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92 „Bettelorden“

92 „Bettelorden“ Korrekturabzug Luxemburg, Portugal, Italien, England, Schottland, Irland, Griechenland und Palästina 19 . In Frankreich trug besonders auch die Anteilnahme König Ludwigs IX., des Heiligen, der 1250 von den Trinitariern aus der Gefangenschaft im Heiligen Land freigekauft worden war, zum Erfolg des Ordens bei. 1259 stiftete Ludwig das berühmte Kloster Fontainebleau und schenkte den Trinitariern einen „Dorn aus der Dornenkrone Jesu“; außerdem war er das berühmteste Mitglied des Dritten Ordens der Trinitarier 20 . Was die Ordensregeln betrifft, so besteht eine Besonderheit darin, dass aufgrund des spirituellen Bezugs zur Trinität der Zahl 3 in allen Bereichen des Ordenslebens eine große Bedeutung eingeräumt wurde. Neben den drei allgemeinen Ordensgelübden der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams befolgten die Trinitarier daher noch eine besondere Bestimmung, wonach jegliche Einnahmen des Ordens in drei gleiche Teile geteilt werden mussten, wobei je einer für den Unterhalt der Ordensbrüder, für die Unterstützung von Armen und Kranken sowie für den Loskauf von Gefangenen Verwendung fi nden sollte. Diese „Drittel-Lösung“ wurde zunächst sehr streng gehandhabt und erhielt mit der erweiterten Regel von 1267 eine bis zu den Ordensreformen der Frühen Neuzeit gültige Form 21 . Unter den Päpsten Leo X. und Hadrian VI. ging man am Anfang des 16. Jahrhunderts jedoch zeitweilig so weit von der ursprünglichen Regel ab, dass die Dreiteilung einer Schenkung gänzlich ausbleiben konnte, wenn ein Entschluss des jeweiligen Ordensprovinzials dies erlaubte 22 . Nichtsdestoweniger sollten die Brüder selbstverständlich auch zu dieser Zeit in persönlich bescheidenen Verhältnissen leben; das Bekenntnis zur Armut sollte glaubwürdig sein. Die Kirchen der Trinitarier sind deshalb von schlichter Bauart; sie sind im Übrigen sämtlich der Dreifaltigkeit geweiht 23 . Weitere Bestimmungen der Ordensregeln beziehen sich auf das Zusammenleben der Brüder, die Zeiten des Gebets und der Meditation, die Ordenstracht, die Aufnahme von Kandidaten etc. Strenge Bestimmungen waren u.a. das Schweigegebot im Chor, im Refektorium und in den Schlafkammern und die Beschränkung des Genusses von 19 Vgl. GMELIN, Weißspanier (wie Anm. 18) 345. – Eines der ältesten Klöster war jenes des Hl. Mathurin in Paris, das schon Anfang des 13. Jahrhunderts auf dem Platz, wo die Kapelle des Hl. Mathurin gestanden war, errichtet wurde. Deswegen hießen die Trinitarier in Frankreich auch Maturiner. Im englischen Sprachraum waren die Mönche als „Brothers of the Trinity“ oder „Friars Redeemers“ bekannt, in Schottland wurden sie zudem als „Red Friars“ betitelt. Aber auch der Name „Eselsbrüder“ war üblich, weil den Mönchen beim Sammeln der Spenden zunächst nur die Fortbewegung auf Eseln, nicht aber auf Pferden gestattet war. Diese Einschränkung war aber schon bald durch einen Dispens von Honorius III. aufgehoben. – Vgl. d’ERRICO, Trinitarians (wie Anm. 6) 112; HEIMBUCHER, Orden (wie Anm. 7) 452; d’ERRICO, Trinitarians (wie Anm. 6) 110–112. 20 KRALIK, Trinitarierorden (wie Anm. 3) 24–29. 21 d’ERRICO, Trinitarians (wie Anm. 6) 110–112. 22 GMELIN, Weißspanier (wie Anm. 18) 359f. 23 KRALIK, Trinitarierorden (wie Anm. 3) 23.

„Bettelorden“ Korrekturabzug Fleisch auf Sonn- und Feiertage. Außerdem sollte jeder Bruder, einschließlich der Kleriker, einer dem Orden dienlichen Beschäftigung nachgehen 24 ; die Brüder sollten sich zudem als den Armen und Gefangenen gleichgestellt betrachten 25 . Die Gleichheit der Brüder untereinander sollte auch nicht dadurch beeinträchtigt werden, dass etwa ein Novize beim Eintritt ins Kloster Geldzahlungen leisten würde, wodurch ein Vorwurf der Protektion entstehen könnte. Mitgebrachte Wertsachen wurden daher im Kloster deponiert und bei einem etwaigen Austritt wieder zurückerstattet. Auf die Ausbildung der Novizen wurde besonders großer Wert gelegt; strebte ein Trinitarier die Priesterlaufbahn an, sollte er an einer anerkannten Universität 26 studiert haben 27 . Eine Ordensniederlassung bestand im Allgemeinen aus drei bis zwanzig Brüdern; einzelne Konvente – so jener in Wien im 18. Jahrhundert – konnten aber auch etliche Dutzend Mitglieder aufweisen. Die Ordensregeln von 1267 legten auch die Organisationsstruktur fest, wobei als zentrale Elemente, wie auch in anderen geistlichen Gemeinschaften üblich, die einzelnen Konvente mit ihrem jeweiligen Vorsteher, „Pater Minister“ genannt, sowie die Ordensprovinzen, an deren Spitze jeweils ein Provinzial stand, erscheinen. Sowohl auf diesen beiden Ebenen als auch in der Gesamtleitung des Ordens, dem der Ordensgeneral vorstand, spielten auch Kollektivorgane eine wichtige Rolle. Eine der entscheidendsten Funktionen für das Erreichen der Ordensziele erfüllte aber – schon der Titel weist darauf hin – der „Pater Redemptor“, also dasjenige Ordensmitglied, welches tatsächlich die Befreiungsaktionen durchführte. Ihm konnte zur Unterstützung ein weiterer Bruder, der so genannte Socius, beigestellt werden, der ihn gegebenenfalls auch ablöste. Der Redemptor führte die Verhandlungen mit den Besitzern der christlichen Sklaven, übergab die Lösegelder bzw. die auszutauschenden muslimischen Gefangenen, überwachte die Rückführung der befreiten Christen und erstattete nach Abschluss der Redemption Bericht an die Superioren. Außerdem hatte der Redemptor die Leitung der Almosensammlung inne, wobei ihn zwei oder drei Prokuratoren unterstützten, welche für die Durchführung der Sammlung von Geld und Naturalien verantwortlich waren 28 . Die Ordensreform durch Juan Baptist de la Concepcion und die Regeln der Unbeschuhten Trinitarier Juan Baptist de la Concepcion – auf Deutsch Johann Baptist von der Empfängnis – wurde am 10. Juli 1561 in Almodóvar del Campo als Juan García Rico ge- 24 KOBLIZEK, Niederlassung (wie Anm. 8) 24. 25 Quirin de LEEUW, Die Trinitarier. Ein alter Orden mit jungem Herzen (Mödling 1984) 16f. 26 KRALIK, Trinitarierorden (wie Anm. 3) 31. 27 Vgl. KOBLIZEK Niederlassung (wie Anm. 8) 24. 28 Vgl. KOBLIZEK, Niederlassung (wie Anm. 8) 26. 93

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