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106 „Bettelorden“

106 „Bettelorden“ Korrekturabzug ci, der berüchtigten „Renner und Brenner“, die als Störtrupps oft schon Wochen vor dem Eindringen des Hauptheers der Osmanen das Feindesland verwüsteten. Bei der zweiten Belagerung Wiens im Jahr 1683 waren es vorrangig Krimtartaren, welche die Massaker an der Bevölkerung in Ungarn und Österreich verübten und viele Menschen in die Sklaverei führten 66 . Das Bestreben des Beutemachens ging dabei soweit, dass, wie der Zeremonienmeister des osmanischen Heeres berichtete, einer der Gründe für die Niederlage der Osmanen bei der Schlacht am Kahlenberg auch die Kampfuntauglichkeit der Krimtartaren war, welche infolge einer Unmenge an Beute und Sklaven, die sie mit sich führten und demgemäß auch bewachen mussten, nicht mehr zu einem effektiven Eingreifen in das Kampfgeschehen imstande waren 67 . Diese Kriegsführung war demnach für das osmanische Heer insgesamt keineswegs zielführend; die Verwüstungen durch die Tataren beeinträchtigten zudem auch die Versorgung des angreifenden Heeres schwer. Außerdem führte die enorme Grausamkeit der Kriegsführung dazu, dass ein erbitterter Widerstand auch in der „Zivilbevölkerung“ hervorgerufen wurde. Die trotz der Niederlage vor Wien 1683 zahlreichen von den Tataren Verschleppten waren der Grund dafür, dass sich die ersten Redemptionen der „österreichischen“ Trinitarier ab 1690 in das nördliche Schwarzmeergebiet richteten. Noch bis in das Jahr 1720 befreiten die Mönche dort Österreicher und Ungarn, die 1683 verschleppt worden waren; darüber geben die Gefangenenlisten Aufschluss, die anlässlich jeder Redemption von den Trinitariern erstellt wurden, als eine Art Erfolgsbilanz für die Öffentlichkeit, insbesondere die Almosengeber, und als Informationsgrundlage für die nächsten geplanten Befreiungen 68 . In den Befreiungskatalogen bis um 1740 fi nden sich vor allem Verschleppte aus Ungarn und den österreichischen Erblanden, darunter auch viele Frauen und 66 3 Vgl. Josef MATUZ, Das Osmanische Reich. Grundlinien seiner Geschichte (Darmstadt 1996) 156. 67 Vgl. BUCHMANN, Österreich und das Osmanische Reich (wie Anm. 61) 147. 68 Vgl. JOSEPHO A SS. SACRAMENTO, Relatio Austriacae Redemptionis captiorum. In Constantinopolitana Civitate peractae Anno Jubilei 1700 et Sanctissimo D. N. Clementi XI. P. O. M. Dicata (Romae 1700); JOANNES A S. FRANCISCO, Catalogus Captivorum ex Turcia, & Tartaria Budziackensi Redemptorum (Romae 1715); MICHAEL A S. JOSEPHO, Notitia Captivorum in Tartaria Redemptorum a Sac. Ordine Excalceatorum SS. Trinitatis Redeptionis Captivorum Congregationis Hispaniarum (Romae 1720); ANDREAS A CRUCE, Redemptiones Captivorum Constantinopoli, & Tripoli liberatorum per Familiam Redemptricem Discalceatroum SSme Trinitatis, Provinciarum Germaniae, & Status Veneti (Romae 1730); GEORG A S. JO- SEPHO, Verzeichnis deren gefangenen Christen, so unter Glückseeligster Regierung Unser Durchleuchtigsten Königin Mariae Theresiae &c. &c. Mittels der an die Ottomannische Porten Anno 1740 abgeschickten ausserordentlichen Bottschaft Ihro Excellenz Herrn Grafens von Ulefeld, sowohl von denen Galeeren zu Constantinopel, als auch zu Thessalonica in Bulgarien und anderen Orten erlöset und den 11. Julii 1741 zu Wienn Processionaliter eingeführet worden (Wien 1741).

„Bettelorden“ Korrekturabzug Kinder 69 . Die späteren Gefangenenkataloge der österreichischen Trinitarier enthalten dagegen fast nur noch männliche Befreite, und ein beträchtlicher Teil von ihnen stammte ursprünglich aus Italien, viele auch aus dem Reich 70 . 69 Die Verschleppten von 1683 waren auch im Durchschnitt weit länger in Gefangenschaft, als jene der späteren Zeit, oft jahrzehntelang. Bei etlichen von ihnen wird deutlich, dass sie entweder als Kleinkinder verschleppt worden waren oder überhaupt erst in der Tartarey geboren wurden. Dies kann aus den Befreiungskatalogen, abgesehen von den Altersangaben, auch daraus erschlossen werden, dass in solchen Fällen meist der Nachname in der Liste fehlt, anstelle dessen nur „N.“ angegeben ist, die Eltern also unbekannt waren. Bei diesen Befreiten war wohl auch die „Resozialisierung“ teils sehr schwierig, da sie ihre Heimat ja eigentlich fast nicht kannten und eine Anpassung an die neue Umgebung im Erwachsenenalter sicher nicht leicht war. 70 XAVER A S. JOANNES NEPOMUK, Catalogus Captivorum Christianorum, quos PP. Discalceati Ordinis SSS. Trinitatis de Redemptione Captivorum, Provinciae S. Josephi, in Ditionibus Haereditariis Augustissimae Domus Austriacae Erectae, Ab Anno 1753 usque ad Annum 1756 tam in Turica Europaea & Asiatica, quam in Barbaria, aut persoluto lytro nativae libertati restituerunt, aut pecuniariis subsidiis ad eam recuperandam adjuverunt (Wien o.J. [1756/57]); Giovanni Constanzo CARACCIOLO (Hg.), Catalogo de Christiani schiavi riscattati dalla Provincia di S. Giuseppe dell’ Ordine de’ Trinitari Scalzi della Redenzione de’ Schiavi, eretta ne’ felicissimi Stati dell’ Augustissima Casa d’Austria dall’ Anno 1760 fi no al 1763, tanto nella Turchia Europea e Asiatica, quanto nella Tartaria, e Barbaria, o con l’ interio prezzo del di loro Riscatto, o ajutati con danare a conseguire la libertà (Roma 1764); DANIEL A RESURRECTIO- NE DOMINI, Verzeichniß der gefangenen Christen, welche die in gesammten Kayserlich-Königlichen Erb-Landen, des Durchlauchtigsten Erz-Hauses von Oesterreich, errichtete Josephinische Provinz des Barfüsser-Ordens der Allerheiligsten Dreyfaltigkeit von Erlösung der gefangenen Christen, vom Jahre 1765 bis zum Jahre 1768 sowohl in der Europaeischen und Asiatischen Türkey, als in der Barbarey, entweder durch Zahlung des Lösegeldes wieder in die angebohrene Freyheit versetzet, oder doch zu Erlangung derselben mit Geld-Beyhülfen unterstützet hat (Wien o.J. [1768/69]); BENEDICTUS A S. FELICE, Verzeichniß der gefangenen Christen, welche die in gesammten Kayserlich-Königlichen Erb-Landen, des Durchlauchtigsten Erz-Hauses von Oesterreich, errichtete Josephinische Provinz des Barfüsser-Ordens der Allerheiligsten Dreyfaltigkeit von Erlösung der gefangenen Christen, vom Jahre 1768 bis zum Jahre 1771 europaeischen und asiatischen Türkey, als in der Barbarey, entweder durch Zahlung des Lösegeldes wieder in die angebohrene Freyheit versetzet, oder doch zu Erlangung derselben mit Geldbeyhülfen unterstützet hat (Wien o.J. [1771/72]); BERNARDINUS A BEATA VIRGINE, Verzeichniß der gefangenen Christen, welche die in gesammten Kayserlich-Königlichen Erb- Landen, des Durchlauchtigsten Erz-Hauses von Oesterreich, errichtete Josephinische Provinz des Barfüsser-Ordens der Allerheiligsten Dreyfaltigkeit von Erlösung der gefangenen Christen, vom Jahre 1771 bis zum Jahre 1773 theils in denen Africanischen Plätzen, fürnemlich: zu Algier, Maschera und Tripoli; theils in der Europäischen und Asiatischen Türkey entweder durch Zahlung des Lösegeldes wieder in die Christliche Freyheit versetzet, oder doch zu Erlangung derselben mit Geldbeyhülfen unterstützet hat (Wien o.J. [1773/74]); BARTHOLOMEUS A S. NICOLAO, Catalogus Captivorum Christianorum, quos Provincia S. Josephi Ordinis Discalceatorum SSS. Trinitatis de Redemptione Captivorum erecta in ditionibus haereditariis Augustissimae Domus Austriacae ab Anno 1773 usque ad Annum 1776 tum Algerii, in Africa, tam in Turcia Europaea & Asiatica, aut persoluto lytro Christianitati liberos restituit, aut pecuniariis subsidiis ad recuperandam libertatem adjuvit (Wien o.J. [1776/77]); ANSELMUS A S. P. JOAN- NE DE MATHA, Verzeichniß der Gefangenen Christen, welche die in gesammten kaiserlichköniglichen Erblanden, des Durchlauchtigsten Erzhauses von Oesterreich, errichtete Josephinische Provinz des Barfüsserordens der Allerheiligsten Dreyfaltigkeit von Erlösung der gefangenen Christen, vom Jahre 1777 bis zum Jahr 1780 theils in den afrikanischen Pläzen, fürnehmlich: zu Algier, Maschera und Tripoli, theils in der europäischen und asiatischen Türkey entweder durch Zahlung des Lösegeldes wieder in die christliche Freiheit versetzet, oder doch zu Erlangung derselben mit Geldbeihilfen unterstützet hat (Wien o.J. [1780/81]); ENGELBERTUS 107

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