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112 „Bettelorden“

112 „Bettelorden“ Korrekturabzug den tatarischen Gebieten wie auch im Osmanischen Reich waren zweifelsohne meist grauenhaft, wenn es auch Ausnahmen gab, wie San Felice, der diese Gegenden ja auch selbst als Redemptor bereist hatte, hervorhebt 82 . Auf der Krim waren die meisten Sklaven zur Feldarbeit eingesetzt, die für Tartaren als schändlich galt; auch als Hirten oder in der Hausarbeit fanden christliche Sklaven Verwendung; viele Frauen, aber auch Männer und Kinder, dienten gemäß den Ausführungen von San Felice – und auch dies erscheint durchaus glaubhaft – zudem als „Sexsklaven“ 83 . Der Trinitarier hebt auch hervor, dass ein Großteil der Wirtschaft dieser Gemeinwesen auf der Ausbeutung von Sklaven beruhte 84 . Die Tataren, so San Felice weiter, seien nicht einmal besonders gläubige Muslime; „Magier“ würden bei ihnen eine besonders hohe Autorität besitzen und teufl ische Künste ausüben, sodass etwa gefangene Christen in einem „Bannkreis“ gefangen blieben, damit sie nicht fl iehen könnten 85 . Interessant an den Schilderungen des Trinitarierpaters ist auch, dass es seiner Auffassung nach fast ausschließlich die tatarischen Männer waren, welche Verbrechen verübten, und diese auch ihre Frauen dazu zwingen würden, unter ihrem brutalen Regiment zu leben. Die tatarischen Frauen würden im Gegensatz zu den Männern sehr wohl Arbeiten in der Landwirtschaft und im Haushalt verrichten und seien insgesamt der Willkür der Männer sehr ausgesetzt; in den Städten wäre dies allerdings weniger der Fall als auf dem Land 86 . Die Trinitarier und die staatliche Gefangenenbefreiung in Österreich Mit den Friedensverträgen von Karlowitz (1699) und Passarowitz (1718) wurden das erste Mal rechtlich verbindliche Rahmenbedingungen für den Austausch von Sklaven bzw. Gefangenen zwischen einem christlichen Staat und dem Osmanischen Reich geschaffen 87 . Ab dem 18. Jahrhundert wandelte sich ja auch das gesamte Verhältnis zwischen letzterem und dem Habsburgerreich, da sich die Türken nun eindeutig in der Defensive befanden und daher bestimmte Ver- den war, als sie sich ergaben, nachdem ihnen Schonung zugesichert worden war. Vgl. hierzu BUCHMANN, Österreich und das Osmanische Reich (wie Anm. 61) 142. 82 Vgl. JOANNES A SAN FELICE, Annalium (wie Anm. 43) 139. 83 Vgl. bes. JOANNES A SAN FELICE, Triumphus Misericordiae (wie Anm. 11) 85–87. 84 Vgl. JOANNES A SAN FELICE, Annalium (wie Anm. 43) 160–162; JOANNES A SAN FELICE, Triumphus Misericordiae (wie Anm. 11) 85. 85 Vgl. JOANNES A SAN FELICE, Annalium (wie Anm. 43) 164. 86 Vgl. JOANNES A SAN FELICE, Annalium (wie Anm. 43) 160. 87 Vgl. Karl JAHN, Zum Loskauf christlicher und türkischer Gefangener und Sklaven im 18. Jahrhundert. In: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft 111, NF 36 (1961) 63–85. – Die entsprechenden Vereinbarungen des Vertrags von Karlowitz sind festgehalten in: Österreichisches Staatsarchiv [ÖSTA], Haus-, Hof- und Staatsarchiv [HHStA], BKA – 2027350/0004: „In Conferentia die 1. octobris 1699. Tr[actatus] Ratione captivorum“.

„Bettelorden“ Korrekturabzug träge akzeptieren mussten. Nach dem Frieden von Karlowitz sollten zunächst Kriegsgefangene ausgetauscht werden; die „überzähligen“ Gefangenen mussten sodann in ihre Heimatländer verkauft werden, wobei die Durchführung den jeweiligen Botschaftern übertragen wurde. Für Gefangene, die sich in Privatbesitz befanden, sollte gemäß den Vereinbarungen dieses Friedensvertrags ein „günstiger“ Preis veranschlagt werden; wäre eine freie Übereinkunft mit dem „Eigentümer“ nicht möglich, so habe ein vor Ort ansässiger Richter das Lösegeld festzustellen und die Durchführung der Freilassung nach Erlegung des Lösegeldes zu gewährleisten. Die „Sklavenbesitzer“ dürften sich diesen Richtlinien keinesfalls widersetzen, und die beiderseitigen Botschafter sollten darüber wachen, dass die Gefangenen bis zum Zeitpunkt ihrer Freilassung menschlich behandelt würden 88 . Die vereinbarte Freilassung der beiderseitigen Gefangenen bezog sich aber nur auf jene, die an ihrem jeweiligen Glauben während der Kriegsgefangenschaft festgehalten haben; die Durchführung gemäß diesem Zusatz gestaltete sich jedoch einigermaßen schwierig, da getaufte Türken natürlich auch wieder zum Islam rekonvertieren konnten, und dies galt analog natürlich auch für die Gegenseite, sodass hier der rechtliche Status nicht eindeutig geregelt war und jede Seite versuchte, ihn zu ihren Gunsten auszulegen, wie Vermerke im „Keyserlichen Hof-Kriegs Cantzley Registratur Protocoll“ des Jahres 1700 zeigen 89 : Eingaben vom Oktober bis Dezember 1700 etwa sprechen von „Entführungen“ getaufter Türken durch den osmanischen Gesandten. Um dem vorzubeugen, wurde von österreichischer Seite den Kommandanten diverser Festungen der Befehl erteilt, an der „ungarischen Gränitz [ge]taufte Türkhen nit passieren zu lassen“ 90 . Insgesamt lag die Auswechslung und der Freikauf von Gefangenen viel eher im Interesse des Habsburgerreichs; die Zahl der türkischen und tatarischen Gefangenen hierzulande war im Vergleich zu den gefangen gehaltenen habsburgischen Untertanen im Osmanischen Reich sehr gering, sodass – hauptsächlich unter der Ägide von Kardinal Kollonitsch – regelrecht nach türkischen Gefangenen zum Zwecke des Austauschs gesucht werden musste. Adelige, wie etwa Fürst Batthyány, mussten mühevoll dazu überredet werden, ihre „Sklaven“ zu verkaufen, wie gleichfalls aus den Protokollen des Hofkriegsrats für jene Jahre hervorgeht 91 . Im Osmanischen Reich hatte umgekehrt die Rückholung von sich in Gefangenschaft befi ndlicher Untertanen im Allgemeinen keinen hohen Stellenwert; im Karlowitzer Vertrag spiegelt sich dieses Desinteres- 88 Vgl. JAHN, Loskauf (wie Anm. 87) 66. 89 Vgl. ÖSTA, Kriegsarchiv [KA], Bestand Hofkriegsrat, Keyserliches Hof-Kriegs Cantzley Registratur Protocollum anno 1700, fol. 326, 354, 355, 363, 436. 90 Ebd. fol. 326. 91 Vgl. ÖSTA, KA, Bestand Hofkriegsrat, Keyserliches Hof-Kriegs Cantzley Expedit Protocollum anno 1699, fol. 86, 134, 205, 379,397,488. 113

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