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(Evelyn Hang PEP Bericht f\374r Webseiten)

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„Rituale sind

„Rituale sind Aktionen, die Regeln als feste Gewohnheiten etablieren. Sie entlasten den Unterricht und rhythmisieren den Tages- und Wochenablauf. Sie reichen von kleinen Signalen zur Herstellung von Ruhe (Handzeichen) über die tägliche Begrüßung und Verabschiedung (Morgenkreis, Lied, Gebet) bis hin zu wiederkehrenden Übungen bzw. Formalia (Stilleübung, Geburtstagsrituale, Klassensprecherwahl).“ (Hessisches Kultusministerium zit. n. Hlawatschek 2002, S.1) 2.2.2 Eingrenzung durch Unterscheidung Wie unterscheiden sich Regeln und Rituale? Eine Antwort von Christoph Straub: „Regeln können (…) bis zu einem gewissen Grade erzwungen werden. Rituale sind auf Konsens angelegt und im Unterschied zu Regeln haben sie nicht nur einen rationalen Kern, sondern sie entfalten auch immer eine bestimmte Symbolkraft.“(Straub 2002, S.2) 2.2.3 Stereotypes Machtspiel oder Gerüst für das Leben? In der Literatur streiten sich die Pädagogen, ob es sich bei Ritualen nur um eine in Stereotypen verpackte Demonstration von Macht seitens des Lehrers handelt, die es ihm erleichtert Ordnung und Struktur in seinen Unterricht zu bringen, oder ob die SchülerInnen diese Rituale als „gewohnte, vertraute Unterbrechungen, eine Art von Ruheinseln in dieser für Kinder noch sehr unberechenbaren Welt“ brauchen. (Weikert 1997, S.4) Beide Meinungen stehen keinesfalls im Widerspruch zueinander. Auch im Zeitalter des offenen Unterrichts sind klare Strukturen und der Schülerschaft bekannte, sich stets wiederholende Handlungsmuster für einen Lehrkörper unerlässlich. Sie sind sein Notanker in Stresssituationen und seine blaue Lagune im Schulalltag. Kinder brauchen Rituale in der gleichen Weise. Sie geben ihnen das Gefühl von Sicherheit, da sie voraussehbar sind und immer dem gleichen Muster folgen. Weikert geht sogar noch darüber hinaus und behauptet, dass Rituale „gedankliche Verbindungen“ schaffen und so „die Entwicklung neuer Ideen und Verhaltensweisen“ fördern. „Auf der anderen Seite bilden sich gleichzeitig (…) [im] Gedächtnis Handlungsschemata ab, die ihm in einer ähnlichen Situation helfen können, zu wissen, was zu tun ist. (…) Sie fördern damit auch die kindliche (Gehirn-) Entwicklung.“ (Weikert 1997, S.7-9; Einfügung durch E.H:) Die einzige Gefahr, die bei Ritualen besteht, ist, dass sie entarten; d.h. dass es sich nur noch um ein stereotypes Abspulen von Verhaltensmustern handelt, das unveränderlich steht und zwanghaft stattfindet. Diziplinierungsrituale und Ordnungsritutale, die eine äußere Unterwerfung verlangen, sind von vornherein mit Vorsicht zu behandeln. 12

2.2.4 Unterteilung in Subtypen Edeltraud Röbe unterteilt Rituale in dem Text „Rituale – ein ABC sozialer Formsprache in der Schule“ (1990) in fünf Subtypen: 1. Leistungsrituale: „Leistungsrituale veröffentlichen individuelle Schülerleistungen und geben ihnen den Charakter ‚symbolischer Gratifikationen’ (Wellendorf), deren Übergabe sie in eine theatralisch wirkende Szene setzen.“ 2. Höflichkeitsrituale: Höflichkeitsrituale sind „soziale Verkehrsformen“ im weiten Feld der Kommunikation und Kooperation. 3. Diziplinierungsrituale: Diziplinierungsrituale „weisen den Schüler ob der Differenz zwischen gezeigtem Verhalten und schulischen Erwartungsnormen zurecht.“ 4. Ordnungsrituale: Ordnungsrituale „zielen (…) auf Einpassung, auf äußeren Zwang und äußere Unterwerfung“ ab. 5. Festrituale: Festrituale „unterbrechen den schulischen Alltag und lagern ‚grüne’ Inseln in die Gleichförmigkeit von Zeitverläufen und Aktivitätsfolgen ein.“ 13 (vgl. Röbe 1990, S. 7–8) Ich habe die Einteilung von Edeltraud Röbe für die Auswertung meiner Beobachtungen übernommen und die Rituale der Klasse 1a nach diesem Schema gegliedert. 2.2.5 Die Rituale der Klasse 1a 1. Leistungsrituale Bei Fertigstellung des Zahlenschreiblehrgangs erhält jedes Kind ein „Zahlendiplom“, dessen feierliche Übergabe durch die Lehrerin erfolgt. Dies dient der Motivation, stuft aber langsame Kinder nicht herab, da jeder ein Diplom erhält; d.h. das Lob ist nicht auf eine kleine Gruppe von leistungsstarken SchülerInnen begrenzt, nur der Zeitpunkt der Übergabe variiert, und doch bleibt der Erwerb dieser Auszeichnung etwas Besonderes. 2. Höflichkeitsrituale Eine Vielzahl von Höflichkeitsritualen gliedert den Alltag der Klasse. Ich habe die drei wichtigsten herausgesucht: a) Der Morgenkreis: Er findet immer montags zu Beginn der ersten Stunde im Stuhlkreis vor der Tafel statt. Zwanzig Minuten lang dürfen die Kinder von ihrem Wochenende erzählen.

Sportabzeichen Bericht f-374r Vereinsheft 2010
(Microsoft PowerPoint - Auswertung f\374r Klasse 2.ppt)