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102 „Bettelorden“

102 „Bettelorden“ Korrekturabzug Abb. 2: Die Niederlassungen des Trinitarierordens in der Habsburgermonarchie (1688–1783) – Karte erstellt von Elisabeth Pauli auf Grundlage der Karte: Egon LENDL u. Wilhelm WAGNER (Hg.), F[riedrich] W[ilhelm] Putzger – Historischer Weltatlas (Wien 1981) 78f. spatak (HU), gegründet 1728, Ofen/Buda, gegründet 1738, Holleschau/Holešov (CS), gegründet 1748, Mària Makk /Makkos Maria (bei Budapest), gegründet 1749 56 , Stienowitz/Štenovice (CS), gegründet 1753, Graz, gegründet 1756 57 . In den knapp 100 Jahren seines Bestehens in der Habsburgermonarchie von 1688 bis 1783 gehörten, gemäß einer im Orden entstandenen Zusammenstellung aus dem frühen 20. Jahrhundert, 447 Priester und 165 Laienbrüder der österreichischen Provinz des Trinitarierordens an; im Stichjahr 1748, in welchem eine besondere Erhebung stattgefunden hatte, waren in der Habsburgermonarchie insgesamt 220 Trinitarier für die Befreiung von versklavten Christen tätig 58 . Die „Redemptionen“ (Befreiungsreisen) der Trinitarier der österreichischen Ordensprovinz Über die Redemptionen von den 1690er bis in die 1730er Jahre berichten die sehr detaillierten, über 800 Seiten starken „Annales Provinciae Sancti Josephi“ 56 Ich möchte Herrn Norbert Medgyesy-Schmikli sehr herzlich für seine Hilfe bei der Lokalisie- rung dieser Niederlassung danken. 57 Kralik nennt noch eine weitere Niederlassung der Trinitarier, welche in den 1780er Jahren von Österreich aus in Preußen – nämlich in „Emmerich“ – etabliert worden sei. Diese hatte aber offensichtlich keine größere Bedeutung und keinen langfristigen Bestand. Vgl. KRALIK, Trinitarierorden (wie Anm. 3) 69. 58 Vgl. ANTONIO AB ASSUMPTIONE, Monumenta ordinis excalceatorum SS. Trinitatis redemptionis Captivorum ad Provincias S. Ioachim (Poloniae) et S. Iosephi (Austriae-Hungariae) (Rom 1911) 211–274.

„Bettelorden“ Korrekturabzug des Ordenshistoriographen und Redemptors Joannes a San Felice 59 . Die Haupttätigkeitsgebiete bei den Befreiungsfahrten waren anfänglich in erster Linie der Budschak (die „budziakische Tartarey“, das Gebiet nordöstlich des Donaudeltas), dann das im Norden anschließende, ebenfalls tatarische Jedisan und das Gebiet der Krimtartaren, das wahrscheinlich die höchste Dichte an Sklaven aufwies (die meisten Sklaven im Schwarzmeerraum dürften polnischer oder russischer Herkunft gewesen sein) 60 . Die Reise der österreichischen Trinitarier nahm gewöhnlich von Wien aus ihren Ausgang und führte meistens über die trinitarischen Klöster in Oberungarn und Siebenbürgen in die Walachei nach Bukarest, wo Fürst Constantin II. Brankowan (1688–1714) für die Trinitarier zu einem der wichtigsten Unterstützer in ihrer Arbeit wurde, obwohl er ein Vasall des Sultans war. Von Bukarest aus wurden über einheimische Kundschafter Informationen über die Aufenthaltsorte der Gefangenen und deren „Besitzer“ eingeholt, sodann die Höhe der üblichen „Verkaufspreise“ und die Währungsverhältnisse erhoben, damit man beim geplanten Freikauf eine optimale Ausgangsbasis für Verhandlungen hatte. Wurden Gefangene aus dem relativ nahen Budschak befreit, so deponierte man gewöhnlich die Redemptionskassa in Bukarest im Palast des Fürsten und übermittelte die Lösegelder erst nach Abschluss der Verträge. Manchmal wurden von den Trinitariern befreite Gefangene zum walachischen Fürsten geschickt, damit dieser sie während der Abwesenheit der Mönche aufnehme und sie nicht die Patres begleiten mussten, wenn diese zu weiteren Zielorten unterwegs waren. So konnte das Risiko verringert werden, dass die Befreiten erneut versklavt würden – ein Risiko, dass prinzipiell auch die Trinitarier selbst immer auf sich nehmen mussten. Trotz aller Vorsicht blieben sie manchmal auch tatsächlich nicht verschont, denn grundsätzlich galt in den tatarischen Gebieten jeder Christ (und im besonderen Maße katholische Geistliche) als potentieller Feind, den man versklaven konnte, um ihn zu Arbeiten – bei den Tataren vor allem zu landwirtschaftlichen Tätigkeiten – einzusetzen oder auch, um ihn profi tabel weiterzuverkaufen. Wie im „konfessionellen Zeitalter“ üblich, so wurde den jeweils „Andersgläubigen“, deren „anderer Glaube“ sehr oft auch eine andere ethnische Zugehörigkeit bedeutete, meistens großer Hass entgegengebracht. Im Osmanischen Reich insgesamt war ein erhebliches Misstrauen, auch gegenüber Glaubensgenossen, wahrscheinlich verbreiteter als in mittel- und westeuropäischen Ländern, was vielleicht am osmanischen Staatswesen lag, dem neben seinem extremen Konservativismus auch eine systemimmanente Instabilität eigen war – vom Harem mit seinen Intrigen und wechselnden Gunstverhältnissen und der jeweils un- 59 JOANNES A SAN FELICE, Annalium (wie Anm. 43). 60 JOANNES A SAN FELICE, Annalium (wie Anm. 43) 87–167. 103

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