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96 „Bettelorden“

96 „Bettelorden“ Korrekturabzug trag von Papst Urban VIII. im Jahr 1631 publiziert 35 und im Jahr 1676 durch die von Clemens X. erlassenen „Constitutiones Generales“ noch näher konkretisiert 36 . So wurde etwa, was die Sammlungstätigkeit betrifft, angeordnet, dass kein Ordensmitglied seine Stellung dazu nutzen dürfe, für Verwandte oder andere ihm nahe stehende Personen Almosen zu sammeln; für den Fall besonderer Bedürftigkeit von Angehörigen würde der jeweilige Provinzial Unterstützungsleistungen veranlassen 37 . Auch die erlaubten „Freizeitbetätigungen“ der Brüder wurden hier erörtert; die vorgesehenen Beschränkungen muten dabei aus heutiger Sicht teils seltsam an: „Bei der Rekreation sollen sich alle mit Mäßigkeit und ehrbarer Würde betragen. Es möge ein spiritueller Text gelesen werden, oder über eine solche Sache gesprochen, aber nur über unanstößige Dinge, nicht aber über Genealogien, Herkünfte, Nationen, Länder, Botschafter und Gerüchte, die zur Erbauung und Vervollkommnung der Seelen unnütz sind. […] Zu keiner Zeit dürfen unsere Religiosen Komödien oder andere Schauspiele, seien es auch geistliche, aufführen“ 38 . Der Hinweis auf „Genealogien” und „Herkünfte” macht bei näherer Betrachtung die Intentionen dieser Vorschriften deutlich: Insbesondere Vorrangstreitigkeiten zwischen Brüdern unterschiedlicher geographischer oder sozialer Herkunft sollten unterbleiben. Bemerkenswert erscheint auch das absolute Verbot für die Trinitarierbrüder, sich an Schauspielen zu beteiligen, selbst an geistlichen Theaterdarbietungen, die ja ansonsten zu dieser Zeit – z.B. bei den Jesuiten – durchaus üblich waren. Zur Aufrechterhaltung der Gleichheit unter den Brüdern diente auch die vorgeschriebene Unterlassung der Nennung akademischer Titel 39 . Auch über die vorgesehene Ausbildung der Ordensmitglieder machen die „Constitutiones Generales“ nähere Angaben, woraus hervorgeht, dass eine insgesamt achtjährige Studiendauer für die Priester des Ordens vorgesehen war: 35 Vgl. ANTONIUS A CONCEPTIONE (Hg.), Regula Primitiva et Constitutiones Patrum Discalceatorum Ordinis SS. Trinitati Redemptionis Captivorum (Rom 1851) 8–24. 36 Vgl. ANTONIUS A CONCEPTIONE, Regula (wie Anm. 35) 25–225. 37 Vgl. ANTONIUS A CONCEPTIONE, Regula (wie Anm. 35) Constitutiones 54. 38 ANTONIUS A CONCEPTIONE, Regula (wie Anm. 35) Constitutiones 77 (Übers. hier, wie in den folgenden Zitaten, von Elisabeth Pauli unter Mitwirkung von Carlos Watzka). Die Textstelle lautet im Original: „In recreationibus omnes cum modestia et honesta gravitate se gerant. Legatur ibi res aliqua spiritualis, vel de illa agatur, et saltem de rebus indifferentibus; non vero de genealogiis, stirpibus, nationibus, patriis, nuntiis et rumoribus inutilibus ad aedifi cationem, et profectum animarum; […] Nullo tempore Religiosi nostri comoedias, aliosve actus, tametsi spirituales, agant”. 39 Vgl. ANTONIUS A CONCEPTIONE, Regula (wie Anm. 35) Constitutiones 80.

„Bettelorden“ Korrekturabzug „Unsere (studierenden) Kollegen werden sich drei Jahre der Philosophie und weitere drei Jahre der scholastischen Theologie widmen, schließlich zwei Jahre der expositiven und moralischen Theologie“ 40 . Der Unterricht fand an ordenseigenen Kollegien statt, von denen in jeder Ordensprovinz nach Möglichkeit drei, jeweils eines pro Studienabschnitt, bestehen sollten. Die theologischen und philosophischen Studien sollten dabei, wie speziell hervorgehoben wird, nach den Lehren des Hl. Thomas von Aquin erfolgen 41 . Auch Zulassungsbedingungen für die Aufnahme in den Orden fanden in die Konstitutionen Eingang, wobei hier deutlich zum Ausdruck kommt, dass für die katholische Kirche der Frühen Neuzeit die Zugehörigkeit zu anderen christlichen Konfessionen oder zu Judentum und Islam als „Verbrechen“ galt, und zwar als so schwerwiegendes, dass sogar katholische Nachkommen derart „Unreiner“ von einer Ordensaufnahme ausgeschlossen blieben: „Es wird auch kein Neophyt zugelassen, und keiner, der in direkter Linie (in welchem Grad auch immer) von Juden, Mauren oder Maurisken abstammt, ebenso keiner, dessen Vorfahren in direkter Linie wegen Verbrechen des Judentums oder der Mohammedanischen Sekte von Inquisitoren bestraft worden waren“ 42 . Diese Regelung galt zunächst auch für ehemalige „Häretiker“ und deren Nachkommen; für letztere wurde der Ausschluss von der Ordensaufnahme angesichts der sich hieraus ergebenden praktischen Probleme in Mitteleuropa – hier stammte ja ein großer Teil der katholischen Bevölkerung von Protestanten ab – auf Ersuchen der Trinitarier durch Papst Innozenz XII. im Jahr 1692 aufgehoben 43 . 40 ANTONIUS A CONCEPTIONE, Regula (wie Anm. 35) Constitutiones 123. Im Original: „Collegae nostri per triennium Philosophiae, et per aliud triennium Theologiae scholasticae, ac denique per biennium expositivae et morali Theologiae operam dabunt.” 41 Vgl. ANTONIUS A CONCEPTIONE, Regula (wie Anm. 35) Constitutiones 121. 42 ANTONIUS A CONCEPTIONE, Regula (wie Anm. 35) Constitutiones 205. Im Original: „Nec admittatur Neophytus; nec qui descenderit per lineam rectam (in quodlibet gradu) a Judaeis, Mauris, vel Mauriscis; nec ullus, cuius Praedecessores per lineam etiam rectam [...] ob Judaismi, vel sectae Mahometanae crimina puniti fuerint ab [...] Inquisitoribus.“ 43 Vgl. ANTONIUS A CONCEPTIONE, Regula (wie Anm. 35) Constitutiones 226–229 sowie JOANNES A SAN FELICE, Annalium Provinciae Sancti Josephi Ordinis Excalceatorum Sanctissimae Trinitatis Redemptionis Captivorum Libri Decem, In quibus ab origine Provinciae & Ordinis Propagatione post ultimam Viennae obsidionem Anno MDCLXXXIII. usque ad constitutam Provinciam Anno MDCCXXVIII. referunter Coenobiorum Origines, peractae Captivorum Redemptiones, Illustrium Virorum Vitae sive Elogia, Descpriptiones variarum Urbium ac locorum in Turcia praesertim & Tartaria, aliaeque Res Memorabiles, Saeculi duodevigesimi & antecedentis Historiam illustraturae. Omnia fere ex Summorum Pontifi cum & Imperatorum Diplomatibus, Principum & Magnorum Virorum Epistolis, atque allis Domesticis & Originalibus Actis, Documentis & probatis Scriptoribus desumpta. Studio et Labore P. Fr. Joannis a S. Felice, Eiusdem Ordinis & Provinciae Chronographi (Wien 1739) 479–483. 97

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