren Kranken für die anderen Ordensmitglieder<br />

und die Ehrenamtlichen in den Werken sein sollen.<br />

Er ermutigte die Mitglieder aller drei Stände, zur Vertiefung<br />

ihrer Spiritualität in Wort und Tat. Zum Schluss<br />

dankte der Heilige Vater dem Orden „weil ihr euch den<br />

bedürftigsten Brüdern und Schwestern zur Verfügung<br />

stellt und euch an die existenziellen Ränder drängt, wo ihr<br />

Christus begegnen und ihm dienen könnt“.<br />

Berichte, Erörterungen und Wahlen<br />

Nach Feststellung der Beschlussfähigkeit wurde ein<br />

Moderator, sein Stellvertreter und ein Versammlungssekretär,<br />

dessen Stellvertreter und Helfer für die Stimmenauszählung<br />

ernannt. Hiernach verlas der Sonderdelegierte<br />

des Heiligen Vaters seinen Bericht. Ihm<br />

folgten die Berichte des Großmeister-Statthalters über<br />

die allgemeine Lage des Ordens und jene der vier Hohen<br />

Räte sowie des Ordensprälaten.<br />

Nach Bemerkungen und Fragen dazu wurden die wichtigsten<br />

Themen für die kommende Amtsperiode der<br />

neuen Ordensregierung besprochen. Hierbei ging es<br />

besonders um die Stärkung der Position des Ersten<br />

Standes. Weiters wurde erörtert, wie man das hohe<br />

Durchschnittsalter der Mitglieder des Ersten und<br />

Zweiten Standes senken könne sowie über das für<br />

die spirituelle Ausbildung und Schulung aller Stände<br />

geplante Formation Center in Rom beratschlagt. Festgehalten<br />

wurde, dass Kandidaten für den Orden tunlichst<br />

mehrere Jahre in den Werken ehrenamtlich<br />

<strong>Die</strong>nst an den Herren Kranken geleistet haben sollen.<br />

Um aktive, junge <strong>Malteser</strong> in den Orden zu bringen,<br />

wurde die Ordensregierung durch das Generalkapitel ermächtigt,<br />

Erleichterungen bei der Passage einzuführen.<br />

An den darauffolgenden Tagen wurden der Großkomtur,<br />

der Großkanzler, der Großhospitalier und der<br />

Rezeptor des gemeinsamen Schatzes (Commun Tresoro),<br />

die weiteren vier Ratsmitglieder des Souveränen Rates<br />

und die sieben Mitglieder der Rechnungskammer für<br />

die nächsten sechs Jahre gewählt.<br />

<strong>Die</strong> neue Ordensregierung setzt sich aus<br />

folgenden Personen zusammen:<br />

S. Exz. Großkomtur Fra’ Emmanuel Rousseau<br />

(Frankreich)<br />

S. Exz. Großkanzler Don Riccardo Paternò, Conte di<br />

Montecupo (Italien)<br />

S. Exz. Großhospitalier Fra’ Alessandro de Franciscis<br />

(Italien)<br />

S. Exz. Großrezeptor Don Fabrizio Colonna di<br />

Paliano (Italien)<br />

6<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


WER XXXX IST<br />

DER MANN<br />

AUF DEM TUCH?<br />

EINE SPURENSUCHE<br />

S. Exz. Fra’ João Augusto Esquivel Freire de Andrade<br />

(Portugal)<br />

S. Exz. Fra’ John Eidinow (England)<br />

S. Exz. Fra’ Mathieu Dupont (Kanada)<br />

S. Exz. Fra’ Roberto Viazzo (Italien)<br />

S. Exz. Fra’ Richard J. Wolff (USA)<br />

S. Exz. Generalmajor i. R. Josef Blotz (Deutschland)<br />

S. Exz. Michael Kirk Grace (USA)<br />

S. Exz. Francis Joseph McCarthy (USA)<br />

S. Exz. Clemente Riva Sanseverino (Italien)<br />

Mit frischer Kraft und Gottes Segen in die Zukunft<br />

Seinen Abschluss fand das in ruhiger und besonders<br />

freundschaftlicher Atmosphäre abgelaufene Außerordentliche<br />

Generalkapitel am 29. Jänner mit einer<br />

Hl. Messe und anerkennenden Dankesworten.<br />

„Mit der neuen Ordensregierung wurde Seiner Exzellenz<br />

dem Großmeister-Statthalter ein gutes Team für<br />

eine gedeihliche Arbeit zur Seite gestellt. Wir wünschen<br />

den neubestellten Funktionären in der Ordensregierung<br />

und der Rechnungskammer für ihre wichtigen<br />

Aufgaben viel Kraft und Gottes Segen. Unser aller<br />

Augenmerk gilt nun der Zukunft und dem <strong>Die</strong>nst am<br />

Nächsten“, so der Fürstgroßprior Fra’ Gottfried Kühnelt-<br />

Leddihn.<br />

Ausstellung zum Turiner Grabtuch<br />

28. April bis 14. Juni <strong>2023</strong><br />

Krypta des Karmelitenkonvent Linz,<br />

4020 Linz, Landstraße 33<br />

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 7<br />

www.turinergrabtuch.at


RELIGIONAKTUELL<br />

DER ERSTE KULTURSCHOCK<br />

P. DI Mag. Rudolf Schaffgotsch CO wurde kürzlich nicht nur Seelsorger im Franziskus Spital in der Wiener Landstraßer<br />

Hauptstraße, sondern auch Seelenhirte im benachbarten Ordenshaus der MALTESER an der gleichen Adresse. Aus diesem<br />

Anlass führte Georg Reichlin-Meldegg mit P. Rudolf ein Gespräch.<br />

Von Georg Reichlin-Meldegg<br />

<strong>Malteser</strong>: Was sind Deine ersten Eindrücke vom<br />

Ordenshaus, was bedeutet Dir die Mitgliedschaft im<br />

<strong>Malteser</strong> Hospitaldienst (MHDA) als Mensch und Priester<br />

persönlich und welche Ämter hast Du derzeit inne?<br />

P. Rudolf Schaffgotsch: Ich bin Bereichsseelsorger in<br />

Wien. Mein „Hauptberuf“ ist „zu drei Viertel“ Seelsorge<br />

im Franziskus Spital in der Landstraße und mit Februar<br />

<strong>2023</strong> zum letzten Zeit-Viertel „Hauspfarrer“ im <strong>Malteser</strong><br />

Ordenshaus. Ich bin aber schon seit der Übersiedlung aus<br />

der Bürgerspitalgasse im Frühjahr 2022 regelmäßig hier.<br />

Bei all den Einschränkungen, die es beim Gesundheitszustand<br />

der Bewohner gibt, freut es mich zu sehen, dass<br />

etliche gerne mehrmals täglich zur Kapelle wandern und<br />

viele ganz regelmäßig zum Rosenkranz, zur Hl. Messe<br />

und zur Anbetung kommen.<br />

Das Engagement im Hospitaldienst bedeutet mir sehr<br />

viel. Als Priester in Ausbildung war ich oft schnell in<br />

der Führungsrolle, z. B. in Ministrantenstunden oder als<br />

Zeremoniär in der Liturgie. Im Hospitaldienst habe ich<br />

schon davor begonnen, und als Priester dort wieder aktiv<br />

zu werden war für mich erfreulich, weil ich den Betrieb<br />

von der Pieke auf kenne.<br />

oder langsamer studiert, aber gewusst, wo die Zeit geblieben<br />

ist. Menschlich war es eine Bereicherung, auch<br />

für meine Persönlichkeitsentwicklung. <strong>Die</strong> Freundschaften<br />

zu den Betreuten und den Betreuenden sind ein<br />

Geschenk für’s Leben und eine echte Quelle der Freude.<br />

Nach meinem ersten Lourdes-Zug 1992, noch als Forststudent,<br />

war das Heimkommen ein richtiger Kulturschock:<br />

Um was für unwichtiges Zeug kümmern wir uns<br />

eigentlich den ganzen Tag!<br />

Und jetzt auch als Priester: <strong>Die</strong> Wallfahrten sind angenehm,<br />

denn dort brauche ich nichts anderes zu sein als<br />

Priester; nicht Erfinder, nicht Organisator, nicht Motivator.<br />

Kurzum: Ganz bei den Menschen und mit ihnen bei Gott.<br />

Demnach unterm Jahr: Es ist einfach belebend, mit jungen<br />

– und nicht nur jungen – Menschen zusammen zu<br />

sein, die idealistisch, kreativ und einsatzfreudig sind,<br />

und die von sich aus mit geistlichen Anliegen und Initiativen<br />

zu mir kommen.<br />

<strong>Malteser</strong>: Durch Deine Mitgliedschaft hast Du auch<br />

Einblick in die Hilfswerke des Ordens in Österreich, wie<br />

auch im <strong>Malteser</strong> Hospitaldienst. Du hast den MHDA<br />

bei vielen Aktionen, Pilgerreisen, Ausflügen etc. tätig gesehen.<br />

Wie empfindest Du den freiwilligen <strong>Die</strong>nst der<br />

jungen Menschen, die unentgeltlich Behinderte und<br />

betagte Menschen begleiten? Was sind darüber hinaus<br />

Deine Erwartungen in religiöser Hinsicht?<br />

P. Rudolf: In den Hospitaldienst bin ich Anfang der<br />

90er Jahre eingetreten, als ich noch an der BoKu war. Mit<br />

dem Beginn des Einsatzes dort habe ich nicht schneller<br />

<strong>Malteser</strong>: Nun etwas generell gefragt: Welche Rolle<br />

spielt der Glaube in der heutigen Zeit, insbesondere für<br />

junge Menschen und was braucht es um diese gut oder<br />

noch besser zu erreichen?<br />

8<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


RELIGIONAKTUELL<br />

fragt, „Was soll die Kirche tun?“, möchte ich antworten:<br />

Beten Sie gemeinsam in Ihrer Familie. Lesen Sie – womöglich<br />

auch zusammen – in der Hl. Schrift, und informieren<br />

Sie sich über das, was die Kirche sagt, aus erster<br />

Hand. (Anm.: Weltkatechismus, YouCat, Schreiben der<br />

Päpste.)<br />

P. Rudolf: Ich möchte bei dem Wort Rolle einhaken. Auf<br />

dem Eiskasten einer alten Dame, die mir sehr nahesteht,<br />

klebt ein Magnet mit dem Spruch: „Gott spielt in meinem<br />

Leben keine Rolle. Er ist der Regisseur!“ Denn sonst wäre<br />

Gott nur eine Art Nebenerscheinung in meinem Leben …<br />

Was es am meisten braucht, damit der Glaube wächst,<br />

sind betende Familien, also Hauskirche. Als ich in der<br />

Pfarre in der Firmvorbereitung eingesetzt war, habe ich<br />

den Eltern beim ersten Elternabend gesagt: „Nicht wir<br />

bereiten Ihr Kind vor, es ist umgekehrt, Sie bereiten Ihr<br />

Kind auf ein christliches Leben vor, und wir helfen Ihnen<br />

dabei ein kleines bisschen. Unsere 30 oder 40 Firmstunden<br />

sind von der Lebenszeit, die Ihr Kind bisher wach<br />

verbracht hat, ein schwaches Promille. Erwarten Sie<br />

davon nicht zu viel.“ Wenn das Kind von klein auf jede<br />

Woche in die Messe geht, sind wir schon ein wenig über<br />

einem Prozent. <strong>Die</strong> umtriebige Pfarre, der lustige Pfarrer,<br />

das coole Pfandfinderleben, ist wichtig und hilfreich.<br />

Aber nur wenn die Beziehung zu Gott in der Familie eine<br />

Rolle spielt, bleibt es nicht bloßer „Programmpunkt“, der<br />

in der nächsten Altersphase wieder verloren geht.<br />

Kirche existiert auf drei Ebenen: Diözese, Pfarre, Hauskirche.<br />

Diözesen haben wir, auch noch funktionierende<br />

Pfarren. Aber wo sind lebendige Hauskirchen? Familien,<br />

wo von Gott und mit Gott gesprochen wird, und zwar<br />

nicht nur im Ritus des Tischgebets? Wenn mich jemand<br />

In der Wirtschaft oder in der Technik sind wir ja auch<br />

gewohnt, konsequent und zielstrebig zu handeln: Wo<br />

will ich hin? Was hilft mir dabei? Ist mein Mitteleinsatz<br />

effektiv? Das lässt sich gut übertragen. Wo ist mein Ziel?<br />

– Ich glaube, nicht auf dieser Erde, wo unser Leben mit<br />

sieben oder acht Jahrzehnten beschränkt ist. Was hilft<br />

mir, dort hinzukommen? Nütze ich diese Mittel gut?<br />

Und zum Realismus, den Du eingebracht hast: <strong>Die</strong> Welt<br />

Gottes ist viel realer als unsere sichtbare. Der Hl. Paulus<br />

sagt: „<strong>Die</strong> Gestalt dieser Welt vergeht.“ (Anm.: 1Kor 78,31)<br />

Alles was wir hier vorfinden, ist ja geschaffen, hat demnach<br />

eine kontingente Natur. Gott ist unendlich realer als<br />

alles das, was wir sehen können. In diesem Sinn bin ich<br />

Realist.<br />

<strong>Malteser</strong>: Ich bin überzeugt, dass diese Deine Gottessicht<br />

auch bei vielen psychisch verursachten Krankheiten,<br />

in die heute sehr viele Menschen hineingeraten,<br />

durch Distanzgewinnung und Hoffnung helfen kann.<br />

P. Rudolf: Ich bin sehr froh in einer Zeit zu leben, in der<br />

sich die Konfrontation zwischen Psychologie und Psychiatrie<br />

auf der einen und Religion auf der anderen Seite<br />

weitgehend aufgelöst hat. Jede Seite sieht, der andere<br />

kann etwas, was ich nicht kann. Der Psychiater kann<br />

keine Schuld vergeben und ich keine Psychose behandeln<br />

usw. Man sieht in gegenseitigem Respekt das Charisma<br />

des anderen. Im Idealzustand: Wir arbeiten zusammen<br />

zum Wohl der Menschen und zur Ehre Gottes. Vor<br />

hundert Jahren wäre das noch unmöglich gewesen.<br />

Für den Priester ist natürlich am schönsten, wenn er<br />

Zeuge werden darf, wie eine Begegnung zwischen Gott<br />

und der Seele geschieht, und er selber dabei aus dem<br />

Fokus gleitet.<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 9


RELIGIONAKTUELL<br />

<strong>Malteser</strong>: Unsere Zeit, die Kirche unserer Zeit ringt sehr<br />

darum, für die Menschen verständlich und „annehmbar“<br />

zu sein und dabei ihre Identität zu wahren. Wie weit kann<br />

sie da gehen?<br />

P. Rudolf: Ganz grundsätzlich: Wenn wir von Gott<br />

etwas bekommen, können wir es weitergeben, jedoch<br />

nicht verändern. Ich kann nicht sagen, ich halte die<br />

Dreifaltigkeit für eine verstaubte alte Sache, die<br />

schaffe ich ab. Oder die Menschwerdung Gottes ist<br />

für uns heute in realiter so abstrus, diese Vorstellung<br />

geben wir auf. – Ok, wenn Du das nicht glauben kannst<br />

oder willst, sei Dir das unbenommen. Du musst mir<br />

aber erlauben festzustellen, dann bist Du kein Christ<br />

mehr. Wenn jemand sich von sicheren Überzeugungen<br />

der Christenheit entfernt, so ist das legitim, aber er<br />

kann von der Kirche nicht erwarten, darin mitzugehen.<br />

Ich glaube, wir müssen die Sprache unserer Zeit sprechen,<br />

aber die Botschaft Christi in ihr sagen. Und die<br />

Hoheit darüber müssen wir bei ihm lassen. Sonst tun<br />

wir auch unseren Zeitgenossen nichts Gutes. Der<br />

Hl. John Henry Newman hat seine Position als Professor,<br />

als anglikanischer Priester in Oxford aufgegeben<br />

und sich durch seinen Übertritt in die katholische<br />

Kirche ins gesellschaftliche Out begeben. Wer so seinem<br />

Gewissen folgt hat meine Bewunderung. Gott hat<br />

ihn dann auch nicht hängen lassen. Er hat wieder eine<br />

schöne Gemeinschaft und eine gute Aufgabe gehabt und<br />

ist am Ende Kardinal geworden – und heilig.<br />

<strong>Malteser</strong>: Hat die Bibelwissenschaft über die Authentizität<br />

der Bibelaussagen nicht sehr viel Unsicherheit in<br />

das Leben der Christen gebracht? So etwa: Gibt’s auch in<br />

der Bibel „Fake News“?<br />

P. Rudolf: „Fake News“ gibt es viele über die Bibel, aber<br />

nicht in der Bibel, es sei denn, man versucht, sie als<br />

naturwissenschaftliche Abhandlung zu lesen. Wir glauben,<br />

dass der Heilige Geist dafür gesorgt hat, dass sie uns<br />

vollständig und irrtumsfrei alles sagt, was wir über Gott<br />

und uns wissen müssen, um unser Leben hier zu meistern<br />

und das Ewige zu gewinnen.<br />

Überlegen wir, woher haben wir die Bibel? Erstens, es<br />

gibt sie nicht ohne die Kirche. In der Zeit der Apostel<br />

ist ja viel geschrieben worden. Nur 27 dieser Schriften<br />

haben es ins Neue Testament „geschafft“. Wie hat man<br />

die ausgesucht? Sie gehen auf Apostel zurück, und man<br />

hatte den Eindruck, durch sie spricht so sehr der Heilige<br />

Geist, dass man sich trauen kann, sie im Gottesdienst<br />

zu lesen, neben den heiligen Büchern des Alten Bundes.<br />

<strong>Die</strong>se Unterscheidung stammt aus dem Leben der Kirche<br />

und wurde durch bischöfliche Autorität schließlich<br />

fixiert. Definitiv übrigens erst im 16. Jahrhundert, so<br />

groß war die innere Sicherheit in dieser Sache. Randbemerkung:<br />

Hier sehen wir die drei Säulen, auf denen<br />

der Glaube unserer Kirche steht: Schrift, gelebte Praxis<br />

aller Orte und Zeiten/Überlieferung und apostolische<br />

Autorität/Lehramt. Keine andere Glaubensgemeinschaft<br />

hat so ein klares Verständnis, wie sie zu Gewissheiten<br />

kommt.<br />

Zweitens: Keine andere Schrift des Altertums ist so gut<br />

überliefert. Von Tacitus (um 100 n. Chr.) beispielsweise<br />

haben wir die ältesten Handschriften um das Jahr<br />

1100 herum, etwa 20 Stück. <strong>Die</strong> ältesten neutestamentlichen<br />

Originale, die wir besitzen, sind aus dem 2. Jahrhundert,<br />

also nicht 1000 Jahre später, sondern ein, zwei<br />

Generationen, und davon nicht 20, sondern mehrere<br />

1000 Exemplare. <strong>Die</strong> christliche Überlieferungskette ist<br />

demnach um Potenzen besser und authentischer als bei<br />

allen anderen Personen und Schriften der Antike.<br />

10<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


RELIGIONAKTUELL<br />

Wann genau und von wem die neutestamentlichen<br />

Texte geschrieben worden sind, wird unermüdlich diskutiert.<br />

Traditionell – und da halte ich es mit Chesterton:<br />

Tradition ist Demokratie für die Toten, sie verlieren ihr<br />

Stimmrecht nicht – nimmt man für alle Schriften des<br />

Neuen Testaments apostolischen Ursprung an: <strong>Die</strong> Verfasser<br />

sind Apostel oder Apostelschüler, -begleiter, -dolmetscher.<br />

<strong>Die</strong> deutschsprachige Bibelwissenschaft ist<br />

tendenziell skeptisch und setzt vieles zeitlich spät an.<br />

Wenn man den Horizont ein wenig weitet, findet man<br />

daneben durchaus ernstzunehmende andere Stimmen.<br />

Am Beispiel der Apostelgeschichte, laut unserer Einheitsübersetzung<br />

verfasst um das Jahr 90: Mein US-<br />

Bibelkommentar datiert sie um 63., denn: Lukas, der<br />

sorgfältig über das Martyrium des Hl. Jakobus in der<br />

Heiligen Stadt Jerusalem und den Hausarrest des<br />

Hl. Paulus im kaiserlichen Rom (ca. 60–62) berichtet,<br />

erwähnt nichts vom Brand Roms und der Christenverfolgung<br />

unter Nero (62), dem Tod seiner Hauptfiguren<br />

Petrus und Paulus (Anm.: 2. Hälfte der 60er Jahre) und<br />

der Zerstörung Jerusalems um 70. Warum hätte er das<br />

weglassen sollen?<br />

Bittet,<br />

dann wird<br />

AUSTRIA<br />

LOURDES <strong>2023</strong><br />

Bittet, dann wird euch gegeben<br />

Euch<br />

LOURDES <strong>2023</strong><br />

AUSTRIA<br />

gegeben<br />

<strong>Malteser</strong>: Inwieweit muss die Kirche in Bezug auf unser<br />

Gespräch auch mit der Zeit gehen, Reformen entwickeln –<br />

und wo ist es andererseits wichtig an den Säulen und dem<br />

Fundament des katholischen Glaubens festzuhalten?<br />

P. Rudolf: Re-formatio für Christen ist immer zu<br />

sagen, „Jesus, mild und demütig von Herzen, bilde<br />

unser Herz nach deinem Herzen.“ „Gleicht euch nicht<br />

dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert<br />

euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt,<br />

was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und<br />

vollkommen ist“, schreibt der Hl. Paulus an die Römer<br />

(Röm 12,2). Das ist die eine Seite. <strong>Die</strong> andere Seite ist,<br />

dass die Kirche immer die Sprache der Liebe sprechen<br />

muss, dem anderen warmherzig begegnen und in einer<br />

ihm verständlichen Weise sprechen.<br />

Papst Franziskus ist da ein großer Mutmacher, weil er<br />

so gern davon spricht, dass wir Christen im Werden<br />

sind und jeden Tag wachsen können.<br />

LOURDES ERLEBEN!<br />

MALTESER LOURDES-WALLFAHRT <strong>2023</strong><br />

lourdes.malteser.at<br />

4.- 8.5.<strong>2023</strong><br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 11


RELIGIONAKTUELL<br />

DEN GLAUBEN STANDHAFT BEZEUGEN<br />

Dazu sind die MALTESER im Ordensgebet aufgerufen. Doch was bedeutet Glaube heute für junge Menschen? Wie steht es<br />

um ihre spirituelle Standhaftigkeit? Was gibt ihnen Orientierung und Halt?<br />

Von Peter Stellnberger<br />

Der Blick auf die Statistik zeigt, dass es nicht mehr<br />

die katholische Kirche ist, nicht mehr der christliche<br />

Glaube, auf den junge Menschen wie selbstverständlich<br />

bauen. <strong>Die</strong> ernüchternden Fakten: Im Jahr 2022 haben<br />

mehr als 90.000 Menschen in Österreich die Kirche verlassen.<br />

Der Anteil der Katholiken an der Bevölkerung<br />

hat sich in den letzten 20 Jahren lt. Statistik Austria<br />

von über 70% auf rund 55% reduziert. Es scheint, als ob<br />

Was bedeutet der Glaube<br />

für Dich?<br />

„Der Glaube ist für mich das<br />

Vertrauen in einen fürsorglichen<br />

Vater, dessen Existenz ich jedoch<br />

immer wieder hinterfrage.<br />

Indem ich diesen Zweifeln<br />

Raum lasse, setze ich mich<br />

tiefer mit meinem Glauben auseinander.<br />

So ist der Glaube für mich eine Entscheidung<br />

für einen liebenden Gott, die ich jeden Tag erneut treffen<br />

darf und die mein Leben bereichert.“<br />

Valentina Walderdorff<br />

(Bereich Wien, Aufnahme 2016)<br />

Wie haben Dir die <strong>Malteser</strong> geholfen den<br />

Glauben zu vertiefen?<br />

„Glaube ist für mich Beziehung zum lieben Gott, die<br />

ich vor allem in der Eucharistie erfahren darf. Dank<br />

unserer <strong>Die</strong>nste am Nächsten<br />

durfte ich eine weitere Art kennenlernen.<br />

Denn so wie wir<br />

seine Präsenz in der Eucharistie<br />

erfahren dürfen, so können<br />

wir das auch in der Hilfe am<br />

Nächsten.“<br />

Johannes Salm (Bereich<br />

Wien, Aufnahme 2019)<br />

der Glaube immer mehr aus dem (öffentlichen) Leben<br />

verschwinden würde.<br />

Soweit die Zahlen, soweit der Anschein. Aber was sagt die<br />

Empirie? Was erzählen junge Mitglieder der <strong>Malteser</strong>?<br />

Wir haben sie befragt und eingeladen, über ihren Glauben<br />

zu sprechen. Das Ergebnis: kritisch-reflektierte,<br />

starke Gedanken, die zum Sinnieren animieren.<br />

Was wünscht Du Dir von<br />

der Kirche?<br />

„Eine Kirche, die der Gemeinschaft<br />

dient und den Menschen<br />

in den Mittelpunkt stellt.<br />

Sie stärkt mir den Rücken,<br />

begleitet mich und bietet<br />

Zuflucht. In ihr darf ich mich zu<br />

Hause fühlen.“<br />

Antonia Franckenstein<br />

(Bereich Tirol, Aufnahme 2019)<br />

Wie könnte es der Kirche<br />

gelingen, mehr junge<br />

Menschen anzusprechen?<br />

„Ein Punkt ist es, Beziehung<br />

zu leben – zuerst mit<br />

Jesus Christus, sodass wir<br />

wie ein buntes Kirchenfenster<br />

sein Licht widerspiegeln.<br />

Wenn wir dann beginnen,<br />

echte, tiefe Beziehungen mit denen zu leben, die uns<br />

nahestehen und unser Interesse an ihnen darauf abzielt,<br />

dass sie zur besten Version ihrer selbst werden mit einer<br />

Perspektive für die Ewigkeit mit Gott, dann kommen<br />

Menschen zum Glauben an Ihn.“<br />

Rosalie Wächter (Bereich Wien, Aufnahme 2014)<br />

12<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


PERSÖNLICHKEITEN<br />

IN MEMORIAM PAPST BENEDIKT XVI.<br />

Ein persönlicher Nachruf ist eine ehrenvolle und gleichzeitig schwierige Aufgabe. Was erzähle ich, was lasse ich weg, weil<br />

einfach der Platz nicht reicht? Ich hoffe, meine Auswahl wird den Erwartungen der Leser gerecht.<br />

Von Gregor Henckel-Donnersmarck OCist<br />

Beginnen möchte ich so: Es kann kein Zweifel darüber<br />

bestehen, dass der sakramentale Höhepunkt meines<br />

Lebens die Priesterweihe am 1. August 1982 war. Aber es<br />

gibt einen weiteren Höhepunkt, den ich den historischen<br />

Höhepunkt meines Lebens nennen möchte, und das ist<br />

der Besuch von Papst Benedikt XVI. in Heiligenkreuz<br />

am 9. September 2007. Ich bekenne mich dazu, dass<br />

ich damals alles mir Mögliche – auch gegen so manche<br />

innerkirchliche Widerstände – getan habe, damit dieser<br />

Besuch zustande kommt. Und in der Tat war der Besuch<br />

dieses Papstes tatsächlich ein unglaublich großes Geschenk<br />

für unser Stift Heiligenkreuz und unsere Philosophisch-Theologische<br />

Hochschule, die heute den Namen<br />

dieses Papstes tragen darf. Noch nie hatte zuvor ein Papst<br />

Heiligenkreuz besucht und leider – glaube ich – dass sich<br />

so ein Ereignis nicht so bald wiederholen wird.<br />

Sehnsucht nach der letzten Erfüllung, nach dem höchsten<br />

Glück, also letztlich nach Gott, sei es bewusst oder unbewusst.<br />

Ein Kloster, in dem sich die Gemeinschaft täglich<br />

mehrmals zum Gotteslob versammelt, bezeugt, dass diese<br />

urmenschliche Sehnsucht nicht ins Leere geht.“ 1<br />

Der zweite Gedanke aus der Papstansprache in<br />

Heiligenkreuz, den ich hier aufgreifen möchte, bezieht<br />

sich auf unsere Hochschule bzw. die Theologie als Wissenschaft:<br />

„Der Ordensvater der Zisterzienser, der Heilige<br />

Bernhard, hat zu seiner Zeit gegen die Loslösung einer<br />

objektivierenden Rationalität vom Strom der kirchlichen<br />

Frömmigkeit gekämpft. Unsere Situation heute ist anders<br />

und doch sehr ähnlich. Bei dem Mühen um die Zuerkennung<br />

strenger Wissenschaftlichkeit im modernen<br />

Sinn kann der Theologie der Atem des Glaubens ausgehen.<br />

Aber so wie Liturgie, die den Blick auf Gott vergisst,<br />

als Liturgie am Ende ist, so hört auch eine Theologie, die<br />

nicht mehr im Raum des Glaubens atmet, auf, Theologie<br />

zu sein; eine Reihe mehr oder weniger zusammenhängender<br />

Disziplinen bliebe übrig. Wo aber eine ‚kniende<br />

Theologie‘ getrieben wird, wie sie Hans Urs von Balthasar<br />

gefordert hat, da wird die Fruchtbarkeit für die Kirche in<br />

Österreich und darüber hinaus nicht fehlen.“ 2<br />

Papst Benedikt XVI. am 9. September 2007 in Heiligenkreuz.<br />

<strong>Die</strong> Sehnsucht nach dem höchsten Glück<br />

<strong>Die</strong> Ansprache, die Papst Benedikt XVI. damals in<br />

Heiligenkreuz gehalten hat, beinhaltet viele tiefe Gedanken.<br />

Zwei davon möchte ich hier zitieren. So sagte er damals:<br />

„Jeder Mensch trägt im Innersten seines Herzens die<br />

45 Minuten für die Ewigkeit<br />

Der Besuch des Papstes in Heiligenkreuz sollte laut Plan<br />

30 Minuten dauern. Der Papst blieb schließlich 45 Minuten,<br />

also doch eine relativ kurze Zeit, aber ich sage immer:<br />

„Das waren 45 Minuten für die Ewigkeit!“<br />

1 Papst Benedikt XVI.: Ansprache Papst Benedikts XVI. bei seinem Besuch<br />

im Stift Heiligenkreuz, in: <strong>Die</strong> österreichischen Bischöfe: Papst Benedikt<br />

XVI. in Österreich. Apostolische Reise aus Anlass des 850-Jahr-Jubiläums<br />

von Mariazell (Heft 8, 2007), 67-72, hier 67f.<br />

2 Ebd. 70f.<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 13


PERSÖNLICHKEITEN<br />

bekannten Theologen, der offensichtlich nicht nur in den<br />

Kernthemen der katholischen Theologie, sondern auch in<br />

der Gesellschaftslehre und benachbarten Themen umfassend<br />

gebildet war. Ich erinnere mich noch, dass Professor<br />

Ratzinger damals den deutschen Soziologen Helmut<br />

Schelsky mit dessen Gedanken zu „Demokratie oder<br />

Demokratismus“ sinnvoll zitierte und auslegte. In meinen<br />

Tagebüchern finden sich euphorische Kommentare<br />

zu diesen Vorträgen in Bad Wimpfen.<br />

Papst Benedikt XVI. am 9. September 2007 in Heiligenkreuz.<br />

Meine persönliche Geschichte mit Joseph Ratzinger, dem<br />

späteren Papst Benedikt XVI., beginnt aber schon im<br />

Jahr 1972. Damals war ich als junger Diplomkaufmann<br />

in Frankfurt tätig. Über das Wochenende des Palmsonntags<br />

fuhr ich zu einer Tagung der schlesischen <strong>Malteser</strong><br />

in Bad Wimpfen. Der Referent dieser Tagung war der damals<br />

noch sehr junge und noch nicht ganz so bekannte<br />

Theologieprofessor aus Regensburg, Joseph Ratzinger.<br />

Aber schon damals war ich fasziniert und elektrisiert<br />

von der universalen Bildung dieses mir bis dahin kaum<br />

Austausch statt Konfrontation<br />

Meine zweite intensive Begegnung mit Joseph Ratzinger<br />

war im Jahr 1985 in St. Georgen am Längsee in Kärnten<br />

im Bildungshaus der Diözese Gurk-Klagenfurt. Dorthin<br />

kam er bereits als Kardinal Ratzinger. Bischof Egon<br />

Kapellari war es ein Anliegen, dass man „geistliche Väter“<br />

nicht nur wie üblich mit Vortrag und anschließend oft<br />

destruktiver Diskussion erlebt, sondern eine ganze<br />

Woche mit solchen Persönlichkeiten verbringt – dabei<br />

sind dann eingeschlossen die Hl. Messe, die Mahlzeiten,<br />

Vorträge, Diskussionen und sogar gemeinsame Ausflüge.<br />

PAPST EM. BENEDIKT XVI.<br />

UND DIE MALTESER<br />

Benedikt XVI. war nicht nur selbst Mitglied als Ehrenund<br />

Devotions-Großkreuz Bailli, sondern den <strong>Malteser</strong>n<br />

zeit seines Lebens eng verbunden. Wenige Tage vor<br />

seinem Rücktritt feierte Papst em. Benedikt XVI. am<br />

9. Februar 2013 den 900. Jahrestag der päpstlichen<br />

Bulle „Pie postulatio voluntatis“ mit dem Orden im<br />

Petersdom. Durch dieses Dokument erhielt die damals<br />

junge Gemeinschaft durch Papst Paschalis II. erste Privilegien<br />

verliehen. In seiner Ansprache an die unzähligen<br />

ehrenamtlichen Helfer und Ordensmitglieder erklärte er,<br />

dass „der <strong>Malteser</strong>orden von Anfang an durch seine Treue<br />

zur Kirche und zum Nachfolger Petri sowie durch seine<br />

unverzichtbare spirituelle Identität, die von hohen religiösen<br />

Idealen geprägt ist, gekennzeichnet war. Gehen<br />

Sie weiter auf diesem Weg und legen Sie konkretes Zeugnis<br />

von der verwandelnden Kraft des Glaubens ab“.<br />

Er wies uns darauf hin, dass sich der <strong>Malteser</strong>orden, im<br />

Vergleich zu anderen Organisationen, die sich auf internationaler<br />

Ebene für die Armen und Kranken einsetzen,<br />

durch die christliche Inspiration auszeichnet, die das soziale<br />

Engagement seiner Mitglieder stets leiten muss.<br />

„Eure Tätigkeit, die in verschiedenen Bereichen und in<br />

verschiedenen Teilen der Welt ausgeübt wird und sich besonders<br />

auf die Pflege der Kranken konzentriert, ist nicht<br />

bloße Philanthropie, sondern ein wirksamer Ausdruck,<br />

ein lebendiges Zeugnis der christlichen Liebe.“<br />

14<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


PERSÖNLICHKEITEN<br />

Bei dieser Tagung hatte sich auch der damalige Herausgeber<br />

der Zeitschrift „Kirche intern“ angesagt. Bischof<br />

Kapellari befürchtete eine Konfrontation und bat mich<br />

deshalb, bei den Mahlzeiten häufig neben Kardinal<br />

Ratzinger zu sitzen. Dabei konnten wir uns ausgiebig<br />

austauschen, und ich konnte ihm auch mein Primizbildchen<br />

von der Priesterweihe übergeben. Auf diesem<br />

Bildchen war Otto von Freising abgebildet. Kardinal<br />

Ratzinger ging davon aus, als Nachfolger auf dem<br />

Bischofsstuhl von Freising auch ein Nachfolger des seligen<br />

Otto zu sein, und so hat er mir gleich die Geschichtstheologie<br />

dieses Babenbergers umfassend dargelegt. Ich<br />

habe dabei viel gelernt und konnte nur staunen! Jedenfalls<br />

waren wir seither einander persönlich bekannt.<br />

Treffen mit Kardinal Ratzinger in Eisenstadt im Jahr 1985.<br />

„Eine unüberschaubare Menge grässlicher Akten“<br />

Eine weitere ungewöhnliche Begegnung mit dem Kardinalpräfekten<br />

der Glaubenskongregation ergab sich<br />

sodann im Frühjahr 2003. P. Maximilian Heim, unser<br />

heutiger Abt, hatte gerade seine Dissertation über die<br />

Ekklesiologie von Joseph Ratzinger vollendet, als ich<br />

als Abt des Stiftes Heiligenkreuz einen Anruf aus der<br />

„Hl. Inquisition“ (so hieß ja früher die Glaubenskongregation)<br />

erhielt. Man sagte mir, dass Kardinal<br />

Ratzinger gerne P. Maximilian, seinen Doktorvater<br />

Professor Körner und mich treffen wolle. Im Witz sagte<br />

ich, dass an der Hl. Inquisition vermutlich schon die<br />

Scheiterhaufen errichtet werden. Und so besuchten wir<br />

am 1. März 2003 die Glaubenskongregation.<br />

Der Kardinal empfing uns in seinem Büro und tauschte<br />

sich mit P. Maximilian über den Inhalt seiner Dissertation<br />

aus. Das Gespräch verlief in einer außerordentlich<br />

freundlichen Atmosphäre. Unvergesslich blieb mir dabei<br />

die humorvolle Bemerkung von Kardinal Ratzinger:<br />

„Sehen Sie P. Maximilian, erst durch das, was Sie hier<br />

schreiben, habe ich verstanden, was ich mit meinen<br />

Werken eigentlich sagen wollte!“ Später erhielt Abt<br />

Maximilian für seine Dissertation sogar den ersten<br />

„Prämio Ratzinger“, eine Auszeichnung, die seit dem<br />

Jahr 2011 jährlich für besondere wissenschaftlich-theologische<br />

Leistungen vergeben wird.<br />

Erzählen möchte ich aber auch, dass ich beim Hinausgehen<br />

aus dem Büro des Kardinals auf seinem Schreibtisch<br />

meterhohe Stöße von Aktenumschlägen sah. Auf<br />

meine Frage hin, was er denn hier bearbeiten müsse,<br />

sagte Kardinal Ratzinger: „Das ist die unüberschaubare<br />

Menge grässlicher Akten über die Missbrauchsfälle, die<br />

Papst Johannes Paul II. mir zur Bearbeitung übertragen<br />

hat.“ <strong>Die</strong>se Information möchte ich deshalb hier erwähnen,<br />

weil Papst Johannes Paul II. und Joseph Ratzinger<br />

oft fälschlicherweise vorgeworfen wird, ihre Augen vor<br />

diesen Gräueltaten verschlossen zu haben.<br />

Einladung nach Heiligenkreuz<br />

Und nun zur Geschichte, wie es zum Papstbesuch in<br />

Heiligenkreuz kam: Als ich im Winter 2005/2006 mitbekam,<br />

dass Papst Benedikt XVI. nach Mariazell pilgern<br />

würde, habe ich von dem Moment an alles mir Mögliche<br />

versucht, um ihn bei diesem Besuch Österreichs auch ins<br />

Stift Heiligenkreuz zu bringen. Ich musste leider schnell<br />

feststellen, dass ich mich mit diesen meinen Versuchen<br />

bei einigen kirchlichen Vertretern nicht gerade beliebt<br />

machte. Aber die Fügung Gottes erwirkte, dass ich im<br />

Jahr 2006 sowohl am Fest Kathedra Petri mit Pro Oriente<br />

und auch am Samstag vor dem Palmsonntag mit Erzherzog<br />

Otto sowie dessen Familie und einer Delegation<br />

des Ordens vom Goldenen Vlies den Papst in Rom treffen<br />

konnte. Und beide Male konnte ich ihn persönlich ganz<br />

kurz sprechen, sodass ich ihn herzlich nach Heiligenkreuz<br />

einladen und ein entsprechendes Schreiben an Erzbischof<br />

Gänswein übergeben konnte.<br />

In meinen Einladungen wies ich insbesondere auf unsere<br />

wachsende, junge klösterliche Gemeinschaft und die<br />

Hochschule hin. Aber erst ein ganzes Jahr später teilte mir<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 15


PERSÖNLICHKEITEN<br />

der damalige Nuntius Edmond Farhat die freudige Botschaft<br />

mit, dass der Papst am 9. September Heiligenkreuz<br />

tatsächlich besuchen würde. Ich war darüber überglücklich<br />

und muss sagen, dass das Stift Heiligenkreuz und die<br />

Hochschule Benedikt XVI. wichtige Impulse aus diesem<br />

Besuch erhalten haben.<br />

„Jo muass des denn sein?!“<br />

Meine letzte persönliche Begegnung mit Papst Benedikt<br />

XVI. war schließlich schon nach seiner Emeritierung im<br />

Kloster Mater Ecclesiae hinter St. Peter in den Vatikanischen<br />

Gärten. Es hat mich sehr beeindruckt, wie sehr er<br />

am Schicksal des Stiftes Heiligenkreuz und der nach ihm<br />

benannten Hochschule interessiert war. Bei diesem Treffen<br />

hatte ich von Abt Dr. Maximilian Heim zudem auch<br />

noch den Auftrag ihn zu fragen, ob wir vor unserer – nach<br />

ihm benannten – Hochschule ein Monument von ihm errichten<br />

könnten.<br />

Papst Benedikt XVI. am 9. September 2007 in Heiligenkreuz.<br />

Zunächst erhob er etwas abwehrend die Hände und sagte<br />

auf gut Bayrisch: „Jo muass des denn sein?!“ Ich erwiderte,<br />

dass ein solches Monument die Namensgebung der<br />

Hochschule dauerhaft und sichtbar machen würde. Und<br />

als er schließlich die Entwürfe für das Monument unseres<br />

Künstlermönches P. Raphael Statt sah, wie er als sitzender<br />

Lehrer dargestellt wird, stimmte er der Errichtung<br />

dieses Monumentes zu und sagte: „Nun ja, so erscheint<br />

EIN BEMERKENSWERTES KIND GOTTES<br />

Joseph Ratzinger erblickte als drittes Kind der Eheleute<br />

Josef und Maria Ratzinger in Marktl am Inn, in<br />

Bayern, das Licht der Welt. Am 16. April 1927, einem<br />

Karsamstag, wurde er hineingeboren in ein einfaches<br />

und bescheidenes Leben. Seine Kindheit war geprägt<br />

von einer liebevollen und tief gläubigen Familie. Er erlebte<br />

ein „freudiges, farbiges, menschliches Christentum“,<br />

erinnert er sich in seiner Autobiographie „Aus<br />

meinem Leben“.<br />

Der Vater, ein Gendarm, wurde wiederholt versetzt,<br />

die Familie ging mit. Nach der Pensionierung des<br />

Vaters zog die Familie nach Traunstein, wo sie ein<br />

kleines Bauernhaus erwarb. Als Zwölfjähriger folgte<br />

Joseph seinem Bruder Georg in das Traunsteiner Studienseminar<br />

St. Michael.<br />

Im Schatten der finsteren Mächte<br />

Joseph Ratzinger war 16 Jahre alt, als er die Zerstörung<br />

der bayerischen Landeshauptstadt München miterlebte.<br />

1943 war er mit den anderen Seminaristen als Flakhelfer<br />

zwangsweise eingezogen worden. Er geriet in amerikanische<br />

Kriegsgefangenschaft, ehe er am 19. Juni 1945 „überglücklich<br />

den Entlassungsschein in Händen hielt“.<br />

Priester, Professor, Erzbischof und Kardinal<br />

1946 begann Joseph Ratzinger sein Theologiestudium,<br />

zunächst an der Philosophisch-Theologischen Hochschule<br />

in Freising, dann an der Universität München. Am<br />

29. Juni 1951 empfing er zusammen mit seinem Bruder<br />

Georg und 38 weiteren Diakonen durch Kardinal<br />

Michael Faulhaber die Priesterweihe. Er promovierte<br />

1953 mit einer Arbeit zum Thema „Volk und Haus Gottes<br />

in Augustins Lehre von der Kirche“. Vier Jahre später,<br />

mit 30 Jahren, wurde er Professor für Dogmatik an der<br />

Philosophisch-Theologischen Hochschule in Freising. In<br />

seiner akademischen Laufbahn lehrte er an den Universitäten<br />

in Bonn, Münster, Tübingen und Regensburg und<br />

16<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


PERSÖNLICHKEITEN<br />

es ja schon etwas redimensioniert!“ <strong>Die</strong> Skulptur von<br />

P. Raphael ist ein großes Kunstwerk geworden, ein erkennbares<br />

Porträt von Papst Benedikt XVI. und trotzdem<br />

eine ganz moderne Darstellung.<br />

Das „größte Gehirn der Epoche“<br />

Das große Anliegen von Joseph Ratzinger als Professor,<br />

als Präfekt der Glaubenskongregation und als Papst war<br />

die Verbindung von Glaube und Vernunft. Mit diesem<br />

Grundansatz hat er die Theologie unserer Zeit befruchtet<br />

und vertieft wie kaum ein anderer. Das haben natürlich<br />

viele Journalisten nicht verstanden, weil sie das „größte<br />

Gehirn der Epoche“ gar nicht verstehen konnten oder<br />

verstehen wollten! Außerdem kann man mit etwas Wehmut<br />

einen Vergleich ziehen: Man vergleiche das, was die<br />

Polen aus ihrem Papst gemacht haben mit dem, was die<br />

deutschsprachige Kirche aus ihrem Papst gemacht hat. Es<br />

ist schade und beschämend, dass Joseph Ratzinger bzw.<br />

Papst Benedikt gerade in seiner Heimatkirche so sehr<br />

missverstanden und fehlinterpretiert wird.<br />

<strong>Die</strong> Mitbrüder des Stiftes Heiligenkreuz sowie die Professoren<br />

und Studenten der Philosophisch-Theologischen<br />

Hochschule Benedikt XVI. werden diesem Papst jedoch<br />

immer im Dank verpflichtet sein. Wir trauern zwar über<br />

seinen Tod, aber wir wissen im Glauben auch um die von<br />

Christus geschenkte Auferstehung.<br />

Exspectat resurrectionem!<br />

galt schon als junger Universitätsprofessor als einer der<br />

wichtigsten Theologen des 20. und 21. Jahrhunderts.<br />

1962 begleitete der junge Theologieprofessor Ratzinger<br />

den Kölner Kardinal Josef Frings zum II. Vatikanischen<br />

Konzil und wurde zu einem der bedeutendsten Konzilsberater<br />

und Konzilstheologen. Am 25. März 1977 ernannte<br />

Papst Paul VI. den Regensburger Theologieprofessor und<br />

international renommierten Theologen zum Erzbischof<br />

von München und Freising und damit zum Nachfolger von<br />

Kardinal Julius Döpfner. Im Münchner Liebfrauendom<br />

wurde er am 28. Mai 1977 zum Bischof geweiht. Am<br />

25. November 1981 berief ihn Papst Johannes Paul II.<br />

als Kurienkardinal nach Rom und ernannte ihn 1982<br />

zum Kardinalpräfekt der Römischen Glaubenskongregation.<br />

Damit war er in allen theologischen und kirchenpolitischen<br />

Fragen die rechte Hand seines Vorgängers<br />

Papst Johannes Paul II. Als Kardinal wurde er in den<br />

Souveränen <strong>Malteser</strong>-Ritter-Orden aufgenommen. Ab<br />

2002 war er auch Dekan des Kardinalskollegiums.<br />

Habemus Papam Benedicti XVI.<br />

Am 19. April 2005 wählten die wahlberechtigten Kardinäle<br />

den Kardinaldekan Joseph Ratzinger zum Nachfolger<br />

des am 2. April 2005 verstorbenen Papstes<br />

Johannes Paul II. Der 265. Nachfolger des heiligen<br />

Petrus nahm den Namen Benedikt XVI. an. Weltweit<br />

löste die Nachricht große Zustimmung und Anerkennung<br />

aus, besonders in Europa auch Freude und Hoffnungen.<br />

Während seiner Amtszeit setzte er sich für<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 17


PERSÖNLICHKEITEN<br />

KULTURGUT<br />

eine Rückbesinnung auf christliche Grundwerte ein,<br />

um der zunehmenden Säkularisierung vieler westlicher<br />

Länder entgegenzuwirken. Den Relativismus<br />

und die Leugnung moralischer Wahrheiten sah er als<br />

die zentralen Probleme des 21. Jahrhunderts an. Er<br />

lehrte die Bedeutung sowohl der katholischen Kirche<br />

als auch ein Verständnis von Gottes erlösender Liebe.<br />

Papst Benedikt XVI. absolvierte insgesamt 24 apostolische<br />

Reisen sowie 31 inneritalienische Pastoralreisen.<br />

Seine erste Auslandsreise führte ihn im August<br />

2005 zum XX. Weltjugendtag nach Köln. Aus Anlass<br />

des 850. Jahrestags der Gründung von Mariazell kam<br />

er vom 7. bis 9. September 2007 nach Österreich und<br />

besuchte auch Wien und das Stift und die Philosophisch-Theologische<br />

Hochschule in Heiligenkreuz, die<br />

nach ihm benannt wurde.<br />

Der Rücktritt und Tod des Papstes<br />

Am 11. Februar 2013 erklärte Papst Benedikt überraschend<br />

seinen Rücktritt vom Amt und trat am 28. Februar<br />

2013 aufgrund seines fortgeschrittenen Alters<br />

und gesundheitlicher Gründe als Papst und Bischof<br />

von Rom zurück. Dass ein Pontifex nicht durch den<br />

Tod aus dem Amt scheidet, hatte es seit 1294 nicht<br />

mehr gegeben. Als emeritierter Papst lebte er, von gelegentlichen<br />

Auftritten mit seinem Nachfolger Papst<br />

Franziskus abgesehen, sehr zurückgezogen im Vatikankloster<br />

Mater Ecclesiae.<br />

Am 31. Dezember 2022 beendete Papst em. Benedikt<br />

XVI. seinen irdischen Lebensweg. Er hinterließ uns<br />

über 600 Publikationen und bedeutende Schriften,<br />

zahlreiche Apostolische Schreiben und die wunderbaren<br />

Enzykliken „Deus caritas est“, „Spe salvi“ und<br />

„Caritas in veritate“.<br />

Mehr als fünfzigtausend Gläubige aller Nationalitäten,<br />

darunter 130 Kardinäle, 400 Bischöfe und fast<br />

3.700 Priester sowie auch eine Delegation des Ordens<br />

mit Seiner Exzellenz dem Statthalter des Großmeisters<br />

Fra’ John Dunlap nahmen am 5. Jänner <strong>2023</strong> von<br />

Papst emeritus Benedikt XVI. Abschied.<br />

KARDINAL<br />

KOLLONITZ UND<br />

DAS HEILIGE GRAB<br />

IN UNTERLAA<br />

Es gibt Orte in Wien, deren Erscheinungsbild weit weg ist<br />

von modernen urbanen Strukturen. <strong>Die</strong>s trifft auch auf<br />

die Umgebung der <strong>Malteser</strong>kirche in Unterlaa zu. <strong>Die</strong><br />

Kirche gehört zu den ältesten im heutigen Wien.<br />

Von Wolfgang J. Bandion<br />

Sie steht auf einem alten römischen Kulturboden, wie<br />

es die archäologischen Ausgrabungen neben der Kirche<br />

eindrucksvoll belegen. Das Wort „Laa“ aus dem Mittelhochdeutschen<br />

entspricht dem englischen „low“. Und<br />

tatsächlich liegen die Kirche und der ehemalige römische<br />

Maierhof tiefer als andere Bezirksteile. Unmittelbar<br />

neben der Kirche fällt ein kapellenähnliches Bauwerk ins<br />

Auge, dessen Funktion überrascht: Es ist eine Nachbildung<br />

des Heiligen Grabes in Jerusalem aus der zweiten<br />

Hälfte des 17. Jahrhunderts. Auftraggeber war Fra’<br />

Leopold Graf von Kollonitz. Er lebte von 1631 bis 1707.<br />

Vom Jesuitenschüler zum <strong>Malteser</strong>ritter und Bischof<br />

Der gebürtige Kroate wurde im Alter von 14 Jahren Schüler<br />

bei den Jesuiten in Wien und auch Edelknabe am<br />

Kaiserlichen Hof von Ferdinand III. Später erlangte er<br />

die Kämmererwürde. Als <strong>Malteser</strong>ritter kämpfte er bei<br />

Candia – dem heutigen Kreta – gegen die Osmanen, wurde<br />

1656 Komtur von Mailberg, ehe er von Kaiser Leopold I.<br />

als Bischof von Neutra im damaligen Königreich Ungarn<br />

(heute Nitra/Slowakei) vorgeschlagen wurde.<br />

Erst ab diesem Zeitpunkt begann er seine theologischen<br />

Studien. Im Jahre 1668 wurde er zum Priester und vom damaligen<br />

Nuntius Antonio Pignatelli zum Bischof geweiht.<br />

<strong>Die</strong>ser Nuntius war, nebenbei bemerkt, der einzige vom<br />

Wiener Hof, der später unter dem Namen Innozenz XII.<br />

zum Papst gewählt wurde. Eine Gedenktafel an der Adresse<br />

„Am Hof 4“ in der Wiener Innenstadt erinnert an ihn.<br />

18<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


Gemälde von Fra’ Leopold Graf von<br />

Kollonitz als Komtur von Mailberg.<br />

Das Heilige Grab in Unterlaa.<br />

Sein Wappen an der<br />

Mariensäule Wiener Neustadt.<br />

Sein Denkmal am Wiener Rathausplatz.<br />

<strong>Die</strong> politischen Wirren in Ungarn veranlassten Bischof<br />

Kollonitz, das Bistum Wiener Neustadt zu übernehmen.<br />

Sein Verhältnis zur ungarischen Politik blieb angespannt<br />

bis ambivalent, da er ein kompromissloser Vertreter der<br />

Gegenreformation war. Sein unerschrockenes Wirken als<br />

Bischof zur Zeit der Belagerung Wiens durch die Türken<br />

1683 zeigt ihn als einen tatkräftigen Organisator, der<br />

aus der Erfahrung seines militärischen <strong>Die</strong>nstes als <strong>Malteser</strong>ritter<br />

ungeahnte Energien und Strategien schöpfen<br />

konnte. Er übernahm die Leitung der Spitäler und Kriegslazarette<br />

und blieb als einziger Kirchenfürst in der umkämpften<br />

Stadt. Nach Abzug der Türken setzte er sich<br />

persönlich für die in der Umgebung von Wien zurückgebliebenen<br />

Waisenkinder ein und brachte viele von ihnen<br />

auf Besitzungen des Ordens, wie etwa in Mailberg, unter.<br />

Aus Dankbarkeit errichtete ihm die Stadt Wien am Rathausplatz<br />

ein bis heute zu sehendes Denkmal.<br />

Sehnsuchtsort Jerusalem<br />

Geprägt von den kriegerischen Auseinandersetzungen<br />

in den eigenen Heimatländern, blieben das Heilige Land<br />

und die dort verehrten Stätten dennoch stets ein Sehnsuchtsort.<br />

Das Heilige Grab in Jerusalem war immer<br />

das zentrale Ziel von Pilgern, die die beschwerliche<br />

Reise auf sich nahmen. So stellte sich bald der Brauch<br />

ein, vom Platz der vermuteten Verurteilung Jesu bis zur<br />

Grabeskirche hin, Stationen der Andacht wahrzunehmen.<br />

So entstand der Begriff Kreuzweg – Via Crucis.<br />

Besonders die Franziskaner, die seit dem 14. Jahrhundert<br />

die heiligen Stätten in Jerusalem betreuten, förderten<br />

diese Andachtsform. Zunächst waren es „die sieben<br />

Fußfällen“, welche sieben Kniebeugen bedeuteten. Aus<br />

dieser Übung entwickelte sich um 1600 die Tradition der<br />

14 Stationen des Kreuzweges. Das ursprüngliche Heilige<br />

Grab wurde im Laufe der Jahrhunderte stark verändert<br />

und von Persern und nachfolgenden Eroberern Jerusalems<br />

stark zerstört. Dennoch wurde es immer wieder hergestellt.<br />

Spiritueller Ersatz für eine Pilgerreise<br />

Jeder Kreuzweg endet mit dem Tod Christi am Kreuz<br />

und der Grablegung. So wurde in der Fastenzeit vor<br />

Ostern der Kreuzweg gebetet, und da viele Christen in<br />

diesen Jahrzehnten der Osmanenherrschaft in Mitteleuropa<br />

nur vereinzelt und unter schwierigen Umständen<br />

die Heiligen Stätten besuchen konnten, waren ein Kalvarienberg,<br />

ein Kreuzweg in den heimischen Gefilden oder<br />

ein Nachbau des Heiligen Grabes ein spiritueller Ersatz<br />

für die eigentliche Pilgerreise ins Heilige Land.<br />

Fra’ Leopold Graf von Kollonitz war als <strong>Malteser</strong> – zunächst<br />

als Ritter und Komtur, später als Bischof und zuletzt<br />

auch als Kardinal Fürstprimas von Ungarn – ein<br />

eifriger Verehrer der Heiligen Stätten. So errichtete er,<br />

neben jener in Unterlaa, auch am Weg nach Mailberg eine<br />

Nachbildung des Heiligen Grabes.<br />

Eindrucksvolle Familienbande<br />

Bischof Kollonitz‘ Neffe, Sigismund Graf von Kollonitz,<br />

ist etwas weniger bekannt, war jedoch eine ebenso eindrucksvolle<br />

Persönlichkeit. Er war der erste Fürsterzbischof<br />

von Wien (1722) und ab 1727 auch Kardinal. Sein<br />

Wappen am Palais in der Rotenturmstraße zeugt von dieser<br />

Aufwertung des Wiener Bischofssitzes.<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 19


LEBENSWERT<br />

NATURSCHUTZ –<br />

EINE CHRISTENPFLICHT?<br />

Naturschutz betrifft alle Menschen, egal welchen Glaubens. Wir leben in einem gemeinsamen<br />

Haus Erde, um das sich die ganze Menschheitsfamilie sorgen muss.<br />

Von Udo Thianich-Schwamberger<br />

<strong>Die</strong> Veränderung der Umwelt ist global spürbar und<br />

zeigt ihre gewaltige Auswirkung. <strong>Die</strong> ganze Menschheitsfamilie<br />

steht permanent vor Veränderungen und<br />

Herausforderungen. <strong>Die</strong> als bewältigt geglaubte Corona-<br />

Pandemie der vergangenen Jahre hat der Gesellschaft<br />

einen ernüchternden Spiegel vor Augen gehalten und<br />

Handlungsgrenzen deutlich aufgezeigt. Das gilt für die<br />

Gesellschaft an sich, aber auch für unsere eigenen<br />

Lebensbereiche.<br />

Kann aus Beobachtung und Wissen gelernt<br />

werden?<br />

Nie zuvor in der Geschichte hatte die Menschheit so viel<br />

wissenschaftliche Erkenntnis und Gestaltungsmöglichkeit,<br />

um eine Pandemie zu bekämpfen. In Anbetracht<br />

dessen ist es dennoch verwunderlich, wie die Menschen<br />

an ihre Limits geraten sind und vieles als nicht bewältigbar<br />

empfunden wurde.<br />

Foto: Shutterstock/s_oleg<br />

Auch das Ehrenamt und nicht zuletzt die <strong>Die</strong>nste der<br />

<strong>Malteser</strong> wurden in dieser Zeit hart geprüft. Das Miteinander<br />

und die Gesellschaft selbst haben sich stark verändert.<br />

Können wir deshalb die These aufstellen, dass wir<br />

Christen mit den vergangenen Jahren besser umgegangen<br />

sind als andere? Haben wir einen hilfreichen Beitrag<br />

in dieser Zeit geleistet? Waren wir weniger zerstritten in<br />

Bewältigungsdebatten? Voll bejahen können wir diese<br />

Fragen nicht, aber was können wir daraus lernen?<br />

Glaube als kraftvolle Ressource<br />

Betrachten wir die Ressourcen, die unser Glaube in solchen<br />

Krisen zur Verfügung stellt. Als Christen versuchen wir<br />

durch das Beispiel unseres Lebens in der Welt das Evangelium<br />

zu bezeugen. Glaubenswahrheiten anzuerkennen<br />

und zu leben setzt allerdings voraus, dass wir die Frage<br />

nach der Wahrheit als wesentliche Suche akzeptieren und<br />

dieser ernsten Herausforderung stetig nachgehen.<br />

Nicht Bauchgefühl, Gruppenzwang oder die Tagesmeinung<br />

vermeintlich sozialer Medien darf hier ein Beurteilungskriterium<br />

sein, sondern der Ausblick unter dem<br />

Gesichtspunkt der Ewigkeit. Es gibt keinen zweifelnden<br />

Diskurs mehr darüber, ob es klimatische Veränderungen<br />

gibt, oder ob die Natur, als den Menschen zur Treuhand<br />

überlassene Schöpfung, schützenswert sei. Wohl gibt es<br />

aber immer neue Erkenntnisse über die Zusammenhänge<br />

und dokumentierte Verhaltensweisen von Menschen<br />

oder Staaten, deren Verhaltensweisen problematische<br />

Auswirkungen auf die Natur haben.<br />

„Laudatio si“ eine ethische Handreichung<br />

Mit der Enzyklika „Laudato si“ hat Papst Franziskus unsere<br />

Eingangsfrage – Naturschutz als Christenpflicht?<br />

– in den Mittelpunkt der universellen Betrachtung gestellt.<br />

<strong>Die</strong>ses Schreiben hat weit über die katholische<br />

Welt hinaus Beachtung und Aufmerksamkeit gefunden.<br />

Der Beitrag des Papstes wurde ein maßgeblicher<br />

Wegweiser für ein globales Einverständnis beim Pariser<br />

Weltklimagipfel im Jahr 2015, denn „Laudato si“ ist für<br />

die verschiedensten Denkungsarten gut lesbar.<br />

20<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


LEBENSWERT<br />

Foto: Christian Lendl<br />

Papst Franziskus spricht vom „gemeinsamen Haus<br />

Erde“, um das sich die ganze Menschheitsfamilie sorgen<br />

müsse. Christen, die einen achtlosen Umgang mit<br />

der Schöpfung pflegen, verleugnen gleichsam den Schöpfungsglauben.<br />

Nicht zuletzt wurzelt dieser neben der<br />

Natur auch in der unveräußerlichen Würde des Menschen<br />

selbst. <strong>Die</strong> Tendenzen des Zeitgeistes greifen diese Würde<br />

radikal am Anfang und Ende des Lebens an.<br />

Wir dürfen nicht müde werden, dagegen anzukämpfen.<br />

<strong>Die</strong> Schrift sagt uns immer neu zu: Gott liebt uns. <strong>Die</strong> wunderbare<br />

Vorstellung von Liebe, die gleichsam ein Synonym<br />

für den unvorstellbar großen Gott sein kann, ist unsere<br />

nicht versiegende Kraftquelle, auch im <strong>Die</strong>nst als <strong>Malteser</strong>.<br />

Naturschutz betrifft alle Menschen<br />

Wir Menschen sind zusammen mit der Natur von Anfang<br />

an verwoben. Das leitet die Schöpfungsgeschichte<br />

deutlich ab. Am fünften Tag wurden Fische und Vögel<br />

geschaffen und am sechsten die Säugetiere und der<br />

Mensch (1. Mose, 1,24-25). Bemerkenswert ist, dass<br />

der Mensch keinen eigenen Tag der Schöpfung hat. So<br />

ist auch das biblische Volk Gottes keine separate Schöpfung,<br />

denn die biblische Urgeschichte erkennt das Volk<br />

schon an der ersten Menschheit im Paradies.<br />

Der Segen gilt somit nicht Abraham alleine. In der<br />

Genesis steht: „In Abraham sollen gesegnet werden alle<br />

Völker auf Erden“ (1. Moses 12,3), und Jesaia baut die<br />

prophetische Brücke – nicht zuletzt bis in die Gegenwart<br />

zu „Laudato si“: „Der Frieden des verheißenen Messias<br />

gilt nicht nur dem Volk Gottes, sondern den Nationen<br />

und Völkern“ (Jesaja 2,4).<br />

Naturschutz betrifft alle Menschen, egal ob christlich,<br />

jüdisch oder muslimischen Bekenntnisses, ob man sich<br />

an Buddha oder Naturreligionen orientiert. Eine weitere<br />

Gruppe dürfen wir in unserer Zeit ebenfalls nicht<br />

außer Acht lassen – nämlich jene, in der säkular-humanistische<br />

Weltbilder Orientierung geben.<br />

Naturereignisse könnt ihr deuten<br />

Wir stehen alle in der Gemeinschaft der Geschöpfe<br />

unseres gemeinsamen Hauses Erde. Der Evangelist<br />

schreibt: „Sobald ihr im Westen Wolken aufsteigen seht,<br />

sagt ihr: Es gibt Regen. Und es kommt so. Und wenn der<br />

Südwind weht, dann sagt ihr: Es wird heiß. Und es trifft<br />

ein. Ihr Heuchler! Das Aussehen der Erde und des Himmels<br />

könnt ihr deuten. Warum könnt ihr dann die Zeichen<br />

dieser Zeit nicht deuten? Warum findet ihr nicht schon<br />

von selbst das rechte Urteil?“ (Lk 12,54-57).<br />

Primär geht es in dieser Stelle um einen Vorwurf Jesu an<br />

seine Umgebung, die sein messianisches Wirken nicht<br />

erkennen will. „Naturereignisse könnt ihr deuten, aber<br />

ihr weigert euch, meine Botschaft und meine Taten zu<br />

deuten.“ So könnte man die Stelle auch verstehen. Ich<br />

will aber einen Hinweis auf die fast unbemerkte Nebenhandlung<br />

geben: <strong>Die</strong> Befähigung des Menschen, Vorgänge<br />

in der Natur zu beobachten, um daraus Schlüsse<br />

zu ziehen.<br />

Um nichts anderes geht es bei der globalen Herausforderung<br />

des Naturschutzes unserer Zeit und seiner<br />

Notwendigkeit. Achten wir also darauf, nicht Zeit zu<br />

vergeuden mit der Frage: „Warum soll ich meines Bruders<br />

Hüter sein?“ (1. Mose 4,9), wie es Kain tat, als ihn Gott<br />

nach seinem Bruder fragte.<br />

Heute ist der Tag, an dem wir zum Handeln aufgerufen<br />

sind – mit der Fähigkeit, weit zu denken, um Verantwortung<br />

zu übernehmen. Für das gemeinsame Haus Erde.<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 21


LEBENSWERT<br />

OHNE BARRIEREFREIHEIT KEINE<br />

NACHHALTIGKEIT<br />

Damit alle am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können, bedarf es Barrierefreiheit. Das ist keine Kür, sondern eine<br />

(Rechts)pflicht. Dennoch gibt es zahlreiche Barrieren in verschiedensten Bereichen. Gabriel N. Toggenburg schlägt vor,<br />

die allgegenwärtige Diskussion um Nachhaltigkeit mit der Barrierefreiheit zu verbinden, um den Bemühungen für mehr<br />

Barrierefreiheit neue politische Energie zu verleihen.<br />

Von Gabriel N. Toggenburg<br />

Gilt das auch für Österreich? Zweifellos, leider. Nur ein<br />

Beispiel: Vor knapp drei Jahren veröffentlichte ÖZIV –<br />

die „österreichweite zukunftsorientierte Interessensvertretung<br />

für Menschen mit Behinderungen“ – eine<br />

Studie zur Barrierefreiheit in den Wiener Einkaufsstraßen.<br />

2.326 Geschäfte in 13 Straßen in Wien wurden untersucht.<br />

Das Ergebnis: Keine der untersuchten Straßen<br />

war barrierefrei. In der Mariahilfer Straße waren<br />

immerhin 67,5 Prozent der Geschäfte barrierefrei zu<br />

betreten. Am anderen Ende des Spektrums waren es nur<br />

24 Prozent der Geschäfte, und zwar jene in der Thaliastrasse.<br />

Umfragen bestätigen dieses ernüchternde Bild.<br />

Der Autor (links) mit seinem Bruder, ein Rollstuhlnutzer,<br />

beim Einkaufsbummel in Wien.<br />

Oh Nein! Das Gefühl nach einem langen Wanderweg<br />

auf eine Sperre oder Schranke zu treffen und zum mühseligen<br />

Umkehren gezwungen zu werden, haben wir<br />

alle einmal erlebt. Doch es gehört nicht zum Alltag der<br />

Mehrheitsgesellschaft. Das ist anders für Rollstuhlnutzer.<br />

Sie werden oft zum Umkehren gezwungen bzw. an<br />

einem Eintritt gehindert. Nach wie vor werden Menschen<br />

mit Behinderungen behindert. Nicht durch ihre<br />

körperliche Unterfunktion, sondern durch ihr soziales<br />

Umfeld, das es nach wie vor nicht in ausreichendem<br />

Ausmaß schafft, Barrieren aus dem Weg zu räumen. Der<br />

Paradigmenwechsel, die Behinderung weniger in medizinischen<br />

Faktoren, sondern im sozialen Kontext zu sehen,<br />

geht wesentlich auf das UN-Übereinkommen über<br />

die Rechte der Menschen zurück. <strong>Die</strong>ses zentrale internationale<br />

Abkommen steht seit fast 15 Jahren in Kraft.<br />

Dennoch bleibt viel zu wünschen übrig.<br />

Was meint Barrierefreiheit eigentlich? Es geht um einen<br />

Zustand, in dem möglichst allen Menschen ermöglicht<br />

wird, Bauten, Verkehrsmittel, Gebrauchsgegenstände,<br />

IT-Geräte, ja Einrichtungen aller Lebensbereiche ohne<br />

besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde<br />

Hilfe zu benutzen. Bereits an diesem Punkt wird klar,<br />

dass die Bedeutung von Barrierefreiheit weit über den<br />

Rollstuhlnutzer hinausgeht. Man denke an einen Blinden,<br />

der im Internet nach Webseiten sucht, die einem<br />

vorgelesen werden können; die ältere Dame, die Stolperschwellen<br />

hasst; die junge Mutter mit Kinderbuggy, die<br />

nicht in altmodische Straßenbahnen kommt; das „golden<br />

age“-Paar, das sich im Hotel einen Aufzug wünscht. Und<br />

obwohl die Barrierefreiheit so viele Menschen angeht, ist<br />

sie noch nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen.<br />

Vielmehr wirkt das Thema etwas eingeschlafen. Wie ließe<br />

sich hier eine neue Dynamik schaffen? Eine Möglichkeit<br />

wäre, die allgegenwärtige und intensive Nachhaltigkeitsdebatte<br />

mit der Barrierefreiheit zu verbinden.<br />

Was Nachhaltigkeit mit Barrierefreiheit zu tun hat? Das<br />

eröffnet sich tatsächlich erst auf den zweiten Blick. Das<br />

22<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


LEBENSWERT<br />

RUNDSCHAU<br />

eingängigste Beispiel ist die Welt des Bauens. Eine junge<br />

Bauherrin tut etwa gut daran, sich zu vergegenwärtigen,<br />

dass sie in vier Jahrzehnten neben der Treppe einen Lift<br />

benötigt. Als Rollatornutzerin wird sie sich auch über ihre<br />

ehemalige weise Voraussicht freuen, wenn ihre Wohnung<br />

schwellenfrei ist. Landet sie gar im Rollstuhl, so wird sie<br />

mit Unverständnis ihren Kopf über sich selbst schütteln,<br />

wenn sie nicht in weiser Voraussicht die Unterkanten der<br />

Fensteröffnungen ihres Hauses so gesetzt hat, dass auch<br />

eine Rollstuhlfahrerin den Blick in den Garten genießen<br />

kann. Grüner, effizienter, und letztlich günstiger baut<br />

jener Bauherr, der die Barrierefreiheit quasi „by design“<br />

von Beginn an in das Projekt integriert.<br />

Ein Blick in den Text der UN-Agenda 2030 und die<br />

17 Nachhaltigkeitsziele zeigt, wie breit die Verwandtschaft<br />

zwischen Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit ist.<br />

Hinweise auf Barrierefreiheit und Menschen mit Behinderungen<br />

gibt es etwa beim Streben nach inklusiver,<br />

gleichberechtigter und hochwertiger Bildung (Ziel 4),<br />

der Vollbeschäftigung und der menschenwürdigen Arbeit<br />

(Ziel 8), der Bekämpfung von Ungleichheit (Ziel 10),<br />

der inklusiven Gestaltung von Städten und Siedlungen<br />

(Ziel 11) sowie der Schaffung von inklusiven Gesellschaften<br />

und Institutionen (Ziel 16). Wenn jedes Strategiepapier,<br />

jede politische Sonntagsrede, jedes Stammtischgespräch,<br />

jeder Leitartikel, jeder tweet, die gegenwärtig der<br />

Nachhaltigkeitsdebatte gewidmet sind, in Hinkunft auch<br />

prominent für die Barrierefreiheit kämpfen, ja dann wäre<br />

viel gewonnen für die Hoffnung, dass unser aller Zukunft<br />

frei von Barrieren sein wird.<br />

Gabriel N. Toggenburg war als Student im <strong>Malteser</strong>hilfsdienst<br />

aktiv (Bereich Tirol). Der Jurist ist Honorarprofessor<br />

für das Recht der Europäischen Union<br />

und Europäischen Menschenrechtsschutz an der Universität<br />

Graz und arbeitet seit 2009 für die Europäische<br />

Union. Er beschäftigt sich unter anderen mit dem<br />

UN-Übereinkommen über die Rechte der Menschen mit<br />

Behinderungen, dem nicht nur die 27 EU-Mitgliedstaaten,<br />

sondern sogar die EU selbst beigetreten sind. Auch<br />

privat ist er dem Thema verpflichtet und betreibt mit<br />

dem Haus Himmelfahrt barrierefreie Ferienwohnungen<br />

in Südtirol am sonnigen Ritten (www.himmelfahrt.it).<br />

Kontakt: gtoggenburg@gmail.com<br />

EINE GROSSZÜGIGE<br />

GÖNNERIN DER<br />

MALTESER<br />

Von Olivier Loudon<br />

Hilde Umdasch, die aus Amstetten stammende Unternehmerin<br />

und Miteigentümerin der gleichnamigen Umdasch<br />

Group AG, einer Weltmarktführerin im Betonschalungsbereich<br />

(DOKA) und des Ladenbaus (Umdasch Storemakers)<br />

und Alleineigentümerin der Bellaflora, die bereits seit vielen<br />

Jahren Werke des <strong>Malteser</strong>ordens fördert, hat sich zu<br />

ihrem runden Geburtstag nichts schenken lassen, sondern<br />

hat vielmehr wiederum die <strong>Malteser</strong> großzügig beschenkt.<br />

Zwei von ihren „Bellafora, der grünen Nummer 1“ gespendeten<br />

Krankentransportfahrzeugen sind mit dem<br />

Emblem der <strong>Malteser</strong> in Österreich weiterhin unterwegs.<br />

Seit rund einem Jahrzehnt finanziert sie alleine regelmäßig<br />

alle stattfindenden <strong>Malteser</strong> Wildwassercamps,<br />

die sie jahrelang auch persönlich besuchte und die<br />

Ehrungen der Teilnehmer vornahm. Gelegentliche Spenden<br />

für Katastrophenhilfe an die <strong>Malteser</strong>, oder Großprojekte<br />

des Hospitaldienstes und seinerzeit auch an<br />

<strong>Malteser</strong> Care waren und sind ihr eine Selbstverständlichkeit.<br />

2015 ließ sie von der von ihr gegründeten<br />

Privatstiftung das Hilde Umdasch Haus in Amstetten errichten<br />

und stellt es seither den <strong>Malteser</strong>n für den – auch<br />

laufend finanziell unterstützten Betrieb – unentgeltlich<br />

zur Verfügung. Aktuell wird ein weiterer Ausbau des<br />

Hauses durch die Stiftung finanziert und zu ihrem<br />

„runden Geburtstag“ bedachte sie die <strong>Malteser</strong> Kinderhilfe<br />

mit einer großzügigen Spende von € 100.000,–.<br />

Ein herzliches und aufrichtiges Danke und Vergelts Gott<br />

einem bewundernswerten Menschen und einer großartigen<br />

Gönnerin der <strong>Malteser</strong>!<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 23


RUNDSCHAU<br />

30 JAHRE NACHBAR IN NOT<br />

1992–2002<br />

Am 26. Mai 1992 wurde NACHBAR IN NOT gegründet,<br />

um der Not leidenden Bevölkerung in unserem Nachbarland,<br />

dem ehemaligen Jugoslawien, unmittelbar und<br />

wirksam zu helfen. Auf die Not der Nachbarn antworteten<br />

die Österreicherinnen und Österreicher mit einer<br />

beispiellosen und ausdauernden Hilfsaktion.<br />

Am Balkan beginnt 1991 der Zerfall des Vielvölkerstaates<br />

Jugoslawien, den die Jugoslawische Volksarmee mit<br />

Waffengewalt verhindern will. <strong>Die</strong> Jugoslawien-Kriege,<br />

die sich von 1991 bis 2003 hinziehen, sind die Folge. Panzer<br />

rollen sogar bis an die rot-weiß-rote Grenze.<br />

In diese politische Gemengelage, einer Phase mit Krisen<br />

und Kriegen, wie sie Europa lange nicht mehr kannte,<br />

fällt die Gründung von NACHBAR IN NOT. Bereits 1991<br />

stellte Ernst Wolfram Marboe die Kampagne von „Licht<br />

ins Dunkel“ unter das Motto „Kinder im Krieg“. <strong>Die</strong><br />

Hoffnung, dass der Krieg nur kurz dauern werde, war<br />

trügerisch. <strong>Die</strong> Republik Österreich leistet finanzielle<br />

Unterstützung für die vielen Kriegsopfer, Obdach- und<br />

Heimatlosen im südlichen Nachbarland, doch die Mittel<br />

sind begrenzt. Der damalige Staatssekretär im Bundeskanzleramt,<br />

Peter Kostelka, wendet sich im Frühjahr<br />

1992 mit der Bitte an den ORF, aktiv zu werden. Damit<br />

soll die finanzielle Hilfe Österreichs im Nachbarland vergrößert<br />

werden.<br />

Kurt Bergmann, damals Generalsekretär des ORF, hat die<br />

Idee, eine Hilfsaktion für Jugoslawien nach dem Vorbild<br />

von „Licht ins Dunkel“ zu starten. Am 26. Mai 1992 wurde<br />

NACHBAR IN NOT gegründet, „um der Not leidenden<br />

Bevölkerung im ehemaligen Jugoslawien in ihrem Kampf<br />

gegen Hunger und Elend, Verletzung und Zerstörung tatkräftig<br />

beizustehen“, wie Kurt Bergmann es formulierte.<br />

Kaum war NACHBAR IN NOT gegründet, rollte eine Welle<br />

der Hilfsbereitschaft durch Österreich, das „Kraftwerk der<br />

Nächstenhilfe“ (Franz Küberl) begann zu laufen.<br />

2002–2012<br />

NACHBAR IN NOT auf neuer Basis hilft international.<br />

Wieder war das unsägliche Leid der Zivilbevölkerung in<br />

Folge eines Krieges Auslöser für einen entscheidenden<br />

Schritt in der Geschichte von NACHBAR IN NOT. <strong>Die</strong><br />

Not der Kriegsopfer im Irak führt zu einer Wiederbelebung<br />

der erfolgreichen Kooperation der österreichischen<br />

humanitären Hilfe. Mit der „Hilfe für die Kinder des Irak“<br />

wird NACHBAR IN NOT erstmals außerhalb Europas aktiv,<br />

der Kreis der Partner wird erweitert und die bisher<br />

aktionsbezogene lose Zusammenarbeit in eine rechtliche<br />

Form gebracht. NACHBAR IN NOT wird damit vom ORF<br />

und den Hilfsorganisationen zu einem dauerhaften Dach<br />

für die in ihrer Dimension europaweit einzigartigen Form<br />

der Zusammenarbeit in der humanitären Hilfe installiert.<br />

2003 wird der Entschluss gefasst, NACHBAR IN NOT in<br />

eine Stiftung umzuwandeln. Neben den Stifterorganisationen<br />

Caritas und Rotem Kreuz und dem ORF als starkem<br />

öffentlich-rechtlichen Medienpartner, setzen nunmehr<br />

Arbeiter-Samariter-Bund Österreich, CARE Öster-<br />

24<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


RUNDSCHAU<br />

reich, Diakonie Österreich, Hilfswerk Austria, <strong>Malteser</strong><br />

Hospitaldienst Austria und Volkshilfe Österreich als<br />

Kooperationspartner Hilfsprojekte bei humanitären<br />

Krisen um.<br />

Der Tsunami vom 26. Dezember 2004, der Krieg in<br />

Afghanistan, die Dürre und der Hunger in Darfur, das<br />

Hochwasser in Rumänien und Bulgarien, das Erdbeben<br />

in Südasien (Pakistan und Indien), die Flutwelle in Pakistan,<br />

die Hungerkatastrophe in Ostafrika sowie das Erdbeben<br />

in Haiti sind die Einsatzgebiete der kommenden<br />

Jahre für NACHBAR IN NOT. Schnell zeigt sich damit,<br />

dass die Bereitschaft der Österreicher zu helfen, keine<br />

geographischen Grenzen kennt. Bei allen großen humanitären<br />

Krisen der nächsten Jahrzehnte sind die Partner<br />

von NACHBAR IN NOT unmittelbar vor Ort und helfen<br />

ab der ersten Stunde.<br />

2012–2022<br />

Nach dem Arabischen Frühling, der die Jahre 2011 und<br />

2012 prägte, rückte in den ersten Jahren der 2010er-<br />

Dekade der Bürgerkrieg in Syrien immer mehr in das<br />

Zentrum des Weltgeschehens und der internationalen<br />

Hilfsorganisationen. Mehr als sechs Millionen Menschen<br />

sind innerhalb Syriens auf der Flucht, rund sieben Millionen<br />

sind in Nachbarländer, nach Jordanien, in den Libanon,<br />

in die Türkei und auch in den Irak geflohen, wo teils<br />

riesige Flüchtlingslager entstanden. <strong>Die</strong> Fluchtbewegungen<br />

reichen bis Europa und weit über die Grenzen des<br />

Kontinents hinaus. Mehr als zehn Jahre nach dessen<br />

Ausbruch hält der Bürgerkrieg in Syrien weiterhin an.<br />

Rund 15 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe<br />

angewiesen.<br />

NACHBAR IN NOT hat im Rahmen der Syrienhilfe<br />

eine Vielzahl von Hilfsaktionen gestartet und unterstützt<br />

bis in die Gegenwart die vom Bürgerkrieg betroffenen<br />

und vertriebenen Menschen in der gesamten Region.<br />

Doch der Bürgerkrieg in Syrien markiert nur einen<br />

Eckpunkt dieses kriegerischen und katastrophenreichen<br />

Jahrzehnts seit der Gründung von NACHBAR IN NOT.<br />

Afghanistan und viele Länder Afrikas bleiben ebenso<br />

dauerhafte Krisenregionen, in denen NACHBAR IN NOT<br />

immer wieder humanitäre Nothilfe leistet und Schritte<br />

in eine Zukunft ermöglicht. Dazu kommen im Laufe des<br />

Jahrzehnts große Naturkatastrophen wie der Taifun auf<br />

den Philippinen (2013), das Hochwasser in Südosteuropa<br />

(2014), das massive Erdbeben in Nepal (2015) sowie die<br />

unfassbare Explosion im Hafen von Beirut (2020).<br />

Am 24. Februar 2022 passierte dann das, was viele in<br />

Europa kaum noch für möglich hielten. An diesem Tag<br />

überfiel die Großmacht Russland die Ukraine, das flächenmäßig<br />

größte Land Europas. Der Krieg war wieder in<br />

der Mitte Europas angekommen. Gewalt und Zerstörung,<br />

Leid und Tod, Flucht und Vertreibung sind die Folge.<br />

NACHBAR IN NOT und seine Stiftungspartner gehörten<br />

zu den ersten, die dank langjähriger Projektpartnerschaften<br />

in der Ukraine Hilfe vor Ort auf die Beine<br />

stellten. Mit mehr als 52 Millionen Euro in den ersten<br />

Monaten ist das der erfolgreichste Start einer Hilfsaktion<br />

in der Geschichte von NACHBAR IN NOT.<br />

NACHBAR IN NOT und die MALTESER<br />

Mit der Gründung der Stiftung wurden auch die <strong>Malteser</strong><br />

fester Bestandteil von NACHBAR IN NOT und stellten<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 25


RUNDSCHAU<br />

auch gleich mit Martin Sturzeis den ersten Stiftungsratsvorsitzenden.<br />

Noch viel bedeutender als die Mitarbeit im<br />

Rahmen der Gremien „zu Hause“ wurde aber die Hilfe<br />

vor Ort. Durch <strong>Malteser</strong> International bereits bei zahlreichen<br />

Krisenherden und Katastrophen mit tatkräftiger<br />

Hilfe vertreten, konnte nun auch der Beitrag der<br />

österreichischen <strong>Malteser</strong> stark ausgebaut werden.<br />

Nach dem verheerenden Tsunami im Dezember 2004,<br />

dem Erdbeben in Haiti im Jahr 2010 oder auch bei der<br />

Hungerkatastrophe in Ostafrika 2011, um nur ein paar<br />

Aktionen zu nennen, können dank der Hilfe der zahlreichen<br />

Spender auch Hilfsprojekte der <strong>Malteser</strong> durchgeführt<br />

werden. Neben den vielen eigenen Hilfsprojekten<br />

leisteten die <strong>Malteser</strong> auch im Rahmen aller Aktionen<br />

von NACHBAR IN NOT ihren Beitrag.<br />

Mit dem Ausbruch des Krieges in Syrien startete nicht<br />

nur für NACHBAR IN NOT eine der längsten Hilfsaktionen.<br />

Für die <strong>Malteser</strong> aufgrund ihrer Geschichte mehr<br />

oder weniger historischer Boden, wo der Orden und seine<br />

Hilfswerke seit langem fest verankert sind, kommt nun<br />

vor Ort eine zusätzliche, seit Kriegsbeginn fortdauernde<br />

Mission hinzu: <strong>Die</strong> Hilfe für die vertriebenen und verletzten<br />

Menschen in der Region. Der Einsatz ist dabei immer<br />

wieder gefährlich, die Sanitätsstationen in den in Kriegshandlungen<br />

ausgesetzten Regionen wie Idlib werden immer<br />

wieder auch Ziel von Angriffen, und dennoch kann<br />

dank der zahlreichen Spenden und mit NACHBAR IN<br />

NOT immer wieder ein Hilfsprojekt gestartet oder fortgeführt<br />

werden.<br />

Mit dem Krieg in der Ukraine findet die Katastrophe wieder<br />

einmal in Europa statt, ist der Nachbar unmittelbarer<br />

und greifbarer geworden. Vom ersten Tag an ist auch das<br />

internationale Netzwerk der <strong>Malteser</strong> an den Hilfsaktionen<br />

beteiligt. Wir betreiben Notunterkünfte, bieten den<br />

Vertriebenen und den Menschen vor Ort medizinische<br />

Versorgung und psychosoziale Unterstützung, stellen<br />

den Transport von lebensnotwendigen Hilfsgütern, Verpflegung,<br />

medizinischem Material oder auch Stromgeneratoren<br />

sicher und sind im Wiederaufbau von zerstörten<br />

Häusern und wichtiger Infrastruktur aktiv. Vieles davon<br />

dank der Mittel von NACHBAR IN NOT.<br />

Seit 2016 stellen die <strong>Malteser</strong> wieder den Stiftungsratsvorsitzenden<br />

und sind weiterhin in der Katastrophenhilfe<br />

eng eingebunden. „NACHBAR IN NOT steht in Österreich<br />

dafür, dass es wirklich wichtig ist, dass hier und<br />

jetzt geholfen werden muss. Und damit können wir unzählige<br />

Menschen bewegen, sich für die Sache einzusetzen.<br />

NACHBAR IN NOT lebt auch vom Vertrauen.<br />

Vertrauen aller uns Unterstützenden, dass hochprofessionell,<br />

effizient und nach bestem Wissen und Gewissen<br />

mit den uns übergebenen Mitteln umgegangen wird. Ein<br />

Vertrauen, auf dem wir uns nicht ausruhen können, sondern<br />

an dem wir stetig, bei jeder einzelnen Aktion, neu<br />

arbeiten müssen,“ so Manuel Weinberger, Generalsekretär<br />

des <strong>Malteser</strong> Hospitaldienstes Austria und Stiftungsratsvorsitzender<br />

von NACHBAR IN NOT. „Gleichzeitig<br />

sehen wir auch, dass Menschen im Angesicht unvorstellbarer<br />

Katastrophen näher zusammenrücken und helfen<br />

wollen. NACHBAR IN NOT ist auch eine Gemeinschaft,<br />

die stetig daran arbeitet, Menschen eine neue Grundlage<br />

zum (Über-)Leben zu geben. Und es erfüllt einen mit<br />

Freude, Teil davon zu sein.“<br />

26<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


RUNDSCHAU<br />

STÄRKENDER PERSPEKTIVENWECHSEL<br />

Plötzlich kommt es im Leben anders, als man denkt: Von der lehrreichen Erfahrung unseres MHDA-Mitglieds, Bernhard<br />

Bachna, als Betreuter bei der Rompilgerfahrt 2022.<br />

Von Peter Stellnberger<br />

Bernhard, aufgrund einer Diagnose konntest du<br />

bei der Rompilgerfahrt 2022 nicht als pflegender<br />

<strong>Malteser</strong> mitfahren, sondern warst selbst Betreuter.<br />

Wie hast du diesen Rollenwechsel empfunden?<br />

Ist es dir anfangs schwergefallen?<br />

Vom aktiven Menschen und <strong>Malteser</strong> zum wallfahrenden<br />

„Patienten“ hat für mich einen totalen Wechsel von<br />

aktiv zu passiv bedeutet. Ich war unfähig, kurze Strecken<br />

zu gehen und musste die Reise im Rollstuhl antreten.<br />

Das war für einen freiheitsliebenden Menschen wie<br />

mich sehr ungewohnt und irritierend. <strong>Die</strong> Monate zuvor<br />

hatte ich in Zurückgezogenheit mit Therapie verbracht,<br />

und so haben mich viele bei der Pilgerfahrt das erste Mal<br />

wieder gesehen und auf meine Situation angesprochen.<br />

Mitleid braucht man in solch einer Änderung der Lebenslage<br />

eigentlich nicht, denn der Anspruch an sich selbst<br />

ist ja, stark zu sein. Das ist allerdings schwierig, weil die<br />

Abhängigkeit und Unsicherheit, im Rollstuhl geschoben<br />

und getragen zu werden, ein ständiger Begleiter ist. Der<br />

Bewegungsradius ist auf Null reduziert, der Sichtradius<br />

nach vorne fokussiert und seitlich eingeschränkt. Verstärkt<br />

wird das Gefühl der vielen körperlich-räumlichen<br />

Einschränkungen auch durch das aus Sicherheitsgründen<br />

notwendige Angurten. Fallen- und Loslassen fällt schwer!<br />

Ein Perspektivenwechsel bietet auch immer die<br />

Chance, eine andere Sichtweise einzunehmen. Was<br />

konntest du von dieser Erfahrung als Betreuter<br />

lernen?<br />

<strong>Die</strong> Perspektive ändert sich auf vielerlei Weise! Man fühlt<br />

sich hilflos und jede Stufe, jedes Schlagloch einer abfallenden<br />

Wegstrecke wird zu einer Gefahr. Man verkrampft<br />

sich automatisch, wenn man über Stiegen getragen wird<br />

– und ebenso automatisch entschuldigt man sich bei den<br />

Schiebenden und Tragenden. Im Rollstuhl ist man immer<br />

abhängig. Man findet sich bei den Messen aneinandergereiht,<br />

im Kreise aller Betreuten, wieder – also in einer<br />

inhomogenen Gruppe Gleichbetroffener. Es entwickelt<br />

sich eine gewisse Solidarität, ein neues Verständnis; man<br />

versteht auf eine besondere Weise und wird demütig. Bei<br />

den jetzt wieder möglich gewordenen <strong>Die</strong>nsten als <strong>Malteser</strong><br />

bin ich deshalb mit unseren Betreuten noch mehr<br />

zusammengewachsen.<br />

Viele Pilger haben von einer sehr berührenden und<br />

besonders stimmungsvollen Pilgerreise berichtet.<br />

Was war dein persönliches Highlight in Rom?<br />

Man erfährt, wie professionell und von Herzen alle anpacken<br />

und mit welcher Fröhlichkeit selbst die schwierigsten<br />

Tätigkeiten von den betreuenden <strong>Malteser</strong>n vollbracht<br />

werden. Eingebettet in eine große Wallfahrt-Familie, hat<br />

sich mein Zustand rasch verbessert. <strong>Die</strong> Messen in verschiedenen<br />

wunderbaren Kirchen und dem Pantheon,<br />

das Beten und die nahe Begegnung mit Papst Franziskus<br />

haben enorm zu dieser Verbesserung beigetragen. Dabei<br />

ist auch ein Bild entstanden, an dem ich mich immer noch<br />

erfreue, weil Papst Franziskus mich sehr gütig und wohlwollend<br />

ansieht. Das Erleben der – inzwischen Gott sei<br />

Dank hinter mir gelassenen Erkrankung – und der wunderbaren<br />

Romwallfahrt haben mich im Glauben und in<br />

meiner Dankbarkeit enorm be- und gestärkt. Jetzt wieder<br />

gehfähig, freue ich mich auf das nächste Highlight:<br />

Ich werde als Pilger nach Lourdes fahren.<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 27


MALTESERÖSTERREICH<br />

VIEL GUTES IM OSTEN<br />

Der MALTESER-Bereich Burgenland entstand „erst“ 1979 unter Alexander Mensdorff-Pouilly. Allerdings reichen die burgenländischen<br />

Wurzeln bis 1956 zurück, zu den Anfängen des Hospitaldienstes. Ein Streifzug durch die Geschichte bis heute.<br />

Von Bernhard Bachna und Verena Scharka<br />

<strong>Die</strong> etwas Älteren unter uns haben noch die unvergesslichen<br />

Bilder von 1956 vor Augen: Mitglieder des Souveränen<br />

<strong>Malteser</strong>-Ritter-Ordens sowie Herren des unter<br />

der Patronanz des Ordens befindlichen St. Johanns-<br />

Clubs stehen an der Grenze zu Ungarn und leisten<br />

Nachbarschaftshilfe. Anlass ist der ungarische Volksaufstand<br />

gegen den Einmarsch sowjetischer Truppen,<br />

der Zehntausende Menschen zur Flucht nach Österreich<br />

bewog. <strong>Die</strong>ses außerordentliche Ereignis war der<br />

Auslöser für die Gründung der <strong>Malteser</strong>-Einsatzstaffel –<br />

der Vorgängerorganisation des heutigen <strong>Malteser</strong> Hospitaldienstes.<br />

Kontinuierliches Wachstum<br />

Zunächst aus etwa 20 Mitgliedern bestehend, erfuhr<br />

der Bereich Burgenland ab 2007 eine Öffnung für neue<br />

Mitglieder durch Gunhard Keil. Von 2009 bis 2017 erfolgte<br />

unter dem damaligen Bereichsleiter Bernhard<br />

Supp mittels kontinuierlicher Ausbildung eine Erweiterung<br />

auf rund 100 Mitglieder. Seit 2017 setzt Georg<br />

Holzhausen diesen Weg erfolgreich fort. Mittlerweile<br />

sind zwei weitere Werke des Ordens in den Bereich eingegliedert:<br />

Der <strong>Malteser</strong> Betreuungsdienst (MBD) sowie<br />

der <strong>Malteser</strong> Alten- und Krankendienst (MAKD).<br />

Geborgenheit und Zuwendung<br />

Aktuell zählt der Bereich Burgenland rund 175 aktive<br />

Mitglieder, die das achtfache Elend vor allem durch soziale<br />

Arbeit bekämpfen – in Form von Besuchsdiensten,<br />

Ausflügen, Monatsmessen, Ausspeisungen an<br />

Obdachlose, Friedhofsbegleitung, Betreuung auf Kinderlagern<br />

oder bei Wallfahrten. Ein Schwerpunkt liegt<br />

auf Besuchsdiensten in den Wohnungen der Betreuten,<br />

um deren Einsamkeit in den eigenen vier Wänden<br />

zu lindern, sowie im neuen <strong>Malteser</strong> Ordenshaus in<br />

Wien Landstraße.<br />

Eine Familie im <strong>Die</strong>nste der Nächstenliebe<br />

Im Laufe des Jahres <strong>2023</strong> dürfen wir zwölf Aspiranten<br />

bei ihrer Ausbildung begleiten. Zu uns zieht es viele<br />

„Spätberufene“, also Berufstätige zwischen 30 und<br />

60 Jahren. Daneben sind auch Mitglieder bei uns, die<br />

in ihrer Jugend aktiv waren und sich nun wieder im<br />

Geiste der <strong>Malteser</strong> betätigen wollen oder erst später<br />

die Zeit für soziales Engagement finden. In unserem<br />

Bereich herrscht eine familiäre Atmosphäre und<br />

zu Sonderdiensten oder Quartalsmessen kommen die<br />

Kinder der Mitglieder selbstverständlich mit.<br />

28<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


MALTESERÖSTERREICH<br />

VIEL MEHR ALS NUR EIN NOTQUARTIER<br />

Als 2022 der Krieg in der Ukraine ausbrach, wollte Peter Mensdorff-Pouilly schnellstmöglich helfen.<br />

Kaum waren die ersten Bilder und Berichte von Bombenangriffen,<br />

rollenden Panzern und flüchtenden<br />

Menschen über unsere Fernsehschirme geflimmert,<br />

griff Peter zum Telefon. Er wusste von einem leerstehenden<br />

Trakt der Kongregation der Schulschwestern<br />

vom 3. Orden des Hl. Franziskus, in der Apostelgasse<br />

im 3. Bezirk. Rasch kam er mit Sr. Oberin Petronilla<br />

überein, den freien Wohnraum für geflüchtete Frauen<br />

und Kinder zur Verfügung zu stellen.<br />

„Ich kann weder den Krieg noch das Leid<br />

der hunderttausenden Menschen verhindern –<br />

aber ich kann sagen, da sind ein paar<br />

fröhliche Gesichter.“<br />

Peter Mensdorff-Pouilly<br />

Dank Peters Konzept und dem Einsatz von Bereichsleiter<br />

Georg Holzhausen erfolgte rasch das „Go“ des <strong>Malteser</strong>-Kommandos.<br />

In Kooperation mit der Diakonie<br />

Österreich entstand unter Führung der <strong>Malteser</strong> das<br />

Flüchtlingsheim St. Josef. Es wird mit Hilfe großzügiger<br />

Spenden von Freiwilligen finanziert.<br />

Ein sicheres Dach über dem Kopf<br />

Viele fleißige <strong>Malteser</strong>hände packten an, das Haus<br />

wurde in Rekordzeit eingerichtet, Brandschutz- sowie<br />

Belegungspläne wurden gezeichnet und es wurde ergänzt,<br />

was bautechnisch nötig war, um eine adäquate<br />

Unterbringung zu ermöglichen. Da half es natürlich<br />

sehr, dass Peter Architekt ist.<br />

Seit Eröffnung des Heims im Juni 2022 wurden rund<br />

50 Frauen und Kinder betreut. Letztere besuchen<br />

Schulen in der nahen Umgebung, die Mütter Sprachkurse.<br />

<strong>Die</strong> Familien sind Selbstversorger, unterstützt<br />

durch Lebensmittelspenden nahegelegener Supermärkte<br />

und durch die Hilfe von Freiwilligen, die beim<br />

Eingewöhnen in den Alltag in einer neuen Umgebung<br />

zur Seite stehen.<br />

Fast wie eine ganz normale Familienfeier<br />

Was beherzte, rasche Hilfe in der Not zu vollbringen<br />

vermag, durften wir bei der Weihnachtsfeier in St. Josef<br />

erleben, zu der wir eingeladen waren: <strong>Die</strong> Ordensschwestern<br />

hatten für liebevoll dekorierte Tische und<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 29


MALTESERÖSTERREICH<br />

BURGENLAND<br />

AUS TIEFSTER ÜBERZEU<br />

Für den MALTESER-Bereich Burgenland sind viele Ehrenamtliche im<br />

zur Verfügung stellen. Sie werden von einer engagierten Führungsri<br />

wir hier vor.<br />

„<strong>Die</strong> schönste Belohnung für<br />

mich ist, wenn ich als Danke<br />

ein Lächeln und ein freudig<br />

strahlendes Gesicht von unseren<br />

Betreuten bekomme.“<br />

Georg Holzhausen, Bereichsleiter<br />

ein herrliches Essen gesorgt. Danach wurde musiziert,<br />

wobei ukrainische Weihnachtslieder nicht<br />

fehlen durften, und wir überraschten unsere Gäste<br />

mit Lebkuchenhäuschen. Hätte man nicht gewusst,<br />

dass in relativ geringer Entfernung zu Österreich<br />

ein Krieg tobt, hätte man die Feier für ein geselliges<br />

Beisammensein im Kreise einer großen Familie<br />

mit Freunden halten können.<br />

Dass dieses Gefühl entstanden ist, ist vor allem<br />

Schwester Petronilla und ihren Mitschwestern zu<br />

verdanken: „Alle Schwestern tragen das Projekt mit<br />

und unterstützen es. Durch die Weihnachtsfeier ist<br />

das Miteinander weiter verstärkt worden. Wir sind<br />

bereits mit den geflüchteten Frauen und ihren Kindern<br />

zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen.“<br />

Das soll auch so bleiben. Das Heim St. Josef steht<br />

weiterhin, und solange es nötig ist, für Friede,<br />

Geborgenheit, Sicherheit und Schutz.<br />

„Mein Einsatz als Bereichsärztin im<br />

Bereich Burgenland ist eine wertvolle<br />

Bereicherung für mein Leben<br />

und bereitet mir große Freude!“<br />

Claudia Feyerl, Bereichsärztin<br />

„Erst nach meiner Familiengründung<br />

habe ich zu den<br />

<strong>Malteser</strong>n gefunden. Der<br />

Bereich Burgenland wurde<br />

mir rasch zur Heimat und<br />

ich darf als Teil des Kommandos<br />

Verantwortung tragen.<br />

Besonders begeistert<br />

mich, wie es die <strong>Malteser</strong><br />

schaffen, mit so viel Professionalität und Nächstenliebe,<br />

basierend auf Spiritualität, ehrenamtlich tätig<br />

zu sein.“<br />

Sylvia Tuczka, Vizekommandantin<br />

30<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


MALTESERÖSTERREICH<br />

GUNG<br />

Einsatz, die ihre Freizeit für den <strong>Die</strong>nst am Nächsten<br />

ege geleitet und koordiniert. Einige von ihnen stellen<br />

„Spiritualität und Glaube in<br />

einer unvergleichlichen Gemeinschaft<br />

von Freunden zu<br />

leben und uns an dem Lächeln<br />

erfreuen zu dürfen, das wir in<br />

die Gesichter unserer Herrn<br />

Kranken zaubern: Das ist für<br />

mich ein starkes Fundament<br />

meines Lebens geworden. So<br />

versuche ich meinen Beitrag christlicher Nächstenliebe<br />

im Sinne des Ordens zu leisten.“<br />

Markus Belfin, Bereichsleiter Stellvertreter<br />

„60 Jahre bin ich dem Bereich<br />

Burgenland und fast<br />

20 Jahre dem <strong>Malteser</strong>orden<br />

zugehörig und tief verbunden.<br />

Mit verschiedenen<br />

Aufgaben konnte ich Betreuten<br />

und Kranken Hilfe<br />

und Freude bringen, ganz<br />

besonders während vieler<br />

Wallfahrten. <strong>Die</strong> nunmehr<br />

langjährige ehrenamtliche Tätigkeit als Vizepräsidentin<br />

des Hauses Malta – jetzt <strong>Malteser</strong> Ordenshaus – macht<br />

mir besonders viel Freude: Ich bewundere unsere Bewohner,<br />

wie sie trotz oft schwerer Schicksale die Beschwerden<br />

des Älterwerdens mit Humor, großer Demut und<br />

auch Gottvertrauen beispielhaft meistern.“<br />

Henriette Blanckenstein, Sprecherin der Ruhenden<br />

Mitglieder<br />

„Mich motivieren die Herzlichkeit<br />

und Selbstverständlichkeit,<br />

mit der die <strong>Malteser</strong> unsere Betreuten<br />

in jeglicher Situation<br />

empathisch, humorvoll und<br />

engagiert unterstützen. Für<br />

uns ist nicht die Krankheit oder<br />

Behinderung im Vordergrund,<br />

sondern der Mensch selbst. <strong>Die</strong><br />

spürbare Freude unserer „Herren Kranken“ über ein Wiedersehen<br />

mit uns ist daher der schönste Lohn!“<br />

Verena Scharka, Referatsleiterin<br />

„<strong>Die</strong> <strong>Malteser</strong> zeigen, wie<br />

man fröhlich, unaufgeregt,<br />

getragen von einem lebendigen<br />

Glauben und dennoch<br />

professionell unseren Herren<br />

Kranken dienen kann. Ich<br />

denke, dass man hier erlebt,<br />

wie Priester und Laien fruchtbar<br />

zusammenarbeiten, dass<br />

Glaube und Nächstenliebe<br />

einander bedingen und Katholisches auch mächtig<br />

Spaß machen kann.“<br />

Johann Georg Herberstein, Bereichsseelsorger<br />

„Man kann sich heute bei vielen<br />

Hilfsorganisationen engagieren.<br />

Bei den <strong>Malteser</strong>n stehen<br />

die Werte des <strong>Malteser</strong>kreuzes<br />

über unseren Hilfsleistungen,<br />

und dies gibt uns allen eine<br />

ganz besondere Energie!“<br />

Peter Mensdorff-Pouilly<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 31


MALTESERÖSTERREICH<br />

EIN GANZ BESONDERER PRIESTER,<br />

MENSCHENFÄNGER UND MALTESER<br />

Der langjährige Bundesseelsorger des MALTESER Hospitaldienstes Austria, Konstantin Spiegelfeld, ist am 23. November<br />

2022 überraschend von uns gegangen. Ein Nachruf auf einen außergewöhnlichen Menschen.<br />

Von Anton F. Gatnar<br />

Mit Konstantin „Koni“ Spiegelfeld haben die <strong>Malteser</strong><br />

nicht nur einen engagierten, überaus beliebten und<br />

unglaublich missionarisch wirkenden Seelsorger verloren,<br />

sondern auch einen Freund und Ordensbruder.<br />

Konis Weg zu den <strong>Malteser</strong>n war kein üblicher: 1956<br />

in Linz als Sohn unserer leider schon verstorbenen<br />

Ordensmitglieder Lieselotte und Kuno Spiegelfeld geboren,<br />

studierte er zunächst Technik und war als Verfahrenstechniker<br />

– zuletzt in Nettingsdorf – tätig. 1978<br />

wurde er Mitglied im <strong>Malteser</strong> Hospitaldienst, 1986 zum<br />

Ehren- und Devotionsritter des Souveränen <strong>Malteser</strong>-<br />

Ritter-Ordens. 1991 wurde er – nachdem er ins Wiener<br />

Priesterseminar eingetreten war – zum Priester geweiht.<br />

Er war somit einer der wenigen Priester, die Ritter und<br />

nicht Kapläne des <strong>Malteser</strong>ordens waren.<br />

Intensive Neuordnung der geistlichen Betreuung<br />

1991 wurde er Bereichsseelsorger für Wien und Niederösterreich<br />

und entwickelte dort – trotz seiner enormen<br />

Belastung als Priester mit anderen Aufgaben – eine<br />

intensive Neuordnung der geistlichen Betreuung der<br />

Mitglieder: Er schaffte mit vielen Freiwilligen regelmäßige<br />

Glaubensabende, die Rorate-Messen im Advent,<br />

die monatlichen Messen mit Behinderten, die Exerzi-<br />

tien für leitende Mitglieder und schließlich die aktive<br />

Betreuung von Novizen. Das Glaubensleben des Bereichs<br />

Wien war ein anderes als vor seiner Tätigkeit, als<br />

er schließlich 2006 seine neue Aufgabe als Bundesseelsorger<br />

übernahm.<br />

Dem Nächsten stets in Liebe begegnet<br />

<strong>Die</strong> Wiederaufnahme der bundesweiten jährlichen Fasten-Exerzitien<br />

und die Organisation und Gestaltung<br />

vieler Aufnahmefeiern sind ebenso Koni zuzuschreiben<br />

wie seine vielfache Teilnahme an den Pilgerfahrten nach<br />

Lourdes und Rom. Aber das Wichtigste – er blieb immer<br />

das, was er von Anfang an war – ein <strong>Malteser</strong>, der dem<br />

Nächsten in Liebe begegnete. Unzählige Trauungen,<br />

Taufen und Trauerfeiern hat er geleitet und mit vielen<br />

bewegenden Predigten begleitet. Er hat keine Gelegenheit<br />

ausgelassen, unseren Herrn Kranken zu dienen und<br />

selbst Hand anzulegen, wenn sie persönlicher Hilfe bedurften.<br />

Mit Koni wurde uns einer der ganz besonderen Priester,<br />

Menschenfänger und <strong>Malteser</strong> genommen. Wir hoffen,<br />

mit ihm einen Fürsprecher im Himmel gewonnen zu<br />

haben.<br />

32<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


MALTESERÖSTERREICH<br />

ZUM ABSCHIED<br />

EINES FREUNDES<br />

Von Stephan Turnovszky<br />

Genau einen Monat vor seinem Tod waren Koni und ich<br />

noch gemeinsam in Rom, wo er eine beeindruckende<br />

Predigt hielt: Er schilderte den Frieden, den er inmitten<br />

seiner schweren Krankheit vor einem Jahr dadurch<br />

erlebt hatte, dass er sich in einer bisher ungekannten<br />

Ohnmacht in den Händen Jesu geborgen wusste.<br />

Wie dankbar können wir dafür sein, dass Koni uns auf<br />

dieser Wallfahrt nach Rom begleitet hat, und das mit<br />

der gewohnten gläubigen Fröhlichkeit – einer Fröhlichkeit,<br />

die ihre Wurzel in der Ahnung hat, dass letztlich<br />

alles gut sei, da von Gott umfangen ist.<br />

Am Allerseelentag, genau drei Wochen vor seinem<br />

plötzlichen Hinübergang, schrieb er allen Seelsorgern,<br />

die in Rom dabei waren, als leitender Priester<br />

ein Wort des Dankes, in dem er dann auch ein persönliches<br />

Zeugnis gibt:<br />

„[…] Für mich waren es wunderschöne, sehr gelungene und<br />

gesegnete Tage! Jeder von Euch war wichtig und so konnten<br />

wir einen wertvollen Beitrag liefern, dass Gemeinschaft mit<br />

Gott und untereinander erlebbar war. Gott hat uns in den<br />

Gefahren beschützt und behütet, niemand ist verletzt oder<br />

krank geworden. <strong>Die</strong> Feier der Sakramente, auch des Beichtsakraments,<br />

war würdig, genügend Zeit und ein zentraler<br />

Platz im Ablauf des Tages war dafür vorgesehen.“<br />

[…]<br />

„Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass ER seinen einzigen<br />

Sohn hingab, damit jeder, der an IHN glaubt, nicht<br />

zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“ (Joh 3,16)<br />

In diesem Sinn bete ich am heutigen Allerseelentag, denke<br />

in der Hl. Messe an die verstorbenen Betreuten und Mitglieder<br />

des Ordens und des Hospitaldienstes!<br />

Mit herzlichen Segensgrüßen!<br />

In dankbarer Verbundenheit!<br />

Dein Koni (Konstantin)<br />

Ja, er hat noch in Ruhe und Frieden diese Wallfahrt als<br />

letzte seines Lebens machen können. Er tat es in der Haltung<br />

der Aufmerksamkeit auf seine Nächsten, besonders<br />

die Betreuten. Das hat ihn frei und froh gemacht, wie wir<br />

ihn gekannt haben. Der Bibelvers Joh 3,16, den er mitgeschickt<br />

hat, ist Ausdruck seines Glaubens an Jesus.<br />

So vertraue ich darauf, dass Koni durch Jesus das ewige<br />

Leben hat.<br />

Gott, unser Vater, wir danken Dir für Koni, der uns mit<br />

Freude und Liebenswürdigkeit die Frohe Botschaft verkündet<br />

hat. Wir bitten Dich, beschenke ihn jetzt durch<br />

Deinen Sohn Jesus Christus mit der Fülle des Lebens und<br />

der Liebe, die er uns als Priester verkündet hat. Lass sein<br />

priesterliches Wirken reiche Früchte tragen und schenke<br />

ihm ewige Freude bei Dir. Gewähre ihm Fürsprecher<br />

für all jene zu sein, denen er auf Erden verbunden war,<br />

sodass alle geführt vom Heiligen Geist einst bei Dir vollendete<br />

Gemeinschaft erleben dürfen. Darum bitten wir<br />

durch Christus, unseren Retter und Herrn. Amen.<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 33


MALTESERÖSTERREICH<br />

DAS NEUE<br />

ORDENSHAUS –<br />

EINE WELT VOLLER<br />

MÖGLICHKEITEN<br />

Von Gerhard Ernst, Thomas Kissich<br />

Wie schnell doch die Zeit vergeht! Ist es wirklich schon<br />

ein Jahr her, dass die Bewohner von Haus Malta auf<br />

die Landstraßer Hauptstraße übersiedelt sind, neue<br />

Mitbewohner gefunden haben und auch unser Team<br />

gewachsen ist? Doch damit ist das Potenzial, das das neue<br />

Ordenshaus bietet, längst nicht erschöpft. Wir freuen<br />

uns noch über zusätzliche Mitarbeitende im Ehrenamt.<br />

Das <strong>Malteser</strong> Ordenshaus findet im Neubau und im<br />

neu adaptierten Teil des Klosters der Elisabethinen auf<br />

der Landstraßer Hauptstraße 4A im dritten Wiener<br />

Gemeindebezirk die Fortführung einer langen Tradition<br />

– nämlich Bewohnern sicheres, behagliches und betreutes<br />

Wohnen zu bieten. Doch wir wissen auch, dass ein solches<br />

Zuhause nicht nur aus Wänden und einem Dach besteht,<br />

sondern vor allem aus den Menschen, die darin leben.<br />

<strong>Die</strong> Digitalisierung hat die Art und Weise, wie wir<br />

arbeiten und leben, grundlegend verändert, aber es gibt<br />

auch Bereiche, in denen die menschliche Interaktion<br />

unersetzlich bleibt. Einer davon ist die Pflege und<br />

Betreuung älterer Menschen. Das Ordenshaus soll für<br />

alle Ehrenamtlichen ein Haus für ihren <strong>Die</strong>nst an den<br />

„Herren Kranken“ darstellen. Um die Lebensqualität<br />

unserer Bewohner zu steigern und ihnen ein Gefühl von<br />

Geborgenheit und Zufriedenheit zu geben, suchen wir<br />

immer wieder nach ehrenamtlichen Mitarbeitern, die<br />

uns dabei helfen möchten.<br />

Das <strong>Malteser</strong> Ordenshaus bietet eine Vielzahl an<br />

Möglichkeiten, unsere Bewohner zu unterstützen und<br />

deren Lebensqualität zu verbessern. Es ist keine besondere<br />

Ausbildung erforderlich, um als Ehrenamtlicher<br />

im <strong>Malteser</strong> Ordenshaus tätig zu sein. Wichtig ist<br />

jedoch, dass man sich regelmäßig Zeit nimmt, da es für<br />

unsere Bewohner essenziell ist, kontinuierlich dieselben<br />

Personen um sich zu haben.<br />

BAZAR IM ORDENSHAUS<br />

34<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


SIE MÖCHTEN SICH ENGAGIEREN? DAS KÖNNEN SIE BEI UNS TUN!<br />

Unterstützung bei der Hl. Messe am Sonntag<br />

Ein besonders wichtiger Bestandteil des Lebens im neuen<br />

Ordenshaus ist die Hl. Messe am Sonntag. Ehrenamtliche<br />

sind herzlich eingeladen zu unterstützen, indem sie die<br />

Messe begleiten und anschließend unsere Bewohner<br />

zu einem Aperitif in unser Refektorium begleiten. <strong>Die</strong><br />

Möglichkeit, an der Hl. Messe im Haus teilnehmen zu<br />

können und somit ihren Glauben leben zu können, wird<br />

von unseren Bewohnern sehr geschätzt und trägt dazu<br />

bei, ihre geistige Gesundheit zu fördern. Beim Aperitif<br />

im Anschluss an die Messe können die Bewohner in<br />

gemütlicher Runde zusammensitzen und miteinander<br />

plaudern.<br />

Besuchsdienst<br />

Der Besuchsdienst ermöglicht es Ehrenamtlichen, den<br />

Kontakt mit unseren Bewohnern zu pflegen und ihnen<br />

Gesellschaft zu leisten. Viele unserer Senioren sind<br />

einsam und freuen sich, wenn sie wenigstens von einem<br />

Menschen verlässlich besucht werden. Wichtig ist nicht,<br />

dass der Ehrenamtliche möglichst oft und lange ins<br />

<strong>Malteser</strong> Ordenshaus kommt, sondern regelmäßig.<br />

Veranstaltungen<br />

Das <strong>Malteser</strong> Ordenshaus bietet seinen Bewohnern ein<br />

äußerst vielfältiges Programm, das ihre körperliche und<br />

geistige Betreuung unterstützt und ergänzt, um die Lebensqualität<br />

zu steigern. <strong>Die</strong> meisten Termine liegen an<br />

einem bestimmten Wochentag zwischen 10 und 12 Uhr<br />

sowie zwischen 14 und 16 Uhr. Das jeweilige Monatsprogramm<br />

finden Sie auf unserer Webseite unter www.<br />

malteser-ordenshaus.at/termine/.<br />

Ehrenamtliche Mitarbeiter haben die Möglichkeit,<br />

selbst regelmäßig Veranstaltungen abzuhalten – etwa<br />

eine monatliche Leserunde. <strong>Die</strong> Veranstaltung kann<br />

gerne auch am Wochenende stattfinden. Wichtig ist<br />

nur, den Termin einen Monat im Vorhinein zu melden,<br />

ADVENTESSEN<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 35


MALTESERÖSTERREICH<br />

damit die geplante Veranstaltung in unserem hauseigenen<br />

Eventkalender eingetragen und angekündigt<br />

werden kann.<br />

zu Menschen Freude bereitet und Sie hin und wieder<br />

einen halben oder ganzen Tag Zeit haben, freuen wir<br />

uns sehr, wenn Sie sich für diese Aufgabe melden.<br />

Begleitdienst zu Arztterminen<br />

Unsere Bewohner haben regelmäßig Arzttermine oder<br />

Ambulanzbesuche, bei denen sie sich Begleitung wünschen.<br />

Solche Begleitdienste ermöglichen einen einfachen<br />

Einstieg als ehrenamtlicher Mitarbeiter und ein<br />

erstes Kennenlernen unserer Bewohner.<br />

Einkaufsdienst<br />

Ein <strong>Die</strong>nst, welcher zeitlich völlig ungebunden ist, ist<br />

der Einkaufsdienst. <strong>Die</strong>ser bietet die Möglichkeit, für<br />

unsere Senioren Besorgungen zu erledigen, die sie nicht<br />

mehr selbst schaffen.<br />

Spazieren gehen – „die beste Medizin für Körper<br />

und Seele“<br />

Unsere Bewohner verbringen gerne Zeit an der frischen<br />

Luft. Deshalb suchen wir Menschen, die unsere Bewohner<br />

auf einen kleinen Spaziergang mit dem Rollstuhl<br />

in den nahegelegenen Stadtpark begleiten. Besonders<br />

für ältere Menschen, die häufig in ihrer Beweglichkeit<br />

eingeschränkt sind, ist es wichtig, frische Luft zu<br />

schnappen und sich in der Natur zu bewegen. Neben der<br />

körperlichen Betätigung bieten die Spaziergänge auch<br />

die Möglichkeit, sich mit anderen zu unterhalten und<br />

neue Kontakte zu knüpfen.<br />

Empfangsdienst<br />

Der Empfang im Haus erfordert eine freundliche und<br />

hilfsbereite Person, die Besucher empfängt und ihnen<br />

bei Fragen weiterhilft. Vor allem an Wochenenden und<br />

Feiertagen benötigen wir hier dringend Unterstützung,<br />

um die Besucher zu begrüßen. Wenn Ihnen der Kontakt<br />

Insgesamt bietet unser Haus für ehrenamtliche Mitarbeiter<br />

eine Vielzahl an Möglichkeiten, unseren Bewohnern<br />

zu helfen und ihre Lebensqualität zu steigern. Wir<br />

freuen uns über jede Unterstützung und danken allen,<br />

die sich engagieren!<br />

GÄNSEHAUT BEI DER ERSTEN WEIHNACHTSFEIER<br />

Am 21. Dezember 2022 war es soweit: Unsere Bewohner<br />

wurden im prachtvoll dekorierten Refektorium vom Team<br />

des <strong>Malteser</strong> Ordenshauses zur ersten Weihnachtsfeier<br />

im neuen Ordenshaus empfangen. Ein wunderschönes<br />

und besinnliches Fest erwartete die Anwesenden:<br />

Dr. Florian Kremslehner hielt die Laudatio, Vorstandsmitglied<br />

Dr. Henriette Blanckenstein trug Weihnachtsgeschichten<br />

vor, Pater Rudolf Schaffgotsch las das Weih-<br />

nachtsevangelium und spendete den Segen für alle Anwesenden.<br />

Für das leibliche Wohl war mit einem festlichen<br />

Drei-Gänge-Menü gesorgt, zuvor überreichten der<br />

Vorstand und die Hausleitung den Bewohnern kleine<br />

Geschenke. Ein besonderes Highlight der Feier war das<br />

gemeinsame Singen, wobei Geschäftsführer und Hausleiter<br />

Mag. Thomas Kissich mit zwei solistischen musikalischen<br />

Vorstellungen für Gänsehaut sorgte.<br />

36<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


MALTESERÖSTERREICH<br />

„INSPIRIEREND UND LEHRREICH“<br />

Wie erfüllend und beglückend ehrenamtliches Engagement – selbst für wenige Stunden im Monat – sein kann, berichten<br />

uns drei Freiwillige. Sie engagieren sich seit vielen Jahren für das Haus Malta und nunmehr für das neue Ordenshaus.<br />

Was macht die Tätigkeit im <strong>Malteser</strong> Ordenshaus<br />

für Sie so besonders, Frau Dr. Blanckenstein?<br />

Es ist die Begegnung mit ganz verschiedenen Persönlichkeiten<br />

– allen voran unseren Bewohnern, die ganz unterschiedliche<br />

Lebensgeschichten und Erfahrungen haben<br />

und für jeden zusätzlichen Kontakt höchst dankbar sind.<br />

Auch fürsorgliche Angehörige benötigen individuelle<br />

Gespräche bzw. aufmunternden Zuspruch. Unsere großartigen<br />

Mitarbeiter verdienen viel Anerkennung und Lob<br />

für ihre aufopfernde Arbeit, egal ob sie pflegen, vielseitig<br />

helfen, alles sauber halten oder in der Verwaltung<br />

arbeiten. Bei vielen dieser lieben und wertzuschätzenden<br />

Menschen kann ich in meinen Gesprächen mindestens<br />

eines der acht Elende – Krankheit, Hunger, Schuld,<br />

Unglaube, Heimatlosigkeit, Verlassenheit, Gleichgültigkeit,<br />

Lieblosigkeit – erkennen und versuchen, ihnen<br />

Wege zur Freude und Hoffnung aufzuzeigen. Für jedes<br />

Gespräch bin ich zutiefst dankbar und lerne viel daraus.<br />

Welche Erfahrungen haben Sie während Ihres<br />

Ehrenamts gemacht, Frau Dr. Mlczoch?<br />

Ich durfte bei meinen Besuchsdiensten viele positive Erfahrungen<br />

machen. Es war sehr bereichernd, die Gespräche<br />

und Interaktionen mit den Bewohnern zu erleben und<br />

ihnen Gesellschaft zu leisten. Ich habe auch viel über das<br />

Schicksal dieser Menschen gelernt und wie tapfer sie in<br />

schwierigen Situationen sind. Es hat mich inspiriert, ihre<br />

Stärke und positiven Einstellungen zu sehen. Insgesamt<br />

ist es eine wertvolle Erfahrung und ich bin dankbar für die<br />

Zeit, die ich mit den Bewohnern verbringen darf.<br />

Was möchten Sie den Menschen mitgeben, die sich<br />

im <strong>Malteser</strong> Ordenshaus ehrenamtlich engagieren<br />

wollen, Frau Aretin?<br />

Ich möchte alle <strong>Malteser</strong>, deren derzeitige <strong>Die</strong>nstmöglichkeiten<br />

bei den <strong>Malteser</strong>n sich nicht oder nur sehr<br />

schlecht in ihren Alltag integrieren lassen, herzlich einladen,<br />

im Ordenshaus einige Stunden zu übernehmen.<br />

Der Aufwand liegt zwischen ein- bis viermal im Monat<br />

für jeweils ein oder zwei Stunden Zeit für ein Gespräch<br />

oder einen Spaziergang mit einem unserer Bewohner.<br />

Das ist eine sehr praktische Lösung für <strong>Malteser</strong>, die<br />

beruflich oder familiär bereits sehr eingesetzt sind, uns<br />

aber dennoch unterstützen wollen.<br />

Sie interessieren sich für eine ehrenamtliche<br />

Tätigkeit im <strong>Malteser</strong> Ordenshaus? Dann melden<br />

Sie sich bitte direkt an: office@malteser-ordenshaus.at,<br />

T: +43 1 597 59 91, bei Dr. Henriette Blanckenstein<br />

blanckenstein@aon.at, Franciska Aretin unter +43 664<br />

241 07 87 oder fanny_aretin@yahoo.de.<br />

Infos: www.malteser-ordenshaus.at<br />

MALTESERORDEN – DELEGATIONSÜBERGABE<br />

Im Februar <strong>2023</strong> hat die Delegationsversammlung<br />

Dipl.-Ing. Paul Lovrek zum neuen Delegaten in Salzburg<br />

gewählt. Diakon Mag. Johannes Gruchmann-Bernau,<br />

der die Delegation seit 2015 führte, hat im Beisein des<br />

Fürstgroßpriors Fra’ Gottfried Kühnelt-Leddihn und des<br />

Ordenspirituals Erzabt P. Dr. Korbinian Birnbacher OSB<br />

die Amtsgeschäfte an den neuen Delegaten übergeben.<br />

Der Orden und die Delegation Salzburg wünschen ihm<br />

viel Glück und Segen für die neue Aufgabe.<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 37


MALTESERÖSTERREICH<br />

ABSCHIED VON BAILLI FRA’ DR. LUDWIG<br />

HOFFMANN VON RUMERSTEIN<br />

Von Fra’ Gottfried Kühnelt-Leddihn<br />

Exzellence, cher Confrère Emmanuel, Euer Gnaden<br />

hochwürdigster Herr Abt und Großprior Raimund, sehr<br />

geehrte Familie, Freunde, Trauergäste.<br />

Du hast mich aus Gnade berufen …<br />

Wie oft hast Du, lieber Fra’ Ludwig, wohl diese Worte,<br />

mit denen wir in unserem Ordensgebet Jesus Christus<br />

ansprechen, gebetet?<br />

Dein Weg und mein Weg haben gemeinsam begonnen,<br />

im Herbst 1969 mit der Ausbildung, im Juni 1970 mit<br />

der Aufnahme in den <strong>Malteser</strong> Hilfsdienst – aus dem ein<br />

Jahr später der <strong>Malteser</strong> Hospitaldienst Austria wurde<br />

– hier, in der Stiftskirche Wilten. Am Anfang des<br />

Weges als <strong>Malteser</strong> steht eben das Erlernen der erforderlichen<br />

Handfertigkeiten, um <strong>Die</strong>ner zu werden unseres<br />

Herren. Verantwortung kann nur übernehmen, wer<br />

es gelernt hat, <strong>Die</strong>ner zu sein.<br />

In unruhigen Zeiten, wie sie in einer jungen Einheit vorkommen<br />

können, hast Du den Bereich Tirol als zweiter<br />

Bereichsleiter geführt, ich war einer der Gruppenleiter<br />

– und es war alles andere als einfach. In Deiner Zeit als<br />

Vizekommandant gab es wiederum einiges zu kitten –<br />

damals war ich Bereichsleiter. Dann kam die Zeit, in der<br />

Du Deine Berufung in der Befolgung der Evangelischen<br />

Räte erkanntest, eine Berufung, die Dich auch in die<br />

Ordensregierung und dort in das zweithöchste Amt des<br />

Ordens brachte – Du wurdest Großkomtur von 1994 bis<br />

2004 und nochmals von 2014 bis 2019.<br />

Eine Berufung ist keine Karriereleiter, sie kann auch auf<br />

scheinbar verschlungenen Wegen zum Ziel führen – so<br />

hast Du auch einige Jahre dem Großpriorat Lombardei-<br />

Venetien in dessen Kapitel gedient.<br />

Wer einer Berufung folgt, geht einen Weg, den er nicht<br />

kennt, der aber eine große Gewissheit hat: Am Ende dieses<br />

Weges steht ER, der uns gerufen hat. Eine Berufung ist wie<br />

eine Wallfahrt: Das Ziel ist gewiss und doch geht jeder seinen<br />

persönlichen Weg, zwar oft auf derselben Straße mit<br />

anderen, aber nicht im selben Schritt und Tritt.<br />

Auf die Fürsprache unserer lieben Frau von<br />

Philermos …<br />

<strong>Die</strong> Schutzherrin unseres Ordens hast Du in besonderer<br />

Weise verehrt und durch Herausgabe der deutschen<br />

Übersetzung durch Dr. Theresa Kripp einer umfangreichen<br />

Würdigung dieser damals, im Jahre 1988 noch verschollenen<br />

Ikone, für die ihr gebührende Aufmerksamkeit<br />

auch im Raum der Deutschen Zunge gesorgt.<br />

Mein Leben und Handeln durchdringen ...<br />

<strong>Malteser</strong> ist man nicht nur, wenn man sich mit anderen<br />

<strong>Malteser</strong>n trifft, sondern immer. Wir sind eben Vasal-<br />

38<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


MALTESERÖSTERREICH<br />

len Christi, die den Willen ihres Lehensherren<br />

zu erfüllen haben: Den Armen,<br />

den Verlassenen, den Heimatlosen, den<br />

Hungrigen, den Kranken beizustehen,<br />

ihr Leid geringer, ihr Elend erträglicher<br />

zu machen, oder ganz einfach gesagt:<br />

Dem Nächsten in Liebe zu begegnen ...<br />

Statt die Schuld bei anderen zu suchen<br />

und den angeblich Schuldigen daran<br />

festzunageln, hast Du Deine Aufgabe als<br />

Rechtsanwalt eher darin gesehen, Schuld<br />

zu vergeben und so für Frieden zwischen<br />

Menschen zu sorgen.<br />

… und zum Wohl unseres Ordens<br />

Als Großkomtur war Dir die Verantwortung<br />

für den ersten und zweiten Stand<br />

des Ordens anvertraut. Nach dem Amtsverzicht<br />

von Großmeister Fra’ Matthew<br />

Festing im Jahr 2017, hast Du die interimistische<br />

Führung des gesamten Ordens<br />

übernommen, bis Du das Amt an<br />

Fra’ Giacomo dalla Torre del Tempio di<br />

Sanguinetto übergeben konntest.<br />

In Deine Hände habe ich 2013, 43 Jahre<br />

nach unserer gemeinsamen Aufnahme in<br />

den Hospitaldienst, die feierlichen Gelübde<br />

als Justizritter abgelegt. Und so<br />

nehme ich heute hier, an diesem Ort, wo<br />

vor mehr als 52 Jahren unser gemeinsamer<br />

Berufungsweg seinen Anfang genommen<br />

hat, als Dein Ordensoberer<br />

Abschied von Dir.<br />

Vergelt’s Gott für alles was Du für unseren<br />

Orden getan hast und bitte für uns<br />

beim Herrgott!<br />

WEITERHIN IM<br />

COVID-19-EINSATZ<br />

Von Gabrielle Scarimbolo<br />

COVID-19-Koordinatorin Bereich Wien, Einsatzleitung Impfbox Rathaus<br />

Der <strong>Malteser</strong> Hospitaldienst Austria (MHDA) war und ist nach dem Ende der<br />

überaus erfolgreichen Impfstraße in der Barbarakapelle des Wiener Stephansdoms<br />

im März 2022, weiterhin im Steuerungsteam Impfungen vertreten.<br />

Mit November 2022 übernahm der <strong>Malteser</strong> Hospitaldienst Austria<br />

eine Containeranlage zwischen Volksgarten und Burgtheater am<br />

Josef-Meinrad-Platz. Wie schon zuvor konnten die <strong>Malteser</strong> hier<br />

gemeinsam mit den 4-für-Wien aktiv im Pandemie-Management mitwirken<br />

und der Bevölkerung sämtliche verfügbaren Impfstoffe gegen<br />

COVID-19 anbieten. Weiters war der <strong>Malteser</strong> Hospitaldienst Austria<br />

auch am Impfprogramm der Stadt Wien gegen Influenza beteiligt.<br />

Der enorme Ansturm wie bei der Impfstraße im Stephansdom blieb hier<br />

zwar aus, jedoch konnten die <strong>Malteser</strong> dennoch einen entsprechenden<br />

Beitrag als offizielle Impfstelle der Stadt Wien leisten.<br />

<strong>Die</strong> Einrichtung, die wieder gemeinsam mit der Johanniter Unfallhilfe<br />

bis 31.01.<strong>2023</strong> betrieben wurde, wurde gut angenommen und neben<br />

den vielen Auffrischungsimpfungen gegen COVID-19 holten sich viele<br />

Impfwillige vor allem auch die Kombi-Impfung mit Influenza. Gemeinsam<br />

leisteten die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter hier<br />

viele Stunden im <strong>Die</strong>nst des Katastrophenschutzes.<br />

Von Anfang Jänner <strong>2023</strong> bis Ende Februar <strong>2023</strong> übernahm der MHDA<br />

Wien eine Gurgelbox der Stadt Wien im 21. Bezirk in der Hopfengasse.<br />

An sieben Tagen in der Woche konnten hier täglich von 13 bis 19 Uhr<br />

PCR-Gurgeltests durchgeführt werden.<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 39


MALTESERÖSTERREICH<br />

MALTESERORDEN<br />

DAS VINZIDORF-HOSPIZ<br />

EINE HERZENSSACHE DER ELISABETHINEN IN GRAZ<br />

„I am home!“ oder „Ich bin zu Hause angekommen!“ Wenn wir diese Worte von einem Bewohner hören, dann wissen wir im<br />

Team, dass wir etwas richtig gemacht haben.<br />

Von Isabel Steeb<br />

Dann sind unsere Versuche, Menschen im VinziDorf-<br />

Hospiz ein Zuhause, eine Heimat, Geborgenheit, Sicherheit,<br />

einen familiären Ersatz und eine gute, auch medizinische<br />

Betreuung zu geben, geglückt.<br />

Das VinziDorf-Hospiz, kurz VDH, wurde 2017 als erstes<br />

Obdachlosenhospiz Mitteleuropas eröffnet – getreu dem<br />

Leitsatz der Elisabethinen in Graz: „Schau hin und handle“.<br />

Im VDH finden Menschen, deren Biographien unterschiedlicher<br />

nicht sein können, aus dem In- und Ausland,<br />

mit einer unheilbaren Erkrankung, oft suchtkrank und/<br />

oder straffällig, unversichert, obdachlos oder in einer prekären<br />

Wohnsituation, ihr letztes Zuhause.<br />

Wie in einem stationären Hospiz<br />

Das Hospiz, welches neben dem VinziDorf beheimatet ist,<br />

bietet Platz für zwei Bewohner, die rund um die Uhr von<br />

einer 24-Stunden-Pflegekraft betreut werden. Das Team,<br />

bestehend aus spezialisierten Palliative-Care-Fachkräften,<br />

unterstützt hauptamtlich oder ehrenamtlich, in Anwesenheit<br />

oder in Rufbereitschaft. Es engagieren sich Menschen<br />

aus den Bereichen der diplomierten Gesundheits- und<br />

Krankenpflege, Sozialarbeit, Physiotherapie, Psychotherapie,<br />

Seelsorge, tiergestützte Therapie, Musiktherapie,<br />

Logopädie, Hospizmitarbeit und Medizin. So kann derselbe<br />

Standard wie in einem stationären Hospiz mit spezialisierter<br />

Palliative Care aufrechterhalten werden.<br />

Grenzen bewahren und das Gute sehen<br />

Finanziert wird das VDH großteils durch Spenden. In der<br />

Betreuung legen wir, neben medizinischer Betreuung und<br />

menschlicher Wärme, Wert darauf, jeden Menschen in seinem<br />

Kontext anzunehmen und seine Würde zu erhalten.<br />

Oft leben diese Menschen am Rande der Gesellschaft und<br />

haben Leid in allen Dimensionen erfahren. Wir stellen uns<br />

diesen Herausforderungen, entwickeln und setzen kreative<br />

Ideen um, bewahren Grenzen und sehen das Gute.<br />

Betreuende in der Angehörigenrolle<br />

Wenn ein Bewohner verstirbt, geht die Betreuung oft<br />

noch über den Tod hinaus. Da wird die Bestattung in der<br />

eigenen VinziDorf-Hospizgrabstelle, wenn gewünscht,<br />

organisiert. Da oft keine Familie vorhanden ist, sind es<br />

die Mitglieder des Betreuungsteams, die in die Angehörigenrolle<br />

schlüpfen. Darüber hinaus geschehen im VDH<br />

auch kleinere und größere Wunder – wie beispielsweise<br />

die Hochzeit mit inniger Emotion zwei Tage vor dem Versterben<br />

des Bräutigams oder dem Aufwachen eines Wachkomapatienten,<br />

der über 18 Monate bei uns gelebt hat.<br />

Dem Nächsten in Liebe dienen<br />

Als <strong>Malteser</strong>in und leitende Ärztin kann ich hier das<br />

achtfache Elend so deutlich spüren, wie kaum wo anders.<br />

Krankheit, Heimatlosigkeit, Verlassenheit und Schuld<br />

sind gegenwärtig, und so ist es eine unglaubliche Bereicherung<br />

und eine erfüllende Aufgabe, hier auch dem<br />

achtspitzigen Kreuz, dem Nächsten in Liebe, zu dienen.<br />

Kontakt: E: vinzidorfhospiz@elisabethinen.at<br />

T: +43 316 7063-6213, I: www.vinzidorfhospiz.at<br />

40<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


MALTESERÖSTERREICH<br />

WIR GRATULIEREN<br />

VON HERZEN!<br />

Kürzlich feierten wir den 100. Geburtstag von Frau Johanna<br />

Pundleider. Zu diesem Anlass gab es einen besonders<br />

liebevollen Brief von Hans Andreas Jordis, einem unserer<br />

MALTESER aus Salzburg und langjährigen Begleiter des<br />

Geburtstagskindes. Wir dürfen den Brief hier ungekürzt<br />

abdrucken. Danke, Hans!<br />

Liebe Frau Pundleider!<br />

Ihren lieben Ehemann Rudi habe ich in den 1960er Jahren<br />

am Salzburger Zollamt kennenlernen dürfen und<br />

bald darauf bin ich auch Ihnen mit Eurem lieben und<br />

unvergesslichen Sohn Robert begegnet. Robert kam an<br />

Eurem zehnten Hochzeitstag zur Welt und war von Geburt<br />

an schwerst beeinträchtigt. Gestärkt durch Ihren<br />

starken Glauben, haben Sie Ihr ganzes Leben aufgeopfert,<br />

um Eurem einzigen Sohn ein Dasein zu ermöglichen,<br />

damit er mit Euch zuhause leben konnte bis zu<br />

dem Zeitpunkt, an dem Ihre körperlichen Kräfte dies<br />

nicht mehr zugelassen haben und Robert in einem nahegelegenen<br />

Heim untergebracht werden konnte. Sowohl<br />

Ihr Ehemann Rudi als auch Euer Sohn Robert sind in der<br />

Zwischenzeit verstorben, für die Sie zeitlebens da waren.<br />

An Ihrem 100. Geburtstag, den Sie feiern konnten,<br />

will ich die Gelegenheit nutzen, um Ihnen von ganzem<br />

Herzen DANKE zu sagen, da Ihr Leben im wahrsten<br />

Sinne des Wortes ein einziger Gottesdienst ist. Sie<br />

haben Ihr Leben ausschließlich für Ihre Mitmenschen<br />

aufgeopfert und allen, die Sie im Leben begegnet sind,<br />

nur Freude bereitet und denken auch heute immer noch<br />

an viele Menschen, denen geholfen werden sollte.<br />

Als Helfer und Mitbegründer des <strong>Malteser</strong> Hospitaldienstes<br />

hier in Salzburg (1967) durfte ich in den vergangenen<br />

Jahrzehnten oft Robert mit Ihnen und Ihrem<br />

Mann zu Wallfahrten nach Rom, Mariazell oder Alt-<br />

ötting mitnehmen, und viele Ausflüge konnten wir gemeinsam<br />

unternehmen.<br />

Ich bin dadurch so reichlich beschenkt worden, da ich<br />

von Ihnen stets die wahre christliche Nächstenliebe<br />

erfahren durfte. Ich bin Ihnen, liebe Frau Pundleider,<br />

so dankbar, dass ich durch Sie auch andere Menschen,<br />

die Hilfe benötigen, kennengelernt habe. Ich denke da<br />

ganz besonders an Herrn Alfons Kammerer und<br />

Herlinde Ramsauer, die unser <strong>Malteser</strong>team so lange<br />

betreuen durften.<br />

An einen großen Tag in Ihrem Leben kann ich mich gut<br />

erinnern und denke oft daran, als wir gemeinsam am<br />

50. Geburtstag von Robert (2011), der zugleich Euer<br />

60. Hochzeitstag war, nach Maria Plain zur Hl. Messe<br />

und anschließend zu einem guten Mittagessen fuhren.<br />

Meine Frau und unser Sohn Stefan, die dabei waren,<br />

werden diesen Tag wohl auch nie vergessen.<br />

Der Herrgott möge Ihnen für die Zeit, die er für Sie<br />

hier auf Erden vorgesehen hat, die nötige Kraft und<br />

seinen göttlichen Segen geben, dass Sie Ihr Leben mit<br />

der häuslichen Hilfe, die Sie seit vielen Jahren in Ihrem<br />

Haus haben, noch zufrieden leben können.<br />

In größter Dankbarkeit und Verehrung<br />

verbleibe ich,<br />

Ihr Hans Andreas Jordis<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 41


MALTESERÖSTERREICH<br />

MALTESER-WALLFAHRT<br />

NACH LOURDES<br />

Nach Jahren der pandemiebedingten Unterbrechung ist es <strong>2023</strong> endlich<br />

wieder möglich ohne Auflagen an der internationalen Wallfahrt der<br />

MALTESER nach Lourdes teilzunehmen. Rund 8.000 Personen, davon etwa<br />

1.400 mit mehr oder weniger intensivem Betreuungsbedarf werden an<br />

der Wallfahrt teilnehmen. Knapp 300 davon aus Österreich.<br />

LOURDES<br />

Lourdes ist eine kleine Stadt in Südfrankreich am Fuße<br />

der Pyrenäen, in der 1858 die Mutter Gottes einem<br />

14-jährigen Mädchen aus einfachsten Verhältnissen<br />

namens Bernadette Soubirous erschien. In insgesamt<br />

18 Erscheinungen forderte die Mutter Gottes unter anderem<br />

zum Gebet und zur Umkehr auf. Beinahe gleichzeitig<br />

ereigneten sich erste Wunderheilungen, die bis<br />

heute anhalten. Schon wenige Jahre später wurden die<br />

Erscheinungen nach sorgfältiger Prüfung kirchlich an-<br />

Bittet,<br />

dann wird<br />

Euch<br />

LOURDES <strong>2023</strong><br />

AUSTRIA<br />

MALTESER LOURDES-WALLFAHRT<br />

Der MALTESER Hospitaldienst organisiert jedes<br />

Jahr Anfang Mai eine Pilgerreise nach Lourdes. Das<br />

Miteinander von Pilgern, Betreuungsbedürftigen und<br />

<strong>Malteser</strong>n sowie die Gnaden des südfranzösischen<br />

AUSTRIA<br />

LOURDES <strong>2023</strong><br />

B i t t e t, d a n n w i r d e u c h g e g e b e n<br />

gegeben<br />

Marienheiligtums machen diese Wallfahrt zu einem<br />

einzigartigen Erlebnis.<br />

Unterstützen auch Sie uns dabei, Armen und Kranken<br />

diese Reise zu ermöglichen.<br />

Bitte fordern Sie unverbindlich Ihre persönliche Informationsbroschüre an!<br />

<strong>Malteser</strong> Hospitaldienst Austria<br />

Johannesgasse 2/2/20, 1010 Wien<br />

Tel. +43 (0)1 512 53 95, E-Mail: lourdes@malteser.at<br />

Internet: lourdes.malteser.at<br />

Spendenkonto: AT65 2011 1800 8087 0800<br />

4.- 8.5.<strong>2023</strong><br />

<strong>Malteser</strong> Lourdes Plakat <strong>2023</strong>_ok.indd 1 19.01.<strong>2023</strong> 11:53:38<br />

erkannt. Heute kommen jährlich fünf Millionen Pilger<br />

aus aller Welt an diesen Gnadenort.<br />

www.lourdes-france.com<br />

MALTESER in Lourdes<br />

Der <strong>Malteser</strong> Hospitaldienst organisiert jedes Jahr<br />

Anfang Mai eine Pilgerreise für rund 300 Personen nach<br />

Lourdes. Zu dieser Zeit treffen einander dort <strong>Malteser</strong><br />

und Pilger aus aller Welt zum Wallfahren im <strong>Die</strong>nste der<br />

42<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


Nächstenliebe. Eine der Hauptaufgaben der <strong>Malteser</strong><br />

ist seit jeher die Betreuung von Menschen mit Krankheit<br />

und Behinderung. <strong>Die</strong>se gemeinsame Pilgerfahrt<br />

von Kranken, Gesunden und <strong>Malteser</strong>n nach Lourdes ist<br />

nicht nur eine der Kerntätigkeiten der <strong>Malteser</strong>, sondern<br />

auch ein spiritueller Höhepunkt für alle Mitfahrenden.<br />

Informationen zur Reise<br />

• Flug direkt ab Wien bzw. ab Salzburg nach Tarbes<br />

sowie Transfer zu und von den Flughäfen<br />

• Besuch der internationalen Hl. Messe des <strong>Malteser</strong>ordens<br />

• Teilnahme an Sakraments- und Lichterprozession<br />

• Besuch der Grotte, Krankensalbung, Beichtgelegenheiten<br />

• Gebet, Gesang, Gespräche, Freude, Gemeinschaftserlebnis<br />

• Unterbringung und Betreuung in Lourdes<br />

• Personen mit Betreuungsbedarf: Modern ausgestattetes<br />

Hospiz im Heiligen Bezirk<br />

• Pilger: Hotel Stella in Gehdistanz zum Heiligen Bezirk<br />

• <strong>Die</strong> <strong>Malteser</strong> gewährleisten volle pflegerische<br />

Betreuung rund um die Uhr<br />

• Zur Verfügung stehen außerdem Ärzte und Krankenschwestern<br />

• Wer kann mitkommen?<br />

• Wir freuen uns, Sie als Pilger bei uns begrüßen zu<br />

dürfen<br />

• Pflegebedürftige Reisende: <strong>Die</strong> <strong>Malteser</strong> machen es<br />

möglich<br />

Kostenbeitrag € 1.160,- pro Per. (all inclusiv)<br />

Vorbereitung<br />

• Bei Bedarf ärztliches Attest und Krankengeschichte<br />

• Persönliche Medikamente und Pflegeutensilien mitbringen<br />

Wie Sie helfen können<br />

Auch ohne an der Wallfahrt direkt teilzunehmen, können<br />

Sie zum Gelingen beitragen. Mit Ihrer Hilfe ermöglichen<br />

wir Menschen, die ihr Leben zumeist in großer Isolation<br />

führen müssen, eine unvergessliche Woche in Lourdes.<br />

Bitte unterstützen Sie uns dabei, diesen Menschen eine<br />

wunderschöne Zeit zu ermöglichen, denn nicht alle<br />

können die Kosten für die Wallfahrt selbst tragen.<br />

Zu den Gesamtkosten der Wallfahrt können Sie<br />

auf vielfältige Art beitragen:<br />

z. B. € 600,– für den Flug pro Person<br />

z. B. € 180,– für die Verpflegung pro Person<br />

z. B. € 90,– für die medizinische Versorgung pro Person<br />

Aber auch schon mit € 10,– können Sie helfen, Träume<br />

wahr werden zu lassen.<br />

Ihre Spende hilft direkt<br />

Wir versprechen, dass Ihre Spende direkt kranken<br />

und hilfsbedürftigen Personen zugute kommt, da vor,<br />

während und nach der Wallfahrt die Betreuung, medizinische<br />

Versorgung und Organisation nur durch ehrenamtlich<br />

tätige <strong>Malteser</strong> erfolgt, die keine Bezahlung erhalten.<br />

Spendenkonto: AT65 2011 1800 8087 0800<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 43


MALTESERÖSTERREICH<br />

MALTESER KINDERHILFE<br />

GESCHENKE, DIE VON HERZEN KOMMEN<br />

<strong>Die</strong> MALTESER Kinderhilfe hat regelmäßig Anlass, sich zu bedanken. Viele, ganz besondere Geschenke von lieben Menschen lassen<br />

Kinderaugen strahlen und helfen dabei, den Bewohnern des Hilde Umdasch Hauses ihren Alltag zu erleichtern. Wir bedanken uns<br />

bei all unseren großzügigen Spendern, Unterstützern und Freunden des Hauses.<br />

Von Katrin König<br />

Musik, die berührt<br />

Es fungiert als Tröster, Anker, Beruhiger und Helfer in<br />

verschiedensten Situationen: Das Klangei® next. Es ist<br />

ein Vibrationsplayer und überträgt die Schwingungen<br />

der Musik auf jeden resonanzfähigen Untergrund, auf<br />

dem es steht. <strong>Die</strong> eigens dafür vom Komponisten Andy<br />

Eicher produzierte Entspannungsmusik befindet sich auf<br />

einer microSD-Karte. Das besondere „Musikei“ ist für<br />

Kinder jeden Alters geeignet, um über seine Klänge die<br />

frühkindliche Entwicklung und kognitive Denkprozesse<br />

zu fördern. Seit Kurzem dürfen sich die kleinen Gäste<br />

im Hilde Umdasch Haus darüber freuen. Sie haben ein<br />

Klangei® next von Andy Eicher und dessen Frau Bettina<br />

geschenkt bekommen. Bettina Eicher ist intuitive<br />

Malerin und Kreativcoach sowie diplomierte Gesundheits-<br />

und Krankenpflegerin und diplomierte Gesundheitspädagogin<br />

für Kinder. Sie hat die <strong>Malteser</strong> Kinderhilfe<br />

im Hilde Umdasch Haus eine Zeit lang unterstützt<br />

und mit ihrer liebevollen und herzlichen<br />

Art bereichert. Sie hat sechs<br />

wundervolle SD-Karten-Coverbilder während dem Hören<br />

der dazugehörigen Musik gemalt. Das gesamte Team der<br />

<strong>Malteser</strong> Kinderhilfe bedankt sich im Namen aller Bewohner<br />

für die liebe Geste.<br />

Selbstgestrickte Hauben und Schals<br />

<strong>Die</strong> Mitarbeiter der <strong>Malteser</strong> Kinderhilfe im Hilde Umdasch Haus bekamen<br />

unlängst wieder besonders netten Besuch. Erika Czarnecki<br />

aus Amstetten brachte wunderschöne, selbstgestrickte Hauben und<br />

Schals für die Kinder vorbei. Frau Czarnecki strickt leidenschaftlich<br />

gerne. Mit den Worten „Mich werdet ihr nicht mehr los“ kündigte sie<br />

weitere Geschenke an – etwa Decken und passende Socken für jene<br />

Bewohner, die Beinschienen tragen müssen. Schon eine Woche später<br />

wurden die Spezial-Socken geliefert. Frau Czarnecki versorgt viele<br />

Menschen, die es im Leben nicht so einfach haben, mit ihren liebevollen<br />

Geschenken – so auch das Frauenhaus Amstetten und andere<br />

soziale Einrichtungen. Für ihr besonderes Engagement bedankt sich<br />

die <strong>Malteser</strong> Kinderhilfe im Namen aller Kinder und Mitarbeiter von<br />

ganzem Herzen.<br />

44<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


MALTESERÖSTERREICH<br />

Ein Glasbild für die Kapelle<br />

Familie Deinhofer vom Biobauern-Hofladen in Amstetten spendete ein wunderschönes<br />

Glasbild für die Kapelle des Hilde Umdasch Hauses. Das Bild wurde von der verstorbenen<br />

Frau Silvia Deinhofer um die Jahrhundertwende angefertigt und ist ein Duplikat<br />

eines Bildes aus dem 14./15. Jahrhundert, das von Frau Deinhofer restauriert wurde.<br />

Ein ganz großes Dankeschön dafür!<br />

Laptop sowie ein eigenes Bankkonto und startete im<br />

September 2022 die Ausbildung in der Tagesstätte von<br />

Assist Gemeinnützige GmbH in Amstetten. Sie entwickelte<br />

sich durch die Arbeit und den Kontakt mit gleichaltrigen<br />

Menschen äußerst positiv.<br />

Aufgrund der schweren Beeinträchtigung der anderen<br />

Bewohner im Hilde Umdasch Haus und auch auf Grund<br />

ihres Alters wird der Umzug nach Ardagger für Kerstin<br />

eine große Bereicherung darstellen. Sie hat zukünftig in<br />

der Tageswerkstätte bei Assist, als auch in der Wohngemeinschaft<br />

in Ardagger die Möglichkeit, sich mit anderen<br />

erwachsenen Menschen auszutauschen und ihre Interessen<br />

und Hobbies mit anderen zu teilen.<br />

Tolle Zukunftsaussichten für Kerstin<br />

Kerstin ist 19 Jahre alt und wohnt seit Anfang 2020 im<br />

Hilde Umdasch Haus. Sie ist die aktivste und selbständigste<br />

Bewohnerin dort, welche sehr engagiert im Alltag<br />

mithilft und auch gerne erzählt, was sie erlebt hat. Nun<br />

steht der Umzug in die neu errichtete Wohngemeinschaft<br />

für Menschen mit Behinderung in Ardagger bevor.<br />

Während ihrem dreijährigen Aufenthalt im Hilde<br />

Umdasch Haus hat Kerstin die Sonderschule für Kinder<br />

mit erhöhtem Förderbedarf in Amstetten besucht. Das<br />

Lernen hat ihr viel Freude bereitet und sie hat auch in<br />

ihrer Freizeit gerne mit Unterstützung der Mitarbeiter<br />

der <strong>Malteser</strong> Kinderhilfe geübt. Sie beendete die Ausbildung<br />

mit dem Schuljahr 2021/22. Neben dem Schulunterricht<br />

konnte sie den Musikgarten von Sigrid Weinstabl<br />

besuchen und das Rollitraining mit Günter Gritsch vom<br />

VKKJ absolvieren. Sie feierte 2022 ihren 18. Geburtstag,<br />

lernte das Fahren mit ihrem neuen E-Rolli, erhielt einen<br />

Am Freitag, 27. Jänner konnte sich Kerstin ein konkretes<br />

Bild von ihrem neuen Zuhause machen. Zusammen<br />

mit ihren Bezugspflegekräften Maria Kroiss und Tanja<br />

Frühauf-Brandstetter sowie mit Pädagogen Michael<br />

Kneidinger besuchte sie die Wohngemeinschaft und<br />

durfte auch schon ein paar persönliche Dinge mitbringen.<br />

Ihr Lieblingsbild, das sie von einer Mitarbeiterin der<br />

<strong>Malteser</strong> Kinderhilfe im Hilde Umdasch Haus bekommen<br />

hat, schmückt auch zukünftig die Wand in ihrem Zimmer.<br />

Außerdem konnte sie eine Nachttischlampe und<br />

eine Kuscheldecke mitbringen. Von ihren beiden Bezugspflegerinnen<br />

hat sie bei dieser Gelegenheit eine Kuschelkatze<br />

inklusive Körbchen und Bürste bekommen, die nun<br />

auch schon in Kerstins Zimmer auf ihren Einzug wartet.<br />

Kerstin fühlte sich bei ihrem ersten Besuch schon sehr<br />

wohl und freut sich schon auf den neuen Lebensabschnitt.<br />

Das gesamte Team der <strong>Malteser</strong> Kinderhilfe wünscht<br />

Kerstin auf Ihrem Weg von ganzem Herzen alles Gute.<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 45


MALTESERÖSTERREICH<br />

Faschingsstimmung im Hilde Umdasch Haus<br />

Den trüben und kalten Tagen im Februar zum Trotz widmete sich<br />

Pädagogin Sabrina Forsthofer zusammen mit den Bewohnern des Hilde<br />

Umdasch Hauses der Vorbereitung auf die alljährliche Faschingsparty.<br />

<strong>Die</strong> Innenräume des Hilde Umdasch Hauses wurden geschmückt. In<br />

der Tagesstruktur für die kleinen und großen Bewohner wurden Verkleidungen<br />

zum Motto „Tiere“ besprochen und dazu passende Faschingslieder<br />

gesungen. Am Faschingsdienstag selbst fand die traditionelle<br />

Faschingsparty mit Disco, Konfetti und Luftschlangen statt, bei der die<br />

Kinder passend zu ihrer Verkleidung geschminkt wurden. Außerdem<br />

gab es Würstel mit Gebäck und Faschingskrapfen – eine der Lieblingsspeisen<br />

der Kinder.<br />

Das Wort Gottes mit Pfarrer Peter Bösendorfer<br />

Einmal im Quartal wird der Wort-Gottes-<strong>Die</strong>nst mit Pfarrer Peter<br />

Bösendorfer im Hilde Umdasch Haus gefeiert. Zusätzlich dazu fand<br />

im Vorjahr eine Wallfahrts-Messe für den Sozialdienst Mostviertel in<br />

unserer Kapelle statt und ein Wort-Gottes-<strong>Die</strong>nst zu Weihnachten.<br />

<strong>Die</strong> Feiern werden stets von Mitarbeitern, Freunden des Hauses oder<br />

Familienmitgliedern von Bewohnern musikalisch gestaltet. Für die<br />

Bewohner des Hilde Umdasch Hauses sind diese Feiern stets eine willkommene<br />

Abwechslung.<br />

Volkstümliches Benefizkonzert<br />

Der gerade mal 17 Jahre alte Marvin Lorenz, Musiker und Entertainer<br />

aus Stephanshart, hatte vor einigen Monaten einen Bericht über<br />

die <strong>Malteser</strong> Kinderhilfe gelesen. Das veranlasste den jungen Mann,<br />

ein einzigartiges Benefizkonzert auf die Beine zu stellen und dazu<br />

gleich mehrere Musikgruppen einzuladen. Unter dem Titel<br />

„Musikantenstadl 2.0“ begeisterten im Schlosshotel Zeillern die<br />

Künstler „Alpenfeuer“, „<strong>Die</strong> Kurvenschneider“, „<strong>Die</strong> Dorfzigeuner“,<br />

„<strong>Die</strong> 3 Zünftigen“ sowie Marco Spiegl und Josef Heher als Hansi<br />

Hinterseer-Double das Publikum. Alle Künstler verzichteten zugunsten<br />

der <strong>Malteser</strong> Kinderhilfe auf ihre Gage. Das Schlosshotel<br />

Zeillern stellte den Veranstaltungsraum kostenlos zur Verfügung.<br />

Das Team der <strong>Malteser</strong> Kinderhilfe freut sich über das soziale Engagement<br />

und über die tolle Initiative und sagt herzlich Danke!<br />

46<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


MALTESERÖSTERREICH<br />

Mit Liebe selbstgemacht<br />

Julia Sponseiler ist Gründerin und Inhaberin von „Jullina“ (www.<br />

jullina.at/Instagram @jullina.handgemacht). Ihr Produktsortiment<br />

umfasst liebevoll genähte und individuelle Kindermode aus Bio-<br />

Stoffen sowie einzigartige personalisierte Geschenkideen. Um den<br />

kleinsten Bewohnern des Hilde Umdasch Hauses eine Freude zu<br />

machen, hat sich Julia Sponseiler dazu entschieden, sie mit gemütlichen<br />

Pumphosen, Pullis, Schals, Hauben und Stirnbändern auszustatten.<br />

Vielen lieben Dank, Julia!<br />

Eine herzliche Botschaft<br />

Nach Weihnachten erhielten die Mitarbeiter der <strong>Malteser</strong> Kinderhilfe eine besonders herzliche Botschaft: Eine Spende<br />

über € 110,– wurde zusammen mit einer Weihnachtskarte persönlich übergeben. <strong>Die</strong> Worte berührten das Team der<br />

<strong>Malteser</strong> Kinderhilfe zutiefst:<br />

„Sehr geehrtes Team vom Hilde Umdasch Haus!<br />

13 Familien aus Matzendorf/St. Georgen/Y. besuchten einander in der Adventszeit, um mit Gebet und<br />

Gastfreundschaft das Fest der Geburt unseres Erlösers zu erwarten. Im Lukasevangelium lesen wir,<br />

dass Maria das Jesuskind in eine Krippe legte, weil in der Herberge kein Platz mehr war. Das Hilde<br />

Umdasch Haus hat Platz für Kinder, die wegen ihrer Erkrankung nicht zu Hause leben können. Durch<br />

euren Einsatz ist es möglich, dass Kinder in schwierigen Lebensphasen eine Herberge haben. Mit unserem<br />

kleinen Beitrag wollen wir dafür DANKE sagen.“<br />

Das gesamte Team der <strong>Malteser</strong> Kinderhilfe bedankt sich bei den 13 Familien von Herzen. Es tut<br />

unbeschreiblich gut, diese lieben Worte zu lesen.<br />

Schneider Consult Ziviltechniker GmbH<br />

spendet € 1.500,–. Danke!<br />

Großzügige Spende vom Club Niederösterreich. Vergelt’s Gott!<br />

(Copyright TIPS Amstetten, Fr. Aichinger Michaela)<br />

Spendenübergabe Kinderhilfelauf 2022<br />

Beim 6. Kinderhilfelauf Amstetten wurde ein neuer Spendenrekord<br />

erzielt: Insgesamt wurden € 33.964,89 gesammelt<br />

und als Spendenscheck an die <strong>Malteser</strong><br />

Kinderhilfe übergeben. Danke, danke, danke! Mit diesem<br />

Geld können wichtige Förder- und Therapiemittel<br />

für die jungen Bewohner des Hilde Umdasch Hauses angeschafft<br />

werden.<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 47


MALTESERÖSTERREICH<br />

Weihnachten im Hilde Umdasch Haus<br />

<strong>Die</strong> Bewohner des Hilde Umdasch Hauses erhielten zu Weihnachten Geschenke von der „Wichtel Challenge“. Hier<br />

können Menschen über die Online-Plattform www.wichtelchallenge.at Wünsche von bedürftigen Bewohnern sozialer<br />

Einrichtungen erfüllen.<br />

Zusätzlich dazu hat Frau Wimmer aus Amstetten einen „Wünsche-Baum“ zugunsten der Bewohner des Hilde Umdasch<br />

Hauses am Hauptplatz in Amstetten aufgestellt. Hier konnten Wünsche gepflückt und erfüllt werden. Am 22. Dezember<br />

brachte Frau Wimmer die gesammelten Geschenke ins Hilde Umdasch Haus.<br />

Gerade für jene Bewohner des Hilde Umdasch Hauses, die keinen Kontakt zu ihren Familien haben, sind Initiativen<br />

wie diese außerordentlich wertvoll. <strong>Die</strong> Freude war riesengroß!<br />

Am 24. Dezember wurde mit dem diensthabenden Pflegepersonal Weihnachten gefeiert. Eine Reiterstaffel vom Reitverein<br />

Geiger brachte uns das Friedenslicht, und am Abend wurden die Geschenke ausgepackt.<br />

<strong>Die</strong> Bäuerinnen Amstetten, die Landjugend Amstetten, der Bildungshof Gießhübl und private Spender unterstützten<br />

die <strong>Malteser</strong> Kinderhilfe mit köstlichen Weihnachtskeksen und Apfel-/Früchtebrot. <strong>Die</strong> selbstgebackenen Delikatessen<br />

konnten gegen eine freiwillige Spende zugunsten der <strong>Malteser</strong> Kinderhilfe verteilt werden. Auch Interspar<br />

Amstetten beteiligte sich an dem karitativen Kekse-Verkauf und stellte Zutaten fürs Keksebacken im Wert von rund<br />

€ 200,– zur Verfügung.<br />

48<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


MALTESERÖSTERREICH<br />

MALTESER CARE<br />

AUSBILDUNG ZUR HEIMHILFE<br />

MALTESER Care startet eine neue Ausbildungsoffensive zur Heimhilfe mit Jobgarantie.<br />

Von Susanne Wick<br />

Heimhilfen sind die helfenden Hände wo immer sie<br />

gebraucht werden …<br />

Wir suchen engagierte Teilnehmer für die Ausbildung zur<br />

Heimhilfe mit Jobgarantie. <strong>Die</strong> kostenlose dreieinhalbmonatige<br />

Vollzeitausbildung befähigt sie zur Ausübung<br />

des Berufs Heimhelfer. Schon während der Ausbildung<br />

werden sie von uns begleitet und können im Praktikum<br />

bei uns erste Erfahrungen sammeln. Während der Ausbildung<br />

erhalten sie eine finanzielle Unterstützung des AMS<br />

in Höhe von mindestens € 894,90 pro Monat. <strong>Die</strong> Teilnehmer<br />

sind kranken-, unfall- und pensionsversichert.<br />

Wir garantieren nach abgeschlossener Ausbildung einen<br />

fixen Job als Heimhelfer bei <strong>Malteser</strong> Care im Ausmaß<br />

von mindestens 30 Wochenstunden.<br />

Hilfe und Unterstützung in vielen Lebensbereichen<br />

<strong>Die</strong> Aufgaben im Bereich der Haushaltsführung beinhalten<br />

das Aufräumen, das Erledigen von Besorgungen, die<br />

Versorgung der Wäsche, die Zubereitung kleiner Mahlzeiten,<br />

und vieles mehr.<br />

Heimhilfen unterstützen beim An- und Auskleiden, bei<br />

der Körperpflege wie etwa beim Waschen, Duschen und<br />

Baden sowie Versorgung bei Inkontinenz. Sie erinnern an<br />

die Medikamenteneinnahme und tragen dazu bei, dass<br />

die uns anvertrauten Menschen mehr Lebensqualität im<br />

Alter genießen können.<br />

Viele Menschen, die alleine leben, brauchen oft Ansprache<br />

oder eine Anregung zur Beschäftigung. Hier kann<br />

man unterstützend helfen, ebenso bei der Förderung von<br />

Kontakten im sozialen Umfeld. <strong>Die</strong> Zusammenarbeit mit<br />

Fachkräften aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich gehören<br />

ebenso dazu wie Beobachtung und Dokumentation<br />

der durchgeführten Maßnahmen.<br />

Wir bieten<br />

• Multiprofessionelles Team<br />

• Erfahrene und qualifizierte Kollegen<br />

• Arbeiten auf Augenhöhe<br />

• Respektvoller Umgang im Team<br />

• Wertschätzendes Miteinander und Füreinander<br />

• Faire Entlohnung nach SWÖ-Kollektivvertrag<br />

• Mitgestaltungsmöglichkeiten im Arbeitsumfeld<br />

• Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten<br />

JETZT bewerben unter www.malteser.care/jobs<br />

Ihre aussagekräftige Bewerbung senden Sie bitte<br />

an:<br />

<strong>Malteser</strong> Care GmbH, Ungargasse 3A, 1030 Wien<br />

Herr Esmir Kavazovic MBA – Pflegemanagement/PDL,<br />

E: esmir.kavazovic@malteser.care<br />

In Kooperation mit dem WAFF, AMS und mehreren Ausbildungsinstitutionen<br />

in Wien<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 49


MALTESERÖSTERREICH<br />

MALTESER CARE<br />

EINE „BABYBOOMERIN“ *) GEHT IN PENSION<br />

Christine Peyfuß wurde am 14. April 1963 als Tochter eines praktischen Arztes und einer Krankenschwester in Leoben<br />

in der Steiermark geboren und verbrachte dort mit ihrer Schwester und ihrem Bruder Kindheit und Schulzeit.<br />

Nach erfolgreicher Absolvierung der Krankenpflegeschule<br />

im Jahr 1984, startete Christine ihre Karriere in der Abteilung<br />

für Innere Medizin des Landeskrankenhauses Leoben.<br />

Von Susanne Wick<br />

Im Jahr 1987 heirateten sie und ihr Mann Wilfried und<br />

das Paar übersiedelte nach Wien, wo Christine in einem<br />

medizinisch-technischen Labor arbeitete. Ein Jahr später<br />

kam ihr Sohn Bernhard zur Welt. Nach mehreren erfolgreichen<br />

Jahren in Wien ging es nach Steyrling in Oberösterreich,<br />

wo Christine im Bereich der Hauskrankenpflege<br />

als Einsatzleiterin tätig war. Seit 2011 war Christine<br />

dann als Case & Care-Managerin für <strong>Malteser</strong> Care in<br />

Oberösterreich und der Steiermark tätig.<br />

Liebe Christine, Du gehst bald in Deinen wohlverdienten<br />

Ruhestand, zwölf Jahre bei <strong>Malteser</strong> Care<br />

waren eine sehr erfolgreiche und sicherlich auch<br />

sehr ereignisreiche Zeit. Was waren Deine persönlichen<br />

Highlights, wenn Du die Zeit bei <strong>Malteser</strong><br />

Care Revue passieren lässt?<br />

Mein Start bei <strong>Malteser</strong> Care war in der Zeit des Aufbaus<br />

in Oberösterreich. Unermüdliches Schaffen, Stolz auf das<br />

Erreichte und ja nicht nachlassen. Das noch kleine Team<br />

hat sich gemeinsam unterstützt und oft bis in die Nacht<br />

und am Wochenende gearbeitet. Mit wachsendem Kundenstamm<br />

konnte das Team Oberösterreich erweitert<br />

und vergrößert werden.<br />

Du hast fast 40 Jahre im Pflegebereich gearbeitet,<br />

was hat sich aus Deiner Sicht in den Jahren geändert?<br />

<strong>Die</strong> aktive Pflege am Patienten ist für eine diplomierte<br />

Pflegefachkraft immer mehr in den Hintergrund getreten,<br />

der administrative Teil immens gestiegen. Der Computer<br />

ist nach meiner Ausbildung sowohl im stationären als auch<br />

im mobilen Bereich zum Standardgerät geworden.<br />

Früher gab es vor allem Arbeitsplätze im Krankenhaus<br />

oder im Altersheim. In den vergangenen Jahrzehnten<br />

entwickelte sich die „Mobile Betreuung“ und die 24-Stunden-Pflege<br />

im häuslichen Bereich zu einem wichtigen<br />

Bestandteil der österreichischen Pflegelandschaft. Unzählige<br />

beratende Tätigkeiten gehören heute zum Aufgabenbereich<br />

einer diplomierten Pflegefachkraft.<br />

Warum würdest Du jungen Menschen empfehlen<br />

den Pflegeberuf zu wählen?<br />

Das Arbeiten mit und am Menschen, persönliches Einwirken<br />

und „Gutes, Erfüllendes tun“. Der Pflegeberuf ist<br />

ein sehr gefragter Beruf und sehr krisensicher. Vielfältige<br />

Sonderausbildungen sind nach der Grundausbildung jederzeit<br />

und nach Interesse möglich.<br />

Warum sollten sie Deiner Meinung nach unbedingt<br />

Teil des Teams von <strong>Malteser</strong> Care werden?<br />

<strong>Die</strong> Case- und Care-Manager in der 24-Stunden-Pflege<br />

sind ein überschaubarer Teil des Teams von <strong>Malteser</strong> Care.<br />

Der persönliche Kontakt unter den Kollegen, Hilfestellungen<br />

und Fragen schweißen das Team zusammen.<br />

50<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


MALTESERÖSTERREICH<br />

Das Case- und Care-Management ist sehr umfassend.<br />

Der ständige Kontakt mit den Klienten und den Angehörigen,<br />

den Ärzten, Therapeuten und den Betreuungspersonen<br />

vor Ort, erfordert gemeinsame Problemlösungen<br />

aller Beteiligten.<br />

So können unsere Klienten in ihrem gewohnten Umfeld<br />

zu Hause betreut und gepflegt werden.<br />

Du wirst jetzt mehr Zeit haben Dein Leben zu<br />

genießen, worauf freust Du Dich am meisten?<br />

Etwas Zeit für mich zu haben, Lesen, Reisen.<br />

Andererseits werden mein Mann und ich in einem<br />

Jahr wieder in die Steiermark übersiedeln und ich<br />

werde dafür die nötigen Vorbereitungen treffen.<br />

Hast Du ein persönliches Lebensmotto?<br />

Carpe diem – Nutze den Tag.<br />

Liebe Christine, wir dürfen Dir, auch im Namen<br />

aller Kollegen, für Dein großes Engagement und<br />

Deinen unermüdlichen Einsatz, den Du die letzten<br />

zwölf Jahre für <strong>Malteser</strong> Care geleistet hast, von<br />

ganzem Herzen danken und Dir alles, alles Gute<br />

für Deinen Ruhestand wünschen.<br />

*) Mit der Baby-Boomer-Generation sind die besonders geburtenstarken<br />

Jahrgänge von 1956 bis 1969 gemeint, die jetzt schrittweise in Pension<br />

gehen. Ihnen folgen die geburtsschwächsten Jahrgänge ins Erwerbsleben,<br />

dadurch verschärft sich der Fachkräftemangel. Hiervon ist vor<br />

allem auch der Pflegebereich betroffen.<br />

MALTESER CARE<br />

AM BEGINN DER<br />

PFLEGE-<br />

KATASTROPHE<br />

<strong>Die</strong> 24-Stunden-Betreuung muss gerettet werden!<br />

Von Susanne Wick<br />

Wo bleibt die Menschenwürde?<br />

Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, alles dafür zu tun,<br />

dass die 24-Stunden-Betreuung in Österreich ein fixer<br />

Bestandteil der österreichischen Pflegelandschaft bleibt.<br />

Es muss nicht nur ihre Finanzierung adäquat angepasst<br />

und sichergestellt werden, sondern es müssen ebenso<br />

ausreichend qualifizierte Betreuungspersonen in Österreich<br />

für die Betreuung von Klienten im eigenen zu Hause,<br />

zur Verfügung stehen.<br />

Wie wir bereits mehrmals darauf hingewiesen haben, hat<br />

der Gesetzgeber die im Jahr 2007 eingeführte Förderung<br />

von € 550,– seither nicht erhöht und an die Inflation angepasst,<br />

was zur Folge hat, dass sich immer mehr betreute<br />

Personen ihre Betreuung nicht mehr leisten können<br />

und immer mehr Menschen, die eine Betreuung zu Hause<br />

benötigen würden, auf Grund nicht ausreichender finanzieller<br />

Mittel, nicht versorgt werden können.<br />

Evelyn Brezina, Klientin von <strong>Malteser</strong> Care und Betroffene<br />

ist empört: „Seit heute haben es alle zu Pflegenden<br />

selbst am Konto gesehen. So sieht die Hilfe der Bundesregierung<br />

in der 24h-Pflege-Misere aus:<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 51


MALTESERÖSTERREICH<br />

Der Zuschuss zur 24-Stunden-Betreuung wurde von monatlich<br />

€ 550,– (viel zu wenig), um € 90,– pro Monat erhöht.<br />

Aber wenn ein Mensch im Pflegeheim betreut wird,<br />

bezahlt von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich,<br />

der Staat bis zu € 9.000,– im Monat!<br />

Wie soll ich als Berufsunfähigkeitspensionistin mit Mindestpension<br />

und trotz Pflegestufe 7 (die nicht ausreicht),<br />

damit 2 Pflegerinnen mehr Honorar bezahlen, wenn ich<br />

alleine für Heizung und Strom € 130,– mehr pro Monat<br />

zahlen muss? Abgesehen davon, € 90,– geteilt durch zwei<br />

Pflegerinnen dividiert durch 14 Tage (= 1 Turnus), ergibt<br />

eine Erhöhung von € 3,2 pro Tag bei einer Anwesenheitszeit<br />

von 22 Stunden täglich! Das sind € 0,14/Stunde!“<br />

<strong>Die</strong> Förderung muss verdoppelt werden<br />

Für Helmut Lutz, Geschäftsführer von <strong>Malteser</strong> Care ist<br />

klar, dass die Förderung endlich verdoppelt werden muss,<br />

damit die 30.000 Familien in Österreich, die darauf vertrauen,<br />

nicht im Stich gelassen zu werden, auch tatsächlich<br />

adäquate Hilfe erhalten. Alles andere ist zynisch und sollte<br />

nicht als besondere Errungenschaft gefeiert werden.<br />

<strong>Die</strong> Rot-Weiß-Rot-Karte, auch für Fachkräfte aus dem<br />

Pflegebereich, wäre eine gute Lösung, aber …<br />

... um die Rot-Weiß-Rot-Karte zu erhalten, müssen derzeit<br />

Drittstaatsangehörige unterschiedlicher Berufs- und<br />

Qualifikationsgruppen bei einer Liste von Voraussetzungen<br />

eine bestimmte Punktezahl erreichen, was in etlichen<br />

Fällen scheitert. Auch findet eine Differenzierung beim<br />

Alter statt. So gibt es die volle Punktzahl bis zum 30. Lebensjahr,<br />

ab 40 gibt es null Punkte und so bleibt der Zugang<br />

zum Arbeitsmarkt für ältere Fachkräfte verwehrt.<br />

Zusätzlich wird der Zugang durch bürokratische, administrative<br />

und formalistische Hürden sowohl für potentielle<br />

Fachkräfte als auch für die österreichischen Unternehmen,<br />

die diese dringend benötigen, erschwert.<br />

Der Gesetzgeber befasst sich aktuell mit einer Reform<br />

der Rot-Weiß-Rot-Karte und hat gemeinsam mit der<br />

österreichischen Standortagentur, der Austrian Business<br />

Agency (ABA) eine Plattform „Work in Austria“ ins Leben<br />

gerufen. <strong>Die</strong>se soll mehrsprachige Information und gezielte<br />

Beratung sowie Unterstützung bei Antragsverfahren<br />

anbieten.<br />

Wir können nur hoffen, dass endlich Reformen und nicht<br />

nur leere Versprechen zum Wohl aller angegangen werden!<br />

Personal und Fachkräftemangel ergänzen die<br />

Pflegemisere<br />

Seit Jahren wissen alle im Pflegebereich tätigen Akteure,<br />

dass wir es mit einem immensen Personalproblem zu tun<br />

haben, da die geburtenstarken Jahrgänge 1956 bis 1969,<br />

die sogenannten Babyboomer, in Pension gehen und die<br />

geburtenschwächsten Jahrgänge ins Berufsleben einsteigen.<br />

Wie kann diesem Fachkräftemangel schneller<br />

entgegengewirkt werden?<br />

52<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


MALTESERÖSTERREICH<br />

MALTESER ORDENSHAUS UND MALTESER CARE<br />

JETZT MITGLIEDER DER PLATTFORM<br />

DEMENZFREUNDLICHES WIEN<br />

Von Susanne Wick, Gerhard Ernst<br />

<strong>Malteser</strong> Care ist jetzt offizielles<br />

Mitglied der Plattform demenzfreundliches<br />

Wien!<br />

<strong>Die</strong> Plattform demenzfreundliches Wien<br />

ist ein Bogen, den die Stadt Wien über<br />

alle Initiativen spannt, die sich zum Thema<br />

Demenzfreundlichkeit engagieren.<br />

Das sind derzeit rund 70 Mitgliederorganisationen, dabei<br />

sind alle 23. Bezirke, Betroffenen-, Angehörigen-,<br />

Pflege- und Betreuungsorganisationen, Bildungsinstitutionen<br />

sowie öffentliche Stellen wie die Wiener Linien,<br />

Krankenhäuser, Wiener Wohnen, die Universität Wien,<br />

die Polizei und viele mehr …<br />

<strong>Malteser</strong> Care bietet Ihnen die Möglichkeit, sich ausführlich<br />

über die Möglichkeiten der Unterstützung und<br />

Betreuung eines an Demenz erkrankten Angehörigen<br />

zu Hause zu informieren und gemeinsam mit Ihnen ein<br />

für den Betroffenen optimales Betreuungsmodell zu erstellen.<br />

Bitte kontaktieren Sie dafür unser kompetentes<br />

Team.<br />

Das <strong>Malteser</strong> Ordenshaus ist stolzes Mitglied im<br />

Netzwerk „demenzfreundliches Wien Landstraße“<br />

Teilnahme am Aktionstag in Wien Mitte „The Mall“<br />

Das <strong>Malteser</strong> Ordenshaus freut sich sehr darüber, seit<br />

Oktober 2022 Mitglied im Netzwerk „demenzfreundliches<br />

Wien Landstraße“ zu sein. <strong>Die</strong> Initiative setzt<br />

sich dafür ein, dass Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen<br />

in der Stadt Wien bestmöglich unterstützt<br />

werden. Wir sind davon überzeugt, dass das Netzwerk<br />

wichtige Arbeit leistet und schätzen uns glücklich, Teil<br />

davon zu sein. Am Aktionstag des Netzwerkes „demenzfreundliches<br />

Wien Landstraße“ in Wien Mitte „The Mall“<br />

waren unser Geschäftsführer Herr Mag. Kissich und unser<br />

Pflegedienstleiter Herr Ernst (MSc) persönlich anwesend<br />

und ließen es sich nicht nehmen, den vielen interessierten<br />

Besuchern das Angebot des Ordenshauses<br />

vorzustellen.<br />

www.malteser.care<br />

www.malteser-ordenshaus.at<br />

www.senior-in-wien.at/p/demenzfreundlicheswien<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 53


MALTESERÖSTERREICH<br />

Christkindlmarkt im Schloss Kobersdorf: Vielen Dank an Anni Schlanitz, Stefanie und Moritz Schuschnigg für die<br />

Organisation unseres Punschstandes, sowie das tolle Ergebnis, das uns weiterhin ermöglicht, viele Ausflüge mit unseren<br />

Betreuten zu unternehmen.<br />

NEUES AUS DEM BEREICH<br />

BURGENLAND<br />

Neues von der Ausbildungsgruppe 2022/23<br />

<strong>Die</strong> heurigen ABler konnten bei einem gemütlichen<br />

Abendessen ihre Paten kennenlernen. Alle freuen sich<br />

nun schon auf die gemeinsamen <strong>Die</strong>nste.<br />

Weihnachtsfeier im <strong>Malteser</strong> Ordenshaus<br />

Wunderbar, dass wir nach so langer Zeit wieder eine gemeinsame Weihnachtsfeier mit fast 60 Bewohnern im prachtvollen<br />

Refektorium erleben durften. Es wurde gesungen, gebetet und <strong>Malteser</strong>-Lebkuchen wurden übergeben.<br />

54<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


MALTESERÖSTERREICH<br />

NEUES AUS DEM BEREICH<br />

WIEN<br />

VinziRast: Montags kümmern sich die <strong>Malteser</strong> in der<br />

VinziRast im 12. Bezirk um eine warme Mahlzeit für<br />

Obdachlose. Dabei ergibt sich immer wieder ein netter<br />

Austausch.<br />

Valletta: Jeden Mittwoch Abend treffen sich unter einem wöchentlich<br />

wechselndem Thema ehrenamtliche <strong>Malteser</strong> mit unseren Betreuten. Dort<br />

wird gebastelt, gespielt, gesungen und gelacht. Gemeinschaft und Kreativität<br />

stehen dabei im Mittelpunkt.<br />

VOLKSSCHUL-REA: <strong>Die</strong> <strong>Malteser</strong> bieten Reanimationskurse in Volksschulen an, in denen Kinder mit erster Hilfe<br />

vertraut werden. So erlernen sie spielerisch Basiskenntnisse auf diesem Gebiet, um selbst in einem Notfall zu kleinen<br />

Lebensrettern zu werden.<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 55


MALTESERÖSTERREICH<br />

NEUES AUS DEM BEREICH<br />

SALZBURG<br />

Weihnachtssammlung in der Pfarre Gnigl ...<br />

Adventfeier: Erzabt Korbinian Birnbacher OSB bei der<br />

Predigt und gemeinsamem Weihnachtsliedersingen ...<br />

... und Salzburg Dom (v.l.n.r. Max Kurz-Thurn-Goldenstein,<br />

Anna Weinkamer).<br />

NEUES AUS DEM BEREICH<br />

SALZBURG<br />

... Adventfeier (v.l.n.r. Dr. Sebastian Huber (2. Landtagspräsident),<br />

Udo Thianich-Schwamberger (Bereichsleiter),<br />

Max Kurz-Thurn-Goldenstein (Stv. Bereichsleiter),<br />

OMR Dr. Werner Aufmesser (Präsident des Roten<br />

Kreuz Salzburg).<br />

Keksebacken für unsere Betreuten als Weihnachtsüberraschung<br />

bei Hausbesuchen.<br />

Gemeinsame Jause vor der Monatsmesse im Jänner,<br />

anschließende Messe in der Kajetanerkirche ...<br />

Gemeinsames Pizzabacken mit unseren Betreuten ...<br />

56<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong><br />

... und gemeinsames Abendessen am wöchentlichen<br />

Ausbildungsabend.


MALTESERÖSTERREICH<br />

Weihnachtsfeier: Am 17.12.2022 hatten wir in der Steiermark unsere Weihnachtsfeier. Wir haben uns sehr gefreut,<br />

dass uns Corona dieses Jahr keinen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Nach einer schönen Messe, in der unsere<br />

neue Ausbildungsgruppe vorgestellt wurde und verdiente Mitglieder geehrt wurden, hatten wir noch ein gemütliches<br />

Beisammensein in der Herz Jesu Kirche.<br />

NEUES AUS DEM BEREICH<br />

STEIERMARK<br />

Bereichsmesse: Auch im neuen Jahr trafen wir uns<br />

zur monatlichen Bereichsmesse.<br />

Neujahrsdinner: Am 20.1. feierten wir den Jahresbeginn<br />

nochmals mit unseren Betreuten. Wir wurden<br />

mit köstlichem Essen verwöhnt und damit starten wir<br />

gut ins Jahr <strong>2023</strong>.<br />

Sammlung: Auch in der Steiermark haben wir brav gesammelt. Vielen Dank an alle, die dazu beigetragen haben.<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 57


MALTESERÖSTERREICH<br />

NEUES AUS DEM BEREICH<br />

TIROL/VORARLBERG<br />

Einkehrwochenende<br />

<strong>Die</strong> Ausbildungsgruppen der Jahre 2021 und 2022 hielten<br />

gemeinsam mit dem Bereichsseelsorger Leopold Baumberger<br />

BA OPraem auf der Astenhütte am Pillberg ein Einkehrwochenende<br />

ab.<br />

Bereichsmesse und Totengedenken<br />

Mitte November feierten wir wieder<br />

eine Bereichsmesse mit großer Unterstützung<br />

der Ausbildungsgruppe. Wir<br />

gedachten der in diesem Jahr verstorbenen<br />

Betreuten.<br />

Adventkranzbinden und Weihnachtsfeier<br />

Im Rahmen eines gemeinsamen Abends wurden Adventkränze gebunden und Weihnachtskekse gebacken. Mitte Dezember<br />

fand im Leuthaus des Stiftes Wilten unsere Weihnachtsfeier statt.<br />

Fotos: Verein Hand auf‘s Herz / Franz Oss<br />

Friedensmarsch in Innsbruck<br />

Kurz vor Weihnachten nahmen wir<br />

gemeinsam mit den anderen Tiroler<br />

Einsatz- & Blaulichtorganisationen<br />

am Friedensmarsch des Vereins<br />

„Hand auf’s Herz“ mit Bischof<br />

Hermann Glettler teil.<br />

58<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


MALTESERWELTWEIT<br />

ERDBEBEN IN<br />

DER TÜRKEI UND<br />

SYRIEN<br />

MALTESER International organisiert Nothilfe.<br />

Von Elena Becker<br />

Nach dem verheerenden Erdbeben in der Türkei und in<br />

Syrien am frühen Morgen des 6. Februars hat <strong>Malteser</strong><br />

International erste Nothilfemaßnahmen für die Betroffenen<br />

gesetzt. Der Bedarf ist riesig:<br />

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO)<br />

sind etwa 23 Millionen Menschen in einem Gebiet größer<br />

als die Bundesrepublik Deutschland von den Folgen<br />

des Erdbebens betroffen. Mehr als 50.000 Menschen<br />

wurden getötet, 119.000 Menschen verletzt und ganze<br />

Ortschaften und ihre Häuser sowie die Infrastruktur<br />

(Strom, Wasser, Kanalsystem, etc.) komplett zerstört.<br />

Dazu kommt noch eine schwierige politische Situation<br />

im Grenzgebiet durch verfeindete bewaffnete Gruppierungen<br />

und Rebellen sowie der sehr kalte, eisige Winter.<br />

<strong>Malteser</strong> International ist seit 2012 in der Region tätig<br />

und unterstützt verschiedene Projekte für syrische Geflüchtete<br />

in der Türkei sowie Gesundheitseinrichtungen<br />

und Flüchtlingscamps in der Region Idlib in Nordwestsyrien.<br />

Von der Türkei steuern insgesamt 18 Mitarbeitende<br />

von <strong>Malteser</strong> International die Hilfsprojekte und<br />

vom Libanon aus werden Hilfsgüter in das riesige Erdbebengebiet<br />

gebracht.<br />

Informieren Sie sich über die laufenden Hilfsprojekte<br />

über die Webseiten und spenden Sie großzügig, denn<br />

Hilfe wird weiter benötigt!<br />

SPENDEN: <strong>Malteser</strong> Austria, www.malteser.at<br />

IBAN: AT65 2011 1800 8087 0800 (steuerlich<br />

absetzbar) oder <strong>Malteser</strong> International,<br />

www.malteser-international.org<br />

IBAN: DE10 3706 0120 1201 2000 12<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 59


MALTESERWELTWEIT MALTESERWELTWEIT<br />

Foto: © <strong>Malteser</strong> International<br />

Fotos: Nyokabi Kahura/<strong>Malteser</strong> International<br />

MALTESER INTERNATIONAL<br />

MALTESER UNTERSTÜTZEN DEN AUFBAU<br />

Auf der Straße liegen Verletzte, das Szenario ist täuschend echt. Kleine Gruppen von Helfenden haben sich in<br />

gelben Warnwesten um die am Boden liegenden Menschen versammelt, versorgen die aufgemalten Wunden, schienen<br />

Gliedmaßen und tragen die Patienten auf Tragen in die umstehenden Rettungswagen. <strong>Die</strong> Übung im Distrikt<br />

Kasese, im Südwesten Ugandas, ist Teil eines langfristigen Programms zum Aufbau des Rettungswesens in Uganda<br />

und Kenia.<br />

Verkehrsunfälle, Komplikationen bei der Geburt oder<br />

internistische Notfälle – in Kenia und Uganda sind das<br />

immer noch häufige Todesursachen. In den meisten<br />

Regionen fehlt ein zuverlässiges und funktionierendes<br />

Rettungsdienstsystem. <strong>Die</strong> Wahrscheinlichkeit, dass<br />

Menschen vor dem Erreichen des Krankenhauses versterben,<br />

ist in Kenia und Uganda doppelt so hoch wie in<br />

den Ländern des globalen Nordens.<br />

„Ich komme aus dem Westen Ugandas. Vor mehr als<br />

zehn Jahren hätte ich fast meine Mutter verloren. Sie<br />

hatte einen medizinischen Notfall und niemand war in<br />

der Lage ihr zu helfen. Seitdem engagiere ich mich in<br />

der Ersten Hilfe“, berichtet Ambrose Naturinda, der sich<br />

heute als Projektassistent bei <strong>Malteser</strong> International in<br />

Uganda mit um den Aufbau eines nationalen Rettungswesens<br />

nach internationalen Standards kümmert.<br />

Meilenstein 1: Nationale Richtlinien für Uganda<br />

erarbeitet<br />

<strong>Die</strong> <strong>Malteser</strong> unterstützen diesen Aufbau in Uganda<br />

seit dem Jahr 2017 und haben das Programm im Jahr<br />

2020 auch auf Kenia ausgeweitet. In der ersten Phase<br />

wurden zunächst – gemeinsam mit den lokalen Gesundheitsbehörden<br />

und der lokalen Partnerorganisation, der<br />

Association of Ambulance Professionals Uganda – die<br />

rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen und allgemeinverbindliche<br />

Standards etabliert: Beispielsweise in<br />

der Ausbildung von Notfallssanitätern, Rettungssanitätern<br />

sowie Leitstellendisponenten, durch qualifizierte<br />

Ausbildungseinrichtungen nach einem standardisierten<br />

nationalen Lehrplan. „<strong>Die</strong> von uns mit erarbeiteten<br />

Richtlinien wurden im November 2021 in nationales<br />

Recht umgesetzt. Danach wird nun überall in Uganda<br />

gearbeitet“, berichtet Naturinda nicht ohne Stolz.<br />

„In der nächsten Phase wird es nun darum gehen, weitere<br />

Lücken in den gesetzlichen Regelwerken zu schließen<br />

und die bereits standardisierten Richtlinien auf<br />

weitere Distrikte und Regionen auszuweiten.“ Darüber<br />

60<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


MALTESERWELTWEIT<br />

Fotocredit: Nyokabi Kahura/<strong>Malteser</strong> International<br />

Im Distrikt Kasese im Südwesten Ugandas simulieren die <strong>Malteser</strong> und ihre lokalen Partnerorganisationen Nothilfeeinsätze.<br />

DES RETTUNGSWESENS IN OSTAFRIKA<br />

hinaus umfasst das Programm auch den Ausbau der<br />

technischen Ausstattung nach internationalen Standards,<br />

etwa der Ambulanzen oder der Notaufnahmen in<br />

den Partnerkrankenhäusern. „Es hilft schließlich nicht<br />

weiter, wenn wir die Verletzten in die Krankenhäuser<br />

bringen und sie da nicht weiter versorgt werden können“,<br />

sagt Naturinda.<br />

Meilenstein 2: Eröffnung der neuen Leitstelle in<br />

Kenias Hauptstadt Nairobi<br />

Ein weiterer Meilenstein des Programms war die Eröffnung<br />

der neuen Leitstelle in Nairobi, ebenfalls im November<br />

2021. <strong>Die</strong>se ist über eine kostenlose, neu eingerichtete<br />

Notrufnummer zu erreichen und die Mitarbeitenden<br />

können die Krankenwagen mit Hilfe einer Software<br />

sowie eines GPS-Trackings der Fahrzeuge effizient<br />

und zielgerichtet einsetzen. Vorbild für die Arbeit in<br />

Kenia und Uganda ist auch das Rettungswesen in<br />

Deutschland. „Ein Austausch der Akteure in Kenia,<br />

Uganda und Deutschland trägt dazu bei, Wissen zu transferieren,<br />

zu vertiefen und die aufgebauten Beziehungen<br />

zwischen Fachkräften im Rettungswesen des <strong>Malteser</strong><br />

Hilfsdiensts und der kenianischen und ugandischen Institutionen<br />

zu stärken“, sagt Daniel Bergfeld, Referent für<br />

Kenia bei <strong>Malteser</strong> International.<br />

Über Kooperationen, beispielsweise mit dem <strong>Malteser</strong><br />

Bildungszentrum in Wetzlar, organisiert <strong>Malteser</strong><br />

International regelmäßige Lehrgänge in Kenia und<br />

Uganda. Im Dezember 2022 schulten beispielsweise<br />

zwei ehrenamtliche <strong>Malteser</strong> 42 Ärzte, Pflegekräfte und<br />

Medizintechniker aus verschiedenen Kliniken in Kenia<br />

und Uganda im Einsatz an Beatmungsgeräten ein, die<br />

den <strong>Malteser</strong>n vom Bundesgesundheitsministerium gespendet<br />

wurden. Insgesamt erhielten die <strong>Malteser</strong> mehr<br />

als 128 Beatmungsgeräte für den Einsatz in Kenia und<br />

Uganda sowie 400 Pulsoxymeter.<br />

In ersten Nothilfeeinsätzen waren die Teams der<br />

<strong>Malteser</strong> und ihrer lokalen Partner zudem bereits landesweit<br />

in Uganda im Einsatz: In den Jahren 2020 und<br />

2022 halfen Nothilfeteams nach verheerenden Überschwemmungen<br />

bei der medizinischen Versorgung der<br />

Betroffenen. In den Ambulanzfahrzeugen der <strong>Malteser</strong><br />

und ihrer Partner kamen bei dem Einsatz im Jahr 2020<br />

elf Babys gesund auf die Welt. Sie wurden von der Bevölkerung<br />

liebevoll „<strong>Malteser</strong> Babys“ genannt.<br />

Mehr über die Arbeit von <strong>Malteser</strong> International<br />

erfahren Sie auf unserer Website:<br />

www.malteser-international.org/de<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 61


MALTESERWELTWEIT<br />

TAGEBUCH<br />

Seit zwei Jahren hat es im Norden Kenias nicht geregnet und es herrscht Dürre und Hunger.<br />

MALTESER INTERNATIONAL<br />

AUSWEITUNG DER HILFE IN KENIA UND<br />

ÄTHIOPIEN, UM KONFLIKTE ZU VERHINDERN<br />

Von Roland Hansen, Leiter der Afrika-Abteilung <strong>Malteser</strong> International<br />

Seit mehr als zwei Jahren hat es am Horn von Afrika<br />

viel zu wenig geregnet. Millionen Nutztiere sind bereits<br />

verhungert, Weiden verdorrt und Brunnen ausgetrocknet.<br />

Mehr als 20 Millionen Menschen sind dringend auf<br />

Hilfe angewiesen. Bereits seit zwei Jahren versorgt <strong>Malteser</strong><br />

International die Menschen im Norden Kenias, die<br />

unter den Folgen dieser verheerenden Dürre leiden, mit<br />

Trinkwasser, Nahrungsmitteln, Bargeld und Viehfutter.<br />

In den vergangenen Monaten kamen zudem immer<br />

mehr Menschen aus Äthiopien über die Grenze, in der<br />

Hoffnung, für ihre Nutztiere genügend Futter zu fin-<br />

62<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


MALTESERWELTWEIT<br />

Fotos: PACIDA/<strong>Malteser</strong> International<br />

<strong>Malteser</strong> International verteilt in Kenia und im südlichen<br />

Äthiopien Trinkwasser, Lebensmittel und Zusatznahrung.<br />

den. Um den Familien die Strapazen der Flucht zu ersparen<br />

und um Konflikte um die verbliebenen Ressourcen<br />

zu verhindern, weitet <strong>Malteser</strong> International die<br />

Hilfen auf Äthiopien aus. In den kommenden Monaten<br />

werden nun auch im südlichen Äthiopien die Menschen<br />

mit Trinkwasser, Lebensmitteln und Zusatznahrung für<br />

Schwangere und Kleinkinder versorgt, die Bauern erhalten<br />

Futter für ihr Vieh. An zehn Schulen in Äthiopien erhalten<br />

zudem rund 4.000 Schüler eine warme Mahlzeit.<br />

SPENDE DER AMERICAN<br />

AUSTRIAN FOUNDATION:<br />

HILFE FÜR KRIEGS-<br />

VERLETZTE<br />

Von Victoria Przybilla,<br />

Referentin für die Ukraine bei <strong>Malteser</strong> International<br />

<strong>Die</strong> Spendenbereitschaft für die Menschen in der Ukraine<br />

ist seit einem Jahr ungebrochen groß – auch von Stiftungen<br />

und Unternehmen – sodass im Rahmen des Hilfsprogramms<br />

von <strong>Malteser</strong> International in der Ukraine viele<br />

wertvolle Initiativen ermöglicht werden können.<br />

Dank einer großzügigen Spende der American Austrian<br />

Foundation (AAF), die Vorstandsmitglied Gregor<br />

Medinger ermöglichte, konnte <strong>Malteser</strong> International<br />

280 Rollstühle ankaufen und in die Ukraine bringen.<br />

<strong>Die</strong>se rasche humanitäre Hilfe verhilft kriegsverletzten<br />

Menschen wieder zu Mobilität und Selbständigkeit.<br />

Im zentralen Lager in Lwiw nahmen die ukrainischen<br />

<strong>Malteser</strong> die Rollstühle in Empfang und begleiten<br />

den weiteren Einsatz. <strong>Die</strong> <strong>Malteser</strong> stehen in engem<br />

Kontakt mit Krankenhäusern und Reha-Zentren in der<br />

Region Charkiw, in Kiew und im Großraum Lwiw und<br />

organisieren nun<br />

die bedarfsgerechte<br />

Verteilung.<br />

Fotocredit: <strong>Malteser</strong> Ukraine<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 63


MALTESERWELTWEIT<br />

EIN JAHR NACH KRIEGSBEGINN<br />

Hilfe von MALTESER International in der Ukraine.<br />

Von Lisa Schönmeier<br />

Leitung des Teams Ukraine bei <strong>Malteser</strong> International<br />

Am frühen Morgen des 24. Februars 2022 startete Russland<br />

einen landesweiten Angriffskrieg auf die Ukraine,<br />

unter dem Millionen Menschen leiden. <strong>Die</strong> internationale<br />

<strong>Malteser</strong>familie koordinierte und organisierte vom<br />

ersten Tag an umfangreiche Hilfen und wird auch in den<br />

kommenden Jahren den Menschen in der Ukraine weiter<br />

zur Seite stehen.<br />

Ostukraine anbietet. Seit Februar vergangenen Jahres<br />

ist die Zahl der Menschen, die unter den Traumata des<br />

Krieges und der Vertreibung leiden und damit auch der<br />

Bedarf an psychosozialer Unterstützung, noch einmal<br />

stark gestiegen. Um mehr Menschen mit entsprechenden<br />

Angeboten erreichen zu können, wurde das Programm<br />

ausgebaut.<br />

Im Rahmen der Winterhilfe halfen Freiwillige ...<br />

Therapeutische Angebote ...<br />

Fotos: <strong>Malteser</strong> Ukraine/<strong>Malteser</strong> International<br />

... Häuser von Kriegsbetroffenen winterfest zu machen.<br />

... wurden insbesondere für Kinder ausgebaut.<br />

<strong>Die</strong> Hilfe von <strong>Malteser</strong> International fokussiert<br />

sich auf mehrere Schwerpunkte:<br />

Ein wichtiger Baustein der Hilfe ist die psychosoziale<br />

Unterstützung, die <strong>Malteser</strong> International in Zusammenarbeit<br />

mit den <strong>Malteser</strong>n in der Ukraine bereits seit<br />

dem Jahr 2015 für Leidtragende des Konfliktes in der<br />

Weiterhin übernimmt <strong>Malteser</strong> International in Zusammenarbeit<br />

mit den <strong>Malteser</strong>n Ukraine die Bereitstellung<br />

von benötigten Hilfsgütern, wie etwa Nahrungsmittel,<br />

medizinisches Ge- und Verbrauchsmaterial, die insbesondere<br />

in den vom Krieg besonders betroffenen Gemeinden<br />

im Osten und Süden der Ukraine benötigt werden. Zur<br />

64<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


MALTESERWELTWEIT<br />

480.000<br />

heiße Mahlzeiten für<br />

Binnenvertriebene verteilt<br />

18.500<br />

Betten in Notunterkünften<br />

bereitgestellt<br />

30.000<br />

erhielten psychosoziale<br />

Unterstützung<br />

13.175<br />

Menschen in Erster Hilfe<br />

geschult<br />

4.500<br />

Tonnen Hilfsgüter in<br />

85<br />

ukrainischen Städten verteilt<br />

16<br />

Ambulanzfahrzeuge in<br />

die Ostukraine geliefert<br />

Hilfe der <strong>Malteser</strong> für die Ukraine in Zahlen (Stand: Ende Dezember 2022).<br />

Stärkung des Gesundheitssystems wurde darüber hinaus<br />

das Notfallkrankenhaus in Lwiw mit einer Prothesenwerkstatt<br />

und einem Bereich für die Patientenversorgung<br />

ausgestattet. Um den sozialen Zusammenhalt zu stärken,<br />

organisieren die Kollegen in der Ukraine Ferienlager für<br />

kriegsbetroffene Kinder im Umland von Lwiw, machen<br />

Spielangebote für Kinder und bieten Erste-Hilfe-<br />

Schulungen an.<br />

Im Rahmen der Winterhilfe halfen die <strong>Malteser</strong> bei der<br />

Unterbringung von Geflüchteten im Westen des Landes,<br />

stellten Winterausrüstungen und Energiequellen für<br />

Soziale Einrichtungen, Haushalte und Gemeinden vor<br />

allem in der Ostukraine bereit und halfen dabei Gebäude<br />

für ihre Bewohner winterfest zu machen.<br />

Kriegsverwundete.<br />

Das Notfallkrankenhaus in Lwiw wurde u.a. mit einer Prothesenwerkstatt ausgestattet.<br />

Hilfe für Oma Nina.<br />

Verteilungen und Hilfe für die Menschen in der Region Charkiw.<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 65


TAGEBUCH<br />

AUSZEICHNUNGEN<br />

Peter Launsky-Tieffenthal, Generalsekretär des Außenministeriums,<br />

erhielt in Anwesenheit des Fürstgroßpriors<br />

aus den Händen des Botschafters des Ordens bei der Republik<br />

Österreich, Sebastian Prinz Schoenaich-Carolath, das Großkreuz<br />

der Verdienstauszeichnung „Pro Merito Melitensi“.<br />

In seiner Laudatio erinnerte der Botschafter an die langen<br />

diplomatischen Beziehungen zwischen dem <strong>Malteser</strong>orden und<br />

Österreich, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen.<br />

Hw. Klaus Sonnleitner Can. Reg. wurde zum Konventualkaplan<br />

ad honorem erhoben. Überreicht wurde die Rangerhöhung<br />

von Oberösterreich-Delegat DDr. Johannes Brücke im<br />

Rahmen einer Zusammenkunft der Delegation im Stift St. Florian.<br />

S. G. Abt Maximilian Heim OCist., wurde vom Großprior von<br />

Österreich des Souveränen <strong>Malteser</strong>-Ritter-Ordens für sein<br />

Wirken ausgezeichnet. In seiner Laudatio betonte der Fürstgroßprior:<br />

„Seit fast 1000 Jahren lebt die Ordensgemeinschaft der<br />

<strong>Malteser</strong> nach dem Grundsatz „Tuitio fidei et obsequium<br />

pauperum“ – Pflege, Stärkung, Werterhaltung, Verteidigung<br />

des Glaubens und Obsorge für die Bedürftigen“. Von<br />

der hier in ihrem wunderbaren Stift Heiligenkreuz praktizierten<br />

tuitio fidei, konnten wir <strong>Malteser</strong> in reichem Maße<br />

profitieren, insbesondere durch Gewährung von spirituellem<br />

und physischem Obdach. Viele Menschen konnten in der<br />

Ruhe dieses Hauses Antworten auf die wesentlichen Fragen<br />

ihres persönlichen Lebens finden. Darum hat der verstorbene<br />

Großmeister Fra’ Giaccomo dalla Torre del Tempio di<br />

Sanguinetto im Zusammenwirken mit dem Souveränen Rat<br />

beschlossen, Abt Maximilian das Großkreuz des Verdienstordens<br />

„pro piis meritis“ zu verleihen.<br />

Sebastian Prinz Schoenaich-Carolath, Peter Launsky-<br />

Tieffenthal.<br />

Hw. Klaus Sonnleitner Can. Reg. bei seiner Erhebung.<br />

Großkreuz für S. G. Abt Maximilian Heim OCist.<br />

GRATIS, aber leider nicht kostenlos.<br />

Es ist uns ein Anliegen, Sie über unsere Arbeit zu informieren.<br />

Doch Produktion und Versand unseres Magazins sind leider<br />

nicht kostenlos. Bitte unterstützen Sie uns!<br />

<strong>Die</strong><br />

<strong>Die</strong><br />

MALTESER<br />

Der Souveräne <strong>Malteser</strong>-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich<br />

Ausgabe 3/2022<br />

MALTESER<br />

<strong>Die</strong><br />

Der Souveräne <strong>Malteser</strong>-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich<br />

Ausgabe 2/2022<br />

MALTESER<br />

Der Souveräne <strong>Malteser</strong>-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich<br />

Ausgabe 1/2022<br />

Konto lautend auf MALTESER Austria<br />

Verwendungszweck: <strong>Zeitung</strong><br />

AT48 2011 1800 8087 0815<br />

✝<br />

Gemeinsam, im <strong>Die</strong>nst am Nächsten<br />

Mobile Pflege: Persönliches, Neues und Berührendes<br />

„Pfarrer haben keine Ahnung vom echten Leben“<br />

Der Weg zur Berufung<br />

Pflege – Beruf mit Wertschöpfung<br />

S.E. Statthalter-Großmeister Fra‘ Marco Luzzago verstorben<br />

Ihre Spende ist steuerlich absetzbar.<br />

Neuer Großprior: Fra´ Gottfried Kühnelt-Leddihn<br />

Wenn soziales Engagement zur Berufung wird<br />

Von Regensburg nach KwaZulu-Natal<br />

66<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>


NEKROLOG<br />

WIR TRAUERN UM =<br />

+ 15. Oktober 2022<br />

Johann-Pius Graf von Goess<br />

Ehren- und Devotionsritter<br />

+ 17. Dezember 2022<br />

Wolfgang Bohle<br />

Betreut im Bereich Tirol/Vorarlberg<br />

+ 28. November 2022<br />

Alois Graf Kálnoky von Köröspatak<br />

Ehren- und Devotionsritter<br />

+ 3. Dezember 2022<br />

S. Exz. Bailli Fra’ John Critien<br />

Professritter und Großprior von Rom<br />

+ 13. Dezember 2022<br />

Bailli Fra’ Dr. Ludwig<br />

Hoffmann von Rumerstein<br />

Professritter und emeritierter Großkomtur von<br />

1994 bis 2004 und 2014 bis 2019<br />

+ 26. Dezember 2022<br />

S. Exz. Bailli Fra’ Carlo d’Ippolito di<br />

Sant’Ippolito<br />

Professritter und emeritierter Großkomtur von<br />

2011 bis 2014<br />

+ 31. Dezember 2022<br />

Seine Heiligkeit Papst emeritus Benedikt XVI.<br />

Oberhaupt der römisch-katholischen<br />

R.I.P.<br />

Kirche<br />

2005 bis 2013<br />

Bailli Ehren- und Devotions-Großkreuzritter<br />

+ 23. Jänner <strong>2023</strong><br />

Róbert Farkas-Kósa<br />

Mitglied im Bereich Oberösterreich<br />

R. I. P.<br />

KONTAKT<br />

Souveräner <strong>Malteser</strong>-Ritter-Orden<br />

Großpriorat von Österreich<br />

Dipl.-Ing. Richard Steeb<br />

T: +43 1 512 72 44<br />

E: smom@malteser.at<br />

www.malteserorden.at<br />

MALTESER Austria<br />

Bundeszentrale<br />

Mag. Manuel Weinberger<br />

T: +43 1 512 53 95<br />

E: zentrale@malteser.at<br />

www.malteser.at<br />

MALTESER International<br />

Dipl.-Ing. Richard Steeb<br />

T: +43 1 512 72 44<br />

E: smom@malteser.at<br />

www.malteser-international.org<br />

MALTESER Care<br />

Helmut Lutz<br />

T: +43 1 361 97 88 Fax -50<br />

Kostenlose Pflegehotline: 0800 201 800<br />

(Mo–So 8.00–20.00 Uhr)<br />

E: office@malteser.care<br />

www.malteser.care<br />

MALTESER Kinderhilfe<br />

Olivier Loudon, Mag. Petra Hellmich, MA<br />

T: +43 7472 982 01<br />

E: office@malteser-kinderhilfe.at<br />

www.malteser-kinderhilfe.at<br />

MALTESER Ordenshaus<br />

Dir. Mag. Thomas Kissich<br />

T: +43 1 597 59 91<br />

E: office@malteser-ordenshaus.at<br />

www.malteser-ordenshaus.at<br />

MALTESER Johannesgemeinschaft<br />

Priv.-Doz. Dr. Johannes Holfeld<br />

T: +43 1 512 72 44<br />

E: mjg@malteser.at<br />

www.malteser-johannesgemeinschaft.at<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong> 67


ERDBEBENHILFE<br />

SYRIEN/TÜRKEI<br />

Ein herzliches Vergelt´s Gott<br />

für Ihre Unterstützung!<br />

I<br />

AT65 2011 1800 8087 0800<br />

KENNWORT: ERDBEBEN<br />

Ihre Spende ist steuerlich absetzbar!<br />

Souveräner <strong>Malteser</strong>-Ritter-Orden<br />

Großpriorat von Österreich<br />

Johannesgasse 2, 1010 Wien<br />

Katharina Stögner<br />

T: +43 1 512 72 44, F: +43 1 513 92 90<br />

E: presse@malteser.at<br />

www.malteserorden.at<br />

MALTESER Austria<br />

Bundeszentrale<br />

Johannesgasse 2, 1010 Wien<br />

Mag. Manuel Weinberger<br />

T: +43 1 512 53 95, F: +43 1 512 84 78<br />

E: zentrale@malteser.at<br />

www.malteser.at<br />

Österreichische Post AG<br />

MZ 11Z038858M<br />

Souveräner <strong>Malteser</strong>-Ritter-Orden<br />

Johannesgasse 2, 1010 Wien<br />

68<br />

DIE MALTESER 1/<strong>2023</strong>

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