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Videotachymetrie – Sensor- fusion mit Potenzial

Videotachymetrie – Sensor- fusion mit Potenzial

P. Wasmeier

P. Wasmeier Videotachymetrie Sensorfusion mit Potenzial zunehmender Komfortsteigerung des Messablaufs selbst z.B. durch graphische Interaktionsmöglichkeiten am Instrument. Die führenden Hersteller geodätischer Instrumente haben dementsprechend in den letzten Jahren auf diesen Trend reagiert, und kombinieren die Fähigkeiten der Tachymetrie mit den Möglichkeiten der Bilderfassung und -darstellung. Im Jahr 2002 präsentierte die Firma Sokkia auf der Intergeo den Geräteprototypen SET 3110MV, ausgerüstet mit einer fokussierbaren Farbkamera (Abb. 1 links) anstatt eines Okulars. Obwohl diese Studie auf den koreanischen Homepages des Herstellers noch vertreten ist, wurde das Instrument bisher nicht auf dem Markt eingeführt und wird auch nicht weiter verfolgt [SOKKIA 08]. Zwei Jahre später wurde unter dem Schlagwort „Capture Reality“ das System GPT-7000i der Firma Topcon erstmals vorgestellt. Es verfügt auf Basis der bestehenden GPT-7000-Baureihe über eine CCD-Okularkamera mit 640 480 Pixel bei 30facher Vergrößerung und eine zusätzliche Weitwinkel-Übersichtskamera mit 4fachem Zoom [TOPCON 05]. Die motorisierte Weiterentwicklung zur Imaging Station (Abb. 1 Mitte), ausgestattet mit 1,3 MPixel CMOS-Kameras und WLAN-Funktionalität, ermöglicht einen überwachten Arbeitsablauf, indem abzusteckende oder bereits gemessene Punkte in das Livebild eingezeichnet werden können sowie eine Vielzahl von Robotik- und Fernsteuerungsanwendungen. Eine Messung direkt im Display ist möglich; des Weiteren gibt es Funktionen zur automatischen Ecken- und Kantenerkennung. Topcon positioniert sein System als Kombinationsgerät zwischen Tachymeter und einfachem Laserscanner (bis zu 20 Punkte/Sekunde) bei gleichzeitiger digitaler Bilderfassung. Die Verlagerung von Arbeitsabläufen auf das automatisierte System wird gefördert; Bildauswertungsalgorithmen wählen beispielsweise selbständig relevante Punkte für ein irreguläres Objektscan-Raster aus [TOPCON 08]. Sokkia gehört seit März 2008 zum Topcon-Konzern. Es ist davon auszugehen, dass bis 2011 eine gemeinsame Geräteplattform entwickelt wird, die dann auch mit Produkten im Bereich der Videotachymetrie ausgestattet sein wird. Eine vergleichbare Marktausrichtung weist auch die VX Spatial Station der Firma Trimble auf (Abb. 1 rechts). Sie verfügt über eine exzentrisch angebrachte 3,2 MPixel Kamera mit einem erweiterten Sehfeld von 18,3 gon 13,7 gon und einer Schärfentiefe ab 3 m bis 1 zusätzlich zum herkömmlichen Fernrohr [TRIMBLE 07]. Durch entsprechende Kalibrierung gelingt es, das physikalische und das virtuelle Fadenkreuz der Kamera zur Deckung zu bringen und darüber hinaus jedem Pixel des Bildes unmittelbar die zugehörige Richtung zuzuordnen. Auch hier liegt der Schwerpunkt des Einsatzes der Kamera im Overlay von Echtzeitbild und Messdaten, sowie in der Punkt- und Bereichsauswahl am Controller. Die Scanfunktion der Spatial Station verarbeitet bis zu 15 Punkte/Sekunde. Weiterführend unterstützt die bildgestützte terrestrische 3D-Vermessung die Kombination dieser Daten mit bestehenden photogrammetrischen Informationen. Abb. 1: Sokkia SET 3110MV Topcon Imaging Station Trimble VX Spatial Station Beide Systeme nutzen die Videofunktionalität zum gegenwärtigen Zeitpunkt zur Vereinfachung der Steuerung (Bereichsauswahl, Punktauswahl), zum echtzeitfähigen Overlay von Messdaten und zu Dokumentationszwecken innerhalb der jeweiligen herstellereigenen Applikationen. Eine weiterführende Verwendung der Bildinformationen in nutzerspezifischen Anwendungen bzw. eine offene Schnittstelle ist nicht vorgesehen. Die Firma Leica fokussiert in den letzten Jahren hauptsächlich auf das X-Function-Konzept und bietet momentan noch keinen Videotachymeter als Serienprodukt. Ein erster Prototyp auf Basis der Baureihe TCRA1100 wurde von [WALSER 05] unter dem Namen Image Assisted Total Station (IATS) vorgestellt. Die daraus gewonnenen Erfahrungen werden nun in einer wenige Instrumente umfassenden Kleinserie weiter verwendet, die auf der aktuellen TCRA1200-Reihe aufbaut und in erster Linie für Forschungs- und Pionierarbeiten eingesetzt wird. 2 Der Prototyp IATS2 Der Lehrstuhl für Geodäsie der TU München konnte Ende 2007 ein Instrument dieser Prototypen-Serie erwerben. Abb. 2: Der Prototyp IATS2 262 AVN 7/2009

Die Hauptmittel entstammen der Förderung durch das BMBF im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojekts alpEWAS Development and Testing of an Integrative 3D Early Warning System for Alpine Instable Slopes, in dessen Rahmen ein erster Einsatz geplant ist. Basisinstrument ist ein TCRA1201þ R1000 mit einer Richtungsgenauigkeit von 1 00 (0,3 mgon) und einer Genauigkeit der reflektorlosen Distanzmessung von 2mmþ 2 ppm bis 500 m (Abb. 2) [LEICA 07]. Das Okular und die Strichkreuzplatte sind ersetzt durch einen 1/2 Zoll CMOS-Farbchip mit einer Auflösung von 2560 1920 Pixel bei 2,2 lm Pixelgröße. Die Fokussierlinse des optischen Aufbaus wird beibehalten und der Fokussierring mit einem Servomotor gekoppelt, so dass wahlweise rechnergesteuerte oder manuelle Scharfstellung möglich ist. Alle weiteren bekannten Funktionalitäten des Basisinstrument (Applikationen, ATR, Lockmodus, ggf. PowerSearch usw.) bleiben davon unbeeinflusst erhalten. Die Kommunikation mit einem Steuerrechner erfolgt auf physikalisch getrennten Wegen: das Tachymeter wird über die GeoCOM-Schnittstelle angesprochen; die Kamera über einen USB2.0-Anschluss und der Fokusmotor über eine serielle Schnittstelle. Hier zeigt sich der noch experimentelle Status des Instruments: für Weiterentwicklungen ist die Kombination zu einer gemeinsamen Datenleitung Voraussetzung. Als vorteilhaft erweist sich jedoch, dass man auf sämtliche Teilsysteme unmittelbaren Zugriff hat und somit das Potential der bildgebenden Tachymetrie in beliebiger Anwendung selbst ausreizen und regeln kann. 2.1 Kalibrierung Grundvoraussetzung für den Einsatz bei präzisen ingenieurgeodätischen Anwendungen ist bei jedem Tachymeter eine korrekte Kalibrierung, insbesondere hinsichtlich der Achsfehler. Bei einem Videotachymeter erweitert sich die Kalibrierung auch auf Anteile der inneren und äußeren Orientierung der angebrachten Kamera. Da es über kein festes Fadenkreuz mehr verfügt, ist dieses im Bild geeignet festzulegen, wobei gewöhnlich die Chipmitte als Referenzpunkt gewählt wird. Durch die Bewegung der Fokussierlinse verändert sich jedoch der Bildhauptpunkt um mehrere Pixel in Reihen- und Spaltenrichtung, was bei einem festen Bezugspunkt unmittelbar einen deutlichen P. Wasmeier Videotachymetrie Sensorfusion mit Potenzial Abb. 3: Achsfehler in Abhängigkeit von der Fokussierung fokussierungsabhängigen Zielachs- und Höhenindexfehler bewirkt. Da auch die Kamerakonstante und damit der Abbildungsmaßstab im Bild von der Stellung der Zwischenlinse abhängt, ist eine Kalibrierung an mehreren Stützstellen des Fokussierbereichs notwendig. Diese basiert auf dem Prinzip des Virtuellen Passpunktfelds nach [HUANG u. HARLEY 89]. Ein einzelner Passpunkt kann dabei, je nach Ausrichtung der Kamera, an verschiedenen Positionen der Bildebene abgebildet werden. Da die Positionierungsänderungen der Kamera über die Teilkreise des Tachymeters eindeutig bestimmt werden können, ist es möglich, ein beliebig dichtes Abbildungsraster zu generieren. Die notwendige Tiefe des virtuellen Passpunktfeldes kann erreicht werden, indem mehrere Einzelpunkte unterschiedlicher Entfernung innerhalb des Schärfentiefebereichs gescannt werden. Neben den Parametern der inneren Orientierung können so die Kameraverdrehung gegenüber der Aufnahmerichtung, die Verzeichnungsparameter des Aufnahmesystems, sowie Zielachs-, Kippachs- und Höhenindexfehler (vgl. Abb. 3) für die gewählten Stützstellen bestimmt werden. Die Kalibrierung ist weitgehend automatisierbar, aufgrund der hohen Stützstellenzahl, insbesondere bei den großen Linsenwegen für kleine Distanzänderungen im Nahbereich, aber sehr zeitintensiv. Resultat der Kalibrierung ist die Zuordnung der Horizontal- und Zenitrichtung für ein beliebiges Bildpixel bei gegebenen Teilkreisablesungen und Fokussierlinsenstellung ðHz; VÞ ¼f ðx; y; F; HzT; VTÞ Abb. 4: ATR-Korrekturkurven AVN 7/2009 263

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