Antike porträts

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Antike porträts

XIII

Eingeständnis seiner Hässlichkuit vor scnnem strahlenden (iottc zu demütig.'ii. Ks ist vielleicht

der Naturalismus der Zerknirschung und nicht der Weltfreude. Doch sei dem, wie es mag. —

Ein Meisterwerk dieses höfischen Naturalismus ist zunächst die Kiniigin-Mutter Teje, der Hoizkopf

von einer Statuette, jetzt in Berlin, den wir auf Tafel 5 wiedergeben. Früher hing um

das feine alternde Affengesichtchen noch eine schwere Perücke aus Lapislazuli und blauem

Glas, mit Goldschmuck an Ohren und Stirn, und erhob sich über dem Schädel ein Bau aus

göttlichen Attributen.

Dann das rührende Kalksteinköpfchen einer kleinen Prinzessin in Berlin (auf Taf. 7 b),

endlich das Relief (Taf. 6), das den König und die Königin selbst darstellt; es ist die Skizze

eines Bildhauers mit allen Farben. Das Paar steht einander gegenüber, hässlich, schwach und

fesselnd, angetan mit langen Linnengewändern und kr)niglichen Abzeichen; die Königin er-

freut den Gemahl mit einer Blume, wie eine Buhlerin. Ihn selbst in einer noch mehr tradi-

tionellen Auffassung zeigt die Kalksteinstatue in Paris (Taf. 7 a). Die Benennung erfolgt bei

unseren Porträts der Teje, des Königspaares und seiner Tochter durch den Vergleich mit

anderen beglaubigten Darstellungen, nicht durch Inschriften.

Ein planmässiger Fortschritt im Naturalismus beginnt wieder in der Spätzeit Aegyptens,

unter der äthiopischen und der letzten einheimischen Dynastie. Dabei ist an manchen Stücken,

und zwar besonders etwas früheren, die eben erwähnte Anlehnung an die Bildniskunst des

mittleren Reiches unverkennbar, während die etwas spätere Entwicklung viel weiter

geht. Wir geben zunächst auf Tafel 9 den Kopf des Mentemhet in Kairo, aus schwarzem

Basalt, von einer Statue abgebrochen. Die gefurchten, alternden Züge erinnern, wie gesagt,

an den König in Berlin (Taf. 4, b) und an ähnliche Werke, aber nur im allgemeinen. Das eingehende

Naturstudium, die Beobachtung gerade des Unt^'pischen, der verschlossen schlaue

Ausdruck des fetten und würdevollen alternden Orientalen zeigen die unbefangen gewordene

Naturkenntnis und hinreissende Naturfreude der Spätzeit. Die Statue stand in einem Tempel

als fromme Weihgabe, deren der Wesir der Priesterköniginnen von Theben — das war

Mentemhet im Leben — nicht wenige gestiftet zu haben scheint. Eine Besonderheit ist das

eigene, nicht durch eine Perücke bedeckte Haar, so weit der alte Herr es noch hat

Den höchsten Punkt der ägyptischen Porträtkunst — beurteilt von dem hier eingenommenen

Standpunkt aus — bezeichnen dann zwei kleine Bildnisköpfe alter Männer auf

Tafel II und 12, beide von Statuen abgebrochen und aus grünem hartem Schiefer; der eine

ist in Berlin, der andere in Boston ; sie stammen aus dem Kunsthandel und wohl aus dem-

selben Heiligtum. Hier erscheint ein die Gesamtform und das einzelne minutiös durchforschendes

Naturstudium, das sich mit oppositioneller Scheu vor jeder Besch

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