Antike porträts

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Antike porträts

— XVIII —

Kaum jünger als die letztgenannten Porträts ist ein Bildnis des Königs Archidamos

von Sparta, das in anscheinend vortrefflicher Kopie vorliegt (Taf. i8). Zweifellos ein äusser-

liches Werk; aber es Hegt darin ein fanatisches Naturstudiuin. Dann das überaus schöne

Bildnis einer alten Frau (Taf. 21, „Lysimache"), nicht fest benannt oder datiert, schlicht, klar und

unbefangen. Wieder sah man der Natur ins Antlitz. — Wir hören auch noch aus dieser

Zeit, dem 4. Jahrhundert, von einem wichtigen Werk des prinzipiellen Naturalismus, das nicht

erhalten ist. Es war ein Bildnis des korinthischen Feldhauptmanns PeHchos, dickbäuchig, kahl-

köpfig mit heraustretenden Adern; der Meister hiess Demetrios von Alopeke und lebte in

Athen; er könnte der Meister der „Lysimache'" und des Archidamos sein.

Dieser eindringliche und erschöpfende Naturalismus hielt sich in der griechisch-

römischen Welt bis zur Mitte der Kaiserzeit ; das letzte grosse Werk der Art ist der kolossale

Marmorkopf des Vespasian in Neapel (Taf. 39 a). Die vorliegende Auswahl umfasst eine Reihe

von verbindenden Zwischengliedern, unter denen jetzt die vorrömischen aufgezählt werden

sollen. — Aus dem Anfang des 3. Jahrhunderts v. Chr. und wieder aus Athen stammen die

Bildnisse der Philosophen Epikur und Hermarch (Taf. 25 und 26). Hermarch, ein dozierender

Professor von ziemlich unathletischer Kurperbildung — er ist das erste unbefangene Körperporträt

unserer Sammlung — mit nachlässig umgenommenem Mantel. Epikur, ein Denker

voll geistiger Intensität; eingehendes Naturstudium verbindet sich hier mit einer Spannung

und Steigerung mancher Einzelformen, wodurch das Bildnis angestrengt und über

seinen Massstab hinaus gewaltig wirkt. Dann folgt zeitlich der König Euthjdemos von

Baktrien (Taf. 2g), eine unbefangene eindringende Arbeit, die der alten Frau auf Tafel 21 in

ihrer Art nahesteht, nur leider etwas verdorben und übrigens auch skizzenhafter ist. Am

Schlüsse dieser Gruppe erscheint ein fast einziges Stück aus Kyme, die Tonbüste Tafel 3 1

eine kaum ins Reine geschriebene „Naturstudie" — vielleicht nach einer Totenmaske — mit

allen Formen und Falten, selbst einer ungeheilten Wunde auf der Stirn. Von mechanisch

hergestellten Porträts weiss aus dem Hellenismus übrigens auch die Ueberlieferung; sie be-

richtet, dass schon Lysistratos, der Bruder des Lysippos, mit Naturabgüssen gearbeitet hat.

Oben wurde auseinandergesetzt, wie und warum die hellenistischen Herrscherporträts

sich häufig näher an Typen anschliessen, als an die Wirklichkeit, und wie hierbei

ausser verklärten Athletenkörpern und bestimmten Göttergestalten nach dem Tode Alexanders

auch dessen Bildnis vorbildlich einwirkte. Wir kommen jetzt zu diesen mehr oder weniger

idealisierten Herrscherporträts. Von Alexander sind es Münzbilder auf Tetradrachmen des

Lysimachos (Taf. 61, 5) und auf Goldmedaillons, welche im 3. Jahrhundert n. Chr. in

Makedonien als Kampfpreise zur Verteilung kamen (Taf. 60, i f.; ; die Bildnisse der letzteren

sind zwar nur Kopien, aber getreue. — Von den Diadochen erscheint zunächst Seleukos

Nikator, den ein Bronzekopf in Neapel darstellt (Taf. 22), und wahrscheinlich auch der bisher

Attalos genannte Marmorkopf in Berlin (Taf. 27). Trifft diese neue Benennung zu, so hätten

wir Seleukos in zwei Auffassungen, die verschiedenen Schönheitsidealen folgen ; das Alexander-

artige ist aber an beiden unverkennbar, besonders im Ausdruck. Dann der ruhiger gehaltene

Marmorkopf des Ptolemaios Soter (Taf. 2^); in heroischer Erregung zeigt denselben Herrscher

ein antiker Gipsabguss nach einem Silberrelief auf Tafel 60, 5. Weiter Amastris, eine der vornehmen

Perserinnen, die von Alexander mit seinen Generälen verheiratet wurden (Taf. 24).

Sicher scheint die Deutung hier nicht, wie denn überhaupt bei starker Idealisierung häufig

nicht entschieden werden kann, ob überhaupt ein Porträt vorliegt und wen es darstellt. Ist

der Kopf wirklich Amastris, so stammt er wegen der trauernd geneigten Haltung wahr-

scheinlich von ihrem Grabmal.

In spätere Zeit gehört Berenike II. von Aegypten (Taf. 28); ein weiches, damenhaft

verschlossenes Gesicht, umrahmt von der starren ägyptischen Perücke; dazu kam noch ein hoher

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