Antike porträts

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Antike porträts

— VIII —

persönliche Stimmung des Künstlers kann z. B. auch während der Sitzung dem Modell wirklich

suggeriert sein, besonders wenn dieses nachgiebig und befangen ist. — Endlich wäre noch das

eigentlich sogenannte Idealporträt zu nennen, das Bildnis einer Persönlichkeit aus der Vorstellung,

die man sich nach ihrem geistigen Wesen von ihrer äusseren Erscheinung machte, z. B. Homer.

Ehe wir die hier vereinigten Proben antiker Porträts in historischer Reihenfolge kurz

besprechen können, sind noch einige Vorfragen zu erledigen. Wo und wann ein Porträt ent-

standen ist, sieht man am Stil, am Material — z. B. sind die ägyptischen Steine Granit,

Basalt u. a. fast nur in Aegypten verarbeitet worden — ferner an der Tracht, die ägyptisch,

asiatisch, griechisch oder römisch sein kann; sie gestattet oft noch eine nähere Datierung,

weil sie mit der Zeit langsamen und gesetzmässigen Veränderungen unterliegt. Besonders

wichtig ist dabei die Haar- und Barttracht. Zunächst die grossen nationalen Unterschiede.

Die Aegypter tragen meist Perücken, die Griechen und Römer meist natürliches Haar.

Seit dem 5. Jahrhundert ist es bei den Männern in der Regel halblang geschnitten ; der

Bart

wird von Alexander bis Hadrian und wieder seit Konstantin meist rasiert. Die Frauen haben stets

langes Haar, in verschiedenartigen Frisuren. In kleineren Einzelheiten wechselt die Haar- und

Barttracht fast mit jeder Generation ; bei den Männern wird das Haupthaar bald ziemlich lang-

getragen und dabei durcheinander geworfen oder auch glatt gestrichen, bald wieder kurz

abgeschnitten; ebenso der Bart. Die Frauenfrisuren der römischen Kaiserzeit sind sogar so

raschen Modewechseln unterworfen, dass mit ihrer Hilfe oft eine Datierung auf ein Jahrfünft

möglich ist. — Ueber die Herkunft und die Entstehungszeit eines Porträts werden daher in

der Regel keine Zweifel bleiben können.

Weiter ist aus Tracht und Abzeichen die soziale Schicht des Dargestellten zu er-

mitteln, besonders in der ägyptischen und römischen Kunst, während die griechische bei der

Wiedergabe solcher Aeusserlichkeiten weniger genau verfährt. Zunächst der Königsornat

(vgl. Taf. I ff.) ; er ist in Aegypten am eigentümlichsten und wird am sorgfältigsten dargestellt.

Der König trägt hier besondere Kopfbedeckungen, verschiedene Ai-ten von Kronen und

Helmen oder ein breites Kopftuch, immer mit der aufgebäumten Uräusschlange über der

Stirn. Dazu kommt ein Bart, der wie ein Stock von dem rasierten Kinn nach unten steht,

und ein Lendenschurz mit dreieckig zugeschnittenem Mittelteil, um von mancherlei anderen

Abzeichen zu schweigen. Die ägyptische Königin hat über der Perücke einen hohen Kopf-

putz, wie die Göttinnen, ebenfalls mit Uräusschlange. Die griechischen Könige seit

Alexander und auch ihre Gemahlinnen tragen im Haar das Diadem, ein Band mit starken

Säumen, im Nacken in eine Schleife gebunden, deren Enden herabfallen (vgl. Taf. 22 ff. 60, 2);

Alexander hatte es aus dem Ornat der persischen Grosskönige übernommen. Die Ptolemäer

als Nachfolger der Pharaonen bedienen sich auch weiter der ägyptischen Königstracht neben

der griechischen.

Die römischen Kaiser haben meist nicht das Diadem ; es war in Rom verpönt wie der

Königstitel. Dauernd tritt es erst seit Konstantin auf, in der alten Form oder als Juwelenband

(vgl. Taf. 62, 53). Statt dessen haben die Kaiser einen Lorbeerkranz (vgl. Taf. 52),

erscheinen allerdings auch häufig ohne jedes Attribut der Majestät. Bei den Partherkönigen

waren wieder besondere Kronen üblich, fast so verschieden wie früher in Aegi^pten; eine

davon zeigt der schöne Stein des Schapur auf Taf. 5Q, 15. Neben und anstatt königlicher

Abzeichen haben die klassischen Herrscherporträts oft göttliche Attribute. So findet sich die

Strahlenkrone des Helios bei den Seleukiden und römischen Kaisern (vgl. Taf. 36), ebenso die

Aegis des Zeus; z. B. trägt sie Augustus auf dem Cameo Blacas (Taf. 59, 3). Ob ein Herrscher

dargestellt ist oder ein Gott, erkennt man in solchen Fällen an dem Porträtcharakter der Züge.

Ganz wie die Götter und Heroen erscheinen die Herrscher ferner oft nackt und nicht in der

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