Antike porträts

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Antike porträts

— XIV —

b) GRIECHISCHE UND RÖMISCHE PORTRÄTS

Wenn wir jetzt zur Betrachtung der griechischen und römischen Porträts übergehen,

so ist wieder erst zu fragen, bei welchen Gelegenheiten sie entstanden und welchen Zweck

sie hatten. Da hierbei eine weite Gebiete umfassende und vom 6. vorchristlichen bis zum

6. nachchristlichen Jahrhundert reichende Entwicklung kurz zu charakterisieren ist, müssen

manche örtlichen und zeitlichen Unterschiede zurücktreten.

Die Anlässe, bei denen Porträts hergestellt wurden, waren in der klassischen Welt

etwas mannigfaltiger als in Aegypten. — Zunächst enthielt wenigstens in Rom ein jedes

grosse Haus Bildnisse der Besitzer. Einmal waren es wächserne Totenmasken, die als Ahnenbilder

aufbewahrt und bei der Beisetzung eines Familienmitgliedes von Schauspielern im

Leichenzuge getragen wurden; einen unmittelbaren magischen Zweck hatten sie wohl nicht.

Dann stand auch oft das Bildnis des lebenden Hausherrn im Atrium oder war im Tablinum

gemalt, z. B. das Eheporträt des Pompejaners Proculus und seiner Frau auf unserer Tafel 38

es fand sich ferner auf seinem Geschirr und Körperschmuck, beispielsweise an Silberschalen

und Siegelringen (vgl. Taf. 58 f). Die Siegelporträts hatten etwa den Zweck wie bei uns die

Unterschrift, daher wurden gelegentlich beim Tode des Besitzers die Steine zerbrochen und

ihm ins Grab gelegt.

Zweitens findet sich, wie in Aegypten. das Sepulcralporträt. An den Grabmälern er-

scheinen Bildnisse des Verstorbenen, auch wohl in Begleitung der überlebenden Familie oder

der Ahnen; es sind Statuen, Büsten, Reliefs, Bilder — je nach Grösse, Gestalt und Aus-

stattung des Grabmales. Porträtähnlich werden sie erst im Hellenismus und sind z. B. selbst

an den berühmten attischen Grabrehefs noch ganz typisch. Das mag damit zusammenhängen,

dass sie nicht mehr, wie in Aegypten, einen magischen Zweck zu erfüllen hatten, der eine

gewisse Aehnlichkeit erheischte, sondern nur noch zu pietätvoller Erinnerung für die Ueber-

lebenden dienten, auch wohl zur Repräsentation der Familie an den Gräberstrassen der Städte;

denn zum Unterschied von den ägyptischen Sepulcralporträts sind die griechischen und viele

römischen öffentlich aufgestellt, nicht in den Grüften und Totentempeln verborgen. — Eine

besondere Klasse unter den Sepulcralporträts bilden die plastischen Masken und gemalten

Bilder, die über die Gesichter der Mumien gelegt wurden ; manchmal

sind sie entschieden nach

der Natur gefertigt — sicher zu Lebzeiten — und anscheinend ähnlich; wir geben als Beispiel

das auf Leinen gemalte Bildnis der Aline (Taf. 43 b). —

Weiter erscheinen Votivporträts, die wir ebenfalls schon aus Aegypten kennen.

Sie hatten ursprünglich wohl auch in der klassischen Welt den Zweck, die dargestellte

Persönlichkeit bildlich, d. h. faktisch in den Schutz einer Gottheit zu stellen. Aber diese

erste Bedeutung ist besonders in der kunstübenden und aufgeklärten Oberschicht der Be-

völkerung sehr schnell verblasst; Votive sind meist nur Gaben dankbarer Erinnerung. Sie

standen zu Tausenden in den Heiligtümern; selten und nur bei sehr hervorragenden Persön-

lichkeiten in der Cella des Tempels, die auch das Kultbild enthielt, meist vielmehr unter seiner

Ringhalle oder auf der Fläche des Bezirkes. Je nach dem Anlass der Gabe und dem Vermögen

des Stifters waren es Statuen aus Bronze oder Marmor, selbst aus Edelmetall,

Gemälde, Hermen, Büsten, Rundbilder in einem Rahmen, Statuetten u. a. m. Die weihenden

Personen waren Priester oder Fromme, die der Gottheit eine Schuld entrichten wollten

unter diesen sind besonders zu nennen die athletischen Sieger in den Spielen, welche

bei den grossen Nationalheiligtümern abgehalten wurden, etwa in Olympia. Auch an den

Votivporträts blieb die Darstellung sehr häufig und besonders während der früheren Zeit

noch rein typisch, ohne Beimischung persönlicher Züge; die klassischen Athletenstatuen

stellen z. B. grösstenteils bestimmte Sieger dar, was man aber nur an den Inschriften auf

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