Antike porträts

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Antike porträts

— XLII —

(Bullettino comunale XV 1887 S. 133 Nr. 5; *XXV 1897 S. 118 ff. Taf. 8 Amelung. — Heibig,

Führer 2. Aufl. I S. 493 Nr. 735). Erhaltung: abgebrochen die Nasenspitze; oben auf dem Kopf

ein kreisrunder Bruch von 5.5 cm Durchmesser, darin ein Loch von 1.5 cm Durchmesser, i cm Tiefe.

Fehlend angestückte Teile: Hals und Kopf des Geierbalges, die Enden der Perücke, ferner die aus

anderem Material eingesetzten Augen. Unten überall Anschlussfläche zum Einsetzen; sie passt in

den runden Ausschnitt des ägyptischen Frauengewandes. Büstenfuss modern. — Der Hals ist leise

nach links geneigt, der Kopf aufrecht gehalten und ein klein wenig nach rechts lierübergedreht. —

Benennung: Der Kopf trägt eine lange ägyptische Staatsperücke aus kleinen Schraubenlöckchen

darüber liegt ein griechisch stilisierter Geierbalg; auf der erwähnten runden Bruchfläche sass ver-

mutlich noch ein Sockel, von Uräen umgeben, mit einem hohen Aufsatz — das Loch in dem Bruch

enthielt die ihn tragende Stange — eine Sonne zwischen zwei Kuhhörnern , oder zwei Amons-

fedem, oder ein noch reicheres Gebilde. Das ist der Kopfputz der Isis; da aber das Gesicht Porträt

ist, muss eine Sterbliche als Isis dargestellt sein, am wahrscheinlichsten eine ägyptische Königin, die

oft so erscheinen ; der

hellenistische Stil führt auf eine Ptolemäerin (Isis : Röscher, Mythologisches

Lexikon II, i Sp. 503 ; Königinnen als Isis ebd. Sp. 5 7 ff. Drexler — Vgl. noch für den Kopfputz

1

der Königinnen: Erman, Aegypten S. 314. Borchardt, Königin Teje S. 17. 25., vgl. oben Taf. 5).

Das Profil erinnert an Münzbilder der Berenike II, Gemahlin des Ptolemaios III Euergetes, besonders an

ihre vielleicht um 258 in Ephesos geschlagenen Goldoktadrachmen, während die anderen auf Münzen

erscheinenden Ptolemäerinnen — doch sind das ja nicht alle — deutlich abweichende Züge haben.

Das jugendliche Alter würde auf den Anfang der Regierung der Berenike weisen, kurz nach 258 v. Chr.

Vgl. Taf. 61, 13. (Imhoof-Blumer, Porträtköpfe auf Münzen hellenischer . . . Völker

S. 87 Taf. VIII,

6. 7. — Catalogue of greek coins in the British Museum, the Ptolemies kings of Egypt Taf. XIII

S. 60. — Svoronos, xä vopiajj.ata t&ö "/.päTODC Ttöv riioXsjj.aEwv IV Sp. 137 III Taf. 26, 23. 29ff. ; vgl.

noch IV Sp. 150 und dagegen Regling in Zeitschrift für Numismatik XXV 1906 S. 364. — H. Dressel, Fünf

Goldmedaillons aus dem Funde von Abukir; Abhandlungen der Preussischen Akademie der Wissen-

schaften 1910, S. 38 Taf. IV, 6. — Head, Historia nummorum 2. Aufl. S. 851 f.) — Ein Vorschlag, den

Kopf als Isis-Nechbet-Aphrodite zu deuten, nicht als Porträt, bei Hekler, Oesterreichische Jahreshefte

XIV ig II S. 118 ff. (Eine weitere Darstellung der Berenike II als Isis ist vielleicht erhalten in einer

Gipsform im Pelizäusmuseum in Hildesheim, vgl. Rubensohn, Hellenistisches Silbergerüt in antiken Gips-

abgüssen Nr. 65 Taf. 18 S. 76 — als Isis gedeutet.)

29. König EuTHYDEMOS I von Baktrien, um 200 v. Chr. — Kopf, gebrochen. Griechischer Marmor.

Lebensgross. Hellenistisches Original. Aus der venetianischen Sammlung Giustiniani, die zum Teil auf Chios

gebildet ist. Rom, .Museo Torlonia Nr. 133 (*Rümische Mitteilungen IX 1894 S. 107 ff. Taf. 5 Six).

Sonnenhut, darunter Diadem. Ergänzt: Nasenspitze und Flicken am Hutrande; überarbeitet Teile der

Haut, Nasenrücken, Hutrand; Oberfläche verwittert. Nach den Halsmuskeln müsste der Kopf etwas

mehr nach seiner Rechten gedreht sein. Benennung: der Stil und das Diadem fähren auf einen

hellenistischen König. Der breitrandige Hut ähnelt einigermassen dem Sonnenhelm, den Eukratides

von Baktrien und seine Nachfolger im zweiten Jahrhundert auf Münzen tragen ; er erscheint zuerst auf

dem sidonischen Alexandersarkophag; vgl. Taf. 61, 19. (British Museum, Catalogue of Indian coins,

greek and scythic kings Taf. Vff., besonders V, 7— 8.) Die Züge endlich gleichen den Münzbildern

des Euthydemos I von Baktrien, und zwar den späteren, mehr naturalistischen; Taf. 61, 18. (Imhoof-

Blumer, Porträtköpfe auf Münzen hellenischer Völker S. 70 Taf. I, 6. — Head, historia

nummorum 2. Aufl. S. 837. — Catalogue a. a. O. Taf. II, 5 ; Six vermutet a. a. O., dass diese Stempel

mit dem Kopf Torlonia zusammenhängen.) Datierung; Euthydemos lag bis 208 v. Chr. im Kriege

mit Antiochos III von Syrien ; der Kopf zeigt ihn schon als älteren Mann. Ein passender Anlass für

die Aufstellung seiner Statue wäre der Friedensschluss 208 v. Chr., ein geeigneter Ort Magnesia am

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